Familiennamenatlas der Deutschschweiz (FDS). Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete
Band III: Lexik und Benennungsmotive
0904
2026
978-3-381-15082-3
978-3-381-15081-6
A. Francke Verlag
Luise Kempf
10.24053/9783381150823
CC BY-SA 4.0https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Der dreibändige Atlas bietet erstmals eine umfassende Darstellung und Analyse der vielfältigen Deutschschweizer Familiennamen. In 110 thematischen Artikeln untersucht er systematisch Grammatik, Lexik und Benennungsmotive und bringt dabei Sprache und Kultur des Mittelalters wie auch der Frühen Neuzeit ans Licht. Er zeigt, wie sich Familiennamen zwischen Dialekt und Standard bewegen, eigene Strukturen entwickeln und so einzigartige Einblicke in die Sprachgeschichte eröffnen. Ein innovatives Kartierungsverfahren rekonstruiert Namenareale über mehrere Zeitstufen und macht Stabilität wie auch Migration sichtbar. Neben den deutschsprachigen Namen werden in Auswahl französische, italienische und rätoromanische Namen einbezogen. Dadurch treten sowohl die für die Schweiz charakteristischen Sprachkontaktphänomene als auch die Spezifika der deutschsprachigen Namen deutlich hervor. Mit über 500 kommentierten Karten ist der Atlas ein Referenzwerk für Fachpersonen der Bereiche Germanistik, Romanistik, Linguistik, Dialektologie, Sprachgeschichte, Namenforschung und Schweizer Geschichte.
Der vorliegende Band III gilt Themen der Semantik, Lexik und Benennungsmotivik. Behandelt werden Familiennamen aus Rufnamen, Herkunftsnamen, Wohnstättennamen, Berufsnamen und Übernamen. Die Bände I und II widmen sich den Themenbereichen Graphie und Phonologie respektive Morphologie und Syntax.
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung10.13039/5011000017119783381150823/9783381150823.pdf
<?page no="0"?> ISBN 978-3-381-15081-6 Der dreibändige Atlas bietet erstmals eine umfassende Darstellung und Analyse der vielfältigen Deutschschweizer Familiennamen. In 110 thematischen Artikeln untersucht er systematisch Grammatik, Lexik und Benennungsmotive und bringt dabei Sprache und Kultur des Mittelalters wie auch der Frühen Neuzeit ans Licht. Er zeigt, wie sich Familiennamen zwischen Dialekt und Standard bewegen, eigene Strukturen entwickeln und so einzigartige Einblicke in die Sprachgeschichte eröffnen. Ein innovatives Kartierungsverfahren rekonstruiert Namenareale über mehrere Zeitstufen und macht Stabilität wie auch Migration sichtbar. Neben den deutschsprachigen Namen werden in Auswahl französische, italienische und rätoromanische Namen einbezogen. Dadurch treten sowohl die für die Schweiz charakteristischen Sprachkontaktphänomene als auch die Spezifika der deutschsprachigen Namen deutlich hervor. Mit über 500 kommentierten Karten ist der Atlas ein Referenzwerk für Fachpersonen der Bereiche Germanistik, Romanistik, Linguistik, Dialektologie, Sprachgeschichte, Namenforschung und Schweizer Geschichte. Der vorliegende Band III gilt Themen der Semantik, Lexik und Benennungsmotivik. Behandelt werden Familiennamen aus Rufnamen, Herkunftsnamen, Wohnstättennamen, Berufsnamen und Übernamen. Die Bände I und II widmen sich den Themenbereichen Graphie und Phonologie respektive Morphologie und Syntax. Kempf (Hrsg.) Bd. III FAMILIENNAMENATLAS DER DEUTSCHSCHWEIZ Luise Kempf (Hrsg.) FAMILIENNAMENATLAS DER DEUTSCHSCHWEIZ Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete Band III: Lexik und Benennungsmotive Bearbeitet von Luise Kempf, Simone Berchtold, Linda Steiner, Esther Loosli, Martina Heer und Selma Vonlanthen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="1"?> Luise Kempf (Hrsg.) Familiennamenatlas der Deutschschweiz (FDS) Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete Band III: Lexik und Benennungsmotive Bearbeitet von Luise Kempf, Simone Berchtold, Linda Steiner, Esther Loosli, Martina Heer und Selma Vonlanthen Unter Mitwirkung von Lara Schaub Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="2"?> Umschlagabbildung: Kartenausschnitt Emmental (Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo) Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Prof. Dr. Luise Kempf Universität Bern Institut für Germanistik Länggassstrasse 49 CH-3012 Bern luise.kempf@unibe.ch https: / / orcid.org/ 0000-0001-9594-2997 Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Projekt 204495). Die im Rahmen dieses Bandes veröffentlichten Karten sind als Datenpublikation im BORIS-Portal zugänglich: https: / / doi.org/ 10.48620/ 96073. Detaillierte Metadaten sowie Informationen zu Lizenzierung und Nachnutzung sind dort hinterlegt. Der Quellcode für das Kartierungsprogramm des FDS soll auf GitHub unter folgender URL bereitgestellt werden: https: / / github.com/ tivano-software/ fds-cartography. DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381150823 © 2026 · Luise Kempf Das Werk ist eine Open-Access-Publikation. Es wird unter der Creative-Commons-Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA 4.0 (https: / / creativecommons.org/ licenses/ by-sa/ 4.0/ ) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, solange Sie die/ den ursprünglichen Autor: innen und die Quelle ordentlich nennen, einen Link zur Creative-Commons- Lizenz anfügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Werk enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative-Commons-Lizenz, sofern sich aus der am Material vermerkten Legende nichts anderes ergibt. In diesen Fällen ist für die oben genannten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einf luss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Internet: www.narr.de | eMail: info@narr.de Druck: Elanders Waiblingen GmbH Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach ISBN 978-3-381-15081-6 (Print) ISBN 978-3-381-15082-3 (ePDF) ISBN 978-3-381-15083-0 (ePub) Verfügbar im Bundle mit den Bänden I und II unter ISBN 978-3-381-14511-9 (Print) und ISBN 978-3-381-14512-6 (ePDF). Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="3"?> Inhalt A Kurzeinleitung zu Band III . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 627 B Lexik und Benennungsmotive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 641 1 Familiennamen aus Rufnamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 643 1.1 Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni . . . . . . . 643 1.2 Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut . . . . . . . . . 650 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod . . . . . . . 655 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 663 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen 674 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus . 682 1.7 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Martīnus 691 1.8 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Christiānus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 696 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes 701 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 709 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 718 1.12 Metronyme: Häufige Fälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 727 2 Herkunftsnamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 739 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen . . . . . . . . . . 739 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 750 2.3 Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen . . . . . . 758 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 764 3 Wohnstättennamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 773 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 773 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 791 3.3 Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 802 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation . . . . . . . . . . . . . 809 3.5 Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit . . . 823 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 829 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 839 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen . . . . . . . . . 851 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen . . . . . . . . . . . . . . . . 866 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 880 4 Berufsnamen und Berufsübernamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 889 4.1 Berufs(über)namen zum Nahrungsmittelgewerbe . . . . . 889 4.2 Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe . . . . . . . . . . . . 895 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . 901 4.4 Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei . . . . . . . . . . . 914 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung . . . . . . . . . . . 919 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 928 4.7 Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung . . . . . . . . . . . . 938 4.8 Berufs(über)namen zum heilkundlichen Gewerbe . . . . . 945 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 948 4.10 Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kauf leute und Händler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 960 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe . . . . . . 965 5 Übernamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 973 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 973 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 984 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 993 5.4 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1015 5.5 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1020 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 1024 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen . . . . . . . . . . . . . 1035 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1043 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1052 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1062 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände . . . . . . . . 1073 Familiennamenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1073 Register der Fachausdrücke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1108 Historisches Sachregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1110 Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1112 Kartenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1113 Kurzbiographien der Autorinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1121 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="4"?> Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="5"?> A Kurzeinleitung zu Band III 1 Aufbau der Kurzeinleitung Diese Benutzungshinweise geben die wichtigsten Informationen zum Aufbau des Atlas bzw. der Artikel (Abschnitt 2), zur Datengrundlage (Abschnitt 3) und Kartierung (Abschnitt 4) sowie zu den Schreibkonventionen (Abschnitt 5) und Abkürzungen (Abschnitt 6) wieder und dienen als Lesehilfe für die Artikel des vorliegenden Bandes. Eine ausführlichere Behandlung der genannten Aspekte bietet die I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» im ersten Band, die darüber hinaus die Entstehung und Grundkonzeption des FDS beschreibt, einen historischen Abriss der Familiennamenentstehung enthält und zentrale Begriffe klärt. 2 Atlas: Aufbau, Artikel und Autorschaft Aufbau des Atlas: Der FDS ist in drei Bände unterteilt, die je spezifische Themenbereiche in den Blick nehmen. Während der erste Band der Graphie und Phonologie gilt und der zweite Band zu Morphologie und Syntax ebenfalls grammatische Themen behandelt, widmet sich der vorliegende dritte Band der Lexik und den Benennungsmotiven. Die Kapitelgliederung folgt auf oberster Ebene der Einteilung in fünf Benennungsmotive, die in der deutschsprachigen und sonstigen (mittel-)europäischen Familiennamenforschung gängig ist: FamN aus Ruf N, HerkunftsN, WohnstättenN, BerufsN (inklusive BerufsüberN) und ÜberN. Diese lassen sich mit van Langendonck (2007: 281) den Bereichen origin vs. characterization zuteilen: Ersteres umfasst neben Herkunfts- und WohnstättenN auch FamN nach einem Ruf N (meistens nach dem des Vaters) und benennt eine Person nach etwas (Ort/ Person), wozu sie gehört; zweiteres vereint Berufs(über)N sowie ÜberN und benennt eine Person nach etwas, das zu ihr gehört. Tabelle 295 zeigt die fünf Benennungsmotive und führt zu jedem die grundlegendsten Subklassifizierungen mit Beispielen aus der Datenschicht «vor 1800» auf. 1 Detailliertere Erläuterungen zu den Benennungsmotiven finden sich in Abschnitt 7.1 der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Benennungsmotiv Untergruppen und Beispiele aus der Datenschicht «vor 1800» FamN aus Ruf N Patronyme: Karlen ← Karl, Tschannen ← Jean Metronyme: Barben ← Barbara, Frehner ← Verena HerkunftsN Siedlung: Zürcher, Solothurnmann Land/ Provinz: Toggenburger, Elsässer Volk/ Stamm: Bayer, Hess WohnstättenN Naturräumliche Merkmale: Bachmann, Bühler zu mhd. bühel, büel ‘Hügel’ Kulturräumliche Merkmale: Zumthor, Hofstätter zu Hofstatt, Hofstätte ‘ländliches Heimwesen mit Umschwung’ BerufsN Direkte BerufsN: Schmid, Fischer, Brodbeck Nach Ämtern: Messmer ‘Kirchendiener’, Burgermeister Lokalisierte BerufsN: Haslimeier ‘Gutsverwalter/ Grossbauer am Haselgehölz’ Indirekte BerufsN (BerufsüberN): Schwyn ‘Schweinehirt, -züchter, -händler’, Hämmerli ‘Schmied u. ä.’ ÜberN Körperliche Merkmale: Wyssen zu weiss, Dirren zu dürr, Feissli zu mhd. veiz ‘beleibt, wohlgenährt’ Wesensart/ Verhalten: Wohlgemuth, Häderli zu mhd. hader ‘Streit, Zank’ Biographische/ soziale Merkmale: Findling, Schwestermann Tabelle 295: Die fünf Benennungsmotive mit Untergruppen Freilich lassen sich nicht alle FamN der Deutschschweiz einem einzigen Benennungsmotiv zuordnen, sodass insgesamt Bedeutungskonkurrenzen und Mehrfachkategorisierungen nicht ausgeschlossen werden können. Überschneidungen zeigen sich bspw. bei Wohnstätten- und BerufsN: So ist etwa bei Bleichmann oder Bruggmann das Motiv desjenigen, der bei der Bleiche wohnt und diese betreibt oder bei der Brücke wohnt und diese bewacht, durch die häufige Einheit von Wohnen und Arbeiten schwer zu trennen. Empirisch ist auch die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN oft schwierig, da die Namen auf den gleichen Etyma basieren können. Bspw. lässt sich Steiner entweder als WohnstättenN zu einem FlurN Stein(en) oder aber als HerkunftsN zu Stein am Rhein bzw. einem 1 In der Tabelle sind typische und anschauliche Beispiele für die (Unter-)Gruppen der Benennungsmotive zusammengestellt. Bei den meisten Namen kämen auch gewisse Bedeutungskonkurrenzen infrage, bspw. könnte sich Zürcher neben der Stadt Zürich auch auf das Herrschaftsgebiet beziehen. Solche Konkurrenzen werden hier ausgespart, in den Artikeln jedoch i. d. R. behandelt. Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="6"?> ähnlichen SiedlungsN deuten. Die Artikel in den Kapiteln III-2 «Herkunftsnamen» und III-3 «Wohnstättennamen» sind daher v. a. lexikalisch ausgerichtet und im Verbund zu betrachten. 2 Theoretisch und von der Motivation her gesehen ist die Unterscheidung dieser beiden Benennungsmotive aber bedeutsam, da WohnstättenN die Ansässigen, HerkunftsN hingegen die Zugewanderten bezeichnen. Am Ende dieses Bandes findet sich ein Familiennamenregister mit allen FamN, die in den Grammatik-Bänden und/ oder im vorliegenden Lexik-Band entweder kartiert oder im Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz» (s. u.) genannt werden. Danach folgen ein Register der Fachausdrücke und ein historisches Sachregister, in denen die Schlagwörter (s. u.) aller FDS-Artikel alphabetisch gelistet sind. Das Registerkapitel wird vervollständigt mit einem Abbildungs- und einem Kartenverzeichnis aller drei Bände. Konstitution und Selektion der Themen: Der vorliegende dritte Band soll offenlegen, welche lexikalischen, semantischen und benennungsmotivischen Eigenschaften im Familiennamenbestand der Deutschschweiz figurieren. Aufgrund der (germanistisch-)linguistischen Perspektive des Projekts liegt der dezidierte Fokus auf den alteingesessenen deutschsprachigen FamN der Schweiz. Zu jedem der fünf Benennungsmotive werden die ergiebigsten und relevantesten Themen behandelt. Die Artikeleinteilung richtet sich bei den Patronymen und Metronymen nach den zugrunde liegenden Ruf N, bei den anderen Benennungsmotiven v. a. nach motivisch-semantischen Kategorien. Dies wird im Folgenden genauer erläutert. Die Gruppe der Patronyme und Metronyme unterscheidet sich in semiotischer Hinsicht von den anderen Benennungsmotiven. Bei diesem Benennungsmotiv lässt sich keine semantische Bündelung vornehmen, denn die zugrunde liegenden Ruf N tragen als EigenN keine (zum Zeitpunkt der Familiennamenbildung aktuelle) lexikalisch-semantische Bedeutung. Wohl aber leisten sie eine Bezugnahme (Referenz) auf eine Person und verfügen über eine etymologische Herkunft. Wir untergliedern zunächst nach der Referenz des zugrunde liegenden Ruf N auf eine weibliche oder männliche Person. Die Metronyme (z. B. Elsener) konnten vollständig abgedeckt werden, wobei diejenigen zu den am häufigsten figurierenden Ruf N zusätzlich auch separat dargestellt werden. 3 Bei Patronymen unterteilen wir nach dem etymologischen Gesichtspunkt der germanischen vs. nicht-germanischen Herkunft des zugrunde liegenden Ruf N (z. B. Hermann vs. z. B. Matthis). Da Patronyme dasjenige Benennungsmotiv mit den meisten verschiedenen FamN darstellen, können in beiden Untergruppen nur die häufigsten FamN (und deren Varianten) behandelt werden. Seltener vorkommende Patronyme müssen damit leider aussen vor bleiben. Bei den übrigen Benennungsmotiven (HerkunftsN, WohnstättenN, Berufs(über)N, ÜberN) richtet sich die Artikeleinteilung i. d. R. nach motivisch-semantischen Kategorien, seltener nach lexikalischen (d. h. nach zugrunde liegendem Lexem, s. u.). Um die Einteilungskategorien festzulegen, haben wir uns sowohl an der Forschungsliteratur als auch am vorliegenden Namenmaterial orientiert. Das gesamte Material der frühesten Datenschicht «vor 1800» (s. u.) wurde einer Vorsondierung unterzogen. 4 Dabei wurden jeweils alle FamN eines Benennungsmotivs daraufhin durchgesehen, ob die aus der Literatur erwartbaren Kategorien vertreten sind und ob weitere Kategorien und Unterkategorien aus dem Material erwachsen. Daraus ergab sich, welche Themen eigene Artikel rechtfertigen und welche mit anderen kombiniert oder ganz verworfen werden müssen. Bspw. erwies sich bei den ÜberN die Kategorie ‘Faulheit/ Trägheit’ (vgl. Kohlheim 1996: 1255) mit nur wenigen FamN wie Lemp(en) zu schwzdt. Lämp ‘arbeitsscheuer Mensch’ u. ä. als nicht ertragreich, sodass nur allgemeinere bzw. ergiebigere Kategorien behandelt werden. 5 Unter den körperlichen Merkmalen hingegen treten rund 60 (! ) verschiedene FamN zum Gang einer Person auf, etwa Deppeler, Stämpfli und Wenk, sodass dieses Thema priorisiert - d. h. in drei dedizierten Karten im Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang» behandelt - wird. FamN, die für mehrere Motivgruppen innerhalb eines Benennungsmotivs (z. B. Zumthurm als WohnstättenN nach einem hohen, schlanken Gebäude oder nach einer entsprechenden Felsformation) und/ oder für mehrere Benennungsmotive (z. B. Thormann als WohnstättenN für den am Stadttor Wohnhaften oder als BerufsN für den Torwächter) einschlägig sind, wurden teilweise in verschiedenen Artikeln behandelt. Das mehrfache Einbeziehen von FamN führt insofern nicht zu Dopplungen in der Kartierung, als in den Karten meistens grössere Namensamples dargestellt sind. Ähnlich wie bei Berufs(über)-, Über- und WohnstättenN teilen wir die Artikel auch bei den HerkunftsN prinzipiell nach motivischsemantischen Kriterien ein. Zwar liegen hier (wie bei Patronymen/ Metronymen) i. d. R. EigenN zugrunde, die als solche meist keine aktuelle Bedeutung mehr aufweisen (z. B. Zürich); allerdings lassen sich HerkunftsN motivisch danach kategorisieren, ob das Bezugsobjekt eine Siedlung (z. B. Zürcher), eine Landschaft (z. B. Toggenburger), einen Fluss (selten; z. B. Donauer), ein Gebirge (selten; z. B. Calonder zu Calanda, dem nordwestlich von Chur GR aufragenden Bergmassiv) oder einen Stamm bzw. eine Volksgruppe (z. B. Schwab) darstellt; sowie ferner danach, ob das Bezugsobjekt im helvetischen Kulturraum zu lokalisieren ist oder anderswo. Bei der aussergewöhnlich reichhaltigen Kategorie der Schweizer SiedlungsN hat sich allerdings auch einmal die Einteilung nach lexikalischem Prinzip angeboten, indem ein Artikel häufige Endungen wie -ighofen und -hausen behandelt. 6 2 Für die Zuordnung der FamN, die sich sowohl auf die Wohnstätte als auch auf die Herkunft einer Person beziehen können, vgl. auch die Ausführungen in den Artikeln III-2.1 «Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen» und III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 3 Vgl. die Artikel III-1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung» und III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle». 4 Die Vorsondierung bezieht deshalb nur FamN aus der Datenschicht «vor 1800» ein, weil der Fokus des Projekts auf alteingesessenen (deutsch-)schweizerischen FamN liegt. In der Datenschicht des 19. Jh. kommen nur wenige FamN als solche infrage (vgl. Abschnitt 4.1 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»); diese wurden punktuell in den Grammatik-Bänden einbezogen, jedoch hier in der Vorsondierung nicht berücksichtigt, da sie (noch) nicht in die etymologische Datenbank (die Berchtold/ Graf i. V. zugrunde liegt) integriert sind, an der sich die Vorsondierung orientiert. 5 Vgl. die Artikel III-5.4 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität», III-5.5 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten» sowie III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 6 Vgl. Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 628 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="7"?> Die beschriebene motivisch-semantische Themeneinteilung ist nicht deckungsgleich mit lexikalischen Kategorien (Lexemgruppen), doch treten gewisse systematische Korrelationen auf: Oftmals involviert eine motivisch-semantische Kategorie mehrere Lexemgruppen. So speisen sich BerufsN zum Motiv des Bäckerberufs aus Lexemen, die entsprechende Personenbezeichnungen darstellen, wie etwa Pfister, Beck, Brodmann; hinzu kommen aber durch BerufsüberN wie Küchli, Brodt oder Leisebach (zu schwzdt. līsbache(n) ‘schwach gebacken’) noch weitere Lexemgruppen (hier Gegenstandsbezeichnungen sowie ein Adjektiv, vgl. Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe»). Ähnlich liegen bei WohnstättenN nach dem Motiv der Vegetation bestimmte Lexemgruppen zugrunde, insbesondere (diminuierte) Bezeichnungen von Gewächsen sowie aus ihnen abgeleitete Personenbezeichnungen (oder PersonenN): Büchi, Eichi, Rietli - Buchmann, Eichmann, Rietmann (vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation»). In einzelnen Fällen erwies es sich als sinnvoll, die Artikeleinteilung an bestimmten Lexemgruppen auszurichten. Dies gilt v. a. für die Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» sowie III-5.7 «Übernamen nach Standesbezeichnungen». Hier wurde von Lexemgruppen wie Bär, Fuchs, Wolf usw. bzw. Graf , Herzog, König usw. ausgegangen. Der Grund dafür ist, dass die Motivik bei diesen Namen i. d. R. sehr vielfältig ist und sich nicht mehr im Einzelnen herausarbeiten lässt: War jemand schlau wie ein Fuchs, glich er ihm an Haarfarbe oder jagte er dieses Tier? Stand jemand im Dienst eines Königs, verhielt er sich wie einer oder hatte er im Volksschauspiel diese Rolle angenommen (vgl. DFD 2025: s. v. König)? Zugleich sind die FamN beider Kategorien (Tiersowie Standesbezeichnungen) nach Types und nach Tokens so frequent, dass sie als auffälliges Muster im Deutschschweizer Familiennamenbestand erscheinen und es daher der Sache nicht gerecht würde, die zugehörigen FamN nach (mutmasslichen) Motiven auseinanderzuklauben, anstatt sie als ganze Gruppe zu behandeln. 7 Ein mehrfacher Einbezug der betreffenden FamN - z. B. Fuchs, Füchslin sowohl unter dem motivisch-semantischen Zugriff nach körperlichen Merkmalen als auch unter dem lexikalischen Zugriff nach Tierbezeichnungen - ist davon unbenommen. Beide Zugriffsweisen kommen durch den vorliegenden Band hindurch immer wieder vor. Auch in einem prinzipiell motivisch-semantisch ausgerichteten Artikel können sich einzelne Karten nach (den relevantesten) Lexemen richten und umgekehrt. Den Fällen von mehrfach einbezogenen FamN stehen solche FamN gegenüber, die an keiner Stelle in diesem Band inkludiert sind. Dies sind einerseits etliche seltenere FamN aus dem Benennungsmotiv der Patronyme, da diese Gruppe als Ganze zu umfangreich ist, um vollständig behandelt zu werden (s. o.). Andererseits bleiben solche FamN aussen vor, für die zum Zeitpunkt der Bearbeitung keine etymologische Deutung in Berchtold/ Graf (i. V.) resp. in sonstigen relevanten Nachschlagewerken vorlag (z. B. Mengisen, vor 1800 in Bettlach SO) oder die hinsichtlich Frequenz und Motivgruppe sehr selten sind. Die konkrete Umsetzung der ausgewählten Themen inklusive der Entscheidung, welche FamN (miteinander) kartiert und welche ausgeschlossen werden, lag jeweils im Ermessen der Autorinnen. Aufbau der Artikel: Da der Atlas aus einem linguistischen Projekt zu FamN hervorgeht, können die Artikel dieses Bandes nicht ausführlich auf die historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte eingehen, die zur Entstehung der FamN (wie z. B. Zehnder zu mhd. zëhendenære, zëhentnære, zëhendære ‘Zehntpf lichtiger, Zehnteinnehmer’) geführt haben. Auch die Untersuchung der Toponyme, die in FamN der Deutschschweiz fest geworden sind - insbesondere der opaken (z. B. Basler zum StadtN Basel ) -, stellt ein eigenes Forschungsfeld dar, dessen Ergebnisse hier nur summarisch berücksichtigt werden können. An allgemeinen Quellen zu historischen Verhältnissen wurden insbesondere das e-HLS (o. J.) und das LexMA (1977-1999) herangezogen, für BerufsN auch Reith (1991) und Ebner (2015). Das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die dort aufgeführten regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz sowie das FLNB I (1999) wurden für die Artikel zu den Wohnstätten- und HerkunftsN konsultiert. Eine tiefergehende Recherche in Originalquellen (etwa mittelalterliche Zunftordnungen) oder eine differenzierte Diskussion einschlägiger Einzelstudien kann im Rahmen des FDS nicht erbracht werden, stellt aber eine Vertiefungsmöglichkeit für die zukünftige Forschung dar. So bieten die hier kartierten FamN Grundlagen, Daten und Anknüpfungspunkte für viele mögliche siedlungs- und kulturgeschichtliche Fragestellungen. Die Artikel zu Patronymen und Metronymen folgen einem umfangreicheren Aufbau, der demjenigen der Grammatik-Artikel entspricht. Der Grund dafür liegt im oben beschriebenen etymologischen Zugriff sowie dem Potenzial, über die zugrunde liegenden Ruf N grammatische Aussagen zu treffen; behandelt werden bspw. die Themen Kompositionsstruktur, Diminution, Betonungsmuster, Aphärese und Apokope. Der Artikelaufbau gestaltet sich wie folgt (vgl. Abschnitt 3.1 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»): Der Kontextualisierung und Beschreibung des jeweiligen Themas dienen die ersten beiden Abschnitte «Schlagwörter» sowie «Gegenstand und Fragestellung», bevor mit den Abschnitten «Erste Karte» (ggf. «Zweite Karte» usw.) und «Ergebnisse» die Kartenbilder in den Fokus rücken. Erweitert werden die Artikel mit «Ergänzungen und Vergleichsfällen» sowie fakultativ mit einem «Ausblick», danach folgen die «Datenquellen» und die verwendete «Literatur». Die Artikel zu den Herkunfts-, Wohnstätten-, Berufs(über)- und ÜberN folgen einem etwas schlankeren Aufbau und haben eher dokumentierenden als untersuchenden Charakter. Wir können zwar motivisch-semantische Einteilungen vornehmen und damit das vorliegende Material aufbereiten, jedoch aus den oben genannten Gründen nicht ausführlich auf die lebensweltlichen und historischen Umstände eingehen. Die in den FamN dieser Benennungsmotive transportierte Grammatik wurde bereits in den ersten beiden Bänden adressiert und steht hier nicht im Fokus. Daher ist eine verschlankte Artikelstruktur angemessen. Wir verzichten auf den Abschnitt «Hintergrund» (der in den Grammatik-Bänden sowie bei den Artikeln zu FamN aus Ruf N eine grammatische Einordnung bietet) sowie auf den Abschnitt «Ergebnisse» (der in den Grammatik-Bänden sowie bei den Artikeln zu FamN aus Ruf N die empirischen Befunde an grammatikbezogene Ausgangsfragen rückbindet). Auch auf eine systematische Erläuterung der Relevanz eines Artikelthemas kann verzichtet werden: Wie oben erklärt, wurden die Themen in der jeweiligen Vorsondierung aller Namen eines Benennungsmotivs literatur- und datenbasiert erarbeitet. Die Relevanz der Artikelthemen ergibt sich somit automatisch durch ausreichend vorhandene zugehörige 7 Ausführlichere Überlegungen zum Problem der Einteilung bei ÜberN, die letztlich ebenfalls in der Einteilung nach sogenannten «Vergleichsobjekten» (d. h. u. a. Tier- und Standesbezeichungen) münden, finden sich im RNB 3 (1986: 24-25). 2 Atlas: Aufbau, Artikel und Autorschaft 629 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="8"?> Namen und muss daher nicht in jedem Artikel eigens erläutert werden; dennoch stand es den Autorinnen frei, Details bezüglich der Themenrelevanz anzugeben, wo sich dies anbot. Durch diese schlankere Struktur stehen die Kartenbilder und die in ihnen gezeigten motivisch-semantischen bzw. lexikalischen Befunde noch stärker im Vordergrund. Bei ersterer Kartierungsweise nennen wir das motivisch-semantische Konzept in der Kartenlegende jeweils in recte; z. B. findet sich bei den ÜberN das Konzept Körpergrösse (mit den Ausprägungen «gross», «klein»). Bei der lexembezogenen Kartierungsweise führen die Kartenlegenden die kartierten Namengruppen nach dem Schema «Typ + Lexem» auf (z. B. «Typ Büel» für alle WohnstättenN, die auf dem Lexem schwzdt. Büel ‘Anhöhe, Hügel, kleine oder mittelgrosse Bodenerhebung’ bzw. auf einem daraus hervorgegangenen Toponym basieren). Dabei wird jeweils eine morphologisch vereinfachte und teils abstrahierte Lexemform gewählt (z. B. steht Büel in «Typ Büel» stellvertretend für alle Varianten, inklusive Bühel, Biel usw.). Damit weicht der Gebrauch von «Typ X » etwas von demjenigen in den beiden Grammatik-Bänden ab: Dort steht «X » für den häufigsten FamN (z. B. «Typ Schmid») bzw. für das entscheidende sprachliche Merkmal (z. B. «Typ -er» vs. «Typ -ler»). Wie die einzelnen Textblöcke bzw. Kartenkomplexe konkret realisiert wurden und welche Schwerpunkte die Artikel setzen, wurde jeweils durch die bearbeitenden Autorinnen festgelegt. Für Ausführungen zur Autorschaft und zu den Redaktionsschritten vgl. Abschnitt 3.5 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 3 Datengrundlage Unserem Atlas liegt eine f lächendeckende (landesweite) digitale Datenbasis zugrunde, die zudem über eine diachrone Tiefe verfügt. So enthält die Datenbank des projekteigenen Kartierungsprogramms (s. u.) sowohl eine historische Aufstellung von Schweizer FamN, die dem «Familiennamenbuch der Schweiz» (kurz «FNB») entnommen und in drei Zeitschichten unterteilt ist (vgl. FNB 1989), als auch rezente Familiennamendaten des Bundesamts für Statistik (kurz «BFS») aus dem Jahr 2020. Dank eines Kooperationsabkommens steht dem FDS-Redaktionsteam zudem die etymologische Datenbank, die dem Projekt «Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon» (Berchtold/ Graf i. V., vorgestellt in Graf 2019) zugrunde liegt, zur Verfügung. Sie enthält philologische Informationen zu den «alteingesessenen» 8 deutsch- und rätoromanischsprachigen FamN und wird laufend überarbeitet/ erweitert. Historische Datenschichten: Wie in Abschnitt 4.1 der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» ausführlicher dargelegt und begründet wird, basieren die Kartenbilder des FDS i. d. R. auf historischen Familiennamendaten. Diese entstammen der dritten, jüngsten Auf lage des FNB (1989) und sind im Internet frei zugänglich (vgl. e-FNB 1989). In Übereinstimmung mit dem FNB (1989) unterteilen wir die historischen Schweizer FamN in die drei Zeitschichten a. vor 1800, b. 1800-1900 und c. 1901-1962, die in den Artikeln auch als «vor 1800», «19. Jh.» und «20. Jh.» bezeichnet werden. Zusätzlich arbeitet der FDS mit der Sonderschicht «Herkunft»: Sie beruht ebenfalls auf FNB-Daten und umfasst, sofern vorhanden, die Angaben zum «Herkunftsort» der Zeitschichten a und b, jedoch nur dann, wenn dieselbe Kombination aus FamN und Ort nicht schon in der a-Schicht vorhanden ist. Zusammen mit den Daten der a-Schicht soll die Schicht «Herkunft» somit ermöglichen, die früheste Distribution der Namen zu erfassen. Der Einschluss der «Herkunftsorte» zu b-Schicht-Namen bezweckt, dass auch solche b- Schicht-Namen erfasst werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu den alten autochthonen Deutschschweizer FamN zählen, aber aufgrund fehlenden Bürgerrechts nicht in der a-Schicht aufgeführt sind. Eine Übersicht über diese vier historischen Datenschichten bietet Tabelle 296; für eine detailliertere Beschreibung inklusive Datenkritik sei auf die I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» verwiesen. Rezente Datenschichten: Ergänzend zu den vier historischen Datenschichten enthält die Datenbank des projekteigenen Kartierungsprogramms sämtliche FamN der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz (Stand 31.12.2020). Die Daten wurden im Rahmen der offiziellen Bevölkerungsstatistik (STATPOP 2020) erhoben und uns vom BFS unter hohen Sicherheitsauf lagen zur Verfügung gestellt. In einem Vertrag über die Nutzung der Daten wurde zur Gewährleistung des Datenschutzes festgelegt, dass keine Ergebnisse veröffentlicht werden, die auf weniger als fünf Beobachtungen beruhen. Die rezenten Familiennamendaten sind in drei Datenschichten unterteilt: Die Schichten «2020» und «2020 Heimatorte» umfassen ausschliesslich die FamN von Schweizer Staatsbürger: innen, wobei erstere den Wohnort und zweitere den Heimatort der Namenträger: innen für die Lokalisierung im Raum heranzieht. 9 Die dritte Schicht «2020 nicht- CH» besteht aus den FamN aller dauerhaft in der Schweiz lebenden Personen ohne Schweizer Staatsbürgerschaft und verwendet deren Wohnort als relevante Ortsinformation. Eine Übersicht über diese drei rezenten Datenschichten bietet Tabelle 297; für eine detailliertere Beschreibung inklusive Datenkritik sei auf die I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» verwiesen. Etymologische Datenbank: Die dem Lexikon Berchtold/ Graf (i. V.) zugrunde liegende etymologische Datenbank schliesst alle 15'417 FamN der FNB-a-Schicht ein und ordnet sie einer bzw. bei hybriden FamN mehreren Sprachen zu. Alle als deutschund/ oder rätoromanischsprachig kategorisierten Namen sind etymologisiert und sofern möglich einem Benennungsmotiv zugewiesen resp. als motivisch oder etymologisch ambig gekennzeichnet. Die Kategorisierungen wie auch die etymologischen Beschreibungen unterliegen laufender Überarbeitung, was in den Artikeln durch die Angabe des Abfragedatums Berücksichtigung findet. In den Artikeln werden für 8 Gemeint sind damit die FamN der ältesten Datenschicht «vor 1800» des FNB (1989). 9 Der Begriff Heimatort meint im Schweizer Kontext die «Gemeinde, in der ein Schweizer bzw. eine Schweizerin das Bürgerrecht besitzt» (Ammon/ Bickel/ Lenz 2016: 325). Es handelt sich hier also um die gleiche Art von Ortsinformation, wie sie auch in den historischen Datenschichten vorliegt. Der Heimatort entspricht heute allerdings nicht mehr zwingend dem Geburtsort und/ oder dem Wohnort, sondern lässt sich eher als die Gemeinde der Vorfahren beschreiben, und wird genauso vererbt wie der FamN (früher durch den Vater, heute wahlweise durch einen Elternteil). 630 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="9"?> ausgewählte Namen des Samples jeweils etymologische Kurzangaben aufgeführt. Diese Kurzangaben werden beispielhaft bei besonders unbekannten, repräsentativen oder häufigen FamN gemacht. Aus Platzgründen können meist - besonders bei sehr grossen Samples - nicht alle FamN etymologisiert werden. Für vollständige Etymologien verweisen wir generell auf Berchtold/ Graf (i. V.) sowie zusätzlich auf familiennamen.ch (o. J.) und regionale Namenbücher der Schweiz, die in Abschnitt 2.1 der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» genannt werden. Für die Deutung der Schweizer Toponyme wird i. d. R. auf das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) zurückgegriffen. Datenschicht Eigenschaften Tokens = Datensatz Types = Anzahl verschiedener Namen FNB-a-Schicht = «vor 1800» Verzeichnet Bürgerrechte eines Namens an einem Ort, die schon vor 1800 existierten (ohne Einzelpersonen, ohne Anzahl Namenträger: innen, ohne vor 1962 abgegangene Namen) 48'152 15'417 Davon deutschsprachig: ca. 7'876 «Herkunft» (Quelle: FNB 1989, eigene Einschränkungen) Ergänzungsdatenschicht: Hier fassen wir die Angaben zu «Herkunftsorten» zusammen, die für a- und b-Schicht-Namen vorliegen, sofern die Kombination aus Ort und Name nicht schon in der a-Schicht vorkommt. 12'867 Davon Herkunft CH: 3'145 8'279 Davon Herkunft CH: 2'163 Davon neu gegenüber a-Schicht: 655 FNB-b-Schicht = «19. Jh.» Wie a-Schicht, doch nur zwischen 1800 und 1900 neu verzeichnete Bürgerrechte 29'229 12'544 Davon neu gegenüber a-Schicht, Herkunft CH oder unbekannt: 2'216 Davon deutschsprachig und ‘helvetisch’: 362 FNB-c-Schicht = «20. Jh.» Wie a-Schicht, doch nur zwischen 1901 und 1962 neu verzeichnete Bürgerrechte 134'775 35'605 Davon neu gegenüber a- und b-Schicht: 4'346 Tabelle 296: Übersicht der vier historischen Datenschichten mit Merkmalen und Umfang Datenschicht Eigenschaften Tokens = Datensatz Types = Anzahl verschiedener Namen BFS-CH 2020 = «2020» Vom BFS für unser Projekt bereitgestellte Daten der Bevölkerungsstatistik 2020 (STATPOP 2020) 1 Datensatz entspricht 1 Einwohner: in mit Schweizer Staatsbürgerschaft + zugehörigem Wohnort 6'458'467 466'035 BFS-Heimatorte 2020 = «2020 Heimatorte» Wie «2020», aber 1 Datensatz entspricht 1 Einwohner: in mit Schweizer Staatsbürgerschaft + zugehörigem Heimatort 6'458'467 466'035 BFS-nicht-CH 2020 = «2020 nicht-CH» Wie «2020», aber 1 Datensatz entspricht 1 Einwohner: in ohne Schweizer Staatsbürgerschaft + zugehörigem Wohnort 2'104'698 591'419 Tabelle 297: Übersicht der drei rezenten Datenschichten mit Merkmalen und Umfang 3 Datengrundlage 631 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="10"?> 4 Kartierung Grundkarte des Atlas: Für die Artikel werden die ausgewählten FamN bzw. Namensamples als Kreise und/ oder Flächen in der Grundkarte des FDS (vgl. Karte 282) abgebildet. Sie basiert auf geographischen Einheiten der Gegenwart und zeigt die Schweiz in ihren heutigen Landesgrenzen mit den wichtigsten Seen und Flüssen. Ebenso erscheinen defaultmässig ein topographisches Relief und die zehn grössten Städte als Orientierungshilfen. Das Relief kann mittels Regler von 0 (unsichtbar) bis 100 (sehr plastisch) entweder ausgeblendet oder hervorgehoben werden; die Städte figurieren als Quadrate - was sich um weitere Städte verfeinern, aber aus Übersichtsgründen nicht um Schriftzüge ergänzen lässt. Stattdessen nutzt die Kartierung Kantonsgrenzen und Kantonskürzel, die sich wahlweise ausblenden lassen. Defaultmässig erscheinen die FDS-Karten im Format 3: 2 und bilden die gesamte Schweiz ab, vereinzelt kommen in den Artikeln jedoch auch Ausschnittskarten einzelner Regionen und die Formate 4: 3 resp. 16: 9 vor. Das Kartenmaterial inklusive aller Geodaten stammt aus zwei Online-Angeboten des Bundesamts für Landestopografie (vgl. swisstopo 2022a; swisstopo 2022b). 10 Sprachen- und Grossräume der Schweiz: Die Grundkarte des FDS (vgl. Karte 282) enthält aus Gründen der Übersichtlichkeit keine Einteilung in die vier Sprachenräume der Schweiz. Daher zeigen wir im Folgenden eine Karte aus dem Web-Angebot des BFS (2019), und zwar diejenige für das früheste verfügbare Jahr: 1860 (vgl. Karte 283). 11 Dargestellt ist pro Gemeinde die dominante der vier Landessprachen (blau für Französisch, rot für Deutsch, orange für Rätoromanisch und grün für Italienisch). Eine blassere Schattierung bedeutet, dass der Anteil der dominanten Sprache bei unter 80 % oder gar unter 60 % liegt. Mit der defaultmässigen Angabe der Kantonskürzel und der Kantonsgrenzen werden die FDS-Karten der Tatsache gerecht, dass die Kantone im Schweizer Alltag als sozial und dialektal hochrelevante Gliederungseinheiten fungieren. Bei der Beschreibung der Kartenbilder wird darüber hinaus auch auf grössere Räume der Schweiz Bezug genommen (vgl. dazu Abschnitt 5.2 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»). An dieser Stelle sei die entlang der Gebirge verlaufende geographische Dreiteilung in Jura - Mittelland - Alpen (vgl. e-HLS 2009: s. v. Mittelland (Region); e-HLS 2013: Alpen; e-HLS 2019: s. v. Jura (Region)) explizit genannt. 12 In Karte 284 sind diese drei Räume in Grün, Hellbraun und Karte 282: Grundkarte des FDS (Datenquellen: swisstopo 2022a, 2022b) 10 Die Daten wurden unsererseits leicht nachbearbeitet (vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»). 11 Bilddatei mit freundlicher Genehmigung des BFS erhalten am 24.09.2024. 12 Zum Begriff Voralpen, der die klassische Dreiteilung teilweise ergänzt, vgl. e-HLS (2015: s. v. Voralpen). 632 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="11"?> Beige dargestellt. Die Aufteilung ist deshalb so wichtig, weil das Mittelland sehr viel stärker besiedelt ist als die Gebirgsräume. Kartierungsprogramm: Für die Abfrage und Kartierung der historischen und rezenten Familiennamendaten kommt eine javabasierte Web-Applikation zum Einsatz. Diese wurde von Tivano Software GmbH - unter hauptsächlicher Mitwirkung von Richard Kunze (Backend und Systemarchitektur) und Joshua Brutscher (Frontend) - in Kooperation mit der Herausgeberin (konzeptionelle Mitwirkung, Koordination der Nutzererfahrungen) entwickelt (Kunze/ Brutscher/ Kempf 2024). Tabelle 298 fasst die wichtigsten Punkte bei der Kreisbzw. Flächenkartierung von FamN zusammen. Die Wahl einer bestimmten Darstellungsweise dient immer dazu, die Vorkommen von FamN möglichst klar und adäquat zu visualisieren. Dennoch ergibt sich nicht immer ein zusammenhängendes, schlüssiges und/ oder mit der Erwartung bezüglich der Dialekträume übereinstimmendes Raumbild. Wir kartieren generell räumliche Distributionen, die sich zu den gewählten Themen ergeben, auch wenn die Distributionen diffus sein sollten und keine weiteren Schlüsse zulassen. Karte 283: Sprachregionen der Schweiz 1860 (Quelle: BFS 2019) 4 Kartierung 633 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="12"?> Karte 284: Dreiteilung der Schweiz in Jura - Mittelland - Alpen (Quelle: Péron 2008, CC BY-SA 3.0) Ablauf Kartierungsverfahren Eigenschaften und Optionen Erstellen der Namenfilter Die Namenfilter werden auf der Grundlage mehrerer Abfragefelder erstellt, die entweder die Verwendung regulärer Ausdrücke erfordern und/ oder unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten (z. B. Datenschicht, Sprache, Benennungsmotiv, geographische Einheit) vorgeben. Abfragen der Namenfilter Vorgängig erstellte Namenfilter werden für eine Abfrage ausgewählt. Deren Ergebnisse erscheinen als Tabelle. Die Liste enthält die ausgewählten Familiennamentypes sowie deren Ortsinformation und Tokenzahl für die gewünschte geographische Grösse (z. B. Kanton, Bezirk, Gemeinde). Kartieren der Namenfilter Jede Karte basiert auf mindestens einem Namenfilter, der die abgebildeten FamN vorgibt. Mehrere Filter werden in verschiedenen Farben dargestellt und in der Kartenlegende separat aufgelistet. Definieren der Kreise und Flächen Für jede Karte ist festzulegen, ob die ausgewählten FamN als Kreisdiagramme, Flächenschattierungen oder eine Kombination aus beidem dargestellt werden sollen. Definieren der geographischen Einheit(en) Das Kartierungsprogramm ermöglicht die Wahl zwischen verschiedenen Feinheitsgraden. Die FamN lassen sich als Kreise bzw. Flächen nach den Bezugsgrössen - in abnehmendem Feinheitsgrad - historische Gemeinden, (rezente) Gemeinden, Bezirke, Kantone oder Land abbilden. Werden Kreise und Flächen kombiniert, kann die jeweilige geographische Einheit für beide unabhängig ausgewählt werden (z. B. Kreise nach Gemeinden, aber Flächen nach Bezirken). Definieren der Skalierung Unabhängig von der Wahl der geographischen Einheit(en) und der Darstellungsweise (Kreisund/ oder Flächenkartierung) ist sowohl eine absolute als auch eine relative Skalierung möglich. Bei ersterer bestimmt die absolute Frequenz über die Grösse der Kreise oder den Deckungsgrad der Flächen, bei letzterer der Anteil des Namens oder des Namenphänomens an allen Tokens am Ort. Der Mindest- und Maximalwert der Kreise bzw. Flächen lässt sich auf einer Skala von 1 bis 100 frei definieren. Bei Kreisen sind die Grössen 0 und 100 aus optischen Gründen willkürlich festgelegt; bei Flächen entspricht 634 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="13"?> 5 Schreibkonventionen Sprachliche, orthographische und typographische Konventionen: Die Artikel im Atlas sind überwiegend (je nach Autorin) in Schweizer Standarddeutsch verfasst und weichen daher in der Grammatik, in der Lexik und in der Graphie z. T. von anderen deutschen Standardvarietäten ab (vgl. Ammon/ Bickel/ Lenz 2016: LXXIII-LXXVII; VG 2018; Christen/ Schmidlin 2024: 37-40). Auch das typographische Erscheinungsbild des FDS folgt Deutschschweizer Konventionen. Über diese grundsätzlichen Regelungen hinaus hatten die Autorinnen weitgehende Freiheiten in der Ausformulierung ihrer Artikel. Zitierstil: Jede Quelle, auf die ein Artikel Bezug nimmt, wird im Fliesstext in der Form einer Kurzangabe genannt. Ausführlichere bibliographische Angaben inklusive des letzten Zugriffsdatums bei Online-Quellen folgen jeweils am Ende eines Artikels. Der ausgewählte Zitierstil für die Quellennachweise richtet sich nach den Konventionen in der germanistischen Sprachwissenschaft und wurde eigens für den FDS erstellt. Die beiden Datenquellen des FDS und die Kartierungsgrundlagen (s. o.) erscheinen nicht im Literaturverzeichnis, sondern werden separat aufgeführt und zudem pro Artikel im Fliesstext nur einmal ausgewiesen. Symbole: Die nachfolgende Auf listung gibt Auskunft über verwendete Symbole und deren Bedeutung im Kontext des FDS. X < Y X geht lautgesetzlich zurück auf Y (z. B. nhd. Geiss < mhd. geiz) X ← Y X geht anderweitig (nicht-lautgesetzlich) zurück auf Y (z. B. Glausen ← des Klausen Sohn) X > Y X entwickelt sich lautgesetzlich zu Y (z. B. mhd. bruoder > nhd. Bruder) X → Y X entwickelt sich anderweitig (nicht-lautgesetzlich) zu Y (z. B. Komparation ahd. obar → ahd. obarōsto, Diminution Stock → Stöckli) X + Y X und Y (z. B. FamN Aenishänslin ← Subst. Änis ‘Anis’ + Ruf N Hans) * Rekonstruierte, nicht-bezeugte oder ungrammatische Form (z. B. germ. *timbra- ‘Bauholz’, FamN *Grof neben Graf , *Lehfrau neben Lehmann) Platzhalter für eine undefinierte Anzahl an Zeichen bei Abfragen von Datenbanken (z. B. Hof * für alle Toponyme, die mit Hof beginnen) ◌̄ Historische oder dialektale Länge eines Vokals (z. B. ahd. mulīn ‘Mühle’, mhd. nāter ‘Schneider’, lat. sūtor ‘(Flick-)Schuster’, schwzdt. tūss ‘still, kleinlaut’) ◌́ Wortakzent (z. B. erstbetontes ahd. Há(g)inric) . Silbengrenze (z. B. FamN Spit.te.ler) | Morphemgrenze (z. B. mhd. sattel |er) […] Phonetische Transkription (z. B. [ɛ]) Exemplarisches Namenglied (z. B. FamN von der [Heide], FamN [Weiden]meier) Auslassung oder Ergänzung bei direkten Zitaten Übersetzung von direkten Zitaten / …/ Phonologische Transkription (z. B. / χ/ ) <…> Schreibung (z. B. <ae>) ‘…’ Bedeutung (z. B. mhd. wīz ‘glänzend, weiss’) Uneigentlicher, bspw. ironischer, Wortgebrauch (z. B. ‘richtige’ Schreibweise) «…» Formales Schema von FamN (z. B. «Namenelement + Präposition von + Namenelement») Direktes Zitat Quellentitel im Fliesstext Verweis auf einen Artikelabschnitt (z. B. «wie im Abschnitt «Hintergrund» erläutert…») ‹…› Ersatz doppelter Anführungszeichen in direkten Zitaten / Graphische, lautliche oder morphologische Varianten von Namen (z. B. FamN Schneider/ Schnyder) (…) Kurzschreibung für graphische, lautliche oder morphologische Varianten von Namen (z. B. FamN Beck(er), FamN Glo(o)r) Allenfalls getilgte oder eingeschobene/ angetretene Vokale und Konsonanten (z. B. schwzdt. gester(t) ‘gestern’, mhd. has(e) ‘Hase’, schwzdt. usse(r)t ‘ausserhalb, ausser’) Ablauf Kartierungsverfahren Eigenschaften und Optionen 0 vollkommener Transparenz, 100 einer vollkommen deckenden Färbung. Die Applikation weist nun dem minimalen Vorkommen der Abfrage (z. B. 1 Token) den minimalen Wert zu (z. B. Kreisgrösse 12), dem maximalen Vorkommen entsprechend den grössten (z. B. 11 Tokens, Kreisgrösse 50). Dazwischen werden die Kreise bzw. Flächen linear skaliert - die Kreise nach ihrem Durchmesser, die Flächen nach Transparenzgrad. Auswählen der Farbe(n) Die Autorinnen ordnen jedem der Namenfilter, die für eine Karte verwendet werden, eine Farbe aus einer Farbpalette frei zu oder verwenden die defaultmässig zugeteilten Farben. Kombiniert die Karte Kreisdiagramme und Flächenschattierungen, können die Farben unabhängig voneinander gewählt werden, i. d. R. stimmen sie jedoch überein. Definieren der weiteren Variablen Die Benutzeroberf läche des Kartierungsprogramms bietet darüber hinaus folgende Möglichkeiten: Format 3: 2, 4: 3 oder 16: 9 auswählen, Transparenzgrad des topographischen Reliefs bestimmen, Anzahl der Städtequadrate erhöhen oder verringern, Kantonsgrenzen und/ oder Kantonskürzel einbzw. ausblenden, Legendenhintergrund einbzw. ausblenden. Tabelle 298: Übersicht des Kartierungsverfahrens 5 Schreibkonventionen 635 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="14"?> Die Schreibung historischer bzw. dialektaler Belege wurde im FDS grundsätzlich nicht vereinheitlicht, sondern jeweils aus den Originalquellen übernommen. Für eine überblicksartige Darstellung der IPA-Zeichen und der Teuthonista-Lautschrift, die in den Artikeln gelegentlich zur Anwendung kommen, sei auf Niebaum/ Macha (2014: 20-23) und Kleber (2023: 36-40) verwiesen. Für das Transkriptionssystem des SDS (1962-1997), das eine Weiterentwicklung der Lautschrift nach Böhmer-Ascoli darstellt und für gewisse Lexeme in den FDS-Artikeln übernommen wurde, vgl. die Unterseite «Transkriptionssystem» auf dem Online-Portal sprachatlas.ch (o. J.). 6 Abkürzungen 6.1 Fachbegriffe AdelsN Adelsname(n) Adj. Adjektiv AusgangsN Ausgangsname(n) BeiN Beiname(n) BergN Bergname(n) BerufsN Berufsname(n) BerufsüberN Berufsübername(n) BesitzerN Besitzername(n) BurgN Burgname(n) DoppelN Doppelname(n) EchoN Echoname(n) EigenN Eigenname(n) EinwohnerN Einwohnername(n) EinzelN Einzelname(n) FamilienbeiN Familienbeiname(n) FamN Familienname(n) fem. feminin FlurN Flurname(n) FlussN Flussname(n) FremdN Fremdname(n) GasthausN Gasthausname(n) GebietsN Gebietsname(n) GebirgsN Gebirgsname(n) GeburtsN Geburtsname(n) GeländeN Geländename(n) GewässerN Gewässername(n) HäuserN Häusername(n) HausN Hausname(n) HeiligenN Heiligenname(n) HerkunftsN Herkunftsname(n) Hof N Hofname(n) HumanistenN Humanistenname(n) InsassenN Insassenname(n) InterferenzN Interferenzname(n) KoseN Kosename(n) KurzN Kurzname(n) LänderN Ländername(n) LandschaftsN Landschaftsname(n) mask. maskulin MigrantenN Migrantenname(n) neutr. neutral ÖrtlichkeitsN Örtlichkeitsname(n) OrtsneckN Ortsneckname(n) PatrizierN Patriziername(n) PersonenN Personenname(n) Plur. Plural PräpositionsN Präpositionsname(n) PrunkN Prunkname(n) Ruf N Rufname(n) SatzN Satzname(n) SiedlungsN Siedlungsname(n) Sing. Singular SpitzN Spitzname(n) StädteN Städtename(n) StadtN Stadtname(n) StammesN Stammesname(n) StandesN Standesname(n) StrassenN Strassenname(n) Subst. Substantiv Tauf N Taufname(n) ÜberN Übername(n) VölkerN Völkername(n) VolksN Volksname(n) WohnstättenN Wohnstättenname(n) ZuN Zuname(n) ZweitN Zweitname(n) 6.2 Dialekte, Sprachen und Sprachstufen aengl. altenglisch afries. altfriesisch ahd. althochdeutsch alem. alemannisch altalem. altalemannisch altdt. altdeutsch altfränk. altfränkisch altfrz. altfranzösisch altital. altitalienisch altoberdt. altoberdeutsch alträtorom. alträtoromanisch anord. altnordisch asächs. altsächsisch bair. bairisch berndt. berndeutsch bündnerdt. bündnerdeutsch dt. deutsch engad. engadinisch engl. englisch fnhd. frühneuhochdeutsch fränk. fränkisch frankoprov. frankoprovenzalisch frz. französisch gall. gallisch 636 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="15"?> germ. germanisch got. gotisch griech. griechisch hebr. hebräisch hochalem. hochalemannisch höchstalem. höchstalemannisch indogerm. indogermanisch ital. italienisch lat. lateinisch lombard. lombardisch mhd. mittelhochdeutsch mitteldt. mitteldeutsch mittelfrz. mittelfranzösisch mittellat. mittellateinisch mittelniederdt. mittelniederdeutsch niederdt. niederdeutsch niederl. niederländisch nhd. neuhochdeutsch oberdt. oberdeutsch oberital. oberitalienisch rätorom. rätoromanisch rom. romanisch schwäb. schwäbisch schwzdt. schweizerdeutsch spätgriech. spätgriechisch spätlat. spätlateinisch spätmhd. spätmittelhochdeutsch standarddt. standarddeutsch vorahd. voralthochdeutsch vordt. vordeutsch vorröm. vorrömisch vulgärlat. vulgärlateinisch walliserdt. walliserdeutsch westgerm. westgermanisch 6.3 Institutionen und zitierte Werke AFNeT Atlas der Familiennamen im niederländischen Sprachgebiet APNB Appenzeller Namenbuch ASTAT Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol AWb Althochdeutsches Wörterbuch (online) BABS Bundesamt für Bevölkerungsschutz BENB Ortsnamenbuch des Kantons Bern BFS Bundesamt für Statistik BNF NF Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge BSNB Namenbuch Basel-Stadt DFA Deutscher Familiennamenatlas DFD Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands DRG Dicziunari Rumantsch Grischun DWb Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (online) DWDS Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache DWN Digitales Wörterbuch Niederdeutsch e-FNB Familiennamenbuch der Schweiz (online) e-FWB Frühneuhochdeutsches Wörterbuch (online) e-HLS Historisches Lexikon der Schweiz (online) EtymWB Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (online) EWA Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen (online) e-WSK Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (online) FamOs Familiennamen Österreichs (online) FEW Französisches Etymologisches Wörterbuch FLNB Liechtensteiner Namenbuch FNB Familiennamenbuch der Schweiz (gedruckt) GlMwb Glarner Mundartwörterbuch GPSR Glossaire des patois de la Suisse romande HBLS Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz HSS Historischer Südwestdeutscher Sprachatlas HWR Handwörterbuch des Rätoromanischen Id. Schweizerisches Idiotikon KSDS Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz LexMA Lexikon des Mittelalters (online) LFA Luxemburgischer Familiennamenatlas LSG Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen RfdR Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung RNB Rätisches Namenbuch SDS Sprachatlas der deutschen Schweiz SONB Solothurnisches Namenbuch swisstopo Bundesamt für Landestopografie SZNB Schwyzer Namenbuch TNB Thurgauer Namenbuch VALTS Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluß des Fürstentums Liechtenstein, Westtirols und des Allgäus VG Variantengrammatik des Standarddeutschen (online) VSI Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana VSNB Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch WeNB Werdenberger Namenbuch WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft 6.4 Kantone AG Aargau AI Appenzell Innerrhoden AR Appenzell Ausserrhoden BE Bern BL Basel-Landschaft BS Basel-Stadt FR Freiburg GE Genf GL Glarus GR Graubünden JU Jura LU Luzern NE Neuenburg 6 Abkürzungen 637 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="16"?> NW Nidwalden OW Obwalden SG St. Gallen SH Schaffhausen SO Solothurn SZ Schwyz TG Thurgau TI Tessin UR Uri VD Waadt VS Wallis ZG Zug ZH Zürich 6.5 Sonstige Abs. Absatz Bd. Band Bde. Bände bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa CH Confoederatio Helvetica d. h. das heisst et al. et alii (= und andere) evtl. eventuell ff. fortfolgend Fol. Folio ggf. gegebenenfalls Hrsg. Herausgeberschaft i. d. R. in der Regel i. V. in Vorbereitung Jh. Jahrhundert m ü. M. Meter über Meer Nr. Nummer o. ä. oder ähnliche(s) o. J. ohne Jahr PLZ Postleitzahl r recto (= Vorderseite, rechte Seite) resp. respektive s. siehe s. o. siehe oben s. u. siehe unten s. v. sub voce (= unter dem Ausdruck) sic! sīc erat scriptum (= so stand es geschrieben) Sp. Spalte St. Sankt u. und u. a. unter anderem u. ä. und ähnliche(s) usw. und so weiter v verso (= Rückseite, linke Seite) v. a. vor allem vgl. vergleiche vs. versus (= gegen(über), im Gegensatz zu) z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil Die im Rahmen dieses Bandes veröffentlichten Karten sind als Datenpublikation im BORIS-Portal zugänglich: https: / / doi.org/ 10.48620/ 96073. Detaillierte Metadaten sowie Informationen zu Lizenzierung und Nachnutzung sind dort hinterlegt. Der Quellcode für das Kartierungsprogramm des FDS soll auf GitHub unter folgender URL bereitgestellt werden: https: / / github.com/ tivano-software/ fds-cartography. Digitale Ausgaben des Gesamtwerks und der einzelnen Bände stehen auf der eLibrary des Narr-Verlags unter den folgenden URL zur Verfügung: Gesamtwerk - https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381145126, Band I - https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381150625, Band II - https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381150724, Band III - https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381150823. 7 Referenzen 7.1 Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. 7.2 Zitierte Literatur Ammon, Ulrich/ Bickel, Hans/ Lenz, Alexandra N. (Hrsg.) (2016): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auf lage. Berlin, Boston: De Gruyter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2019): Historischer Atlas der Eidgenössischen Volkszählungen. Bevölkerungsanteil der dominanten Landessprache in den Gemeinden der Schweiz im Jahr 1860. https: / / statatlas.bfs.admin.ch/ ? obs=historique&lang=de#c=indicator&i=langues.typo_lang_nat_dom_ 1860&view=map220 (letzter Zugriff 29.07.2025). Christen, Helen/ Schmidlin, Regula (2024): Deutsch. In: Glaser, Elvira/ Kabatek, Johannes/ Sonnenhauser, Barbara (Hrsg.): Sprachenräume der Schweiz. Bd. 1: Sprachen, 21-67. Tübingen: Narr Francke Attempto. 638 A Kurzeinleitung zu Band III Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="17"?> DFD = Heuser, Rita (2025): König. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 38/ 1 (letzter Zugriff 29.07.2025). Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (1989): Familiennamenbuch der Schweiz. Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989. Digital zur Verfügung gestellt durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ (letzter Zugriff 29.07.2025). e-HLS = Bandelier, André/ Schifferdecker, François/ Prongué, Jean-Paul (2019): Jura (Region). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008567/ 2019-09-19/ (letzter Zugriff 29.07.2025). e-HLS = Bergier, Jean-François et al. (2013): Alpen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008569/ 2013-07-17/ (letzter Zugriff 29.07.2025). e-HLS = Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (o. J.): Wissenschaftlich erarbeitetes, vernetztes, aktuelles und multimediales Fachlexikon zur Schweizer Geschichte. https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ (letzter Zugriff 29.07.2025). e-HLS = Lüthi, Christian (2009): Mittelland (Region). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008566/ 2009-08-25/ (letzter Zugriff 29.07.2025). e-HLS = Raymond, Denyse (2015): Voralpen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008564/ 2015-04-22/ (letzter Zugriff 29.07.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 29.07.2025). FLNB I = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (1999): Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein. 6 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch I). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (1989): Familiennamenbuch der Schweiz. 3 Bde. Bearbeitet von der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Familiennamen. 3., verbesserte und korrigierte Auf lage. Zürich: Schulthess. Graf, Martin H. (2019): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Vorbericht zu einem etymologischen Lexikon. Familienforschung Schweiz. Jahrbuch 46, 105-125. Kleber, Felicitas (2023): Phonetik und Phonologie. Ein Lehr- und Arbeitsbuch (Narr Studienbücher). Tübingen: Narr Francke Attempto. Kohlheim, Rosa (1996): Typologie und Benennungssysteme bei Familiennamen: prinzipiell und kulturvergleichend. In: Eichler, Ernst et al. (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Bd. 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 11.2), 1247- 1259. Berlin, New York: De Gruyter. Kunze, Richard/ Brutscher, Joshua/ Kempf, Luise (2024): Kartierungs- und Statistiksoftware zum SNF-Projekt Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete. Javabasierte Web-Applikation. Neu-Isenburg: Tivano Software GmbH. Langendonck, Willy van (2007): Theory and Typology of Proper Names (Trends in Linguistics. Studies and Monographs 168). Berlin, New York: Mouton de Gruyter. LexMA = Lexikon des Mittelalters (1977-1999): Brepolis Medieval Encyclopaedias - Lexikon des Mittelalters Online. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 29.07.2025). Niebaum, Hermann/ Macha, Jürgen (2014): Einführung in die Dialektologie des Deutschen (Germanistische Arbeitshefte 37). 3., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 29.07.2025). Péron, Ludovic (2008): Trois régions biogéographiques suisses selon le site de l’OFEV (zugeschnittene Grafik). https: / / commons.wikimedia.org/ wiki/ File: Trois_r%C3 %A9gions_suisses.png (letzter Zugriff 29.07.2025). Reith, Reinhold (Hrsg.) (1991): Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. 2., durchgesehene Auf lage. München: Beck. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. SDS = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1962-1997): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). 8 Bde. Bern bzw. Basel: Francke. sprachatlas.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): Sprachatlas der deutschen Schweiz. Digital zugängliche und aufbereitete Kartenbände und Originalmaterialien (Fragebuch und Antwortmaterial). https: / / sprachatlas.ch/ (letzter Zugriff 29.07.2025). VG = Variantengrammatik des Standarddeutschen (2018): Ein Online-Nachschlagewerk. Verfasst von einem Autorenteam unter der Leitung von Christa Dürscheid, Stephan Elspaß und Arne Ziegler. Open-Access- Publikation. https: / / mediawiki.ids-mannheim.de/ VarGra (letzter Zugriff 29.07.2025). Luise Kempf, Esther Loosli 7 Referenzen 639 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="18"?> Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="19"?> B Lexik und Benennungsmotive Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="20"?> Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="21"?> 1 Familiennamen aus Rufnamen 1.1 Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni Schlagwörter: dithematischer Rufname, dynastischer Rufname, Heiligenname, kontrahierte Form, Kurzform, männlicher Rufname, Vollform Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden FamN besprochen, die letztlich alle auf den deutschen Ruf N Konrad (älter Kuonrat) zurückgehen. In der Rangliste der häufigsten Patronyme der Deutschschweiz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» belegen Kurzformen aus Kuonrat den dritten und siebten Platz - nämlich Kunz und Kuhn. 1 Mit insgesamt 65 Types schweizweit lässt dieser Namentyp eine bemerkenswerte Formvarianz erkennen. Seine morphologische wie auch räumliche Erschliessung erscheint daher im Hinblick auf Frequenz und Formenvielfalt besonders aufschlussreich. Hintergrund: Die hier besprochenen Patronyme gehen allesamt auf einen männlichen, dithematischen germanischen Ruf N zurück, basierend auf den Namengliedern ahd. kuoni ‘kühn, tapfer’ und ahd. rāt ‘Rat, Beratung, Beschluss’ (Kunze 2004: 20; FLNB II/ 2 2008: 229; Kohlheim/ Kohlheim 2013: 228). In der Schweiz erscheint das Namenglied ahd. kuoni in der Zeitschicht «vor 1800» ausschliesslich in FamN, die auf den Ruf N Kuonrat zurückgehen. Das Zweitglied ahd. rāt tritt nicht eigenständig auf. In Deutschland hingegen sind auch FamN wie Rader, Rappold oder Rath belegt (DFA 6 2017: 428-447). Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich Kuonrat - mitsamt seinen Varianten und Nebenformen - zu einem der populärsten männlichen deutschen Ruf N. Zahlreiche deutsche Könige und Kaiser trugen den Namen, was wesentlich zu seiner Beliebtheit beitrug. Darüber hinaus verdankte der Ruf N seine weite Verbreitung auch gleichnamigen Heiligen - insbesondere dem heiligen Konrad, Bischof von Konstanz und Patron der Diözesen Konstanz und Freiburg (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 228). Der Ruf N Kuonrat weist im deutschen Sprachraum eine ausgeprägte Formvarianz auf. Bereits früh sind neben Vollformen auch Kurz- und Koseformen belegt (RNB 3 1986: 207; Kohlheim/ Kohlheim 2005: 392; Gottschald 2006: 310; Seibicke 2007: 375; FLNB II/ 2 2008: 229, 233). 2 Einige Kurzformen wie z. B. Kuno, Kunz und Kurt (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 230) haben sich schon früh verselbstständigt und als Ausgangsbasis für weitere Namensbildungen gedient. Noch in der Gegenwart bleibt die Formenvielfalt bei diesen männlichen Namen von Bedeutung. Das Id. 3 (1881 ff.: Sp. 335-336, 379) dokumentiert für die Deutschschweiz des 19. Jh. folgende mundartliche Varianten des Ruf N: Kuen(e)rad und Churad, Chueni und Chüeni sowie Chuenz (s. auch die Varianten für Liechtenstein im FLNB II/ 2 2008: 229-231, 233). Der germanische Ruf N entwickelte sich auch in den romanischen Landesteilen der Schweiz zum FamN. Die meisten romanischen Formen gehen auf Conradus bzw. Chonradus zurück, welches eine mittellateinische Adaption der deutschen Form darstellt. Vereinzelt finden sich auch direkte Romanisierungen von Kuonrat. Während der italienische Ruf N Corrado im Laufe der Zeit eine relativ hohe Frequenz erreichte (Rossebastiano/ Papa 2005: 294-295), blieb Conrad in Frankreich bis ins späte 20. Jh. äusserst selten (Tanet/ Hordé 2005: 113). Fragestellungen: Vor dem skizzierten Hintergrund werden in der ersten Karte sämtliche aus Kuonrat abgeleiteten FamN dargestellt und nach Sprachen gruppiert, wodurch sich ihre Verbreitung über die vier Landessprachregionen der Schweiz erfassen lässt. Die zweite Karte widmet sich den aus Kuonrat abgeleiteten Patronymen in der Deutschschweiz. Im Fokus steht dabei die areale Verteilung der Namenformen nach den zugrunde liegenden Ausgangsbasen. Die dritte Karte illustriert die Verbreitung der vier häufigsten FamN aus Kuonrat. 1 Weitere hochfrequente FamN aus germanischen Ruf N in der Deutschschweiz für die Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» sind Hug (78 Tokens), Egli (69 Tokens) und Hartmann (63 Tokens). Aufgrund ihrer begrenzten Formenvielfalt werden sie jedoch nicht einzeln, sondern in einem Sammelartikel behandelt. Für Hug und Egli vgl. Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen», für Hartmann vgl. Artikel III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 2 Zu den verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Zur inhaltlichen Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="22"?> Erste Karte {285}: Patronyme zu Kuonrat nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 3 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 03.10.2023) auf den Ruf N Kuonrat zurückzuführen sind. FamN, die infolge von Binnenmigration in mehreren Sprachregionen der Schweiz auftreten, werden nach folgendem Prinzip klassifiziert: Weisen sie keine formale Adaption auf - wie etwa der Name Kuhn in den französischsprachigen Gemeinden Porrentruy ( JU) und Massongex (VS) - gelten sie als deutsch. FamN, die durch sprachliche Interferenz formal an die Zielsprache angepasst wurden, werden hingegen dieser zugeordnet. So wird bspw. der im französischsprachigen Wallis belegte Name Kuntschen, eine Adaption des deutschen FamN Kunzen, als französisch klassifiziert. In den vier Sprachgruppen werden jeweils Voll- und Kurzformen zusammengefasst. Abgefragte Namen Deutsche FamN zum RufN Kuonrat: Conrad, Coradi, Corradi, Corrodi, Cueni, Cunz, Cuoni, Cuony, Kieni, Kienz, Konrad, Koradi, Korrodi, Kuenlin, Kuentz, Kuenzi, Küenzi, Küenzlin, Kuenzy, Kuert, Kuhn, Kühn, Kühne, Kuhnen, Kühni, Kühnis, Kull, Kulli, Kully, Kundert, Kuni, Kuny, Kunz, Künzi, Künzle, Künzli, Kuonen, Kuoni, Kurath, Kuratle, Kuratli, Kureth, Kurt, Kurth. 44 Types, 304 Tokens. Französische FamN zum RufN Kuonrat: Cuenat, Cuendet, Cuenin, Cuennet, Cuenot, Kuntschen, Kuntz. 7 Types, 22 Tokens. Italienische FamN zum RufN Kuonrat: Coretti. 1 Token. Rätoromanische FamN zum RufN Kuonrat: Condrau, Conradin, Conzett, Corai, Coray, Cordett, Corradin, Corradini, Cuonz, Cuorad, Curau, Huonder, Könz. 13 Types, 31 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 25-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 299: Daten zur ersten Karte {285} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 In der Deutschschweiz ist in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» Kunz die häufigste Namenvariante in dieser Gruppe (77 von insgesamt 304 Tokens). Der zweitfrequenteste FamN ist Kuhn (53 Tokens), gefolgt von Künzli Karte 285: Patronyme zu Kuonrat nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 644 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="23"?> (25 Tokens) und Künzi (15 Tokens). Den fünften Platz der Rangliste belegt der FamN Conrad (13 Tokens); s. dazu auch die zweite Karte. Unter den Patronymen, die auf einen germanischen Ruf N zurückgehen, zeigen die FamN aus Kuonrat in der Deutschschweiz mit 44 Types die grösste Formenvielfalt. Die zahlreichen Namenvarianten können nach ihren Ausgangsformen in sechs Gruppen unterteilt werden: 5 1. Typ Konrad: Konrad, Conrad, Kundert, Kurath, Kureth, Kuratli, Kuratle 2. Typ Kuhn: Kuhn, Kühn, Kühni, Kühne, Kuni, Kuny, Kuoni, Cuoni, Cuony, Cueni, Kieni, Kuenlin, Kuhnen, Kuonen, Kühnis 3. Typ Kunz: Kunz, Cunz, Kuentz, Kienz, Künzi, Künzle, Künzli, Kuenzi, Kuenzy, Küenzi, Küenzlin 4. Typ Kurt: Kurt, Kurth, Kuert 5. Typ Kull: Kull, Kulli, Kully 6. Typ Conradus: Corradi, Coradi, Koradi, Corrodi, Korrodi Die FamN der ersten Ausgangsform gehen auf Vollformen des Ruf N Kuonrat zurück. Bei diesen Typen ist die zweigliedrige Struktur des Namens noch erkennbar; zudem sind zwei Diminutivableitungen entstanden (Kuratli und Kuratle). Die zweite Gruppe basiert auf Varianten des Ruf N Kuhn, einer einstämmigen, suffixlosen Kurzform von Kuonrat (Kunze 2004: 20). Zu dieser Basis gehören, neben den lautlich differenzierten Simplizia (Kuhn, Kühn), auch diverse Diminutivableitungen (Kühni, Kühne, Kuni, Kuny, Kuoni, Cuoni, Cuony, Cueni, Kieni, Kuenlin) sowie Genitivbildungen (Kuhnen, Kuonen und evtl. Kühnis). Die ebenfalls sehr produktive dritte Namengruppe beruht auf Varianten des Ruf N Kunz - einer einstämmigen Kurzform von Kuonrat, die durch Wegfall des zweiten Namenglieds und z-Suffigierung entstanden ist (Kunze 2004: 20). Zu dieser Gruppe zählen diverse graphematisch und dialektal bedingte lautliche Varianten des FamN, in denen der ursprüngliche Diphthong z. T. graphisch noch erkennbar bleibt. Hinzu kommen zahlreiche Diminutivableitungen (Künzi, Künzle, Künzli, Kuenzi, Kuenzy, Küenzi, Küenzlin). Kienz im Unterengadin (GR) stellt nach RNB 3 (1986: 207) eine tirolisch entrundete Variante dar. Die FamN der vierten Gruppe gehen auf den Ruf N Kurt zurück, eine kontrahierte Form von Kuonrat (Kunze 2004: 20). Kull, Kulli und Kully, die in der fünften Gruppe erscheinen, sind ebenfalls als Kurzformen von Kuonrat zu betrachten (DFD 2025: s. v. Kull ). Sie sind vermutlich durch Nasalschwund aus einer kontrahierten Form wie *Ku(o)nli entstanden. In der sechsten Gruppe finden sich Latinisierungen - insbesondere gelehrte Genitivformen des mittellateinischen Ruf N Conradus: Corradi, Coradi, Koradi, Corrodi und Korrodi. Allgemein zeigt sich im Erstglied eine graphematische Varianz K/ C im Anlaut sowie eine Varianz des Stammvokals: o, ö, u, ü, i, uo, ue, üe und ie. Komposita mit Kuonrat oder einer entsprechenden Kurzform als Glied, SatzN oder DoppelN kommen im Sample nicht vor. Aus der Auswahl ausgeschlossen, weil etymologisch uneindeutig, wurden die FamN Kuri, Kury, Küry sowie Künsch, Koneth und Gonseth. Die in der französischsprachigen Schweiz verbreiteten Patronyme Cuenat, Cuendet, Cuenin, Cuennet, Cuenot sind alle suffigiert und leiten sich nicht vom französischen Ruf N Conrad ab, sondern von einer adaptierten Form des deutschen Ruf- oder FamN Kuhn. 6 Die FamN Kuntz im Kanton Waadt und Kuntschen im französischsprachigen Wallis sind phonologisch-graphematische Adaptionen der deutschen FamN Kunz bzw. Kunzen. In der italienischsprachigen Schweiz kommen keine FamN aus Kuonrat bzw. Corrado vor. Coretti im Bergell (GR) ist eine Italianisierung von rätorom. Cuoret. 7 Für die Rätoromania sind neben den nicht-abgeleiteten Formen Condrau, Curau und Cuorad die Suffixableitungen Conradin, Corradin, Corradini (wiederum eine Italianisierung von Corradin), Conzett und Cordett dokumentiert. Nach RNB 3 (1986: 207) sind Corai und Coray Genitivformen. Könz, Cuonz und Huonder sind phonologisch-graphematische Adaptionen von deutschen FamN. Für die Variante Huonder vgl. die urkundliche Form Huoni aus Kuoni (RNB 3 1986: 205). Kommentar: In der Deutschschweiz treten die FamN aus Kuonrat verstreut über weite Teile auf; beinahe frei vom Namentypus sind die Zentralschweiz und das Appenzellerland. Mit höherer Frequenz erscheinen FamN in den Kantonen Zürich und St. Gallen (besonders in den Gebieten des Zürcher Oberlands und des Toggenburgs), Bern und Aargau. In der Romandie sind die FamN besonders bei der Sprachgrenze präsent, v. a. im Saanebezirk (FR) und in der Region Franches-Montagnes ( JU). Die rätoromanischen Formen finden sich in den drei aneinandergrenzenden Regionen Surselva, Imboden und Viamala sowie im Prättigau, im Unterengadin und im Val Müstair. Im rätoromanischsprachigen Zentrum Graubündens sowie im Oberengadin sind keine Patronyme aus Kuonrat belegt. Für die italienischsprachige Schweiz ist nur ein Fall in Soglio (GR) dokumentiert. 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.3 «Familiennamen auf -(t)z und -(t)sch», I-1.5 «Entrundung», I-2.1 «Nasalschwund», II-2.21 «Latinisierungen» und I-3.1 «Schreibvariation C/ K im Anlaut von Patronymen». 6 Cuenin und Cuenot sind darüber hinaus auch im angrenzenden französischen Département Doubs nachweisbar (Morlet 1997: 261). 7 Vgl. Artikel I-3.6 «Integration rätoromanischer Familiennamen ins Italienische». 1.1 Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni 645 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="24"?> Zweite Karte {286}: Patronyme zu Kuonrat in der Deutschschweiz nach Ausgangsform Namenauswahl: Ausgewählt wurden die FamN, die in der ersten Karte als deutsche FamN zum Ruf N Kuonrat erfasst wurden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach der in der ersten Karte vorgenommenen Unterteilung in sechs Gruppen (vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Abgefragte Namen Typ Konrad: Conrad, Konrad, Kundert, Kurath, Kuratle, Kuratli, Kureth. 7 Types, 41 Tokens. Typ Kuhn: Cuoni, Cuony, Cueni, Kieni, Kuenlin, Kuhn, Kühn, Kühne, Kuhnen, Kühni, Kühnis, Kuni, Kuny, Kuonen, Kuoni. 15 Types, 90 Tokens. Typ Kunz: Cunz, Kienz, Kuentz, Kuenzi, Küenzi, Küenzlin, Kuenzy, Kunz, Künzi, Künzle, Künzli. 11 Types, 144 Tokens. Typ Kurt: Kuert, Kurt, Kurth. 8 Tokens. Typ Kull: Kull, Kulli, Kully. 10 Tokens. Typ Conradus: Coradi, Corradi, Corrodi, Koradi, Korrodi. 14 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 300: Daten zur zweiten Karte {286} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Die höchste Tokenzahl verzeichnet die Gruppe mit der Ausgangsform Kunz (144 Tokens). Die zugehörigen FamN sind über weite Teile des deutschsprachigen Gebiets verbreitet, mit Ballungen im Berner Mittelland (BE), im Zürcher Oberland (ZH) sowie im Toggenburg (SG). Die FamN des zweithäufigsten Typs Kuhn (90 Tokens) treten gehäuft in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Basel- Landschaft auf. Die auf der Vollform Konrad basierenden FamN treten v. a. in den Kantonen Glarus und Aargau sowie in der Region Viamala (GR) auf. Die Varianten von Kurt stellen ein regionales Spezifikum des Oberaargaus (BE) dar. Die FamN auf Kull sind primär im Mittelland zwischen den Städten Solothurn (SO), Olten (SO), Lenzburg (AG) und Zürich (ZH) verbreitet. Die latinisierten Varianten aus Conradus finden sich v. a. im Gebiet des Zürichsees (ZH) sowie im Kanton Thurgau. Karte 286: Patronyme zu Kuonrat in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 u. Herkunft 646 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="25"?> Dritte Karte {287}: Die häufigsten Patronyme aus Kuonrat in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden die vier frequentesten FamN (15 Tokens und mehr), die bei der ersten Karte als deutsche Realisierungen des Ruf N Kuonrat erfasst wurden. Abgefragte Namen Kunz: 77 Tokens. Kuhn: 53 Tokens. Künzli: 25 Tokens. Künzi: 15 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 11-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 25-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 301: Daten zur dritten Karte {287} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Der in der Deutschschweiz häufigste FamN Kunz bildet Nester v. a. am nördlichen Ufer des Zürichsees (ZH) sowie in der angrenzenden Region zwischen dem Zürcher Oberland (ZH) und dem Toggenburg (SG). Gehäuft treten diese FamN auch im nördlichen Teil des Kantons Zürich und im Kanton St. Gallen um die Stadt Wil auf. Der FamN Kuhn kommt geballt im Bezirk Bremgarten des Kantons Aargau und im östlichen Teil des Kantons Zürich vor. Künzli ist v. a. im Luzerner Hinterland (Bezirk Willisau), aber auch verstreut in der Ostschweiz zu finden. Der FamN Künzi zeigt ein ziemlich klares Areal in der Region zwischen den Städten Thun (BE) und Bern (BE) sowie im Berner Oberland (BE). Ergebnisse In den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» treten FamN aus Kuonrat am häufigsten im deutschsprachigen Gebiet auf. Charakteristisch sind hierbei v. a. abgeleitete Kurzformen, die somit als prototypische Vertreter gelten können. Von insgesamt 358 Tokens lassen sich 304 in der Deutschschweiz verorten; davon entfallen wiederum 170 auf die vier in der dritten Karte behandelten frequentesten Kurzformen. Insgesamt zeigt sich eine weit gestreute Verbreitung über das deutschsprachige Gebiet, mit Ausnahme der Zentralschweiz und des Appenzellerlands. Auch in der Rätoromania ist der Namentyp mit 13 Types relativ stark vertreten. Demgegenüber sind in der Romandie nur wenige entsprechende Patronyme belegt und in der italienischsprachigen Schweiz ist in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» lediglich ein Vorkommen nachgewiesen - obwohl der Ruf N Corrado in Italien bereits im Mittelalter populär war (Rossebastiano/ Papa 2005: 294-295) und die entsprechenden FamN Karte 287: Die vier häufigsten deutschen Patronyme zu Kuonrat, vor 1800 u. Herkunft 1.1 Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni 647 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="26"?> Corradi, Corradini und Varianten im angrenzenden norditalienischen Gebiet verbreitet sind (Caffarelli/ Marcato 2008: 520). Der in der Deutschschweiz sehr beliebte Ruf N konnte sich offenbar nicht bis in die italienischsprachigen Gebiete der Schweiz ausbreiten. Im deutschsprachigen Raum des Mittelalters entwickelte der Ruf N Kuonrat eine Vielzahl von Nebenformen (etwa Kuhn, Kunz usw.), aus denen wiederum zahlreiche Ableitungen hervorgingen. Dieser variantenreiche mittelalterliche Rufnamenschatz bildet die Grundlage für die grosse Formenvielfalt bei den entsprechenden FamN. In der Deutschschweiz hat sich die Rezeption der Kuonrat- Varianten ausdifferenziert. Neben zahlreichen graphematisch und dialektal bedingten lautlichen Varianten sind diverse Diminutive und Genitivbildungen entstanden. Einige dieser Nebenformen sind im gesamten (schweizer-)deutschen Sprachraum verbreitet, andere erscheinen nur regional begrenzt - etwa die FamN Kurt, Kurth und Kuert, die ausschliesslich im Oberaargau (BE) auftreten. Zum Inventar der FamN aus Kuonrat zählen zudem latinisierte Formen. Darüber hinaus sind in den jeweiligen Kontaktgebieten der Schweiz Interferenzformen entstanden, die auf Adaption deutscher Ruf- oder FamN zurückgehen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Kunz (9'286 Tokens), Kuhn (4'223 Tokens) und Künzli (1'957 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Kunz den 27. Platz und ist das häufigste Patronym in der deutschsprachigen Landesregion. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA (2009-2018) widmet den Patronymen aus Kuonrat keinen Einzelartikel, dafür aber den Patronymen, die mit ahd. rāt als Erstglied gebildet sind, z. B. Rader, Räder (DFA 6 2017: 428-447). Dieser Namentyp scheint in der Schweiz in der Zeitschicht «vor 1800» kaum vertreten zu sein, evtl. gehört der FamN Raths hierher. Ob dies mit der für die Deutschschweiz typischen Tendenz zur Erstsilbenbetonung in Zusammenhang steht, muss noch geprüft werden. Zu spezifischen Nebenformen der Patronyme aus Kuonrat in Deutschland vgl. DFA 1 (2009: 599-603), DFA 2 (2011: 596-599), DFA 3 (2012: 760-761) und DFA 6 (2017: 442-446). Zu den einzelnen FamN aus Kuonrat in Deutschland beachte man auch Kunze (2004: 20) und die entsprechenden Artikel im DFD (o. J.). Für Liechtenstein sind folgende Varianten dokumentiert: Cordin, Coretti, Konrad, Konzett, Kuhn sowie Kühne, Kunz, Künzi, Künzler, Künzi, Kuoni (FLNB II/ 3 2008: 152-153, 448-450, 464-468). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 03.10.2023). Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 2 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2011): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 2: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Kroiß, Daniel (2025): Kull. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 4905/ 1 (letzter Zugriff 25.07.2025). DFD = Nübling, Damaris et al. (o. J.): Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). https: / / www.namenforschung.net/ dfd/ woerterbuch/ liste/ (letzter Zugriff 03.10.2023). Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 03.10.2023). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Gottschald, Max (2006): Deutsche Namenkunde. Mit einer Einführung in die Familiennamenkunde von Rudolf Schützeichel. 6., durchgesehene und bibliographisch aktualisierte Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2013): Duden - Lexikon der Vornamen. Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von über 8000 Vornamen; mit den 648 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="27"?> neusten Trends und Namen aus aller Welt. 6., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim, Zürich: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Seibicke, Wilfried (2007): Historisches Deutsches Vornamenbuch. Bd. 5: Nachträge und Korrekturen. Berlin, New York: De Gruyter. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Tanet, Chantal/ Hordé, Tristan (2005): Dictionnaire des prénoms. Paris: Larousse. Linda Steiner 1.1 Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni 649 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="28"?> 1.2 Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut Schlagwörter: dithematischer Rufname, dynastischer Rufname, Kurzform, männlicher Rufname, Vollform Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden FamN besprochen, die auf Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut ‘Volk, Leute, Menschen’ zurückgehen. Der FamN Lüthi gehört in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» zu den häufigsten Patronymen der Deutschschweiz. 1 Mit insgesamt 24 Types schweizweit lassen die Patronyme zu ahd. liut eine interessante Formvarianz erkennen. Somit ist die morphologische und räumliche Erschliessung des Namentypus aufgrund seiner Frequenz und Formenvielfalt von Relevanz. Hintergrund: Sämtliche hier behandelten Patronyme gehen auf männliche, dithematische germanische Ruf N zurück, die das Namenglied ahd. liut enthalten. Dieses zählt zu den ältesten deutschen Namenelementen und erscheint in Ruf N vornehmlich als Erstglied, wobei es in Verbindung mit diversen Zweitgliedern eine hohe onymische Produktivität entfaltet (Förstemann 1900: 1030-1050; Gottschald 2006: 324-326). Männliche Ruf N wie Liutbald - bzw. Liepoldt, latinisiert Leopold -, Liuthard, Leutolt bzw. Leuthold oder Liudulf bzw. Ludolf sowie der weibliche Ruf N Liutgard waren im Mittelalter im deutschsprachigen Raum weit verbreitet (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 269, 280). Insbesondere der Ruf N Leopold etablierte sich als dynastischer Name: Auf Leopold I., Markgraf von Österreich (940-944), folgten weitere Herrscher gleichen Namens (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 269). Schon früh sind neben Vollformen auch Kurz- und Koseformen wie Leupi oder Lüty bezeugt (Gottschald 2006: 325). Einige Ruf N mit dem althochdeutschen Namenglied liut fanden auch Eingang in den Rufnamenbestand der Romania, jedoch mit unterschiedlicher, meist geringer Häufigkeit - z. B. frz. Léopold (Tanet/ Hordé 2005: 281-282) oder ital. Leopoldo (Rossebastiano/ Papa 2005: 772-773). Fragestellungen: Vor dem skizzierten Hintergrund werden in der ersten Karte sämtliche FamN dargestellt, die das althochdeutsche Element liut enthalten; auf diese Weise lässt sich ihre Präsenz in den vier Landessprachregionen der Schweiz untersuchen. Die zweite Karte widmet sich den aus liut gebildeten Patronymen in der Deutschschweiz. Im Fokus steht dabei die areale Verteilung der Namenformen nach den zugrunde liegenden Ausgangsbasen. Die dritte Karte illustriert die Verbreitung der drei häufigsten FamN mit dem Erstglied ahd. liut. Erste Karte {288}: Patronyme zu liut nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 24.11.2023) auf Ruf N zurückzuführen sind, die mit dem Erstglied ahd. liut gebildet sind. Die entsprechenden Patronyme werden nach ihrer sprachlichen Form den jeweiligen Sprachregionen zugeordnet. Voll- und Kurzformen werden zusammengefasst. Abgefragte Namen Deutsche FamN zu liut: Läuppi, Leupi, Leupin, Leupold, Leupp, Leuppi, Leutert, Leuthard, Leuthardt, Leuthert, Leuthold, Leuthy, Lüpold, Lüthard, Lüthardt, Lüthert, Lüthi, Lüthin, Lüthold, Lüthy, Lütold, Lütolf . 22 Types, 134 Tokens. Französische FamN zu liut: Léger, Liotard. 7 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 302: Daten zur ersten Karte {288} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 In der Deutschschweiz ist in der Zeitschicht «vor 1800» Lüthi (mit 47 von insgesamt 134 Tokens) der häufigste FamN mit dem althochdeutschen Namenglied liut. Es folgen Leuthold (23 Tokens), Lüthy (14 Tokens) und Lütolf (13 Tokens); vgl. dazu die dritte Karte. Mit insgesamt 22 Types weisen die Patronyme zu ahd. liut in der Deutschschweiz eine mittlere formale Diversität auf. 4 Die unterschiedlichen Varianten lassen sich anhand ihrer Ausgangsformen sechs Gruppen zuordnen; gruppiert werden 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Zu den verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Zur inhaltlichen Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). 650 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="29"?> sie in FamN aus Vollformen (erste bis vierte Gruppe) und in FamN aus Kurzformen (fünfte und sechste Gruppe): 5 1. Typ Liuthart: Leuthard, Leuthardt, Lüthard, Lüthardt, Leutert, Leuthert, Lüthert 2. Typ Liutwald / Liutold: Leuthold, Lüthold, Lütold 3. Typ Liutbald / Liupold: Leupold, Lüpold 4. Typ Liut(w)olf : Lütolf 5. Typ Leupi: Leupp, Leupi, Läuppi, Leuppi, Leupin 6. Typ Lüthi: Lüthi, Lüthy, Lüthin, Leuthy Die FamN der ersten Ausgangsform gehen auf Vollformen des Ruf N Liuthart zurück, eine Bildung aus ahd. liut und ahd. harti ‘hart, kräftig’. Das Zweitglied ahd. hart(i) zeigt hier Schreibvarianz -d / -dt sowie Abschwächung zu -ert. Die drei FamN der zweiten Gruppe beruhen auf dem Ruf N Liutwald bzw. Liutold mit dem Zweitglied ahd. walt ‘Gewalt, Macht’, diejenigen der dritten Gruppe auf Liutbald bzw. Liupold mit dem Zweitglied ahd. bald ‘kühn’. Der FamN Lütolf (vierte Gruppe) geht auf einen mit dem Zweitglied ahd. wolf ‘Wolf ’ gebildeten Ruf N zurück. Die FamN der letzten zwei Gruppen basieren auf Kurz- oder Koseformen eines Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut; die Namen des Typus Leupi gehören wohl zu einer Variante von Liupold. Die zugrunde liegende Vollform der Namen des Typus Lüthi kann hingegen nicht mehr mit Sicherheit rekonstruiert werden. Allgemein lässt sich für die FamN zu ahd. liut eine graphematischphonologische Varianz in der monophthongischen (ü) oder diphthongischen (eu bzw. äu) Realisierung von mhd. iu beobachten. Aus der Auswahl ausgeschlossen, weil etymologisch uneindeutig, wurden die FamN Lütscher, Lütz, Leubin, Leubi und Légert. Die zwei FamN der französischsprachigen Schweiz sind aus der Romanisierung einer deutschen Ruf- oder Familiennamenform entstanden. In der italienisch- und der rätoromanischsprachigen Schweiz kommen in der Zeitschicht «vor 1800» keine FamN aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut vor (RNB 3 1986: 211-212). Kommentar: Die liut-Namen sind tendenziell ein Typ des Mittellands. Abgesehen von einem Namennest im Haslital im Berner Oberland (BE) und wenigen weiteren Fällen in den Kantonen Obwalden, Zug und St. Gallen kommt der Namentyp im alpinen und voralpinen Gebiet nicht vor. In den Kantonen Wallis, Uri, Nidwalden, Schwyz, Glarus und Graubünden sind keine deutschen FamN aus liut dokumentiert. Geballt treten die Patronyme in zwei Verwaltungskreisen des Kantons Luzern auf, nämlich Willisau und Sursee. Weitere Konzentrationen der liut-Namen sind im Kanton Bern (Verwaltungskreise Bern-Mittelland und Emmental), im angrenzenden Kanton Solothurn (Bezirk Wasseramt), im Südosten des Kantons Aargau (Bezirke Muri und Bremgarten), um das Zürichseebecken Karte 288: Patronyme zu liut nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut», I-2.7 «Schreibvariation bei Plosiven im Auslaut», I-1.12 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. iu», I-2.1 «Nasalschwund», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y» und I-1.14 «Schreibvariation i/ y». 1.2 Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut 651 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="30"?> und im Kanton Thurgau (Bezirk Frauenfeld) zu beobachten. Die wenigen Vorkommen in der Romandie sind als isolierte Streubelege zu werten und lassen kein konsistentes areales Muster erkennen. Aus diesem Grund wurde auf eine gelbe Flächenfärbung in der Karte verzichtet; eine solche Einfärbung hätte ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Verbreitung vermittelt. Zweite Karte {289}: Patronyme zu liut in der Deutschschweiz nach Ausgangsform Namenauswahl: Ausgewählt wurden die FamN, die in der ersten Karte als deutsche Realisierungen von Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied liut erfasst wurden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach der bei der ersten Karte vorgenommenen Unterteilung in sechs Typen (vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Abgefragte Namen Typ Liuthart: Leutert, Leuthard, Leuthardt, Leuthert, Lüthard, Lüthardt, Lüthert. 7 Types, 15 Tokens. Typ Liutwald / Liutold: Leuthold, Lüthold, Lütold. 26 Tokens. Typ Liutbald / Liupold: Leupold, Lüpold. 3 Tokens. Typ Liut(w)olf : Lütolf . 13 Tokens. Typ Leupi: Läuppi, Leupi, Leupp, Leuppi, Leupin. 14 Tokens. Typ Lüthi: Leuthy, Lüthi, Lüthin, Lüthy. 63 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 303: Daten zur zweiten Karte {289} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Die häufigsten FamN zu ahd. liut entstammen der Ausgangsform Lüthi (insgesamt 63 Tokens). Sie verteilen sich über weite Teile des Mittellands, mit Ballungen im Kanton Solothurn, im Berner Mittelland und Emmental (BE) sowie um die Stadt Frauenfeld (TG). Die FamN des Typus Liuthart treten gehäuft im Bezirk Muri (AG) auf. Die FamN aus der Kurzform Leupi zeigen eine regionale Bündelung im Luzerner Hinterland. Die Varianten des zweithäufigsten Typs Liutwald / Liutold (insgesamt 26 Tokens) kommen in grösserer Zahl in dem Gebiet am südwestlichen Ufer des Zürichsees (ZH, AG) und im Berner Oberland im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli (BE) vor. Die FamN aus Liutbald / Liupold verteilen sich im Raum zwischen Aarau und Wildegg (AG) sowie in Ermensee (LU). Der FamN Lütolf schliesslich ist vorrangig im Luzerner Hinterland verbreitet, insbesondere in den Wahlkreisen Willisau und Sursee. Karte 289: Patronyme zu liut in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 652 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="31"?> Dritte Karte {290}: Die häufigsten Patronyme zu liut in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden die drei frequentesten FamN (14 Tokens und mehr), die bei der ersten Karte als (schweizer-)deutsche Realisierungen eines Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut erfasst wurden. Abgefragte Namen Lüthi: 47 Tokens. Lüthy: 14 Tokens. Leuthold: 23 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 304: Daten zur dritten Karte {290} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Der in der Deutschschweiz am häufigsten belegte FamN Lüthi bildet Schwerpunkte in den zwei aneinander angrenzenden Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Emmental (BE) sowie in den Bezirken Wasseramt (SO) und Frauenfeld (TG). Die Variante Lüthy konzentriert sich v. a. im mittleren Norden der Schweiz. Der FamN Leuthold ist primär im Zürichseebecken verbreitet, tritt aber auch im Haslital (BE) und im Toggenburg (SG) auf. Ergebnisse In der Zeitschicht «vor 1800» treten FamN aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut v. a. im Mittelland auf. Die grösste Konzentration zeigt sich in den Verwaltungskreisen Willisau und Sursee im Kanton Luzern. Weitere Schwerpunkte finden sich im Südosten des Kantons Aargau (Bezirke Muri und Bremgarten) sowie im Zürichseebecken. Vereinzelte Streubelege in der französischsprachigen Schweiz sind als Romanisierungen importierter deutscher Ruf- oder FamN zu interpretieren. Aus dem umfangreichen mittelalterlichen Rufnamenschatz mit dem Erstglied liut sind sechs Typen im Schweizer Familiennamenbestand fest geworden, darunter zwei Kurzformen. Letztere übertreffen die Vollformen quantitativ deutlich. Zählt man die Schreibvarianten Lüthi, Lüthy, Lüthin und Leuthy sowie Leupp, Leupi, Läuppi, Leuppi und Leupin zusammen (insgesamt 77 Tokens), so entfällt mehr als die Hälfte aller deutschen liut-Namen (134 Tokens) auf eine Kurzform. Es lässt sich somit feststellen, dass in der Deutschschweiz die Kurzformen die prototypischen Vertreter der Patronyme zu ahd. liut darstellen. Formal haben sich die FamN zu ahd. liut nur in begrenztem Mass weiter diversifiziert. Abgesehen von Diminutivbildungen finden sich in der Namenauswahl weder weitere Ableitungen noch Komposita, SatzN oder DoppelN. Die Formenvielfalt dieses Namentypus ist daher nicht auf seine Bildungen zurückzuführen, sondern ergibt sich aus Karte 290: Die drei häufigsten deutschen Patronyme zu liut, vor 1800 1.2 Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut 653 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="32"?> den diversen zugrunde liegenden Ausgangsformen sowie aus den entsprechenden graphematischen und lautlichen Varianten. Insgesamt zeigen die FamN mit dem Erstglied liut in ihrer Rezeption eine relative strukturelle Stabilität. Die hohe Frequenz des Namentypus beruht insbesondere auf der grossen Präsenz einzelner FamN, v. a. Lüthi und Lüthy sowie Leuthold (dritte Karte). Von insgesamt 134 Tokens in der Deutschschweiz in der Zeitschicht «vor 1800» entfallen beinahe die Hälfte (61 Tokens) auf Lüthi und Lüthy. Wie die zweite Karte zeigt, können Patronyme zu ahd. liut regionale Mikroareale bilden; so konzentriert sich etwa der FamN Lütolf stark im Luzerner Hinterland (LU). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Lüthi (9'858 Tokens), Leuthold (1'123 Tokens) und Lüthy (1'051 Tokens). Diese Zahlen stimmen mit den historischen Verhältnissen überein. In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Lüthi den 29. Platz und ist damit - nach Kunz - das zweithäufigste Patronym in der deutschsprachigen Landesregion. Die im Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1202) für das 19. Jh. dokumentierten mundartlichen Kurzformen des Ruf N Pold(i), Boldeli und Böldeli sind im Familiennamenbestand nicht zu finden; vgl. auch die mundartlichen Varianten Leepold, Lebold, Leböldel (Id. 3 1881 ff.: Sp. 1352). Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA (2009-2018) widmet den FamN aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. liut keinen Einzelartikel. Zu spezifischen Bildungsvarianten dieser Patronyme in Deutschland vgl. insbesondere den DFA 1 (2009: 535-538), die entsprechenden Artikel im DFD (o. J.) und im e-WSK (2022: s. v. Familienname): u. a. Leupold, Leuprecht, Leuthold, Ludolf , Ludolph. Die für die Schweiz häufigen und für Deutschland seltenen FamN Lüthi und Lüthy kommen hauptsächlich im Süden des Landes vor, wo sie sich an das Schweizer Lüthibzw. Lüthy-Gebiet anschliessen und mit diesem eine gemeinsame Namenlandschaft bilden (vgl. dritte Karte). Für Liechtenstein sind folgende Varianten dokumentiert: Leopold, Liepold und Lüthi (FLNB II/ 4 2008: 26, 30, 46). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 24.11.2023). DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFD = Nübling, Damaris et al. (o. J.): Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). https: / / www.namenforschung.net/ dfd/ woerterbuch/ liste/ (letzter Zugriff 24.11.2023). Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. e-WSK = Kohlheim, Rosa (2022): Familienname. Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. https: / / www.degruyter. com/ database/ WSK/ entry/ wsk_ide88b0687-bd52-43bf-ad91eb5facc72736/ html (letzter Zugriff 24.11.2023). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 24.11.2023). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Förstemann, Ernst (1900): Altdeutsches Namenbuch. Bd. 1: Personennamen. 2., völlig umgearbeitete Auf lage. Bonn: Hanstein. Gottschald, Max (2006): Deutsche Namenkunde. Mit einer Einführung in die Familiennamenkunde von Rudolf Schützeichel. 6., durchgesehene und bibliographisch aktualisierte Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2016): Duden - Das große Vornamenlexikon. 5., vollständig überarbeitete Auf lage. Berlin: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Tanet, Chantal/ Hordé, Tristan (2005): Dictionnaire des prénoms. Paris: Larousse. Linda Steiner 654 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="33"?> 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod Schlagwörter: dithematischer Rufname, dynastischer Rufname, kontrahierte Form, Kurzform, männlicher Rufname, Vollform Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden FamN besprochen, die auf Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod ‘Ruhm’ zurückgehen. Mit insgesamt 96 Types in der ganzen Schweiz lassen die Patronyme aus ahd. hruod eine interessante Formvarianz erkennen. Ausserdem gehört der FamN Rüegg in der Zeitschicht «vor 1800» zu den häufigsten Patronymen der Deutschschweiz. 1 Somit ist die morphologische und räumliche Erschliessung des Namentypus aufgrund seiner Frequenz und Formenvielfalt von Relevanz. Hintergrund: Den hier behandelten Patronymen liegen männliche, dithematische germanische Ruf N zugrunde, die das Namenglied ahd. hruod ‘Ruhm’ enthalten. Dieses zählt zu den ältesten deutschen Namenelementen und tritt hauptsächlich als Erstglied auf (Förstemann 1900: 885). Durch zahlreiche Kombinationen mit verschiedenen Zweitgliedern zeigt ahd. hruod eine hohe Produktivität (Förstemann 1900: 885-920; Gottschald 2006: 260-262). Männliche Ruf N wie Rudolf , Rüdiger oder Ruprecht bzw. Rupert waren im Mittelalter im gesamten deutschsprachigen Raum sehr beliebt (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 360-361). Mit dem Anstieg gleichnamiger Personen im 11. und 12. Jh. wurde Rudolf sogar zu einem der häufigsten Ruf N überhaupt. So nennt etwa eine Zürcher Urkunde aus dem 12. Jh. neun verschiedene Personen mit dem Namen Rudolf (Kunze 2004: 60-61). Im süddeutschen Raum und in der Schweiz setzte sich der Ruf N Rudolf zudem als dynastischer Name durch: Vom deutschen König Rudolf I. von Habsburg (13. Jh.) eingeführt, wurde der Name auch von nachfolgenden Herrschern weitergetragen und dadurch bewahrt (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 360). Schon früh sind neben Vollformen auch Kurz- und Koseformen wie Ru(o)do, Ruppo, Ruffo, Rollo, Roggo bzw. Rugo oder Ruzzo bzw. Rozzo bezeugt (Gottschald 2006: 260-262). Das Id. 6 (1881 ff.: Sp. 631) führt unter dem Lemma Ruedolf folgende historische Rufnamenformen an, die schon ab dem 14. Jh. für die Deutschschweiz belegt sind: Ruodi (ab 1308), Rüedi (ab Ende 14. Jh.), Ruotsch bzw. Ruotschmann (ab 14. Jh.), Ruof (ab 14. Jh.) und Ruotz (1697). Für die Deutschschweiz des 19. Jh. werden folgende mundartliche Varianten des Ruf N dokumentiert (Id. 6 1881 ff.: Sp. 631): Ruedolf , Ruedi, Rüedi, Ruedlef , Ruedli, Rüedeli, Ruedel, Rüedel, Ruetsch (gemäss Id. 6 1881 ff.: Sp. 631 als «verächtlich» konnotiert), Rüetschli, Rüetschi, Ruetschmann, Dolfi sowie Toffi. Einige deutsche männliche Ruf N mit dem althochdeutschen Namenglied hruod haben sich über unterschiedliche Wege auch in der Romania verbreitet; vgl. z. B. frz. Robert, Roger oder Roland (Tanet/ Hordé 2005: 378-379, 381-383) sowie ital. Roberto, Rolando, Ruggero oder Orlando (Rossebastiano/ Papa 2005: 980-981, 1084-1085, 1088-1089, 1108-1109). Für die Rätoromania ist anzumerken, dass ursprünglich deutsche Ruf N wie Rudolf - rätoromanisch heute auch Reduélf oder Rudólf (Eichenhofer 1999: 346) - und Kurzformen wie Ruedi ebenfalls zum mittelalterlichen alträtoromanischen Nameninventar gehörten (Stricker 1992: 37-38). Fragestellungen: Vor dem skizzierten Hintergrund stellt die erste Karte sämtliche FamN mit dem Namenglied hruod dar, gruppiert nach Sprachzugehörigkeit. So lässt sich ihre Verbreitung über die vier Landessprachregionen der Schweiz nachvollziehen. Die zweite Karte konzentriert sich auf die in der ersten Karte als deutsch klassifizierten Namen und differenziert sie nach ihrer Formvariante: Vollform, Kurzform oder kontrahierte Form. Im Fokus der dritten Karte steht die areale Verteilung der Namenformen in Bezug auf die häufigsten zugrunde liegenden Ausgangsformen. Die vierte Karte illustriert schliesslich die Verbreitung der Patronyme, die aus dem Ruf N Robert(o) hervorgegangen sind. 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod 655 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="34"?> Erste Karte {291}: Patronyme zu hruod nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 22.12.2023) auf Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod zurückzuführen sind. FamN, die infolge von Binnenmigration in mehreren Sprachregionen der Schweiz auftreten, werden nach folgendem Prinzip klassifiziert: Weisen sie keine formale Adaption an die Zielsprache auf - wie etwa beim Namen Rudolf in der französischsprachigen Gemeinde Prilly (VD) -, werden die Namen der ursprünglichen Sprachgruppe, hier dem Deutschen, zugeordnet. FamN hingegen, die durch sprachliche Interferenz formal an die Zielsprache angepasst wurden, gelten als dieser zugehörig. So wird bspw. der in derselben Gemeinde belegte Name Roudolf als französisch klassifiziert. In den vier Sprachgruppen werden jeweils Voll- und Kurzformen zusammengefasst. Abgefragte Namen Deutsche FamN zu hruod: Dolf , Riedi, Riegg, Rietsche, Rietschi, Rietschin, Roder, Roland, Rötschi, Rubeli, Rubli, Rüdemann, Ruden, Rudi, Rudin, Rüdin, Rüdisühli, Rüdisüli, Rudolf , Rüede, Ruedi, Rüedi, Rüedin, Ruedolf , Rüedy, Ruef , Rueff , Rüefli, Rüegg, Rüegger, Ruepp, Ruesch, Rüesch, Ruetsch, Rüetschi, Rüetschli, Ruf , Ruff , Rufli, Rüfli, Ruflin, Rüggi, Ruosch, Ruoss, Rupf , Rupli, Rupp, Ruppen, Ruppert, Ruppli, Ruprecht, Rusch, Rüsch, Russi, Rüssi, Rutsch, Rütsch, Rütsche, Rutschi, Rütschi, Rutschmann, Rutscho, Rutz, Tuffli. 64 Types, 262 Tokens. Französische FamN zu hruod: Othenin-Robert, Robadey, Robert, Robert-Charrue, Robert-Dayon, Robert-Grandpierre, Robert-Laurent, Robert-Nicoud, Robert-Prince, Robert-Rose, Robert-Tissot, Robin, Roger, Roget, Roland, Roudolf . 16 Types, 44 Tokens. Italienische FamN zu hruod: Dolfi, Dolfini, Dressi-Dolfino, Orlandi, Redolfi, Roberti, Roberti Del Vecchio, Roberti-Foc, Roberti Maggiore, Robertini, Roggero. 11 Types, 13 Tokens. Rätoromanische FamN zu hruod: Caduff , Duff , Riedi, Riesch, Rudolf . 40 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 35-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 305: Daten zur ersten Karte {291} Karte 291: Patronyme zu hruod nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 656 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="35"?> Detailangaben zur Namenauswahl: 3 In der Deutschschweiz ist in der Zeitschicht «vor 1800» Rüegg der häufigste FamN mit dem Namenglied hruod (36 von insgesamt 262 Tokens). Die zweithöchste Tokenfrequenz erreichen die FamN Rüedi und Rupp mit je 20 Tokens (vgl. dritte Karte). Mit insgesamt 64 Types zeigen die Patronyme zu ahd. hruod in der Deutschschweiz eine sehr hohe Formvarianz. Die meisten Namenvarianten können nach ihrer Ausgangsform in zwölf Gruppen eingeteilt werden. 4 Gruppiert werden die FamN hier in Namen aus Vollformen (erste bis dritte Gruppe) und in Namen aus Kurz- (vierte bis zehnte Gruppe) bzw. aus kontrahierten Formen (elfte und zwölfte Gruppe): 5 1. Typ Rudolf : Rudolf , Ruedolf 2. Typ Ruprecht: Ruprecht, Ruppert 3. Typ Roland: Roland 4. Typ Ruedi: Ruedi, Rüedi, Riedi, Ridin, Rüede, Rüedin, Rüedy, Rudi, Rüdin, Rudin, Ruden, Ridin, Rüdemann, Rüdisühli, Rüdisüli 5. Typ Ruetsch: Ruetsch, Rüetschi, Rüetschli, Rietschi, Rietschin, Rietsche, Rutsch, Rutschi, Rutscho, Rütsch, Rütschi, Rütsche, Rötschi, Rutschmann 6. Typ Rutz: Rutz 7. Typ Ruesch: Ruesch, Rüesch, Ruosch, Rusch, Rüsch 8. Typ Ruoss: Ruoss, Russi, Rüssi 9. Typ Rupp: Ruepp, Rupp, Rupli, Ruppli, Rubli, Rubeli, Ruppen 10. Typ Dolf : Dolf , Tuffli 11. Typ Ruef : Ruef , Rueff , Rüefli, Ruf , Ruff , Rufli, Ruflin, Rüfli 12. Typ Rugg: Rüegg, Riegg, Rüggi, Rüegger Die FamN der ersten Gruppe gehen auf eine Vollform des Ruf N Rudolf zurück, eine Bildung aus ahd. hruod und ahd. wolf ‘Wolf ’. Die FamN der zweiten Gruppe beruhen auf dem Ruf N Ruprecht mit dem Zweitglied ahd. beraht ‘glänzend, berühmt’. Zu dieser Gruppe gehört auch der FamN Robert, der jedoch - bis auf einen einzelnen Beleg im Kanton Solothurn - ausschliesslich in der Romandie vorkommt. Deshalb wird er als französischer FamN kartiert. Roland (dritte Ausgangsform) kommt in der Deutschschweiz nur einmal vor und geht vermutlich auf eine französische Namenform zurück, die wiederum auf einem Ruf N mit dem Zweitglied ahd. lant ‘Land’ basiert. Zur vierten Gruppe zählen FamN, die aus einer Kurzform des Ruf N Rudolf entstanden sind. Neben einer formenreichen Reihe von Diminutiva sind aus dieser Ausgangsform auch Komposita (Rüdisühli, Rüdisüli), eine patronymische mann-Ableitung (Rüdemann) und eine Genitivform (Ruden) entstanden. Die FamN der fünften bis achten Gruppe resultieren aus Kurzformen eines Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod, etwa Rudolf oder Rüdiger. Hier werden sie nach dem Auslaut des Familiennamenstamms klassifiziert und nicht nach dem zugrunde liegenden althochdeutschen Ruf N, der in manchen Fällen nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren ist. Die Auslaute -tsch, -tz, -sch, oder -ss entsprechen dem onymischen Verfahren, Kurzformen durch Suffigierung verkleinernd oder kosend zu markieren (Kunze 2004: 21). Die FamN der neunten Gruppe gehen auf eine Kurzform von Ruprecht zurück, während diejenigen der zehnten Gruppe eine aphäretische Kürzung des Ruf N Rudolf darstellen und vermutlich als Resultat eines Interferenzprozesses zu werten sind. Tatsächlich treten sie im verdeutschten alträtoromanischen Sprachgebiet Graubündens auf. Die FamN der letzten zwei Gruppen können aus einer kontrahierten Form des Ruf N Rudolf (elfte Gruppe) bzw. Rüdiger (zwölfte Gruppe) hergeleitet werden. Allgemein lässt sich für die FamN aus ahd. hruod auf der graphematisch-phonologischen Ebene eine Varianz in der monophthongischen (u bzw. ü, i oder ö) oder diphthongischen (uo bzw. ue, üe oder ie) Realisierung des mittelhochdeutschen Diphthongs ue beobachten. Deshalb sind die FamN innerhalb jeder Gruppe nach diesem Kriterium geordnet: Zuerst werden die Formen mit Diphthong, dann die Varianten mit Monophthong genannt. Auf f lexions- und wortbildungsmorphologischer Ebene lässt sich ebenfalls eine Diversifikation feststellen: Im Namensample kommen zahlreiche und vielfältige Diminutiva sowie Genitivbildungen (Ruden, Ruppen), Ableitungen auf -er (Rüegger) und -mann (Rüdemann, Rutschmann), eine Ableitung mit dem onymischen Suffix -o (Rutscho) und Komposita (Rüdisühli, Rüdisüli) vor. Am produktivsten sind die FamN zu den Kurz- oder Koseformen Ruedi und Ruetsch. Die Vollformen hingegen zeigen keine grosse formale Diversifikation. Kartiert, jedoch hier nicht kategorisiert sind die FamN Rupf (Mischform aus Rupp und Ruef ) und Roder (vermutlich aus einer Kurzform *Rode). Aus der Kartierung ausgeschlossen, weil etymologisch uneindeutig, wurden die FamN Cadosch, Cadusch, Dosch, Dusch, Duschen, Reusser, Rieger, Rolli, Rölli, Röllin, Rölly, Rosler, Rubischung, Rubitschung, Rüd, Rüdt, Rüeger, Ruffi, Rüger, Rüschlin und Rutzer. Für die Romania wurden hier ausschliesslich etymologisch eindeutige FamN berücksichtigt, da eine systematische Untersuchung der romanischen FamN aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod noch aussteht. Der in der Romandie häufigste und am stärksten diversifizierte FamN ist Robert. Roudolf stellt eine adaptierte deutsche Namenform dar. In der italienischsprachigen Schweiz geht der hier untersuchte Namentypus auf verschiedene Ausgangsformen zurück, wobei - ähnlich wie in der Romandie - Roberto die produktivste davon ist (vgl. vierte Karte). Für die Rätoromania ist neben den Simplizia Duff (vermutlich eine aphärethische Form von Rudolf ), Rudolf , Riedi und Riesch auch ein FamN mit dem Bildungselement Cadokumentiert (Caduff ). 6 Der FamN Riesch (Trin GR) und der in der Surselva und in Mittelbünden sehr häufige FamN Riedi zeigen die für dieses Gebiet typische rätoromanische Entrundung von ü zu i (Eichenhofer 1999: 170-171). Kommentar: Die erste Karte macht deutlich, dass Patronyme aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod in der Zeitschicht «vor 1800» in allen vier Sprachgebieten der Schweiz belegt sind. Nach bisherigem Kenntnisstand treten sie am häufigsten in der Deutschschweiz auf - sowohl in Bezug auf die Zahl der Vorkommen (262 Tokens) als auch 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.3 «Familiennamen auf -(t)z und -(t)sch», I-1.13 «Diphthong- und Monophthongschreibungen von mhd. ie, ue, üe», II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», I-1.14 «Schreibvariation i/ y», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 5 Zu den verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Zur inhaltlichen Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). 6 Vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod 657 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="36"?> auf die verschiedenen Varianten (64 Types) -, wo sie über den grössten Teil des Territoriums verteilt sind. Die höchste Konzentration zeigt sich im Zürcher Oberland, konkret in den Bezirken Pfäffikon und Hinwil (ZH). Geballt treten sie auch im oberen Fricktal (Bezirk Laufenburg AG), in der Region Viamala (GR), im Berner Emmental und im südlichen Teil des Kantons St. Gallen (Toggenburg, See-Gaster und Sarganserland) auf. In der Zentralschweiz sind nur vereinzelt Patronyme im Entlebuch (LU), im Bezirk Schwyz (SZ) und im Kanton Uri bezeugt. Der Kanton Glarus ist komplett frei vom hruod -Typus. In der Romandie kommen die meisten FamN im Kanton Neuenburg vor. In der italienischsprachigen Schweiz finden sich ausschliesslich - und nur mit einer niedrigen Frequenz - im Kanton Tessin Belege, wobei diese sich v. a. in der Region des oberen Leventinatals konzentrieren (vgl. vierte Karte). In den vier italienischsprachigen Tälern Graubündens - bis auf einen einzelnen Beleg im Bergell - sowie im Engadin und im angrenzenden Val Müstair scheint der Namentyp nicht vertreten zu sein. In der Rätoromania sind die FamN aus hruod in der Region Surselva (GR) verhältnismässig zahlreich bezeugt. Zweite Karte {292}: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz nach Formvariante Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN, die in der ersten Karte als deutsche Realisierungen von Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied hruod erfasst und einer der zwölf Gruppen zugeordnet wurden (62 von insgesamt 64 Types). Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach der oben vorgenommenen Unterteilung in die drei Obergruppen der Voll-, Kurz- und kontrahierten Formen von Ruf N aus ahd. hruod (vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Abgefragte Namen FamN zu Kurzformen von RufN aus hruod: Dolf , Riedi, Rietsche, Rietschi, Rietschin, Rötschi, Rubeli, Rubli, Rüdemann, Ruden, Rudi, Rudin, Rüdin, Rüdisühli, Rüdisüli, Rüede, Ruedi, Rüedi, Rüedin, Rüedy, Ruepp, Ruesch, Rüesch, Ruetsch, Rüetschi, Rüetschli, Ruosch, Ruoss, Rupli, Rupp, Ruppen, Ruppli, Rusch, Rüsch, Russi, Rüssi, Rutsch, Rütsch, Rütsche, Rutschi, Rütschi, Rutschmann, Rutscho, Rutz, Tuffli. 45 Types, 123 Tokens. FamN zu kontrahierten Formen von RufN aus hruod: Riegg, Ruef , Rueff , Rüefli, Rüegg, Rüegger, Ruf , Ruff , Rufli, Rüfli, Ruflin, Rüggi. 12 Types, 70 Tokens. FamN zu Vollformen von RufN aus hruod: Roland, Rudolf , Ruedolf , Ruppert, Ruprecht. 23 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Karte 292: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz aus Voll-, Kurz- und kontrahierten Formen, vor 1800 658 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="37"?> Kreise 15-20, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 306: Daten zur zweiten Karte {292} Detailangaben zur Namenauswahl: Mit Ausnahme der beiden FamN Dolf und Tuffli - bei denen das Erstglied des Ruf N entfallen ist - handelt es sich bei allen übrigen FamN der ersten Gruppe um Patronyme, die auf gekürzte Formen von Ruf N wie Rudolf , Rüdiger oder Ruprecht zurückgehen, wobei jeweils das unbetonte Zweitglied getilgt wurde; vgl. dazu auch die Angaben zur ersten Karte. Kommentar: In der Deutschschweiz kommen deutlich am häufigsten FamN vor, die auf Kurzformen eines Ruf N aus ahd. hruod zurückzuführen sind. Die Patronyme zu diesen Kurzformen überwiegen gegenüber den zwei anderen Typen in ihrer Type- und Tokenfrequenz und weisen eine grössere räumliche Verbreitung auf: Sie verteilen sich im Westen v. a. in den Kantonen Basel-Landschaft, Bern und Aargau und im Osten insbesondere in den Wahlkreisen des südlichen Teils des Kantons St. Gallen, nämlich im Toggenburg und in der Region Werdenberg. Die häufigsten FamN zu einer Kurzform sind Rüedi und Rupp (je 20 Tokens). Die FamN zu kontrahierten Varianten haben den Schwerpunkt im Zürcher Oberland, in den Bezirken Hinwil und Pfäffikon (ZH). Sie sind hinsichtlich ihrer Types und Tokens zwar zahlenmässig seltener als die FamN zu Kurzformen, jedoch ist Rüegg mit 36 Tokens der häufigste FamN dieses Typus überhaupt. Die FamN zu Vollformen kommen punktuell v. a. in den Kantonen Graubünden, Aargau und Solothurn vor. Das häufigste Patronym dieser Gruppe ist Rudolf (13 Tokens). Dritte Karte {293}: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz nach Ausgangstyp Namenauswahl: Ausgewählt wurden FamN, die nach der bei der ersten Karte vorgenommenen Unterteilung in zwölf Gruppen zu den sechs häufigsten Ausgangsformen gehören (15 Tokens und mehr; vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Abgefragte Namen Typ Ruedi: Ridin, Riedi, Rüdemann, Ruden, Rudi, Rudin, Rüdin, Rüdisühli, Rüdisüli, Rüede, Ruedi, Rüedi, Rüedin, Rüedy. 14 Types, 58 Tokens. Typ Ruetsch: Rietsche, Rietschi, Rietschin, Rötschi, Ruetsch, Rüetschi, Rüetschli, Rutsch, Rütsch, Rütsche, Rutschi, Rütschi, Rutschmann, Rutscho. 14 Types, 32 Tokens. Typ Ruesch: Ruesch, Rüesch, Ruosch, Rusch, Rüsch. 15 Tokens. Typ Rupp: Rubeli, Rubli, Ruepp, Rupli, Rupp, Ruppen, Ruppli. 7 Types, 36 Tokens. Typ Ruef : Ruef , Rueff , Rüefli, Ruf , Ruff , Rufli, Rüfli, Ruflin. 8 Types, 26 Tokens. Karte 293: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod 659 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="38"?> Typ Rugg: Riegg, Rüegg, Rüegger, Rüggi. 44 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 307: Daten zur dritten Karte {293} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Die FamN, die zum Typ Ruedi gehören, überwiegen gegenüber den anderen Typen tokenmässig. Auch hinsichtlich ihrer formellen Varianz sind die Patronyme zu dieser Ausgangsform, zusammen mit den FamN des Typus Ruetsch, dominant. In ihrer Verbreitung zeigen die Ruedi-Namen eine Konzentration im nördlichen Teil des Kantons Aargau sowie eine verstreute, aber auffällige Präsenz im Kanton Graubünden, v. a. in den Regionen Surselva und Viamala. Die FamN zur Ausgangsform Ruetsch sind ein Typus des Mittellands. Besonders im Kanton Aargau treten sie häufig auf. Die FamN zur Ausgangsform Ruesch sind typisch für den Kanton St. Gallen. Die Patronyme des Typus Rupp sind v. a. im Kanton Bern zu finden, geballt um die Stadt Thun. Weitere Nester bilden sie im Wallis (Bezirk Visp), im Emmental (BE) und im Gebiet zwischen Sarganserland (SG) und Landquart (GR). Die FamN zu Ruef kommen geballt im Zürcher Weinland (ZH) sowie punktuell im restlichen Mittelland und im Wallis (Bezirk Visp) vor. Der Typ Rugg schliesslich zeigt eine klare Ballung im Zürcher Oberland, was v. a. durch den sehr häufigen FamN Rüegg bedingt ist. Vierte Karte {294}: Patronyme zu Robert(o) Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN, die auf eine Variante des Ruf N Robert(o) zurückgehen. Diese treten in der Schweiz autochthon ausschliesslich in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz auf. Abgefragte Namen FamN zu Robert(o), vor 1800: Othenin-Robert, Robert, Robert-Dayon, Robert-Grandpierre, Robert-Laurent, Robert-Nicoud, Robert-Prince, Robert-Rose, Robert-Tissot, Roberti, Roberti Del Vecchio, Roberti-Foc, Roberti Maggiore, Robertini. 14 Types, 36 Tokens. Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 308: Daten zur vierten Karte {294} Detailangaben zur Namenauswahl: Während in der Deutschschweiz andere Formen dominieren, geht in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz die Mehrzahl der Patronyme aus hruod auf die Ausgangsform Robert(o) zurück. Dieser Ruf N geht ursprünglich aus einer niederdeutschen Variante von Rupert hervor. Nicht in die Auswahl aufgenommen wurden die für diese Sprach- Karte 294: Patronyme zu Robert(o), vor 1800 660 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="39"?> regionen häufigen FamN mit dem Wortstamm Bert-, da ihre Herkunft in vielen Fällen nicht eindeutig geklärt ist. In der italienischsprachigen Schweiz könnte eine Ableitung sowohl von einer aphäretischen Form von Roberto bzw. Roberta oder Alberto bzw. Alberta als auch vom weiblichen Ruf N Berta erfolgen, der wiederum auf einen germanischen Ruf N mit dem Erstglied ahd. beraht ‘glänzend, berühmt’ zurückgeht (Caffarelli/ Marcato 2008: 208). Kommentar: Die meisten FamN zum Ruf N Robert(o) kommen in der Romandie vor, geballt im nordwestlichen Teil des Kantons Neuenburg, wo sie in wenigen Gemeinden (v. a. Le Locle, La Chaux-de- Fonds, Val-de-Travers) Namennester bilden. Die Vitalität des Namens lässt sich dabei kleinräumig beobachten: In einigen Gegenden der Romandie und des Tessins können diverse Bildungsvarianten desselben Patronyms innerhalb der gleichen Gemeinde vorkommen, wie in Giornico (TI) Roberti, Roberti Del Veccio, Roberti Maggiore, Roberti- Foc, Robertini oder in Le Locle (NE) Robert, Robert-Rose, Robert- Laurent, Robert-Grandpierre, Robert-Dayon, Othenin-Robert, Robert- Tissot und Robert-Nicoud. Die auffällige formale Ausprägung auf mikroregionaler Ebene ist primär auf den hohen Grad an Homonymie zurückzuführen, der eine differenzierende Erweiterung des Familiennamenbestands erforderlich machte. Ergebnisse Patronyme aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod treten in der Zeitschicht «vor 1800» in allen vier Sprachgebieten der Schweiz auf, wobei sie im deutschsprachigen Landesteil vergleichsweise häufig anzutreffen sind. Dort sind entsprechende FamN verstreut im ganzen Mittelland sowie in den voralpinen und alpinen Regionen belegt; lediglich die Zentralschweiz und der Kanton Glarus weisen kaum Vorkommen dieses Namentypus auf. Aus dem grossen mittelalterlichen Inventar an Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied hruod sind verschiedene Varianten im Deutschschweizer Familiennamenschatz rezipiert worden. Diese Patronyme wurden hier nach ihren Ausgangsformen in zwölf Typen unterteilt, die wiederum in Voll-, Kurz- und kontrahierte Formen gruppiert werden können. Die beiden letzteren übertreffen quantitativ deutlich die Vollformen. Die meisten deutschen hruod -Namen sind also auf eine Kurz- oder eine kontrahierte Form eines Ruf N zurückzuführen (vgl. zweite Karte). Unter den verschiedenen Typen sind diejenigen mit den Ausgangsformen Ruedi und Ruetsch die häufigsten und die am meisten diversifizierten, wobei die FamN zu Rupp hinsichtlich der Tokenzahl ebenfalls frequent sind. Die dritte Karte zeigt für die häufigsten deutschen Patronyme aus hruod ein breites räumliches Vorkommen auf dem gesamten Gebiet der Deutschschweiz, andere spezifische Bildungen können hingegen regionale Mikroareale bilden, wie bspw. der FamN Rüegg im Zürcher Oberland. Morphologisch erweisen sich die Patronyme aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. hruod als produktiv: Neben verschiedenen Diminutiva sind Genitivbildungen, Ableitungen auf -er und -mann, ein o-Name sowie Komposita entstanden. Diese grosse formale Diversifikation zeigt sich jedoch fast ausschliesslich bei den Kurz- oder den kontrahierten Formen. Auch auf der graphematisch-phonologischen Ebene haben sich die FamN zu hruod unterschiedlich entfaltet, insbesondere hinsichtlich der monophthongischen oder diphthongischen Realisierung des mittelhochdeutschen Diphthongs ue. Die hier behandelten Patronyme sind auch in der Romania vertreten, wobei die Anzahl der ausgewählten romanischen Namen in dieser Untersuchung weniger als die Hälfte der deutschen beträgt. In spezifischen, kleinräumigen Gebieten der Romandie kommen die FamN aus hruod dank der Popularität des Namens Robert verhältnismässig reichlich vor, insbesondere hinsichtlich ihrer Typenfrequenz. Die Ausgangsform Robert(o) lässt sich punktuell auch im Tessin finden; dagegen kommen rätoromanische Realisierungen des Ruf N Robert im Familiennamenbestand der Rätoromania nicht vor. In dieser Sprachregion sind die Patronyme zu ahd. hruod durch ursprünglich deutsche Namen vertreten (z. B. Rüedi bzw. Riedi), die seit dem Mittelalter zum rätoromanischen Namenschatz gehören. Somit kann Robert in der Schweiz als ein Typ der französisch- und der italienischsprachigen Regionen gelten. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Rüegg (6'090 Tokens), Rutz (1'988 Tokens) und Rupp (1'555 Tokens). In der rezenten Rangliste der FamN der ständigen Wohnbevölkerung der deutschsprachigen Schweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Rüegg den 54. Platz und ist somit - nach Kunz, Lüthi, Arnold, Marti, Christen, Peter und Bieri - das achthäufigste Patronym in der deutschsprachigen Landesregion. Vergleich mit benachbartem Ausland: Das Patronym Rudolph steht in Deutschland mit 11'566 Tokens auf Rang 166 der häufigsten FamN (DFA 2 2011: 823). Hingegen weist das in der Schweiz für diesen Namentyp häufigste Patronym Rüegg in Deutschland nur 52 Tokens auf (DFA 1 2009: 163). Der DFA (2009-2018) widmet den FamN aus Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied hruod keinen Einzelartikel. Zu spezifischen Bildungsvarianten dieser Patronyme in Deutschland vgl. insbesondere DFA 1 (2009: 160-168, 542-547) und DFA 2 (2011: 188, 822-825, 875). Für Liechtenstein sind folgende Varianten dokumentiert: Riepel, Rüdisser, Rüdisühli, Rudolf , Ruedi, Ruef , Rüegg, Rüegger, Ruf , Ruod, Rupert, Rupp und Rutz (FLNB II/ 4 1992: 195, 212-220). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. 1.3 Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod 661 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="40"?> Literatur Ackermann, Elia (2023): Eindeutschung alträtoromanischer Substrattoponyme. Universität Zürich. https: / / doi.org/ 10.5167/ uzh-234859 (letzter Zugriff 22.12.2023). Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 22.12.2023). Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 2 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2011): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 2: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus. Berlin, New York: De Gruyter. Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. Eichenhofer, Wolfgang (1999): Historische Lautlehre des Bünderromanischen. Tübingen, Basel: Francke. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 22.12.2023). Förstemann, Ernst (1900): Altdeutsches Namenbuch. Bd. 1: Personennamen. 2., völlig umgearbeitete Auf lage. Bonn: Hanstein. Gottschald, Max (2006): Deutsche Namenkunde. Mit einer Einführung in die Familiennamenkunde von Rudolf Schützeichel. 6., durchgesehene und bibliographisch aktualisierte Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2016): Duden - Das große Vornamenlexikon. 5., vollständig überarbeitete Auf lage. Berlin: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Stricker, Hans (1992): Romanische Personen- und Familiennamen im Südteil des Kantons St. Gallen, in Liechtenstein und im Vorarlberger Oberland. Werdenberger Jahrbuch. Beiträge zu Geschichte und Kultur der Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald 5, 36-50. Tanet, Chantal/ Hordé, Tristan (2005): Dictionnaire des prénoms. Paris: Larousse. Linda Steiner 662 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="41"?> 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen Schlagwörter: dithematischer Rufname, dynastischer Rufname, männlicher Rufname, Vollform Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: Der vorliegende und der dazugehörige Artikel III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen» ergänzen die Dokumentation der häufigsten Patronyme in der Deutschschweiz bzw. der produktivsten zugrunde liegenden althochdeutschen Namenglieder. Besprochen werden in den beiden Sammelartikeln ausgewählte Familiennamentypen, die auf germanische Ruf N zurückgehen und deren häufigste Variante in den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» zu den 20 frequentesten Patronymen der Deutschschweiz zählt. 1 Behandelt werden in diesem Kartenkomplex die FamN der Typen Egli, Erni, Bürgi, Hug und Ott. Der etymologisch uneindeutige FamN Wolf und seine Varianten werden wegen ihrer hohen Frequenz hier ebenfalls besprochen. Hintergrund: In der nach Häufigkeit geordneten Top-20-Liste der Patronyme erscheinen folgende FamN: Peter, Hug, Kunz, Egli, Marti, Hartmann, Kuhn, Michel, Christen, Lüthi, Martin, Erni, Rüegg, Ott, Jost, Arnold, Richard, Hermann, Bürgi und Jenni. Davon leiten sich sieben FamN aus nicht-germanischen Ruf N ab; sie werden separat bzw. in einem weiteren Sammelartikel behandelt: Peter (zu Petrus), Marti und Martin (beide zu Martīnus), Michel (zu Michael ), Christen (zu Christiānus), Jost (zu Jodocus) und Jenni (zu Johannes). 2 Von den 13 häufigsten Patronymen aus germanischen Ruf N wurden jene FamN in separaten Artikeln behandelt, die eine relevante Formvarianz aufweisen und bei denen die morphologische wie auch die räumliche Erschliessung besonders signifikant ist. Es sind dies die FamN Kunz und Kuhn (beide zu ahd. kuoni), Rüegg (zu ahd. hruod ) und Lüthi (zu ahd. liut). 3 Es verbleiben neun FamN, die gemeinsam mit ihren Varianten gebündelt in zwei Sammelartikeln dokumentiert werden: Hug, Egli, Hartmann, Erni, Ott, Arnold, Richard, Hermann und Bürgi. Ein separater Sammelartikel befasst sich mit denjenigen Patronymen aus der oben genannten Rangliste, die auf Vollformen germanischer Ruf N basieren: Hartmann, Arnold, Hermann und Richard. 4 Der vorliegende Artikel hingegen behandelt FamN wie Ott, die entweder auf einen einstämmigen germanischen Ruf N (z. B. Otto) oder auf Kurzformen von Vollformen (z. B. Ottmar oder Ottbert) zurückgehen können. Dies sind neben Ott die FamN Egli, Erni, Bürgi und Hug. Der FamN Wolf (48 Tokens) erscheint in der oben genannten Rangliste nicht, da er mehreren Benennungsmotiven zugeordnet werden kann (s. u.). Aufgrund seiner hohen Frequenz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» wird er dennoch in diesem Sammelartikel berücksichtigt und gesondert abgebildet (sechste Karte). Aus zweigliedrigen germanischen Ruf N entwickelten sich bereits früh neben Vollformen auch vielfältige Kurzformen. 5 Diese lassen sich nach ihrer Genese in drei Typen unterteilen (Kunze 2004: 20): 1. einstämmige Kurzformen (z. B. Kuhn aus Kuonrat), 2. zweistämmige Kurzformen (z. B. Kurt aus Kuonrat) sowie 3. Lallformen (z. B. Beppo aus Bernhart). Kurzformen wiederum können entweder unsuffigiert (z. B. Kuhn) oder suffigiert (z. B. Kuoni oder Kunz) auftreten. Wie eingangs erwähnt, liegen den hier behandelten FamN männliche germanische Ruf N zugrunde, die entweder auf eine suffigierte oder eine unsuffigierte Kurzform des Ruf N zurückgehen. Die ent- 1 Die auf den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. die I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». In der Datenbank des FDS entspricht ein Token aus historischen Daten grob einer Schweizer Gemeinde, in welcher ein bestimmter FamN vorkam - nicht jedoch der Anzahl aller Personen, die den FamN trugen (Berchtold/ Kempf 2022: 152-153). Die reale Zahl der Namenträger: innen liegt somit deutlich höher. Da der Wert jedoch die Anzahl der Gemeinden und somit die Verbreitung eines FamN beziffert, kann er annäherungsweise als Grundlage für die Erstellung einer quantitätsbasierten Rangliste herangezogen werden. 2 Für die einzelnen Familiennamentypen sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen. Vgl. auch Artikel III-1.10 «Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen». 3 Vgl. die Artikel III-1.1 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni», III- 1.2 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut» und III-1.3 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod». 4 Vgl. Artikel III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 5 Zu den verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Zur inhaltlichen Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 663 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="42"?> sprechenden Patronyme werden in dieser Untersuchung getrennt dokumentiert: zunächst jene, die auf eine suffigierte Kurzform zurückgehen (Egli, Erni und Bürgi, erste, zweite und dritte Karte), anschliessend diejenigen, die aus einer unsuffigierten Kurzform des Ruf N (Hug und Ott, vierte und fünfte Karte) hervorgegangen sind. Im Unterschied zu den Einzelartikeln zu Patronymen aus germanischen Ruf N erfolgt die Darstellung in diesem Sammelartikel nicht ausgehend von althochdeutschen Namengliedern (kuoni, liut oder hruod ), sondern auf der Basis spezifischer FamN. Diese werden jeweils zusammen mit ihren Varianten kartiert und besprochen. Dem häufigsten FamN eines Typus (etwa Bürgi) werden sowohl graphematisch-phonologische Varianten (Bürgy, Bürki, Bürky) als auch morphologische Varianten wie Bürkli oder Bürkler zugeordnet. Weitere FamN, die zwar auf dasselbe germanische Erstglied zurückgehen (z. B. Arn, Arnitz, Arnold, Arnet aus ahd. arn ‘Adler’), jedoch keine Varianten desselben Typs (hier Erni) darstellen, werden nicht miteinbezogen und bleiben in diesem Artikel unberücksichtigt. Die Kartenkomplexe der beiden Sammelartikel zu Patronymen aus germanischen Ruf N beschränken sich zudem auf (schweizer-)deutsche FamN. Romanische Ref lexe des zugrunde liegenden Ruf N bzw. des entsprechenden althochdeutschen Erstglieds, wie bspw. die in der Romandie belegten FamN Dugon, Hugon oder D’Huc für das althochdeutsche Namenelement hugu, werden hier nicht berücksichtigt. Fragestellungen: Vor diesem Hintergrund rücken folgende Fragen in den Fokus dieses Artikels: Wo kommen die fünf ausgewählten FamN (inklusive ihrer Varianten) in der Deutschschweiz vor und in welchem räumlichen Verhältnis stehen die Simplizia gegenüber weiteren Bildungsvarianten (erste bis fünfte Karte)? Zeigen die Patronyme aus suffigierten Kurzformen des Ruf N gegenüber denjenigen aus unsuffigierten Kurzformen spezifische Verbreitungsareale und lassen sich aus den ausgewerteten Namen Rückschlüsse auf bestimmte formale Charakteristika von hochfrequenten Patronymen ziehen? Dieser letzten Frage wird anhand einer Sammeldarstellung in der siebten Karte nachgegangen. Über diese zentralen Fragestellungen hinaus dokumentiert die sechste Karte gesondert den mehrdeutigen FamN Wolf und dessen Varianten. 664 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="43"?> Erste Karte {295}: Familiennamentyp Egli Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 6 die in der etymologischen Datenbank (Stand 22.02.2024) auf den Ruf N Egli zurückgeführt werden. Da der Familiennamentyp ausschliesslich graphematisch-phonologische Varianz zeigt und sich morphologisch nicht weiter entfaltet hat, werden die entsprechenden Patronyme hier gruppiert als ein Typ dargestellt. Abgefragte Namen Typ Egli, vor 1800 u. Herkunft: Egeli, Eggel, Eggli, Eggly, Egle, Egli, Eglin. 7 Types, 92 Tokens. Kreise 11-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 309: Daten zur ersten Karte {295} Detailangaben zur Namenauswahl: 7 Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf einen germanischen Ruf N zurück, der aus einer Kurzform von Egloff oder Eckhard entstanden ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 213). Dabei wurde das Zweitglied abgeschwächt und das Erstglied mit einem Diminutivsuffix -li(n) (in verschiedenen Schreibvarianten) erweitert. Im Id. 1 (1881 ff.: Sp. 144) ist Egli als Ruf- und FamN belegt. Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. ekka, egga ‘(Schwert-)Schneide, Spitze’ gebildet - sind vermutlich folgende FamN der Deutschschweiz: Eggo, Egloff , Egolf , Eglauf , Acklin, Aklin und Ackle. Die FamN zum Typ Egli zeigen Varianz in der Realisierung des Diminutivsuffixes (-li, -ly, -le, -lin und -el ) und in der Synkopierung des -e- (Egeli/ Egli). 8 Kommentar: Der Namentyp Egli verteilt sich in der Deutschschweiz v. a. im Mittelland. Wenige Streubelege sind im deutschsprachigen Wallis zu finden. Der Schwerpunkt liegt nordöstlich des Zürichsees und nördlich des Walensees mit Ballungen in den Kantonen Zürich (v. a. im Zürcher Oberland) und St. Gallen (v. a. im Toggenburg). Karte 295: Familiennamentyp Egli, vor 1800 u. Herkunft 6 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 7 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 8 Vgl. die Artikel I-1.16 «Synkope», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und I-2.1 «Nasalschwund». 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 665 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="44"?> Zweite Karte {296}: Familiennamentyp Erni Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Erni zurückgeführt werden. Wie im vorigen Beispiel von Egli zeigt der Familiennamentyp Erni ausschliesslich phonologisch-graphematische Varianz und hat sich morphologisch nicht weiter diversifiziert. Aus diesem Grund werden alle entsprechenden Patronyme als ein einziger Typ kartiert. Abgefragte Namen Typ Erni, vor 1800 u. Herkunft: Aerne, Aerni, Aerny, Arni, Erne, Erni, Erny. 7 Types, 76 Tokens. Kreise 11-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 310: Daten zur zweiten Karte {296} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf eine Kurzform zum Ruf N Arnold (ahd. arn ‘Adler’ und Verbalstamm von ahd. waltan ‘herrschen’) zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 228). Dabei wurde das Zweitglied getilgt und das Erstglied mit einem Diminutivsuffix -i (in verschiedenen Schreibvarianten) erweitert. 9 Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. arn ‘Adler’ gebildet - sind folgende FamN der Deutschschweiz: Arn, Arnitz, Arnold, Arnet und evtl. Nold. Der ebenfalls hochfrequente FamN Arnold wird zusammen mit weiteren FamN aus Vollformen althochdeutscher Ruf N im zweiten Sammelartikel behandelt. 10 Beim Familiennamentyp Erni ergibt sich Varianz einerseits durch die graphische Realisierung des Anlauts (als <Ae> bzw. <E> mit Umlaut sowie <A> ohne Umlaut), andererseits durch die Schreibung des Diminutivsuffixes (-i, -y und -e). 11 Kommentar: Die FamN aus dem Ruf N Erni sind grundsätzlich ein Typ des Mittellands. Im Wallis sowie in grossen Teilen der Zentralschweiz und Graubündens treten sie nicht auf. Eine höhere Konzentration zeigt sich in den Kantonen Luzern (v. a. im Luzerner Hinterland), Solothurn (v. a. im Bezirk Bucheggberg) und Aargau (v. a. im Bezirk Zurzach). Auch nordöstlich des Zürichsees (Zürcher Oberland) und im Toggenburg (SG) kommen Namennester vor. Karte 296: Familiennamentyp Erni, vor 1800 u. Herkunft 9 Vgl. das Id. 1 (1881 ff.: Sp. 461), das Erni bzw. Ärni als Ruf- und FamN nachweist. 10 Vgl. Artikel III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 11 Vgl. die Artikel I-1.4 «Schreibvariation Trema oder Digraph bei Umlauten», I-1.14 «Schreibvariation i/ y» und II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y». 666 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="45"?> Dritte Karte {297}: Familiennamentyp Bürgi Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Bürgi zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Diminutiv + -i(n), -y, -e: Bürge, Bürgi, Bürgin, Bürgy, Bürke, Burki, Bürki, Burky, Bürky. 9 Types, 91 Tokens. Diminutiv -li, -le: Bürkle, Bürkli. 10 Tokens. Patronymisches Suffix -ler: Bürkler. 2 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 311: Daten zur dritten Karte {297} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf eine Kurzform zum Ruf N Burkhard (ahd. burg ‘Burg, Stadt, Schutz’ und ahd. harti ‘hart, stark’) zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 166). Dabei wurde bei Bürgi das Zweitglied getilgt und das Erstglied mit einem Diminutivsuffix -i (in verschiedenen Schreibvarianten) erweitert. 12 Der Ruf N Burkhard ist in zahlreichen Varianten (darunter viele Kurzformen) in den Familiennamenschatz der Deutschschweiz eingegangen. Neben dem Typ Bürgi sind vielfältige FamN entstanden, wie z. B. Burkhard (und Varianten), Burch, Burtschi, Bussmann oder Purtschert. Für den Familiennamentyp Bürgi lässt sich auf graphematisch-phonologischer Ebene folgende Varianz beobachten: u / ü, g / k sowie die unterschiedliche Schreibung des Auslauts im Diminutivsuffix (-i, -in, -y und -e). Die Varianten mit l-Diminutiv (Bürkle, Bürkli) sind gegenüber den l-losen zahlenmässig deutlich spärlicher. Der FamN Bürkler mit patronymischen Suffix -ler kommt nur sehr selten vor. 13 Ausgeschlossen, weil etymologisch unsicher, sind der FamN Bürgis (evtl. zu einem Toponym, das wiederum auf den Ruf N Bürgi zurückzuführen ist) 14 und der FamN Bürgisser, der eher als HerkunftsN zu deuten ist, da er vermutlich auch aus einem Toponym Bürgis abgeleitet ist. Ebenfalls nicht in die Auswahl aufgenommen wurde der häufige FamN Bürgler, ein Herkunfts- oder WohnstättenN Karte 297: Familiennamentyp Bürgi, vor 1800 u. Herkunft 12 Vgl. das Id. 2 (1881 ff.: Sp. 1645), das die Kurzformen Burki, Bürki, Bürklin und Bürgi als Ruf- und FamN belegt. 13 Vgl. die Artikel I-2.6 «Schreibvariation bei Plosiven im Inlaut», I-1.3 «Fehlende und durchgeführte Umlautung», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner». 14 Vgl. dazu z. B. in Sevelen (SG) Bürgis Hütte (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 16007807). 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 667 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="46"?> zu Toponymen oder Appellativen, die eine Burg, ein burgähnliches Gelände oder eine befestigte Siedlung bezeichnen. 15 Kommentar: Wie die Typen Egli und Erni sind auch die FamN aus dem Ruf N Bürgi prinzipiell ein Typ des Mittellands, wobei einige Belege im Berner Oberland und in den Kantonen Obwalden und Schwyz zu finden sind. Im Wallis, im Grossteil der Zentralschweiz sowie Graubündens treten sie nicht auf. Die höchste Konzentration zeigt sich im Kanton Bern in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Seeland. Geballt kommen die FamN auch im Kanton Basel- Landschaft vor, v. a. im Bezirk Sissach. Weitere Nester sind im Kanton St. Gallen zu finden - insbesondere zwischen dem Toggenburg und dem Bezirk Münchwilen -, Streubelege zeigen sich u. a. in den Kantonen Solothurn, Freiburg, Aargau und Schwyz. Die Varianten mit l-Diminutiv erscheinen in einem Nest im Entlebuch (LU) sowie als Streubelege in der östlichen Deutschschweiz. Der FamN Bürkler tritt in zwei Gemeinden des Toggenburgs (SG) auf. Burky im französischsprachigen Kanton Waadt stellt eine adaptierte Variante eines FamN dar, dessen Träger: innen ursprünglich aus dem Kanton Bern zugewandert sind. Vierte Karte {298}: Familiennamentyp Hug Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf einen Ruf N mit dem Erstglied ahd. hugu zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplizia: Haug, Hug, Hugo. 95 Tokens. Diminutiv -i(n): Hügi, Hügin. 7 Tokens. Diminutiv -li, -ly, -el: Hüggel, Hügli, Hügly. 14 Tokens. Patronymisches Suffix -er: Hugener, Huggler. 9 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 312: Daten zur vierten Karte {298} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf einen männlichen germanischen Ruf N mit dem Namenglied ahd. hugu ‘Sinn, Gedanke’ zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 342). Die FamN Hugo und Hug (mit der Variante Haug) werden hier zum selben Typ der Simplizia gezählt, da sie beide entweder auf den einstämmigen Ruf N Hugo oder auf Kurzformen von Vollformen Karte 298: Familiennamentyp Hug, vor 1800 u. Herkunft 15 Vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 668 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="47"?> wie Hubbert oder Hugfried zurückgehen können. Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. hugu gebildet - sind folgende FamN der Deutschschweiz: Hubert, Hüppi und Hüppin. Diese bleiben jedoch unberücksichtigt, da sich der vorliegende Artikel ausschliesslich mit einstämmigen Formen des Typs Hug befasst. Für den Familiennamentyp Hug lässt sich auf graphematisch-phonologischer Ebene folgende Varianz beobachten: u / ü / au, 16 g / gg und die unterschiedliche Schreibung des Auslauts im Diminutivsuffix (-i, -in, -y und -el ). Die Simplizia, v. a. durch den sehr häufigen FamN Hug vertreten, sind gegenüber den Diminutiven und den patronymischen Ableitungen bei weitem der frequenteste Bildungstyp. Kommentar: Der Familiennamentyp Hug ist im Grossteil der deutschsprachigen Schweiz vertreten. Nur die beiden einander benachbarten Kantone Glarus und Schwyz weisen keine Belege dieses Namentyps auf. In Graubünden ist er lediglich einmal in der deutschsprachigen Region Landquart dokumentiert. Die höchste Konzentration an Simplizia zeigt sich in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Thurgau. Die FamN mit l-Diminutivsuffix sind typisch für den Kanton Bern, insbesondere für die Verwaltungskreise Bern-Mittelland, Emmental und Seeland. Die wenigen diminuierten FamN auf -i(n) zeigen kein bestimmtes Areal. Die patronymischen Ableitungen auf -er treten v. a. im Berner Oberland auf. Fünfte Karte {299}: Familiennamentyp Ott Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf einen Ruf N mit dem Erstglied ahd. ōd ‘Reichtum, Besitz, Erbgut’ zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplizia: Ott, Otth, Otto. 51 Tokens. Diminutiv -i: Otti. 1 Token. Diminutiv -li, -le: Oettle, Oettli. 12 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 313: Daten zur fünften Karte {299} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf einen männlichen germanischen Ruf N mit dem Namenglied ahd. ōd ‘Reichtum, Besitz, Erbgut’ zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 493-494). Die FamN Otto und Ott (mit der Schreib- Karte 299: Familiennamentyp Ott, vor 1800 u. Herkunft 16 Vgl. Artikel I-1.11 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ū». 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 669 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="48"?> variante Otth) werden hier zum selben Typ der Simplizia gezählt, da beide entweder auf den einstämmigen Ruf N Otto oder auf Kurzformen von Vollformen wie Ottmar oder Ottbert zurückgehen können. Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem Erstglied ahd. ōd gebildet - sind folgende FamN der Deutschschweiz: Ogg, Oegger, Oegerli, Oeggerli. Diese bleiben jedoch unberücksichtigt, da sich der vorliegende Artikel ausschliesslich mit einstämmigen Formen des Typs Ott befasst. Beim Familiennamentyp Ott ergibt sich Varianz durch die Schreibung des finalen -t bzw. -th und des Diminutivsuffixes -le bzw. -li. 17 Die Simplizia, v. a. durch den sehr häufigen FamN Ott (44 Tokens) vertreten, sind gegenüber den Diminutiven und den patronymischen Ableitungen bei weitem der frequenteste Bildungstyp. Kommentar: Der Familiennamentyp Ott kommt geballt v. a. in den Kantonen Zürich, Aargau und Schwyz vor. Die Schreibvariante Otth ist typisch für das Berner Haslital, wo sie ein Namennest bildet. Die Variante Otti ist der einzige Fall von i-Diminutiv und tritt im Seeland (BE) in Erscheinung. Unter den FamN mit l-Diminutivsuffix ist Oettli typisch für den Kanton Thurgau, insbesondere für den Bezirk Weinfelden, während die Variante Oettle nur einmal in Kirchberg (SG) vorkommt. Sechste Karte {300}: Familiennamentyp Wolf Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die auf eine Ausgangsform Wolf zurückzuführen sind, deren motivische Einordnung unsicher ist (s. u.). Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden FamN nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplizia: Wolf , Wolff . 58 Tokens. Patronymisches Suffix -er: Wolfer. 8 Tokens. Diminutiv -li, -le: Wölfle, Wölfli. 2 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 314: Daten zur sechsten Karte {300} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN können mehreren Benennungsmotiven zugeteilt werden: 1. Patronyme: Sie gehen auf einen Ruf N mit dem Erstglied ahd. wolf ‘Wolf ’ zurück - entweder auf den eingliedrigen Ruf N Wolf oder auf Kurzformen zweigliedriger Vollformen wie Wolfgang oder Wolfram. 2. ÜberN: Zum appellativischen Element mhd. wolf ‘Wolf ’, im übertragenen Sinn für einen wilden, gefährlichen Menschen (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 731). 3. In Einzelfällen kann es sich bei den Wolf - Karte 300: Familiennamentyp Wolf, vor 1800 u. Herkunft 17 Vgl. die Artikel I-2.8 «Schreibvariation t/ th» und II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven». 670 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="49"?> FamN um WohnstättenN (zu HäuserN) oder HerkunftsN handeln. Trotz der unsicheren Zuweisung zu den Patronymen werden die FamN aus Wolf wegen ihrer hohen Frequenz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» hier kartiert; man beachte aber auch die Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» und III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». Als Zweitglied kommt ahd. wolf in mehreren FamN der Deutschschweiz vor: Egloff (und Varianten), Landolf , Lütolf , Marolf , Rudolf (und Varianten). Beim Familiennamentyp Wolf lässt sich auf graphematisch-phonologischer Ebene folgende Varianz feststellen: einerseits die Schwankung am Wortende zwischen -f und -ff , andererseits unterschiedliche Schreibungen des Diminutivsuffixes -li bzw. -le. Die Simplizia - insbesondere vertreten durch den sehr häufigen FamN Wolf - stellen mit Abstand den häufigsten Bildungstyp dar. Diminutivformen und patronymische er-Ableitungen treten deutlich seltener auf. Kommentar: Der Familiennamentyp Wolf ist vielerorts in der deutschsprachigen Schweiz verbreitet. Mit Ausnahme des Kantons Luzern sowie eines Einzelbelegs in Obwalden ist die Zentralschweiz - einschliesslich des angrenzenden Kantons Glarus und der beiden Appenzeller Halbkantone - weitgehend frei von diesem Namentyp. Auch in der nordwestlichen Grenzregion zu Deutschland treten entsprechende FamN nur vereinzelt auf. Die höchste Konzentration an Simplizia findet sich im Luzerner Hinterland, insbesondere in den Wahlkreisen Willisau und Sursee. Relativ zahlreich sind Patronyme aus Wolf zudem im angrenzenden Berner Oberaargau sowie im Kanton Zürich. Die wenigen FamN mit l-Diminutivsuffix zeigen hingegen kein bestimmtes Areal. Der FamN Wolfer ist typisch für den Kanton Zürich, insbesondere für das Gebiet um die Städte Zürich und Winterthur. Siebte Karte {301}: Familiennamen nach Bildungstyp des zugrunde liegenden Rufnamens Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN, die in den ersten fünf Karten erfasst wurden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme hier nach dem Bildungstyp ihrer Ausgangsform: Zum ersten Typ zählen Patronyme aus suffigierten Kurzformen der jeweiligen zugrunde liegenden Ruf N (z. B. FamN Erni), der zweite Typ umfasst Patronyme aus unsuffigierten Kurzformen der jeweiligen zugrunde liegenden Ruf N (z. B. FamN Hug). Abgefragte Namen FamN aus suffigierten Kurzformen germanischer RufN: Aerne, Aerni, Aerny, Arni, Bürge, Bürgi, Bürgin, Bürgy, Bürke, Burki, Bürki, Burky, Bürky, Egeli, Eggel, Eggli, Eggly, Egle, Egli, Eglin, Erne, Erni, Erny. 23 Types, 259 Tokens. FamN aus unsuffigierten Kurzformen germanischer RufN: Haug, Hug, Hugener, Hüggel, Huggler, Hügi, Hügin, Hügli, Hügly, Hugo, Ott, Otth, Otti, Oettle, Oettli, Otto. 16 Types, 189 Tokens. Karte 301: Patronyme aus suffigierten vs. unsuffigierten Kurzformen germanischer RufN, vor 1800 u. Herkunft 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 671 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="50"?> Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 315: Daten zur siebten Karte {301} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN des ersten Typs weisen im Vergleich zu jenen des zweiten Typs eine grössere Schreibvarianz auf, insbesondere in der Realisierung der Diminutivsuffixe. Die einfache Silbenstruktur der FamN Hug und Ott hingegen lässt weniger Raum für graphematische Modifikationen. Mit gebotener Vorsicht lässt sich daraus ableiten, dass die FamN des zweiten Typs näher an der standardisierten Form des Ruf N liegen, während Patronyme aus suffigierten Kurzformen eher mundartlichen Varianten entsprechen. In Bezug auf die Anzahl an Types und Tokens sind Patronyme aus suffigierten Kurzformen germanischer Ruf N insgesamt am häufigsten vertreten. Kommentar: Die Patronyme aus suffigierten Kurzformen bilden zwei grosse Verbreitungsareale: Das erste umfasst ein zusammenhängendes Gebiet in den Kantonen Bern (v. a. das Mittelland), Luzern (v. a. das Luzerner Hinterland), Aargau und Basel-Landschaft. Das zweite erstreckt sich über den Nordosten des Landes, insbesondere in den einander angrenzenden Kantonen Zürich, St. Gallen und Thurgau. Diese beiden Areale sind von einem Gebiet getrennt, in dem die Patronyme aus unsuffigierten Kurzformen vorherrschen. Dieses Gebiet umfasst Teile der Kantone Aargau, Zürich, Zug und Schwyz. Auch der äussere Nordosten - v. a. Thurgau und St. Gallen - wird von diesem zweiten Patronymtyp dominiert. Weitere, punktuell auftretende Vorkommen finden sich über die gesamte Deutschschweiz verteilt, auffällig etwa südlich der Stadt Winterthur (ZH), im Oberaargau (BE) und im Berner Oberland (Haslital). Ergebnisse Die hier behandelten FamN sind im gesamten deutschsprachigen Gebiet der Schweiz verbreitet, wobei das Mittelland gegenüber den alpinen Regionen stärker vertreten ist. Dieses Verbreitungsbild entspricht der allgemeinen Tendenz innerhalb des Benennungsmotivs der Patronyme. Die oben geschilderten Untertypen - 1. FamN aus einer suffigierten Kurzform der zugrunde liegenden Ruf N (Egli, Erni und Bürgi) und 2. solche aus einer unsuffigierten Kurzform (Hug und Ott) - weisen unterschiedliche regionale Schwerpunkte auf (vgl. siebte Karte). Auf formaler Ebene weisen beide Gruppen Varianz auf, wobei der Namentyp Bürgi mit insgesamt 12 belegten Typen die grösste Varianz zeigt. Generell zeichnen sich die FamN des ersten Typs durch eine breite graphematische Varianz bei gleichzeitig geringer morphologischer Diversität aus - vermutlich deshalb, weil sie bereits diminuiert vorliegen (z. B. Egli, Erni). Die Namen des zweiten Typs hingegen weisen eine grössere Bandbreite an Bildungsformen auf, darunter sowohl Diminutiva (mit und ohne Liquid) als auch er-Ableitungen. Im Vergleich zu den Simplizia zeigen diese abgeleiteten Formen teilweise regionale Präferenzen. Weitere patronymische Bildungsweisen - etwa Ableitungen mit -mann, -ig oder Genitivsuffixen - sind bei den hier untersuchten FamN nicht belegt. Bei allen sechs Namentypen übertreffen die unveränderten Formen hinsichtlich der Tokenfrequenz die abgeleiteten Varianten deutlich. Dies dürfte in erster Linie auf die relativ hohe graphematische und lautliche Varianz der unveränderten Formen zurückzuführen sein. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der Annahme, dass die grosse Formenvielfalt innerhalb der Patronyme im Wesentlichen auf dialektale Realisierungen sowie auf unterschiedliche Schreibweisen lautidentischer Formen zurückgeht (Nübling/ Kunze 2023: 279). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Egli (7'807 Tokens), Hug (5'814 Tokens) und Wolf (3'334 Tokens). Die hohe Frequenz der FamN Hug und Wolf kann auch durch Zuwanderung aus anderen deutschsprachigen Ländern erklärt werden. In der rezenten Rangliste der FamN der ständigen Wohnbevölkerung der deutschsprachigen Schweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Egli den 36. Platz und ist somit - nach Kunz, Lüthi, Arnold und Marti - das fünfthäufigste Patronym im deutschsprachigen Landesteil. Vergleich mit benachbartem Ausland: Die Patronyme aus einer suffigierten Kurzform eines germanischen Ruf N (Egli, Erni und Bürgi) sind alle mit dem für die Schweiz typischen Diminutivsuffix -(l)i gebildet und kommen folglich in Deutschland nur sehr selten vor. Hingegen belegt Ott unter den häufigsten FamN in Deutschland Rang 120 (DFA 6 2017: 408-409) und Hug Rang 1'686 (DFA 1 2009: 448-449). Während Ott verstreut besonders in der ganzen südlichen Hälfte Deutschlands auftritt, ist Hug v. a. im Südwesten des Landes heimisch, wo er mit der Schweiz eine gemeinsame Namenlandschaft bildet. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Berchtold, Simone/ Kempf, Luise (2022): Familiennamenatlas der Deutschschweiz (FDS). Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 57(2), 151-163. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 22.02.2024). 672 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="51"?> DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 22.02.2024). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 22.02.2024). Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Linda Steiner 1.4 Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen 673 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="52"?> 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen Schlagwörter: dithematischer Rufname, kontrahierte Form, Kurzform, männlicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: Der vorliegende und der dazugehörige weitere Sammelartikel ergänzen die Dokumentation der häufigsten Patronyme in der Deutschschweiz bzw. der produktivsten zugrunde liegenden althochdeutschen Namenglieder. 1 Besprochen werden in den beiden Sammelartikeln ausgewählte Familiennamentypen, die auf germanische Ruf N zurückgehen und deren häufigste Variante in den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» zu den 20 frequentesten Patronymen der Deutschschweiz zählt. 2 Im vorliegenden Kartenkomplex werden die FamN Hartmann, Arnold, Richard und Hermann behandelt. Der etymologisch uneindeutige FamN Bosshard wird wegen seiner hohen Frequenz hier ebenfalls besprochen. Hintergrund: In der nach Häufigkeit geordneten Top-20-Liste der Patronyme erscheinen folgende FamN: Peter, Hug, Kunz, Egli, Marti, Hartmann, Kuhn, Michel, Christen, Lüthi, Martin, Erni, Rüegg, Ott, Jost, Arnold, Richard, Hermann, Bürgi und Jenni. Davon leiten sich sieben FamN von nicht-germanischen Ruf N ab; sie werden in separaten Artikeln bzw. in einem weiteren Sammelartikel behandelt: Peter (zu Petrus), Marti und Martin (beide zu Martīnus), Michel (zu Michael ), Christen (zu Christiānus), Jost (zu Jodocus) und Jenni (zu Johannes). 3 Von den 13 häufigsten Patronymen aus germanischen Ruf N wurden jene FamN gesondert behandelt, die eine relevante Formvarianz aufweisen und bei denen die morphologische wie auch die räumliche Erschliessung besonders signifikant ist. Es sind dies die FamN Kunz und Kuhn (beide zu ahd. kuoni), Rüegg (zu ahd. hruod ) und Lüthi (zu ahd. liut). 4 Es verbleiben neun FamN, die gemeinsam mit ihren Varianten gebündelt in zwei Sammelartikeln dokumentiert werden: Hug, Egli, Hartmann, Erni, Ott, Arnold, Richard, Hermann und Bürgi. Ein separater Sammelartikel befasst sich mit denjenigen Patronymen aus der oben genannten Rangliste, die auf Kurzformen germanischer Ruf N basieren: Hug, Egli, Erni, Ott und Bürgi. 5 Der vorliegende Artikel hingegen behandelt diejenigen FamN, die auf eine Vollform eines männlichen, zweigliedrigen germanischen Ruf N zurückgehen. Dies sind die FamN Hartmann, Arnold, Richard und Hermann. Der FamN Bosshard (43 Tokens) erscheint in der oben genannten Rangliste nicht, da er mehreren Benennungsmotiven zugeordnet werden kann (s. u.). Aufgrund seiner hohen Frequenz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» und seiner ausgeprägten regionalen Verankerung in der Schweiz wird er im vorliegenden Sammelartikel dennoch berücksichtigt und gesondert abgebildet (fünfte Karte). Wie bereits erwähnt, liegen den hier behandelten Patronymen Vollformen von männlichen, zweigliedrigen germanischen Ruf N zugrunde. Mit Vollformen sind hier Namen gemeint, deren ursprüngliches Namenmaterial (Erstglied + Zweitglied) und deren Konsonantenstruktur erhalten sind. Formvarianten mit abgeschwächtem Endsilbenvokal wie z. B. Richert (zu Richard ) werden zu den Vollformen gezählt, der FamN Richi hingegen zu den Kurzformen. Für die verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Für die Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). Für Näheres zu den verschiedenen Typen von Kurzformen in Patronymen der Schweiz s. Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen». Im Unterschied zu den Hauptartikeln zu Patronymen aus germanischen Ruf N erfolgt die Darstellung in diesem Sammelartikel nicht ausgehend von althochdeutschen Namengliedern (kuoni, liut oder hruod ), sondern auf der Basis spezifischer FamN. Diese werden jeweils zusammen mit ihren Varianten kartiert und besprochen. Folglich werden bspw. ausgehend vom FamN Richard graphematisch-phonologische Varianten wie Rychard und Rykart ermittelt und zu einem Typ gebündelt. Weitere FamN, die zwar auf dasselbe germanische Erstglied zurückgehen (z. B. Erni, Arn, Arnitz aus ahd. arn), jedoch keine Varianten desselben Typs (hier Arnold ) darstellen, werden nicht miteinbezogen und bleiben in diesem Artikel unberücksichtigt. Die Namensamples der beiden Sammelartikel zu den Patronymen aus germanischen Ruf N beschränken sich zudem auf (schweizer-)deutsche FamN. Romanische Ref lexe des zugrunde liegenden Ruf N bzw. des entsprechenden althochdeutschen Erstglieds, wie bspw. der in der Romandie belegte FamN Arnaud für das althochdeutsche Namenelement arn, werden hier nicht berücksichtigt. Fragestellungen: Vor diesem Hintergrund rücken folgende Fragen in den Fokus dieses Artikels: Zeigen die fünf ausgewählten FamN (inklusive ihrer Varianten) in ihrer Verbreitung homogene bzw. 1 Vgl. Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen». 2 Die auf den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». In der Datenbank des FDS entspricht ein Token aus historischen Daten grob einer Schweizer Gemeinde, in welcher ein bestimmter FamN vorkam - nicht jedoch der Anzahl aller Personen, die den FamN trugen (Berchtold/ Kempf 2022: 152-153). Die reale Zahl der Namenträger: innen liegt somit deutlich höher. Da der Wert jedoch die Anzahl der Gemeinden und somit die Verbreitung eines FamN beziffert, kann er annäherungsweise als Grundlage für die Erstellung einer quantitätsbasierten Rangliste herangezogen werden. 3 Für die einzelnen Familiennamentypen sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen. 4 Vgl. die Artikel III-1.1 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: kuoni», III- 1.2 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: liut» und III-1.3 «Patronyme zu germanischen Rufnamen: hruod». 5 Vgl. Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen». 674 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="53"?> regionale Bilder? Weisen die FamN aus Vollformen von germanischen Ruf N eine hohe graphematisch-phonologische Varianz auf und lässt sich diese räumlich festhalten? Kartiert werden die fünf Namentypen jeweils separat (erste bis fünfte Karte); innerhalb der Karte werden die dazugehörenden Varianten kontrastiv dargestellt. Erste Karte {302}: Familiennamentyp Hartmann Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 6 die in der etymologischen Datenbank (Stand 17.04.2024) auf den Ruf N Hartmann zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihren Bildungstypen. Abgefragte Namen Vollform: Hartmann. 74 Tokens. Kurzform Diminutiv -li: Härtli. 3 Tokens. Kurzform Suffix -(t)sch(e), -z: Härtsch, Härz, Herrsche, Hersche. 4 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 316: Daten zur ersten Karte {302} Detailangaben zur Namenauswahl: 7 Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf einen männlichen germanischen Ruf N zurück, der aus dem Erstglied ahd. harti ‘hart, stark’ und dem Zweitglied ahd. man ‘Mann’ gebildet ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 309). 8 Neben der Vollform Hartmann, die im Familiennamengut der Deutschschweiz keine graphematisch-phonologische Varianz aufweist, sind zwei Typen von suffigierten einstämmigen Kurzformen dokumentiert: ein erster Bildungstyp mit l-Diminutiv (Härtli) und ein zweiter Bildungstyp mit z-Suffix (Härtsch, Härz sowie Herrsche und Hersche in Kombination mit i-Suffix, verschriftet als <e>). 9 Unklar ist, ob die Kurzformen bereits in älterer Zeit aus Varianten des Ruf N hervorgingen oder erst in jüngerer Zeit aus bestehenden FamN gebildet wurden. Wahrscheinlicher ist Ersteres. Die Kurzformen sind gegenüber der Vollform zahlenmässig deutlich spärlicher. Ausgeschlossen, weil mehrdeutig, sind die FamN Hatz und Hertli sowie Hert und Hertig (evtl. ÜberN zu hert ‘hart’). Der FamN Härdi geht auf die aphäretische Kurzform eines Ruf N mit dem Zweitglied hart, z. B. Bernhard oder Eberhard, zurück. Die im Id. 2 (1881 ff.: Sp. 1479) dokumentierten mundartlichen Varianten des Ruf N Hart- Karte 302: Familiennamentyp Hartmann, vor 1800 u. Herkunft 6 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 7 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 8 Vgl. Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner». 9 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.3 «Familiennamen auf -(t)z und -(t)sch». 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen 675 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="54"?> mann (Haapi und Häpel ) haben keinen Eingang in das Familiennameninventar der Deutschschweiz gefunden. Kommentar: Der FamN Hartmann weist seinen Verbreitungsschwerpunkt im Kanton Graubünden auf, insbesondere in den früh verdeutschten Gebieten Prättigau, Landquart und Schanfigg. Eine weitere Ballung findet sich im sankt-gallischen Toggenburg. Weitere Nester sind im Zürcher Oberland sowie im Kanton Aargau belegt. In der Zentralschweiz sowie generell in den voralpinen und alpinen Regionen tritt der FamN hingegen nur vereinzelt auf. Die Kurzform Härtli ist ausschliesslich im Prättigau (GR) nachgewiesen. Die Varianten mit -(t)sch(e) bzw. -z konzentrieren sich in einem zusammenhängenden Gebiet, das sich über die Region Werdenberg (SG), das angrenzende Rheintal, die Gemeinde Appenzell (AI) und die Stadt St. Gallen erstreckt. Zweite Karte {303}: Familiennamentyp Richard Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Richard zurückgeführt werden. Da der FamN Richard in der französischsprachigen Schweiz homographisch vorkommt, erscheint der Name auf der Karte auch in dieser Sprachregion. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp: 1. Vollform, 2. Kurzform und 3. Interferenzform. Abgefragte Namen Vollform: Richard, Rychard, Rykart. 45 Tokens. Diminutivische Kurzform: Richi, Richle, Richli. 7 Tokens. Interferenzform: Ritschard. 4 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 317: Daten zur zweiten Karte {303} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN sind alle aus einem männlichen germanischen Ruf N entstanden, der aus dem Erstglied ahd. rīhhi ‘Herrschaft, Herrscher, Macht’ und dem Zweitglied ahd. harti ‘hart, stark’ gebildet ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 543). Für die FamN müssen zwei unterschiedliche Rezeptionswege angesetzt werden: Der FamN Richard geht in der Deutschschweiz auf den gleichlautenden deutschen Ruf N zurück, während das homographische Pendant in der Romandie auf der französischen Variante des Namens mit postalveolarer Aussprache von -chberuht. Der FamN Ritschard (mit tsch-Schreibung und affrikatischer Aussprache) kann daher als adaptierte Form eines französischen FamN interpretiert werden. Neben der Vollform Richard und ihren Varianten sind suffigierte einstämmige Kurzformen dokumentiert: Richi, Karte 303: Familiennamentyp Richard, vor 1800 u. Herkunft 676 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="55"?> Richle und Richli. 10 Unklar ist, ob die Kurzformen bereits in älterer Zeit aus Varianten des Ruf N hervorgingen oder erst in jüngerer Zeit aus bestehenden FamN gebildet wurden; wahrscheinlicher ist Ersteres. Richi und Richeli sind als Ruf N im Id. 6 (1881 ff.: Sp. 167) belegt. Bei den Vollformen des Familiennamentyps Richard ergibt sich Varianz einerseits durch die graphematisch-phonologische Realisierung des Gutturallauts - mit oder ohne Lautverschiebung (ch vs. k) -, andererseits durch die Schreibung des i (<i> vs. <y>). Die Kurzformen zeigen Varianz im Diminutivsuffix: -i, -li und -le. Allgemein lässt sich eine quantitative Dominanz der Vollformen gegenüber den Kurzformen beobachten. Ausgeschlossen, weil mehrdeutig, sind die FamN Reichlin und Reichling, bei denen es sich entweder um Kurzformen eines mit Richbeginnenden Ruf N oder um einen ÜberN zu schwzdt. rīch ‘reich’ handelt. Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied rīhhi gebildet - sind u. a. folgende FamN der Deutschschweiz: Rigert und Ryffel. Kommentar: Der FamN Richard zeigt in der Deutschschweiz zwei Konzentrationen: die erste in einer zusammenhängenden Region, die das Berner Emmental, den Oberaargau (BE) und den südwestlichen Zipfel des Kantons Aargau umfasst, und die zweite im Laufental (BL). Die Schreibvarianten der Vollform kommen jeweils einmalig vor: Rychard im Emmental (BE) und Rykart in Zofingen (AG). Die hohe Tokenzahl des FamN Richard (43 Tokens) in der Schweiz ist auf seine sprachübergreifende Präsenz zurückzuführen. In der Romandie ist der FamN über das ganze Territorium verstreut. Die Interferenzform Ritschard tritt im zur Sprachgrenze nahen Gebiet auf, punktuell in den Verwaltungskreisen Thun und Interlaken-Oberhasli (BE). Dritte Karte {304}: Familiennamentyp Arnold Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Arnold zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach formalen Kriterien: 1. die nicht-kontrahierte Form des FamN und 2. die kontrahierte Variante. Abgefragte Namen Arnold: 30 Tokens. Arnet: 7 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 318: Daten zur dritten Karte {304} Karte 304: Familiennamentyp Arnold, vor 1800 u. Herkunft 10 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y». 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen 677 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="56"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN sind alle aus einem männlichen germanischen Ruf N entstanden, der aus dem Erstglied ahd. arn ‘Adler’ und dem Zweitglied ahd. walt zu waltan ‘herrschen’ gebildet ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 95). Arnet ist die kontrahierte Form von Arnold und entspricht der mundartlichen Variante des Namens (Id. 1 1881 ff.: Sp. 461). Beide Vollformen lassen keine graphematisch-phonologische Varianz beobachten. Für die daraus entstandenen Kurzformen (Arn, Erni, Nold usw.) sei auf den Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» verwiesen. Kommentar: Der FamN Arnold tritt in der Deutschschweiz regional auf. Dabei bildet er zwei Nester: eines im Kanton Uri und eines im Luzerner Hinterland. Weitere Belege sind in der restlichen Deutschschweiz dokumentiert. Abgesehen von wenigen Streubelegen im nördlichen Teil des Kantons Thurgau kommt der FamN Arnold in der Ostschweiz nicht vor. Auch der Kanton Bern ist komplett frei von diesem Namentyp. Die mundartliche Variante Arnet ist typisch für den Kanton Luzern. Vierte Karte {305}: Familiennamentyp Hermann Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Hermann zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach graphematisch-phonologischen Kriterien: 1. ohne Doppelkonsonantengraphie und 2. mit Doppelkonsonantengraphie des r. Abgefragte Namen Hermann: 41 Tokens. Herrmann: 27 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 319: Daten zur vierten Karte {305} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf einen männlichen germanischen Ruf N mit dem Erstglied ahd. heri ‘Kriegsschar, Heer’ und dem Zweitglied ahd. man ‘Mann’ zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 342). Der Familiennamentyp Hermann ist formal relativ stabil. Es lässt sich lediglich eine graphematisch-phonologische Varianz von einfacher und doppelter Konsonanz (<r> neben <rr>) beobachten, wobei letztere die Kürze Karte 305: Familiennamentyp Hermann, vor 1800 u. Herkunft 678 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="57"?> des vorangehenden Vokals anzeigt (DFA 1 2009: 619). 11 Einfaches r herrscht mit etwa 60 % gegenüber doppeltem rr mit etwa 40 % vor. Weitere Bildungstypen, z. B. Diminutiva oder patronymische Ableitungen, sind nicht bezeugt. Die im Id. 2 (1881 ff.: Sp. 1607) dokumentierten Kurz- und Koseformen des Ruf N (Hermeli und Hermi) finden keine Realisierung als FamN. Ausgeschlossen, weil mehrdeutig, sind die FamN Harr (entweder Kurzform eines mit Herbeginnenden Ruf N oder ÜberN zu mhd. har ‘Flachs’), Heer (teils ÜberN zu mhd. hērre, hërre, schwzdt. Heer ‘Herr, Gebieter’, auch ‘Angehöriger einer städtischen Bevölkerung’) und die aphäretischen Namenformen Mani, Mahni und Manni (evtl. auch zum Ruf N Manuel ). Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus Ruf N mit dem althochdeutschen Erstglied heri gebildet - sind in der Deutschschweiz die FamN Herbert und Herport. Kommentar: Der Familiennamentyp Hermann kommt im grössten Teil der deutschsprachigen Schweiz vor. Beide Schreibvarianten bilden jeweils Namennester, z. B. Hermann im Kanton Basel-Landschaft und Herrmann im Emmental (BE) und Oberaargau (BE). Das Nebeneinander beider Varianten in einzelnen Gemeinden legt nahe, dass die unterschiedliche Schreibung zur Differenzierung von Namenträger: innen des sehr häufigen FamN herangezogen wurde. Fünfte Karte {306}: Familiennamentyp Bosshard Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf die Ausgangsform Bosshard zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach Schreibvariante des Zweitglieds -hard: 1. mit anlautendem h als -hard, 2. ohne anlautendes h als -ard, 3. abgeschwächt zu -ert. Abgefragte Namen Typ -hard: Bosshard, Bosshardt, Bosshart. 70 Tokens. Typ -ard: Bossard, Bossardt, Bossart. 28 Tokens. Typ -ert: Bossert. 9 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 320: Daten zur fünften Karte {306} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN können mehreren Benennungsmotiven zugeteilt werden: 1. Patronyme: Sie gehen auf eine mit z-Suffix entstandene Kurzform des Ruf N Burkhard zurück - etwa Posso, Bosso - mit -hard als zweites Karte 306: Familiennamentyp Bosshard, vor 1800 u. Herkunft 11 Vgl. Artikel I-1.15 «Längen- und Kürzenanzeige». 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen 679 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="58"?> Namenglied (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 149). 2. ÜberN: eine Art SatzN, der aus dem Verbalstamm von mhd. bossen ‘stossen, schlagen’ und dem Adverb mhd. hart, hert ‘hart, stark’ zusammengesetzt ist und einen groben, schlagkräftigen Menschen benannte. 12 Nicht auszuschliessen ist eine sekundäre Bildung in Anlehnung an Ruf N mit dem Zweitglied -hard. Gleicher etymologischer Herkunft - d. h. aus einer mit z-Suffix entstandenen Kurzform des Ruf N Burkhard - sind in der Deutschschweiz die FamN Boss, Bossli und Bussmann. Bei den Vollformen des Familiennamentyps Bosshard ergibt sich Varianz durch die graphematisch-phonologische Realisierung des Zweitglieds -hard: 1. Schreibung mit oder ohne anlautendem h (-hard, -hardt, -hart vs. -ard, -ardt, -art), 2. Schreibung des Auslauts mit -d, -dt oder -t und 3. mit Abschwächung des unbetonten Zweitglieds -hard zu -ert; 13 vgl. dazu Günthard / Güntert, Leuthard / Leuthert/ Lüthert, Reinhard / Reinert/ Rinert usw. Kommentar: Der Familiennamentyp Bosshard kommt fast ausschliesslich im Mittelland vor. Die Schreibvarianten mit oder ohne Erhalt von anlautendem h verteilen sich räumlich komplementär: Diejenigen mit h sind typisch für den Kanton Zürich, wo sie in der Region zwischen dem Zürcher Oberland und der Stadt Winterthur ein grosses Namennest bilden. Die Namenvarianten ohne h zeigen im Vergleich mit den h-haltigen Pendants ein eher verstreutes Bild mit vier Ballungen: die grösste in der Region zwischen den benachbarten Kantonen Luzern und Aargau, eine zweite in den Aargauer Bezirken Brugg und Laufenburg, eine dritte im Kanton Zug und eine vierte zwischen den Städten Wil (SG) und St. Gallen. Der FamN Bossert ist nur wenige Male in den Kantonen Luzern, Aargau und Basel-Landschaft belegt. Ergebnisse Die hier behandelten FamN kommen im gesamten deutschsprachigen Gebiet der Schweiz vor, wobei das Mittelland gegenüber den alpinen Regionen stärker beteiligt ist. Dieses Verbreitungsbild entspricht der allgemeinen Tendenz innerhalb der Patronyme. Zudem zeigt sich insgesamt eine Tendenz zur Bildung regionaler Namennester. Mit Ausnahme der Patronyme aus Hermann, die eine überregionale Streuung aufweisen, konzentrieren sich die übrigen ausgewählten Namentypen zumeist in mehreren voneinander unabhängigen Ballungsräumen. So tritt etwa der FamN Arnold gehäuft im Kanton Uri und im Luzerner Hinterland auf. Generell weisen FamN, die auf Vollformen germanischer Ruf N zurückgehen, eine geringe formale Diversifikation auf. Weder in der Schreibung noch in der morphologischen Bildung lässt sich eine ausgeprägte Varianz beobachten. Patronymische Wortbildungsmuster wie etwa -mann, -ig oder Genitivsuffixe sind für diese FamN nicht belegt. Bei allen fünf Namentypen zeigen jene Formen, die hinsichtlich des Schriftbilds und der Lautung näher an der standardisierten Variante des Ruf N liegen, eine deutlich höhere Tokenfrequenz als dialektal-regionale Varianten. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Arnold (8'101 Tokens), Hartmann (4'897 Tokens) und Bosshard (3'713 Tokens). Wegen des polyglottischen Charakters des Namens Arnold kann seine hohe Frequenz auch durch Zuwanderung aus deutschsprachigen (Deutschland und Österreich) und englischsprachigen Ländern erklärt werden. In der rezenten Rangliste der FamN der ständigen Wohnbevölkerung der deutschsprachigen Schweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Arnold den 34. Platz und ist somit - nach Kunz und Lüthi - das dritthäufigste Patronym in der deutschsprachigen Landesregion. Vergleich mit benachbartem Ausland: Die hier behandelten Patronyme aus einer Vollform eines germanischen Ruf N kommen alle auch in Deutschland vor (DFD o. J.): Hartmann belegt dort Rang 24 unter den häufigsten FamN, Arnold Rang 98, Hermann Rang 114. Letzterer FamN zeigt eine Konzentration im Süden des Landes, wo er mit der Schweiz eine gemeinsame Namenlandschaft bildet. Richard ist in Deutschland niederfrequent, dafür steht die Variante Reichert auf dem 194. Platz. Der in der Schweiz häufige FamN Bosshard und seine Varianten kommen in Deutschland generell sehr selten vor und können somit als Schweizer Charakteristikum betrachtet werden. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Berchtold, Simone/ Kempf, Luise (2022): Familiennamenatlas der Deutschschweiz (FDS). Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 57(2), 151-163. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 17.04.2024). DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. 12 Vgl. Artikel II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 13 Vgl. die Artikel I-2.7 «Schreibvariation bei Plosiven im Auslaut» und II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut». 680 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="59"?> DFD = Nübling, Damaris et al. (o. J.): Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). https: / / www.namenforschung.net/ dfd/ woerterbuch/ liste/ (letzter Zugriff 17.04.2024). Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 17.04.2024). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Linda Steiner 1.5 Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen 681 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="60"?> 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus Schlagwörter: biblischer Rufname, Heiligenname, männlicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden die FamN besprochen, die auf den lateinischen Ruf N Petrus zurückgehen. Der FamN Peter ist in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» vor Hug und Kunz das häufigste Patronym der Deutschschweiz. 1 Die FamN aus Petrus treten auch in den romanischsprachigen Gebieten der Schweiz zahlreich auf, wo sie eine breite und interessante Formvarianz erkennen lassen. Mit 138 Types in der ganzen Schweiz lässt der Namentyp eine grosse formale Ausprägung erkennen. Somit ist die morphologische und räumliche Erschliessung des Namentyps aufgrund seiner Frequenz und Formenvielfalt von Relevanz. Hintergrund: Die hier behandelten Patronyme gehen alle auf den männlichen lateinischen Ruf N Petrus (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 503-504) bzw. auf dessen deutsche oder romanische Realisierungen zurück (Besnard/ Desplanques 1991: 150; Rossebastiano/ Papa 2005: 1025-1029). Der Ruf N Petrus war schon bei den ersten Christen weit verbreitet und wurde u. a. aufgrund des Prestiges und des Kults des heiligen Petrus sehr populär. Im deutschen Sprachraum war Peter im Mittelalter und bis zur Reformation einer der beliebtesten nichtgermanischen Ruf N und einer der häufigsten männlichen Ruf N überhaupt (Kunze 2004: 44-46; FLNB II/ 2 2008: 297). Eine sehr hohe Popularität des Ruf N kann auch für Frankreich und Italien festgestellt werden, was sich in beiden Ländern in der grossen Häufigkeit von FamN widerspiegelt, die auf Petrus zurückgehen (Morlet 1997: 774, 784; Caffarelli/ Marcato 2008: 1338; Caffarelli 2016: 44-45). 2 Fragestellungen: Die erste Karte zeigt sämtliche zu Petrus gebildeten FamN gruppiert nach Sprachzugehörigkeit, wodurch die Verbreitung der entsprechenden Patronyme über die vier Landessprachregionen der Schweiz erfasst werden kann. Die zweite Karte veranschaulicht die geographische Verbreitung der fünf am häufigsten belegten FamN zu Petrus. Die dritte Karte dokumentiert die durch Sprachinterferenz adaptierten Patronyme - sowohl im westlichen deutsch-französischen Kontaktgebiet als auch im östlichen Übergangsraum zum Alträtoromanischen. Die vierte Karte schliesslich widmet sich den verschiedenen Bildungstypen der Patronyme zu Petrus aus sprachübergreifender Perspektive. Erste Karte {307}: Patronyme zu Petrus nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 3 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 25.01.2024) auf den Ruf N Petrus zurückzuführen sind. Die entsprechenden Patronyme werden den vier Sprachregionen zugeordnet und kontrastiv kartiert. FamN, die infolge von Binnenmigration in mehreren Sprachregionen der Schweiz auftreten, werden nach folgendem Prinzip klassifiziert: Weisen sie keine formale Adaption auf - wie etwa der Name Peter in der französischsprachigen Gemeinde Aubonne (VD) -, gelten sie als deutsch. FamN, die durch sprachliche Interferenz formal an die Zielsprache angepasst wurden, werden hingegen dieser zugeordnet. So wird bspw. der in der Romandie belegte FamN Pettermand - eine Adaption von dt. Petermann - hier als französisch eingestuft. Zur Schwierigkeit, adaptierte von nicht-adaptierten rätoromanischen Namenformen zu trennen, s. die dritte Karte. Dort werden Interferenzfälle zusätzlich gesondert behandelt. Abgefragte Namen Deutsche FamN zum RufN Petrus: Bäder, Baeder, Beetschen, Betschen, Bettschen, Bieri, Biri, Birri, Biry, Kleinpeter, Perren, Perreten, Perrig, Peter, Peterer, Peterhans, Peterli, Petermann, Petrig, Pieren, Pieri, Pierig. 22 Types, 144 Tokens. Französische FamN zum RufN Petrus: Belperroud, Delachaux-dit-Peter, DePerrot, Depierre, Grand-Pierre, Grandpierre, Grospierre-Tochenet, Jeanperrin, Matthey-Pierret, Periat, Pernet, Perny, Perraudin, Perreaud, Perrelet, Perrenod, Perrenod-dit-Pernod, Perrenoud, Perrenoud-André, Perrenoud-dit-Pernod, Perrenoud-Favre, Perrenoud-Jeanneret, Perrenoud-le-Favre, Perret, Perret-Gentil, Perret-Gentil-dit-Maillard, Perret-Jeanneret, Perretten, Perriard, Perrin, Perrinjaquet, Perro, Perrod, Perrodin, Perrot, Perrottet, Perroud, Péter-Comtesse, Peter-Contesse, Péter-Contesse, Pétermann, Peternier, Petitpierre, Petitpierre-chez-Jean, Pétremand, Pétremand-Besancenet, Petter, Pettermand, Peytermann, Pierre, Pierrehumbert, Pierroz, Robert-Grandpierre. 53 Types, 175 Tokens. Italienische FamN zum RufN Petrus: Boni-Pedretti, De Pietro, Del Pietro, Depietri, Ferrari-Pedruzzi, Pedrani, Pedranti, Pedrazzetti, Pedrazzi, Pedrazzini, Pedrazzoli, Pedrelli, Pedretti, Pedretti Barudoni, Pedretti Berudi, Pedretti Molinetto, Pedretti-Rodi, Pedrina, Pedrini, Pedrini Marti, Pedrinis, Pedrioli, Pedroia, Pedroietta, Pedroli, Pedrolini, Pedroncini, Pedroni, Pedrotta, Pedrotti, Pedrotti-Ferrari, Pedrozzi, Pedrusci, Pedrussio, Pedruzzi, Perazzi, Peretti, Peri, Perinoni, Peroni, Perozzi, Perucchi, Petar, Petraglio, Petralli, 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 2 Für die geringe Verbreitung des Ruf N in Graubünden vgl. RNB 3 (1986: 285-289). Zum Heiligenkult um St. Peter, zu seinen Kirchenpatrozinien und einem möglichen Zusammenhang mit der Namengebung sei allgemein auf Schäfer (1998 ff.: s. v. Petrus) sowie auf das RNB 3 (1986: 289) verwiesen. 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 682 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="61"?> Petrimpol, Petrini, Petrocchi, Petrolini, Petroni, Pietrolini, Rossi-Pedruzzi. 52 Types, 176 Tokens. Rätoromanische FamN zum RufN Petrus: Badraun, Badrutt, Capadrutt, Capeder, Depeder, Padrun, Padrutt, Peder, Pedermann, Pedrett, Pidermann. 11 Types, 17 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 321: Daten zur ersten Karte {307} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Mit 22 Types weisen die Patronyme aus Petrus in der Deutschschweiz eine mittlere Formvarianz auf. In den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» ist die häufigste Realisierung in der Deutschschweiz der FamN Peter (81 von insgesamt 144 Tokens). Der zweitfrequenteste FamN ist Bieri (15 Tokens), gefolgt von Perren und Petermann (je 8 Tokens). Die drei Varianten Beetschen, Betschen und Bettschen (zusammen 5 Tokens) belegen den fünften Platz (vgl. zweite Karte). Die deutschen FamN aus Petrus können nach ihrer Ausgangsform in vier Gruppen unterteilt werden: 1. Typ Peter: Peter, Peterer, Peterli, Petrig, Petermann, Peterhans, Kleinpeter 2. Typ Beetsch: Beetschen, Betschen, Bettschen 3. Typ P(i)err(i): Pieri, Pieren, Perren, Perreten, Pierig, Perrig, Bieri, Biri, Birri, Biry 4. Typ Peder: Bäder, Baeder Aus der ersten Ausgangsform sind neben dem Simplex Peter verschiedene Ableitungen (Peterer, Peterli, Petrig, Petermann) sowie Komposita (Peterhans und Kleinpeter) entstanden. 5 Aus der - dem Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1840) nach familiären oder pejorativen - Namenvariante Peetsch bzw. Beetsch sind die FamN Beetschen, Betschen und Bettschen (jeweils zusätzlich mit schwachem Genitivsuffix) hervorgegangen. 6 Die FamN der dritten Gruppe gehen auf KoseN zurück, die sich vermutlich aus einer Adaption des französischen Ruf N Pierre entwickelt haben (Id. 4 1881 ff.: Sp. 1505). Im Anlaut zeigen sie Fortis- Karte 307: Patronyme zu Petrus nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. I-2.5 «Schreibvariation bei Plosiven im Anlaut», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.8 «Suffixkombinationen mit -li, -le, -z, -tsch und -mann», II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 6 Vgl. Artikel II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe». 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus 683 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="62"?> Lenis-Variation. Die vierte Gruppe beruht auf dem Ruf N Peder, der ein rätoromanischer Ref lex von Petrus darstellt. Die daraus entstandenen FamN Bäder und Baeder weisen Interferenzerscheinungen auf (vgl. dritte Karte). Aus der Auswahl ausgeschlossen wurden etymologisch uneindeutige FamN wie Bebi und Bebie. Die FamN der französischsprachigen Schweiz sind grösstenteils aus der Form Perre entstanden, die wiederum eine Variante des Ruf N Pierre darstellt (Morlet 1997: 774). Die Formvarianz ist in der Romandie besonders vielfältig: Das Sample umfasst simplizisches Pierre, diverse Suffigierungen (z. B. Perret, Perrin, Perrot), Formen mit Präposition (DePerrot, Depierre), Komposita der Typen «Adjektiv + Ruf N» (z. B. Belperroud, Grand-Pierre, Grospierre-Tochenet, Petitpierre), «Ruf N + Adjektiv» (Perret-Gentil ), «Ruf N + BerufsN» (Perrenoud- Favre, Perrenoud-le-Favre) und «Ruf N + Ruf N» (z. B. Perrenoud-André, Perret-Jeanneret). Bildungen mit dem Zusatz dit (z. B. Perrenod-dit- Pernod, Perret-Gentil-dit-Maillard ) und solche mit dem Element chez (Petitpierre-chez-Jean) sind im Sample ebenfalls vertreten. 7 Graphematisch-phonologische Interferenz zeigen einige FamN, die aus einer Adaption von dt. Peter bzw. Petermann entstanden sind, wie z. B. Péter- Comtesse, Pétermann, Pettermand, Pétremand oder Peytermann (vgl. dritte Karte). Aus der Auswahl ausgeschlossen wurden FamN, für die eine etymologische Unterscheidung zwischen dem Ruf N Pierre und dem Appellativ frz. pierre ‘Stein’ bzw. einem daraus entstandenen Toponym nicht möglich war, z. B. Duperret oder Duperrut. In den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» ist Perret (31 Tokens) im französischsprachigen Landesteil der häufigste FamN aus dem Ruf N Petrus. In der italienischsprachigen Schweiz gehen die FamN aus Petrus auf verschiedene Namenstämme zurück: Die produktivste Ausgangsform ist Pedro, eine lombardische Variante von ital. Pietro. Neben Pietr- und Petrtreten die Ausgangsformen Ped - und Perauf (Lurati 2000: 375-376; Caffarelli/ Marcato 2008: 1338; Caffarelli 2016: 44-45). Der Namentyp ist hauptsächlich in verschiedenen Suffixableitungen vertreten, z. B. Pedrani, Pedrazzi, Pedrelli, Pedretti, Pedrini oder Pedrinis. Weitere Bildungstypen sind FamN mit Präposition (De Pietro, Del Pietro, Depietri), DoppelN (z. B. Pedretti Molinetto, Pedretti-Rodi) und das Kompositum Petrimpol, das aus einer Zusammensetzung von Pedrin(i) und Pol (zu Paulus) hervorgeht (RNB 3 1986: 289). Petar ist vermutlich eine Adaption des schweizerdeutschen Ruf- oder FamN Peter, der in dieser unveränderten Form in Airolo (TI) ebenfalls vorkommt. Die FamN Pedotti und Perini mussten aus der Auswahl ausgeschlossen werden, da sie, v. a. im Engadin (GR), etymologisch mehrdeutig sind: Perini kann auch auf Casper (bzw. Casperini) zurückgeführt werden, Pedotti auf ital. piede ‘Fuss’. Der häufigste FamN aus Petrus in der italienischsprachigen Schweiz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» ist Pedretti (10 Tokens). Auch die Rätoromania weist neben dem Simplex Peder einige wenige Suffixableitungen (z. B. Padrun, Padrutt), eine Bildung mit Präposition (Depeder) und zwei Fälle von FamN mit Präfix Ca- (Capadrutt und Capeder) auf. 8 Pedermann und Pidermann (beide in Pontresina GR) sind Hybridbildungen und somit als Interferenzerscheinungen aufzufassen (vgl. dritte Karte). Die in den verdeutschten Regionen Schanfigg und Prättigau (GR) belegten FamN Padrutt, Badrutt und Badraun sind ursprünglich rätoromanisch. Auffallend ist, dass einige rätoromanische Varianten des zugrunde liegenden Ruf N - etwa sursilvanisch Pieder oder unterengadinisch Peider - in dieser Form keine Ref lexe im Familiennamenbestand gefunden haben. Der FamN Capeder weist in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» mit 6 Tokens die höchste Frequenz für diese Sprachregion auf. Kommentar: Die FamN, die aus dem Ruf N Petrus hervorgegangen sind, sind in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» in allen vier Sprachgebieten der Schweiz reichlich belegt. Am zahlreichsten kommen die Petrus-Patronyme in der französischsprachigen und der italienischsprachigen Schweiz vor, sowohl hinsichtlich der Tokens (175 bzw. 176) als auch der Types (53 bzw. 52). In der Deutschschweiz bilden die Patronyme aus Petrus hauptsächlich zwei grosse Ballungen: die erste im Kanton Zürich östlich der Stadt Winterthur (ZH) und die zweite zwischen den Wahlkreisen Willisau und Entlebuch im Kanton Luzern und dem Emmental im Kanton Bern. Im Berner Simmental und im Oberwallis sind die FamN zu Petrus ebenfalls stark vertreten. Keine Petrus-Patronyme sind hingegen im Kanton Glarus sowie in den angrenzenden Gebieten des Kantons St. Gallen belegt. Die beiden Appenzeller Halbkantone schliessen sich dieser Lücke an. In der Ebene des Aaretals zwischen den Städten Biel (BE), Solothurn (SO) und Olten (SO) sind ebenfalls keine Fälle registriert. In der Romandie sind die FamN aus Petrus reichlich über das ganze Territorium verbreitet. In der italienischsprachigen Schweiz sind die Patronyme überall ausser in den zwei Tälern Misox und Bergell (GR) zahlreich belegt. Die Rätoromania weist im Vergleich mit der restlichen Romania weniger Fälle auf. Das Engadin (GR) ist - bis auf zwei Hybridbildungen (Pedermann, Pidermann) in Pontresina - komplett frei von diesem Namentyp. 7 Vgl. die Artikel II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» und II-4.3 «Mehrgliedrige Familiennamen mit den Zusätzen dit, soit, alias». 8 Vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 684 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="63"?> Zweite Karte {308}: Die häufigsten Patronyme zu Petrus in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden die fünf frequentesten FamN (5 Tokens und mehr), die bei der ersten Karte als deutsche Realisierungen des Ruf N Petrus erfasst wurden, wobei die FamN Bieri und Betschen zusammen mit den jeweiligen Schreibvarianten je als ein Typ erfasst wurden (vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Abgefragte Namen Peter: 81 Tokens. Typ Bieri: Bieri, Biri, Birri, Biry. 20 Tokens. Perren: 8 Tokens. Petermann: 8 Tokens. Typ Betschen: Beetschen, Betschen, Bettschen. 5 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 11-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 322: Daten zur zweiten Karte {308} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Die fünf Namentypen treten jeweils relativ kompakt auf und verteilen sich komplementär auf das Territorium. Die Patronyme aus Petrus bilden entsprechend der mundartlichen Realisierung des Ruf N regional differenzierte Areale. Der häufigste FamN Peter findet sich v. a. im Kanton Zürich um die Stadt Winterthur und im Kanton Luzern im Wahlkreis Willisau. Bieri und Varianten bilden drei Nester: ein grösseres mit der Variante Bieri in den benachbarten Bezirken Emmental (BE) und Entlebuch (LU), ein zweites mit den FamN Biry und Biri im Bezirk Laufen (BL) und ein drittes im Bezirk Laufenburg (AG). Genitivisches Perren ist im Simmental (BE) und im Oberwallis zu finden. Petermann tritt v. a. in den Kantonen Luzern und Schwyz auf, der Namentyp Betschen ist typisch für das Berner Oberland. Karte 308: Die fünf häufigsten deutschen Patronyme zu Petrus, vor 1800 u. Herkunft 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus 685 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="64"?> Dritte Karte {309}: Interferenzformen aus Petrus Namenauswahl: Ausgewählt wurden durch Sprachinterferenz adaptierte Patronyme aus Petrus - sowohl für die westliche deutschfranzösische Kontaktsituation als auch für diejenige im östlichen deutsch-alträtoromanischen Kontaktgebiet. Der einzige dokumentierte Interferenzfall aus der italienischsprachigen Schweiz wurde ebenfalls berücksichtigt. Kartiert werden die Interferenzformen nach Adaptionsprozess (Romanisierung bzw. Germanisierung) für die jeweilige Kontaktregion. Abgefragte Namen Interferenzen Deutsch → Französisch: Delachaux-dit-Peter, Perretten, Péter-Comtesse, Peter-Contesse, Péter-Contesse, Pétermann, Pétremand, Pétremand-Besancenet, Petter, Pettermand, Peytermann. 11 Types, 26 Tokens. Interferenzen Deutsch → Rätoromanisch: Pedermann, Pidermann. 2 Tokens. Interferenzen Rätoromanisch → Deutsch: Bäder, Baeder. 4 Tokens. Interferenzen Deutsch → Italienisch: Petar. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 323: Daten zur dritten Karte {309} Detailangaben zur Namenauswahl: Im rätoromanisch-deutschen Kontaktgebiet sind insgesamt 4 Types belegt, die Interferenzerscheinungen aufweisen: zwei Germanisierungen (Bäder, Baeder) und zwei Romanisierungen (Pedermann, Pidermann). Im Vergleich mit den ebenfalls sehr häufigen Patronymen aus dem Ruf N Johannes (insgesamt 24 Interferenzformen, davon 18 Fälle im rätoromanischdeutschen Kontaktgebiet) kommen die adaptierten FamN zu Petrus spärlich vor. 9 Pedermann und Pidermann resultieren aus einer Hybridbildung mit dem rätoromanischen Ruf N Peder und dem deutschen Suffix -mann. Der FamN Bäder und die Schreibvariante Baeder sind adaptierte Formen des rätoromanischen Ruf N Peder. 10 Die im verdeutschten Gebiet vorkommenden FamN Badraun und Badrutt werden hier als graphematische Varianten von Padrun bzw. Padrutt gewertet, obwohl in der B/ P -Schreibvarianz eine Interferenz mit dem Deutschen nicht ganz auszuschliessen ist. Der Grund für diese Behandlung liegt in der Feststellung, dass beide Graphien im rätoromanischen Gebiet historisch nachweisbar sind (RNB 3 1986: 287-288). Karte 309: Interferenzerscheinungen in Patronymen zu Petrus, vor 1800 9 Vgl. Artikel III-1.9 «Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes». 10 Vgl. Artikel I-3.4 «Graphematisch-phonologische Integration rätoromanischer Familiennamen ins Deutsche». 686 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="65"?> Im westlichen Kontaktgebiet kommen Interferenzerscheinungen häufiger vor als in der (alt-)rätoromanischen Region. Die 11 Types von Romanisierungen sind aus verschiedenen formalen Adaptionen entstanden, die sich auf die graphematisch-phonologische und die morphologische Ebene der Namen auswirken: 11 • Graphematische Anpassung é bzw. ey für [e]: Péter, Pétermann, Peytermann • Graphematische Anpassung tt für [tː]: Petter, Perretten • Lautliche Anpassung (Metathese) -ter > -tre: Pétremand • Lautlich-graphematische Anpassung (Nasalisierung von -mann und Schreibung -and für [-]): Pétremand, Pettermand • Hybridbildung von mehrgliedrigen FamN mit dem Zusatz dit: Delachaux-dit-Peter • Hybridbildung von DoppelN: Péter-Comtesse, Peter-Contesse, Péter- Contesse Der formal unveränderte FamN Peter, der ebenfalls in den romanischsprachigen Regionen vorkommt, wurde hier nicht kartiert. Sein häufiges Vorkommen in der ganzen Schweiz würde das Verbreitungsbild der Interferenzfälle verdecken. Der in der Romandie dokumentierte FamN Perretten ist die adaptierte Form des deutschen FamN Perreten, der wiederum eine schwach f lektierte Genitivform zum französischen Ruf N Perret ist. Dies zeigt, wie Namen in Kontaktzonen im Laufe der Zeit mehrmals ihre sprachliche Form ändern können. Fälle von Germanisierung französischer FamN sind für die Patronyme aus Petrus nicht bezeugt. Peternier (Zofingen AG) und Perret (Beinwil AG, Mels SG) sind Namen von eingewanderten Familien aus der Romandie und zeigen keine formale Adaption. Die deutschen Pieri-Namen (vgl. bei der ersten Karte die FamN der dritten Gruppe) werden nicht als Interferenzformen gewertet, da die Adaption (frz. Pierre → dt. Pieri, Bieri) bereits beim zugrunde liegenden deutschen Ruf N erfolgt ist. Kommentar: Im rätoromanisch-deutschen Kontaktgebiet kommen die beiden eingedeutschten rätoromanischen FamN in der Region zwischen Chur und Landquart (GR) vor, während die zwei Beispiele für Romanisierung in einer einzigen Gemeinde des Oberengadins (Pontresina GR) nachgewiesen sind. Verdeutschte französische FamN aus Petrus sind im Westen nicht bezeugt. Adaptierte deutsche FamN in der Romandie kommen gehäuft im Kanton Neuenburg vor. Weitere, verstreute Interferenzfälle finden sich in den Kantonen Jura, Waadt, Freiburg sowie im Berner Jura. Die im französischsprachigen Jura und im Kanton Neuenburg belegten FamN Pétermann, Pétremand, Peytermann sind auch im angrenzenden französischen Département Doubs präsent und daher vermutlich von dort eingewandert. Nach Filae (o. J.) haben die FamN Petermann, Petremand und Peytermann in Frankreich elsässische Herkunft. Im italienischsprachigen Quinto (oberes Leventinatal TI) ist das einzige Beispiel von Italianisierung eines deutschen Patronyms aus Petrus (Petar) bezeugt. 11 Vgl. Artikel I-3.5 «Integration deutscher Familiennamen ins Französische». 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus 687 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="66"?> Vierte Karte {310}: Patronyme zu Petrus nach Bildungstyp Namenauswahl: Abgebildet sind alle einschlägigen FamN, die bereits in der ersten Karte behandelt wurden (zu Ausschlüssen s. u.). Die Kartierung erfolgt sprachübergreifend nach Bildungstyp - Simplizia, Suffigierungen, Präfigierungen, mehrgliedrige FamN und Präpositionalformen. Abgefragte Namen Simplizia: Peder, Peri, Peter, Pierre. 90 Tokens. Suffigierungen: Beetschen, Bettschen, Betschen, Bieri, Biri, Birri, Biry, Padrun, Padrutt, Pedrani, Pedranti, Pedrazzetti, Pedrazzi, Pedrazzini, Pedrazzoli, Pedrelli, Pedrett, Pedretti, Pedrina, Pedrini, Pedrinis, Pedrioli, Pedroia, Pedroietta, Pedroli, Pedrolini, Pedroncini, Pedroni, Pedrotta, Pedrotti, Pedrozzi, Pedrusci, Pedrussio, Pedruzzi, Perazzi, Peretti, Periat, Perinoni, Pernet, Perny, Peroni, Perozzi, Perraudin, Perreaud, Perrelet, Perren, Perrenod, Perrenoud, Perret, Perreten, Perriard, Perrig, Perrin, Perro, Perrod, Perrodin, Perrot, Perrottet, Perroud, Perucchi, Peterer, Peterli, Petermann, Peternier, Petraglio, Petralli, Petrig, Petrini, Petrocchi, Petrolini, Petroni, Pietrolini, Pieren, Pieri, Pierig, Pierroz. 76 Types, 265 Tokens. Präfigierungen: Capadrutt, Capeder. 7 Tokens. Mehrgliedrige FamN: Belperroud, Boni-Pedretti, Delachaux-dit-Peter, Ferrari-Pedruzzi, Grand-Pierre, Grandpierre, Grospierre-Tochenet, Jeanperrin, Kleinpeter, Matthey-Pierret, Pedretti Barudoni, Pedretti Berudi, Pedretti Molinetto, Pedretti-Rodi, Pedrini Marti, Pedrotti-Ferrari, Perrenod-dit-Pernod, Perrenoud-André, Perrenoud-dit-Pernod, Perrenoud-Favre, Perrenoud-Jeanneret, Perrenoud-le-Favre, Perret-Gentil, Perret-Gentil-dit-Maillard, Perret-Jeanneret, Perrinjaquet, Péter-Comtesse, Peter-Contesse, Péter-Contesse, Peterhans, Petitpierre, Petitpierre-chez-Jean, Pétremand-Besancenet, Petrimpol, Pidermann, Pierrehumbert, Robert-Grandpierre, Rossi-Pedruzzi. 38 Types, 59 Tokens. PräpositionsN: De Pietro, Del Pietro, Depeder, DePerrot, Depierre, Depietri. 6 Types, 8 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 324: Daten zur vierten Karte {310} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Tokenzahl der Simplizia ist fast ausschliesslich auf den deutschen FamN Peter (81 Tokens) zurückzuführen. Die restlichen drei romanischen FamN (frz. Pierre, ital. Peri, rätorom. Peder) kommen nur niederfrequent vor. In der Gruppe der Suffigierungen sind sowohl FamN mit Endungen aus der Derivationsmorphologie (wie -li, -ini, -od, -utt usw.) als auch solche mit Flexionsendungen (wie die deutsche Genitivendung -en) enthalten. Suffigierte FamN sind v. a. ein romanisches Phänomen: Die höchste Frequenz zeigt die italienischsprachige Schweiz, insbesondere hinsichtlich der Typenzahl. Von den insgesamt 76 Types aller Karte 310: Patronyme zu Petrus nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft 688 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="67"?> suffigierten Petrus-FamN in der Schweiz sind 38 als italienischsprachig klassifiziert. Das stimmt mit den Verhältnissen innerhalb dieser Sprachregion überein: von 52 FamN zu Petrus sind 38 suffigiert. 12 Auch im Familiennamenschatz der französischsprachigen Schweiz ist eine grosse Vielfalt an Suffixen zu finden. Fälle von Doppelsuffigierung kommen in beiden Sprachregionen vor: z. B. frz. Perrodin aus Perre + -od (bzw. -ot) + -in oder ital. Pedrolini aus Pedro + -oli + -ini. Die Rätoromania ist in der Gruppe der suffigierten FamN verhältnismässig schwächer vertreten. Die Suffigierungen in der Deutschschweiz umfassen Diminutiva (-i und -li), Ableitungen auf -er, -ig und -mann und Bildungen mit dem schwachen Genitivsuffix -en. Präfigierte Formen liegen ausschliesslich mit der regionalspezifischen rätoromanischen Bildung mit Cavor: Capadrutt, Capeder. 13 Als mehrgliedrige FamN werden folgende Bildungen klassifiziert: der Typ «Adjektiv + Ruf N» (z. B. Kleinpeter, Petitpierre), der Typ «Ruf N + BerufsN» (Perrenoud-Favre, Perrenoud-le-Favre), der Typ «Ruf N + Ruf N» (z. B. Peterhans, Jeanperrin), der Typ «FamN + FamN» - auch DoppelN genannt - (z. B. Boni-Pedretti, Perrenoud-Jeanneret), Bildungen mit dem Zusatz dit (z. B. Perrenod-dit-Pernod ) sowie solche mit dem Element chez (Petitpierre-chez-Jean). Suffigierte Formen, die (auch) in mehrgliedrigen FamN vorkommen, werden als mehrgliedrige FamN eingeordnet. Diese FamN treten meistens auch eigenständig auf, vgl. z. B. Pedruzzi und Rossi-Pedruzzi. Die Romandie zeigt eine grosse Vielfalt an mehrgliedrigen FamN. Einige Typen (die Kombination «Ruf N + BerufsN», dit- und chez-Namen) sind für diese Sprachregion spezifisch. DoppelN - mit oder ohne Bindestrich geschrieben - scheinen in der italienischsprachigen Schweiz besonders häufig zu sein. In den beiden letztgenannten Sprachregionen kommen einige FamN - innerhalb der gleichen Gemeinde oder weniger Nachbargemeinden - mehrmals in verschiedenen Kombinationen vor: Bspw. erscheint der FamN Perrenoud in den Formen Perrenoud-André, Perrenoud-dit-Pernod, Perrenoud-Favre, Perrenoud- Jeanneret und Perrenoud-le-Favre (alle fünf Varianten in drei Neuenburger Nachbargemeinden) oder der FamN Pedretti in den Formen Boni-Pedretti, Pedretti Barudoni, Pedretti Berudi, Pedretti Molinetto und Pedretti-Rodi (alle in der Gemeinde Chironico TI), sodass die Vermutung einer familiendifferenzierenden Benennung naheliegt. In der Rätoromania sind keine mehrgliedrigen FamN dokumentiert. Bildungen mit der Präposition de ‘von’ kommen nur in den drei romanischsprachigen Regionen vor. FamN mit von sind bei den Patronymen aus Petrus nicht belegt. Ausgeschlossen wurden hier jene Interferenzformen, bei denen die morphologische Entwicklung bereits in der Ausgangssprache erfolgt ist und die in der Zielsprache lediglich eine Adaption auf graphematisch-phonologischer Ebene aufweisen, wie z. B. frz. Pétermann (aus dt. Petermann) oder ital. Petar (aus dt. Peter). Kommentar: In der Deutschschweiz dominiert tokenmässig der morphologische Typ der Simplizia, vertreten durch den sehr häufigen FamN Peter. Suffigierungen sind typisch für die französischsprachige und die italienischsprachige Schweiz. In der Romandie sind sie über das ganze Territorium verteilt, wobei dieses Bildungsmuster insbesondere im Kanton Neuenburg geballt auftritt. In der italienischsprachigen Schweiz kommen Suffigierungen fast ausschliesslich im Kanton Tessin vor, in der Rätoromania - wenn auch in geringerer Zahl - in den Regionen Viamala und Surselva (GR). In der Deutschschweiz bilden die suffigierten FamN aus Petrus Areale im Simmental (BE) sowie in der Region zwischen dem Emmental (BE) und dem Entlebuch (LU). Die FamN mit Präfix Catreten v. a. im Kerngebiet dieses Namentyps - in der Region Surselva (GR) - auf. Mehrgliedrige FamN sind hauptsächlich in der französischsprachigen und der italienischsprachigen Schweiz alteingesessen: Dort bilden sie Mikroareale, insbesondere - und am auffälligsten - im Kanton Neuenburg und im oberen Leventinatal (TI). Die de-Namen bilden innerhalb der jeweiligen Sprachregionen kein spezifisches Areal. Auffällig ist, dass sie auch im Hauptgebiet der mehrgliedrigen FamN präsent sind. Ergebnisse Die Patronyme aus Petrus treten in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» in allen vier Sprachgebieten der Schweiz umfänglich und vielfältig auf, was die sprachübergreifende Beliebtheit des Ruf N erkennen lässt (vgl. erste Karte). Am zahlreichsten kommen die Petrus-Patronyme in der französischsprachigen und der italienischsprachigen Schweiz vor, sowohl hinsichtlich der Tokens (175 bzw. 176) als auch der Types (53 bzw. 52). Die grosse Produktivität lässt sich auch kleinräumig beobachten: In mehreren Gegenden der Romandie und des Tessins können verschiedene Bildungsvarianten innerhalb der gleichen Gemeinde vorkommen, wie in Airolo (TI) Peter, Pedrina, Pedrini, Peterposten oder in Le Locle (NE) Perrelet, Perrenoud, Perret-Gentil, Perret-Gentil-dit-Maillard, Perret-Jeanneret, Péter-Comtesse, Pétremand, Pétremand-Besancenet, Pettermand (vgl. vierte Karte). Diese markante formale Ausprägung auf mikroregionaler Ebene lässt sich hauptsächlich mit dem durch einen hohen Grad an Homonymie verursachten Bedürfnis nach Differenzierung der Familien erklären. In der Rätoromania ist die Token- und Typefrequenz der Patronyme aus Petrus weniger hoch. Dies könnte u. a. mit der geringen Popularität in Verbindung gebracht werden, die der Ruf N im Frühmittelalter in Graubünden aufwies (RNB 3 1986: 289). In der Deutschschweiz gehen die FamN aus Petrus vorwiegend auf die regionalen mundartlichen Realisierungen des Ruf N zurück. 14 Petrus zeigt nicht nur als Ruf N eine grosse Diversifikation, sondern auch in seiner Rezeption als FamN. Neben der häufigsten Form Peter finden sich im Familiennamenbestand weitere, für die Schweiz spezifische Namenstämme, mit denen wiederum diverse Komposita und Ableitungen gebildet wurden. Die Patronyme aus Petrus zeigen in der Deutschschweiz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» insgesamt eine mittlere Formvarianz (22 Types). Im Vergleich mit anderen häufigen Patronymen aus nicht-germanischen Ruf N ist sie weniger ausgeprägt, vgl. z. B. die 64 Patronyme aus Johannes. 15 Das könnte u. a. auf die Silbenstruktur des Namens zurückgeführt werden. Zweisilbige Namen wie Petrus eignen sich weniger gut für vielfältige Veränderungen des Namenkörpers als dreisilbige Namen wie Johannes (Kunze 2004: 75). Der für die Deutschschweiz häufigste Typ Peter ist mit Abstand die der Standardsprache nächste Realisierung. Von insgesamt 144 Tokens aller FamN aus Petrus in der Deutschschweiz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» 12 Zur grossen Vielfalt an Suffixen in FamN der italienischsprachigen Schweiz - und Italiens - sei auf Berchtold Schiestl et al. (2020: 442-450) verwiesen. 13 Vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 14 Vgl. die weiteren Varianten und hypokoristischen Formen des Ruf N, die im Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1840-1841) für das 19. und 20. Jh. dokumentiert sind: Peetri, Peeti, Peepi, Peetsch, Beetsch, Peeg, Piere(n) usw. Nur ein Teil dieser Rufnamenvarianten hat einen Ref lex im Familiennamenschatz gefunden. 15 Vgl. Artikel III-1.9 «Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes». 1.6 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Petrus 689 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="68"?> gehören 81 dem FamN Peter an, gefolgt von Bieri mit 15 Tokens. Die zweite Karte macht deutlich, dass die Patronyme aus Petrus regional nach mundartlicher Variante des Ruf N Mikroareale bilden können. Einige spezifische Bildungen konzentrieren sich in einem bestimmten Gebiet, bspw. der Typ Betschen im Berner Oberland. Interferenzformen sind in den beiden Hauptkontaktgebieten - im östlichen deutsch-alträtoromanischen wie auch im westlichen deutsch-französischen Sprachkontaktgebiet vertreten (vgl. dritte Karte). Dabei ist die Frequenz in letzterem grösser als im Osten. Auffällig ist, dass Romanisierungen weit entfernt vom historischen Kontaktgebiet (Kristol 2023: 156) vorkommen. Im französischsprachigen Jura, im Kanton Neuenburg sowie im angrenzenden französischen Département Doubs treten dieselben, aus dem elsässischen Deutschen adaptierten FamN auf. Dies weist auf einen Migrationsf luss über die Landesgrenze sowie auf einen gemeinsamen schweizerisch-französischen Namenraum hin. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Bieri (6'826 Tokens), Peter (6'711 Tokens) und Perret (1'960 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegen die FamN Peter und Bieri den 47. resp. den 48. Platz. Somit gehören die FamN aus Petrus zu den häufigsten Patronymen des deutschsprachigen Landesteils. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 3 (2012: 184-185) erfasst neben einer Reihe von regional verbreiteten Varianten die für Deutschland drei frequentesten Formen Peters, Peter und Petersen: Peters (31'210 Tokens) enthält einen patronymischen starken Genitiv auf -s und herrscht im nördlich-zentralen Raum Deutschlands vor; Peter (15'619 Tokens) stellt die unerweiterte Variante dar und tritt v. a. im Süden auf, wo sie sich an das Schweizer Peter-Gebiet anschliesst und mit diesem eine gemeinsame Namenlandschaft bildet (vgl. zweite Karte); Petersen (13'490 Tokens) ist mit dem patronymischen Suffix -sen gebildet und kommt vorwiegend in Schleswig vor. Für Liechtenstein werden die FamN Pedrätsch und Peter dokumentiert (FLNB II/ 4 2008: 145, 147). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold Schiestl, Simone et al. (2020): Streckeisen, Auchli, Brentini und Immoos. Vorstudien zu einem Schweizer Familiennamenatlas. Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 55(4), 423-467. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Besnard, Philippe/ Desplanques, Guy (1991): Un prénom pour toujours: la cote des prénoms hier, aujourd’hui et demain. Paris: Balland. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 25.01.2024). Caffarelli, Enzo (2016): Cognomi in Italia: storia, tipologie, significati e statistiche in 450 domande e risposte (L’arte del nome 9). Roma: SER. Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 25.01.2024). Filae (o. J.): Origine, étymologie, popularité de votre nom de famille. https: / / www.filae.com/ nom-de-famille/ (letzter Zugriff 25.01.2024). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kristol, Andres (2023): Histoire linguistique de la Suisse romande (Collection Glossaire des patois de la Suisse romande 5.1). Neuchâtel: Éditions Alphil- Presses universitaires suisses. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Lurati, Ottavio (2000): Perché ci chiamiamo così? Cognomi tra Lombardia, Piemonte e Svizzera italiana. Varese: Macchione. Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Schäfer, Joachim (1998 ff.): Ökumenisches Heiligenlexikon. https: / / www. heiligenlexikon.de (letzter Zugriff 25.01.2024). Linda Steiner 690 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="69"?> 1.7 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Martīnus Schlagwörter: Heiligenname, männlicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden die FamN besprochen, die auf den lateinischen Ruf N Martīnus zurückgehen (z. B. Marty, Martinoli). Der FamN Marti ist in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» nach Peter, Hug, Kunz und Egli das fünfthäufigste Patronym der Deutschschweiz. 1 Eine hohe Frequenz weisen die Patronyme aus Martīnus auch in den romanischsprachigen Gebieten der Schweiz auf, wo sie zudem eine grosse Formvarianz erkennen lassen. Somit ist die räumliche Erschliessung des Namentypus hinsichtlich seiner Frequenz und Formenvielfalt von Relevanz. Hintergrund: Die hier besprochenen Patronyme gehen alle auf den männlichen lateinischen Ruf N Martīnus zurück - eine Ableitung vom Namen des römischen Kriegsgottes lat. Mars, Martis (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 447) - bzw. auf dessen Realisierungen dt. Martin (Id. 4 1881 ff.: Sp. 426-428), frz. Martin (FEW 6.1 1928 ff.: 388-399; Morlet 1997: 669), ital. Martino (Caffarelli/ Marcato 2008: 1075), rätorom. Martin, Martegn (DRG 13 1939 ff.: 373-382) und weitere Varianten. Gemäss RNB 3 (1986: 391) ist Martīnus «nach Maria und Petrus wohl das verbreitetste Kirchenpatrozinium Westeuropas und steht noch vor Johannes». Zu allgemeinen Informationen zum Heiligenkult um St. Martin, zu seinen Kirchenpatrozinien und deren möglichem Einf luss auf die Namengebung vgl. Descœudres (2018: 51-58) und RNB 3 (1986: 391-392). Fragestellungen: In der ersten Karte werden sämtliche aus Martīnus gebildeten FamN dargestellt, um deren Verbreitung über die vier Landessprachregionen der Schweiz zu erfassen. Die Namen sind nach Bildungstyp gruppiert. Die zweite Karte konzentriert sich auf den in der Deutschschweiz am häufigsten belegten Typ Martin sowie dessen Varianten Marti und Mart(h)y. 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 1.7 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Martīnus 691 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="70"?> Erste Karte {311}: Patronyme zu Martīnus nach Bildungstyp Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 2 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 25.05.2023) auf den lateinischen Ruf N Martīnus zurückzuführen sind. Die Kartierung erfolgt sprachübergreifend nach Bildungstyp - Simplizia, Suffigierungen, Präfigierungen, mehrgliedrige FamN und Präpositionalformen. Abgefragte Namen Simplizia: Marthy, Marti, Martin, Marty. 139 Tokens. Suffigierungen: Martel, Martenaz, Martenet, Martig, Martignoli, Martignoni, Martinaglia, Martinali, Martinelli, Martinenghi, Martinet, Martinetti, Martini, Martinoia, Martinola, Martinoli, Martinoni, Tinetti, Tini. 19 Types, 48 Tokens. Präfigierungen: Camartin. 1 Token. Mehrgliedrige FamN: Martin-Achard, Martin-du Pan. 2 Tokens. PräpositionsN: Delmartini, Demartin, Demartines, Demartini, Del Martini. 7 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 325: Daten zur ersten Karte {311} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die Tokenzahl der Simplizia ist fast ausschliesslich auf den deutschen FamN Marti (66 Tokens) sowie den (hauptsächlich) französischen FamN Martin (50 Tokens) zurückzuführen. Die Deutschschweizer Simplizia können in Formen mit oder ohne finales -n unterteilt werden (s. zweite Karte): Martin vs. Marti, Marty, Marthy. Letztere Varianten mit getilgtem finalem -n spiegeln die mundartliche Realisierung des Namens wider (Id. 4 1881 ff.: Sp. 426). In der Gruppe der Suffigierungen sind FamN mit Endungen aus der Derivationsmorphologie (wie -el, -ig, -oni, -elli, -et usw.) wie auch aus der Flexionsmorphologie (wie die lateinische Plural- oder Genitivendung -i bei ital. Martini bzw. dessen aphäretische Form Tini) enthalten. Suffigierungen sind ein klares Phänomen der französisch- und v. a. der italienischsprachigen Schweiz, wobei letztere die höchste Typenfrequenz zeigt. 4 Die Rätoromania Karte 311: Patronyme zu Martīnus nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Zur grossen Vielfalt an Suffixen in FamN der italienischsprachigen Schweiz - und Italiens - sei auf Berchtold Schiestl et al. (2020: 442-450) verwiesen. 692 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="71"?> weist keine suffigierten FamN zu Martīnus auf. Die einzigen suffigierten Varianten in der Deutschschweiz sind Martel und Martig. Martignoni in Rorschach (SG) ist italienischsprachiger Herkunft. Eine präfigierte Form liegt ausschliesslich in der regionalspezifischen rätoromanischen Bildung mit Ca- (aus rätorom. casa ‘Haus’) vor: Camartin (Breil GR). Als mehrgliedrige FamN sind die Patronyme Martin-Achard und Martin-du Pan in der Stadt Genf belegt. Präpositionsformen mit de ‘von’ kommen nur in der Romandie und im Tessin vor. 5 Kommentar: Die FamN, die sich vom lateinischen Ruf N Martīnus ableiten, sind über den grössten Teil des Schweizer Territoriums verbreitet. Nicht oder äusserst selten bezeugt sind sie in der Ostschweiz, nordöstlich des Zürich- und des Walensees - mit Ausnahme von 4 Tokens im Kanton Thurgau -, in Graubünden (sowohl im rätoromanischsprachigen Gebiet als auch in den beiden italienischsprachigen Tälern Puschlav und Bergell) sowie in den Kantonen Luzern und Jura. Eine klare Übereinstimmung zwischen dem Verbreitungsgebiet des FamN und der historisch konfessionellen Landschaft lässt sich nicht feststellen. Patronyme aus Martīnus treten auch in reformierten Kantonen auf, während sie in einigen überwiegend katholischen Regionen wie dem Jura und dem Kanton Luzern nur spärlich belegt sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Entstehung der FamN i. d. R. vor der Reformationszeit liegt, sodass eine konfessionelle Korrelation nicht zwingend zu erwarten ist. In der Deutschschweiz treten die Patronyme zum Ruf N Martīnus eindeutig am häufigsten als unsuffigierte Formen auf. Zur arealen Verteilung der Varianten mit oder ohne finales -n vgl. die folgende Karte. Die Suffixableitung Martig bildet mit 6 Tokens zwei Nester im Oberwallis (Bezirk Leuk VS) und im Berner Oberland (Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen BE). Die Diminutivableitung Martel ist einmal in Laupen (BE) belegt. In der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz können einige FamN innerhalb von wenigen Nachbargemeinden mehrmals in verschiedenen Kombinationen erscheinen, etwa in der Region um Bellinzona (TI) die FamN Martini, Martinelli, Del Martini, Delmartini und Martinoli. Zweite Karte {312}: Patronyme zu Martīnus mit und ohne finales -n Namenauswahl: Bei der zweiten Karte wird der Fokus auf die areale Verteilung der Simplizia gelegt, die hauptsächlich eine Erscheinung in der Deutschschweiz und der Romandie darstellen. Ausgewählt wurden alle bei der ersten Karte als Simplizia erfassten FamN zu Martīnus. Kartiert werden sie kontrastiv einerseits mit Erhalt von finalem -n und andererseits mit dessen Tilgung. Dabei werden durch Karte 312: Patronyme zu Martīnus mit und ohne finales -n, vor 1800 u. Herkunft 5 Für die verschiedenen Formvarianten sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing», II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-» und II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de». 1.7 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Martīnus 693 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="72"?> eine Abstufung der Farbtöne der Kreise auch die verschiedenen graphematischen Realisierungen des Vokals als <i> (rote Kreise) und <y> (orange Kreise) sichtbar. Abgefragte Namen Martin: 50 Tokens. Marti: 66 Tokens. Mart(h)y: 23 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 10-70, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 326: Daten zur zweiten Karte {312} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Die mundartlichen Varianten ohne finales -n zeigen die graphematische Varianz -i vs. -(h)y, 6 wobei Marti mit 66 Tokens gegenüber Marty mit 22 Tokens quantitativ klar überwiegt. In einem einzigen Fall wird der FamN mit einem zusätzlichen h geschrieben: Marthy (Flums SG). Kommentar: Während in der Romandie ausschliesslich die Form Martin belegt ist, dominieren in der Deutschschweiz die mundartlichen Varianten des Namens - Marti und Mart(h)y. Die standardnahe Variante mit erhaltenem Nasal konzentriert sich im deutschen Sprachgebiet fast ausschliesslich um die Stadt Basel (BS) herum. Die graphematischen Varianten mit -y treten deutlich in den (ehemaligen) sprachlichen Kontaktgebieten auf: Westlich bilden sie zwei Nester in den deutschsprachigen Regionen des Oberwallis (VS) und des Sensebezirks (FR) an der Sprachgrenze zur Romandie. Im zentralöstlichen Teil der Schweiz sind sie v. a. im Kanton Schwyz an der Kantonsgrenze zu Glarus belegt, d. h. beim Übergang zum alträtoromanischen Sprachgebiet. Ob die Schreibung mit -y auf eine spezifische Schreibtradition zurückzuführen und/ oder die Wiedergabe eines etymologischen romanischen Überbleibsels ist, kann ohne historische Sondierung nicht bestimmt werden. In einigen Gemeinden können beide Schreibvarianten auftreten, etwa in Malans (GR) oder in Glarus (GL). Ergebnisse In der Deutschschweiz kommen die Patronyme zu Martīnus vorwiegend in der mundartlichen Realisierung Marti bzw. Mart(h)y vor. Von insgesamt 197 Tokens aller Schweizer FamN zu Martīnus in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» fallen 66 auf den FamN Marti und 23 auf den FamN Marty bzw. Marthy. Die dem Standard nähere Variante Martin ist - bis auf wenige Ausreisser um die Stadt Basel (BS) - in der Romandie zu finden. Abgesehen von der diglossischen Realisierung des Namens sowie der unterschiedlichen Schreibung des Auslauts -i vs. -y weisen die FamN zu Martīnus in der Deutschschweiz eine vergleichsweise hohe graphematisch-phonologische und morphologische Stabilität auf. Im Unterschied zu den in Deutschland dokumentierten Varianten wie Merten(s) ist in der Schweiz eine Umlautung des Stammvokals nicht eingetreten. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Marti (8'856 Tokens), Martin (5'250 Tokens) und Marty (3'883 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt der FamN Marti den 35. Platz. Somit gehören die FamN aus Martīnus zu den häufigsten Patronymen des deutschsprachigen Landesteils. Vergleich mit benachbartem Ausland: Für Deutschland erfasst der DFA (2009-2018) zahlreiche Formvarianten der FamN aus Martīnus, davon sind die drei häufigsten Vollformen Martin, Martens und Merten (DFA 1 2009: 39-42). Varianten mit n-Tilgung sind nicht belegt. Für Liechtenstein sind die FamN Marte, Marten und Martin dokumentiert (FLNB II/ 4 2008: 61-62). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold Schiestl, Simone et al. (2020): Streckeisen, Auchli, Brentini und Immoos. Vorstudien zu einem Schweizer Familiennamenatlas. Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 55(4), 423-467. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 22.07.2025). Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Descœudres, Georges (2018): Sankt Martin und seine Verehrung im Frühmittelalter im Gebiet der heutigen Schweiz. Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 110, 51-75. DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. 6 Vgl. die Artikel I-1.14 «Schreibvariation i/ y» und I-2.1 «Nasalschwund». 694 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="73"?> familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 25.05.2023). FEW = Französisches Etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes (1928 ff.): Bd. 1 ff. Basel et al.: Zbinden et al. FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Linda Steiner 1.7 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Martīnus 695 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="74"?> 1.8 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Christiānus Schlagwörter: biblischer Rufname, Kurzform, männlicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden FamN behandelt, die auf den lateinischen Ruf N Christiānus zurückgehen. In der Rangliste der häufigsten Patronyme der Deutschschweiz in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» belegt der FamN Christen den zehnten Platz. Nach Peter, Marti und Michel ist Christen dabei das vierthäufigste Patronym aus einem Ruf N nichtgermanischer Herkunft. 1 Darüber hinaus zeigen die FamN zu Christiānus mit verschiedenen onymischen Bildungstypen eine auffällige formale Ausprägung. Patronyme aus Christiānus treten auch in den romanischsprachigen Gebieten der Schweiz auf, wo dieser Namentyp ebenfalls eine interessante Formvarianz erkennen lässt. Somit ist die morphologische und geographische Erschliessung dieses Namentyps aufgrund seiner hohen Frequenz und Formenvielfalt von besonderer Relevanz. Hintergrund: Die hier besprochenen Patronyme gehen alle auf den theophoren männlichen Ruf N Christian - zu lat. christiānus ‘zu Christus gehörend, Anhänger Christi, Christ’ (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 171) - bzw. auf dessen deutsche oder romanische Realisierungen zurück (Id. 3 1881 ff.: Sp. 868; GPSR IV 1924 ff.: 536; DRG 4 1939 ff.: 257-259; Caffarelli/ Marcato 2008: 536). Wie bei anderen Patronymen sind auch aus dem viersilbigen, nicht auf der ersten Silbe betonten Ruf N Christiānus schon früh Kurzformen und lautlich reduzierte Varianten entstanden (Christen, Christ), die als Basis für (z. T. regionale) Familiennamenbildungen gedient haben (s. zweite Karte). Die Ruf N aus lat. christiānus sind Neuschöpfungen des Mittelalters - jener Epoche, in der sie in den deutschen Rufnamenschatz Eingang fanden (RNB 3 1986: 68). 2 Gemäss Kunze (2004: 33) sind «Christian(us) und Christi(a)na […] unter den Fremdnamen in Quellen aus Fulda vom 8.-11. Jh. mit Abstand am häufigsten. Im Köln des 12. Jh. ist Christina der sechsthäufigste Frauenname, Christian in Brixen noch im 13. Jh. der zweithäufigste Männername». Allgemein waren die Ruf N aus Christiānus in Nordeuropa und generell in den protestantischen Ländern sehr beliebt. Nach FLNB II/ 3 (2008: 73) war der Ruf N nach der Reformation auch in Graubünden populär. In den romanischsprachigen Ländern war zu dieser Zeit der Ruf N weniger verbreitet, ebenso in den benachbarten Regionen der Schweiz. Obwohl C(h)ristiānus als Name bereits vor dem 1. Jh. dokumentiert ist, hat sich der Ruf N Cristiano bzw. Cristiana in Italien erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. durchgesetzt (Rossebastiano/ Papa 2005: 303; Caffarelli/ Marcato 2008: 536). In Frankreich erfolgte die Verbreitung der Variante Christian sogar noch später (Besnard/ Desplanques 1991: 110). Fragestellungen: Vor dem skizzierten Hintergrund werden in der ersten Karte sämtliche aus Christiānus hervorgegangenen FamN dargestellt, wodurch sich ihre Verbreitung über die vier Landessprachregionen der Schweiz erfassen lässt. Die zweite Karte widmet sich den zu Christiānus gebildeten Patronymen in der Deutschschweiz. Im Fokus steht dabei die areale Verteilung der Namenformen nach den zugrunde liegenden Ausgangsbasen Christen und Christ sowie deren Ableitungen. Erste Karte {313}: Patronyme zu Christiānus nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 3 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 19.06.2023) auf den Ruf N Christiānus zurückzuführen sind. Kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach sprachlicher Zugehörigkeit. Abgefragte Namen Deutsche FamN zum RufN Christiānus: Christ, Christeler, Christen, Christener, Christig, Christiner, Christinger, Christmann. 8 Types, 77 Tokens. Französische FamN zum RufN Christiānus: Christan, Christe, Christin, Christinat, Christinet, Cretin, Cristin, Crittin. 8 Types, 22 Tokens. Rätoromanische FamN zum RufN Christiānus: Crastan, Crastanell, Rest. 3 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 327: Daten zur ersten Karte {313} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Ausgangsform für alle FamN der Deutschschweiz ist nicht der Ruf N Christian, der in dieser Form als FamN in der Schweiz nicht vorkommt, sondern dessen mundartliche, lautlich reduzierte Variante Christen oder wiederum deren Kurzform Christ (Id. 3 1881 ff.: Sp. 868). Auf diese beiden Namenbasen sind weitere Ableitungen zurückzuführen (s. zweite Karte). Die FamN 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 2 Zum Gebrauch der Bezeichnung christiānus (Adjektiv und Substantiv) in christlicher Frühzeit vgl. Mitterauer (1993: 95-96). 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 696 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="75"?> der französischsprachigen Schweiz sind ebenfalls aus verschiedenen Varianten des Ruf N Christiānus entstanden (GPSR IV 1924 ff.: 536). Der ausschliesslich im Kanton Jura vorkommende französische FamN Christe ist vermutlich das Resultat der Französisierung des Deutschschweizer FamN Christ, der v. a. im angrenzenden Kanton Solothurn belegt ist. Die Rätoromania weist zwei Typen von FamN auf: die Kurzform Rest (vermutlich eine Romanisierung aus schwzdt. Christ) und Crastan bzw. die Ableitung Crastanell aus unterengadinisch crastián ‘Christ; Mensch’, auch ‘christlich’ (DRG 4 1939 ff.: 257-259; RNB 3 1986: 69). Bei den letzten beiden FamN könnte es sich auch um ÜberN handeln. Aus der Auswahl ausgeschlossen wurden die FamN Grest (etymologisch mehrdeutig) und Crisinel (etymologisch unsicher). Der FamN Chrétien ist ein ÜberN aus frz. chrétien ‘zu Christus gehörend, Anhänger Christi, Christ’. Kommentar: In der Deutschschweiz finden sich die meisten FamN aus Christiānus im Kanton Bern in den benachbarten Regionen Emmental und Oberaargau. Ausserdem ist eine Ballung im Kanton Nidwalden zu beobachten. Weitere, verstreute Belege sind in der restlichen Deutschschweiz zu finden, in der Ostschweiz ist der Namentyp jedoch nur spärlich vertreten. Im verdeutschten alträtoromanischen Gebiet - Kanton Glarus und südlicher Teil des Kantons St. Gallen - sind keine Fälle belegt. Auch in Deutschbünden sind nur zwei Fälle in Chur und im Prättigau (GR) dokumentiert. In der Romandie sind die ausgewählten FamN über das ganze Territorium verstreut, ausser im Gebiet zwischen den Städten Freiburg und Lausanne und nordwestlich des Neuenburgersees. Die drei rätoromanischen Varianten finden sich im Unterengadin. Das restliche rätoromanischsprachige Graubünden ist frei von diesem Namentyp. Für die italienischsprachige Schweiz sind keine Fälle dokumentiert. Karte 313: Patronyme zu Christiānus nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft 1.8 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Christiānus 697 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="76"?> Zweite Karte {314}: Patronyme zu Christiānus in der Deutschschweiz nach Bildungstyp Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle bei der ersten Karte als deutsche Realisierungen des Ruf N Christiānus erfassten FamN. Die Kartierung erfolgt nach Bildungstyp, wobei die Namen farblich nach ihrer Ausgangsform gruppiert sind: Typ Christ in Rot- und Gelbtönen, Typ Christen in Grüntönen. Abgefragte Namen Christ: 16 Tokens. Christeler: 1 Token. Christig: 1 Token. Christmann: 1 Token. Christen: 51 Tokens. Christener, Christiner: 5 Tokens. Christinger: 2 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 328: Daten zur zweiten Karte {314} Detailangaben zur Namenauswahl: In der Deutschschweiz treten die Patronyme zum Ruf N Christiānus mit Abstand am häufigsten als Simplex in der abgeschwächten Form Christen auf (51 Tokens von insgesamt 77 Tokens). Aus diesem Stamm sind die Ableitungen Christener, Christiner und Christinger entstanden. Auf die weniger häufige Kurzform Christ (16 Tokens) gehen die FamN Christeler (aus dem Ruf N Christel, der wiederum eine diminuierte Variante von Christ ist), Christig und Christmann zurück. 5 Kommentar: Die Patronyme zu den zwei Ausgangsbasen Christ und Christen treten im nordwestlichen Teil der Deutschschweiz komplementär auf. Während im Gebiet zwischen Biel, Solothurn, Olten und Basel die Christ-Varianten überwiegen, sind die FamN zu Christen und dessen Ableitungen v. a. im Kanton Bern (im Emmental und Oberaargau) sowie im Kanton Aargau konzentriert. Die beiden Berner Verwaltungskreise ziehen jeweils 11 bzw. 12 der insgesamt 51 Christen-Tokens auf sich. Ausserhalb dieser Regionen bildet der FamN Christen in den Kantonen Uri und Nidwalden ein Familiennamennest. Ergebnisse In der Deutschschweiz kommen die FamN zu Christiānus vorwiegend in der mundartlichen Realisierung Christen und in deren Kurzform Christ vor. Zu diesen beiden Ausgangsbasen sind Suffixableitungen Karte 314: Patronyme zu Christiānus in der Deutschschweiz nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner», II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 698 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="77"?> gebildet worden, konkret auf -er, -ig, -inger und -mann. Präfixableitungen, Komposita oder präpositionale Bildungen sind bei diesem Namentyp in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» nicht dokumentiert. In der Zeitschicht «19. Jh.» hingegen ist der FamN Vonchristen im Kanton Graubünden belegt. Metronyme aus Christi(a)na konnten nicht identifiziert werden. In den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» sind die Patronyme aus Christiānus in der Deutschschweiz am weitesten verbreitet, gefolgt von der Romandie. Die rätoromanischsprachige Schweiz zeigt drei Belege im Unterengadin (GR), die italienischsprachige Schweiz weist kein einziges Beispiel auf. Der Grund für die Seltenheit bzw. das Fehlen des Namentyps in der Rätoromania und in der italienischsprachigen Schweiz ist in der früheren geringen Beliebtheit zu suchen, die der Ruf N in diesen Regionen seit seinem Aufkommen bis in die Gegenwart aufweist. Nach FLNB II/ 2 (2008: 73) erklärt sich die geringe Häufigkeit des Ruf N im mittelalterlichen romanischen Sprachraum durch die Semantik des zugrunde liegenden Appellativs: In mehreren romanischen Sprachen verlagerte sich die Bedeutung von lat. christiānus von ‘zu Christus gehörend’ hin zu ‘Mensch’; im Französischen erfuhr das daraus entstandene crétin zudem eine sekundäre Bedeutungsverschlechterung im Sinne von ‘an Kretinismus leidende Person, Schwachsinniger’ (GPSR IV 1924 ff.: 536; FEW 2 1928 ff.: 655). Diese abwertende Bedeutung wurde danach vom Italienischen und vom Rätoromanischen übernommen (DRG 4 1939 ff.: 241; VSI 7 1952 ff.: 89-90). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle BFS): Christen (8'421 Tokens), Christ (1'014 Tokens) und Christe (536 Tokens). Die erhöhte Frequenz des FamN Christen im Jahr 2020 könnte zumindest teilweise durch jüngere Zuwanderung aus Deutschland oder Österreich bedingt sein. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA (2009-2018) dokumentiert neben einer Reihe von regional verbreiteten Varianten die für Deutschland frequenten Formvarianten mit Metathese des Typus Karsten, Kersten, Kirst(en) usw.; vgl. dazu die Verbreitungskarte Christ/ Kirst (DFA 2 2011: 860). In der Schweiz sind in der Zeitschicht «vor 1800» keine Fälle von r-Metathese bezeugt. Der für die Schweiz frequenteste FamN Christen kommt in Deutschland ausser im westniederdeutschen und westmitteldeutschen Sprachraum - wo der Name jedoch nicht auf eine lautlich reduzierte Form zurückzuführen ist, sondern auf eine patronymische schwache Genitivform (DFA 3 2012: 44-67) - und im Gebiet nördlich und südlich der Mosel auch unmittelbar bei der Schweizer Staatsgrenze vor, sodass er mit den Schweizer Vorkommen einen gemeinsamen Namenraum bildet (DFD 2025: s. v. Christen). Für Liechtenstein sind die Varianten Christen, Christian und Christli (zur Kurzform Christ) dokumentiert (FLNB II/ 3 2008: 148). In der benachbarten Romania zeigt sich folgendes Bild: Die Christiānus-Patronyme der Romandie sind in den meisten Fällen auch in den angrenzenden Regionen Frankreichs zu finden und bilden somit ein Namenkontinuum. Ausnahmen sind die FamN Christinat, Christinet und Crittin, die als schweizerische Regionalspezifika gelten. Insgesamt weisen die Schweizer Varianten in Frankreich jedoch eine geringe Verbreitung auf (Filae o. J.). In Italien sind die aus dem Ruf N Cristiano abgeleiteten Patronyme landesweit verbreitet, allerdings ebenfalls mit niedriger Frequenz (Caffarelli/ Marcato 2008: 536). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Besnard, Philippe/ Desplanques, Guy (1991): Un prénom pour toujours: la cote des prénoms hier, aujourd’hui et demain. Paris: Balland. Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 2 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2011): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 2: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Dräger, Kathrin (2025): Christen. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 3541/ 1 (letzter Zugriff 04.08.2025). DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 19.06.2023). FEW = Französisches Etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes (1928 ff.): Bd. 1 ff. Basel et al.: Zbinden et al. Filae (o. J.): Origine, étymologie, popularité de votre nom de famille. https: / / www.filae.com/ nom-de-famille/ (letzter Zugriff 19.06.2023). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. GPSR = Glossaire des patois de la Suisse romande (1924 ff.): Bd. 1 ff. Neuchâtel, Paris: Attinger, dann Genève: Librairie Droz. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fort- 1.8 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Christiānus 699 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="78"?> gesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Mitterauer, Michael (1993): Ahnen und Heilige. Namengebung in der europäischen Geschichte. München: Beck. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. VSI = Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana (1952 ff.): Bd. 1 ff. Lugano: Mazzuconi, dann Bellinzona: Centro di dialettologia e di etnografia. Linda Steiner 700 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="79"?> 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes Schlagwörter: biblischer Rufname, Heiligenname, Kurzform, männlicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: In diesem Kartenkomplex werden FamN dokumentiert, die vom Ruf N Johannes abstammen. Die Familiennamenvarianten Jenni und Jenny gehören in den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» zu den häufigsten Patronymen der Deutschschweiz. 1 Zudem sind FamN zu Johannes auch in den romanischsprachigen Gebieten der Schweiz zahlreich vertreten, wo sie eine breite und interessante Formvarianz aufweisen. Mit 237 Types in der ganzen Schweiz lässt der Namentyp eine vielfältige formale Ausprägung erkennen. Somit ist die morphologische und geographische Erschliessung dieses Namentyps aufgrund seiner hohen Frequenz und Formenvielfalt von besonderer Relevanz. Hintergrund: Die hier besprochenen Patronyme gehen alle auf den männlichen lateinischen Ruf N Jō(h)annēs zurück, der seinerseits hebräischen Ursprungs ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 355-356), bzw. auf dessen deutsche oder romanische Realisierungen (GPSR X 1924 ff.: 91-101; DRG 7 1939 ff.: 281-293; Rossebastiano/ Papa 2005: 563-565; 587-589; Tanet/ Hordé 2005: 249-251). Der aus der Bibel übernommene Name Johannes gehörte im Mittelalter zu den am weitesten verbreiteten männlichen Ruf N im deutschsprachigen Raum. Seine Verbreitung wurde bereits in der frühen Phase des Christentums durch den Kult um Johannes den Täufer begünstigt und ab dem Frühmittelalter gewann Johannes zunehmend an Popularität - u. a. aufgrund des Prestiges und der Verehrung des Apostels und des Evangelisten Johannes (RNB 3 1986: 280; Kohlheim/ Kohlheim 2013: 211). Im Hochmittelalter gehörte Johannes - einschliesslich seiner Kurzformen Johann und Hans - zu den populärsten nichtgermanischen männlichen Ruf N. In Bamberg und im Münsterland des 15. Jh. war er sogar der meistvergebene Ruf N überhaupt und übertraf in seiner Häufigkeit germanische Namen wie Konrad oder Heinrich (Kunze 2004: 44-46; FLNB II/ 1 2008: 297). In Davos (GR) und Langwies (GR) trug bis zum 18. Jh. mehr als ein Fünftel der Männer den Ruf N Hans (Kunze 2004: 46-47). Wie bei anderen Patronymen sind auch aus dem dreisilbigen, nicht auf der ersten Silbe betonten Ruf N Johannes schon früh Kurzbzw. Koseformen wie u. a. Johann, Jan oder Hans entstanden, die in manchen Fällen als Basis für weitere (z. T. regionale) Bildungen gedient haben (Gottschald 2006: 274-275). Bis zur Gegenwart ist die Formenvielfalt bei diesem Rufnamentyp bedeutend. Das Id. (1881 ff.) belegt für die Deutschschweiz des 19. Jh. eine Vielfalt an mundartlichen Varianten des Ruf N: aus Johannes u. a. Jehann, Johänggi, Jan(n), Janni, Jenni, Han, Hannel, Hannes, Hanni, Hanggel und Hänggi; aus der Kurzform Hans u. a. Hansel, Hanseli, Hansi, Hansli, Haasli, Haus, Hausel, Häus, Häusel, Häns, Hänsel, Heise und Heisel (vgl. auch die Varianten für Liechtenstein im FLNB II/ 2 2008: 160, 195-196). Die Ausdifferenzierung des ursprünglichen Namens erfolgte somit bereits im Rufnamensystem. Die variantenreiche Rufnamengrundlage Johannes bildete, oft mit zusätzlichen lautlichen und morphologischen Modifikationen, die Basis für eine grosse Anzahl an FamN. Eine sehr hohe Popularität des Ruf N kann auch für Frankreich und Italien festgestellt werden, was sich in beiden Ländern in der grossen Häufigkeit von FamN widerspiegelt, die auf Johannes zurückgehen (Morlet 1997: 538-540; Caffarelli 2016: 36-38). 2 Fragestellungen: Die erste Karte zeigt sämtliche zu Johannes gebildeten FamN gruppiert nach Sprachzugehörigkeit, wodurch ihre Verbreitung über die vier Landessprachregionen der Schweiz erfasst werden kann. Die zweite Karte widmet sich den aus Johannes hervorgegangenen Patronymen in der Deutschschweiz. Im Fokus steht dabei die areale Verteilung der Namenformen nach den zugrunde liegenden Ausgangsbasen. Die dritte Karte veranschaulicht die geographische Verbreitung der vier am häufigsten belegten FamN zu Johannes. Die vierte Karte schliesslich dokumentiert die durch Sprachinterferenz adaptierten Patronyme - sowohl im westlichen deutschfranzösischen Kontaktgebiet als auch im östlichen Übergangsraum zum Alträtoromanischen. 1 Vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 2 Zur Verbreitung des Ruf N im Italien des Mittelalters vgl. RNB 3 (1986: 281) und Siller (1999). Zur Situation in Graubünden vgl. RNB 3 (1986: 285-289) und DRG 7 (1939 ff.: 181-293). Allgemein zur Geschichte der Namengebung, zur Verbreitung des Ruf N Johannes, zu dessen biblischen Namenträgern sowie zum Heiligenkult um St. Johannes und seinen Kirchenpatrozinien s. ausführlich Schäfer (1998 ff.: s. v. Johannes Apostel, Johannes der Täufer). 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes 701 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="80"?> Erste Karte {315}: Patronyme zu Johannes nach sprachlicher Zugehörigkeit Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle FamN der Schweiz aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 3 die gemäss etymologischer Datenbank (Stand 11.01.2024) auf den Ruf N Johannes zurückzuführen sind. Die entsprechenden Patronyme werden den vier Sprachregionen zugeordnet und kartiert. FamN, die infolge von Binnenmigration in mehreren Sprachregionen der Schweiz auftreten, werden nach folgendem Prinzip klassifiziert: Weisen sie keine formale Adaption auf - wie etwa der Name Henny in drei französischsprachigen Gemeinden des Kantons Waadt -, gelten sie als deutsch. FamN, die durch sprachliche Interferenz formal an die Zielsprache angepasst wurden, werden hingegen dieser zugeordnet. So wird bspw. der in der Deutschschweiz vorkommende FamN Tschannen - eine Adaption von frz. Jean - hier als deutsch klassifiziert. Zur Schwierigkeit, adaptierte von nicht-adaptierten rätoromanischen Namenformen zu trennen, s. die vierte Karte. Dort werden Interferenzfälle zusätzlich gesondert behandelt. Für alle vier Sprachregionen werden jeweils Voll- und Kurzformen zusammengefasst. Abgefragte Namen Deutsche FamN zum RufN Johannes: Aenishänslin, Haenni, Hähni, Handschin, Häne, Häner, Häni, Hänni, Hänny, Hans, Hanselmann, Hansemann, Hanser, Hansli, Hänsli, Hanslin, Hansmann, Häny, Haus, Häuselmann, Hausin, Heiss, Henne, Henni, Henny, Hensel, Hüselmann, Jahn, Jann, Janner, Jans, Janser, Janz, Janzi, Jaus, Jauslin, Jaussi, Jendly, Jenk, Jenni, Jenny, Jensch, Jentsch, Johann, Johanni, John, Joneli, Juen, Kleinjenni, Knabenhans, Kocherhans, Langhans, Meierhans, Meisterhans, Meyerhans, Niehans, Noti, Oberhänsli, Peterhans, Tschan, Tschanen, Tschann, Tschannen, Tschanz. 64 Types, 236 Tokens. Französische FamN zum RufN Johannes: Beljean, Bonjean, Borel-Petitjean, Calame-dit-Longjean, Calame-Longjean, Cujean, Dumont-dit-Vieiljean, Favre-dit-Jean-Favre, Favre-dit-Jeanfavre, Grandjean, Grandjean-Perrenoud-Comtesse, Grosjean, Hantz, Jan, Jan du Chêne, Janin, Jean, Jean-Cartier, Jean-Mairet, Jean-Petit-Matile, Jean-Richard, Jean-Richard-dit-Bressel, Jeanbourquin, Jeandet, Jeandrevin, Jeandupeux, Jeanfavre, Jeangros, Jeanguenat, Jeanguenin, Jeanhenry, Jeanjaquet, Jeanloz, Jeanmaire, Jeanmaire-dit-Cartier, Jeanmaire-dit-Quartier, Jeanmonod, Jeannerat, Jeanneret, Jeanneret-de-la Coudre, Jeanneret-Gris, Jeanneret-Grosjean, Jeanneret-Grosjean, Jeannet, Jeannin, Jeannot, Jeannotat, Jeannottat, Jeanperrin, Jeanprêtre, Jeanquartier, Jeanrenaud, Jeanrichard-dit-Bressel, Johannot, Jonin, Matthey-Jeantet, Noirjean, Karte 315: Patronyme zu Johannes nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 702 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="81"?> Perrenoud-Jeanneret, Perret-Jeanneret, Petitjean, Petitpierre-chez-Jean, Sandoz-Longjean. 62 Types, 132 Tokens. Italienische FamN zum RufN Johannes: Bomio-Giovanascini, Degiovanfrancesco, Degiovannini, Della Giovanna, Genasci, Genasci Borgna, Genazzi, Genazzini, Genel, Genella, Genelli, Genini, Genoni, Giamboni, Giambonini, Gianascio, Gianatelli, Gianella, Gianelli, Gianetta, Gianetti, Gianettoni, Giani, Gianinazzi, Gianini, Giannini, Giannoni, Gianoca, Gianocca, Gianocco, Gianola, Gianoli, Gianolini, Gianolio, Gianolli, Gianoni, Gianora, Gianossi, Gianotti, Giovanelli, Giovanetti, Giovanettina, Giovannacci, Giovannari, Giovannini, Giovannone, Giovannoni, Giovanoli, Giovanoli, Giovanora, Girell di Giovanoel, Noletta, Nolli, Nollo, Vananti, Vanazzi, Vanetta, Vanetti, Vanina, Vanini, Vannini, Vannotti, Vanolli, Vanoni, Vanotti, Zambelli, Zamboni, Zanetta, Zanetti, Zanetti Streccia, Zanini, Zanoja, Zanolari, Zanoli, Zanolini, Zanoni. 77 Types, 142 Tokens. Rätoromanische FamN zum RufN Johannes: Ans, Cagianut, Cagianuth, Cahans, Canetg, Denoth, Ganzoni, Genelin, Gianiel, Gianom, Gienal, Gienuth, Jandin, Janett, Janggen, Janigg, Janjöri, Janka, Janki, Janom, Januth, Janutin, Jenal, Jenatsch, Notegen, Nottal, Nuth, Nutli, Nutt, Nuttli, Schaniel, Tall, Zanugg, Zuan. 34 Types, 49 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-42, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 329: Daten zur ersten Karte {315} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Mit 64 Types weisen die Patronyme aus Johannes in der Deutschschweiz eine sehr hohe Formvarianz auf. Die häufigsten FamN in der Zeitschicht «vor 1800» sind Jenni (31 Tokens), Hänni (25 Tokens), Jenny (24 Tokens) und Häni (16 Tokens); vgl. dazu die dritte Karte. Die meisten Deutschschweizer Namenvarianten können nach ihrer Ausgangsform in sechs Hauptgruppen unterteilt werden. Nicht eindeutig klassifizierbare Namen werden separat gesammelt (siebte Gruppe). 1. Typ Johann(es): Johann, Johanni 2. Typ Jan: Jahn, Jann, Janner, Jendly, Jenni, Jenny, Kleinjenni 3. Typ Jans: Jans, Janser, Janz, Janzi, Jaus, Jauslin, Jaussi 4. Typ Hans: Hans, Hanselmann, Hansemann, Hanser, Hansli, Hanslin, Handschin, Hansmann, Knabenhans, Kocherhans, Langhans, Meierhans, Meisterhans, Meyerhans, Niehans, Peterhans, Hänsli, Oberhänsli, Aenishänslin, Hensel, Haus, Hausin, Häuselmann, Hüselmann, Heiss 5. Typ Häni: Haenni, Hähni, Häne, Häner, Häni, Hänni, Hänny, Häny, Henne, Henni, Henny 6. Typ Tschan: Tschan, Tschanen, Tschann, Tschannen, Tschanz 7. Nicht eindeutig klassifizierbare FamN: Jenk, Jensch, Jentsch, John, Joneli, Juen, Noti Für die erste Ausgangsform Johann(es) ist neben dem Simplex Johann die latinisierte Variante Johanni dokumentiert. Bei der zweiten Gruppe mit der Ausgangsform Jan sind nebst Schreibvarianten (Jahn, Jann) auch Ableitungen (Janner, Jenni, Jenny, Jendly) und ein Kompositum (Kleinjenni) entstanden. Die FamN zur dritten Ausgangsform gehen auf eine durch Synkope des e aus Janes entstandene Variante Jans zurück. Neben dem Simplex Jans und den graphematischphonologischen Varianten Janz und Jaus sind für diesen Typus vier Ableitungen belegt: Janser, Janzi, Jauslin und Jaussi. Die produktivste, vierte Ausgangsform bildet die Variante Hans, eine früh entstandene Kurzform des Ruf N Johannes. Zu dieser Basis gehören nebst drei Varianten des Simplex (Hans, Heiss und Haus) verschiedene Ableitungen (u. a. Hanser, Hansli, Hensel, Handschin), mann-Suffigierungen (u. a. Hanselmann, Hansmann, Hüselmann) sowie eine vielfältige Palette von Komposita (u. a. Kocherhans, Langhans, Meisterhans, Oberhänsli). Innerhalb dieser vierten Gruppe werden die FamN nach den drei Varianten Hans, Haus und Heiss geordnet. Aus einer Kurz- oder Koseform von Johannes gehen die FamN der fünften Gruppe (Ausgangsform Häni) hervor. Neben einer Reihe von graphematisch-phonologischen Varianten ist eine er-Ableitung (Häner) belegt. 5 Die sechste Gruppe beruht auf dem Ruf N Jean, der ein französischer Ref lex von Johannes darstellt. Die daraus entstandenen FamN Tschan, Tschanen, Tschann, Tschannen und Tschanz weisen Interferenzerscheinungen auf (vgl. vierte Karte). Der im deutschsprachigen Saastal (VS) belegte und adaptierte FamN Noti (siebte Gruppe) gehört einer aus dem Maggiatal (TI) stammenden Familie. Aus der Auswahl ausgeschlossen und daher nicht kartiert wurden etymologisch uneindeutige FamN wie z. B. Hensch, Hänggi, Joner, Hänseler und deren Varianten. Die meisten FamN der französischsprachigen Schweiz gehen auf die häufige Rufnamenform Jean zurück. Für weitere gegenwärtige Varianten des Ruf N Johannes in der Romandie (z. B. Jan) vgl. GPSR X (1924 ff.: 91). Die Bildungsformen des Familiennamentyps sind in der Romandie besonders vielfältig: darunter Simplizia (Jean und Jan), diverse Suffigierungen (Jeannet, Jeannin, Jeannot), Komposita der Typen «Adjektiv + Ruf N» (Beljean, Bonjean, Calame-Longjean, Grandjean), «Ruf N + Adjektiv» (Jeangros), «Ruf N + BerufsN» (Jeanfavre) und «Ruf N + Ruf N» (Jean-Richard ). Bildungen mittels Zusatz dit (Jeanrichard-dit-Bressel ) sowie solche mit dem Element chez (Petitpierre-chez-Jean) sind im Sample ebenfalls vertreten. 6 In der Zeitschicht «vor 1800» ist Grandjean (11 Tokens) der häufigste französische FamN zum Ruf N Johannes. Für die graphematischphonologischen Interferenzen mit dem Deutschen (z. B. Hantz) s. die vierte Karte. Der FamN Henny in der Region Lausanne (VD) hat seinen Ursprung im Kanton Bern. In der italienischsprachigen Schweiz gehen die FamN zu Johannes auf verschiedene Ausgangsformen zurück: Die produktivsten davon basieren auf den Ruf N Giovanni - und dessen aphäretische Form Van(n)i - sowie Gianni bzw. dessen lombardische Variante Zan(n)i (De Felice 1986: 361). Der häufigste italienische FamN zu Johannes ist in der Zeitschicht «vor 1800» Gianini (12 Tokens). Das Sample für die italienischsprachige Schweiz enthält hauptsächlich Suffixableitungen wie z. B. Genazzi, Genel, Genella, Genelli, Genini oder Genoni. Weitere Bildungsmuster sind FamN mit Präposition 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen, u. a. II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» und II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast» (v. a. ersten Karte). 6 Vgl. Artikel II-4.3 «Mehrgliedrige Familiennamen mit den Zusätzen dit, soit, alias». 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes 703 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="82"?> (z. B. Degiovannini, Della Giovanna) und DoppelN (z. B. Bomio-Giovanascini, Genasci Borgna). In der Rätoromania beruhen die FamN zu Johannes auf verschiedenen Ausgangsbasen, die z. T. Interferenzspuren aufweisen (s. vierte Karte). Die wichtigsten rätoromanischen Stammvarianten sind Gian bzw. G(i)en und Jan bzw. Jen. Der häufigste FamN ist in der Zeitschicht «vor 1800» Janett (10 Tokens). Die im DRG 7 (1939 ff.: 281-283) dokumentierten Hauptformen des Rufnamentyps - Gion (surselvisch) und Jon (unterengadinisch) - sind in den FamN nicht vertreten. In der Namenauswahl kommen u. a. Suffixableitungen (z. B. Genelin, Gianom), eine Bildung mit Präposition (Denoth), vier FamN mit Präfix Ca- (Cagianut, Cagianuth, Cahans, Canetg) und eine Italianisierung (Ganzoni aus Gianzun) vor. 7 Kommentar: Die FamN, die zum Ruf N Johannes gebildet sind, sind in der Zeitschicht «vor 1800» in allen vier Sprachgebieten der Schweiz reichlich belegt, was auf die Beliebtheit des Ruf N über die Sprachgrenzen hinweg hindeutet. In der Deutschschweiz treten die entsprechenden Patronyme insbesondere im Kanton Bern - mit einer Häufung in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Seeland - sowie in Basel-Landschaft auf. Beinahe frei vom Namentypus sind die Zentralschweiz (ausser LU), die Kantone Zürich und Schaffhausen sowie das Appenzellerland. In der Romandie treten FamN zu Johannes fast f lächendeckend auf - mit Ausnahme des westlichen Wallis - und zeigen dabei eine besonders hohe Konzentration im Kanton Neuenburg. In der italienischsprachigen Schweiz und in der Rätoromania sind die Patronyme ebenfalls in allen Gebieten zahlreich belegt. Ein dichteres Vorkommen zeigt sich in der Region um die Stadt Lugano (TI). Zweite Karte {316}: Patronyme zu Johannes in der Deutschschweiz nach Ausgangsform Namenauswahl: Ausgewählt wurden die FamN, die in der ersten Karte als deutsche Realisierungen des Ruf N Johannes erfasst wurden und sich den oben beschriebenen fünf ersten Ausgangsformen zuordnen lassen. Die durch Sprachinterferenz adaptierten Patronyme des Typus Tschan werden separat in der vierten Karte behandelt. Abgefragte Namen Typ Johann(es): Johann, Johanni. 2 Tokens. Typ Jan: Jahn, Jann, Janner, Jendly, Jenni, Jenny, Kleinjenni. 7 Types, 66 Tokens. Typ Jans: Jans, Janser, Janz, Janzi, Jaus, Jauslin, Jaussi. 7 Types, 17 Tokens. Typ Hans: Aenishänslin, Handschin, Hans, Hanselmann, Hansemann, Hanser, Hansli, Hänsli, Hanslin, Hansmann, Haus, Häuselmann, Hausin, Heiss, Hensel, Hüselmann, Knabenhans, Kocherhans, Langhans, Meierhans, Karte 316: Patronyme zu Johannes in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 7 Vgl. die Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-» und I-3.6 «Integration rätoromanischer Familiennamen ins Italienische». 704 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="83"?> Meisterhans, Meyerhans, Niehans, Oberhänsli, Peterhans. 25 Types, 56 Tokens. Typ Häni: Haenni, Hähni, Häne, Häner, Häni, Hänni, Hänny, Häny, Henne, Henni, Henny. 11 Types, 63 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 330: Daten zur zweiten Karte {316} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Die fünf Namentypen verteilen sich über das Territorium der Deutschschweiz. Die häufigsten zwei Typen sind Jan (66 Tokens) und Häni (63 Tokens): Während der erste ziemlich verstreut auftritt, zeigen die FamN zur Ausgangsform Häni eine markantere Präsenz im westlichen Teil der Deutschschweiz. Der Typ Hans (56 Tokens) erscheint gehäuft im Kanton Thurgau. Die FamN des Typus Jans treten über den grössten Teil des deutschsprachigen Gebiets auf, während diejenigen aus Johann(es) einmal im Entlebuch (LU) und einmal in der Region Landquart (GR) vorkommen. Dritte Karte {317}: Die häufigsten Patronyme zu Johannes in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden die vier frequentesten FamN (16 Tokens und mehr), die bei der ersten Karte als deutsche Realisierungen des Ruf N Johannes erfasst wurden (vgl. die Angaben zu den Formvarianten oben). Auf der Karte werden die FamN nach ihrer Frequenz geordnet. Abgefragte Namen Jenni: 31 Tokens. Hänni: 25 Tokens. Jenny: 24 Tokens. Häni: 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 331: Daten zur dritten Karte {317} Detailangaben zur Namenauswahl: S. Angaben zur ersten Karte. Kommentar: Der in der Deutschschweiz häufigste FamN Jenni bildet eine Ballung im Wahlkreis Entlebuch (LU) und in der angrenzenden Region Emmental (BE). Die Schreibvariante Jenny findet sich v. a. im Sensebezirk (FR) und in den Kantonen Basel-Landschaft Karte 317: Die vier häufigsten deutschen Patronyme zu Johannes, vor 1800 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes 705 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="84"?> und Glarus. Der zweithäufigste FamN Hänni kommt hauptsächlich in den Verwaltungskreisen Thun und Bern-Mittelland (BE) vor. Komplementär dazu bildet seine Schreibvariante Häni ein Nest unweit davon im Seeland (BE). Vierte Karte {318}: Interferenzformen aus Johannes Namenauswahl: Ausgewählt wurden durch Sprachinterferenz adaptierte Patronyme aus Johannes, sowohl für die westliche deutschfranzösische Kontaktsituation als auch für diejenige im östlichen deutsch-(alt-)rätoromanischen Kontaktgebiet. Für die italienischsprachige Schweiz sind keine Interferenzfälle bezeugt. Wie das RNB 3 (1986: 282) für das rätoromanische Sprachgebiet festhält, ist es bei einigen Namen aus dieser Kontaktregion nur schwer möglich, sie als eine deutsch-romanische Symbiose (z. B. Janggen) oder aber als blosse deutsche Schreibvariante zu klassifizieren, wie z. B. Gienuth oder Januth für Gianutt. Diese und weitere Fälle gehen aus dem Bestreben hervor, die für die deutschsprachigen Schreiber fremden romanischen Palatallaute mit deutschen Graphemen wiederzugeben, zumal im alträtoromanischen Gebiet des Mittelalters die Schriftsprache neben dem Lateinischen noch überwiegend Deutsch war. Dementsprechend wurden hier als Interferenzformen sowohl morphologisch adaptierte Namen - inklusive Hybridformen des Typus Cahans - als auch graphematische Varianten ausgewählt. Abgefragte Namen Interferenzen Französisch → Deutsch: Tschan, Tschanen, Tschann, Tschannen, Tschanz. 20 Tokens. Interferenzen Deutsch → Französisch: Hantz. 1 Token. Interferenzen Rätoromanisch → Deutsch: Cagianuth, Cahans, Denoth, Gienuth, Janggen, Janigg, Janka, Janki, Januth, Jenal, Notegen, Nuth, Nutli, Nutt, Nuttli, Schaniel, Zanugg. 17 Types, 20 Tokens. Interferenzen Deutsch → Rätoromanisch: Ans. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 332: Daten zur vierten Karte {318} Detailangaben zur Namenauswahl: Im rätoromanisch-deutschen Kontaktgebiet sind 18 Types belegt, die Interferenzerscheinungen aufweisen - d. h. mehr als die Hälfte aller als rätoromanisch klassifizierte Johannes-Patronyme. Ans stellt das einzige Beispiel von Romanisierung dar, alle anderen Fälle resultieren aus der Eindeutschung rätoromanischer Namenformen. Diese sind durch vielfältige formale Adaptionen entstanden, die sich auf graphematisch-phonologischer und/ oder morphologischer Ebene auf die Namen auswirken: 8 Karte 318: Interferenzerscheinungen in Patronymen zu Johannes, vor 1800 8 Vgl. die Artikel I-3.4 «Graphematisch-phonologische Integration rätoromanischer Familiennamen ins Deutsche» und II-2.20 «Morphologische Integration rätoromanischer Familiennamen ins Deutsche». 706 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="85"?> • Graphematische Anpassung th für [tː]: 9 Cagianuth, Denoth, Gienuth, Januth, Nuth • Graphematische Anpassung j für palatalen Laut: Janigg, Januth, Jenal usw. • Sibilantenwechsel: Schaniel (zu rätorom. Gianiel ), Zanugg (zu rätorom. Janúgg) • Akzentrückzug auf die Erstsilbe: Jánggen, Jánka, Jánki (alle zu rätorom. Janígg) • Kürzung durch Aphärese: Nuth, Nutt und diminutivisches Nutli, Nuttli (alle zu rätorom. Janútt) 10 • Kürzung durch Synkope: Janggen, Janka, Janki • Suffigierung mit deutschem Diminutiv -i oder -li: Janki, Nutli, Nuttli • Bildung von hybriden Ca-Namen: 11 Cahans Auch im westlichen Kontaktgebiet kommen Eindeutschungen öfter vor als Romanisierungen, jedoch allgemein spärlicher als in der alträtoromanischen Region. Anlautendes Tschref lektiert die deutsche Realisierung des ungewohnten romanischen palatalen Anlauts im Ruf N Jean. Einziges Beispiel für graphematisch-phonologische Romanisierung ist in diesem Gebiet der FamN Hantz. 12 Kommentar: Die eingedeutschten französischen FamN kommen gehäuft in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Thun (BE) vor. Weitere, verstreute Interferenzfälle finden sich im Gebiet zwischen den Städten Biel und Bern, daneben treten einige Ortspunkte in den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn in Erscheinung. Der im französischsprachigen Jura belegte EinzelN Tschan ist vermutlich aus dem angrenzenden elsässischen Haute-Rhin eingewandert, wo der Name verbreitet ist (Filae o. J.: s. v. Tschan; s. auch DFA 6 2017: 638). Das einzige westliche Beispiel von Romanisierung (Hantz) ist ebenfalls im französischsprachigen Jura dokumentiert und könnte ebenfalls auf eine Einwanderung aus dem Elsass zurückgeführt werden. Die meisten eingedeutschten rätoromanischen FamN aus Johannes treten in der Surselva (GR) auf. Dies lässt sich auf die direkte Anwesenheit von Walsern oder die Nähe zu deren Siedlungen zurückführen. Die Beispiele aus Samnaun (GR) und den angrenzenden unterengadinischen Dörfern können als Einf luss des benachbarten Tirolisch-Bairischen interpretiert werden. Im rätoromanischsprachigen Gebiet ist mit Ans in Sent (GR) der einzige Fall von Romanisierung eines deutschen FamN aus Johannes bezeugt. Ergebnisse Zur Zeit der Familiennamenentstehung war Johannes im deutschsprachigen Raum und allgemein in Mitteleuropa der am häufigsten vergebene männliche Ruf N. Bereits im Stadium des Ruf N führten zahlreiche Kürzungen und Modifikationen des mehrsilbigen FremdN zu einer grossen Variantenvielfalt. Die Patronyme, die aus Johannes hervorgegangen sind, kommen in der Zeitschicht «vor 1800» in allen vier Sprachregionen der Schweiz reichlich vor, was auf die frühere sprachübergreifende Beliebtheit des Ruf N hinweist. In der Deutschschweiz zeigt der Namentyp eine Häufung in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Seeland (BE), in der französischsprachigen Schweiz treten die Namen hauptsächlich im Kanton Neuenburg auf. Interferenzformen sind in den beiden grossen Kontaktgebieten vertreten, d. h. sowohl in der westlichen deutsch-französischen Kontaktsituation als auch im östlichen deutsch-rätoromanischen Kontaktgebiet. Dabei ist die Typefrequenz im deutsch-rätoromanischen Raum höher als im Westen. Über die Hälfte der als rätoromanisch klassifizierten FamN weisen Anzeichen von Interferenzen auf, was auf die langanhaltende Zweisprachigkeit und den fortwährenden Sprachwechsel hindeutet. Im Westen kommen eingedeutschte Namenformen nicht nur im mittelalterlichen deutsch-französischen Kontaktgebiet vor (Kristol 2023: 156), sondern auch darüber hinaus in den Kantonen Solothurn und Basel-Landschaft. Das bezeugt den Einf luss des Französischen im deutschsprachigen Gebiet über die Sprachgrenze hinaus. In den vier Sprachregionen haben sich die zahlreichen Formvarianten des Ruf N Johannes in ihrer Rezeption als FamN stark diversifiziert. Im Familiennamenbestand der Deutschschweiz findet sich für die Schweiz spezifische Namenbasen, aus denen wiederum diverse Komposita und Ableitungen gebildet wurden, nämlich die Diminutive auf -li bzw. -ly, -i bzw. -y und -in sowie weitere suffigierte Formen auf -er und -mann. Die zweite Karte zeigt, dass einige Stammvarianten der Patronyme aus Johannes regional Mikroareale bilden können, wie z. B. der Namentyp Häni in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland und Thun (BE). Die grosse Produktivität lässt sich auch kleinräumig beobachten: In mehreren Gegenden der Romandie und des Tessins können diverse Bildungsvarianten desselben Patronyms innerhalb der gleichen Gemeinde vorkommen, wie in Cresciano (TI) Genini, Gianini, Giovannini oder in La Sagne (NE) Grandjean-Perrenoud- Comtesse, Jean-Mairet, Jean-Petit-Matile, Jean-Richard, Jean-Richarddit-Bressel. Diese bedeutende formale Ausprägung auf mikroregionaler Ebene lässt sich hauptsächlich mit dem durch einen hohen Grad an Homonymie verursachten Bedürfnis nach Differenzierung des Familiennamenschatzes erklären. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Jenni (3'606 Tokens), Hänni (3'191 Tokens) und Jenny (2'053 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Jenni den 153. Platz. Vergleich mit benachbartem Ausland: Aus dem Ruf N Johannes sind in Deutschland über 300 FamN entstanden (Kunze 2004: 75). Der DFA 6 (2017: 630-685) erfasst in 23 Karten neben den zwei für Deutschland frequentesten Formen Jansen (31'034 Tokens) und Hansen (15'258 Tokens) eine Reihe von regional verbreiteten Varianten. Für unseren Untersuchungsraum besonders relevant sind die auf Karte 208 abgebildeten FamN (DFA 6 2017: 659): Dokumentiert sind Patronyme zur Kurzform Hans bzw. zu diminuiertem Hänsel, Hensel mit patronymischem er-Suffix. Der Typ Henseler tritt v. a. im Süden Deutschlands auf, wo er sich an das Schweizer Hans-Gebiet anschliesst und mit diesem eine gemeinsame Namenlandschaft bildet (vgl. zweite Karte). Für Liechtenstein werden die FamN Cahenzli, Gahans, Hanselmann, Hansen, Hensler, Jahn, Jenni, Jenny, John, Knabenhans, Nott und Nutt dokumentiert (FLNB II/ 3 2008: 143, 9 Vgl. Artikel I-2.8 «Schreibvariation t/ th». 10 Die aphäretischen Formen dienen als Basis für weitere Bildungen wie Denoth, Notegen. 11 Vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 12 Vgl. die Artikel I-3.3 «Integration französischer Familiennamen ins Deutsche» und I-3.5 «Integration deutscher Familiennamen ins Französische». 1.9 Patronyme zu nicht-germanischen Rufnamen: Johannes 707 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="86"?> 248-249, 330, 351-352, 396, 399-401, 405-406, 438; FLNB II/ 4 2008: 126-127). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 11.01.2024). Caffarelli, Enzo (2016): Cognomi in Italia: storia, tipologie, significati e statistiche in 450 domande e risposte (L’arte del nome 9). Roma: SER. De Felice, Emidio (1986): Dizionario dei nomi italiani. Origine, etimologia, storia, diffusione e frequenza di oltre 18.000 nomi. Milano: Mondadori. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 11.01.2024). Filae (o. J.): Origine, étymologie, popularité de votre nom de famille. https: / / www.filae.com/ nom-de-famille/ (letzter Zugriff 11.01.2024). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Gottschald, Max (2006): Deutsche Namenkunde. Mit einer Einführung in die Familiennamenkunde von Rudolf Schützeichel. 6., durchgesehene und bibliographisch aktualisierte Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. GPSR = Glossaire des patois de la Suisse romande (1924 ff.): Bd. 1 ff. Neuchâtel, Paris: Attinger, dann Genève: Librairie Droz. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2013): Duden - Lexikon der Vornamen. Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von über 8000 Vornamen; mit den neusten Trends und Namen aus aller Welt. 6., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim, Zürich: Dudenverlag. Kristol, Andres (2023): Histoire linguistique de la Suisse romande (Collection Glossaire des patois de la Suisse romande 5.1). Neuchâtel: Éditions Alphil- Presses universitaires suisses. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Schäfer, Joachim (1998 ff.): Ökumenisches Heiligenlexikon. https: / / www. heiligenlexikon.de (letzter Zugriff 30.07.2025). Siller, Max (1999): Von Johannes bis Hans. Die frühe Verbreitung und Entwicklung eines Rufnamens im südlichen romanisch-germanischen Grenzbereich. In: Pümpel-Mader, Maria/ Schönherr, Beatrix (Hrsg.): Sprache - Kultur - Geschichte. Sprachhistorische Studien zum Deutschen. Hans Moser zum 60. Geburtstag (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe 59), 23-49. Innsbruck: Universität Innsbruck. Tanet, Chantal/ Hordé, Tristan (2005): Dictionnaire des prénoms. Paris: Larousse. Linda Steiner 708 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="87"?> 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen Schlagwörter: biblischer Rufname, Heiligenname, Kurzform, männlicher Rufname, Vollform Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: Der vorliegende Sammelartikel ergänzt die Dokumentation der in der Deutschschweiz häufigsten Patronyme aus nicht-germanischen Ruf N. Besprochen werden hier ausgewählte Familiennamentypen, bei denen die Hauptvertreter in den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» in der Rangliste der häufigsten Patronyme der Deutschschweiz die Spitzenplätze belegen. 1 Es sind dies Michel, Jost, Jakob, Matthias und Fluri. Hintergrund: Als Top 20 der Patronyme figurieren - hier nach Frequenz geordnet - folgende FamN: Peter, Hug, Kunz, Egli, Marti, Hartmann, Kuhn, Michel, Christen, Lüthi, Martin, Erni, Rüegg, Ott, Jost, Arnold, Richard, Hermann, Bürgi und Jenni. Unter ihnen gehen 13 FamN auf germanische Ruf N zurück, die jeweils separat oder in einem von zwei Sammelartikeln behandelt werden: Hug, Kunz, Egli, Hartmann, Kuhn, Lüthi, Erni, Rüegg, Ott, Arnold, Richard, Hermann und Bürgi. 2 Unter den sieben häufigsten Patronymen aus nichtgermanischen Ruf N wurden diejenigen FamN gesondert behandelt, die eine relevante Formvarianz erkennen lassen und für welche die morphologische wie auch die räumliche Erschliessung besonders signifikant ist. Die Darstellung erfolgt nach dem zugrunde liegenden Ruf N sowie sprachübergreifend: Peter (zu Petrus), Marti und Martin (beide zu Martīnus), Christen (zu Christiānus) und Jenni (zu Johannes). Es verbleiben folgende zwei FamN, die hier als «Kernnamen» (DFA 6 2017: XXII) aufgegriffen und zusammen mit ihren Varianten dokumentiert werden: Michel (erste Karte) und Jost (zweite Karte). In Ergänzung der häufigsten Patronyme aus nicht-germanischen Ruf N werden in diesem Artikel zusätzlich die FamN aus den Ruf N Jakob (dritte Karte), Matthias (vierte Karte) und Florian bzw. Fluri (fünfte Karte) kartiert und besprochen. Diese drei Typen gehören zwar nicht zu den Top 20, weisen aber eine Vielfalt an Varianten auf, die teilweise spezifisch für die Schweiz sind. Weitere Ruf N wie Thomas (u. a. FamN Thommen), Stephan (u. a. FamN Steffen), Simon (u. a. FamN Simmen), Andreas (u. a. FamN Ender) oder Anton (u. a. FamN Antenen) sind ebenfalls variantenreich, sie sind aber einzeln nicht frequent und zeigen gegenüber dem restlichen deutschsprachigen Raum keine auffälligen onymischen Besonderheiten auf. Im deutschen Sprachraum nahm ab dem späten 12. Jh. die Anzahl und Vergabe von fremdsprachigen Ruf N deutlich zu, wobei es sich hauptsächlich um HeiligenN handelte. Diese Entwicklung erreichte einen Höhepunkt im 15./ 16. Jh. (Kunze 2004: 41; Dräger 2013: 34). Die dem deutschen Sprachsystem fremden Elemente unterlagen bei der Integration unterschiedlichen Anpassungsprozessen, die zu einer erheblichen Aufspaltung im Namenbestand führten. Bei mehrsilbigen nicht-germanischen Ruf N betrifft die grundlegendste Adaption die Betonung: Je nach Zeit und Ort der Integration wurde der Name entweder an die germanische Erstsilbenbetonung angepasst oder in seiner ursprünglichen Betonungsstruktur bewahrt. Eine Akzentverschiebung auf die erste Silbe konnte zur Schwächung oder zum Wegfall der Nebensilben führen: Bei Tilgung oder Ausfall der Silbe(n) am Wortende spricht man von Apokope, am Wortanfang hingegen von Aphärese: Beispiele aus den vorliegenden Namensamples sind Jäck und Kopp aus Jakob. Die so entstandenen Kurzformen wurden danach häufig suffigiert und/ oder graphematisch-phonologisch an die jeweiligen mundartlichen Verhältnisse angepasst. 3 Die daraus resultierende grosse Rufnamenvielfalt spiegelt sich in der Fülle an Patronymen wider. Fragestellungen: Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende Fragestellungen: Wo kommen die fünf ausgewählten FamN (inklusive ihrer Varianten) in der Deutschschweiz vor und in welchem räumlichen Verhältnis stehen die verschiedenen Bildungstypen bzw. graphematisch-phonologischen Varianten? 4 Neben dem arealen Vorkommen interessieren auch die Type- und Tokenverhältnisse der verschiedenen Bildungsmuster. Kartiert werden die fünf Namentypen jeweils separat; innerhalb der Karte werden die dazugehörigen Varianten kontrastiv dargestellt. 1 Die auf den historischen Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». In der Datenbank des FDS entspricht ein Token aus historischen Daten grob einer Schweizer Gemeinde, in welcher ein bestimmter FamN vorkam - nicht jedoch der Anzahl aller Personen, die den FamN trugen (Berchtold/ Kempf 2022: 152-153). Die reale Zahl der Namenträger: innen liegt somit deutlich höher. Da der Wert jedoch die Anzahl der Gemeinden und somit die Verbreitung eines FamN beziffert, kann er annäherungsweise als Grundlage für die Erstellung einer quantitätsbasierten Rangliste herangezogen werden. 2 Für die einzelnen Familiennamentypen sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen. Vgl. auch die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 3 Zu den verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Zur inhaltlichen Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). Für Näheres zu den verschiedenen Typen von Kurzformen in Patronymen aus germanischen Ruf N vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 4 Die Dokumentation im vorliegenden Artikel beschränkt sich auf (schweizer-)deutsche FamN. Romanische Ref lexe der zugrunde liegenden Ruf N (z. B. für den Typ Jakob die in drei romanischsprachigen Gebieten vorkommenden FamN Jaquet, Giacometti oder Jacomet) werden hier - bis auf wenige Parallelen - nicht berücksichtigt. 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 709 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="88"?> Erste Karte {319}: Familiennamentyp Michel Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» (Datenquelle: FNB), 5 die in der etymologischen Datenbank (Stand 17.04.2024) auf den Ruf N Michael zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach Bildungstypen bzw. graphematisch-phonologischen Varianten. Abgefragte Namen Michel: 57 Tokens. Michael: 7 Tokens. Michlig: 2 Tokens. Tomamichel: 1 Token. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 11-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 333: Daten zur ersten Karte {319} Detailangaben zur Namenauswahl: 6 Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den männlichen Ruf N hebräischen Ursprungs Michael zurück. Der aus der Bibel in lateinischer Form übernommene Ruf N fand im Mittelalter als Name des Erzengels in der christlichen Welt Verbreitung (Id. 4 1881 ff.: Sp. 59-61; RNB 3 1986: 326-327; Kohlheim/ Kohlheim 2005: 461). In der Deutschschweiz ist die häufigste Variante des Namentyps Michel, die aus der Auf lösung des Hiatus ae resultiert. Die hohe Tokenzahl des Patronyms ist z. T. dem in der Romandie vorkommenden, homographen FamN geschuldet. Von den 57 Tokens sind nämlich 17 in der französischsprachigen Schweiz belegt. Auf der graphematisch-phonologischen Ebene sind die FamN aus Michael ziemlich stabil. Nur die Variante Michael zeigt die latinisierende Schreibung mit ae. Michlig ist mit dem Zugehörigkeitssuffix -ig gebildet. 7 Tomamichel ist aus dem FamN Toma (zum Ruf N Tommaso) und Michel zusammengesetzt (Lurati 2000: 470-471). 8 Die FamN aus Michael sind auch in der Romania verbreitet: in der Romandie u. a. Michaud, Michelet und Michellod, in der italienischsprachigen Schweiz Micheli, Demicheli, Micheletti und Micherolli, in der Rätoromania Camichel. 9 Karte 319: Familiennamentyp Michel, vor 1800 u. Herkunft 5 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 6 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 7 Vgl. Artikel II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 8 Vgl. Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 9 Vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 710 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="89"?> Kommentar: Der häufigste FamN im Sample Michel bildet in der Deutschschweiz drei voneinander unabhängige Areale: Zwei an der westlichen bzw. östlichen Sprachgrenze und eines in der Mitte des Landes. Im Westen sind es Gebiete im Berner Oberland (Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli) und in der Region Bern-Mittelland, im Osten tritt der Name in früh verdeutschten Gebieten Graubündens auf (Prättigau, Plessur), im Zentrum tritt das Bünztal im südlichen Teil des Kantons Aargau hervor. Die Variante mit latinisierter Schreibung Michael tritt ausschliesslich in zwei Gemeinden Graubündens auf. Michlig ist typisch für das deutschsprachige Wallis, Tomamichel für die Tessiner Walsersiedlung Bosco/ Gurin. Zweite Karte {320}: Familiennamentyp Jost Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Joos bzw. Jost zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp (mit oder ohne t-Antritt) bzw. nach graphematisch-phonologischen Varianten (mit langem oder kurzem Vokal). Abgefragte Namen Jost: 42 Tokens. Joos: 21 Tokens. Joss: 8 Tokens. Joost: 2 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 334: Daten zur zweiten Karte {320} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den männlichen Ruf N bretonischen Ursprungs Jodocus zurück. Die deutschen Varianten haben sich aus der altfranzösischen Namenform Josse entwickelt (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 243). Das Id. 3 (1881 ff.: Sp. 74) dokumentiert die Ruf N Joos, Jost und Joost. In der Deutschschweiz ist die häufigste Variante des Familiennamentyps Jost, die, wie die Variante Joost, aus unorganischer t-Erweiterung resultiert. 10 Graphematische (und evtl. auch phonologische) Varianz zeigt sich ausserdem bei der Schreibung des Vokals als -obzw. -oo-. Karte 320: Familiennamentyp Jost, vor 1800 u. Herkunft 10 Vgl. Artikel II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut». 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 711 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="90"?> Da generell keine suffigierten oder weitergebildeten Formen aufgenommen wurden, blieben die niederfrequenten FamN Josti und Josty (beide im Unterengadin GR) sowie Jossen (deutschsprachiges Wallis) in der Kartierung unberücksichtigt. Ebenfalls nicht kartiert ist der im Kanton Thurgau vorkommende FamN Jaiser, da es sich dabei um eine nicht-einheimische (schwäbische) Form handelt. Aus der Auswahl ausgeschlossen wurden die etymologisch unsicheren FamN Josi, Jossi, Zoss und Zosso. Nicht abgebildet, aber für die Rätoromania zu erwähnen, sind der hybride FamN Cajoos - gebildet aus dem Präfix Ca- (aus rätorom. casa ‘Haus’) und dem Ruf- oder FamN Joos - und das Patronym Giossi (beide Region Surselva GR). Kommentar: Die vier häufigsten FamN aus dem Ruf N Joos / Jost bilden in der Deutschschweiz voneinander unabhängige Areale: Das grösste davon umfasst eine zusammenhängende Region bestehend aus dem Emmental (BE), dem Oberaargau (BE), dem Luzerner Hinterland und dem Gebiet rund um den Sempachersee (Wahlkreis Sursee LU). Ein kleineres Gebiet ist im deutschsprachigen Wallis auszumachen. In diesen beiden westlichen Regionen der Deutschschweiz überwiegt der FamN Jost. Komplementär dazu ist die Verbreitung der Variante Joss, die ausschliesslich im Bezirk Bern-Mittelland (BE) verzeichnet ist. In der östlichen Landeshälfte - insbesondere in den ehemaligen alträtoromanischen Gebieten St. Gallens und Graubündens - kommt der FamN Joos am häufigsten vor, obwohl dort auch Jost auftritt. Schliesslich sind am nordöstlichen Rand des Kantons Zürich und im benachbarten Kanton Schaffhausen wenige Belege der beiden Varianten Jost und Joos dokumentiert. Dritte Karte {321}: Familiennamentyp Jakob Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Jakob zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrer Ausgangsform. Abgefragte Namen Typ Jakob: Jacober, Jakob, Jakober. 14 Tokens. Typ Jak-: Jäck, Jäckh, Jäckli, Jäcklin, Jaeggi, Jaeggy, Jaggi, Jäggi, Jäggin, Jaggy, Jägli, Jäk, Jeck, Jeckelmann, Jecklin, Jegge, Jeggi, Jeggli, Jekelmann, Joggi. 20 Types, 83 Tokens. Typ Kob-: Kobel, Kobelt, Kobi, Koblet, Koebel, Kopp, Köpp, Köppel, Köppli, Köpplin. 10 Types, 46 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 335: Daten zur dritten Karte {321} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den aus der Bibel übernommenen männlichen Karte 321: Familiennamentyp Jakob, vor 1800 u. Herkunft 712 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="91"?> Ruf N hebräischen Ursprungs Jacóbus zurück. Der ab dem 13. Jh. sehr beliebte Ruf N verdankt seine Popularität der bedeutenden Wallfahrtsstätte Santiago de Compostela (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 229). Jakob ist in zahlreichen Varianten, darunter vielen Kurzformen, in den Familiennamenschatz der Deutschschweiz eingegangen. Dies kann u. a. auf die eingangs beschriebene Anpassung fremder Ruf N an das (schweizer-)deutsche Lautsystem zurückgeführt werden. Bei der Integration ins Deutsche wurden zwei Prozesse angewendet: 1. Die Betonung wurde auf die erste Silbe verlegt ( Jácobus); dabei entstanden Vollformen wie Jakob oder apokopierte Formen wie Jäggi und Varianten. 2. Die Betonung wurde auf der zweiten Silbe bewahrt ( Jacóbus); dies ergibt aphäretische Formen wie Kopp und Varianten. Die insgesamt 33 deutschsprachigen Varianten der FamN aus Jakob können nach den genannten Ausgangsformen in drei Gruppen unterteilt werden: Vollformen (Typ Jakob), apokopierte Formen (Typ Jak-) und aphäretische Formen (Typ Kob-). In der Deutschschweiz sind die tokenfrequentesten Varianten Jäggi (30 Tokens) und Jaggi (22 Tokens). Die Kurzformen des Familiennamentyps sind gegenüber den Vollformen viel frequenter. Aus den drei Ausgangsformen sind neben dem Simplex Jakob verschiedene Ableitungen entstanden - v. a. Diminutiva, aber auch patronymische er- und mann-Ableitungen (Jakober, Jeckelmann). Auf der graphematisch-phonologischen Ebene lässt sich folgende Varianz beobachten: bei Typ Jakdie Vokale a / ä / ae / e / o sowie die Konsonanten c / k / g, bei Typ Kobdie Vokale o / ö / oe sowie die Konsonanten p / b und bei beiden Typen die unterschiedliche Schreibung des Auslauts im Diminutivsuffix (-i, -in, -y und -e). Die Varianten mit l-Diminutivsuffix (Jägli, Jäcklin, Köppli, Koebel ) sind gegenüber den l-losen (Jaggi, Kobi) zahlenmässig spärlicher. Ausgeschlossen, weil etymologisch uneindeutig, sind die FamN Jakoberger (vermutlich WohnstättenN), Jaisli und Jappert. Für die Rätoromania ist der hybride FamN Cajacob zu erwähnen - gebildet aus dem Präfix Ca- (aus rätorom. casa ‘Haus’) und dem Ruf- oder FamN Jacob. Kommentar: Der Familiennamentyp Jakob kommt im grössten Teil der deutschsprachigen Schweiz vor, wobei der westliche Teil dieser Sprachregion deutlich als Namenraum hervortritt. Die zahlreichsten FamN aus der Kurzform Jakverteilen sich hauptsächlich in der westlichen Hälfte der Deutschschweiz und zeigen die höchste Konzentration im Gebiet entlang der Aare zwischen Biel (BE) und Aarau (AG). Im Nordosten treten die Namen aus Jakerst östlich des Tösstals (ZH) vereinzelt auf, welches hier eine Namengrenze bildet. Im Osten sind sie nur vereinzelt mit der Variante Jecklin in Graubünden und punktuell mit den Varianten Jäck, Jäckh und Jäk in Müllheim (TG) belegt, wo sie ein Namennest bilden. Die Kurzformen aus Kobverteilen sich im Osten v. a. zwischen Winterthur (ZH) und dem Toggenburg (SG) und im Westen hauptsächlich im Kanton Bern. Die wenigen FamN aus der Vollform Jakob finden sich verstreut im westlichen Teil der Deutschschweiz im Kanton Bern, in der Zentralschweiz in den Kantonen Luzern und Obwalden sowie im Osten in den Kantonen Glarus und Appenzell Ausserrhoden. Das Gebiet um den Zürichsee (ZH, SZ) und den Walensee (SG) sowie die Zentralschweiz sind, abgesehen von wenigen Streubelegen, frei von diesem Namentyp. 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 713 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="92"?> Vierte Karte {322}: Familiennamentyp Matthias Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf den Ruf N Matthias zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Patronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Typ Matthias: Mathis, Mathys, Matthis, Matthys. 49 Tokens. Typ Mat-: Mathier, Mathyer, Matsch, Mattig, Mattle, Mattli. 6 Types, 18 Tokens. Typ Tis-: Deis, Deiss, Disler, Dissler, Dysli, Thiessing. 6 Types, 19 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 336: Daten zur vierten Karte {322} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf den männlichen Ruf N hebräischen Ursprungs Matthias zurück (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 297). Matthias ist in zahlreichen Varianten (darunter vielen Kurzformen) in den Familiennamenschatz der Deutschschweiz eingegangen. Dies kann u. a. auf die grosse Varianz des Ruf N zurückgeführt werden, die wiederum aus seiner Anpassung an das (schweizer-)deutsche Lautsystem resultierte. Bei der Integration ins Deutsche wurden die eingangs beschriebenen zwei Prozesse angewendet: 1. Die Betonung wurde auf die erste Silbe verlegt (Mátthias). Dabei entstanden Vollformen - wie solche, die sich im FamN Mathis erkennen lassen - oder apokopierte Formen, die z. B. im Ruf N Matz (Id. 4 1881 ff.: Sp. 610) oder im FamN Mattli ersichtlich sind. 2. Die Betonung wurde auf der zweiten Silbe bewahrt (Matthías). Dies führte zu aphäretischen Formen wie im Ruf N Tiis (Id. 13 1881 ff.: Sp. 1768) bzw. in FamN wie Deis und Varianten. Die insgesamt 16 deutschsprachigen Varianten der FamN aus Matthias können nach den genannten Ausgangsformen in drei Gruppen unterteilt werden: Vollformen (Typ Matthias), apokopierte Formen (Typ Mat-) und aphäretische Formen (Typ Tis-). In der Deutschschweiz sind die tokenfrequentesten Varianten Mathys (23 Tokens) und Mathis (20 Tokens). Aus den drei Ausgangsformen sind neben Mathis und Varianten verschiedene Ableitungen entstanden, v. a. Diminutiva (Mattli) sowie patronymische er- (Mathier, Disler) und i(n)g -Ableitungen (Mattig, Thiessing). Auf der graphematisch-phonologischen Ebene lässt sich folgende Varianz beobachten: bei den Vollformen und beim Typ Matdie Schreibung der Vokale i/ y und der Konsonanten t / tt, beim Typ Tisdie Vokale i/ y / ie / e / ei und die anlautenden Konsonanten D/ Th sowie allgemein die unterschiedliche Schreibung des Auslauts im Diminutivsuffix -(l)i, -(l)e. Karte 322: Familiennamentyp Matthias, vor 1800 u. Herkunft 714 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="93"?> Ausgeschlossen, weil etymologisch uneindeutig, sind die FamN Heis, Heiss, His und Hiss. Für die Rätoromania ist der hybride FamN Camathias zu erwähnen - gebildet aus dem Präfix Ca- (aus rätorom. casa ‘Haus’) und dem Ruf- oder FamN Mathias. FamN aus dem mit Matthias etymologisch verwandten Ruf N Matthäeus - wie Theus und evtl. Mettier - werden hier nicht kartiert. Kommentar: Die drei Namentypen verteilen sich in der Deutschschweiz komplementär. Die Vollformen kommen geballt in der Berner Region Oberaargau-Emmental sowie im deutschsprachigen Graubünden (v. a. Prättigau) und im angrenzenden Sarganserland (SG) vor. Für apokopiertes Matfinden sich in vielen Kantonen keine Belege; das Verbreitungsgebiet liegt mehrheitlich im Kanton Uri, im St. Galler Rheintal sowie im Deutschwallis. Die aphäretischen Formen auf Tisbzw. Diskonzentrieren sich v. a. im Luzerner Hinterland und im oberen Fricktal des Aargauer Juras. Fünfte Karte {323}: Familiennamentyp Fluri Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus den Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft», die in der etymologischen Datenbank auf eine Ausgangsform Fluri oder Flurin zurückgeführt werden. Abgefragte Namen Typ Fluri: Flori, Flory, Fluri, Flury. 42 Tokens. Florin: 10 Tokens. Flütsch: 5 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 11-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 337: Daten zur fünften Karte {323} Detailangaben zur Namenauswahl: Für die hier dokumentierten FamN sind zwei unterschiedliche Genesen anzusetzen. Die FamN im Kanton Solothurn und in den weiteren Regionen der Deutschschweiz gehen auf einen männlichen Ruf N zurück, der aus einer Kurzform des Ruf N lateinischen Ursprungs Florian (aus lat. Florianus) entstanden ist (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1207; Kohlheim/ Kohlheim 2013: 167). Die FamN im rätoromanisch- und deutschsprachigen Graubünden hingegen gehen aus dem rätoromanischen Ruf N Flurin (aus lat. Flurinus) hervor (RNB 3 1986: 373; FLNB II/ 2 2008: 103). Die homonyme Deutschschweizer Variante Fluri ist durch Akzentrückzug (Flurín → Flúrin) entstanden. Die Präsenz des Ruf N Flurin und der davon abgeleiteten FamN in Graubünden und im historischen Churrätien überhaupt ist auf den Kult des heiligen Florin zurückzuführen (DRG 6 1939 ff.: 434-435). Da für die FamN Graubündens eine sekundäre Verschmelzung der beiden Ruf N Florian und Flurin an- Karte 323: Familiennamentyp Fluri, vor 1800 u. Herkunft 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 715 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="94"?> zunehmen ist, werden die entsprechenden FamN hier beim selben Typ behandelt. Weitere rätoromanische FamN aus dem Ruf N Flurin sind Florinet, Florinett, Florinetti, Deflorin, Flura. Der v. a. in der Romandie häufige (vereinzelt aber auch in der Deutschschweiz belegte) FamN Fleury leitet sich vermutlich von einem Toponym ab. In der Deutschschweiz sind die tokenfrequentesten Varianten des Namentyps Flury (21 Tokens) und Fluri (15 Tokens). Für die FamN aus Florian bzw. Flurin lässt sich Varianz hauptsächlich auf der graphematischen Ebene beobachten, nämlich im auslautenden -i bzw. -y. 11 Kommentar: Die Patronyme aus Florian bzw. Flurin verteilen sich in zwei getrennten Arealen. Der Typ Fluri ist typisch für den Kanton Solothurn, wo er zahlreich in beiden Schreibvarianten (-i und -y) belegt ist. Mit der Schreibung auf -i tritt er auch in Graubünden auf, hier hauptsächlich im deutschsprachigen Prättigau. Der FamN Florin kommt v. a. im deutschsprachigen Graubünden vor, vereinzelt auch im rätoromanischen Sprachgebiet. Der mit dem kosend-diminuierenden Suffix -tsch gebildete FamN Flütsch (vgl. z. B. FamN Bertsch zum Ruf N Berchtold ) ist typisch für das Prättigau (GR), das somit als östliches Kerngebiet der Patronyme aus Florian bzw. Flurin betrachtet werden kann. 12 Singulär für den Aargau sind die o-Formen Flori und Flory, die nur einmal in Wohlen (AG) bezeugt sind. Ergebnisse Die häufigsten Patronyme aus nicht-germanischen Ruf N kommen im ganzen deutschsprachigen Gebiet der Schweiz vor, wobei das Mittelland und die beiden Kontaktregionen - sowohl bei der westlichen als auch bei der östlichen Sprachgrenze - eine besondere Namendichte aufweisen. In der Zentralschweiz und in der Region um den Zürichsee treten die hier behandelten FamN spärlicher auf. Dieses Bild stimmt mit der allgemeinen Tendenz der Patronyme überein, bei der sich eine markantere Verbreitung im Mittelland abzeichnet. Die für die Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» häufigen FamN Michel, Jost, Jäggi, Mathys und Fluri konzentrieren sich jeweils in bestimmten Regionen, die den Grossteil der Tokenzahl auf sich vereinen. Die begrenzte Verbreitung eines Namentyps könnte in manchen Fällen mit einer spezifischen Heiligenverehrung oder mit einem bestimmten Patrozinium in Zusammenhang gebracht werden (für den Kult des heiligen Jodocus s. RNB 3 1986: 384). Die FamN aus nicht-germanischen Ruf N verdeutlichen die unterschiedlichen Möglichkeiten bei der Adaption fremder Ruf N. Die Versetzung des Akzents auf die erste Silbe scheint bei der Eindeutschung fremder Ruf N der häufigere Prozess zu sein. Die möglichen Verfahren (Verlagerung oder Bewahrung der Betonung) ergeben diatopische Unterschiede; regionale Präferenzen in der Eindeutschung fremder Namen lassen sich anhand der FamN aus den Ruf N Jacobus und Matthias repräsentativ zeigen (dritte und vierte Karte). Eine einheitliche Tendenz hin zur Apokope oder Aphärese für bestimmte Regionen lässt sich allerdings nicht erkennen: Die Karten zu Jakob und Matthias zeigen kein konsistentes Muster. Neben der lautlichen Adaption können auch unterschiedliche schriftliche Realisierungen die Vielfalt der Patronyme aus nichtgermanischen Ruf N verursachen (vgl. Jäck, Jäckh, Jäk, Jeck). Zudem führen die verschiedenen Möglichkeiten der formalen Modifikation zu einer weiteren Namenaufspaltung (vgl. Matsch, Mattli, Mathier, Mattig). Patronymische Genitivbildungen kommen bei den hier kartierten FamN nicht vor. Bis auf die Patronyme aus Jakob zeigen die hier behandelten Familiennamentypen im Vergleich mit anderen produktiven Typen wie Konrad oder Johannes insgesamt keine besonders hohe Bildungs- und Schreibvarianz. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Michel (6'045 Tokens), Jost (4'508 Tokens) und Mathys (3'355 Tokens). Die hohe Frequenz des FamN Michel kann auch durch seine Präsenz in der französischsprachigen Schweiz erklärt werden. In der rezenten Rangliste der FamN der ständigen Wohnbevölkerung der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Michel den 84. Platz und gehört somit - nach Marti, Peter und Bieri - zu den häufigsten Patronymen aus nicht-germanischen Ruf N des deutschsprachigen Landesteils. Für die Zeitschichten «vor 1800» und «Herkunft» ist der frequente FamN Germann zu erwähnen. Für diesen relativ häufigen Namen, der fast ausschliesslich im Nordosten des Landes vorkommt (SH, TG und SG), gibt es zwei mögliche Deutungen: Entweder ist er ein Patronym (zum Ruf N lateinischer Herkunft Germanus) oder ein WohnstättenN (mann-Ableitung zu einem Toponym Geere ‘Spitze, spitzer Landstreifen’). Vergleich mit benachbartem Ausland: Der FamN Michel belegt unter den häufigsten FamN in Deutschland Rang 141. Jost auf Platz 353 kommt auch ziemlich häufig vor, während die mit dem für die Schweiz typischen Diminutivsuffix -i gebildeten FamN Jäggi und Fluri konsequenterweise in Deutschland praktisch kein Vorkommen zeigen (DFD o. J.). Im DFA 6 (2017: 118-129) werden die FamN aus Jodocus gesondert kartiert. Für die Varianten Jost und Joos sei explizit auf Karte 192 verwiesen. Die FamN aus Jacobus, Matthias und Michael hingegen werden in verschiedenen Bänden thematisiert (vgl. DFA 6 2017: XXV-XXXIX). Ref lexe aus dem Ruf N Florian sind im DFA (2009-2018) nicht dokumentiert. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der 11 Vgl. Artikel I-1.14 «Schreibvariation i/ y». 12 Vgl. Artikel II-2.3 «Familiennamen auf -(t)z und -(t)sch». 716 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="95"?> Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Berchtold, Simone/ Kempf, Luise (2022): Familiennamenatlas der Deutschschweiz (FDS). Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 57(2), 151-163. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 17.04.2024). DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Nübling, Damaris et al. (o. J.): Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). https: / / www.namenforschung.net/ dfd/ woerterbuch/ liste/ (letzter Zugriff 17.04.2024). Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 17.04.2024). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2013): Duden - Lexikon der Vornamen. Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von über 8000 Vornamen; mit den neusten Trends und Namen aus aller Welt. 6., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim, Zürich: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Lurati, Ottavio (2000): Perché ci chiamiamo così? Cognomi tra Lombardia, Piemonte e Svizzera italiana. Varese: Macchione. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Linda Steiner 1.10 Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen 717 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="96"?> 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung Schlagwörter: biblischer Rufname, germanischer Rufname, Heiligenname, Kurzform, nicht-germanischer Rufname, Vollform, weiblicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: Im deutschen Sprachraum - wie auch darüber hinaus - sind FamN, die auf einen weiblichen Ruf N zurückgehen, im Vergleich zu solchen aus männlichen Ruf N deutlich seltener (Berndt 2009: 149). So ist auch in der deutschsprachigen Schweiz der Anteil von Metronymen am Gesamtinventar der FamN sehr gering: In der Zeitschicht «vor 1800» lassen sich nur rund 3 % aller FamN aus Ruf N auf weibliche Namen zurückführen. Trotz ihrer geringen Frequenz zeigen die Metronyme im Vergleich zu Patronymen eine bemerkenswerte Formenvielfalt. Zudem sind bestimmte Bildungstypen - etwa Komposita auf -sohn - spezifisch für diesen Namentyp. Aufgrund ihrer typologischen Besonderheit innerhalb der Gruppe der FamN aus Ruf N sowie ihrer formalen Vielfalt ist die morphologische und räumliche Erschliessung der Metronyme von besonderem Interesse. Dieser Artikel bietet eine Gesamtdarstellung der Metronyme und versteht sich als Leitartikel. Ergänzt wird der vorliegende Kartenkomplex durch einen separaten Artikel. Darin werden ausgewählte Metronymtypen gesondert kartiert, die eine relevante Frequenz und/ oder Formvarianz erkennen lassen und für welche die morphologische und räumliche Erschliessung besonders aufschlussreich ist. Es sind dies die FamN aus den Ruf N Margarete, Ita, Beela, Anna, Elisabeth, Verena, Agnes und Katharina. 1 Hintergrund: Der Terminus Metronym (griech. mēter ‘Mutter’ + griech. ónyma ‘Name’) wird hier in einem weiten Sinne verwendet: Damit werden alle FamN bezeichnet, die auf einen weiblichen Ruf N zurückgehen. Dieser muss sich nicht zwingend auf die Mutter beziehen, er kann auch weiteren weiblichen Bezugspersonen gelten - z. B. der Dienstherrin, der Ehefrau oder der Schwiegermutter - oder auf die Schutzpatronin einer Institution oder einer Örtlichkeit zurückgehen (s. u.). Benennungen nach einer Frau werden auch als Gynäkonymika (griech. gynē, Genitiv gynaikós ‘Frau’) bezeichnet (e- WSK 2022: s. v. Metronymikon). Die genauen Motive für die Entstehung eines bestimmten Metronyms müssen individuell untersucht werden und oft lässt sich darüber nur spekulieren. Die möglichen Entstehungsgründe sind in Kunze (2004: 77) wie folgt zusammengefasst (s. auch Berndt 2009: 151-153): 1. Benennung nach der Mutter oder der Ehefrau, «weil diese den Vater bzw. Gatten an Abstammung, Vermögen oder Ansehen übertraf»; 2. «Benennung von unehelich Geborenen (selten) oder von Kindern von Witwen»; 3. «Benennung von Abhängigen nach ihrer Herrin»; 4. «Benennung nach einer Institution oder Örtlichkeit, die den Namen einer Schutzpatronin trägt». Letzterer Fall gehört streng genommen zu den Wohnstätten- oder HerkunftsN, weil der zugrunde liegende Ruf N ein Toponym ist. Da sich ohne historische Einzelfallanalyse nicht mit Sicherheit bestimmen lässt, welches Motiv hinter einer Namengebung steckt, werden hier alle FamN dokumentiert, die einen weiblichen Ruf N in sich tragen. Einige Erklärungsversuche werden im Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle» bei den einzelnen Karten angeführt. Die FamN aus weiblichen Ruf N können sowohl auf germanischalthochdeutschen Ruf N (z. B. FamN Metz zum Ruf N Mechthild ) als auch auf nicht-germanischen Ruf N - meist christlichen Tauf- und HeiligenN - basieren (z. B. FamN Aggeler zum Ruf N Agatha). Die Entwicklung der Namengebung von weiblichen Ruf N entspricht im Grossen und Ganzen jener von männlichen Ruf N: Im deutschen Sprachraum nahm ab dem späten 12. Jh. die Anzahl und Vergabe von fremdsprachigen Ruf N deutlich zu, wobei es sich hauptsächlich um HeiligenN handelte. Diese Entwicklung erreichte im 15./ 16. Jh. einen Höhepunkt (Kunze 2004: 41; Dräger 2013: 34). Die Tendenz der frühmittelalterlichen Rufnamengeschichte ist in Kunze (2004: 44-45) auch für die weiblichen Ruf N ausführlich geschildert: «Die Fremdnamen erobern sich schnell, bes[onders] bei den Frauen, einen Platz unter den beliebtesten Rufnamen». Im ganzen deutschen Sprachgebiet gehören Margarete, Katharina, Elisabeth, Anna und Agnes zu den meistvergebenen Ruf N. Neben häufigen überregional verbreiteten Ruf N können bestimmte Rufnamentypen auch regionale Vorlieben aufweisen. Wie die Patronyme zeigen auch die Metronyme eine interessante Formenvielfalt. Diese ist v. a. auf Varianz auf den zwei onymischen Ebenen zurückzuführen: 1. im System der zugrunde liegenden Ruf N, die in den unterschiedlichen Formen ins Familiennameninventar übernommen worden sind - bspw. in den Vollformen (z. B. Margarete), Kurzformen (z. B. Greta) oder suffigierten Formen (z. B. Diminutiv Elsi zu Else) -, 2 und 2. im Familiennamensystem, wo sich verschiedene graphematisch-phonologische sowie morphologische Varianten herausgebildet haben. Wie die Patronyme weisen die Metronyme verschiedene Wortbildungsmuster auf, z. B. Ableitungen auf -li, -z, -(l/ n)er, -ig oder -i(n)ger (vgl. vierte Karte). Die meisten 1 Vgl. Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle». 2 Für die verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Für die Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). Für Näheres zu den verschiedenen Typen von Voll- und Kurzformen in Patronymen der Schweiz vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen» und III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen». 718 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="97"?> dieser Formtypen finden sich auch bei den Patronymen; die Komposita auf -sohn sind hingegen spezifisch für die Metronyme. Fragestellungen: Auf der ersten Karte wird das Phänomen als Gesamtes dargestellt. Dabei rückt folgende Frage in den Fokus: Treten die Metronyme auf dem gesamten Gebiet der Deutschschweiz homogen auf oder bilden sie spezifische, z. T. regionale Verbreitungsareale? Ausgehend von der sprachlichen Herkunft der zugrunde liegenden Ruf N wird bei der zweiten Karte der Frage nachgegangen, in welchem räumlichen Verhältnis FamN aus germanischen vs. nichtgermanischen Ruf N zueinander stehen. Die dritte Karte widmet sich den FamN aus den produktivsten zugrunde liegenden Ruf N: Zeigen sie auffällige lokale Verankerungen oder kommen sie im gesamten Gebiet der Deutschschweiz vor? Die vierte Karte schliesslich untersucht die geographische Verteilung der verschiedenen Bildungstypen von Metronymen. Neben dem arealen Vorkommen interessieren auch die Type- und Tokenverhältnisse der Bildungsmuster. Erste Karte {324}: Metronyme in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 3 die in der etymologischen Datenbank (Stand 07.05.2024) auf einen weiblichen Ruf N zurückgeführt werden. Abgefragte Namen Metronyme, vor 1800: Accola, Aggeler, Agner, Agten, Aletz, Anna, Annaheim, Annasohn, Anneler, Annen, Anner, Baehler, Bähler, Barben, Beeler, Bridler, Cathry, Dillier, Dort, Eller, Elsa, Elsener, Elser, Elsig, Elsinger, Elzi, Frehner, Fren, Frener, Frenn, Gardi, Geeser, Geser, Greder, Gredig, Gretener, Greter, Grether, Gretler, Idtensohn, Irmeltrud, Ita, Item, Iten, Ith, Itin, Itten, Ittensohn, Ittig, Ittin, Jundt, Jutz, Jütz, Jutzeler, Jutzi, Kathriner, Ketterer, Margreth, Mätz, Metz, Mezenen, Nänni, Nänny, Neeser, Nellen, Ness, Nessensohn, Regli, Rosenmund, Rosin, Tanniger, Trindler, Triner, Tryndler, Urscheler. 75 Types, 201 Tokens. Kreise 15-25, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-90, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 338: Daten zur ersten Karte {324} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 An dieser Stelle sollen die Metronyme nach ihrer Tokenfrequenz, dem zugrunde liegenden Ruf N sowie den verschiedenen Bildungstypen eingeordnet und erläutert werden. In den weiteren Karten werden die einzelnen Karte 324: Metronyme in der Deutschschweiz, vor 1800 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung 719 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="98"?> Aspekte genauer untersucht; konkret rücken bei der zweiten und der dritten Karte die zugrunde liegenden Ruf N und bei der vierten Karte die verschiedenen Bildungstypen in den Fokus. Tabelle 339 listet - nach Frequenz geordnet - alle kartierten Metronyme auf (Spalte 1) und führt zu jedem FamN die dazugehörende Tokenzahl für die Zeitschicht «vor 1800» (Spalte 2) sowie den zugrunde liegenden Ruf N (Spalte 3) an. Letzterer erscheint hier in typisierter Form, d. h. - solange diese eindeutig rekonstruierbar ist - in einer gegenwärtigen Variante des Ruf N, die auf dem in Kohlheim/ Kohlheim (2016) lemmatisierten Ruf N basiert. In Spalte 4 wird die sprachliche Herkunft des zugrunde liegenden Ruf N angegeben. Aus der Auswahl ausgeschlossen, weil uneindeutig, sind die FamN Gartmann, Lehnen und Prisi. FamN Tokenzahl Zugrunde liegender RufN Sprachliche Herkunft Beeler 12 Beela germ. Bähler 10 Beela germ. Annen 8 Anna nicht-germ. Frehner 8 Verena nicht-germ. Gredig 7 Margarete nicht-germ. Regli 7 Regula nicht-germ. Elsig 6 Elisabeth nicht-germ. Greter 6 Margarete nicht-germ. Dillier 5 Odilia germ. Iten 5 Ita germ. Anneler 5 Anna nicht-germ. Elsener 5 Elisabeth nicht-germ. Gretler 5 Margarete nicht-germ. Nellen 5 evtl. Petronella nicht-germ. Geser 4 Gertrud germ. Item 4 Ita germ. Itin 4 Ita germ. Ittig 4 Ita germ. Jundt 4 Judith nicht-germ. Dort 3 Dorothea nicht-germ. Greder 3 Margarete nicht-germ. Gretener 3 Margarete nicht-germ. Jutzeler 3 Judith nicht-germ. Jutzi 3 Judith nicht-germ. Margreth 3 Margarete nicht-germ. Nänni 3 Anna nicht-germ. Neeser 3 Agnesa nicht-germ. Gardi 2 [Hilde]gard germ. Metz 2 Mechthild germ. Ita 2 Ita germ. Ith 2 Ita germ. Itten 2 Ita germ. Agner 2 Agnesa nicht-germ. Anner 2 Anna nicht-germ. Barben 2 Barbara nicht-germ. Bridler 2 Brigitte nicht-germ. Elser 2 Elisabeth nicht-germ. FamN Tokenzahl Zugrunde liegender RufN Sprachliche Herkunft Elsinger 2 Elisabeth nicht-germ. Frener 2 Verena nicht-germ. Grether 2 Margarete nicht-germ. Jütz 2 Judith nicht-germ. Ketterer 2 Katharina nicht-germ. Aletz 1 Adelheid germ. Baehler 1 Beela germ. Geeser 1 Gertrud germ. Mätz 1 Mechthild germ. Mezenen 1 Mechthild germ. Rosenmund 1 Rosamunde germ. Idtensohn 1 Ita germ. Irmel 1 Irmeltrud germ. Ittensohn 1 Ita germ. Ittin 1 Ita germ. Accola 1 Agatha nicht-germ. Aggeler 1 Agatha nicht-germ. Agten 1 Agatha nicht-germ. Anna 1 Anna nicht-germ. Annaheim 1 Anna nicht-germ. Annasohn 1 Anna nicht-germ. Cathry 1 Katharina nicht-germ. Eller 1 Elisabeth nicht-germ. Elsa 1 Elisabeth nicht-germ. Elzi 1 Elisabeth nicht-germ. Fren 1 Verena nicht-germ. Frenn 1 Verena nicht-germ. Jutz 1 Judith nicht-germ. Kathriner 1 Katharina nicht-germ. Nänny 1 Anna nicht-germ. Ness 1 Agnesa nicht-germ. Nessensohn 1 Agnesa nicht-germ. Rosin 1 Rosa nicht-germ. Tanniger 1 Anna nicht-germ. Trindler 1 Katharina nicht-germ. Triner 1 Katharina nicht-germ. Tryndler 1 Katharina nicht-germ. Urscheler 1 Ursula nicht-germ. Tabelle 339: Metronyme der Deutschschweiz, vor 1800 720 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="99"?> Hinsichtlich der Frequenz zeigt sich bei den Metronymen ein deutlich anderes Bild als bei den Patronymen: Die Spitzenplätze der Rangliste weisen wesentlich niedrigere Tokenzahlen auf. Während das häufigste Patronym der Zeitschicht «vor 1800» - der FamN Peter - 79 Tokens erreicht, kommt das häufigste Metronym Beeler lediglich auf 12 Tokens. Nur acht Metronyme sind in mehr als fünf Gemeinden alteingesessen. Für die Mehrheit der hier kartierten Namen liegen weniger als fünf Tokens vor. Bemerkenswert ist, dass nahezu die Hälfte aller Metronyme nur an einem einzigen Belegort dokumentiert ist. Ausserdem gehen von insgesamt 201 Tokens mehr als die Hälfte (nämlich 137 Tokens) auf die gleichen sieben Ruf N zurück: Margarete, Ita, Beela, Anna, Elisabeth, Agnes und Katharina (vgl. die dritte Karte sowie den Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle»). Insgesamt sind nur 24 weibliche Ruf N in den FamN rezipiert worden. Einige Ruf N - wie Odilia, Adelheid, Ursula oder Rosamunde - sind nur in jeweils einen dokumentierten FamN eingegangen. Dies weist auf eine relativ grosse Formvarianz basierend auf regionalen Präferenzen hin. Etwa zwei Drittel der hier behandelten Metronyme gehen auf einen nicht-germanischen Ruf N zurück. Das geographische Verhältnis zwischen FamN aus germanischen und FamN aus nicht-germanischen Ruf N wird bei der zweiten Karte untersucht. Die Metronyme weisen ein breites Spektrum an Bildungsmustern auf, die bei der vierten Karte näher besprochen werden. Die Spitzenreiter der Rangliste - die FamN Beeler und Bähler - sind mit dem Zugehörigkeitssuffix -er abgeleitet. Kommentar: In der Deutschschweiz treten die Metronyme verstreut über das ganze Territorium auf. Mit höherer Frequenz erscheinen sie im Deutschwallis, in der Zentralschweiz (v. a. in SZ, ZG und UR), im Kanton Bern (v. a. um die Stadt Thun), in der Ostschweiz in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden, im deutschsprachigen Graubünden und im Nordwesten des Landes im Kanton Basel- Landschaft. Beinahe frei von diesem Namentypus sind der Kanton Glarus sowie die Region, die das Oberaargau (BE), Teile des Luzerner Hinterlands sowie die Kantone Solothurn und Aargau umfasst. 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung 721 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="100"?> Zweite Karte {325}: Metronyme nach sprachlicher Herkunft des zugrunde liegenden Rufnamens Namenauswahl: Die zweite Karte unterteilt sämtliche FamN der ersten Karte nach der sprachlichen Herkunft des zugrunde liegenden Ruf N (germanisch vs. nicht-germanisch). Abgefragte Namen Metronyme aus nicht-germanischen RufN: Accola, Aggeler, Agner, Agten, Anna, Annaheim, Annasohn, Anneler, Annen, Anner, Barben, Bridler, Cathry, Dort, Eller, Elsa, Elsener, Elser, Elsig, Elsinger, Elzi, Frehner, Fren, Frener, Frenn, Greder, Gredig, Gretener, Greter, Grether, Gretler, Jundt, Jutz, Jütz, Jutzeler, Jutzi, Kathriner, Ketterer, Margreth, Nänni, Nänny, Neeser, Nellen, Ness, Nessensohn, Regli, Rosin, Tanniger, Trindler, Triner, Tryndler, Urscheler. 52 Types, 133 Tokens. Metronyme aus germanischen RufN: Aletz, Baehler, Bähler, Beeler, Dillier, Gardi, Geeser, Geser, Idtensohn, Irmel, Ita, Item, Iten, Ith, Itin, Itten, Ittensohn, Ittig, Ittin, Mätz, Metz, Mezenen, Rosenmund. 23 Types, 68 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 340: Daten zur zweiten Karte {325} Detailangaben zur Namenauswahl: Wie aus Tabelle 340 hervorgeht, überwiegen unter den Metronymen der Deutschschweiz für die Zeitschicht «vor 1800» die FamN aus nicht-germanischen Ruf N. Konkret gehen etwa zwei Drittel der hier behandelten FamN auf einen fremdsprachigen Ruf N zurück. Auffällig ist jedoch, dass die beiden Spitzenplätze der Rangliste von FamN besetzt sind, die auf dem germanischen Ruf N Beela basieren. Die FamN aus Ita - die Kurzform eines althochdeutschen Ruf N - sind mit insgesamt 26 Tokens ebenfalls gut repräsentiert. Die zugrunde liegenden nicht-germanischen Ruf N des Samples weisen unterschiedliche sprachliche Ursprünge auf: hebräisch (z. B. Elisabeth, vgl. FamN Elsig), griechisch (z. B. Agatha, vgl. FamN Aggeler), lateinisch (z. B. Barbara, vgl. FamN Barben) oder keltisch (Brigitte, vgl. FamN Bridler). Viele nicht-lateinische Ruf N haben über eine lateinische Form des Namens Eingang in das deutsche Nameninventar gefunden, wie bspw. dt. Elisabeth < lat. Elisabeth < griech. Eleisabeth < hebr. Elishabha. Diese Ruf N sind oft aus der Bibel übernommen worden, weswegen meist die Verehrung der entsprechenden Heiligen zu ihrer Verbreitung im Mittelalter beitrug. Die FamN zu diesem Typ sind v. a. aus Kurzformen der Ruf N entstanden, z. B. Gredig, Greter aus Margarete oder Neeser aus Agnes(a). FamN aus Vollformen der Ruf N sind aber auch belegt, z. B. Annen aus Anna, Margreth aus Margarete oder Kathriner aus Katharina. Die germanischen weiblichen Ruf N sind hauptsächlich als Kurzformen in das Familiennameninventar der Deutschschweiz eingegangen: Aleth (aus Adelheid ), Beela (wohl aus Bertha), Tilla oder Tillia (aus Odilia), Gardi (wohl aus Hildegard oder einem anderen zwei- Karte 325: Metronyme aus nicht-germanischen vs. germanischen RufN, vor 1800 722 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="101"?> gliedrigen weiblichen Ruf N auf -gard ), Gesa (aus Gertrud ), Mätz (aus Mechthild ) und Ita (aus einem Ruf N mit dem Erstglied Id - oder Ith-, z. B. Iduberga). Die einzige Vollform des germanischstämmigen Typus ist Rosamunde. Die produktivsten germanischen Ruf N sind Ita (26 Tokens) und Beela (23 Tokens). Kommentar: Die Verteilung der zwei Namentypen zeigt in einigen der oben genannten metronymischen Kerngebiete eine relative Komplementarität. FamN aus nicht-germanischen Ruf N erscheinen exklusiv oder überwiegen klar im Deutschwallis, im Kanton Uri, in einer Region, die Appenzell Innerrhoden und Teile des angrenzenden Kantons St. Gallen umfasst, sowie in den peripheren Gebieten des deutschsprachigen Graubündens. FamN aus germanischen Ruf N hingegen ballen sich v. a. um die Stadt Thun (BE), im Kanton Basel-Landschaft und in der Zentralschweiz in den Kantonen Schwyz und Zug. Weitere Streubelege für diesen Typ finden sich an der nordöstlichen Landesgrenze, im Kanton St. Gallen sowie im nördlichen Teil des deutschsprachigen Graubündens. Dritte Karte {326}: Metronyme nach den produktivsten zugrunde liegenden Rufnamen Namenauswahl: Ausgewählt wurden die in der Deutschschweiz vorkommenden Metronyme aus der Zeitschicht «vor 1800», die eine höhere Frequenz und Formvarianz zeigen (vgl. Abschnitt «Hintergrund»). Gegliedert und kartiert werden sie nach den zugrunde liegenden Ruf N. Einzeln werden sie im Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle» behandelt. Abgefragte Namen Typ Margarete: Greder, Gredig, Gretener, Greter, Grether, Gretler, Margreth. 7 Types, 29 Tokens. Typ Ita: Idtensohn, Ita, Item, Iten, Ith, Itin, Itten, Ittensohn, Ittig, Ittin. 10 Types, 26 Tokens. Typ Beela: Baehler, Bähler, Beeler. 23 Tokens. Typ Anna: Anna, Annaheim, Annasohn, Anneler, Annen, Anner, Nänni, Nänny, Tanniger. 9 Types, 23 Tokens. Typ Elisabeth: Elsener, Elser, Elsig, Elsinger, Elzi. 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 341: Daten zur dritten Karte {326} Karte 326: Metronyme aus produktiven RufN, vor 1800 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung 723 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="102"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier ausgewählten FamN sind nach den zugrunde liegenden Ruf N gruppiert. Jede Namengruppe weist innerhalb der Metronyme eine besondere Frequenz und/ oder Formvarianz auf, die hier als Produktivität definiert wird. Unter den fünf produktivsten Ruf N haben zwei eine germanische (Ita und Beela) und drei eine fremdsprachige Herkunft (Margarete, Anna und Elisabeth). Sowohl hinsichtlich der Tokenals auch der Typezahl sind die Spitzenreiter der Rangliste die FamN aus dem Ruf N Ita, die - zusammen mit den FamN aus dem anderen germanischen Ruf N Beela - als typisch schweizerisch gelten können. In Deutschland kommen sie nämlich kaum vor. Dagegen gehören Margarete, Anna und Elisabeth im Spätmittelalter zu den beliebtesten fremdsprachigen weiblichen Ruf N im ganzen deutschen Sprachgebiet (Kunze 2004: 45). Für die Etymologie der hier behandelten Ruf N sowie für die verschiedenen Bildungsformen sei auf die einzelnen Karten im Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle» verwiesen. Kommentar: Die Frequenz der Namentypen ist mehrheitlich auf eine diffuse Verbreitung auf dem ganzen Gebiet der Deutschschweiz zurückzuführen. Nur die Metronyme aus Beela bilden zwei Nester, die den grössten Teil der Tokenzahl auf sich ziehen. Alle fünf Namentypen kommen geballt in der zentralschweizerischen Region der Kantone Schwyz, Zug und Luzern vor, die somit als ein Kerngebiet der Metronyme betrachtet werden kann. Weitere Schwerpunkte wie die Region um die Stadt Thun (BE) und das Deutschwallis verzeichnen je drei Typen. Vierte Karte {327}: Metronyme nach Bildungstyp Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der ersten Karte behandelten Metronyme. Hier sind sie nach ihrem Bildungstyp gegliedert und kartiert. Abgefragte Namen Unerweiterte Form: Accola, Anna, Dort, Elsa, Fren, Frenn, Irmel, Ita, Ith, Jundt, Margreth, Ness, Rosemund. 13 Types, 21 Tokens. Diminutiv -i(n), -y: Cathry, Elzi, Gardi, Itin, Ittin, Jutzi, Nänni, Nänny, Regli, Rosin. 10 Types, 23 Tokens. Diminutiv -z: Aletz, Jutz, Jütz, Mätz, Metz. 7 Tokens. -er, -ler, -ner: Aggeler, Agner, Anneler, Anner, Baehler, Bähler, Beeler, Bridler, Dillier, Eller, Elsener, Elser, Frehner, Frener, Geeser, Geser, Greder, Gretener, Greter, Grether, Gretler, Jutzeler, Kathriner, Ketterer, Neeser, Trindler, Triner, Tryndler, Urscheler. 29 Types, 95 Tokens. -ig, -i(n)ger: Elsig, Elsinger, Gredig, Ittig, Tanniger. 20 Tokens. -en: Agten, Annen, Barben, Item, Iten, Itten, Mezenen, Nellen. 8 Types, 28 Tokens. -sohn: Annasohn, Idtensohn, Ittensohn, Nessensohn. 4 Tokens. -heim: Annaheim. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-50, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 342: Daten zur vierten Karte {327} Karte 327: Metronyme nach Bildungstyp, vor 1800 724 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="103"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Zur Formenvielfalt der Metronyme haben verschiedene Bildungstypen beigetragen: Simplizia, Ableitungen und Komposita. 5 Einige gehören bereits der Rufnamenform an, andere sind erst in jüngerer Zeit in den FamN aufgekommen. Bei den Diminutiven - seien diese mittels -i, -y, -in oder -z gebildet - ist die genaue Genese jeder Variante ohne historische Sondierung nicht rekonstruierbar. Bis auf die Komposita mit -sohn, die exklusiv metronymisch sind, sind alle Bildungstypen auch bei den Patronymen dokumentiert. In 13 Fällen - hier als Simplizia zusammengefasst - wurden die Ruf N im Familiennamensystem morphologisch nicht weiter modifiziert. Die Diminutive kommen in den Varianten -i, -y und -in vor; l- Diminutive sind nicht belegt - bei Regli ist das -lim Stamm enthalten. Z-Diminutive sind bei FamN aus weiblichen Ruf N sehr selten. Mit 20 Types und 69 Tokens ist der häufigste Bildungstyp für Metronyme suffigiertes -er. Nimmt man die damit genetisch verwandten Zugehörigkeitssuffixe -ler und -ner dazu, steigt die Gesamtzahl auf 95 Tokens. Wie die Simplizia weisen die FamN auf -ig bzw. -i(n)ger und diejenigen mit genitivischer en-Endung ebenfalls nur eine begrenzte Frequenz auf. Komposita bleiben in ihrem quantitativen Auftreten Randerscheinungen. Sie weisen zwei Typen auf: Zusammensetzung von Ruf N + -sohn und von Ruf N + Ruf N (Annaheim ← Ruf N Anna + Kurzform Heim zum Ruf N Heinrich). Für eine ausführlichere Diskussion beachte man im Artikel III-1.12 «Metronyme: Häufige Fälle» die Karten zu den Ruf N Anna, Ita und Agnes. Kommentar: Die unerweiterten Formen der Metronyme kommen geballt im Kanton Basel-Landschaft und verstreut in den Kantonen Schaffhausen, St. Gallen und Graubünden vor. Die Diminutive auf -i, -y und -in sammeln sich in einem kleinräumigen Areal im Kanton Uri an. Relativ kompakt sind sie auch im Kanton Basel-Landschaft belegt. Die z-Diminutive sind fast nur in der Zentralschweiz vorhanden. Die FamN auf -er formen drei Cluster: um die Stadt Thun (BE), in der Zentralschweiz in den Kantonen Schwyz und Zug und in der Ostschweiz in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden. Weitere Streubelege für diesen Typ finden sich im ganzen Mittelland - u. a. auch in der Romandie - sowie im deutschsprachigen Graubünden. Das Wallis ist frei von metronymischen er-Ableitungen. Die FamN auf -ler und -ner kommen hauptsächlich kleinräumig vor. Ein ziemlich kompaktes Nest bildet im Kanton Zug der ner-Typ mit den dort alteingesessenen FamN Elsener und Gretener. Wie zu erwarten, kommen die Metronyme auf -ig im Hauptverbreitungsgebiet dieses Bildungstyps vor, nämlich im Deutschwallis. Belegt sind sie auch in den Walsersiedlungen Graubündens sowie vereinzelt, mit den Varianten auf -inger, im Berner Oberland und im Kanton Zürich. Die genitivischen Bildungen auf -en treten hauptsächlich im Deutschwallis und in der Zentralschweiz auf. Die vier sohn-Komposita bilden im Nordosten des Landes ein Viereck rund um das Appenzellerland. Der FamN Annaheim schliesslich ist im Kanton Solothurn einmal belegt. Als Zwischenfazit lässt sich festhalten: Die verschiedenen morphologischen Varianten neigen zur Bildung von Namennestern. Obwohl allgemein frequente Bildungsmuster wie die er-Ableitungen auch verstreut vorkommen, lassen sich bei den meisten Bildungsvarianten Konzentrationen erkennen, die sich in mehreren Fällen komplementär zu anderen Typen präsentieren. Einige Bildungstypen - wie die Diminutive im Kanton Uri oder die ner-Suffixe im Kanton Zug - kommen dort jeweils (fast) exklusiv vor. Andere teilen das Cluster mit weiteren Varianten. Ergebnisse Mit Blick auf die Anzahl der Vorkommen spielen die Metronyme im Vergleich zu den Patronymen bei der Familiennamenbildung in der Deutschschweiz eine deutlich untergeordnete Rolle: In der Zeitschicht «vor 1800» verzeichnen die Metronyme in der Deutschschweiz 75 Types und 201 Tokens, die Patronyme hingegen 1'541 Types und 6'337 Tokens (Stand 07.05.2024). Dies entspricht der allgemeinen Tendenz des ganzen deutschsprachigen Raums und darüber hinaus. Die geringe Anzahl von FamN aus weiblichen Ruf N spiegelt die untergeordnete soziale Stellung der Frau in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft wider und stimmt somit mit der Situation des mittelalterlichen Europas überein (vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz» und Berndt 2009: 150-151). Legen wir den Fokus auf die zugrunde liegenden weiblichen Ruf N: Der Grossteil der Metronyme ist auf nicht-germanische Tauf N zurückzuführen, die in der Epoche des Aufkommens der Zweinamigkeit zu den beliebtesten im ganzen deutschen Sprachraum gehörten. Doch auch germanische Ruf N sind in den Metronymen vertreten - die produktivsten davon sind Ita und Beela. Die areale Verteilung der FamN aus germanischen und nicht-germanischen Ruf N überschneidet sich teilweise und weist keine klare komplementäre Abgrenzung auf. Charakteristisch für die Schweiz ist die Präferenz von bestimmten regionalen Kurzformen: FamN aus Beela und Ita sind in Deutschland kaum belegt. Geographisch treten die Metronyme über den Grossteil der deutschsprachigen Schweiz verteilt auf. Dabei lassen sich mehrere Schwerpunkte erkennen, insbesondere in der Zentralschweiz, im Deutschwallis, im Kanton Bern (v. a. um die Stadt Thun), in der Ostschweiz (SG, AI) sowie im deutschsprachigen Graubünden. Im Unterschied zu den meisten anderen Phänomenen fällt auf, dass die Gebirgsregionen in diesem Fall eine auffallend hohe Beteiligung aufweisen. Angesichts der geringeren Bevölkerungsdichte in diesen Regionen wäre eine niedrigere Frequenz zu erwarten, was die beobachtete Verbreitung umso bemerkenswerter macht. Inwiefern dieses Verbreitungsbild mit bestimmten lokalen oder regionalen Zentren von Heiligenkulten oder Pilgerstätten in Zusammenhang gebracht werden kann, ist eine Frage, die interdisziplinär - unter Einbezug der Kirchengeschichte - erforscht werden müsste. Eine erste Betrachtung deutet jedoch auf eine Übereinstimmung der metronymischen Kernzonen mit jenen Gebieten hin, die sich nach der Entfaltung der Reformation im 15.-16. Jh. als katholisch behaupteten (Zanoli/ Walter 2022: 100-101). In Bezug auf die Morphologie teilen die Metronyme die meisten Bildungstypen mit den Patronymen - bis auf die Komposition mit dem Zweitglied -sohn, die spezifisch für FamN aus weiblichen Ruf N ist. Eine weitere Spezifität liegt im quantitativen Verhältnis der er- Ableitungen: Bei den Metronymen machen die 29 Types, welche mit -er / -ler / -ner suffigiert sind, fast die Hälfte aller FamN aus. Bei den Patronymen hingegen scheint bei der Bildungsweise grössere Varianz zu bestehen; mit insgesamt 69 von 1'541 Namen scheint -er/ -ler / -ner weniger produktiv gewesen zu sein. Für die Metronyme ist also 5 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen. 1.11 Metronyme: Gesamtdarstellung 725 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="104"?> der Hauptbildungstyp derjenige der Zugehörigkeitssuffixe. Dies legt nahe, dass die Zugehörigkeitsbeziehung zwischen dem Sohn und der weiblichen Bezugsperson (i. d. R. die Mutter) - anders als bei männlichen Personen - explizit ausgedrückt werden musste. Möglicherweise spielte auch das Genus eine Rolle: Mit den Suffixen -er/ -ler / -ner wird ein feminines Ausgangswort in ein Maskulinum überführt. Allerdings hätte dies auch für das Suffix -mann zugetroffen, welches sich im vorliegenden Material nicht beobachten lässt. In Einzelfällen kann das er-Suffix in Metronymen auch örtlichen Bezug ausdrücken. Der FamN Kathriner ist bspw. mehrdeutig: Er lässt sich entweder als Metronym zum häufigen Ruf N Katharina oder aber als WohnstättenN zum Namen eines der zahlreichen Katharinen-Klöster deuten. Durch eine historische Sondierung wäre zu prüfen, ob Vollformen wie Kathriner eher auf Toponyme (aus Kirchen, Kloster und weiteren religiösen Institutionen) zurückgehen, während Kurzformen wie Triner tatsächlich Ruf N als Basis haben. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Metronymenvielfalt einerseits auf der regionalen Verbreitung bestimmter Ruf N beruht, andererseits die graphematisch-phonologischen Varianten sowie die verschiedenen Bildungsweisen (Simplizia, Ableitungen, Komposita) - die erst in jüngerer Zeit in den FamN aufgekommen sind - zur Formvarianz im Bestand der Deutschschweizer FamN beigetragen haben. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Iten (3'058 Tokens), Bähler (1'724 Tokens) und Beeler (1'533 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Iten den 182. Platz. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 6 (2017: 694-701) widmet einen Einzelartikel ausschliesslich den Metronymen aus dem Ruf N Katharine. Weitere Metronyme werden separat in den grammatisch ausgerichteten DFA-Bänden behandelt. Das Vorkommen des Suffixes -er bspw. wird im DFA 3 (2012: 210-243) im Abschnitt «Patro- und metronymisches Suffix -er» auf den Karten 108-114 dargestellt. Nach Kunze (2004: 77) überwiegen im Süden Deutschlands auf -er suffigierte Metronyme, was sich an die Namenlandschaft der Deutschschweiz anschliesst. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Berndt, Sandra (2009): Name und Geschlecht. Weibliche Familiennamen im Deutschen. In: Hengst, Karlheinz/ Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Bd. 1: Deutsche Familiennamen im deutschen Sprachraum (Onomastica Lipsiensia 6.1), 149-163. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 07.05.2024). DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. e-WSK = Kohlheim, Rosa (2022): Metronymikon. Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. https: / / www.degruyter. com/ database/ WSK/ entry/ wsk_idb998f023-08b2-4294-a460aa8a0b894dc3/ html (letzter Zugriff 07.05.2024). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 07.05.2024). Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2016): Duden - Das große Vornamenlexikon. 5., vollständig überarbeitete Auf lage. Berlin: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Zanoli, Marco/ Walter, François (2022): HistorischerAtlas der Schweiz. Aus dem Französischen übersetzt von Laurent Auberson und Bruno Meier. 3., aktualisierte Auf lage. Zürich: Hier und Jetzt. Linda Steiner 726 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="105"?> 1.12 Metronyme: Häufige Fälle Schlagwörter: biblischer Rufname, dynastischer Rufname, germanischer Rufname, Heiligenname, Kurzform, nicht-germanischer Rufname, Vollform, weiblicher Rufname Gegenstand und Fragestellung Gegenstand und Relevanz: Ergänzend zum Überblicksartikel III- 1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung» werden hier ausgewählte Metronymtypen aus der Zeitschicht «vor 1800» vertieft untersucht. Aufgrund ihrer Frequenz und/ oder Formvarianz - für welche eine morphologische und räumliche Erschliessung besonders signifikant ist - werden sie jeweils gesondert kartiert. Es handelt sich dabei um FamN aus den Ruf N Margarete, Ita, Beela, Anna, Elisabeth, Verena, Agnes und Katharina. Ab dem Spätmittelalter gehören Margarete, Katharina, Elisabeth, Anna und Agnes zu den beliebtesten fremdsprachigen weiblichen Ruf N im deutschsprachigen Raum (Kunze 2004: 45). Hintergrund: Für die vorliegende Untersuchung wurden FamN ausgewählt, die auf besonders produktive Ruf N zurückzuführen sind. Produktivität wird hier anhand von Tokenfrequenz und/ oder Formvarianz definiert. Es geht also einerseits um die Menge von FamN, die ein bestimmter Ruf N generiert hat, und andererseits um die Vielfältigkeit ihrer Bildungstypen: Aus dem Ruf N Margarete bspw. sind sieben verschiedene FamN hervorgegangen, die sich fünf verschiedenen Bildungstypen zuordnen lassen, nämlich einer simplizischen Form sowie Ableitungen auf -er, -ler, -ner und -ig. Morphologische Varianz kann bereits bei den zugrunde liegenden Ruf N entstanden sein, die in den unterschiedlichen Formen ins Familiennameninventar übernommen worden sind - bspw. Vollformen (z. B. Margarete), Kurzformen (z. B. Greta) oder suffigierte Formen (z. B. Diminutiv Elsi zu Else). 1 Zusätzlich haben sich im Familiennamensystem selbst verschiedene graphematisch-phonologische sowie morphologische Varianten herausgebildet. Wie die Patronyme weisen die Metronyme verschiedene Wortbildungsmuster auf, u. a. Ableitungen auf -li, -z, -(l/ n)er, -ig oder -i(n)ger. Die meisten finden sich auch bei den FamN zu männlichen Ruf N, bis auf Komposition mit -sohn, die spezifisch für den Namentyp der Metronyme ist (vgl. Artikel III-1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung», vierte Karte). Die Gliederung bzw. die Darstellung der ausgewählten FamN erfolgt nach dem zugrunde liegenden Ruf N. Die Reihenfolge der Karten basiert auf der Tokenzahl in absteigender Reihenfolge: Margarete (29 Tokens), Ita (26 Tokens), Beela (23 Tokens), Anna (23 Tokens), Elisabeth (16 Tokens), Verena (12 Tokens), Agnes (7 Tokens) und Katharina (7 Tokens). Zwei der zugrunde liegenden Ruf N haben eine germanische (Ita und Beela) und sechs (wahrscheinlich) eine fremdsprachige Herkunft (Margarete, Anna, Elisabeth, Agnes, Katharina und wohl auch Verena). Das Vorherrschen nicht-germanischer Ruf N gegenüber germanischen Ruf N stimmt mit der Aussage von Kunze (2004: 43) für Deutschland überein: «Mädchen wurden zunächst häufiger mit Fremdnamen getauft als Jungen, v. a. weil man in der männlichen Linie stärker an der familiären Nachbenennung festhielt. Im Bamberger Gerichtsbuch von 1403-1415 tragen schon 55,7 % der Frauen, aber erst 22 % der Männer Fremdnamen». Kartiert werden jeweils alle Varianten - sowohl graphematischphonologische als auch morphologische -, die auf denselben Ruf N zurückgehen. Unter einem Ruf N wird dabei eine ursprüngliche Hauptform verstanden (z. B. Margarete), die sämtliche mögliche Varianten des Ruf N einschliesst: Vollformen (z. B. Margreth), Kurzformen (z. B. Grete) sowie suffigierte oder unsuffigierte Formen. Wie im Leitartikel III-1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung» erwähnt, erscheinen die Ruf N - solange sie eindeutig rekonstruierbar sind - hier in typisierter Form, d. h. in einer gegenwärtigen Variante des Ruf N, wie sie in Kohlheim/ Kohlheim (2016) lemmatisiert ist. Sofern im Id. (1881 ff.) vorhanden, werden als Parallelen mundartliche Formen des Namens angeführt. Aus Vollformen von Ruf N entwickelten sich bereits früh auch vielfältige Kurzformen. Diese Entwicklung betrifft sowohl zweigliedrige germanische als auch nicht-germanische Ruf N: Letztere, dem deutschen Sprachsystem fremde Elemente unterliegen bei der Integration unterschiedlichen Anpassungsprozessen. Bei mehrsilbigen nicht-germanischen Ruf N betrifft die grundlegendste Adaption die Betonung. Je nach Zeit und Ort des Integrationsprozesses wurde der Name an die germanische Erstsilbenbetonung angepasst oder in seiner Betonungsstruktur erhalten. Die Akzentverschiebung auf die erste Silbe konnte zur Schwächung oder zum Wegfall der Nebensilben führen: Bei Tilgung oder Ausfall der Silbe(n) am Wortende spricht man von Apokope, am Wortanfang hingegen von Aphärese. Ein Beispiel sind die im Id. 3 (1881 ff.: Sp. 560) resp. Id. 14 (1881 ff.: Sp. 1079) zu Katharina dokumentierten Formen Kätte, Kätter, Kättler und Trī(n), Trīne (Diminutiv Trīni, Trīn(d)li). Die beiden Betonungsmuster sind je nach Metronym unterschiedlich verteilt; vgl. die erste (FamN zu Margarete), die fünfte (FamN zu Elisabeth) und die achte Karte (FamN zu Katharina). Die daraus entstandenen Kurzformen wurden danach häufig suffigiert und/ oder graphematisch-phonologisch an die jeweiligen regionalen dialektalen Verhältnisse angepasst. Die Rufnamenvielfalt spiegelt sich z. T. in der Familiennamenfülle wider. 1 Für die verschiedenen Bildungsweisen der Ruf N - also Vollformen, einstämmige oder zweistämmige Kurz- und Koseformen (Hypokoristika) - sei allgemein auf Seibicke (2008: 93-94) verwiesen. Für die Abgrenzung der Termini Voll-, Kurz- und Koseform beachte man die Diskussion in Dräger (2013: 39, Anmerkung 110) und Kunze (2004: 20-21). Für Näheres zu den verschiedenen Typen von Voll- und Kurzformen in Patronymika der Schweiz vgl. die Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen», III-1.5 «Patronyme zu Vollformen von germanischen Rufnamen» und III-1.10 «Patronyme zu weiteren nicht-germanischen Rufnamen». 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 727 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="106"?> Fragestellungen: Vor diesem Hintergrund rücken folgende Fragen in den Fokus des Artikels: Wo kommen die acht ausgewählten Familiennamentypen in der Deutschschweiz vor und in welchem räumlichen Verhältnis stehen die verschiedenen Bildungstypen bzw. graphematisch-phonologischen Varianten? Neben dem arealen Vorkommen interessieren auch die Type- und Tokenverhältnisse der verschiedenen Bildungsmuster. Kartiert werden die acht Namentypen jeweils separat (erste bis achte Karte); innerhalb der Karte werden die Namenvarianten kontrastiv anhand ihrer graphematischphonologischen und morphologischen Merkmale dargestellt. Erste Karte {328}: Metronyme zu Margarete in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die in der etymologischen Datenbank (Stand 06.06.2024) auf den weiblichen Ruf N Margarete bzw. dessen Kurzform Grete zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplex: Margreth. 3 Tokens. Typ -er: Greder, Greter, Grether. 11 Tokens. Typ -ler: Gretler. 5 Tokens. Typ -ner: Gretener. 3 Tokens. Typ -ig: Gredig. 7 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 343: Daten zur ersten Karte {328} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die hier dokumentierten FamN sind alle aus dem weiblichen Ruf N Margarete (aus lat. Margarīta) bzw. aus einer Kurzform davon entstanden (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 289-290). Die Kurzformen sind bei der Integration des fremdbetonten Ruf N ins Deutsche durch Aphärese (Wegfall der unbetonten Silbe Mar-) entstanden. Im Id. 2 (1881 ff.: Sp. 824-825) sind Grēt, Grēte (Diminutiv Grēdi) als weibliche Ruf N belegt. Die Metronyme zu Kurzformen sind gegenüber solchen zur Vollform (vor 1800 nur Margreth) viel frequenter. Erstere sind durch Karte 328: Metronyme zu Margarete, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 728 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="107"?> verschiedene Ableitungen erweitert, nämlich -er, -ler, -ner und -ig. 4 Die FamN zu Margarete zeigen Varianz in der graphematisch-phonologischen Realisierung des intervokalischen Stammkonsonanten: t und th gegenüber lenisiertem d. 5 Ausgeschlossen, weil uneindeutig, ist der FamN Gretz. Kommentar: Der für diesen Namentyp tokenfrequenteste FamN Gredig tritt im Dialektraum des Höchstalemannischen auf, das als Kerngebiet der ig -Ableitungen gilt: im Wallis und in den Walserorten Graubündens. Die er-Ableitungen kommen sowohl an der westlichen Sprachgrenze - mit Einsprengseln im französischsprachigen Gebiet - als auch im Kanton Luzern vor, hier in und um die Kantonshauptstadt sowie im Entlebuch. Der mit dem Suffix -ler abgeleitete FamN Gretler bildet zwei Nester, eines im aargauischen Bezirk Muri und eines im Zürcher Oberland. Der FamN Gretener ist nur zweimal im Kanton Zug und einmal in Mellingen (AG) belegt. Die Vollform Margreth findet sich ausschliesslich in den deutschsprachigen Gebieten im Zentrum Graubündens und könnte auch als WohnstättenN zum Namen einer der zahlreichen Margaretenkirchen oder -kapellen aufgefasst werden. Zur Verehrung der heiligen Margarete in Graubünden sei auf das RNB 3 (1986: 389) verwiesen. Zweite Karte {329}: Metronyme zu Ita in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Ita zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplizia: Ita, Ith. 4 Tokens. Typ -in: Itin, Ittin. 5 Tokens. Typ -en: Item, Iten, Itten. 11 Tokens. Typ -ig: Ittig. 4 Tokens. Typ -sohn: Idtensohn, Ittensohn. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 344: Daten zur zweiten Karte {329} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN sind alle aus einer Kurzform eines weiblichen Ruf N hervorgegangen (z. B. Iduberga), der mit dem Namenglied Id, Ith (vielleicht zu anord. ídh ‘Werk, Tätigkeit’) gebildet wurde. Ida und Itha waren im Mittelalter gängige weibliche Ruf N (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 346). Karte 329: Metronyme zu Ita, vor 1800 4 Vgl. die Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner» und II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 5 Vgl. Artikel I-2.8 «Schreibvariation t/ th». 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 729 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="108"?> Im Id. 1 (1881 ff.: Sp. 602) sind Ita und Ite als Ruf N belegt. Für den Familiennamentyp Ita lässt sich auf der graphematisch-phonologischen Ebene Varianz in der unterschiedlichen Realisierung des Stammkonsonanten als t / th / dt/ tt beobachten. Neben Simplizia (Ita, Ith) gehören zu diesem Namentyp auch Diminutiva (Itin, Ittin), genitivische en-Ableitungen (Item, Iten, Itten), eine mit dem Zugehörigkeitssuffix -ig gebildete Namenform (Ittig) sowie Komposita mit dem Element -sohn (Idtensohn, Ittensohn). In der Deutschschweiz sind die häufigsten Varianten des Namentyps die genitivischen Bildungen Item, Iten und Itten. Kommentar: Bis auf die genitivischen Ableitungen, die sich auf vier Nester verteilen, kommen die verschiedenen Bildungstypen der Metronyme zu Ita in vier voneinander unabhängigen Arealen vor: die Simplizia im Nordosten (ZH, SH, TG), die Diminutiva im Kanton Basel-Landschaft, die ig -Ableitungen im Deutschwallis (Bezirk Raron) und die Komposita mit -sohn im Kanton St. Gallen. Dritte Karte {330}: Metronyme zu Beela in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Beela zurückgeführt werden. Kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach der graphematisch-phonologischen Realisierung des Stammvokals. Abgefragte Namen Beeler: 12 Tokens. Bähler: 10 Tokens. Baehler: 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 11-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 345: Daten zur dritten Karte {330} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN sind alle aus der Kurzform Beela entstanden, die auf drei weibliche Ruf N zurückgeführt werden kann: Zugrunde liegt meist wohl Bertha, aber auch Jakobea oder Barbara sind möglich. Im Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1159) ist Bēla (Diminutiv Bēli) als Ruf N belegt. Das auslautende -er ist ein Zugehörigkeitssuffix. 6 Die FamN aus Beela zeigen Varianz in der graphematisch-phonologischen Realisierung des Stammvokals als ä und ae vs. ee. 7 Kommentar: Die dritte Karte deutet auf einen grundsätzlichen West-Ost-Gegensatz hin. Die Metronyme zum Ruf N Beela bilden Karte 330: Metronyme zu Beela, vor 1800 6 Vgl. Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner». 7 Vgl. die Artikel I-1.4 «Schreibvariation Trema oder Digraph bei Umlauten» und I-1.15 «Längen- und Kürzenanzeige». 730 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="109"?> in der Deutschschweiz drei Cluster, die geographisch voneinander getrennt sind: Das erste im Kanton Bern um die Stadt Thun, wo die Variante Bähler dominant ist (Baehler ist lediglich in Wattenwil BE alteingesessen), das zweite mit der Variante Beeler im Kanton Schwyz und das dritte - ebenfalls mit dem FamN Beeler - im Kanton St. Gallen (im Sarganserland und im Bezirk See-Gaster). Vierte Karte {331}: Metronyme zu Anna in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Anna zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplex: Anna. 1 Token. Typ -er: Anner. 2 Tokens. Typ -ler: Anneler. 5 Tokens. Typ -iger: Tanniger. 1 Token. Typ -en: Annen. 8 Tokens. Typ -sohn: Annasohn. 1 Token. Typ -heim: Annaheim. 1 Token. Typ -i, -y: Nänni, Nänny. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 346: Daten zur vierten Karte {331} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN sind alle aus dem weiblichen Ruf N Anna hervorgegangen, der hebräischen Ursprungs ist. Zur Verehrung der heiligen Anna in Graubünden und darüber hinaus beachte man das RNB 3 (1986: 310-311). Neben dem Simplex Anna sind Ableitungen auf -er, -ler, -iger und -en sowie die zwei Komposita Annasohn und Annaheim entstanden. 8 Der FamN Tanniger ist aus der proklitischen Verschmelzung des Definitartikels mit dem nachfolgenden Wort hervorgegangen (Tanniger ← d Anniger ‘die Anniger’). 9 Die Varianten Nänni und Nänny sind Koseformen mit vorangestelltem N-, das entweder durch Abtrennung des n eines vorausgehenden Artikels agglutiniert wurde oder lautmalerisch bzw. kindersprachlich hinzugefügt sein kann. Kommentar: Die Metronyme zum Ruf N Anna treten in der Deutschschweiz regional auf. Annen ist die tokenfrequenteste Variante und tritt an acht Ortspunkten in Erscheinung. Diese verteilen sich auf zwei Karte 331: Metronyme zu Anna, vor 1800 8 Vgl. die Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner», II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 9 Vgl. Artikel II-3.1 «Artikelproklise». 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 731 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="110"?> geographisch voneinander getrennte Regionen: eine im Kanton Schwyz und eine im Berner Oberland (BE). Die anderen Varianten treten zwar nur punktuell auf, lassen aber doch Präferenzen erkennen: So kommt Anneler nur im Kanton Bern vor, die Formen Nänni und Nänny sowie Annasohn hingegen gruppieren sich im Nordosten. Fünfte Karte {332}: Metronyme zu Elisabeth in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Elisabeth bzw. auf eine Kurzform davon zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Typ -i: Elzi. 1 Token. Typ -er: Elser. 2 Tokens. Typ -ner: Elsener. 5 Tokens. Typ -ig: Elsig. 6 Tokens. Typ -inger: Elsinger. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 347: Daten zur fünften Karte {332} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN sind alle aus dem weiblichen Ruf N Elisabeth (zu lat. Elisabeth < griech. Eleisabeth < hebr. Elishabha) bzw. aus einer zugehörigen Kurzform Els(e) entstanden (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 222). Die Kurzformen sind aus der Verlagerung der Betonung auf die erste Silbe und dem Wegfall der unbetonten Silbe beth hervorgegangen. Im Id. 1 (1881 ff.: Sp. 202) sind Els, Else (Diminutiv Elsi, Elseli) als weibliche Ruf N belegt. Zur Verbreitung des aus der Bibel übernommenen Namens in Deutschland trug besonders die Verehrung der heiligen Elisabeth von Thüringen (13. Jh.) bei (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 146). In der Deutschschweiz sind die tokenfrequentesten Varianten des Namentyps Elsig (6 Tokens) und Elsener (5 Tokens). Aus der Kurzform des Ruf N sind Ableitungen auf -i, -er, -ner, -ig und -inger entstanden. 10 Die FamN aus Elisabeth zeigen Varianz in der graphematisch-phonologischen Realisierung des Stammkonsonanten als s gegenüber seltenerem z. Ausgeschlossen, weil uneindeutig, ist der FamN Eller. Kommentar: Die Metronyme zum Ruf N Elisabeth treten in der Deutschschweiz regional auf. Elsig ist mit Nachweisen an sechs Ortspunkten - fünf davon im Deutschwallis - die häufigste Variante. Die übrigen Bildungsvarianten erscheinen zwar nur vereinzelt, las- Karte 332: Metronyme zu Elisabeth, vor 1800 10 Vgl. die Artikel II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner» und II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 732 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="111"?> sen aber dennoch Präferenzen erkennen: So kommt Elsener hauptsächlich im Kanton Zug vor, Elsinger im Kanton Zürich und Elser im Kanton St. Gallen. Elzi ist nur einmal in der deutschsprachigen Walserkolonie Bosco/ Gurin im Kanton Tessin belegt. Sechste Karte {333}: Metronyme zu Verena in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Verena bzw. auf eine Kurzform davon zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplizia: Fren, Frenn. 2 Tokens. Typ -er: Frehner, Frener. 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 348: Daten zur sechsten Karte {333} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den weiblichen Ruf N Verena zurück, dessen Herkunft ungeklärt ist (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 415). Mit der grossen Popularität der heiligen Verena von Zurzach (3./ 4. Jh.) gehörte der Ruf N bzw. dessen Kurzformen Vrena, Vreni, Vren (Id. 1 1881 ff.: Sp. 915) lange zu den beliebtesten weiblichen Ruf N der Deutschschweiz (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 256; e-HLS 2014: s. v. Verena; Berchtold 2016: 239-240). Das Patrozinium der heiligen Verena ist in der deutschsprachigen Schweiz weit verbreitet, etwa in Gonten (AI), wo im Jahr 1453 die Kirche St. Verena errichtet wurde (e-HLS 2005: s. v. Gonten). Bei den Metronymen aus Verena zeigt sich auf der graphematisch-phonologischen Ebene Varianz in der Realisierung von inlautendem e / eh und auslautendem n / nn. Anlautendes F ref lektiert die dialektale Aussprache des Namens. Kommentar: Die Metronyme zum Ruf N Verena treten in der Deutschschweiz regional mit einer Ballung in den beiden Halbkantonen Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden auf. Das APNB 1 (1958: 540) verweist bei der Untersuchung von Toponymen auf den hohen Anteil an weiblichen Ruf N bei der «Bildung appenzellischer F[amiliennamen] und Übernamen». Die Häufung der FamN Frehner und Frener in Appenzell Innerrhoden lässt sich naheliegend mit der St.-Verena-Kirche in Gonten (AI) als möglichem namengebenden Motiv in Verbindung bringen (Berchtold 2016: 240). Die Varianten Fren und Frenn kommen ausschliesslich im Kanton Basel-Landschaft vor. Karte 333: Metronyme zu Verena, vor 1800 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 733 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="112"?> Siebte Karte {334}: Metronyme zu Agnes in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Agnes bzw. auf dessen Kurzform Nees(a) zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Simplex: Ness. 1 Token. Typ -er: Agner, Neeser. 5 Tokens. Typ -sohn: Nessensohn. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 349: Daten zur siebten Karte {334} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den weiblichen Ruf N Agnes (bzw. auf dessen Kurzform Nees(a)) zurück, der wiederum aus einer latinisierten und ursprünglich griechischen Namenform entstanden ist (RNB 3 1986: 345; Kohlheim/ Kohlheim 2005: 83). Die Kurzformen resultieren aus der Integration des fremdbetonten Ruf N Agnésa durch Wegfall der unbetonten Silbe Ag -. Im Id. 4 (1881 ff.: Sp. 804) sind Nēsa, Nēse (Diminutiv Nēsi, Nēsli) als weibliche Ruf N belegt. Zur Verbreitung des Namens Agnes in Deutschland trugen besonders ab dem 11. Jh. dynastische und adlige Vorbilder bei (Kohlheim/ Kohlheim 2016: 54). Aus der Vollform und v. a. aus der Kurzform des Ruf N sind er- Ableitungen und ein Kompositum auf -sohn entstanden. 11 Die FamN zu Agnes zeigen Varianz in der graphematisch-phonologischen Realisierung der Quantität des Vokals e und des Konsonanten s. Kommentar: Die Metronyme zum Ruf N Agnes treten in der Deutschschweiz nur vereinzelt auf. Agner ist typisch für den Kanton Nidwalden; Neeser kommt zweimal im Aargau vor. Die zusammengesetzte Form mit -sohn ist in der Nordostschweiz alteingesessen. Karte 334: Metronyme zu Agnes, vor 1800 11 Vgl. die Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 734 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="113"?> Achte Karte {335}: Metronyme zu Katharina in der Deutschschweiz Namenauswahl: Ausgewählt wurden alle in der Deutschschweiz vorkommenden FamN aus der Zeitschicht «vor 1800», die in der etymologischen Datenbank auf den weiblichen Ruf N Katharina bzw. auf eine Kurzform davon zurückgeführt werden. Gegliedert und kartiert werden die entsprechenden Metronyme nach ihrem Bildungstyp. Abgefragte Namen Typ -y: Cathry. 1 Token. Typ -er: Kathriner, Ketterer. 4 Tokens. Typ -ler: Trindler, Trynler. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 350: Daten zur achten Karte {335} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier dokumentierten FamN gehen alle auf den weiblichen Ruf N Katharina (bzw. auf dessen Kurzformen) zurück, der wiederum aus der Eindeutschung einer latinisierten und ursprünglich griechischen Namenform entstanden ist (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 368). Gemäss Berchtold/ Graf (i. V.: s. v. Cathry) ist Cathry kein echter Diminutiv. Das -y ref lektiert vermutlich eine schwankende Schreibung von auslautendem -in. Die Form Ketterentwickelte sich durch Umlaut des Vokals a in der Erstsilbe, Abschwächung von a zu e in der zweiten Silbe und Wegfall der Endung -ina; vgl. dazu die im Id. 3 (1881 ff.: Sp. 560) als Varianten des Ruf N Katharina dokumentierten Formen Kätte, Kätter, Kättler. Die Kurzformen Trinbzw. Trynsind aus dem Wegfall der unbetonten Silbe Karesultiert. Im Id. 14 (1881 ff.: Sp. 1079) sind Trī(n), Trīne (Diminutiv Trīni, Trīn(d)li) als weibliche Ruf N belegt. Der FamN Kathriner ist mehrdeutig: Er könnte entweder als Metronym zum häufigen Ruf N Katharina aufgefasst werden oder aber als WohnstättenN zum Namen eines der zahlreichen Katharinenklöster gebildet sein. Durch eine historische Sondierung wäre zu überprüfen, ob Vollformen wie Kathriner eher Indiz für zugrunde liegende Toponyme aus Kirchen, Klöstern und weiteren religiösen Institutionen sind und ob Kurzformen wie Triner auf Ruf N zurückgehen. Aus den Voll- und Kurzformen sind (l)er-Ableitungen entstanden. 12 Auf der graphematisch-phonologischen Ebene zeigt sich Varianz in der Realisierung von anlautendem K/ C, von unbetontem a / e (Kat- / Ket-) und von betontem i/ y (Trin- / Tryn-). Karte 335: Metronyme zu Katharina, vor 1800 12 Vgl. Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner». 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 735 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="114"?> Kommentar: Die Metronyme zum Ruf N Katharina treten in der Deutschschweiz verstreut auf. Der FamN Ketterer kommt an der Landesgrenze in den Kantonen Jura und Basel-Landschaft vor und bildet somit einen gemeinsamen Namenraum mit Südwestdeutschland, denn gemäss DFA 6 (2017: 694) ist der FamN auch im Südwesten Baden-Württembergs belegt. Ergebnisse Die hier ausgewählten FamN gehen alle auf weibliche Ruf N zurück, die eine besondere Produktivität aufweisen, welche in Frequenz und/ oder Formvarianz zutage tritt. Nach diesen Kriterien zeigen die FamN aus den Ruf N Margarete (7 Types, 29 Tokens), Ita (10 Types, 26 Tokens), Beela (3 Types, 23 Tokens) und Anna (9 Types, 23 Tokens) die höchste Produktivität. Es sind also sowohl germanische als auch nicht-germanische Ruf N, die das Metronymeninventar der Deutschschweiz am stärksten geprägt haben. Die Metronyme aus den produktivsten Ruf N zeigen meist eine diffuse Verbreitung auf dem ganzen Gebiet der Deutschschweiz. Nur die FamN zu Beela und zu Verena treten in regionalen Zentren auf. Als Kerngebiet der Metronyme kristallisiert sich insgesamt die Zentralschweiz heraus, insbesondere die Kantone Schwyz, Zug und Luzern. Gut vertreten sind die ausgewählten FamN zudem in der Region um die Stadt Thun (BE) sowie im Deutschwallis. Somit können die Verbreitungsgebiete von Metronymen in den meisten Fällen keinen klaren Aufschluss darüber geben, welche Ruf N (oder Rufnamenvarianten) im Spätmittelalter in welchen Regionen gebräuchlich waren. Inwieweit regionale Heiligenverehrungen das Metronymenbild der Deutschschweiz geprägt haben, ist eine Frage, die interdisziplinär - unter Einbezug der Kirchengeschichte - erforscht werden müsste. Das Beispiel der FamN aus Verena zeigt, dass die Verbreitung von FamN nicht immer - und im Falle der Metronyme sogar nur selten - direkt mit einer bestimmten Heiligenverehrung in Verbindung gebracht werden kann (Berchtold 2016: 240). Ausgerechnet im Zentrum des Kults der heiligen Verena, in Zurzach (AG), sind keine Belege dokumentiert; hingegen finden sich Nachweise in den beiden Appenzeller Halbkantonen in der Nähe der St.- Verena-Kirche in Gonten (AI). Das Rufnamenspektrum, das sich aus den deutschschweizerischen FamN ergibt, deckt sich weitgehend mit demjenigen des übrigen deutschen Sprachraums: Die Ruf N Margarete, Anna, Elisabeth, Agnes und Katharina gehören im Spätmittelalter zu den beliebtesten fremdsprachigen weiblichen Ruf N im ganzen deutschen Sprachgebiet (Kunze 2004: 45). Hingegen können Ita, Beela und Verena als typisch schweizerisch gelten. In Deutschland kommen sie im Familiennamenschatz kaum vor - Verena (mit dem FamN Frener) nur in südlichen Teilen des Landes (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 256). Zu den Formen der zugrunde liegenden Ruf N lässt sich Folgendes beobachten: Die meisten Metronyme gehen auf Kurzformen zurück, die z. T. regionale Unterschiede zeigen (vgl. bei der achten Karte die beiden Ausgangsformen Ketter- und Trinfür Katharina). Das Verhältnis von Kurzformen zu Vollformen beträgt bei den FamN aus Margareta 26: 3. Es stellt sich die Frage, ob Vollformen wie Margreth als WohnstättenN aus Toponymen religiöser Einrichtungen (wie Kirchen, Klöster oder ähnlichen Institutionen) hervorgegangen sind, während Kurzformen wie Gredig metronymisch eher direkt auf weibliche Tauf N zurückgehen. Die interessante Formenvielfalt der Metronyme ergibt sich nicht nur aus der Varianz der zugrunde liegenden Ruf N. Wie im Artikel III- 1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung» bei der vierten Karte erläutert, haben unterschiedliche Ableitungen und Komposita zur Aufspaltung der Metronyme beigetragen. 13 Bis auf die Komposition mit dem Zweitglied -sohn, die spezifisch für FamN aus weiblichen Ruf N ist, teilen die Metronyme die meisten Bildungstypen mit den Patronymen. Die meisten Bildungsvarianten liegen für die FamN zu den Ruf N Anna und Ita vor: Ersterer Familiennamentyp verzeichnet eine simplizische Form, fünf verschiedene Ableitungen (-er, -ler, -iger, -en, -i/ -y) und zwei Komposita (-heim, -sohn), während letzterer neben Simplizia drei verschiedene Ableitungen (-in, -en, -ig) und ein Kompositum (-sohn) aufweist. Die Kartenbilder zeigen, dass sich die verschiedenen morphologischen Varianten eines Namentyps meist komplementär zu anderen Bildungsvarianten präsentieren. Nur in zwei Fällen kommen zwei Bildungstypen am gleichen Ort vor: in Saanen (BE) Annen und Tanniger und in Steinen (SZ) Anna und Annen. Schliesslich lässt sich Varianz nicht nur beim zugrunde liegenden Ruf N (Kurz- oder Vollform) oder bei der Morphologie des FamN, sondern auch auf der graphematisch-phonologischen Ebene feststellen: Die Metronymenvielfalt beruht auch auf unterschiedlichen dialektalen Realisierungen bzw. auf unterschiedlichen Schreibungen gleicher Lautungen. Repräsentativ dafür sind die FamN zum Ruf N Beela, die keine morphologische, sondern lediglich graphematischphonologische Varianten Baehler, Bähler und Beeler aufweisen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Metronymenvielfalt zum einen durch die regionale Verbreitung bestimmter Ruf N bedingt ist. Zum anderen führten graphematisch-phonologische Varianten sowie die verschiedenen morphologischen Bildungen (Simplizia, Ableitungen, Komposita), die erst später in den FamN aufgekommen sind, zu einer ausgeprägten Formvarianz im Bestand der Deutschschweizer FamN. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Iten (3'058 Tokens), Bähler (1'724 Tokens) und Beeler (1'533 Tokens). In der rezenten Rangliste aller FamN der Deutschschweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) belegt Iten den 182. Platz. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA (2009-2018) widmet ausschliesslich den Metronymen aus dem Ruf N Katharine einen Einzelartikel (DFA 6 2017: 694-701). Weitere Metronyme werden separat in den grammatisch ausgerichteten Bänden behandelt, vgl. dazu die Verweise im DFA 7 (2018). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». 13 Für die einzelnen grammatischen Phänomene sei auf die entsprechenden Artikel verwiesen. 736 1 Familiennamen aus Rufnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="115"?> FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur APNB 1 = Sonderegger, Stefan (1958): Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Grammatische Darstellung (Appenzeller Namenbuch 1). Frauenfeld: Huber. Berchtold, Simone (2016): Jäggi, Jenny, Marti, Frehner, Batt und Co. Heiligennamen in Familiennamen und anderen Namenklassen der Schweiz. In: Dräger, Kathrin/ Fahlbusch, Fabian/ Nübling, Damaris (Hrsg.): Heiligenverehrung und Namengebung, 223-255. Berlin, Boston: De Gruyter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 06.06.2024). DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 7 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2018): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 7: Verzeichnisse, Register, Literatur. Berlin, Boston: De Gruyter. Dräger, Kathrin (2013): Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland (Regensburger Studien zur Namenforschung 7). Regensburg: edition vulpes. e-HLS = Bischofberger, Hermann (2005): Gonten. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 001314/ 2005-11-28/ (letzter Zugriff 06.06.2024). e-HLS = Reinle, Adolf (2014): Verena. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010226/ 2014-01-21/ (letzter Zugriff 06.06.2024). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 06.06.2024). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2016): Duden - Das große Vornamenlexikon. 5., vollständig überarbeitete Auf lage. Berlin: Dudenverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Seibicke, Wilfried (2008): Die Personennamen im Deutschen. Eine Einführung. 2., überarbeitete Auf lage. Berlin, New York: De Gruyter. Linda Steiner 1.12 Metronyme: Häufige Fälle 737 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="116"?> Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="117"?> 2 Herkunftsnamen 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen Schlagwörter: Alte Orte, Migration, Rätoromanisch, Stadt, Walser: innen Gegenstand und Fragestellung In diesem Artikel werden ausgewählte HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800» besprochen, die von Schweizer Toponymen abgeleitet sind - sei es von Namen für Städte (z. B. Zürich), Dörfer (z. B. Frick) oder Fluren (z. B. Hunzikon). FamN zu Bezeichnungen von (historischen) Stämmen, Volks- und Sprachgruppen (wie z. B. der FamN Alemann) gehören hier nicht zur Auswahl und werden in einem separaten Artikel besprochen. 1 Weitere HerkunftsN zu Schweizer Toponymen sind zusammen mit WohnstättenN derselben lexikalischen Grundlage andernorts behandelt; so bspw. FamN des Typs -bach im Artikel III-3.2 «Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen» oder FamN mit Holz und Wald im Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» (zum Problem der Abgrenzung zwischen Wohnstätten- und HerkunftsN s. u.). Gesondert und nach formalen Kriterien zugeteilt sind schliesslich FamN wie Erlacher (zu Toponymen mit -ach), Zollikofer (zu Toponymen mit -ikon), Immenhauser (zu Toponymen mit -hausen), Burgdorfer (zu Toponymen mit -dorf ), Wädenschwiler (zu Toponymen mit -wil ) oder Buttauer (zu Toponymen mit -au). Sie werden im Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen» abgebildet und besprochen. Der vorliegende Kartenkomplex behandelt hingegen die wichtigsten Gruppen von HerkunftsN zu Schweizer Toponymen mit dem Fokus auf Grösse, Lage und Art der geographischen Einheiten, auf die sie sich beziehen. Festzuhalten ist, dass sich trotz des toponymischen Ursprungs der hier behandelten HerkunftsN manche von ihnen - insbesondere solche zu Mikrotoponymen (z. B. Namen von Fluren oder Weilern) - auch als WohnstättenN interpretieren lassen. Die Unterscheidung zwischen Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer wie motivationsbezogener Perspektive relevant: WohnstättenN benennen Ansässige, HerkunftsN hingegen Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III»). In vielen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Zuordnung vornehmen (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). Diese Problematik lässt sich am Walliser FamN Kalbermatten exemplarisch aufzeigen: Der Name geht auf das Toponym bzw. die Örtlichkeit Chalbermatten zurück - ein Dorfteil von Saas-Fee im Saastal (VS) - und ist in der Schicht «vor 1800» an neun Ortspunkte belegt. Er tritt sowohl in unmittelbarer Nähe der entsprechenden Örtlichkeit auf als auch mehrere Kilometer entfernt in der Talniederung. Erstere Vorkommen wären als WohnstättenN zu deuten, letztere eher als Namen von Zuzüger: innen und somit als HerkunftsN. Es wäre jedoch aufwändig und in der Grenzziehung nicht gut zu rechtfertigen, wenn man die Vorkommen ein und desselben Namens auf die beiden Benennungsmotive verteilen wollte. Aus diesem Grund werden zahlreiche ambige Fälle wie etwa die FamN Andermatt, Schwander, Steiner oder Zeller in den Artikeln zu WohnstättenN besprochen, weil sie lexikalisch-motivisch gut dorthin passen. Im vorliegenden Artikel werden FamN behandelt, die sich mehrheitlich klar den HerkunftsN zuordnen lassen; eine Abgrenzung zu WohnstättenN erscheint hier jedoch auch nicht allzu relevant, da der Fokus auf den Eigenschaften der zugrunde liegenden Toponyme bzw. der entsprechenden Örtlichkeiten liegt. Zur Selektion und Gliederung der nachfolgenden Namensamples sei angemerkt, dass aus der Fülle verfügbarer HerkunftsN zu Schweizer Toponymen für diesen Artikel eine Auswahl getroffen werden musste - nicht zuletzt, weil sich HerkunftsN nur eingeschränkt zu Gruppen bündeln lassen. Anders als bei Berufs(über)N, ÜberN und WohnstättenN sind bei HerkunftsN semantische Gruppierungen nur eingeschränkt möglich. Denn während erstere sich i. d. R. aus Bezeichnungen (wie Kiste, braun, Tor) ableiten, basieren HerkunftsN (ebenso wie Patronyme und Metronyme) auf EigenN, die als solche keine Bedeutung, allenfalls eine etymologische Deutbarkeit haben. Es ist insgesamt eher Gegenstand der Ortsnamenforschung, den (oft schon verdunkelten) Ursprüngen der zugrunde liegenden Toponyme nachzugehen. 2 Daher werden in diesem Artikel FamN spezifisch ausgewählt, die sich nach bestimmten Kriterien sinnvoll gruppieren lassen: 1. nach ihrer Frequenz (erste und zweite Karte), 2. nach dem Typ des zugrunde liegenden Toponyms (dritte Karte), 3. nach der geographischen Lokalisierung des zugrunde liegenden Toponyms (vierte, fünfte und sechste Karte) sowie 4. nach dessen sprachlicher Zugehörigkeit (siebte Karte). 1 Vgl. Artikel III-2.4 «Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen». 2 Für detaillierte Etymologien und weiterführende Angaben zu den Toponymen sei auf das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) verwiesen. Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="118"?> Zum ersten Selektionskriterium, der Frequenz, ist folgende Vorbemerkung anzubringen: Gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 27.03.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») gehen in der Deutschschweiz für die Schicht «vor 1800» mehr als 1'000 HerkunftsN auf Schweizer Toponyme zurück. Eine detaillierte Prüfung und eine systematische Klassifizierung dieser gesamten Namenmenge ist in diesem Rahmen nicht möglich, schon allein wegen der oben beschriebenen Mehrdeutigkeit vieler HerkunftsN. Eine kursorische Sichtung zeigt jedoch Folgendes: Mehr als die Hälfte der über 1'000 HerkunftsN zu Schweizer Toponymen tritt nur an einem einzigen Ort auf. Lediglich 68 HerkunftsN sind vor 1800 an mehr als zehn Orten dokumentiert. Nur elf HerkunftsN zu Schweizer Toponymen weisen mindestens 15 Tokens auf. Diese sind: Schweizer (78 Tokens), Hunziker (22 Tokens), Leuenberger (20 Tokens), Fricker (18 Tokens), Rutishauser (18 Tokens), Hunkeler (17 Tokens), Scheidegger (17 Tokens), Stettler (17 Tokens), Saxer (16 Tokens), Baumberger (15 Tokens) und Hugentobler (15 Tokens). Die Betrachtung dieser elf HerkunftsN zeigt, dass - abgesehen vom FamN Schweizer - die zugrunde liegenden ÖrtlichkeitsN zur Mikrotoponymie gehören. Aus formaler Sicht ist festzustellen, dass all diese FamN mit dem Herkunftssuffix -er gebildet sind. 3 Die Gruppierung von HerkunftsN nach der geographischen Lokalisierung des zugrunde liegenden Toponyms bzw. der entsprechenden Örtlichkeit erlaubt Rückschlüsse auf die Reichweite historischer Migrationsräume. Konvergiert die Verbreitung der HerkunftsN im Wesentlichen mit den jeweiligen ÖrtlichkeitsN bzw. deren Bezugsorten, weist dies auf ein vergleichsweise kleines Einzugsgebiet der Namenträger: innen hin. Die erste Karte zeigt die fünf häufigsten HerkunftsN zu Schweizer Toponymen (ohne den Namentyp Schweizer), bevor die zweite Karte spezifisch auf den verbreiteten Typ Schweizer eingeht. Die dritte Karte ist den HerkunftsN zu Schweizer StädteN gewidmet. In der vierten, der fünften und der sechsten Karte werden HerkunftsN nach der geographischen Lage des zugrunde liegenden Toponyms dargestellt, und zwar exemplarisch für den Kanton Zürich (vierte Karte) sowie für den deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis (fünfte und sechste Karte). In der siebten Karte sind schliesslich HerkunftsN dargestellt, deren entsprechendes Toponym dem Rätoromanischen zugeordnet werden kann. 3 Vgl. Artikel II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen». 740 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="119"?> Erste Karte {336}: Die fünf häufigsten Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen Namenauswahl: Die erste Karte bildet die fünf häufigsten HerkunftsN zu Schweizer Toponymen aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 4 ab, ohne den frequentesten Typ Schweizer, der separat in der zweiten Karte behandelt wird. Abgefragte Namen Hunziker: 22 Tokens. Leuenberger: 20 Tokens. Fricker: 18 Tokens. Rutishauser: 18 Tokens. Hunkeler: 17 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 351: Daten zur ersten Karte {336} Detailangaben zur Namenauswahl: 5 Alle fünf FamN sind mittels des Herkunftssuffixes -er gebildet. Abgesehen von dieser Suffigierung unterscheiden sie sich formal im Stamm nicht von den ihnen zugrunde liegenden Toponymen. Tabelle 352 führt für jeden der fünf HerkunftsN das namengebende Toponym und dessen Lokalisierung an. FamN Toponym Lokalisierung Hunziker Hunzikon Kanton Luzern Leuenberger Leuenberg Kanton Bern Fricker Frick Kanton Aargau Rutishauser Rutishausen Kanton Thurgau Hunkeler Hunkele Kanton Luzern Tabelle 352: Die fünf häufigsten HerkunftsN zu Schweizer Toponymen Kommentar: Die fünf häufigsten HerkunftsN zu Schweizer Toponymen treten regional konzentriert auf und bilden somit Namennester. Vier der fünf FamN sind in einer zusammenhängenden Region verbreitet, die sich über die Kantone Bern, Luzern, Aargau, Basel- Landschaft und Solothurn erstreckt. Eine geographisch eigenständige Namenkonzentration zeigt sich beim FamN Rutishauser im Kanton Thurgau. Auffällig ist, dass die hier abgebildeten HerkunftsN in unmittelbarer Nähe jener Örtlichkeit auftreten, die namengebend Karte 336: HerkunftsN zu Schweizer Toponymen nach Frequenz, vor 1800 4 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. Soweit nicht anders vermerkt, erfolgt die Deutung der Schweizer Toponyme auf Grundlage des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.). 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen 741 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="120"?> war. Der FamN Hunziker bspw. kommt v. a. im südlichen Teil des Kantons Aargau vor, angrenzend an den Luzerner Bezirk Sursee, wo sich der Weiler Hunzikon (Gemeinde Geuensee) befindet. Wie eingangs erwähnt, erlaubt die Verteilung der ausgewählten fünf HerkunftsN Rückschlüsse auf die historische Bevölkerungsmobilität: Die geographische Nähe zwischen den kartierten FamN und dem jeweiligen zugrunde liegenden SiedlungsN bzw. Bezugsort deutet auf ein vergleichsweise kleines Einzugsgebiet der Namenträger: innen hin. Zweite Karte {337}: Herkunftsnamen des Typs Schweizer Namenauswahl: Die zweite Karte umfasst sämtliche HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die auf das Toponym Schwyz zurückgehen, das sich auf den Hauptort des gleichnamigen Kantons bezieht. Gruppiert werden die Namen nach der etymologischen Zugehörigkeit zum Typ Schwyz (rot) bzw. zur älteren Form Swites (gelb). Abgefragte Namen Typ Schwyz: Schweitzer, Schweizer, Schwitzer, Schwitzerlet, Schwizer, Schwytzer von Buonas, Schwyzer. 7 Types, 97 Tokens. Typ Swites: Schweiter, Schwitter, Schwyter. 12 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15‒30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 353: Daten zur zweiten Karte {337} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier kartierten HerkunftsN lassen sich alle auf das Toponym Schwyz (bzw. dessen Varianten) zurückführen. Zur Zeit der Namengebung bezog sich dieses zunächst auf die Ortschaft Schwyz, Hauptort des gleichnamigen Kantons, später auf die Eidgenossenschaft der Alten Orte (vgl. dritte Karte) und schliesslich auf das Land Schweiz. Schweizer bzw. Schweitzer kann ausserhalb der Schweiz schlicht die Bedeutung ‘der aus der Schweiz’ haben (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 611). Gemäss DFA 4 (2013: 111) sind «in Erwägung gezogene Berufsbezeichnungen in den Bedeutungen ‘Soldat’, ‘Melker’ u. a. […] erst seit dem 16. Jh. entstanden und für die FamN-Bildung irrelevant». Die FamN des Typs Swites ref lektieren eine «ältere Bildung zum (latinisierten) Ortsnamen Suites (= Schwyz). Noch bis ins 16. Jahrhundert wird für den Volksnamen statt Switzer noch öfter Schwiter oder Schwitter geschrieben» (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 151). Die Variante Schweiter mit Diphthongschreibung ist mit der Variante Schweizer vergleichbar, die direkt aus der jüngeren Form Schweiz bzw. Schwyz entstanden ist. 6 Kommentar: Die häufigen HerkunftsN des Typs Schwyz (rot) kommen geballt in der Nordostschweiz und gehäuft auch im Kanton Basel-Landschaft vor. Weitere Belege sind über das gesamte Mittelland verstreut. Die FamN zu Swites (gelb) hingegen folgen einer Linie, Karte 337: HerkunftsN zu Schwyz und Swites, vor 1800 6 Vgl. die Artikel I-1.10 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ī» und I-1.14 «Schreibvariation i/ y». 742 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="121"?> die sich vom nördlichen Aargau bis in das Grenzgebiet von St. Gallen und Graubünden erstreckt. Dritte Karte {338}: Herkunftsnamen zu Städtenamen Namenauswahl: Die dritte Karte gilt HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die zu einem StadtN gebildet sind. Zur Definition von Stadt s. u. Alle FamN werden hier mit ihren allfälligen Varianten nach ihrem zugrunde liegenden Toponym gruppiert. Abgefragte Namen Typ Zürich: Zürch, Zürcher, Zurich, Züricher, Zürrer. 41 Tokens. Typ Basel: Basler. 12 Tokens. Typ Glarus: Glarner. 10 Tokens. Typ Bern: Berner. 8 Tokens. Typ Schaffhausen: Schaffhauser, Schaffhuser. 6 Tokens. Typ Solothurn: Solothurner, Solothurnmann, Soltermann. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 354: Daten zur dritten Karte {338} Detailangaben zur Namenauswahl: Als Städte werden hier die Hauptsiedlungen der Alten Orte definiert, die die Alte Eidgenossenschaft formten und als Vorläufer der heutigen Kantone gelten (e-HLS 2016: s. v. Kantone). 7 Die Alten Orte waren: Uri (Hauptort Altdorf ), Schwyz, Unterwalden (Hauptort Sarnen), Luzern, Zürich, Zug, Glarus, Bern, Freiburg, Solothurn, Basel, Schaffhausen und Appenzell. Zu den Toponymen Altdorf , Sarnen, Luzern, Zug und Freiburg finden sich in der Schicht «vor 1800» keine HerkunftsN. Der FamN Altorfer geht sehr wahrscheinlich auf einen ÖrtlichkeitsN im Kanton Schaffhausen oder im Kanton Zürich zurück und nicht auf den Hauptort des Kantons Uri, weil die Verbreitung des FamN einen Bezug zu Letzterem eher unwahrscheinlich macht. Die FamN Appenzeller und Urner sind type- und tokenmässig niederfrequent und hier daher nicht abgebildet. Den häufigsten Namentyp stellen die HerkunftsN zum StadtN Zürich dar. Die frequente Form Zürcher, bei der der Mittelsilbenvokal -ientfallen ist (vgl. Toponym Basel → FamN Basler), 8 ist eine vergleichsweise jüngere Variante im Gegensatz zu Züricher. Das Gleiche gilt für die endungslose Form Zürch. Der FamN Zürrer, bei dem das auslautende -ch von Zürich weggefallen ist, leitet sich von der mundartlichen Variante des StadtN, Züri, ab. Der in Lessoc (FR) alteingesessene Name Zurich (mit Adaption von dt. ü zu frz. u) 9 Karte 338: HerkunftsN zu StädteN, vor 1800 7 Da die Alten Orte zugleich Untertanengebiete regierten und verwalteten (s. ausführlich e-HLS 2013: s. v. Untertanengebiete), kann sich die Herkunftsbezeichnung in einzelnen Fällen auch auf Personen aus diesen abhängigen Territorien beziehen und nicht zwingend auf Zuzüger: innen aus der jeweiligen Stadt selbst. 8 Vgl. Artikel I-1.16 «Synkope». 9 Vgl. Artikel I-3.5 «Integration deutscher Familiennamen ins Französische». 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen 743 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="122"?> gehört zu den HerkunftsN ohne Suffix, die heute seltener sind, aber im Deutschschweizer Familiennamenbestand noch gelegentlich vorkommen (z. B. Freiburghaus, Hospenthal, Sempach). 10 Neben einer Benennung nach der Herkunft der Namenträger: innen könnten die FamN des Typs Zürich auch als ÜberN verwendet worden sein, um eine Person zu kennzeichnen, die Handelsbeziehungen zur Stadt Zürich unterhielt. Dies könnte einen Einf luss auf die Ausbreitung der entsprechenden FamN gehabt haben. Auffällig sind die Formvarianten des Typs Solothurn: Solothurnmann und die kontrahierte Variante Soltermann, mit Ausfall des -osowie Reduktion der Silbe -thurnzu -ter-, sind mit dem Suffix -mann abgeleitet. In der Schicht «vor 1800» gehören diese beiden FamN zusammen mit wenigen weiteren Namen wie Wollenmann (zu Wohlen AG) oder allenfalls auch Kurmann (evtl. zu Chur GR) zur kleinen Gruppe von HerkunftsN mit mann-Suffigierung. 11 Kommentar: Der häufigste Namentyp umfasst FamN, die aus dem StadtN Zürich abgeleitet sind, wobei die Variante Zürcher mit 34 von 41 Tokens klar dominiert. Diese FamN treten besonders in vier Regionen gehäuft auf: im Berner Oberland (Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental), im Emmental (BE), im Gebiet zwischen dem Zürichsee (ZH) und dem Zugersee (ZG) sowie im Kanton Appenzell Innerrhoden. Da sie sowohl im Mittelland als auch teilweise in den (Vor-)Alpen verbreitet sind, lässt sich für die aus dem Toponym Zürich entstandenen FamN im Vergleich zu den anderen kartierten Typen die weiteste räumliche Ausdehnung feststellen. Die Belege für Basler bleiben in ihrer Verbreitung hauptsächlich auf den Norden bzw. den Nordosten beschränkt. Gehäuft kommen sie im Kanton Aargau in den Bezirken Zofingen und Laufenburg vor. Glarner ist vorwiegend in Glarus sowie im Gebiet des unteren Zürichsees verbreitet. Zudem treten zwei Belege auch im östlichen Berner Oberland auf. Der FamN Berner ist in den Kantonen Bern und Freiburg sowie im Aargau alteingesessen. HerkunftsN zum StadtN Schaffhausen treten v. a. im Kanton St. Gallen in Erscheinung. Schliesslich ist der Typ Solothurn nicht nur in der Nähe der namengebenden Kantonshauptstadt, sondern auch im Bezirk Bern-Mittelland (BE) belegt. Abschliessend lässt sich folgende Erkenntnis festhalten: Während HerkunftsN zu Toponymen kleinerer Örtlichkeiten (vgl. erste Karte) vorwiegend in unmittelbarer Nähe des namengebenden Orts verbleiben, können HerkunftsN zu StädteN auch weit entfernt von der entsprechenden Örtlichkeit auftreten und sich über grössere Gebiete erstrecken. Dennoch bleibt meistens eine gewisse geographische Beziehung zwischen den FamN und der namengebenden Stadt erkennbar. Vierte Karte {339}: Herkunftsnamen zu Toponymen aus dem Kanton Zürich Namenauswahl: Ausgewählt wurden sämtliche HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die auf einem Toponym beruhen, das eine Örtlichkeit im Kanton Zürich bezeichnet. Abgefragte Namen HerkunftsN zu Toponymen aus dem Kanton Zürich, vor 1800: Affeltranger, Altenberger, Attiger, Attinger, Baltensperger, Baltensweiler, Bänninger, Bärtschiger, Benker, Benkert, Benninger, Bertschinger, Bietenholz, Binzegger, Borsinger, Bossinger, Brüngger, Busenhart, Buttauer, Dändliker, Däniker, Deggeller, Dietiker, Dietliker, Dietziker, Dieziger, Diezinger, Doggweiler, Doggwiler, Dogwiler, Dössegger, Dössekel, Dössekker, Dübendorfer, Dürsteler, Ehrensberger, Ehrensperger, Elliker, Esslinger, Etzensberger, Etzensperger, Fehrenbach, Flach, Flacher, Freudweiler, Gattiker, Girsberger, Girsperger, Glattfelder, Gossauer, Gossweiler, Gosswiler, Goswiler, Guldener, Güntensperger, Hagenbucher, Hägni, Hegetschweiler, Hegnauer, Herensperger, Hermatschweiler, Hermetschweiler, Hettlinger, Hirschgartner, Hönger, Hottiger, Hottinger, Huggenberger, Itschner, Kiburger, Kindhauser, Kloter, Kuser, Kyburger, Landenberger, Leibensberger, Marthaler, Messikomer, Messikommer, Müdespacher, Neeracher, Neracher, Nieriker, Oetiker, Ottiker, Ottinger, Pfaffhauser, Riediker, Rogenmoser, Rohrbasser, Saller, Schalcher, Schleiniger, Schleuniger, Schnurrenberger, Schollenberger, Solinger, Stettbacher, Stürzinger, Toggweiler. 100 Types, 229 Tokens. Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 15-90, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 355: Daten zur vierten Karte {339} Detailangaben zur Namenauswahl: Die für die hier kartierten HerkunftsN relevanten ÖrtlichkeitsN stammen sowohl aus der Makroals auch aus der Mikrotoponymie. So basieren FamN wie Dietiker (zu Dietikon), Gossauer (zu Gossau) oder Kloter (zu Kloten) auf Toponymen, die Dörfer oder grössere Siedlungen bezeichnen. Hingegen lassen sich andere Fälle auf Dorfteile, Weiler oder Fluren zurückführen - so etwa Affeltranger (zu Affeltrangen ← ahd. affoltra ‘Apfelbaum’ + ahd. wang ‘Wiesenabhang, Halde’, eine kleine Häusergruppe bei Hinwil) oder Brüngger (zu Brünggen ← ahd. brunno ‘Quelle, Brunnen’ + ahd. egga ‘scharfer Rand; Spitze, Berggipfel; Ecke, Winkel’). 10 Vgl. Artikel II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen». 11 Vgl. Artikel II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 744 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="123"?> Bis auf wenige Ausnahmen wie Flach oder Hägni sind die allermeisten FamN des Samples mittels des Herkunftssuffixes -er gebildet. Die höchste Frequenz erreicht mit 12 Tokens der FamN Bertschinger, der auf einem ÖrtlichkeitsN Bertschikon beruht. Das Toponym kommt im Kanton Zürich einmal bei Gossau und einmal bei Winterthur vor. Es ist aus einem althochdeutschen Ruf N *Berso und der Siedlungsnamenendung -ikon bzw. -inghofen gebildet und kann als ‘bei den Höfen der Leute des *Berso’ gedeutet werden. 12 In Einzelfällen kann der FamN Bertschinger aber auch auf den Ruf N Bertschi (eine Kurzform des Ruf N Berchtold ) zurückgeführt werden, der über die Form Bertschiner zu Bertschinger umgedeutet wurde. Diese Mehrdeutigkeit könnte die relativ hohe Tokenzahl des Namens erklären. Auf Bertschinger folgen Gattiker und Hottinger mit je 9 Tokens. Nur sechs Namen des Samples weisen mehr als 5 Tokens auf. Die Hälfte der kartierten HerkunftsN kommt vor 1800 nur in einer Gemeinde vor. Kommentar: Von insgesamt 229 Vorkommen treten rund 70 % (157 Tokens) im Kanton Zürich auf. Die übrigen rund 30 % verteilen sich v. a. auf die angrenzenden Kantone Aargau (30 Tokens) und Thurgau (8 Tokens). Weitere Einzelbelege finden sich verstreut im Mittelland. Die Innerschweiz ist - abgesehen von wenigen Ortspunkten in den Kantonen Zug und Schwyz - frei von HerkunftsN, die auf Zürcher Toponyme zurückgehen. Der einzige Beleg in Graubünden, im rätoromanischsprachigen Münstertal, ist der FamN Solinger, der auf den Zürcher ÖrtlichkeitsN Zollikon zurückgeht. Karte 339: HerkunftsN zu Toponymen aus dem Kanton Zürich, vor 1800 12 Vgl. Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen 745 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="124"?> Fünfte und sechste Karte {340, 341}: Herkunftsnamen zu Toponymen aus dem Deutschwallis Namenauswahl: Ausgewählt wurden HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf Toponyme zurückführen lassen, welche Örtlichkeiten im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis bezeichnen. Während die fünfte Karte alle entsprechenden FamN aufnimmt, werden in der sechsten Karte die HerkunftsN mit der höchsten Tokenzahl separat dargestellt und zusammen mit ihren Varianten nach dem jeweiligen zugrunde liegenden Toponym zu Typen gruppiert. Dabei erfolgt die Anordnung in abnehmender Frequenz. Abgefragte Namen HerkunftsN zu Toponymen aus dem Deutschwallis, vor 1800: Abgottspon, Bellwalder, Burgener, de Kalbermatten, de Riedmatten, Eyster, Gottsponer, Gsponer, Jeitziner, Jeiziner, Kalbermatten, Kalbermatter, Lambrigger, Leiggener, Lötscher, Lowiner, Muther, Mutter, Rittiner, von Riedmatten. 20 Types, 74 Tokens. Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-90, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 356: Daten zur fünften Karte {340} Abgefragte Namen Typ Kalbermatten: de Kalbermatten, Kalbermatten, Kalbermatter. 19 Tokens. Typ Lötschen: Lötscher. 12 Tokens. Typ Burgen: Burgener. 10 Tokens. Typ Gspon: Abgottspon, Gottsponer, Gsponer. 9 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20‒45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 357: Daten zur sechsten Karte {341} Detailangaben zur Namenauswahl: Die EinzelN der fünften Karte mit den höchsten Tokenzahlen sind Lötscher (12 Tokens), Burgener (10 Tokens), Kalbermatten (9 Tokens), Kalbermatter (8 Tokens) und Gsponer (5 Tokens). Alle übrigen Namen sind an vier oder weniger Ortspunkten belegt. Der FamN Lötscher lässt sich auf das Toponym Lötschental bzw. Lötschen zurückführen, das ein nördliches Seitental der Rhone im Oberwallis bezeichnet. Laut Literatur gehört dieser FamN zur Personengruppe der Walser, die ab dem ausgehenden Hochmittelalter aus dem Lötschental in andere Gebiete abwanderten (vgl. Berchtold/ Graf i. V.: s. v. Lötscher). 13 Der Name erscheint im Karte 340: HerkunftsN zu Toponymen aus dem Deutschwallis, vor 1800 13 Zum Familiennamentyp Walser sei auf den Artikel III-2.4 «Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen» verwiesen. 746 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="125"?> Entlebuch (LU) erstmals im 14. Jh., im Prättigau (GR) bereits im 13. Jh. Der FamN Burgener beruht auf dem Toponym Burgen, einem auf rund 1400 m ü. M. gelegenen Weiler der Gemeinde Törbel im Vispertal (VS). Kalbermatten sowie die Varianten de Kalbermatten und Kalbermatter gehen auf Chalbermatten zurück, ein auf 1798 m ü. M. gelegener Ortsteil von Saas-Fee im Saastal (VS). Gsponer schliesslich verweist auf Gspon, einen auf 1890 m ü. M. gelegenen Weiler der Gemeinde Staldenried im Vispertal (VS). Die Varianten Abgottspon und Gottsponer basieren auf einer historischen Form des Toponyms, vgl. 1543 Gotzbon (VSNB 2 2024: Sp. 394). Morphologisch umfasst das Namensample er-Ableitungen (z. B. Bellwalder, Lambrigger, Mutter), endungslose Bildungen (Kalbermatten) sowie FamN mit den Präpositionen ab (Abgottspon), von (von Riedmatten) und de (de Kalbermatten, de Riedmatten). 14 Kommentar: Von insgesamt 74 Tokens treten rund 75 % (54 Tokens) im Oberwallis auf. Die übrigen Belege verteilen sich auf das Entlebuch (LU) mit 10 Tokens, das Prättigau (GR) mit 4 Tokens, das Berner Oberland (BE) mit 2 Tokens sowie auf das französischsprachige Wallis mit ebenfalls 2 Tokens. Dieses Verhältnis zeigt, dass die hier kartierten HerkunftsN überwiegend im nahen Umland der ihnen zugrunde liegenden Toponyme auftreten. Die Örtlichkeiten, von denen die FamN Kalbermatten, Burgener und Gsponer bzw. ihre Varianten abgeleitet sind, liegen in abgelegenen Tälern auf Höhen zwischen 1400 und fast 1900 m ü. M. Die daraus entstandenen FamN sind sowohl in den Niederungen als auch teilweise in höheren Lagen des jeweiligen Tals belegt. Dies weist auf vertikale Wanderbewegungen der Namenträger: innen hin, sowohl talwärts als auch bergwärts. Der FamN Lötscher schliesslich kann exemplarisch für eine weiträumige Wanderbewegung stehen: Ein Namennest ist in den bekannten Walserkolonien im Prättigau (GR) belegt (e-HLS 2013: s. v. Walser). Eine weitere Konzentration im Entlebuch (LU) verweist auf historische Entwicklungen, die jedoch nicht vollständig geklärt sind: Das Luzerner Tal gehört nämlich nicht zu den traditionellen Siedlungsgebieten der Walser. Die Namenträger: innen gelangten vermutlich erst in einer späteren Phase aus dem Berner Oberland dorthin - somit unabhängig von der Hauptwanderung und frühen Kolonisation der Walser. Karte 341: Die vier häufigsten HerkunftsN zu Toponymen aus dem Deutschwallis, vor 1800 14 Vgl. die Artikel II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de», und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen 747 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="126"?> Siebte Karte {342}: Herkunftsnamen zu rätoromanischen Toponymen Namenauswahl: Die siebte Karte umfasst HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die ein rätoromanisches Toponym enthalten. Es wurden ausschliesslich Namen ausgewählt, deren zugrunde liegendes Toponym eindeutig lokalisierbar ist. FamN wie Sax oder Saxer - die in einigen Fällen auf das häufige Toponym Sax (zu rätorom. sass ‘Fels’ oder rätorom. sac ‘Sack; Vertiefung’) zurückgehen (vgl. ortsnamen.ch o. J.: s. v. Sax) - wurden aufgrund ihrer polygenetischen Entstehung aus der Kartierung ausgeschlossen. Die ausgewählten HerkunftsN wurden nach den Grossregionen geordnet, in welchen die jeweiligen namengebenden Örtlichkeiten liegen. Abgefragte Namen HerkunftsN zu Toponymen aus der Surselva: Bonadurer, Castelberg, Castrischer, Curschellas, Degonda, Degunda, Deplaz, Deplazes, Deragisch, Durschei, Lombris, Lombriser, Murschetg, Raschein, Rensch, Schlanser, Tenner, Tujetsch. 18 Types, 29 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen aus dem Prättigau: Clavadetscher, Danuser, Darnutzer, Darnuzer, Plouda, Putzi, Tarnutzer. 7 Types, 10 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen aus der Region Viamala: Juvalta, Masüger, Patzen. 6 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen aus der Region Albula: Demarmels, Devonas, Faller. 4 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen aus dem Engadin: Biveroni, Bivrun, De St. Jon, Semadeni. 4 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen aus der Region Plessur: Parpan. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 358: Daten zur siebten Karte {342} Detailangaben zur Namenauswahl: Die den hier kartierten HerkunftsN zugrunde liegenden ÖrtlichkeitsN gehören sowohl der Makroals auch der Mikrotoponymie an: Auf Namen von Dörfern zurückzuführen sind etwa Lombris bzw. Lombriser (zu Lumbrain, Surselva), Parpan (zu Parpan, Plessur), Semadeni (zu Samedan, Engadin) oder Biveroni bzw. Bivrun (zu Bever, Engadin). Andere FamN basieren auf Toponymen, die Dorfteile, Weiler oder Fluren bezeich- Karte 342: HerkunftsN zu rätoromanischen Toponymen, vor 1800 748 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="127"?> nen, so etwa Bonadurer (zu Bandur, Versam), Tenner (zu Tenna, Safiental), Putzi (zu Putz, Luzein) und De St. Jon (zu San Jon, Scuol). Ein Teil der Namen in den Regionen Surselva, Prättigau und Viamala ist mittels des Herkunftssuffixes -er gebildet und weist daher morphologische Interferenz (rätoromanisch-deutsch) auf; so bspw. Castrischer (zu Castrisch, Surselva), Schlanser (zu Schlans, Surselva) oder Masüger (zu Masügg, Viamala). Daneben treten auch Bildungen mit der Präposition de auf, darunter Degonda bzw. Degunda (zu Gionda, Surselva), Deplaz bzw. Deplazes (zu Plazzas, Surselva), De St. Jon (zu San Jon, Engadin). Biveroni und Semadeni stellen Italianisierungen dar. 15 Kommentar: Das Kartenbild bestätigt die Tendenz, dass HerkunftsN bevorzugt in der Nähe der entsprechenden Örtlichkeiten auftreten. Die HerkunftsN der Region Surselva weisen die höchste räumliche Übereinstimmung zwischen FamN und zugrunde liegendem Toponym auf: Mit Ausnahme eines Einzelbelegs in Tscherlach im südlichen Teil des Kantons St. Gallen sind sämtliche HerkunftsN der Surselva innerhalb jener Region nachgewiesen, in der auch das zugehörige Toponym belegt ist. Für das Prättigau zeigt sich ein differenzierteres Bild: Etwa die Hälfte der Prättigauer HerkunftsN tritt innerhalb der Region auf, in der das entsprechende Toponym lokalisiert ist; weitere Belege finden sich jedoch in der tiefer gelegenen angrenzenden Region Landquart sowie vereinzelt im Unterengadin und in der Region Imboden. Einige Namen erscheinen im selben Dorf wie der zugehörige ÖrtlichkeitsN, etwa Putzi (Luzein GR) zum Toponym Putz, das einen Weiler des Dorfs Luzein bezeichnet. Dieser Umstand könnte für eine Benennung nach der Wohnstätte (anstatt nach der Herkunft) sprechen, aber dieser Schluss ist nicht zwingend, da auch eine kleinräumige Migration und somit doch eine Herkunft namenmotivierend gewesen sein kann. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Zürcher (7'506 Tokens), Schweizer (6'988 Tokens) und Leuenberger (6'225 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013: 110-113) wird der Typ Schweizer behandelt, wobei die Verbreitung der HerkunftsN Schwei(t)zer als Zeugnis für Binnenwanderungen im alemannischen Raum betrachtet wird; vgl. dazu auch Nübling/ Kunze (2023: 480-481): Aus dem Kartenbild mit dem Namentyp Schwei(t)zer ist «ersichtlich, dass, wie auch historisch bezeugt ist, besonders die Schwäbische Alb aus der Schweiz besiedelt wurde, und der Südschwarzwald, wo auch viele Höfe den Namen Schweizerhof tragen». Auch der Typ Basler wird im DFA 4 (2013: 383) und in Nübling/ Kunze (2023: 321-322) besprochen. Dabei wird festgestellt, dass dieser Familiennamentyp «entlang des gesamten Oberrheins, sowohl auf der rechten wie auf der elsässischen Seite, also in den verkehrsreichen Gebieten zwischen Vogesen und Schwarzwald verbreitet» ist (Nübling/ Kunze 2023: 322). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Holenstein, André (2013): Untertanengebiete. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 009816/ 2013-03-05/ (letzter Zugriff 27.03.2025). e-HLS = Kley, Andreas (2016): Kantone. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 026414/ 2016-04-13/ (letzter Zugriff 27.03.2025). e-HLS = Waibel, Max (2013): Walser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007950/ 2013-08-20/ (letzter Zugriff 27.03.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 27.03.2025). Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 27.03.2025). Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. VSNB 2 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 2: Flurnamen D-J. Tübingen: Narr Francke Attempto. Linda Steiner 15 Vgl. die Artikel II-2.20 «Morphologische Integration rätoromanischer Familiennamen ins Deutsche», II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» und I-3.6 «Integration rätoromanischer Familiennamen ins Italienische». 2.1 Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen 749 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="128"?> 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen Schlagwörter: Dorf, Gewässer, Insel, Siedlungsgeschichte, Toponym, toponymisches Element, Weiler Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel untersucht FamN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 16.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») die toponymischen Elemente -ach, -ikon bzw. -ighofen, -hausen, -dorf , -wil oder -au aufweisen. Die Analyse dieser Namenelemente vor- und frühgermanischer Herkunft ist insofern relevant, als sie charakteristisch für sehr alte SiedlungsN der Deutschschweiz sind. Solche spezifischen Toponyme ermöglichen Rückschlüsse auf die Entstehungschronologie der jeweiligen Örtlichkeiten sowie allgemein auf die Siedlungsgeschichte der Deutschschweiz. Darüber hinaus erlaubt der Vergleich der geographischen Verteilung eines spezifischen Siedlungsnamentyps mit den entsprechenden FamN Aussagen zur historischen Bevölkerungsmobilität. Konvergieren die HerkunftsN grosso modo mit den jeweiligen SiedlungsN bzw. deren Bezugsorten, deutet dies auf ein vergleichsweise kleines Einzugsgebiet der Namenträger: innen hin. 1 Der folgende Kartenkomplex stellt separat HerkunftsN mit den toponymischen Elementen -ach (erste Karte), -ikon / -ighofen (zweite Karte), -hausen (dritte Karte), -dorf (vierte Karte), -wil (fünfte Karte) und -au (sechste Karte) dar und untersucht, ob deren Verbreitung im Familiennamenbestand mit dem Vorkommen dieser Elemente in Toponymen übereinstimmt. Die Karten sind chronologisch nach der Zeitschicht geordnet, in die der jeweilige Siedlungsnamentyp fällt - aufsteigend vom ältesten zum jüngsten (zur Entstehungschronologie der SiedlungsN der Deutschschweiz s. Graf 2025: 312-318). Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den Toponymen sei auf das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) verwiesen. Erste Karte {343}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -ach Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 2 ab, die auf ein Toponym auf -ach zurückgehen. Abgefragte Namen Typ -ach zu -acum: Brisacher, de Montenach, Dornacher, Erlacher, Merlach, Neeracher, Neracher, Rüfenacht, von Erlach, von Mandach. 10 Types, 26 Tokens. Typ -ach zu aha: Holzach, Läderach, Lädrach, Mutach, Rotach, Rothacher, Steinach, von Mutach. 8 Types, 16 Tokens. Typ Reinacher: Reinacher. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 17‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 359: Daten zur ersten Karte {343} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Dem toponymischen Endglied -ach liegen zwei unterschiedliche Etyma zugrunde (Kilchmann 2022: 39-40): entweder das galloromanische Zugehörigkeitssuffix -acum (zu keltisch *-acos) oder das althochdeutsche Substantiv aha mit der Bedeutung ‘Fluss, Strom, Bach’. Der erste Bildungstyp umfasst Toponyme, die römische Siedlungs- oder Gutshöfe bezeichneten und mithilfe des adjektivischen Suffixes -acum vom Namen des ursprünglichen Besitzers abgeleitet wurden (DFA 4 2013: 173; Kilchmann 2022: 39). Es handelt sich dabei um elliptische Formen aus «fundus [Ruf N]-acum» im Sinne von ‘Besitz des [Ruf N]’; bspw. bei Dornach (SO) wohl mit dem lateinischen Ruf N Turn(i)us + -acum ‘beim Landgut des Turn(i)us’. Nach den Namen f liessender Gewässer vorlateinischer Herkunft zählen die acum-Namen zur ältesten toponymischen Schicht der Schweiz (Graf 2025: 313). Der zweite Bildungstyp mit dem Grundwort aha diente ursprünglich der Benennung von f liessenden Gewässern (Kilchmann 2022: 39-40). Da Siedlungen häufig nach den benachbarten Gewässern benannt wurden, erscheint das Grundwort aha folglich als Element von ÖrtlichkeitsN. 4 Gemäss Kilchmann (2022: 41) treten die acum-Toponyme in der Deutschschweiz v. a. im Mittelland auf, wobei sie einen Bogen zwischen dem Thunersee (BE) und dem nördlichen Teil des Kantons Zürich spannen. Die aha-Toponyme konzentrieren sich hingegen insbesondere in der Bodenseeregion (Kantone TG und SG). Die Zentralschweiz weist nur vereinzelte Belege beider Namentypen auf. Das galloromanische Suffix -acum und das althochdeutsche Gattungswort aha sind in den Toponymen der Deutschschweiz lautlich zusammengefallen, wodurch sich ihre etymologische Differenzierung in vielen Fällen als problematisch erweist. Beim ÖrtlichkeitsN Reinach (BL und AG) bspw. lässt sich die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Bildungstyp nicht eindeutig bestimmen, weshalb 1 Vgl. Artikel III-2.1 «Herkunftsnamen zu Schweizer Toponymen». 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. Soweit nicht anders vermerkt, erfolgt die Deutung der Schweizer Toponyme auf Grundlage des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.). 4 Die auf das Grundwort aha zurückgehenden FamN von Ah, von der Aa und Vonderaa bleiben in der Kartierung unberücksichtigt, da sie typologisch nicht zu den hier besprochenen ach-Namen gehören. Vgl. Artikel III-3.2 «Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen». 750 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="129"?> der FamN Reinacher separat kartiert wird. 5 Auf der vorliegenden Karte werden nur FamN abgebildet, bei denen die Ableitung vom zugehörigen Toponym historisch belegt und etymologisch plausibel ist. Bezüglich der verschiedenen mundartlichen und schriftlichen Varianten des Endglieds -ach in Toponymen der Deutschschweiz (z. B. -ech oder -nacht) sei auf Kilchmann (2022: 43-45) verwiesen. Im Schriftbild der FamN aus der Schicht «vor 1800» ist - mit Ausnahme von Rüfenacht 6 - ausschliesslich der Ref lex -ach(er) belegt. Unter den hier kartierten HerkunftsN mit dem Endglied -ach(er) finden sich endungslose Bildungen (wie Merlach, Holzach oder Mutach), er-Suffigierungen (wie Brisacher, Dornacher oder Erlacher) und FamN mit der Präposition von bzw. de (de Montenach, von Erlach, von Mandach und von Mutach). 7 Kommentar: Die geographische Verteilung der auf -acum zurückgehenden HerkunftsN deckt sich grösstenteils mit derjenigen der entsprechenden Toponyme. Gehäuft treten die FamN im Kanton Bern auf, insbesondere in den Verwaltungskreisen Bern-Mittelland, Emmental und Thun, wo sich ein Namennest des FamN Rüfenacht befindet. Im Gegensatz dazu lässt sich bei FamN, die auf Toponyme mit dem Grundwort aha zurückgehen, keine räumliche Übereinstimmung mit den entsprechenden ÖrtlichkeitsN feststellen. HerkunftsN zu aha treten v. a. im Verwaltungskreis Bern-Mittelland (BE) auf, wo insbesondere die FamN Läderach und Lädrach in Erscheinung treten. Daneben finden sich Streubelege in verschiedenen Kantone (BS, LU, SG, AR). Insgesamt zeigen die aha-FamN eine deutlich heterogenere Verteilung als die acum-basierten Formen. Karte 343: HerkunftsN zu Toponymen mit -ach, vor 1800 5 Für den ÖrtlichkeitsN Reinach kommen zwei Deutungen infrage: Entweder ist das Toponym aus dem GewässerN ahd. Rīn + aha gebildet (also etwa ‘beim Rīn-Bach’) oder es handelt sich um eine Bildung aus einem spätlateinischen Ruf N (z. B. Renius) + -acum im Sinne von ‘Landgut des Renius’. 6 Der ÖrtlichkeitsN Rüfenacht (Worb BE) geht auf einen spätlateinischen Ruf N Rubinius oder Rufin(i)us + -acum im Sinne von ‘Landgut des Rubinius/ Rufin(i)us’ zurück. 7 Vgl. die Artikel II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» sowie II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen 751 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="130"?> Zweite Karte {344}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -ikon und -ighofen Namenauswahl: Die zweite Karte widmet sich FamN aus der Schicht «vor 1800», die ein Toponym auf -ikon oder auf -ighofen neben sich haben. Abgefragte Namen Typ -ikon: Angliker, Anliker, Attinger, Bälliger, Bänninger, Bertschinger, Borsinger, Bossinger, Büttiker, Dändliker, Däniker, Dietiker, Dietliker, Dietziker, Elliker, Galliker, Gattiker, Gunzinger, Hämiker, Hilfiker, Hunziker, Isliker, Lenzinger, Nebiker, Oetiker, Oetliker, Ottiger, Ottiker, Ottinger, Riediker, Schleiniger, Schleuniger, Solinger, Stürzinger, Trüllinger, Walliker, Wenziker, Wenzinger, Winiger, Zimiker, Zinniker, Zollinger. 42 Types, 167 Tokens. Typ -ighofen: Brenzikofer, Bütikofer, Büttikofer, Mörikofer, Oppikofer, Pupikofer, Puppikofer, Zollikofer. 8 Types, 18 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 360: Daten zur zweiten Karte {344} Detailangaben zur Namenauswahl: Die toponymischen Endglieder -ikon (bzw. -iken) und -ighofen gehen beide auf den Suffixkomplex ahd. -inghova, mhd. -inghofen zurück, der als ‘bei den Höfen der Leute des [Ruf N]’ gedeutet wird (Kilchmann 2022: 63; Graf 2025: 314). Inghova-Namen zählen zur ältesten Schicht alemannischer SiedlungsN und werden mit der frühen Besiedlung des alemannischen Raums in Verbindung gebracht (Kilchmann 2022: 60). Aufgrund der Erstsilbenbetonung ist das Endglied -inghova in unterschiedlichen Graden zu -ighofen, -ikon, -iken, -ken usw. reduziert worden. Nach Kilchmann (2022: 62) kommen Toponyme auf reduziertes -ikon v. a. im Kanton Zürich vor, während Toponyme mit der dreisilbigen Endung -ighofen insbesondere im (Süd-)Westen (Kantone BE und SO), in der Zentralschweiz (OW) und im Nordosten der Deutschschweiz (TG) belegt sind. Bei FamN zu Toponymen auf -ikon (< -inghofen) wird das Herkunftssuffix -er meist direkt an das Element -ingbzw. -ig -/ -ikangefügt; -on wird also getilgt: 8 Bspw. wird aus dem Toponym Büttikon (AG) (urkundlich 924 Putinchova) der FamN Büttiker (und nicht *Büttikoner) gebildet. Bei der Bildung des zweiten Familiennamentyps wird das er-Suffix direkt an das alte Endglied -ighofen angefügt, sodass aus dem Toponym Brenzikofen (BE) der FamN Brenzikofer entsteht. Die zugrunde liegenden Toponyme enthalten zwar alle historisch das dreisilbige Endglied -ighofen, wurden aber oft Karte 344: HerkunftsN zu Toponymen mit -ikon und -ighofen, vor 1800 8 Vgl. Artikel II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 752 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="131"?> später zu -ikon reduziert, z. B. FamN Mörikofer zum Toponym Mörikon (TG), urkundlich 838 Morinchova; Pupikofer und Puppikofer zu Pupikon (TG), urkundlich 1303 Puppichoven. Somit ref lektieren FamN auf -ikofer eine alte Variante des Toponyms. Kommentar: Das Kartenbild stimmt mit der Verteilung der beiden toponymischen Typen -ikon und -ighofen überein. Der häufigere Familiennamentyp mit dem toponymischen Endglied -ikon konzentriert sich v. a. in den Kantonen Zürich, Aargau und Luzern. Westlich und östlich dieser Region treten zwei ighofen-Zonen unabhängig voneinander auf: eine in den bernischen Bezirken Bern-Mittelland und Emmental und die andere im Kanton Thurgau. Dieses Bild bestätigt einmal mehr, dass sich die FamN überwiegend im nahen Umland der ihnen zugrunde liegenden Toponyme finden. Dies spiegelt insgesamt Mobilität in einem relativ kleinen Radius wider. Dritte Karte {345}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -hausen Namenauswahl: Die dritte Karte bildet alle FamN aus der Schicht «vor 1800» ab, die das toponymische Element -hausen enthalten. Abgefragte Namen Typ -hausen, vor 1800: Bolthauser, Bornhauser, Immenhauser, Kindhauser, Pfaffhauser, Rutishauser, Schaffhauser, Schaffhuser, Schmidhauser, Wohlhauser. 10 Types, 40 Tokens. Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-80, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 361: Daten zur dritten Karte {345} Detailangaben zur Namenauswahl: Das toponymische Endglied -hausen geht auf ahd. (ze) hūsun ‘bei den Häusern’ (Dativ Plural zum Substantiv ahd. hūs ‘Haus, Wohnung’) zurück. Kilchmann (2022: 51) stellt fest, dass bei etwa vier Fünfteln der von ihr untersuchten Toponyme auf -hausen ein Ruf N das Erstglied bildet - im vorliegenden Sample z. B. beim FamN Bolthauser, dessen Vorderglied aus Bollheri hervorgeht, einem zweigliedrigen germanischen Ruf N mit den Bestandteilen boll und heri. In Toponymen zeigt das Endglied zwei Schreibvarianten: -hausen (die häufigere) und -husen. 9 Gemäss Kilchmann (2022: 51) treten die h(a)usen-Toponyme v. a. im Nordosten der Deutschschweiz auf, zwischen dem Zürichsee und dem Bodensee (Kantone ZH, SH und TG). Alle HerkunftsN mit dem Endglied -hausen aus der Schicht «vor 1800» sind mittels er-Suffix gebildet. Die mundartnahe Schreibung ist ausschliesslich im FamN Schaffhuser belegt. Aus der Auswahl ausgeschlossen sind FamN, die auf toponymisches oder appellativi- Karte 345: HerkunftsN zu Toponymen mit -hausen, vor 1800 9 Vgl. Artikel I-1.11 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ū». 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen 753 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="132"?> sches Haus zurückgehen, wie z. B. Althaus, Neuhaus, Niederhäuser (zum Toponym Niederhaus) oder auch Häusermann und Häusli. 10 Kommentar: Die Verbreitung von HerkunftsN mit dem Element -hausen stimmt räumlich weitgehend mit jener der entsprechenden Toponyme überein. Geballt treten die ausgewählten FamN im Nordosten der Schweiz auf, insbesondere in den Bezirken Weinfelden und Kreuzlingen (TG) sowie Arbon (SG), wo sich ein Namennest des FamN Rutishauser befindet. Vierte Karte {346}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -dorf Namenauswahl: Die vierte Karte behandelt alle HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die auf SiedlungsN mit dem Element -dorf bzw. -torf basieren. Abgefragte Namen Typ -dorf , vor 1800: Altorfer, Bergdorf , Blickenstorfer, Bliggensdorfer, Bliggenstorfer, Blikisdorf , Bubendorf , Burgdorfer, Buxtorf , Filistorf , Gebistorf , Liggenstorfer, Litzistorf , Lutstorf , Rastorfer, Rordorf , Schelldorfer, Scheltorfer, Wynistorf . 19 Types, 44 Tokens. Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 362: Daten zur vierten Karte {346} Detailangaben zur Namenauswahl: Das toponymische Element -dorf geht auf ahd. dorf ‘Dorf, Landgut’ zurück. 11 Nach Kilchmann (2022: 49) sind ÖrtlichkeitsN auf -dorf im alemannischen Dialektgebiet im Vergleich zum übrigen deutschsprachigen Raum relativ selten. Dies deckt sich mit der geringen Zahl von Types bei den entsprechenden FamN. Das Endglied -dorf erscheint in FamN sowohl in suffigierter Form auf -er (z. B. Altorfer, Blickenstorfer) als auch unsuffigiert (z. B. Bergdorf , Lutstorf ). Die FamN mit -dorf zeigen graphisch-lautliche Variation im Silbenanlaut zwischen -dorf(er) und -torf(er). 12 Kommentar: FamN mit -dorf sind typisch für das Mittelland. Die voralpinen und alpinen Regionen wie das Berner Oberland oder das Wallis sowie die Ostschweiz sind dagegen frei von diesem Namentyp, was wiederum mit dem Verbreitungsbild der entsprechenden Toponyme korreliert. Die grösste Dichte an HerkunftsN mit -dorf weist der Kanton Zürich auf. Die drei Belege im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg beziehen sich auf Örtlichkeiten im deutschsprachigen Gebiet desselben Kantons: der FamN Litzistorf auf Litzisdorf (FR) und der FamN Filistorf auf Fillistorf (FR). Auffallend ist, dass aus dem Karte 346: HerkunftsN zu Toponymen mit -dorf, vor 1800 10 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 11 Unberücksichtigt bleiben hier FamN wie Dörfler, Dörfliger und Dörflinger sowie FamN mit der Präposition in (Imdorf , Imoberdorf ). Diese gehen direkt auf das Appellativ Dorf zurück und sind daher eher als WohnstättenN zu interpretieren. Vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 12 Vgl. Artikel I-2.6 «Schreibvariation bei Plosiven im Inlaut». 754 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="133"?> Toponym Blickensdorf (ZG) vier Varianten zu FamN geworden sind, von denen Blickenstorfer, Bliggensdorfer und Bliggenstorfer alle im Kanton Zürich alteingesessen sind (neben Blikisdorf in LU). Fünfte Karte {347}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -wil Namenauswahl: Die fünfte Karte bildet alle FamN aus der Schicht «vor 1800» ab, die das toponymische Element -wil enthalten. Abgefragte Namen Typ -wil, vor 1800: Atzenweiler, Atzenwiler, Baeriswyl, Baltensweiler, Baltischweiler, Bäriswyl, Billwiller, Birrwyler, Braunschweiler, Brühweiler, Brühwiler, Brunnschweiler, Brunschweiler, Brunschwiler, Brüschweiler, Dätwiler, Dätwyler, Dettwiler, Dettwyler, Dieboldswyler, Dietschweiler, Dietwiler, Dingetschweiler, Doggweiler, Doggwiler, Dogwiler, Duttweiler, Duttwiler, Duttwyler, Eggenschwiler, Eggenweiler, Eggerschwiler, Eggertswyler, Engetschwiler, Enggwiller, Engweiler, Etzweiler, Freudweiler, Frommenwiler, Gähweiler, Gähwiler, Gähwiller, Gartwyl, Gerschwiler, Girschweiler, Gontersweiler, Gossweiler, Gosswiler, Goswiler, Grauwiler, Grosswiler, Guntersweiler, Gutzwiller, Hallwyler, Hättenschweiler, Hättenschwiler, Hättenschwiller, Hauwiler, Hegetschweiler, Hermatschweiler, Hermetschweiler, Huwiler, Huwyler, Inwyler, Kindweiler, Lengweiler, Lengwiler, Leutwiler, Leutwyler, Maugweiler, Mundtwiler, Mundweiler, Mundwiler, Muntwiler, Muntwyler, Neuweiler, Oberwiler, Rankwiler, Rawyler, Riedwyl, Roggwiler, Roggwiller, Rottenschweiler, Scheiwiler, Scheiwiller, Schnarwiler, Sonnenwyl, Toggweiler, Toggwiler, Trautweiler, Urwyler, von Hallwyl, von Wattenwyl, Vonwil, Vonwiller, Wädenschwiler, Wädensweiler, Walperswiler, Wartenweiler, Weil, Weilenmann, Weiler, Wettenschwiler, Wiler, Wittenwiler, Wittenwiller, Wittweiler, Wylemann, Wylenmann, Wyler, Ziswyler. 111 Types, 260 Tokens. Kreise 15‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 363: Daten zur fünften Karte {347} Detailangaben zur Namenauswahl: Das toponymische Element -wil prägt die Ortsnamenlandschaft der Deutschschweiz und tritt in SiedlungsN sowohl als Kompositionsglied mit Suffixcharakter (etwa in Maugwil ) als auch selbstständig (z. B. Wila, Wiler) auf. Nach Kilchmann (2022: 73) verteilen sich die Toponyme mit -wil «über die gesamte Deutschschweiz nördlich der Alpen mit einer grossen Dichte in der Ostschweiz». Die Etymologie von -wil kann auf zwei verschiedenen Grundlagen beruhen: Die meisten unter den wil-Namen lassen sich auf ahd. wīlāri, mhd. wīler ‘Weiler, einzelnes Gehöft, kleines Dorf ’ zurückführen, welches ein Lehnwort aus rom. vīllāre ‘kleines Dorf, Fronhof ’ ist. Dieses wiederum geht auf das lateinische Adjektiv villāris ‘zur villa (Gutsbetrieb, Hof, Landhaus) gehörig’ zurück. Daneben wird für einzelne Namen das bereits in althochdeutscher Zeit Karte 347: HerkunftsN zu Toponymen mit -wil, vor 1800 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen 755 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="134"?> aus lat. vīlla ‘Landhaus, Landgut, Vorwerk’ entlehnte ahd. wīlla, mhd. wīle ‘Landsitz’ als mögliche Grundlage in Betracht gezogen. Zur Grammatik, Etymologie und Siedlungsgeschichte von wil-Toponymen s. Kilchmann (2022: 70-74) und das Id. 15 (1881 ff.: Sp. 1259-1260). Die meisten der hier kartierten HerkunftsN mit -wil sind mit dem Suffix -er abgeleitet, wie etwa der FamN Braunschweiler zum Toponym Brüschwil (TG), urkundlich auch Bruniswil. Im Sample finden sich aber auch endungslose Formen (wie Bäriswyl, Gartwyl oder Weil ), FamN mit der Präposition von (von Hallwyl, von Wattenwyl, Vonwil und Vonwiller) sowie mann-Bildungen (Weilenmann, Wylemann, Wylenmann). Das Element -wil zeigt graphisch-lautliche Variation, u. a. bei der monophthongischen bzw. diphthongischen Realisierung von mhd. ī, wie in Wädenschwiler und Wädensweiler. 13 Kommentar: Die räumliche Verbreitung der FamN mit -wil korreliert im Grossen und Ganzen mit jener der entsprechenden Toponyme (Kilchmann 2022: 73). Abgesehen von wenigen Streubelegen in den voralpinen Gebieten des Berner Oberlands und in Graubünden treten HerkunftsN mit -wil nahezu ausschliesslich im Mittelland auf. Die beiden einzigen Belege in der Südostschweiz basieren nicht auf autochthonen Toponymen: Der in Graubünden belegte FamN Toggwiler (Grüsch GR) ist laut RNB 3 (1986: 419) auf Zuwanderung aus dem Kanton Zürich zurückzuführen. Der FamN Rankwiler im Süden des Kantons St. Gallen basiert auf dem ÖrtlichkeitsN Rankweil, einer Marktgemeinde im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Der FamN mit der höchsten Tokenzahl im Sample ist Wyler (20 Tokens), gefolgt von Weilenmann (14 Tokens). Von insgesamt 111 Namentypen kommen nur 18 an mehr als drei Ortspunkten vor, d. h., dass die meisten Typen niederfrequent sind. Sechste Karte {348}: Herkunftsnamen zu Toponymen mit -au Namenauswahl: Auf der sechsten Karte sind alle FamN aus der Schicht «vor 1800» dargestellt, die sich auf Toponyme mit dem Endglied -au zurückführen lassen. Abgefragte Namen Typ -au, vor 1800: Buttauer, Ecknauer, Eggnauer, Friedauer, Gossauer, Grunauer, Hagnauer, Hallauer, Hegnauer, Henauer, Honauer, Klingnauer, Kronauer, Langenauer, Lauchenauer, Lindauer, Luternauer, Mazenauer, Mettauer, Ramsauer, Ramseier, Ramseyer, Reitnauer, Schoenauer, Schönauer, Sommerau, Sommerauer, Sossauer, Steinauer, Tiefenauer, Weitnauer, Wingeier, Wingeyer, Wittnauer, Wysseier, Wysseyer. 36 Types, 78 Tokens. Kreise 20‒40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 364: Daten zur sechsten Karte {348} Karte 348: HerkunftsN zu Toponymen mit -au, vor 1800 13 Vgl. Artikel I-1.10 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ī». 756 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="135"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Das toponymische Endglied -au geht auf das Substantiv ahd. auwia, ouwa, mhd. ouwe ‘von Wasser umf lossenes Land, Insel, Halbinsel’ zurück (Kilchmann 2022: 46). Als Appellativ ist Au im Schweizerdeutschen mit der Bedeutung ‘Insel, Halbinsel, Gelände an einem Gewässer usw.’ belegt, jedoch nicht mehr in Gebrauch (Id. 1 1881 ff.: Sp. 5). Zum toponymischen Endglied -au stellt Kilchmann (2022: 45) fest: «Im Gegensatz zu den anderen hier besprochenen Namentypen entsprechen Ortsnamen auf -au nicht den klassischen frühmittelalterlichen, primären Siedlungsnamen, sondern dürften in den meisten Fällen auf Flurnamen zurückgehen und somit sekundäre Siedlungsnamen darstellen». ÖrtlichkeitsN auf -au sind im ganzen Mittelland relativ gleichmässig verbreitet mit einigen Vorkommen bis in die voralpinen Regionen der Deutschschweiz (Kilchmann 2022: 46-47). Bis auf den FamN Sommerau (Filisur GR) weisen alle hier kartierten FamN Suffigierung mit -er auf. Die Varianten Wingeier, Wingeyer, Wysseier, Wysseyer, Ramseier und Ramseyer zeigen Entrundung von öu zu ei bzw. ey. 14 Obwohl die nachfolgenden FamN etymologisch letztendlich auf ahd. auwia, ouwa, mhd. ouwe zurückzuführen sind, wurden sie aus der Kartierung ausgeschlossen, da das im Namen enthaltene Element au (bzw. ei, ey) kein suffixales Endglied ist und/ oder eher auf das Appellativ Au zurückgeht: Anderau, Anderauer, Auer, Ausderau, Aus der Au, Eyacher, Eyen, Eyer, Eyholzer, Eymann, Inauen, von Auw, von Euw, Vonei, Voney. 15 Kommentar: Die Verbreitung der FamN mit dem Endglied -au deckt sich in etwa mit derjenigen der entsprechenden Toponyme. In einem zusammenhängenden Gebiet zwischen den Kantonen Bern, Aargau und Luzern häufen sich die Vorkommen der FamN. Im Emmental (BE) bilden die FamN Ramseier und Ramseyer (zusammen 23 Tokens) ein Namennest. Auffällig ist zudem eine erhöhte Präsenz der au- Namen im Nordosten der Deutschschweiz. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Hunziker (6'052 Tokens), Ramseier (2'109 Tokens) und Zollinger (1'976 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: Für Deutschland werden im DFA 3 (2012: 253, 274) auf der Karte 119 FamN zu Toponymen mit -dorf wie Braunsdorf oder Lanzendörfer sowie auf der Karte 128 solche zu Toponymen mit -au wie Bernau oder Bernauer behandelt. Der DFA 4 (2013: 173-244) widmet sich auf der Karte 76 HerkunftsN aus Toponymen mit dem Namenelement -ach, auf den Karten 100-104 denjenigen mit -inghausen bzw. -inghofen und schliesslich auf den Karten 96-99 FamN aus SiedlungsN mit -weil und -weiler. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 16.05.2025). Graf, Martin H. (2025): Orts- und Flurnamen in der Deutschschweizer Sprach(en)landschaft. In: Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz, 312-318. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kilchmann, Mirjam (2022): Lautwandel in der Toponymie am Beispiel von Deutschschweizer Siedlungsnamen (Regensburger Studien zur Namenforschung 11). Regensburg: edition vulpes. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 16.05.2025). RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Linda Steiner 14 Vgl. Artikel I-1.5 «Entrundung». 15 Vgl. Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen». 2.2 Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen 757 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="136"?> 2.3 Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen Schlagwörter: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Migration, Österreich Gegenstand und Fragestellung Mit ausländischen Toponymen sind sowohl SiedlungsN als auch toponymische Bezeichnungen von Regionen ausserhalb der Schweiz gemeint, wie z. B. das Allgäu, das Elsass oder die Picardie. FamN zu Bezeichnungen von (historischen) Stämmen, Volks- und Sprachgruppen (wie z. B. der FamN Düring zu Thüringen oder der FamN Payer zu Bayern) gehören hier nicht zur Auswahl und werden separat im Artikel III-2.4 «Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen» besprochen. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden FamN, die sowohl als Herkunftsals auch als WohnstättenN gedeutet werden können (zur problematischen Abgrenzung dieser beiden Benennungsmotive s. Fleischer 1964: 133). Die erste Karte gibt einen Überblick über das Gesamtphänomen, bevor die zweite Karte alle ausgewählten Namen der ersten Karte nach dem Herkunftsland des zugrunde liegenden Toponyms gruppiert. Die dritte Karte widmet sich spezifisch den FamN zu Toponymen, die dem Herkunftsland Deutschland zugeordnet worden sind. Erste Karte {349}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte zeigt alle Deutschschweizer FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die sich gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 25.09.2024; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zu einem ausländischen Toponym stellen. Abgefragte Namen HerkunftsN zu ausländischen Toponymen, vor 1800: Alge, Allgäuer, Allgöwer, Arbenz, Attenhofer, Bächinger, Balderer, Bamberger, Baudenbacher, Bereuter, Bernhauser, Bernheim, Brägenzer, Braunschweig, Bregenzer, Brisacher, Bulacher, Burner, Buxtorf , Debary, Delz, Dornbierer, Dufner, Dünscher, Ebinger, Eggenweiler, Eglinger, Eilinger, Elsasser, Elsässer, Erzinger, Friedinger, Fürstenberger, Gahlinger, Geilinger, Gengenbach, Genua, Gersbach, Gerspacher, Grenzinger, Griesser, Guggenheim, Gundelfinger, Gunzenhauser, Hagenbach, Heidelberger, Hilzinger, Hindenlang, Hirsig, Hirsiger, Hüninger, Immenhauser, Jochberg, Känzig, Kindweiler, Koelner, Kölla, Kostezer, Kronauer, Kronenberger, Küssenberger, Liggenstorfer, Loeliger, Löliger, Lörch, Ludäscher, Malloth, Mehlem, Mugwyler, Mülhauser, Munzinger, Oderbolz, Oehninger, Oppenheim, Passavant, Pfirter, Picard, Pikard, Randegger, Rankwiler, Rastorfer, Redinger, Riedhauser, Rostetter, Schawalder, Schelldorfer, Scheltorfer, Schibenegg, Schuttanner, Schwaninger, Seckinger, Segginger, Sekinger, Soland, Stickelberger, Strassburger, Stückelberger, Stühlinger, Suppiger, Suppinger, Trautweiler, Uehlinger, Ulmer, Voggensperger, Vonplon, von Schwarzenberg, von Speyr, von Vigier-von Steinbrugg, von Wedel, Werenfels, Würtenberger, Zesiger. 112 Types, 169 Tokens. Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 15-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 365: Daten zur ersten Karte {349} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Formal unterscheiden sich die hier kartierten HerkunftsN i. d. R. nicht wesentlich von den ihnen zugrunde liegenden Toponymen. Eine Auswahl an weniger transparenten Namen oder an solchen Namen, die eine interessante Adaption durchlaufen haben, wird in Tabelle 366 aufgeführt. FamN Toponym Lokalisierung Alge Allgäu Baden-Württemberg (Deutschland) Känzig Kenzingen Baden-Württemberg (Deutschland) Kölla Köln Nordrhein-Westfalen (Deutschland) Kostezer Konstanz Baden-Württemberg (Deutschland) Loeliger, Löliger Lollingen, heute in der Form Nollingen Baden-Württemberg (Deutschland) Rostetter Radstadt Salzburg (Österreich) Schawalder Schaanwald Liechtenstein Vonplon Blons Vorarlberg (Österreich) Tabelle 366: Ausgewählte HerkunftsN mit zugrunde liegendem Toponym und Lokalisierung Graphisch-lautliche Varianz tritt im Namensample u. a. in folgenden Fällen auf: Allgäuer - Allgöwer, Brägenzer - Bregenzer, Elsasser - Elsässer, Gahlinger - Geilinger, Loeliger - Löliger, Picard - Pikard, Schelldorfer - Scheltorfer, Seckinger - Segginger - Sekinger, Suppiger - Suppinger. Morphologische Varianz ist seltener dokumentiert: Gersbach - Gerspacher, Hirsig - Hirsiger, Kölla - Koelner. Allgemein kommen in deutschsprachigen HerkunftsN mehrere Bildungsmuster vor, darunter die drei dominanten Bildungstypen 1. FamN mit präpositionalem Bestandteil (i. d. R. von), 2. endungslose FamN und 3. Ableitungen auf -er. Für weitere Bildungsmuster sowie 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 758 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="137"?> für eine detailliertere Diskussion sei auf die Artikel II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen» und II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» verwiesen. Ungefähr 70 % der hier kartierten Namentypes sind er-Ableitungen. Der Rest der Namen tritt entweder endungslos (28 Namentypes) oder mit dem präpositionalen Bestandteil von bzw. seinem romanischen Pendant de (6 Namentypes) auf. Somit zeigen die HerkunftsN zu ausländischen Toponymen insgesamt eine relativ geringe Formenvielfalt und eine erwartbare starke Neigung zu Suffigierung mit -er. Auffällig ist die sehr tiefe Tokenzahl pro Namentype. Mehr als 70 % aller hier kartierten FamN kommen vor 1800 in nur einer Gemeinde vor. Der häufigste FamN Suppiger weist lediglich 8 Tokens auf. Diese clustern in einem kleinräumigen Gebiet in den sich angrenzenden Wahlkreisen Sursee und Willisau (LU). Das Type- Token-Verhältnis deutet darauf hin, dass nur Einzelfamilien aus einem spezifischen Ort aus dem Ausland in die Schweiz eingewandert sind. Auch in der französischsprachigen Schweiz und in der Rätoromania treten HerkunftsN zu ausländischen deutschsprachigen Toponymen auf. Da in diesem Artikel der Fokus auf Deutschschweizer FamN liegt, werden sie hier jedoch nicht kartiert. Einige Beispiele aus dem rätoromanischsprachigen Graubünden sind Denuder, Lechthaler, Strimer, Stiefenhofer, Vonescha, Voneschen und Steier; für die Romandie lassen sich u. a. Anspach, Horngacher, Neuffer und Elsaesser anführen. Kommentar: HerkunftsN zu ausländischen Toponymen kommen v. a. entlang der politischen Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland vor und erstrecken sich vom Kanton Basel-Stadt im Westen bis zum sankt-gallischen Teil des Bodensees im Osten. Ebenfalls vertreten sind die FamN im östlichen Grenzgebiet zu Österreich und Liechtenstein (SG, GR) sowie im westlichen Grenzgebiet zum (heute) französischen Elsass (BS, BL, SO, JU). Somit sind alle deutschschweizerischen Grenzregionen zu den (einst) deutschsprachigen Nachbarländern bzw. -regionen als areale Schwerpunkte des Namentypus zu betrachten. HerkunftsN zu ausländischen Toponymen verteilen sich über weite Teile des Mittellands. In den (vor-)alpinen Regionen, die eher als Abwanderungsgebiete einzuordnen sind (Berchtold 2011: 86), sind solche Namen hingegen deutlich weniger repräsentiert (vgl. die Lücken im Berner Oberland, im Deutschwallis und in der Innerschweiz). Städtische Zentren, die historisch als Zuwanderungsgebiete gelten, sind kaum mit HerkunftsN zu ausländischen Toponymen vertreten. Davon ausgenommen ist die Grenzstadt Basel (BS), die mit insgesamt 14 Tokens mit Abstand das höchste Vorkommen dieses Namentypus aufweist. Karte 349: HerkunftsN zu ausländischen Toponymen, vor 1800 2.3 Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen 759 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="138"?> Zweite Karte {350}: Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen nach Herkunftsland Namenauswahl: Die zweite Karte umfasst sämtliche Namen der ersten Karte und gruppiert sie nach dem Herkunftsland des zugrunde liegenden Toponyms. 3 Abgefragte Namen HerkunftsN zu Toponymen in Deutschland: Alge, Allgäuer, Allgöwer, Attenhofer, Bächinger, Balderer, Bamberger, Baudenbacher, Bernhauser, Bernheim, Braunschweig, Brisacher, Bulacher, Buxtorf , Delz, Dufner, Ebinger, Eggenweiler, Eilinger, Erzinger, Friedinger, Fürstenberger, Gahlinger, Geilinger, Gengenbach, Gersbach, Gerspacher, Griesser, Gundelfinger, Gunzenhauser, Heidelberger, Hilzinger, Hindenlang, Immenhauser, Känzig, Koelner, Kölla, Kostezer, Kronauer, Kronenberger, Küssenberger, Liggenstorfer, Loeliger, Löliger, Lörch, Mehlem, Munzinger, Oderbolz, Oehninger, Oppenheim, Randegger, Rastorfer, Riedhauser, Schelldorfer, Scheltorfer, Schibenegg, Schwaninger, Seckinger, Segginger, Sekinger, Soland, Stühlinger, Suppiger, Suppinger, Trautweiler, Uehlinger, Ulmer, Voggensperger, von Schwarzenberg, von Speyr, von Wedel, Werenfels, Würtenberger, Zesiger. 74 Types, 117 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Frankreich: Burner, Eglinger, Elsasser, Elsässer, Grenzinger, Guggenheim, Hagenbach, Hirsig, Hirsiger, Hüninger, Kindweiler, Mülhauser, Passavant, Pfirter, Picard, Pikard, Redinger, Strassburger, von Vigier-von Steinbrugg. 19 Types, 24 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Österreich: Bereuter, Brägenzer, Bregenzer, Dornbierer, Dünscher, Jochberg, Ludäscher, Mugwyler, Rankwiler, Rostetter, Schuttanner, Stickelberger, Stückelberger, Vonplon. 14 Types, 19 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Italien: Arbenz, Genua, Malloth. 6 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Liechtenstein: Schawalder. 2 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Belgien: Debary. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 22-55, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 367: Daten zur zweiten Karte {350} Detailangaben zur Namenauswahl: Zu den graphisch-lautlichen und den morphologischen Varianten sowie zur Frequenz der verschiedenen Bildungstypen vgl. die Detailangaben zur ersten Karte. Karte 350: HerkunftsN zu ausländischen Toponymen nach Herkunftsland, vor 1800 3 Freilich ist eine solche Zuordnung in manchen Details etwas anachronistisch. Eine exakte Zuordnung zu historischen Landschaften erscheint jedoch aufgrund des langen Entstehungszeitraums der FamN und den innerhalb diesem variierenden (Klein-)Territorien nicht ohne Weiteres realisierbar. Letztlich soll die Aufteilung zu heutigen Ländern in dieser Karte auch hauptsächlich eine richtungsmässige Einordnung erlauben. 760 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="139"?> Hinsichtlich der geographischen Herkunft der zugrunde liegenden Toponyme lässt sich Folgendes beobachten: Die Mehrheit der hier kartierten HerkunftsN (beinahe 66 % aller Namentypes) kann auf Toponyme in Deutschland zurückgeführt werden. Auf dem zweiten Platz befinden sich die FamN zu französischen Toponymen, auf dem dritten diejenigen zu österreichischen Toponymen. Nur selten sind hingegen Namen zu Toponymen aus Italien, Liechtenstein und Belgien im historischen Familiennamenbestand der Deutschschweiz bezeugt. Für eine detailliertere Analyse der HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen sei auf die dritte Karte verwiesen. Mit Blick auf die restlichen Namen ist festzuhalten, dass die meisten FamN zu französischen Toponymen auf einem deutschsprachigen elsässischen ÖrtlichkeitsN beruhen. Die meisten in den FamN enthaltenen Toponyme ref lektieren noch die frühere deutsche Form des ÖrtlichkeitsN, der heute, im Zuge des Sprachwechsels im Elsass, formell französisiert ist oder sogar substituiert worden ist: FamN Kindweiler zum Toponym Kindweiler, heute Kindwiller; FamN Mülhauser zum Toponym Mülhausen, heute Mulhouse; FamN Pfirter zum Toponym Pfirt, heute Ferrette; FamN Guggenheim zum Toponym Gugenheim, heute Gougenheim. 4 Bei den HerkunftsN zu österreichischen Toponymen ist das an die Schweiz angrenzende Bundesland Vorarlberg am stärksten vertreten (10 Namentypes); daneben findet sich je auch ein Toponym aus Tirol, aus Salzburg, aus der Steiermark und aus Niederösterreich im Deutschschweizer Familiennamenbestand. Liegen den HerkunftsN vorarlbergische Toponyme zugrunde, so handelt es sich z. T. um alträtoromanische Toponyme: FamN Dünscher zum Toponym Düns, FamN Ludäscher zum Toponym Ludesch, FamN Vonplon zum Toponym Blons. Zwei der drei Namentypen zu italienischen Toponymen lassen sich auf ÖrtlichkeitsN in den an die Schweiz angrenzenden Regionen Südtirol (FamN Malloth) und Aostatal (FamN Arbenz) zurückführen. Da die den FamN zugrunde liegenden Toponyme in den meisten Fällen aus mit der Schweiz benachbarten Gebieten stammen, lässt sich insgesamt von einer Zuwanderung aus einem relativ kleinen Radius sprechen. Für die historischen Hintergründe zu den Beziehungen zwischen der Schweiz und den Nachbarregionen sei auf die entsprechenden Artikel im e-HLS (o. J.) verwiesen, dabei insbesondere auf die Artikel Baden (D) (e-HLS 2002), Württemberg (e-HLS 2015), Liechtenstein (e-HLS 2008), Vorarlberg (e-HLS 2013), Tirol (e-HLS 2013), Vinschgau (e-HLS 2014) und Elsass (e-HLS 2012). Für allgemeine Angaben zur Migration in die Schweiz beachte man den Artikel Einwanderung (e-HLS 2006). Kommentar: Die areale Verbreitung der sechs Namentypen lässt ein ziemlich klares Verteilungsbild erkennen: Tendenziell kommen die HerkunftsN unweit der Grenze zu demjenigen Land vor, in dem das zugrunde liegende Toponym zu finden ist. 4 Die Träger: innen des wohlbekannten FamN Guggenheim «gehören zu den am längsten ohne Unterbruch in der Schweiz ansässigen jüdischen Familien» (e- HLS 2007: s. v. Guggenheim). 2.3 Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen 761 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="140"?> Dritte Karte {351}: Herkunftsnamen zu bundesdeutschen Toponymen Namenauswahl: Die dritte Karte umfasst FamN, die in der zweiten Karte dem Herkunftsland Deutschland zugeordnet worden sind. Die ausgewählten Namen wurden danach gruppiert, in welchem Bundesland die den FamN zugrunde liegenden Toponyme bezeugt sind. Aus dem Sample ausgeschlossen wurden einerseits diejenigen HerkunftsN, die auf überregionale Gebietsbezeichnungen zurückgehen (d. h. Alge, Allgäuer, Allgöwer und Würtenberger), und andererseits solche, die auf Toponyme zurückgehen, die sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern vorkommen (z. B. Attenhofer, Gundelfinger oder Ebinger). Abgefragte Namen HerkunftsN zu Toponymen in Baden-Württemberg: Bächinger, Balderer, Bernhauser, Brisacher, Bulacher, Dufner, Eggenweiler, Eilinger, Erzinger, Friedinger, Fürstenberger, Gahlinger, Geilinger, Gengenbach, Gersbach, Gerspacher, Griesser, Heidelberger, Hilzinger, Känzig, Kostezer, Kronauer, Küssenberger, Liggenstorfer, Loeliger, Löliger, Lörch, Munzinger, Oderbolz, Oehninger, Randegger, Riedhauser, Schwaninger, Seckinger, Segginger, Sekinger, Stühlinger, Suppiger, Suppinger, Uehlinger, Ulmer, Voggensperger. 42 Types, 70 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen in Bayern: Bamberger, Baudenbacher, Bernheim, Gunzenhauser, Kronenberger, Schelldorfer, Scheltorfer, Trautweiler, von Schwarzenberg. 9 Types, 10 Tokens. HerkunftsN zu Toponymen im restlichen Deutschland: Braunschweig, Buxtorf , Delz, Hindenlang, Immenhauser, Koelner, Kölla, Mehlem, Oppenheim, Rastorfer, Schibenegg, Soland, von Speyr, von Wedel, Werenfels, Zesiger. 16 Types, 26 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 50-50, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 368: Daten zur dritten Karte {351} Detailangaben zur Namenauswahl: Zu den graphisch-lautlichen und morphologischen Varianten sowie zur Frequenz der verschiedenen Bildungstypen vgl. die Detailangaben zur ersten Karte. Für einen Gesamtüberblick über die HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen vgl. die zweite Karte. Die HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen beziehen sich meist auf Örtlichkeiten, die in Süddeutschland lokalisiert sind, genauer in den beiden an die Schweiz angrenzenden Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern. Andere, von der Schweiz weiter Karte 351: HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen, vor 1800 762 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="141"?> entfernte Regionen Deutschlands sind deutlich weniger häufig vertreten. Kommentar: HerkunftsN zu Toponymen aus Baden-Württemberg kommen v. a. in der Nordostschweiz (ZH, SH, TG, SG) und in den Halbkantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft vor. Die FamN zu Toponymen aus Bayern zeigen insofern kein kompaktes areales Bild, als sie in unterschiedlichen Teilen der (Deutsch-)Schweiz vereinzelt belegt sind. Die restlichen Namen sind insbesondere vom Bielersee (BE, NE) entlang der Aare bis zum östlichen Teil des Kantons Solothurn vertreten. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Suppiger (8 Tokens), Soland (7 Tokens) und Erzinger (5 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013: 128, 376) werden einzelne HerkunftsN zu Namen von Regionen oder Siedlungen behandelt, u. a. FamN zu Allgäu (Karte 52) und zu Köln (Karte 166). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone (2011): Wie findet man Familiennamennester? Am Beispiel Entlebuch (Luzern) und Frutigen (Bern) im Vergleich. In: Heuser, Rita/ Nübling, Damaris/ Schmuck, Mirjam (Hrsg.): Familiennamengeographie. Ergebnisse und Perspektiven europäischer Forschung, 75-90. Berlin, New York: De Gruyter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Bundi, Martin (2013): Tirol. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007131/ 2013-10-29/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Bundi, Martin (2014): Vinschgau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007140/ 2014-01-22/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Burmeister, Karl Heinz (2013): Vorarlberg. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007141/ 2013-07-30/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Eichenlaub, Jean-Luc (2012): Elsass. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007022/ 2012-11-30/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Heiniger, Marcel (2006): Einwanderung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007991/ 2006-12-07/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (o. J.): Wissenschaftlich erarbeitetes, vernetztes, aktuelles und multimediales Fachlexikon zur Schweizer Geschichte. https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Hug, Wolfgang (2002): Baden (D). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 006618/ 2002-11-27/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Hug, Wolfgang (2015): Württemberg. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 006648/ 2015-02-03/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Mayr, Ulrike/ Brunhart, Arthur/ Quaderer, Rupert (2008): Liechtenstein. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 006528/ 2008-11-27/ (letzter Zugriff 25.09.2024). e-HLS = Weingarten, Ralph (2007): Guggenheim. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 024696/ 2007-03-20/ (letzter Zugriff 25.09.2024). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 25.09.2024). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Linda Steiner 2.3 Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen 763 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="142"?> 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen Schlagwörter: Alemann: innen, Deutschland, Deutschsprachige, Romanischsprachige, Walser: innen Gegenstand und Fragestellung Die hier behandelten FamN sind gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 26.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») benennungsmotivisch mit der Zugehörigkeit zu einer Sprach- oder Volksgruppe, einem Stamm oder der Herkunft aus dem entsprechenden Territorium verbunden. Namengebend war dabei nicht nur die tatsächliche Herkunft oder Stammeszugehörigkeit, sondern auch andere Beziehungen, die eine Person oder Familie zu einem Ort oder zu einer Region unterhielt. So konnte mit Hess bspw. eine Person bezeichnet werden, die Handelsbeziehungen nach Hessen pf legte. Darüber hinaus war die Herkunft einer Person bereits früh mit bestimmten, häufig stereotypen Konnotationen belegt: Mit Schwab konnte eine Zuwanderin oder ein Zuwanderer aus Deutschland gemeint sein, aber ebenso jemand, dem (vermeintlich) typische - oft negativ bewertete - Eigenschaften dieser Bevölkerungsgruppe zugeschrieben wurden (Id. 9 1881 ff.: Sp. 1707-1714). Die in dieser Gruppe von FamN angelegte Mehrdeutigkeit kann daher in Einzelfällen zu Überschneidungen der Benennungsmotive führen, insbesondere zwischen Herkunfts- und ÜberN. FamN aus Toponymen von ausländischen Regionen wie dem Allgäu, dem Elsass oder der Picardie werden separat im Artikel III-2.3 «Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen» besprochen. Die erste und die zweite Karte zeigen getrennt alle FamN zu Bezeichnungen für Deutschbzw. Romanischsprachige, während die dritte Karte die Haupttypen der beiden Fremdbezeichnungen kontrastiv darstellt. Die vierte Karte widmet sich HerkunftsN mit Bezug zu Stammesbezeichnungen oder entsprechenden LandschaftsN. Die fünfte Karte schliesslich thematisiert FamN zum VolksN der Walser. Erste Karte {352}: Herkunftsnamen zu Bezeichnungen für die Deutschsprachigen Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen HerkunftsN der Schweiz aus der Zeitschicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 1 ab, die sich auf Bezeichnungen für die Deutschsprachigen zurückführen lassen. Abgefragte Namen Typ Alemanne: Alemann, Allaman, Allamand, Allamann, Allemand, Allemann, Allimann. 7 Types, 32 Tokens. Typ Deutsch: Deutsch, Dütsch, Teutsch, Tütsch. 11 Tokens. Typ Tedeschi: Tedeschi. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 369: Daten zur ersten Karte {352} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Der häufige HerkunftsN Allemann und die weiteren Varianten dieser Namengruppe leiten sich vom Ethnonym der Alemannen ab, welches wiederum zu einem germanischen Kompositum gebildet ist, das so viel wie ‘Menschen bzw. Männer insgesamt, allgemein’ bedeutet (e-HLS 2018: s. v. Alemannen; Beck/ Geuenich/ Steuer 2023: 137-138). Alemanne bezeichnet eine Person, die dieser Gruppe angehört oder aus deren Siedlungsgebiet stammt. In sprachlichen Grenzgebieten wird Alemanne meist für ‘Deutschsprachiger’ verwendet, im Gegensatz zum Welschen, der Romanisch spricht (s. zweite Karte). Im französischen und italienischen Sprachraum dienten Allemand bzw. Alemanno und Varianten im Mittelalter sowohl als Ethnonym als auch als Ruf N (GPSR I 1924 ff.: 281; Rossebastiano/ Papa 2005: 55). Die hier kartierten Varianten Allemann, Alemann und Allamann sind deutscher Herkunft, während die Formen mit finalem -nd (Allamand und Allemand ) dem Französischen entstammen. Die im französischsprachigen Berner Jura belegte Form Allimann geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine deutsche Ausgangsform zurück. Die FamN des Typs Deutsch leiten sich vom Adjektiv mhd. diutisch, diutsch, tiutsch, tiusch ab, das im Sinne von ‘Deutschsprachiger’ bzw. ‘deutschstämmig’ verwendet wurde. Die italienische Form Tedeschi geht auf mittellat. theodiscus zurück, eine latinisierte Form des westgermanischen Adjektivs *þiudisk mit der Bedeutung ‘zum (eigenen) Volk gehörig’. Ursprünglich bezog sich theodiscus auf sprachliche Verhältnisse und bezeichnete den Gebrauch der germanischen Volkssprache im Gegensatz zum Lateinischen und zu den romanischen Idiomen (EtymWB 1993a: s. v. deutsch; Caffarelli/ Marcato 2008: 1642). 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 764 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="143"?> Kommentar: Die häufig belegte Variante Allemann konzentriert sich in der Deutschschweiz v. a. im Kanton Solothurn. Darüber hinaus tritt dieser Namentyp auch im Berner Oberland sowie in früh verdeutschten Regionen des Kantons Graubünden auf. Nach Kully (2009: 382) entstand der FamN ursprünglich in der französischsprachigen Schweiz und gelangte im 15. bis 16. Jh. infolge innerer Migration in die Kantone Bern und Solothurn. Die Nähe zur (ehemaligen) westlichen Sprachgrenze sowie die Verbreitung des Namens in einem historisch stark französisch geprägten Raum wie Solothurn sprechen allerdings für eine autochthone Entstehung, auch wenn diese nicht zwingend angenommen werden muss. 3 Der Typ Alemanne ist in der italienischsprachigen Schweiz in der Zeitschicht «vor 1800» nicht belegt, obwohl er in Norditalien in der Variante Alemanni verbreitet ist (Caffarelli/ Marcato 2008: 43). Die Präsenz des Namens in Oberitalien dürfte auf die intensive alemannische Besiedlung zurückgehen, die für diese Region im 9. Jh. historisch belegt ist (RNB 3 1986: 578-579). Der Typ Deutsch tritt v. a. im Kanton Thurgau - in den drei Varianten Deutsch, Dütsch und Tütsch - in Erscheinung. Die im westlichen Kontaktgebiet (La Neuveville und Ligerz BE) vorkommenden Varianten mit Fortis-Schreibung Tütsch und Teutsch gehen vermutlich auf Binnenmigration zurück. Die italienische Variante Tedeschi ist nur einmal in Melano (Südtessin) belegt. Karte 352: HerkunftsN zu Bezeichnungen für die Deutschsprachigen, vor 1800 3 Allgemein zur Herausbildung der deutsch-französischen Sprachgrenze vgl. Kristol (2023: 136-139, 155-156), spezifisch für den zweisprachigen Kanton Freiburg vgl. Kristol (2023: 525-541) und für das Wallis sowie für den Kanton Jura vgl. Kristol (2023: 615-631 bzw. 651-684). 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen 765 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="144"?> Zweite Karte {353}: Herkunftsnamen zu Bezeichnungen für die Romanischsprachigen Namenauswahl: Für die zweite Karte wurden alle FamN aus der Zeitschicht «vor 1800» ausgewählt, die entweder auf das Substantiv ahd. walah ‘Romane’ oder auf das entsprechende Adjektiv ahd. wal(a)hisc ‘romanisch(sprachig)’ zurückgehen. Die entsprechenden FamN werden nach ihrem Etymon gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen Typ Wahl: Wahl, Wahli, Walch, Wälchli, Waller, Walli, Zwahlen. 7 Types, 32 Tokens. Typ Welsch: Welschen, Weltsch. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 370: Daten zur zweiten Karte {353} Detailangaben zur Namenauswahl: Im Gebiet der heutigen Schweiz sind für das Mittelalter zwei unterschiedliche Fremdbezeichnungen für romanischsprachige bzw. nicht-deutschsprachige Bevölkerungsgruppen nachgewiesen: einerseits lat. rōmānus sowie dessen Entsprechung ahd. rūmān, andererseits ahd. walah (Schneider/ Pfister 2017: 127). Zum letzteren Worttyp gehört auch das Adjektiv ahd. wal(a)hisc, mhd. wal(hi)sch, wel(hi)sch (EtymWB 1993b: s. v. welsch; VSNB 4 2024: 501). Die walah-Lexeme dienten insbesondere in kontaktintensiven Grenzräumen zur sprachlichen und ethnischen Abgrenzung nicht-germanischer, als fremd wahrgenommener Gruppen. Das Id. 15 (1881 ff.: Sp. 1583-1599) dokumentiert für das Adjektiv schwzdt. wäl(t)sch Bedeutungen wie ‘französisch, italienisch, rätoromanisch’, weiter gefasst ‘fremdsprachig’ sowie allgemeiner auch ‘fremd, seltsam’. Die hier kartierten FamN leiten sich vom althochdeutschen Substantiv walah (Typ Wahl ) oder vom entsprechenden Adjektiv wal(a)hisc (Typ Welsch) ab. Nicht berücksichtigt wurden FamN, die auf Toponyme zurückgehen, die etymologisch das Wortelement walah enthalten, da diese in diesem Rahmen nicht systematisch ausgewertet werden können; vgl. z. B. FamN Wohlhauser (FR) zum Toponym Wolhuse (vermutlich aus walah + hūsun ‘bei den Häusern des Welschen’). Eine diachrone Gesamtdarstellung (inklusive kartographischer Abbildungen) der im alemannischen Sprachraum vorkommenden Landschafts- und SiedlungsN der Typen Roman und Wahl geben Schneider/ Pfister (2017). Sämtliche FamN, die zum Typ Roman gehören, wurden aus der vorliegenden Kartierung ausgeschlossen, da diese mehrdeutig sind. Solche Namen können ebenso als Patronyme zum Ruf N Roman interpretiert werden (RNB 3 1986: 101-102). Der FamN Roman ist jeweils einmal in der französischsprachigen Schweiz und in der rätoromanischen Surselva (GR) belegt. Die Form Romann - mit finalem -mann und analogisch gebildet zu Ruf N wie Hartmann oder Karte 353: HerkunftsN zu Bezeichnungen für die Romanischsprachigen, vor 1800 766 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="145"?> Rüttimann - erscheint lediglich einmal im Kanton Zürich. Auch die (vermutlich) dazugehörende Variante Romang (1 Token in Gsteig BE) bleibt etymologisch uneindeutig. Weitere FamN aus der französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz, die etymologisch letztendlich auf lat. rōmānus zurückzuführen sein könnten, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Zum einen erfordern diese eine detaillierte etymologische Analyse, da sie auf unterschiedlichen Benennungsmotiven beruhen können - etwa als Patronyme oder als HerkunftsN (z. B. FamN Romagnoli zur italienischen Region Romagna). Zum anderen sind die Ref lexe von lat. rōmānus in den romanischen Sprachgebieten - anders als im deutschsprachigen Raum - keine Xenonyme (Fremdbezeichnungen) und weisen dementsprechend eine andere semantische Ausrichtung auf. Zur Bezeichnung der eigenen romanischen Sprache dient im Engadin - sowie im Friaul und in den Dolomitentälern - das Wort ladín (< lat. latīnus ‘aus Latium stammend, lateinisch’) (DRG 10 1939 ff.: 275-276; RNB 3 1986: 39), das aber nicht ins Familiennameninventar eingegangen ist. Kommentar: Die walah-FamN kommen in der Deutschschweiz insbesondere in den Kantonen Bern und Luzern vor. Die Ostschweiz ist frei vom Namentyp. Die häufigsten FamN sind Wälchli und Zwahlen (je 8 Tokens). Der FamN Wälchli ist im unteren Emmental (BE), im Oberaargau (BE) und im aargauischen Bezirk Zofingen alteinheimisch. Der FamN Zwahlen (← ds Wahlen ‘des Wahlen [Nachkomme(n)]’) 4 erscheint insbesondere im Bezirk Bern-Mittelland und zudem weiter südlich im Gebiet des Berner Oberlands (in den Verwaltungskreisen Interlaken-Oberhasli und Obersimmental- Saanen). In der Zentralschweiz ist ein Namennest des FamN Waller vorhanden. In Graubünden kommt der Namentyp nur zweimal vor: einmal im deutschsprachigen Prättigau (FamN Walli) und einmal in der (ehemals) rätoromanischsprachigen Gemeinde Bonaduz (FamN Walch). Der einzige in der französischsprachigen Schweiz vorkommende Beleg des Namentyps Wahl ist Zwahlen in Hauterive (NE); er geht auf Migration aus dem Berner Mittelland zurück. Die FamN des Typus Welsch treten im Oberwallis und im angrenzenden Berner Oberland auf. Wird die geographische Verbreitung der walah-FamN mit jener der etymologisch verwandten Toponyme verglichen (s. Abbildung 2 in Schneider/ Pfister 2017: 149), ergibt sich folgendes Bild: Die walah- Toponyme lassen sich zwei klar unterscheidbaren Arealen zuordnen. Das erste bildet einen Bogen von Chur (GR) über den Bodensee entlang des Hochrheins bis etwa auf die Höhe von Basel (BS) und umfasst frühe Belege aus dem 8. und 9. Jh. Das zweite Areal konzentriert sich im Raum zwischen Aare und Saane und weist späte Erstbelege aus dem 13. und 14. Jh. auf. Nur das zweite Areal, das die (ehemalige) Sprachgrenze quert, entspricht der heutigen Verbreitung der FamN dieses Typus. Im östlichen Kontaktgebiet hingegen sind walah-FamN in der Schicht «vor 1800» nicht (mehr) nachweisbar. Dies lässt sich allenfalls dadurch erklären, dass in der Epoche der Entstehung der Zweinamigkeit das Gebiet zwischen Chur (GR) und dem Bodensee bereits weitgehend germanisiert war oder zumindest eine Situation von Zweisprachigkeit zwischen den betroffenen Bevölkerungsgruppen bestand (WeNB 8 2003-2017: 46-73). In der westlichen Kontaktzone hingegen entwickelte sich allmählich die deutsch-französische Sprachgrenze (Kristol 2023: 139-140). 4 Vgl. Artikel II-3.1 «Artikelproklise». 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen 767 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="146"?> Dritte Karte {354}: Typ Alemanne und Typ Wahl kontrastiv Namenauswahl: Die dritte Karte stellt kontrastiv die FamN des Haupttyps der ersten Karte (Typ Alemanne) als Benennungen für Deutschsprachige und die FamN der zweiten Karte (Typ Wahl + Typ Welsch) als Benennungen für Romanischsprachige dar. Die Varianten der Typen Wahl und Welsch werden hier gemeinsam als Typ Wahl abgebildet. Abgefragte Namen Typ Alemanne: Alemann, Allaman, Allamand, Allamann, Allemand, Allemann, Allimann. 7 Types, 32 Tokens. Typ Wahl: Wahl, Wahli, Walch, Wälchli, Waller, Walli, Weltsch, Welschen, Zwahlen. 9 Types, 36 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 30-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 371: Daten zur dritten Karte {354} Detailangaben zur Namenauswahl: Für Detailangaben zu den kartierten FamN s. die erste bzw. die zweite Karte. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass die Bezeichnungen für Fremdsprachige hauptsächlich in den beiden grossen Kontaktzonen der Schweiz auftreten. In der östlichen deutsch-rätoromanischen Kontaktsituation ist keine klare Aufteilung der Namentypen erkennbar, da, wie bereits bei der zweiten Karte beschrieben, zwischen den betroffenen Bevölkerungsgruppen vermutlich keine erhebliche Spaltung bestand. Die Namentypen sind in den verdeutschten Gebieten Graubündens belegt, wobei die Gemeinde Bonaduz bis ins 19. Jh. noch überwiegend rätoromanischsprachig war (e-HLS 2004: s. v. Bonaduz). Die westliche Verteilung der Namenformen hingegen spiegelt im Grossen und Ganzen die mittelalterliche deutsch-französische Kontaktzone wider. Nach dem Verbreitungsbild der FamN gehören sowohl das Gebiet um Solothurn als auch der zweisprachige Kanton Freiburg zum französischsprachigen bzw. stark französisch geprägten Raum; dies entspricht der kulturellen und sprachlichen Situation bei der Entstehung der FamN. Karte 354: Typ Alemanne und Typ Wahl kontrastiv, vor 1800 768 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="147"?> Vierte Karte {355}: Herkunftsnamen zu Stammesbezeichnungen (Hessen, Thüringen, Bayern, Schwaben, Franken) Namenauswahl: Ausgewählt wurden die häufigsten HerkunftsN, die auf eine Stammesbezeichnung bzw. auf den daraus hervorgegangenen LandschaftsN zurückgehen können. Die Namengruppen werden nach absteigender Tokenfrequenz geordnet. Abgefragte Namen HerkunftsN zu Hessen: Hess. 40 Tokens. HerkunftsN zu Thüringen: Deringer, Dörig, Dürger, Dürig, Düring, Düringer, Dürrig, Dürring, Thörig, Thürig, Thüring, Thüringer. 12 Types, 32 Tokens. HerkunftsN zu Bayern: Baier, Bayer, Beier, Peer, Peier, Peyer, von Bayer. 7 Types, 28 Tokens. HerkunftsN zu Schwaben: Schwab, Schwob. 23 Tokens. HerkunftsN zu Franken: Frank. 15 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 372: Daten zur vierten Karte {355} Detailangaben zur Namenauswahl: FamN zu Bezeichnungen von deutschen Stämmen bzw. Territorien stellen mit Abstand die grösste Subkategorie innerhalb der hier behandelten Motivgruppe dar. Die FamN der beiden häufigsten Typen (Typ Hessen und Typ Thüringen) sind mehrdeutig und daher potenziell polygenetischen Ursprungs. In Tabelle 373 sind die einschlägigen Deutungen sowie ggf. die konkurrierenden Deutungen der kartierten FamN aufgeführt. FamN Einschlägige Deutung(en) Konkurrierende Deutung(en) FamN zu Hessen HerkunftsN zur Stammesbezeichnung der Hessen bzw. zum daraus hervorgegangenen LandschaftsN (< mhd. Hessen ‘Hessen’); auch ÜberN für jemanden mit Bezug zu Hessen Patronym zum althochdeutschen Ruf N Hesso; Patronym zu einer Kurzform des Ruf N Hermann oder Matthäus FamN zu Thüringen HerkunftsN zur Stammesbezeichnung der Thüringer bzw. zum daraus hervorgegangenen LandschaftsN (< mhd. Dürinc, Dürenc ‘Thüringer’); auch ÜberN für jemanden mit Bezug zu Thüringen Patronym zum Ruf N Dorinc, Durinc (< ahd. thuring ‘Thüringer’); HerkunftsN zum ÖrtlichkeitsN Thüringen (Vorarlberg, Österreich) Karte 355: HerkunftsN zu Stammesbezeichnungen, vor 1800 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen 769 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="148"?> FamN Einschlägige Deutung(en) Konkurrierende Deutung(en) FamN zu Bayern HerkunftsN zum LandschaftsN Bayern bzw. zur entsprechenden Stammesbezeichnung (< mhd. Beier ‘Bayern’); auch ÜberN für jemanden mit Bezug zu Bayern FamN zu Schwaben HerkunftsN zur Stammesbezeichnung der Schwaben bzw. zum daraus hervorgegangenen LandschaftsN (< mhd. Swāp, Swāb(e) ‘Schwabe’); auch HerkunftsN für eine aus Deutschland stammende Person oder ÜberN für jemanden mit Bezug zu Schwaben resp. Deutschland FamN zu Franken HerkunftsN zur Stammesbezeichnung der Franken bzw. zum daraus hervorgegangenen LandschaftsN (< spätmhd. franc ‘frei’); auch ÜberN für jemanden mit Bezug zu Franken Patronym zum althochdeutschen Ruf N Franko Tabelle 373: Deutungen und Deutungskonkurrenzen der ausgewählten FamN Der häufigste FamN Hess zeigt keine morphologische oder graphisch-lautliche Varianz. Beim Typ Thüringen sind die endungslosen Varianten deutlich häufiger als jene mit auslautendem -er. In der Gruppe der Thüringen-Namen lassen sich zudem folgende formale Merkmale beobachten: graphische Varianz am Wortanfang (z. B. in Düringer/ Thüringer), Doppelkonsonantengraphie <rr> in Dürrig / Dürring und Nasalschwund im Suffix -i(n)g (z. B. in Thürig). 5 Bei den Namen des Typus Bayern fällt auf, dass die P -Schreibung (Peer, Peier, Peyer) gegenüber der B-Graphie (Baier, Bayer, Beier, von Bayer) tokenmässig klar überwiegt. 6 Die mundartnahe Variante Schwob zeigt gegenüber Schwab Verdumpfung des Vokals. 7 Der FamN Frank weist wie der Typ Hessen keine Varianz auf. Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass sich HerkunftsN zu Stammesbezeichnungen oder zu den entsprechenden LandschaftsN über mehrere Gebiete der Deutschschweiz erstrecken. Eine Häufung der Belege ist im Mittelland festzustellen. Demgegenüber treten weite Teile der Voralpen - etwa der Kanton Freiburg, das Berner Oberland und der südliche Teil des Kantons St. Gallen - sowie alpine Regionen wie die Kantone Wallis, Obwalden, Uri, Glarus und Graubünden deutlich zurück. Das weitläufigste Vorkommen zeigt der FamN Hess, der insbesondere in den Kantonen Zürich (Zürcher Oberland) und Bern (Oberaargau, Emmental) vertreten ist. Der Typ Thüringen kommt ebenfalls überwiegend in mittelländischen Gebieten vor, wo er teils streut und teils spezifische Verbreitungsräume aufweist. Die Varianten mit er-Suffix kommen ausschliesslich in der Nordostschweiz vor, was auf einen HerkunftsN zum vorarlbergischen Toponym Thüringen (vgl. Tabelle 373) hinweisen könnte. Die FamN des Typus Bayern konzentrieren sich hauptsächlich in nördlichen Gebieten. Der im Unterengadin (GR) alteingesessene FamN Peer geht vermutlich auf Zuwanderung aus dem benachbarten Tirol (Österreich) zurück. Die FamN Schwab und Schwob bilden zwei Namennester: eines in der Grenzregion zwischen dem Berner Mittelland, dem Berner Seeland und dem Freiburger Bezirk See, das andere im Kanton Basel-Landschaft. Der FamN Frank streut im Mittelland und in voralpinen Gebieten und zeigt kein eindeutig abgrenzbares Areal. Fünfte Karte {356}: Herkunftsnamen zu Bezeichnungen für Walser oder Walliser Namenauswahl: Die fünfte Karte behandelt HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die auf dem VolksN Walser oder auf der Bezeichnung Walliser für aus der Region Wallis stammende Personen basieren. Abgefragte Namen Typ Walser: Valzer, Walser, Walzer. 33 Tokens. Typ Walliser: Walliser. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 374: Daten zur fünften Karte {356} Detailangaben zur Namenauswahl: Der VolksN Walser geht auf das Tal Wallis (frz. Valais) zurück, das zum romanischen Adjektiv vallēse gestellt wird, wiederum zu lat. vallensis ‘zum Tal gehörig’ (VSNB 4 2024: 500). Das Wort Walser bezeichnet «jene deutschsprachigen bergbäuerlichen Siedler samt ihrer Nachkommenschaft, die im ausgehenden Hochmittelalter das Oberwallis verliessen und im damals zu einem grossen Teil noch romanischsprachigen Alpenraum angesiedelt wurden» (e-HLS 2013: s. v. Walser). Die Walserwanderung erschloss von Westen her neue Höhensiedlungen in einem Gebiet, das sich über rund 300 Kilometer verstreut durch die Zentralalpen zieht - u. a. über ganz Graubünden (insbesondere in der Surselva, im Hinterrhein, im Prättigau und im Schanfigg), den südlichen Teil des Kantons St. Gallen, Liechtenstein, Vorarlberg und angrenzende Regionen (e-HLS 2013: s. v. Walser; Holenstein/ Kury/ Schulz 2018: 37-46). Der hier kartierte FamN Walser lässt sich auf die gleichnamige Volksbezeichnung zurückführen, während Walliser vermutlich auf die Herkunft aus dem Tal bzw. der Region Wallis verweist. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Namen des Typs Walser nicht auf die Volksbezeichnung zurückgehen, sondern ebenfalls direkt mit der Region Wallis in Verbindung stehen. Dies könnte insbesondere auf FamN aus dem Kanton Solothurn zutreffen (s. u.). Bei den im Kanton Jura vorkommenden FamN Valzer und Walzer handelt es sich um französisierte Varianten des deutschen Namens Walser. Kommentar: FamN des Typus Walser treten in zwei geographisch voneinander getrennten Gebieten auf: Einerseits finden sie sich in Graubünden im Raum Chur, im unteren Prättigau sowie im sanktgallischen Sarganserland und im Rheintal - f lussabwärts über Werdenberg bis zum Bodensee -, einschliesslich beider Appenzeller Halbkantone. Laut HBLS 7 (1921-1934: 406) stammt der Appenzeller Zweig der Walser ursprünglich aus Vorarlberg. Andererseits liegt ein zweites Verbreitungsgebiet hauptsächlich im Kanton Solothurn. Es 5 Vgl. die Artikel I-2.5 «Schreibvariation bei Plosiven im Anlaut», I-1.15 «Längen- und Kürzenanzeige» und I-2.1 «Nasalschwund». Zu den Endungen -ig(er) / -ing(er) allgemein vgl. Artikel II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 6 Vgl. Artikel I-2.5 «Schreibvariation bei Plosiven im Anlaut». 7 Vgl. Artikel I-1.7 «Erhalt oder Verdumpfung von mhd. ā». 770 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="149"?> fällt auf, dass sich das erste Verbreitungsgebiet weitgehend mit den belegten und bereits erwähnten walserischen Siedlungsräumen in den Kantonen Graubünden und St. Gallen deckt. Das Namencluster im Kanton Solothurn hingegen dürfte auf andere Ursachen zurückzuführen sein, etwa auf Binnenmigration oder eine eigenständige Entstehungsgeschichte. Gemäss HBLS 7 (1921-1934: 407) lässt sich die Familie Walser im Kanton Solothurn erst ab dem frühen 19. Jh. belegen. Die französisierten FamN im Kanton Jura stammen vermutlich aus der Deutschschweiz, möglicherweise aus Solothurn. Die seltenen Vorkommen vom Typ Walliser sind im selben Raum wie die Walser-Namen bezeugt, was auf einen möglichen gemeinsamen Ursprung hinweisen könnte. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Hess (5'721 Tokens), Schwab (3'964 Tokens) und Zwahlen (3'308 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013: 38-171) widmet sich im Kapitel «Stämme, Territorien, Regionen» ausführlich dieser Untergruppe von HerkunftsN. FamN, die sich auf Bezeichnungen für die Deutschsprachigen und für die Romanischsprachigen zurückführen lassen, werden im Kapitel «Ethnien» behandelt (vgl. Karten 1-4 und 7-9). Auf den Karten 29-31 stehen FamN zur Stammesbezeichnung Hessen im Fokus, auf den Karten 32-34, 37-41 und 42-43 jeweils solche zu Thüringen, zu Franken bzw. zu Schwaben. Die FamN Walser und Walliser sind in Deutschland nicht alteinheimisch, sie sind aber im Fürstentum Liechtenstein belegt (FLNB II/ 4 2008: 411-413). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Karte 356: HerkunftsN zum VolksN Walser oder zum GebietsN Wallis, vor 1800 2.4 Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen 771 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="150"?> Literatur Beck, Heinrich/ Geuenich, Dieter/ Steuer, Heiko (Hrsg.) (2023): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 1-37: Aachen-Zwiebel, 2 Registerbände. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auf lage. Berlin: De Gruyter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. e-HLS = Bühler, Linus (2004): Bonaduz. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 001513/ 2004-08-11/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Kaiser, Reinhold (2018): Alemannen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008027/ 2018-01-18/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Waibel, Max (2013): Walser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007950/ 2013-08-20/ (letzter Zugriff 26.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993a): deutsch. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www.dwds.de/ wb/ etymwb/ deutsch (letzter Zugriff 26.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993b): welsch. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www.dwds.de/ wb/ etymwb/ welsch (letzter Zugriff 26.05.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 26.05.2025). FLNB II = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (2008): Die Personennamen des Fürstentums Liechtenstein. 4 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch II). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. GPSR = Glossaire des patois de la Suisse romande (1924 ff.): Bd. 1 ff. Neuchâtel, Paris: Attinger, dann Genève: Librairie Droz. HBLS = Türler, Heinrich et al. (Hrsg.) (1921-1934): Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz. 7 Bde. und Supplement. Neuenburg: Administration des historisch-biographischen Lexikons der Schweiz bzw. Attinger. Holenstein, André/ Kury, Patrick/ Schulz, Kristina (2018): Schweizer Migrationsgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Baden: Hier und Jetzt. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kristol, Andres (2023): Histoire linguistique de la Suisse romande (Collection Glossaire des patois de la Suisse romande 5.1). Neuchâtel: Éditions Alphil- Presses universitaires suisses. Kully, Rolf M. (2009): Form und Inhalt der Deutschschweizer Familiennamen. In: Hengst, Karlheinz/ Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Bd. 1: Deutsche Familiennamen im deutschen Sprachraum (Onomastica Lipsiensia 6.1), 365-392. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rossebastiano, Alda/ Papa, Elena (2005): I nomi di persona in Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. Schneider, Thomas F./ Pfister, Max (2017): Romanen und ihre (Fremd-)Bezeichnungen im Mittelalter. Der Schweizer Raum und das angrenzende alemannische Gebiet. In: Pohl, Walter/ Hartl, Ingrid/ Haubrichs, Wolfgang (Hrsg.): Walchen, Romani und Latini. Variationen einer nachrömischen Gruppenbezeichnung zwischen Britannien und dem Balkan (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 21), 127-152. Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften. VSNB 4 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 4: Flurnamen S-Z. Tübingen: Narr Francke Attempto. WeNB = Stricker, Hans (2003-2017): Werdenberger Namenbuch. Die Orts- und Flurnamen der Region Werdenberg. 8 Bde. Buchs: Verlag Werdenberger Namenbuch. Linda Steiner 772 2 Herkunftsnamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="151"?> 3 Wohnstättennamen 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie Schlagwörter: Bergsturz, Bodenerhebung, Bodenvertiefung, Ebene, Geländeeinschnitt, Hang, Orientierungsangabe, Toponym Gegenstand und Fragestellung Im vorliegenden Artikel steht die Frage im Fokus, wie sich die natürliche Oberf lächengestalt der Landschaft - bspw. Hänge, Hügel, Täler und Ebenen - im Deutschschweizer Familiennamenbestand widerspiegelt. Dies ist insbesondere auch interessant, weil die «naturräumliche Gliederung der Schweiz […] weitgehend von der Gebirgsfaltung her bestimmt» wird (e-HLS 2013: s. v. Alpen). 1 Kartiert werden WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 07.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf ein entsprechendes Appellativ oder ein daraus entstandenes Toponym zurückgehen, z. B. Daller zu schwzdt. Tal ‘langgestreckter Einschnitt in der Erdoberf läche, durch Höhenzüge begrenztes Gebiet u. ä.’ (aus ahd., mhd. tal ) oder zu einem darauf basierenden ÖrtlichkeitsN. Ob die hier behandelten WohnstättenN direkt zu einem ortsbezeichnenden Appellativ gebildet wurden oder auf einem Toponym beruhen, lässt sich i. d. R. nicht eindeutig bestimmen; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Um einen möglichst vollständigen Überblick zu bieten, wurden in die Namenauswahl auch Fälle aufgenommen, die sich mehreren Motivgruppen innerhalb der WohnstättenN zuordnen lassen. Bspw. kann der FamN Zumthurm einerseits auf ein hohes, schlankes Gebäude zurückgehen, 2 andererseits benennt schwzdt. Turn, Tur(r)e(n), Turm (aus ahd., mhd. turn) im alpinen Gebiet auch eine Felsformation (vgl. Id. 13 1881 ff.: Sp. 1656; Zinsli 1971: 316; SDS VI 1988: Karte 66). Die nachfolgenden Karten enthalten ferner FamN, die ausser zum hier behandelten Benennungsmotiv der WohnstättenN auch noch anders kategorisiert werden können. So kommt etwa für die FamN Blattner und Plattner neben einem WohnstättenN zu schwzdt. Blatte(n), Platte(n) ‘Felsplateau, Bergterrasse, Felswand, breiter, f lacher Fels u. ä.’ (aus ahd. platta, mhd. blate, plate) auch ein BerufsN zu schwzdt. Blattner ‘Schmied, der Harnische herstellt’ (aus mhd. blatenære) infrage. Insbesondere bleibt stets zu bedenken, dass die Unterscheidung zwischen einem WohnstättenN und einem HerkunftsN in der Praxis vielfach nicht möglich ist und daher Deutungskonkurrenzen nicht ausgeschlossen werden können. 3 Z. B. geht der hier als WohnstättenN kategorisierte FamN Bool auf das Lexem schwzdt. Boll, Bōl ‘rundlicher, kuppenförmiger Hügel; Höhe, Anhöhe’ (aus ahd. bolla, mhd. bolle) zurück, das in der Deutschschweiz nicht nur in FlurN, sondern auch in SiedlungsN sehr häufig vorkommt. 4 Die erste Karte gibt einen Überblick über die vorliegende Motivgruppe und enthält alle WohnstättenN zur Geländeform und Topographie aus der Schicht «vor 1800». Die nachfolgenden Karten bilden dann jeweils eine Teilmenge der Gesamtkarte ab: Die zweite und die dritte Karte rücken diejenigen FamN in den Mittelpunkt, denen ein ortsbezeichnendes Appellativ mit der Bedeutung ‘Hügel, Anhöhe, kleine bis mittelgrosse Erhebung’ oder ein entsprechendes Toponym zugrunde liegt. WohnstättenN zu Bodenvertiefungen werden in der vierten Karte dargestellt, während FamN zu den Lexemen schwzdt. Tobel und schwzdt. Grabe(n) für tiefere Geländeeinschnitte in der fünften Karte dokumentiert sind. Die sechste Karte behandelt WohnstättenN zu Ebenen, Niederungen u. ä., die siebte und die achte Karte jene zu (Ab-)Hängen. FamN zu Geröllhalden, Steinlawinen, Bergstürzen u. ä., die einen vorwiegend alpinen Namentypus darstellen, werden in der neunten Karte besprochen. Schliesslich bildet die zehnte Karte FamN zu Orientierungsangaben mit der Bedeutung ‘oben’ und ‘unten’ ab. 1 Für die geographische Dreiteilung der Schweiz in Jura, Mittelland und Alpen (inklusive Voralpen) vgl. Karte 284 in der III-A «Kurzeinleitung zu Band III». 2 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 3 Aus theoretischer Sicht ist eine Trennung jedoch insofern gegeben, als WohnstättenN «den Sitz von Einheimischen, nicht die Herkunft von Fremden» bezeichnen (Kunze 2004: 95). 4 Ursprüngliche FlurN, die sich später zu SiedlungsN entwickeln, werden auch sekundäre SiedlungsN genannt (Waser 2004: 351). Gerade «[i]n spät besiedelten und spät ausgebauten Landschaften, wie es die schweizerische Voralpenregion ist, trägt ein großer Teil der Höfe und Dörfer sekundäre Siedlungsnamen» (Waser 2004: 352). Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="152"?> Erste Karte {357}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte vereint alle WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 5 die sich etymologisch auf die Geländeform bzw. die Topographie zurückführen lassen. Abgefragte Namen WohnstättenN zur Geländeform und Topographie, vor 1800: à Wengen, ab Yberg, Abbühl, Abderhalden, Abegg, Abegglen, Aberegg, Aebisegger, Aemisegger, Amberg, Ambiel, Ambord, Ambort, Ambühl, Amport, Amrein, Amrhein, am Rhyn, Amstalden, Amstutz, Anderegg, Andereggen, Anderfuhren, Anderhalden, Angehrn, Aufdenblatten, Aufdereggen, Ballenegger, Baumer Büel, Bensegger, Bergen, Berger, Bergmann, Biechler, Biel, Bielander, Bieler, Bieli, Bielmann, Blatt, Blatter, Blatti, Blattmann, Blattmer, Blattner, Boden, Bodenmann, Boder, Bodmer, Bögli, Böglin, Bohl, Bohler, Böhler, Bohlhalder, Bohlhalter, Boler, Boll, Böll, Boller, Böller, Bollhalder, Bollmann, Bool, Borter, Brauen, Brechbühl, Brechbühler, Breitenberg, Bromberger, Buchegger, Büchel, Bücheler, Bücheli, Büchle, Büchler, Büchli, Büchlin, Buck, Büecheler, Büel, Bueler, Büeler, Bühler, Bühlmann, Burkhalter, Burkolter, Buschauer, Buschor, Bütschi, Bütschli, Dalcher, Daller, Dallmann, Deller, Döbeli, Dobler, Dünnenberger, Duthaler, Ebener, Ebiner, Ebner, Ebneter, Ebnöther, Egg, Eggemann, Eggen, Eggenberg, Eggenberger, Egger, Eggermann, Eggimann, Eggler, Eggmann, Eggspühler, Eichenberger, Eichlisberger, Eisenegger, Ellenberg, Ellenberger, Emmenegger, Engeloch, Engemann, Engensperger, Engimann, Fahrnbühl, Felder, Feldmann, Flüeler, Flüeli, Flühler, Flühmann, Fluor, Fuhrer, Fuhrimann, Furer, Furrer, Gander, Gäumann, Gehr, Gehren, Gehrer, Geissbühler, Geu, Gfeller, Gibel, Goldenberger, Grab, Graber, Greber, Grubenmann, Gruber, Grübler, Gründeler, Grunder, Gründler, Grundmann, Gruober, Gübeli, Gubelmann, Gubler, Gugelmann, Guggenbühl, Gügler, Güntlisberger, Haldemann, Halder, Haldi, Haldimann, Haldner, Haldy, Halter, Haltiner, Haltinner, Haltmann, Haltner, Harnischberg, Hausegger, Heldner, Hell, Heller, Henneberger, Himmel, Himmler, Hinterberger, Höchener, Höchle, Höchli, Höchner, Högger, Hohener, Höhener, Hohl, Hohler, Holer, Holi, Holy, Honegger, Hool, Horn, Hörndli, Horni, Hörni, Hörnlimann, Hubeli, Hubler, Hubli, Hungerbühler, Hürlimann, Iberg, Im Obersteg, Imbiederland, Imboden, Imfeld, Imoberdorf , Imobersteg, Imwinkelried, Inäbnit, Indergand, Inderkum, Inderkummen, Inderwildi, Inhelder, Isenegger, Kapfer, Keel, Kehl, Kessi, Kinimann, Klausner, Klinger, Klossner, Kluser, Kneubühl, Kneubühler, Kobel, Kobelt, Kobler, Koblet, Kofel, Krähenbühl, Krayenbühl, Kreienbühl, Kreienbühler, Kreyenbühl, Krienbühl, Krummenacher, Kumli, Kummer, Kummli, Kunfermann, Laager, Läber, Langenberger, Langenegger, Lauener, Leber, Leuener, Lewerer, Lindegger, Lindenberger, Locher, Lochmann, Lowiner, Luginbühl, Mattenberger, Mieschbühler, Morgenegg, Mühlefluh, Mühlegg, Müllegg, Nidegger, Nideröst, Nidrist, Niederberger, Niederer, Niederist, Karte 357: WohnstättenN zur Geländeform und Topographie, vor 1800 5 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 774 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="153"?> Niedermann, Niedrist, Nussberger, Nydegger, Oberbühler, Oberer, Obersteg, Obrist, Pichel, Plattner, Portmann, Portner, Raimann, Rauft, Räuftlin, Raymann, Rechberger, Reimann, Rein, Reinmann, Reiser, Reutegger, Rey, Reymann, Rheinegger, Rhyn, Richenberger, Riser, Risler, Risser, Romberg, Rosenberg, Rosenberger, Rothenberger, Rothenbühler, Rothenfluh, Rufener, Ruffener, Ruffi, Ruffiner, Ruffner, Rufi, Rufiner, Russenberger, Ryser, Rysler, Salvisberg, Sättele, Sätteli, Schabegg, Schadegg, Schalbetter, Schauenberg, Schaufelberger, Schaufelbühl, Scheiben, Scheidegger, Scheidiger, Schernberg, Schlatter, Schluchter, Schlüchter, Schmidhalter, Schneeberger, Schönberger, Schönenberger, Schönthal, Schornegg, Schorno, Schrackmann, Schranz, Schrofer, Schurtenberger, Schweingruber, Schwendbühl, Schwingruber, Sedelberger, Seeberger, Solenthaler, Sommerhalder, Spiegelberg, Spitz, Spitzli, Spitzly, Sprung, Sprunger, Sprüngli, Sprünglin, Stalder, Stäldi, Staufer, Stauffenegger, Stauffer, Stauffiger, Steiger, Steinegger, Stich, Sticher, Stoller, Storchenegger, Stotzer, Streiff , Streipf , Stricker, Strickler, Struffenegger, Studhalter, Sturzenegger, Stutz, Stutzer, Stutzmann, Sulger Büel, Teller, Teufer, Thaler, Thäler, Thaller, Thalman, Thalmann, Thüeler, Thüler, Thüller, Tobler, Trog, Troger, Tüfer, Unteregger, Unternährer, Untersander, Vomsattel, von Flüe, von Steiger, von Tobel, von Weissenfluh, Vontobel, Waldesbühl, Waldispühl, Wallimann, Waltenspühl, Waltenspül, Waltisbühl, Wampfler, Wandfluh, Wanger, Weizenegger, Wenge, Wenger, Wengi, Wickihalder, Wickihalter, Winckler, Winkelmann, Winkler, Winterberg, Winteregg, Zberg, Zenklusen, Zen Ruffinen, Zen-Ruffinen, Zlauwinen, Zobrist, Zuberbühler, Zumbühl, Zumkemi, Zumoberhaus, Zumofen, Zumthurm, Zurfluh, Zurflüh. 446 Types, 2'221 Tokens. Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 375: Daten zur ersten Karte {357} Detailangaben zur Namenauswahl: 6 Insgesamt umfasst das Sample 446 verschiedene Familiennamentypes mit 2'221 Tokens, was die vorliegende Motivgruppe zur mit Abstand wichtigsten Subkategorie innerhalb der WohnstättenN macht. Die höchste Anzahl an Belegorten erreichen vor 1800 die FamN Bühler (96 Tokens), Furrer (66 Tokens), Egger (43 Tokens) und Berger (42 Tokens; für etymologische Angaben s. u.). 7 182 Namentypen, das sind rund 40 % der kartierten FamN, kommen in der Schicht «vor 1800» hingegen an einem einzigen Ort vor. Im Folgenden sollen exemplarisch die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden Deutungen einiger ausgewählter Namen angeführt werden. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Aufdereggen setzt sich aus der Präposition auf , dem femininen Definitartikel und schwzdt. Egg ‘Geländeabsatz, Geländekante, langgezogener Bergrücken u. ä.’ (aus ahd. ecka, egga, mhd. ecke, egge) zusammen. Das Namenelement -egg findet sich in zahlreichen WohnstättenN wie etwa im hochfrequenten FamN Egger oder in Eggimann und Komposita wie Stauffenegger. • Brauen stellt sich zu schwzdt. Brāu(w)e(n) ‘jäher Abhang, Kante eines Bergs, Bergrücken u. ä.’ (aus ahd. brāwa, mhd. brā). • Fluor stellt sich zu schwzdt. Flueh, Fluech ‘jäher Felsabsturz, steile Felswand; einzelner grosser, schroffer, kahler Fels, Felsblock, felsiges Gelände’ (aus ahd. fluoh, mhd. vluo). Alternativ liegt ein Patronym zum Ruf N Florinus vor. 8 • Guggenbühl setzt sich aus schwzdt. gugge(n) ‘sehen, aufmerksam schauen, Ausblick halten’ (aus mhd. gücken, gucken) und schwzdt. Büel, Bühel, Büchel u. ä. ‘Anhöhe, Hügel, kleine oder mittelgrosse Bodenerhebung’ (aus ahd. buhil, mhd. bühel ) zusammen und benennt eine Anhöhe mit Aussicht oder eine Hochwarte. • Inderkum und Inderkummen setzen sich aus der Präposition in, dem femininen Definitartikel und schwzdt. Kum, Kumme(n) ‘enge Ausbuchtung im Gebirge, Tal, Mulde, gekrümmte Bodenf läche u. ä.’ (aus gall. *kumbā-) zusammen. 9 • Schranz stellt sich zu schwzdt. Schranz ‘Geländeeinschnitt’ (aus ahd. schranz, mhd. schranz(e)). • Spitz, Spitzli und Spitzly stellen sich zu schwzdt. Spitz ‘kleinförmig zulaufendes Landstück, Endstück einer Flur’ (aus mhd. spiz, spitz). Alternativ könnte ein ÜberN nach einem körperlichen Merkmal (einer spitzen Nase, einem spitzen Kinn usw.) oder nach spitzfindigem Verhalten vorliegen. Etymologische Angaben zu weiteren WohnstättenN folgen bei den restlichen Karten dieses Artikels. Die Semantik der den FamN zugrunde liegenden Lexeme und ÖrtlichkeitsN kann hier nicht ausführlich behandelt werden; für Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, aus denen die kartierten WohnstättenN hervorgegangen sind, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die dort aufgelisteten Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. Zur vorliegenden Motivgruppe vgl. ausserdem Zinsli (1945). In formaler Hinsicht lässt sich die Mehrheit der behandelten Namen einem der vier hauptsächlichen Bildungsmuster von WohnstättenN zuordnen: 10 6 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. Soweit nicht anders vermerkt, erfolgt die Deutung der Schweizer Toponyme auf Grundlage des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.). Für detailliertere Angaben zu den zugrunde liegenden Appellativa vgl. das Id. (1881 ff.) und das EtymWB (1993a). 7 Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Der FamN Rey ist in der Schicht «vor 1800» an 44 Ortspunkten alteingesessen. Allerdings ist er mehrheitlich in der Romandie bezeugt, wo der FamN im Unterschied zum deutschsprachigen Homograph auf lat. rex ‘König’ basiert, sodass für die vorliegende Karte nur 13 Belege in der Deutschschweiz einschlägig sind. Die Rey-Belege in der französischsprachigen Schweiz wurden in der Karte ausgeblendet. 8 Das Lexem schwzdt. Flueh, Fluech oder ein daraus gebildetes Toponym liegt auch den FamN Flüeli, Flüeler, Flühler, Flühmann, Zurfluh und Zurflüh zugrunde. Es handelt sich beinahe ausschliesslich um (vor-)alpine Vorkommen (NW, UR, BE, ferner Günsberg SO). Auch die FamN Aufdenblatten, Blatt, Blatter, Blatti, Blattmann, Blattmer, Blattner und Plattner lassen sich auf eine appellativische oder toponymische Bezeichnung für eine Felswand (daneben auch: ‘Felsplateau, Bergterrasse, f lacher, breiter Fels, Felsplatte’) zurückführen. Neben dem (Vor-)Alpenraum tritt hier stärker auch das f lachere Mittelland in Erscheinung. 9 Für eine ausführlichere Diskussion der Toponyme Kumme(n), Chumme(n), Gumme(n) vgl. Zinsli (1971: 72-74 inklusive Kartierung in Tafel VII). 10 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.7 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 775 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="154"?> • PräpositionsN wie Angehrn (zu schwzdt. Gēre(n) ‘Landstück, das in einen Spitz ausläuft, keilförmiges Stück’ aus ahd. gēr, mhd. gēr), Inhelder (zu schwzdt. Hell, Held ‘abgelegener oder schauerlicher Ort, Abgrund, tief gelegene Örtlichkeit u. ä.’ aus ahd. hella, hellia, mhd. helle) und Zenklusen (zu schwzdt. Chlūs ‘Engpass, Felskluft, Schleuse’ aus ahd. klūsa, mhd. klūse); • Ableitungen auf -er (-ler, -ner) wie Kapfer (zu schwzdt. Chapf ‘rundliche Kuppe, Bergvorsprung, Aussichtspunkt’ aus ahd. chapf , mhd. kapf ), Teufer / Tüfer (zum Adjektivabstraktum Töifi, Tiefi, Tüfi, das zum Adjektiv schwzdt. töif , tief , tüf ‘weit nach unten reichend, unten gelegen, weit unten’ gehört) und Wampfler (mit dem Bestimmungswort schwzdt. Wand und dem Grundwort schwzdt. Flueh, Fluech für einen senkrechten Felsen resp. eine senkrechte Felswand); • Ableitungen auf -mann wie Engemann / Engimann (zu schwzdt. Engi ‘enge Stelle, beengter Weg, schmales Tal, Schlucht’ aus ahd. engī, mhd. enge), Fuhrimann (wie hochfrequentes Furrer zu schwzdt. Fur(ch)e(n) ‘Einschnitt in der Oberf läche des Erdbodens, Tiefe mit Höhen zu beiden Seiten, auch Abhang’ aus ahd. fur(u)h, mhd. furch) und Schrackmann (zu schwzdt. Schrack ‘Spalte, Riss’); • endungslose FamN wie Buschor (mit dem Bestimmungswort schwzdt. Bueche(n), Bue(he) ‘Buche’ und dem Grundwort schwzdt. Schore(n) für einen mit Buchen besetzten Erdbruch bzw. aufragenden Geländekopf ), Dalcher (verkürzt aus dem Kompositum Talacher ‘vertieft gelegenes Ackerland’) und Himmel (toponymisch ‘schön gelegenes, oft auch höher gelegenes Geländestück’ aus ahd. himil, mhd. himel ). Daneben finden sich im Sample weitere Bildungstypen wie z. B. FamN mit Lageadverbien (s. zehnte Karte) oder FamN auf -i (z. B. Holi). 11 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass Toponyme resp. appellativische Bezeichnungen mit Bezug auf die Geländeform und die Topographie in der gesamten Deutschschweiz in FamN fest geworden sind. Damit weisen die WohnstättenN dieser semantischen Kategorie nicht nur hinsichtlich ihrer Type- und Tokenfrequenz, sondern auch in Bezug auf ihr räumliches Auftreten eine starke Präsenz auf. Wie die relative Flächenkartierung ausweist, sind insbesondere in den (vor-)alpinen Regionen der Deutschschweiz gehäuft FamN zur Geländeform bzw. zur Topographie gebildet worden. Ein verdichtetes Vorkommen lässt sich bspw. für das (deutschsprachige) Oberwallis, das westliche und östliche Berner Oberland, das Emmental (BE), den Kanton Obwalden und den äussersten Nordosten der Schweiz (Bezirke Rheintal SG, Vorderland AR) feststellen. Die Verbreitung der WohnstättenN spiegelt damit in grossen Teilen die geographischen Gegebenheiten der Schweiz wider: So bietet sich der ausgeprägt dreidimensionale (Vor-)Alpenraum stärker als das f lache(re) Mittelland dafür an, die Geländeform resp. die Topographie als Unterscheidungs- und Identifikationsmerkmal von Personen heranzuziehen. Zweite und dritte Karte {358, 359}: Wohnstättennamen zu Bodenerhebungen Namenauswahl: Die zweite und die dritte Karte widmen sich WohnstättenN, die auf ein ortsbezeichnendes Appellativ mit der Bedeutung ‘Hügel, Anhöhe, kleine bis mittelgrosse Erhebung’ oder auf ein Toponym derselben Grundlage zurückgehen. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Der hochfrequente Typ Büel wird in der dritten Karte separat abgebildet. 12 Abgefragte Namen Typ Berg: Amberg, Bergen, Berger, Bergmann, Zberg. 61 Tokens. Typ Boll: Bohl, Bohler, Böhler, Boler, Boll, Böll, Boller, Böller, Bollmann, Bool. 10 Types, 34 Tokens. Typ Buck: Buck. 4 Tokens. Typ Bütschi: Bütschi, Bütschli. 3 Tokens. Typ Gubel: Gübeli, Gubelmann, Gubler. 33 Tokens. Typ Gugel: Gugelmann, Gügler. 6 Tokens. Typ Högg: Högger. 6 Tokens. Typ Hubel: Hubeli, Hubler, Hubli. 5 Tokens. Typ Lēw: Läber, Leber, Lewerer. 7 Tokens. Typ Stauf : Staufer, Stauffer, Stauffiger. 30 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 376: Daten zur zweiten Karte {358} Abgefragte Namen Typ Büel, vor 1800: Abbühl, Ambiel, Ambühl, Biechler, Biel, Bieler, Bieli, Bielmann, Büchel, Bücheler, Bücheli, Büchle, Büchler, Büchli, Büchlin, Büecheler, Büel, Bueler, Büeler, Bühler, Bühlmann, Zumbühl. 22 Types, 235 Tokens. Kreise 20-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 377: Daten zur dritten Karte {359} Detailangaben zur Namenauswahl: Gemäss Kunze (2004: 97) wird die «Oberf lächengestalt der Landschaft […] am sichtbarsten durch Bodenerhebungen profiliert», was sich in zahlreichen WohnstättenN zu solchen Toponymen resp. ortsbezeichnenden Appellativa äussert (s. auch Nübling/ Kunze 2023: 326). Die zweite und die dritte Karte schlüsseln die FamN zu Bodenerhebungen in verschiedene lexikalische Typen auf, wobei ausschliesslich diejenigen WohnstättenN abgebildet werden, die sich etymologisch auf einen Hügel, eine Anhöhe, eine kleine Erhebung o. ä. beziehen. Die zugrunde liegenden Lexeme sind nicht immer vollständig synonym; die einzelnen Bedeutungsnuancen und -abweichungen bleiben hier - wie auch in den folgenden Karten - jedoch unberücksichtigt. Ausgeklammert wurden Komposita wie Luginbühl (wohl zusammengesetzt aus schwzdt. luege(n) ‘schauen’ und schwzdt. Büel, Bühel, Büchel u. ä. für eine Anhöhe mit guter Aussicht), Bielander (zum FlurN Bielerland ‘das Land «Familiennamen auf -mann» sowie II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen». 11 Vgl. die Artikel II-1.2 «Flektierte Adjektivformen» und II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y». 12 Für FamN zu Büel vgl. auch den Artikel I-2.4 «Variation ch / h für germ. χ» (dritte Karte). 776 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="155"?> beim Hügel’; vgl. VSNB 1 2024: Sp. 206) oder Lindenberger (wohl zu einer an einer Geländeerhebung gelegenen Flur mit mildem Klima oder Lindenbestand), um die Kartenbilder nicht zu überladen. Zudem fehlen die FamN Hohener, Höhener, Höchener, Höchner, Höchle und Höchli (alle zum Adjektivabstraktum schwzdt. Höchi aus ahd. hōhī, mhd. hœhe, hōhe), weil es sich bei dem zugrunde liegenden Lexem gemäss TNB 2.2 (2007: 295) um eine «eher allgemeine Bezeichnung» handelt und ein entsprechender FlurN «den höchsten Punkt einer Erhebung benennt, nicht die Erhebung als ganze». Ferner ist der FamN Pichel (Salgesch VS) nicht in der Karte enthalten, weil er auf das bairisch-österreichische Lexem Pich(e)l ‘Anhöhe, Hügel’ (vs. alem. Büel, Bühel, Büchel u. ä.) beruht und daher als nicht-autochthon einzustufen ist. Das Sample liesse sich allenfalls mit Buckelmann (zu schwzdt. Buggel ‘rundliche Bodenerhebung, Hügel’ aus mhd. buckel; ggf. auch ÜberN für eine Person mit gebückter Haltung) ergänzen; der FamN ist jedoch nur in der französischsprachigen Schweiz alteingesessen (Duillier VD) und wird daher in der Kartierung ausgeschlossen. 13 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Lexeme). Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Berg: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Berg ‘Erhebung im Gelände, Anhöhe, Halde u. ä.’, jünger auch ‘Berg’ (aus ahd. berg, perc, mhd. berc). Daneben steht die «ursprüngliche Bedeutung» ‘Berggut, höher gelegene Bergwiese, Viehweide am Berghang, Alp, Alpanteil’, die sich auf «die (alp-)wirtschaftliche Nutzung einer mit Berg bezeichneten, geographisch höher gelegenen oder ansteigenden Bodenf läche» bezieht (FLNB I/ 5 1999: 53). • Typ Boll: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Boll, Bohl, Bool ‘rundlicher, kuppenförmiger Hügel, Anhöhe’ (aus ahd. bol, bolla, mhd. bolle). • Der FamN Buck stellt sich zu schwzdt. Buck ‘rundliche Bodenerhebung, Hügel’, auch ‘(Strassen-)Biegung, Krümmung’ (abgeleitet aus mhd. bücken). Das TNB 2.2 (2007: 103) vermutet «angesichts der durchweg sehr jungen Belege», dass es sich bei Buck um eine «neue Entwicklung im Namenschatz» handle. Allenfalls ist der FamN Buck nicht als WohnstättenN, sondern als Patronym zu einer Kurzform des Ruf N Burkhard zu deuten. • Typ Büel: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Büel, Bühel, Büchel u. ä. ‘Anhöhe, Hügel, kleine oder mittelgrosse Bodenerhebung’ (aus ahd. Karte 358: WohnstättenN zu Bodenerhebungen, vor 1800 13 Vgl. zudem die Vorbehalte von Kunze (2004: 97) hinsichtlich einer Deutung als WohnstättenN. 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 777 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="156"?> buhil, mhd. bühel ). 14 Formen wie Biel zeigen Entrundung, wobei insbesondere bei Bieler und Bielmann allenfalls auch ein HerkunftsN zur Stadt Biel (BE) vorliegen könnte. Für Büchle, Büchli und Büchlin ist daneben ein WohnstättenN zur Laubbaumart Buche zu erwägen. 15 • Die FamN Bütschi und Bütschli stellen sich zu einem der mehrfach bezeugten Toponyme Bütschi, bei denen es sich gemäss BENB I/ 4 (2011: Sp. 770) etymologisch um «Lehnappellative oder Lehnwortnamen zum lat.-rom. App. podium n. ‘Erhöhung; Anhöhe’ u. dessen Ableitungen» handelt. • Typ Gubel: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Gubel ‘Hügel, Erhebung im Gelände, auch Felsabhang’ (vermutlich verwandt mit ahd. gebal ‘Schale, Schädel, Stirn, Hirnschale’, mhd. gibel ‘Giebel’, schwzdt. Gibel ‘Gipfel, oberster Teil eines Hügels, Hügel; Giebel; winkelförmiger Einschnitt, Haarwirbel’; vgl. ortsnamen.ch o. J.: Nr. 6012308). • Die FamN Gugelmann und Gügler stellen sich zu schwzdt. Gugel, Gügel ‘rundlicher Hügel’ (metaphorisch übertragen von mhd. gugel(e) ‘Kapuze’). Alternativ könnte es sich bei Gugelmann um einen ÜberN bzw. BerufsüberN für eine Person handeln, die dieses Kleidungsstück trug oder herstellte. • Der FamN Högger stellt sich zu einem ÖrtlichkeitsN Höögg, Högg (auch Ghöögg) ‘Hügel, Anhöhe, erhöhte Lage’. Nach Auskunft des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 4003788) ist Hö(ö)gg «appellativisch weder in älteren Sprachstufen noch im Schwzdt. bezeugt, kommt jedoch in den Namen [= Toponymen] verhältnismässig häufig vor». • Typ Hubel: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Hubel ‘Hügel, Anhöhe’ (aus mhd. hübel ). • Typ Lēw: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Lēw ‘(kleiner) Hügel, Anhöhe’ (aus ahd. (h)lēo, (h)lēwes, mhd. lē, lēwes, lēwer). • Typ Stauf : Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stauf(f ), Stauf(f )e(n), Stouf(f ), Stouf(f )e(n) ‘grosser Becher’, übertragen ‘kegelförmiger Hügel, hochragender Felsen’ (aus ahd. stouf , stoufa, mhd. stouf ). Kommentar: Die zweite und die dritte Karte zeigen, dass die verschiedenen Toponyme resp. ortsbezeichnenden Appellativa mit der Bedeutung ‘Hügel, Anhöhe, kleine Erhebung’ im Familiennamenbestand unterschiedliche und verschieden grosse Verbreitungsareale aufweisen. Am häufigsten und in zahlreichen Formen ist schwzdt. Büel, Bühel, Büchel u. ä. in FamN fest geworden. Die verschiedenen FamN ref lektieren teils unterschiedliche dialektale Realisierungen, teils reine (historische) Schreibformen. Der Typ Büel clustert u. a. in Karte 359: WohnstättenN mit Büel, vor 1800 14 Zur Bedeutung sowie zu den zahlreichen graphisch-lautlichen Varianten s. auch SDS VI (1988: Karte 63). 15 Vgl. die Artikel I-1.5 «Entrundung» und III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 778 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="157"?> den Kantonen Luzern und St. Gallen sowie im südlichen Teil des Kantons Bern stark. Auch der Typ Berg lässt ein weitläufiges Vorkommen mit regionalen Schwerpunkten (rund um die Stadt Thun BE, Wahlkreise Sursee und Willisau LU) erkennen. Der Typ Boll ist für den Kanton Zürich, der Typ Gubel daneben auch für den Kanton Thurgau charakteristisch, während der FamN Högger ausschliesslich in den Kantonen Thurgau und St. Gallen in Erscheinung tritt. Die Buck-Belege ballen sich hauptsächlich im Norden bzw. Nordosten des Aargaus, südlich und südwestlich davon prägt der Typ Stauf das Kartenbild. Streuung bei insgesamt geringem Vorkommen zeigen der Typ Bütschi (Bütschi im Berner Oberland, Bütschli im bernischen Oberaargau), der Typ Gugel (Gugelmann im Grenzgebiet von BE, SO und AG, Gügler in Risch ZG), der Typ Lēw (AG, LU, SO, TG, TI) und der Typ Hubel (BE, AG, SZ). Für dialektale Bezeichnungen für ‘Hügel’ beachte man auch die Karten 60-67 im SDS VI (1988). Ein Vergleich zwischen den vorliegenden Verbreitungskarten der FamN aus der Schicht «vor 1800» und den SDS-Karten aus der Mitte des 20. Jh. zeigt einerseits insofern Übereinstimmung, als z. B. der FamN Buck schwerpunktmässig im Nordosten des Kantons Aargau alteingesessen ist und damit in jenem Gebiet auftritt, für das der SDS VI (1988: Karte 67) dialektale Nennungen von Buck dokumentiert (AG, ZH, SH). Mit Belegorten in den Kantonen Bern, Aargau und Schwyz stimmt auch das arale Vorkommen des Typs Hubel mit der jüngeren Dialektkarte überein, die als Hauptverbreitungsgebiet von Hubel die westliche und zentrale Deutschschweiz nachweist (vgl. SDS VI 1988: Karte 62). Andererseits lassen sich auch Abweichungen zwischen Dialektkarte und Familiennamenkarte feststellen: Bspw. clustert hier der Typ Gubel in einem zusammenhängenden zürcherisch-thurgauischen Gebiet, während der SDS VI (1988: Karte 67) Gubel nur für Teile der Innerschweiz (UR, SZ) ausweist. Auch das Verbreitungsgebiet des Typs Büel deckt sich nicht mit Befunden des SDS VI (1988: Karte 63): Die FamN zeigen eine deutlich grössere Verbreitung (insbesondere auch in der Innerschweiz und der westlichen Deutschschweiz) als die dialektale Bezeichnung im 20. Jh. Andere heute als Appellativa verbreitete Bezeichnungen wie das ursprünglich ostmitteldeutsche Lexem Hügel (vgl. SDS VI 1988: Karte 60) fehlen im Deutschschweizer Familiennamenbestand, weil sie wahrscheinlich erst nach Festwerden der FamN gebräuchlich wurden (s. ausführlicher BENB I/ 2 1987: Sp. 292, 313). 16 16 Vgl. die Karte 69 im SDS VI (1988) für die dialektale Verbreitung von Hoger und Hügel. 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 779 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="158"?> Vierte Karte {360}: Wohnstättennamen zu Bodenvertiefungen Namenauswahl: Die vierte Karte wendet sich WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» zu, die sich auf ein ortsbezeichnendes Appellativ mit der Bedeutung ‘(kleinere) Bodenvertiefung, Mulde’ o. ä. resp. auf ein daraus hervorgegangenes Toponym zurückführen lassen. 17 Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Grueb: Grubenmann, Gruber, Grübler, Gruober, Schweingruber, Schwingruber. 6 Types, 29 Tokens. Typ Hol: Hohl, Hohler, Holer, Holi, Holy, Hool. 6 Types, 22 Tokens. Typ Kessel: Kessi. 4 Tokens. Typ Loch: Engeloch, Locher, Lochmann. 35 Tokens. Typ Telle: Deller, Teller. 3 Tokens. Typ Trog: Trog, Troger. 3 Tokens. Typ Tuele: Thüeler, Thüler, Thüller. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 378: Daten zur vierten Karte {360} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Gesamtsample (s. erste Karte) enthält eine grössere Menge an WohnstättenN, die im engeren oder weiteren Sinn auf eine Bezeichnung für eine Bodenvertiefung bzw. -senke zurückgehen. Die vorliegende Karte strebt an, die FamN zu den häufigsten zugrunde liegenden Lexemen abzubilden (inklusive Komposita wie Schweingruber und Engeloch). Eine klare semantische Abgrenzung (z. B. gegenüber tieferen Geländeeinschnitten, Schluchten usw.) gestaltet sich jedoch als schwierig, sodass die Namenauswahl nicht als abschliessend aufzufassen ist. Für FamN zu Grabe(n) und Tobel vgl. die fünfte Karte; für mehrdeutiges Schlatter s. Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen». Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Grueb: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Grueb ‘natürliche oder künstliche runde, muldenartige Vertiefung’ (aus ahd. gruoba, mhd. grube). Aufgrund der basisdialektalen Aussprache des FamN Grübler mit Diphthong üe ist die Deutung als ÜberN zu schwzdt. grüble(n) (mit Monophthong) ‘angestrengt nachdenken’ für eine Karte 360: WohnstättenN zu Bodenvertiefungen, vor 1800 17 Für appellativische bzw. toponymische Bezeichnungen für Bodenvertiefungen und Geländeeinschnitte s. auch die Auf listung in Kunze (2004: 99). 780 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="159"?> nachdenkliche Person gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) weniger wahrscheinlich. • Typ Hol: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Hol ‘Vertiefung, Loch, auch Höhle, Lagerstätte wilder Tiere’ (aus ahd., mhd. hol ) resp. zu schwzdt. Hole(n) ‘Einsenkung, Höhlung; Hohlweg, enge, tiefe Gasse, besonders an einem Abhang’ (aus mhd. hole). • Der FamN Kessi stellt sich zu schwzdt. Chessi ‘kesselförmige, runde Bodenvertiefung, oft bei Wasserläufen’ (aus ahd. keʒʒīn, keʒʒī, mhd. keʒʒī ). • Typ Loch: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Loch ‘Geländemulde, Bodenvertiefung; Loch, Grube, Höhle u. ä.’ (aus ahd. loh, mhd. loch). Gemäss BENB I/ 3 (2008: Sp. 132) kommen für den Flurnamentyp Loch aufgrund der lautlichen Nähe bisweilen auch mhd. lōch ‘Gebüsch, Wald, Gehölz’ und weitere Etyma infrage. 18 • Die FamN Deller und Teller stellen sich zu schwzdt. Telle(n) ‘Niederung, Aushöhlung, Vertiefung im Boden’ (aus mhd. telle). • Die FamN Trog und Troger stellen sich zu schwzdt. Trog ‘(Brunnen-)Trog; liegender, offener, meist länglicher Behälter’, übertragen ‘trogartige Geländevertiefung, Mulde’ (aus ahd. trog, mhd. troc). • Typ Tuele: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Tuele(n) ‘Vertiefung, kleine Einsenkung, Mulde’ (aus ahd. tuola, mhd. tüele). Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass sich Appellativa für Bodenvertiefungen, Mulden o. ä. resp. Toponyme derselben Grundlage in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz zu FamN entwickelt haben. Innerhalb des Samples erreichen der Typ Grueb und der Typ Loch sowohl die höchsten Tokenfrequenzen als auch die weiteste Verbreitung: Die Belege erstrecken sich vom Wallis über die westliche Deutschschweiz bis in den äussersten Nordosten, wo beide Namentypen clustern. WohnstättenN zu Hol bilden einerseits im Aargau (hier Hool, Holer, Hohler) nahe der Landesgrenze und andererseits in Appenzell Ausserrhoden (hier Hohl ) je ein Namennest. Der FamN Kessi tritt mit 3 Tokens am Bielersee (BE) auf, kommt daneben aber auch in Murgenthal (AG) vor. Auch der Typ Tuele weist eine Konzentration im Kanton Bern auf, verteilt sich aber auf die beiden Bezirke Bern-Mittelland (hier Thüler) und Berner Jura, wo alle drei Varianten Thüler, Thüller und Thüeler in der Gemeinde Seehof alteingesessen sind. Es kann vermutet werden, dass die unterschiedlichen Formen dort auf die Unterscheidung verschiedener Familien (zweige) zurückzuführen sind. Streubelege weisen der Typ Telle (AG, LU, ZH) und der Typ Trog (BE, SO, GR) auf. 18 Vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» (Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle»). 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 781 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="160"?> Fünfte Karte {361}: Wohnstättennamen zu Geländeeinschnitten Namenauswahl: Die fünfte Karte kontrastiert FamN zu den Toponymen bzw. den ortsbezeichnenden Appellativa schwzdt. Grabe(n) und schwzdt. Tobel für Geländeeinschnitte u. ä. Im Fokus steht die Frage, ob sich die diatopische Varianz in der Toponymie und der Appellativik im Familiennameninventar widerspiegelt. So merkt das BENB I/ 2 (1987: Sp. 93) an, dass schwzdt. Grabe(n) «ein typisch westschwzd. Ausdruck» sei, dem östliches Tobel, Täl(l)i u. ä. gegenübersteht. Für WohnstättenN zu Tal vgl. die sechste Karte. 19 Abgefragte Namen Typ Grabe: Grab, Graber, Greber. 34 Tokens. Typ Tobel: Döbeli, Dobler, Tobler, von Tobel, Vontobel. 63 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 25-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 379: Daten zur fünften Karte {361} Detailangaben zur Namenauswahl: Nach Berchtold/ Graf (i. V.) ist der Typ Grabe in der Deutschschweiz vorwiegend als WohnstättenN zu schwzdt. Grabe(n) ‘Graben im Sinne einer tal- oder schluchtartigen Vertiefung; auch (unbedeutender) Bachlauf ’ (aus ahd. grabo, mhd. grabe) oder zu einem darauf basierenden Toponym zu deuten (vgl. BENB I/ 2 1987: Sp. 93), während im restlichen deutschen Sprachraum traditionell ein BerufsN zu mhd. grabære, greber ‘Graveur, Gräber, Totengräber’ angesetzt wird (vgl. etwa DFD 2025: s. v. Graber). Denkbar ist, dass die hier kartierten FamN Grab, Graber und Greber nicht (nur) auf eine natürliche, sondern (auch) auf eine künstliche Vertiefung im Boden verweisen (z. B. Burggraben, Stadtgraben, Wasserkanal). Dem FamN Tobler und seinen Varianten liegt schwzdt. Tobel ‘wildes, enges, unwegsames, meist von einem Bach durchf lossenes (bewaldetes) Tal, Schlucht, tiefer Geländeeinschnitt u. ä.’ (aus ahd. tobel, tobil, mhd. tobel ) oder ein entsprechendes Toponym zugrunde. 20 Kommentar: Die zu Grabe(n) und Tobel gebildeten FamN zeigen insofern eine ähnliche Raumstruktur wie die entsprechenden Topo- Karte 361: WohnstättenN zu Geländeeinschnitten, vor 1800 19 Für eine ausführlichere Diskussion von Tal, Tobel und Graben als Toponyme vgl. Anreiter (2004: 304-305). 20 Das Sample liesse sich mit FamN zu Schlucht erweitern, doch das heute geläufige Appellativ ist jünger als Tobel - oder auch Klinge - und nur selten in FamN fest geworden (Nübling/ Kunze 2023: 330); vgl. die FamN Schluchter (Reichenbach im Kandertal BE) und Schlüchter (Schangnau BE) zu schwzdt. Schluecht bzw. Schlüecht oder einem entsprechenden Toponym (s. auch BENB I/ 5 2017: Sp. 712). 782 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="161"?> nyme und Appellativa, als der Typ Tobel für die Nordostschweiz (v. a. ZH, SG) charakteristisch ist (für entsprechende Toponyme vgl. Zinsli 1971: 85 und Tafel X), während der Typ Grabe vorwiegend in den Kantonen Bern, Luzern und Aargau in Erscheinung tritt. Mit dem Nebeneinander von Typ Grabe und Typ Tobel spiegelt der Familiennamenbestand somit (historische) diatopische Variation in den schweizerdeutschen Dialekten wider. Sechste Karte {362}: Wohnstättennamen zu Ebenen und Niederungen Namenauswahl: In der sechsten Karte rücken WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» in den Fokus, die Berchtold/ Graf (i. V.) zu Appellativa für Ebenen, Niederungen o. ä. bzw. zu entsprechenden Toponymen stellen. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Bodem: Boden, Bodenmann, Boder, Bodmer, Imboden. 46 Tokens. Typ Ebni: Ebener, Ebiner, Ebner, Ebneter, Ebnöther, Inäbnit. 6 Types, 17 Tokens. Typ Feld: Felder, Feldmann, Imfeld. 22 Tokens. Typ Gäu: Gäumann, Geu. 4 Tokens. Typ Grund: Gründeler, Grunder, Gründler, Grundmann. 9 Tokens. Typ Tal: Daller, Dallmann, Thaler, Thäler, Thaller, Thalman, Thalmann. 7 Types, 38 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 380: Daten zur sechsten Karte {362} Detailangaben zur Namenauswahl: Zwischen WohnstättenN zu Ebenen, Niederungen o. ä. und WohnstättenN zu Bodenvertiefungen oder Geländeeinschnitten bestehen lexikalische resp. semantische Überschneidungen (vgl. Deutung Typ Tal ). Die vorliegende Karte ist daher im Verbund mit den zwei vorhergehenden Kartenbildern zu betrachten. Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Bodem: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Bodem, Bode(n) ‘Boden, Grund, Talgrund, kleine Ebene; auch Grundbesitz’ (aus ahd. bodam, mhd. bodem, boden). 21 Karte 362: WohnstättenN zu Ebenen, Niederungen o. ä., vor 1800 21 Die in der Stadt Zürich alteingesessenen Bodmer (1534 eingebürgert aus Savoyen) stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Alagna Valsesia (Italien) und dürften ihren Namen der dortigen Fraktion Boudma verdanken. Der entsprechende Beleg wurde daher in der Karte ausgeblendet. 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 783 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="162"?> • Typ Ebni: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Ebni bzw. schwzdt. Ebnet, Ebnit, Eb(e)nöd(i) ‘Ebene, Fläche, Talgegend; ausgedehntes, f laches Geländestück’ (aus ahd. ebanī, mhd. ebene bzw. ahd. ëbanōti). • Typ Feld: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Feld ‘Niederung, Ebene, Talmulde, Fläche; zu Ackerbau bestimmtes Land; Wiesen- oder Weideland’ (aus ahd. feld, mhd. velt). 22 Der FamN Feldmann lässt sich alternativ auch als BerufsN zu mhd. veltman ‘Landmann’ zur Benennung eines Bauern deuten (s. jedoch DFD 2025: s. v. Feldmann). • Die FamN Gäumann und Geu stellen sich zu schwzdt. Gäu ‘Flachland (im Gegensatz zum Gebirge), Land (im Gegensatz zur Stadt), politisch-geographisches Gebiet (vgl. Aargau, Thurgau)’ (aus ahd. gewi, gouwi, mhd. göu, gou). Gerade die abgeleitete Form Gäumann muss sich also nicht zwingend auf eine Niederung bzw. das Flachland im Allgemeinen beziehen (vgl. mhd. göuman ‘Landmann, Landbewohner’); der im Bezirk Bern-Mittelland (BE) alteingesessene FamN wird dennoch berücksichtigt, weil das BENB I/ 2 (1987: Sp. 88-89) Gou(w), Göi als Toponym für kleinere Flurbereiche nachweist. • Typ Grund: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Grund ‘Niederung, Ebene, Talgrund, -sohle; Erdboden, Schwemmland, Boden mit tiefer Hummusschicht’ (aus ahd., mhd. grunt). • Typ Tal: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Tal ‘tief gelegenes Land, Talboden, -ebene; durch Höhenzüge begrenztes Gebiet’ (aus ahd., mhd. tal ). Gemäss TNB 2.2 (2007: 594) tritt Tal toponymisch auch als allgemeine Bezeichnung für Vertiefungen auf und steht damit in engem Zusammenhang mit den FamN der vierten Karte. Für FamN zu schwzdt. Breite, Breiti ‘ebenes Feld, Acker, Ebene’ wie Breiter vgl. den Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». Kommentar: Die sechste Karte zeigt eine weite Ausbreitung der ausgewählten FamN über die Deutschschweiz. Geographisch lassen sich folgende Schwerpunkte ausmachen: Der Typ Bodem ballt sich rund um den Zürichsee, erreicht aber bspw. auch im Wallis (hier v. a. Imboden) eine höhere Tokenfrequenz. Auch der Typ Ebni kommt in letzterem Kanton (hier Ebiner, Ebener) mehrfach vor; weitere Belege finden sich an der nordwestlichen Landesgrenze (hier v. a. Ebner) und in der Nordostschweiz (hier Ebneter, Ebnöther). Der Typ Feld clustert stark im Kanton Luzern und erstreckt sich von da über die Kantone Obwalden, Schwyz und Glarus bis in den Kanton St. Gallen. Der FamN Geu ist in Freienbach (SZ) alteingesessen; Gäumann tritt kleinräumig im Bezirk Bern-Mittelland (BE) auf. Leicht nordwestlich davon - in den Bezirken Bern-Mittelland und Emmental (BE) - konzentriert sich der Typ Grund (hier v. a. Grunder), der zudem als Streubeleg weiter östlich erscheint. Die WohnstättenN zu Tal zeigen schwerpunktmässig drei Familiennamennester: Neben einem kleineren Cluster im Kanton Freiburg (hier Thalmann) stechen das luzernische Entlebuch (hier ebenfalls Thalmann) und noch deutlicher die Nordostschweiz (TG v. a. mit Thalmann, SG v. a. mit Thaler, AR mit Thäler) hervor. Für letztere Vorkommen scheint der Ort Thal im untersten Teil des St. Galler Rheintals namengebend gewesen zu sein. Siebte und achte Karte {363, 364}: Wohnstättennamen zu (Ab-)Hängen Namenauswahl: Die siebte und die achte Karte bilden WohnstättenN ab, die zu einem Appellativ mit der Bedeutung ‘Abhang, Hang’ oder zu einem Toponym derselben Grundlage gebildet sind. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Die zwei häufigsten Namengruppen - der Typ Halde und der Typ Rein - sind separat in der achten Karte dargestellt. Abgefragte Namen Typ Bort: Ambord, Ambort, Amport, Borter, Portmann, Portner. 6 Types, 28 Tokens. Typ Ranft: Rauft, Räuftlin. 3 Tokens. Typ Rise: Reiser, Riser, Risser, Ryser. 22 Tokens. Typ Risele: Risler, Rysler. 2 Tokens. Typ Stalde: Amstalden, Stalder, Stäldi. 35 Tokens. Typ Stutz: Amstutz, Stotzer, Stutz, Stutzer, Stutzmann. 49 Tokens. Typ Wang: à Wengen, Wanger, Wenge, Wenger, Wengi. 38 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 381: Daten zur siebten Karte {363} Abgefragte Namen Typ Halde: Abderhalden, Anderhalden, Bohlhalder, Bohlhalter, Bollhalder, Burkhalter, Burkolter, Haldemann, Halder, Haldi, Haldimann, Haldner, Haldy, Halter, Haltiner, Haltinner, Haltmann, Haltner, Schmidhalter, Sommerhalder, Studhalter, Wickihalder, Wickihalter. 23 Types, 82 Tokens. Typ Rein: Amrein, Amrhein, am Rhyn, Raimann, Raymann, Reimann, Rein, Reinmann, Rey, Reymann, Rhyn. 11 Types, 57 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 382: Daten zur achten Karte {364} Detailangaben zur Namenauswahl: Die beiden Karten enthalten FamN mit den häufigsten Lexemen für Abhänge und Hänge. Berücksichtigt wurden auch Komposita (z. B. Bohlhalder, Schmidhalter). Allenfalls liesse sich die Namenauswahl mit den WohnstättenN zu schwzdt. Fur(r)e(n), Furche(n), Furi usw. ‘Furche, Einschnitt in der Oberf läche des Erdbodens, Runse, Wassergraben u. ä.’ (aus ahd. furuh, furh, mhd. vurch) erweitern, da hier ebenfalls die Bedeutung ‘Abhang’ vorliegen kann (vgl. BENB I/ 1 1976: Sp. 178). 23 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Lexeme) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: 22 Vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 23 Die Namengruppe umfasst die Types Anderfuhren, Fuhrer, Fuhrimann, Furer und hochfrequentes Furrer. Die Belege verteilen sich über die Deutschschweiz, zeigen jedoch auch bestimmte Schwerpunkte, u. a. in den bernischen Bezirken Interlaken-Oberhasli und Emmental (hier alle fünf Types), in den Innerschweizer Kantonen Luzern und Uri (hier Furrer) sowie nördlich des Zürichsees (hier Furrer). Abgesehen von letzterem Vorkommen liegen die meisten Ortspunkte somit in (vor-)alpinen Gebieten. 784 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="163"?> Karte 363: WohnstättenN zu (Ab-)Hängen, vor 1800 Karte 364: WohnstättenN mit Halde und Rein, vor 1800 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 785 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="164"?> • Typ Bort: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Bort, Port ‘ansteigendes Gelände, Abhang, Hanglage; begrenzender Rand, Böschung, Uferrand, Saum’ (aus ahd., mhd. bort). • Typ Halde: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Halde(n), Halte(n), Haltine(n) usw. ‘Abhang, Hanglage’ (aus ahd. halda, mhd. halde). • Die FamN Rauft und Räuftlin stellen sich zu schwzdt. Ranft ‘Abhang, Felsrand, Geländerand u. ä.’ (aus ahd. ramft, mhd. ranft, ramft). 24 • Typ Rein: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Rei(n) ‘lang gestreckter Abhang, auch unbebauter Grenzstreifen zwischen zwei Äckern, Schutzwehr’ (aus ahd., mhd. rein). 25 Gemäss Id. 6 (1881 ff.: Sp. 979) sind Abhänge mit der Bezeichnung Rei(n) tendenziell «steiler und weniger breit als eine Halde, aber weniger steil und breiter als ein Bort». Nicht immer lassen sich FamN zu schwzdt. Rei(n) trennen von FamN, die zum FlussN Rhein gebildet sind. 26 • Typ Rise: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Rise(n), Rīse(n) ‘jäher Abhang, Fall, (Schutt-)Halde u. ä.’ bzw. zu schwzdt. Risi, Rīsi ‘steile Halde, Rinne, Bergschlipf u. ä.’ (aus mhd. rise bzw. mhd. rīse). Daneben bestehen Anknüpfungspunkte zu mhd. rīs ‘Gebüsch, Gesträuch; Zweig’. 27 • Die FamN Risler und Rysler stellen sich zu schwzdt. (Stein-)Risele(n) ‘Abhang, Geröllhalde’; eigentlich ‘kleine Hagelkörner’ (gebildet zu schwzdt. Rise(n), Rīse(n) oder schwzdt. ris(e)le(n)). • Typ Stalde: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stalde(n) ‘ansteigende Stelle im Gelände, Abhang; ansteigender Weg’ (aus mhd. stalde). 28 Nach Auskunft des BENB I/ 6 (2020: Sp. 260) kommt Stalde(n) als Toponym v. a. in der westlichen Deutschschweiz sehr häufig vor (s. auch Zinsli 1971: 76-77). • Typ Stutz: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stutz ‘stark ansteigende Geländestelle, (kurze, steile) Anhöhe, steile Halde, jäher Abhang; steiles Wegstück u. ä.’ (aus mhd. stuz, stutz). 29 Gemäss ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 261053038) hat Stutz älteres Stalde(n) abgelöst. Die Namengruppe wird ergänzt von Stotzer, das sich zu schwzdt. Stotz, Stotze(n) ‘steiles Gelände; jäher Hügel; Anhang; steiler Weg’, zudem auch ‘Stamm, Balken, Pfahl/ Zaun, Pf lanzenstrunk u. ä.’ stellt und hier in Anlehnung an das TNB 2.2 (2007: 286) mit Stutz zusammengefasst wird. 30 • Typ Wang: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Wang ‘begraster, oft stark geneigter (Berg-)Hang, teilweise auch nur leicht geneigte, freundliche Grasf läche’ (aus ahd. wang). Wie Dräger/ Kunze (2009: 225) ausführen, gilt Halde(n) als charakteristisch für das Westoberdeutsche; die Lexeme Hang und Abhang sind hingegen nicht im Familiennamenbestand vertreten, weil sie erst seit dem 15. Jh. belegt sind und sich daher nicht mehr in FamN niederschlagen konnten. Kommentar: Die siebte Karte zeigt im Allgemeinen eine Ausbreitung der FamN vom Thunersee (BE) bis an den Bodensee. FamN zu Bort finden sich in den (süd-)westlichen Kantonen Wallis und Bern sowie im daran angrenzenden Kanton Luzern (hier in der Form Portmann). Der Typ Ranft ist auf den äussersten Nordwestrand der Deutschschweiz beschränkt, während Ryser und Varianten südlich davon im bernischen Oberaargau und Emmental ein Cluster bilden. Rysler und Riseler treten beide in der Zürcher Gemeinde Horgen in Erscheinung. FamN zu Stalde(n) konzentrieren sich in der westlichen Deutschschweiz (insbesondere Stalder in BE) und in der Innerschweiz (insbesondere Stalder in LU); der Typ Stutz ist hingegen nordöstlich davon stärker vertreten (insbesondere Stutz in ZH, TG). WohnstättenN zu Wang sind v. a. in den bernischen Bezirken Thun und Bern- Mittelland (hier Wenger) alteingesessen. Die achte Karte zeigt, dass sich die FamN zu Halde(n) und Rei(n) über verschiedene Deutschschweizer Regionen verteilen. Letzterer Typ kommt hauptsächlich in den Kantonen Luzern, Aargau und Zürich vor; die Schwerpunkte des Typs Halde liegen westlich (BE) und östlich (SG) davon. Neunte Karte {365}: Wohnstättennamen zu Steinlawinen, Geröllhalden und Bergstürzen Namenauswahl: Die neunte Karte behandelt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die mit den Lexemen Gand, Laui und Rufi oder einer etymologisch verwandten Form gebildet sind. Diese drei Namentypen bezeichnen Steinlawinen, Geröllhalden, Bergstürze o. ä. resp. daraus entstandene - und entsprechend davon geprägte - Gebiete. 31 Die ausgewählten FamN zeichnen sich dadurch aus, dass sie vorwiegend im Alpenraum auftreten und ihr jeweils zugrunde liegendes Lexem romanischen Ursprungs ist. Abgefragte Namen Typ Gand: Indergand, Gander. 13 Tokens. Typ Laui: Lauener, Leuener, Lowiner, Zlauwinen. 10 Tokens. Typ Rufi: Rufener, Ruffener, Ruffi, Ruffiner, Ruffner, Rufi, Rufiner, Zen Ruffinen, Zen-Ruffinen. 9 Types, 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 383: Daten zur neunten Karte {365} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN Indergand und Gander basieren auf schwzdt. Gand, Gant ‘Geröllhalde; dem Steinschlag und Bergstürzen ausgesetzte Gegend, Moräne u. ä.’ oder auf einem daraus entstandenen Toponym (vgl. Id. 2 1881 ff.: Sp. 336; BENB I/ 2 1987: Sp. 16). Gand, Gant kommt im (Vor-)Alpenraum häufig als FlurN vor (vgl. Abfrage Gand* auf ortsnamen.ch o. J.) und geht auf das vorrömische Reliktwort *ganda ‘Geröllhalde, Steinhaufen’ zurück (FLNB I/ 5 1999: 190). Der zweiten Namengruppe liegt schwzdt. Lau(w)i, Läu(w)i, Lau(w)ele(n), Lau(w)ene(n) u. ä. ‘Geröllrutschung, Geröllhalde im Gebirge, Erdsturz’ resp. ein entsprechendes Toponym zugrunde (vgl. 24 Zum Nasalschwund vor Frikativ (Staubsches Gesetz) in Deutschschweizer FamN s. Artikel I-2.1 «Nasalschwund». 25 Wie bei der ersten Karte sind Belege für Rey in den romanischsprachigen Gebieten aufgrund anderer Etymologie ausgeblendet. 26 Vgl. Artikel III-3.2 «Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen». 27 Vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 28 Für FamN zu Wegen vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 29 Für das Nebeneinander der verschiedenen Bildungsmuster in der Schicht «vor 1800» vgl. Artikel II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen» (sechste Karte). 30 Vgl. auch die Karte 68 im SDS VI (1988) mit der dialektalen Verbreitung von stotzig / stutzig sowie haldig und weiteren Adjektiven mit der Bedeutung ‘steil’. 31 Für den Typ Rise und den Typ Risele mit ähnlicher Semantik s. die siebte Karte. 786 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="165"?> Id. 3 1881 ff.: Sp. 1539; BENB I/ 3 2008: Sp. 168-169). Gemäss EtymWB (1993b: s. v. Lawine) wurde das «zu lat. lābī ‘hin-, herabgleiten, fallen’ gebildete spätlat. lābīna ‘Erdrutsch, Bergsturz’ […] durch roman. Vermittlung im Alpengebiet (vgl. lavina ‘Erd-, Schneeabsturz’ in Mundarten des Tessin und Engadin) früh ins O[berdeutsche] entlehnt», wo es in der Bedeutung ‘Bergsturz’ u. ä. weiterlebt (s. auch FLNB I/ 5 1999: 319). Für die Form Lau(w)i, Läu(w)i im Spezifischen vgl. die Ausführungen im BENB I/ 3 (2008: Sp. 169) und im FLNB I/ 5 (1999: 319). Der Typ Rufi schliesslich stellt sich zu schwzdt. Rufi, Rufine(n), Rufene(n) u. ä. ‘Erdrutsch, Steinlawine, Bergsturz, Geröllhalde u. ä.’ (vgl. Id. 6 1881 ff.: Sp. 673; FLNB I/ 5 1999: 442; BENB I/ 5 2017: Sp. 328) resp. zu einem auf diesem beruhenden Toponym. Das schweizerdeutsche Appellativ Rufine(n), Rufene(n) usw. basiert «letztlich auf lat. rŭīna f. ‘Einsturz’, mit -v-Einschub *rŭvīna» (BENB I/ 5 2017: Sp. 328; s. auch VSNB 3 2024: Sp. 510). Für Rufi als hyperkorrekte Rückbildung s. das BENB I/ 5 (2017: Sp. 328). Kommentar: Der Typ Gand ist im westlichen resp. im östlichen Berner Oberland, geballt im Kanton Uri (hier ausschliesslich Indergand ) und nahe davon in Beckenried (NW) alteingesessen. Zwei weitere Belege treten in Safien (GR) resp. - als geographischer Ausreisser - in Wiedlisbach (BE) in Erscheinung. 32 Ein ähnliches Verbreitungsbild zeigt die zweite Namengruppe mit jeweils mehreren Ortspunkten in den Walliser Bezirken Brig und Goms, im Berner Oberland sowie im Kanton Uri. Daneben findet sich ein Einzelbeleg des Typs Laui in Sennwald (SG). Im Unterschied zu den ersten beiden Namentypen sind FamN zu Rufi, Rufine(n) usw. in der Innerschweiz nicht verbreitet. Der Schwerpunkt dieser Formen liegt im Kanton Wallis in den Bezirken Leuk, Visp und Raron, doch auch das Berner Oberland hat an diesem Namentyp teil. Das Vorkommen des FamN Ruffner in Maienfeld (GR) ist wahrscheinlich im Kontext der Walserwanderungen zu sehen (familiennamen.ch o. J.: s. v. Ruffner; für historische Hintergründe s. e-HLS 2013: s. v. Walser). Karte 365: WohnstättenN zu Steinlawinen, Geröllhalden und Bergstürzen, vor 1800 32 Letzterer Ortspunkt ist allenfalls mit Migration vor 1800 zu erklären; denkbar ist zudem eine Schreibvariante mit <d> des FamN Ganter zu schwzdt. Ganter ‘Gantmeister’ für die Person, die für einen in Konkurs Verfallenen eine Gant ‘(Zwangs-)Versteigerung’ durchführte. Vgl. dazu die Artikel III-4.9 «Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern» und I-2.6 «Schreibvariation bei Plosiven im Inlaut». 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 787 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="166"?> Zehnte Karte {366}: Wohnstättennamen zu Orientierungsangaben Namenauswahl: Die zehnte Karte gilt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» mit den Orientierungsangaben ‘oben’ und ‘unten’ und vergleicht das Verbreitungsgebiet der zwei Namentypen. Solche FamN interessieren für den vorliegenden Kartenkomplex, weil beide Lageadverbien auf die Topographie (konkret auf Höhenunterschiede) Bezug nehmen. Auf die Kartierung von WohnstättenN zu Mitte wird verzichtet, da unklar ist, ob das Bezugssystem horizontal oder vertikal zu verstehen ist. 33 So können solche FamN (z. B. Indermitte) auch mit WohnstättenN wie Vordermann und Dahinden ein Bezugssystem bilden. 34 Abgefragte Namen Typ nider: Nideröst, Nidrist, Niederer, Niederist, Niedermann, Niedrist. 6 Types, 25 Tokens. Typ ober: Oberer, Obrist, Zobrist. 21 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 384: Daten zur zehnten Karte {366} Detailangaben zur Namenauswahl: Für die vorliegende Karte sind diejenigen WohnstättenN ermittelt worden, die auf eine Orientierungsangabe zurückgehen. Das Sample enthält ausschliesslich FamN zu mhd. nider(e) ‘unter, nieder, niedrig, tief liegend’ und mhd. ober ‘über, oberhalb’, die entweder als Ableitung auf -mann (Niedermann) oder f lektiert (stark f lektiert wie z. B. Oberer; als Superlativ wie z. B. Nidrist oder - zusätzlich mit Präposition - Zobrist) in den Familiennamenbestand eingegangen sind. 35 Zusammengesetzte WohnstättenN mit ‘unter’ bzw. ‘ober’ als Bestimmungswort wie Niederberger, Niederhauser, Unteregger oder Oberbühler wurden ausgeklammert. Die FamN mit dem Namenelement nieder bzw. ober bezeichnen eine Person (oder eine Familie), die von den Betrachtenden aus an der tieferen/ tiefsten bzw. höheren/ höchsten Stelle eines Wohngebiets Karte 366: WohnstättenN zu Orientierungsangaben, vor 1800 33 In der Schicht «vor 1800» finden sich die FamN Indermitte im Kanton Wallis, Mittner in Praden (GR) sowie Mettler mit weiträumiger Verbreitung (AR, BE, FR, JU, SG, SH, SZ, TG, ZH). Allenfalls zählt zu dieser Namengruppe auch der mehrdeutige FamN Mittler (Döttingen AG), der sich als BerufsüberN für jemanden, der bei Streitigkeiten vermittelt, oder als WohnstättenN für jemanden, der in der Mitte wohnt, deuten lässt. 34 Folgende FamN aus der Schicht «vor 1800» bezeichnen eine Person, die in einem von den Betrachtenden aus gesehen weiter entfernt gelegenen Teil einer Siedlung wohnhaft war: Dahinden, Hinden, Hinder, Hindermann, Hinn, Hinnen, Hinter und Hintermann (insgesamt 26 Tokens mit Schwerpunkten in den Kantonen Luzern und Zürich). 35 Vgl. Artikel II-1.2 «Flektierte Adjektivformen». 788 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="167"?> lebte. Für die Schicht «vor 1800» sind keine einfachen - d. h. nichtzusammengesetzten - WohnstättenN zu mhd. under ‘unter’ belegt, was darauf zurückzuführen ist, dass sich under, unter «in der historischen Toponymie erst später durchgesetzt und dabei altes nieder teilweise abgelöst hat» (DFA 4 2013: 451; s. auch Dräger/ Kunze 2009: 224-225; BENB I/ 4 2011: Sp. 29). Kommentar: Die zehnte Karte weist als Hauptverbreitungsgebiet des Typs nider die Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden aus; daneben zeigt der Kanton Schwyz eine kleinere Ballung dieses Namentyps. Damit ergeben sich nur ganz wenige Überschneidungen mit den Belegorten des Typs ober, der überwiegend für den Kanton Aargau dokumentiert ist. An zweiter und dritter Stelle folgen die westlichen Kantone Basel-Landschaft und Bern. Insgesamt sind die kartierten Namen sowohl im (vor-)alpinen Raum (u. a. Berner Oberland, Kantone SZ und GR) als auch in f lacheren Gebieten bezeugt. Ein unmittelbares Nebeneinander der beiden lexikalischen Typen liegt einzig mit Obrist in Leuggern (AG) und Nidrist in der Nachbargemeinde Böttstein (AG) vor. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Bühler (9'569 Tokens), Berger (9'508 Tokens) und Stalder (7'131 Tokens). In der rezenten Rangliste der FamN der ständigen Wohnbevölkerung der deutschsprachigen Schweiz (BFS 2023: STATPOP 2022) liegen die drei WohnstättenN auf Rang 28, 32 bzw. 45 und gehören damit alle zu den 50 häufigsten Namen. Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013: 418-471) stehen auf den Karten 186-208 FamN wie Ostner und Unterste im Fokus, in denen eine Himmelsrichtung oder eine sonstige Orientierungsangabe erstarrt ist. Die Karten zeigen, dass «FamN mit Ober-, Unter- und Nieder- […] in Oberbayern konzentriert [sind], wo mit Blick auf die Alpen diese Kategorien statt der Himmelsrichtungen Süd -/ Nord bevorzugt werden» (Nübling/ Kunze 2023: 324). Damit übereinstimmend sind auch für die Deutschschweiz WohnstättenN zu Himmelsrichtungen selten (Oester in Frutigen BE, lokalisierter BerufsN Ostermeier in Frümsen SG, indirekt auch Morger in SG für ein gen Morgen(sonne) gelegenes Gelände). Die Oberf lächengestalt der Landschaft findet auf den Karten 209-259 Beachtung (vgl. DFA 4 2013: 472-585): FamN zu Bodenerhebungen (z. B. Bergmann, Brinker, Böhlmann, Staufer) auf den Karten 209-238, FamN zu Abhängen (z. B. Leitner, Halder, Rechmann) auf den Karten 239-243, FamN zu Tälern, Ebenen, Niederungen (z. B. Thahl, Dobler, Klinge) auf den Karten 244-250 und schliesslich FamN zu Bodenvertiefungen (z. B. Grube, Kuhlmann) auf den Karten 251-259. Für die Verbreitung des Typs Tobel im bundesdeutschen Raum s. auch die Karte 232 in Nübling/ Kunze (2023: 331). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Anreiter, Peter (2004): Talnamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 303-328. Hamburg: Baar. BENB I/ 1 = Zinsli, Paul (Hrsg.) (1976): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Erster Teil: A-F. Bern: Francke. BENB I/ 2 = Zinsli, Paul/ Glatthard, Peter (Hrsg.) (1987): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Zweiter Teil: G-K/ CH. Bern: Francke. BENB I/ 3 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2008): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Dritter Teil: L-M. Basel, Tübingen: Francke. BENB I/ 4 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2011): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Vierter Teil: N-B/ P. Basel, Tübingen: Francke. BENB I/ 5 = Schneider, Thomas F. (Hrsg.) (2017): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Fünfter Teil: Q-Sch. Tübingen: Francke. BENB I/ 6 = Schneider,Thomas F./ Hofer, Roland/ Thöny, Luzius (Hrsg.) (2020): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Sechster Teil: Se-Di/ Ti. Tübingen: Narr Francke Attempto. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 07.05.2025). DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Schweden, Theresa (2025): Graber. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 6887/ 1 (letzter Zugriff 07.05.2025). DFD = Heuser, Rita (2025): Feldmann. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 387/ 1 (letzter Zugriff 07.05.2025). Dräger, Kathrin/ Kunze, Konrad (2009): Familiennamen und Sprachgeschichte. Grammatische und lexikalische Aspekte anthroponymischer Raumbildung. In: Hengst, Karlheinz/ Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Bd. 1: Deutsche Familiennamen im deutschen Sprachraum (Onomastica Lipsiensia 6.1), 211-244. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. e-HLS = Bergier, Jean-François et al. (2013): Alpen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008569/ 2013-07-17/ (letzter Zugriff 07.05.2025). 3.1 Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie 789 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="168"?> e-HLS = Waibel, Max (2013): Walser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007950/ 2013-08-20/ (letzter Zugriff 07.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993a): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ d/ wb-etymwb (letzter Zugriff 07.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993b): Lawine. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www.dwds.de/ wb/ etymwb/ Lawine (letzter Zugriff 07.05.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 07.05.2025). FLNB I = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (1999): Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein. 6 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch I). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 07.05.2025). SDS VI = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1988): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. VI: Wortgeographie III: Umwelt. Bern: Francke. TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. VSNB 1 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 1: Einleitung, Gemeindenamen, Flurnamen A-C. Tübingen: Narr Francke Attempto. VSNB 3 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 3: Flurnamen K-R. Tübingen: Narr Francke Attempto. Waser, Erika (2004): Flurnamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 349-380. Hamburg: Baar. Zinsli, Paul (1945): Grund und Grat. Die Bergwelt im Spiegel der schweizerdeutschen Alpenmundarten. Bern: Francke. Zinsli, Paul (1971): Ortsnamen. Strukturen und Schichten in den Siedlungs- und Flurnamen der deutschen Schweiz (Schriften des deutschschweizerischen Sprachvereins 7). Frauenfeld: Huber. Esther Loosli 790 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="169"?> 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen Schlagwörter: Bach, Brunnen, Damm, Fluss, Hydronym, Kanal, Quelle, Rhein, See, Toponym, Weiher Gegenstand und Fragestellung Gewässer spielen seit jeher eine zentrale Rolle für Siedlung, Wirtschaft und Orientierung (e-HLS 2006a: s. v. Bewässerung; e-HLS 2006b: s. v. Flüsse; e-HLS 2013: s. v. Seen). Entsprechend häufig sind GewässerN oder Bezeichnungen für Gewässer auch in FamN der Deutschschweiz präsent. In diesem Artikel werden FamN aus der Schicht «vor 1800» behandelt, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 16.09.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf appellativische Bezeichnungen von Gewässern, Brunnen, Flussdurchgängen, Dämmen und Kanälen oder auf entsprechende Toponyme zurückgehen. 1 Im Kartenkomplex steht die Frage im Zentrum, welche hydronymischen und gewässerbezogenen Lexeme im Deutschschweizer Familiennamenbestand ihren Niederschlag gefunden haben. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass sich manche der im Folgenden aufgeführten FamN auch als HerkunftsN interpretieren lassen. Die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, vielfach ist eine exakte Zuordnung jedoch nicht ohne Weiteres realisierbar (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So kann sich z. B. Brunner entweder als WohnstättenN zum Appellativ schwzdt. Brunne(n) ‘natürliche Quelle’ oder aber als HerkunftsN zum Toponym Brunnen bzw. einem ähnlichen SiedlungsN stellen (vgl. die siebte Karte). Ebenso muss die Frage, ob die kartierten WohnstättenN auf ein Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Ferner bestehen teilweise Überschneidungen zu BerufsN; bspw. kann der FamN Zuber sowohl auf die Wohnstätte einer Person als auch auf den Beruf des Herstellers von Gefässen mit zwei Handhaben Bezug nehmen (vgl. die sechste Karte). Auf der ersten Karte werden FamN zum Rhein abgebildet, der als einziger grosser Fluss eine deutliche Familiennamendichte erkennen lässt. Die zweite Karte zeigt die besonders vielfältigen und häufigen FamN zu Bach, sei es in der Grundform oder in zahlreichen Komposita. Den FamN Dubach, Schüpbach und Fischbacher ist zudem eine separate Darstellung gewidmet (dritte Karte). Deutlich seltener sind FamN, die sich auf stehende Gewässer wie Seen (vierte Karte) oder Weiher (fünfte Karte) beziehen. Die Quellen- und Brunnen-Namen (sechste Karte) bilden eine weitere grosse Gruppe, dominiert vom weitverbreiteten FamN Brunner (siebte Karte). Schliesslich werden auch seltene FamN dargestellt, die auf Flussdurchgänge, Dämme oder Kanäle referieren und so einen Bezug zu technischen Wasserbauten aufweisen (achte Karte). 1 FamN, die auf Gelände am Wasser (z. B. Grunauer oder Amgwerd ) oder auf Sumpfgebiete (z. B. Immoos oder Sulzer) zurückgehen, werden im Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen» behandelt. 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 791 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="170"?> Erste Karte {367}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen zum Flussnamen Rhein Namenauswahl: Die erste Karte bespricht Wohnstätten- und HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die das Namenelement Rhein enthalten. Abgefragte Namen Wohnstätten- und HerkunftsN zum FlussN Rhein, vor 1800: Rheinegger, Rheiner, Rhiner, Rhyner, Rihner, Riner, Ryhiner, Ryhner. 8 Types, 16 Tokens. Kreise 11-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 385: Daten zur ersten Karte {367} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die hier kartierten FamN gehen auf das Hydronym Rhein oder auf daraus gebildete Toponyme zurück. Das namengebende Element kann sich dabei sowohl unmittelbar auf den Fluss als auch auf ein in seiner Nähe gelegenes Gelände beziehen. Wie die zahlreichen urkundlichen Formen des FlussN (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 3012060) zeigen auch die entsprechenden FamN viele graphisch-phonologische Varianten - u. a. mit oder ohne Diphthongschreibung, die entweder die standardsprachliche Form Rhein oder die mundartliche Realisierung des FlussN Rii(n) widerspiegeln. Aufgrund dieser Varianz besteht bei den ausgewählten Namen eine Deutungskonkurrenz zu den formal z. T. identischen Namen zu schwzdt. Rei(n) ‘lang gestreckter Abhang; unbebauter Grenzstreifen zwischen zwei Äckern; Schutzwehr’ (aus ahd., mhd. rein). 4 Eine weitere Konkurrenz ergibt sich zu den FamN, die auf eine Kurzform des Ruf N Reinhard zurückgehen (vgl. den FamN Reiner). Von den FlussN ist allein der Rhein in den (Deutsch-)Schweizer FamN in nennenswerter Zahl vertreten. Weitere FlussN erscheinen lediglich vereinzelt, so etwa Donau → Donauer (Küssnacht am Rigi SZ) und Neckar → Necker (Biel BE, Genf GE; ursprünglich aus Deutschland). Kommentar: Während die FamN in Zizers (GR), im Werdenberg (SG), in der Stadt St. Gallen (SG), in den Bezirken Laufenburg und Brugg (AG) und in der Stadt Basel (BS) überwiegend in räumlicher Nähe zum Rhein auftreten, sind die entsprechenden Belege aus Elm (GL), Schwyz (SZ), Wädenswil (ZH) und Stäfa (ZH) deutlich weiter Karte 367: Wohnstätten- und HerkunftsN zum FlussN Rhein, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie» (achte Karte mit Amrein, Amrhein, am Rhyn, Raimann, Raymann, Reimann, Rein, Reinmann, Rey, Reymann und Rhyn). 792 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="171"?> vom Flusslauf entfernt. Diese Lage spricht dafür, dass in diesen Fällen eine alternative Namendeutung anzunehmen ist. Zweite und dritte Karte {368, 369}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen mit Bach Namenauswahl: Die zweite und die dritte Karte gelten Wohnstätten- und HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die appellativisches oder toponymisches Bach enthalten. Nebst dem unerweiterten Grundwort Bach und den dazugehörenden Ableitungen wie Bacher und Bachmann (in Rot) werden auch Komposita mit -bach als Letztglied wie bspw. Aeschbach und Bruppacher (in Gelb) berücksichtigt. Exemplarisch für Einzelverbreitungen werden ausserdem die drei häufigsten FamN des Typus -bach - Dubach, Schüpbach und Fischbacher - noch separat in der dritten Karte dargestellt. Abgefragte Namen Typ Bach: Bach, Bacher, Bächer, Bachmann, von Bachmann alias Pacquement. 96 Tokens. Typ -bach: Aeschbach, Aeschbacher, Alispach, Allenbach, Allenspach, Altenbach, Anspach, Baudenbacher, Bleichenbacher, Blindenbacher, Breitenbach, Brupbacher, Bruppacher, Bumbach, Bumbacher, Dällenbach, Dambach, de Diesbach, Dellenbach, Diesbach, Dollenbacher, Dosenbach, Dossenbach, Dubach, Dubacher, Eschbach, Fehrenbach, Fischbach, Fischbacher, Flubacher, Fluhbacher, Gengenbach, Gersbach, Gerspacher, Gonzenbach, Grossenbacher, Grundbacher, Guggenbach, Hagenbach, Haselbach, Haslebacher, Hegelbach, Ibach, Imbach, Kalenbach, Kallenbach, Kaltenbach, Kengelbacher, Kressbach, Laimbacher, Laubbacher, Leibacher, Leimbacher, Loppacher, Lottenbach, Loutenbach, Luterbacher, Maibach, Marbach, Marbacher, Merkelbach, Müdespacher, Mühlebach, Murbach, Muspach, Nietlisbach, Nietlispach, Rauschenbach, Reichenbach, Reidenbach, Rickenbach, Rickenbacher, Riggenbach, Riggenbacher, Rikenbach, Rikenbacher, Rindisbacher, Rindlisbacher, Rohrbach, Rothenbach, Rufibach, Sallenbach, Sarbach, Schlapbach, Schlappach, Schliessbach, Schüpbach, Schwarzenbach, Sempach, Spechbach, Staffelbach, Stammbach, Stampbach, Steinbacher, Stettbacher, Tellenbach, Tiefenbach, Tieffenbach, Trittebach, Trittenbach, Trittibach, Ursenbacher, Vogelbacher, von Gonzenbach, von Rickenbach, von Schwerzenbach, von Wyttenbach, Wagisbach, Weissenbach, Wietlisbach, Wietlispach, Winkenbach, Wyssenbach, Wyttenbach, Zibach, Zumbach, Zybach. 117 Types, 325 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 17-50, relative Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 386: Daten zur zweiten Karte {368} Karte 368: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Bach, vor 1800 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 793 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="172"?> Abgefragte Namen Dubach: 18 Tokens. Schüpbach: 12 Tokens. Fischbacher: 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 11-30, relative Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 387: Daten zur dritten Karte {369} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier kartierten FamN gehen auf schwzdt. Bach (aus ahd. bah, mhd. bach) zurück, die in der Deutschschweiz gängige Bezeichnung für f liessende Gewässer von kleinerer bis mittlerer Grösse. Dabei lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Die FamN der ersten Gruppe (Typ Bach) gehen vermutlich auf Appellative zurück, während den FamN des zweiten Typus -bach mehrheitlich Toponyme zugrunde liegen. 5 Diese können sich sowohl auf Gewässer als auch auf nahegelegene Gelände oder Siedlungen beziehen. Manche lassen sich eindeutig lokalisieren, etwa der GewässerN Fluebach (Arboldswil/ Bubendorf BL) oder das Toponym Gonzenbach (bei Lütisburg SG). Andere wie Steinbach oder Rohrbach sind mehrfach belegt und daher nicht eindeutig zuzuordnen. Der hochfrequente FamN Bachmann (vor 1800 mit 82 Tokens) 6 bezeichnete ursprünglich eine Person, die an einem Wasserlauf wohnhaft war, etwa dem Dorf- oder Mühlebach. Die einzelnen FamN der zweiten Namengruppe weisen hingegen sehr geringe Tokenzahlen auf. Die Hälfte aller FamN tritt nur in einer einzigen Gemeinde auf (bspw. Rauschenbach und Maibach). Die drei häufigsten FamN mit -bach sind Dubach (18 Tokens), Schüpbach (12 Tokens) und Fischbacher (10 Tokens). Der FamN Dubach stellt sich zu einem Toponym (beim) Dübach, das wiederum auf eine Form *Tǖfenbach (‘der Bach im tiefeingeschnittenen Gelände’) zurückzuführen ist - vgl. den FlurN Dübach, urkundlich 1560 tüffenbach, in Rothenf luh (BL) (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 261068543). Schüpbach bezieht sich auf das gleichnamige Toponym, dessen Bestimmungswort nicht sicher gedeutet werden kann. Nach Auskunft des BENB I/ 5 (2017: Sp. 845) geht es möglicherweise auf schwzdt. schütte(n) ‘schütten, giessen’ (zu mhd. schüt(t)en ‘schütten, schütteln, erschüttern, Erdreich an- oder aufschwemmen’) zurück. Fischbacher beruht auf dem häufigen Toponym Fischbach, benannt nach einem fischreichen Bach oder einem Gewässer, aus dem gefischt wurde. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass FamN mit Bach im ganzen Mittelland eine hohe Dichte aufweisen. Das Verbreitungsbild der ersten Namengruppe wird vom hochfrequenten FamN Bachmann (82 von 96 Tokens) dominiert. In den alpinen Regionen treten FamN Karte 369: Die drei häufigsten HerkunftsN mit -bach, vor 1800 5 Vgl. Artikel I-2.6 «Schreibvariation bei Plosiven im Inlaut» (erste Karte). 6 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 794 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="173"?> dieses Typs nur vereinzelt auf, etwa als Bacher im Goms (VS). Die zweite Gruppe (Typ -bach) findet sich ebenfalls im Mittelland, aber auch im Alpenvorland bis in den Alpenraum. Die dritte Karte lässt für die frequentesten drei FamN des Typs -bach teilweise konturierte Räume deutlich werden: Der häufigste FamN Dubach konzentriert sich in den Kantonen Bern und Luzern. Während Schüpbach (nach der gleichnamigen Emmentaler Gemeinde) v. a. in Verwaltungskreis Bern-Mittelland ein Namennest bildet, clustert Fischbacher im Toggenburg (SG). Vierte Karte {370}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen mit See Namenauswahl: Die vierte Karte umfasst alle einschlägigen FamN aus der Schicht «vor 1800», die appellativisches oder toponymisches See enthalten. Abgefragte Namen Typ See, vor 1800: Meyer von Schauensee, Schnyder von Wartensee, Seeberger, Seeholzer, Seematter, Seewer, Sewer, Untersee. 8 Types, 18 Tokens. Kreise 11-45, relative Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 388: Daten zur vierten Karte {370} Detailangaben zur Namenauswahl: Den dokumentierten FamN liegt schwzdt. See(w) ‘See, stehendes Binnengewässer (auch kleineren und kleinsten Umfangs); Gewässer ohne oder nur mit natürlichem Abf luss; Sumpfgebiet’ (aus ahd. sēo, mhd. sē) zugrunde. Da sich die Seelandschaft sowohl aus natürlichen als auch aus anthropogenen Ursachen ständig verändert, können Toponyme mit See auch auf verschwundene Gewässer Bezug nehmen (e-HLS 2013: s. v. Seen). Die beiden FamN Seewer und Sewer gehen vermutlich auf ein Appellativ zurück und bezeichneten ursprünglich eine Person, die an einem See wohnhaft war. Die beiden Namen zeigen zudem eine Form, die älteres w - wie im Plural ahd. sēwi - erhalten hat; vgl. dazu auch die Diminutive walliserdt. Sēwji, Sēwi (VSNB 4 2024: Sp. 145). Alle anderen FamN beruhen wohl auf Toponymen, die sowohl Gewässer selbst als auch angrenzende Örtlichkeiten bezeichnen. Die kartierten FamN zeigen folgende Bildungsmuster: er-Ableitungen (Seewer, Sewer), Komposita mit See als Bestimmungswort (Seeberger, Seeholzer, Seematter) und Komposita mit See als Grundwort (Untersee). 7 Die beiden Beispiele für PräpositionsN Meyer von Schauensee und Schnyder von Wartensee gehören zu den für die Stadt Luzern charakteristischen PatrizierN; die Namenbestandteile Schauensee und Wartensee nehmen Bezug auf gleichnamige Schlösser im (vormaligen) Besitz der Familien. 8 Karte 370: Wohnstätten- und HerkunftsN mit See, vor 1800 7 Vgl. die Artikel II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» sowie II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen». 8 Vgl. die Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de» und III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 795 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="174"?> Kommentar: Eine einheitliche Verbreitung der FamN mit See lässt sich nicht feststellen. Einige Namen treten in unmittelbarer Nähe eines Sees auf (z. B. Seeberger im Bezirk Höfe SZ am Zürichsee), bei anderen bleibt der Bezug zu einem bestimmten Gewässer weniger offensichtlich, etwa beim Walliser FamN Sewer (Leuk VS), der sich vermutlich auf einen der zahlreichen kleinen Alpseen bezieht (VSNB 4 2024: Sp. 145-149). Der FamN Untersee (Waldkirch SG) tritt unweit vom gleichnamigen Teil des Bodensees auf; ein Zusammenhang mit dem Untersee ist daher durchaus möglich. Fünfte Karte {371}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen mit Weiher Namenauswahl: Die fünfte Karte behandelt Wohnstätten- und HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», in denen das ortsbezeichnende Appellativ Weiher oder ein entsprechendes Toponym fest geworden ist. Abgefragte Namen Typ Weiher, vor 1800: Weier, Weiermann, Weyer, Weyermann, Wiher, Wyer, Wyher. 7 Types, 17 Tokens. Kreise 15-40, relative Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 389: Daten zur fünften Karte {371} Detailangaben zur Namenauswahl: Die ausgewählten Wohnstätten- oder HerkunftsN gehen zurück auf schwzdt. Wīer, Wei(j)er ‘Weiher, (künstlich angelegter) Teich’ (zu mhd. wīwære, wīwer, wīher, wīer, ahd. wī(w)āri, Entlehnung aus lat. vivarium ‘Tierbehältnis, Fischbehälter’) und bezeichneten ursprünglich eine Person, die in der Nähe eines Weihers wohnte. Weiher wurden u. a. auch als Speicher für Löschwasser oder als Tränken aufgestaut. Toponyme mit Weiher treten in der Deutschschweiz zahlreich auf und verweisen meist auf Orte mit ehemaligen (Fisch-)Teichen; häufig bezeichnen sie aber auch Siedlungen oder Höfe bei (früheren) Weihern; vgl. z. B. Weier in Wängi (TG) (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 6002803) oder Wijer in Erstfeld (UR) (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 9015229). Wie bei den anderen FamN, die auf GewässerN zurückgehen, ist es auch hier oft schwierig, genau zu bestimmen, auf welches konkrete Hydronym oder Toponym ein FamN Bezug nimmt. Deutungskonkurrenz besteht bei Weiermann und Weyermann: 9 Beide können sowohl WohnstättenN (für eine Person, die an einem Weiher wohnte) als auch BerufsN darstellen. Im zweiten Fall würden Weiermann und Weyermann etwa als Bezeichnung für den Aufseher eines Mühl- oder Fischteichs dienen, wie er für die Stadt Bern belegt ist, der die Teiche bei Bümpliz beaufsichtigte und deren Wasserstand regulieren musste (Id. 2 1881 ff.: Sp. 283). Auch Weiersmüller kann zu beiden Benennungsmotiven gehören. 10 Karte 371: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Weiher, vor 1800 9 Vgl. Artikel II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 10 Vgl. Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 796 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="175"?> Kommentar: Die FamN mit Weiher erstrecken sich als Streubelege über das deutschsprachige Mittelland. Sie sind zudem im Prättigau (GR) und in der Region Landquart (GR) sowie im Deutschwallis bezeugt. Sechste und siebte Karte {372, 373}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen zu Quellen und Brunnen Namenauswahl: Die sechste und die siebte Karte widmen sich FamN, die auf ein ortsbezeichnendes Appellativ mit der Bedeutung ‘(aus dem Boden sprudelnde) Quelle; Brunnen, Wassertrog’ oder auf ein Toponym derselben Grundlage zurückgehen. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Der hochfrequente FamN Brunner wird in der sechsten Karte ausgeklammert und dafür in der siebten Karte separat abgebildet. Abgefragte Namen Typ Brunn: Braunschweiler, Bronhofer, Bronner, Bründler, Brunnhofer, Brunnschweiler, Brunschweiler, Brunschwiler, Debrunner, Hiltbrunner, Hirsbrunner, Kaltbrunner, Kohlbrunner, Kollbrunner, Lochbrunner, Steinbrunner, von Brunn, Zbrun, Zum Brunn, Zumbrunn, Zumbrunnen. 21 Types, 54 Tokens. Typ Sod: Soder, Sooder. 3 Tokens. Typ Trog: Trog, Troger. 3 Tokens. Typ Ursprung: Ursprung. 3 Tokens. Typ Zube: von Zuben, Zerzuben, Zuber, Zuberbühler, Zuberer, Zubler, Zübli, Züblin. 8 Types, 51 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 390: Daten zur sechsten Karte {372} Abgefragte Namen Brunner, vor 1800: 146 Tokens. Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 0-90, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 391: Daten zur siebten Karte {373} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen (alphabetisch geordnet nach den zugrunde liegenden Lexemen) an. Als Etyma werden primär Appellativa angesetzt; für die FamN ist jedoch auch die Ableitung von einem auf diesen basierenden Toponym möglich: • Typ Brunn: Die FamN lassen sich auf schwzdt. Brunne(n) ‘(aus dem Boden sprudelnde) Quelle, gefasste Quelle, Abf luss einer Quelle, kleiner Flusslauf; Brunnen, Wassertrog’ zurückführen (aus mhd. Karte 372: Wohnstätten- und HerkunftsN zu Quellen und Brunnen (ohne Brunner), vor 1800 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 797 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="176"?> brunne, ahd. brunno ‘Quelle, Wasser, Ursprung, Brunnen’). Toponyme mit Brunn verweisen meist auf eine natürliche Quelle und nicht auf einen hölzernen oder steinernen Trog mit Zuleitung, also nicht auf einen Brunnen im heutigen Sinn. Bei der Familie Bronner, Patrizier: innen von Quinto (Leventinatal TI), handelt es sich laut Überlieferung um Zugewanderte aus dem Kanton Uri. Die Schreibung mit o ist wohl auf eine Anlehnung an das regionale (alpinlombardische) mundartliche Wort für Brunnen - nämlich bronn, wiederum ein Lehnwort aus dem Schweizerdeutschen - zurückzuführen (VSI 2.2 1952 ff.: 1010-1012). Der FamN Brunner zählt mit 146 Belegen zu den häufigsten Namen der Schicht «vor 1800» und rangiert nach Müller, Meier, Schmid, Keller, Huber, Meyer und Weber an achter Stelle. 11 Im Jahr 2024 ist Brunner der vierzehnthäufigste FamN in der Schweiz (BFS 2025: STATPOP 2024). • Typ Sod: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Sod ‘mit Wasser gefüllte Vertiefung im Erdboden, Tümpel; Zisterne, Ziehbrunnen’ (aus mhd. sōt ‘das Wallen, Sieden; Brunnen, Ziehbrunnen’). Im Neuhochdeutschen ist der Begriff nur noch in der Zusammensetzung Sodbrunnen erhalten. Als Bestandteil von FlurN ist Sod rund 70-mal belegt und verweist auf mit Wasser gefüllte Vertiefungen im Erdboden, auf Tümpel und seltener auch auf (ehemalige) Sodbrunnen, bei denen das Wasser mittels eines Kessels an einem langen Seil oder über eine waageähnliche Vorrichtung nach oben befördert wurde; vgl. das Toponym Sodbrunnen in Arboldswil (BL) (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 266001167). • Typ Trog: Die FamN gehen zurück auf schwzdt. Trog ‘liegender, offener Behälter, meist länglich, oft aus einem Stück Holz ausgehöhlt, aber auch aus Brettern zusammengefügt oder aus anderen Materialien hergestellt’ (aus mhd. troc ‘liegender, offener Behälter’). Gemäss ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 9013989) kann sich Trog in Toponymen «auf einen tatsächlichen Brunnentrog beziehen oder auch im übertragenen Sinn eine trogähnliche Geländestelle bezeichnen». 12 • Der FamN Ursprung basiert auf mhd. ursprunc ‘Quelle, Quellbach’ und bezieht sich auf den Quellbereich eines f liessenden Gewässers. 13 • Typ Zube: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Zube(n) ‘Rinne, Kanal, Brunnenröhre, offene Wasserleitung, Wasserstrahl’ (entlehnt aus lat. tubus ‘Röhre’). In Einzelfällen kann der Name als BerufsüberN zu mhd. zūber, zuber ‘Gefäss mit zwei Handhaben’ für den Hersteller derartiger Gefässe gedeutet werden. Karte 373: FamN Brunner, vor 1800 11 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 12 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 13 Die mehrdeutigen FamN Sprung, Sprunger, Sprüngli und Sprünglin werden im Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie» behandelt. In FlurN bezeichnet Sprung Quellen oder Vorsprünge, Absätze und Wendungen im Verlauf einer Geländef läche. 798 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="177"?> Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass der häufigste Typ Brunn nahezu im gesamten Mittelland verbreitet ist, mit einer deutlichen Häufung in der Nordostschweiz. Weitere Belege finden sich im Berner Oberland, im Wallis sowie in der deutschsprachigen Walserkolonie von Bosco/ Gurin (TI). Im südöstlichen Teil der Deutschschweiz (GL, GR) inklusive Kanton St. Gallen fehlt der Typ gänzlich. Der hochfrequente FamN Brunner (siebte Karte) deckt ebenfalls fast das gesamte Mittelland ab; die grösste Dichte weist er in den Kantonen Luzern, Zürich und St. Gallen (insbesondere im Toggenburg) auf, während er in der Zentralschweiz fast nicht vertreten ist. Die FamN Soder und Sooder kommen nur in drei Gemeinden vor: zweimal im aargauischen Grenzgebiet zu Deutschland und einmal am Brienzersee (BE). Auch die Namen Trog und Troger sind selten; sie sind lediglich in Olten (SO), Thun (BE) und im italienischsprachigen Roveredo (GR) belegt, wobei hier die Namenträger: innen gemäss RNB 3 (1986: 446) ursprünglich aus dem Tirol stammten. Der ebenfalls seltene FamN Ursprung ist charakteristisch für den Kanton Aargau. Der Typ Zube schliesslich ist in weiten Teilen der Deutschschweiz verbreitet, mit Schwerpunkten in den Kantonen Solothurn und in beiden Appenzeller Halbkantonen. Auch im Wallis ist er vertreten, während er im südöstlichen Gebiet der Deutschschweiz weitgehend fehlt - mit Ausnahme des Belegs in Mollis (GL), der jedoch nachweislich auf Zuwanderung zurückgeht (e-FNB 1989: s. v. Zuber). Achte Karte {374}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen zu wasserbaulichen Anlagen Namenauswahl: Die achte Karte nimmt FamN zu Flussdurchgängen und Wasseranlagen wie Dämmen oder Kanälen in den Blick. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Damm: Damann, Dambach, Dammann. 7 Tokens. Typ Far: Fahrer. 3 Tokens. Typ Furt: Furter. 2 Tokens. Typ Kenel: Cina, Känel, Kenel, Kennel, von Känel. 9 Tokens. Typ Wuhr: Wuhrmann. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 392: Daten zur achten Karte {374} Detailangaben zur Namenauswahl: Im Folgenden werden die einschlägigen Deutungen der kartierten FamN dargestellt, ggf. ergänzt durch konkurrierende Bedeutungen oder relevante Hintergrundinformationen. Als Etyma werden primär Appellativa ausgewiesen; eine Ableitung von einem darauf basierenden Toponym ist jedoch für jeden einzelnen Namen ebenfalls möglich: Karte 374: Wohnstätten- und HerkunftsN zu Flussdurchgängen, Dämmen und Kanälen, vor 1800 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 799 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="178"?> • Typ Damm: Die FamN lassen sich auf schwzdt. Tamm, Damm ‘Damm, insbesondere zum Schutz gegen bzw. zum Stauen von Wasser’ zurückführen (aus mhd. tam, dam ‘Damm, Deich’). Gemäss BENB I/ 6 (2020: Sp. 632) «trat das Wort in jüngerer Zeit [unter Einf luss des Neuhochdeutschen] vermehrt an die Stelle von althergebrachten Synonymen wie Wüer oder Däntsch». Das im Kanton Basel-Landschaft mehrfach belegte Toponym Dambach wird auf ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 261067001) als Zusammensetzung von schwzdt. Tann(e) ‘immergrüner Nadelbaum’ und Bach gedeutet. Diese Etymologie ist auch für den in den Kantonen Aargau und Bern nachgewiesenen FamN Dambach nicht auszuschliessen. • Der FamN Fahrer stellt sich zu schwzdt. Far, Faar ‘Ort, wo man über einen Fluss oder See gefahren wird, Ufer, Fähre’ (aus mhd. var ‘Platz, wo man überfährt oder landet, Ufer; Fähre’). Die zahlreichen ÖrtlichkeitsN Far, Faar, Fahr u. ä. beziehen sich auf Geländestücke an Fliessgewässern, an denen ein Fährbetrieb gewährleistet wurde. Als Bezugsorte für den FamN Fahrer kommen bspw. die an der Aare gelegenen Örtlichkeiten Far in Wolfwil (SO) oder Flumenthal (SO) infrage. • Der FamN Furter basiert auf schwzdt. Furt ‘Bach-, Flussdurchgang; fahrbarer Durchgang durch einen Zaun (Stelle, wo das Vieh zur Weide in die Allmend eintritt); Rinnsal, Wassergraben in Feldern und Wiesen’ (aus mhd. vurt ‘Furt’). Die FamN Marfurt und Marfort wurden aus der Kartierung ausgeschlossen, weil die Deutung des zugrunde liegenden Toponyms unsicher ist. • Typ Kenel: Die FamN lassen sich zu schwzdt. Chän(n)el ‘künstliche Rinne zur Fortleitung des Wassers, insbesondere die Dachrinne; Gosse, Kanal’ stellen (aus mhd. kanel, kenel, entlehnt aus lat. canalis ‘Röhre, Rinne, Wasserlauf ’). Als Element von Toponymen verweist Kanal in erster Linie auf kleinere Gewerbekanäle und deren unmittelbares Umfeld sowie angrenzende oder dorthin führende Wege. Der FamN Cina (urkundlich auch de Canali) ist von Tschina, dem Namen eines Dorfteils von Salgesch (VS) abgeleitet (VSNB 4 2024: Sp. 413-414). • Der FamN Wuhrmann beruht auf schwzdt. Wuer ‘Bach-, Flussverbauung, seitlicher Schutzdamm am Wasser oder (versehen mit mechanischer Vorrichtung) Stauanlage im Wasser zur Regulierung des Wasserstands bzw. zum Ableiten des Wassers in einen Kanal; künstlich angelegter Wassergraben, Kanal’ (aus mhd. wuor, wuore, wüere ‘Damm im Wasser, Wehr zum Abhalten oder Ableiten des Wassers; Baumstämme an Bächen oder Flüssen’). Als mögliche Bezugsorte des FamN Wuhrmann kommen etwa die Fluren Wuerbüchel (Wiesendangen ZH) oder Wuer (Winterthur ZH) in Betracht. Die Form Wuer entspricht dabei der mundartlichen Aussprache des Namens als «Wuerme» (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 181). Kommentar: Die seltenen FamN Fahrer und Furter treten in der achten Karte als kleine Namennester im Kanton Bern resp. im Aargau jeweils in unmittelbarer Nähe der Aare auf. Auch der FamN Wuhrmann kommt nur lokal begrenzt vor, nämlich im Kanton Zürich. Bei den FamN der Typen Damm und Kenel lassen sich keine klar abgegrenzten Verbreitungsareale feststellen. Die FamN mit Kenel sind als einzige der vorliegenden Namenauswahl auch in den Voralpen und im Deutschwallis präsent. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Brunner (13'852 Tokens), Bachmann (10'478 Tokens) und Schüpbach (3'216 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013: 152-171) werden Wohnstätten- und HerkunftsN, die sich auf FlussN beziehen, auf den Karten 64-73 dargestellt. FamN zum Hydronym Rhein werden dabei nicht kartiert. FamN mit Weiher wie Weyer oder Weyers stehen auf der Karte 268 im Fokus (DFA 4 2013: 601-604), bevor auf den Karten 269-274 WohnstättenN zu Bach wie Bachmann und Beckmann Beachtung finden (DFA 4 2013: 606-617). Die FamN Brunner, Born und Bornemann werden im DFA 3 (2012: 286-292) auf der Karte 134 behandelt. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 5 = Schneider, Thomas F. (Hrsg.) (2017): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Fünfter Teil: Q-Sch. Tübingen: Francke. BENB I/ 6 = Schneider,Thomas F./ Hofer, Roland/ Thöny, Luzius (Hrsg.) (2020): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Sechster Teil: Se-Di/ Ti. Tübingen: Narr Francke Attempto. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2025): STATPOP 2024. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Sprachregion für das Jahr 2024. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 36062364 (letzter Zugriff 16.09.2025). DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. e-FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (1989): Familiennamenbuch der Schweiz. Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989. Digital zur Verfügung gestellt durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ (letzter Zugriff 16.09.2025). 800 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="179"?> e-HLS = Stadler, Hans (2006a): Bewässerung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007955/ 2006-10-02/ (letzter Zugriff 16.09.2025). e-HLS = Stadler, Hans (2006b): Flüsse. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 024613/ 2006-10-23/ (letzter Zugriff 16.09.2025). e-HLS = Stadler, Hans (2013): Seen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 024612/ 2013-03-15/ (letzter Zugriff 16.09.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 16.09.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 16.09.2025). RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. VSI = Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana (1952 ff.): Bd. 1 ff. Lugano: Mazzuconi, dann Bellinzona: Centro di dialettologia e di etnografia. VSNB 4 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 4: Flurnamen S-Z. Tübingen: Narr Francke Attempto. Linda Steiner 3.2 Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen 801 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="180"?> 3.3 Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpflanzen Schlagwörter: Feuchtgebiet, Insel, Lache, Land am Wasser, Toponym Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel setzt sich mit WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» auseinander, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 12.09.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Bezeichnungen und Namen von Uferlandschaften, Feuchtgebieten, Sümpfen und Sumpfpf lanzen zurückgehen. Letzterer Familiennamentypus ist hier ebenfalls berücksichtigt, da Benennungen und Namen von Sumpfpf lanzen bereits früh metonymisch auf das gesamte Schilfgebiet und in der Folge auch auf sumpfiges Gelände oder Feuchtgebiete übertragen wurden (z. B. Ried, Details s. u.). Der nachfolgende Kartenkomplex geht der Frage nach, inwieweit Appellative wie schwzdt. Au oder schwzdt. Ried resp. daraus hervorgegangene Toponyme im Deutschschweizer Familiennamenbestand fest geworden sind. Die erste Karte behandelt FamN zu Uferlandschaften und Land am Wasser. Die zweite Karte gilt FamN zu Sümpfen und Feuchtgebieten und steht damit in einem engen Zusammenhang mit der dritten Karte, die WohnstättenN zu Sumpfpf lanzen in den Mittelpunkt rückt. Die vierte Karte schliesslich ist kontrastiv angelegt und vergleicht die Namentypen Moos und Ried. Als generelle Bedingung der vorliegenden Namensamples sei an dieser Stelle genannt, dass (Be-)Deutungskonkurrenzen häufig nicht ausgeschlossen werden können: Die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III»). Ohne historische Sondierung (und teils selbst mit ihr) lassen sich die beiden Benennungsmotive jedoch oft nicht eindeutig trennen (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So sind bspw. Werd (erste Karte) und Ried (dritte und vierte Karte) in der Deutschschweiz als Flurwie auch als SiedlungsN bezeugt. Ebenso muss die Frage, ob die WohnstättenN zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Erste Karte {375}: Wohnstättennamen zu Uferlandschaften und Land am Wasser Namenauswahl: Die erste Karte umfasst WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die auf Appellative mit der Bedeutung ‘Ufergelände, Land am Wasser’ oder auf daraus entstandene Toponyme zurückgehen. Die FamN sind nach den beiden zugrunde liegenden Lexemen Au und Werd gruppiert. Abgefragte Namen Typ Au: Anderau, Anderauer, Auer, Aus der Au, Ausderau, Eyacher, Eyen, Eyer, Eyholzer, Eymann, Inauen, von Auw, von Euw, Vonei, Voney. 15 Types, 39 Tokens. Typ Werd: Amgwerd, Gwerder, Weder, Werder, Werdmüller, Werthmüller, Wertmüller. 7 Types, 34 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-50, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 393: Daten zur ersten Karte {375} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die ausgewählten FamN der ersten Gruppe gehen auf ahd. auwia, ouwa, mhd. ouwe ‘von Wasser umf lossenes Land, Insel, Halbinsel’ (WeNB 7 2003-2017: 21) zurück. Als Appellativ ist Au im Schweizerdeutschen mit der Bedeutung ‘Insel, Halbinsel, Gelände an einem Gewässer’ belegt, jedoch nicht mehr in Gebrauch (Id. 1 1881 ff.: Sp. 5). Die Varianten Eyen, Eyer, Vonei usw. zeigen Entrundung von öu zu ei bzw. ey. 3 FamN auf -auer (bzw. -eier, -eyer) wie Buttauer, Lindauer oder Wingeyer wurden aus der vorliegenden Kartierung ausgeschlossen. Sie lassen sich ebenfalls auf ahd. auwia, ouwa, mhd. ouwe zurückführen, doch das Namenelement -au(er) fungiert hier als toponymisches Suffix und stammt - anders als bei den hier kartierten FamN - nicht direkt vom Appellativ Au. Solche HerkunftsN wurden daher gemeinsam mit weiteren FamN behandelt, deren toponymische Suffixe wie -ach, -ikon / -ighofen und -hausen typisch für frühe SiedlungsN der Deutschschweiz sind. 4 Die FamN der zweiten Gruppe beruhen auf schwzdt. Werd (zu mhd. wert, wiert, wird ) ‘Insel, Halbinsel, erhöhtes wasserfreies Land zwischen 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Vgl. Artikel I-1.5 «Entrundung». 4 Vgl. Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 802 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="181"?> Sümpfen’ oder auf einem der zahlreichen FlurN Werd, Weed (mit vokalisiertem r). 5 Die kartierten FamN zu Au zeigen die dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN: Zu den PräpositionsN gehören z. B. Anderau, Ausderau, Inauen und Vonei. Das Sample umfasst zudem Ableitungen auf -er wie Auer sowie eine mann-Bildung (Eymann). Ähnliche Strukturen finden sich bei den FamN der zweiten Gruppe: er-Ableitungen (Gwerder, Weder, Werder), ein PräpositionsN (Amgwerd ) sowie Komposita mit Werd als Bestimmungswort (Werdmüller, Werthmüller, Wertmüller). 6 Für die drei letztgenannten Namen kommt neben einem WohnstättenN zu Werdmülli, Werdmühle o. ä. auch ein lokalisierter BerufsN infrage, bei dem der häufige BerufsN (resp. der häufige FamN) Müller durch die Angabe der Wohnstätte der ursprünglichen Namenträger: innen oder des Orts der Berufstätigkeit erweitert wurde. 7 Kommentar: Die beiden Namentypen treten weitgehend komplementär auf, mit Ausnahme des Kantons Schwyz, wo sowohl Auals auch Werd -Namen belegt sind. WohnstättenN zu Au finden sich vorwiegend in Bergregionen und Talschaften, während solche zu Werd eher in den Niederungen verbreitet sind. Karte 375: WohnstättenN zu Uferlandschaften und Land am Wasser, vor 1800 5 Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, die den hier kartierten WohnstättenN zugrunde liegen, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. 6 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.7 «Familiennamen auf -mann» sowie II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 7 Für den häufigen BerufsN Müller und Varianten vgl. Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe». 3.3 Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpflanzen 803 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="182"?> Zweite Karte {376}: Wohnstättennamen zu Sümpfen und Feuchtgebieten Namenauswahl: Die zweite Karte gilt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die sowohl auf Bezeichnungen für grossf lächige Feuchtgebiete (wie Moore) als auch für Suhlen, Tümpel, Wasserlachen oder Sumpfstücke zurückgehen. FamN, die auf Bezeichnungen von Sümpfen basieren, die sekundär aus solchen für Sumpfpf lanzen entstanden sind (wie z. B. Ried ), werden in der dritten Karte behandelt. Abgefragte Namen Typ Moos: Amoos, Amos, Breitenmoser, Famos, Harzenmoser, Hüttenmoser, Immoos, Kramis, Moos, Mooser, Moosmann, Moser, Mosimann, Mosmann, von Moos, Vonmoos, Zmoos. 17 Types, 150 Tokens. Typ Sulz: Sulser, Sulzberger, Sulzener, Sulzer, Sulzmann. 15 Tokens. Typ Sol: Aebersold, Ebersold. 8 Tokens. Typ Gülle: Güller. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 394: Daten zur zweiten Karte {376} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen nach absteigender Type- und Tokenzahl an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Moos: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Mo(o)s ‘Moor, feuchtes, sumpfiges Land, auf dem nur kurzes Streugras wächst’ (aus ahd., mhd. mos). Zur semantischen Überschneidung der Toponyme Moos und Ried s. die vierte Karte. Moser ist einer der verbreitetsten FamN in der Schicht «vor 1800» und rangiert 2024 schweizweit auf Platz 17 der häufigsten FamN (BFS 2025: STATPOP 2024). 8 Der FamN Kramis basiert auf einem gleichnamigen Toponym (urkundlich 1256 Krannemos, 1284 Cranmos), dessen Erstglied auf mhd. krane ‘Kranich’ zurückgeht und das als ‘Feuchtgebiet, in dem wohl Kraniche auf ihrem Zug in die Winterquartiere gerastet haben’ zu erklären ist. Für Famos (Ramosch GR) ist von einem volksetymologischen Prozess auszugehen: Der FamN Vonmoos (Ramosch GR, Malans GR) wurde bei der Integration ins Rätoromanische mit rätorom. famos ‘ausgezeichnet, vortreff lich, köstlich’ assoziiert. • Typ Sulz: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Sulz ‘Salzlecke, salzige Stelle an Felsen; breiartig geschmolzener Schnee, Schlamm, schlammiger Boden’ (aus ahd. sulza, mhd. sulz, abgeleitet auch sulze, sülze ‘Salzwasser’). Sulz-FlurN beziehen sich meist auf salzhaltiges Wasser, Salzquellen oder Viehlecke. Teilweise dürfte auch sumpfige bzw. verunreinigte Bodenbeschaffenheit namengebend gewesen sein. Die FamN werden daher trotz dieser Mehr- Karte 376: WohnstättenN zu Sümpfen und Feuchtgebieten, vor 1800 8 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 804 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="183"?> deutigkeit auf der vorliegenden Karte erfasst. Der Werdenberger FamN Sulser (Wartau SG) zeigt eine zusätzliche (Be-)Deutungskonkurrenz: Er kann wie Sulzer als WohnstättenN verstanden werden (vgl. historische Belege mit -z-) oder aber als BerufsN zu einem auf derselben Grundlage gebildeten Nomen agentis, das einen Salinenarbeiter, Sülzehersteller oder Kuttler bezeichnet (WeNB 7 2003-2017: 590). • Die FamN Aebersold und Ebersold gehen auf einen der zahlreichen ÖrtlichkeitsN Äbersol, Ebersoll u. ä. zurück (vgl. den Hof N Äbersold, 1361 Ebersol in Köniz BE), die sich als ‘Lache, Pfütze, in der sich Wildschweine suhlen’ deuten lassen. 9 Laut Id. 7 (1881 ff.: Sp. 766) ist Sol (aus ahd. sol ‘sumpfige Stelle, Suhle, Lache, Sumpf loch’, mhd. sol, söl ‘Kotlache, worin sich das Wild wälzt’) im Schweizerdeutschen nur noch in Toponymen greifbar und bezeichnet Stellen, an denen sich das Wild suhlt, aber auch Geländemulden, in denen das Wasser lange stehen bleibt. • Der FamN Güller geht auf schwzdt. Gülle ‘Wasserlache, Tümpel; Kotlache, Sumpf, Ansammlung von Jauche’ (aus mhd. gülle ‘Lache, Pfütze’) zurück. Gülle ist ein typisch alemannisches Lexem, das in erster Linie in der Deutschschweiz beheimatet ist. Laut WeNB 7 (2003-2017: 244) erscheint das Wort in FlurN «in seiner alten Bed[eutung] ‘Pfütze, Tümpel’ zur Bezeichnung wasserreicher, bei Regenwetter oft überschwemmter Stellen, während es als Appellativ heute vorwiegend in der Bedeutung ‘Jauche zum Düngen’ gebraucht wird». Kommentar: Während sich FamN zu Moos über das gesamte Mittelland erstrecken - mit einzelnen Belegen auch in den voralpinen Regionen und im Wallis -, bilden die Sol- und die Gülle-FamN deutliche Namennester: erstere im Berner Mittelland rechts der Aare zwischen Bern und Thun, letztere v. a. im Furttal (AG) an der Grenze zum Kanton Zürich. Der Typ Sulz konzentriert sich überwiegend im Raum Winterthur (ZH) sowie in den angrenzenden Gebieten der Kantone Thurgau und Schaffhausen, tritt jedoch vereinzelt auch im Berner Oberland und an wenigen weiteren Orten des Mittellands auf. Dritte Karte {377}: Wohnstättennamen zu Sumpfpflanzen Namenauswahl: Die dritte Karte bildet WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» ab, die auf einem Appellativ in der Bedeutung ‘Sumpf-/ Riedpf lanze’, insbesondere ‘Schilf, Röhricht’, resp. auf einem daraus hervorgegangenen Toponym basieren. Die FamN werden nach dem zugrunde liegenden Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Binse: Binz, Bünzli. 18 Tokens. Typ Ried: Grieder, Grossrieder, Imwinkelried, Kaltenrieder, Riedener, Rieder, Riederer, Riedo, Riedtmann, Rieter, Riethmann, Rietli, Rietmann, Zryd. 14 Types, 86 Tokens. Typ Rohr: Rohr, Rohrer. 25 Tokens. Karte 377: WohnstättenN zu Sumpfpflanzen, vor 1800 9 Zu FamN mit epenthetischem Dental vgl. Artikel II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut». 3.3 Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpflanzen 805 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="184"?> Typ Schlatt: Schlatter. 23 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 30-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 395: Daten zur dritten Karte {377} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Lexeme) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Die FamN Binz und Bünzli stellen sich zu schwzdt. Binz, Binse(n) u. ä. ‘Binse, Schilfgras, Riedgras; Ort mit Schilfgrasbewuchs’ (aus ahd. binuz, mhd. bin(e)z). Für Binz kommt daneben auch eine Deutung als Patronym (u. a. Kurzform zu einem Ruf N wie Benedikt) infrage. Die Deonymisierung und Abwertung, die der FamN Bünzli im Sinne von ‘Spiessbürger’ erfahren hat, beruht vermutlich auf der Figur der ordentlichen und sparsamen Züs Bünzlin in Gottfried Kellers Novelle «Die drei gerechten Kammacher [sic! ]» aus dem Jahr 1856 (s. dazu Sautermeister 2020). Im Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1413), das 1901 publiziert wurde, ist diese Bedeutung von Bünzli noch nicht erfasst. Zur Verbreitung von appellativischem Bünzli für eine kleinkariert denkende Person im Laufe des 20. Jh. trug wohl v. a. der Schweizer Komiker, Schauspieler und Drehbuchautor Fredy Scheim bei (vgl. Hoffmann-Allenspach 2005): Die populäre Bühnenfigur Heiri Bünzli aus Fredy Scheims Dialektposse «Käsefabrikant Heiri Bünzli» und aus den von ihm geschriebenen Filmen «Bünzli’s Grossstadt-Erlebnisse» (1930; Regie: Robert Wolmuth) und «Ohä lätz! De Bünzli wird energisch! » (1935) haben zweifellos das Ihrige dazu beigetragen, die heutige Bedeutung Spiessbürger im allgemeinen Sprachgebrauch zu verankern (Landolt/ Graf 2012). • Typ Ried: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Ried, Riet ‘Schilfrohr, Sumpfgras, Riedgras; mit Riedgras bewachsener, sumpfiger Grund’ (aus ahd. (hr)riot, riod, mhd. riet). Konkret benannte Ried, Riet ursprünglich «verschiedene Pf lanzen, die auf feuchtem, sumpfigem Boden wachsen (Schilf, Segge, Binse, Riedgras), wurde aber schon früh semantisch erweitert zu ‘mit Riedpf lanzen bewachsenes Gelände, Feuchtland’» (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 8012358). Entsprechend besteht ein enger Zusammenhang zu WohnstättenN wie Amoos und Moser, die in der vorhergehenden Karte behandelt wurden. Wie das BENB I/ 5 (2017: Sp. 163) festhält, ist für den Typ Ried auch eine Herleitung aus schwzdt. Ried ‘ausgereuteter Platz im Wald, Rodung, Pf lanzblätz’ (Nebenform zu schwzdt. Rǖti ‘Reute’; aus ahd. *riod, mhd. riet) möglich. 10 Das TNB 2.2 (2007: 452) erachtet diese zweite Deutung für die Deutschschweiz allerdings als weniger zutreffend. • Typ Rohr: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Rōr ‘Schilfrohr, Röhricht, Rohr’ (aus ahd., mhd. rōr). Wie Ried, Riet dient Rōr eigentlich als «Bezeichnung für verschiedene Schilf- und Rohrpf lanzen, etwa für Schilfrohr (Phragmites), verschiedene Binsenarten (Eleocharis und Schoenoplectus) oder Rohrkolben (Typha)», in Toponymen meint es aber i. d. R. «Stellen, wo solche Pf lanzen häufig sind, also ‘mit Schilf- und Rohrpf lanzen bestandenes Gelände’» (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 8009354). Somit bestehen auch hier semantische Überschneidungen zur vorhergehenden zweiten Karte. • Der FamN Schlatter stellt sich zu schwzdt. Schlatt ‘Schilfrohr, kurze Streue in Sümpfen, Sumpfpf lanze u. ä.’ (aus mhd. slāte). Ursprünglich ist gemäss BENB I/ 5 (2017: Sp. 670) und TNB 2.2 (2007: 503) jedoch von der Bedeutung ‘Bodensenke, Vertiefung, auch Schlucht, Abhang’ auszugehen (nur in Toponymen und FamN enthalten). 11 Das Lexem Schilf hat sich, wie Nübling/ Kunze (2023: 338) festhalten, «erst mit Luther schriftsprachlich durchgesetzt und ist deshalb in den FamN eher selten bezeugt». In der Deutschschweiz kommen in der Schicht «vor 1800» keine mit diesem Lexem gebildeten WohnstättenN vor. Hinsichtlich der verschiedenen Bildungsmuster ist der WohnstättenN Riedo hervorzuheben, der als eine Ableitung auf -o analysiert werden kann. Wie im Artikel II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o» ausführlich diskutiert, ist das -o in Riedo wohl jüngeren Datums resp. sekundärer Natur und als onymischer Marker einzuordnen. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass die FamN zu Ried in verschiedenen Teilen der Deutschschweiz alteingesessen sind, während die restlichen Namentypen eher spezifische Verbreitungsräume aufweisen. Konkret konzentriert sich Schlatter mehrheitlich in den Nordostschweizer Kantonen Zürich, Thurgau und Schaffhausen, wobei der FamN daneben auch im Emmental (BE) und im Aargau vorkommt. 12 Der FamN Bünzli ballt sich im Zürcher Oberland, während Binz weiter westlich im Kanton Solothurn sowie im daran angrenzenden Oberaargau (BE) mehrfach bezeugt ist. Der Typ Rohr formt ein grösseres Cluster im Kanton Bern (hier v. a. Rohrer) und im Aargau (hier v. a. Rohr). 13 Auch der Typ Ried tritt in der westlichen Deutschschweiz (BL, BE, FR mit 56 von insgesamt 86 Tokens) stärker in Erscheinung als in der östlichen Hälfte; die Innerschweiz ist frei von Belegen. 10 Vgl. Artikel III-3.6 «Wohnstättennamen zu Rodungen». 11 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 12 Das Verbreitungsbild im Nordosten der Deutschschweiz spricht tendenziell für einen HerkunftsN zur thurgauischen Gemeinde Schlatt, doch ist zumindest für die anderen Ortspunkte ein WohnstättenN zu entsprechenden FlurN nicht auszuschliessen. 13 Beim FamN von Rohr (Egerkingen, Kestenholz SO) sprechen sowohl die Präposition als auch v. a. die Nähe zur Gemeinde Rohr (SO) für einen HerkunftsN, weshalb er vom vorliegenden Sample ausgeschlossen wurde; er würde sich aber dem eher westlichen Verbreitungsgebiet von Rohrer und Rohr anschliessen. 806 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="185"?> Vierte Karte {378}: Wohnstättennamen zu Moos und Ried kontrastiv Namenauswahl: Dargestellt sind sämtliche WohnstättenN des Typus Moos (vgl. zweite Karte) und des Typus Ried (vgl. dritte Karte). Die beiden Namengruppen werden hier kontrastiv kartiert, weil die jeweiligen zugrunde liegenden Lexeme in ihrer toponymischen Semantik Überschneidungen aufweisen. Abgefragte Namen Typ Moos: Amoos, Amos, Breitenmoser, Famos, Harzenmoser, Hüttenmoser, Immoos, Kramis, Moos, Mooser, Moosmann, Moser, Mosimann, Mosmann, von Moos, Vonmoos, Zmoos. 17 Types, 150 Tokens. Typ Ried: Grieder, Grossrieder, Imwinkelried, Kaltenrieder, Riedener, Rieder, Riederer, Riedo, Riedtmann, Rieter, Riethmann, Rietli, Rietmann, Zryd. 14 Types, 86 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 15-85, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 396: Daten zur vierten Karte {378} Detailangaben zur Namenauswahl: Wie in der zweiten und der dritten Karte erläutert, bezeichnen Toponyme mit Moos und Ried überwiegend feuchte oder sumpfige Gelände bzw. allgemein Feuchtgebiete. Villette/ Purves (2020: 116-117) haben für den Kanton St. Gallen festgestellt, dass sich Ried und Moos nicht unbedingt in Bezug auf ihre einzelnen Eigenschaften unterscheiden (beide sind mit nassen, schlecht entwässerten Standorten verbunden), sondern vielmehr hinsichtlich ihrer landschaftlichen Lage. Im Vergleich zu Moos wird Ried häufiger für tiefer gelegene, f lachere Standorte in der Nähe des Talbodens verwendet und ist zudem generell feuchter. Kommentar: Das kontrastive Kartenbild zeigt eine komplementäre Verbreitung der beiden Namentypen. Moos-Namen sind über die gesamte Deutschschweiz verbreitet, mit einem deutlichen Schwerpunkt in der Region Bern-Mittelland (BE) und dem angrenzenden Emmental (BE; 30 Tokens). Ried -Namen treten häufiger in der westlichen Deutschschweiz (BL, Berner Oberland, FR) auf, während sie in der Innerschweiz - im Gegensatz zu Moos-Namen - vollständig fehlen. Konzentrationen bestehen insbesondere in Basel-Landschaft und im Kanton Freiburg. Beide Namengruppen zeigen z. T. die für HerkunftsN typische Neigung zur Bildung regionaler Namennester, etwa Breitenmoser im Toggenburg (SG) oder Grossrieder im Kanton Freiburg. Entsprechend ist bei diesen beiden FamN allenfalls eher von einem Herkunftsals von einem WohnstättenN auszugehen. Ein klarer Zusammenhang zwischen Namentyp und bestimmten topo- Karte 378: WohnstättenN zu Moos und Ried kontrastiv, vor 1800 3.3 Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpflanzen 807 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="186"?> graphischen Gegebenheiten, etwa f lachen Lagen gegenüber stärker geneigten Gebieten, lässt sich aus dem vorliegenden Verbreitungsmuster nicht ableiten. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Moser (13'103 Tokens), Rohrer (3'729 Tokens) und Rieder (2'515 Tokens). Der Namenauswahl der ersten Karte schliessen sich einzelne und daher nicht kartierte FamN an, die im weiteren Sinne ein Ufergelände bezeichnen: Griessen im Berner Oberland (BE) zu schwzdt. Griess ‘toponymisch: Geschiebe, angeschwemmte Schuttmasse; angespültes Land’; Isler im deutschsprachigen Prättigau (GR) zum FlurN Insel aus rätorom. i(n)sla ‘Insel; toponymisch auch am Fluss liegendes, meist unbebautes, mit Erlen bestocktes Ufergelände’; 14 Amstad in Nidwalden und Stadtmann im Kanton Zürich zu schwzdt. Stad ‘Ufer, Gestade’. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013: 630-639) behandelt auf den Karten 280-283 WohnstättenN zu Moos wie Moser, Moos und Moosmann. Anknüpfungspunkte zum vorliegenden Artikel bieten auch die Karten 297-306 mit WohnstättenN zu Sumpfpf lanzen wie Rohrer oder Biesemann (DFA 4 2013: 670-691). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 5 = Schneider, Thomas F. (Hrsg.) (2017): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Fünfter Teil: Q-Sch. Tübingen: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2025): STATPOP 2024. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Sprachregion für das Jahr 2024. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 36062364 (letzter Zugriff 12.09.2025). DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 12.09.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Hoffmann-Allenspach, Tobias (2005): Fredy Scheim. In: Kotte, Andreas (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Bd. 3: R-Z, 1593. Zürich: Chronos. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Landolt, Christoph/ Graf, Martin H. (2012): Bünzli. Schweizerisches Idiotikon. Wortgeschichten. https: / / www.idiotikon.ch/ wortgeschichten/ buenzli (letzter Zugriff 12.09.2025). Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 12.09.2025). Sautermeister, Gert (2020): Keller, Gottfried: Die drei gerechten Kammacher. In: Arnold, Heinz L. (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon (KLL). Stuttgart: Metzler. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-476-05728-0_7092-1 (letzter Zugriff 12.09.2025). TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. Villette, Julia/ Purves, Ross S. (2020): From Microtoponyms to Landscape Using Semantics, Location, and Topography. The Case of Wald, Holz, Riet, and Moos in St. Gallen, Switzerland. The Professional Geographer 72(1), 109-120. WeNB = Stricker, Hans (2003-2017): Werdenberger Namenbuch. Die Orts- und Flurnamen der Region Werdenberg. 8 Bde. Buchs: Verlag Werdenberger Namenbuch. Linda Steiner, Esther Loosli 14 Für die restlichen Ortspunkte (AG; Aeschi bei Spiez BE; SH; TG; ZH) von Isler ist hingegen von einem FamN zu mhd. īsen ‘Eisen; verarbeitetes Eisen’ (für den Schmied, der Eisen bearbeitet, oder für den Eisenhändler) auszugehen (vgl. Artikel III-4.5 «Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung»). 808 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="187"?> 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation Schlagwörter: Hag, Holz, Laubbaum, Nadelbaum, Obstbaum, Strauch, Toponym, Wald Gegenstand und Fragestellung Der vorliegende Artikel setzt sich mit WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» auseinander, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 13.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zur semantischen Kategorie der Vegetation zählen. Von Interesse ist hierbei die Frage, inwieweit die Pf lanzenwelt der Deutschschweiz im Familiennamenbestand fest geworden ist. Der Fokus liegt auf jenen WohnstättenN, die zu Laubbäumen (erste und zweite Karte) bzw. zu Obstbäumen im Spezifischen (dritte Karte), zu Nadelbäumen (vierte Karte) und zu Sträuchern resp. Gebüsch (sechste Karte) gebildet sind. Diese Namengruppen wurden ausgewählt, weil sie die grössten Subkategorien innerhalb der WohnstättenN nach der Vegetation darstellen. Ergänzend zu den ersten vier Karten bildet die fünfte Karte FamN mit Holz und Wald kontrastiv ab, während die siebte Karte in Ergänzung zur vorhergehenden sechsten Karte (Sträucher und Gebüsch) den häufigen WohnstättenN mit Hag (in der Bedeutung ‘grüne, lebendige Hecke’ u. ä.) gewidmet ist. WohnstättenN zu Sumpfpf lanzen wie Binz werden separat im Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen» behandelt. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass bei der Namenauswahl für diesen Themenkomplex generell eher weite Selektionskriterien angewendet wurden. Zu bedenken bleibt bei den nachfolgenden Samples daher stets, dass (Be-)Deutungskonkurrenzen häufig nicht ausgeschlossen werden können: Im Folgenden werden - wie bei den anderen Artikeln zu WohnstättenN - auch FamN abgebildet, die mehreren Motivgruppen innerhalb der WohnstättenN (z. B. FamN Denner, s. vierte Karte) und/ oder mehreren Benennungsmotiven zugeordnet werden können. So stellt sich z. B. der FamN Hegner (SZ, ZH) entweder als WohnstättenN zu schwzdt. Hag ‘grüne, lebendige Hecke’ u. ä. bzw. zu einem Toponym derselben Grundlage (s. siebte Karte) oder aber als BerufsN zu schwzdt. Hag(e)ner ‘Angelfischer; Berufsfischer, der mit der Hegene(n) (einer speziellen Angel) fischt’. Insbesondere ist die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN zwar aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, vielfach ist eine exakte Zuordnung jedoch nicht ohne Weiteres realisierbar (zur problematischen Abgrenzung dieser beiden Benennungsmotive s. Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). Bspw. kommen für den häufigen FamN Walder sowohl Flurals auch SiedlungsN als Ausgangsorte infrage. Meist lässt sich ebenfalls nicht mehr eruieren, ob ein spezifischer WohnstättenN auf ein Toponym oder direkt auf ein ortsbezeichnendes Appellativ zurückgeht; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 809 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="188"?> Erste und zweite Karte {379, 380}: Wohnstättennamen zu Laubbäumen Namenauswahl: Die ersten drei Karten umfassen WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die auf ein Toponym resp. auf ein ortsbezeichnendes Appellativ zurückgehen, das einen (spezifischen) Laubbaum oder eine Ansammlung von Laubbäumen bezeichnet. 2 Mit insgesamt 85 Types und 501 Tokens erweisen sich die WohnstättenN zu Laubbäumen als die grösste Subkategorie innerhalb der hier behandelten Motivgruppe. Die FamN werden nach der zugrunde liegenden Laubbaumbezeichnung gruppiert. Sie lassen sich 15 verschiedenen Laubbäumen zuordnen, wobei die Buche, die Eiche, die Esche und die Linde am häufigsten in den Familiennamenbestand eingegangen sind. Diese WohnstättenN werden daher separat in der ersten Karte abgebildet. Die zweite Karte enthält die WohnstättenN zu allen weiteren Laubbäumen, mit Ausnahme der Obstbäume, die in der dritten Karte getrennt behandelt werden, um das Kartenbild nicht zu überladen. Für die heutige tatsächliche und statistisch modellierte potenzielle Verbreitung der Laubbäume vgl. die Online-Karten des Landesforstinventars (WSL 2025). 3 Abgefragte Namen Typ Buche: Buchegger, Buchenhorner, Bucher, Buchhofer, Büchi, Büchle, Büchli, Büchlin, Buchmann, Buchschacher, Buchwalder, Buholzer, Buschauer, Buschor, Hagenbuch, Hagenbucher, Hagenbüchli, Kressebuch, Zurbuchen. 19 Types, 158 Tokens. Typ Eiche: Eich, Eichelberger, Eichenberger, Eicher, Eichholzer, Eichi, Eichler, Eichlisberger, Eichmann, Eiholzer, Eyholzer, Ineichen, Zureich. 13 Types, 72 Tokens. Typ Esche: Aeschbach, Aeschbacher, Aeschi, Aeschimann, Aeschlimann, Aeschmann, Eschbach, Escher, Eschler, Eschmann, Imesch, Oesch, von Escher. 13 Types, 53 Tokens. Typ Linde: Lendenmann, Lindegger, Lindemann, Linden, Lindenberger, Lindenmann, Linder, Liniger, Zurlinden. 9 Types, 42 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 397: Daten zur ersten Karte {379} Abgefragte Namen Typ Ahorn: Ahorn, Anhorn, Imahorn. 5 Tokens. Typ Birke: Bircher, Birchler, Birkhofer, Birrer, Bürcher, Bürker. 6 Types, 31 Tokens. Typ Erle: Ehrler. 9 Tokens. Typ Espe: Asper. 1 Token. Typ Felbe: Fehlbaum, Felber. 21 Tokens. Typ Rüster: Rusterholz. 4 Tokens. Typ Salweide: Sallenbach. 4 Tokens. Typ Weide: Weidenmann, Widler, Widli, Widmann, Wiedemann, Wiedler, Wiedmann, Wyden, Wyder, Wydler. 10 Types, 37 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 398: Daten zur zweiten Karte {380} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Laubbaumbezeichnungen) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Die FamN Ahorn, Anhorn und Imahorn stellen sich zu schwzdt. Ahorn, Anhorn u. ä. ‘Ahorn’ (aus ahd., mhd. ahorn). Imahorn enthält die Präposition-Artikel-Enklise im ‘in dem’. Bei Anhorn handelt es sich um eine in die Mundart eingedrungene hyperkorrekte Wortform mit n. 5 • Typ Birke: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Birch, Birche(n) u. ä. ‘Birke’ (aus ahd. birka, biricha, mhd. birke, birche). Der FamN Birrer (mit Schwerpunkt LU) zeigt lautgesetzlichen ch-Schwund, 6 während der Frikativ in Birkhofer und Bürker in verschriftsprachlichter Form erscheint. • Typ Buche: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Buech, Bueche(n), Bue(he) ‘Buche; Buchengehölz, Buchenwald’, auch ‘Wald überhaupt’ (aus ahd. buohha, mhd. buoche resp. mhd. buoch). Gemäss TNB 2.2 (2007: 104) bezieht sich Büchel in FlurN oft nicht auf die Buche im Allgemeinen, sondern auf die Buchnuss im Spezifischen. Bei Büchle, Büchli, Büchlin bestehen zudem semantische Überschneidungen mit FamN zu schwzdt. Büchel, Büel, Bühel u. ä. ‘kleine Erhebung’. 7 Bei Buschauer und Buschor liegt das Kompositum Buechschore ‘mit Buchen besetzter Erdbruch bzw. aufragender Geländekopf ’ zugrunde; Kressebuch ist als ‘Buchengehölz, wo es viel Kresse hat’ zu deuten (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 6000191). • Typ Eiche: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Eich, Eiche(n) ‘Eiche, Eichengehölz’ (aus ahd. eih, eihha, mhd. eich, eiche). Eine Verbindung von Eicher mit der Berufsbezeichnung mhd. īcher ‘Eichmeister, Visierer’, wie sie für nicht-alemannische FamN gelegentlich angenommen werden kann, ist für die Deutschschweiz aus lautlichen Gründen auszuschliessen. Zur Kulturgeschichte und zur medizinischen Verwendung der Eiche beachte man das LexMA (1977-1999: s. v. Eiche). • Der FamN Ehrler stellt sich zu schwzdt. Erle(n) ‘Erle’ (aus ahd. elira, erila, mhd. erle). Die Schreibung mit <h> ist gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) umdeutend, weil sie einen Bezug zum Wort Ehre nahelegt. 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Für FamN mit allgemeinerem Baum und Laub vgl. Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle». Sie wurden hier nicht eigens kartiert, da sie eher niederfrequent sind oder sich eher als HerkunftsN deuten lassen. 3 Man beachte zudem die Ausführungen im LexMA (1977-1999: s. v. Nadel- und Laubhölzer) für die Verhältnisse im mittelalterlichen Mitteleuropa. Generell zur historischen Entwicklung in der Schweiz vgl. das e-HLS (2024: s. v. Wald ) und zur vielfältigen Bedeutung von Bäumen für den Menschen vgl. Iodice (2004: 805-806). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 5 Zur Präposition in vgl. Artikel II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in». Zur Tilgung von n in Deutschschweizer FamN vgl. Artikel I-2.1 «Nasalschwund». 6 Vgl. dazu die Angaben im Online-Portal familiennamen.ch (o. J.: s. v. Birrer): «1408 gab es bspw. einen Hans Bircher im luzernischen Willisau, 1607 einen Christian Bircher in der Stadt Luzern und 1627 einen Jakob Birher wiederum in Willisau». 7 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 810 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="189"?> Karte 379: WohnstättenN zur Buche, Eiche, Esche und Linde, vor 1800 Karte 380: WohnstättenN zu weiteren Laubbäumen, vor 1800 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 811 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="190"?> • Typ Esche: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Esch, Esche(n) ‘Esche’ (aus ahd. asc, asca, mhd. asch, esch, esche). Als konkurrierende Deutung können die FamN z. T. auch in Bezug zu schwzdt. Esch (aus ahd. ezzisc, mhd. ezzisch, ezesch, esch) stehen, welches Teil der Dreifelderwirtschaft ist. Der Begriff bezeichnet den Grund einer Dorfgemeinde, zu dem Wiesen und das eingezäunte, gewöhnlich vom Weiderecht ausgeschlossene Saatfeld gehören. 8 Für Aeschi kommt zudem eine Koseform zu einem Ruf N wie Ascwini, Ascarich o. ä. infrage. • Der FamN Asper stellt sich zu schwzdt. Asp(e), Espe(n) ‘Espe, Zitterpappel’ (aus ahd. aspa, mhd. aspe). • Der FamN Felber stellt sich zu schwzdt. Fëlwe(n), Fëlbe(n) u. ä. ‘Weide, Weidenstock, Salix alba, Pappel’ (aus ahd. fel(a)wa, felwo, mhd. vëlwe(r)). Die Variante Fehlbaum zeigt Erweiterung mit verdeutlichendem -baum, vgl. etwa auch Tannenbaum für ‘Tanne’. • Typ Linde: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Linde(n) ‘Linde’ (aus ahd. linta, mhd. linde, linte). Unter Linden wurden früher Gemeindeversammlungen, Landsgemeinden, aber auch Gerichtstage abgehalten (vgl. LexMA 1977-1999: s. v. Linde; e-HLS 2018: s. v. Gerichtswesen). • Das Erstglied des FamN Rusterholz stellt sich zu schwzdt. Ruester, Ruestere(n) ‘Ulme, Rüster’ (aus ahd. ruost, mhd. rust + er(e) -Suffix). Da diese Baumart «ein vorzügliches Wagnerholz liefert» (Id. 6 1881 ff.: Sp. 1558), mag man bei Rusterholz allenfalls auch an einen BerufsüberN für den Wagner denken. • Das Erstglied des FamN Sallenbach stellt sich zu schwzdt. Sa(a)le(n), Sa(a)lwīd, Sa(a)lwīde(n) ‘Salweide, Dotterweide’, auch ‘Weide überhaupt’ (aus ahd. salaha, salahwīda, mhd. salhe, salewīde). • Typ Weide: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Wīd, Wīde(n) ‘Weide im Allgemeinen, oft auch spezifische Weide wie Korb-, Silber- oder Salweide’ (aus ahd. wīda, mhd. wīde). Die Semantik von schwzdt. Wīd, Wīde(n) und schwzdt. Fëlwe(n), Fëlbe(n) ebenso wie schwzdt. Wīd, Wīde(n) und schwzdt. Salwīd, Salwīde(n) ist somit teilweise gleich. Die Aussprache mit monophthongischer Stammsilbe - auch bei Weidenmann, mundartlich «Widemaa» - unterscheidet die vorliegenden FamN von Weidmann, mundartlich «Wäipme» mit diphthongischer Stammsilbe (vgl. Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 172); letzterer Name stellen Berchtold/ Graf (i. V.: s. v. Weidmann) zu schwzdt. Weid, Weide(n) ‘Weide, Grasland, Futterplatz für Tiere’. 9 Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, die den hier kartierten WohnstättenN zugrunde liegen, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. Die Auswahl enthält auch Komposita mit Bezeichnungen für einen Laubbaum als Bestimmungswort (z. B. Buchwalder, Lindenberger). Die kartierten FamN zeigen grösstenteils eines der vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN: Zu den PräpositionsN gehören z. B. Zurbuchen, Imesch und Zurlinden, während etwa Ahorn, Eich und Fehlbaum endungslos sind. Das Sample umfasst zudem Ableitungen auf -er wie Ehrler und solche auf -mann wie Buchmann. 10 Die Präposition von markiert im FamN von Escher den adligen resp. patrizischen Status der Namenträger: innen. 11 Kommentar: Die erste und die zweite Karte zeigen, dass sich WohnstättenN zu (spezifischen) Laubbäumen mehrheitlich im Mittelland ballen, während Belege in (vor-)alpinen Regionen wie den Kantonen Nidwalden und Obwalden, dem Berner Oberland oder dem Wallis seltener sind. Weitläufige Vorkommen in verschiedenen Gebieten der Deutschschweiz zeigen der Typ Ahorn (AR, GR, VS), der Typ Birke (v. a. LU, AG, BE, VS), der Typ Buche (v. a. LU, ZH, TG, AG, BE), der Typ Eiche (v. a. LU, AG, SG), der Typ Linde (v. a. BE, LU) und der Typ Weide (v. a. ZH, TG). 12 Die FamN zur Esche verteilen sich mehrheitlich über die westliche Deutschschweiz, konkret von Basel- Landschaft über das bernische Emmental (hier insbesondere Aeschlimann, Aeschbacher) bis ins Wallis. Ein regional beschränktes Auftreten liegt bei Ehrler im Kanton Schwyz sowie Asper, Sallenbach und Rusterholz im Kanton Zürich vor. Der Typ Felbe ist vorwiegend im Grenzgebiet der Kantone Luzern, Bern und Solothurn alteingesessen. Wie bereits erwähnt, erreichen die FamN zu den Baumarten Buche, Eiche, Esche und Linde in der Schicht «vor 1800» die höchsten Tokenfrequenzen. Innerhalb dieser Vierergruppe sticht der erstgenannte Namentyp deutlich hervor: Mit 158 Tokens macht der Typ Buche rund ein Drittel aller Belegorte in den ersten zwei Karten aus. Das hohe Vorkommen im Familiennamenbestand entspricht der (historischen) Häufigkeit des Laubbaums im betreffenden Gebiet. 13 So hält das LexMA (1977-1999: s. v. Nadel- und Laubhölzer) fest, dass die Rotbuche auf der Basis pollenanalytischer Untersuchungen im frühen Mittelalter einen grossen Anteil an den Laubwäldern Mitteleuropas hatte. Auch heute zählt die Buche zu den häufigsten Laubbäumen der Schweiz, doch sie hat deutlich an Terrain verloren (vgl. WSL 2025). 8 Vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» (erste Karte). 9 Vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» (zweite Karte). 10 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» sowie II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 11 Vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 12 Präzisierend sei Folgendes angemerkt: Der FamN Birrer tritt mehrheitlich als Cluster im Kanton Luzern in Erscheinung und ist basierend auf seiner Verbreitung dort wohl als HerkunftsN zum SiedlungsN Birr (AG) zu deuten. Der FamN Ineichen ballt sich stark rund um die luzernische Gemeinde Eich am Sempachersee und Eichelberger ist im Umkreis des Hofs Eichenberg (Lützelf lüh BE) belegt, was beides tendenziell eher für eine Einteilung als HerkunftsN spricht. Grundsätzlich sind aber häufig verschiedene mögliche Bezugspunkte auszumachen; bspw. handelt es sich bei Hagenbuch und Hagenbucher wahrscheinlich teils um WohnstättenN, teils um HerkunftsN zur Gemeinde Hagenbuch (ZH). 13 Diese spiegelt sich wiederum auch in ÖrtlichkeitsN wider: «Von allen Baumbezeichnungen ist der Name der Buche in den schweizerischen Toponymen die verbreiteste» (BSNB 2 2016: 169). 812 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="191"?> Dritte Karte {381}: Wohnstättennamen zu Obstbäumen Namenauswahl: Die dritte Karte gilt WohnstättenN zu Obstbäumen und komplettiert somit die zwei vorhergehenden Kartenbilder zu Laubbäumen. Die FamN werden nach der zugrunde liegenden Baumart gruppiert. Für die heutige tatsächliche und statistisch modellierte potenzielle Verbreitung der Obstbäume vgl. die Online-Karten des Landesforstinventars (WSL 2025). Abgefragte Namen WohnstättenN zum Apfelbaum: Affolter. 20 Tokens. WohnstättenN zum Birnbaum: Birbaum, Weissbaum. 8 Tokens. WohnstättenN zum Nussbaum: Nussbaum, Nussbaumer, Nussberger. 36 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 399: Daten zur dritten Karte {381} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Obstbäume) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Der FamN Affolter stellt sich zu ahd. affoltra, affaltar, mhd. apfalter, affalter ‘Apfelbaum’ und ist morphologisch vielleicht haplologisch gekürzt aus *Affolterer. Nach dem LexMA (1977-1999: s. v. Apfel ) spielte der Apfel im gesamten Mittelalter unter allen Obstarten die bedeutendste Rolle; daneben fanden Birnen, Zwetschgen und Kirschen allgemeine Verbreitung (LexMA 1977-1999: s. v. Obst und Gemüse). • Der FamN Birbaum stellt sich zu schwzdt. Birbaum, Bire(n)baum ‘Birnbaum’ (aus ahd. biraboum, piraboum, mhd. birboum). Beim FamN Weissbaum handelt es sich gemäss ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 261066226) um eine Klammerform zum Appellativ bzw. Toponym Wis(s)birbaum (aus schwzdt. Wis(s)bire ‘Birnensorte mit weisslicher oder hellgelber Schale, eine spätreifende, kleinere Mostbirne’). • Die FamN Nussbaum und Nussbaumer stellen sich zu schwzdt. Nussbaum ‘Nussbaum, Walnussbaum’ (aus ahd. (h)nuzboum, mhd. nuzboum). Dem FamN Nussberger liegt das häufige Toponym Nussberg zugrunde, das Anhöhen mit Nussbaumbestand bezeichnet. Zum Obstbau in der (mittelalterlichen) Schweiz vgl. das e-HLS (2010: s. v. Obstbau); für Walnussbäume im Spezifischen beachte man den Eintrag im LexMA (1977-1999: s. v. Nüsse). Zu (Nutz-)Pf lanzen im Mittelalter s. die ausführliche Darstellung in Birkhan (2012). Für Karte 381: WohnstättenN zu Obstbäumen, vor 1800 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 813 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="192"?> Berufs(über)N zum Anbau von Obst wie Birmann oder Kriesi (‘Kirsche’) vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN mehrheitlich nur ein regionales Vorkommen aufweisen: So tritt der FamN Affolter ausschliesslich im Bezirk Bern-Mittelland nahe der solothurnischen Kantonsgrenze auf und formt dort ein deutliches Namennest. 14 Die FamN zum Birnbaum clustern im Kanton Freiburg. Einzig die WohnstättenN zum Nussbaum erreichen eine überregionale Verbreitung, wobei sich die entsprechenden Belege schwerpunktmässig in den westlichen Kantonen der Deutschschweiz (BE, AG, SO) konzentrieren. Vierte Karte {382}: Wohnstättennamen zu Nadelbäumen Namenauswahl: Die vierte Karte rückt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» in den Fokus, die auf Bezeichnungen von (spezifischen) Nadelbäumen bzw. Ansammlungen von Nadelbäumen oder auf entsprechende Toponyme zurückgehen. Die FamN werden nach der zugrunde liegenden Nadelbaumart gruppiert. Für die heutige tatsächliche und statistisch modellierte potenzielle Verbreitung der Nadelbäume vgl. die Online-Karten des Landesforstinventars (WSL 2025). Abgefragte Namen WohnstättenN zur Eibe: ab Yberg, Ibach, Iberg, Zibach, Zybach. 8 Tokens. WohnstättenN zur Föhre: Dähler, Dällenbach, Dellenbach, Fiechter, Forer, Forrer, Tellenbach, Theler. 8 Types, 38 Tokens. WohnstättenN zur Lärche: Lerch, Lerchi. 12 Tokens. WohnstättenN zur Tanne: Beusch, Büsch, Dannacher, Denner, Dennler, Tanner, Tännler. 7 Types, 68 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 30-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 400: Daten zur vierten Karte {382} Detailangaben zur Namenauswahl: Ein Vergleich mit den ersten drei Karten offenbart, dass WohnstättenN zu Nadelbäumen mit insgesamt 22 Types und 126 Tokens seltener sind als solche zu Laubbäumen. Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Nadelbäume) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Das Erstglied der FamN ab Yberg, Ibach, Iberg, Zibach und Zybach stellt sich zu schwzdt. Īw, Īwe(n), Ei(j)e(n) u. ä. ‘Eibe’ (aus ahd. īwa, Karte 382: WohnstättenN zu Nadelbäumen, vor 1800 14 Als Referenzorte kommen etwa Affoltern i. E. (BE) und Grossaffoltern (BE), aber auch verschiedene kleinere Örtlichkeiten infrage. 814 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="193"?> mhd. īwe, ībe). Bei Zibach und Zybach liegt eine Bildung mit agglutinierter Präposition mhd. ze ‘zu, an, bei’ für eine an einem solchen Ort bzw. Gewässer wohnhaften Person vor. 15 • Den FamN zur Föhre liegen drei verschiedene Lexeme zugrunde: Forer und Forrer stellen sich zu schwzdt. Forch, For(ch)e(n) u. ä. ‘Föhre, Kiefer’ (aus ahd. for(a)ha, mhd. vorhe), während der FamN Fiechter auf schwzdt. Fiechte(n), Füchte(n) ‘Föhre, Kiefer’ (aus ahd. fiuhta, fiohta, mhd. viehte) beruht. Dieses Lexem ist in den Mundarten v. a. in der Nordwestschweiz gebräuchlich. Die restlichen FamN der Gruppe gehören zu schwzdt. Tääl, Tääle(n) ‘Föhre, Kiefer’. Tääl, Tääle(n) ist v. a. in der westlichen Deutschschweiz verbreitet und wird als Lehnwort auf frankoprov. daille zurückgeführt (Id. 12 1881 ff.: Sp. 1398). 16 Der FamN Dähler (Appenzell AI; BE) ist in Appenzell (AI) allerdings anders zu deuten, 17 denn die Schreibung mit <äh> ref lektiert die mundartliche Aussprache von mhd. ei. Daher wurde der Kreis in Appenzell (AI) in der Karte ausgeblendet. • Die FamN Lerch und Lerchi stellen sich zu schwzdt. Lärch, Lerch, Lärche(n) u. ä. ‘Lärche’ (aus ahd. lerihha, mhd. larche, lerche). Alternativ ist als Etymon schwzdt. Lerch, Lerche(n) u. ä. ‘Lerche’ (aus ahd. lerih, lērihha, mhd. lerche, lērche) als ÜberN für einen sangesfrohen Menschen bzw. als BerufsüberN für einen Vogelfänger, Vogelhändler denkbar. • Die FamN zur Tanne stellen sich mehrheitlich zu schwzdt. Tann, Tanne(n) ‘Tanne, Nadelbaum im Allgemeinen; Tann, Nadelwald’ (aus ahd. tanna, mhd. tanne resp. ahd. tan-, mhd. tan). Für Denner und Dennler kommt daneben ein WohnstättenN zu schwzdt. Tenn ‘ebener Platz im Freien; Lauf-, Futtergang im Viehstall; Raum zum Einführen und Abladen von Heufudern’ infrage. 18 Die Namengruppe vervollständigen die zwei FamN Beusch und Büsch, denen bündnerdt. Büsch ‘struppiges Tännchen, junges Tännchen’ zugrunde liegt. Das Sample enthält auch Komposita mit Bezeichnungen für einen Nadelbaum als Bestimmungswort (z. B. Iberg, Tellenbach). Die Namenauswahl besteht vorwiegend aus endungslosen Formen und Suffigierungen mit -er. Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass sich WohnstättenN zu Bezeichnungen von Nadelbäumen oder zu entsprechenden Toponymen über mehrere Teilgebiete der Deutschschweiz erstrecken: Die Belege häufen sich im Westen in den Kantonen Bern, Luzern, Aargau und Basel-Landschaft sowie in der Nordostschweiz (v. a. SG, AR). Dagegen treten im Kartenbild u. a. grosse Teile der Innerschweiz, des Berner Oberlands, des Berner Seelands und des Wallis zurück. Die weitläufigste Verbreitung zeigen die FamN zur Tanne, die insbesondere in den Kantonen Bern, Luzern und Appenzell Ausserrhoden stark vertreten sind. Beusch tritt in Buchs (SG) und Grabs (SG) auf, Büsch in Davos (GR) und Maienfeld (GR), sodass von einem (dialektal begründeten) regional beschränkten Vorkommen gesprochen werden kann. Ebenfalls übereinstimmend mit der dialektalen resp. toponymischen Verbreitung ballen sich erstens Belege von Fiechter fast ausschliesslich in den Kantonen Bern und Basel-Landschaft (daneben 1 Token in Castiel GR), zweitens Dähler sowie Dällenbach, Dellenbach, Tellenbach im Kanton Bern (v. a. im Emmental) und drittens Theler (im Vergleich zu Dähler wohl mit geschlossenerer Aussprache) im Wallis. Die FamN zur Eibe weisen einerseits einen spezifischen Verbreitungsraum im Berner Oberland auf (hier Ibach, Zibach und Zybach), andererseits streuen sie (Iberg in Küttigen AG, ab Yberg in Schwyz SZ). Der FamN Lerch clustert im Grenzgebiet der Kantone Luzern, Bern, Aargau und Solothurn, während Lerchi in Flims (GR) alteingesessen ist. 15 Vgl. Artikel II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu». 16 Zur dialektalen Verbreitung von Fiechte(n), For(ch)e(n) und Tääl(e) vgl. den SDS VI (1988: Karte 128). 17 Er beruht nämlich wie der FamN Theiler auf schwzdt. teile(n) oder schwzdt. Teil als ÜberN für den Teilhaber oder Berechtigten z. B. an Gemeindegütern oder als BerufsN für denjenigen, der im Säumerwesen den einzelnen Säumern oder Saumkolonnen die Waren zuteilt. 18 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 815 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="194"?> Fünfte Karte {383}: Wohnstätten- und Herkunftsnamen mit Holz und Wald Namenauswahl: Die fünfte Karte behandelt Wohnstätten- und HerkunftsN aus der Schicht «vor 1800», die auf schwzdt. Holz und schwzdt. Wald resp. auf Toponymen derselben Grundlage basieren. Berücksichtigt werden hier bewusst auch FamN wie Bellwalder (zur Gemeinde Bellwald VS), die Berchtold/ Graf (i. V.) eher als HerkunftsN auffassen, um ein vollständigeres Bild zu erhalten. Da die Lexeme Holz und Wald in «älterer Zeit gleichbedeutend» waren (FLNB I/ 5 1999: 572), interessiert die Verbreitung der daraus entstandenen FamN. Sie werden daher nach dem zugrunde liegenden Lexem in zwei Gruppen unterteilt und kontrastiv dargestellt. Das Sample umfasst auch Komposita mit Holz oder Wald als Bestimmungsbzw. Grundwort (z. B. Grossholz, Waldburg). Abgefragte Namen Typ Holz: Banholzer, Bannholzer, Bietenholz, Bruholz, Brunisholz, Brünisholz, Buholzer, Dürholz, Ehrliholzer, Eichholzer, Eiholzer, Eyholzer, Freiholz, Fürholz, Grossholz, Grunholzer, Holzach, Holzer, Hölzli, Holzmann, Imholz, Jungholz, Kestenholz, Kielholz, Kienholz, Mittelholzer, Oberholzer, Rusterholz, Scheinholzer, Schönholzer, Seeholzer, von Holzen. 32 Types, 114 Tokens. Typ Wald: Bellwald, Bellwalder, Braunwalder, Brennwald, Brennwalder, Buchwalder, Dauwalder, Doswald, Finsterwald, Grünenwald, Grünwald, Howald, Markwalder, Osterwald, Osterwalder, Schwarzwald, Taugwalder, von Waldkirch, Vonwald, Voramwald, Waldburg, Waldburger, Walde, Walden, Walder, Waldkirch, Waldmann, Waldner, Waldsburger, Waldspurger, Wetterwald, Wisswald, Zum Wald, Zumtaugwald, Zumwald, Zwald. 36 Types, 110 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 30-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 401: Daten zur fünften Karte {383} Detailangaben zur Namenauswahl: Die ausgewählten FamN enthalten ahd., mhd. holz ‘Wald, Gehölz, Holz’ resp. ahd. wald, mhd. wald, walt ‘Wald, Gehölz, Baumbestand’ oder stellen sich zu einem darauf basierenden Toponym. Wie der DFA 4 (2013: 693) festhält, wurde «mehrdeutiges ahd. holz […] seit dem 10./ 11. Jh. zugunsten von ahd. und altsächs. wald ‘Wald’ allmählich auf die Bedeutung ‘Holz’ eingeengt» (vgl. auch BSNB 2 2016: 368; s. jedoch DFA 4 2013: 710). Auch für das bernische Kantonsgebiet konstatiert das BENB I/ 2 (1987: Sp. 286) auf der Grundlage seines Belegmaterials, dass «Holz der ältere, Wald der jüngere Terminus» sei. 19 Karte 383: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Holz und Wald, vor 1800 19 Vgl. auch für den Kanton Thurgau: Wald «ist als Flurname etwas jünger als Holz und auch nicht so weit verbreitet» (TNB 2.2 2007: 641). Für einen Vergleich von Wald - und Holz-Toponymen im Kanton St. Gallen s. Villette/ Purves (2020). 816 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="195"?> Die vorliegende Namenauswahl veranschaulicht die grundsätzliche Schwierigkeit, Wohnstätten- und HerkunftsN klar voneinander abzugrenzen (s. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung»). Die Karte enthält einerseits FamN, die sich leicht(er) einem der beiden Benennungsmotive zuordnen lassen: Bspw. fassen Berchtold/ Graf (i. V.) Banholzer und Bannholzer als WohnstättenN zu einem der häufigen FlurN Ban(n)holz auf (diese beziehen sich i. d. R. auf Waldgebiete, in denen das Holzschlagen nicht oder nur zu bestimmten Zeiten erlaubt ist). Im Unterschied dazu liegt beim FamN Brünisholz (Albligen, Wahlern BE; Alterswil, Essert, St. Ursen FR) mit seiner Variante Brunisholz (Freiburg, Praroman FR) sehr wahrscheinlich ein HerkunftsN zum gleichnamigen Toponym in der Gemeinde Bonnefontaine (FR) vor. Andererseits ordnen sich zwischen diesen beiden Polen weitere FamN ein; so etwa Schwarzwald, der sich als Herkunfts- oder aber als WohnstättenN zu einem Toponym Schwarzwald stellt, das nicht nur als Makrotoponym etwa in Baden-Württemberg (Deutschland) vorkommt, sondern auch mehrfach als FlurN in der Schweiz bezeugt ist (vgl. z. B. ortsnamen.ch o. J.: Nr. 4032475). Neben der Klassifizierung als Wohnstätten- oder HerkunftsN kommt für Holzer, Holzmann sowie Walder, Waldner eine Deutung als BerufsN ebenfalls infrage (zu mhd. holzer ‘Holzhauer, Zimmermann’ resp. zu mhd. waldenære ‘Waldaufseher’, schwzdt. Walder ‘Waldarbeiter, Holzfäller’). Der FamN Waldmann kann als WohnstättenN im Sinne von ‘Waldbewohner’, aber auch als BerufsN für einen Waldhüter oder als Patronym zum althochdeutschen Ruf N Waldman gedeutet werden. Insbesondere für Walde und Walden besteht ausserdem Deutungskonkurrenz zwischen einem WohnstättenN und einem Patronym zur althochdeutschen Kurzform Waldo. Für Brennwald ist schliesslich auch eine Deutung als SatzN im Sinne von ‘Brenn [den] Wald’ denkbar, der sich wohl als BerufsüberN auf eine Person bezieht, die mit Brandrodung betraut war. 20 Kommentar: Die fünfte Karte zeigt, dass FamN mit Holz resp. Wald in vielen Regionen der Deutschschweiz alteingesessen sind und sich ihre Verbreitungsgebiete überlappen. Appellativisches oder toponymisches Holz ist ungefähr gleich häufig in den Familiennamenbestand eingegangen wie Wald und tritt in den Kantonen Thurgau, Bern, Zürich, Luzern, Wallis und St. Gallen mit je mindestens 10 Tokens in Erscheinung. FamN mit Wald ballen sich insbesondere am Zürichsee, wobei die meisten Belege auf Walder fallen (21 von insgesamt 26 Tokens in ZH). 21 An zweiter Stelle folgt der Kanton Bern mit 20 Tokens, wo der FamN Howald (insgesamt 6 Tokens) im Oberaargau clustert. 20 Vgl. Artikel II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 21 Allein für den Kanton Zürich kommen mindestens sieben Ortschaften mit dem Namen Wald als Ausgangsort infrage, darunter etwa die gleichnamige Gemeinde im Bezirk Hinwil. Wald ist jedoch auch als Flurnamentyp häufig, der ebenfalls im Familiennamenbestand der Deutschschweiz fest werden konnte. 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 817 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="196"?> Sechste Karte {384}: Wohnstättennamen zu Sträuchern und Gebüsch Namenauswahl: Die sechste Karte widmet sich WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die auf einem ortsbezeichnenden Appellativ in der Bedeutung ‘Strauch, Busch; Gesträuch, Gebüsch’ oder auf einem damit gebildeten Toponym beruhen. Berücksichtigt werden auch spezifische Arten von Sträuchern wie bspw. Brombeer- oder Haselsträucher. Die FamN werden nach dem zugrunde liegenden Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst vier Einzelfälle zusammen. Für die heutige tatsächliche und statistisch modellierte potenzielle Verbreitung von spezifischen Sträuchern vgl. die Online-Karten des Landesforstinventars (WSL 2025). Abgefragte Namen Typ Bosch: Böesch, Bosch, Bösch. 33 Tokens. Typ Buchs: Buchs, Buchser. 13 Tokens. Typ (Hage-)Dorn: Dorner, Hadorn, Hagedorn, Heckendorn, Heggendorn. 12 Tokens. Typ Hasel: Haselbach, Haslach, Haslemann, Hasler, Haslimann, Hassler, Imhasly. 7 Types, 41 Tokens. Typ Hurst: Horst, Hurst, Hürst. 5 Tokens. Typ Rīs: Reiser, Riser, Risser, Ryser. 22 Tokens. Typ Stūde: Staudacher, Staudenmann, Stauder, Steudler, Stouder, Stoudmann, Stüdeli, Studemann, Studer, Studhalter, Stüdi, Studiger, Studinger, Stüdle, Stüdli. 15 Types, 96 Tokens. Sonstige: Bromberger, Holler, Mischler, Schlee. 7 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 402: Daten zur sechsten Karte {384} Detailangaben zur Namenauswahl: FamN zu Sträuchern und Gebüsch lassen sich nicht strikt von FamN zu lebendigen Hecken bzw. Einfriedungen trennen; entsprechend sind die sechste und die siebte Karte im Verbund zu betrachten. Bspw. enthält das vorliegende Kartenbild FamN wie Hadorn und Hagedorn, die sich gemäss DFA 4 (2013: 791) oft «nicht auf die Wohnstätte bei einzelnen Weißdornsträuchern, sondern auf mit diesen gebildete Hecken bzw. entsprechend umfriedete Grundstücke beziehen» dürften (s. auch DFA 4 2013: 798). Die vier FamN mit Hag / Hecke als Bestimmungswort (Hadorn, Hagedorn, Heckendorn, Heggendorn) werden daher in der siebten Karte noch einmal abgebildet. Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namentypen (in alphabetischer Reihenfolge der zugrunde liegenden Lexeme) an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: Karte 384: WohnstättenN zu Sträuchern und Gebüsch, vor 1800 818 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="197"?> • Die FamN Böesch, Bosch und Bösch stellen sich zu schwzdt. Bosch, Pösch u. ä. ‘Strauch, Busch, Gesträuch’ (aus ahd. busc, bosc, mhd. busch, bosch(e)). Die Form Böesch ref lektiert die für bestimmte Rheintaler Dialekte charakteristische diphthongische Zerdehnung des Stammsilbenvokals. • Die FamN Buchs und Buchser stellen sich zu schwzdt. Buchs ‘Buchs, Buchsbaum’ (aus ahd., mhd. buhs). • Typ (Hage-)Dorn: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Hage(n)dorn als Bezeichnung verschiedener Dornsträucher, u. a. ‘Weissdorn’, ‘Heckenrose’ oder ‘Brombeerstrauch’ (aus mhd. hage(n)dorn). Neben Komposita enthält diese Namengruppe auch den FamN Dorner zu schwzdt. Dorn, Dore(n) u. ä. ‘Dorn, Dornstrauch, Brombeerstrauch, Sanddorn’ (aus ahd. thorn, dorn, mhd. dorn). • Typ Hasel: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Hasle(n) ‘Haselstaude, Haselnussstrauch’ (aus ahd. hasal, hasala, mhd. hasel ). Die Hasel diente in früherer Zeit u. a. «als Lebens- und Wünschelrute, zum Schutz vor Schlangen, bösen Geistern, Hexen oder Gewitter, als Orakelpf lanze und erot. Fruchtbarkeitssymbol sowie zur sympathet. Krankheitsübertragung» (LexMA 1977-1999: s. v. Nüsse). • Die FamN Horst, Hurst und Hürst stellen sich zu schwzdt. Hurst, Hursch ‘Strauch, Busch, Hecke; auch Forst, Wald’ (aus ahd. hurst, horst, mhd. hurst). Die Form mit o-Vokalismus ist eine mundartliche Nebenform. • Typ Rīs: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Rīs ‘Gebüsch, Gesträuch; Zweig u. ä.’ (aus mhd. rīs). Daneben bestehen Anknüpfungspunkte zu schwzdt. Rīse(n), Rise(n) ‘(Schutt-)Halde, Schleifbahn, jäher Abhang, steile Rinne im Gebirge, Schneise’ (aus mhd. rīse, rise). • Typ Stūde: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stūd, Stūde(n) ‘Staude, Strauch, Busch; auch Zweig, Rute, kleinere stenglige oder krautige Pf lanze’ (aus ahd. stūda, mhd. stūde). 22 • Sonstige: Die Gruppe umfasst die vier Einzelfälle Bromberger (mit dem Erstglied Bromzu schwzdt. Brom(e) ‘Dornbusch, Brombeerstrauch’ aus ahd. brāmo, brāma, mhd. brāme), Holler (zu schwzdt. Holder, Holler u. ä. ‘Holunder’ aus ahd. holuntar, hol(d)er, mhd. holunter, holunder), Mischler (zu schwzdt. Mistel, Mistle(n) ‘Mistel’ aus ahd. mistil, mhd. mistel ) und Schlee (zu schwzdt. Schlēhe, Schlēe u. ä. ‘Schlehe, Schwarzdorn’ aus ahd. slēha, mhd. slēhe). 23 In der Namenauswahl sind mit FamN wie Imhasly (mit Präposition- Artikel-Enklise), Bosch (endungslos), Riser (suffigiert mit -er) und Haslemann (suffigiert mit -mann) alle vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN (s. erste und zweite Karte) vertreten. Ob Formen wie Stüdli erst im Zuge der Familiennamenbildung suffigiert wurden oder als diminuierte Appellativa bzw. Toponyme zu FamN wurden, kann nicht entschieden werden. 24 Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN überwiegend in mittelländischen Gebieten vorkommen, wo sie teils spezifische Verbreitungsräume aufweisen und teils streuen. Der Typ Bosch tritt einerseits im Kanton Luzern und andererseits in der Nordostschweiz (SG, TG) gehäuft in Erscheinung. Buchs erstreckt sich vom Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen (BE) bis in den Kanton Freiburg, die nördlicheren Belege (Emmental BE, SO, AG) entfallen auf Buchser. Der Typ (Hage-)Dorn ist in der westlichen Deutschschweiz alteingesessen (BE, SO, BL), einzig Hagedorn in Volketswil (ZH) weicht geographisch davon ab. Auch der Typ Rīs ist westlastig (v. a. Emmental BE und Oberaargau BE) mit Einzelbelegen im Zürcher Oberland (hier Reiser). Während sich der Typ Hurst im bernischen Gantrischgebiet konzentriert, erreichen FamN zu Haselsträuchern eine weitläufige Verbreitung in der Deutschschweiz (mit Schwerpunkten in AG, BE, SG). Das Kartenbild wird jedoch noch stärker von FamN zu schwzdt. Stūd, Stūde(n) und dabei spezifisch vom FamN Studer geprägt. So fallen von den insgesamt 96 Tokens des Namentyps 69 auf Studer, der in der Schicht «vor 1800» (gemessen an der Anzahl Belegorte) auf dem 33. Platz rangiert und damit zu den häufigsten Schweizer FamN überhaupt zählt. 25 Die Mehrheit der Belege liegt in der Westhälfte der Deutschschweiz (v. a. BE, SO), doch auch in der Innerschweiz (v. a. LU) und in der Nordostschweiz (v. a. SG, TG, ZH) ist der Typ Stūde dokumentiert. Die Gruppe «Sonstige» zeigt folgende Verbreitung: Bromberger ist in Mellikon (AG), Holler in Zuzgen (AG), Mischler im Gantrischgebiet (BE) und Schlee in Beromünster (LU) alteingesessen. 22 FamN dieser Gruppe dominieren gemäss DFA 4 (2013: 785) «in der südl. Hälfte von D[eutschland], während die Typen Strauch, Struck in der nördl. Hälfte vorherrschen». Für die Deutschschweiz finden sich in der Schicht «vor 1800» die FamN Struch und Struchen, die jedoch als ÜberN zu schwzdt. strūch für eine Person mit auffälligen Zähnen oder zu schwzdt. strūche(n) für eine Person mit zänkischem, unzufriedenem Naturell gedeutet werden. Vgl. die Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang» und III-5.4 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität». 23 Holunder fand nicht nur in der Medizin, als Färbemittel oder in der Küche Verwendung, sondern spielte auch im Volksglauben eine bedeutende Rolle (LexMA 1977-1999: s. v. Holunder). Letzteres gilt ebenso für die Mistel (LexMA 1977-1999: s. v. Mistel ). 24 Vgl. Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven». 25 Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 819 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="198"?> Siebte Karte {385}: Wohnstättennamen mit Hag Namenauswahl: Die siebte Karte enthält WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», denen appellativisches oder toponymisches Hag zugrunde liegt. Abgefragte Namen Typ Hag, vor 1800: Haag, Hadorn, Haege, Haegler, Hagedorn, Hägeli, Hagemann, Hagen, Hagenbuch, Hagenbucher, Hagenbüchli, Hager, Häggi, Hagi, Hägi, Hagmann, Hagner, Hegg, Heggendorn, Heggi, Heggli, Hegglin, Hegi, Hegner, Lenggenhagen, Lenggenhager. 26 Types, 117 Tokens. Kreise 25-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 403: Daten zur siebten Karte {385} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Sample umfasst WohnstättenN, die zu schwzdt. Hag ‘grüne, lebendige Hecke; Gebüsch, Dickicht’, später auch ‘künstlicher Zaun aus Pfählen und Stangen’ (aus ahd. hag, mhd. hac, hagen) oder zu einem darauf beruhenden Toponym gebildet sind. 26 Nach Auskunft des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 270003620) unterstreichen ÖrtlichkeitsN mit dem Element Hag «die bedeutende Rolle, die Lebhäge, Zäune und Umfriedungen im dörf lichen Alltag spielten», 27 was sich darin äussert, dass viele Fluren nach angrenzenden Lebhägen und Zäunen benannt worden sind. Auch im Familiennamenbestand ist Hag häufig fest geworden. Für FamN zu Zäunen, Einfriedungen u. ä. wie Inderbitzin, Scheier oder Zenzünen vgl. den Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» (sechste Karte). In Übereinstimmung mit dem BENB I/ 2 (1987: Sp. 184) werden FamN mit Hegg «als Verhärtung zu den umgelauteten Hag -Namen gestellt», auch wenn vereinzelt eine Bildung zu nhd. Hecke ebenfalls möglich ist. Deutungskonkurrenzen bestehen bspw. bei Hagen, Hägeli, Hägi und Heggli, die auch Patronyme zum germanischen Ruf N Hago darstellen können. Für eine konkurrenzierende Deutung von Hegner vgl. den Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung» (BerufsN zu schwzdt. Hag(e)ner ‘Angelfischer; Berufsfischer’). Kommentar: Die siebte Karte zeigt, dass FamN mit Hag insbesondere in der Nordostschweiz mit Ballungen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich verbreitet sind. Daneben erstrecken sich die Karte 385: WohnstättenN mit Hag, vor 1800 26 Für den dialektalen Gebrauch von Hag als Synonym von Zaun vgl. den KSDS (2025: 186-187). 27 So handelt es sich bei Einfriedungen um «ein wesentliches Element der historischen Landnutzung und -verteilung»; der Hag «ist sowohl symbolisches Grenzzeichen als auch praktisches Hindernis, das den Zugang v. a. von Vieh, aber auch Menschen erschwert» (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 4015475). 820 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="199"?> Belege jedoch auch über die Innerschweiz (v. a. LU) und die westliche Deutschschweiz (v. a. BE, AG, SO). Mehr als 10 Tokens erreichen die FamN Haag, Hagmann und Hager, wobei letzterer im Unterschied zu Haag und Hagmann nicht nur in der Nordostschweiz, sondern auch im Berner Oberland vermehrt auftritt. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Bucher (10'554 Tokens), Studer (9'947 Tokens) und Tanner (5'816 Tokens). Sie zählen zu den häufigsten FamN der Deutschschweiz - im Jahr 2022 belegen sie Rang 21, 26 und 69 (BFS 2023: STATPOP 2022). Die fünfte Karte zu Wohnstätten- und HerkunftsN mit Holz und Wald liesse sich mit dem Namentyp Hard ‘Wald, Gemeintrift, Viehweide (im Wald)’ (aus ahd. hard, hart, mhd. hart) erweitern: In der Schicht «vor 1800» kommen die 13 FamN Brulhart, Brülhart, Brüllhardt, Hard, Harder, Hertner, Langhard, Langhart, Stillhard, Stillhart und Uebelhard, Uebelhardt, Uebelhart mit insgesamt 30 Tokens vor. 28 Die FamN zu Hard breiten sich tendenziell in einem nördlichen Gebiet aus, dass sich von Welschenrohr (SO) im Westen bis nach Dozwil (TG) im Osten erstreckt. Ein zweites, konzentrierteres Verbreitungsgebiet ist auf die Namen Brulhart und Brülhart zurückzuführen, die im Kanton Freiburg alteingesessen sind. Die dritte Variante Brüllhardt tritt in Albligen (BE) und damit direkt an der bernisch-freiburgischen Kantonsgrenze auf. In der Schicht «vor 1800» finden sich weitere FamN, die der Motivgruppe der Vegetation zugeordnet werden können; so bspw. Laub / Loob und Lauber zu schwzdt. Laub (‘Laub’), Miesch zu schwzdt. Miesch (‘Flechtenart, Moos’), Kleeli und Kleemann zu schwzdt. Chlē (‘Klee, Wiesenklee’), Distel und Disteli zu schwzdt. Distel (‘Distel, distelartige Pf lanze’), Rohner/ Roner / Ronner zu schwzdt. Ron, Rone(n) (‘umgefallener, abgehauener Baumstamm’, jünger auch ‘Baumstrunk, Holzklotz’) oder Würzer zu schwzdt. Würze (‘Pf lanze, Kraut; Wurzel’). Da es sich tendenziell um niederfrequente WohnstättenN und/ oder Einzelfälle handelt, wurde auf eine Kartierung verzichtet. Explizit seien hier auch die sieben FamN Baumeler, Baumer, Bäumler, Baumli, Bäumli, Bäumlin und Bommer (insgesamt 34 Tokens) genannt, die sich auf schwzdt. Baum, Bom, Bum ‘Baum’, früher oft ‘Obstbaum’ (aus ahd., mhd. boum) oder auf ein Toponym derselben Grundlage zurückführen lassen. 29 Innerhalb dieser Namengruppe überwiegen Baumer und Bommer mit jeweils 10 Ortspunkten, wobei gerade letzterer FamN gestützt auf seine kleinräumige Verbreitung rund um den Ortsteil Bommen (TG) eher als HerkunftsN zu deuten ist. Auch Baumeler (6 Tokens) zeigt eine auffällige kleinräumige Verbreitung im Wahlkreis Entlebuch (LU), was tendenziell für einen HerkunftsN spricht. Im Unterschied dazu streut Baumer über die Deutschschweiz; Bäumler, Baumli, Bäumli und Bäumlin sind vor 1800 jeweils nur vereinzelt (maximal 3 Tokens) im Mittelland dokumentiert. Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013: 692-807) werden WohnstättenN nach der Vegetation hauptsächlich im Kapitel «Baum- und Buschbestände» behandelt. Auf den Karten 307-316 stehen FamN zu Wäldern wie Holzer oder Waldner im Fokus (DFA 4 2013: 692-711). Danach folgen WohnstättenN wie Lohmann oder Komposita mit dem Endglied -loch(er), die auf ein Gehölz zurückgehen (DFA 4 2013: 712-731) und die für den Deutschschweizer Raum zahlenmässig nicht relevant sind (vor 1800 nur mehrdeutiges Loher sowie Eisenlohr mit unsicherer Deutung). Wie im vorliegenden Kartenkomplex bilden die FamN zu Laubbäumen in Deutschland eine umfangreiche und vielfältige Motivgruppe; vgl. dazu die Karten 324-338 mit FamN wie Erler, Birkmann, Eschenbacher, Fälber oder Kirschbaum (DFA 4 2013: 732-763). FamN zur Linde, zur Buche, zur Eiche, zum Holder und zur Weichsel finden in Karten zu phonologischen, graphematischen oder morphologischen Phänomenen Beachtung (vgl. Verweise im DFA 4 2013: 733). Anknüpfungspunkte zum vorliegenden Artikel bieten zudem die Karten 339-343 mit WohnstättenN zu Nadelbäumen wie Fichtner oder Thanner (DFA 4 2013: 764-777), die Karten 344-348 mit WohnstättenN zu Gesträuch wie Horst oder Staudt (DFA 4 2013: 778-789) und schliesslich die Karten 115-125 sowie 349-355 mit FamN zu Hecken und eingehegtem Land wie Haag, Hagen, Hegemann oder Heck (DFA 4 2013: 268-287, 790-807). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 2 = Zinsli, Paul/ Glatthard, Peter (Hrsg.) (1987): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Zweiter Teil: G-K/ CH. Bern: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 13.06.2025). Birkhan, Helmut (2012): Pflanzen im Mittelalter. Eine Kulturgeschichte. Wien, Köln, Weimar: Böhlau. BSNB 2 = Mischke, Jürgen/ Siegfried, Inga (Hrsg.) (2016): Die Ortsnamen von Basel (Namenbuch Basel-Stadt 2). Basel: Merian. 28 Uebelhard, Uebelhardt und Uebelhart benennen wohl ein (Wald-)Gelände mit schlechter Bodenbeschaffenheit (vgl. Artikel III-3.5 «Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit»). Daneben kommt auch eine Deutung als Patronym zum althochdeutschen Ruf N Ubelhart infrage. 29 Denkbar ist teilweise auch ein Zusammenhang mit schwzdt. Baumer ‘Sargschreiner’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 1251). 3.4 Wohnstättennamen nach der Vegetation 821 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="200"?> DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Della Casa, Philippe/ Irniger, Margrit/ Schuler, Anton (2024): Wald. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007849/ 2024-10-08/ (letzter Zugriff 13.06.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2018): Gerichtswesen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 009634/ 2018-01-11/ (letzter Zugriff 13.06.2025). e-HLS = Schumacher, Robert (2010): Obstbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013938/ 2010-05-04/ (letzter Zugriff 13.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 13.06.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. FLNB I = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (1999): Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein. 6 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch I). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Iodice, Francesco (2004): Pf lanzennamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 795-834. Hamburg: Baar. KSDS = Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.) (2025): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 13.06.2025). ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 13.06.2025). Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. SDS VI = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1988): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. VI: Wortgeographie III: Umwelt. Bern: Francke. TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. Villette, Julia/ Purves, Ross S. (2020): From Microtoponyms to Landscape Using Semantics, Location, and Topography. The Case of Wald, Holz, Riet, and Moos in St. Gallen, Switzerland. The Professional Geographer 72(1), 109-120. WSL = Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (2025): Landesforstinventar (LFI). Wissen zum Schweizer Wald einschliesslich Karten zu Bäumen und Sträuchern, zum Waldmischungsgrad und zur Vegetationshöhe. https: / / www.lfi.ch/ de (letzter Zugriff 13.06.2025). Esther Loosli 822 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="201"?> 3.5 Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit Schlagwörter: lehmig, sandig, steinig, Toponym Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt FamN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 13.08.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») motivisch zur Bodenbeschaffenheit gebildet sind. Hierbei interessiert, mit welcher räumlichen Verbreitung und Frequenz entsprechende Appellativa wie bspw. schwzdt. Sand (‘Sand, sandiger Erdboden’) oder darauf basierende Toponyme in der Deutschschweiz zu WohnstättenN fest geworden sind. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass sich manche der im Folgenden aufgeführten FamN auch als HerkunftsN interpretieren lassen. Die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, vielfach ist eine exakte Zuordnung jedoch nicht ohne Weiteres realisierbar (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So kann sich z. B. Steiner entweder als WohnstättenN zu einem FlurN Stein(en) oder aber als HerkunftsN zu Stein am Rhein bzw. einem ähnlichen SiedlungsN stellen. Ebenso muss die Frage, ob die kartierten WohnstättenN auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Ferner bestehen teilweise Überschneidungen zu BerufsN; bspw. kann der FamN Steinmann sowohl auf die Wohnstätte einer Person als auch auf den Beruf des Steinmetz Bezug nehmen. Die erste Karte widmet sich WohnstättenN, die auf Appellativa für lehmigen oder sandigen Grund resp. auf entsprechenden FlurN basieren. Die zweite Karte nimmt die umfangreichere Namengruppe zu steinigem Grund in den Blick, wobei für einen Teil der Namenauswahl auch ein einzelner, prägnanter Stein o. ä. namengebend gewesen sein könnte (s. u.). Die dritte Karte bildet WohnstättenN zu dürrem, unfruchtbarem oder magerem Grund ab. FamN zu Grasland, zu feuchtem, sumpfigen Grund u. ä. werden nicht hier, sondern in den Artikeln III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» und III- 3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen» behandelt. 3.5 Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit 823 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="202"?> Erste Karte {386}: Wohnstättennamen zu lehmigem und sandigem Grund Namenauswahl: Die erste Karte thematisiert WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die eine appellativische Bezeichnung für lehmigen oder sandigen Grund resp. ein daraus hervorgegangenes Toponym enthalten. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Lehm: Laim, Laimbacher, Lei, Leibacher, Leimbacher, Leimer, Leimgruber, Limacher. 8 Types, 22 Tokens. Typ Lett: Lätt, Letter. 2 Tokens. Typ Sand: Imsand, Santmann, Untersander. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 404: Daten zur ersten Karte {386} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Lehm: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Leim, Lei(n) ‘Lehm, Ort mit lehmigem Grund’ (aus ahd. leim, leimo, mhd. leim(e)). Gemäss ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 8009190) wurde mit Leim «i. d. R. der feine, zum Töpfern geeignete Ton bezeichnet, im Unterschied zum gröberen, nur für Ziegel verwendbaren Lätt». Bei Laimbacher, Leibacher und Leimbacher handelt es sich um WohnstättenN oder allenfalls um HerkunftsN zu einem der häufigen GewässerN und davon abhängigen (sekundären) SiedlungsN, die auf den Typus Leimbach ‘Bach in lehmigem Gelände’, auch ‘Schlamm, Schmutz führender Bach’ zurückgehen. 3 Dem Kompositum Leimgruber liegt schwzdt. Lei(m)grueb ‘Lehmgrube’ zugrunde, eine Abbaustelle für Lehm, der zu den wichtigsten und grundlegendsten Materialien im Bauwesen der vorindustriellen Zeit (z. B. für die Herstellung von Ziegeln und Töpferwaren) zählt (s. ausführlicher LexMA 1977- 1999: s. v. Lehm). Der FamN Leimer kann sich sowohl als WohnstättenN auf einen FlurN Leim als auch als BerufsN auf die Berufsbezeichnung für den Hersteller von Ton beziehen. Karte 386: WohnstättenN zu lehmigem und sandigem Grund, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Für das Kompositum Limacher vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 824 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="203"?> • Die FamN Lätt und Letter stellen sich zu schwzdt. Lëtt, Lëtte(n) ‘fette Tonerde, tonartiger Mergel, Lehm, mergelartiger Sand, Schlamm’ (aus ahd. letto, mhd. lette). • Typ Sand: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Sand ‘Sand, sandiger oder sandsteinhaltiger Boden’ (aus ahd., mhd. sant). Der WohnstättenN Untersander lässt sich auf einen FlurN Untersand zurückführen, der den tiefer gelegenen Teil eines sandigen oder sandsteinhaltigen Bodens benennt; der FamN kann aber auch als relative Angabe zu einem FlurN Sand entstanden sein, der sehr häufig in der Schweiz belegt ist. Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, die den hier kartierten WohnstättenN zugrunde liegen, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. Alle kartierten FamN zeigen eines der vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN: Zu den PräpositionsN gehört Imsand, während u. a. Lei und Lätt endungslos sind. Das Sample umfasst zudem Ableitungen auf -er wie Leimgruber und ein Derivat mit -mann (Santmann). 4 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass WohnstättenN zu lehmigem oder sandigem Boden insgesamt niederfrequent sind. Der Typ Lehm tritt besonders im luzernischen Wahlkreis Entlebuch in Erscheinung, was auf ein Cluster des FamN Limacher zurückzuführen ist. Auch in den Kantonen Aargau und Zürich lassen sich mehrere Belege ausmachen. Die restlichen Vorkommen sind als Streubelege einzuordnen (je einmal in GR, SG, SH, SO, SZ). Lätt ist einmalig in Mühlendorf (SO), Letter in Oberägeri (ZG) alteingesessen. Die Ortspunkte im Kanton Wallis sind alle dem FamN Imsand zuzuschreiben, während Santmann in Schönenwerd (ZH) und Untersander in Alt St. Johann (SG) vorkommen. Zweite Karte {387}: Wohnstättennamen zu steinigem Grund Namenauswahl: Die zweite Karte umfasst einerseits WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die appellativisches oder toponymisches Stein enthalten. FamN zu Stein sind oft mehrdeutig (s. u.), sodass neben einem Bezug auf steinigen Grund auch andere (Be-)Deutungen in Betracht gezogen werden müssen. Andererseits sind als zweite Gruppe auch FamN abgebildet, die sich zu einem anderen Etymon stellen, das aber ebenfalls auf steinigen Grund o. ä. referiert. Karte 387: WohnstättenN zu steinigem Grund, vor 1800 4 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» und II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 3.5 Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit 825 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="204"?> Abgefragte Namen Typ Stein: Agenstein, Amstein, Boeschenstein, Böschenstein, Breitenstein, Fleckenstein, Holenstein, Hollenstein, Kürsteiner, Rechsteiner, Steimann, Steimer, Stein, Steinach, Steinacher, Steinauer, Steinbacher, Steinegger, Steinemann, Steiner, Steingruber, Steinlin, Steinmann, Steinmen, Zumstein. 25 Types, 243 Tokens. Sonstige: Eisenlohr, Kieser, Kiser, Löhrer. 6 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 405: Daten zur zweiten Karte {387} Detailangaben zur Namenauswahl: In der etymologischen Datenbank (Stand 13.08.2025) ergibt die Suche nach Stei(n) / stei(n) u. ä. in der Schicht «vor 1800» 69 Treffer. Von den 56 etymologisierten, autochthonen Fällen gehören nach Berchtold/ Graf (i. V.) 49 FamN den Wohnstättenund/ oder HerkunftsN an, wobei es sich mehrheitlich um Komposita mit der Struktur «X-stein» handelt (z. B. Breitenstein, Fleckenstein, Hollenstein). Während gewisse FamN wie Biberstein, Blumenstein, Hertenstein oder Richenstein einen Bezug zu einer gleichnamigen Burg(anlage) bzw. Burgruine nahelegen, können sich die restlichen FamN zu schwzdt. Stei(n) (aus ahd., mhd. stein) meist «auf verschiedene Dinge beziehen: auf steinigen oder geröllhaltigen Boden, auf felsiges Gebiet, einzelne Findlinge oder Felsblöcke, besonders aber auch auf Grenz- und Gerichtssteine und andere von Hand gesetzte oder bearbeitete Steine (z. B. Mühlsteine)» (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 4025581). An dieser Stelle ist daher hervorzuheben, dass sich die hier interessierenden Namen nach der Bodenbeschaffenheit nicht klar von anderen Stein-Namen (zu Burgen, zu von Hand gesetzten Steinen usw.) abgrenzen lassen; die vorliegende Auswahl ist daher als approximativ zu verstehen. 5 Weil sich gerade die Unterscheidung zwischen ‘steinigem Grund’ und ‘Felsblock’ z. T. schwer vornehmen lässt, wird darauf verzichtet, die FamN motivisch auseinanderzuklauben. Stattdessen finden hier auch FamN wie Fleckenstein Beachtung, der sich auf einen ÖrtlichkeitsN Fleckenstein für einen «gef leckten, moos- und algenbewachsenen erratischen Block» beziehen dürfte (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 62). Darüber hinaus besteht bei den ausgewählten FamN z. T. Bedeutungskonkurrenz zu Patronymen und BerufsN (vgl. DFA 1 2009: 331), so bspw. bei den FamN Steimer (vgl. Ruf N Steinmar), Steinlin oder Steinmann (vgl. mhd. steinman ‘Steinmetz’). Zu den nicht-zusammengesetzten Formen der ersten Namengruppe zählen simplizisches Stein, die beiden PräpositionsN Amstein und Zumstein, Steinlin mit l-Diminutiv, der hochfrequente FamN Steiner (vor 1800 an 118 Belegorten) 6 und seine Variante Steimer mit er-Suffix sowie die mann-Ableitungen Steinemann, Steinmann, Steinmen, Steimann. Zu den Komposita gehören u. a. Agenstein (‘Gelände mit Bernstein, Magnetstein (und anderen Mineralien)’), Boeschenstein und Böschenstein (‘unebenes, schlecht gepf legtes steiniges Gelände’) oder Rechsteiner (‘felsiges, steiniges Gebiet bei einem Grenzstein oder Findling, wo man Rehe antrifft’). Die zweite, kleinere Namengruppe beinhaltet einerseits die FamN Eisenlohr und Löhrer zu schwzdt. Lōre(n), Löre(n) ‘mit Steinen erfülltes oder verschüttetes Gelände, steiniges Land; Haufen zusammengelesener Steine’, welches wiederum wohl auf das vorromanische Lexem *lawara, *lawira ‘Steinplatte, Steinhaufen’ zurückgeht (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 261042717). Andererseits wurden auch die beiden FamN Kieser und Kiser aufgenommen, die sich zu schwzdt. Chis ‘Kies, kiesiger Boden’ (aus mhd. kis) stellen. Daneben kommt auch die Deutung als BerufsN zu mhd. kieser für einen amtlich bestellten Prüfer (etwa von Geld oder Getränken) o. ä. infrage. Kommentar: Die zweite Karte zeigt ein ausgedehntes Vorkommen des Typs Stein, der sich beinahe über das gesamte Gebiet der Deutschschweiz erstreckt. Rund die Hälfte aller Tokens entfallen auf den FamN Steiner, der in zwölf Kantonen bezeugt ist und insbesondere einen Schwerpunkt im bernisch-luzernischen Grenzgebiet (Verwaltungskreise Emmental und Oberaargau BE, Wahlkreis Willisau LU) mit Ausläufern bis in den Kanton Aargau aufweist. Eine Frequenz von über 10 Tokens erreichen ansonsten nur die FamN Steinmann (30 Tokens) mit weitläufiger Verbreitung, Rechsteiner (14 Tokens) mit Schwerpunkt in der Nordostschweiz (SG, AR) und Zumstein (11 Tokens) mit mehreren Clustern im Kanton Bern. Die Namengruppe «Sonstige» ist insgesamt niederfrequent: Kieser ist in den Aargauer Gemeinden Aarau und Lenzburg alteingesessen, die Variante Kiser hingegen in Sarnen (OW). Der FamN Eisenlohr tritt einmalig in Niederbüren (SG) in Erscheinung, unweit davon kommt Löhrer in Niederhelfenschwil (SG) und Waldkirch (SG) vor. 5 Ausgeschlossen wurden die FamN Mühlestein und Müllestein (‘Mahlstein’) sowie Markstein (‘Grenzstein’). Für Steinhauser und Steinhäuslin vgl. Artikel III- 3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen», für Steinbrunner vgl. Artikel III-3.2 «Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen». Auch FamN wie Helfenstein, Rauchenstein / Ruchenstein oder Thierstein, die auf BurgN zurückgehen, werden hier nicht behandelt; vgl. dazu den Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen», in dem auch die beiden WohnstättenN Eckenstein und Eggstein (zu einem gleichlautenden HäuserN) thematisiert werden. FamN zu Geröllhalden, Steinlawinen o. ä. (z. B. Lowiner, Zen-Ruffinen) werden im Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie» besprochen. 6 Damit erreicht Steiner in der Rangliste der FamN mit den meisten Belegorten nach Müller (431 Tokens), Meier (300 Tokens), Schmid (273 Tokens), Keller (225 Tokens), Huber (208 Tokens), Meyer (181 Tokens), Weber (176 Tokens), Brunner (146 Tokens), Baumann (138 Tokens), Frei (131 Tokens) und Schneider (128 Tokens) den zwölften Platz. Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 826 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="205"?> Dritte Karte {388}: Wohnstättennamen zu dürrem, unfruchtbarem oder magerem Grund Namenauswahl: Die dritte Karte enthält WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die motivisch auf dürren, unfruchtbaren oder mageren Grund zurückzuführen sind. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Komposita mit dem Bestandteil dürr. Die Gruppe «Sonstige» fasst sieben verschiedene Familiennamentypes zusammen. Abgefragte Namen Typ dürr: Dürholz, Dürmüller, Dürrenberger, Dürrenmatt. 10 Tokens. Sonstige: Dürsteler, Hungerbühler, Salchli, Uebelhard, Uebelhardt, Uebelhart, Unternährer. 7 Types, 25 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 406: Daten zur dritten Karte {388} Detailangaben zur Namenauswahl: Die erste Namengruppe umfasst ausschliesslich zusammengesetzte FamN mit dürr als Erstglied: 7 Dürholz (‘dürrer, schlechter Wald’), Dürmüller (wohl zu Dürrenmüli ‘Mühle in trockenem Gelände oder an einem schnell austrocknenden Gewässer’), Dürrenberger (zu Dürrenberg ‘trockene Geländeerhebung’) und Dürrenmatt (‘dürre, trockene Wiese’). Die zweite Namengruppe enthält einerseits die drei Varianten Uebelhard, Uebelhardt, Uebelhart, die wohl ein Gelände mit schlechter Bodenbeschaffenheit benennen. 8 Andererseits werden auch die Namen Dürsteler (zu Dürstelen ‘trockenes Gelände’), Hungerbühler (zu Hungerbühl ‘Anhöhe mit unfruchtbarem Boden bzw. kargem Bewuchs’), Salchli (‘magerer, noch nie aufgebrochener Boden; sumpfige, aus Ton bestehende Wiese’) und Unternährer (‘Land, das einen geringen Ertrag abwirft’, auch ‘tief gelegenes Weideland’) abgebildet. Kommentar: Die dritte Karte zeigt ein insgesamt geringes Vorkommen der ausgewählten FamN. Der Typ dürr ist in vier Kantonen bezeugt, wobei jeder FamN ein eigenes Verbreitungsgebiet aufweist: Dürholz tritt in der Stadt Solothurn (SO) in Erscheinung, Dürmüller im Wahlkreis St. Gallen (SG), Dürrenberger im Kanton Basel-Landschaft und Dürrenmatt im Bezirk Bern-Mittelland (BE). Die höchste Tokenfrequenz erreichen die FamN Unternährer und Hungerbühler, die für den Kanton Luzern bzw. den Thurgau charakteristisch sind und jeweils ein Namennest formen. Auch die anderen FamN der Karte 388: WohnstättenN zu dürrem, unfruchtbarem oder magerem Grund, vor 1800 7 Die FamN Dirren, Dür, Dürr, Thür und Thürr stellen sich zwar ebenfalls zu ahd. thurri, mhd. dürre, durre ‘dürr, verdorrt, ausgetrocknet’, werden von Berchtold/ Graf (i. V.) allerdings als ÜberN für jemanden mit einer hageren Gestalt gedeutet (vgl. Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare»). 8 Daneben kommt auch eine Deutung als Patronym zum althochdeutschen Ruf N Ubelhart infrage. Für FamN mit Hard vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 3.5 Wohnstättennamen nach der Bodenbeschaffenheit 827 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="206"?> Gruppe «Sonstige» sind eher kleinräumig verbreitet; so konzentriert sich Dürsteler vorwiegend im Kanton Zürich, die drei Varianten Uebelhard, Uebelhardt und Uebelhart sind in den einander angrenzenden Kantonen Solothurn und Aargau alteingesessen und Salchli kommt im Berner Seeland vor. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Steiner (16'671 Tokens), Steinmann (3'244 Tokens) und Rechsteiner (2'130 Tokens). Innerhalb der WohnstättenN kommt der Motivgruppe der Bodenbeschaffenheit gerade im Vergleich zu den Motivgruppen der Geländeform und Topographie oder der Vegetation eine verhältnismässig geringere Bedeutung zu. Abgesehen von (mehrdeutigem) Steiner sind die hier interessierenden FamN eher niederfrequent. Nicht kartiert, aber der vorliegenden Motivgruppe (z. T. im weiteren Sinne) zugehörig, sind u. a. die WohnstättenN Isch / Ischer / Ischi (‘Eis’, wohl mit Bezug auf schattige, kalte Orte), Amherd und Herde (‘Erde, Erdboden’) sowie Rothenfluh (‘rötlich gefärbte Felsen, Felswände’) und Schwerzmann (‘Stelle mit dunklem Boden’). Die mehrdeutigen FamN Eisenegger, Isenegger und Eisenlohr beziehen sich mit ihrem Bestimmungswort womöglich auf Eisenvorkommen. 9 Auf eine Kartierung der genannten Namen wurde verzichtet, weil sie tokenmässig selten sind und/ oder sich nicht sinnvoll gruppieren lassen. Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013) werden WohnstättenN zur Bodenbeschaffenheit nicht gesondert behandelt. Für FamN zu Toponymen mit Stein beachte man die grammatisch ausgerichteten Kartierungen im DFA 1 (2009: 330-332) und im DFA 3 (2012: 282-284). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 13.08.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 13.08.2025). ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 13.08.2025). Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. Esther Loosli 9 Für Eisenlohr als FamN zu steinigem Grund (Grundwort schwzdt. Lōre(n), Löre(n) ‘Haufen zusammengelesener Steine, mit Steinen erfülltes oder verschüttetes Gelände, steiniges Land’) s. zweite Karte. 828 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="207"?> 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen Schlagwörter: brennen, reuten, schwenden, Siedlungsgeschichte, stocken, Toponym Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Deutschschweizer WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 26.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zu gerodetem Land bzw. zur Rodungstätigkeit aufweisen. Die hier interessierenden FamN wie Rütti oder Schwendimann lassen sich auf fünf häufige appellativische resp. toponymische Elemente zurückführen: Bildungen zu reuten und roden wie Rütter oder Rode (erste und dritte Karte), zu schwenden wie Amschwand oder Gschwend (zweite und dritte Karte), zu stocken wie Stöckli oder Stockmann (vierte Karte), zu brennen wie Brand oder Brändly (fünfte Karte) und zu sengen wie Hosang oder Imseng (sechste Karte). Entsprechende WohnstättenN bzw. die ihnen zugrunde liegenden Toponyme und Lexeme stehen dabei in einem engen Zusammenhang mit der Siedlungsgeschichte der (Deutsch-)Schweiz: Dass fruchtbares Land zunehmend rar war, zeigt sich in der Zunahme der Örtlichkeitsnamen, die - besonders ab dem Hochmittelalter - einen Bezug zur Rodungstätigkeit erkennen lassen […]. Nicht immer wurden aus den gerodeten Gebieten Siedlungen (es konnten einfache Flurnamen bleiben), aber die Namen dokumentieren den Druck, für die wachsende Bevölkerung mehr Raum und Wirtschaftsf läche zu schaffen. So erfolgt der Landesausbau weiter zunehmend in noch abgelegeneren Gebieten, höheren Lagen, in voralpines und alpines Gebiet (Graf 2025: 315-316). Mit anderen Worten zählen insbesondere Bevölkerungswachstum, Siedlungsverdichtung, zunehmende Bodenknappheit und wirtschaftliche Faktoren (Bauholz, Werkholz, Brennholz usw.) zu den Haupttriebkräften der mittelalterlichen Rodungstätigkeit, die das «gesamte Landschaftsbild tiefgreifend veränderte» (LexMA 1977-1999: s. v. Rodung; s. auch e-HLS 2008: s. v. Holzwirtschaft; e-HLS 2024: s. v. Wald ). 1 Der sogenannte Landesausbau mittels Rodung und Urbarmachung begann in der Schweiz wohl bereits im 7. oder 8. Jh., erreichte im 12./ 13. Jh. seine höchste Intensität und verebbte im 14./ 15. Jh. (e-HLS 2008: s. v. Landesausbau; s. auch LexMA 1977-1999: s. v. Landesausbau und Kolonisation; e-HLS 2015: s. v. Siedlung). Die Rodungstätigkeit der meist bäuerlichen Bevölkerung - getragen von weltlichen und kirchlichen Lehnsherren - spiegelt sich in einer Vielzahl von Toponymen und FamN wider (Zinsli 1971: 42; e-HLS 2015: s. v. Siedlung). Einerseits wurden allgemeine(re) Begriffe für Rodungen bzw. Rodungstätigkeit in FamN fest (z. B. Rütimann zu reuten), andererseits aber auch spezifische Techniken der Rodung (z. B. Schwender zu schwenden ‘abschälen der Baumrinde’, Stocker zu stocken ‘ausgraben der Wurzelstöcke’). Für die nachfolgenden Karten bleibt zu bedenken, dass (Be-)Deutungskonkurrenzen häufig nicht ausgeschlossen werden können: Die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, ohne historische Sondierung (und teils selbst mit ihr) lassen sich die beiden Benennungsmotive jedoch oft nicht eindeutig trennen (vgl. Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So ist bspw. Rüt(t)i in der ganzen Deutschschweiz als Flurwie auch als SiedlungsN häufig vertreten. Ebenso muss die Frage, ob die WohnstättenN zu Rodungen auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Für FamN, die mit den Personenbezeichnungen bildenden Suffixen -er und -mann abgeleitet sind (z. B. Rütimann, Schwender), kommt darüber hinaus grundsätzlich auch eine Deutung als BerufsN (für eine Person, die rodet) infrage (vgl. mhd. riutӕre, riuter ‘der ausreutet, urbar macht, Bauer’). 1 In der Schweiz war der Urbarisierung durch hügelige oder bergige Bodengestalt Grenzen gesetzt: Hänge, Felsen, Bachrunsen u. ä. verhinderten, dass «wie andernorts in Europa die Wälder grossräumig verschwanden» (e-HLS 2008: s. v. Landesausbau). 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen 829 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="208"?> Erste Karte {389}: Wohnstättennamen zu reuten und roden Namenauswahl: Die erste Karte bildet FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 2 ab, die sich auf ein Toponym bzw. auf ein ortsbezeichnendes Lexem aus der Wortfamilie reuten oder roden zurückführen lassen. Die beiden Typen werden unterschieden und kontrastiv dargestellt. Abgefragte Namen Typ reuten: Anderrüthi, Anderrüti, Bernhardsgrütter, Greuter, Greutert, Greutmann, Grüter, Grütter, Habisreutinger, Hochreutener, Hochreuter, Hochreutiner, Imgrüt, Imgrüth, Reudt, Reut, Reutegger, Reuteler, Reutemann, Reutener, Reuter, Reutimann, Reutti, Ritler, Rittiner, Rüthemann, Rüthi, Rüthy, Rütimann, Rüttener, Rütter, Rütti, Rüttimann, Rüttner, Vonrüti, von Rütte. 36 Types, 116 Tokens. Typ roden: Groth, Rode, Roder. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 407: Daten zur ersten Karte {389} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die kartierten FamN des ersten Typs stellen sich alle zu schwzdt. rǖte(n) ‘reuten, roden, urbar machen, herausreissen, ausrotten’ (aus ahd., mhd. riuten) oder einem darauf basierenden Toponym. Neben der allgemeinen Bedeutung des Rodens überhaupt bezieht sich reuten im Spezifischen auch auf das «Entfernen von Bäumen, Büschen und Ausgraben von Wurzelstöcken» mit der Reuthaue (TNB 2.2 2007: 473). Im Deutschschweizer Familiennamenbestand sind unterschiedliche Bildungen zu reuten bezeugt: Häufig ist das Verbalabstraktum schwzdt. Rǖti ‘urbar gemachtes Land, Rodungsstelle’ (aus ahd. riuti, mhd. riute) wie bspw. in den FamN Reutti oder Anderrüthi. 4 Der entsprechende Flur- und Siedlungsnamentyp Rüt(t)i ist in der ganzen deutschsprachigen Schweiz häufig vertreten und gilt als der typischste Name für Rodungen in unserem Raum (vgl. Zinsli 1971: 51; TNB 2.2 2007: 473). Die Kollektivbildung schwzdt. G(e)rǖt ‘durch Roden und Verbrennen urbar gemachter Boden’ (aus ahd. giriuti, mhd. geriute) liegt u. a. bei Grütter und Greutmann vor. In den Toponymen ist vielfach auch mit dem Verbalstamm zu rechnen (dazu z. B. der FamN Reutegger). Die FamN Karte 389: WohnstättenN zu reuten und roden, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. Soweit nicht anders vermerkt, erfolgt die Deutung der Schweizer Toponyme auf Grundlage des Online-Portals ortsnamen.ch (o. J.). 4 Gemäss dem BENB I/ 5 (2017: Sp. 388) ist Rüti erstmals um 900 belegt. 830 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="209"?> unterscheiden sich neben der zugrunde liegenden Form auch darin, ob sie Monophthongschreibung <ü> oder Diphthongschreibung <eu> aufweisen. 5 Entrundung zeigen die Schriftbilder der FamN Rittiner und Ritler; letzterer erscheint urkundlich auch als Rüteler, Rütler, Rüttler (vgl. Walliser Wappenbuch 1946: 213) und ist ebenso wie Rittiner in einem dialektalen Entrundungsgebiet (Deutschwallis) alteingesessen. 6 Bei gewissen FamN wie etwa Reuter besteht (Be-)Deutungskonkurrenz zu BerufsN, die auf schwzdt. Rīter, Rǖter ‘Reiter’ basieren. Die FamN Ritter (AG; BE; BL; Basel BS; GR; SG; SO; Simplon VS; Cham ZG; ZH), Rittner (Simplon VS), Ryter (Frutigen, Kandergrund BE) und Holzreuter (Ueken AG) werden von Berchtold/ Graf (i. V.) letzterem Etymon zugeordnet und bleiben hier daher unberücksichtigt. FamN zu schwzdt. rode(n) (aus ahd. rodōn, mhd. roden) sind im Unterschied zur ersten Namengruppe selten, 7 weil für das Oberdeutsche ahd., mhd. riuten als Normalform gilt (vgl. DFA 4 2013: 299). Für alle drei kartierten WohnstättenN kommen andere Deutungen infrage: Groth stellt sich entweder zu einem Toponym Grod, Grot ‘Gereut, Rodung’ oder aber (als verdumpfte Form) zu schwzdt. Grat ‘scharfe Kante, Bergkamm, schmaler Bergrücken’ bzw. schwzdt. Grāt, Grōt ‘Fischgrat; länglicher schmaler Bergrücken’. Für Rode ist auch eine Kurzform zu einem Ruf N wie Rodulf oder Roderich und für Roder eine Verschleifform des Ruf N Rōdheri denkbar. Bei Roderer (Trogen AR) handelt es sich wohl um eine patronymische Erweiterung auf -er zu einem im 15. und 16. Jh. in Hundwil (AR) und Urnäsch (AR) bezeugten FamN (APNB 2.3 2013: 1502), 8 der sich mit langem Stammvokal zu schwzdt. Rōd ‘Runde, Kehrordnung, Reihenfolge; Unterabteilung einer Region, Rhode, Korporation, Genossenschaft’, schwzdt. rōde(n) ‘in Rhoden einteilen’ oder einem Toponym derselben Grundlage stellt. Auf eine Kartierung dieses FamN wurde daher verzichtet. Allenfalls wäre das Sample mit den FamN zu schwzdt. Ried zu erweitern, das entweder ‘Schilfrohr, Sumpfgras, Riedgras; mit Riedgras bewachsener, sumpfiger Grund’ (aus ahd. (hr)riot, riod, mhd. riet) oder aber - als Nebenform zu schwzdt. Rǖti - ‘Rodung, ausgereuteter Platz im Wald’ (aus ahd. *riod, mhd. riet) bedeutet (vgl. DFA 4 2013: 313; BENB I/ 5 2017: Sp. 163-164). Das TNB 2.2 (2007: 452) erachtet die zweite Deutung als weniger zutreffend (s. auch FLNB I/ 5 1999: 427), weshalb die entsprechenden FamN ausschliesslich im Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen» Berücksichtigung finden. Mit Blick auf die Formvarianz lässt sich festhalten, dass in der Namenauswahl alle vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN vertreten sind: Bspw. gehören Anderrüti, Imgrüt und Vonrüti zu den PräpositionsN, während Reut und Groth endungslos sind. Das Sample enthält zudem Ableitungen auf -er wie Grüter oder Rüttener und solche auf -mann wie Reutimann. 9 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass FamN zu reuten in der Schicht «vor 1800» zahlreich vorkommen. Die Belege verteilen sich allerdings nicht gleichmässig über die Deutschschweiz, sondern ballen sich vorwiegend in der nördlichen Hälfte. Die meisten Tokens erreichen die Kantone Luzern (26 Tokens), Zürich (21 Tokens), Thurgau (17 Tokens) und St. Gallen (13 Tokens). Dies stimmt insofern mit der Verbreitung entsprechender Toponyme überein, als für Letztere ebenfalls eine stärkere Konzentration in den nördlicheren Deutschschweizer Kantonen und damit im Mittelland festzustellen ist (vgl. Abfrage auf ortsnamen.ch o. J.; Berchtold/ Rothenbühler 2022). FamN zu roden treten in der Schicht «vor 1800» nur in drei Gemeinden in Erscheinung: Groth in Berikon (AG), Rode in Effingen (AG) und Roder in Wengi b. Büren (BE). 5 Vgl. Artikel I-1.12 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. iu». 6 Vgl. Artikel I-1.5 «Entrundung». 7 Vgl. Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle» für das Vorkommen im bundesdeutschen Raum. Für Toponyme mit Rod bzw. Grod in der Deutschschweiz s. bspw. das BENB I/ 5 (2017: Sp. 212-215). 8 Vgl. Artikel II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner». 9 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» sowie II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen 831 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="210"?> Zweite Karte {390}: Wohnstättennamen zu schwenden Namenauswahl: Die zweite Karte enthält FamN aus der Schicht «vor 1800», die zu einem Toponym bzw. ortsbezeichnenden Lexem Schwand, Schwendi, Gschwend o. ä. gebildet sind. Abgefragte Namen Typ schwenden, vor 1800: Amschwand, Aschwanden, Deschwanden, Gschwend, Herrenschwand, Neuenschwander, Neuschwander, Schwander, Schwendbühl, Schwendeler, Schwendener, Schwender, Schwendi, Schwendimann, Schwenter, von Deschwanden, von Herrenschwand. 17 Types, 62 Tokens. Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 408: Daten zur zweiten Karte {390} Detailangaben zur Namenauswahl: Die ausgewählten FamN gehen zurück auf schwzdt. schwände(n), schwänte(n) ‘zum Schwinden/ Absterben bringen, insbesondere durch das Schälen eines Baums’ (aus ahd. swenten, mhd. swenden), schwzdt. Schwand ‘Hau, Kahlschlag in einem Wald’ (aus ahd., mhd. swant) bzw. schwzdt. Schwändi ‘Stelle, wo der Wald ausgereutet wurde’ (aus ahd. swentī, mhd. swende) oder einem Toponym derselben Grundlage (z. B. Schwand, Schwendi, Kollektivbildung Gschwend ). 10 Im Unterschied zum Begriff reuten meint die Rodungstechnik des Schwendens spezifisch das «Abschälen der Rinde, wodurch die Bäume zum Verdorren und Absterben gebracht wurden» (e-HLS 2008: s. v. Landesausbau). Wie das BENB I/ 5 (2017: Sp. 890) anmerkt, entwickelten sich Schwand, Schwändi u. ä. «jedoch später zu allgemeinen Rodungstermini». Appellativische resp. toponymische Elemente aus der Wortfamilie schwenden treten im Sample auch als Bestimmungswort (Schwendbühl ) oder als Grundwort (z. B. Herrenschwand ) von Komposita auf. Wie bei der ersten Karte sind auch hier alle vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN vertreten, vgl. bspw. Amschwand, Herrenschwand, Schwender und Schwendimann. Kommentar: Die FamN zu schwenden treten hauptsächlich in einem Gebiet auf, das sich von Saanen im Berner Oberland über das Emmental (BE) sowie die Kantone Luzern, Uri und Schwyz bis in die Nordostschweiz (AR, SG) erstreckt. Die Belegorte liegen somit mehrheitlich in voralpinen oder sogar in alpinen Regionen. Wiederum zeigt die Familiennamenkarte Übereinstimmungen mit dem Vorkommen entsprechender Toponyme: So stellt Zinsli (1971: 48) für die ÖrtlichkeitsN Schwand und Schwendi ein «sehr dicht besetzter, geradezu geschlossener Quergürtel durch die Schweiz zwischen Karte 390: WohnstättenN zu schwenden, vor 1800 10 Gemäss Zinsli (1971: 47) ist Schwand schon seit dem 8. Jh. urkundlich belegt, während er Schwendi als «möglicherweise etwas jüngere» Form betrachtet. 832 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="211"?> Mittelland und Hochalpen» fest (s. auch Zinsli 1971: Tafeln V, VI; Berchtold/ Rothenbühler 2022; Namenkarte 3 in Graf 2025: 315). Dritte Karte {391}: Wohnstättennamen zu reuten und schwenden im Kontrast Namenauswahl: Ergänzend zu den zwei vorhergehenden Kartenbildern wird hier der Typ schwenden dem Typ reuten gegenübergestellt. Im Fokus steht dabei die Frage, in welchem räumlichen Verhältnis die beiden Namengruppen zueinander stehen. Abgefragte Namen Typ reuten: Anderrüthi, Anderrüti, Bernhardsgrütter, Greuter, Greutert, Greutmann, Grüter, Grütter, Habisreutinger, Hochreutener, Hochreuter, Hochreutiner, Imgrüt, Imgrüth, Reudt, Reut, Reutegger, Reuteler, Reutemann, Reutener, Reuter, Reutimann, Reutti, Ritler, Rittiner, Rüthemann, Rüthi, Rüthy, Rütimann, Rüttener, Rütter, Rütti, Rüttimann, Rüttner, Vonrüti, von Rütte. 36 Types, 116 Tokens. Typ schwenden: Amschwand, Aschwanden, Deschwanden, Gschwend, Herrenschwand, Neuenschwander, Neuschwander, Schwander, Schwendbühl, Schwendeler, Schwendener, Schwender, Schwendi, Schwendimann, Schwenter, von Deschwanden, von Herrenschwand. 17 Types, 62 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 409: Daten zur dritten Karte {391} Detailangaben zur Namenauswahl: Für Etymologien und Angaben zur Namenauswahl s. die Ausführungen bei der ersten und der zweiten Karte. Für Toponyme gilt, dass Typ Schwendi «allgemein eher jüngeren Ursprungs (hoch- und spätmittelalterlich) und weniger häufig» ist als Typ Rüt(t)i (TNB 2.2 2007: 535). Auch im historischen Familiennamenbestand der Deutschschweiz erreichen die WohnstättenN zu schwenden eine deutlich weniger hohe Type- und Tokenfrequenz als jene zu reuten. Kommentar: Vergleicht man die Verbreitung von Toponymen wie auch von FamN zu reuten und schwenden, ergibt sich zwar keine strikt komplementäre Distribution, aber doch ein jeweils spezifischer, aneinander angrenzender Namenraum (Berchtold/ Rothenbühler 2022): Während Toponyme ebenso wie WohnstättenN zu reuten gehäuft im mittelländischen Hauptsiedlungsgebiet der Deutschschweiz auftreten (vgl. e-HLS 2009: s. v. Mittelland (Region)), kommen jene zu schwenden mehrheitlich im voralpinen Raum vor, der tendenziell später besiedelt worden ist (vgl. e-HLS 2015: s. v. Siedlung; e-HLS 2015: s. v. Voralpen). Mit Perler (2022) ist davon auszugehen, dass ÖrtlichkeitsN wie Rüt, Rüti und Grüt «Zeugnisse der ersten Phase des Landesausbaus» sind, Karte 391: WohnstättenN zu reuten und schwenden im Kontrast, vor 1800 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen 833 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="212"?> wohingegen Toponyme wie Schwand, Schwendi und Gschwend «eine spätere Rodungsphase» in höheren und abgelegeneren Lagen repräsentieren. 11 Die kartierten WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» spiegeln diese verschiedenen Phasen in ihrer räumlichen Ausbreitung wider. Vierte Karte {392}: Wohnstättennamen zu stocken Namenauswahl: Die vierte Karte gilt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die sich zu einem Toponym oder zu einem ortsbezeichnenden Lexem aus der Wortfamilie stocken stellen. Abgefragte Namen Typ stocken, vor 1800: Steckli, Stock, Stockar, Stocker, Stöckli, Stocklin, Stöcklin, Stöckly, Stockmann, Stoecklin, Stokar von Neuforn, von Stockar- Scherer-Castell. 12 Types, 77 Tokens. Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 410: Daten zur vierten Karte {392} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN der vierten Karte gehören zu schwzdt. stocke(n), stockne(n) ‘einen Baumstrunk bis auf die Wurzel stückweise spalten, Wurzelstöcke ausroden’ (aus mhd. stocken) bzw. schwzdt. Stock ‘Stamm eines Baums, Wurzelstock, Baumstrunk’ (aus ahd., mhd. stoc) oder zu einem darauf basierenden Toponym. 12 Beim Prozess des Stockens wurden das Wurzelwerk und die Baumstrünke, die nach dem Niederbrennen eines Walds zunächst noch im Boden blieben, für eine nachhaltige Urbarisierung entfernt (TNB 2.2 2007: 573; e-HLS 2008: s. v. Landesausbau). Für Stöckli und Varianten kommt auch eine übertragene Bedeutung von schwzdt. Stock infrage, sodass alternativ ein ÜberN für einen steifen, eigensinnigen, schmächtigen Menschen o. ä. vorliegen könnte. Bei Stokar von Neuforn und von Stockar-Scherer-Castell handelt es sich um Erweiterungen des FamN Stockar; die Namenträger: innen zählen zum Patriziat (vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de»). Die Form Stockar selbst ist gemäss Berchtold/ Graf (i. V.: s. v. Stockar) volksetymologisch an mhd. stoc-ar ‘Würgfalke, Jochgeier’ angeglichen worden. Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass WohnstättenN zu stocken schwerpunktmässig in den Kantonen Luzern und Aargau auftreten, daneben aber auch in weiteren Teilen der Deutschschweiz alteingesessen sind. Bspw. clustert der FamN Stöcklin mit 6 Tokens in Karte 392: WohnstättenN zu stocken, vor 1800 11 Auch Zinsli (1971: 47) merkt zu Schwand -Toponymen an: «[E]s handelt sich hier eben um einen Typus der zweiten, schon hochmittelalterlichen Rodungsphase, in der das lange wild gebliebene nördliche Voralpenland mit Axt und Haue erobert und dann zu jener Einzelhof landschaft wird, die sich ja bis auf unsere Tage siedlungsmäßig und volkskundlich deutlich ausprägt». Vgl. jedoch BENB I/ 5 (2017: Sp. 389) und Zinsli (1971: 51) für Einschränkungen hinsichtlich namengeographischer Analysen. 12 Daneben bedeutet schwzdt. Stock auch ‘stumpfkegelige Gebirgsform oder Anhöhe; Berg im Sinne von gebirgige Anhöhe, Gipfel’ und Weiteres (Id. 10 1881 ff.: Sp. 1674). 834 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="213"?> Basel-Landschaft, während die nasallose Form Stöckli u. a. in der bernischen Gantrischregion vorkommt. Fünfte Karte {393}: Wohnstättennamen zu brennen Namenauswahl: Die fünfte Karte rückt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» in den Mittelpunkt, die auf das Rodungselement Brand bzw. auf brennen zurückgehen. Abgefragte Namen Typ brennen, vor 1800: Brand, Brandenberg, Brandenberger, Brander, Brändle, Brändli, Brändlin, Brändly, Brandstetter, Brennwald, Brennwalder, Brönimann, Brönnimann. 13 Types, 91 Tokens. Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 411: Daten zur fünften Karte {393} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Karte bildet FamN zu ortsbezeichnenden Lexemen bzw. zu Toponymen ab, die auf die «Beseitigung von Wald und Gestrüpp durch Niederbrennen (Brandrodung)» Bezug nehmen (e-HLS 2008: s. v. Landesausbau). 13 Die ausgewählten WohnstättenN lassen sich auf schwzdt. bränne(n), brenne(n), brönne(n) ‘durch Brand zerstören, verbrennen, mit Feuer roden; in Brand sein’ (aus ahd., mhd. brennen und ahd. brinnan, mhd. brinnen) bzw. schwzdt. Brand ‘Feuerbrand, Verbrennung; Stelle, wo im Wald gebrannt und gereutet worden ist; etwas Brennendes/ Angebranntes u. ä.’ (aus ahd., mhd. brant) oder auf ein daraus hervorgegangenes Toponym zurückführen. Insbesondere für Brändli und Varianten kommt alternativ eine Deutung als Patronym infrage, bei der von einer Kurzform zu einem Ruf N auf ahd. -brant auszugehen wäre (z. B. Hildebrand ). 14 Bei Brennwald handelt es sich womöglich nicht um einen WohnstättenN zu einem gleichnamigen Toponym, sondern um einen SatzN im Sinne von ‘brenn [den] Wald’ (wohl für eine Person, die mit Brandrodung betraut war). 15 Für Brönimann und Brönnimann könnte auch schwzdt. Brennimann, Brönnimann ‘Irrlicht, -wisch; die in Feuergestalt umgehende Seele eines unseligen Menschen’ (als ÜberN für eine unheimliche oder seltsam anmutende Person) namengebend gewesen sein. In Berner Urbaren des 16. Jh. findet sich allerdings eine ältere Form Brendimann, die zusammen mit Brönnimann in Niedermuhlern (BE) belegt ist (vgl. Ramseyer unveröffentlicht), sodass der FamN im Sinne von Karte 393: WohnstättenN zu brennen, vor 1800 13 Bei der sogenannten Brandwechselwirtschaft wurde der Boden nach der Brandrodung zeitlich beschränkt genutzt, bevor man ihn zur Erholung sich selbst überliess. Diese Art der Bodennutzung war im Mittelalter v. a. noch in alpinen Regionen verbreitet (e-HLS 2004: s. v. Brandwechselwirtschaft). Vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 14 Der FamN Brandt kommt ausschliesslich in der Romandie vor und wird gestützt auf Morlet (1997: 137) als Patronym kategorisiert; entsprechend ist Brandt im vorliegenden Kartenbild nicht enthalten. 15 Vgl. Artikel II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen 835 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="214"?> ‘Person, die mit Brandroden betraut ist’ oder ‘Person, die bei oder auf einer brandgerodeten Stelle wohnhaft ist’ gedeutet werden kann. Schliesslich bleibt auch zu bedenken, dass die FamN mit Brand in Einzelfällen auf einen unbeabsichtigten Feuerbrand hinweisen können (vgl. BENB I/ 4 2011: Sp. 525). Kommentar: Die fünfte Karte zeigt ein weitläufiges Vorkommen von WohnstättenN zur Brandrodung. Die Belege dehnen sich vom südbernischen Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen über das Berner Mittelland und das Emmental (BE) weiter in die nordöstliche Deutschschweiz aus, wo die Kantone Zürich und St. Gallen hohe Tokenfrequenzen ausweisen. Daneben finden sich ein Cluster im Kanton Uri (hier Brand ) und ein geringes Vorkommen in der Nordwestschweiz (Büren SO, Basel BS). Sechste Karte {394}: Wohnstättennamen zu sengen Namenauswahl: Die sechste Karte widmet sich schliesslich den FamN aus der Schicht «vor 1800», in denen ein Toponym oder ein ortsbezeichnendes Lexem zu sengen fest geworden ist. Abgefragte Namen Typ sengen, vor 1800: Hosang, Hosig, Imseng, Senggen. 12 Tokens. Kreise 20-30, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 412: Daten zur sechsten Karte {394} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Sample umfasst vier FamN zu schwzdt. sänge(n) ‘sengen, an-/ verbrennen’ (aus ahd. bisengen, mhd. sengen) bzw. schwzdt. Sang, Seng, Senge(n), Sangi u. ä. ‘Absengung, brandgerodeter Ort’ oder zu einem darauf basierenden Toponym. Die FamN Hosang und Hosig werden vom RNB 3 (1986: 472) zu schwzdt. Hō(ch)sang ‘hoch gelegene, durch Feuer gerodete Stelle’ (aus mhd. hochsang) gestellt (s. auch Socin 1903: 379). Alternativ wäre mit dem DFD (2025b: s. v. Hosang) von einem ÜberN zu mhd. hōchgesenge ‘Hochgesang’ für einen frommen Menschen auszugehen; doch gemäss Id. 7 (1881 ff.: Sp. 1187) sind Zusammensetzungen mit Sang häufig als bzw. in FlurN belegt. Unberücksichtigt blieb der FamN Fürsinger (Schmitten GR), der im RNB 3 (1986: 727) als BerufsN für jemanden, der mit Feuer sengt, also Wald rodet, gedeutet wird. Gemäss DFD (2025a: s. v. Feuersinger) ist aber auch ein entsprechender WohnstättenN denkbar. Der FamN wäre dann im gleichen Gebiet verbreitet wie die beiden WohnstättenN Hosang und Hosig. Zudem fehlen die FamN Vogelsang und Vogelsanger, die nicht zur vorliegenden Motivgruppe gehören: Ursprünglich bezogen sich entsprechende FlurN auf mit Buschwerk bestandenes Gelände, wo auffälliger Vogelgesang zu vernehmen war; Vogelsang wurde jedoch später zu einer Modebezeichnung für schöne, liebreizende Stellen. Kommentar: Die WohnstättenN zu sengen sind niederfrequent und auf südliche Gebiete beschränkt: Hosang und Hosig kommen in der Karte 394: WohnstättenN zu sengen, vor 1800 836 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="215"?> Region Viamala (GR) und seltener auch in der Surselva (GR) vor. Der FamN Imseng beschränkt sich auf die Walliser Bezirke Raron und Visp, während der FamN Senggen im Goms (Gemeinde Obergesteln VS) alteingesessen ist. 16 Tendenziell erscheinen die Namenbelege der vorliegenden sechsten Karte somit komplementär zu den WohnstättenN, die auf Brand bzw. brennen zurückgehen (s. fünfte Karte). Ob es sich dabei aufgrund der geringen Anzahl von FamN zu sengen um einen Zufallsbefund handelt, wäre unter Einbezug der arealen Verbreitung entsprechender Toponyme zu prüfen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Stocker (4'120 Tokens), Stöckli (3'984 Tokens) und Brand (2'613 Tokens). In der Schicht «vor 1800» finden sich weitere Namengruppen, deren zugrunde liegendes Toponym bzw. ortsbezeichnendes Lexem semantische Nähe zu Rodungen (insbesondere zum Holzschlag) aufweisen: • Kauer (Dürrenroth, Trachselwald BE) und Kauert (Dotzigen BE) stellen sich zu schwzdt. Ghau (Kollektivbildung zu mhd. hou ‘Schnitt, (Holz-)Hieb, Holzschlag’) oder zu einem darauf basierenden Toponym. Auch Hauert (BE, Unterramsern SO) und Haueter (BE) lassen sich auf schwzdt. Hau ‘Hieb, Holzschlag im Wald, Waldabteil, Bürgeranteil an Holz’ (aus mhd. hou) bzw. auf ein Toponym derselben Grundlage zurückführen. Die vier FamN treten ausschliesslich im Kanton Bern (v. a. Emmental) mit einem Ausläufer in den benachbarten Kanton Solothurn auf. • Schlag (Waldenburg BL) stellt sich zu schwzdt. Schlag ‘Hau, Holzschlag, Rodung u. ä.’ (aus ahd. slag, mhd. slac) oder zu einem entsprechenden Toponym. • Schläpfer (AR, Appenzell AI) und Schlepfer (Appenzell AI) stellen sich (mit der älteren Form des FamN Gschläpfter; vgl. APNB 1 1958: 510) zu einem Toponym Gschläpft (‘Ort, wo Holz geschleift, geschleppt wird; Holzbahn’) bzw. zu einem Toponym Schlepfe(n), Schlepfer, das analog zu deuten ist. Alternativ könnte eine Bildung zu mhd. slipfen oder mhd. slipf im Sinne von ‘Gebiet mit Erdrutschgefahr’ vorliegen. Die beiden Familiennamentypes formen ein enges Cluster in den beiden Appenzell. • Schneiter (BE, Entlebuch LU, Niederneunforn TG, Unterstammheim ZH) und Schneitter (Spiez BE, Lommiswil SO) stellen sich zu schwzdt. Schneit, Schneite(n) ‘durch den Wald gehauener Weg, Durchstich, durch den Wald geschlagene Rodungsschneise’ oder zu einem darauf basierenden Toponym. Ebenso denkbar ist ein BerufsN zum Verb mhd. sneiten ‘schneiden, entästen’ für eine Person, die gewohnheits- oder berufsmässig Bäume schneidet. Der Namentyp ist charakteristisch für die Region rund um die Stadt Thun (BE). • Schröter (Riggisberg BE, Schwarzenberg LU, Wattwil SG, Eischoll VS) und Schroeter (FR) stellen sich zu schwzdt. Schröte(n), Schrōte(n) ‘Holzschlag, abgeholztes Waldstück’ oder zu einem daraus hervorgegangenen Toponym. Alternativ handelt es sich um BerufsN zu mhd. schrōtære, wobei damit verschiedene Berufe bezeichnet werden können (‘Schneider, Goldpräger; derjenige, der Wein- und Bierfässer auf- und ablädt’, schwzdt. auch ‘Holzhauer; wer Heu vom Heustock absticht’ oder ‘Schneider’). Für FamN zu Toponymen mit -wil, die zumeist «durch Rodung von Waldgebieten im Umkreis der primären Siedlungszonen und entlang der alten Verkehrswege» entstanden sind (Graf 2025: 315; s. auch Zinsli 1971: 43-46), vgl. die Artikel I-1.10 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ī» und III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 17 Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013: 268-331) behandelt auf den Karten 115-143 Wohnstättenresp. HerkunftsN zu Rodungsorten, die zu Hag / Hagen und Scheid(e) gebildet sind oder auf roden, reuten, schwenden und schlagen basieren. Wie der DFA 4 (2013: 269) ausführt, gehen die FamN mit Hag / Hagen (zu mhd. hac, hagen ‘Dorngesträuch, Gebüsch, Einfriedung, umfriedeter Ort’ bzw. mittelniederdt. Hage(n) ‘Hecke, lebender Zaun, eingehegtes Grundstück’) «auf Toponyme zurück, die v. a. in der hochmittelalterlichen Rodungsperiode entstanden sind». 18 Nach Auskunft des DFA 4 (2013: 289) fallen auch Toponyme mit Scheid(e) (zu mhd. scheide ‘Scheidung, Trennung, Abschied, Grenze’) in diese Zeit. 19 Während Wohnstätten- und HerkunftsN zu roden eher in der Nordhälfte Deutschlands auftreten, prägen weiter südlich der Typ Reuther und der Typ Reiter (mit Entrundung, v. a. im südöstlichen Bayern) das Kartenbild (vgl. DFA 4 2013: 298, 310). Die zahlreichen Deutschschweizer FamN zu reuten schliessen sich diesen Vorkommen an und bilden als Ganzes einen zusammenhängenden oberdeutschen Familiennamenraum. Auch die Wohnstätten- und HerkunftsN zu schwenden sind hauptsächlich für den Süden Deutschlands bezeugt, sodass bei diesem Typus ebenfalls ein geographischer Anschluss an entsprechende Belege in der Deutschschweiz besteht (vgl. DFA 4 2013: 320). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 16 Das VSNB 4 (2024: 159) bezeugt mehrere simplizische und zusammengesetzte FlurN zu Seng. 17 Für FamN mit weiteren toponymischen Elementen wie -ighofen und -hausen, die die Schweizer Siedlungsgeschichte widerspiegeln, vgl. ebenfalls den Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen» und zudem II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». Für einen Überblick über die Bewegungen der Walser: innen, die zwischen dem 13. und 15. Jh. raue Hochtäler kolonisierten und so wesentlich am Landesausbau im Alpenraum beteiligt waren, beachte man das e-HLS (2008: s. v. Landesausbau; 2013: s. v. Walser) und Zinsli (1971: 50-51) sowie den Artikel III-2.4 «Herkunftsnamen zu Bezeichnungen von Stämmen, Volks- und Sprachgruppen». 18 Für die Deutschschweiz werden entsprechende FamN im Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» behandelt. 19 In der Schicht «vor 1800» finden sich die Deutschschweizer FamN Schait, Scheidmann, Schadegg (mit Monophthongierung), Scheidegger sowie daraus verkürztes Scheidiger (vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie»). 3.6 Wohnstättennamen zu Rodungen 837 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="216"?> 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur APNB 1 = Sonderegger, Stefan (1958): Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Grammatische Darstellung (Appenzeller Namenbuch 1). Frauenfeld: Huber. APNB 2 = Sonderegger, Stefan (2013): Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Herkunft und Bedeutung der Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Teilbd. 1: Einführung und Historisches Namenlexikon A-G. Teilbd. 2: Historisches Namenlexikon H-Q. Teilbd. 3: Historisches Namenlexikon R-Z und Register (Appenzeller Namenbuch 2). Frauenfeld: Huber. BENB I/ 4 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2011): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Vierter Teil: N-B/ P. Basel, Tübingen: Francke. BENB I/ 5 = Schneider, Thomas F. (Hrsg.) (2017): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Fünfter Teil: Q-Sch. Tübingen: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Berchtold, Simone/ Rothenbühler, Julie (2022): Räume und ihre Namen. Die Semantik von Orten und ihre Geschichte am Beispiel von Rodungsnamen in der Schweiz. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung «Sprache(n) und Räume: Sonderfall Schweiz? » an der Universität Zürich, Zürich. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Griebel, Julia (2025a): Feuersinger. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 118391/ 1 (letzter Zugriff 26.05.2025). DFD = Griebel, Julia (2025b): Hosang. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 17674/ 1 (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Della Casa, Philippe et al. (2015): Siedlung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007854/ 2015-08-19/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Della Casa, Philippe/ Irniger, Margrit/ Schuler, Anton (2024): Wald. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007849/ 2024-10-08/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Dubuis, Pierre (2004): Brandwechselwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027647/ 2004-03-29/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Hürlimann, Katja (2008): Holzwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 014025/ 2008-01-08/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Lüthi, Christian (2009): Mittelland (Region). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008566/ 2009-08-25/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Meyer, Werner (2008): Landesausbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007949/ 2008-11-11/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Raymond, Denyse (2015): Voralpen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008564/ 2015-04-22/ (letzter Zugriff 26.05.2025). e-HLS = Waibel, Max (2013): Walser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007950/ 2013-08-20/ (letzter Zugriff 26.05.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 26.05.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. FLNB I = Stricker, Hans/ Banzer, Toni/ Hilbe, Herbert (1999): Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein. 6 Bde. (Liechtensteiner Namenbuch I). Vaduz: Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein. Graf, Martin H. (2025): Orts- und Flurnamen in der Deutschschweizer Sprach(en)landschaft. In: Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz, 312-318. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 26.05.2025). Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 26.05.2025). Perler, André (2022): «Rüti» und «Schwand» berichten vom historischen Kahlschlag. Schweizerisches Nationalmuseum. Blog zur Schweizer Geschichte. https: / / blog.nationalmuseum.ch/ 2022/ 07/ rueti-und-schwandberichten-vom-historischen-kahlschlag/ (letzter Zugriff 26.05.2025). Ramseyer, Rudolf J. (unveröffentlicht): Vorarbeiten zu einem Personennamenbuch des Kantons Bern. Unveröffentlichte Daten. Beruhend auf Urbaren hauptsächlich aus dem 16. Jh. Staatsarchiv Bern (N R. Ramseyer 15-22). RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Socin, Adolf (1903): Mittelhochdeutsches Namenbuch nach oberrheinischen Quellen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts. Basel: Helbing & Lichtenhahn. TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Etymologisches Flurnamenlexikon. Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. VSNB 4 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 4: Flurnamen S-Z. Tübingen: Narr Francke Attempto. Walliser Wappenbuch = Kantonsarchiv unter Mithilfe der beiden historischen Vereine des Kantons Wallis unter den Auspizien des Staatsrates (1946): Armorial Valaisan. Walliser Wappenbuch. Zürich: Orell Füssli. Zinsli, Paul (1971): Ortsnamen. Strukturen und Schichten in den Siedlungs- und Flurnamen der deutschen Schweiz (Schriften des deutschschweizerischen Sprachvereins 7). Frauenfeld: Huber. Esther Loosli 838 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="217"?> 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland Schlagwörter: Ackerbau, Einfriedung, Garten, Toponym, Weide, Wiese, Wüstung, Zaun Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 19.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zu Bezeichnungen und Namen von Kulturland gebildet sind. Hierbei interessiert, mit welcher räumlichen Verbreitung und Frequenz entsprechende Appellative wie bspw. schwzdt. Baumgarte(n) (‘eine hauptsächlich zum Obstbau benutzte Wiese, die sich meist in der Nähe des Hauses befindet’) oder darauf basierende Toponyme in der Deutschschweiz zu FamN fest geworden sind. Manche der im Folgenden aufgeführten WohnstättenN lassen sich alternativ auch als HerkunftsN interpretieren: Die Unterscheidung dieser zwei Benennungsmotive ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, vielfach ist eine exakte Zuordnung jedoch nicht ohne Weiteres realisierbar (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). Bspw. finden sich in der Deutschschweiz zahlreiche Flurwie auch SiedlungsN vom Typus Ägerte, Ägete (s. erste Karte). Ebenso muss die Frage, ob die WohnstättenN zu Kulturland auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Weiter bestehen generelle Überschneidungen zu BerufsN; so verweist z. B. der FamN Bracher ursprünglich entweder auf die Wohnstätte einer Person beim Brachland (s. erste Karte) oder benennt jenen, der das Umpf lügen und Lockern der Felder vornahm. Die im Folgenden kartierten Namen sind vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Bodennutzung zu betrachten, die hier in aller Kürze gestützt auf die Ausführungen im e-HLS (o. J.) und im LexMA (1977-1999) zusammengefasst werden soll: 1 Der Ackerbau nahm v. a. ab dem 11. Jh. im Zuge der Bevölkerungsentwicklung im Mittelland (zuungunsten der Viehwirtschaft) an Intensität zu, als «in grossem Umfang neue Anbauf lächen erschlossen (Landesausbau) und der Ertragsfaktor durch technologische Verbesserungen (z. B. Einführung des Beetpf luges) oder den Einsatz ertragreicherer Bodennutzungssysteme wie der Dreizelgenbrachwirtschaft […] anstelle der bis dahin verbreiteten Feldgraswirtschaft gesteigert wurde» (e-HLS 2016: s. v. Ackerbau; s. auch e-HLS 2007: s. v. Landwirtschaft). 2 Bei der Dreizelgenbrachwirtschaft - d. h. der zelgengebundenen, genossenschaftlich organisierten Dreifelderwirtschaft 3 - wurde jeweils eine Zelge mit Winterfrucht und eine mit Sommerfrucht bestellt, während die dritte brach lag; die Nutzung rotierte jährlich (e-HLS 2010: s. v. Dreifelderwirtschaft; s. auch e-HLS 2014: s. v. Zelgensysteme). Das Ausbreiten dieses Nutzungssystems im Hochmittelalter hängt gemäss e-HLS (2015: s. v. Bodennutzungssysteme) mit der «gleichzeitig stattfindenden Siedlungsverdichtung und Dorfbildung» zusammen, die insbesondere das Mittelland betraf (e-HLS 2015: s. v. Dorf ). Im Unterschied dazu fand in den «Hügelgebieten und Voralpenzonen […] diese Verdorfung und Verzelgung nicht oder nur in Ansätzen statt» (e-HLS 2023: s. v. Viehwirtschaft; s. auch e-HLS 2015: s. v. Dorf ). Das Ergebnis der «Kommunalisierung der landwirtschaftlichen Nutzungsorganisation» (e-HLS 2015: s. v. Agrarverfassung), die sich in vielfältigen rechtlichen Normen und Regulierungen niederschlug, war «eine klare räumliche Trennung zwischen Ackerland (ager, Innenfeld, Zelgen) einerseits, Weiden und Waldweiden (saltus, Aussenfeld, Allmend) andererseits. Die Siedlungen mit den Gärten (Zone des hortus) verdichteten sich und blieben gegen ager und saltus abgegrenzt» (e-HLS 2015: s. v. Bodennutzungssysteme; s. auch LexMA 1977-1999: s. v. Dorf ). Von Bedeutung waren dabei auch Zäune im Allgemeinen, die u. a. «dem dauernden oder period[ischen] Schutz bestimmter Liegenschaften (Zelgen), der Eingrenzung von Viehtriften, der Abgrenzung zu gefährl[ichem] Gelände» dienten (LexMA 1977-1999: s. v. Zaun), sowie der Etter - d. h. derjenige Zaun, der den Siedlungskern umfasst - im Spezifischen. Letzterer hatte «einerseits prakt[ische] Bedeutung, indem er vor eindringendem Vieh und vor Raubtieren schützte, anderseits rechtliche, weil er den Dorfraum von der Feldf lur trennte» (e-HLS 2005: s. v. Etter). Der vorliegende Artikel folgt der Einteilung in die drei Bereiche ager, saltus und hortus. Entsprechend werden in der ersten Karte FamN behandelt, die etymologisch einen Zusammenhang zum Ackerbau bzw. zu intensiv genutztem Ackerland aufweisen. Anschliessend nehmen die zweite, die dritte und die vierte Karte FamN zu Allmenden, Weiden und Wiesen in den Blick, bevor in der fünften Karte FamN mit appellativischem resp. toponymischem Garten thematisiert werden. Der Kartenkomplex wird mit der sechsten Karte vervollständigt, die FamN zu Zäunen, Einfriedungen oder eingefriedetem Land abbildet. 1 Für ausführliche Informationen beachte man im e-HLS (o. J.) insbesondere folgende Einträge: Ackerbau (e-HLS 2016), Agrarverfassung (e-HLS 2015), Agrarzonen (mit der grundlegenden Zweiteilung in das sogenannte Kornland (Ackerbau) und das sogenannte Hirtenland (Viehwirtschaft)) (e-HLS 2015), Bodennutzungssysteme (e-HLS 2015) und Landwirtschaft (e-HLS 2007). 2 Bei der Feldgraswirtschaft wechselten sich auf derselben Fläche Getreide- und Grasnutzung ab (e-HLS 2005: s. v. Feldgraswirtschaft). Für die verschiedenen Bodennutzungssysteme in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schweiz sei auf das e-HLS (2015: s. v. Bodennutzungssysteme) verwiesen. Zum Landesausbau in der Schweiz und zur Brandwechselwirtschaft vgl. den Artikel III-3.6 «Wohnstättennamen zu Rodungen» sowie die dort genannte Literatur. 3 Während Dreizelgen(brach)wirtschaft in der Deutschschweizer Historiographie meist die Organisation eines ganzen Dorfs nach dem System der Dreifelderwirtschaft meint, bezeichnet letzterer Begriff das Fruchtfolgesystem im Allgemeinen - «unabhängig davon, ob es einzelbetrieblich oder dorfweise angewandt wurde» (e-HLS 2010: s. v. Dreifelderwirtschaft; s. auch e-HLS 2014: s. v. Zelgensysteme). 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 839 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="218"?> Erste Karte {395}: Wohnstättennamen zum Ackerbau Namenauswahl: Die erste Karte behandelt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 4 die motivisch auf ein Appellativ aus dem Wortfeld des Ackerbaus bzw. auf ein daraus hervorgegangenes Toponym zurückgehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst sieben verschiedene Familiennamentypes zusammen. Abgefragte Namen Typ Acker: Abächerli, Aecherli, Amacher, Amacker, Dalcher, Dannacher, Eyacher, Hofacher, Hofacker, Hubacher, Krummenacher, Laubacher, Lengacher, Limacher, Rossacher, Steinacher, Zmilacher, Zweiacher, Zweiacker. 19 Types, 58 Tokens. Typ Ägerte: Aegerter, Egert, Egeter. 11 Tokens. Typ Breite: Breit, Breiter, Breitinger, Breitler. 7 Tokens. Typ Büne: Biner, Binner, Inderbinen. 5 Tokens. Typ Esch: Aeschmann, Escher, Eschmann, Oesch, von Escher. 18 Tokens. Typ Feld: Felder, Feldmann, Felzhalb, Glatzfelder, Grünenfelder, Hugenfeld, Imfeld. 7 Types, 31 Tokens. Sonstige: Bettenmann, Bracher, Broch, Juchler, Juchli, Jurt, Zelger. 7 Types, 20 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 413: Daten zur ersten Karte {395} Detailangaben zur Namenauswahl: 5 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Acker: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Acher, Acker ‘Acker, Saatfeld, Stück Pf lugland; nutzbar gemachtes Land; angepf lanztes oder zur Anpf lanzung bestimmtes Stück Land’ (aus ahd. ahhar, ackar, mhd. acker). 6 Im deutschsprachigen Raum können Toponyme mit Acker neben ‘Acker’ «je nach Region und Zeit ein breites Spektrum speziellerer Bedeutungen abdecken, von ‘gesamte Anbauf läche’ bis ‘kleines Stück Land’ (DFA 4 2013: 820). Für (Teil-)Syno- Karte 395: WohnstättenN zum Ackerbau, vor 1800 4 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 6 Alternativ lassen sich die FamN Zweiacher und Zweiacker auch als ÜberN für jemanden mit wenig Besitz deuten. Für die FamN Achermann, Ackermann, Akermann vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 840 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="219"?> nyme für ‘Acker’ im schweizerdeutschen Appellativwortschatz vgl. die Karte 89 im SDS VI (1988). • Typ Ägerte: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Ägerte(n), Ägete(n) u. ä. ‘Brachland, ausserhalb der Flurordnung nur zeitweise bebautes Ackerland’ (aus ahd. egerda, mhd. egerde, egerte). Egert könnte daneben auch auf einer Kurzform des Ruf N Eckehard basieren und wäre entsprechend als Patronym einzuordnen. • Typ Breite: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Breite, Breiti ‘ausgedehntes ebenes Feld; Komplex von Grundstücken (besonders Äckern) in ebener, fruchtbarer Lage; Herrenäcker mit Sondernutzungsrechten’ (aus ahd. breitī(n), mhd. breite(n)). 7 Die Form Breitinger wurde sekundär an die HerkunftsN auf -inger angeglichen (vgl. Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 48-49). 8 • Typ Büne: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Bǖne(n), Bĭne(n) ‘eingezäuntes und gedüngtes Stück Ackerland; Garten; Weide, Wiese’. Gemäss Id. 4 (1881 ff.: Sp. 1321) ist das Wort etymologisch mit mhd. biunde ‘der privaten Bebauung vorbehaltenes Grundstück’ verwandt. Wie der DFA 4 (2013: 804) festhält, «haben sich zeit- und regionalspezifische Sonderbedeutungen wie ‘geschlossenes Ackerland’ oder ‘Obstgarten’ herausgebildet». • Typ Esch: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Esch (aus ahd. ezzisc, mhd. ezzisch, ezesch, esch), welches Teil der Dreifelderwirtschaft ist. Der Begriff bezeichnet den Grund einer Dorfgemeinde, zu dem Wiesen und das eingezäunte, gewöhnlich vom Weiderecht ausgeschlossene Saatfeld gehören, und steht gemäss Id. 1 (1881 ff.: Sp. 569) begriff lich meist in Gegensatz zu Ägerte (s. o.) und Brāch (s. u.). Deutungskonkurrenz besteht zu FamN, die auf schwzdt. Esch, Esche(n) ‘Esche’ (aus ahd. asc, asca, mhd. asch, esch, esche) basieren. 9 Es wurde versucht, soweit möglich eine Gewichtung der beiden Deutungsmöglichkeiten vorzunehmen, eine klare Trennung oder Zuordnung ist aber vielfach nicht realisierbar (vgl. Id. 1 1881 ff.: Sp. 570). 10 • Typ Feld: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Feld ‘zu Ackerbau bestimmtes Land; Wiesen- oder Weideland’, auch ‘Niederung, Ebene, Talmulde, Fläche’ (aus ahd. fëld, mhd. vëlt). 11 Für Feldmann ist allenfalls auch eine Deutung als BerufsN zu mhd. vëltman zur Benennung eines Bauern möglich (s. jedoch DFD 2025: s. v. Feldmann). Der FamN Felzhalb ist gemäss Id. 2 (1881 ff.: Sp. 1165) als *Feld(e)s-halb ‘gegen die Seite des Feldes hin, auf der Seite des Feldes’ zu analysieren, für den Bewohner einer Liegenschaft, die gegen Kulturland hin gelegen war (im Gegensatz etwa zur Lage gegen Wald, Wohn- oder Werkgebäude hin). Ein Gegenstück zu Felzhalb liegt im Namen des heute nicht mehr existierenden (ehemals bedeutenden) Zürcher Geschlechts Holzhalb (etwa ‘gegen den Wald hin gelegen’) vor. • Sonstige: Die Gruppe umfasst Bettenmann zu schwzdt. Bett(e) ‘begrenztes Stück Pf lanzland; Feld- oder Gartenbeet, Kulturland im Allgemeinen u. ä.’ (aus ahd. betti, mhd. bette, bet), Bracher und Broch zu schwzdt. Brāch, Brache ‘umgebrochen liegendes, unbesätes Land’ (aus ahd. brāhha, mhd. brāche) 12 sowie Zelger zu schwzdt. Zälg ‘Feld der Dreifelderwirtschaft; bestelltes Feld, besonders als der dritte Teil der Gesamtf lur bei Anwendung der Dreifelderwirtschaft’ (aus ahd. zelga, mhd. zelge). Die FamN Juchler und Juchli wie auch Jurt stellen sich zu schwzdt. Juch ‘Morgen, ein Joch Kulturland’ (aus ahd. jūh, mhd. jiuch, jūch), wobei Jurt aus schwzdt. Juchert gekürzt ist. Dieses Flächenmass bezeichnete die Grösse eines Stücks Land, das ein Joch Ochsen an einem Tag umackern konnte. Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, die den hier kartierten WohnstättenN zugrunde liegen, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. Die kartierten FamN zeigen grösstenteils eines der vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN: Zu den PräpositionsN gehören z. B. Abächerli und Inderbinen, während Hofacker, Hugenfeld und Broch endungslos sind. Das Sample umfasst zudem Ableitungen auf -er wie Binner und solche auf -mann wie Feldmann. 13 Die Präposition von markiert im FamN von Escher den adligen resp. patrizischen Status der Namenträger: innen. 14 Kommentar: Die FamN der ersten Karte erstrecken sich über weite Teile der Deutschschweiz. Mehrheitlich liegen die Ortspunkte im f lacheren Mittelland; in voralpinen Regionen und im Alpenraum ballen sich die Belege oft entlang von Flüssen und/ oder in Talebenen. Die type- und tokenfrequenteste Namengruppe zu Acker tritt schwerpunktmässig in der westlichen Deutschschweiz in Erscheinung (insbesondere BE, LU, BL); einzig die beiden Tokens in St. Gallen (FamN Amacker) weichen davon ab. Während der DFA 4 (2013: 809) für den bundesdeutschen Raum feststellt, dass sich die Verbreitung von FamN mit Acker teilweise komplementär zu jener von FamN mit Feld verhält, treten entsprechende Belege in der Deutschschweiz oft im gleichen Gebiet auf (v. a. im luzernischen Entlebuch und im Kanton Obwalden). Tendenziell reicht der Typ Feld jedoch etwas stärker in die Ostschweiz hinein als der Typ Acker. Regional beschränkte Verbreitung zeigen der Typ Breite (Breit in BE, restliche FamN in ZH, SH, TG), der Typ Büne (VS) und der Typ Ägerte (Aegerter in BE, Egert und Egeter in SG, wobei das Vorkommen von Egert in Mels SG vom Typ Feld überdeckt wird), Bracher (BE), Broch (LU) und Jurt (LU). Der Typ Esch tritt mehrheitlich im Kanton Zürich (v. a. Eschmann mit 7 Tokens) auf, lässt sich aber u. a. auch im Wallis nachweisen. Einmalig belegt sind schliesslich die FamN Bettenmann (Altstätten SG), Juchler (Kirchberg SG), Juchli (Zufikon AG) sowie Zelger (Stans NW). 7 Für Breit kommt daneben eine Deutung als ÜberN zu mhd. breit ‘ausgedehnt, gross’ (wohl für jemanden, der breit gewachsen ist) infrage (vgl. Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare»). 8 Vgl. Artikel II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 9 Vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 10 Bspw. zieht das Id. 1 (1881 ff.: Sp. 570) beim Walliser FamN Imesch tendenziell beide Etyma in Erwägung, während das VSNB 1 (2024: Sp. 133) dazu schreibt: «Das sonst gebräuchliche Esch II ‘Zelge, Saatfeld’ aus der Dreifelderwirtschaft […] ist im Wallis nicht belegt». 11 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 12 Vgl. dazu die Ausführungen im e-HLS (2002: s. v. Brache). 13 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» sowie II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 14 Vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 841 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="220"?> Zweite Karte {396}: Wohnstättennamen zu Allmenden und Weiden Namenauswahl: Die zweite Karte enthält FamN aus der Schicht «vor 1800», die auf appellativisches bzw. toponymisches Allmend, Atzi(n)g oder Weid zurückgehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Allmend: Almer, von Allmen. 5 Tokens. Typ Atzing: Atzinger, von Atzigen. 2 Tokens. Typ Weid: Fogelweid, Schoenenweid, Vollenweider, Vollenwyder, Weidmann. 41 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 414: Daten zur zweiten Karte {396} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Die FamN Almer und von Allmen stellen sich zu schwzdt. Allme(n), Allme(n)d ‘ungeteilter Grundbesitz einer Gemeinde, gemeinsam genutzte Weide- oder Waldf läche’ (aus mhd. almeinde, almende) mit regional sehr unterschiedlicher bedeutungsmässiger Weiterentwicklung. Wie eingangs erwähnt, bildete die Allmend «[i]nnerhalb des idealtypischen Modells einer verzelgten dörf lichen Wirtschaft […] neben der Ackerf lur und dem Wohnbereich mit Hofstätten und Gärten die dritte ökonomisch-rechtliche Zone» (e-HLS 2001: s. v. Allmend ). • Die FamN Atzinger und von Atzigen stellen sich zu schwzdt. Atzi(n)g ‘als Weide gebrauchtes Stück Land, Alpwiesen, Bergweiden’. Für Atzinger kommt alternativ eine Ableitung mit dem Suffix -inger, das Zugehörigkeit ausdrückt, zum althochdeutschen Ruf N Azzo infrage. • Typ Weid: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Weid, Weide(n) ‘Weide, Grasland, Futterplatz für Tiere’ (aus ahd. weida, mhd. weide). 15 Während für andere Teile des deutschsprachigen Raums kaum zu entscheiden ist, ob die FamN allenfalls stattdessen auf die Baumbezeichnung mhd. wīde ‘Weide’ zurückgehen (vgl. DFA 4 2013: 864), kann für die Deutschschweiz anhand der Aussprache des Stammvokals als Diphthong bzw. als Monophthong i. d. R. eine Deutung vorgenommen werden. 16 Karte 396: WohnstättenN zu Allmenden und Weiden, vor 1800 15 Weidmann lässt sich alternativ als BerufsN zu mhd. weideman für eine mit der Jagd oder mit dem Fischfang betrauten Person auffassen, vgl. Artikel III-4.4 «Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei». 16 Vgl. die Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» sowie I- 1.10 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ī». 842 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="221"?> Für WohnstättenN mit Hard / Hart (aus ahd. hard, mhd. hart ‘Wald, Gemeintrift, Viehweide (im Wald)’) beachte man den Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». Für historische Hintergründe vgl. das e-HLS (2001: s. v. Allmend; 2013: s. v. Weiden; 2023: s. v. Viehwirtschaft) und das LexMA (1977-1999: s. v. Allmende, Weide). Kommentar: Die zweite Karte wird von FamN des Typs Weid geprägt, die hauptsächlich im Kanton Zürich (31 Tokens) alteingesessen sind. 17 Die beiden FamN Atzinger und von Atzigen treten jeweils einmal in Hallau (SH) bzw. in Alpnach (OW) in Erscheinung. Der Typ Allmend formt ein Cluster im Berner Oberland. Dritte Karte {397}: Wohnstättennamen zu Matte und Wiese Namenauswahl: Die dritte Karte untersucht die Verbreitung der Lexeme Matte und Wiese in FamN aus der Schicht «vor 1800». Wie Zinsli (1971: 85-86, Tafel X) für Deutschschweizer ÖrtlichkeitsN und der KSDS (2025: 185) für den schweizerdeutschen Appellativwortschatz ausweisen, sind Matte und Wiese geographisch komplementär verteilt. Von Interesse ist daher, ob diese distinkten Räume auch im Familiennamenbestand erkennbar sind. Abgefragte Namen Typ Matte: Andenmatten, Andermatt, Anthamatten, Bammatter, de Kalbermatten, de Riedmatten, Dürrenmatt, Hugenmatter, Kalbermatten, Kalbermatter, Lochmatter, Lomatter, Matt, Matter, Mattmann, Mühlematter, Odermatt, Pfammatter, Prumatt, Seematter, Streitmatter, Strittmatter, Summermatter, von Matt, von Riedmatten, Zermatten. 26 Types, 89 Tokens. Typ Wiese: Wieser, Wiesli, Wiesmann, Wiesner, Winnenwieser, Wiser, Wisler, Wismann, Wismer, Wissler, Wissmer, Wyser. 12 Types, 43 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 40-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 415: Daten zur dritten Karte {397} Detailangaben zur Namenauswahl: Den FamN der ersten Gruppe liegt schwzdt. Matt, Matte(n) ‘Wiese im Allgemeinen, Wiese im Talgrund; Wiese, die gemäht wird; ebene Grasf läche’ (aus mhd. mat(t)e) zugrunde. 18 Gemäss BENB I/ 3 (2008: Sp. 248-249) war das Karte 397: WohnstättenN zu Matte und Wiese, vor 1800 17 Mit Berchtold/ Graf (i. V.) ist zu vermuten, dass es sich bei einem Teil der zürcherischen und aargauischen Belege von Vollenweider und Vollenwyder um HerkunftsN zum Weiler Vollenweid in der Gemeinde Hausen am Albis (ZH) handelt. 18 In Einzelfällen kann eine Bildung zu schwzdt. Ma(a)d ‘Wiesenf läche, die gemäht wird’ (vgl. FamN Mädler) nicht ausgeschlossen werden (TNB 2.2 2007: 383). Beim FamN Matt könnte neben einem WohnstättenN auch ein Patronym zu einer verkürzten Form des Ruf N Matthäus oder Matthias vorliegen. Für den 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 843 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="222"?> «noch heute im S[üdwesten] des dt. Sprachraums namenbildende App[ellativ] Matte […] früher im Gesamt-Schwzd. gebräuchlich», bevor es in den östlichen Gebieten von Wiese (aus ahd. wisa, mhd. wise) ‘Wiese’ verdrängt wurde (vgl. SDS VI 1988: Karte 80, 93). 19 Zum Verhältnis von Wiese und Matte führt der KSDS (2025: 185) weiter aus: Mit den Wörtern Wiese und Matte, die schon in den älteren Sprachstufen belegt sind, wurden ursprünglich unterschiedlich genutzte Wiesen bezeichnet: Die Wiese wurde abgeweidet, die Matte gemäht. Im Schweizerdeutschen wird diese Unterscheidung nicht mehr gemacht, vielmehr wurde Wiese zur allgemeinen Bezeichnung in der Ostschweiz, Matte, das eine Ableitung zum Verb mähen ist, zur allgemeinen Bezeichnung in der Westschweiz. Zinsli (1971: 85) stellt für den Deutschschweizer Örtlichkeitsnamenbestand - in Übereinstimmung mit der appellativischen Verbreitung - fest, dass sich «Matte der größern Westhälfte gegen gleichbedeutendes Wiese im östlichen Landesteil» abhebe und die Isoglosse entlang «einer der Dialektologie und der Volkskunde wohlbekannten kulturscheidenden Mitte, der sog. Brünig-Napf-Reuß-Zone» verlaufe (zu West-Ost-Gegensätzen im Schweizerdeutschen vgl. Hotzenköcherle 1984; KSDS 2025: 32-33). Das TNB 2.2 (2007: 383) betrachtet den Rückgang von Matte in der Ostschweiz im Kontext «spätmittelalterlicher Wortschatzerneuerungen»; nach Zinsli (1971: 85) lag die «Wort- und Namengrenze bereits im 14. Jahrhundert auf der Napfbarriere fest». Für historische Hintergründe zu Wiesen vgl. das e-HLS (2015: s. v. Wiesen) und das LexMA (1977-1999: s. v. Wiese). Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass die FamN zu Matte und Wiese grundsätzlich einen jeweils eigenen Namenraum formen: Der Typ Wiese ist vorwiegend in den beiden Kantonen Thurgau und Zürich (zusammen 21 Tokens) alteingesessen. Der areale Schwerpunkt der Matte-Belege ist hingegen im Kanton Wallis (52 Tokens) zu verorten, sodass zwischen den beiden Ballungszentren eine grosse geographische Distanz liegt. Die weiteren Ortspunkte des Typs Matte finden sich mehrheitlich in der westlichen Hälfte der Deutschschweiz. Gleichzeitig weist das Kartenbild im Mittelland mehrere areale Überlagerungen der beiden Namengruppen aus, so bspw. im luzernisch-aargauischen Grenzgebiet oder im Kanton Basel-Landschaft. Als Grundtendenz zeigen die FamN zu Matte und Wiese dennoch eine Verbreitung, die starke Ähnlichkeiten mit jener der Appellativa (vgl. SDS VI 1988: Karte 93) und jener der Toponyme (vgl. Zinsli 1971: Tafel X) aufweist. FamN Andermatt kommt auch ein Bezug zum SiedlungsN Andermatt (UR) im Sinne eines HerkunftsN infrage. 19 Für Wiesli, Wiesmann und Wismann ist grundsätzlich auch eine Deutung als Patronym denkbar; konkret als FamN zu einer Kurzform des Ruf N Alois, der in Formen wie Wīsel, Wīseli, Wīsi, Wisli usw. gut belegt ist, resp. zum althochdeutschen Ruf N Wiseman. 844 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="223"?> Vierte Karte {398}: Wohnstättennamen zu Wasen und Brüel Namenauswahl: Die vierte Karte gilt FamN aus der Schicht «vor 1800», die zu appellativischem bzw. toponymischem Wase(n) und Brüel gebildet sind. Die zwei Lexeme weisen ein relativ grosses Bedeutungsspektrum auf (vgl. TNB 2.2 2007: 97, 647) und sind im Unterschied zur vorhergehenden Karte nicht als diatopische Varianten voneinander zu verstehen. Die entsprechenden FamN werden dennoch zusammen kartiert, weil Wase(n) und Brüel - zumindest in gewissen Bedeutungen - die semantischen Merkmale feucht und Wiese als gemeinsamen Nenner haben (Details s. u.). Abgefragte Namen Typ Wasen: Wasem, Waser, Wasmer, Wasser, Wassmer. 27 Tokens. Typ Brüel: Brielmann, Brühlmann, Brüllmann, Brülmann. 21 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 416: Daten zur vierten Karte {398} Detailangaben zur Namenauswahl: In der Schicht «vor 1800» liegen mit Wasem, Waser, Wasmer, Wasser und Wassmer fünf FamN vor, die Berchtold/ Graf (i. V.) zu schwzdt. Wase(n), Wasem, Wasme(n) ‘feuchtes Gelände/ Grasland, Wieswuchs, Rasen; (fruchtbares) Kulturland im Allgemeinen; oberste, bewachsene Erdschicht u. ä.’ (aus ahd. waso, mhd. wase) stellen. 20 Entsprechende Toponyme «bezeichnen häufig gut gepf legte ebene Wiesenplätze» und dabei insbesondere jene, die keinen Sondernutzungsbeschränkungen unterlagen, wodurch sie sich «als Dorf-, Fest- und Spielplätze wie auch als Gerichts- oder Strafvollzugsstätten» eigneten (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 6015665). Kunze (2004: 103) erwähnt, dass jüngeres, ursprünglich ostmitteldeutsches Rasen im Unterschied zu älterem Wasen kaum mehr in FamN fest geworden sei; damit übereinstimmend sind in der Schicht «vor 1800» keine WohnstättenN zu ersterem Lexem bezeugt. Die FamN der zweiten Gruppe basieren auf schwzdt. Brüel ‘Dorfwiese, Wässerwiese’ (aus mhd. brüel ). Gemäss TNB 2.2 (2007: 97) ref lektieren entsprechende Toponyme «meist die ehemals ertragreichsten und fruchtbarsten Kulturlandstücke eines Dorfes, ehemalige mit Buschwerk bestandene oder umgebene Wässerwiesen, die in gutes Acker- oder Wiesland umgewandelt worden sind». Oft handelte es sich auch um eine «zum Herrenhof gehörige große Wiese in Dorfnähe» (DFA 4 2013: 860; s. auch TNB 2.2 2007: 97). Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass beide Namengruppen mehrheitlich auf das Mittelland beschränkt sind. Der Typ Wasen erstreckt sich vom bernischen Gantrischgebiet über die Kantone Karte 398: WohnstättenN zu Wasen und Brüel, vor 1800 20 Wasser kann auch ein WohnstättenN sein für jemanden, der an einem Gewässer wohnhaft ist. Wasmer und Wassmer benennen alternativ als BerufsN eine Person, die mit der Beseitigung von toten Tieren betraut ist (vgl. schwzdt. (älter) Wasmer ‘Abdecker’). 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 845 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="224"?> Solothurn, Luzern und Aargau bis in den Bezirk Winterthur (ZH). Daneben treten Streubelege in Nidwalden und Obwalden sowie im Wallis in Erscheinung. Die zu Brüel gebildeten mann-Ableitungen kommen konzentriert im Kanton Thurgau (14 Tokens) in den beiden Bezirken Arbon und Weinfelden vor. Die weiteren Ortspunkte des Typs Brüel liegen alle in der Nordhälfte der Deutschschweiz. Fünfte Karte {399}: Wohnstättennamen zu Garten Namenauswahl: Die fünfte Karte widmet sich WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die auf schwzdt. Garte(n) resp. auf ein Kompositum mit schwzdt. Garte(n) als Letztglied beruhen oder auf einem daraus hervorgegangenen Toponym basieren. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst fünf verschiedene Familiennamentypes zusammen. Abgefragte Namen Typ Garten: Amgarten, Gartenmann, Gartmann. 15 Tokens. Typ Baumgarten: Bangerter, Baumgart, Baumgartner, Baumgärtner, Imbaumgarten. 90 Tokens. Typ Heimgarten: Hangartner, Hängärtner, Heimgartner, Hengartner, Hengärtner. 15 Tokens. Typ Weingarten: Weingart, Weingartner. 7 Tokens. Sonstige: Bremgartner, Haufgartner, Hirschgartner, Hopfengärtner, Zwygart. 8 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 417: Daten zur fünften Karte {399} Detailangaben zur Namenauswahl: Alle ausgewählten FamN der ersten Gruppe gehen zurück auf das Appellativ schwzdt. Garte(n) ‘Garten; mit Zaun, Hag, Weidengef lecht eingefangener Platz, auch im offenen Feld, worin man Flachs, Hanf, Kartoffeln zieht, wodurch er sich von Ackerland unterscheidet; Pf lanzland; das in unmittelbarer Nähe der Wohnungen gelegene, eingezäunte und besser gedüngte (Wies-)Land; einem Privaten ausnahmsweise eingeräumtes Pf lanzland auf der Allmend’ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 432) resp. auf ein entsprechendes Toponym. 21 Die restlichen vier Namengruppen beruhen hingegen jeweils auf einem Garten-Kompositum, das i. d. R. eine landwirtschaftliche Sonderkultur bezeichnet. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Baumgarten: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Baumgart, Baumgarte(n), Bangert u. ä. ‘Obstgarten, mit Obstbäumen bestandene Wiese, meist in der Nähe des Hofs’. 22 Karte 399: WohnstättenN zu Garten, vor 1800 21 Für den BerufsN Gärtner vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». Auch Gartenmann und Gartmann lassen sich alternativ als BerufsN für eine Person, die einen Garten bearbeitete, deuten. 22 Für FamN zum Lexem Hofstatt, das ebenfalls die Bedeutung ‘Baumgarten’ aufweisen kann (KSDS 2025: 185), vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu 846 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="225"?> • Typ Heimgarten: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Heimgart, Heimgarte(n), Heingart, Heng(g)ert u. ä. ‘eingefriedeter Garten, Dorfplatz, abgegrenzter Raum innerhalb mehrerer Heimstätten’, aber auch ‘Gesellschaft, Zusammenkunft von Nachbarn, besonders von jungen Leuten beiderlei Geschlechts’. Neben entsprechenden WohnstättenN sind auch BerufsN (für eine Person, die wohl den Dorfplatz zu pf legen hatte) und ÜberN (etwa für eine Person, die Zusammenkünfte pf legte) denkbar. • Die FamN Weingart und Weingartner stellen sich zu schwzdt. Wī(n)gart, Wī(n)garte(n) ‘Weingarten, Weinberg, Rebland’. • Sonstige: Die Gruppe umfasst Bremgartner mit unklarer Deutung des Erstglieds (vgl. BENB I/ 4 2011: Sp. 554), 23 Haufgartner zu schwzdt. Hanfgarte(n) ‘Hanffeld’, Hirschgartner wohl mit dem Erstglied schwzdt. Hirse für einen hofnahen Hirseacker, Hopfengärtner für einen Garten, in dem Hopfen angepf lanzt wurde, und Zwygart wohl mit dem Erstglied mhd. zwīen ‘pfropfen’ für eine Örtlichkeit, wo Pf lanzen veredelt wurden. Für historische Hintergründe vgl. das e-HLS (2010: s. v. Gartenbau; 2010: s. v. Obstbau; 2014: s. v. Weinbau). Kommentar: Die fünfte Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN teils weitläufig über die Deutschschweiz verteilt sind, teils nur regional vorkommen. Das Kartenbild wird stark von Baumgarten- Belegen geprägt, die sich schwerpunktmässig in den Kantonen Bern (28 Tokens) und St. Gallen (20 Tokens) finden, aber darüber hinaus in zwölf weiteren Kantonen auftreten. Auch FamN zu Heimgarten weisen ein grösseres Verbreitungsgebiet auf, wobei sich eine Konzentration am Nordostrand der Deutschschweiz zeigt. Der Typ Garten clustert in den Regionen Surselva (GR) und Viamala (GR), wo Gartmann alteingesessen ist. Der endungslose FamN Weingart tritt im bernischen Seeland auf, die Ableitung Weingartner ist im Kanton Luzern bezeugt. Die Gruppe «Sonstige» verteilt sich grösstenteils auf die Kantone Bern (Hopfengärtner in Biel, Zwygart im Verwaltungskreis Bern-Mittelland) und Luzern (Bremgartner in Schenkon, Haufgartner in Ruswil), einzig Hirschgartner in der Stadt Zürich weicht davon ab. Sechste Karte {400}: Wohnstättennamen zu Zäunen, Einfriedungen und eingefriedetem Land Namenauswahl: Die sechste Karte nimmt WohnstättenN zu Zäunen (inklusive Zaunöffnungen u. ä.), Einfriedungen und eingefriedetem Land in den Blick. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst sieben verschiedene Familiennamentypes zusammen. Für FamN mit dem Lexem Hag, das ursprünglich eine lebendige Hecke, später auch einen unbelebten Karte 400: WohnstättenN zu Zäunen, Einfriedungen und eingefriedetem Land, vor 1800 Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». Für FamN zu Obstbäumen vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 23 Bremgarten ist sowohl als FlurN als auch als SiedlungsN bezeugt; möglich ist daher auch ein HerkunftsN. 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 847 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="226"?> Zaun bezeichnete, vgl. den Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» (sechsten Karte). Abgefragte Namen Typ Bitzi: Bützer, Inderbitzi, Inderbitzin. 11 Tokens. Typ Bünte: Bünder, Bünter, Püntener, Pünter. 7 Tokens. Typ Eschtor: Estermann. 10 Tokens. Typ Fang: Fanger, Ifanger, Infanger. 5 Tokens. Typ Tür: Dörler, Dürlemann, Dürler, Thürlemann, Thurler, Thürler, Thürlimann, Türler. 8 Types, 19 Tokens. Typ Zaun: Fanzun, Vonzun, Zenzünen, Zinner. 7 Tokens. Sonstige: Düllmann, Eder, Hurt, Hurter, Imstepf , Scheier, Tüller. 7 Types, 17 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 418: Daten zur sechsten Karte {400} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Bitzi: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Bitzi ‘eingehegtes Stück Land (meist hinter dem Dorfzaun), Einzäunung, Zaun, Umzäunung’ (aus ahd. bizūni, mhd. biziune). • Typ Bünte: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Bünt, Bünte(n), Bünti ‘freies, besonderem Anbau vorbehaltenes und eingehegtes Grundstück, eingezäuntes Land mit privater Nutzniessung, Gehege’ (aus ahd. biunta, mhd. biunde). • Der FamN Estermann stellt sich zu schwzdt. Eschtor, Ester ‘Fallgatter, Gittertür am Dorf-, Flur- oder Grenzzaun, an den Eingängen zu einer Zelg’ (aus mhd. ezzischtor, eschtor, estor). 24 • Typ Fang: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Fang ‘eingefriedetes Land; Land, das aus dem allgemeinen Besitz durch Einzäunung ausgeschieden ist’, auch ‘Ort, an dem man ein wildes Tier fing oder tötete’ bzw. schwzdt. Ī(n)fang ‘Einhegung, eingezäuntes Land mit Sondernutzungsrechten’ (aus mhd. īnvanc, infanc). 25 • Typ Tür: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Tür, Türe(n) ‘Öffnung, Zaundurchlass, Türe des Dorfhags’ (aus ahd. turi, tura, mhd. tür, türe). Gemäss TNB 2.2 (2007: 619) erscheint das Wort in den FlurN immer im Diminutiv, was sich in den l-haltigen FamN widerspiegelt. Die ausgewählten Namen lassen jedoch auch eine Deutung als BerufsN für einen Türwächter zu. • Typ Zaun: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Zūn ‘(toter oder lebendiger) Zaun, Umzäunung’ (aus ahd., mhd. zūn). • Sonstige: Die Gruppe umfasst Düllmann und Tüller zu schwzdt. Tüll ‘hölzerner Zaun, Umzäunung einer Liegenschaft’ (aus mhd. tülle), Eder zu schwzdt. Etter ‘Zaungef lecht, Torgatter, Umzäunung des Dorfs, Gemeindebezirk’ (aus ahd. etar, mhd. eter), 26 Hurt und Hurter zu schwzdt. Hurd, Hurt ‘gef lochtener Zaun, Gattertür, Hag, Flechtwerk aus Ruten’ (aus ahd. hurt, hurd, mhd. hurt), Imstepf zu schwzdt. Stepf , Stepfe(n) ‘Stiege über einen Zaun’ (wohl zu schwzdt. Stapf oder schwzdt. stepfen) und Scheier zu schwzdt. Schīe(n) ‘Zaunpfahl, Umzäunung von Pfählen’ (aus mhd. schīe). 27 Für dialektales Bünte / Bünti und für allgemeine Bezeichnungen eines Zauns in den Mundarten vgl. den KSDS (2025: 186-187). Historische Hintergründe werden im e-HLS (2005: s. v. Etter; 2015: s. v. Dorf ) und im LexMA (1977-1999: s. v. Zaun) behandelt. Kommentar: Die sechste Karte zeigt eine Anhäufung der ausgewählten FamN in der Innerschweiz mit weiteren Belegen über verschiedene Teilgebiete der Deutschschweiz verteilt. Das Hervortreten der Innerschweiz ist u. a. darauf zurückzuführen, dass der Typ Bitzi im Kanton Schwyz (9 Tokens), der FamN Estermann im Kanton Luzern (9 Tokens) sowie der Typ Fang in den Kantonen Obwalden und Uri (insgesamt 5 Tokens) clustern. Auch der Typ Bünte ist grösstenteils in der Zentralschweiz alteingesessen (insgesamt 5 Tokens). Die FamN zu Tür treten einerseits in der Nordostschweiz (SG, TG) und andererseits im Südwesten der Deutschschweiz (BE, FR) auf. Die Zaun-Belege verteilen sich gleichmässig auf die Kantone Wallis und Graubünden. In der Gruppe «Sonstige» beschränken sich Düllmann und Tüller auf den Kanton Bern, Imstepf auf das Wallis und Scheier auf die Nordostschweiz (AI, SH). Ein Vorkommen in verschiedenen Regionen zeigen Eder (Kriens LU; Fischingen TG; Termen VS) und Hurter (LU; Schaffhausen SH; ZH), dessen endungslose Variante Hurt einmalig in Mumpf (AG) bezeugt ist. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Baumgartner (10'536 Tokens), Odermatt (5'040 Tokens) und Felder (2'954 Tokens). Selten sind in der Schicht «vor 1800» auch WohnstättenN dokumentiert, deren zugrunde liegendes Lexem darauf Bezug nimmt, was angebaut wurde (s. dazu auch Kunze 2004: 103). Bspw. enthält der FamN Anderhirsern (Sarnen OW) das Appellativ schwzdt. Hirse, welches auch in FlurN verbreitet ist (hier Kollektivbildung Hirsere(n) ‘Hirsefeld’; vgl. BENB I/ 2 1987: Sp. 256), und benennt eine Person, die bei einem entsprechenden Feld wohnhaft war. Dieser Motivgruppe sind auch der FamN Weizenegger (Künten AG) und allenfalls weitere wie Dinkel (Eiken, Rheinfelden, Sisseln AG; Müllheim TG) zugehörig. 28 Bezeichnungen und Toponyme von unbesiedeltem, nicht-agrarisch genutztem Land sind ebenfalls in den Familiennamenbestand der Deutschschweiz eingegangen. Die entsprechenden Namen aus der Schicht «vor 1800» lassen sich zwei Lexemen zuordnen, weisen aber jeweils Deutungskonkurrenzen auf: • Typ Heid: Die FamN Hädener, Haid, Heid, Heider und Heiter (insgesamt 16 Tokens) stellen sich als WohnstättenN zu schwzdt. Heid, Heiti ‘ebenes, unbebautes, wildbewachsenes Land, Heide; Heidekraut’ (aus ahd. heida, mhd. heide) oder als ÜberN zu schwzdt. Heid 24 Für weitere FamN mit Tor vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 25 Für den FamN Fankhauser vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 26 Alternativ liegt wie bei den FamN Etter, Etterli, Etterlin und Oederlin ein ÜberN zu schwzdt. (älter) Etter, Ätter ‘Oheim (im Sinne von Bruder des Vaters); Vetter’ vor (vgl. Artikel III-5.8 «Übernamen nach Verwandtschaft»). 27 Für den FamN Furter, dem mehrdeutiges schwzdt. Furt (‘Fluss-/ Bachübergang, Rinnsal, Wassergraben; (fahrbarer) Durchlass auf dem Feld durch einen Zaun, Feldweg’) zugrunde liegt, vgl. Artikel III-3.2 «Wohnstättennamen nach Gewässern und wasserbaulichen Anlagen». 28 Vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 848 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="227"?> ‘Heide; die als wild gedachte Bevölkerung der vorchristlichen Zeit; Gesindel’ (aus ahd. heidan, mhd. heiden). Im Falle der in Goldach (SG) und Untereggen (SG) alteingesessenen Hädener ist wohl von einem HerkunftsN zum nahe gelegenen Ort Heiden (mundartlich Hǟde) in Appenzell Ausserrhoden auszugehen. • Typ Wüesti: Der FamN Wüstiner (1 Token) und - sofern es sich in Einzelfällen nicht um einen ÜberN zu mhd. wüeste ‘unschön, unansehnlich, hässlich’ handelt - auch die FamN Wüst/ Wüest (30 Tokens) basieren auf schwzdt. Wüesti ‘Einöde; unbewohntes, unbebautes bzw. vegetationsarmes Land; einsame, verlassene Gegend’ (Adjektivabstraktum aus ahd. wuosti, mhd. wüeste, wuoste). Wüesti in ÖrtlichkeitsN bezieht sich meist auf eine abgegangene Siedlung, in deren Umkreis aber sekundär wieder Siedlungen entstehen konnten. 29 Das seltene Vorkommen eindeutiger Fälle in der Schweiz entspricht insofern den Kartenbildern für den bundesdeutschen Raum, als Süddeutschland sowohl bei FamN zu Heide als auch bei FamN mit wüst tendenziell gegenüber der Nordhälfte zurücktritt (Nübling/ Kunze 2023: 347-348). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 4 (2013) stehen auf den Karten 356-363 FamN mit Feld und Acker wie Schönfelder oder Hofäcker im Fokus (vgl. DFA 4 2013: 808-825), bevor auf den Karten 374-384 WohnstättenN zu Wiesen und Weiden wie Angerer, Strittmatter, Weidner oder Wieschemann Beachtung finden (vgl. DFA 4 2013: 846-875). FamN zu Hecken, Barrieren, Zäunen und eingehegtem Land wie Bitzer, Landwehrmann, Peunter oder Zaun werden auf den Karten 349-355 behandelt (vgl. DFA 4 2013: 790-807). Schliesslich gelten die Karten 385-395 den FamN zu unbebautem Land mit Heide und wüst wie Heitmann oder Wiest (vgl. DFA 4 2013: 876-899). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 2 = Zinsli, Paul/ Glatthard, Peter (Hrsg.) (1987): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Zweiter Teil: G-K/ CH. Bern: Francke. BENB I/ 3 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2008): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Dritter Teil: L-M. Basel, Tübingen: Francke. BENB I/ 4 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2011): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Vierter Teil: N-B/ P. Basel, Tübingen: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Heuser, Rita (2025): Feldmann. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 387/ 1 (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2005): Etter. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 025977/ 2005-11-22/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie/ Della Casa, Philippe (2015): Dorf. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007947/ 2015- 03-25/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Fellmann, Rudolf et al. (2015): Agrarverfassung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013699/ 2015-01-21/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Flutsch, Laurent/ Lüdi, Heidi (2014): Weinbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013937/ 2014-11-11/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Head-König, Anne-Lise (2013): Weiden. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027648/ 2013-09-26/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Head-König, Anne-Lise (2015): Wiesen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027649/ 2015-06-16/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (o. J.): Wissenschaftlich erarbeitetes, vernetztes, aktuelles und multimediales Fachlexikon zur Schweizer Geschichte. https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Ineichen, Andreas (2005): Feldgraswirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027645/ 2005-10-25/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Irniger, Margrit/ Kobel, Fritz (2010): Gartenbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013939/ 2010-05-07/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Jacomet, Stefanie/ Leonhard, Martin/ Mattmüller, Markus (2016): Ackerbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027895/ 2016-03-31/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Lehmann, Peter/ Sauerländer, Dominik/ Moser, Peter (2023): Viehwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 026236/ 2023-11-21/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Leonhard, Martin/ Mattmüller, Markus (2001): Allmend. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013704/ 2001- 05-17/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Meyer, Werner (2013): Wüstungen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007954/ 2013-11-27/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Rachoud-Schneider, Anne-Marie et al. (2007): Landwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013933/ 2007-11-19/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Sauerländer, Dominik/ Schnyder, Albert (2015): Bodennutzungssysteme. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013853/ 2015-01-29/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Schluchter, André (2015): Agrarzonen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013930/ 2015-05-04/ (letzter Zugriff 19.06.2025). 29 Zu den verschiedenen historischen Wüstungsperioden in der Schweiz vgl. das e-HLS (2013: s. v. Wüstungen). 3.7 Wohnstättennamen zu Kulturland 849 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="228"?> e-HLS = Schnyder, Albert (2002): Brache. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013854/ 2002-12-20/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Schnyder, Albert (2014): Zelgensysteme. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013702/ 2014-02-05/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Schnyder, Albert/ Ineichen, Andreas (2010): Dreifelderwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 027644/ 2010-01-07/ (letzter Zugriff 19.06.2025). e-HLS = Schumacher, Robert (2010): Obstbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013938/ 2010-05-04/ (letzter Zugriff 19.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 19.06.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Hotzenköcherle, Rudolf (1984): Die Sprachlandschaft der deutschen Schweiz (Sprachlandschaft 1). Aarau, Frankfurt a. M., Salzburg: Sauerländer. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. KSDS = Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.) (2025): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 19.06.2025). Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 19.06.2025). Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. SDS VI = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1988): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. VI: Wortgeographie III: Umwelt. Bern: Francke. TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. VSNB 1 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 1: Einleitung, Gemeindenamen, Flurnamen A-C. Tübingen: Narr Francke Attempto. Zinsli, Paul (1971): Ortsnamen. Strukturen und Schichten in den Siedlungs- und Flurnamen der deutschen Schweiz (Schriften des deutschschweizerischen Sprachvereins 7). Frauenfeld: Huber. Esther Loosli 850 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="229"?> 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen Schlagwörter: Brücke, Haus, Kirche, Mauer, Mühle, Schmiede, Toponym Gegenstand und Fragestellung In diesem Artikel werden FamN aus der Schicht «vor 1800» besprochen, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 25.07.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf appellativische Bezeichnungen von Bauten und Wegen oder auf entsprechende Toponyme zurückgehen. Auf den ersten vier Karten werden FamN dargestellt, deren jeweiliges Etymon in Bezug zu bewohnten resp. unbewohnten Bauten im allgemeineren Sinne steht (erste und zweite Karte) oder auf Arbeitsstätten (dritte Karte) und kirchliche Bauten (vierte Karte) im Spezifischen referiert. Die fünfte Karte behandelt WohnstättenN zu Mauern, Türmen und Toren. Anschliessend folgen auf der sechsten, der siebten und der achten Karte FamN wie Brücker und Strässli, die aus Bezeichnungen und Namen für Wege bzw. Brücken im weiteren Sinne hervorgegangen sind. 1 (Potenzielle) WohnstättenN zu HäuserN wie Zur Gilgen (aus schwzdt. Gilg ‘Lilie’) werden nicht hier, sondern in einem separaten Artikel thematisiert. 2 FamN mit dem mehrdeutigen Element Burg (‘Burg, umschlossener, befestigter Ort, Stadt’, auch ‘burgähnliche erhöhte oder felsige Geländestelle’) finden ebenfalls an anderer Stelle Berücksichtigung. 3 Als generelle Bedingung der nachfolgenden Namensamples sei an dieser Stelle genannt, dass (Be-)Deutungskonkurrenzen häufig nicht ausgeschlossen werden können: Die Unterscheidung von Wohnstätten- und HerkunftsN ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III»). Ohne historische Sondierung (und teils selbst mit ihr) lassen sich die beiden Benennungsmotive jedoch oft nicht eindeutig trennen (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So sind bspw. Neuhaus (erste Karte) und Chappel (vierte Karte) in der Deutschschweiz als Flurwie auch als SiedlungsN bezeugt. Ebenso muss die Frage, ob die WohnstättenN nach Bauten und Wegen auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Für FamN, die mit den Personenbezeichnungen bildenden Suffixen -er und -mann abgeleitet sind, kommt darüber hinaus grundsätzlich auch eine Deutung als BerufsN infrage. Bspw. lässt sich Thormann als BerufsN für den Torwächter oder aber als WohnstättenN für den am Stadttor Wohnhaften verstehen und Hüsler kann sich sowohl auf einen Tagelöhner (da dieser nur in einem kleinen Haus zur Miete wohnte) wie auch allgemein auf eine Person, die lediglich ein (kleines) Haus bewohnte (also keinen Hof bzw. kein Land besass oder bewirtschaftete), beziehen. Häufig sind die beiden Benennungsmotive deshalb schwer zu trennen, weil in vorindustrieller Zeit und auch noch danach die Einheit von Wohnen und Arbeiten üblich ist (vgl. e-HLS 2015: s. v. Wohnen); so etwa auch beim FamN Durrer (zu schwzdt. Turm, Turn, Ture(n) ‘Turm’), da «der Turmwächter, z. B. von einem Turm der Stadtmauer, häufig selbst im Turm wohnte» (DFA 4 2013: 981). Bei einer strikteren Namenauswahl wären diese mehrdeutigen FamN alle ausgeschlossen, was zu einem grossen Verlust an Namenmaterial führen würde. Im Sinne eines vollständigeren Überblicks über die hier interessierende Motivgruppe wurden daher tendenziell eher weite Selektionskriterien angewendet. 1 Ob WohnstättenN wie Holenweg auf kulturräumliche oder auf naturräumliche Merkmale zurückgehen, wird im vorliegenden Artikel nicht differenziert. 2 Vgl. Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». 3 Vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 851 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="230"?> Erste Karte {401}: Wohnstättennamen zu Haus Namenauswahl: Die erste Karte gilt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 4 die appellativisches oder toponymisches Haus enthalten. Nebst den verschiedenen Ableitungen zu Haus wie Häusermann und Häusli in dunklem Petrol werden in hellgrüner Farbe auch Komposita mit dem Endglied -haus wie Neuhäusler und Steinhäuslin berücksichtigt. Abgefragte Namen Typ Haus: Hauser, Häusermann, Häusler, Häusli, Hausmann, Heusler, Heussler, Hischier, Huser, Hüsler, Husmann, Zenhäusern. 12 Types, 102 Tokens. Typ -haus: Althaus, Arzethauser, Fankhauser, Geisshüsler, Guthauser, Neuhaus, Neuhauser, Neuhäusler, Niederhauser, Niederhäuser, Oberhauser, Oberhäuser, Schmidhauser, Schmidhäusler, Schweighauser, Sennhauser, Steinhauser, Steinhäuslin, Tischhauser, Zumoberhaus. 20 Types, 84 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 419: Daten zur ersten Karte {401} Detailangaben zur Namenauswahl: 5 Die FamN der ersten Namengruppe stellen sich zu schwzdt. Hūs ‘Haus, Wohnung, Haushaltung, Gebäude’ (aus ahd., mhd. hūs) oder zu einem darauf basierenden Toponym. WohnstättenN mit Haus benennen i. d. R. «jemanden, der an bzw. in einem besonders markanten Gebäude wohnt, z. B. Gast-, Guts- oder Rathaus, allgemein einem Steinhaus oder einer Burg» (DFD 2025a: s. v. Haus). Zur teilweise schwierigen Abgrenzung von WohnstättenN zu -haus (für ein einzelnes Gehöft) und HerkunftsN zu -hausen (i. d. R. für ganze Dörfer) s. DFA 3 (2012: 257) und Nübling/ Kunze (2023: 351). 6 Bei den Varianten Hauser und Huser sowie Hüsler und Varianten kann neben einem Wohnstättenresp. einem HerkunftsN auch ein BerufsN für einen Mieter eines Hauses, für einen Tagelöhner, für einen Hausverwalter o. ä. vorliegen (s. Abschnitt Karte 401: WohnstättenN zu Haus, vor 1800 4 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 6 Von der vorliegenden Karte wurde etwa der FamN Husner (Gipf-Oberfrick, Wittnau AG) ausgeschlossen, den Berchtold/ Graf (i. V.) als HerkunftsN zu einem SiedlungsN Hausen deuten. Für HerkunftsN zu Schweizer SiedlungsN, die das toponymische Endglied -hausen (zu ahd. (ze) hūsun ‘bei den Häusern’) enthalten, beachte man den Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 852 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="231"?> «Gegenstand und Fragestellung»). Für Häusermann kommt alternativ eine Deutung als ÜberN zu mhd. hiuze ‘munter, frech’ infrage (vgl. die FamN Häuser, Häusser, Heusser, Hüser und Hüsser). Als konkurrierende Deutung von Hausmann und Husmann ist ein BerufsN zu mhd. hūsman ‘Person, der die Pf lege des Hauses übertragen ist’ (das in der Mundart dann auch weitere Bedeutungen wie ‘Hausmieter’, ‘Hausvermieter’ oder ‘Verwalter eines Gotteshauses’ annimmt) anzuführen. Die beiden FamN Hischier (zu walliserdt. Hīschi ‘Häuschen’ mit Entrundung des Stammvokals und Palatalisierung von s) und Zenhäusern mit der Verschmelzungsform zen (← zu den) dürfen als Regionalspezifika des Deutschwallis gelten. 7 Sie lassen sich sowohl als Wohnstättenals auch als HerkunftsN zum Ortsteil zen Hischern, heute Zenhäusern, in der Gemeinde Bürchen (VS) auffassen. Durch Komposition wurde die Grundbedeutung des Lexems Haus in den zusammengesetzten Formen der zweiten Namengruppe angereichert; bspw. benennen Steinhauser und Steinhäuslin wohl eine Person, die in einem (kleinen) Haus aus Stein oder einem (kleinen) Haus an einer steinigen, felsigen Stelle wohnhaft ist. Nicht unmittelbar transparent sind insbesondere die Komposita Fankhauser (aus Fang - ‘Haus/ Hof in einer Sondernutzungszone, in einem umfriedeten Landstück’), 8 Schweighauser (‘Viehhof, Sennerei; Hof, auf dem Vieh gehalten und Käse hergestellt wird’) und Tischhauser (zum Toponym Tischenhaus ‘Haus einer Person/ Familie namens Disch’). Gegensatzpaare bilden die FamN Althaus - Neuhaus / Neuhauser / Neuhäusler mit Referenz auf das relative Alter des Gebäudes sowie die FamN Niederhauser / Niederhäuser - Oberhauser/ Oberhäuser / Zumoberhaus mit Referenz auf die relative Höhenlage des Gebäudes. 9 Für Entwicklungen des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wohnens vgl. das e-HLS (2015: s. v. Wohnen; 2020: s. v. Bauernhaus). Für detailliertere Etymologien und weiterführende Angaben zu den ortsbezeichnenden Appellativa bzw. zu den Toponymen, die den hier kartierten FamN zugrunde liegen, sei auf das Id. (1881 ff.), das Online- Portal ortsnamen.ch (o. J.) und die regionalen Ortsnamenbücher der Schweiz wie das TNB 2 (2007) verwiesen. Die kartierten FamN zeigen grösstenteils eines der vier dominanten Bildungsmuster von WohnstättenN: Zu den PräpositionsN gehören Zenhäusern und Zumoberhaus, während Althaus und Neuhaus endungslos sind. Das Sample umfasst zudem viele Ableitungen auf -er wie Guthauser und solche auf -mann wie Hausmann. 10 Ob Diminution bei FamN wie Steinhäuslin bereits vor der Familiennamenentstehung eingetreten ist oder nicht, lässt sich ohne historische Sondierung nicht festlegen. 11 Kommentar: Wie die erste Karte zeigt, treten die FamN der ersten Namengruppe über die Deutschschweiz verteilt auf. Ein grösseres Vorkommen weisen die in der Nordhälfte der Deutschschweiz gelegenen Kantone Zürich und Aargau sowie weiter östlich die Kantone Thurgau und St. Gallen auf. Im Südwesten treten das Berner Mittelland und das Wallis hervor. Von den 102 Tokens des Typs Haus fallen 47 Ortspunkte auf den frequenten FamN Hauser, der die höchste Konzentration im Kanton Zürich (14 Tokens) erreicht, aber daneben in zehn weiteren Kantonen alteingesessen ist. Die Haus-Komposita sind mit 30 Tokens häufig im Kanton Bern mit Schwerpunkt in der Region Emmental bezeugt, kommen darüber hinaus allerdings auch in der Nordostschweiz in den Kantonen Thurgau (hier v. a. Althaus) und St. Gallen, im Südwesten in den Kantonen Freiburg (hier v. a. Neuhaus) und Wallis und schliesslich im Kanton Basel-Landschaft in grösserer Zahl vor. 7 Vgl. die Artikel I-1.5 «Entrundung» und II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu». 8 Zum Typ Fang vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». Der FamN Fankhauser ist in der Schicht «vor 1800» sowohl in der Gemeinde Trub (BE), in der sich das Toponym Fankhaus verorten lässt, als auch in drei weiteren bernischen Gemeinden (Burgdorf mit Einbürgerung aus Trub im Jahr 1604, Eggiwil, Langnau i. E.) bezeugt. Es ist daher wohl teils von einem Wohnstätten- und teils von einem HerkunftsN auszugehen. 9 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 10 Vgl. die Artikel II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in», II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von», II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen» sowie II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 11 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 853 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="232"?> Zweite Karte {402}: Wohnstättennamen zu Scheunen, Ställen und weiteren (un-)bewohnten Bauten Namenauswahl: Die zweite Karte umfasst WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die auf appellativische Bezeichnungen für Scheunen, Ställe und andere (un-)bewohnte Bauten oder auf daraus entstandene Toponyme zurückgehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst fünf verschiedene Familiennamentypes zusammen. Der Typus Būr und der FamN Kottmann weisen semantische Nähe zu jenen FamN der ersten Karte auf, in denen eine Diminutivform von Haus (im Sinne von ‘kleine Behausung’) fest geworden ist (z. B. Häusler, Häusli). Ferner gleicht bspw. auch der FamN Geisshüsler (s. erste Karte), der wohl einen Wohnort bei einem Ziegenstall benennt, den hier kartierten FamN Ruhstaller und Eugster/ Eugstler (zu Etymologien s. u.). Die beiden ersten Karten sind daher im Verbund zu betrachten. Abgefragte Namen Typ Äugst: Eugster, Eugstler. 14 Tokens. Typ Būr: Beurer, Bührer, Bürer. 9 Tokens. Typ Laube: Laube, Läubli. 7 Tokens. Typ Scheuer: Scheuermann, Scheurer, Scheurmann, Schürer, Schürmann. 35 Tokens. Typ Schopf : Schopfer, Schöpfer. 8 Tokens. Typ Speicher: Spicher, Spycher. 6 Tokens. Typ Stadel: Städeli, Städelin, Stadelmann, Stadler, Städler, Stadlin. 6 Types, 45 Tokens. Typ Tenn: Denner, Dennler. 5 Tokens. Typ Zust: Zust, Züst. 6 Tokens. Sonstige: Gadmer, Kottmann, Ruhstaller, Schärmeli, Soller. 14 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 420: Daten zur zweiten Karte {402} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Die FamN Eugster und Eugstler stellen sich zu schwzdt. Äugst ‘kleine Scheune, Schober; Schafstall, Schafpferch; kleiner Stall für Kleinvieh’ (aus ahd. awist, ewist, ouwist, mhd. öust). 12 • Die FamN Beurer, Bührer und Bürer stellen sich zu schwzdt. Būr, Pūr ‘(kleines, einräumiges) Haus, Hütte; Stall, Milchkammer, Käsespei- Karte 402: WohnstättenN zu Scheunen, Ställen und weiteren (un-)bewohnten Bauten, vor 1800 12 Ausgeklammert wurde der FamN Eyster (Bister, Filet, Greich, Mörel VS), der aufgrund seiner geographischen Verbreitung als HerkunftsN zum SiedlungsN Eisten im Gantertal (VS) gedeutet werden kann, der wiederum auf eine entrundete Form eist < mhd. öust zurückgeht. 854 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="233"?> cher in den Sennhütten’ (aus ahd., mhd. būr). In der Deutschschweiz sind neben entsprechenden FlurN auch viele SiedlungsN wie Büren, Büron u. ä. verbreitet. • Die FamN Laube und Läubli stellen sich zu schwzdt. Laube(n) ‘leicht und luftig gebauter, meist nach einer oder mehreren Seiten offener Raum; Nebenraum’ (aus ahd. louba, mhd. loube). Es handelt sich gemäss TNB 2.2 (2007: 255-256) ursprünglich um eine Ableitung zu Laub für ein Schutzdach aus Laub. 13 Formal ist bei Läubli auch ein ÜberN zum Adjektiv schwzdt. laub ‘lieb, ruhig; freigebig’ denkbar. • Typ Scheuer: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Schǖr, Schǖre(n) ‘Scheune, Scheuer, Tenn, Kornboden; alle der Ökonomie dienenden Räumlichkeiten’ (aus ahd. skūra, skiura, mhd. schiur(e)). 14 Alternativ liegt jeweils ein BerufsN für den Pächter eines Grundstücks mit Scheune (schwzdt. Schǖrguet) oder den Verwalter einer herrschaftlichen Scheune vor. • Die FamN Schopfer und Schöpfer stellen sich zu schwzdt. Schopf ‘(kleiner) Schuppen, angebautes Gebäude, offener Unterstand, Vorhalle’ (aus ahd. scoph, mhd. schopf(e)). Für Schöpfer im Kanton Luzern besteht insofern Deutungskonkurrenz, als auch ein HerkunftsN zum luzernischen SiedlungsN Schüpfheim (dialektal Schüpfe, vgl. FamN Schüpfer) denkbar ist. • Die FamN Spicher und Spycher stellen sich zu schwzdt. Spicher ‘Speicher, Kornspeicher, Scheune’ (aus ahd. spīhhāri, mhd. spīcher). Bei den als endungslos erscheinenden FamN stellt sich die Frage, ob ggf. eine haplologische Verkürzung von -erer eingetreten sein könnte. 15 • Typ Stadel: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stadel ‘Scheune, scheunenartiges oder landwirtschaftliches Gebäude; Vorratsgebäude für Getreide und Viehfutter’ (aus ahd. stadal, mhd. stadel ). Bei Stadler und Städler ist auch ein BerufsN im Sinne von ‘wer für die Scheune und das darin Enthaltene, Eingelagerte zuständig ist’ möglich. • Die FamN Denner und Dennler stellen sich zu schwzdt. Tenn ‘Dreschplatz im Freien oder in einer Scheune; ebener Platz im Freien; Lauf-, Futtergang im Viehstall; Raum zum Einführen und Abladen von Heufudern’ (aus ahd. tenna, tenni, mhd. tenne). Alternativ liegen WohnstättenN zu Tann ‘Tannengehölz’ bzw. Tanne vor. 16 • Die FamN Zust und Züst stellen sich zu schwzdt. Zust, Sust ‘Warenschuppen; Dach für Vieh in den Alpen; im alten Transitverkehr öffentliche gedeckte Halle zum Einstellen der Saumtiere bzw. Wagen mit Kaufmannsgütern’ (zu rätorom. susta, suosta ‘Schuppen, Warenlager; Schirmdach (auf steinernem Unterbau) für das Vieh in den Alpen’; ital. sosta ‘Rast, Pause, Halt, Stop’; vgl. TNB 2.2 2007: 590, 681). Im Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 1007024) wird daneben ein Patronym aus einer gerundeten Form des KoseN Zist (zum Ruf N Franziskus, Francesco) in Betracht gezogen. Zu Susten und zur Säumerei im Allgemeinen vgl. die Ausführungen im e-HLS (2011: s. v. Susten; 2012: s. v. Säumerei). • Sonstige: Die Gruppe umfasst Gadmer zu schwzdt. Gade(n), Gadem ‘Haus von nur einem Gemach; Gemach, Kammer; Nebengebäude im Gegensatz zu Haus, Viehstall oder Scheune; Heuschober’ (aus ahd. gadum, mhd. gadem, gaden), Kottmann zu schwzdt. Chotte(n) ‘Pferch, bretterner Verschlag für das Vieh; kleines, armseliges Haus’ (aus mhd. kot(e)), 17 Ruhstaller zu schwzdt. Rue(w)stall ‘Ruhestall; Unterstand auf einer Weide’ (mit dem Grundwort aus ahd., mhd. stal ), Schärmeli zu schwzdt. Schërm, Schërme(n) ‘Vordach, Unterstand, Schutzort’ (aus ahd. scërm, mhd. schërm(e)) und Soller zu schwzdt. Soller ‘Estrich, Dachboden, Zimmerdecke’ (aus ahd. solari, mhd. solre, sölre, soller). 18 Unberücksichtigt blieben FamN wie Stähli oder Stahl, die nach Berchtold/ Graf (i. V.) als BerufsüberN zu mhd. stahel, stāl ‘Stahl, stählerne Rüstung’ für den (Stahl-)Schmied aufzufassen sind und daher im Artikel III-4.5 «Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung» behandelt werden. Es ist aber grundsätzlich nicht ganz auszuschliessen, dass in Einzelfällen stattdessen ein WohnstättenN zu mhd. stal ‘Wohnort, Stelle, Ort zum Einstellen des Viehs, Stall’ vorliegt (s. DFD 2025c: s. v. Stahl ). Für die (historische) diatopische Variation von Scheune, Scheuer, Stadel und Kasten als Übersetzungen von lat. horreum vgl. die Ausführungen im DFA 4 (2013: 945-946; s. auch Nübling/ Kunze 2023: 351) und dabei besonders die Verbreitungskarte 411 (DFA 4 2013: 944). Zu Wohn- und Wirtschaftsgebäuden im landwirtschaftlichen Kontext beachte man das e-HLS (2020: s. v. Bauernhaus). Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass sich die ausgewählten FamN tendenziell über das Mittelland verteilen, während voralpine und alpine Räume wenig vertreten sind. Die zwei tokenfrequentesten Typen Scheuer und Stadel weisen eine fast vollständig komplementäre Verteilung in der Deutschschweiz auf: Während die erste Namengruppe in der westlichen Hälfte vorherrscht (v. a. LU, BE, AG, SO), häufen sich weiter östlich die Stadel-Vorkommen (v. a. SG, TG, ZH, LU). Die Schweizer Belege schliessen sich damit dem südwestdeutschen Scheuer- und dem südostdeutschen Stadel-Raum an und bilden so einen länderübergreifenden Namenraum (vgl. DFA 4 2013: 944). Namencluster finden sich für den Typ Äugst im Appenzellerland, für den Typ Būr im Kanton Schaffhausen (hier Bührer), für den Typ Speicher im bernisch-freiburgischen Grenzgebiet, für den Typ Tenn im Oberaargau (BE) und für den Typ Zust in Appenzell Ausserrhoden. Der Typ Laube ist im Aargauischen sowie vereinzelt in der Nordostschweiz belegt. Die FamN zu Schopf streuen über die Deutschschweiz. Der FamN Soller konzentriert sich am Bodensee, während Kottmann im Kanton Luzern und Ruhstaller im Kanton Schwyz verbreitet sind. Einmalig bezeugt sind Gadmer (Davos GR) und Schärmeli (Matzendorf SO). 13 Vgl. die FamN zu Laub im Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» (Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle»). 14 Hingegen blieb der FamN Scheuner (Bern, Oberbalm, Rapperswil BE) als HerkunftsN zum SiedlungsN Scheunen (BE), der wiederum auf mhd. schiun(e) ‘Scheune, Ökonomiegebäude’ beruht, in der Kartierung unberücksichtigt. 15 Vgl. Artikel II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen». 16 Vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 17 Wie bei Hauser/ Huser sowie Häusler und Varianten kommt neben einem WohnstättenN auch ein BerufsN für einen Tagelöhner infrage. 18 Denkbar ist jedoch auch eine er-Bildung zu schwzdt. Sol ‘Lache, Pfütze (in der sich das Wild suhlt)’; vgl. Artikel III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 855 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="234"?> Dritte Karte {403}: Wohnstättennamen zu Arbeitsstätten Namenauswahl: Die dritte Karte enthält FamN aus der Schicht «vor 1800», die zu den Lexemen bzw. Toponymen Mühle und Schmiede / Schmitte gebildet sind. 19 Ergänzend dazu werden FamN vom Typ Ofen kartiert, auch wenn z. T. nicht abschliessend zu bestimmen ist, ob sie sich motivisch wirklich auf einen Ofen zum Backen, Schmelzen, Brennen, Heizen oder doch eher auf eine Geländeform bzw. auf die Körperform einer Person beziehen. 20 Abgefragte Namen Typ Mühle: Indermühle, Möhl, Mühle, Mühlebach, Mühlefluh, Mühlegg, Mühlemann, Mühlematter, Müllegg, Müllhaupt, Mülli, von Mühlenen, von Mülinen, Vonmüllenen, von Müllinen, Zmilacher, Zurmühle. 17 Types, 43 Tokens. Typ Ofen: Bachofen, Bachofer, Bachofner, Oefeli, Oefelin, Zumofen. 6 Types, 27 Tokens. Typ Schmitte: Inderschmitten, Schmidhalter, Schmidter, Schmitter, Zurschmiede, Zurschmitten. 6 Types, 14 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 421: Daten zur dritten Karte {403} Detailangaben zur Namenauswahl: In den FamN der ersten Gruppe ist schwzdt. Müli ‘Mühle’ (aus ahd. mulīn, mulī, mhd. mül, müle) fest geworden. 21 Neben Simplizia, Ableitungen und PräpositionsN sind auch Komposita mit Mühle als Bestimmungs- oder Grundwort kartiert. 22 Wie das TNB 2.2 (2007: 398) festhält, belegen die zahlreichen Mühle-FlurN «die eminente Bedeutung, die Mühlen in früheren Zeiten zukam». Auch schwzdt. Schmitte ‘Schmiedewerk- Karte 403: WohnstättenN zu Arbeitsstätten, vor 1800 19 Für entsprechende BerufsN wie Müller und Schmied vgl. die Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe» und III-4.5 «Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung». 20 Vgl. die Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie» sowie III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare». 21 In der Schicht «vor 1800» findet sich ferner der mehrdeutige FamN Ribi (Ermatingen TG), der sich u. a. als WohnstättenN zu schwzdt. Rībi ‘Hanfmühle’ deuten lässt. Auch der FamN Oeli (Klarsreuti TG) steht mit der Müllerei in Beziehung; er geht entweder als BerufsN auf schwzdt. (älter) Öli ‘Ölmüller, Ölträger, hausierender Spezereiträger’ oder als WohnstättenN auf schwzdt. Öli ‘Ölmühle’ zurück. Die beiden lexikalischen Typen sind niederfrequent und wurden daher von der Kartierung ausgeschlossen. Der FamN Mühlemann kann einerseits als WohnstättenN für eine Person, die in oder bei einer Mühle wohnhaft ist, aufgefasst werden, andererseits als BerufsN für eine Person, die in einer Mühle arbeitet, resp. können hier beide Motive ineinandergreifen (vgl. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung»). 22 Morphosyntaktisch wie graphisch-lautlich auffällig ist der FamN Zmilacher (Ernen VS): Die initiale Z-Schreibung geht auf die agglutinierte Präposition zu zurück; ferner zeigt das zugrunde liegende Lexem Mühleacker ‘der Acker bei der Mühle’ (VSNB 3 2024: Sp. 279) Entrundung. Vgl. die Artikel II-3.1 «Artikelproklise» und I-1.5 «Entrundung». 856 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="235"?> statt’ (aus ahd. smitta, mhd. smitte) kommt als Arbeitsstätte einer im Mittelalter zentralen Berufsgruppe in einer Vielzahl von FlurN vor und hat mehrfach Eingang in den Familiennamenbestand der Deutschschweiz gefunden. Die Namengruppe umfasst er-Ableitungen, PräpositionsN und ein Kompositum mit Schmiede als Bestimmungswort. 23 Wie bereits erwähnt, sind FamN zu schwzdt. Ofe(n) ‘Ofen’ (aus ahd. ovan, mhd. oven) mehrdeutig, sodass neben WohnstättenN z. T. auch BerufsN bzw. BerufsüberN und ÜberN infrage kommen. 24 In FlurN «benennt das Element ofe nicht nur Kohlöfen, Aschöfen, Harzöfen, Pechöfen und Glasöfen», sondern u. a. metaphorisch auch Felshöhlen, die an einen Ofen erinnern (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 4042473). 25 Zu sogenannten Ehaften - d. h. «die dem Gemeinwesen unentbehrlichen, konzessionspf lichtigen Gewerbebetriebe samt Gebäuden» - wie Mühlen (v. a. Getreide-, Papier-, Pulvermühlen) und Schmieden (z. B. Huf-, Sensen-, Hammerschmieden) oder auch Backhäuser vgl. das e-HLS (2008: s. v. Ehaften). Dieses bietet ferner weiterführende Informationen zu Mühlen (u. a. zu typischen Standorten von Mühlebetrieben), zur Müllerei und zu Back-/ Ofenhäusern (e-HLS 2009a: s. v. Müllerei; e-HLS 2009b: s. v. Bäckerei; e-HLS 2012: s. v. Mühlen). Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass sich alle drei Namentypen über die Deutschschweiz verteilen. Der Typ Mühle weist dabei u. a. räumliche Konzentrationen im Oberaargau (BE), im Aargau an der schweizerisch-deutschen Grenze und in der Innerschweiz auf. Die FamN zu Ofen ballen sich hauptsächlich im Kanton Zürich (insgesamt 18 Tokens), wo Bachofen und Bachofner alteingesessen sind. Die dritte Namengruppe kommt gehäuft im Wallis vor. Vierte Karte {404}: Wohnstättennamen zu kirchlichen Bauten und sonstigen kirchlichen Örtlichkeiten Namenauswahl: Die vierte Karte nimmt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» in den Blick, die auf Gebäude oder sonstige Örtlichkeiten des kirchlichen Bereichs Bezug nehmen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Kapelle: Kappeler, Käppeli, Kappler. 45 Tokens. Typ Kirche: Kilchenmann, Kilchmann, Kirchen, Zur Kirchen, Zurkirch, Zurkirchen. 6 Types, 15 Tokens. Typ Kirchhof : Kilchhofer, Kirchhofer. 11 Tokens. Typ Klause: Klausner, Klossner, Kluser, Zenklusen. 14 Tokens. Typ Kreuz: Crüzer, Kreutzer, Kreuz, Kreuzer. 8 Tokens. Karte 404: WohnstättenN zu kirchlichen Bauten und sonstigen kirchlichen Örtlichkeiten, vor 1800 23 Die FamN Schmidhauser (Rothenf luh BL, TG) und Schmidhäusler (Bösingen, St. Ursen FR), die auf die Wohnstätte des örtlichen Schmieds Bezug nehmen, wurden bei der ersten Karte abgebildet. 24 Für die FamN Bachofer und Bachofner (sowie allenfalls für Bachofen) ist insbesondere auch eine Bildung auf -hof denkbar; vgl. dazu den Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 25 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 857 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="236"?> Typ Zelle: Ehrenzeller, Zeller. 29 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 422: Daten zur vierten Karte {404} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Die FamN Kappeler, Käppeli und Kappler stellen sich zu schwzdt. Chappel, Chappele(n) ‘Kapelle’ (aus ahd. kapella, mhd. kappel, kapëlle, kappëlle). • Typ Kirche: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Chirche(n), Chilche(n) ‘Kirche, Gotteshaus’ (aus ahd. kirihha, kilihha, mhd. kirche, kilche). Für Kilchenmann und Kilchmann ist alternativ von einem BerufsN für denjenigen, der die Grundstücke der Kirche bewirtschaftete und daher der Kirche zinspf lichtig war, auszugehen. Allenfalls liegt auch ein ÜberN zur abgegangenen Bedeutung schwzdt. Chilche(n)ma(nn) ‘Mann, der wegen Vergehens zu öffentlicher Kirchenbusse verurteilt worden ist’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 265) vor. • Die FamN Kilchhofer und Kirchhofer stellen sich zu schwzdt. Chirchhof , Chilchhof ‘Friedhof ’, in weitem Sinne auch ‘umfriedetes Gelände bei der Kirche’ (mit dem Bestimmungswort aus ahd. kirihha, kilihha, mhd. kirche, kilche und dem Grundwort aus ahd., mhd. hof ). 26 • Typ Klause: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Chlūs ‘Klause, Einsiedelei, Klosterzelle, Kloster’, aber auch ‘Engpass, Felskluft, Schleuse’ (aus ahd. klūsa, mhd. klūs(e)). 27 Denkbar ist bei den er- Ableitungen auch ein ÜberN für eine Person, die kaum aus dem Haus kam oder in anderer Weise mit der Lebensform eines Einsiedlers in Verbindung gebracht wurde. • Typ Kreuz: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Chrǖz ‘Kreuz’ (aus ahd. krūzi, mhd. kriuz(e)). In FlurN verweist Kreuz «auf das Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens» (d. h. Weg-, Feld- oder Gedenkkreuze), allerdings auch «auf Dinge in Kreuzform, so v. a. zwei sich kreuzende Wege oder Strassen», sowie «auf Grenzmarkierungen in Kreuzform» (TNB 2.2 2007: 146). • Der FamN Zeller stellt sich zu schwzdt. Zäll ‘Zelle, Kammer; Kirche, Kapelle, Einsiedelei, Klostergut’, auch ‘Speicher, Wirtschaftshof eines Klosters, Vorratsraum’ (aus ahd. zella, mhd. zelle). Ehrenzeller ist etymologisch als ‘der Wirtschaftshof einer Person namens Arin’ einzuordnen (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 4007509). Ausgeschlossen wurden die als HerkunftsN aufzufassenden FamN Appenzeller und daraus verkürztes Pazeller zum Toponym Appenzell, das wiederum als Kompositum aus ahd. abbat + ahd. zella ‘der Wirtschaftshof des Abtes des Klosters (St. Gallen) für die grundherrlichen Naturalienabgaben’ gedeutet wird (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 802003101). Für die Vorkommen von Zeller im Appenzellerland ist nicht auszuschliessen, dass es sich um elliptische Bildungen aus Appenzeller handelt. Zur Kirche als Bauwerk vgl. das e-HLS (2017: s. v. Kirchenbau). Kommentar: Die FamN der vierten Karte, die motivisch in einem Zusammenhang mit kirchlichen Bauten oder sonstigen kirchlichen Örtlichkeiten stehen, sind hauptsächlich im Deutschschweizer Mittelland verbreitet. Die höchste Frequenz erreicht der Typ Kapelle, dessen Schwerpunkt einerseits in den aneinandergrenzenden Kantonen Luzern und Aargau und andererseits in der Nordostschweiz (TG, ZH, SG) liegt. Wie der DFA 4 (2013: 338) anmerkt, ist der Südwesten Deutschlands reich an Kappel-Toponymen, die in verschiedenen Varianten im Familiennameninventar fest geworden sind. Die Schweizer Vorkommen schliessen sich dem bundesdeutschen Verbreitungsgebiet an. Auch der Typ Zelle tritt gemäss DFA 4 (2013: 332) schwerpunktmässig in Süddeutschland auf - der Namentypus findet seine Fortsetzung in der Schweiz, wo sich die Belege über das Territorium verteilen: Vereinzelte Belege treten in den Kantonen Basel-Landschaft, Aargau, Zürich, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden auf. Mehr als 5 Tokens erreichen die Kantone Bern (v. a. das Berner Oberland) und St. Gallen; letzteres Gebiet ist mit 11 Tokens am stärksten von FamN zu Zelle geprägt. Der Typ Kirche ist westlastig mit Ballungen in den benachbarten Bezirken Entlebuch (LU) und Emmental (BE). Auch die Varianten Kilchhofer und Kirchhofer treten gehäuft in letzterem Gebiet auf, während die Typen Klause und Kreuz Schwerpunkte in südlichen Kantonen aufweisen (VS bzw. VS und GR). 26 Für weitere FamN mit Hof vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 27 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 858 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="237"?> Fünfte Karte {405}: Wohnstättennamen zu Mauern, Türmen und Toren Namenauswahl: Die fünfte Karte rückt WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» in den Fokus, die aus den Appellativen Mauer, Turm und Tor oder aus darauf basierenden Toponymen hervorgegangen sind. Für die zahlreichen WohnstättenN zum Lexem schwzdt. Rei(n) (aus ahd., mhd. rein), das eine Schutzwehr, aber auch einen lang gestreckten Abhang bezeichnet, vgl. den Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». Abgefragte Namen Typ Mauer: Auf der Maur, Aufdermauer, Aufdermaur, Gmür, Indermaur, Maurer, Mühry, Murer, Muri, Müri, Murmann, Müry. 12 Types, 95 Tokens. Typ Turm: Durni, Durrer, Im Thurn, Imthurn, Thurni, Zumthurm. 6 Types, 9 Tokens. Typ Tor: Dorer, Dormann, Thormann, Zumthor. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 423: Daten zur fünften Karte {405} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Mauer: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Mūr, Mūre(n) ‘Mauer, Wand aus Steinen’ (aus ahd. mūra, mhd. mūr(e)) bzw. zur Kollektivbildung schwzdt. Gmür ‘Gemäuer, Gebäude’ (aus mhd. gemiure). Für entsprechende Toponyme merkt das TNB 2.2 (2007: 403) an: «Nach traditioneller Ansicht verweist das Element Muur in Flurnamen oft auf Örtlichkeiten, wo früher römische Niederlassungen bestanden […], doch braucht dies nicht immer so zu sein. Vielmehr handelt es sich bei den Mauern oft auch um kleine Mäuerchen zur Begrenzung von Äckern, um Stützmäuerchen von Äckern in Haldenlagen usw.». In die Namengruppe wurden auch der häufige FamN Maurer (vor 1800 mit 64 Tokens) 28 und seine Variante Murer aufgenommen, auch wenn als Hauptbedeutung meist ein BerufsN angesetzt wird. Muri lässt sich einerseits als Wohnstättenresp. HerkunftsN, andererseits als Patronym zum Ruf N Mauritius deuten. • Typ Turm: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Turm, Turn, Ture(n) ‘Turm’, übertragen auch für entsprechende Felsformationen (aus ahd. turra, turri, turn, mhd. tur(e)n, tor(e)n). 29 Karte 405: WohnstättenN zu Mauern, Türmen und Toren, vor 1800 28 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 29 Vgl. Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 859 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="238"?> • Typ Tor: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Tor ‘Tor, grosse Tür; Öffnung in der Stadtmauer’, auch ‘Öffnung im Weidezaun» (aus ahd., mhd. tor). 30 Wie eingangs erwähnt, können die FamN Thormann und Dormann auch auf den Beruf des Torwächters referieren. Kommentar: Die fünfte Karte wird von FamN zu Mauer dominiert, die in den Kantonen Bern (28 Tokens), Zürich (23 Tokens) und St. Gallen (11 Tokens) an jeweils mehr als 10 Ortspunkten alteingesessen sind. Als Schwerpunkte tritt im Westen das Aaretal zwischen den Städten Bern und Thun (BE), im Nordosten das Zürichseegebiet hervor. Beide Arealbildungen sind geprägt vom FamN Maurer, der in der Schicht «vor 1800» in Bezug auf die Anzahl Belegorte den 37. Rang aller Schweizer FamN erreicht. 31 Die FamN zu Turm zeigen eine leichte Häufung in den Innerschweizer Kantonen Obwalden und Nidwalden (insgesamt 4 Tokens), jene zu Tor streuen (jeweils einmalig in AG, BE, BL, LU, SG). Während WohnstättenN zu Türmen und Toren in Deutschland gemäss DFA 4 (2013: 979) «meist städtisch» auftreten, trifft dies für die hier vorliegende Namenauswahl nicht in gleichem Masse zu; vgl. etwa auch die Mauer-Belege im ländlichen, alpinen Berner Oberland. Sechste Karte {406}: Wohnstättennamen zu Gasse und Strasse Namenauswahl: Die sechste Karte dokumentiert die zu Gasse und Strasse gebildeten FamN aus der Schicht «vor 1800». Die entsprechenden Namen werden kontrastiv dargestellt, weil das «Verhältnis der Wörter […] in der historischen Toponomastik vielfältig diskutiert» wird und daher auch für die daraus hervorgegangenen FamN von Interesse ist (DFA 4 2013: 906; s. auch Nübling/ Kunze 2023: 348-349). Abgefragte Namen Typ Gasse: Engesser, Gaschen, Gass, Gasser, Gassler, Gassmann, Gassner, Gessler, Gessner, Rischgasser. 10 Types, 88 Tokens. Typ Strasse: Hochstrasser, Strasser, Strässle, Strässler, Strässli, Strassmann, Strössler, Strösslin. 8 Types, 42 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-80, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 424: Daten zur sechsten Karte {406} Karte 406: WohnstättenN zu Gasse und Strasse, vor 1800 30 Für FamN zu schwzdt. Eschtor vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 31 Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 860 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="239"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN der ersten Gruppe stellen sich zu schwzdt. Gass ‘Strasse, Gasse, Hohlweg, Durchgang’ (aus ahd. gaʒʒa, mhd. gaʒʒe), jene der zweiten Gruppe zu schwzdt. Strāss ‘(Land-)Strasse, befahrbarer Verkehrsweg’ (aus ahd. strāʒa, mhd. strāʒe). 32 Nach Auskunft des TNB 2.2 (2007: 218) bezeichnen Gass-FlurN «meist das Land in unmittelbarer Nähe eines schmalen Geh- oder Fahrwegs, meist zwischen Erhebungen, Zäunen oder Mauern hindurch (während der Weg durch das Fehlen seitlicher Begrenzung gekennzeichnet ist)». FlurN mit Strasse hingegen «beziehen sich auf Landstücke, die in unmittelbarer Nähe eines Verkehrswegs liegen, wobei dieser im Unterschied zur Gasse oder zum Weg i. d. R. geschottert, gepf lastert und befahrbar ist» (TNB 2.2 2007: 580). Das jüngere, aus dem Lateinischen entlehnte Lexem Strasse verdrängte älteres Gasse resp. engte dessen Bedeutung ein (EtymWB 1993a: s. v. Gasse; Nübling/ Kunze 2023: 348), wobei Gasse im süddeutschen Raum noch präsenter ist als in norddeutschen Gebieten. Für Bedeutungsunterschiede sowie diachrone und diatopische Variation in der Appellativik sei auf das Id. 2 (1881 ff.: Sp. 449) verwiesen; für FamN zu Weg s. die nachfolgende siebte Karte. Zur Entwicklung des mittelalterlichen Strassen- und Wegnetzes beachte man die Ausführungen im e-HLS (2015: s. v. Strassen), das «die Städtegründungen, die Herausbildung der Territorialherrschaft im Spätmittelalter sowie v. a. die Flurordnungen der Siedlungen und Dörfer» als die drei prägenden Faktoren erachtet. Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass der Typ Gasse tendenziell in einem grösseren Gebiet erscheint als der Typ Strasse. So sind letztere FamN hauptsächlich in der nördlichen Hälfte der Deutschschweiz alteingesessen, wo sie sich von den Kantonen Aargau und Luzern (zusammen 15 Tokens) über Zürich (8 Tokens) bis in die Kantone St. Gallen und Thurgau (zusammen 15 Tokens) erstrecken. Im Unterschied dazu reichen die WohnstättenN zu Gasse weiter in westliche und südliche Gebiete: Während der südlichste Strasse- Beleg in Dierikon (LU) zwischen Vierwaldstättersee und Zugersee liegt, tritt Typ Gasse u. a. auch im Wallis in Erscheinung. Das Ballungszentrum der zweiten Namengruppe ist mit jeweils 14 Tokens in den Kantonen Bern und Luzern zu verorten; häufigere Vorkommen verzeichnen auch die Kantone Zürich und Aargau, wo sich die beiden Namentypen durchmischen. Zwischen der vorliegenden Karte und der entsprechenden Verbreitungskarte für den bundesdeutschen Raum (DFA 4 2013: 907) zeigt sich insgesamt eine hohe Übereinstimmung: Im Südwesten überwiegt tendenziell Typ Gasse, doch besonders nördlich des Bodensees weist die DFA-Karte 398 höhere Vorkommen von FamN zu Strasse aus (DFA 4 2013: 907, 909). 32 Für die FamN Strössler und Strösslin vgl. Artikel I-1.7 «Erhalt oder Verdumpfung von mhd. ā». 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 861 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="240"?> Siebte Karte {407}: Wohnstättennamen zu Wegen, Steigen und Stiegen Namenauswahl: In engem Zusammenhang zur vorhergehenden sechsten Karte werden in der siebten Karte FamN aus der Schicht «vor 1800» abgebildet, die etymologisch auf Bezeichnungen für einen Weg, einen Steig o. ä. bzw. auf entsprechende Toponyme zurückgehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Steig: Steiger, von Steiger. 33 Tokens. Typ Stieg: Stieger, Styger. 8 Tokens. Typ Strick: Stricker, Strickler. 17 Tokens. Typ Weg: Altwegg, Amweg, Berweger, Holenweg, Holenweger, Hollenwäger, Hollenweger, Riedweg, Wäger, Wegener, Weger, Wegmann, Zellweger, Zillweger. 14 Types, 71 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 425: Daten zur siebten Karte {407} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Steig: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Steig ‘steiler Weg, ansteigende Fahrstrasse; Steigung im Gelände’ (aus ahd. steiga, mhd. steige). Gemäss TNB 2.2 (2007: 568) beziehen sich FlurN mit Steig - im Unterschied zum Typ Stieg - «weniger auf Fusspfade denn auf Fahrwege», auch wenn die Unterscheidung «schon früh erschwert» ist. Für patrizisches von im FamN von Steiger vgl. den Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». • Die FamN Stieger und Styger stellen sich zu schwzdt. Stīg, Stīge(n) ‘Steig, Pfad, ansteigender Weg’ (aus ahd. stīg, stīga, mhd. stīc, stīge). • Die FamN Stricker und Strickler stellen sich zu schwzdt. Strick ‘schmaler Weg/ Pfad; schmale Felsstücke, schmale Geländeformen allgemein’ (aus ahd. stric, mhd. stric, strickes). Alternativ liegt ein BerufsN zu mhd. stricker ‘Seiler, Strumpf- und Hosenstricker’ vor. • Typ Weg: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Wëg ‘Weg, Strasse, Pfad’ (aus ahd. weg, mhd. wec, weg). In FlurN bezieht sich Weg «auf Verkehrs- und Transportrouten ebenso wie auf von Tieren begangenen Strecken. Meist sind es schmale Durchgänge, denen eine seitliche Begrenzung fehlt und die - im Unterschied zur Strasse und zur Gasse - nicht mit dem Wagen befahren werden» (TNB 2.2 2007: 650). Für Wäger, Wegmann und weitere ist alternativ ein BerufsN für eine Person, die den Strassenunterhalt besorgte, oder ggf. auch für eine mit Wägepf lichten betraute Amtsperson möglich. Für FamN zu Steg vgl. die achte Karte und für das Verhältnis von Steg, Stieg und Steig beachte man die Ausführungen im DFA 4 (2013: 921). Karte 407: WohnstättenN zu Wegen, Steigen und Stiegen, vor 1800 862 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="241"?> FamN zu Enge, Stutz, Stalde u. ä., die motivisch bisweilen auf die Bedeutung ‘beengter bzw. (steil) ansteigender Weg’ zurückgehen können, werden im Artikel III-3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie» behandelt. Kommentar: Die siebte Karte zeigt ein erhöhtes Vorkommen von FamN zu Weg in der Nordostschweiz mit Schwerpunkt in den Kantonen Zürich (25 Tokens) und Thurgau (10 Tokens). Am zweithäufigsten ist der Typ Steig, der ebenfalls im nordöstlichen Teil der Deutschschweiz (v. a. SG) geballt auftritt. Wie bei der erstgenannten Namengruppe sind jedoch auch Streubelege in (süd-)westlicheren Gebieten bezeugt. Im Unterschied dazu kommen die FamN zu Stieg und jene zu Strick ausschliesslich in der Osthälfte der Deutschschweiz vor (SZ, SG, AR resp. ZG, ZH, SG, AR). Zur Verbreitung von Weg, Steg, Stieg und Steig im bundesdeutschen Raum schreibt der DFA 4 (2013: 918-919): «Die Lücken der Hauptkarte [mit FamN zu Weg] werden teilweise von FamN der Typen Steg-, Stieg- und Steiggefüllt, deren Bedeutungsspektrum sich historisch partiell mit dem von Weg überschneiden kann» (s. etwa auch BENB I/ 6 2020: Sp. 239). Mit Blick auf das vorliegende Kartenbild lässt sich für die Deutschschweiz feststellen, dass appellativisches bzw. toponymisches Weg, Stieg und Steig tendenziell in den gleichen Gebieten - nämlich vorwiegend in der Nordostschweiz - in FamN fest geworden sind; einzig die vier Stieg -Belege im Kanton Schwyz setzen sich etwas ab. Vergleicht man jedoch die Verbreitung von FamN zu Steg (achte Karte) mit den Weg -Vorkommen (vorliegende siebte Karte), so offenbart sich ein beinahe komplementäres Bild. Ob es sich dabei um einen Zufallsbefund handelt oder ob allenfalls diatopische Variation vorliegen könnte, müsste in einer vertiefenden Arbeit unter Einbezug entsprechender Toponyme untersucht werden. Achte Karte {408}: Wohnstättennamen zu Brücken und Stegen Namenauswahl: Die achte Karte dokumentiert FamN aus der Schicht «vor 1800», bei denen Brücken und Stege namengebend waren. Die WohnstättenN werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Die Gruppe «Sonstige» fasst vier verschiedene Familiennamentypes zusammen. Abgefragte Namen Typ Brücke: Briggeler, Briggen, Brigger, Briker, Brücker, Bruckner, Brüggemann, Brugger, Brügger, Brüggimann, Bruggmann, Zurbriggen, Zurbrügg. 13 Types, 75 Tokens. Typ Steg: Alpstäg, Im Obersteg, Imobersteg, Obersteg, Stäger, Steg, Steger, Stegmann, Zumsteg. 9 Types, 37 Tokens. Sonstige: Imark, Speck, Specker, Speckert. 11 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 426: Daten zur achten Karte {408} Karte 408: WohnstättenN zu Brücken und Stegen, vor 1800 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 863 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="242"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung aller kartierten Namen an. Als Etyma werden Appellativa genannt, denkbar ist aber jeweils auch ein auf diesen basierendes Toponym: • Typ Brücke: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Brugg, Brügg, Brugge(n) ‘Brücke, Knüppelweg durch nasses Gebiet’ (aus ahd. brugga, mhd. brücke, brucke, brügge). 33 Bei den Brugger-Namenträger: innen aus dem Kanton Aargau ist aufgrund der lokalen Namenverbreitung auch mit HerkunftsN zum SiedlungsN Brugg (AG) zu rechnen; ähnlich lässt sich für Brigger als konkurrierende Deutung ein HerkunftsN zum SiedlungsN Brig (VS) annehmen. Bei Bruggmann und Varianten kann sowohl ein WohnstättenN als auch ein BerufsN für den Brückenwärter vorliegen. • Typ Steg: Die FamN stellen sich zu schwzdt. Stëg ‘Steg, kleine (Holz-)Brücke, schmale, leichte Brücke, schmaler Weg’ (aus ahd. stëg, mhd. stëc, stëg). Gemäss EtymWB (1993b: s. v. Steg) bezeichnet Steg «ursprünglich wohl nur den Auf- und Abstieg zu der das Wasser überbrückenden (Holz)konstruktion, dann erst die Brücke selbst». • Sonstige: Die Gruppe umfasst Imark zu schwzdt. Arch ‘Vorbrücke, Brückenjoch’ (aus lat. arca) sowie Speck, Specker und Speckert zu schwzdt. Speck ‘Knüppelweg durch nasses Gebiet, Landstück am Knüppelweg; sumpfiges Land’ (mhd. spëcke). 34 Zu Brücken und Stegen im Mittelalter vgl. das e-HLS (2011: s. v. Brücken). Einer Brücke «kommt historisch nebst dem Verkehrszweck in vielerlei Hinsicht grosse Bedeutung zu, sie hat militärische, politische und rechtliche Funktionen» (TNB 2.2 2007: 98). Kommentar: Die achte Karte weist ein grossräumiges Vorkommen von Brücke-FamN aus, die insbesondere im Wallis, im Berner Oberland, im Innerschweizer Kanton Uri und in der Nordostschweiz (v. a. TG, SG) gehäuft belegt sind. Der Typ Steg ist mehrheitlich im Aargauischen und in der südlichen Hälfte des Kantons Bern verbreitet (zusammen 22 von insgesamt 37 Tokens). Imark ist einmalig in Himmelried (SO) bezeugt; Specker ist für den Kanton Thurgau charakteristisch, während mit -t erweitertes Speckert weiter westlich im Aargau in Erscheinung tritt und Speck streut. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Gasser (7'128 Tokens), Maurer (6'583 Tokens) und Hauser (5'484 Tokens). Klammert man Maurer aus, da er gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) und DFD (2025b: s. v. Maurer) tendenziell öfter als BerufsN denn als WohnstättenN zu interpretieren ist, rückt Fankhauser (5'188 Tokens) auf den dritten Platz nach. Die dritte Karte, die WohnstättenN der Typen Mühle, Ofen und Schmitte abbildet, liesse sich mit dem Typ Bleichi erweitern. Das Lexem schwzdt. Bleichi tritt häufig in FlurN auf und benennt Plätze, wo Stoff/ Leinwand gebleicht wurde; allerdings zeigt es «vielfache Vermischungen» mit dem Lexem schwzdt. Bleike(n) (‘Rutschgebiet, Geröllhang, Schutthalde, Lichtung’) resp. daraus hervorgegangenen Toponymen (TNB 2.2 2007: 76-77). Bei den FamN Bleichmann (Gelfingen, Hitzkirch LU) und Bleiker (SG) bestehen somit nicht nur Deutungskonkurrenzen zwischen einem BerufsN für den Bleicher und einem WohnstättenN, auch die Zuordnung zu einer Motivgruppe innerhalb des letzteren Benennungsmotivs ist unsicher. Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013) behandelt FamN zu Orten mit Bezeichnungen aus dem kirchlichen Bereich wie Zellner oder Klostermann auf den Karten 144-150 (vgl. DFA 4 2013: 332-345), FamN zu Scheunen, Speichern und Viehhöfen wie Schünemann, Stadler und Schweier auf den Karten 411-416 (vgl. DFA 4 2013: 944-959) sowie FamN zu kleinen Behausungen wie Kotter, Buder und Hausler auf den Karten 417-426 (vgl. DFA 4 2013: 960-977). Vervollständigt wird die Motivgruppe mit FamN zu Türmen und Toren wie Thurner und Portmann auf den Karten 427-430 (vgl. DFA 4 2013: 978-989). Aus der semantischen Kategorie der Wege und Brücken werden einerseits FamN zu Gassen und Strassen wie Nungesser und Strate auf den Karten 396-398 (vgl. DFA 4 2013: 900-909), andererseits FamN zu Wegen bzw. Pfaden, Stegen, Steigen und Stiegen wie Hellweger, Stegmann, Staiger und Stiegele auf den Karten 399-404 abgebildet (vgl. DFA 4 2013: 910-929). Für grammatisch ausgerichtete, aber bisweilen auch lexikalisch-semantisch aussagekräftige Karten zu den hier untersuchten FamN beachte man die Verweise im DFA 4 (2013: XXXI-XXXII). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 6 = Schneider,Thomas F./ Hofer, Roland/ Thöny, Luzius (Hrsg.) (2020): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Sechster Teil: Se-Di/ Ti. Tübingen: Narr Francke Attempto. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. 33 Vgl. die Artikel I-1.3 «Fehlende und durchgeführte Umlautung», I-1.5 «Entrundung» und I-2.6 «Schreibvariation bei Plosiven im Inlaut». 34 Vgl. die Artikel II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut» und III-3.3 «Wohnstättennamen zu Uferlandschaften, Sümpfen und Sumpfpf lanzen». Für Speck ist eine Deutung als ÜberN resp. als BerufsüberN zu mhd. spec ‘unter der Haut gelagertes Fett (von Mensch und Tier)’ für einen beleibten Menschen resp. einen Metzger nicht auszuschliessen. 864 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="243"?> DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Heuser, Rita (2025a): Haus. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 3002/ 1 (letzter Zugriff 02.09.2025). DFD = Heuser, Rita (2025b): Maurer. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 173/ 1 (letzter Zugriff 02.09.2025). DFD = Heuser, Rita (2025c): Stahl. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 183/ 1 (letzter Zugriff 02.09.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2008): Ehaften. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013731/ 2008-02-12/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2009a): Müllerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013992/ 2009-11-26/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2009b): Bäckerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013994/ 2009-04-16/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2012): Mühlen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013884/ 2012-05-31 (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Furrer, Benno (2020): Bauernhaus. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 010998/ 2020-06-03/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Glauser, Fritz (2011): Susten. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007968/ 2011-04-18/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Horat, Heinz (2017): Kirchenbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 011002/ 2017-05-03/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Nagy-Braun, Gisela et al. (2015): Wohnen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 016229/ 2015-02-03/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Schiedt, Hans-Ulrich/ Herzig, Heinz (2015): Strassen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007959/ 2015- 02-10/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Stadler, Hans (2011): Brücken. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007956/ 2011-09-08/ (letzter Zugriff 25.07.2025). e-HLS = Stadler, Hans (2012): Säumerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 014053/ 2012-06-18/ (letzter Zugriff 25.07.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993a): Gasse. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ wb/ etymwb/ Gasse (letzter Zugriff 25.07.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993b): Steg. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ wb/ etymwb/ Steg (letzter Zugriff 25.07.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 25.07.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 25.07.2025). TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. VSNB 3 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 3: Flurnamen K-R. Tübingen: Narr Francke Attempto. Esther Loosli 3.8 Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen 865 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="244"?> 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen Schlagwörter: Burg, Fabelwesen, Gegenstand, Haus, Hausname, Himmelskörper, Pf lanze, Religion, Stadt, Tier, Toponym Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 06.10.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») und Literaturrecherchen potenziell auf sogenannten HäuserN basieren. 1 Dieser Begriff wird im vorliegenden Kartenkomplex in Anlehnung an Kunze (2004: 105, 177) verwendet, um auf (bewohnte) Gebäude zu referieren, die im Mittelalter resp. in der Frühen Neuzeit vornehmlich in städtischer Umgebung nach einem (Fabel-)Tier, einer Pf lanze, einem Himmelskörper oder einem anderen Motiv benannt wurden. Z. B. findet sich vor 1800 in den Städten Bern (BE), Schaffhausen (SH) und Winterthur (ZH) der FamN Pfau, der möglicherweise aus einem HäuserN zum Pfawen hervorgegangen ist, wie er im Id. 5 (1881 ff.: Sp. 1205) seit dem 13. Jh. belegt ist. HäuserN wie zum Pfawen lassen sich den Toponymen zuordnen, weil «die bezeichneten Referenzobjekte ortsfixiert sind, kartographisch erfasst werden können und das Merkmal [+besiedelt] tragen» (Schweden 2021: 111). In der Literatur (u. a. Bach 1953: 85) werden solche HäuserN z. T. terminologisch getrennt von sogenannten HausN, die i. d. R. kleineren ländlich-dörf lichen Kommunikationsgemeinschaften angehören, in diesen auch heute noch als ÖrtlichkeitsN für die Georeferenzierung von Wohnstätten wie auch in Verbindung mit Ruf N als inoffizielle PersonenN in Gebrauch sind, als Phänomen der Mündlichkeit zu gelten haben und bisher eher als Anthroponyme denn als Toponyme erforscht wurden (Bach 1953: 85-86; Kunze 2004: 10, 177; Debus 2013: 145; Schweden 2021: 109-112; Schweden 2023: 8-9). 2 Gerade die jüngere Forschung verwendet allerdings oft auch die Bezeichnungen städtischer HausN und ländlicher HausN resp. nur HausN ohne Differenzierung, um auf die beiden Namenklassen Bezug zu nehmen (Hengst 2010; Debus 2013: 141, 146; Schweden 2021: 109-111). 3 Im deutschsprachigen Raum lassen sich HäuserN ab dem 12. Jh. resp. Anfang des 13. Jh. in (süd-)westlichen Städten wie Köln, Mainz, Worms, Speyer oder Basel bezeugen (Grohne 1912: 88, 110; Bach 1953: 90; Kunze 2004: 105). 4 Die massgebliche, korpusbasierte Studie Grohnes (1912: 88) weist besonders frühe Vorkommen in der Stadt Köln nach, wo HäuserN schon um 1150 in Quellen auftauchen. Vermutlich fungierte der Rhein als «Verbreitungsschiene» dieser Namenklasse (Nübling/ Kunze 2023: 351), zeigen doch die entlang dieses Flusses gelegenen, siedlungsgeschichtlich alten Städte wie Basel gemäss Weber (2004: 474) nicht nur die frühesten, sondern auch die umfassendsten Zeugnisse (s. auch Grohne 1912: 88, 96-97, 110; Schmid 1934: 4). Später kommen HäuserN z. T. auch in nördlicheren bzw. östlicheren Teilen des deutschsprachigen Raums als Mikrotoponyme auf (Grohne 1912: 92-95; Bach 1953: 90; Kunze 2004: 105), dies besonders frequent in der Stadt Wien (Kunze 2004: 105; Nübling/ Kunze 2023: 351). Inwieweit und wann die Praxis der Häusernamenbildung in der Deutschschweiz Fuss gefasst hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, weil sowohl (jüngere) Einzelals auch vergleichende Studien selten sind (Hengst 2010; Signori 2013: 29). Deutlich tritt die Stadt Basel hervor (Grohne 1912: 89, 110; Bach 1953: 90; Mischke 2015: 194; BSNB 3 2016: 76-77), die mit ca. 10'000 Einwohner: innen als einzige der Schweiz zu den mittelalterlichen Grossstädten gezählt werden kann (e-HLS 2018: s. v. Stadt), vom Hochmittelalter an «unbestritten das wirtschaftliche Zentrum am südlichen Oberrhein» bildete und «engen Kontakt mit anderen Städten des südwestdeutschen Sprachraums» pf legte (e-HLS 2017: s. v. Basel-Stadt). Grohne (1912: 97, 106) merkt an, dass Grossstädte wie Basel mit hoher Häusernamendichte auf mittlere und kleinere Städte in der Umgebung ausstrahlten, wo nach deren Vorbild ebenfalls HäuserN aufkamen (s. auch Weber 2004: 478). Geographisch vage bleibt Dejung (1944: 4) mit seinem Hinweis, dass «seit 1350 in den Quellen der schweizerischen Städtegeschichte die Hausnamen [= HäuserN] erwähnt» seien. Schmid (1934: 15) hebt neben Basel v. a. die Stadt Zürich heraus, für die gemäss Grohne (1912: 89, 91) ab 1200 resp. ab 1270 HäuserN bezeugt sind. Zusätzlich merkt Schmid (1934: 1 Ein anderes, hier nicht behandeltes Phänomen stellen WohnstättenN mit dem Präfix Ca- (aus rätorom. casa ‘Haus’) wie Capaul, Cavietzel und Caduff dar, die ein Charakteristikum der (alt-)rätoromanischen Sprachgebiete sind und zu den ältesten FamN der Rätoromania wie auch der Schweiz überhaupt zählen. Ursprünglich bezeichnete eine Form wie Capaul das Haus oder den Hof, in dem eine bestimmte Person oder eine bestimmte Hausgemeinschaft lebte (‘das Haus oder die Wohnstätte (der Familie) des Paul’); vgl. Artikel II-2.19 «Familiennamen mit Präfix Ca-». 2 Für eine ausführlichere Charakterisierung und Abgrenzung dieser beiden Namenklassen - auch in lexikalisch-motivischer und chronologischer Hinsicht - s. Schweden (2021: 109-112; 2023: 8-9). 3 Im vorliegenden Artikel wird aber nicht beides unter dem Begriff HausN gefasst, weil zwischen den Phänomenen «deutliche Unterschiede» bestehen, die «terminologisch erfasst sein» sollten (Debus 2013: 143). Dem Terminus HäuserN wird hier gegenüber städtischem HausN der Vorzug gegeben, da auch die Kartenbilder nicht ausschliesslich in den Städten Namenvorkommen ausweisen. 4 Das Aufkommen der HäuserN geht zeitlich mit einer siedlungsgeschichtlichen Phase einher, die «sich nicht nur durch zahlreiche Neugründungen, sondern auch [durch] das schnelle Wachstum bereits bestehender Orte auszeichnet», was HäuserN als Identifizierungs- und Orientierungshilfe nützlich machte (Wolk 2005: 124; s. auch Grohne 1912: 86-88, 102-103; e-HLS 2015: s. v. Städtegründung). Ungefähr parallel zu dieser Entwicklung bildeten sich auch die FamN aus (Grohne 1912: 113-114), die z. T. eine enge und wechselseitige Beziehung mit den HäuserN zeigen. Socin (1903: 400) schreibt bspw.: «Heinricus dictus Tanz (Übername zur Andeutung seiner Tanzkunst oder Tanzlust) kommt 1257 […] und öfter so vor; von ihm heisst das Haus, welches er bewohnte, zum Tanz, und hievon wieder 1272 der Insasse Heinrich zum Tanz». 866 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="245"?> 5) an, dass sich «die Südgrenze für die Verbreitung der Hausnamensitte [= Häusernamensitte]» mitten durch die Deutschschweiz ziehe: Als äusserste Posten gegen Südwesten könnten etwa Liestal, Olten, Zofingen, dann vielleicht die luzernischen Städtchen Sursee und Sempach und endlich Luzern und Zug genannt werden, während im Nordosten unseres Landes, vor Allem [sic! ] in den Kantonen Zürich, Thurgau, St. Gallen und in Stadt und Kanton Schaffhausen, die Hausnamen [= HäuserN] noch heute allgemein verbreitet sind. Merkwürdig ist für uns die Feststellung, dass die Hausnamen [= HäuserN] südwestlich der genannten Linie, in den von Alters her deutschsprachigen Gegenden von Solothurn, Bern und in den deutschen Bezirken von Freiburg nicht Eingang gefunden haben (Schmid 1934: 5). Auch Grohne (1912: 103) und Weber (2004: 478) verorten die Praxis der Häusernamenbildung - neben Basel und Zürich - in mittelalterlichen kleineren Städten wie Baden (AG), Luzern (LU), Stein am Rhein (SH), Schaffhausen (SH), Bischofszell (TG), Winterthur (ZH) und Zug (ZG), die alle in der Nordhälfte der Deutschschweiz liegen. 5 Hier wie in anderen deutschsprachigen Regionen erlitten die HäuserN ab dem 17./ 18 Jh. einen Funktionsverlust, als u. a. infolge des starken Städtewachstums und französischen Einf lusses Hausnummern eingeführt wurden (Garrioch 1994: 38-39; Kunze 2004: 105; Weber 2004: 479; Schweden 2021: 111). 6 In der Gegenwart haben die Überbleibsel der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Häusernamengebung «hauptsächlich kulturellen und ästhetischen Wert» (Schweden 2021: 111); am prominentesten sind historische HäuserN noch bei Gasthäusern (z. B. Krone, Anker, Löwe(n)) und Apotheken (z. B. Apotheke zum güldenen Engel, Löwen-Apotheke) erhalten, teils wurden sie in StrassenN fest (Kunze 2004: 105; Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 252-256; Schweden 2021: 111). 7 Auch (ehemalige) Zunfthäuser tragen heute noch Namen, so etwa in Bern die Gesellschaftshäuser zu Mittellöwen (Gerber), zum Narren und Distelzwang (Adel) oder zum Affen (Steinmetze und Steinhauer) (s. Türler 1896: 50-53). Die in Deutschland und/ oder in der Deutschschweiz historisch bezeugten HäuserN speisen sich häufig aus einer der folgenden Motivquellen (vgl. Grohne 1912: 4-85; Bach 1952: 270-272; Guyer 1953: 8; Kunze 2004: 105; Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 253; Schweden 2021: 110), 8 die zur Veranschaulichung mit Belegen aus Grohne (1912) für die Stadt Basel und Corrodi-Sulzer (1939) für die Stadt Zürich ergänzt wurden: 9 1. Aussehen und Lage des Gebäudes: zem roten Huse (Basel, 1276), zem Kupherturne (Basel, 1277), zum Steinkeller (Zürich, 1357), zum Swirbogen (Zürich, 1463) 2. Gewerbe/ Nutzung des Gebäudes: zir Walchun (Basel, 1247), zer Kupfershmitten (Basel, 1300), zum Silberschmied (Zürich, 1357), zur Öltrotte (Zürich, 1408) 3. (Fabel-)Tiere: zem Einhürne (Basel, 1279), zum Kranich (Zürich, 1357), zum Phönix (Zürich, 1357), zur Grossen Mugge (Zürich, 1370), zum Weissen Wind (d. h. Windhund; Zürich, 1401), zur Meise (Zürich, 1401), Roter Eber (Zürich, 1425), Zum Bärenkopf (Zürich, 1444), zum Rindfuss (Zürich, 1463) 4. Pf lanzen und Früchte: ad Rosam (Basel, 1261), zim Nuzpoume (Basel, 1281), zem Rosengarten (Basel, 1321), zur Traube (Zürich, 1357), zum Rebstock (Zürich, 1369), zum Vordern Holder (Zürich, 1401), Saffran (Zürich, 1442), Weisse Gilge (d. h. weisse Lilie; Zürich, 1444), Zum Tannenwald (Zürich, 1444) 5. Kleidung, Waffen, Geräte und weitere Gegenstände: zum Spiess (Zürich, 1357), zum Roten Knopf (Zürich, 1357), Roter Krug (Zürich, 1357), zur Kappe (Zürich, 1408), zur Kette (Zürich, 1408), zum Schuh (Zürich, 1408), zur Geige (Zürich, 1412), zum Besen (Zürich, 1425), Wegisen (Zürich, 1463) 6. Himmelskörper und weitere Naturerscheinungen: zur Sonne (Zürich, 1357), zum Mond (Zürich, 1357), zum Sternen (Zürich, 1467), zum Regenbogen (Zürich, 1467) 7. Mythologie und Religion (christliche Symbole, Heilige usw.): zem Engele (Basel, 1279), zůr Megede (d. h. Jungfrau Maria; Basel, 1460), zum Riesen (Zürich, 1357), zum Tempel (Zürich, 1357), zum Geilen Mönch (Zürich, 1412), zum Heiden (Zürich, 1455), zum Paradies (Zürich, 1467), zum Bischof (Zürich, 1467), zum Sankt Jörg (Zürich, 1469) 8. Heraldik und Herrschaftssymbole: zem roten Schilte (Basel, 1344), zur Krone (Zürich, 1357), zum Silberschild (Zürich, 1410), zum Roten Löwen (Zürich, 1444) 9. SiedlungsN und BurgN: domus dicta Blůmenstein (Basel, 1287), ze Blotzheim (Basel, 1414), zum Venedig (Basel, 1486), zum Rossberg (Zürich, 1454) 10. BeiN oder FamN der Bewohner: innen resp. Besitzer: innen des Hauses (s. u.) 5 Ob in anderen Gebieten tatsächlich kaum HäuserN vergeben wurden und ob ihr (vermeintliches) Zurücktreten im Süden der Deutschschweiz (u. a.) mit dem Gebrauch von runenähnlichen Hausmarken zusammenhängt - wie dies Grohne (1912: 98) für Norddeutschland annimmt -, wäre genauer zu untersuchen (vgl. Stebler 1907: 165; Schmid 1934: 5). Für Freiburg i. Ü. zieht Studerus (1926) zumindest bei einigen historischen Beiresp. FamN wie etwa Struss (1428), Eychhorn (1392), Pfäwen (1385) oder Rosenkrantz (15. Jh.) einen HäuserN bzw. ein Hauszeichen als namengebendes Motiv in Erwägung. Gemäss Bärtschi (1953-1954: 55) berichten bernische Quellen des 14. Jh. nicht von äusserem Häuserschmuck (in der Form von Hauszeichen), wie er nach den HäuserN zu schliessen damals bereits in Zürich, Luzern und Basel bekannt gewesen sei. Ähnlich schreibt von Rodt (1919: 122): «Die alten Steuerrodel in Bern bezeichnen gewöhnlich die Häuser nach den Namen ihrer Besitzer, doch finden sich auch einzelne Ausnahmen, wie z. B. die Sandegg, das rote Haus [oder] die Hölle». 6 Für einen Überblick über die Anfänge der Hausnummerierung zu Beginn der Frühen Neuzeit und deren Durchsetzung im Laufe des 18. Jh. sei auf Tantner (2015) und Garrioch (1994) verwiesen. 7 Für eine Auseinandersetzung mit StrassenN s. Schneider (1954) und Illi/ Leonhard/ Haas (2008). Für Namen von Gasthäusern und Apotheken beachte man u. a. Schmid (1934), Steiger (1949), Wäber (1971; 1977), Jehle (1996), Bart (2003), Wolk (2005) und Kunze (2011; 2012) resp. Keller (1979; 1985), Hellfritzsch (1996), Köpp (2012) und Schaub (2025). 8 Die aufgeführten Motivquellen sind über den deutschsprachigen Raum hinaus auch bei HäuserN in anderen Teilen Westeuropas (z. B. Frankreich, England, Niederlande) vertreten; doch variieren die konkreten HäuserN motivisch in Abhängigkeit des Zeitraums, des Landes, der Region und der Stadt (Garrioch 1994: 26; s. auch Grohne 1912: 111-112). Gewisse HäuserN tauchen aber in der Literatur für verschiedene Städte immer wieder auf (vgl. etwa die HäuserN in Grohne 1912: 68). 9 Während in der älteren Literatur in Anlehnung an Grohne (1912: 1) oft zwischen früheren, auf natürlichen Merkmalen basierenden HäuserN wie zum roten Haus oder zur Linde und späteren, (auf der Basis eines Hauszeichens) künstlich gebildeten HäuserN wie zum Kranich oder zum Regenbogen unterschieden wurde, ist diese Zweiteilung in jüngerer Zeit aufgegeben worden (vgl. etwa Signori 2013: 30; BSNB 3 2016: 80). 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 867 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="246"?> Die genannten Motivquellen sind weder als abschliessend noch als voneinander distinkt aufzufassen, gerade auch weil wörtliche und übertragene Bedeutungen der Lexeme dazu führen, dass sich HäuserN häufig mehreren Motivquellen zuordnen lassen; so bspw. Zum Pelikan (Zürich, 1467) oder zum Lämmlein (Zürich, 1408) zur dritten Gruppe als Tiere und zur siebten Gruppe als verbreitete christliche Symbole (vgl. Butzer/ Jacob 2021: 356-358, 466). Während bei HäuserN der ersten zwei Gruppen die Motivation der Namengebung i. d. R. nachvollziehbar ist, lässt sich die Entstehung von Formen wie zum Löwen oder zum faulen Apfel oft nicht oder nur ansatzweise - mit verschiedenen möglichen Ursprüngen - erklären (vgl. Grohne 1912: 50; Weber 2004: 472; Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 251-252). Wie die oben aufgelisteten HäuserN veranschaulichen, handelt es sich der Form nach mehrheitlich um Syntagmen mit der Präposition zu, dem Definitartikel und einem Simplex oder Kompositum als Kopf der Nominalphrase; häufig treten Adjektive (darunter besonders das Farbadjektiv rot) auf (vgl. Tobler-Meyer 1894: 162; Grohne 1912: 12-13; Hatt 2014: 19). Die HäuserN wurden meistens «am oder vorm Haus sichtbar in Bild oder Schrift angebracht» und dienten vor dem Aufkommen von Hausnummern als «Identifizierungs- und Orientierungshilfe» (Schweden 2021: 110; s. auch Grohne 1912: 97), die i. d. R. auch für die von Analphabetismus geprägte Bevölkerungsmehrheit verständlich war (s. dazu e-HLS 2015: s. v. Alphabetisierung). Tendenziell ist der Nutzen von HäuserN allerdings für die ab dem 12./ 13. Jh. zunehmende städtische Verwaltung und dabei besonders für Rechtsgeschäfte (Besitzerwechsel, Steuern, Schulden, Zinsen usw.) höher einzuschätzen als die blosse Orientierungshilfe für Ortsfremde und Einheimische (Grohne 1912: 166; Dejung 1944: 3; Weber 2004: 472; Wolk 2005: 124-125; Signori 2013: 45; Mischke 2015: 196; BSNB 3 2016: 78). 10 Beispiele wie Nicol. dict. zim Affen ‘Nikolaus genannt [im Haus] zum Affen’, Werner zem Slegel ‘Werner [im Haus] zum Schlegel’, Henricus zem Dragen ‘Heinrich [im Haus] zum Drachen’, Conrad zem Kemel ‘Konrad [im Haus] zum Kamel’ oder Burkh. zem Himele ‘Burkhard [im Haus] zum Himmel’ zeigen, dass HäuserN «eine enge Verknüpfung mit dem Besitzer» (oder dem Bewohner) aufweisen und «meist in Urkunden in Verbindung mit diesem genannt» wurden (Schweden 2021: 111). 11 Aus dem regelmässigen (schriftlichen) Gebrauch von HäuserN zur Identifikation der Hausbesitzer: innen resp. -bewohner: innen konnten sich allmählich FamN herausbilden (Nübling/ Kunze 2023: 352); 12 z. B. findet sich für Basel 1289 der Beleg Nicolaus Vulpes [Fuchs] de domo [aus dem Haus] zem Fuchse (Hengst 2010). Die Zahl solcher FamN «ist von dem Alter der Sitte, Häusern Namen zu geben, abhängig und daher landschaftlich verschieden» (Bach 1953: 90). Rolker (2009: 71) sieht den Brauch, Bei- und FamN zu HäuserN zu führen, auch als «Demonstration des eigenen sozialen Status»: Durch Benennung nach «repräsentativen Stadthöfen und -häusern» lässt sich Sozialprestige vermitteln (Rolker 2009: 76). 13 Zu zeitlichen und diatopischen Faktoren gesellt sich also wahrscheinlich ein diastratisches Moment, was sozioonomastisch von Interesse ist. Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN wie Pfau sollen hier - trotz geringer Type- und Tokenfrequenz (vgl. schon Grohne 1912: 177) - auch deshalb thematisiert werden, weil die ihnen zugrunde liegenden Mikrotoponyme «hinsichtlich der baulichen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung» mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Städte bedeutsam sind (Weber 2004: 472; s. auch Garrioch 1994: 27). Eine Untersuchung von WohnstättenN zu HäuserN erweist sich als schwierig, da es sich in mehrfacher Hinsicht um eine kaum fassbare Motivgruppe handelt und für potenzielle Fälle stets auch andere Entstehungspfade infrage kommen (vgl. Kunze 2004: 105; Nübling/ Kunze 2023: 352). Für weite Teile der Deutschschweiz fehlen gesicherte Angaben dazu, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang HäuserN entstanden sind. Die Literatur geht tendenziell davon aus, dass die FamN in der Deutschschweiz bereits (relativ) verfestigt waren, als HäuserN auch in anderen Gegenden als der Stadt Basel in grösserer Zahl aufkamen (Socin 1903: 402; Grohne 1912: 114, 129; Surläuly 1927: 81; Guyer 1953: 14); 14 spätere Namenwechsel sind jedoch nicht auszuschliessen (s. FamN Zur Gilgen bei der dritten Karte; Rolker 2009: 71). Ferner erlaubt das blosse Vorkommen von HäuserN in einer bestimmten Ortschaft nicht, auf die Existenz daraus hervorgegangener FamN zu schliessen (Grohne 1912: 129). So gibt es für die Stadt Zürich zwar zahlreiche historische Belege von HäuserN, nach Bach (1953: 90) würden sich jedoch «nur vereinzelte Fälle oder Spuren der Einwirkung der Häusernamen auf die F[amN] feststellen» lassen (s. aber Tobler-Meyer 1894: 163-166). Schwierigkeiten entstehen insbesondere auch dadurch, dass nicht nur die HäuserN auf die Hausbesitzer: innen resp. -bewohner: innen übertragen wurden, sondern diese umgekehrt auch einem Haus ihren Namen geben konnten (s. o. zehnte Motivquelle; Grohne 1912: 50; Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 252; BSNB 3 2016: 92). Z. B. erwähnt Hatt (2014: 144) für Schaffhausen (SH) ein Haus zum Otter mit einer entsprechenden bildlichen Darstellung an der Hauswand (wahrscheinlich von 1683), wobei es sich zugleich um «das heraldische Emblem des damaligen Besitzers Zunftmeister Franz Ott» handle; weshalb eher von der Entwicklung FamN → HäuserN (mit volks- 10 Auf der Basis historischer Basler Steuerbücher bilanziert Signori (2013: 30), dass HäuserN kein blosses Hilfsmittel waren, «sondern vielmehr ein Strukturmerkmal spätmittelalterlicher Urbanität, ein Strukturmerkmal, das fest in seiner grundherrschaftlichen Verfaßtheit verankert war» (s. auch Tantner 2015: 607-608; BSNB 3 2016: 77-78). 11 Grohne (1912: 115-128) listet für verschiedene Städte Deutschlands und der Schweiz «typische Beispiele» von Beiresp. FamN zu HäuserN auf. Die fünf hier genannten Formen gelten für die Stadt Basel und wurden von Grohne (1912: 120-122) aus Socin (1903: 369-400) zusammengetragen. Eine Auswahl solcher historischer Belege bieten auch Surläuly (1927: 82-83) für Baden (AG) und Tobler-Meyer (1894: 164-166) für Zürich. 12 Solche FamN gehören innerhalb der WohnstättenN zu einer jüngeren Schicht (Bach 1953: 91); vgl. Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle». 13 Ähnlich fassen Garrioch (1994: 35) und Mischke (2015: 176) HäuserN bzw. WohnstättenN zu HäuserN als symbolisches Kapital auf. 14 Nach Grohne (1912: 129) kommt hinzu, dass diejenigen Gebäude, «die zuerst einen Namen führen, meist Patrizierhäuser sind, deren Besitzer den übrigen Bürgern in derAnnahme eines Familien- oder Geschlechtsnamens vorangingen». Zu Namen von Patrizierfamilien in der Deutschschweiz vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 868 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="247"?> etymologischer Umdeutung von Ott, eigentlich zu einem Ruf N mit dem Element ahd. ōd ‘Reichtum, Besitz, Erbgut’) auszugehen sei. Um eindeutige Beispiele für WohnstättenN zu HäuserN handelt es sich streng genommen nur dann, wenn der HäuserN älter als der entsprechende FamN ist und gestützt auf historische Quellen ein Bezug zwischen den Namenträger: innen und dem so benannten Haus hergestellt werden kann. 15 Grundsätzlich können FamN zu HäuserN nach Bach (1952: 269-270) verschiedene Bildungsmuster aufweisen; darunter Syntagmen mit der Präposition zu, unerweiterte Formen (Simplizia und Komposita), 16 Diminutivbildungen oder auch bewohnerbezeichnende Ableitungen auf -er und -mann. Fehlt die Präposition bei einem potenziellen Fall, wird es schwierig(er), ihn als FamN zu einem HäuserN zu identifizieren (vgl. Grohne 1912: 136, 177). Gemäss Bach (1952: 269) wäre zu schlussfolgern, dass ein FamN nicht aus einem HäuserN entstanden ist, «wenn der erste Träger des Namens bei seinem ersten Auftreten niemals etwa zum Falken usw., sondern nur Falke usw. genannt wird». Während die (historische) Form der FamN als Anhaltspunkt für die Namendeutung dienen kann, gilt dies für die ihnen zugrunde liegenden Lexeme i. d. R. nicht (vgl. DFA 4 2013: 991): Da die Häusernamen […] viele Motive enthalten, die auch in anderen Namengruppen auftreten, kommen bei der Herleitung entsprechender Familiennamen ebensoviele Möglichkeiten in Frage: bei Tieren wie Eber, Wolf , Rabe germ. Rufnamen, bei Hecht, Schlei, Stör indirekte Berufsnamen, bei Krebs, Ochs, Frosch, Strauß, Taube Übernamen, bei Pf lanzen wie Holderbaum, Rautenbusch, Rosenstock generelle Wohnstättennamen, bei Gegenständen wie Hammer, Reif(f ), Panzer indirekte Berufsnamen, bei Klotz, Schlegel die Gestalt betreffende Übernamen […] usw. (Kunze 2004: 105). Wenn im Folgenden (Deutsch-)Schweizer FamN aus der Schicht «vor 1800» der Motivgruppe der HäuserN zugeordnet werden, dann handelt es sich hierbei lediglich um eine Deutungsmöglichkeit unter mehreren. Für ein und dieselbe Namenform können oftmals auch unterschiedliche Entstehungswege vorliegen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Dies könnte bspw. beim FamN Lämmlin zutreffen, der sowohl in der kleinen, ländlichen Gemeinde Ferenbalm (BE) im Südwesten der Deutschschweiz als auch in der Stadt Schaffhausen ganz im Norden des Landes alteingesessen ist, für die Hatt (2014: 142) den HäuserN Lämmlein mehrfach nachweist. Die Frage nach der Chronologie von FamN und HäuserN muss bei diesem Beispiel jedoch - wie in den allermeisten anderen Fällen - offenbleiben und im Rahmen zukünftiger ‘Tiefenbohrungen’ aufgegriffen werden. Die Namenauswahl basiert auf verschiedenen Quellen, die bei der ersten Karte genannt werden. Um genauere Aussagen zu treffen, bedürfte es einer vertieften Auseinandersetzung auf Basis umfangreicher historischer Sondierungen, die hier nicht geleistet werden kann und deshalb als Forschungsdesiderat anzusehen ist. Dabei könnten wahrscheinlich auch Beibzw. FamN zu HäuserN aufscheinen, die sich nicht durchgesetzt haben. 17 Die erste Karte gibt einen Überblick, welche WohnstättenN (an gewissen Ortspunkten) auf einen HäuserN zurückgehen könnten. Die zweite Karte basiert auf demselben Sample wie die erste, unterscheidet die FamN jedoch nach Motivquelle des potenziell zugrunde liegenden HäuserN. Die dritte Karte fokussiert schliesslich Einzelfälle wie Pfau, die gestützt auf die Forschungsliteratur und/ oder ihr geographisches Auftreten am ehesten als WohnstättenN zu HäuserN infrage kommen. 15 Dieses schwierige Unterfangen wird - neben oft mangelnder Beleglage im Allgemeinen - noch dadurch verkompliziert, dass HäuserN auf andere Häuser übergehen konnten und mehrere Häuser den gleichen Namen trugen (Haberbosch 1947: 55). Zudem führten häufig «Besitzer- und Funktionswechsel sowie bauliche Veränderungen zu neuen Namen» (Weber 2004: 474); s. dazu die Beispiele in Haberbosch (1949: 63) und Keller (1979). 16 Mischke (2015: 178) erwähnt, dass sich in historischen Quellen der Stadt Basel bei Beibzw. FamN zu HäuserN «eine Tendenz zu komplexeren Formen» wie Rebhuhn, Rotenhenne oder Schellenhase erkennen lasse (s. auch Meier 1974: 18, ebenfalls für Basel). 17 Bspw. führt Grohne (1912: 142) für die Stadt Basel die Belege Erh. Lintwurm (1432), Macharius Leopardus (1500) und H. Schunde gen. Regenbogen (1529) an. Weitere historische Beiresp. FamN für Basel (BS) wie etwa Waltherus de Stella (1250) und her Walther zem Sternen (1273) finden sich im BSNB 2 (2016: 723). Bart (2003) dokumentiert für die Stadt Luzern einen H. zer Gloggen (1349) sowie einen Berchtolde zem Roten Koph (1381); für Zürich (ZH) erwähnen Schobinger/ Egli/ Kläui (1994: 89) einen Růd[olf] zu dem Hirz (1313). Studerus (1926: 115) hält für Freiburg (FR) - und damit für den Südwesten der Deutschschweiz - fest: «Nach dem Hause zur Gilge benennt sich Melchior Zurgilgen 1594». Ausserhalb des vermuteten Kerngebiets von HäuserN liegen auch die historischen Belege Mane (‘Mond’, 1420), Regenbog (1515) und Eckstein (1870) aus der Bündner Stadt Chur (RNB 3 1986: 482). 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 869 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="248"?> Erste Karte {409}: Gesamtkarte der potenziellen Wohnstättennamen zu Häusernamen Namenauswahl: Die erste Karte behandelt eine Auswahl an FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 18 für die ein HäuserN als namengebendes Motiv grundsätzlich denkbar ist. Keiner der kartierten FamN kann zweifellos auf einen HäuserN zurückgeführt werden; es sind jeweils auch andere Motivgruppen innerhalb der WohnstättenN und/ oder andere Benennungsmotive möglich. Zudem ist generell zu beachten, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht alle aufscheinenden Kreise der vorliegenden Motivgruppe angehören. Auf ein Ausblenden von Belegen in nicht-städtischen Gebieten und/ oder in der Südhälfte der Deutschschweiz wurde u. a. deshalb verzichtet, um potenzielle Fälle ausserhalb des vermuteten Kerngebiets nicht von vornherein auszuschliessen. Abgefragte Namen Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN, vor 1800: Adler, Anker, Baer, Bär, Beer, Biber, Bieber, Birbaum, Blum, Bock, Bockhorn, Böckli, Böcklin, Brack, Buntschu, de Reyff , Deubel, Distel, Disteli, Drack, Dub, Eckenstein, Eggstein, Eichhorn, Eisenhut, Engel, Falck, Falk, Fisch, Fuchs, Fux, Ganz, Geier, Geyer, Gilgen, Grünblatt, Gyr, Haas, Habicht, Haering, Hahn, Hammer, Häring, Hecht, Hertenstein, Himmel, Himmelrich, Hirz, Horn, Imber, Imper, Kopf , Kränzlin, Krebs, Kreuz, Kron, Kronig, Kropf , Krug, Lämmle, Lämmli, Lämmlin, Leu, Leumann, Leuw, Ley, Linden, Loew, Löw, Luchs, Lymann, Moehr, Mohr, Möhr, Moor, Naegeli, Nägeli, Nägelin, Nussbaum, Ochs, Oechsli, Oechslin, Otter, Pfau, Prack, Rapp, Reif , Reiff , Ries, Riesen, Rihs, Ris, Riss, Ritter, Römer, Roos, Röösli, Rosenkranz, Rosenstock, Rösli, Salm, Salmen, Samson, Schild, Schilt, Schlegel, Schlüssel, Schnegg, Spiegel, Spies, Spiess, Stern, Störchli, Strauss, Traub, Vogel, von Meiss, Wider, Wind, Wolf , Wolff , Zeit, Zur Gilgen, Zurlinden. 124 Types, 778 Tokens. Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 0-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Kantone Tabelle 427: Daten zur ersten Karte {409} Detailangaben zur Namenauswahl: 19 In der etymologischen Datenbank von Berchtold/ Graf (i. V.) werden FamN, die zu einem HäuserN gebildet sein könnten, nicht konsequent als solche ausgewiesen. Ergänzend zur projektinternen Vorsondierung (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») wurde daher mit verschiedenen Me- Karte 409: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN (Gesamtkarte), vor 1800 18 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 19 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 870 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="249"?> thoden manuell nach potenziellen Fällen gesucht. Die Namenauswahl stützt sich einerseits auf die Angaben in Berchtold/ Graf (i. V.), im DFD (o. J.), im Online-Portal familiennamen.ch (o. J.) und im Id. (1881 ff.), andererseits auf regionale Namenbücher der Schweiz (u. a. Tobler-Meyer 1894: 161-166; Socin 1903: 369-400; Surläuly 1927: 81-82; Schobinger/ Egli/ Kläui 1994) und auf Literatur zu HäuserN im Deutschschweizer resp. (süd-)deutschen Raum (etwa Schmidt 1930 für Freiburg i. B.; Kuthe 2018 für Konstanz; daneben auch Schmidt 1888 für Strassburg). Neben der grundlegenden Studie Grohnes (1912) wurden für die Schweiz konkret u. a. folgende Quellen herangezogen: Meier (1974), das BSNB 2 (2016) und das BSNB 3 (2016: 76-89) für Basel (BS), Senti (1952) und Hunziker (2009) für Rheinfelden (AG), Rochholz (1884) für Aarau (AG), Geissberger (1899) und Riniker (1935) für Brugg (AG), Haberbosch (1947; 1949; 1961) für Baden (AG), von Liebenau (1881: 62-65) und Bart (2003) für Luzern (LU), Corrodi-Sulzer (1939) und Guyer (1953) für Zürich (ZH), Frick (1929) und Dejung (1944) für Winterthur (ZH), Keller (1979) und Hatt (2014) für Schaffhausen (SH), Stiefel (1945) und Urner (1988) für Stein am Rhein (SH), Bridler (1940) für Bischofszell (TG) sowie Ledergerber/ Fischer (2017) für St. Gallen (SG). 20 Für die Erstellung des Gesamtsamples wurde erstens für die in der Häusernamenliteratur genannten Fälle überprüft, ob FamN mit entsprechender lexikalischer Grundlage in der Schicht «vor 1800» vorkommen. Zweitens wurde für FamN, die Berchtold/ Graf (i. V.) oder andere oben genannte Quellen als WohnstättenN zu HäuserN erwägen, nach entsprechenden Nennungen historischer HäuserN recherchiert. Drittens wurden für die Städte Basel, Bern, Freiburg i. Ü., Luzern, Schaffhausen, St. Gallen, Winterthur und Zürich alle FamN aus der Schicht «vor 1800» auf mögliche Treffer durchgesehen. Um das überaus weite Feld potenzieller WohnstättenN zu HäuserN zumindest etwas einzugrenzen, blieben die erste Motivquelle (Aussehen/ Lage des Gebäudes, etwa Zurbrügg, Zumthurm), die zweite (Gewerbe/ Nutzung des Gebäudes, etwa Bachofen, Zurschmitten) und die neunte (SiedlungsN und BurgN, etwa Kronenberg, Sommerau) grösstenteils unberücksichtigt (s. aber Eckenstein, Eggstein, Hertenstein bei der zweiten Karte). 21 Für die Menge der verbliebenen FamN wurde versucht, so weit wie möglich eine Gewichtung der verschiedenen Deutungsmöglichkeiten vorzunehmen: Z. B. sind zwar Tierbezeichnungen insgesamt häufig als HäuserN bezeugt, gewisse Fälle wie Adler, Löwe oder Pfau sind jedoch gängiger als andere, sodass u. a. die FamN Ahl, Bräm / Brem, Humbel/ Hummel, Kauz oder Maienfisch / Mayenfisch nicht kartiert wurden. Obwohl grundsätzlich verschiedene Bildungsmuster auftreten können (s. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung»), wurde nicht-suffigierten FamN mehrheitlich der Vorzug gegeben (etwa Blum gegenüber Blumer, Horn gegenüber Horner, Kreuz gegenüber Crüzer / Kreutzer / Kreuzer, Nussbaum gegenüber Nussbaumer). 22 Insgesamt ist das vorliegende Sample v. a. als Ausgangspunkt für weitere Studien zu verstehen. Es liesse sich durch striktere Selektionskriterien und ausführliche historische Sondierungen nicht nur deutlich verringern (s. dritte Karte), sondern allenfalls auch mit weiteren FamN erweitern, so evtl. mit Agenstein, Babst und Varianten, Balthasar, Bischof und Varianten, Danz, Degen, Eisenring / Isenring, Harnisch, Langmesser, Mönch / Münch, Kleemann, Küng und Varianten, Stiefel, Streckeisen, Thurneysen oder Vogelsang sowie weiteren FamN zu Tierbezeichnungen wie z. B. Schäfli. 23 Kommentar: Die erste Karte zeigt ein weitläufiges Auftreten der ausgewählten FamN - sowohl in der Nordals auch in der Südhälfte der Deutschschweiz und nicht nur in städtischen, sondern auch in ländlichen Gebieten. Bspw. kommt der FamN Habicht vor 1800 in der Nordostschweiz in der Stadt Schaffhausen vor, während sich Schild im östlichen Berner Oberland ballt. Wie bereits mehrfach erwähnt, ist davon auszugehen, dass es sich bei einem Grossteil der Ortspunkte um Fehltreffer handelt. Als Beispiel seien die simplizischen FamN Leu, Leuw, Ley, Loew und Löw (alle zur Tierbezeichnung Löwe) herausgegriffen: Die verschiedenen Varianten treten vor 1800 mit insgesamt 37 Tokens in Erscheinung, wobei gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) i. d. R. ein ÜberN für einen mutigen, kräftigen oder temperamentvollen Menschen vorliegt. 24 Gelegentlich kann der Name jedoch von einem HäuserN übernommen worden sein und somit den WohnstättenN angehören (vgl. noch die zahlreichen Gasthäuser Löwe(n)); auch muss mit volksetymologischen Eindeutschungen von Levi und Übersetzungen aus dem Hebräischen gerechnet werden. Es ist zu vermuten, dass städtische Belege wie Leu in Basel (BS) oder Luzern (LU) eher auf einem HäuserN basieren als etwa Leu in ländlichen Gemeinden des Oberaargaus (u. a. Huttwil, Rohrbachgraben, Leimiswil BE). 25 Die Karte stimmt jedoch insofern mit der eingangs zitierten Literatur überein, als die relative Häufigkeit von Süden gegen Norden tendenziell zunimmt und die beiden Kantone Schaffhausen (4,4 %, 21 Tokens) und Basel-Stadt (3,05 %, 8 Tokens) mit historisch bezeugter Häusernamengebung am stärksten hervortreten. 20 S. auch die Aufstellung des BABS (2023). 21 Die letztere Gruppe ist kaum zu greifen; die zugrunde liegenden HäuserN der ersten zwei Gruppen blieben «oft recht abstrakt» und sind daher ebenfalls nur schwer als «individuelle» HäuserN wahrnehmbar (Rolker 2009: 70), so bspw. das «häufig vorkommende hist. H[äuser]N-Element Keller» (BSNB 2 2016: 411). Solche FamN finden an anderer Stelle im Lexik-Band Berücksichtigung; vgl. u. a. die Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen» (z. B. Zurmühle, Zumofen, Zurschmiede) und III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen» (z. B. Zurburg) sowie den Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle». 22 Als Ausnahmen figurieren der Name Lymann und seine Variante Leumann, die aufgrund folgender Angabe im e-HLS (2008: s. v. Leumann) aufgenommen wurden: «Alteingesessene ref. Fam. von Kümmertshausen und Mattwil. 1579 ist sie unter dem Namen Lyman bezeugt, vorher nannte sie sich vermutlich Leu (Löwenhaus in Kümmertshausen)». 23 Einen vollständigen Überblick bietet der Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 24 Vgl. Artikel III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 25 Das BSNB 2 (2016: 470-473) bezeugt für die Stadt Basel eine häufige Verwendung des Löwen als Hauszeichen und HäuserN. 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 871 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="250"?> Zweite Karte {410}: Potenzielle Wohnstättennamen zu Häusernamen nach Motivquelle Namenauswahl: Die zweite Karte basiert auf dem bereits beschriebenen Gesamtsample, ordnet die potenziellen WohnstättenN zu HäuserN jedoch nach deren Motivquelle. Die Einteilung und Benennung der verschiedenen Namengruppen basiert auf den eingangs vorgestellten Kategorien, wobei drei Motivquellen (1., 2., 9.) wie bei der ersten Karte erwähnt nur in Ausnahmefällen berücksichtigt wurden. Zudem wurden nicht-klassifizierbare FamN und FamN zu selteneren Motivquellen in der Kategorie «Sonstige» zusammengefasst. Abgefragte Namen WohnstättenN zu HäuserN nach dem Aussehen des Gebäudes: Eckenstein, Eggstein. 3 Tokens. WohnstättenN zu HäuserN nach (Fabel-)Tieren: Adler, Baer, Bär, Beer, Biber, Bieber, Bock, Bockhorn, Böckli, Böcklin, Brack, Distel, Disteli, Drack, Dub, Eichhorn, Falck, Falk, Fisch, Fuchs, Fux, Ganz, Geier, Geyer, Gyr, Haas, Habicht, Haering, Hahn, Häring, Hecht, Hirz, Krebs, Lämmle, Lämmli, Lämmlin, Leu, Leumann, Leuw, Ley, Loew, Löw, Luchs, Lymann, Ochs, Oechsli, Oechslin, Otter, Pfau, Prack, Rapp, Salm, Salmen, Schnegg, Störchli, Strauss, Vogel, von Meiss, Wider, Wolf , Wolff . 61 Types, 435 Tokens. WohnstättenN zu HäuserN nach Pflanzen und Früchten: Birbaum, Blum, Gilgen, Grünblatt, Imber, Imper, Kränzlin, Linden, Naegeli, Nägeli, Nägelin, Nussbaum, Roos, Röösli, Rosenstock, Rösli, Traub, Zur Gilgen, Zurlinden. 19 Types, 125 Tokens. WohnstättenN zu HäuserN nach Gegenständen: Anker, Buntschu, de Reyff , Eisenhut, Hammer, Horn, Krug, Reif , Reiff , Schlegel, Schlüssel, Spiegel, Spies, Spiess. 14 Types, 75 Tokens. WohnstättenN zu HäuserN nach Mythologie und Religion: Deubel, Engel, Himmel, Himmelrich, Kreuz, Moehr, Mohr, Möhr, Moor, Ries, Riesen, Rihs, Ris, Riss, Ritter, Römer, Rosenkranz, Samson. 18 Types, 109 Tokens. Sonstige: Hertenstein, Kopf , Kron, Kronig, Kropf , Schild, Schilt, Stern, Wind, Zeit. 10 Types, 31 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 35-65, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 428: Daten zur zweiten Karte {410} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Zuordnung der einzelnen FamN zu den verschiedenen Motivquellen basiert auf der bei der ersten Karte genannten Literatur, lässt sich aber oft nicht abschliessend vornehmen. Mehrere Kategorien kommen bspw. bei Distel/ Disteli (‘Distelfink, Stieglitz’ vs. ‘Distel, distelartige Pf lanze, stachliges Kraut’), den FamN zu Löwe (Tier vs. häufiges heraldisches bzw. weltliches Symbol vs. christliches Symbol; vgl. Butzer/ Jacob 2021: 371-373), Lämmli(n) / Lämmle (Tier vs. häufiges christliches Symbol; vgl. Butzer/ Jacob 2021: 356-358) und Schnegg (Tier vs. Aussehen des Gebäudes im Sinne von ‘schneckenartige Windung/ Wendeltreppe’) infrage. Die nachfolgende Auf listung geht einzeln auf die kartierten Namengruppen ein und gibt die jeweils wichtigsten Eckpunkte an. Karte 410: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN nach Motivquelle, vor 1800 872 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="251"?> • Aussehen des Gebäudes: Während allgemein gehaltene HäuserN wie zum Turm (dazu ggf. der FamN Zumthurm) ausgeklammert wurden, fanden Eckenstein und Eggstein aufgrund ihrer klareren Zuordenbarkeit im Kartenbild Berücksichtigung (für Näheres s. dritte Karte). • (Fabel-)Tiere: HäuserN zu Tierbezeichnungen inklusive tierischen Fabelwesen werden in historischen Quellen häufig genannt (vgl. Kunze 2004: 155; Nübling/ Kunze 2023: 353); 26 damit übereinstimmend erreicht die vorliegende Namengruppe die höchste Anzahl potenzieller Fälle. Im Familiennamenbestand sind einerseits Bezeichnungen für Säugetiere (z. B. Bär, Widder, Wolf ), Vögel (z. B. Gans, Habicht, Hahn), Fische resp. Krebstiere (Hecht, Hering, Krebs) und Weichtiere (Schnecke) fest geworden. Dabei handelt es sich grösstenteils um in der (mittelalterlichen) Schweiz einheimische Tiere; bspw. kam auch der Lachs früher häufig in hiesigen Gewässern vor. 27 Andererseits umfasst die Namengruppe die zwei FamN Drack (‘Drache, das bekannte Ungeheuer und Fabeltier’) und Eichhorn. Letzterem FamN liegt wohl mehrheitlich schwzdt. Eichhorn ‘Eichhörnchen’ zugrunde, gemäss Haberbosch (1949: 64) wechseln Einhorn und Eichhorn aber in historischen Quellen z. T. miteinander ab, sodass auch ein Bezug zum Fabeltier denkbar ist. Insgesamt bestehen bei dieser Motivquelle v. a. Deutungskonkurrenzen zu BerufsüberN (etwa für den Fischer oder den Vogelfänger) resp. zu ÜberN. 28 Zudem ist zu betonen, dass HäuserN zu Tieren (u. a. Adler, Bär, Löwe) oftmals auch heraldische Ursprünge haben können (Guyer 1953: 24). Als Ausschlüsse seien Python im Kanton Freiburg (zu frz. pitié ‘Mitleid, Erbarmen’; vgl. Morlet 1997: 729) und Pelican im Kanton Graubünden explizit angeführt. 29 • Pf lanzen und Früchte: Wie Nübling/ Kunze (2023: 353) betonen, stellten Zweige, Blätter, Blumen und Pf lanzen als Ganzes «im Mittelalter ein beliebtes Motiv für Hauszeichen» und daraus hervorgegangene HäuserN dar. 30 Die Namengruppe setzt sich aus Bezeichnungen für Laubbäume (Birnbaum, Linde, Nussbaum) und für Blumen (Lilie, Rose) 31 sowie einigen weiteren Lexemen wie Traube und Ingwer 32 zusammen. Insgesamt ist also primär die einheimische Flora im Familiennameninventar repräsentiert, auch wenn für verschiedene Städte des deutschsprachigen Raums HäuserN wie zur Palme, zum Dattelbaum, zum Feigenbaum usw. historisch bezeugt sind. Die ausgewählten FamN weisen u. a. Deutungskonkurrenz zu generellen WohnstättenN auf. 33 • Gegenstände: Die den FamN zugrunde liegenden Lexeme stehen i. d. R. mit einem mittelalterlichen Gewerbe in Zusammenhang; so z. B. der Hammer mit dem Schmied oder einem Angehörigen eines anderen Berufszweigs, der häufig oder regelmässig mit einem Hammer zu hantieren hatte. Entsprechend zeigen sich hier Überschneidungen mit BerufsüberN. Als Ausschluss sei Glogg (Meilen ZH) explizit erwähnt: Gemäss Schobinger/ Egli/ Kläui (1994: 72) handelt es sich hierbei um den Namen einer savoyischen Familie, der sich wohl ursprünglich auf frz. clos ‘Gehege’ bezog, im Zuge der sprachlichen Integration jedoch an Glocke angeglichen wurde. • Mythologie und Religion: Die Namengruppe ist lexikalisch-motivisch vielfältig. Neben FamN des Typs Mohr (evtl. mit Bezug zum heiligen Mauritius oder zu den heiligen drei Königen) 34 und Riese (evtl. mit Bezug zu Goliath) ist die christliche Religion auf verschiedene Weisen vertreten (zur biblischen Figur Simson / Samson s. dritte Karte). Der HäuserN zum Ritter wird i. d. R. als Verkürzung aus zum Ritter St. Georg aufgefasst (Grohne 1912: 26; Dejung 1944: 13; s. aber Guyer 1953: 29); zum Römer wird in der Literatur oft mit Rompilgern in Verbindung gebracht und gehört damit in einem weiten Sinn ebenfalls zur vorliegenden Motivquelle. Konkurrierend kommt eine Zuordnung als ÜberN, daneben auch als Patronyme, BerufsüberN und generelle WohnstättenN infrage. • Sonstige: Die FamN Schild, Schilt lassen sich auf ein am Wohnhaus angebrachtes Schildzeichen zurückführen und benennen die Bewohner: innen eines damit markierten Hauses. Für Kron und Kronig kommt als zugrunde liegender HäuserN sowohl zur Krone als auch zum Kranich infrage. Stern, Wind und im weiten Sinn auch Zeit beziehen sich auf Naturerscheinungen; bei Wind ist jedoch auch mhd. wint ‘Hund für die Jagd’ (später erweitert zu Windhund ) als zugrunde liegendes Lexem möglich (vgl. EtymWB 1993: s. v. Windhund ). Das genaue Motiv von Kopf und Kropf ist unsicher, beide sind aber (historisch) in der Deutschschweiz als HäuserN bezeugt (z. B. Basel BS bzw. Zürich ZH). Der FamN Hertenstein (Rorschach SG; Steckborn TG; Kyburg ZH) schliesslich wird meistens mit der gleichnamigen Burg resp. den gleichnamigen Siedlungen in Verbindung gebracht; in Steckborn (TG) ist gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) aber ein entsprechender HäuserN (historisch) belegt. Ein Zusammenhang zwischen historisch bezeugten HäuserN und in derselben Gemeinde alteingesessenen FamN lässt sich grundsätzlich nur schwer nachweisen. Ansatzweise ist dies für die FamN Blum, Pfau und Strauss möglich, die vor 1800 u. a. in der Stadt Winterthur (ZH) vorkommen, wo auch entsprechende historische HäuserN dokumentiert sind (vgl. Dejung 1944: 17, 30, 33). Als weiteres Beispiel sei der FamN Ritter in der Stadt Basel genannt, der allenfalls auf einen HäuserN zum Ritter zurückgeht - umgekehrt aber dem Haus auch seinen Namen gegeben haben könnte (vgl. BSNB 2 2016: 610-611) resp. unabhängig von einem solchen HäuserN entstanden sein könnte. Wie viele andere FamN im Sample tritt Ritter vor 1800 in mehreren Gemeinden in Erscheinung und es ist unwahrscheinlich, dass alle Belege mit einem entsprechenden HäuserN in Bezug stehen. Dies gilt 26 ZurAllgegenwärtigkeit und Bedeutsamkeit von (Fabel-)Tieren im Mittelalter und in der Heraldik vgl. Obermaier (2009). 27 ‘Exotische’ Tiere, wie sie häufig als HäuserN belegt sind (z. B. Delfin, Elefant, Kamel, Leopard, Meerkatze, Panther), treten in der Schicht «vor 1800» hingegen zurück (s. aber Strauss). 28 Vgl. insbesondere die Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» und III-4.4 «Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei». 29 Pelikan ist als HäuserN in verschiedenen deutschsprachigen Städten belegt (vgl. etwa Corrodi-Sulzer 1939: 898 für Zürich ZH; Bridler 1940: 46 für Bischofszell TG; BSNB 2 2016: 560-561 für Basel BS). Bei dem in Vrin (GR) alteingesessenen FamN Pelican handelt es sich aber um die alte oberitalienische Berufsbezeichnung für den Kürschner. Zugrunde liegt ursprünglich der SpottN ital. pela-cane ‘Hundeschinder’, der aber schon ab dem 13. Jh. in der Lombardei zur neutralen Berufsbezeichnung wurde (RNB 3 1986: 725). 30 Für die Bedeutung und Nutzung von Pf lanzen im Mittelalter s. Birkhan (2012). 31 Simplizisches Rose ist vor 1800 nur in den französischsprachigen Gemeinden Ballaigues (VD) und Borex (VD) bezeugt und wurde daher von der Namenauswahl ausgeschlossen. 32 Vgl. in der Stadt Basel den HäuserN zum Imber (Zunfthaus der Krämer) im danach benannten Imbergässlein (BSNB 2 2016: 379). 33 Vgl. Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation». 34 Dieser Namentypus geht etymologisch zurück auf das Lexem mhd. mōr(e) ‘Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens’, das mit abwertenden Eigenschaften und rassistischen Bedeutungen verknüpft ist. Für eine Auseinandersetzung mit Fokus auf entsprechende HäuserN in Zürich vgl. Darman/ Schär (2023). 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 873 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="252"?> bspw. auch bei den Varianten Nägeli (Hundwil AR; BE; Malix GR; Rorschach SG; Neuhausen am Rheinfall SH; TG; ZH), Naegeli (Adliswil ZH) und Nägelin (Bretzwil, Liedertswil, Reigoldswil BL), die meistens als BerufsüberN zur Diminutivform von mhd. nagel ‘Nagel oder Schraube aus Metall’ für den Nagelschmied aufgefasst werden (vgl. etwa Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 124-125). Gemäss familiennamen.ch (o. J.: s. v. Nägeli) könnte der FamN allerdings auch auf den Gewürzhandel zurückgehen (zu schwzdt. Nägeli ‘Gewürznelke’) 35 oder in Einzelfällen auf einem entsprechenden HäuserN basieren, den es z. B. in Fluntern bei Zürich (ZH) gebe. 36 Ob ein solcher HäuserN zu schwzdt. Nägeli im Sinne von ‘Nelke’, ‘Gewürznelke’ oder ‘kleiner Nagel’ zu deuten ist (vgl. Id. 4 1881 ff.: Sp. 692), kann nicht entschieden werden. Insgesamt ist anzunehmen, dass der FamN Nägeli und seine Varianten in der Deutschschweiz mehrfach unabhängig voneinander entstanden sind und unterschiedliche Entstehungspfade vorliegen können. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass sich die FamN zu den verschiedenen Motivquellen von HäuserN im Allgemeinen nicht komplementär über die Deutschschweiz verteilen, sondern gemeinsame Verbreitungsräume aufweisen. Nicht nur in type- und tokenfrequenzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf ihr räumliches Auftreten prägt die Namengruppe der (Fabel-)Tiere das Kartenbild stark. Dritte Karte {411}: Einzelfälle von potenziellen Wohnstättennamen zu Häusernamen Namenauswahl: Aus dem in den ersten beiden Karten behandelten Gesamtsample wurden hier einige FamN herausgegriffen und einzeln abgebildet, für die eine Deutung als WohnstättenN zu einem HäuserN eher infrage kommt als bei anderen bisher besprochenen Fällen. In der vorliegenden dritten Karte werden also einigermassen klare Fälle von WohnstättenN zu HäuserN kartiert, wobei auch hier stets Deutungskonkurrenzen gegeben sind. Abgefragte Namen Typ Adler: Adler. 4 Tokens. Typ Drache: Drack. 1 Token. Typ Eck(en)stein: Eckenstein, Eggstein. 3 Tokens. Typ Geier: Geier, Geyer, Gyr. 7 Tokens. Typ Gilge: Gilgen, Zur Gilgen. 4 Tokens. Typ Habicht: Habicht. 1 Token. Typ Krone: Kron, Kronig. 3 Tokens. Typ Pfau: Pfau. 3 Tokens. Typ Salm: Salm, Salmen. 3 Tokens. Typ Samson: Samson. 1 Token. Typ Schlüssel: Schlüssel. 1 Token. Typ Spiegel: Spiegel. 1 Token. Typ Stern: Stern. 5 Tokens. Typ Traube: Traub. 1 Token. Typ Wind: Wind. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Karte 411: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN in Auswahl, vor 1800 35 Vgl. auch die FamN Pfefferli und Kümin im Artikel III-4.10 «Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler». 36 Gemäss e-FNB (1989: s. v. Nägeli) wurden Personen mit dem FamN Nägeli 1742 in der Stadt Zürich mit Herkunft aus der Gemeinde Fluntern (ZH) eingebürgert. 874 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="253"?> Kreise 30-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 429: Daten zur dritten Karte {411} Detailangaben zur Namenauswahl: Im vorliegenden Sample sind grösstenteils Simplizia vertreten; morphosyntaktisch auffällig ist insbesondere Zur Gilgen mit Präposition-Artikel-Enklise. Durch den Erhalt der Präposition zu ist dieser FamN der Form nach am ehesten als WohnstättenN zu einem HäuserN erkennbar (s. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung»). In den folgenden Absätzen wird genauer auf die einzelnen Namentypen (in der Reihenfolge der Kartierung) eingegangen und die jeweilige Verbreitung in der Schicht «vor 1800» genannt. Der FamN Adler (Hornussen, Magden, Oberrüti AG; Riedholz SO) ist motivisch mehrdeutig, wird i. d. R. aber als WohnstättenN zu einem HäuserN (zum) Adler - z. B. nach einem Wappen, als weltliches Machtsymbol, als christliches Symbol für den Evangelisten Johannes o. ä. (vgl. BSNB 2 2016: 50; Butzer/ Jacob 2021: 6-8) - gewertet. Daneben ist aber auch ein ÜberN nach dem Aussehen (etwa der ‘Adlernase’) oder dem Charakter möglich, wobei letzterer Motivbereich der vielgestaltigen Adlersymbolik des christlichen und heidnischen Altertums und des Mittelalters verpf lichtet ist. Der Adler steht hier für Macht, Herrschaft, Stolz, Scharfsicht, ewiges Leben usw. 37 Der FamN Drack (Obersiggenthal AG) lässt sich als ÜberN für einen furchteinf lössenden Menschen oder allgemeiner für eine schlechte, unberechenbare, grimmige Person deuten. 38 Denkbar ist allerdings ebenso ein WohnstättenN nach dem im Mittelalter häufigen HäuserN bzw. Hauszeichen eines Drachens (Kunze 2004: 105), der u. a. als Symbol des Glücks, aber auch des Bösen gilt (vgl. Butzer/ Jacob 2021: 115-117). Die Gemeinde Obersiggenthal (AG) liegt in unmittelbarer Nähe zu Baden und Brugg, für die historische Belege von HäuserN vorliegen (s. Literatur bei der ersten Karte). Bei den FamN Eckenstein (Zofingen AG; Basel BS) und Eggstein (Herlisberg LU) handelt es sich mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit um WohnstättenN zu einem in mittelalterlichen Städten recht häufigen HäuserN Egg-, Eck(en)stein, der auf den Eckstein (den Ortstein oder Eckquader) im Hausbau Bezug nimmt (vgl. etwa Haberbosch 1949: 66 für Baden AG; Guyer 1953: 11 für Zürich ZH; Keller 1979: 48 für Schaffhausen SH). Die FamN Geier (Ramsen SH; Halden TG), Geyer (Burg im Leimental BL; Ramsen SH) und Gyr (Laupersdorf SO; Einsiedeln SZ; Uster ZH) lassen sich zum einen als ÜberN deuten, wobei ein konkretes Motiv schwer zu eruieren ist (vielleicht im Sinne von ‘übermütig’, ‘räuberisch’, ‘habgierig’ oder ‘fresssüchtig’). 39 Zum anderen können die Namenvarianten jemanden benennen, der «in oder nah bei einem Haus mit dem Namen Zum Geier wohnt» (DFD 2025a: s. v. Geier); vgl. dazu den Beleg von 1335 Peter zem Gyrn für Zürich (Id. 2 1881 ff.: Sp. 405). Der Geier figuriert gemäss Butzer/ Jacob (2021: 215) u. a. als «Symbol seel[ischer] Schmerzen, des drohenden Unheils, der Kraft sowie der Jungfräulichkeit». Der FamN Zur Gilgen (Luzern LU) darf als relativ gesicherter Fall eines WohnstättenN zu einem HäuserN gelten. Bei den ersten Namenträger: innen handelt es sich um eine Luzerner Patrizierfamilie, «die vermutlich wegen eines Hausnamens [= HäuserN] um 1450 ihren Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen änderte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb» (e-HLS 2015: s. v. zur Gilgen; Kursivierung EL). 40 Gilg ist eine historische Bezeichnung für die Lilie (Id. 2 1881 ff.: Sp. 232), die eine vielfältige Symbolik aufweist (vgl. Birkhan 2012: 214, 224; Butzer/ Jacob 2021: 367-369) und häufig in HäuserN auftritt (Kunze 2004: 105). Ein solcher kann auch dem FamN Gilgen (Rüeggisberg, Rüschegg, Wahlern BE) zugrunde liegen. Das Online-Portal familiennamen.ch (o. J.: s. v. Gilgen) erachtet die alternative Deutung als Patronym zum Ruf N Aegidius allerdings als wahrscheinlicher, was mit der geographischen Verbreitung des FamN im bernischen Gantrischgebiet (eine eher ländliche, voralpine bis alpine Region) eher übereinstimmen würde. Der FamN Habicht ist vor 1800 einzig in der Stadt Schaffhausen alteingesessen, in der auch ein Haus den Namen zum Habicht trägt (Hatt 2014: 81). 41 Daneben kommt ein BerufsüberN für einen Falkner, der Habichte abrichtete, oder ein metaphorisch zu verstehender ÜberN infrage, wobei konkrete Motive recht unklar bleiben. 42 Wie bei der zweiten Karte erwähnt, lassen sich die FamN Kron (Ettingen BL) und Kronig (Randa, Zermatt VS) nicht sicher einem Lexem zuordnen. Gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) ist wohl von einem WohnstättenN zu einem HäuserN bzw. zu einem Hauszeichen auszugehen, die auf mhd. krōn(e) ‘Kranz, Krone’ beruhen. Die Krone wird «als Symbol politischer oder religiöser Macht und davon abgeleitet als Symbol der Tugend und Weisheit» angesehen und ist oft als HäuserN bezeugt (BSNB 2 2016: 439; s. auch Butzer/ Jacob 2021: 344-345). Womöglich stellen sich die FamN aber stattdessen zu mhd. krone, einer Nebenform von mhd. krane, kranech ‘Kranich’, wodurch entweder ebenfalls ein WohnstättenN zu einem entsprechenden HäuserN (vgl. etwa Hatt 2014: 142 für Schaffhausen SH) resp. Hauszeichen oder ein ÜberN «für einen hochbeinigen, mageren oder stolzen Menschen» gegeben wäre (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 405). Der FamN Pfau (Bern BE; Schaffhausen SH; Winterthur ZH) benennt entweder als ÜberN eine eitle Person oder aber als WohnstättenN die Besitzer: innen bzw. Bewohner: innen eines Hauses zum Pfauen (s. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung»). Entsprechende HäuserN können u. a. vom Pfau als christlichem Symbol für die Unsterblichkeit motiviert sein (Butzer/ Jacob 2021: 469-470) und kommen (historisch) z. B. in den Städten Winterthur (ZH) und Schaffhausen (SH) vor (Frick 1929: 48; Hatt 2014: 32). Die FamN Salm (Auenstein, Veltheim AG) und Salmen (Bilten GL) stellen sich zu mhd. salm(e), schwzdt. Salm, Salme(n) ‘Lachs’ (Id. 7 1881 ff.: Sp. 866) und bezeichnen möglicherweise den darauf spezialisierten Fischer. 43 Eher aber haben die historisch häufigen HäuserN 37 Vgl. Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 38 Vgl. die Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» und III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 39 Vgl. Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 40 Den HäuserN zur Gilge weist auch von Liebenau (1881: 63) für die Stadt Luzern («in der Judengaß») nach. In der Schicht «19. Jh.» ist die Form Zurgilgen in den drei Obwaldner Gemeinden Sarnen, Kerns und Giswil bezeugt. 41 Rutz-Schwarz (1962: 152) führt für die Stadt Schaffhausen den historischen Beleg Hans Hapich (1525) an, legt sich aber nicht fest, ob der FamN auf den HäuserN zum Habicht zurückgeht oder umgekehrt. 42 Vgl. die Artikel III-4.4 «Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei» und III- 5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 43 Vgl. die Artikel III-4.4 «Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei» und III- 5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 875 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="254"?> Salm, Salmen (so etwa in Basel BS, Baden AG, Brugg AG, Rheinau ZH, Winterthur ZH, Zürich ZH) als namengebendes Motiv für die Hausbesitzer: innen oder -bewohner: innen gedient. Erwägenswert ist allerdings auch ein Zusammenhang mit dem Ruf N Salomon. Die Ortspunkte des FamN Salm liegen - im Unterschied zu jenem von Salmen - im vermuteten Kerngebiet der Deutschschweizer Häusernamengebung. Der FamN Samson ist vor 1800 ausschliesslich in der französischsprachigen Schweiz bezeugt (Saint-Saphorin (Lavaux) VD), wurde hier aber trotzdem aufgenommen, weil der Name Samson «großteils auf als Hauszeichen gemalte Darstellungen vom Löwenkopf Samsons» (DFA 4 2013: 991) bzw. «auf die als Hauszeichen beliebte Darstellung von Samsons Kampf mit dem Löwen» zurückgeht (DFA 4 2013: 1004). Der DFA 4 (2013: 1004) erachtet die Deutung als WohnstättenN zu einem entsprechenden HäuserN - zumindest für deutschsprachige Gebiete - als wahrscheinlicher als ein Patronym, weil der Ruf N Simson / Samson im Mittelalter nicht häufig gewesen sei. Der FamN Schlüssel (Altishofen LU) ist gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) entweder als BerufsüberN zu mhd. slüʒʒel für den Schlüsselhersteller resp. -bewahrer (v. a. des Stadttorschlüssels) oder aber als WohnstättenN zu einem der früher häufigen HäuserN (bzw. GasthausN) Schlüssel aufzufassen. Nach Grohne (1912: 137) steht «bei den Namen Schlüssel und Bu[n]tschuh, die in jeder älteren Stadt wiederkehren, […] die Beziehung zum Hausnamen [= HäuserN]» fest (für den FamN Buntschu s. u.). Der Schlüssel ist u. a. «[a]ls Haushaltsgegenstand, Handwerkserzeugnis des Schlossers und Symbol für den Apostel Petrus» in HäuserN eingegangen (BSNB 2 2016: 656; s. auch Butzer/ Jacob 2021: 554-556). Der FamN Spiegel (Kestenholz SO) ist laut Berchtold/ Graf (i. V.) zumeist aus einem BeiN für eine Person entstanden, die in einem Haus zum Spiegel wohnhaft war. Gemäss Grohne (1912: 15) «fehlt eigentlich in keiner größeren Stadt» ein entsprechender HäuserN. So schreibt etwa auch das BSNB 2 (2016: 701): «Das Hauszeichen des Spiegels als Haushaltsgegenstand oder als Symbol der Selbsterkenntnis und der Jungfrau Maria hat im M[ittelalter] in Basel verschiedene HausN [= HäuserN] motiviert» (zur Symbolik s. auch Butzer/ Jacob 2021: 602-604). Konkurrenziert wird die Deutung als WohnstättenN von einem BerufsüberN (zu mhd. spiegel ‘Spiegel von Metall oder Glas; Brille’) für den Hersteller von Spiegeln und Brillen, weniger hingegen von einem ÜberN zu mhd. spiegel ‘Vorbild’. Beim FamN Stern (Gurzelen, Rüti bei Riggisberg BE; Freiburg, Montagny-les-Monts FR; Uesslingen TG) «kann zu einem großen Teil von einer Herkunft aus Hauszeichen und entsprechenden Häusernamen ausgegangen werden» (Nübling/ Kunze 2023: 352). Stern, Sternen ist auch als Name von Gasthäusern stark verbreitet. Benennungshintergrund bei Letzteren ist wohl meist der Brauerstern, bei den Wohnhäusern dagegen etwa der Stern als «Zeichen für Unzählbarkeit, Ruhm und die Zukunft» oder als «Symbol Christi und der christlichen Heilsordnung» (BSNB 2 2016: 721; s. auch Butzer/ Jacob 2021: 619-620). Der DFD (2025b: s. v. Stern) zieht ferner einen ÜberN «für eine besonders wertgeschätzte oder liebenswerte Person» in Betracht. Die Belegorte des FamN liegen mehrheitlich im Südwesten der Deutschschweiz und damit ausserhalb des vermuteten Kerngebiets von HäuserN; geographischer Ausreisser ist Stern in der Gemeinde Uesslingen (nahe Frauenfeld TG). Der FamN Traub (Schöff lisdorf ZH) ist entweder als BerufsüberN für einen Rebbauern oder aber als WohnstättenN zu einem entsprechenden HäuserN (besonders GasthausN) zu deuten. 44 Als Symbol steht die Traube etwa für Fruchtbarkeit, Wohlleben, erotischen Genuss oder Jesus Christus und den (gläubigen) Menschen (Butzer/ Jacob 2021: 656-658); aber wahrscheinlich sind danach benannte HäuserN eher auf die Traube als häufiges Wirtshauszeichen (vgl. Id. 14 1881ff: Sp. 190) zurückzuführen. Der FamN Wind (Kaiserstuhl AG) geht möglicherweise als genereller WohnstättenN auf einen FlurN Wind (für Orte, wo es windet) zurück; vorliegen kann jedoch auch ein WohnstättenN zu einem HäuserN wie bspw. zum weissen Wind - wo Wind wohl für ‘Hund für die Jagd, Windhund’ steht (so etwa in Baden AG; vgl. Haberbosch 1961: 57). Für die Stadt Zürich belegt Grohne (1912: 122) den Beibzw. FamN zem Winde (1304). Denkbar ist auch die Zugehörigkeit zu einem männlichen Ruf N Wino. Andere FamN wie etwa Blum, bei dem die Wahrscheinlichkeit, dass ein HäuserN zugrunde liegt, gemäss Kunze (2004: 105) ebenfalls «rel[ativ] hoch» ist, wurden aus verschiedenen Gründen hier ausgeklammert. Konkret bei Blum liegen vor 1800 so viele Belegorte (29 Tokens) vor, dass sie das Kartenbild dominiert hätten. Der FamN clustert im luzernischen Wahlkreis Willisau (11 Tokens), Streubelege sind in acht weiteren Kantonen zu finden. Auch FamN wie Schild, Schilt werden in der Literatur oftmals als wahrscheinliche Fälle angesehen, weil der HäuserN zum Schild (meist basierend auf einem Wappenschild) weitverbreitet ist (Grohne 1912: 18-19, 76; Guyer 1953: 12; Weber 2004: 475). Mit einer starken Ballung im östlichen Berner Oberland und weiteren Ortspunkten im bernischen Emmental (daneben noch Grenchen SO) treten die beiden Varianten allerdings im (Vor-)Alpenraum auf und damit gerade nicht in einem Deutschschweizer Gebiet, für das Häusernamenbildungen als gängig angesehen werden. Daher wäre zu erwägen, ob eher ein BerufsüberN für den Schildmacher bzw. Wappenmaler oder ein WohnstättenN zu einem schildförmigen, dreieckigen Flurstück vorliegen könnte (DFD 2025c: s. v. Schild ). 45 So existiert in der oberemmentalischen Gemeinde Schangnau (BE), wo der FamN Schild alteingesessen ist, ein FlurN Schilt/ Im Schild (ortsnamen.ch o. J.: Nr. 309055688). Aufgrund seines geographischen Auftretens wurde auch der FamN Buntschu (‘Buntschuh’, d. h. ‘Schuh mit Riemen zum Umschnüren der Beine’) ausgeklammert, der vor 1800 mit 3 Tokens im freiburgischen Sensebezirk erscheint (vgl. Studerus 1926: 177-178). 46 Als letztes Beispiel sei der FamN Rosenstock mit einem Einzelvorkommen in der Stadt Zürich genannt. Sowohl lexikalisch als auch geographisch liegt eine Benennung nach der Wohnstätte für jemanden, der in einem gleichnamigen Haus wohnte, nahe (vgl. DFD 2025: s. v. Rosenstock). So tritt der HäuserN zum Rosenstock (historisch) in verschiedenen deutschsprachigen Städten auf (vgl. etwa Grohne 1912: 194 für Erfurt; Kuthe 2018: 18 für Konstanz) und zwar gemäss Id. 10 (1881 ff.: Sp. 1754) auch in der Stadt Zürich (konkret in der Predigergasse). Schobinger/ Egli/ Kläui (1994: 137) nennen allerdings den historischen Beleg Gerhard von Rostok (Zürich, 1357) und setzen gestützt darauf einen FamN «nach der Herkunft aus Rostock (Mecklenburg D), später volksetymologisch umgedeutet», an. 47 44 Vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 45 Vgl. die Artikel III-4.5 «Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung» und III- 3.1 «Wohnstättennamen zur Geländeform und Topographie». 46 Vgl. Artikel III-4.6 «Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk». 47 Dem ist entgegenzusetzen, dass sich HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen in der Schicht «vor 1800» vornehmlich auf Örtlichkeiten in den 876 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="255"?> Kommentar: Wie die dritte Karte ausweist, sind die ausgewählten FamN insgesamt niederfrequent und streuen über die Deutschschweiz, daneben treten Samson und ein Einzelbeleg von Stern im französischen Sprachgebiet auf. Für die spezifischen Ortspunkte vgl. den Abschnitt «Detailangaben zur Namenauswahl». In Übereinstimmung mit den beiden Gesamtkarten zeigt auch die vorliegende Auswahlkarte, dass Belege zwar in Städten (Freiburg FR, Bern BE, Basel BS, Luzern LU, Winterthur ZH, Schaffhausen SH) resp. in der Nordhälfte der Deutschschweiz (Kantone BS, BL, AG, ZH, SH, TG) vorkommen, aber nicht ausschliesslich. Ob dieses Kartenbild auf die Namenauswahl und Fehltreffer (d. h. Ortspunkte von FamN mit anderem Entstehungspfad) zurückzuführen ist oder ob allenfalls die Annahmen der Literatur mit weiteren Gebieten der Häusernamengebung zu ergänzen wären, gilt es in vertiefenden Studien zu klären. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Fuchs (6'962 Tokens), Vogel (5'907 Tokens) und Haas (3'813 Tokens). Den (potenziellen) WohnstättenN zu HäuserN ähneln jene, die sich auf Namen von Burgen zurückführen lassen (Grohne 1912: 113; Dejung 1944: 5). Zwar gehört ersterer Namentyp wie eingangs erwähnt einer jüngeren Schicht innerhalb der WohnstättenN an (Bach 1953: 91), während FamN zu Stamm-/ Herrschaftssitzen nicht nur zu den ältesten WohnstättenN, sondern - mit Vorkommen im südwestdeutschen Raum ab Ende des 10. Jh. - auch zu den frühesten FamN überhaupt zählen (Bach 1952: 263; Bach 1953: 193, 212; Mischke 2015: 188). Doch den beiden Motivgruppen ist u. a. gemein, dass sie in sozioonomastischer Hinsicht ursprünglich auf gewisse soziale Gruppen konzentriert sind; konkret auf Adelige resp. bei FamN zu HäuserN zusätzlich etwa auf Patrizier: innen, Kauf leute oder Handwerkerfamilien (vgl. BSNB 3 2016: 80). Möglich ist jedoch auch, dass die ersten Träger: innen von FamN zu BurgN nicht adelig waren, sondern etwa in einem Dienst- oder Abhängigkeitsverhältnis zu den jeweiligen Burgherren standen und/ oder Bewohner: innen nahegelegener (oft gleichnamiger) Siedlungen waren. Einen Bezug zu einer Burg(anlage) bzw. Burgruine legen gemäss Berchtold/ Graf (i. V.) folgende FamN aus der Schicht «vor 1800» nahe: Bellmond / Bellmont, Biberstein, Blauenstein / Bläuenstein, Blumenstein, Blumenthal, Brandes, Castelberg, Friberg / Fryberg, Haldenstein, Heeb, Helfenberger, Helfenstein, (von) Hospenthal, Kiburger / Kyburger, Mayr von Baldegg, Meyer von Schauensee, Planta-Wildenberg, Ramstein, Rauchenstein / Ruchenstein, Richenstein, Rosenberg / Rosenberger, Schauenberg, Schnyder von Wartensee, Segesser von Brunegg, Singenberger, Thierstein, von Aarburg / Vonaarburg oder von Wartburg. 48 Die genannten FamN breiten sich über die Deutschschweiz aus - mit verschiedenen Schwerpunkten etwa in den Kantonen Graubünden und Luzern sowie dem daran angrenzenden Aargau. Zu Burgen in der Schweiz, ihrer Errichtung im Kontext der mittelalterlichen Herrschaftsbildung und zur Burgnamengebung vgl. das e-HLS (2015: s. v. Burgen und Schlösser); für letztere Thematik s. auch Boxler (1996), Walther (2004) und Nübling/ Fahlbusch/ Heuser (2015: 257-258). Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013: 990-1007) behandelt auf den Karten 431-439 eine Auswahl an WohnstättenN zu HäuserN wie etwa Stern und Morgenstern (Himmelskörper), Glock und Silberhorn (Gegenstände), Greif und Kuhaupt ((Fabel-)Tiere), Lilie, Rosenzweig und Lindenblatt (Pf lanzen) sowie Samson (Religion). Auf der Basis dieser neun Karten merkt der DFA 4 (2013: 1007) an: «Man könnte erwarten, dass die hier kartierten FamN ihre Verbreitungsschwerpunkte in den Regionen finden, wo mittelalterliche HäuserN üblich waren […], v. a. in den Rheingegenden von Konstanz bis Köln. Doch zeichnet sich dies in keinem der behandelten Fälle deutlich ab». Nübling/ Kunze (2023: 353) resümieren: «Typisch für diese Namen sind Streubilder». Damit liegen insgesamt ähnliche Kartenbilder wie im vorliegenden Artikel vor. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BABS = Bundesamt für Bevölkerungsschutz (2023): Schweizerisches Kulturgüterschutzinventar mit Objekten von nationaler und regionaler Bedeutung. Ausgabe 2021. https: / / www.babs.admin.ch/ de/ kulturguterschutzinventar-mit-objekten-von-nationaler-und-regionaler-bedeutung (letzter Zugriff 14.11.2025). Bach, Adolf (1952): Deutsche Namenkunde. Bd. I, 1: Die deutschen Personennamen. Einleitung. Zur Laut- und Formenlehre, Wortfügung, -bildung und -bedeutung der deutschen Personennamen. 2., stark erweiterte Auf lage. Heidelberg: Winter. Bach, Adolf (1953): Deutsche Namenkunde. Bd. I, 2: Die deutschen Personennamen. Die deutschen Personennamen in geschichtlicher, geographischer, soziologischer und psychologischer Betrachtung. 2., stark erweiterte Auflage. Heidelberg: Winter. Bart, Philippe (2003): Die Gasthausnamen der Stadt Luzern. Zwischen Beharrung und Wandel (14.-21. Jahrhundert). Seminararbeit. Universität Zürich. Bärtschi, Ernst (1953-1954): Die Stadt Bern im Jahre 1353. Studie zu einem Zeitbild. Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 42, 31-128. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Birkhan, Helmut (2012): Pflanzen im Mittelalter. Eine Kulturgeschichte. Wien, Köln, Weimar: Böhlau. beiden an die Schweiz angrenzenden Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern beziehen; vgl. Artikel III-2.3 «Herkunftsnamen zu ausländischen Toponymen». 48 FamN zu Schweizer BurgN auf -fels - einem weiteren häufigen Burgnamenelement - sind vor 1800 keine bezeugt. 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 877 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="256"?> Boxler, Heinrich (1996): Burgnamen. In: Eichler, Ernst et al. (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Bd. 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 11.2), 1596-1600. Berlin, New York: De Gruyter. Bridler, Theodor (1940): Alte Häusernamen in Bischofszell. Thurgauer Jahrbuch 16, 45-50. BSNB 2 = Mischke, Jürgen/ Siegfried, Inga (Hrsg.) (2016): Die Ortsnamen von Basel (Namenbuch Basel-Stadt 2). Basel: Merian. BSNB 3 = Mischke, Jürgen/ Siegfried, Inga (Hrsg.) (2016): Die Ortsnamengebung im Kanton Basel-Stadt (Namenbuch Basel-Stadt 3). Basel: Merian. Butzer, Günter/ Jacob, Joachim (Hrsg.) (2021): Metzler Lexikon literarischer Symbole. 3., erweiterte und um ein Bedeutungsregister ergänzte Auf lage. Stuttgart: Metzler. Corrodi-Sulzer, Adrian (1939): Vergleichende Häusertabellen zu den Zürcher Steuerbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. Mit einem Stadtplan. Zürich: Beer. Darman, Ashkira/ Schär, Bernhard C. (2023): Zürcher «Mohren»-Fantasien. Eine bau- und begriffsgeschichtliche Auslegeordnung, ca. 1400-2022. Studie im Auftrag des Präsidialdepartements der Stadt Zürich zu den «Häuserinschriften mit rassistischer Wirkung» an den Liegenschaften am Neumarkt 13 und an der Niederdorfstrasse 29. https: / / www.stadt-zuerich. ch/ de/ aktuell/ publikationen/ 2023/ zuercher-mohren-fantasien.html (letzter Zugriff 14.11.2025). Debus, Friedhelm (2013): Hausnamen. Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 48(2), 139-163. Dejung, Emanuel (1944): Die alten Hausnamen von Winterthur. Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft Winterthur 80, 3-55. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Heuser, Rita (2025a): Geier. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 550/ 1 (letzter Zugriff 06.10.2025). DFD = Heuser, Rita (2025b): Stern. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 860/ 1 (letzter Zugriff 06.10.2025). DFD = Heuser, Rita (2025c): Schild. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 1306/ 1 (letzter Zugriff 06.10.2025). DFD = Nübling, Damaris et al. (o. J.): Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). https: / / www.namenforschung.net/ dfd/ woerterbuch/ liste/ (letzter Zugriff 06.10.2025). DFD = Schweden,Theresa (2025): Rosenstock. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 13531/ 1 (letzter Zugriff 06.10.2025). e-FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (1989): Familiennamenbuch der Schweiz. Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989. Digital zur Verfügung gestellt durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Bickel, August (2015): Städtegründung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007872/ 2015-05-07/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Degen, Bernard et al. (2017): Basel-Stadt. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007478/ 2017-05-30/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Grunder, Hans-Ulrich (2015): Alphabetisierung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010394/ 2015-01-21/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Lischer, Markus (2015): zur Gilgen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 022219/ 2015-11-17/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Meyer, Werner (2015): Burgen und Schlösser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 024640/ 2015-03-20/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Paunier, Daniel et al. (2018): Stadt. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007875/ 2018-02-01/ (letzter Zugriff 06.10.2025). e-HLS = Trösch, Erich (2008): Leumann. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 025071/ 2008-01-17/ (letzter Zugriff 06.10.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993): Windhund. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www.dwds.de/ wb/ etymwb/ Windhund (letzter Zugriff 14.11.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 06.10.2025). Frick, René-Oscar (1929): Alte Winterthurer Hausnamen. Schweizerisches Archiv für Volkskunde 29, 41-53. Garrioch, David (1994): House names, shop signs and social organization in Western European cities, 1500-1900. Urban History 21(1), 20-48. Geissberger, Hermann (1899): Brugger Häusernamen. Neujahrsblätter für Jung und Alt 10, 9-20. Grohne, Ernst (1912): Die Hausnamen und Hauszeichen, ihre Geschichte, Verbreitung und Einwirkung auf die Bildung der Familien- und Gassennamen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Guyer, Paul (1953): Zürcher Hausnamen. Mit einem Häuserverzeichnis der Zürcher Altstadt (Kleine Schriften des Stadtarchivs Zürich 6). Zürich: Stäfa. Haberbosch, Paul (1947): Die Häuser und Hausnamen in der Badener Altstadt. Badener Neujahrsblätter 22, 54-78. Haberbosch, Paul (1949): Hausnamensammlung. Badener Neujahrsblätter 24, 61-66. Haberbosch, Paul (1961): Vom Schutz der Badener Altstadt. Mit zwei Stadtplänen. Badener Neujahrsblätter 36, 50-60. Hatt, Linda (2014): Die Hausnamen der Schaffhauser Altstadt. Masterarbeit. Universität Zürich. Hellfritzsch, Volkmar (1996): Apothekennamen. In: Eichler, Ernst et al. (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Bd. 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 11.2), 1590-1592. Berlin, New York: De Gruyter. Hengst, Karlheinz (2010): Hausnamen. Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG). Begründet von Wolfgang Stammler, Adalbert Erler und Ekkehard Kaufmann. Bd. 2, Lieferung 12: Handgemal-Hert, Johann Nikolaus. Online-Version der 2., völlig überarbeiteten und erweiterten Auflage herausgegeben von Albrecht Cordes u. a. https: / / www.hrgdigital.de/ HRG. hausnamen (letzter Zugriff 06.10.2025). Hunziker, Edith (2009): Geheimnisvolle Rheinfelder Häusernamen. Rheinfelder Neujahrsblätter 65, 147-163. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Illi, Martin/ Leonhard, Martin/ Haas, Beat (2008): Eisernes Zeit und Frechenmätteli. Wie Zürichs Strassen zu ihren Namen kommen. Herausgegeben von der Strassenbenennungskommission der Stadt Zürich zum 101. Jahrestag ihres Bestehens. Zürich: GeoPrint-Shop. Jehle, Lorenz (1996): Gasthausnamen. In: Eichler, Ernst et al. (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Bd. 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 11.2), 1601-1606. Berlin, New York: De Gruyter. Keller, Otto (1979): Apotheken und Apotheker der Stadt Schaffhausen. Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 56, 31-142. Keller, Otto (1985): Apotheken und Apotheker der Schaffhauser Landschaft. Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 62, 57-116. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. 878 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="257"?> Köpp, Ines (2012): Apothekennamen in Leipzig. Ein Beitrag aus studentischer Sicht. In: Kremer, Dietlind/ Kremer, Dieter (Hrsg.): Die Stadt und ihre Namen. Festkolloquium. 20 Jahre Gesellschaft für Namenkunde e. V. 1990-2010 (Onomastica Lipsiensia 8), 195-216. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Kunze, Konrad (2011): Gasthausnamen-Geographie. Beispiele im schwachen Dativ (Zum Schwanen). Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 46, 125-163. Kunze, Konrad (2012): Alemannische Gasthausnamen. In: Homburger, Wolfgang et al. (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Der alemannische Raum - Einheit trotz der Grenzen? , 87-106. Ostfildern: Thorbecke. Kuthe, Michael (2018): Findbuch zum Häuserbuch von Johann Marmor (A I Band 30) und zur Häuserkartei (Z XII). Konstanz: Stadtarchiv Konstanz. Ledergerber, Niklaus/ Fischer, Matthias (2017): «üsi Altstadt - mee als nu e paar alti Hüüser». Interessantes und Einmaliges aus über 1000 Jahre Baugeschichte. https: / / www.stadt.sg.ch/ home/ raum-umwelt/ staedtischeprojekte/ realisierte-projekte/ ausgefuehrte_renovationen1.html (letzter Zugriff 14.11.2025). Liebenau, Theodor von (1881): Das Alte Luzern. Topographisch-kulturgeschichtlich geschildert. Luzern: Prell. Meier, Eugen A. (1974): Verträumtes Basel. Fünftausend Häusernamen - ein unbekanntes Kapitel Basler Stadtgeschichte. Basel: Springer. Mischke, Jürgen (2015): Familiennamen im mittelalterlichen Basel. Kulturhistorische Studien zu ihrer Entstehung und zeitgenössischen Bedeutung. Basel: Schwabe. Morlet, Marie-Thérèse (1997): Dictionnaire étymologique des noms de famille. Nouvelle édition revue et augmentée. Paris: Perrin. Nübling, Damaris/ Fahlbusch, Fabian/ Heuser, Rita (2015): Namen. Eine Einführung in die Onomastik (Narr Studienbücher). 2., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Obermaier, Sabine (Hrsg.) (2009): Tiere und Fabelwesen im Mittelalter. Berlin, New York: De Gruyter. ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 06.10.2025). Riniker, Hans (1935): Alte Brugger Häusernamen. Brugger Neujahrsblätter 45, 45-54. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Rochholz, Ernst L. (1884): Die alten Wirtshäuser in Aarau. Vom Jura zum Schwarzwald. Blätter für Heimatkunde und Heimatschutz 1, 67-70. Rodt, Eduard von (1919): Beitrag zur Geschichte der Gesellschaft «zum Affen» in Bern. Neues Berner Taschenbuch 25, 99-138. Rolker, Christof (2009): Haus- und Familiennamen im spätmittelalterlichen Konstanz. Inklusion und Exklusion über Namen. In: Czaja, Karin/ Signori, Gabriela (Hrsg.): Häuser - Namen - Identitäten. Beiträge zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtgeschichte, 65-78. Konstanz: UVK. Rutz-Schwarz, Berta (1962): Das Haus «Zum unteren Habicht». Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte 39, 147-155. Schaub, Lara (2025): Apothekennamen in der Stadt Bern. Eine synchrone Betrachtung mit diachroner Fallstudie. Seminararbeit. Universität Bern. Schmid, Bernhard (1934): Wirtshausnamen und Wirtshausschilder. Ihre Entstehung, Geschichte und Deutung. Schweizerisches Archiv für Volkskunde 33, 3-26. Schmidt, Charles (1888): Strassburger Gassen- und Häuser-Namen im Mittelalter. 2., neu bearbeitete Auf lage. Strassburg: Schmidt. Schmidt, Karl (1930): Die Hausnamen und Hauszeichen im mittelalterlichen Freiburg (Gießener Beiträge zur deutschen Philologie 26). Gießen: Kindt. Schneider, Ernst (1954): Der Anteil der Hausnamen an der Straßennamenbildung. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 102, 375-384. Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. Schweden, Theresa (2021): Zwischen Toponym und Anthroponym. Ein toponomastischer Ansatz zur Analyse dörf licher Hausnamen als geographisches Referenzsystem. In: Dräger, Kathrin/ Heuser, Rita/ Prinz, Michael (Hrsg.): Toponyme. Standortbestimmung und Perspektiven (Germanistische Linguistik 326), 109-127. Berlin, Boston: De Gruyter. Schweden, Theresa (2023): Personenreferenz im Dialekt. Grammatik und Pragmatik inoffizieller Personennamen in Dialekten des Deutschen (Empirische Linguistik 18). Berlin, Boston: De Gruyter. Senti, Anton (1952): Hausnamen in der untern Brodlaubengasse zu Rheinfelden. Rheinfelder Neujahrsblätter 8, 15-24. Signori, Gabriela (2013): Hausnamen oder die Taxionomie städtischer Grundherrschaft im spätmittelalterlichen Basel. In: Kremer, Dieter/ Kremer, Dietlind (Hrsg.): Die Stadt und ihre Namen. 2. Teilbd.: 2. Tagung, Leipzig, 24. und 25. Mai 2013 (Leipziger Untersuchungen zur Namenforschung 9), 27-50. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. Socin, Adolf (1903): Mittelhochdeutsches Namenbuch nach oberrheinischen Quellen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts. Basel: Helbing & Lichtenhahn. Stebler, Friedrich G. (1907): Die Hauszeichen und Tesslen der Schweiz. Schweizerisches Archiv für Volkskunde 11, 165-209. Steiger, August (1949): Wirtshausnamen. Sprachspiegel 5(4), 50-54. Stiefel, Otto (1945): Von alten Steiner Häusern und ihren Bewohnern. Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte 22, 149-174. Studerus, Gottlieb (1926): Die alten deutschen Familiennamen von Freiburg im Uechtland. Universität Freiburg i. Ü. Surläuly, Karl (1927): Zur Geschichte der deutschen Personennamen nach Badener Quellen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Aarau: Sauerländer. Tantner, Anton (2015): Vom Hausnamen zur Hausnummer. Die Adressierung des Hauses. In: Eibach, Joachim/ Schmidt-Voges, Inken (Hrsg.): Das Haus in der Geschichte Europas. Ein Handbuch, 605-621. Berlin, Boston: De Gruyter. Tobler-Meyer, Wilhelm (1894): Deutsche Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung, mit besonderer Rücksichtnahme auf Zürich und die Ostschweiz. Zürich: Müller. Türler, Heinrich (1896): Bern. Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Bern: Kaiser. Urner, Hildegard (1988): Stein am Rhein - Vor der Brugg - Burg. Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 65, 65-68. Wäber, J. Harald (1971): Die Namen der stadtbernischen Gaststätten und ihr Wandel im Lauf der Zeiten. Sprachspiegel 27(4), 97-122. Wäber, J. Harald (1977): Die Namen der stadtbernischen Gaststätten und ihr Wandel im Lauf der Zeiten. Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 39, 6-23. Walther, Hans (2004): Wehrbautennamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 427-468. Hamburg: Baar. Weber, Erika (2004): Hausnamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 469-490. Hamburg: Baar. Wolk, Irina (2005): Schwarzes Schaf oder Blauer Bock. Zur funktionalen Konzeption und zur Regionalität von Gasthausnamen. In: Macha, Jürgen (Hrsg.): Niederdeutsches Wort (Beiträge zur niederdeutschen Philologie 45), 121-143. Münster: Aschendorff. Esther Loosli 3.9 Wohnstättennamen zu Häusernamen 879 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="258"?> 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen Schlagwörter: Burg, Dorf, Heim, Hube, Lehen, Statt, Toponym Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich FamN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 20.08.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und (Klein-)Siedlungen o. ä. gebildet sind. Entsprechend interessieren hier ausschliesslich FamN, denen ein Appellativ wie schwzdt. Hof oder schwzdt. Lehe(n) resp. ein aus diesen hervorgegangenes Toponym zugrunde liegt (z. B. FamN Imhof , Lee). Unberücksichtigt bleiben hingegen WohnstättenN wie Asper oder Bammatter, die sich einem Hof (in der ehemaligen Gemeinde Wollishofen, heute Stadt Zürich ZH) bzw. einem Weiler (in Naters VS) in der Deutschschweiz zuordnen lassen, deren jeweiliges Etymon semantisch aber nicht der vorliegenden Motivgruppe angehört. 1 Die erste und die zweite Karte geben einen Überblick über WohnstättenN mit appellativischem bzw. toponymischem Hof , bevor in der dritten Karte die zu Lehen, Hube (‘Hufe’) und Schuppose gebildeten FamN behandelt werden. Die vierte Karte gilt WohnstättenN mit Heim, Statt, Burg und Dorf . Die Frage, ob die hier kartierten FamN zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und (Klein-)Siedlungen auf ein entsprechendes Toponym oder direkt auf ein Appellativ zurückgehen, muss im vorliegenden Artikel offenbleiben; für ein und dieselbe Namenform könnte auch beides zutreffen, wenn die Form zwei oder mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist. Ferner lassen sich manche der im Folgenden aufgeführten WohnstättenN alternativ auch als HerkunftsN interpretieren: Die Unterscheidung dieser zwei Benennungsmotive ist aus theoretischer und motivationsbezogener Sicht bedeutsam - WohnstättenN bezeichnen Ansässige, HerkunftsN Zugewanderte (vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») -, vielfach ist eine exakte Zuordnung jedoch nicht ohne Weiteres realisierbar (Fleischer 1964: 133; Kunze 2004: 85, 87). So ist z. B. Hofstatt, Hofstett u. ä. ‘Hofstätte, ländliches Heimwesen mit Umschwung; Baumgarten’ (s. vierte Karte) als FlurN recht häufig (vgl. TNB 2.2 2007: 296), doch könnte es sich beim FamN Hofstetter auch um einen HerkunftsN für jemanden aus einer Gemeinde, einem Weiler usw. namens Hofstatt, Hofstetten handeln. Weiter bestehen generelle Deutungskonkurrenzen zu BerufsN: Bspw. basiert der FamN Huber auf schwzdt. Hueb ‘Lehengut von bestimmter Grösse; kleiner Hof; kleines Landstück’ und bezeichnet entweder als BerufsN den Inhaber (also den Bauern), der ein solches Gut bewirtschaftet, oder aber Huber verweist auf eines der häufigen Toponyme Hu(e)b und fungiert damit als WohnstättenN (oder ggf. als HerkunftsN) für eine dort wohnhafte Person. 2 Zugleich spielen bei FamN wie Huber auch rechtlich-ständische Belange hinein (s. ausführlich e-HLS 2013: s. v. Grundherrschaft; e- HLS 2013: s. v. ständische Gesellschaft). So sind besonders die FamN der dritten Karte, aber z. T. auch diejenigen der ersten beiden Karten im Kontext der Herrschaftsbzw. Abhängigkeitsverhältnisse und der Gesellschaftsordnung des Mittelalters zu betrachten: In der Grundherrschaft verband sich das Herreneigentum (dominium directum) von Boden und Gütern mit vielfältig kombinierten Herrschaftsrechten (Twing und Bann, niedere Gerichtsrechte, Dienste, Abgaben, persönliche Abhängigkeiten usw.) gegenüber den Personen (Hofjünger, bäuerliche Leihenehmer), die diese Güter (Höfe, Huben, Schupposen, handwerkliche und gewerbliche Einrichtungen) i. d. R. unter der Rechtsform der Leihe im Nutzungseigentum (dominium utile) bewirtschafteten (e-HLS 2013: s. v. Grundherrschaft). 3 Für detailliertere historische Hintergründe vgl. das e-HLS (2008: s. v. Lehen; 2009: s. v. Lehnswesen; 2010: s. v. Grundbesitz; 2012: s. v. Leihe; 2013: s. v. Grundherrschaft) und das LexMA (1977-1999: s. v. Grundherrschaft, Hufe, Lehen). Erste und zweite Karte {412, 413}: Wohnstättennamen zu Hof Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle WohnstättenN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 4 ab, die als Grundwort das Appellativ bzw. das Toponym Hof enthalten. Dieses Element erscheint ausserordentlich häufig als FlurN (vgl. TNB 2.2 2007: 296) und ist in verschiedenen Bildungsweisen in den Familiennamenbestand der Deutschschweiz eingegangen. FamN zu SiedlungsN mit -hofen wie Hugelshofer zu Hugelshofen (‘bei den Höfen des Hugolt’) in der Gemeinde Kemmental (TG) werden nicht behandelt. 5 Die zweite Karte greift die drei tokenfrequentesten FamN der ersten Karte auf und stellt sie kontrastiv dar. Abgefragte Namen Typ Hof , vor 1800: Amhof , Bachofen, Bachofer, Bachofner, Bauhofer, Birkhofer, Bronhofer, Brunnhofer, Buchhofer, Buhofer, Freihofer, Frohofer, Heimhofer, Hof , Hofer, Hoffer, Hoffmann, Höfler, Hofmann, Hofner, Imhof , Im Hof , Imhoff , Imhoof , Imhooff , Kachelhofer, Kappelhofer, Kelhofer, 1 Der FamN Asper (zu Asp ‘Espengehölz’) wird im Artikel III-3.4 «Wohnstättennamen nach der Vegetation» behandelt; der FamN Bammatter (mit dem Grundwort Matte ‘Wiese im Allgemeinen, Wiese im Talgrund; Wiese, die gemäht wird; ebene Grasf läche’) findet im Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» Berücksichtigung. 2 Für FamN wie Huber, Hofer und Leemann im Kontext der Deutschschweizer BerufsN s. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 3 Zur Terminologie merkt das e-HLS (2012: s. v. Leihe) an: «Leihe ist ein Fachbegriff der Rechtsgeschichte, der sich in der Literatur ab ca. 1900 für die historische bäuerliche, gewerbliche und städtische Leihe zur Abgrenzung vom ritterlich-feudalen Lehen (lateinisch feudum, beneficium) einbürgerte. Die Quellensprache kennt diese Unterscheidung nicht, sie bezeichnet solche Rechtsverhältnisse bäuerlicher, gewerblicher oder städtischer Natur grundsätzlich als ‹Lehen›». 4 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5 Für HerkunftsN wie Büttikofer zu SiedlungsN mit -ighofen vgl. Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 880 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="259"?> Karte 412: WohnstättenN zu Hof, vor 1800 Karte 413: FamN Hofmann, Hofer und Imhof kontrastiv, vor 1800 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen 881 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="260"?> Mauerhofer, Maurhofer, Meienhofer, Meierhofer, Meyerhofer, Mitterhoffer, Seelhofer, Selhofer, von Hoffmann, Wattenhofer. 38 Types, 255 Tokens. Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-90, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 430: Daten zur ersten Karte {412} Abgefragte Namen Hofmann: 58 Tokens. Hofer: 51 Tokens. Imhof : 50 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 20-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 431: Daten zur zweiten Karte {413} Detailangaben zur Namenauswahl: 6 Den ausgewählten FamN liegt schwzdt. Hof ‘Hof, Gehöft, (grösseres) Bauerngut; Besitzung eines Grundherrn; grösseres, einen offenen Innenraum umschliessendes Gebäude, umschlossener Platz’ (aus ahd., mhd. hof ) oder ein entsprechendes Toponym zugrunde. Das Sample umfasst einerseits das unerweiterte Grundwort Hof , Ableitungen mit -er bzw. -mann (z. B. Hofer, Hoffmann) sowie PräpositionsN wie Amhof oder Imhoof . 7 Andererseits enthält die erste Karte verschiedene Komposita mit -hof als Letztglied wie bspw. Bauhofer/ Buhofer zu schwzdt. Bū(w)hof (‘Bauernhof ’), Frohofer zu schwzdt. Frōnhof (‘vom Grundherren mit Hilfe von Frohnarbeiten der Hörigen bewirtschafteter Hof, Herren-, Herrschaftshof ’), Kappelhofer (‘der Hof bei der Kapelle’), Kelhofer zu schwzdt. Këlhof (‘Hof, der dem Keller als grundherrlichem Beamten zugewiesen ist’), Meierhofer/ Meyerhofer zu schwzdt. Meierhof (‘an den Meier als grundherrlichen Beamten verliehener Hof ’) oder Seelhofer / Selhofer zu mhd. salhof , selehof (‘Hof mit Herrenhaus; Herrenhof, von dem andere Höfe abhängig sind; Meierhof ’). Die zusammengesetzten Formen Bachofen, Bachofer und Bachofner sind mehrdeutig und können sowohl einen Hof bei einem Bach als auch einen Backofen benennen. 8 Die WohnstättenN Kilchhofer und Kirchhofer zu schwzdt. Chirchhof , Chilchhof (‘Friedhof ’, in weitem Sinne auch ‘umfriedetes Gelände bei der Kirche’) werden zusammen mit anderen FamN aus dem kirchlichen Bereich im Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen» besprochen. Ausgeschlossen wurde ferner der FamN Spielhofer, der sich zu schwzdt. Spilhof ‘Spielplatz zu Tanz, theatralischen Aufführungen, sportlichen Wettkämpfen’ stellt und daher semantisch von den zugrunde liegenden Lexemen der hier kartierten Fälle abweicht. Für historische Hintergründe zu den im Familiennameninventar fest gewordenen Lexemen vgl. die Ausführungen im e-HLS (2005: s. v. Fronhof ; 2010: s. v. Grundbesitz; 2011: s. v. Eigenwirtschaft; 2013: s. v. Grundherrschaft) und im LexMA (1977-1999: s. v. Grundherrschaft). Mit WohnstättenN wie Frohofer, Meierhofer, Selhofer und Huber (s. u.) lässt der Familiennamenbestand die klassische bzw. zweigeteilte Grundherrschaft (Villikationsverfassung) des (Früh-)Mittelalters erkennen, wobei als «wichtigste Elemente dieses Wirtschafts- und Sozialsystems […] einerseits der Herren- oder Fronhof, dessen grundherrliche Verwalter (Vögte, Meier) die Bebauung des Herren- oder Sallands in herrschaftlicher Eigenwirtschaft organisierten, andererseits die Hofstellen (Huben) der abhängigen bäuerlichen Produzenten (Hörige), die neben vielfältigen Abgaben vereinzelt auch Frondienste vor dem Herrenhof leisteten», zu nennen sind (e-HLS 2013: s. v. Grundherrschaft). Gemäss e-HLS (2013: s. v. Grundherrschaft) war diese Form der Grundherrschaft zwar in der Deutschschweiz verbreitet, aber nicht überall in gleichem Masse: In manchen Gebieten, etwa in den alpinen Zonen der Zentralschweiz, konnte sich die klassische Grundherrschaft bis ins Hochmittelalter kaum durchsetzen. Auch war sie bereits im Frühmittelalter überall nur eine unter verschiedenen agrarischen Organisationsformen; neben der Grundherrschaft gab es die freibäuerliche Produktion, herrschaftliche Gutsbetriebe mit unfreiem Hofpersonal ohne abhängige Hofstellen und die reine Abgabenwirtschaft ohne Frondienste. Im Hochmittelalter erfolgte der Rückgang der Villikationsverfassung […] räumlich und zeitlich unterschiedlich rasch. Für den Wandel hin zur Rentengrundherrschaft ab dem Hochmittelalter vgl. das e-HLS (2013: s. v. Grundherrschaft) und das LexMA (1977-1999: s. v. Grundherrschaft). Kommentar: Die erste Karte weist ein grossf lächiges Vorkommen der WohnstättenN zu Hof aus. Eine starke Ansammlung an Belegen zeigt sich einerseits im mittelländischen Teil des Kantons Bern (insgesamt 68 Tokens); das Berner Oberland und das Emmental gehen hingegen kaum mit. Andererseits tritt auch der Kanton Zürich (insgesamt 53 Tokens) mit einer Ballung rund um die Stadt Uster hervor. In relativer Hinsicht sind es die (vor-)alpinen Gebiete des Kantons Uri und des Bezirks Brig (VS), die die höchsten Konzentrationen des Typs Hof erreichen. Mit Blick auf die einzelnen Familiennamentypes stechen Hofmann, Hofer und Imhof hervor: Sie sind in der Schicht «vor 1800» an 58, 51 resp. 50 Ortspunkten alteingesessen und erreichen damit die Ränge 41, 50 und 51 der häufigsten FamN in dieser Zeitschicht. 9 Zusammen machen sie 159 der insgesamt 255 Tokens aus, sodass das erste Kartenbild verhältnismässig stark von diesen drei FamN geprägt ist. Innerhalb der Dreiergruppe ist Imhof auf der Basis der Präposition-Artikel-Enklise am eindeutigsten als WohnstättenN einzuordnen, während für Hofer und Hofmann eine Deutungskonkurrenz zu BerufsN besteht. 10 Vergleicht man ihre Verbreitungsgebiete in der zweiten Karte, lassen sich in der Tendenz unterschiedliche 6 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 7 Vgl. die Artikel II-2.16 «Endungslose Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.10 «Variation -er, -ler, -ner bei Wohnstätten- und Herkunftsnamen», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-3.2 «Familiennamen mit den Präpositionen ab, an, auf , aus, ohne, vor», II-3.3 «Familiennamen mit der Präposition zu», II-3.4 «Familiennamen mit der Präposition in» sowie II-3.5 «Familiennamen mit der Präposition von». Die Präposition von im FamN von Hoffmann soll im Sinne eines Adelsprädikats den entsprechenden gesellschaftlichen Status vermitteln (vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de»). 8 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 9 Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 10 Vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 882 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="261"?> Namenräume feststellen: 11 So tritt der PräpositionsN Imhof in den Alpenkantonen Wallis und Uri am stärksten hervor (12 bzw. 10 Tokens), gefolgt von Ortspunkten im Berner Mittelland und im Kanton Basel-Landschaft (8 bzw. 7 Tokens). Hofer zeigt eine starke Westlastigkeit: 38 von 51 Ortspunkten liegen im nördlichen Teil des Kantons Bern und im benachbarten Kanton Solothurn; daran schliessen sich die Belege in den Kantonen Basel-Landschaft und Aargau an (zusammen 9 Tokens). Der FamN Hofmann kommt zwar ebenfalls öfters im Kanton Bern vor (16 Tokens), aber erstens in fast komplementärer Verteilung (Seeland, Gantrischregion) und zweitens liegt sein Hauptverbreitungsgebiet deutlich weiter östlich in den Kantonen Zürich, Thurgau und St. Gallen (in diesen drei Kantonen insgesamt 33 Tokens). Dritte Karte {414}: Wohnstättennamen zu Lehen, Hube und Schuppose Namenauswahl: Die dritte Karte gilt FamN aus der Schicht «vor 1800», in denen Lehen, Hube (‘Hufe’) und Schuppose fest geworden sind. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen Typ Lehen: Amlehn, Grundlehner, Jegerlehner, Lechmann, Lechner, Lee, Leemann, Lehmann, Lehner. 9 Types, 104 Tokens. Typ Hube: Anderhub, Hiebler, Houber, Huber, Hüberli, Hüblin, Hubmann, Hueber, von Huben, Vonhuben. 10 Types, 228 Tokens. Typ Schuppose: Schupisser, Schuppisser. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-50, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 432: Daten zur dritten Karte {414} Detailangaben zur Namenauswahl: Die erste Namengruppe basiert auf schwzdt. Lehe(n), Lee ‘Leihe, Lehen, Lehenhof, geliehenes Gut’ (aus ahd. lēhan, lēn, mhd. lēhen, lēn) oder auf einem entsprechenden Toponym. Wie das TNB 2.2 (2007: 358) hervorhebt, sind solche FlurN Zeugen des mittelalterlichen landwirtschaftlichen Lehenswesens: Die mit Lehen benannten Grundstücke beziehen sich auf ein «Gut, das dem Begünstigten zur Nutzung überlassen wurde, um diesem die Erfüllung von Pf lichten im Dienste des Verleihers zu ermöglichen». Verliehen wurden die Güter sowohl von weltlichen als auch von kirchlichen Herren. Die zweite Namengruppe stellt sich zu schwzdt. Hueb (aus ahd. huob, huoba, mhd. huobe), das in der Mundart eine Vielzahl von möglichen Bedeutungen aufweist (vgl. TNB 2.2 2007: 304), oder zu Karte 414: WohnstättenN zu Lehen, Hube und Schuppose, vor 1800 11 Diese Grundtendenz bleibt auch bestehen, wenn Schreibvarianten wie Hoffmann, Hoffer oder Imhoof mitkartiert werden. 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen 883 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="262"?> einem darauf basierenden Toponym. Hueb benennt «primär den einzelnen, von einem grundherrschaftlichen Herrenhof abhängigen, zureichend ausgestatteten kleinen bäuerlichen Wirtschaftsbetrieb» (Hof samt Kulturland); «sekundär, nach allgemeinem Kenntnisstand ab dem Hochmittelalter, begann die Hufe (resp. Hueb) eine Leistungsresp. Flächeneinheit zu bezeichnen» (TNB 2.2 2007: 305). In der Folge wird damit «ein Flächenmaß im Ackerbau bezeichnet, das ein einzelner Bauer mit einem Pf lug bewirtschaften kann. Zumeist wird es in einer Größenordnung von etwa 30 Morgen angegeben, wobei jedoch regional und zeitlich große Unterschiede auszumachen sind» (DFD 2025: s. v. Huber). Die dritte Karte bildet schliesslich auch die beiden FamN Schupisser und Schuppisser ab, denen schwzdt. Schu(e)poss, Schuepis, Schuppese(n) ‘Bezeichnung bestimmter (kleinerer oder mittelgrosser) Bauerngüter, grundherrschaftliches Kleingut; Haus, Hofstätte und zugehörige Wirtschaftsf lächen; auch als (ungefähres) Landmass’ (aus mhd. schuepoze, scuopoza u. ä.) oder ein daraus hervorgegangenes Toponym zugrunde liegt (für Genaueres zur Etymologie s. TNB 2.2 2007: 525-526). Im Online-Portal ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 8004286) wird zu diesem Flurnamentypus Folgendes angegeben: Eine Schueposs war ein grundherrschaftliches (Erb-)Lehen und umfasste 7-15 Jucharten (also 25'000-55'000 qm), oft als Drittel oder Viertel einer Hueb. Schuepossen sind seit dem frühen 12. Jh. in Süddeutschland, im Elsass und in der deutschen Schweiz (ohne Alpenraum) nachweisbar. Sie scheinen durch die Aufteilung grösserer grundherrlicher Güter entstanden zu sein und dürften auf eine Intensivierung der Landwirtschaft hinweisen. Für weitere historische Hintergründe beachte man die Ausführungen im e-HLS (2008: s. v. Hube; 2008: s. v. Lehen; 2009: s. v. Lehnswesen; 2010: s. v. Grundbesitz; 2012: s. v. Leihe; 2012: s. v. Schuppose; 2013: s. v. Grundherrschaft; 2015: s. v. Agrarverfassung) und im LexMA (1977-1999: s. v. Grundherrschaft, Hufe, Lehen). Für die hier kartierten er- und mann-Ableitungen (z. B. Leemann, Huber) im Kontext von BerufsN zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten vgl. den Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft», der darüber hinaus u. a. auch den häufigen Typ Widmer (zu mhd. widemer ‘Inhaber eines Widem’ für einen Landwirt, der als Pächter den zur Kirche gehörenden Hof bewirtschaftete’) bespricht. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN vorwiegend im Deutschschweizer Mittelland alteingesessen sind, während die voralpinen Gebiete und der Alpenraum deutlich weniger Anteil an den drei Namentypen haben (s. dazu die historischen Ausführungen bei der ersten Karte). Der Typ Lehen breitet sich von der Stadt Freiburg (FR) in einem weiten Bogen über das Mittelland (z. B. Jegerlehner im Kanton Bern, Leemann nordwestlich des Zürichsees) bis an das östliche Ende des Bodensees aus und kommt daneben auch im Kanton Wallis (hier FamN Lehner) mehrfach vor. Innerhalb dieser Namengruppe überwiegt der FamN Lehmann mit 64 Tokens, dessen Verbreitung diejenige des gesamten Typs bestimmt. Noch stärker von einem EinzelN geprägt ist der Typ Hube: So entfällt mit 208 von insgesamt 228 Tokens ein Grossteil der Ortspunkte auf den FamN Huber, der in der Schicht «vor 1800» nach Müller (431 Tokens), Meier (300 Tokens), Schmid (273 Tokens) und Keller (225 Tokens) der fünfthäufigste FamN in der Deutschschweiz überhaupt ist. 12 Huber breitet sich über die Deutschschweiz aus, erreicht jedoch in der östlichen Hälfte eine deutlich höhere Belegdichte (55 Tokens in ZH, zudem je über 20 Tokens in TG, SG, AG und LU). 13 Die restlichen, niederfrequenten Familiennamentypes der zweiten Namengruppe treten in kleinräumigen Arealen (Hubmann in TG, Anderhub im Wahlkreis Hochdorf LU) oder nur einmalig auf. Der FamN Schuppisser ist in der Schicht «vor 1800» in Niederglatt (ZH), Winterthur (ZH) und Oberrohrdorf (AG) bezeugt, Schupisser kommt in unmittelbarer Nähe dazu in Niederrohrdorf (AG) vor. Die dritte Namengruppe ist somit sehr niederfrequent; die wenigen Belege liegen in Übereinstimmung zur Verbreitung des entsprechenden Flurnamentyps nicht im Alpenraum, sondern im Mittelland. Vierte Karte {415}: Wohnstättennamen zu Heim, Statt, Burg und Dorf Namenauswahl: Die vierte Karte rückt FamN zu den vier Lexemen Heim, Statt, Burg und Dorf in den Mittelpunkt. Die entsprechenden WohnstättenN werden hier gemeinsam in einem Kartenbild dargestellt, weil sie auf «semantisch vergleichbaren Wörtern» basieren (DFA 3 2012: 245). Abgefragte Namen Typ Heim: Oberheim. 1 Token. Typ Statt: Brandstetter, Halbstadt, Hochstaettler, Hofstädter, Hofstätter, Hofstetter, Hostetmann, Hostettler, Stettler. 9 Types, 68 Tokens. Typ Burg: Augsburger, Augstburger, Burg, Burger, Bürgler, Burgstaller, von Burg, Vorburger, Zurburg. 9 Types, 42 Tokens. Typ Dorf : Dörfler, Dörfliger, Dörflinger, Imdorf , Imoberdorf . 9 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 433: Daten zur vierten Karte {415} Detailangaben zur Namenauswahl: Zum ersten Namentyp zählt einzig der FamN Oberheim, der sich aus der relativen Richtungsangabe ober und schwzdt. Heim ‘Haus, Heim, Ort, Heimat, Wohnstätte’ (aus ahd. heima, mhd. heim) zusammensetzt und jemanden benennt, der vom Siedlungskern aus gedacht weiter oben wohnte. Daneben kommt jedoch auch eine Deutung als Patronym zum germanischen Ruf N Heimo infrage. In der Schicht «vor 1800» gibt es nur wenige FamN auf -heim, die entweder noch nicht abschliessend gedeutet sind (Autenheimer, Ditesheim, Durheim, Urheim) oder als HerkunftsN zu einem (grösstenteils ausländischen) SiedlungsN zu gelten haben (Bernheim, Glutz-Blotzheim, Guggenheim, Oppenheim; Mühlheim zur Gemeinde Mülchi BE, deren frühere Namenform Mühlheim lautete; vgl. BENB I/ 3 2008: Sp. 348-349). 14 Zu ÖrtlichkeitsN mit Heim in der Deutschschweiz wird auf ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 802004831) angemerkt: «Heim als Grundwort von Siedlungsnamen ist in einem grossen Teil des deutschen Sprachgebiets verbreitet. […] In der Deutschschweiz ist dieser Namentypus jedoch nur spärlich vertreten». Die Seltenheit von Heim-Toponymen spiegelt 12 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 13 Damit schliessen sich die Schweizer Vorkommen dem bundesdeutschen Raum an, wo «Bayern als typisches Huber-Gebiet» zutage tritt (Nübling/ Kunze 2023: 359). 14 Die HerkunftsN Bernheim, Guggenheim und Oppenheim gehören zu den alten jüdischen Geschlechtern von Endingen und Lengnau im aargauischen Surbtal (s. ausführlicher e-HLS 2009: s. v. Antisemitismus; e-HLS 2016: s. v. Judentum). 884 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="263"?> sich im geringen Vorkommen entsprechender WohnstättenN (resp. HerkunftsN) wider. Die zweite Namengruppe besteht einerseits aus der Ableitung Stettler und andererseits aus zusammengesetzten bzw. univerbierten Formen, die schwzdt. Statt ‘Stätte, Stelle, Ort, Platz, Raum, Wohnstätte’ (aus ahd. stad, mhd. stat) oder ein entsprechendes Toponym enthalten: Brandstetter stellt sich zu schwzdt. Brandstat(t) ‘Stelle, wo mit Feuer gerodet wurde’, 15 während der FamN Halbstadt aus halb und Statt gebildet ist und wohl eine Person bezeichnet, die nur ein halbes Bauerngut bewirtschaftete bzw. bewohnte. 16 Den FamN Hochstaettler setzen Berchtold/ Graf (i. V.) in Bezug zu einem Toponym Hochstat (wahrscheinlich für jemanden, der seinen Wohnsitz an einer hoch gelegenen Stelle hatte); es könnte sich jedoch auch um eine Umdeutung des FamN Hostättler (zum Toponym Hofstatt) handeln (vgl. die historischen Belege bei ortsnamen.ch o. J.: Nr. 261057238). Die restlichen FamN der zweiten Gruppe basieren alle auf schwzdt. Hofstat(t), Hoschtet, Hostet u. ä. ‘ländliches Heimwesen mit Umschwung; Stelle, wo ein Gebäude/ Haus aufgeführt wird’, auch ‘Baumgarten’ (für die heutigen Mundarten vgl. KSDS 2025: 185). 17 Gemäss e-HLS (2007: s. v. Hofstätten) war die Hofstatt auf dem Land «im Rahmen der Grundherrschaft ein Teil der Hube», sodass die vorliegenden Namen im Verbund mit der vorhergehenden dritten Karte zu betrachten sind. Das Namenelement Statt bzw. Stetten (Dativ Plural) kommt in der Schicht «vor 1800» ansonsten nur in den HerkunftsN von Bonstetten (mit Interferenzform de Bonstetten) und Rostetter (zum SiedlungsN Radtstadt im österreichischen Bundesland Salzburg) vor. 18 Die FamN der dritten Gruppe basieren auf schwzdt. Burg ‘Burg, umschlossener, befestigter Ort, Stadt’ (aus ahd. burg, mhd. burc) in verschiedenen Bildungen. Das Lexem Burg hat diachron einen Bedeutungswandel bzw. eine Bedeutungsverengung erfahren (Walther 2004: 430, 433), die Nübling/ Fahlbusch/ Heuser (2015: 257) wie folgt beschreiben: «Mhd. burg meinte zunächst allgemein ‘befestigte Siedlung’, bezeichnete ursprünglich also auch urbane Siedlungen (SiedlungsN Augsburg) und wurde in dieser Bedeutung seit dem 12. Jh. durch mhd. stat abgelöst, während sich burg auf ‘Burg, Befestigungsanlage’ verengte». Die vorliegende Namenauswahl umfasst einer- Karte 415: WohnstättenN zu Heim, Statt, Burg und Dorf, vor 1800 15 Für WohnstättenN zur Brandrodung vgl. Artikel III-3.6 «Wohnstättennamen zu Rodungen». 16 Zur Schreibung des FamN Halbstadt vgl. den Hinweis im TNB 2.2 (2007: 566): «Die Unterscheidung zwischen Statt und Stadt bildet sich erst in der Neuzeit aus, es handelt sich ursprünglich um das gleiche Wort» (s. auch Walther 2004: 451). 17 Für WohnstättenN mit appellativischem bzw. toponymischem Baumgarten vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 18 Wie das TNB 2.2 (2007: 566) anmerkt, kommt den Siedlungsnamentypen -ingen, -ikon, -husen und -wil im südalemannischen Raum eine grössere Bedeutung zu. Für entsprechende FamN vgl. den Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen 885 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="264"?> seits simplizisches Burg, die PräpositionsN Zurburg und von Burg sowie die suffigierten Formen Burger und Bürgler. Andererseits wurden auch die präfigierten Formen Augsburger, Augstburger und Vorburger sowie zusammengesetztes Burgstaller berücksichtigt, deren zugrunde liegendes Lexem im Vergleich zu Burg mehr oder weniger semantisch angereichert ist. 19 So stellt sich letzterer FamN zu mhd. burgstal ‘Standort einer Burg, Burghügel, Burg’ oder einem FlurN Burgstall, Burgstel, wie er häufig in der Schweiz vorkommt, während Vorburger auf schwzdt. Vorburg ‘äusserer Burghof ’ basiert. Die Varianten Augsburger und Augstburger gehen auf schwzdt. Ūsburger ‘ausserhalb der Stadtgrenzen wohnender Bürger’ zurück (vgl. e-HLS 2001: s. v. Ausbürger). 20 Die beiden FamN sind ebenso wie Burger schwer einzuordnen, weil sich in ihnen Bezüge auf die Wohnstätte und auf den Stand ineinander verschränken. Konkret bezeichnet Burger nicht nur den Bewohner eines befestigten Orts, sondern später auch einen Stadtbewohner mit allen Rechten (im Gegensatz zum Beisassen/ Hintersassen; vgl. e-HLS 2021: s. v. Bürgerrecht). Auch bei von Burg ist möglich, dass nicht auf die Wohnstätte (resp. die Herkunft) referiert wird, sondern der Name eher ein grundherrschaftliches Abhängigkeitsverhältnis ausdrückt. Insgesamt ist die dritte Namengruppe daher als mehrdeutig zu betrachten, was allgemein für das Lexem Burg bzw. für Burg -Toponyme gilt, die «für Orte bei ehemaligen Burgstellen oder im übertragenen Sinn für burgähnliche erhöhte oder felsige Geländestellen» stehen können; darüber hinaus vermischt sich das Element «in der Burg- und Flurnamengebung mit dem Geländewort Berg, mit dem es vermutlich im Ablautverhältnis steht» (VSNB 1 2024: Sp. 306; s. auch TNB 2.2 2007: 107). Festzuhalten ist zudem, dass nicht immer unterschieden werden kann, ob dem FamN motivisch eine spezifische Burg zugrunde liegt oder nicht. Bspw. bezieht sich Zurburg (Balgach SG) wahrscheinlich auf die ehemalige Burg Balgach, welche oberhalb des Dorfs stand, dann aber zerstört wurde. 21 Der vierte Namentypus enthält schwzdt. Dorf ‘Dorf, Gehöft, Häusergruppe, Weiler, bebautes (und umzäuntes) Land’ (aus ahd. dorf , thorf , mhd. dorf ) oder ein darauf basierendes Toponym. Dorf bezieht sich in FlurN gemäss TNB 2.2 (2007: 157-158) ganz allgemein «auf eine Häusergruppe resp. insbesondere den Kern einer Ortschaft», nicht auf eine politische Einheit. Ausgewählt wurden die beiden PräpositionsN Imdorf (für eine Person, die im Dorfkern wohnhaft war - wohl im Gegensatz zu jemandem, der ausserhalb wohnte) und Imoberdorf (für eine Person, die im oberen Dorf wohnhaft war) sowie die Ableitungen Dörfler, Dörfliger und Dörflinger, die wohl alle den Bewohner eines geschlossenen Dorfs (im Gegensatz zum weiteren Siedlungsgebiet) bezeichnen. 22 Kommentar: Die vierte Karte lässt erkennen, dass sich der Typ Statt tendenziell auf einer Diagonale vom bernischen Gantrischgebiet bis nach Appenzell Ausserrhoden ausbreitet. Die meisten Vorkommen verzeichnen die Kantone Bern (v. a. das Mittelland) und St. Gallen, wobei in ersterem Verbreitungsgebiet der FamN Stettler (13 von insgesamt 22 Tokens) und in zweiterem der FamN Hofstetter (15 von insgesamt 18 Tokens) die höchsten Frequenzen aufweisen. Die Verbreitung des Typs Burg ähnelt den Statt-FamN insofern, als sich die Belege auch hier von der südwestlichen bis in die nordöstliche Deutschschweiz erstrecken; der Norden ist jedoch etwas stärker am Namentyp beteiligt. Schwerpunkte formen u. a. die FamN Augsburger / Augstburger im Berner Mittelland mit dem angrenzenden Emmental (BE) und der FamN Burger im Aargauischen. Der Typ Dorf ist mit Dörfler in Fisibach (AG), Dörfliger in Fulenbach (SO) und Dörflinger in Wahlern (BE) vertreten. Der FamN Imdorf clustert im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli (BE), während Imoberdorf geballt im Goms (VS) auftritt. Der FamN Oberheim ist einzig in Liesberg (BL) alteingesessen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Huber (17'351 Tokens), Hofer (9'025 Tokens) und Hofmann (5'564 Tokens). In der Schicht «vor 1800» kommen vereinzelte FamN vor, die sich im weiteren Sinne der vorliegenden Motivgruppe anschliessen lassen; so bspw. Eigel (WohnstättenN zu Eigen ‘Eigengut, Privatbesitz’ oder allenfalls Patronym zum althochdeutschen Ruf N Agilo), Pfändler (WohnstättenN zu Pfand ‘Grundstück oder Hof, der als Sicherheitsleistung in Zahlung genommen resp. gegeben wurde’ oder aber BerufsN zu mhd. phander, phender ‘Auspfänder, Pfandgläubiger’) und Syz (WohnstättenN zu Sitz ‘Wohnsitz; Ort, wo man das Recht auf Wohnsitz hat’ oder allenfalls Patronym zum althochdeutschen Ruf N Siz(z)o). Eine Namengruppe bilden Ort, Oertli, Oertly und Oertle, die sich einerseits als Patronyme zu einer Kurzform aus einem althochdeutschen Ruf N wie Ortilo oder Ortlieb stellen lassen, andererseits aber auch als WohnstättenN zu schwzdt. Ort ‘Ortschaft; Punkt oder Teil eines Raums; Gesichtspunkt; äusserster Punkt oder Teile eines Raums; Ecke; Ende (räumlich und zeitlich); Rand; Saum’ oder zu einem darauf basierenden Toponym gedeutet werden können. Wie auf ortsnamen.ch (o. J.: Nr. 4003326, 16007422) angemerkt, bezeichnet Ort in FlurN jedoch v. a. (rechtliche) Grenzen oder die Spitze bzw. den äussersten Punkt einer Landschaftsgestalt (s. auch DFA 3 2012: 313-315), sodass die FamN semantisch von der vorliegenden Motivgruppe abrücken. Schliesslich sei an dieser Stelle der FamN Kasteler (Guggisberg, Rüschegg BE; Marly-le-Grand FR; Romoos LU) genannt, der eine Ergänzung zum Typ Burg in der vierten Karte darstellt. So handelt es sich bei Kasteler entweder um einen BerufsN zu mhd. kastellære ‘Schloss-, Burgverwalter’ für den Hausvogt, Schlossaufseher u. ä. oder aber um einen WohnstättenN (resp. HerkunftsN) zu einem der häufigen ÖrtlichkeitsN vom Typ Chastel, Kastel, die letztlich auch auf mhd. kastël (aus lat. castellum ‘befestigter Ort, Burg’) zurückgehen. 19 Unberücksichtigt blieben hingegen HerkunftsN wie Kiburger / Kyburger oder von Aarburg / Vonarburg. 20 Die FamN unterlagen einer volksetymologischen Umdeutung, indem sie mit dem StadtN Augsburg (Deutschland), einer der im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit bedeutendsten Städte Europas, in Verbindung gebracht wurden. 21 So hält Boxler (1996: 1597) fest: «Viele Burgen werden von den Anwohnern nicht mit ihrem offiziellen, sondern mit einem stark appellativisch geprägten Namen bezeichnet (z. B. Burg, Burstel < burgstall ‘Stelle einer [ehemaligen] Burg, it. Castello, frz. Château)». Zu Burgen in der Schweiz, ihrer Errichtung im Kontext der mittelalterlichen Herrschaftsbildung und zur Burgnamengebung vgl. das e- HLS (2015: s. v. Burgen und Schlösser); für letztere Thematik s. auch Boxler (1996) und Walther (2004). Für ausgewählte FamN zu BurgN vgl. Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». 22 Unberücksichtigt blieben hingegen FamN auf -dorf / -torf , die sich als HerkunftsN zu einem spezifischen SiedlungsN stellen (z. B. Bliggensdorfer zum Ort Blickensdorf in Baar ZG, Filistorf zum gleichnamigen Weiler in Schmitten FR). Für alle FamN auf -dorf / -torf vgl. Artikel III-2.2 «Herkunftsnamen zu spezifischen Siedlungsnamentypen». 886 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="265"?> Vergleich mit benachbartem Ausland: Der DFA 4 (2013: 196-211) widmet sich auf den Karten 84-91 FamN zu Toponymen (meist SiedlungsN) mit -heim wie Bergheimer oder Buchheim. FamN zu anderen hier diskutierten Lexemen wie Statt, Dorf und Hof finden in grammatisch ausgerichteten Karten Berücksichtigung (vgl. die Verweise im DFA 4 2013: XXXI). Für die hier als mehrdeutig behandelten FamN Hofer, Huber, Lehner usw. beachte man die Ausführungen bzw. die Verweise im DFA 5 (2016). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 3 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2008): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Dritter Teil: L-M. Basel, Tübingen: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Boxler, Heinrich (1996): Burgnamen. In: Eichler, Ernst et al. (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Bd. 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 11.2), 1596-1600. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 4 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2013): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Kroiß, Daniel (2025): Huber. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 41/ 1 (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Andenmatten, Bernard (2008): Lehen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008972/ 2008-01-21/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2010): Grundbesitz. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 016216/ 2010-08-25/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2012): Leihe. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008974/ 2012-02-10/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Dubuis, Pierre/ Gerber, Roland (2007): Hofstätten. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007874/ 2007- 05-21/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Egloff, Gregor (2012): Schuppose. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 025976/ 2012-11-21/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Fellmann, Rudolf et al. (2015): Agrarverfassung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013699/ 2015-01-21/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Grüninger, Sebastian (2005): Fronhof. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013700/ 2005-03-10/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Grüninger, Sebastian (2008): Hube. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 025975/ 2008-01-15/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Hälg-Steffen, Franziska (2009): Lehnswesen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 009923/ 2009-11-25/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Knoch-Mund, Gaby et al. (2016): Judentum. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 011376/ 2016-02-01/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Knoch-Mund, Gaby/ Picard, Jacques (2009): Antisemitismus. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 011379/ 2009-11-18/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Leonhard, Martin (2011): Eigenwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 025974/ 2011-03-23/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Loetz, Francisca (2013): Ständische Gesellschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 009928/ 2013-01-10/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Meyer, Werner (2015): Burgen und Schlösser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 024640/ 2015-03-20/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Schweizer, Rainer J./ Müller, Christina (2021): Bürgerrecht. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008969/ 2021-01-11/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Würgler, Andreas (2001): Ausbürger. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 022363/ 2001-11-15/ (letzter Zugriff 20.08.2025). e-HLS = Zangger, Alfred et al. (2013): Grundherrschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008973/ 2013-10-01/ (letzter Zugriff 20.08.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 20.08.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. KSDS = Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.) (2025): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 20.08.2025). Nübling, Damaris/ Fahlbusch, Fabian/ Heuser, Rita (2015): Namen. Eine Einführung in die Onomastik (Narr Studienbücher). 2., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. 3.10 Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen 887 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="266"?> ortsnamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): ortsnamen.ch. Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. https: / / www.ortsnamen.ch/ de/ (letzter Zugriff 20.08.2025). TNB 2 = Nyffenegger, Eugen/ Graf, Martin H. (2007): Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Teilbd. 1: Einführung und Sachlexikon. Teilbd. 2: Etymologisches Flurnamenlexikon. Teilbd. 3: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau A-K. Teilbd. 4: Verzeichnis und Dokumentation der Flurnamen des Kantons Thurgau L-Z (Thurgauer Namenbuch 2). Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber. VSNB 1 = Werlen, Iwar (Hrsg.) (2024): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Bd. 1: Einleitung, Gemeindenamen, Flurnamen A-C. Tübingen: Narr Francke Attempto. Walther, Hans (2004): Wehrbautennamen. In: Brendler, Andrea/ Brendler, Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik (Lehr- und Handbücher zur Onomastik 1), 427-468. Hamburg: Baar. Esther Loosli 888 3 Wohnstättennamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="267"?> 4 Berufsnamen und Berufsübernamen 4.1 Berufs(über)namen zum Nahrungsmittelgewerbe Schlagwörter: Bewirtung, Fleischergewerbe, Milchprodukt, Speisezubereitung Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 24.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zum Nahrungsmittelgewerbe aufweisen. Konkret geht es dabei um drei Bereiche: Fleischereihandwerk, Herstellung von Milchprodukten sowie Speisezubereitung und Bewirtung. Berufs- und BerufsüberN, die mit dem Bäckereigewerbe inklusive der Mehlerzeugung in Verbindung stehen, werden an dieser Stelle nicht berücksichtigt; sie sind im Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe» dokumentiert. Zunächst zum Bereich des Metzgereigewerbes, der Fleischverarbeitung und dem Verkauf von Fleisch: Die Metzger waren in den mittelalterlichen Städten anders organisiert als auf dem Land. In den Städten waren die Gewerbetreibenden in den meisten Fällen Mitglieder von Zünften, deren Schlacht- und Verkaufsbänke an dafür bestimmten Orten innerhalb der Stadt eingerichtet waren. Auf dem Land gab es hingegen die Kundenmetzger, die die Tiere gegen Entlöhnung auf den Höfen schlachteten und dort auch das Fleisch zu Fleischerzeugnissen verarbeiteten (e-HLS 2010: s. v. Metzgerei). Im zweiten thematischen Bereich beziehen sich die Berufs- und BerufsüberN auf die mittelalterliche Herstellung von Milchprodukten aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch wie Anken (Butter), Käse und Ziger. Die Produktion dieser Milcherzeugnisse «erfolgte im Eigenbetrieb oder durch Lehnbauern auf den Alpgütern der Klöster und des Adels und ist ab dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt: Die Bergkäslein (caseoli alpini) der Appenzeller an das Kloster St. Gallen, die Zinskäslein der habsburgischen Herrschaft Spitzenberg (1309) oder des Klosters Trub im Emmental (1363) waren vermutlich von Hand gepresste Weichkäse» (e-HLS 2018: s. v. Käse). Vor der Käseherstellung mit Lab wurde bis ins 15. Jh. hauptsächlich Ziger hergestellt - ein Frischkäse, der als Nebenprodukt bei der Käseherstellung hervorgeht. Dieser ist zwar teuer, aber auch lange haltbar (e-HLS 2018: s. v. Käse). Des Weiteren sind Berufs- und BerufsüberN von Interesse, die auf die Speisezubereitung und die Bewirtung zurückgehen. Sie können sich auf unterschiedliche Gestaltungen von mittelalterlicher Gastlichkeit beziehen, die allgemein dazu dienten, Unterkunft und Speisen für reisende, auswärtige oder bedürftige Personen bereitzustellen. Neben den Gasthäusern existierten dazu verschiedene Institutionen der Gastlichkeit wie Hospize, Pilgerherbergen, Elendenherbergen und Armenhäuser sowie Spitäler (e-HLS 2006: s. v. Gasthäuser). Die erste Karte widmet sich FamN wie Fleischmann oder Metzler, die auf das Metzgereigewerbe zurückgehen. Auf der zweiten Karte werden FamN wie Anken und Käser abgebildet, die auf die Herstellung von Milchprodukten referieren. FamN wie Koch oder Wirth, die sich auf die Zubereitung von Speisen und die Bewirtung beziehen, werden auf der abschliessenden dritten Karte behandelt. Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="268"?> Erste Karte {416}: Berufs(über)namen zum Metzgereigewerbe Namenauswahl: Die erste Karte gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die auf das Gewerbe des Metzgers zurückgehen. Die entsprechenden FamN werden nach den unterschiedlichen zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Fleischer: Fleischli, Fleischmann. 8 Tokens. Typ Metzger: Mätzler, Meschler, Metzger, Metzker, Metzler, Mezger. 6 Types, 26 Tokens. Typ Schlachter: Schlachter. 3 Tokens. Typ Tscharner: de Tscharner, Tscharner, von Tscharner. 12 Tokens. Typ Wurster: Wurster. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-50, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 434: Daten zur ersten Karte {416} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Das Handwerk der Metzger umfasst das Schlachten der Tiere, die Fleischverarbeitung und den Verkauf des Fleisches, teilweise auch den Viehhandel. Auf dem Land wurde die Fleischversorgung lange Zeit durch Selbstversorgung geregelt. Stör- oder Kundenmetzger übernahmen dabei das Schlachten und die Weiterverarbeitung des Fleisches (e-HLS 2010: s. v. Metzgerei). In den Deutschschweizer Städten waren die Metzger in Zünften organisiert. Die städtischen Schlachtplätze und Verkaufsstellen, sogenannte Fleischbänke, befanden sich meist an einem f liessenden Gewässer, sodass die Schlachtabfälle direkt entsorgt werden konnten (e-HLS 2010: s. v. Metzgerei). Die hier versammelten Berufs- und BerufsüberN können fünf unterschiedlichen Berufsbezeichnungen des Metzgereigewerbes zugeordnet werden (nach der Kartierung in alphabetischer Reihenfolge). Diese lassen sich jedoch nicht nach städtischen oder ländlichen Handwerkspraktiken unterscheiden. • Typ Fleischer: Zum Lexem Fleischer lassen sich der BerufsN Fleischmann (zu mhd. vleischman ‘Fleischer’; Ebner 2015: 203) und der BerufsüberN Fleischli (zu mhd. vleisch ‘Fleisch’) stellen. Karte 416: Berufs(über)N zum Metzgereigewerbe, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 890 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="269"?> • Typ Metzger: Die BerufsN Metzger, Metzker und Mezger sind mhd. metzjære, metzjer, metziger ‘Metzger; Fleischer, der Altvieh (Ochsen, Kühe) schlachtet’ zuzuordnen, das wohl eine Mischung aus mittellat. mattiarius ‘Wurster’ und mittellat. macellarius ‘Fleischwarenhändler’ ist (Ebner 2015: 487). Der BerufsN Metzler mit den Varianten Mätzler und Meschler geht auf mhd. metzeler, metzler ‘Metzger’ aus mittellat. macellarius ‘Fleischwarenhändler’ zurück (Ebner 2015: 487-488). • Typ Schlachter: Der BerufsN Schlachter bezeichnet einen Handwerker, der Tiere in einem Schlachthaus oder gegen Lohn als Hausschlächter schlachtet, bzw. auch allgemein einen Metzger, Fleischer. Schlachter geht zurück auf mhd. slahter, slahtære ‘Schlächter’, mhd. vleischslahter ‘Fleischer, Metzger’ (Ebner 2015: 648). • Typ Tscharner: Der BerufsN Tscharner ist zu mhd. scharne ‘Fleischbank, Verkaufsbank’ zu stellen; gemeint ist der Fleischverkäufer (Ebner 2015: 628). • Typ Wurster: Der BerufsN Wurster basiert auf mhd. wurster ‘Fleischer, der Würste herstellt; Wurstmacher’ (Ebner 2015: 842). Bis auf die FamN Fleischli (l-Diminutiv) und Fleischmann (Ableitung auf -mann) handelt es sich bei den übrigen Namen des Samples um BerufsN auf -er. 3 Für die FamN de Tscharner und von Tscharner vgl. die Artikel II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». Kommentar: Die erste Karte zeigt eine klare geographische Verteilung der unterschiedlichen Typen. Der frequente BerufsN Metzger und seine Varianten treten hauptsächlich in der Nordostschweiz (SG, TG) auf. Der Name Tscharner konzentriert sich im Kanton Graubünden. In der Innerschweiz erscheinen Namennester zum BerufsN Fleischmann (SZ) und zum BerufsüberN Fleischli (LU). Der seltene BerufsN Schlachter kommt in der Nordwestschweiz vor (AG, JU). Mit nur 1 Token ist Wurster in Winterthur (ZH) alteingesessen. Insgesamt erscheinen die ausgewählten FamN hauptsächlich in ländlichen Gebieten. Für die Städte Bern (BE), Chur (GR), Schaffhausen (SH) und Winterthur (ZH) sind einmalige Vorkommen dokumentiert. Die Verbreitung der FamN lässt demnach keine spezifische Aufteilung von Berufs- und BerufsüberN in Bezug auf städtisches vs. ländliches Metzgereigewerbe zu. 3 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann» und II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen». 4.1 Berufs(über)namen zum Nahrungsmittelgewerbe 891 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="270"?> Zweite Karte {417}: Berufs(über)namen zur Herstellung von Milchprodukten Namenauswahl: Die zweite Karte dokumentiert Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die in Bezug zur Herstellung von verschiedenen Produkten aus Milch stehen, wie Anken (Butter), Käse oder Ziger. Die entsprechenden FamN werden nach den unterschiedlichen zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Anken: Anken, Ankli, Anklin, Auchli. 10 Tokens. Typ Käse: Kaeser, Käser, Käsermann, Käslin, Keser. 32 Tokens. Typ Ziger: Ziegerer, Zigerli. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 435: Daten zur zweiten Karte {417} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Namensample lässt sich gemäss der mittelalterlichen Milchwirtschaft den drei Typen Anken, Käse und Ziger zuordnen. Im Voralpen- und Alpenraum f lorierte bereits in spätmittelalterlicher Zeit die spezialisierte Käse- und Zigerherstellung sowie der Handel mit diesen Erzeugnissen. Die Produktion von Butter und Milch wurde hauptsächlich im Mittelland betrieben. In der Frühen Neuzeit gewann die Käseherstellung durch die Innovation der Labkäserei zunehmend an Bedeutung (e-HLS 2018: s. v. Käse). Der FamN Anken und die Diminutivvarianten Ankli, Anklin, Auchli (zu mhd. anke ‘(frische) Butter’, ahd. anko ‘Anke, Butter’) der ersten Gruppe sind ausschliesslich BerufsüberN, die sich über das Produkt Anken indirekt auf dessen Hersteller beziehen. Anke(n) ist im Schweizerdeutschen gemäss Id. 1 (1881 ff.: Sp. 341) das eigentliche Normalwort für ‘Butter’. In den (Nord-)Ostschweizer Kantonen (AI, AR, GR, SG, SH, TG) wird das Wort Schmalz synonym verwendet (SDS V 1983: Karte 179). Der FamN Schmalz (Büren an der Aare, Meinisberg, Nidau BE; Jona SG) wäre folglich auch dieser Gruppe zuzuordnen, wird jedoch aufgrund des mehrdeutigen Etymons ausgeschlossen: Schmalz bedeutet i. d. R. ‘ausgelassenes tierisches Fett’, kann sich aber auch auf ‘ausgelassene Butter’ oder einfach ‘Butter’ beziehen. Die zweite Namengruppe zeigt FamN mit Bezug zur Käseherstellung wie die BerufsN Kaeser, Käser, Keser (zu mhd. kaese ‘Käse’) und Käsermann. Letzterer kann sowohl auf die Herstellung als auch auf den Handel mit Käse referieren. Ausserdem bezieht sich der BerufsüberN Käslin indirekt auf den Käser. Die dritte Gruppe umfasst den BerufsN Ziegerer und den BerufsüberN Zigerli, die zu mhd. ziger ‘die festere Masse, die sich beim Gerinnen der Molke ausscheidet, Quark’ gebildet sind und auf die Herstellung von Ziger referieren (Ebner 2015: 857). 4 Für den häufigen FamN Senn (zu mhd. senne, sennære ‘Hirte, Senne; Lehensmann, der die Milchpro- Karte 417: Berufs(über)N zur Herstellung von Milchprodukten, vor 1800 4 Es besteht kein Bezug zum Wort Ziege für ‘Geiss’, denn dieses ist in den alemannischen Mundarten ein neuhochdeutscher Import aus der Standardsprache. 892 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="271"?> dukte herstellt und das Vieh besorgt’) vgl. den Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». Kommentar: Die FamN der zweiten Karte erscheinen hauptsächlich im westlichen und nördlichen Gebiet der Deutschschweiz in den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg und Solothurn. Anken und Varianten treten als kleine Namennester in unterschiedlichen Räumen auf (Anken in BE, Ankli in SO, Anklin in BL, Auchli in LU). Der frequente FamN Käser konzentriert sich in Regionen der Kantone Aargau, Bern und Freiburg; die Belege in letzteren zwei Gebieten stehen in Nachbarschaft zum Bezirk Greyerz und zum Verwaltungskreis Emmental, zwei historisch wie heute wichtige Gebiete der Käseproduktion. FamN zur Zigerherstellung sind mit jeweils 1 Token (Ziegerer in GR, Zigerli in BE) sehr selten. Dritte Karte {418}: Berufs(über)namen zur Speisezubereitung und Bewirtung Namenauswahl: Die dritte Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Zubereitung von Speisen und die Bewirtung referieren. Die entsprechenden FamN werden nach den unterschiedlichen zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Breikoch: Briner, Briw, Bryner. 18 Tokens. Typ Koch: Koch, Kocher, Köchli, Koechlin. 74 Tokens. Typ Schenker: Schenk, Schenker. 31 Tokens. Typ Speiser: Speiser, Spieser. 6 Tokens. Typ Wirt: Werth, Wirth, Wirthner, Wirz, Würth. 82 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 436: Daten zur dritten Karte {418} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN dieses Samples beziehen sich auf die Zubereitung von Speisen und die Bewirtung in unterschiedlichen Beherbergungsstätten wie Wirtshäuser, Hospize oder Armenherbergen (e-HLS 2006: s. v. Gasthäuser). Zum Typ Breikoch zählen die BerufsN Briner, Bryner wie auch der BerufsüberN Briw (zu mhd. brī(e) ‘Brei’). Dem Typ Koch lassen sich Namen mit unterschiedlichem Bildungsmuster zuordnen: die endungslose Form Koch, die er-Ableitung Kocher sowie die l-Diminutive Köchli und Koechlin. Die Namen zum Lexem Schenker sind einerseits zu mhd. schenke ‘einschenkender Diener; Mundschenk; Wein, Bier ausschenkender Wirt’ für den Gastwirt (Schenk), andererseits zu mhd. schenken ‘einschenken’ (Schenker) zu stellen. Speiser und Spieser gehen zurück auf mhd. spīsære, spīser, schwzdt. Spīser, diphthongiert Speiser ‘Speisemeister (eines Klosters o. ä.)’ für eine Person, die mit der Beschaffung und v. a. der Austeilung der Speisen und Getränke an der Tafel betraut war. Die letzte Gruppe umfasst BerufsN zum Lexem Wirt wie Wirth (zu mhd. wirt ‘Ehemann, Hausherr, Landesherr’, Karte 418: Berufs(über)N zur Speisezubereitung und Bewirtung, vor 1800 4.1 Berufs(über)namen zum Nahrungsmittelgewerbe 893 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="272"?> später auch ‘Inhaber eines Wirtshauses, Gasthalter’) oder mit gerundetem bzw. gesenktem Vokal Würth und Werth. Kommentar: Die FamN der dritten Karte sind mehrheitlich im Mittelland verbreitet und bilden jeweils Ballungsräume. Die hohen Frequenzen der Typen Koch und Wirt sind den BerufsN Koch (52 Tokens; v. a. AG und LU), Wirz (39 Tokens; v. a. AG, BL und ZH) und Wirth (34 Tokens; v. a. SG und ZH) geschuldet. Die FamN Briw (VS), Koechlin (BS), Spieser (SZ) und Wirthner (VS) treten hingegen singulär auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Koch (7'744 Tokens), Schenk (4'457 Tokens) und Käser (3'938 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die sich auf das Nahrungsmittelgewerbe beziehen, werden im DFA 5 (2016: 126-197) auf den Karten 46-72 dargestellt. Dabei widmet sich der Themenkomplex den drei Bereichen «Müller, Bäcker» (Karten 46-53), «Metzger» (Karten 54-59) und «Fischer, Fischhändler» (Karten 60-72). An dieser Stelle interessieren jedoch einzig die Verbreitungskarten zum Metzgereigewerbe, da das Bäckereigewerbe sowie die Fischerei in jeweils anderen Artikeln besprochen werden (vgl. die Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe» und III-4.4 «Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei»). FamN zur Bewirtung werden im DFA 5 (2016: 518-541) auf den Karten 201-209 behandelt; für weitere Berufs(über)N wie Koch vgl. die Verweise im DFA 5 (2016: XXVII-XXVIII) auf grammatisch ausgerichtete Karten. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2010): Metzgerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013993/ 2010-11-11/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Müller (Brugg), Felix/ Dubler, Anne-Marie (2006): Gasthäuser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016323/ 2006-11-20/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Sauerländer, Dominik/ Dubler, Anne-Marie (2018): Käse. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013951/ 2018-02-05/ (letzter Zugriff 24.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 24.06.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. SDS V = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1983): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. V: Wortgeographie II: Menschliche Gemeinschaft - Kleidung - Nahrung. Bern: Francke. Martina Heer 894 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="273"?> 4.2 Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe Schlagwörter: Backware, Brot, Mehl, Mühle, Nahrungsmittelgewerbe Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich Berufs- und BerufsüberN aus dem Bereich des Bäckereigewerbes. Es werden Namen kartiert, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 07.03.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») aus der Produktion von Brot oder Gebäck sowie aus der Gewinnung von Mehl hervorgegangen sind. Im Mittelalter konzentrierte sich die gewerbliche Brotherstellung hauptsächlich auf die Städte, während die bäuerlichen Haushalte als Selbstversorger ihr Brot in den eigenen oder kommunalen Ofenhäusern produzierten (LexMA 1977-1999: s. v. Brot; Reith 1991: 22; e-HLS 2009: s. v. Bäckerei). In den spätmittelalterlichen Städten gehörten die Bäcker «zu den ältesten Berufen des Lebensmittelsektors» (LexMA 1977-1999: s. v. Brot). Sie organisierten sich in der Deutschschweiz in Zünften und waren dementsprechend an zünftische Regeln gebunden (e-HLS 2009: s. v. Bäckerei). «Mit der Privilegierung verband sich die Pf licht zum Dienst an der Öffentlichkeit: Bäcker waren nach geltender Ordnung verpf lichtet, wöchentlich dreibis fünfmal Weiss- und Schwarzbrot zu backen. […] Brotschauer kontrollierten die Qualität, büssten und konfiszierten bei Mängeln» (e-HLS 2009: s. v. Bäckerei). Das Angebot der mittelalterlichen Backerzeugnisse variierte je nach Form, Getreidesorte und Kleingebäck. Für die Backwaren wurden hauptsächlich die Getreide Roggen, Weizen und Dinkel verwendet. Dabei dienten für die feineren und gehobeneren Gebäcke wie Bretzeln, Mütschli, Weggen oder Zöpfe das feinere Weizenmehl; für das Sauerteigbrot hingegen das dunkle Roggenmehl (LexMA 1977-1999: s. v. Brot; Casemir 2009: 170; e-HLS 2009: s. v. Bäckerei). Bei den kartierten FamN wird unterschieden zwischen direkten Berufsbezeichnungen (Pfister, Beck) und indirekten Berufsbezeichnungen (auch BerufsüberN genannt), die bspw. das Produkt beschreiben und sich damit auf den Hersteller beziehen (Brodt, Kuchen). In diesen Fällen konkurrieren die Benennungsmotive der BerufsüberN und der ÜberN miteinander, was eine eindeutige Zuweisung erschwert resp. unmöglich macht (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 151). 1 Die erste Karte bildet alle Namen der Deutschschweiz ab, die sich als BerufsN zum Beruf des Bäckers stellen. In der zweiten Karte werden die entsprechenden BerufsüberN behandelt. Die dritte Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN, die der Mehlgewinnung zugeordnet werden können und daher für das Bäckereigewerbe relevant sind. Hier findet insbesondere der häufigste FamN der (Deutsch-)Schweiz, 2 Müller, Beachtung. 1 Zum Mühlenbetrieb vgl. den entsprechenden Artikel im e-HLS (2012: s. v. Mühlen). 2 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 4.2 Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe 895 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="274"?> Erste Karte {419}: Berufsnamen zum Beruf des Bäckers Namenauswahl: Die erste Karte enthält alle Deutschschweizer FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 3 die sich eindeutig als BerufsN zum Beruf des Bäckers einteilen lassen. Abgefragte Namen Typ Pfister: Pfister, Pfisterer. 71 Tokens. Typ Beck: Beck, Becker, Bek, Bekk, Brodbeck, Brodtbeck, Brotbeck, Oberbeck, Surbeck. 9 Types, 44 Tokens. Typ Simmler: Simler, Simmler. 4 Tokens. Typ Zeltner: Zeltner. 4 Tokens. Typ Brodmann: Brodmann. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 30-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 437: Daten zur ersten Karte {419} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Die FamN des Typs Beck gehen auf mhd. becke ‘Bäcker’ zurück. Die Komposita Brodbeck / Brodtbeck / Brotbeck, Oberbeck und Surbeck spezifizieren den Beruf des Bäckers: Der Brotbeck stellte lediglich Brot her, der Oberbeck war ein Bäcker in leitender Stellung und der Surbeck war auf Sauerteigbrot spezialisiert. Die FamN des Typs Pfister basieren auf mhd. phister ‘Bäcker’, das wiederum auf lat. pistor ‘Müller, Bäcker, Kuchenbäcker’ zurückzuführen ist. Mit Pfister konnte ursprünglich auch auf den Kloster- oder den Hofbäcker referiert werden (Ebner 2015: 543). Die FamN Simler / Simmler zu mhd. sëmeler ‘Weissbrotbäcker’ (vgl. mhd. sëmele, sëmel, simele, simel ‘feines Weizenmehl, -brot, Semmel’) bezeichnete den Bäcker, der Semmeln herstellte. Zeltner stellt sich zu mhd. zelte ‘f laches Backwerk, Kuchen’ und benannte den Kuchenbäcker, der bspw. Biberzelten (‘Lebkuchen’) backte. Der FamN Brodmann schliesslich ist gebildet aus Brod ‘Brot’ und Mann für den Brotbäcker oder auch den Brotverkäufer. Formal umfasst das Sample Komposita (Brodbeck, Oberbeck) sowie Nomina agentis auf -mann (Brodmann) bzw. auf -(n)er (Simmler, Zeltner). Bei Pfisterer ist wahrscheinlich Suffigierung mit patronymischem -er anzusetzen, denkbar ist jedoch auch ein Nomen agentis zum Verb schwzdt. pfistere(n) ‘backen’ (Id. 5 1881 ff.: Sp. 1198). Um endungslose Agensbildungen handelt es sich bei Beck / Bek / Bekk, die Karte 419: BerufsN zum Beruf des Bäckers, vor 1800 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 896 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="275"?> sprachhistorisch jüngere Form lautet Becker, wobei hier allenfalls auch patronymisches -er vorliegen könnte. 5 Für Bezeichnungen des Bäckers in den Mundarten der Deutschschweiz beachte man die entsprechenden Ausführungen und die Karte im KSDS (2025: 192-193). Die weiteste Verbreitung zeigt das Appellativ Beck, das «[f]ast in der ganzen Deutschschweiz» verbreitet ist (KSDS 2025: 193). Auch FamN zur Berufsbezeichnung des Bäckers werden im KSDS kartiert und besprochen (vgl. Berchtold 2025: 321). Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass sich die FamN des Typs Pfister über das Mittelland erstrecken, wobei sie eine deutliche Ballung im Kanton Zürich aufweisen. Einige Ortspunkte sind daneben im Berner Oberland und in der rätoromanischsprachigen Surselva (GR) bezeugt. Die FamN des Typs Beck breiten sich ebenfalls mehrheitlich im Mittelland aus. Im (vor-)alpinen Gebiet ist der Namentyp hingegen kaum dokumentiert. Der Typ Simmler beschränkt sich auf die Kantone Zürich und Schaffhausen, während Zeltner ausschliesslich im Kanton Solothurn an der Grenze zum Kanton Bern vorkommt und Brodmann einmalig im Kanton Basel-Landschaft (Gemeinde Ettingen) auftritt. Das Deutschwallis sowie die Innerschweizer Kantone Obwalden, Nidwalden und Uri bleiben frei von BerufsN für den Bäcker. Zweite Karte {420}: Berufsübernamen zum Beruf des Bäckers Namenauswahl: Die zweite Karte zeigt alle Deutschschweizer FamN aus der Schicht «vor 1800», die sich eindeutig als BerufsüberN zum Beruf des Bäckers klassifizieren lassen. Es handelt sich dabei um indirekte Berufsbezeichnungen, die das Produkt beschreiben und sich so auf den spezialisierten Hersteller der Backwaren beziehen. Abgefragte Namen Typ Leisibach: Leisebach, Leisibach, Lisibach. 8 Tokens. Typ Kuchen: Kuchen, Küchli, Küchlin, Kuoch. 6 Tokens. Typ Brot: Brodt, Weissbrodt, Wyssbrod. 3 Tokens. Typ Flaad: Flaad. 1 Token. Typ Laib: Laib. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 30-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 438: Daten zur zweiten Karte {420} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN des Typs Leisibach beruhen auf schwzdt. līsbache(n) ‘schwach gebacken’ zu schwzdt. līs Karte 420: BerufsüberN zum Beruf des Bäckers, vor 1800 5 Vgl. die Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung», II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen», II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner» und II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 4.2 Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe 897 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="276"?> ‘öd, geschmacklos’. Der Typ Kuchen stellt sich zu mhd. kuoche ‘f lacher, runder, im Ofen meist aus blossem Brotteig gebackener Kuchen’. Auf mhd. brōt ‘Brot’ gehen die FamN Brodt, Weissbrodt und Wyssbrod zurück. Während der FamN Brodt für den Bäcker stand, der Brot produzierte, nehmen die FamN Weissbrodt, Wyssbrod spezifisch auf den Bäcker von Weissbrot Bezug. Flaad zu mhd. vlade ‘breiter dünner Kuchen, Fladen’ benannte den Hersteller bzw. Bäcker von dünnen Backwaren. Der BerufsüberN Laib ist aus mhd. leip ‘Laib Brot als Ganzes’ hervorgegangen. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass die FamN des Typs Leisibach ein Namennest in der Zentralschweiz - v. a. im Kanton Luzern - bilden. Im Unterschied dazu streut der Typ Kuchen über die Deutschschweiz mit Vorkommen in den Gemeinden Lyss (BE), Ossingen (ZH), Diessenhofen (TG), Lax (VS) und Thusis (GR). Die FamN des Typs Brot sind ausschliesslich im nördlichen Teil des Kantons Bern alteingesessen (Brodt im Oberaargau, Weissbrodt und Wyssbrod am Bielersee). Der FamN Flaad tritt einmalig in Rorbas (ZH) in Erscheinung, der FamN Laib in Amriswil (TG). Dritte Karte {421}: Berufs(über)namen zur Mehlgewinnung Namenauswahl: Ausgewählt wurden Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Mehlgewinnung Bezug nehmen. 6 Abgefragte Namen Typ Müller: Kellermüller, Müller. 433 Tokens. Typ Staub: Staub, Stauber, Stäuber, Staubli, Stäubli, Steiby, Steuble, Stoob, Stoop, Stübi. 10 Types, 60 Tokens. Typ Buetler: Buetler, Büttler. 10 Tokens. Typ Mähli: Mähli. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 439: Daten zur dritten Karte {421} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Sample umfasst sowohl BerufsN (Stäuber) als auch BerufsüberN (Staub), die hier aufgrund der geringeren Anzahl Types beide gemeinsam kartiert wurden. Ausgeschlossen wurden sogenannte lokalisierte BerufsN, die mit einem Toponym resp. ortsbezeichnenden Appellativ als Erstglied Karte 421: Berufs(über)N zur Mehlgewinnung, vor 1800 6 Für WohnstättenN zur Mühle wie Mühlemann, Mülli oder Indermühle vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 898 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="277"?> und der überaus häufigen Berufsbezeichnung Müller als Zweitglied zwei Benennungsmotive in sich vereinen (Fleischer 1964: 114; Kunze 2004: 95; Nübling/ Kunze 2023: 322-323). 7 Daher gehören zum Typ Müller hier nur die zwei FamN Kellermüller und Müller. Sie gehen zurück auf mhd. mülner, mülnære ‘Müller, Betreiber einer Mühle’. Das Kompositum Kellermüller setzt sich aus Keller ‘Verwalter’ und Müller zusammen und bezeichnete wohl den Verwalter einer Mühle. Der Typ Staub beruht auf mhd. stouben, stöuben ‘Staub aufwirbeln’, was sich konkret auf den Mehlstaub bezieht, sodass FamN wie Staubli und Stoop als indirekte Berufsbezeichnungen für den Müller gelten können. Auch Buetler und Büttler zu mhd. biuteln ‘mit einem Beutel sieben, sichten’ (bezogen auf das Trennen des Mehls von der Spreu) benannten indirekt einen Müller. Ausgeschlossen wurde der FamN Beutler, da er sich nicht eindeutig der Mehlgewinnung zuordnen lässt: Beutler kann nebst der Mehlgewinnung auch auf mhd. biutelære, biuteler ‘Beutelmacher’, also auf einen Hersteller von Beuteln und Taschen, zurückgehen. 8 Der BerufsüberN Mähli zu mhd. mel ‘Mehl’ bezeichnete den Müller oder auch den Mehlhändler. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass sich der hochfrequente FamN Müller dicht über das ganze Mittelland und bis ins (vor-)alpine Gebiet ausbreitet. Der FamN Kellermüller kommt hingegen nur in den Gemeinden Wiesendangen (ZH) und Winterthur (ZH) vor. Der Typ Staub tritt v. a. im Kanton Zürich und in der weiteren Nordostschweiz auf. Daneben zeigen sich Vorkommen in der Zentralschweiz sowie in den Kantonen Bern und Freiburg. Die FamN des Typs Buetler bilden - abgesehen von einem Einzelvorkommen in Mümliswil (SO) - ein kleines Namennest in einem zusammenhängenden Gebiet, das sich über die Kantone Luzern, Aargau und Zug erstreckt. Der FamN Mähli tritt einmalig in Glattfelden (ZH) auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Müller (49'935 Tokens), Pfister (7'164 Tokens) und Staub (4'248 Tokens). Müller ist nicht nur im Sample des vorliegenden Artikels, sondern insgesamt in der Schweiz der häufigste FamN - sowohl historisch in der Schicht «vor 1800» als auch rezent (vgl. BFS 2023: STATPOP 2022). 9 In Deutschland ist Müller ebenfalls der häufigste FamN überhaupt (vgl. DFD 2025: s. v. Müller), was sich gemäss Nübling/ Fahlbusch/ Heuser (2015: 150-151) wie folgt erklären lässt: Dass Müller an der Spitze steht, hat den einfachen Grund, dass dieser Beruf in sämtlichen Dialekten heteronymfrei ist und war, d. h., so und nicht anders bezeichnet wird (abgesehen von kleinen Möller- und Miller-Arealen) - während andere, ebenso verbreitete Berufe wie Metzger oder Bäcker zu viele Dialektwörter und -varianten hatten, um an die Spitze zu kommen […]. Die Gruppe der lokalisierten BerufsN auf -müller umfasst folgende Namen: Bahnmüller, Buchmüller, Eichmüller, Ettmüller, Geymüller, Haumüller, Hellmüller, Hintermüller, Lerchmüller, Lormüller, Segmüller, Stegmüller, von Geymüller, Wegmüller, Wehrmüller, Weiersmüller, Werdmüller, Werthmüller und Wertmüller. Sie konzentrieren sich in der Schicht «vor 1800» v. a. im Mittelland, mit einem erhöhten Vorkommen im Kanton Bern (13 Tokens). In den (vor-)alpinen Regionen treten sie hingegen - anders als der Typ Müller im vorliegenden Artikel - nicht auf. Für genauere Angaben vgl. den Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» (vierte Karte). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 5 (2016: 126-153) werden FamN zu Berufen aus dem Bäckereigewerbe einschliesslich des Berufs des Müllers auf den Karten 46-53 behandelt. Die Variation Beck / Böck wird im DFA 1 (2009: 116) auf Karte 48 thematisiert; im DFA 3 (2012: 80) kommt auf Karte 38 zudem die Formvarianz Beck - Becker zur Sprache. Nübling/ Kunze (2023: 369-376) widmen sich dem FamN Müller und den Komposita auf -müller sowie den FamN zum Beruf des Bäckers. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone (2025): Familiennamen und ihre räumliche Verteilung. In: Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz, 319-329. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 07.03.2025). Casemir, Kirstin (2009): Familiennamen aus Berufsbezeichnungen. Namengebung und Namenmotivation am Beispiel des Bäckergewerbes. In: Hengst, Karlheinz/ Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Bd. 1: Deutsche Familiennamen im deutschen Sprachraum (Onomastica Lipsiensia 6.1), 165-191. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. 7 Vgl. die Angaben im Abschnitt «Ergänzungen und Vergleichsfälle» und die ausführlichere Diskussion im Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» (vierte Karte). 8 Vgl. Artikel III-4.6 «Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk». 9 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 4.2 Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe 899 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="278"?> DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Brandmüller, Stefanie/ Peschke, Simone (2025): Müller. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 1/ 1 (letzter Zugriff 07.03.2025). Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2009): Bäckerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013994/ 2009-04-16/ (letzter Zugriff 07.03.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2012): Mühlen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013884/ 2012-05-31 (letzter Zugriff 07.03.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 07.03.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. KSDS = Christen, Helen/ Glaser, Elvira/ Friedli, Matthias (Hrsg.) (2025): Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz. 8., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 07.03.2025). Nübling, Damaris/ Fahlbusch, Fabian/ Heuser, Rita (2015): Namen. Eine Einführung in die Onomastik (Narr Studienbücher). 2., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Reith, Reinhold (Hrsg.) (1991): Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. 2., durchgesehene Auf lage. München: Beck. Selma Vonlanthen, Martina Heer 900 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="279"?> 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft Schlagwörter: Ackerbau, Bauer, Gemüse, Getreide, Hirt, Tierkastration, Viehzucht, Weinbau Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 24.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten aufweisen. Im Mittelalter war der grösste Teil der Bevölkerung in einem landwirtschaftlichen Bereich tätig. Die Arbeit der bäuerlichen Familien war auf die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts ausgerichtet (e-HLS 2015: s. v. Bauern): «Familiäre Konsumbedürfnisse und daneben herrschaftl[ich] erzwungene Abgaben bestimmten weitgehend das Ausmaß der Produktion» (LexMA 1977-1999: s. v. Bauer, Bauerntum). Dabei bestand die Familienwirtschaft hauptsächlich im Ackerbau und in der Viehzucht. Die Konzentration der landwirtschaftlichen Tätigkeiten auf spezielle Teilbereiche führte aber im Spätmittelalter zu sozialen Ungleichheiten in der bäuerlichen Bevölkerungsschicht: «Gerade kapitalintensive Produktionsformen wie die Viehwirtschaft oder der Weinbau erhöhten die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede. Auch die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zum Markt verstärkten diese Entwicklung» (e-HLS 2015: s. v. Bauern). Diese verschiedenen Spezialisierungen der Bauernschicht im Mittelalter spiegeln sich auch in den FamN wider. Dieser Artikel zeigt deshalb auf verschiedenen Ebenen Berufs- und BerufsüberN mit Bezug zur Landwirtschaft. Konkret weisen die ersten drei Karten die Verbreitung von unterschiedlichen Bezeichnungen des Bauern aus: So dokumentiert die erste Karte FamN zu allgemeinen Bezeichnungen wie Achermann, Bur oder Bumann. Auf der zweiten Karte werden BerufsN wie Hofmann, Lehner oder Widmer gezeigt, die sich durch soziale Unterschiede der mittelalterlichen Landwirte ausgebildet haben. Die BerufsN zu den frequenten Typen Huber und Meier werden auf der dritten Karte separat behandelt. Die weiteren fünf Karten zeigen unterschiedliche Bereiche der Landwirtschaft auf: Die Verbreitung von FamN wie Aelpler, Hirt, Lämmler oder Gelzer, die sich auf Hirten und Sennen sowie auf die Viehzucht und die Tierkastration beziehen, werden auf der vierten Karte abgebildet. Die fünfte Karte bezieht sich mit Berufs- und BerufsüberN wie Dinkelmann oder Häberli auf den landwirtschaftlichen Getreideanbau. Die sechste Karte widmet sich dem Bereich des Ackerbaus und der Feldarbeit. FamN wie Bohner, Kriesi oder Mohn zum spezifischen Anbau von Gemüse, Obst und Gewerbepf lanzen (z. B. Hopfen, Mohn) werden auf der siebten Karte dokumentiert. Die abschliessende achte Karte zeigt BerufsN zum Weinbau und illustriert die Verbreitung von FamN wie Reber oder Winzeler. 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 901 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="280"?> Erste Karte {422}: Berufsnamen zu Bezeichnungen des Bauern Namenauswahl: Die erste Karte gilt BerufsN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die zu direkten Bezeichnungen für den Bauern gebildet sind. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen Ackermann, Bauer und Baumann gruppiert. Abgefragte Namen Typ Ackermann: Achermann, Ackermann, Akermann. 52 Tokens. Typ Bauer: Bauer, Baur, Bäurle, Bäurlin, Bur, Bürli, Hofbauer, Paur. 8 Types, 45 Tokens. Typ Baumann: Baumann, Bumann, de Buman. 144 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 440: Daten zur ersten Karte {422} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die Berufsbezeichnung Ackermann ist bereits im Althochdeutschen als ackarman belegt und referierte auf den Ackermann, Landmann bzw. den Bauern; mhd. ackerman bedeutete ebenfalls ‘Ackerbauer’. Im gegenwartssprachlichen Lexikon ist Ackermann ausgestorben, in den FamN jedoch erhalten geblieben. Ebenso hat sich die Berufsbezeichnung Baumann ausschliesslich im Onomastikon konserviert. Baumann enthält im Wortstamm das althochdeutsche Lexem bū, das ‘Wohnung, Wohnstatt’ bedeutete. Im Mittelhochdeutschen wird die Bedeutung um den Aspekt ‘Bestellung des Felds oder des Weinbergs’ erweitert. Būman meinte demnach einen Landmann, einen abhängigen Bauern bzw. Pächter eines Bauernguts. Im älteren Schweizerdeutschen war Būmann zudem eine Bezeichnung für den Rebmann oder Weingärtner (Id. 4 1881 ff.: Sp. 270). Im Neuhochdeutschen hat sich einzig die Berufsbezeichnung Bauer (< mhd. (ge)būre, būr) durchgesetzt. Bauer bezeichnet gegenwärtig eine in der Landwirtschaft tätige Person, die dementsprechend ein landwirtschaftliches Anwesen als Inhaber oder Pächter bewirtschaftet. Die Bezeichnung hat sich seit dem 11. Jh. etabliert. Sie geht ursprünglich auf ahd. gibūro ‘Familien-, Stammesgenosse; Dorfgenosse; Anwohner, Nachbar; Mitbürger; Landmann’ zurück und meinte insbesondere den ‘Mitbewohner auf dem Land’. Das Sample umfasst formal l-Diminutive (Bäurle, Bäurlin, Bürli), Ableitungen auf -mann (Ackermann, Baumann), Komposita (Hofbauer) und einfache Grundwörter (Bauer, Baur). 3 Karte 422: BerufsN zu Bezeichnungen des Bauern, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» und II-2.15 «En- 902 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="281"?> Kommentar: Die erste Karte weist ein grossf lächiges Vorkommen der kartierten BerufsN aus. Die FamN des Typs Ackermann erscheinen mit unterschiedlicher Frequenz und teils verschiedenen geographischen Schwerpunkten: Achermann tritt neben einem kleinen Nest im Kanton Nidwalden v. a. im Kanton Luzern geballt auf. Die Form Ackermann ist in verschiedenen Gebieten dokumentiert (AG, FR, GL, LU, SO, TG), während Akermann nur an drei Ortspunkten jeweils nahe zu Deutschland auftritt (Rorschach, Straubenzell SG; Hochwald SO). Der Typ Baumann breitet sich relativ dicht über das Gebiet der Deutschschweiz aus: Eine starke Ansammlung an Belegorten zeigt sich in den Kantonen Zürich (37 Tokens), Aargau (20 Tokens), Bern (18 Tokens), St. Gallen und Uri (jeweils 13 Tokens). Dabei tritt der FamN Baumann besonders frequent in Erscheinung, 4 während sich die Variante Bumann mit Monophthongschreibung hauptsächlich im Kanton Wallis konzentriert. 5 Die BerufsN des Typs Bauer sind weniger frequent und treten verstreut in der Deutschschweiz auf. Zweite Karte {423}: Berufsnamen nach der rechtlichen Stellung des Bauern Namenauswahl: Die zweite Karte widmet sich BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die aus solchen Berufsbezeichnungen für den Bauern hervorgegangen sind, die auf die unterschiedlichen rechtlichen Stellungen innerhalb des mittelalterlichen Bauernstands verweisen (RNB 3 1986: 613). Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. BerufsN zu den Lexemen Huber und Meier sind aufgrund ihres häufigen Vorkommens von der Kartierung ausgeschlossen und werden in der nachfolgenden dritten Karte separat dokumentiert. Abgefragte Namen Typ Hofer: Hofer, Hoffer. 52 Tokens. Typ Hofmann: Hoffmann, Hofmann, von Hoffmann. 80 Tokens. Typ Lehensmann: Lechmann, Leemann, Lehmann. 77 Tokens. Typ Lehner: Lechner, Lehner. 20 Tokens. Typ Wid(e)mer: Vidmer, Widmer, Wiedmer, Witmer, Wittmer. 135 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 441: Daten zur zweiten Karte {423} Karte 423: BerufsN nach der rechtlichen Stellung des Bauern, vor 1800 dungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». Für den FamN de Buman s. die Artikel II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 4 Baumann ist vor 1800 der neunthäufigste FamN; vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 5 Vgl. Artikel I-1.11 «Monophthong- und Diphthongschreibungen von mhd. ū» (sechste Karte). 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 903 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="282"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Hofer: Die BerufsN stellen sich zu mhd. hovære ‘Inhaber oder Bauer eines Hofs, einer bäuerlichen Grundeinheit’ für den Bewirtschafter eines landwirtschaftlichen Guts bzw. für den Bauern eines herrschaftlichen Hofs (Ebner 2015: 310). • Typ Hofmann: Die BerufsN gehen zurück auf mhd. hoveman ‘Bauer, der zu einem Hof gehört; Diener am Hof eines Fürsten’, auch ‘ein Gehöft bewohnender Bauer oder Gutsverwalter’, wohl zumeist für einen selbstständigen oder abhängigen Bauern, der mit einem grundherrschaftlichen Hof belehnt war (Ebner 2015: 311). • Typ Lehensmann: Es handelt sich um BerufsN oder auch StandesN zu mhd. lēhenman ‘Lehensmann; Inhaber eines Lehens, der gegenüber dem Lehensherrn zu bestimmten Abgaben und Diensten verpf lichtet ist’. Im (älteren) Schweizerdeutschen ist auch die Form Lëchenmann ‘Lehenmann, Pächter eines Bauernguts’ bezeugt (Id. 4 1881 ff.: Sp. 266-267; Ebner 2015: 441); der Name nimmt auf den gesellschaftlichen Stand Bezug und zeigt «den Übergang vom freien Bauern zum Pächter» an (RNB 3 1986: 677). • Typ Lehner: Die BerufsN bzw. StandesN basieren auf mhd. lēhenære, lēner ‘Bauer, der ein Bauerngut als Lehen besitzt’ (Ebner 2015: 442-443). • Typ Wid(e)mer: Die BerufsN sind zu mhd. widemer ‘Inhaber eines Widem’ gebildet und bezeichnen einen Bauern, der als Pächter einen zur Kirche gehörenden Hof bewirtschaftet (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 719; Ebner 2015: 831). Als Widem (mhd. wideme, widem, widen) wird eine ‘Schenkung von Grundstücken und Gebäuden an eine kirchliche Institution, insbesondere der Pfarrhof ’ bezeichnet (Ebner 2015: 831). Bei den FamN der Typen Hofer, Hofmann, Lehensmann und Lehner kann das Benennungsmotiv der BerufsN mit jenen der Herkunftsbzw. der WohnstättenN konkurrieren. So kann bspw. der FamN Hof(f )er ebenso als bezugnehmend auf einen der häufigen ÖrtlichkeitsN Hof gedeutet werden. 6 Kommentar: Die zweite Karte zeigt allgemein eine starke Ballung der ausgewählten FamN im Mittelland. Im Kanton Bern treten - bis auf BerufsN des Typs Lehner - Namen aller fünf Typen frequent auf. Dazu zählen v. a. die FamN Hofer (28 Tokens), Lehmann (27 Tokens), Hofmann (16 Tokens) und Wiedmer (13 Tokens). Auch im Kanton Zürich ballen sich FamN dieser Typen: Spitzenreiter in der Verbreitung sind hier hauptsächlich BerufsN wie Widmer (25 Tokens), Hofmann (23 Tokens) und Leemann (10 Tokens). Am häufigsten im Gebiet der Deutschschweiz erscheint der FamN Widmer mit gesamt 135 Tokens. Neben seinem Vorkommen im Kanton Zürich ist er in den Kantonen Aargau, Luzern und St. Gallen dokumentiert. FamN zum Typ Lehner konzentrieren sich einerseits im Süden im Kanton Wallis und andererseits im Nordosten im Kanton St. Gallen. 6 Vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 904 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="283"?> Dritte Karte {424}: Typ Huber und Typ Meier Namenauswahl: Analog zur zweiten Karte behandelt auch die dritte Karte BerufsN, die auf die rechtliche Stellung der bäuerlichen Gesellschaft im Mittelalter Bezug nehmen. Dabei werden ausschliesslich FamN zu den beiden Lexemen Huber und Meier kartiert, die aufgrund ihrer frequenten Verbreitung von der zweiten Karte ausgeschlossen wurden. Abgefragte Namen Typ Huber: Huber, Hueber, Houber. 210 Tokens. Typ Meier: de Meyer, de Meyeres, Maier, Mayer, Mayr, Meier, Meyer, Scheuermeier, Vollmeier. 9 Types, 502 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 442: Daten zur dritten Karte {424} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier versammelten FamN sind einerseits Ableitungen auf -er zu mhd. huobe ‘Hufe, Stück Land von einem gewissen Mass; bäuerliches Lehengut von bestimmter Grösse’ für den zinspf lichtigen Inhaber oder den Bauern, der ein solches Gut bewirtschaftet (Id. 2 1881 ff.: Sp. 962; Ebner 2015: 323). Möglich ist auch ein Bezug zu einem der häufigen Siedlungs- und FlurN Hu(e)b, weshalb es sich bei der ersten Namengruppe alternativ auch um Herkunft- oder WohnstättenN handeln könnte. 7 Andererseits zeigt die Karte BerufsN zu mhd. meier, meiger (Lehnwort zu lat. maior domus ‘Hausmeier, Gutsverwalter’) ‘Gutsverwalter, der im Auftrag des Grundherrn die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter führt’, daneben auch ‘Grossbauer’ und im älteren Schweizerdeutschen ebenfalls ‘Dorfvorsteher; Lehenmann, Pächter’ sowie überhaupt ‘Bauer’. Der BerufsN Scheuermeier enthält als Bestimmungswort mhd. schiure ‘Scheune’ und bezieht sich auf den Verwalter eines grösseren Hofs. Der FamN Vollmeier geht auf die Bezeichnung für einen Gutsverwalter zurück, der ein ganzes Hofgut besitzt und bewirtschaftet. 8 Die hier kartierten BerufsN geben Einblick in den sozialen Wandel der Bauernschicht im Mittelalter: So entwickelten sich «je nach Stand des Lehenswesens und der Güterverwaltung sehr verschiedene Bedeutungen, die den Übergang von grundherrlicher zu politischer Verwaltung sowie von Grundabhängigkeit zu freiem Bauerntum zeigen» (Ebner 2015: 478). Karte 424: BerufsN nach der rechtlichen Stellung des Bauern (Typ Huber und Typ Meier), vor 1800 7 Vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 8 Bei weiteren Komposita mit dem Grundwort Meier wie Haslimeier oder Langmeier ist denkbar, dass das Bestimmungswort bereits den FamN Meier, Meyer differenziert und nicht mehr den Beruf des Meiers näher spezifiziert, weshalb diese FamN von der Kartierung ausgeschlossen wurden. Sie werden im Artikel II- 2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» berücksichtigt. 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 905 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="284"?> Kommentar: Beide Namentypen der dritten Karte weisen Verbreitungsräume über die gesamte Deutschschweiz mit unterschiedlichen Ballungsgebieten auf: FamN zum Lexem Meier konzentrieren sich hauptsächlich in Gebieten des Mittellands (AG, ZH), der Innerschweiz (LU) und der Nordwestschweiz (BL). 9 BerufsN des Typs Huber zeigen neben ihrem frequenten Erscheinen in den Kantonen Zürich und Luzern einen deutlichen Schwerpunkt in der Nordostschweiz (TG). Vierte Karte {425}: Berufs(über)namen zu Hirten, Sennen und zur Viehzucht Namenauswahl: Die vierte Karte wendet sich Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» zu, die sich zum einen allgemein auf die Erwerbstätigkeiten der Hirten und Sennen beziehen und die zum anderen nach den spezifischen Nutztieren auf die Tätigkeit der Viehzucht und das Besorgen und Hüten der Tiere referieren. Zum Themenkomplex der Viehzucht zählen auch BerufsN aus dem Bereich der medizinischen Behandlung der Tiere. Dementsprechend werden BerufsN, die in Zusammenhang mit der Tierkastration stehen, in der Karte integriert. Abgefragte Namen Berufs(über)N zu Hirten und Sennen allgemein: Aelpler, Fueter, Fuoter, Herdener, Herder, Hirt, Hirter, Küher, Senn. 9 Types, 92 Tokens. Berufs(über)N zur Tierkastration: Beerstecher, Gelzer, Nunnenmacher, Stecher. 5 Tokens. Berufs(über)N zur Gans: Gansner, Gasner. 4 Tokens. Berufs(über)N zum Pferd: Rosser. 2 Tokens. Berufs(über)N zum Rind: Echser, Exer, Exner, Kalberer, Ochsenmann, Ochsner, Rinder, Rinderer, Rinderknecht, Rinderli, Stierli, Stierlin. 12 Types, 47 Tokens. Berufs(über)N zum Schaf: Lämmler, Schaefer, Schäfer, Schäffeler, Schäfler, Schefer. 6 Types, 27 Tokens. Berufs(über)N zum Schwein: Schwyn. 1 Token. Berufs(über)N zur Ziege: Geiser, Geisseler, Geisser, Geissmann. 22 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 443: Daten zur vierten Karte {425} Karte 425: Berufs(über)N zu Hirten, Sennen und zur Viehzucht, vor 1800 9 Vgl. Artikel I-1.9 «Diphthongwandel von mhd. ei, ou, öu» (erste und zweite Karte). 906 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="285"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Neben der Dreifelderwirtschaft bildeten die Viehhaltung und die Zucht von Grossvieh wie Pferden und Rindern sowie von Kleinvieh wie Gänsen, Schafen, Schweinen und Ziegen einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig im Mittelalter: Schafe lieferten Wolle, Schweine v. a. Fleisch, Ziegen waren die Milchlieferanten des Kleinbauern und Taglöhners […]. Auf kleinen und mittleren Betrieben wurden die Kühe nicht nur gemolken, sondern auch vor den Pf lug gespannt. Grossbauern und herrschaftliche Höfe hielten Ochsen oder Pferde als Zugtiere (e-HLS 2023: s. v. Viehwirtschaft). Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Aelpler: Der BerufsN ist zum Lexem schwzdt. Älpler zu stellen, das einen Sennen, auch Alpbediensteten, der im Sommer auf der Alp das Vieh besorgt, Käse herstellt usw., oder einen Alpbesitzer bezeichnet. • Fueter, Fuoter: Die BerufsüberN beziehen sich auf schwzdt. Fueter ‘Nahrung des Viehs und der Pferde’ (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1138) und nehmen Bezug auf den Futterknecht, der das Vieh füttert. • Geiser, Geisser: Die BerufsN basieren auf mhd. geiʒer ‘Geissenhüter’ und stehen für eine Person, die vornehmlich mit dem Hüten von Ziegen betraut ist. • Gelzer: Der BerufsN stellt sich zu schwzdt. Galzer ‘Schweinekastrierer’. • Herdener, Herder: Die BerufsN gehen auf mhd. hërtære, hërter ‘Hirte, Kuhhirte’ zurück und benennen denjenigen, der Kühe hütet. • Küher: Der BerufsN bezieht sich auf schwzdt. (älter) Chüejer und nimmt Bezug auf die Person, die als Eigentümer oder Pächter von Kühen Milchwirtschaft betreibt; Chüejer meint daneben auch den Kuhhirten oder den Melker. • Nunnenmacher: Der BerufsN zu mhd. nunnenmacher ‘Sauschneider’ steht für eine Person, die mit der Kastration von weiblichen Tieren betraut ist. • Ochsner, Echser, Exer, Exner: Die BerufsN zu mhd. ohsenære ‘Ochsenhirt, Ochsentreiber, Ochsenbauer’ verweisen auf denjenigen, der mit dem Hüten von Ochsen beauftragt ist oder die Tiere für das Ausüben landwirtschaftlicher Tätigkeiten einsetzt. Die entrundeten Formen (Echser, Ex(n)er) gehen auf eine umgelautete Form Öchs(n)er zurück. • Rosser: Der BerufsN stellt sich zu schwzdt. (älter) Rosser ‘Pferdeknecht’ und bezieht sich damit auf die Person, die mit der Pf lege von Pferden betraut ist. • Senn: Der BerufsN beruht auf dem Lexem mhd. sennære, senne, das den Hirten bzw. den Sennen oder den Lehensmann, der die Milchprodukte herstellt und das Vieh besorgt, bezeichnet. Kommentar: Die FamN der vierten Karte, die sich allgemein auf Hirten und Sennen beziehen - insbesondere der frequente BerufsN Senn -, treten schwerpunktmässig im nördlichen Teil der Schweiz (BL, AG, ZH) auf. Die häufigen BerufsN mit Bezug zur Rinderzucht ballen sich mit dem FamN Ochsner hauptsächlich im Kanton Zürich. Die ebenfalls frequenten BerufsN zur Schafzucht - v. a. der FamN Schefer - konzentrieren sich in der Nordostschweiz (AR), während sich FamN mit Bezug zur Ziege schwerpunktmässig über das Mittelland verteilen. Berufs- und BerufsüberN zu Pferde- oder Schweinebauern sind hingegen selten: Der FamN Rosser ist mit jeweils 1 Token in Frutigen (BE) und Kandersteg (BE) belegt. Mit nur 1 Token ist Schwyn in Beringen (SH) alteingesessen. BerufsN zur Tierkastration erscheinen vereinzelt in unterschiedlichen Gebieten (BE, BL, GR und SH). Die FamN Gansner und Gasner bilden einen kleinen Namenraum in den Regionen Prättigau/ Davos und Landquart (GR). 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 907 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="286"?> Fünfte Karte {426}: Berufs(über)namen zum Getreideanbau Namenauswahl: Die fünfte Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf den Getreideanbau beziehen. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen zu fünf Getreidesorten gruppiert. Abgefragte Namen Typ Dinkel: Dinkel, Dinkelmann. 5 Tokens. Typ Gerste: Gerster. 9 Tokens. Typ Hafer: Grieshaber, Häberli, Häberlin, Häberling, Häberly, Habersaat, Haeberlin, Wildhaber. 8 Types, 40 Tokens. Typ Hirse: Hirs. 1 Token. Typ Roggen: Roggen, Rogger, Roggli, Roggo. 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 444: Daten zur fünften Karte {426} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Berufs- und BerufsüberN zum Getreideanbau bzw. für den Getreidebauern beziehen sich auf fünf Getreidesorten (Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse und Roggen), die im Mittelalter im Gebiet der heutigen Schweiz angebaut wurden und die v. a. zur Herstellung von Brot, von breiartigen Speisen (schwzdt. Mues) oder von Bier gebraucht wurden. Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Dinkel: Zum Lexem Dinkel lassen sich der BerufsN Dinkelmann und der BerufsüberN Dinkel stellen. Die Weizenart Triticum spelta war im Mittelalter im Gebiet der heutigen Deutschschweiz das vorherrschende Getreide für Brot. Es war «anspruchslos, nässe- und kälteresistent, weshalb e[s] als Wintergetreide bis in höhere Lagen angebaut wurde» (e-HLS 2010: s. v. Dinkel ). • Typ Gerste: Der BerufsN Gerster, zu mhd. gërste ‘Gerste’, bezeichnet einen Bauern, der Gerste anpf lanzt oder verkauft. Die Gerste wurde hauptsächlich für die Herstellung von Brei und Bier verwendet. Ähnlich wie der Dinkel ist die Gerste für ein raues Klima geeignet, sodass sie auch in höheren Lagen angebaut werden kann (e-HLS 2010: s. v. Gerste). • Typ Hafer: Die BerufsüberN sind dem Lexem Hafer zuzuordnen. Der Saathafer war im Mittelalter eine beliebte Kulturpf lanze für die Zubereitung von breiartigen Speisen: «Insbesondere für das hohe und späte MA ist H[afer] z. T. in grossen Mengen nachweisbar. Er war das im schweiz. Mittelland und in der Nordwestschweiz vorherrschende Sommergetreide im Rotationssystem der Dreizelgenwirtschaft» (e-HLS 2007: s. v. Hafer). 10 Dieses dominierende Karte 426: Berufs(über)N zum Getreideanbau, vor 1800 10 Für FamN mit Bezug zur Dreizelgenwirtschaft wie Bracher, Escher oder Zelger vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 908 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="287"?> Vorkommen des Hafers in mittelalterlicher Zeit zeigt sich denn auch in der Vielfalt der FamN, die sich indirekt über das Getreide auf den Anbauer des Hafers beziehen. • Typ Hirse: Der BerufsüberN Hirs, zu mhd. hirs(e) ‘Hirse’, bezeichnet einen Anbauer von Getreide bzw. Hirse. Die Hirse als wichtiger Lieferant von Eiweiss, Kohlenhydraten und Fetten wurde früher - neben dem Hafer - für Brei verwendet, der als «schmackhafte Alltags- und Festspeise im M[ittelalter] und in der Frühneuzeit galt» (e-HLS 2007: s. v. Hirse). • Typ Roggen: Die Berufs- und BerufsüberN beziehen sich auf den Roggenbauern. Vor dem breiten Aufkommen des Dinkels im Mittelalter war der Roggen das wichtigste Brotgetreide. Aufgrund seiner Anspruchslosigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und Nässe war der Roggen «die wichtigste Brotfrucht der inneralpinen Trockentäler» (e-HLS 2012: s. v. Roggen). Kommentar: Die Berufs- und BerufsüberN der fünften Karte erscheinen jeweils konzentriert in unterschiedlichen Gebieten der Deutschschweiz: So treten die FamN des Typs Dinkel v. a. im Kanton Aargau auf. Namen, die auf den Gerstenbauern zurückgehen, ballen sich im Kanton Basel-Landschaft. Die frequenten FamN des Typs Hafer kommen hauptsächlich in der Nordostschweiz (TG) vor. Berufs- und BerufsüberN zum Roggenanbau sind in der Innerschweiz (LU) und im Kanton Freiburg dokumentiert. Der FamN Hirs als einziger Name zum Lexem Hirse ist nur in Dielsdorf (ZH) alteingesessen. Sechste Karte {427}: Berufs(über)namen zu Ackerbau und Feldarbeit Namenauswahl: Die sechste Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN zu den landwirtschaftlichen Tätigkeiten des Ackerbaus und der Feldarbeit. Die entsprechenden FamN decken semantisch ein breites Spektrum ab; sie werden dennoch zusammen kartiert, da sie den semantischen Bereich Ackerbau und Feldarbeit als gemeinsamen Nenner haben. Abgefragte Namen Typ Gärtner: Gartenmann, Gartmann, Gärtner. 17 Tokens. Typ Graser: Graser, Gräser. 2 Tokens. Typ Mahder: Mader, Mäder, Maeder, Meder, Moder. 43 Tokens. Typ Recher: Rächer, Recher. 3 Tokens. Typ Schoch: Schoch, Schocher, Schöchli, Schöchlin. 31 Tokens. Sonstige: Enk, Hächler, Heuer, Jetter, Laderer, Pfluger, Raggenbass, Spreiter, Strohecker, Werchmann, Zetter. 11 Types, 25 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 445: Daten zur sechsten Karte {427} Karte 427: Berufs(über)N zu Ackerbau und Feldarbeit, vor 1800 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 909 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="288"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Enk: zu mhd. enke ‘Vieh-, Ackerknecht’ • Hächler: zu schwzdt. hächle(n) ‘mit der Hechel arbeiten’; einem Gerät mit kammartigen Drähten, um die Knospen von Hanf oder Flachs von den Stängeln zu trennen • Heuer: zu mhd. höuwer, houwer ‘Mäher, Heumacher’ bzw. schwzdt. Heu(w)er ‘Arbeiter in der Heuernte’ für den Mäher oder Helfer bei der Heuernte (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1821) • Jetter: zu mhd. jëter ‘Jäter’ für eine Person, die Gras und anderes Gewächs mit der Handsense oder der Sichel zurückschneidet • Typ Mahder: zu mhd. mādære, māder, mæder ‘Mäher’ für eine Person, die in der landwirtschaftlichen Graswirtschaft schwerpunktmässig für das Mähen zuständig ist, sich beim Mähen durch besondere Eigenschaften auszeichnet o. ä. Beim FamN Moder liegt gemäss RNB 3 (1986: 686) eine «tirol[ische] Form für ‘Mähder’» vor; «das dumpfe a des Tirolischen [ist] von den Rätoromanen als o wiedergegeben worden». • Typ Recher: zu mhd. rëcher ‘wer mit dem Rechen hantiert, arbeitet’, wohl für eine Person, die im Rahmen ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit regelmässig mit einer Harke, einem Rechen oder einem ähnlichen Werkzeug Arbeiten zu verrichten hat • Raggenbass: zu schwzdt. Roggenbōsse(n) ‘überdroschene Roggengarbe’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 1730) für den Landwirt bzw. die Person, die mit dem Binden von Stroh oder dem Dreschen von Roggen betraut ist • Typ Schoch: zu mhd. schoche ‘Heuhaufen; Heuschober’ für diejenige Person, die im Sommer für das Bereiten, Aufstellen o. ä. der Heuhaufen zuständig ist • Spreiter: zu mhd. spreiten ‘ausbreiten, überdecken’, in der Landwirtschaft jünger auch ‘ausstreuen; auseinanderlegen, zum Trocknen, Rösten auslegen’ (Id. 10 1881 ff.: Sp. 951), wohl für eine Person, deren spezialisierte Tätigkeit etwa das Ausstreuen des Düngers, das Auslegen von Flachs oder Hanf zum Rösten oder das Zetten von Heugras ist • Zetter: zu mhd. zetten, zeten ‘streuen, zerstreut fallen lassen, ausbreiten’ für jemanden, der Heu auseinanderstreut Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass sich die FamN zu Ackerbau und Feldarbeit über die Deutschschweiz ausbreiten. Der frequenteste Name im Sample ist Mäder mit 30 Ortspunkten; er erreicht nicht nur die höchste Tokenfrequenz, sondern auch die grösste räumliche Verbreitung. Eine Ballung der ausgewählten Berufs- und BerufsüberN zeigt sich in der Nordostschweiz (AI, AR, SG, ZH). Der BerufsüberN Schoch bildet mit 15 Tokens ein Nest im Kanton Zürich; daneben ist der Typ auch in den angrenzenden Kantonen verbreitet. Im Nordwesten konzentriert sich der FamN Hächler im Aargau (8 Tokens). Fast ausschliesslich im Kanton Graubünden treten FamN des Typs Gärtner auf. Siebte Karte {428}: Berufs(über)namen zum Anbau von Obst, Gemüse und Gewerbepflanzen Namenauswahl: Die siebte Karte dokumentiert Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die in Bezug zum Anbau von Obst, Gemüse und Gewerbepf lanzen stehen. Abgefragte Namen Typ Birne: Birmann. 1 Token. Typ Bohne: Bohner, Boner. 7 Tokens. Typ Flachs: Flachsmann. 3 Tokens. Typ Hopfen: Hopf . 2 Tokens. Typ Kirsche: Kirsch, Kirscher, Kirschmann, Kriesi. 6 Tokens. Typ Knoblauch: Knoblauch. 2 Tokens. Typ Kohl: Köhli, Kollhopp, Werz. 5 Tokens. Typ Kraut: Kraut, Kräutli, Kreider, Krütli, Krüttli. 6 Tokens. Typ Linse: Linsi. 2 Tokens. Typ Mohn: Mohn. 3 Tokens. Typ Rettich: Rettich. 1 Token. Typ Rübe: Morach, Räbsamen, Rebsamen, Rüber. 19 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 30-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 446: Daten zur siebten Karte {428} Detailangaben zur Namenauswahl: In mittelalterlichen Gärten wurden unterschiedliche Gemüsesorten angepf lanzt: [D]ie wichtigsten Blattgemüse [waren] Mangold, Gartenampfer, Gartenmelde und Spinat, sodann die Kohlarten Kabis, Wirz und Grünkohl. Zu den am häufigsten angepf lanzten Wurzel- und Knollengemüsen gehörten gelbe Karotten, Mairüben, Pastinaken, Randen (Rotrüben), Rettiche und Sellerie (e-HLS 2010: s. v. Gartenbau). Pf lanzen, die hauptsächlich zum gewerblichen Nutzen angebaut wurden, wie bspw. Flachs für das Textilgewerbe oder Hopfen für die Bierproduktion, werden als Gewerbe- oder Handelspf lanzen bezeichnet (e-HLS 2021: s. v. Gewerbepflanzen). Die FamN dieses Samples gehen hauptsächlich auf Bezeichnungen für Obst-, Gemüse- oder weitere Nutzpf lanzen zurück, die durch das Produkt indirekt auf den entsprechenden Bauern verweisen. Die ausgewählten FamN wurden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Eine Ausnahme bilden die Typen Kohl und Rübe: Der Typ Kohl enthält auch den FamN Werz, der auf eine Bezeichnung für den (Kopf-)Kohl zurückgeht. Dem Typ Rübe wurde auch der FamN Morach zu mhd. morhe, morche, more ‘Möhre, Mohrrübe, Morchel’ zugeordnet. Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Birmann: zu mhd. bir, bire ‘Birne’ als Bezeichnung für den Birnenbauern oder den Birnenhändler • Flachsmann: zu mhd. vlahs ‘Flachs’ als Bezeichnung für den Flachsbauern oder den Flachshändler (Ebner 2015: 200) • Hopf : zu mhd. hopfe ‘Hopfen’ für den Hopfenbauern oder den Hopfenhändler • Kollhopp: zu mhd.*kōlhoubet ‘Kohlhaupt’, wohl als BerufsüberN für einen Gemüsebauern oder Gemüsegärtner 910 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="289"?> • Kraut, Kräutli, Krütli, Krüttli: zu mhd. krūt ‘Blätterpf lanze, Kraut, Gemüse (besonders Kohl)’, wohl für einen Gemüsebauern oder Kräutersammler • Linsi: zu mhd. linse ‘Linse’ für einen Linsenbauern • Rettich: zu mhd. retich ‘Rettich’, schwzdt. Rettich ‘Rettig, Runkelrübe, Mangold’ für einen darauf spezialisierten Bauern • Räbsamen, Rebsamen: zu mhd. rabsāme ‘Rübensame’, schwzdt. Räbsame(n) ‘Same der weissen Rübe’ für einen Rübenbauern Kommentar: Die siebte Karte zeigt die geographische Verteilung der verschiedenen Typen, die insgesamt eher selten auftreten: Die FamN des Typs Rübe sind an verschiedenen Orten der Deutschschweiz dokumentiert (AG, LU, ZH, TG, SG); dabei konzentriert sich der FamN Rebsamen im Kanton Zürich (7 Tokens). FamN, die zum Typ Kohl zählen, kommen v. a. im Kanton Bern vor. Daneben treten sie jeweils einmal in den Kantonen St. Gallen und Zürich auf. Die Berufs- und BerufsüberN des Typs Kraut streuen über verschiedene Kantone (SO, BL, AG, LU, ZH). Auch die FamN des Typs Kirsche sind an verschiedenen Orten alteingesessen. So beschränkt sich der BerufsüberN Kriesi auf den Kanton Zürich, während die FamN Kirsch und Kirscher im Kanton Bern bzw. im Aargau alteingesessen sind. Der FamN Boner kommt hauptsächlich in den Kantonen Graubünden und Solothurn vor; die Variante Bohner tritt hingegen einmalig im Kanton Bern in Erscheinung. Die folgenden Typen treten grösstenteils in je einem Kanton auf: Typ Flachs und Typ Linse im Kanton Zürich, Typ Hopfen im Kanton Bern, Typ Knoblauch im Aargau und Typ Mohn im Thurgau. Die Typen Birne und Rettich treten jeweils einmalig im Kanton Basel-Stadt resp. im Aargau auf. Karte 428: Berufs(über)N zum Anbau von Gemüse, Obst und Gewerbepflanzen, vor 1800 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 911 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="290"?> Achte Karte {429}: Berufsnamen zum Weinbau Namenauswahl: Die achte Karte gilt BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die auf den Weinbau referieren. 11 Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen bzw. nach Bildungsweisen kartiert. Abgefragte Namen Typ Rebe: Räber, Reber. 26 Tokens. Typ Rebmann: Rämann, Rebmann. 13 Tokens. Typ Torggel: Torgler. 1 Token. Typ Weinmann: Weinmann, Wymann. 10 Tokens. Typ Weinzierl: Weinzürle, Winzeler. 9 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 447: Daten zur achten Karte {429} Detailangaben zur Namenauswahl: Weinbau war im Mittelalter auf dem Gebiet der heutigen Schweiz weitverbreitet: «Um 1000 wurde der Weinbau wohl im gesamten Mittelland vom Bodensee bis nach Genf, in den Alpentälern (Bündner Herrschaft und Wallis) sowie auf der Alpensüdseite im Tessin und Veltlin betrieben» (e-HLS 2014: s. v. Weinbau). Die Rebgüter waren in Besitz von weltlichen (adelige Personen, Spitäler, Städte) und kirchlichen Grundherrn (Klöster). Die Bewirtschaftung erfolgte anfangs von Bauern im Frondienst, im Spätmittelalter dann von bäuerlichen Pächtern (e-HLS 2014: s. v. Weinbau). Die hier kartierten BerufsN lassen sich fünf unterschiedlichen Berufsbezeichnungen aus dem Tätigkeitsfeld des Weinbaus zuordnen (nach der Kartierung in alphabetischer Reihenfolge): • Typ Rebe: Die BerufsN Räber und Reber lassen sich zu mhd. rëbe ‘Rebe, Weingarten’ stellen. • Typ Rebmann: Die BerufsN Rämann und Rebmann basieren auf mhd. rëbe ‘Rebe, Weingarten’ für den Weinbauern oder für denjenigen, der die Reben eines anderen gegen Lohn pf legt und bearbeitet. Die mundartliche Form Rämann weist eine Assimilation von b an den nachfolgenden Konsonanten m auf. • Typ Torggel: Der BerufsN Torgler zu mhd. torkelære ‘Kelterer’ bezeichnet eine Person, die in der Weinherstellung tätig ist. Möglich ist auch eine allgemeine Bezeichnung für einen Weinbauern. • Typ Weinmann: Die BerufsN Weinmann und Wymann zu mhd. wīn ‘Wein’ bezeichnen einen Weinbauern oder einen Weinhändler. • Typ Weinzierl: Die BerufsN Weinzürle und Winzeler sind zu mhd. wīnzürl(e), wīnzürne ‘Weinbauer, Winzer’ zu stellen. Karte 429: BerufsN zum Weinbau, vor 1800 11 Für den möglichen BerufsüberN Traub vgl. die Einzelkartierung und die ausführliche Diskussion im Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen» (dritte Karte). 912 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="291"?> Der FamN Leeger zum schwäbisch-badischen Lexem Leger ‘Weinbergarbeiter (der die Rebe durch Einlegen, auch Ab- oder Umlegen, verjüngt)’ für eine im Weinbau tätige Person wird aufgrund seiner Herkunft aus dem süddeutschen Raum von der Kartierung ausgeschlossen. Der FamN ist vor 1800 in den Zürcher Gemeinden Stadel und Steinmaur bezeugt. Weingart und Weingartner werden im Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» (fünfte Karte) behandelt. Kommentar: Wie die achte Karte zeigt, sind die BerufsN des Typs Reber im Kanton Bern verbreitet, aber auch in den Kantonen Luzern und Aargau. Der Typ Rebmann tritt im Vergleich dazu tendenziell weiter nördlich und östlich auf. Im Kanton Zürich erscheinen die BerufsN Winzeler, Weinmann und Rebmann zu gleichen Teilen. Der Name Torgler ist nur in der Gemeinde Au (SG) alteingesessen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Meier (32'070 Tokens), Huber (17'351 Tokens) und Meyer (16'311 Tokens). Sie gehören damit zu den zehn häufigsten FamN der Schweiz; vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». In der Schicht «vor 1800» sind weitere FamN dokumentiert, die sich motivisch zur Landwirtschaft stellen, aber gegenüber den hier behandelten Berufs(über)N weniger frequent sind und/ oder sich semantisch nicht sinnvoll gruppieren lassen. Erwähnt seien an dieser Stelle explizit jene Berufs(über)N, die einen (berufsmässigen) Imker bezeichnen: Beyeler (Albligen, Guggisberg, Rüschegg, Wahlern BE) zu schwzdt. Bei(j)eler ‘Bienenzüchter, Imker’, Binkert (Koblenz, Leibstadt, Leuggern, Oeschgen, Zuzgen AG) zu mhd. bin(e)kar, schwzdt. Bīcher, Binker, Binkert usw. ‘Bienenkorb, Bienenstock’ sowie Imber/ Imper (Burg im Leimental BL bzw. St. Gallenkappel, Uznach SG) zu schwzdt. Imb(e)ler ‘Imker, Bienenzüchter’. Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die sich auf die Landwirtschaft beziehen, werden im DFA 5 (2016: 2-125) auf den Karten 1-45 dargestellt. Der umfassende Themenkomplex wird nach den verschiedenen landwirtschaftlichen Tätigkeiten in fünf Bereiche unterteilt: «Bauern, Landarbeiter» (Karten 1-16), «Getreide-, Gemüse-, Obstbauern» (Karten 17-31), «Weinbauern, Bienenzüchter» (Karten 32-35), «Hirten» (Karten 36-42) und «Tierkastratoren» (Karten 43-45). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Della Casa, Philippe et al. (2015): Bauern. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016370/ 2015-07-28/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Flutsch, Laurent/ Lüdi, Heidi (2014): Weinbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013937/ 2014-11-11/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Irniger, Margrit (2021): Gewerbepf lanzen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013941/ 2021-01-05/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Irniger, Margrit/ Kobel, Fritz (2010): Gartenbau. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 013939/ 2010-05-07/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Jacomet, Stefanie (2007): Hafer. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027663/ 2007-11-20/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Jacomet, Stefanie/ Mattmüller, Markus (2007): Hirse. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027665/ 2007-12-18/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Jacomet, Stefanie/ Mattmüller, Markus (2010): Gerste. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027662/ 2010-05-07/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Jacomet, Stefanie/ Mattmüller, Markus (2012): Roggen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027661/ 2012-01-05/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Lehmann, Peter/ Sauerländer, Dominik/ Moser, Peter (2023): Viehwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 026236/ 2023-11-21/ (letzter Zugriff 24.06.2025). e-HLS = Mattmüller, Markus/ Dubler, Anne-Marie (2010): Dinkel. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027659/ 2010-09-23/ (letzter Zugriff 24.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 24.06.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 24.06.2025). RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Martina Heer 4.3 Berufs(über)namen zur Landwirtschaft 913 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="292"?> 4.4 Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei Schlagwörter: Fischernetz, Krebsfang, Nahrungsmittelgewerbe, Vogelfang Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel behandelt FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 24.07.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Berufsbezeichnungen zur Jagd und zur Fischerei zurückgehen. Diese Tätigkeiten zählen nebst dem Sammeln von Pf lanzen oder pf lanzlichen Bestandteilen (Knollen, Samen) zu den ältesten Arten der Nahrungsmittelbesorgung der Menschen. So bildete die Jagd «während Hunderttausenden von Jahren die Grundlage der Nahrungsbeschaffung» (e-HLS 2008: s. v. Jagd ). Im Mittelalter «erfüllte der Fisch […] die wichtige Funktion der geschmackgebenden Beilage» (e-HLS 2021: s. v. Fischerei). Der Fischkonsum hielt sich dennoch in Grenzen, da Fisch sehr teuer und deshalb nicht für alle Menschen erschwinglich war. Im Spätmittelalter wurde Jagd auf sogenanntes «hohes Wild» (wie Hirsche und Wildsäue) und «niederes Wild» (wie Füchse, Hasen oder Vögel) betrieben. Die übliche Jagdwaffe ab dem 13. Jh. war die Armbrust, ab dem 17. Jh. kamen Feuerwaffen dazu. In der Schweiz fanden des Weiteren Schwert und Knebelspiess Anwendung bei der Jagd (e-HLS 2008: s. v. Jagd ). Zudem wurde die Beize - die Jagd mit abgerichteten Falken (e-HLS 2008: s. v. Jagd ) - ausgeübt. Vögel wurden allerdings nicht nur als Jagdwaffe eingesetzt, sondern auch selbst gejagt. So wurden Sing- und Speisevögel «mit leimbestrichenen Reisigbündeln, Käfigen mit Lockvögeln, Netzen usw.» gefangen (Ebner 2015: 790). Die Relevanz der Jagd und Fischerei im mittelalterlichen Alltag spiegelt sich im Deutschschweizer Familiennamengut wider. Die meisten FamN zu diesem Themenbereich sind indirekte Berufsbezeichnungen, die bspw. das gefangene Tier benennen wie Fisch, Fink, Hecht, Krebs, Vögeli usw. Allerdings ist anzumerken, dass die Benennungsmotive der BerufsüberN und der ÜberN miteinander konkurrieren, was eine eindeutige Zuordnung erschwert resp. unmöglich macht. So kann es sich z. B. bei dem FamN Schuppli um einen BerufsüberN für den Fischer und Fischhändler handeln oder aber um einen ÜberN für eine Person mit auffallend schuppiger (Kopf-)Haut bzw. für jemanden mit Blatternarben (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 151). Die Mehrheit dieser FamN wurde bereits im Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» ausführlich behandelt und wird an dieser Stelle deshalb nicht weiter berücksichtigt. Die erste Karte bietet einen Gesamtüberblick über die Verteilung der beiden Berufsgruppen ( Jäger und Fischer). Auf der zweiten Karte sind die Berufs(über)N zur Jagd nach lexikalischen Typen abgebildet. Die dritte Karte zeigt die verschiedenen Berufs(über)namentypen zur Fischerei. 914 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="293"?> Erste Karte {430}: Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei Namenauswahl: Die erste Karte zeigt die Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die auf Berufsbezeichnungen für den Jäger und den Fischer zurückgehen. Abgefragte Namen Berufs(über)N zur Jagd: Amsler, Falkner, Federer, Jaeger, Jäger, Jeger, Jegger, Jegher, Lussi, Lüssi, Vogler, Weidmann. 12 Types, 79 Tokens. Berufs(über)N zur Fischerei: de Fischer, Fischer, Fischler, Krebser, Maeschi, Netzer, Schüeb, Schüep, Schuepp, Schüepp, Schuppli, Vischer, von Fischer. 13 Types, 114 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Fläche 10-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 448: Daten zur ersten Karte {430} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die meisten der hier versammelten FamN sind BerufsN, also direkte Berufsbezeichnungen wie Weidmann für den Jäger allgemein, Amsler für den Vogelfänger oder Fischler für den Fischer. Der BerufsN Krebser bezieht sich auf den Krebsfänger, dessen Tätigkeit ebenfalls dem Fischereigewerbe zuzuordnen ist. Bei einigen FamN, insbesondere jenen zur Fischerei, handelt es sich um indirekte BerufsN (also um BerufsüberN) wie Maeschi zu schwzdt. Masch ‘Masche in Fischer- und Jägernetz’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 501) oder Schuppli zu schwzdt. Schuep ‘Schuppe’ (Id. 8 1881 ff.: Sp. 1028). Zu den Etymologien der kartierten FamN vgl. die Angaben bei der zweiten und der dritten Karte. Das Sample umfasst formal BerufsN auf -(l/ n)er (Jäger, Fischler, Falkner), ein l-Diminutiv (Schuppli), Nomina agentis auf -i (Lussi, Lüssi) sowie eine Suffixbildung mit -mann (Weidmann). 3 Für den FamN von Fischer und den in der französischsprachigen Schweiz vorkommenden FamN de Fischer vgl. die Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de» und II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de». Karte 430: Berufs(über)N zur Jagd und Fischerei gesamthaft, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Vgl. die Artikel II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y» und II-2.7 «Familiennamen auf -mann». 4.4 Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei 915 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="294"?> Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass FamN mit Bezug zur Jagd überwiegend im Norden und (Nord-)Osten der Deutschschweiz auftreten sowie vereinzelt auch im Wallis vorkommen. Berufs- und BerufsüberN zur Fischerei sind zahlreicher und ziehen sich über das Mittelland bis in voralpine Gebiete. Dabei erscheinen die FamN häufig in der Nähe von grösseren Gewässern (s. dritte Karte). Die Innerschweizer Kantone und die Ostschweiz bleiben bis auf wenige Vorkommen frei, ebenso das Wallis. Zweite Karte {431}: Berufs(über)namen zur Jagd Namenauswahl: Die zweite Karte zeigt jene FamN aus der Schicht «vor 1800», die auf Berufsbezeichnungen für den Jäger bzw. Vogelfänger zurückgehen. Die Namen werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Amsler: Amsler. 7 Tokens. Typ Falkner: Falkner. 1 Token. Typ Federer: Federer. 2 Tokens. Typ Jäger: Jaeger, Jäger, Jeger, Jegger, Jegher. 32 Tokens. Typ Lussi: Lussi, Lüssi. 8 Tokens. Typ Vogler: Vogler. 14 Tokens. Typ Weidmann: Weidmann. 15 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 449: Daten zur zweiten Karte {431} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Amsler: Der BerufsN Amsler geht auf die spezifische Vogelart mhd. amsel ‘Amsel’ zurück und bezeichnet den Vogelfänger oder möglicherweise auch den Vogelhändler. • Typ Falkner: Der BerufsN Falkner zu mhd. valkenære, valkener ‘Falkner’ bezieht sich auf die Beizjagd und bezeichnet den Jäger, der Jagdfalken betreut und sie für die Jagd einsetzt. • Typ Federer: Der BerufsN Federer geht auf mhd. vëder(e) ‘Feder, f laumiges Pelzwerk’ zurück und steht für einen auf Vogelwild spezialisierten Jäger oder einen Jäger, der die Falkenjagd betreibt. • Typ Jäger: Die BerufsN stellen sich zu mhd. jeger(e) ‘Jäger’. Jaeger und Jegger im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg sind französisierte Formen von Jäger. Der FamN Jegher im (einst) rätoromanischsprachigen Gebiet Graubündens weist graphematische Adaption auf. Karte 431: Berufs(über)N zur Jagd, vor 1800 916 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="295"?> • Typ Lussi: Die BerufsN Lussi und Lüssi beziehen sich auf mhd. lūʒen ‘verborgen liegen, sich versteckt halten, lauern’, schwzdt. lūsse(n) ‘lauern’ und bezeichnen eine Person, die dem Wild wie ein Jäger auf lauert. Der FamN Lussi im Tessin ist homograph und muss anders gedeutet werden. • Typ Vogler: Der BerufsN Vogler zu mhd. vogelære, vogeler ‘Vogelfänger’ geht im Unterschied zum FamN Amsler auf die allgemeine Gattungsbezeichnung Vogel zurück. • Typ Weidmann: Der BerufsN Weidmann kommt von mhd. weideman ‘Jäger, Fischer’. 4 Er könnte sich also auch auf einen Fischer (s. dritte Karte) beziehen. Die Zuteilung zur Jagd wurde analog zum DFA 5 (2016: 529) vorgenommen. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass FamN zur Jagd v. a. in der (Nord-)Ostschweiz vorkommen. Dieses Bild geht teilweise auf die Verbreitung des Typs Jäger zurück, der in diesen Gebieten gehäuft auftritt. Während in der westlichen Deutschschweiz Streubelege auszumachen sind, bleibt die Zentralschweiz - abgesehen von einem Einzelbeleg im Kanton Schwyz an der Grenze zu Zürich - frei von diesem Namentyp. Der FamN Weidmann ballt sich im Kanton Zürich, mit einem weiteren Vorkommen im Kanton Schwyz. Der Typ Vogler erscheint überwiegend in der Nordostschweiz sowie im Kanton Aargau an der Grenze zu Zürich, daneben ist er einmalig in Obwalden alteingesessen. Der Typ Lussi konzentriert sich im Kanton Zürich. Der BerufsN Amsler bildet ein kleines Namennest im Kanton Aargau, mit je einem weiteren Vorkommen in den angrenzenden Kantonen Basel-Landschaft und Zürich. Der FamN Federer ist im Kanton St. Gallen an der Landesgrenze zu Österreich bezeugt. Der BerufsN Falkner tritt einmalig in der Stadt Basel (BS) auf. Dritte Karte {432}: Berufs(über)namen zur Fischerei Namenauswahl: Die dritte Karte gilt den FamN, die auf Berufsbezeichnungen aus dem Fischereigewerbe zurückgehen. Die Namen werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Fischer: de Fischer, Fischer, Fischler, Vischer, von Fischer. 88 Tokens. Typ Krebser: Krebser. 6 Tokens. Typ Masche: Maeschi. 1 Token. Typ Netzer: Netzer. 1 Token. Typ Schuppe: Schüeb, Schüep, Schuepp, Schüepp, Schuppli. 18 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 450: Daten zur dritten Karte {432} Karte 432: Berufs(über)N zur Fischerei, vor 1800 4 Denkbar ist auch ein WohnstättenN zu schwzdt. Weid, Weide(n) ‘Weide, Grasland, Futterplatz für Tiere’ oder zu einem darauf basierenden Toponym (vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland»). 4.4 Berufs(über)namen zur Jagd und Fischerei 917 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="296"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Fischer: Die BerufsN gehen auf mhd. vischære, vischer ‘Fischer’ zurück. • Typ Krebser: Der BerufsN Krebser stellt sich zu mhd. krëbez, krëbz für den Krebsfänger. • Typ Masche: Der BerufsüberN Maeschi bezieht sich auf schwzdt. Masch ‘Masche in Fischer- und Jägernetz’. Maeschi könnte somit auch den Jäger bezeichnen, der Name wurde jedoch aufgrund seiner semantischen Ähnlichkeit zu Netzer an dieser Stelle berücksichtigt. • Typ Netzer: Der BerufsN Netzer, zu mhd. netze ‘Netz’, bezeichnet wahrscheinlich einen Netzfischer. Möglich ist auch ein Bezug zum Hersteller von (Fischer-)Netzen. • Typ Schuppe: Die BerufsüberN gehen auf mhd. schuope ‘Schuppe’ bzw. schwzdt. Schuep ‘Bekleidung des tierischen oder pf lanzlichen Körpers, v. a. Fischschuppen; Kopfschuppen’ zurück. Kommentar: Wie die dritte Karte zeigt, ziehen sich die FamN des Typs Fischer über das Mittelland bis in die Romandie und ins voralpine Gebiet. Dabei konzentriert sich die frequente Variante Fischer hauptsächlich in den Kantonen Aargau (21 Tokens) und Zürich (19 Tokens). Auffällig ist die Verbreitung der FamN in der Nähe von grösseren Gewässern: Einerseits entlang der Aare vom Berner Oberland über die verschiedenen Seen (Brienzersee, Thunersee, Bielersee) bis zur Mündung in den Rhein (AG), andererseits entlang des Rheins von Chur (GR) über den Bodensee (TG) und die Stadt Schaffhausen bis Basel-Stadt. Eine weitere Verdichtung der FamN zeigt sich in der Region des Sempachersees (LU). Der Typ Schuppe erstreckt sich über die Kantone Aargau, Zürich und Thurgau. Der BerufsN Krebser bildet ein Namennest im Kanton Zürich entlang der Glatt und ist zudem in Thun (BE) alteingesessen. Die Vermutung liegt nahe, dass in diesen Gebieten Krebsfang betrieben wurde. Der BerufsüberN Maeschi findet sich einmalig in Büren an der Aare (BE) und der Name Netzer tritt lediglich am Sempachersee in Schenkon (LU) auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Fischer (13'539 Tokens), Jäger (2'833 Tokens) und Weidmann (1'462 Tokens). Fischer gehört damit zu den häufigsten FamN in der Schweiz; vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Vergleich mit benachbartem Ausland: Der BerufsN Fischer besetzte im Jahr 2005 den vierten Platz der häufigsten FamN Deutschlands (vgl. Nübling/ Kunze 2023: 34). Für weiterführende Angaben zu Frequenzen in anderen Ländern vgl. das DFD (2025: s. v. Fischer). Die FamN zur Fischerei werden im DFA 5 (2016: 170-197) auf den Karten 60-72 behandelt. Berufs- und BerufsüberN zur Jagd sind «weniger dicht besetzte Bereiche» (DFA 5 2016: XXV), weshalb sie im DFA 5 (2016) nicht weiter berücksichtigt wurden. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Busley, Simone (2025): Fischer. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 4/ 1 (letzter Zugriff 24.07.2025). Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Amacher, Urs/ Geiger, Wolfgang (2021): Fischerei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013943/ 2021-01-15/ (letzter Zugriff 24.07.2025). e-HLS = Müller, Kurt/ Blankenhorn, Hans-Jörg (2008): Jagd. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013942/ 2008-01-28/ (letzter Zugriff 24.07.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 24.07.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Selma Vonlanthen, Martina Heer 918 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="297"?> 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung Schlagwörter: Rohstoff, Schmied, Waffe, Werkzeug Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 17.04.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Berufsbezeichnungen aus dem Bereich der Metallverarbeitung zurückgehen. Das semantische Feld umfasst sowohl die Rohbearbeitung von Metall als auch die Weiterverarbeitung zu Gebrauchsgegenständen. Das Handwerk der Metallverarbeitung zählt zu den ältesten gewerblichen Tätigkeiten, was jungsteinzeitliche Fundgegenstände aus dem Gebiet der heutigen Schweiz bezeugen (e-HLS 2009: s. v. Metallverarbeitende Handwerke). Für das Leben im Mittelalter war das metallverarbeitende Gewerbe von grosser Relevanz. Das Schmiedehandwerk gehörte in früheren Zeiten zu den angesehensten Berufsgruppen; die Differenzierung in viele hochspezialisierte Zweige ist Ausdruck des grossen Bedarfs an Metallgegenständen, die die Schmiede für den alltäglichen Gebrauch herstellten. Ihre Arbeit richtete sich nach der Nachfrage «des Verkehrs (Hufbeschlag, Wagen-, Schiffbau), des Handwerks (Werkzeuge), der Wald-, Land- und Hauswirtschaft (Werkzeuge, Geräte, Gegenstände)» (e-HLS 2009: s. v. Metallverarbeitende Handwerke). Ab dem 13. Jh. kamen neben dem herkömmlichen Schmiedehandwerk weitere metallverarbeitende Berufe auf, die sich insbesondere auf die Herstellung von Ausrüstung und Waffen oder auf spezifisches Kunsthandwerk spezialisierten (e-HLS 2009: s. v. Metallverarbeitende Handwerke). Für ausführlichere historische Hintergründe zur Metallverarbeitung und zur Metallindustrie s. die einschlägigen Artikel im e-HLS (2009: s. v. Metallindustrie; 2009: s. v. Metallverarbeitende Handwerke; 2018: s. v. Handwerk). Die erste Karte stellt FamN wie Stahel oder Mösch dar, denen eine Bezeichnung für metallische Roh- oder Werkstoffe zugrunde liegt. Im Anschluss thematisiert der Kartenkomplex verschiedene Bereiche der Metallverarbeitung: Die zweite Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN zur Herstellung von gefässartigen Gegenständen wie Kessler oder Pfannenschmid, während auf der dritten Karte FamN zur Herstellung von Waffen wie Harnisch oder Hallenbarter abgebildet werden. Die vierte Karte enthält FamN zu Werkzeugen, was sowohl die Herstellung von Werkzeugen als auch die Benutzung von Werkzeugen beinhaltet (z. B. Haemmerli, Sägesser), und die fünfte Karte wendet sich jenen FamN zu, die auf die Herstellung kleinerer Gegenstände zurückgehen (z. B. Spori, Schlosser). Es werden mehrheitlich direkte BerufsN (z. B. Spengler ‘Blechschmied’) kartiert, aber auch indirekte BerufsN (sogenannte BerufsüberN wie z. B. Hammer), die bspw. das Material, das Werkzeug oder das Produkt bezeichnen und sich so auf den Hersteller beziehen, werden für die Kartierungen berücksichtigt. In diesen Fällen konkurrieren die Benennungsmotive der BerufsüberN und der ÜberN miteinander, was eine eindeutige Zuweisung erschwert resp. unmöglich macht (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 151). Die abschliessende sechste Karte bietet einen panschweizerischen Überblick über die häufigsten BerufsN zum Beruf des Schmieds. 1 In der rezenten Rangliste aller FamN der Schweiz liegt Schmid nach Müller und Meier auf dem dritten Rang (BFS 2023: STATPOP 2022); dies gilt auch für die historische Schicht «vor 1800» (Müller mit 431, Meier mit 300 und Schmid mit 273 Belegorten). 2 Mit Kunze (2004: 117) ist zu betonen, dass BerufsN für den Schmied in vielen Teilen Europas zu den häufigsten FamN überhaupt gehören, was auf die oben erwähnte «weite Verbreitung und Bedeutung des Schmiedehandwerks zu mittelalterlicher Zeit zurückzuführen» ist (DFD 2025: s. v. Schmidt). 1 Auf eine exklusive Karte zu allen Schmied -Namen inklusive Komposita wird hier verzichtet, da diese FamN bereits in den Artikeln I-2.7 «Schreibvariation bei Plosiven im Auslaut» und II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast» kartiert werden. 2 Die auf der historischen Datenschicht «vor 1800» basierenden Frequenzangaben zu den FamN sind allerdings nur bedingt als Frequenzen zu betrachten, vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung 919 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="298"?> Erste Karte {433}: Berufs(über)namen zu metallischen Roh- oder Werkstoffen Namenauswahl: Die erste Karte zeigt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 3 die Bezeichnungen für einen metallischen Roh- oder Werkstoff enthalten. Abgebildet werden die FamN der drei häufigsten Typen Stahl, Eisen und Mösch. Abgefragte Namen Typ Stahl: Stachel, Staehelin, Stahel, Stäheli, Stähelin, Stahl, Stählin, Stehelin, Stehl, Stehle, Stehli, Stehlin. 12 Types, 70 Tokens. Typ Eisen: Domeisen, Dünneisen, Eisenhut, Eisenring, Isenring, Isenschmid, Isler, Kecheisen, Reheis, Ringeisen, Singeisen, Sperisen, Wildisen. 13 Types, 69 Tokens. Typ Mösch: Mäschli, Moeschler, Mösch, Mösching, Möschinger, Möschler, Möschli, Möschlin. 8 Types, 12 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 0-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 451: Daten zur ersten Karte {433} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Die FamN des Typs Stahl gehen in erster Linie auf mhd. stahel, stāl ‘Stahl, stählerne Rüstung’ zurück und benannten ursprünglich einen Stahlschmied. Eine mögliche Mehrdeutigkeit ist jedoch nicht auszuschliessen: Denkbar ist grundsätzlich auch ein ÜberN für eine sture Person oder allenfalls ein WohnstättenN zu mhd. stal ‘Wohnort, Stelle, Stall, Ort zum Einstellen des Viehs’ (s. DFD 2025: s. v. Stahl ). 5 Die FamN des Typs Mösch gehen auf schwzdt. Mösch ‘Messing’ zurück. Da die FamN zu mhd. īsen ‘Eisen’ in sich sehr heterogen sind, werden ihre einschlägigen Deutungen in Tabelle 452 einzeln aufgeführt. Das eisenverarbeitende Handwerk war im Mittelalter hochgradig differenziert, was seinen Niederschlag in vielen verschiedenen Bei- und FamN gefunden hat. Karte 433: Berufs(über)N zu metallischen Roh- oder Werkstoffen, vor 1800 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 5 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 920 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="299"?> FamN Einschlägige Deutung Domeisen zu fnhd. daum(en)eisen ‘Handfessel, Daumenschraube (als Folter- oder Fesselwerkzeug)’, auch ‘Werkzeug des Drahtziehers’ für den Hersteller derartiger Geräte Dünneisen zu nhd. Dünneisen ‘Eisenblech, verzinntes Blech’ für den spezialisierten Schmied und Hersteller solcher Bleche Eisenhut zu mhd. īsenhuot ‘eiserner Helm, eiserne Haube’ für den Waffen- oder Panzerschmied Eisenring, Isenring zu mhd. īsenrinc ‘Eisen-, Panzerring’ für den Panzerschmied Isenschmid zu mhd. īsensmit für den Schmied, der Eisen bearbeitet (im Gegensatz dazu stehen die FamN Goldschmid, Kupferschmid und Kupferschmied, die als niederfrequente Namengruppen hier weggelassen wurden; vgl. Artikel II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast») Isler zu mhd. īsen ‘Eisen; verarbeitetes Eisen’ für den Schmied, der Eisen bearbeitet, oder für den Eisenhändler Kecheisen SatzN aus quick [das] Eisen! ‘reinige das Eisen von Unreinheiten! ’ zum Verb quicken (bergmännisch) ‘mit Quecksilber vermengen, amalgamieren oder davon scheiden’ für einen Schmied Reheis zu fnhd. Rauheisen ‘Roheisen; das nicht weiter bearbeitete Eisen’ für einen Schmied Ringeisen zu schwzdt. (älter) Ringīse(n) ‘hufeisenartiges Beschläg an Schuhen’ für den Hersteller derartiger Eisenstücke Singeisen aus dem Verbalstamm mhd. singin der Bedeutung ‘knistern, prasseln, zischen’ und mhd. īsen, wohl übertragen aus einem Geräusch, das bei der Bearbeitung des Eisens entsteht, für einen Schmied Sperisen zu mhd. spërīsen ‘die eiserne Spitze des Speers’ für den Schmied, der solche Teile herstellte Wildisen zu mhd. wilde, wilt ‘ungezähmt, wild’ und mhd. īsen für einen Waffenschmied Tabelle 452: Einschlägige Deutung der FamN zu mhd. īsen ‘Eisen’ Formal umfasst das Sample Komposita sowie Zusammenrückungen mit Eisen-/ -eisen (Eisenhut, Ringeisen, Singeisen), l-Diminutive (Möschlin) und Ableitungen auf -er (Isler, Möschler). 6 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass die FamN der Typen Stahl und Eisen überwiegend in der Nordostschweiz auftreten. Daneben ist die erste Namengruppe auch im Nordwesten der Deutschschweiz mehrfach vertreten (v. a. BL, BS), während Typ Eisen im westlichen Mittelland nur vereinzelt auftritt. Die FamN des Typs Mösch verteilen sich mit insgesamt wenigen Belegen auf die Kantone Aargau, Basel- Landschaft, Bern und Solothurn. Die Zentralschweiz bleibt ausser in Grenznähe zu den Kantonen Aargau und Zürich frei von allen Typen; die Kantone Glarus, Freiburg und Wallis ebenfalls. In Graubünden sind nur wenige Vorkommen bezeugt. 6 Vgl. die Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung», II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast», II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen». Zum Typ Stahl s. Artikel I-2.4 «Variation ch / h für germ. χ». 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung 921 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="300"?> Zweite Karte {434}: Berufs(über)namen zur Herstellung gefässartiger Gegenstände Namenauswahl: Die zweite Karte umfasst Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die mit der Herstellung gefässartiger Gegenstände aus Metall in Verbindung gebracht werden können. Diese Gegenstände sind im Einzelnen etwa Küchenutensilien wie Pfannen, Töpfe und Kellen, aber auch Glocken oder unspezifische Gefässe. Abgefragte Namen Typ Kessler: Kesseli, Kessler. 36 Tokens. Typ Treichler: Treichler, Trinkler. 10 Tokens. Typ Pfanner: Pfannenschmid, Pfanner. 4 Tokens. Typ Gatzmann: Gatzmann. 1 Token. Typ Giesser: Giesser. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 453: Daten zur zweiten Karte {434} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN des Typs Kessler basieren auf mhd. keʒʒelære, keʒʒeler ‘Kessel-, Kupferschmied’ resp. mhd. keʒʒel ‘Kessel’. Treichler und Trinkler gehen auf schwzdt. Treichle, Trinkele ‘Viehschelle, Kuhglocke’ zurück. Eine gewisse Mehrdeutigkeit lässt sich nicht ausschliessen, da die FamN sowohl den Hersteller dieser Glocken als auch den Träger bei Umzügen bezeichnen könnten. Namen des Typs Pfanner bezeichneten den Pfannenschmied. Gatzmann stellt sich zu schwzdt. Gatz ‘Schöpfkelle aus Metall (meist Kupfer)’ und benannte den Hersteller solcher Kellen. Giesser schliesslich geht auf mhd. gieʒen ‘giessen, Metall giessen’ zurück und bezeichnete unspezifisch einen Metallarbeiter, der Gefässe oder Glocken herstellte. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass sich der Typ Kessler einerseits in einer nordsüdlichen Ausdehnung vom Kanton Basel-Landschaft bis in den Kanton Freiburg zieht und andererseits über die Ostschweiz verteilt ist. Die Zentralschweiz bleibt frei von dieser Namengruppe - abgesehen von zwei Vorkommen im Kanton Schwyz, die an das Verbreitungsgebiet in der Ostschweiz anschliessen. Der Typ Treichler bildet ein Namennest im westlich daran angrenzenden Gebiet der Kantone Zug und Zürich. Der Typ Pfanner findet sich in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Basel-Stadt. Singulär sind die FamN Gatzmann in Winterthur (ZH) und Giesser in Altishausen (TG). Karte 434: Berufs(über)N zur Herstellung gefässartiger Gegenstände, vor 1800 922 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="301"?> Dritte Karte {435}: Berufs(über)namen zur Herstellung von Waffen Namenauswahl: Die dritte Karte widmet sich Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Herstellung von Waffen zurückgehen. Abgefragte Namen Typ Schilter: Schild, Schilt, Schilter. 22 Tokens. Typ Harnisch: Harnisch. 2 Tokens. Typ Banzer: Banzer. 1 Token. Typ Haggenmacher: Haggenmacher. 1 Token. Typ Hallenbarter: Hallenbarter. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 22-38, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 454: Daten zur dritten Karte {435} Detailangaben zur Namenauswahl: Schilter geht zurück auf mhd. schiltære ‘Schildmacher, Wappenmaler’ für den gewerbsmässigen Verfertiger und Ausgestalter von Schilden (als Schutzwaffen, aber auch Wappen- und Aushängeschilden). Schild und Schilt lassen sich als BerufsüberN zu mhd. schilt ‘Schild, Wappenschild’ für den Schildmacher deuten. Gelegentlich kann der FamN jedoch auch auf ein am Wohnhaus angebrachtes Schildzeichen zurückzuführen sein und damit den Bewohner des damit markierten Hauses meinen. 7 Der BerufsüberN Harnisch stellt sich zu mhd. harnas, harnasch ‘Panzer, Harnisch’ für den Waffenschmied, spezifischer den Hersteller von Harnischen. Auch Banzer zu mhd. panzier, panzer ‘Panzer, Harnisch’ bezeichnete den Waffenschmied, der v. a. Harnische herstellte. Haggenmacher basiert auf einer Bezeichnung für den Verfertiger von Hakenbüchsen, eine Gattung von Vorderladern (Feuerwaffen). Hallenbarter stand für den Hersteller von Hellebarden, eine Stosswaffe mit scharfer Spitze. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass diese Motivgruppe grösstenteils sehr niederfrequent ist, einzig der Typ Schilter erreicht eine zweistellige Tokenzahl. Der FamN Schilter beschränkt sich allgemein auf die Zentralschweiz und bildet ein Namennest im Kanton Schwyz. Die Varianten Schild und Schilt sind hingegen typisch für das östliche Berner Oberland, mit weiteren Belegen im Emmental (BE) und in Grenchen (SO). Harnisch kommt jeweils mit einem Ortspunkt in den Kantonen Bern und Solothurn vor. Banzer tritt einmalig in Feldis/ Veulden (GR) in Erscheinung, Haggenmacher in Winterthur (ZH) und Hallenbarter in Obergesteln (VS). Karte 435: Berufs(über)N zur Herstellung von Waffen, vor 1800 7 Vgl. Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung 923 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="302"?> Vierte Karte {436}: Berufs(über)namen zu Werkzeugen Namenauswahl: Die vierte Karte thematisiert Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die sich zu Bezeichnungen von Werkzeugen stellen. Die Kategorie Werkzeuge bezieht sich sowohl auf die Benutzung von bestimmten Werkzeugen als auch auf deren Herstellung. Abgefragte Namen Typ Hammer: Haemmerli, Hammer, Hammerer, Hämmerli. 15 Tokens. Typ Sägesser: Sägesser, Segessemann, Segessenmann, Segesser, Segiser. 9 Tokens. Typ Dengler: Dängeli, Dengler. 3 Tokens. Typ Zähner: Zähner. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 455: Daten zur vierten Karte {436} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN des Typs Hammer gehen auf mhd. hamer ‘Hammer’ bzw. auf mhd. hamerære ‘Hämmerer, Hammerschmied’ zurück und bezeichneten den Schmied, der regelmässig einen Hammer benutzte. Der Typ Sägesser findet seinen Ursprung in mhd. sëgense ‘Sense’ und benannte den Hersteller von Sensen. Allerdings lässt sich nicht ausschliessen, dass damit stattdessen der Mäher gemeint war. 8 Der Typ Dengler zu mhd. tengen, tengelen ‘schlagen, klopfen, hämmern’ resp. mhd. tengeler ‘Dengler’ bezeichnete Personen, die Sensen, Sicheln oder Pf lugsechen durch Hämmern schärften. Der BerufsN Zähner stellt sich zu mhd. zeiner ‘Zeinschmied’ für einen Schmied, der Metall (Eisen, Kupfer, Gold) mit einem Hammer zu Stäben verarbeitete. Die Schreibung (und Lautung) mit <äh> ref lektiert die Aussprache in der appenzellischen Mundart. Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass sich die FamN des Typs Hammer entlang einer Linie an der Grenze zwischen Jura und Mittelland verteilen. Weitere Vorkommen finden sich in den Kantonen Luzern und Glarus sowie in Rorschach (SG). Der Typ Sägesser bildet ein kleines Namennest im Oberaargau (BE). Nebst weiteren Ortspunkten im Kanton Bern tritt der Typ zudem in den Städten Basel und Luzern auf. Der Typ Dengler verteilt sich über die Kantone Bern, Luzern und Appenzell Innerrhoden. Zähner ist ausschliesslich im Kanton Appenzell Ausserrhoden alteingesessen. Karte 436: Berufs(über)N zu Werkzeugen, vor 1800 8 Vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 924 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="303"?> Fünfte Karte {437}: Berufs(über)namen zur Herstellung kleinerer Gegenstände Namenauswahl: Die fünfte Karte enthält Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Herstellung kleinerer Gegenstände aus Metall Bezug nehmen. Abgefragte Namen Typ Nagel: Naegeli, Nagel, Nägeli, Nägelin. 39 Tokens. Typ Sporrer: Spoerry, Spori, Spöri, Spörli, Sporrer, Spörri. 6 Types, 27 Tokens. Typ Spengler: Spengeler, Spengler. 14 Tokens. Typ Schlosser: Schlosser. 4 Tokens. Typ Nadler: Nadler. 3 Tokens. Typ Hafter: Haffter, Hafter. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 456: Daten zur fünften Karte {437} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN des Typs Nagel gehen auf mhd. nagel ‘Nagel an Fingern oder Zehen; Nagel oder Schraube aus Holz oder Metall’ zurück und bezeichneten einen Nagelschmied, also einen Spezialisten aus dem Schmiedehandwerk, der Nägel verschiedener Typen (v. a. Hufnägel, Schuhnägel, Brettnägel, aber auch winzige Nägel für Beschläge usw.) herstellte. Für die Diminutivformen ist jedoch ein Bezug zum Gewürzhandel (schwzdt. Nägeli ‘Gewürznelke’) nicht gänzlich auszuschliessen. Die FamN des Typs Sporrer basieren auf mhd. sporære, sporer ‘Sporenmacher, Kleinschmied’ resp. auf mhd. spor(e) ‘Sporn’ oder schwzdt. spore(n) ‘mit Sporen versehen, Sporen herstellen’ und benannten den spezialisierten Schmied, der mit der Herstellung von Sporen, Steigbügeln, Striegeln, Zäumen, Beschlägen u. ä. betraut war. Der Typ Spengler geht zurück auf mhd. spange bzw. auf die Diminutivform mhd. spengelīn, spengel ‘Spange, Band, Beschlag’ und bezeichnete den Spengler oder Blechschmied, der kleinere Gegenstände wie Spangen oder Rohre, aber auch Gefässe herstellte. Schlosser zu mhd. slozzer ‘Schlosser’ bezeichnete den Schmied, der feinere Eisenarbeit machte, bspw. Schlösser. Nadler beruht auf mhd. nādelære, nādeler ‘Nadelmacher, Nadler’. Die FamN des Typs Hafter gehen auf mhd. haft ‘Band, Naht, Festhaltung’ zurück und benannten den spezialisierten Handwerker zur Herstellung von Spangen, Broschen oder Ziernadeln. Kommentar: Die fünfte Karte zeigt, dass der Typ Nagel v. a. in der Nordostschweiz auftritt, mit einer Ballung im Kanton Zürich. Weitere Vorkommen finden sich u. a. im Berner Oberland, im Kanton Basel- Landschaft sowie in Churwalden (GR). Ebenfalls im Nordosten, mit Schwerpunkt im Kanton Zürich, clustert der Typ Sporrer. Einige Ortspunkte liegen zudem im Kanton Bern. Der Typ Spengler tritt gehäuft im Kanton Thurgau in Erscheinung; daneben ausserdem in Karte 437: Berufs(über)N zur Herstellung kleinerer Gegenstände, vor 1800 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung 925 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="304"?> den Kantonen Schaffhausen, Aargau und Luzern. Der FamN Schlosser kommt vereinzelt in den Kantonen Basel-Stadt, Solothurn, Bern und Graubünden vor. Nadler tritt im Kanton Thurgau und mit einem Ortspunkt im Kanton Aargau auf. Der Typ Hafter beschränkt sich auf die Gemeinde Weinfelden (TG), in der beide Schreibvarianten alteingesessen sind. Sechste Karte {438}: Berufsnamen zum Beruf des Schmieds panschweizerisch Namenauswahl: Die sechste Karte umfasst jene Namen aus der Schicht «vor 1800», die als häufigste BerufsN (inklusive deren Varianten) für den Schmied in den vier Sprachgebieten der Schweiz identifiziert wurden. 9 Abgefragte Namen Deutsche BerufsN für den Schmied: Schmed, Schmedt, Schmid, Schmidt, Schmied, Schmit, Schmitt. 7 Types, 336 Tokens. Französische BerufsN für den Schmied: Favre, Faivre. 80 Tokens. Italienische BerufsN für den Schmied: Ferrari. 33 Tokens. Rätoromanische BerufsN für den Schmied: Farrèr, Fratschöl, Fravi. 6 Tokens. Datenschichten: vor 1800 u. Herkunft (alle Typen) Kreise 15-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 50-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 457: Daten zur sechsten Karte {438} Detailangaben zur Namenauswahl: Die deutschsprachigen FamN gehen alle auf mhd. smit ‘Schmied, Metallarbeiter’ zurück. Gemeingermanisch handelt es sich bei Schmied um «eine Sammelbezeichnung für Handwerker, die mit scharfem Werkzeug harte Materialien bearbeiten, wie Metall, aber auch Holz. Später erfolgt die Bedeutungsspezifizierung zum ‘Eisenschmied’» (DFD 2025: s. v. Schmidt). In den drei romanischsprachigen Gebieten der Schweiz - wie auch in der Romania allgemein - konkurrieren verschiedene etymologische Typen, die den Beruf des Schmieds bezeichnen (FEW 3 1928 ff.: 342). Die hier kartierten FamN ref lektieren drei Haupttypen: 1. FamN aus lat. faber ‘Handwerker, Schmied’: frz. Favre und Faivre (GPSR VII 1924 ff.: 209) 2. FamN aus Ableitungen zu lat. ferrum ‘Eisen’: ital. Ferrari sowie rätorom. Farrèr und Fratschöl (DRG 6 1939 ff.: 135; Caffarelli/ Marcato 2008: 754) Karte 438: BerufsN zum Beruf des Schmieds panschweizerisch, vor 1800 9 Für weitere BerufsN für den Schmied wie Schmidlin, Hufschmid oder Kaltschmied beachte man, wie bereits erwähnt, den Artikel II-2.18 «Komposita: Formvarianten im Kontrast» (fünfte Karte). Deutschschweizer WohnstättenN zur Schmiede wie Inderschmitten, Schmitter oder Zurschmiede werden im Artikel III- 3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen» behandelt. 926 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="305"?> 3. FamN aus Ableitungen zu lat. fabrica ‘Werkstatt, Schmiede’: rätorom. Fravi Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass sich die geographische Verbreitung der vier Namengruppen grösstenteils mit den Landessprachregionen der Schweiz deckt (vgl. Karte 283 in der III-A «Kurzeinleitung zu Band III»). Auffällig ist die Präsenz des deutschen Namentyps Schmied auch in den rätoromanischen Sprachregionen, z. B. in der Surselva (GR). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Schmid (29'436 Tokens), Favre (5'286 Tokens) und Schmidt (3'523 Tokens). Klammert man die bereits historisch sehr frequenten und weit verbreiteten Namen der sechsten Karte aus, 10 erreichen Kessler (3'326 Tokens), Isler (2'332 Tokens) und Stäheli (1'676 Tokens) die höchsten Frequenzen. Vergleich mit benachbartem Ausland: Die BerufsN zum metallverarbeitenden Gewerbe werden im DFA 5 (2016: 220-267) auf den Karten 81-99 dargestellt. Dabei wird eine Unterteilung in Grobschmiede (DFA 5 2016: 220-237) einerseits und Klein-, Blechsowie Waffenschmiede (DFA 5 2016: 238-267) andererseits vorgenommen. Auch in Nübling/ Kunze (2023: 390-395) werden die BerufsN für den Schmied kartiert. Kunze (2004: 116-119) behandelt FamN zum metallverarbeitenden Gewerbe ebenfalls und unterteilt sie in die Berufe Schmied, Klempner, Schlosser und Waffenhersteller. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2023): STATPOP 2022. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Kanton und nach Sprachregion für das Jahr 2022. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 26925057 (letzter Zugriff 17.04.2025). Caffarelli, Enzo/ Marcato, Carla (2008): I cognomi d’Italia: dizionario storico ed etimologico. 2 Bde. (La nostra lingua). Torino: UTET. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Heuser, Rita (2025): Stahl. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 183/ 1 (letzter Zugriff 24.09.2025). DFD = Kunz, Nikola (2025): Schmidt. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 2/ 1 (letzter Zugriff 24.09.2025). DRG = Dicziunari Rumantsch Grischun (1939 ff.): Bd. 1 ff. Chur: Bischofberger, dann Winterthur: Stamparia, dann Chur: Societad Retorumantscha. e-HLS = Degen, Bernard (2009): Metallindustrie. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013986/ 2009-11-05/ (letzter Zugriff 17.04.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2009): Metallverarbeitende Handwerke. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013980/ 2009-11-05/ (letzter Zugriff 17.04.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2018): Handwerk. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013954/ 2018-01-25/ (letzter Zugriff 17.04.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 17.04.2025). FEW = Französisches Etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes (1928 ff.): Bd. 1 ff. Basel et al.: Zbinden et al. GPSR = Glossaire des patois de la Suisse romande (1924 ff.): Bd. 1 ff. Neuchâtel, Paris: Attinger, dann Genève: Librairie Droz. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Selma Vonlanthen, Martina Heer 10 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 4.5 Berufs(über)namen zur Metallverarbeitung 927 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="306"?> 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk Schlagwörter: Gerberei, Kleidung, Näharbeit, Schuhmacherhandwerk, Stoffverarbeitung Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 18.09.2024; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zu den Bereichen des Textil-, Leder- und Pelzhandwerks aufweisen. Es werden zum einen Namen kartiert, die aus der Produktion von Leder und Pelz (z. B. Gerber, Ledergerber) sowie von Textilien (z. B. Walker) hervorgegangen sind, zum anderen solche Namen, die sich auf Handwerke beziehen, die aus Leder, Pelz oder Textilien Gebrauchsgegenstände herstellen wie Sauter und Kürsener (Leder- und Pelzverarbeitung) oder Hutmacher und Spinner (Textilverarbeitung). Ausserdem wird die Verbreitung von FamN zu verschiedenen Kleidungsstücken (z. B. Mantel, Hösli) aufgezeigt, die sich jeweils als indirekte Berufsbezeichnungen (auch BerufsüberN genannt) auf die Hersteller der Kleidung beziehen können. Anzumerken ist, dass in diesen Fällen die Benennungsmotive der BerufsüberN und der ÜberN miteinander konkurrieren, was eine eindeutige Zuordnung erschwert resp. unmöglich macht. So kann es sich bspw. bei dem FamN Buntschu um einen BerufsüberN für den Hersteller von solchen Schuhen handeln oder aber um einen ÜberN für den Träger von Schuhen mit Riemen zum Umschnüren (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 151). Die erste Karte fasst alle Berufs- und BerufsüberN zusammen, die zum semantischen Feld des Textilhandwerks zählen. Die zweite Karte behandelt eine Teilmenge der Namen der ersten Karte und gruppiert sie nach den unterschiedlichen Arbeitsschritten (Stoffaufbereitung, Spinnen, Garn- und Wollverarbeitung, Textilveredlung, Näharbeiten) der Stoffherstellung bzw. -weiterverarbeitung. Die dritte Karte widmet sich den BerufsN, die zum semantischen Feld des Leder- und Pelzhandwerks zählen. Diese FamN werden in der vierten Karte nach den handwerklichen Tätigkeiten der Herstellung von Leder und nach der weiteren Verarbeitung von Leder und Pelz unterschieden und kontrastiv dargestellt. FamN wie Sauter, Schuhmacher, Schuster oder Albisser, die zum Schuhmacherhandwerk zählen, sind von der vierten Karte ausgeschlossen und werden auf der nachfolgenden fünften Karte separat aufgeführt. Die abschliessende sechste Karte zeigt die Verbreitung aller BerufsüberN, die aus den Kleidungsstücken Kapuze, Oberbekleidung, Hose und Schuhwerk hervorgegangen sind und sich auf deren Hersteller beziehen. Erste Karte {439}: Berufs(über)namen zum Textilhandwerk Namenauswahl: Die erste Karte zeigt alle Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die zum semantischen Feld des Textilhandwerks gehören. Dazu zählen FamN aus den Tätigkeitsfeldern zur Herstellung von Stoffen (z. B. Leinwand) aus den jeweiligen Rohmaterialien (Flachs, Hanf, Leinen, Wolle) sowie solche, die aus den handwerklichen Tätigkeiten der Verarbeitung zu Gebrauchsgegenständen wie Bekleidung oder Seil hervorgegangen sind. Abgefragte Namen Berufs(über)N zum Textilhandwerk, vor 1800: Bendel, Bläuer, Bleuel, Bleuer, Bleuler, Büsser, Derrer, Dünki, Färber, Gernler, Gugler, Hosner, Hueter, Huter, Hutmacher, Hutmann, Hutter, Hutterli, Kugler, Liner, Linner, Loder, Näher, Najer, Nater, Natterer, Neier, Neiger, Netzer, Neyer, Neyerlin, Notter, Perler, Pleuer, Plüer, Sailer, Sartory, Schneider, Schnider, Schniderlin, Schnidrig, Schnyder, Schnyder von Wartensee, Schnydrig, Seiler, Snider, Snidro, Spinner, Spuhler, Spühler, Spuler, Strähler, Strehler, Studler, Wäber, Waeber, Wäffler, Wäfler, Walcher, Walker, Walkmeister, Wamister, Weber, Wepfer, Wollschlegel, Wullschleger. 66 Types, 578 Tokens. Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 458: Daten zur ersten Karte {439} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Bläuer, Bleuel, Bleuer, Bleuler, Pleuer, Plüer: zu mhd. bliuwe(l)n ‘schlagen, stampfen’, schwzdt. blüüw(e)(l)e(n) ‘mit einem schweren Holzschlegel bearbeiten, insbesondere Garn vor dem Weben weichklopfen, Hanf mit einem Schlegel in der Reibemühle weichquetschen’ für den Inhaber einer Stampfmühle oder den Wollwäscher • Derrer: zu mhd. derren ‘dörren, austrocknen (lassen)’ wohl für den Flachs- oder Hanfröster 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 928 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="307"?> • Gernler: zu mhd. garn ‘Garn, Faden’ für den Netzstricker oder -f lechter • Hutterli: Diminutivform zu mhd. huotære ‘Hutmacher’ • Liner, Linner: zu mhd. līn ‘Lein, Flachs’ für den Leinenweber oder den Leinenhändler nach dessen charakteristischem Arbeitsmaterial • Loder: zu mhd. lodære, loder ‘Wollenweber, der Loden (grobes, ungefärbtes Tuch) herstellt’ • Nater, Natterer, Notter: zu mhd. nātære, nāter ‘Schneider’ für den (Flick-)Schneider, aber auch den Kürschner, der Näharbeiten durchführt • Studler: abgeleitet von mhd. stu(o)del ‘Unterlage, Pfosten, Säule’, etwas jünger auch ‘Webstuhl’ für den Weber • Wäffler, Wäfler: zu mhd. wëvel, wëfel ‘der Einschlag beim Gewebe’ bzw. jünger ‘Querfaden im Gewebe bzw. das entsprechende Material (Garn, Wolle)’ für den Weber bzw. einen Spezialisten im Webergewerbe • Walcher, Walker: zu mhd. walker ‘Walker’ für einen Angehörigen des Gewerbes, bei dem Wolle und andere Gewebe im lauwarmen Seifenwasser zwecks Verfilzung gestampft und gerieben wurden Formal sind die meisten FamN des Samples Nomina agentis auf -er. 3 Weitere Bildungsmuster sind u. a. Diminutiva (Hutterli, Neyerlin), Ableitung auf -mann (Hutmann) bzw. -ig(er) (Schnidrig) oder Nomina instrumenti auf -el (Wollschlegel ). 4 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass sich die Berufs- und BerufsüberN zum Textilhandwerk über weite Gebiete der Deutschschweiz erstrecken; mit einer grossen Belegdichte (mehr als 50 Tokens) in den Kantonen Bern, Aargau, Zürich und St. Gallen. Diese lässt sich u. a. auf die Ballungsgebiete der frequenten FamN Schneider (v. a. BE und ZH) und Weber (v. a. AG, BE, SG, ZH) zurückführen. Einschränkend sei angemerkt, dass das Mittelland durch seine Besiedlungsstruktur grundsätzlich eine höhere Frequenz erreicht als (vor-)alpine Regionen. Schwerpunkte erscheinen zudem im Wallis (Bezirk Raron) sowie im Mittelland am Unterlauf der Aare ab dem Bielersee (Berner Verwaltungskreise Bern-Mittelland, Seeland, Oberaargau), in einem Streifen vom Sarganserland bis zur Stadt Zürich (v. a. Bezirke/ Wahlkreise Sarganserland, See-Gaster, Toggenburg, Bezirk Hinwil, Bezirk Uster) sowie in den Kantonen Thurgau, Schaffhausen und in beiden Basel (BS, BL). Einzig das Kantonsgebiet Nidwaldens bildet eine Ausnahme ohne Beleg. Die Karte zeigt, dass grundsätzlich kein Stadt-Land-Gegensatz gegeben ist und sich die Verbreitung der Namen in städtischen und ländlichen Regionen gleichmässig verteilt. Karte 439: Berufs(über)N zur Textilherstellung und -verarbeitung, vor 1800 3 Vgl. Artikel II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen». 4 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann» und II-2.4 «Familiennamen auf -ig / -ing». 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk 929 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="308"?> Zweite Karte {440}: Berufs(über)namen zu Verarbeitungsschritten der Stoffherstellung und -weiterverarbeitung Namenauswahl: Die zweite Karte widmet sich im Bereich des Textilhandwerks den Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die den vier Verarbeitungsschritten der Stoffherstellung sowie der Weiterverarbeitung durch Näharbeit zugeordnet werden können: 1. Stoffaufbereitung, 2. Spinnen, 3. Garn- und Wollverarbeitung durch Weben oder Flechten und 4. Textilveredlung sowie Näharbeiten. FamN, die sich nicht nach diesen Verarbeitungsschritten einteilen lassen, wie Bendel, Hutmacher oder Seiler, werden von der Kartierung ausgeschlossen. Weber (Garn- und Wollverarbeitung) und Schneider (Näharbeiten) wurden aufgrund ihres hochfrequenten Vorkommens (Weber mit 176 Tokens, Schneider mit 128 Tokens) 5 mehrheitlich in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft, St. Gallen und Zürich bei der Kartierung nicht berücksichtigt. Abgefragte Namen Berufs(über)N zur Stoffaufbereitung: Bläuer, Bleuel, Bleuer, Bleuler, Derrer, Pleuer, Plüer, Strähler, Strehler, Walcher, Walker, Walkmeister, Wollschlegel, Wullschleger. 14 Types, 67 Tokens. Berufs(über)N zum Spinnen: Spinner. 4 Tokens. Berufs(über)N zur Garn- und Wollverarbeitung: Loder, Spuhler, Spühler, Spuler, Studler, Wäber, Waeber, Wäffler, Wäfler, Wepfer. 10 Types, 24 Tokens. Berufs(über)N zur Textilveredlung: Dünki, Färber. 8 Tokens. Berufs(über)N zu Näharbeiten: Büsser, Näher, Najer, Nater, Natterer, Neier, Neiger, Neyer, Neyerlin, Notter, Sartory, Schnider, Schniderlin, Schnidrig, Schnyder, Schnyder von Wartensee, Schnydrig, Snider, Snidro. 19 Types, 95 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 15-40, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 459: Daten zur zweiten Karte {440} Karte 440: Berufs(über)N zur Stoffherstellung und -weiterverarbeitung, vor 1800 5 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 930 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="309"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die Berufs- und BerufsüberN des Textilhandwerks lassen sich nach den vier Verarbeitungsschritten gemäss e-HLS (2014: s. v. Textilindustrie) in vier verschiedene Namengruppen unterteilen. Ergänzt werden sie mit der Weiterverarbeitung des Stoffs durch das Nähhandwerk als fünfte Kategorie: 1. Die Stoffaufbereitung durch Waschen und Kämmen der Wolle oder der Rohfasern: z. B. Derrer (s. erste Karte), Strähler (zu mhd. strǣlen ‘kämmen, glatt streichen’ für den Kammmacher oder den Wollkämmer/ Wollkrempler, also für einen Angehörigen des Berufszweigs, der mit der Weiterverarbeitung gewaschener Wolle betraut war), Walker (s. erste Karte) oder Wullschleger (zu mhd. wollensleger, wörtlich ‘Wollschläger’ für eine Person, die Wolle durch Schlagen bearbeitet) 2. Die Verarbeitung durch das Spinnen: Spinner für eine Person, die mit dem Spinnen von Garn betraut war 3. Die Garn- und Wollverarbeitung durch Weben oder Flechten: z. B. Spuhler (zu spätmhd. spuoler, schwzdt. Spueler ‘wer gewerbsmässig für die Weberei spult’), Wäffler (s. erste Karte) oder Wepfer (zu schwzdt. Wëpfer ‘wer berufsmässig Gewebe herstellt’) 4. Die Veredlung der Textilien durch Bleichen und Färben: Färber für den Angehörigen des sich besonders ab dem 13. Jh. stark ausbreitenden Handwerks der Stofffärberei; 6 auch Dünki als Nomen agentis zu mhd. dunken ‘tauchen, tunken’, schwzdt. auch ‘färben’ gehört der vorliegenden Kategorie an. Das i-Suffix hat oft negativen Charakter und könnte hier jemanden benennen, der das Färberhandwerk nicht besonders gut beherrschte. 5. Weiterverarbeitung der Stoffe durch das Nähhandwerk: z. B. Näher, Najer, Neier, Neiger, Neyer (zu mhd. næjer ‘Näher’), Nater, Natterer, Notter (s. erste Karte), Schnider (zu mhd. snīdære ‘Schneider, Kleidermacher’ für den Hersteller von Textilien, wobei unterschiedliche Spezialisierungen seit ältester Zeit auszumachen sind) oder Sartory (zu lat. sartor ‘Flicker, Flickschneider’) Kommentar: Die fünf Namengruppen nach den verschiedenen Verarbeitungsschritten weisen in der zweiten Karte unterschiedliche Verbreitungsräume auf: Berufs(über)N, die auf die Stoffaufbereitung (erste Gruppe) zurückgehen, sind über die ganze Deutschschweiz verteilt. Sie konzentrieren sich in den Gebieten der Kantone Zürich, Aargau, Solothurn, Uri und Wallis. Besonders häufig tritt dabei der FamN Walker auf. Auch die BerufsN, die auf den Handwerken der Näharbeiten (fünfte Gruppe) basieren, zeigen ein weitläufiges Vorkommen. Sie erscheinen in der Nordwestschweiz (AG, SO), in der Nordostschweiz (SG), in der Innerschweiz (LU) sowie im Wallis. Insbesondere die frequenten Namen Schnider und Schnyder (zusammen 53 Ortspunkte) weisen dabei Ballungsgebiete auf. BerufsN der Garn- und Wollverarbeitung (dritte Gruppe) sind mit dem hochfrequenten, hier nicht abgebildeten FamN Weber im Mittelland verbreitet. 7 Die Varianten Waeber und Wäber wie auch die FamN Wäffler und Wäfler konzentrieren sich hingegen im westlichen Gebiet (BE, FR) und in nördlichen Teilen der Deutschschweiz (AG, ZH). Die niederfrequenten Namen Spinner (zweite Gruppe) und Färber (vierte Gruppe) treten nur vereinzelt auf. Der Name Spinner konzentriert sich dabei ausschliesslich in den beiden Zürcher Bezirken Affoltern und Horgen; Färber erscheint in den Gemeinden Thal (SG) und Tamins (GR). 6 Neue Methoden und Möglichkeiten der Stofffärbung erreichten im Hoch- und Spätmittelalter v. a. aus Flandern und Italien den deutschsprachigen Raum und veränderten die Textilverarbeitung nachhaltig. 7 Vgl. Artikel I-1.1 «Schreibvariation e / ä für germ. ë» (vierte Karte). 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk 931 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="310"?> Dritte Karte {441}: Berufsnamen zum Leder- und Pelzhandwerk Namenauswahl: Die dritte Karte illustriert ausschliesslich BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die zum semantischen Feld des Lederbzw. des Pelzhandwerks gehören. Dazu zählen FamN, die aus den Tätigkeitsbereichen der Lederherstellung (z. B. Gerber) sowie der weiteren Verarbeitung von Leder und Pelz zu Gebrauchsgegenständen hervorgegangen sind (z. B. Beutler, Kürsener, Sattler). Abgefragte Namen BerufsN zum Leder- und Pelzhandwerk, vor 1800: Albietz, Albisser, Beutler, Däscher, Fählimann, Fehlmann, Fellmann, Gerber, Gerwer, Gürtler, Kürsener, Lädermann, Laederer, Laedermann, Lederer, Ledergerber, Ledermann, Sattler, Sauter, Sautter, Scheuzger, Schuhmacher, Schumacher, Schuster, Suter, Sutermeister, Sutter, Sutterlet, Sütterlin, Täscher, Täschler, von Schumacher, Zoutter, Zuter, Zutter. 35 Types, 335 Tokens. Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 460: Daten zur dritten Karte {441} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Albietz, Albisser: zu mhd. altbüezer ‘Schuhf licker’ • Beutler: zu mhd. biutelære, biuteler ‘Beutelmacher’; konkurrierend zu schwzdt. Bǖtler ‘Beutler, Müller’ (vgl. Artikel III-4.2 «Berufs(über)namen zum Bäckereigewerbe») • Däscher, Täscher, Täschler: zu mhd. tasch(e)ner, spätmhd. teschler, täschner ‘Taschenmacher, Taschenhersteller’ • Fählimann, Fehlmann, Fellmann: zu mhd. vel ‘Fell von Tieren’ für den Pelzhändler • Gerber, Gerwer, Ledergerber: zu mhd. gerwer ‘Gerber, Handwerker, der aus rohen Tierhäuten Leder herstellt’ • Gürtler: zu mhd. gürtelære ‘Gürtler’ für den Hersteller von Gurten und Gürteln • Kürsener: zu mhd. kürsenære, schwzdt. Kürsener, Kürsiner für den Kürschner bzw. Pelznäher • Lädermann, Laedermann, Ledermann: zu Leder für den Gerber und Lederhändler • Laederer, Lederer: zu mhd. lëderer ‘Gerber’ • Sattler: zu mhd. sat(e)ler, schwzdt. Sattler ‘Sattler’ • Sauter, Sautter, Suter, Sutter, Sutterlet, Sütterlin, Zoutter, Zuter, Zutter: zu mhd. sūter ‘Näher, Schneider, Schuster’, Lehnwort zu lat. sūtor ‘Flickschuster’ Karte 441: BerufsN zur Lederherstellung bzw. -verarbeitung und zur Pelzverarbeitung, vor 1800 932 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="311"?> • Scheuzger, Schuster: vereinfacht aus mhd. schuohsūtære, schuohsūter ‘Schuhnäher, Schuster’ • Schuhmacher, Schumacher, von Schumacher: zu mhd. schuochmacher ‘Schuhmacher, Schuster’ Kommentar: Die ausgewählten FamN der dritten Karte ballen sich hauptsächlich in den bernischen Verwaltungskreisen Emmental (22 Tokens) und Bern-Mittelland (16 Tokens) sowie in den angrenzenden Kantonen Aargau (v. a. Bezirke Zofingen und Lenzburg) und Luzern (v. a. Wahlkreise Entlebuch, Hochdorf, Sursee und Willisau). Weitere Clusterbildungen zeigen sich im Raum Zürich und im nördlichen Gebiet des Kantons Basel-Landschaft (Bezirk Sissach). In der Ostschweiz treten die BerufsN mehrheitlich im Kanton St. Gallen (v. a. Wahlkreise Sarganserland, St. Gallen und Toggenburg) sowie im Kanton Graubünden auf. Im Gegensatz zum Textilhandwerk finden sich kaum BerufsN zum Lederhandwerk im Oberwallis. Vierte Karte {442}: Berufsnamen zu Verarbeitungsschritten des Leder- und Pelzhandwerks Namenauswahl: Die vierte Karte dokumentiert vergleichend diejenigen BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die sich entweder dem Bereich der Herstellung (z. B. Ledergerber) oder jenem der Weiterverarbeitung und dem Handel (z. B. Fellmann, Täscher) von Leder und Pelz zuordnen lassen. BerufsN zur Herstellung von Schuhen, die ebenfalls dieser zweiten Kategorie zugeordnet werden können, sind auf der nachfolgenden fünften Karte zum Schuhmacherhandwerk separat dokumentiert. Abgefragte Namen BerufsN zur Herstellung: Gerber, Gerwer, Lädermann, Laederer, Laedermann, Lederer, Ledergerber, Ledermann. 8 Types, 51 Tokens. BerufsN zur Verarbeitung: Beutler, Däscher, Fählimann, Fehlmann, Fellmann, Gürtler, Kürsener, Sattler, Täscher, Täschler. 10 Types, 53 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 461: Daten zur vierten Karte {442} Karte 442: BerufsN zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Leder und Pelz, vor 1800 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk 933 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="312"?> Detailangaben zur Namenauswahl: In der Schweiz lassen sich die Gerbertätigkeiten gemäss der mittelalterlichen Lederherstellung nach den unterschiedlichen Verfahren in die Rot- oder Lohgerber, die Weissgerber und die Sämischgerber unterteilen. Rot- oder Lohgerber stellen Leder aus Tierhäuten von Grossvieh mit Lohe, einem Gemisch aus gemahlener Eichen- oder Fichtenrinde, her. Dieses Leder wird bspw. für Sättel oder Schuhe verwendet. Weissgerber hingegen fertigen hauptsächlich Leder für Bekleidung durch Salzgerbung mit Alaun aus den Fellen von Kälbern, Schafen und Ziegen. Eine dritte Gerberkategorie bilden die Sämischgerber, die mittels Fett bzw. Tran wasserdichtes Leder aus Schaf- und Ziegenfellen produzieren (e-HLS 2012: s. v. Gerberei). Die Gerbereien waren an Flüssen oder Bächen - meist ausserhalb der Dörfer und Städte - angesiedelt, da die Gerber für die Lederherstellung auf f liessendes Wasser angewiesen waren. Trotz dieser Randlage und dem Gestank, der mit der Lederherstellung einherging, waren die Gerber in den spätmittelalterlichen Städten angesehene Personen, die sich in Zünften organisierten und ihren Wohlstand dem Handel mit Häuten, Leder und Pelzen verdankten (e-HLS 2012: s. v. Gerberei). FamN wie Gerber, Gerwer, Lederer oder Ledergerber gehen allgemein auf das Handwerk der Gerber zurück. Im Deutschschweizer Familiennamenbestand sind jedoch keine Namen enthalten, die sich auf eines der drei spezialisierten Verfahren der Lederherstellung beziehen. BerufsN wie Beutler, Kürsener oder Sattler verweisen auf die weitere Verarbeitung von Leder und Pelz sowie auf den Handel der Materialien und Produkte (e-HLS 2012: s. v. Gerberei). Dazu zählen auch Namen wie Fählimann, Fehlmann und Fellmann. Kommentar: Die BerufsN der vierten Karte weisen ein klares Verbreitungsbild nach Herstellung und nach Verarbeitung von Leder und Pelz auf: Namen, die sich auf die Herstellung beziehen, konzentrieren sich mehrheitlich im bernischen Kantonsgebiet. Dabei treten sowohl die FamN Gerber und Gerwer als auch die FamN Lädermann, Laedermann und Ledermann in den Verwaltungskreisen Emmental und Oberaargau auf. Weil die zugrunde liegenden Etyma als synonym aufgefasst werden können, lässt das gemeinsame Verbreitungsgebiet eine konkurrierende Verwendung der Namen in dieser Region vermuten. Vereinzelt erscheinen die BerufsN zur Herstellung auch im angrenzenden Kanton Solothurn (Gerber), in der Waadt (Laedermann, Lädermann, Ledermann) sowie in den östlich gelegenen Kantonen Graubünden (Gerber) und St. Gallen (Ledergerber). Namen, die sich auf die weitere Verarbeitung beziehen, bilden hauptsächlich Ballungen in den Kantonen Aargau und Luzern, wobei es sich um Cluster der FamN Fehlmann (AG) und Fellmann (LU) handelt. Weitere Namen zur Lederverarbeitung finden sich mit Beutler im Kanton Zürich oder mit Däscher bzw. Täscher in Graubünden. 934 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="313"?> Fünfte Karte {443}: Berufsnamen zum Schuhmacherhandwerk Namenauswahl: Die fünfte Karte widmet sich dem Schuhmacherhandwerk und zeigt alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die zu dieser Berufskategorie zählen. Die Namen wurden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen Typ Altbüezer: Albietz, Albisser. 8 Tokens. Typ Suter: Sauter, Sautter, Suter, Sutermeister, Sutter, Sutterlet, Sütterlin, Zoutter, Zuter, Zutter. 10 Types, 166 Tokens. Typ Schuhmacher: Schuhmacher, Schumacher, von Schumacher. 54 Tokens. Typ Schuster: Scheuzger, Schuster. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 15-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 462: Daten zur fünften Karte {443} Detailangaben zur Namenauswahl: In der Schicht «vor 1800» sind insgesamt 17 FamN enthalten, die dem Schuhmacherhandwerk zugeordnet werden können. Sie lassen sich nach dem zugrunde liegenden Lexem in vier verschiedene Typen unterteilen: Typ Altbüezer, Typ Suter, Typ Schuhmacher und Typ Schuster (für Etymologien s. die Angaben bei der dritten Karte). Der BerufsN Sauter und seine Varianten (z. B. Suter, Sutermeister, Sütterlin) sind mit 10 Types der frequenteste Typ. Alle anderen weisen jeweils zwischen 2 oder 3 Types auf. Kommentar: Im Gegensatz zum Raumbild der vierten Karte zeigt die vorliegende fünfte Karte eine Verbreitung der ausgewählten FamN über die ganze Deutschschweiz, wo die unterschiedlichen Typen jeweils Ballungsräume bilden. Auffallend ist jedoch, dass sich diese nicht - wie es für ein Handwerk zu erwarten wäre - in den Städten befinden. Der frequente Typ Suter mit dem häufigen FamN Suter erscheint mehrheitlich - von Westen nach Osten - in den Kantonen Basel-Landschaft, Aargau, Zürich und St. Gallen. Die FamN mit Artikelproklise Zuter und Zutter (← d Sutter) sind im Kanton Bern dokumentiert; Zoutter mit graphematisch-phonologischer Romanisierung ist im französischsprachigen Teil des Wallis belegt. 8 BerufsN des Typs Schuhmacher treten v. a. in Gebieten der Kantone Bern, Luzern und St. Gallen auf. Der FamN Albisser ist nur im Kanton Luzern belegt, Albietz ist in Saint-Ursanne ( JU) alteingesessen. Die BerufsN Schuster und Scheuzger erscheinen punktuell in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn. Karte 443: BerufsN zum Schuhmacherhandwerk, vor 1800 8 Vgl. Artikel II-3.1 «Artikelproklise». 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk 935 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="314"?> Sechste Karte {444}: Berufsübernamen zu Kleidung Namenauswahl: Die sechste Karte zeigt BerufsüberN wie Stücheli, Mantel, Hösli oder Buntschu, die aus den vier verschiedenen Kleidungstypen Kapuze, Oberkleid, Hose und Schuhwerk hervorgegangen sind und sich indirekt auf die Berufe des Schneiders, Kürschners oder Schuhmachers beziehen. Abgefragte Namen BerufsüberN zur Kapuze: Stücheli. 1 Token. BerufsüberN zum Oberkleid: Juple, Kittel, Küttel, Mantel, Menteli, Schabrun, Schäpper, Schäppi, Schoop, Schopp, Tschopp, Zegg. 12 Types, 37 Tokens. BerufsüberN zum Beinkleid: Hoessly, Hösli, Hosmann, Hössli, Hossmann. 17 Tokens. BerufsüberN zum Schuh: Buntschu, Guldenschuh, Schieli, Schüeli, Stiefel. 17 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 10-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 10-70, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 463: Daten zur sechsten Karte {444} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Buntschu: zu mhd. buntschuoch ‘Schuh mit Riemen zum Umschnüren der Beine’ • Schabrun, Schäpper, Schäppi: zu mhd. schap(p)(e)rūn (entlehnt aus frz. chaperon), schwzdt. Schapper, Schäpper ‘(kurzer) Mantel mit Kapuze (besonders als geistliche Tracht bei Mönchen und Nonnen)’ • Schoop, Schopp, Tschopp: zu mhd. schōpe, schwzdt. Schōp, Schōpe(n), Tschōp, Tschōpe(n), einem Wort für allerlei unterschiedliche Oberbekleidungsstücke, insbesondere für die Jacke, das Jackett, für Trachtbestandteile usw.; konkurrierend Schoop und Schopp zu mhd. schoup ‘Strohbündel, Strohwisch’ • Stücheli: zu schwzdt. Stūche(n) ‘Teil der (weiblichen) Kleidung (besonders der Tracht), Muff, Kopftuch, auch Cingulum der Geistlichen’ • Zegg: zu mhd. schëcke ‘eng anliegender, gesteppter Leibrock’ Kommentar: Die sechste Karte zeigt unterschiedliche Verbreitungsgebiete der BerufsüberN zu den verschiedenen Kleidungstypen: Der FamN Stücheli, der auf die Kapuzenbekleidung verweist, erscheint einmalig in Griesenberg (TG). BerufsüberN zu verschiedenen Oberbekleidungen sind hauptsächlich in der Innerschweiz (Küttel, Tschopp Karte 444: BerufsüberN zu Kleidung, vor 1800 936 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="315"?> in LU), in der Nordwestschweiz (Tschopp in BL, Menteli in SO) und in der Nordostschweiz (Schäppi in ZH, Juple in SG) verbreitet. FamN aus Hosenbekleidung konzentrieren sich hingegen in den drei Kantonen Bern, Glarus und Graubünden. Der FamN Stiefel erscheint gehäuft im Nordosten (ZH). Die übrigen BerufsüberN zum Schuhwerk treten verstreut über die Deutschschweiz auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Weber (18'880 Tokens), Schneider (17'138 Tokens) und Gerber (14'517 Tokens). Sie gehören allesamt zu den zehn häufigsten FamN der Schweiz; vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Vergleich mit benachbartem Ausland: BerufsN, die zum semantischen Feld des Textil-, Leder- und Pelzgewerbes zählen, zeigen sich im Familiennamengut von Deutschland in grosser Vielfalt. Der DFA 5 (2016: 354-483) bietet insgesamt 51 Karten (Karten 137-187) zu diesen drei Gewerbezweigen und zu den jeweiligen Handwerken wie «Gerber» (DFA 5 2016: 354-369), «Schuhmacher» (DFA 5 2016: 370-401), «Sattler, Beutler, Gürtler, Riemer» (DFA 5 2016: 402-421), «Weber, Färber, Seiler, Schnurmacher» (DFA 5 2016: 422-445) oder «Schneider, Seidensticker, Schröder» (DFA 5 2016: 446-483). Ebenso vielfältig sind die BerufsüberN im DFA 5 (2016: 363-482) kartiert, die sich indirekt auf das Handwerk der Gerber (Karte 141), der Schuhmacher (Karten 152, 153, 155), der Schneider und der Kürschner (Karten 176, 178, 179, 181-187) beziehen. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2012): Gerberei. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013972/ 2012-04-12/ (letzter Zugriff 18.09.2024). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2014): Textilindustrie. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013957/ 2014-10-07/ (letzter Zugriff 18.09.2024). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 18.09.2024). Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Martina Heer 4.6 Berufs(über)namen zum Textil-, Leder- und Pelzhandwerk 937 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="316"?> 4.7 Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung Schlagwörter: Drechsler, Holzgefäss, Küfer, Möbelherstellung, Schnitzer, Zimmermann Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 13.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf den Bereich der Holzverarbeitung referieren. Holz gilt in unserem Kulturkreis seit jeher als wichtiges Baumaterial für Wohn- oder Gewerbegebäude und als grundlegender Rohstoff für die Herstellung diverser Gegenstände für den Alltag wie Arbeitsgeräte, Werkzeuge oder Möbel. Die Holzverarbeitung in all ihrer Vielfalt stellte im Mittelalter einen wesentlichen Tätigkeitsbereich innerhalb des gewerblichen Handwerks dar: Trink-, Trag-, Lager- und Transportgefässe, Ausrüstungen von Mühlen, Boote, Fuhrwerke und Kutschen wurden aus Holz gefertigt. Ab dem Mittelalter spezialisierten sich Handwerker wie Kübler, Küfer, Wagner und Dreher auf deren Herstellung (e-HLS 2008: s. v. Holzwirtschaft). Einige Handwerksbzw. Berufsbezeichnungen aus diesem Bereich haben sich im Schweizer Familiennamengut verfestigt. Im folgenden Kartenkomplex werden konkret Berufs- und BerufsüberN aus fünf verschiedenen Bereichen der Holzverarbeitung behandelt: Die erste Karte bildet alle FamN ab, die zum Zimmermannshandwerk zählen (Zimmermann, Zimmerli). Die zweite Karte bespricht die Verbreitung der FamN zum Handwerk des Küfers. Dabei werden Berufs- und BerufsüberN wie Binder, Fässli oder Küffer nach verschiedenen Berufsbezeichnungen unterschieden. Die BerufsN aus Bezeichnungen für den Schnitzer (Schnetz, Schnetzler) werden auf der dritten Karte dokumentiert. Die vierte Karte gilt den BerufsN zum Drechslerhandwerk (Trachsler, Dreher) und die abschliessende fünfte Karte zeigt die Verbreitung der Berufs- und BerufsüberN zur Herstellung von Möbeln wie Kisten (Kistler), Holzstühlen (Sidler) und Polstersesseln (Sesseli). 938 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="317"?> Erste Karte {445}: Berufs(über)namen zum Beruf des Zimmermanns Namenauswahl: Die erste Karte enthält FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die sich als Berufs- und BerufsüberN auf das Zimmermannshandwerk beziehen. Abgefragte Namen Bugmann: Bugmann. 1 Token. Zimmer: Zimmer. 3 Tokens. Zimmerli(n): Zimmerli, Zimmerlin. 16 Tokens. Zimmermann: Zimmermann. 94 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 464: Daten zur ersten Karte {445} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Das Handwerk des Zimmermanns (mhd. zimberman; lat. carpentarius, lignarius) umfasste bis ins 18. Jh. zahlreiche Arbeiten am Hausbau, wie die Anfertigung des Dachstuhls, das Erstellen des Fachwerks oder allgemein die Vorbereitung und den Einbau von Holzbauteilen (Ebner 2015: 858). Der FamN Zimmermann erscheint in der Schicht «vor 1800» häufig (94 Tokens) 3 und ohne Varianz der Schreibweise. Der BerufsN Bugmann hingegen ist selten; er bezeichnete einen spezialisierten Zimmermann, der Winkelbalken, sogenannte Büge (zu schwzdt. Bueg ‘schräg stehende Stütze, Strebe zwischen zwei Balken’) konstruierte. Die ebenfalls nicht häufig vorkommenden BerufsüberN Zimmer, Zimmerli und Zimmerlin sind zu mhd. zimber, zimmer ‘Bauholz’ zu stellen. Das Namensample umfasst formal Ableitungen auf -mann (Bugmann, Zimmermann), l-Diminutive (Zimmerli, Zimmerlin) und Simplizia (Zimmer). 4 Kommentar: Die erste Karte zeigt eine grosse Verbreitung des BerufsN Zimmermann im gesamten Mittelland und im Wallis mit gehäuften Vorkommen in den Kantonen Bern (24 Tokens), Aargau (17 Tokens), Luzern und St. Gallen (jeweils 11 Tokens). Der Name Bugmann ist hingegen nur in Döttingen (AG) alteingesessen. Die Karte 445: Berufs(über)N zum Beruf des Zimmermanns, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 4 Vgl. die Artikel II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven» und II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 4.7 Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung 939 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="318"?> wenigen BerufsüberN treten v. a. in einem Namennest im Kanton Aargau auf, das von den diminuierten Formen Zimmerli und Zimmerlin konstituiert wird. Zimmer ist vor 1800 in Risch (ZG), Genf (GE) und Echichens (VD) bezeugt, wobei letzteres Vorkommen auf Zuwanderung aus Frankreich zurückgeht. Zweite Karte {446}: Berufs(über)namen zum Beruf des Küfers Namenauswahl: Die zweite Karte zeigt FamN aus der Schicht «vor 1800» wie Binder, Fässli oder Schädler, die auf das Handwerk des Küfers (mhd. küefer; lat. cūpārius) Bezug nehmen. Die Berufs- und BerufsüberN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen Typ Becherer: Becher. 1 Token. Typ Binder: Bender, Bind, Binder, Bindt, Fassbind, Zbinden. 6 Types, 40 Tokens. Typ Böttcher: Betticher. 1 Token. Typ Fässler: Fässler, Fässli, Fassmeier, Fessler. 25 Tokens. Typ Kübler: Kübele, Kübler, Kubli, Kübli, Kupli. 23 Tokens. Typ Küfer: Kiefer, Kieffer, Küffer. 12 Tokens. Typ Lägeler: Lagler, Legler. 7 Tokens. Typ Schädler: Bindschädler, Bindschedler, Schädler, Schedler, Schödler. 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 15-90, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 465: Daten zur zweiten Karte {446} Detailangaben zur Namenauswahl: Fässer, Tonnen oder anderweitige Gefässe aus Holz dienten als Behältnis für den Transport und den Austausch von Waren: «Bis über die Schwelle unseres Jahrhunderts waren sie universell einsetzbare ‹container› für feste und f lüssige Waren aller Art» (Reith 1991: 34). Die Vielfalt der Berufsbezeichnungen für den Fassbauer spiegelt die Wichtigkeit dieses Berufszweigs wider. Je nach Sprachlandschaft und Art der Produkte wurden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, die schliesslich als FamN ins (Schweizer) Namengut eingegangen sind (Kunze 2004: 122-123). Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Binder: zu mhd. binder ‘Fassbinder’ bzw. zu mhd. binden ‘binden, umwinden’ • Betticher: entrundete Variante zu spätmhd. botecher, fnhd. bötcher, botticher ‘Büttner, Böttcher, Hersteller von Fässern und Tonnen aus Holz’ Karte 446: Berufs(über)N zum Beruf des Küfers, vor 1800 940 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="319"?> • Typ Kübler: zu mhd. kübelære bzw. zu mhd. kübel für den Hersteller von Fässern oder ähnlichen Gefässen • Typ Küfer: zu mhd. küefer ‘Küfer, Böttcher’ • Typ Lägeler: zu mhd. lāgel, lægel ‘Fässchen’ bzw. zu schwzdt. (älter) Lāgel, Lōgel, Lägele(n), Legele(n) u. ä. ‘(kleines) Weinfass (von landschaftlich unterschiedlicher Form und Grösse)’ für den Hersteller derartiger Gefässe • Typ Schädler: zu mhd. schëdeler ‘Hersteller von Schüsseln’ (vgl. mhd. schëdel ‘ein Trockenmass; Holzbecher’) bzw. zu schwzdt. Schädler ‘Küfer, Schreiner; wer aus Holz Gefässe (besonders Milchgefässe, Tansen usw.) herstellt’ Kommentar: Die Berufs- und BerufsüberN der zweiten Karte erscheinen jeweils konzentriert in unterschiedlichen Gebieten der Deutschschweiz; so Binder und Kübler u. a. im Kanton Zürich, Fassbind und Lagler im Kanton Schwyz, Fässler in den Kantonen Schwyz und Appenzell Ausserrhoden, Schädler hauptsächlich im Kanton St. Gallen oder Kübli, Küffer und Zbinden im Westen der Deutschschweiz (BE, FR). Ein Vergleich zwischen der vorliegenden Namenkarte und der Karte 30 zur Berufsbezeichnung des Küfers im SDS V (1983) aus der Mitte des 20. Jh. zeigt, dass kaum Ähnlichkeiten ausgemacht werden können: Während dialektal der Typ Küfer dominiert und als Synonyme lediglich Chübler (einzelne Belege eher im Norden) und Schädler (in GR) kartiert werden, weist die vorliegende Namenkarte wesentlich mehr Varianz auf. Dies lässt auf eine historisch grössere Vielfalt an Begriffen schliessen, unter denen einige ältere Bezeichnungen wie Binder oder Lagler in den Dialekten kaum mehr oder nicht mehr nachzuweisen sind, während sie in den FamN überlebt haben. Dritte Karte {447}: Berufsnamen zum Beruf des Schnitzers Namenauswahl: Die dritte Karte bildet FamN aus der Schicht «vor 1800» ab, die sich auf das Handwerk des Schnitzers beziehen. Abgefragte Namen BerufsN zum Schnitzer, vor 1800: Schnetz, Schnetzer, Schnetzler, Schnezler, Schnitzer. 14 Tokens. Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 466: Daten zur dritten Karte {447} Detailangaben zur Namenauswahl: Der FamN Schnitzer (zu mhd. snitzære, snitzer) geht aus dem Schnitzerhandwerk hervor, das sich der Herstellung von kleineren Gegenständen aus Holz wie bspw. Wasser- oder Milchgefässen (Eimer, Gelten usw.) sowie dem Bau von Armbrüsten widmet. In gewissen Fällen kann mit der Berufsbezeichnung Schnitzer auch der Bildhauer von hölzernen Skulpturen und Bildwerken gemeint sein. Die FamN Schnetz, Schnetzer, Schnetzler und Schnezler (zu mhd. snëtzēre) sind Nebenformen zu Schnitzer. Kommentar: Wie die dritte Karte zeigt, erscheinen die Namen konzentriert in der Ostschweiz (SG) und vereinzelt am Nordrand Karte 447: BerufsN zum Beruf des Schnitzers, vor 1800 4.7 Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung 941 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="320"?> des Landes (AG, SH). Der häufigste FamN Schnetzer tritt geballt im Kanton St. Gallen auf (7 Tokens). Vierte Karte {448}: Berufsnamen zum Beruf des Drechslers Namenauswahl: Die vierte Karte wendet sich FamN aus der Schicht «vor 1800» zu, die zum Handwerk des Drechslers (lat. tornarius, tornator) gestellt werden können. Die BerufsN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen Typ Drechsler: Drexler, Droxler, Trachsel, Trächsel, Trachsler, Trächslin, Traxel, Traxler, Trechsel, Trochsler, Troxler. 11 Types, 60 Tokens. Typ Dreher: Dräyer, Dreher, Dreier, Dreyer, Treier, Treyer. 6 Types, 21 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 50-90, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 467: Daten zur vierten Karte {448} Detailangaben zur Namenauswahl: Die kartierten Namen gehen einerseits auf ahd. drāhsil, mhd. dræhsel, drëhsel bzw. mhd. dræhseler, drehseler ‘Drechsler’ zurück - also auf Bezeichnungen des Handwerkers, der Möbel(teile), Kunstgegenstände u. ä. auf der Drechselbank herstellte (Ebner 2015: 156; Berchtold 2017: 405). Formal zeigt die erste Namengruppe Varianz zwischen älteren Nomina-agentis- Bildungen auf -el und jüngeren er-Suffigierungen. 5 Andererseits liegen mit dem Typ Dreher Formen vor, die zum Verb mhd. dræjen ‘sich drehend bewegen; drehen, drechseln’ zu stellen sind (Ebner 2015: 156-157). Die Etyma mhd. dræhsel(er) und mhd. dræjen gehen auf dieselbe Wurzel indogerm. *ter(ə) - ‘reiben, drehend reiben u. ä.’ zurück, wobei letzterem eine schon vor dem Althochdeutschen eingetretene Erweiterung zugrunde liegt. Kommentar: Die BerufsN der vierten Karte treten in der Schicht «vor 1800» mit unterschiedlichen räumlichen Konzentrationen auf: Namen des Typs Drechsler erscheinen im Mittelland und in voralpinen Gebieten. Dabei bildet der FamN Troxler ein Cluster in der Innerschweiz mit Schwerpunkt im Kanton Luzern. Weiter westlich, im Kanton Bern, ist der Name Trachsel gehäuft alteingesessen. Die Variante Trachsler ballt sich hingegen im Kanton Zürich. FamN des Typs Dreher konzentrieren sich grösstenteils am Nordrand der Schweiz - insbesondere im Kanton Aargau, wo v. a. die Varianten Dreier, Dreyer, Treier und Treyer frequent sind. Karte 448: BerufsN zum Beruf des Drechslers, vor 1800 5 Vgl. Artikel II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis» sowie Berchtold (2017: 414-415). 942 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="321"?> Fünfte Karte {449}: Berufs(über)namen zur Möbelherstellung Namenauswahl: Die fünfte Karte illustriert Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Herstellung von Möbeln zurückgehen. Abgefragte Namen Berufs(über)N zur Kiste: Kast, Kistler, Ladmann. 9 Tokens. Berufs(über)N zum Holzstuhl: Ruckstuhl, Sidler, Sydler. 44 Tokens. Berufs(über)N zum Polsterstuhl: Sässeli, Sesseli, Sessler. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 468: Daten zur fünften Karte {449} Detailangaben zur Namenauswahl: Das vorliegende Sample umfasst Berufs- und BerufsüberN zur Herstellung von Kisten und Stühlen bzw. Sesseln. Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Kast: zu mhd. kaste ‘Kasten, Behälter’ für einen Tischler • Kistler: zu mhd. kiste ‘Kasten (besonders zur Aufbewahrung der Kleider)’ für den Hersteller von Kisten und Truhen, die zu allerlei Zwecken dienten • Ladmann: zu schwzdt. Lad(e) ‘grosse tragbare Kiste’ oder in einer weiteren Bedeutung ‘vierkantiger Balken, langes Brett’ für eine Person, die in der Holzverarbeitung tätig war • Ruckstuhl: zu schwzdt. Ruggstuel ‘Stuhl bzw. Sitzgelegenheit mit Rückenlehne’ für einen Stuhlhersteller • Sidler, Sydler: zu mhd. sidel(e) ‘Stuhl, Sessel, Bank’, in der Schweiz meist im Sinne von ‘Stabelle’ (dem einfachen Holzstuhl mit schräg nach aussen gestellten, in die Sitzf läche eingezapften Beinen und durchbrochener Rücklehne) für den Hersteller von derartigem Sitzgerät • Sässeli, Sesseli, Sessler: zu mhd. sëzzel ‘Sessel’ für den spezialisierten Hersteller dieser gegenüber Stühlen und Stabellen vornehmeren und aufwendiger produzierten Sitzmöbel Kommentar: Die FamN der fünften Karte sind insgesamt niederfrequent und treten mehrheitlich im Mittelland auf. Die Namennester der FamN zum Holzstuhl in der Innerschweiz und in der Nordostschweiz sind dem BerufsN Sidler (LU) resp. dem BerufsüberN Ruckstuhl (TG) geschuldet. Karte 449: Berufs(über)N zur Möbelherstellung, vor 1800 4.7 Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung 943 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="322"?> Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Zbinden (5'105 Tokens), Fässler (4'003 Tokens) und Trachsel (3'029 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die sich auf das holzverarbeitende Gewerbe beziehen, werden im DFA 5 (2016: 268-331) auf den Karten 101-126 dargestellt. Der Themenkomplex wird dabei in drei Bereiche des Holzhandwerks unterteilt: «Sägemüller, Schreiner, Schnitzer» (Karten 101-112), «Drechsler, Wagner» (Karten 113-122) und «Böttcher» (Karten 123-126). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone (2017): Streifzug durch die Familiennamenlandschaft der deutschen Schweiz. Grundlagen zur digitalen Familiennamenforschung anhand exemplarischer Fallbeispiele. Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 52(4), 401-429. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Hürlimann, Katja (2008): Holzwirtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 014025/ 2008-01-08/ (letzter Zugriff 13.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 13.06.2025). Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Reith, Reinhold (Hrsg.) (1991): Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. 2., durchgesehene Auf lage. München: Beck. SDS V = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1983): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. V: Wortgeographie II: Menschliche Gemeinschaft - Kleidung - Nahrung. Bern: Francke. Martina Heer 944 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="323"?> 4.8 Berufs(über)namen zum heilkundlichen Gewerbe Schlagwörter: Aderlass, Bader, Badstube, Barbier, Wundarzt Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel behandelt FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 24.07.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Berufsbezeichnungen zum heilkundlichen Gewerbe zurückgehen. Dazu gehören der Bader als Inhaber oder Pächter einer Badstube und der Barbier, die beide körperliche Reinigungen und kleine (wund-)ärztliche Tätigkeiten ausführten. Zur Körperpf lege zählte in den mittelalterlichen Badstuben - neben den Dampf- und Schwitzbädern - «das Kopfwaschen (zwahen, zwagen) und das Kämmen, außerdem das Haareschneiden und bei männlichen Badegästen auch das Rasieren (scheren, balbieren, barbieren)» (Reith 1991: 17). Zu den einfachen medizinischen Arbeiten von Bader und Barbier gehörten «Aderlassen, Schröpfen, Klistiere und Salben Verabreichen bis zu Zahnziehen» (Ebner 2015: 75). Das regelmässige Baden sowie der Blutentzug wurden im Mittelalter zur Reinigung des Körpers und zur Vorbeugung von Krankheiten wie dem Aussatz (Lepra) praktiziert, wobei die Ausführung von Aderlass und Schröpfen meist in Verbindung mit bestimmten astrologischen Daten stand (Meyer 1985: 180; Ebner 2015: 68). Badstuben dienten jedoch nicht nur der Körperhygiene und der ärztlichen Versorgung, sondern auch der Unterhaltung mit Speis, Trank und sexuellen Gelegenheiten (Meyer 1985: 180; Reith 1991: 18; Ebner 2015: 68). U. a. deshalb kam es im 16. Jh. zur Schliessung der Badstuben: «Das Ende des Badens und des Berufs des Baders setzte […] wegen moralischer Bedenken und wegen der Gefahr von Ansteckung durch Syphilis ein» (Ebner 2015: 68). Die Berufsbezeichnungen des Baders und des Barbiers haben sich in verschiedenen FamN wie Beder, Scherer oder Schröpfer verfestigt. Die nachfolgende Karte bietet einen Überblick über Berufs- und BerufsüberN zu diesem Gewerbe. 4.8 Berufs(über)namen zum heilkundlichen Gewerbe 945 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="324"?> Karte {450}: Berufs(über)namen zum heilkundlichen Gewerbe Namenauswahl: Die Karte widmet sich Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die sich auf das heilkundliche Gewerbe beziehen. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen in fünf Namengruppen unterteilt. Abgefragte Namen Typ Bader: Baader, Bader, Beder. 12 Tokens. Typ Lasser: Läser, Lässer. 8 Tokens. Typ Scherer: Schaerer, Schaerr, Schär, Schären, Schärer, Schärli, Schärlig, Schärrer, Scherer, Scherler, Scherrer. 11 Types, 163 Tokens. Typ Schröpfer: Schrepfer, Schröpfer. 3 Tokens. Typ Stuber: Stuber. 21 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 469: Daten zur Karte {450} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Bader: Die BerufsN Baader, Bader und Beder sind zu mhd. badære, bader ‘Badeknecht, der das Bad zubereitet und die Badegäste bedient; auch der Inhaber einer Badstube’ zu stellen. • Typ Lasser: Die BerufsN Läser und Lässer gehen auf schwzdt. Lässer ‘Aderlasser’ (zu mhd. lāzer, læzer ‘Aderlasser’) zurück und bezeichnen eine Person, die Blutentzug durch Aderlass vornimmt. • Typ Scherer: Die FamN wie Scherer, Schärli oder Scherler beziehen sich auf schwzdt. Schërer ‘Scherer (wer schert), Barbier’ (zu mhd. schërære, schërer, dieses wiederum zum Verb mhd. schërn ‘(ab-)schneiden, Haare scheren’). Bei Schaerr und Schär ist aufgrund des Gleichklangs zu schwzdt. Schär ‘Schere’ (zu mhd. schære, schëre) auch ein BerufsüberN mit derselben Bedeutung möglich. • Typ Schröpfer: Die BerufsN Schrepfer und Schröpfer basieren auf schwzdt. Schrëpfer ‘Schröpfer’ (zu mhd. schreffer, dieses wiederum zum Verb mhd. schrëffen, schrëven ‘reissen, ritzen, kratzen’). Der Karte 450: Berufs(über)N zum heilkundlichen Gewerbe, vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 946 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="325"?> Schröpfer war derjenige, der dem Körper mit kleinen, kugelförmigen Glasgefässen (sog. Schröpfköpfen) Blut entzog. • Typ Stuber: Der BerufsN Stuber referiert auf schwzdt. Stuber ‘Inhaber einer (Bad-)Stube’ (zu mhd. stuberer ‘Bader, der eine eigene Badstube besitzt’) (Ebner 2015: 741). Das Namensample umfasst überwiegend Bildungen auf -er (Bader, Schröpfer) und daneben suffixlose Nomina agentis (Schaerr, Schär) sowie jeweils einen Namen mit l-Diminutiv (Schärli) und einen mit zugehörigkeitsausdrückendem Suffix -li(n)g (Schärlig). 3 Kommentar: Die Karte zeigt ein Vorkommen der Berufs- und BerufsüberN im gesamten Mittelland, jedoch kaum in den alpinen Regionen und im südlichen Teil der Deutschschweiz (VS). Insbesondere FamN des Typs Scherer sind vom Westen bis in den Osten der Schweiz weitverbreitet. So erscheint Schär hauptsächlich im Kanton Bern (21 Tokens), Schärer in den Kantonen Bern (15 Tokens) und Zürich (17 Tokens). Scherer tritt konzentriert im Kanton Luzern (13 Tokens) auf und Scherrer ist im Kanton St. Gallen (24 Tokens) frequent. Die anderen vier Typen weisen jeweils eine klare geographische Verteilung auf: Die BerufsN des Typs Bader sind vorwiegend im nördlichen Teil der Schweiz (BL, SO, ZH) alteingesessen. Läser und Lässer konzentrieren sich im Kanton Aargau, doch Lässer kommt vereinzelt auch in den Kantonen Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich vor. Der BerufsN Schrepfer ist selten - er tritt zweimal im Kanton Glarus in Erscheinung. Die gerundete Form Schröpfer ist einmalig im Kanton Graubünden bezeugt. Der FamN Stuber beschränkt sich hauptsächlich auf das Gebiet des Kantons Solothurn (16 Tokens). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Schär (6'208 Tokens), Scherrer (4'897 Tokens) und Schärer (4'760 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf das heilkundliche Gewerbe referieren, werden im DFA 5 (2016: 542-557) auf den Karten 210-214 illustriert. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 24.07.2025). Meyer, Werner (1985): Hirsebrei und Hellebarde. Auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz. Olten, Freiburg i. B.: Walter. Reith, Reinhold (Hrsg.) (1991): Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. 2., durchgesehene Auf lage. München: Beck. Martina Heer 3 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.5 «Familiennamen auf -ling», II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen» und II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 4.8 Berufs(über)namen zum heilkundlichen Gewerbe 947 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="326"?> 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern Schlagwörter: Aufsicht, Botendienst, Kirchendienst, Rechtsprechung, Verwaltung, Wachdienst Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt FamN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 20.10.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf eine Bezeichnung für einen Amtsträger in der weltlichen oder klerikalen Verwaltung zurückgehen. Berufs- und BerufsüberN aus diesem Tätigkeitsbereich lassen Rückschlüsse sowohl auf die Struktur der mittelalterlichen Verwaltungssysteme als auch auf die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu. Für die Entwicklung des mittelalterlichen Verwaltungssystems waren Besitz und Herrschaft ausschlaggebend, denn sie machten die Dokumentation, Aktualisierung und Durchsetzung von Rechten und Ansprüchen notwendig. Dabei bildeten sich drei unterschiedliche Verwaltungseinheiten mit den entsprechenden amtlichen Berufszweigen und Stellungen aus: die Herrschaftsverwaltung, die Stadtverwaltung und die Landesverwaltung (e-HLS 2014: s. v. Verwaltung). Die mittelalterliche Herrschaftsverwaltung ist für die heutige Schweiz hauptsächlich für Klöster belegt, deren Verwaltungspraxis wie folgt organisiert war: Mönche besorgten die Verwaltung selbst im Rahmen von Klosterämtern, so der Cellerar [Keller], der Korn-/ Speichermeister (Verwaltung der Kornvorräte) und der Zinsmeister (Verwaltung der Zinseinkommen). […] Aussenpositionen unterstellte man geistlichen (Probst) oder weltlichen Verwaltern (Ammann, Meier, Schaffner) (e-HLS 2014: s. v. Verwaltung). In den mittelalterlichen Städten der Schweiz erfolgte ab dem 13. Jh. ein Umbruch in der Verwaltung. Dabei wurde die grundherrliche Verwaltung durch eine kommunale abgelöst und es entstand die Stadtverwaltung. Ihre Zuständigkeitsbereiche waren sehr vielseitig und umfassten bspw. «die Überwachung von Markt und Gewerbe, die Kontrolle der Masse und Gewichte und Waagen, der Qualität und Preise des Warenangebots durch vereidigte Amtsinhaber (z. B. Eichmeister)» (e-HLS 2014: s. v. Verwaltung). Die Eichmeister wurden u. a. auch als Fechtmeister oder Sinner bezeichnet (e-HLS 2004: s. v. Eichmeister). Auch Baumeister oder Kornhausmeister gehörten städtischen Betrieben an. In der Finanz- und Wirtschaftsverwaltung der Städte waren u. a. die Säckelmeister tätig, die die Geschäfte über laufende Einnahmen und Ausgaben führten (e-HLS 2014: s. v. Säckelmeister). Die Verwaltungen auf dem Land wurden erst im 14. und 15. Jh. - in den meisten Fällen durch die Unterstützung von Städten - gebildet. Diesen Landesverwaltungen stand ein Vogt bzw. Landvogt oder Kastlan vor (e-HLS 2007: s. v. Kastlan; e-HLS 2008: s. v. Landvogt). Zu seinem Personal zählten regionale Amtsleute wie die Weibel, die sich durch einen umfassenden Tätigkeitsbereich auswiesen: Als Gerichts- und Ratsdiener zitierte der Weibel die Parteien, bannte das Gericht und verkündete Termine und Urteile; daneben war er Pfändungsbeamter, Urkundsperson, Versteigerer bei Ganten und Gefangenenwärter. Bisweilen nahm er im erstinstanzlichen Zivilgericht den Vorsitz ein, war Kläger im Malefizgericht und Stimmenzähler an der Landsgemeinde und im Landrat (e-HLS 2012: s. v. Weibel ). Im nachfolgenden Kartenkomplex werden FamN abgebildet, deren jeweiliges zugrunde liegendes Lexem einen Bezug zur weltlichen bzw. klerikalen Verwaltung aufweist. Gemäss projektinterner Vorsondierung handelt es sich bei der vorliegenden Motivgruppe i. d. R. um direkte BerufsN. Entsprechende BerufsüberN sind in der Schicht «vor 1800» nur vereinzelt bezeugt. Die ersten fünf Karten weisen die Verbreitung von unterschiedlichen Bezeichnungen zu weltlichen Ämtern aus: So dokumentiert die erste Karte überblickshaft jene FamN, die sich auf die Verwaltung und Rechtsprechung beziehen (z. B. Bannwart, Schultheiss, Pfander). Die zweite Karte bildet eine Teilmenge der ersten Karte ab, indem die fünf häufigsten lexikalischen Typen (Typ Ammann, Typ Förster, Typ Keller, Typ Vogt, Typ Zehentner) ausgewählt wurden. BerufsN, die sich zum amtlichen Botendienst stellen lassen (z. B. Büttel, Weibel ), werden auf der dritten Karte behandelt. Die vierte Karte widmet sich den Verwaltungsbereichen Aufsicht und Wachdienst, bevor die fünfte Karte weitere BerufsN zu weltlichen Ämtern (z. B. Kieser, Markstaller) darstellt. Die sechste und die siebte Karte zeigen unterschiedliche Bereiche der klerikalen Verwaltung auf: Die Verbreitung von FamN wie Mesmer und Sigrist, die auf Berufsbezeichnungen für den Kirchendiener basieren, wird auf der sechsten Karte dokumentiert. Die abschliessende siebte Karte enthält die weiteren BerufsN mit Bezug zur klerikalen Verwaltung (z. B. Kilchmann, Probst). Manche Verwaltungsposten (z. B. Keller, Weibel) lassen sich nicht eindeutig einem weltlichen oder klerikalen Tätigkeitsbereich zuordnen. Die entsprechenden BerufsN wurden gemäss ihrer Etymologie nach Ermessen einem der beiden Bereiche zugewiesen. 948 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="327"?> Erste und zweite Karte {451, 452}: Berufs(über)namen zu Verwaltung und Rechtsprechung Namenauswahl: Die erste Karte bildet Berufs(über)N aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 1 ab, die sich auf Ämter und Positionen in der weltlichen Verwaltung und die Rechtsprechung beziehen. Für die zweite Karte wurde eine Teilmenge der ersten Karte ausgewählt: Das zweite Kartenbild zeigt die fünf häufigsten lexikalischen Typen (mindestens 30 Tokens als Namengruppe). Abgefragte Namen Berufs(über)N zu Verwaltung und Rechtsprechung, vor 1800: Amman, Ammann, Ammon, Bamert, Bammert, Bannwart, Barmet, Bauert, Besserer, Bourgmestre, Brunnenmeister, Buess, Burgermeister, d’Amman, d’Ammann, Foerster, Forster, Förstler, Foster, Füger, Ganter, Gantert, Gantner, Gatlen, Gattlen, Ghisler, Gisler, Gyseler, Gysler, Gyssler, Hänseler, Hänsler, Hascher, Hausheer, Hausherr, Hauswirth, Heger, Heimlicher, Henseler, Hensler, Kammermann, Kasteler, Keller, Kläfiger, Kläger, Kleger, Kormann, Loosli, Mahrer, Marrer, Meichtry, Metry, Meuter, Pfander, Pfändler, Pfenniger, Pfenninger, Pfoster, Pfrunder, Pfründer, Reifer, Reifler, Richter, Rieger, Rüeger, Rüger, Schaeffer, Schaffer, Schaffert, Schaffner, Schatzmann, Scheurmeister, Schultheiss, Schulthess, Stäbli, Stebler, Strohmeier, Stromeier, Suhner, Tschachtli, Tschechtelin, Veith, Vogt, Vögtli, Vögtlin, Voit, Voitel, von Keller, Zeder, Zeender, Zehender, Zehnder, Zehndler, Zehner, Zehntner, Zender, Zentner, Zoller. 98 Types, 681 Tokens. Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 470: Daten zur ersten Karte {451} Abgefragte Namen Typ Ammann: Amman, Ammann, Ammon, d’Amman, d’Ammann. 61 Tokens. Typ Förster: Foerster, Forster, Förstler, Foster. 44 Tokens. Typ Keller: Keller, von Keller. 227 Tokens. Typ Vogt: Veith, Vogt, Vögtli, Vögtlin, Voit, Voitel. 6 Types, 48 Tokens. Typ Zehentner: Zeder, Zeender, Zehender, Zehnder, Zehndler, Zehner, Zehntner, Zender, Zentner. 9 Types, 38 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 471: Daten zur zweiten Karte {452} Karte 451: Berufs(über)N zu Verwaltung und Rechtsprechung (Gesamtkarte), vor 1800 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 949 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="328"?> Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Ammann: Die BerufsN stellen sich zu mhd. ambetman, amtman ‘Verwalter des Grundherrn, Gemeindevorsteher’, auch ‘urteilsprechende Gerichtsperson; Diener, Beamter’ für eine Person, die im Verwaltungswesen tätig war und oftmals eine leitende, angesehene und verantwortungsvolle Position innehatte, häufig auch mit politischer Funktion. In der Deutschschweiz ist die Bezeichnung noch heute bspw. für den Gemeindepräsidenten in Gebrauch (Ebner 2015: 45). • Typ Förster: Die BerufsN gehen auf mhd. vorstære ‘Förster, Forstamtmann, Waldhüter’ zurück und benennen eine Person, die mit der Aufsicht über den Wald sowie dessen Bewirtschaftung und Pf lege betraut war. • FamN Ganter, Gantert, Gantner: Die BerufsN sind aus schwzdt. Ganter ‘Gantmeister’ hervorgegangen und bezeichnen eine Person, die für einen in Konkurs Verfallenen eine Gant ‘(Zwangs-)Versteigerung’ durchführte (Id. 2 1881 ff.: Sp. 378). 3 • FamN Heimlicher: zu mhd. heimlichære ‘Vertrauter, geheimer Rat’, schwzdt. (älter) Heimlicher ‘mit der Leitung geheim zu haltender Massregeln betrauter Beamter, geheimer Rat’ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1288) • Typ Keller: Die BerufsN beruhen auf mhd. këllære, këller ‘Kellermeister; herrschaftlicher Steuerbeamter, Verwalter der Weinberge und Weingülten’ (entlehnt aus lat. cell(en)ārius ‘Kellermeister’), schwzdt. (älter) Chëller ‘Verwalter grundherrschaftlicher Einkünfte an Naturalien, besonders auf kleineren, meistens Klöstern gehörenden Höfen’ (Id. 3 1881 ff.: Sp. 204). Der Keller war demnach ein Verwalter, der auf einem weltlichen oder kirchlichen Betrieb tätig war. • FamN Mahrer, Marrer: Die BerufsN lassen sich schwzdt. (älter) Marer, March(n)er ‘wer Marksteine setzt’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 393) zuordnen und meinen den Beamten, der für das Setzen von Grenzsteinen und die verbindliche Festlegung von Grenzverläufen zuständig war. Karte 452: BerufsN zu Verwaltung und Rechtsprechung (fünf häufigste lexikalische Typen), vor 1800 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Für epenthetischen Dental vgl. Artikel II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut». 950 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="329"?> • FamN Suhner: zu mhd. suoner, süener ‘Schiedsrichter, Friedensrichter’ für eine Person, die im älteren Rechtswesen mit der rechtsgültigen Versöhnung von Konf liktparteien betraut war • FamN Tschachtli, Tschechtelin: zu mhd. schahtelān ‘Kastellan, Burgvogt’ (entlehnt aus mittelfrz. chastelain ‘Burgvogt, Burgherr’) 4 , schwzdt. (älter) Tschachtlan ‘Stellvertreter des Landesherrn, höherer Beamter’ • Typ Vogt: Die BerufsN beziehen sich auf mhd. vog(e)t ‘Rechtsbeistand, Fürsprecher, Vormund, Verteidiger, höherer weltlicher Richter, Gerichtsbeamter usw.’, schwzdt. (älter) Vogt ‘Gemeindevorsteher; Vogtgerichtsherr’ (Id. 1 1881 ff.: Sp. 703-705). • Typ Zehentner: Die BerufsN basieren auf mhd. zëhendenære, zëhentnære, zëhendære, das einerseits ‘Zehntpf lichtiger’, andererseits ‘Zehnteinnehmer’ bedeutet. Es darf vermutet werden, dass das zugrunde liegende Motiv eher die Zehnteinnahme war; entsprechend handelte es sich beim ersten Namenträger wohl um einen Beamten, der im Auftrag des Zehntherrn den Zehnten einzog. Dies war ursprünglich die Abgabe, die zum Unterhalt der Kirche zu entrichten war (vgl. e-HLS 2015: s. v. Zehnt); davon ausgehend wurde später jedoch allgemein jede Abgabe so bezeichnet, die der Obrigkeit zu überlassen war. Der hochfrequente FamN Meier und seine Varianten (alle zu mhd. meier, meiger ‘Gutsverwalter, der im Auftrag des Grundherrn die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter führt; Grossbauer’) werden im Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft» berücksichtigt. Das Namensample umfasst formal hauptsächlich BerufsN auf -er, -ler und -ner (Zoller, Zehndler, Zehntner), endungslose (bzw. endungslos gewordene) Formen (Bannwart, Schultheiss) sowie Ableitungen auf -mann (Schatzmann). 5 Kommentar: Die erste Karte weist für die Berufs(über)N zu Verwaltung und Rechtsprechung Verbreitungsräume über die gesamte Deutschschweiz aus. Dabei zeigt sich eine grosse Konzentration in der nördlichen Hälfte der Deutschschweiz, insbesondere in der Nordostschweiz (SG, TG, ZH sowie AG). Wie die zweite Karte verdeutlicht, ist diese Ballung hauptsächlich den frequenten FamN Keller, Ammann und Forster geschuldet. Ferner bilden die BerufsN Vogt (10 Tokens in AG), Pfenninger (15 Tokens in ZH) und Schulthess (10 Tokens in ZH) jeweils Namennester in diesen nördlichen Gebieten. Ein weiteres Zentrum liegt im Kanton Bern (50 Tokens) mit kleinen Häufungen der FamN Ammann, Bannwart, Keller, Pfander und Zehnder. Die FamN Meichtry und Gattlen konzentrieren sich im Wallis, der FamN Schaffner im Kanton Basel-Landschaft. Die Verbreitung der fünf häufigsten lexikalischen Typen erstreckt sich über die Deutschschweiz. Die bereits auf der ersten Karte deutlich gewordene Konzentration dieser BerufsN zeigt sich hier erneut im Aargau und in der Nordostschweiz (SG, TG, ZH). Der mit Abstand frequenteste FamN im Sample ist Keller mit 226 Tokens (zudem von Keller einmalig in Zürich ZH); er zeigt die grösste räumliche Verbreitung in diesen Gebieten. Auch die BerufsN des Typs Ammann erscheinen jeweils konzentriert in der nördlichen Deutschschweiz sowie im Kanton Bern. Die BerufsN des Typs Förster häufen sich ebenfalls in der Nordostschweiz, dabei v. a. in den Kantonen St. Gallen und Thurgau. FamN des Typs Vogt erstrecken sich ab dem Aargau westwärts in die Kantone Basel-Landschaft, Solothurn und Bern. Die FamN des Typs Zehentner treten in kleinen Gruppen u. a. in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Thurgau und Zürich auf. 4 Zu frz. châtelain stellen sich wohl zudem die beiden germanisierten FamN Gattlen und Gatlen (beide VS). 5 Vgl. die Artikel II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis», II-2.7 «Familiennamen auf -mann» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». Für die FamN d’Amman, d’Ammann und von Keller vgl. die Artikel II-3.7 «Familiennamen mit der Präposition de» und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 951 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="330"?> Dritte Karte {453}: Berufsnamen zu amtlichen Botendiensten Namenauswahl: Die dritte Karte widmet sich BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die auf Botenämter referieren. Dazu zählen bspw. der Gerichtsbote oder der Gerichtsdiener. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Büttel: Bittel, Büttel. 5 Tokens. Typ Läufer: Laufer, Lauffer, Läuffer. 6 Tokens. Typ Rüeffer: Ruefer, Rufer. 9 Tokens. Typ Weibel: Waibel, Weibel. 39 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 472: Daten zur dritten Karte {453} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Büttel: Die BerufsN beziehen sich auf mhd. bütel ‘Gerichtsbote, Gerichtsdiener, Büttel (eigentlich Aufbieter)’, das zu mhd. bieten ‘gebieten, durch gerichtliches Gebot in Acht tun’ gebildet ist (Ebner 2015: 132). • Typ Läufer: Die BerufsN stellen sich zu mhd. loufære ‘laufender Bote’, im älteren Schweizerdeutschen insbesondere für den Staats-, Rats- und Gerichtsboten (Id. 3 1881 ff.: Sp. 1145). • Typ Rüeffer: Die BerufsN stellen sich zu schwzdt. (älter) Ruoffer, Rüef(f )er u. ä. ‘Person, die obrigkeitliche Mitteilungen durch Ausrufen bekannt macht’. Sie bezeichnen eine Person, die als amtlich bestimmter Ausrufer Verlautbarungen zu verkünden hatte. • Typ Weibel: Die BerufsN basieren auf mhd. weibel ‘Gerichtsbote, Gerichtsdiener’. Im Schweizerdeutschen bezieht sich die Amtsbezeichnung Weibel allgemein auf eine mit Administrativaufgaben betraute Person (im öffentlichen, rechtlichen Bereich, im militärischen Bereich, im Dorf, in der Kirche usw.) (Id. 15 1881 ff.: Sp. 109-121). Diese grosse Diversität der Aufgaben eines Weibels im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit in der Deutschschweiz lässt vermuten, dass unterschiedliche administrative Funktionen jeweils die Namengebung veranlasst haben könnten. Dies würde auch die vergleichsweise hohe Frequenz und die weite Verbreitung der entsprechenden FamN erklären. 6 Karte 453: BerufsN zu amtlichen Botendiensten, vor 1800 6 Zum Verhältnis von Waibel/ Weibel vgl. Artikel I-1.9 «Diphthongwandel von mhd. ei, ou, öu» (dritte Karte). 952 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="331"?> Kommentar: Wie die dritte Karte zeigt, konzentrieren sich die BerufsN dieser vier Typen in verschiedenen Gebieten der Deutschschweiz: So erscheinen FamN des Typs Weibel hauptsächlich im Kanton Bern sowie zu gleichen Teilen in den Kantonen Basel-Landschaft und Luzern. Die FamN Laufer und Lauffer konzentrieren sich im Kanton Zürich. Der FamN Rufer bildet ein Nest im Kanton Bern und im angrenzenden Kanton Solothurn. Ruefer ist als Einzelbeleg in Lüterkofen-Ichertswil (SO) dokumentiert. Auch der FamN Büttel ist vor 1800 nur in einer einzigen Gemeinde (Baar ZG) alteingesessen, während die entrundete Variante Bittel an mehreren Orten im Kanton Wallis auftritt. Vierte Karte {454}: Berufsnamen zu Aufsicht und Wachdienst Namenauswahl: Die vierte Karte zeigt BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf amtliche Tätigkeiten der Aufsicht und des Wachdiensts beziehen. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Grendelmeier: Grendelmeier, Grendelmeyer. 3 Tokens. Typ Schleusser: Schleuss, Schleusser. 2 Tokens. Typ Tormann: Dormann, Thormann. 3 Tokens. Typ Turmherr: Thurnheer, Thurnherr. 8 Tokens. Typ Wächter: Diriwächter, Thierwächter, Wachter, Wächter. 14 Tokens. Typ Wärter: Warth, Wärtli, Wartmann. 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 20-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 473: Daten zur vierten Karte {454} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Grendelmeier: Die BerufsN stellen sich zu mhd. grendel, grindel ‘Riegel, Balken’. Der Grendel oder Grindel war das äussere Gatter an den Stadttoren, eine Art Sperrbalken, der von einem Wächter geöffnet und geschlossen wurde (Id. 2 1881 ff.: Sp. 757-759). Der Karte 454: BerufsN zu Aufsicht und Wachdienst, vor 1800 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 953 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="332"?> FamN bezieht sich wohl auf eine Person, die bei diesem Sperrbalken wohnte und diesen bediente. • Typ Schleusser: Die BerufsN referieren auf schwzdt. schlǖsse(n) ‘schliessen’ und bezeichnen wohl eine Person, der die Aufgabe oblag, einen abschliessbaren Raum o. ä. zu verriegeln. • Typ Tormann: Die BerufsN basieren auf mhd. tor ‘Tor’, früher meist eine Öffnung in den Stadtmauern, und bezeichnen eine Person, die als Torwächter tätig war. • Typ Turmherr: Die BerufsN gehen auf mhd. turnhërre, turnhērre ‘oberster Turmwächter’ zurück. In der Schweiz bezieht sich der FamN insbesondere auf einen Beamten, dem die Aufsicht über die Türme (auch im Sinne von ‘Gefängnis’) oblag (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1547). • Typ Wächter: Die BerufsN stellen sich zu mhd. wahtære, wehter ‘Wächter’, schwzdt. (älter) Wachter, (jünger) Wächter für den Tor-, Nacht-, Feuer- oder Stadtwächter. Die FamN Diriwächter und Thierwächter gehen auf mhd. tür-wehter ‘Pförtner, Torwächter’ zurück und bezeichnen eine Person, die den Ein- und Ausgang eines Gebäudes, einer Siedlung o. ä. zu bewachen hatte. 7 • Typ Wärter: Die BerufsN gehen aus mhd. wart(e), schwzdt. Wart ‘Aufseher,Verwalter, Pf leger, Wächter’ bzw. mhd. wartman ‘der auf der Warte steht, Wächter, Kundschafter, Vorposten’ hervor und benennen eine Person, die mit einer nicht mehr näher spezifizierbaren Aufsichts- oder Wachtfunktion betraut war. Nicht auszuschliessen ist gelegentlich ein WohnstättenN derselben lexikalischen Grundlage für einen Ort mit weitem Blick ins Gelände o. ä. Kommentar: Die vierte Karte zeigt ein weitläufiges Vorkommen der betreffenden FamN in der Deutschschweiz mit vereinzelten Ballungszentren: BerufsN des Typs Wächter sind hauptsächlich im Kanton Aargau verbreitet, vereinzelt treten sie auch in Teilen der Kantone Bern, Graubünden, St. Gallen, Thurgau und Zürich auf. Der FamN Thurnherr bildet ein kleines Nest in der Nordostschweiz (SG). Der FamN Wartmann konzentriert sich ebenfalls in der Nordostschweiz (TG, ZH). Die übrigen BerufsN treten vorwiegend als Einzelbelege verstreut über die Deutschschweiz auf. 7 Für die er-Ableitungen Dürler, Dörler, Thurler, Thürler und Türler sowie die mann-Bildungen Dürlemann, Thürlemann und Thürlimann, die ebenfalls einen Torwächter bzw. einen Türhüter bezeichnen können, vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland» (sechste Karte). 954 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="333"?> Fünfte Karte {455}: Berufs(über)namen zu weiteren weltlichen Ämtern Namenauswahl: Die fünfte Karte dokumentiert weitere Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die auf amtliche Tätigkeiten der Aufsicht und Verwaltung referieren, wie bspw. Kieser oder Marschall. Lexikalische Typen mit drei oder weniger dazugehörenden FamN wurden in der Kategorie «Sonstige» zusammengefasst. Abgefragte Namen Typ Fahner: Fähndrich, Fahner, Fenner, Venner. 14 Tokens. Typ Marschall: Margstahler, Markstahler, Markstaller, Marschall. 4 Tokens. Sonstige: Borell, Britschgi, Finner, Hausknecht, Kieser, Meister, Meisterhans, Messerli, Renner, Sinner, von Sinner. 11 Types, 50 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 5-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 474: Daten zur fünften Karte {455} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Der FamN Borell, urkundlich Barall, bezieht sich möglicherweise auf frz. baral ‘altes Hohlmass’ und referiert auf die Person, die Hohlmasse eichte (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 46). • Der FamN Britschgi verweist auf den Pritschenmeister, der mit der Pritsche, einer Art Schindel, insbesondere in den Schützenvereinen für Ordnung und Kurzweil zu sorgen hatte (Id. 5 1881 ff.: Sp. 1023). • Typ Fahner: zu mhd. vaner, venre, vener ‘Fahnenträger’ • FamN Finner: Es handelt sich wohl um einen BerufsN zu mhd. pfinne, vinne ‘Nagel, Pf lock’, auch ‘Fäulnis’ - womit die sogenannte Finnenkrankheit (der Befall durch Bandwürmer) bei Schlachtvieh gemeint ist - für einen amtlichen Fleischbeschauer. • FamN Kieser: zu mhd. kieser ‘Prüfer, Schieds-, Kampfrichter’ für einen amtlich bestellten Prüfer etwa von Geld oder Getränken • Typ Marschall: zu mhd. marschalc ‘Pferdeknecht; Hof- oder städtischer Beamter, Aufseher über das Gesinde, Befehlshaber der waffenfähigen Mannschaft eines Hofs u. ä.’ bzw. zu mhd. mar(c)stallære, mar(c)staller ‘Pferdeknecht, Aufseher über den Marstall’, schwzdt. (älter) meist Marchstaller ‘Pferdebesorger in gehobener Stellung, Stallmeister, Stallaufseher’ (Id. 11 1881 ff.: Sp. 24) • FamN Sinner, von Sinner: zu mhd. sinner ‘Eichmeister’ für eine Person, die im Rahmen ihrer beruf lichen bzw. amtlichen Tätigkeit für die Überprüfung der Masse und Gewichte zuständig war Karte 455: Berufs(über)N zu weiteren weltlichen Ämtern, vor 1800 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 955 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="334"?> Kommentar: Die Berufs(über)N der fünften Karte weisen keine allzu hohen Frequenzen auf. Ein Schwerpunkt der Verbreitung zeigt sich im nordöstlichen Teil der Schweiz (ZH). Dabei konzentriert sich der Typ Marschall im Zürcher Bezirk Affoltern, der Typ Fahner in den beiden Bezirken Meilen und Uster. Der FamN Meister erscheint gehäuft im Bezirk Andelfingen (ZH) und im benachbarten Kanton Schaffhausen. Britschgi bildet ein Namennest im Kanton Obwalden, der BerufsN Messerli im Kanton Bern. Renner ist hauptsächlich im Kanton Uri verbreitet. Die übrigen FamN treten als Streubelege in der Deutschschweiz auf. Sechste Karte {456}: Berufsnamen zum Amt des Kirchendieners Namenauswahl: Die sechste Karte stellt BerufsN aus der Schicht «vor 1800» dar, die sich auf den Kirchendiener, d. h. den Angestellten einer Pfarrei, einer Kirchgemeinde oder eines Klosters beziehen. Der Kirchendiener bzw. Pfarreiangestellte ist für diverse (liturgische) Dienste in der Kirche zuständig. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Glöckner: Glogger, Gloggner. 3 Tokens. Typ Küster: Custer, Koster, Kuster. 22 Tokens. Typ Mesner: Mesmer, Messmer. 12 Tokens. Typ Sigrist: Siegerist, Siegrist, Sigerist, Sigrist. 56 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 475: Daten zur sechsten Karte {456} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Glöckner: zu mhd. glockenære, gloggenære, schwzdt. Gloggner ‘Glöckner’ für den Kirchenangestellten, der u. a. das Läuten der Glocken zu besorgen hatte • Typ Küster: zu mhd. kuster, guster ‘Aufseher, Küster, Kirchendiener, auch Verwalter des Kirchenschatzes’ (entlehnt aus lat. custos ‘Wächter’; vgl. Ebner 2015: 425) • Typ Mesner: zu mhd. mess(e)nære ‘Kirchendiener, Küster, Mesner’ • Typ Sigrist: zu mhd. sigriste ‘Kirchendiener, Küster, Mesner’ (entlehnt aus lat. sacrista ‘Kirchendiener’) Kommentar: Die BerufsN zum Amt des Kirchendieners sind über die ganze Deutschschweiz verbreitet, weisen aber unterschiedliche Verbreitungsschwerpunkte auf: Namen des frequentesten Typs Karte 456: BerufsN zum Amt des Kirchendieners, vor 1800 956 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="335"?> Sigrist erscheinen hauptsächlich im nördlichen Teil der Schweiz (AG, BL, BS, SH, TG, ZH) sowie in der Innerschweiz (LU) und im Kanton Glarus; vereinzelt auch im Kanton Bern. Der Typ Küster konzentriert sich sowohl in Teilen der Ostschweiz (SG) als auch der Westschweiz (BE). Der Typ Mesner zeigt einen Schwerpunkt in der (Nord-)Ostschweiz (GR, SG, TG). In den Kantonen Bern und Luzern treten die FamN Glogger und Gloggner als Streubelege auf. Das Raumbild der FamN in der sechsten Karte deckt sich mit der Verbreitung der dialektalen Bezeichnungen für einen Kirchendiener (SDS V 1983: Karte 42). So erscheint Mes(s)mer in den Mundarten vornehmlich in der (Nord-)Ostschweiz (AI, AR, GR, SG, SH, TG, ZH) als gängige Berufsbezeichnung, während in den übrigen Gebieten die Bezeichnung Sigrist verwendet wird. 8 Siebte Karte {457}: Berufsnamen zu weiteren klerikalen Ämtern Namenauswahl: Die siebte Karte gilt weiteren BerufsN aus der Schicht «vor 1800» mit Bezug zu klerikalen Ämtern, wie bspw. Frauenknecht oder Probst. Abgefragte Namen BerufsN zu weiteren klerikalen Ämtern, vor 1800: Cleric, Feitknecht, Frauenknecht, Geistlich, Helfer, Kammerer, Kilchenmann, Kilchmann, Kirchmeier, Probst, von Grebel. 11 Types, 46 Tokens. Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Flächen 10-100, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 476: Daten zur siebten Karte {457} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. Karte 457: BerufsN zu weiteren klerikalen Ämtern, vor 1800 8 Vgl. auch die beiden Karten in Kunze (2004: 130). 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 957 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="336"?> • Der FamN Cleric geht auf rätorom. cleric zurück und bezieht sich - neben der Bezeichnung für den Geistlichen - auf eine Art Büroangestellten in einer geistlichen Kanzlei (RNB 3 1986: 634). • Der FamN Frauenknecht bezieht sich vermutlich auf den Diener oder Knecht in einem Frauenkloster (Brechenmacher 1 1957-1963: 496). • FamN Helfer: zu mhd. helfer ‘Helfer, Geselle’, speziell schwzdt. ‘amtlich angestellter Gehilfe eines Pfarrers’ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1195) • FamN Kammerer: zu mhd. kamerære ‘Schatzmeister (über Geld, Kleinode, Waffen); Vorsteher und Verwalter der Kammereinkünfte (einer Stadt, eines Klosters)’; in der Deutschschweiz häufig für den Verwalter einer geistlichen Genossenschaft bzw. für den Finanzminister des Bischofs • FamN Kilchenmann, Kilchmann: zu schwzdt. Kilche ‘Kirche’ für denjenigen, der Grundstücke der Kirche bewirtschaftete und daher der Kirche zinspf lichtig war. Möglich ist auch ein WohnstättenN nach dem Wohnort bei einer Kirche. 9 • FamN Probst: zu mhd. brobest ‘Vorgesetzter, Aufseher, Probst’, schwzdt. Bropst, Propst ‘Propst, geistlicher Vorsteher, Aufseher einer Hauptkirche, eines Stifts, Klosters’ für jemanden, der die äusseren Angelegenheiten einer geistlichen Einrichtung leitete • FamN von Grebel: zu mhd. grebel ‘Totengräber’ für eine Person, die mit der Aufgabe betraut war, Gräber auszuheben und diese zu pf legen Kommentar: Die BerufsN der siebten Karte sind über die Deutschschweiz verbreitet und zeigen dabei Schwerpunkte in den nordwestlichen (BE, FR, SO) und östlichen (SG) Gebieten. Spitzenreiter im vorliegenden Namensample ist der FamN Probst, der vor 1800 an 24 Orten alteingesessen ist. Die starke Konzentration im Emmental (BE) kommt durch eine Kombination aus Probst und Kilchenmann zustande. Die übrigen BerufsN sind niederfrequent (weniger als 8 Tokens) und treten ohne klare Raumstruktur auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Keller (22'369 Tokens), Ammann (5'866 Tokens) und Vogt (4'465 Tokens). Gemäss der Rangliste aller FamN der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz belegt Keller im Jahr 2024 nach Müller, Meier und Schmied den vierten Platz (BFS 2025: STATPOP 2024). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die sich auf Bezeichnungen für weltliche und klerikale Ämter in der Verwaltung beziehen, werden im DFA 5 (2016: 580-655) auf den Karten 223-251 dargestellt. Dieser umfassende Themenkomplex ist wiederum in vier Bereiche unterteilt: «Vögte» (Karten 223-229), «Orts- und Bezirksvorsteher» (Karten 230-235), «Verwalter, Wächter und andere Ämter» (Karten 236-246) sowie «Kirchendiener» (Karten 247-251). FamN, die auf Ämterbezeichnungen zurückgehen, werden auch bei Kunze (2004: 130-135) behandelt und mit Kartenausschnitten illustriert. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2025): STATPOP 2024. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Sprachregion für das Jahr 2024. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 36062364 (letzter Zugriff 20.10.2025). Brechenmacher, Josef K. (1957-1963): Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2 Bde. 2., von Grund auf neugearbeitete Auf lage. Limburg a. d. Lahn: Starke. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Castelnuovo, Guido (2007): Kastlan. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010354/ 2007-07-26/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2004): Eichmeister. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 030560/ 2004-01-20/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Grüninger, Sebastian/ Ineichen, Andreas (2015): Zehnt. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 008982/ 2015- 01-25/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Holenstein, André (2012): Weibel. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010088/ 2012-08-06/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Hörsch, Waltraud (2008): Landvogt. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 026435/ 2008-11-13/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Körner, Martin/ Germann, Raimund E./ Ladner, Andreas (2014): Verwaltung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss. ch/ de/ articles/ 010342/ 2014-01-15/ (letzter Zugriff 20.10.2025). e-HLS = Steiner, Peter (2014): Säckelmeister. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010245/ 2014-12-05/ (letzter Zugriff 20.10.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 20.10.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fort- 9 Vgl. Artikel III-3.8 «Wohnstättennamen nach Bauten und Wegen». 958 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="337"?> gesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. SDS V = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1983): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. V: Wortgeographie II: Menschliche Gemeinschaft - Kleidung - Nahrung. Bern: Francke. Martina Heer 4.9 Berufs(über)namen zu weltlichen und klerikalen Ämtern 959 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="338"?> 4.10 Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler Schlagwörter: Fernhandel, Grosshandel, Handelsware, Handelsweg, Kleinhandel Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 11.11.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf eine Bezeichnung für Kauf leute und Händler zurückgehen oder einen Bezug zu Handelswaren aufweisen. Handel wird allgemein als Austausch bzw. Kauf und Verkauf von Waren aufgefasst. Die unterschiedlichen Handelstätigkeiten werden durch verschiedene Faktoren bestimmt wie bspw. die Handelsakteure und deren jeweilige gesellschaftliche Schicht (Handelsreisende, Kaufleute, Krämer, Hausierer usw.), die Handelsware (Leinwand, Salz, Vieh usw.), die geographische Distanz der Handelswege (lokal, regional, überregional oder international) oder die Form des Handels (Klein-, Gross- oder Fernhandel). Diese Faktoren können in unterschiedlicher Weise zusammenwirken und machen so die Vielschichtigkeit des vorliegenden Gegenstands deutlich (e-HLS 2011: s. v. Handel; e-HLS 2011: s. v. Kleinhandel ). In der Schweiz spielte ab dem Mittelalter in Bezug auf den Grossbzw. den Fernhandel neben der Nachfrage nach einer bestimmten Ware auch die geographische Lage eine zentrale Rolle, denn wichtige Handelswege und Verkehrsachsen Europas liefen durch das Gebiet der heutigen Schweiz. Dabei entstanden Handelszentren wie Luzern (LU) oder Zürich (ZH) sowie neue wichtige Handelsorte mit Messeplätzen wie Genf (GE) oder Zurzach (AG) (e-HLS 2011: s. v. Handel ), die die bisherigen Austauschmöglichkeiten von Waren auf den Wochen- und Jahrmärkten in Städten oder in grösseren Orten ergänzten. Zudem kam der lokale Handel v. a. durch das Aufkommen des Viehhandels - u. a. mit dem benachbarten Ausland - in Schwung: Die Viehzüchter der zentralen Alpentäler begannen auf die starke Nachfrage der umliegenden Regionen zu reagieren und ihr Vieh auf die neuen städtischen Märkte des Mittellandes und bald auch der Lombardei und Venetiens zu treiben. Auf dem Rückweg importierten sie Güter, welche die Bergregionen nicht oder nur in geringem Mass hervorbrachten: Salz, Getreide und Waffen (e-HLS 2011: s. v. Handel ). Städtische Kauf leute, die im Fernhandel oder im regionalen Handel tätig waren, zählten zur Oberschicht der Bevölkerung und waren i. d. R. in Zünften organisiert (e-HLS 2016: s. v. Kaufleute). Neben dem örtlichen Kleinhandel zogen Hausierer und Wanderhändler - teilweise «von eher zweifelhafter Reputation» (e-HLS 2011: s. v. Handel; s. u. Typ Täuscher) - mit ihrer Ware umher. Sie «transportierten ihre Waren selbst und boten sie an den Haustüren der Konsumenten oder auf Messen und Märkten feil» (e-HLS 2009: s. v. Hausierer). Das facettenreiche Handelsgewerbe ist auch in das Familiennameninventar der Schweiz eingegangen und spiegelt sich in gewissen Namen wider. Die erste Karte widmet sich Berufs- und BerufsüberN zu allgemeinen Bezeichnungen für Kauf leute und Händler wie Kaufmann, Hodler oder Krämer. Die zweite Karte geht von den jeweiligen Handelswaren aus, die sich als indirekte Berufsbezeichnungen für den (spezialisierten) Händler in FamN verfestigt haben, wie Straumann für den Strohverkäufer oder Oeli für den Ölhändler. Erste Karte {458}: Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler Namenauswahl: Die erste Karte gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 die aus allgemeinen Bezeichnungen für Kauf leute und Händler hervorgegangen sind. Dabei werden die Bezeichnungen zu diesem Berufsfeld weit gefasst: Sie referieren sowohl auf den Grossbzw. den Fernhändler als auch auf den Kleinwarenbzw. den Detailhändler. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Gremper: Gremper. 2 Tokens. Typ Hodler: Hodel, Hodler. 25 Tokens. Typ Kaufmann: Kauf , Käufeler, Kaufle, Kauflin, Kaufmann. 90 Tokens. Typ Kramer: Cramer, Crameri, Kramer, Krämer, Kromer. 25 Tokens. Typ Ladner: Ladner. 5 Tokens. Typ Täuscher: Düscher, Teuscher, Tüscher. 12 Tokens. Typ Thürkauf : Thürkauf . 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 477: Daten zur ersten Karte {458} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die hier versammelten Berufs- und BerufsüberN beziehen sich in den meisten Fällen auf Bezeichnungen für den Kleinhändler (Typ Gremper, Typ Kramer, Typ Täuscher). Einzig die FamN des Typs Kaufmann referieren auf den Grossbzw. den Fernhandel. Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Gremper: Der BerufsN Gremper geht auf mhd. gremper ‘Krämer, Trödler’, schwzdt. Grämper ‘Kleinhändler, Krämer, Trödler’ zurück. • Typ Hodler: Der BerufsN Hodel stellt sich zu schwzdt. Hodel ‘Händler, Zwischenbzw. Kleinhandel treibender Kaufmann, Handel treibender Fuhrmann’. Bei Hodler handelt es sich um ein Nomen 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 960 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="339"?> agentis zu schwzdt. hodle(n) ‘Waren führen und damit Handel treiben’. Der BerufsN referiert dementsprechend ebenfalls auf einen fahrenden Händler bzw. auf einen Handel treibenden Fuhrmann. • Typ Kaufmann: Die Berufs- und BerufsüberN sind zu mhd. koufman ‘Kaufmann, Verkäufer, auch Käufer; Bürger’ resp. zu mhd. koufen ‘handeln, kaufen’ zu stellen. Sie bezeichnen einen Fern- oder Grosshändler, der im Kauf und Verkauf von Handelswaren tätig war. • Typ Kramer: Die BerufsN gehen auf mhd. krāmere, kræmer ‘Kleinhändler oder Handelsmann, der seine Ware in einer krāme (einem Verkaufsladen) anbietet’ zurück. Der FamN Cramer gelangte durch Einwanderung aus Strassburg nach Genf (e-FNB 1989: s. v. Cramer). Crameri im italienischsprachigen Puschlav (GR) kann entweder eine Italianisierung des deutschsprachigen FamN Kramer darstellen oder aber direkt aus lombard. cramar ‘wandernder Krämer’ hervorgegangen sein - einem der zahlreichen Germanismen, die in Kontaktregionen weitverbreitet sind (VSI 7 1952 ff.: 20). • Typ Ladner: Der BerufsN Ladner, zu mhd. ladener ‘Krämer’, bezieht sich auf den Krämer oder den Kleinhändler. • Typ Täuscher: Die BerufsN gehen auf mhd. tiuscher ‘Händler’ und ‘Betrüger’, schwzdt. Tǖscher, Tūscher ‘Tauscher’ zurück und bezeichnen einen (allenfalls nicht ganz ehrlichen) tauschenden Händler. Gemäss RNB 3 (1986: 627) findet sich die gleiche Doppeldeutung auch in den italienischen FamN Treccola und Trecalia, zu (alt-)ital. trecca, treccola ‘Hausierer(in)’ in der ursprünglichen Bedeutung ‘Betrüger(in)’. • Typ Thürkauf : Der BerufsüberN Thürkauf setzt sich aus dem Adjektiv mhd. tiur(e), schwzdt. tǖr ‘von hohem Wert, wertvoll, kostbar, teuer’ und dem Verb mhd. koufen ‘handeln, kaufen’ zusammen. Der Name bezieht sich wohl auf einen Kaufmann, der andere überbietet, oder auf einen Händler, der die Kundschaft mit seinen Preisen überfordert. Das Namensample umfasst formal BerufsN auf -er (Gremper, Kramer und Ladner), l-Diminutive (Kaufle, Kauflin) sowie eine Ableitung auf -mann (Kaufmann), Kauf und Hodel mit archaischer Nomina-agentis- Bildung und ein SatzN (Thürkauf ). 3 Kommentar: Wie die erste Karte zeigt, ist der frequente Typ Kaufmann über die ganze Deutschschweiz verteilt. Dabei tritt hauptsächlich der BerufsN Kaufmann in Luzern (24 Tokens), Aargau (16 Tokens), Solothurn (15 Tokens) und St. Gallen (9 Tokens) konzentriert auf. FamN des Typs Kramer erscheinen sowohl im Westen (FR) als auch im Norden (AG) bzw. Nordosten (ZH, SG) der Deutschschweiz. Der Typ Hodler tritt - bis auf die beiden Ausreisser in Olsberg (AG) und Arisdorf (BL) - ausschliesslich in den Kantonen Luzern und Bern auf. Auch der BerufsN Gremper (Möhlin und Karte 458: Berufs(über)N zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler, vor 1800 3 Vgl. die Artikel II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis» und II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 4.10 Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler 961 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="340"?> Zeiningen AG), der Typ Täuscher (BE; ein Ausreisser im benachbarten Kanton Solothurn) und der FamN Ladner (Region Prättigau/ Davos GR) konzentrieren sich jeweils in einem Gebiet. Thürkauf erscheint als Einzelbeleg in Oberwil (BL). Zweite Karte {459}: Berufs(über)namen nach der Handelsware Namenauswahl: Die zweite Karte widmet sich FamN aus der Schicht «vor 1800», die sich indirekt über die Handelsware als Bezeichnungen für den Händler etabliert haben; so bspw. die BerufsüberN Kümin und Pfefferli für den Gewürzhändler oder Schmalz für den Händler von Schmalzprodukten. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Essig: Essig. 3 Tokens. Typ Kien: Kienast, Kiener. 24 Tokens. Typ Korn: Korner. 4 Tokens. Typ Kümmel: Kümin. 3 Tokens. Typ Öl: Oehler, Oeler, Oeli. 4 Tokens. Typ Pfeffer: Pfefferle, Pfefferlé, Pfefferli. 3 Tokens. Typ Pulver: Pulfer, Pulver. 8 Tokens. Typ Salz: Salzmann. 6 Tokens. Typ Schmalz: Schmalz. 4 Tokens. Typ Stroh: Straumann. 8 Tokens. Typ Wāt: Waad, Wobmann, Wopmann. 5 Tokens. Typ Zindel: Zindel, Zyndel. 4 Tokens. Typ Zot(t)e: Zotter. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-45, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 478: Daten zur zweiten Karte {459} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Essig: Der BerufsüberN Essig stellt sich zu mhd. ezzich ‘Essig’ und benennt den Hersteller oder Verkäufer von Essig. • Typ Kien: Der BerufsN Kiener, zu mhd. kien ‘Kienholz, Kienfackel’, und der BerufsüberN Kienast, zu mhd. kienast ‘Ast vom Kienbaum, Ast der Kiefer’, beziehen sich auf den Sammler oder den Händler von Kienholz. • Typ Korn: Der BerufsN Korner basiert auf mhd. korner, körner ‘Kornaufkäufer’ und referiert auf den Kornhändler. Karte 459: Berufs(über)N nach der Handelsware, vor 1800 962 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="341"?> • Typ Kümmel: Der BerufsüberN Kümin zu mhd. kumin ‘Kümmel’ (für Pf lanze und Frucht des Wiesenkümmels) benennt den Gewürzverkäufer oder alternativ den Anbauer von Kümmel. • Typ Öl: Die BerufsN Oeler und Oehler sind zu mhd. öler ‘Ölmüller’ zu stellen. Oeli geht auf schwzdt. (älter) Öli für den Ölmüller, Ölträger oder den hausierenden Spezereiträger (Id. 1 1881 ff.: Sp. 182) zurück. Die Namen referieren auf eine Person, die mit der Herstellung und/ oder dem Verkauf von Öl betraut war. • Typ Pfeffer: Die BerufsüberN gehen auf mhd. phëffer ‘Pfeffer’ zurück und bezeichnen einen Gewürzhändler. • Typ Pulver: Die BerufsüberN Pulfer und Pulver beruhen auf mhd. pulver ‘Pulver, Staub, Asche’ und stehen für den Hersteller oder den Händler von Gewürzen; möglicherweise auch für den Hersteller von Schiesspulver. • Typ Salz: Der BerufsN Salzmann bezieht sich auf mhd. salzman ‘Salzverkäufer, Salzhändler’ und bezeichnet eine Person, die mit dem Handel von Salz betraut ist. • Typ Schmalz: Der BerufsüberN Schmalz geht auf mhd. smalz ‘ausgelassenes Fett zum Kochen, Schmalz, Butter’ bzw. schwzdt. Schmalz ‘Fett verschiedener Herkunft für den Küchengebrauch’ sowie ‘tierisches Fett für Salben in der Volksmedizin’ (Id. 9 1881 ff.: Sp. 937-949) zurück. Der FamN benennt wohl den Händler oder den Produzenten von Schmalzprodukten. • Typ Stroh: Der BerufsüberN Straumann basiert auf mhd. strō ‘Stroh’ und meint den Strohhändler. • Typ Wāt: Die Berufs- und BerufsüberN stellen sich zu mhd. wāt ‘Kleidungsstück’, schwzdt. (älter) Wāt ‘(kostbares) Tuch, Stoff; Gewand’ (Id. 16 1881 ff.: Sp. 2198). Sie bezeichnen eine Person, die mit Tuch oder Stoff handelt. • Typ Zindel: Die BerufsüberN Zindel und Zyndel, zu mhd. zindel ‘Zindel, Taft, eine Art Seidenstoff ’, beziehen sich auf den Stoffhändler. • Typ Zot(t)e: Der BerufsN Zotter referiert auf mhd. zote, zotte ‘was zotticht herabhangt, Zotte, Flausch’ (Ebner 2015: 863) und meint damit eine Person, die mit alten Kleidern bzw. Textilabfällen handelt. Kommentar: Die Berufs- und BerufsüberN der zweiten Karte sind über die ganze Deutschschweiz verbreitet. Der frequenteste Typ Kien erscheint hauptsächlich im Kanton Bern und mit einigen Vorkommen in den Kantonen Aargau, Luzern und Zürich. Die meisten anderen Typen treten ausschliesslich bzw. mehrheitlich jeweils in einem Kantonsgebiet auf: der Typ Essig im Aargau, der Typ Korn im Kanton Luzern, der Typ Kümmel im Kanton Schwyz, der Typ Pulver im Kanton Bern, der Typ Schmalz in den Kantonen Bern und St. Gallen, der Typ Stroh in den westlichen Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn, der Typ Wāt in der Innerschweiz (LU, SZ) und der Typ Zindel in der Ostschweiz (GR, GL, SG). Bei den BerufsüberN des Typs Pfeffer zeigen sich einzelne Streubelege in den Kantonen Freiburg, Solothurn und Wallis. Auch der BerufsN Salzmann und der Typ Öl streuen über verschiedene Gebiete der Deutschschweiz (VS, BE, LU, ZH bzw. BE, SG). Der FamN Zotter ist einmalig in der Gemeinde Rorschacherberg (SG) alteingesessen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Kaufmann (9'806 Tokens), Hodel (2'551 Tokens) und Salzmann (2'443 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die sich auf Bezeichnungen für Kauf leute und Händler beziehen, werden im DFA 5 (2016: 500-518) auf den Karten 194-201 dargestellt. Dabei werden u. a. FamN wie Fratzscher, Frotscher, Fretschner oder Pfretzschner zu mhd. phretzner ‘Kleinhändler, Lebensmittelhändler’ (Karte 198) abgebildet sowie die Verbreitung und Varianz von FamN zu mhd. kumin ‘Kümmel’ wie Kümmel, Kimmel, Kimmelmann, Kümmeler und Kimmig dokumentiert (Karte 200). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (1989): Familiennamenbuch der Schweiz. Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989. Digital zur Verfügung gestellt durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ (letzter Zugriff 11.11.2025). e-HLS = Bergier, Jean-François/ Radeff, Anne/ Stadler, Hans (2011): Handel. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 014032/ 2011-04-07/ (letzter Zugriff 11.11.2025). e-HLS = Illi, Martin/ Stadler, Hans (2016): Kaufleute. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016380/ 2016-03-23/ (letzter Zugriff 11.11.2025). e-HLS = Radeff, Anne (2009): Hausierer. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 014033/ 2009-11-05/ (letzter Zugriff 11.11.2025). e-HLS = Radeff, Anne (2011): Kleinhandel. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 026300/ 2011-11-03/ (letzter Zugriff 11.11.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 11.11.2025). 4.10 Berufs(über)namen zu Bezeichnungen für Kaufleute und Händler 963 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="342"?> Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. VSI = Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana (1952 ff.): Bd. 1 ff. Lugano: Mazzuconi, dann Bellinzona: Centro di dialettologia e di etnografia. Martina Heer 964 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="343"?> 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe Schlagwörter: Blasinstrument, Musikant, Musikinstrument, Saiteninstrument, Schlaginstrument, Spielleute Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 19.11.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zum Unterhaltungsgewerbe aufweisen. Zu diesen Berufen zählen Akrobaten, Musikanten, Gaukler, Dompteure, Jongleure, Schauspieler und Tänzer. «Sie gehörten zu den Fahrenden und lebten als Randgruppen in besonderen Quartieren wie dem Kohlenberg in Basel oder dem Kratz in Zürich. Ihre Tätigkeiten zählten zum Teil zu den unehrlichen Berufen» (e-HLS 2012: s. v. Spielleute). Die berufsmässigen Unterhaltungskünstler werden teilweise unter dem Sammelbegriff «Spielleute» zusammengefasst. 1 Dennoch lassen sich Unterscheidungen in der Stellung der Spielleute vornehmen: So kann unter den Musikanten den Trommlern und den Pfeifern eine gewisse offizielle Funktion zugeschrieben werden, da sie bei der Landsgemeinde aufspielten oder auch Teil des militärischen Aufgebots waren (RNB 3 1986: 628). Ausserdem boten die Spielleute auf Festen wie Hochzeiten oder Kirchweihen sowie auf Marktplätzen oder an Jahrmärkten ihre Künste dar (RNB 3 1986: 628; e-HLS 2015: s. v. Feste). Zu den üblichen Musikinstrumenten zählten Blasinstrumente wie Pfeifen oder Schwegeln (eine Art hölzerne Flöte), Schlaginstrumente wie Schellen oder Trommeln und Saiteninstrumente wie Geigen oder Leiern, die in FamN wie Schwegler, Scheller oder Gyger fest geworden sind. Neben Musik boten die Spielleute auch Schauspiel und Tanz dar. Ferner spielten sie mit den Anwesenden u. a. Karten- oder Würfelspiele und versuchten, ihnen «das Geld abzunehmen» (RNB 3 1986: 628). Gaukler unterhielten das Publikum mit Spässen und Possen, aber auch als Komödianten, Taschenspieler oder Seiltänzer (DWb 4 1854-1961: Sp. 1563-1564); daneben waren Kampfkünste Teil des Unterhaltungsprogramms (Kunze 2004: 135). All diese Darbietungen lassen sich in FamN nachzeichnen; vgl. bspw. die BerufsN Gaugler, Springer und Kämpf . Lexeme für Unterhaltungstätigkeiten, wie etwa Gaukler oder Spielmann, sind häufig mehrdeutig und fassen mehrere Berufe unter einem Begriff zusammen. Dies liegt wohl in der Tatsache begründet, dass die Künstler mehrere Tätigkeiten ausübten. Am Lexem Spielmann lässt sich dies exemplarisch illustrieren: Das Bedeutungsspektrum umfasst bereits im Mittelhochdeutschen verschiedene Berufe: mhd. spilman ‘Spielmann, fahrender Sänger, Musikant, Gaukler’. Im DWb 16 (1854-1961: Sp. 2408) wird dieser Bedeutungsbereich noch weiter ausgedehnt: spilman bezeichnet zunächst die mittelalterlichen nachfolger der römischen joculatores, mimi u. s. w., die fahrenden, die durch allerlei kunststücke und primitive, volksthümlich-derbe kunstübung, als seiltänzer, gaukler, taschenspieler, kunstreiter, jongleure, springer, tänzer, puppen- und possenspieler, besonders auch als musikanten [auftraten]. Dadurch entsteht für Spielmann ein sehr allgemeines, unspezifisches Berufsspektrum, das mit Blick auf historische Wörterbücher einen Schwerpunkt in der Musik gehabt haben dürfte (Id. 4 1881 ff.: Sp. 279; Ebner 2015: 713). Die erste Karte gibt einen Überblick über die interessierenden Berufs- und BerufsüberN und unterscheidet dabei FamN, die als Grundlage ein Instrument oder das Spielen eines Instruments beinhalten, von FamN, die den weiteren Berufen des Unterhaltungsgewerbes zuzuschreiben sind. Die folgenden drei Karten stellen dann jeweils eine Teilmenge der Gesamtkarte dar: Die zweite Karte enthält Berufs- und BerufsüberN nach Blasinstrumenten, danach bildet die dritte Karte Namen nach weiteren Musikinstrumenten ab. FamN zu den übrigen Berufen des Unterhaltungsgewerbes werden in der vierten Karte behandelt. 1 Historisch sind auch Frauen als Teil der Spielleute fassbar (e-HLS 2013: s. v. Fahrende; speziell zu Spielfrauen im Mittelalter vgl. Salmen 2000), wie auch die Lexeme mhd. spilwīp ‘Musikantin, Gauklerin’ sowie die Movierung mhd. goukelærinne belegen. 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe 965 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="344"?> Erste Karte {460}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte zeigt alle Berufs- und BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die sich dem Unterhaltungsgewerbe zuordnen lassen. Für die vorliegende Karte wurde eine Unterscheidung zwischen FamN, die als lexikalische Grundlage ein Musikinstrument haben oder das Spielen eines Instruments beinhalten (Musikanten), und FamN, die sich auf andere Unterhaltungsbereiche beziehen (weitere Spielleute), vorgenommen. Abgefragte Namen Berufs(über)N zu Musikanten: Beugger, Beuggert, Blaser, Deuber, Dudle, Dudler, Dudli, Dutler, Dutli, Dutly, Fleuti, Geiger, Geigy, Giger, Gyger, Lautenschlager, Lyrenmann, Lyrer, Pfeifer, Pfeiffer, Pfiffer, Pfiffner, Pfyffer, Schell, Scheller, Schwägler, Schwägli, Schwegler, Täuber, Teuber, Trummer, Zingg, Zinggeler. 33 Types, 203 Tokens. Berufs(über)N zu weiteren Spielleuten: Dänzer, Denzler, Doppler, Fechter, Gabler, Gamper, Gämperle, Gämperli, Gaugler, Gempeler, Gemperle, Gemperli, Jufer, Kämpf , Kämpfer, Kempf , Schirmer, Senger, Sing, Singer, Spieler, Spielmann, Spiller, Spillmann, Sprecher, Spring, Springer, Werfeli, Werffeli. 29 Types, 150 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-80, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 479: Daten zur ersten Karte {460} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die meisten der kartierten Fälle sind BerufsN, also FamN zu direkten Berufsbezeichnungen wie Geiger zu mhd. gīgære, gīger für den Geigenspieler. Bei wenigen FamN handelt es sich um BerufsüberN wie z. B. Zingg zu mhd. zinke ‘Zacken, Zinke, Spitze; Blashorn’. Zu weiteren Etymologien der ausgewählten FamN vgl. die Angaben bei den folgenden Karten. Das Namensample umfasst formal BerufsN auf -(l/ n)er (Blaser, Deuber, Zinggeler), l-Diminutive (Gämperle, Gemperli), Ableitungen auf -mann (Lyrenmann, Spillmann), Nomina agentis auf -i (Dudli) sowie endungslose (bzw. endungslos gewordene) Agensbildungen Karte 460: Berufs(über)N zum Unterhaltungsgewerbe gesamthaft, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 966 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="345"?> (Kämpf , Kempf aus mhd. kempfe, ahd. kempfo) und Zusammenbildungen (Lautenschlager). 4 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass Berufs- und BerufsüberN mit Bezug zum Unterhaltungsgewerbe in der gesamten Deutschschweiz vorkommen. Bis auf Nidwalden und das Wallis sind alle Kantone mit deutschsprachigem Bevölkerungsanteil auf der Karte vertreten. Ein Schwerpunkt zeigt sich im Mittelland, in den Kantonen Bern, Zürich, Thurgau und St. Gallen. Die relative Flächenkartierung hebt aber auch (vor-)alpine Regionen hervor, wie den Wahlkreis Sarganserland (SG) oder die Region Plessur (GR). Die folgenden drei Karten helfen, diese Ballungen etwas differenzierter zu lesen, denn in manchen Gebieten treten EinzelN gehäuft auf. Zweite Karte {461}: Berufs(über)namen nach Blasinstrumenten Namenauswahl: Die zweite Karte stellt eine Teilmenge der ersten Karte dar und zeigt Berufssowie BerufsüberN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf Blasinstrumente oder auf Spieler von Blasinstrumenten beziehen. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Blāser: Blaser. 19 Tokens. Typ Dūdle: Dudle, Dudler, Dudli, Dutler, Dutli, Dutly. 6 Types, 9 Tokens. Typ Fläute: Fleuti. 2 Tokens. Typ Pfeifer: Pfeifer, Pfeiffer, Pfiffer, Pfiffner, Pfyffer. 26 Tokens. Typ Schwegler: Schwägler, Schwägi, Schwegler. 13 Tokens. Typ Tauber: Deuber, Täuber, Teuber. 4 Tokens. Typ Zink: Zingg, Zinggeler. 25 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 480: Daten zur zweiten Karte {461} Karte 461: Berufs(über)N nach Blasinstrumenten, vor 1800 4 Vgl. die Artikel II-2.11 «Variation -er, -ler, -ner bei Berufsnamen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y» sowie II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe 967 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="346"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • FamN Blaser: zu mhd. blāsen ‘blasen, hauchen, schnauben’ für eine Person, die ein Blasinstrument spielt (Id. 5 1881 ff.: Sp. 148) • Typ Dūdle: zu schwzdt. dūd(e)le(n) ‘auf der Sackpfeife, dem Horn, der Klarinette, der (Hand-)Orgel (schlecht) spielen, dudeln’ für den Spieler eines solchen Instruments • FamN Fleuti: zu schwzdt. fläute(n) ‘die Flöte blasen’ (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1230) • Typ Pfeifer: zu mhd. phīfer ‘Pfeifer, Spielmann’ für eine Person, die berufsmässig oder für besondere Anlässe auf der Pfeife (einer Art kleinen Flöte) spielt • Typ Schwegler: zu schwzdt. schwëgle(n) ‘auf der Schwegel blasen, pfeifen’ (Id. 9 1881 ff.: Sp. 1769); die Schwegel ist eine schalmei- oder klarinettenähnliche Flöte, die man im Mittelalter und in der Renaissance v. a. als militärisches Instrument verwendete und später auch in der Volksmusik benutzte. • Typ Tauber: zu mhd. töuben, schwzdt. täube(n) ‘ein Tuba ähnliches Blasinstrument spielen’ (aus lat. tuba ‘Röhre; Blasinstrument, Trompete, Posaune’; Ebner 2015: 754); möglich ist auch ein ÜberN, der sich auf eine schwätzerische oder wütende Person bezieht. 5 • Typ Zink: zu mhd. zinke ‘Zacken, Zinke, Spitze; Blashorn’ für eine Person, die das entsprechende Blasinstrument spielte; jünger sind übertragene Bedeutungen des mittelhochdeutschen Wortes für besonders vorspringende Stellen am menschlichen Körper. 6 Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass die Berufs- und BerufsüberN nach Blasinstrumenten Verbreitungsräume über die gesamte Deutschschweiz mit unterschiedlichen Ballungszonen aufweisen: So tritt der FamN Blaser ausschliesslich in den beiden Kantonen Bern und Schwyz auf und bildet dabei jeweils ein Cluster. FamN, die sich zum Typ Zink stellen, konzentrieren sich in den Kantonen Bern und Thurgau. Der Typ Dūdle erscheint hauptsächlich in der Nordostschweiz; ebenso die BerufsN zum Lexem Pfeifer mit weiteren Häufungen in der Innerschweiz (LU). Als luzernisch können ferner jene FamN gelten, die sich auf die Schwegel beziehen. Die BerufsN des Typs Tauber treten einzeln und verstreut über die Kantone Aargau, Schaffhausen, Schwyz und Zürich auf. Der FamN Fleuti ist nur in zwei Orten im Berner Oberland (Gsteig und Saanen BE) alteingesessen. 5 Vgl. Artikel III-5.5 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten». 6 Vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 968 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="347"?> Dritte Karte {462}: Berufsnamen nach weiteren Musikinstrumenten Namenauswahl: Die dritte Karte stellt ebenfalls eine Teilmenge der ersten Karte dar. Sie widmet sich BerufsN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf weitere Musikinstrumente wie Saiten- und Schlaginstrumente resp. deren Spieler beziehen. Bei diesen FamN handelt es sich ausschliesslich um direkte BerufsN. Sie werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Beugger: Beugger, Beuggert. 5 Tokens. Typ Geiger: Geiger, Geigy, Giger, Gyger. 70 Tokens. Typ Lautenschläger: Lautenschlager. 8 Tokens. Typ Leierspieler: Lyrenmann, Lyrer. 4 Tokens. Typ Scheller: Schell, Scheller. 13 Tokens. Typ Trummer: Trummer. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 481: Daten zur dritten Karte {462} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Beugger: zu schwzdt. (älter) bäugge(n), baugge(n) ‘die Trommel oder Pauke schlagen; prügeln’. Der Name bezeichnete eine Person, die gewerbsmässig oder regelmässig musizierte, oder aber eine Person, die zu physischer Gewalt neigte. 7 Schliesslich ist auch ein HerkunftsN zum Toponym Beuggen in der Gemeinde Bubendorf (BL) denkbar. 8 • Typ Geiger: zu mhd. gīgære, gīger ‘Geiger’; ursprünglich waren damit v. a. fahrende Spielleute oder Musiker, die in einem Dienstverhältnis zu einem Herrn standen, gemeint. • FamN Lautenschlager: zu mhd. lūtenslaher ‘Spielmann, der die Laute spielt’ • Typ Leierspieler: zu mhd. līre ‘Leier’ für den Leierspieler • Typ Scheller: zu mhd. schelle ‘Glocke, Schelle’ für den Musikanten, den Hersteller oder den Träger von Glocken, die teilweise an der Kleidung oder Rüstung getragen wurden. Möglich ist auch ein ÜberN, der eine lärmende, übermütige Person bezeichnet. 9 Karte 462: BerufsN nach weiteren Musikinstrumenten, vor 1800 7 Vgl. Artikel III-5.4 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität». 8 Zu epenthetischem Dental vgl. Artikel II-2.13 «Familiennamen mit unorganischem t-Antritt im Auslaut». 9 Vgl. Artikel III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe 969 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="348"?> • FamN Trummer: zu schwzdt. (älter) Trummer ‘Trommler’ (Id. 14 1881 ff.: Sp. 1025) für den ein Schlaginstrument spielenden Musikanten, besonders wohl für einen (fahrenden) Spielmann Kommentar: Wie die dritte Karte zeigt, erstrecken sich die FamN zu weiteren Musikinstrumenten über die Deutschschweiz. Der frequenteste Typ im Sample stellen die BerufsN zum Lexem Geiger mit insgesamt 70 Ortspunkten dar. Eine grosse Konzentration dieser BerufsN ergibt sich in der Nordostschweiz (SG mit 23 Tokens); weitere Häufungen treten in den Kantonen Aargau, Bern, Graubünden, Luzern und Thurgau auf. Der BerufsN Scheller bildet mit 8 Tokens ein Nest im Kanton Zürich, während die endungslose Agensbildung Schell streut. Der FamN Lautenschlager konzentriert sich in der Nordostschweiz (TG, SG); der FamN Trummer tritt hauptsächlich im westlichen Berner Oberland auf. Fast ausschliesslich im Kanton Uri erscheinen FamN des Typs Leierspieler, Beugger und Beuggert sind mit jeweils einzelnen Vorkommen in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft, Schaffhausen und Zürich dokumentiert. Vierte Karte {463}: Berufsnamen nach Unterhaltungsbereich Namenauswahl: Die vierte Karte widmet sich jenen BerufsN aus der Schicht «vor 1800», deren lexikalische Grundlage auf eine Darbietung wie Akrobatik, Kampf oder Spiel verweist. Die ausgewählten FamN werden nach Berufsgruppen eingeteilt. Abgefragte Namen BerufsN zu Akrobaten: Gamper, Gämperle, Gämperli, Gempeler, Gemperle, Gemperli, Spring, Springer. 8 Types, 40 Tokens. BerufsN zu Gauklern: Gabler, Gaugler, Jufer. 9 Tokens. BerufsN zu Kämpfern: Fechter, Kämpf , Kämpfer, Kempf , Schirmer. 23 Tokens. BerufsN zu Sängern: Senger, Sing, Singer, Sprecher. 28 Tokens. BerufsN zu Spielern: Spieler, Spielmann, Spiller, Spillmann. 29 Tokens. BerufsN zu Tänzern: Dänzer, Denzler. 17 Tokens. BerufsN zu Würfelspielern: Doppler, Werfeli, Werffeli. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 482: Daten zur vierten Karte {463} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN zur Berufsgruppe Spieler wurden aufgrund ihres allgemeinen und breiten Bedeutungsspektrums hier eingeordnet. Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Doppler: zu mhd. topelære ‘Würfelspieler’, aber auch ‘Würfelmacher’. Ausgehend von der zweiten Bedeutung ist konkurrierend auch ein BerufsN für den Hersteller von Würfeln denkbar; Karte 463: BerufsN nach Unterhaltungsbereich, vor 1800 970 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="349"?> dies ist ein Handwerkszweig, der zum Drechslergewerbe gehört (Ebner 2015: 153). 10 • FamN Gabler: zu schwzdt. Gabli, Gabeli, Gabler, Gabli(n)g ‘Mensch, der possierliche Bewegungen und Stellungen annimmt, Gaukler’; möglich ist auch ein ÜberN nach der Bedeutung ‘schlanker Mensch, grosser Kerl mit langen Beinen’ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 61). Weiter ist auch eine Ableitung zu mhd. gabele ‘Gabel’ für den Gabelmacher nicht auszuschliessen. • FamN Gamper und Varianten: zu schwzdt. gampe(n) ‘sich auf- und abwärts (auch hin und her) bewegen, nicht feststehen, schaukeln, schwanken’; konkurrierend ist auch eine Deutung als ÜberN für eine unruhige Person möglich. 11 • FamN Gaugler: zu mhd. goukelære ‘Zauberer, Gaukler, Taschenspieler’ • FamN Jufer: wohl Ableitung zu mhd. jūf ‘grober, verächtlicher Scherz’, wie er von Gauklern gemacht wird • FamN Schirmer: zu mhd. schirmære, schirmer ‘Fechter, Fechtmeister’ • FamN Sprecher: zu mhd. sprëchære, sprëcher ‘Lied-, Spruchsprecher’; konkurrierend ist auch ein ÜberN nach der Bedeutung ‘Sprecher, Schwätzer’ für einen Vielredner denkbar. Zudem kommt ein BerufsN für einen Gerichtsbeamten, der in einem (schieds-)gerichtlichen Verfahren ein Urteil spricht, infrage. Kommentar: Die vierte Karte zeigt ein weitläufiges Vorkommen der einschlägigen BerufsN in der Deutschschweiz, wobei einige Häufungen auf EinzelN zurückgehen: Im Westen der Deutschschweiz clustert Spring in der Region Bern-Mittelland (BE); Gaugler kommt lediglich in fünf solothurnischen Gemeinden vor. Der FamN Denzler verdichtet sich im Raum Pfäffikon (ZH) und Uster (ZH) und zeigt ein weiteres Vorkommen in Baden (AG). Gamper ist in der gewählten Zeitschicht typisch für den Thurgau, die Diminutivvarianten (Gämperle, Gämperli, Gemperle, Gemperli) kommen ausschliesslich im Kanton St. Gallen vor (Raum Wil, Toggenburg). Demgegenüber tritt der BerufsN Sprecher gehäuft im Kanton Graubünden in der Region Prättigau und um die Stadt Chur auf. Manche der kartierten Namen zeigen ein Streubild: Kempf weist zwar ein verdichtetes Vorkommen im Kanton Uri auf, hat aber auch Ortspunkte in anderen Kantonen (SO, ZH); für den FamN Singer lässt sich keinen arealen Schwerpunkt ausmachen (BE, BL, GR, SH, SO, TG). Die beiden BerufsN Spielmann und Spillmann zeigen tendenziell auch Streubilder, wobei die erste Namenform nur in der westlichen Deutschschweiz (BE, FR, SO, westlicher AG) und die zweite nur in der östlichen Landeshälfte (östlicher AG, ZH, ZG) vorkommt. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Blaser (5'667 Tokens), Giger (4'307 Tokens) und Zingg (2'793 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: BerufsN, die zum Unterhaltungsgewerbe gehören, sind im DFA 5 (2016: 558-579) auf den Karten 215-222 dargestellt. Dabei werden FamN zu Bezeichnungen von Musikern und Gauklern wie Fiedler (Karte 215), Flöter (Karte 216), Bünger (Karte 217) oder Gockel (Karte 222) behandelt. Nübling/ Kunze (2023: 404-406) berücksichtigen Namen wie Pauker, Trümper oder Lautenschläger. Auch Kunze (2004: 134-135) illustriert BerufsN zu diesem Bereich unter Berücksichtigung verschiedener Instrumente sowie verschiedener Berufszweige wie Akrobaten, Gaukler oder Fechtkünstler. In Deutschland zeigt sich ein deutlicher Gegensatz zwischen FamN des Typs Geiger im Süden und des Typs Fiedler im Norden (vgl. Karte 215; DFA 5 2016: 558); die Deutschschweizer Belege des Typs Geiger schliessen sich diesem südlichen Gebiet Deutschlands an und formen so einen zusammenhängenden Namenraum. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DWb = Grimm, Jacob/ Grimm, Wilhelm (1854-1961): Deutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/ 23. https: / / www.woerterbuchnetz.de/ DWB (letzter Zugriff 19.11.2025). Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2013): Fahrende. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 025616/ 2013-10-03/ (letzter Zugriff 19.11.2025). e-HLS = Illi, Martin (2012): Spielleute. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 025740/ 2012-02-29/ (letzter Zugriff 19.11.2025). e-HLS = Leimgruber, Walter (2015): Feste. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 017447/ 2015-02-19/ (letzter Zugriff 19.11.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 19.11.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fort- 10 Vgl. Artikel III-4.7 «Berufs(über)namen zur Holzverarbeitung». 11 Vgl. Artikel III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 4.11 Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe 971 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="350"?> gesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Salmen, Walter (2000): Spielfrauen im Mittelalter. Hildesheim, Zürich, New York: Olms. Simone Berchtold, Martina Heer 972 4 Berufsnamen und Berufsübernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="351"?> 5 Übernamen 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare Schlagwörter: Gesichtsfarbe, Haarfarbe, Haarform, Haarmenge, Haarwuchs, Hautfarbe, Körpergrösse, Körperumfang Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich FamN, deren zugrunde liegende Lexeme gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 28.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf körperliche Merkmale zurückgehen. Im Kartenkomplex steht die Frage im Fokus, wie sich diese Merkmale - gemeint sind damit sichtbare, äusserliche Besonderheiten wie Körperform, Proportionen, Haarfarbe, Behaarung, Gangart - im Deutschschweizer Familiennamenbestand widerspiegeln. Eine Menge an verschiedenen ÜberN geht auf den menschlichen Körper zurück, denn «[w]enn man einen Menschen beschreibt, wird man i. d. R. erst den Gesamteindruck, dann sicher bald die Haare schildern, dann weitere Merkmale, meist von oben nach unten. Diese spontane Art, Menschen zu beschreiben, hat sich auch in den Familiennamen niedergeschlagen» (Kunze 2004: 141). Bei ÜberN nach äusserlichen Kennzeichen kann man davon ausgehen, dass die ursprünglich so benannte Person oder Familie durch das jeweilige Kennzeichen charakterisiert werden konnte (Kunze 2004: 139). Dabei steht i. d. R. eine Abweichung zur jeweils geltenden gesellschaftlichen Norm im Vordergrund. Nübling/ Kunze (2023: 408) sprechen davon, «dass immer Devianz benannt wird. Die bezeichnete Eigenschaft war so auffällig und damit (eher) selten, dass sie den ersten Namenträger vom Rest der Gruppe unterschied». In diesem Punkt weichen ÜberN von den Benennungsmotiven der Patronyme, BerufsN oder WohnstättenN ab: Während in diesen Namen eine allgemeine und neutrale Benennung vorgenommen wurde, wird bei den ÜberN häufig die Abweichung hervorgehoben. Ähnlich gelagert sind HerkunftsN, die das Fremde betonen und damit auch eine Art der Abweichung in den Fokus rücken. Dadurch sind diese Namen zwar beschreibend, aber tendenziell negativ oder wenig schmeichelhaft (Debus 2009: 104). Die Vergabe der ÜberN gleicht der Vergabe von SpitzN, also von inoffiziellen und nichtamtlichen PersonenN, im gegenwärtigen Sprachgebrauch (Nübling 2014). Grundsätzlich sei aber festgehalten, dass aus dem Namen selbst zwar meist die «Namenetymologie, aber keine gesicherte Namendeutung» (Kohlheim 1998: 238) erschlossen werden kann. So geht der FamN Helbling etymologisch auf mhd. helbelinc ‘Münzstück im halben Wert des jeweiligen Pfennigs’ zurück. Das Wort entwickelt im Schweizerdeutschen verschiedene Bedeutungen, die von der Kernbedeutung ‘die Hälfte irgendeines Dings’ ausgehen (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1171-1172), auf Menschen übertragen also Kleinheit, aber dann auch Unreife. 1 Um körperliche Besonderheiten einer Person zu versprachlichen, können drei Wege eingeschlagen werden: 1. direkte Benennung des Merkmals oder des Sachverhalts mit den zur Verfügung stehenden Lexemen wie Klein, Mägerli, Roth; 2. metaphorische Benennung aufgrund von Ähnlichkeiten wie Rapp im Sinne von ‘schwarz wie ein Rabe’ oder 3. metonymische Benennung aufgrund eines tatsächlichen, häufigen «Pars pro Toto»-Zusammenhangs, wenn ein auffälliges Körperteil für die ganze Person steht wie in Kopf , Hirni, Schenkel (Kunze 2004: 139, 143; Kohlheim/ Kohlheim 2014: 150). Aufgrund der Fülle an FamN nach körperlichen Merkmalen wird die Motivgruppe in zwei Artikel aufgeteilt, die der eingangs beschriebenen Anordnung folgen: Zuerst liegt der Fokus auf dem Gesamteindruck, danach werden die restlichen Eigenschaften von oben nach unten besprochen. In diesem ersten Artikel werden neben FamN nach dem äusseren Erscheinungsbild auch FamN nach dem Farbeindruck behandelt, der entweder die Haarfarbe oder die Gesichtsbzw. die Hautfarbe meint. Die erste Karte widmet sich FamN nach der Körpergrösse, die zweite Karte solchen nach dem Körperumfang und die dritte Karte FamN nach dem (positiv oder negativ bewerteten) Gesamtaussehen. Die vierte und die fünfte Karte veranschaulichen FamN nach dem Farbeindruck, bevor die sechste Karte abschliessend FamN nach Haarmenge und Haarwuchs bzw. -form thematisiert. Der zweite Artikel zu ÜberN nach körperlichen Merkmalen behandelt dann FamN, die zu Körperteilen wie dem Kopf als Ganzen, zu Teilen des Kopfs, zum Rumpf, zu den Beinen usw. oder nach der Gangart einer Person gebildet wurden (vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang»). 1 Bei Münzeinheiten ist daneben auch die Deutung nach einer Abgabeart oder der Bezug auf Reichtum resp. Armut möglich; vgl. Artikel III-5.10 «Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten». Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="352"?> Erste Karte {464}: Übernamen nach der Körpergrösse Namenauswahl: Die erste Karte zeigt alle ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die sich auf Lexeme mit der Bedeutung ‘klein’ oder ‘gross’ zurückführen lassen. 3 Die ausgewählten FamN werden nach der Bedeutung ihrer zugrunde liegenden Lexeme gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen ÜberN nach kleiner Körpergrösse: Bicker, Bigger, Bingesser, Binggeli, Bingisser, Böhni, Böhny, Bondt, Böni, Bont, Funk, Helblig, Helbling, Kägi, Kegel, Keigel, Keim, Keist, Keust, Kid, Kihm, Kim, Kislig, Kisslig, Kissling, Kleimann, Klein, Kleiner, Knopf , Knopfli, Knöpfli, Knöri, Knörr, Knutti, Krügel, Krüse, Krüsi, Kurz, Kurzen, Kürzi, Kurzo, Kyd, Kym, Maendly, Mändli, Mändly, Mendelin, Mendly, Pfosi, Scheitlin, Schittli, Schoder, Schudel, Spahni, Spähni, Speerli, Stofer, Stoffer, Stohl, Stoll, Stump, Stumpf , Stünzi, Weniger, Zigerli, Zigerlig. 66 Types, 217 Tokens. ÜberN nach grosser Körpergrösse: Drüssel, Grob, Gross, Grossen, Grossmann, Hählen, Hehlen, Hoch, Lang, Läng, Lengen, Ries, Riesen, Rihs, Ris, Riss, Schrag, Schrago, Trüssel, von Gross, Zaeslein, Zaeslin. 22 Types, 181 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-70, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 483: Daten zur ersten Karte {464} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Bingesser, Bingisser: zu schwzdt. Binggis ‘Knirps’ • Grob: zu mhd. grop in der alten Bedeutung ‘an Masse gross, dick, stark’ Karte 464: ÜberN nach kleiner und grosser Körpergrösse, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Mit dem RNB 3 (1986: 780) sei darauf hingewiesen, dass es Berührungspunkte zur Kategorie ‘jung’ vs. ‘alt’ gibt, denn ein FamN wie Klein kann neben dem Kleingewachsenen auch den Jüngeren von zwei (gleichnamigen) Familienmitgliedern bezeichnen, ebenso Gross den Grossgewachsenen oder Älteren; vgl. Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» (sechste Karte). 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 974 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="353"?> • Knöri, Knörr: zu schwzdt. (älter) Chnorri, Chnörri ‘kleiner, aber dicker, auch grober Bursche’ • Pfosi: zu schwzdt. (älter) Pfosi, Pfösi ‘kleingewachsener, auch unbeholfener Mensch’ • Scheitlin, Schittli: zu mhd. schīt, schwzdt. Schīt ‘Brennscheit’ für eine Person von geringer Körpergrösse • Schrag, Schrago: zu mhd. schrage ‘Gestell, Untergestell (eines Tisches o. ä.)’, davon ausgehend in übertragenem Sinne ‘langer, hagerer Mensch’ • Stofer, Stoffer: zu schwzdt. (älter) Stofer ‘im Wachstum zurückgebliebener Mensch’ • Stohl, Stoll: zu schwzdt. (älter) Stoll(en) ‘Stütze, Unterlage, Gestell, Pfosten’ für einen untersetzten, stämmigen Menschen • Stump: zu schwzdt. Stump, Stumpf ‘verkürzter oder übrigbleibender Teil des menschlichen Körpers’; konkurrierend ist auch ein WohnstättenN zu einem Toponym Stump(f ) denkbar. • Stünzi: zu mhd. stunz ‘stumpf, abgestumpft, kurz’ für eine Person von untersetztem Körperbau • Zigerli, Zigerlig: zu schwzdt. Ziger ‘Ziger’ für eine Person nach dem Aussehen eines geformten Zigerballens (klein, rundlich, gedrungen o. ä.); konkurrierend kann auch ein BerufsüberN für den Käsehändler vorliegen. Die FamN bilden zwei der im Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung» erwähnten Arten der Versprachlichung ab: 1. Manche der kartierten FamN leiten sich von Lexemen mit allgemeiner Bedeutung ab und gehören zur direkten Benennung: So können etwa die Adjektive klein und kurz hinsichtlich der Körpergrösse beide ‘klein’ bedeuten, während grob, gross, hoch und lang alle drei semantisch auf ‘gross’ verweisen. Andere Lexeme zeigen ein breiter gefächertes Bedeutungsspektrum: Bei schwzdt. Chnorri, Chnörri ‘kleiner, aber dicker Bursche; grober Bursche nach Körperbau und Sitten’ (Id. 3 1881 ff.: Sp. 757) - das den FamN Knöri und Knörr zugrunde liegt - tritt einerseits die Verschränkung zweier körperlicher Eigenschaften auf (nämlich ‘klein’ zusammen mit ‘dick’, um einen rundlichen, gedrungenen Körperbau zu bezeichnen). Die Verknüpfung mehrerer körperlicher Eigenschaften ist mehrfach und in unterschiedlichen Kombinationen zu beobachten: Die Bedeutung ‘klein’ kann mit ‘dick’, ‘schmächtig’, aber auch mit ‘mager’ oder ‘unansehnlich’ verbunden sein; ‘gross’ entsprechend etwa mit ‘lang’ oder ‘dünn’. Andererseits werden in Chnorri, Chnörri auch Bedeutungsaspekte der Körpergrösse mit charakterlichen Merkmalen verschränkt, indem auch der Aspekt ‘grob nach Sitten’ mitschwingt. Diese Verschränkung von Bedeutungsaspekten liegt auch in anderen namenstiftenden Lexemen vor, so etwa in Pfosi, das sowohl ‘klein’ als auch ‘unbeholfen’ bedeutet. Durch die Überlagerung mehrerer Bedeutungsaspekte ergeben sich Schwierigkeiten bei der Abgrenzung oder Unschärfen bei der Bestimmung des semantischen Gehalts. Bei der Zuordnung der FamN wurde daher der in den Wörterbüchern erstgenannte Bedeutungsaspekt zur Einordnung herangezogen: Bspw. wurde der FamN Bigger zu schwzdt. Bīgger ‘kleiner, unansehnlicher, im Wachstum zurückgebliebener, magerer, schwächlicher Mensch, kleiner Knabe’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 1080) wegen der Erstnennung von ‘klein’ hier kartiert. 2. In anderen Fällen kommt es durch eine Ähnlichkeitsbeziehung zwischen zwei Konzepten zu einer metaphorischen Benennung, so in den FamN Böhni, Böhny, Böni (zu mhd. bōne ‘Bohne’) nach der Kleinheit der Pf lanze oder in Funk (zu mhd. vunke ‘Funke’) nach der geringen Grösse eines Feuerfunkens. 5 Teilweise kann Kleinheit auch durch diminutivische Modifikation verstärkt werden, vgl. etwa den FamN Zigerli. Formal umfasst das Sample u. a. l-Diminutive (Mändly, Schittli), i- Diminutive (Spahni, Spähni), Formen mit schwachem Genitiv (Grossen, Lengen), FamN auf -o (Schrago) und Simplizia (Bont, Funk). 6 Kommentar: Wie die erste Karte zeigt, handelt es sich bei der vorliegenden Motivgruppe tendenziell um ein mittelländisches Phänomen, das vom westlichen Kanton Freiburg bis in den östlichen Kanton St. Gallen belegt ist. Das Berner Oberland sowie das Wallis und Graubünden zeigen wenige Vorkommen, die Zentralschweiz (OW, NW, UR) weist keine Belege aus. Das Kartenbild lässt innerhalb der Kantone jeweils areale Schwerpunkte erkennen, die auf EinzelN zurückgehen; so bspw. Bon(d)t (AR, SG), Kissling, Kislig, Kisslig neben Riesen (v. a. Bern-Mittelland und Raum Thun) oder Lang (AG, LU); auch Kägi bildet mit 21 Ortspunkten ein Areal im Zürcher Oberland. Herausstechend bezüglich Quantität ist der FamN Grob: Mit 49 Tokens ist er der häufigste Name im kartierten Sample. Er clustert sowohl im sankt-gallischen Toggenburg als auch im zürcherischen Albisgebiet. Insgesamt tritt Devianz in Bezug auf die Körpergrösse etwas häufiger bei Kleinheit auf (217 zu 181 Tokens). Hervorzuheben ist, dass in diesem Bereich mehr Lexeme bei der Namengebung zum Einsatz kamen: Kleinheit ist mit 66 Types lexikalisch vielfältiger abgedeckt als Grösse mit 22 Types. Aus lexikalischer Sicht ist zudem auffallend, dass die direkte Benennung in den beiden semantischen Bereichen unterschiedlich häufig vorkommt: Während der FamN Klein lediglich vier Ortspunkte abdeckt (AG, SG, SO), sind neben Grob auch die FamN Gross (25 Tokens) und Lang (37 Tokens) deutlich häufiger belegt. 5 Die FamN Keim, Kihm, Kim, Kym, Keist, Keust sowie Kid und Kyd werden aufgrund ihrer Metaphorik auch im Artikel III-5.8 «Übernamen nach Verwandtschaft» (vierte Karte) kartiert und besprochen. Die Namen gehen etymologisch auf mhd. kīm(e) ‘Keim, Spross’, schwzdt. Cheist ‘Keim, Zweig’ resp. mhd. kīde, kīt ‘Schössling, Spross; Keim’ zurück und bedienen sich somit einem Bild aus dem botanischen Bereich. 6 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o» und II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen». 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare 975 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="354"?> Zweite Karte {465}: Übernamen nach dem Körperumfang Namenauswahl: Die zweite Karte zeigt alle ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf Lexeme mit der Bedeutung ‘dünn’ oder ‘dick’ zurückführen lassen. Die ausgewählten FamN werden nach der Bedeutung ihrer zugrunde liegenden Lexeme gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen ÜberN nach dünnem Körperumfang: Ast, Birenstihl, Birnstiel, Dirren, Dür, Dürr, Gabler, Gnägi, Gräub, Greub, Grieb, Mägerli, Rahm, Rahn, Rohn, Schaub, Schäuble, Schäublin, Schiferli, Schifferle, Schifferli, Spahn, Spichtig, Spichtin, Spichty, Spirgi, Spiri, Spleiss, Spohn, Spöndli, Spöndlin, Spörndli, Spyr, Staeblin, Stengel, Stengele, Stingel, Stingelin, Tannast, Thür, Thürr, Würmli. 42 Types, 120 Tokens. ÜberN nach dickem Körperumfang: Bieglin, Bloch, Blunschi, Bluntschli, Brack, Bratschi, Brünggel, Bucheli, Buchter, Dick, Dickenmann, Diggelmann, Dikelmann, Dikenmann, Feiss, Feissli, Güdel, Knaus, Knobel, Knubel, Knup, Knupp, Knus, Knüsel, Knüsli, Kolb, Kölbener, Kölbli, Kolp, Krügel, Mast, Mauch, Mauderli, Mock, Möckli, Mogg, Möklin, Mügeli, Nohl, Noll, Nölli, Prack, Rolli, Schilplin, Schlumpf , Scholl, Schölly, Schwere, Schweri, Schwery, Stamm, Stössel, Stuck, Stucki, Stücklin, Stucky, Stücky. 57 Types, 228 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-70, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 484: Daten zur zweiten Karte {465} Detailangaben zur Namenauswahl: Hier gilt, was bereits bei der ersten Karte erwähnt wurde: Vielfach kommt es in den Lexemen, die den FamN zugrunde liegen, zur Überlagerung von Eigenschaften. So sind häufig die Aspekte ‘klein’ und ‘dünn’ in einem Lexem enthalten und können nicht getrennt werden. Auch die Bedeutung ‘hager’ resp. ‘mager’ ist bei ‘dünn’ vielfach mitgemeint. Bei der Zuordnung von FamN zur vorliegenden Motivgruppe wurde gleich verfahren wie bei der ersten Karte. Neben der direkten Benennung der Eigenschaft wie in Mägerli oder Dick kann das dem FamN zugrunde liegende Lexem auch hier auf einer metaphorischen Ähnlichkeitsbeziehung beruhen. So wird in den FamN Birenstihl, Birnstiel (zu schwzdt. Bire(n)stil ‘Stiel der Birne’) die Form eines Birnenstiels auf den mageren oder schmächtigen Körperbau einer Person übertragen und umgekehrt wird mit Mock (zu mhd. mocke ‘Klumpen, Brocken’) auf den plumpen Körperbau Bezug genommen. Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Blunschi, Bluntschli: zu schwzdt. Blunschi ‘dicke, plumpe, schlampige Person’ Karte 465: ÜberN nach dünnem oder dickem Körperumfang, vor 1800 976 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="355"?> • Brack, Prack: zu schwzdt. Brack ‘Mensch oder Tier von unverhältnismässiger Beleibtheit’; konkurrierend ist auch eine Deutung zu schwzdt. Brack ‘männlicher Hund, Spürhund, Schosshund’ denkbar. • Gnägi: zu schwzdt. Gnagi, Gnägi ‘Knochen zum Abnagen’, davon ausgehend ‘äusserst magerer Mensch’ • Gräub, Greub: zu mhd. griebe ‘Griebe, ausgeschmelzter Fettwürfel’, schwzdt. Griebe ‘magerer, schmächtiger Mensch’ • Knup, Knupp: zu schwzdt. (älter) Chnūp ‘rundlicher, knolliger Gegenstand’ • Knaus, Knus: zu schwzdt. (älter) Chnūs ‘Geschwulst, Knorren, Knäuel’, übertragen auf Menschen ‘wohlbeleibter Mensch’ • Knüsel, Knüsli: zu schwzdt. Chnüs(s)el ‘grösseres Stück’ • Rahm, Rahn: zu mhd. ran, rān ‘schmächtig, dünn, schlank, hager, knochig’ • Schaub: zu mhd. schoup ‘Strohbündel, Strohwisch’, übertragen wohl magerer, hagerer Mensch • Schwere, Schweri, Schwery: zu schwzdt. Schweri ‘Masse, Gewicht’; konkurrierend ist auch ein ÜberN zu schwzdt. Schweri ‘Flucher’ möglich. Kommentar: Die areale Verbreitung der beiden Namengruppen entspricht in ihren Grundzügen der ersten Karte, da die (vor-)alpinen Regionen wie das Berner Oberland, der Kanton Graubünden und die Zentralschweiz gegenüber dem Mittelland in der zweiten Karte kaum in Erscheinung treten. Das Oberwallis weist im Gegensatz zur ersten Karte aber mehr Ortspunkte auf. Die Anzahl Types der beiden Merkmale ‘dünn’ und ‘dick’ ist ähnlich (42 zu 57 Types), aber das Merkmal ‘dick’ wurde häufiger in FamN verfestigt (228 zu 120 Tokens). Bezüglich Quantität ist der FamN Schaub hervorzuheben: Er bildet im Kanton Basel-Landschaft ein Namennest mit 31 Ortspunkten. Teilweise entstehen Areale auch durch die Summe verschiedener Typen, wie es für den Kanton Zürich illustriert werden soll: Auf dem Kantonsgebiet treten Diggelmann und Knüsli fast exklusiv auf, neben Schlumpf , Stucki, Bluntschli, Möckli (mit je 2 bis 5 Tokens). Mit nur je einem Ortspunkt sind die Namen Dikelmann, Knaus, Knus, Kolb, Mock, Nohl, Stamm und Stössel zu nennen. 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare 977 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="356"?> Dritte Karte {466}: Übernamen nach dem Aussehen Namenauswahl: Die dritte Karte zeigt alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf Lexeme mit der Bedeutung ‘schön’ oder ‘unschön’ zurückführen lassen. Die ausgewählten FamN werden nach der Bedeutung ihrer zugrunde liegenden Lexeme gruppiert und kartiert. Abgefragte Namen ÜberN nach schönem Aussehen: Schön, Schöni, Schönmann, Wäch. 13 Tokens. ÜberN nach unschönem Aussehen: Wüest, Wüst. 30 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 485: Daten zur dritten Karte {466} Detailangaben zur Namenauswahl: Die kartierten Motivgruppen werden durch direkte Benennungen abgedeckt: Die FamN Schön, Schöni und Schönmann stellen sich zum Adjektiv schön (< mhd. schœn(e) ‘herrlich, schön’), der FamN Wäch zum Adjektiv schwzdt. (älter) wäh, wäch ‘gut, schön’ (< mhd. wæhe ‘glänzend, schön’). Der Bedeutungsaspekt ‘unschön’ ist in den FamN Wüest, Wüst zu mhd. wüest ‘unschön, hässlich’ enthalten; konkurrenzierend ist hier auch ein WohnstättenN bzw. ein HerkunftsN zu einem Toponym Wüest möglich. 7 Kommentar: Die dritte Karte zeigt ein verdichtetes Vorkommen dieser ÜberN in Gebieten des Kantons Luzern sowie in der Nordostschweiz (ZH, TG, SG). Dieses Bild ist hauptsächlich den beiden FamN Wüest und Wüst zuzuschreiben. Auffällig an der Verbreitung von ÜberN nach schönem Aussehen ist folgender Aspekt: Positive Normabweichungen treten deutlich seltener als Motiv auf, was die soziale Kontrolle der namengebenden Gemeinschaft durch vornehmlich negative Benennungen unterstreicht (Kunze 2004: 139). Karte 466: ÜberN nach schönem und unschönem Aussehen, vor 1800 7 Vgl. Artikel III-3.7 «Wohnstättennamen zu Kulturland». 978 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="357"?> Vierte Karte {467}: Übernamen nach der Haar- oder Hautfarbe Namenauswahl: Die vierte Karte zeigt alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die etymologisch das Wortfeld der (Haar-)Farbe durch ein Farbadjektiv abdecken. Neben dem Gesamteindruck sind die Haare einer Person oft namengebend gewesen: Das erste optische Erscheinungsbild eines Menschen wird, neben Körpergröße und -form, maßgeblich durch seine Haare bestimmt. So nimmt es nicht wunder, dass ein Großteil der Übernamen sich auf das menschliche Haar bezieht, sei es hinsichtlich seiner Farbe, seiner Form, Struktur und Beschaffenheit, seiner Dichte oder seiner Abwesenheit (Nübling/ Kunze 2023: 420). Abgefragte Namen ÜberN nach weisser Haar-/ Hautfarbe: Blank, Blass, Falb, Glanzmann, von Weiss, Weishaupt, Weiss, Weissen, Weisshaupt, Weisskopf , Weissmann, Wiss, Wissmann, Wyshaupt, Wyss, Wyssa, Wyssen, Wysshaar, Wyssmann. 19 Types, 203 Tokens. ÜberN nach roter Haar-/ Hautfarbe: Roth, Rötheli, Röthelin, Rothermann, Rothlin, Röthlin, Rothmann, Rott, Rottermann, von Rodt. 10 Types, 110 Tokens. ÜberN nach schwarzer Haar-/ Hautfarbe: Dunkel, Schwartz, Schwarz, Schwarzen, Schwarzer, Schwarzmann. 6 Types, 56 Tokens. ÜberN nach brauner Haar-/ Hautfarbe: Braun, Brumann, Brun, Bruni. 54 Tokens. ÜberN nach grauer Haar-/ Hautfarbe: Graa, Grau. 6 Tokens. ÜberN nach blauer Haar-/ Hautfarbe: Blau. 2 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 486: Daten zur vierten Karte {467} Detailangaben zur Namenauswahl: Wie bereits erwähnt, nehmen FamN, die auf Farbadjektiven beruhen, wohl meist Bezug auf die Haarfarbe. Ergänzend sei aber noch der Bezug zum Farbeindruck der Haut erwähnt: «Bei den einfachen Weiß(er), Wiss, Wyss, Witt(e) bzw. Schwarz(e), Schward(t), Schwarte(n), Schwerting ist vielleicht manchmal die Hautfarbe gemeint; eindeutig sind aber Weißhaar, -haupt, -happel, -schädel, Weischedel, Wittkopp, Schimmel(haupt), Schwarzkopf » (Kunze 2004: 141). Während also Komposita wie Wysshaar und Weisshaupt als eindeutig in Bezug auf die Haarfarbe zu lesen sind, da das Grundwort explizit auf die Haare resp. den Kopf referiert, sind Simplizia wie Blass, Roth oder Braun mehrdeutig und können auch die Hautfarbe betreffen. 8 Von den vorkommenden Farben ist einzig der FamN Blau zu schwzdt. blau ‘von blauer Färbung der mensch- Karte 467: ÜberN nach der Haar- oder Hautfarbe, vor 1800 8 Zur konkurrierenden Bedeutung von Roth als ÜberN nach dem Charakter vgl. Artikel III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel». 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare 979 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="358"?> lichen Haut’ neben ‘blass, durchsichtig’ (Id. 5 1881 ff.: Sp. 241) ausschliesslich mit Bezug auf die Hautfarbe zu lesen. Dem Farbeindruck ‘weiss’ wurden für die vorliegende Karte auch ‘blond’ und ‘hell’ zugeordnet. Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • Blank: zu mhd. blanc ‘blinkend, weiss, glänzend, schön’ • Blass: zu schwzdt. Blass ‘blondhaariger, bleicher Mensch’ • Falb: zu mhd. val, valb ‘hellhaarig, bleich’ • Graa: Nebenform zu Grau • Braun: zu mhd. brūn ‘braun, dunkelfarbig’; konkurrierend handelt es sich um einen FamN zum Ruf N Bruno, der aber auch auf dem Adjektiv beruht. Kommentar: Die vierte Karte zeigt ein relativ gleichmässiges Auftreten dieses semantischen Typs in der Deutschschweiz: Das Mittelland dominiert zwar aufgrund höherer Ortsdichte, aber auch im Berner Oberland oder in der Zentralschweiz sind FamN mit Bezug zu Farbeindrücken vorhanden. Mit Blick auf die Tokens entfallen - in abnehmender Frequenz angeordnet - auf die Farben Weiss und Rot mit Abstand die meisten Ortspunkte; Schwarz und Braun zeigen ähnliche Frequenzen. Hinsichtlich der einzelnen Farben ergeben sich keine speziell eingrenzbaren Areale. Fünfte Karte {468}: Übernamen nach der Haar- oder Hautfarbe metaphorisch Namenauswahl: Die fünfte Karte ergänzt die vorhergehende vierte Karte und greift den Farbeindruck wieder auf. Im Fokus stehen nun jedoch nicht FamN, in denen Adjektive für Farben fest geworden sind, sondern solche, die auf metaphorischen Benennungen von Haar- oder Hautfarbe basieren. Abgefragte Namen ÜberN nach weisser Haar-/ Hautfarbe (metaphorisch): Schneble, Schnebli, Schneebeli, Schneeli, Schneuwly, Schnewlin. 6 Types, 16 Tokens. ÜberN nach roter Haar-/ Hautfarbe (metaphorisch): Fuchs, Füchslin, Füri, Fux, Rothfuchs. 61 Tokens. ÜberN nach schwarzer Haar-/ Hautfarbe (metaphorisch): Kohli, Kohly, Kolly, Moehr, Mohr, Möhr, Moor, Rapo, Rapp, Rappo, Rüssli. 11 Types, 51 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-65, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 487: Daten zur fünften Karte {468} Detailangaben zur Namenauswahl: Alle sechs FamN, die metaphorisch auf eine weisse oder helle Haarbzw. Hautfarbe Bezug Karte 468: ÜberN nach der Haar- oder Hautfarbe metaphorisch, vor 1800 980 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="359"?> nehmen, gehen auf eine diminuierte Form von mhd. snē, snēwes resp. die Nebenformen snēhe, schnēbe ‘Schnee’ zurück. Jene, die auf die Farbe Rot Bezug nehmen, basieren auf der Tierbezeichnung Fuchs, ausgenommen ist der FamN Füri zu schwzdt. Fǖr ‘Feuer’. Die Farbe des Tierpelzes wurde u. a. auf Tiere, aber auch auf Menschen mit roten Haaren oder rotem Bart übertragen (DWb 4 1854-1961: Sp. 337; Id. 1 1881 ff.: Sp. 665). FamN mit Bezug zu schwarzer resp. dunkler Farbe wurden zum einen aus einem Vergleich mit Kohle bzw. Russ, zum anderen mit mhd. rappe, schwzdt. Rapp ‘(Kohl-)Rabe’ gebildet, einer Vogelart, deren Gefieder einfarbig schwarz ist. Der ÜberN Mohr und Varianten gehen auf mhd. mōr(e) ‘Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens’ zurück, das in weiterer Folge auch ‘Mensch mit dunkler Hautfarbe oder schmutzigem Aussehen’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 376) bedeutete; denkbar ist auch, dass jemand so benannt wurde, der sich bei Schauspielen oder Umzügen als schwarze Person verkleidete (Id. 4 1881 ff.: Sp. 376). Es liegt eine metaphorische Benennung vor, d. h. ein Bezug zu einem Bewohner Nordafrikas ist kaum gegeben. Kommentar: Die fünfte Karte zeigt, dass in FamN ein metaphorischer Bezug v. a. für ‘rot’ und ‘schwarz’ resp. ‘dunkel’ fest geworden ist. FamN, die auf die Farbe Weiss Bezug nehmen, sind nicht sehr häufig. Ein Cluster bildet Schneebeli im zürcherischen Albisgebiet. Namen zur Tierbezeichnung Fuchs für den Farbeindruck ‘rot’ kommen in der ganzen deutschsprachigen Schweiz vor. Auffallend viele Namen mit Bezug zu schwarzer Farbe finden sich im Grenzgebiet der Kantone Freiburg und Bern mit den Namen Kolly (nur FR) und Kohli, Kohly (nur BE). Die Namen vom Typ Moor verteilen sich über verschiedene, unzusammenhängende Gebiete, so im Berner Oberland oder im Grenzgebiet der Kantone Aargau und Zürich. Sechste Karte {469}: Übernamen nach Haarmenge und Haarwuchs/ -form Namenauswahl: Die sechste Karte umfasst alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die etymologisch die Haarmenge und den Haarwuchs resp. die Haarform anzeigen. Abgefragte Namen ÜberN nach Haarmenge: Blösch, Glatz, Schörrli, Siebenhaar, Tscherrig, Tscherry. 6 Types, 16 Tokens. ÜberN nach Haarwuchs/ -form: Glatthard, Glättli, Hutzli, Hutzmann, Kraushaar, Krüse, Krüsi, Reidhaar, Reidt, Reithaar, Rub, Rubi, Ruch, Ruche, Schüttel, Straub, Straubhaar, Ströbel, Strub, Strübi, Strübin, Strüby, Strupler, Tschupp. 24 Types, 92 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-65, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 488: Daten zur sechsten Karte {469} Karte 469: ÜberN nach Haarmenge und Haarwuchs/ -form, vor 1800 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare 981 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="360"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die sechs ÜberN nach der Haarmenge nehmen Bezug auf wenig Haare wie Blösch zu schwzdt. Blösch ‘Kahlkopf ’, Schörrli zu schwzdt. g(e)schore(n) ‘geschoren, glatzköpfig’ oder Tscherrig und Tscherry zu piemontesisch cerica ‘Tonsur’ bzw. cérich ‘Student am Priesterseminar’, im Schweizerdeutschen dann ‘Kahlkopf ’, aber auch ‘Student’. Der univerbierte FamN Siebenhaar benannte ursprünglich eine Person, die so wenig Haare hatte, dass diese schon (fast) zählbar waren. Bei der zweiten Namengruppe wird bis auf Glatthard, Glättli (zu mhd. glatt) v. a. eine lockige, krause Haarform benannt, vgl. bspw.: • Kraushaar, Krüse, Krüsi: zu mhd. krūs ‘gelockt, kraus’; konkurrierend zu schwzdt. (älter) Chrüsi ‘Kosename für eine kleine, rundliche Person’ • Reidhaar, Reidt, Reithaar: zu mhd. reit ‘lockig, kraus’ • Rub, Rubi: zu schwzdt. (älter) rūb ‘kraus vom Haar’ Daneben tritt auch das Erscheinungsbild ‘zerzaust, struppig’ auf: • Hutzli, Hutzmann: zu schwzdt. Hutz ‘etwas Zerzaustes’ • Ruch, Ruche: zu mhd. rūch ‘haarig, struppig, zottig’; allenfalls liegt auch die Bedeutung ‘rauh, hart, streng, derb’ nach der Wesensart vor. • Straub, Straubhaar, Strub, Strübi, Strübin, Strüby, Strupler: alle basierend auf schwzdt. strūb ‘struppig, ungekämmt’ Kommentar: Die sechste Karte zeigt, dass die Haarmenge weniger häufig in FamN fest geworden ist als der Haarwuchs oder die Haarform. Ein Cluster der ersten semantischen Gruppe bilden die FamN Tscherrig und Tscherry im Oberwallis. Die FamN der zweiten Gruppe sind über die Deutschschweiz verbreitet. Teilweise entstehen Areale durch die Summe verschiedener Typen, wie es für die Kantone Bern und St. Gallen illustriert werden soll (der häufigste Name wird jeweils mit Tokens angegeben): Glatthard, Hutzli, Rubi, Schüttel und Straubhaar treten fast exklusiv auf dem bernischen Kantonsgebiet auf, daneben sind auch Ruch (7 Tokens) und Straub dokumentiert. Exklusiv im Kanton St. Gallen sind Hutzmann und Strübin alteingesessen, zudem kommen Krüsi, Ruch, Strub und Strübi (6 Tokens) vor. Insgesamt fällt auf, dass offenbar v. a. krause Haare Anlass zur Namengebung waren und wohl entsprechend als Abweichung vom Normalfall wahrgenommen wurden. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Wyss (12'265 Tokens), Roth (10'905 Tokens) und Fuchs (6'962 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf den Körper zurückgehen, werden im DFA 5 (2016: 656-857) auf den Karten 252-338 dargestellt. Dabei wird eine grobe Unterteilung in die beiden Bereiche «Gesamter Körper» (Karten 252-287) einerseits und «Haare und Körperteile» (Karten 288-338) andererseits mit jeweils weiteren Unterteilungen vorgenommen. Auch in Nübling/ Kunze (2023: 408-460) werden Namen wie Groß, Klein, Spatz, Stange, Fett, Mager, Knorr oder Schmehling kartiert. Kunze (2004: 140-141) bespricht ÜberN nach Körpergrösse, -umfang und -form sowie ÜberN nach den Haaren (Farbe, Form, Menge). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Debus, Friedhelm (2009): Die Entstehung der deutschen Familiennamen aus Beinamen. In: Hengst, Karlheinz/ Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Bd. 1: Deutsche Familiennamen im deutschen Sprachraum (Onomastica Lipsiensia 6.1), 85-108. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DWb = Grimm, Jacob/ Grimm, Wilhelm (1854-1961): Deutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/ 23. https: / / www.woerterbuchnetz.de/ DWB (letzter Zugriff 28.05.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 28.05.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa (1998): Übernamen als Spiegel spätmittelalterlicher Mentalität. In: Nicolaisen, Wilhelm F. (Hrsg.): Proceedings of the XIXth International Congress of Onomastic Sciences, Aberdeen, 4-11 August 1996. Bd. 3, 237-243. Aberdeen: University of Aberdeen. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. 982 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="361"?> Nübling, Damaris (2014): Emotionalität in Namen: Spitznamen, Kosenamen, Spottnamen - und ihr gendernivellierender Effekt. In: Vaňková, Lenka (Hrsg.): Emotionalität im Text, 103-122. Tübingen: Stauffenburg. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Simone Berchtold 5.1 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare 983 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="362"?> 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang Schlagwörter: Arm, Bein, Fuss, Hals, Kopf, Rumpf Gegenstand und Fragestellung Im zweiteiligen Artikelkomplex zu körperlichen Merkmalen steht die Frage im Fokus, wie sich sichtbare, äusserliche Besonderheiten wie Körperform, Körperteile oder Gangart im Deutschschweizer Familiennamenbestand widerspiegeln. Zur allgemeinen Motivation dieser Gruppe von ÜberN sei auf den Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» verwiesen, der FamN nach der Gesamterscheinung (Klein, Gross, Dürr, Dick, Schön, Wüest), FamN nach dem Farbeindruck der Haare oder der Haut (Roth, Schwarz, Wyss) sowie FamN nach Haarmenge (Glatz) und Haarform (Krüsi) thematisiert. Der vorliegende zweite Artikel behandelt FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 20.05.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zu spezifischen Körperteilen sowie nach der Gangart gebildet sind. Der Kartenkomplex folgt der Anordnung Kunzes (2004: 141) und bespricht die ausgewählten FamN nach zugrunde liegendem Lexem von oben nach unten: Während die erste Karte ÜberN aufnimmt, die auf Lexeme für den Kopf als Ganzen zurückgehen, zeigt die zweite Karte FamN, die auf Teile des Kopfs Bezug nehmen. Die dritte Karte bildet ÜberN zum Hals, Rumpf und Arm ab, die vierte Karte dann jene zu den Beinen und Füssen. Die fünfte, die sechste und die siebte Karte schliesslich widmen sich FamN, die auf den Gang, also auf eine charakteristische Gangart, verweisen. Erste Karte {470}: Übernamen nach dem Kopf Namenauswahl: Die erste Karte zeigt alle einschlägigen FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 1 in denen Lexeme für den menschlichen Kopf fest geworden sind. Die Anordnung der Namengruppen erfolgt nach absteigender Häufigkeit. Abgefragte Namen Typ Haupt: Haupt, Häuptli, Hauptlin, Hautle. 11 Tokens. Typ Kopf : Kopf , Köpfli. 9 Tokens. Typ Tolder: Dolder. 8 Tokens. Typ Schädel: Schädeli, Schädelin. 5 Tokens. Typ Motsch: Motschi. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 489: Daten zur ersten Karte {470} Detailangaben zur Namenauswahl: 2 Die ausgewählten FamN gehen einerseits auf Lexeme zurück, die den Kopf mit im Deutschen üblichen Wörtern bezeichnen: älteres Haupt (zur Etymologie vgl. EtymWB 1993a: s. v. Haupt), jüngeres Kopf (Kunze 2004: 143) sowie Schädel (zu mhd. schedel ‘Hirnschale, Kopf; auch ein Trockenmass’). Als Motiv für die Namenvergabe kann von einer auffälligen Kopfform ausgegangen werden. Konkurrierend ist bei Kopf ein BerufsüberN zur älteren Bedeutung von mhd. kopf ‘Trinkgefäss, Becher, Hirnschale’ für den Drechsler solcher Gefässe denkbar. Für Haupt ist ein ÜberN nach der gesellschaftlichen Stellung im Sinne von ‘Oberhaupt; Person mit herausragender Stellung’ nicht auszuschliessen. Schliesslich kommt für den FamN Schädel auch eine Deutung als Diminutivform zu mhd. schade ‘Schädiger, schadender Feind’ oder mhd. schade, schwzdt. Schade(n) ‘Schaden, Schädigung, Verlust’ im Sinne eines Widersachers infrage. Andererseits liegen im Sample auch metaphorische Benennungen für das Konzept ‘Kopf ’ vor: Der FamN Dolder stellt sich zu mhd. tolder ‘Baumwipfel’, schwzdt. Tolder ‘Spitze eines Pf lanzentriebs; Baumwipfel’, übertragen scherzhaft bzw. spottend auch ‘Kopf ’ (Id. 12 1881 ff.: Sp. 1725-1726). Der FamN Motschi ist zu schwzdt. (älter) Motsch ‘Brotlaib’, übertragen ‘dicker Kopf ’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 598), gebildet. Die Namen weisen unterschiedliche Bildungsmuster auf: Das Sample umfasst l-Diminutive (Häuptli, Schädelin), i-Diminutive (Motschi) und Simplizia (Haupt, Kopf ). 3 Kommentar: Die FamN der ersten Karte, die motivisch auf dem Kopf beruhen, können hinsichtlich Type- und Tokenzahlen als niederfrequent eingestuft werden. Die Karte zeigt, dass FamN, die auf dem älteren Lexem Haupt beruhen, vorwiegend im Kanton Zürich vorkommen. Demgegenüber finden sich die FamN zu jüngerem Kopf grösstenteils in der Zentralschweiz. Als bernisch kann der Typ Schädel eingestuft werden - das Vorkommen im Aargau geht nachweislich auf Zuzug aus Kirchlindach (BE) zurück. Der FamN Dolder hat einen Schwerpunkt im Kanton Thurgau. 1 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 2 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 3 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y» und II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen». 984 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="363"?> Karte 470: ÜberN nach dem Kopf, vor 1800 Karte 471: ÜberN nach Teilen des Kopfs, vor 1800 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang 985 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="364"?> Zweite Karte {471}: Übernamen nach Teilen des Kopfs Namenauswahl: Die zweite Karte zeigt alle einschlägigen FamN aus der Schicht «vor 1800», die auf Lexeme für Teile des Kopfs wie der Stirn oder den Augen zurückgehen. Abgefragte Namen ÜberN nach der Stirn: Stirnemann, Stirnimann. 16 Tokens. ÜberN nach dem Hirn: Hirni. 2 Tokens. ÜberN nach dem Auge: Gloor, Glur, Glutz, Gugg, Schäli, Schälin, Schiller, Schilli, Stauss, Stäussi, Stüssi, von Blarer. 12 Types, 43 Tokens. ÜberN nach der Nase: Zingg. 24 Tokens. ÜberN nach der Backe: Bäggli. 1 Token. ÜberN nach dem Mund: Hasenfratz, Lätsch, Letsch, Muhl, Rothmund, Schnoz, Zaugg. 7 Types, 27 Tokens. ÜberN nach dem Zahn: Struch, Struchen, Zahn, Zahnd, Zähndler, Zahner, Zähnler, Zahno. 8 Types, 29 Tokens. ÜberN nach dem Ohr: Oehrli. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 490: Daten zur zweiten Karte {471} Detailangaben zur Namenauswahl: Den hier kartierten FamN liegt eine metonymische Benennung eines Menschen aufgrund eines physischen Merkmals zugrunde: Ein irgendwie auffälliges Körperteil wird für die Benennung der ganzen Person herangezogen. Den ÜberN zum Auge wurden auch solche FamN zugerechnet, in denen die Art des Schauens fest geworden ist (Kunze 2004: 143), wie Gloor (zu schwzdt. glāre(n) ‘starren Blickes dreinschauen’) oder Glur (zu schwzdt. (älter) glūre(n) ‘scharf, starr, auch blinzelnd sehen’). Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Bäggli: Diminutiv zu mhd. backe ‘Backe, Kinnlade’, schwzdt. Bagge ‘Wange’ • Hasenfratz: zu schwzdt. (älter) Hasenfratz ‘Lippenspalte’ • Hirni: zu mhd. hirne, hirn ‘Hirn, Gehirn, Stirne’, übertragen auch ‘Verstand’ • Lätsch, Letsch: zu schwzdt. Lätsch ‘verdriessliche, mürrische, weinerliche Miene mit aufgeworfener, herabhängender Unterlippe; Hängemaul’ • Schiller, Schilli: zu mhd. schilher ‘Schielender’ resp. zum Verb mhd. schilhen ‘schielen’; konkurrierend ist für Schilli auch eine Nebenform von Schilling nach einer Abgabeart möglich. • Schnoz: zu schwzdt. Schnotz ‘Schnauze’ • Stauss, Stäussi, Stüssi: zu schwzdt. stusse(n), stüsse(n) ‘stier dreinsehen’ • Struch, Struchen: zu schwzdt. strūch ‘raue Zähne habend’; konkurrierend ist auch eine Bildung zu schwzdt. strūche(n) ‘streiten, kämpfen’ nach der Wesensart möglich. • Zaugg: zu schwzdt. Zaugge(n) ‘Ausgussschnabel an einem Gefäss’, davon ausgehend übertragen ‘hervorstehendes, spitzes Maul’ • Zingg: zu mhd. zinke ‘Blashorn’, übertragen auf die Nase; konkurrierend kann auch ein BerufsüberN für den Spieler/ Hersteller dieses Instruments angenommen werden. Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass FamN zu Teilen des Kopfs in der Schicht «vor 1800» unterschiedlich zahlreich vorkommen: Einige FamN wie Bäggli, Gugg, Schiller, Stauss oder Zahno treten vor 1800 nur an einem Ort auf. Die frequenteren FamN des Samples verteilen sich nicht gleichmässig über die Deutschschweiz, sondern zeigen Ballungen, die meist auf die Häufung eines EinzelN zurückgehen: So dominieren die FamN Struch, Struchen im Berner Seeland, Glutz im Wasseramt des Kantons Solothurn und Zahn, Zahnd im Grenzgebiet der Kantone Freiburg und Bern. Ebenfalls bernisch ist Zaugg (v. a. Emmental). Mit dem FamN Gloor liegt ein Name vor, der vor 1800 nur im Aargau auftritt. Südlich anschliessend zeigt sich das Verbreitungsgebiet von Stirnimann in den luzernischen Wahlkreisen Sursee und Willisau. Für den Nordosten der Deutschschweiz ist der FamN Zingg zu nennen, der das Gebiet im Bezirk Weinfelden (TG) und in angrenzenden sankt-gallischen Gemeinden bildet. Stüssi clustert - neben Vorkommen im Kanton Zürich - im Kanton Glarus. Abschliessend sei noch auf den FamN Schnoz verwiesen, der in der gewählten Zeitschicht nur in der romanischsprachigen Surselva (GR) vorkommt. 986 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="365"?> Dritte Karte {472}: Übernamen nach dem Hals, Rumpf und Arm Namenauswahl: Die dritte Karte zeigt alle einschlägigen FamN aus der Schicht «vor 1800», die auf ein Lexem zurückgehen, das die Körperteile Hals, Rumpf oder Arm bezeichnet. Abgefragte Namen ÜberN nach dem Hals: Kähli, Kählin, Kälin, Källi, Kellerhals, Kropf , Kropfli, Kröpfli, Schlund. 9 Types, 15 Tokens. ÜberN nach dem Rumpf: Ruckli, Ruggle, Rumpf . 10 Tokens. ÜberN nach dem Arm: Arm, Dumelin, Faust, Fust, Knöchel, Lengg, Lingg, Vust. 8 Types, 21 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 25-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 491: Daten zur dritten Karte {472} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Dumelin: Diminutiv zu mhd. dūme ‘Daumen’; konkurrierend kann auch ein ÜberN zu mhd. tumb ‘unverständig, unerfahren, dumm’ angesetzt werden. • Faust, Fust, Vust: zu mhd. vūst ‘Faust’ • Kähli, Kählin, Kälin, Källi: zu mhd. kël(e) ‘Kehle, Hals; Luftröhre, Schlund’; konkurrierend auch zu schwzdt. (älter) Chǟli ‘Mann, der wackelig geht’ oder zu schwzdt. Challi, Chälli ‘ungeschlachter, schwerfälliger Mensch’ • Kellerhals: zu mhd. këllerhals ‘vorspringender, gewölbter Eingang eines Kellers’, übertragen auf eine Person mit einem auffällig langen Hals, allenfalls auch einem langgestreckten Oberkörper (mhd. hals bedeutet ‘Hals, Kopf und Brust’) • Lengg, Lingg: zu mhd. linc, lënc ‘link; linkisch, unwissend’, jünger besonders auch ‘linkshändig’ • Ruckli, Ruggle: Diminutiv zu schwzdt. Rugge(n) ‘Rücken, Buckel’; konkurrierend ist auch ein Patronym zum Ruf N Rüdiger oder ein ÜberN zu schwzdt. Ruck, Rugg ‘schnelle, ruckartige Bewegung’ möglich. Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass ÜberN nach dem Hals, Rumpf und Arm niederfrequent sind und im Mittelland sowie vereinzelt im Alpenraum auftreten. Dabei sind - bis auf Lingg und Ruckli im Kanton Luzern - kaum Cluster auszumachen. Eher treten die FamN verstreut auf, so bspw. Faust in den Kantonen Wallis, Basel- Stadt, Zürich und St. Gallen. Auch in diesem Sample kommen FamN Karte 472: ÜberN nach dem Hals, Rumpf und Arm, vor 1800 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang 987 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="366"?> vor, die vor 1800 nur an einem Ort alteingesessen sind (z. B. Knöchel in Basel BS, Ruggle in Bernhardzell SG oder Schlund in Schneisingen AG). Vierte Karte {473}: Übernamen nach den Beinen und Füssen Namenauswahl: Die vierte Karte zeigt alle einschlägigen FamN aus der Schicht «vor 1800», deren zugrunde liegende Lexeme den Bereich der unteren Gliedmasse abdecken. Abgefragte Namen ÜberN nach dem Bein: Holbein, Kurzbein. 3 Tokens. ÜberN nach dem Schenkel: Schenkel. 18 Tokens. ÜberN nach der Ferse: Fotsch, Votsch. 2 Tokens. ÜberN nach dem Fuss: Barfuss, Bärfuss, Fues, Fuess, Fuss, Fussen, Hockenfuss, Oggenfuss, Rehfuss. 9 Types, 11 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 492: Daten zur vierten Karte {473} Detailangaben zur Namenauswahl: Das Motiv der vorliegenden Namengruppen beruht entweder auf auffällig geformten oder deformierten Beinen resp. Füssen und nimmt dadurch vielleicht schon Bezug auf die Gangart (s. fünfte, sechste und siebte Karte). Während die Grundbedeutung von Bein zuerst ‘Knochen’ ist, nimmt das Lexem bereits im Althochdeutschen die Bedeutungen ‘Bein als Ganzes’ sowie ‘Ober- oder Unterschenkel’ an (EtymWB 1993b: s. v. Bein), welche in den FamN Holbein ‘nach aussen gebogenes Bein’ und Kurzbein ‘kurzes Bein’ auftreten (vgl. auch Kunze 2004: 145). Das Lexem Fuss bezeichnet einerseits den Fuss, andererseits aber auch das ganze Bein. Ob die daraus gebildeten FamN auf den eigentlichen Fuss oder das ganze Bein Bezug nehmen, kann meist nicht entschieden werden. Neben den Simplizia Fues, Fuess, Fuss und genitivischem Fussen kommen in der Schicht «vor 1800» auch Komposita auf -fuss vor. Diese nehmen meist explizit auf einen verwachsenen Fuss Bezug (so Hockenfuss ‘Klumpfuss’) oder sie sind metaphorisch als Vergleich mit Tierfüssen zu lesen wie Bärfuss und die zugehörige Variante Barfuss sowie Rehfuss. Das Bestimmungswort in Oggenfuss ist unklar, allenfalls liegt mhd. ouke, ouche ‘Kröte’ vor. Die FamN Fotsch, Votsch gehen auf schwzdt. Fōtsch ‘Ferse’ zurück (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1142). Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass Benennungen nach den unteren Gliedmassen nicht besonders häufig Eingang in das Familiennameninventar der Deutschschweiz gefunden haben. Von den 14 Types entfallen die meisten Ortspunkte auf den EinzelN Schenkel, der v. a. im Kanton Zürich alteingesessen ist. Anders als Schenkel ist ein grosser Teil der restlichen FamN (bspw. Barfuss, Bärfuss, Hockenfuss oder Rehfuss) nur einmalig bezeugt. Karte 473: ÜberN nach den Beinen und Füssen, vor 1800 988 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="367"?> Fünfte, sechste und siebte Karte {474, 475, 476}: Übernamen nach dem Gang Namenauswahl: Eng verbunden mit den Beinen und Füssen und allenfalls durch deren Missbildungen bedingt ist der Gang resp. die Gangart. Die fünfte Karte zeigt alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die zum Gang resp. zur Gangart gehören. Die beiden weiteren Karten stellen je eine Teilmenge davon dar: Die sechste Karte umfasst die fünf häufigsten lexikalischen Typen mit ihren Varianten. Die siebte Karte nimmt jene ÜberN auf, die zwischen 4 und 8 Tokens aufweisen und sich somit im vorliegenden Sample im mittleren Frequenzbereich befinden. Die seltenen FamN kommen dementsprechend nur in der fünften Karte vor und werden nicht mehr gesondert kartiert. Die Anordnung in der sechsten und der siebten Karte erfolgt jeweils in absteigender Frequenz. Abgefragte Namen ÜberN nach dem Gang, vor 1800: Biser, Daepp, Dalp, Däpp, Däppeler, Deppeler, Dütschler, Gamp, Gampp, Geng, Gimpert, Ging, Gingg, Ginggen, Gnepf , Grogg, Hinker, Hobler, Höpli, Hoppeler, Höppeler, Hoppler, Höppli, Hüppeler, Klingelfuss, Klingenfuss, Kräuchi, Kriemler, Krucker, Lirgg, Schiegg, Schnelli, Schümperli, Schümperlin, Schürch, Schwengeler, Schwenk, Schwick, Spettig, Stampfler, Stampfli, Stämpfli, Stapfer, Stelzer, Stürchler, Süsli, Traber, Tremp, Trepp, Trümpeler, Trümpi, Trümpler, Trümpy, Tschamper, Tschirky, Tschumper, Tschümperle, Tschümperli, Tschümperlin, Tschuppert, Wenk, Wenker, Wink, Wipf . 64 Types, 202 Tokens. Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 493: Daten zur fünften Karte {474} Abgefragte Namen Typ stampfen: Stampfler, Stampfli, Stämpfli. 31 Tokens. Typ wänken: Wenk, Wenker. 19 Tokens. Typ schürchen: Schürch. 18 Tokens. Typ tschumpen: Schümperli, Schümperlin, Tschumper, Tschümperle, Tschümperli, Tschümperlin. 6 Types, 17 Tokens. Typ hopplen: Hobler, Höpli, Hoppeler, Höppeler, Hoppler, Höppli. 6 Types, 15 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 494: Daten zur sechsten Karte {475} Karte 474: ÜberN nach dem Gang, vor 1800 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang 989 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="368"?> Abgefragte Namen Typ traben: Traber. 8 Tokens. Typ wepfen: Wipf . 8 Tokens. Typ tütschen: Dütschler. 6 Tokens. Typ täppen: Daepp, Däpp, Däppeler, Deppeler. 6 Tokens. Typ trampen: Tremp. 5 Tokens. Typ grāggen: Grogg. 4 Tokens. Typ kriechen: Kräuchi. 4 Tokens. Typ chrucken: Krucker. 4 Tokens. Typ stapfen: Stapfer. 4 Tokens. Typ trappen: Trepp. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 495: Daten zur siebten Karte {476} Detailangaben zur Namenauswahl: ÜberN nach der Gangart sind häufig in deutschsprachigen Familiennamenbeständen bezeugt. Auf diesen Aspekt wird auch in der Literatur verschiedentlich Bezug genommen, so in Kunze (2004: 145), Kohlheim/ Kohlheim (2014: 151) oder Nübling/ Kunze (2023: 428-431). Hintergrund einer auffallenden Gangart mag in vielen Fällen eine fehlende oder aus heutiger Sicht minimale Therapie bei Knochenbrüchen oder anderen Erkrankungen wie Knochenentzündung, Gicht oder Diabetes gewesen sein, die die betroffenen Personen mit einer unheilbaren Beeinträchtigung zurückliess (e-HLS 2023: s. v. Paläopathologie). Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Daepp, Däpp, Däppeler, Deppeler: zu schwzdt. täppe(n) resp. täppele(n) ‘langsam gehen oder arbeiten; schleichen’ • Dütschler: zu schwzdt. tütsche(n) mit der nur für das Toggenburg belegten Bedeutung ‘sich unsicher bewegen, schwanken, torkeln’ (Id. 13 1881 ff.: Sp. 2181); formal ist auch eine Bildung zu schwzdt. Tutsch (wohl) im Sinne von ‘Klotz, plumpe Masse, unbeholfener, plumper, dummer Mensch’ denkbar. • Gnepf : zu mhd. gnepfen ‘hinken, wanken’ • Klingelfuss, Klingenfuss: Kompositum aus mhd., fnhd. kling(e)len ‘ein Geräusch erzeugen’ und Fuss, aber nicht mit Bezug auf das Körperteil selbst, sondern für einen lautstarken oder anderswie klanglich hervorstechenden Gang • Kräuchi: zu mhd. kriechen, schwzdt. chrieche(n) ‘kriechen’ • Krucker: zu schwzdt. chrucke(n) ‘sich mühsam schleppen, herumhumpeln’ • Schürch: zu schwzdt. schürche(n) ‘schieben’ wohl für einen schiebenden, schleppenden Gang • Trümpeler, Trümpler: zu schwzdt. (älter) trümpele(n) ‘mit kleinen, kurzen Schritten gehen, trippeln’ Karte 475: ÜberN nach dem Gang mit hoher Frequenz, vor 1800 990 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="369"?> • Wenk, Wenker: zu schwzdt. wänke(n) ‘wanken, schwanken’ sowie ‘wenden, abkehren, eine seitliche Bewegung machen’ • Wipf : mhd. wipf ‘Schwung, schnelle Bewegung’, schwzdt. wëpfe(n) ‘schnell gehen, sich beeilen’ Kommentar: Die fünfte Karte zeigt, dass FamN zur Gangart in der Schicht «vor 1800» zahlreich vorkommen: Mit 64 Types und 202 Tokens liegen hier verglichen mit den ersten vier Karten die höchsten Type- und Tokenzahlen vor. Die Belege verteilen sich nicht gleichmässig über die Deutschschweiz, sondern ballen sich vorwiegend in der nördlichen Hälfte. Die meisten Tokens erreichen der nördliche Teil des Kantons Bern (38 Tokens) sowie die Kantone St. Gallen (33 Tokens), Zürich (24 Tokens), Thurgau (23 Tokens), Aargau (20 Tokens) und Solothurn (18 Tokens). Die relative Flächenkartierung hebt besonders den Bezirk Wasseramt (SO) hervor, wo ÜberN zum Gang vor 1800 4,55 % ausmachen. Daneben weisen auch die Bezirke Dietikon (ZH), Schwyz (SZ) und Mittelland (AR) sowie der Wahlkreis Toggenburg (SG) mit einem relativen Anteil von über 2 % eine dunklere Flächenfärbung aus. Die sechste und die siebte Karte helfen, diese Ballungen etwas differenzierter darzustellen, denn in manchen Gebieten treten EinzelN gehäuft auf. So wird auf der sechsten Karte deutlich, dass in Solothurn der FamN Stampfli (16 Tokens) und in St. Gallen der FamN Wenk (14 Tokens) clustert. Im Kanton Bern kommen die beiden FamN Schürch (Emmental, daneben auch LU) und Stämpfli gehäuft vor. Als EinzelN zwar nicht häufig, aber in Summe ebenfalls im oberen Frequenzspektrum figurieren die ÜberN zu schwzdt. tschumpe(n): Die diminuierten Varianten mit Tsch-Anlaut (Tschümperle, Tschümperli, Tschümperlin) konzentrieren sich dabei vorrangig im Kanton Schwyz, während die FamN mit Sch-Anlaut (Schümperli, Schümperlin) im Thurgau auftreten. FamN des Typs hopplen kommen einerseits in Teilen des Kantons Aargau (zwischen Brugg und Muri), andererseits in den Kantonen Zürich und Thurgau vor. Die siebte Karte zeigt, dass die ÜberN im mittleren Frequenzbereich mehrheitlich nahe beieinander liegen: Der FamN Traber kommt ausschliesslich im Kanton Thurgau vor. Der FamN Wipf clustert im Zürcher Weinland sowie im angrenzenden Lohn (SH), daneben zeigt er auch zwei Vorkommen im Aargau. Als toggenburgisch kann der FamN Dütschler angesprochen werden und ebenfalls nur im Kanton St. Gallen ist der Name Tremp verzeichnet (Wahlkreis See-Gaster). Im Kanton Bern lassen sich die beiden FamN Grogg (Oberaargau) und Kräuchi (Grenzgebiet zwischen Seeland, Bern- Mittelland und Emmental) verorten. Einziger Vertreter in Graubünden ist der FamN Trepp (Region Viamala). Vorkommen in verschiedenen Regionen zeigen der Typ täppen (Daepp, Däpp in BE; Däppeler, Deppeler in AG), der FamN Krucker (LU, SG, TG) und der FamN Stapfer (AG, ZH). Abschliessend sei erwähnt, dass 27 der kartierten Types in der Schicht «vor 1800» nur einmal vorkommen, so etwa Lirgg (Signau BE), Ginggen (Zweisimmen BE), Gnepf (Buchs ZH) oder Tschirky Karte 476: ÜberN nach dem Gang mit mittlerer Frequenz, vor 1800 5.2 Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang 991 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="370"?> (Weisstannen SG). An ihnen zeigt sich, wie lexikalisch vielfältig dieser semantische Bereich auch in der Deutschschweiz besetzt ist. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Schürch (2'209 Tokens), Stampfli (1'520 Tokens) und Wenk (1'119 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf den Körper zurückgehen, werden im DFA 5 (2016: 656-857) auf den Karten 252-338 dargestellt. Dabei wird eine grobe Unterteilung in «Gesamter Körper» (Karten 252-287) einerseits und «Haare und Körperteile» (Karten 288-338) andererseits mit jeweils weiteren Unterteilungen wie «Beine, Füße, Gangart» (Karten 326-338) vorgenommen. In Nübling/ Kunze (2023: 408-460) werden Namen wie Breitschädel, Spinnenhirn, Schiller, Pausback, Luchterhand oder Liesegang kartiert. Auch Kunze (2004: 142-145) illustriert ÜberN mit den Lexemen Haupt und Kopf , ÜberN zu Teilen des Kopfs sowie zu weiteren Körperteilen und zu anderen Auffälligkeiten (Linkshänder). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Cooper, Christine/ Lösch, Sandra (2023): Paläopathologie. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 061526/ 2023-10-26 (letzter Zugriff 20.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993a): Haupt. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ wb/ etymwb/ Haupt (letzter Zugriff 20.05.2025). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993b): Bein. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ wb/ etymwb/ Bein (letzter Zugriff 20.05.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 20.05.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Simone Berchtold 992 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="371"?> 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel Schlagwörter: angeberisch, angenehm, ängstlich, Arbeitsverhalten, böse, dumm, einfältig, Essverhalten, freundlich, froh, gut, lebendig, munter, mutig, nervös, prahlerisch, sorgenvoll, sorglos, tapfer, Trinkverhalten, tüchtig, unfreundlich, unruhig Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 14.10.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») Bezug auf charakterliche Eigenschaften und Verhaltensweisen einer Person nehmen. Zwei Merkmale werden ausgeklammert und aufgrund ihrer Häufigkeit in eigenen Artikeln bearbeitet: Aggressivität einerseits und Sprechweise bzw. Sprachverhalten andererseits. 1 Andere Eigenheiten, die in FamN auftreten, werden in diesem Sammelartikel berücksichtigt. Dabei können verschiedene Aspekte betont worden sein wie etwa ein angenehmer oder bösartiger Charakter, eine sorglose oder sorgenvolle Wesensart sowie ein kluges oder einfältiges Verhalten. Es geht also primär um persönlichkeitsinhärente Merkmale (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 151), die im Unterschied zu äusserlichen Merkmalen nicht sichtbar sind. 2 Grundsätzlich kann als Motiv für die Namengebung Abweichung von einer vorgestellten Norm gelten (Kunze 2004: 147): Hinter der Motivation steht wohl häufig die Orientierung an «Normvorstellungen der namengebenden Gemeinschaft» (Kunze 2004: 139). «Die bezeichnete Eigenschaft war so auffällig und damit (eher) selten, dass sie den ersten Namenträger vom Rest der Gruppe unterschied» (Nübling/ Kunze 2023: 408). Es ist davon auszugehen, dass häufiger negative Abweichungen namengebend wirkten, wie dies Kohlheim/ Kohlheim (2014: 151) festhalten: «Neben negativen Eigenschaften kommen, allerdings seltener, auch positive Eigenschaften zur Sprache». Auch das RNB 3 (1986: 779) kommt zum Schluss, dass «Übernamen mit negativer Wertung weit häufiger als die positiven Beurteilungen» sind. Zur Namenauswahl der nachfolgenden Karten sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Mehrdeutigkeit der zugrunde liegenden Lexeme eine eindeutige Zuordnung der ÜberN oft schwierig bis unmöglich macht. Auf diesen Aspekt weist bereits das RNB 3 (1986: 777) hin: Da ist einmal das Problem der Abgrenzung: Wo hört die Bedeutungsgruppe ‘wild-ungestüm’ auf, wo beginnt die Gruppe ‘mürrisch-grob’? Dabei muss weiter in Betracht gezogen werden, dass im Rätoromanischen, wie im Bündnerdeutschen und im Italienischen, die Wörter selten nur eine Bedeutung haben, v. a. wenn es sich, wie hier, um Wörter der emotionell-affektischen Zone handelt. Am ÜberN Frutig soll das Problem der Mehrdeutigkeit illustriert werden: Der Name geht etymologisch auf das Adjektiv mhd. vrüetic ‘rasch zur Tat, eifrig, behände, munter, rüstig, tapfer’ zurück, das im Schweizerdeutschen ein noch breiteres Bedeutungsspektrum entwickelt hat: schwzdt. fruetig, früetig ‘von Menschen (früher auch etwa von Tieren): 1. munter, froh, frisch, lebhaft, rüstig, wacker, tapfer, furchtlos, rasch, entschlossen; 2. hurtig, behände, schnell, f link’ (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1340-1341). Ein eindeutiges Motiv ist in solchen Fällen nicht mehr auszumachen, denn «eine einwandfrei fundierte, ganzheitliche Namendeutung kann nur in Ausnahmefällen vollzogen werden, da i. d. R. keine Äußerungen des Namengebers zu seiner Motivation vorliegen» (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 148). Zusätzlich ist mit qualitativem Bedeutungswandel der zugrunde liegenden Lexeme zu rechnen: Während mhd. frech ‘mutig, kühn, tapfer, keck, dreist, lebhaft’ bedeutet - auch schwzdt. ‘herzhaft, unerschrocken, mutig, kühn, keck in gutem Sinn’ (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1271) -, ist das Adjektiv im Gegenwartsdeutschen mit dem Bedeutungsspektrum ‘dreist, unverschämt, schamlos’ eher in den negativen Bereich übergegangen. Eine Einteilung in positive und negative Eigenschaften verbietet sich deshalb teilweise, da beide Aspekte im Bedeutungsspektrum eines Wortes vorkommen können und nicht mehr eruiert werden kann, ob bei der Namengebung das positive oder das negative Merkmal ausschlaggebend war. Auch die Chronologie des Bedeutungswandels lässt sich nur relativ über die Auswertung historischer Belege rekonstruieren. 3 Ebenfalls können sich Bedeutungsaspekte, die den Körper betreffen, mit charakterlichen Merkmalen verschränken. So kann das Adjektiv grob, das dem FamN Grob zugrunde liegt, einen robusten, korpulenten, starkknochigen Körperbau beschreiben und auch Bezug auf einen unfeinen Charakter nehmen. Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass in den meisten Lexemen ein Spektrum an Bedeutungen gebündelt ist, das sich nicht deutlich abgrenzen lässt. Im vorliegenden Artikel wird auch von einer expliziten Zuteilung in negative und positive Eigenschaften abgesehen, da beide Aspekte wie bereits erwähnt in einem Lexem vorkommen können. Der Wahl von und der Zuordnung zu Kartenthemen wurden einerseits Beispiele aus der Literatur (Kunze 2004: 147; DFA 5 2016: 858-907, 954-977, 978-999) und andererseits eigene Arbeiten am Datenmaterial zugrunde gelegt. Dabei wurden FamN gruppiert, die auf semantisch vergleichbaren Wörtern basieren wie z. B. FamN, die auf ein Lexem mit der Bedeutung ‘böse’ oder ‘sorgenvoll’ zurückgehen. Im Sinne eines vollständigeren Überblicks über die hier interessierende Motivgruppe wurden tendenziell eher weite Selektionskriterien angewendet, wobei stets die oben genannten Unschärfen des jeweiligen Bedeutungsspektrums zu bedenken sind. Zudem sei erwähnt, dass in diesem Artikel relativ viele Namen aufgenommen wurden, die in der Schicht «vor 1800» nur 1 bis 2 Tokens 1 Vgl. die Artikel III-5.4 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität» und III-5.5 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten». 2 Zu äusserlichen Merkmalen vgl. die Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» sowie III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 3 Fritz (2005: 29-32) illustriert am Fallbeispiel mhd. kluoc die Veränderung im Gebrauch von 1230 bis ins 16. Jh. 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 993 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="372"?> aufweisen. Um die Kartenbilder nicht mit Namengruppen zu überfrachten, wurden diese einfach oder zweifach auftretenden FamN jeweils in der Kategorie «Sonstige» zusammengefasst. Die Bildung von ÜberN erfolgt im Prinzip auf zweifachem Weg: Der FamN kann auf der direkten Benennung der Eigenschaft basieren (Kunze 2004: 139), dann liegt i. d. R. ein Adjektiv wie gut, frech, wacker oder ein Substantiv wie Held, Kummer, Schlumpf (‘grosser Bissen’) vor (Fleischer 1964: 149). Die Benennung kann daneben auch metaphorisch motiviert sein, indem bspw. auf Tiere referiert wird (z. B. bei den FamN Fuchs, Hase oder Löwe) und die den Tieren zugesprochenen Eigenschaften auf Menschen übertragen werden; so gilt der Fuchs als schlau, der Hase als ängstlich und der Löwe als mutig. 4 Neben einer metaphorischen Verwendung eines Lexems ist z. T. auch eine ironische denkbar, sodass als namengebendes Motiv gerade das Antonym des zugrunde liegenden Lexems anzusetzen wäre. Bspw. ist es möglich, dass Witzig zu mhd. witzec ‘verständig, klug, weise’ zur Charakterisierung einer Person genutzt wurde, der man Klugheit geradezu absprach. 5 Formal können die Namen neben einem unerweiterten Grundwort auch Nomina agentis auf -(l/ n)er oder -i sein wie Nüscheler zum Verb schwzdt. nüschele(n) ‘suchend in etwas herumwühlen; langsam und ungeschickt an etwas herumarbeiten usw.’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 834) oder Strebi zu schwzdt. strebe(n) ‘sich heftig regen, bewegen; sich aufrichten, bäumen; kämpfen’. In manchen Fällen liegt auch eine Zusammenrückung vor wie bei Schafroth ‘[ich] schaffe Rat’, einer Verbindung aus Verb und Nomen, oder Schafflützel ‘[ich] arbeite wenig’, einer Verbindung aus Verb und Adjektiv. 6 Die ersten elf Karten widmen sich jeweils einer Charakter- und Verhaltensweise: angenehm, freundlich (erste Karte), gut, tüchtig (zweite Karte), mutig, tapfer (dritte Karte), lebendig, munter (vierte Karte), klug, schlau (fünfte Karte), einfältig, dumm (sechste Karte), sorglos, froh (siebte Karte), sorgenvoll, ängstlich (achte Karte), unruhig, nervös (neunte Karte), prahlerisch, angeberisch (zehnte Karte) sowie böse, unfreundlich (elfte Karte). Die zwölfte Karte stellt FamN dar, die als ÜberN zum Arbeitsverhalten eingeordnet werden können, die darauffolgende dreizehnte Karte gilt ÜberN, die auf das Ess- und Trinkverhalten Bezug nehmen. Schliesslich gruppiert die vierzehnte Karte weitere Charakter- und Verhaltensweisen, die sich keiner der bereits genannten Eigenschaften zuordnen lassen, die aber regionalspezifisch auftreten und darum ebenfalls berücksichtigt werden. Erste Karte {477}: Übernamen nach angenehmem, freundlichem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 7 ab, die auf Lexeme zurückgehen, die sich semantisch auf die Charaktereigenschaft ‘angenehm’, ‘freundlich’ bis ‘anständig’ beziehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Freienmuth: Freienmuth, Freiermuth. 4 Tokens. Typ fueg: Füeg, Fügi, Fügli, Fuog. 7 Tokens. Typ genehm: Gnehm. 7 Tokens. Typ hold: Hold, Holdener, Holder. 9 Tokens. Typ hübsch: Hübscher, Hübschi. 10 Tokens. Typ lieb: Lieb, Lieber, Liebergsell, Lieberherr, Liebi, Lüber. 6 Types, 20 Tokens. Typ loslich: Loosli. 3 Tokens. Typ schön: Schön, Schöni, Schönmann. 12 Tokens. Typ süss: Süess, Süss, Süssli, Süsslin. 17 Tokens. Sonstige: Glücki, Goenner, Gutherz, Härz, Heil, Hohermuth, Küssler, Lächler, Lustig, Milt, Schatz, Schickli, Segenreich, Senften, Treu, Trost, Wägli. 17 Types, 17 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 496: Daten zur ersten Karte {477} Detailangaben zur Namenauswahl: 8 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • Typ fueg: Die FamN stellen sich zu schwzdt. füege(n) ‘passend, genehm sein’. • Typ hold: Die FamN stellen sich zu mhd. hold ‘jemandem/ etwas zugeneigt, freundlich gestimmt sein’. Die Form Holdener ist gemäss SZNB 3 (2012: 109) eine Ableitung zum Verb mhd., schwzdt. hulde(n) ‘huldigen, sich mit jemandem freundschaftlich verbinden’, mhd. *huldenære ‘einer, der sich jemanden geneigt macht’. Diese Namenerklärung ist nicht ganz unproblematisch, da Nomina agentis auf -er üblicherweise nicht vom Infinitiv gebildet werden; darum ist konkurrierend auch ein WohnstättenN mit Bezug auf eines der vielen Holder-Toponyme (die sich auf Holunderbewuchs beziehen) mit Dissimilation Holderer zu Holdener zu erwägen. 4 Zur Mehrdeutigkeit der FamN, die auf Tierbezeichnungen zurückgehen, vgl. generell den Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen». 5 Von Nübling/ Kunze (2023: 441) wird z. B. auch der FamN Sieb(en)list als ironischer ÜberN eingestuft, «da Bildungen mit Siebeneher auf eine geringe Ausprägung der Eigenschaft hinweisen». 6 Für verschiedene Bildungsmuster von ÜberN vgl. die Artikel II-2.6 «Familiennamen aus Adjektiven auf -ig und -lich», II-1.2 «Flektierte Adjektivformen», II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen», II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen», II-4.2 «Zusammenrückungen mit nominalen und adjektivischen oder adverbialen Bestandteilen» und II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 7 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 8 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 994 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="373"?> • Typ loslich: Der FamN Loosli gehört zu mhd. lōslich, lœslich ‘freundlich, anmutig’, im Schweizerdeutschen mit Ausfall von auslautendem -ch. Konkurrierend ist auch ein BerufsüberN zu schwzdt. Lōs ‘der einem zustehende Anteil’ für einen Beamten, «der bei der Verteilung von Waldnutzen oder Gemeindeland jedem sein Los zuteilte», denkbar (Christen 1998: 348). • Der FamN Schickli stellt sich zu schwzdt. schickli(ch) ‘passend, anständig’ mit charakteristischem Ausfall von auslautendem -ch. 9 • Der FamN Wägli stellt sich zu schwzdt. wägli(ch) ‘passend, angemessen’, auch hier mit Ausfall von auslautendem -ch. Kommentar: Die erste Karte zeigt einen Schwerpunkt der ausgewählten ÜberN in der nördlichen Landeshälfte, wo sie teils spezifische, teils unspezifische Verbreitungsräume aufweisen. Trotz der weiträumigen Flächenabdeckung sind die meisten Typen im niederfrequenten Bereich anzusiedeln. Dieser quantitative Befund kann die eingangs gemachte Anmerkung stützen, dass sich die namengebende Gesellschaft bei der Namenvergabe eher an negativen Abweichungen orientierte und Positives nicht so häufig als Identifikationsmerkmal einer Person herangezogen wurde. Eine spezifische Raumbildung lassen die folgenden EinzelN erkennen: Der FamN Füeg konzentriert sich im Kanton Solothurn, während Loosli im Unteremmental (Sumiswald, Eriswil, Wyssachen BE) ein Namennest formt. Gnehm ist nur in der Nordostschweiz zwischen Stein am Rhein (SH) und Stäfa (ZH) alteingesessen, Freienmuth tritt im Kanton Thurgau und Holdener im Kanton Schwyz auf. Mit weiträumiger Verbreitung ist der FamN Hübscher (AG, BE, BS, LU, SH) zu nennen. Während der FamN Süss - ebenso wie der Typ schön - ein Streubild zeigt, clustert die Form mit digraphischer Schreibung Süess im Entlebuch (LU). Die Namengruppe mit den meisten Types und Tokens bildet der Typ lieb mit gesamt 20 Ortspunkten. Dabei ist Lieberherr der häufigste EinzelN (9 Tokens); er ist für das Toggenburg (SG) und die angrenzende Gemeinde Urnäsch (AR) typisch. Karte 477: ÜberN nach angenehmem, freundlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 9 Vgl. Artikel II-2.6 «Familiennamen aus Adjektiven auf -ig und -lich» (zweite und dritte Karte). 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 995 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="374"?> Zweite Karte {478}: Übernamen nach gutem, tüchtigem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die in der zweiten Karte gezeigten FamN gehen auf Lexeme zurück, die sich im Bedeutungsspektrum zwischen ‘gut’, ‘tüchtig’ und ‘rechtschaffen’ bewegen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ bieder: Biderbost, Bieder, Biedermann, Biedert. 16 Tokens. Typ gut: Gut, Gutersohn, Guth, Gutknecht, Gutmann. 55 Tokens. Typ Kern: Cherno, Kern, Kernen. 25 Tokens. Typ Mann: Mann. 4 Tokens. Typ wacker: Wacker, Wäcker, Wäckerli, Wäckerlig, Wäckerlin, Wäckerling, Waeckerling. 7 Types, 14 Tokens. Typ wätlich: Wethli, Wetli, Woodtli. 6 Tokens. Typ weidenlich: Weideli. 5 Tokens. Typ wohlgemut: Wohlgemut, Wohlgemuth. 7 Tokens. Typ Wohlwend: Wohlwend. 6 Tokens. Sonstige: Fromm, Säuberli. 3 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 497: Daten zur zweiten Karte {478} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. Generell sei angemerkt, dass die Merkmale ‘gut, tüchtig’ teilweise kaum vom Bedeutungsspektrum ‘mutig, tapfer’ (vgl. dritte Karte) zu trennen sind. Die beiden Karten ergänzen sich somit gegenseitig. • Typ bieder: zu mhd. biderbe ‘brav, tüchtig, angesehen’, schwzdt. biderb ‘ehrenwert, wacker, rechtschaffen, loyal, unbescholten’ • Typ Kern: zu mhd. kern ‘innerer Teil einer Frucht; Same’; gemäss Brechenmacher 2 (1957-1963: 31) kann hier Benennung für einen tüchtigen, kernhaften Menschen vorliegen; konkurrierend ist auch ein BerufsüberN für einen Getreidebauern denkbar. • FamN Mann: zu mhd. man ‘Mensch, (erwachsener) Mann, Lehnsmann, Vasall, tüchtiger, streitbarer Mann’ u. ä. für einen tüchtigen, tapferen Mann (DFD 2025a: s. v. Mann) • FamN Säuberli: zu schwzdt. sǖberli(ch) ‘rein, reinlich; anständig; gehörig; tüchtig; anständig’ • Typ wätlich: zu schwzdt. wätli(ch) ‘artig, gefällig; geschickt, begabt, tüchtig’, auch ‘stattlich, rechtschaffen’ • FamN Weideli: zu schwzdt. weidenli(ch) ‘tüchtig, vorzüglich, stattlich’, auch ‘mutig, tapfer’ Kommentar: Die zweite Karte zeigt ein verdichtetes Vorkommen der kartierten Namen in der nördlichen Landeshälfte, wobei sich die Ortspunkte v. a. ab den Kantonen Luzern und Solothurn in Richtung Nordostschweiz verdichten. Der häufigste Name im Sample ist Gut Karte 478: ÜberN nach gutem, tüchtigem Charakter und Verhalten, vor 1800 996 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="375"?> mit 37 Ortspunkten, die sich im beschriebenen nordöstlichen Verdichtungsraum finden. Der Name Gutmann hingegen clustert im westlichen Seeland (BE), dann aber auch im nördlichen Teil des Kantons Zürich sowie im angrenzenden Mellikon (AG). Die FamN des Typs Kern streuen, wobei die Variante Kernen mit schwachem Genitivsuffix typisch für das Berner Oberland ist. Die FamN mit dem Element wohl kommen in der nördlichen und östlichen Deutschschweiz ohne erkennbare Clusterbildung vor. Auch FamN des Typs wacker zeigen keine klare Raumbildung. Demgegenüber kommt der Name Woodtli in vier benachbarten Gemeinden des Bezirks Zofingen (AG) vor und Mann erscheint punktuell im Emmental (BE). Dritte Karte {479}: Übernamen nach mutigem, tapferem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die dritte Karte gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf das Bedeutungsspektrum ‘mutig’, ‘tapfer’ oder ‘kühn’ zurückführen lassen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Deubelbeiss: Deubelbeiss. 3 Tokens. Typ Fierz: Fierz, Fietz. 6 Tokens. Typ frech: Frech. 4 Tokens. Typ Frevel: Fraefel, Frevel. 5 Tokens. Typ Held: Held. 9 Tokens. Typ Knaus: Knaus, Knus. 7 Tokens. Typ Löwe: Leu, Leumann, Leuw, Ley, Loew, Löw, Lymann. 7 Types, 44 Tokens. Typ stark: Stark, Starkenmann, Starkermann, Sterchi, Sterki. 23 Tokens. Typ tapfer: Tapfert. 1 Token. Typ turstig: Durst, Dürst. 12 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 498: Daten zur dritten Karte {479} Karte 479: ÜberN nach mutigem, tapferem Charakter und Verhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 997 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="376"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. Generell sei angemerkt, dass die Merkmale ‘mutig, tapfer’ teilweise kaum vom Bedeutungsspektrum ‘gut, tüchtig’ (vgl. zweite Karte) zu trennen sind. Die beiden Karten ergänzen sich somit gegenseitig. • FamN Deubelbeiss: SatzN aus schwzdt. Deubel, Teupel ‘Teufel’ und schwzdt. bīsse(n) ‘beissen’ für eine Person, die es mit dem Teufel selbst aufnimmt (Brechenmacher 1 1957-1963: 356) oder die mit dem Teufel verglichen wurde. Ältere Formen des Namens lauten Tüfelbeiss oder Tüfelbyss (Id. 4 1881 ff.: Sp. 1680). • Typ Fierz: zu mhd. viez(e) ‘Held, schlauer Feind, Teufelskerl, Teufel’ • Typ Frevel: zu mhd. vrëvel(e), vräfel ‘mutig, kühn, unerschrocken, verwegen’; jedoch bereits im ausgehenden Mittelalter mit negativer Entwicklung zu ‘verschlagen, dreist, unverschämt, gewalttätig’ • Typ Knaus: mhd. knūz ‘keck, vermessen, waghalsig’; konkurrierend auch ÜberN nach dem Körperumfang zu schwzdt. (älter) Chnūs ‘wohlbeleibter Mensch; vierschrötige Person’ • Typ turstig: zu schwzdt. turstig ‘kühn, waghalsig, verwegen’; konkurrierend ist für umlautloses Durst auch eine Erklärung als ÜberN zu mhd. durst ‘Durst’ für den Durstigen, allenfalls den Trinker denkbar. FamN des Typs Löwe sind zwar durchsichtig, dennoch soll hier eine Erläuterung gegeben werden - und zwar bezüglich der Symbolik (vgl. auch andere FamN zu Tierbezeichnungen wie Fuchs und Hase): Der Löwe symbolisiert Positives (Macht, Stärke, Leben, Mütterlichkeit) und Negatives (Böses). Bereits im Alten Testament ist der Löwe Sinnbild unüberwindlicher Stärke und auch in der Fabelliteratur etablieren sich seit der Antike die Eigenschaften ‘Grossmut’ und ‘Tapferkeit’ in Bezug auf das Tier (Butzer/ Jacob 2021: 371-372). Diese Eigenschaften können in der Folge auch metaphorisch auf Menschen übertragen worden sein. Kommentar: Die dritte Karte zeigt ein weitläufiges Vorkommen von ÜberN zu mutigem, tapferem Verhalten. Die Belege dehnen sich vom Berner Oberland und vom Emmental (BE) über die Zentralschweiz und die Südostschweiz weiter in die nordöstliche Deutschschweiz aus. Teilweise sind FamN typisch für einzelne Kantone: So clustert der ÜberN Deubelbeiss im Aargau, Fierz mit seiner Variante Fietz im Kanton Zürich, Frefel im Thurgau und Dürst im Kanton Glarus. Beim Typ stark lassen sich die beiden frequenten Varianten ebenfalls regional verorten: Stark clustert nur im Osten in beiden Appenzell und Sterchi nur im Westen im Kanton Bern. Nicht regionalspezifisch ist der FamN Leu, der in neun Kantonen alteingesessen ist (AG, BE, GL, LU, SG, SH, SO, SZ, ZH) und stellenweise das Kartenbild stark prägt. 998 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="377"?> Vierte Karte {480}: Übernamen nach lebendigem, munterem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die vierte Karte thematisiert ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die sich auf das Bedeutungsspektrum ‘lebendig’, ‘munter’ bis ‘keck’ zurückführen lassen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ flück: Flouck, Fluck, Flück. 17 Tokens. Typ frisch: Frisch, Frischherz, Frischknecht, Frischkopf . 12 Tokens. Typ hüss: Häuser, Häusermann, Häusser, Heusser, Heussi, Hüser, Hüss, Hüsser. 8 Types, 37 Tokens. Typ kech: Käch, Kaech, Kech. 18 Tokens. Typ nuefer: Nufer, Nuoffer. 7 Tokens. Typ rösch: Resch, Rösch, Röschli, Rösti. 16 Tokens. Typ schnüeper: Schnieper. 4 Tokens. Sonstige: Frutig, Grüring, Haberstich. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 499: Daten zur vierten Karte {480} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • Typ flück: zu schwzdt. (älter) flück ‘f lügge; hellauf, wohlauf, munter’ • Typ hüss: zu mhd. hiuze ‘munter, frech’; im älteren Schweizerdeutschen ist das Wort im Ruf des Fuhrmanns hüüss! sowie im präfigierten ghüss ‘stolz, selbstbewusst’ nachgewiesen (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1752). • Typ kech: zu schwzdt. chëch ‘lebenskräftig, rüstig’, auch ‘keck, frech’ • Typ nuefer: zu schwzdt. nuefer, nüefer ‘munter, frisch, lebhaft’ • Typ rösch: zu mhd. resch(e) ‘schnell, munter, lebhaft’, schwzdt. gerundet als rȫsch ‘rasch, frisch’ • Typ schnüeper: Schnieper ist eine entrundete Form zu schwzdt. schnüeper, schnueper ‘lebenskräftig, lebensfreudig, munter, lebhaft’. Kommentar: Die vierte Karte zeigt einen Schwerpunkt der ausgewählten ÜberN im Mittelland, wo sie teils spezifische Verbreitungsräume aufweisen. Auffallend ist die Gebietsbildung der FamN vom Typ hüss im Kanton Zürich und westlich anschliessend im Aargau. Auch der FamN Rösch zeigt ein grösseres Verbreitungsgebiet, welches sich vom Wahlkreis Willisau (LU) über den Oberaargau (BE) bis ins Seeland (BE) erstreckt, während Rösti nur im Raum Simmental-Frutigen (BE) typisch ist. Das Auftreten von Schnieper ist in der Karte 480: ÜberN nach lebendigem, munterem Charakter und Verhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 999 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="378"?> gewählten Schicht auf den Kanton Luzern beschränkt. FamN des Typs kech treten einerseits im Kanton Luzern und andererseits in den Kantonen Solothurn, Bern und Freiburg gehäuft in Erscheinung, wobei die Variante Kaech mit ae-Graphie auf Freiburg beschränkt ist. Der FamN Nufer zeigt ein Streubild mit Vorkommen im Berner Oberland und im Thurgau. Die beiden Namen Flück und Fluck zeigen tendenziell auch Streubilder, wobei die umgelautete Namenform nur in der westlichen Deutschschweiz (BE, BL, LU, SO) und die nichtumgelautete Form nur in der östlichen Landeshälfte (ZH) auftreten. Der in der französischsprachigen Schweiz vorkommende FamN Flouck geht auf Zuwanderung aus dem deutschsprachigen Raum zurück. Fünfte Karte {481}: Übernamen nach klugem, schlauem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die fünfte Karte illustriert ÜberN, die das Bedeutungsspektrum ‘klug’, ‘schlau’ bis ‘listig’ abdecken. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Fuchs: Fuchs, Füchslin, Fux. 59 Tokens. Typ kündig: Kündig, Kündiger. 22 Tokens. Typ Nünlist: Nünlist. 4 Tokens. Typ Schafroth: Schafroth. 5 Tokens. Typ witzig: Witzig. 5 Tokens. Sonstige: Hirni, Kloug, Laurer, Rathgeb, Ringele, Ringgeli, Sinniger. 7 Types, 9 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 500: Daten zur fünften Karte {481} Detailangaben zur Namenauswahl: FamN zum Typ Fuchs können einerseits Bezug auf die rote Farbe (etwa der Haare) nehmen, andererseits aber auch nach einer dem Tier zugesprochenen Eigenschaft vergeben worden sein: So werden dem Fuchs bereits seit der Antike «Tücke, List und Verschlagenheit» nachgesagt (Butzer/ Jacob 2021: 204). Diese Zuschreibungen werden in der deutschsprachigen Fabeltradition ab dem 12. Jh. fortgeführt und so dürften die darin verarbeiteten Stoffe einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt gewesen sein. Insgesamt überwiegt beim Fuchs der «negative Symbolgehalt» des Tiers (Butzer/ Jacob 2021: 204). Ebenfalls eher im negativen Spektrum bewegt sich der FamN Nünlist - zusammen- Karte 481: ÜberN nach klugem, schlauem Charakter und Verhalten, vor 1800 1000 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="379"?> gesetzt aus dem Zahlwort mhd. niun ‘neun’ und mhd. list ‘Weisheit, Klugheit, Schlauheit’ - für eine Person, die man als besserwisserisch empfand (‘Neunmalkluger’). 10 Schafroth, eine Zusammenrückung aus schaffen und Rat, kann ebenfalls negativ als ‘jemand, der gerne und oft Ratschläge erteilt’ oder aber positiv als ‘jemand, bei dem man sich gerne Rat holt’ interpretiert werden (DFD 2025b: s. v. Schaffrath). 11 Folgenden FamN liegen Adjektive zugrunde: Kloug zu mhd. kluoc mit breitem Bedeutungsspektrum wie u. a. ‘höfisch, geistig gewandt, klug, weise, listig, schlau’; Kündig, Kündiger zu mhd. kündec ‘bekannt, klug, geschickt, aufmerksam’; Sinniger zu schwzdt. sinnig ‘verständig, klug’; Witzig zu mhd. witzec ‘verständig, klug, weise’. Der FamN Laurer ist ein Nomen agentis auf -er zu mhd. lūre ‘schlauer, hinterlistiger Mensch’; die FamN Ringele, Ringgeli sind Nomina agentis auf -i zu schwzdt. ringg(e)le(n) ‘sich drehen, wenden’, auch ‘etwas schlau einrichten, eine schwierige oder verfahrene Sache mit Mühe und Geschick in Ordnung bringen’. Auf Substantiven basieren die ÜberN Hirni zu mhd. hirne ‘Hirn, Gehirn’, bildlich auch ‘Verstand’ und Rathgeb zu mhd. rātgëbe ‘Ratgeber, Berater, Helfer’. Kommentar: Die fünfte Karte zeigt ein grossf lächiges Vorkommen der einschlägigen ÜberN in der Deutschschweiz, wobei die meisten Ortspunkte auf FamN des Typs Fuchs entfallen: Die Form Fuchs kann als Default angesehen werden und kommt in 13 Kantonen vor (AG, AI, BE, BL, GR, JU, LU, SG, SH, SO, SZ, TG, VS). Demgegenüber clustert die Variante Fux im Kanton Wallis mit 4 Ortspunkten. Die Diminutivform Füchslin hingegen ist nur zweimal belegt (Brugg AG, Einsiedeln SZ). Die weiteren vier kartierten Typen zeigen teils ein begrenztes räumliches Auftreten: In der westlichen Deutschschweiz konzentrieren sich die beiden FamN Schafroth und Nünlist; ersterer kommt lediglich im Emmental (BE) und zweiterer nur im Kanton Solothurn vor. Der FamN Kündig ist zwar auch in der Zentralschweiz alteingesessen (LU, SZ), clustert aber v. a. im Zürcher Oberland. Kündiger hingegen ist nur in Nürensdorf (ZH) bezeugt. Der FamN Witzig konzentriert sich ebenfalls im Kanton Zürich, hier aber v. a. im nördlichen Teil (Zürcher Weinland). 10 Vgl. Artikel II-4.2 «Zusammenrückungen mit nominalen und adjektivischen oder adverbialen Bestandteilen». 11 Vgl. Artikel II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1001 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="380"?> Sechste Karte {482}: Übernamen nach einfältigem, dummem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die sechste Karte behandelt FamN aus der Schicht «vor 1800», in denen einfältiges oder dummes Verhalten namengebend gewesen sein kann. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Blösch: Blösch. 4 Tokens. Typ Dummermuth: Dummermuth, Thummermuth. 5 Tokens. Typ Gauch: Gauch. 5 Tokens. Typ grob: Grob, Gröble, Gröbli, Gröbly. 58 Tokens. Typ Klöti: Klöti. 6 Tokens. Typ Strausack: Strausack, Strausak. 3 Tokens. Typ Tribelhorn: Tribelhorn. 4 Tokens. Typ Tschudi: Tschudi, Tschudin, Tschudy. 22 Tokens. Typ Tschumi: Tschumi, Tschümmy. 3 Tokens. Typ Tüsel: Düsel, Düssel, Tüsel. 3 Tokens. Sonstige: Bauder, Dopple, Dumelin, Gänsli, Gemuseus, Geugel, Konanz, Tscheer. 8 Types, 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 501: Daten zur sechsten Karte {482} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. 12 • FamN Bauder: abgeleitet von schwzdt. baude(n) ‘sich in Worten und Handlungen einfältig benehmen’ • FamN Blösch: zu schwzdt. Blösch mit Bezug auf Menschen in der Bedeutung ‘Kahlkopf ’ oder als Bezeichnung für eine unbeholfene, einfältige Person • FamN Gauch: zu mhd. gouch ‘Tor, Narr’, auch ‘Kuckuck; Bastard’ • FamN Geugel: zu schwzdt. Gäugel ‘einfältiger, leichtsinniger Mensch’ sowie ‘Hanswurst, Spassvogel’ • Typ grob: zum Adjektiv schwzdt. grob, das ein breites Bedeutungsspektrum umfasst: Bezogen auf Menschen kann einerseits auf die Gestalt des Körpers Bezug genommen werden im Sinne von ‘robust, korpulent, starkknochig’, mit Bezug auf den Charakter meint grob ‘unfein, ungebildet’. • FamN Klöti: zu schwzdt. Chlöti ‘unreinlicher Knabe oder Mann; unbeholfener, einfältiger, stumpfsinniger, energieloser, liederlicher Mensch’; konkurrierend ist auch ein HerkunftsN zum Toponym Kloten möglich. Karte 482: ÜberN nach einfältigem, dummem Charakter und Verhalten, vor 1800 12 Auch FamN, die auf der Grundlage der Tierbezeichnungen Ochse (FamN Oechsli, Oechslin), Stier (FamN Stierli, Stierlin) und Widder (FamN Wider) gebildet sind, können metaphorisch als ‘stur, einfältig’ gedeutet werden. Zugunsten der Übersichtlichkeit wurden sie hier nicht kartiert; es sei auf den Artikel III-5.6 «Übernamen nach Tierbezeichnungen» verwiesen. 1002 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="381"?> • FamN Tribelhorn: zu oberdt. Tribelhorn ‘Dummkopf ’ (Brechenmacher 1 1957-1963: 346) • FamN Tscheer: entrundete Form von schwzdt. Tschöör ‘dummer, einfältiger Mensch’, auch ‘Taubstummer’ Kommentar: Die sechste Karte lässt erkennen, dass sich ÜberN zu diesem Motiv mehrheitlich nördlich einer gedachten Linie vom freiburgischen Tentlingen über Emmetten (NW) bis nach Schwanden (GL) ausbreiten. Dabei fällt v. a. die Häufigkeit des Typs Grob auf: Der FamN Grob sowie die diminuierten Varianten Gröble, Gröbli, Gröbly weisen eine Konzentration in den Kantonen Zug, Zürich und St. Gallen auf. Auch die Namen Tschudi, Tschudin, Tschudy sind im gewählten Sample häufig; sie ballen sich einerseits im Kanton Glarus und andererseits in der Nordwestschweiz (AG, BL, BS), wobei die Variante Tschudin ausschliesslich in Basel-Stadt und Basel-Landschaft vorkommt. Manche der niederfrequenten FamN clustern ebenfalls: So tritt der FamN Blösch um die Stadt Biel (BE) in Erscheinung. Die FamN Dummermuth, Thummermuth sind im Raum Thun (BE) und in angrenzenden Gemeinden bezeugt (Schlosswil, Signau BE). Mit Strausa(c)k liegt ein solothurnischer Name vor. Ausschliesslich im Osten der Schweiz sind folgende Namen alteingesessen: Tribelhorn (AI, AR) sowie Düsel, Düssel, Tüsel (SG). Siebte Karte {483}: Übernamen nach sorglosem, frohem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die FamN der siebten Karte basieren auf Lexemen, die auf einen sorglosen und frohen Charakter verweisen, was auch den Aspekt des Leichtfertigen umfassen kann. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Fink: Fink. 9 Tokens. Typ fröhlich: Froelich, Froelicher, Fröhli, Fröhlich, Fröhlicher, Frölich, Frölicher. 7 Types, 31 Tokens. Typ Gähler: Gähler. 3 Tokens. Typ Goll: Gohl, Goll. 3 Tokens. Typ licht: Lichtin, Liechti. 18 Tokens. Typ los: Loos, Lössi. 3 Tokens. Typ Scherz: Schärz, Scherz. 6 Tokens. Typ Vogel: Freivogel, Vogel, Vögele, Vögeli, Vögelin, Waldvogel. 6 Types, 100 Tokens. Sonstige: Fasnacht, Freudemann, Geiler, Lustig, Ohnsorg, Schwank, Speerli, von Freudenreich. 8 Types, 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 502: Daten zur siebten Karte {483} Karte 483: ÜberN nach sorglosem, frohem Charakter und Verhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1003 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="382"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Gohl, Goll: zu mhd. gogel, gōl ‘ausgelassen, lustig, üppig’ • FamN Gähler, Geiler: zu mhd. geilære ‘fröhlicher Mensch’; Gähler zeigt appenzellische Monophthongierung von ahd., mhd. ei (APNB 1 1958: 152-155). Für die Form Geiler ist konkurrierend auch ein ÜberN zu mhd. gīlære, gīler ‘Bettler’, auch ‘Betrüger, Schwindler, Gauner’ möglich. • Typ licht: Die FamN stellen sich zu mhd. liecht ‘hell, strahlend’, schwzdt. līcht, liecht ‘leicht’, auf Personen bezogen ‘unzuverlässig, leichtsinnig, leichtfertig’; konkurrierend kann auch ein WohnstättenN zu einem Toponym Liechti ‘gerodete Stelle’ (BENB I/ 3 2008: Sp. 102) vorliegen. • FamN Loos, Lössi: zum Adjektiv mhd. lōs ‘frei, ledig; mutwillig, fröhlich, leichtfertig’ für eine fröhliche oder auch leichtfertige Person • FamN Speerli: Diminutiv zu schwzdt. (älter) Spar ‘Spatz’ für eine f linke, fröhliche Person; denkbar ist auch eine Benennung nach der geringen Körpergrösse einer Person. Kommentar: Die siebte Karte zeigt ein weitläufiges Vorkommen der einschlägigen ÜberN in der Deutschschweiz, wobei die meisten Ortspunkte auf FamN des Typs Vogel entfallen: Die beiden Formen Vogel und Vögeli können als häufige Vertreter angesprochen werden und kommen in 14 resp. 10 Kantonen vor. Demgegenüber figuriert Waldvogel im Kanton Schwyz (6 Tokens), Freivogel in der Nordwestschweiz (je 1 Token in BL und AG), Vögelin in Basel-Landschaft (4 Tokens) und Vögele im Aargau (2 Tokens). Manche der kartierten Typen zeigen ein Streubild: Die FamN Fink, Gohl und Goll kommen sowohl im Kanton Zürich wie auch im Kanton Bern vor. FamN vom Typ fröhlich konzentrieren sich in den Kantonen Solothurn, Aargau, Zürich und Thurgau. Der FamN Liechti ist v. a. im Emmental (BE) verbreitet, zeigt aber darüber hinaus noch Ortspunkte in anderen Gebieten (AG, ZH). Die FamN Schärz, Scherz sowie Lössi sind vor 1800 lediglich im Kanton Bern alteingesessen. Als typisch appenzellisch kann Gähler gelten. 1004 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="383"?> Achte Karte {484}: Übernamen nach sorgenvollem, ängstlichem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die achte Karte stellt FamN aus der Schicht «vor 1800» dar, die auf Lexeme zurückgehen, welche die Merkmale ‘sorgenvoll’, ‘ängstlich’ bis ‘zweifelnd’ enthalten. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Angst: Angst, Angstmann. 6 Tokens. Typ Hase: Haas, Haeselin, Häsele, Häsli, Hässli, Rennhaas, Schellhaas. 7 Types, 51 Tokens. Typ Kummer: Kimmerling, Kummer, Kümmerli, Kümmerling, Kümmerling soit Kimmerling. 27 Tokens. Typ schmucken: Schmucki, Schmuckle, Schmuckli, Schmuki, Schmukle, Schmukli. 6 Types, 15 Tokens. Typ trüb: Trüb, Trüeb. 18 Tokens. Typ Zweifel: Zweifel. 11 Tokens. Sonstige: Schwilch, Sorg, Sorgen. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 503: Daten zur achten Karte {484} Detailangaben zur Namenauswahl: Während die FamN vom Typ Angst, Kummer, Sorg und Zweifel auf abstrakte Begriffe zurückgehen, liegt den FamN des Typs Hase die gleichlautende Tierbezeichnung zugrunde. Der Hase kann in der abendländischen Kultur verschiedene Eigenschaften repräsentieren: Er ist «Symbol der Fruchtbarkeit und Erotik, der Friedfertigkeit, der List und Verschlagenheit, der Ängstlichkeit, Einfalt und Überheblichkeit» (Butzer/ Jacob 2021: 258). Die genaue Motivik hinter den FamN bleibt unklar, aber aufgrund der Bildungen Rennhaas mit dem Verb rennen und Schellhaas mit dem Adjektiv mhd. schel ‘aufspringend’ dürfte wohl das Motiv eines ängstlichen oder schreckhaft auffahrenden Menschen, der zur schnellen Flucht neigte, im Vordergrund gestanden haben. Den FamN des Typs schmucken liegt das Verb mhd. smucken, smücken ‘in etwas eng Umschliessendes drücken, an sich drücken, schmiegen’ zugrunde, das im älteren Schweizerdeutschen die Bedeutung ‘sich ducken, fürchten, still und leise tun’ (Id. 9 1881 ff.: Sp. 916) entwickelt. Der FamN Schwilch gehört zu mhd. swil(i)ch ‘schwül, lau’, auch ‘ängstlich’. Die FamN Trüb, Trüeb basieren auf schwzdt. trüeb ‘bedrückt, betrübt vom Gemüt’. Kommentar: Die FamN der achte Karte treten überwiegend in der Nordhälfte der Deutschschweiz auf. Neben den häufigen und über die Deutschschweiz verteilten FamN des Typs Hase zeigen sich teilweise regional begrenzte Vorkommen: Als glarnerisch kann in der gewählten Zeitschicht der FamN Zweifel gelten. Jene FamN, die Karte 484: ÜberN nach sorgenvollem, ängstlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1005 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="384"?> auf schmucken basieren, sind vor 1800 fast ausschliesslich im westlichen Teil des Kantons St. Gallen alteingesessen. Der FamN Trüb tritt - neben zwei Vorkommen im Kanton Luzern - vornehmlich vom rechten Zürichseeufer bis ins Zürcher Unterland auf. Der FamN Kummer clustert im Oberaargau (BE) sowie im angrenzenden Kanton Solothurn und zeigt zudem ein klares Areal im Halbbezirk Östlich Raron (VS). Neunte Karte {485}: Übernamen nach unruhigem, nervösem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die neunte Karte enthält FamN aus der Schicht «vor 1800», die auf das körperlich unruhige Verhalten einer Person zurückgehen. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Bräme: Bräm, Brem, Bremi. 12 Tokens. Typ Gamper: Gamper, Gämperle, Gämperli, Gempeler, Gemperle, Gemperli. 6 Types, 24 Tokens. Typ Hiestand: Hiestand. 5 Tokens. Typ Hummel: Humbel, Hümbeli, Hümbelin, Hummel, Ummel. 16 Tokens. Typ rangglen: Renggli. 12 Tokens. Typ streben: Strebel, Strebi. 11 Tokens. Typ Wespe: Wäspe, Wäspi, Wespe, Wespi. 17 Tokens. Sonstige: Ringele, Ringgeli, Schutz, Zabli, Zeberli, Zitterli. 6 Types, 7 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 504: Daten zur neunten Karte {485} Detailangaben zur Namenauswahl: Die kartierten FamN gehen z. T. auf die Bezeichnungen von Insekten - Bräme, Hummel (in der älteren Mundart, insbesondere im Berndeutschen, auch Ummel ) und Wespe - zurück: Dabei wird die Art der Flugbewegung auf Menschen übertragen; so etwa bei schwzdt. Wäspe ‘Person mit geschäftigem, nervösem Verhalten, hin und her fahrend’ (Id. 16 1881 ff.: Sp. 2156). Ein Teil der FamN sind Nomina agentis zu Verben, die sich auf eine unruhige Körperhaltung im Allgemeinen beziehen lassen. 13 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger weiterer Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • Die FamN des Typs Gamper gehen auf schwzdt. gampe(n) ‘sich auf- und abwärts (auch hin und her) bewegen, nicht fest stehen, Karte 485: ÜberN nach unruhigem, nervösem Charakter und Verhalten, vor 1800 13 Es besteht semantische Nähe zu ÜberN, die sich auf den Gang beziehen; vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang» (fünfte, sechste und siebte Karte). 1006 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="385"?> schaukeln, schwanken’ zurück; konkurrierend ist auch eine Deutung als BerufsN für einen Akrobaten möglich. 14 • Der FamN Hiestand ist ein SatzN zu mhd. hie stant! ‘hier, steh! ’, vielleicht für eine unruhige Person. • Der FamN Renggli ist zum Verb schwzdt. ranggle(n), ränggle(n) ‘sich unruhig bewegen, sich drehen und winden’ zu stellen; konkurrierend ist auch ein WohnstättenN zu einem Toponym Rengg möglich. Die beiden FamN Ringele, Ringgeli gehören zu einem formal und semantisch verwandten Verb schwzdt. ringg(e)le(n) ‘sich drehen, wenden’ (s. auch fünfte Karte). • Die FamN Strebel, Strebi gehören zu schwzdt. strebe(n) ‘sich heftig regen, bewegen’. Kommentar: Die neunte Karte zeigt eine Konzentration der FamN in der Nordhälfte der Schweiz: Ein grosses Vorkommen weist der nordöstliche Teil des Kantons Aargau mit 29 Tokens auf, welche auf FamN des Typs Hummel und auf den FamN Strebel entfallen. In der Nordostschweiz vereinen die Kantone Zürich (16 Tokens), Thurgau (10 Tokens) sowie St. Gallen (23 Tokens) die meisten Ortspunkte auf sich. Dabei zeigen sich kleinräumige Verbreitungsgebiete einzelner Namentypen: Der FamN Hiestand tritt ausschliesslich am oberen linken Zürichseeufer (ZH) auf; auch die verschiedenen Formen zur Tierbezeichnung Wespe sind hauptsächlich im westlichen Teil St. Gallens und im angrenzenden Kanton Zürich zu finden. Daneben fällt auf, dass der FamN Renggli ausschliesslich und verdichtet im Kanton Luzern vorkommt. Mit den FamN zum Typ Bräme schliesslich liegen FamN vor, die vorwiegend im Grenzgebiet der Kantone Aargau und Zürich alteingesessen sind. Zehnte Karte {486}: Übernamen nach prahlerischem, angeberischem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die zehnte Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» ab, die sich auf die Charaktereigenschaft ‘prahlerisch’, ‘angeberisch’ bis ‘verschwenderisch’, ‘heuchlerisch’ beziehen. Es handelt sich hierbei um einen soziohistorisch wichtigen Aspekt, denn «Neid, Eitelkeit, Verschwendung, Angeberei und Prahlerei wurden von den Mitmenschen genau registriert» (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 152). Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ bratschen: Bratschi. 5 Tokens. Typ broglen: Brog, Broger, Brogle, Brogli. 17 Tokens. Typ glatt: Glättli, Glettig. 7 Tokens. Typ güden: Güdel, Güder. 5 Tokens. Typ schallen: de Schaller, Schaller. 35 Tokens. Typ schreien: Schreier, Schreyer. 11 Tokens. Typ stolz: Stolz, Stulz. 13 Tokens. Karte 486: ÜberN nach prahlerischem, angeberischem Charakter und Verhalten, vor 1800 14 Vgl. Artikel III-4.11 «Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe». 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1007 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="386"?> Sonstige: Blarer, Boppart, Branger, Brassel, Brasser, Fatzer, Geuggis, Köfer, Köferli, Sauser, Schwarb, Schwarber, Spiegler, Suser, Süsli. 15 Types, 17 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 505: Daten zur zehnten Karte {486} Detailangaben zur Namenauswahl: Bei den zugrunde liegenden Lexemen dieses Namensamples besteht semantische Nähe zur Sprechweise, denn jemand, der laut spricht, kann auch als angeberisch aufgefasst werden (Kunze 2004: 147). 15 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Bratschi: zu schwzdt. Bratschi ‘unverständiger Schwätzer, Prahler’, auch ‘fetter, plumper Mensch’ • Typ broglen: zu schwzdt. broge(n) resp. schwzdt. brogle(n) ‘sich brüsten, grosstun, prahlen; laut und aufgeregt reden’ • FamN Glättli, Glettig: zu mhd. glatt ‘glatt, glänzend’, fnhd. glat dann auch ‘hintergründig falsch, schmeichlerisch, heuchlerisch’; die im älteren Schweizerdeutschen überlieferten Ableitungen mit glatt haben häufig den Aspekt des Schmeichlerischen, vgl. schwzdt. Glättling ‘Schmeichler’ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 654). • FamN Güdel, Güder: zu mhd. giudel resp. mhd. giuder ‘Prahler, Verschwender’ • FamN (de) Schaller: zu schwzdt. Schaller ‘(leerer) Schwätzer, Prahler’; konkurrierend können die Vorkommen in Graubünden und im Wallis auf Toponyme des Typs Schall, Schali zurückgehen. Beim singulären Typ de Schaller handelt es sich um eine Freiburger Patrizierfamilie. 16 • FamN Stolz, Stulz: zu schwzdt. stolz ‘meist abschätzig von Überheblichkeit resp. von prahlerischem, hochfahrendem Wesen’ Kommentar: Die ÜberN der zehnten Karte treten über die Deutschschweiz verteilt auf. Ein grösseres Vorkommen weisen die in der westlichen Deutschschweiz gelegenen Kantone Bern und Freiburg, im Nordwesten der Kanton Aargau sowie weiter östlich der Kanton St. Gallen auf. In der Zentralschweiz tritt der Kanton Luzern und im Süden das Wallis hervor. Diese Verbreitungszentren gehen teilweise auf EinzelN zurück, die geographisch begrenzt auftreten: FamN des Typs broglen zeigen im Kanton Aargau mit Brogle, Brogli die höchste Konzentration (13 Tokens); Brog tritt hingegen im Berner Oberland in Erscheinung. Die FamN Schreier, Schreyer kommen in der Grenzregion der Kantone Bern und Solothurn gehäuft vor (10 Tokens). Der FamN Glettig ist im Toggenburg (SG) typisch. Während Stolz ebenfalls in der Nordostschweiz auftritt, zeigt sich der FamN in der Form Stulz in der westlichen Deutschschweiz, wo diese Form in der älteren Mundartlautung typisch war (Id. 11 1881 ff.: Sp. 380). Der häufigste FamN im Sample ist Schaller mit 34 Tokens; er weist auch das grösste Verbreitungsgebiet auf (BE, FR, GR, JU, LU, SO, VS). Elfte Karte {487}: Übernamen nach bösem, unfreundlichem Charakter und Verhalten Namenauswahl: Die elfte Karte wendet sich ÜberN aus der Schicht «vor 1800» zu, die sich semantisch auf negative Charaktereigenschaften zurückführen lassen, die ein Spektrum zwischen ‘herrschsüchtig’, ‘böse’ und ‘unfreundlich’ abdecken. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ hässig: Hässig. 11 Tokens. Typ kalt: Kalt. 9 Tokens. Typ räss: Raas, Raetzo, Räss, Rätz, Rätzo, Räz. 6 Types, 15 Tokens. Typ Schade: Schaad, Schad. 16 Tokens. Typ Schalch: Schalch, Schälchli, Schälkli, Schälklin. 7 Tokens. Typ sur: Sauer, Saurenmann, Saurer, Suremann, Suri, Süri, Sury, Süry, von Sury, von Sury d’Aspremont, von Sury von Büssy. 11 Types, 14 Tokens. Typ Trüssel: Drüssel, Trüssel. 4 Tokens. Typ Wicht: Wicht. 8 Tokens. Sonstige: Adank, Deubel, Drack, Gramm, Harb, Scharf , Schelbli, Uebelin, Uebelmann, Ungemuth, Zängeler, Zängerle. 12 Types, 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 506: Daten zur elften Karte {487} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Hässig: zum Adjektiv schwzdt. hässig ‘gehässig, unverträglich, streitsüchtig, mürrisch’ • FamN Kalt: zu schwzdt. chalt im übertragenen oder verstärkenden Sinn von ‘grimmig, bissig’ gebraucht, auch ‘gefühllos, gleichgültig’ • Typ räss: zu schwzdt. rāss, rǟss ‘scharf, schnell, heftig’, auf Personen bezogen ‘unfreundlich; lüstern’ • Typ Schalch: zu schwzdt. Schalch, Schalck ‘Schurke, Bösewicht’, auch ‘hinterhältiger, schlauer, unaufrichtiger Mensch’ • Typ sur: zu schwzdt. sūr ‘sauer, scharf, grimmig (im Streit), verdriesslich, mürrisch’ • Typ Trüssel: zu schwzdt. Drüssel ‘schmollender, unfreundlicher Mensch’; konkurrierend ist auch schwzdt. Trüssel ‘grosser, grober, (geistig oder körperlich) schwerfälliger, plumper Mensch u. ä.’ möglich. • FamN Wicht: zu mhd. wiht ‘Geschöpf, Wesen, Ding’; im Schweizerdeutschen übertragen auf Menschen auch im Sinne von ‘böse, schlechte Person’ 15 Vgl. Artikel III-5.5 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten». 16 Vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 1008 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="387"?> Das Adjektiv schwzdt. rot konnte im älteren Schweizerdeutschen neben der Farbbezeichnung auch (angebliche) ungünstige Eigenschaften von Menschen bezeichnen wie ‘herrschsüchtig, verschlagen, falsch, hässig, zanksüchtig’ (vgl. die Belege im Id. 6 1881 ff.: Sp. 1738). Zugunsten der Übersichtlichkeit wurden FamN des Typs Roth hier nicht kartiert; es sei auf die vierte Karte im Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» verwiesen. Kommentar: Die elfte Karte lässt erkennen, dass sich ÜberN zu diesem Motiv nördlich einer gedachten Linie zwischen Sigriswil im Berner Oberland (BE) und Luzein im Prättigau (GR) ausbreiten. Dabei zeigen vier FamN deutliche Clusterbildungen (von West nach Ost): Wicht im Kanton Freiburg, Schaad im Berner Oberaargau und in angrenzenden solothurnischen Gebieten, Kalt im Kanton Aargau und Hässig im Kanton St. Gallen. Karte 487: ÜberN nach bösem, unfreundlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1009 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="388"?> Zwölfte Karte {488}: Übernamen nach dem Arbeitsverhalten Namenauswahl: Die zwölfte Karte widmet sich ÜberN, die aus der Art des Arbeitens motiviert sind. Mehrheitlich hat sich der negative Aspekt ‘langsam’ in die FamN eingeschrieben. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ täppen: Daepp, Däpp, Däppeler, Deppeler. 6 Tokens. Typ Feier: Feier, Feyer. 3 Tokens. Typ Feierabend: Feierabend, Fierobe. 3 Tokens. Typ Lämp: Lemp, Lempen. 4 Tokens. Typ lōren: Lori, Lory. 5 Tokens. Typ Schafflützel: Schafflützel. 5 Tokens. Typ tämperlen: Temperli. 6 Tokens. Sonstige: Heutschi, Hurschler, Nüesch, Nüscheler, Schlauri. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 507: Daten zur zwölften Karte {488} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • Typ täppen: zu schwzdt. täppe(n) resp. schwzdt. täppele(n) ‘langsam gehen oder arbeiten; schleichen’ • Typen Feier, Feierabend: zu mhd. vīre ‘Feier, Festtag’ sowie ‘das Feiern, Ausruhen von der Arbeit’ wohl für eine Person, die gern feierte oder sich lieber ausruhte, als zu arbeiten; ähnlich auch Feierabend für jemanden, der die Zeit nach Arbeitsschluss dem Arbeitstag vorzog 17 • FamN Heutschi: zu schwzdt. hautsche(n) ‘etwas allzu hastig und f lüchtig verrichten’ • FamN Hurschler: zu schwzdt. hurschle(n) ‘eilfertig, unordentlich arbeiten’ • FamN Lemp, Lempen: zu schwzdt. Lämp ‘arbeitsscheuer, verschwenderischer, unüberlegt handelnder Mensch’ • FamN Lori, Lory: zu schwzdt. lōre(n) ‘zaudern, langsam sein oder arbeiten’; konkurrierend ist auch ein Patronym zum Ruf N Lorenz möglich. • FamN Nüesch, Nüscheler: zu schwzdt. nuesche(n), nusche(n) resp. schwzdt. nüschele(n) ‘suchend in etwas herumwühlen; langsam und ungeschickt an etwas herumarbeiten’ • FamN Schafflützel: Zusammenrückung aus dem Verb mhd. schaffen ‘arbeiten’ und dem Adjektiv mhd. lützel ‘wenig’ wohl für eine Person, die nicht gern arbeitete Karte 488: ÜberN nach dem Arbeitsverhalten, vor 1800 17 Vgl. Artikel III-5.9 «Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten» (dritte Karte). 1010 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="389"?> • FamN Schlauri: zu schwzdt. (älter) Schlauri ‘gleichgültiger, nachlässiger Mensch, Müssiggänger’ • FamN Temperli: zu schwzdt. tämperle(n) ‘ohne Eifer etwas (Unwichtiges) tun’ Kommentar: Die zwölfte Karte zeigt insgesamt nur ein geringes Vorkommen an FamN, die den hier behandelten Sinnbereich abdecken. Die kartierten ÜberN weisen teils spezifische Verbreitungsräume auf, teils streuen sie: Der FamN Schafflützel tritt im Kanton St. Gallen (Toggenburg) gehäuft in Erscheinung, der FamN Temperli im Raum zwischen Uster und Pfäffikon (ZH). Beim Typ täppen lassen sich die Formen ohne Suffix (Daepp, Däpp) als bernisch, jene mit (l)er-Endung (Däppeler, Deppeler) als aargauisch einordnen. Lemp ballt sich im Oberaargau (BE), während Lempen mit schwachem Genitivsuffix im westlichen Berner Oberland alteingesessen ist. Bei den weiteren FamN lassen sich keine spezifischen Cluster beschreiben. Dreizehnte Karte {489}: Übernamen nach dem Ess- und Trinkverhalten Namenauswahl: Die dreizehnte Karte dokumentiert ÜberN aus der Schicht «vor 1800», deren Lexeme auf das Ess- und Trinkverhalten bezogen werden können. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ brauchen: Brauch, Bräuchi, Brauchli, Brauchlin, Bruch, Bruhin. 6 Types, 12 Tokens. Typ essen: Ess. 5 Tokens. Typ füllen: Füllemann. 3 Tokens. Typ mauchen: Mauch, Mauchle. 5 Tokens. Typ Schlumpf : Schlumpf . 19 Tokens. Typ Süsstrunk: Süsstrunk. 3 Tokens. Sonstige: Bauk, Bislin, Böllenrücher, Durst, Grieshaber, Laubi, Murpf , Schlund, Vollimann. 9 Types, 12 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 508: Daten zur dreizehnten Karte {489} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Bauk: wohl zu schwzdt. Bauk ‘Bonvivant, Fresser, Schmarotzer’ • FamN Böllenrücher: Analog zur Bildung schwzdt. Bölle(n)-Fäuk (Id. 1 1881 ff.: Sp. 725) handelt es sich bei Böllenrücher wohl um einen ÜberN für eine Person, der man einen unangenehmen Geruch nach dem Verzehr von Bölle(n) ‘Zwiebeln’ nachsagte. Karte 489: ÜberN nach dem Ess- und Trinkverhalten, vor 1800 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1011 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="390"?> • Typ brauchen: zu schwzdt. brūchen ‘geniessen, essen, trinken’ • FamN Ess: zu mhd. essen, schwzdt. essen ‘essen’; konkurrierend ist auch ein Patronym zu einem germanischen Ruf N wie Esso, Ezzo möglich. • FamN Laubi: zu schwzdt. Laubi ‘Ochse’, spöttische Bezeichnung für einen Vielesser; denkbar ist auch ein ÜberN zu schwzdt. Laubi ‘Sanftmut, Zartheit’ nach einer Charaktereigenschaft des ersten Namenträgers. • FamN Mauch, Mauchle: zu schwzdt. Mauch, einem Wort mit grossem Bedeutungsspektrum, das in Bezug auf Personen v. a. auf den Aspekt ‘wohlgenährte, essbegierige, auch schmarotzende Person’ eingeengt werden kann. • FamN Murpf : zu schwzdt. murpfe(n), mürpfe(n), verächtlich für ‘essen, kauen’ • FamN Schlumpf : zu schwzdt. (älter) Schlumpf ‘grosser Bissen, Quantum Essen, das man auf einmal in den Mund nehmen kann’ Kommentar: Die ÜberN der dreizehnten Karte sind auf die Nordhälfte der Schweiz begrenzt und treten hier vornehmlich in der Zentralschweiz und im Nordosten des Landes auf. Dabei ist Schlumpf der FamN mit der weitesten Verbreitung (AR, LU, SG, ZG, ZH); auch die FamN Ess (LU, TG, ZH) und Füllemann (SG, TG) weisen Ortspunkte in verschiedenen Gebieten auf. Kleinräumig konzentriert zeigen sich hingegen die FamN Süsstrunk (TG, ZH) und Mauchle (SG). Vierzehnte Karte {490}: Übernamen zu weiteren Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen Namenauswahl: Die vierzehnte Karte versteht sich als Sammelkarte. Sie behandelt FamN aus der Schicht «vor 1800» zu acht miteinander nicht näher verwandten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, die aber aufgrund ihrer Regionalspezifik und Frequenz gut in einer Karte zusammengefasst werden können. Die Namen werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ blasen: Blaser. 19 Tokens. Typ heilig: Hälg, Helg. 12 Tokens. Typ krauen: Krauer. 21 Tokens. Typ schlafen: Schläfli. 9 Tokens. Typ schwören: Schwere, Schweri, Schwery. 10 Tokens. Typ trölen: Tröhler, Tröller. 4 Tokens. Typ wunderlich: Wunderli, Wunderlin. 9 Tokens. Typ zäh: Zäch. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 509: Daten zur vierzehnten Karte {490} Karte 490: ÜberN zu weiteren Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, vor 1800 1012 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="391"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an. • FamN Blaser: Nomen agentis auf -er zu mhd. blāsen ‘blasen, hauchen, schnauben’ für jemanden, der durch Atemgeräusche auffiel; denkbar ist auch ein BerufsN für eine Person, die ein Blasinstrument spielte. 18 • FamN Hälg, Helg: zu schwzdt. heilig ‘heilig’, von Personen ‘fromm, religiös gesinnt’, auch ‘andächtig’ für eine fromme, möglicherweise bigotte Person; denkbar ist auch ein BerufsüberN für den Maler von Helgen, also von Heiligenbildern (Brechenmacher 1 1957-1963: 689). • FamN Krauer: zu schwzdt. chrau(w)e(n) ‘kratzen’, wohl für eine Person, die sich (als Zwangshandlung oder im engeren Sinne krankheits- oder hygienebedingt) häufig am Körper kratzte • FamN Schläfli: Diminutiv zu schwzdt. Schlāf ‘Schlaf ’ für eine Person, die zu häufigem, unzeitigem Schlaf oder anderswie auffälligem Schlafverhalten neigte; denkbar ist auch ein Bezug zu schwzdt. (älter) Schlāf(f ) ‘Schlafgenosse’ für den soldatischen Zimmergenossen. • Typ schwören: Nomina agentis auf -i zu schwzdt. schwere(n) ‘schwören’, aber auch ‘f luchen’, wohl abwertend für eine Person, die viel f luchte • FamN Tröhler, Tröller: Nomina agentis zu schwzdt. tröle(n) mit einem breiten Bedeutungsspektrum von ‘drehend bewegen; langsam machen’ bis ‘streiten; prozessieren’ oder zum Substantiv schwzdt. Tröler mit einem negativ besetzten Bedeutungsspektrum ‘langsamer Mensch, Schwindler, Querulant, Person mit unsolidem Lebenswandel’ • FamN Wunderli(n): zu schwzdt. wunderli(ch) ‘übersinnlich, aussergewöhnlich’, dann auch ‘seltsam, sonderbar’, ‘launisch, mürrisch’ nach einer entsprechenden Charaktereigenschaft • FamN Zäch: zu schwzdt. zäh ‘mühsam, beschwerlich, schleppend vorankommend’, von Menschen v. a. ‘beharrlich, hartnäckig’ für eine Person von hartnäckigem, vielleicht ausdauerndem Wesen oder von einer körperlich starken Konstitution Kommentar: Die vierzehnte Karte zeigt, dass die ausgewählten ÜberN teilweise konzentriert in unterschiedlichen Gebieten der Deutschschweiz erscheinen: Der FamN Zäch tritt vornehmlich im St. Galler Rheintal auf. Ebenfalls in St. Gallen (Wahlkreis Wil) haben die FamN Hälg, Helg ihren Schwerpunkt, neben weiteren Vorkommen im Thurgau. Der FamN Schläfli zeigt einen Verbreitungsraum in der westlichen Deutschschweiz (SO, BE), wo auch Tröhler, Tröller (FR) figurieren. Die weiteren FamN treten jeweils in zwei räumlich getrennten Gebieten auf: der FamN Blaser einerseits im Kanton Schwyz und andererseits im Emmental (BE); der FamN Krauer zum einen im Kanton Luzern, zum anderen im Kanton Zürich am oberen Zürichsee. Ebenfalls getrennte Räume mit einer zusätzlichen Verteilung der Varianten zeigen folgende Namen: Während die FamN Schwere, Schweri vor 1800 nur im nördlichen Aargau alteingessen sind, kommt die Form Schwery nur im Wallis vor. Ähnlich tritt Wunderlin nur im Fricktal (AG) auf, Wunderli hingegen nur am Zürichsee (v. a. Bezirk Meilen ZH). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Fuchs (6'962 Tokens), Vogel (5'907 Tokens) und Blaser (5'667 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf Charakterzüge und Verhaltensweisen Bezug nehmen, werden im DFA 5 (2016: 858-907, 954-977, 978-999) unter folgenden Aspekten berücksichtigt: «Wesensart» auf den Karten 339-346, «Klugheit, Tapferkeit, Temperament» auf den Karten 347-354 sowie «Leid, Freude» auf den Karten 383-392. In Nübling/ Kunze (2023: 436-443) werden solche Namen im Abschnitt «Süssmuth, Sauer, Ungefug: Charakter und Verhaltensweisen» kartiert und besprochen. Kunze (2004: 146-147) illustriert ebenfalls ÜberN nach der Wesensart. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur APNB 1 = Sonderegger, Stefan (1958): Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Grammatische Darstellung (Appenzeller Namenbuch 1). Frauenfeld: Huber. BENB I/ 3 = Schneider,Thomas F./ Blatter, Erich (Hrsg.) (2008): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Dritter Teil: L-M. Basel, Tübingen: Francke. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Brechenmacher, Josef K. (1957-1963): Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2 Bde. 2., von Grund auf neugearbeitete Auf lage. Limburg a. d. Lahn: Starke. Burdorf, Dieter/ Fasbender, Christoph/ Moennighoff, Burkhard (Hrsg.) (2007): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Auf lage. Stuttgart, Weimar: Metzler. Butzer, Günter/ Jacob, Joachim (Hrsg.) (2021): Metzler Lexikon literarischer Symbole. 3., erweiterte und um ein Bedeutungsregister ergänzte Auf lage. Stuttgart: Metzler. Christen, Hans-Rudolf (1998): Emmentaler Geschlechter- und Wappenbuch. Münsingen, Bern: Fischer. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. 18 Vgl. Artikel III-4.11 «Berufs(über)namen zum Unterhaltungsgewerbe». 5.3 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel 1013 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="392"?> DFD = Heuser, Rita (2025a): Mann. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). www.namenforschung.net/ id/ name/ 294/ 1 (letzter Zugriff 14.10.2025). DFD = Heuser, Rita (2025b): Schaffrath. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 3222/ 1 (letzter Zugriff 14.10.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 14.10.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Fritz, Gerd (2005): Einführung in die historische Semantik (Germanistische Arbeitshefte 42). Tübingen: Niemeyer. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. SZNB = Weibel, Viktor/ Hug, Albert (2012): Schwyzer Namenbuch. Die Orts- und Flurnamen des Kantons Schwyz. 6 Bde. Schwyz: Triner. Simone Berchtold 1014 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="393"?> 5.4 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität Schlagwörter: gewaltbereit, schlagen, ungestüm, wild, zornig Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 19.08.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») Bezug auf die aggressive Verhaltensweise einer Person nehmen (Kunze 2004: 147; Kohlheim/ Kohlheim 2014: 152). Dabei können verschiedene Eigenschaften wie heftig, jähzornig, ungestüm, streitlustig, wild oder zornig betont worden sein, die im Folgenden berücksichtigt werden. Im weitesten Sinne wird in den ausgewählten FamN also eine Wesensart umrissen, die von Aggressivität über Zornigkeit bis hin zu Gewaltbereitschaft reicht. Diese Eigenschaften können als konstantes Merkmal eingeordnet werden, das eine Person charakterisiert (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 149). Man kann davon ausgehen, dass diese Wesensart so auffallend war, «dass sie den ersten Namenträger vom Rest der Gruppe unterschied» (Nübling/ Kunze 2023: 408) und dass sie häufiger zum Gegenstand der Benennung wurde als positive Eigenschaften. In der Literatur wird verschiedentlich darauf hingewiesen, dass negative Charakterzüge häufig in Namen fest geworden sind; bspw. schreibt das RNB 3 (1986: 782): «Auffällig ist die sehr grosse Zahl an Übernamen, die wildes, heftiges, zorniges Wesen bezeichnen» (s. auch Kunze 2004: 139, 147). Grundsätzlich sei aber festgehalten, dass bei vielen der Lexeme, auf denen die Namen basieren, bereits Polysemie vorherrscht und dass darum die konkrete Motivation ohne Belege nicht mehr eruiert werden kann (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 158). So liegt dem FamN Wild mhd. wilde, wilt zugrunde, das bereits im Mittelhochdeutschen ‘wild’, ‘ungezähmt’, ‘irre’, ‘sittenlos’, ‘untreu’, aber auch ‘unbekannt, fremd, ungewohnt, fremdartig, entfremdet, wunderbar, seltsam, unheimlich’ bedeuten kann (Lexer 3 1872-1878: Sp. 884). Darüber hinaus kommen im älteren Schweizerdeutschen noch weitere Aspekte hinzu wie ‘aufbrausend, zügellos, ungestüm’ neben ‘urwüchsig, roh’ (Id. 15 1881 ff.: Sp. 1498-1521). Dieses Problem der Mehrdeutigkeit und Abgrenzung wird im RNB 3 (1986: 777) treffend und auch sprachenübergreifend thematisiert: Wo hört die Bedeutungsgruppe ‘wild-ungestüm’ auf, wo beginnt die Gruppe ‘mürrisch-grob’? Dabei muss weiter in Betracht gezogen werden, dass im Rätoromanischen, wie im Bündnerdeutschen und im Italienischen, die Wörter selten nur eine Bedeutung haben, v. a. wenn es sich, wie hier, um Wörter der emotionell-affektischen Zone handelt. Zudem muss Aggressivität zur Zeit der Namengebung nicht unbedingt negativ gewertet worden sein: «Ab dem 15. Jahrhundert spielte die ritterliche Ideologie bei den neuen eidgenössischen Eliten als Rechtfertigung von Gewaltanwendung (Rittertum als Kriegertum) und Legitimation sozialer und politischer Führungsansprüche eine Rolle» (e-HLS 2011: s. v. Rittertum). Da auch auf dem Gebiet der heutigen Schweiz bis ins 19. Jh. bewaffnete Auseinandersetzungen stattfanden (e-HLS 2008: s. v. Kriegführung), mag eine gewisse Form der Aggression auch als positiv bewertet worden sein. 1 Im vorliegenden Artikel interessiert, mit welcher räumlichen Verbreitung und Frequenz entsprechende Lexeme in der Deutschschweiz zu FamN fest geworden sind. Die erste Karte stellt alle FamN der Deutschschweiz dar, die als ÜberN zu aggressivem Verhalten eingeordnet werden können. Die darauffolgende zweite Karte bildet eine Teilmenge davon ab: Auf ihr werden die frequentesten lexikalischen Typen kontrastiv dargestellt. Aufgrund der problematisierten Mehrdeutigkeit der zugrunde liegenden Lexeme wurde auf weitere Karten verzichtet. 1 Vgl. dazu auch: «Der ausschlaggebende Faktor in der spätmittelalterlichen eidgenössischen Kriegführung dürfte der moralische gewesen sein. Für die Eidgenossen standen die Freiheit und die Unabhängigkeit ihrer Orte auf dem Spiel. Viele Kämpfende waren vom unbändigen Willen erfüllt, den Gegner zu schlagen. Die urwüchsige, auf elementarer Aggressivität beruhende Kraft der ungestümen Bauern und Hirten verlieh den Gevierthaufen ihre Schrecken verbreitende Wucht. Diese Eigenschaften erfuhren v. a. im Rückblick des 19. und 20. Jahrhunderts eine mythische Stilisierung» (e-HLS 2008: s. v. Kriegführung). 5.4 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität 1015 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="394"?> Erste Karte {491}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 2 ab, die sich semantisch auf die Aggressivität einer Person zurückführen lassen. Abgefragte Namen ÜberN nach aggressivem Verhalten, vor 1800: Baggenstos, Baggenstoss, Beugger, Biegger, Bissig, Bötschi, Bretsch, Bretscher, Bretschger, Brütsch, Brütschlin, Buff , Buri, Burri, Deuber, Dober, Dobmann, Dohner, Donner, Faust, Fauster, Feuz, Föhn, Fraefel, Frefel, Fust, Fuster, Gaegauf , Gägauf , Gagg, Gramm, Granzi, Grass, Grell, Gremli, Gremlich, Grimm, Griner, Groll, Gschwind, Häcki, Häderli, Herger, Höhn, Kaderli, Knüssi, Kraft, Krell, Krieg, Krieger, Rolli, Ruch, Ruche, Ruchti, Ruh, Schälli, Scheuss, Schiess, Schiesser, Schlaginhaufen, Strauss, Streit, Streiter, Stritt, Struch, Stucker, Stuker, Stürm, Sturni, Sturny, Täuber, Teuber, Tröhler, Tröller, von Wild, Wichser, Wider, Wild, Wildbolz, Wildermuth, Wildi, Wildy, Würsch, Wyrsch, Zangger, Zemp, Zenger, Zorn, Zürni. 89 Types, 365 Tokens. Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 510: Daten zur ersten Karte {491} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) an; zu den häufigsten Typen vgl. die Auf listung bei der zweiten Karte. • Biegger stellt sich zu mhd. bieger ‘Zänker, Streiter’; denkbar ist auch Anschluss an mhd. biegger ‘Heuchler’, einem allerdings wenig verbreiteten Wort. • Bötschi: zu schwzdt. botsche(n), bötsche(n) ‘(an-)stossen, (an-)schlagen’ • Bretsch, Bretscher, Bretschger: zu schwzdt. brätsche(n) ‘schlagen, klatschen, züchtigen, rasseln’; vgl. auch schwzdt. Brätscher ‘Schläger’ • Buff : zu schwzdt. buffe(n) ‘schlagen, stossen’ • Dober, Dobmann: zu schwzdt. tobe(n) ‘nicht bei Verstand sein, toben’, auch ‘sinnlos schwatzen’ • Gaegauf , Gägauf : Zusammenrückung aus mhd. gāch, gæhe ‘ungestüm, schnell, jäh’ und der Präposition auf für einen jäh auffahrenden, jähzornigen Menschen • Gagg: zu schwzdt. (älter) Gāgg ‘mürrischer, unzufriedener, streitsüchtiger Mensch’ Karte 491: ÜberN nach aggressivem Verhalten, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1016 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="395"?> • Kaderli: zu schwzdt. chädere(n) ‘zanken, keifen’, konkurrierend auch ‘schreien, lallen’ nach der Sprechweise oder Metronym zu einer diminuierten Kurzform des Ruf N Katharina • Schiess, Schiesser: zu mhd. schieʒen ‘werfen, schiessen’; ersterer FamN vielleicht zu schwzdt. Schiess ‘hastiger, ungestümer Bursche’; konkurrierend kann Schiesser auch BerufsN wohl für einen Schützen sein. 4 • Zemp: zu schwäb.-alem. zemple(n) ‘streiten, sich zanken’, auch ‘alles besser wissen wollen, Streit anfangen’ Die kartierten FamN zeigen folgende morphologische Muster: unerweitertes Grundwort (Grimm, Zorn), l-Diminutive (Häderli, Kaderli), abgeleitete Nomina agentis auf -i (Sturny, Wildi) bzw. auf -(l)er (Bretscher, Dober) und endungslose Nomina agentis (Bretsch, Schiess), Ableitungen auf -mann (Dobmann), Komposita (Baggenstos, Wildbolz), Zusammenrückungen (Wildermuth) sowie PräpositionsN mit patrizischem von (von Wild ). 5 Kommentar: Die ausgewählten FamN der ersten Karte erstrecken sich über die gesamte Deutschschweiz und sind in 21 Kantonen vorhanden. Dabei tritt zwar das dichter besiedelte Mittelland in absoluten Zahlen mit vielen Ortspunkten auf, aber Teile des (Vor-)Alpenraums zeigen dafür hohe relative Anteile (östliches Berner Oberland, NW, UR, SZ, GL). Das westliche Berner Oberland und das Wallis sind kaum am Namentyp beteiligt. Auf den Kanton Bern entfallen mit gesamt 90 Tokens die meisten Ortspunkte, gefolgt vom Kanton Zürich mit 66 Tokens. Hier ist besonders im Südosten des Kantonsgebiets eine Häufung auszumachen (vgl. zweite Karte). Zu erwähnen ist, dass gut 40 % der FamN (35 der 89 Types) vor 1800 nur einen einzigen Ortspunkt aufweisen. Zweite Karte {492}: Häufigste lexikalische Typen Namenauswahl: Für die zweite Karte wurde eine Teilmenge der ersten Karte ausgewählt: Im folgenden Kartenbild werden die sieben häufigsten lexikalischen Typen (mindestens 10 Tokens als Namengruppe) kontrastiert. Die Reihenfolge der Typen erfolgt in abnehmender Frequenz. Abgefragte Namen Typ Wild: von Wild, Wild, Wildbolz, Wildermuth, Wildi, Wildy. 6 Types, 50 Tokens. Typ Burri: Buri, Burri. 28 Tokens. Typ Ruch: Ruch, Ruche, Ruchti, Ruh. 24 Tokens. Karte 492: ÜberN nach aggressivem Verhalten, häufigste lexikalische Typen, vor 1800 4 Zum morphologischen Typus ohne Suffix vgl. Artikel II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis». 5 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen», II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung», II-4.2 «Zusammenrückungen mit nominalen und adjektivischen oder adverbialen Bestandteilen» und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 5.4 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität 1017 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="396"?> Typ Grimm: Grimm. 22 Tokens. Typ Krieg: Krieg, Krieger. 18 Tokens. Typ Streit: Streit, Streiter, Stritt. 17 Tokens. Typ Zangger: Zangger, Zenger. 16 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 511: Daten zur zweiten Karte {492} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in der Reihenfolge der Kartierung) an, bis auf den Typ Wild, der bereits im Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung» thematisiert wurde. • Typ Burri: zu mhd. burren ‘sausen, brausen’, schwzdt. besonders auch ‘poltern, zornig aufbrausen, brummen, zanken’; konkurrierend ist auch ein Patronym zu einer Kurzform des Ruf N Burkhard möglich. • Typ Ruch: zu mhd. rūch ‘haarig, struppig, zottig’ und ‘rau, hart, streng, wirsch’ nach der Wesensart, konkurrierend auch für jemanden mit struppigem Haarwuchs 6 • Typ Grimm: zu mhd. grim ‘Wut, Grimm, Wildheit’ oder zum Adjektiv mhd. grim, grimme ‘unfreundlich, schrecklich, wild’ • Typ Krieg: zu mhd. kriec ‘Streit, Zank, Hader’, allenfalls auch zum Adjektiv mhd. kriege ‘widerstrebend, störrisch’ • Typ Streit: zu mhd. strīt ‘Streit mit Worten (Zank) oder mit Waffen’; das BENB I/ 6 (2020: Sp. 468) erwägt auch eine Anbindung zur Pf lanzenbezeichnung schwzdt. Strit, Strīt ‘Immergrün’. • Typ Zangger: zu mhd. zanken ‘streiten, zanken, kämpfen’ Kommentar: Aufgrund der zweiten Karte lassen sich manchen Gebietsbildungen, die auf der ersten Karte deutlich wurden, Typen zuordnen: So zeigt sich die Häufung von FamN im Südosten des Kantons Zürich als Bündel der drei FamN Grimm, Zangger und Wild, wobei letzterer auch im angrenzenden, westlichen Teil des Kantons St. Gallen häufig vorkommt (v. a. Wahlkreis Toggenburg) und bis nach Appenzell Innerrhoden reicht. Demgegenüber sind die Formen Wildi, Wildy als aargauisch einzustufen. Auch für die folgenden Namen können typische Verbreitungsräume skizziert werden: FamN des Typs Streit zeigen neben Ortspunkten im Kanton Freiburg ein Ballungsgebiet südlich der Stadt Bern (BE) bis zum Thunersee (BE). Der FamN Zenger ist vor 1800 nur im Berner Oberland vertreten. FamN des Typs Ruch treten zum einen im Kanton Bern auf - der FamN Ruchti im Seeland und um die Stadt Thun sowie Ruch im Emmental. Zum anderen sind die FamN Ruch und Ruh im Grenzgebiet der Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich alteingesessen. Der Name Krieg ist einerseits gestreut über das Berner Mittelland und andererseits geballt im Linthgebiet (SZ) verbreitet. Die Form Krieger hingegen kann als luzernisch eingeordnet werden. Der FamN Grimm hat sein Hauptverbreitungsgebiet in den nördlichen Kantonen (BS, BL, SO, AG, SG) mit einem Schwerpunkt im Kanton Zürich. Fast komplementär treten die beiden häufigsten Typen Wild und Burri auf: Während ersterer vornehmlich im Nordosten vorkommt, figuriert zweiterer v. a. in der zentralen und westlichen Deutschschweiz (LU, BE). Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Burri (6'588 Tokens), Zemp (2'795 Tokens) und Wild (2'575 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf Aggressivität und Feindschaft, aber auch Freundschaft Bezug nehmen, werden im DFA 5 (2016: 908-929) auf den Karten 355-363 dargestellt. In Nübling/ Kunze (2023: 436-443) werden im Abschnitt zu Charakter und Verhaltensweisen verschiedene Namen zusammengefasst, darunter z. B. die FamN Unfried, Ungefug sowie Zenker, Zanker, die auf das hier interessierende Merkmal ‘aggressiv’ Bezug nehmen. Kunze (2004: 146-147) illustriert ebenfalls ÜberN nach der Wesensart mit einem eigenen Abschnitt zu Aggressivität; auch Kohlheim/ Kohlheim (2014: 152) nennen FamN wie Schelle oder Sturm neben SatzN wie Hefdenstrit oder Zukchswert, die dem zornigen Charakter oder der Streitlust geschuldet sind. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur BENB I/ 6 = Schneider,Thomas F./ Hofer, Roland/ Thöny, Luzius (Hrsg.) (2020): Ortsnamenbuch des Kantons Bern [Alter Kantonsteil]. I: Dokumentation und Deutung. Sechster Teil: Se-Di/ Ti. Tübingen: Narr Francke Attempto. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Hälg-Steffen, Franziska (2011): Rittertum. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 017434/ 2011-11-25/ (letzter Zugriff 19.08.2025). e-HLS = Senn, Hans (2008): Kriegführung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008594/ 2008-11-04/ (letzter Zugriff 19.08.2025). 6 Vgl. die Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» und I-2.4 «Variation ch / h für germ. χ» (erste Karte). 1018 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="397"?> familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 19.08.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Lexer, Matthias (1872-1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/ 23. https: / / www.woerterbuchnetz.de/ Lexer (letzter Zugriff 19.08.2025). Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Simone Berchtold 5.4 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Aggressivität 1019 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="398"?> 5.5 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten Schlagwörter: brüllen, lärmen, prahlen, schreien, schwatzen, stottern Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 08.07.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») Bezug auf die Sprechweise oder das Sprachverhalten einer Person nehmen. Im vorliegenden Artikel interessiert, mit welcher räumlichen Verbreitung und Frequenz entsprechende Lexeme in der Deutschschweiz zu FamN fest geworden sind. Dabei können verschiedene Aspekte betont worden sein: das laute, lärmende Reden wie bei Braschler, das Stottern wie bei Lirgg, das Schwätzen wie bei Reller, aber auch das Gegenteil - das Leisesein - wie bei Duss (Kunze 2004: 147; Kohlheim/ Kohlheim 2014: 152). Die Sprechweise resp. das Sprachverhalten kann als konstantes Merkmal eingeordnet werden, das eine Person charakterisiert (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 149). Man kann davon ausgehen, dass diese Eigenschaft so auffallend war, «dass sie den ersten Namenträger vom Rest der Gruppe unterschied» (Nübling/ Kunze 2023: 408). Grundsätzlich sei aber festgehalten, dass bei vielen der Lexeme, die den Namen zugrunde liegen, bereits Polysemie vorherrscht und dass darum die konkrete Motivation ohne Belege nicht mehr eruiert werden kann (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 158). Diese Mehrdeutigkeit kann Charakteristika der Sprechweise mit charakterlichen Merkmalen verbinden: So verschränken sich im Lexem schwzdt. tōse(n), das dem FamN Thoos zugrunde liegt, die Aspekte ‘laut reden’ und ‘prahlen’. 1 Die erste Karte stellt alle FamN der Deutschschweiz dar, die als ÜberN zur Sprechweise und zum Sprachverhalten eingeordnet werden können. Die folgende zweite Karte bildet eine Teilmenge davon ab: Auf ihr werden die frequentesten lexikalischen Typen kontrastiv dargestellt. Auf weitere Karten wurde aus folgenden Gründen verzichtet: Einerseits ist eine semantische Ausdifferenzierung der zugrunde liegenden Lexeme kaum möglich, da sie - wie bereits erwähnt - polysem sind. So ist zwar das Merkmal ‘laut’ in 33 FamN enthalten und somit motivisch am häufigsten, aber meist ist es kombiniert mit weiteren Merkmalen wie ‘rufen’, ‘lärmen’, ‘reden’, ‘prahlen’, ‘gellen’, ‘schrill’, ‘schwatzen’ oder auch ‘brüllen’, die sich semantisch schwer gegeneinander abgrenzen lassen. Zumindest lässt sich als ein Ergebnis die Normvorstellung oder das Empfinden der Namengeber: innen ablesen, dass man Menschen häufig als zu laut empfand (Kunze 2004: 139). Diesen Aspekt halten auch Kohlheim/ Kohlheim (2014: 153) fest: «Laute Menschen standen oft im Visier der Namengeber und wurden mit Übernamen» bedacht. Andererseits sind viele FamN nur singulär belegt. So ist das Merkmal ‘stottern’ zwar vorhanden, aber lediglich in vier FamN (Lirgg, Stammler, Stätzler, Stemmer), die vor 1800 nur je einen Ortspunkt aufweisen. Erste Karte {493}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 2 ab, die sich semantisch auf die Sprechweise oder das Sprachverhalten einer Person zurückführen lassen. Abgefragte Namen ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten, vor 1800: Blarer, Braschler, Brassel, Bratschi, Brog, Broger, Brögli, Brotschi, Brotschin, Brumm, Brutsche, Brutschi, Brutschy, Deuber, Döös, Doser, Duss, Gautschi, Gautschy, Gemuseus, Goiser, Gräppi, Grogg, Gröli, Güggi, Gügi, Gygax, Hauri, Haury, Höner, Kaderli, Klägli, Klingel, Krähemann, Krähenmann, Kräher, Krayer, Kreier, Lier, Lirgg, Maffli, Muff , Muggle, Muggler, Müggler, Muggli, Mugglin, Nüsperli, Preschli, Preschlin, Rauscher, Rausser, Reller, Rümbeli, Rümmeli, Rüscher, Russer, Schnelli, Schreier, Schreyer, Stammler, Stätzler, Stemmer, Still, Täuber, Tauss, Teuber, Thoos, von Blarer, Zahner. 70 Types, 172 Tokens. Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 512: Daten zur ersten Karte {493} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt; zu den häufigsten Typen vgl. die Auf listung bei der zweiten Karte. • Brotschi, Brotschin: zu schwzdt. brōtsche(n), brotsche(n) ‘undeutlich, unverständlich reden, stammeln, lallen’ • Gautschi, Gautschy: zu schwzdt. (älter) Gautschi, Gäutschi ‘Schreier, gedankenloser Schwätzer’ • Gemuseus: zu alem. G(e)schmus ‘dummes, unnützes Gerede’ in humanistischer Manier latinisierte Bildung 4 1 Bei den zugrunde liegenden Lexemen dieses Namensamples besteht teilweise semantische Nähe zu prahlerischem, angeberischem Charakter und Verhalten, denn jemand, der laut spricht, kann auch als angeberisch aufgefasst werden (vgl. bspw. Kunze 2004: 147; DFA 5 2016: 941). Es sei darum auch auf den Artikel III-5.3 «Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sammelartikel» (zehnte Karte, z. B. FamN Schaller) verwiesen. 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Vgl. Artikel II-2.21 «Latinisierungen». 1020 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="399"?> • Goiser: zu schwzdt. günse(n), goisse(n) ‘einen durchdringenden Schrei ausstossen, gellen’ • Gygax: zu schwzdt. Gīgax ‘wer gluckst wie ein Huhn’ • Preschli, Preschlin: zu schwzdt. (älter) braschle(n) ‘zu schnell, laut und aufdringlich (auch prahlerisch oder gedankenlos) schwatzen’ • Reller: zu schwzdt. relle(n), ralle(n) ‘(zu viel) schwatzen, klatschen, muhen, klappern’ • Stätzler: zu schwzdt. (älter) statzle(n) ‘stammeln, stottern’ • Thoos: zu schwzdt. tōse(n) ‘tosen’, besonders auch ‘laut reden, lärmen, prahlen’ • von Blarer: zu schwzdt. (älter) plarre(n) ‘brüllen, plärren’; denkbar ist auch eine Anbindung an mhd., schwzdt. plarre(n) ‘gaffen, stieren’. Die kartierten FamN zeigen folgende Bildungsmuster: l-Diminutive (Klägli), abgeleitete Nomina agentis auf -i (Brotschi, Hauri) bzw. auf -(l)er (Blarer, Stammler, Stätzler) und endungslose Nomina agentis (Muff , Thoos). Das Sample umfasst zudem Ableitungen auf -mann (Krähemann) sowie PräpositionsN mit patrizischem von (von Blarer). 5 Kommentar: Die ausgewählten FamN der ersten Karte erstrecken sich über weite Teile der Deutschschweiz. Mehrheitlich liegen die Ortspunkte einerseits im nördlichen Teil des Kantons Bern sowie in den angrenzenden Kantonen Solothurn und Aargau und andererseits in der Nordostschweiz (SG, TG, ZH). Weniger Tokens entfallen auf die nördlichsten Landesteile (BS, BL, nördlicher Teil des Kantons AG, SH). Auch grosse Teile der Zentralschweiz (NW, OW, UR, SZ) und der Kanton Glarus haben keinen Anteil am Namentyp. Streubelege treten in Freiburg, im Berner Oberland und in Graubünden auf. Zu erwähnen ist, dass gut zwei Drittel der FamN (43 der 70 Types) vor 1800 nur einen Ortspunkt aufweisen. Hohe relative Anteile zeigen sich in und um den Bezirk Kulm (AG), im Bezirk Uster (ZH) sowie im Bezirk March (SZ) und im angrenzenden Wahlkreis See-Gaster (SG). Karte 493: ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten, vor 1800 5 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen», II-2.15 «Endungslose Agensbildungen/ Nomina agentis» und II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 5.5 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten 1021 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="400"?> Zweite Karte {494}: Häufigste lexikalische Typen Namenauswahl: Für die zweite Karte wurde eine Teilmenge der ersten Karte ausgewählt: Im folgenden Kartenbild werden die sechs häufigsten lexikalischen Typen (mindestens 10 Tokens als Namengruppe) kontrastiert. Die Reihenfolge der Typen erfolgt in abnehmender Frequenz. Abgefragte Namen Typ Mugg: Muggle, Muggler, Müggler, Muggli, Mugglin. 18 Tokens. Typ Duss: Duss, Tauss. 11 Tokens. Typ Muff : Muff . 11 Tokens. Typ Schreier: Schreier, Schreyer. 11 Tokens. Typ Hauri: Hauri, Haury. 10 Tokens. Typ Zahner: Zahner. 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 513: Daten zur zweiten Karte {494} Detailangaben zur Namenauswahl: Die folgende Auf listung gibt die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in der Reihenfolge der Kartierung) an. • Muggle, Muggler, Müggler, Muggli, Mugglin: verschiedene Ableitungsmuster zu schwzdt. (älter) muggle(n) mit einem breiten Bedeutungsspektrum ‘dumpfe, stöhnende Laute von sich geben; murren, brummen; keuchen, ächzen’; konkurrierend wird der bündnerische Beleg von Muggli (Tavetsch GR) im RNB 3 (1986: 879) zu mhd. mucke ‘Mücke’ gestellt. • Duss, Tauss: zu schwzdt. tūss ‘still, kleinlaut’ • Muff : zu schwzdt. muffe(n) ‘undeutlich sprechen’; als Grundlage können auch noch weitere Lexeme dieser Wortfamilie in Betracht kommen, so etwa schwzdt. Muff ‘Dummkopf, gefühlloser, beschränkter Mensch’ oder schwzdt. muff ‘schlecht gelaunt, mürrisch’. • Schreier, Schreyer: zu mhd. schrīer ‘Schreier, Ausrufer, Herold’, im älteren Schweizerdeutschen v. a. ‘Prahler, Stänker’; denkbar ist aber auch ein BerufsN für den Ausrufer, den fahrenden Krämer. • Hauri, Haury: zu schwzdt. haure(n), houre(n) ‘laut rufen, laut reden, heulen, schreien’ • Zahner: zu mhd. zannen ‘knurren, heulen, weinen’; konkurrierend ist auch ein Bezug zu mhd. zan(t) ‘Zahn’ möglich. 6 Kommentar: Die zweite Karte mit den häufigsten Typen zeigt grundsätzlich eine Häufung im südlichen Aargau und angrenzend im Kanton Luzern bis ins Entlebuch sowie im Zürcher Oberland und Karte 494: ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten, häufigste lexikalische Typen, vor 1800 6 Vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 1022 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="401"?> im angrenzenden Kanton St. Gallen. Ein Aspekt, der dabei besonders auffällt, ist: Je nach Typ zeigt sich eine räumlich mehr oder weniger begrenzte Clusterbildung. Die FamN Schreier, Schreyer kommen in der westlichen Deutschschweiz (BE, SO) vor, daneben findet sich ein Streubeleg im Kanton St. Gallen. Die beiden endungslosen FamN Duss und Muff treten ausschliesslich im Kanton Luzern auf, während Tauss auf das Berner Oberland beschränkt bleibt. Hauri und Haury clustern im Aargau neben weiteren Vorkommen in benachbarten Gebieten (LU, SO). FamN vom Typ Mugg sind etwas breiter gestreut: Muggler, Müggler und Muggli können als zürcherisch eingeordnet werden, wobei Muggli vereinzelt auch noch westlich (AG, LU) und südlich (GR) davon auftritt. Zahner schliesslich ist vornehmlich im Kanton St. Gallen bezeugt (Wahlkreise Wil und See-Gaster). Motivisch-semantisch sind auf der Karte verschiedene Sprechweisen vertreten, die stellvertretend das Spektrum von leise (Duss, Tauss) bis laut (Hauri, Haury, Schreier, Schreyer) und von dumpf, murrend (Muggle und Varianten) über undeutlich (Muff ) bis knurrend (Zahner) umfassen. Betrachtet man das im Artikel kartierte Sample gesamthaft, lassen sich zwei Punkte hervorheben: Einerseits fällt die niedrige Frequenz der meisten Namen auf, andererseits die Clusterverteilung der häufigsten Typen. Der erste Punkt lässt vermuten, dass ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten teilweise sehr punktuell und unabhängig voneinander entstanden sind - unter Rückgriff auf verschiedene Lexeme. Der zweite Punkt lässt vermuten, dass beim kleinräumigen Auftreten bestimmter Types - denn auch das Vorkommen von 10 Tokens ist äusserst niederfrequent - eine einzige namentragende Person der Ursprung sein kann. Insbesondere der letztgenannte Punkt müsste auf Basis historischer Sondierungen überprüft werden, was hier jedoch nicht geleistet werden kann und deshalb als Forschungsdesiderat anzusehen ist. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Gautschi (1'874 Tokens), Hauri (1'840 Tokens) und Muff (1'714 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf das Sprachverhalten zurückgehen, werden im DFA 5 (2016: 930-953) auf den Karten 364-372 dargestellt. Nach Ausweis der genannten Karten ist in Deutschland lautes Reden lexikalisch vielfältiger und häufiger abgedeckt als leises Reden. Auch in Kunze (2004: 147) und in Nübling/ Kunze (2023: 434-436) werden Namen wie Göhler, Schaller, Schnarr, Stiller oder Thümmler thematisiert. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 08.07.2025). Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Simone Berchtold 5.5 Übernamen nach Charakter und Verhalten: Sprechweise und Sprachverhalten 1023 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="402"?> 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen Schlagwörter: Fisch, Insekt, Nutztier, Säugetier, Vogel, Wildtier, Wurm Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 30.04.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Tierbezeichnungen zurückgehen. Diese Gruppe ist innerhalb der ÜberN insofern ein Sonderfall, als hier keine rein semantisch, sondern primär eine lexikalisch motivierte Gruppe vorliegt. Diese Ausnahme ist aber gerechtfertigt, da Tierbezeichnungen sehr häufig in FamN vorkommen. Zur Namendeutung sei folgende Ausgangslage skizziert: In einem ersten Schritt kann jeweils die Formel ‘Person, die in irgendeiner Beziehung zum Tier X steht’ formuliert werden. «Der nächste Schritt, eine einwandfrei fundierte, ganzheitliche Namendeutung, kann nur in Ausnahmefällen vollzogen werden, da i. d. R. keine Äußerungen des Namengebers zu seiner Motivation vorliegen» (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 148). Gleichwohl können allgemeine Tendenzen zur Namenvergabe angeführt werden: Wenn Tierbezeichnungen zu FamN geworden sind, liegen i. d. R. metaphorische Benennungen zugrunde (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 150). Eine Eigenschaft, die dem jeweiligen Tier zugesprochen wird, wird auf den Menschen übertragen. So können FamN aus Vogelbezeichnungen wie «Spatz, Spar; Sperl, Lüning usw. ‘Sperling’ für einen kleinen, mageren oder f linken Menschen» verwendet worden sein (Kunze 2004: 139). Es können auch (vermeintliche) charakterliche Eigenschaften als Motiv zugrunde liegen wie Hummel, Hammel für den Brummigen, Fink(e) für den Fröhlichen, Hahn für den Stolzen oder Rauf lustigen, Bock, Böcklin für den Störrischen. Teils ist beides möglich: Mück(e) für den Kleinen oder Lästigen, Stier, Steer für den Massigen oder Hartnäckigen, Kreft ‘Krebs’ für den Rothäutigen oder Krebsartigen (Langsamen u. ä.), Krähe, Krah, Krei, Krey für den Schwarzhaarigen oder Lauten, Würmelin(g) für den Kleinen oder Langsamen (Kunze 2004: 155). Zudem ist manchen Tieren auch eine Symbolik zu eigen, die auf dem christlichen Altertum beruht: Einerseits versinnbildlicht der Löwe den Evangelisten Markus, der Adler Johannes (Buchberger/ Kasper 1995: 1057). Andererseits gelten der Löwe und der Adler als Symbole der (politischen) Stärke, der Löwe speziell als König der Erde, der Adler hingegen als König der Lüfte (Butzer/ Jacob 2021: 7). Der Bär symbolisiert in der Antike und in der christlichen Tradition Göttliches - so zähmt der heilige Gallus einen Bären, der ihm danach zu Diensten ist -, aber auch Dämonisches (Butzer/ Jacob 2021: 54). Die genannten drei Tiere figurieren häufig als Wappentiere, aber auch als Benennungen von Häusern und Gasthäusern (Kunze 2011; Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 254). So wurden ab dem 13. Jh. vornehmlich in Städten Häuser mit bildlichen Darstellungen von Tieren gekennzeichnet, wobei man u. a. auf folgende Tiere zurückgriff: «Biberer ‘im Haus zum Biber’, Eichhorn, Hahn, Iltis, Lämmle, Lindwurm, Kemler ‘im Haus zum Kamel’, Löwe, Rapp ‘Rabe’, Roß, Rößle, Schneck» (Kunze 2004: 105). Unter Bezug auf den HäuserN konnten auch die Bewohner identifiziert werden (Kunze 2004: 105). Daher ist auch Konkurrenz mit FamN aus HäuserN möglich, welche eine Untergruppe der WohnstättenN darstellen. 1 Schliesslich basieren auch dithematische Ruf N (z. B. Arnhild aus ahd. arn ‘Adler’ + ahd. hiltia ‘Kampf ’, Rambod aus ahd. hraban ‘Rabe’ + ahd. boto ‘Bote’) auf Tieren wie «Adler, Bär, Bock, Eber, Falke (Habicht), Hirsch, Hund, Krähe, Marder, Rabe, Roß, Schwan, Stier, Widder, Wolf, Wurm (= Lindwurm, Schlange, Drache)» (Kunze 2004: 27). Theoretisch sind also auch Kurzformen oder Derivate aus Ruf N nicht auszuschliessen (z. B. Beer aus Bern[hard] oder Wolf aus Wolf[gang]). 2 Darüber hinaus bestehen Überschneidungen zum Benennungsmotiv der BerufsüberN, denn «[a]uch indirekte Berufsnamen wurden von Tieren gewonnen: Butt, Buth, Dorsch, Hecht, Heeckt, Karpf , Karpp, Schlei, Schlie(he), Stint etwa für den Fischer oder Fischhändler, Sperber für den Jäger, Schwein für den Schwineköper ‘Schweinehändler’» (Kunze 2004: 155). Wie die Auf listung zeigt, wohnt der hier behandelten lexikalischen Gruppe grundsätzlich eine Mehrdeutigkeit inne. Aus grammatischer Sicht fällt auf, dass überwiegend Tierbezeichnungen mit maskulinem Genus als FamN aufscheinen; Ausnahmen sind feminines Gans oder Schwalbe. Dies könnte den Umstand widerspiegeln, dass die ersten FamN überwiegend, wenn nicht ausschliesslich auf Personen männlichen Geschlechts referierten (vgl. Abschnitt 6.3 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»). Die im Artikel gewählte Einteilung der Tierbezeichnungen soll keinen anachronistisch gegenwärtigen Blick auf Tiere geben, sondern sich an gängigen Einteilungen der Frühen Neuzeit orientieren, denn in dieser Zeit sind auch FamN entstanden und fest geworden (vgl. Abschnitt 6.2 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»). Als Vorlage wurde Konrad von Megenbergs (1309-1374) «Buch der Natur» (digitalisiert von Miller/ Zimmermann 2016) ausgewählt, das «mit nahezu 140 Textzeugen zu den am besten und am breitesten überlieferten deutschsprachigen Naturkompendien des Mittelalters» gehört (Spyra/ Effinger 2008); das Kompendium selbst beruht wiederum auf älteren Vorlagen (LexMA 1977-1999: s. v. Tierkunde). In diesem Buch wird folgende Einteilung der Tiere vorgenommen: vierfüssige Tiere auf der Erde resp. Tiere im Allgemeinen (z. B. Biber, Dachs, Hase, Hund, Otter, Pferd, Wolf ), Vögel (z. B. Adler, Falke, Gans, Storch), Meerwunder (z. B. Delphin, Meerhund, Meerjungfrau, Wasserpferd), Fische (z. B. Aal, Krebs, Meerspinne, Meerschwein), Schlangen (z. B. Drache, Eidechse, Natter, Unke) und Würmer (z. B. Spinne, Ameise, Mücke, Frosch, Egel, Schnecke). In Anlehnung an diese Einteilung (vgl. auch Luff/ Steer 2003) wurden auf den ersten beiden Karten Namen nach Bezeichnungen von 1 Vgl. Artikel III-3.9 «Wohnstättennamen zu Häusernamen». 2 Vgl. Artikel III-1.4 «Patronyme zu Kurzformen von germanischen Rufnamen». 1024 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="403"?> vierfüssigen Tieren (das sind vornehmlich Säugetiere) gewählt, bevor auf den nächsten beiden Karten FamN nach Vogelbezeichnungen in den Fokus rücken. Da bei diesen zwei Tiergruppen relativ viele FamN vorhanden sind, zeigen die erste und die dritte Karte jeweils die frequenten FamN, während die zweite und die vierte Karte die weniger frequenten Namen aufnehmen. Die fünfte Karte bespricht FamN nach Fischbezeichnungen, während sich die sechste Karte FamN zuwendet, die aus Bezeichnungen für Insekten, Schlangen und Würmer entstanden sind. Die siebte Karte schliesslich fasst als Gesamtkarte alle FamN nach Tierbezeichnungen in einem Kartenbild zusammen. Erste und zweite Karte {495, 496}: Übernamen nach Bezeichnungen für vierfüssige Tiere Namenauswahl: Die ersten beiden Karten zeigen FamN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 3 die zum lexikalischen Feld der Tierbezeichnungen und hier speziell zu den vierfüssigen Tieren gehören, welche sich gemäss von Megenberg (vgl. Miller/ Zimmermann 2016) auf der Erde bewegen. Das sind im heutigen Verständnis Säugetiere, zu denen sowohl Nutzals auch Wildtiere zählen. Während die erste Karte die fünf häufigsten FamN Bär, Fuchs, Haas, Leu und Wolf mit ihren jeweiligen Varianten abbildet, zeigt die zweite Karte alle weiteren Tiere dieses lexikalischen Felds. Niederfrequente FamN werden in der zweiten Karte zur Gruppe «Sonstige» zusammengefasst. Die FamN werden nach den zugrunde liegenden Lexemen gruppiert. Abgefragte Namen Typ Bär: Baer, Bär, Beer, Beeri, Beerle, Beerli, Berli, Zbären. 8 Types, 68 Tokens. Typ Fuchs: Fuchs, Füchslin, Fux, Rothfuchs. 60 Tokens. Typ Hase: Haas, Haasen, Haeselin, Häsele, Häseli, Hasen, Häsli, Hässli, Rennhaas, Schellhaas. 10 Types, 56 Tokens. Typ Löwe: Leu, Leumann, Leuw, Ley, Loew, Löw, Lymann. 7 Types, 44 Tokens. Typ Wolf : Wolf , Wolff , Wölfle, Wölfli. 44 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 514: Daten zur ersten Karte {495} Karte 495: ÜberN nach den häufigsten Bezeichnungen für vierfüssige Tiere, vor 1800 3 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen 1025 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="404"?> Abgefragte Namen Typ Biber: Biber, Bieber. 4 Tokens. Typ Bock: Bock, Böckli, Böcklin. 6 Tokens. Typ Bracke: Brack, Prack. 6 Tokens. Typ Guhl: Guhl, Gull. 5 Tokens. Typ Hirsch: Hirschi, Hirschy, Hirtzel, Hirz, Hirzel. 23 Tokens. Typ Hobi: Hobi, Hoby. 7 Tokens. Typ Ochse: Oechsli, Oechslin. 4 Tokens. Typ Ster: Stähr, Sterren. 3 Tokens. Typ Stier: Stierli, Stierlin. 10 Tokens. Sonstige: Barbisch, Büsel, Eichhorn, Luchs, Mauderli, Otter, Rehli, Schäfli, Schwyn, Uhr, von Frisching. 11 Types, 13 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 515: Daten zur zweiten Karte {496} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Barbisch: zu rätorom. barbeisch ‘Hammel, Widder’ • Brack, Prack: zu mhd. bracke ‘Spür-, Spielhund’; konkurrierend aber auch schwzdt. Brack ‘Mensch oder Tier von unverhältnismässiger Beleibtheit’ • Büsel: zu schwzdt. Busel, Büsel ‘Katze’, aber auch ‘Kalb, Rind’ • Guhl, Gull: zu mhd. gūl ‘Eber, männliches Tier überhaupt’; daraus haben verschiedene Spezialisierungen stattgefunden, vgl. schwzdt. Gūl ‘Haushahn’, aber auch ‘Gaul, Arbeitspferd’. • Haeselin, Häsele, Häseli, Häsli, Hässli: Neben einem Diminutiv zu Hase kann konkurrierend auch schwzdt. Häs (diminuiert Häsigli, Häsili) ‘Schwein(chen)’ vorliegen. • Hobi, Hoby: zu schwzdt. Hobi ‘verschnittener Hengst, Wallach; Gaul’; konkurrierend ist auch ein ÜberN zu historisch belegtem Hopein ‘Hochbein’ (z. B. hochbeinig; evtl. hinkend) denkbar. • Mauderli: zu schwzdt. Mauder ‘männliche Katze, Kater’ • Schellhaas: zu mhd. schel ‘aufspringend, auffahrend’ und mhd. hase ‘Hase’ • Stähr, Sterren: zu schwzdt. (älter) Ster ‘Schafwidder’ • Uhr: zu schwzdt. Ur ‘Auerochse’, älter auch ‘Stier’ • von Frisching: zu mhd. vrisching ‘junges Lamm oder Schwein’ Karte 496: ÜberN nach weiteren Bezeichnungen für vierfüssige Tiere, vor 1800 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1026 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="405"?> Die Bildungsmuster, die in den FamN vorkommen, sind: l-Diminutive (Beerli, Häseli), Ableitungen mit i-Suffix (Beeri, Hirschi) bzw. mit -mann (Leumann, Lymann), schwache Genitive (Ha(a)sen, Sterren), zweigliedrige Strukturen mit einem Nomen (Rennhaas, Rothfuchs, Schellhaas), FamN mit Artikelproklise (Zbären) sowie Simplizia (Bär, Stähr). 5 Die Präposition von markiert im FamN von Frisching den adeligen resp. patrizischen Status der Namenträger: innen. 6 Kommentar: Die beiden Karten zeigen, dass Tierbezeichnungen von Säugetieren in der gesamten Deutschschweiz zu FamN geworden sind. Das geographische Bild der ersten Karte wird zum grössten Teil von den fünf häufigsten FamN in diesem Sample konstituiert: Fuchs (53 Tokens), Haas (44 Tokens), Bär (43 Tokens), Wolf (39 Tokens) und Leu (31 Tokens). Je nach Name formen sich unterschiedliche Gebiete: Der FamN Bär dominiert im Albisgebiet (ZH), aber auch am südlichen Bodenseeufer (TG). Im aargauischen Limmattal, im unteren Aaretal sowie im Kanton Schwyz häuft sich der FamN Fuchs; die Variante Fux kann als typisch für das Oberwallis eingestuft werden. Träger: innen des FamN Haas hingegen konzentrieren sich in der Zentralschweiz im luzernischen Entlebuch und um die Stadt Luzern sowie im bernischen Seeland. Wolf kann fast als gesamtdeutschschweizerisch bewertet werden: Der Name kommt in 13 Kantonen vor. In Mies (VD) sind die Namenträger: innen nachweislich um 1778 aus Deutschland kommend eingebürgert worden. Auch der Name Leu, der in neun Deutschschweizer Kantonen alteingesessen ist, zeigt ein weitläufiges Vorkommen. Was die erste Karte aus lexikalischer Perspektive ausweist, ist, dass die fünf häufigsten lexikalischen Typen auf Bezeichnungen für Wildtiere zurückgehen. Die zweite Karte behandelt all jene Namengruppen, die 10 Tokens und weniger zählen. Hier zeigt sich gesamthaft ein dichteres Vorkommen in der (Nord-)Ostschweiz. Regional beschränkte Verbreitung in diesem Raum weisen Brack (Bözberg, Bezirk Brugg AG), Gull, Guhl (TG, ZH), Hirzel (v. a. ZH), Hobi, Hoby (Seeztal SG) und Stierli (AG, ZH) auf. Im Gegensatz dazu streuen die FamN zu Bock im Norden (AG, SG, TG, ZH). Daneben zeigen Hirschi, Hirschy (BE) und Sterren (VS) Verbreitungsgebiete in der westlichen und südlichen Deutschschweiz. 5 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung», II-3.1 «Artikelproklise» und II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen». 6 Vgl. Artikel II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de». 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen 1027 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="406"?> Dritte und vierte Karte {497, 498}: Übernamen nach Vogelbezeichnungen Namenauswahl: Die dritte und die vierte Karte zeigen alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die zum lexikalischen Feld der Vogelbezeichnungen gehören. Auf der dritten Karte finden sich die häufigsten sieben Vogelarten im Deutschschweizer Familiennamenbestand; auf der vierten Karte dann die weiteren FamN zu diesem Bereich. Die Anordnung erfolgt in diesem Abschnitt nicht nach Lexemen, sondern nach der zugrunde liegenden Vogelart. Abgefragte Namen ÜberN zum Falken: Falk, Falck. 12 Tokens. ÜberN zum Finken: Distel, Fink. 11 Tokens. ÜberN zum Kauz: Hauri, Haury, Kauz, Kutzli. 12 Tokens. ÜberN zur Krähe: Gräppi, Grogg, Krägi, Kräig, Rapo, Rapp, Rappo. 7 Types, 15 Tokens. ÜberN zur Lerche: Lerch. 11 Tokens. ÜberN zum Spatzen: Spaar, Spahr, Speerli. 15 Tokens. ÜberN zum Vogel: Freivogel, Vogel, Vögele, Vögeli, Vögelin, Waldvogel. 6 Types, 100 Tokens. ÜberN zur Weihe: Wey. 11 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 516: Daten zur dritten Karte {497} Abgefragte Namen ÜberN zum Federspiel: Federspiel. 2 Tokens. ÜberN zur Gans: Gänsli, Gansner. 5 Tokens. ÜberN zum Geier: Geier, Geyer, Gyr. 7 Tokens. ÜberN zum Hahn: Hahn. 3 Tokens. ÜberN zum Kuckuck: Gugerli, Gugger. 11 Tokens. ÜberN zur Meise: von Meiss. 1 Tokens. ÜberN zur Schwalbe: Schwalm, Spiri, Spyr. 8 Tokens. ÜberN zum Specht: Specht. 3 Tokens. ÜberN zum Strauss: Strauss. 7 Tokens. ÜberN zur Taube: Kauter, Kuder. 2 Tokens. ÜberN zum Zeisig: Cisli, Zinsli. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Gemeinden Tabelle 517: Daten zur vierten Karte {498} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. Karte 497: ÜberN nach den häufigsten Vogelbezeichnungen, vor 1800 1028 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="407"?> • Cisli, Zinsli: zu schwzdt. Zisli ‘Zeisig’ (bei Zinsli mit n-Einschub); konkurrierend kann auch mhd. zinzeln ‘schmeicheln, kosen’ oder eine Kurzform zum Ruf N Vincentius im FamN fest geworden sein. • Distel: zu schwzdt. Distel ‘Distelfink, Stieglitz’; konkurrierend ist auch die gleichlautende Pf lanzenbezeichnung Distel ‘Distel, distelartige Pf lanze’ denkbar. • Federspiel: zu schwzdt. Fëdere(n)spil ‘zur Jagd abgerichteter oder dazu geeigneter Raubvogel’ • Gräppi: zu schwzdt. Grapp ‘Krähe’ • Grogg: zu schwzdt. Grāgg ‘Krähe; Rabe’; möglich ist auch der Verbalstamm von schwzdt. grāgge(n) ‘(am Boden) kriechen, schleichen’ nach der Gangart einer Person. • Gyr: wie Geier, Geyer zu mhd. gīr ‘Geier’, speziell ‘Lämmergeier’ • Hauri, Haury: zu schwzdt. Hauri ‘Uhu, Nachteule’, aber auch ‘wer laut mit schreiender Stimme redet oder singt’ • Kauter, Kuder: zu schwzdt. Chūt, Chūter ‘Taubenmännchen,Tauber’ • Krägi, Kräig: zu mhd. krā, kræe, kræje usw. ‘Krähe’, mit <g> als ursprünglichem Gleitlaut • Schwalm: zu mhd. swalwe ‘Schwalbe’, schwzdt. auch als Schwalm 7 • Spaar, Spahr, Speerli: zu mhd. spar, spare, schwzdt. (älter) Spar ‘Sperling, Spatz’ • Spiri, Spyr: zu mhd. spīre ‘Spierschwalbe, Turmschwalbe’ • Wey: zu mhd. wī(e), wīh, weie ‘Weihe, Falke’, schwzdt. Wī, Wei auch ‘Mäusebussard, Habicht’ Die Bildungsmuster, die in den FamN vorkommen, sind: i-Ableitungen (Hauri, Spiri), l-Diminutive (Gänsli, Kutzli, Vögele), ner-Ableitung (Gansner), Komposita (Waldvogel ), Erweiterung mit Suffix -o (Rap(p)o), FamN mit patrizischem von (von Meiss) sowie Simplizia (Geier, Gyr, Rapp). 8 Kommentar: Die beiden Karten zeigen, dass FamN aus Vogelbezeichnungen im Grossen und Ganzen in den nördlichen Landesteilen und hier besonders im Mittelland konzentriert sind. Im alpinen Raum nehmen die Ortspunkte deutlich ab. In der dritten Karte erstrecken sich FamN zu Falke, Fink, Spatz und Vogel über die Deutschschweiz. Demgegenüber treten FamN zur Lerche und zur Krähe in der westlichen Deutschschweiz auf. Bei Gräppi und Grogg, die beide im Kanton Bern auftreten, sind offenbar zwei unterschiedliche Dialektbezeichnungen für die Krähe in FamN fest geworden. Daneben clustern andere FamN wie Hauri, Haury (im Raum Zofingen AG) und Wey (AG, LU). Die vierte Karte zeigt insgesamt - trotz weniger Ortspunkte - einen ähnlichen Verbreitungsraum wie die vorangehende Karte, allerdings tritt hier auch der Kanton Graubünden mit FamN zu Federspiel, Gans (konzentriert im Prättigau) und Zeisig in Erschei- Karte 498: ÜberN nach weiteren Vogelbezeichnungen, vor 1800 7 Vgl. Artikel I-2.2 «Assimilationen und Dissimilationen». 8 Vgl. die Artikel II-2.2 «Familiennamen auf -i/ -y», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung», II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o», II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de» und II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen». 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen 1029 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="408"?> nung. Die meisten FamN der vierten Karte wie Hahn, Gugger, Specht oder Strauss streuen und lassen kein Zentrum erkennen. Eine Ausnahme bildet der Name Gugerli mit einem Cluster im Grenzgebiet der Kantone Aargau und Zürich. Auffallend ist, dass die beiden häufigsten FamN im kartierten Sample auf die Gattungsbezeichnung Vogel selbst zurückgehen (Vogel, Vögeli mit 47 resp. 34 Tokens); weitere, spezifischere Bezeichnungen in FamN sind demgegenüber weit seltener, wie die nächsthäufigen FamN Lerch und Wey (mit je 11 Tokens) zeigen. Auf beiden Karten gibt es auch FamN, die in der gewählten Zeitschicht singulär auftreten, so etwa Gänsli (Wellhausen TG), Kauter (St. Gallen SG) oder Kauz (Wyssachen BE). Fünfte Karte {499}: Übernamen nach Fischbezeichnungen Namenauswahl: Die fünfte Karte zeigt alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die zum lexikalischen Feld der Fischbezeichnungen gehören. In von Megenbergs Einteilung (vgl. Miller/ Zimmermann 2016) gehört der Krebs zu den Fischen; heute wird er wie Insekten oder Spinnen der Gruppe der Gliederfüsser zugeordnet. Die ausgewählten FamN wurden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert; der Typ Hering enthält dabei auch die beiden FamN Maienfisch und Mayenfisch, die auf eine Bezeichnung für eine Heringsart zurückgehen. Abgefragte Namen Typ Aal: Ahl. 2 Tokens. Typ Fisch: Fisch, Fischli, Fischlin. 23 Tokens. Typ Hering: Haering, Häring, Maienfisch, Mayenfisch. 11 Tokens. Typ Hecht: Hecht. 3 Tokens. Typ Karpfen: Karpf . 4 Tokens. Typ Krebs: Krebs. 18 Tokens. Typ Salm: Salm, Salmen. 3 Tokens. Typ Stint: Stindt. 1 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 518: Daten zur fünften Karte {499} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Haering, Häring: zu mhd. herinc ‘Hering’; konkurrierend ist auch eine patronymische ing -Ableitung zum Ruf N Hero möglich. • Maienfisch, Mayenfisch: zu fnhd. maienfisch ‘Maifisch (eine Heringsart)’ Karte 499: ÜberN nach Fischbezeichnungen, vor 1800 1030 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="409"?> • Salm, Salmen: zu mhd. salm(e), schwzdt. Salm, Salmen ‘Lachs’ • Stindt: zu mittelniederdt. stint ‘Stinz (Osmerus eperlanus)’ 9 Kommentar: Wie die fünfte Karte zeigt, haben Fischbezeichnungen deutlich weniger Spuren in FamN hinterlassen als Bezeichnungen für Säugetiere und Vögel. Sofern entsprechende ÜberN vorkommen, bleiben sie vornehmlich auf die Nordhälfte der Deutschschweiz beschränkt. Ähnlich wie bei der dritten Karte mit FamN zu Vogelbezeichnungen entfallen auch in diesem Wortfeld gesamthaft die meisten FamN auf den allgemeinen Gattungsbegriff Fisch (15 Tokens) neben Fischlin (5 Tokens) und Fischli (3 Tokens). Erstgenannter FamN häuft sich im Thurgau und in Appenzell Ausserrhoden, zweitgenannter Name kommt vor 1800 nur im Bezirk Schwyz (SZ) vor. Spezifischere Bezeichnungen wie Häring (6 Tokens) oder Karpf (4 Tokens) sind seltener als FamN bezeugt. Der häufigste EinzelN ist Krebs mit 18 Ortspunkten, die sich zwischen Twann (BE) und Reutigen (BE) formieren. Sechste Karte {500}: Übernamen nach Bezeichnungen für Insekten, Schlangen und Würmer Namenauswahl: Die sechste Karte zeigt alle FamN aus der Schicht «vor 1800», die zum lexikalischen Feld der Schlangen und Würmer gehören. Diese Gruppe umfasst in der Frühen Neuzeit auch Insekten, welche hier ebenfalls berücksichtigt werden. Abgefragte Namen Typ Breme: Bräm, Brem, Bremi. 12 Tokens. Typ Drache: Drack. 1 Token. Typ Hummel: Humbel, Hümbeli, Hümbelin, Hummel, Ummel. 16 Tokens. Typ Molch: Moll. 8 Tokens. Typ Schnecke: Schnegg. 2 Tokens. Typ Wespe: Wäspe, Wäspi, Wespe, Wespi. 17 Tokens. Typ Wurm: Würmli. 6 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 519: Daten zur sechsten Karte {500} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Karte 500: ÜberN nach Bezeichnungen für Insekten, Schlangen und Würmer, vor 1800 9 Gemäss Schobinger/ Egli/ Kläui (1994: 159) dürfte dieser Name durch Einbürgerung einer Person aus Mittel- oder Norddeutschland im 18. Jh. in die Schweiz gelangt sein. 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen 1031 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="410"?> Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Drack: zu mhd. drache, dracke, trache, tracke, schwzdt. Drack, Trach, Track ‘Drache’; ein Fabeltier, das in der Alltagskultur der Frühen Neuzeit präsent war, aber auch ein häufiges Hauszeichen darstellte (Brechenmacher 1 1957-1963: 335) • Humbel, Hümbeli, Hümbelin, Hummel, Ummel: zu mhd. hummel, humbel ‘Hummel’ 10 • Moll: zu mhd. mol, molle ‘Eidechse, Molch’, dann auch ‘Kröte, Engerling, schwarzer Regenwurm’ • Würmli: l-Diminutiv zu mhd. wurm ‘Wurm, Insekt (auch f liegendes), Spinne, Fliege, Mücke, Natter, Schlange, Drache’; das Bedeutungsspektrum, welches bereits im Mittelhochdeutschen eine breite Palette einnimmt, setzt sich auch im Schweizerdeutschen fort, begonnen bei ‘Regenwurm’ über ‘Schlange (Viper, Natter)’ zu ‘Blindschleiche’ oder ‘Hundertfüssler’ bis ‘Drache’, aber auch ‘Insekt’ und ‘Käfer’ (Id. 16 1881 ff.: Sp. 1510-1511). Kommentar: Die sechste Karte zeigt neben dem Berner Mittelland eine Konzentration vornehmlich in der Nordostschweiz. Diese Ballungsräume gehen mehrheitlich auf EinzelN zurück, die geographisch begrenzt auftreten. Der FamN Moll zeigt ausschliesslich Ortspunkte zwischen Biel (BE) und solothurnischen Gemeinden im Aaretal. Der FamN Humbel sowie die Diminutivvarianten Hümbeli, Hümbelin treten nur in aargauischen Gebieten auf (Bezirke Baden, Brugg, Bremgarten), der Name Hummel ist demgegenüber weiter verbreitet. Im Limmattal und im Furttal (ZH/ AG) formiert sich ein Zentrum des Typs Bräm. Auch die FamN zur Tierbezeichnung Wespe treten gehäuft auf: Die Namen Wäspe, Wäspi und Wespi verdichten sich an der heutigen Kantonsgrenze zwischen dem Zürcher Oberland (ZH) und dem Toggenburg (SG). Siebte Karte {501}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die siebte Karte fasst alle in den vorherigen Karten besprochenen FamN aus der Schicht «vor 1800» zusammen. Abgefragte Namen ÜberN nach Tierbezeichnungen, vor 1800: Ahl, Baer, Bär, Barbisch, Beer, Beeri, Beerle, Beerli, Berli, Biber, Bieber, Bock, Böckli, Böcklin, Brack, Bräm, Brem, Bremi, Büsel, Cisli, Distel, Drack, Eichhorn, Falck, Falk, Federspiel, Fink, Fisch, Fischli, Fischlin, Freivogel, Fuchs, Füchslin, Fux, Gänsli, Gansner, Geier, Geyer, Gräppi, Grogg, Gugerli, Gugger, Guhl, Gull, Gyr, Haas, Haasen, Haering, Haeselin, Hahn, Häring, Häsele, Häseli, Hasen, Häsli, Hässli, Hauri, Haury, Hecht, Hirschi, Hirschy, Hirtzel, Hirz, Hirzel, Hobi, Hoby, Humbel, Hümbeli, Hümbelin, Hummel, Karpf , Kauter, Kauz, Krägi, Kräig, Krebs, Kuder, Kutzli, Lerch, Leu, Leumann, Leuw, Ley, Loew, Löw, Luchs, Lymann, Maienfisch, Mauderli, Mayenfisch, Moll, Oechsli, Oechslin, Otter, Prack, Karte 501: ÜberN nach Tierbezeichnungen, vor 1800 10 Vgl. Artikel I-2.2 «Assimilationen und Dissimilationen». 1032 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="411"?> Rapo, Rapp, Rappo, Rehli, Rennhaas, Rothfuchs, Salm, Salmen, Schäfli, Schellhaas, Schnegg, Schwalm, Schwyn, Spaar, Spahr, Specht, Speerli, Spiri, Spyr, Stähr, Sterren, Stierli, Stierlin, Stindt, Strauss, Uhr, Ummel, Vogel, Vögele, Vögeli, Vögelin, von Frisching, von Meiss, Waldvogel, Wäspe, Wäspi, Wespe, Wespi, Wey, Wolf , Wolff , Wölfle, Wölfli, Würmli, Zbären, Zinsli. 141 Types, 720 Tokens. Flächen 5-100, relative Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 520: Daten zur siebten Karte {501} Detailangaben zur Namenauswahl: Zu den ausgewählten FamN vgl. die Ausführungen bei den ersten sechs Karten. Kommentar: Die siebte Karte (Gesamtkarte) macht noch einmal deutlich, dass Bezeichnungen für Tiere in der gesamten Deutschschweiz in FamN vorkommen. Wie die relative Flächenkartierung ausweist, sind insbesondere in den nördlichen und östlichen Regionen der Deutschschweiz FamN aus Tierbezeichnungen fest geworden. Ein verdichtetes Vorkommen lässt sich v. a. für den Kanton Schaffhausen sowie den Bezirk Einsiedeln (SZ) feststellen; daneben kommt diese Motivgruppe konzentriert im Raum südlich des Bodensees (TG, SG), um die Stadt Zürich sowie im Bezirk Affoltern (ZH) vor. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Fuchs (6'962 Tokens), Vogel (5'907 Tokens) und Haas (3'813 Tokens). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN nach Tierbezeichnungen werden im DFA (2009-2018) aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen Benennungsmotiven in mehreren Bänden aufgenommen; hier sei nur eine Auswahl gegeben: Die FamN Beer, Behr, Bär, Baer, Bähr werden als Kurzformen zu Bernhard im DFA 6 (2017: 47-49) behandelt. FamN zur Tierbezeichnung Fuchs werden an mehreren Stellen besprochen (DFA 2 2011: 203, 722-725, 729, 731, 741, 834; DFA 3 2012: 457, 590-593, 777; DFA 5 2016: 733, 755, 762). Der Typ Hase erscheint im DFA 1 (2009: 555, 794-796, 802-803), ebenso der Typ Vogel (DFA 1 2009: 744-746, 752). FamN zu Lerche werden im DFA 5 (2016: 996-997) kartiert; auf der Karte 266 werden zudem jene FamN behandelt, die auf die Tierbezeichnung Sperling zurückgehen (DFA 5 2016: 676-679). In demselben Band gelten die Karten 353-354 den FamN zu Löwe (DFA 5 2016: 903-906) und auf Karte 371 figurieren FamN zu Krähe (DFA 5 2016: 948-950). Der Typ Wolf - als letztes Beispiel - wird im DFA 1 (2009: 218-220, 225, 643), im DFA 2 (2011: 167-172, 180-181) und im DFA 3 (2012: 193) besprochen. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Brechenmacher, Josef K. (1957-1963): Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2 Bde. 2., von Grund auf neugearbeitete Auf lage. Limburg a. d. Lahn: Starke. Buchberger, Michael/ Kasper, Walter (Hrsg.) (1995): Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 3: Dämon bis Fragmentenstreit. 3., völlig neu bearbeitete Auf lage. Freiburg i. B.: Herder. Butzer, Günter/ Jacob, Joachim (Hrsg.) (2021): Metzler Lexikon literarischer Symbole. 3., erweiterte und um ein Bedeutungsregister ergänzte Auf lage. Stuttgart: Metzler. DFA = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009-2018): Deutscher Familiennamenatlas. 7 Bde. Berlin, New York, Boston: De Gruyter. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 2 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2011): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 2: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 3 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFA 6 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2017): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 6: Familiennamen aus Rufnamen. Berlin, Boston: De Gruyter. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 30.04.2025). Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Kunze, Konrad (2011): Gasthausnamen-Geographie. Beispiele im schwachen Dativ (Zum Schwanen). Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge 46, 125-163. LexMA = Bautier, Robert-Henri et al. (1977-1999): Lexikon des Mittelalters. 10 Bde. Online-Version (mit Nutzerbeschränkung) in der Datenbank BREPOLiS Medieval Encyclopaedias (BME). apps.brepolis.net/ lexiema/ test/ Default2.aspx (letzter Zugriff 30.04.2025). Luff, Robert/ Steer, Georg (Hrsg.) (2003): Konrad von Megenberg: «Buch der Natur». Bd. 2: Kritischer Text nach den Handschriften (Texte und Textgeschichte 54). Tübingen: Niemeyer. 5.6 Übernamen nach Tierbezeichnungen 1033 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="412"?> Miller, Matthias/ Zimmermann, Karin (2016): Konrad von Megenberg: «Buch der Natur». Handschrift entstanden um 1442-1448? in Hagenau (Cod. Pal. germ. 300). Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 182-303). https: / / doi.org/ 10.11588/ diglit.2205 (letzter Zugriff 09.09.2025). Nübling, Damaris/ Fahlbusch, Fabian/ Heuser, Rita (2015): Namen. Eine Einführung in die Onomastik (Narr Studienbücher). 2., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. Spyra, Ulrike/ Effinger, Maria (2008): Cod. Pal. germ. 300. Konrad von Megenberg: «Buch der Natur». Universitätsbibliothek Heidelberg. Bibliotheca Palatina - digital. https: / / digi.ub.uni-heidelberg.de/ de/ bpd/ glanzlichter/ oberdeutsche/ lauber/ cpg300.html (letzter Zugriff 09.09.2025). Simone Berchtold 1034 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="413"?> 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen Schlagwörter: Adel, Bauer, Dritter Stand, Klerus Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich FamN, die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 11.11.2024; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») auf Standesbezeichnungen zurückgehen und deren jeweils zugrunde liegendes Lexem metaphorisch zu verstehen ist. Dem mittelalterlichen Verständnis der Gesellschaftsordnung entsprechend wurden die drei Stände Adel (bellatores), Klerus (oratores) und Dritter Stand (laboratores) unterschieden, die hierarchisch abgestuft waren (e-HLS 2013: s. v. Ständische Gesellschaft). Bezug auf den Adel nehmen FamN wie Graf , Herzog oder König; auf den Klerus wird bei FamN wie Abt, Bischof oder Münch verwiesen. Diese Namengebung kann durch ein relationales Merkmal bezogen auf ein Abhängigkeits- oder Dienstverhältnis motiviert sein; in ihr kann sich aber auch eine ironischspöttische Zuschreibung im Sinne von ‘führt sich auf wie X’ manifestieren (Bach 1952: 299-300; Fleischer 1964: 154; Kunze 2004: 151; e-WSK 2022a: s. v. Übername; Nübling/ Kunze 2023: 447). 1 Schliesslich können auch «Fastnachts-, Krippen- und andere Schauspiele, in denen man solche Rollen einnahm», ausschlaggebend gewesen sein (Nübling/ Fahlbusch/ Heuser 2015: 155). 2 Die meisten FamN nach dem Dritten Stand gelten nicht als ÜberN, sondern als BerufsN (Ackermann, Bauer, Lehmann), da die Benennung sachlich-deskriptiv, ohne subjektiv-ironische Kennzeichnung motiviert war (e-WSK 2022b: s. v. Berufsname). 3 Der grösste Teil der Bevölkerung zählte zum Dritten Stand (Kunze 2004: 111), der «nicht allein die Bauern, sondern alle Nichtadligen und Nichtgeistlichen, also auch Städter, Handwerker und Kauf leute» umfasste (e-HLS 2015: s. v. Bauern). Als ÜberN für den Dritten Stand werden hier FamN wie Frei, Freimann aufgenommen, da sie implizit auf die rechtliche Stellung der Bauern Bezug nehmen. Zudem finden FamN wie Leibundgut Berücksichtigung, die die unfreie Seite dieses Standes betonen. Wie bereits erwähnt, bestehen grundsätzlich Schwierigkeiten bezüglich der Motivation solcher FamN: Das Hauptproblem bei der Untersuchung der Übernamen besteht darin, dass zwar die Etymologie meist ermittelt werden kann, die Eruierung der Motivation jedoch nur selten möglich ist. Dies gilt insbesondere für diejenigen Übernamen, die Bezeichnungen für Tiere und Pf lanzen, Gegenstände und Materialien, Nahrungsmittel und Getränke, Zeitpunkte und Zeiträume oder weltliche und geistliche Würdenträger enthalten (Kohlheim 2011: 248). Es kann daher für die FamN in einem ersten Schritt jeweils die Formel ‘Person, die in irgendeiner Beziehung zu X steht’ formuliert werden. «Der nächste Schritt, eine einwandfrei fundierte, ganzheitliche Namendeutung, kann nur in Ausnahmefällen vollzogen werden, da i. d. R. keine Äußerungen des Namengebers zu seiner Motivation vorliegen» (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 148). Aus den genannten Gründen kann auch nicht geklärt werden, ob bei Varianten mit und ohne Diminutiv wie Graf - Gräflin erstere eine Person benannte, welche bei einem Grafen angestellt war, und zweitere eine Person benannte, welche durch gräf liches Verhalten oder Imitation adeliger Lebensweise auffiel. Letztlich wären für eine zweifelsfreie Zuordnung Benennungskontexte oder metasprachliche Äusserungen zur Namenvergabe wichtig; diese sind aber i. d. R. nicht vorhanden (Kohlheim 2011: 249). Die ersten drei Karten widmen sich je einem Stand in der Reihenfolge Adel, Klerus und Dritter Stand, während die vierte Karte den häufigsten Typ jeder Motivgruppe kontrastiert. 1 Solche spöttisch motivierten SpitzN belegt das RNB 3 (1986: 780) für Romanischbünden noch im 20. Jh.: «Nicht selten sind spöttische Vergleiche mit Ämtern und Würden. Der Bauer im hochgelegenen Weiler Laus hiess il Papa da Laus, sein Sohn il Cardinal da Laus; auf dem Hofe B. in P. wirtschafteten zwei Brüder, die il Uestg da B. und l’Avat da B., also ‹der Bischof und der Abt› von B., genannt wurden». 2 Zur Problematik der Zuordnung vgl. auch das RNB 3 (1986: 608-609), hier mit Bezug zum geistlichen Stand, sowie Bach (1952: 299-301) mit weiteren Beispielen. 3 Vgl. Artikel III-4.3 «Berufs(über)namen zur Landwirtschaft». 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen 1035 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="414"?> Erste Karte {502}: Übernamen mit Bezug zum Adel Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 4 ab, die semantisch in das Wortfeld des Adels gehören. Die vier häufigsten FamN werden mit ihren Varianten zu Typen gruppiert und nach absteigender Tokenfrequenz der Namengruppen kartiert. ÜberN mit weniger als 10 Tokens werden in der Kategorie «Sonstige» zusammengefasst. Abgefragte Namen Typ Graf : Graf , Graff , Gräflein, Gräflin, Graven, Gröflin. 6 Types, 85 Tokens. Typ Küng: Koenig, Köng, König, Küng. 78 Tokens. Typ Herzog: Herzig, Herzog. 54 Tokens. Typ Kaiser: Kaiser, Kayser, Keiser. 43 Tokens. Sonstige: Edel, Edelmann, Fürst, Guntli, Halbedel, Halbritter, Junker, Prinz. 8 Types, 29 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 521: Daten zur ersten Karte {502} Detailangaben zur Namenauswahl: 5 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Der FamN Edel gehört zum Adjektiv mhd. edel(e) ‘von gutem Geschlecht, adelig, edel’; konkurrierend kann der Name auch als Patronym zu einer Kurzform eines zweigliedrigen Ruf N wie Adalbert erklärt werden, wobei der erste Bestandteil auf dasselbe Adjektiv zurückgeht. • Der FamN Guntli ist wohl eine schweizerdeutsche Diminutivbildung zu rätorom. cunt ‘Graf ’ (Stricker 1992: 44); als konkurrierende Deutung nimmt das RNB 3 (1986: 174) ein Patronym basierend auf ahd. gund ‘Krieg’ an. • Der FamN Halbedel beruht auf fnhd. halbedel ‘von nicht vollkommen edler Geburt’ (weil ein Elternteil nicht-adelig ist). Ähnlich motiviert ist Halbritter zu mhd. halpritter ‘nicht vollkommener Ritter; Mann von schlichterAbkunft, der Ritterdienste tut oder nach Ritterart lebt’. Karte 502: ÜberN mit Bezug zum Adel, vor 1800 4 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 5 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1036 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="415"?> • Der FamN Junker ist eine kontrahierte Form aus mhd. junc und mhd. herre und steht zuerst für einen jungen Herrn oder einen jungen (noch nicht Ritter gewordenen) Adeligen. Im Frühneuhochdeutschen wird junker nach wie vor neutral verwendet, aber «auch ironisch auf Personen niederen Standes bezogen» (e-FWB 2017 ff.: s. v. junker). • Die FamN Koenig, Köng, König zeigen Senkung gegenüber ihrem Pendant Küng (alle zu mhd. künic, künec, künc ‘König’). 6 Die Bildungstypen, die in den FamN vorkommen, sind: l-Diminutive (Gräflein, Guntli), Formen mit schwachem Genitiv (Graven) und Suffigierungen mit -mann (Edelmann). Daneben figurieren Simplizia (Graf , König). Das Lexem Herzog ist diachron ein Kompositum aus germ. *harja- ‘Heer’ und germ. *tuhan-, tugan- ‘Führer’ (EtymWB 1993a: s. v. Herzog). 7 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass FamN mit Bezug zum Adelsstand vornehmlich im Mittelland auftreten. Dabei formen sich je nach Typ unterschiedliche Gebiete: Der Typ Küng dominiert im Berner Mittelland, im Entlebuch (LU) und im Kanton Glarus. Im Toggenburg (SG) bildet der Typ Kaiser einen Schwerpunkt. Im bernischen Oberaargau, im Fricktal (AG) sowie am Südufer des Untersees (TG) überwiegt der Typ Herzog. Der mit Abstand häufigste FamN im vorliegenden Sample ist Graf (80 Tokens), 8 der zudem mit fünf weiteren (Schreib-)Varianten ein breites Formenspektrum aufweist. Sein Vorkommen streut vom Berner Oberland über die Region Willisau (LU) bis in den Nordwesten sowie vermehrt auch in den Nordosten (ZH, SG). Wenige bis keine Vorkommen kennzeichnen die Zentralschweiz (SZ, OW, UR) sowie den Kanton Wallis, aber auch Gebiete in den Kantonen Solothurn, Aargau und Zürich haben keinen Anteil an der vorliegenden Motivgruppe. 6 Vgl. Artikel I-1.8 «Senkung von mhd. i, u, ü». 7 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 8 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen 1037 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="416"?> Zweite Karte {503}: Übernamen mit Bezug zum Klerus Namenauswahl: Die zweite Karte gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die semantisch in das Wortfeld des Klerus gehören. Die FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert und nach absteigender Tokenfrequenz der Namengruppen kartiert. Abgefragte Namen Typ Bischof : Bischof , Bischoff , Byschof . 33 Tokens. Typ Bapst: Babst, Bapst, Bobst, Pabst. 12 Tokens. Typ Pfäffli: Pfaff , Pfaffen, Pfäffli. 10 Tokens. Typ Abt: Abt, Abbt. 8 Tokens. Typ Münch: Mönch, Münch. 6 Tokens. Typ Pfarrer: Pfarrer. 2 Tokens. Typ Tempelmann: Tempelmann. 1 Token. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 522: Daten zur zweiten Karte {503} Detailangaben zur Namenauswahl: Die FamN Pfaff , Pfaffen, Pfäffli gehen auf das Lexem Pfaff (entlehnt aus griech. papā´ s (παπᾶς) ‘niederer Geistlicher’) zurück, das ursprünglich den Geistlichen benannte. Die Denotation war bis zur Reformation neutral, erst danach wird das Wort negativ verwendet (EtymWB 1993b: s. v. Pfaffe). Gemäss Id. 5 (1881 ff.: Sp. 1061) konnte auch eine weltliche Person so bezeichnet werden, wenn sie sich durch Bildung oder eine andere Fertigkeit auszeichnete. Der nur in der Stadt Zürich (ZH) belegte FamN Tempelmann nimmt wohl Bezug auf eine Anstellung bei einer Kirche wie dem Fraumünster oder dem Grossmünster (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 163). Konkurrierend kann eine Benennung für einen Lehensmann des Templerordens vorliegen, allenfalls ist der Name auch scherzhaft für einen Priester zu verstehen (Id. 4 1881 ff.: Sp. 281). Der Form nach handelt es sich bei den ausgewählten FamN um l- Diminutive (Pfäffli) und Suffigierungen mit -mann (Tempelmann), daneben kommen v. a. Simplizia (Bischof , Babst) vor. Der FamN Mönch zeigt Senkung gegenüber seinem Pendant Münch (zu mhd. münech ‘Mönch’). Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass FamN mit Bezug zum Klerus vorrangig in der nördlichen Deutschschweiz auftreten. Manche der Typen bilden kleinräumige Areale: Der Typ Bischof ist in verschiedenen Kantonen alteingesessen, bildet aber ein Zentrum südlich des Bodensees (AI, SG, TG). Der Typ Bapst kommt v. a. in der Stadt Freiburg (FR) und in ihrer Umgebung sowie in drei solothurnischen Gemeinden vor. Der Typ Abt findet sich einerseits in Basel-Landschaft, andererseits gehäuft im südöstlichen Teil des Kantons Aargau (Freiamt). Ob das Auftreten mit einem ehemals wichtigen Kloster (z. B. Kloster Muri im Aargau) oder einem kirchlichen Verwaltungsgebiet (e-HLS 2008: s. v. Konstanz (Fürstbistum)) in der jeweiligen Region zusammenhängt, kann ohne historische Karte 503: ÜberN mit Bezug zum Klerus, vor 1800 1038 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="417"?> Zusammenhänge nicht beantwortet werden. Für Graubünden hält das RNB 3 (1986: 641) beim FamN Bischof jedoch fest, dass ein Bezug zu Besitzungen des Bischofs von Chur möglich sei, denn «tatsächlich ist der F[am]N hauptsächlich im alten bischöf lichen Churrätien nachzuweisen». Dritte Karte {504}: Übernamen mit Bezug zum Dritten Stand Namenauswahl: Für die dritte Karte wurden jene FamN aus der Schicht «vor 1800» identifiziert, die semantisch in das Wortfeld des Dritten Standes gehören. Dabei können zwei Gruppen unterschieden werden: einerseits FamN, die auf den freien Bauern Bezug nehmen, andererseits FamN, die auf den unfreien Bauern referieren. Für die Namenauswahl wurden die Selektionskriterien eher weit gefasst; auch weniger metaphorische Fälle (s. Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung») wurden eingeschlossen. Abgefragte Namen Typ Frei: Frei, Freimann, Frey, Freymann, Fry, Frymann. 6 Types, 238 Tokens. Typ Eigen: Eigenheer, Eigensatz. 7 Tokens. Typ Eigenmann: Eigenmann. 5 Tokens. Typ Frau: Freuler, Freyler. 6 Tokens. Typ Leibundgut: Leibundgut. 9 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 523: Daten zur dritten Karte {504} Detailangaben zur Namenauswahl: Zu den ÜberN, die auf den freien Bauern Bezug nehmen, gehören v. a. diejenigen des Typs Frei: Sie beruhen auf schwzdt. Frī ‘freier Mann,Vollfreier’, i. d. R. mit Bezug auf die rechtliche Stellung als Freibauer (Id. 1 1881 ff.: Sp. 1256; RNB 3 1986: 673). 9 Zur gesellschaftlichen Vielschichtigkeit der Freien und deren Entwicklung unter historischer Perspektive vgl. e-HLS (2015: s. v. Freie). Aufgenommen wurden auch die zwar bedeutungsähnlichen, aber im Gebrauch wohl weniger metaphorisch motivierten FamN Eigenheer und Eigensatz ‘auf eigenem Grund sitzender Mann bzw. Herr’, welche beide StandesN für den Besitzenden sind (Brechenmacher 1 1957-1963: 389). Beide genannten Namengruppen bilden semantisch einen Gegensatz zu Dienstleuten und Leibeigenen, zu denen die weiteren kartierten FamN gehören. Dies ist einmal der FamN Eigenmann, der auf mhd. eigenman ‘Dienstmann, Höriger’ zurückgeht. Auch dieser FamN ist nicht metaphorisch, sondern im eigentlichen Wortsinn zu erklären. Die FamN Freuler, Freyler nehmen Bezug auf eine spezifische Form von Abhängigkeit: Sie sind von mhd. Karte 504: ÜberN mit Bezug zum Dritten Stand, vor 1800 9 Im Rätoromanischen findet sich dieses Motiv im FamN Liver zu alträtorom. *liver ‘frei’ (RNB 3 1986: 673). 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen 1039 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="418"?> vrouwe ‘Herrin, Gebieterin, besonders Jungfrau Maria’, nhd. Frau abgeleitet und benennen eine Person im Dienste oder in der Leibeigenschaft eines Frauenklosters oder einer Kirche, die der Jungfrau Maria gewidmet war. Schliesslich bezeichnet Leibundgut - gebildet aus mhd. līp ‘Leib’ und mhd. guot ‘Gut’ - denjenigen, der sich als Person an einen fremden Haushalt verdingt hat (Brechenmacher 2 1957-1963: 166). Die Bildungstypen, die in der vorliegenden Namenauswahl vorkommen, sind Suffigierungen mit -ler (Freuler) resp. -mann (Freimann), Komposita (Eigenheer) und Zusammenrückungen (Leibundgut), daneben figurieren Simplizia (Frei, Fry). Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass FamN zu schwzdt. Frī den häufigsten Typ des Samples darstellen. Sie treten verdichtet ostwärts ab einer Linie Basel-Luzern auf; als Ballungsräume können entsprechend die Nordwestschweiz und die Nordostschweiz beschrieben werden. Westlich dieser Linie (SO, BE, FR) sowie in der Zentralschweiz kommt der Namentyp ebenfalls vor, aber nicht in dieser Häufigkeit. Der FamN Eigensatz clustert im Wahlkreis Willisau (LU); daneben kommt er an 2 Ortspunkten im Aargau vor. Eigenheer erscheint lediglich in Kleinandelfingen (ZH), wo der Name zusammen mit Frei und Frey auftritt. FamN für Unfreie zeigen in der Tendenz kleinräumige Strukturen: So clustert Eigenmann im Thurgau, Freuler in Glarus (neben Basel BS und Schaffhausen SH) und Leibundgut im bernischen Oberaargau und im daran angrenzenden Emmental (BE). Vierte Karte {505}: Typ Graf, Typ Bischof und Typ Frei kontrastiv Namenauswahl: Die vierte Karte gilt dem jeweils frequentesten Typ aus den ersten drei Karten. Hier werden also die häufigsten FamN mit Bezug zum Adel (Typ Graf ), zum Klerus (Typ Bischof ) und zum Dritten Stand (Typ Frei) einander gegenübergestellt. In Ergänzung zu den Einzelkarten wird das Verbreitungsgebiet dieser drei Namentypen verglichen, um neben den räumlichen auch die quantitativen Verhältnisse offenzulegen. Abgefragte Namen Typ Graf : Graf , Graff , Gräflein, Gräflin, Graven, Gröflin. 6 Types, 85 Tokens. Typ Bischof : Bischof , Bischoff , Byschof . 33 Tokens. Typ Frei: Frei, Freimann, Frey, Freymann, Fry, Frymann. 6 Types, 238 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 15-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-60, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 524: Daten zur vierten Karte {505} Karte 505: Typ Graf, Typ Bischof und Typ Frei kontrastiv, vor 1800 1040 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="419"?> Detailangaben zur Namenauswahl: S. die Beschreibungen bei den vorhergehenden Karten. Kommentar: Die vierte Karte zeigt in Ergänzung zur dritten Karte noch einmal sehr deutlich, dass von den drei Ständebezeichnungen jene mit Bezug auf freie Bauern am häufigsten vorkommen. Der Typ Frey, Freye, Frei ist im deutschen Bundesland Baden-Württemberg ebenfalls frequent (vgl. Karte 13 im DFA 5 2016: 28) und bildet mit der Schweiz einen Namenraum im Südwesten des deutschen Sprachgebiets. In der Schweiz sind die Namen Frei und Frey hochfrequent und zählen gegenwärtig zu den 50 häufigsten FamN (BFS 2025: STATPOP 2024). 10 Dies lässt darauf schliessen, dass es zur Zeit der Familiennamenentstehung einen hohen Anteil nicht-höriger Bauern gab (Kunze 2004: 199). Man könnte argumentieren, dass ÜberN mit Bezug auf Adel und Klerus i. d. R. metaphorisch sind und diese Benennung eher gelegentlich vorkam, wohingegen in ÜberN vom Typ Frei wohl meist wörtlich gemeinte Ursprünge zum Bauerstand zu finden sind. Dies unterstreicht auch die im Abschnitt «Gegenstand und Fragestellung» angeführte Tatsache, dass der grösste Teil der Bevölkerung zum Dritten Stand zählte. Die Typen Graf und Bischof treten im Gesamtbild lediglich im Südwesten (Berner Oberland) und im Nordosten (beide Appenzell, nördliches St. Gallen sowie Thurgau) deutlich hervor. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Der jeweils häufigste FamN pro Stand ist im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Graf (12'393 Tokens) mit Bezug zum Adel, Bischof (3'227 Tokens) mit Bezug zum Klerus und Frei (13'758 Tokens) mit Bezug zum Dritten Stand. Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 5 (2016: 27-30) werden im Kapitel «Landwirtschaft» auf der Karte 13 die FamN Frey, Freye, Frye kartiert. Ferner werden im Kapitel «Biographische Merkmale» im Abschnitt «personale Beziehungen» auf den Karten 400-401 (DFA 5 2016: 1019-1027) FamN zu den Lexemen König und Kaiser dargestellt sowie weitere FamN wie Bischof , Fürst, Prinz besprochen (ohne Kartierung). Im DFA 1 (2009: 48-57) gelten die Karten 21-23 dem Tonvokal in Graf . Vgl. auch den Abschnitt zu Kaiser und König inklusive Kartierung in Nübling/ Kunze (2023: 447-448). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Bach, Adolf (1952): Deutsche Namenkunde. Bd. I, 1: Die deutschen Personennamen. Einleitung. Zur Laut- und Formenlehre, Wortfügung, -bildung und -bedeutung der deutschen Personennamen. 2., stark erweiterte Auf lage. Heidelberg: Winter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. BFS = Bundesamt für Statistik (2025): STATPOP 2024. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Sprachregion für das Jahr 2024. https: / / www.bfs.admin.ch/ asset/ de/ 36062364 (letzter Zugriff 01.09.2025). Brechenmacher, Josef K. (1957-1963): Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2 Bde. 2., von Grund auf neugearbeitete Auf lage. Limburg a. d. Lahn: Starke. DFA 1 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2009): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 1: Graphematik/ Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus. Berlin, New York: De Gruyter. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-FWB = Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (2017 ff.): junker. Online-Version des Frühneuhochdeutschen Wörterbuches (FWB). https: / / fwb-online.de/ go/ junker.s.0m_1741127050 (letzter Zugriff 01.09.2025). e-HLS = Bischof, Franz X. (2008): Konstanz (Fürstbistum). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008561/ 2008-10-28/ (letzter Zugriff 11.11.2024). e-HLS = Della Casa, Philippe et al. (2015): Bauern. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016370/ 2015-07-28/ (letzter Zugriff 11.11.2024). e-HLS = Loetz, Francisca (2013): Ständische Gesellschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 009928/ 2013-01-10/ (letzter Zugriff 11.11.2024). e-HLS = Luminati, Michele (2015): Freie. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008968/ 2015-03-18/ (letzter Zugriff 11.11.2024). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993a): Herzog. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www.dwds.de/ wb/ etymwb/ Herzog (letzter Zugriff 11.11.2024). EtymWB = Pfeifer, Wolfgang et al. (1993b): Pfaffe. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. https: / / www. dwds.de/ wb/ etymwb/ Pfaffe (letzter Zugriff 11.11.2024). e-WSK = Kohlheim, Rosa (2022a): Übername. Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. https: / / www.degruyter.com/ database/ WSK/ entry/ wsk_id70c89dfc-b5e6-4a6c-8143-01cdf6c98138/ html (letzter Zugriff 11.11.2024). e-WSK = Kohlheim, Rosa (2022b): Berufsname. Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. https: / / www.degruyter.com/ database/ WSK/ entry/ wsk_id969dd2c2-0c5f-4933-9d2b-296c7a7954da/ html (letzter Zugriff 11.11.2024). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 11.11.2024). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. 10 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 5.7 Übernamen nach Standesbezeichnungen 1041 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="420"?> Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa (2011): Hammer, Stahl und Mehlhose: Berufsnamen oder Übernamen? In: Ziegler, Arne/ Windberger Heidenkummer, Erika (Hrsg.): Methoden der Namenforschung. Methodologie, Methodik und Praxis, 245-254. Berlin: Akademie. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Nübling, Damaris/ Fahlbusch, Fabian/ Heuser, Rita (2015): Namen. Eine Einführung in die Onomastik (Narr Studienbücher). 2., überarbeitete und erweiterte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. Stricker, Hans (1992): Romanische Personen- und Familiennamen im Südteil des Kantons St. Gallen, in Liechtenstein und im Vorarlberger Oberland. Werdenberger Jahrbuch. Beiträge zu Geschichte und Kultur der Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald 5, 36-50. Simone Berchtold 1042 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="421"?> 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft Schlagwörter: Heiratsverwandtschaft, Kernfamilie, weitere Verwandtschaft Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel widmet sich Deutschschweizer FamN, deren Lexeme gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 18.09.2024; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») zum semantischen Feld der Verwandtschaft gehören. Bei Verwandtschaft handelt es sich um ein relationales Merkmal bezogen auf die jeweiligen familialen Lebensumstände der Benannten (e-WSK 2022: s. v. Übername). Somit sind diese Namen Teil der biographisch motivierten ÜberN. 1 Zum vorliegenden Artikel zählen FamN, die einerseits auf Lexeme aus dem Wortfeld 1. der Kernfamilie (z. B. Bruder), 2. der weiteren Verwandtschaft (z. B. Eheim ‘Onkel mütterlicherseits’) und 3. der Heiratsverwandtschaft (z. B. Bräutigam) zurückgehen (Nübling et al. 2017: 168-169). Andererseits werden im Folgenden auch FamN abgebildet, deren Lexeme diesen Bereich metaphorisch besetzen wie Spross oder Stamm für einen männlichen Nachkommen, aber auch Adjektive wie Jung und Alt, die im Kontext der FamN die Vater-Sohn-Beziehung spiegeln können. Kunze (2004: 151) nimmt an, dass sich viele dieser Namen aus der vertraulichen Anrede entwickelt haben. Zu den letztgenannten bemerkt Kunze (2004: 139): «Viele Übernamen dürften urspr[ünglich] auch nur relativ gemeint gewesen sein, um z. B. einen älteren Hans von einem jüngeren Hans zu unterscheiden, wobei der Alt nicht bes. alt, der Jung nicht bes. jung zu sein brauchte». Auch wenn das Lexem und somit die Etymologie der meisten ÜberN ermittelt werden kann, so ist «die Eruierung der Motivation jedoch nur selten möglich» (Kohlheim 2011: 248). Zudem sind die zugrunde liegenden Lexeme bereits polysem, was das Aufdecken der Namenmotivation zusätzlich erschwert. Zum Wortfeld der Verwandtschaft in den schweizerdeutschen Mundarten vgl. im SDS IV (1969) die Karten 117-148; zur historischen Einbettung der Ehe und der Hochzeit s. die Ausführungen im e-HLS (2013: s. v. Ehe; 2013: s. v. Hochzeit). Die erste Karte gibt einen Überblick über das Gesamtphänomen, bevor die folgenden Karten jeweils eine Teilmenge davon unter einem bestimmten Aspekt darstellen: Die zweite Karte unterscheidet FamN nach Lexemen aus dem Wortfeld der Kernfamilie, der weiteren Verwandtschaft und der Heiratsverwandtschaft; es werden somit Verwandtschaftsgrad resp. Verwandtschaftstyp unterschieden. Die dritte Karte widmet sich jenen ÜberN, die auf den Adjektiven mhd. alt, junc und minner beruhen, während die vierte Karte FamN behandelt, die den Bereich der Verwandtschaft metaphorisch abdecken. 1 Für weitere FamN nach biographischen Merkmalen vgl. Artikel III-5.9 «Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten». 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft 1043 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="422"?> Erste Karte {506}: Gesamtkarte Namenauswahl: Die erste Karte bildet alle einschlägigen ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB) 2 ab, die sich semantisch auf Verwandtschaft zurückführen lassen. Abgefragte Namen ÜberN nach Verwandtschaft, vor 1800: Alt, Bräutigam, Bruder, Bruderer, Brüderlein, Brüderli, Brüderlin, Brudermann, Buob, de Techtermann, Eheim, Eidam, Etter, Etterli, Etterlin, Freund, Gutersohn, Jung, Jungen, Jungi, Jungo, Jungsten, Keim, Keist, Keust, Kid, Kihm, Kim, Kind, Kindschi, Kyd, Kym, Maag, Minder, Minger, Münger, Naef , Naeff , Näf , Näff , Nef , Neff , Neffen, Oederlin, Oehen, Poo, Pua, Schwager, Schwestermann, Spross, Stamm, Techtermann, Tochtermann, Vetter, Vetterli. 55 Types, 260 Tokens. Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-60, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 525: Daten zur ersten Karte {506} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 In Tabelle 526 werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen einiger Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. Da bei manchen der Begriffe eine Generalisierung der Bedeutung eingetreten ist (z. B. bei Näf und Vetter), kann der Grad der Verwandtschaft nicht genauer bestimmt werden. FamN Etymologie Konkurrierende (Be-)Deutungen, Anmerkungen Buob, Poo, Pua mhd. buobe ‘Knabe, Diener’, schwzdt. (älter) ‘Sohn’; Poo, Pua zu tirolisch Bua, Pua (RNB 3 1986: 636) ‘Knecht; Bursche in dienender Stellung’ Karte 506: ÜberN nach Verwandtschaft gesamt, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1044 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="423"?> FamN Etymologie Konkurrierende (Be-)Deutungen, Anmerkungen Eheim, Oehen mhd. œheim(e) ‘Mutterbruder’, ‘Schwestersohn, Neffe’, ‘Verwandter allgemein’, schwzdt. Öchi, Öhi, Ehi ‘Oheim, Onkel mütterlicherseits’ Das Lexem besitzt bereits im Mittelhochdeutschen ein breites Bedeutungsspektrum und kann zudem als vertraulich ehrende Anrede gebraucht werden. Eidam mhd. eidem ‘Schwiegersohn, Schwiegervater’, fnhd. eidam ‘angeheirateter männlicher Verwandter’ schwzdt. (älter) Äde ‘Vaterbruder’ Etter, Etterli, Etterlin, Oederlin schwzdt. (älter) Etter, Ätter ‘Oheim (Bruder des Vaters); Vetter’ mhd. ëter, schwzdt. Etter ‘Zaungef lecht; Gemeindebezirk; Torgatter’ Keim, Kihm, Kim, Kym mhd. kīm(e) ‘Keim, Spross, Sprössling’ für den Nachkommen Bezug auf Kleinheit oder Zartheit des ersten Namenträgers Keist, Keust schwzdt. Cheist ‘Keim, Zweig’, auch ‘Same von Menschen und Tieren’ für den Nachkommen Bezug auf Kleinheit oder Zartheit des ersten Namenträgers Kid, Kyd mhd. kīde, kīt ‘Schössling, Spross’, auch ‘Keim’ Bezug auf Kleinheit oder Zartheit des ersten Namenträgers Maag mhd. māc, māge ‘Blutsverwandter in der Seitenlinie’ So bereits 1247 in Zürich belegt (Baumgartner 1983: 311) Minder, Minger, Münger mhd. minner ‘kleiner an Grösse, geringer an Zahl’ Speziell im Berndeutschen - aber auch in anderen Mundarten der Deutschschweiz - bedeutet es ‘jüngerer/ jüngster Sohn’, der (vielleicht) den väterlichen Hof erbt (Sommer 1944: 48; Christen 1998: 374; e-HLS 2006: s. v. Erbrecht). Naef , Naeff , Näf , Näff , Nef , Neff , Neffen mhd. nëve, nëf ‘Neffe, Schwestersohn, Mutterbruder’, im weiteren Sinne auch ‘Verwandter allgemein’ Das Lexem hat sich teilweise zu einem allgemeinen Begriff für ‘Verwandter’ entwickelt. Vetter, Vetterli mhd. veter(e) ‘Vaterbruder, Vetter’, schwzdt. (älter) ‘Onkel’ resp. ‘männlicher Verwandter allgemein’ Das Lexem hat sich teilweise zu einem allgemeinen Begriff für ‘Verwandter’ entwickelt. Tabelle 526: Etymologien ausgewählter FamN Die Bildungstypen, die in den FamN vorkommen, sind: Bildungen mit schwachem Genitivsuffix (Neffen), Suffigierung mit patronymischem -er (Bruderer), Erweiterung mit der Endung -o (Jungo), f lektierte Adjektivformen (Jungsten), l-Diminutive (Etterli, Oederlin), Suffigierungen mit -mann (Schwestermann), syntaktische Zusammenrückung (Gutersohn), FamN mit Präposition (de Techtermann), Ableitung auf -i (Jungi) sowie Simplizia (Bruder, Kim). 4 Kommentar: Die erste Karte zeigt, dass ÜberN mit Bezug zu Verwandtschaft in grossen Teilen der Deutschschweiz auftreten und auch Streubelege in der französisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz zu finden sind. Im Mittelland zeigt sich der Nordosten mit den Kantonen Thurgau, St. Gallen und den beiden Appenzell als Gebiet mit deutlich mehr Vorkommen als andere Regionen. Der mit Abstand häufigste FamN ist Näf , 5 der zudem mit sechs weiteren (Schreib-)Varianten ein breites Formenspektrum aufweist. Wenige bis keine Vorkommen kennzeichnen die Zentralschweiz sowie den Südwesten der Deutschschweiz (Berner Oberland, VS). 4 Vgl. die Artikel II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.9 «Patronymische, metronymische Suffixe -mann und -er, -ler, -ner», II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o», II-1.2 «Flektierte Adjektivformen», II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-4.2 «Zusammenrückungen mit nominalen und adjektivischen oder adverbialen Bestandteilen», II-3.6 «Familiennamen von Patriziergeschlechtern mit von und de» sowie II-2.12 «Variation Typ -er, Typ -li, Typ -i und unerweiterte Formen bei Übernamen». 5 Vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft 1045 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="424"?> Zweite Karte {507}: Übernamen nach Kernfamilie, weiterer Verwandtschaft und Heiratsverwandtschaft Namenauswahl: Für die zweite Karte wurde eine Teilmenge der ersten Karte semantisch weiter differenziert und kontrastiv dargestellt: Konkret wurde unterschieden, ob der FamN auf ein Lexem aus dem Bereich 1. der Kernfamilie, 2. der weiteren Verwandtschaft oder 3. der Heiratsverwandtschaft zurückgeht. Abgefragte Namen ÜberN zur Kernfamilie: Bruder, Bruderer, Brüderlein, Brüderli, Brüderlin, Brudermann, Buob, Gutersohn, Kind, Kindschi, Poo, Pua. 12 Types, 33 Tokens. ÜberN zur weiteren Verwandtschaft: Eheim, Etter, Etterli, Etterlin, Freund, Maag, Naef , Naeff , Näf , Näff , Nef , Neff , Neffen, Oederlin, Oehen, Vetter, Vetterli. 17 Types, 148 Tokens. ÜberN zur Heiratsverwandtschaft: Bräutigam, de Techtermann, Eidam, Schwager, Schwestermann, Techtermann, Tochtermann. 7 Types, 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-60, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 527: Daten zur zweiten Karte {507} Detailangaben zur Namenauswahl: Bei der gewählten Zuordnung wird auf biologische und nicht-biologische Verwandtschaft Bezug genommen (vgl. e-HLS 2013: s. v. Verwandtschaft): Während Kernfamilie, weitere Verwandtschaft und metaphorischer Gebrauch wie Spross für die biologische Zugehörigkeit stehen, sind in der Gruppe der Heiratsverwandtschaft Lexeme enthalten, die auf nicht-biologische Verwandtschaft schliessen lassen. Zu Etymologien vgl. die Detailangaben bei der ersten Karte. Das Wortfeld der Kernfamilie wird durch folgende sechs Lexeme etabliert: Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn und Tochter (Nübling et al. 2017: 168), von denen die meisten keinen Eingang in den Deutschschweizer Familiennamenbestand der Schicht «vor 1800» gefunden haben. Das Lexem Bub gehört zwar nicht zur Kernfamilie, die Bedeutung ist aber im älteren Schweizerdeutschen ebenfalls ‘Sohn’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 926), weshalb die darauf basierenden ÜberN Buob, Poo und Pua hier berücksichtigt werden. Ähnlich verhält es sich mit den FamN Kind und Kindschi, die auf mhd. kint zurückgehen, welches ‘Kind allgemein’, aber auch ‘Sohn, Tochter’ bedeuten kann; denkbar ist allerdings auch der Bezug auf eine junge, unerfahrene oder kindische Person. Beim Lexem Bruder ist neben dem biologischen Namenmotiv auch eine Referenz auf einen Klosterbruder oder ein Mitglied einer anderen Bruderschaft denkbar. Die weitere Verwandtschaft umfasst FamN wie Näf oder Vetter zu Lexemen, die Blutsverwandte jenseits der Kernfamilie benennen. Der FamN Freund Karte 507: ÜberN nach Verwandtschaft kontrastiv, vor 1800 1046 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="425"?> zu mhd. vriunt wird ebenfalls hier eingereiht, denn Letzteres bedeutet neben ‘Freund, Geliebter’ auch ‘Verwandter’ (Lexer 3 1872-1878: Sp. 526; Id. 1 1881 ff.: Sp. 1304). In der Gruppe der Heiratsverwandtschaft schliesslich werden FamN berücksichtigt, die in ihrem Wortmaterial auf die Schliessung der Ehe hindeuten wie Bräutigam (zu mhd. briutegome ‘Neuvermählter, Bräutigam, Mann der Braut’), Schwestermann (zu mhd. swësterman ‘Mann der Schwester’) oder Tochtermann (zu mhd. tohterman ‘Schwiegersohn’, auch ‘Stiefsohn’). Kommentar: ÜberN, die auf das Wortfeld der weiteren Verwandtschaft zurückgehen, stellen die grösste Gruppe der zweiten Karte dar. Hier ist der bereits erwähnte FamN Näf mit seinen Varianten zu nennen; er tritt in vielen Deutschschweizer Kantonen (AG, AR, GR, LU, SG, SO, SZ, TG, ZH) auf und zeigt dabei einen Schwerpunkt im Nordosten (SG, AI, AR). Nur wenige FamN gehen auf ein Lexem zur Bezeichnung der Kernfamilie zurück: Diese häufen sich ebenfalls in den nordöstlichen Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Es treten in diesem Gebiet gehäuft, aber nicht exklusiv die FamN Bruderer und Buob auf. Nur in Graubünden kommen die FamN Kind (Chur) und Kindschi (Davos) vor; letzterer ist formal ein walserischer Diminutiv (SDS III 1975: Karte 149). Noch seltener ist Heiratsverwandtschaft im Familiennamenbestand der Deutschschweiz auszumachen. Im Thurgau erscheint ein Namennest mit dem FamN Schwager. Aus semantischer Perspektive kann festgehalten werden, dass in den kartierten FamN i. d. R. auf männliche Personen Bezug genommen wird (vgl. u. a. Schwager oder Tochtermann). 6 6 Zum Verhältnis von Geschlecht und FamN vgl. Abschnitt 6.3 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz». 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft 1047 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="426"?> Dritte Karte {508}: Typ Jung, Typ Minder und Typ Alt Namenauswahl: Für die dritte Karte wurden jene FamN aus der ersten Karte ausgewählt, die das Element mhd. junc ‘jung’ bzw. mhd. alt ‘alt’ enthalten. Fähndrich (2000: 211) merkt an, dass Jung häufig auftritt, «um zwei Generationen einer Familie auseinanderzuhalten». Ähnliches hält Heer (2024: 141) für urbarielle Aufzeichnungen im Kanton Bern fest: «Diese Zusätze dienen hauptsächlich der Unterscheidung zwischen zinspf lichtigen Personen mit gleichem Namen, die zur selben Familie gehören und gemeinsam an derselben Stelle im Urbar aufgeführt sind». Da der Vater und traditionell meist der älteste Sohn den gleichen Ruf N trugen, konnten sich diese Adjektive als unterscheidende BeiN verfestigen. Der Typ Minder wird hier ebenfalls aufgenommen, da er in der Schweiz den jüngsten Sohn benennt und v. a. dort entstanden sein dürfte, wo das Jüngstenerbrecht (Minorat) in Kraft war. 7 Dieses Jüngstenerbrecht galt in der Schweiz im «Weiler- und Einzelhofgebiet von der Nordostschweiz bis in die bernische Waadt» (e-HLS 2006: s. v. Erbrecht). Abgefragte Namen Typ Jung: Jung, Jungen, Jünger, Jungi, Jungo, Jungsten. 6 Types, 28 Tokens. Typ Minder: Minder, Minger, Münger. 16 Tokens. Typ Alt: Alt. 6 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 5-65, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 528: Daten zur dritten Karte {508} Detailangaben zur Namenauswahl: Etymologische Angaben finden sich bei den Detailangaben zur ersten Karte. Der Typ Jung tritt formal in der Grundform (Jung), als schwacher Genitiv (Jungen), mit der Endung -i (Jungi) und -o (Jungo) sowie in f lektierter Form (Jünger, Jungsten) auf. Die FamN zu mhd. minner zeigen gegenüber der mittelhochdeutschen Ausgangsform Dissimilation von nn > nd (Minder) sowie z. T. - die für das Berndeutsche typische - Velarisierung von nd > ng (Minger, Münger) und bei Münger zusätzliche Rundung von i > ü. 8 Karte 508: Typ Jung, Typ Minder und Typ Alt, vor 1800 7 Vgl. dazu im e-HLS (2006: s. v. Erbrecht): «Das im Einzelhofgebiet verbreitete Jüngstenerbrecht (Minorat) diente der Bewahrung einer wirtschaftlichen Hofgrösse, das v. a. im Adel und ab dem 16. Jahrhundert im Patriziat praktizierte Ältestenerbrecht (Majorat; Fideikommiss) der Herrschafts- und Vermögenserhaltung». 8 Vgl. die Artikel II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe», II-2.14 «Germanisches Grundwort mit Suffix -o», II-1.2 «Flektierte Adjektivformen», I-2.2 «Assimilationen und Dissimilationen» und I-1.6 «Rundung». 1048 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="427"?> Kommentar: FamN vom Typ Jung finden sich vornehmlich in der westlichen Deutschschweiz (BE, FR), im Kanton Luzern und im südlichen Aargau sowie vereinzelt im Nordosten. Auch der Typ Minder tritt v. a. im nördlichen Kanton Bern sowie im luzernischen Entlebuch auf. Es handelt sich dabei um Gebiete mit Einzelhofsiedlung, in denen das beschriebene Jüngstenerbrecht gilt (e-HLS 2005: s. v. Entlebuch (Vogtei, Amt)). Es ist auffallend, dass der Typ Jung gut viermal häufiger belegt ist als der FamN Alt. Dies deckt sich mit den Beobachtungen für Deutschland im DFA 5 (2016: 1002): «Da bei Gleichnamigkeit von Vater und Sohn meist der Junior, seltener (auch) der Senior als solche markiert werden (Hans (Vater) vs. Hans der Junge (Sohn)), tritt Typ Jung etwa siebenmal häufiger als Typ Alt auf». Ramseyer (unveröffentlicht) bemerkt zusätzlich zu dieser Praxis, dass die Unterscheidung alt - jung bei Frauen selten gemacht werde. Dies unterstreicht im Allgemeinen den Aspekt, dass Frauen nicht zu den Benannten gehörten (vgl. Abschnitt 6.3 in der I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»). Vierte Karte {509}: Übernamen nach Verwandtschaft metaphorisch Namenauswahl: Ausgewählt wurden diejenigen FamN aus der ersten Karte, bei denen der Bezug zur Verwandtschaft über eine Metapher zustande kommt - so bspw. bei Stamm oder Keim, wo Lexeme aus dem botanischen Bereich als Bilder für verwandtschaftliche Zusammengehörigkeit verwendet werden. Abgefragte Namen Typ Keim: Keim, Kihm, Kim, Kym. 7 Tokens. Typ Keist: Keist, Keust. 5 Tokens. Typ Kid: Kid, Kyd. 3 Tokens. Typ Spross: Spross. 1 Token. Typ Stamm: Stamm. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 529: Daten zur vierten Karte {509} Detailangaben zur Namenauswahl: Für Etymologien vgl. die Angaben zur ersten Karte. Formal treten die FamN in dieser Gruppe als Simplizia auf wie Spross zu mhd. sproz, sprozze ‘was hervorspriesst, Schössling’. Zu bedenken bleibt, dass bei denjenigen FamN, die metaphorisch von etwas Kleinem (Keim, Keist und Kid ) abgeleitet sind, auch jeweils Bedeutungskonkurrenz zu Kleinheit nicht ausgeschlossen werden kann. 9 Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass aus dieser Art der Benennung vergleichsweise wenige FamN entstanden sind, die zudem kein einheitliches Verbreitungsbild zeigen. Einzig der FamN Keist bildet ein Namennest im luzernischen Wahlkreis Willisau. Neben Spross Karte 509: ÜberN nach Verwandtschaft metaphorisch, vor 1800 9 Vgl. Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» (erste Karte). 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft 1049 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="428"?> (Ersigen BE) treten auch Keim (Bursinel VD), Keust (Härkingen SO) und Kid (Weesen SG) vor 1800 singulär auf. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Näf (3'817 Tokens), Etter (2'640 Tokens) und Minder (2'436 Tokens). In Bezug auf die dritte Karte sei auf den Artikel II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung» (sechste Karte) verwiesen, der zusammengesetzte FamN mit den Adjektiven gross und klein wie Grossniklaus oder Kleinjenni abbildet. Die Adjektive gross und klein können in diesen Bildungen dazu dienen, Personen mit demselben Ruf N aufgrund ihres Alters zu unterscheiden (z. B. Vater vs. Sohn). Der Aspekt des Alters kann auch in den simplizischen FamN Gross bzw. Klein zum Tragen kommen, vgl. dazu den Artikel III-5.1 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Gesamteindruck und Haare» (erste Karte). Vergleich mit benachbartem Ausland: Im DFA 5 (2016: 1000-1019) werden auf den Karten 393-399 FamN zu den Bereichen «Generationen» und «personale Beziehungen» dargestellt, darunter Jung und Alt (Karte 393), Vetter (Karte 396), Eheim und Varianten (Karte 397), Schwager (Karte 398) sowie Eidam und Varianten (Karte 399). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur Baumgartner, Xaver (1983): Namengebung im mittelalterlichen Zürich. Die alt- und mittelhochdeutschen Personennamen der Zürcher Überlieferung vom Jahr 1000 bis zum Jahr 1254 (Studia Onomastica Helvetica 1). Arbon: Historisch-Genealogischer Verlag. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Christen, Hans-Rudolf (1998): Emmentaler Geschlechter- und Wappenbuch. Münsingen, Bern: Fischer. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2013): Hochzeit. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 027286/ 2013-10-03/ (letzter Zugriff 04.07.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie/ Schnyder, Bernhard (2006): Erbrecht. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 009609/ 2006-10-23/ (letzter Zugriff 18.09.2024). e-HLS = Glauser, Fritz (2005): Entlebuch (Vogtei, Amt). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007510/ 2005-11-14/ (letzter Zugriff 18.09.2024). e-HLS = Head-König, Anne-Lise (2013): Ehe. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007975/ 2013-10-03/ (letzter Zugriff 04.07.2025). e-HLS = Kälin, Urs (2013): Verwandtschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016099/ 2013-02-25/ (letzter Zugriff 18.09.2024). e-WSK = Kohlheim, Rosa (2022): Übername. Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. https: / / www.degruyter.com/ database/ WSK/ entry/ wsk_id70c89dfc-b5e6-4a6c-8143-01cdf6c98138/ html (letzter Zugriff 18.09.2024). Fähndrich, Thomas (2000): Zuger Familiennamen. Entstehungsprozesse, Verfestigung, Bedeutungen (Beiträge zur Zuger Geschichte 14). Zug: Kalt- Zehnder. familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 18.09.2024). Heer, Martina (2024): Hanns Jm grund, ein sun Lienharts vff der Flu. Historische Personennamen - Benennungsformen, Benennungsvariation und Benennungspraktiken in Berner Urbaren des 16. Jahrhunderts. Universität Zürich. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa (2011): Hammer, Stahl und Mehlhose: Berufsnamen oder Übernamen? In: Ziegler, Arne/ Windberger Heidenkummer, Erika (Hrsg.): Methoden der Namenforschung. Methodologie, Methodik und Praxis, 245-254. Berlin: Akademie. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Lexer, Matthias (1872-1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/ 23. https: / / www.woerterbuchnetz.de/ Lexer (letzter Zugriff 18.09.2024). Nübling, Damaris et al. (2017): Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels (Narr Studienbücher). 5., aktualisierte Auf lage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Ramseyer, Rudolf J. (unveröffentlicht): Vorarbeiten zu einem Personennamenbuch des Kantons Bern. Unveröffentlichte Daten. Beruhend auf Urbaren hauptsächlich aus dem 16. Jh. Staatsarchiv Bern (N R. Ramseyer 15-22). RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. SDS III = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1975): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. III: Formengeographie. Bern: Francke. SDS IV = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1969): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. IV: Wortgeographie I: Der Mensch - Kleinwörter. Bern: Francke. 1050 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="429"?> Sommer, Hans (1944): Kleine Namenkunde. Unsere Familiennamen und Familienwappen im Spiegel der Kultur- und Sprachgeschichte. Bern: Haupt. Simone Berchtold 5.8 Übernamen nach Verwandtschaft 1051 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="430"?> 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten Schlagwörter: Ansässige, Ausbildung, Kreuzzug, Pilgerreise, Religion, Zeitpunkt, Zeitraum, Zuzug Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 30.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zu gesellschaftlichen Aspekten aufweisen. Aufgrund der Vielfalt der FamN wird eine Aufteilung auf zwei Artikel vorgenommen, die einerseits biographische und andererseits wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen - auch wenn diese in der namengebenden Gesellschaft oft ineinandergreifen. Im Artikel III-5.10 «Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten» werden FamN mit Bezug zu Achtung und Missachtung sowie Reichtum und Armut dargestellt; weiters werden ÜberN nach Münzeinheiten sowie nach dem Stand der Witwenschaft und dem Aspekt der Erbschaft kartiert. Hier interessieren dagegen FamN, die vorrangig mit gesellschaftlich-biographischen Merkmalen in Zusammenhang stehen. 1 Solche ÜberN können zweifach motiviert sein: Sie können von dauerhaften Merkmalen wie dem Wohnort abgeleitet sein oder durch vorübergehende Umstände wie eine Ausbildung oder eine Pilgerreise angestossen worden sein (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 38). Grundsätzlich kann die konkrete Motivation ohne Belege oder metasprachliche Äusserungen zum Entstehungskontext nicht mehr eruiert werden (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 158). Auf mögliche Motive resp. historische Eckpunkte wird bei den einzelnen Karten eingegangen. Die erste Karte behandelt ÜberN nach dem Gesichtspunkt der Ansässigkeit resp. des Zuzugs in örtliche Gemeinschaften. Der Aspekt der Ausbildung wird auf der zweiten Karte thematisiert. ÜberN nach Zeiträumen und Zeitpunkten wie Monats- oder Tagesbezeichnungen werden in der dritten Karte illustriert. Die vierte Karte geht auf FamN nach Pilgerreisen oder Kreuzzügen ein. Schliesslich bildet die fünfte Karte den FamN Jud ab, der aufgrund semantisch-lexikalischer Mehrdeutigkeit unterschiedlich beurteilt werden kann. 1 Ebenfalls Teil der Lebensgeschichte sind verwandtschaftliche Beziehungen; FamN, die diesen Bereich abdecken, werden im Artikel III-5.8 «Übernamen nach Verwandtschaft» behandelt. 1052 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="431"?> Erste Karte {510}: Übernamen für Ansässige und Zugezogene Namenauswahl: Die erste Karte gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die unter dem Aspekt der Ansässigkeit, des Zurückkehrens und des Zuzugs charakterisiert werden können. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Landmann: Lanthemann, Lanthmann. 3 Tokens. Typ Wiederkehr: Widerkehr, Wiederkehr. 18 Tokens. Typ Neukomm: Neukom, Neukomm, Nüchem. 10 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 530: Daten zur ersten Karte {510} Detailangaben zur Namenauswahl: 3 Die FamN des vorliegenden Samples umreissen semantisch den Eingesessenen und die Zugezogenen. Der Eingesessene kommt in den FamN Lanthemann, Lanthmann zum Ausdruck; diese gehen auf mhd. lantman, fnhd. landman ‘Einheimischer in seiner Eigenschaft als Rechtsbürger’, schwzdt. Landmann ‘Vollbürger’ (Id. 4 1881 ff.: Sp. 267) zurück. 4 Beim Zuzug können zwei Gruppen unterschieden werden: Einerseits jene, die wieder zurückkommen - vermutlich also Personen, die bereits ansässig waren und dann wegzogen oder berufsbedingt auf Wanderschaft 5 waren -, andererseits jene, die neu zuziehen, die also Migration durchliefen. Erstere Gruppe wird durch die FamN Widerkehr, Wiederkehr ‘der/ die Wiederkehrende’, zweitere durch Neukom, Neukomm, Nüchem ‘der/ die neu Hinzukommende’ in den Namen versprachlicht. Kommentar: Die erste Karte zeigt für die drei Typen je andere Areale: FamN zum Typ Landmann treten ausschliesslich im Kanton Karte 510: ÜberN für Ansässige und Zugezogene, vor 1800 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 4 Für die FamN Burger (‘Bewohner eines befestigen Orts’, später ‘Stadtbewohner mit allen Rechten’) und Ausburger/ Augstburger (‘ausserhalb der Stadtgrenzen wohnender Bürger’) vgl. Artikel III-3.10 «Wohnstättennamen zu Bezeichnungen für Höfe, Anwesen und Siedlungen». 5 Vgl. dazu v. a. die Mobilität der Gesellen: «Die Wanderschaft der Gesellen ist ab dem 14. Jahrhundert belegt. Sie kam der Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften entgegen und führte zur raschen Verbreitung der jeweiligen handwerksspezifischen Kenntnisse. Zur Entlastung des Arbeitsmarkts und zur Verhinderung einer strukturellen Arbeitslosigkeit wurde im 16. Jahrhundert die Wanderzeit verlängert und für obligatorisch erklärt» (e-HLS 2010: s. v. Gesellen). 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten 1053 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="432"?> Freiburg auf, wo sie auch im 16. Jh. historisch bezeugt sind, vgl. etwa Bendicht und Michel Landtiman, Pitzius Landtman und Caspar Lanteman’s sun (Studerus 1926: 94). Die vorliegenden Formen Lanthemann, Lanthmann mit th-Graphie sind als Adaption ans Französische zu erklären. 6 Der FamN Wiederkehr clustert im östlichen Aargau. Alle drei Varianten des Typs Neukomm sind nördlich des Rheins in den Kantonen Zürich und Schaffhausen vertreten; weitere Streubelege finden sich in der westlichen Deutschschweiz. Zweite Karte {511}: Übernamen nach der Ausbildung Namenauswahl: Die zweite Karte bildet ÜberN aus der Schicht «vor 1800» ab, die den Aspekt der Ausbildung behandeln. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Tscherry: Tscherrig, Tscherry. 7 Tokens. Typ Schuler: Schouler, Schueler, Schuler, Schuoler. 39 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 531: Daten zur zweiten Karte {511} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Schulausbildung im Mittelalter war ganz auf die Ausbildung des Klerus fokussiert und wurde dementsprechend von kirchlichen Institutionen ausgerichtet (e-HLS 2012: s. v. Schulwesen). Ein Hinweis auf die Ausbildung von Mönchen dürfte in den FamN Tscherrig und Tscherry enthalten sein: Sie gehen auf piemontesisch cerica ‘Tonsur’ bzw. cérich ‘Student am Priesterseminar’ zurück, im Schweizerdeutschen sodann Tschērig ‘Kahlkopf ’ und ‘Student der Theologie’ (Id. 14 1881 ff.: Sp. 1788). Die typische Frisur - eine geschorene kreisrunde Stelle auf dem Kopf - wurde metonymisch auf die Person resp. auf den in Ausbildung befindlichen Kleriker übertragen. Die FamN Schouler, Schueler, Schuler und Schuoler gehen auf mhd. schuolære, schüelære ‘Schüler, Student’ zurück. Auch dieser Familiennamentypus ist im Kontext des historischen Schulwesens zu sehen: Durch die Entwicklung der Städte ab dem 13. Jh. entstand parallel zum kirchlichen auch ein städtisches Schulwesen, das die nötigen Fachkräfte wie Rechtskundige oder Kanzleimitarbeiter ausbildete (e-HLS 2012: s. v. Schulwesen). In Städten und grösseren Ortschaften war das Schulwesen früher entwickelt als auf dem Land. Auch war die Ausbildung der männlichen Bevölkerung vorrangig. So gibt es Schätzungen zur Alphabetisierung der Männer, aber nicht jener der Frauen: «In den ländlichen Regionen Zürichs waren um 1650 etwa 30-35 % der Männer alphabetisiert, um 1700 bereits 40 %, um 1780 schliesslich 80 %» (e-HLS 2015: s. v. Alpha- Karte 511: ÜberN nach der Ausbildung, vor 1800 6 Vgl. Artikel I-3.5 «Integration deutscher Familiennamen ins Französische». Die Form Landmann wird in der Schweiz erst im 20. Jh. durch Einbürgerung aus Deutschland und Österreich heimisch; s. auch DFD (2025: s. v. Landmann). 1054 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="433"?> betisierung). 7 Die Bildungspolitik von der Aufklärungszeit bis zur Gründung des Bundestaats 1848 mündete in einem Schulwesen, in welchem die Volksschule unter kantonaler Hoheit stand: «Um 1900 war in der ganzen Schweiz die obligatorische, unentgeltliche, unter staatlicher Leitung stehende Primarschule realisiert, die in den meisten Kantonen mit dem 6. oder 7. Altersjahr der Kinder einsetzte» (e-HLS 2012: s. v. Primarschule). In diesem Kontext ist es nachvollziehbar, dass Ausbildung ein Alleinstellungsmerkmal sein konnte, dass jener, der eine - vielleicht auch höhere - Ausbildung erhielt, sich von der restlichen Bevölkerung abhob. Das Lexem Schueler umfasst im älteren Schweizerdeutschen sowohl die Bedeutung ‘Schüler’, ‘Student’, ‘Kleriker, Mitglied einer Theologenschule’ als auch die Bedeutung ‘Schulmeister’ (Id. 8 1881 ff.: Sp. 627-633). Kommentar: Die zweite Karte zeigt insgesamt drei Verbreitungsräume neben vereinzelten Streubelegen: Der Typ Schuler konstituiert einen westlichen Raum vornehmlich im Kanton Freiburg; er bildet auch einen Raum in der Zentralschweiz, im Kanton Glarus sowie in der bündnerischen Surselva, hier in der Form Schuoler. Die FamN Tscherrig, Tscherry können mit Blick auf die Karte als typisch walliserisch eingestuft werden. Gemäss Id. 14 (1881 ff.: Sp. 1788) ist das Lexem Tschērig auch in den Gemeinden Pomatt (Italien), Bosco/ Gurin (TI) sowie im Kanton Uri verbreitet, was allesamt walserisch geprägte Gebiete sind (e-HLS 2013: s. v. Walser). Gesamthaft fällt auf, dass auf der Karte nicht das Mittelland, sondern eher zentrale und alpine Landesteile hervortreten. Allenfalls lässt sich dieses Vorkommen mit dem später einsetzenden Schulwesen in ländlichen Regionen erklären: «Generell waren die Elementarschulen in den Städten und grösseren Ortschaften früher entwickelt und besser ausgebaut als auf dem Land. Am rückständigsten erwiesen sich in dieser Hinsicht Gemeinden in der Hügel- und Bergzone mit weit verzweigten Einzelhofsiedlungen» (e-HLS 2012: s. v. Schulwesen). In solchen Gebieten war Ausbildung eher ein Alleinstellungsmerkmal als in Städten. 7 Auch Messerli (2002: 329) beobachtet für den Kanton Zürich in der zweiten Hälfte des 18. Jh. grosse Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Lesefähigkeit. Zudem sei erwähnt, dass die «Schulpf licht […] im ganzen 19. Jahrhundert bei vielen Familien und Gemeinden auf Widerstand [stiess]. Sie wurde unter anderem als Normierung durch den sich entwickelnden modernen Rechtsstaat wahrgenommen. Das Schulhaus repräsentierte dessen Macht vor Ort. Ein Grund war aber auch die Kinderarbeit in Landwirtschaft und Fabriken, die von vielen Eltern als selbstverständliche Fortsetzung der Subsistenzwirtschaft angesehen wurde» (e-HLS 2012: s. v. Primarschule). 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten 1055 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="434"?> Dritte Karte {512}: Übernamen nach Zeiträumen und Zeitpunkten Namenauswahl: Die dritte Karte widmet sich ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die auf einem Lexem für einen Zeitraum oder einen (biographischen) Zeitpunkt beruhen. Dies können Lexeme sein, die Bezug auf den Jahresanfang oder auf eine Jahreszeit, auf einen Monat oder auf einen Tag nehmen. Die ausgewählten FamN werden nach der Art der zugrunde liegenden Zeiteinheiten gruppiert. Abgefragte Namen ÜberN zum Jahresanfang: Gujer, Gutjahr, Guyer. 26 Tokens. ÜberN zu einer Jahreszeit: Herbst, Sommer, Winter. 17 Tokens. ÜberN zu einem Monat: April, Genner, Horner, Jüni, Mai, May, Merz, von Jenner, von May. 9 Types, 38 Tokens. ÜberN zu einem Tag: Freitag, Freytag, Ostertag. 8 Tokens. ÜberN zu einer Tageszeit: Feierabend, Fierobe, Früh, Frühauf , Mörgeli, Späti, Spätig. 7 Types, 29 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 532: Daten zur dritten Karte {512} Detailangaben zur Namenauswahl: Die Zeitpunkte oder -abschnitte können auf verschiedene biographische Stationen eines Menschenlebens Bezug nehmen: Einerseits kann die Geburt ausschlaggebend gewesen sein, wenn Gutjahr und die daraus kontrahierten Formen Gujer, Guyer ‘Neujahrstag’, Sonntag, Freitag oder Mai als FamN auftreten; andererseits können aber auch Termine für Abgaben, Zinstermine oder Arbeitsleistungen diese Namen motiviert haben (Kunze 2004: 151). Schliesslich können bei FamN nach Tageszeiten persönliche Vorlieben hineingespielt haben. So benennen Früh, Frühauf und Mörgeli (Diminutiv zu Morgen) einen Frühaufsteher, umgekehrt wurde wohl mit Feierabend und der dialektnahen Variante Fierobe sowie Späti und Spätig jemand benannt, der die Zeit nach Arbeitsschluss oder am Abend schätzte. Die FamN Genner, von Jenner und Horner gehen jeweils auf ältere Monatsbezeichnungen zurück: auf schwzdt. (älter) Jänner ‘Januar’, das in Urkunden des 14./ 15. Jh. <Genner> geschrieben wird, und auf schwzdt. Horner, älter für ‘Februar’ (vgl. dazu auch SDS IV 1969: Karte 3). Für Jüni vermutet Ramseyer (unveröffentlicht) eine aus Junius gekürzte und durch Umlaut bewusst veränderte Form für ein im Monat Juni gefundenes Findelkind. 8 Kommentar: Die dritte Karte zeigt, dass das Motiv der Zeitpunkte und Zeitspannen verteilt über das ganze Mittelland und den Voralpenraum vorhanden ist. Mit den meisten Types und Tokens treten FamN nach Monaten in Erscheinung: Hier ist der FamN Merz mit Karte 512: ÜberN nach Zeiträumen und Zeitpunkten, vor 1800 8 Ramseyer (unveröffentlicht) bezieht sich dabei auf ein Beispiel in Bach (1953: 203), in welchem die Monatsbezeichnung Januar als FamN verwendet wurde: «In Tuttlingen in Württemberg erhielten Kinder ex illicito coitu früher vom Pfarrer den R[uf]N Januarius»; hier allerdings ohne lautliche Verfremdung. 1056 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="435"?> 18 Tokens der häufigste Name; er zeigt ein breit gestreutes Vorkommen (AG, AR, FR, LU, SG, SO, TG, ZG, ZH) mit einem Schwerpunkt im Aargau (7 Tokens). Demgegenüber treten verschiedene FamN mit geographischen Schwerpunkten auf. So beschränken sich FamN vom Typ Jahresanfang - Gujer, Gutjahr, Guyer - auf den Kanton Zürich, ebenso der FamN Mörgeli. Der FamN Sommer clustert v. a. im Emmental (BE) und der FamN Späti konzentriert sich im südlichen Teil des Kantons Solothurn. Ebenfalls räumlich begrenzt tritt der FamN Früh auf: Er formt einen Schwerpunkt in den sanktgallischen Wahlkreisen Wil und Toggenburg sowie in angrenzenden Gebieten (AR, TG). Die anderen Namentypen zeigen keine spezifischen Verbreitungsräume und treten teilweise singulär auf; so bspw. Ostertag (Luzern LU), April (Ermatingen TG) oder Spätig (Lüscherz BE). Vierte Karte {513}: Übernamen nach Pilgerreise und Kreuzzug Namenauswahl: Die vierte Karte behandelt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Teilnahme einer Person an einer Pilgerreise oder an einem Kreuzzug hindeuten. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Bilger: Bilger, Bilgerig. 4 Tokens. Typ Jerusalem: Jerusalem. 1 Token. Typ Römer: Römer. 8 Tokens. Typ Salathe: Saladin, Salathe. 5 Tokens. Typ Sarasin: Sarasin, Sarrasin. 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 533: Daten zur vierten Karte {513} Detailangaben zur Namenauswahl: FamN, die hier kartiert werden, können als zeitlich begrenztes Lebensereignis einer Person beschrieben werden: «Als vorübergehende/ zufällige Merkmale einer Person sind u. a. einmalige Handlungen und Tätigkeiten (z. B. eine Pilgerfahrt, eine Spielrolle) […] anzusehen» (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 42). Die Teilnahme von Personen aus dem Gebiet der heutigen Schweiz an Kreuzzügen oder an Pilgerreisen ist historisch bezeugt: «Die Kreuzzugsbewegung als Teil des religiösen Aufbruchs im Hochmittelalter erfasste seit Ende des 11. Jahrhunderts auch das Gebiet der Schweiz» (e-HLS 2007: s. v. Kreuzzüge). Teilweise wurde von der religiösen Obrigkeit zur Teilnahme aufgerufen, teilweise zogen Einzelpersonen unabhängig davon als Pilger in den Orient, um «sich dem Kampf gegen die Heiden anzuschliessen» (e-HLS 2007: s. v. Kreuzzüge). Daraus ergibt sich, dass Pilger auch als Kämpfer auftraten und es zu Überschneidungen im Kreuzzugs- und Pilgerwesen kommen konnte. Dies zeigt sich auch am Bedeutungsspektrum des mittelhochdeutschen Lexems bilgerī(n), bilgerīm ‘Pilger, Wallfahren- Karte 513: ÜberN nach Pilgerreise und Kreuzzug, vor 1800 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten 1057 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="436"?> der’ und auch ‘Kreuzfahrer’, welches die Grundlage für die FamN Bilger und Bilgerig darstellt. Die restlichen FamN im Sample gehen nicht auf ein Appellativ zurück, sondern enthalten ein Toponym oder einen Ruf N. Die Typen Salathe und Sarasin sind durch ihre Vergabe im christlichen Kontext aber gleichwohl als ÜberN zu lesen und nicht als HerkunftsN oder Patronyme: • Der FamN Jerusalem basiert auf dem Namen der gleichlautenden Stadt und ist als ÜberN für einen Jerusalempilger zu deuten. • Der FamN Römer ist eine Ableitung zum Namen der Stadt Rom und kann den Rompilger, aber auch den Fernkaufmann benennen. In der Schweiz ist auch die Benennung eines Angehörigen der päpstlichen Schweizergarde in Rom denkbar, die 1506 gegründet wurde (e-HLS 2007: s. v. Schweizergarden). • Die FamN Saladin und Salathe gehen wohl auf den arabischen Ruf N Salah ad-Din zurück. Durch den gleichnamigen Sultan (12. Jh.), «der als siegreicher Gegner der Christen während der Kreuzzüge geachtet und gefürchtet war» (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 567), wurde der Name bekannt und als ÜberN wohl einem Teilnehmer an einem Kreuzzug gegeben. Alternativ könnte auch schwzdt. Salade ‘eine Art Helm oder Sturmhaube’, entlehnt aus frz. salade, namengebend gewesen sein. In diesem Sinn wären Saladin und Salathe als BerufsüberN für den Hersteller oder als ÜberN für den Träger eines solchen Helms zu werten. • Ähnlich motiviert sind die FamN Sarasin und Sarrasin für einen Kreuzfahrer oder Pilger; die beiden Schreibvarianten beruhen auf dem VolksN mhd. Sarrazīn ‘Sarazene’, auch ‘Heide’. Die Familie Sarasin in der Stadt Basel geht nachweislich auf eine aus Lothringen stammende Hugenottenfamilie zurück, die 1628 in Basel das Bürgerrecht erhielt (e-HLS 2024: s. v. Sarasin (BS)). Mit dieser Familie nicht verwandt, aber durch ähnliche Umstände veranlasst, gelangte eine Familie in den 1550er-Jahren nach Genf (e-HLS 2010: s. v. Sarasin (GE)). Kommentar: Die vierte Karte zeigt zwar, dass FamN mit Bezug auf das vorliegende Motiv selten sind; sie verweist aber auch auf einen deutlichen Schwerpunkt in den beiden Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die FamN Saladin, Salathe und Sarasin clustern hier. Die anderen Namentypen zeigen keine spezifischen bzw. keine zusammenhängenden Verbreitungsräume. Fünfte Karte {514}: Spezialfall Jud Namenauswahl: Die fünfte Karte illustriert den FamN Jud in der Schicht «vor 1800». Dieser wird hier als Spezialfall bezeichnet, da die Motivation hinter dem FamN komplex resp. vielfach von jüngeren Bedeutungsentwicklungen des Lexems überlagert ist. Zu den Eckpunkten, die eine etymologische Eingrenzung vornehmen wollen, s. u. Karte 514: FamN Jud, vor 1800 1058 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="437"?> Abgefragte Namen Jud, vor 1800: 16 Tokens. Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Flächen 10-70, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: Bezirke Tabelle 534: Daten zur fünften Karte {514} Detailangaben zur Namenauswahl: Als lexikalische Grundlage des FamN Jud sind zwei Etyma möglich: zum einen das Lexem Jude, zum anderen Ruf N, die sowohl germanisch als auch hebräisch gedeutet werden können. Während die lexikalische Grundlage des Lexems Jude klar ist, ist die Namenmotivation hinter dem FamN Jud weniger eindeutig resp. teilweise durch Bedeutungsveränderungen des Lexems überlagert worden. Die Vorformen ahd. judeo und mhd. jude sind in beiden Sprachstufen die neutrale Benennung für eine Person jüdischen Glaubens (AWb 4 1952 ff.: Sp. 1833). Eine Bedeutungsverschlechterung des Lexems - wie der Bezug zu Gewinnsucht, Wucherei, schlauer Händler - ist nach Ausweis historischer Wörterbücher des Deutschen ab dem 16. Jh. auszumachen (DWb 10 1854-1961: Sp. 2353; Id. 3 1881 ff.: Sp. 11-13). Belege für den BeiN erscheinen aber bereits ab dem 13. Jh. So führt Socin (1903: 554) bspw. an: 1200 Albertus Judeus, 1284 her Berthold der Jude oder Elsin Judinen, auch diminuiert dominus Burchardus Judeli. Auffallend ist, dass hier jeweils Personen mit germanischen Ruf N urkunden. Juden hingegen führen gemäss der Belege und der Erläuterungen in Socin (1903: 561) alttestamentarische Ruf N wie David, Moses, Joseph oder Samuel. Zudem wird in den Belegen für jüdische Personen häufiger die beschreibende Nominalphrase der Jude verwendet, z. B. 1299 Jacob der jude von Murten, 1301 Ysaach Herre der jude von Friburg oder 1386 Joseph von Richenwiler der jude (Socin 1903: 561-562). Aus den genannten Eckpunkten kann abgeleitet werden, dass 1. die Bedeutung ‘Wucherer, gerissener Händler’ zu jung ist, als dass sie die Namengebung motiviert haben könnte, und dass 2. es sich bei den historisch von Socin (1903) genannten Personen nicht um Juden handelt, da sie germanische Ruf N tragen. Das teilweise angeführte Motiv, dass der Name für einen Angehörigen der jüdischen Religion (FamOs o. J.: s. v. Jud ) stehe, ist zusätzlich mit einem sozioonomastischen Argument zu relativieren: Juden trugen bis ins 18. Jh. mehrheitlich keine FamN. Die jüdische Bevölkerung war einnamig resp. nutzte ein patronymisches Benennungssystem (Kunze 2004: 169; Kohlheim/ Kohlheim 2005: 18). Socin (1903: 563) illustriert dies mit einer Liste aus der Wormser Judenurkunde von 1377, wo von 36 Personen 33 patronymisch benannt werden, zwei einnamig sind und eine Person einen BeiN nach der Herkunft trägt. Die Einführung fester FamN für Juden war politisch gesteuert und erfolgte mehrheitlich im 19. Jh. aufgrund der Emanzipationsgesetze: Was jüdische Bürger angeht, so erfolgen Erlasse zur Führung fester FamN bspw. in Österreich 1787, Frankfurt am Main 1807, Hessen- Darmstadt 1808, Baden 1809, Preußen 1812, Bayern 1813, Kurhessen 1818, Anhalt 1822, Sachsen-Weimar 1823, Württemberg 1828, Sachsen 1834. Mit Einführung der Standesämter 1874 ist die Entwicklung im Wesentlichen abgeschlossen (Nübling/ Kunze 2023: 16; vgl. zudem Kunze 2004: 62). Daher scheint die sehr allgemeine Motivik, wie sie Kohlheim/ Kohlheim (2005: 358) anführen, die Benennung sei «wohl auf Beziehungen des ersten Namensträgers zu Juden zurückzuführen», wahrscheinlicher. Allenfalls können - wie dies auch in der Literatur genannt wird (DFD 2025: s. v. Jud ) - konvertierte Juden benannt worden sein. 9 Unter diesem Aspekt wäre die Verbindung zum jüdischen Glauben zwar noch vorhanden, aber unter dem Gesichtspunkt, dass mit dem Namen an einen früheren Zustand erinnert wird. Daneben kann der FamN Jud aber auch als Patronym oder Metronym zu einem Ruf N erklärt werden (vgl. auch DFD 2025: s. v. Jud ): Er lässt sich auf Ruf N zurückführen, die auf germ. *euþa, *juþa ‘Kind, Abkömmling’ beruhen. Frühe Vorkommen zugehöriger Namenformen sind in Förstemann (1900: 981-982) belegt, und zwar sowohl männliche Namenformen (Judo oder Juto) als auch weibliche (Judda, Judida oder Judinta). Durch Nebensilbenabschwächung und Apokope kann aus Judo, Juto oder Judda die Form Jud entstanden sein. Auch Baumgartner (1983: 306-307) belegt die Form Judeman ab 1172, die - analog zu Ruf N wie Hartman(n) oder Herman(n) - aus Judo, Jude und dem Suffix -mann gebildet sein kann. Dem FamN Jud kann aber auch der hebräische Ruf N Judith (zu hebr. yehūdīt ‘Judäerin’) zugrunde liegen (Kohlheim/ Kohlheim 2013: 252). Kommentar: Die fünfte Karte weist einen deutlichen Schwerpunkt des FamN Jud am oberen Zürichseeufer (ZH) sowie im Wahlkreis See-Gaster (SG) aus, daneben treten Ortspunkte im Toggenburg (SG) sowie im Kanton Graubünden auf. Dies sind aber nicht jene Gebiete, in welchen jüdische Personen historisch fassbar werden: In Schweizer Städten wie Genf, Basel, Zürich, St. Gallen ist eine jüdische Siedlungstätigkeit ab 1150 historisch bezeugt: «Die Grösse der meisten mittelalterlichen jüdischen Gemeinden lässt sich mangels Quellen nicht bestimmen. Im Spätmittelalter sind Synagogen in Basel, Diessenhofen, Genf, Lausanne, Luzern, Murten, Schaffhausen, Solothurn und Zürich nachgewiesen, was auf ein lebendiges Gemeindeleben hindeutet» (e-HLS 2016: s. v. Judentum). Auf dem Land wird eine jüdische Bevölkerung erst ab dem 16. Jh. greifbar: «Erst im späten 16. Jahrhundert mehren sich wieder die Belege für die Präsenz von Juden in den Regionen um Basel einschliesslich des Sundgaus und um Waldshut und Zurzach» (e-HLS 2016: s. v. Judentum). Das Verbreitungsgebiet des FamN Jud spricht dafür, dass eher die Namendeutung als Patronym oder Metronym anzunehmen ist. Aufgrund der Form kann sowohl ein männlicher als auch ein weiblicher Ruf N angesetzt werden. Falls ein Metronym vorläge, liesse sich der FamN in die Reihe der etymologisch ähnlich gelagerten FamN Jutz, Jütz, Jutzeler, Jutzi einreihen. 10 Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Schuler (5'748 Tokens), Sommer (4'627 Tokens) und Wiederkehr (2'143 Tokens). In der Schicht «vor 1800» finden sich vereinzelt weitere FamN, die Bezug auf die Biographie des ersten Namenträgers nehmen. Dazu 9 Surläuly (1927: 142-143) illustriert die Entwicklung des FamN der Familie Eberler-Gruͤnenzwig von 1317 bis 1531, «nachdem die jüdische Familie zum Christentum übergetreten war, suchte sie auch äußerlich die Erinnerung an ihre Vorgeschichte zu verwischen, indem sie allmählich dem angestammten Namen entsagte und anfing, sich mit einem neuen Namen (hergenommen von der Wohnstätte) zu benennen». Offenbar hatte der Übertritt zum christlichen Glauben Auswirkungen auf die Namenvergabe, denn die Familie änderte auch die Ruf N von hebr. Matthias oder Elias zu germ. Heinrich oder Lienhart. 10 Vgl. Artikel III-1.11 «Metronyme: Gesamtdarstellung». 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten 1059 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="438"?> gehört Findling (Leibstadt AG) zu mhd. vundelinc ‘Findelkind’ sowie evtl. auch Fund (Landiswil, Niederbipp BE) für ein ausgesetztes, elternloses Kind. Der Mangel nur eines Elternteils dürfte motivgebend gewesen sein beim FamN Vaterlaus (Berg am Irchel, Flaach ZH), der sich zum Adjektiv mhd. vaterlōs ‘ohne Vater’ stellt (Schobinger/ Egli/ Kläui 1994: 167). Formal konnte langes ō zu au diphthongiert werden, was bei dieser Form anzunehmen ist (familiennamen.ch o. J.: s. v. Vaterlaus). Vergleich mit benachbartem Ausland: FamN, die auf biographische Merkmale Bezug nehmen, werden im DFA 5 (2016: 978-1065) auf den Karten 383-419 dargestellt. Dabei wird eine grundlegende Unterteilung in die Bereiche «Leid, Freude» (Karten 383-392), «Generationen, personale Beziehungen» (Karten 393-401), «Jahreszeiten, Monate» (Karten 402-410) sowie «Tage, Tageszeiten» (Karten 411-419) mit jeweils weiteren Unterteilungen vorgenommen. Auch in Nübling/ Kunze (2023: 443-452) werden Namen zu biographischen Merkmalen wie Freitag, Sonntag, Abend oder Mai kartiert. Kunze (2004: 150-151) illustriert ebenfalls ÜberN nach der Lebensgeschichte. Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur AWb = Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (1952 ff.): Althochdeutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities bereitgestellt durch die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. https: / / awb.sawleipzig.de/ AWB (letzter Zugriff 30.06.2025). Bach, Adolf (1953): Deutsche Namenkunde. Bd. I, 2: Die deutschen Personennamen. Die deutschen Personennamen in geschichtlicher, geographischer, soziologischer und psychologischer Betrachtung. 2., stark erweiterte Auflage. Heidelberg: Winter. Baumgartner, Xaver (1983): Namengebung im mittelalterlichen Zürich. Die alt- und mittelhochdeutschen Personennamen der Zürcher Überlieferung vom Jahr 1000 bis zum Jahr 1254 (Studia Onomastica Helvetica 1). Arbon: Historisch-Genealogischer Verlag. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. DFD = Heuser, Rita (2025): Landmann. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 2585/ 1 (letzter Zugriff 30.06.2025). DFD = Schäfer, Larissa S. (2025): Jud. Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD). http: / / www.namenforschung.net/ id/ name/ 20349/ 1 (letzter Zugriff 02.10.2025). DWb = Grimm, Jacob/ Grimm, Wilhelm (1854-1961): Deutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/ 23. https: / / www.woerterbuchnetz.de/ DWB (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Flückiger, Fabrice (2010): Sarasin (GE). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 025561/ 2010-12-03/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Grunder, Hans-Ulrich (2012): Primarschule. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010402/ 2012-06-14/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Grunder, Hans-Ulrich (2015): Alphabetisierung. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010394/ 2015-01-21/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Henry, Philippe (2007): Schweizergarden. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008623/ 2007-06-29/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Knoch-Mund, Gaby et al. (2016): Judentum. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 011376/ 2016-02-01/ (letzter Zugriff 02.10.2025). e-HLS = Simon-Muscheid, Katharina (2010): Gesellen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016371/ 2010-11-11/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Stadler, Hans/ Grunder, Hans-Ulrich (2012): Schulwesen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010396/ 2012-11-21/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Tremp, Ernst (2007): Kreuzzüge. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008725/ 2007-11-21/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Waibel, Max (2013): Walser. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 007950/ 2013-08-20/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Wichers, Hermann (2024): Sarasin (BS). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 021021/ 2024-07-22/ (letzter Zugriff 30.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 30.06.2025). FamOs = Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH-ÖAW) (o. J.): Familiennamen Österreichs online (FamOs). http: / / hw.oeaw.ac.at/ famos (letzter Zugriff 02.10.2025). Förstemann, Ernst (1900): Altdeutsches Namenbuch. Bd. 1: Personennamen. 2., völlig umgearbeitete Auf lage. Bonn: Hanstein. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2013): Duden - Lexikon der Vornamen. Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von über 8000 Vornamen; mit den neusten Trends und Namen aus aller Welt. 6., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim, Zürich: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. 1060 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="439"?> Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Messerli, Alfred (2002): Lesen und schreiben 1700 bis 1900. Untersuchung zur Durchsetzung der Literalität in der Schweiz (Germanistische Linguistik 229). Tübingen: Niemeyer. Nübling, Damaris/ Kunze, Konrad (2023): Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Gebrauch, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen. Berlin, Boston: De Gruyter. Ramseyer, Rudolf J. (unveröffentlicht): Vorarbeiten zu einem Personennamenbuch des Kantons Bern. Unveröffentlichte Daten. Beruhend auf Urbaren hauptsächlich aus dem 16. Jh. Staatsarchiv Bern (N R. Ramseyer 15-22). Schobinger, Viktor/ Egli, Alfred/ Kläui, Hans (1994): Zürcher Familiennamen. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien. Zürich: Zürcher Kantonalbank. SDS IV = Baumgartner, Heinrich et al. (Hrsg.) (1969): Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Bd. IV: Wortgeographie I: Der Mensch - Kleinwörter. Bern: Francke. Socin, Adolf (1903): Mittelhochdeutsches Namenbuch nach oberrheinischen Quellen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts. Basel: Helbing & Lichtenhahn. Studerus, Gottlieb (1926): Die alten deutschen Familiennamen von Freiburg im Uechtland. Universität Freiburg i. Ü. Surläuly, Karl (1927): Zur Geschichte der deutschen Personennamen nach Badener Quellen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Aarau: Sauerländer. Simone Berchtold 5.9 Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten 1061 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="440"?> 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten Schlagwörter: Achtung, Ansehen, Armut, Erbe, Erbschaft, Missachtung, Reichtum, Witwenschaft Gegenstand und Fragestellung Dieser Artikel gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die gemäss projektinterner Vorsondierung (Stand 30.06.2025; vgl. III-A «Kurzeinleitung zu Band III») einen Bezug zu gesellschaftlichen Aspekten aufweisen. Aufgrund der Vielfalt der FamN wird eine Aufteilung auf zwei Artikel vorgenommen, die einerseits biographische und andererseits wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen - auch wenn diese in der namengebenden Gesellschaft oft ineinandergreifen. Im Artikel III-5.9 «Übernamen nach gesellschaftlich-biographischen Aspekten» werden FamN mit den Motiven Ansässigkeit und Zuzug, Ausbildung, Zeitpunkte und Zeiträume, Kreuzzug und Pilgerreise sowie der Spezialfall Jud behandelt. Im vorliegenden Artikel interessieren dagegen FamN, die sich vorrangig auf gesellschaftlichwirtschaftliche Merkmale beziehen. Darunter fallen ÜberN, die auf die Stellung einer Person innerhalb der Gesellschaft Bezug nehmen. Dieser Bezug kann bei Namen auftreten, die Achtung ausdrücken (bspw. die FamN Ehrbar oder Altherr). Es kann aber auch auf das Gegenteil, also auf Missachtung, referiert werden (bspw. FamN Bettler). Der FamN Bettler zeigt beispielhaft, dass im zugrunde liegenden Lexem die Merkmale ‘missachtet’ und ‘arm’ zusammen auftreten. Die Einstellung gegenüber Armut und Reichtum ist im christlichen Kulturkreis im Mittelalter ambivalent: Armut war einerseits stigmatisiert (vgl. FamN Bettler), aber andererseits auch eine Tugend (e-HLS 2015: s. v. Armut). Reichtum wurde in biblischen Schriften teilweise als Gottessegen, teilweise aber auch als Hindernis in der Beziehung des Menschen zu Gott gesehen (e-HLS 2011: s. v. Reichtum). Dass das Ansehen einer Person innerhalb einer Gesellschaft häufig eng mit dem Vorhandensein von Besitz und Vermögen verschränkt ist, beschreibt das RNB 3 (1986: 607) folgendermassen: Armut und Reichtum spielen als Benennungsmotive eine beträchtliche Rolle. Dies ist bedingt durch die strenge moralische Wertordnung im Bauerndorf, wo Reichtum zwar allgemein beneidet wird, aber doch gleichbedeutend ist mit gehobener sozialer Stellung. Armut dagegen war, v. a. in protestantischen Gebieten, ein Zeichen für einen Lebenswandel, der dem Herrn nicht gefällig war. Dadurch kann Reichtum mit Achtung und Armut mit Missachtung gekoppelt sein, weshalb ÜberN zu diesen Merkmalen hier eingeordnet werden. Ebenfalls als Teil der wirtschaftlichen Umstände werden Namen nach Münzen behandelt, da sie ebenfalls durch Reichtum oder Armut motiviert sein können. Auch Witwenschaft und Erbschaft werden hier berücksichtigt, da das Eintreten beider Ereignisse meist auch wirtschaftliche Veränderungen mit sich brachte. Die hier behandelten FamN weisen auf ein konstantes, also dauerhaftes Merkmal hin; bspw. durch die Benennung nach dem Reichtum oder den Bezug zur Witwenschaft (Kohlheim/ Kohlheim 2005: 38). Grundsätzlich sei festgehalten, dass bei vielen der Lexeme, die den Namen zugrunde liegen, bereits Polysemie vorherrscht und dass darum die konkrete Motivation ohne Belege nicht mehr eruiert werden kann (Kohlheim/ Kohlheim 2014: 158). So kann der FamN Haupt (zu mhd. houbet, houpt ‘Kopf ’) einerseits auf die Kopfform Bezug nehmen, andererseits aber auch auf die gesellschaftliche Stellung referieren. 1 Auf mögliche Motive resp. historische Eckpunkte wird bei den einzelnen Karten eingegangen. Die ersten beiden Karten geben einen Überblick über FamN zum Aspekt der gesellschaftlichen Achtung und Missachtung. Eng daran gekoppelt sind die Motive Armut und Reichtum, die auf der dritten Karte folgen. Indirekt auf wirtschaftliche Aspekte verweisen die FamN der vierten Karte, die auf Münzeinheiten beruhen. Die fünfte Karte dokumentiert ÜberN nach dem Lebensabschnitt der Witwenschaft, während die sechste Karte dem Thema Erben gewidmet ist. Erste Karte {515}: Übernamen nach gesellschaftlicher Achtung und Ansehen Namenauswahl: Die erste Karte umfasst ÜberN aus der Schicht «vor 1800» (Datenquelle: FNB), 2 die auf Lexeme zurückgehen, deren Bedeutungsspektrum das Merkmal ‘geachtet’ oder ‘angesehen’ enthält. 3 Die FamN sind nach zugrunde liegendem Lexem gruppiert. Abgefragte Namen Typ Edel: Edel, Edelmann. 9 Tokens. Typ Ehre: Ehrbar, Ehrmann, Ehrsam. 13 Tokens. Typ Gross: Gross, Grossen, Grossmann, von Gross. 50 Tokens. Typ Haupt: Haupt, Häuptli, Hauptlin, Hautle. 11 Tokens. Typ Herr: Alder, Altheer, Alther, Altherr, Heer, Herren, Junker, Zehren. 8 Types, 48 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 535: Daten zur ersten Karte {515} Detailangaben zur Namenauswahl: 4 Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen 1 Vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 2 Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b). 3 FamN wie Graf , König, Bischof werden im Artikel III-5.7 «Übernamen nach Standesbezeichnungen» besprochen, da ihnen zumeist eine ironisch-spöttische Zuschreibung im Sinne von ‘führt sich auf wie X’ oder ein Abhängigkeitsverhältnis zugrunde liegt und nicht die Benennung effektiver Amtsinhaber zum FamN geführt hat. 4 Die etymologischen Angaben beruhen im gesamten Artikel, wo nicht anders angegeben, auf Berchtold/ Graf (i. V.) und sind als Kurzfassung zu verstehen. Für umfassendere Informationen verweisen wir auf Berchtold/ Graf (i. V.), familiennamen.ch (o. J.) sowie ggf. auf regionale Namenbücher. 1062 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="441"?> aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Typ Edel: Die FamN Edel und Edelmann enthalten das Lexem mhd. edel(e) ‘von adeligem Stand, vortreff lich’ zur Benennung für den Adeligen oder für einen Freien (im Gegensatz zu einem Hörigen); denkbar ist auch jemand mit vornehmem Verhalten oder edlem Charakter. Konkurrierend kann bei Edel auch eine Kurzform zu einem Ruf N mit dem Erstglied Adalwie in Adalbert vorliegen, welches auf demselben Adjektiv beruht. • Typ Ehre: Den FamN liegen verschiedene Bildungen mit mhd. ēre ‘Ehre, Ansehen, Ruhm, fürstliche Macht’ zugrunde, die jeweils Bezug auf die angesehene Stellung des Benannten nehmen. • Typ Gross: Die FamN stellen sich zu den Adjektiven mhd. grōz, schwzdt. gross, die neben ‘gross, dick, stark’ auch ‘angesehen, vornehm’ bedeuten können. • Typ Herr: Der Gruppe liegt das Lexem mhd. hērre, herre zugrunde, welches ein breites Bedeutungsspektrum abdecken kann: von ‘Herr allgemein’, über ‘Jesus Christus’ zu ‘Pfarrer’, ‘Heerführer’, ‘Hausherr’ und ‘Mann höheren Standes’. In den Namen Alder, Altheer, Alther, Altherr ist das Substantiv mit dem Adjektiv alt zusammengesetzt, in kontrahiertem Junker mit dem Adjektiv jung (zu mhd. junc hērre) - jeweils für einen alten/ älteren resp. jungen/ jüngeren Herrn. Während das Lexem fnhd. altherre eine durchwegs positive Bedeutung wie ‘Person mit Erfahrung und Autorität, Teil der politischen Führung’ beibehält, wird fnhd. junker neutral für ‘(meist junger) Herr adeliger Herkunft, Adeliger, Dienstherr’ gebraucht, aber «auch ironisch auf Personen niederen Standes bezogen» (e-FWB 2017 ff.: s. v. junker). Konkurrierend können bei Heer, Herren auch Kurzformen von Ruf N wie Hermann u. ä. zum FamN geführt haben. • Typ Haupt: Die FamN mit Haupt werden hier unter dem Bedeutungsaspekt ‘hervorragende Person in Gemeinde oder Staat, Mitglied der Obrigkeit’ berücksichtigt. Diese Bedeutung ist noch in nhd. Oberhaupt ‘jemand, der an der Spitze von etwas steht’ enthalten. Der FamN Hautle zeigt appenzellischen p-Schwund in der Lautfolge -pt- (APNB 1 1958: 294). Das Sample der ersten Karte umfasst formal l-Diminutive (Häuptli, Hauptlin), Suffigierungen mit -mann (Ehrmann, Grossmann), Formen mit schwachem Genitiv (Grossen, Herren), Komposita (Altherr) und Simplizia (Edel, Haupt). 5 Artikelproklise tritt im FamN Zehren (← ds Hēren ‘des Herrn’) auf. 6 Karte 515: ÜberN nach einer geachteten Stellung in der Gesellschaft, vor 1800 5 Vgl. die Artikel II-2.1 «Familiennamen mit l-Diminutiven», II-2.7 «Familiennamen auf -mann», II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe» und II-2.17 «Komposita: Gesamtdarstellung». 6 Vgl. Artikel II-3.1 «Artikelproklise». 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten 1063 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="442"?> Kommentar: Die erste Karte zeigt im Grossen und Ganzen eine Verteilung der Namen im Mittelland und (Vor-)Alpenraum, ausgenommen dem Kanton Wallis und Teilen der Zentralschweiz. Dabei wird das Bild von den vier häufigsten FamN Gross, Grossmann, Ehrsam und Altherr geprägt, die je unterschiedliche geographische Schwerpunkte aufweisen. So ist Gross im Raum Freiburg (FR) und im Seeland (BE) häufig, aber auch im Zürcher Oberland, während der FamN Grossmann am Brienzersee (BE) und um die Stadt Schwyz (SZ) einen Ballungsraum bildet. Der FamN Ehrsam tritt konzentriert in den Kantonen Solothurn, Basel-Landschaft, Aargau und Zürich auf. Mit Altherr, Alther und kontrahiertem Alder liegen FamN vor, die - bis auf ein Vorkommen in Obersaxen (GR) - ausschliesslich in der Nordostschweiz (AR, SG, ZH) figurieren. Im Vergleich mit den anderen Karten in diesem Artikel weist der Aspekt der Achtung die grösste Type- und Tokenfrequenz auf (21 Types, 131 Tokens), wobei ein Drittel der kartierten Types in der gewählten Zeitschicht nur je 1 Ortspunkt hat wie bspw. Altheer (Illighausen TG) oder Hautle (Appenzell AI). Zweite Karte {516}: Übernamen nach gesellschaftlicher Missachtung Namenauswahl: Die zweite Karte behandelt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die im Unterschied zur ersten Karte auf Lexeme zurückgehen, die sich durch das Merkmal ‘weniger geachtet’ auszeichnen. Es werden hier FamN aus verschiedenen Blickwinkeln kartiert: zwei semantisch definierte Gruppen (Bettler, Unfreie) und eine formal definierte (Komposita mit Halb-); aufgrund der geringen Type- und Tokenzahlen schien es aber angezeigt, alle drei Gruppen hier zusammen zu kartieren. Abgefragte Namen ÜberN für Bettler: Bettler, Bitter, Geiler, Heuscher. 8 Tokens. ÜberN für Unfreie: Eigenmann, Freuler, Freyler, Leibundgut. 20 Tokens. Typ Halb: Halbedel, Halbheer, Halbritter. 5 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 536: Daten zur zweiten Karte {516} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben Karte 516: ÜberN nach einer weniger geachteten Stellung in der Gesellschaft, vor 1800 1064 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="443"?> sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • ÜberN für Bettler: Hier werden verschiedene FamN zusammengefasst, deren zugrunde liegende Lexeme den Bettler benennen: Bettler zu mhd. betelære, beteler ‘wer betteln geht’, Bitter zu schwzdt. (älter) Bitter ‘ein (um Almosen) Bittender’, Geiler zu schwzdt. Gīler ‘gewerbsmässiger Bettler; Gauner’ und Heuscher zu mhd. heuschen ‘fragen, fordern’, schwzdt. Heischer, Heuscher ‘Bettler’. Das Bettelwesen ist damals wie heute ein Teil des öffentlichen Lebens und hat in der Geschichte wechselnde Stellenwerte eingenommen: Während im Mittelalter das Spenden von Almosen an Bettelnde als positiv gewertet wurde, änderte sich ab dem 14. Jh. die Einstellung gegenüber dieser Gesellschaftsgruppe und sie wurden in ehrliche oder betrügerische Bettelnde eingeteilt. «Die durch die wirtschaftliche Not mobil gewordenen Armen lösten in der sesshaften Bevölkerung allgemein Angst und Ablehnung aus» (e-HLS 2008: s. v. Bettelwesen). • ÜberN für Unfreie: Hier wird eine Gruppe von FamN gebündelt, deren gemeinsamer Nenner die Unfreiheit resp. das Verdingen in fremden Haushalten oder Höfen darstellt: Eigenmann zu fnhd. eigenman ‘männlicher Leibeigener, Unfreier, Untertan’, schwzdt. Eigenmann ‘Höriger’; Freuler und Freyler als ler-Ableitungen zu mhd. vrouwe ‘Frau, Herrin (über Gesinde); Gottesmutter Maria’ für Zugehörige zu einem Frauenkloster; Leibundgut als Zusammenrückung für eine Person, die sich lebenslänglich in einem Haushalt verdingt. Gemäss Brechenmacher 2 (1957-1963: 166) hiess das Rechtsgeschäft «einen zu Leib und Gut annehmen». • Typ Halb: Die Bildungen mit Halbbeziehen sich auf den Zustand des Unvollständigen in Relation zum Erwarteten. Die zugrunde liegenden Bildungen sind bereits in historischen Varietäten resp. im Schweizerdeutschen lexikalisiert: mhd. halpritter ‘nicht vollkommener Ritter’; fnhd. halbedel ‘von nicht vollkommen edler Geburt’; schwzdt. Halbher(r) ‘wer sich zwar das Ansehen eines Herrn gibt, den Herrn spielt, aber doch zum Mittelstand gehört, Mittelding zwischen Bauer und Städter‘ (Id. 2 1881 ff.: Sp. 1531). Gemäss Bach (1953: 203) kann mit FamN vom Typ Halbwie Halfpape, Halbritter, Halbherr auch der unehelich Geborene nach dem Stande des Vaters bezeichnet worden sein. 7 Kommentar: Die zweite Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN vornehmlich in der nördlichen Landeshälfte vorkommen. Der häufigste FamN ist Leibundgut, der mit 9 Ortspunkten einen Raum im bernischen Oberaargau sowie im unteren Emmental (BE) bildet. Der FamN Halbheer tritt ausschliesslich im Zürcher Oberland auf. Das Vorkommen in der südlichen Landeshälfte im Berner Simmental geht auf den FamN Bettler zurück. Mehr als die Hälfte der kartierten Namen (6 der 11 Types) tritt in der gewählten Zeitschicht singulär auf, so etwa Freyler (Basel BS), Geiler (Bürglen TG) und Halbritter (Boniswil AG). 7 Vgl. Artikel III-5.7 «Übernamen nach Standesbezeichnungen». 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten 1065 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="444"?> Dritte Karte {517}: Übernamen nach Armut und Reichtum Namenauswahl: Die dritte Karte rückt ÜberN aus der Schicht «vor 1800» in den Fokus, die auf die wirtschaftliche Stellung in einem allgemeinen Sinn Bezug nehmen - gemeint ist konkret der Bezug zu Armut oder Reichtum. Lexeme für Bettler, die per se als arm gelten, werden hier nicht mehr berücksichtigt, da sie bereits auf der zweiten Karte aufgenommen wurden. Die ausgewählten FamN werden semantisch nach der Bedeutung ‘arm’ oder ‘reich’ eingeteilt und kontrastiv dargestellt. Abgefragte Namen ÜberN nach Armut: Arm, Hablützel, Nievergelt, Würsten, Zahler. 18 Tokens. ÜberN nach Reichtum: Boppart, Göldi, Guldi, Reich, Reichen, Rich, Richen, Rychen, Schatz, Schatzmann. 10 Types, 35 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 537: Daten zur dritten Karte {517} Detailangaben zur Namenauswahl: Nachfolgend werden die einschlägige Deutung und ggf. die konkurrierenden (Be-)Deutungen aller kartierten Namen (in alphabetischer Reihenfolge) angegeben sowie in Einzelfällen allgemeine Informationen zu den ausgewählten FamN genannt. • Arm: zu mhd. arm mit verschiedenen Bedeutungen wie ‘mittellos; schwächlich, unansehnlich; unglücklich; erbärmlich’; konkurrierend ist auch eine Anbindung an Arm für das Körperteil möglich. 8 • Boppart: zu schwzdt. Boppart ‘reicher, stolzer Bauer oder einer, der sich so stellt’ • Göldi, Guldi: zu mhd. guldīn, spätmhd. golden ‘golden, goldfarben, schön’; konkurrierend ist auch ein BerufsüberN für einen Goldschmied denkbar. • Hablützel: Zusammenrückung aus dem Verbstamm hab ‘haben’ und dem Adjektiv lützel ‘klein; gering; armselig, ärmlich’ wohl für eine Person, die notorisch auf ihren geringen Besitz aufmerksam machte. 9 • Nievergelt: Zusammenrückung aus nie vergelten ‘nie zurückbezahlen’ für einen notorisch säumigen Schuldner, also wohl jemanden, der kaum über Geldmittel verfügte. • Reich, Reichen, Rich, Richen, Rychen: zu mhd. rīch(e) ‘vornehm, edel, mächtig, reich’; konkurrierend kann auch ein Patronym, eine Kurzform zu Vollformen wie Reichard oder Reichwald vorliegen, deren Erstglied aber wiederum auf demselben Lexem (ahd. rīch) beruht. • Schatz, Schatzmann: zu mhd. schaz ‘Geld und Gut, Reichtum, Schatz, Vermögen allgemein’ als ÜberN für einen reichen oder Karte 517: ÜberN nach der wirtschaftlichen Stellung arm und reich, vor 1800 8 Vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 9 Vgl. Artikel II-4.1 «Zusammenrückungen mit verbalem Bestandteil/ Satznamen». 1066 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="445"?> sehr beliebten Menschen. Konkurrierend ist auch ein BerufsN für eine Person möglich, die mit Einschätzungen, Besteuerungen u. ä. betraut war. • Würsten: zur Superlativform von mhd., schwzdt. wirs ‘schlimmer, schlechter, niedriger, weniger’ in einer gerundeten Form 10 • Zahler: zu mhd. zaler ‘Schuldner’ für eine verschuldete Person Kommentar: Die dritte Karte lässt für die ausgewählten FamN zwei Gebiete deutlicher hervortreten: einerseits das Berner Oberland mit den FamN Reichen und Rychen, andererseits ein Gebiet im sanktgallischen Wahlkreis Toggenburg mit dem FamN Reich. Im Berner Oberland sind auch die FamN Würsten und Zahler alteingesessen, während Arm gebündelt im Emmental (BE) vorkommt. 11 Daneben bildet der FamN Hablützel ein kleines Gebiet in der Grenzregion zwischen Zürcher Unterland und Schaffhausen. Der FamN Nievergelt ist vornehmlich im Knonauer Amt (ZH) vertreten. Vierte Karte {518}: Übernamen nach Münzeinheiten Namenauswahl: Die vierte Karte gilt ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die auf Bezeichnungen von Münzeinheiten, also früher gebräuchlichen Währungen, zurückgehen. Fleischer (1964: 153) führt verschiedene Beweggründe für die Benennung nach Münzen an: 1. Reichtum bei hohem Geldwert der Münze, 2. Armut bei niederem Geldwert der Münze, 3. Schuld in einer gewissen Höhe, 4. Summe, die jemand ausleiht, und schliesslich 5. Art oder Einheit einer Abgabe, einer Steuer. Die ausgewählten FamN werden nach zugrunde liegendem Lexem eingeteilt. Abgefragte Namen Typ Haller: Haller, Häller. 14 Tokens. Typ Hälbling: Helblig, Helbling. 10 Tokens. Typ Pfund: Pfund. 8 Tokens. Typ Schilling: Schilli, Schillig, Schilliger, Schilling. 19 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 538: Daten zur vierten Karte {518} Karte 518: ÜberN nach Münzeinheiten, vor 1800 10 Vgl. die Artikel II-1.2 «Flektierte Adjektivformen» und I-1.6 «Rundung». 11 Die Armut des Emmentals ist historisch bezeugt, aber für die Bildung der FamN nicht mehr ausschlaggebend, denn sie hat ihren Ursprung im 19. Jh. In dieser Zeit wurde das einst wirtschaftlich fortgeschrittene Emmental zur Armenregion: «Im 17. und 18. Jahrhundert waren das Emmental und sein Gewerbezentrum Langnau für ihren Wohlstand berühmt, der auf dem Export von Leinwandprodukten (Gespinst, Tuche), Käse, Holz und Pferden beruhte; das Gebiet war damals vermutlich der wirtschaftlich am weitesten entwickelte Landesteil Berns. Erst nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Leinwandgewerbe infolge der Konkurrenz der Fabrikkantone untergegangen und die Alpkäserei wegen der neuen Talkäserei zusammengebrochen war, wurde - nicht zuletzt durch Jeremias Gotthelfs Werk - die Armennot des Emmentals sprichwörtlich» (e-HLS 2018: s. v. Emmental ). 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten 1067 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="446"?> Detailangaben zur Namenauswahl: Die kartierten FamN gehen auf Währungseinheiten zurück, die alle zu einem Zeitpunkt - von der Frühen Neuzeit bis ins 19. Jh. - in der Schweiz als Münzeinheiten üblich waren: 12 • Haller, Häller: zu schwzdt. Haller, Häller ‘Heller’, nach dem Ort der Erstprägung Schwäbisch Hall: «Der H[aller] (oder Heller) war ab dem SpätMA die kleinste Münzeinheit in den Münzsystemen der Schweiz» (e-HLS 2015: s. v. Haller); die Münze war bis Ende des 18. Jh. in Verwendung. Konkurrierend sind auch HerkunftsN zu SiedlungsN Hall oder WohnstättenN zu FlurN Hal(l)e(n), einer Nebenform zu Halde(n), möglich. • Helblig, Helbling: zu mhd. helblinc ‘Münzstück im halben Wert des jeweiligen Pfennigs’, schwzdt. Hälbling: «Ab dem 13. Jahrhundert wurden vermehrt Halbstücke (Obole oder später Hälblinge) des Pfennigs geprägt» (e-HLS 2010: s. v. Pfennig). • Pfund: zu schwzdt. Pfund, das zuerst eine Gewichtseinheit bezeichnete, die sich im Frühmittelalter zur Recheneinheit veränderte und «bis zur Einführung des Frankens 1850 in der Schweiz in Gebrauch» blieb (e-HLS 2010: s. v. Pfund ). • Schilli, Schillig, Schilliger, Schilling: zu schwzdt. Schilli(n)g; Schillingprägungen setzen in der Deutschschweiz im 15. Jh. ein und die Münzen spielen in der Neuzeit eine wichtige Rolle als kleine Einheit (e-HLS 2011: s. v. Schilling). Für den FamN Schilli ist formal auch eine Deutung als ÜberN zu schwzdt. (älter) Schilli ‘Schieler’ möglich. 13 Kommentar: Die vierte Karte zeigt, dass die ausgewählten FamN kaum regionale, sondern eher punktuelle Vorkommen aufweisen: Der Typ Haller dominiert zwar im Aargau und südlich anschliessend im Kanton Luzern, FamN vom Typ Hälbling kommen dann aber vereinzelt im Kanton Bern und am oberen Teil des Zürichsees vor (ZH, SZ, SG). Der FamN Pfund weist neben 4 Ortspunkten im Simmental (BE) noch weitere verstreute Belege auf. Auch der häufigste Typ Schilling zeigt ein Streubild und tritt punktuell in mehreren Deutschschweizer Gebieten (Mittelland und Zentralschweiz) in Erscheinung. 12 Auf die regionalen Unterschiede vom 14. bis zum 18. Jh. sei hier nur hingewiesen: «Die Grafen bzw. Herzöge von Savoyen, die Stadt Genf, die Fürstbischöfe von Lausanne und Sitten sowie die Fürstäbte von St. Gallen gaben Silbermünzen aus (Groschen, Taler, Dicken, Plappart), seltener auch Goldmünzen. Im 14. und 16. Jahrhundert verlieh der Fürstbischof von Chur sein Münzrecht dem Gotteshausbund. Die eidgenössischen Orte prägten ähnliche Münzwerte, zu denen allerdings noch Krone, Pistole und Batzen hinzukamen. Dieses reiche und vielfältige Münzwesen blieb bis 1798 erhalten» (e-HLS 2010: s. v. Münzen). 13 Vgl. Artikel III-5.2 «Übernamen nach körperlichen Merkmalen: Körperteile und Gang». 1068 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="447"?> Fünfte Karte {519}: Übernamen nach der Witwenschaft Namenauswahl: Die fünfte Karte illustriert ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die auf die Witwenschaft Bezug nehmen. Der Tod des Ehepartners ist ein Lebensereignis, das - vorrangig für die Frau - in früherer Zeit auch mit tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen verbunden war. Die ausgewählten FamN werden nach Bezug auf weibliche und männliche Formen unterschieden und kontrastiv dargestellt. Abgefragte Namen Typ Witwe: Wittwa, Wittwen. 3 Tokens. Typ Witwer: Wittwer. 12 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-40, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 539: Daten zur fünften Karte {519} Detailangaben zur Namenauswahl: Durch den Tod des Ehepartners entstanden vor der Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) v. a. für Frauen teils prekäre Lebensverhältnisse. Witwen waren rechtlich gegenüber Witwern benachteiligt und aufgrund von eingeschränktem Erbrecht eher einem Armutsrisiko ausgesetzt (e-HLS 2015: s. v. Witwenschaft). Die weibliche Form geht auf ahd. wituwa, mhd. wit(e)we, witiwe, witib zurück; die männliche Form mhd. wit(e)wer ist davon mittels er-Suffix abgeleitet. Die entsprechenden ÜberN nehmen entweder Bezug auf die verwitwete Person selbst oder «auf Kinder, die von einer Witwe aufgezogen wurden» (RNB 3 1986: 638); allenfalls spielt auch die Rechtslage bezüglich Erbe in der entsprechenden Region eine Rolle. Historisch sind für Graubünden sowohl Schreibungen mit -a (1467 Hans Witwa), schwache Genitive auf -en (1430 Hein der Witwen) als auch solche mit -er am Wortende (1480 Jos Witter) bezeugt (RNB 3 1986: 638), jeweils mit einem männlichen Ruf N kombiniert. Gemäss Id. 16 (1881 ff.: Sp. 2334) ref lektiert die Form Witwe(n) eher schriftsprachlichen Gebrauch, da die Mundartform Witt-Frauw lautete. Kommentar: Die fünfte Karte weist für die männliche Form Wittwer ein Verbreitungsgebiet am Thunersee sowie nördlich anschliessend bis ins südliche Emmental (BE) aus. 14 Die weiblichen Formen sind demgegenüber nur im östlichen Graubünden zu FamN geworden. Da sich die frühen FamN fast ausschliesslich auf Männer beziehen (vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»), ist es auffallend, dass es überhaupt weibliche Formen gibt. Die deutlich höhere Tokenzahl der männlichen Form lässt sich allenfalls (auch) Karte 519: ÜberN nach der Witwenschaft, vor 1800 14 Im historischen Material für Bern ist - sofern exzerpiert - lediglich die ältere schweizerdeutsche Form Witlig (Id. 16 1881 ff.: Sp. 2331) als FamN vorhanden: Hanß Wÿttlig oder Jo ᵉ rg Wyttling (Ramseyer unveröffentlicht). Für das Amt Aarwangen führt Ramseyer (unveröffentlicht) ein Beispiel für den gefestigten FamN neben einer Berufsbezeichnung an: Hanß Wÿttlig der seÿler. 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten 1069 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="448"?> mit den demographischen Verhältnissen erklären: «Bereits im Mittelalter gab es mehr Witwen als Witwer und in den Städten waren sie stets übervertreten» (e-HLS 2015: s. v. Witwenschaft). Insofern wäre die männliche Witwenschaft seltener und eher ein Alleinstellungsmerkmal, das zur Namengebung motivieren konnte. Ein Blick in historische Daten müsste diese Hypothese stützen. Sechste Karte {520}: Übernamen nach Erbe oder Erbschaft Namenauswahl: Die sechste Karte thematisiert ÜberN aus der Schicht «vor 1800», die unter dem Aspekt des Erbens charakterisiert werden können. Da dieser Aspekt nur in einem lexikalischen Typ vorliegt, werden die ausgewählten FamN nach ihrem morphologischen Formtyp kontrastiv dargestellt. Abgefragte Namen Erb: 20 Tokens. Erpen: 4 Tokens. Datenschicht: vor 1800 (alle Typen) Kreise 20-35, absolute Darstellung, Feinheitsgrad: historische Gemeinden Tabelle 540: Daten zur sechsten Karte {520} Detailangaben zur Namenauswahl: Die hier behandelten FamN gehen beide auf mhd. erbe ‘Nachkomme, Erbe’ zurück. Während Erb Apokope zeigt, ist Erpen eine Form mit schwachem Genitivsuffix; ältere Schreibungen sind Erpo, Erpon, Erbo, Herpos (Walliser Wappenbuch 1946: 88). Formal ist auch ein Patronym zum Ruf N Arbo, Erbo denkbar; der Ruf N beruht auf derselben etymologischen Grundlage wie Erbe. Ob hier männliche oder weibliche Erben gemeint sind, kann aus der Wortform nicht erschlossen werden. Da sich frühe FamN i. d. R. auf Männer beziehen (vgl. I-A «Einleitung zum Familiennamenatlas der Deutschschweiz»), dürften hier männliche Nachkommen gemeint sein. Zudem wurden Söhne «v. a. im ländlichen Erbrecht gegenüber Töchtern begünstigt, zum Beispiel im Sohnsvorteil oder im Erbrecht eines einzigen Sohnes» (e-HLS 2006: s. v. Erbrecht). Es sei noch angemerkt, dass Erbe kein Lexem des Wortfelds Verwandtschaft ist, 15 aber aufgrund der historischen und rechtlichen Eckpunkte bei Erbschaften i. d. R. Nachkommen bedacht wurden: «Grundregeln des mittelalterlichen Erbrechts waren die Bindung des Erbguts an das Haus und an die Blutsverwandtschaft des Erblassers, wobei Männer- und Frauengut getrennt behandelt wurden, sowie der absolute Vorrang der Nachkommen (Deszendenten) in der Erbfolge» (e-HLS 2006: s. v. Erbrecht). Kommentar: Die sechste Karte weist den FamN Erb als den nördlichen Typus und Erpen als jenen des Wallis aus. Formal passt dies zum allgemeinen Verteilungsbild der jeweiligen morphologischen Struktur: Die Form Erpen mit schwachem Genitivsuffix tritt in der Karte 520: ÜberN nach Erbe oder Erbschaft, vor 1800 15 Vgl. Artikel III-5.8 «Übernamen nach Verwandtschaft». 1070 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="449"?> Südwestschweiz auf, wo dieses Bildungsmuster häufig vertreten ist. 16 Erb kommt v. a. in der nördlichen Landeshälfte vor, von Basel-Landschaft bis St. Gallen. Ergänzungen und Vergleichsfälle Ergänzungen und Vergleichsfälle Schweiz: Die häufigsten drei der hier behandelten FamN sind im Datensatz «2020» (Schweizer Staatsbürger: innen, Datenquelle: BFS): Wittwer (4'079 Tokens), Haller (3'007 Tokens) und Herren (2'074 Tokens). Wenn man vereinzelte FamN wie Bettler, Pfund oder Zahler gemeinsam kartiert, fällt auf, dass das Berner Simmental als Namenraum hervortritt. Dieser Befund müsste noch mit einer systematischen Recherche, allenfalls auch mit Sichtung historischer Belege untermauert werden. Vergleich mit benachbartem Ausland: Kunze (2004: 139) nennt Geld und Geldwert als namengebendes Motiv und führt die FamN Schilling und Pfund an. Berücksichtigung finden auch die FamN auf -pfennig sowie die Namen Hundertmark, Hundertpfund als ÜberN für den Reichen (Kunze 2004: 146, 151). ÜberN, die auf wirtschaftliche Merkmale Bezug nehmen, werden im DFA 5 (2016: 978-1065) nicht behandelt; dort liegt der Schwerpunkt auf biographischen Merkmalen (Karten 383-419). Datenquellen BFS = Bundesamt für Statistik (2021): STATPOP 2020. Nachnamen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz für das Jahr 2020. Datenlieferung für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auf lage von 1989 (https: / / hls-dhs-dss.ch/ famn/ ) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete». swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ amtliches-ortschaftenverzeichnis. swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDA- RIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/ 2022 von der Webseite https: / / www.swisstopo.admin.ch/ de/ landschaftsmodell-swissboundaries3d. Literatur APNB 1 = Sonderegger, Stefan (1958): Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. Grammatische Darstellung (Appenzeller Namenbuch 1). Frauenfeld: Huber. Bach, Adolf (1953): Deutsche Namenkunde. Bd. I, 2: Die deutschen Personennamen. Die deutschen Personennamen in geschichtlicher, geographischer, soziologischer und psychologischer Betrachtung. 2., stark erweiterte Auflage. Heidelberg: Winter. Berchtold, Simone/ Graf, Martin H. (i. V.): Die Familiennamen der deutschen Schweiz. Ein etymologisches Lexikon. Einschliesslich der rätoromanischen Namen nach den Vorarbeiten von Konrad Huber. Brechenmacher, Josef K. (1957-1963): Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2 Bde. 2., von Grund auf neugearbeitete Auf lage. Limburg a. d. Lahn: Starke. DFA 5 = Kunze, Konrad/ Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Bd. 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin, Boston: De Gruyter. e-FWB = Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (2017 ff.): junker. Online-Version des Frühneuhochdeutschen Wörterbuches (FWB). http: / / fwb-online.de/ go/ junker.s.0m_1741127050 (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie (2018): Emmental. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008495/ 2018-01-18/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Dubler, Anne-Marie/ Schnyder, Bernhard (2006): Erbrecht. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ articles/ 009609/ 2006-10-23/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Fedel, Lorenzo (2011): Schilling. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013672/ 2011-07-28/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Flückiger, Erika (2008): Bettelwesen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016095/ 2008-11-27/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Geiser, Anne (2010): Münzen. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013663/ 2010-01-21/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Head-König, Anne-Lise (2015): Witwenschaft. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016589/ 2015-05-07/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Kuhn, Thomas K. (2011): Reichtum. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 017471/ 2011-12-23/ (letzter Zugriff 12.11.2025). e-HLS = Schmutz, Daniel (2010): Pfund (Währung). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013670/ 2010-09-28/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Schmutz, Daniel/ Zäch, Benedikt (2010): Pfennig. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013673/ 2010- 09-28/ (letzter Zugriff 30.06.2025). e-HLS = Simon-Muscheid, Katharina/ Schnegg, Brigitte (2015): Armut. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 016090/ 2015-05-11 (letzter Zugriff 12.11.2025). e-HLS = Zäch, Benedikt (2015): Haller (Münze). Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 013682/ 2015-05-28/ (letzter Zugriff 30.06.2025). familiennamen.ch = Schweizerisches Idiotikon (o. J.): familiennamen.ch. Das Portal der schweizerischen Familiennamenforschung. https: / / familiennamen.ch/ (letzter Zugriff 30.06.2025). Fleischer, Wolfgang (1964): Die deutschen Personennamen. Geschichte, Bildung und Bedeutung (Wissenschaftliche Taschenbücher 20). Berlin: Akademie. Id. = Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache (1881 ff.): Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler, fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger u. a. Bd. 1 ff. Frauenfeld: Huber bzw. Basel: Schwabe. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2005): Duden - Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auf lage. Mannheim et al.: Dudenverlag. Kohlheim, Rosa/ Kohlheim, Volker (2014): Spätmittelalterliche Regensburger Übernamen. Wortschatz und Namengebung (Germanistische Bibliothek 53). Heidelberg: Winter. Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5., durchgesehene und korrigierte Auf lage. München: dtv. Ramseyer, Rudolf J. (unveröffentlicht): Vorarbeiten zu einem Personennamenbuch des Kantons Bern. Unveröffentlichte Daten. Beruhend auf Urbaren hauptsächlich aus dem 16. Jh. Staatsarchiv Bern (N R. Ramseyer 15-22). 16 Vgl. Artikel II-1.1 «Schwache und starke Genitivsuffixe». 5.10 Übernamen nach gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aspekten 1071 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="450"?> RNB 3 = Huber, Konrad (Hrsg.) (1986): Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta und Andrea Schorta. Bd. 3: Die Personennamen Graubündens mit Ausblicken auf Nachbargebiete. Teil 1: Von Rufnamen abgeleitete Familiennamen. Teil 2: Von Übernamen abgeleitete Familiennamen (Romanica Helvetica 101). Bern: Francke. Walliser Wappenbuch = Kantonsarchiv unter Mithilfe der beiden historischen Vereine des Kantons Wallis unter den Auspizien des Staatsrates (1946): Armorial Valaisan. Walliser Wappenbuch. Zürich: Orell Füssli. Simone Berchtold 1072 5 Übernamen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="451"?> Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Die nachfolgenden Register und Verzeichnisse gelten für alle drei Bände des FDS. Die Seitenzahlen 1−316 beziehen sich auf Band I «Graphie und Phonologie», die Seitenzahlen 317−622 auf Band II «Morphologie und Syntax» und die Seitenzahlen 623−1121 auf Band III «Lexik und Benennungsmotive». Familiennamenregister A à Wengen 774, 784 ab Yberg 239, 558, 562, 774, 814 Abächerli 350, 354, 558, 562, 840 Abbt 179, 1038 Abbühl 558, 562, 774, 776 Abderhalden 93, 558, 562, 774, 784 Abegg 558, 562, 774 Abegglen 558, 562, 774 Aberegg 558, 562, 774 Aberli 90, 92, 186, 350, 354, 357 Aberlin 90, 92, 186, 352, 354, 357 Abgottspon 558, 562, 746 Abplanalp 558, 562 Abrecht 90, 92 Abt 179, 1038 Accola 719, 722, 724 Achermann 213, 405, 406, 409, 902 Ackermann 213, 405, 406, 409, 902 Ackle 353, 355, 357 Acklin 352, 354, 357 Adank 90, 190, 558, 1008 Adler 179, 181, 870, 872, 874 Aeberhard 249 Aeberhardt 249 Aeberli 350, 354, 357 Aebersold 493, 804 Aebi 67, 72, 157, 186, 364, 365 Aebin 67, 186, 364, 365 Aebischer 67, 72, 428 Aebisegger 67, 244, 774 Aebli 350, 354, 357 Aeby 67, 157, 364, 365 Aecherli 67, 350, 354, 840 Aegerter 67, 428, 840 Aehrenbold 67 Aellen 67, 334, 335, 337 Aellig 67, 382, 384, 385 Aelpler 67, 440, 906 Aemisegger 67, 428, 774 Aemmer 67 Aenishänslin 67, 352, 354, 357, 510, 513, 520, 702, 704 Aeple 353, 355, 357 Aepli 350, 354, 357 Aeppli 350, 354, 357 Aerne 60, 67, 364, 365, 666, 671 Aerni 56, 60, 67, 157, 364, 365, 666, 671 Aerny 60, 67, 157, 302, 364, 365, 666, 671 Aerschmann 302 Aeschbach 67, 238, 493, 793, 810 Aeschbacher 67, 238, 793, 810 Aeschi 67, 364, 365, 810 Aeschimann 67, 405, 406, 408, 810 Aeschlimann 67, 72, 405, 406, 408, 414, 416, 810 Aeschmann 67, 405, 406, 408, 810, 840 Affeltranger 744 Affentranger 428 Affolter 492, 813 Agenstein 826 Aggeler 178, 418, 422, 719, 722, 724 Agner 418, 422, 719, 722, 724, 734 Agten 334, 335, 337, 719, 722, 724 Ahl 1030, 1032 Ahorn 191, 810 Akermann 213, 405, 406, 409, 902 Akert 179, 464 Aklin 352, 354, 357 Albert 464 Albietz 482, 485, 503, 513, 932, 935 Albisser 438, 485, 503, 513, 932, 935 Albrecht 90, 92 Alchenberger 239 Alder 179, 506, 513, 1062 Alemann 764, 768 Aletz 374, 719, 722, 724 Alge 758, 760 Alig 382, 384, 385 Alioth 255 Alispach 238, 793 Allaman 764, 768 Allamand 764, 768 Allamann 764, 768 Allemand 764, 768 Allemann 764, 768 Allenbach 238, 492, 793 Allenspach 238, 244, 492, 793 Allgäuer 109, 758, 760 Allgöwer 109, 758, 760 Allimann 764, 768 Almer 842 Alpstäg 863 Alt 401, 1044, 1048 Altenbach 238, 793 Altenberger 239, 744 Altermath 302 Althaus 126, 131, 852 Altheer 162, 166, 179, 506, 513, 1062 Alther 166, 179, 506, 513, 1062 Altherr 166, 179, 506, 513, 1062 Altmann 405, 406 Altorfer 207, 241, 244, 428, 754 Altwegg 493, 862 am Rhyn 559, 560, 774, 784 Amacher 213, 559, 560, 840 Amacker 213, 559, 560, 840 Ambauen 559, 560 Amberg 239, 559, 560, 774, 776 Ambiel 75, 79, 80, 559, 560, 774, 776 Ambord 559, 560, 774, 784 Ambort 559, 560, 774, 784 Ambrosius 542, 545 Ambuel 268 Ambühl 80, 559, 560, 774, 776 Amgarten 559, 560, 846 Amgwerd 179, 559, 560, 802 Amherd 559, 560, 828 Amhof 559, 560, 880 Amlehn 559, 560, 883 Amman 195, 405, 406, 409, 949 Ammann 405, 406, 409, 949, 958 Ammon 195, 405, 406, 409, 949 Amoos 163, 496, 559, 560, 804, 807 Amos 496, 559, 560, 804, 807 Amport 559, 560, 774, 784 Amrein 559, 560, 562, 774, 784 Amrhein 559, 560, 774, 784 Amschwand 559, 560, 832, 833 Amsler 915, 916 Amstad 559, 560, 808 Amstalden 559, 560, 774, 784 Amstein 559, 560, 826 Amstutz 496, 559, 560, 562, 774, 784 Amweg 559, 560, 862 Andenmatten 559, 560, 843 Anderau 559, 560, 802 Anderauer 559, 560, 802 Anderegg 559, 560, 562, 774 Andereggen 559, 560, 774 Anderes 466 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="452"?> Anderfuhren 559, 560, 774 Anderhalden 93, 559, 560, 774, 784 Anderhirsern 559, 560, 848 Anderhub 559, 560, 883 Andermatt 559, 560, 843 Anderrüthi 136, 140, 559, 560, 830, 833 Anderrüti 136, 140, 559, 560, 830, 833 Anders 466 Anderwert 464 Andrae 548 Andres 466 Andri 157 Andrist 462, 466, 468 Andry 157 Anex-dit-Chenaud 613 Angehrn 559, 774 Angliker 383, 384, 385, 752 Angst 179, 1005 Angstmann 179, 405, 406, 410, 1005 Anhorn 191, 810 Anken 892 Anker 870, 872 Ankli 186, 350, 354, 892 Anklin 186, 352, 354, 892 Anliker 383, 384, 385, 752 Anna 719, 722, 723, 724, 731 Annaheim 512, 513, 719, 722, 723, 724, 731 Annasohn 510, 513, 719, 722, 723, 724, 731 Anneler 178, 418, 422, 719, 722, 723, 724, 731 Annen 334, 335, 337, 719, 722, 723, 724, 731 Anner 418, 422, 719, 722, 723, 724, 731 Anrig 285, 297 Ans 703, 706 Anspach 238, 793 Antenen 334, 335, 337 Antener 178, 418, 421 Anthamatten 559, 843 Anthenien 74, 76, 80, 334, 335, 337 Anthonien 334, 337 Appert 464 Appius 542, 545 April 1056 Arbenz 758, 760 Arbez dit Arbel 613 Aregger 166, 428 Arm 401, 987, 1066 Armbruster 438 Arnet 677 Arni 56, 60, 364, 365, 666, 671 Arnitz 334, 335 Arnold 661, 672, 677, 680 Arregger 166 Artho 275, 277 Arzethauser 126, 131, 852 Aschmann 405, 406, 409 Aschwanden 559, 832, 833 Asper 810 Ast 976 Athenon soit Attenon 618 Attenhofer 758, 760 Attiger 188, 744 Attinger 188, 383, 384, 385, 744, 752 Atz 374 Atzenweiler 114, 119, 755 Atzenwiler 113, 119, 755 Atzinger 842 Atzli 350, 354, 357, 376 Auchli 350, 354, 892 Auer 802 Auf der Maur 126, 131, 558, 562, 859 Aufdenblatten 558, 562, 774 Aufdereggen 558, 562, 774 Aufdermauer 126, 131, 181, 558, 562, 859 Aufdermaur 126, 131, 558, 562, 859 Augsburger 884 Augstburger 884 Aus der Au 558, 802 Ausderau 558, 802 B Baader 162, 438, 946 Bäbler 418, 421 Babst 90, 91, 179, 181, 230, 1038 Bach 493, 793 Bacher 56, 61, 428, 432, 793 Bächer 56, 61, 793 Bächinger 758, 760, 762 Bächle 353, 355 Bächler 68, 70, 72, 430, 432 Bächli 186, 350, 354 Bächlin 186, 352, 354 Bachmann 405, 406, 408, 411, 793, 800 Bachofen 856, 880 Bachofer 438, 444, 856, 880 Bachofner 442, 444, 856, 880 Bächtiger 42, 428 Bader 56, 61, 438, 946 Bäder 68, 72, 682, 686 Badraun 683 Badrutt 230, 683 Baechler 68, 70, 72, 430, 432 Baeder 68, 72, 682, 686 Baehler 418, 422, 719, 722, 723, 724, 730 Baer 454, 870, 872, 1025, 1032 Baeriswyl 113, 114, 119, 492, 755 Baggenstos 506, 513, 1016 Baggenstoss 506, 513, 1016 Bäggli 350, 354, 358, 986 Bähler 418, 422, 719, 722, 723, 724, 726, 730, 736 Bahnmüller 508, 513, 524, 899 Baier 107, 156, 230, 769 Baldenweg 609 Balderer 758, 760, 762 Baldesberger 239 Baldinger 428 Balett 292, 297 Balimann 405, 406 Ballaman 302 Ballauf 126, 130 Ballenegger 774 Bälliger 383, 384, 385, 752 Ballmann 418, 420 Ballmer 468 Ballmert 468 Balmer 428, 468 Balsiger 428 Baltensberger 272 Baltensperger 240, 272, 428, 744 Baltensweiler 114, 119, 744, 755 Baltisberger 239 Baltischweiler 114, 119, 755 Balz 374 Balzli 350, 354, 357, 376 Bamberger 239, 758, 760, 762 Bamert 195, 464, 482, 949 Bammatter 843 Bammert 195, 464, 482, 949 Bandli 186, 364, 365 Bandlin 186, 364, 365 Bangerter 428, 846 Banholzer 208, 816 Bannholzer 208, 816 Bänninger 383, 384, 385, 428, 744, 752 Bannwart 482, 949 Bansi 312 Bänteli 364, 365 Bantli 230, 364, 365 Banz 374 Bänz 42, 47, 374 Banzer 923 Bänziger 42, 428 Bapst 90, 91, 179, 181, 230, 1038 Bär 454, 870, 872, 1025, 1032 Barben 334, 335, 337, 719, 722, 724 Barbisch 285, 291, 297, 1026, 1032 Bärenbold 509, 513 Bärenfaller 428 Barfuss 56, 506, 513, 988 Bärfuss 56, 506, 513, 988 Bargetzi 288, 292, 296, 297 Bäriswyl 113, 114, 119, 492, 755 Barmet 195, 482, 949 Bärni 42, 47, 157 Bärny 157 Bärri 272 Bart 259 Barth 255, 259 Barthlome 258 Bartholdi 548 Bartlome 258 Bärtsch 42, 47, 375 Bärtschi 42, 47, 377 Bärtschiger 744 Bäschlin 352, 354, 357 Baschon 282 Baschong 275, 278, 280 Baschung 275, 278, 280, 282 Basler 179, 428, 743 Batschelet 275, 280 Bätschi 364, 365, 377 Bätschmann 42, 47, 378, 415, 418, 420 Bättig 396, 400, 401 Batzig 396, 400 Batzli 350, 354 Baudenbacher 238, 758, 760, 762, 793 Bauder 1002 Bauer 126, 128, 179, 181, 230, 482, 485, 902 Bauert 464, 482, 949 Bauhofer 126, 132, 503, 513, 880 Bauk 482, 1011 Bauler 418, 421 Baumann 126, 128, 132, 133, 405, 406, 409, 411, 902 Baumberger 108, 239, 428 Baumeler 178, 430, 432, 821 Baumer 108, 432, 821 Baumer Büel 149, 515, 774 Baumgart 493, 846 Baumgartner 56, 61, 62, 428, 846, 848 Baumgärtner 56, 61, 428, 846 Bäumler 109, 821 Baumli 56, 59, 350, 354, 821 Bäumli 56, 59, 109, 186, 350, 354, 821 Bäumlin 59, 109, 186, 352, 354, 821 Baur 126, 128, 179, 230, 482, 485, 902 Bäurle 353, 355, 358, 902 Bäurlin 352, 354, 358, 902 Bayer 107, 156, 230, 769 Bazzi 312 Bearth 255 Becher 940 Bechler 70, 430, 432 Béchon 282 Bechtiger 42 Beck 50, 52, 482, 485, 499, 522, 896 Becker 50, 438, 485, 522, 896 Beder 56, 61, 438, 946 Beeler 162, 418, 422, 719, 722, 723, 724, 726, 730, 736 Beeli 162 Beer 162, 454, 870, 872, 1025, 1032 Beeri 162, 454, 1025, 1032 Beerle 162, 353, 355, 358, 454, 1025, 1032 Beerli 162, 350, 354, 358, 454, 1025, 1032 Beerstecher 162, 438, 503, 513, 906 Beetschen 162, 334, 335, 337, 682, 685, 688 Begert 464 Beier 230, 769 Bek 50, 482, 485, 522, 896 Bekk 50, 482, 485, 522, 896 1074 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="453"?> Belart 275 Beldi 364, 365 Belinger 382, 384, 385 Beljean 702 Bellmond 877 Bellmont 877 Bellwald 816 Bellwalder 746, 816 Belperroud 682, 688 Belz 50, 179 Bendel 928 Bendele 178, 353, 355 Bender 97, 438, 485, 940 Benguerel dit Jacot 613 Benguerel-dit-Jacot 613 Benguerel-dit-Perroud 613 Benker 434, 466, 744 Benkert 434, 462, 464, 466, 744 Benninger 744 Benoit-dit-Roulier 613 Bensegger 774 Benteli 364, 365 Benz 42, 47, 374 Benziger 42, 188 Benzinger 188 Bercantal-dit-Birchenthal 613 Berchenmeier 104, 508, 513, 523 Bercher 418, 421 Berchten 334, 335, 337 Bereuter 758, 760 Bergdorf 207, 241, 754 Bergen 774, 776 Berger 428, 774, 776, 789 Bergmann 405, 406, 408, 774, 776 Bergundthal 609 Beriger 188 Beringer 188 Berli 350, 354, 358, 454, 1025, 1032 Berlinger 428 Bernard 249 Bernath 255 Berner 743 Bernert 468 Bernhard 249 Bernhardsgrütter 140, 830, 833 Bernhardt 249 Bernhart 249 Bernhauser 126, 131, 758, 760, 762 Bernheim 758, 760, 762 Berni 42, 47 Berri 157, 272 Berry 157 Berthel 356 Berthoud dit Gallon 613 Berthoud-dit-Gallon 613 Bertsch 42, 47, 375 Bertsche 377 Bertschi 42, 47, 157, 186, 364, 365, 377 Bertschin 186, 364, 365, 377 Bertschinger 383, 384, 385, 428, 744, 752 Bertschmann 378, 415, 418, 420 Bertschy 157, 364, 365 Berweger 862 Berwert 464 Berz 374 Besmer 179, 438 Besserer 438, 949 Betsch 375 Betschen 334, 335, 337, 682, 685, 688 Betschmann 42, 47, 378, 415, 418, 420 Betschon 275, 278, 280, 282 Bettenmann 405, 406, 408, 840 Betticher 74, 76, 80, 438, 940 Bettler 1064, 1071 Bettschen 334, 335, 337, 682, 685, 688 Beugger 466, 966, 969, 1016 Beuggert 462, 464, 466, 966, 969 Beurer 854 Beusch 814 Beuter 438 Beutler 94, 136, 138, 438, 932, 933 Beutter 438 Beyeler 178, 440, 913 Bezzola 312, 314 Bhend 179 Biber 870, 872, 1026, 1032 Biberstein 492, 877 Bickel 230 Bicker 974 Bider 466 Biderbost 342, 343, 996 Bieber 870, 872, 1026, 1032 Biechler 75, 79, 80, 174, 179, 221, 774, 776 Bieder 466, 996 Biedermann 405, 406, 410, 996 Biedert 462, 464, 466, 996 Biegger 1016 Bieglin 75, 79, 80, 352, 354, 358, 976 Biehly 302 Biel 75, 79, 80, 774, 776 Bielander 774 Bieler 75, 79, 80, 774, 776 Bieli 774, 776 Bielmann 405, 406, 408, 774, 776 Bienz 374 Bieri 230, 234, 364, 365, 370, 661, 682, 685, 688, 690, 716 Bietenholz 208, 744, 816 Bigard dit Picard 613 Bigger 974 Bigler 428 Bilang 196, 198 Bilger 1057 Bilgerig 1057 Billig 188 Billing 188 Billwiller 113, 114, 119, 755 Bind 483, 485, 940 Binder 438, 485, 940 Bindschädler 42, 44, 438, 503, 513, 940 Bindschedler 42, 44, 438, 503, 513, 940 Bindt 483, 485, 940 Biner 74, 77, 80, 840 Bingesser 424, 974 Binggeli 178, 350, 354, 358, 974 Bingisser 424, 974 Binkert 913 Binner 74, 77, 80, 840 Binz 805 Binzegger 744 Bippus 542, 545 Birbaum 493, 813, 870, 872 Bircher 86, 213, 428, 432, 810 Birchler 213, 430, 432, 810 Birchmeier 104, 213, 508, 513, 523 Birenstihl 506, 513, 976 Biri 157, 166, 364, 365, 682, 685, 688 Birkhofer 810, 880 Birmann 405, 409, 910 Birnstiel 506, 513, 976 Birrer 428, 810 Birri 166, 364, 365, 682, 685, 688 Birrwyler 113, 114, 119, 755 Biry 157, 166, 364, 365, 682, 685, 688 Bisang 275, 278 Bischof 1038, 1040, 1041 Bischofberger 239, 428 Bischoff 1038, 1040 Biser 989 Bisi dit Bigy 613 Bisig 382, 384, 385 Bislin 352, 354, 1011 Bissegger 428 Bissig 396, 400, 401, 1016 Bittel 74, 77, 80, 487, 952 Bitter 401, 1064 Bitterli 186 Bitterlin 186 Bitzius 542, 545 Biveroni 312, 748 Bivetti 312 Bivrun 748 Blank 979 Blarer 1008, 1020 Blaser 90, 966, 967, 971, 1012, 1013 Blasimann 418, 420 Blass 979 Blatt 774 Blatter 774 Blatti 774 Blattmann 405, 406, 408, 774 Blattmer 774 Blattner 774 Blatty 302 Blau 401, 979 Blauenstein 56, 877 Bläuenstein 56, 877 Bläuer 136, 138, 438, 444, 928, 930 Bleichenbacher 238, 793 Bleichmann 405, 406, 411, 864 Bleiker 213, 864 Bleisch 230, 292, 297 Blessing 382, 384, 385 Bleuel 136, 139, 928, 930 Bleuer 136, 138, 438, 444, 928, 930 Bleuler 136, 138, 440, 444, 928, 930 Blickensdorfer 272 Blickenstorfer 207, 241, 272, 428, 754 Bliggensdorfer 207, 241, 754 Bliggenstorfer 207, 241, 754 Blikisdorf 207, 241, 754 Blindenbacher 238, 793 Bloch 976 Blöchliger 188 Blöchlinger 188 Bloesch 302 Blösch 981, 1002 Blum 147, 148, 870, 872 Blumenauer 147, 148 Blumenstein 147, 148, 877 Blumenthal 147, 148, 492, 877 Blumer 147, 148 Blümli 350, 354, 358 Blunschi 456, 976 Bluntschli 350, 354, 358, 456, 976 Bobst 90, 91, 179, 181, 230, 1038 Bock 454, 870, 872, 1026, 1032 Bockhorn 870, 872 Böckli 186, 350, 354, 358, 454, 870, 872, 1026, 1032 Böcklin 186, 352, 354, 358, 454, 870, 872, 1026, 1032 Boden 774, 783 Bodenmann 405, 406, 408, 774, 783 Boder 774, 783 Bodmer 774, 783 Böesch 818 Boeschenstein 826 Bögli 186, 350, 354, 774 Böglin 186, 352, 354, 774 Bohl 165, 168, 774, 776 Böhlen 334, 335, 337 Bohler 56, 61, 168, 428, 774, 776 Böhler 56, 61, 428, 774, 776 Bohlhalder 168, 774, 784 Bohlhalter 168, 774, 784 Bohli 168, 230, 364, 365 Böhm soit Boehm 618 Bohnenblust 506, 513 Bohner 438, 910 Bohni 56, 60 Böhni 56, 60, 974 Bohny 56, 60 Böhny 56, 60, 974 Bohrer 166, 438 Boler 774, 776 Boll 56, 168, 493, 774, 776 Böll 56, 774, 776 Böllenrücher 506, 513, 1011 Boller 56, 61, 168, 428, 774, 776 Familiennamenregister 1075 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="454"?> Böller 56, 61, 774, 776 Bolleter 418, 421 Bollhalder 168, 774, 784 Bolli 168, 186, 364, 365 Bolliger 188, 428 Bollin 186 Bollinger 188, 428 Bollmann 405, 406, 408, 774, 776 Bölsterli 350, 354 Bolthauser 126, 131, 753 Bolz 374 Bolzli 350, 354, 357, 376 Bombeli 178, 195, 350, 354 Bomberger 108, 239 Bomio-Giovanascini 703 Bommeli 178, 350, 354 Bommer 108, 428, 821 Bonadurer 748 Bondeli 98, 178, 350, 354 Bondt 98, 974 Boner 438, 910 Böni 60, 974 Boni-Pedretti 682, 688 Bonjean 702 Bonjour dit Brazey 613 Bonjour-dit-Brazey 613 Bont 98, 974 Bönzli 350, 354, 376 Boo 163, 275, 277 Boog 163 Bool 163, 165, 774, 776 Boos 163 Bopp 215, 230 Boppart 1008, 1066 Bordet dit Burdet 613 Borell 955 Borel-Petitjean 702 Borer 166, 438 Borgeaud dit Avocat 613 Boringhieri 312 Borner 428 Bornhauser 126, 131, 753 Borrer 166, 438 Borsinger 383, 384, 385, 744, 752 Borter 428, 432, 774, 784 Bortis 544, 545, 548 Bosc dit Bosco 613 Bosch 56, 493, 818 Bösch 56, 493, 499, 818 Böschenstein 826 Boschung 275, 278, 280, 281 Bösiger 428 Bosio 312 Bossard 249, 679 Bossardt 249, 679 Bossart 249, 679 Bossart soit Bossard 302, 618 Bossert 249, 464, 679 Bosshard 249, 252, 679, 680 Bosshardt 249, 679 Bosshart 249, 679 Bossinger 383, 384, 385, 744, 752 Bossli 350, 354, 357 Bötschi 364, 365, 1016 Bourcart 249, 302, 305 Bourgknecht 275, 282 Bourgmestre 302, 305, 503, 513, 949 Bourquard 302, 305 Bourquenez 282 Bovet 282 Bovy-Lysberg 515 Bowee 162, 275, 280, 282 Bracher 90, 840 Brack 870, 872, 976, 1026, 1032 Brader 230 Brägenzer 758, 760 Brägger 428 Bräm 42, 46, 454, 1006, 1031, 1032 Brand 835, 837 Brandenberg 239, 835 Brandenberger 239, 428, 835 Brander 428, 835 Brandes 877 Brändle 353, 355, 357, 835 Brändli 186, 350, 354, 835 Brändlin 186, 352, 354, 357, 835 Brändly 350, 354, 357, 835 Brandstetter 835, 884 Brandt-dit-Grieurin 613 Brandt-dit-Gruérin 302, 613 Brandt-dit-Simeon 302, 613 Brandt-dit-Siméon 613 Branger 1008 Brantschen 334, 335, 337 Braschler 452, 1020 Brassel 452, 483, 485, 1008, 1020 Brasser 452, 485, 1008 Bratschi 976, 1007, 1020 Bratteler 178 Brauch 126, 129, 456, 483, 485, 1011 Bräuchi 456, 485, 1011 Brauchli 126, 186, 350, 354, 358, 456, 1011 Brauchlin 126, 186, 352, 355, 358, 456, 1011 Brauen 774 Braun 126, 129, 401, 979 Braunschweig 758, 760, 762 Braunschweiler 114, 119, 126, 755, 797 Braunwalder 816 Bräutigam 1044, 1046 Brechbühl 149, 774 Brechbühler 149, 774 Bregenzer 428, 758, 760 Breit 840 Breitenbach 238, 793 Breitenberg 239, 774 Breitenmoser 428, 804, 807 Breitenstein 493, 826 Breiter 428, 432, 840 Breitinger 840 Breitler 430, 432, 840 Breitschmid 251, 509, 513, 526 Brem 42, 46, 454, 1006, 1031, 1032 Bremgartner 428, 846 Bremi 454, 1006, 1031, 1032 Brenn 50, 483, 485 Brenner 50, 485 Brennwald 600, 602, 603, 816, 835 Brennwalder 816, 835 Brenzikofer 752 Bretsch 452, 483, 485, 1016 Bretscher 452, 485, 1016 Bretschger 452, 485, 1016 Breu 136, 141, 482 Breuning 382, 384, 385 Briaux alias Dupertuis 619 Bridler 418, 422, 719, 722, 724 Briefer 438 Brielmann 75, 79, 80, 405, 406, 408, 845 Briggeler 74, 77, 80, 178, 243, 430, 432, 863 Briggen 74, 77, 80, 243, 863 Brigger 74, 77, 80, 243, 432, 863 Briker 74, 77, 80, 243, 428, 863 Briner 893 Brisacher 750, 758, 760, 762 Brisig 113, 382, 384, 385 Britschgi 955 Briw 113, 114, 117, 893 Broch 493, 840 Brodbeck 50, 482, 503, 513, 522, 896 Broder 428 Brodmann 405, 406, 409, 896 Brodt 897 Brodtbeck 482, 503, 513, 522, 896 Brog 452, 483, 485, 1007, 1020 Broger 452, 485, 1007, 1020 Brogle 364, 366, 452, 485, 1007 Brogli 364, 366, 452, 485, 1007 Brögli 364, 366, 1020 Bromberger 239, 774, 818 Bronhofer 98, 797, 880 Brönimann 405, 406, 835 Bronner 432, 797 Brönnimann 406, 835 Brotbeck 482, 503, 513, 522, 896 Brotschi 186, 1020 Brotschin 186, 1020 Bruch 126, 456, 483, 485, 1011 Brücker 56, 58, 61, 80, 243, 428, 432, 863 Bruckner 56, 58, 61, 243, 431, 432, 863 Bruder 147, 148, 454, 1044, 1046 Bruderer 147, 148, 424, 1044, 1046 Brüderlein 352, 355, 358, 454, 1044, 1046 Brüderli 186, 350, 354, 358, 454, 1044, 1046 Brüderlin 186, 352, 355, 358, 454, 1044, 1046 Brudermann 147, 148, 406, 410, 1044, 1046 Brüesch 149 Brüggemann 56, 58, 243, 406, 863 Brugger 56, 58, 61, 243, 428, 432, 863 Brügger 56, 58, 61, 80, 243, 428, 432, 863 Brüggimann 56, 58, 243, 406, 863 Bruggisser 272 Bruggmann 56, 58, 243, 406, 411, 863 Brugisser 272 Bruhin 126, 129, 1011 Brühlmann 80, 406, 408, 845 Brühlmeier 104, 508, 513, 523 Bruholz 126, 131, 208, 816 Brühweiler 114, 119, 755 Brühwiler 113, 114, 119, 428, 755 Brulhart 302, 306, 821 Brülhart 821 Brülisauer 136 Brüllhardt 821 Brüllmann 406, 408, 845 Brülmann 406, 408, 845 Brum von Seldeneck 586 Brumann 129, 406, 410, 979 Brumm 1020 Brun 126, 129, 401, 979 Bründler 430, 432, 797 Brünggel 976 Brüngger 428, 744 Bruni 364, 368, 979 Brunisholz 56, 208, 816 Brünisholz 56, 208, 492, 816 Brunnenmeister 444, 503, 513, 528, 949 Brunner 428, 432, 434, 797, 800 Brunner dit Fontaine 302, 613, 616 Brunnhofer 797, 880 Brunnschweiler 114, 119, 126, 755, 797 Brunny 302 Brunold 126, 130 Brunschweiler 114, 119, 126, 755, 797 Brunschwiler 113, 114, 119, 126, 428, 755, 797 Brunschwyler 113, 114, 119, 270 Brupbacher 238, 428, 793 Bruppacher 238, 428, 793 Brusch 56, 287, 288, 289, 297 Brüsch 56, 149 Brüschweiler 114, 119, 428, 755 Brütsch 456, 482, 485, 1016 Brutsche 456, 485, 1020 Brutschi 456, 485, 1020 Brütschlin 352, 355, 358, 456, 1016 Brutschy 456, 485, 1020 Bryner 893 Bubendorf 207, 241, 754 Buchegger 428, 774, 810 Büchel 149, 221, 493, 774, 776 Bücheler 149, 174, 178, 221, 428, 774, 776 1076 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="455"?> Bucheli 178, 350, 354, 358, 976 Bücheli 149, 178, 221, 350, 354, 774, 776 Buchenhorner 810 Bucher 147, 148, 150, 428, 434, 810, 821 Buchhofer 147, 148, 810, 880 Büchi 149, 364, 369, 810 Buchle 353, 355, 357 Büchle 353, 355, 774, 776, 810 Büchler 149, 174, 179, 221, 428, 774, 776 Buchli 350, 354, 357 Büchli 186, 350, 354, 774, 776, 810 Büchlin 186, 352, 355, 774, 776, 810 Buchmann 147, 148, 406, 408, 810 Buchmeyer 104, 508, 513, 523 Buchmüller 147, 148, 508, 513, 524, 899 Buchs 818 Buchschacher 810 Buchser 428, 818 Buchter 976 Buchwalder 810, 816 Buck 774, 776 Buckelmann 406 Büecheler 149, 174, 178, 221, 774, 776 Büel 80, 149, 774, 776 Bueler 56, 61, 147, 774, 776 Büeler 56, 61, 80, 149, 428, 774, 776 Buess 147, 483, 949 Büetiger 149 Buetler 136, 138, 438, 898 Buff 483, 1016 Bugmann 406, 409, 939 Bugnes dit Bugnet 613 Bühler 80, 149, 221, 224, 428, 774, 776, 789 Bühlmann 149, 221, 224, 406, 408, 774, 776 Buhofer 126, 132, 503, 513, 880 Buholzer 208, 428, 810, 816 Bührer 428, 854 Bula 275, 277, 280 Bulacher 758, 760, 762 Bumann 126, 128, 132, 406, 409, 902 Bumbach 238, 793 Bumbacher 238, 793 Bundeli 178, 350, 354, 357 Bünder 848 Bünter 136, 140, 432, 848 Buntschu 870, 872, 936 Bünzli 86, 350, 354, 805 Bünzly 269 Buob 147, 1044, 1046 Buol 147 Buomberger 147, 239 Bur 126, 128, 179, 230, 482, 485, 902 Bürcher 86, 810 Burckhardt 249 Bürdel 275 Bürer 854 Burg 884 Burgat dit Grellet 613 Burgäzzi 288, 291, 292, 296, 297 Burgdorfer 207, 241, 754 Bürge 60, 242, 364, 365, 667, 671 Burgener 178, 428, 746 Burger 884 Burgermeister 444, 503, 513, 949 Bürgi 60, 157, 186, 242, 364, 365, 667, 671 Bürgin 60, 186, 242, 364, 365, 667, 671 Bürgis 242, 334, 335 Bürgisser 242 Bürgler 428, 884 Burgmeier 104 Burgstaller 884 Bürgy 60, 157, 242, 364, 365, 667, 671 Buri 166, 364, 365, 476, 1016, 1017 Burkard 249 Burkardt 249 Burkart 249 Bürke 60, 242, 364, 365, 667, 671 Bürker 810 Burkhalter 93, 428, 774, 784 Burkhard 249 Burkhard soit Bourcart 302, 305, 618 Burkhardt 249 Burkhart 249 Burki 56, 60, 242, 667, 671 Bürki 56, 60, 157, 242, 244, 364, 365, 667, 671 Bürkle 242, 353, 355, 357, 667 Bürkler 242, 418, 667 Bürkli 242, 350, 354, 357, 667 Burkolter 93, 774, 784 Burky 60, 242, 667, 671 Bürky 60, 157, 242, 364, 365, 667, 671 Burky soit Bürki 618 Burlet 126, 130 Bürli 350, 354, 358, 902 Bürlimann 406, 409, 414, 485 Burner 758, 760 Burren 334, 335, 337, 476 Burri 166, 364, 365, 370, 476, 1016, 1017, 1018 Burtschi 377 Büsch 814 Buschauer 774, 810 Buschor 774, 810 Büsel 1026, 1032 Busenhart 744 Buser 428 Buss 483 Büsser 438, 928, 930 Bussmann 418, 420 Bütikofer 428, 752 Bütschi 774, 776 Bütschli 350, 354, 774, 776 Buttauer 744, 756 Büttel 80, 487, 952 Büttiker 383, 384, 385, 428, 752 Büttikofer 752 Büttler 136, 138, 438, 898 Butzberger 302 Bützberger 239 Bützer 848 Buxtorf 207, 241, 754, 758, 760, 762 Büzberger 239 Bysäth 255 Byschof 1038, 1040 C Cabalzar 532, 533 Cabernard 532, 533 Cabiallavetta 532, 534 Cabrin 532, 533 Cadalbert 532, 533 Cadetg 532, 533 Cadieli 532, 533, 534 Cadiepolt 532, 533, 534 Cadisch 532, 533 Cadonau 532, 533 Cadosch 532, 533 Cadosi 532, 533 Cadotsch 532, 534 Caduff 532, 533, 535, 656 Cadurisch 532, 533 Cadusch 532, 533 Caf lisch 532, 533 Cagenard 532, 533 Cagianut 532, 533, 703 Cagianuth 532, 533, 703, 706 Cagienard 532, 533 Cahannes 532, 533 Cahans 532, 533, 534, 703, 706 Cahenzli 350, 354, 357, 376, 532, 533, 534 Cajacob 532, 533, 534 Cajochen 532, 533, 534 Cajoos 163, 532, 533 Cajöri 532, 533 Calame dit Longjean 613 Calame-dit-Barbier 613 Calame-dit-Longjean 613, 702 Calame-Longjean 702 Caliesch 532, 533 Caliezi 532, 533 Calivers 532, 534 Calörtscher 532, 533 Caluori 532, 533 Caluzi 532, 533 Camartin 532, 533, 692 Camastral 532, 534 Camathias 532, 533 Camen 532, 533 Camenisch 532, 533, 535 Camenzind 195, 201, 272, 505, 513, 515 Camichel 532, 533 Camiu 532, 533 Campler 430 Candraja 532, 533 Candreia 532, 533 Candrian 532, 533 Canetg 532, 533, 703 Cantieni 532, 533 Cantieny 532, 533 Capadrutt 532, 533, 683, 688 Capatt 532, 533 Capaul 532, 533 Capeder 532, 533, 683, 688 Capetet dit Capatet 613 Caplazi 532, 533 Capol 532, 533 Caprez 532, 534 Carigiet 532, 533 Carisch 532, 534 Carlen 262, 334, 335, 337 Caseel 162, 532, 534 Caseli 532, 534 Casentieri 532, 534 Caspar 263, 546 Casparin 546 Casparis 544, 545, 546 Casper 263 Caspescha 532, 534 Castelberg 239, 492, 748, 877 Castrischer 748 Cathomas 532, 534 Cathomen 532, 534 Cathry 719, 722, 724, 735 Catschegn 532, 534 Cavegn 532, 534 Cavelti 532, 534 Cavelty 532, 534 Caveng 295, 297, 532, 534 Caviezel 532, 534, 535 Cavigelli 532, 534 Cavigilli 532, 534 Chavanel dit Lavoz 613 Cherno 210, 474, 996 Chiprut soit Ciprut 618 Chopard-dit-Jean 613 Christ 210, 696, 698, 699 Christan 696 Christe 696, 699 Christeler 178, 210, 418, 421, 696, 698 Christeller 178, 210, 418, 421 Christen 210, 661, 696, 698, 699 Christener 178, 418, 421, 696, 698 Christig 210, 382, 384, 385, 696, 698 Christin 696 Christinat 696 Christiner 178, 210, 418, 421, 696, 698 Christinet 696 Christinger 210, 382, 384, 385, 696, 698 Christmann 210, 418, 420, 696, 698 Christoff 210 Cina 799 Familiennamenregister 1077 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="456"?> Cisli 191, 1028, 1032 Claus 233, 263 Clausen 233, 263, 334, 335, 337 Clavadetscher 748 Clemenz 263 Cleric 957 Clodel 263 Clopath 255 Colani 312 Colemberg 195, 239 Colenberg 239 Collenberg 239 Colomb-dit-Delay 613 Columberg 195, 239 Commend soit Command 618 Comminoth 255 Condrau 644 Conrad 190, 262, 644, 646 Conradin 644 Conus 542, 545, 548 Conzett 644 Coradi 262, 644, 646 Corai 644 Coray 644 Cordett 644 Coretti 644 Corneli 263 Corradi 262, 644, 646 Corradin 644 Corradini 312, 644 Corrodi 262, 644, 646 Coucheman 302 Courvoisier-dit-Voisin 613 Cramer 90, 91, 438, 960 Crameri 960 Crastan 696 Crastanell 696 Crausaz dit Crousaz 613 Cretin 696 Cristin 696 Crittin 696 Crosnier soit Cronier 618 Crud dit Bertholet 613 Crufer 287, 297, 532, 534 Crüzer 136, 857 Cuenat 644 Cuendet 644 Cueni 147, 262, 364, 365, 644, 646 Cuenin 644 Cuennet 644 Cuenot 644 Cujean 702 Cunz 262, 374, 644, 646 Cuoni 147, 157, 262, 364, 365, 644, 646 Cuony 147, 157, 262, 364, 365, 644, 646 Cuonz 147, 374, 644 Cuorad 147, 644 Curau 644 Curschellas 748 Custer 444, 956 D d’Allèves 590 d’Amman 195, 406, 409, 590, 592, 949 d’Ammann 195, 302, 406, 409, 590, 592, 949 d’Andiran 590 d’Aujourd’hui 590 d’Auriol 590 d’Epagnier 591 d’Erlach 302, 591, 592 d’Espine 591 d’Eternod 591 d’Yvernois 591 da Costa 595 da Silva 595 Daepp 68, 72, 452, 482, 485, 989, 990, 1010 Daetwyler 302 Dafond 590 Dahinden 609, 610 Dähler 814 Dahli 231, 364, 369 Dalcher 213, 493, 774, 840 Dali 231, 364, 369 Dällenbach 231, 238, 793, 814 Daller 231, 774, 783 Dallmann 231, 406, 408, 774, 783 Dalp 483, 989 Damann 406, 408, 799 Dambach 238, 493, 793, 799 Dammann 406, 408, 799 Damon dit Pichat 613 Damonti 590 Damur 590 Dändliker 383, 384, 385, 744, 752 Dandrea 590 Dängeli 178, 364, 366, 924 Dänger 231 Däniker 383, 384, 385, 744, 752 Danioth 255 Dannacher 213, 493, 814, 840 Dannmeier 104, 508, 513, 523 Danuser 748 Dänzer 438, 444, 966, 970 Däpp 68, 72, 452, 482, 485, 989, 990, 1010 Däppeler 178, 452, 485, 989, 990, 1010 Däppen 334, 335, 337 Däppen dit Tappet 302, 613 Darms 590 Darnutzer 231, 748 Darnuzer 231, 748 Darx 302, 590, 592 Däscher 231, 438, 444, 932, 933 Dattelzweig dit Dattel 613 Dätwiler 113, 114, 119, 153, 755 Dätwyler 113, 114, 119, 153, 428, 755 Daubenmeyer 104 Dauth 255 Dauwalder 816 Davatz 590 De Agostini 590 De Angelis 544, 545, 590 de Bary 590 De Bassus 542, 545, 590 de Beausobre 590 De Bernardi 590 De Bernardis 544, 545, 590 de Blaireville 590 de Blonay 590 de Boccard 590 de Bons 590 de Bonstetten 302, 584, 590, 592 de Bosset 590 de Bouillanne 590 de Bourgknecht 275, 584, 590, 592 de Boyve 590 de Brot 590 de Budé 590 de Buman 126, 132, 302, 406, 409, 584, 590, 592, 902 de Bumann 128 de Buren 584, 590, 592 de Büren 584, 590, 592 de Candolle 590 De Carli 590 de Castella 590 de Cérenville 590 de Cerjat 590 de Chambrier 590 de Chapeaurouge 590 de Chappuis 590 de Charrière 590 de Charrière de Sévery 590 de Chastonay 590 de Chollet 590 de Choudens 590 de Claparède 590 de Cocatrix 590 de Coppet 590 de Coulon 590 de Courten 590 de Crousaz 590 de Dardel 590 de Diesbach 238, 302, 584, 590, 592, 793 de Diesbach-Belleroche 302, 515, 584, 590, 592 de Dompierre 590 de Félice 590 de Fernex 590 De Filippis 544, 545, 590 de Fischer 302, 590, 592, 915, 917 de Forestier 590 de Gady 590 de Gallatin 590 De Gasparo 590 De Giacomi 590 De Gottardi 590 de Gottrau 302, 584, 590, 592 de Goumoens 590 de Goumoëns 590 de Goumöens 590 de Gunten 590, 592 de Hennezel 302, 590, 592 de Hesse 302, 590, 592 de Joffrey 590 de Kaenel 302 de Kalbermatten 302, 584, 590, 592, 746, 843 de Kennen 302, 590, 592 de la Harpe 590 De la Reussille 590 de Lamorte 590 de Landerset 302, 584, 590, 592 de Lavallaz 590 de Lenzbourg 302, 305, 590, 592 de Lerber 584, 590, 592 de Lessert 590 de Leyderrier 590 de Limoge 590 de Loës 591 de Loriol 591 de Loys 591 De Luigi 591 de Luze 591 de Maillardoz 591 De Maria 591 de Marval 591 De Mattei 591 de Merveilleux 591 de Mestral 591 de Mestral Combremont 591 de Meuron 591 de Meyer 104, 523, 591, 592, 905 de Meyeres 104, 523, 591, 592, 905 de Miéville 591 de Molin 591 De Mont 591 de Montenach 302, 584, 591, 592, 750 de Montet 591 de Montmollin 591 de Morsier 591 De Nervo 591 de Niederhäusern 302, 591, 592 de Palézieux dit Falconnet 591, 613 de Perregaux 591 de Perrot 591 De Pietro 591, 682, 688 de Pourtalès 591 de Pourtalès-Marcet 591 de Preux 591 de Pury 591 de Quervain 591 de Raemy 591 de Rameru 591 de Reyff 302, 584, 591, 592, 870, 872 de Reynier 591 de Reynold 584, 591, 592 De Riaz 591 de Ribaupierre 591 1078 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="457"?> de Riedmatten 302, 584, 591, 592, 746, 843 de Rivaz 591 de Roche 591 de Roguin 591 De Rossa 591 de Rougemont 591 de Roulet 591 de Sandol-Roy 591 de Saussure 591 de Schaller 302, 584, 591, 592, 1007 de Seigneux 591 de Senarclens 591 de Siebenthal 302, 591, 592 De St. Jon 591, 748 de Stockalper 302, 584, 591, 592 De Stoppani 591 de Stoutz 302, 305, 591, 592 de Sybourg 302, 305, 591 de Tavel 584, 591, 592 de Techtermann 302, 406, 410, 584, 591, 592, 1044, 1046 de Torrenté 591 de Traz soit Détraz 618 de Trey 591 de Tribolet-Hardy 591 de Tscharner 302, 591, 592, 890 de Vallière 591 de Vantéry 591 de Vevey 591 de Villa 282, 591 De Vizzi 591 de Wattenwyl 113, 119, 302 de Weck 302, 584, 591, 592 de Weiss 302, 584, 591, 592 de Werra 302, 584, 591, 592 de Ziegler 302 de Zurich 302 Deagostini 580, 590 Deambrosi 590 Debamp 590 Debartolomei 590 Debary 590, 758, 760 Debattista 590 Debély 590 Debernardi 590 Debernardis 544, 545, 590 Debétaz 590 Debieux 590 Debluë 590 De-Bolla 590 Debon 590 Debonneville 590 Debons 590 Debossens 590 Debourgogne 590 Debrot 590 Debrunner 428, 797 Debulle 590 Decapitani 590 Decarisch 590 Decarli 590 De-Carli 590 Decarro 590 Decasper 546, 590 Dechevrens 590 Dechristophoris 544, 545, 590 Deck 50, 482, 485 Decker 50, 438, 485 Decollogny 590 Decoppet 590 Decorges 590 Decrausaz 590 Decrauzat 590 Decreuze-dit-Dupoil 590, 613 Decrusch 590 Decurtins 590 Dedelley 590 Dederod 590 Dedomo 590 Dedual 590 Defanti 590 Deferne 590 Defferrard 590 Defilippis 544, 545, 590 Defilla 590 Def lorin 590 Defrancesco 590 Defuns 590 Degallier 590 Degenève 590 Deggeller 744 Degiacomi 590 Degiorgi 590 Degiovanfrancesco 590, 703 Degiovannini 590, 703 Degonda 590, 748 Degoumois 590 Degrange 590 Degruffy 590 Degrussa 590 Degunda 590, 748 Deis 714 Deiss 714 Dejoux 590 Dekumbis 544, 545, 590 Del Biaggio 590 Del Don 590 Del Martini 591, 692 Del Pietro 591, 682, 688 Del Siro 591 Del Thé 591 Del Zopp 591 Delabays 590 Delachaux 590 Delachaux-dit-Gay 590, 613 Delachaux-dit-Peter 590, 613, 682, 686, 688 Delacombaz 590 Delacoste 590 Delacour 590 Delacrausaz 590 Delacrétaz 590 Delacuisine 590 Deladoey 590 Deladoëy 590 Delafoge 590 Delafontaine 590 Delagrange 590 Delaigue 590 Delajoux 590 Delalay 590 Delaloye 590 Delamadeleine 590 Delamuraz 590 Delapierre 590 Delaplace 590 Delaporte 590 Delapré 590 Delaprez 590 Delaquis 590 Delarageaz 590 Delaraye 590 Delarue 590 Delarze 590 Delasara 590 Delasoie 590 Delassaraz 590 Delatena 590 Delavaux 590 Delavigne 590 Delavy 590 Delbiaggio 590 Delcò 590 Delécraz 590 Deléderray 590 Delédevant 590 Deléglise 590 Deleiderrier 590 Delémont 590 Delesderrier 590 Delespinasse 590 Delessert 590 Delévaux 590 Deleysin 590 Delez 590 Delfoc 590 Delgrande 590 Delisle 590 Dell’Ambrogio 591 Dell’Avo 591 Dell’Era 591 Dell’Oro 591 Della Bruna 590 Della Cà 590 Della Casa 590 Della Cassina 590 Della Croce 590 Della Giovanna 591, 703 Della Pietra 591 Della Vecchia 591 Dellabella 590 Dellacasa 590 Dellagana 591 Dellagiacoma 591 Dellamaria 591 Dellamonica 591 Dellasanta 591 Dellatorre 591 Dellenbach 231, 238, 793, 814 Deller 231, 774, 780 Dellsperger 240 Delmartini 591, 692 Delmenico 591 Delmonico 591 Delmonté 309, 591 Delmuè 591 Delnon 591 Delnotaro 591 Delor 591 Delorenzi 591 Delorme 591 Delorme soit Delormoz 618 Deloséa 591 Delponte 591 Delprete 591 Delrè 591 Delucchi 591 Deluche 591 Deluigi 591 Delure 591 Deluz 591 Delz 758, 760, 762 Demages 591 Demagistri 591 Demarchi 591 De-Marchi 591 Demaria 591 Demarmels 591, 592, 748 Demarta 591 Demartin 580, 591, 692 Demartines 591, 692 Demartini 591, 692 Demattei 591 Demaurex 591 Demelais 591 Demellayer 591 Demenga 591 Demeyriez 591 Demicheli 591 Demière 591 Demiéville 591 Demilliac 591 Demoinsel 591 Demole 591 Demont 591 Demonterjaud 591 Demott 591 Demund 591 Demuth 147, 148, 255, 506, 513 Denger 231 Dengler 440, 924 Denicola 591 Denner 432, 814, 854 Dennler 430, 432, 814, 854 Denogent 591 Denoréaz 591 Denoth 591, 703, 706 Familiennamenregister 1079 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="458"?> Denuder 591, 592 Dény soit Denys 618 Denz 74, 76, 80, 231, 374 Denzler 440, 444, 966, 970 Depallens 591 Depeder 591, 683, 688 DePerrot 682, 688 Depeursinge 591 Depierraz 591 Depierre 591, 682, 688 Depietri 591, 682, 688 Deplaz 591, 748 Deplazes 591, 748 Deppe 452, 485 Deppeler 178, 452, 485, 989, 990, 1010 Deppierraz 591 Deprati 591 Deprez 591 Depuoz 591 Derabours 591 Deragisch 591, 748 Derameru 591 Derameruz 591 Derendinger 428 Dergias 591 Deriaz 591 Derighetti 591 Derigo 591 Deringer 231, 769 Derivaz 591 Dermon 591 Deroche 591 Derrer 438, 928, 930 Deruaz 591 Derungs 591, 595 Dervey 591 Des Arts 591 Des Gouttes 591 Desarzens 591 De-Sassi 591 Desax 591 Desbaillet 591 Desbaillets 591 Desboeufs 591 Desbrosse 591 Deschamps 591 Deschenaux 591 Deschoux 591 Deschwanden 832, 833 Desclouds 591 Descloux 591 Descoeudres 591 Descombaz 591 Descombes 591 Descoullayes 591 Descuves 591 Desfayes 591 Desfeux 591 Desgrandchamps 591 Desgraz 591 Desjardins 591 Deslarzes 591 Deslex 591 Desmeules 591 Desoche 591 Desplan 591 Despland 591 Desplands 591 Despond 591 Desponds 591 Despont 591 Despraz 591 Desquartiers 591 Dessarzin 591 Dessauges 591 Dessaules 591 Dessaules-dit-Duneuf 613 Dessaux 591 Dessemontet 591 Dessert 591 Dessibourg 302, 305, 591 Dessiex 591 Dessimoz 591 Dessingy 591 Dessonnaz 591 Destefani 591 Destraz 591 Desvignes 591 Desvoignes 591 Dethomas 591 Detorrenté 591 Detrey 591 Dettli 350, 354, 357 Dettling 388, 390, 391, 392, 393 Dettwiler 113, 114, 119, 153, 428, 755 Dettwyler 113, 114, 119, 153, 755 Deubel 870, 872, 1008 Deubelbeiss 483, 506, 513, 997 Deuber 109, 231, 966, 967, 1016, 1020 Deucher 136, 231 Deutsch 136, 139, 179, 231, 232, 402, 764 Devallonné 591 Devantay 591 Devanthéry 591 Devaud 591 Dévaud-dit-Garin 613 Devaux 591 Devecchi 591 Devecis 544, 545, 591 Devegney 591 Develey 591 Devênes 591 Devenoge 591 Devenoges 591 Devesin 591 Devevey 591 Devillard 591 Deville 591 Devinard 591 Devincenti 591 Devins 591 Devittori 591 Devonas 591, 748 Dewarrat 591 Dick 401, 976 Dickenmann 406, 410, 976 Dieboldswyler 113, 114, 119, 755 Diener 146, 438 Diesbach 238, 793 Dieth 255 Diethelm 146 Dietiker 383, 384, 385, 744, 752 Dietler 146, 418, 421 Dietliker 383, 384, 385, 744, 752 Dietlin 352, 355, 357 Dietrich 146 Dietsche 364, 365, 377 Dietschi 146, 157, 364, 365, 377 Dietschweiler 114, 119, 755 Dietschy 157, 364, 365 Dietwiler 113, 114, 119, 755 Dietz 374 Dietzi 364, 365, 376 Dietziker 383, 384, 385, 744, 752 Diez 374 Diezi 364, 365, 376 Diezig 382, 384, 385 Dieziger 744 Diezinger 744 Diggelmann 406, 410, 976 Dikelmann 406, 410, 976 Dikenmann 406, 410, 976 Dillena 591 Dillier 418, 422, 719, 722, 724 Dillmann 231, 418, 420 Dingetschweiler 114, 119, 755 Dinkel 848, 908 Dinkelmann 406, 409, 908 Dinner 231 Diriwächter 74, 77, 80, 231, 438, 503, 513, 953 Dirren 74, 77, 80, 334, 335, 337, 338, 976 Disler 421, 714 Dissler 418, 421, 714 Distel 821, 870, 872, 1028, 1032 Disteli 178, 821, 870, 872 Ditscher 418, 421 Dittli 350, 354, 357 Döbeli 178, 774, 782 Dober 1016 Dobler 231, 428, 774, 782 Dobmann 406, 410, 1016 Doessekker 268 Doggweiler 114, 119, 231, 744, 755 Doggwiler 113, 114, 119, 231, 744, 755 Dogwiler 113, 114, 119, 231, 744, 755 Dohner 168, 1016 Dolder 984 Dolf 656, 658 Dolfi 656 Dolfini 656 Dollenbacher 238, 793 Domeisen 114, 120, 920 Dommann 231 Dommen 231 Donatsch 293, 297 Donatz 293, 297 Dönier 418, 421 Donner 168, 1016 Dönz 80, 231, 374 Döös 163, 483, 1020 Dopple 1002 Doppler 966, 970 Dorer 859 Dörf ler 884 Dörf liger 188, 884 Dörf linger 188, 884 Dörig 100, 102, 231, 769 Dörler 100, 231, 848 Dormann 231, 406, 859, 953 Dornacher 750 Dornbierer 758, 760 Dorner 818 Dort 719, 722, 724 Dorta 591 dos Santos 595 Dosenbach 238, 793 Doser 1020 Dössegger 744 Dössekel 744 Dössekker 744 Dossenbach 238, 793 Doswald 816 Dovat soit Dovaz 618 Drack 870, 872, 874, 1008, 1031, 1032 Dräyer 110, 231, 232, 942 Dreher 438, 942 Dreier 110, 231, 232, 942 Dressi-Dolfino 656 Drexler 231, 232, 438, 942 Dreyer 110, 231, 232, 942 Dreyfuss 302 Drittenbass 231, 600, 603, 604 Droxler 90, 91, 231, 232, 438, 942 Droz dit Busset 613 Droz-dit-Busset 613, 620 Drüssel 231, 487, 974, 1008 Du Bochet 591 Du Bois 591 Du Bois de Dunilac 591 Du Bois-dit du-Terraux 591, 613 du Fay de Lavallaz 591 Du Fresne 591 Du Martheray 591 Du Mont 591 du Plessis-Gouret 591 Du Pontet 591 Du Roveray 591 Duaime 591 Duamel 591 1080 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="459"?> Dub 870, 872 Dubach 238, 493, 793, 794 Dubacher 238, 428, 793 Dubas 591 Dubauloz 591 Dubely soit Dubelly 618 Dübendorf 302, 434 Dübendorfer 207, 241, 428, 434, 744 Duber 126, 129 Dubey 591 Dubi 56, 60 Dübi 56, 60 Dubied 591 Düblin 352, 355, 358 Dubochet 591 Dubois 591, 595 DuBois 591 Dubois du Nilac 591 Dubois-dit-Bonclaude 591, 613 Dubois-dit-Cosandier 591, 613, 614 Dubois-dit-du Terraux 613, 614 Dubois-Dunilach 591 Dubois-Franck 515, 591 Dubosson 591 Duboule 591 Duboulet 591 Duboux 591 Dubrez 591 Dubrit 591 Dubs 334, 335 Dubugnon 591 Dubuis 591, 595 Düby 270 Ducarroz 591 Ducart 591 Ducertot 591 Duchemin 591 Duchêne 591 Duchesne 591 Duchosal 591 Duchoud 591 Duchoux 591 Ducimetière 591 Ducimetière alias Monod 591, 619 Duclos 591 Ducloux 591 Ducommun 591 Ducommun dit Boudry 614 Ducommun dit Verron 614 Ducommun-dit-Boudry 591, 613, 614 Ducommun-dit-l’Allemand 613 Ducommun-dit-Tinnon 591, 613, 614 Ducommun-dit-Verron 591, 613, 614, 620 Ducommun-Petit-Compère 591 Ducor 591 Ducotterd 591 Ducraux 591 Ducrest 591 Ducret 591 Ducrey 591 Ducros 591 Ducrot 591 Dudan 591 Duding 302, 306 Dudle 452, 966, 967 Dudler 452, 966, 967 Dudli 452, 966, 967 Dufaure 591 Dufaux 591 Dufay de Lavallaz 591 Dufay-de Lavallaz 591 Dufey 591 Duff 466, 656 Duffey 591 Duffing 302 Duf lon 591 Dufner 758, 760, 762 Dufour 591 Dufrêne 591 Dufresne 591 Duft 462, 466 Dugerdil 591 Düggeli 178, 186, 350, 354, 357 Düggelin 178, 186, 352, 355, 357 Dugon 591 Dujac 591 Dukase soit Ducas 618 Dulex 591 Dülli 350, 354, 357 Düllmann 406, 848 Dulon 591 Dumard 591 Dumas 591 Dumauthioz 591 Dumazel 591 Dumelin 178, 352, 355, 358, 987, 1002 Dumermuth 147, 148 Dummermuth 147, 148, 231, 255, 609, 1002 Dumont 591 Dumont dit Voitel 614 Dumont-dit-Vieiljean 591, 613, 702 Dumont-dit-Voitel 591, 613 Dumoulin 591 Dumur 591 Dumusc 591 Dumusque 591 Dunand 591 Dunand soit Dunant 618 Dunant 591 Duner 231 Dunkel 979 Dünki 364, 366, 928, 930 Dünneisen 114, 120, 505, 513, 920 Dünnenberger 239, 774 Dünner 344 Dunoyer 591 Dünscher 758, 760 Dupan 591 Duparc 591 Dupasquier 591 DuPasquier 591 Duperret 591 Duperrex 591 Duperrez 591 Duperrut 591 Duperthuis 591 Dupertuis 591 Dupertuis dit Neveu 591, 613, 614 Dupertuis-dit-Neveu 591, 613 Dupin 591 Duplain 591 Duplan 591 Duplessis 591 Duplessis-Gouret 591 Dupont 591 Dupontet 591 Duport 591 Dupraz 591 Dupré 591 Dupuget 591 Dupuis 591 Dür 166, 231, 338, 401, 976 Durafour 591 Dürger 769 Dürholz 208, 816, 827 Duriaux 591 Durier 591 Durieu 591 Dürig 166, 188, 231, 769 Düring 166, 188, 231, 769 Düringer 231, 769 Dürlemann 231, 406, 414, 848 Dürler 80, 231, 848 Dürmeyer 104, 509, 513, 523 Dürmüller 827 Durni 859 Dürr 80, 166, 338, 401, 976 Dürrenberger 239, 827 Dürrenmatt 493, 827, 843 Durrer 428, 859 Dürrig 166, 188, 231, 769 Dürring 166, 188, 231, 769 Durschei 748 Durst 997, 1011 Dürst 997 Dürsteler 178, 428, 744, 827 Durtschi 231 Durussel 591 Duruz 591 Düscher 136, 138, 231, 438, 960 Düsel 231, 487, 1002 Duss 401, 1020, 1022 Düssel 231, 487, 1002 Dusserre 591 Dussex 591 Dussez 591 Dussin 591 Dussoix 591 Dussuet 591 Dustour 591 Duthaler 774 Dutheil 591 Duthon 591 Duthovex 591 Dutler 452, 966, 967 Dutli 452, 966, 967 Dutly 452, 966, 967 Dutoit 591 Dutour 591 Dutruit 591 Dutruy 591 Dütsch 136, 139, 179, 231, 232, 402, 764 Dütschler 989, 990 Duttweiler 114, 119, 428, 755 Duttwiler 113, 114, 119, 153, 755 Duttwyler 113, 114, 119, 153, 755 Duval 591 Duvanel 591 Duvanney 591 Duveluz 591 Duverney 591 Duvillard 591 Duvoisin 591 Dysli 350, 354, 714 Dyssli 302 E Ebener 174, 178, 428, 774, 783 Ebensberger 239 Eberhard 249 Eberhardt 249 Eberhart 249 Eberle 353, 355, 358 Eberlé 302, 308 Eberli 186, 350, 354, 358 Eberlin 186, 352, 355, 358 Ebersold 804 Ebiner 178, 774, 783 Ebinger 758, 760 Eblin 352, 355, 358 Ebner 174, 179, 428, 774, 783 Ebneter 428, 774, 783 Ebnöther 428, 774, 783 Echemann 302 Echser 74, 76, 80, 438, 444, 906 Eckard 244 Eckenstein 870, 874 Eckert 244, 464 Ecklin 269, 272 Ecknauer 756 Edel 401, 1036, 1062 Edelmann 406, 410, 1036, 1062 Eder 848 Egeli 176, 178, 350, 354, 358, 665, 671 Egert 464, 840 Egeter 840 Egg 774 Eggel 244, 356, 665, 671 Eggemann 406, 408, 774 Eggen 774 Eggenberg 240, 774 Eggenberger 240, 774 Familiennamenregister 1081 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="460"?> Eggenschwiler 113, 114, 119, 428, 755 Eggenweiler 114, 119, 755, 758, 760, 762 Egger 428, 432, 774 Eggermann 406, 408, 774 Eggerschwiler 113, 114, 119, 755 Eggertswyler 113, 114, 119, 302, 755 Eggimann 406, 408, 774 Eggler 430, 432, 774 Eggli 176, 179, 272, 350, 354, 665, 671 Eggly 176, 179, 302, 350, 354, 665, 671 Eggmann 179, 406, 408, 774 Eggnauer 756 Eggo 244, 474 Eggspühler 244, 774 Eggstein 870, 874 Egle 176, 179, 353, 355, 358, 665, 671 Egli 176, 179, 181, 186, 191, 350, 354, 358, 360, 665, 671, 672 Eglin 176, 179, 186, 352, 355, 358, 665, 671 Eglinger 758, 760 Egly 269 Eheim 74, 76, 80, 1044, 1046 Ehinguer 302 Ehrat 249 Ehrbar 402, 1062 Ehrensberger 240, 744 Ehrensperger 240, 428, 744 Ehrenzeller 858 Ehret 249 Ehrismann 406 Ehrle 353, 355, 358 Ehrler 428, 810 Ehrli 269 Ehrliholzer 208, 816 Ehrmann 406, 1062 Ehrsam 402, 1062 Eich 493, 810 Eichelberger 240, 810 Eichenberger 240, 244, 774, 810 Eicher 428, 432, 810 Eichholzer 208, 428, 810, 816 Eichhorn 870, 872, 1026, 1032 Eichi 810 Eichler 430, 432, 810 Eichlisberger 240, 774, 810 Eichmann 406, 408, 810 Eichmüller 508, 513, 524, 899 Eidam 1044, 1046 Eidelberger 240 Eienberger 240 Eigel 886 Eigenheer 162, 179, 503, 513, 528, 1039 Eigenmann 406, 410, 1039, 1064 Eigensatz 1039 Eiholzer 208, 428, 810, 816 Eilinger 758, 760, 762 Eimann 302 Eisen 114 Eisenbart 114, 120 Eisenegger 114, 120, 774, 828 Eisenhut 114, 120, 147, 148, 505, 513, 870, 872, 920 Eisenlohr 114, 120, 826, 828 Eisenreich 114, 120 Eisenring 114, 120, 505, 513, 920 Ellenberg 240, 774 Ellenberger 240, 428, 774 Eller 418, 422, 719, 722, 724 Ellezingue 302 Elliker 383, 384, 385, 744, 752 Elmer 428 Elmiger 428 Elsa 719, 722, 724 Elsaesser 302 Elsasser 56, 61, 758, 760 Elsässer 56, 61, 758, 760 Elsener 178, 418, 422, 719, 722, 723, 724, 732 Elser 418, 422, 719, 722, 723, 724, 732 Elsig 382, 384, 385, 719, 722, 723, 724, 732 Elsinger 418, 422, 719, 722, 723, 724, 732 Elzi 719, 722, 723, 724, 732 Elzingre 302 Emmenegger 244, 428, 774 Emmisberger 240 End 493 Enderis 466 Enderli 186, 350, 354, 358 Enderlin 186, 352, 355, 358 Eng 50, 401 Engel 870, 872 Engelberger 240 Engeler 174, 178 Engeli 178 Engelmann 418, 420 Engeloch 50, 774, 780 Engemann 50, 406, 408, 774 Engensperger 240, 774 Engesser 50, 860 Engetschwiler 113, 114, 119, 755 Enggist 50, 342, 343 Enggwiller 114, 119, 755 Engimann 50, 406, 408, 774 Engler 174, 179 Engweiler 114, 119, 755 Enk 482, 909 Enzen 334, 335, 337 Enzler 418, 421 Enzmann 418, 420 Epli 350, 354, 358 Eppenberger 240, 428 Epper 418, 421 Erath 302 Erb 1070 Erhard 249 Erhart 249 Erismann 406 Erlacher 750 Erler 302 Erne 60, 364, 365, 666, 671 Erni 60, 157, 364, 365, 666, 671 Erny 60, 157, 364, 365, 666, 671 Erpen 1070 Erzberger 240 Erzinger 428, 758, 760, 762, 763 Eschbach 238, 793, 810 Escher 428, 810, 840 Eschler 810 Eschmann 406, 408, 810, 840 Escuvillon soit Esquivillon 618 Ess 482, 1011 Essig 962 Esslinger 744 Estermann 406, 408, 848 Etter 84, 85, 454, 1044, 1046, 1050 Etterli 186, 350, 354, 358, 454, 1044, 1046 Etterlin 84, 85, 186, 352, 355, 358, 454, 1044, 1046 Ettlin 74, 76, 80, 81, 352, 355 Ettmüller 508, 513, 524, 899 Etzensberger 240, 744 Etzensperger 240, 428, 744 Etzweiler 114, 119, 755 Eugster 428, 432, 854 Eugstler 430, 432, 854 Euler 136, 138, 438 Ewig 396, 400 Exer 74, 76, 80, 438, 444, 906 Exner 74, 76, 80, 442, 444, 906 Eyacher 213, 802, 840 Eyen 74, 78, 80, 802 Eyer 74, 78, 80, 81, 428, 802 Eyholzer 208, 802, 810, 816 Eymann 406, 408, 802 Eyster 74, 78, 80, 428, 746 F Fabel 356, 358 Faës 302 Fafri 275, 282 Fählimann 406, 409, 932, 933 Fähndrich 164, 955 Fahner 438, 955 Fahrer 428, 799 Fährlin 352, 355 Fahrnbühl 149, 774 Fahrni 493 Faivre 926 Falb 979 Falck 870, 872, 1032 Falk 870, 872, 1032 Falkeisen 114, 120, 505, 513 Falkner 442, 915, 916 Fallegger 428 Faller 748 Fälmi 74, 76, 80 Famos 496, 804, 807 Fanger 848 Fankhauser 126, 131, 428, 852, 864 Fanzun 126, 848 Färber 438, 928, 930 Farny 302 Farrèr 926 Fasnacht 1003 Fassbind 210, 483, 940 Fasser 210, 438 Fässler 440, 940, 944 Fässli 350, 354, 940 Fassmeier 104, 210, 509, 513, 523, 940 Fatzer 1008 Faust 126, 129, 456, 987, 1016 Fauster 126, 129, 456, 1016 Favre 282, 926, 927 Favre dit Jean Favre 614 Favre-Brandt 515 Favre-dit-Jeanfavre 613, 702 Favre-dit-Jean-Favre 613, 702 Favre-Leuba 515 Favri 275 Fear 482, 485 Fechter 966, 970 Federer 438, 915, 916 Federle 353, 355, 358 Federli 350, 354, 358 Federspiel 506, 513, 1028, 1032 Feer 162, 165, 482, 485 Fegble 269 Fehlbaum 810 Fehlmann 168, 406, 409, 932, 933 Fehr 164, 165, 482, 485 Fehrenbach 238, 744, 793 Fehrlin 352, 355 Feier 155, 1010 Feierabend 114, 117, 506, 513, 1010, 1056 Feigenwinter 600, 602, 603 Feiss 454, 976 Feissli 350, 354, 358, 454, 976 Feissly 303 Feitknecht 957 Felber 428, 810 Felchlin 352, 355, 358 Felder 428, 774, 783, 840, 848 Feldmann 406, 774, 783, 840 Feldscher 482 Feliser 418 Fellmann 168, 406, 409, 932, 933 Feltscher 482 Felzhalb 840 Fenner 438, 955 Fercher 438, 485 Ferr 482, 485 Ferrari 926 Ferrario dit Ferrari 613 Ferrari-Pedruzzi 682, 688 Fessler 440, 940 Fetscherin 275, 278, 280 Fetz 287, 288, 296, 297 1082 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="461"?> Feurer 136, 138, 438 Feusi 452, 485 Feuz 452, 483, 485, 1016 Feyer 155, 1010 Fiechter 146, 428, 814 Fieni 287, 297 Fient 287, 297 Fierobe 114, 302, 506, 513, 1010, 1056 Fierz 997 Fietz 997 Fifel 114, 117 Fiffel 114, 117 Filistorf 207, 241, 302, 754 Filliger 188 Fillinger 188 Findling 179, 391, 392, 393, 1060 Fink 1003, 1028, 1032 Finner 438, 955 Finschi 287, 297, 377, 538 Finsterwald 493, 816 Fintschin 377 Fisch 870, 872, 1030, 1032 Fischbach 238, 793 Fischbacher 238, 793, 794 Fischer 434, 438, 444, 915, 917, 918 Fischler 434, 440, 444, 915, 917 Fischli 186, 350, 354, 1030, 1032 Fischlin 186, 352, 355, 1030, 1032 Fister 302 Fittler 418, 421 Fitze 190 Fitzi 190 Fitzli 190, 350, 354, 358, 376 Fivian 275, 278, 282 Flaad 162, 897 Flach 492, 744 Flacher 744 Flachmüller 509, 513, 524 Flachsmann 406, 409, 910 Fläcklin 42, 46, 352, 355, 358 Flammer 438 Fleckenstein 826 Flecklin 42, 46, 352, 355, 358 Fleisch 289, 296, 297 Fleischli 350, 354, 890 Fleischlin 269 Fleischmann 406, 409, 890 Fleuti 364, 366, 966, 967 Fleuty 303 Flori 157, 715 Florin 715 Flory 157, 715 Flouck 302, 305, 999 Flubacher 147, 148, 238, 428, 793 Fluck 56, 58, 999 Flück 56, 58, 999 Fluckiger 303, 306 Flückiger 428 Flüeler 149, 430, 774 Flüeli 149, 350, 354, 774 Flugi 312 Fluhbacher 147, 148, 238, 793 Flühler 149, 430, 774 Flühmann 406, 408, 774 Fluor 147, 774 Fluri 157, 715 Flury 157, 715 Flütsch 375, 715 Foerster 56, 61, 302, 438, 444, 949 Fogelweid 302, 842 Föhn 1016 Fölmi 80 Foltz 302, 307, 374 Folz 374 Fonio 312 Forer 166, 814 Forrer 166, 428, 814 Forster 56, 61, 438, 444, 949 Förstler 440, 444, 949 Foster 438, 444, 949 Fotsch 988 Fournet dit Fornex 614 Fraefel 401, 997, 1016 Frank 769 Franzen 334, 335, 337 Franziscus 542, 545 Fratschöl 926 Frauenfelder 428 Frauenknecht 503, 513, 957 Frautschi 377 Fravi 926 Frech 997 Frefel 401, 1016 Frehner 179, 418, 422, 719, 722, 724, 733 Frei 114, 121, 123, 155, 158, 401, 1039, 1040, 1041 Freiburghaus 114, 121, 126, 131 Freienmuth 114, 121, 147, 148, 255, 609, 994 Freiermuth 114, 121, 147, 148, 255, 609, 994 Freihofer 114, 121, 880 Freiholz 114, 121, 208, 816 Freimann 114, 121, 155, 406, 410, 1039, 1040 Freimüller 114, 121, 509, 513, 524 Freitag 114, 117, 155, 506, 513, 1056 Freivogel 114, 121, 1003, 1028, 1032 Fren 719, 722, 724, 733 Frener 179, 418, 422, 719, 722, 724, 733 Frenn 719, 722, 724, 733 Fretz 483 Freudemann 109, 179, 406, 410, 1003 Freudweiler 114, 119, 744, 755 Freuler 424, 1039, 1064 Freund 136, 139, 1044, 1046 Frevel 997 Frey 114, 121, 155, 401, 1039, 1040 Freyenmuth 147, 148, 270 Freyler 1039, 1064 Freymann 114, 121, 155, 406, 410, 1039, 1040 Freytag 114, 117, 155, 506, 513, 1056 Freyvogel 114, 121, 270 Friberg 114, 121, 153, 240, 877 Fricker 428, 741 Fridli 186, 350, 354, 358 Fridlin 186, 352, 355, 358 Friedauer 756 Frieden 334, 335, 337 Friedinger 758, 760, 762 Friedli 186, 350, 354, 358, 360 Friedlin 186, 352, 355, 358 Friedlos 402 Friedmann 418, 420 Fries 482 Fringeli 178, 350, 354 Frisch 999 Frischherz 208, 999 Frischknecht 999 Frischkopf 206, 999 Fritsche 377 Fritschi 186, 377 Fritschin 186, 377 Fritz 374 Fritzsché 303, 308 Frizzoni 312 Froehlich 268, 398, 399 Froelich 70, 72, 398, 399, 400, 1003 Froelicher 70, 72, 344, 1003 Fröhli 398, 399, 400, 1003 Fröhlich 164, 398, 399, 400, 401, 1003 Fröhlicher 344, 1003 Frohofer 880 Frölich 70, 72, 398, 399, 400, 1003 Frölicher 70, 72, 344, 1003 Fromm 996 Frommenwiler 114, 119, 755 Früh 1056 Frühauf 609, 1056 Frund 302, 306 Frutig 396, 400, 999 Frutiger 428 Frutschi 157, 377 Frutschy 157 Fry 114, 121, 1039, 1040 Fryberg 114, 121, 153, 240, 877 Frymann 114, 121, 406, 410, 1039, 1040 Fuchs 454, 458, 870, 872, 877, 980, 982, 1000, 1013, 1025, 1032, 1033 Fuchslin 303, 306 Füchslin 352, 355, 358, 454, 980, 1000, 1025, 1032 Füeg 149, 452, 483, 485, 994 Fues 147, 210, 988 Fuess 147, 210, 988 Fueter 147, 906 Füger 438, 949 Fügi 149, 364, 366, 452, 485, 994 Fügli 149, 398, 399, 400, 994 Füglistaller 429 Fuhrer 166, 428, 774 Führer 438 Fuhrimann 406, 408, 774 Füllemann 406, 410, 1011 Fümberger 240 Fumet soit Flumet 618 Fund 1060 Funk 974 Fuog 994 Fuoter 147, 906 Furer 166, 428, 774 Fürer 136, 138, 166, 438 Fürholz 136, 208, 506, 513, 816 Füri 136, 139, 980 Furlenmeier 104, 508, 513, 523 Furler 429 Furrer 166, 428, 774 Fürrer 166, 438 Fürst 179, 1036 Fürstenberger 240, 758, 760, 762 Furter 799 Fuss 147, 148, 210, 988 Fussen 334, 335, 337, 988 Fust 126, 129, 456, 987, 1016 Fuster 126, 129, 456, 1016 Fux 454, 870, 872, 980, 1000, 1025, 1032 G Gabathuler 285, 289, 291, 292, 295, 297, 299, 532, 534, 539, 540 Gaberthüel 285, 288, 289, 292, 297 Gabler 966, 970, 976 Gabus 542, 545 Gächter 429 Gacon dit Carême 613 Gadient 285, 297 Gadmer 854 Gaegauf 68, 72, 126, 129, 609, 1016 Gaehler 268 Gafafer 292, 297, 532, 534 Gaffner 303 Gägauf 68, 72, 126, 129, 609, 1016 Gagg 482, 1016 Gähler 1003 Gahlinger 758, 760, 762 Gähweiler 114, 119, 755 Gähwiler 114, 119, 429, 755 Gähwiller 114, 119, 755 Galbier 292, 297, 532, 534 Galli 56, 60 Gälli 56, 60 Galliker 383, 384, 385, 752 Gallmann 418, 420 Gallus 542, 545 Gallusser 418, 421 Gally 270 Gammeter 429 Gamp 456, 483, 485, 989 Gamper 456, 485, 966, 970, 1006 Gämperle 353, 355, 358, 456, 966, 970, 1006 Familiennamenregister 1083 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="462"?> Gämperli 350, 354, 358, 456, 966, 970, 1006 Gampp 456, 483, 485, 989 Gander 428, 774, 786 Gänsli 350, 354, 358, 1002, 1028, 1032 Gansner 189, 906, 1028, 1032 Gantenbein 285, 291, 292, 295, 296, 297, 299, 600, 603, 604, 606 Ganter 438, 444, 466, 949 Gantert 462, 464, 466, 949 Gantner 442, 444, 466, 949 Ganz 870, 872 Ganzoni 312, 703 Garbald 287, 291, 292, 297 Gardi 719, 722, 724 Garius 542, 545 Garnus 542, 545 Gartenhauser 126, 131 Gartenmann 406, 846, 909 Gartmann 406, 846, 909 Gärtner 438, 909 Gartwyl 114, 119, 755 Gaschen 860 Gasner 189, 906 Gass 493, 860 Gasser 428, 432, 860, 864 Gassert 468 Gassler 430, 432, 860 Gassmann 406, 408, 860 Gassner 431, 432, 860 Gatlen 949 Gattiker 383, 384, 385, 429, 744, 752 Gattlen 949 Gätzi 364, 365 Gatzmann 406, 409, 922 Gauch 1002 Gaugler 966, 970 Gäumann 109, 406, 408, 774, 783 Gautier 282 Gautschi 1020, 1023 Gautschy 1020 Gebert 464 Gebhard 249 Gebhardt 249 Gebhart 249 Gebistorf 207, 241, 754 Geel 162 Geeler 162, 165 Geer 162 Geerig 162, 165, 188 Geering 162, 165, 188 Geeser 162, 418, 422, 719, 722, 724 Gehler 165 Gehr 493, 774 Gehren 774 Gehrer 774 Gehrig 164, 165, 188 Gehring 164, 165, 188 Geier 114, 117, 155, 870, 872, 874, 1028, 1032 Geiger 114, 116, 438, 966, 969 Geigy 114, 966, 969 Geiler 1003, 1064 Geilinger 758, 760, 762 Geiser 438, 444, 906 Geissberger 240 Geissbühler 149, 244, 428, 774 Geisseler 178, 906 Geisser 438, 444, 906 Geisshüsler 136, 140, 430, 852 Geissler 440, 444 Geissmann 406, 409, 906 Geistlich 957 Gelbert 464 Gelzer 438, 906 Gempeler 178, 456, 485, 966, 970, 1006 Gemperle 353, 355, 358, 456, 966, 970, 1006 Gemperli 350, 354, 358, 456, 966, 970, 1006 Gemuseus 542, 545, 548, 1002, 1020 Genasci 703 Genasci Borgna 703 Genazzi 703 Genazzini 703 Genel 703 Genelin 703 Genella 703 Genelli 703 Geng 989 Gengenbach 238, 758, 760, 762, 793 Genini 703 Genner 1056 Genoni 703 Gentsch 375 Genua 758, 760 Gerber 438, 446, 932, 933, 937 Gerig 188 Gering 188 Gerle 353, 355, 358 Germann 716 Gernler 440, 928 Gersbach 238, 758, 760, 762, 793 Gerschwiler 114, 119, 429, 755 Gerschwyler 114, 119, 303 Gerspacher 238, 758, 760, 762, 793 Gerster 908 Gerth 255 Gertsch 375 Gertschen 334, 335, 337 Gervais 282 Gerwer 438, 932, 933 Geser 418, 422, 719, 722, 724 Gessler 430, 432, 860 Gessner 431, 432, 860 Getzmann 418, 420 Geu 109, 774, 783 Geugel 487, 1002 Geuggis 1008 Geyer 114, 117, 155, 870, 872, 874, 1028, 1032 Geymüller 508, 513, 524, 899 Gfeller 172, 179, 428, 774 Ghisler 174, 179, 949 Giamboni 703 Giambonini 703 Gianascio 703 Gianatelli 703 Gianella 703 Gianelli 703 Gianetta 703 Gianetti 703 Gianettoni 703 Giani 703 Gianiel 703 Gianinazzi 703 Gianini 703 Giannini 703 Giannoni 703 Gianoca 703 Gianocca 703 Gianocco 703 Gianola 703 Gianoli 703 Gianolini 703 Gianolio 703 Gianolli 703 Gianom 703 Gianoni 703 Gianora 703 Gianossi 703 Gianotti 703 Gibel 493, 774 Gienal 703 Gienuth 255, 703, 706 Giesser 438, 922 Giezendanner 429 Giger 114, 116, 153, 438, 966, 969, 971 Gilgen 334, 335, 337, 870, 872, 874 Gilgien 334, 335, 337 Gillmann 418, 420 Gilomen 275, 278 Gimpert 462, 464, 989 Ging 483, 989 Gingg 483, 989 Ginggen 334, 335, 337, 989 Giontini soit Giuntini 618 Giorgio 312 Giovanelli 703 Giovanetti 703 Giovanettina 703 Giovannacci 703 Giovannari 703 Giovannini 703 Giovannone 703 Giovannoni 703 Giovanoli 703 Giovanora 703 Girard dit Guerre 613 Girell di Giovanoel 591, 703 Girsberger 240, 744 Girschweiler 114, 119, 755 Girsperger 240, 744 Gischig 382, 384, 385 Gisel 270 Gisi 186 Gisin 186 Gisler 174, 179, 181, 949 Glaisen 233, 334, 335, 337 Glanzmann 406, 410, 979 Glarner 743 Glaser 438 Glattfelder 429, 744 Glatthard 462, 981 Glatthardt 303 Glättli 350, 354, 358, 981, 1007 Glatz 981 Glatzfelder 840 Glaus 233 Glausen 233, 334, 335, 337 Glauser 233, 418, 421, 425 Gleichner 114, 117, 172, 179 Glesti 172, 179 Glettig 396, 400, 1007 Glinz 483 Glogger 438, 444, 956 Gloggner 442, 444, 956 Gloor 90, 92, 94, 163, 483, 986 Glor 90, 92, 483 Glücki 172, 179, 364, 368, 994 Glur 483, 986 Glutz 483, 515, 986 Glutz-Blotzheim 515 Glutz-Ruchti 515 Gmünder 172, 179 Gmür 136, 140, 172, 179, 493, 859 Gnädinger 172, 179 Gnägi 172, 179, 976 Gnehm 164, 172, 179, 994 Gnepf 206, 483, 989 Gnos 172, 179 Gobbo soit Gobbi 618 Gobelet 282 Gobeli 275, 282 Gobert 464 Goenner 994 Goetschi 70, 72, 377 Goetschmann 70, 72, 378, 415, 418, 420 Goetz 374 Gohl 168, 482, 1003 Goiser 1020 Goldenberger 240, 774 Goldener 178, 431 Goldenmann 406 Goldenschoue 303, 305 Goldenschue 303 Golder 438 Göldi 1066 Goldiger 188 Goldinger 188 Göldlin 352, 355 Göldlin von Tiefenau 586 Goldmann 406 Goldschmid 251, 503, 513, 526 1084 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="463"?> Goll 168, 482, 1003 Gonseth 255 Gontersweiler 98, 114, 119, 755 Gonzenbach 238, 492, 793 Good 163 Göpfert 195, 464 Gossauer 744, 756 Gossner 431 Gossweiler 114, 119, 429, 744, 755 Gosswiler 114, 119, 744, 755 Gostely 303 Goswiler 114, 119, 744, 755 Götsch 375 Götschi 70, 72, 186, 377 Götschin 186, 377 Götschmann 70, 72, 378, 415, 418, 420 Gottier 56, 275, 277, 282 Göttier 56, 275, 277, 282 Gottsponer 746 Götz 374 Gougginsperg 240, 302, 305 Gougler 303, 305 Graa 162, 401, 979 Grâa 303 Grab 493, 774, 782 Graber 428, 774, 782 Graden 172, 179 Graf 90, 338, 454, 458, 1036, 1040, 1041 Graff 90, 302, 338, 454, 1036, 1040 Gräff 303 Gräf lein 90, 91, 352, 355, 358, 454, 1036, 1040 Gräf lin 90, 91, 352, 355, 358, 454, 1036, 1040 Grämiger 188 Gramm 1008, 1016 Grandjean 702 Grandjean-Perrenoud-Comtesse 702 Grandpierre 682, 688 Grand-Pierre 682, 688 Gränicher 429 Granzi 1016 Gräppi 1020, 1028, 1032 Graser 56, 61, 438, 909 Gräser 56, 61, 438, 909 Grass 1016 Grässli 288, 297, 350, 354, 538 Gräther 272 Gratwohl 172, 179 Grätzer 418, 421 Grau 401, 979 Gräub 976 Grauwiler 114, 119, 755 Graven 334, 335, 337, 338, 1036, 1040 Gräzer 418, 421 Greber 428, 774, 782 Greder 418, 422, 719, 722, 723, 724, 728 Gredig 382, 384, 385, 719, 722, 723, 724, 728 Grediger 188 Gredinger 188 Grell 1016 Greminger 188, 429 Gremli 398, 399, 400, 1016 Gremlich 398, 399, 400, 1016 Gremminger 188 Gremper 438, 960 Grendelmeier 104, 155, 508, 513, 523, 953 Grendelmeyer 104, 155, 508, 513, 523, 953 Grenzinger 758, 760 Greset-dit-Grisel 613 Gresli 269 Gretener 178, 418, 422, 719, 722, 723, 724, 728 Greter 258, 418, 422, 434, 447, 719, 722, 723, 724, 728 Grether 258, 272, 418, 422, 719, 722, 723, 724, 728 Gretler 418, 422, 434, 447, 719, 722, 723, 724, 728 Greub 976 Greuter 172, 179, 429, 466, 830, 833 Greutert 136, 140, 172, 179, 462, 464, 466, 830, 833 Greutmann 172, 179, 406, 408, 830, 833 Grezet dit Grisel 614 Grezet soit Grisel 618 Grezet-dit-Grisel 614 Grieb 976 Grieder 146, 172, 179, 428, 805, 807 Grieshaber 505, 513, 908, 1011 Griessen 808 Griesser 758, 760, 762 Grimm 1016, 1018 Griner 1016 Grob 172, 179, 401, 454, 974, 1002 Gröble 172, 179, 353, 355, 358, 454, 1002 Gröbli 172, 179, 350, 354, 358, 454, 1002 Gröbly 172, 179, 350, 354, 358, 454, 1002 Gröf lin 90, 91, 352, 355, 358, 454, 1036, 1040 Grogg 90, 989, 990, 1020, 1028, 1032 Grögli 364, 366 Gröli 1020 Grolimund 275 Groll 1016 Grollimund 275 Groshaupt 302 Grosjean 702 Grospierre-Tochenet 682, 688 Gross 210, 338, 401, 974, 1050, 1062 Grossen 210, 334, 335, 337, 338, 974, 1062 Grossenbacher 210, 238, 429, 793 Grossert 210 Grossglauser 210, 418, 421, 510, 513 Grossheutschi 210, 510, 513 Grossholz 208, 210, 816 Grossmann 210, 406, 410, 974, 1062 Grossniklaus 210, 510, 513, 1050 Grossrieder 146, 210, 805, 807 Grosswiler 114, 119, 210, 755 Groth 255, 830 Grubenmann 147, 148, 406, 408, 774, 780 Gruber 147, 148, 428, 774, 780 Grübler 149, 774, 780 Grunauer 147, 148, 756 Grünblatt 149, 870, 872 Grundbacher 238, 793 Gründeler 174, 178, 430, 432, 774, 783 Grunder 428, 432, 774, 783 Grundlehner 883 Gründler 174, 179, 430, 432, 774, 783 Grundmann 406, 408, 774, 783 Grüneisen 114, 120 Grünenfelder 149, 429, 840 Grünenwald 149, 493, 816 Grunholzer 208, 816 Grünig 149, 188, 492, 494 Grüniger 149, 188, 494 Grüninger 149, 188, 429, 494 Grünwald 149, 816 Gruober 147, 774, 780 Grüring 149, 172, 179, 999 Grüter 136, 140, 172, 179, 466, 830, 833 Grütter 136, 140, 172, 179, 466, 830, 833 Gschläpfter 837 Gschwend 172, 179, 832, 833 Gschwind 172, 179, 1016 Gsell 172, 179 Gsponer 172, 179, 429, 746 Gsteiger 172, 179 Gübeli 178, 350, 354, 774, 776 Gübelin 269 Gubelmann 406, 408, 774, 776 Gubler 428, 774, 776 Gubser 429 Güdel 487, 488, 976, 1007 Güder 488, 1007 Gueisbühler 149, 244, 302 Guelbert 303 Gugelberg 240 Gugelmann 406, 774, 776 Gugerli 350, 354, 358, 1028, 1032 Gugg 483, 986 Guggenbach 238, 515, 793 Guggenberger 240, 515 Guggenbühl 149, 493, 774 Guggenheim 758, 760 Gugger 1028, 1032 Güggi 364, 366, 1020 Guggisberg 240, 492 Gügi 364, 366, 1020 Gugler 928 Gügler 774, 776 Gugoltz 509, 513 Gugolz 509, 513 Guhl 1026, 1032 Gujer 609, 1056 Guldener 178, 744 Guldenmann 406 Guldenschuh 936 Guldi 1066 Guldimann 406 Gull 1026, 1032 Güller 428, 804 Gundelfinger 758, 760 Gündhart 249 Güngerich 196, 198 Güntensperger 240, 744 Günter 257 Guntersweiler 114, 119, 755 Güntert 249, 257 Günthard 249 Günthardt 249 Günthart 249 Günther 257 Gunthert 249, 302, 306 Günthert 249, 257 Guntli 186, 292, 297, 350, 354, 358, 538, 540, 1036 Guntlin 186 Güntlisberger 240, 428, 774 Gunz 374 Gunzenhauser 126, 131, 758, 760, 762 Gunzinger 383, 384, 385, 752 Güpfer 206 Gupfert 303, 306 Güpfert 195, 464 Gürber 438 Gürlet 275, 277 Gurliat soit Gurliaz 618 Gürtler 438, 932, 933 Gurtner 429 Gurzeler 178 Gut 147, 148, 259, 401, 996 Gutersohn 147, 148, 609, 996, 1044, 1046 Guth 147, 148, 255, 259, 401, 996 Guthauser 126, 131, 852 Gutherz 147, 148, 208, 609, 994 Gutjahr 90, 147, 148, 609, 1056 Gutknecht 147, 148, 996 Gutmann 147, 148, 406, 996 Güttinger 429 Gutzwiller 114, 119, 755 Guyer 609, 1056 Gwerder 172, 179, 429, 802 Gygax 114, 117, 1020 Gyger 114, 116, 153, 438, 966, 969 Gygi 114, 117 Gygli 114, 117, 350, 354 Familiennamenregister 1085 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="464"?> Gyr 114, 117, 870, 872, 874, 1028, 1032 Gysel 114, 117 Gyseler 174, 178, 949 Gysi 186 Gysin 186 Gysler 174, 179, 949 Gysling 388, 390, 391, 392, 393 Gyssler 174, 179, 949 Gyssling 388, 390, 391, 392, 393 H Haab 162, 493 Haag 162, 493, 820 Haari 162, 166, 275 Haas 162, 168, 454, 870, 872, 877, 1005, 1025, 1032, 1033 Haasen 162, 334, 337, 1025, 1032 Haasmüller 162, 509, 513, 524 Habegger 429 Häberli 186, 350, 354, 908 Häberlin 68, 72, 186, 352, 355, 908 Häberling 388, 390, 391, 392, 393, 908 Häberly 350, 354, 908 Habermacher 438, 447 Habersaat 90, 162, 505, 513, 908 Haberstich 600, 603, 999 Habicht 870, 872, 874 Habisreutinger 830, 833 Hablützel 600, 603, 604, 1066 Habs 600, 603 Hachen 334, 335, 337 Hächler 438, 909 Häcki 1016 Hädener 178, 848, 849 Häderli 350, 354, 358, 1016 Hädinger 188 Hadorn 493, 818, 820 Haeberlin 68, 72, 352, 355, 908 Haefeli 68, 72, 178, 186, 350, 354 Haefelin 68, 72, 178, 186, 352, 355 Haefely 178, 350, 354 Haeffely 178, 350, 354 Haege 820 Haegler 68, 72, 430, 432, 820 Haemmerli 68, 72, 350, 354, 924 Haener 268 Haenggi 68, 70, 72, 196 Haenni 68, 70, 72, 364, 365, 702, 705 Haering 382, 384, 385, 870, 872, 1030, 1032 Haeselin 176, 178, 352, 355, 358, 454, 1005, 1025, 1032 Haeussler 303 Häfele 178, 353, 355 Häfelfinger 429 Häfeli 68, 72, 178, 186, 350, 354 Häfelin 68, 72, 178, 186, 352, 355 Haffner 438 Haffter 438, 925 Hafner 438 Hafter 438, 925 Hagedorn 818, 820 Hägeli 178, 350, 354, 820 Hagemann 406, 408, 820 Hagen 820 Hagenbach 238, 758, 760, 793 Hagenbuch 810, 820 Hagenbucher 429, 744, 810, 820 Hagenbüchli 350, 354, 810, 820 Hager 432, 820 Haggenmacher 438, 447, 923 Hagger 90, 91, 456 Häggi 820 Hagi 56, 820 Hägi 56, 820 Hägler 68, 72 Hagmann 406, 408, 820 Hagnauer 756 Hagner 431, 432, 820 Hägni 744 Hählen 974 Hahn 870, 872, 1028, 1032 Hähni 364, 365, 702, 705 Haid 107, 848 Haissly 303 Haizmann 107, 190, 376, 415, 418, 420 Halbedel 1036, 1064 Halbeisen 114, 120 Halbenleib 609 Halbheer 162, 506, 513, 1064 Halbritter 506, 513, 1036, 1064 Halbstadt 884 Haldemann 93, 406, 408, 774, 784 Haldenstein 93, 877 Haldenwang 93 Halder 93, 428, 432, 774, 784 Haldi 93, 493, 774, 784 Haldimann 93, 406, 408, 774, 784 Haldner 93, 431, 432, 774, 784 Haldy 93, 774, 784 Hälg 179, 1012 Hallauer 756 Hallenbarter 438, 923 Haller 1067, 1071 Häller 1067 Hallwyler 114, 119, 755 Hälmle 353, 355 Halter 93, 428, 432, 774, 784 Haltiner 93, 178, 431, 432, 774, 784 Haltinner 93, 178, 431, 432, 774, 784 Haltmann 93, 406, 408, 774, 784 Haltmeier 104, 155, 508, 513, 523 Haltmeyer 104, 155, 508, 513, 523 Haltner 93, 431, 432, 774, 784 Hamberger 240 Hämiker 383, 384, 385, 752 Hämmann 418, 420 Hammer 870, 872, 924 Hammerer 438, 924 Hämmerli 68, 72, 350, 354, 924 Handmann 406, 409 Handschin 377, 520, 702, 704 Häne 364, 365, 702, 705 Häner 418, 421, 702, 705 Hangartner 56, 61, 846 Hängärtner 56, 61, 846 Hänger 418, 421 Hänggeli 178, 196, 350, 354, 358 Hänggi 68, 70, 72, 196, 201 Hanhard 249 Hanhart 249 Häni 157, 364, 365, 702, 705 Hanimann 418, 420 Hänni 68, 70, 72, 157, 364, 365, 702, 705, 707 Hänny 157, 364, 365, 702, 705 Hans 520, 702, 704 Hänseler 174, 178, 520, 949 Hanselmann 414, 416, 418, 420, 425, 520, 702, 704 Hansemann 418, 420, 520, 702, 704 Hänsenberger 240, 429 Hanser 418, 421, 520, 702, 704 Hänsler 174, 179, 520, 949 Hansli 56, 59, 186, 350, 354, 358, 520, 702, 704 Hänsli 56, 59, 350, 354, 358, 520, 702, 704 Hanslin 186, 352, 355, 358, 520, 702, 704 Hansmann 418, 420, 520, 702, 704 Hantz 302, 307, 702, 706 Hantzsch soit Hantsch 618 Häny 157, 364, 365, 702, 705 Hänz 374 Hänzi 376 Harb 401, 1008 Hard 821 Harder 428, 821 Hardmeier 104, 508, 513, 523 Hardmeyer 104, 270 Hardtmeyer 104, 270 Härdy 270 Hari 166, 275 Häring 382, 384, 385, 870, 872, 1030, 1032 Harisberger 240 Harnisch 923 Harnischberg 240, 774 Harri 157, 166, 275 Harry 157, 166, 275 Härtli 350, 354, 358, 675 Hartmann 420, 425, 675, 680 Hartmeier 104, 155, 508, 513, 523 Hartmeyer 104, 155, 508, 513, 523 Härtsch 375, 675 Härz 675, 994 Harzenmoser 804, 807 Hascher 438, 949 Haselbach 238, 793, 818 Häsele 176, 178, 353, 355, 358, 454, 1005, 1025, 1032 Häseli 176, 178, 350, 354, 358, 454, 1025, 1032 Hasen 334, 335, 337, 1025, 1032 Hasenfratz 506, 513, 986 Haslach 818 Haslebacher 238, 793 Haslemann 406, 408, 818 Hasler 56, 61, 818 Häsler 56, 61 Häsli 176, 179, 350, 354, 358, 454, 1005, 1025, 1032 Haslimann 406, 408, 818 Haslimeier 104, 508, 513, 523 Hässig 396, 400, 1008 Hassler 818 Hässli 176, 179, 350, 354, 358, 454, 1005, 1025, 1032 Hättenschweiler 114, 119, 755 Hättenschwiler 114, 119, 755 Hättenschwiller 114, 119, 755 Hatz 374 Haubenschmid 126, 128, 251, 503, 513, 526 Hauck 302 Haudenschild 600, 602, 603 Hauenstein 600, 602, 603, 604 Hauert 462, 464, 468, 837 Haueter 428, 837 Haufgartner 428, 846 Haug 126, 130, 668, 671 Haumüller 508, 513, 524, 899 Haupt 179, 454, 984, 1062 Häuptli 109, 350, 354, 358, 454, 984, 1062 Hauptlin 179, 352, 355, 358, 454, 984, 1062 Hauri 1020, 1022, 1023, 1028, 1032 Haury 1020, 1022, 1028, 1032 Haus 126, 520, 702, 704 Hausamann 126, 128, 406, 409, 503, 513 Hausammann 126, 128, 406, 409, 503, 513 Hausegger 126, 131, 774 Häuselmann 189, 414, 418, 420, 520, 702, 704 Hauser 126, 131, 432, 852, 864 Häuser 136, 139, 344, 452, 485, 999 Häusermann 136, 406, 852, 999 Hausheer 126, 128, 162, 166, 179, 503, 513, 949 Hausherr 126, 128, 166, 179, 503, 513, 949 Hausin 189, 520, 702, 704 Hausknecht 127, 128, 503, 513, 528, 955 Häusler 136, 138, 438, 852 Häusli 136, 140, 350, 354, 852 Hausmann 127, 128, 406, 852 Häusser 136, 139, 344, 452, 485, 999 Hauswirth 127, 128, 255, 503, 513, 949 Hautle 353, 355, 358, 454, 984, 1062 Hauwiler 114, 119, 127, 755 1086 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="465"?> Haymoz 474 Hayoz 474, 478 Hebeisen 114, 120, 506, 513 Hecht 50, 179, 870, 872, 1030, 1032 Heckendorn 818 Hediger 188, 429 Hedinger 188, 429 Heeb 162, 877 Heer 162, 179, 1062 Hegelbach 238, 493, 793 Heger 438, 949 Hegetschweiler 114, 119, 744, 755 Hegg 820 Heggendorn 493, 818, 820 Heggi 820 Heggli 186, 350, 354, 820 Hegglin 186, 352, 355, 820 Hegi 820 Hegnauer 744, 756 Hegner 820 Hehlen 974 Heid 107, 848 Heidelberger 240, 758, 760, 762 Heider 848 Heierle 190, 353, 355, 358 Heierli 190, 350, 354, 358 Heil 994 Heimann 155, 418, 420 Heimberg 240 Heimen 334, 335, 337 Heimgartner 846 Heimhofer 880 Heimlicher 438, 949 Heimo 474 Heimoz 155, 474 Heinen 155, 334, 335, 337 Heini 190 Heiniger 429 Heinimann 418, 420 Heinis 190, 334, 335 Heinz 190, 374 Heinzelmann 376, 414, 418, 420 Heinzely 178, 302, 350, 354, 358 Heinzen 334, 335, 337 Heinzer 418, 421 Heinzmann 190, 376, 415, 418, 420 Heiri 190 Heiss 520, 702, 704 Heiter 848 Heitsch 375 Heitz 374 Heiz 190, 374 Heizmann 107, 190, 376, 415, 418, 420 Helblig 391, 392, 393, 974, 1067 Helbling 391, 392, 393, 394, 974, 1067 Held 179, 997 Heldner 431, 432, 774 Helfenberger 240, 877 Helfenstein 493, 877 Helfer 207, 438, 957 Helg 179, 1012 Hell 774 Heller 428, 432, 774 Hellmüller 508, 513, 524, 899 Hemmann 418, 420 Hemmerling 388, 390, 391, 392, 393 Henauer 756 Hengartner 56, 61, 846 Hengärtner 56, 61, 846 Henggeler 178, 418, 421 Henggi 70, 196 Henguely 303 Henne 702, 705 Henneberg 303, 434 Henneberger 240, 434, 774 Hennemann 418, 420 Henni 70, 157, 364, 365, 702, 705 Henny 157, 364, 365, 702, 705 Hensch 375 Henschen 334, 335, 337 Hensel 356, 358, 520, 702, 704 Henseler 174, 178, 520, 949 Hensemberger 195, 240 Hensler 174, 179, 520, 949 Hentsch 375 Hentz 374 Hentzi 303, 307 Henz 374 Henzelin 178, 352, 355, 358 Henzen 334, 335, 337 Henzi 376 Henzmann 376, 415, 418, 420 Hepp 215 Herbert 50, 464 Herbst 50, 179, 1056 Herde 828 Herdener 178, 442, 444, 906 Herder 438, 444, 906 Herdi 303 Herensperger 240, 272, 744 Herger 50, 1016 Heri 50 Hermann 50, 166, 420, 425, 678 Hermatschweiler 114, 119, 744, 755 Hermetschweiler 114, 119, 744, 755 Herport 50 Herren 334, 335, 337, 1062, 1071 Herrenschwand 832, 833 Herrensperger 272 Herrli 50, 350, 354, 358 Herrmann 50, 166, 420, 425, 678 Herrsche 50, 166, 377, 675 Hersberger 50, 240, 429 Hersche 50, 166, 378, 675 Hersperger 50, 240, 429 Hert 50 Hertach 493 Hertel 50 Hertenstein 50, 492, 870, 872 Hertig 50, 382, 384, 385 Hertli 50, 350, 354 Hertner 821 Hertzeisen 50, 114, 120, 302, 609 Herzer 439 Herzig 50, 506, 513, 1036 Herzog 50, 52, 208, 506, 513, 515, 1036 Hess 769, 771 Hettlinger 744 Heuberger 240, 428 Heuer 109, 439, 909 Heuscher 136, 1064 Heusi 136, 139, 485 Heusler 136, 138, 439, 852 Heusser 136, 139, 344, 346, 452, 485, 999 Heussi 136, 139, 364, 366, 452, 485, 999 Heussler 136, 138, 439, 852 Heussy 270 Heutschi 364, 366, 1010 Heyer 439 Heymann 155, 418, 420 Heymoz 155, 474 Heynen 155, 334, 335, 337 Hiebler 75, 79, 80, 883 Hiertzeler 303, 307 Hiestand 600, 603, 1006 Hilfiker 383, 384, 385, 429, 752 Hilpert 464 Hilpertshauser 127, 131 Hiltbrunner 429, 797 Hilti 157 Hiltmann 418, 420 Hilty 157 Hilzinger 758, 760, 762 Himly 302 Himmel 774, 870, 872 Himmelberger 240 Himmelrich 870, 872 Himmler 774 Hindenlang 758, 760, 762 Hinderling 391, 392, 393 Hindermann 406, 408 Hinker 989 Hinn 195 Hinnen 195 Hinterberger 240, 774 Hintermann 406, 408 Hintermeister 508, 513 Hintermüller 508, 513, 524, 899 Hippenmeyer 104, 509, 513, 523 Hirni 986, 1000 Hirs 908 Hirsbrunner 797 Hirschgartner 428, 744, 846 Hirschi 1026, 1032 Hirschi soit Hirschy 303, 618 Hirschy 1026, 1032 Hirsig 758, 760 Hirsiger 758, 760 Hirt 906 Hirter 439, 906 Hirtzel 1026, 1032 Hirz 870, 872, 1026, 1032 Hirzel 1026, 1032 Hischier 74, 77, 80, 428, 852 Hitz 374 Hobi 1026, 1032 Hobler 174, 179, 452, 989 Hoby 1026, 1032 Hoch 401, 974 Höchener 174, 178, 224, 431, 774 Höchle 353, 355, 774 Höchli 350, 354, 774 Höchner 174, 179, 224, 774 Hochreutener 431, 432, 830, 833 Hochreuter 432, 830, 833 Hochreutiner 431, 432, 830, 833 Hochstaettler 884 Hochstrasser 90, 210, 428, 860 Hochuli 358, 510, 513 Hockenfuss 506, 513, 988 Hodel 487, 488, 960, 963 Hodler 439, 488, 960 Hoenger 303 Hoessly 350, 354, 358, 936 Hof 493, 880 Hofacher 213, 840 Hofacker 213, 840 Hofbauer 127, 128, 482, 503, 513, 902 Hofer 880, 882, 886, 903 Hoffer 880, 903 Hoffmann 406, 409, 880, 903 Hoffmeyer 104, 508, 513, 523 Höf ler 880 Hofmann 406, 409, 880, 882, 886, 903 Hofmänner 439, 503, 513 Hofmeier 104, 508, 513, 523 Hofner 880 Hofstädter 432, 884 Hofstätter 432, 884 Hofstetter 429, 432, 884 Hogg 90, 91, 456 Högger 428, 774, 776 Hohener 56, 61, 174, 178, 224, 431, 774 Höhener 56, 61, 164, 174, 178, 224, 431, 774 Hohermuth 147, 148, 255, 609, 994 Hohl 164, 165, 493, 774, 780 Hohler 428, 774, 780 Höhn 1016 Holbein 506, 513, 988 Hold 401, 994 Holdeneker 93 Holdener 178, 994 Holder 344, 994 Holenstein 492, 826 Holenweg 862 Holenweger 862 Holer 774, 780 Holi 364, 369, 774, 780 Hollenstein 492, 826 Familiennamenregister 1087 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="466"?> Hollenwäger 42, 862 Hollenweger 42, 428, 862 Holler 818 Holliger 188, 429 Hollinger 188, 429 Holy 364, 369, 774, 780 Holzach 750, 816 Holzer 816 Holzherr 179, 503, 513 Hölzli 350, 354, 816 Holzmann 406, 409, 816 Holzreuter 439, 503, 513 Holzschitter 439 Homberger 240 Honauer 429, 756 Honegger 428, 774 Höneisen 114, 120, 506, 513 Höner 1020 Hönger 744 Hongler 418, 421 Honsberger 98, 240 Honsperger 98, 240 Hoog 90, 91, 163, 456 Hool 163, 165, 774, 780 Hopf 206, 910 Hopfengärtner 206, 846 Höpli 364, 366, 452, 989 Hoppeler 56, 61, 174, 178, 452, 989 Höppeler 56, 61, 174, 178, 452, 989 Hoppler 174, 179, 452, 989 Höppli 364, 366, 452, 989 Horber 429 Horisberger 240 Hörler 430 Horn 493, 774, 870, 872 Hörndli 350, 354, 774 Horner 56, 61, 1056 Hörner 56, 61 Horni 56, 60, 774 Hörni 56, 60, 774 Hörnlimann 190, 406, 408, 414, 774 Hornüng 302 Horst 98, 818 Hort 493 Hosang 493, 836 Hosig 836 Hösli 350, 354, 358, 936 Hosmann 406, 936 Hosner 442, 928 Hospenthal 877 Hosslé 303, 308 Hössli 350, 354, 358, 936 Hössly 303 Hossmann 406, 936 Hostetmann 406, 408, 884 Hostettler 430, 432, 884 Hottenberg 240 Hottiger 188, 744 Hottinger 188, 429, 744 Hotz 483 Houber 302, 305, 883, 905 Houlmann 302, 305, 418, 420 Howald 493, 816 Hoz 483 Hubacher 147, 148, 493, 840 Hubeli 176, 178, 350, 354, 774, 776 Huber 147, 148, 150, 883, 886, 905, 913 Hüberli 350, 354, 883 Hubert 464 Hubler 774, 776 Hubleur 302 Hubli 176, 179, 350, 354, 774, 776 Hüblin 352, 355, 883 Hubmann 147, 148, 406, 883 Hübscher 994 Hübschi 179, 994 Hubschmid 147, 148, 251, 503, 513, 526 Hueber 147, 883, 905 Hueter 147, 439, 928 Hufschmid 147, 148, 251, 503, 513, 526 Hug 126, 130, 668, 671, 672 Hugener 178, 418, 421, 668, 671 Hugenfeld 840 Hugenmatter 843 Hugentobler 429 Huggel 356 Hüggel 668, 671 Huggenberger 240, 429, 744 Huggler 418, 421, 668, 671 Hugi 56, 60 Hügi 56, 60, 186, 668, 671 Hügin 186, 668, 671 Hügli 157, 350, 354, 358, 668, 671 Hügly 157, 350, 354, 358, 668, 671 Hugo 474, 668, 671 Huguenin-dit-Benjamin 613 Huguenin-dit-Lenoir 613 Hühnli 350, 354 Hulmann 302, 418, 420 Humair 105 Humbel 199, 454, 1006, 1031, 1032 Hümbeli 178, 186, 199, 350, 354, 358, 454, 1006, 1031, 1032 Hümbelin 178, 186, 199, 352, 355, 358, 454, 1006, 1031, 1032 Humbert-Droz-dit-Walter 613 Hummel 199, 454, 1006, 1031, 1032 Hung 179 Hungerbühler 149, 428, 774, 827 Hünig 382, 384, 385 Hüninger 758, 760 Hunkeler 178, 429, 741 Hunsperger 240 Hunziker 383, 384, 385, 386, 429, 741, 752, 757 Huonder 644 Hüppeler 178, 989 Hüppi 186 Hüppin 186 Hürbi 186 Hürbin 186 Hürlimann 190, 406, 408, 414, 416, 774 Hurny 303 Hürsch 616 Hürsch dit Cerf 613, 614, 616 Hurschler 1010 Hurst 56, 818 Hürst 56, 818 Hurt 848 Hurter 428, 848 Hurtig 396, 400 Hürzeler 178 Hüselmann 414, 418, 420, 520, 702, 704 Huser 126, 131, 432, 852 Hüser 136, 139, 344, 452, 485, 999 Husi 126, 129 Husistein 126, 131 Hüsler 136, 138, 140, 439, 852 Husmann 126, 406, 852 Husner 126, 131, 431, 432 Hüss 136, 139, 401, 452, 483, 485, 999 Hüsser 136, 139, 344, 452, 485, 999 Hüssy 136, 139, 364, 366, 452, 485 Husy 126, 129 Hut 147, 148 Huter 147, 148, 439, 447, 928 Hutiger 303 Hutmacher 147, 148, 439, 447, 928 Hutmann 147, 148, 406, 409, 928 Hüttenmoser 428, 804, 807 Hutter 147, 148, 439, 928 Hutterli 350, 354, 928 Hutzli 350, 354, 358, 981 Hutzmann 406, 410, 981 Huwiler 114, 119, 126, 153, 429, 755 Huwyler 114, 119, 126, 153, 429, 755 Hux 334, 335 I Ibach 114, 238, 793, 814 Iberg 240, 774, 814 Idtensohn 510, 513, 719, 722, 723, 724, 729 Ifanger 189, 848 Ifert 464 Illi 157 Illien 334, 335, 337 Illy 157, 350, 354, 358 Im Boden 303 Im Hof 570, 571, 880 Im Obersteg 570, 571, 774, 863 Im Thurn 570, 571, 859 Imahorn 570, 571, 810 Imark 570, 571, 863 Imbach 238, 570, 571, 793 Imbaumgarten 570, 571, 846 Imber 439, 870, 872, 913 Imbiederland 570, 774 Imboden 570, 571, 572, 774, 783 Imdorf 207, 241, 570, 571, 884 Imer 302 Imesch 570, 571, 810 Imfeld 570, 571, 774, 783, 840 Imgrüt 136, 140, 179, 570, 571, 830, 833 Imgrüth 136, 140, 179, 255, 570, 571, 830, 833 Imhasly 570, 571, 818 Imhof 570, 571, 572, 880, 882 Imhoff 570, 571, 880 Imholz 208, 570, 571, 816 Imhoof 163, 570, 571, 880 Imhooff 163, 570, 571, 880 Imlig 388, 390, 391, 392, 393 Immeli 178, 350, 354 Immenhauser 127, 131, 753, 758, 760, 762 Immoos 163, 496, 570, 571, 804, 807 Imoberdorf 207, 241, 570, 571, 774, 884 Imobersteg 570, 571, 774, 863 Imper 439, 870, 872, 913 Imsand 570, 571, 824 Imseng 570, 571, 836 Imstepf 206, 570, 571, 848 Imthurn 570, 571, 859 Imwinkelried 570, 571, 774, 805, 807 In Albon 570 Inäbnit 570, 571, 774, 783 Inalbon 570 Inauen 570, 571, 572, 802 Inderbinen 74, 77, 80, 570, 571, 840 Inderbitzi 186, 570, 571, 848 Inderbitzin 186, 570, 571, 848 Indergand 570, 571, 774, 786 Inderkum 570, 571, 774 Inderkummen 570, 571, 774 Indermaur 127, 131, 570, 571, 859 Indermitte 570, 571 Indermühle 570, 571, 856 Inderschmitten 570, 571, 856 Inderwildi 570, 571, 774 Ineichen 570, 571, 810 Infanger 189, 428, 848 Inglin 352, 355, 358 Inhelder 570, 571, 774 Inmos 303 Inwyler 114, 119, 755 Ipser 439 Irmel 722, 724 Irmeltrud 719 Irmiger 188 Irminger 188 Isaac 162 Isaak 162 Isch 114, 493, 828 Ischer 114, 828 Ischi 114, 828 Iseli 114, 120, 178, 186, 350, 354 Iselin 114, 120, 178, 186, 352, 355 Isely 114, 120, 178, 302, 350, 354 Isenegger 114, 120, 428, 774, 828 Isenrich 114, 120 1088 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="467"?> Isenring 114, 120, 505, 513, 920 Isenschmid 114, 116, 120, 251, 503, 513, 526, 920 Isler 116, 440, 808, 920, 927 Isliker 383, 384, 385, 752 Ita 719, 722, 723, 724, 729 Itel 114, 117 Item 334, 335, 337, 719, 722, 723, 724, 729 Iten 334, 335, 337, 339, 719, 722, 723, 724, 726, 729, 736 Ith 255, 719, 722, 723, 724, 729 Itin 719, 722, 723, 724, 729 Itschner 744 Itten 334, 335, 337, 719, 722, 723, 724, 729 Ittensohn 510, 513, 719, 722, 723, 724, 729 Ittig 382, 384, 385, 719, 722, 723, 724, 729 Ittin 719, 722, 723, 724, 729 J Jaberg 240, 492 Jäck 62, 712 Jäckh 62, 712 Jäckli 186, 350, 354, 358, 712 Jäcklin 186, 352, 355, 358, 712 Jacober 418, 421, 712 Jacot-Descombes-dit-Gendre 613 Jacot-dit-Montandon 613, 614 Jaeger 50, 68, 70, 72, 439, 915, 916 Jaeggi 60, 68, 70, 72, 157, 712 Jaeggli 268 Jaeggy 60, 157, 712 Jaermann 303 Jäger 50, 68, 70, 72, 439, 915, 916, 918 Jaggi 56, 60, 157, 712 Jäggi 56, 60, 62, 68, 70, 72, 186, 712 Jäggin 60, 186, 712 Jäggli 350, 354, 358 Jaggy 60, 157, 712 Jägli 350, 354, 358, 712 Jahn 702, 704 Jaisli 350, 354 Jäk 62, 712 Jakob 712 Jakober 418, 421, 712 Jakoberger 240 Jan 702 Jan du Chêne 702 Jandin 703 Janett 703 Janggen 285, 287, 291, 297, 334, 335, 337, 703, 706 Janigg 703, 706 Janin 702 Janjöri 512, 513, 703 Janka 285, 287, 291, 297, 703, 706 Janki 285, 287, 297, 538, 703, 706 Jann 702, 704 Janner 418, 421, 702, 704 Janom 703 Jans 189, 702, 704 Janser 418, 421, 702, 704 Januarius dit Décarli 614 Januth 703, 706 Janutin 703 Janz 702, 704 Janzi 364, 365, 376, 702, 704 Jaques dit Jaques-Dalcroze 614 Järmann 418, 420 Jaun 492 Jaus 189, 702, 704 Jauslin 189, 352, 355, 358, 702, 704 Jaussi 189, 702, 704 Jean 702 Jeanbourquin 702 Jean-Cartier 702 Jeandet 702 Jeandrevin 702 Jeandupeux 702 Jeanfavre 702 Jeangros 702 Jeanguenat 702 Jeanguenin 702 Jeanhenry 702 Jeanjaquet 702 Jeanloz 702 Jeanmaire 702 Jeanmaire dit Quartier 614 Jeanmaire-dit-Cartier 613, 702 Jeanmaire-dit-Quartier 613, 702 Jean-Mairet 702 Jeanmonod 702 Jeannerat 702 Jeanneret 282, 702 Jeanneret-de-la Coudre 702 Jeanneret-Gris 702 Jeanneret-Grosjean 702 Jeannet 702 Jeannin 702 Jeannot 702 Jeannotat 702 Jeannottat 702 Jeanperrin 682, 688, 702 Jean-Petit-Matile 702 Jeanprêtre 702 Jeanquartier 702 Jeanrenaud 702 Jean-Richard 702 Jeanrichard-dit-Bressel 613, 702 JeanRichard-dit-Bressel 613 Jean-Richard-dit-Bressel 613, 702 Jeck 62, 712 Jeckelmann 414, 418, 420, 712 Jecklin 352, 355, 358, 712 Jeger 50, 70, 439, 915, 916 Jegerlehner 428, 883 Jegge 60, 712 Jegger 50, 439, 915, 916 Jeggi 60, 70, 712 Jeggli 350, 354, 358, 712 Jegher 50, 439, 915, 916 Jehle 75, 79, 80 Jehli 75, 79, 80 Jeitziner 746 Jeiziner 746 Jekelmann 414, 418, 420, 712 Jeker 429 Jemmely 302 Jenal 703, 706 Jenatsch 703 Jendly 350, 354, 358, 702 Jenelten 334, 335, 337 Jenk 702 Jenni 157, 702, 704, 705, 707 Jenny 157, 702, 704, 705, 707 Jensch 375, 702 Jentsch 375, 702 Jergen 74, 76, 80, 334, 335, 337 Jerjen 74, 76, 80, 334, 335, 337 Jermann 418, 420 Jerusalem 1057 Jetter 439, 909 Jetzer 418, 421 Jezler 418, 421 Jochberg 240, 758, 760 Joggi 712 Johann 702, 704 Johanni 702, 704 Johannot 302, 702 John 702 Johner 164 Jöhri 364, 365 Joneli 178, 350, 354, 358, 702 Jonin 702 Joos 163, 711 Joost 163, 711 Jordi 364, 365 Jörg 80 Jörger 418, 421 Jöri 186, 364, 365 Jörigustin 512, 513 Jörimann 418, 420 Jörin 186, 364, 365 Joseph-dit-Lehmann 614 Jösler 418, 421 Joss 711 Jossen 334, 335, 337 Jost 711, 716 Josti 157 Josty 157 Joud-dit-Gafner 614 Juchler 840 Juchli 350, 354, 840 Jud 1059 Juen 147, 702 Jufer 966, 970 Julen 334, 335, 337 Jundt 719, 722, 724 Jung 338, 401, 1044, 1048 Jungen 334, 335, 337, 338, 1044, 1048 Jünger 344, 1048 Jungholz 208, 816 Jungi 1044, 1048 Jungo 474, 478, 1044, 1048 Jungsten 179, 342, 343, 1044, 1048 Jüni 1056 Junker 179, 506, 513, 1036, 1062 Junz 374 Juple 354, 355, 936 Jurt 493, 840 Jutz 56, 58, 374, 719, 722, 724 Jütz 56, 58, 374, 719, 722, 724 Jutzeler 178, 418, 422, 719, 722, 724 Jutzet 302 Jutzi 376, 719, 722, 724 Juvalta 748 K Käch 42, 46, 210, 999 Kächeisen 272 Kachelhofer 880 Kaderli 350, 354, 1016, 1020 Kaech 42, 46, 302, 999 Kaeser 56, 61, 68, 70, 72, 439, 892 Kaeslin 268 Kaestlin 352, 355 Kagan soit Kagann 618 Kägi 210, 974 Kähli 168, 186, 987 Kählin 168, 186, 352, 355, 358, 987 Kaiser 107, 156, 210, 1036 Kalberer 439, 906 Kalbermatten 492, 746, 843 Kalbermatter 429, 746, 843 Kalbfuss 505, 513 Kalchofner 213, 431 Kalenbach 238, 793 Kälin 352, 355, 358, 987 Kallen 334, 335, 337 Kallenbach 238, 793 Källi 168, 987 Kalt 401, 1008 Kaltbrunner 797 Kaltenbach 238, 793 Kaltenrieder 805, 807 Kaltschmied 251, 503, 513, 526 Kamber 199, 439, 447 Kambli 199, 350, 354 Kamer 429 Kamerzin 195, 302, 505, 513 Kamm 199 Kammacher 195, 439, 447 Kammenzind 272 Kammer 195, 199, 439 Kammerer 439, 957 Kammermann 406, 949 Kämpf 50, 206, 210, 482, 485, 966, 970 Kämpfen 50, 206, 334, 335, 337 Kämpfer 50, 206, 439, 485, 966, 970 Känel 799 Känzig 758, 760, 762 Kapfer 206, 774 Kappeler 174, 178, 210, 429, 857 Kappelhofer 880 Familiennamenregister 1089 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="468"?> Käppeli 178, 210, 350, 354, 857 Kappenthuler 285, 289, 295, 296, 297, 539 Kappler 174, 179, 857 Karlen 210, 262, 264, 334, 335, 337 Karli 262, 364, 365 Karpf 206, 1030, 1032 Karrer 210, 439 Kaser 56, 61, 210 Käser 56, 61, 68, 70, 72, 210, 439, 892, 894 Käsermann 406, 409, 892 Käslin 352, 355, 892 Kaspar 210, 263 Kasper 210, 263 Kast 943 Kasteler 178, 210, 886, 949 Kästli 210, 350, 354 Kathriner 418, 422, 719, 722, 724, 735 Kauer 179, 466, 837 Kauert 179, 462, 464, 466, 837 Kauf 207, 482, 485, 960 Käufeler 178, 439, 485, 960 Kauf le 207, 354, 355, 960 Kauf lin 207, 352, 355, 960 Kaufmann 207, 210, 214, 406, 409, 485, 960, 963 Kauter 127, 129, 1028, 1032 Kauz 454, 1028, 1032 Kayser 107, 156, 1036 Kech 42, 46, 999 Kecheisen 114, 120, 272, 600, 602, 603, 604, 920 Keel 162, 165, 493, 774 Kegel 974 Kehl 165, 774 Kehrli 350, 354 Kehrmann 406 Keigel 974 Keim 974, 1044, 1049 Keiser 107, 155, 210, 1036 Keist 81, 974, 1044, 1049 Kelhofer 880 Kellenberg 240 Kellenberger 240, 429 Keller 210, 444, 446, 949, 958 Kellerhals 506, 513, 987 Kellermüller 509, 513, 524, 898 Kellersberger 240 Kempf 50, 206, 210, 482, 485, 966, 970 Kenel 799 Kengelbacher 238, 793 Kennel 799 Kerdjeian dit Peniguian 614 Kerker 179 Kerli 350, 354 Kern 210, 996 Kernen 334, 335, 337, 996 Keser 70, 439, 892 Kesseli 50, 178, 350, 354, 922 Kesselring 50, 505, 513 Kessely 269 Kessi 50, 774, 780 Kessler 50, 52, 210, 439, 922, 927 Kestenholz 208, 816 Ketterer 418, 422, 719, 722, 724, 735 Keuffer dit Barrelet 302, 613 Keust 81, 974, 1044, 1049 Keyser 107, 155 Kiburger 744, 877 Kid 114, 117, 153, 974, 1044, 1049 Kiefer 75, 79, 80, 207, 439, 940 Kieffer 75, 79, 80, 207, 439, 940 Kielholz 208, 816 Kienast 505, 513, 962 Kienberger 240 Kiener 146, 210, 439, 962 Kienholz 208, 505, 513, 816 Kieni 262, 364, 365, 644, 646 Kienle 354, 355 Kienz 75, 79, 80, 374, 644, 646 Kieser 439, 826, 955 Kihm 974, 1044, 1049 Kilchenmann 200, 406, 857, 957 Kilcher 179, 200, 210, 503, 513 Kilchher 166, 179, 200, 503, 513 Kilchherr 166, 179, 200, 503, 513, 528 Kilchhofer 200, 857 Kilchmann 200, 406, 857, 957 Kilchoer 200, 302 Kilchör 200 Kilchsperger 200, 240 Killer 179, 200, 503, 513 Kim 974, 1044, 1049 Kimmerling 74, 77, 80, 391, 392, 393, 1005 Kind 1044, 1046 Kindhauser 127, 131, 744, 753 Kindlimann 406, 414 Kindschi 360, 1044, 1046 Kindweiler 114, 119, 755, 758, 760 Kinimann 406, 774 Kipfer 206, 429 Kirchen 200, 857 Kircher 179, 200, 503, 513 Kirchhofer 200, 210, 428, 857 Kirchmeier 104, 200, 444, 503, 513, 523, 957 Kirsch 910 Kirscher 439, 910 Kirschmann 406, 910 Kiser 826 Kislig 391, 392, 393, 974 Kisner soit Küstner 618 Kisslig 391, 392, 393, 974 Kissling 391, 392, 393, 394, 974 Kistler 210, 440, 943 Kittel 86, 936 Klaas 162, 233, 263 Kläfiger 444, 949 Kläger 439, 949 Klägli 350, 354, 358, 1020 Klare 210 Kläsi 233, 263 Klaus 210, 233, 263, 264 Klauser 210, 233, 263, 418, 421 Kläusler 233, 263, 418, 421 Kläusli 80, 233, 263, 350, 354, 358 Klausner 127, 129, 233, 774, 857 Klauss 233, 263 Klay 56 Kläy 56 Kleck 483 Klee 162 Kleeb 162, 210 Kleeli 162, 350, 354, 821 Kleemann 162, 406, 821 Kleger 439, 949 Kleiber 439 Kleimann 190, 406, 410, 974 Klein 210, 974, 1050 Kleiner 210, 344, 346, 466, 974 Kleinert 462, 464, 466 Kleinjenni 190, 510, 513, 702, 704, 1050 Kleinpeter 190, 510, 513, 682, 688 Kleinstein 190, 510, 513 Kleisli 74, 78, 80, 233, 263, 350, 354, 358 Klemenz 263 Klingel 1020 Klingelfuss 506, 513, 989 Klingenfuss 506, 513, 989 Klinger 210, 774 Klingler 210 Klingnauer 756 Klodel 263 Klopfenstein 206, 600, 602, 603, 604 Klopfer 206, 439 Klopfstein 206, 600, 602, 603, 604 Klossner 774, 857 Kloter 744 Klöti 364, 369, 1002 Klötzli 350, 354, 358 Kloug 302, 305, 1000 Kluser 126, 131, 210, 428, 774, 857 Knabenhans 509, 513, 520, 528, 702, 704 Knapp 482 Knaus 127, 129, 210, 456, 976, 997 Knébel 302 Knecht 210 Knechtle 354, 355, 358 Knechtli 350, 354 Kneubühl 142, 149, 774 Kneubühler 142, 149, 428, 774 Knill 483 Knobel 98, 976 Knoblauch 910 Knöchel 987 Knopf 206, 974 Knopf li 56, 59, 206, 350, 354, 974 Knöpf li 56, 59, 206, 350, 354, 974 Knöri 456, 974 Knörr 456, 974 Knubel 976 Knup 976 Knupp 210, 976 Knus 126, 129, 456, 976, 997 Knüsel 210, 976 Knüsli 350, 354, 358, 456, 976 Knüssi 456, 1016 Knutti 974 Kobel 210, 466, 712, 774 Kobelt 462, 466, 468, 712, 774 Kobi 712 Kobler 774 Koblet 462, 466, 712, 774 Koch 210, 893, 894 Kocher 210, 439, 893 Kocherhans 512, 513, 520, 702, 704 Köchli 186, 210, 350, 354, 893 Köchlin 70, 72, 186, 352, 355 Koebel 356, 358, 466, 712 Koechlin 70, 72, 352, 355, 893 Koeferli 268 Koelner 758, 760, 762 Koenel 303 Koenel dit Chenaud 303, 613, 616 Koenig 70, 72, 1036 Koerber 70, 72, 439 Koetschet 302 Kofel 493, 774 Köfer 1008 Köferli 350, 354, 358, 1008 Kofmehl 600, 602, 603, 604 Kofmel 600, 602, 603, 604 Kohlbrenner 439, 503, 513 Kohlbrunner 168, 797 Kohler 56, 61, 62, 164, 168, 210, 439 Köhler 56, 61, 439 Kohlert 468 Kohli 980 Köhli 350, 354, 910 Kohly 168, 980 Kolb 210, 248, 454, 976 Kölbener 178, 421, 424, 976 Kölbli 350, 354, 358, 454, 976 Kölla 758, 760, 762 Kollbrunner 168, 428, 797 Koller 61, 168, 210, 439 Kollhopp 910 Kölliker 210, 429 Kolly 168, 980 Kolp 248, 454, 976 Komminoth 255 Konanz 1002 Koneth 255 Köng 100, 179, 1036 König 70, 72, 100, 102, 210, 1036 Konrad 190, 210, 262, 644, 646 Könz 262, 374, 644 Kopf 206, 870, 872, 984 Köpfer 206 Köpf li 210, 350, 354, 984 1090 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="469"?> Kopp 56, 210, 712 Köpp 56, 712 Köppel 356, 358, 466, 712 Köppli 186, 350, 354, 358, 712 Köpplin 186, 352, 355, 358, 712 Koradi 262, 644, 646 Körber 70, 72, 439 Kormann 406, 409, 949 Korneli 263 Korner 439, 962 Korrodi 262, 644, 646 Kosdigian soit Ksdikian 618 Koster 98, 444, 956 Kostezer 758, 760, 762 Köstli 350, 354, 358 Kottmann 406, 409, 854 Koull 303, 305 Kraaz 90, 162, 482 Kradolfer 429 Kraft 210, 1016 Krägi 1028, 1032 Krähemann 406, 410, 1020 Krähenbühl 493, 774 Krähenmann 406, 410, 1020 Kräher 1020 Kräig 1028, 1032 Krailiger 303 Kramer 56, 61, 90, 91, 210, 439, 960 Krämer 56, 61, 439, 960 Kramis 804, 807 Kränzli 269 Kränzlin 352, 355, 358, 870, 872 Krapf 206 Krattiger 188, 210, 429 Krattinger 188 Krättli 350, 354 Kräuchi 989, 990 Krauer 210, 1012 Kraushaar 90, 127, 129, 162, 506, 513, 981 Kraut 127, 129, 910 Kräutler 136, 138, 440, 444 Kräutli 136, 139, 350, 354, 358, 910 Krayenbühl 774 Krayer 110, 1020 Krebs 179, 210, 870, 872, 1030, 1032 Krebser 179, 915, 917 Kreider 910 Kreienbühl 493, 774 Kreienbühler 774 Kreier 110, 1020 Krell 1016 Kressbach 238, 793 Kressebuch 147, 148, 810 Kretz 210 Kreuter 439, 444 Kreutschy 302 Kreutzer 136, 140, 857 Kreuz 136, 140, 857, 870, 872 Kreuzer 136, 140, 210, 428, 857 Kreyenbühl 774 Krieg 146, 456, 1016, 1018 Krieger 456, 1016, 1018 Kriemler 989 Krienbühl 121, 493, 774 Kriesi 910 Kromer 90, 91, 439, 960 Kron 870, 872, 874 Kronauer 756, 758, 760, 762 Kronenberg 240 Kronenberger 240, 758, 760, 762 Kronig 870, 872, 874 Kropf 206, 454, 870, 872, 987 Kropf li 56, 59, 206, 350, 354, 358, 454, 987 Kröpf li 56, 59, 206, 350, 354, 358, 454, 987 Kroug 303, 305 Krucker 210, 989, 990 Krug 870, 872 Krügel 974, 976 Krumm 338, 401 Krummen 334, 335, 337, 338 Krummenacher 213, 493, 774, 840 Krüse 974, 981 Krüsi 210, 974, 981 Krütli 136, 139, 350, 354, 358, 910 Krüttli 136, 139, 350, 354, 358, 910 Kübele 176, 178, 354, 355, 940 Kubler 302, 306 Kübler 210, 439, 940 Kubli 56, 59, 176, 179, 350, 354, 940 Kübli 56, 59, 176, 179, 350, 354, 940 Kuchen 897 Küchler 210 Küchli 186, 350, 354, 897 Küchlin 186, 352, 355, 897 Kuder 1028, 1032 Küderli 350, 354 Kuenlin 147, 352, 355, 358, 644, 646 Kuentz 147, 262, 374, 644, 646 Kuenzi 56, 60, 147, 157, 364, 365, 376, 644, 646 Küenzi 56, 60, 80, 149, 364, 365, 376, 644, 646 Küenzli 303 Küenzlin 149, 352, 355, 358, 376, 644, 646 Kuenzy 147, 157, 364, 365, 644, 646 Kuert 147, 464, 644, 646 Kuffer 303 Küffer 80, 149, 207, 439, 940 Küffer dit Barillet 302, 613 Kuffer dit Barrillier 302, 306, 613 Küffer-dit-Barrillier 302, 613 Kügeli 178, 350, 354 Kugler 928 Küher 439, 906 Kuhn 56, 210, 644, 646, 647, 648 Kühn 56, 644, 646 Kühne 644, 646 Kuhnen 334, 335, 337, 644, 646 Kühni 644, 646 Kühnis 334, 335, 644, 646 Kull 644, 646 Kulli 157, 350, 354, 358, 644, 646 Külling 382, 384, 385 Kully 157, 350, 354, 358, 644, 646 Kümin 962 Kumli 350, 354, 774 Kummer 210, 454, 774, 1005 Kümmerli 210, 350, 354, 358, 454, 1005 Kümmerling 80, 391, 392, 393, 1005 Kümmerling soit Kimmerling 302, 391, 392, 393, 618, 1005 Kummli 350, 354, 774 Kundert 147, 148, 464, 644, 646 Kündig 210, 396, 400, 401, 1000 Kündiger 1000 Kunfermann 406, 408, 774 Küng 100, 179, 210, 1036 Kuni 147, 148, 157, 262, 364, 365, 644, 646 Kunkler 439 Künsch 375 Kuntschen 334, 335, 337, 644 Kuntz 262, 374, 644 Kuntzy 303, 306, 307 Kuny 147, 148, 157, 262, 364, 365, 644, 646 Kunz 147, 148, 150, 210, 262, 264, 374, 379, 644, 646, 647, 648, 654, 661, 672, 680 Künzi 149, 364, 365, 376, 644, 646, 647 Künzle 354, 355, 358, 376, 644, 646 Künzler 210, 418, 421, 425 Künzli 149, 210, 350, 354, 358, 376, 644, 646, 647, 648 Kuoch 147, 897 Kuonen 147, 334, 335, 337, 644, 646 Kuoni 147, 262, 364, 365, 644, 646 Kupfer 303, 306 Küpfer 206, 210 Kupferschmid 206, 251, 503, 513, 515, 526 Kupferschmied 206, 251, 503, 513, 526 Kupli 59, 176, 179, 350, 354, 940 Kupp 452, 483, 485 Kupper 210, 452, 466, 485 Kuppert 462, 464, 466 Kurath 190, 255, 644, 646 Kuratle 190, 354, 355, 358, 644, 646 Kuratli 190, 350, 354, 358, 644, 646 Kureth 190, 255, 644, 646 Kuri 157, 364, 365 Kurmann 406, 409 Kürsener 178, 439, 932, 933 Kürsteiner 429, 826 Kurt 644, 646 Kurth 255, 644, 646 Kury 56, 60, 157, 364, 365 Küry 56, 60 Kurz 210, 338, 401, 974 Kurzbein 506, 513, 988 Kurzen 334, 335, 337, 338, 974 Kürzi 364, 369, 974 Kurzmeier 104, 509, 513, 523 Kurzo 474, 974 Kuser 744 Küssenberger 240, 758, 760, 762 Küssler 994 Kuster 210, 444, 956 Küttel 86, 88, 936 Kutter 439 Kutzli 350, 354, 358, 454, 1028, 1032 Kyburger 744, 877 Kyd 114, 117, 153, 974, 1044, 1049 Kym 974, 1044, 1049 L Laager 162, 774 Läber 48, 774, 776 Labhard 249 Labhardt 249 Labhart 249 Lacher 432, 447 Lächler 994 Lachner 431, 432, 447 Lack 493 Läderach 493, 750 Laderer 424, 909 Lädermann 42, 44, 406, 409, 932, 933 Ladmann 406, 409, 943 Ladner 442, 960 Lädrach 179, 493, 750 Laederach 303 Laederer 302, 439, 932, 933 Laedermann 42, 44, 302, 406, 409, 932, 933 Laemlé 303, 308 Lagler 439, 940 Laib 897 Laim 824 Laimbacher 107, 238, 793, 824 Lambert 464 Lambrigger 74, 77, 80, 243, 746 Lämmle 354, 355, 870, 872 Lämmler 906 Lämmli 186, 350, 354, 870, 872 Lämmlin 186, 352, 355, 870, 872 Lampert 464 Landenberg 240 Landenberger 240, 744 Landert 464 Landis 483 Landös 483 Lang 56, 62, 338, 401, 974 Läng 56, 338, 401, 974 Langenauer 756 Langenberger 240, 774 Langenegger 429, 774 Langhans 510, 513, 520, 528, 702, 704 Langhard 821 Langhart 821 Langmeier 104, 509, 513, 523 Familiennamenregister 1091 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="470"?> Langmesser 505, 513 Lanthemann 302, 406, 410, 1053 Lanthmann 302, 406, 410, 1053 Lantz 302, 307, 374 Lanz 374, 379 Lappert 464 Larue soit Laruaz 618 Läser 272, 439, 946 Lässer 439, 946 Lätsch 986 Latscha 275, 280 Lätt 824 Lattmann 406, 409 Laub 108, 493, 821 Laubacher 493, 840 Laubbacher 238, 793 Laube 854 Lauber 821 Laubi 1011 Läubli 350, 354, 854 Lauchenauer 756 Lauener 178, 429, 774, 786 Laufer 952 Lauffer 56, 61, 952 Läuffer 56, 61, 952 Lauper 429 Läuppi 136, 139, 650, 652 Laurer 127, 129, 1000 Lautenschlager 127, 128, 439, 966, 969 Lauwiner 272 Leber 48, 428, 774, 776 Lechmann 220, 406, 409, 883, 903 Lechner 220, 439, 883, 903 Lederer 439, 932, 933 Ledergerber 439, 503, 513, 932, 933 Ledermann 42, 44, 406, 409, 932, 933 Lee 162, 883 Leeger 162, 439 Leemann 162, 165, 406, 409, 883, 903 Leeser 162 Léger 650 Legler 439, 940 Lehmann 164, 165, 168, 220, 224, 406, 409, 883, 903 Lehner 164, 220, 439, 883, 903 Lehnherr 179, 503, 513 Lei 824 Leibacher 238, 429, 793, 824 Leibensberger 240, 744 Leibundgut 114, 117, 147, 148, 609, 610, 1039, 1064 Leicht 114 Leiggener 178, 746 Leimbacher 107, 238, 429, 793, 824 Leimer 824 Leimgruber 147, 148, 824 Leipersberger 240 Leisebach 114, 117, 483, 897 Leiser 428 Leisibach 114, 117, 483, 897 Lemm Marugg 515 Lemmenmeier 104, 509, 513, 523 Lemp 1010 Lempen 334, 335, 337, 1010 Lendemberg 195, 240, 302 Lendenmann 97, 406, 408, 810 Lengacher 213, 840 Lengen 334, 335, 337, 338, 974 Lengg 97, 987 Lenggenhagen 820 Lenggenhager 820 Lengweiler 114, 119, 755 Lengwiler 114, 119, 755 Lenherr 179, 503, 513 Lenzi 186, 364, 365 Lenzin 186, 364, 365 Lenzinger 383, 384, 385, 752 Lerch 814, 1028, 1032 Lerchi 814 Lerchmüller 508, 513, 524, 899 Lerjen 334, 335, 337 Leser 272 Letsch 986 Letter 824 Leu 109, 870, 872, 997, 1025, 1032 Leuba-dit-Galland 613 Leuber 439, 444 Leubi 136, 139, 186 Leubin 136, 139, 186 Leubler 440, 444 Leuenberg 240 Leuenberger 240, 244, 429, 741, 749 Leuener 178, 774, 786 Leumann 406, 870, 872, 997, 1025, 1032 Leupi 136, 139, 186, 650, 652 Leupin 136, 139, 186, 650, 652 Leupold 136, 139, 650, 652 Leupp 136, 139, 650, 652 Leuppi 136, 139, 650, 652 Leutenegger 429 Leutert 136, 139, 257, 464, 650, 652 Leuthard 136, 139, 650, 652 Leuthardt 136, 139, 650, 652 Leuthert 136, 139, 257, 464, 650, 652 Leuthold 136, 139, 650, 652, 653, 654 Leuthy 136, 139, 364, 365, 650, 652 Leutwiler 114, 119, 153, 755 Leutwyler 114, 119, 153, 755 Leuw 109, 870, 872, 997, 1025, 1032 Leuzinger 429 Lewerer 774, 776 Ley 78, 870, 872, 997, 1025, 1032 Lichtensteiger 429 Lichtin 364, 368, 1003 Lieb 142, 994 Lieber 142, 994 Liebergsell 142, 179, 609, 994 Lieberherr 142, 609, 610, 994 Liebi 142, 994 Liechti 146, 364, 368, 468, 1003 Lienberger 240 Lienert 249, 464 Lienhard 146, 249 Lienhardt 249 Lienhart 249 Lier 1020 Liggenstorfer 207, 241, 754, 758, 760, 762 Limacher 114, 213, 493, 824, 840 Lindauer 756 Lindegger 428, 774, 810 Lindemann 406, 408, 810 Linden 810, 870, 872 Lindenberger 240, 774, 810 Lindenmann 406, 408, 810 Lindenmeyer 105, 508, 513, 523 Linder 428, 810 Liner 114, 116, 439, 928 Lingg 987 Linggi 364, 368 Liniger 428, 810 Linner 114, 116, 439, 928 Linsi 910 Liotard 650 Lipp 215 Lippuner 513 Lirgg 483, 989, 1020 Lischer 428 Lisibach 114, 117, 483, 897 Litzistorf 207, 241, 754 Lochbrunner 797 Locher 428, 774, 780 Lochiger 188 Lochinger 188 Lochmann 406, 408, 774, 780 Lochmatter 843 Loder 439, 928, 930 Loeffel 303 Loeliger 70, 72, 758, 760, 762 Loepfe 268 Loew 109, 870, 872, 997, 1025, 1032 Löffel 84, 85, 88, 207 Loffing 302 Löff ler 84, 85, 439 Löhrer 826 Löhrli 350, 354 Löliger 70, 72, 758, 760, 762 Lomatter 843 Lombris 748 Lombriser 748 Lonnay soit Delaunay 618 Loob 821 Loop 108, 163 Loos 163, 1003 Looser 163 Loosli 163, 949, 994 Loppacher 238, 793 Lörch 758, 760, 762 Lori 1010 Lorius 542, 545 Lormüller 508, 513, 524, 899 Lörtscher 439 Lory 1010 Lössi 1003 Lötscher 429, 746 Lottenbach 238, 793 Loutenbach 238, 302, 305, 434, 793 Loutz 302, 305, 374 Löw 109, 870, 872, 997, 1025, 1032 Lowiner 178, 272, 746, 774, 786 Lüber 142, 994 Lüchinger 136, 140 Luchs 870, 872, 1026, 1032 Luchsinger 429 Ludäscher 758, 760 Luder 418, 421 Ludi 56, 60, 186 Lüdi 56, 60, 157, 186 Ludin 56, 60, 186 Lüdin 56, 60, 186 Ludy 303, 306 Lüdy 157 Lüem 149 Luggen 334, 335, 337 Lugin 303 Luginbuhl 303 Luginbühl 149, 493, 774 Luis 275, 277 Lumpert 464 Lüpold 136, 139, 650, 652 Luquin dit Lucain 613 Lüscher 429 Lussi 56, 58, 126, 128, 129, 364, 366, 915, 916 Lüssi 56, 58, 364, 366, 915, 916 Lussmann 406, 409 Lussy 270 Lustenberger 240, 429 Lustig 396, 400, 994, 1003 Luterbacher 238, 434, 793 Luternauer 756 Luthard 303, 306 Lüthard 136, 139, 650, 652 Lüthardt 136, 139, 650, 652 Lüthert 136, 139, 464, 650, 652 Lüthi 136, 139, 143, 157, 186, 191, 364, 365, 370, 650, 652, 653, 654, 661, 672, 680 Lüthin 136, 139, 186, 364, 365, 650, 652 Lüthold 136, 139, 257, 650, 652 Luthy 303, 306 Lüthy 136, 139, 157, 364, 365, 650, 652, 653, 654 Lütold 136, 139, 257, 650, 652 Lütolf 136, 139, 650, 652 Lütscher 136, 139 Lutstorf 207, 241, 754 Lutz 56, 58, 374, 379 Lütz 56, 58, 136, 139, 374 Lutzelschwab 302, 306, 509, 513 Lützelschwab 509, 513 Lymann 406, 870, 872, 997, 1025, 1032 Lyner 270 Lyoth 255 1092 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="471"?> Lyrenmann 114, 116, 406, 409, 966, 969 Lyrer 114, 116, 117, 439, 966, 969 Lysser 429 M Maag 90, 162, 1044, 1046 Macaër soit Mocaër 618 Mächler 440 Mader 56, 61, 909 Mäder 56, 61, 68, 70, 72, 909 Mädler 430 Maeder 56, 68, 70, 72, 909 Maendly 68, 70, 72, 350, 354, 358, 974 Maerklin 268 Maerky 303 Maeschi 915, 917 Maff li 364, 366, 1020 Mägerli 350, 354, 358, 976 Mägert 464 Mägli 186, 350, 354 Mäglin 186, 352, 355, 358 Mahler 90, 91, 164, 439 Mähli 898 Mähly 269 Mahni 364, 365 Mahrer 439, 949 Mai 156, 1056 Maibach 238, 793 Maienfisch 156, 505, 513, 1030, 1032 Maier 105, 156, 444, 523, 905 Malgiaritta 195 Malloth 255, 758, 760 Mändli 350, 354, 358, 974 Mändly 68, 70, 72, 350, 354, 358, 974 Mangisch 334, 335 Manhart 249 Mani 364, 365 Mann 996 Mannhard 249 Mannhart 249 Manni 364, 365 Mantel 936 Manz 374 Marbach 238, 492, 793 Marbacher 238, 429, 793 Marchi 312, 314 Marending 275, 278 Marggi 364, 365 Margreth 255, 719, 722, 723, 724, 728 Margstahler 439, 955 Marguth 255 Mark 56 Märk 56 Märke 364, 365 Märki 364, 365 Märkli 186, 350, 354, 358 Märklin 186, 352, 355, 358 Markstahler 168, 439, 955 Markstaller 168, 439, 955 Markwalder 816 Marmet dit Dégus 614 Marner 444 Marolf 92 Marrer 439, 949 Marro 474 Marschall 955 Martel 356, 358, 692 Martenaz 692 Martenet 692 Marthaler 429, 744 Marthy 258, 692, 694 Marti 157, 186, 191, 661, 672, 692, 694, 716 Martig 382, 384, 385, 692 Martignoli 692 Martignoni 692 Martin 186, 692, 694 Martin-Achard 692 Martinaglia 692 Martinali 692 Martin-du Pan 692 Martinelli 692 Martinenghi 692 Martinet 692 Martinetti 692 Martini 692 Martinoia 692 Martinola 692 Martinoli 692 Martinoni 692 Marty 157, 258, 692, 694 Mäschli 350, 354, 920 Mast 976 Masüger 748 Mathey-Doret dit Doret 613 Mathier 418, 421, 714 Mathis 714 Mathyer 418, 421, 714 Mathys 714, 716 Matsch 375, 714 Matt 843 Mattenberger 240, 774 Matter 428, 843 Matthey-dit-des Bornels 613 Matthey-Jeantet 702 Matthey-Pierret 682, 688 Matthis 714 Matthys 714 Matti 364, 365 Mattig 382, 384, 385, 714 Mattle 354, 355, 358, 714 Mattli 350, 354, 358, 714 Mattmann 406, 408, 843 Matty 303 Mätz 374, 719, 722, 724 Mätzener 178 Matzinger 429 Mätzler 444, 890 Mauch 456, 482, 976, 1011 Mauchle 354, 355, 358, 456, 1011 Mauderli 350, 354, 358, 976, 1026, 1032 Mauerhofer 127, 131, 882 Maugweiler 114, 119, 755 Maurer 127, 859, 864 Maurhofer 127, 131, 882 Mäusli 350, 354 May 156, 1056 Mayenfisch 156, 505, 513, 1030, 1032 Mayer 105, 156, 444, 523, 905 Mayor-dit-Beaujon 613 Mayr 105, 179, 523, 905 Mayr von Baldegg 105, 179, 523, 586, 877 Mazenauer 756 Meder 56, 70, 909 Meer 162, 165 Meerli 162 Megert 464 Mehlem 758, 760, 762 Mehr 165 Meichtry 949 Meienberg 155, 240 Meienberger 240 Meienhofer 882 Meier 104, 106, 110, 155, 158, 444, 446, 523, 905, 913, 958 Meierhans 104, 155, 512, 513, 520, 523, 702, 704 Meierhofer 104, 155, 882 Meili 350, 354, 358 Meinen 334, 335, 337 Meinrath 255 Meister 444, 955 Meisterhans 509, 513, 520, 528, 702, 705, 955 Mélanjoie-dit-Savoie 613, 614 Meli 287, 297, 538, 540 Mellenberger 240 Melliger 429 Mendelin 178, 352, 355, 358, 974 Mendler 418, 421 Mendly 70, 350, 354, 358, 974 Mengi 364, 365 Menner 418, 421 Menni 312 Menoud-dit-Gendre 613 Mensch 179, 482 Menteler 178 Menteli 178, 350, 354, 936 Menth 255 Menti 364, 365 Menut soit Menu 618 Menz 374 Menzel 356 Menzi 364, 365 Menzli 350, 354, 376 Merian-Genast 515 Merke 364, 365 Merkelbach 238, 793 Merki 364, 365 Merkli 350, 354, 358 Merlach 750 Mermillod soit Marmillod 618 Mermoz soit Mermod 618 Merz 1056 Meschler 890 Mesmer 444, 956 Messerli 350, 354, 955 Messikomer 744 Messikommer 744 Messmer 444, 956 Metry 949 Mettauer 756 Mettler 429 Metz 374, 719, 722, 724 Metzener 178 Metzger 444, 890 Metzker 302, 444, 890 Metzler 444, 890 Meuli 350, 354, 358 Meuter 949 Meuwly 350, 354, 358 Meyenberg 155, 240 Meyer 104, 106, 110, 155, 158, 444, 523, 905, 913 Meyer von Schauensee 104, 162, 523, 586, 795, 877 Meyerhans 104, 155, 512, 513, 520, 523, 702, 705 Meyerhofer 104, 155, 882 Meyhoffer 302 Meyli 350, 354, 358 Mezenen 334, 335, 337, 719, 722, 724 Mezger 444, 890 Michael 710 Michel 710, 716 Michlig 382, 384, 385, 710 Miesch 493, 821 Mieschbühler 149, 774 Milt 994 Minder 1044, 1048, 1050 Minger 86, 196, 198, 1044, 1048 Minikus 542, 545 Minsch 287, 288, 296, 297 Mirra soit Mira 618 Mischler 493, 818 Misteli 178, 350, 354, 358 Mittelholzer 208, 428, 816 Mitterhoffer 882 Mittner 431 Mock 454, 976 Möckli 350, 354, 358, 454, 976 Mockly 303 Moder 439, 909 Moehr 56, 302, 870, 872, 980 Moeli 70, 72, 350, 354, 358 Moeri 303 Moery 303 Moesch 268 Moeschinger 268 Moeschler 70, 72, 440, 920 Mogg 454, 976 Moggi 312 Möhl 856 Familiennamenregister 1093 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="472"?> Mohler 90, 91, 439 Mohn 910 Mohr 56, 164, 165, 870, 872, 980 Möhr 56, 870, 872, 980 Moine dit Moënne 613 Möklin 352, 355, 358, 454, 976 Möli 70, 72, 350, 354, 358 Moll 1031, 1032 Mönch 100, 179, 1038 Moning 275, 278 Moor 163, 165, 870, 872, 980 Moos 163, 493, 496, 804, 807 Moosberger 163, 240 Moosbrugger 58, 163, 243 Mooser 163, 428, 432, 496, 804, 807 Moosmann 163, 406, 408, 496, 804, 807 Morach 910 Morant 275 Morf 90, 92 Mörgeli 178, 350, 354, 358, 454, 1056 Morgen 454 Morgenegg 774 Mori 56, 60, 364, 365 Möri 56, 60, 364, 365 Mörikofer 752 Mornard soit Mornal 618 Morof 90, 92 Mosberger 240 Mosca 312, 314 Mösch 920 Möschberger 240 Mösching 920 Möschinger 920 Möschler 70, 72, 440, 920 Möschli 186, 350, 354, 920 Möschlin 186, 352, 355, 920 Moser 428, 432, 434, 496, 804, 807, 808 Mosheer 162 Mosimann 406, 408, 496, 804, 807 Mösle 269 Mösler 430, 432 Mösli 350, 354 Mosmann 406, 408, 496, 804, 807 Motschi 364, 368, 984 Möttele 178, 354, 355, 358 Mötteli 178, 350, 354, 358 Mottis 544, 545 Mozer 302 Müdespacher 238, 744, 793 Müessli 350, 354 Muff 482, 1020, 1022, 1023 Mügeli 178, 350, 354, 358, 976 Muggensturm 506, 513 Muggle 364, 366, 452, 1020, 1022 Muggler 56, 58, 61, 452, 1020, 1022 Müggler 56, 58, 61, 452, 1020, 1022 Muggli 186, 364, 366, 452, 1020, 1022 Mugglin 186, 364, 366, 452, 1020, 1022 Mugwyler 758, 760 Muhl 986 Mühle 856 Mühlebach 164, 238, 493, 793, 856 Mühlef luh 147, 148, 774, 856 Mühlegg 774, 856 Mühlemann 164, 406, 856 Mühlematter 843, 856 Mühlestein 493 Mühlethaler 164, 429 Mühry 859 Mülhauser 127, 131, 758, 760 Müllegg 774, 856 Müllener 178 Muller 302, 306, 309, 444 Müller 444, 446, 524, 898, 899, 958 Müllhaupt 179, 856 Mülli 493, 856 Mülly 270 Munch 303, 306 Münch 179, 1038 Mundtwiler 114, 119, 755 Mundweiler 114, 119, 755 Mundwiler 114, 119, 755 Mundwyler 114, 119, 270 Münger 86, 88, 196, 198, 201, 1044, 1048 Müntener 178 Muntwiler 114, 119, 153, 428, 755 Muntwyler 114, 119, 153, 755 Munz 374 Munzinger 758, 760, 762 Muoser 147, 439 Muralti 282 Murbach 238, 492, 793 Murer 126, 859 Muri 859 Müri 859 Muri soit Mury 618 Murmann 126, 131, 406, 408, 859 Murpf 483, 1011 Murri 364, 366 Murschetg 748 Mürset 275, 277 Müry 859 Muschot 275, 277, 280 Muspach 238, 793 Muster 483 Mutach 750 Muth 255 Muther 429, 746 Mutter 746 Mutti 364, 368 Mützenberg 240 N Nabholz 208, 505, 514 Nachbur 90, 126, 506, 514 Nadler 90, 439, 925 Naef 42, 46, 1044, 1046 Naeff 42, 46, 1044, 1046 Naegeli 50, 68, 72, 178, 350, 354, 870, 872, 925 Näf 42, 46, 1044, 1046, 1050 Näfen 334, 335, 337 Näff 42, 46, 1044, 1046 Nagel 925 Nägeli 50, 68, 72, 178, 186, 350, 354, 870, 872, 925 Nägelin 50, 178, 186, 352, 355, 870, 872, 925 Näher 439, 928, 930 Najer 110, 439, 928, 930 Nänni 157, 364, 365, 719, 722, 723, 724, 731 Nänny 157, 364, 365, 719, 722, 723, 724, 731 Näpfer 206 Näpf li 269 Näpf lin 206, 352, 355 Nater 90, 91, 439, 928, 930 Natsch 287, 297 Natterer 424, 928, 930 Nauer 439 Nauli 350, 354, 358 Nebiker 383, 384, 385, 429, 752 Néckaz 302 Neeracher 162, 744, 750 Neeser 162, 418, 422, 719, 722, 724, 734 Nef 42, 46, 1044, 1046 Neff 42, 46, 1044, 1046 Neffen 334, 337, 1044, 1046 Neidhardt 114, 249 Neidhart 114, 249 Neier 110, 439, 928, 930 Neiger 110, 439, 928, 930 Nein 74, 78, 80 Neiner 74, 78, 80 Neithard 114, 249 Neithardt 114, 249 Nellen 334, 335, 337, 719, 722, 724 Nepfer 206 Neracher 744, 750 Ness 719, 722, 724, 734 Nessensohn 510, 514, 719, 722, 724, 734 Netzer 439, 915, 917, 928 Neuenschwander 136, 141, 143, 832, 833 Neuhaus 127, 131, 136, 141, 852 Neuhauser 127, 131, 136, 141, 429, 432, 852 Neuhäusler 136, 140, 141, 430, 432, 852 Neukom 136, 141, 1053 Neukomm 136, 141, 600, 603, 1053 Neuschwander 136, 141, 832, 833 Neuweiler 114, 119, 136, 141, 755 Neyer 110, 439, 928, 930 Neyerlin 352, 355, 928, 930 Nicole soit Nicoulaz 618 Nicolet dit Félix 614 Nicolet-dit-Favre 613 Nicolet-dit-Félix 613, 620 Nidecker 270 Nidegger 774 Nideröst 342, 343, 346, 774, 788 Nidrist 179, 342, 343, 774, 788 Niederberger 240, 428, 774 Niederer 344, 346, 428, 774, 788 Niederhauser 56, 61, 127, 131, 429, 852 Niederhäuser 56, 61, 136, 140, 852 Niederist 342, 343, 774, 788 Niedermann 406, 408, 775, 788 Niedermayr 105 Niedrist 179, 342, 343, 775, 788 Niehans 510, 514, 520, 702, 705 Nieriker 744 Niethammer 505, 514 Nietlisbach 238, 793 Nietlispach 238, 793 Nievergelt 146, 600, 603, 606, 1066 Niffeler 178 Niggeler 178, 418, 421 Niggeli 176, 178, 350, 354, 358 Niggli 176, 179, 350, 354, 358 Nigris 544, 545 Noerbel 272 Nohl 168, 976 Noirjean 702 Noletta 703 Nolfi 312, 364, 365 Noll 168, 976 Nolli 703 Nölli 976 Nollo 703 Nörbel 272 Nösberger 240 Notegen 703, 706 Noth 255 Noti 702 Nottal 703 Nottaris 544, 545 Notter 90, 91, 439, 928, 930 Notz 374 Nötzli 186, 350, 354, 358, 376 Nötzlin 186, 352, 355, 358, 376 Nüchem 136, 141, 1053 Nüesch 149, 452, 483, 485, 1010 Nufer 147, 148, 999 Nünlist 136, 139, 609, 1000 Nunnenmacher 439, 447, 906 Nuoffer 147, 999 Nurizzo dit Nuris 614 Nusbaumer 429 Nüscheler 178, 452, 485, 1010 Nüsperli 1020 Nussbaum 813, 870, 872 Nussbaumer 429, 813 Nussberger 240, 775, 813 Nüssle 59, 354, 355, 358 Nussli 56, 58, 59, 350, 354, 358 Nüssli 56, 58, 59, 350, 354, 358 Nussly 303 Nuth 287, 297, 703, 706 1094 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="473"?> Nutli 287, 297, 350, 354, 358, 538, 703, 706 Nutt 287, 297, 703, 706 Nuttli 287, 297, 350, 354, 358, 538, 703, 706 Nutz 616 Nutz-dit-Profit 302, 613, 616 Nydegger 429, 775 Nyfeler 178 Nyffeler 178 Nyffenegger 429 O Oberbeck 482, 503, 514, 522, 896 Oberbühler 244, 775 Oberer 344, 428, 775, 788 Oberhänsli 350, 354, 358, 514, 520, 702, 705 Oberhauser 56, 61, 127, 131, 852 Oberhäuser 56, 61, 136, 140, 852 Oberheim 514, 884 Oberholzer 208, 429, 816 Oberle 90, 92, 354, 355, 358 Oberli 90, 92, 94, 186, 350, 354, 358 Oberlin 90, 92, 186, 352, 355, 358 Oberson 510, 514 Obersteg 775, 863 Oberteufer 142, 207 Oberteuffer 142, 207 Obertüfer 142 Oberwiler 114, 119, 755 Obrecht 90, 92 Obrist 179, 342, 343, 346, 775, 788 Ochs 870, 872 Ochsenbein 505, 514 Ochsenmann 406, 409, 906 Ochsner 442, 444, 906 Oderbolz 758, 760, 762 Odermatt 562, 843, 848 Oechsli 67, 186, 350, 354, 358, 870, 872, 1026, 1032 Oechslin 67, 186, 352, 355, 358, 870, 872, 1026, 1032 Oederlin 67, 84, 85, 352, 355, 358, 454, 1044, 1046 Oefeli 67, 178, 186, 350, 354, 856 Oefelin 67, 178, 186, 352, 355, 856 Oegerli 67, 350, 354, 358 Oegger 67 Oeggerli 67, 350, 354, 358 Oehen 67, 80, 1044, 1046 Oehler 67, 439, 962 Oehninger 67, 429, 758, 760, 762 Oehrli 67, 350, 354, 358, 986 Oeler 67, 439, 962 Oelhafen 67 Oeli 67, 962 Oeri 67 Oertle 67, 354, 355, 358, 886 Oertli 67, 157, 350, 354, 358, 886 Oertly 67, 157, 350, 354, 886 Oes 67 Oesch 67, 810, 840 Oeschger 67 Oester 67 Oetiker 67, 383, 384, 385, 429, 744, 752 Oetliker 67, 383, 384, 385, 752 Oetterli 67, 350, 354, 358, 454 Oettle 67, 354, 355, 358, 669, 671 Oettli 67, 80, 350, 354, 358, 669, 671 Offenhauser 127, 131 Offenhäuser 136, 140 Offner 442 Oggenfuss 506, 514, 988 Ohnsorg 90, 190, 558, 1003 Olbrecht 90, 92 Omlin 352, 355, 358 Oppeliguer 303 Oppenheim 758, 760, 762 Oppikofer 752 Oppliger 429 Oppliguer 303 Opprecht 90 Orlandi 656 Ort 886 Oser 94 Ostadal soit Oscadal 618 Ostermeier 105, 508, 514, 523 Ostertag 506, 514, 1056 Osterwald 816 Osterwalder 429, 816 Othenin-Robert 656, 660 Ott 669, 671 Otter 454, 870, 872, 1026, 1032 Otth 255, 669, 671 Otti 669, 671 Ottiger 383, 384, 385, 429, 752 Ottiker 383, 384, 385, 744, 752 Ottinger 383, 384, 385, 744, 752 Otto 474, 669, 671 Ottoz 474 Otz 374 Otzenberger 240 P Pabst 90, 91, 179, 181, 228, 230, 1038 Pachon 282 Padrun 683, 688 Padrutt 230, 683, 688 Pali 157 Palmy 228 Paly 157 Panier 228 Panier dit Pannier 613 Pantli 228, 230, 364, 365 Papis 544, 545 Pappa 228 Paréaz dit Parian 613 Paréaz dit Pariaz 613 Pargätzi 228, 288, 292, 296, 297 Parli 358 Pärli 228, 358 Parpan 748 Parzini soit Parsini 618 Pascalis 544, 545 Paschetto soit Pasquet 618 Passavant 758, 760 Passer 228 Passeraub 228 Patscheider 228 Patzen 748 Pauli 228 Pauly 302 Paur 127, 128, 179, 228, 230, 482, 485, 902 Pauvre-dit-Bourgeois 613 Peder 683, 688 Pedermann 418, 420, 683, 686 Pedotti 312 Pedrani 682, 688 Pedranti 682, 688 Pedrazzetti 682, 688 Pedrazzi 682, 688 Pedrazzini 682, 688 Pedrazzoli 682, 688 Pedrelli 682, 688 Pedrett 683, 688 Pedretti 682, 688 Pedretti Barudoni 682, 688 Pedretti Berudi 682, 688 Pedretti Molinetto 682, 688 Pedretti-Rodi 682, 688 Pedrina 546, 682, 688 Pedrini 546, 682, 688 Pedrini Marti 546, 682, 688 Pedrinis 544, 545, 546, 682, 688 Pedrioli 682, 688 Pedroia 682, 688 Pedroietta 682, 688 Pedroli 682, 688 Pedrolini 682, 688 Pedroncini 682, 688 Pedroni 682, 688 Pedrotta 682, 688 Pedrotti 682, 688 Pedrotti-Ferrari 682, 688 Pedrozzi 682, 688 Pedrusci 682, 688 Pedrussio 682, 688 Pedruzzi 682, 688 Peer 162, 769 Peier 107, 155, 228, 230, 769 Peng 228, 285, 287, 292, 295, 297 Perazzi 682, 688 Peretti 682, 688 Peri 682, 688 Periat 682, 688 Perini 312 Perinoni 682, 688 Perler 228, 439, 928 Pernet 682, 688 Perny 682, 688 Peroni 682, 688 Perozzi 682, 688 Perrad soit Perrard 618 Perraudin 682, 688 Perreaud 682, 688 Perrelet 682, 688 Perren 228, 334, 335, 337, 682, 685, 688 Perrenod 682, 688 Perrenod-dit-Pernod 613, 682, 688 Perrenoud 682, 688 Perrenoud-André 682, 688 Perrenoud-dit-Pernod 613, 682, 688 Perrenoud-Favre 682, 688 Perrenoud-Jeanneret 682, 688, 703 Perrenoud-le-Favre 682, 688 Perret 682, 688, 690 Perreten 228, 682, 688 Perret-Gentil 682, 688 Perret-Gentil-dit-Maillard 613, 614, 682, 688 Perret-Jeanneret 682, 688, 703 Perretten 682, 686 Perriard 682, 688 Perrig 228, 382, 384, 385, 682, 688 Perrin 682, 688 Perrinjaquet 682, 688 Perro 228, 275, 280, 682, 688 Perrod 682, 688 Perrodin 682, 688 Perron 228 Perrot 682, 688 Perrottet 682, 688 Perroud 682, 688 Perucchi 682, 688 Petar 682, 686 Peter 661, 682, 685, 688, 690, 716 Péter-Comtesse 682, 686, 688 Peter-Contesse 682, 686, 688 Péter-Contesse 682, 686, 688 Peterer 228, 418, 421, 682, 688 Peterhans 228, 512, 514, 520, 528, 682, 688, 702, 705 Peterli 228, 350, 354, 358, 682, 688 Petermann 418, 420, 682, 685, 688 Pétermann 418, 420, 682, 686 Peternier 228, 682, 688 Petitjean 703 Petitpierre 682, 688 Petitpierre-chez-Jean 535, 682, 688, 703 Petraglio 682, 688 Petralli 682, 688 Pétremand 682, 686 Pétremand-Besancenet 682, 686, 688 Petrig 228, 382, 384, 385, 682, 688 Petrimpol 683, 688 Petrini 683, 688 Petrocchi 683, 688 Petrolini 683, 688 Petroni 683, 688 Petschen 293, 297 Petter 682, 686 Pettermand 682, 686 Peyer 107, 155, 228, 230, 769 Peytermann 682, 686 Familiennamenregister 1095 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="474"?> Pfaff 206, 207, 456, 482, 1038 Pfaffen 206, 207, 334, 335, 337, 1038 Pfaffhauser 127, 131, 206, 207, 744, 753 Pfäff li 206, 350, 354, 358, 456, 1038 Pfammatter 206, 429, 843 Pfander 206, 439, 949 Pfändler 206, 886, 949 Pfannenschmid 206, 251, 503, 514, 526, 922 Pfanner 206, 439, 922 Pfarrer 206, 1038 Pfau 206, 870, 872, 874 Pfefferle 206, 207, 354, 355, 962 Pfefferlé 206, 207, 302, 308, 962 Pfefferli 206, 207, 350, 354, 962 Pfeifer 114, 116, 206, 207, 439, 444, 966, 967 Pfeiffer 114, 116, 206, 207, 439, 444, 966, 967 Pfenniger 188, 206, 439, 949 Pfenninger 188, 206, 439, 949 Pfeuty 303 Pfiffer 114, 116, 153, 206, 207, 439, 444, 966, 967 Pfiffner 114, 116, 206, 207, 442, 444, 966, 967 Pfirter 206, 758, 760 Pfister 206, 444, 896, 899 Pfisterer 206, 424, 896 Pf leghard 206, 462, 600, 602, 603, 604 Pf leghart 206, 462, 600, 602, 603, 604 Pf luger 147, 148, 206, 439, 909 Pf lüger 206, 439 Pf lugi 147, 148, 206, 364, 366 Pf lugshaupt 147, 148, 179, 206, 505, 514 Pfosi 974 Pfoster 206, 949 Pfrunder 56, 58, 61, 206, 439, 949 Pfründer 56, 58, 61, 206, 439, 949 Pfund 206, 1067, 1071 Pfürter 206 Pfyffer 114, 116, 153, 206, 207, 439, 444, 966, 967 Pfyffer von Altishofen 206, 586 Pfyl 114, 117, 206 Philip 302 Piat 228 Picard 758, 760 Piccard soit Picard 618 Pichel 228, 775 Pickel 228, 230 Pidermann 418, 420, 683, 686, 688 Pieren 228, 334, 335, 337, 682, 688 Pieri 228, 230, 682, 688 Pierig 228, 382, 384, 385, 682, 688 Pierre 682, 688 Pierrehumbert 682, 688 Pierroz 682, 688 Pieth 228, 255 Pietrolini 683, 688 Pikard 758, 760 Piré soit Piret 618 Pitsch 287, 293, 297 Pitschen 293, 297 Pitschi 293, 297, 538 Pitz 287, 293, 297 Planta-Wildenberg 240, 515, 877 Planzer 228 Plapp 228 Plattner 228, 775 Platzer 228 Pleisch 228, 230, 292, 297 Pletscher 228, 439 Pleuer 136, 138, 439, 444, 928, 930 Plouda 748 Plüer 136, 138, 302, 439, 444, 928, 930 Plüss 228 Pohli 228, 230, 364, 365 Pommer 228 Poo 163, 1044, 1046 Pool 163 Popp 228, 230 Pörtig 228 Portmann 228, 406, 408, 775, 784 Portner 228, 431, 432, 775, 784 Poschung 228, 275, 278, 280 Prack 228, 870, 872, 976, 1026, 1032 Prader 228, 230 Preisig 114, 228, 382, 384, 386 Preiswerk 114, 117, 228, 505, 514 Preschli 186, 228, 364, 366, 452, 1020 Preschlin 186, 228, 364, 366, 452, 1020 Prince-dit-Clottu 613 Prinz 228, 1036 Prisi 228 Probst 179, 228, 957 Profos 228 Prumatt 126, 228, 843 Pua 1044, 1046 Pulfer 228, 962 Pulver 228, 962 Pümpin 228 Püntener 140, 178, 228, 431, 432, 848 Pünter 136, 140, 228, 432, 848 Pupikofer 228, 752 Puppe dit Poppé 613 Puppikofer 228, 752 Pürro 228, 474, 476 Purtschert 228, 464 Putzi 228, 748 Q Quartier-dit-Maire 613, 614 R Raaf laub 162 Raas 162, 401, 1008 Räber 42, 44, 439, 912 Räbsamen 42, 46, 910 Racheli soit Rachelli 618 Rächer 42, 44, 439, 909 Raedlé 302, 308 Raemy 302, 309 Raetzo 68, 72, 474, 1008 Rageth 255 Ragetli 350, 354, 358, 538 Ragettli 350, 354, 358, 538 Raggenbass 505, 514, 909 Raguth 255 Raguth Tscharner 515 Rahm 976 Rähmi 60 Rahn 976 Raimann 107, 156, 406, 408, 775, 784 Rämann 406, 409, 912 Ramel 356 Ramensperger 240 Rami 56, 60 Rämi 56, 60 Ramisberger 240 Ramsauer 756 Ramseier 429, 756, 757 Ramser 429 Ramseyer 429, 756 Ramsperger 240 Ramstein 877 Randegger 758, 760, 762 Rankwiler 114, 119, 755, 758, 760 Rapo 474, 980, 1028, 1033 Rapp 215, 870, 872, 980, 1028, 1033 Rappo 474, 980, 1028, 1033 Raschein 748 Raschle 56, 59 Räschle 56, 59 Raschli 59 Räss 1008 Rast 493 Rastberger 240 Rastorfer 241, 754, 758, 760, 762 Räth 255 Rathgeb 90, 482, 1000 Raths 334, 335 Rätz 1008 Rätzo 68, 72, 474, 1008 Rauber 56, 61 Räuber 56, 61 Rauchenstein 127, 131, 877 Rauft 189, 775, 784 Räuftlin 189, 352, 355, 775, 784 Rauschenbach 238, 793 Rauscher 127, 129, 1020 Rausser 127, 129, 1020 Rawyler 114, 119, 755 Raymann 107, 156, 406, 408, 775, 784 Räz 1008 Reber 42, 44, 439, 912 Rebmann 406, 409, 912 Rebsamen 42, 46, 910 Rechberger 240, 775 Recher 42, 44, 439, 909 Rechsteiner 272, 429, 826, 828 Reck 482 Réckling 302 Reding 382, 384, 385 Redinger 758, 760 Redolfi 656 Regez 374 Regli 719, 722, 724 Reheis 114, 120, 920 Rehfous 302, 305, 506, 514 Rehfuss 506, 514, 988 Rehli 350, 354, 358, 1026, 1033 Rehsteiner 272 Reich 114, 117, 338, 401, 1066 Reichen 114, 334, 335, 337, 338, 1066 Reichenbach 238, 492, 793 Reichlin 352, 355 Reichling 114, 388, 390, 391, 392, 393 Reichmuth 147, 148, 255 Reidenbach 238, 793 Reidhaar 90, 162, 506, 514, 981 Reidt 981 Reif 870, 872 Reifer 439, 444, 949 Reiff 870, 872 Reif ler 440, 444, 949 Reimann 107, 155, 190, 406, 408, 775, 784 Rein 775, 784 Reinacher 750 Reindle 354, 355, 358 Reinert 249, 464 Reinhard 249 Reinhardt 249 Reinhart 249 Reinle 354, 355, 358 Reinli 350, 354 Reinmann 107, 190, 406, 408, 775, 784 Reiser 114, 775, 784, 818 Reist 468, 483 Reithaar 90, 162, 506, 514, 981 Reitnauer 756 Reller 1020 Remensperger 240, 272 Remisberger 272 Rempf ler 195, 430 Remy 302 Renaud dit de l’Hôtel Neuf 613 Renaud-dit-Louis 613, 614 Renggli 1006 Renner 955 Rennhaas 162, 1005, 1025, 1033 Rennhard 249 Rennhart 249 Rensch 748 Rentsch 375 Renz 374 Resch 84, 85, 454, 999 Resin soit Raisin 618 Rest 696 1096 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="475"?> Rettich 910 Reudt 830, 833 Reut 136, 140, 830, 833 Reutegger 136, 140, 775, 830, 833 Reuteler 136, 140, 178, 830, 833 Reutemann 136, 140, 406, 408, 830, 833 Reutener 136, 140, 174, 178, 431, 432, 830, 833 Reuter 136, 140, 830, 833 Reuthinger 136, 140 Reutiger 136, 140 Reutimann 136, 140, 406, 408, 830, 833 Reutimann dit Rüttimann 303, 613 Reutlinger 136, 140 Reutter 136, 140 Reutti 136, 140, 830, 833 Reutty 136, 140, 270 Rey 775, 784 Reymann 107, 155, 406, 408, 775, 784 Rhein 302 Rheinegger 775, 792 Rheiner 114, 792 Rhiner 114, 153, 428, 792 Rhinisperger 240 Rhyn 775, 784 Rhyner 114, 153, 428, 792 Rich 114, 117, 338, 401, 1066 Richard 676 Richard dit Leschery 613 Richen 114, 153, 334, 337, 338, 1066 Richenberger 240, 428, 775 Richener 114, 153, 174, 178 Richenstein 114, 877 Richi 364, 365, 676 Richle 354, 355, 358, 676 Richli 350, 354, 358, 676 Richner 114, 153, 174, 179 Richter 439, 949 Rickenbach 238, 492, 494, 793 Rickenbacher 238, 494, 793 Rickenmann 406, 408 Rickli 350, 354 Ricklin 269, 272 Ridin 659 Riebli 75, 79, 80, 350, 354, 358 Riedberger 240 Riedener 178, 431, 432, 805, 807 Rieder 146, 428, 432, 476, 805, 807, 808 Riederer 428, 476, 805, 807 Riedhauser 127, 131, 758, 760, 762 Riedi 75, 79, 80, 656, 658, 659 Riediker 383, 384, 386, 744, 752 Riedo 146, 474, 476, 478, 805, 807 Riedtmann 406, 408, 476, 805, 807 Riedweg 146, 493, 862 Riedwyl 114, 119, 755 Riedy 303 Rieger 75, 79, 80, 949 Riegg 75, 79, 80, 656, 658, 660 Riemensberger 240 Ries 870, 872, 974 Riesch 75, 79, 80, 375, 656 Riesen 870, 872, 974 Rietberger 240 Rieter 432, 476, 805, 807 Riethmann 406, 408, 476, 805, 807 Rietli 350, 354, 476, 805, 807 Rietmann 406, 408, 476, 805, 807 Rietsche 75, 79, 80, 378, 656, 658, 659 Rietschi 75, 79, 80, 186, 378, 656, 658, 659 Rietschin 75, 79, 80, 186, 378, 656, 658, 659 Rigert 464 Riggenbach 238, 494, 793 Riggenbacher 238, 494, 793 Rigoleth 255 Rihner 114, 153, 792 Rihs 870, 872, 974 Rikenbach 238, 494, 793 Rikenbacher 238, 494, 793 Rikli 350, 354 Rikly 303 Rimann 406, 408 Rimensberger 240 Rimensperger 240 Rimle 354, 355, 358 Rinder 906 Rinderer 906 Rinderknecht 503, 514, 906 Rinderli 350, 354, 906 Rindisbacher 238, 793 Rindlisbacher 238, 428, 793 Riner 114, 428, 792 Rinert 464 Ringeisen 114, 120, 505, 514, 920 Ringele 178, 364, 366, 1000, 1006 Ringgeli 178, 364, 366, 1000, 1006 Ringgenberg 240 Ringger 439 Ringier 275 Ringli 350, 354, 358 Ringuisen 302 Rippstein 493 Ris 870, 872, 974 Rischgasser 860 Riser 114, 153, 428, 775, 784, 818 Risler 775, 784 Riss 870, 872, 974 Risser 775, 784, 818 Rithener 178, 302 Rithner 302 Ritler 430, 432, 830, 833 Ritschard 676 Rittener 178 Rittener-Ruff 302, 515 Ritter 116, 439, 870, 872 Rittiner 74, 77, 80, 178, 746, 830, 833 Rittner 116 Ritzmann 418, 420 Robadey 656 Robert 464, 656, 660 Robert-Charrue 656 Robert-Dayon 656, 660 Robert-Grandpierre 656, 660, 682, 688 Roberti 656, 660 Roberti Del Vecchio 656, 660 Roberti Maggiore 656, 660 Roberti-Foc 656, 660 Robertini 656, 660 Robert-Laurent 656, 660 Robert-Nicoud 656, 660 Robert-Prince 656, 660 Robert-Rose 656, 660 Robert-Tissot 656, 660 Robin 656 Rode 830 Roder 656, 830 Roderer 424 Rodt 303 Rogenmoser 744 Roger 656 Roget 656 Roggen 908 Rogger 908 Roggero 656 Roggli 350, 354, 908 Roggo 474, 908 Roggwiler 114, 119, 755 Roggwiller 114, 119, 755 Rohn 976 Rohner 164, 168, 428, 821 Rohr 805 Rohrbach 238, 492, 793 Rohrbasser 429, 744 Rohrer 164, 428, 805, 808 Roland 656, 658 Roll 483 Roller 439 Rolli 350, 354, 358, 976, 1016 Rölli 186, 350, 354 Röllin 186, 352, 355 Romang 275, 278 Romberg 240, 775 Römer 870, 872, 1057 Römmel 356 Roner 821 Ronner 168, 428, 821 Ronus 542, 545 Ronzi 312 Roos 163, 493, 870, 872 Röösli 163, 350, 354, 870, 872 Roost 163 Roppel 195 Rordorf 207, 241, 754 Rösch 84, 85, 454, 999 Roschet 275, 280 Röschli 350, 354, 358, 454, 999 Rosemund 724 Rosenberg 240, 493, 775, 877 Rosenberger 240, 428, 775, 877 Roseng 275, 278 Rosenkranz 505, 514, 870, 872 Rosenmund 719, 722 Rosenstock 870, 872 Rosin 719, 722, 724 Rösli 350, 354, 870, 872 Rossacher 213, 840 Rösselet 275 Rosser 439, 906 Rossi-Pedruzzi 683, 688 Rossmann 406, 409 Rostetter 758, 760 Rösti 364, 368, 999 Rotach 750 Roten 259, 334, 335, 337, 338 Roth 255, 259, 260, 338, 401, 454, 458, 979, 982 Rothacher 213, 750 Rötheli 176, 178, 186, 350, 354, 358, 454, 979 Röthelin 176, 178, 186, 352, 355, 358, 454, 979 Rothen 259, 334, 335, 337, 338 Rothenbach 238, 793 Rothenberger 240, 775 Rothenbühler 775 Rothenf luh 775, 828 Rothermann 406, 410, 979 Rothfuchs 506, 514, 980, 1025, 1033 Rothlin 56, 59, 176, 179, 352, 355, 358, 454, 979 Röthlin 56, 59, 176, 179, 352, 355, 358, 454, 979 Röthlisberger 240, 244, 429 Rothmann 406, 410, 979 Rothmund 986 Rötschi 378, 656, 658, 659 Rott 259, 338, 401, 454, 979 Rottenschweiler 114, 119, 755 Rottermann 406, 410, 979 Rottmann 406 Rotzetta 282 Rotzetter 275, 282 Roudolf 656 Rouff 303, 305 Rouff soit Rueff 303, 305, 618 Rouffy 303, 305 Rousier dit Möckly 613 Rub 401, 456, 981 Rubeli 176, 178, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Rüber 439, 910 Rubi 186, 456, 981 Rubin 186 Rubischung 275, 278, 280 Rubitschung 275, 278, 280 Rubli 176, 179, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Rübli 350, 354 Ruch 126, 129, 219, 401, 456, 981, 1016, 1017 Familiennamenregister 1097 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="476"?> Ruche 126, 129, 219, 456, 981, 1016, 1017 Ruchenstein 126, 131, 877 Ruchti 219, 1016, 1017 Ruchty soit Rochty 303, 618 Ruckli 350, 354, 358, 987 Rucklin 303 Ruckstuhl 505, 514, 943 Rüdemann 418, 420, 656, 658, 659 Ruden 334, 337, 656, 658, 659 Rudi 147, 148, 186, 364, 365, 656, 658, 659 Rudin 56, 60, 147, 148, 186, 364, 365, 656, 658, 659 Rüdin 56, 60, 149, 364, 365, 656, 658, 659 Rüdisühli 656, 658, 659 Rüdisüli 656, 658, 659 Rüdliger 382, 384, 386 Rüdlinger 429 Rudolf 147, 148, 656, 658 Rüede 149, 364, 365, 656, 658, 659 Ruedi 56, 60, 147, 364, 365, 656, 658, 659 Rüedi 56, 60, 80, 149, 157, 186, 364, 365, 656, 658, 659 Ruedin 302, 306 Rüedin 149, 186, 364, 365, 656, 658, 659 Ruedolf 147, 148, 656, 658 Rüedy 149, 157, 364, 365, 656, 658, 659 Ruef 147, 148, 656, 658, 659 Ruefer 147, 148, 952 Rueff 147, 148, 302, 656, 658, 659 Rüef li 149, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Rueg 303, 306 Rüeger 80, 149, 949 Rüegg 80, 149, 656, 658, 660, 661 Ruegger 303, 306 Rüegger 149, 656, 658, 660 Rüegsegger 149, 429 Rüenzler 149 Ruepp 147, 148, 656, 658, 659 Ruesch 56, 147, 148, 375, 656, 658, 659 Rüesch 56, 80, 149, 375, 656, 658, 659 Ruesser 147, 148 Ruetsch 147, 148, 375, 656, 658, 659 Ruetschi 268 Rüetschi 80, 149, 378, 656, 658, 659 Rüetschli 149, 350, 354, 358, 378, 656, 658, 659 Ruf 656, 658, 659 Rüfenacht 492, 750 Rufener 178, 775, 786 Rufer 952 Ruff 656, 658, 659 Ruffener 178, 775, 786 Ruffi 775, 786 Rüffieux 275 Ruffiner 178, 428, 775, 786 Ruffner 775, 786 Rufi 775, 786 Rufibach 238, 793 Rufiner 178, 775, 786 Ruf li 56, 59, 186, 350, 354, 656, 658, 659 Rüf li 56, 59, 149, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Ruf lin 186, 352, 355, 358, 656, 658, 659 Rüger 149, 949 Rüggi 364, 365, 656, 658, 660 Ruggle 354, 355, 358, 987 Ruggli 269, 272 Ruh 219, 1016, 1017 Rühli 186 Rühlin 186, 352, 355, 358 Ruhstaller 854 Rümbeli 178, 195, 364, 366, 1020 Rümmeli 178, 364, 366, 1020 Rumo 474 Rumpf 206, 987 Ruosch 56, 147, 375, 656, 658, 659 Ruoss 147, 656, 658 Rupf 656 Rüphi soit Rouffi 618 Rupli 176, 179, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Rupp 656, 658, 659, 661 Ruppen 334, 335, 337, 656, 658, 659 Ruppert 656, 658 Ruppli 176, 179, 350, 354, 358, 656, 658, 659 Rupplin 269 Ruprecht 656, 658 Rusch 56, 147, 148, 375, 656, 658, 659 Rüsch 56, 149, 375, 656, 658, 659 Rüscher 1020 Rüschlin 352, 355, 358 Russenberger 240, 775 Russer 126, 129, 1020 Russi 56, 58, 60, 656, 658 Rüssi 56, 58, 60, 656, 658 Rüssli 350, 354, 358, 980 Rusterholz 208, 493, 810, 816 Rüthemann 136, 406, 408, 830, 833 Rüthi 136, 140, 830, 833 Rüthy 136, 140, 830, 833 Rütimann 136, 140, 406, 408, 830, 833 Rütimeyer 105, 136, 508, 514, 523 Rutishauser 127, 131, 429, 741, 753 Rutsch 56, 58, 375, 656, 658, 659 Rütsch 56, 58, 375, 656, 658, 659 Rütsche 56, 58, 60, 80, 149, 378, 656, 658, 659 Rutschi 56, 58, 60, 378, 656, 658, 659 Rütschi 56, 58, 60, 80, 378, 656, 658, 659 Rutschmann 378, 415, 418, 420, 656, 658, 659 Rutscho 56, 58, 474, 656, 658, 659 Rüttener 80, 136, 140, 174, 178, 431, 432, 830, 833 Rütter 136, 140, 428, 432, 830, 833 Rütti 136, 493, 830, 833 Rüttimann 136, 140, 406, 408, 830, 833 Rüttner 136, 140, 174, 179, 431, 432, 830, 833 Rutz 374, 656, 658, 661 Rutzer 418, 421 Rychard 676 Rychen 114, 153, 334, 335, 337, 338, 1066 Rychen dit Ryhen 614 Rychener 114, 153, 174, 178 Rychner 114, 153, 174, 179 Ryf 114 Ryff 114 Ryffel 114, 356 Ryhen 303 Ryhiner 114, 792 Ryhner 114, 153, 792 Rykart 676 Rykenmann 270 Rymann 406, 408 Ryser 114, 153, 428, 775, 784, 818 Rysler 775, 784 Ryter 114, 116, 439 S Saam 162 Saameli 162, 178, 350, 354, 358 Saegesser 303 Sägesser 42, 44, 189, 439, 924 Sahli 350, 354, 358 Sailer 107, 439, 928 Saladin 1057 Salathe 1057 Salchli 350, 354, 827 Salis 515 Salis Gross 515 Salis-Seewis 162, 515 Sallenbach 238, 493, 793, 810 Saller 744 Salm 870, 872, 874, 1030, 1033 Salmen 870, 872, 874, 1030, 1033 Salvisberg 240, 493, 775 Salzgeber 208, 428 Salzmann 208, 406, 409, 962, 963 Sameli 178, 350, 354, 358 Sammt 179 Samson 870, 872, 874 Sandmeier 105, 155, 508, 514, 523 Sandmeyer 105, 155, 508, 514, 523 Sandoz-dit-Bragard 614 Sandoz-Longjean 703 Saner 429 Sangrouber 302, 305 Santmann 406, 408, 824 Santschi 378 Sarasin 166, 1057 Sarbach 238, 493, 793 Sarrasin 166, 1057 Sartoris 544, 545 Sartory 928, 930 Sässeli 42, 46, 178, 943 Sättele 178, 354, 355, 775 Sätteli 178, 775 Sattler 439, 932, 933 Säuberli 136, 139, 398, 399, 400, 996 Säuberlin 269, 398, 399, 402 Sauer 127, 181, 401, 1008 Saurenmann 127, 129, 406, 410, 1008 Saurer 127, 129, 344, 1008 Sauser 127, 129, 1008 Sauter 127, 128, 444, 932, 935 Sautter 127, 128, 444, 932, 935 Sax 492 Saxer 429 Scartazzoni 312 Schaad 162, 456, 482, 1008 Schabegg 775 Schabron 275, 278, 280 Schabrun 936 Schachenmann 406, 408 Schacher 428 Schachtler 439 Schad 456, 482, 1008 Schadegg 493, 775 Schädeli 178, 186, 350, 354, 358, 456, 984 Schädelin 178, 186, 352, 355, 358, 456, 984 Schädler 42, 44, 439, 940 Schaefer 68, 70, 72, 207, 439, 444, 906 Schaeffer 439, 949 Schaeppi 268 Schaer 272, 303 Schaerer 42, 44, 439, 444, 485, 946 Schaerr 166, 482, 485, 946 Schäfer 68, 70, 72, 207, 439, 444, 906 Schäffeler 178, 207, 440, 444, 906 Schaffer 207, 439, 444, 466, 949 Schäffer 207 Schaffert 207, 462, 464, 466, 949 Schaffhauser 127, 131, 429, 743, 753 Schaffhuser 126, 131, 743, 753 Schaff lützel 207, 600, 603, 604, 1010 Schaffner 207, 442, 444, 466, 949 Schaffter 439 Schäf ler 207, 440, 444, 906 Schäf li 207, 350, 354, 358, 1026, 1033 Schafroth 207, 255, 600, 602, 603, 606, 1000 Schafter 439 Schaible 114, 354, 355 Schalbetter 775 Schalch 213, 456, 1008 Schalcher 744 Schälchli 213, 350, 354, 358, 456, 1008 Schälchlin 213, 269 1098 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="477"?> Schäli 186, 350, 354, 986 Schälin 186, 352, 355, 986 Schälkli 186, 213, 350, 354, 358, 456, 1008 Schälklin 186, 213, 352, 355, 358, 456, 1008 Schallberger 240 Schällebaum 600, 602, 603, 604 Schallenberg 240 Schallenberger 240 Schaller 1007 Schälli 364, 366, 1016 Schällibaum 600, 602, 603, 604 Schaltenbrand 600, 602, 603 Schambron 275, 278, 280 Schaniel 293, 297, 703, 706 Schäpper 936 Schäppi 936 Schär 166, 482, 485, 487, 946, 947 Schären 334, 335, 337, 946 Schärer 42, 44, 48, 166, 439, 444, 485, 946, 947 Scharf 401, 1008 Schärli 350, 354, 946 Schärlig 946 Schärmeli 178, 350, 354, 854 Scharpf 206 Schärrer 42, 44, 166, 439, 444, 485, 946 Schärz 42, 46, 1003 Schatt 493 Schätti 186, 364, 365 Schättin 186, 364, 365 Schatz 994, 1066 Schatzmann 406, 409, 949, 1066 Schaub 454, 976 Schäuble 354, 355, 358, 454, 976 Schäubli 269 Schäublin 352, 355, 358, 454, 976 Schauenberg 240, 775, 877 Schaufelberger 240, 429, 775 Schaufelbühl 149, 775 Schauli 186 Schaulin 186 Schawalder 758, 760 Schedler 42, 44, 439, 940 Schefer 70, 207, 439, 444, 906 Scheffmacher 207, 439, 447 Scheiben 114, 775 Scheibener 178, 431 Scheibler 114 Scheibli 114, 350, 354 Scheidegger 429, 775 Scheidiger 775 Scheidmann 406, 408 Scheier 114, 121, 848 Scheim 114, 117 Scheinholzer 208, 816 Scheitlin 114, 117, 352, 355, 358, 974 Scheiwiler 114, 119, 755 Scheiwiller 114, 119, 755 Schelbli 350, 354, 358, 1008 Schell 483, 485, 966, 969 Schelldorfer 207, 241, 754, 758, 760, 762 Schellenbaum 600, 602, 603, 604 Schellenberg 240 Scheller 485, 966, 969 Schellhaas 162, 1005, 1025, 1033 Scheltorfer 207, 241, 754, 758, 760, 762 Schenevey 275, 280 Schenk 482, 485, 487, 893, 894 Schenkel 988 Schenker 439, 485, 893 Scherer 42, 44, 166, 439, 444, 485, 946 Scherler 440, 444, 946 Schernberg 240, 775 Scherrer 42, 44, 48, 166, 439, 444, 485, 946, 947 Schertenleib 600, 602, 603, 606 Scherwey 275, 280, 282 Scherz 42, 46, 1003 Schett 287, 297 Scheuermann 136, 406, 854 Scheuermeier 105, 136, 138, 444, 503, 514, 523, 905 Scheuner 136 Scheurer 136, 854 Scheurmann 136, 406, 854 Scheurmeister 136, 138, 444, 503, 514, 949 Scheuss 483, 485, 1016 Scheuzger 444, 932, 935 Schib 114, 117, 483 Schibenegg 758, 760, 762 Schibler 114 Schibli 114, 350, 354 Schick 452, 483, 485 Schicker 452, 485 Schickli 398, 399, 400, 994 Schiegg 989 Schieli 75, 79, 80, 350, 354, 936 Schiess 468, 483, 485, 1016 Schiesser 210, 439, 485, 1016 Schiferli 350, 354, 358, 976 Schifferle 354, 355, 358, 976 Schifferli 350, 354, 358, 976 Schiffmann 207, 406, 409 Schild 870, 872, 923 Schildknecht 503, 514 Schiller 452, 986 Schilli 452, 986, 1067 Schillig 391, 392, 393, 1067 Schilliger 424, 1067 Schilling 391, 392, 393, 394, 1067 Schilplin 74, 77, 80, 352, 355, 358, 976 Schilt 870, 872, 923 Schilter 439, 923 Schiltknecht 503, 514, 528 Schindelholz 208, 505, 514 Schindler 439 Schinner 195 Schinz 374 Schirmer 439, 966, 970 Schittli 114, 117, 350, 354, 358, 974 Schlachter 890 Schlaepfer 303 Schläf li 350, 354, 358, 1012 Schlag 837 Schlaginhaufen 600, 603, 1016 Schlanser 748 Schlapbach 238, 492, 793 Schläpfer 837 Schlappach 238, 793 Schläppy 303 Schlatter 775, 806 Schlauri 1010 Schlecht 338, 401 Schlechten 334, 335, 337, 338 Schlee 162, 818 Schlegel 870, 872 Schleiniger 383, 384, 386, 744, 752 Schlepfer 837 Schleppi 303 Schleppy 303 Schleuniger 383, 384, 386, 744, 752 Schleuss 483, 485, 953 Schleusser 439, 485, 953 Schliessbach 238, 793 Schlittler 440 Schlosser 439, 925 Schlub 147, 148, 248 Schluchter 56, 61, 775 Schlüchter 56, 61, 775 Schlueb 147, 148, 248 Schluep 147, 148, 248 Schlumpf 206, 976, 1011 Schlund 987, 1011 Schlup 147, 148, 248 Schlupp 147, 148, 248 Schlüssel 870, 872, 874 Schmalz 962 Schmed 97, 251, 526, 926 Schmeder 526 Schmedt 97, 251, 526, 926 Schmid 251, 252, 526, 926, 927 Schmidely 303 Schmidhalter 93, 775, 784, 856 Schmidhauser 127, 131, 429, 432, 753, 852 Schmidhäusler 136, 140, 430, 432, 852 Schmidheini 157, 512, 514, 526 Schmidheiny 157, 512, 514, 526 Schmidig 382, 384, 386, 526 Schmidiger 526 Schmidle 354, 355, 526 Schmidli 186, 350, 354, 526 Schmidlin 186, 352, 355, 526 Schmidt 251, 252, 526, 926, 927 Schmidter 856 Schmidweber 509, 514, 526 Schmied 251, 526, 926, 958 Schmit 251, 526, 926 Schmitt 251, 526, 926 Schmitter 429, 856 Schmitz 334, 335, 526 Schmocker 429 Schmon 287, 297 Schmoutz 302, 305 Schmucki 456, 1005 Schmuckle 354, 355, 358, 456, 1005 Schmuckli 350, 354, 358, 456, 1005 Schmuki 456, 1005 Schmukle 354, 355, 358, 456, 1005 Schmukli 350, 354, 358, 456, 1005 Schnäbeli 303 Schnarwiler 114, 119, 755 Schneble 354, 355, 358, 980 Schnebli 350, 354, 358, 980 Schneebeli 162, 350, 354, 358, 980 Schneeberg 303 Schneeberger 162, 240, 428, 775 Schneeli 162, 350, 354, 358, 980 Schnegg 870, 872, 1031, 1033 Schneider 114, 116, 123, 439, 446, 928, 937 Schneiter 837 Schneitter 837 Schnell 401, 456 Schneller 439 Schnelli 364, 366, 456, 989, 1020 Schnellmann 406 Schnetz 482, 485, 941 Schnetzer 439, 444, 485, 941 Schnetzler 440, 444, 485, 941 Schneuwly 350, 354, 358, 980 Schnewlin 352, 355, 358, 980 Schnezler 440, 444, 485, 941 Schnider 114, 116, 153, 439, 928, 930 Schniderlin 352, 355, 928, 930 Schnidrig 382, 384, 386, 928, 930 Schnieper 75, 79, 80, 999 Schnirley 302 Schnitter 439 Schnitzer 439, 941 Schnoz 986 Schnüriger 428 Schnurrenberger 240, 429, 744 Schnyder 114, 116, 153, 439, 928, 930 Schnyder von Wartensee 162, 586, 795, 877, 928, 930 Schnydrig 382, 384, 386, 928, 930 Schöbi 364, 365 Schoch 909 Schocher 439, 909 Schöchli 186, 350, 354, 909 Schöchlin 186, 352, 355, 909 Schodele 302 Schoder 974 Schödler 439, 940 Schoenauer 70, 72, 756 Schoenenweid 842 Schoeneweid 303 Familiennamenregister 1099 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="478"?> Scholer 90, 439 Scholl 454, 976 Schollenberger 240, 744 Scholler 90, 439 Schölly 454, 976 Schön 401, 978, 994 Schönauer 70, 72, 756 Schönberger 240, 775 Schönenberg 240, 492 Schönenberger 240, 429, 775 Schönholzer 208, 816 Schöni 978, 994 Schönmann 406, 410, 978, 994 Schönthal 775 Schoop 163, 936 Schoor 163, 166, 483, 485 Schopfer 206, 428, 854 Schöpfer 206, 854 Schopp 936 Schor 166, 483, 485 Schorer 485 Schori 364, 366, 485 Schornegg 775 Schorno 474, 775 Schornoz 302, 474 Schorr 166, 483, 485 Schörrli 350, 354, 358, 981 Schorro 474 Schöttli 350, 354, 358 Schouler 302, 305, 1054 Schrackmann 406, 408, 775 Schrag 974 Schrago 474, 974 Schrämli 350, 354, 358 Schrämmli 350, 354, 358 Schraner 429 Schranz 775 Schreiber 114, 116, 439 Schreier 114, 121, 155, 1007, 1020, 1022 Schrepfer 206, 439, 946 Schreyer 114, 121, 155, 1007, 1020, 1022 Schriber 114, 116, 153, 439 Schroeter 70, 72, 302, 837 Schrofer 775 Schröpfer 206, 439, 946 Schröter 70, 72, 837 Schryber 114, 116, 153, 439 Schucani 312 Schudel 974 Schüeb 149, 248, 454, 915, 917 Schueler 147, 148, 302, 1054 Schüeli 80, 149, 350, 354, 936 Schüep 149, 248, 454, 915, 917 Schuepp 56, 147, 148, 248, 454, 915, 917 Schüepp 56, 149, 248, 454, 915, 917 Schuhmacher 439, 447, 932, 935 Schuler 147, 148, 1054, 1059 Schultheiss 482, 503, 514, 949 Schulthess 482, 503, 514, 949 Schumacher 439, 447, 932, 935 Schümperli 186, 350, 354, 358, 456, 989 Schümperlin 186, 352, 355, 358, 456, 989 Schuoler 147, 1054 Schüpbach 238, 492, 499, 793, 794, 800 Schüpfer 429 Schupisser 883 Schuppisser 428, 883 Schuppli 350, 354, 358, 454, 915, 917 Schurch 303 Schürch 483, 989, 992 Schürer 136, 854 Schürmann 136, 406, 854 Schürpf 206, 483 Schurtenberger 240, 775 Schuster 444, 503, 514, 932, 935 Schuttanner 758, 760 Schüttel 981 Schutz 483, 1006 Schütz 208, 482 Schwaar 162 Schwab 90, 91, 769, 771 Schwager 90, 1044, 1046 Schwägi 967 Schwägler 42, 44, 439, 966, 967 Schwägli 364, 366, 966 Schwalm 195, 1028, 1033 Schwammberger 240 Schwander 428, 432, 832, 833 Schwaninger 758, 760, 762 Schwank 483, 1003 Schwarb 452, 483, 485, 1008 Schwarber 452, 485, 1008 Schwartz 338, 454, 979 Schwartzlin 454 Schwartzmann 303, 307 Schwarz 338, 401, 454, 979 Schwarzen 334, 335, 337, 338, 979 Schwarzenbach 238, 493, 793 Schwarzenberger 240, 429 Schwarzer 344, 979 Schwarzmann 406, 410, 979 Schwarzwald 816 Schwegler 42, 44, 439, 966, 967 Schweighauser 127, 131, 852 Schweingruber 114, 147, 148, 428, 775, 780 Schweiter 114, 742 Schweitzer 114, 742 Schweizer 114, 429, 742, 749 Schwendbühl 149, 775, 832, 833 Schwendeler 178, 430, 432, 832, 833 Schwendener 178, 431, 432, 832, 833 Schwender 432, 832, 833 Schwendi 832, 833 Schwendimann 406, 408, 832, 833 Schwengeler 178, 989 Schwenk 483, 989 Schwenter 432, 832, 833 Schwere 976, 1012 Schweri 976, 1012 Schwertfeger 439, 503, 514 Schwery 976, 1012 Schwerzmann 406, 408, 828 Schwestermann 406, 410, 1044, 1046 Schwick 483, 989 Schwilch 1005 Schwingruber 114, 147, 148, 775, 780 Schwisquebel 303 Schwitter 114, 214, 429, 742 Schwitzer 114, 742 Schwitzerlet 302, 742 Schwitzguebel 303, 307 Schwitzguébel 303, 307 Schwitzkébel 303, 307 Schwizer 114, 153, 429, 742 Schwizgebel 514 Schwob 90, 91, 769 Schwyn 114, 117, 906, 1026, 1033 Schwyter 114, 429, 742 Schwytzer von Buonas 147, 586, 742 Schwyzer 114, 153, 214, 429, 742 Sciobéret 302 Screta von Zavorziz 586 Secchi 312 Seckinger 758, 760, 762 Sedelberger 240, 775 Seeberger 162, 240, 775, 795 Seeger 162, 439 Seeholzer 162, 208, 795, 816 Seelhofer 162, 882 Seeli 163 Seemann 163, 406 Seematter 163, 795, 843 Seewer 163, 429, 795 Segenreich 506, 514, 994 Seger 439 Segessemann 189, 406, 409, 924 Segessenmann 189, 406, 409, 924 Segesser 42, 44, 189, 439, 924 Segesser von Brunegg 586, 877 Segginger 758, 760, 762 Segiser 189, 439, 924 Segmüller 508, 514, 524, 899 Seifert 464 Seiffert 464 Seiler 107, 439, 928 Seitz 374 Seiz 374 Sekinger 758, 760, 762 Selhofer 882 Seliner 178, 287, 297, 418, 421, 539 Semadeni 748 Sempach 238, 793 Senften 50, 334, 335, 337, 994 Senger 439, 966, 970 Senggen 836 Senn 482, 487, 906 Sennhauser 127, 131, 429, 852 Senti 287, 297 Serrardi 312 Sesseli 42, 46, 178, 943 Sessler 439, 943 Setz 374 Sewer 795 Siber 439 Sidler 439, 943 Siebenhaar 90, 162, 609, 981 Siebenmann 406, 409 Sieber 439 Siegen 334, 335, 337 Siegenthaler 429 Siegerist 956 Siegmann 418, 420 Siegrist 179, 956 Sievert 464 Siffert 464 Sigerist 956 Siggen 334, 335, 337 Signer 418, 421, 425 Sigrist 179, 956 Simler 439, 896 Simmler 439, 896 Sing 483, 485, 966, 970 Singeisen 114, 120, 600, 602, 603, 604, 920 Singenberger 240, 877 Singer 439, 485, 966, 970 Sinner 439, 955 Sinniger 1000 Snell 303 Snider 114, 116, 928, 930 Snidro 114, 116, 928, 930 Soder 797 Sogel-dit-Piquard 614 Soguel dit Picard 614 Soguel dit Piquard 614 Soguel-dit-Picard 613 Soguel-dit-Piquard 613 Sohm 108, 165, 168 Soland 758, 760, 762, 763 Solenthaler 775 Solinger 383, 384, 385, 744, 752 Sollberger 240 Soller 493, 854 Solothurner 743 Solothurnmann 406, 408, 743 Soltermann 406, 408, 743 Som 108 Somm 108, 168 Sommer 98, 99, 102, 1056, 1059 Sommerau 98, 99, 756 Sommerauer 98, 99, 756 Sommerhalder 98, 99, 428, 775, 784 Sonderegger 429 Sonnenwyl 114, 119, 755 Sooder 163, 797 Soom 108, 163, 165 Sorg 1005 Sorgen 334, 335, 337, 1005 1100 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="479"?> Sossauer 756 Soutter 303, 305 Spaar 162, 165, 1028, 1033 Spaetig 303 Spahn 90, 91, 454, 976 Spahni 56, 60, 90, 91, 974 Spähni 56, 60, 90, 91, 974 Spahr 164, 165, 1028, 1033 Spaltenstein 600, 602, 603, 604 Spänhauer 439, 503, 514 Späni 60, 90, 91 Späti 364, 368, 468, 1056 Spätig 382, 384, 386, 1056 Spechbach 238, 793 Specht 1028, 1033 Speck 863 Specker 428, 434, 466, 863 Speckert 434, 462, 464, 466, 863 Speerli 163, 350, 354, 358, 974, 1003, 1028, 1033 Speiser 114, 116, 439, 893 Spengeler 174, 178, 440, 925 Spengler 174, 179, 440, 925 Sperisen 114, 120, 505, 514, 920 Spettig 396, 400, 989 Spicher 114, 153, 854 Spichtig 396, 400, 976 Spichtin 976 Spichty 976 Spiegel 870, 872, 874 Spiegelberg 240, 775 Spiegler 1008 Spieler 439, 966, 970 Spielmann 406, 409, 966, 970 Spies 870, 872 Spieser 114, 116, 439, 893 Spiess 870, 872 Spiller 439, 966, 970 Spillmann 406, 409, 966, 970 Spinner 439, 928, 930 Spinnler 439 Spirgi 976 Spiri 114, 117, 364, 365, 366, 976, 1028, 1033 Spirig 382, 384, 386 Spitteler 174, 178 Spittler 174, 179 Spitz 493, 775 Spitzli 350, 354, 775 Spitzly 350, 354, 775 Spleiss 976 Spoerri 268 Spoerry 56, 364, 366, 925 Spohn 90, 91, 454, 976 Spöndli 90, 91, 186, 350, 354, 358, 454, 976 Spöndlin 90, 91, 186, 352, 355, 358, 454, 976 Spori 56, 364, 366, 925 Spöri 56, 166, 364, 366, 925 Spörli 350, 354, 925 Spörndli 90, 91, 350, 354, 358, 454, 976 Sporrer 439, 925 Spörri 56, 166, 364, 366, 925 Sprecher 966, 970 Spreiter 439, 909 Spreng 483, 485 Sprenger 439, 485 Spreuer 136, 141, 439 Spreuermann 136, 141, 406, 409 Spring 483, 485, 966, 970 Springer 485, 966, 970 Spross 1044, 1049 Sprung 775 Sprunger 775 Sprüngli 186, 350, 354, 775 Sprünglin 186, 352, 355, 775 Spuhler 56, 61, 439, 928, 930 Spühler 56, 61, 439, 928, 930 Spuler 439, 928, 930 Spycher 114, 153, 493, 854 Spyr 114, 117, 976, 1028, 1033 Spyri 270 Stäbli 350, 354, 949 Stachel 222, 920 Stachenmann 406 Städeli 59, 178, 186, 350, 354, 854 Städelin 59, 178, 186, 352, 355, 854 Stadelmann 406, 854 Stadler 56, 61, 854 Städler 56, 61, 854 Stadlin 59, 352, 355, 854 Stadtmann 406, 408, 808 Staeblin 352, 355, 358, 976 Staedeli 268 Staehelin 68, 70, 72, 176, 178, 222, 352, 355, 920 Staehlin 268 Staffelbach 238, 793 Stäger 42, 428, 863 Stahel 164, 222, 920 Stäheli 164, 176, 178, 186, 222, 350, 354, 920, 927 Stähelin 68, 70, 72, 164, 176, 178, 186, 222, 352, 355, 920 Stahl 222, 920 Stähli 164, 176, 179, 186, 222, 350, 354 Stählin 176, 179, 186, 222, 352, 355, 920 Stähr 1026, 1033 Stalder 428, 775, 784, 789 Stäldi 775, 784 Stalé soit Stalet 618 Stamm 976, 1044, 1049 Stammbach 195, 199, 238, 793 Stammler 1020 Stampbach 199, 238, 793 Stampf ler 206, 456, 989 Stampf li 56, 59, 206, 350, 354, 358, 456, 989, 992 Stämpf li 56, 59, 206, 350, 354, 358, 456, 989 Stänz 48, 374 Stapfer 206, 989, 990 Stark 401, 997 Starkenmann 406, 410, 997 Starkermann 406, 410, 997 Stärkle 354, 355 Starrost soit Starrast 618 Stätzler 1020 Staub 108, 110, 898, 899 Stauber 56, 61, 898 Stäuber 56, 61, 109, 898 Stäuble 59, 109, 354, 355 Staubli 56, 59, 350, 354, 898 Stäubli 56, 59, 109, 350, 354, 898 Staudacher 818 Staudenmann 127, 131, 406, 408, 818 Stauder 127, 131, 432, 818 Staufer 775, 776 Stauffenegger 775 Stauffer 775, 776 Stauffiger 775, 776 Stauss 452, 483, 485, 986 Stäussi 136, 139, 452, 485, 986 Stebler 949 Stecher 439, 906 Steckli 74, 76, 80, 350, 354, 834 Steg 863 Steger 42, 428, 863 Stegmann 406, 408, 863 Stegmüller 508, 514, 524, 899 Stehelin 70, 176, 178, 222, 352, 355, 920 Stehl 222, 920 Stehle 176, 179, 222, 354, 355, 920 Stehli 164, 176, 179, 186, 222, 350, 354, 920 Stehlin 176, 179, 186, 222, 352, 355, 920 Stehrenberger 240 Steiby 302, 898 Steiger 775, 862 Steigmeier 105, 114, 155, 508, 514, 523 Steigmeyer 105, 114, 155, 508, 514, 523 Steimann 190, 406, 826 Steimer 826 Stein 826 Steinach 750, 826 Steinacher 213, 826, 840 Steinauer 756, 826 Steinbacher 238, 793, 826 Steinbrüchel 487 Steinbrunner 797 Steinegger 244, 428, 775, 826 Steinemann 406, 826 Steiner 826, 828 Steingruber 147, 148, 428, 826 Steinhauer 439, 503, 514 Steinhauser 127, 852 Steinhäuslin 352, 355, 852 Steinlin 352, 355, 826 Steinmann 190, 406, 826, 828 Steinmen 406, 826 Stékoffer 302 Stelli 350, 354 Stelzer 989 Stemmer 1020 Stempfel 206 Stengel 454, 976 Stengele 178, 454, 976 Stenz 48, 374 Stephani 548 Sterchi 50, 213, 364, 369, 997 Sterki 50, 213, 364, 369, 997 Stern 870, 872, 874 Sterren 334, 335, 337, 1026, 1033 Stettbacher 238, 744, 793 Stettler 429, 884 Steuble 59, 109, 354, 355, 898 Steudler 136, 140, 430, 432, 818 Stich 775 Sticher 775 Stickelberger 74, 77, 80, 240, 758, 760 Stiefel 936 Stieger 114, 428, 862 Stierchler 303 Stierli 146, 186, 350, 354, 358, 906, 1026, 1033 Stierlin 186, 352, 355, 358, 906, 1026, 1033 Stiffel 302 Still 401, 1020 Stillhard 821 Stillhart 821 Stindt 1030, 1033 Stingel 454, 976 Stingelin 178, 454, 976 Stirnemann 406, 410, 986 Stirnimann 406, 410, 986 Stock 834 Stockar 834 Stocker 834, 837 Stöckli 80, 186, 350, 354, 360, 834, 837 Stocklin 56, 59, 352, 355, 834 Stöcklin 56, 59, 70, 72, 186, 352, 355, 834 Stockly 303 Stöckly 350, 354, 834 Stockmann 406, 408, 834 Stockmeyer 105, 508, 514, 523 Stoecklin 56, 59, 70, 72, 352, 355, 834 Stofer 974 Stoffer 974 Stohl 168, 974 Stokar von Neuforn 586, 834 Stoky 302 Stoll 168, 974 Stoller 428, 775 Familiennamenregister 1101 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="480"?> Stolz 401, 1007 Stoob 108, 163, 248, 898 Stoop 108, 163, 248, 898 Stooss 163, 493 Stöpfer 206 Stoppany 312 Stör 452, 483, 485 Storchenegger 775 Störchli 350, 354, 870, 872 Störchlin 269 Störi 452, 485 Stössel 976 Stotzer 775, 784 Stoudemann 303, 305 Stouder 302, 305, 428, 432, 818 Stoudmann 302, 305, 406, 408, 818 Stouky 303, 305 Strahl 90 Strähl 164 Strähler 439, 928, 930 Strahm 90, 493 Stram 90 Strassburger 90, 758, 760 Strasser 90, 210, 428, 432, 860 Strässle 354, 355, 860 Strässler 90, 91, 430, 432, 860 Strässli 350, 354, 860 Strassmann 90, 210, 406, 408, 860 Straub 127, 129, 456, 981 Straubhaar 90, 127, 129, 162, 466, 506, 514, 981 Straubhardt 462, 466 Sträuli 109, 350, 354, 358 Straumann 406, 409, 962 Strausack 1002 Strausak 1002 Strauss 127, 870, 872, 1016, 1028, 1033 Strebel 487, 1006 Strebi 364, 366, 1006 Streckeisen 114, 120, 505, 514 Strehler 439, 928, 930 Streichenberg 240 Streiff 207, 483, 775 Streipf 206, 483, 775 Streit 114, 117, 456, 616, 1016, 1018 Streit dit Provins 303, 613, 616 Streit-dit-Provin 302 Streit-dit-Provins 613 Streiter 114, 117, 456, 1016, 1018 Streitmatter 843 Streule 109, 354, 355, 358 Streuli 109, 350, 354, 358 Streun 136, 139, 483 Stricker 432, 775, 862 Strickler 430, 432, 775, 862 Striffeler 178 Stritt 114, 117, 456, 1016, 1018 Strittmatter 843 Ströbel 981 Strohecker 505, 514, 909 Strohmeier 105, 444, 503, 514, 523, 949 Stromeier 105, 444, 503, 514, 523, 949 Strössler 90, 91, 430, 432, 860 Strösslin 352, 355, 860 Strub 126, 129, 456, 981 Strübi 186, 364, 368, 981 Strübin 186, 364, 368, 981 Strüby 364, 368, 981 Struch 126, 129, 338, 401, 483, 986, 1016 Struchen 334, 335, 337, 338, 986 Struffenegger 775 Strupler 126, 129, 456, 981 Stryffeler 178 Stuber 439, 946 Stübi 136, 139, 898 Stuby 302 Stücheli 178, 350, 354, 936 Stuck 364, 454, 976 Stückelberg 240 Stückelberger 80, 240, 758, 760 Stucker 1016 Stucki 56, 58, 60, 364, 365, 366, 454, 976 Stücklin 352, 355, 358, 364, 454, 976 Stucky 56, 58, 60, 364, 365, 366, 454, 976 Stücky 56, 58, 60, 364, 365, 366, 454, 976 Stüdeli 176, 178, 350, 354, 818 Studemann 126, 131, 406, 408, 818 Studer 126, 131, 133, 428, 432, 818, 821 Studhalter 93, 775, 784, 818 Stüdi 136, 140, 818 Studiger 188, 818 Studinger 188, 818 Stüdle 176, 179, 354, 355, 818 Studler 439, 928, 930 Stüdli 176, 179, 350, 354, 818 Stühlinger 758, 760, 762 Stuker 1016 Stulz 1007 Stump 974 Stumpf 206, 974 Stünzi 974 Stupanus 542, 545 Stupf 206 Stürchler 989 Stürm 454, 1016 Stürmlin 352, 355, 358, 454 Sturni 1016 Sturny 1016 Sturzenegger 775 Stürzinger 383, 385, 744, 752 Stüssi 136, 139, 452, 485, 986 Stutz 493, 496, 499, 775, 784 Stutzer 496, 775, 784 Stutzmann 406, 408, 496, 775, 784 Styger 114, 862 Styner 418 Süess 149, 401, 454, 994 Suffert 464 Suhner 439, 949 Sulger Büel 149, 515, 775 Sulser 804 Sulzberger 240, 429, 804 Sulzener 178, 431, 432, 804 Sulzer 429, 432, 804 Sulzmann 406, 408, 804 Summermatter 99, 428, 843 Supersaxo 548 Suppiger 188, 429, 758, 760, 762, 763 Suppinger 188, 758, 760, 762 Surbeck 50, 128, 482, 503, 514, 515, 522, 896 Surber 429 Suremann 126, 129, 406, 410, 1008 Surer 126, 129 Suri 56, 60, 126, 129, 1008 Süri 56, 60, 1008 Surläuly 510, 514 Sury 56, 60, 126, 129, 1008 Süry 56, 60, 1008 Suser 126, 129, 1008 Süsli 136, 139, 350, 354, 358, 989, 1008 Süss 149, 401, 454, 994 Süssli 149, 186, 350, 354, 358, 454, 994 Süsslin 149, 186, 352, 355, 358, 454, 994 Süsstrunk 149, 1011 Suter 126, 128, 133, 214, 444, 932, 935 Sutermeister 126, 128, 444, 503, 514, 528, 932, 935 Sutter 126, 128, 214, 444, 932, 935 Sutterlet 302, 932, 935 Sütterlin 352, 355, 932, 935 Sutz 374 Sydler 439, 943 Syz 886 T Tagmann 406, 409 Tall 703 Tannast 976 Tanner 432, 814, 821 Tanniger 418, 422, 552, 554, 719, 722, 723, 724, 731 Tännler 430, 432, 814 Tapfert 206, 462, 464, 997 Tarnutzer 231, 748 Täscher 231, 439, 444, 932, 933 Täschler 231, 440, 444, 932, 933 Täuber 109, 231, 966, 967, 1016, 1020 Taugwalder 816 Tauss 1020, 1022 Techtermann 74, 76, 80, 406, 410, 1044, 1046 Tedeschi 764 Teigu dit Schapira 614 Tellenbach 231, 238, 793, 814 Teller 231, 775, 780 Tempelmann 406, 410, 1038 Temperli 1010 Tenger 231 Tenisch 74, 76, 80, 334, 335 Tenner 748 Tenz 74, 76, 80, 231, 374 Tepping 302 Testuz 282 Tettü 275, 282 Teuber 109, 231, 966, 967, 1016, 1020 Teucher 136, 231 Teufer 142, 775 Teuscher 136, 138, 439, 960 Teutsch 136, 139, 179, 231, 232, 402, 764 Teutschmann 139, 406, 408 Thaler 56, 61, 231, 255, 775, 783 Thäler 56, 61, 231, 255, 775, 783 Thali 231, 255, 364, 369 Thaller 231, 255, 775, 783 Thalman 255, 302, 406, 408, 775, 783 Thalmann 231, 255, 260, 406, 408, 775, 783 Theiler 255 Theilkäs 255 Theintz 302, 307, 374 Theler 231, 255, 814 Thellung 255 Thenen 74, 76, 80, 255, 334, 335, 337 Thentz 302, 307, 374 Theus 542, 545, 548 Thevenin soit Thevenet 618 Thierstein 255, 877 Thierwächter 74, 77, 80, 231, 255, 439, 953 Thiessing 255, 382, 384, 385, 714 Thomale 255 Thomann 231, 255 Thomi 255, 364, 365 Thommen 231, 255 Thommer 255, 258, 418, 421 Thönen 80, 255, 334, 335, 337 Thöni 80, 157, 255, 258 Thöny 157, 255 Thoos 163, 255, 483, 1020 Thörig 100, 231, 255, 769 Thormann 231, 255, 406, 859, 953 Thossy 255 Thowe 255 Thrier 255 Thüeler 149, 255, 775, 780 Thüler 149, 255, 775, 780 Thuli 255 Thüller 149, 255, 775, 780 Thum 255 Thummermuth 147, 148, 231, 255, 609, 1002 Thuner 231, 255 Thür 166, 231, 255, 338, 401, 976 1102 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="481"?> Thürig 188, 231, 255, 769 Thüring 188, 231, 255, 769 Thüringer 231, 255, 769 Thürkauf 136, 139, 255, 600, 603, 960 Thürlemann 231, 255, 406, 414, 848 Thurler 56, 61, 231, 255, 848 Thürler 56, 61, 255, 302, 848 Thürlimann 231, 255, 406, 414, 848 Thurlingue 255, 302 Thurneysen 114, 120, 255, 505, 514 Thurnheer 163, 166, 179, 255, 503, 514, 953 Thurnherr 166, 179, 255, 503, 514, 953 Thurni 255, 859 Thürr 166, 255, 338, 401, 976 Thurthaler 255 Thut 147, 148, 255 Tiefenauer 142, 207, 756 Tiefenbach 142, 207, 238, 793 Tiefenthal 142, 207 Tieffenbach 142, 207, 238, 793 Tillmann 231, 418, 420 Tinetti 692 Tini 692 Tinner 231 Tischhauser 127, 131, 428, 852 Tissot dit Sanfin 614 Tissot-dit-Choppia 613 Tissot-dit-Sanfin 613, 614 Tizzoni 312 Tobler 231, 234, 428, 775, 782 Tochtermann 406, 410, 1044, 1046 Tödtli 350, 354, 358 Toggweiler 114, 119, 231, 744, 755 Toggwiler 114, 119, 231, 755 Tognoni 312 Tomamichel 512, 514, 710 Tommer 258, 418, 421 Töngi 196 Töni 258 Tönz 80, 231, 374 Topfel 195 Torel soit Thorel 618 Torgler 439, 912 Törig 100, 231 Traber 989, 990 Trachsel 56, 90, 91, 231, 232, 234, 487, 488, 942, 944 Trächsel 42, 44, 56, 231, 232, 487, 942 Trachsler 90, 91, 231, 232, 439, 488, 942 Trächslin 272, 352, 355, 942 Traub 127, 129, 870, 872, 874 Trautweiler 114, 119, 755, 758, 760, 762 Traxel 90, 91, 231, 232, 487, 942 Traxler 90, 91, 231, 232, 439, 942 Trechsel 42, 44, 231, 232, 487, 942 Trechslin 272 Treichler 189, 439, 922 Treier 110, 231, 232, 942 Tremp 483, 989, 990 Trepp 989, 990 Tresch 482 Treu 136, 141, 401, 994 Treyer 110, 231, 232, 942 Tribelhorn 506, 514, 1002 Trindler 418, 422, 719, 722, 724, 735 Triner 418, 422, 719, 722, 724 Trinkler 189, 922 Trittebach 238, 793 Trittenbach 238, 793 Trittenbass 231, 600, 603, 604 Trittibach 238, 793 Trochsler 231, 232, 439, 942 Trog 775, 780, 797 Troger 775, 780, 797 Tröhler 1012, 1016 Tröller 1012, 1016 Tröndle 354, 355, 358 Trösch 482 Trost 994 Trottmann 406, 409 Troxler 90, 91, 94, 231, 232, 439, 942 Trüb 149, 401, 1005 Trueb 268 Trüeb 149, 401, 1005 Trüllinger 383, 385, 752 Trummer 439, 966, 969 Trümpeler 174, 178, 452, 989 Trümpi 364, 366, 452, 989 Trümpler 174, 179, 452, 989 Trümpy 364, 366, 452, 989 Truniger 188 Truninger 188, 429 Truog 147 Trüssel 231, 487, 974, 1008 Trutmann 126, 130, 420 Truttmann 126, 130, 420 Tryndler 418, 422, 719, 722, 724 Trynler 735 Tschabold 275, 277, 280 Tschachtli 949 Tschaggelar 275, 280 Tschaggeny 275, 280 Tschamper 989 Tschampion 275, 278, 280 Tschamun 293, 297 Tschan 275, 278, 280, 702, 706 Tschanen 275, 278, 280, 334, 335, 337, 702, 706 Tschäni 275, 278, 280 Tschann 275, 278, 280, 702, 706 Tschannen 275, 278, 280, 281, 334, 335, 337, 702, 706 Tschantré 275, 280, 282 Tschanz 275, 278, 280, 281, 702, 706 Tschäppät 275, 280 Tschäppeler 178 Tscharland 275, 280 Tscharner 890 Tschechtelin 352, 355, 949 Tscheer 74, 76, 80, 163, 1002 Tscherrig 382, 384, 386, 981, 1054 Tscherry 981, 1054 Tschilar 275, 280 Tschirky 364, 366, 989 Tschirren 334, 335, 337 Tschopp 936 Tschudi 186, 1002 Tschudin 186, 1002 Tschudy 1002 Tschugmall 297 Tschumi 1002 Tschümmy 1002 Tschumper 456, 989 Tschümperle 354, 355, 358, 456, 989 Tschümperli 186, 350, 354, 358, 456, 989 Tschümperlin 186, 352, 355, 358, 456, 989 Tschumy 303 Tschupp 981 Tschuppert 462, 464, 989 Tuchschmid 251, 509, 514, 526 Tüfer 142, 775 Tuff li 350, 354, 656, 658 Tuggener 178 Tugginer 178 Tujetsch 748 Tüller 848 Türler 231, 848 Turtschi 231 Tüscher 136, 138, 231, 439, 960 Tüsel 231, 487, 1002 Tütsch 136, 139, 179, 231, 232, 402, 764 Twerenbold 214, 509, 514 U Uebelhard 249, 821, 827 Uebelhardt 249, 821, 827 Uebelhart 249, 821, 827 Uebelin 67, 178, 352, 355, 1008 Uebelmann 67, 406, 410, 1008 Uebersax 492 Uehlinger 67, 758, 760, 762 Uelligger 147, 148 Ueltschi 147, 148, 378 Uetz 374 Uez 374 Uffholz 208, 558, 562 Ufholz 208, 558, 562 Uhler 418, 421 Uhlmann 147, 148, 418, 420, 425 Uhr 1026, 1033 Ullmann 147, 148, 418, 420 Ullmann dit Ulmo 613 Ulmann 147, 148, 418, 420, 425 Ulmer 429, 758, 760, 762 Umbehr 280 Umberg 240 Umbricht 179 Ummel 199, 454, 1006, 1031, 1033 Ungemuth 147, 148, 255, 1008 Ungricht 179, 181 Unholz 208 Unteregger 775 Unternährer 428, 775, 827 Untersander 775, 824 Untersee 163, 795 Urner 431 Urscheler 178, 418, 422, 719, 722, 724 Ursenbacher 238, 793 Ursprung 493, 797 Urwyler 114, 119, 755 Uster 492 Usteri 364, 369 Utiger 188 Utinger 188 Uttinger 188 Utz 374 Utzinger 429 V Valzer 302, 770 Vananti 703 Vanazzi 703 Vanetta 703 Vanetti 703 Vanina 703 Vanini 703 Vannini 703 Vannotti 703 Vanolli 703 Vanoni 703 Vanotti 703 Vaterlaus 402, 1060 Veith 255, 949 Venner 439, 955 Veraguth 255 Veschio soit Vescio 618 Vest 50 Vesti 287, 292, 295, 297, 538 Vetsch 287, 288, 293, 297, 299, 375 Vetter 50, 454, 1044, 1046 Vetterli 350, 354, 358, 454, 1044, 1046 Vettiger 429 Vidmer 302, 439, 903 Viesel 302 Vifian 275, 278, 282 Villiger 188, 429 Villinger 188 Vinzenz 190 Vischer 439, 444, 915, 917 Vivian 282 Voegeli 303 Voellmy 70, 72 Vogel 870, 872, 877, 1003, 1013, 1028, 1033 Vogelbacher 238, 793 Vögele 178, 354, 355, 1003, 1028, 1033 Vögeli 178, 186, 350, 354, 1003, 1028, 1033 Familiennamenregister 1103 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="482"?> Vögelin 178, 186, 352, 355, 1003, 1028, 1033 Vogelsang 493 Voggensperger 240, 758, 760, 762 Vogler 915, 916 Vogt 179, 949, 958 Vögtli 179, 186, 350, 354, 949 Vögtlin 179, 186, 352, 355, 949 Voit 949 Voitel 949 Volken 334, 335, 337 Völki 186 Völkin 186 Völkle 354, 355, 358 Völkli 350, 354, 358 Vollenweider 842 Vollenwyder 842 Vollimann 406, 1011 Vollmeier 105, 444, 503, 514, 523, 905 Völlmy 70, 72 Volz 374 Vomsattel 576, 579, 581, 775 von Aarburg 584, 877 von Aesch 576, 578, 579 von Ah 576, 578, 579, 587 von Albertis 544, 545, 580 von Allmen 576, 578, 579, 580, 842 von Arb 576, 578, 579 von Arx 576, 578, 579, 580 von Atzigen 576, 578, 579, 842 von Auw 576, 578, 579, 802 von Bachmann alias Pacquement 584, 619, 793 von Ballmoos 163, 584, 587 von Bayer 107, 230, 584, 769 von Bergen 576, 578, 579 von Blarer 584, 986, 1020 von Bondeli 178, 350, 354, 584 von Bonstetten 584 von Brunn 584, 797 von Büren 584, 587 von Burg 576, 578, 579, 884 von Dach 275 von Däniken 576, 578, 579 von der Aa 576, 579 von der Weid 584 von Deschwanden 576, 578, 579, 832, 833 von Eggis 584 von Erlach 584, 750 von Ernst 584 von Escher 584, 810, 840 von Euw 576, 578, 579, 802 von Fellenberg 240, 584 von Felten 576, 578, 579 von Fischer 584, 915, 917 von Flüe 149, 576, 578, 579, 775 von Freudenreich 179, 506, 514, 584, 1003 von Frisching 584, 1026, 1033 von Geymüller 508, 514, 524, 899 von Gonzenbach 238, 576, 578, 579, 793 von Goumoëns 584 von Graffenried 584 von Grebel 487, 584, 957 von Grenus 542, 545 von Greyerz 584 von Gross 338, 584, 974, 1062 von Grünigen 149, 494, 576, 578, 579 von Gunten 576, 578, 579 von Haller 584 von Hallwyl 114, 119, 584, 755 von Heininger 576, 578, 579 von Herrenschwand 584, 832, 833 von Hettlingen 584 von Hoffmann 406, 409, 584, 882, 903 von Holzen 576, 579, 816 von Hospenthal 584, 877 von Hotzen 578 von Huben 576, 578, 579, 883 von Hurter-Ammann 406, 515 von Ins 576, 578, 579 von Jenner 584, 1056 von Kaenel 303 von Känel 576, 578, 579, 616, 799 von Känel dit Chenaud 614 von Keller 584, 949 von Lerber 584 von Luternau 584 von Mandach 576, 578, 579, 750 von Matt 576, 578, 579, 843 von May 584, 1056 von Meiss 584, 870, 872, 1028, 1033 von Meyenburg 514, 515, 584 von Moos 163, 496, 576, 578, 579, 804, 807 von Morlot 584 von Mühlenen 576, 578, 579, 856 von Mülinen 584, 856 von Müller 524, 584 von Müllinen 584, 856 von Muralt 584 von Mutach 584, 750 von Niederhäusern 576, 578, 579 von Orelli 584 von Reding 382, 384, 385, 584 von Reding Biberegg 584 von Rickenbach 238, 494, 576, 578, 579, 793 von Riedmatten 584, 746, 843 von Rodt 259, 338, 584, 979 von Rohr 576, 578, 579 von Roten 334, 335, 337, 338, 584 von Rotz 576, 578, 579 von Rütte 576, 578, 579, 830, 833 von Salis 515, 584 von Schallen 576, 578, 579 von Schännis 584 von Schmid 251, 526, 584 von Schulthess Rechberg 240, 503, 514, 584 von Schumacher 447, 584, 932 von Schwarzenberg 240, 584, 758, 760, 762 von Schwerzenbach 238, 584, 793 von Sepibus 548 von Siebenthal 576, 578, 579 von Sinner 584, 955 von Sonnenberg 240, 584 von Speyr 584, 758, 760, 762 von Steiger 584, 775, 862 von Stockalper 584 von Stockar-Scherer-Castell 515, 584, 834 von Stürler 584 von Sury 126, 129, 584, 1008 von Sury d’Aspremont 586, 1008 von Sury von Büssy 586, 1008 von Tavel 584 von Tobel 576, 578, 579, 775, 782 von Tscharner 584, 890 von Vigier-von Steinbrugg 58, 243, 515, 586, 758, 760 von Vivis 584 von Waldkirch 200, 584, 816 von Wartburg 576, 578, 579, 877 von Wattenwyl 114, 119, 584, 755 von Wedel 584, 758, 760, 762 von Weiss 584, 979 von Weissenf luh 576, 578, 579, 775 von Werdt 584 von Werra 584 von Wild 584, 1016, 1017 von Willa 275, 280, 282 von Wurstemberger 240, 584 von Wyl 576, 578, 579 von Wyss 114, 117, 584 von Wyttenbach 238, 584, 793 von Zeerleder 163, 584 von Ziegler 208, 584 von Zuben 576, 578, 579, 797 Vonaarburg 877 Vonarburg 576, 578, 579 Vonarx 576, 578, 579 Vonäsch 576, 578, 579 Vonau 576, 578, 579 Vonder Mühll 576, 579 Vonderaa 162, 576, 579 Vonei 74, 78, 80, 576, 578, 579, 802 Vonesch 576, 578, 579 Vonescha 576, 578, 579 Voneschen 576, 578, 579 Voney 74, 78, 80, 576, 578, 579, 802 Vonhuben 576, 578, 579, 883 Vonlanthen 576, 578, 579, 580 Vonmont 576, 578, 579 Vonmoos 163, 496, 576, 578, 579, 804, 807 Vonmüllenen 576, 578, 579, 856 Vonplon 576, 578, 579, 758, 760 Vonrufs 576, 578, 579 Vonrüti 136, 140, 576, 578, 579, 830, 833 Vonschallen 576, 578, 579 Vontobel 576, 578, 579, 775, 782 Vonwald 576, 578, 579, 816 Vonwil 114, 119, 576, 578, 579, 755 Vonwiller 114, 119, 576, 578, 579, 755 Vonwyl 114, 119, 270, 576, 578, 579 Vonzun 126, 576, 578, 579, 848 Voramwald 558, 816 Vorburger 884 Vordermann 406, 408 Votsch 988 Vuille dit Bille 614 Vuille-dit-Bille 613 Vuille-dit-Wille 613 Vust 129, 302, 456, 987 W Waad 90, 162, 962 Wäber 42, 45, 439, 928, 930 Wäch 401, 978 Wächli 350, 354 Wachter 56, 61, 439, 953 Wächter 56, 61, 439, 953 Wacker 56, 454, 996 Wäcker 56, 454, 996 Wäckerli 186, 350, 354, 358, 454, 996 Wäckerlig 388, 390, 391, 392, 393, 996 Wäckerlin 186, 352, 355, 358, 454, 996 Wäckerling 68, 72, 388, 390, 391, 392, 393, 996 Wädenschwiler 114, 119, 755 Wädensweiler 114, 119, 755 Waeber 42, 45, 302, 309, 439, 928, 930 Waechter 303 Waeckerling 68, 72, 388, 390, 391, 392, 393, 996 Waegelin 268 Waeger 268 Waelli 268 Waespe 268 Wäff ler 439, 928, 930 Wäf ler 439, 928, 930 Wägeli 178, 350, 354 Wagemann 406, 409 Wäger 439, 862 Wagisbach 238, 793 Wägli 994 Wagner 439 Wagnière 302 Wahl 164, 766, 768 Wahli 168, 766, 768 Wähni 364, 365 Währen 334, 335, 337 Wahrenberger 240, 429 Waibel 107, 487, 952 Walch 766, 768 Walcher 213, 439, 928, 930 1104 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="483"?> Wälchli 350, 354, 358, 766, 768 Waldburg 816 Waldburger 428, 816 Walde 816 Walden 816 Walder 429, 432, 816 Waldesbühl 149, 244, 493, 775 Waldis 334, 335 Waldisberg 240 Waldisperg 240 Waldispühl 149, 244, 493, 775 Waldkirch 200, 816 Waldmann 406, 816 Waldmeier 105, 155, 508, 514, 523, 528 Waldmeyer 105, 155, 508, 514, 523 Waldner 431, 432, 816 Waldsburger 816 Waldspurger 816 Waldvogel 506, 514, 1003, 1028, 1033 Walker 213, 439, 928, 930 Walkmeister 444, 503, 514, 928, 930 Wälle 364, 365 Waller 766, 768 Walli 168, 766, 768 Wälli 157, 364, 365 Walliker 383, 385, 386, 752 Wallimann 406, 408, 775 Walliser 770 Wälly 157, 364, 365 Walpen 334, 335, 337 Walperswiler 114, 119, 755 Walpert 464 Walser 429, 770 Wälte 60, 364, 365 Wälten 334, 335, 337 Waltenspühl 149, 244, 775 Waltenspül 149, 244, 775 Walter 56, 257 Wälter 56 Wälterlin 352, 355, 358 Waltert 257 Walther 257 Walthert 257 Walti 56, 60, 364, 365 Wälti 56, 60, 157, 364, 365 Waltisberg 240 Waltisbühl 149, 244, 775 Waltisperg 240 Walty 270 Wälty 60, 157, 364, 365 Walz 374 Walzer 770 Wamister 439, 928 Wampf ler 195, 775 Wandeler 174, 178 Wandf luh 775 Wandler 174, 179 Wanger 775, 784 Wangler 440 Wannenmacher 439, 447 Wanner 447 Wanzenried 146, 492 Wartenweiler 114, 119, 429, 755 Warth 255, 482, 953 Wärtli 350, 354, 953 Wartmann 406, 953 Wasem 493, 845 Waser 428, 845 Wasmer 428, 845 Wäspe 1006, 1031, 1033 Wäspi 1006, 1031, 1033 Wasser 210, 845 Wasserfallen 210, 493 Wassermann 210, 406 Wassmer 210, 428, 845 Wattenhofer 882 Weber 42, 45, 48, 439, 446, 928, 937 Wechsler 439 Weder 429, 802 Weerli 163, 165, 190, 350, 354, 358 Wegelin 178, 352, 355 Wegener 178, 431, 432, 862 Weger 432, 862 Wegmann 406, 862 Wegmüller 508, 514, 524, 528, 899 Wehren 334, 335, 337 Wehrle 190, 354, 355, 358 Wehrlé 303, 308 Wehrli 157, 164, 165, 186, 350, 354, 358 Wehrlin 186, 190, 352, 355, 358 Wehrly 157, 190, 302, 350, 354, 358 Wehrmüller 508, 514, 524, 899 Weibel 107, 487, 952 Weideli 398, 399, 400, 996 Weidenmann 406, 408, 810 Weidmann 406, 842, 915, 916, 918 Weier 114, 121, 155, 796 Weiermann 114, 121, 155, 406, 796 Weiersmüller 114, 121, 508, 514, 524, 899 Weil 114, 119, 755 Weilemann 114, 119 Weilenmann 114, 119, 406, 408, 755 Weiler 114, 119, 755 Weingand 114 Weingart 114, 493, 846 Weingartner 114, 846 Weinmann 116, 406, 409, 912 Weinzürle 114, 116, 912 Weisf log 210 Weishaupt 114, 117, 210, 506, 514, 979 Weiss 114, 117, 210, 338, 401, 979 Weissbaum 210, 813 Weissbrodt 114, 117, 210, 505, 514, 897 Weissen 114, 210, 334, 335, 337, 338, 979 Weissenbach 210, 238, 793 Weissenberger 210, 240 Weissenburger 210 Weisser 210 Weisshaupt 114, 117, 210, 506, 514, 979 Weisskopf 206, 210, 506, 514, 979 Weissmann 114, 117, 210, 406, 979 Weissmuller 210, 303, 306 Weissmüller 114, 210, 503, 514, 524 Weisstanner 210 Weitnauer 756 Weizenegger 775, 848 Wellenberg 240 Wellig 382, 384, 386 Welschen 179, 334, 335, 337, 766, 768 Welte 60, 364, 365 Welten 334, 335, 337 Welti 60, 186, 364, 365 Weltin 60, 186, 364, 365 Welts soit Fink 618 Weltsch 179, 402, 766, 768 Wenge 775, 784 Wenger 775, 784 Wengi 775, 784 Weniger 974 Wenk 452, 483, 485, 989, 992 Wenker 452, 485, 989 Wenziker 383, 385, 386, 752 Wenzinger 383, 385, 752 Wepfer 439, 928, 930 Werchmann 406, 409, 909 Werdenberg 240 Werder 428, 802 Werdmüller 508, 514, 524, 802, 899 Werenfels 758, 760, 762 Werfeli 178, 207, 350, 354, 966, 970 Werffeli 178, 207, 350, 354, 966, 970 Werlen 334, 335, 337 Werly 190, 302, 350, 354, 358 Wermelinger 429 Wermuth 147, 148, 255 Werndli 84, 85, 190, 350, 354, 358 Wernle 190, 354, 355, 358 Wernli 190, 350, 354, 358 Wertenberg 303 Werth 97, 255, 893 Werthemann 406 Werthmann 406 Werthmüller 508, 514, 524, 802, 899 Wertmüller 508, 514, 524, 802, 899 Werz 910 Wespe 1006, 1031, 1033 Wespi 1006, 1031, 1033 Wessner 431 Wethli 259, 398, 399, 400, 996 Wetli 259, 398, 399, 400, 996 Wettenschwiler 114, 119, 755 Wetter 429 Wetterwald 816 Wetzel 356 Wetzler 418, 421 Wey 114, 121, 1028, 1033 Weyeneth 255 Weyer 114, 121, 155, 796 Weyermann 114, 121, 155, 406, 796 Wich 114 Wichert 114, 464 Wichser 1016 Wicht 1008 Wichtermann 406 Wickart 114 Wicki 157, 364, 365 Wickihalder 93, 775, 784 Wickihalter 93, 775, 784 Wickle 269 Wickli 350, 354, 358 Wicky 157, 364, 365 Widenmeier 105, 508, 514, 523 Wider 870, 872, 1016 Widerkehr 506, 514, 1053 Widler 114, 153, 430, 432, 810 Widli 114, 350, 354, 810 Widmann 406, 408, 810 Widmayer 105, 302, 508, 514, 523 Widmeier 105, 508, 514, 523 Widmer 439, 903 Widrig 285, 292, 295, 296, 297, 396, 400 Wiedemann 406, 408, 810 Wiedemeier 105, 508, 514, 523 Wiedenkeller 503, 514 Wiedenmeier 105, 508, 514, 523 Wiederkehr 164, 506, 514, 1053, 1059 Wiedler 114, 430, 432, 810 Wiedmann 406, 408, 810 Wiedmer 439, 903 Wieland 146 Wienert 464 Wiesendanger 429 Wieser 428, 432, 843 Wiesli 350, 354, 843 Wiesmann 406, 408, 843 Wiesner 431, 432, 843 Wietlisbach 238, 492, 793 Wietlispach 238, 793 Wiezel 356 Wigert 114, 464 Wiget 114 Wigger 428 Wiggli 350, 354, 358 Wiher 114, 121, 153, 796 Wikart 114 Wiki 364, 365 Wild 401, 456, 1016, 1017, 1018 Wildberger 240 Wildbolz 509, 514, 1016, 1017 Wildeisen 114, 120 Wildener 178, 431 Wildermuth 147, 148, 255, 609, 1016, 1017 Wildhaber 505, 514, 908 Wildi 456, 1016, 1017 Wildisen 114, 120, 920 Wildy 456, 1016, 1017 Familiennamenregister 1105 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="484"?> Wiler 114, 119, 153, 755 Wilhelmi 548 Willa 280 Willen 334, 335, 337 Willener 178, 418, 421 Willi 157 Willimann 420 Williner 178, 418, 421 Willisch 334, 335 Willmann 420 Willome 275, 277 Willy 157 Winckler 775 Wind 870, 872, 874 Windlin 352, 355 Windsch 179 Wingeier 756 Wingeyer 756 Winiger 383, 385, 386, 429, 752 Winistörfer 207 Wink 483, 989 Winkelmann 406, 408, 775 Winkenbach 238, 793 Winkler 428, 775 Winnenwieser 843 Wintenberger 240 Winter 1056 Winterberg 240, 775 Winterberger 240 Winteregg 775 Wintsch 179 Wintzenried 302, 307 Winz 374 Winzap 600, 602, 603 Winzeler 114, 116, 178, 912 Winzenried 492 Wipf 206, 454, 989, 990 Wipf li 206, 350, 354, 454 Wirth 86, 255, 260, 893 Wirthlin 352, 355, 358 Wirthner 421, 424, 893 Wirths 334, 335 Wirtz 303, 307 Wirz 334, 335, 893 Wiser 428, 432, 843 Wisler 430, 432, 843 Wismann 406, 408, 843 Wismer 428, 843 Wiss 114, 117, 153, 338, 401, 979 Wissenmeier 105, 508, 514, 523 Wissler 430, 432, 843 Wissmann 114, 117, 153, 406, 979 Wissmer 843 Wisswald 816 With 255 Witmer 439, 903 Witschi 378 Wittenwiler 114, 119, 755 Wittenwiller 114, 119, 755 Wittlin 352, 355, 358 Wittmer 439, 903 Wittnauer 756 Wittwa 179, 1069 Wittweiler 114, 119, 755 Wittwen 179, 1069 Wittwer 179, 1069, 1071 Witzig 396, 400, 1000 Wobmann 90, 195, 406, 409, 962 Wohlfender 503, 514 Wohlgemut 147, 148, 259, 506, 514, 996 Wohlgemuth 147, 148, 164, 255, 259, 506, 514, 996 Wohlhauser 127, 131, 753 Wohlwend 164, 600, 603, 996 Wohnlich 398, 399, 400 Wolf 670, 672, 870, 872, 1025, 1033 Wolfender 503, 514 Wolfensberger 240, 429 Wolfensperger 240 Wolfer 418, 421, 670 Wolff 670, 870, 872, 1025, 1033 Wolfisberg 240 Wölf le 354, 355, 358, 670, 1025, 1033 Wölf li 350, 354, 358, 670, 1025, 1033 Wolf lisberg 240 Wolleb 600, 603 Wollenmann 406, 408 Wollschlegel 50, 505, 514, 928, 930 Woodtli 90, 92, 163, 398, 399, 400, 401, 996 Wopmann 90, 195, 406, 409, 962 Wörndli 84, 85, 190, 350, 354 Wuermli 268 Wüest 149, 849, 978 Wuff li 350, 354, 358 Wüger 195, 428, 493 Wuhrmann 147, 148, 406, 408, 799 Wullimann 418, 420 Wullschleger 50, 439, 928, 930 Wunderli 186, 398, 399, 400, 1012 Wunderlin 186, 398, 399, 400, 401, 402, 1012 Wurf lein 352, 355, 358 Würmli 350, 354, 358, 976, 1031, 1033 Würsch 86, 338, 401, 1016 Würst 303 Würsten 86, 179, 334, 335, 337, 338, 342, 343, 346, 1066 Wurster 439, 890 Würtenberger 240, 758, 760 Würth 86, 255, 893 Würzer 493, 821 Wüscher 86, 439 Wüst 149, 401, 849, 978 Wüstiner 178, 431, 849 Wütschert 464 Wybert 464 Wydemeier 270 Wyden 114, 493, 810 Wyder 114, 428, 432, 810 Wydler 114, 153, 430, 432, 810 Wyer 114, 121, 493, 796 Wyher 114, 121, 153, 796 Wylemann 114, 119, 406, 408, 755 Wylenmann 114, 119, 406, 408, 755 Wyler 114, 119, 153, 755 Wymann 114, 116, 406, 409, 912 Wynistorf 207, 241, 754 Wyrsch 86, 338, 1016 Wyser 432, 843 Wyshaupt 114, 117, 506, 514, 979 Wysling 388, 390, 391, 392, 393 Wyss 114, 117, 123, 153, 210, 214, 338, 401, 979, 982 Wyssa 979 Wyssbrod 114, 117, 210, 505, 514, 897 Wyss-Chodat 210, 515 Wysseier 210, 756 Wyssen 114, 117, 210, 334, 335, 337, 338, 979 Wyssenbach 210, 238, 793 Wysser 303 Wysseyer 210, 756 Wysshaar 90, 114, 117, 162, 210, 506, 514, 979 Wysshaupt 114, 117, 210, 506, 514 Wyssling 210, 388, 390, 391, 392, 393 Wyssmann 114, 117, 153, 210, 406, 979 Wyssmüller 114, 210, 503, 514, 524 Wyttenbach 238, 793 Y Yenni 302 Yenny 302 Yergen 74, 76, 80, 302, 334, 335, 337 Z Z’Rotz 555, 564, 566 Zabli 1006 Zäch 1012 Zaeslein 352, 355, 358, 974 Zaeslin 352, 355, 974 Zahler 1066, 1071 Zahm 401 Zahn 164, 195, 208, 456, 986 Zahnd 208, 456, 986 Zähndler 42, 44, 456, 986 Zahner 164, 208, 986, 1020, 1022 Zähner 439, 924 Zähnler 456, 986 Zahno 474, 986 Zährlin 352, 355, 358 Zambelli 703 Zambone-dit-Zamboni 614 Zamboni 703 Zanetta 703 Zanetti 703 Zanetti Streccia 703 Zängeler 178, 456, 1008 Zängerle 354, 355, 358, 456, 1008 Zangger 1016, 1018 Zanini 703 Zanoja 703 Zanolari 703 Zanoli 703 Zanolini 703 Zanoni 703 Zanugg 293, 297, 703, 706 Zaugg 986 Zbären 181, 334, 335, 337, 552, 554, 555, 1025, 1033 Zberg 181, 240, 555, 564, 566, 775, 776 Zbinden 334, 335, 337, 339, 552, 554, 555, 556, 940, 944 Zbrun 555, 564, 797 Zeberli 350, 354, 358, 1006 Zeder 190, 439, 444, 949 Zeender 163, 165, 208, 439, 444, 949 Zeerleder 163, 600, 602, 603 Zegg 936 Zehender 208, 439, 444, 949 Zehnder 164, 165, 208, 439, 444, 949 Zehndler 42, 44, 208, 440, 444, 949 Zehner 208, 439, 444, 949 Zehnter 303 Zehntner 208, 442, 444, 949 Zehren 334, 335, 337, 552, 554, 555, 1062 Zeiger 439 Zeilbeer 163 Zeindler 440 Zeit 870, 872 Zelger 840 Zeller 429, 858 Zellweger 428, 862 Zeltner 442, 896 Zemp 483, 1016, 1018 Zen Ruffinen 565, 775, 786 Zender 190, 208, 439, 444, 949 Zengaffinen 565, 567 Zenger 1016, 1018 Zenguinian soit Zinguinian 618 Zenhäusern 565, 567, 852 Zenklusen 126, 131, 565, 567, 775, 857 Zen-Ruffinen 565, 567, 775, 786 Zentner 442, 444, 949 Zentriegen 565, 567 Zenzünen 80, 136, 140, 565, 567, 848 Zermatten 564, 566, 843 Zerzuben 564, 566, 797 Zesiger 429, 758, 760, 762 Zetter 439, 909 Zgraggen 555, 564, 566, 567 Zibach 238, 555, 564, 793, 814 Ziegerer 439, 892 Ziegler 146, 208, 439 Zieri 564, 566 Zigerli 350, 354, 358, 892, 974 Zigerlig 391, 392, 393, 974 Zihlmann 406, 408 Zillig 74, 77, 80, 382, 384, 386 Zillweger 862 Zimiker 383, 385, 386, 752 1106 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="485"?> Zimmer 208, 939 Zimmerli 186, 208, 350, 354, 939 Zimmerlin 186, 208, 352, 355, 939 Zimmermann 208, 214, 406, 409, 411, 939 Zindel 962 Zingerli 350, 354, 358 Zingg 208, 966, 967, 971, 986 Zinggeler 178, 966, 967 Zinner 74, 77, 80, 848 Zinniker 383, 385, 386, 752 Zinsli 191, 192, 1028, 1033 Ziörjen 334, 335, 337, 564, 566 Zisli 192 Ziswyler 114, 119, 755 Zitterli 350, 354, 358, 1006 Zlauwinen 555, 564, 566, 775, 786 Zmilacher 555, 564, 566, 840, 856 Zmoos 163, 496, 555, 564, 566, 804, 807 Zmutt 555, 564, 566 Zöbeli 178, 350, 354 Zobrist 179, 342, 343, 555, 775, 788 Zoller 208, 439, 949 Zollet 275 Zöllig 100, 382, 384, 386 Zolliker 429 Zollikofer 752 Zollinger 383, 385, 386, 429, 752, 757 Zopfi 206 Zorn 1016 Zosso 474 Zotter 962 Zoutter 302, 305, 552, 554, 555, 932, 935 Zryd 555, 564, 566, 805, 807 Zuan 703 Zuber 126, 208, 797 Zuberbühler 428, 775, 797 Zuberer 126, 208, 797 Zubler 126, 208, 797 Zübli 186, 208, 350, 354, 797 Züblin 186, 208, 352, 355, 797 Zuest 268 Züger 136, 138, 143, 179, 503, 514, 515 Zülli 157 Züllig 80, 382, 384, 386 Zülly 157 Zum Brunn 565, 797 Zum Offen 303 Zum Wald 565, 567, 816 Zumbach 238, 565, 567, 793 Zumbrunn 565, 567, 797 Zumbrunnen 565, 567, 616, 797 Zumbühl 244, 565, 567, 775, 776 Zumkehr 565, 567 Zumkemi 565, 567, 775 Zumoberhaus 127, 131, 565, 567, 775, 852 Zumofen 565, 567, 775, 856 Zumsteg 565, 567, 863 Zumstein 565, 567, 826 Zumtaugwald 565, 567, 816 Zumthor 565, 567, 859 Zumthurm 565, 567, 775, 859 Zumwald 565, 567, 816 Zünd 483, 485, 488, 499 Zundel 56, 485, 487, 488 Zündel 56, 485, 487, 488 Zuppiger 188 Zuppinger 188 Zur Gilgen 564, 870, 872, 874 Zur Kirchen 200, 564, 857 Zurbriggen 74, 77, 80, 81, 243, 564, 566, 863 Zurbrügg 58, 80, 243, 564, 566, 863 Zurbrugg dit Despond 303, 306, 613 Zurbuchen 564, 566, 567, 810 Zurburg 564, 566, 884 Zürch 179, 743 Zürcher 179, 181, 208, 429, 743, 749 Zureich 564, 566, 810 Zurf luh 56, 564, 566, 775 Zurf lüh 56, 564, 566, 775 Zurgilgen 566 Zurich 208, 302, 743 Züricher 208, 743 Zurkirch 200, 564, 566, 857 Zurkirchen 200, 565, 566, 857 Zurlinden 565, 566, 810, 870, 872 Zurmühle 164, 565, 566, 856 Zürni 1016 Zurniwen 565, 566 Zürrer 208, 429, 743 Zurschmiede 565, 566, 856 Zurschmitten 565, 566, 856 Zurwerra 565, 566 Zust 56, 854 Züst 56, 493, 854 Zuter 552, 555, 932, 935 Zutter 181, 552, 554, 555, 556, 932, 935 Zwahlen 334, 335, 337, 339, 552, 554, 555, 556, 766, 768, 771 Zwald 181, 555, 564, 566, 816 Zweiacher 213, 609, 840 Zweiacker 213, 609, 840 Zweifel 114, 117, 208, 1005 Zweilin 269 Zwick 483, 485 Zwicki 485 Zwicky 485 Zwicky von Gauen 586 Zwissig 303, 566 Zwyer 114, 121 Zwygart 114, 121, 555, 564, 566, 846 Zwyssig 555, 564, 566 Zybach 238, 555, 564, 566, 793, 814 Zyndel 962 Zyro 275, 280 Familiennamenregister 1107 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="486"?> Register der Fachausdrücke A Ableitung → Derivat Abstraktum 362 Adaption 261, 266, 274, 284, 301, 311, 537 → Integration Adelsprädikat 574, 583 → Patriziat Adjektiv 333, 341, 362, 395, 608 Adverb 341, 608 Affrizierung 204 → zweite Lautverschiebung Alemannisch 74, 83, 96, 112, 126, 135, 145, 185, 193 altoberdt. iu 135 Anlaut 65, 226, 254, 261 Aphärese 284 → Tilgung Apokope 170, 284 → Tilgung Assimilation 193, 551 ausländisches Toponym 758 → Toponym Auslaut 112, 135, 185, 246, 254, 460 → Auslautverhärtung, Silbenauslaut Auslautverhärtung 246 → Auslaut B Berufsname 333, 381, 437, 480, 889, 895, 901, 914, 919, 928, 938, 945, 948, 960, 965 → lokalisierter Berufsname Berufsübername 388, 597, 889, 895, 901, 914, 919, 928, 938, 945, 948, 960, 965 Betonung 284, 301, 537 biblischer Rufname 682, 696, 701, 709, 718, 727 C Ca-Präfix 531 → Präfix Chronologie 54, 349, 372, 381, 404, 426, 437, 450, 480, 490, 574 D Definitartikel 551, 557, 564, 569, 597 Dehnungs-h 160 Derivat 404, 413, 417, 426, 437, 450, 471, 519, 531 → Suffix Diakritikum 65 Dialektgliederung 204 Differenzierungsvariante 254, 519, 542 Digraph 65, 112, 126, 135, 145, 254, 266 Diminutiv 185, 266, 362, 413, 450, 537 → l-Diminutiv Diphthongierung 284 Diphthongschreibung 112, 126, 135, 145 Diphthongwandel 103 Dissimilation 193 dithematischer Rufname 643, 650, 655, 663, 674 Doppelkonsonant 160 Doppelname 501, 612 Doppelvokal 160 dynastischer Rufname 643, 650, 655, 663, 727 E Eindeutschung 274, 284, 537 el-Suffix 480 → Suffix Entrundung 74 Epenthese 193, 460 er-Suffix 417, 426, 437, 450, 460, 480, 490, 501, 537 → Suffix F Flexion 333, 341 Fortis 226, 236, 246 Französisch 261, 274, 301, 542, 583, 589 Frikativ 217 Frikativierung 204 → zweite Lautverschiebung G Genitiv 333, 551 germ. ë 41, 50 germ. χ 217 germanischer Rufname 643, 650, 655, 663, 674, 718, 727 Grundwort 450, 501, 519 Guttural 217 H Häusername 531, 866 Hausname 866 Heiligenname 643, 682, 691, 701, 709, 718, 727 Herkunftsname 381, 426, 490, 557, 564, 574, 739, 750, 758, 764 Hiatus 112, 135 Hybridbildung 531, 589 Hydronym 791 I i(n)-Suffix 152, 362, 450, 480 → Suffix ig-Suffix 381, 395 → Suffix ing-Suffix 381, 388 → Suffix Inlaut 65, 236, 254 Integration 274, 284, 301, 311, 537 → Adaption Interferenz 261, 274, 284, 301, 311, 537 → Sprachkontakt Italienisch 311, 542, 589 K Komparation 341 Kompositum 236, 417, 501, 519 Konsonantenschwund 185 → Nasalschwund, Tilgung, Velarschwund kontrahierte Form 643, 655, 674 Kosename 362 Kürzenanzeige 160 Kurzform 643, 650, 655, 663, 674, 696, 701, 709, 718, 727 L Längenanzeige 160 Latinisierung 261, 542 l-Diminutiv 349, 413, 450 → Diminutiv Lehnwort 204, 226, 437 Lenis 226, 236, 246 ler-Suffix 417, 426, 437, 450 → Suffix lexemgebunden 83, 96, 103, 254 lich-Suffix 395 → Suffix ling-Suffix 381, 388 → Suffix lokalisierter Berufsname 501, 519 → Berufsname M männlicher Rufname 643, 650, 655, 663, 674, 682, 691, 696, 701, 709 mann-Suffix 404, 413, 417, 480, 490 → Suffix Mehrnamigkeit 612 Metronym 333, 372, 381, 417, 718, 727 mhd. ā 89 mhd. ei 103, 152 mhd. i 96 mhd. ī 112, 152 mhd. ie 145 mhd. iu 135 mhd. ou 103 mhd. öu 103 mhd. u 96 mhd. ū 126 mhd. ü 96 mhd. ue 145 mhd. üe 145 Mittelsilbe 170 Modifikation 349 Monograph 112, 126, 135, 145 Monophthongierung 103, 284 Monophthongschreibung 112, 126, 135, 145 morphologisches Schreibprinzip 50, 246 N Namenpragmatik 583, 589, 612 Namenzusatz 612 Nasalschwund 185, 381, 388 → Konsonantenschwund, Tilgung Nebensilbenabschwächung 170 ner-Suffix 417, 426, 437, 450 → Suffix nicht-germanischer Rufname 682, 691, 696, 701, 709, 718, 727 niederfrequent 74, 83, 96 Nomen agentis 152, 362, 404, 437, 450, 480 Nord-Süd-Gliederung 89 Nullmarkierung 450, 480, 490 O onymischer Marker 333, 381, 388, 460, 471, 480, 490, 531, 542 Onymisierung 362 o-Suffix 471 → Suffix P Patriziat 583 → Adelsprädikat Patronym 89, 226, 254, 261, 333, 349, 372, 381, 388, 417, 643, 650, 655, 663, 674, 682, 691, 696, 701, 709 Plosiv 204, 226, 236, 246 Präfix 170, 531 → Ca-Präfix Präposition 490, 557, 564, 569, 574, 583, 589, 597 1108 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="487"?> Primärumlaut 50 → Umlaut Proklise 551 → Verschmelzung R Rätoromanisch 261, 284, 311, 531, 537, 542, 589, 739 Reanalyse 417, 426, 437, 460 Rufname → biblischer Rufname, dithematischer Rufname, dynastischer Rufname, germanischer Rufname, Heiligenname, kontrahierte Form, Kurzform, männlicher Rufname, Vollform, weiblicher Rufname Rundung 83 S Satzname 597, 608 Schonung des Namenkörpers → Wortkörperschonung Schreibtradition 266 → schriftsprachlicher Einf luss Schreibvariation 41, 50, 65, 89, 152, 193, 226, 236, 246, 254, 261, 266, 349 schriftsprachlicher Einf luss 74, 96, 145 → Schreibtradition sch-Suffix 372 → Suffix Sekundärumlaut 284, 388 → Umlaut Senkung 41, 96, 103 Silbenauslaut 126 → Auslaut Silbenstruktur 170 Simplex 395, 450, 519 sohn-Bildung 501 Spirantenschwächung 217 Spirantisierung → Frikativierung Sprachkontakt 261, 274, 284, 301, 311, 471, 537, 583, 589 → Interferenz Staubsches Gesetz 185 Suffix 185, 372, 381, 388, 395, 404, 413, 417, 426, 437, 450, 471, 519, 542 → Derivat, el-Suffix, er-Suffix, i(n)- Suffix, ig-Suffix, ing-Suffix, ler- Suffix, lich-Suffix, ling-Suffix, mann-Suffix, ner-Suffix, o-Suffix, sch-Suffix, tsch-Suffix, tz-Suffix, z-Suffix Suffixerweiterung 417, 426, 437, 460 Suffixkombination 372, 413 Superlativ 341 Synkope 170, 284 → Tilgung T Tenuesverschiebung 204 Tilgung 170 → Aphärese, Apokope, Konsonantenschwund, Nasalschwund, Synkope, Velarschwund Toponym 362, 381, 531, 569, 739, 750, 758, 773, 791, 802, 809, 823, 829, 839, 851, 866, 880 toponymisches Element 750 → Toponym Transparenzstatus 41, 112 Trema 54, 65, 266 tsch-Suffix 372, 413 → Suffix tz-Suffix 372 → Suffix U Übername 254, 333, 349, 381, 388, 395, 450, 480, 597, 608, 973, 984, 993, 1015, 1020, 1024, 1035, 1043, 1052, 1062 Übersetzung 311, 612 Umlaut 65 → Primärumlaut, Sekundärumlaut Umlautung 54 Univerbierung → Zusammenrückung V Velarschwund 395 → Konsonantenschwund Velarisierung 193 Velarschwund → Tilgung Verb 362, 597 Verdumpfung 89 Verschmelzung 551, 557, 564, 569, 574 → Proklise Vokalqualität 41, 50, 54, 74, 83, 89, 96, 103 Vokalquantität 160 Volksetymologie 284 Vollform 643, 650, 655, 663, 674, 709, 718, 727 W weiblicher Rufname 718, 727 westgermanische Konsonantengemination 236 Wohnstättenname 426, 490, 531, 557, 564, 569, 574, 773, 791, 802, 809, 823, 829, 839, 851, 866, 880 Wortkörperschonung 54 Z Zahlwort 608 z-Suffix 372, 413 → Suffix Zusammenbildung 437 Zusammenrückung 551, 557, 574, 597, 608 Zusammensetzung → Kompositum zweite Lautverschiebung 204, 226, 236 → Affrizierung, Frikativierung Register der Fachausdrücke 1109 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="488"?> Historisches Sachregister A Achtung 1062 Ackerbau 839, 901 Adel 1035 Aderlass 945 Aggressivität 1015 Alemann: innen 764 Alte Orte 739 Amt 948 angeberisch 993 angenehm 993 ängstlich 993 Ansässige 1052 Ansehen 1062 Arbeitsverhalten 993 Arm 984 Armut 1062 Aufsicht 948 Ausbildung 1052 Ausland 758 B Bach 791 Bäckereigewerbe 895 Backware 895 Bader 945 Badstube 945 Barbier 945 Bauer 901, 1035 Baute 851 Bein 984 Belgien 758 Bergsturz 773 Bewirtung 889 biographisch 1052 Blasinstrument 965 Bodenbeschaffenheit 823 Bodenerhebung 773 Bodenvertiefung 773 böse 993 Botendienst 948 brennen 829 Brot 895 Brücke 851 brüllen 1020 Brunnen 791 Burg 866, 880 C Charakter 993, 1015, 1020 D Damm 791 Deutschland 758, 764 Deutschsprachige 764 Dorf 750, 880 Drechsler 938 Dritter Stand 1035 dumm 993 E Ebene 773 einfältig 993 Einfriedung 839 Erbe 1062 Erbschaft 1062 Essverhalten 993 F Fabelwesen 866 Fernhandel 960 Feuchtgebiet 802 Fisch 1024 Fischerei 914 Fischernetz 914 Fleischergewerbe 889 Fluss 791 Frankreich 758 freundlich 993 froh 993 Fuss 984 G Gang 984 Garten 839 Gegenstand 866 Geländeeinschnitt 773 Geländeform 773 Gemüse 901 Gerberei 928 Gesamteindruck 973 gesellschaftlich 1052, 1062 Gesichtsfarbe 973 Getreide 901 gewaltbereit 1015 Gewässer 750, 791 Grosshandel 960 gut 993 H Haare 973 Haarfarbe 973 Haarform 973 Haarmenge 973 Haarwuchs 973 Hag 809 Hals 984 Handelsware 960 Handelsweg 960 Händler 960 Hang 773 Haus 851, 866 Hautfarbe 973 Heilkunde 945 Heim 880 Heiratsverwandtschaft 1043 Himmelskörper 866 Hirt 901 Hof 880 Holz 809 Holzgefäss 938 Holzverarbeitung 938 Hube 880 I Insekt 1024 Insel 750, 802 Italien 758 J Jagd 914 K Kanal 791 Kauf leute 960 Kernfamilie 1043 Kirche 851 Kirchendienst 948 Kleidung 928 Kleinhandel 960 klerikales Amt 948 Klerus 1035 Kopf 984 Körper 973, 984 Körpergrösse 973 Körperteil 984 Körperumfang 973 Krebsfang 914 Kreuzzug 1052 Küfer 938 Kulturland 839 L Lache 802 Land am Wasser 802 Landwirtschaft 901 lärmen 1020 Laubbaum 809 lebendig 993 Lederhandwerk 928 Lehen 880 lehmig 823 Liechtenstein 758 M Mauer 851 Mehl 895 Metallverarbeitung 919 Migration 266, 274, 301, 311, 612, 739, 758 Milchprodukt 889 Missachtung 1062 Möbelherstellung 938 Mühle 851, 895 munter 993 Musikant 965 Musikinstrument 965 mutig 993 N Nadelbaum 809 Näharbeit 928 Nahrungsmittelgewerbe 889, 895, 914 nervös 993 Nutztier 1024 O Obstbaum 809 Orientierungsangabe 773 Österreich 758 P Pelzhandwerk 928 Pf lanze 866 Pilgerreise 1052 prahlen 1020 prahlerisch 993 Q Quelle 791 R Rechtsprechung 948 Reichtum 1062 Religion 866, 1052 reuten 829 Rhein 791 Rodung 829 Rohstoff 919 Romanischsprachige 764 Rumpf 984 S Saiteninstrument 965 sandig 823 Säugetier 1024 schlagen 1015 Schlaginstrument 965 Schmied 919 Schmiede 851 Schnitzer 938 schreien 1020 Schuhmacherhandwerk 928 schwatzen 1020 1110 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="489"?> schwenden 829 See 791 Siedlung 750, 880 Siedlungsgeschichte 750, 829 sorgenvoll 993 sorglos 993 Speisezubereitung 889 Spielleute 965 Sprachgruppe 764 Sprachverhalten 1020 Sprechweise 1020 Stadt 739, 866 Stamm 764 Stand 1035 Statt 880 steinig 823 stocken 829 Stoffverarbeitung 928 stottern 1020 Strauch 809 Sumpf 802 Sumpfpf lanze 802 T tapfer 993 Textilhandwerk 928 Tier 866, 1024 Tierkastration 901 Topographie 773 Trinkverhalten 993 tüchtig 993 U Uferlandschaft 802 unfreundlich 993 ungestüm 1015 unruhig 993 Unterhaltungsgewerbe 965 V Vegetation 809 Verhalten 993, 1015, 1020 Verwaltung 948 Verwandtschaft 1043 Viehzucht 901 Vogel 1024 Vogelfang 914 Volksgruppe 764 W Wachdienst 948 Waffe 919 Wald 809 Walser: innen 739, 764 Weg 851 Weide 839 Weiher 791 Weiler 750 Weinbau 901 weitere Verwandtschaft 1043 weltliches Amt 948 Werkzeug 919 Wiese 839 wild 1015 Wildtier 1024 wirtschaftlich 1062 Witwenschaft 1062 Wundarzt 945 Wurm 1024 Wüstung 839 Z Zaun 839 Zeitpunkt 1052 Zeitraum 1052 Zimmermann 938 zornig 1015 Zuzug 1052 Historisches Sachregister 1111 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="490"?> Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Beispielfilter ÜberN auf -le, deutschsprachig, vor 1800, Kanton St. Gallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Abbildung 2: Ausschnitt der Kartierungsoberf läche . . . . . . . . . . . 24 1112 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="491"?> Kartenverzeichnis Karte 1: Grundkarte des FDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Karte 2: Sprachregionen der Schweiz 1860 . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Karte 3: Dreiteilung der Schweiz in Jura - Mittelland - Alpen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Karte 4: Beispielkarte HerkunftsN zu Schweizer Toponymen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Karte 5: FamN mit <e>, <ä> oder <ae> für germ. ë, vor 1800 42 Karte 6: FamN mit <e>, <ä> oder <ae> für germ. ë ohne Typ Weber, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Karte 7: BerufsN mit <e>, <ä> oder <ae> für germ. ë ohne Typ Weber, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Karte 8: Variation von <e>, <ä> und <ae> im BerufsN Weber, Wäber, Waeber, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Karte 9: Über- und BerufsüberN mit <e>, <ä> oder <ae> für germ. ë, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Karte 10: Patronyme mit <e> und <ä> für germ. ë, vor 1800 47 Karte 11: Realisierung des Primärumlauts, vor 1800 . . . . . . . . 51 Karte 12: Umlaut und Nicht-Umlaut in Dubletten, vor 1800 . 56 Karte 13: Umlaut und Nicht-Umlaut in FamN mit u, vor 1800 58 Karte 14: Umlaut und Nicht-Umlaut bei l-Diminutiven, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Karte 15: Umlaut und Nicht-Umlaut bei i-Diminutiven, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Karte 16: Umlaut und Nicht-Umlaut bei Derivaten auf -er, -ler, -ner, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Karte 17: FamN mit <Ae>, <Oe> oder <Ue> im Anlaut, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Karte 18: Dubletten mit <ae> oder <ä> im Inlaut, vor 1800 . 68 Karte 19: Tripletten mit <ae>, <ä> oder <e> im Inlaut, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Karte 20: Dubletten mit <oe> oder <ö> im Inlaut, vor 1800 . 70 Karte 21: Dubletten mit <ae>, <ä> und <oe>, <ö> im Inlaut, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Karte 22: FamN mit Entrundung, vor 1800 u. Herkunft . . . . . 75 Karte 23: FamN mit Entrundung von mhd. ö, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Karte 24: FamN mit Entrundung von mhd. ü, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 Karte 25: FamN mit Entrundung von mhd. öu, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Karte 26: FamN mit Entrundung von mhd. üe, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 Karte 27: FamN mit und ohne Entrundung, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Karte 28: Rundung und Nicht-Rundung von e zu ö (Sammeldarstellung), vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . 84 Karte 29: Rundung und Nicht-Rundung von e zu ö (Einzeldarstellung), vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . 85 Karte 30: Rundung und Nicht-Rundung von i zu ü (Sammeldarstellung), vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . 86 Karte 31: Rundung und Nicht-Rundung von i zu ü (Einzeldarstellung), vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . 87 Karte 32: Erhalt oder Verdumpfung von mhd. ā, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Karte 33: Erhalt oder Verdumpfung von mhd. ā in Dubletten, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Karte 34: Erhalt oder Verdumpfung von mhd. ā in Patronymen, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Karte 35: Erhalt oder Verdumpfung von mhd. a vor l, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Karte 36: FamN mit Senkung von i zu e, vor 1800 . . . . . . . . . 97 Karte 37: FamN mit Senkung von u zu o, vor 1800 . . . . . . . . . 98 Karte 38: FamN mit dem Lexem mhd. sumer, vor 1800 . . . . . 99 Karte 39: FamN mit Senkung von ü zu ö, vor 1800 . . . . . . . . . 100 Karte 40: FamN mit dem Lexem mhd. künec, vor 1800 . . . . . 101 Karte 41: FamN zu mhd. meier, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . 104 Karte 42: Meier vs. Meyer, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . 106 Karte 43: Mhd. ei in Dubletten, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . 107 Karte 44: Mhd. ou in Dubletten, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . 108 Karte 45: Mhd. öu in FamN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 109 Karte 46: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī, vor 1800, 19. Jh. u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Karte 47: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī, 2020 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Karte 48: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī in BerufsN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . 116 Karte 49: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī in Über- und BerufsüberN, vor 1800 u. Herkunft 117 Karte 50: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī in FamN mit Wil, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . 118 Karte 51: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī in FamN mit mhd. īsen, vor 1800, 19. Jh. u. Herkunft 120 Karte 52: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ī im (Silben-)Auslaut oder im Hiatus, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Karte 53: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Karte 54: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū in BerufsN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . 128 Karte 55: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū in Über- und BerufsüberN, vor 1800 u. Herkunft 129 Karte 56: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū in Patronymen, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 130 Karte 57: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū in Wohnstätten- und HerkunftsN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 Karte 58: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. ū im Silbenauslaut, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . 132 Karte 59: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Kartenverzeichnis 1113 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="492"?> Karte 60: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu in BerufsN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . 137 Karte 61: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu in Über- und BerufsüberN, vor 1800 u. Herkunft 138 Karte 62: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu in Patronymen, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 139 Karte 63: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu in Wohnstätten- und HerkunftsN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Karte 64: Monophthongvs. Diphthongschreibung von mhd. iu im (Silben-)Auslaut oder im Hiatus, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Karte 65: Ref lexe von altoberdt. iu, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 142 Karte 66: Diphthongschreibung von mhd. ie, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Karte 67: Diphthongvs. Monophthongschreibung von mhd. ue, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Karte 68: Diphthongvs. Monophthongschreibung von mhd. ue ohne Bucher, Huber, Kunz, vor 1800 u. Herkunft 148 Karte 69: Diphthongvs. Monophthongschreibung von mhd. üe, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Karte 70: Schreibvariation i/ y in Dubletten, vor 1800 . . . . . . . 153 Karte 71: Schreibvariation ei/ ey in Dubletten, vor 1800 . . . . . 154 Karte 72: Schreibvariation ai/ ay in Dubletten, vor 1800 . . . . 156 Karte 73: Schreibvariation i/ y bei Patronymen und Metronymen auf -i(n), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Karte 74: Längenanzeige durch Vokalverdopplung, vor 1800 162 Karte 75: Längenanzeige durch Dehnungs-h, vor 1800 . . . . . . 164 Karte 76: Vokalverdopplung vs. Dehnungs-h in Dubletten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165 Karte 77: Doppelkonsonanz <rr> vs. Einfachkonsonanz <r> in Dubletten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 Karte 78: Doppelkonsonanz vs. Dehnungs-h in Dubletten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Karte 79: FamN mit Synkope im Präfix Ge- / ge-, vor 1800 . . 172 Karte 80: FamN auf -(e)ler bzw. -(e)ner mit und ohne Synkope in der Mittelsilbe, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 Karte 81: FamN auf -(e)li mit und ohne Synkope in der Mittelsilbe, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 Karte 82: FamN auf -eler, -ener und -eli ohne Synkope in der Mittelsilbe, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Karte 83: FamN mit Synkope, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Karte 84: FamN mit und ohne Nasal im Auslaut, vor 1800 . . 187 Karte 85: FamN mit und ohne Nasal im Suffix -ing(er), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 Karte 86: FamN mit und ohne Nasal vor Frikativ, vor 1800 . 189 Karte 87: FamN mit und ohne Nasal in anderen Inlautkontexten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 Karte 88: Assimilationen und Dissimilationen, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195 Karte 89: Velarisierung von -nd - und -nzu -ng -, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 Karte 90: nd -Velarisierung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 Karte 91: Varianz -mbvs. -mm-, vor 1800 u. Herkunft . . . . . 199 Karte 92: Dissimilation von r zu l vor Frikativ, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200 Karte 93: Zweite Lautverschiebung p, pp als pf , vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 Karte 94: Zweite Lautverschiebung p als ff , f , vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 Karte 95: Zweite Lautverschiebung t, tt als ts, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208 Karte 96: Zweite Lautverschiebung t als ss, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 Karte 97: Zweite Lautverschiebung k als K im Anlaut, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Karte 98: Zweite Lautverschiebung k als Ch im Anlaut, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Karte 99: Zweite Lautverschiebung k im Anlaut kontrastiv, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 Karte 100: Zweite Lautverschiebung k als ch und ck, k im Inlaut, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 Karte 101: Variation ch / h in FamN zu rau, vor 1800 . . . . . . . . . 219 Karte 102: Variation ch / h in FamN zu Lehen, vor 1800 . . . . . . 220 Karte 103: Variation ch / h in FamN zu Bühl, vor 1800 . . . . . . . . 221 Karte 104: Variation ch / h in FamN zu Stahl, vor 1800 . . . . . . . 223 Karte 105: P -Schreibung in initialer Position, vor 1800 . . . . . . 228 Karte 106: B/ P -Schreibvarianz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Karte 107: D/ T-Schreibvarianz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 Karte 108: D/ T-Schreibvarianz aus germ. þ, vor 1800 . . . . . . . . 232 Karte 109: G/ K-Schreibvarianz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233 Karte 110: FamN mit dem Grundwort Bach, vor 1800 . . . . . . . 238 Karte 111: FamN mit dem Grundwort Berg, vor 1800 . . . . . . . . 239 Karte 112: FamN mit dem Grundwort Dorf , vor 1800 . . . . . . . . 241 Karte 113: g / k-Varianz in Kurzformen zu Burkhard, vor 1800 242 Karte 114: gg / ck / k-Varianz in FamN zu Brücke, vor 1800 . . . . 243 Karte 115: b / p-Variation im Auslaut von Dubletten, vor 1800. 248 Karte 116: d / t-Variation im Auslaut von Patronymen auf -hard, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249 Karte 117: d / t-Variation im Auslaut von FamN zu Schmied, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250 Karte 118: d / t-Variation im Auslaut von FamN zu Schmied (ohne Schmid ), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Karte 119: th-Schreibung in initialer und finaler Position, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255 Karte 120: t / th-Schreibvarianz in FamN aus zweigliedrigen germanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257 Karte 121: t / th-Schreibvarianz in FamN aus nicht-germanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258 Karte 122: t / th-Schreibvarianz in ÜberN, vor 1800 . . . . . . . . . . 259 Karte 123: Schreibvarianz C/ K bei Patronymen aus germanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262 Karte 124: Schreibvarianz C/ K bei Patronymen aus nichtgermanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 Karte 125: FamN mit Ersatz der Tremaschreibung durch Digraphieschreibung, 19. Jh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268 Karte 126: FamN mit Adaption von l-Diminutiven, 19. Jh. . . . 269 Karte 127: FamN mit Adaption der Schreibung von <i> und <y>, 19. Jh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Karte 128: Eingedeutschte französische FamN, vor 1800 . . . . . 275 Karte 129: Graphematisch-phonologische Realisierungen von frz. <au>, <eau>, <ou> und <u> in eingedeutschten FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Karte 130: Graphematisch-phonologische Realisierungen der französischen Nasalvokale am Wortende in eingedeutschten FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 1114 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="493"?> Karte 131: Graphematisch-phonologische Realisierungen von frz. [ʒ] oder [ʃ] in eingedeutschten FamN, vor 1800 279 Karte 132: Schwund von finalem <t>, <d>, <z> in eingedeutschten FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281 Karte 133: Akzentwechsel auf die Erstsilbe in rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 Karte 134: Silbenverlust in rätoromanischen FamN, vor 1800. 286 Karte 135: Rätoromanische FamN mit Vokalsenkung, Vokalhebung oder deutschem Sekundärumlaut, vor 1800 288 Karte 136: Deutsche Diphthongierungen und Monophthongierungen in rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . 289 Karte 137: Rätoromanische FamN mit Wechseln bei den unbetonten Vokalen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290 Karte 138: Rätoromanische FamN mit Wechseln bei der Stimmhaftigkeit von Konsonanten, vor 1800 . . . . . . 292 Karte 139: Rätoromanische FamN mit Sibilantenwechsel, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 Karte 140: Rätoromanische FamN mit Veränderungen bei den Resonanten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294 Karte 141: Volksetymologie und Ablenkung in rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 Karte 142: Graphematisch-phonologische Interferenzen in rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 297 Karte 143: Französisierte deutsche FamN, vor 1800 u. 19. Jh. . 302 Karte 144: Graphematisch-phonologische Realisierungen von dt. u in französisierten FamN, vor 1800 u. 19. Jh. . 305 Karte 145: Graphematische Realisierungen von dt. ü in französisierten FamN, vor 1800 u. 19. Jh. . . . . . . . . . . . . . 306 Karte 146: Graphematisch-phonologische Realisierungen von dt. z in französisierten FamN, vor 1800 u. 19. Jh. . 307 Karte 147: Graphematische Markierung der Endsilbenbetonung in französisierten FamN, vor 1800 u. 19. Jh. . 308 Karte 148: Italianisierte rätoromanische FamN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 312 Karte 149: Grundkarte des FDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323 Karte 150: Sprachregionen der Schweiz 1860 . . . . . . . . . . . . . . . . 324 Karte 151: Dreiteilung der Schweiz in Jura - Mittelland - Alpen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325 Karte 152: FamN mit schwachem und starkem Genitivsuffix, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334 Karte 153: FamN mit schwachem und starkem Genitivsuffix, 2020 Heimatorte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335 Karte 154: FamN mit schwachem Genitivsuffix nach Benennungsmotiv, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . 337 Karte 155: ÜberN ohne und mit schwachem Genitivsuffix, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338 Karte 156: Superlativformen nach Lexem, vor 1800 u. Herkunft 342 Karte 157: Vokalvarianten Superlativsuffixe, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Karte 158: Adjektiv- und Adverbstämme mit -er, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344 Karte 159: li- und ly-Diminutive, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351 Karte 160: lin- und lein-Diminutive, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 352 Karte 161: le-Diminutive, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 353 Karte 162: Gesamtkarte l-Diminutive, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 355 Karte 163: FamN mit el-Diminutiv zu germanischen und nichtgermanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 356 Karte 164: Patronyme mit l-Diminutiv, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 357 Karte 165: ÜberN mit l-Diminutiv, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 359 Karte 166: Gesamtkarte der FamN auf -i(n), -y, -e, vor 1800 . 364 Karte 167: FamN zu Hypokoristika, KurzN und appellativischen Diminutiven auf -i(n), -y, -e, vor 1800 . . . . . 365 Karte 168: FamN zu appellativischen Diminutiven auf -i, -y, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367 Karte 169: FamN zu Nomina agentis auf -i(n), -y, -e, vor 1800 367 Karte 170: FamN mit onymisierenden -i(n), -y, vor 1800 . . . . . 368 Karte 171: FamN auf -i, -y zu Toponymen oder Adjektivabstrakta, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 Karte 172: Patronyme und Metronyme auf -(t)z, vor 1800 . . . 374 Karte 173: Patronyme auf -tsch und -sch, vor 1800 . . . . . . . . . . 375 Karte 174: Suffixkombinationen mit -(t)z, vor 1800 . . . . . . . . . . 376 Karte 175: Suffixkombinationen mit -(t)sch, vor 1800 . . . . . . . . 377 Karte 176: FamN auf -i(n)g nach Benennungsmotiv, vor 1800 382 Karte 177: FamN auf -i(n)ger / -iker neben Toponymen auf -ikon, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383 Karte 178: FamN auf -i(n)g vs. FamN auf -i(n)ger/ -iker, vor 1800 384 Karte 179: FamN auf -ing, -inger ohne Nasalschwund vs. FamN auf -ig, -iger / -iker mit Nasalschwund, vor 1800 . . . 385 Karte 180: FamN mit Suffix -ling, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389 Karte 181: FamN auf -ling nach Benennungsmotiv, vor 1800 . 390 Karte 182: FamN auf -ling mit und ohne Appellativanschluss, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391 Karte 183: FamN auf -ling mit und ohne graphischen Nasalschwund, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392 Karte 184: FamN auf -ling mit und ohne Sekundärumlaut, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393 Karte 185: FamN aus Adjektiven auf -ig, vor 1800 u. Herkunft 397 Karte 186: FamN aus Adjektiven auf -lich nach Lexem, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398 Karte 187: FamN aus Adjektiven auf -lich nach Varianten -lich, -li, -lin, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Karte 188: FamN aus Adjektiven, -ig, -lich vs. Simplizia, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400 Karte 189: FamN auf -mann, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 405 Karte 190: FamN auf -mann, 2020 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407 Karte 191: Wohnstätten- und HerkunftsN auf -mann, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 408 Karte 192: BerufsN auf -mann, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . 409 Karte 193: ÜberN auf -mann, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 410 Karte 194: FamN mit -li, -le, -el und -mann, vor 1800 . . . . . . . 414 Karte 195: FamN mit -z, -tsch und -mann, vor 1800 . . . . . . . . . 415 Karte 196: Patronyme und Metronyme auf -mann und -er, -ler, -ner, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Karte 197: Patronyme auf -mann kontrastiv, vor 1800 . . . . . . . 420 Karte 198: Patronyme auf -er, -ler und -ner kontrastiv, vor 1800 421 Karte 199: Metronyme auf -er, -ler und -ner kontrastiv, vor 1800 422 Karte 200: Patronymisches -er, -ler, -ner an anderen Basen als Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 423 Karte 201: Wohnstätten- und HerkunftsN auf -er, vor 1800 . . 428 Karte 202: Wohnstätten- und HerkunftsN auf -ler, vor 1800 . 430 Karte 203: Wohnstätten- und HerkunftsN auf -ner, vor 1800 . 431 Karte 204: Dubletten und Tripletten auf -er, -ler, -ner, vor 1800 433 Karte 205: BerufsN auf -er, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 439 Karte 206: BerufsN auf -ler, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 441 Karte 207: BerufsN auf -ner, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 442 Karte 208: Dubletten und Triplette auf -er, -ler, -ner, vor 1800 443 Kartenverzeichnis 1115 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="494"?> Karte 209: BerufsN auf -er aus Entlehnungen, vor 1800 . . . . . . 445 Karte 210: Formvarianz bei Nomina agentis, vor 1800 . . . . . . . 452 Karte 211: Nebeneinander von nicht-diminuierten und diminuierten Formen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 454 Karte 212: Formvarianz bei gemischten Typen, vor 1800 . . . . . 456 Karte 213: Unorganischer t-Antritt im Auslaut, vor 1800 . . . . 462 Karte 214: FamN auf -ert im Kontrast, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . 464 Karte 215: Dubletten mit und ohne t-Antritt, vor 1800 . . . . . . . 466 Karte 216: Germanisches Grundwort + -o und verwandte Typen, Darstellung Gesamtschweiz, vor 1800 . . . . . . . 473 Karte 217: Germanisches Grundwort + -o und verwandte Typen, Kanton Freiburg, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 474 Karte 218: Pürro und Pendants, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477 Karte 219: Riedo und Pendants, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477 Karte 220: Endungslose Nomina agentis mit unmittelbarem Appellativanschluss, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482 Karte 221: Endungslose Nomina agentis ohne unmittelbaren Appellativanschluss, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 484 Karte 222: Bildungsmuster von Nomina agentis im Kontrast, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 485 Karte 223: Endungslose HerkunftsN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 492 Karte 224: Endungslose WohnstättenN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 493 Karte 225: HerkunftsN zu Grüni(n)gen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 495 Karte 226: HerkunftsN zu Rickenbach, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . 495 Karte 227: WohnstättenN zu Moos, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 497 Karte 228: WohnstättenN zu Stutz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 497 Karte 229: Berufsnamenkomposita mit nicht-onymischen Gliedern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 503 Karte 230: Berufsübernamenkomposita mit nicht-onymischen Gliedern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505 Karte 231: Übernamenkomposita mit nicht-onymischen Gliedern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507 Karte 232: Lokalisierte BerufsN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 508 Karte 233: Berufsnamen- und Übernamenkomposita mit nichtonymischem und anthroponymischem Glied, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 509 Karte 234: Metronyme und Patronyme mit nicht-onymischem und anthroponymischem Glied, vor 1800 . . . . . . . . . 511 Karte 235: Metronyme und Patronyme mit anthroponymischen Gliedern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 512 Karte 236: Familiennamenkomposita, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 513 Karte 237: Komposita mit Hans im Kontrast, vor 1800 . . . . . . . 521 Karte 238: Komposita mit Beck im Kontrast, vor 1800 . . . . . . . 522 Karte 239: Komposita mit Meier im Kontrast, vor 1800 . . . . . . 523 Karte 240: Komposita mit Müller im Kontrast, vor 1800 . . . . . 525 Karte 241: Komposita mit Schmied im Kontrast, vor 1800 . . . . 526 Karte 242: FamN mit Ca-, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . 532 Karte 243: FamN mit Canach zweitem Namenelement, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 533 Karte 244: FamN mit Ca- + deutsches Namenelement, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 534 Karte 245: Deutsche Diminutive an rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 538 Karte 246: Deutsche Herkunftssuffixe an rätoromanischen FamN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 539 Karte 247: FamN mit lateinischem Suffix -us, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 543 Karte 248: FamN mit lateinischem Suffix -is, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 544 Karte 249: FamN mit lateinischem Suffix -us und -is, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545 Karte 250: Familiennamenstamm Caspar, vor 1800 u. Herkunft 546 Karte 251: Familiennamenstamm Pedrini, vor 1800 . . . . . . . . . . 547 Karte 252: Artikelproklise in FamN nach Kasus des Definitartikels, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 553 Karte 253: Artikelproklise in FamN nach Kasus des Definitartikels, 2020 Heimatorte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 554 Karte 254: FamN mit anlautendem Zaus Artikelvs. aus Präpositionsproklise, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 555 Karte 255: FamN mit den Präpositionen ab, auf , aus, ohne und vor, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558 Karte 256: FamN mit der Präposition an, vor 1800 u. Herkunft 559 Karte 257: FamN mit der Präposition an nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 560 Karte 258: FamN mit den Präpositionen ab und auf mit und ohne Artikelwort, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 561 Karte 259: FamN mit der Präposition zu, vor 1800 u. Herkunft 565 Karte 260: FamN mit der Präposition zu, 2020 Heimatorte . . . 566 Karte 261: FamN mit der Präposition in, vor 1800 u. Herkunft 570 Karte 262: FamN mit der Präposition in, 2020 Heimatorte . . . 571 Karte 263: FamN mit der Präposition von, vor 1800 u. Herkunft 575 Karte 264: FamN mit der Präposition von, 2020 Heimatorte . . 577 Karte 265: Getrennt- und Zusammenschreibung bei FamN mit von, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 578 Karte 266: Herkunfts- und WohnstättenN mit der Präposition von, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 579 Karte 267: PatrizierN mit von und de, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 585 Karte 268: PatrizierN mit «Namenelement + von + Namenelement», vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 586 Karte 269: FamN mit Präposition de, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 590 Karte 270: FamN mit Präposition de und einem deutschen Namenelement, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . 593 Karte 271: SatzN mit verbalem Bestandteil, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 600 Karte 272: Reihenfolge vom verbalen und nominalen Bestandteil in SatzN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 602 Karte 273: SatzN nach Benennungsmotiv, vor 1800 u. Herkunft 603 Karte 274: Namenreihen in SatzN, vor 1800 u. Herkunft . . . . . 604 Karte 275: FamN Gantenbein, vor 1800 u. Herkunft vs. 2020 Heimatorte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 605 Karte 276: FamN Nievergelt, vor 1800 u. Herkunft vs. 2020 Heimatorte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 605 Karte 277: SatzN ohne verbalen Bestandteil und Wortgruppen mit nominalen, adjektivischen oder adverbialen Bestandteilen, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . 609 Karte 278: Mehrgliedrige FamN mit dem Element dit diachron, vor 1800, 19. Jh. u. 20. Jh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 614 Karte 279: Fallbeispiele Typ «Übersetzung» mit deutschsprachigen Pendants, vor 1800 u. 19. Jh. . . . . . . . . . . . . . . 616 Karte 280: Mehrgliedrige FamN mit dem Element soit diachron, vor 1800, 19. Jh. u. 20. Jh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 618 Karte 281: Mehrgliedrige FamN mit dem Element alias diachron, vor 1800 u. 19. Jh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 619 Karte 282: Grundkarte des FDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 632 Karte 283: Sprachregionen der Schweiz 1860 . . . . . . . . . . . . . . . . 633 1116 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="495"?> Karte 284: Dreiteilung der Schweiz in Jura - Mittelland - Alpen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 634 Karte 285: Patronyme zu Kuonrat nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 644 Karte 286: Patronyme zu Kuonrat in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . 646 Karte 287: Die vier häufigsten deutschen Patronyme zu Kuonrat, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 647 Karte 288: Patronyme zu liut nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 651 Karte 289: Patronyme zu liut in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 652 Karte 290: Die drei häufigsten deutschen Patronyme zu liut, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 653 Karte 291: Patronyme zu hruod nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 656 Karte 292: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz aus Voll-, Kurz- und kontrahierten Formen, vor 1800 . 658 Karte 293: Patronyme zu hruod in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 659 Karte 294: Patronyme zu Robert(o), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 660 Karte 295: Familiennamentyp Egli, vor 1800 u. Herkunft . . . . 665 Karte 296: Familiennamentyp Erni, vor 1800 u. Herkunft . . . . 666 Karte 297: Familiennamentyp Bürgi, vor 1800 u. Herkunft . . . 667 Karte 298: Familiennamentyp Hug, vor 1800 u. Herkunft . . . . 668 Karte 299: Familiennamentyp Ott, vor 1800 u. Herkunft . . . . . 669 Karte 300: Familiennamentyp Wolf , vor 1800 u. Herkunft . . . . 670 Karte 301: Patronyme aus suffigierten vs. unsuffigierten Kurzformen germanischer Ruf N, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 671 Karte 302: Familiennamentyp Hartmann, vor 1800 u. Herkunft 675 Karte 303: Familiennamentyp Richard, vor 1800 u. Herkunft . 676 Karte 304: Familiennamentyp Arnold, vor 1800 u. Herkunft . . 677 Karte 305: Familiennamentyp Hermann, vor 1800 u. Herkunft 678 Karte 306: Familiennamentyp Bosshard, vor 1800 u. Herkunft 679 Karte 307: Patronyme zu Petrus nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 683 Karte 308: Die fünf häufigsten deutschen Patronyme zu Petrus, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 685 Karte 309: Interferenzerscheinungen in Patronymen zu Petrus, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 686 Karte 310: Patronyme zu Petrus nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688 Karte 311: Patronyme zu Martīnus nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 692 Karte 312: Patronyme zu Martīnus mit und ohne finales -n, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 693 Karte 313: Patronyme zu Christiānus nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . . . . . . . 697 Karte 314: Patronyme zu Christiānus in der Deutschschweiz nach Bildungstyp, vor 1800 u. Herkunft . . . . . . . . . . 698 Karte 315: Patronyme zu Johannes nach sprachlicher Zugehörigkeit, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702 Karte 316: Patronyme zu Johannes in der Deutschschweiz nach Ausgangsform, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 704 Karte 317: Die vier häufigsten deutschen Patronyme zu Johannes, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 705 Karte 318: Interferenzerscheinungen in Patronymen zu Johannes, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 706 Karte 319: Familiennamentyp Michel, vor 1800 u. Herkunft . . 710 Karte 320: Familiennamentyp Jost, vor 1800 u. Herkunft . . . . 711 Karte 321: Familiennamentyp Jakob, vor 1800 u. Herkunft . . . 712 Karte 322: Familiennamentyp Matthias, vor 1800 u. Herkunft 714 Karte 323: Familiennamentyp Fluri, vor 1800 u. Herkunft . . . . 715 Karte 324: Metronyme in der Deutschschweiz, vor 1800 . . . . . 719 Karte 325: Metronyme aus nicht-germanischen vs. germanischen Ruf N, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 722 Karte 326: Metronyme aus produktiven Ruf N, vor 1800 . . . . . 723 Karte 327: Metronyme nach Bildungstyp, vor 1800 . . . . . . . . . . 724 Karte 328: Metronyme zu Margarete, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 728 Karte 329: Metronyme zu Ita, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 729 Karte 330: Metronyme zu Beela, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 730 Karte 331: Metronyme zu Anna, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 731 Karte 332: Metronyme zu Elisabeth, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 732 Karte 333: Metronyme zu Verena, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 733 Karte 334: Metronyme zu Agnes, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 734 Karte 335: Metronyme zu Katharina, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 735 Karte 336: HerkunftsN zu Schweizer Toponymen nach Frequenz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 741 Karte 337: HerkunftsN zu Schwyz und Swites, vor 1800 . . . . . . 742 Karte 338: HerkunftsN zu StädteN, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 743 Karte 339: HerkunftsN zu Toponymen aus dem Kanton Zürich, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 745 Karte 340: HerkunftsN zu Toponymen aus dem Deutschwallis, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 746 Karte 341: Die vier häufigsten HerkunftsN zu Toponymen aus dem Deutschwallis, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 747 Karte 342: HerkunftsN zu rätoromanischen Toponymen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 748 Karte 343: HerkunftsN zu Toponymen mit -ach, vor 1800 . . . 751 Karte 344: HerkunftsN zu Toponymen mit -ikon und -ighofen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 752 Karte 345: HerkunftsN zu Toponymen mit -hausen, vor 1800 753 Karte 346: HerkunftsN zu Toponymen mit -dorf , vor 1800 . . . 754 Karte 347: HerkunftsN zu Toponymen mit -wil, vor 1800 . . . . 755 Karte 348: HerkunftsN zu Toponymen mit -au, vor 1800 . . . . 756 Karte 349: HerkunftsN zu ausländischen Toponymen, vor 1800 759 Karte 350: HerkunftsN zu ausländischen Toponymen nach Herkunftsland, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 760 Karte 351: HerkunftsN zu bundesdeutschen Toponymen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 762 Karte 352: HerkunftsN zu Bezeichnungen für die Deutschsprachigen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 765 Karte 353: HerkunftsN zu Bezeichnungen für die Romanischsprachigen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 766 Karte 354: Typ Alemanne und Typ Wahl kontrastiv, vor 1800 768 Karte 355: HerkunftsN zu Stammesbezeichnungen, vor 1800 . 769 Karte 356: HerkunftsN zum VolksN Walser oder zum GebietsN Wallis, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 771 Karte 357: WohnstättenN zur Geländeform und Topographie, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 774 Karte 358: WohnstättenN zu Bodenerhebungen, vor 1800 . . . . 777 Karte 359: WohnstättenN mit Büel, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 778 Karte 360: WohnstättenN zu Bodenvertiefungen, vor 1800 . . . 780 Karte 361: WohnstättenN zu Geländeeinschnitten, vor 1800 . 782 Kartenverzeichnis 1117 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="496"?> Karte 362: WohnstättenN zu Ebenen, Niederungen o. ä., vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 783 Karte 363: WohnstättenN zu (Ab-)Hängen, vor 1800 . . . . . . . . . 785 Karte 364: WohnstättenN mit Halde und Rein, vor 1800 . . . . . 785 Karte 365: WohnstättenN zu Steinlawinen, Geröllhalden und Bergstürzen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 787 Karte 366: WohnstättenN zu Orientierungsangaben, vor 1800 788 Karte 367: Wohnstätten- und HerkunftsN zum FlussN Rhein, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 792 Karte 368: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Bach, vor 1800 793 Karte 369: Die drei häufigsten HerkunftsN mit -bach, vor 1800 794 Karte 370: Wohnstätten- und HerkunftsN mit See, vor 1800 . 795 Karte 371: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Weiher, vor 1800 796 Karte 372: Wohnstätten- und HerkunftsN zu Quellen und Brunnen (ohne Brunner), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 797 Karte 373: FamN Brunner, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 798 Karte 374: Wohnstätten- und HerkunftsN zu Flussdurchgängen, Dämmen und Kanälen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 799 Karte 375: WohnstättenN zu Uferlandschaften und Land am Wasser, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 803 Karte 376: WohnstättenN zu Sümpfen und Feuchtgebieten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 804 Karte 377: WohnstättenN zu Sumpfpf lanzen, vor 1800 . . . . . . . 805 Karte 378: WohnstättenN zu Moos und Ried kontrastiv, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 807 Karte 379: WohnstättenN zur Buche, Eiche, Esche und Linde, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 811 Karte 380: WohnstättenN zu weiteren Laubbäumen, vor 1800 811 Karte 381: WohnstättenN zu Obstbäumen, vor 1800 . . . . . . . . . 813 Karte 382: WohnstättenN zu Nadelbäumen, vor 1800 . . . . . . . . 814 Karte 383: Wohnstätten- und HerkunftsN mit Holz und Wald, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 816 Karte 384: WohnstättenN zu Sträuchern und Gebüsch, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 818 Karte 385: WohnstättenN mit Hag, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 820 Karte 386: WohnstättenN zu lehmigem und sandigem Grund, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 824 Karte 387: WohnstättenN zu steinigem Grund, vor 1800 . . . . . 825 Karte 388: WohnstättenN zu dürrem, unfruchtbarem oder magerem Grund, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 827 Karte 389: WohnstättenN zu reuten und roden, vor 1800 . . . . . 830 Karte 390: WohnstättenN zu schwenden, vor 1800 . . . . . . . . . . . 832 Karte 391: WohnstättenN zu reuten und schwenden im Kontrast, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 833 Karte 392: WohnstättenN zu stocken, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 834 Karte 393: WohnstättenN zu brennen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 835 Karte 394: WohnstättenN zu sengen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 836 Karte 395: WohnstättenN zum Ackerbau, vor 1800 . . . . . . . . . . 840 Karte 396: WohnstättenN zu Allmenden und Weiden, vor 1800 842 Karte 397: WohnstättenN zu Matte und Wiese, vor 1800 . . . . . 843 Karte 398: WohnstättenN zu Wasen und Brüel, vor 1800 . . . . . 845 Karte 399: WohnstättenN zu Garten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 846 Karte 400: WohnstättenN zu Zäunen, Einfriedungen und eingefriedetem Land, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 847 Karte 401: WohnstättenN zu Haus, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 852 Karte 402: WohnstättenN zu Scheunen, Ställen und weiteren (un-)bewohnten Bauten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . 854 Karte 403: WohnstättenN zu Arbeitsstätten, vor 1800 . . . . . . . . 856 Karte 404: WohnstättenN zu kirchlichen Bauten und sonstigen kirchlichen Örtlichkeiten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . 857 Karte 405: WohnstättenN zu Mauern, Türmen und Toren, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 859 Karte 406: WohnstättenN zu Gasse und Strasse, vor 1800 . . . . 860 Karte 407: WohnstättenN zu Wegen, Steigen und Stiegen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 862 Karte 408: WohnstättenN zu Brücken und Stegen, vor 1800 . 863 Karte 409: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN (Gesamtkarte), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 870 Karte 410: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN nach Motivquelle, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 872 Karte 411: Potenzielle WohnstättenN zu HäuserN in Auswahl, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 874 Karte 412: WohnstättenN zu Hof , vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 881 Karte 413: FamN Hofmann, Hofer und Imhof kontrastiv, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 881 Karte 414: WohnstättenN zu Lehen, Hube und Schuppose, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 883 Karte 415: WohnstättenN zu Heim, Statt, Burg und Dorf , vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 885 Karte 416: Berufs(über)N zum Metzgereigewerbe, vor 1800 . . 890 Karte 417: Berufs(über)N zur Herstellung von Milchprodukten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 892 Karte 418: Berufs(über)N zur Speisezubereitung und Bewirtung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 893 Karte 419: BerufsN zum Beruf des Bäckers, vor 1800 . . . . . . . . 896 Karte 420: BerufsüberN zum Beruf des Bäckers, vor 1800 . . . . 897 Karte 421: Berufs(über)N zur Mehlgewinnung, vor 1800 . . . . . 898 Karte 422: BerufsN zu Bezeichnungen des Bauern, vor 1800 . 902 Karte 423: BerufsN nach der rechtlichen Stellung des Bauern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 903 Karte 424: BerufsN nach der rechtlichen Stellung des Bauern (Typ Huber und Typ Meier), vor 1800 . . . . . . . . . . . . 905 Karte 425: Berufs(über)N zu Hirten, Sennen und zur Viehzucht, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 906 Karte 426: Berufs(über)N zum Getreideanbau, vor 1800 . . . . . . 908 Karte 427: Berufs(über)N zu Ackerbau und Feldarbeit, vor 1800 909 Karte 428: Berufs(über)N zum Anbau von Gemüse, Obst und Gewerbepf lanzen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 911 Karte 429: BerufsN zum Weinbau, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 912 Karte 430: Berufs(über)N zur Jagd und Fischerei gesamthaft, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 915 Karte 431: Berufs(über)N zur Jagd, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 916 Karte 432: Berufs(über)N zur Fischerei, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 917 Karte 433: Berufs(über)N zu metallischen Roh- oder Werkstoffen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 920 Karte 434: Berufs(über)N zur Herstellung gefässartiger Gegenstände, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 922 Karte 435: Berufs(über)N zur Herstellung von Waffen, vor 1800 923 Karte 436: Berufs(über)N zu Werkzeugen, vor 1800 . . . . . . . . . . 924 Karte 437: Berufs(über)N zur Herstellung kleinerer Gegenstände, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 925 Karte 438: BerufsN zum Beruf des Schmieds panschweizerisch, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 926 Karte 439: Berufs(über)N zur Textilherstellung und -verarbeitung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 929 1118 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="497"?> Karte 440: Berufs(über)N zur Stoffherstellung und -weiterverarbeitung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 930 Karte 441: BerufsN zur Lederherstellung bzw. -verarbeitung und zur Pelzverarbeitung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 932 Karte 442: BerufsN zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Leder und Pelz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 933 Karte 443: BerufsN zum Schuhmacherhandwerk, vor 1800 . . . 935 Karte 444: BerufsüberN zu Kleidung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . 936 Karte 445: Berufs(über)N zum Beruf des Zimmermanns, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 939 Karte 446: Berufs(über)N zum Beruf des Küfers, vor 1800 . . . 940 Karte 447: BerufsN zum Beruf des Schnitzers, vor 1800 . . . . . . 941 Karte 448: BerufsN zum Beruf des Drechslers, vor 1800 . . . . . 942 Karte 449: Berufs(über)N zur Möbelherstellung, vor 1800 . . . . 943 Karte 450: Berufs(über)N zum heilkundlichen Gewerbe, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 946 Karte 451: Berufs(über)N zu Verwaltung und Rechtsprechung (Gesamtkarte), vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 949 Karte 452: BerufsN zu Verwaltung und Rechtsprechung (fünf häufigste lexikalische Typen), vor 1800 . . . . . . . . . . . 950 Karte 453: BerufsN zu amtlichen Botendiensten, vor 1800 . . . 952 Karte 454: BerufsN zu Aufsicht und Wachdienst, vor 1800 . . . 953 Karte 455: Berufs(über)N zu weiteren weltlichen Ämtern, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 955 Karte 456: BerufsN zum Amt des Kirchendieners, vor 1800 . . 956 Karte 457: BerufsN zu weiteren klerikalen Ämtern, vor 1800 . 957 Karte 458: Berufs(über)N zu Bezeichnungen für Kauf leute und Händler, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 961 Karte 459: Berufs(über)N nach der Handelsware, vor 1800 . . . 962 Karte 460: Berufs(über)N zum Unterhaltungsgewerbe gesamthaft, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 966 Karte 461: Berufs(über)N nach Blasinstrumenten, vor 1800 . . 967 Karte 462: BerufsN nach weiteren Musikinstrumenten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 969 Karte 463: BerufsN nach Unterhaltungsbereich, vor 1800 . . . . 970 Karte 464: ÜberN nach kleiner und grosser Körpergrösse, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 974 Karte 465: ÜberN nach dünnem oder dickem Körperumfang, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 976 Karte 466: ÜberN nach schönem und unschönem Aussehen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 978 Karte 467: ÜberN nach der Haar- oder Hautfarbe, vor 1800 . 979 Karte 468: ÜberN nach der Haar- oder Hautfarbe metaphorisch, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 980 Karte 469: ÜberN nach Haarmenge und Haarwuchs/ -form, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 981 Karte 470: ÜberN nach dem Kopf, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 985 Karte 471: ÜberN nach Teilen des Kopfs, vor 1800 . . . . . . . . . . 985 Karte 472: ÜberN nach dem Hals, Rumpf und Arm, vor 1800 987 Karte 473: ÜberN nach den Beinen und Füssen, vor 1800 . . . . 988 Karte 474: ÜberN nach dem Gang, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . 989 Karte 475: ÜberN nach dem Gang mit hoher Frequenz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 990 Karte 476: ÜberN nach dem Gang mit mittlerer Frequenz, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 991 Karte 477: ÜberN nach angenehmem, freundlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 995 Karte 478: ÜberN nach gutem, tüchtigem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 996 Karte 479: ÜberN nach mutigem, tapferem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 997 Karte 480: ÜberN nach lebendigem, munterem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 999 Karte 481: ÜberN nach klugem, schlauem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1000 Karte 482: ÜberN nach einfältigem, dummem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1002 Karte 483: ÜberN nach sorglosem, frohem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1003 Karte 484: ÜberN nach sorgenvollem, ängstlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1005 Karte 485: ÜberN nach unruhigem, nervösem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1006 Karte 486: ÜberN nach prahlerischem, angeberischem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1007 Karte 487: ÜberN nach bösem, unfreundlichem Charakter und Verhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1009 Karte 488: ÜberN nach dem Arbeitsverhalten, vor 1800 . . . . . 1010 Karte 489: ÜberN nach dem Ess- und Trinkverhalten, vor 1800 1011 Karte 490: ÜberN zu weiteren Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1012 Karte 491: ÜberN nach aggressivem Verhalten, vor 1800 . . . . . 1016 Karte 492: ÜberN nach aggressivem Verhalten, häufigste lexikalische Typen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1017 Karte 493: ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1021 Karte 494: ÜberN nach der Sprechweise und dem Sprachverhalten, häufigste lexikalische Typen, vor 1800 . . . . 1022 Karte 495: ÜberN nach den häufigsten Bezeichnungen für vierfüssige Tiere, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1025 Karte 496: ÜberN nach weiteren Bezeichnungen für vierfüssige Tiere, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1026 Karte 497: ÜberN nach den häufigsten Vogelbezeichnungen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1028 Karte 498: ÜberN nach weiteren Vogelbezeichnungen, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1029 Karte 499: ÜberN nach Fischbezeichnungen, vor 1800 . . . . . . . 1030 Karte 500: ÜberN nach Bezeichnungen für Insekten, Schlangen und Würmer, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1031 Karte 501: ÜberN nach Tierbezeichnungen, vor 1800 . . . . . . . . 1032 Karte 502: ÜberN mit Bezug zum Adel, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 1036 Karte 503: ÜberN mit Bezug zum Klerus, vor 1800 . . . . . . . . . . 1038 Karte 504: ÜberN mit Bezug zum Dritten Stand, vor 1800 . . . 1039 Karte 505: Typ Graf , Typ Bischof und Typ Frei kontrastiv, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1040 Karte 506: ÜberN nach Verwandtschaft gesamt, vor 1800 . . . . 1044 Karte 507: ÜberN nach Verwandtschaft kontrastiv, vor 1800 . 1046 Karte 508: Typ Jung, Typ Minder und Typ Alt, vor 1800 . . . . . 1048 Karte 509: ÜberN nach Verwandtschaft metaphorisch, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1049 Karte 510: ÜberN für Ansässige und Zugezogene, vor 1800 . . 1053 Karte 511: ÜberN nach der Ausbildung, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 1054 Karte 512: ÜberN nach Zeiträumen und Zeitpunkten, vor 1800 1056 Karte 513: ÜberN nach Pilgerreise und Kreuzzug, vor 1800 . . 1057 Karte 514: FamN Jud, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1058 Kartenverzeichnis 1119 Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="498"?> Karte 515: ÜberN nach einer geachteten Stellung in der Gesellschaft, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1063 Karte 516: ÜberN nach einer weniger geachteten Stellung in der Gesellschaft, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1064 Karte 517: ÜberN nach der wirtschaftlichen Stellung arm und reich, vor 1800 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1066 Karte 518: ÜberN nach Münzeinheiten, vor 1800 . . . . . . . . . . . . 1067 Karte 519: ÜberN nach der Witwenschaft, vor 1800 . . . . . . . . . 1069 Karte 520: ÜberN nach Erbe oder Erbschaft, vor 1800 . . . . . . . 1070 1120 Gesamtregister und Verzeichnisse der drei Bände Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="499"?> Kurzbiographien der Autorinnen Luise Kempf ( * 1980 in Lahr/ Schwarzwald) studierte Germanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft in Mainz und Helsinki. In Mainz wirkte sie am «Deutschen Familiennamenatlas» (DFA) mit und promovierte mit einer Studie zur Wortbildung. Seit 2020 ist sie Professorin für germanistische Linguistik an der Universität Bern, wo sie 2023 habilitierte. 2022-2026 leitete sie das Projekt «Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Linda Steiner ( * 1978 in Lugano/ Tessin) studierte Vergleichende romanische Sprachwissenschaft in Zürich, wo sie 2013 mit einer Dissertation zur lexikalischen Semantik promovierte. 2014-2022 war sie am Deutschen Seminar der Universität Zürich als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die beiden Projekte «St. Galler Namenbuch: Die Siedlungsnamen des Kantons St. Gallen» und «Die Flurnamen des Kantons St. Gallen» (TopSG) sowie als Dozentin tätig. 2022-2026 wirkte sie als operative Projektleiterin und Redaktorin beim Projekt «Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Simone Berchtold ( * 1972 in Feldkirch/ Vorarlberg) studierte Germanistik und Anglistik/ Amerikanistik in Wien und promovierte in Zürich mit einer onomastischen Arbeit. Seit 2005 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Deutschen Seminar der Universität Zürich tätig. Mit Martin Hannes Graf zusammen erarbeitet sie seit 2010 ein etymologisches Lexikon der Familiennamen der deutschen Schweiz. Als Co-Leiterin führte sie 2019-2022 das Projekt «Die Flurnamen des Kantons St. Gallen» (TopSG). 2022-2026 arbeitete sie beim Projekt «Familiennamenatlas der Deutschschweiz» als Redaktorin. Esther Loosli ( * 1996 in Eriswil/ Bern) schloss 2022 ihr Masterstudium in Deutscher Sprachwissenschaft und Englisch mit soziolinguistischem Schwerpunkt an der Universität Bern ab. Nach einer Verlagsanstellung im Bereich Redaktion, Lektorat und Korrektorat arbeitete sie 2023-2026 als Redaktorin und Korrektorin beim Projekt «Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Martina Heer ( * 1981 in Luzern) studierte Germanistik und Vergleichende germanische Sprachwissenschaft an der Universität Zürich. Sie arbeitete als Doktorandin beim Projekt «Ortsnamenbuch des Kantons Bern» (BENB) und promovierte an der Universität Zürich zu historischen Personennamen. 2022-2026 arbeitete sie als Redaktorin beim Projekt «Familiennamenatlas der Deutschschweiz». Selma Vonlanthen ( * 1999 in Bern) schloss 2026 ihr Masterstudium in Deutscher Sprach- und Literaturwissenschaft und Gender Studies an den Universitäten Bern und Wien ab. Als Hilfsassistentin war sie 2022-2023 am Forschungsprojekt «Swiss German Dialects Across Time and Space» (SDATS) und 2022-2026 am «Familiennamenatlas der Deutschschweiz» beteiligt. Im Rahmen einer Mutterschaftsvertretung wirkte sie 2025 zudem temporär als Redaktorin mit. Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf <?page no="500"?> ISBN 978-3-381-15081-6 Der dreibändige Atlas bietet erstmals eine umfassende Darstellung und Analyse der vielfältigen Deutschschweizer Familiennamen. In 110 thematischen Artikeln untersucht er systematisch Grammatik, Lexik und Benennungsmotive und bringt dabei Sprache und Kultur des Mittelalters wie auch der Frühen Neuzeit ans Licht. Er zeigt, wie sich Familiennamen zwischen Dialekt und Standard bewegen, eigene Strukturen entwickeln und so einzigartige Einblicke in die Sprachgeschichte eröffnen. Ein innovatives Kartierungsverfahren rekonstruiert Namenareale über mehrere Zeitstufen und macht Stabilität wie auch Migration sichtbar. Neben den deutschsprachigen Namen werden in Auswahl französische, italienische und rätoromanische Namen einbezogen. Dadurch treten sowohl die für die Schweiz charakteristischen Sprachkontaktphänomene als auch die Spezifika der deutschsprachigen Namen deutlich hervor. Mit über 500 kommentierten Karten ist der Atlas ein Referenzwerk für Fachpersonen der Bereiche Germanistik, Romanistik, Linguistik, Dialektologie, Sprachgeschichte, Namenforschung und Schweizer Geschichte. Der vorliegende Band III gilt Themen der Semantik, Lexik und Benennungsmotivik. Behandelt werden Familiennamen aus Rufnamen, Herkunftsnamen, Wohnstättennamen, Berufsnamen und Übernamen. Die Bände I und II widmen sich den Themenbereichen Graphie und Phonologie respektive Morphologie und Syntax. Kempf (Hrsg.) Bd. III FAMILIENNAMENATLAS DER DEUTSCHSCHWEIZ Luise Kempf (Hrsg.) FAMILIENNAMENATLAS DER DEUTSCHSCHWEIZ Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete Band III: Lexik und Benennungsmotive Bearbeitet von Luise Kempf, Simone Berchtold, Linda Steiner, Esther Loosli, Martina Heer und Selma Vonlanthen Hochauflösende PDF-Version verfügbar unter: https: / / files.narr.digital/ FDS/ 9783381150823.pdf
