Wie verstehst du, was du liest?
Die Entwicklung bibelhermeneutischen Denkens in der exegetischen Professionalisierung
0526
2025
978-3-7720-5766-3
978-3-7720-8766-0
A. Francke Verlag
Gerlinde Baumann
Rebecca Hassan
Karin Lehmeier
10.24053/9783772057663
Diese Veröffentlichung begründet im Forschungsfeld der Empirischen Bibelwissenschaft die empirische bibelhermeneutische Forschung. Sie stellt die Ergebnisse eines empirischen bibelhermeneutischen Forschungsprojekts an der Hochschule Hannover (HAW) vor: Bei zwei Studierendenkohorten des Studiengangs "Religionspädagogik und Soziale Arbeit" wird die Entwicklung des Grundverständnisses der Bibel im Professionalisierungsprozess des exegetischen Studiums mit Hilfe eines Mixed Method-Designs untersucht. Der Fachhochschulstudiengang qualifiziert für das Berufsbild Diakon*in/Gemeindepädagog*in. Die in der Studie gewonnenen Erkenntnisse zeigen, welche Veränderungen des Bibelverständnisses in einem exegetisch-hermeneutischen Kurzstudium möglich sind. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die exegetische Wissenschaft, die exegetisch-hermeneutische Hochschulehre und die kirchliche Praxis.
Dr. habil. Gerlinde Baumann ist wissenschaftliche Theologin mit den Schwerpunkten Altes Testament und Hermeneutik, Dozentin in der Erwachsenenbildung, Fachübersetzerin aus dem Englischen und Lektorin.
Rebecca Hassan arbeitet als Forschungskoordinatorin im Forschungsinstitut der Fak. V der Hochschule Hannover.
Prof. Dr. Karin Lehmeier lehrt Biblische Theologie und Religionspädagogik an der Hochschule Hannover.
9783772057663/9783772057663.pdf
<?page no="0"?> Wie verstehst du, was du liest? Gerlinde Baumann / Rebecca Hassan / Karin Lehmeier Die Entwicklung bibelhermeneutischen Denkens in der exegetischen Professionalisierung <?page no="1"?> Wie verstehst du, was du liest? <?page no="3"?> Gerlinde Baumann / Rebecca Hassan / Karin Lehmeier Wie verstehst du, was du liest? Die Entwicklung bibelhermeneutischen Denkens in der exegetischen Professionalisierung Unter Mitwirkung von Katarzyna Miszkiel-Deppe <?page no="4"?> Dieser Band wurde mit freundlicher Unterstützung der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Instituts für angewandte Gesundheits-, Bildungs- und Sozialforschung an der Hochschule Hannover fertiggestellt. Gedruckt mit finanzieller Unterstützung der Bremischen Evangelischen Kirche, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Evangelisch-lutherischen Lan‐ deskirche in Braunschweig, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, der Evangelisch-Reformierten Kirche, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und der Kulturförderung des Ehepaars Winter, Hamburg. DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783772057663 © 2025 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-7720-8766-0 (Print) ISBN 978-3-7720-5766-3 (ePDF) ISBN 978-3-7720-0255-7 (ePub) Umschlagabbildung: © Andrew Dunn, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> 11 1 13 1.1 13 1.2 14 1.2.1 14 1.2.2 14 1.2.3 15 1.3 16 1.3.1 16 1.3.2 17 1.3.3 18 1.4 21 1.4.1 21 1.4.2 22 1.4.2.1 22 1.4.2.2 23 1.4.2.3 23 1.4.2.4 24 1.4.2.5 25 1.4.2.6 26 1.4.3 26 1.4.4 29 1.5 30 1.5.1 30 1.5.2 34 Inhalt Danksagungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Projektintention und Projektrahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschungsfrage und Aufbau des Buches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschungsfrage und Gesamtprojekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bisherige Veröffentlichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aufbau der vorliegenden Publikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hochschule Hannover: Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Studienziel, Studienstruktur und Studienablauf . . . . . . . . . . . . . . . Biblische Theologie und Hermeneutik als Teile des Studiums: Ziele und Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur und Prüfungsformen der biblisch-theologischen Lehrveranstaltungen im Einzelnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Ausgangspunkt: Die Forschungsfrage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präzisierung des zugrunde gelegten Verständnisses von „Hermeneutik“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Hermeneutikbegriff im vorliegenden Kontext . . . . . . . . . . . . . Verknüpfung mit dem Problemfeld des protestantischen Schriftprinzips . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abgrenzung gegenüber anderen Facetten des Hermeneutikbegriffs Anknüpfungen an literaturwissenschaftliche bzw. rezeptionsästhetische Überlegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eingrenzung und Einordnung des Forschungsgegenstands . . . . . . Begriffsverwendung im Rahmen der vorliegenden Untersuchung Zur Einordnung in die Forschungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Theoretischer Rahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „Bibelhermeneutische Kompetenz“ und das analytische Instrumentarium des Projekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundlagen der Entwicklung bibelhermeneutischer Kompetenz im Studium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 1.5.3 35 1.5.4 36 1.5.4.1 38 1.5.4.2 39 1.5.4.3 45 2 49 2.1 49 2.1.1 49 2.1.2 50 2.1.3 50 2.2 51 2.2.1 51 2.2.2 54 2.2.2.1 55 2.2.2.2 57 2.3 59 2.3.1 59 2.3.1.1 60 2.3.1.2 62 2.3.1.3 64 2.3.1.4 65 2.3.2 67 2.3.2.1 67 2.3.2.2 70 2.4 75 2.5 76 2.5.1 76 2.5.2 77 2.5.3 79 2.6 81 2.6.1 81 2.6.2 81 2.6.2.1 81 2.6.2.2 81 2.6.2.3 82 2.6.2.4 82 Bibelhermeneutische Kompetenz, Grundverständnis der Bibel und bibelhermeneutisches Denken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile-Modell und die Achsen Repertoire, Religiosität und Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Repertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschungsdesign . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschungsfrage und Annahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme im Bereich Repertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme im Bereich Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme im Bereich Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundsätzliche Überlegungen zur Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Operationalisierung der Forschungsfrage: Erhebungsinstrumente Die Panelbefragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergänzende und flankierende Erhebungsinstrumente . . . . . . . . . . . Entwicklung der Fragebögen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Fragebogen an Messpunkt 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Fragebogen an Messpunkt 1: Erfahrungen mit der Bibel (Teil 1) Der Fragebogen an Messpunkt 1: Religiöse Biographie (Teil-2) . . . Der Fragebogen an Messpunkt 1: Soziodemographische Daten (Teil-3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Formaler Aufbau des Fragebogens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Fragebogen an Messpunkt 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Fragebogen an Messpunkt 2: Erfahrungen mit der Bibel und religiöse Einstellungen (Teil-1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Fragebogen an Messpunkt 2: Ad hoc-Exegese (Teil-2) . . . . . . Durchführung der Befragungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswertungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswertungsmethode der quantitativen Erhebungen . . . . . . . . . . Auswertungsmethode der qualitativen Erhebungen . . . . . . . . . . . . Korrelation der Daten und Ergebnisdarstellung in den folgenden Kapiteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundsätze der Darstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anonymität und soziodemographische Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . Darstellung von Grafiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Darstellung anhand von Teilnehmer*innenzahlen . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungsgrafiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Achsengrafiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kohortengrafiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Inhalt <?page no="7"?> 2.6.3 82 2.6.4 83 2.6.5 83 2.6.6 83 3 85 3.1 85 3.1.1 85 3.1.2 87 3.1.3 92 3.1.4 94 3.2 95 3.2.1 97 3.2.2 100 3.2.2.1 101 3.2.2.2 102 3.2.2.3 103 3.2.2.4 105 3.2.2.5 106 3.2.2.6 107 3.2.2.7 109 3.2.2.8 110 3.2.3 111 3.2.3.1 111 3.2.3.2 114 3.2.4 117 3.2.4.1 117 3.2.4.2 120 3.2.4.3 123 3.2.5 125 3.3 126 3.3.1 126 3.3.1.1 126 3.3.1.2 127 3.3.1.3 128 3.3.1.4 128 3.3.1.5 129 3.3.2 129 3.3.2.1 129 3.3.2.2 133 3.3.2.3 152 Darstellung von Kohorte-I und Kohorte-II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Darstellung des qualitativen Materials . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die folgenden Teile im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswertung der Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lernausgangslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Soziodemographische Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Religiöse Sozialisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergänzende Aspekte zur Bibelsozialisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Häufigkeit des Bibellesens (Frage-1.3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kontexte der Begegnung mit der Bibel (Frage-1.2) . . . . . . . . . . . . . . Kindergottesdienst (Item 1.2.1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gottesdienst (Item 1.2.2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Konfirmand*innenunterricht (Item 1.2.3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Freundeskreis (Item 1.2.4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jugendgruppe (Item 1.2.5) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Film (Item 1.2.6) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bibelkreis oder Hauskreis (Item 1.2.7) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Freizeiten (Item 1.2.8) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bibellesen allein und mit anderen (Items 1.4.1 und 1.4.2) . . . . . . . . Bibellesen allein (Item 1.4.1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bibellesen in der Gruppe (Item 1.4.2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wichtigkeit der Bibel (Frage-1.6, Items 1.4.5 und 1.4.3 [MP2]) . . . . Wichtigkeit der Bibel in Relation zum Glauben (Frage-1.6) . . . . . . Unwichtigkeit der Bibel (Item 1.4.5) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wichtigkeit der Bibel im Vergleich: Item 1.4.3 (MP-2) . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundätze der Auswahl und der Darstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quantitative Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrelation mit Frage-2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP-2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusammenfassende Darstellung und Achsengrafik . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen des Repertoires . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frage-1.1. („Die Bibel ist für mich-…“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quantitative Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrelation mit Frage-2.1 an MP-2 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 7 <?page no="8"?> 3.3.2.4 156 3.3.2.5 161 3.3.3 167 3.3.3.1 167 3.3.3.2 172 3.3.3.3 197 3.3.3.4 203 3.3.3.5 207 3.3.4 212 3.3.4.1 212 3.3.4.2 223 3.3.4.3 240 3.3.4.4 244 3.3.4.5 249 3.4 253 3.4.1 253 3.4.2 255 3.4.3 255 3.4.3.1 255 3.4.3.2 256 3.4.3.3 257 3.4.4 258 3.4.4.1 258 3.4.4.2 258 3.4.4.3 259 3.4.5 259 3.4.6 260 4 261 4.1 261 4.2 261 4.3 265 4.3.1 265 4.3.2 268 4.3.3 270 4.3.4 272 4.3.5 274 Repertoire: Achsengrafiken Kohorte-I und II . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen des Repertoires: Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen der Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quantitative Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrelation mit Frage-2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP-2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Religiosität: Achsengrafiken Kohorte-I und II . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen der Religiosität: Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veränderungen der Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quantitative Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrelation mit Frage-2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP-2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leseperspektive: Achsengrafiken Kohorte-I und II . . . . . . . . . . . . . Veränderungen der Leseperspektive: Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse der Paneldaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusammenfassung wichtigster Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mixed Methods . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Achsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Repertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme Repertoire: Anwendungsbezug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme Religiosität: Glaubenskrisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen . . . . . . . . . . . . . . Kohorten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Individualität der Entwicklungen und Positionen . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungsprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fragestellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelne Entwicklungsprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungstyp A: Abnehmende Werte auf der Achse der Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungstyp B: Die „Verharrenden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungstyp C: Wörtlicher werdende Leseperspektive . . . . . Entwicklungstyp D: Durchgängig im übertragenen Bereich Lesende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungstyp E: Gleichbleibend oder zunehmend säkulare Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Inhalt <?page no="9"?> 4.3.6 277 4.3.7 279 4.4 280 4.4.1 280 4.4.2 282 4.4.3 282 4.5 283 5 287 5.1 287 5.2 289 5.2.1 289 5.2.2 295 5.2.3 302 5.2.4 307 5.2.5 312 5.2.6 318 5.2.7 324 5.3 330 6 335 6.1 335 6.1.1 335 6.1.2 336 6.1.3 340 6.1.4 341 6.2 345 6.2.1 345 6.2.1.1 345 6.2.1.2 347 6.2.1.3 349 6.2.2 350 6.2.3 352 6.2.4 352 6.2.5 355 6.3 356 6.4 359 6.4.1 359 Entwicklungstyp F: Bewegung aus anderen Bereichen der Leseperspektive in den Bereich der übertragenen Leseperspektive Die separate Gruppe der „Eigenprofilierten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschiedliche Entwicklungswege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kohortenverteilung der Entwicklungsprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . „Bewegungszwillinge“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahlkriterien und Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen . . . . . TN-51 (Entwicklungstyp A) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-60 (Entwicklungstyp B) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-32 (Entwicklungstyp C) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-30 (Entwicklungstyp D) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-49 (Entwicklungstyp E) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-23 (Entwicklungstyp F) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . TN-74 (Gruppe der „Eigenprofilierten“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse der Paneluntersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausgangspunkt: Forschungsfrage, drei Achsen und drei Annahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis im Hinblick auf die Paneluntersuchung . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis im Hinblick auf die beiden Kohorten . . . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis im Hinblick auf die Annahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse . . . . . . . . . . . . . Achsen des Grundverständnisses der Bibel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Repertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Religiosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklungstypen und Tendenzen der Entwicklung im Gesamtprojekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kohorte-I und Kohorte-II unter dem Gesichtspunkt der didaktischen Veränderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das „Mobile-Modell“ in beiden Projektteilen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mixed Methods und die Forschungsfrage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anknüpfung der Ergebnisse an die Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis . . . . . . . . . . . . Ausblick: Die wissenschaftliche Exegese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 9 <?page no="10"?> 6.4.2 361 6.4.3 363 6.4.4 365 7 369 7.1 369 7.2 369 7.3 369 7.4 369 371 375 375 391 405 417 419 Ausblick: Exegetisch-hermeneutische Hochschullehre . . . . . . . . . . Ausblick: Lehre im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausblick: Arbeitsfelder Kirche und Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . Hinweise auf das Online-Zusatzmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil A: Zur Einordnung in die Forschungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . Teil B: Charakterisierungen des Alten Testaments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil C: Entwicklungsgrafiken der Panelfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil D: Chrismon-Studie zum Jahr der Bibel 2003 - vollständige Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fragebögen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tabellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Inhalt <?page no="11"?> Danksagungen Die hier vorgelegte Publikation ist das Ergebnis von zehn Jahren Forschungstätigkeit, die 2015 begonnen hat. Im Rahmen des Professorinnenprogramms II (Förderlinie Professo‐ rinnen für Niedersachsen) hat die Hochschule Hannover die Mittel für eine fünfjährige Projektförderung bereitgestellt und nun am Schluss auch einen Teil der Druckkosten übernommen. Dafür sind wir ihr zu großem Dank verpflichtet. Eine Forschungsarbeit wie diese verdankt sich vielfältiger Unterstützung von zahlrei‐ chen Seiten. Für ihre Mittätigkeit geht unser Dank zunächst besonders an Katarzyna Miszkiel-Deppe, deren sozialwissenschaftliche Kompetenz für die Entwicklung des For‐ schungsdesigns unverzichtbar gewesen ist. Sabine Seidel hat das Prozess von Anfang bis zum Ende kundig begleitet, wofür wir sehr dankbar sind. Ebenso danken wir den Hilfskräften Anne Katrin Marmann, Larissa Thams, Pia Quaas und Hannah Dyszack von der Hochschule Hannover für ihre Mitarbeit an unterschiedlichen Etappen des Projekts sowie Laurin, Katja und Melvin Wolf und Daniel Jaeger für die Durchsicht des Materials an verschiedenen Punkten im Verlauf des Gesamtprojekts. Sonja Angelika Strube und Christian Schramm danken wir, dass sie sich die Mühe ge‐ macht haben, ihre mittlerweile anders gelagerten Forschungsarbeiten zu unterbrechen und im Februar 2018 für eine Kurztagung nach Hannover zu kommen, um unsere Forschungen intensiv zu diskutieren und uns an ihrem Wissen haben teilhaben lassen. Dankbar sind wir auch dem Sozialwissenschaftlichen Institut (SI) der EKD in Hannover; dabei besonders Hilke Rebenstorf für ihre Beratung unseres Projekts vor Ort an der Hoch‐ schule, bei der wir entscheidende Impulse für die Erstellung unserer Entwicklungsgrafiken empfangen haben. Auch dem damaligen Leiter des SI, Gerhard Wegner, danken wir für einen Besuch an der Hochschule und die eingehende Diskussion unseres Forschungsde‐ signs. Zudem sind wir dankbar dafür, dass unsere Fragen zum Interesse von Diakon*innen an der Arbeit mit der Bibel Eingang finden konnte in die 2017 vom SI durchgeführte Befragung von Diakon*innen in der Hannoversche Landeskirche. Ingrid Lukatis sind wir zu großem Dank verpflichtet für die Hinweise auf die beiden For‐ schungsprojekte zur Bibelfrömmigkeit und zur Sozialisation von Theologiestudierenden unter ihrer Beteiligung, auf Literatur dazu, und für die bereitwillige Beantwortung zahl‐ reicher Rückfragen sowie Wolfgang Lukatis für das Heraussuchen und Überlassen der Datengrundlage zu den die Bibel tangierenden Fragen beim „Theo-Projekt“. Für die Möglichkeit der Vorstellungen des Projekts und qualifizierte sowie engagierte Kommentierungen danken wir folgenden wissenschaftlichen Zusammenschlüssen: • der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen e. V. (ESWTR) im Rahmen der Jahrestagung 2016; • der Fakultät V der Hochschule Hannover, in deren Forschungskolloquien das Projekt 2017, 2019 und erneut 2022 im Institut für angewandte Gesundheits- Bildungs- und Sozialforschung der Fakultät mit ersten Ergebnissen vorgestellt und diskutiert werden konnte; <?page no="12"?> • der Deutschen Bibelgesellschaft, der das Projekt im September 2018 mit der Frage für mögliche Implikationen für die Überarbeitung der Stuttgarter Erklärungsbibel vorgestellt werden konnte; • den evangelischen und katholischen alttestamentlichen Fachvertreterinnen an der Universität Wien, die das Projekt im April 2019 diskutiert haben; • dem Neutestamentlichen Kolloquium am Fachbereich Ev. Theologie der Universität Hamburg, dem das Projekt im Mai 2019 vorgestellt werden durfte; • der Fachgruppe Neues Testament der ESWTR, die das Projekt im Oktober 2019 diskutiert hat; • den Organisator*innen des „November der Wissenschaften“ 2019 für die Möglichkeit, das Projekt vorzustellen; • dem Rhein-Main-Exegesetreffen im Januar 2020 für wohlwollende und konstruktive Diskussion und in diesem Zusammenhang noch einmal besonders Sonja Angelika Strube, die hierbei das Korreferat übernommen hat; • dem theologischen Forschungskolloquium der Leibniz-Universität Hannover, bei dessen Treffen im Januar 2021 das Projekt präsentiert und diskutiert werden konnte und die sich daraus ergebende Zusammenarbeit mit Florian Wiedemann und die Einblicke in sein eigenes Projekt; • der Gruppe der Norddeutschen Neutestamentler*innen für ihre Bereitschaft, sich auf ihrer Tagung in Güstrow im Oktober 2021 mit dem Projekt auseinanderzusetzen; • sowie dem Austausch und der Diskussion mit Sandra Huebenthal und Detlef Dieck‐ mann. Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, Zuschüsse zu den Kosten für den Druck des vorliegenden Buches einzuwerben. Auch hier gilt unser Dank den Geldgebenden für ihre großzügige Unterstützung: zunächst der Hochschule Hannover im Rahmen der Projektförderung, dann aber nicht minder einer ganzen Reihe von Kirchen und kirchlichen Organisationen (in alphabetischer Reihenfolge): • der Bremischen Evangelischen Kirche, • der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, • der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, • der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, • der Evangelisch-Reformierten Kirche und • der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Ihnen allen sind wir für ihre unverzichtbare Unterstützung sehr verbunden. Darüber hinaus danken wir Herrn Ernst Michael Winter und Frau Dr. Erika Winter (Hamburg) für einen Beitrag zu den Druckkosten. Der Evangelischen Kirche in Deutschland sind wir dankbar für die finanzielle Unterstüt‐ zung bei Korrekturarbeiten. Darüber hinaus geht unser Dank an den Narr-Verlag für die kompetente und stets freundliche Betreuung und Beratung durch Stefan Selbmann, Kristina Dronsch und weitere Mitarbeiterinnen des Verlages. 12 Danksagungen <?page no="13"?> 1 In dieser Richtung formuliert auch Clines ([2010], 6) seinen Hinweis auf die Notwendigkeit einer Berücksichtigung der Studierenden in der akademischen Lehre rund um die Bibel: „In our undergraduate classrooms as well as in our graduate seminars we are day by day shaping the future of the discipline and that is why strategic thinking about our discipline must begin with a reexamination of what goes on in our classrooms.“ 1 Einführung 1.1 Projektintention und Projektrahmen Den Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung bildet die Erkenntnis, dass ein wich‐ tiger und bisher zu wenig beachteter Faktor bei der erfolgreichen Vermittlung bibelwissen‐ schaftlicher Kenntnisse an Studierende in den Vorkenntnissen der Studierenden bei ihrem Bibelstudium besteht. Diese Vorkenntnisse beziehen sich auf die Inhalte der wissenschaftli‐ chen Exegese, aber auch auf die allgemeine Sicht der Bibel, also auf die bibelhermeneutische Grundfrage. Die zentrale Frage dabei lautet: Wie verändern Studierende ihre Haltung zur Bibel, wenn sie sich systematisch und wissenschaftlich mit ihr beschäftigen, um einen Beruf zu ergreifen, bei dem sie sich auch professionell mit biblischen Texten auseinandersetzen müssen? 1 Vor diesem Hintergrund wurde seit 2015 unter dem Arbeitstitel „Untersuchung bibelhermeneutischer Prozesse im Rahmen angewandter Wissenschaften“ ein Forschungs‐ projekt an der Hochschule Hannover ins Leben gerufen. Vom Ansatz her bewegt sich das Projekt im Grenzbereich verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Es umfasst die Exegese mit ihrem Teilbereich der Bibelhermeneutik, aber auch die Erforschung von Lern- und Denkfortschritten, weshalb es auch im Bereich pädagogischer Forschung verortet ist. Der Projektintention folgend wurden in den Jahren 2016 bis 2021 bei zwei Studierenden‐ jahrgängen des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit mit verschiedenen methodischen Zugängen parallel zu den Lehrveranstaltungen im Bereich biblische Theo‐ logie und Hermeneutik Daten erhoben, die im Anschluss ausgewertet wurden. Das Design der Forschungsinstrumente und die Auswertung der Daten wurden von einem interdiszipli‐ nären Team vorgenommen. In unterschiedlichen Arbeitsanteilen waren die Theologinnen Gerlinde Baumann (Altes Testament) und Karin Lehmeier (Neues Testament) sowie die Sozialarbeitswissenschaftlerinnen Rebecca Hassan und Katarzyna Miszkiel-Deppe am Design, der Durchführung und der Auswertung der Untersuchung beteiligt. Die Leitung des Gesamtvorhabens oblag Karin Lehmeier. Für ein interdisziplinäres Arbeiten dieser Art bietet die Hochschule Hannover gute Bedingungen. An der Fakultät V, die aus der ehemaligen Evangelischen Fachhochschule hervorgegangen ist, lehren und forschen in enger Zusammenarbeit Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Religionspädagogik und Diakonie, Soziale Arbeit, Heilpädagogik und Pflegewissenschaft samt aller Bezugswissenschaften. Das Forschungsprojekt insgesamt ist im Institut für angewandte Gesundheits-, Bildungs- und Sozialforschung dieser Fakultät angesiedelt. <?page no="14"?> 2 Erklärungen zu den sozialwissenschaftlichen Fachbegriffen finden sich in einem Glossar am Ende des Buches. 3 Hassan/ Lehmeier (2022). 4 Hassan/ Lehmeier (2022), 11-21. 1.2 Forschungsfrage und Aufbau des Buches 1.2.1 Forschungsfrage und Gesamtprojekt Die vorliegende Veröffentlichung bietet den Überblick über die Ergebnisse des Projekts „Untersuchung bibelhermeneutischer Prozesse im Rahmen angewandter Wissenschaften“. Im Zentrum des gesamten Projekts steht die Forschungsfrage: „Welche Veränderungspro‐ zesse sind bei Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? “ Operationalisiert wurde diese Forschungsfrage zunächst, indem eine schwerpunktmäßig quantitative Studie mit einigen qualitativen Anteilen im Paneldesign entwickelt und in zwei Kohorten durchgeführt wurde. 2 Dieser Projektbereich wird im Folgenden als „Panelbefragung“ bzw. „Paneluntersuchung“ bezeichnet. Im Verlauf der Studie und nach Sichtung erster Ergebnisse ist allerdings deutlich geworden, dass ergänzende Befragungen und Methoden wünschenswert wären, um im Rahmen des Forschungsinteresses vertiefte Ergebnisse zu erzielen. So wurde im Studien‐ jahrgang 2017 zusätzlich zur Panelbefragung zum einen eine kleine Befragung zur Kenntnis von Bibeltexten durchgeführt. Diese diente der Differenzierung der Lernausgangslage. Zum anderen wurde die Bearbeitung sogenannter „Problemlösungsszenarien“ als Teil eines von allen Studierenden des Studienjahrgangs in der Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“ zu erstellenden Seminarportfolios ausgewertet. Diese Studierenden haben zugleich als Kohorte II an der Panelbefragung teilgenommen. Konkret handelt es sich bei diesem Teil der Forschung um die Auswertung von insgesamt über 90 von Studierenden erstellten Fließtexten mit einem Analyseinstrumentarium der qualitativen Sozialforschung. Die Analyse dieser Portfolio-Bestandteile wurde wegen der Fülle des Materials bereits gesondert als Teilergebnis veröffentlicht. Dieser Projektbereich wird im Folgenden als „Portfolioanalyse“ bezeichnet. Auf die Portfolioanalyse wird korrelierend in Kapitel 6 der vorliegenden Studie Bezug genommen. In Kapitel 2 werden der Aufbau des Gesamtpro‐ jekts, das Forschungsdesign und die Auswertungsmethodik ausführlich beschrieben und begründet. 1.2.2 Bisherige Veröffentlichungen Die Portfolioanalyse wurde im Jahr 2022 unter dem Titel „‚Nicht alles, was in der Bibel heute steht, hat etwas mit meinem Glauben zu tun! ‘ Forschungsbericht zur Auswertung von Seminarportfolios in der Lehrveranstaltung ‚Biblische Theologie‘ des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit“ 3 online veröffentlicht. Wesentliche Anteile der Theoriebildung für die Gesamtstudie liegen in dieser Veröffentlichung bereits vor und werden im Folgenden aufgegriffen (Abschnitt 1.5). 4 14 1 Einführung <?page no="15"?> 5 Lehmeier/ Miszkiel-Deppe (2020). 6 Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Magazins Chrismon. Bereits 2016 wurde das Projekt im Rahmen der ESWTR-Jahrestagung mit ersten Ergeb‐ nissen aus dem Studienjahrgang 2016 vorgestellt. Eine Überarbeitung dieses Vortrages liegt im Tagungsband „Schrift im Streit - Jüdische, christliche und muslimische Perspektiven“ vor. 5 1.2.3 Aufbau der vorliegenden Publikation Im Fortgang wird der Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der Hoch‐ schule Hannover mit seinen Zielen beschrieben (Abschnitt 1.3). Dies ist notwendig, um die Ausrichtung der Forschungsfrage vor dem Hintergrund der Forschungsgeschichte (Abschnitt 1.4) und im Hinblick auf den theoretischen Rahmen des Projekts (Abschnitt 1.5) nachzuvollziehen. Auch die Entwicklung des Forschungsdesigns (Kapitel 2) wird nur auf dieser Basis verständlich. Die Ergebnisse der Panelbefragung werden in den Kapiteln 3-5 vorgestellt. Zunächst werden in Kapitel 3 die befragten Studierenden als Zielgruppe auf der Basis soziodemo‐ graphischer Daten dargestellt, daneben werden Erkenntnisse zur Bibelsozialisation der Studierenden vor dem Studium gewonnen (Abschnitt 3.1). Auf einige Items der Panelbe‐ fragung wird in der Auswertung immer wieder Bezug genommen. Die Ergebnisse dieser Items werden daher in Abschnitt 3.2 auch grafisch dargestellt. Die Auswertungsgrafiken der Panelbefragung können in Teil C des Online-Zusatzmaterials eingesehen werden (s. Abschnitt 7.3). Eine Einführung in die entsprechenden Darstellungsformate findet sich in Abschnitt 3.2.1. Eine theoriebasiert gegliederte Auswertung der Panelbefragung mit allen Items (Abschnitt 3.3) bildet den umfangreichsten Teil des Kapitels 3, der mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse abgeschlossen wird (Abschnitt 3.4). Auf der Basis der quantitativen Paneldaten werden dann in Kapitel 4 die teilnehmenden Studierenden in Gruppen eingeteilt, und zwar anhand der Veränderungen, die sie in den drei zentralen Bereichen der Untersuchung (s. Abschnitt 1.5) aufweisen. Hier kristallisieren sich unterschiedliche Entwicklungstypen heraus. Diese Auswertung bildet die Basis für die Auswahl von einzelnen, diese Entwicklungstypen repräsentierende Teilnehmer*innen, die in Kapitel 5 eingehender betrachtet werden. In Kapitel 6 schließlich werden die wichtigsten Ergebnisse des Gesamtprojekts und Schlussfolgerungen für kirchliche Praxis, Exegese und Hochschullehre vorgestellt und diskutiert. Anschließend finden sich vor den üblichen Verzeichnissen ein Glossar der wichtigsten verwendeten fachspezifischen Begriffe und Abkürzungen sowie die Panelfra‐ gebögen. Weiteres Material wird online zur Verfügung gestellt (s. Kapitel 7). Es umfasst Teile der Forschungsgeschichte (A), eine Spezialauswertung von Material zum Thema Altes Testament (B), die Abbildungen zur Panelbefragung (C) sowie die Chrismon-Studie zum Jahr der Bibel 2003 (D) 6 . 1.2 Forschungsfrage und Aufbau des Buches 15 <?page no="16"?> 7 Dieser Abschnitt 1.3 entspricht in weiten Teilen Abschnitt 1.2 von Hassan/ Lehmeier (2022), 3-6. 8 Zum Zeitpunkt der Datenerhebung galt die Prüfungsordnung vom 31.8.2015, vgl. Besonderer Teil (2015). Die jeweils aktuelle Version des Besonderen Teils der Prüfungsordnung ist nachzulesen auf der Homepage der Hochschule unter Fakultät V, Studium (https: / / f5.hs-hannover.de/ studium/ studi eninformationen/ ordnungen/ ) (Abruf: 23.6.2024). 9 Die Bezeichnung entspricht dem Berufsprofil von Gemeindepädagog*innen anderer Landeskirchen. Informationen zum Berufsanerkennungsjahr vgl. Gemeinsame Ordnung (2018). 10 Ordnung über die Zulassung (2010) §4; zum Ehrenamt als Voraussetzung vgl. ebd. §3. 1.3 Hochschule Hannover: Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit 7 1.3.1 Studienziel, Studienstruktur und Studienablauf An der Hochschule Hannover kann die Qualifikation als Religionspädagog*in auf Bachelor- Niveau seit dem Jahr 2011 ausschließlich im Rahmen eines integrierten Doppelbachelor- Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit studiert werden. Im Gegensatz zu additiven Vorläufermodellen, die seit den 1990er Jahren EKD-weit entwickelt wurden und auch an der Evangelischen Fachhochschule Hannover studiert werden konnten, sind die Studienanteile von Religionspädagogik und Sozialer Arbeit im aktuellen Studiengang zeitlich integriert aufgebaut. Nach 8 Semestern erhalten die Studierenden im Regelfall den Doppelbachelor im Fach Religionspädagogik und im Fach Soziale Arbeit. 8 Nach einem Anerkennungsjahr, das regulär integriert im Bereich Soziale Arbeit und im Bereich Religionspädagogik/ Diakonie abzuleisten ist, erhalten die Absolvent*innen die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter*in und die kirchliche Anerkennung als Diakon*in. 9 Der Gesamtumfang des Studiums beträgt 240 Credits (CR=ECTS-Punkte). In diesem Umfang enthalten sind 60 CR Theologie und Religionspädagogik, 60 CR im Kernbereich Soziale Arbeit und 120 CR in einem sog. Äquivalenzbereich, der fachlich beide Bereiche betrifft. Die Aufnahme der Studierenden erfolgt einmal jährlich zum Wintersemester. In der Regel haben die Studienanfänger*innen mehrjährige Erfahrung in einem kirchlichen oder diakonischen Ehrenamt und zusätzlich ein „6-wöchiges ganztägiges Vorpraktikum in einem einschlägigen sozialdiakonischen oder religionspädagogischen Tätigkeitsfeld“ 10 absolviert. Ein großer Vorteil der Studierenden dieses Studiengangs als Zielgruppe einer Untersu‐ chung, die Veränderungsprozesse hinsichtlich des exegetischen und hermeneutischen Ler‐ nens in den Blick nehmen will, ist die Tatsache, dass gerade am Beginn des Studiums in den ersten 3 Semestern alle Studierenden im Bereich des Moduls Theologie ein klar umrissenes Programm durchlaufen, das wenig Wahlmöglichkeiten lässt. Vor allem in dieser Zeit erfolgt die curricular verpflichtend vorgesehene Auseinandersetzung mit biblischen Themen. Die Studierenden bleiben in den Lehrveranstaltungen als feste Kohorten zusammen und sind insofern für Datenerhebungen gut erreichbar. Sie besuchen gleiche Lehrveranstaltungen, sind also hinsichtlich des Lernstandes innerhalb einer Kohorte vergleichbar. Zu Beginn des zweiten Studienabschnitts ab dem vierten Semester werden dann bibelbezogene Studienanteile vor allem in Anwendungsbezügen relevant. Das Modul Theologie II im zweiten Studienabschnitt setzt nach dem bibelbezogenen Schwerpunkt im ersten Studienabschnitt einen systematisch-theologischen Schwerpunkt; dabei wird eine Kompetenz im Umgang mit biblischen Texten und Traditionen vorausgesetzt. 16 1 Einführung <?page no="17"?> 11 Diese Semesterwochenstunden teilen sich auf in Bibelkunde (2 SWS, 1. Semester), Biblische Theo‐ logie (4 SWS, 2. und 3. Semester), Hermeneutik (1 SWS, Blockseminar nach dem 2. Semester), vgl. Modulhandbuch des Bachelorstudiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit Stand 8/ 2015; im Folgenden: Modulhandbuch (2015). Dieser Text hat sich auch in neueren Versionen des Modulhand‐ buchs nicht geändert. (https: / / f5.hs-hannover.de/ studium/ bachelor-studiengaenge/ religionspaedago gik-und-soziale-arbeit-brs) (Abruf: 26.6.2024). 12 Das Modul Theologie I (Modul 15) umfasst 15 CR. Neben den genannten biblisch-theologischen und hermeneutischen Inhalten umfasst es systematische Theologie mit 5 CR und „Propädeutik“, eine eher allgemeine Einführung in die Theologie und ihre Fragen, mit 1,25 CR. Weitere Inhalte des ersten Studienabschnitts, der insgesamt 105 CR vorsieht, enthalten etwa im Bereich der Sozialen Arbeit die Gebiete Recht, Soziologie und Politologie, das erste Praktikum sowie eine Einführung in die Wissenschaft der Sozialen Arbeit. Im Äquivalenzbereich finden z. B. eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, in Arbeitsfelder der Diakonie und in allgemeine Pädagogik verpflichtend statt. 13 Homiletik bezeichnet das Teilgebiet der praktischen Theologie, das sich mit der Predigtlehre beschäftigt. 14 Modulhandbuch (2015), 69. Der Text ist auch in neueren Versionen des Modulhandbuchs unverändert geblieben. 15 Modulhandbuch (2015), 70 im Text zu Teilmodul 15.1 (Propädeutik und Hermeneutik). 1.3.2 Biblische Theologie und Hermeneutik als Teile des Studiums: Ziele und Übersicht Im Rahmen der 60 CR Theologie- und Religionspädagogik werden 8,75 CR (7 Semesterwo‐ chenstunden [=SWS] 11 ) im Modul Theologie I 12 auf das Studium der Bibel und dazugehörige hermeneutische Fragestellungen verwendet. In den ersten drei Semestern wird der wissen‐ schaftlich fundierte Umgang mit der Bibel erlernt und damit die Grundlage für alle weiteren Studienanteile gelegt. Fachdidaktische und homiletische 13 Studienanteile innerhalb der 60 CR Religionspädagogik und Theologie im zweiten Studienabschnitt bauen auf dem erlernten Umgang mit der Bibel auf. Daher finden das Studium der Bibel und das Erlernen wissenschaftlicher exegetischer Methoden sowie die Reflexion dieses Lernens zu Beginn des Gesamtstudiums im ersten Studienabschnitt statt. Alle anderen Theologie-Module sind im zweiten Studienabschnitt angesiedelt. Die Kompetenzziele, die laut Modulhandbuch als Ausführungsbestimmung der Prüfungsordnung im Modul Theologie I erreicht werden sollen, werden im Hinblick auf biblische Inhalte wie folgt beschrieben: „Die Studierenden sind mit der Bibel als Urkunde christlichen Glaubens und Ausgangspunkt der Traditionsbildung vertraut geworden, haben einen Überblick über Arbeitsmethoden und Themen theologischer Disziplinen erworben. Sie haben Grundkenntnisse zu wichtigen Themen und Textgruppen in den Disziplinen der biblischen Fächer […] erworben. Sie können grundlegende hermeneutische Fragestellungen formulieren und erste Überlegungen anstellen.“ 14 Dies wird in den Teilmodulbeschreibungen spezifiziert. Die Beschreibung des Teilmoduls 15.1 (Propädeutik und Hermeneutik) führt zum Thema Hermeneutik aus: „Die Studierenden […] erlernen die Grundzüge eines hermeneutisch reflektierten Umgangs mit den geschicht‐ lichen Urkunden christlicher Traditionsbildung.“ 15 In der Beschreibung des Teilmoduls 15.2 (Biblische Theologie) werden dann Inhalte der Bibelwissenschaften beschrieben. Wichtig ist hier vor allem die methodisch kontrollierte Auslegung: 1.3 Hochschule Hannover: Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit 17 <?page no="18"?> 16 Modulhandbuch (2015), 71 im Text zu Teilmodul 15.2 (Biblische Theologie). 17 Vom Niveau her ist etwa gedacht an die Artikel in Alkier u. a. (2007 ff.), Schreiber u. a. (2000 ff.) oder Zimmermann (2007). 18 Vgl. etwa die Anmerkungen der Lutherbibel (1984) zu Röm 16,7, zur Schlussdoxologie des Vaterunsers (Mt 6,13b) oder zu Mk 16,9-20. 19 Empfohlene Referenzliteratur sind die Bibelkunde-Werke von Rösel (2008) und Bull (2006). Alle Referenzliteraturangaben in diesem Abschnitt sind exemplarisch zu verstehen. „Die Studierenden können methodisch kontrolliert und reflektiert biblische Texte auslegen, sie haben grundlegende Kenntnisse über die hauptsächlichen Themen, Fragestellungen und Ergeb‐ nisse der alt- und neutestamentlichen Wissenschaft (Einleitungsfragen, Umwelt und Geschichte, Theologie) erworben.“ 16 Es ist klar, dass diese Ziele im Rahmen der zeitlichen Kapazitäten nur mit exemplarischem Arbeiten erreicht werden können. Allein die Lehrveranstaltung „Bibelkunde“ ist klassisch als Überblicksvorlesung konzipiert. Im Hinblick auf die Folgemodule, in denen biblische Texte rezipiert und in praktisch-theologischen Zusammenhängen angewendet werden müssen, zielt die Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“ insgesamt darauf ab, dass die Studierenden in der Lage sind, einen biblischen Text textanalytisch zu bearbeiten und in Ansätzen exegetische und historische Fragestellungen erkennen und dann auch bearbeiten zu lernen. Kenntnisse der Alten Sprachen werden im Studium nicht vorausgesetzt. Dennoch sollten die Studierenden Kommentarliteratur mit Gewinn rezipieren können, die etwa transkribierte Fremdsprachenbegriffe enthält. 17 Sie müssen im Studium ein Verständnis dessen entwickeln, wie das historische Werden der Bibel und ihrer Überlieferung vorzu‐ stellen ist. Denn es bieten beispielsweise auch Bibelausgaben Informationen an, die auf dieses Werden rekurrieren, und dieses muss dann in der professionellen Praxis auch erläutert werden können. 18 1.3.3 Struktur und Prüfungsformen der biblisch-theologischen Lehrveranstaltungen im Einzelnen Die Erhebungen des vorliegenden Forschungsprojekts wurden bei den Studierenden des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit der Studienjahrgänge 2016 (= Ko‐ horte I) und 2017 (= Kohorte II) jeweils in der beschriebenen Anfangsphase des Studiums vorgenommen. Der in dieser Studie verwendete Begriff der Kohorte orientiert sich an der Organisation des Studiums und den Studienjahren, ist also der im Hochschulbereich verwendete Begriff der Kohorte. Um das Design der Erhebungsinstrumente nachvollziehbar zu begründen, sind weitere Details des Aufbaus der einzelnen Lehrveranstaltungen zu erläutern. Alle im Folgenden erläuterten Lehrformate und Lehrveranstaltungen zählen zum Modul Theologie I, das mit einer benoteten Hausarbeit abgeschlossen wird. Neben den unten genannten Themen gehört noch die Systematische Theologie zum Lehrumfang des Moduls. Die Veranstaltung „Bibelkunde“ wird als inhaltliche Veranstaltung gleich für das erste Semester empfohlen. Sie gibt einen Überblick über die ganze Bibel und schließt mit einer unbenoteten Klausur als sog. Prüfungsvorleistung ab. 19 18 1 Einführung <?page no="19"?> 20 Diese werden weitgehend an Egger/ Wick (2011) orientiert erarbeitet. 21 Als wichtigste Referenzliteratur wird hier Ebner/ Heininger (2018) verwendet. Orientiert am Mat‐ thäus-Kommentar von Fiedler (2006) zu Mt 6,9-13 werden Quellentexte zur Verfügung gestellt, und in der Folge wird dieser Kommentar zum Vaterunser gelesen und in der Gruppe diskutiert. Ziel des Blocks ist es, die bei einer Bibelkommentierung vorzunehmende Arbeit einmal nachvollzogen zu haben. 22 Die Themenauswahl ist den Erfordernissen der Praxisanwendungen geschuldet, richtet sich aber auch nach didaktischen Erwägungen wie etwa der Frage, welche Themen besonders motivierend sind, herausfordernde Problemstellungen zu bearbeiten. 23 Zu nennen sind hier etwa prophetische Texte wie Jona oder Nahum, einzelne Psalmen, die Offenbarung oder auch das Thema des Amtes im Neuen Testament mit dem Schwerpunkt „dia‐ konos/ diakonia“. 24 Eine benotete Hausarbeit konnte am Ende des gesamten Moduls Theologie I im Bereich Biblische Theologie geschrieben werden, wahlweise aber auch im Bereich Systematische Theologie. Die Prüfungsordnungen sind seitdem im Hinblick auf die Zahl der Leistungen überarbeitet worden; die maßgebliche Prüfungsordnung für die untersuchten Jahrgänge war die Prüfungsordnung 2015 (vgl. Besonderer Teil der Prüfungsordnung [2015]). 25 Zum Portfolio-Begriff und den verschiedenen Portfolio-Formaten vgl. Bräuer (2007), 53. 26 Der Begriff „Artefakt“ ist dem Programm Exabis E-Portfolio geschuldet, das in diesem Kurs zur Sammlung und gegenseitigen Kommentierung der Artefakte verwendet wurde. Dieses stellte die Hochschule Hannover als Add-In zur Plattform „Moodle“ bereit. Sachlich stammt der Begriff aus der englischsprachigen Portfolio-Terminologie, vgl. Bräuer (2014), 51. Das Seminarportfolio des Kurses Biblische Theologie bestand aus Pflichtartefakten, die von allen eingereicht werden mussten, und Wahlartefakten, die je nach Interesse eingereicht werden konnten. Letzteres umfasste etwa Literaturlisten, Textanalysen, Literaturzusammenfassungen und -reflexionen, Sitzungsprotokolle, Die Veranstaltung „Biblische Theologie“ erstreckt sich über ein Studienjahr; sie beginnt im zweiten Studiensemester und umfasst im zweiten und dritten Semester je 2 SWS. Hier werden in einer Blockveranstaltung zu Beginn exemplarisch am Text des Vaterunsers (Mt 6,9-13 par) textanalytische Perspektiven 20 und exegetische Fragestellungen 21 erarbeitet. Weitere Themen, die in jeder Gruppe in der kontinuierlichen Lehre durch die Semester hindurch bearbeitet werden, sind im Bereich Altes Testament: Schöpfungstexte, Gesetze der Tora einschließlich des Dekalogs, sowie das Buch Hiob. Im Bereich des Neuen Testaments werden folgende Themen durchgängig bearbeitet: Der historische Jesus, die Bergpredigt und die Frage nach dem Umgang mit dem Gesetz, Frauenrollen und Geschlechterverhältnis in der Apostelgeschichte und den Briefen sowie die Themen Wunder und Gleichnisse. 22 Hinzu kommen Wahlthemen aus dem Bereich Altes und Neues Testament, die die Studie‐ renden im Seminar bearbeiten. 23 Die Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“ wurde in den beiden Studienjahrgängen 2016 und 2017 durch eine unbenotete sog. Prüfungsvorleistung abgeschlossen. 24 Diese Prüfungsvorleistung für Biblische Theologie bestand bis zum Studienjahrgang 2016 aus einer kurzen methodengeleiteten Auslegung eines Bibeltextes, also einer Exegese. Diese wurde von den Studierenden leider häufig aufgeschoben, was zu Verzögerungen im Studienverlauf führte. Deshalb wurde im Studienjahrgang 2017 bei gleichbleibenden Inhalten ein veranstaltungsbegleitendes Seminarportfolio 25 mit gezielten Übungs- und Re‐ flexionsanteilen eingeführt. Die Einzelleistungen wurden über die Lernplattform „Moodle“ gesammelt und teilweise von den Studierenden im Peer Review-Verfahren gegenseitig kommentiert. Nach Abschluss aller Teile (der sog. Artefakte 26 ) wurde das Portfolio als Ganzes kommentiert und als bestanden bzw. nicht bestanden bewertet. Als Pflichtartefakte 1.3 Hochschule Hannover: Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit 19 <?page no="20"?> Praxissituationen und Lernreflexionen. Die Gesamtzahl der einzureichenden Artefakte war für alle Studierenden gleich. 27 Zum Begriff des Problemlösungsszenarios s. Abschnitt 2.2.2.2.1.2 und Hassan/ Lehmeier (2022). 28 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022). 29 Da sie zum gleichen Teilmodul zählt wie Bibelkunde, gibt es hier keine weitere formalisierte Leistung, die zu erbringen wäre. mussten u. a. drei Problemlösungsszenarien 27 bearbeitet werden, die dann für das hier vorgestellte Forschungsprojekt ausgewertet und als bereits erwähnte Online-Publikation 2022 veröffentlicht wurden. 28 Eine weitere Lehrveranstaltung zur Hermeneutik findet mit 1 SWS als Blockveranstal‐ tung in diskussionsfähigen Gruppengrößen nach dem zweiten Semester statt. Sie dient der hermeneutischen Reflexion der gelernten biblisch-theologischen Inhalte vor dem Hintergrund hermeneutischer Grundfragen. 29 Gegenstand der Lehre sind Zugänge zu heiligen Texten in anderen Religionen, unterschiedliche Zugänge zur Bibel in verschie‐ denen christlichen Konfessionen und Prägungen, Definitionen von Hermeneutik mit den Parametern des Verstehens und das Verhältnis von Altem und Neuem Testament in der christlichen Theologie. Das exegetische Studium im engeren Sinn unserer Forschungsfrage endet mit dem dritten Semester regulär mit der Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“. Häufig schließt sich allerdings bis in höhere Semester hinein die Anfertigung der Modulabschlusshausar‐ beit „Theologie I“ an. Diese kann einen biblisch-theologischen oder systematisch-theologi‐ schen Schwerpunkt haben. Ab dem Beginn des vierten Semesters müssen die biblisch-theologischen Grundlagen in kirchlichen Praxisfeldern angewendet werden. Verpflichtend sind die Themen „Konfir‐ mand*innenarbeit“ und „Gottesdienst und Feier“, für die auch je eine schriftliche Ausarbei‐ tung angefertigt werden muss. Im Bereich „Gottesdienst und Feier“ kommen Bibeltexte in jedem Fall vor. Im Hinblick auf die Bibel findet in dieser Phase des Studiums ein Paradigmenwechsel statt. Waren die Studierenden in der ersten Studienphase Lernende und Erarbeitende biblischer Inhalte und von Methoden der Auslegung, müssen sie nun selbst biblische Inhalte in Anwendungskontexte hinein und für bestimmte Zielgruppen vermitteln. Dieses Curriculum bildet den Hintergrund, vor dem die im Folgenden ausgewerteten Befragungen vorgenommen wurden. Die beiden Befragungen jeder der beiden Kohorten wurden dabei so terminiert, dass die erste unmittelbar zu Beginn des Studiums lag, also die Studierenden in ihrer gerade neu erworbenen Rolle von Lernenden antraf, wohingegen die zweite Befragung bereits auf sie als angehende Lehrende oder Vermittelnde der Bibel abzielte. Dadurch sollte in der Befragung ein möglichst großer Teil des Weges beim Erlernen methodischer und hermeneutischer Vorkenntnisse und Kenntnisse über die Bibel nachgezeichnet werden können. Dies wird im Methodenkapitel (Kapitel 2) ausführlicher reflektiert. 20 1 Einführung <?page no="21"?> 30 Zu ähnlichen Forschungen s. Abschnitt A.1.4.3.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 31 Verwandte Untersuchungen hierzu werden im Online-Zusatzmaterial A in Abschnitt A.1.4.3.2 dargestellt (s. Abschnitt 7.1). 32 Die entsprechenden Untersuchungen werden im Online-Zusatzmaterial A in Abschnitt A.1.4.3.3 vorgestellt und eingeordnet (s. Abschnitt 7.1). 1.4 Forschungsgeschichte Im Folgenden wird zunächst die Forschungsfrage genauer umrissen (1.4.1) und dann der zentrale Begriff der Hermeneutik eingeordnet (1.4.2). Danach werden ausgehend von den drei Aspekten der Forschungsfrage die unterschiedlichen Verknüpfungen zu anderen, ähnlich ausgerichteten Untersuchungen aufgezeigt (1.4.3; detailliert im Online- Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1), woraufhin abschließend ein Fazit gezogen wird (1.4.4). 1.4.1 Der Ausgangspunkt: Die Forschungsfrage Angestoßen durch Beobachtungen aus mehreren Semestern Unterrichtspraxis an der Hochschule Hannover wurde die Fragestellung für das vorliegende Projekt „Untersuchung bibelhermeneutischer Prozesse“ entwickelt. Sie lautet: Welche Veränderungsprozesse sind bei Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? Angesprochen sind damit - neben der Prämisse, dass es sich um empirische Forschung handeln soll - in der Hauptsache drei Forschungsfelder, in denen sich das Projekt bewegt: • Die Erforschung von „Veränderungsprozessen“ erfordert die Untersuchung eines Pro‐ zesses, also einer Entwicklung. Daraus folgt, dass die Forschung über einen gewissen Zeitraum angelegt sein muss, also mehrere Einzeluntersuchungen zu unterschiedli‐ chen Zeitpunkten umfassen muss. 30 Dabei ist der Zeitraum so abgesteckt, dass er „vom Beginn bis zum Ende des Studiums“ reicht. Wie dieses prozessorientierte Projekt im Einzelnen angelegt ist, wird im Abschnitt zum Forschungsdesign (Kapitel 2) erläutert. • Zu untersuchende Personen sind „Studierende der Religionspädagogik“, worunter hier Studierende der Hochschule Hannover zu verstehen sind, die in einem bestimmten Zeitraum an der Fakultät V den Studiengang „Religionspädagogik und Soziale Arbeit“ belegen. Da es um die Untersuchung von Studierenden geht, ist die Untersuchung im Bereich der Hochschule angesiedelt. Sie berührt sich deshalb teilweise mit Überle‐ gungen, die sich diesem Feld widmen, nämlich Studien, die sich mit der Hochschullehre oder Hochschuldidaktik befassen, aber auch mit anderen Forschungen, die im Hoch‐ schulbereich angesiedelt sind. 31 • Den eigentlichen Untersuchungsgegenstand bildet das „Grundverständnis der Bibel“ der Studierenden. Darunter sind grundlegende bibelhermeneutische Einstellungen zu verstehen, die in den folgenden Abschnitten sowie in Abschnitt 1.5 genauer einge‐ grenzt werden. 32 1.4 Forschungsgeschichte 21 <?page no="22"?> 33 So als übergreifende Definition Jung (2001), 20; Hervorhebung dort. Er nimmt diese Definition zum Ausgangspunkt zur Präzisierung dreier sich unterscheidender Verständnisse von Hermeneutik; erstens ist dies die „Methodenlehre der sachgerechten Auslegung“ (20, Hervorhebung dort), zweitens - nach dem Abschied vom Verständnis einer einzigen metaphysischen, unhintergehbaren Wahrheit - die philosophische Hermeneutik (21) sowie drittens die hermeneutische Philosophie mit dem Schlüsselbegriff der Interpretation (22). - Das hier zugrunde gelegte Verständnis von Hermeneutik verortet sich mit der Einsicht, dass es eine Pluralität unterschiedlicher (Bibel-) Verständnisse gibt, deren Zustandekommen, aber auch Angemessenheit es zu bedenken gilt, innerhalb dieses Modells am ehesten zwischen dem zweiten und dem dritten Verständnis. Zur Problematik siehe auch Dieckmann (2024), Punkt 2.5.7. 34 So Hartlieb (2007), 72. 35 Auch Mutschler ([2014], 192) umreißt mit dem Stichwort (Bibel-) „Auslegungsparadigma“ das Interesse, das ihn bei der Entwicklung einer Lehrveranstaltung für eine ähnliche Zielgruppe leitet. 1.4.2 Präzisierung des zugrunde gelegten Verständnisses von „Hermeneutik“ Entsprechend der großen Breite heutiger Verwendungen des Hermeneutikbegriffs berührt der genannte hermeneutische Schwerpunkt potenziell eine ganze Reihe unterschiedlicher Fragen. Welche genau das sind und welche auch nicht, wird im Folgenden erläutert. Zentral für die Untersuchung bibelhermeneutischer Prozesse ist die Klärung, mit wel‐ chen die Bibelhermeneutik betreffenden Voreinstellungen die Studierenden ihr Studium beginnen, welche Veränderungen diese Vorstellungen während des Studiums erfahren und eventuell auch, von welchen weiteren Faktoren diese Veränderungen abhängig sind. Tangiert sind dabei verschiedene Facetten des Begriffs Hermeneutik. Deshalb wird zunächst eine kurze Begriffsbestimmung gegeben (1.4.2.1), ein Blick auf den Problemhorizont des evangelischen Schriftprinzips geworfen (1.4.2.2), das Forschungsfeld in Abgrenzung zu benachbarten neueren Publikationen wird umrissen (1.4.2.3), Anknüpfungen an den Bereich literaturwissenschaftlicher bzw. rezeptionsästhetischer Überlegungen samt der daraus resultierenden pluralen Sinne und Bedeutungen angedeutet (1.4.2.4) sowie der For‐ schungsgegenstand genauer gefasst (1.4.2.5), bevor abschließend eine Begriffsbestimmung einschließlich einer Verhältnisbestimmung zu verwandten Begriffen der vorliegenden Untersuchung getroffen wird (1.4.2.6). 1.4.2.1 Der Hermeneutikbegriff im vorliegenden Kontext Wie wird in diesem Forschungsprojekt der Begriff „Hermeneutik“ gefasst? Allgemein kann darunter „die Lehre vom Verstehen und von der Auslegung/ Interpretation“ verstanden werden. 33 Zugespitzt für die Bibelauslegung lässt sich Bibelhermeneutik als „das Gespräch über die Art und Weise der Auslegung [der Bibel]“ bestimmen. 34 In unserem Zusammen‐ hang bezieht sich dieses Geschehen auf die Arten und Weisen der Bibelauslegung der einzelnen Studierenden. Dabei geht es insbesondere um die Verstehens- und Auslegungspa‐ radigmen für die Bibel, die sie - neben ihrer eigenen religiösen Prägung - ins Studium mitbringen und während des Studiums parallel zu weiteren Aspekten der Analyse bibli‐ scher Texte weiterentwickeln. 35 22 1 Einführung <?page no="23"?> 36 Gerber (2013), 26. 37 Eine weitere, etwas anders geartete Liste hermeneutischer Aspekte, die hier nicht behandelt werden, findet sich bei Luther/ Zimmermann (2014), 15-16. 38 Reventlow (1990-2001). 1.4.2.2 Verknüpfung mit dem Problemfeld des protestantischen Schriftprinzips Im Rahmen der Ausbildung evangelischer Religionspädagog*innen muss die Suche nach einem angemessenen Verstehensparadigma mit dem fundamentalen Problem evangelischer Bibelhermeneutik verknüpft werden, das unter dem Begriff des „Schriftprinzips“ verhandelt wird. Die evangelische Theologie ringt seit der Aufklärung darum, neue Verhältnisbestim‐ mungen zwischen der von Menschen verfassten Bibel und der göttlichen Offenbarung zu entwerfen, die sowohl der zeitlosen Gültigkeit der göttlichen Offenbarung als auch des zutiefst in die menschliche Zeitlichkeit verwobenen Bibelwortes Rechnung tragen können. Dabei kommen unterschiedliche Strategien zur Anwendung. Häufig wird betont, dass die Bibel auslegungsbedürftig ist. Die sich hier stellenden Alternativen beschreibt die Neutestamentlerin Christine Gerber so: „Die grundsätzliche Frage ist […] nicht, was in der Bibel steht, sondern die hermeneutische Frage nach der Weise, wie die Schrift Bedeutung für uns hat: Sind die biblischen Voten, die […] eine zeitgenössisch geltende Institution […] theologisch begründen, so zu verstehen, dass eben diese Institution […] Gottes in der Schöpfung niedergelegten Willen abbildet? Oder ist in einem hermeneutischen Prozess erst je und je zu klären, auf welche Weise die in den biblischen Texten bezeugte tiefe Gotteserfahrung der Menschen auch über veränderte gesellschaftliche Situationen hinweg geltend gemacht werden kann? “ 36 Hier sind in knapper Form zwei der hermeneutischen Perspektiven benannt, die auch in diesem Forschungsprojekt eine Rolle spielen: Sollen der Bibel Anweisungen entnommen werden, die unabhängig vom Kontext in die Praxis umgesetzt werden müssen, oder bedarf die Bibel in jeder Zeit (und Kultur etc.) einer jeweils eigenen Auslegung, die den sich verändernden Gegebenheiten Rechnung trägt? Dieses Spannungsfeld wird im vorliegenden Forschungsprojekt im Hinblick auf die Studierenden, d. h. auf einzelne Bibelleser*innen, in den Blick genommen. 1.4.2.3 Abgrenzung gegenüber anderen Facetten des Hermeneutikbegriffs In den vorangegangenen Ausführungen ist bereits angeklungen, dass es in diesem For‐ schungsprojekt um manche Felder der Bibelhermeneutik eher nicht geht, die zur Zeit in der bibelhermeneutischen Forschung eine Rolle spielen. 37 So geht es weniger um das Herauspräparieren geprägter bibelhermeneutischer Vorstellungen, die an meist histori‐ sche Einzelpersonen bzw. -positionen anschließen und sich in der langen und reichen bibelhermeneutischen Tradition des Christentums in großer Zahl finden; diese nachzu‐ zeichnen ist beispielsweise das Unterfangen von Reventlow in dessen beeindruckendem Überblickswerk. 38 Im Zentrum stehen hier auch nicht konfessions- oder religionsspezifische Positionen, wie sie - unter anderem - in dem von Wischmeyer herausgegebenen „Lexikon 1.4 Forschungsgeschichte 23 <?page no="24"?> 39 Wischmeyer (2009); Sæbø (1996-2015); Wischmeyer (2016). 40 In jüngerer Zeit z.-B. bei Witte/ Gertz (2017). 41 In ähnlicher Weise verwendet z.-B. Mutschler ([2013], 42-61) den Begriff der Bibelhermeneutik. 42 Ausführlicher z.-B. Strube (2009a), 49 mit Verweis auf Roose/ Büttner (2004), 59. 43 In dieser Weise Roose/ Büttner (2004), 59: „Beim Verstehen von Texten kommt es zu einem Wechselspiel von textuellen Faktoren (als Rezeptionsanweisungen) und außertextuellen Faktoren (Eigenbeteiligung des Rezipienten)“. Ausführlicher erläutert die Annahmen und Implikationen der Rezeptionsästhetik Bee-Schroedter (1998), 42-50. Die wichtigste Referenzliteratur für rezeptionsäs‐ thetische Überlegungen, die sich im deutschsprachigen Raum beheimaten, stellt Iser (1990) dar. 44 Von „Laienexegesen“ ist im Titel von Roose/ Büttner (2004; s. Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online- Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1) die Rede; von „AlltagsbibelleserInnen“ spricht Strube (2009b; ausführlicher 2009a), und den Terminus „Alltagsexegesen“ verwendet Schramm (am ausführlichsten 2008b; zu Strube und Schramm s. Abschnitt A.1.4.3.3.1 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1). der Bibelhermeneutik“ oder aber epochenorientiert bei Sæbø mit dem Schwerpunkt auf dem Alten Testament oder wiederum bei Wischmeyer im „Handbuch der Bibelhermeneutiken“ umrissen werden. 39 Ebenso wenig sind vor allem hermeneutische Spezialfragen rund um das Alte Testament gemeint, wie sie immer wieder in Publikationen unter dem Titel „Hermeneutik des Alten Testaments“ verhandelt werden. 40 Zwar bleiben die dort diskutierten Aspekte auch bei dem hier zugrunde gelegten Hermeneutik-Verständnis nicht unberücksichtigt. Hier aber soll es vor allem um grundlegende Haltungen zur Bibel gehen, die eher auf einer Ebene hinter den in den genannten Forschungen umrissenen Positionen anzusiedeln sind, wie etwa ein wortwörtliches oder aber ein historisch reflektiertes Bibellesen und -verstehen. 41 1.4.2.4 Anknüpfungen an literaturwissenschaftliche bzw. rezeptionsästhetische Überlegungen Wenn - wie im hier vorgestellten Forschungsprojekt - danach gefragt wird, unter welchen Vorzeichen und damit auch auf welche Weise biblischen Texten Bedeutung abgewonnen werden kann, ist das Verhältnis des (biblischen) Textes zu (heutigen) Leser*innen berührt und folglich auch der Bereich der Texttheorie. Vor dem Hintergrund rezeptionsästhetischer bzw. literaturwissenschaftlicher Theorien oder auch der Leseforschung erscheint der Text dabei - sehr verkürzt gesagt 42 - nicht mehr als eine Art „Container“ eines Inhalts, der ihm durch die hoffentlich kundigen Leser*innen zu „entnehmen“ wäre. Das Lesen von Texten erscheint innerhalb des hier gewählten Diskussionszusammenhangs weniger als eine Bedeutungsentnahme durch die Leser*innen, sondern als eine Bedeutungsverleihung oder Bedeutungskonstruktion; die Leser*innen sind beim Leseprozess deutend und sinnver‐ leihend tätig. Sie sind es, die ihren eigenen Leseprozess maßgeblich steuern oder lenken. 43 Angesichts der Individualität und Unterschiedlichkeit der Lesenden gibt es eine große Bandbreite an möglichen Sinnen und Bedeutungen, die den Texten beigelegt werden können. Dies gilt zunächst einmal für das Bibellesen im Rahmen von Lai*innen- oder Alltagsexegesen beziehungsweise in der Bibellektüre von Alltagsbibelleser*innen. 44 Anders als oft im wissenschaftlichen Kontext vermutet ist nämlich dieses Bibellesen „normaler“, nicht eigens geschulter Gemeindeglieder weder ein regelloses noch ein gänzlich unmethodisches oder gar willkürliches Unterfangen: Wie am ausführlichsten Strube und 24 1 Einführung <?page no="25"?> 45 Strube hebt vor allem die Selbstreflexion der Alltagsbibelleser*innen bezüglich ihres individuellen Blicks hervor; das „Ich“ der Alltagsbibelleser*innen ist deutlich transparenter als das der wissen‐ schaftlichen Exeget*innen, die gerne Allgemeingültigkeit beanspruchen und ihr „Ich“ dabei aus‐ blenden (Strube [2009a], v.-a. 386-399). Schramm dagegen betont die hohe methodische Kompetenz der Alltagsexeget*innen; so ist ihm zufolge „der methodische Werkzeugkasten alltagsexegetischer Gruppen prall gefüllt“ (Schramm [2008b], 481). 46 Hierzu siehe z. B. Schramm ([2008b], 18) oder - unter dem Begriff der „Polyvalenz-Konvention“ - auch Dieckmann (2024), v. a. 2.5.6 (nach einer Herleitung unter 2.1.3). Damit unterscheidet sich der hier zugrunde gelegte hermeneutische Ansatz von Positionen wie etwa der von Fricke (der die Normativität der Bibel stark betont und von dieser Warte aus die Adaptierbarkeit zentraler Denkweisen der Rezeptionsästhetik für biblische Texte bestreitet; Fricke [2005], 228) oder von Rickers (dessen Bedauern darüber deutlich ist, dass „man sich möglicherweise mit dem pluralen Angebot [an hermeneutischen Ansätzen] wird abfinden müssen“; Rickers [2007], 210; Hervorhebung dort). 47 Die darin implizierte Kontextbezogenheit der jeweiligen Bibelauslegung ist im Übrigen auch ein Fundament jeglicher Schriftauslegung; so lässt sich etwa Luz ([2014], 270-271 u.ö.) verstehen. Schramm aufgezeigt haben, setzen auch diese Alltagsleser*innen hermeneutisch und methodisch zentrale Erwägungen heutiger nachaufklärerischer Bibelauslegung praktisch um. 45 Ihr Wissen unterscheidet sich dabei (natürlich) von dem der wissenschaftlichen Exegese, aber insgesamt überrascht doch, wie hoch die Auslegungskompetenz der Alltags‐ leser*innen bei näherer Betrachtung ist. Nicht nur diese Ergebnisse und die genannten rezeptionsästhetischen Erwägungen zur Beteiligung der Lesenden am Prozess der Sinn- und Bedeutungskonstruktion beim Lesen lassen es wenig ratsam erscheinen, bei den hier beforschten Studierenden danach zu fragen, ob sie imstande sind, einen bestimmten, im Vorhinein normierten Sinn aus den biblischen Texten zu „erheben“. Auch die Pluralität der Textbedeutungen und exegetischen Erträge, die im Bereich wissenschaftlicher Bibelauslegung existiert, 46 legt es nicht nahe, einen solchen Weg einzuschlagen, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen, weil sich auch durch wissenschaftliche Exegese der eine (folglich kontextlose) Textsinn nicht ermitteln lässt, den es in rezeptionsästhetischer Sicht ohnehin nicht geben kann, und zum anderen, weil die Studierenden in ihrer künftigen Berufspraxis mit der Erschließung biblischer Texte in unterschiedlichen gemeindlichen Kontexten zu tun haben werden, die jeweils unterschiedliche Schwerpunktsetzungen bei der Auslegung erfordern. 47 Deshalb zielt auch die Ausbildung eines gewissen Repertoires an Möglichkeiten der Bibelauslegung auf genau diese kontextspezifische Anwendung im Studium ab (s. Abschnitt 1.5.2). 1.4.2.5 Eingrenzung und Einordnung des Forschungsgegenstands Sinnvoll erscheint es deshalb, die Studierenden daraufhin zu befragen, mit welchen Einstellungen und Erwartungen sie an die Bibeltexte herangehen, und zu eruieren, wie sich diese Einstellungen während ihres Studiums verändern. Insofern werden hier unter „Bibelhermeneutik“ Einstellungen, Erwartungen und auch Methoden verstanden, die dem bewussten und reflektierten Bibelauslegen zunächst einmal vorauslaufen. 1.4 Forschungsgeschichte 25 <?page no="26"?> 48 Hassan/ Lehmeier (2022), 13. 49 Hassan/ Lehmeier (2022), 14. 1.4.2.6 Begriffsverwendung im Rahmen der vorliegenden Untersuchung Im Kontext des vorliegenden Projekts wurde der Begriff der „bibelhermeneutischen Kom‐ petenz“ bereits im Teilprojekt der Portfolioanalyse folgendermaßen bestimmt: „Bibelhermeneutische Kompetenz ist zu füllen im Sinne aller Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissensbe‐ stände und Einstellungen, die nötig sind, um Bibeltexte zu verstehen und in einem gegenwärtigen Kontext angemessen auszulegen. Potentiell ist diese Kompetenz unabgeschlossen und kann sich also stets weiterentwickeln; dennoch ist ein Mindestniveau erforderlich, um professionelle Anwendungskontexte sachgemäß zu bedienen.“ 48 Im vorliegenden Teilprojekt wird, wie in Abschnitt 1.5.3 detailliert ausgeführt, die (sich aktualisierende) „bibelhermeneutische Kompetenz“ vom Begriff eines (sich nicht notwen‐ digerweise aktualisierenden) Grundverständnisses der Bibel abgegrenzt. Dabei werden die für das Grundverständnis der Bibel relevanten Komponenten verstanden als erstens das „Repertoire“ (Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit der Bibel), zweitens die „Religio‐ sität“ der einzelnen Studierenden sowie drittens die „Leseperspektive“ (s. Abschnitt 1.5.4). In die Entwicklung der Leseperspektive spielen sowohl Repertoire als auch Religiosität hinein, aber auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Positionen „klassischer“ Bibelhermeneutik, 49 wie sie etwa oben in Abschnitt 1.4.2.3 genannt wurden. 1.4.3 Zur Einordnung in die Forschungsgeschichte Es existiert bislang kein eigenständiges Forschungsfeld, in dem Überlegungen zur em‐ pirischen Prämisse sowie zu den drei oben unter 1.4.1 genannten Forschungsfeldern miteinander verknüpft wären, also der (empirischen) Untersuchung eines Prozesses, der in einer Hochschule angesiedelt ist und sich auf das Thema des Bibelverstehens konzentriert. Um einen Überblick über die Forschung in diesem Feld zu gewinnen, wurde eine Vielzahl von Studien analysiert, in denen neben der Empirie mindestens zwei dieser drei Aspekte in den Blick genommen werden. Da es eine Fülle von Untersuchungen von Prozessen im Hochschulbereich gibt, die sich nicht mit biblischen Fragestellungen befassen, ist gerade auch bei der Betrachtung des Hochschulbereichs der dritte, inhaltliche Aspekt bei der Auswahl leitend. Entsprechend werden nur Studien berücksichtigt, die zumindest am Rande Berührungen mit Fragen der (weit verstandenen) Bibelhermeneutik aufweisen. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, welche Studien welche Schwerpunkte und welches methodische Vorgehen aufweisen. Eine detailliertere Präsentation und die Auswertung der Studien finden sich im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1) in den Unterabschnitten, die jeweils in den Fußnoten genannt werden. An dieser Stelle folgen auf die Tabelle unmittelbar die aus der detaillierten Analyse der Forschungsliteratur gewonnenen Ergebnisse (1.4.4). 26 1 Einführung <?page no="27"?> 50 Huebenthal hat 2011 zwar keine Paneluntersuchung im engen Sinne vorgelegt, aber sie kann anhand von Seminarportfolios, die von identischen Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten verfasst wurden, die Kompetenzentwicklung von Studierenden nachzeichnen; dazu Abschnitt A .1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1. Studien nach Schwer‐ punkten der Untersuchung Ele‐ ment 1: Pro‐ zess Element 2: Stu‐ dierende Element 3: Bezug zur Bibel (-hermeneutik) Empirische Methoden Einzelne (E) bzw. Gruppe (G) auch andere Be‐ fragte = + Schwer‐ punkt am Rand quanti‐ tativ quali‐ tativ Mixed Meth. Paneluntersuchungen, in denen es schwerpunktmäßig bzw. am Rande um die Bibel geht Daiber/ Lu‐ katis 1991 x Christ*innen in der damaligen BRD x - - - x E Lukatis/ Lu‐ katis 1985+1999 x x x - x - - E Engels 1989+1990 x x - x x - - E Traupe 1979+1990 +1991 x x - x x - - E Heller 2009+2011 +2012 x x - x x - - E Untersuchungen von Studierenden (Religion bzw. Theologie) mit Schwerpunkt Bibel Roose/ Büttner 2004 - x + Lai*innen x - - x - G Möller 2005 - x x - - x - E Huebenthal 2011 (x 50 ) x x - - x - E Muschler 2014 - x x - - - - G Hassan/ Lehmeier 2022 - x x - - x - E Untersuchungen von Studierenden (Religion bzw. Theologie), Bibel nur am Rande wichtig Lück 2012 - x - x x - - E Piroth 2013 - x - x x - - E Untersuchungen mit Schwerpunkt Bibel (nicht Studierende Religion bzw. Theologie) Mendl 1997 - Schüler*innen x - - - - G Bee- Schroedter 1998 - Kinder bzw. Ju‐ gendliche x - - x - E 1.4 Forschungsgeschichte 27 <?page no="28"?> Studien nach Schwer‐ punkten der Untersuchung Ele‐ ment 1: Pro‐ zess Element 2: Stu‐ dierende Element 3: Bezug zur Bibel (-hermeneutik) Empirische Methoden Einzelne (E) bzw. Gruppe (G) auch andere Be‐ fragte = + Schwer‐ punkt am Rand quanti‐ tativ quali‐ tativ Mixed Meth. Chrismon 2003 - Menschen in Deutschland x - - x - E Fricke 2005 - Lehrer*innen, Grundschüler*innen x - - x - E/ G Ebner u.-a. 2008 - Lai*innen x - - x - G Schramm 2008a/ b - Lai*innen x - - x - G Strube 2009a/ b - Exeget*innen, Lai*innen x - - x - E Bamberger 2010 - Christ*innen mit enger Ge‐ meindebindung x - - x - E Dieckmann 2012a/ b - Lai*innen x - - x - E Untersuchungen, in denen die Bibel eher am Rande vorkommt Hempelmann u.-a. 2015 - Ev. Christ*innen in BW - x - - x E Bedford- Strohm/ Jung 2015 (=KMU 5) - Christ*innen in Deutschland - x x - - E Rothgangel u.-a. 2017 - Religions‐ lehrer*innen - x - - x E Ev. Kirche Mittel‐ deutschland - Gemeindepä‐ dagog*innen - x x - - E Sozialwissen‐ schaftliches Institut der EKD 2017 - Diakon*innen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers - x x - - E EKD 2023 (= KMU 6) (nicht ausführlicher rezipiert - Menschen in Deutschland ab dem 14. Lebens‐ jahr - x x - - E Fuchs u.-a. 2023 - Niedersachsen: Religionslehr‐ kräfte, Schüler*innen - x - - x E Tabelle 1: Überblick über die untersuchte Forschungsliteratur zu den drei Elementen der Forschungs‐ frage - ausführlicher im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1) 28 1 Einführung <?page no="29"?> 51 Kirchenamt der EKD (2003). 52 S. Kirchenamt der EKD ([2003], 18 und 36) mit dem Vergleich der Zahlen für West- und Ostdeutsch‐ land aus KMU 3 (aus dem Jahr 1992) und KMU 4 (aus 2002) auf die Frage danach, was [unbedingt] zum Evangelischsein dazugehört und zur Antwortmöglichkeit, dass man „die Bibel liest“. Ebenfalls zum Thema s. Kirchenamt der EKD (2003) sowie Bedford-Strohm/ Jung (2015); ausführlicher s. Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 1.4.4 Ergebnis Das hier vorgestellte Forschungsprojekt kann mit seinen drei Schwerpunkten - der Unter‐ suchung eines in einer Hochschule beheimateten Prozesses, dessen Kern das hermeneutische Thema des Bibelverstehens darstellt - insgesamt gesehen nur punktuell an bereits existie‐ rende Forschungsarbeiten anknüpfen. Aus der untersuchten Forschungsliteratur ergeben sich aber eine Reihe von Anregungen für das Vorgehen im Projekt sowie von Hinweisen, in welchem Rahmen sich mögliche Ergebnisse bewegen könnten. Diese Hinweise sind nicht ausschließlich zu verstehen; möglicherweise zeichnet sich zu Beginn dieser Untersuchung noch nicht ab, welche der aus bisherigen Forschungen gewonnenen Erkenntnisse sich vielleicht darüber hinaus fruchtbar machen lassen können. Anregungen für das methodische Vorgehen im Hinblick auf den Religiositätsbegriff er‐ geben sich vor allem aus Daiber/ Lukatis (1991). Für das Nachzeichnen bibelhermeneutischer Einstellungen, die sicher im Verlauf der Untersuchung eine Rolle spielen werden, könnte das bei Lück (2012) verwendete Modell hilfreich sein. Sollte es im Fortgang des Projekts Versuche einer Typisierung der Befragten im Hinblick auf ihr Bibelverständnis geben, so ließe sich dann unter Umständen das Modell von Heller (2009) fruchtbar machen. In inhaltlicher Hinsicht lassen es die Befunde von Daiber/ Lukatis (1991) im Hinblick auf die „Bibelfrömmigkeit“ der Befragten angeraten erscheinen, hier keine zu hohen Erwartungen zu haben: Eine starke Orientierung an der Bibel hat es historisch immer nur bei einem eher geringen Teil der Kirchenmitglieder gegeben. Allerdings ist diese nicht in allen Gegenden Deutschlands in gleicher Weise ausgeprägt: Dass die Haltungen zur Bibel auch regional unterschiedlich sind und sich je nach Frömmigkeitskontext unterscheiden, zeigen die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen von 1992 und 2002 51 sowie Hinweise bei Piroth (2013), Mutschler (2014) oder Bedford-Strohm/ Jung (2015). Dabei sind Bibelinteresse und Bibelkenntnis nicht pauschal und stetig im Schwinden begriffen, sondern können auch stagnieren oder sogar leicht ansteigen. Zudem besteht ein Ost-West- Gefälle: Im Osten Deutschlands liegen beide Werte deutlich höher als im Westen. 52 Darüber hinaus weisen Daiber/ Lukatis (1991) darauf hin, dass bei der Einordnung von manchen Aussagen zur Bibel eine gewisse Vorsicht angebracht sei. So zeigt sich etwa, dass die Aussage „Die Bibel ist das Wort Gottes“ eher keine bibelhermeneutische Positionierung impliziert, sondern eher als formelhafte Wendung betrachtet werden sollte. Im Hinblick auf das junge Alter der hier Befragten lassen sich den bisherigen For‐ schungen an drei Punkten relevante Hinweise entnehmen. Zum einen ist der Traditions‐ abbruch mittlerweile ein nicht mehr zu leugnendes Faktum; Religions- und damit auch Bibelvermittlung geschieht kaum mehr in Familien, wie Möller (2005) betont. Bei der späteren, nun in den Jugendjahren stattfindenden Bibelvermittlung ist, wie er beobachtet, die Beziehung zu den Lehrenden ein entscheidender Erfolgsfaktor. Zum anderen ist bei 1.4 Forschungsgeschichte 29 <?page no="30"?> 53 Auf derartige Modelle wurde bereits in der Portfolioanalyse (Hassan/ Lehmeier [2002], 19 und 87-89) zurückgegriffen. 54 Dieser Teil stimmt weitgehend überein mit Hassan/ Lehmeier (2022), 11-21. jüngeren Menschen insgesamt eine größere Distanz zur Bibel zu erwarten (Chrismon 2003), wobei nicht ausgemacht ist, dass sich das auch bei der Gruppe der hier Befragten beobachten lässt, da sie aufgrund ihrer Studienwahl mutmaßlich ein besonders Profil besitzt und eher nicht dem Querschnitt der Bevölkerung entsprechen wird. Drittens könnte bei der Untersuchung der Studierenden aufgrund ihres vergleichsweise jungen Alters ein Modell wie etwa das von Bee-Schroedter (1998) hilfreich sein, das Entwicklungsstufen von Religio‐ sität berücksichtigt. 53 Diesen Aspekt berührt auch die Beobachtung von Ebner u. a. (2008), dass das Bedürfnis nach Orientierung aus der Bibel oder die Rolle der Bibel als Autorität bei Jugendlichen höher ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Dass die Notwendigkeit einer kulturellen „Übersetzung“ der biblischen Aussagen heute besteht, ist zudem Jugendlichen in der Regel weniger präsent als Erwachsenen. Darüber hinaus lässt sich bei den hier Befragten - die den Alltagsbibelleser*innen von Strube (2009a) vermutlich näherstehen als wissenschaftlich umfangreich ausgebildeten Bibelausleger*innen -, vielleicht das von Strube beobachtete stärker emotional geprägte Andocken an biblische Texte erwarten. Anschließen ließe sich womöglich auch an das Ergebnis von Roose/ Büttner (1998), wonach die Erwartungen der Studierenden an Bibeltexte von ihrem jeweiligen Erfahrungs‐ horizont abhängen. Noch stärker in diese Richtung geht die Beobachtung von Heller (2009), dass das Bibelverständnis nicht mit dogmatischen bzw. kognitiven Haltungen korrelieren muss. Darüber hinaus warnt Huebenthal (2011) davor, zu hohe Erwartungen an Erkenntniszuwachs exegetischer Kompetenz in den ersten Studiensemestern zu haben, also dem hier zu betrachtenden Zeitraum. Ungeachtet dieser genannten Anknüpfungen - und möglicher weiterer, die sich noch ergeben können - gibt es bislang keine umfangreiche empirische Forschung mit bibelher‐ meneutischem Schwerpunkt. Die knappe qualitative Studie von Bamberger (2010) kann hier nur erste Schritte weisen, weil die im vorliegenden Projekt zugrunde gelegte Forschungs‐ frage einen deutlich breiteren Fokus besitzt. Von daher ist die hier vorgestellte Studie in ihrer Themenverknüpfung singulär und betritt auf einer ganzen Reihe von Feldern methodisch und inhaltlich Neuland. Damit ist diese Studie als explorativ zu charakterisieren. 1.5 Theoretischer Rahmen 54 1.5.1 „Bibelhermeneutische Kompetenz“ und das analytische Instrumentarium des Projekts Im Rahmen des exegetisch-hermeneutischen Teils des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit (BRS) müssen und sollen die Studierenden sich mit der Bibel, mit wissenschaftlichen Methoden der Auslegung und mit hermeneutischen Grundfragen auseinandersetzen, und zwar so, dass sie am Ende dieses Studienteils befähigt sind, angemessene Bibelauslegungen für Anwendungskontexte zu erstellen. Implizit geht es 30 1 Einführung <?page no="31"?> 55 Gemischte Kommission/ Fachkommission I (1988), 17; zur Wahrheitsfrage vgl. 24-25. 56 Kirchenamt der EKD (2014), 43. 57 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 15. Diese Veröffentlichung von 2021 bezieht sich explizit auf Kirchenamt der EKD (2014); vgl. Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 14 u.ö. 58 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. 59 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. 60 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. 61 Kirchenamt der EKD (2014), 50. dabei also auch um die Ausbildung einer professionsangemessenen bibelhermeneutischen Kompetenz. Der Kompetenzbegriff für den Bereich Bibelhermeneutik kann aus drei Perspektiven entwickelt werden. Zu nennen ist hier (1.) die Diskussion um die „theologische Kompetenz“, wie sie in den verschiedenen Ausbildungsprofilen der EKD-Kommissionen diskutiert und entwickelt wurde. Der Ertrag besteht hier darin, dass Personen, deren Aufgabe es auch ist, im Beruf einen konfessionellen Standpunkt zu vertreten, sich immer auch mit der Wahrheitsfrage auseinandersetzen müssen. „Kompetenz“ erfasst hier die ganze Person. Es geht um einen „‚Habitus‘ an Kenntnissen, Einsichten und Fertigkeiten“. 55 Diese Grundlage ist zunächst für den Pfarrberuf entwickelt worden und wurde auf andere Berufsgruppen übertragen und angepasst. Für die Berufsgruppe der Diakon*innen umfasst der Kompetenzbegriff nach der EKD-Veröffentlichung aus dem Jahr 2014 auch „affektive und motivationale Komponenten“. 56 In der neuesten EKD-Veröffentlichung (2021) wird „theologische Grundkompetenz“ für Absolvierende diakonisch-gemeindepädagogischer Studiengänge folgendermaßen definiert: „Die theologische Grundkompetenz ist zu verstehen als Kenntnis des Bestandes an christlichen Texten, Bildern und Handlungen in ihrer jeweiligen sozio-historischen Erscheinung und als die Fähigkeit, diese Traditionen zur Deutung gegenwärtiger Lebenslagen zu nutzen.“ 57 Diese Definition wird weiter gefasst als eine „theologisch-hermeneutische Grundkompe‐ tenz“, die darin besteht, dass Studierende eine „fachlich analysierte individuelle oder soziale Situation unter Bezug auf christliche Traditionen (biblische Texte, geschichtliche Ereignisse, dogmatische Theologoumena) deuten und die Kriterien, die bei der selbst verantworteten Deutung leitend sind, benennen [können].“ 58 Diese Grundkompetenz wird in verschiedene Bereiche ausdifferenziert. Die Kompe‐ tenzen im Bereich „Biblische Theologie“ werden umgrenzt als Fähigkeit, „Skopoi biblischer Texte unter Bezug auf verschiedene aktuelle Methoden ermitteln und von der unmittel‐ baren identifikatorischen Lektüre unterscheiden [zu können]“. 59 Daneben sollen Absolvie‐ rende diakonisch-gemeindepädagogischer Studiengänge „verschiedene hermeneutische Zugänge zu biblischen Texten kennen und […] begründete Auskunft geben [können] über die eigene Vorstellung vom Text als heiliger Schrift.“ 60 Die Ausführungen im älteren EKD-Text 118 sind vergleichbar. Dort heißt es hinsichtlich zu erwerbender Fertigkeiten im Bereich Bibel: „Biblische Texte lesen, deuten und begründet nutzen können, Auslegungen bewerten und aneignen, biblische Texte/ Themen situations- und adressatengerecht zugänglich machen […]“. 61 1.5 Theoretischer Rahmen 31 <?page no="32"?> 62 Zimmermann/ Zimmermann (2005), 72, dort mit Bezug auf die Bildungspläne von Baden-Württem‐ berg im Fach Ev. Religionslehre. 63 Weinert (2001), 27-28, rezipiert u.-a. bei Reis ([2008], 21; [2014a], 88 u.ö.), und Walzik (2012), 21-22. 64 Schaper (2011), 37-38. 65 Reis bezeichnet diese Stufen als „Kompetenztreppe“ (Reis [2008], 21; dort mit Bezug auf Wildt [2006], 7. Wildt bezieht sich auf die Wissenstreppe von North; vgl. North/ Reinhardt [2005], 30). 66 Vgl. Bloom (1976), 130-144. Im Hinblick auf die Bibel ist allen Definitionen gemeinsam, dass Absolvierende in der Lage sein sollen, eine reflektierte und kriteriengeleitete Beziehung zwischen aktueller Situation und biblischer Tradition herzustellen. Eine Positionierung gegen eine rein identifikatorische Bibellektüre wird im neuesten EKD-Beitrag expliziert. Der Begriff „hermeneutische Kompetenz“ wird (2.) im Bereich schulischer Bildung „als Fähigkeit definiert, ‚Zeugnisse früherer und gegenwärtiger Generationen und anderer Kulturen, insbesondere biblische Texte, zu verstehen und auf Gegenwart und Zukunft hin auszulegen‘.“ 62 Diese Definition zielt in dem zitierten Kontext auf Schüler*innen ab, die diese Kompetenz erwerben sollen. Im Wesentlichen ist diese Definition aber übertragbar auf die Berufsgruppe der Diakon*innen, die eine solche Fähigkeit im Studium aneignend ent‐ wickeln und im Hinblick auf Zielgruppen und Berufskontexte einüben müssen. „Verstehen“ bedeutet auf dem Niveau des Studiums eine methodisch geleitete kritische Interpretation der genannten Zeugnisse. Die (3.) Perspektive, aus der ein Begriff von bibelhermeneutischer Kompetenz entwickelt werden kann, ist die Perspektive der Diskussion um Theologie und Hochschuldidaktik, wie sie im katholisch-theologischen Bereich seit 2008 geführt und in der Reihe „Theologie und Hochschuldidaktik“ veröffentlicht wird. Kompetenz wird hier mit Weinert allgemein verstanden als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertig‐ keiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitio‐ nalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ 63 Fachliche Kompetenz wird Weinert folgend also verstanden als „Wissen, Können, Hal‐ tungen und Überzeugungen“, 64 wobei es aufeinander aufbauende Stufen des Kompetenz‐ erwerbs gibt. Der besondere Wert dieses Ansatzes liegt dabei in der hochschuldidaktischen Deskription dieser Stufen: Information, die vernetzt wird, wird Wissen. Wenn Wissen Anwendung findet, ist es Können. Wenn zum Können der Umsetzungswille tritt, ist es Handeln. Wenn das Handeln angemessen ist, ist es Kompetenz. Kompetenz wird verantwortlich eingesetzt in der Professionalität. 65 Damit Kompetenz sich entwickeln kann, müssen vorher Schritte des Verstehens und Aneignens stattfinden. Dies bildet auch die Schrittigkeit der Bloomschen Lernzieltaxonomien ab. Bloom ordnet dem „Anwenden“ des Wissens auf Problemstellungen das Verstehen und die Rekombination gelernter Inhalte vor. 66 Systematisch durchdacht und quantifiziert hat Sandra Huebenthal den Kompetenzbegriff und die Kompetenzniveaus im Bereich der Exegese. Sie differenziert verschiedene zu errei‐ chende Niveaustufen im Hochschulbereich vom BA-Studiengang bis zum Promotionsni‐ 32 1 Einführung <?page no="33"?> 67 Huebenthal (2011), 69. 68 Huebenthal (2011), 69. 69 Huebenthal (2011), 80. 70 Huebenthal (2011), 69; dazu auch in Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 71 Huebenthal (2011), 68. veau. 67 Huebenthal definiert exegetische Kompetenz für das Niveau von BA-Studiengängen: „Biblische Texte exegetisch-methodisch erschließen und in einer Gesamtinterpretation auslegen können. Biblische Texte in ihren historischen und literarischen Kontext einordnen können.“ 68 Am Rande der Entfaltung von Kriterien für eine studiengangsangemessene exegetische Kompetenz scheint bei Huebenthal immer wieder auch die hermeneutische Kompetenz auf. In Bezug auf die Portfolioarbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung „Exegetische Werkstatt“ für Lehramtsstudierende stellt sie empirisch fest, „dass der Zugewinn an methodischer Kompetenz mit einem Zugewinn an hermeneutischer Kompetenz korreliert.“ 69 An anderer Stelle scheint Hermeneutik als „exegetische Hermeneutik“ ein Inhalt erst ab dem MA- Niveau zu sein, weil Hermeneutik als Metakompetenz verstanden wird, die der Einord‐ nung exegetischer Texte dient. 70 In kritischer Auseinandersetzung mit den Vorgaben des katholisch-theologischen Fakultätentages stellt Huebenthal fest, dass der „umfangreichste Kompetenzerwerb […] von den BA-Studierenden erwartet [wird], da sie im Eingangsmodul nicht nur exegetische Methoden kennen und anwenden, sondern die Methoden (und die hinter ihnen stehenden geistesgeschichtlichen Voraussetzungen bzw. Hermeneutiken) auch beurteilen lernen sollen.“ 71 Aus den bisher ausgeführten Zugängen wird deutlich, dass exegetisch-methodische und hermeneutische Kompetenz Korrelate sind, wenn auch unscharf bleibt, wie genau dieser Zusammenhang zu sehen ist. Den EKD-Aussagen zur Kompetenz der Absolvierenden diakonisch-gemeindepädagogischer Studiengänge vergleichbar wird auch auf katholischtheologischer Seite gerade von BA-Studierenden von Anfang an erwartet, dass exegetische und bibelhermeneutische Fragestellungen in Beziehung gesetzt werden sollen. Es wird im Folgenden zu klären sein, wie ein Verhältnis exegetischer und hermeneutischer Kompetenz für diese Zielgruppe zu füllen ist. Als Ergebnis der hier dargestellten Auseinandersetzungen wird für die vorliegende Untersuchung eine Begriffsdefinition bibelhermeneutischer Kompetenz für Hochschulab‐ solvierende vorgenommen, die die übereinstimmenden Aspekte aller Definitionen berück‐ sichtigt: Bibelhermeneutische Kompetenz ist zu füllen im Sinne aller Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissensbestände und Einstellungen, die nötig sind, um Bibeltexte zu verstehen und in einem gegenwärtigen Kontext angemessen auszulegen. Potentiell ist diese Kompetenz unabgeschlossen und kann sich also stets weiterentwickeln; dennoch ist ein Mindestniveau erforderlich, um professionelle Anwendungskontexte sachgemäß zu bedienen. 1.5 Theoretischer Rahmen 33 <?page no="34"?> 1.5.2 Grundlagen der Entwicklung bibelhermeneutischer Kompetenz im Studium Bei der Breite des Studiengangs ist es unausweichlich, dass die Studierenden unter‐ schiedliche Schwerpunkte setzen. Nicht alle Studierenden werden auch wirklich als Diakon*innen arbeiten und bibelhermeneutische Kompetenz in der Praxis brauchen. Gerade konfessionslose Studierende oder nicht christlich-religiöse Studierende mit einem anderen religiösen Hintergrund nutzen den Studiengang als Möglichkeit, sich mit den Inhalten christlicher Tradition auseinanderzusetzen, ohne dass dies unbedingt in eine Berufsperspektive münden müsste. Dass diese Möglichkeit immer besteht und auch genutzt wird, soll hier ausdrücklich betont werden. Dennoch läuft das Studium am Ende - neben der professionellen Praxis der Sozialen Arbeit - auch auf eine kirchlich-diakonische und als Diakon*in mit kirchlicher Anerkennung konfessionell evangelisch gebundene Berufspraxis zu. Der Studienverlaufsplan sieht daher in den theologischen Modulen vor, dass die Studie‐ renden im zweiten Studienabschnitt Andachten und Einheiten der Konfirmand*innenarbeit gestalten. Im Regelfall wird hier also eine theologische Innenperspektive mit Bejahung der vertretenen Inhalte vorausgesetzt, wenn auch in den eben geschilderten, anders gelagerten Fällen jeweils angemessene Lösungen gefunden werden. Die Basis für eine bibelhermeneutische Kompetenzentwicklung bildet hierbei die eigene christliche Religiosität als Haltung. Dabei ist das mögliche Spektrum dessen, was diese Religiosität im Einzelnen ausmacht, sehr weit zu fassen; diese schärft und verändert sich im Studium durch die Begegnung mit den Studieninhalten, aber auch durch die Begegnung mit religiös unterschiedlich geprägten Kommiliton*innen. Vorgesehen ist zu Beginn des Studiums die Auseinandersetzung mit den Texten der Bibel als ganzer. Das bibelkundliche Wissen, das zu erwerben ist, zielt auf die Bibel mit all ihren - durchaus auch sperrigen - Traditionen, die nicht alle als bekannt vorausgesetzt werden können. Auch sind in einem Studium mit wissenschaftlichem Anspruch wissenschaftliche Methoden der jeweiligen Fachlichkeit zu erlernen, was im Bereich der biblischen Theologie wissenschaftlich-exegetische Methoden und exemplarisch auch bibelwissenschaftliche Erkenntnisse und Einsichten sind. Hier spielen Wissensbestände und einzuübende Fä‐ higkeiten und Fertigkeiten der Textbeobachtung und der Textanalyse sowie Hilfsmittel und Instrumente zur Erschließung der Bibeltexte eine Rolle. Als anwendungsbezogenes Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften sind dabei von Anfang an auch Rezeptionskontexte und Zielgruppen im Blick. Ein weiterer Lernaspekt, der als Teil einer bibelhermeneutischen Kompetenzentwicklung zu fassen ist, zielt auf die Auseinandersetzung mit hermeneutischen Grundfragen, also mit den Grundsätzen des Verstehens von Texten allgemein und den möglichen Verhältnis‐ bestimmungen von Tradition und Religion sowie deren Auswirkungen auf den Umgang mit den jeweiligen Schriften und Traditionen. Aus dem Zusammenspiel dieser Lerninhalte kann sich eine professionelle bibelhermeneutische Kompetenz als Voraussetzung für eine angemessene Auslegung entwickeln. 34 1 Einführung <?page no="35"?> 72 Dies ist auch das Ergebnis von Strube in Bezug auf das Bibelverständnis von Alltagsleser*innen und Schramm in Bezug auf „Alltagsexegesen“, vgl. Strube (2009a), 386-399 und Schramm (2008b), 481 (detaillierter in Abschnitt A.1.4.3.3.1 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1). 1.5.3 Bibelhermeneutische Kompetenz, Grundverständnis der Bibel und bibelhermeneutisches Denken Auf dem Weg zu einer bibelhermeneutischen Kompetenz, die sich in zielgruppen- und situationsangemessener Auslegung biblischer Texte erweist, muss sich ein Grundver‐ ständnis der Bibel herausbilden. Entsprechend der Vorordnung des Verstehens vor dem An‐ wenden bezeichnet das Grundverständnis der Bibel das Ergebnis der kognitiven Vernetzung und Organisation und der volitionalen Aneignung von Impulsen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Hinblick auf die Bibel vorhanden sind. Im Unterschied zur „Kompetenz“, die in den o. g. Definitionen immer schon auf Anwendung und Problemlösung zielt, bezeichnet der Begriff „Grundverständnis“ eine Einstellung zur Bibel, die sich aus der Summe der kognitiv vernetzten und volitional angeeigneten Impulse ergibt. Ein Grundverständnis zielt noch nicht unmittelbar auf eine Anwendung ab; es verhält sich zur Kompetenz wie ein Potential zur Aktualisierung. Ein Grundverständnis der Bibel kann bereits bei Studienbeginn bei fast allen Studie‐ renden vorausgesetzt werden, basierend auf der zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen Bibelkenntnis, der Erfahrung im Umgang mit Bibeltexten und der eigenen religiösen Prä‐ gung. 72 Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Grundverständnis der Bibel im Laufe der Auseinandersetzung mit der Breite der biblischen Traditionen und mit den Möglichkeiten der Auslegung, mit Fragen der Hermeneutik und systematischer Theologie verändert. Hinzu kommt, dass neben der formalen Bildung während des Studiums die informellen Bildungsprozesse, die etwa im Kontakt mit anderen Studierenden stattfinden, mit großer Wahrscheinlichkeit eine Veränderung des Grundverständnisses der Bibel bewirken. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Veränderungsprozesse, die bei einer solchen Fort‐ entwicklung eines Grundverständnisses der Bibel erwartbar sind, zu beobachten und zu beschreiben. Dies geschieht - wie dargestellt - mit Hilfe eines komplexen Forschungsde‐ signs und verschiedener Auswertungsmethoden, die in Kapitel 2 beschrieben werden. Analytisch ordnet sich die Beobachtung und Beschreibung eines Grundverständnisses der Bibel in die dargestellten Komponenten der hermeneutischen Kompetenz ein. Ein Grundverständnis der Bibel bildet sich heraus in der Auseinandersetzung mit • den verschiedenen Texten und Traditionen der Bibel, • Auslegungsmethoden und Auslegungsinstrumentarien, • Grundfragen der Hermeneutik und • der eigenen Religiosität. Die für das Grundverständnis der Bibel relevanten Komponenten werden entsprechend verstanden als (1.) das „Repertoire“, worunter Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit der Bibel zusammengefasst werden; (2.) die „Religiosität“ der/ des einzelnen Studierenden; die beide (3.) zusammenspielen bei der Entwicklung einer artikulierbaren „Leseperspek‐ tive“, die wissenschaftlich bereichert und geschärft wird in der Auseinandersetzung mit klassischer Bibelhermeneutik. 1.5 Theoretischer Rahmen 35 <?page no="36"?> Alle diese Komponenten sind dynamisch gedacht. Das Studium liefert in all diesen Bereichen neue Impulse, die zu einem Grundverständnis vernetzt und reorganisiert werden. Während unter „Repertoire“ vor allem Kenntnisse und Fertigkeiten zu verstehen sind, geht es bei der „Religiosität“ im Hinblick auf ein Grundverständnis der Bibel z. B. um die eigene Haltung zur Frage eines Geltungsanspruchs der Bibel im System der eigenen Religiosität. Die „Leseperspektive“ bringt diese Haltung ins Gespräch mit der materialen Grundlage der Vielfalt biblischer Traditionen und den Möglichkeiten wissenschaftlich begründeter Auslegungsmethodik. Dabei sind unterschiedliche Verhältnisbestimmungen zwischen diesen Komponenten denkbar. Der Begriff „Leseperspektive“ trägt der Überzeugung Rechnung, dass sich in eben jenem Zusammenspiel und der Auseinandersetzung mit dem biblisch-theologischen Repertoire und der Religiosität eine individuelle Leseperspektive herausbildet, die sich immer wieder schärft und verändert, je mehr biblische Texte bearbeitet werden, je mehr theologische Kenntnisse erworben werden und je stärker die eigene Religiosität vor dem Hintergrund der Begegnung mit Studieninhalten und Kommiliton*innen reflektiert wird. Die Leseperspek‐ tive bildet den kognitiven Begegnungs- und Integrationsraum für das biblisch-theologische Repertoire und die eigene Religiosität. Je nachdem, wie diese Integration gelingt, hat dies Rückwirkungen auf die Motivation der Studierenden, sich des erlernten Repertoires auch zu bedienen oder dieses zu vertiefen, aber auch Rückwirkungen auf die Religiosität, die sich ebenfalls im Laufe des Studiums verändern kann. Der Begriff „Grundverständnis der Bibel“ rechnet mit solchen Wechselbeziehungen. Er ist daher nicht mit der Leseperspektive und nicht mit der hermeneutischen Kompetenz identisch. „Grundverständnis“ heißt also zum Zeitpunkt des abgeschlossenen exegetischen Stu‐ diums: Studierende kennen die Vielfalt biblischer Traditionen, sie kennen wissenschaftliche Methoden der Exegese, sie haben diese Kenntnisse mit ihrer eigenen Religiosität ins Gespräch gebracht, indem sie eine eigene Leseperspektive entwickelt haben, die sich immer wieder neu auf ihre jeweilige Sicht biblischer Texte auswirkt. Diese Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen, die sie im Grundverständnis entwickelt haben, fließen ein in ihre hermeneutische Kompetenz, wenn sie diese im Hinblick auf Zielgruppen und Auslegungskontexte fruchtbar machen. Die kognitiven Vernetzungs- und Reorganisations‐ prozesse, die zur Entwicklung eines Grundverständnisses führen, können mit dem Begriff „bibelhermeneutisches Denken“ bezeichnet werden. 1.5.4 Mobile-Modell und die Achsen Repertoire, Religiosität und Leseperspektive Im Folgenden werden die Komponenten eines Grundverständnisses der Bibel im Detail und vor dem Hintergrund weitergehender theoretischer Konzepte bedacht. Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass ein durch formale und informelle Impulse angeregtes bibelherme‐ neutisches Denken die Komponenten eines biblisch-theologischen Repertoires, der eigenen Religiosität und einer diese Komponenten potentiell integrierenden Leseperspektive re‐ organisiert und vernetzt. Die Leseperspektive ist also innerhalb des Grundverständnis- Modells dem Repertoire und der Religiosität übergeordnet, da sie beide Aspekte in ein Verhältnis setzt und integriert. Alle drei Komponenten können auf theoretische Konzep‐ 36 1 Einführung <?page no="37"?> tionen zurückgeführt werden. Dabei ist diesen gemeinsam, dass sie kategorisierbar sind, d. h. in ein Schema von „mehr“ oder „weniger“ eingeordnet werden können. Daher wird im weiteren Verlauf der Darstellung von „Achsen“ gesprochen. Alle drei Achsen sind dynamisch gedacht, also potentiell in steter Veränderung begriffen. In verschiedenem Ausmaß spielen bei diesen drei Achsen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einsichten und Haltungen hinein. Dies wird nun im Einzelnen beschrieben. Für das dynamische Zusammenspiel dieser Achsen schlagen wir für das Gesamtprojekt „Untersuchung bibelhermeneutischer Prozesse“ mit Panelbefragung und Portfolioanalyse das Modell des Mobiles vor. Das Mobile muss dynamische Achsen miteinander im Gleichgewicht halten. Äußere Impulse bringen das gesamte System in Bewegung. Die untergeordneten Achsen müssen je nach Gewicht an einem besonderen Punkt an der übergeordneten Achse aufgehängt werden, damit das System im Gleichgewicht ist. Dabei haben Achsen Extrempole, die die Länge der Achse begrenzen und damit die Achse inhaltlich definieren. Das lesende Subjekt entwickelt je ein eigenes Grundverständnis der Bibel, das jeweils Leseperspektive, Repertoire und Religiosität in Bezug auf die Bibel beinhaltet, wobei die eigene Leseperspektive das sich entwickelnde Repertoire und die sich verändernde Religiosität integriert. Leseperspektive Repertoire Religiosität Modell: Grundverständnis der Bibel Lesende Abbildung 1: Grundverständnis der Bibel: „Mobile-Modell“ 1.5 Theoretischer Rahmen 37 <?page no="38"?> 73 Huebenthal (2011), 69. Vgl. Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. An wissenschaftlichen Methoden orientieren sich auch die Kompetenzziele für das Teilmodul Biblische Theologie des Stu‐ diengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover, vgl. Modulhandbuch (2015), 71 im Text zu Teilmodul 15.2 (Biblische Theologie). Diese Beobachtung Huebenthals sollte allerdings nicht dazu verleiten, allen nicht wissenschaftlich ausgebildeten Bibelausleger*innen ein gänzlich unmethodisches Vorgehen zu unterstellen; dass das nicht der Fall ist, haben die Forschungen von Strube (2009a) zu den „AlltagsleserInnen“ bzw. Schramm (2008b) zu den „Alltagsexegesen“ ergeben. 74 Das lässt sich aus einer Reihe vorliegender Forschungen ersehen wie etwa Piroth (2013), Mutschler (2014), Bedford-Strohm/ Jung (2015) oder Hempelmann u. a. (2019); dazu s. Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 75 Reis (2008), 21 und Reis (2012), 12. Für andere professionelle Niveaus kann Professionalität des Repertoires auch bedeuten „to think like biblical scholars“ (Clines [2010], 15), vgl. die Auseinander‐ setzung bei Huebenthal (2011), 66. Zur Verbindung der Begriffe des „theologischen Repertoires“ und „religionspädagogischer Professionalität“ vgl. Heil (2006), 307. 1.5.4.1 Repertoire Für die Achse „Repertoire“ wird hier auf die von Huebenthal für die Exegese entwi‐ ckelte Begrifflichkeit Bezug genommen. Als Ziel der Kompetenzentwicklung definiert sie für das Niveau BA die exegetisch-methodische Erschließung von Bibeltexten und deren Auslegung. 73 Die Anforderung des Methodenbezugs stimmt mit den von der EKD- Kommission erarbeiteten Kompetenzzielen für diakonisch-gemeindepädagogische Studi‐ engänge überein. Im Studium müssen also wissenschaftlich-exegetische Methoden der Texterschließung erlernt werden, um für die Weiterarbeit im Studium Texte erschließen und wissenschaftliche Kommentare rezipieren zu können. Die Angemessenheit des Verstehens von Texten und ihrer Auslegung, wie sie in der verwendeten Definition bibelhermeneuti‐ scher Kompetenz ausgesagt ist, muss sich nicht nur am Auslegungskontext, sondern auch am Bibeltext erweisen. Der Weg dahin führt über ein zu erlernendes und einzuübendes Repertoire bibelwissenschaftlicher Methoden. Die Einführung des Begriffes „Repertoire“ als Achse eines Grundverständnisses der Bibel, das sich in bibelhermeneutischer Kompetenz aktualisiert, versucht eine Verhältnisbestimmung von Exegese und Hermeneutik aus der Perspektive der bibelhermeneutischen Kompetenz. Exegetische Kompetenz ist dabei ein Teil des Repertoires, das für die Formung und Formulierung eines Grundverständnisses eine notwendige Voraussetzung ist, wenn dieses Grundverständnis Teil einer zu entwickelnden diakonisch-gemeindepädagogischen Professionalität sein soll. Neben dem exegetisch-methodischen Repertoire ist allerdings ebenso das bibelkundliche Repertoire für die Entwicklung eines Grundverständnisses der Bibel relevant. Es ist nicht vorauszusetzen, dass Studierende eine fundierte und breite Textkenntnis mitbringen. 74 Insofern müssen nicht nur methodisch, sondern auch vom reinen Textmaterial her neue Erkenntnisse im Studium gewonnen und integriert werden. Auch diese Erweiterung von Kenntnissen wird hier als „Repertoire“ verstanden. Als ein Extrempol der Achse „Repertoire“ wird in Anlehnung an die Terminologie von Reis der Begriff der Professionalität 75 gewählt. Professionell ist ein Repertoire dann, wenn Kenntnisse auf dem jeweiligen professionellen Niveau vorhanden sind und ausreichende Fähigkeiten und Fertigkeiten der Anwendung eingeübt wurden. Im Sinne einer Haltung gehört dann auch die Aneignung dieses Repertoires dazu, also die Einsicht der Sinnhaftig‐ 38 1 Einführung <?page no="39"?> 76 Huebenthal (2011), 74; vgl. Huebenthal (2016a), 32 und Reis (2012), 12. 77 Huebenthal (2016a), 32. 78 Engels verwendet in Anlehnung an L. Huber (1980) den Begriff der „Sekundärsozialisation“ für das wissenschaftliche Studium (Engels 1990, 100). 79 Huber (2004), 80. 80 Huber (2003), 17. 81 Huber (2004), 80. keit des Erlernten und die Motivation zur Anwendung. Den entgegengesetzten Pol zur Professionalität bildet in Anlehnung an Huebenthal das intuitive, d. h. nicht methodisch abgesicherte Repertoire. 76 Dieser Begriff bildet ein Stadium des Umgangs mit Bibeltexten ab, das ohne methodische Reflexion auskommt und von zufällig erworbenen Vorkenntnissen geprägt ist, etwa in Schule, Gemeinde oder Familie. An anderer Stelle benennt Huebenthal das „Religionsunterrichts-Ich“, das den „lieben Gott“ in Texten sucht. 77 Für den Repertoire- Bereich Bibelkunde gehören zum intuitiven Repertoire entsprechend keine oder wenig Bibelkenntnisse, während dem professionellen Repertoire (gesamt-)umfängliche und aktiv abrufbare Bibelkenntnisse entsprechen. 1.5.4.2 Religiosität Der in diesem Projekt für die Modellierung eines Grundverständnisses der Bibel verwendete Begriff der Religiosität ist zu unterscheiden von dem der religiösen Sozialisation. Unter letzterer werden die Prägungen verstanden, mit welchen die Studierenden ins Studium kommen, also die Faktoren, die eine jeweils vorhandene Religiosität geprägt haben und prägen. Der Prozess der religiösen Sozialisation ist zwar potentiell unabgeschlossen, 78 wird aber im Projektdesign des Gesamtprojekts nur als Studieneingangsvoraussetzung abgefragt, auch wenn Erfahrungen und Begegnungen im Studium Einfluss auf die Prägung der Person nehmen können. Im Hinblick auf die Religiosität wird in diesem Projekt zur Abbildung der Vorstellung einer „Achse“ unter den verschiedenen Religiositätsmodellen auf das von Stefan Huber und seine Begrifflichkeit zurückgegriffen. Huber untersucht Religiosität mit Hilfe quantitativer Methodik. Er definiert Religiosität als „die Fähigkeit, Wirklichkeit mit einer religiösen Semantik zu konstruieren“. 79 Aus psychologischer Perspektive wird die Religiosität „als ein persönliches Konstruktsystem [definiert], das eine orientierende Funktion für Menschen hat“. 80 Nach Huber lässt sich ein Mensch als religiös bezeichnen, wenn er eine „‚religiöse Brille‘ aufsetzt, durch diese Brille Wirklichkeit wahrnimmt und auf der Basis dieser Wahrnehmung Erfahrungen macht und Handlungsperspektiven entwickelt. Die psychologische Basis derartiger religiöser ‚Wahrnehmungs- und Erfahrungsfelder‘ sind persönliche religiöse Konstrukte und Konstruktsysteme“. 81 Diese Definition verlangt nach einem religionspsychologischen Zugang, der auch die typischen materialen inhaltlichen Aspekte von Religiosität neben religionssoziologischen Aspekten in die Erforschung derselben einbezieht, aber dazu parallel den Aspekt der persönlichen Relevanz einzelner Inhaltsbereiche der Religiosität korreliert. Huber hat das Konzept eines solchen „multidimensionalen Messmodells der Religiosität“ 2003 in seinem 1.5 Theoretischer Rahmen 39 <?page no="40"?> 82 Huber/ Huber (2012), 719. 83 Huber (2009), 18. 84 Huber (2009), 19-20; Hervorhebung im Original. 85 Huber (2008a), 139. 86 Huber (2008a), 140. 87 Huber (2008a), 140. 88 Huber (2008a), 142-144. Der Aspekt intellektueller religiöser Sozialisation im Elternhaus wird in dieser Dimension integriert (Huber [2008a], 145). 89 Huber (2008a), 145. 90 Huber (2008a), 145-152. Werk „Zentralität und Inhalt“ detailliert ausgearbeitet. Er bezieht sich forschungsgeschicht‐ lich auf die Arbeiten von Gordon W. Allport und Charles Y. Glock. Huber beansprucht, mit seinem Messmodell ein Instrument für die Untersuchung allgemein-menschlicher Religiosität entwickelt zu haben. 82 Es basiert auf einem inter‐ disziplinären Zugang zur Religiosität, der grundlegende Fragen der Religionssoziologie (Sozialformen des Religiösen), der Religionspsychologie (Relevanz des Religiösen) und von Theologie und Religionswissenschaft (Materialität und Eigenlogik des Religiösen) einbezieht. 83 Aus der Verschränkung dieser Fragestellungen entwickelt Huber von der Religionssoziologie ausgehend eine Systematik, deren wiederkehrendes Element sechs Kerndimensionen sind: „Das Rückgrat des Religionsmonitors bilden sechs religionssoziologisch definierte Kerndimensi‐ onen der Religiosität: Intellekt, Ideologie (Glaube), öffentliche Praxis, private Praxis, Erfahrung, Konsequenzen im Alltag. […] Ihre Operationalisierung kann nur über bestimmte Inhalte er‐ folgen.“ 84 Zur Erarbeitung relevanter Inhalte von Religiosität, die Huber den Kerndimensionen zu‐ ordnet, bedient er sich bei Theologie und Religionswissenschaft als Bezugswissenschaften. Diese werden im sog. Religiositäts-Struktur-Test operationalisiert. 85 Jede Kerndimension spiegelt eine soziale Erwartung an religiöse Menschen und wird zunächst allgemein und dann spezifisch bestimmt. Die Kerndimension „Intellekt“ vollzieht sich laut Huber „psychologisch […] im Medium des Denkens“. 86 Es geht um „die soziale Erwartung, dass Menschen über ein gewisses religiöses Wissen verfügen und über ihre Haltung zur Transzendenz, zur Religion und zu religiösen Fragen Auskunft geben können.“ 87 Gemeint sind das Nachdenken über Religion, das sowohl reflexiv-selbstkritisch als auch affirmativ-suchend verstanden wird, das Interesse für Religion und die Bereitschaft, sich über religiöse Themen zu informieren. 88 Die Kerndimension der „Ideologie“ erfasst demgegenüber Glaubensinhalte religiöser Menschen „in der Form von sozial geteilten Plausibilitätsmustern“. 89 Inhaltlich geht es um den Glauben an Gott oder ein Göttliches und spezifische Glaubensthemen wie etwa Gottesbilder, Theodizeekonzepte, Glaube und Moral, Pluralismus und Fundamentalismus. 90 Huber unterscheidet in den beiden folgenden Dimensionierungen der Religiosität öf‐ fentliche und private religiöse Praxis. „Die Kerndimension der öffentlichen religiösen Praxis bezieht sich auf die soziale Erwartung, dass die Religionszugehörigkeit in gemeinschaftlichen Handlungen und Ritualen, die in einem 40 1 Einführung <?page no="41"?> 91 Huber (2008a), 152. 92 Huber (2008a), 152-154. Der Aspekt der religiösen Sozialisation im Hinblick auf die Gottesdienstteil‐ nahme mit den Eltern wird in diese Dimension integriert. 93 Huber (2008a), 154. 94 Huber (2008a), 155-156. Der Aspekt der religiösen Sozialisation im Hinblick auf das gemeinsame Gebet mit den Eltern wird in diese Dimension integriert. 95 Huber (2008a), 156. 96 Den Begriff der All-Erfahrung verwendet Huber in den meisten Übersichten (vgl. Huber [2008a], 139; [2008b], 4; [2009], 19). Den Begriff der Einheits-Erfahrung verwendet er in den Erläuterungen und vereinzelt in Übersichten (vgl. [2008a], 157; [2007], 21). 97 Vgl. Huber (2008a), 160-162. öffentlichen Rahmen stattfinden, zum Ausdruck kommt. Psychologisch vollzieht sich diese Dimension im Medium des Handelns.“ 91 Betont wird die Teilnahme an gemeinschaftlichen religiösen Handlungen, die er für das Christentum zuspitzt auf die Teilnahme an Gottesdiensten. Spezifische Themen beziehen sich stark auf den inneren Zusammenhalt, den Gemeinschaftsaspekt öffentlicher Praxis. Nicht angesprochen werden Aspekte des sozialen Engagements als „öffentliche Praxis“. 92 Wie auch die öffentliche religiöse Praxis stark fokussiert ist auf den Gottesdienst, so bezieht sich die private religiöse Praxis ausschließlich auf Gebet und Meditation. Auch hier geht es um eine „soziale Erwartung, dass religiöse Menschen auch in privaten Räumen Handlungen und Rituale ausführen, in denen sie sich der Transzendenz zuwenden.“ 93 Spezifiziert wird diese Dimension durch Themen, die in Gebeten vorkommen (z. B. Bitte, Lob, Dank, Hadern). 94 Die Kerndimension „religiöse Erfahrung“ geht davon aus, dass religiöse Gefühle mit menschlicher Religiosität verbunden sind. Auch hier geht es um eine „soziale Erwartung“, nämlich die, „dass Transzendenz für religiöse Menschen in gewisser Weise ‚wahrnehmbar‘ ist.“ 95 Huber konkretisiert diese Dimension für theistische Transzendenzkonzepte als „Du- Erfahrung“, gegenüber der „All-Erfahrung“ oder „Einheits-Erfahrungen“ 96 pantheistischer Transzendenzkonzepte. Spezifiziert werden diese Erfahrungen etwa durch die Themen Ehrfurcht, Hilfe, Geborgenheit, aber auch Angst und Hadern. Die letzte Kerndimension betrifft Konsequenzen im Alltag, die sich aus der Religiosität ergeben. Dies kann eine direkte Umsetzung bestimmter Gebote zur Lebensführung sein (z. B. Speisevorschriften, Kleidungsvorschriften usw.). Darüber hinaus kann jedoch jedes Deuten alltäglicher Situationen, in das religiöse Kategorien einfließen, der Konsequenzdi‐ mension zugeordnet werden. Diese Dimension ist sehr breit gefasst, dies gilt insbesondere für die inhaltliche Spezifizierung. Huber fokussiert sowohl auf Fragen der Lebensgestal‐ tung (Partnerschaft, Arbeit, Freizeit, Natur, Krankheit, Lebenskrisen) als auch auf Fragen der Entscheidungsfindung in Bereichen wie Erziehung oder Lebensübergängen, die zu Konflikten führen können. 97 Wie auch in der Dimension der öffentlichen Praxis fehlt in der Auflistung möglicher Themen zu „Konsequenzen im Alltag“ der Bereich des religiös motivierten sozialen Engagements, das aber durchaus als „soziale Erwartung“ parallel zu anderen Aspekten der Religiosität gewertet werden könnte und keineswegs nur das Christentum betrifft. 1.5 Theoretischer Rahmen 41 <?page no="42"?> 98 Huber (2009), 21; Hervorhebung im Original. 99 Huber (2009), 35. Huber folgt in dieser Entscheidung Vorläufermodellen, vgl. Huber (2008a), 160. 100 Vgl. Huber (2008a), 143 u.ö.: „Wie sehr …? “; „Wie oft …? “ 101 Huber (2008a), 141, vgl. Huber (2009), 37. An anderer Stelle differenziert er diese Bereiche, um in der Auswertung zu einer klareren Abgrenzung eines Mittelbereichs zu kommen (Huber [2008b], 11-12). Auf der Grundlage dieser Kerndimensionen werden Intensitätsmessungen operationali‐ siert. Huber erläutert hier die Idee von Zentralität und Inhalt: „Aus den gleich gewichteten Messungen der allgemeinen Intensitäten der ersten fünf Kerndimensi‐ onen […] können schließlich Skalen zur Abbildung der Zentralität des Religiösen in der Persön‐ lichkeit abgeleitet werden. […] Mit dem Zentralitätskonzept kommt die Disziplin der Religions‐ psychologie ins Spiel“. 98 Da die Dimension „Konsequenzen im Alltag“ gegenüber den anderen Kerndimensionen „weniger klar konturiert“ 99 ist, wird sie in die Messung der Zentralität nicht einbezogen. Die fünf Kerndimensionen, die Huber für die Zentralitätsskala wählt, werden von ihm mit Hilfe quantitativ abgestufter Items operationalisiert, um die Intensitäten, also die „Zentralität“ der Religiosität von Personen zu messen. 100 Grundsätzlich unterscheidet Huber drei verschiedene Grade der Zentralität der Religion in der Persönlichkeit, die von ihm als Zentralitätsstufen bezeichnet werden: Religion könne eine zentrale, eine untergeordnete oder eine marginale Position im Leben von Menschen haben. Diese drei Stufen werden bei ihm idealtypisch unterschieden: „Bei der ersten Gruppe befindet sich das persönliche religiöse System in einer zentralen Position. Aus dieser Position vermögen religiöse Inhalte in die Tiefe der Persönlichkeit zu wirken, zahlreiche Lebensbereiche zu durchdringen und einen autonomen, konsistenten und kontinuierlichen Ein‐ fluss auf das allgemeine Erleben und Verhalten auszuüben. Die erste Gruppe kann daher als hochreligiös klassifiziert werden. Demgegenüber befindet sich das persönliche religiöse System bei der zweiten Gruppe nur in einer untergeordneten Position innerhalb der kognitiv-emotionalen Architektur der Persönlichkeit. Religiöse Inhalte kommen im Lebenshorizont zwar vor, aufgrund der untergeordneten Position des religiösen Systems sind von ihnen jedoch keine deutlichen erlebens- und verhaltensbestimmenden Effekte zu erwarten. Religion hat eher den Charakter einer Hintergrundmusik. Diese Gruppe kann als religiös klassifiziert werden. Es bleibt schließlich eine dritte Gruppe, bei der religiöse Inhalte nicht oder nur sporadisch im individuellen Lebenshorizont erscheinen. Die Präsenz des Religiösen bleibt so schwach, dass nicht oder nur in analoger Weise von einem eigenständigen religiösen System in der Persönlichkeit gesprochen werden kann. Diese dritte Gruppe kann als nichtreligiös klassifiziert werden. Mit der Zentralitätsskala können die drei Idealtypen empirisch differenziert werden“. 101 Die Zentralität kann an einem einzigen Zeitpunkt gemessen werden, kann sich aber auch verändern. Die Kategorie von „mehr“ oder „weniger“ ist in diesem Modell anwendbar. Insofern eignet sich Hubers multidimensionales Modell auch als Modell der Religiosität für das Grundverständnis der Bibel, denn es lässt sich anwenden auf die Vorstellung einer Achse, die von entgegengesetzten Polen begrenzt wird. Huber selbst spricht von seinem Modell als „offenes Projekt“, das ergänzt, weiterentwickelt und mit anderen Instrumenten 42 1 Einführung <?page no="43"?> 102 Vgl. Huber (2008a), 166 und Huber u.-a. (2020), 184. 103 Vgl. Hermelink/ Weyel (2015), 25. Daneben bildet es das zentrale Modell für den Religionsmonitor 2008 (vgl. Bertelsmann-Stiftung [2009], 5) und wurde in der Studie von Faix und Künkler zur Reli‐ giosität hochreligiöser Jugendlicher (Faix/ Künkler [2019], 23-24 u.ö.) herangezogen. Zur Anwendung im internationalen Bereich vgl. Huber/ Huber (2012), 712 und 722 und Huber u. a. (2020), 174-175. Inhaltlich verwandt und ebenfalls u. a. auf Glock basierend ist das Modell von Heller (2009), s. Abschnitt 1.4.3.1.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 104 Verglichen wurden die Referenzen in Engels (1990), 71-101 (Exkurs zur empirischen Religionsfor‐ schung in den USA von 1970-1985) und in Huber (2003), das als ausführlichstes Basiswerk zur Entwicklung des gesamten Modells gelten kann (Huber [2003], 341-364). 105 Vgl. Engels (1990), 87, 91 u.ö.; zu Engels s. auch Abschnitt A.1.4.3.1.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 106 Engels (1990), 87. 107 Vgl. die Kritik bei Lück (2012), 12. Auch Huber legt seiner konzeptionellen Entwicklung zunächst eine Untersuchung bei der Zielgruppe der Studierenden - darunter auch und in differenzierter Auswertung auch von Theologiestudierenden - zugrunde, erweitert und verallgemeinert das multidimensionale Messmodell dann aber (vgl. Huber [2003], 218-221). 108 Engels (1990), 135 und Engels (1989), 209. 109 Vgl. Engels (1989), 207 und ausführlich theoriefundiert Engels (1990), 102-121. kombiniert werden kann 102 - was hier durch die Adaption seines Religiositätsmodells auf den Umgang mit der Bibel geschieht. Das mehrdimensionale Messmodell der Religiosität ist national und international in vielen Studien angewendet worden, nicht zuletzt in der KMU 5, in deren Operationalisierung sich die Kerndimensionen Hubers regelmäßig wiederfinden. 103 Da in der vorliegenden Studie das Modell Hubers mit dem Bezug auf das Grundverständnis der Bibel adaptiert wird und keine klassische Zentralitätsmessung vorgenommen wird, werden die Pole der Achse Religiosität zur Unterscheidung von der Zentralitätsbegrifflichkeit als „stark ausgeprägte“ und „schwach ausgeprägte“ Religiosität bezeichnet. Die Religiositätskonzeption von Engels, die dieser im Zusammenhang seiner Untersu‐ chung zur „Religiosität im Theologiestudium“ entwickelt hat, kann als Vorläufermodell Hubers gelten, auch wenn Huber sich nicht auf Engels bezieht. Beide basieren auf den USamerikanischen Modellen von Allport und Glock, auf deren Rezeption und auf weiteren gemeinsamen Vorläuferstudien. 104 Engels entwickelt auf der Basis mehrdimensionaler Vorläuferstudien sein eigenes dreidimensionales Religiositätskonzept. 105 Zentral ist die Differenzierung in „kognitive, soziale und affektive Religiositätsdimensionen“. 106 Die Kern‐ dimensionen Hubers sind in diesen Dimensionen problemlos wiederzufinden. Im Gegensatz zu Huber wird dieser Ansatz allerdings viel weniger rezipiert. Das mag daran liegen, dass Engels sich in seiner Konzeption auf Studierende im Fach Evangelische Theologie mit dem Studienziel Kirchliches Examen und dem Berufsziel Pfarramt als Untersuchungsgegenstand begrenzt und keine allgemein verwendbare Religiositätskonzeption vorlegt. 107 Auch die von ihm verwendete Liste der Frömmigkeitstypen ist stärker inhaltlich bestimmt als bei Huber („fromm“, „liberal“, „indifferent“). 108 Für die vorliegende Untersuchung ist an der Theoriebildung bei Engels vor allem die theoretische Beschreibung konstruktiver und destruktiver Krisen im Theologiestudium und deren Bewältigung interessant. 109 Grundlegend für die Beschreibung von Religiosität im Bereich qualitativer Forschung sind die Arbeiten von James William Fowler. Wie Engels begreift auch er Religiosität 1.5 Theoretischer Rahmen 43 <?page no="44"?> 110 Fowler (2000), 120 und 126. 111 Fowler (2000), 26-27. 112 Fowler (2000), 112: Fowler korreliert die menschliche Erfahrung des Selbst, der Anderen und der Welt mit „den letzten Bedingungen der Existenz“ und dem Gestalten von „Zweck und Sinn“. 113 Fowler (2000), 30-32. 114 Fowler (2000), 32. 115 Fowler (2000), 54. 116 Fowler (2000), 126-127 mit Bezug auf Erikson (1984). 117 Diese Stufen sind verbunden mit entwicklungspsychologischen Stufen, wie sie Erikson beschreibt. Grob eingeteilt werden als Stufe 0 der undifferenzierte Glaube (Baby und Kleinkind), der intuitivprojektive Glaube (3-7 Jahre, Stufe 1), der mythisch-wörtliche Glaube (Schulkind bis Pubertät, kann aber auch noch bei Erwachsenen vorkommen, Stufe 2), der synthetisch-konventionelle Glaube (Pubertät bis Lösung aus dem Elternhaus, kann auch von Erwachsenen noch vertreten werden, Stufe 3), der individuierend-reflektierte Glaube (frühes Erwachsenenalter, kann aber von Erwachsenen noch vertreten werden, Stufe 4), der verbindende Glaube (evtl. ab der Lebensmitte oder gar nicht, Stufe 5), der universalisierende Glaube (selten, Stufe 6). Eine Übersicht bietet z. B. Fowler (2000), 208. 118 Zum Alter der Befragten s.-u. Abschnitt 3.1.1, zu deren religiöser Sozialisation s.-u. Abschnitt 3.1.2. und Glauben als kognitiv, affektiv und sozial bestimmt 110 und arbeitet zur Beschreibung bestimmter Übergänge mit dem Begriff der Krise. Fowler beschreibt auf entwicklungspsy‐ chologischer Grundlage durch das Leben des Menschen hindurch bestimmte Stufen der Glaubensentwicklung und verifiziert diese empirisch mit Hilfe qualitativer Methoden. Insofern eignet sich das Modell vor allem für eine qualitativ angelegte Untersuchung. Fowler definiert Glauben im Anschluss an Paul Tillich und Richard Niebuhr als „univer‐ sales menschliches Verlangen“ und „Art und Weise eines Menschen oder einer Gruppe, in das Kräftefeld des Lebens einzutreten“. 111 Anders als die Religiosität im Sinne Hubers, deren Grad der Verankerung in der Persönlichkeit auch gering ausfallen kann, ist der Glauben nach Fowler universal. Entsprechend bemüht er sich, zu einer möglichst umfassenden Definition von Glauben zu gelangen. 112 Dabei unterscheidet Fowler begrifflich Glauben (engl. „faith“), Glaubensinhalt (engl. „belief “) und Religion voneinander. 113 Glauben ist für ihn ein umfassender Begriff und eine Qualität einer Person, nicht eines Systems. 114 Insofern ist Glauben mit Religiosität nicht deckungsgleich. Der Begriff „Glauben“ geht von der Person aus, die glaubt. Glauben ist nach Fowler eine Tätigkeit, 115 während „Religiosität“ nach Huber eine zwar universal applizierbare, aber doch stärker systembezogene Kategorie der externen Beobachtung bezeichnet. Als systembezogene Kategorie kann „Religiosität“ gänzlich abwesend sein, wohingegen „Glauben“ als anthropologische Kategorie nach Fowler universal ist. In intensiver Auseinandersetzung mit den Systemen menschlicher Entwicklung von Jean Piaget, Lawrence Kohlberg und Erik H. Erikson entwickelt Fowler Stufen des Glaubens, die typisch für bestimmte Lebensphasen sind. Die Übergänge zu einer höheren Stufe sind im Anschluss an Erikson durch typische Krisen markiert, die eine Neukonstruktion der Sinnkoordinaten des Lebens notwendig machen. 116 Fowler unterscheidet sechs Stufen des Glaubens. Glauben wird hier als ein dynamisches Konzept entwickelt. Gleichzeitig ist es aber so, dass es Erwachsene gibt, die zeitlebens bei einer Glaubensstufe bleiben, während andere sich weiterentwickeln. 117 Die meisten Studierenden stehen am Wendepunkt des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt und der Loslösung von der religiösen Heimat. 118 Nach dem Modell von Fowler 44 1 Einführung <?page no="45"?> 119 Lehmeier/ Hassan (2022), 18-20; 138. 120 Zu nennen wäre etwa das Konzept von Hempelmann u. a. (2015) bzw. dies. (2019). In Fowler u. a. (2004) entwickelt Heinz Streib zusammen mit Barbara Keller das von Fowler im Grundsatz entwickelte Faith Development Interview weiter im Hinblick auf religiöse Stile, vgl. Fowler u. a. (2004) sowie auch Klein u. a. (2016). Im Hinblick auf Ebner u. a. (2008) zeigt sich, dass die Studierenden an der Hochschule Hannover in diesem Konzept als eine einzige Zielgruppe aufzufassen wären. 121 Dazu s. Abschnitt A.1.4.3.2.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 122 Lück (2012), 158. 123 Lück verwendet wechselnd die Begriffe „übertragen“, „symbolisch-übertragend“ und „symbo‐ lisch-übertragen“ (Lück [2012], 158-159). Da Ziebertz/ Riegel den Begriff „übertragen“ einführen (Ziebertz/ Riegel [2008], 42) wird im Fortgang der vorliegenden Darstellung ebenfalls der Terminus „übertragen“ verwendet. 124 Ziebertz/ Riegel (2008), 41. wäre davon auszugehen, dass die Bewegung von Stufe 3 zu Stufe 4 regelmäßig bei den Studierenden anzutreffen ist, d. h., dass sie in den qualitativen Äußerungen der Studierenden zum Ausdruck kommt. Für die hier vorliegende Auswertung der Panelbefragung kommt Fowler als theoreti‐ sches Modell vor allem für die Auswertung offener Items in Frage. Ausführlicher diskutiert wird Fowler im Rahmen der Portfolioanalyse, wo Texte von Studierenden qualitativ ausgewertet werden. 119 Als weniger zielführend für die Erfassung der Achse Religiosität im Hinblick auf ein Grundverständnis der Bibel haben sich Konzepte erwiesen, die nach religiösen Stilen fragen. Die Studierenden sind in der Tendenz als Gruppe so homogen, dass die Differenz‐ kriterien verschiedener Stile nicht greifen. 120 1.5.4.3 Leseperspektive Das Konzept einer „Leseperspektive“ als Integrationsraum und Begegnungsraum der eigenen Religiosität und des biblisch-theologischen Repertoires knüpft an die Terminologie einer Untersuchung zu Einstellungen von Studierenden theologischer Lehramtsstudien‐ gänge an, die von Christhard Lück und Team bundesweit durchgeführt wurde. 121 In einem der wenigen Items zum Bibelverständnis unterscheidet Lück vier verschiedene „Lesarten“, die er als „Arten, die Bibel zu verstehen“ 122 definiert. Er grenzt ein wörtliches, ein übertragenes, 123 ein reduktives und ein säkulares Verständnis der Heiligen Schrift voneinander ab. Lück entnimmt seine Terminologie aus einer Untersuchung von Hans- Georg Ziebertz und Ulrich Riegel zu Weltbildern Jugendlicher. Dort werden diese „Lesarten“ mit dem Oberbegriff „Lesweisen“ beschrieben, 124 die eine besondere Verhältnisbestimmung von Bibel und Religiosität bieten: „Das erste Verständnis ist ein wörtliches: die Bibel ist wortwörtlich Gottes Wort. Dieses Verständnis wird fundamentalistisch-religiösen Gruppen zugeschrieben und es ist auch im christlichen Spek‐ trum enthalten. In der zweiten „Antwortmöglichkeit […] gilt die Bibel als inspiriert von Gott. Sie wurde von Menschen aufgeschrieben, die auf besondere Weise von Gott angesprochen und auserwählt wurden, seine Offenbarung zu hören und zu vermitteln. Zugleich sind heilige Schriften wie die Bibel interpretationsbedürftig. Jede historische Situation verlangt eine neue Auslegung. In der dritten Antwortmöglichkeit wird die göttliche Inspiration in Heiligen Texten geleugnet. 1.5 Theoretischer Rahmen 45 <?page no="46"?> 125 Ziebertz/ Riegel (2008), 41-42. 126 Assmann (1992), 94-120. 127 Assmann (1992), 94. 128 Assmann (1992), 93. 129 Vgl. Lück (2012), 159. 88,1% der Befragten werden der zweiten Kategorie zugeordnet. Bei den Heiligen Büchern handelt es sich um Geschichten, in denen vor allem menschliche Weisheit zum Ausdruck kommt - und darin liegt ihr Wert und ihre Bedeutung. In der vierten Antwortmöglichkeit wird den Heiligen Büchern ein besonderer Wert abgesprochen. Die Bibel ist ein Buch wie viele andere Bücher - nicht mehr und nicht weniger.“ 125 Grundsätzlich ist diese Einteilung anschlussfähig an die Begrifflichkeit von Jan Assmann, der im Rahmen der Betrachtung antiker religiöser Texte eine Kategorisierung vornimmt und zwischen heiligen Texten, kanonischen Texten und klassischen Texten unterscheidet. 126 Die Übereinstimmung mit der Kategorisierung von Lück und Ziebertz/ Riegel besteht beim heiligen Text/ wörtlichen Bibelverständnis in der großen Nähe zwischen Schrift und Religiosität bis hin zur Vergegenwärtigung des Heiligen in der Rezitation des Textes. 127 Die Übereinstimmung bei der Vorstellung des kanonischen Textes/ übertragenen Verständ‐ nisses liegt in der Interpretationsbedürftigkeit der Texte. Die Inspiration durch das Heilige ist vorhanden, muss und soll aber in einem Auslegungskontext interpretiert werden. „Kanonisch“ ist der Text in diesem Sinne nach Assmann, weil eine „kanonisierende Stillstellung des Traditionsstroms“ 128 erfolgt ist. Ein zu einem Zeitpunkt abgegrenzter Text entfaltet also durch Deutung seinen Sinn. Der Begriff der reduktiven Lesart hat mit dem klassischen Text nach der Terminologie Assmanns gemeinsam, dass die Texte hochgeschätzt werden, dass aber keine religiöse Haltung mit dem Verstehen des Textes verbunden wird. In diesem Sinne wäre dann die Bibel ebenso klassisch wie Schiller oder Goethe. Verwendet wird hier nicht der Begriff der Lesart (Lück), weil er als terminus technicus der Textkritik geprägt ist, sondern der Begriff der Leseperspektive. Hier wird deutlich, dass ein Rückbezug auf die einzelnen biblischen Texte aus einem bestimmten Blickwinkel beziehungsweise mit einer Perspektive erfolgt. Auch diese ist wie das Repertoire und die Religiosität dynamisch und in Veränderung begriffen gedacht. Wie bei den anderen Achsen sind hier die Kategorien „mehr“ und „weniger“ im Sinne von Polen relevant, und zwar dahingehend, dass bei einer wörtlichen Leseperspektive der persönliche Glauben sehr eng an die Bibel gebunden wird, während der Bibel bei einer säkularen Leseperspektive keinerlei persönliche Bedeutung zugemessen wird. Grund‐ sätzlich stellt sich die Frage, wie die Erkenntnis eines Gewordenseins der Bibel mit einem religiösen Geltungsanspruch verbunden werden kann. Aus dem wissenschaftlichen Anspruch des Studiums einerseits und aus den Anwendungsnotwendigkeiten, die eine hermeneutische Kompetenz als theologische Kompetenz erfordern, ergibt sich, dass ein gelingender Integrationsprozess auf der Achse der Leseperspektive möglichst im Bereich eines übertragenen Verständnisses enden sollte. 129 Hier ist aber immer noch ein großes Spektrum an Bestimmungen eines Geltungsanspruchs der Bibel denkbar. Möglich ist da‐ neben auch, dass bei bestehender Religiosität die Bibel an Bedeutung verliert. Vorstellbar ist 46 1 Einführung <?page no="47"?> auch, dass bei schwindender Identifikation mit der Religiosität ein bleibendes Interesse an der Bibel entsteht. In beiden Fällen wäre die Leseperspektive dann als reduktiv einzuordnen. Die hier vorgestellten Achsen bilden das Modell zur Erfassung eines Grundverständ‐ nisses der Bibel im Sinne der Forschungsfrage und stellen die Grundlage für die entwi‐ ckelten Instrumentarien des Gesamtprojekts dar. Das gilt es vor dem Hintergrund des erhobenen Datenmaterials zu überprüfen. 1.5 Theoretischer Rahmen 47 <?page no="49"?> 130 Diese werden im Online-Zusatzmaterial A breiter vorgestellt (s. Abschnitt 7.1). 131 Vgl. Piroth (2013), 31-32; auf ein regional, d. h. frömmigkeitstypisch unterschiedlich ausgeprägtes Interesse an der Bibel deuten auch die Beobachtungen von Mutschler (2014), Hempelmann u. a. (2015) sowie Bedford-Strohm/ Jung (2015) hin. Bei den befragten Religionslehrkräften in der Studie von Lück werden „grundlegende Bibelkenntnisse“ als Studienerwartung von über 90% der Befragten angegeben (Lück [2012], 83). 2 Forschungsdesign In diesem Kapitel geht des darum, die Methodik zu beschreiben, d. h. die in der fol‐ genden Untersuchung verwendeten systematischen Vorgehensweisen zur Gewinnung von Erkenntnissen. Näher erläutert werden zunächst die Annahmen, auf deren Grundlage die Forschungsfrage entwickelt wurde (2.1). Es folgt die Begründung der methodischen Grund‐ satzentscheidungen (2.2). Im Detail erläutert werden die entwickelten Fragebögen (2.3), die Durchführung der Befragungen (2.4) und die Auswertungsmethodik (2.5). Abschließend folgt die Erläuterung der Darstellungssystematik in den Kapiteln 3 bis 6 (2.6). 2.1 Forschungsfrage und Annahmen Die Forschungsfrage „Welche Veränderungsprozesse sind bei Studierenden der Religions‐ pädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? “ wurde in mehreren Schritten operationalisiert. Entsprechend der Definition des Grundverständnisses der Bibel als Kenntnis der Vielfalt biblischer Traditionen und der Kenntnis wissenschaftlicher Methoden der Exegese, als Haltung zur Bibel im Gefüge der eigenen Religiosität und, an diese beiden Kompetenzbereiche anknüpfend, als Perspektive, mit der die einzelnen biblischen Texte jeweils gelesen werden, wurden für jede der drei Achsen Annahmen formuliert. Diese Annahmen basieren auf den Beobachtungen von Studierenden im Rahmen der Lehre vor dem Beginn des Untersuchungszeitraums, daneben aber auch auf Studienergebnissen anderer Untersuchungen. 130 Sie werden im Verlauf des Projektes überprüft. 2.1.1 Annahme im Bereich Repertoire Die Studie Piroths zum Studieninteresse von Studienanfänger*innen des Doppelstudiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit zeigt, dass die Studierenden in Hannover im Vergleich zu Studierenden vergleichbarer Studiengänge an anderen Standorten ein nur mäßig ausge‐ prägtes Interesse an der Arbeit mit biblischen Texten haben. 131 Im Hinblick auf den Umgang mit Studierenden und deren Arbeitsergebnissen stellt sich die Frage, welcher Natur dieses Interesse ist. Gerade vor dem Hintergrund einer anwendungsbezogenen Studienwahl zeigt sich im Sinne des Repertoires häufig ein Überspringen des methodisch-reflektierten Umgangs mit Bibeltexten zugunsten des intuitiv geleiteten Anwendungsbezugs. Fuchs spricht von einer sich <?page no="50"?> 132 Fuchs (1989), 99; in eine ähnliche Richtung geht auch das Zitat von Mutschler (2014), 191-192 (s. in Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1); vgl. die Überwindung einer „unmittel‐ baren identifikatorischen Lektüre“ der Bibel als Erwartung der Evangelischen Kirche an die Studierenden diakonisch-gemeindepädagogischer Studiengänge (Evangelische Kirche in Deutschland [2021], 30). 133 Darauf, dass dies eine realistische Erwartung im Hinblick auf den späteren Berufsalltag ist, lassen auch die Ergebnisse der Befragungen von Gemeindepädagog*innen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (2016) bzw. der Diakon*innen in der Hannoverschen Landeskirche (Sozialwissen‐ schafliches Institut der EKD [2017]) schließen (s. in Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1). 134 Vgl. Gerber (2013), 26; s.-o. 1.4.2.2. 135 Zimmer spricht von „Irritationen“ (Zimmer [2012], 213) und „inneren Konflikten“ ([2012], 217). Ähnliches beobachtet Huebenthal („Irritation“, „Verunsicherung“, Huebenthal [2016a], 33). 136 Vgl. Piroth (2013), 35. Theoretisch aufgearbeitet wird die Erwartbarkeit von Krisen im Theologiestu‐ dium bei Engels (1990), 96-98. 137 Lück (2012), 159 (s. in Abschnitt A.1.4.3.2.2 im Online-Zusatzmaterial A, Abschnitt 7.1). „auf Unmittelbarkeit stützende[n] Bibellektüre“. 132 Dabei ist der Wunsch nach Unmittelbarkeit nicht zwingend an einen bestimmten Frömmigkeitstyp gekoppelt. Angenommen wird daher, dass das Interesse der Studierenden im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt, 133 weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und metho‐ dischen Hintergründen. 2.1.2 Annahme im Bereich Religiosität Die Altersstruktur der Studierenden und deren Lebensphase lässt erwarten, dass die Religiosität sich entwickelt und verändert, gerade wenn im Studium gezielt neue und unbekannte Facetten der Theologie mit dem eigenen Glauben ins Gespräch gebracht werden. Wenn es bezüglich der Bibel um die Frage geht, in welcher Weise „die Schrift“ eine Bedeutung hat, 134 dann kann die Bedeutung der Bibel für die Religiosität durch die Begegnung mit wissenschaftlicher Exegese in Frage gestellt werden. 135 Erwartbar sind Glaubenskrisen im Studium. Diese Erwartung kommt auch von den Studierenden selbst, wie die Studie Piroths belegt. 136 Angenommen wird, dass im Prozess der Transformation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und dessen Integration in die eigene Religiosität emotionale Widerstände überwunden werden müssen und es zu Glaubenskrisen kommt. 2.1.3 Annahme im Bereich Leseperspektive Die Beobachtungen der Studierenden in der Lehre zeigen, dass immer wieder die Diskussion um ein wörtliches Verstehen der Bibel mit und unter den Studierenden aufkommt. In einer seiner Studien geht Lück davon aus, dass unter angehenden Religionslehrer*innen nur 2,8% ein wörtliches Verständnis aufweisen. 137 Dagegen ist in der Studie von Zimmer davon die Rede, dass die biblisch-theologische Lehre sich mit einer solchen wörtlichen 50 2 Forschungsdesign <?page no="51"?> 138 Zimmer (2012), 7-8. Zimmer zielt in der Studie - ebenso wie Mutschler (2014) - auf württembergische Verhältnisse. 139 Vgl. Mutschler (2014). 140 Unter Panel versteht man „ein Untersuchungskonzept, bei dem dasselbe Untersuchungsinstrument in regelmäßigen Abständen bei denselben Untersuchungsobjekten (z. B. Haushalten oder Betrieben) eingesetzt wird“ (Weischer [2015b], 303). Die so generierten Daten liefern „Verlaufsinformationen“ (Weischer [2015b], 303), wie sie hier im Zentrum des Forschungsinteresses stehen. 141 Vgl. Stein (2014), 144. 142 Vgl. Schupp (2014), 925. Leseperspektive auseinanderzusetzen habe, 138 und Mutschler entwirft vor dem Hintergrund entsprechender Erfahrungen das Konzept der „Stolpertexte“. 139 Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen lässt sich die Annahme formulieren, dass an der Hochschule Hannover im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit bei Studierenden die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel festzustellen ist. 2.2 Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen 2.2.1 Grundsätzliche Überlegungen zur Methode Auf der Grundlage der dem Projekt insgesamt zugrunde liegenden Forschungsfrage nach den Veränderungsprozessen bei Studierenden der Religionspädagogik und der So‐ zialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel wurden grundsätzliche Entscheidungen zur methodischen Herangehensweise getroffen. Die Forschungsfrage beschreibt als wichtigstes Interesse den Blick auf Veränderungsprozesse bei Studierenden in dem definierten Zeitraum Beginn bis Ende des exegetischen Studiums. Diese Veränderungsprozesse werden hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel beobachtet und beschrieben. Grundsätzlich bedeutet das für die Anforderung an das Forschungsdesign, dass die zu wählende Erhebungsmethodik prozessorientiert ausgerichtet sein muss. Sie muss geeignet sein, Veränderungen im Grundverständnis der Bibel beobachtbar und beschreibbar zu machen. Das wiederum erfordert eine breite Grundlage verschiedenartiger, interpretier‐ barer Daten. Diese werden zwar auf Annahmen hin zugespitzt, Veränderungen könnten aber auch außerhalb dieser Zuspitzungen liegen. Entsprechend dieses breit angelegten Forschungsinteresses müssen auch die gewählten Methoden breit angelegt sein. Als zentrales methodisches Element des Gesamtprojekts wird eine Panelstudie an zwei Messpunkten gewählt, nämlich zu Beginn und zum Ende des exegetischen Studiums, die in definierten Studierendengruppen durchgeführt wird. 140 Das Instrument Längsschnittuntersu‐ chung im Paneldesign 141 entstammt dem Bereich der empirischen Sozialforschung und wird in der Regel in Form von standardisierten Erhebungen durchgeführt. Ermöglicht wird dadurch die Untersuchung von Längsschnittdaten auf der Individualebene: Die Daten werden durch die wiederholte Messung der gleichen oder sehr ähnlicher Inhalte bei den gleichen Untersuchungs‐ einheiten (Personen) mehrfach (mindestens zweimal) zu unterschiedlichen Messzeitpunkten erhoben. 142 Zu den Vorteilen von Paneldaten gegenüber anderen Daten zählen die Möglichkeiten 2.2 Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen 51 <?page no="52"?> 143 Vgl. Stein (2014), 144. Auch Brüderl hebt ähnliche Punkte als Vorteile hervor: „Paneldaten besitzen gegenüber Querschnittsdaten […] gewichtige Vorteile“, da sie „die Verfolgung der individuellen Dynamik sozialer und psychischer Prozesse (intraindividuelle Veränderung)“ ermöglichen und es erlauben, „die zeitliche Abfolge von Veränderungen festzustellen (kausale Reihenfolge)“ (Brüderl [2010], 964). 144 Grundsätzlich formuliert Blumer: „Exploration ist per Definitionem eine flexible Vorgehensweise, in der der Wisenschaftler von einer zur anderen Untersuchungsmethode wechselt, im Verlauf seiner Studie neue Beobachtungspositionen einnimmt, in der er sich in neue Richtungen bewegt, an die er früher nicht dachte, und in der er seine Meinung darüber, was wichtige Daten sind, ändert, wenn er mehr Informationen und ein besseres Verständnis erworben hat […]. Wegen ihrer flexiblen Beschaffenheit ist die explorative Untersuchung nicht an irgendeinen bestimmten Satz von Techniken gebunden. Ihr Leitsatz ist es, sich jeder ethisch vertretbaren Vorgehensweise zu bedienen, die die Wahrscheinlichkeit dafür bietet, dass man ein genaueres Bild dessen gewinnt, was in dem Gebiet sozialen Lebens vor sich geht. Aus diesem Grunde kann es direkte Beobachtung einschließen, dass [sic! ] Interviewen von Personen, das Zuhören bei ihren Gesprächen, die Beschaffung von Lebensgeschichten, den Gebrauch von Briefen und Tagebüchern, das Heranziehen öffentlicher Protokolle, die Durchführung von Gruppendiskussionen und das Auszählen von Einzelelementen, falls dies lohnend erscheint. Bei der Benutzung keiner dieser Vorgehensweisen braucht ein Programm befolgt zu werden; die einzelne Vorgehensweise sollte an ihre jeweiligen Umstände angepasst werden und entsprechend ihrer Angemessenheit und Fruchtbarkeit gesteuert werden“ (Blumer [1973], 122-123, vgl. die Rezeption durch Bungard/ Lück [1995], 202). Ähnlich schreiben Döring/ Bortz zur methodenbasierten Exploration: „Methodenkombinationen werden […] u. a. in der quantitativen Forschung mittels Multitrait-Multimethod-Ansatz, in der qualitativen Forschung mittels Triangulation und in der Mixed-Methods-Forschung mittels unterschiedlicher Mixed-Methods-Designs realisiert.“ (Döring/ Bortz [2016], 173). 145 Völcker u. a. (2019), 103. „Die zentralen Annahmen von Mixed Methods sind die Ablehnung des Postulats der Unvereinbarkeit von qualitativen und quantitativen Methoden […] sowie die Erwartung, dass die Synthese unterschiedlicher Forschungszugänge - womit in der Regel die Integration quantitativer und qualitativer Methoden und Daten in einer Untersuchung gemeint ist - einen Erkenntniszuwachs generiert“ (Völcker u. a. [2019], 105); vgl. für das Feld der empirischen Religionsforschung Morgenthaler (2013), 209-210. 146 Schneider (2014), 15. 147 Völcker u.-a. (2019), 103. einer erweiterten Entwicklungsanalyse, der Erhebung zeitversetzter Informationen, der Ana‐ lyse der intraindividuellen Prozesse und der Kontrolle der Heterogenität. 143 Für das vorliegende Forschungsprojekt mit dem Fokus auf Veränderungsprozesse hat sich die Untersuchung im Paneldesign damit eindeutig qualifiziert: Sie ermöglicht den Blick in die persönlichen Veränderungen vor dem Hintergrund des Studienverlaufs bei gleichbleibendem Befragtenkreis. Diese Panelstudie wird ergänzt durch andere qualitative und quantitative Erhebungsformate, die sukzessive entlang der Ergebnisse der laufenden Studie entwickelt wurden. Insofern folgt das Projekt dem Mixed Methods-Ansatz und ist als explorative Studie angelegt. 144 Damit verfügt das Forschungsprojekt über ein aktuelles Design, denn es „gewinnen zu‐ nehmend methodenintegrative Ansätze an Bedeutung, die als methodenplurale Forschung, Triangulation oder Mixed Methods bezeichnet werden.“ 145 Es können auf diesem Weg Er‐ kenntnisse gewonnen werden, „die einerseits über rein statistische Zahlen und andererseits über einzelne Fälle hinausweisen.“ 146 Der Ansatz verbindet die Vorteile quantitativer und qualitativer Ansätze und vermeidet deren jeweilige Einseitigkeiten. In der konkreten Umsetzung bedeutet das, dass „qualitative und quantitative Verfahren jeweils eigenständig durchgeführt werden“ 147 und auch deren Auswertung entsprechend ei‐ genständig erfolgt. Die Ergebnisse werden dann zusammengeführt, und zwar „mit dem Ziel, 52 2 Forschungsdesign <?page no="53"?> 148 Völcker u.-a. (2019), 104. 149 Roth (2018), 169. 150 Vgl. Roth (2018), 169. 151 Dies gilt für alle Forschungsansätze, die mit qualitativen oder quantitativen Verfahren an einem einzigen Messpunkt arbeiten (s. im Online-Zusatzmaterial A [s. Abschnitt 7.1] alle Ansätze mit Ausnahme der in A.1.4.3.1 vorgestellten). 152 Dies ist das primäre Anliegen der hochschuldidaktisch ausgerichteten Untersuchungen von Oliver Reis und Sandra Huebenthal. Methodisch liegen die Ansätze beider genannten Theolog*innen dem metho‐ dischen Grundansatz dieser Untersuchung näher als die interviewbasierten Arbeiten, da sowohl Reis als auch Huebenthal den Entwicklungsprozess Studierender beobachten, wenn auch nur innerhalb einer Lehrveranstaltung und nicht über einen längeren Zeitraum. Beide bedienen sich kompetenzorientierter Lehr- und Lernüberprüfungsformate (Reis: Studientagebuch, in: ders. [2012], 12-13; Huebenthal: Port‐ folio, in: dies. [2011], 78-79). Das Interesse liegt bei beiden in der Entwicklung von Kompetenztaxonomien im jeweiligen Fach und der Überprüfung, inwiefern Studierende bestimmte Stufen erreichen. Gearbeitet wird mit den definierten Learning Outcomes der Lehrveranstaltungen, d.-h. dem von den Studierenden generierten qualitativ bestimmten Material. Dabei liegt Huebenthal mit dem exegetischen Fachinteresse der vorliegenden Untersuchung näher als Reis, dessen Gegenstand die systematisch-theologische Lehre bildet, in den methodisch ausgewerteten Studien konkret die Gotteslehre (Reis [2012], [2014a] und [2014b]). Die Frage der exegetischen Kompetenz (Huebenthal [2011]) fließt ein in die Begriffsbildung des vorliegenden Forschungsprojekts (Hassan/ Lehmeier [2022], 12-13 und 16, vgl. Abschnitt 1.5.4.1). Methodisch knüpft die Auswertung von Seminarportfolios in der ergänzenden qualitativen Teilstudie „Portfolioalanyse“ an die Arbeiten von Reis und Huebenthal an (Hassan/ Lehmeier [2022], 22). Der Forschungsfrage entsprechend geht es bei der Beobachtung der Lernergebnisse Studierender um das Beobachten und Beschreiben, weniger um die Taxonomie und Bewertung des Lernfortschritts, wenngleich eine nachgeordnete Teilauswertung auch Felder der Kompetenzentwicklung beschreiben kann (Hassan/ Lehmeier [2022], 94-129). 153 Die größte Übereinstimmung hinsichtlich der Zielgruppe und der Anlage der Forschungsinstrumente über einen längeren Zeitraum innerhalb des Studiums besteht mit dem Projekt „Theologie im Sozialisationsprozeß“ (so nennt Manfred Josuttis das Gesamtprojekt bei Engels [1990], 5) (s. in Abschnitt A.1.4.3.1.1 im Online-Zusatzmaterial A [s. Abschnitt 7.1]). durch die Integration der so erhaltenen Ergebnisse ein vollständigeres (nicht ‚objektiveres‘) Bild über einen Untersuchungsgegenstand zu erhalten“. 148 Eine Möglichkeit wäre etwa, „zunächst eine qualitative Untersuchung in Form von Interviews [durchzuführen], die es ermöglicht, konkrete Fragestellungen für eine quantitative Untersuchung zu entwickeln“. 149 Andersherum können aber auch die Ergebnisse einer vorgelagerten quantitativen Studie durch qualitative Verfahren angereichert werden. 150 Wie dargelegt eignen sich zur Beantwortung der hier vorliegenden Forschungsfrage als zentraler methodischer Zugang keine Erhebungsmethoden, die Daten nur zu einem einzigen Zeitpunkt erheben, da sie nicht die Darstellung eines Entwicklungsprozesses ermöglichen. 151 Es geht in diesem Projekt auch nicht um Kompetenzmessungen, die mit klar definierten Merkmalen von Qualität operieren, 152 sondern es geht darum, Ansätze von Veränderungen im Grundverständnis der Bibel vor dem Hintergrund der theoretisch bestimmten Achsen eines Grundverständnisses zu beobachten und zu beschreiben. Es gilt somit, durch ein geeignetes Forschungsdesign ein breites Feld möglicher Veränderungs‐ richtungen des Grundverständnisses der Bibel aufzuzeigen, um so zu ersten Ergebnissen zu gelangen, die dann explorativ mit Hilfe weiterer Erhebungsmethoden vertieft werden. 153 2.2 Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen 53 <?page no="54"?> 2.2.2 Operationalisierung der Forschungsfrage: Erhebungsinstrumente Den in Abschnitt 2.1 genannten Grundüberlegungen folgend bildet eine Panelstudie mit zwei Messpunkten den Ausgangspunkt und den Hauptbestandteil der Operationalisierung des Forschungsinteresses. Die Studie wird mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt, dessen Schwerpunkt auf quantitativen Formaten liegt, der aber auch qualitativ ausgerich‐ tete Fragetypen enthält. Inhaltlich richtet sich die Befragung auf verschiedene, breit ange‐ legte mögliche Verstehenshorizonte und -zusammenhänge der Bibel, die geeignet sind, im Sinne der Achsen ein Grundverständnis der Bibel abzubilden (zu den Details vgl. Abschnitt 2.3). Dieser Projektbereich wird im Folgenden als „Panelbefragung“ bezeichnet. Im Zuge der sukzessiven Auswertung der Ergebnisse wurden ergänzende quantitative und qualitative Erhebungsformate entwickelt und mit Studierenden durchgeführt und ausgewertet. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die verschiedenen Erhebungsinstrumente und visualisiert den zeitlichen Ablauf des Gesamtprojekts mit Panelbefragung, Befragung zu Bibelkenntnissen und Portfolioanalyse (nur Kohorte II). In der vorliegenden Veröf‐ fentlichung werden schwerpunktmäßig die Ergebnisse der Panelbefragung (Kohorten- Befragungen I/ 1 und I/ 2 sowie II/ 1 und II/ 2) dargestellt. Befragung zu Bibelkenntnissen 1. Sem. 2017 Projektdesign nach Kohorten und Studienjahr Panelbefragung II/ 1: 1. Sem. 2017 Panelbefragung I/ 2: 4. Sem. 2018 Panelbefragung I/ 1: 1. Sem. 2016 Studienjahr Semest er Portfolioanalyse 2. Sem. 2018 Kohorte II Kohorte I Panelbefragung II/ 2: 4. Sem. 2019 Abbildung 2: Projektdesign nach Kohorten und Studienjahr 54 2 Forschungsdesign <?page no="55"?> 154 Panelanalysen können sich „sowohl auf altersbezogene als auch auf prozessbezogene Entwicklungs‐ konzeptionen stützen, bei denen das Alterskriterium keine Rolle spielt“ (Baltes/ Nesselroade [1979], 4, zitiert nach Engel/ Reinecke [1994], 3). 155 Vgl. Abschnitt 1.3.3. 156 Zu Beginn steht erstens die Problemdefinition, also die Entwicklung der Forschungsfrage. Es folgt zweitens die Konstruktion des Erhebungsinstrumentes (Begriffe definieren, Skalierungen entwickeln), dann wird drittens die Untersuchungsform festgelegt. Es folgt viertens die Entscheidung über das Arbeiten mit Stichprobe oder Vollerhebung. Nach diesen Entscheidungen wird fünftens ein Pretest durchgeführt, danach sechstens die eigentliche Datenerhebung. Im Anschluss werden die Daten analysiert, es folgt abschließend die Berichtslegung (vgl. Niemann [2019], 33 in Anlehnung an Diekmann [2017]). 157 Vgl. Niemann (2019), 32. 158 Wichmann (2019), 8 mit Bezug auf Flick u.-a. (2012). 159 Wichmann (2019), 8. Quantitative Forschung ist „eine Sammelbezeichnung für Methodologien, Designs und Verfahren der empirischen Sozialforschung, die auf standardisierte Erhebung und statistische Analyse numerischer Daten zielen“ (Weischer/ Diaz-Bone [2015b], 331). Konkret bedeutet das: „Die Erhebungsverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass die einzelnen Erhebungsoperationen (z. B. eine geschlossene Frage) in möglichst gleicher Weise und unter möglichst gleichen Rahmen‐ bedingungen gehandhabt werden können, sodass die so gesammelten meist sehr zahlreichen Daten vergleichbar (und damit zählbar) sind und einer statistischen Analyse unterworfen werden können“ (Weischer/ Diaz-Bone [2015b], 332). Die Daten können mit statistischen Methoden ausgewertet und 2.2.2.1 Die Panelbefragung In der Panelbefragung besteht das Forschungsdesign aus der Wiederholung von Erhe‐ bungen, denn der Fokus des Interesses liegt auf dem Aspekt der Entwicklung. 154 Die jeweils ursprüngliche Gruppe wird nach einem definierten Zeitraum, in diesem Fall nach ca. 20 Monaten, 155 noch einmal befragt. Das Design der überwiegend mit quantitativen Frageformaten konzipierten Panelbefragung orientiert sich in der Abfolge an den von Niemann beschriebenen Phasen quantitativ orientierter Forschungsvorhaben. 156 Die Entscheidungen bezüglich der Untersuchungsform orientieren sich an der For‐ schungsfrage und deren Beantwortbarkeit. Das bedeutet also, dass die Eckpunkte - also die kollektive Vollerhebung im Paneldesign, Messpunkte, Zielgruppe sowie die Auswertungs‐ formate - festgelegt und das Messinstrument, also der Fragebogen, entsprechend dem Forschungsinteresse konzipiert werden. Im vorliegenden Projekt wurde bereits im Rahmen der Erhebung eine Gleichzeitigkeit der Methoden gewählt. Das Instrument setzt sich aus mehrheitlich standardisiert-quan‐ tifizierbaren Fragen sowie zu geringeren Teilen aus offenen und halboffenen Fragen zusammen. Beide Anteile innerhalb des Panelfragebogens werden getrennt ausgewertet und im Anschluss miteinander verknüpft und auch in der Zusammenschau interpretiert. Die qualitativen Daten ermöglichen zum einen ein tieferes Verständnis der quantitativen Ergebnisse und zum anderen eine direkte Korrelation mit den quantitativen Daten inner‐ halb der Erhebung. Der Ansatz bei einer quantitativ ausgerichteten Befragung birgt für die Sondierung einer breit angelegten Fragestellung Vorteile, denn quantitative Erhebungen beinhalten, dass Fragestellungen aus theoretischen Ansätzen abgeleitet und messbar, 157 d. h. im Sinne von „Häufigkeiten und Verteilung von Phänomenen“, 158 beschreibbar werden. Daneben ist ein „standardisiertes Vorgehen“ 159 erforderlich, das den Kriterien Objektivität, Reliabilität 2.2 Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen 55 <?page no="56"?> interpretiert und die dafür jeweils einzelnen Schritte im Vorfeld geplant werden (vgl. Niemann [2019], 32). 160 Vgl. Niemann (2019), 34-35 und Wichmann (2019), 39. 161 Weischer/ Diaz-Bone (2015a), 329. 162 Von der Forschungsfrage betroffene Subjekte sind Ausgangspunkt und Ziel der Forschung. Am Anfang steht die Beschreibung des Gegenstands. Der Gegenstand einer Untersuchung wird durch Interpretation erschlossen. Es ist anzustreben, die beforschten Subjekte in ihrem natürlichen Umfeld aufzusuchen. Ergebnisse können nicht automatisch verallgemeinert werden, sondern für eine Verallgemeinerung ist eine schrittweise Begründung erforderlich (vgl. Mayring [2002], 20). und Validität 160 genügen muss. Gerade wenn es um die Planbarkeit, Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit einer Befragung im Rahmen einer Panelstudie geht, ist ein solches Vorgehen geeignet. Der Panelfragebogen enthält zudem auch halboffene und offene Fragen, die nicht standardisiert-quantifizierbar auszuwerten sind, sondern den Studierenden Textfelder zur freien Beantwortung geben. Diese Anteile sind somit qualitativ konzipiert und müssen sich an den Kriterien und Postulaten qualitativer Sozialforschung orientieren. Gegenüber quantitiven Formaten, die eher auf Messbarkeit und Zählbarkeit von Phänomenen zielen, geht es in der qualitativen empirischen Sozialforschung um „die spezifische Qualität von sozialen Phänomenen oder von Fällen bzw. Typen“. 161 Im Vordergrund stehen die Subjekte, die von der Forschung betroffen sind. Von ihnen aus wird das Vorhaben konzipiert. Eine wiederholbare Forschungssituation wie bei der quantitativen Herangehensweise wird dabei nicht vorausgesetzt. Ergebnisse werden anschließend nicht über das Auszählen von Häufigkeiten erzielt, sondern die Auswertung der Daten erfolgt hermeneutisch, d. h. auf dem Wege kriteriengeleiteter Interpretation. 162 Um die Vorteile beider empirischer Richtungen nutzbar zu machen, werden im vorlie‐ genden Projekt quantitative und qualitative Formate verknüpft. So können quantifizierbare Veränderungen in den Antworten der Studierenden einerseits direkt erfasst und anderer‐ seits durch die qualitativen Anteile Rückschlüsse auf subjektive Bedeutungszusammen‐ hänge und persönliche Haltungen gezogen werden. Dem Interesse an Häufigkeiten und an intrapersonalen Aspekten entsprechend wird somit auch der Fragebogen im Mixed Methods-Design konzipiert. Die Fragebögen werden grundsätzlich an den Zeitpunkt ihrer Ausgabe angepasst. Das bedeutet, dass im Fragebogen zum ersten Messpunkt (MP 1) der Ist-Stand des Grundverständnisses der Bibel zu Beginn des Studiums abgefragt wird und daneben auch soziodemografische Daten. Im Fragebogen zum zweiten Messpunkt (MP 2) liegt der Fokus hingegen besonders auf dem Verlauf und möglichen Veränderungen, also auf dem aktualisierten Ist-Stand und den Erfahrungen aus den zurückliegenden Semestern. Die soziodemografischen Daten werden nicht erneut erhoben. Die untersuchten Personen der Panelbefragung sind Erstsemester-Studierendengruppen der Jahrgänge 2016 (= Kohorte I, im Folgenden: Koh. I) und 2017 (= Kohorte II, im Folgenden: Koh. II) im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit der Fakultät V der Hoch‐ schule Hannover, deren Veränderungsprozesse hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel beobachtet und beschrieben werden sollen. Zu Beginn des Studiums in der ersten Sitzung der Vorlesung „Bibelkunde“ wird den Studierenden der erste Fragebogen zur Beant‐ wortung vorgelegt; dies bildet jeweils den MP 1 in beiden Kohorten. Ein weiterer Fragbogen 56 2 Forschungsdesign <?page no="57"?> 163 Das erste Erhebungsdatum der Koh. I ( Jahrgang Studienbeginn Wintersemester 2016/ 2017) ist der 26.09.2016 und das Datum der zweiten Erhebung für diese Kohorte der 12.06.2018. Koh. II hat ihr Studium im Wintersemester 2017/ 2018 begonnen; das Datum der ersten Befragung ist der 26.09.2017 und der zweiten der 07.05.2019. 164 Vgl. Weischer (2015d), 431. 165 Vgl. Jann (2015), 166. 166 Vgl. Staerkle (2015), 125. 167 Die Identifikation von Bibel und Erzählung geht so weit, dass Studierende in Hausarbeiten davon sprechen, ein Text „erzähle“, auch wenn es sich, etwa wie bei den Paulusbriefen, um einen argumentierenden oder wie bei Psalmen um einen poetischen Text handelt; vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 43. wird den Studierendengruppen dann im Verlauf des vierten Semesters vorgelegt; dieser Zeitpunkt bildet den MP 2 in beiden Kohorten. 163 Da im Wintersemester 2016/ 2017 (Koh. I) und im Wintersemester 2017/ 2018 (Koh. II) alle in der Sitzung anwesenden Studierenden des Erstsemesters (jeweils N=37) befragt wurden, handelt es sich im statistischen Sinne um eine Vollerhebung, 164 d. h. alle Personen dieser Grundgesamtheit 165 werden untersucht (und nicht nur ein Teil). Eine zweite Kohorte wird in die Erhebung integriert, um einerseits die Grundgesamtheit zu erhöhen und andererseits die Befragungsergebnisse abzugleichen. 166 Der Einblick in die Struktur der Studierendenschaft wird auf diese Weise weniger zufällig; Übereinstimmungen in den Tendenzen können sich damit eher auf andere Kontexte übertragen lassen, als das mit nur einer Kohorte möglich wäre. 2.2.2.2 Ergänzende und flankierende Erhebungsinstrumente Im Verlauf der Studie und nach Sichtung erster Ergebnisse aus Koh. I ist deutlich geworden, dass ergänzende Befragungen und Methoden hilfreich wären, um im Sinne der Forschungs‐ frage weitere Ergebnisse zu erzielen, die mit den Ergebnissen der Panelbefragung korreliert werden könnten. Aus diesem Grund wurden zum einen bei beiden Kohorten in der Zweitbefragung ergänzende Items hinzugefügt. Zum anderen wurde in Koh. II im Verlauf des zweiten Studiensemesters eine ergänzende qualitative Studie in Form einer Analyse von Seminarportfolios durchgeführt. Außerdem wurde zu Beginn des ersten Studiensemesters in Koh. II die Kenntnis von biblischen Erzähltexten gegenüber Texten nicht erzählender Formen erhoben. Diese Erhebungen konnten nur in Koh. II durchgeführt werden, da für Koh. I die Situation des Studienbeginns und die Lehrveranstaltung Biblische Theologie zum Zeitpunkt der Auswertung der Erstbefragung bereits vergangen war. Das Design und die Auswertung aller Erhebungen, die nur bei Koh. II (Studienjahrgang 2017) durchgeführt wurden, sind aufgrund der erhobenen Datenmenge separat veröffentlicht und online zugänglich (Hassan/ Lehmeier [2022]). 2.2.2.2.1 Ergänzende Erhebungen in Kohorte-II 2.2.2.2.1.1 Befragung zu Bibelkenntnissen Ausgehend von der Erfahrung aus der Lehrpraxis, dass Bibeltexte von Studierenden oft gleichgesetzt werden mit „Erzählungen“ oder „Geschichten“, 167 wurde eine Befragung zur 2.2 Methodisches Vorgehen bei den Erhebungen 57 <?page no="58"?> 168 Dies wird gestützt von den Ergebnissen des Forschungsprojekts zur Bibelrezeption in Südafrika, das Jacqueline Du Toit aktuell vorantreibt und in einem Vortrag „Bible, nationalism and the everyday: tracing the parameters of a South African case study“ vorgestellt hat (SBL International Meeting 2017, Berlin). Einzelne Ergebnisse sind greifbar in Du Toit (2009) und Du Toit (2014). Du Toit kommt zu der Erkenntnis, dass in Südafrika Kinderbibeln als Auswahlbibeln traditionsbildend wirken und einen erheblichen Einfluss auf die Bibelkenntnisse der Bevölkerung haben. 169 Haug/ de Kort (1992) und Jaromin/ Pfeffer (1999). Beide Kinderbibeln enthalten ausschließlich erzäh‐ lende Texte. 170 Hassan/ Lehmeier (2022), 43-46. 171 Das Design dieser Teilstudie bezieht sich u. a. auf das Forschungsdesign der Kompetenzforschungen im Bereich systematischer Theologie, die Reis durchgeführt hat (Reis [2012] und [2014a]), vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 17 und 22. Ermittlung der vorhandenen Bibelkenntnisse am Studienbeginn entwickelt und in Koh. II am 10.10.2017 durchgeführt, und zwar im ersten Semester in der dritten Sitzung der Vor‐ lesung „Bibelkunde“. Als Hypothese liegt der Befragung zugrunde, dass die Gleichsetzung von „Bibel“ und „Erzählung“ mit der Sozialisation durch Kinderbibeln zusammenhängt, 168 die überwiegend Texte aus erzählenden Gattungen anbieten. In der Folge wurde auf Basis zweier gängiger deutscher Kinderbibeln 169 das Befragungsdesign entwickelt. Die Ergebnisse sind im Detail im Rahmen der Darstellung des Teilprojekts Portfolionalyse veröffentlicht. 170 2.2.2.2.1.2 Portfolioanalyse Ebenfalls nur auf Koh. II bezogen ist die Analyse von Seminarportfolios aus der Lehrver‐ anstaltung Biblische Theologie 171 (Sommersemester 2018), durch die eine breite zusätzliche Datenbasis generiert wurde, die mit den Ergebnissen der Panelbefragung korreliert werden kann. Die Auswertung dieses Materials wird als „Portfolioanalyse“ bezeichnet. Diese fließt als ergänzende qualitative Teilstudie in das Gesamtergebnis des Projekts ein. Die Studierenden der Koh. II sollten im Rahmen des Kurses „Biblische Theologie“ innerhalb eines Jahres ein sogenanntes Seminarportfolio erstellen, in dem sie sich mit vorgegebenen Problemlösungsszenarien schriftlich auseinandersetzen sollten. In diesen Szenarien sind drei fiktive Praxissituationen beschrieben, die zu jeweils verschiedenen Zeitpunkten im zweiten Semester zwischen April und Juni 2018 bearbeitet wurden. Im Vorfeld wurden die den Aufgaben zugrundeliegenden Themen „Schöpfung“, „Wunder“ und „Frauenrollen in den frühen Gemeinden“ neben anderen Themen in der Lehrveranstaltung exegetisch und hermeneutisch erarbeitet. Daraus ergibt sich bei Koh. II gegenüber Koh. I eine Veränderung, da Koh. I als Prüfungsvorleistung lediglich einen einzigen Bibeltext analysieren musste. In allen folgenden Auswertungen in den Kapiteln 3-6 wird diese didaktische Veränderung bei Koh.-II gegenüber Koh.-I entsprechend berücksichtigt. Die Portfolioanalyse erfolgte mit dem Einverständnis der jeweiligen Studierenden und anonymisiert. Wie bei der Panelbefragung ist eine Zuordnung zu konkreten Personen nicht möglich. Eine Verknüpfung zwischen den einzelnen Befragten des Panels sowie der Portfolioanalyse ist ebenfalls nicht möglich, da bei beiden Erhebungen unterschiedliche Anonymisierungsverfahren zur Anwendung kommen mussten. Die Daten der Portfolios stehen deshalb zunächst für sich. Sie sind jedoch im Sinne der Methodenintegration als Teil des Gesamtprojekts zu sehen, da sie zu einem besseren und vertieften Verständnis des Forschungsgegenstandes führen. 58 2 Forschungsdesign <?page no="59"?> 172 Zur konkreten Ausgestaltung der Fragebögen an beiden Messpunkten s. Abschnitt 2.3.2.2. Die Fragebögen sind im Anhang vollständig abgedruckt. 173 Vgl. Diaz-Bone (2015b), 322. 2.2.2.2.2 Ergänzende Aufgabenstellung in Panelbefragung Messpunkt 2, beide Kohorten Auf Basis der aus der Portfolioanalyse gewonnenen Erkenntnisse wird dem Panelfrage‐ bogen an MP 2 in beiden Kohorten unter anderem eine qualitative Aufgabenstellung hinzugefügt (Teil 2 des Fragebogens an MP 2). 172 Das Design dieser ergänzenden Aufgabe orientiert sich weitgehend an den Problemlösungsszenarien der Portfolios. Der entschei‐ dende Unterschied besteht darin, dass sich die Befragten auf die Aufgabenstellung an MP 2 in der Veranstaltung „Biblische Theologie“ nicht eigens vorbereiten konnten. Es geht also um etwas, das sich als Ad hoc-Exegese eines Bibeltextes in einem hermeneutisch heraus‐ fordernden Szenario bezeichnen ließe. Die Auswertung der so gewonnenen qualitativen Daten erfolgt auf der Basis der Auswertungsinstrumente der Portfolioanalyse. Der Mehrwert dieses weiteren qualitativen Formats besteht in der Korrelierbarkeit mit allen Teilnehmer*innen (TN) der Panelbefragung. Dadurch, dass die Erhebung zeitgleich und in physischer Einheit mit dem Panelfragebogen (Teil 1 des Fragebogens an MP 2) erfolgt, sind Anzahl und Identität der Teilnehmer*innen (anomymisiert und codiert) gleich. Die Konzeption des Fragebogens orientiert sich dementsprechend an der Methodentrian‐ gulation, also an der Verwendung qualitativer und quantitativer Bausteine. 2.3 Entwicklung der Fragebögen 2.3.1 Der Fragebogen an Messpunkt 1 Ausgehend von der Forschungsfrage nach den beobacht- und beschreibbaren Verände‐ rungsprozessen hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel ist der Fragebogen für MP 1 in der Paneluntersuchung breit angelegt. Entsprechend der Bestimmung der Achsen (s. o. Abschnitt 1.5.4) sind diese im Fragebogen angesprochen, ohne jedoch vorschnell eine Festlegung der Studierenden auf bestimmte Aspekte vorzuzeichnen. Die den Achsen zugeordneten Annahmen bilden jeweils einen Schwerpunkt für die Formulierung der Fragestellungen. Der an MP 1 vorgelegte Fragebogen gliedert sich in drei Teile. Der erste und umfang‐ reichste Teil bezieht sich auf Erfahrungen mit der Bibel, der zweite Teil bezieht sich auf die religiöse Biographie und der dritte Teil erhebt soziodemographische Standarddaten. Im Vorfeld wurde ein Pretest durchgeführt. Im Juni 2016 wurde einer Gruppe Studie‐ render aus dem vorherigen Studienjahrgang der Fragebogenentwurf vorgelegt. Mit diesem Vorgehen sollte entsprechend der sozialwissenschaftlichen Kriterien ein erster Eindruck über die Qualität des Instruments gewonnen werden, um möglicherweise auftretende Mängel zu identifizieren und zu beheben 173 sowie um feststellen zu können, ob die entwickelten Fragen im gedachten Sinne von den Studierenden verstanden werden. Die daraufhin vorgenommenen Veränderungen bewegen sich im Rahmen der Ergänzung 2.3 Entwicklung der Fragebögen 59 <?page no="60"?> 174 Frage 1.2: „In welchen Zusammenhängen haben Sie die Bibel bisher kennengelernt“ zielt auf den „Sitz im Leben“ biblischer Texte in den Lebenszusammenhängen der Studierenden. Vergleichbare Items formulieren Daiber/ Lukatis (1991), 81; 92-97. Die Frage nach der Häufigkeit des Bibellesens (Frage 1.3) ist aus KMU 5 übernommen (Bedford-Strohm/ Jung [2015], 497; ähnlich auch Daiber/ Lukatis [1991], 79-80). Frage 1.4 zielt auf die sozialen Kontexte, in denen die Bibel bei den Studierenden vorkommt, und lässt auch die Möglichkeit offen, dass die Bibel bisher nicht wichtig gewesen ist (Item 1.4.5). Die Wichtigkeit der Bibel für den Glauben als ein Grundelement des Grundverständnisses wird noch einmal gezielt in Frage 1.6 erhoben. Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) lädt an MP 1 zur Formulierung eines eigenen Grundverständnisses zu Beginn des Studiums ein. 175 Vgl. Reis (2008), 32-36. 176 So adressiert etwa Item 1.7.2 („Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe“) die Leseperspektive mit der Annahme, dass eine Tendenz zum wörtlichen Bibelverstehen bei den Studierenden besteht. Dieses Item wurde in Anlehnung an KMU 5 formuliert (Bedford- Strohm/ Jung [2015], 498). 177 So kann etwa Item 1.9.4 („dass die Bibel in sich widersprüchlich ist“) je nach Wahl ein Indikator für eine wörtliche oder eine übertragene Leseperspektive sein. Zugleich werden Hinweise auf die Veränderung des Repertoires gegeben, nämlich wie die Studierenden mit Widersprüchen in der Bibel von Antwortmöglichkeiten, optischer Veränderungen im Layout und Anpassungen der Fragestrukturen. 2.3.1.1 Der Fragebogen an Messpunkt 1: Erfahrungen mit der Bibel (Teil-1) Der Fragebogen enthält mehrere Fragenkomplexe, die jeweils aus mehreren Items bestehen und unterschiedliche Schwerpunkt bilden. Items zu einzelnen Achsen und Annahmen finden sich bewusst über verschiedene Fragenkomplexe verteilt. Die Fragebögen sind im Anhang abgedruckt. Grundlegende Aspekte des Umgangs mit der Bibel und der Haltung zur Bibel, die für alle Achsen relevant werden können, bildet der erste Fragenkomplex (Items 1.1-1.4 und 1.6) ab. 174 Der zweite Fragenkomplex (1.5, 1.7 und 1.8) zielt auf das methodische Repertoire der Studierenden im Umgang mit Bibeltexten. So wird in 1.5 („Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? “) erfragt, welches Auslegungsrepertoire von den Studierenden genutzt wird. Über das eigene Tun hinausgehend zielt die Frage 1.7 auf die Motivation der Studierenden, sich mit wissenschaftlichen Methoden der Bibelauslegung und Hintergrundinformationen zur Bibel zu beschäftigen. Dies wird in Frage 1.8 zugespitzt, die spezifisch nach den Wünschen für das Studium fragt. In diesem Fragenkomplex wird die Annahme operationalisiert, dass die Studierenden eher anwendungsbezogen an Bibeltexten interessiert sind und weniger an theoretischen und methodischen Hintergründen. Die Fragen nach Informationsquellen und Hintergrundinformationen (Items 1.5.5 und 1.5.6) zielen auf bereits bekannte Methodiken und ggf. bereits vorhandene Erfahrungen mit der Wahrnehmung des historischen Abstands von den biblischen Texten. Damit behandelt Frage 1.5 Aspekte des Wissens, Könnens und Handelns, 175 während die Fragen 1.7 und 1.8 motivationale Aspekte abbilden. Die einzelnen Fragenkomplexe zielen dabei nicht jeweils nur auf eine Achse, sondern mischen unterschiedliche Aspekte der Kernfrage in einem Themenbereich. 176 Unter dem Aspekt der Schwierigkeiten mit der Bibel fokussieren die Items der Frage 1.9 sowohl auf Aspekte des Repertoires und der Religiosität als auch auf Aspekte der Leseperspektive. 177 Im Hinblick auf das durch 60 2 Forschungsdesign <?page no="61"?> umzugehen gelernt haben. Eine Anwahl des Items kann im Verbund mit anderen etwas über die intellektuelle Auseinandersetzung mit religiösen Themen aussagen. Item 1.9.11 („nichts! “) fokussiert auf die Annahme einer Tendenz zum wörtlichen Verstehen, indem die Annahme der Irrtumslosigkeit der Bibel adressiert wird (vgl. z.-B. Kienzler [2000]). 178 Vgl. Piroth (2013), 33. 179 Die Grundpositionen werden nach Lück mit den Begriffen „wörtlich“, „übertragen“, „reduktiv“ und „säkular“ bezeichnet (Lück 2012, 158), s. Abschnitt 1.5.4.3. 180 Vgl. Item 1.10.3 („Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Relevanz für mein Leben haben“) als Ausdruck einer säkularen Leseperspektive sowie Item 1.10.5 („Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden“) als Ausdruck einer wörtlichen Leseperspektive. Item 1.10.8 formuliert die übertragene Leseperspektive als „Gottes Wort im Menschenwort“. Die Formulierung geht zurück auf Art. 12 der Dogmatischen Konstitution „Dei Verbum“ des Zweiten Vatikanischen Konzils (1965) und findet sich mittlerweile auch im evangelischen Bereich (z. B. bei Mutschler [2014], 211 oder ähnlich bei Lück [2012], 158-159). Die Items 1.10.1-1.10.3 werden leicht verändert aus KMU 5 übernommen (Bedford-Strohm/ Jung [2015], 498). 181 So formuliert beispielsweise - als Vertreter der älteren Forschung - Gunneweg (1977), 7: „Ja, es ist keine Übertreibung, wenn man das hermeneutische Problem des Alten Testaments nicht bloß als ein, sondern als das Problem christlicher Theologie betrachtet, von dessen Lösung so oder so alle anderen theologischen Fragen berührt werden.“ 182 Diese und andere problematische Verstehensweisen des Alten Testaments finden sich in knapper Form zusammengestellt bei Zenger/ Frevel (2016), 17-19. 183 Zu Item 1.11.4 und 1.11.5 s. auch im Online-Zusatzmaterial B (Abschnitt 7.2). das Doppelstudium erwartbare Interesse der Studierenden an gesellschaftlichen und sozi‐ alpolitischen Themen 178 wird ein weiterer Schwerpunkt in Frage 1.9 auf konfliktträchtige Aspekte biblischer Texte angesichts moderner sozialer Normen und naturwissenschaftli‐ cher Erkenntnisse gelegt. Zu erwarten ist, dass eine Häufung von Schwierigkeiten mit der Bibel anzutreffen ist; gerade im Vergleich von MP 1 mit MP 2 kann es Hinweise auf Krisen und emotionale Widerstände geben. Ein weiterer Fragenkomplex (1.10-1.13) zielt vorwiegend auf die Leseperspektive der Studierenden. Den potentiell erkennbaren Grundpositionen, die sich auf der Achse Leseper‐ spektive einordnen lassen, 179 trägt Frage-1.10 mit der Zuspitzung auf bibelhermeneutische Grundpositionen Rechnung. 180 In Frage 1.11 richtet sich der Blick auf die Grundhaltung zum Alten Testament als wichtiges Problemfeld der Bibelhermeneutik. 181 So wird etwa die populäre Meinung, der zufolge das Neue Testament das Alte korrigiert, in Item 1.11.3 aufgenommen. Wenn Texte aus dem Alten Testament als problematisch empfunden werden, bildet die pauschale Abwertung des Alten gegenüber dem Neuen Testament einen typischen Lösungsversuch (Item 1.11.4). 182 Eine das Alte Testament wertschätzende Haltung wird in Item 1.11.5 zum Ausdruck gebracht. 183 In Frage 1.12 werden die zuvor (1.10 und 1.11) erfragten bibelhermeneutischen Grund‐ haltungen anhand eines Textes aus dem Alten Testament konkretisiert. Gen 3,16 gehört zu den Texten des Alten Testaments, die bis heute auch über christliche Gemeinden hinaus eine fatale Wirkungsgeschichte entfalten. Es handelt sich dabei zudem um eine biblische Aussage, die den Menschenrechten widerspricht und damit gerade bei den hier Befragten unbedingt eine bibelhermeneutische Auseinandersetzung erfordert. Dieser und andere ähnliche Texte der Bibel provozieren Studierende und führen möglicherweise zu einer Überprüfung der eigenen Leseperspektive. Daher soll hier anhand eines Bibeltextes 2.3 Entwicklung der Fragebögen 61 <?page no="62"?> 184 Die Formulierung in Item 1.12.1 steht für eine eher wörtliche Leseperspektive, die den Bibeltext nicht hinterfragt, sondern im Gegenteil mit göttlicher Autorität auflädt. Item 1.12.2 repräsentiert eher eine historisch-kritische Operationen für denkbar haltende, gemäßigt übertragene Position, wobei hinter dieser Haltung die Vorstellung steht, es gäbe „ursprüngliche Autor*innen“ der Bibeltexte, die sich von späteren Redaktor*innen unterscheiden lassen. In Item 1.12.3 wird eine Position verallgemeinert, nach der die Forderung des Textes für alle Lebensbereiche gilt; dies ist im Zusammenhang mit 1.12.1 zu sehen. Diese Interpretation entspricht einer langjährigen Wirkungsgeschichte des Textes. Item 1.12.4 hingegen steht für eine reflektierte und historisch-kritische Position, die den Text als heute auslegungsbedürftig und historisch einzuordnen wahrnimmt. Die gesamte Frage 1.12 wurde im Rahmen des vorliegenden Projekts erarbeitet. 185 Dies sind die Items 1.13.1; 1.13.2 und 1.13.7. Dezidiert ethisch-religiös ausgerichtet ist Item 1.13.8 („Mir ist besonders wichtig, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist“). 186 Hier sind die Items 1.13.3 („Ich möchte Texte besser verstehen können …“), 1.13.4; 1.13.6 und 1.13.9 („Mir ist wichtig, viel über die Hintergründe der Bibel zu erfahren“) im Fokus. 187 Vgl. z. B. Lück (2012) mit dem Fragebogen (Forschungsgruppe Theologiestudium [2009]); KMU 5 (Bedford-Strohm/ Jung [2015]); Piroth (2013); Huber (2009); Hempelmann u. a. (2015); s. o. unter 1.5.4.2 sowie im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). die bei Studienbeginn vorhandene bibelhermeneutische Position greifbar werden, deren eventuelle Veränderung dann an MP 2 zu überprüfen ist. Definitionsgemäß fließen in die Leseperspektive der Studierenden auch Aspekte des eigenen Repertoires im Umgang mit der Bibel ein (vgl. Abschnitt 1.5.4.1), sodass einige Items auch aus der Perspektive dieser Achse ausgewertet werden können. 184 Frage 1.13 ist auf die Prioritäten gerichtet, die bei der Bibelauslegung gesetzt werden. In mehreren Items geht es um unterschiedliche Aspekte einer befreiungstheologisch ausgerichteten Bibelhermeneutik. 185 Eine grundsätzliche Ausrichtung auf die Themen Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit im Doppelstudiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit lässt erwarten, dass Studierende besonders solche Texte in der Bibel wichtig finden, in denen es um die Kritik an sozialen Unterschieden oder Fragen von Gerechtigkeit und Befreiung geht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Items, die auf eine Motivation zur Erweiterung des Repertoires der Studierenden zielen. 186 Durch die Anwahl eines dieser Items würden die Studierenden die Annahme falsifizieren, dass sie wenig Interesse an theoretischen und methodischen Hintergründen hätten. Dagegen zielt Item 1.13.8 auf die Priorität der Anwendung eines ethischen Motivs auf die Gegenwart. Item 1.13.5 („Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nicht so viel über ihre Hintergründe wissen muss“) dient als Kontrollfrage zu Item 1.7.2 („Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe“), spitzt dieses aber methodisch und motivational zu. 2.3.1.2 Der Fragebogen an Messpunkt 1: Religiöse Biographie (Teil-2) Im Gegensatz zu den bisher dargestellten Fragenkomplexen zum Umgang mit der Bibel existieren zu den Themen der religiösen Sozialisation, der religiösen Einstellungen und der religiösen Praxis bereits eine Fülle von Studien. 187 Daher werden im Fragebogenteil „Religiöse Biographie“ die meisten Fragen aus anderen Fragebögen übernommen. Dies er‐ möglicht die Einordnung der befragten Gruppe vor dem Hintergrund anderer Zielgruppen. 62 2 Forschungsdesign <?page no="63"?> 188 Vgl. Forschungsgruppe Theologiestudium (2009), 14, dort Item 7.3. 189 Die Frage nach dem Zeitpunkt zielt auf den Unterschied zwischen Kindertaufe und Erwachsenen‐ taufe. Befürworter der Erwachsenentaufe begründen dies oft mit dem Bezug auf das neutestament‐ liche Zeugnis im Sinne einer wörtlichen Leseperspektive (vgl. Bickelhaupt (2015), 631-632). 190 Vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 468. Die Frage nach dem Unterricht gegenüber der Konfirmation als solcher betont den Verlaufscharakter des Unterrichts. 191 Diese Fragen sind dem Fragebogen der Forschungsgruppe Theologiestudium ([2009], 13) ent‐ nommen; dort sind es die Items 6.8; 6.9 sowie 6.11. 192 Vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 471. 193 Vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 463-464. 194 Vgl. Piroth (2013), 24-27. 195 Vgl. Huber (2009), 19-20, s. Abschnitt 1.5.4.2. 196 Häufigkeit des Austauschs: Item 2.12, entnommen aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 502; Gesprächs‐ partner für den Austausch: Item 2.13, angelehnt an: Bedford-Strohm/ Jung (2015), 505. 197 Frage 2.14, weitgehend übernommen aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 486, erweitert durch die zielgruppenspezifischen Optionen „Jugendfreizeit“, „Kinderfreizeit“, „Konfirmationsunterricht“. Die Fragen zur religiösen Sozialisation sind naturgemäß nicht als Panelfragen zur Wiederholung an einem zweiten Messpunkt angelegt, sondern dienen der Annäherung an die Zielgruppe und werden zur Einordnung anderer Befragungsergebnisse herangezogen; das geschieht etwa in der Darstellung einzelner Teilnehmer*innen in Kapitel 5. Der Fragenkomplex zur formalen Konfessionszugehörigkeit umfasst die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft (Frage 2.1), 188 den Zeitpunkt der Taufe (Frage 2.7) 189 und den Besuch des Konfirmationsunterrichtes oder eines vergleichbaren Unterrichts (Frage 2.9) 190 . Ein weiterer großer Fragenkomplex zielt auf einige Aspekte der religiösen Sozialisation in der Herkunftsfamilie (Frage 2.2: Sprechen über religiöse Themen; Frage 2.3: Beten vor dem Einschlafen, Frage 2.4: Beten vor dem Essen) 191 und auf den Einfluss der Herkunftsfa‐ milie auf die eigene religiöse Einstellung (Frage 2.5: Eigene religiöse Erziehung und religiöse Erziehung der Eltern) 192 . In den Fragen nach einer Beeinflussung des eigenen Glaubens durch Familie, weitere Personen (Frage 2.10) und Medien (Frage 2.11) 193 sowie nach der Be‐ teiligung am Gemeindeleben bis zum Studienbeginn (Frage 2.6) werden weitere Aspekte der religiösen Sozialisation bis zum Zeitpunkt des Studienbeginns thematisiert. Abgeschlossen wird der Fragebogenteil zur religiösen Sozialisation mit der Studienentscheidung, nach deren Gründen gefragt wird (Frage-2.20) 194 . Die bisher beschriebenen Fragenkomplexe sind auf die Vergangenheit gerichtet, also auf die Zeit bis zum Beginn des Studiums, während alle folgenden Fragenkomplexe sich auf die Gegenwart richten und daher potentiell für eine Mehrfachbefragung geeignet sind. Sie operationalisieren die Kerndimensionen der Religiosität 195 einerseits in der Breite und andererseits mit dem Fokus auf Themen, die möglicherweise im Zusammenhang mit einer Veränderung des Grundverständnisses der Bibel stehen. Die Items 2.12.-2.16 zielen auf die religiöse Praxis in der Gegenwart; dabei geht es zum einen um den Austausch über religiöse Themen, 196 zum anderen um die gegenwärtige Beteiligung am kirchlichen Leben. 197 Daran schließt sich inhaltlich die Frage nach dem ehrenamtlichen Engagement in breiteren Zusammenhängen als offene Frage an (Item 2.16). 2.3 Entwicklung der Fragebögen 63 <?page no="64"?> 198 Mit geringfügigen Änderungen entnommen aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 467. 199 Aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 487. 200 Frage 2.17: Bewertung von Themen als religiöse Themen, aus: Bedford-Strohm/ Jung (2015), 491-492, ergänzt durch das Item „Gehorsam“; Frage 2.18: Toleranz gegenüber religiösen Gruppen aus: Bedford- Strohm/ Jung (2015), 498; Frage 2.19: Zustimmung zu verschiedenen Glaubensaussagen; zur Auswahl vgl. Hempelmann u. a. (2015), Charts 79 und 83 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM sowie Bedford- Strohm/ Jung (2015), 473 und 501-502. 201 Die Frage ist orientiert an der Frage nach dem eigenen höchsten Bildungsabschluss bei Bedford- Strohm/ Jung (2015), 521-522; ein Teil der Items wurde von dort übernommen. 202 Vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 522-523, jeweils adaptiert auf die Eltern. 203 Vgl. Piroth (2013), 13-14. Die Fragen 3.3. und 3.4 sind als halboffene konzipiert. Die Studierenden antworten entweder ablehnend mit „Nein“, oder sie kreuzen „Ja“ an und haben dann die Möglichkeit, ihre genaue Vorbildung in einem Freitextfeld einzutragen. 204 Aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 526. 205 Drei geschlossene Antwortmöglichkeiten: „weiblich“, „männlich“, „transgender“. 206 Drei geschlossene Möglichkeiten zur Zuordnung: bis 19 Jahre, 20 bis 25 Jahre sowie 26 Jahre und älter; das trägt dem Umstand Rechnung, dass erfahrungsgemäß der Großteil der Studierenden kurz nach dem Abschluss der Schule ein Studium beginnt und kleinteiligere Staffelungen höherer Altergruppen in der Masse nicht zu erwarten sind. Darüber hinaus werden die Einstellungen zu spezifischen religiösen Fragen über die An‐ sichten zur Taufe (Frage 2.8) 198 und die Bewertung des eigenen Engagements (Frage 2.15) 199 eruiert. Auch die Fragen 2.17-2.19 nehmen die Einstellungen zu religiösen Fragen in den Blick. 200 Insbesondere in Items von Frage 2.19 wird die Annahme operationalisiert, dass im Prozess der Transformation des intuitiven Repertoires in ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und der Integration in die eigene Religiosität emotionale Widerstände überwunden werden müssen und es zu Krisen kommt. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Items 2.19.11 („Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren“), 2.19.12 („Ich bin der Ansicht, dass viele Aussagen der Bibel historisch nicht haltbar sind“), 2.19.3 („Der Glaube an Gott gibt mir inneren Halt“) und 2.19.14 („Zu meinem Glauben gehört, dass ich immer wieder zweifle und unsicher werde“). 2.3.1.3 Der Fragebogen an Messpunkt 1: Soziodemographische Daten (Teil-3) Im dritten Teil des ersten Fragebogens geht es um die standardmäßige Abfrage allge‐ meiner soziodemographischer Merkmale der Befragten. In geschlossenen Fragen wird zunächst nach dem jeweils höchsten Bildungsabschluss der Mutter und des Vaters gefragt (Frage 3.1) 201 . In der folgenden Frage wird dieses Thema durch Nennung der aktuellen bzw. letzten beruflichen Stellung der Mutter und des Vaters vertieft (Frage 3.2) 202 . Dieser Fragenkomplex zum Thema Eltern trägt dem Umstand Rechnung, dass der sozioökonomi‐ sche Status der Studierenden noch nicht über z. B. eigene berufliche Bildungsabschlüsse und Berufstätigkeit abgefragt werden kann. Die anschließenden Fragen beziehen sich dann auf die Studierenden selbst. Hier geht es um möglicherweise im Vorfeld absolvierte Aus- oder Weiterbildungen mit biblischen Inhalten (Frage 3.3) 203 , um die Hochschulzugangsberechtigung (Frage 3.4), um die Größe des Heimatortes der Studierenden (Frage 3.5) 204 sowie um das Geschlecht (Frage 3.6) 205 und das Alter (Frage-3.7) 206 der Studierenden. 64 2 Forschungsdesign <?page no="65"?> 207 Porst (2014), 148. 208 „Auch bei Ordinal-Skalen muss man sich - wie bei allen anderen Skalen auch - natürlich für eine der vorgegebenen Ausprägungen entscheiden […]. Genau gesagt: die Merkmalsausprägungen der Ordinal-Skala unterliegen einer Rangordnung“ (Porst [2014], 73). Außerdem gilt für die Antwort‐ möglichkeiten, dass diese, neben der Rangfolge, in einer Beziehung zueinanderstehen, sich also in ihrer Ausprägung aufeinander beziehen. Als Beispiel: „Wenn man ‚voll und ganz zustimmt‘ ist das ‚irgendwie mehr‘ als wenn man nur ‚eher zustimmt‘ und dies ist wiederum ‚irgendwie mehr‘ als wenn man ‚eher nicht zustimmt‘ und dies wiederum ist mehr, als wenn man ‚überhaupt nicht zustimmt‘“ (Porst [2014], 74). 209 Porst (2014), 142. Die Abschlussfrage 3.8 bietet die Möglichkeit zur freien Ergänzung eigener Anmer‐ kungen zum Fragebogen. Der übliche Dank für die Teilnahme schließt den Fragebogen insgesamt ab. 2.3.1.4 Formaler Aufbau des Fragebogens Die erste Seite des ausgegebenen Fragebogens stellen die „Hinweise zum Ausfüllen“ dar, die sogenannten „Befragtenhinweise“. 207 Dort werden die vorkommenden Fragetypen einleitend erklärt sowie um das Generieren des persönlichen Fragebogencodes nach entsprechender Anleitung gebeten. Im Fragebogen sind verschiedene Frageformen zu finden: • geschlossene Fragen, die entweder mit einer Einfachnennung, z. B. „Ja“ oder „Nein“ be‐ antwortet werden müssen, oder Fragen zu Aussagen, denen gegenüber man die eigene Haltung mit Antwortmöglichkeiten einordnet, die im Rahmen einer Ordinalskala 208 vorgegeben sind; • geschlossene Fragen, bei denen Mehrfachnennungen als Antworten möglich sind; • halboffene Fragen: hier sind ergänzend zu vorangegangenen Auswahlmöglichkeiten Textfelder eingebaut, in denen die Studierenden freie Antworten formulieren können; • offene Fragen: hier gibt es keinerlei Vorgaben; die Studierenden antworten gänzlich frei. Mit Frage 1.1 als offener Frage beginnt Teil 1 und der Fragebogen insgesamt. In diesem Teil geht es um die Erfahrungen mit der Bibel. Die Frage ist so gestaltet, dass die Studierenden direkt thematisch konfrontiert werden und ihnen gleichzeitig möglichst große Gestaltungs‐ möglichkeiten bei ihrer Antwort gelassen werden. Insofern stimmt die Frage mit den von Porst formulierten Kriterien für eine Einstiegsfrage überein. Diese sollte „spannend sein, themenbezogen (inhaltlich), die Befragungsperson persönlich betreffen, aber sie nicht betroffen machen, technisch einfach sein und von allen Befragten zu beantworten“. 209 Im Folgenden machen die geschlossenen, ordinalskalierten Fragen - also Fragen, bei denen der Grad der Zustimmung bzw. Ablehnung zu vorgegebenen Aussagen in vier Stufen anzugeben ist - mit sechs entsprechenden Fragen den größten Anteil aus. Es handelt sich um die Fragenkomplexe 1.4, 1.6, 1.7, 1.10, 1.11 und 1.12. Die Bezeichnungen der einzelnen Skalen variieren. Vorgegeben werden in Abhängigkeit von der Fragestellung die Positionen 2.3 Entwicklung der Fragebögen 65 <?page no="66"?> 210 Vgl. Scholl (2015), 228. 211 Vgl. Porst (2014), 155. • trifft voll(ständig) zu | trifft eher zu | trifft eher nicht zu | trifft gar nicht zu (1.4, 1.7, 1.10); • unwichtig = 1 bis sehr wichtig = 4 (1.6); • am ehesten | eher | weniger | am wenigsten (1.11); • stimme stark zu | stimme eher zu | lehne eher ab | lehne stark ab (1.12). Die Skalierungen haben gemeinsam, dass jeweils eine Mittelposition fehlt. Hierdurch sollen die Studierenden zur Meinungsbildung aufgefordert und ein Zurückziehen in eine vage Position vermieden werden. In Teil 1 finden sich fünf Fragen, bei denen Mehrfachantworten möglich sind, nämlich die Fragenkomplexe 1.2, 1.5, 1.8, 1.9 und 1.13. Inhaltlich sind Mischungen bzw. Kombinationen der Antworten möglich. Lediglich bei Frage 1.9 würde das Ankreuzen des Items „Nichts! “ vorherige andere Antworten inhaltlich ad absurdum führen. Hier kann innerhalb dieser Frage auf mögliche inhaltliche Widersprüche aufmerksam gemacht werden. Die Itempaare 1.4.5 und 1.6 sowie 1.7.2 und 1.13.5 fungieren als gegenseitige Kontroll‐ fragen 210 - sie fragen einen ähnlichen Inhalt in verschiedenen Kontexten und in unter‐ schiedlicher Formulierung ab und sollen die Konsistenz der Antworten der Studierenden testen. Als Einfachantwort ist Frage-1.3 konzipiert. Zu Teil 2 des Fragebogens, in dem die religiöse Biographie im Fokus steht, gehören insgesamt 20 Fragenkomplexe, in denen die Frageformen teilweise gemischt werden. Klar als Einfachantwort konzipiert sind die Fragen 2.1, 2.2, 2.3, 2.4, 2.7, 2.9 und 2.12. In Frage 2.8 wird bei jedem Item die Möglichkeit des Zustimmens oder Nicht-Zustimmens vorgegeben. Frage 2.14 ist als Filterfrage 211 gestaltet. Sie unterteilt sich zunächst in die Antwortmöglichkeiten „Nein“ und „Ja“ - bei einer Verneinung ist die Beantwortung der Frage abgeschlossen und die Studierenden werden gebeten, 2.15 zu überspringen und bei Frage-2.16 weiterzumachen. Bei einer Bejahung fächern sich Mehrfachantworten auf, und die Studierenden werden gebeten, auch Frage-2.15 zu beantworten. In Frage 2.20 geht es um den Grund für das Studium; hier werden konkrete Antwortmög‐ lichkeiten angeboten, über die hinaus die Option einer frei formulierten Antwort besteht. Skaliert sind die Fragen 2.5, 2.10, 2.11, 2.15, 2.17 und 2.19. Die vorgegebenen Bezeich‐ nungen sind hier: • trifft voll/ ganz genau zu | trifft eher zu | trifft eher nicht zu | trifft gar nicht zu (2.5, 2.19); • … eher zum Positiven beeinflusst | … eher zum Negativen beeinflusst | … gar nicht beeinflusst (2.10, 2.11); • stimme stark zu | stimme eher zu | lehne eher ab | lehne stark ab (2.15); • … ein religiöses Thema | … eher ein religiöses Thema | … eher kein religiöses Thema | … kein religiöses Thema (2.17). In den Fragen 2.13 und 2.18 wird die Möglichkeit einer Mehrfachantwort gegeben, wohin‐ gegen Frage 2.6 Mehrfachantworten anbietet, die am Ende durch ein Freitextfeld ergänzt werden. 66 2 Forschungsdesign <?page no="67"?> 212 Porst (2014), 147. 213 Dabei handelt es sich um die Fragen 2.1-2.7 und 2.9-2.13. Frage 2.16 schließt sich inhaltlich an die vorstehenden Fragen 2.14 und 2.15 an, ist aber völlig offen formuliert. Hier haben die Studierenden Platz zur freien Gestaltung ihrer Antwort. Die Fragen zu den soziodemographischen Daten in Teil 3 sind mehrheitlich geschlossen mit der Option der Einfachantwort konzipiert. Darunter fallen 3.1, 3.2, 3.5, 3.6 und 3.7. Die Möglichkeit eines Freitextes und damit die Öffnung zur halboffenen Form liegt bei 3.3 und 3.4 vor. Dieser Frageblock steht bewusst am Ende des Fragbogens, denn: „Demographische Fragen sind zwar in den meisten Fällen leicht zu beantworten, aber andererseits auch nicht sonderlich spannend und interessant für die Befragten, besonders wenn man die Erwartungen der potentiellen Befragungspersonen auf ein bestimmtes inhaltliches Thema gerichtet hat“. 212 Die inhaltlichen Fragen haben die Studierenden bereits in den Themenblöcken 1 und 2 beantwortet. Die letzte und den Fragebogen schließende Frage 3.8 ist offen gestaltet. Hier haben die Studierenden abschließend die Möglichkeit, sich uneingeschränkt zu äußern. 2.3.2 Der Fragebogen an Messpunkt 2 Der Fragebogen an MP 2 ist - anders als derjenige an MP 1 - nicht in drei, sondern nur in zwei Teile untergliedert. Im ersten Teil werden die aus dem Fragebogen an MP 1 übernommenen Fragen und Items zusammengestellt. Der zweite Teil besteht aus einer ergänzenden, offen angelegten und damit qualitativ auszuwertenden Fragestellung zu einem Bibeltext. Dieser Teil ist direkt an den Panelfragebogen angefügt, damit beide Teile physisch eine Einheit bilden und eine eindeutige Korrelation beider Teile bei allen teilnehmenden Personen ohne weitere Fehlerquelle sichergestellt ist. 2.3.2.1 Der Fragebogen an Messpunkt 2: Erfahrungen mit der Bibel und religiöse Einstellungen (Teil-1) Im ersten Teil werden alle Fragen zu den Erfahrungen mit der Bibel (Fragebogen MP 1, Teil 1) übernommen. Ebenfalls übernommen werden die Fragen zu aktuellen religiösen Einstellungen (2.8 sowie 2.14-2.19), wobei einige Fragen und Items für die Zweitbefragung im Wortlaut angepasst werden. Dies ist bei der Auswertung jeweils zu berücksichtigen. Unverändert bleiben die Fragen 1.6, 1.9, 1.13, 2.8 und 2.15-2.19. Wie dargestellt entfällt der Fragenkomplex zu den soziodemographischen Daten (Teil 3) an MP 2. Dies gilt ebenfalls für die Fragen, die auf die religiöse Sozialisation der Teil‐ nehmer*innen zielen, also für den Großteil von Teil-2 des Fragebogens an MP-1. 213 2.3.2.1.1 Anpassungen der übergeordneten Fragen und einzelner Items Vor dem Hintergrund der veränderten Lebenssituation der Studierenden nach etwa drei‐ einhalb Semestern Studium galt es, die Formulierungen einiger einleitender Fragen und Items anzupassen. Curricular stehen die Teilnehmer*innen nun am Ende ihres exege‐ 2.3 Entwicklung der Fragebögen 67 <?page no="68"?> 214 Alle veränderten Eingangsfragen in ihrem vollständig Wortlaut: Frage 1.1 an MP 1: „Bitte vervoll‐ ständigen Sie diesen Satz: Die Bibel ist für mich …“; an MP 2: „Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Die Bibel ist für mich jetzt, im vierten Semester meines Studiums …“; Frage 1.2 an MP 1: „In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt? (Mehrfachnennungen möglich)“; MP 2: „In welchen Zusammenhängen spielen biblische Texte für Sie zur Zeit eine Rolle? (Mehrfachnennungen möglich)“; Frage 1.8: MP 1: „Für mein Studium an der Hochschule Hannover wünsche ich mir für die Beschäftigung mit der Bibel … (Mehrfachnennungen möglich)“; an MP 2: „Ich wünsche mir für mein weiteres Studium an der Hochschule Hannover, dass … (Mehrfachnennungen möglich)“; Frage 1.12 an MP 1: „Wir würden gerne wissen, wie Sie zu einem bestimmten biblischen Vers stehen …“; an MP 2: „Wir würden gerne wissen, wie Sie jetzt zu einem bestimmten biblischen Vers stehen-…“. 215 Studienbezogene Veränderungen der Itemformulierung im Überblick: Frage 1.3 an MP 1: „Wie oft haben Sie bis zu Ihrem Studienbeginn in der Bibel gelesen? “; an MP 2: „Wie oft lesen Sie zur Zeit in der Bibel (außer im Rahmen Ihres Studiums)“; Frage 1.5 an MP 1: „Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind (z. B. in der Vorbereitung einer Andacht oder einer Jugendgruppenstunde): “; an MP 2: „Wenn Sie außerhalb des Studiums selbst aktiv mit der Bibel umgehen und einen Text vorbereiten (z. B. in der Vorbereitung von Andachten oder Gruppenstunden): “; Frage 2.14 an MP 1: „Abgesehen vom Gottesdienstbesuch - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? “; die entsprechende Frage 1.18 an MP 2: „Abgesehen vom Gottesdienstbesuch und Studienverpflichtung (Gestaltung von Konfirmationsunterricht) - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? “. 216 Dies gilt für die Items 1.2.1; 1.2.3; 1.2.5 und 1.2.8 und in ähnlicher Weise für die Änderungen in den Items 1.4.1; 1.4.2 und 1.4.5. Hier wird das Tempus der Frage vom Perfekt in das Präsens überführt und so der Blick auf die Gegenwart der Studierenden gelenkt. Dies gilt ebenfalls für die Zusätze in Item 1.8.3 an MP 1: „noch mehr methodisches Handwerkszeug“ und im entsprechenden Item 1.8.1 an MP 2: „in vertiefter Form methodisches Handwerkszeug“ sowie für Item 1.8.4 an MP 1: „dass ich mehr über die Hintergründe biblischer Texte erfahre“ und das entsprechende Item 1.8.2 an MP 2: „dass ich weiterhin im Seminarkontext biblische Texte bearbeite, indem ich Informationen über die Hintergründe bekomme.“. 217 Item 1.7.1 an MP 1: „Ich würde gerne noch mehr darüber wissen, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“; an MP 2: „Ich bin zufrieden mit meinem Wissensstand darüber, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“. In ähnlicher Weise wird auch Item 1.8.5 dem Sinn nach geändert: an MP 1: „Für mein Studium an der Hochschule Hannover wünsche ich mir für die Beschäftigung mit der Bibel, dass ich mehr darüber erfahre, wie ich biblische Texte in der späteren Berufspraxis einsetzen kann“; das entsprechende Item 1.8.3 an MP 2: „Ich wünsche mir für mein weiteres Studium an der Hochschule Hannover, dass geklärt wird, warum ich für meine berufliche Praxis überhaupt mit der Bibel umgehen muss.“. tischen Studiums: Sie haben Erfahrungen mit Methoden der Bibelauslegung und mit hermeneutischen Überlegungen gesammelt und die Bibelkundeprüfung absolviert. Eine entsprechende Anpassung der Formulierung wird etwa bei Frage 1.1 (Satzergänzung: „Die Bibel ist für mich …“) vorgenommen. 214 Bei Frage 1.3 (Häufigkeit des Bibellesens) muss das verpflichtende Bibellesen im Rahmen des Studiums ausgeschlossen werden, um eine Vergleichbarkeit beider Messpunkte zu gewährleisten. 215 Die Anpassung an die Studiensituation kommt ebenfalls bei der Formulierung einzelner Items zum Tragen. So wird in Frage 1.2 (aktueller sozialer Kontext biblischer Texte) bei einigen Items (Kindergottesdienst, Konfirmand_innenunterricht, Jugendgruppe) der Zusatz „als Leitungsperson“ angefügt. 216 So trägt nun etwa die Formulierung von Item 1.7.1 (Wunsch nach Information bezogen auf die Methodik der Bibelauslegung) dem Faktum Rechnung, dass das exegetische Studium abgeschlossen ist; die Frage zielt nun auf eine Evaluation. 217 In diesem Fall ist ein einfacher Vergleich im Rahmen des Panels nicht möglich. 68 2 Forschungsdesign <?page no="69"?> 218 Das ist etwa in 1.10.8 der Fall; an MP 1: „Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort“; an MP 2: „Die Bibel enthält Gottes Wort in den Worten von Menschen“. Dies trifft auch auf Item 1.10.6 zu (MP 1: „Die Bibel ist das maßgebliche Wort Gottes“; MP 2: „Die Bibel ist das Wort Gottes, das uns Orientierung gibt“); auf Item 1.11.2 (MP 1: „Das Alte Testament ist die heilige Schrift der frühen Christ_innen. Deshalb ist es die wichtigste Basis des christlichen Glaubens“; MP 2: „Das Alte Testament ist die heilige Schrift der frühen Christ_innen“). Die Präzisierung wurde auch an Items der Frage 1.12 vorgenommen, der Auslegung von 1. Mose/ Gen 3,16. Der Wortlaut in Item 1.12.2 lautet an MP 1: „Möglicherweise ist dieser Satz erst später zum eigentlichen Text hinzugesetzt worden. Er entspricht dann nicht der Meinung der ursprünglichen Autor_innen“; an MP 2 wird nur der erste Satz des Items übernommen. In Item 1.12.3 wird die Auslegungsoption präzisiert: An MP 1 lautet die Formulierung: „Der Text sagt aus, dass sich Frauen generell Männern unterordnen sollen“, an MP 2 hingegen: „Der Text fordert dazu auf, dass sich Frauen generell Männern unterordnen sollen.“. 219 Daneben entfallen aus dem gleichen Grund die Items 1.2.1; 1.4.3; 1.4.4; 1.8.2 und 1.8.7. Bei einigen wenigen weiteren Items wird die Formulierung präzisiert. 218 Die Veränderung der Frageformulierung wird bei der Auswertung berücksichtigt. 2.3.2.1.2 Auslassung einzelner Items Einzelne Items aus dem Fragebogen an MP 1, die vor allem die Studieneingangssituation spiegeln und sich daher nicht sinnvoll erneut stellen lassen, werden nicht übernommen. So kommt der schulische Religionsunterricht als sozialer Ort biblischer Texte im Alltag Stu‐ dierender nicht mehr vor (Item 1.2.4). Auch die Wünsche für das Studium (Frage 1.8) müssen an die Studiensituation nach den exegetischen Pflichtveranstaltungen angepasst werden. Entsprechend entfallen z. B. Item 1.8.1 („dass ich die Bibel noch besser kennenlerne“) und Item 1.8.6 („dass ich auch über die Bedeutung der Bibel für meinen Glauben reflektieren kann“). Beide erfragten Sachverhalte sind zum Zeitpunkt der zweiten Befragung bereits Gegenstand entsprechender Lehrveranstaltungen gewesen, nämlich in der Vorlesung „Bibelkunde“ und dem Seminar „Hermeneutik“. 219 2.3.2.1.3 Hinzufügung von Items Ergänzend zur Panelstudie werden weitere Items im quantitativen Format eingefügt. Diese zielen darauf, die Informationen über die Zielgruppe zu vervollständigen und haben sich aus den Auswertungen der Erstbefragungen beider Kohorten ergeben. So wird nach der vorwiegend benutzten Bibelübersetzung gefragt (Frage 1.14) und nach dem Religionsun‐ terricht der letzten Schuljahre (Fragen-1.15-1.16). Einige wenige Items werden im Rahmen bestehender Fragen thematisch passend er‐ gänzt. In Item 1.4.5 wird nach der Wichtigkeit/ Unwichtigkeit der Bibel gefragt. Ergänzend wird eine Entwicklungsaussage angefügt: „Die Bibel ist jetzt für meinen Glauben wichtiger als vor dem Studium“ (1.4.3 an MP 2), in der dem Forschungsinteresse gemäß eine Präzisierung aus der Perspektive des vierten Semesters vorliegt. Andere Items dienen hingegen der Verifizierung bestimmter Annahmen. So soll etwa durch das Item „Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage“ (1.4.4 an MP-1) die 2.3 Entwicklung der Fragebögen 69 <?page no="70"?> 220 In den ebenfalls an MP 2 ergänzten Items 1.7.4 („Ich würde gerne mehr darüber erfahren, wie ich aus der Bibel Werte für mein Leben ableiten kann“) und 1.11.6 („Das Alte Testament ist für mich ein Buch, das Regeln und Gesetze enthält, die für die Gestaltung meines Lebens wichtig sind“) wird vor dem Hintergrund der Annahme, dass Studierende eher an einer direkten Anwendung und weniger an der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen interessiert sind, die Affinität zu einer starken Werteorientierung im Grundverständnis der Bibel erfragt. Item 1.12.5 („Der Text hat den Menschen zu alttestamentlicher Zeit erklärt, warum Frauen den Männern untergeordnet sind“) bietet ein dezidiert historisches Erklärungsmodell mit der Möglichkeit zur Distanzierung an. Item 1.12.6 („An diesem Text kann man sich heute nicht mehr orientieren“) bietet die Möglichkeit zu einer eindeutigen Distanzierung im Sinne eines säkularen Verständnisses der Bibel. Mehrere Items werden eingeführt, um die Annahme, dass ein erheblicher Anteil Studierender eine Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive aufweist, aus der Perspektive einer bibelorientierten Spiritualität und Theologie zu überprüfen. So werden einige Items hinzugefügt, z. B. 1.8.4: Wunsch nach einem Bibelkreis (vgl. Wegenast [1998], 1446-1447 und Holthaus [2007], 58 zur Bibelfrömmigkeit von Evangelikalen), 1.11.8: AT als Buch, das Jesus Christus ankündigt (vgl. die Christozentrik der sog. „heilsgeschichtlichen Auslegung“ des AT bei Maier [2020], 167-173; Stadelmann [2008], 172-177 und Meldau [1984]) und 1.17.8: Nichtanerkennung der Kindertaufe (vgl. Bickelhaupt [2015], 631-632 und Gross [2020], 50). Um Studierenden die Chance zu geben, speziell gegenüber dem Alten Testament ein distanzierteres Grundverständnis zum Ausdruck zu bringen, wird Item 1.11.7 hinzugefügt (AT als „Sammlung seltsamer alter Geschichten“). Die Items 1.11.7 und 1.11.8 werden (neben allen anderen Items von Frage 1.11) im Online-Zusatzmaterial B näher erläutert und ausgewertet (s. Abschnitt 7.2). 221 Koh. I hat sich in diesem Stadium (um den Jahreswechsel 2017/ 2018) bereits fast am Ende des exegetischen Studienteils befunden, also an MP 2, so dass eine ergänzende Studie bei dieser Kohorte nicht mehr in Frage kam. 222 Hassan/ Lehmeier (2022). Zum Design der Problemlösungsszenarien vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 22-24 in Anlehnung an Schaper/ Hilkenmeier (2013), 29-30. Annahme überprüft werden, dass ein wissenschaftliches Bibelstudium zu Glaubenskrisen führen kann. 220 2.3.2.2 Der Fragebogen an Messpunkt 2: Ad hoc-Exegese (Teil-2) Den zweiten Teil des Fragebogens bildet eine ergänzende Studie in qualitativem Format. Den Ausgangspunkt dafür stellt die Erkenntnis dar, dass die im Fragebogen bisher er‐ hobenen Daten in hohem Maße von der Eigenwahrnehmung und Selbsteinschätzung der Studierenden im Hinblick auf ihre Fähigkeiten oder Positionierungen gerade in den Bereichen Repertoire und Leseperspektive abhängig sind. Die Ergebnisse der Befragungen an MP 1 fielen in beiden Kohorten bezüglich der Annahmen in diesen beiden Bereichen nicht so spezifisch aus wie erhofft. Deshalb soll hier ergänzend ein Forschungsinstrument zur Anwendung kommen, das den Befragten eine exegetisch-hermeneutische Anstrengung in Gestalt der Bearbeitung eines konkreten biblischen Textes abverlangt. Vor diesem Hintergrund wurde das Format des Problemlösungsszenarios erprobt und in vertiefter Form bei Koh. II 221 durchgeführt: Ein Bibeltext oder ein biblisches Thema wird in einer konkreten problematischen und hermeneutisch herausfordernden Anwendungssi‐ tuation verortet und die Studierenden werden zur Lösung aufgefordert. Mehrere Problem‐ lösungsszenarien wurden im Rahmen eines Seminarportfolios an mehreren Messpunkten während eines Semesters von den Studierenden bearbeitet und mit deren Zustimmung anonymisiert als ergänzendes qualitatives Material für das Gesamtprojekt ausgewertet. 222 70 2 Forschungsdesign <?page no="71"?> 223 Mayring (2002), 22. Diese Erhebungsform hat sich in erster Sichtung als fruchtbar erwiesen. Daher wird im Rahmen der Panelstudie dem Fragebogen in einem zweiten Schritt für MP 2 ein ergänzendes qualitatives Erhebungsformat für alle Befragten (Koh. I und Koh. II) hinzugefügt. Der Vorteil ist ein zweifacher: Zum einen lässt sich das erhobene Material auf diese Weise (anders als bei der gerade genannten Portfolioanalyse) mit einzelnen Befragten unter Wahrung der Anonymität korrelieren. Zum anderen steht bei dem gestellten Problemlösungsszenario nicht die Selbsteinschätzung der Studierenden im Vordergrund, sondern deren eigenes Denken und aktives Arbeiten mit einem Bibeltext, das extern interpretiert und eingeordnet wird. Der Nachteil dieses Formats besteht darin, dass diese Aufgabenstellung nur an einem MP zum Einsatz kommen konnte und damit keinen Entwicklungsprozess erkennbar macht. Die Ergebnisse müssen mit den Ergebnissen der Panelbefragung korreliert werden. Das Datenmaterial muss - wie auch andere qualitative Daten dieser Studie - mit Methoden der qualitativen Sozialforschung „durch Interpretation erschlossen werden.“ 223 Daher wird auf das Format des Problemlösungsszenarios zurückgegriffen. Das bedeutet, dass ein bislang in der Lehre nicht behandelter Bibeltext im Mittelpunkt steht, der im Rahmen eines hermeneutisch herausfordernden, realistischen Anwendungskontextes aus‐ gelegt werden soll. Im Gegensatz zu den Problemlösungsszenarien in der Portfolioanalyse trifft dieser Text die Studierenden unvermittelt; es handelt sich damit um eine „Ad hoc- Bibelauslegung“ oder „Ad hoc-Exegese“. Leitend für die Textauswahl ist die Absicht, die Studierenden in ein Dilemma zu führen, in dem sie hermeneutisch Position beziehen müssen. Konkret wird der Anwendungskontext so zugeschnitten, dass die Arbeit einer soge‐ nannten „Tafel“ im Zentrum steht, die für die Studierenden der Religionspädagogik und Sozialen Arbeit einen realistischen berufspraktischen Zusammenhang darstellt. Die Gestal‐ tung einer Andacht für Tafel-Mitarbeiter*innen bildet dabei eine typische berufspraktische Aufgabe ab, auf die sich die Studierenden in ihrem Studium außer im Bereich der Biblischen Theologie auch in der Homiletik vorbereiten. Deshalb lässt sich begründet erwarten, dass sich auf diese Weise den hermeneutischen Überlegungen der Studierenden in der Mitte des Studiums, also nach dem Abschluss der verpflichtenden Veranstaltungen zu biblischen Themen, auf die Spur kommen lässt. Gewählt wurde für diesen Anwendungskontext als auszulegender Text Mt 6,25-27. 2.3.2.2.1 Exkurs: Auswahlkriterien und Erwartungshorizont zum Text Mt 6,25-27 Der Textabschnitt Mt 6,25-27 „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? “ (Übersetzung Luther 1984) 2.3 Entwicklung der Fragebögen 71 <?page no="72"?> 224 Die Textgeschichte hat Hoffmann aufgearbeitet (Hoffmann [1995], 62-134). Hier geht es um den vorliegenden Text bei Mt. Die Radikalität der Aussage scheint auch bei Mt noch durch (vgl. Luz [2002], 482). 225 Luck (1993), 92. 226 Das Vertrauen auf Gott als Kernthema betonen Luck (1993), 94 und Fiedler (2006), 180. 227 Die Umschrift des Griechischen folgt dem Vorschlag von WiBiLex, dem Wissenschaftlichen Bibel‐ lexikon im Internet (www.die-bibel.de/ wibilex/ wibilex-nutzung [Abruf: 20.5.2024]). 228 Luz (2002), 478. 229 Luz (2002), 477. 230 Dies gilt vor allem für die Version der Logienquelle Q, die vermutlich an die Jünger*innen, also eine ausgewählte Gruppe adressiert war (vgl. Theißen [1973/ 1989], 85). 231 Betont wird in der Literatur stets, dass ein Übermaß des Sorgens verboten werde, nicht die lebensnotwendige Sorge um das „tägliche Brot“. Der Bezug zur Brotbitte des Vaterunsers (Mt 6,11) liegt nahe (vgl. Fiedler [2006],180). Insofern werden alle Menschen in der Gemeinde des Matthäus angesprochen und nicht nur einzelne besitzlose Gruppen (vgl. Fiedler [2006], 179; ähnlich Konradt [2015], 115). Luz vermutet aber mit Theißen, dass die Version des Textes in der Logienquelle sich an Wanderradikale gewendet habe, die Einbettung bei Matthäus aber eine Deutung auf alle Angesprochenen in der Gemeinde ermöglicht habe (Luz [2002], 482). 232 Vgl. Luz (2002), 478. Fiedler deutet „mehr“ mit dem Begriff „bedeutender“ (Fiedler [2006], 180). Der ausgewählte Text Mt 6,25-27 bildet einen Ausschnitt aus der längeren Passage, die in neueren Luther-Übersetzungen den Titel „Vom falschen und rechten Sorgen“ trägt (Mt 6,25-34). Der Text besitzt eine synoptische Parallele (Lk 12,22-32) und gehört damit zum Material der Logienquelle Q. 224 Die Abgrenzung der einzelnen Passagen oder „Strophen“ 225 variiert dabei. Ausgewählt wurde ein Abschnitt, der mit dem Begriff des Sorgens beginnt und endet. Betont wird das Vertrauen in Gott. 226 Wichtiges Kriterium für die Wahl des Textabschnitts ist die imperativische Formulierung „Sorgt … nicht“; die deutsche Übersetzung gibt den griechischen Text hier angemessen wieder (griech.: mē merimnáte 227 ). Die Bedeutungsrichtung des Sorgens im Sinne einer Emotion, die entsteht, wenn der Mensch sich um etwas kümmert und befürchtet, dass dies misslingen könnte, als „praktizierte Angst ums Dasein“ 228 kann in der Übersetzung ohne Weiteres nachvollzogen werden. Im Abschnitt wird Jesus nicht explizit genannt, doch der Text ist bei Mt Teil der Bergpredigt als Rede Jesu, und die Form weist auf „Jesussprache“ 229 hin, denn es wird eine radikale Ethik formuliert. 230 Die Aufzählung der Objekte „um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, um euren Leib, was ihr anziehen werdet“ umreißt menschliche Grundbedürfnisse, die für Leben und Leib notwendig sind. Das Verbot, sich um diese Grundbedürfnisse im Übermaß zu sorgen, wirft die Frage nach den Adressat*innen des Matthäus-Textes auf. 231 Im Hinblick auf das Szenario „Tafel“ bildet die Reihung der Grundbedürfnisse große Teile heutiger diakonischer Arbeit in Tafeln und Kleiderkammern ab. Der zweite Teil des Textausschnitts ist geprägt duch einen dreifachen Vergleich mit der deutschen Formulierung „mehr als“ (griech.: pleíon; mállon). Die ersten beiden Vergleiche stellen eine Beziehung her zwischen Leib und Leben sowie den entsprechenden Bedürf‐ nissen. Das Leben wird mit Nahrung, der Leib mit Kleidung in Verbindung gebracht. Die Argumentationslogik des „Mehr als“ erschließt sich auch exegetisch nicht unmittelbar 232 und bleibt deutungsoffen. Gegenüber dem negativ formulierten Verbot zu Beginn des Abschnitts bildet der positive Vergleich „mehr“ einen Wendepunkt. 72 2 Forschungsdesign <?page no="73"?> 233 Heil (2015), 144. 234 Vgl. Heil (2015), 144. 235 Vgl. Luz (2002), 481. Textlich ist umstritten, ob es sich um die Lebenslänge oder die Körpergröße handelt, die nicht verändert werden kann (anders Fiedler [2006], 180 Anm. 285 und Konradt [2015], 115). 236 Vgl. Wischmeyer (2004), 171-172. Wischmeyer spricht von der „Zweipoligkeit“ des Textes, der sowohl auf die Frage des Sorgens als auch auf die Zielrichtung des Reiches Gottes hin ausgerichtet sei. Diese Wendung zum Positiven wird in V.26 durch einen positiven Imperativ unterstri‐ chen, nämlich durch die Aufforderung zum Hinsehen, also zur inneren Wendung des Blicks: „Seht … an“. Der Blick soll sich den Vögeln zuwenden, die weder säen noch ernten noch „in Scheunen sammeln“, also Vorräte anlegen. Sie sorgen sich nicht im Sinne des Verhaltens „von Menschen, die sich aktiv um ihr Existenzminimum bemühen“ 233 . Die Verneinung wird hier wieder aufgegriffen, aber positiv als beispielhaft konnotiert, denn Gott ernährt die Genannten. Die zweifache Verwendung des Begriffs „Himmel“ im deutschen Text betont die Zuspit‐ zung auf das Nähren Gottes im Himmel gegenüber den Vögeln unter dem Himmel. Da die Menschen „mehr als“ die Vögel wert sind (griech.: diaféro), gilt nach dem rhetorischen Schlussverfahren vom Geringeren auf das Höhere, dass dieses göttliche Nähren auch für die Menschen gelten muss. 234 Allerdings muss dieser Schluss an dieser Stelle von den Lesenden ergänzt werden, während er in der Bergpredigt explizit am Ende der gesamten Argumentation in Mt 6,30-31 steht. Eine Frage Jesu beendet den ausgewählten Abschnitt. Das Thema der Sorge wird in V.27 aufgegriffen. Zugleich wendet sich Jesus den Angesprochenen zu: „Wer ist unter euch? “ Auch mit noch so viel Vorsorgen kann das von Gott gesetzte Maß des Lebens nicht verändert werden. 235 Der Mensch ist ganz auf Gott geworfen und auf Gottes Ratschluss angewiesen. Der Text ist in der Perikopenordnung für Erntedank vorgesehen. Es ist klar, dass die Auswahl von V.25-27 den Text aus seinem literarischen Kontext bei Mt herausreißt. Die Betonung liegt dann eindeutig auf der Sorge und dem Vertrauen in Gott, nicht in der Orientierung auf das Reich Gottes (Mt 6,33). 236 Eine Schwierigkeit ergibt sich für die Auslegung daraus, dass die Tafel-Mitarbeiter*innen viel ehrenamtliche Energie als Sorge um die Versorgung Bedürftiger aufbringen, der Text aber ausdrücklich das Sorgen, insbesondere das Vorsorgen, negativ konnotiert („sorgt nicht“). Mit den Themen „Essen, Trinken, Nahrung, Kleidung“ knüpft die Auswahl des Textausschnitts an die Themen der Tafelarbeit an, konterkariert sie aber durch ein negatives Vorzeichen. Man soll sich nicht sorgen, denn Gott nährt und setzt das Maß des Lebens. Die Arbeit der Diakon*innen in den Praxisfeldern der sozialen und diakonischen Arbeit ist vielfach motiviert durch den als christlich verstandenen Grundsatz der Nächstenliebe, der im Studium unterfüttert wird mit der Aufforderung zu klientenorientierter Hilfe zur Selbsthilfe. Im Idealfall werden Klient*innen in ihrem Bestreben unterstützt, für sich selbst zu sorgen und sich um Auskommen und Lebensunterhalt zu bemühen. Der Bibeltext kann dahingehend interpretiert werden, ein solches Bemühen in Frage zu stellen, indem er die 2.3 Entwicklung der Fragebögen 73 <?page no="74"?> 237 Zur Auseinandersetzung um die ökonomischen Implikationen des Textes und seine Wirkungsge‐ schichte, die insbesondere die Diskussion um die Bedeutung der Arbeit betrifft, vgl. Luz (2002), 476 und 484-486. 238 Vgl. Roose/ Büttner (2004), 60 zu Lk 16,1-13: Eine Dilemmasituation für die Auslegenden als nicht aufzulösender Widerspruch innerhalb eines Textes lässt Auslegungsstrategien zutage treten. Vorsorge verbietet und auf Gott verweist. An diesem Punkt müssen sich die Studierenden mit dem Text auseinandersetzen und ggf. in Widerspruch gegen den Text treten. 237 Der Text soll also hermeneutisch herausfordern, damit der Umgang mit dem Text Prozesse hermeneutischen Denkens offenlegt. Dabei sind im Idealfall sehr unterschiedliche Lösungen denkbar. Es geht nicht um eine inhaltliche Bewertung der vorgeschlagenen Lösung, sondern um den sichtbar werdenden hermeneutischen Denk- und Lösungsweg. 238 Erwartbare Problemlösungshorizonte Die Aufgabenstellung beginnt mit dem Szenario: „Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Sie sind in der Gemeinwesenarbeit aktiv und leiten eine Tafel in einem sozialen Brennpunkt. Die Tafel wird von einer kirchlichen Einrichtung getragen. Regelmäßig gibt es für Mitarbeitende Andachten. Es ist Spätsommer und am zweiten Sonntag im September ist folgender Text nach der Perikopenordnung an der Reihe: “ Es folgt nun der Bibelabschnitt Mt 6,25-27. Die erste Frage (Item 2.1.1) zum Text lautet: „Inwiefern bereitet Ihnen der Text in diesem Kontext Schwierigkeiten? Notieren Sie spontan, was Ihnen einfällt“. Die zweite Aufgabe (Item 2.1.2) lautet: „Skizzieren Sie Lösungsansätze, um den Text für eine Andacht fruchtbar zu machen. Notieren Sie auch hier spontam, was Ihnen einfällt.“ Es wird ausdrücklich dazu aufgefordert, die erste Frage vor der zweiten zu beantworten. Zur Lösung der ersten Aufgabe (Dilemmabeschreibung) wird erwartet, dass die Studie‐ renden die Situation „Tafelleitung hält Andacht für Tafel-Mitarbeiter*innen“ erkennen und in den Kontext der Tafelarbeit einordnen können. Sie sollten ebenfalls in der Lage sein, den Textinhalt mit der Kernstruktur zu erfassen und die inhaltliche Verbindung zwischen Essen/ Trinken/ Nahrung und Tafelarbeit zu erkennen. Sie sollten die Kernaussagen, dass das Sorgen verboten wird und das Nähren Gott überlassen werden soll, problematisieren und dem fürsorgenden Handeln der Tafel-Mitarbeiter*innen oder der erwünschten Selbst‐ fürsorge der Klient*innen gegenüberstellen können. In der zweiten Aufgabenstellung geht es um Lösungsansätze. Diese wurden in keiner Weise vorbereitet, d. h. die Teilnehmer*innen müssen die ihnen zur Verfügung stehenden hermeneutischen Grundsätze und Ansätze zum Umgang mit einem Bibeltext fruchtbar machen. Gleichzeitig können systematisch-theologische Überlegungen etwa zum Gottes‐ bild oder sozialethische Kenntnisse einfließen. Erwartet wird, dass sich in den Äußerungen der Studierenden eine Leseperspektive auf die Texte ausdrückt und dass Grundfragen zu Nähe und Distanz zum Text oder zur prinzi‐ piellen Eignung dieses Textes in diesem Kontext gestellt werden. Die Aufgabenstellung fordert dazu auf, diesen Text fruchtbar zu machen. Das Skizzieren von Lösungswegen soll die Teilnehmer*innen ermutigen, ihre spontanen Überlegungen zu notieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie viel Repertoire die Studierenden nutzbar machen. Können die Studierenden wesentliche Textelemente wahrnehmen? Wird der Text 74 2 Forschungsdesign <?page no="75"?> 239 Weischer (2015c), 303. 240 Vgl. Weischer (2015a), 303. 241 Paier (2010), 103. 242 Paier (2010), 103. 243 Die Hochschule Hannover verpflichtet sich, mit den gewonnenen Daten entsprechend umzugehen (Verschluss personenbezogener Daten, frühestmögliche Anonymisierung), vgl. Leitlinie (2017). der Bergpredigt und der Ethik Jesu zugeordnet? Wird die Frage nach den Menschen gestellt, zu denen dieser Text einmal gesprochen hat? Wird die Frage nach sozialhistorischen Hintergründen gestellt? Interessant sind die eingeschlagenen Lösungswege dann auch für die theologische Ausrichtung oder die zum Ausdruck kommenden Spiritualität bzw. Religiosität der Studierenden. 2.4 Durchführung der Befragungen Wie in Panelerhebungen üblich, verringerte sich in der zweiten Befragung die Anzahl der Teilnehmenden („Panelsterblichkeit“ 239 ). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass neben der zufällig identischen Anzahl der Befragungsteilnehmer*innen an MP 1 auch die Panelsterblichkeit exakt den gleichen Anteil der Erstbefragten ausmacht: Bei beiden Kohorten nehmen von 37 Erstbefragten an der Zweitbefragung noch 28 Personen teil. Das Panel wird also in beiden Kohorten mit einer Grundgesamtheit N=28 gebildet, was bedeutet, dass bei diesen Studierenden Veränderungen im Verlauf der Befragung nachge‐ zeichnet werden können. Das ist möglich, weil die Fragebögen zwar anonym sind, aber durch einen von den Studierenden eigenständig generierten Code 240 jeweils einer befragten Person eindeutig zugeordnet werden können. Um bei der Auswertung Verwechslungen zu vermeiden, wurden die Teilnehmer*innen der beiden Kohorten fortlaufend von Nr. 1 bis Nr. 74 durchnummeriert. Aufgrund der Panelsterblichkeit haben insgesamt 18 der ursprünglich 74 Teilnehmer*innen aus beiden Kohorten an den Befragungen an MP 2 nicht mehr teilgenommen. Zum Ablauf der konkreten Befragung gehört eine Aufklärung der Studierenden: Im Vorfeld der Untersuchung werden die Befragten über „die Rahmenbedingungen der Befra‐ gung informiert“ 241 . Das geschieht über ein Anschreiben, in dem die Hintergründe und der Zweck der Untersuchung erklärt und „die anonyme Behandlung der Informationen und die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen“ 242 zugesichert wird. Von besonderer Bedeutung im Forschungskontext ist, dass zur Erhebung der Daten die Einwilligung der Studierenden gegeben ist, sowie dass die Beachtung des gesetzlich geregelten Datenschutzes von personenbezogenen Daten gewährleistet ist. 243 Beide Kohorten erhalten zu jedem der beiden Messpunkte jeweils identische Fragebögen. So ist die Vergleichbarkeit zwischen den Kohorten gewährleistet. Um den Rücklauf zu erhöhen, werden die Fragebögen direkt an die Studierenden verteilt und anschließend Zeit zur Beantwortung eingeräumt. Um ein methodisch angemessenes Vorgehen zu gewähr‐ leisten, fungiert keine der mit der Durchführung der Befragungen betrauten Personen als Lehrperson in der entsprechenden Gruppe. 2.4 Durchführung der Befragungen 75 <?page no="76"?> 244 Roth (2018), 171. 245 Im Fortgang des Projekts wurde mit verschiedenen Darstellungsvarianten experimentiert, um die aussagekräftigsten Abbildungen zu erhalten. 246 Eine ausführliche Erläuterung zu diesem Grafiktyp und den Nutzungsmöglichkeiten findet sich in Abschnitt 3.2, knapp auch in Abschnitt 2.6.2.2. 247 Vgl. Backhaus u.-a. (2018), 21 und Bacher u.-a. (2010), 18. 2.5 Auswertungsmethoden 2.5.1 Auswertungsmethode der quantitativen Erhebungen Die Auswertung der quantitativen Befragungsanteile erfolgt in einem ersten Schritt über die Eingabe der Daten in das Analyseprogramm SPSS, um einen Überblick über die Häufigkeiten zu erhalten und die Antworten handhabbar zu machen. Die Eingabe in SPSS dient dem Zweck, die Antworten der Studierenden zu den einzelnen Fragen gesammelt abzubilden. Es wird jeweils eine Datenmatrix bzw. Urliste 244 erstellt, in der die Antworten der Studierenden zu den einzelnen Fragen eingetragen und somit zusammengefasst in einer Datei dargestellt werden. In einem weiteren Schritt werden die halboffenen und offenen Antworten kodiert und ebenfalls in die Matrix eingegeben. Anschließend werden die Daten auf Plausibilität geprüft und ausgewertet. Um differenziertere Abbildungen erstellen zu können, wurden die Daten in das Pro‐ gramm Microsoft Excel übertragen. 245 Die soziodemografischen Daten werden in Balken- und Kreisdiagrammen dargestellt. Säulendiagramme werden genutzt, um eine Gesamt‐ übersicht über die Antworten der Kohorten zu erlangen. Um die Bewegungen einzelner Personen nachvollziehen zu können, werden die hier als Entwicklungsgrafiken 246 bezeich‐ neten Abbildungen erstellt, mit denen die Beantwortung jeweils eines Items durch jede befragte Person zu beiden Zeitpunkten der Befragung auf einen Blick dargestellt werden kann und eine mögliche Veränderung/ Entwicklung im Antwortverhalten direkt ersichtlich wird. Diese Entwicklungsgrafiken ermöglichen folglich die Visualisierung von Veränder‐ ungsbewegungen und dienen damit der Beantwortung der Forschungsfrage, indem sie Veränderungen sichtbar und beschreibbar machen. Sie zeigen gleichzeitig übersichtlich die Häufigkeiten der Bewegungen. Die Ergebnisse aller Items der Panelbefragung werden im Online-Zusatzmaterial C (Abschnitt 7.3) in Form von Entwicklungsgrafiken in der Reihenfolge der Nummerierung im Fragebogen an MP-2 dargestellt. Auf der Basis der grafischen Darstellungen der erhobenen Daten erfolgt die inhaltliche Auswertung. Auf die Berechnung von Mittelwerten oder Standardabweichungen wird aufgrund der verhältnismäßig kleinen Anzahl der Teilnehmenden verzichtet. Dies gilt auch für Stichproben oder andere statistische Verfahren, die regelmäßig bei repräsentativen Studien angewendet werden. Zur besseren Übersichtlichkeit der Daten und zur beseren Handhabbarkeit für die Auswertung wird im weitesten Sinne nach einer Clusteranalyse verfahren, 247 die sich an den bereits zur Erstellung des Fragebogens konzipierten Achsen orientiert (s. Abschnitt 1.5.4): Die Items des Fragebogens werden entsprechend ihrer inhaltlichen Passung jeweils den Achsen Religiosität, Repertoire und Leseperspektive zugeordnet und somit unter diesen gebündelt und gewichtet. Im Gegensatz zur Faktorenanalyse soll dabei keine Reduktion 76 2 Forschungsdesign <?page no="77"?> 248 Vgl. Backhaus u.-a. (2018), 20. 249 Dies betrifft etwa die meisten Items aus Frage 1.17 (Ansichten zur Kindertaufe); 1.21 (Themen, bei denen Religion eine Rolle spielt) oder Frage 1.22 (allgemeine Aussagen zur Religion). Das betrifft ebenfalls die von den Studierenden verwendeten Bibelübersetzungen (Frage-1.14, offene Frage), die Frage nach weiterem ehrenamtlichen Engagement (Frage 1.20, offene Frage) und einige soziodemo‐ graphische Daten. Ebenfalls ausgelassen werden vereinzelte Items der Fragen 1.12 (Auslegungen zu Gen 3,16: Item 1.12.3); 1.13 (Was ist Ihnen an Ihrer Bibelauslegung wichtig: Item 1.13.3); 1.23 (Zustimmung zu allgemeinen religiösen Fragen: Item 1.23.4 und 1.23.7). Alle Itemnummern beziehen sich auf den Fragebogen MP-2. Die Fragebögen sind im Anhang abgedruckt. 250 Mayring (2002), 140. 251 Mayring (2002), 140. 252 Mayring (2002), 140. 253 Mayring (2002), 140. 254 Diese sind: Verfahrensdokumentation; argumentative Interpretationsabsicherung, Regelgeleitetheit, Nähe zum Gegenstand, Triangulation (Mayring [2002], 144-147). 255 „Die Inhaltsanalyse dient im qualitativen Paradigma der Auswertung bereits erhobenen Materials. Sie dient der Interpretation symbolisch-kommunikativ vermittelter Interaktion in einem wissenschaft‐ lichen Diskurs“ (Lamnek/ Krell [2016], 448). Ihr Ziel ist das „Sinnverstehen“ (Lamnek/ Krell [2016], 449). In ihrer wissenschaftlichen Ausprägung „befasst sich [die Inhaltsanalyse] vor allem mit der Analyse von schriftlichen Kommunikationsinhalten, also Texten“ (Lamnek/ Krell [2016], 451). Unter dem Begriff „Text“ werden „Dokumente, Akten und Zeitungsartikel subsumiert“ (Lamnek/ Krell [2016], 463). von einer Vielzahl an Variablen auf wenige Punkte geschehen, 248 sondern die inhaltlich dienlichen Items in ihrer Gänze erhalten, lediglich gebündelt und der Beantwortung der Forschungsfrage entsprechend dargestellt und dann ausgelesen werden. Die Auswahl der Items und ihre Gewichtung wird jeweils am Ende der Abschnitte zu den einzelnen Achsen erläutert; das Ergebnis dieser Bündelung wird dort mit Hilfe von Säulendiagrammen dargestellt. Auf der Basis dieser Säulendiagramme, durch die die Entwicklung der einzelnen Teilnehmer*innen hinsichtlich des Repertoires, der Religiosität und der Leseperspektive dargestellt werden, können dann Entwicklungstypen erarbeitet werden (Kapitel 4). Der Fragebogen an MP 1 umfasst 205 Items. An MP 2 werden die Studierenden mit 142 Items befragt. Die Auswertung der Daten erfolgte zunächst in vollem Umfang. In der vorliegenden Publikation werden einige ausgewählte Items nicht dargestellt, weil sie sich im Hinblick auf die Forschungsfrage als nicht aussagekräftig erwiesen haben. 249 2.5.2 Auswertungsmethode der qualitativen Erhebungen Die Ergebnisse von qualitativen Erhebungen müssen sich an Gütekriterien messen lassen, durch die eine Einschätzung ihrer Qualität möglich wird. Für das konkrete Vorgehen in der qualitativen Sozialforschung hat Mayring solche Gütekriterien formuliert. Im Gegensatz zu quantitativen Erhebungen, in denen „Kennwerte“ 250 errechnet werden, muss hier verstärkt „argumentativ“ 251 vorgegangen werden. Das bedeutet, dass die „Geltungsbegründung der Ergebnisse viel flexibler sein“ muss, 252 weshalb „Belege angeführt“ 253 werden müssen. Die Auswertung der qualitativen Anteile des Fragebogens orientiert sich dabei an den von Mayring beschriebenen Gütekriterien. 254 Konkret orientiert sich die Methode zur Generierung von Ergebnissen am Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse, die zur Analyse schriftlicher Kommunikationsinhalte angewendet wird. 255 Die im Projekt erhobenen qua‐ 2.5 Auswertungsmethoden 77 <?page no="78"?> 256 Zur Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse auf Unterrichtsergebnisse vgl. Weiß (2018), 127. 257 Im Groben kann zwischen monologischen Texten (eine Person im Vordergrund) und dialogischen Texten (mehrere Personen sind miteinander im Austausch) unterschieden werden (Lamnek/ Krell [2016], 463). 258 Vgl. Mayring (1995), 211. 259 Mayring (2010), 13. 260 Mayring (2016), 115. 261 Vgl. Mayring (2016), 117. 262 Konkret wird das Material jeweils stückweise und wiederholt durchgearbeitet; es werden Kategorien anhand des Materials entwickelt und in mehreren Durchgängen präzisiert. Im Detail ist das Vorgehen beschrieben in Hassan/ Lehmeier (2022), 28-31. 263 Mayring (2016), 119. 264 Mayring (2016), 119. litativen Formate (die offenen Fragen in den Fragebögen, insbesondere die Einleitungsfrage 1.1 sowie Frage-2.1 an MP-2 und die Portfolios 256 ) sind sämtlich als monologische Texte zu verstehen - jeweils eine studierende Person bearbeitet für sich die gestellten Aufgaben in Schriftform. 257 Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist der grundlegende Rahmen, in dem sich die Auswertung der qualitativen Anteile (sowie der Portfolioanalyse) bewegt. Zentral ist dabei die Idee der Reduktion des Textes, 258 um den Kern der Bedeutung freilegen und explizieren zu können. Durch die Textarbeit im Rahmen der Inhaltsanalyse werden „Aussagen über den ‚Sender‘“ 259 des Materials ermittelt, die interpretativ dargestellt und eingeordnet werden können. Der Kernpunkt im Vorgehen einer Inhaltsanalyse ist folgender: „Sie zerlegt ihr Material in Einheiten, die sie nacheinander bearbeitet. Im Zentrum steht dabei ein theoriegeleitet am Material entwickeltes Kategoriensystem; durch dieses Kategoriensystem werden diejenigen Aspekte festgelegt, die aus dem Material herausgefiltert werden sollen“. 260 Das Durcharbeiten des Materials bei gleichzeitigem Zuordnen und Erstellen von Kategorien findet in mehreren Schritten statt: 1. Festlegen des Gegenstands der Analyse/ Fragestellung/ Theorie; 2. Festlegen des Selektionskriteriums; 3. Durchgehen des Materials; dabei Definieren von Kategorien, Subsummieren oder Neuformulieren; 4. Überprüfung der Kategorien nach max. 50% des Materials, ggf. Wiederholung ab Schritt 1. oder 2.; 5. abschließender Materialdurchgang; 6. Interpretation, ggf. Wiederholung ab Schritt 1. 261 Diese dargestellte Abfolge wird in der Portfolioanalyse (Hassan/ Lehmeier [2022]) ange‐ wendet und dient ebenfalls bei der Auswertung der qualitativen Anteile des Fragebogens als Orientierung. 262 Ziel des Vorgehens ist es, „eine bestimmte Struktur aus dem Material herauszufiltern“, 263 durch die „eine Einschätzung auf bestimmten Dimensionen angestrebt werden“ 264 kann. 78 2 Forschungsdesign <?page no="79"?> 265 MAXQDA unterstützt die digitale Auswertung qualitativer Daten durch ein großes Angebot unter‐ schiedlicher Tools. Eins davon ist die Möglichkeit, definierten Kategorien Farben zuzuordnen und die dazu passenden Textstellen ebenso zu markieren. 266 Vgl. Mayring (2002), 147. Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten werden zusätzliche Methoden herangezogen. Quantitative und qualitative Analyseschritte können verbunden werden, um ein größeres Bild zu erzeugen; so auch Morgenthaler im Hinblick auf methodenintegrierende Religions‐ forschung (Morgenthaler [2013], 212). 267 Mayring (2002), 147. Die Kategorien dienen dann als Selektionskriterien, unter denen passende Textstellen aus den Antworten der Studierenden subsumiert werden. In den benannten Materialdurch‐ gängen werden die Textteile dann weiter reduziert, bis die die Ausarbeitungen bestim‐ menden Inhalte verlässlich abgebildet sind. Zur Übersichtlichkeit werden tabellarische Darstellungen sowie ein durch MAXQDA, eine Software zur Auswertung qualitativer Daten, inspiriertes System der farblichen Codierung von Textstellen genutzt 265 . Bei der Auswertung werden die gefundenen Kategorien und Trends zur Strukturierung genutzt und die Antworten der Befragten orientiert daran wiedergegeben. In den qualitativen Auswertungen zu den Fragen 1.1. und 2.1 werden die gefundenen Trends im Haupttext beschrieben und mit Hilfe von Zitaten belegt (vgl. Abschnitt 3.3). Die relevanten Lexeme in den Zitaten werden unterstrichen. 2.5.3 Korrelation der Daten und Ergebnisdarstellung in den folgenden Kapiteln Die Anlage des gesamten Forschungsvorhabens orientiert sich am qualitativen Gütekri‐ terium der Triangulation 266 . Quantitative und qualitative Analyseschritte werden mitein‐ ander verbunden, um der Fragestellung auf mehreren Wegen zu begegnen, jeweils „die Ergebnisse zu vergleichen“ 267 und beide Anteile integrierende Lösungsideen zu formulieren. Dem Gütekriterium der Triangulation entsprechend werden qualitative und quantitative Daten der Panelbefragung zunächst getrennt ausgewertet und in einem zweiten Schritt die Ergebnisse aufeinander bezogen. Dies geschieht im Abschnitt 3.3 vor dem Hintergrund des Mobile-Modells in jeweils nach den Modell-Achsen benannten Abschnitten (3.3.2 Veränderungen des Repertoires, 3.3.3 Veränderungen der Religiosität, 3.3.4 Veränderungen der Leseperspektive). Jeder dieser Abschnitte beginnt mit der qualitativen Auswertung von Frage 1.1. („Die Bibel ist für mich …“) im Hinblick auf die Veränderungen in der Satzergänzung zwischen MP 1 und MP 2. In den Abschnitten 3.3.2.1, 3.3.3.1 und 3.3.4.1 werden alle Äußerungen der Teilnehmer*innen abgedruckt, die an beiden Messpunkten eine Aussage getroffen haben. Die Zuordnung zu den Achsen erfolgt entsprechend dem inhaltlichen Schwerpunkt der Satzergänzungen. Danach folgt in einem zweiten Schritt jeweils die Auswertung der quantitativen Items, die im Hinblick auf die Veränderungen der entsprechenden Achse aussagekräftig sind. Die überwiegende Anzahl der in der Panelbefragung integrierten 128 Items werden in den Abschnitten 3.3.2.2, 3.3.3.2 und 3.3.4.2 ausgewertet. Items, die nicht nur für eine Achse 2.5 Auswertungsmethoden 79 <?page no="80"?> 268 Ein Ankerzitat oder -beispiel ist „in der qualitativen Inhaltsanalyse ein paradigmatisches Beispiel für eine Kategorie“ (Diaz-Bone [2015a], 20). 269 Hassan/ Lehmeier (2022), 130-144. relevant sind, werden im voranstehenden Abschnitt 3.2 ausgewertet (Items der Fragen 1.2, 1.3, 1.4 und 1.6). In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse der teilweise sehr umfangreichen Ad hoc-Exegesen (Frage 2.1) an MP 2 exemplarisch anhand von Textausschnitten vorgestellt, die für die jeweilige Position typisch sind und im Folgenden als Ankerzitate 268 bezeichnet werden. Im Unterschied zur Darstellung der Aussagen der Teilnehmer*innen zu Frage 1.1 werden also nicht alle Äußerungen komplett abgedruckt. Die Auswahl der Ankerzitate erfolgt ausgehend von den Ergebnissen des Panels. Sowohl passende als auch konträre qualitative Daten werden dargestellt und korreliert (Abschnitte 3.3.2.3, 3.3.3.3, 3.3.4.3). In einem vierten Schritt wird die Entwicklung der einzelnen Teilnehmer*innen zwischen MP 1 und 2 auf der Basis von jeweils etwa 10 ausgewählten Items in einer Achsengrafik dargestellt (Abschnitte 3.3.2.4, 3.3.3.4, 3.3.4.4). Abschließend werden Ergebnisse dieser Korrelationen formuliert (Abschnitte 3.3.2.5, 3.3.3.5, 3.3.4.5). In Kapitel 4 werden in einem weiteren Schritt die mit Hilfe der Achsengrafiken beschreibbaren Veränderungen des Repertoires, der Religiosität und der Leseperspektive der einzelnen Befragten im Hinblick auf Bewegungsrichtungen und Bewegungsintensi‐ täten miteinander verschränkt, um auf diesem Wege genauere Erkenntnisse hinsichtlich überindividuell feststellbarer Konstellationen der Entwicklung des Grundverständnisses der Bibel zu erzielen. Im günstigsten Fall lassen sich auf diesem Wege unter den Befragten ähnliche Entwicklungsprozesse ausmachen. Es wird also der Versuch unternommen, un‐ terschiedliche „Entwicklungsprofile“ zu beschreiben, die auf mehrere Personen zutreffen. In Kapitel 5 werden auf der Basis dieser Profile die beiden Fragebögen (MP 1 und MP 2) ausgewählter einzelner Teilnehmer*innen noch einmal allen für diese Person qualitativ und quantitativ erhobenen Daten ausgewertet. Diese Personen werden also einschließlich ihrer Veränderungen einer Gesamtschau unterworfen. Zurückgegriffen wird dabei einerseits auf die methodisch kontrollierte Auswertung der qualitativen Aussagen dieser Personen, andererseits auf alle quantitativ ausgerichteten Items beider Fragebögen. Darüber hinaus werden auch bisher nicht ausgewertete Items für diese Personen in die Auswertung einbezogen (s. Abschnitt 2.5.1). Auch dieses Verfahren dient dem Ziel der Untersuchung, Veränderungsprozesse beob‐ achtbar und beschreibbar zu machen. Es ist klar, dass dieses Auswertungsverfahren nur exemplarisch erfolgen kann. Die Korrelation der Ergebnisse dieser Panelbefragung mit den Ergebnissen der (qua‐ litativen) Portfolioanalyse 269 erfolgt im Ergebniskapitel (Abschnitt 6.2). Die Korrelation quantitativ und qualitativ erhobener Daten erfolgt damit in mehreren, voneinander zu unterscheidenden Schritten. 80 2 Forschungsdesign <?page no="81"?> 270 Das Format ist auf den Vorschlag von Hilke Rebenstorf (Sozialwissenschaftliches Institut der EKD) hin entstanden, die auch den Begriff „Entwicklungsgrafik“ ins Spiel gebracht hat. 2.6 Grundsätze der Darstellung 2.6.1 Anonymität und soziodemographische Daten Die umfangreich erhobenen soziodemographischen Daten werden in Abschnitt 3.1 selektiv ausgewertet, um die Spezifika der Zielgruppe zu beschreiben. Zur Wahrung der Anonymität wird auf eine genderbewusste, altersbezogene oder konfessionsbezogene Auswertung im Weiteren verzichtet. Weit überwiegend sind die Studierenden weiblich, evangelischlandeskirchlich und jünger als 26 Jahre. Das bedeutet, dass männnliche Teilnehmer und ältere oder katholische Teilnehmer*innen mit Hilfe weiterer Merkmale oder auch vom Wortlaut ihrer Beiträge her identifiziert werden könnten. Daher wird auf die Offenlegung des Geschlechts, des Alters oder der Konfession einzelner Teilnehmer*innen verzichtet. 2.6.2 Darstellung von Grafiken 2.6.2.1 Darstellung anhand von Teilnehmer*innenzahlen Die vorliegende Panelstudie kann angesichts der geringen Grundgesamtheit nicht den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein: Pro Kohorte haben je 28 Personen an der Panelstudie teilgenommen, insgesamt also 56 Personen. Es erfolgen entsprechend keine Auswertungen auf der Basis statistischer Verfahren. Um diese Grundsatzentscheidung klar herauszustellen, erfolgt die Darstellung innerhalb der Grafiken anhand von Teilnehmer*in‐ nenzahlen. Angaben in „von Hundert“ werden nur dann zusätzlich errechnet, wenn Vergleichsstudien herangezogen werden oder wenn zahlenmäßige Verhältnisse innerhalb der befragten Gruppe, wie etwa bei soziodemographischen Daten, sichtbar gemacht werden sollen. 2.6.2.2 Entwicklungsgrafiken Die Ergebnisse der Panelbefragung werden durch die bereits erwähnten „Entwicklungs‐ grafiken“ 270 visualisiert. Im Verlauf der Auswertungen hat sich gezeigt, dass Grafiken, die ein reines Kohortenergebnis abbilden, die Bewegungen der einzelnen Teilnehmer*innen nicht sichtbar machen. Wenn nur die Bewegung einer gesamten Kohorte dargestellt wird, neutralisieren sich dabei auf der einen Seite die Neu-Anwahlen von Items an MP 2 gegen‐ über MP 1 und auf der anderen Seite die Neu-Abwahlen von Items an MP 2 gegenüber MP 1. Zwar lässt sich ein Kohortentrend auf diese Weise nachzeichnen. Die Bewegungen der einzelnen Befragten innerhalb der Kohorten bleiben dabei aber in vielen Fällen verborgen. Dieses Phänomen lässt sich etwa bei den Antworten auf Item 1.2.4 bei Koh. I beobachten (vgl. Abschnitt 3.2.2.4). Wenn etwa ein Drittel der Gruppe an MP 2 beim Votum von MP 1 bleibt, ein Drittel das Item abwählt und ein Drittel das Item neu anwählt, bleibt das Ergebnis in Zahlen an MP 2 gleich. Demgegenüber ist es durch die Entwicklungsgrafiken möglich, Entwicklungstendenzen sowohl einzelner Teilnehmer*innen, größerer Teilgruppen und 2.6 Grundsätze der Darstellung 81 <?page no="82"?> auch der gesamten Kohorte sichtbar zu machen. Die Entwicklungsgrafiken erlauben die Beobachtung und Beschreibung solcher Bewegungen. Alle 28 Teilnehmer*innen einer Kohorte kommen jeweils einmal in jeder Entwicklungsgrafik vor (Koh. I: TN 1-37 und Koh.-II: 38-74). Das Format der Entwicklungsgrafiken wurde speziell für diese Studie erarbeitet. Es wird in Abschnitt 3.2 anhand verschiedener Frageformen erläutert. Formulierungsverän‐ derungen der Items zwischen den Messpunkten werden in den Abbildungen aufgeführt. Die Nummerierung der Items erfolgt nach dem Fragebogen an MP 2 (s. Anhang). Alle Ent‐ wicklungsgrafiken werden im Online-Zusatzmaterial C in der Reihenfolge des Fragebogens zur Verfügung gestellt (s. Abschnitt 7.3). In der Buchveröffentlichung können angesichts der Fülle des Materials nur ausgewählte Grafiken präsentiert werden. 2.6.2.3 Achsengrafiken Die Achsengrafiken stellen kohortenweise kumulativ Veränderungen einzelner Personen nach bestimmten Kriterien im Bereich der Achsen Repertoire, Religiosität und Leseper‐ spektive dar. Man sieht auf diese Weise auch Gesamttrends der gesamten Kohorte. Die Achsengrafiken sind als Säulendiagramme gestaltet und wurden mit Hilfe der vorliegenden Daten mit Hilfe von Microsoft Excel erstellt. Die sechs Achsengrafiken werden in der vorliegenden Veröffentlichung abgedruckt. Der Umgang mit diesem Grafiktyp wird im Detail in Abschnitt 3.3.2.4 erläutert. 2.6.2.4 Kohortengrafiken Die Darstellung der Kohortenergebnisse ohne Auflistung der einzelnen Teilnehmer*innen erfolgt ausschließlich in Abschnitt 3.1. Dort geht es um soziodemographische Daten und Daten zur religiösen Biographie, die nur an MP 1 abgefragt werden. Zur Darstellung dieser Ergebnisse werden verschiedene Abbildungsformate (Tortendiagramme, Balkendi‐ agramme) verwendet, die ebenfalls auf Basis der vorliegenden Daten über Microsoft Excel erstellt wurden. Nicht alle Ergebnisse der soziodemographischen Items oder der Items zur religiösen Biographie werden im Rahmen dieser Veröffentlichung dargestellt. 2.6.3 Darstellung von Kohorte-I und Kohorte-II Für die Auswertung des Panels liegen alle Befragungsergebnisse für beide Kohorten vor. Im Haupttext wird allerdings das Ergebnis nur dann bei beiden Kohorten diskutiert, wenn Koh. I und Koh. II in der Entwicklungstendenz zwischen MP 1 und MP 2 gravierend voneinander abweichen. Details der Ergebnisse und Angaben in „von Hundert“ werden, damit der Haupttext lesbar bleibt, meist lediglich im Fußnotenapparat aufgeführt. 82 2 Forschungsdesign <?page no="83"?> 2.6.4 Darstellung des qualitativen Materials Die Darstellung aller Studierendenäußerungen erfolgt rechtschreibbereinigt. Es geht in dieser Untersuchung nicht um die sprachliche Qualität der Äußerungen, sondern um die inhaltlichen Aussagen. Äußerungen, die nicht verständlich sind, bleiben unausgewertet. 2.6.5 Glossar Fachterminologie vor allem aus dem Bereich sozialwissenschaftlicher Forschung wird in einem Glossar erläutert. Darüber hinaus werden wiederkehrende Abkürzungen aus dem Hochschulbereich und aus der vorliegenden Darstellung (z. B. MP für Messpunkt, TN für Teilnehmer*in/ nen, Koh. für Kohorte) erläutert und können nachgeschlagen werden. Das Glossar befindet sich hinter Kapitel 7 vor den Panelfragebögen und den üblichen Verzeichnissen. 2.6.6 Die folgenden Teile im Überblick In Kapitel 3 folgt nun die Darstellung der Daten. Dabei bietet Abschnitt 3.1 die soziodemo‐ graphischen Daten und die Daten der religiösen Biographie, die in beiden Kohorten nur an MP 1 abgefragt werden. In Abschnitt 3.2 finden sich zentrale quantitative Items, auf die mehrfach Bezug genommen wird. Zudem werden die Entwicklungsgrafiken erläutert. Abschnitt 3.3 bildet das Herzstück der Darstellung mit den - anhand des in Abschnitt 2.5.3 erläuterten Schemas - ausgewerteten Paneldaten. Abschnitt 3.4 fasst die Ergebnisse der Abschnitte 3.1 bis 3.3 zusammen. In Kapitel 4 werden Entwicklungsprofile entworfen. In Kapitel 5 werden sieben Einzelpersonen vorgestellt. Wie bereits erläutert, muss auf eine genderbezogene Auswertung verzichtet werden, da andernfalls die Anonymität bei der geringen Zahl männlicher Studierender nicht gewährleistet wäre. Die Ergebnisse der Gesamtstudie werden in Kapitel 6 vorgestellt und erläutert. 2.6 Grundsätze der Darstellung 83 <?page no="85"?> 271 Die Anzahl der Befragten, die an beiden Messpunkten teilgenommen haben, beträgt je Kohorte 28 TN; damit liegt die Grundgesamtheit für beide Kohorten zusammen bei N = 56 (s. Abschnitt 2.4). 272 Die Fragen 1.15 und 1.16 wurden an MP 2 abgefragt, beziehen sich aber auf die letzten zwei Schuljahre, d.-h. auf die Zeit vor Studienbeginn. 273 Der besseren Lesbarkeit halber werden die Prozentangaben gerundet; dabei werden Werte zwischen x,1% bis x,4% abgerundet und Werte von x,5% bis x,9% aufgerundet. In wenigen Fällen beträgt die Summe der einzelnen Werte wegen des Auf- und Abrundens dabei nicht 100%. 274 Die vierte, nicht angewählte Möglichkeit lautet: „fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung (Immaturen- oder Z-Prüfung)“. Bei der fünften Möglichkeit hätte eine andere Hochschulzu‐ gangsberechtigung als Freitext eingetragen werden können. 3 Auswertung der Daten Die im Rahmen der Panelbefragungen gewonnenen Daten werden diesem Kapitel umfassend dargestellt: Zunächst geht es um die Lernausgangslage der Teilnehmer*innen (Abschnitt 3.1). Es folgen die Darstellung zentraler quantitativer Items, auf die mehrfach Bezug genommen wird (Abschnitt 3.2), sowie das Herzstück der Auswertung mit dem Fokus auf die Forschungsfrage zu den Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel (Abschnitt 3.3). Mit einer Zusammen‐ fassung der wichtigsten Ergebnisse (Abschnitt 3.4) schließt das Kapitel. 3.1 Lernausgangslage In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse der Befragungen des Panels für beide Kohorten dargestellt, sofern es sich dabei um für die Lernausgangslage relevante Daten handelt. Darunter zu verstehen sind Daten, die es erlauben, den Ausgangspunkt nachzuzeichnen, von dem aus die Befragten ihre Entwicklung genommen haben. 271 Ausgewählt werden dabei drei Aspekte, die für weitere Auswertungen relevant sind. Zum einen sind dies soziodemographische Daten, zum zweiten Daten zur religiösen Sozialisation, und drittens handelt es sich um einige in der vorliegenden Untersuchung nicht eingehender betrachtete Aspekte der Bibelsozialisation. Die meisten Fragen finden sich im Fragebogen an Messpunkt (MP) 1, wobei es zwei Ausnahmen gibt. 272 Falls die Fragen anderen Befragungen entnommen oder von ihnen angeregt wurden, wird dies vermerkt. Die Angaben der Ergebnisse erfolgen in gerundeten Prozentzahlen. 273 3.1.1 Soziodemographische Daten Um einen Einblick in die soziodemographische Situation der Studierenden zu gewinnen, werden im Folgenden aus dem Fragebogen an MP 1 die Fragen zur Hochschulzugangsbe‐ rechtigung (3.4), zum Geschlecht (3.6) und zum Alter bei Studienbeginn betrachtet (3.7). Welche formale Bildung bringen die Studierenden mit, die in der vorliegenden Studie befragt werden? Dies wird über die Frage nach der Art der Hochschulzugangsberechtigung erhoben. Von den fünf Wahlmöglichkeiten werden nur drei angewählt: das Abitur, die Fachhochschulreife und der Hochschulzugang über eine berufliche Vorbildung. 274 Während bei Koh.-I die Quote derjenigen mit der allgemeinen Hochschulreife, also dem Abitur, 71% der Befragten beträgt, beträgt sie in Koh. II sogar 89%. Entsprechend haben nur wenige Studierende <?page no="86"?> 275 Vgl. dazu Middendorff u. a. ([2017], 29-30) mit den im SoSe 2016 erhobenen Daten zur 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks; demzufolge besaßen zu diesem Zeitpunkt 64% der FH-Studierenden eine Allgemeine Hochschulreife und 27% ein Fachabitur. die Fachhochschulreife abgelegt; das trifft in Koh.-I auf 25% und in Koh.-II auf 11% zu. Einen Zugang zum Hochschulstudium ohne Abitur, aber durch eine berufliche Qualifikation besitzen nur 4% der Studierenden der Koh. I und niemand in Koh. II. Damit verfügen die Befragten über eine höhere formale Bildung als der Durchschnitt der FH-Studierenden. 275 Der Umgang mit dem Geschlecht der Befragten wurde bereits in Abschnitt 2.6.1 thematisiert. Der hohe Anteil an Studentinnen lässt es vor dem Hintergrund der Wahrung der Anonymität der Befragten nicht ratsam erscheinen, Korrelationen von Aussagen und Geschlecht herzustellen - die zahlenmäßig wenigen männlichen Befragten wären dadurch eventuell zu identifizieren. In der Gesamtschau zeigt die Geschlechterverteilung unter den Studierenden, dass jeweils mehr als drei Viertel der Befragten weiblich sind (82% in Koh. I und 79% in Koh. II) und entsprechend 18% bzw. 21% männlich. Die dritte vorgegebene Antwortvariante „transgender“ wird dabei von niemandem angewählt. Frage 3.6 an MP 1: „Bitte geben Sie Ihr Geschlecht an“, Abbildung 3: Geschlechterverteilung der Befragten Auch das Alter der Befragten wurde an MP 1 erfragt, wobei drei Antwortmöglichkeiten zur Verfügung standen: bis 19 Jahre, 20 bis 25 Jahre sowie 26 Jahre und älter. Bis 19 Jahre alt sind 39% in Koh. I und 46% in Koh. II. Die meisten Befragten gehören jeweils zur mittleren Altersgruppe (47% in Koh. I und 54% in Koh. II). Die kleinste Gruppe bilden erwartungsgemäß diejenigen, die 26 Jahre und älter sind; das trifft nur auf 14% in Koh. I zu und in Koh.-II auf niemanden. 86 3 Auswertung der Daten <?page no="87"?> 276 Die Frage nach der Konfessionszugehörigkeit lehnt sich an die entsprechenden Frage 7.3 der Forschungsgruppe Theologiestudium (2015), 14 an. 277 Als weitere, aber nicht angewählte Alternativen sind vorgegeben: „Ich gehöre einer anderen christlichen Konfession zu“, „Ich gehöre einer anderen Religion zu“ sowie „Ich gehöre keiner Religion zu“. 278 Wie Bickelhaupt (2015), 631-632 ausführt, wird eine positive Haltung gegenüber der Erwachsenen‐ taufe häufig mit Verweis auf das Neue Testament und eine implizit wörtliche Leseperspektive eingenommen. 279 Bedford-Strohm/ Jung (2015), 471. 3.1.2 Religiöse Sozialisation An dieser Stelle wird die religiöse Sozialisation der Studierenden bei Studienbeginn anhand von Fragen in den Blick genommen, die im Fragebogen an MP 1 gestellt wurden: In Frage 2.1 wird die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft bzw. Konfession erfragt und in 2.7 der Zeitpunkt der eigenen Taufe. Zu einer Einschätzung der eigenen religiösen Erziehung und der eigenen Religiosität werden die Studierenden in den Items 2.5.1 und 2.5.2 aufgefordert. In den weiteren Fragen bzw. Items geht es eher um die praktizierte Religiosität, und zwar ungefähr entsprechend dem biographischen Ablauf: in 2.3 und 2.4 um die Gebetspraxis in der Herkunftsfamilie, in 2.2 um das familiäre Gespräch über religiöse Themen bzw. die Kirche, in 2.9 um den Besuch des Konfirmations- oder eines vergleichbaren Unterrichts, in Frage 1.15 (an MP 2 erhoben) um den Besuch des schulischen Religionsunterrichts in den letzten beiden Schuljahren sowie in 2.12 und 2.13 um die Frage, wie häufig und mit wem sich die Befragten über religiöse Themen austauschen, und abschließend in 2.19.6, welchen Stellenwert das Gebet zu Studienbeginn in ihrem Alltag hat. Die Eingangsfrage in diesem Themenfeld zielt auf die Konfessionszugehörigkeit. 276 Bei einem Studiengang, der zu einem Abschluss führt, der für eine Anstellung in einer evangelischen Kirche qualifiziert, ist kaum anderes zu erwarten, als dass der Großteil der Studierenden evangelisch und Mitglied einer Landeskirche ist. Das ist in beiden Kohorten auch der Fall (jeweils 93%). Ebenfalls in beiden Kohorten ist jeweils nur eine Person evangelisch und Mitglied einer Freikirche (4%), und in jeder Kohorte gibt es daneben auch eine katholische Person (4%). 277 Der Taufzeitpunkt besitzt eine gewisse Aussagekraft zumindest über die Dauer der Bin‐ dung an den christlichen Glauben, teilweise aber auch - zusammen mit weiteren Aspekten - über die Ausrichtung der eigenen Frömmigkeit, denn von manchen Gruppierungen wird die Kindertaufe mit Hinweis auf ein wörtliches Bibelverständnis neutestamentlicher Texte abgelehnt. 278 Die Frage nach dem Taufzeitpunkt sieht vier Antwortalternativen vor: „als Kind“, „als Jugendliche_r“, „als Erwachsene_r“ und „gar nicht“. In beiden Kohorten gibt es keine Ungetaufen. Dabei wurden 82% der Befragten als Kinder getauft. Als Jugendliche haben sich 18% in Koh. I und 11% in Koh. II taufen lassen, und erst im Erwachsenenalter trifft das auf 7% der Befragten in Koh. II und niemanden in Koh. I zu. Die große Mehrheit der Befragten, mehr als vier Fünftel, wurden als Kind getauft und nur ein knappes Fünftel später. In zwei skalierten Items, die von KMU 5 inspiriert sind, 279 wird die Einschätzung der eigenen religiösen Erziehung (2.5.1) bzw. der eigenen Religiosität (2.5.2) eruiert. In Item 3.1 Lernausgangslage 87 <?page no="88"?> 280 Auf die Frage nach der Einschätzung der eigenen religiösen Erziehung antworteten im Vergleich dazu deutlich mehr Evangelische zustimmend (71,1%) als in der vorliegenden Befragung. Vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 471. Zunächst überrascht ein solches Ergebnis insofern, als sich die hier befragten Studierenden eines religionspädagogischen Studiums weniger häufig eine religiöse Erziehung zuschreiben als das Mittel der 2012 befragten evangelischen Christ*innen insgesamt. Erklären lässt sich dieser Unterschied allerdings durch zwei Faktoren: Zum einen durch den Tradi‐ tionsabbruch (dazu in knapper Form z. B. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 176-177), der die jüngeren Befragten der hier vorgelegten Untersuchung in stärkerem Maße prägt als die im Schnitt älteren Befragten von KMU 5. Dazu ein altersspezifisch aufgeschlüsseltes Ergebnis aus KMU 5 (Bedford- Strohm/ Jung [2015], 140): „Heute sagt weniger als die Hälfte der westdeutschen evangelischen Kirchenmitglieder bis zu 21 Jahren, sie seien religiös erzogen worden.“ In dieser Beobachtung klingt ein weiterer Faktor an, durch den sich das Ergebnis der vorliegenden Befragung ebenfalls zum Teil erklären lässt: Es handelt sich um westdeutsche Befragte. Das lässt sich für den übergroßen Teil der befragten Studierenden auf der Grundlage der Kenntnis ihrer Person und ihrer Geschichte vermuten, auch wenn es in der vorliegenden Erhebung nicht explizit erfragt wird. 2.5.1 wird erfragt, in welchem Maß die Teilnehmer*innen der Ansicht sind, religiös erzogen worden zu sein. Dabei zeigt sich, dass dies von den Befragten der beiden Kohorten unterschiedlich beurteilt wird: In Koh. I lehnt die Mehrheit der Studierenden die Aussage ab, religiös erzogen worden zu sein (64%, davon 21% sehr und 43% eher ablehnend), und nur ein gutes Drittel stimmt hier zu (35%, davon 21% sehr und 14% eher zustimmend). In Koh. II verhält es sich genau umgekehrt: Eine knappe Minderheit hat nicht den Eindruck, religiös erzogen worden zu sein (46%, davon 25% mit großer und 21% mit überwiegender Ablehnung). Gut die Hälfte der Befragten in Koh. II aber bejaht, religiös erzogen worden zu sein (53%, davon 21% mit großer und 32% mit überwiegender Zustimmung). 280 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 trifft gar nicht zu (Koh. II) trifft gar nicht zu (Koh. I) trifft eher nicht zu (Koh. II) trifft eher nicht zu (Koh. I) trifft eher zu (Koh. II) trifft eher zu (Koh. I) trifft voll zu (Koh. II) trifft voll zu (Koh. I) Item 2.5.1 an MP 1: „Ich wurde religiös erzogen“, je Kohorte N=28, Angaben pro Kohorte in % Abbildung 4: Einschätzung der eigenen religiösen Erziehung Anders als bei der Einschätzung der in der Vergangenheit liegenden religiösen Erziehung richtet sich bei Item 2.5.2 der Blick auf die Gegenwart und die eigene Person: In welchem 88 3 Auswertung der Daten <?page no="89"?> 281 Auf die Frage, ob man sich selbst für einen religiösen Menschen halte, antwortete in KMU 5 die Mehrheit der befragten Evangelischen (37,5%) mit „eher zutreffend“, gefolgt von 29,5% mit „voll zutreffend“ (positiv insgesamt 67%) (Bedford-Strohm/ Jung [2015], 471). Das Votum bei 20,9% lautete „eher nicht zutreffend“ und bei 12,0% „gar nicht zutreffend“ (negativ insgesamt 32,9%). Demgegenüber fallen die Antworten der in der vorliegenden Untersuchung Befragten deutlich positiver aus. Dieses Ergebnis lässt sich plausibel mit Hinweis auf die Studienwahl erklären. Maß halten sich die Befragten für religiöse Menschen? Es zeigt sich, dass trotz der längst nicht überall zu beobachtenden religiösen Erziehung eine große Mehrheit der Befragten beider Kohorten hier zustimmt (Koh. I: 93%, davon 50% eher und 43% sehr; Koh. II: 97%, davon 57% eher und 39% sehr). Nur ein sehr geringer Teil hält sich eher nicht (7% in Koh. I) oder überhaupt nicht (4% in Koh. II) für einen religiösen Menschen. Damit liegt die eindeutige Mehrheit der Studierenden im zustimmenden Bereich und bejaht damit grundsätzlich, ein religiöser Mensch zu sein. 281 0 10 20 30 40 50 60 trifft gar nicht zu (Koh. II) trifft gar nicht zu (Koh. I) trifft eher nicht zu (Koh. II) trifft eher nicht zu (Koh. I) trifft eher zu (Koh. II) trifft eher zu (Koh. I) trifft voll zu (Koh. II) trifft voll zu (Koh. I) Item 2.5.2 an MP 1: „Ich halte mich für einen religiösen Menschen“, je Kohorte N=28, Angaben pro Kohorte in % Abbildung 5: Einschätzung der eigenen Religiosität Wie hat die häusliche Gebetspraxis in der Herkunftsfamilie ausgesehen? Dies wird in zwei Fragen erhoben. Um die Häufigkeit des Nachtgebets bzw. des Betens vor dem Einschlafen mit den Eltern oder nahen Bezugspersonen geht es in Frage 2.3. Dabei stehen sieben Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: „täglich“, „mehr als einmal in der Woche“, „einmal in der Woche“, „einbis dreimal im Monat“, „mehrmals im Jahr“, „seltener [als mehrmals im Jahr]“, „nie“. Auch hier ergibt sich ein unterschiedliches Bild der beiden Kohorten: In Koh. I ist die größte Gruppe mit 43% die derjenigen, die berichten, dass nie jemand mit ihnen vor dem Einschlafen gebetet hat, wovon in Koh. II nur 29% der Befragten berichten. Werden die beiden Voten für eine seltener als mehrmals im Jahr vorkommende und gar keine familiäre Praxis des Nachtgebets zusammengenommen, gleicht sich das Bild allerdings an: In Koh. I bejahen dies 54% der Befragten gegenüber 3.1 Lernausgangslage 89 <?page no="90"?> 282 Frage 2.3 im Einzelnen: „täglich“ Koh. I: 14% / Koh. II: 11%; „mehr als einmal in der Woche“: Koh. I: 7% / Koh. II: 14%; „einmal in der Woche“: Koh. I: 0% / Koh. II: 4%; „einbis dreimal im Monat“: Koh. I: 11% / Koh. II: 7%; „mehrmals im Jahr“: Koh. I: 14% / Koh. II: 7%; „seltener [als mehrmals im Jahr]“: Koh.-I: 11% / Koh.-II: 29%; „nie“: Koh.-I: 43% / Koh.-II: 29%. 283 Die genauen Ergebnisse bei Frage 2.4 : „täglich“: Koh. I: 18% / Koh. II: 4%; „mehr als einmal in der Woche“: Koh. I: 4% / Koh. II: 7%; „einmal in der Woche“: Koh. I: 4% / Koh. II: 0%; „einbis dreimal im Monat“: Koh. I: 0% / Koh. II: 4%; „mehrmals im Jahr“: Koh. I: 7% / Koh. II: 11%; „seltener [als mehrmals im Jahr]“: Koh.-I: 11% / Koh.-II: 18%; „nie“: Koh.-I: 57% / Koh.-II: 57%. 284 Die Frage wird in der Formulierung „Bei uns zuhause wurde/ wird über religiöse Themen diskutiert“ auch als Frage 6.8 im zugrundeliegenden Fragebogen der Forschungsgruppe Theologiestudium (2015), 13 gestellt. Dabei unterscheiden sich die sechs Antwortmöglichkeiten etwas von den sieben im vorliegenden Projekt. Die Befragungsergebnisse finden sich bei Lück (2012), 173: „täglich“: 2,3%; „mehrf. pro Woche“: 14,1%; „wöchentlich“: 17,2%; „monatlich“: 19,2%; „selten“: 38,6%; „nie“: 8,5%. Im Vergleich zeigt sich, dass die Befragten des vorliegenden Projekts derartige Gespräche deutlich häufiger führen als die bei Lück Befragten. 58% in Koh. II. Zum Mittelbereich der Häufigkeit (einmal pro Woche, einbis dreimal im Monat oder mehrmals im Jahr) rechnen sich 25% der Befragten in Koh. I, in Koh. II dagegen nur 17%. Mehr als einmal in der Woche oder sogar täglich haben laut ihren Angaben 21% der Befragten von Koh. I mit nahen Menschen gebetet gegenüber 25% in Koh.-II. 282 Insgesamt ergibt sich das Bild, dass eine Mehrzahl der Studierenden während ihres Aufwachsens nicht mit einer nahen Bezugsperson gebetet hat. In der zweiten Frage zum Thema des häuslichen Gebets geht es um das Beten vor dem Essen (Frage 2.4), also um die Praxis des Tischgebets. In beiden Kohorten haben 57% der Befragten nie zu Tisch gebetet. Zusammengenommen mit denen, die seltener als mehrmals im Jahr vor dem Essen gebetet haben, sind dies mehr als zwei Drittel der Befragten (68%) in Koh. I und drei Viertel (75%) in Koh. II. In der mittleren Häufigkeit mit Angaben von „mehr als einmal in der Woche“ bis „mehrmals im Jahr“ finden sich nur knapp 11% der Studierenden in Koh. I und knapp 15% in Koh. II. Jeden Tag bzw. mehr als einmal in der Woche haben doppelt so viele Befragte aus Koh. I das häusliche Tischgebet praktiziert wie aus Koh. II (22% vs. 11%). 283 Eine regelmäßige familiäre Einübung in diese Gebetspraxis (mit täglichem oder mehrmals wöchentlichem Gebet) ist also noch bei einem Fünftel (Koh. I) bzw. einem Zehntel (Koh. II) der Befragten erkennbar. Damit zeigt sich in Koh. I eine etwa gleich große Gruppe wie beim Nachtgebet; in Koh. II kennt weniger als die Hälfte derer, denen ein häufigeres Nachtgebet (25%) vertraut war, noch das Tischgebet (11%). Damit lässt sich bei der Mehrzahl der Befragten weder beim Nachtgebet noch beim Tischgebet eine regelmäßige Einübung in der Herkunftsfamilie erkennen. Ein etwas anderes Bild ergibt sich allerdings bei der Frage, wie häufig „zuhause über religiöse Themen/ Kirche“ gesprochen wurde (Frage 2.2). 284 Dass das täglich oder mehrmals in der Woche der Fall war, geben 32% der Befragten in Koh. I an und 18% in Koh. II. Solche Gespräche haben 40% der Befragten in einer Häufigkeit zwischen einmal pro Woche und mehrmals im Jahr geführt. In Koh. II gilt dies für 53% der Befragten. Seltener als mehrmals im Jahr oder nie wurde bei 28% der Studierenden in Koh. I über Religion oder Kirche gesprochen und bei 29% in Koh. II. Nur in dieser letztgenannten Gruppe sind die Zahlen in beiden Kohorten etwa gleich hoch; bei Koh. II haben solche Gespräche bei einer kleineren Gruppe häufiger (täglich oder mehrmals wöchentlich) stattgefunden als bei Koh. I; dafür 90 3 Auswertung der Daten <?page no="91"?> 285 Frage 2.2 im Detail: „täglich“: Koh. I: 14% / Koh. II: 7%; „mehr als einmal in der Woche“: Koh. I: 18% / Koh. II: 11%; „einmal in der Woche“: Koh. I: 11% / Koh. II: 25%; „einbis dreimal im Monat“: Koh.-I: 18% / Koh. II: 4%; „mehrmals im Jahr“: Koh. I: 11% / Koh. II: 25%; „seltener [als mehrmals im Jahr]“: Koh.-I: 21% / Koh.-II: 18%; „nie“: Koh.-I: 7% / Koh.-II: 11%. 286 Dabei wurde nicht erfragt, ob dies vielleicht daran lag, dass der Religionsunterricht von Seiten der Schulen nicht durchgängig oder womöglich gar nicht angeboten wurde. 287 Item 2.19.6 im Einzelnen: „gar nicht zutreffend“: Koh. I: 18% / Koh.-II: 25% ; „eher nicht zutreffend“: Koh. I: 39% ; Koh. II: 36%; „eher zutreffend“: Koh. I: 29% / Koh. II: 18%; „ganz genau zutreffend“: Koh. I: 14% / Koh. II: 21%. Die Frage ist der SINUS-Befragung in Baden und Württemberg entlehnt (Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM); dort bejahen 45% sehr und 21% eher, also insgesamt 66% der Befragten. ist bei Koh. II der Mittelbereich der Häufigkeit stärker vertreten als bei Koh. I. 285 Insgesamt sind die Zahlen hier gleichmäßiger auf die unterschiedlichen Häufigkeiten verteilt als bei der Gebetspraxis, und auch die Häufigkeit solcher Gespräche insgesamt ist höher als die Häufigkeit des Betens im Elternhaus. Wie ist die religiöse Sozialisation weiter verlaufen? Im Verlauf der Biographie markiert der kirchliche Unterricht eine nächste Stufe. Entsprechend wird in Frage 2.9 um die Aus‐ kunft gebeten, ob die Befragten „einen Konfirmationsunterricht oder einen vergleichbaren Unterricht besucht“ haben. Auf alle Studierenden trifft dies in Koh. I zu (100%), in Koh. II auf 96%, weil eine Person (4%) einen solchen Unterricht nicht besucht hat. Der Besuch des schulischen Religionsunterrichts in den letzten beiden Schuljahren ist an MP 2 in Frage 1.15 Thema. Die alternativen Antwortvarianten lauten erstens „Ich hatte in dieser Zeit keinen durchgängigen Religionsunterricht“, zweitens „Ich hatte überhaupt keinen Religionsunterricht in dieser Zeit“ sowie drittens „Ich hatte durchgängig Religionsunterricht“. Hier zeigt sich in beiden Kohorten ein ähnlich heterogenes Bild. Zwar hat die größte Gruppe (43% in Koh. I und 46% in Koh. II) den Religionsunterricht durchgängig besucht, doch kaum weniger Befragte haben ihn nicht durchgängig besucht (36% in Koh. I und 43% in Koh. II). In Koh. I wählen 21% und in Koh. II 11% der Befragten die dritte Möglichkeit an - sie hatten in den letzten beiden Schuljahren gar keinen Religionsunterricht. Insgesamt hat damit mehr als die Hälfte der Studierenden in den beiden Jahren vor dem Studium keinen oder keinen durchgängigen schulischen Religionsunterricht besucht. 286 Eine weitere Differenzierung der religiösen Sozialisation zeigt sich, wenn der Blick auf die aktuelle Gebetspraxis der Studierenden zu Studienbeginn geworfen wird. Zum Zeitpunkt der Erstbefragung gibt der überwiegende Teil der Studierenden an, im Alltag nicht zu beten. Die Formulierung des entsprechenden Items 2.19.6, zu dem sich die Befragten verhalten sollen, lautet: „Beten gehört zu meinem Alltag dazu“. Negativ („gar nicht“ bzw. „eher nicht zutreffend“) antworten 57% in Koh. I und 61% in Koh. II. Dass das Gebet zum persönlichen Alltag dazugehört, bejahen hingegen („eher“ oder dezidiert) 43% in Koh. I und 39% in Koh. II. Das Gebet ist also zwar für einen großen Teil, aber nicht für die Mehrzahl der Befragten Teil des alltäglichen Lebens. 287 In zwei Fragen zur religiösen Sozialisation wird erhoben, wie häufig und mit wem sich die Studierenden zum Zeitpunkt des Studienbeginns über religiöse Themen austauschen (2.12 sowie 2.13). Die Frageformulierung in 2.12 lautet: „Wie häufig tauschen Sie sich über religiöse Themen aus? “ Die alternativen Antwortmöglichkeiten lauten „häufig“, 3.1 Lernausgangslage 91 <?page no="92"?> 288 Ein gewisser Anschluss ist damit auch an die weiter oben gestellte Frage 2.2 gegeben: „Bei uns zuhause wurde über religiöse Themen gesprochen“. „gelegentlich“, „selten“ oder „nie“. Die meisten Voten entfallen dabei auf „selten“, 53% bei Koh. I und 75% bei Koh. II. In beiden Kohorten gibt niemand an, sich „häufig“ über religiöse Themen auszutauschen. „Gelegentlich“ tun dies 36% der Befragten in Koh. I und 18% in Koh. II, und die Antwortmöglichkeit „nie“ wird in Koh. I von 11% sowie in Koh. II von 7% der Studierenden gewählt. Dabei fällt der Unterschied zwischen beiden Kohorten ins Auge: Während sich in Koh. I mit 53% nur gut die Hälfte selten über religiöse Themen austauscht, sind dies in Koh. II mit 75% drei Viertel der Befragten. Insgesamt überrascht doch, dass Gespräche über religiöse Fragen in einer Gruppe mit dieser Studienfachwahl nicht häufiger vorkommen. In Frage 2.13 wird das Thema des Austauschs über religiöse Themen noch einmal vertieft. 288 Gefragt wird: „Mit wem tauschen Sie sich über religiöse Themen aus? “ Bei den vorgegebenen sieben Antwortmöglichkeiten sind Mehrfachnennungen möglich: „mit der/ dem Partner_in“, „mit der Familie“, „mit Freund_innen und Bekannten“, „mit kirchli‐ chen Mitarbeitenden“, „mit anderen Kirchengemeindegliedern“, „mit Kommiliton_innen“ sowie „mit niemandem“. Die letzte Antwortmöglichkeit wird in beiden Kohorten nicht angewählt; es gibt also in jedem Fall einen Austausch der Befragten über religiöse Themen. Dabei lässt sich in beiden Kohorten eine unterschiedliche Rangfolge zwischen der Anwahl der einzelnen Gruppen beobachten. In Koh. I stehen mit jeweils 79% die kirch‐ lichen Mitarbeitenden und andere Kirchengemeinglieder mit deutlichem Vorsprung an der Spitze der Gesprächspartner*innen; es folgen die Kommiliton*innen (46%), knapp danach Freund*innen und Bekannte (43%) und zuletzt Partner*innen sowie die Familie (jeweils 36%). Auch in Koh. II bilden die kirchlichen Mitarbeitenden die häufigsten Gesprächs‐ partner*innen, die von fast allen Befragten angewählt werden (96%). Die zweitgrößte Gruppe stellen aber nicht weitere Menschen aus dem kirchengemeindlichen Kontext dar - diese folgen erst auf Platz 3 mit 57% -, sondern Freund*innen und Bekannte mit 75%. An vierter Stelle folgt die Familie (50%) und zuletzt mit gleicher Prozentzahl die Partner*innen sowie die Kommiliton*innen (43%). In Koh. I werden damit für Gespräche über religiöse Themen häufiger Ansprechpartner*innen im kirchlichen Bereich gesucht. Das ist in Koh. II nur im Hinblick auf die kirchlich Mitarbeitenden der Fall; ansonsten rekrutieren sich die Gesprächspartner*innen hier eher aus dem familiären und Freund*innenkreis. 3.1.3 Ergänzende Aspekte zur Bibelsozialisation Die meisten Aspekte zur Bibelsozialisation werden weiter unten in den Abschnitten 3.2 und 3.3 behandelt. Hier wird nur ein ergänzender Blick auf Fragen geworfen werden, die dort nicht betrachtet werden: zum einen auf die Erhebung der Schwerpunkte des Religionsunterrichts (RU) in den letzten zwei Schuljahren sowie zum anderen auf spezi‐ elles Vorwissen bezüglich der Bibel bei Studienbeginn. Die erstgenannte Information wird im Fragebogen an MP 2 unter der Nummer 1.16 erfragt; sie schließt an die Frage nach dem Besuch des Religionsunterrichts in den letzten beiden Schuljahren an, deren Ergebnisse bereits im vorangegangenen Abschnitt dargestellt wurden. Damit richtet sich 92 3 Auswertung der Daten <?page no="93"?> 289 In beiden Kohorten gibt es einige Teilnehmer*innen, die bei diesen Fragen keine Angaben machen. Dabei ist das Antwortverhalten bei den beiden Fragen 1.15 und 1.16 an MP 2 nicht immer konsistent: Wenn bei Frage 1.15 in den letzten beiden Schuljahren kein Religionsunterricht besucht wurde, dürfte entsprechend Frage 1.16 gar nicht beantwortet werden, weil sie sich ebenfalls auf den Religionsunterricht der letzten beiden Schuljahre bezieht. Diese Inkonsistenz lässt sich in jeder Kohorte bei 4% der Befragten und damit bei eine*r Teilnehmer*in feststellen, doch sie ist jeweils unterschiedlich: In Koh. I geben 18% der Befragten bei Frage 1.15 an, in den letzten beiden Schuljahren keinen Religionsunterricht besucht zu haben; demgegenüber sind es nur 14%, die Frage-1.16 nicht beantworten. Eine Person macht also Angaben bei 1.16, obwohl sie laut ihrer Antwort bei 1.15 keine machen dürfte. In Koh.-II ist die Inkonsistenz nur bei den Items 1-4 von 1.16 zu beobachten. 11% der Befragten geben bei Frage 1.15 an, in den letzten beiden Schuljahren keinen Religionsunterricht besucht zu haben, und bei den Items 5 und 6 von Frage 1.16 antworten auch nur diese 11% der Teilnehmer*innen. Eine Person allerdings macht bei den Items 1-4 von Frage 1.16 keine Angaben, obwohl sie laut ihrer Antwort auf Frage 1.15 in den letzten beiden Schuljahren den Religionsunterricht besucht hat. 290 Im Detail zu den Ergebnissen in der oben angegebenen Reihenfolge (bibelbezogene Items zum Schluss) in v. H. der Gesamtkohorten: Item 1.16.1 (MP 2: „Mein Religionsunterricht [in den letzten zwei Schuljahren] hatte einen stark sozialethischen Schwerpunkt“): „stimme stark zu“: Koh. I: 21% / Koh.-II: 25%; „stimme eher zu“: Koh.-I: 46% / Koh.-II: 29%; „lehne eher ab“: Koh.-I: 7% / Koh.-II: 29%; „lehne stark ab: Koh. I: 7% / Koh. II: 4%. Item 1.16.3 (MP 2: „Mein Religionsunterricht hatte einen stark spirituellen Schwerpunkt“): „stimme stark zu“: Koh. I: 11%/ Koh. II: 4%; „stimme eher zu“: Koh. I: 4%/ Koh. II: 11%; „lehne eher ab“: Koh. I: 21% / Koh. II: 36%; „lehne stark ab“: Koh. I: 43% / Koh. II: 36%. Item 1.16.4 (MP 2: „Im Religionsunterricht haben wir Konflikte in der Gruppe bearbeitet“): „stimme stark zu“: Koh. I: 11% / Koh. II: 0%; „stimme eher zu“: Koh. I: 25% / Koh. II: 14%; „lehne eher ab“: Koh.-I: 21% / Koh.-II: 43%; „lehne stark ab“: Koh.-I: 25% / Koh.-II: 29%. 291 Im Einzelnen: In Item 1.16.2 (MP 2): „stimme stark zu“: Koh. I: 11% / Koh. II: 7%; „stimme eher zu“: Koh.-I: 14% / Koh.-II: 21%; „lehne eher ab“: Koh.-I: 21% / Koh.-II: 21%; „lehne stark ab“: Koh.-I: 36% / Koh. II: 36%. Damit entsprechen sich die Zahlen bei der moderaten und der dezidierten Ablehnung in beiden Kohorten. die Frage an Personen, die zuvor angegeben hatten, in den letzten zwei Schuljahren Religionsunterricht gehabt zu haben. 289 Eventuelles besonderes Vorwissen zur Bibel wird in Frage-3.3 erhoben. Mit sechs unterschiedlichen Items in Frage 1.16 werden verschiedene Aspekte abge‐ fragt. In drei der Items wird nach der Rolle der Bibel im Religionsunterricht gefragt; in den anderen dreien geht es um andere Schwerpunkte des Religionsunterrichts. Die Letztgenannten sollen nun zunächst kurz dargestellt werden: In Item 1.16.1 an MP 2 geht es darum, ob der von den Befragten erlebte Religionsunterricht der letzten zwei Schuljahre „einen stark sozialethischen Schwerpunkt“ hatte. Die Tendenz ist hier in beiden Kohorten eindeutig positiv; über die Hälfte der Befragten stimmt dieser Einschätzung stark oder eher zu. Rund zwei Drittel der Befragten beider Kohorten negieren indes, dass ihr Religionsunterricht der letzten zwei Schuljahre einen stark spirituellen Schwerpunkt hatte. Bei der Einschätzung hingegen, dass im Religionsunterricht in dieser Zeit Konflikte in der Gruppe bearbeitet wurden, gehen die Voten der beiden Kohorten deutlich auseinander; während sich in Koh. I knapp die Hälfte der Befragten ablehnend äußert, tun dies in Koh. II fast drei Viertel. 290 Bei den bibelbezogenen Items geht es um die Haltung der Befragten zu der Aussage „Die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung hat eine wichtige Rolle gespielt“. Auch hier überwiegt die ablehnende Tendenz in beiden Kohorten, die dieser Aussage zu jeweils 57% widersprechen. 291 In Item 1.16.5 lautet die Aussage, zu der Stellung 3.1 Lernausgangslage 93 <?page no="94"?> 292 Item 1.16.5 (MP 2) im Detail: „stimme stark zu“: Koh. I: 25% / Koh. II: 14%; „stimme eher zu“: Koh. I: 14% / Koh. II: 18%; „lehne eher ab“: Koh. I: 14% / Koh. II: 25%; „lehne stark ab“: Koh. I: 29% / Koh. II: 32%. 293 Item 1.16.6 (MP 2) im Detail: „stimme stark zu“: Koh. I: 4% / Koh. II: 11%; „stimme eher zu“: Koh. I: 43% / Koh. II: 43%; „lehne eher ab“: Koh. I: 18% / Koh. II: 11%; „lehne stark ab“: Koh. I: 18% / Koh. II: 25%. genommen werden soll: „Biblische Texte sind nicht vorgekommen“. Hier differieren die Voten der beiden Kohorten: In Koh. I überwiegt die Ablehnung (43%), sie liegt allerdings nur geringfügig über der Zustimmung (39%), während die Ablehnung in Koh. II mit 57% gegenüber 32% Zustimmung deutlicher ausfällt. 292 Die Befragten aus Koh. I haben also häufiger den Eindruck als die Befragten aus Koh. II, dass biblische Texte im Religionsunterricht der letzten zwei Schuljahre nicht vorgekommen sind. Die dritte Aussage zum Thema Bibel, zu der die Studierenden Stellung nehmen sollen, lautet: „Biblische Texte sind nur im Rahmen der Beschäftigung mit bestimmten Sachthemen behandelt worden.“ Hier stimmt der Anteil der Befragten in beiden Kohorten überein, die ihre Ablehnung äußern, nämlich 36%, während die Zustimmung in Koh. II mit 54% etwas höher ausfällt als in Koh.-I mit 46%. 293 Nun zum zweiten Aspekt, dem besonderen Vorwissen zur Bibel. Hierzu lautet Frage 3.3 an MP 1: „Haben Sie vor Ihrem Studienbeginn bereits eine spezielle Ausbildung oder Weiterbildung mit biblischen Inhalten absolviert (z.-B. Bibelschule, abgebrochenes Stu‐ dium Lehramt Theologie/ Pfarramt Theologie/ Religionswissenschaft …)? “ Dabei lautet die erste Antwortmöglichkeit „nein“, die zweite „ja, und zwar“, worauf sich Platz für einen Freitext anschließt. Hier antworten 86% der Befragten in Koh. I mit „nein“ und 14% der Befragten mit „ja“. Letztere verweisen auf ein abgebrochenes Studium der Ev. Theologie bzw. Ev. Religionspädagogik, auf ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einem regionalen christlichen Träger, auf eine Erzieher*innen-Ausbildung sowie auf ein absolviertes Studiensemester im Fach Religionswissenschaft auf Lehramt. In Koh.-II antworten alle Befragten mit „nein“. Auf die Gesamtgruppe der Befragten gesehen (N=56) verfügen demnach 7% der Studierenden über Vorwissen im Bereich der Bibel auf der Basis einer vorherigen Ausbildung oder eines vorherigen Praktikums. Ausgehend von den Freitext-Antworten lässt sich allerdings vermuten, dass maximal die eine Person mit dem abgebrochenen Studium der Ev. Theologie bzw. Ev. Religionspädagogik über tiefergehende Kenntnisse im Bereich der Bibelauslegung verfügt; auch das ist allerdings davon abhängig, an welchem Punkt das Studium abgebrochen und welche Inhalte bis dahin studiert wurden. Über gesichertes umfangreicheres Vorwissen im Bereich der Bibel verfügt aller Wahrscheinlichkeit nach keine*r der Befragten. 3.1.4 Ergebnis In soziodemographischer Hinsicht zeichnen sich die Befragten dadurch aus, dass sie überwiegend das Abitur abgelegt und nur wenige über eine berufliche Qualifikation den Zugang zum Studium erlangt haben. Die große Mehrzahl der befragten Studierenden sind Frauen. In beiden Kohorten ist die größte Gruppe der Befragten 20 bis 25 Jahren alt, die zweitgrößte Gruppe ist die der Jüngeren, während kaum jemand älter ist. 94 3 Auswertung der Daten <?page no="95"?> Im Hinblick auf die religiöse Sozialisation der Befragten zum Zeitpunkt des Studi‐ enbeginns ergibt sich folgendes Bild: Über 90% sind evangelisch und gehören einer Landeskirche an (2.1). Mehr als drei Viertel wurden als Kind getauft (2.7). Nach eigener Einschätzung sind die Befragten von Koh.-I mehrheitlich nicht religiös erzogen worden, von Koh. II dagegen doch (2.5.1). Dabei sehen sich über 90% als religiöse Menschen an (2.5.2). Eine Einübung ins Gebet zur Nacht oder bei Tisch hat bei den meisten Befragten im familiären Kontext nicht stattgefunden. So berichtet fast die Hälfte der Studierenden aus Koh. I und ein knappes Drittel aus Koh. II, dass Eltern oder nahe Bezugspersonen mit ihnen nie zur Nacht gebetet hätten (2.3). Beim Tischgebet (2.4) trifft dies auf mehr als die Hälfte der Befragten zu. Auf der anderen Seite ist aber mit etwa einem Viertel der Befragten täglich oder mehr als einmal in der Woche ein Nachtgebet gesprochen worden, was im Hinblick auf das Tischgebet nur ein ungefähres Fünftel bzw. Zehntel der Befragten bejaht. Gängiger ist hingegen das Sprechen über religiöse oder kirchliche Themen in der Herkunftsfamilie (2.2): Etwa die Hälfte hat dies häufiger praktiziert, aber auch ein knappes Drittel selten oder nie. Jenseits der familiären religiösen Sozialisation geben fast alle Befragten an, den Konfirmations- oder einen vergleichbarer Unterricht besucht zu haben (2.9). Der schulische Religionsunterricht in den letzten zwei Schuljahren (1.15 an MP 2) wurde allerdings von weniger als der Hälfte der Studierenden durchgängig besucht - mehr als die Hälfte hatte in dieser Zeit keinen oder keinen durchgängigen Religionsunterricht. Auf die Bedeutung des Gebets angesprochen, gibt zwar ein großer Teil, aber nicht die Mehrzahl der Befragten an, dass das Gebet Teil des alltäglichen Lebens sei (2.19.6). Im Austausch über religiöse Themen (2.12) ist niemand von den Befragten „häufig“, sondern je nach Kohorte die Hälfte bis zwei Drittel der Befragten sogar nur „selten“. Dabei erfolgt der Austausch (2.13) zu großen Teilen mit kirchlichen Mitarbeitenden, aber auch mit Freund*innen oder Bekannten. Bezüglich der Bibelsozialisation sind folgende Ergebnisse zu vermerken: Die Bibel hat insgesamt im Religionsunterricht der beiden letzten Schuljahre bei den Befragten nicht im Vordergrund gestanden. Der Unterricht war eher von sozialethischen Themen bestimmt, und eine gewisse Rolle hat auch die Bearbeitung von Konflikten in der Gruppe gespielt. Die wissenschaftliche Erschließung der Bibel stand für die Mehrzahl nicht im Fokus des Religionsunterrichts in dieser Zeit. Biblische Texte spielten keine herausragende Rolle, sondern wurden eher auch im Zusammenhang mit Sachthemen behandelt. Die Befragten bringen alle kein gesichertes umfangreicheres Wissen über die Bibel oder ihre Auslegung mit, wie es in einem speziellen Ausbildungsgang hätte erworben werden können. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items In diesem Abschnitt werden die Items ausgewertet, die für mehrere Auswertungsthemen in Abschnitt 3.3 von Bedeutung sind, auf die also im Fortgang der Untersuchung immer wieder Bezug genommen wird. Dies betrifft Items zur Häufigkeit des Bibellesens (Frage 1.3), zur Begegnung mit der Bibel in bestimmten Kommunikationskontexten (Frage 1.2), zum Bibellesen allein oder mit anderen (Items 1.4.1 und 1.4.2) und zur Wichtigkeit der Bibel (Items 1.4.5, 1.4.3 an MP-2 und Frage-1.6). 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 95 <?page no="96"?> 294 Im Klartext bedeutet diese Darstellung, dass in Koh. I an MP 1 17 TN dieses Item gewählt haben, an MP 2 13 TN. An MP 2 haben 2 TN dieses Item neu angewählt, während 6 TN dieses Item nicht mehr gewählt haben. Alle anderen (20 TN) sind an MP 2 bei ihrem Votum von MP 1 geblieben. Die in der Klammer genannten Personen pro Kohorte müssen in der Summe immer 28 Personen ergeben. In diesem Fall sind das 2+6+20= 28. In diesem Abschnitt geht es um die Beschreibung von Veränderungstrends. Zunächst wird für jedes Item der Gesamttrend beschrieben, danach wird die Entwicklungsgrafik eingespielt und Veränderungstendenzen im Detail dargestellt. Bei Frage 1.3 (Häufigkeit des Bibellesens) wird exemplarisch der Umgang mit den Entwicklungsgrafiken erläutert (vgl. Abschnitt 2.5.1). Die Entwicklungsgrafiken für Koh. II werden nur dann eigens abgedruckt, wenn die Tendenzen deutlich von Koh. I abweichen. Die Ergebnisse von Koh. II stehen zur Vereinfachung des Abgleichs konsequent in den Fußnoten, wenn sie nicht grafisch dargestellt werden. Im Fortgang der Darstellung (ab Abschnitt 3.3) müssen der Übersichtlichkeit halber auch viele andere Ergebnisse in den Fußnoten dargestellt werden. Im Einzelnen können alle Items der Paneluntersuchung im Online-Zusatzmaterial C eingesehen und geprüft werden (s. Abschnitt 7.3). Die Darstellung der Ergebnisse in den Fußnoten folgt einer besonderen Systematik, die an dieser Stelle erläutert wird. Zunächst erfolgt die Nennung des Items, ggf. mit der inhaltlichen Bestimmung, falls diese nicht im Haupttext bereits genannt wird. Falls ein Item nur an einem MP vorkommt oder die Itemformulierung an MP 2 von MP 1 abweicht, wird das Signal „MP 1/ MP 2“ verwendet. Es folgen dann die Ergebnisse von MP 1 und MP 2 (kursiv). Grundgesamtheit aller Items ist stets N=28. Bei Mehrfachantworten werden nur die Anwahlen für beide Kohorten verzeichnet. Es folgen abschließend die Bewegungstrends („+“ bedeutet: Neuanwahl an MP 2; „-” bedeutet: Abwahl an MP 2; mit „unverändert“ werden Personen angegeben, die bei ihrem Votum geblieben sind). Als Beispiel für die Darstellung eines Mehrfachantwort-Items wird das Ergebnis des Items 1.13.8 („Mir ist besonders wichtig, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist“, vgl. Abschnitt 3.3.3.2.2.1) vorgestellt: Item 1.13.8: MP-1: Koh. I: 17 TN / Koh. II: 11 TN; MP-2: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 14 TN (Koh. I: +2/ -6, unverändert: 20; Koh.-II: +7/ -4, unverändert: 17). 294 Bei skalierten Fragen werden die Antwortmöglichkeiten angegeben (z. B. „trifft genau zu“, „trifft eher zu“ usw.) und ebenfalls nach MP und kohortenbezogen dargestellt. Auch bei diesen Items werden Veränderungstrends angegeben („+“ bedeutet: mehr Zustimmung; „-” bedeutet: weniger Zustimmung, „unverändert“ bedeutet, dass die Teil‐ nehmer*innen an MP 2 bei ihrem Votum von MP 1 geblieben sind). Alle Angaben erfolgen ab diesem Abschnitt mit Angaben von Teilnehmer*innenzahlen. Nur zum Vergleich mit anderen Studien werden zusätzlich gerundete Prozentzahlen angegeben. Als Beispiel für die Darstellung eines skalierten Items wird das Ergebnis des Items 1.23.14 („Zu meinem Glauben gehört, dass ich immer wieder zweifle und unsicher werde“, vgl. Abschnitt 3.3.3.2.2.1) vorgestellt: 96 3 Auswertung der Daten <?page no="97"?> 295 Im Klartext bedeutet das: An MP 1 haben 12 TN in Koh. I mit „trifft ganz genau zu“ votiert, in Koh. II sind dies 11 TN. Bezogen auf N=28 entspricht diese Anzahl in Koh. I 43% aller Befragten, in Koh. II entspricht die Anzahl 39%. Die weiteren Voten sind entsprechend zu entschlüsseln. Da in diesem Fall jeweils 1 TN an einem MP keine Angaben gemacht hat, beträgt die Summe der TN bei den Veränderungsangaben 27. Die dazu gehörenden Grafiken befinden sich im Online-Zusatzmaterial C in numerischer Reihenfolge der Items (s. Abschnitt 7.3). Maßgeblich für die Zählung der Panel-Items ist der Fragebogen an MP-2 (s. Anhang). 296 Die Abstufungen der Antwortmöglichkeiten wurden übernommen aus Bedford-Strohm/ Jung (2015), 497. Item 1.23.14 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 12 (39%) TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 3 TN (11%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%); keine Angabe: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%); MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 16 TN (57%) / Koh. II: 18 TN (64%); „trifft eher zu“: Koh.-I: 10 TN (36%) / Koh.-II: 8 TN (29%); „trifft eher nicht zu“: Koh.-I: 2 TN (7%) / Koh.-II: 2 TN (7%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; keine Angabe: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN (Koh.-I: +9/ -4, unverändert 14; Koh.-II: +10/ -2, unverändert 15). 295 3.2.1 Häufigkeit des Bibellesens (Frage-1.3) Nach dem Vorbild mehrerer Studien wird die Häufigkeit des Bibellesens erfragt, insofern können die erzielten Ergebnisse korreliert werden. 296 Anzumerken ist, dass die Frage an MP 2 leicht verändert gestellt wird, d. h. nur Lesekontexte außerhalb des Studiums berücksichtigt werden sollen. So wird eine gewisse Vergleichbarkeit der Ergebnisse der beiden Messpunkte gewährleistet, da an MP 1 das Studium - weil es noch nicht begonnen hatte - ebenfalls ausgeklammert blieb. Die meisten Studierenden lesen seltener als einmal pro Woche in der Bibel. Daran ändert sich auch im Studium nichts. Die Entwicklungen im Studium sind in beiden Kohorten vergleichbar. Je ein Drittel der Befragten bleibt an MP 2 unverändert bei der bisherigen Häufigkeit des Bibellesens. Ein Drittel der Befragten liest an MP 2 die Bibel häufiger und ein Drittel liest die Bibel seltener als zu Studienbeginn. Die meisten Veränderungen zwischen den Messpunkten bewegen sich im Bereich des selteneren Bibellesens. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 97 <?page no="98"?> Kohorte I (N=28) Item 1.3 Frage 1.3: „Wie oft haben Sie bis zu Ihrem Studienbeginn in der Bibel gelesen? “ (2016) / „Wie oft lesen Sie zur Zeit in der Bibel (außer im Rahmen des Studiums)? “ (2018) 2016/ 2018 2018 täglich (gesamt: 0) 2018 mehr als einmal die Woche (gesamt: 2) 2018 einmal pro Woche (gesamt: 2) 2018 einbis dreimal im Monat (gesamt: 8) 2018 mehrmals im Jahr (gesamt: 5) 2018 seltener (gesamt: 7) 2018 nie (gesamt: 4) 2016 täglich (gesamt: 0) gleich (10) seltener (10): 2016 mehr als einmal die Woche (gesamt: 0) 2016 einmal in der Woche (gesamt: 3) TN 7 TN 23 TN 31 2016 einbis dreimal im Monat (gesamt: 7) TN 10 TN 4 TN 25 TN 35 TN 29 TN 15 TN 36 2016 mehrmals im Jahr (gesamt: 11) TN 19 TN 30 TN 22 (4) TN 9 TN 13 TN 17 TN 32 TN 6 TN 26 TN 33 TN 11 2016 seltener (gesamt: 7) TN 1 TN 27 TN 18 TN 12 TN 16 TN 28 TN 34 2016 nie (gesamt: 0) häufiger (8): Abbildung 6: Häufigkeit des Bibellesens Exkurs zum Umgang mit Entwicklungsgrafiken am Beispiel von Frage-1.3 Frage 1.3. enthält insgesamt sieben Antwortoptionen, die alternativ sind; es soll also nur eine der sieben Möglichkeiten angewählt werden. Wenn die jeweilige Frage nicht wie in diesem Beispiel in der ersten Zeile der Abbildung dargestellt ist, befindet sie sich unmittelbar oberhalb der Abbildung, der besseren Lesbarkeit halber gekürzt. Die vollständige und exakte Frageformulierung findet sich in den Fragebögen im Anhang und im Online-Zusatzmaterial C (s. Abschnitt 7.3). Das jeweilige Item findet sich in der ersten Zeile. Falls an MP 2 Formulierungen verändert wurden, sind diese ebenfalls aufgeführt. 98 3 Auswertung der Daten <?page no="99"?> MP 1 liegt bei Kohorte (Koh.) I in 2016 und für Koh. II in 2017, MP 2 entsprechend bei Koh. I in 2018 und bei Koh. II in 2019. Die Antwortoptionen an den Messpunkten finden sich als weiße Spalte links von den farbigen Ergebnisfeldern (MP 1) bzw. in der weißen Spalte oberhalb der Ergebnisfelder (MP 2). Die Ergebnisfelder sind farbig unterlegt. Die Diagonale mit mittelbrauner Farbe bildet die Personen ab, deren Votum sich zwischen MP 1 und MP 2 nicht verändert hat. Die Felder mit gelber Farbe bilden die Personen ab, die eine Veränderung in eine Richtung genommen haben, die Felder mit rotbrauner Farbe die Veränderung in die entgegengesetzte Richtung. Die Gesamtzahl der Entwicklungen in die jeweilige Richtung wird im Ergebnisfeld rechts oben und links unten in Klammern und fett dargestellt. In dieser Grafik zu Frage 1.3 werden die Tendenzen mit „häufiger“ und „seltener“ beschrieben. Das Ergebnisfeld links oben führt immer die gleichbleibenden Voten mit der Gesamtzahl der Teilnehmer*innen auf, die diese Entwicklung genommen haben. Die einzelnen Teilnehmer*innen werden im entsprechenden Ergebnisfeld in numerischer Reihenfolge aufgeführt. Bei mehr als drei Teilnehmer*innen pro Feld wird die Gesamtzahl in Klammern und fett aufgeführt. In dieser Grafik ist dies beim gleichbleibenden Votum „mehrmals im Jahr“ der Fall. Die Ergebnisse der beiden Messpunkte sind mit der Zahl der jeweiligen Voten in der ersten Spalte und der zweiten Zeile abzulesen [„(gesamt: )“]. Eine unter den Ergebnisfeldern gelegene Zeile bzw. sich rechts davon befindende Spalte „keine Angabe“ wird nur bei Bedarf, dann aber für alle Items einer Frage verwendet; diese Zeile bzw. Spalte ist nicht farbig unterlegt. Im weißen Feld oben links werden die Kohorte, die Anzahl der Befragten und die Itemnummer angegeben. Die Abbildungen zu Fragen mit Mehrfachantworten sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, enthalten aber nur vier Ergebnisfelder (z. B. Frage 1.2). Dafür wird für jedes Item eine eigene Grafik erstellt. Die Entwicklung einer Person lässt sich ablesen, indem das Votum an MP 1 in der linken Spalte und das Votum an MP 2 in der Zeile oben in den Blick genommen wird. So liest z. B. TN 10 der Abbildung zu Frage 1.3 zufolge an MP 1 die Bibel „einbis dreimal im Monat“ und an MP 2 „mehr als einmal die Woche“. Die Quadrate im rechten unteren Quadranten enthalten mehr Voten als die Quadrate im linken oberen Quadranten. Das bedeutet, dass die meisten Personen eher unregelmäßig oder selten in der Bibel lesen, und zwar an beiden Messpunkten. Nur eine Person liest bleibend einmal in der Woche oder häufiger in der Bibel (TN 7). Im Bewegungsprofil drittelt sich die Gruppe in etwa. Ein Drittel bleibt bei dem eher unregelmäßigen oder seltenen Bibellesen (zehn Teilnehmer*innen, die auf der mittelbraunen Diagonale im mittleren und unteren Bereich zu finden sind). Ein weiteres Drittel (10 Personen) liest im vierten Semester seltener in der Bibel als zu Beginn des Studiums (rotbraune Felder), während acht Personen häufiger in der Bibel lesen (gelbe Felder). In beide Richtungen sind starke Veränderungen zu beobachten, die nicht nur um eine Stufe vom ursprünglichen Votum abweichen. Deutlich seltener als an MP 1 lesen an MP 2 vier Personen in der Bibel (TN 11, TN 15, TN 29, TN 36). Die Veränderung dieser Personen ist in den beiden rechten Spalten der rotbraunen Felder abzulesen. Alle genannten Personen verändern ihr Votum zwischen den Messpunkten um mehr als eine Abstufung. Deutlich häufiger lesen fünf Personen in der Bibel (TN 1, TN 10, TN 19, TN 27, TN 30). Diese Veränderung ist in den vier unteren gelben Zeilen abzulesen, jede der genannten Personen steigert das Bibellesen zwischen den Messpunkten um mehr als eine Abstufung. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 99 <?page no="100"?> 297 In Koh. II bleiben ebenfalls 10 TN bei ihrem Votum, jeweils 9 Personen verändern die Häufigkeit des Bibellesens in Richtung eines häufigeren bzw. selteneren Lesens. In Koh. II lesen 2 TN bleibend mehr als einmal in der Woche in der Bibel (TN 53, TN 58). An MP 1 liest niemand „nie“ in der Bibel, an MP 2 sind dies 3 Personen (TN 43, TN 64, TN 74). Die Ergebnisse der Frage 1.3 für Koh. II im Einzelnen: MP 1: „täglich“: 0 TN; „mehr als einmal in der Woche“: 3 TN; „einmal in der Woche“: 1 TN; einbis dreimal im Monat: 8 TN; „mehrmals im Jahr“: 7 TN; „seltener“: 9 TN; „nie“: 0 TN. MP-2: „täglich“: 0 TN; „mehr als einmal in der Woche“: 4 TN; „einmal in der Woche“: 2 TN; einbis dreimal im Monat: 7 TN; „mehrmals im Jahr“: 6 TN; „seltener“: 6 TN; „nie“: 3 TN. 298 Bedford-Strohm/ Jung (2015), 497. Vergleichbar ist ebenfalls das Ergebnis der Chrismon-Studie zum Jahr der Bibel. Dort geben 20% der Befragten an, dass ihnen die Bibel völlig gleichgültig sei, 7% geben an, „regelmäßig“ in der Bibel zu lesen, 14% geben an „öfter“ in der Bibel zu lesen (vgl. Chrismon [2003] bzw. Ebner u. a. [2008], 20). In der aktuellsten KMU 6 lautet das Ergebnis auf die Frage nach der Häufigkeit des Bibellesens: „2% der Befragten lesen täglich in der Bibel, weitere 9% mehrmals im Jahr, 25% seltener als einmal im Jahr und 64% nie“ (Evangelische Kirche in Deutschland [2023], 35). Allerdings sind die Daten nicht (mehr) vergleichbar, weil nun nicht mehr nur Christ*innen befragt wurden, sondern Menschen in Deutschland ab 14 Jahren (Evangelische Kirche in Deutschland [2023], 8). Dazu sowie zu den Unterschieden im Bibelwissen zwischen Ost- und Westdeutschland s. Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 299 Vgl. Lück (2012), 173. Am häufigsten wird hier das Votum „selten“ (34%; gemeint ist seltener als monatlich) angegeben. Tägliches Bibellesen kommt bei niemandem vor. Auffällig ist, dass immerhin vier Personen an MP 2 angeben, außerhalb des Studiums nie in der Bibel zu lesen, davon gehören drei Personen zu denen, die ihr Leseverhalten deutlich ändern (TN 11, TN 15, TN 36). An MP 1 gibt niemand an, die Bibel nie zu lesen. Die Veränderungstrends in Koh. II sind vergleichbar, daher wird auf den Abdruck der Grafik verzichtet. 297 Von KMU 5 unterscheidet sich das Bibelleseverhalten der hier untersuchten Studierenden deutlich, denn von den befragten Evangelischen geben 57% in KMU 5 an, nie in der Bibel zu lesen. Mit 15% ist die zweithäufigste Antwort „seltener“. Alle häufigeren Lesegewohnheiten (mehrmals im Jahr und häufiger) werden absteigend von 9% -3% der befragten Evangelischen angegeben. 298 Demgegenüber wird in den hier befragten Kohorten an MP 1 am häufigsten „mehrmals im Jahr“ (Koh. I: 39%) oder „seltener“ (Koh. II: 32%) angegeben, an MP 2 „ein bis dreimal im Monat“ (Koh. I: 29%; Koh. II: 25%). Auch gegenüber angehenden Religionslehrkräften ist die Häufigkeit des Bibellesens bei den hier Befragten etwas stärker ausgeprägt. 299 3.2.2 Kontexte der Begegnung mit der Bibel (Frage-1.2) Die Grundfrage zu allen Items lautet für Frage 1.2: „In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt? “ (MP 1) bzw. „In welchen Zusammenhängen spielen biblische Texte für Sie zur Zeit eine Rolle? “ (MP 2). Hier werden an beiden Messpunkten identische gemeindliche und außergemeindliche Kontexte benannt. Die Items werden der entsprechenden Lebenssituation der Studierenden in der Formulierung angepasst, indem bei den Items 1.2.1 (Kindergottesdienst), 1.2.3 (Konfirmand*innenunterricht) und 1.2.5 ( Jugendgruppe) an MP 2 jeweils in Klammern „als Leitungsperson“ ergänzt und bei 1.2.8 (Freizeit[en]) in Klammern „eventuell auch als Leitungsperson“ hinzugefügt wird. Es ist möglich, mehrere Antworten anzuwählen. 100 3 Auswertung der Daten <?page no="101"?> 300 Item 1.2.1 Koh.-II: MP-1: 18 TN; MP-2: 24 TN (+14/ -1, unverändert 13). 3.2.2.1 Kindergottesdienst (Item 1.2.1) Am Studienbeginn haben drei Viertel der befragten Personen im Zusammenhang des Kindergottesdienstes mit der Bibel Erfahrungen gemacht. Das kann sich auf die eigenen Erfahrungen als Kind beziehen oder auf Erfahrungen im Rahmen eines Kindergottesdienst‐ teams. Das bedeutet auch, dass die überwiegende Zahl der Studierenden Erfahrungen mit dem Kindergottesdienst hat. Dieser Kontext der Begegnung mit der Bibel spielt für die meisten Befragten an MP-2 keine Rolle mehr. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.1 Kindergottesdienst (2016) / Kindergottesdienst (als Leitungsperson) (2018) 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 4) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 24) 2016 Anwahl (gesamt: 22) gleich (10): Anwahl/ Anwahl (4) TN 17; TN 19; TN 27; TN 29 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (18) TN 1; TN 4; TN 6; TN 9; TN 10; TN 11; TN 15; TN 16; TN 18; TN 25; TN 26; TN 28; TN 30; TN 32; TN 33; TN 34; TN 35; TN 36 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 6) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (0) gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (6) TN 7; TN 12; TN 13; TN 22; TN 23; TN 31 Abbildung 7: Kindergottesdienst als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten Insgesamt vier Personen behalten im Studium den Umgang mit der Bibel im Kontext Kindergottesdienst als Leitungspersonen bei. Für sechs Personen war und ist der Kinder‐ gottesdienst kein Kontext für den Umgang mit der Bibel. Dies gilt in Koh. II für neun Personen. Ansonsten stimmt der Trend in Koh.-II mit dem Trend in Koh.-I überein. 300 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 101 <?page no="102"?> 301 Item 1.2.2 Koh.-II: MP-1: 28 TN; MP-2: 22 TN (+0/ -6, unverändert 22). 3.2.2.2 Gottesdienst (Item 1.2.2) Weit überwiegend ist und bleibt der Gottesdienst für alle Befragten ein Kontext, in dem biblische Texte eine Rolle spielen. Das bedeutet zugleich, dass der Gottesdienst für die Studierenden durch das Studium hindurch eine Form der gelebten Religiosität bleibt. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.2 Gottesdienst 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 24) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 4) 2016 Anwahl (gesamt: 28) gleich (24): Anwahl/ Anwahl (24) TN 1; TN 4; TN 6; TN 7; TN 9; TN 10; TN 12; TN 13; TN 15; TN 16; TN 17; TN 18; TN 19; TN 23; TN 25; TN 26; TN 27; TN 28; TN 29; TN 31; TN 32; TN 33; TN 35; TN 36 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (4) TN 11; TN 22; TN 30; TN 34 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 0) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (0) gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (0) Abbildung 8: Gottesdienst als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten Nur für vier Personen bricht der Gottesdienst als Kontext des Kontakts mit der Bibel weg. Niemand hat zu Studienbeginn keine Erfahrung mit Gottesdiensten als Kontext biblischer Texte. Diese Tendenz bestätigt sich im Ergebnis in Koh.-II. 301 102 3 Auswertung der Daten <?page no="103"?> 3.2.2.3 Konfirmand*innenunterricht (Item 1.2.3) 3.2.2.3.1 Kohorte-I Die größte Gruppe in Koh. I erlebt den Konfirmand*innenunterricht bleibend als Kontext für biblische Texte. Für eine nahezu gleich große Gruppe spielt der Konfirmand*innenunter‐ richt als Kontext biblischer Texte im vierten Semester keine Rolle mehr. Zu berücksichtigen ist, dass alle Studierenden der Koh. I einen Konfirmand*innenunterricht oder vergleich‐ baren Unterricht besucht haben (vgl. Abschnitt 3.1.2). Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.3 Konfirmand_innenunterricht (2016) / Konfirmand_innenunterricht (als Leitungsperson) (2018) 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 14) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 14) 2016 Anwahl (gesamt: 25) gleich (15): Anwahl/ Anwahl (13) TN 1; TN 6; TN 7; TN 11; TN 12; TN 15; TN 17; TN 19; TN 27; TN 30; TN 31; TN 33; TN 35 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (12) TN 4; TN 10; TN 13; TN 18; TN 22; TN 23; TN 26; TN 28; TN 29; TN 32; TN 34; TN 36 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 3) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (1) TN 9 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (2) TN 16; TN 25 Abbildung 9: Konfirmand*innenunterricht als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Ko‐ horte-I) Wenn zwei Personen keine Erfahrung mit Bibeltexten in diesem Kontext gemacht haben (TN 16 und TN 25), dann sagt dies aus, dass die Bibel keine tragende Rolle in dem von ihnen erlebten Konfirmand*innenunterricht gespielt hat. Eine Person übernimmt im Studium offenbar neu eine Leitungsaufgabe im Rahmen des Konfirmand*innenunterrichts oder geht in diesem Rahmen neu mit Bibeltexten um (TN 9). In Koh. II stellt sich die Situation etwas anders dar, daher werden die Ergebnisse mit einer separaten Abbildung vorgestellt. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 103 <?page no="104"?> 3.2.2.3.2 Kohorte-II Im Gegensatz zu Koh. I spielt in Koh. II für die größte Gruppe der Konfirmand*innenun‐ terricht an MP 2 als Kontext der Bibel keine Rolle mehr. Nur ein Drittel der Befragten macht in diesem Kontext weiterhin Erfahrungen mit der Bibel. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte II (N=28) Item 1.2.3 Konfirmand_innenunterricht (2017) / Konfirmand_innenunterricht (als Leitungsperson) (2019) 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 9) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 19) 2017 Anwahl (gesamt: 26) gleich (11): Anwahl/ Anwahl (9) TN 38; TN 41; TN 46; TN 47; TN 49; TN 59; TN 61; TN 70; TN 72 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (17) TN 40; TN 43; TN 48; TN 51; TN 54; TN 55; TN 56; TN 58; TN 60; TN 62; TN 63; TN 64; TN 66; TN 67; TN 69; TN 71; TN 74 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 2) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (0) gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (2) TN 53; TN 57 Abbildung 10: Konfirmand*innenunterricht als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Ko‐ horte-II) Die Abbildung verdeutlicht, dass der Konfirmand*innenunterricht an MP 2 für die Mehrheit der Befragten kein Kontext der Begegnung mit biblischen Texten mehr ist. Für neun Personen hingegen bleibt dieser Kontext im Studium weiterhin bestehen. Für niemanden spielt die Bibel im Kontext des Konfirmand*innenunterrichts an MP 2 neu eine Rolle. Zwei Personen haben an keinem der beiden Messpunkte Erfahrung mit Bibeltexten im Kontext des Konfirmand*innenunterrichts gemacht (TN-53 und TN-57). 104 3 Auswertung der Daten <?page no="105"?> 3.2.2.4 Freundeskreis (Item 1.2.4) In beiden Kohorten spielt die Bibel im Freundeskreis für die meisten Befragten weder zu Beginn des Studiums noch im vierten Semester eine Rolle. Für eine geringe Anzahl der Studierenden, die an MP 1 positiv geantwortet haben, bricht der Freundeskreis an MP 2 als Ort der Bibel weg, während in beiden Kohorten etwa gleich viele Personen den Freundeskreis neu als Kontext der Bibel erfahren. Je nachdem, ob im Freundeskreis am Heimatort die Bibel eine Rolle gespielt hat, nimmt die Intensität dieses Kontextes allein durch den räumlichen Wechsel ab, der vermutlich mit einem sozialen Wandel einhergehen wird. Denkbar ist andererseits, dass neue Freund*innen aus dem gleichen Studienfach das Thema Bibel wieder stärker in diesen Kontext hineintragen. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.4 Freundeskreis 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 8) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 20) 2016 Anwahl (gesamt: 7) gleich (17): Anwahl/ Anwahl (2) TN 4; TN 7 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (5) TN 1; TN 17; TN 18; TN 25; TN 32 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 21) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (6) TN 9; TN 15; TN 19; TN 28; TN 30; TN 34 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (15) TN 6; TN 10; TN 11; TN 12; TN 13; TN 16; TN 22; TN 23; TN 26; TN 27; TN 29; TN 31; TN 33; TN 35; TN 36 Abbildung 11: Freundeskreis als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten Die Abbildung zeigt, dass 15 Teilenehmer*innen weder zu Studienbeginn noch im vierten Semester im Freundeskreis mit der Bibel umgeht. Bei zwei Teilnehmer*innen bleibt dieser Kontext für biblische Texte bestehen (TN 4 und TN 7). Für sechs Personen spielt im Freundeskreis die Bibel neu eine Rolle, für fünf Personen nicht mehr. Es wird an dieser Stelle der Wert dieser Art Darstellung deutlich, der die Entwicklungen aufzeigt, wenn auf 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 105 <?page no="106"?> 302 Item 1.2.4 Koh.-II: MP-1: 8 TN; MP-2: 9 TN (+4/ -3, unverändert 21). 303 Item 1.2.5 Koh.-II: MP-1: 20 TN; MP-2: 4 TN (+0/ -16, unverändert 12). Ebene der Gesamtgruppe wenig Veränderung sichtbar wird. Das Ergebnis in Koh. II ist vergleichbar und wird nicht eigens vorgestellt. 302 3.2.2.5 Jugendgruppe (Item 1.2.5) Während des Studiums hat die Jugendgruppe als Kontext des Umgangs mit der Bibel für viele Studierende beider Kohorten keinen Bestand. Für etwa ein Drittel war die Jugendgruppe auch vor dem Studium kein Kontext für eine Berührung mit der Bibel. Eine kleinere Gruppe behält die Jugendgruppe als Ort der Bibel bei; dabei lässt sich vermuten, dass an MP-2 eine Leitungstätigkeit ausgeübt wird. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.5 Jugendgruppe (2016) / Jugendgruppe (als Leitungsperson) (2018) 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 8) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 20) 2016 Anwahl (gesamt: 19) gleich (15): Anwahl/ Anwahl (7) TN 4; TN 7; TN 9; TN 15; TN 19; TN 28; TN 34 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (12) TN 10; TN 11; TN 13; TN 17; TN 18; TN 23; TN 25; TN 26; TN 31; TN 32; TN 33; TN 35 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 9) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (1) TN 30 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (8) TN 1; TN 6; TN 12; TN 16; TN 22; TN 27; TN 29; TN 36 Abbildung 12: Jugendgruppe als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten Mit zwölf Personen wählt die größte Gruppe dieses Item an MP 2 nicht mehr an, weitere acht Personen wählen es bleibend nicht an. In Koh. I ist die Anzahl der Befragten, die eine Jugendgruppe als Kontext des Umgangs mit der Bibel beibehält, etwas größer als in Koh. II. Neu ist dieser Kontext der Jugendgruppe im Hinblick auf den Umgang mit der Bibel an MP 2 lediglich für TN 30. In Koh. II zeigt sich die Tendenz von Koh. I noch etwas ausgeprägter. 303 106 3 Auswertung der Daten <?page no="107"?> 3.2.2.6 Film (Item 1.2.6) 3.2.2.6.1 Kohorte-I Für die meisten Personen spielt der Film als Kontext biblischer Texte in beiden Kohorten bleibend keine Rolle. Diese Tendenz ist allerdings in Koh. I viel stärker ausgeprägt als in Koh.-II, weshalb ein Blick auf beide Kohorten lohnt. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.6 Film 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 4) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 24) 2016 Anwahl (gesamt: 7) gleich (23): Anwahl/ Anwahl (3) TN 1; TN 18; TN 32 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (4) TN 4; TN 7; TN 12; TN 17 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 21) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (1) TN 23 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (20) TN 6; TN 9; TN 10; TN 11; TN 13; TN 15; TN 16; TN 19; TN 22; TN 25; TN 26; TN 27; TN 28; TN 29; TN 30; TN 31; TN 33; TN 34; TN 35; TN 36 Abbildung 13: Film als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-I) Für drei Personen spielt die Bibel im Rahmen von Filmen bleibend eine Rolle, eine Person nimmt diese Praxis neu auf (TN 23). Vier Personen haben im vierten Semester die Beschäftigung mit der Bibel im Film aufgegeben. Die größte Gruppe von 20 Personen hat bleibend nicht mit der Bibel im Rahmen des Mediums Film zu tun. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 107 <?page no="108"?> 3.2.2.6.2 Kohorte-II Gegenüber Koh. I verbinden in Koh. II nur die Hälfte der Befragten das Medium Film an beiden Messpunkten nicht mit der Bibel. Gegenüber Koh. I spielt für eine größere Anzahl von Personen die Bibel im Rahmen des Mediums Film an MP 2 keine Rolle mehr, die Bibel kommt in diesem Kontext für diese Personen also nicht mehr vor. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte II (N=28) Item 1.2.6 Film 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 5) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 23) 2017 Anwahl (gesamt: 10) gleich (15): Anwahl/ Anwahl (1) TN 48 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (9) TN 46; TN 43; TN 55; TN 56; TN 57; TN 58; TN 60; TN 61; TN 67 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 18) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (4) TN 38; TN 41; TN 59; TN 72 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (14) TN 40; TN 47; TN 49; TN 51; TN 53; TN 54; TN 62; TN 63; TN 64; TN 66; TN 69; TN 70; TN 71; TN 74 Abbildung 14: Film als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-II) Für eine Person spielt die Bibel im Kontext von Filmen (TN 48) bleibend eine Rolle, während vier Personen diese Praxis neu aufnehmen. Neun Personen haben im vierten Semester die Beschäftigung mit der Bibel im Film aufgegeben, für 14 Personen kommt die Bibel im Film bleibend nicht vor. Die Unterschiede zwischen den beiden Kohorten zeigen, dass bei aller Homogenität der Zielgruppe verschiedene Vorerfahrungen mit der Bibel möglich sind. Wenn Vorerfahrungen mit Filmen vorhanden sind, die biblische Themen ins Spiel bringen, kann es für das Studium eine Aufgabe sein, diese Vorerfahrungen aufzugreifen und die Potentiale dieses Mediums stärker zu nutzen auch im Hinblick auf den aktiven Umgang professioneller Religionspädagogik mit medialen Formen. Diese Vorerfahrungen bringt allerdings nur ein geringer Teil der Befragten mit. 108 3 Auswertung der Daten <?page no="109"?> 304 Item 1.2.7 Koh. II: MP 1: 5 TN; MP 2: 4 TN (+3/ -4, unverändert 21), bleibende Anwahl 1 TN (etwas weniger als Koh.-I). 3.2.2.7 Bibelkreis oder Hauskreis (Item 1.2.7) Für die meisten befragten Personen spielen Hauskreise oder Bibelkreise bleibend keine Rolle. Nur wenige Personen nutzen dieses Format zu Beginn des Studiums, noch weniger nutzen es bleibend. An einem Hauskreis oder Bibelkreis im Verlauf des Studiums neu teilzunehmen, kommt ausnahmsweise und nur in Koh. II vor. Die Tendenz beider Kohorten ist ansonsten so ähnlich, dass eine grafische Darstellung des Ergebnisses von Koh. II im Text nicht notwendig ist. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.7 Bibel- oder Hauskreis 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 2) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 26) 2016 Anwahl (gesamt: 6) gleich (24): Anwahl/ Anwahl (2) TN 25; TN 32 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (4) TN 7; TN 9; TN 10; TN 23 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 22) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (0) gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (22) TN 1; TN 4; TN 6; TN 11; TN 12; TN 13; TN 15; TN 16; TN 17; TN 18; TN 19; TN 22; TN 26; TN 27; TN 28; TN 29; TN 30; TN 31; TN 33; TN 34; TN 35; TN 36 Abbildung 15: Bibel- oder Hauskreis als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten In Koh. I nimmt niemand diese Form des Umgangs mit der Bibel im Studium neu auf, während vier Personen die Teilnahme an Hauskreis oder Bibelkreis im Studium aufgeben. In Koh. II nehmen drei Personen das Format Bibel- oder Hauskreis neu auf als Ort des Umgangs mit der Bibel. 304 Für zwei Personen in Koh. I bleibt dieser Kontext des Umgangs mit der Bibel im Studium bestehen. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 109 <?page no="110"?> 305 Item 1.2.8 Koh. II: MP 1: 25 TN; MP 2: 20 TN (+2/ -7, unverändert 19), bleibende Anwahl: 18 TN; bleibende Nicht-Anwahl: 1 TN. 3.2.2.8 Freizeiten (Item 1.2.8) Die allermeisten Studierenden im vierten Semester haben im Lauf ihres Lebens Erfahrungen mit Freizeiten als Kontexte der Begegnung mit der Bibel gemacht. Mindestens die Hälfte der Befragten behält diesen Kontext an beiden Messpunkten bei. Dies ist in beiden Kohorten die größte Gruppe. Für ein Viertel der Studierenden spielen Freizeiten als Kontext der Begegnung mit der Bibel an MP 2 keine Rolle mehr. Eine kleinere Gruppe nimmt Freizeiten als Kontext der Bibel neu auf. Nur wenige Studierende haben Freizeiten bisher nicht als Kontext der Bibel kennengelernt. Frage 1.2: In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt bzw. spielen sie für Sie zur Zeit eine Rolle? Kohorte I (N=28) Item 1.2.8 Freizeiten (2016) / Freizeit(en) (evetuell auch als Leitungsperson) (2018) 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 18) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 10) 2016 Anwahl (gesamt: 21) gleich (17): Anwahl/ Anwahl (14) TN 7; TN 9; TN 10; TN 11; TN 12; TN 13; TN 17; TN 18; TN 22; TN 25; TN 26; TN 29; TN 33; TN 35 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (7) TN 1; TN 4; TN 6; TN 15; TN 23; TN 31; TN 32 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 7) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (4) TN 19; TN 28; TN 30; TN 34 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (3) TN 16; TN 27; TN 36 Abbildung 16: Freizeiten als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten Nur für drei Personen spielen Freizeiten bleibend als Begegnungsort mit der Bibel am Be‐ ginn des Studiums und im vierten Semester keine Rolle. Für mehr Personen verschwinden an MP 2 Freizeiten als Kontext für den Umgang mit biblischen Texten (sieben Teil‐ nehmer*innen), als im Verlauf des Studiums neu hinzukommen (vier Teilnehmer*innen). Die Tendenz von Koh.-I bildet sich in Koh.-II noch ausgeprägter ab. 305 110 3 Auswertung der Daten <?page no="111"?> 3.2.3 Bibellesen allein und mit anderen (Items 1.4.1 und 1.4.2) Die Frage 1.4 beschäftigt sich mit dem Lesen der Bibel als Teil der eigenen Glaubenspraxis. Die Grundfrage bei allen Items lautet im ersten Satz an beiden Messpunkten leicht unterschiedlich, weil es an MP 2 der Studiensituation entsprechend angepasst wurde: „Jetzt geht es um Ihren Glauben, und zwar bis zu Ihrem Studienbeginn“ (MP 1) bzw. „bis zum jetzigen Zeitpunkt“ (MP 2). Der zweite Satz ist an beiden Messpunkten identisch: „Überlegen Sie, inwiefern die folgenden Aussagen auf Sie zutreffen: “ In Item 1.4.1 und 1.4.2 werden die Kontexte des Bibellesens (allein und mit anderen) erfragt. 3.2.3.1 Bibellesen allein (Item 1.4.1) In beiden Kohorten wird die Bibel von der überwiegenden Zahl der Befragten eher nicht allein gelesen. Dies gilt für beide Messpunkte. Auch wenn sich die Neigung, die Bibel allein zu lesen, bei einigen Teilnehmer*innen während des Studiums verändert, befinden sich die meisten Voten in beiden Kohorten im linken oberen Quadranten. Das bedeutet, dass entweder die Praxis, die Bibel eher nicht oder gar nicht allein zu lesen, beibehalten wird oder sich leichte Verschiebungen zwischen diesen beiden Optionen ergeben. In beiden Kohorten lesen an MP 2 etwa ein Viertel der Befragten die Bibel alleine, die Mehrheit beider Kohorten allerdings liest zu diesem Zeitpunkt eher nicht allein in der Bibel. Darüber hinaus weisen die Kohorten aber auch Unterschiede auf, die einen genaueren Blick lohnen. In Koh.-I bleiben deutlich mehr Personen bei ihrem Leseverhalten als in Koh. II. Die Teilnehmer*innen in Koh. II unterscheiden sich in ihrer Tendenz, die Bibel regelmäßig allein zu lesen, stärker voneinander als die Teilnehmer*innen in Koh.-I. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 111 <?page no="112"?> 3.2.3.1.1 Kohorte-I Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte I (N=28) Item 1.4.1 „Ich habe regelmäßig für mich allein in der Bibel gelesen.“ (2016) / „Ich lese regelmäßig für mich allein in der Bibel.“ (2018) 2016∕2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 8) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 14) 2018 trifft eher zu (gesamt: 5) 2018 trifft vollständig zu (gesamt: 1) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 7) gleich (17) (5) TN 9; TN 11; TN 16; TN 29; TN 36 TN 34 TN 27 mehr Zustimmung (5) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 15) TN 6; TN 12 (10) TN 4; TN 7; TN 17; TN 18; TN 26; TN 28; TN 30; TN 32; TN 33; TN 35 TN 19; TN 25 TN 10 2016 trifft eher zu (gesamt: 6) TN 15 TN 1; TN 13; TN 31 TN 22; TN 23 2016 trifft vollständig zu (gesamt: 0) weniger Zustimmung (6) 2016 keine Angabe Abbildung 17: Bibellesen allein (Kohorte-I) Die Hälfte der Kohorte bleibt an beiden Messpunkten dabei, eher nicht oder gar nicht regelmäßig allein in der Bibel zu lesen (15 Personen). Lediglich zwei Teilnehmer*innen stimmen dem Item bleibend moderat zu. Niemand stimmt bleibend voll zu. Insgesamt 17 Personen behalten ihre Praxis im Studium unverändert bei. Die Veränderungsbewegungen im Studium gehen in beide Richtungen. Etwa gleich viele Personen steigern (fünf Personen) und vermindern (sechs Personen) das Bibellesen alleine. 112 3 Auswertung der Daten <?page no="113"?> Zwei Personen (TN 10 und TN 27) steigern das Bibellesen alleine während des Studiums deutlich, während eine Person (TN-15) dieses deutlich vermindert. Die Extremposition „trifft vollständig zu“ wird nur von TN 10 an MP 2 gewählt, während zehn Personen an mindestens einem MP das Extrem „trifft gar nicht zu“ wählen. Bei vollständiger Ablehnung bleiben fünf Personen. 3.2.3.1.2 Kohorte-II Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte II (N=28) Item 1.4.1 „Ich habe regelmäßig für mich allein in der Bibel gelesen.“ (2017) / „Ich lese regelmäßig für mich allein in der Bibel.“ (2019) 2017∕2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 7) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 14) 2019 trifft eher zu (gesamt: 3) 2019 trifft vollständig zu (gesamt: 4) 2019 keine Angabe 2017 trifft gar nicht zu (gesamt: 7) gleich (11) TN 43; TN 74 (5) TN 41; TN 49; TN 59; TN 61; TN 63 mehr Zustimmung (9) 2017 trifft eher nicht zu (gesamt: 15) (5) TN 38; TN 40; TN 47; TN 64; TN 71 (6) TN 48; TN 54; TN 55; TN 56; TN 60; TN 69 TN 66; TN 72 TN 67; TN 70 2017 trifft eher zu (gesamt: 2) TN 46 TN 57 2017 trifft vollständig zu (gesamt: 4) weniger Zustimmung (8) TN 51; TN 62 TN 53; TN 58 2017 keine Angabe Abbildung 18: Bibellesen allein (Kohorte-II) 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 113 <?page no="114"?> Die Abbildung zeigt, dass im Gegensatz zu Koh. I mehr Personen ihre Lesepraxis verändern (17 Personen). Ähnlich wie bei Frage 1.3 (Häufigkeit des Bibellesens) bleibt etwa ein Drittel dieser Gruppe an MP 2 beim Leseverhalten von MP 1. Bei neun Teilnehmer*innen nimmt das Bibellesen allein durchs Studium hindurch zu, während es bei acht Teilnehmer*innen abnimmt. Je zwei Personen steigern (TN 67 und TN 70) oder vermindern (TN 51 und TN 62) das regelmäßige Bibellesen für sich alleine deutlich. An beiden Messpunkten werden beide Extreme gewählt, vollständige Zustimmung an mindestens einem MP von sechs Personen, vollständige Ablehnung an mindestens einem MP von 14 Personen. Jeweils zwei Personen bleiben bei vollständiger Ablehnung (TN 43 und TN 74) und bei vollständiger Zustimmung (TN 53 und TN 58), die Positionen sind also diverser als in Koh. I. In Koh. II werden im Studium bei mehr Personen Veränderungen im Umgang mit der Bibel angeregt als in Koh. I. In beiden Kohorten weisen die Veränderungen an MP-2 keine klare Tendenz auf. 3.2.3.2 Bibellesen in der Gruppe (Item 1.4.2) In beiden Kohorten nimmt das Bibellesen in der Gruppe während des Studiums deutlich ab. Dieser Befund kann dadurch erklärt werden, dass die Gruppenkontexte sich durch das Studium hindurch verändern, dass also auch Vorbereitungsteams für Gruppen wie Kindergottesdienst, Konfirmand*innenarbeit oder Jugendgruppen nicht weiter bestehen (vgl. die Abschnitte 3.2.2.1, 3.2.2.3 und 3.2.2.5). Haus- und Bibelkreise sind für die Befragten ohnehin überwiegend keine Bibellesekontexte (vgl. Abschnitt 3.2.2.7). Auch Freundeskreise sind überwiegend keine Orte der Auseinandersetzung mit der Bibel (vgl. Abschnitt 3.2.2.4). Wie beim Thema Bibellesen allein fällt das Ergebnis in Koh. II diverser aus als in Koh.-I. 114 3 Auswertung der Daten <?page no="115"?> 3.2.3.2.1 Kohorte-I Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte I (N=28) Item 1.4.2 „Ich habe die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe gelesen.“ (2016) / „Ich lese die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe.“ (2018) 2016∕2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 9) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 11) 2018 trifft eher zu (gesamt: 5) 2018 trifft vollständig zu (gesamt: 3) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 5) gleich (7) TN 12 TN 18; TN 34; TN 6 TN 27 mehr Zustimmung (6) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 2) TN 28 TN 4 2016 trifft eher zu (gesamt: 14) (6) TN 11; TN 19; TN 22; TN 26; TN 29; TN 35 (4) TN 17; TN 32; TN 33; TN 9 TN 1; TN 30; TN 31 TN 7 2016 trifft vollständig zu (gesamt: 7) weniger Zustimmung (15) TN 13; TN 36 TN 10; TN 15; TN 23 TN 16; TN 25 2016 keine Angabe Abbildung 19: Bibellesen in der Gruppe (Kohorte-I) Bei der Mehrheit der Koh.-I (15 Personen) nimmt das Bibellesen in der Gruppe während des Studiums ab, d. h. die überwiegende Anzahl der Befragten befindet sich im Qua‐ dranten links unten. Nur sechs Teilnehmer*innen behalten die Lesepraxis in der Gruppe bei oder moderieren sie leicht, während fünf Teilnehmer*innen diese Praxis zu Beginn des Studiums nicht oder eher nicht hatten und dabei auch bleiben. Die unveränderten Voten bilden also das gesamte Spektrum der Antwortmöglichkeiten ab, beide Extrempositionen sind vertreten. Bei fünf Teilnehmer*innen ist eine leichte Steigerung zu verzeichnen, eine 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 115 <?page no="116"?> Person steigert das Bibellesen in der Gruppe deutlich (TN 27), während elf Personen diese Praxis deutlich vermindern. 3.2.3.2.2 Kohorte-II Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte II (N=28) Item 1.4.2 „Ich habe die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe gelesen.“ (2017) / „Ich lese die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe.“ (2019) 2017∕2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 9) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 6) 2019 trifft eher zu (gesamt: 10) 2019 trifft vollständig zu (gesamt: 3) 2019 keine Angabe 2017 trifft gar nicht zu (gesamt: 0) gleich (9) mehr Zustimmung (3) 2017 trifft eher nicht zu (gesamt: 4) TN 59; TN 71 TN 72 TN 57 2017 trifft eher zu (gesamt: 20) (7) TN 38; TN 40; TN 43; TN 47; TN 62; TN 64; TN 74 TN 49; TN 55; TN 61 (8) TN 41; TN 54; TN 56; TN 58; TN 60; TN 63; TN 66; TN 67 TN 46; TN 70 2017 trifft vollständig zu (gesamt: 4) weniger Zustimmung (16) TN 51; TN 53 TN 48; TN 69 2017 keine Angabe Abbildung 20: Bibellesen in der Gruppe (Kohorte-II) Wie bei Koh. I nimmt bei der Mehrheit der Koh. II (16 Personen) das Bibellesen in der Gruppe durch das Studium hindurch ab. Allerdings behalten gegenüber Koh. I mehr Personen diese Praxis auch bei (acht Personen) oder moderieren sie leicht (vier Personen). Bei zwei 116 3 Auswertung der Daten <?page no="117"?> Personen ist eine leichte Steigerung zu verzeichnen, eine Person steigert das Bibellesen in der Gruppe deutlich (TN 57). Bei neun Personen nimmt das Bibellesen in der Gruppe deutlich ab. Keine der neun Personen, die an MP 2 bei ihrer Praxis von MP 1 bleiben, vertritt eine Extremposition. Wie bei Item 1.4.1 und Frage 1.3 bleibt auch bei diesem Item etwa ein Drittel der Gruppe bei ihrem Leseverhalten. Ein Vergleich der Abbildungen ergibt aber, dass es sich jeweils um unterschiedliche Personen handelt; es hebt sich also kein Personenkreis aus der Gruppe ab, der insgesamt ein besonderes Bibelleseverhalten aufweist. 3.2.4 Wichtigkeit der Bibel (Frage-1.6, Items 1.4.5 und 1.4.3 [MP2]) In verschiedenen Items geht es um die Relevanz der Bibel. Frage-1.6 thematisiert die Rele‐ vanz der Bibel für den eigenen Glauben. Umgekehrt fragt Item 1.4.5 nach der Unwichtigkeit der Bibel und kann als Kontrollfrage zu Frage 1.6 betrachtet werden. Im Fragebogen an MP 2 wurde ein Item durch eines mit anderem Inhalt ersetzt. Im neuen Item (Item 1.4.3 an MP 2) wird nach der eigenen Einschätzung der Veränderung im Studium im Hinblick auf die Wichtigkeit der Bibel gefragt, weil das Ergebnis der Frage 1.6. in Relation zu Item 1.4.5 an MP-1 nicht eindeutig war. 3.2.4.1 Wichtigkeit der Bibel in Relation zum Glauben (Frage-1.6) Frage 1.6 lautet an beiden Messpunkten: „Wie wichtig ist die Bibel für Ihren Glauben? Geben Sie einen Wert auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) an.“ In beiden Kohorten bleiben 16 Personen an MP 2 exakt beim Votum von MP 1, und in beiden Kohorten misst die größte Gruppe (je zehn Personen) der Bibel bleibend eine moderate Wichtigkeit für den Glauben zu (Wert 3). Insofern stimmt diese Tendenz bei beiden Kohorten in bemerkenswerter Weise überein. Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse hinsichtlich der Personen, die ihre Einschätzung während des Studiums verändern - hier zeigt sich erneut der Wert der Entwicklungsgrafiken gegenüber einer reinen Kohorten-Auswertung. Während in Koh. I die Wichtigkeit der Bibel im Studienverlauf eher zunimmt, ist in Koh. II kein klarer Trend zu erkennen; die Entwicklungen gehen in verschiedene Richtungen. Insofern lohnt ein genauerer Blick auf beide Kohorten. 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 117 <?page no="118"?> 3.2.4.1.1 Kohorte-I Kohorte I (N=28) Item 1.6 „Wie wichtig ist die Bibel für Ihren Glauben? Geben Sie einen Wert auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) an.“ 2016∕2018 2018 (1) unwichtig (gesamt: 0) 2018 (2) (gesamt: 6) 2018 (3) (gesamt: 17) 2018 (4) sehr wichtig (gesamt: 5) 2018 keine Angabe 2016 (1) unwichtig (gesamt: 2) gleich (16) TN 18; TN 36 wichtiger (10) 2016 (2) (gesamt: 11) TN 31; TN 32; TN 35 (6) TN 1; TN 9; TN 19; TN 26; TN 30; TN 34 TN 27; TN 28 2016 (3) (gesamt: 11) TN 11 (10) TN 6; TN 7; TN 10; TN 13; TN 15; TN 17; TN 22; TN 23; TN 29; TN 33 2016 (4) sehr wichtig (gesamt: 3) weniger wichtig (1) TN 4; TN 16; TN 25 2016 keine Angabe (gesamt: 1) TN 12 Abbildung 21: Wichtigkeit der Bibel für den Glauben (Kohorte-I) Fast die Hälfte der Befragten in Koh. I hält die Bibel bleibend für wichtig oder sehr wichtig für den eigenen Glauben (13 TN). Je drei Personen beurteilen sie bleibend als sehr wichtig oder weniger wichtig. Niemand bewertet die Bibel bleibend als unwichtig. Die meisten der insgesamt elf Veränderungen finden im Bereich der moderaten Voten (2 und 3) statt. Insgesamt gewinnt die Bibel für zehn Personen an Wichtigkeit für den Glauben, gegen den Trend verliert sie nur für TN 11 geringfügig an Wichtigkeit. Deutlich wichtiger wird die Bibel an MP 2 für zwei Personen (TN 27 und TN 28). Unwichtig ist die Bibel für den Glauben an MP 1 für zwei Personen (TN 18 und TN 36), an MP 2 für niemanden. Eine Person macht an MP-1 keine Angabe, hält die Bibel an MP-2 aber für wichtig (TN-12). 118 3 Auswertung der Daten <?page no="119"?> 3.2.4.1.2 Kohorte-II Kohorte II (N=28) Item 1.6 „Wie wichtig ist die Bibel für Ihren Glauben? Geben Sie einen Wert auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) an.“ 2017∕2019 2019 (1) unwichtig (gesamt: 3) 2019 (2) (gesamt: 9) 2019 (3) (gesamt: 13) 2019 (4) sehr wichtig (gesamt: 3) 2019 keine Angabe 2017 (1) unwichtig (gesamt: 1) gleich (16) TN 41 wichtiger (5) 2017 (2) (gesamt: 9) TN 46; TN 74 (5) TN 49; TN 51; TN 56; TN 59; TN 70 TN 38; TN 63 2017 (3) (gesamt: 17) TN 57 (4) TN 47; TN 54; TN 64; TN 71 (10) TN 43; TN 48; TN 55; TN 58; TN 60; TN 61; TN 66; TN 67; TN 69; TN 72 TN 40; TN 62 2017 (4) sehr wichtig (gesamt: 1) weniger wichtig (7) TN 53 2017 keine Angabe Abbildung 22: Wichtigkeit der Bibel für den Glauben (Kohorte-II) In Koh. II halten elf Personen die Bibel bleibend für wichtig oder sehr wichtig für den Glauben, weitere fünf Personen finden sie bleibend weniger wichtig. Niemand hält die Bibel bleibend für unwichtig. Für sechs Personen verliert die Bibel im Studium moderat an Wichtigkeit, für vier Personen gewinnt sie moderat an Wichtigkeit hinzu. Für eine Person verliert sie deutlich an Relevanz (TN 57), während sie für eine Person deutlich an Relevanz gewinnt (TN-41). Unwichtig ist die Bibel an MP-1 für eine Person, an MP-2 für drei Personen (TN-46, TN-74, TN-57); nur in einem Fall (TN-74) korrespondiert diese Einschätzung aber mit der Lesehäufigkeit „nie“ (vgl. Frage-1.3, s.-o. Abschnitt 3.2.1). Die 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 119 <?page no="120"?> Veränderungen der Befragten in Koh. II stellen sich breiter gestreut und uneindeutiger dar als in Koh.-I. 3.2.4.2 Unwichtigkeit der Bibel (Item 1.4.5) Das Item 1.4.5 (Unwichtigkeit der Bibel) dient als Kontrollfrage zu Frage 1.6. Die Frage nach der Wichtigkeit der Bibel wird noch einmal in der Negation gestellt. Die meisten Voten befinden sich in beiden Kohorten im ablehnenden Bereich: Ganz überwiegend finden die Befragten die Bibel nicht unwichtig. Dieser Trend zeigt sich in Koh. I eindeutiger ausgeprägt als in Koh. II. Insofern korrespondiert das Ergebnis mit den Ergebnissen von Frage 1.6 nach der Wichtigkeit der Bibel für den Glauben. Wegen der Unterschiedlichkeit der Ergebnisse werden beide Kohorten dargestellt. 120 3 Auswertung der Daten <?page no="121"?> 3.2.4.2.1 Kohorte-I Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte I (N=28) Item 1.4.5 „Die Bibel ist für mich bisher nicht wichtig gewesen.“ (2016) / „Die Bibel ist für mich nicht wichtig.“ (2018) 2016∕2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 20) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 6) 2018 trifft eher zu (gesamt: 1) 2018 trifft vollständig zu (gesamt: 1) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 17) gleich (17) (13) TN 1; TN 4; TN 7; TN 9; TN 13; TN 16; TN 19; TN 23; TN 25; TN 27; TN 30; TN 31; TN 33 TN 6; TN 15; TN 35 mehr Zustimmung (4) TN 26 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 10) (7) TN 10; TN 17; TN 22; TN 28; TN 29; TN 32; TN 34 TN 11; TN 12; TN 36 2016 trifft eher zu (gesamt: 1) TN 18 2016 trifft vollständig zu (gesamt: 0) weniger Zustimmung (7) 2016 keine Angabe Abbildung 23: Unwichtigkeit der Bibel (Kohorte-I) Für die größte Gruppe von Koh. I trifft es bleibend „gar nicht“ oder „eher nicht“ zu, dass die Bibel unwichtig ist (16 TN). Bei einer weiteren großen Gruppe verstärkt sich die Ablehnung dieser Aussage, was dem Trend entspricht, dass die Bibel in Koh. I für viele Personen eher wichtiger wird. Einige Personen modifizieren ihre Ablehnung. Nur eine Person bleibt bei dem Votum „trifft eher zu“ (TN-18). Interessant ist der Sprung von völliger Ablehnung zu völliger Zustimmung bei TN 26, also von deutlicher Relevanz zu deutlicher Irrelevanz der Bibel. Für diese Person hat die 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 121 <?page no="122"?> Bibel während des Studiums offenbar deutlich an Relevanz verloren. Im Vergleich dieses Items mit den Antworten auf Frage 1.6 zeigt sich bei TN 26, dass sich die Relevanz der Bibel für den Glauben zwischen MP 1 (eher unwichtig) zu MP 2 (eher wichtig) erhöht. Die beiden Voten von TN-26 scheinen inkonsistent zu sein (vgl. Abschnitt 3.2.4.3.1). 3.2.4.2.2 Kohorte-II Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte II (N=28) Item 1.4.5 „Die Bibel ist für mich bisher nicht wichtig gewesen.“ (2017) / „Die Bibel ist für mich nicht wichtig.“ (2019) 2017∕2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 19) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 3) 2019 trifft eher zu (gesamt: 6) 2019 trifft vollständig zu (gesamt: 0) 2019 keine Angabe 2017 trifft gar nicht zu (gesamt: 11) gleich (13) (9) TN 40; TN 53; TN 54; TN 55; TN 57; TN 60; TN 62; TN 63; TN 67 TN 48 TN 64 mehr Zustimmung (4) 2017 trifft eher nicht zu (gesamt: 11) (8) TN 41; TN 43; TN 51; TN 61; TN 66; TN 69; TN 70; TN 72 TN 56 TN 46; TN 59 2017 trifft eher zu (gesamt: 5) TN 47 TN 71 TN 38; TN 49; TN 74 2017 trifft vollständig zu (gesamt: 0) weniger Zustimmung (10) 2017 keine Angabe (gesamt: 1) TN 58 Abbildung 24: Unwichtigkeit der Bibel (Kohorte-II) 122 3 Auswertung der Daten <?page no="123"?> Die größte Gruppe bleibt auch in Koh. II bei der vollständigen oder moderaten Ablehnung der Aussage (zehn Personen). Auch in Koh. II finden die meisten Bewegungen innerhalb der ablehnenden Voten statt: In der Tendenz nimmt die Zustimmung eher weiter ab, womit die Wichtigkeit der Bibel aus Sicht vieler Studierender zunimmt. Drei Personen bleiben bei moderater Zustimmung (TN 38, TN 49, TN 74). Volle Zustimmung findet das Item in dieser Kohorte nicht. Interessant sind deutliche Veränderungen in beide Richtungen. Für TN 47 gewinnt die Bibel deutlich an Wichtigkeit, während sie für TN 64 im gleichen Maße an Wichtigkeit verliert. Im Vergleich mit Frage 1.6 nach der Wichtigkeit der Bibel für den Glauben erscheint das Votum von TN 47 allerdings inkonsistent. In Koh. II votieren insgesamt sechs Personen an MP 2 moderat zustimmend und erklären die Bibel damit für eher unwichtig. Mit diesen Anwahlen unterscheidet sich das Ergebnis von Koh. II von dem von Koh.-I. Weil die grundsätzliche Wichtigkeit der Bibel mehrfach abgefragt wurde, werden die entsprechenden Ergebnisse direkt im Anschluss vorgestellt. An MP 2 wurde mit Item 1.4.3 erfragt, ob die Bibel nach eigener Einschätzung gegenüber MP-1 wichtiger geworden ist. 3.2.4.3 Wichtigkeit der Bibel im Vergleich: Item 1.4.3 (MP-2) Item 1.4.3 wurde an MP 2 eingeführt, um gezielt nach der eigenen Einschätzung der Veränderung im Studium zu fragen: „Die Bibel ist jetzt für meinen Glauben wichtiger als vor dem Studium“. In beiden Kohorten findet das Item überwiegend Zustimmung. Die Tendenz in Koh.-I ist auch bei diesem Item eindeutiger positiv als in Koh.-II: 3.2.4.3.1 Kohorte-I Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte I (N=28) Item 1.4.3 (MP 2) „Die Bibel ist jetzt für meinen Glauben wichtiger als vor dem Studium.“ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 2) 2018 trifft eher zu (gesamt: 21) 2018 trifft vollständig zu (gesamt: 4) 2018 keine Angabe TN-Nummern TN 10 TN 4; TN 15 TN 6; TN 7; TN 11; TN 12; TN 13; TN 16; TN 17; TN 18; TN 19; TN 22; TN 23; TN 25; TN 26; TN 27: TN 29; TN 30; TN 32; TN 33; TN 34; TN 35; TN 36 TN 1; TN 9; TN 28; TN 31 Abbildung 25: Bedeutungsgewinn der Bibel im Studium (Kohorte-I) 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 123 <?page no="124"?> 306 Diese Ergebnisse legen die Annahme nahe, dass TN 26 bei Item 1.4.5 die Verneinung der Aussage übersehen hat. Die meisten Studierenden stimmen hier moderat oder vollständig zu (25 TN). Das bedeutet, dass in Koh. I die Bibel für den meisten Personen an Wichtigkeit gewinnt. Diejenigen, die ablehnend votieren, gehören bei Item 1.4.5 zu den Personen, für die die Bibel entweder konstant wichtig ist (TN 4) oder in leichter Modifikation wichtig bleibt (TN 10 und TN 15). Im Hinblick auf das in Abschnitt 3.2.4.2.1 problematisierte inkonsistente Votum von TN 26, das sich im Vergleich von Item 1.6 und Item 1.4.5 zeigt, wird durch die moderat positive Antwort bei diesem Item die Tendenz in Richtung einer größeren Relevanz der Bibel im Verlauf des Studiums gestärkt. 306 Im Hinblick auf die gesamte Kohorte korrespondiert das Ergebnis mit den Voten zu Frage 1.6. und Item 1.4.5: Für den Glauben der Befragten von Koh.-I wird die Bibel im Studium wichtiger. 3.2.4.3.2 Kohorte-II Frage 1.4: Jetzt geht es um Ihren Glauben, zu Studienbeginn bzw. zum jetzigen Zeitpunkt. Trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte II (N=28) Item 1.4.3 (MP 2) „Die Bibel ist jetzt für meinen Glauben wichtiger als vor dem Studium.“ 2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 3) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 6) 2019 trifft eher zu (gesamt: 11) 2019 trifft vollständig zu (gesamt: 8) 2019 keine Angabe TN-Nummern TN 46; TN 67; TN 74 TN 40; TN 43; TN 48; TN 51; TN 53; TN 64 TN 47; TN 49; TN 54; TN 56; TN 57; TN 59; TN 60; TN 61; TN 70; TN 71; TN 72 TN 38; TN 41; TN 55; TN 58; TN 62; TN 63; TN 66; TN 69 Abbildung 26: Bedeutungsgewinn der Bibel im Studium (Kohorte-II) Auch in Koh. II stimmen die meisten Studierenden eher oder vollständig zu, dass die Bibel für den Glauben im Studium wichtiger geworden ist (19 TN). Allerdings votiert gegenüber Koh. I eine größere Gruppe ablehnend. Diese Personen gehören im Vergleich mit Item 1.4.5 zur Unwichtigkeit der Bibel verschiedenen Gruppen an: Für vier Personen bleibt die Bibel wichtig (TN 40, TN 43, TN 53, TN 67), für eine Person bleibt sie weniger wichtig (TN 74), für vier Personen wird sie unwichtiger (TN 46, TN 48, TN 59, TN 64). Das Votum von TN 47 aus Frage 1.6 bestätigt sich gegenüber Item 1.4.5. Insgesamt zeigt sich, dass die Voten in Koh.-II auch bei diesem Item - wie bereits bei Item 1.4.5 - breiter gestreut sind. 124 3 Auswertung der Daten <?page no="125"?> 307 Frage 1.3 in Korrelation zu Item 1.4.5 und Frage 1.6 (TN 7, TN 10, TN 19, TN 30, TN 53, TN 56, TN 57, TN-58, TN-67, TN-70). 308 Item 1.4.2 („trifft vollständig zu“, „trifft eher zu“ in Korrelation zu den gruppenbezogenen Items in Frage 1.2 (Koh. I: TN 1, TN 4, TN 7, TN 25, TN 27, TN 30, TN 31; Koh. II: TN 41, TN 46, TN 48, TN 56, TN 57, TN 58, TN 60, TN 63, TN 66, TN 67, TN 69, TN 70. Nur TN 16 und TN 54 wählen an MP 2 keinen der in Frage-1.2 auszuwählenden Kontexte an. 3.2.5 Ergebnis Für die Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit ist die Bibel nicht unwichtig, aber auch nicht übermäßig wichtig. Insgesamt nimmt die Relevanz der Bibel für den eigenen Glauben durch das Studium eher zu als ab. In der Häufigkeit des Bibellesens spiegelt sich diese moderate Wichtigkeit der Bibel. Im Vergleich mit angehenden Religionslehrkräften oder allen Evangelischen lesen die hier Befragten etwas häufiger in der Bibel. Dabei lesen die Teilnehmer*innen überwiegend nicht alleine in der Bibel; allerdings ändert sich dies durch das Studium, ohne dass eine eindeutige Tendenz erkennbar wäre. Eine Minderheit hört im Studium ganz auf, in der Bibel zu lesen. Im Verlauf des Studiums nimmt das Bibellesen zusammen mit anderen deutlich ab. Wichtige Kontexte des Bibellesens in der Gruppe gehen durch das Studium verloren. Dies trifft auf die Mitarbeit im Kindergottesdienst zu und für viele auch auf die Mitarbeit beim Konfirmand*innenun‐ terricht. Auch Jugendgruppen nehmen als Kontext der Begegnung mit der Bibel ab. Nur vereinzelt nehmen die Befragten an Hauskreisen oder Bibelkreisen teil; die große Mehrheit pflegt solche Formen weder vor Beginn des Studiums noch im Studium. Dagegen bleibt der Gottesdienst für die meisten Studierenden konstant der Ort, an dem man der Bibel begegnet. Weniger häufig, aber dennoch bemerkenswert ist die bleibende Relevanz von Konfirmand*innenunterricht und Freizeiten für bis zu 50% der Befragten als Ort für die Begegnung mit der Bibel. Der Kontext der Bibel ist also überwiegend kirchlich und gemeindebezogen. Damit spiegelt sich im Umgang mit der Bibel ein Aspekt der religiösen Sozialisation wieder: Auch das Gespräch über den Glauben findet überwiegend in kirchlichen Kontexten statt (vgl. Abschnitt 3.1.2). Für annahmespezifische Aussagen ist die Datenbasis dieser allgemeinen Items zu dünn. Immerhin lässt sich sagen, dass Anwendungskontexte für Bibeltexte an MP 2 weniger werden, vermutlich weil Gruppenkontexte wegbrechen. Festzustellen sind zwei Korrela‐ tionen zwischen Themenkomplexen: Für alle Personen, die an MP 2 mindestens einmal pro Woche in der Bibel lesen, ist die Bibel nicht unwichtig, und für die meisten dieser Personen ist sie wichtig für den Glauben. 307 Von insgesamt 21 Personen, die an MP 2 angeben, die Bibel in der Gruppe zu lesen, wählen 19 Personen an MP 2 einen der Gruppenkontexte aus Frage-1.2 an. 308 Einige Einzelpersonen fallen häufig durch besondere Voten auf. Dies trifft auf TN 74 zu. Für diese Person ist die Bibel durchgängig weniger wichtig oder unwichtig. Sie liest niemals allein in der Bibel und gibt an MP 2 an, nie in der Bibel zu lesen. Für TN 15 geht der Relevanzverlust der Bibel mit abnehmendem privatem Bibellesen einher. Diese Tendenz ist auch bei anderen Personen beschreibbar (TN 11 und TN 64). Dagegen steigert TN 57 3.2 Quantitative Basisauswertung ausgewählter Items 125 <?page no="126"?> 309 Grundsätzliche Überlegungen zur Korrelation quantitativ und qualitativ erhobener Daten sind in Abschnitt 2.5.3 erörtert. das Bibellesen in der Gruppe trotz Relevanzverlust. Umgekehrt bleibt die Bibel für TN 43 wichtig, obwohl diese Person an MP-2 „nie“ in der Bibel liest. TN 10 fällt durch eine Steigerung der Häufigkeit des Bibellesens insgesamt auf und durch eine Steigerung des Bibellesens allein. Für diese Person ist die Bibel durchgängig wichtig. Eine ähnliche Tendenz zeigt TN 27. Diese Person steigert sowohl das Bibellesen allein als auch in der Gruppe. Für diese Person wird die Bibel wichtiger. Durch eine große Kontinuität im Blick auf die Relevanz der Bibel und das häufige Bibellesen zeichnet sich TN-53 aus. Die Entwicklungstendenzen in beiden Kohorten stimmen vielfach überein. In Koh. I sind die Trends eindeutiger als in Koh. II. Die befragte Gruppe der Studienanfänger*innen aus dem Jahr 2017 erscheint diverser als die Gruppe aus dem Jahr 2016: Die Entwicklungen sind dynamischer und weisen in unterschiedlichere Richtungen. Es wird zu beobachten sein, ob diese Tendenz sich auch in den folgenden Ergebnissen fortsetzt. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel In diesem Kapitel werden zunächst Struktur, Vorgehens- und Darstellungsweise der folgenden Abschnitte beschrieben (Abschnitt 3.3.1). Daran schließen die Auswertungen zu den Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel an. Orientiert an den Achsen des Grundverständnisses der Bibel bezieht sich Abschnitt 3.3.2 auf die Achse „Repertoire“ (REP), Abschnitt 3.3.3 auf die Achse „Religiosität“ (REL) und Abschnitt 3.3.4 auf die Achse „Leseperspektive“ (LES). Sie dienen als Analyseinstrument für die erhobenen Daten. Der Datenauswahl und Datendarstellung liegen jeweils die theoretischen Überlegungen in Abschnitt 1.5 zugrunde. 3.3.1 Grundätze der Auswahl und der Darstellung Die Untergliederung der nun folgenden, an den Achsen orientierten Abschnitte bleibt jeweils konstant. Die Auswertung der qualitativ konzipierten offenen Panelfrage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) leitet den Abschnitt ein (1). Im Sinne des Mixed Methods-Ansatzes werden dann die für die jeweilige Thematik der Achsen relevanten Ergebnisse der quanti‐ tativ erhobenen Panelfragen dargestellt (2). Beide Auswertungen werden korreliert 309 mit den Tendenzen der Ad hoc-Exegese zu Mt 5,25-27 (3). Eine zusammenfassende Auswertung anhand von zur jeweiligen Achse aussagekräftigen quantitativen Items mit dem Ziel, die Entwicklung einzelner Personen zu visualisieren, schließt die Auswertung ab (4). Es folgt die zusammenfassende und an den Annahmen orientierte Darstellung des Ergebnisses (5). 3.3.1.1 Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) Die Analyse der offenen Antworten auf die Eröffnungsfrage 1.1 erfolgt nach dem Modell der qualitativen Inhaltsanalyse (s. Abschnitt 2.5.2). Im Sinne der Forschungsfrage steht die Veränderung der Studierenden im Vordergrund. Nicht ausgewertet werden daher die 126 3 Auswertung der Daten <?page no="127"?> 310 Eine Liste nicht ausgewerteter Items findet sich in Abschnitt 2.5.1 in einer Fußnote. 311 Eine genaue Erläuterung der Systematik in der Ergebnisdarstellung mit Beispielen befindet sich in Abschnitt 3.2. Fragebögen, in denen auf die Frage 1.1 „Die Bibel ist für mich …“ (MP 1) bzw. „Die Bibel ist für mich jetzt, im vierten Semester meines Studiums, …“ (MP 2) nur an einem MP geantwortet wird oder die sprachlich zu unverständlich sind, um auf eine Veränderung hin ausgewertet werden zu können. Dies gilt in Koh. I für TN 10, TN 11, TN 15 und TN 28, in Koh. II für TN 43 und TN 72. Insgesamt werden also die Antworten von 50 der 56 Teilnehmer*innen auf diese Frage an MP-1 und MP-2 ausgewertet. Die Aussagen einer Person werden im Hinblick auf die Veränderung jeweils der einen Achse zugeordnet, je nachdem, wo der Schwerpunkt der Satzergänzungen liegt. Wenn Teilnehmer*innen ihre eigene Veränderung im Studium beschreiben, erfolgt die Zuordnung immer dort, wo sie den Schwerpunkt ihrer Selbstreflexion legen. Alle ausgewerteten 100 Satzergänzungen kommen damit in den Auswertungen zu dieser Frage einmal im vollen Wortlaut vor. Sie bilden die Fortsetzung der Einleitung „Die Bibel ist für mich …“. Alle Zitate werden rechtschreibbereinigt wiedergegeben. Die semantischen Merkmale, die in der Auswertung interpretiert werden, werden durch Unterstreichungen gekennzeichnet. 3.3.1.2 Quantitative Auswertung Besonders aussagekräftige Items werden durch Abbildungen im Haupttext visualisiert. Wie in Abschnitt 3.2 wird auch hier Koh. II nur bei auffälligen Abweichungen visuell dargestellt. Auf bereits in Abschnitt 3.2 diskutierte Ergebnisse wird nur Bezug genommen. Dabei werden vorrangig solche Grafiken abgebildet, die als Achsengrafiken zu beiden Kohorten das zentrale Ergebnis der quantitativen Untersuchung bildlich umsetzen (s. Abschnitt 2.6.2.3). Daneben werden die Items aus Frage 1.5 vollständig und die Items aus Frage 1.10 fast vollständig visualisiert, weil diese Items besonders zielgerichtet auf die Achsen hin ausgewertet werden können. Die Auswahl der weiteren dargestellten Items orientiert sich am Erklärungswert der Ergebnisse für die Forschungsfrage und die Annahmen im Hinblick auf den jeweiligen Fokus, der sich aus der Definition der Achsen ergibt (s. Abschnitt 1.5.4). Der weit überwiegende Teil aller Panelfragen wird im Verlauf der Abschnitte 3.3 einmal in die Auswertung einbezogen. Doppelte Auswertungen von Items werden möglichst vermieden, d. h. die Items werden möglichst einer Achse zugeordnet und im entsprechenden Abschnitt ausgewertet. 310 Basisitems, die immer wieder in Betracht gezogen werden, wurden bereits in Abschnitt 3.2 ausgewertet. Alle Entwicklungsgrafiken können im Online-Zusatzmaterial C (s. Abschnitt 7.3) eingesehen werden, so dass Zahlen und Ergebnisse stets nachvollzogen werden können. Die Itemnummerierung orientiert sich, soweit nicht anders erwähnt, am Fragebogen von MP 2. Die Fragebögen beider Messpunkte befinden sich im Anhang. Angegebene Teilnehmer*innenzahlen bei Mehrfachantworten beziehen sich immer auf die Anwahl des betreffenden Items, wenn nicht eine Entwicklungstendenz angegeben wird (z.B.: weniger Zustimmung = Anwahl/ Nicht-Anwahl). 311 Wird die Abkürzung für Messpunkt, MP, in Klammern gesetzt (MP 1/ 2), so weist das auf Unterschiede eines Items 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 127 <?page no="128"?> 312 Die Erläuterung der Zuordnung von Items und Fragen zu Annahmen und Achsen findet sich in Abschnitt 2.3. an den Messpunkten hin. Das kann Unterschiede in der Formulierung des Items betreffen oder auch das Vorkommen an nur einem Messpunkt. Wird MP 1/ 2 kursiv gestellt, geht es bei den Panelitems um die Ergebnisse am jeweiligen Messpunkt. Viele Items, die nach religiösen Einstellungen fragen, sind aus anderen Studien über‐ nommen. Daher besteht in diesem Abschnitt besonders häufig die Möglichkeit, die Ergeb‐ nisse mit denen anderer Studien zu vergleichen. Dies geschieht im Fußnotenapparat. Die Häufigkeiten werden daher zur besseren Vergleichbarkeit auch in Werten v. Hundert angegeben. Dabei werden Nachkommastellen gerundet. 3.3.1.3 Korrelation mit Frage 2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP 2 Die Ad hoc-Exegese zu Mt 6,25-27 gehört nicht zu den Panelitems, weil sie nur an MP 2 in den Fragebogen integriert wurde und als Forschungsinstrument, das den Befragten eine exegetisch-hermeneutische Anstrengung in Gestalt der Bearbeitung eines biblischen Textes abverlangt (s. Abschnitt 2.3.2.2), zur Kontrolle der Panel-Ergebnisse herangezogen wird. Wie die Auswertung der Daten zu Frage 1.1. erfolgt die Auswertung nach dem Modell der qualitativen Inhaltsanalyse. Mit Hilfe ausgewählter Ankerzitate werden Tendenzen im Umgang mit der Aufgabe und dem Bibeltext jeweils unter dem Aspekt der Achsen Repertoire (REP), Religiosität (REL) und Leseperspektive (LES) dargestellt. Auch hier werden semantische Merkmale unterstrichen, die zur Einordnung und Interpretation führen. Insgesamt 2 Personen bearbeiten den Teil gar nicht (TN 19 und TN 28). Drei Personen beschränken sich auf die Analyse (TN-17, TN-32 und TN-74). 3.3.1.4 Zusammenfassende Darstellung und Achsengrafik Jede zusammenfassende Darstellung endet mit einer Abbildung (Achsengrafik), die die Entwicklung des Repertoires im Umgang mit der Bibel, die Entwicklung der Religiosität in Bezug auf die Bibel und die Entwicklung der Leseperspektive auf die Bibel der Befragten beider Kohorten anhand einer Zusammenschau ausgewählter quantitativer Items verdeut‐ licht. 312 Ziel ist es zum einen, einzelne Personen und ihre Entwicklung auf einen Blick innerhalb der Achsen vergleichen zu können, und zum anderen, gezielt eine Korrelation zu den anderen Achsen herstellen zu können, um Entwicklungsprofile zu erkennen und darauf aufbauend Einzelpersonen mit allen Ergebnissen auszuwerten, die ein besonderes Profil aufweisen (vgl. Kapitel 4 und 5). Alle Items, die im Rahmen der Achsengrafiken ausgewertet werden, kommen in der Auswertung quantitativer Items in Abschnitt 2 des jeweiligen übergeordneten Abschnitts (3.3.2-3.3.4) vor und werden dort diskutiert. Kein Item wird für die Erstellung mehrerer Achsengrafiken herangezogen. Ein grundsätzliches Kriterium der Auswahl ist die Aussa‐ gekraft für eine Entwicklung. Items ohne nennenswerte Bewegung (z. B. Item 1.23.13 „Ich glaube an Gott“ mit 28 Personen in Koh I und 27 Personen in Koh. II, die diesem Item 128 3 Auswertung der Daten <?page no="129"?> 313 Dieses Verfahren wird in Abschnitt 4.2 noch einmal mit Bezug auf die Bewegungsdynamiken erläutert. an beiden Messpunkten unverändert zustimmen) werden nicht ausgewählt. Von Items mit ähnlichem Inhalt (z. B. Frage 1.6 und Frage 1.4.5, vgl. Abschnitt 3.2.4) wird höchstens eines in die Auswertung einbezogen. Die genaue Auswahl und Bewertung der jeweiligen Items wird in den Abschnitten zu den Achsengrafiken erläutert. Die Bewegungsdynamiken einzelner Personen werden kategorisiert von „+/ - 0“ bis „+++/ ---“. Die Einteilung dieser Stufen berechnet sich aus der Differenz zwischen dem Wert des größten Bewegungssprungs aus beiden Kohorten und dem Grenzwert für den Wert 0 (keine oder eine zu vernachlässigende Bewegungsdynamik). Die sich daraus ergebende Zahl wird gleichmäßig gedrittelt und auf ganze Zahlen gerundet. Bei ungleichmäßigen Dritteln entfällt auf die höchste Stufe noch die höchste Zahl. 313 3.3.1.5 Ergebnisse In jedem Ergebnisabschnitt (3.3.2.5 zum Repertoire; 3.3.3.5 zur Religiosität; 3.3.4.5 zur Leseperspektive) werden zunächst qualitativ und quantitativ erhobene Daten zusammen‐ fassend korreliert und vor dem Hintergrund der Forschungsfrage bewertet (1). Die der Untersuchung zugrundeliegenden Annahmen werden vor dem Hintergrund der Daten diskutiert. Da die Items der Panelbefragung in Abschnitt 3.3 möglichst nur einmal ausgewertet werden sollen (wenige Ausnahmen werden angezeigt), müssen in jedem Abschnitt alle Annahmen (REP, REL und LES) geprüft werden (2). Besonders auffällige Einzelpersonen und Personengruppen werden hervorgehoben. Personengruppen, die bei der Auswertung einer einzigen Achse auffällig sind, können nicht mit Entwicklungstypen in Kapitel 4 gleichgesetzt werden, denn diese ergeben sich aus den Bewegungsdynamiken aller drei Achsen. (3). In einem weiteren Abschnitt werden die beiden Kohorten mit ihren Ergebnissen einander gegenübergestellt (4). 3.3.2 Veränderungen des Repertoires 3.3.2.1 Frage-1.1. („Die Bibel ist für mich-…“) Als Aussagen, die dem Bereich des Repertoires zuzurechnen sind, werden solche Satzer‐ gänzungen ausgewertet, die Kenntnisse über die Bibel und ihre Inhalte erkennen lassen, die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden im Umgang mit der Bibel benennen und/ oder eine Haltung zur Anwendung dieser Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden erkennen lassen. Das ist nicht immer scharf abgrenzbar von der Leseperspektive, die definitionsgemäß Aspekte des Repertoires integriert. Wo semantische Merkmale vorrangig auf die Leseperspektive hinweisen (etwa: „Die Bibel darf man nicht wörtlich verstehen“), werden die Satzergänzungen im Bereich der Leseperspektive ausgewertet. 3.3.2.1.1 Kohorte-I Hinweise auf das Repertoire der Studierenden im Umgang mit der Bibel an wenigstens einem MP gibt es in dieser Kohorte bei 21 Teilnehmer*innen, und bei 17 Personen zeigen 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 129 <?page no="130"?> 314 TN-32 gehört zu den Personen, die in Kapitel 5 (Abschnitt 5.2.3) detaillierter betrachtet werden. sich Hinweise auf Veränderungen des Repertoires. Ein Schwerpunkt in diesem Bereich ist bei fünf Personen festzustellen, die im Folgenden ausgewertet werden. Von den fünf darzustellenden Fällen beschreiben vier Personen selbst einen Lernfort‐ schritt an MP 2 gegenüber MP 1. Dieser Lernfortschritt betrifft bei TN 22 und TN 32 die Erweiterung der Kenntnisse und der Fertigkeiten. 314 Sie ergänzen den Impuls „Die Bibel ist für mich …“ (MP 1) bzw. „Die Bibel ist für mich jetzt, im vierten Semester meines Studiums …“ (MP-2) folgendermaßen: „… ein Buch voller Erfahrungen von Menschen, denen es wichtig war, Erkenntnisse und Erfah‐ rungen, aus denen wir heute noch lernen können, weiterzugeben (durch Schrift).“ (TN 32 an MP 1) „… ein Buch geworden, mit dem ich besser umzugehen weiß. Ich kann es besser mit Situationen aus dem Alltag verknüpfen, da ich mehr Geschichten aus der Bibel kenne.“ (TN-32 an MP-2) Deutlich wird bei diesem ersten Beispiel, dass Studierende durchaus mit einer differen‐ zierten Vorstellung von der Bibel ins Studium kommen. Die Bibel ist „voller Erfahrungen von Menschen“, die solche Erfahrungen festhalten und weitergeben wollten. Die Menschen stehen als Tradierende im Vordergrund. TN 32 benennt den eigenen Lernfortschritt im Bereich der Kenntnisse (mehr Geschichten) und im Bereich der Methode (besser mit dem Buch Bibel umgehen). Auch TN 22 betont eine Erweiterung des methodischen Repertoires und der Kenntnisse. Während es zu Studienbeginn vor allem darum geht, die Bibel als Werkzeug anzuwenden, kommt an MP 2 die Methodik der Betrachtung ins Spiel (kritisches Hinterfragen, Kontext der Texte, Entstehung) und die erweiterte Kenntnis der Texte selbst: „… ein Werkzeug, um anderen Menschen (z. B. in Gottesdiensten oder Andachten) den christlichen Glauben zu zeigen.“ (TN-22 an MP-1) „… bekannter als vorher. Ich weiß mehr über die Entstehung, kenne mehr Texte und werde angehalten, die Texte kritisch zu hinterfragen und im Kontext zu betrachten.“ (TN-22 an MP-2) Die Methoden der Textbetrachtung stehen auch bei TN 18 an MP 2 im Vordergrund. Über eine Erweiterung der Bibelkenntnisse, die an MP 1 eher eingeschränkt sind (Gleichnisse, Metaphern des Glaubens) sagt TN 18 nichts. Zu vermuten ist aber, dass mit einer Steigerung von Struktur und Komplexität auch eine Kenntniserweiterung verbunden ist. Neu ins Spiel kommt inhaltlich eine Multiperspektivität der Textbetrachtung: „… Sammlung und Leitfaden der Gleichnisse, die in Metaphern den christlichen Glauben wieder‐ geben.“ (TN-18 an MP-1) „… sehr viel strukturierter, aber auch komplexer aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.“ (TN-18 an MP-2) Auch TN 6 stellt an MP 1 den Glauben ins Zentrum. An MP 2 werden mehrere Vergleiche gezogen: Die Bibel ist wichtiger, besser zu verstehen und zu interpretieren. Die Veränderung der Wichtigkeit wird von TN 6 mit einer Steigerung der eigenen Fertigkeiten im Umgang mit Bibeltexten, die hier wie auch bei TN 32 als „Geschichten“ bezeichnet werden, verbunden: 130 3 Auswertung der Daten <?page no="131"?> „… ein Teil des Glaubens.“ (TN-6 an MP-1) „… viel wichtiger geworden. Ich kann Geschichten besser verstehen und interpretieren.“ (TN 6 an MP-2) Wie TN 22 stellt auch TN 35 zu Beginn des Studiums die Bibel als Nachschlagewerk ins Zentrum. Wichtig sind im mitgebrachten Erfahrungshorizont dieser Person die Anwen‐ dungskontexte Gottesdienst und Andacht. An MP 2 rückt die Bibel selbst stärker in den Blick. Im Vordergrund steht die Erkenntnis der Bibel in ihrer historischen Bedeutung. Auch die Inhalte der Bibel werden in der Perspektive des Historischen (Entstehung) wahrgenommen: „… vor allem bei der Vorbereitung von Gottesdiensten und Andachten ein wichtiges Nachschla‐ gewerk.“ (TN-35 an MP-1) „… ein historisches Dokument, welches Teile der Entstehung des christlichen Glaubens beinhaltet.“ (TN-35 an MP-2) 3.3.2.1.2 Kohorte-II Hinweise auf das Repertoire der Studierenden im Umgang mit der Bibel an wenigstens einem MP gibt es bei 22 Teilnehmer*innen, und bei 16 Teilnehmer*innen zeigen sich Hinweise auf Veränderungen des Repertoires. Ein Schwerpunkt in diesem Bereich ist bei vier Teilnehmer*innen festzustellen, die im Folgenden ausgewertet werden. Die Motivation zur Beschäftigung mit der Bibel spielt bei mehreren Äußerungen mit dem Schwerpunkt auf Aspekten des Repertoires eine Rolle. Drei Personen beschreiben einen Lernfortschritt, der jeweils auch Aspekte emotionaler Bereitschaft enthält, sich mit der Bibel zu befassen. TN 71 betont die Motivation zur Auseinandersetzung mit der Bibel bei Studienbeginn. Offenbar ist die Neugier des Anfangs zufriedenstellend bedient worden. Die Bibel erscheint an MP 2 „verständlicher“. Interessant ist die Beschreibung der eingeschränkten Berührungspunkte vor dem Beginn des Studiums: „… die ‚Heilige Schrift‘, jedoch gab es bis jetzt außer im Konfirmandenunterricht noch nicht so viele Berührungspunkte, was ich aber gerne ändern möchte und mich mehr mit dem Thema Bibel auseinandersetzen.“ (TN-71 an MP-1) „… verständlicher geworden.“ (TN-71 an MP-2) TN 47 und TN 49 beschreiben eine Veränderung der Motivation, mit der Bibel umzugehen. Mit der Bibel ist bei TN 47 offenbar eine Emotionalität verbunden. Die Befürchtung, sie auswendig können zu müssen, ist der Motivation gewichen, „lieber“ hineinzuschauen. Allerdings fällt auch der Aspekt des Glaubens an MP 2 weg und weicht der Perspektive der Anwendung: „… ein wichtiger Teil von meinem Glauben. Ich finde es gut, dass im Gottesdienst daraus gelesen wird. Nur finde ich es nicht notwendig, sie ‚auswendig‘ zu können.“ (TN-47 an MP-1) „… eine wichtige Rolle, um Sachen besser vorzubereiten. Ich schaue inzwischen lieber in die Bibel als am Anfang des Studiums.“ (TN-47 an MP-2) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 131 <?page no="132"?> 315 Auch TN 49 zählt zu den sieben Teilnehmer*innen, die in Kapitel 5 (Abschnitt 5.2.5) genauer betrachtet werden. Die Emotionalität im Umgang mit der Bibel drückt auch TN 49 aus, wenn die Bibel für sie/ ihn an MP 2 „angstfreier“ geworden ist. 315 Dies ist erstaunlich angesichts der funktionalen Nutzung als „Nachschlagewerk“ und „Handwerkszeug“ des Buchs im Regal. Immerhin weist die Metapher der „sieben Siegel“ auf eine bedrohliche Unbekanntheit der Bibel hin. Diese kann an MP-2 aufgelöst werden: „… ein Nachschlagewerk, ein Buch, was im Regal steht, ein Handwerkszeug, ein Buch mit sieben Siegeln.“ (TN-49 an MP-1) „… ein Nachschlagewerk; nicht mehr ein Buch mit sieben Siegeln; angstfreier geworden; bekannter geworden.“ (TN-49 an MP-2) Wie TN 32 kommt auch TN 64 bereits mit einer differenzierten Perspektive auf die Bibel ins Studium. Sie ist wichtig und muss religiös und historisch rezipiert werden. Demgegenüber tritt das Thema Wissenschaftlichkeit an MP 2 allein in den Vordergrund, während die anderen Aspekte nicht mehr aufgegriffen werden. Auch die Wichtigkeit tritt zurück, und die Bibel ist nur noch ein „Hilfsmittel“: „… ein sehr wichtiges Buch, das jedoch nicht nur im religiösen Kontext, sondern auch im historischen Kontext gesehen, gelesen und verstanden werden sollte.“ (TN-64 an; MP-1) „… ein wissenschaftliches Hilfsmittel.“ (TN-64 an MP-2) 3.3.2.1.3 Ergebnis Die Studierenden kommen mit partiellen Bibelkenntnissen und Vorerfahrungen im Um‐ gang mit der Bibel ins Studium, die individuell unterschiedlich sind. Mehrfach kommen Anwendungskontexte vor (Gottesdienst: TN 47, TN 35, TN 22; Konfirmandenunterricht: TN 71); die Bibel tritt eher funktional zum Nachschlagen (TN 49 und TN 35) oder als Werk‐ zeug (TN 22) in Erscheinung. Die Auswertung von Frage 1.2 (Kontexte der Begegnung mit der Bibel) weist einerseits auf den Gottesdienst als konstanten Kontext biblischer Texte für die Studierenden hin (vgl. 3.2.2.2), andererseits aber auch auf die Anwendungsbezogenheit des Umgangs mit der Bibel in formalisierten Gemeindekontexten, sei es als teilnehmende oder als aktiv gestaltende Person. Dies bestätigen die von den Studierenden genannten Kontexte. Einige Studierende können die Bibel bereits zu Studienbeginn differenziert beschreiben (Sammlung: TN 18, Buch voller Erfahrungen von Menschen: TN 32). Die Veränderungen an MP 2 im vierten Semester werden von den Studierenden weitgehend als Verbesserungen von Kenntnissen (TN 22, TN 32, TN 49), Fertigkeiten (TN 18, TN 22, TN 71) oder Motivation (TN 42 und TN 49) wahrgenommen. Bei mehreren TN gerät das Glaubensthema dabei aber aus dem Blickfeld (TN 6, TN 18, TN 22, TN 47, TN 64). Besonders deutlich wird die Reduktion des Blicks auf die Bibel an MP 2 bei TN 64. Auffällig ist bei mehreren Personen die partielle Wahrnehmung biblischer Gattungen („Geschichten“: TN 6 und TN 32; „Gleichnisse“ und „Metaphern“: TN-18). In Koh. I wird der Fortschritt im Hinblick auf die Breite der Bibelkenntnis häufiger genannt als in Koh.-II. Die Teilnehmer*innen aus Koh.-II benennen dagegen Emotionalität 132 3 Auswertung der Daten <?page no="133"?> 316 Hassan/ Lehmeier (2022), 43-45. 317 In Frage 1.5 werden im Format der Mehrfachantworten verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit der Bibel vorgeschlagen, die auf eine unterschiedliche Ausprägung eines professionellen Repertoires schließen lassen. Mehrere Antwortmöglichkeiten sind vorgesehen. Zwischen MP 1 und MP 2 werden in der Einleitungsfrage Anpassungen der Formulierung an die veränderte Studiensituation vorgenommen: „Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind (z. B. in der Vorbereitung einer Andacht oder einer Jugendgruppenstunde): Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Bitte kreuzen Sie an, welche Aussagen auf Sie zutreffen (Mehrfach‐ antworten möglich! )“ (MP 1) / „Wenn Sie außerhalb des Studiums selbst aktiv mit der Bibel umgehen und einen Text vorbereiten (z. B. in der Vorbereitung von Andachten oder Gruppenstunden): Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Bitte kreuzen Sie an, welche Aussagen auf Sie zutreffen (Mehrfachantworten möglich! )“ (MP-2). und Erwartungen mit Blick auf die Bibel und motivationale Veränderungen durch das Studium. Im Vergleich mit den anderen Achsen ist bei den Satzergänzungen zu Frage 1.1 eine Schwerpunktsetzung auf eine Repertoireveränderung am seltensten. 3.3.2.2 Quantitative Auswertung Die Items des Panelfragebogens beschränken sich bei den Fragen bezüglich des Repertoires der Studierenden auf Aspekte der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden sowie auf motivationale Aspekte im Umgang mit der Bibel. Die Frage nach Bibelkenntnissen wurde in Koh. II an MP 1 zu Beginn des Studiums gestellt und bereits veröffentlicht. 316 Im Folgenden geht es um die Entwicklung der Studierenden hinsichtlich der genannten Aspekte zwischen MP-1 und MP-2. 3.3.2.2.1 Der konkrete Umgang mit einem Bibeltext (Frage-1.5) Angepasst an die Studiensituationen wird in Frage 1.5 nach Methoden des aktiven Umge‐ hens mit Bibeltexten gefragt. 317 Ganz bewusst wird das Format der Mehrfachantwort ge‐ wählt. Die Optionen reichen von intuitiven Strategien (1.5.2: „Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung“) bis zu professionellen Strategien (1.5.5: „Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes“). Erwartbar wäre nach dem exegetischen Studium eine Tendenz, professionellere Strategien zu wählen. Diese Erwartung erfüllt sich nur partiell und in den beiden Kohorten in den meisten Items mit unterschiedlicher Tendenz. 3.3.2.2.1.1 Situationsbezug (Item 1.5.1) Kohorte-I In beiden Kohorten findet Item 1.5.1 („Ich überlege, was er [sc. der Bibeltext] für mein Leben aussagt oder wie er in die Situation meiner Gruppe hineinspricht“) bleibend Zustimmung. Alle Veränderungen im Umgang mit biblischen Texten sind vor diesem Hintergrund einer konstanten Tendenz zur Auslegung in konkrete Gegenwartssituationen hinein zu verstehen. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 133 <?page no="134"?> 318 Item 1.5.1 Koh. II MP-1: 25 TN; MP-2: 27 TN (+2/ -0, unverändert: 26, davon bleibende Anwahl: 25 TN; bleibende Nicht-Anwahl: 1 TN). Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.1 „Ich überlege, was er für mein Leben aussagt oder wie er in die Situation meiner Gruppe hineinspricht.“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 23) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 5) 2016 Anwahl (gesamt: 25) gleich (24): Anwahl/ Anwahl (22) TN 1; TN 4; TN 7; TN 9; TN 10; TN 12; TN 13; TN 15; TN 17; TN 22; TN 23; TN 26; TN 27; TN 28; TN 29; TN 30; TN 31; TN 32; TN 33; TN 34; TN 35; TN 36 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (3) TN 11; TN 19; TN 25 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 3) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (1) TN 6 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (2) TN 16; TN 18 Abbildung 27: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Situationsbezug Weit überwiegend bleiben die Befragten bei der Anwahl dieses Items. Insgesamt vier Personen verändern ihre Anwahl. Nur zwei Personen wählen diese Option bleibend nicht an. In Koh.-II ist dieser Trend noch ausgeprägter. 318 3.3.2.2.1.2 Konzentration auf wenige Aussagen (Item 1.5.3) Kohorte-I und II Die Option „Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde“ (Item 1.5.3) wird in beiden Kohorten mehrheitlich bleibend entweder gewählt oder nicht gewählt; hier finden bei etwa einem Drittel der Kohorte Veränderungen statt. Die Konzentration auf wenige Aussagen setzt eine vorausgegangene intuitive oder professionelle Textanalyse voraus. Der Maßstab der Entscheidung für die wichtigen Aussagen bleibt dabei aber rein subjektiv. Wie auch bei Item 1.5.1 steht die Relevanz für die eigene Person im Vordergrund. 134 3 Auswertung der Daten <?page no="135"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.3 „Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde.“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 10) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 18) 2016 Anwahl (gesamt: 9) gleich (19): Anwahl/ Anwahl (5) TN 10; TN 12; TN 22; TN 26; TN 35 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (4) TN 4; TN 17; TN 30; TN 32 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 19) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (5) TN 11; TN 16; TN 27; TN 33; TN 34 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (14) TN 1; TN 6; TN 7; TN 9; TN 13; TN 15; TN 18; TN 19; TN 23; TN 25; TN 28; TN 29; TN 31; TN 36 Abbildung 28: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Konzentration auf wenige Aussagen (Kohorte-I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 135 <?page no="136"?> Kohorte II (N=28) Item 1.5.3 „Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde.“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 11) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 17) 2017 Anwahl (gesamt: 15) gleich (20): Anwahl/ Anwahl (9) TN 38; TN 41; TN 43; TN 46; TN 51; TN 56; TN 60; TN 63; TN 66 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (6) TN 48; TN 53; TN 55; TN 57; TN 64; TN 69 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 13) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (2) TN 47; TN 58 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (11) TN 40; TN 49; TN 54; TN 59; TN 61; TN 62; TN 67; TN 70; TN 71; TN 72; TN 74 Abbildung 29: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Konzentration auf wenige Aussagen (Kohorte-II) Die jeweils größte Gruppe in beiden Kohorten wählt dieses Item an beiden Messpunkten nicht an. In Koh. II wählt ein Drittel der Befragten diese Option bleibend an und damit deutlich mehr als in Koh. I. Die Veränderungen in Koh. I gehen in beide Richtungen, während in Koh. II mehr Personen diese Option nicht mehr wählen. Es kann nicht entschieden werden, ob diese Wahl nicht erfolgt, weil die Konzentration auf wenige Aussagen oder die Orientierung an der persönlichen Relevanz von Textaspekten nicht zutrifft. Das Studium hat jedenfalls auf die Wahl dieser Option nur bei einer Minderheit einen Einfluss. 3.3.2.2.1.3 Spontane Auslegung (Item 1.5.2) Kohorte-I und II Gegenüber den beiden zuvor dargestellten Items auffälliger und miteinander korrespon‐ dierend sind die Veränderungen in den Items 1.5.2 („Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung“); 1.5.5 („Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes“) und 1.5.6 („Ich schlage fehlende Informationen nach“). Dabei sind deutliche Unterschiede zwischen den Kohorten feststellbar. In beiden Kohorten wählt die größte Gruppe nicht die Option, dem spontanen ersten Gedanken bei der Auslegung eines Textes zu folgen, und sie verändert diese Praxis auch nicht. Die Veränderungstendenzen in Koh. I entsprechen den Erwartungen einer Professionalisierung des Umgangs mit Bibeltexten im Studium, d. h. viele Studierende wählen diese Option im vierten Semester nicht mehr. Dies gilt nicht in gleichem Umfang für Koh.-II. 136 3 Auswertung der Daten <?page no="137"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.2 „Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung.“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 5) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 23) 2016 Anwahl (gesamt: 9) gleich (16): Anwahl/ Anwahl (1) TN 18 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (8) TN 6; TN 9; TN 16; TN 19; TN 23; TN 26; TN 32; TN 35 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 19) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (4) TN 25; TN 28; TN 30; TN 31 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (15) TN 1; TN 4; TN 7; TN 10; TN 11; TN 12; TN 13; TN 15; TN 17; TN 22; TN 27; TN 29; TN 33; TN 34; TN 36 Abbildung 30: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Spontane Auslegung (Kohorte-I) Die zweitgrößte Gruppe in Koh. I entspricht diesen Erwartungen einer Professionalisierung und gibt die anfängliche Spontaneität im Umgang mit dem Bibeltext auf (acht Personen); nur eine Person behält eine solche Praxis bei. In Koh. II bleiben sechs Personen bei der Anwahl des spontanen Umgangs mit dem Bibeltext. Interessant ist, dass die Veränderungs‐ tendenzen in beiden Gruppen übereinstimmen. Je acht Personen wählen diese Option nicht mehr an, während je vier Personen diese Option neu wählen. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 137 <?page no="138"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte II (N=28) Item 1.5.2 „Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung.“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 10) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 18) 2017 Anwahl (gesamt: 14) gleich (16): Anwahl/ Anwahl (6) TN 38; TN 53; TN 56; TN 61; TN 66; TN 71 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (8) TN 40; TN 43; TN 47; TN 51; TN 60; TN 63; TN 72; TN 74 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 14) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (4) TN 46; TN 49; TN 59; TN 62 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (10) TN 41; TN 48; TN 54; TN 55; TN 57; TN 58; TN 64; TN 67; TN 69; TN 70 Abbildung 31: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Spontane Auslegung (Kohorte-II) Es lässt sich im Vergleich mit dem Item „Konzentration auf wenige Aussagen“ (1.5.3) keine Personengruppe feststellen, die beide Items an MP 2 nicht mehr anwählt. Es sind jeweils andere Teilnehmer*innen, die ihre Anwahl in die entsprechende Richtung verändern, und dies gilt für beide Kohorten. Interessant ist der Abgleich von Item 1.5.2 mit den Items 1.5.5. und 1.5.6. 3.3.2.2.1.4 Nach den geschichtlichen Hintergründen fragen (Item 1.5.5) Kohorte I und II Während in Koh. I die größte Gruppe der Befragten das Item „Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes“ an MP 2 neu anwählt, stellt sich die größte Gruppe von Koh. II weder an MP 1 noch an MP 2 positiv zu diesem Item. Offenbar überzeugen die Studieninhalte mehr Personen in Koh. I als in Koh. II, dass es sich lohnt, nach den geschichtlichen Hintergründen biblischer Texte zu fragen. 138 3 Auswertung der Daten <?page no="139"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.5 „Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes.“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 15) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 13) 2016 Anwahl (gesamt: 6) gleich (13): Anwahl/ Anwahl (3) TN 1; TN 4; TN 7 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (3) TN 16; TN 27; TN 33 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 22) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (12) TN 11; TN 13; TN 17; TN 19; TN 23; TN 25; TN 29; TN 30; TN 32; TN 34; TN 35; TN 36 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (10) TN 6; TN 9; TN 10; TN 12; TN 15; TN 18; TN 22; TN 26; TN 28; TN 31 Abbildung 32: Frage nach den geschichtlichen Hintergründen (Kohorte-I) In Koh. I verändern jeweils zwölf Teilnehmer*innen ihren Umgang mit der Bibel zugunsten einer Betrachtung geschichtlicher Hintergründe. Eine fast gleich große Personenzahl wählt diese Option aber bleibend nicht an (zehn Personen). Ein kleiner Personenkreis (sechs Personen) gibt an, bereits vor dem Studium nach den geschichtlichen Hintergründen gefragt zu haben. Interessant ist, dass von einem weiteren Personenkreis ausgesagt wird, im vierten Semester nicht mehr nach den geschichtlichen Hintergründen zu fragen (drei Personen). Anders als Koh.-I wählt über die Hälfte von Koh.-II diese Option bleibend nicht an. Nur etwa ein Drittel der Gruppe fragt neu nach den geschichtlichen Hintergründen biblischer Texte. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 139 <?page no="140"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte II (N=28) Item 1.5.5 „Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes.“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 13) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 15) 2017 Anwahl (gesamt: 5) gleich (20): Anwahl/ Anwahl (5) TN 38; TN 40; TN 51; TN 61; TN 64 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (0) 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 23) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (8) TN 41; TN 48; TN 53; TN 56; TN 58; TN 59; TN 66; TN 67 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (15) TN 43; TN 46; TN 47; TN 49; TN 54; TN 55; TN 57; TN 60; TN 62; TN 63; TN 69; TN 70; TN 71; TN 72; TN 74 Abbildung 33: Frage nach den geschichtlichen Hintergründen (Kohorte-II) In Koh. II fragen etwas mehr Personen bleibend nach den geschichtlichen Hintergründen als in Koh. I, und niemand wählt diese Option an MP 2 ab. Es bleibt zu fragen, ob sich die Tendenz, dass Personen in Koh. I im Blick auf ihr Repertoire im Umgang mit Bibeltexten mehr Professionalität aufweisen als in Koh.-II, auch in Item 1.5.6 bestätigt. 3.3.2.2.1.5 Informationen nachschlagen (Item 1.5.6) Kohorte-I und II Auch das Nachschlagen von Informationen findet sich bei Koh. I an MP 2 häufiger als in Koh. II. Wie bei Item 1.5.5 wählt die größte Gruppe in Koh. I dieses Item an MP 2 neu an, während in Koh. II die größte Gruppe dieses Item bleibend nicht anwählt. In beiden Kohorten gibt eine kleine Gruppe an, bereits bei Studienbeginn fehlende Informationen zur Bibel nachgeschlagen zu haben. Eine Minderheit in beiden Kohorten geht an MP 2 nicht mehr in dieser Weise vor. Die Unterschiede zwischen den Kohorten sind bei Item 1.5.5. größer als bei Item 1.5.6. 140 3 Auswertung der Daten <?page no="141"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.6 „Ich schlage fehlende Informationen nach (Internet, Lexika, Anhang der Bibel).“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 17) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 11) 2016 Anwahl (gesamt: 8) gleich (13): Anwahl/ Anwahl (5) TN 1; TN 4; TN 17; TN 23; TN 28 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (3) TN 10; TN 13; TN 34 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 20) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (12) TN 6; TN 7; TN 11; TN 15; TN 19; TN 22; TN 29; TN 31; TN 32; TN 33; TN 35; TN 36 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (8) TN 9; TN 12; TN 16; TN 18; TN 25; TN 26; TN 27; TN 30 Abbildung 34: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Nachschlagen von Informationen (Kohorte I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 141 <?page no="142"?> 319 Im Umkehrschluss lässt sich aber keine Konsistenz feststellen. Die Personen, die an MP 1 Item 1.5.5 oder 1.5.6 angewählt und an MP 2 nicht mehr angewählt haben - deren Entwicklung sich also gegen den Trend vollzieht -, sind nicht als konsistente Gruppe auszumachen: Es handelt sich jeweils um verschiedene Personen. Eine ähnliche Auffälligkeit besteht bei Item 1.5.2. In beiden Kohorten geben je 4 Personen an MP 2 neu an, dem ersten spontanen Gedanken zu folgen (Item 1.5.2: TN 25, TN 28, TN 30, TN 31, TN 46, TN 49, TN 59, TN 62). Bezüglich der Personen besteht aber keine Übereinstimmung mit dem Verzicht auf historisches Fragen oder Nachschlagen. Kohorte II (N=28) Item 1.5.6 „Ich schlage fehlende Informationen nach (Internet, Lexika, Anhang der Bibel).“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 15) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 13) 2017 Anwahl (gesamt: 9) gleich (18): Anwahl/ Anwahl (7) TN 40; TN 49; TN 51; TN 58; TN 61; TN 62; TN 70 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (2) TN 43; TN 55 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 19) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (8) TN 38; TN 41; TN 48; TN 56; TN 59; TN 64; TN 69; TN 72 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (11) TN 46; TN 47; TN 53; TN 54; TN 57; TN 60; TN 63; TN 66; TN 67; TN 71; TN 74 Abbildung 35: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Nachschlagen von Informationen (Kohorte II) Insgesamt ist Koh. I auch inhaltlich konsistenter als Koh. II. Alle sechs Teilnehmer*innen, die an MP 2 neu angeben, nach den geschichtlichen Hintergründen zu fragen (Item 1.5.5) und Informationen nachzuschlagen (Item 1.5.6), wählen „Ich folge meinen spontanen ersten Gedanken für die Auslegung“ (Item 1.5.2) nicht an (TN 11, TN 19, TN 29, TN 32, TN 35, TN 36). In Koh. II trifft diese Beobachtung nur auf zwei von insgesamt vier Teilnehmer*innen zu (TN 41 und TN 48). 319 Eine Gruppe von etwa einem Viertel aus Koh. I macht sich auf den Weg, das eigene Repertoire im Umgang mit Bibeltexten zu professiona‐ lisieren. Wie stellt sich die eigene Professionalität aber gegenüber der Professionalität von Personen in theologischen Berufen dar? Den Dialog mit „Profis“ über Bibeltexte erfragt Item 1.5.7. 3.3.2.2.1.6 „Profis“ fragen (Item 1.5.7) Kohorte-I und II Pastor*innen, Diakon*innen oder andere beruflich mit Bibel umgehende Personen zu fragen, wenn man selbst nicht weiterkommt (Item 1.5.7), sollte als Strategie im Umgang 142 3 Auswertung der Daten <?page no="143"?> mit Bibeltexten durch das Studium hindurch aufgrund der wachsenden eigenen Professio‐ nalisierung seltener notwendig sein. Auch hier ist ein deutlicher Unterschied bei beiden Kohorten feststellbar, allerdings gegenläufig zu den vorherigen Items (1.5.2, 1.5.5 und 1.5.6). Die Veränderung in Koh. II weist eine klare Tendenz auf, Profis eher nicht mehr zu fragen, während die Veränderungen in Koh. I hinsichtlich dieser Praxis in beide Richtungen weisen. Darüber hinaus aber stimmen beide Kohorten weitgehend überein. Die meisten Studierenden fragen konstant keine Profis, um im Umgang mit Bibeltexten Hürden zu nehmen. Ein Viertel jeder Kohorte pflegt diese Praxis unverändert an MP-2. Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.7 „Ich frage Profis, wenn ich nicht weiterkomme (Pastor_innen/ Diakon_innen).“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 12) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 16) 2016 Anwahl (gesamt: 12) gleich (18): Anwahl/ Anwahl (7) TN 4; TN 17; TN 25; TN 26; TN 29; TN 34; TN 35 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (5) TN 11; TN 12; TN 22; TN 31; TN 36 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 16) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (5) TN 19; TN 27; TN 28; TN 32; TN 33 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (11) TN 1; TN 6; TN 7; TN 9; TN 10; TN 13; TN 15; TN 16; TN 18; TN 23; TN 30 Abbildung 36: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: „Profis“ fragen (Kohorte-I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 143 <?page no="144"?> Kohorte II (N=28) Item 1.5.7 „Ich frage Profis, wenn ich nicht weiterkomme (Pastor_innen/ Diakon_innen).“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 9) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 19) 2017 Anwahl (gesamt: 17) gleich (16): Anwahl/ Anwahl (7) TN 41; TN 43; TN 49; TN 58; TN 60; TN 67; TN 71 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (10) TN 46; TN 48; TN 54; TN 59; TN 61; TN 62; TN 64; TN 69; TN 70; TN 72 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 11) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (2) TN 56; TN 57 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (9) TN 38; TN 40; TN 47; TN 51; TN 53; TN 55; TN 63; TN 66; TN 74 Abbildung 37: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: „Profis“ fragen (Kohorte-II) In beiden Kohorten bleiben sieben Personen dabei, Profis zu fragen, wenn sie mit Bibel‐ texten nicht weiterkommen. Elf Personen der Koh. I bzw. neun der Koh. II tun dies aber zu keinem Zeitpunkt. Klar erkennbar ist der Trend in Koh. II, keine Profis heranzuziehen (zehn Personen); in Koh. I dagegen nehmen fünf Personen diese Strategie neu auf, während fünf Personen sich von ihr verabschieden. 3.3.2.2.1.7 Mit anderen sprechen (Item 1.5.4) Kohorte-I und II Eine weitere kommunikative Strategie ist es, mit anderen Menschen über Bibeltexte zu sprechen. Die Kommunikation über Bibeltexte mit anderen oder auch mit „Profis“ hängt zunächst von der Gelegenheit ab, dies zu tun. Das Sprechen mit anderen über den Text (Item 1.5.4) wird als Strategie in beiden Kohorten von der größten Gruppe konstant gewählt. In Koh. I gibt es allerdings mehr Bewegung bezüglich dieser Praxis als in Koh. II, sowohl die Neuanwahl als auch die Abwahl an MP-2 kommen vor. 144 3 Auswertung der Daten <?page no="145"?> Frage 1.5: Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind bzw. außerhalb des Studiums selbst aktiv mit ihr umgehen: Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Kohorte I (N=28) Item 1.5.4 „Ich spreche mit anderen über den Text.“ 2016/ 2018 2018 Anwahl (gesamt: 17) 2018 Nicht-Anwahl (gesamt: 11) 2016 Anwahl (gesamt: 16) gleich (13): Anwahl/ Anwahl (9) TN 1; TN 4; TN 7; TN 15; TN 16; TN 17; TN 25; TN 27; TN 30 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (7) TN 9; TN 11; TN 19; TN 22; TN 31; TN 33; TN 36 2016 Nicht-Anwahl (gesamt: 12) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (8) TN 6; TN 10; TN 18; TN 23; TN 28; TN 29; TN 34; TN 35 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (4) TN 12; TN 13; TN 26; TN 32 Abbildung 38: Konkreter Umgang mit biblischen Texten: Mit anderen über den Text sprechen (Kohorte-I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 145 <?page no="146"?> Kohorte II (N=28) Item 1.5.4 „Ich spreche mit anderen über den Text.“ 2017/ 2019 2019 Anwahl (gesamt: 17) 2019 Nicht-Anwahl (gesamt: 11) 2017 Anwahl (gesamt: 16) gleich (21): Anwahl/ Anwahl (13) TN 38; TN 41; TN 54; TN 56; TN 57; TN 58; TN 60; TN 61; TN 63; TN 64; TN 67; TN 70; TN 72 weniger Zustimmung: Anwahl/ Nicht-Anwahl (3) TN 47; TN 51; TN 59 2017 Nicht-Anwahl (gesamt: 12) mehr Zustimmung: Nicht-Anwahl/ Anwahl (4) TN 53; TN 55; TN 66; TN 69 gleich: Nicht-Anwahl/ Nicht-Anwahl (8) TN 40; TN 43; TN 46; TN 48; TN 49; TN 62; TN 71; TN 74 Abbildung 39: Konkreter Umgang mit biblischen Texten: Mit anderen über den Text sprechen (Kohorte-II) In Koh. I behalten neun Personen die Praxis bei, mit anderen über Bibeltexte zu sprechen, in Koh. II sind dies 13 Personen. In Koh. II pflegen acht Personen diese Praxis bleibend nicht, in Koh. I sind dies nur vier Personen. Insgesamt 21 Personen behalten in Koh. II ihre Praxis an beiden Messpunkten bei, in Koh. I sind dies nur 13 Personen. Auffällig sind die Übereinstimmungen zwischen den Personen, die kontinuierlich mit anderen über Bibeltexte sprechen, mit einer bleibenden oder wachsenden Zustimmung zu Item 1.4.2 „Bibellesen zusammen mit anderen“ (vgl. Abschnitt 3.2.3.2). Da sich aber durch das Studium die Gruppenbezüge ändern, sind auch Gelegenheiten, über Bibeltexte zu sprechen, Veränderungen unterworfen, die nicht unbedingt mit den Studieninhalten zu tun haben. Insgesamt ist die Bilanz im Hinblick auf eine Professiona‐ lisierungstendenz an MP 2 aus Sicht einer Lehrenden in beiden Kohorten eher gering ausgeprägt. Das bezieht sich nicht nur auf die changierenden Veränderungstendenzen bei vielen Items, sondern besonders die Kombination der Ergebnisse der Items „spontane Aus‐ legung“ (1.5.2.), „nach den geschichtlichen Hintergründen fragen (1.5.5), „Informationen nachschlagen“ (1.5.6) und „Profis fragen“ (1.5.7), die viele Inkonsistenzen und keinen klaren Trend aufweisen. Aus Sicht der Studierenden scheint weitgehend kein logischer Widerspruch zwischen Spontaneität und persönlicher Intuition im Umgang mit Bibeltexten gegenüber distanzierteren und methodisch kontrollierten Formen zu bestehen. Dies wird im Folgenden zu überprüfen sein. 146 3 Auswertung der Daten <?page no="147"?> 320 Item 1.8.3 (MP 2: „Ich wünsche mir für mein weiteres Studium an der Hochschule Hannover, dass geklärt wird, warum ich für meine berufliche Praxis überhaupt mit der Bibel umgehen muss“): Koh. I: 7 TN / Koh.-II: 8 TN. 321 Item 1.7.1 (MP 1: „Ich würde gern mehr darüber wissen, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“). „Trifft vollständig zu“: Koh. I: 10 TN / Koh. II: 8 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 15 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 5 TN / Koh. II: 5 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN. Item 1.7.3 (MP 1: „Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen“): „trifft vollständig zu“: Koh. I: 5 TN / Koh. II: 9 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 15 TN / Koh. II: 13 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 8 TN / Koh. II: 5 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 1 TN. 322 Frage 1.8 (MP 1: „Für mein Studium an der Hochschule Hannover wünsche ich mir für die Beschäf‐ tigung mit der Bibel …“). Item 1.8.3 (MP 1: „… dass ich noch mehr methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekomme“): Koh. I: 20 TN / Koh. II: 22 TN; Item 1.8.4 (MP 1: „… dass ich mehr über die Hintergründe biblischer Texte erfahre“): Koh. I: 25 TN / Koh.-II: 19 TN; Item 1.13.9 („Mir ist wichtig, viel über die Hintergründe der Bibel zu erfahren, damit ich sie sachgerecht auslegen kann“) MP-1: Koh.-I: 19 TN / Koh.-II: 21 TN. 323 Die entsprechenden Fragen werden in der Zweitbefragung an die Situation im Studium angepasst. Frage 1.8. lautet an MP 2: „Ich wünsche mir für mein weiteres Studium an der Hochschule Hannover, dass …“ Hier wurde an MP 2 gegenüber MP 1 bewusst auf die Formulierung „Beschäftigung mit der Bibel“ verzichtet, um das Interesse an der Bibel insgesamt an MP 2 besser beurteilen zu können (zur Anpassung von Formulierungen an MP 2 vgl. Abschnitt 2.3.2). Item 1.8.2 (MP 2: „… ich weiterhin im Seminarkontext biblische Texte bearbeite, indem ich Informationen über deren Hintergründe bekomme“, entspricht Item 1.8.4 an MP 1): Koh. I: 25 TN / Koh. II: 28 TN (Koh. I: +3/ -3, unverändert 22; Koh.-II: +9/ -0, unverändert 19). 3.3.2.2.2 Motivation zum Erlernen und Vertiefen methodengeleiteten Umgehens mit der Bibel (Fragen 1.7 und 1.8) Im Hinblick auf das Interesse an Informationen, Hintergründen und Methoden bezüglich der Auslegung von Bibeltexten ist bei den meisten Studierenden die Bereitschaft da, sich mit diesen Themen zu beschäftigen und das eigene Repertoire zu erweitern. An das Studium wird die Erwartung herangetragen, dass es bei der Bibelauslegung zumindest auch um Hintergründe und Methoden geht. Das Interesse bleibt auch nach den ersten Begegnungen mit Bibeltexten und methodisch kontrollierter Auslegung im vierten Semester an MP 2 weitgehend bestehen. Für die meisten Studierenden ist zu diesem Zeitpunkt klar, inwiefern die Bibel für die Berufspraxis relevant ist (Item 1.8.3). 320 Zu Beginn des Studiums besteht bei jeweils 23 von 28 Befragten ein Interesse an methodisch geleiteter Bibelauslegung (Item 1.7.1). Niemand gibt an, gar kein Interesse an diesem Thema zu haben. Zu diesem Interesse passt die überwiegend vorhandene Selbsteinschätzung, dass zum Verständnis biblischer Texte Informationen fehlen (Item 1.7.3). Nur eine Person konstatiert an MP 1, dass dies nicht der Fall sei (TN 53). 321 Stark ausgeprägt ist der Wunsch, sich mit methodischem Handwerkszeug für die Bibelauslegung zu beschäftigen (Item 1.8.1) und „mehr über die Hintergründe biblischer Texte zu erfahren“ (Item 1.8.2 und Item 1.13.9). 322 Bei 75% aller Befragten überwiegen also zu Beginn des Studiums Neugier und Interesse an Methoden und Inhalten der Bibelauslegung. Wie entwickelt sich dieses breit vorhandene Interesse im Lauf des Studiums? Der Wunsch, im weiteren Studium biblische Texte zu bearbeiten, indem man „Informationen über deren Hintergründe“ bekommt (Item 1.8.2) besteht im vierten Semester bei fast allen Studierenden weiter oder nimmt noch zu. 323 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 147 <?page no="148"?> 324 Item 1.13.9 MP 2: Koh I: 22 TN / Koh. II: 24 TN (Koh. I: +7/ -4, unverändert 17; Koh. II: +6/ -3, unverändert 19). Item 1.8.1 (MP 2: „dass ich in vertiefter Form methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekomme“, entspricht Item 1.8.3 [MP 1]): Koh. I: 19 TN / Koh.-II: 20 TN (Koh. I: +5/ -6; Koh. II: +3/ -5). Item 1.7.3 (MP 2: „Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen“): „trifft vollständig zu“: Koh. I: 6 TN / Koh. II: 7 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 15 TN / Koh. II: 14 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 7 TN / Koh. II: 7 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN. (Koh. I: +7/ -4, unverändert 17; Koh.-II: +3/ -7, unverändert 18). 325 TN-22 und TN-53. 326 TN-10, TN-16, TN-33 und TN-43. 327 Item 1.7.1 (MP 1: „Ich würde gern mehr darüber wissen, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“/ MP 2: „Ich bin zufrieden mit meinem Wissenstand darüber, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“). In beiden Kohorten äußern sich je 23 TN an MP-1 zustimmend. Von diesen äußern sich an MP 2 in Koh. I 16 TN zustimmend („trifft vollständig zu“: 2 TN; „trifft eher zu“: 14 TN); in Koh. II sind dies 13 TN (trifft vollständig zu“: 1 TN; „trifft eher zu“: 12 TN). Ablehnende Voten an MP-2: „trifft eher nicht zu“ Koh.-I: 4 TN / Koh.-II: 10 TN; „trifft gar nicht zu“ kommen bei den an MP-1 Interessierten nur in Koh.-I vor (3 TN: TN-11, TN-13, TN-17). Diese Tendenz besteht auch bei den Items 1.13.9, 1.8.1 und 1.7.3. Die Motivation, „viel über die Hintergründe der Bibel zu erfahren“, um sie sachgerecht auslegen zu können (Item 1.13.9), nimmt in beiden Kohorten während des Studiums eher zu. Das Interesse an „methodischem Handwerkszeug“ (Item 1.8.1) bleibt in beiden Kohorten im Gesamtergebnis fast unverändert. Dies gilt auch für die Selbsteinschätzung, dass Informationen zum Verständnis von Bibeltexten fehlen (Item 1.7.3). Niemand meint am Ende des exegetischen Studiums, dass Informationen zu Bibeltexten überhaupt nicht fehlen. 324 Die Ergebnisse machen allerdings auch deutlich, dass bei diesen drei Items in beiden Kohorten Veränderungen bei jeweils einem Drittel der Studierenden stattfinden, die sowohl in Richtung einer größeren als auch in Richtung einer verminderten Zustimmung gehen können, so dass sich im Gesamtergebnis die Entwicklungen gegeneinander aufheben und die Zahlen auf der Ebene der Gesamtgruppe konstant zu bleiben scheinen. Diese Veränderungen zeigen keinen „Trend“ - in dem Sinne, dass etwa eine bestimmte Gruppe von Studierenden bei allen drei Items an MP 2 eine höhere Zustimmung erkennen ließe -, sondern jeweils andere Studierende votieren in die eine oder andere Richtung. In der Gruppe von Studierenden, die das Interesse an der wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit Bibeltexten eher verlieren, lassen nur zwei Personen ein gerin‐ geres Interesse bei mehr als einem Item erkennen. 325 Ein Abgleich mit den Items 1.5.5 (geschichtliche Hintergründe) und 1.5.6 (fehlende Informationen nachschlagen) zeigt, dass insgesamt vier Teilenehmer*innen bei einem von diesen Items und bei einem der Items 1.13.9, 1.8.1 und 1.8.2 ein abnehmendes Interesse erkennen lassen. 326 Eine besondere Dynamik zeigt die Selbsteinschätzung der Studierenden an MP 2 im Hinblick auf ihre eigene Zufriedenheit mit ihrem erworbenen Wissensstand zu Regeln und Methoden der Bibelauslegung (Item 1.7.1). Die meisten Voten bewegen sich im mittleren Bereich, nur wenige Studierende wählen eine Extremposition. Im Vergleich mit MP 1 erreichen die meisten Personen, die zu Studienbeginn moderates oder hohes Interesse an Regeln und Methoden der Bibelauslegung äußerten, im vierten Semester eine moderate oder hohe Zufriedenheit mit ihrem Wissensstand. Nur eine kleine Anzahl mit anfänglich hohem Interesse ist sehr unzufrieden mit dem an MP-2 erreichten Wissensstand. 327 148 3 Auswertung der Daten <?page no="149"?> Das Studium bewirkt also eine Auseinandersetzung mit Methoden der Bibelauslegung und Hintergrundwissen zur Bibel, die entweder Lust macht darauf, auf diesem Weg weiter zu gehen oder aber Lust darauf macht, zukünftig andere Schwerpunkte zu setzen. Das Interesse kann sich individuell jeweils anders ausprägen, etwa stärker methodisch oder stärker inhaltlich. Die Tendenz, auf dem Weg der Auseinandersetzung mit Methoden der Bibelauslegung und mit Informationen zur Bibel bleiben zu wollen, ist in Koh. II etwas weniger ausgeprägt als in Koh. I, bleibt aber insgesamt bei zwei Dritteln aller Befragten auch im vierten Semester hoch. Grundsätzlich wird anerkannt, dass Informationen zu Bibeltexten nötig sind. Etwa die Hälfte aller Befragten ist im vierten Semester mit den erreichten Methodenkenntnissen eher zufrieden. 3.3.2.2.3 Die Freude am Entdecken von Bibeltexten und Interpretationshorizonten (Items aus Frage-1.13) Es ist Teil einer sich professionalisierenden Haltung, die Vielfalt biblischer Themen, Texte und Traditionen zu kennen und zu bewältigen. Das Kennenlernen neuer Texte und Deutungshorizonte führt im Studium zu viel Bewegung in unterschiedliche Richtungen bei den Studierenden. Dies zeigen ausgewählte Items der Frage 13 („Was ist Ihnen bei Ihrer Bibelauslegung wichtig? “). Je differenzierter und hermeneutisch komplexer die Fragestellung wird, desto weniger eindeutig wird die Zustimmung, d. h. die Voten bewegen sich eher im mittleren Bereich. Das Item „Ich möchte immer neue Themen und Texte in der Bibel entdecken“ (1.13.6) wählt in beiden Kohorten jeweils die Hälfte der Befragten bleibend an. Ein Drittel jeder Gruppe verändert ihr Votum an MP 2 ohne klare Tendenz. Nur eine kleine Gruppe interessiert sich an beiden Messpunkten nicht für neue Themen und Texte der Bibel. Die Beschäftigung mit der Bibel scheint bei einigen die Lust an der Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Traditionen zu befördern, bei anderen aber eher geringer werden zu lassen. Diese Tendenz bestätigt sich in den Voten des Items „Mir ist wichtig, dass sich in der Bibel auch bislang kaum ausgelegte Geschichten finden, in denen es z. B. um Frauen, um Arme oder um Menschen am Rande der Gesellschaft geht“ (1.13.2). Über ein Drittel der Befragten verändert die Position an MP 2. Während in Koh. I die Zustimmung zu Studienbeginn groß ist, sinkt diese an MP 2. Koh. II zeigt hier die umgekehrte Entwicklung, möglicherweise eine Folge der geänderten didaktischen Konzeption der Studienleistung in Koh. II mit dem Schwerpunkt Frauen in der Bibel. Nur eine moderate Zustimmung erfährt Item „Ich möchte den großen Schatz der möglichen Bedeutungen oder ‚Sinne‘ biblischer Texte heben“ (1.13.4). Die Hälfte der Befragten wählt diese Option an MP 1, an MP 2 sind dies in beiden Kohorten deutlich weniger. Jeweils ein Drittel wählt diese Option zu keinem Zeitpunkt. In Koh. II wählt eine gleich große Gruppe dieses Item bleibend an, in Koh. I sind es hingegen nur vier Teilnehmer*innen. Nach den ersten Erfahrungen mit einer wissenschaftlich hinterlegten 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 149 <?page no="150"?> 328 Item 1.13.6 MP 1: Koh I: 18 TN / Koh. II: 18 TN; MP 2: Koh I: 19 TN / Koh. II: 20 TN (Koh. I: +6/ -5, unverändert: 17; Koh. II: +3/ -5, unverändert 20). Item 1.13.2 MP1: Koh. I: 17 TN / Koh. II: 12 TN; MP 2: Koh. I: 9 TN / Koh. II: 17 TN (Koh. I: +1/ -9, unverändert 18; Koh. II: +9/ -4, unverändert 15). Item 1.13.4 MP-1: Koh I: 13 TN / Koh. II 16 TN; MP-2: Koh. I: 10 TN / Koh. II: 13 TN (Koh. I: / +6/ -9, unverändert 13: Koh.-II: +3/ -6, unverändert: 19). 329 Item 1.9.7 MP 1: Koh I: 7 TN / Koh. II: 13 TN; MP 2: Koh I: 6 TN / Koh. II: 4 TN (Koh. I: +5/ -6, unverändert: 17; Koh.-II: +1/ -10, unverändert: 17). 330 Item 1.12.4 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 17 TN / Koh. II: 13 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 10 TN / Koh. II: 13 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 2 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh I: 1 TN / Koh.-II: 0 TN; MP-2: „stimme stark zu“: Koh.-I: 21 TN / Koh.-II: 18 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 6 TN / Koh. II: 10 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; „lehne stark ab“: Koh.-I: 1 TN / Koh. II: 0 TN. (Koh. I: +6/ -4, unverändert 17; Koh. II: +8/ -2, unverändert 18) Auffällig ist die Veränderung von Zustimmung zu starker Ablehnung an MP 2 durch TN 16 (einzige Person gegen den Trend). Bibelauslegung scheint die Motivation, die Bibel in ihrer Pluralität erkunden zu wollen, eher geringer zu werden. 328 3.3.2.2.4 Die Plausibilität historischen Denkens (Items aus Frage-1.9 und 1.12) Wie gut kommen Studierende nach eigener Einschätzung mit den gegenüber modernen Lesegewohnheiten oft fremdartigen Texten der Bibel zurecht? Der historische Abstand stellt sowohl für sprachliche Formulierungen ein Problem dar als auch für biblische Inhalte. Den Studierenden stehen in Frage 1.9 insgesamt elf Optionen zur Auswahl, in denen es um mögliche Schwierigkeiten mit der Bibel geht. Maximal die Hälfte der Befragten hat zu Studienbeginn Schwierigkeiten damit, „dass die Bibel so altertümlich und schwer verständlich ist“ (Item 1.9.7). Die beiden Kohorten unterscheiden sich hinsichtlich des Veränderungstrends. Nur ein Viertel der Befragten aus Koh. I sieht in der Altertümlichkeit der Bibel am Studienbeginn ein Problem. Diese Zahl bleibt an MP 2 fast konstant; allerdings stimmen an MP 2 andere Studierende zu als an MP 1. Viele Studierende verändern ihre Einschätzung also im Verlauf des exegetischen Studiums, ohne dass ein Trend erkennbar wäre. In Koh. II wählt diese Option an MP 1 fast die Hälfte der Befragten an, während an MP 2 nur noch wenige Personen zustimmen. Die Schwierigkeiten mit der Altertümlichkeit der Bibel nehmen in dieser Gruppe ab. Dieser Trend ist in einem wissenschaftlichen Studium erwartbar, da der Umgang mit den Texten eingeübt wird. Die Entwicklungen in Koh.-I wirken demgegenüber diffus. 329 In Frage 1.12 werden mehrere Optionen zum Umgang mit der Problematik des Textes Gen 3,16 („Dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, er aber soll dein Herr sein“) vorgestellt. Fiktive exegetische und hermeneutische Umgangsweisen werden zur Wahl gestellt. Einige dieser Möglichkeiten betonen eine historische Perspektive auf den Text. Von Anfang an stimmen fast alle Teilnehmer*innen dem Item 1.12.4 („Die Bibel ist in einer patriarchal geprägten Zeit entstanden. Deshalb müssen wir heute einen solchen Satz anders verstehen, als er damals vielleicht gemeint war“) stark oder eher zu. Die meisten Verände‐ rungen differenzieren ein zustimmendes Votum, für die meisten Studierenden erhöht sich der Erklärungswert dieser Umgangsweise noch. 330 Offenbar ist dieser Lösungsansatz bereits zu Beginn des Studiums für die Befragten plausibel und bleibt es auch. Item 1.12.2 schlägt fiktiv ein literarkritisches Additionsmodell vor („Möglicherweise ist dieser Satz erst später zum eigentlichen Text hinzugesetzt worden“). Diesem Modell stimmt 150 3 Auswertung der Daten <?page no="151"?> 331 Item 1.12.2 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 3 TN / Koh. II: 0 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 10 TN / Koh. II: 11 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 11 TN / Koh. II: 15 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 3 TN / Koh. II: 2 TN; keine Angabe: Koh I: 1 TN / Koh. II: 0 TN; MP 2: „stimme stark zu“: Koh. I: 2 TN / Koh. II: 4 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 12 TN / Koh. II: 14 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 9 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 1 TN / Koh. II: 1 TN (Koh. I: +9/ -8, unverändert 10; Koh. II: +13/ -2, unverändert 13). 332 Item 1.12.5 (MP 2): „stimme stark zu“: Koh. I: 6 TN / Koh. II: 6 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 6 TN / Koh. II: 18 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 9 TN / Koh. II: 3 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 7 TN / Koh. II: 1 TN. zu Beginn des Studiums in beiden Kohorten jeweils knapp die Hälfte der Befragten zu. In Koh. II stimmen an MP 2 deutlich mehr Studierende zu, während die Entwicklung in Koh. I wie bei dem Item, „dass die Bibel altertümlich und schwer verständlich ist“ (1.9.7) diffuser erscheint. 331 Die Auseinandersetzung mit dem Wachstum biblischer Traditionen über längere Zeiträume und die Integration unterschiedlicher Traditionen in den nach langer Zeit finalen Bibeltext kann eine solche Betrachtungsweise bei den Studierenden einerseits plausibler erscheinen lassen, könnte andererseits aber auch eine differenzierte kritische Prüfung einer solchen Umgangsweise zur Folge haben. Die Unterschiedlichkeit zwischen den beiden Kohorten kann mit einer aktiveren Auseinandersetzung rund um das Thema Schöpfungstexte und unterschiedlichen Modellen zu diesem Problem in Koh. II zusammenhängen, wenn auch Gen 3,16 im Detail nicht bearbeitet wurde. An MP 2 wird mit Item 1.12.5 zusätzlich eine ätiologischer Umgangsweise zur Wahl gestellt („Der Text hat den Menschen zu alttestamentlicher Zeit erklärt, warum Frauen den Männern untergeordnet sind“). Diesem Item stimmen in Koh. II deutlich mehr Personen zu als in Koh.-I. 332 3.3.2.2.5 Ergebnis der quantitativen Panelfragen Insgesamt ist das Interesse der Studierenden in beiden Kohorten an der Auseinandersetzung mit den Methoden im Umgang mit biblischen Texten und mit Hintergrundwissen zur Bibel zu Beginn des Studiums groß. Dieses Interesse bleibt am Ende des exegetischen Studiums weitgehend bestehen und spiegelt sich auch in der mäßigen Zufriedenheit mit dem erworbenen Wissensstand bezüglich der Methodik zu diesem Zeitpunkt. Damit steht allerdings nicht in Einklang, dass der Zuwachs an methodengeleitetem Umgehen mit den Bibeltexten gegenüber dem spontanen Umgehen nicht die Mehrheit der Studierenden erfasst. An dieser Stelle ist ein Unterschied zwischen den beiden Kohorten zu verzeichnen. Während in Koh. I die Veränderung eher der erwartbaren Entwicklung eines Studiums hin zu einem professionelleren Umgang mit Bibeltexten entspricht, bleibt das spontane Umgehen bei Koh. II stärker erhalten. Zugleich ist bei den Items, die ein methodengeleitetes Arbeiten am Text beinhalten, in beiden Kohorten ein moderater Zuwachs zu beobachten, der in Koh.-I stärker ausgeprägt ist als in Koh.-II. Dagegen besteht bei Koh. II am Ende des exegetischen Studiums eine größere Plausibilität historischer Auslegungsansätze und ein im Vergleich zu Koh. I kleineres Problem mit dem historischen Abstand biblischer Texte. Bei dieser Kohorte lässt auch die Tendenz nach, theologisch hauptamtlich arbeitende Personen zu konsultieren, was darauf schließen lässt, dass am Ende des exegetischen Studiums bei dieser Gruppe ein ausgeprägteres Bewusstsein für die eigene Professionalität vorhanden ist. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 151 <?page no="152"?> 333 Koh.-I: TN-11, TN-19, TN-29, TN-32, TN-35, TN-36; Koh.-II: TN-41, TN-48. 334 Zur Erläuterung der Aufgabenstellung vgl. Abschnitt 2.3.2.2. 335 Letztgenannte sind TN-4, TN-15, TN-30, TN-35. Eine kleine Gruppe Studierender (acht Personen) 333 zeigt eine konsistente Entwicklung in Bezug auf die Items 1.5.2 (spontane Auslegung); 1.5.5 (Frage nach den geschichtlichen Hintergründen) und 1.5.6 (Informationen nachschlagen). Diese Studierenden legen an MP 2 das spontane Umgehen mit der Bibel zugunsten eines methodengeleiteten Umgangs ab. Von diesen acht Teilnehmer*innen gehören sechs zu Koh.-I. Die Motivation, vielfältige Texte und Themen in der Bibel zu entdecken und wenig ausgelegte Geschichten zu erkunden, ist in beiden Kohorten moderat und verändert sich ohne klare Tendenz in Richtung eines größeren oder geringeren Interesses an diesem Themenbereich. Auffällig ist, dass die Bereitschaft, sich mit der Vielfalt von Auslegungs‐ möglichkeiten biblischer Texte zu befassen, am Ende des exegetischen Studiums eher sinkt. Weit überwiegend bleibt der Situationsbezug für alle Befragten ein wichtiges Kriterium für den Umgang mit biblischen Texten (Item 1.5.1). 3.3.2.3 Korrelation mit Frage 2.1 an MP 2 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) Frage 2.1 an MP 2 besteht aus zwei Aufgaben zu Mt 6,25-27. Vorgestellt ist die Situation einer diakonischen Einrichtung, konkret einer Tafel, mit Hilfe des genannten Textes soll eine Andacht gestaltet werden. 334 In der ersten Aufgabenstellung geht es um die Schwierigkeiten mit dem Text im Anwendungskontext einer Tafel. Die zweite Aufgabestellung fordert dazu auf, spontan Lösungsansätze knapp zu notieren („skizzieren“). In den skizzierten Problemanalysen und Lösungsansätzen lassen sich Merkmale des Repertoires im Umgang mit der Bibel feststellen, und zwar zum ersten in der Beobachtung des Bibeltextes, zum zweiten im Versuch, textliche oder historische Kontexte des Bibeltextes zu berücksichtigen und drittens in exegetischen Denkansätzen oder methodischen Refle‐ xionen. Eine getrennte Auswertung nach der Aufgabenstellung in den Items 2.1.1 (Analyse) und 2.1.2 (Lösungsansatz) erfolgt im Bereich Repertoire nicht, da sowohl in der Dilemma- Analyse als auch in den Lösungsansätzen Elemente des Repertoires sichtbar werden. 3.3.2.3.1 Blick auf die Gesamtgruppe In Koh. I haben zwei Teilnehmer*innen keinerlei schriftliche Überlegungen zur Aufga‐ benstellung notiert; hier sind also nur 26 Beiträge vorhanden. In Koh. II haben alle Teilnehmer*innen zu der Aufgabe Stellung genommen. Eine Auseinandersetzung mit dem Wortlaut des Textes ist in Koh. I bei 20 von 26 Personen feststellbar, in Koh. II bei 25 von 28 Personen. Das Spektrum der Auseinandersetzung mit dem Wortlaut reicht vom Aufgreifen eines Wortes (z. B. „essen“, „Leben“, „Nahrung“, „Vögel“) über das Aufgreifen mehrerer Wörter (z. B. „essen und trinken“; „nicht sammeln“) bis hin zur Zitierung ganzer Sätze oder Textpassagen. In Koh. I greifen sechs Personen ein Wort heraus, neun Personen zitieren mindestens zwei Wörter und vier Personen beschäftigen sich mit Sätzen oder Textpassagen. 335 In Koh. II 152 3 Auswertung der Daten <?page no="153"?> 336 Letztgenannte sind TN-53, TN-55, TN-58, TN-66, TN-71. greifen zehn Personen ein Wort heraus, elf Personen zitieren mindestens zwei Wörter und fünf Personen beschäftigen sich mit Sätzen oder Textpassagen. 336 Ansätze zu einer Textbeobachtung im Sinne einer Beschreibung der eigenen Textwahr‐ nehmung über das reine Zitat hinaus zeigen in Koh. I sechs Personen und in Koh. II neun Personen. Zitate aus den Äußerungen dieser Personen werden im Folgenden vorgestellt und analysiert. Einige Teilnehmer*innen reflektieren den biblischen Kontext des Textes (Koh. I: vier Personen, Koh. II: eine Person). Weitere Teilnehmer*innen reflektieren den historischen Kontext des Textes (Koh. I: fünf Personen, Koh. II: zwei Personen). Ansätze zur Beschrei‐ bung der Auslegungsmethoden sind in Koh. I bei sieben Personen, in Koh. II bei sechs Personen erkennbar. Auch diese entsprechenden Äußerungen werden im Folgenden vor‐ gestellt und analysiert. Die Beobachtungen zeigen bereits, dass methodisches Wissen, an dem ja durchaus in beiden Kohorten Interesse besteht, im Rahmen einer Anwendung überwiegend nicht spontan fruchtbar gemacht werden kann. In eine ähnliche Richtung weisen die Ergebnisse der Items zur Frage nach den geschichtlichen Hintergründen (1.5.5) und zum Nachschlagen von Informationen (1.5.6). 3.3.2.3.2 Textbeobachtungen Am häufigsten beschreiben die Teilnehmer*innen beider Kohorten den „Vergleich von Menschen und Vögeln“ (TN 33, ähnlich TN 34, TN 55, TN 74), „das Bild mit den Vögeln“ (TN 67) oder die „Metaphorik der Vögel“ (TN 15) in Mt 6,26. Sie beschreiben also eine für sie auffällige Einzelbeobachtung am Text mit Hilfe von Fachterminologie. TN 38 benennt die „Vogelszene“ als Textelement und bewegt sich damit im Bereich der Metasprache. Zutreffend beobachtet TN 36, dass „Menschen sich darum kümmern [müssen], wie sie Nahrung etc. bekommen. Der Text widerspricht und klingt darum falsch/ unlogisch.“ Weniger präzise argumentiert TN 60: „Nahrung und Kleidung werden hier ‚gefühlt‘ etwas herabgestuft.“ Noch stärker kleidet TN 29 diese Behauptung in eine Textbeobachtung: „Der Text sagt aus, dass Nahrung keinen hohen Stellenwert einnehmen soll“ (ähnlich TN 54). Weitere Textbelege werden von TN 60, TN 29 und TN 54 nicht aufgeführt. Ähnlich äußert sich TN 43: „In dem Text wird nach meinem Verständnis erzählt, dass Nahrung oder Klamotten nicht das Wichtigste sind.“ Neben der Abwertung von Nahrung und Kleidung verwendet diese Person metasprachlich den Begriff der „Erzählung“ für die Rede Jesu. Eine andere Person stellt den Terminus „mehr als“ ins Zentrum und fragt: „Was ist das Mehr? Mehr als Nahrung? Mehr als Kleidung? “ (TN 67) Insgesamt zwei Personen bemühen sich um längere Textpassagen: „‚Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? ‘ […] Es geht um mehr als Nahrung und Kleidung […] Wir sollten nicht sammeln […] Wir haben keinen Einfluss auf die Länge unseres Lebens.“ (TN-4) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 153 <?page no="154"?> Eine Person arbeitet in der Dilemma-Analyse mit dem Text. Diese Textbeobachtung soll hier im vollen Umfang zitiert werden, weil sie das umfangreichste Beispiel einer Textbeobachtung aller untersuchten Personen bietet: „Gerade bei einer Tafel in einem sozialen Brennpunkt finde ich die Worte ‚sorgt nicht um euer Leben‘ kritisch, vor allem in Bezug auf Essen und Trinken, wofür die Leute ja bei der Tafel sind. Außerdem sind auch die weiteren aufgezählten Dinge (Leib, Kleidung) für diese Menschen problematische Themen.“ (TN-15) Diese Person bemüht sich um eine begründete, problembezogene Textauswahl und zeigt mit der Formulierung „weitere aufgezählte Dinge“, dass sie den Text mit seinen Elementen zur Kenntnis genommen hat. Auch unter Berücksichtigung der Kürze der in der Befragung zur Verfügung stehenden Zeit zeigt diese Aufzählung, dass nur einige wenige Studierende sich überhaupt Fertigkeiten der Textbeobachtung und Techniken des belegenden Umgangs mit Bibeltexten erarbeitet haben. Versuche der Textbeobachtung werden ohnehin nur von einer Minderheit unternommen, daneben werden von einigen eher „gefühlte“ Eindrücke als Beobachtung ausgegeben. 3.3.2.3.3 Kontexte des Bibeltextes Auch durch die Einordnung in den textlichen Kontext fällt TN 15 auf, indem er/ sie vorschlägt, man solle den „Bezug zu den Seligpreisungen herstellen, welche sich ebenfalls in der Bergpredigt befinden.“ Den „Kontext der Geschichte“ erwähnt TN 30. Interessant ist auch hier der Begriff „Geschichte“ für Mt 6,25-27. Eine weitere Person schlägt vor, man solle „kritisch den Umstand betrachten und den Kontext des Ausschnittes einbeziehen“ (TN 67). In Koh.-I benennt TN-9 ein umfangreiches Programm zur Textauslegung: „Definition der gemeinten Menge an Nahrung, Kontext verstehen, Einordnung des Textes in Bibel (Mt 5-7=Bergpredigt) und Bezug auf diese und ihre Intention und Adressaten und historischen Kontext setzen.“ (TN-9) Sowohl der textliche Kontext als auch der historische Kontext werden explizit als Horizonte der Textauslegung benannt. Dies gilt auch für TN 34. Diese Person beschreibt die umfang‐ reichsten Auslegungsansätze: „Mt 6=Bergpredigt. Jesus spricht zu seinen Jüngern vom Berg. An wen richtet sich seine Aussage? […] In der Situation würde es sich anbieten, sich über die Perikopenordnung hinwegzusetzen und einen passenderen Text zu wählen. Generell könnte man aber mit Kommentaren zu Matthäus bzw. der Bergpredigt arbeiten, um sich die Aussage und den Kontext des Textes zu verdeutlichen.“ (TN-34) Als einzige Person schlägt TN 34 vor, einen Kommentar zu Rate zu ziehen. Der Vorschlag, einen anderen Text zu wählen, wird noch von insgesamt 2 weiteren Personen eingebracht (TN 1 und TN 36). Weitere zwei Personen stellen Überlegungen zur Verbindung des Mt-Textes mit Speisungstexten (TN 31) oder mit der Kohelet-Passage „Alles hat seine Zeit“ (TN 40) an. Den Bezug zu den Adressat*innen des Textes will wie TN-34 auch TN-36 herstellen. Er/ sie fragt: „Zu wem spricht Jesus? Ist der Text eher für Menschen gemeint, die ganz viel besitzen und sich trotzdem ganz viele Sorgen […] machen? “, und konstatiert dann: „Wenn der Text für eine andere 154 3 Auswertung der Daten <?page no="155"?> Lebenssituation gemeint ist, bringt er den Menschen in dem sozialen Brennpunkt eher wenig. Anderen Text! “ (TN-36) Mehrere Teilnehmer*innen reflektieren den historischen Abstand des Textes zur Gegen‐ wart. Eine Person überlegt: „Historischer Kontext: Sorge um Nahrung war eventuell früher noch größer.“ (TN-35) Noch einen Schritt weiter gehen mehrere Personen, die auf der Basis des historischen Abstands auch die Bedeutung der Texte in Frage stellen. Dies betrifft auch Aspekte der Leseperspektive: „Die zeitliche und kulturelle Diskrepanz zwischen Text und dem Heute wirft die Frage nach der Bedeutung für heutige Christ*innen auf.“ (TN-40, ähnlich TN-12 und TN-64) Damit sind alle Beispiele aus beiden Kohorten für eine Einordnung in historische oder textliche Kontexte genannt. Vorschläge für einen Austausch des Textes werden wegen der Koinzidenz der Personen mit hineingenommen. Diese Koinzidenz ist kein Zufall, denn der Vorschlag, den Text auszutauschen, zeugt von profunden Bibelkenntnissen sowie Souveränität und Professionalität in der Auseinandersetzung mit der Bibel, die dann auch in weiteren Auslegungsvorschlägen deutlich werden. 3.3.2.3.4 Methoden der Auslegung auf der Metaebene Die Vorschläge zum Vorgehen von TN 9 (Kontext verstehen, Einordnung des Textes in die Bibel, Bezug auf Adressaten und historischen Kontext), TN 34 (Adressat*innenfrage, mit Kommentaren arbeiten, um sich die Aussage und den Kontext des Textes zu verdeutlichen) und TN 36 (Adressat*innen und ihre Lebenssituation) wurden bereits zitiert. Auffällig ist, dass alle Personen dieser Gruppe aus Koh.-I stammen. Eine allgemeine „kritische Auseinandersetzung“ mit dem Text fordert TN 11, und auch TN 67 verwendet den Begriff der Kritik. Umgekehrt fordert eine Person, „nicht unreflektiert und beschönigend den positiven Kern der Bibelstelle“ herauszuarbeiten (TN-58). Die Anpassung an die Situation der Tafel als Kriterium der Auslegung betonen TN 23 und TN-72. Die Konzentration auf eine Aussage schlägt TN-66 vor. Eine weitere Person meint, der Text sei „metaphorisch zu entschlüsseln“ (TN-22). Vier Teilnehmer*innen schlagen interaktive Formen des Umgangs mit dem Text vor (TN 16: „Diskussionsrunde“, TN 46: „Andacht mit einem Abendmahl ergänzen“, TN 47: „Text später noch einmal mit den Leuten zusammen ansprechen“, TN-57: „Schwierigkeiten und den inneren Zwiespalt […] benennen“). 3.3.2.3.5 Ergebnis Die Bearbeitungen im Rahmen der spontanen Auslegung zu Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2) bestätigen im Bereich des Repertoires die Tendenz der Panelbefragung. Zwar besteht ein Interesse an Methoden der Bibelauslegung und Informationen zu biblischen Texten. Der Schritt, Wissen und erlernte Fertigkeiten auch anzuwenden, bleibt aber deutlich hinter dem Interesse zurück. Nur wenige Studierende haben die Verfahren der Textanalyse, Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und Methoden der Bibelauslegung so verinnerlicht, dass sie bei einer spontanen Transferaufgabe diese zumindest als Ansatzpunkte einer Problemlösung abrufen können. Während die Items 1.5.5 und 1.5.6 an MP 2 immerhin von 40-60% der 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 155 <?page no="156"?> Studierenden angewählt werden, zeigt sich bei der spontanen Auslegung, dass eine Frage nach den historischen Hintergründen oder das Einholen von Informationen nur von einer sehr kleinen Gruppe in Betracht gezogen wird. Es ist interessant, dass die ausführlichsten Beiträge aus Koh. I kommen. Dies deckt sich mit der Entwicklung in dieser Kohorte bezüglich der Items „spontane Auslegung“ (1.5.2), „nach den geschichtlichen Hintergründen fragen“ (1.5.5) und „Informationen einholen“ (1.5.6). Die Tendenz, dass Koh. II ein größeres Bewusstsein für historische Zusammenhänge entwickelt hat, was durch eine geänderte Didaktik erklärbar wäre, bestätigt sich bei den Ergebnissen zur Auslegung des Textes Mt 6, 25-27 nicht. 3.3.2.4 Repertoire: Achsengrafiken Kohorte-I und II Die bisherigen Korrelationen bezogen sich auf die Befragungsergebnisse der ganzen be‐ fragten Gruppe. Es geht aber auch darum, die bibelhermeneutische Entwicklung einzelner Personen innerhalb der Kohorten sichtbar zu machen. Dies wird versucht, indem quanti‐ tativ ausgewertete Items im Themenbereich der Achse Repertoire kumuliert ausgewertet werden. Um ein noch klareres Bild zu erlangen, werden ausgewählte Items mit Punktwerten versehen und das Ergebnis für beide Kohorten in je einer Achsengrafik visualisiert. Die Auswahl der Items erfolgt nach inhaltlichen Gesichtspunkten, aber auch nach Gesichtspunkten der Differenzierung (vgl. Abschnitt 3.3.1.4). So entfällt Item 1.8.2 bei der Auswertung, weil so viele Personen hier zustimmen, dass ein differenziertes Sichtbarma‐ chen der Entwicklung Einzelner erschwert wird. Dies trifft ebenfalls auf Item 1.5.1 zu. Wichtig ist zudem die Vergleichbarkeit der Item-Formulierungen an beiden Messpunkten, weswegen die Items 1.7.1 und 1.7.3 nicht berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden bei ähnlichen Items nur eines in die Auswertung einbezogen (Item 1.8.2 und Item 1.13.9). 3.3.2.4.1 Ausgewählte Items und Punkte Aus der Frage nach dem konkreten Umgang mit biblischen Texten (1.5) werden für die kumulierte Auswertung der Achse Repertoire insgesamt 5 Items ausgewählt. Methodisch handelt es sich um eine Frage, bei der Mehrfachantworten möglich sind. Dass viele Teile‐ nehmer*innen mehrere, auch widersprüchliche Items anwählen, hat die Auswertung der Frage deutlich gemacht. Das Item 1.5.2 („… ich folge meinem spontanen ersten Gedanken“) wird im Sinne des Pols „Intuition“ mit der geringsten Punktzahl versehen, während das Item 1.5.6 („ich schlage fehlende Informationen nach“) im Sinne des Pols Professionalität die höchste Punktzahl erhält. Ebenfalls gewichtet werden die Items zu Frage 1.13. Hier geht es um die Motivation und die Integration des Gelernten in die eigene professionelle Haltung. Die höchste Punktzahl erhält Item 1.13.6 („immer neue Themen und Texte entdecken“), weil hier die höchste Integration und Motivation sichtbar wird. Die niedrigste Punktzahl erhält Item 1.13.2 („bislang kaum ausgelegte Geschichten“), weil hier eher nach einer politisch motivierten Auswahl gefragt wird; andererseits zeigt die Zustimmung hier, dass man sich den Umgang mit solchen Texten professionell zutraut. In der Wertigkeit dazwischen liegt Item 1.13.9 („mir ist wichtig, viel über Hintergründe der Bibel zu erfahren, damit ich sie sachgerecht auslegen kann“), da hier eine Integration der Wichtigkeit professioneller Auslegung in die eigene Einstellung stattfindet, diese Professionalität aber noch als Teil eines Studienprogramms ausgewiesen ist. Die Plausibilität der Bibelentstehung in einer 156 3 Auswertung der Daten <?page no="157"?> 337 Punkteverteilung bei den Items im Einzelnen: Item 1.5.2 Anwahl = 1P[unkte]; Item 1.5.3 Anwahl = 3P; Item 1.5.5 Anwahl = 5P; Item 1.5.6 Anwahl = 6P; Item 1.5.7 Anwahl = 2P; Item 1.8.1 Anwahl = 4P; Item 1.12.4 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; Item 1.13.2 Anwahl = 4P; Item 1.13.6 Anwahl = 7P; Item 1.13.9 Anwahl = 5P. 338 Item 1.5.2 („Ich folge meinem ersten spontanen Gedanken für die Auslegung“); Item 1.5.3 („Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde“); Item 1.5.7 („Ich frage Profis, wenn ich nicht weiterkomme“). Dies betrifft 13 der 22 TN mit Sprüngen nach unten (Wegfall von einem oder zwei Items 1.5.2, 1.5.3 oder 1.5.7): TN 4, TN 12, TN 16, TN 17, TN 22, TN 43, TN 46, TN 47, TN 51, TN 55, TN-57, TN-63, TN-72. patriarchalen Zeit (Item 1.12.4) wird entsprechend der Skalierung mit Punkten versehen. Ebenfalls einbezogen wird Item 1.8.1 (Wunsch nach methodischem Handwerkszeug). Insgesamt werden zehn Items für die Achsengrafiken Repertoire herangezogen. Die zu erreichende Minimalpunktzahl liegt bei 1 Punkt, die maximal zu erreichende Punktzahl bei 41 Punkten. 337 Gemäß den Polen der Achse Repertoire steht eine höhere Punktzahl für ein professionelleres und eine niedrigere Punktzahl für ein intuitiveres Repertoire im Umgang mit der Bibel. 3.3.2.4.2 Punktebegrenzungen für Sprünge Der tatsächlich erreichte Maximalwert aus beiden Kohorten und beiden Messpunkten beträgt 40 Punkte, der erreichte Minimalwert 6 Punkte. Die geringste Bewegung liegt bei 0, der größte Sprung zwischen MP-1 und MP-2 liegt bei +21 Punkten (TN-36). Um die Bewegungen zwischen den Achsen darzustellen, werden die Veränderungen nach einem vergleichbaren Messschema für allen drei Achsen festgelegt. Das Schema legt die Größe für keine oder eine zu vernachlässigende Bewegung fest (Wert 0), sowie für kleine, mittlere und große Sprünge nach oben und nach unten. Maßgeblich sind hier jeweils die größten erreichten Bewegungen nach oben oder unten in beiden Kohorten (vgl. Abschnitt 3.3.1.4). Im Fall der Achsengrafik „Repertoire“ führt die Bewertung der Items 1.5.2, 1.5.3 und 1.5.7 zu Unschärfen im Bereich bis +3 und -3 Punkte, da die Abwahl von Items mit geringer Punktzahl aus dem Bereich der Frage 1.5 allein nicht auf ein Sinken des Repertoires schließen lässt und die Anwahl dieser Items allein nicht auf eine Steigerung. 338 Der Wert für eine zu vernachlässigende Bewegung ist also für die Achse Repertoire auf den Schwankungsbereich +/ - 3 festgelegt. Ausgehend von der größten Veränderungsbewegung (+21) ergibt sich eine Differenz von 18 Punkten. Die Bewertung der Bewegungsdynamik erfolgt gemäß dem Schema abgestuft: Veränderungsbewegungen von 4-9 Punkten nach oben oder unten werden als geringe Bewegungsdynamik gewertet (+/ -). Veränderungsbewegungen von 10-15 Punkten nach oben oder unten werden als mittlere Bewegungsdynamik gewertet (++/ --), Veränderungsbewegungen von 16-21 Punkten als große Bewegungsdynamik (+++/ ---). Entsprechend der Achsendefinition ist der untere Bereich der Skala mit einem eher intuitiven Repertoire, der obere Bereich mit einem professionelleren Repertoire gleichzusetzen. Der Weg zur Professionalität ist an MP 2 aber nicht abgeschlossen. Eine Grenze wurde bei 30 Punkten eingezogen, um den Spitzenbereich zu markieren. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 157 <?page no="158"?> 3.3.2.4.3 Achsengrafiken Kohorte-I und II Abbildung 40: Achsengrafik: Entwicklung des individuellen Repertoires (Kohorte-I) 158 3 Auswertung der Daten <?page no="159"?> Abbildung 41: Achsengrafik: Entwicklung des individuellen Repertoires (Kohorte-II) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 159 <?page no="160"?> 339 TN-4, TN-13, TN-15, TN-16, TN-17, TN-22, TN-27, TN-33, TN-35. 340 9 Personen: TN-7, TN-9, TN-23, TN-28, TN-29, TN-30, TN-31, TN-32, TN-34. 341 Mittlere Steigerung: 2 Personen (TN-6, TN-25); hohe Steigerung: 3 Personen (TN-11, TN-19, TN-36). 342 Geringfügiges Absinken: TN-10, TN-12, TN-18; Absinken in mittlerer Höhe: TN-1, TN-26. 343 TN-46, TN-54, TN-55, TN-60, TN-62, TN-64, TN-71. 344 Geringe Steigerung: TN 38, TN 61, TN 69, TN 70; mittlere Steigerung: TN 40, TN 41, TN 48, TN 49, TN-56, TN-58, TN-59, TN-66; hohe Steigerung: TN-67. 345 TN-43, TN-47, TN-51, TN-53, TN-57, TN-63, TN-72, TN-74. 346 TN-4, TN-17, TN-35, TN-38, TN-61, TN-64. 3.3.2.4.4 Beschreibung der Achsengrafiken Zu bewerten ist die Differenz zwischen erster (blauer) und zweiter (orangeroter) Säule bei allen Teilnehmer*innen. In beiden Kohorten sind zwischen MP 1 und MP 2 Bewegungen nach oben und nach unten zu verzeichnen, dies betrifft etwa die gleiche Anzahl an Personen. In Koh. I ist bei neun Personen keine oder nur eine zu vernachlässigende Bewegung zu verzeichnen. 339 Eine Steigerung ist bei 14 Personen festzustellen, ein Absinken bei fünf Personen. Die meisten Steigerungen fallen aber gering aus, 340 während deutlich weniger Personen eine mittlere oder hohe Steigerung am MP 2 erkennen lassen. 341 Bei drei Personen sinkt das Repertoire an MP-2 geringfügig und bei zwei Personen in mittlerer Höhe ab. 342 In Koh. II ist bei sieben Personen keine oder eine zu vernachlässigende Bewegung zu beobachten. 343 Dagegen steigern 13 Personen ihr Repertoire, acht Personen verlieren ge‐ genüber dem Studienbeginn Punkte. Eine geringe Steigerung zeigen vier Teilnehmer*innen an MP 2, eine mittlere Steigerung acht Teilnehmer*innen und eine hohe Steigerung ein*e Teilnehmer*in. 344 In Koh. II sinkt das Repertoire bei acht Personen in geringem Umfang ab. 345 Besonders große Bewegungen sind insgesamt im positiven Bereich zu verzeichnen (+22: TN 36, +19: TN 11, +18: TN 19), die größte Negativ-Bewegung beträgt -15 (TN 1) und -12 (TN 26). Auffällig ist, dass alle genannten Extremwerte Koh. I betreffen. Die Hälfte aller positiven Veränderungen in Koh. I und Koh. II betrifft Sprünge von mehr als 10 Punkten, davon vier Teilnehmer*innen mit Sprüngen zwischen 16 und 21 Punkten (TN 11, TN 19, TN 36, TN 67). Diese vier Personen sind alle mit ihren Beiträgen zur Frage 2.1 an MP 2 positiv aufgefallen. Sie gehören zu den wenigen Personen, die in ihrem Lösungsansatz des Dilemmas zu Mt 6,25-27 systematische Fragen stellen oder methodische Lösungswege aufzeigen. Umgekehrt ist TN 1 mit dem Lösungsansatz zu Mt 6,25-27 durch die besonders souveräne Entscheidung aufgefallen, einen anderen Text zu fordern. Diese Person hat aber den größten Punktverlust auf der Achse Repertoire zu verzeichnen. Mit einer Konsistenz der Ergebnisse in den verschiedenen Erhebungsformaten ist demnach nicht in jedem Fall zu rechnen. Ein Niveau von über 30 Punkten erreichen an MP 1 insgesamt neun Teilnehmer*innen, davon fünf Personen in Koh. II. An MP 2 erreichen 17 Personen diesen Wert, davon neun in Koh.-II. Die Punktzahlen von sechs Personen bewegen sich an beiden Messpunkten auf diesem Niveau. 346 In beiden Kohorten kommt das Spitzenniveau des Repertoires also in vergleichbarer Weise vor. Insgesamt sind auf der Achse Repertoire mehr Steigerungen und größere Steigerungen festzustellen als ein Absinken des Niveaus. Dennoch überrascht die hohe Zahl von 16 Personen mit gleichbleibenden Punkten in beiden Kohorten. Insgesamt kann von 56 160 3 Auswertung der Daten <?page no="161"?> 347 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 101 und 107. 348 Vgl. Reis (2014a), 107. Teilnehmer*innen nur knapp die Hälfte ihr Repertoire im exegetischen Studium steigern. In Koh. I sind die Sprünge nach oben und unten ausgeprägter, in Koh. II steigern mehr Personen ihr Repertoire um 10 oder mehr Punkte (acht Personen gegenüber Koh I mit vier Personen). Bei den Spitzenwerten sind die Kohorten allerdings fast ausgeglichen. Nach zwei Jahren Beschäftigung mit der Bibel wäre bei mehr Personen eine Steigerung erwartbar oder zu erhoffen. Im Hinblick darauf, dass aber insgesamt nur die Hälfte aller Teilnehmer*innen den Items „nach den geschichtlichen Hintergründen fragen“ (1.5.5) und „Informationen nachschlagen“ (1.5.6) nach zwei Jahren zustimmen, ist das Ergebnis wenig überraschend. Die motivationalen Items der Frage 1.13. können hier nicht ausschlaggebend sein, da sie weit überwiegend positiv beantwortet werden. Jedoch korreliert das mäßige Repertoire an MP 2 mit den Ergebnissen der qualitativen Erhebung sowohl zu Mt 6,25-27 als auch im Hinblick auf die Ergebnisse der Portfolioanalyse im Bereich Kompetenzent‐ wicklung 347 und ist auch insofern wenig überraschend. Offenbar ist hier ein Lernzuwachs besonders schwer zu erreichen. 3.3.2.5 Veränderungen des Repertoires: Ergebnisse 3.3.2.5.1 Korrelation qualitativer und quantitativer Daten Auf der Ebene der Gesamtgruppe ergibt sich aus der Korrelation der qualitativ und quantitativ erhobenen Daten, dass eine Entwicklung des Repertoires im Umgang mit der Bibel in Richtung einer Professionalität konstatiert werden kann. Dabei ist allerdings der Schritt, neues Repertoire konkret anzuwenden, nur vereinzelt und bei Teilen der Gruppe vorhanden. Die Motivation zur professionellen Auseinandersetzung mit der Bibel im Studium ist weitgehend vorhanden. Sie entspricht der bleibenden Wichtigkeit der Bibel für die Mehrheit der Befragten (vgl. Abschnitt 3.2). Die Motivation zur Anwendung allerdings, das Wollen, gehört zum eigenen Handeln und ist eine Stufe auf dem Weg zur „Professionalität“. 348 Die Umsetzung in eigenes Handeln im Sinne eines professionellen Auslegungsansatzes, der ein historisches Bewusstsein oder ein Interesse an weiterfüh‐ renden Informationen zu einem Bibeltext erkennen ließe, erfolgt bei etwa der Hälfte der Studierenden im vierten Semester. Die Überprüfung von Lösungsansätzen bei der Dilemma- Aufgabe an MP 2 zeigt, dass Ansätze einer geschulten Beobachtung des Textes oder des methodengeleiteten Bearbeitens eine Ausnahme darstellen. Insgesamt sechs Personen von 56 Befragten benennen an MP 2 einen Lernfortschritt auf der Ebene von Kenntnissen, Fertigkeiten oder Motivation im Hinblick auf die Beschäftigung mit der Bibel. Von allen Äußerungen zur Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) gibt die geringste Menge von Aussagen Hinweise auf die Veränderung des Repertoires im Umgang mit der Bibel. Die Auswertung der quantitativen Items zeigt zwar einen leichten Trend zum Lernfortschritt, bei der Auswertung vieler einzelner Items und in der zusammenfassenden Auswertung werden aber in erheblichem Umfang auch gegenläufige Trends sichtbar. Bei einem Teil der Befragten lässt sich keine Entwicklung im Sinne einer Professionalität erkennen, oder 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 161 <?page no="162"?> 349 Hier speziell die Items „nach Hintergründen fragen“ (1.5.5) und „fehlende Informationen nach‐ schlagen“ (1.5.6) statt des Items „spontane Auslegung“ (1.5.2) (vgl. Abschnitt 3.3.2.2.1.5). 350 Dies betrifft TN-9, TN-41, TN-48, TN-49, TN-58, TN-66, TN-67. 351 Dies betrifft TN 10, TN 13, TN 16, TN 33, TN 43. Sie gehören durchweg zu der in 3.3.2.5.2.2 genannten Gruppe. Sie zeichnen sich durch starke Veränderungen in einzelnen Items aus in Kombination mit Zustimmung zu intuitivem Umgang mit der Bibel in 1.5 oder abnehmendem Interesse an der Bibel. Auf der Achse Repertoire verlieren sie Punkte oder stagnieren in ihrer Entwicklung. es zeigt sich sogar eine gegenläufige Entwicklung in Richtung eines stärker intuitiven Umgangs mit der Bibel. Werden einzelne Personen in den Blick genommen, die entweder durch ihre quali‐ tativ ausgewerteten Aussagen bei Frage 1.1 oder 2.1 oder durch eine besonders starke Veränderungstendenz bei der zusammenfassenden Auswertung (Achsengrafik) auffallen, so zeigen sich nur in einzelnen Fällen Übereinstimmungen mit den Ergebnissen der quantitativen Auswertungen. Nur wenige Personen fallen sowohl im Bereich der qualita‐ tiven als auch der quantitativen Daten hinsichtlich einer Repertoiresteigerung auf. Die deutlichste Konsistenz hinsichtlich der qualitativen und quantitativen Ergebnisse zeigt TN 32. Diese Person beschreibt selbst einen Lernzuwachs in Frage 1.1, fällt durch ein konsistentes Antwortverhalten in Frage 1.5 und besondere Ansätze in Frage 2.1 auf und weist zusätzlich auf der Achsengrafik eine leichte Repertoiresteigerung auf. Eine Übereinstimmung hinsichtlich des Trends zur Professionalisierung bei Frage 1.5 (Umgang mit Bibeltexten) 349 und der methodengeleiteten Auslegung bei Frage 2.1 in Kombination mit einer Repertoiresteigerung auf der Achsengrafik zeigt sich auch bei TN 11, TN 19, TN 29 und TN 36. Insgesamt weitere sieben Personen fallen durch Repertoiresteigerungen in der Achsengrafik in Kombination mit Repertoiresteigerungen in einem anderen Bereich oder methodengeleiteten Aussagen zu Frage 2.1 auf. 350 TN 35 bringt bereits ein hohes professionelles Repertoire ins Studium mit und bleibt konstant bei einem solchen, fällt aber ebenfalls durch konsistente Voten in Frage 1.5 und methodengeleitete Ansätze in Frage 2.1 auf. Bei TN 71 fällt die Selbstbeschreibung einer Repertoiresteigerung in Frage 1.1 mit einem methodengeleiteten Ansatz in Frage 2.1 zusammen, ohne dass sich dies in einer Steigerung des Repertoires in der Achsengrafik abbildet. Aus den Personen, die bei Frage 1.1 einen Lernzuwachs beschreiben, sticht außer TN 32 nur TN 49 durch einen hohen Zuwachs auf der Achsengrafik REP hervor. Konsistenzen sind umgekehrt auch da feststellbar, wo Personen an mehreren Stellen deutlich machen, dass sie ein abnehmendes Interesse an der Auseinandersetzung mit der Bibel haben. 351 Insgesamt ist ein konsistenter Befund aber auf die Gesamtgruppe der Befragten bezogen eher selten. Gerade der Abgleich mit Frage 1.1 zeigt, dass die Selbstwahrnehmung eines Lernfortschritts sich nicht im Untersuchungsergebnis widerspiegeln muss. Die Studierenden gehen individuelle Wege in ihrer Auseinandersetzung mit dem exege‐ tischen Repertoire. Weder in den Entwicklungen, wie sie in Frage 1.1 deutlich werden, noch in den Ausarbeitungen zu Frage 2.1 gibt es über die genannten Personen hinaus Ansätze zur Konsistenz. Das gilt ebenfalls für Spezialauswertungen mehrerer Items. Immer neue Teilnehmer*innen wählen ähnliche Items an oder ab, es gibt Gegenbewegungen gegen den Trend, ohne dass aber auch hier bestimmte Personengruppen besonders zu identifizieren wären. Auch die Achsengrafiken lassen einen leicht überwiegenden Trend 162 3 Auswertung der Daten <?page no="163"?> zur Repertoiresteigerung in beiden Kohorten erkennen, doch eine erhebliche Zahl der Befragten beider Kohorten tendiert an MP-2 wieder zu einem intuitiveren Repertoire. 3.3.2.5.2 Annahmen 3.3.2.5.2.1 Annahme Repertoire: Anwendungsbezug Die Annahme zur Achse Repertoire, dass das Interesse der Studierenden im Anwendungs‐ bezug biblischer Texte liegt und weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen, bestätigt sich weitgehend. Zwar besteht von Studie‐ rendenseite das Interesse an theoretischen und methodischen Hintergründen an beiden Messpunkten und in beiden Kohorten. Dieses verstärkt sich im Studium bei vielen Befragten noch. Diesem Interesse entspricht aber nicht die Anwendung der erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ungebrochen ist an MP 2 die Zustimmung fast aller Studierenden zu Item 1.5.1, also zur Überlegung, wie ein Bibeltext in eine konkrete Lebenssituation übertragen werden kann. In Koh. II bleibt der intuitive Umgang mit Bibeltexten bei einem Drittel der Gruppe auch an MP 2 weiter beliebt. Dies weist darauf hin, dass zwar ein Interesse an Theorie und Methoden besteht, sich dieses aber eher auf den Kontext Hochschule beschränkt, während im außerhochschulischen Umgang mit den Texten eher ein intuitiver und auf die Anwendungskontexte fokussierter Ansatz vorherrscht, das Erlernte also nicht internalisiert wird. Dies ergibt sich vor allem aus dem Befund der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1, vgl. Abschnitt 3.3.2.3.5) in Kombination mit den Ergebnissen der Frage 1.5 (vgl. Abschnitt 3.3.2.2.2.1). Berührungspunkte mit der Bibel finden sich in Anwendungskontexten. Dies zeigt die Auswertung der Frage 1.2 (Abschnitt 3.2.2). Typische Anwendungskontexte finden sich in den Äußerungen zu Frage 1.1 wieder (Gottesdienst, Andachten, Konfirmationsunterricht). Die Verwendung der Bibel wird von einigen Personen in Frage 1.1 funktional im Sinne eines Nachschlagewerks beschrieben. 3.3.2.5.2.2 Annahme Religiosität: Glaubenskrisen Für das Forschungsdesign im Blick auf die Achse Religiosität ist die Annahme leitend, dass es im Prozess der Transformation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und der Integration in die eigene Religiosität zu Glaubenskrisen kommen kann. Was genau ist hier gemeint? Eine Krise ist vom Wortursprung her eine Entscheidungssituation. Diese Entscheidungssituation geht in der Regel mit Verwerfungen vor sich, d. h. man lässt etwas zurück und ergreift etwas anderes. Die Entscheidung geht mit Auseinandersetzungen einher, die auf der kognitiven und/ oder der emotionalen Ebene liegen. Ein Hinweis auf eine solche Entwicklung könnten die Gegenbewegungen sein, die sich bei den Items zeigen, die auf einen professionelleren Umgang mit der Bibel hinweisen (1.5.5. und 1.5.6). Dies betrifft insgesamt acht von 56 Personen (TN 10, TN 13, TN 16, TN 27, TN 33, TN 34, TN 43, TN 55) bei einem von beiden Items. Insgesamt sechs Personen zeigen bei mehr als einem Item mit dem Schwerpunkt Repertoire eine Tendenz, den professionellen Umgang mit der Bibel nicht weiter zu verfolgen (TN 10, TN 16, TN 22, TN 33, TN 43, TN 53), d. h. sie entscheiden sich, den im Studium angebotenen Weg nicht mitzugehen. Auffällig ist TN 16: Diese Person verändert ihre Position zur Erklärung von Gen 3,16 durch 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 163 <?page no="164"?> 352 Diese Distanzierungen betreffen TN 6, TN 18, TN 22, TN 47, TN 64 (vgl. Abschnitt 3.3.2.1.3). Nur bei TN 47 und TN 64 korrespondiert diese Entwicklung mit einer abnehmenden Wichtigkeit der Bibel für den Glauben. (vgl. Abschnitt 3.2.4.1). die „patriarchale Zeit“ der Bibelentstehung stark, indem aus der Zustimmung vollständige Ablehnung wird. Auch an dieser Stelle wird ein Weg der Auslegung verlassen und ein neuer Weg beschritten. Bis auf TN 34 zeigt die Achsengrafik bei allen genannten Personen eine gleichbleibende oder negative Entwicklung des Repertoires. Bei keiner der genannten Personen ist aber eine Abnahme der Wichtigkeit der Bibel festzustellen. Allerdings geben TN 10, TN 43 und TN 53 an MP 2 an, die Bibel sei nicht wichtiger als vor dem Studium (vgl. Abschnitt 3.2.4). Als Hinweis auf eine Glaubenskrise können diese Voten aber nicht gedeutet werden. Prozesse der Distanzierung zwischen Glauben und Bibel als Entwicklung zwischen MP-1 und MP-2 können für Frage 1.1 beschrieben werden, sind aber für sich genommen auch kein Hinweis auf eine Glaubenskrise. 352 Es wird im Verlauf der Untersuchung zu verfolgen sein, inwiefern sich Glaubenskrisen bei diesen Personen verifizieren lassen. Insbesondere der Abschnitt 3.3.3 zur Religiosität kann Aufschluss geben. 3.3.2.5.2.3 Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen Mit Hilfe der Panelbefragungen sollte die Annahme überprüft werden, ob bei Studierenden eine Tendenz zum wörtlichen Bibelverstehen vorliegt. Der Blick auf das „Repertoire“ der Studierenden kann zur Überprüfung dieser Annahme nur beschränkt aussagekräftig sein. Auffällig ist bei Item 1.7.3 („Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tiefen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen“) das Votum „trifft gar nicht zu“ von TN 53, das in beiden Kohorten singulär ist. Korrespondierend gibt diese Person an MP 1 an, eher nicht an Regeln und Methoden der Bibelauslegung interessiert zu sein, und an MP 2, mit dem eigenen Wissensstand hinsichtlich der Methoden zufrieden zu sein (Item 1.7.1). TN 53 arbeitet zu Mt 6,25-27 dezidiert textbezogen. Insgesamt nimmt das Repertoire bei dieser Person aber ab. Die Vorstellung, zum Bibelverstehen keine Informationen zu benötigen, könnte in Kombination mit starkem Textbezug auf ein wörtliches Verständnis hinweisen, weil eine Unmittelbarkeit zum Text keine methodische Vermittlung braucht. Hier kann eine weitere Beobachtung sinnvoll sein. 3.3.2.5.3 Einzelne Personen und Personengruppen Alle bisher in diesem Abschnitt genannten Personengruppen stimmen hinsichtlich be‐ stimmter Konsistenzen in der Korrelation qualitativer und quantitativer Daten überein. Sie sind vom Ansatz und der Datenbasis daher grundsätzlich zu unterscheiden von den Entwicklungstypen, wie sie in Kapitel 4 auf der Basis der ausschließlich mit quantitativen Daten hinterlegten Achsengrafiken entwickelt werden. Neben den bereits genannten Personen und Personengruppen wird hier die Gruppe der acht Befragten noch einmal genauer in den Blick genommen, die bei Frage-1.5 eine Repertoiresteigerung aufweist. Es sind dies TN-11, TN-19, TN-29, TN-32, TN-35, TN-36, TN 41 und TN 48. Aus dieser Gruppe fallen TN 35 und TN 36 mit ihrer Auslegungsidee zu 164 3 Auswertung der Daten <?page no="165"?> 353 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 130-142. Mt 6,25-27 im Sinne der Professionalisierung des Umgangs mit der Bibel positiv auf. Alle genannten Personen weisen in der Achsengrafik eine Steigerung ihres Repertoires auf. Eine Ausnahme bildet TN-35. Bei dieser Person bleibt das Repertoire konstant auf einem hohen Niveau. Lassen sich für diese Personen weitere übereinstimmende Korrelationen bilden? Keine Gemeinsamkeiten ergeben sich für diese Personen hinsichtlich ihrer Bibelsozia‐ lisation im Elternhaus und in der Schule (vgl. Abschnitte 3.1.2 und 3.1.3). Breit gestreut und darum unauffällig sind auch die Voten hinsichtlich der Häufigkeit des Bibellesens (Frage 1.3, vgl. Abschnitt 3.2.1) oder der Kontexte des Bibellesens (Frage 1.2, vgl. Abschnitt 3.2.2). Dies gilt nicht nur für die Voten an MP 2, sondern auch für die Veränderungsprofile. Interessant sind hingegen zwei Korrelationen: Bis auf eine Ausnahme (TN 19) lesen alle genannten Personen an MP 2 gar nicht oder selten allein in der Bibel (Item 1.4.1) und bis auf zwei Ausnahmen (TN 41 und TN 48) auch nicht in Gruppenkontexten. Das spricht dafür, dass es für die Teilnehmer*innen unterschiedliche Zugangsweisen zur Bibel gibt, die sich gegenseitig eher ausschließen: Eine persönliche, private Lesestrategie, die eher von intuitivem Repertoire geprägt ist, gegenüber einer wissenschaftlichen, die von professionellem Repertoire geprägt ist. Der Kontextbezug bestimmt dann den Umgang mit der Bibel. Das würde bedeuten, dass professionelles Repertoire stärker eingeübt werden müsste und andere Kontexte innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen gefunden werden müssten, in denen ein professioneller Umgang mit biblischen Texten erprobt werden könnte. 3.3.2.5.4 Kohorte-I und Kohorte-II Insgesamt zeigt sich kein durchgängiger Unterschied zwischen beiden Kohorten, der sich als „Tendenz“ beschreiben ließe. Dies verwundert, wenn man Korrelationen zum Teilprojekt Portfolioanalyse herstellt. Didaktisch wurde das Lehrkonzept mit drei zu bearbeitenden Problemlösungsszenarien im Rahmen eines Seminarportfolios in Kohorte II gegenüber Kohorte I verändert. Gerade im Umgang mit Bibeltexten und in der Rezeption exegetischer Denkfiguren und historischer Einordnung werden in Koh. II bei vielen Personen deutliche Veränderungen sichtbar. 353 Es wäre erwartbar gewesen, dass diese didaktische Anpassung deutlicher zu Abweichungen von Koh. II gegenüber Koh. I führt, gerade unter dem Aspekt einer Professionalisierung des Repertoires im Umgang mit der Bibel. Koh. I fällt mit den Ergebnissen zu Frage 1.5 (Umgang mit Bibeltexten) und Frage 2.1 (MP 2: Ad hoc-Exegese Mt 6,25-27) gegenüber Koh. II hinsichtlich der Professionalisierung von mehr Personen auf. Dagegen sind die Ergebnisse der motivationalen Items 1.8.2 (Hintergrundinformationen) und 1.13 (Was ist an der Bibelauslegung wichtig? ) in Koh. II aussagekräftiger und zeugen von insgesamt größerer Motivation zu einem professionelleren Umgang mit der Bibel und größerem Interesse an der Vielfalt biblischer Texte und deren Deutungen. Auch im Blick auf den historischen Abstand biblischer Texte haben die Befragten aus Koh. II weniger Schwierigkeiten. Die qualitativ ausgewerteten Daten (Frage 1.1 an MP 1 und 2, Frage 2.1 an MP 2) lassen aber eben nicht erkennen, dass die Befragten aus Koh. II eine grundsätzlich andere 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 165 <?page no="166"?> 354 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 94-107. oder intensivere Ausprägung des Repertoires im Umgang mit der Bibel entwickeln. Die in Abschnitt 3.3.2.5.3 genannten Personen mit einer erkennbaren Professionalitätssteigerung in Frage 1.5 gehören im Gegenteil überwiegend zu Koh. I. Äußerungen zum Dilemma der Auslegung von Mt 6,25-27, die methodisch und inhaltlich Ansätze zur Professionalität aufweisen, stammen auffallend häufig aus Koh.-I. Die Achsengrafiken zeigen, dass in beiden Kohorten eine fast gleiche Personenanzahl ihr Niveau steigert. In Koh. I bleiben etwas mehr Personen auf gleichem Niveau, während in Koh. II mehr Personen ein Absinken des Niveaus aufweisen. Insgesamt ist der Unterschied zwischen den Kohorten im Ergebnis der Achsengrafiken unauffällig. Das Ergebnis der quantitativ ausgewerteten Items muss differenziert betrachtet werden. In Koh. II ist die Bereitschaft, den historischen Abstand zu biblischen Texten zu berück‐ sichtigen und sich auf exegetisch-historisches Denken einzulassen, größer als in Koh. I. Die Tendenz, ein intuitives Umgehen mit den Texten zugunsten professionellerer Heran‐ gehensweisen aufzugeben, ist in Koh.-I. dagegen stärker ausgeprägt. Das Ergebnis stützt eher die Schlussfolgerung, dass der hochschuldidaktische Aufbau von Lehrveranstaltungen ein Faktor unter vielen ist, der die Bereitschaft zur Professiona‐ lisierung des Umgangs mit der Bibel fördern kann. Relevant sind daneben auch andere Faktoren wie etwa das Leseverhalten, die Verortung in bestimmten Gruppen und das ehrenamtliche Engagement während des Studiums, in dem biblische Texte auf die eine oder andere Weise zum Einsatz kommen und professioneller Umgang mit den Texten erprobt wird - oder eben auch nicht. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass im Verlauf des Studiums Wechselwir‐ kungen auftreten und die Portfolioanalyse im zweiten Semester ein anderes Stadium der Entwicklung abbildet als MP 2 im vierten Semester. Im zweiten Semester zeigen sich die Auswirkungen erster Konfrontation mit methodisch angeleitetem Arbeiten mit Bibel‐ texten. Dies führt in Koh. II zu hermeneutischen Reflexionen, die in der Portfolioanalyse ausgewertet wurden. Abgefragt wird dann aber im vierten Semester, ob beim Umgang mit Bibeltexten außerhalb des Studiums erlernte Techniken zum Einsatz kommen. Es geht also um die Veränderungen der Motivation zur Anwendung durch die gewonnenen und als bibelhermeneutisch zu bezeichnenden Erkenntnisfortschritte. In Korrespondenz mit der aus Lehrendensicht zögerlichen Entwicklung der Studierenden, wie sie aus der Panelstudie deutlich wird, stehen im Bereich der Portfolioanalyse eher die Fertigkeiten der Studierenden im Gebrauch der Fachsprache und beim Zitieren von Bibeltexten im Fokus. 354 Möglicherweise braucht die Bereitschaft zur Anwendung eines neu erlernten Repertoires neben der Motivation zur Anwendung auch eine Sicherheit in der Anwendung, also eine Einübung, die im Rahmen des exegetischen Studiums in diesem Doppelstudiengang kaum zu leisten ist. 166 3 Auswertung der Daten <?page no="167"?> 355 Vgl. Huber (2009), 21 (s.-o. Abschnitt 1.5.4.2). 3.3.3 Veränderungen der Religiosität 3.3.3.1 Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) Als Aussagen, die dem Bereich der Religiosität zuzurechnen sind, werden solche Satzer‐ gänzungen ausgewertet, die dem Konzept Stefan Hubers folgend eine oder mehrere Kern‐ dimensionen der Religiosität (Intellekt, Ideologie in Gestalt ethischer oder dogmatischer Grundsätze, öffentliche oder private Praxis, religiöse Erfahrung) im Umgang mit der Bibel benennen (s. Abschnitt 1.5.4.2). Weil die zentrale Annahme für die Operationalisierung der Achse Religiosität darin besteht, dass es im Laufe der wissenschaftlichen Auseinander‐ setzung zu Glaubenskrisen kommen kann, sind Äußerungen mit Anzeichen für solche Krisen grundsätzlich der Achse Religiosität zugeordnet. Hinweise auf die persönliche Einschätzung der Wichtigkeit der Bibel ohne qualitative Hinweise auf eine bestimmte Le‐ seperspektive oder eine Repertoireveränderung werden ebenfalls dieser Achse zugeordnet. Die reine Wichtigkeit der Bibel wird im Sinne der „Zentralität“ nach Huber 355 verstanden. Hinweise auf den besonderen Geltungsanspruch der Bibel werden hingegen der Achse Leseperspektive zugeordnet. Diese Zuordnung ist zuweilen nicht trennscharf, denn in der Leseperspektive sind definitionsgemäß Aspekte der Religiosität inbegriffen. In den meisten Fällen werden Satzergänzungen, die mindestens einen Hinweis auf Aspekte der Leseperspektive geben, auch dort eingeordnet. 3.3.3.1.1 Kohorte-I Hinweise auf die Religiosität der Studierenden an wenigstens einem Messpunkt gibt es in 21 Fällen, wobei Veränderungen in diesem Bereich bei zehn Personen beschreibbar sind. Ein Schwerpunkt ist hier bei sieben Personen feststellbar. Die Voten dieser Personen werden im Folgenden vorgestellt: Bei zwei Personen in Koh. I verlagert sich die Verbindung zwischen Bibel und Aspekten der Kerndimension Ideologie. Es geht um die Verbindung der Bibel mit dem Glauben und die Verbindung der Bibel mit dem Aspekt ethischer Orientierung. So formuliert TN-27: „… ein Leitfaden für gesundes Leben und Zusammenleben von Menschen.“ (TN-27 an MP-1) „… ein Baustein meines Glaubens; ein Lehrbuch.“ (TN-27 an MP-2) Während an MP 1 das Zusammenleben der Menschen im Zentrum steht und die Bibel hier als „Leitfaden“ gesehen wird, also als ethische Orientierung, steht an MP 2 der Glaube im Vordergrund. Die Bibel könnte als Buch der Lehren interpretiert werden, die als solches einen von mehreren Bausteinen des Glaubens bildet. Das Zusammenleben wird nicht mehr thematisiert. Den umgekehrten Weg beschreitet TN-34: „… die Grundlage des christlichen Glaubens. Jedoch ist sie für mich im Alltag von weniger großer Bedeutung.“ (TN-34 an MP-1) „… ein Buch, das grundlegende Werte des christlichen Lebens beinhaltet.“ (TN-34 an MP-2) Während an MP 1 der Glaube im Zentrum steht, sind es an MP 2 die „Werte des christli‐ chen Lebens“. Die Terminologie „Grundlage/ grundlegend“ bleibt an beiden Messpunkten 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 167 <?page no="168"?> 356 Vgl, Huber (2008a), 139; Huber (2007), 21 und Huber (2008b), Tabelle 1. konstant. Neben den religiösen Kerndimensionen, für die die Bibel relevant ist, benennt TN-34 an MP-1 auch deren allgemeine Wichtigkeit, nämlich, dass die Bibel „im Alltag von weniger großer Bedeutung“ sei. Dieses Thema „Bedeutung“ wird im vierten Semester nicht wieder aufgegriffen. Insgesamt vier Personen thematisieren die Wichtigkeit oder Bedeutung der Bibel explizit. Zwei Personen benennen sie als Thema des Vergleichs zwischen dem Beginn des Studiums und dem Stadium im vierten Semester: „… ein wertvolles Buch mit nützlichen Hilfestellungen für mein Leben; […] ein interessantes Buch als Grundlage für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.“ (TN-4 an MP-1) „… wichtiges Handwerkszeug; […] persönlich immer noch genauso wichtig wie bei der ersten Befragung; […] grundlegend für meine Arbeit.“ (TN-4 an MP-2) Hervorgehoben wird in der vergleichenden Sicht der beiden Stadien, dass die Bibel jetzt genau so wichtig ist; an beiden Messpunkten bleibt - wie bei TN 34 - die Terminologie „Grundlage“/ „grundlegend“ für die „Arbeit“. Auch der Aspekt des Persönlichen bleibt (MP 1: „für mein Leben“; MP 2: „persönlich“). Betont wird also die Kontinuität der Entwicklung. Gegenüber der Situation zu Studienbeginn kommt im Anschluss an das Stichwort „Arbeit“ der Aspekt des „Handwerkszeugs“ dazu. Die Bibel ist persönlich und professionell wichtig. Explizit eine Veränderung der Relevanz beschreibt auch TN-31: „… die Geschichte der Entstehung des Glaubens (teilweise).“ (TN-31 an MP-1) „… nicht mehr so „fremd“ wie zu Beginn noch; wichtiger.“ (TN-31 an MP-2) Die Bibel ist wichtiger als zu Studienbeginn. Die gestiegene Wichtigkeit könnte bei dieser Person mit einer Steigerung des Repertoires in Verbindung gebracht werden, denn TN 31 beschreibt, dass die Bibel weniger fremd als am Anfang ist. In der Tat drückt TN 31 an MP 1 eher ein distanziertes Verhältnis zur Bibel aus. Zwei weitere Personen in Koh. I thematisieren die Wichtigkeit der Bibel, ohne eine eigene Entwicklung mit diesem Thema zu verbinden. So ergänzt TN-25: „… Gottes Wort und die Grundlage für meinen christlichen Glauben.“ (TN-25 an MP-1) „… ein Buch, das mir wichtig ist und auch immer wieder ganz neue Erkenntnisse und Ideen für mein Leben und meinen Glauben bringt.“ (TN-25 an MP-2) Ähnlich wie bei TN 4 stehen bei diesen Äußerungen Kontinuitäten im Vordergrund. Die Bibel ist Glaubensgrundlage, und sie bringt Erkenntnisse und Ideen für den Glauben. Diese bleibenden Kernaspekte werden um das Thema der persönlichen Wichtigkeit ergänzt; die Dimension des „Lebens“ kommt hinzu. Ein Gegenüber von Glauben und Leben formulieren mehrere Befragte. Metasprachlich geht es dabei in der Terminologie von Huber um die re‐ ligiösen Kerndimensionen von Ideologie (Glauben) und Konsequenzen (Alltagsrelevanz). 356 TN 16 verbindet mit der Bibel an MP 1 einen Anspruch, der mit deren grundsätzlicher Wichtigkeit einhergeht: Man soll sie viel lesen. Im vierten Semester bleibt von dieser Wichtigkeit und dem Anspruch, gelesen zu werden, nichts mehr erkennbar. Die Bibel geht 168 3 Auswertung der Daten <?page no="169"?> auf in der Professionalität, was auf eine geringere persönliche Wichtigkeit und eine größere Distanz an MP-2 schließen lässt: „… ein wichtiges Schriftgut und sehr hilfreich. Aber ich lese sie zu wenig, um ehrlich zu sein. Ich beschäftige mich zwar auch damit, trotzdem lese ich darin zu wenig.“ (TN-16 an MP-1) „… ein Recherche- und Arbeitsbuch.“ (TN-16 an MP-2) Der innere Konflikt besteht bei TN 16 eher zu Studienbeginn. Man solle die Bibel lesen, TN 16 tut das aber aus eigener Sicht nicht ausreichend. Ob hier von einer Krise gesprochen werden kann, lässt sich aus den Äußerungen nicht entnehmen. Einen inneren Konflikt benennt explizit TN 23 an MP 2. An MP 1 gehören für TN 23 Bibel und Glauben eng zusammen. Diese Verbindung bleibt an MP 2 zwar bestehen, es kommen aber auch Aspekte hinzu, die dieser Verbindung entgegenlaufen: „… eine Möglichkeit, meinen Glauben zu stärken und mich mit ihm zu befassen.“ (TN 23 an MP 1) „… unter anderem die Grundlage meines Glaubens, aber auch ein ‚wissenschaftliches Buch‘ bzw. eine Grundlage zur Auseinandersetzung. Am Ende jedoch auch mein Halt im Glauben, aus dem ich Kraft schöpfen kann, aber auch immer wieder in Konflikt gerate.“ (TN-23 an MP-2) Hilfreich für die Analyse dieser Äußerungen sind auch hier die Kerndimensionen der Reli‐ giosität. Kontinuierlich bleiben die Dimensionen der Ideologie (Glaube) und der Erfahrung („sich stärken“, „Kraft“). Hinzu kommt aber die Dimension des Intellekts („wissenschaft‐ lich“, „Auseinandersetzung“), die zum inneren Konflikt führt. Dieses Beispiel könnte auch im Bereich Leseperspektive angeführt werden, weil es zeigt, dass die neuen Aspekte der Wissenschaftlichkeit (Repertoire) an MP 2 nicht mehr mit der eigenen Religiosität in Einklang gebracht werden können. 3.3.3.1.2 Kohorte-II Hinweise auf die Religiosität der Studierenden an wenigstens einem Messpunkt gibt es in 25 Fällen, Veränderungen in diesem Bereich sind bei 13 Personen beschreibbar. Ein Schwerpunkt ist hier bei 7 Personen feststellbar, deren Äußerungen im Folgenden dargestellt werden. Wie auch bei Koh. I sind bei Koh. II Verlagerungen der Kerndimensionen in Verbindung mit der Bibel feststellbar. Die Verlagerung kann vom Schwerpunkt „Glauben“ in Richtung auf den Schwerpunkt „Ethik/ Orientierung/ Werte“ stattfinden (TN 58) oder auch umgekehrt (TN-40): „… ein Buch mit historischen Elementen, Weisheiten, Vorbildfiguren, ethischen Grundsätzen.“ (TN-40 an MP-1) „… ethische Orientierungshilfe; Dokument seiner Zeiten; Glaubensgrundlage.“ (TN-40 an MP-2) Für TN 40 bleibt die Bibel ein Buch ethischer Orientierung. Die historische Dimension wird begrifflich an MP 2 präziser gefasst („Dokument seiner Zeiten“). Neu kommt die Dimension des Glaubens an MP 2 hinzu. Demgegenüber kommen bei TN 58 an MP 2 die Themen „Wegweisung“ und „Alltag“ hinzu: „… die Grundlage meines Glaubens.“ (TN-58 an MP-1) „… ein fast alltäglicher Begleiter, Inspiration, Wegweiser.“ (TN-58 an MP-2) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 169 <?page no="170"?> 357 In der Tat gehört TN 58 mit TN 53 zu den beiden Personen, die unverändert mehr als einmal in der Woche in der Bibel lesen (Frage-1.3 Koh.-II, s. Abschnitt 3.2.1.2). Als einzige Person thematisiert TN 58 die Frequenz des Zugriffs auf die Bibel: „fast alltäglich“. 357 Das lässt auch auf eine hohe Wichtigkeit schließen. Ob allerdings die Begriff‐ lichkeit der Wegweisung zwingend als Schwerpunktverlagerung auf ethische Fragen zu interpretieren ist, kann anhand der Satzergänzung nicht eindeutig entschieden werden. Die Wichtigkeit der Bibel thematisieren TN 56 und TN 57. Auch in Koh. II findet sich wieder der Vergleichsaspekt zum ersten Messpunkt im Hinblick auf die Wichtigkeit (TN 56 und TN-53, vgl. Koh I: TN-4 und TN-31): „… eine Sammlung von Geschichten.“ (TN-56 an MP-1) „… relevanter als damals, jedoch blättere ich seltener in dem Buch, sondern benutze die Bibel- APP.“ (TN-56 an MP-2) Die Bibel als „Sammlung“ könnte auf eine säkulare Leseperspektive hinweisen. Eine solche Leseperspektive deutet auch TN 40 an MP 1 an. Das Thema wird im Abschnitt Leseperspektive (vgl. Abschnitt 3.3.4.1) aufgegriffen. Viel umfangreicher und damit auch besser analysierbar sind die Satzergänzungen von TN 57, bei denen an beiden Messpunkten das Thema der Relevanz der Bibel im Mittelpunkt steht: „… das wohl wichtigste Buch der Welt. Natürlich ist es auch für mich persönlich ein unglaublich interessantes Buch, denn es dient als Grundlage für das Christentum und auch für die Bildung meines persönlichen Glaubens.“ (TN-57 an MP-1) „… ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Allerdings lerne ich vor allem außerhalb meines Studiums die Bibel als Buch des Lebens kennen, welches mich oft ganz konkret in meinem eigenen Leben anspricht.“ (TN-57 an MP-2) Aus einer überpersönlichen Perspektive erscheint die Bibel im Superlativ als „wichtigstes Buch“. Davon unterschieden wird die persönliche Perspektive, aus der die Bibel „interes‐ sant“ erscheint und als Grundlage des Christentums (objektiv) wie auch für den persönli‐ chen Glauben (subjektiv). Die Unterscheidung von Funktionen taucht an MP 2 wieder auf. Hier geht es aber um Räume des Lebens, das TN 57 in einen Bereich innerhalb und einen außerhalb des Studiums unterteilt. Anzunehmen ist, dass die Bibel in beiden Lebensberei‐ chen wichtig ist, allerdings nur außerhalb des Studiums ein „Buch des Lebens“, das in das eigene Leben hineinspricht. Diese Trennung ist ein Marker für eine Desintegration einerseits dessen, was im Studium mit der Bibel geschieht und andererseits der persönlichen Relevanz der Bibel. Das kann als Krise interpretiert werden (vgl. Koh.-I TN-23). Auf eine emotionale Krise im Hinblick auf die Bibel weisen auch die Satzergänzungen von TN 51 hin. Diese Person formuliert bereits an MP 1 eine gefestigte übertragene Leseperspektive: „… Gottes von Menschen niedergeschriebenes Wort, welches als Orientierung für Lebensfragen dienen kann. Es bedarf jedoch Interpretation und gesunden Menschenverstands, um eine wertvolle Orientierung darzustellen.“ (TN-51 an MP-1) „… Freundin und Leid zugleich.“ (TN-51 an MP-2) 170 3 Auswertung der Daten <?page no="171"?> 358 Die Entwicklung von TN-51 wird in Abschnitt 5.2.1 genauer analysiert. 359 Vgl. Huber (2007), 21. 360 Huber (2007), 21. 361 TN-62 gibt an MP-2 an, seltener als mehrmals im Jahr in der Bibel zu lesen (Frage-1.3, Koh.-II). An MP 2 kommt eine neue Emotionalität ins Spiel. Die Rationalität der Äußerung an MP 1 wird komplett aufgegeben zugunsten einer emotionalen positiven Personifikation („Freundin“) mit gleichzeitiger negativer emotionaler Konnotation („Leid“). Offenbar ist die Emotionalität im Verlauf des Studiums in den Vordergrund gerückt und noch nicht verarbeitet. Auch diese Ausdrucksweise signalisiert eine Desintegration. 358 Die Äußerungen von TN 51 weisen auf die religiöse Kerndimension der Erfahrung hin. Religiosität ist auch verknüpft mit persönlicher Emotionalität (Angst, Schuld, Geborgenheit usw.). 359 Diese Dimension kommt auch bei TN-62 an MP-1 zum Tragen: „… nicht nur die heilige Schrift meiner Religion, sondern auch eine Art von Rückzugsort in schwierigen Zeiten und in manchen Situationen auch eine Art Verbindungshilfe zu Gott.“ (TN-62 an MP-1) „… ein elementares Buch für mein alltägliches Leben.“ (TN-62 an MP-2) Das Bild eines „Rückzugsortes“ signalisiert Geborgenheit, der Begriff der „Verbindungs‐ hilfe“ die „Du-Erfahrung“. 360 Beide Elemente kommen an MP 2 nicht mehr vor. Die Bibel behält eine allgemeine Relevanz für das Leben, der Begriff „alltäglich“ signalisiert bei TN 62 eher keine Lesehäufigkeit, sondern ist im Sinne der Alltagsrelevanz zu verstehen. 361 Sehr konkret ideologisch spitzt TN 53 den Inhalt der Bibel zu. Er/ sie betont dabei, dass sich an MP 2 gegenüber MP 1 nichts geändert hat, vergleicht also selbst MP 2 mit der eigenen Aussage an MP 1. Dies scheint TN 53 ähnlich wie TN 4 besonders wichtig zu sein: „… ein Buch, in dem ewiges Leben beschrieben ist und in dem auch gesagt ist, wie man solches erlangt.“ (TN-53 an MP-1) „… immer noch gleicher Bedeutung.“ (TN-53 an MP-2) Als Kerninhalt der Bibel erscheint das „ewige Leben“ und der Weg, dieses zu erlangen. Die Bibel ist damit nicht einfach nur „wichtig“, sondern in dieser Perspektive eine Sache auf Leben und Tod. Die Betonung der Kontinuität und der Integrität dieser Sicht weist in jedem Fall auf eine große persönliche Nähe hin, die jedenfalls durch das Studium nicht verloren geht. 3.3.3.1.3 Ergebnis In beiden Kohorten sind drei Veränderungshorizonte erkennbar. Das Thema „Bibel als Grundlage für den Glauben/ das Leben“ und das Thema „ethische Orientierung“ mit teil‐ weise wechselndem Schwerpunkt kann an den Beiträgen herausgearbeitet werden. Auch Personen, deren Beiträge etwa auf einen Konflikt oder eine Krise hinweisen, benennen diese Themen. Insgesamt kommen Stichworte wie „Orientierung“, „Grundlage“, „Leben/ Zusammenleben“ und „Glauben“ bei elf von 14 der mit dem Schwerpunkt „Religiosität“ untersuchten Beiträge vor. Die Veränderungsrichtungen sind aber individuell unterschied‐ lich. Manche Personen stellen an MP 1 das Thema Glauben stärker in den Vordergrund 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 171 <?page no="172"?> 362 Die Spezifikation der Inhalte religiöser Kerndimensionen orientiert sich im Folgenden an Huber (2008b), Tabelle 1; vgl. Huber (2008a), 139 oder Huber (2009), 19. Die Kerndimension „Konsequenzen im Alltag“ bleibt bei Huber unscharf, ethische Aspekte und Aspekte der Werte werden in Teilen der Kerndimension „Ideologie“ zugeordnet (vgl. Huber [2008a], 139 und 150) oder bilden eben eine eigene Kategorie „Konsequenzen im Alltag“, die material gefüllt wird mit dem Thema „Relevanz der Religion in elf Lebensbereichen“ (Huber [2007], 21). Hubers Operationalisierungen sehen immer das Stichwort „Alltag“ vor, was aber in der vorliegenden Studie im Hinblick auf die Bibelreligiosität nicht übernommen wird. Die Themen Werte, Normen und Gerechtigkeit werden der Kerndimension „Ideologie“ zugeordnet. und finden an MP 2 eher eine ethische Orientierung in der Bibel, aber es gibt auch die umgekehrte Konstellation. Das zweite Thema, das in beiden Kohorten mehrfach vorkommt, betrifft die Wichtigkeit der Bibel. Insgesamt neun von 14 Personen verwenden Begriffe wie „wichtig“, „relevant“, „wertvoll“ oder „Bedeutung“. Auffallend ist, dass der Komparativ in diesem Themenbereich häufig vorkommt, dass also die Befragten selbst ihren Weg vergleichend betrachten (TN 4, TN 31, TN 53, TN 56). Einige dieser Personen betonen, dass sich auf diesem Weg nichts verändert hat (TN 4 und TN 53). Zu diesen Personen kann auch TN 57 gerechnet werden, für die die Bibel eine bleibende Wichtigkeit hat („wichtigstes Buch“, „sehr wichtiger Bestandteil“ des Lebens). Andere messen der Bibel an MP 2 eine größere Wichtigkeit zu (TN-31 und TN-56). Einige Personen thematisieren die Relevanz der Bibel nur an einem Messpunkt. Explizit misst TN 34 der Bibel eine „weniger große Bedeutung“ zu (MP 1), während andere Personen die Bibel entweder an MP 1 (TN 16 und TN 51) oder an MP 2 (TN 25) für wichtig erachten. Insgesamt drei Personen weisen Anzeichen von emotionalen Krisen im Hinblick auf die Bibel im Verlauf des Studiums auf (TN 23, TN 51, TN 57). Besonders interessant erscheint die Unterscheidung der Bereiche „innerhalb des Studiums“ und „außerhalb des Studiums“ durch TN 57. Der Bereich „außerhalb des Studiums“ ist verknüpft mit der Bibel als „Buch des Lebens“ und der persönlichen Ansprache durch die Bibel. Impliziert ist, dass die Bibel innerhalb des Studiums dieses nicht leistet. TN 57 reflektiert die Unterscheidung, die sich im Ergebnis der Achse Repertoire bei der Gruppe von Personen mit konsistenter Repertoiresteigerung bei Frage 1.5 nachweisen lässt: Wer sich ein professionelles Repertoire aneignet, liest tendenziell nicht in Kontexten außerhalb des Studiums in der Bibel. Über diese Personen hinaus lassen TN 16 (ich sollte die Bibel mehr lesen), TN 31 (Fremdheit) und TN 62 (Rückzugsort in schwierigen Zeiten) erkennen, dass sie mit der Bibel sehr unterschiedliche emotionale Erfahrungen verbinden. Eine Person weist einen ausgeprägt emotional-ideologischen Zugang zur Bibel auf (TN-53). Ein Unterschied zwischen den Kohorten ist für die Achse „Religiosität“ bei den Satzer‐ gänzungen zu Frage-1.1 nicht festzustellen. Auffällig sind eher die ähnlichen Tendenzen. 3.3.3.2 Quantitative Auswertung Die Auswertung der quantitativ erhobenen Items, die Aufschluss geben über die Religiosität der Befragten, orientiert sich an der Systematik der fünf Kerndimensionen Stefan Hubers. 362 Diese werden übernommen und auf die religiöse Dimension der Beziehung zur Bibel hin adaptiert. In einem zweiten Schritt wird die jeweilige Kerndimension auf die allgemeine, 172 3 Auswertung der Daten <?page no="173"?> nicht bibelbezogene Religiosität der Studierenden bezogen und mit der Bibelreligiosität verglichen. Dabei geht es nicht um das Herausarbeiten von „Zentralität“, sondern um im Hinblick auf die Kerndimensionen mit der Bibelreligiosität vergleichbare inhaltliche Aspekte der allmeinen Religiosität. Das Modell Hubers wird also auf die in dieser Studie verwendete Fragestellung und Methodik hin adaptiert. 3.3.3.2.1 Kerndimension: „Intellekt“ 3.3.3.2.1.1 Die intellektuelle Dimension der Religiosität im Hinblick auf die Bibel Die Dimension des Intellekts beschreibt die kognitive Auseinandersetzung und das ko‐ gnitive Interesse an religiösen Fragen. Gemeint sind hier Aspekte des Wissens und der intellektuellen Auseinandersetzung, aber auch Aspekte der Reflexivität und der religiösen Suche. Verschiedene Items fragen nach der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Bibel allgemein. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Bibel als ganzer erfragt Item 1.23.12 („Ich bin der Ansicht, dass viele Aussagen der Bibel historisch nicht haltbar sind“). Item 1.4.4. (MP 2) untersucht, inwieweit am Ende des exegetischen Studiums die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben in Frage stellen. Daneben fordern mehrere Items die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Widersprüchlichkeit der Bibel heraus. Dies betrifft die Bibel allgemein (Item 1.9.4), Diskrepanzen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament (Item 1.9.9) und die Uneindeutigkeit der Bibel zu bestimmten Themen (Item 1.9.10). In Item 1.23.12 (Bibel historisch nicht haltbar) konzentrieren sich die Voten in beiden Kohorten im Mittelbereich. Die meisten Studierenden bleiben an MP 2 entweder bei einem moderat zustimmenden oder moderat ablehnenden Votum, oder sie modifizieren ihre Einschätzung leicht in diesem Bereich. Die Modifikationen gehen in beiden Kohorten in beide Richtungen. Jeweils etwa die Hälfte der Befragten bleibt beim Votum von MP 1, die andere Hälfte verändert ihre Position. Die Tendenz beider Kohorten ist ähnlich, daher wird nur die Grafik von Koh. I dargestellt. Es fällt auf, dass an MP 2 die Verteilung der Voten in beiden Kohorten fast identisch ist. Vor allem die Extrempositionen werden aufgegeben. Inhaltlich bedeutet das, dass die Studierenden an MP 2 eine differenzierte Haltung zum Thema Historizität der Bibel einnehmen, im Sinne eines Votums „teils-teils“, was in der Sache ja berechtigt ist. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 173 <?page no="174"?> Frage-1.23: Inwiefern stimmen Sie der folgenden Aussage zu? Kohorte I (N=28) Item 1.23.12 „Ich bin der Ansicht, dass viele Aussagen der Bibel historisch nicht haltbar sind.“ 2016∕2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 13) 2018 trifft eher zu (gesamt: 12) 2018 trifft ganz genau zu (gesamt: 1) 2018 keine Angabe (gesamt: 1) 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 4) gleich (11) TN 7; TN 17 TN 13 mehr Zustimmung (7) TN 19 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 11) TN 1 (6) TN 4; TN 22; TN 27; TN 29; TN 30; TN 32 (4) TN 15; TN 23; TN 33; TN 36 2016 trifft eher zu (gesamt: 8) (4) TN 9; TN 25; TN 26; TN 35 (4) TN 12; TN 18; TN 28; TN 34 2016 trifft ganz genau zu (gesamt: 3) weniger Zustimmung (7) TN 10; TN 31 TN 16 2016 keine Angabe (gesamt: 2) TN 6 TN 11 Abbildung 42: Viele Aussagen der Bibel sind historisch nicht haltbar An beiden Messpunkten votieren 18 Teilnehmer*innen im Mittelbereich (trifft eher zu/ trifft eher nicht zu). Nur eine Person bleibt an MP-2 beim Votum „trifft ganz genau zu“ (TN-16). Insgesamt drei Personen machen an mindestens einem MP gar keine Angabe. In Koh. I gibt es viel Bewegung in beide Richtungen (+7/ -7). In Koh. II verändern zwölf Personen (+3/ -9) ihre Position, in beiden Kohorten also etwa die Hälfte aller Teilnehmer*innen. Offenbar setzen sich viele Studierende mit der Problematik „Historizität der Bibel“ auseinander, ohne 174 3 Auswertung der Daten <?page no="175"?> 363 Item 1.23.12 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 5 TN (18%); „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 14 TN (50%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 1 TN (4%); keine Angabe: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh.-II: 1 TN (4%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 1 TN (4%); „trifft eher zu“: Koh.-I: 12 TN (43%) / Koh. II: 14 TN (50%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 13 TN (43%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 2 TN (7%); keine Angabe: Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 0 TN (Koh. I: +7/ -7, unverändert 11; Koh. II: -9/ +3, unverändert 15). Volle Ablehnung an MP 2: TN 1; TN 57; TN 63. In der SINUS-Studie stimmen dem Item „Ich bin der Meinung, dass viele Aussagen in der Bibel wissenschaftlich nicht haltbar sind“ 48% der Befragten zu (Hempelmann u. a. [2015], Chart 83 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Das entspricht in etwa dem Ergebnis der vorliegenden Befragung an MP 2. Auch wenn die SINUS-Studie „Evangelisch in Baden-Württemberg“ sich auf die Zielgruppe evangelischer Menschen in Baden-Württemberg bezieht und möglicherweise mit regionalen Unterschieden und anderen Frömmigkeitstypen gerechnet werden muss, ist sie von ihren Ergebnissen her offenbar durchaus vergleichbar mit den Ergebnissen der befragten Studierenden. jedoch zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Für eine volle Ablehnung des Items votieren an MP-2 in beiden Kohorten nur noch drei Personen. 363 An MP 2 werden die Studierenden gefragt, inwieweit die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben in Frage stellen (Item 1.4.4). In beiden Kohorten wird dieses Item überwiegend abgelehnt. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Befragten in jeder Kohorte äußert sich zustimmend, insgesamt vier Personen stimmen voll zu (TN 1, TN 19, TN 23, TN-64). Die volle Zustimmung kann ein Indikator für eine Glaubenskrise sein. Frage-1.4: Inwiefern trifft die folgende Aussage auf Sie zu? Kohorte I (N=28) Item 1.4.4 (MP2) „Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage.“ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 9) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 12) 2018 trifft eher zu (gesamt: 4) 2018 trifft vollständig zu (gesamt: 3) 2018 keine Angabe TN-Nummern TN 4; TN 9; TN 10; TN 13; TN 16; TN 17; TN 28; TN 29; TN 36 TN 6; TN 7; TN 12; TN 15; TN 18; TN 22; TN 25; TN 26; TN 30; TN 31; TN 34; TN 35 TN 11; TN 27; TN 32; TN 33 TN 1; TN 19; TN 23 Abbildung 43: Infragestellung des Glaubens durch wissenschaftliche Zugänge (Kohorte-I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 175 <?page no="176"?> 364 Item 1.9.4 MP-1: Koh I: 10 TN / Koh.-II: 17 TN; MP-2: Koh I: 9 TN / Koh.-II: 8 TN (Koh.-I: +4/ -5, unverändert 19; Koh. II: +1/ -10, unverändert 17). Das Ergebnis der Kohorten an MP 2 gleicht sich bei Item 1.9.4 an. Item 1.9.9 MP-1: Koh.-I: 8 TN / Koh.-II: 7 TN; MP-2: Koh.-I: 8 TN / Koh.-II: 6 TN (Koh.-I: +5/ -5, unverändert 18/ Koh. II: +2/ -3, unverändert 23). Item 1.9.10 MP 1: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 13 TN; MP 2: Koh. I: 12 TN / Koh.-II: 13 TN (Koh.-I: +5/ -6, unverändert 17/ Koh.-II: +4/ -4, unverändert 20). Kohorte II (N=28) Item 1.4.4 (MP 2) „Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage.“ 2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 6) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 13) 2019 trifft eher zu (gesamt: 8) 2019 trifft vollständig zu (gesamt: 1) 2019 keine Angabe TN-Nummern TN 43; TN 47; TN 53; TN 59; TN 63; TN 74 TN 46; TN 48; TN 49; TN 55; TN 57; TN 58; TN 62; TN 66; TN 67; TN 69; TN 70; TN 71; TN 72 TN 38; TN 40; TN 41; TN 51; TN 54; TN 56; TN 60; TN 61 TN 64 Abbildung 44: Infragestellung des Glaubens durch wissenschaftliche Zugänge (Kohorte-II) Neben den voll zustimmenden Voten gibt es insgesamt zwölf weitere „eher“ zustimmende Voten, d. h. insgesamt stimmen in beiden Kohorten 16 Personen diesem Votum zu, in Koh. I sieben Teilnehmer*innen und in Koh. II neun. Die Kohortenergebnisse sind vergleichbar, sind hier aber wegen der Relevanz für die Annahme, dass es im Studium zu Glaubenskrisen kommen kann, mit beiden Grafiken dargestellt. Mehrere Items in Frage 1.9. („Besonders schwierig finde ich in der Bibel …“) fordern die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Widersprüchlichkeit der Bibel heraus. Dies betrifft die Bibel allgemein (Item 1.9.4), Diskrepanzen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament (Item 1.9.9) und die Uneindeutigkeit der Bibel zu bestimmten Themen (1.9.10). In diesem Themenbereich findet in beiden Kohorten überwiegend wenig Bewegung statt. Die meisten Studierenden bleiben bei ihrer Anwahl oder Nicht-Anwahl, wobei die bleibende Nicht-Anwahl bei allen Themen stabil die größte Gruppe bildet. Die bei einer jeweils kleinen Gruppe (5 bzw. 11 Personen) vorhandenen Wechselbewegungen gleichen sich jeweils fast aus. Eine Ausnahme bildet Item 1.9.4. In Koh. II wählen zehn Personen an MP 2 das Item nicht mehr an, d. h. diese Personen sehen keine Schwierigkeit mehr darin, dass die Bibel in sich widersprüchlich ist. 364 3.3.3.2.1.2 Vergleich: Kerndimension „Intellekt“ allgemein (ausgewählte Items) In Korrelation einerseits mit der Frage, ob Aussagen der Bibel historisch haltbar sind (Item 1.23.12), und andererseits mit Item 1.4.4 (MP 2: wissenschaftliche Zugänge zur Bibel stellen den Glauben infrage) wird nun das Ergebnis von Item 1.23.11 („Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren“) dargestellt. Insgesamt überwiegt bei diesem Thema in beiden Kohorten die Zustimmung. Hinsichtlich der Veränderungsbewegungen 176 3 Auswertung der Daten <?page no="177"?> 365 Item 1.23.11 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 5 TN (18%); „trifft eher zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 9 TN (32%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 2 TN (7%); keine Angabe: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft eher zu“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh. II: 16 TN (57%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 0 TN/ K II: 0 TN (Koh.-I: +10/ -8, unverändert 9; Koh. II: -1/ +11, unverändert 15). In der SINUS-Studie meinen 49% der TN, dass Glaube und Wissenschaft sich gut vereinbaren lassen (Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Die Zustimmung der befragten Studierenden ist deutlich höher als die der befragten Evangelischen aus Baden-Württemberg in der SINUS-Studie. 366 Item 1.18.4 MP 1: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 10 TN (36%); MP 2: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 15 TN (54%) (Koh. I: +2/ -3, unverändert 23/ Koh. II: +7/ -2, unverändert 19). Im Vergleich zu den Angaben der evangelischen Kirchenmitglieder ist die Beteiligung in beiden Kohorten weit überdurchschnittlich: Nur 7% der Kirchenmitglieder beteiligen sich an kirchlichen Veranstaltungen, vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 486. 367 Vgl. Huber (2008a), 143. weichen die Entwicklungen in Koh. I und Koh. II voneinander ab. In Koh. I verändern insgesamt 18 Personen ihre Meinung zum Thema in beide Richtungen, während in Koh. II nur 13 Personen ihr Votum verändern, davon 11 Personen stärker zustimmen. Der Trend in Koh. II korrespondiert mit dem Trend bei Item 1.9.4, die Widersprüchlichkeit der Bibel an MP-2 gegenüber Koh.-I weniger problematisch einzuschätzen. 365 Die unterschiedliche Affinität zur intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Glauben zeigt sich auch bei der Teilnahme an religiösen Bildungsveranstaltungen (Item 1.18.4). In Koh. I nehmen weniger Personen an religiösen Bildungsveranstaltungen teil als in Koh.-II. 366 Die intellektuelle Reflexivität wird abgebildet in Item 1.23.14 („Zu meinem Glauben gehört, dass ich immer wieder zweifle und unsicher werde“). Nach dem Konzept der Reflexivität ist Zweifel ein Indikator für eine starke intellektuelle Auseinandersetzung mit religiösen Fragen. 367 In beiden Kohorten zeigt sich bei diesem Item bereits zu Beginn des Studiums eine hohe Zustimmung, die sich im Verlauf des Studiums noch verstärkt. Die Hälfte beider Kohorten bleibt unverändert bei den zustimmenden Voten „trifft ganz genau zu“ oder „trifft eher zu“, d. h. für diese Personen gehört die selbstreflexive intellektuelle Auseinandersetzung von Anfang an und bleibend zum Glauben dazu. Nur wenige Personen lehnen dieses Item eher ab oder ganz ab. Interessant für die Frage nach Glaubenskrisen sind Sprünge von maximaler Ablehnung zu maximaler Zustimmung (TN 11 und TN 70, abgeschwächt TN 47). Bei diesen Personen nimmt der Glaubenszweifel durch das Studium offenbar stark zu, eine Korrespondenz zum Thema „wissenschaftliche Zugänge zur Bibel stellen den Glauben infrage“ (Item 1.4.4 [MP 2]) ist aber in keinem Fall vorhanden. Das Studium insgesamt fordert offenbar erfolgreich zur intellektuellen Auseinandersetzung und 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 177 <?page no="178"?> 368 Item 1.23.14 MP-1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 12 (39%) TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 3 TN (11%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 1 TN (4%); keine Angabe: Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 1 TN (4%); MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 16 TN (57%) / Koh. II: 18 TN (64%); „trifft eher zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN (Koh. I: +9/ -4, unverändert 14; Koh. II: +10/ -2, unverändert 15). In KMU 5 wird nach dem Gottesglauben in Verbindung mit dem Zweifel gefragt (Bedford-Strohm/ Jung [2015], 501); insofern sind die Ergebnisse nicht deckungsgleich mit den Items der vorliegenden Studie. Unter den Evangelischen stimmen 28% dem Gottesglauben in Verbindung mit dem Zweifel zu, 49% lehnen dies eher ab (ebd.). Das bedeutet, dass der Zweifel für die Studierenden eine größere Rolle spielt als für die Gesamtheit der Evangelischen. In der „SINUS-Studie“ stimmen dem Item „In Glaubensdingen habe ich immer wieder Zweifel“ 46% der Befragten zu (Hempelmann u. a. [2015], Chart 83 der beigelegten Ergebnis-CD- ROM). Auch im Vergleich mit dieser Studie spielt der Zweifel für die Studierenden eine deutlich größere Rolle. 369 Vgl. Huber (2008b), Tabelle 1. 370 TN-15, TN-46, TN-64, TN-74. 371 Item 1.13.8 MP 1: Koh I: 17 TN / Koh. II: 11 TN; MP 2: Koh I: 13 TN / Koh. II: 14 TN (Koh. I: +2/ -6, unverändert 20; Koh.-II: +7/ -4, unverändert 17). Reflexion heraus. Auch gegenüber anderen befragten Zielgruppen ist die Reflexivität bei den befragten Studierenden stärker ausgeprägt. 368 3.3.3.2.2 Kerndimension: „Ideologie“ 3.3.3.2.2.1 Die ideologische Dimension der Religiosität im Hinblick auf die Bibel Unter der Kerndimension „Ideologie“ werden die Inhalte des jeweiligen Glaubens ver‐ standen. 369 Zentral im Hinblick auf die Bibel ist die Bestimmung ihrer Relevanz für den Glauben. Die Wichtigkeit der Bibel wurde bereits in Abschnitt 3.2.4 dargestellt. Für den Glauben hat die Bibel in beiden Kohorten überwiegend eine moderate Wichtigkeit (Frage 1.6), die in Koh. I im Verlauf des Studiums eher zu-, dagegen in Koh. II im Verlauf des Studiums eher abnimmt. Die Bibel ist aber insgesamt nicht unwichtig (Item 1.4.5) und wird an MP 2 in Koh. I von 25 Teilnehmer*innen und in Koh. II von 19 Teilnehmer*innen gegenüber der Zeit vor dem Studium als wichtiger wahrgenommen. Interessant sind Entwicklungen gegen den Trend bei mehr als einem dieser Items für die Frage nach Glaubenskrisen, die mit der Bibelreligiosität zusammenhängen. Dies betrifft insgesamt vier Teilnehmer*innen. 370 Vier weitere Themen werden im Hinblick auf die Kerndimension „Ideologie“ ausge‐ wertet: Dies betrifft zum einen das Thema „Jesus Christus“ und die Bibel, zum zweiten den Themenkomplex der Menschenrechte und der Gerechtigkeit in der Bibel, drittens Aspekte des biblischen Gottesbildes und viertens die Relevanz der biblischen Ethik. Inwiefern spielt der Glaube an Jesus Christus für den Umgang mit der Bibel eine Rolle? In Frage 1.13 („Was ist Ihnen bei Ihrer Bibelauslegung wichtig? “) wird als eine Antwortoption „Mir ist besonders wichtig, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist“ (Item 1.13.8) angeboten. In beiden Kohorten zeigt sich mit leichten Akzentverschiebungen ein ähnliches Bild. Jeweils etwa die Hälfte der Teilnehmer*innen wählt das Item an MP 1 und MP 2 an. 371 In Koh. I verliert Jesus Christus als Vorbild eher an Relevanz für die Bibelauslegung, während in 178 3 Auswertung der Daten <?page no="179"?> 372 Zu Frage 1.11 an beiden Messpunkten s. a. das Online-Zusatzmaterial B in den Charakterisierungen des Alten Testaments (Abschnitt 7.2). 373 Item 1.13.2 MP 1: Koh I: 17 TN / Koh. II: 12 TN; MP 2: Koh I: 9 TN / Koh. II: 17 TN (Koh. I: +1/ -9, unverändert 18; Koh.-II: +9/ -4, unverändert 15). 374 Item 1.13.1 MP 1: Koh I: 10 TN / Koh. II: 12 TN; MP 2: Koh I: 12 TN / Koh. II: 14 TN (Koh. I: +9/ -7, unverändert 12; Koh.-II: +7/ -9, unverändert 12). 375 Item 1.13.7 MP 1: Koh I: 4 TN / Koh. II: 5 TN; MP 2: Koh I: 9 TN / Koh. II: 3 TN (Koh. I: +6/ -1, unverändert 21; Koh.-II: +2/ -4, unverändert 22). 376 Item 1.9.6 MP 1: Koh I: 2 TN / Koh. II: 5 TN; MP 2: Koh I: 2 TN / Koh. II: 4 TN (Koh. I: +1/ -1, unverändert 26; Koh. II: +3/ -4, unverändert 21). Item 1.9.8 MP 1: Koh I: 2 TN / Koh. II: 6 TN; MP 2: Koh I: 5 TN / Koh.-II: 4 TN (Koh.-I: +4/ -1, unverändert 23; Koh.-II: +0/ -2, unverändert 26). Koh. II dieser Auslegungsschwerpunkt leicht gewinnt. Die Voten beider Kohorten gleichen sich im Zeitverlauf an. Wichtiger ist Jesus Christus für die Deutung des Alten Testaments. An MP 2 wird im Rahmen der Charakterisierung des AT (Frage 1.11) die Deutung auf Jesus Christus hin als Option angeboten („Das Alte Testament ist für mich ein Buch, das Jesus Christus ankündigt“, Item 1.11.8). 372 Diese Option trifft in Koh. I bei mehr als der Hälfte der Befragten auf Zustimmung (16 Personen), in Koh. II ist die Zustimmung noch deutlicher (23 Personen). Für die Studierenden ist es also am Ende des exegetischen Studiums wichtiger, dass im AT Jesus Christus angekündigt wird, als dass die Bibelauslegung den Vorbildcharakter Jesu Christi betont. Mehrere Items aus Frage 1.13 zielen auf Themen aus dem Komplex „Gerechtigkeit“ für die Auslegung der Bibel. Unterschiedlich fällt das Ergebnis in den Kohorten bei Item 1.13.2 aus („Mir ist wichtig, dass sich in der Bibel auch bislang kaum ausgelegte Geschichten finden, in denen es z. B. um Frauen, um Arme oder um Menschen am Rande der Gesellschaft geht“). Während in Koh. I dieses Thema im Verlauf des Studiums weniger relevant wird, gewinnt es in Koh.-II an Relevanz. 373 Die Antworten bei Item 1.13.1 („Mir ist wichtig, dass hinter allem Handeln Gottes mit den Menschen der Wille Gottes nach Gerechtigkeit steht“) fallen bei beiden Kohorten ähnlich aus. Jeweils etwa die Hälfte der Kohorte wählt das Item an beiden Messpunkten an, wobei eine große Dynamik ohne klaren Trend festzustellen ist. 374 Item 1.13.7 („Mir ist wichtig, dass beim Handeln Gottes die Befreiung im Mittelpunkt steht“) ist auf ein befreiungstheo‐ logisches Profil im Umgang mit der Bibel ausgerichtet, mit dem die Studierenden beider Kohorten mehrheitlich nicht viel verbinden. 375 In der Frage nach besonderen Schwierigkeiten in der Bibel (1.9) richten sich mehrere Items auf den Themenkomplex der Menschenrechte. Die Items „Besonders schwierig finde ich in der Bibel, dass selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass es Sklaverei gibt“ (Item 1.9.6) sowie „… dass es die Todesstrafe gibt“ (Item 1.9.8) werden von der weit überwiegenden Mehrheit aller Studierenden beider Kohorten nicht angewählt. 376 Beim Thema Homosexualität („… dass es so scheint, als ob Homosexualität verboten sei“, Item 1.9.2) und beim Thema „Frauen“ („… dass Frauen in den Texten oft unter‐ geordnet sind oder nur eine Nebenrolle spielen“, Item 1.9.3) unterscheiden sich die Tendenzen in Koh. I und Koh. II: In Koh. I findet die größte Gruppe aller Studierenden beide Themen unproblematisch, während in Koh. II die größte Gruppe das Thema Homosexualität konstant und das Thema Frauen an MP 2 zunehmend problematisch 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 179 <?page no="180"?> 377 Item 1.9.2 MP 1: Koh I: 9 TN / Koh. II: 20 TN; MP 2: Koh I: 9 TN / Koh. II: 18 TN (Koh. I: +4/ -4, unverändert 20; Koh. II: +3/ -5, unverändert 20). Item 1.9.3 MP 1: Koh I: 13 TN / Koh. II: 13 TN; MP-2: Koh I: 10 TN / Koh.-II: 18 TN (Koh.-I: +3/ -6, unverändert 19; Koh.-II: +7/ -2, unverändert 19). Die Unterschiede bei Item 1.9.3 könnten auf die didaktische Anpassung in Koh.-II zurückgehen. 378 Item 1.9.1 MP 1: Koh I: 11 TN / Koh. II: 17 TN; MP 2: Koh I: 11 TN / Koh. II: 15 TN (Koh. I: +5/ -5, unverändert 18; Koh.-II: +4/ -6, unverändert 18). findet. Bei beiden Themen verändern in jeder Gruppe acht bzw. neun Teilnehmer*innen ihr Votum an MP-2. 377 Item 1.9.1 zielt auf problematische Facetten des biblischen Gottesbildes („… die Texte, in denen Gott rachsüchtig oder gewalttätig erscheint“). Auch bei diesem Thema unterscheidet sich der Befund beider Kohorten leicht. Koh. I wählt diese Option mehrheitlich nicht an, in Koh. II findet sie mehr Zustimmung. In beiden Gruppen verändern jeweils zehn Personen ihr Votum, die Veränderungen gehen in beide Richtungen. 378 Es findet also Auseinander‐ setzung statt zum Thema Gottesbild; bezogen auf die Bibel bereitet es individuell mehr oder weniger Schwierigkeiten. Zwei Items thematisieren die Relevanz der Bibel für die ethische Orientierung. Im Panelfragebogen ist dies Item 1.10.2 („Die Bibel überliefert Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind“). Als Kontrollfrage wurde an MP 2 Item 1.7.4 („Ich würde gerne noch mehr darüber erfahren, wie ich aus der Bibel Werte für mein Leben ableiten kann“) hinzugefügt. Die Aussage, dass die Bibel Werte und Normen überliefert, die für uns heute entscheidend sind, trifft in beiden Kohorten auf breite Zustimmung. 180 3 Auswertung der Daten <?page no="181"?> 379 Item 1.10.2 MP-1: „trifft voll zu“: Koh. I: 13 TN (46%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft eher zu“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh. II: 19 TN (68%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; MP-2: „trifft voll zu“ Koh. I: 14 TN (50%) / Koh.-II: 8 TN (29%); „trifft eher zu“: Koh. I: 13 TN (46%) / Koh. II: 18 TN (64%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN (Koh. I: +6/ -4, unverändert 18; Koh. II: Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.2 „Die Bibel überliefert Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind.“ 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 0) 2018 trifft eher zu (gesamt: 13) 2018 trifft voll zu (gesamt: 14) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 0) gleich (18) mehr Zustimmung (6) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 1) TN 16 2016 trifft eher zu (gesamt: 14) (9) TN 6; TN 13; TN 19; TN 25; TN 26; TN 28; TN 33; TN 34; TN 36 (5) TN 1; TN 12; TN 17; TN 18; TN 31 2016 trifft voll zu (gesamt: 13) weniger Zustimmung (4) TN 27 TN 22; TN 23; TN 30 (9) TN 4; TN 7; TN 9; TN 10; TN 11; TN 15; TN 29; TN 32; TN 35 2016 keine Angabe Abbildung 45: Bedeutung der Bibel: Überlieferung von für heute entscheidenden Werten und Normen Die meisten Bewegungen finden innerhalb des zustimmenden Bereichs statt. 379 Auffällig und ein möglicher Krisenindikator ist die maximale Veränderung bei TN 27 (volle Zu‐ 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 181 <?page no="182"?> +6/ -7, unverändert 15). Das Item ist aus KMU 5 übernommen (trifft voll zu: 29%; trifft eher zu: 46%; trifft eher nicht zu: 19%; trifft gar nicht zu: 6%, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 498). Gegenüber diesem Ergebnis trifft das Item bei den Studierenden beider Kohorten auf größere Zustimmung. 380 Item 1.7.4 (MP 2): „trifft vollständig zu“: Koh. I: 4 TN / Koh. II: 7 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 14 TN / Koh. II: 11 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 10 TN / Koh. II: 8 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh.-II: 2 TN. 381 Item 1.23.13 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 23 TN / Koh. II: 19 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 5 TN / Koh. II: 8 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 1 TN; MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 23 TN / Koh. II: 21 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 5 TN / Koh. II: 6 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 1 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN (Koh.-I: +3/ -3, unverändert 22; Koh.-II: +5/ -2, unverändert 21). 382 Item 1.23.5 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 1 TN / Koh. II: 3 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 27 TN / Koh.-II: 24 TN; MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; „trifft eher zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh. II: 1 TN; „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 5 TN / Koh. II: 6 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 23 TN / Koh. II: 21 TN; keine Angabe: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN (Koh. I: +5/ -1, unverändert 22; Koh. II: +4/ -1, unverändert 23). Zustimmung in v. H.: In Koh. I: 0%; Koh. II: 4%; KMU 5: 5,4% (Bedford- Stohm/ Jung [2015], 500). stimmung an MP 1 und vollständige Ablehnung an MP 2). Das Interesse daran, mehr darüber zu erfahren, wie Werte aus der Bibel abgeleitet werden können (Item 1.7.4), zielt auf den weiteren Studienverlauf. In beiden Kohorten trifft diese Studienerwartung auf überwiegende Zustimmung. 380 3.3.3.2.2.2 Vergleich: Kerndimension „Ideologie“ allgemein (ausgewählte Items) Der Glaube an Gott findet in beiden Kohorten an beiden Messpunkten überwiegend Zu‐ stimmung. Zentral ist hier das Item 1.23.13 („Ich glaube an Gott“). Die Zustimmung zu dieser Aussage gehört zu den eindeutigsten Voten der gesamten Befragung. In beiden Kohorten votiert jeweils die größte Gruppe an beiden Messpunkten bleibend mit voller Zustimmung. Bis auf eine Person (TN 74) bewegen sich alle Veränderungen im zustimmenden Bereich. 381 Das Kontrollitem 1.23.5 („Der Glaube spielt in meinem Leben keine Rolle“) zeigt eine parallele Tendenz, hier gibt es in Koh. I nur Ablehnung mit geringen Bewegungen. In Koh. II fällt auch bei diesem Item TN 74 mit einem zustimmenden Votum auf, alle anderen Personen votieren ablehnend. Der Gottesglaube ist also in beiden Kohorten ausgeprägt vorhanden und bleibt im Studium meist auch bestehen. Im Vergleich zu KMU 5 ist die Ablehnung des Gottesglaubens damit unter den Studierenden noch etwas geringer als unter den evangelischen Kirchenmitgliedern insgesamt. 382 Im Vergleich zur Wichtigkeit der Bibel für den Glauben ist der Glaube an Gott bei den Befragten weitaus entschiedener vorhanden (Frage-1.6 im Vergleich zu Item 1.23.13). Wie entwickelt sich die Zustimmung zu spezifischen christlichen und kirchlichen Inhalten des Glaubens zwischen den beiden Messpunkten? Item 1.23.15 („Ich glaube an eine höhere Macht, aber nicht an einen Gott, wie ihn die Kirche beschreibt“) stößt in beiden 182 3 Auswertung der Daten <?page no="183"?> 383 Item 1.23.15 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft eher zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 9 TN (32%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 13 TN (46%) / Koh. II: 10 TN (36%); keine Angabe: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 0 TN; MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 3 TN (11%); „trifft eher zu“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 5 TN (18%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 12 TN (43%) (Koh. I: +6/ -6, unverändert 15; Koh. II: +5/ -7, unverändert 16). Dieses Item ist aus der SINUS-Studie übernommen (Hempelmann u. a. [2015], Chart 83 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Hier stimmen 33% der Befragten diesem Item zu, 12% votieren mit „trifft ganz genau zu“; 21% mit „trifft eher zu“. Die Zustimmungsrate von 18% an MP-2 in Koh. I liegt deutlich unter der der Befragten der SINUS-Studie; in Koh. II ist sie mit 29% in etwa vergleichbar mit der SINUS-Studie. Eine im Wortlaut sehr ähnliche Frage wird in KMU 5 von 61% der Evangelischen zustimmend beurteilt (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 500). 384 Item 1.23.8 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft eher zu“: Koh. I: 17 TN (61%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 3 TN (11%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh.-II: 2 TN (7%) (Koh.-I: +3/ -7, unverändert 18; Koh.-II: +8/ -7, unverändert 13). Dieses Item wurde aus der SINUS-Studie übernommen (Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Gegenüber der SINUS-Studie (Zustimmung 70% der Evangelischen; „trifft ganz genau zu“: 43%; „trifft eher zu“: 27%) stimmen die Studierenden diesem Item mit 61% bzw. 64% weniger stark zu. Im Trend aber ist die Zustimmung vergleichbar. 385 Item 1.23.2 MP-1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 17 TN (61%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 12 TN (43%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 2 TN (7%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 17 TN (61%) / Koh. II: 18 TN (68%); „trifft eher zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN (Koh. I: +4/ -4, unverändert 20; Koh. II: +13/ -2, unverändert 13). Auch dieses Item wurde unverändert aus der SINUS-Studie und der KMU 5 übernommen (Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM und Bedford-Strohm/ Jung [2015], 500). In der SINUS-Studie stimmen 79% aller befragten Evangelischen dieser Aussage zu („trifft ganz genau zu“: 58%; „trifft eher zu“: 21%). In KMU 5 sind es 61%. Die Zustimmung ist also mit der der SINUS-Studie vergleichbar, gegenüber KMU 5 aber stärker ausgeprägt. 386 Vgl. Huber (2008a), 139. Kohorten an beiden Messpunkten überwiegend auf Ablehnung, d. h. die Studierenden glauben mehrheitlich an einen Gott, wie ihn die Kirche beschreibt. 383 Überraschend ist die gegenüber diesem kirchlich orientierten Glauben an Gott verhal‐ tene Zustimmung der Studierenden zu der Aussage „Der christliche Glaube ist für mich Lebensgrundlage“ (Item 1.23.8). 384 Mehr Zustimmung findet die christlichen Kernaussage „Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat“ (Item 1.23.2). 385 Zum Thema „Ideologie“ gehört auch die Frage der Toleranz gegenüber Menschen mit anderen Einstellungen. 386 Item 1.22.3 („Meine religiöse Überzeugung ist wichtig für meine Identität und mein eigenes Selbstverständnis“) wird in Koh. II überwiegend und bleibend angewählt, während in Koh. I fast die Hälfte der Gruppe das Item an MP 2 neu anwählt. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 183 <?page no="184"?> 387 Item 1.22.3 MP 1: Koh I: 12 TN (43%) / Koh. II: 22 TN (79%); MP 2: Koh I: 23 TN (82%) / Koh. II: 25 TN (89%) (Koh. I: +13/ -2, unverändert 13; Koh. II: +4/ -1, unverändert 23). Im Vergleich zu KMU 5 (Zustimmung der befragten Evangelischen: 58%, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 498) fällt die Zustimmung in beiden Kohorten an MP 2 deutlich höher aus, in Koh. II ist das bereits am MP 1 der Fall. Das Ergebnis dieses Items findet allerdings keine Entsprechung beim Item „Das Christentum ist für mich die einzig akzeptable Religion“ (Item 1.22.5 MP-1: Koh. I: 1 TN / Koh. II: 1 TN; MP-2: Koh.-I: 2 TN / Koh. II: 2 TN). Hier ist die bleibende Nicht-Anwahl in beiden Kohorten überwältigend groß. Auffällig ist TN-53 als einzige*r TN mit bleibender Anwahl in beiden Kohorten gegen den Trend. 388 Item 1.22.4 MP 1: Koh I: 9 TN (32%) / Koh. II: 8 TN (29%); MP 2: Koh I: 3 TN (11%) / Koh. II: 10 TN (36%) (Koh. I: +1/ -7, unverändert 20; Koh. II: +4/ -2, unverändert 22). Die Zustimmung fällt bei den Studierenden deutlich geringer aus als unter den befragten Evangelischen (57%, vgl. Bedford- Strohm/ Jung [2015], 498). 389 Item 1.21.3 („Für mich sind Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden …“) MP-1: „ein religiöses Thema“: Koh. I: 13 TN (46%) / Koh. II: 6 TN (21%); „eher ein religiöses Thema“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 17 TN (61%); „eher kein religiöses Thema“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 5 TN (18%); „kein religiöses Thema“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; MP 2: „ein religiöses Thema“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 14 TN (50%); „eher ein religiöses Thema“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh.-II: 10 TN (36%); „eher kein religiöses Thema“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 3 TN (11%); „kein religiöses Thema“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%) (Koh. I: +4/ -12, unverändert 12; Koh. II: +11/ -4, unverändert 13). Nur an MP 2 findet in beiden Kohorten je eine Person, Werte seien kein religiöses Thema (TN 1 und TN 56). Gegenüber allen Evangelischen in KMU 5 ist die Zustimmung der befragten Studierenden deutlich höher (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 492: „ein religiöses Thema“: 22%; „eher ein religiöses Thema“: 30%). Interessant für die Frage der Glaubenskrise im Studium sind Personen, die dieses Item an MP-2 nicht mehr anwählen (TN-16, TN-35, TN-56). 387 Eine eher auswählende Haltung, die sich offen zeigt gegenüber den religiösen Inhalten anderer Religionen (Item 1.22.4: „Jede Religion hat Stärken und Schwächen, man sollte sich das jeweils Beste herausnehmen“), wird mehrheitlich und bleibend nicht gewählt. In Koh. II ist die Bereitschaft, Inhalte anderer Religionen zu adaptieren, bei mehr Studierenden vorhanden, in Koh.-I nimmt diese Bereitschaft im Studium ab. 388 Eine in den beiden Kohorten unterschiedliche Entwicklung zeigt sich bei der Einschät‐ zung von Werten wie Gerechtigkeit/ Freiheit/ Frieden als religiösen Themen (Item 1.21.3). Diese Werte werden an MP 1 in beiden Gruppen mehrheitlich als religiöse Werte eingestuft. Während Koh.-II bei der Zustimmung bleibt oder diese noch verstärkt, nimmt die Zustim‐ mung in Koh.-I an MP-2 ab. 389 Die Zustimmung zu einer ethischen Zuspitzung des Glaubens (Item 1.23.9: „Durch meinen Glauben weiß ich, was richtig und was falsch ist“) ist in beiden Kohorten breit gestreut. Sie nimmt im Verlauf des Studiums eher ab, in Koh. I klarer als in Koh. II. Offenbar regt das Studium zu einer neuen Einordnung des Verhältnisses von Glauben und ethischer Orientierung an. Bei vier Personen sind deutliche Veränderungen ihrer Haltung zu verzeichnen. Besonders auffällig sind TN 26 und TN 41, die beide ihre Haltung maximal verändern in Richtung vollständiger Ablehnung an MP 2. Etwas moderater trifft diese 184 3 Auswertung der Daten <?page no="185"?> 390 Item 1.23.9 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft eher zu“: Koh. I: 15 TN (54%) / Koh. II: 13 TN (46%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 3 TN (11%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft eher zu“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 2 (7%) TN (Koh. I: +2/ -12, unverändert 14; Koh. II: +8/ -7, unverändert 13). An MP 1 ist die Zustimmung der Studierenden mit der der SINUS-Studie (trifft ganz genau zu: 32%; trifft eher zu: 33%) vergleichbar, an MP 2 hingegen fällt sie geringer aus (Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis- CD-ROM). Auffällig ist die negative Entwicklung in Koh.-I. 391 Huber (2007), 23. Es geht um die „soziale Validierung“ des individuellen Bezugs zur Transzendenz. Huber spricht von „gemeinschaftlichen Handlungen […] in einem öffentlichen Rahmen“ (ebd.). Entwicklung auch auf TN 13 und TN 36 zu. Eine solche Veränderung kann auf eine Krise hinweisen. 390 Es ist interessant, dass bei den allgemeinen religiösen Themen ohne Bezug auf die Bibel die Zustimmung höher ausfällt als bei thematisch vergleichbaren Items mit biblischem Bezug. Eine Ausnahme bildet die ethische Orientierung. Die Erwartung, in der Bibel ethi‐ sche Orientierung zu finden, ist deutlich ausgeprägter, als das für den Glauben insgesamt der Fall ist. 3.3.3.2.3 Kerndimension „Öffentliche Praxis“ 3.3.3.2.3.1 Der Umgang mit der Bibel und die Kerndimension „Öffentliche Praxis“ Die Kerndimension „öffentliche Praxis“ meint in der Theorie Hubers die Teilnahme am Gottesdienst und anderen ritualisierten Formaten, wie z. B. gemeinschaftliche Gebete. Das Modell Hubers wird auf die Frage der Bibelreligiosität hin adaptiert. Ausgangspunkt ist Hubers Beschreibung, dass „diese am stärksten institutionalisierte Dimension […] zur Einbindung in ein soziales Netzwerk [führt]“. 391 Gefragt wird also nach überindividuellen, institutionalisierten religiösen Kontexten, in denen die Bibel für die Befragten eine Rolle spielt. Interessant ist bei dieser Kerndimension zum einen die Entwicklung des Bibellesens in der Gruppe (Item 1.4.2), zum anderen die Bibel als Bestandteil des kirchlichen Engagements und der Beteiligung am kirchlichen Leben (Frage 1.2 an MP 2: „In welchen Zusammen‐ hängen spielen Bibeltexte für Sie zur Zeit eine Rolle“/ MP 1: „… haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt“). Die entsprechenden Items sind im Detail in Abschnitt 3.2 ausgewertet. Ganz eindeutig ist die Bibel formalisierten öffentlichen Gemeindekontexten oder Gruppenkontexten zugeordnet und hat für die Studierenden dort ihren Sitz im Leben (außerhalb von Studienkontexten). Das betrifft in erster Linie den Gottesdienst, der in beiden Kohorten durch das Studium hindurch Kontext biblischer Texte bleibt. Es betrifft darüber hinaus die Kontexte des eigenen Engagements, z.-B. Konfirmand*innenunterricht und Freizeiten, sofern sie im Studium beibehalten oder - seltener - neu aufgenommen werden. In beiden Kohorten gibt es z. B. nur vier Personen, für die die Bibel im Zusam‐ menhang von Freizeiten zu keinem Zeitpunkt eine Rolle spielt (TN 16, TN 27, TN 36, TN 74). Insofern gehört die Bibel stärker zur Kerndimension „öffentliche Praxis“ als zur 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 185 <?page no="186"?> 392 Vgl. zur Bibelfrömmigkeit die Ergebnisse von Daiber/ Lukatis (1990), 200, s. Abschnitt A.1.4.3.1.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). Zur Kerndimension „private Praxis“ s. Abschnitt 3.3.3.2.4. 393 Frage 1.18 (MP 1: „Abgesehen vom Gottesdienstbesuch - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? “/ MP 2: „Abgesehen vom Gottesdienstbesuch und Studienverpflichtung [Gestaltung von Konfirmationsunterricht] - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? “) MP 1: Koh I: 26 TN (93%) / Koh. II: 28 TN (100%); MP 2: Koh I: 24 TN (86%) / Koh. II: 25 TN (89%) (Koh. I: +0/ -2, unverändert 26; Koh. II: +0/ -3, unverändert 25). In KMU 5 liegt die Beteiligung am kirchlichen Leben aller Evangelischen bei 25%, vgl. Bedford-Strohm/ Jung (2015), 486. Neben der Beteiligung am kirchlichen Leben geben 17 TN (Koh. I) und 13 TN (Koh. II) an MP 2 an, sich noch anderweitig zu engagieren (Frage 1.20). Dabei reicht das Engagement von Sport über die Feuerwehr bis zur Gesundheitsprävention oder ehrenamtlicher Arbeit in sozialen Projekten. 394 Item 1.18.11 MP 1: Koh I: 17 TN / Koh. II: 20 TN; MP 2: Koh I: 7 TN / Koh. II: 6 TN (Koh. I: +1/ -11, unverändert 16; Koh. II: +0/ -14 unverändert 14). Item 1.18.10 MP 1: Koh I: 13 TN / Koh. II: 16 TN; MP 2: Koh I: 4 TN / Koh. II: 8 TN (Koh. I: +1/ -10, unverändert 17; Koh. II: +0/ -8, unverändert 20). Item 1.18.6 MP 1: Koh I: 15 TN / Koh. II: 15 TN; MP 2: Koh I: 8 TN / Koh. II: 9 TN (Koh. I: +2/ -9, unverändert 17; Koh. II: +1/ -7, unverändert 20). Item 1.18.7 MP-1: Koh I: 6 TN / Koh. II: 6 TN; MP-2: Koh I: 2 TN / Koh. II: 3 TN (Koh. I: +1/ -5, unverändert 22; Koh. II: +3/ -6; unverändert 19). Item 1.18.2 MP-1: Koh I: 10 TN / Koh. II: 20 TN; MP-2: Koh I: 6 TN / Koh. II: 11 TN (Koh. I: +2/ -6, unverändert 20; Koh.-II: +2/ -11, unverändert 15). Kerndimension „private Praxis“. 392 Interessant ist der Vergleich mit der öffentlichen Praxis als Dimension der Religiosität insgesamt. 3.3.3.2.3.2 Vergleich: Kerndimension „Öffentliche Praxis“ allgemein (ausgewählte Items) Fast geschlossen beteiligen sich die Studierenden am kirchlichen Leben (Frage 1.18). Dies gilt für beide Kohorten an beiden Messpunkten. 393 Gegenüber der Gesamtzahl aller Evangelischen in KMU 5 ist diese Beteiligung weit überdurchschnittlich. Dabei entwickeln sich unterschiedliche Bereiche des Engagements im Verlauf des Studiums verschieden. Generell gilt, dass, je stärker die Beteiligung an eine feste Einbettung in einen kirchlichen Zusammenhang gebunden ist, sie desto stärker im Studienverlauf einbricht. Dies gilt für die Beteiligung am Konfirmationsunterricht (Item 1.18.11), an Kinderfreizeiten (Item 1.18.10), die Teilnahme an Gruppen und Kreisen (Item 1.18.6), die regelmäßige Mitarbeit etwa am Gemeindebrief (Item 1.18.7) oder die aktive Mitwirkung an Gottesdiensten (Item 1.18.2). 394 Aus dem Abgleich der Ergebnisse von Item 1.2.2 (Gottesdienst als Ort der Begegnung mit biblischen Texten) mit Item 1.18.2 erschließt sich, dass der reine Gottesdienstbesuch ohne eigene aktive Mitwirkung einerseits ein Kontext für biblische Texte ist, andererseits aber auch zur öffentlichen Praxis der meisten Studierenden gehört. Im Vergleich mit dem Konfirmationsunterricht als Begegnungskontext mit biblischen Texten (Item 1.2.3) ergibt sich an dieser Stelle eine Inkonsistenz mit Item 1.18.11: In beiden Kohorten geben an MP 2 mehr Personen an, dass biblische Texte im Rahmen des Konfirmationsunterrichts eine Rolle spielen, als sich überhaupt Personen am Konfirmati‐ onsunterricht beteiligen. Es ist den Angaben von Item 1.18.11 der Vorzug zu geben, da in das Ergebnis des Items 1.2.3 an MP 2 bereits die beginnende Planung von Einheiten im Konfirmationsunterricht im vierten Semester des Studiums eingeflossen sein könnte. Vor diesem Hintergrund ist es auffällig, dass die Reduktion der Beteiligung an der Übernahme von Leitungsaufgaben (Item 1.18.1) nicht so deutlich ausfällt: Immerhin elf 186 3 Auswertung der Daten <?page no="187"?> 395 Item 1.18.1 MP-1: Koh I: 17 TN / Koh.-II: 23 TN; MP-2: Koh I: 14 TN / Koh.-II: 15 TN (Koh.-I: +3/ -6, unverändert 19; Koh. II: +0/ -8; unverändert 20). Item 1.18.9 MP 1: Koh I: 22 TN / Koh. II: 25 TN; MP 2: Koh I: 13 TN / Koh. II: 19 TN (Koh. I: +1/ -10, unverändert 17; Koh. II: +0/ -6; unverändert 22). 396 Item 1.18.8 MP 1: Koh I: 16 TN / Koh. II: 19 TN; MP 2: Koh I: 16 TN / Koh. II: 18 TN (Koh. I: +2/ -2, unverändert 24; Koh. II: +3/ -4, unverändert 21). Item 1.18.3 MP 1: Koh I: 15 TN / Koh. II: 16 TN; MP 2: Koh I: 14 TN / Koh. II: 12 TN (Koh. I: +6/ -7, unverändert 15; Koh. II: +4/ -8, unverändert 16). Item 1.18.5 MP 1: Koh I: 6 TN / Koh. II: 9 TN; MP-2: Koh I: 5 TN / Koh. II: 5 TN (Koh. I: +2/ -3, unverändert 23; Koh.-II: +2/ -6, unverändert 20). 397 Item 1.23.10 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 2 TN (7%); MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 13 TN (46%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh.-II: 2 (7%) TN (Koh. I: +6/ -10, unverändert 12; Koh. II: +7/ -6, unverändert 15). Das Item 1.23.10 wurde der SINUS-Studie entnommen. Hier stimmen 59% der befragten Evangelischen zu, davon 29% „trifft ganz genau zu“ und 30% „trifft eher zu“. Koh. II liegt mit den Ergebnissen nahe bei dem Ergebnis für die Befragten der SINUS-Studie, während in Koh. I die Zustimmung weit darunter liegt (vgl. Hempelmann u.-a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Personen in Koh. I und 15 Personen in Koh. II behalten diese Praxis im Studienverlauf bei. Gleiches gilt für die Beteiligung an Jugendfreizeiten (Item 1.18.9). Hier behalten zwölf Personen in Koh. I und 19 Personen in Koh. II ihre Beteiligung bei. 395 Freizeiten gehören zu den kontinuierlicheren Kontexten biblischer Texte in beiden Kohorten (Item 1.2.8), wobei nicht zwischen eigener Teilnahme und Ausübung einer Leitungsfunktion unterschieden wird. Auch bei den Freizeiten ist in Koh. II eine noch stärkere Kontinuität zu beobachten als in Koh.-I. Die Kontinuität bei projektbezogener Mitarbeit (Item 1.18.8) ist noch stärker ausgeprägt: Hier ist jeweils die halbe Kohorte bleibend engagiert, und daneben nehmen einige Teil‐ nehmer*innen eine solche Beteiligung im Studium neu auf, andere dagegen legen sie ab. Konzerte oder kulturelle Veranstaltungen (Item 1.18.3) werden in beiden Kohorten jeweils von der halben Kohorte besucht, wobei zu MP 2 viel Fluktuation festzustellen ist. Wenig Neigung besteht bei allen Studierenden, sich an Chören oder Musikgruppen zu beteiligen (Item 1.18.5). 396 Interessant ist aber, dass die starke eigene Beteiligung am kirchlichen Leben eher nicht dazu führt, dies auch von anderen und allgemein einzufordern. Die Zustimmung zum Item „Meiner Meinung nach gehört es zum Christsein dazu, sich am kirchlichen Leben zu beteiligen“ (Item 1.23.10) liegt in beiden Kohorten weitgehend im Mittelbereich („trifft eher zu“/ „trifft eher nicht zu“), wobei jeweils die Hälfte der Befragten ihre Position an MP 2 modifiziert, ohne dass eine Tendenz erkennbar würde. 397 Die Bewertung des eigenen kirchlichen Engagements im Rahmen des religiösen Selbst‐ verständnisses kann ebenfalls mit den Ergebnissen für alle Evangelischen in KMU 5 verglichen werden. Die Items 1.19.1 („Mein Engagement verbindet mich mit der christlichen Tradition“) und 1.19.2 („Mein Engagement ist für mich ein Ort, meinen Glauben auszu‐ drücken“) finden in beiden Kohorten überwiegend Zustimmung. Im Vergleich zu KMU 5 findet die Verbindung von Engagement und Tradition bei den Studierenden allerdings etwas weniger Zustimmung. Dagegen sehen in Koh. II die Studierenden ihr Engagement überwiegend als Ausdruck des Glaubens und übertreffen das Votum der Evangelischen, 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 187 <?page no="188"?> 398 Item 1.19.1 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 9 TN (32%); „stimme eher zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 12 TN (43%); „lehne eher ab“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 6 TN (21%); „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); MP-2: „stimme stark zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh.-II: 10 TN (36%); „stimme eher zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 14 TN (50%); „lehne eher ab“: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 1 TN (4%); „lehne stark ab“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 3 TN (11%) (Koh. I: +5/ -8, unverändert 11; Koh. II: +10/ -6, unverändert 9). Zum Vergleich: KMU 5: Zustimmung 89% (44,6% stark; 44,8% eher, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 487). Item 1.19.2 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 22 TN (79%); „stimme eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 5 TN (18%); „lehne eher ab“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 1 TN (4%); „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; MP-2: „stimme stark zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh.-II: 21 TN (75%); „stimme eher zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 3 TN (11%); „lehne eher ab“: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 0 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); keine Angabe: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 3 TN (11%) (Koh. I: +4/ -7, unverändert 13; Koh. II: +4/ -4, unverändert 17). Zum Vergleich: KMU 5: Zustimmung 88% (51% stark; 37% eher, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 487). 399 Item 1.19.4 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh. II: 17 TN (61%); „stimme eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 6 TN (21%); „lehne eher ab“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 5 TN (18%); „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN; MP-2: „stimme stark zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 17 TN (61%); „stimme eher zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 7 TN (25%); „lehne eher ab“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 0 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); keine Angabe: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 3 TN (11%) (Koh. I: +4/ -7, unverändert 13; Koh. II: +7/ -6, unverändert 12. Zum Vergleich: KMU 5: Zustimmung 86% (45% stark; 41% eher, vgl. Bedford- Strohm/ Jung [2015], 487). In Koh. I liegt die Zustimmung an MP 1 weit über dem Wert von KMU 5, an MP 2 deutlich unter diesem Wert. In Koh. II liegt die Zustimmung an beiden Messpunkten nahe bei diesem Wert. 400 Verringerung des Bibellesens allein: TN 15, TN 51, TN 62, Verstärkung des Bibellesens allein: TN 10, TN-67, TN-70 (vgl. Item 1.4.1 in Abschnitt 3.2.3.1). 401 Item 1.4.1 Votum „trifft eher zu“ an MP 1 und MP 2: TN 22, TN 23, TN 57; Votum „trifft vollständig zu“ an MP 1 und MP 2: TN 53, TN 58. Zu Kontexten des Bibellesens allein und dieser vergleichsweise selten geübten Praxis vgl. Engels (1991), 100-102. während sich die Zustimmung zu diesem Item in Koh. I im Verlauf des Studiums etwas abschwächt. 398 Interessant ist die Entwicklung von TN 64: Zu Beginn des Studiums stimmt die Person der Bewertung des eigenen Engagements als Ausdruck des Glaubens eher zu, im vierten Semester lehnt diese Person diese Bewertung dann stark ab. Das Engagement als Möglichkeit, Menschen für den Glauben zu begeistern (Item 1.19.4) findet ebenfalls überwiegend Zustimmung. Auffällig ist auch hier die Veränderung bei TN 64 von moderater Zustimmung zu starker Ablehnung. 399 Dies kann Anzeichen einer Glaubenskrise sein. 3.3.3.2.4 Kerndimension „private Praxis“ 3.3.3.2.4.1 Der Umgang mit der Bibel und die Kerndimension „Private Praxis“ Das regelmäßige Bibellesen allein, also als private religiöse Praxis, wird in beiden Kohorten durchgängig eher nicht gepflegt (Item 1.4.1, vgl. Abschnitt 3.2.3.1). In beiden Kohorten gibt es Personen, bei denen das regelmäßige Bibellesen allein abnimmt, und etwa eine gleiche Personenzahl, bei denen das Bibellesen allein zunimmt. Einige Personen verringern das Bibellesen allein deutlich, während andere diese Praxis verstärken. 400 Insgesamt fünf von 56 Personen geben an beiden Messpunkten an, das Bibellesen allein zu praktizieren. 401 Die konkrete Häufigkeit des Bibellesens wird in Frage 1.3 thematisiert (vgl. Abschnitt 3.2.1). Die meisten Studierenden lesen „ein bis dreimal im Monat“ oder seltener in der Bibel. 188 3 Auswertung der Daten <?page no="189"?> 402 TN-53 und TN-58. 403 Vgl. Item 1.2.7 (Abschnitt 3.2.2.7). Personen, die an MP 2 in einem Hauskreis oder Bibelkreis die Bibel nutzen: TN-25, TN-32, TN-48 (alle MP-1 und MP-2); nur MP-2: TN-38, TN-57, TN-67. 404 Item 1.23.6 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 5 TN (18%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 7 TN (25%); MP 2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 5 TN (18%) / Koh.-II: 5 TN (18%); „trifft eher zu“: Koh.-I: 7 TN (25%) / Koh.-II: 9 TN (32%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 11 TN (39%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh.-II: 3 TN (11%) (Koh. I: +7/ -6, unverändert 15; Koh. II: +8/ -3, unverändert 17). Dieses Item wurde aus der SINUS-Studie übernommen. Zum Vergleich: Hier stimmen 66% zu (45% trifft ganz genau zu; 21% trifft eher zu, vgl. Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM.). Die Zustimmung der Studierenden zur privaten Praxis des Gebets liegt weit unter dem Ergebnis der SINUS-Studie. Hier könnten andere Frömmigkeitsstile in Baden-Württemberg die Unterschiede im Ergebnis erklären. Im Vergleich zu KMU 5 liegen die Studierenden in einem ähnlichen Bereich, wenn man das Beten mit der Mindesthäufigkeit einmal im Monat als Vergleichsgröße für eine Zustimmung ansetzt (41% aller Evangelischen, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 496). 405 Item 1.4.1 (MP 2: Bibellesen allein trifft eher zu oder voll zu): TN 10, TN 19, TN 22, TN 23, TN 25, TN 53, TN 57, TN 58, TN 66, TN 67, TN 70, TN 72; Zustimmung Item 1.4.1 an MP 2 und Zustimmung zur Gebetspraxis an MP 2 (Item 1.23.6): TN 10, TN 23, TN 25, TN 53, TN 57, TN 58, TN 66, TN 67, TN-70. Nur zwei Personen bilden eine Ausnahme und lesen häufiger in der Bibel. 402 An MP 2 wählen immerhin insgesamt sieben Personen die Option „nie“ (außerhalb des Studiums). Insgesamt nimmt die Häufigkeit des privaten Bibellesens während des Studiums eher noch ab. Auch Hauskreise oder Bibelkreise sind nur für sehr wenige Personen bleibende Kontexte für den Umgang mit der Bibel. Insgesamt elf Personen haben zu Beginn des Studiums Erfahrung mit solchen Leseformen, an MP 2 besuchen nur noch sechs Personen Haus- oder Bibelkreise. 403 3.3.3.2.4.2 Vergleich: Kerndimension „Private Praxis“ allgemein Die Dimension der privaten Praxis innerhalb der Religiosität allgemein wird abgebildet durch die Frage nach dem Gebet (Item 1.23.6: „Beten gehört zu meinem Alltag dazu“). In beiden Kohorten spielt das Gebet eher keine Rolle in der privaten religiösen Praxis. Bei jeweils knapp der Hälfte der Befragten verändert sich die Gebetspraxis im Studium, ohne dass eine klare Tendenz erkennbar wäre. Das Gebet als Praxis privater Religiosität wird von den befragten Studierenden deutlich seltener genannt, als das in den Vergleichsgruppen der Fall ist. 404 Im Blick auf die religiöse Sozialisation zeigt sich, dass Beten eine Form ist, die in den Herkunftsfamilien nicht regelmäßig praktiziert wurde (vgl. Abschnitt 3.1.2). Interessant ist der Zusammenhang zwischen dem Bibellesen allein und der privaten Gebetspraxis. Von insgesamt zwölf Personen, die an MP 2 angeben, die Bibel alleine zu lesen, praktizieren neun Personen auch das Gebet im Alltag. 405 Mit anderen über den Glauben zu sprechen, gehört ebenfalls zur Dimension privater Praxis. Dies fällt den meisten Studierenden zu Beginn des Studiums nicht schwer (Item 1.23.16: „Ich finde es schwer, mit anderen über meinen Glauben zu sprechen“). Das Ergebnis beider Kohorten zeigt ein ähnliches Bild. An MP 1 votiert niemand für die Option „trifft ganz genau zu“, doch dies ändert sich in beiden Kohorten im Studienverlauf. Insgesamt nimmt die Zustimmung zu dieser Aussage im Studienverlauf eher zu als ab. Die Ergebnisse an MP-2 zeigen in beiden Kohorten, dass es in der Mitte des Studiums vielen schwerer fällt, mit anderen über den Glauben zu sprechen als zu Beginn des Studiums. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 189 <?page no="190"?> 406 Item 1.23.16 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 12 TN (43%) / Koh.-II: 11 TN (39%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh.-I: 3 TN (11%) / Koh. II: 3 TN (11%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 9 TN (32%) (Koh. I: +10/ -2, unverändert 16; Koh. II: +9/ -6, unverändert 13). Zum Vergleich: Zustimmung in der SINUS-Studie 29% (trifft ganz genau zu: 12%; trifft eher zu: 17%, vgl. Hempelmann u.-a. [2015], Chart 83 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Die Ergebnisse an MP-2 zeigen, dass es den Studierenden im Studium schwerer fällt, über ihren Glauben zu sprechen, als dies für die befragten Evangelischen aus Baden-Württemberg zutrifft. Zu Beginn des Studiums ist die Zustimmung der Studierenden vergleichbar mit dem Ergebnis der SINUS-Studie. Dieser Befund deutet eher darauf hin, dass im Studium ein Prozess einsetzt, der das Sprechen über den Glauben erschwert. Es liegt nahe, diesen Prozess mit dem Wegfall kirchlicher Ansprechpersonen durch einen möglichen Ortswechsel zu erklären. 407 Entwicklung in Richtung auf deutlich mehr Zustimmung zu Item 1.23.16 (d. h. zunehmend Schwierigkeiten, mit anderen über den Glauben zu sprechen) bei insgesamt elf Personen (TN 1, TN-11, TN-12, TN-16, TN-25, TN-31, TN-35, TN-57, TN-59, TN-64, TN-74). 408 Vgl. Huber (2008a), 139 und 156: „Du-Erfahrung“ (theistisch); „All-Erfahrung“ (pantheistisch); „Die Kerndimension der religiösen Erfahrung bezieht sich auf die soziale Erwartung, dass die Transzendenz für religiöse Menschen in gewisser Weise ‚wahrnehmbar‘ ist.“ Gerade im Vergleich zu den Ergebnissen der SINUS-Studie ist dies auffällig, zumal eine Professionalisierung eher zu einer stärkeren Sprachfähigkeit führen sollte. 406 Wenn allerdings die Kontexte des Dialogs über den Glauben berücksichtigt werden, zeigt sich, dass in beiden Kohorten vor allem kirchliche Mitarbeitende Gesprächspartner*innen sind (s. Abschnitt 3.1.2), die im Studienkontext vermutlich nicht mehr so stark greifbar sind wie im Herkunftskontext. Wie auch der Umgang mit der Bibel gehört das Sprechen über den Glauben stärker in den Kontext öffentlicher Praxis als in den Kontext privater Praxis. Interessant für die Frage nach Glaubenskrisen sind bei diesem Item starke Veränderungen bei einzelnen Personen. 407 3.3.3.2.5 Kerndimension „Erfahrung“ 3.3.3.2.5.1 Der Umgang mit der Bibel und die Kerndimension „Erfahrung“ Einige Items der Befragung zielen auf das emotionale Verhältnis der Studierenden zur Bibel. 408 Ein solches Verhältnis wird auch in einigen Äußerungen auf die Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) deutlich, etwa wenn die Bibel als „Freundin“ bezeichnet wird (TN 51). Die Kerndimension der Du-Erfahrung im Hinblick auf die Bibel wird in den Items thematisiert, in denen ein persönliches Verhältnis zur Bibel auf der Ebene der persönlichen Erfahrung angesprochen wird. Dies betrifft Item 1.10.1 („In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder“) und das negativ formulierte Item 1.10.3 („Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Relevanz für mein Leben haben“, vgl. Abschnitt 3.3.4.2.2). 190 3 Auswertung der Daten <?page no="191"?> Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.1 „In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder.“ 2016∕2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 0) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 10) 2018 trifft eher zu (gesamt: 12) 2018 trifft voll zu (gesamt: 6) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 0) gleich (13) mehr Zustimmung (6) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 6) (5) TN 12; TN 13; TN 19; TN 26; TN 34 TN 25 2016 trifft eher zu (gesamt: 17) (5) TN 15; TN 18; TN 22; TN 33; TN 35 (7) TN 6; TN 11; TN 17; TN 28; TN 29; TN 30 TN 36 (5) TN 1; TN 7; TN 9; TN 10; TN 27 2016 trifft voll zu (gesamt: 5) weniger Zustimmung (9) (4) TN 16; TN 23; TN 31; TN 32; TN 4 2016 keine Angabe Abbildung 46: Bedeutung der Bibel: In den Worten, Bildern und Geschichten findet sich das eigene Leben (Kohorte-I) Die meisten Voten der Studierenden zu Item 1.10.1 bewegen sich im Mittelbereich (18 Personen). In Koh. I nimmt die Zustimmung im Studienverlauf eher ab (+6/ -9). Interessant ist die Extremposition „trifft voll zu“. Nur eine Person vertritt diese Position in Koh. I bleibend (TN 4), die übrigen dieser Voten betreffen nur einen MP. Es wird deutlich, dass sich durch das Studium hindurch im Verhältnis zur Bibel eher moderate Veränderungen ergeben. Die Position „trifft gar nicht zu“ wählt in Koh. I niemand. Starke Veränderungen, die auf eine Krise hinweisen, sind nicht festzustellen. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 191 <?page no="192"?> Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte II (N=28) Item 1.10.1 „In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder.“ 2017 ∕ 2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 8) 2019 trifft eher zu (gesamt: 17) 2019 trifft voll zu (gesamt: 2) 2019 keine Angabe 2017 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) gleich (17) TN 74 mehr Zustimmung (8) 2017 trifft eher nicht zu (gesamt: 12) (5) TN 38; TN 46; TN 47; TN 69; TN 71; (7) TN 40; TN 41; TN 57; TN 61; TN 63; TN 67; TN 72 2017 trifft eher zu (gesamt: 13) TN 51; TN 56 (10) TN 43; TN 48; TN 49; TN 54; TN 55; TN 59; TN 60; TN 62; TN 66; TN 70 TN 58 2017 trifft voll zu (gesamt: 2) weniger Zustimmung (3) TN 64 TN 53 2017 keine Angabe Abbildung 47: Bedeutung der Bibel: In den Worten, Bildern und Geschichten findet sich das eigene Leben (Kohorte-II) In Koh. II nimmt die Zustimmung im Vergleich mit Koh. I eher zu (+8/ -3). Noch mehr Personen als in Koh. I bleiben im mittleren Bereich (24 Personen). Es werden wenig Extrempositionen vertreten. Auffällig ist TN 74 mit einer bleibend ablehnenden Haltung. Wie TN 4 vertritt auch TN 53 die Position „trifft voll zu“ bleibend. Auffällig ist der Sprung bei TN 64 von voller Zustimmung zu moderater Ablehnung. Dies könnte auf eine 192 3 Auswertung der Daten <?page no="193"?> 409 Item 1.10.1 MP 1: „trifft voll zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft eher zu“: Koh. I: 17 TN (61%) / Koh. II: 13 TN (46%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 12 TN (43%); „trifft gar nicht“ zu: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); MP 2: „trifft voll zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft eher zu“: Koh. I: 12 TN (43%) / Koh. II: 17 TN (61%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 10 TN (36%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%). Zum Vergleich: KMU 5: trifft voll zu: 18%; trifft eher zu: 47%; trifft eher nicht zu: 29%; trifft gar nicht zu: 6% (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 498). Die Verteilung der Voten entspricht in beiden Kohorten der Tendenz aller Evangelischen in KMU 5 zur moderaten Zustimmung; beide Kohorten nähern sich dem Zustimmungswert von KMU 5 an MP-2 an. 410 Item 1.23.3 MP-1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 19 TN (68%) / Koh. II: 16 TN (57%); „trifft eher zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 10 TN (36%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh.-I: 20 TN (71%) / Koh.-II: 19 TN (68%); „trifft eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%) (Koh. I: +5/ -4, unverändert 19; Koh. II: +8/ -5, unverändert 15). Zum Vergleich: SINUS-Studie Zustimmung 82% (trifft ganz genau zu: 57%; trifft eher zu: 25%, vgl. Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Das Item „Der Glaube gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit“ in KMU 5 findet unter den Evangelischen bei 51% der Befragten Zustimmung (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 501). Gegenüber der SINUS- Studie und KMU 5 fällt die Zustimmung in beiden Kohorten deutlich höher aus. Krise hinweisen. 409 Die Abbildung der Koh. II visualisiert Personen, die Besonderheiten aufweisen und im Vergleich mit der relativ homogenen Restgruppe bereits an anderen Stellen aufgefallen sind (TN 53, TN 64, TN 74). In beiden Kohorten bleibt die größte Gruppe an beiden Messpunkten allerdings bei moderater Zustimmung, je fünf Personen bleiben bei moderater Ablehnung. Im Gesamtbild ist das Ergebnis in beiden Kohorten vergleichbar mit dem Ergebnis bei Frage 1.6 (Wichtigkeit der Bibel für den Glauben, vgl. Abschnitt 3.2.4.1). Die Ergebnisse von Item 1.10.1 bilden sich in Item 1.10.3 weitgehend ab, d. h. die Bibel wird als lebensrelevant wahrgenommen (vgl. Abschnitt 3.3.4.2.2). 3.3.3.2.5.2 Vergleich: Kerndimension „Erfahrung“ allgemein (ausgewählte Items) Berücksichtigt werden in diesem Abschnitt solche Items, die sich auf die emotionale Dimension der Religiosität beziehen (Item 1.23.7: „Ich spüre Gottes Gegenwart in meinem Leben“ und Item 1.23.3: „Der Glaube gibt mir inneren Halt“). Das Bild beider Kohorten ist für die beiden Items jeweils vergleichbar. Eindeutig ist das Ergebnis bei Item 1.23.3. In beiden Kohorten stimmen fast alle Personen zu. Nur eine Person stimmt bleibend nicht zu (TN-74). 410 Moderater fällt die Zustimmung zum pointierter formulierten Item 1.23.7 aus. In beiden Kohorten bleibt die jeweils größte Gruppe beim Votum „trifft eher zu“ (Koh. I: 13 Personen, Koh. II: zehn Personen). Die Veränderungsbewegungen in Koh. I sind ausgeglichen, 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 193 <?page no="194"?> 411 Item 1.23.7 MP 1: „trifft ganz genau zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 6 TN (21%); „trifft eher zu“: Koh. I: 18 TN (64%) / Koh. II: 14 TN (50%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 5 TN (18%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 2 TN (7%); keine Angabe: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (4%); MP-2: „trifft ganz genau zu“ Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 7 TN (25%); „trifft eher zu“: Koh. I: 19 TN (68%) / Koh. II: 16 TN (57%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 0 TN (25%) / Koh. II: 1 TN (4%) (Koh. I: +5/ -6, unverändert 17; Koh. II: +7/ -3, unverändert 17). Zum Vergleich: SINUS-Studie: Zustimmung 70% (trifft ganz genau zu: 44%; trifft eher zu: 25%, vgl. Hempelmann u. a. [2015], Chart 79 der beigelegten Ergebnis-CD-ROM). Das Item „Ich hatte Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, mit Gott oder einer spirituellen Macht in Kontakt zu sein“ in KMU 5 findet unter den Evangelischen bei 30,5% der Befragten Zustimmung (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 501). Gegenüber KMU 5 fällt die Zustimmung in beiden Kohorten deutlich höher aus. Gegenüber der SINUS-Studie fällt auf, dass in beiden Kohorten die Zustimmung zwar insgesamt hoch, aber weniger ausgeprägt ist (die höchsten Werte bei „trifft eher zu“). 412 Item 1.19.3 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 6 TN (21%) / Koh. II: 13 TN (46%); „stimme eher zu“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh. II: 10 TN (36%); „lehne eher ab“: Koh. I: 7 TN (25%) / Koh. II: 5 TN (18%); „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN; MP-2: „stimme stark zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 18 TN (64%); „stimme eher zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 5 TN (18%); „lehne eher ab“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 2 TN (7%); „lehne stark ab“: Koh. I: 0 TN / Koh.-II: 0 TN; keine Angabe: Koh. I: 4 TN (14%) / Koh. II: 3 TN (11%) (Koh. I: +7/ -7, unverändert 10; Koh. II: +10/ -4, unverändert 11). Zum Vergleich: KMU 5: Zustimmung 80% (stimme stark zu: 39%; stimme eher zu: 41%, vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 487). In Koh. I ist die Zustimmung gegenüber dem Votum aller Evangelischen in KMU 5 schwächer ausgeprägt und sinkt zudem während des Studiums. Die Zustimmung in Koh. II ist mit KMU 5 vergleichbar und prägt sich im Studium noch deutlicher aus. während in Koh. II eine Tendenz zu größerer Zustimmung an MP 2 besteht. Auffällig ist auch hier TN-74 mit kontinuierlicher vollständiger Ablehnung. 411 Das kirchliche Engagement als „Ort intensiver religiöser Erfahrung“ (Item 1.19.3) wird von den Studierenden unterschiedlich bewertet. In Koh. I stimmen weniger Personen diesem Item bleibend zu als in Koh. II. Wie bei Item 1.23.7 sind in Koh. I die Veränderungs‐ bewegungen ausgeglichen, während in Koh. II eine Tendenz zur stärkeren Zustimmung besteht. 412 Die Items, die nach allgemeiner religiöser Erfahrung fragen, erhalten mehr Zustimmung als die erfahrungsbezogenen Items zur Bibel. Diese Tendenz entspricht der Tendenz im Bereich der Kerndimension „Ideologie“: Die Zustimmung zum Gottesglauben allgemein ist stärker ausgeprägt als die Wichtigkeit der Bibel. 3.3.3.2.6 Ergebnis der quantitativen Panelfragen Die Auswertung der quantitativen Items der Panelbefragung ergibt ein differenziertes Bild der Studierendenschaft hinsichtlich der Entwicklung von Bibelreligiosität und allgemeiner Religiosität im Prozess des Studiums. Als hilfreich zur Differenzierung erweist sich die Anwendung der Kerndimensionen. Bereits in Abschnitt 3.2 ist deutlich geworden, dass biblische Texte vor allem in den gemeinschaftlichen kirchlichen Aktivitäten eine Rolle spielen. Hier greift die Kerndimen‐ sion „öffentliche Praxis“ gegenüber der Kerndimension „private Praxis“. Der Sitz im Leben biblischer Texte ist für die meisten Befragten die öffentliche Praxis; durch das Studium hindurch sind dies bleibend vor allem gottesdienstliche Formen. Wenn die Kontexte öffentlich gelebter Religiosität im Studium wegfallen, dann fallen damit auch Kontexte des Umgangs mit biblischen Texten weg. Dies gilt auch für den Austausch über den Glauben. 194 3 Auswertung der Daten <?page no="195"?> Dieser hatte schon vor dem Studium seinen Kontext im kirchlichen Raum (vgl. Abschnitt 3.1.2) und nimmt durchs Studium hindurch eher ab - vermutlich, weil die entsprechenden Kontexte nicht beibehalten und nur zum Teil ersetzt werden können. Die Praxis des privaten Bibellesens ist wenig verbreitet. Wenn es stattfindet, dann lässt sich diese Praxis mit der ebenso seltenen privaten Gebetspraxis korrelieren. Die Bibel wird als Inhalt des Glaubens (Kerndimension „Ideologie“) für moderat wichtig gehalten. Ihre Wichtigkeit nimmt im Studium eher zu (vgl. Abschnitt 3.2.4), allerdings bleibt sie als Inhalt des Glaubens hinter der Zustimmung zum allgemeinen Gottesglauben zurück. Die Bibel ist zwar „wichtig“, aber der allgemeinen Religiosität eher nachgeordnet oder zugeordnet. Die von den meisten konstatierte „Wichtigkeit“ der Bibel bleibt unkonkret. Viele Items zeigen als Ergebnis ein Muster der „fluktuierenden halben Kohorte“. Dabei verändert eine Hälfte der Kohorte zwischen MP 1 und MP 2 ihre Position, während die andere Hälfte an beiden Messpunkten die gleiche Position beibehält. Allerdings ist es nicht so, dass immer die gleichen Personen ihre Position behalten oder verändern würden. Die persönliche Beziehung zur Bibel (Kerndimension „Erfahrung“) ist im Ergebnis den Items zur Kerndimension „Ideologie“ vergleichbar. Sie bleibt hinter der allgemeinen spiri‐ tuellen Identifikation mit dem Glauben zurück und folgt dem Muster der fluktuierenden halben Kohorte. In fast allen Bereichen der abgefragten vergleichbaren Glaubensinhalte (Christologie, Gerechtigkeit, Gottesbild) bleibt die Bibelreligiosität hinter der allgemeinen Religiosität zurück. Das gilt nicht für den Themenbereich der Ethik, der besonders stark mit der Bibel verbunden und stärker dort gesucht wird, als dass er Teil des Glaubens insgesamt wäre. Kaum Interesse besteht an befreiungstheologischen Themen. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Bibel bedeutet nur für wenige Personen eine Herausforderung für den Glauben. Sofern die untersuchten Items zur Bibelreligiosität vergleichbar sind mit anderen Stu‐ dien, votieren die Studierenden eher unauffällig. Die Studierenden lesen allerdings deutlich häufiger in der Bibel, als dies Vergleichsgruppen tun (vgl. Abschnitt 3.2.1). Das Profil der Religiosität allgemein wird von den Kerndimensionen „Ideologie“, „öffent‐ liche Praxis“ und „Erfahrung“ geprägt: Stabil und von der großen Mehrheit aller Befragten wird der Glaube an Gott vertreten und die Position, dass der Glaube inneren Halt gibt. Die meisten Studierenden engagieren sich zu Beginn des Studiums kirchlich. Dies bleibt auch durch das Studium hindurch bestehen, wenn sich auch die Felder des Engagements verändern. Der Gottesdienstbesuch bleibt für die meisten Studierenden Teil der religiösen Praxis, deutlich stärker als etwa das private Gebet. Die Religiosität hat bei den meisten Studierenden eine kirchliche Ausrichtung: Der Glaube, wie ihn die Kirche vertritt, wird überwiegend bejaht. Die Ergebnisse sind bei diesen Themen durchgängig stärker zustimmend als in den Vergleichsstudien. Das gilt auch für die ethische Ausrichtung des Glaubens und für die Bereitschaft zur intellektuellen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen. Auffällig ist die Entwicklung von Glauben und Zweifeln bei den Studierenden. Der Zweifel als Teil des Glaubens ist gegenüber den Vergleichsstudien ausgeprägter und verstärkt sich bei vielen Studierenden im Verlauf des Studiums. Wenn Glaube aber präskriptiv wird, also anderen vorschreibt, was sie zu tun haben (sich etwa als Christ*in zu engagieren), wird die Aussage von einer Mehrheit abgelehnt. Diese 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 195 <?page no="196"?> Haltung findet sich in der SINUS-Studie dagegen häufiger. Die Ablehnung dieser Haltung bei den hier Befragten verstärkt den Eindruck einer volkskirchlich geprägten Religiosität. Wenn es um Konkretionen allgemeinerer Aussagen zum Glauben geht, zeigt sich die Entwicklung in der Studierendenschaft dynamisch, ohne dass eine klare Richtung erkennbar wäre (fluktuierende halbe Kohorte). Dieses Muster wird bei vielen Themen deutlich, etwa wenn es um Fragen geht wie die, ob der christliche Glaube Lebensgrundlage ist und ob Gott sich in Jesus Christus offenbart hat, wenn es um die religiöse Überzeugung und die eigene Identität, um die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft, um das eigene Gebet oder darum geht, ob man Gottes Gegenwart im eigenen Leben spürt. Im Verhältnis zu den Vergleichsstudien ist die konfessionelle Religiosität der befragten Studierenden im Vergleich zum Ergebnis aller befragten Evangelischen durchweg mindes‐ tens durchschnittlich, in der Tendenz aber deutlich pointierter ausgeprägt. Das Profil der Religiosität zeigt sich unspezifisch und zwanglos, wenn auch stark kirchlich identifiziert. Dies deckt sich mit der in Abschnitt 3.1.2 dargestellten Selbsteinschätzung der Befragten als „religiös“. Interessant sind einige Unterschiede zwischen Koh. I und Koh. II, die sich beschreiben lassen. Das Interesse an intellektuellen Dimensionen des Glaubens ist in Koh. II gegenüber Koh. I deutlicher ausgeprägt. Vor diesem Hintergrund ist erklärbar, dass strittige Themen wie Homosexualität und gewaltvolle Aspekte des Gottesbildes in dieser Kohorte bleibend als problematisch empfunden werden. Auf der anderen Seite zeigen sich in Koh. II stärker dezidiert traditionell-religiöse Positionen. Das Alte Testament kündigt nach der überwiegenden Einschätzung der Befragten aus Koh. II Jesus Christus an, und das eigene Engagement wird deutlicher mit eigener religiöser Erfahrung verbunden, als das in Koh.-I der Fall ist. Obwohl in der Entwicklung des Repertoires keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Kohorten erkennbar sind, zeigen sich an den Punkten „Widersprüche in der Bibel“ und „Interesse an Frauen in der Bibel“ in Koh. II Positionen, die sich auf die intensive Auseinandersetzung mit den entsprechenden Themen im Rahmen des Seminarportfolios zurückführen lassen. Immer wieder weisen Entwicklungssprünge bei einzelnen Personen auf religiöse Krisen hin, die im Studium durchlebt werden. Allerdings betrifft diese Beobachtung immer wieder andere Studierende; nur bei sehr wenigen verdichten sich die Hinweise auf Entwicklungen, die bei mehreren Items auf eine Krise hindeuten könnten. Dem Item 1.4.4. („ Die wissen‐ schaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage“; MP 2) stimmen insgesamt 16 Personen zu, davon 4 Teilnehmer*innen mit „trifft vollständig zu“ (TN 1, TN 19, TN 23, TN 64) und zwölf Teilnehmer*innen mit „trifft eher zu“ (TN 11, TN 27, TN 32, TN 33, TN 38, TN 40, TN 41, TN 51, TN 54, TN 56, TN 60, TN 61). Korrelationen zwischen diesen Voten und den Satzergänzungen zu Frage 1.1. („Die Bibel ist für mich …“) sind bei zwei von drei Personen, die selbst Hinweise auf eine Krise im Studium geben (TN 23 und TN 51), feststellbar. Die bleibende Ablehnung vieler religiöser Themen lässt sich bei TN 74 konstatieren. Dies weist eher nicht auf eine Krise hin, sondern auf eine distanzierte Haltung zur Religiosität. Zwei Personen zeigen starke Veränderungen bei drei Items (TN 16 und TN 64), weitere vier Personen sind bei zwei Items auffällig (TN 1, TN 11, TN 27, TN 35). Es wird zu verfolgen sein, ob sich die Ergebnisse im Sinne einer Glaubenskrise bei diesen Personen verdichten. 196 3 Auswertung der Daten <?page no="197"?> Interessant ist die Korrelation von privatem Bibellesen und privatem Gebet bei neun Personen (TN 10, TN 23, TN 25, TN 53, TN 57, TN 58, TN 66, TN 67, TN 70). TN 53 und TN-58 steigern im Verlauf des Studiums die Häufigkeit des Bibellesens gegen den Trend. 3.3.3.3 Korrelation mit Frage 2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP 2 3.3.3.3.1 Blick auf die Gesamtgruppe Entsprechend der Aufgabenstellung im zweiten Teil des Fragebogens an MP 2 (vgl. Ab‐ schnitt 2.3.2.2) wird die Ergebnisdarstellung im Folgenden zweigeteilt. Zunächst wird nach der Analyse des Dilemmas (Item 2.1.1) gefragt: „Inwiefern bereitet Ihnen der Text [sc. Mt 6,25-27] in diesem Kontext [sc. der Tafelarbeit] Schwierigkeiten? “ In einem zweiten Schritt wird nach vorläufigen Lösungsansätzen (Item 2.1.2) gefragt, die spontan notiert werden sollten. Die Befragten halten sich fast alle an die Zweiteilung. Eine detaillierte Darstellung der Häufigkeiten gewählter Analyse- und Lösungsansätze wird in die folgenden Abschnitte eingebunden. 3.3.3.3.2 Analyse des Dilemmas Insgesamt drei Personen aus beiden Kohorten betonen, dass sie „keinerlei Schwierigkeiten“ (TN 4, ähnlich TN 48 und TN 67) darin sähen, den Text auf den Kontext Tafel anzuwenden. Diese Personen wählen aber unterschiedliche Lösungsansätze, die in Abschnitt 3.3.3.3.3 diskutiert werden. Daneben gibt es zwei große Ansätze der Dilemma-Analyse: Zum einen wird ein Widerspruch zwischen Mt 6,25-27 und der Vernunft oder der Wirklichkeit aller Menschen wahrgenommen, zum anderen betonen viele Studierende die Unangemessenheit dieses Textes für den Lebenskontext der Tafel-Klient*innen und/ oder das Engagement der Tafel- Mitarbeiter*innen. Vereinzelt gehen Personen auf aktuelle ethische Themen ein, wie das Verhältnis von Mensch und Tier, und kritisieren den Vergleich von Vögeln und Menschen in Mt 6,26: „Menschen sind nicht wichtiger als Tiere“ (TN-56, ähnlich TN-1 und TN-66). Einen Widerspruch zwischen Text und Vernunft oder Wirklichkeit sehen insgesamt 22 Teilnehmer*innen (Koh. I: 10 Personen/ Koh. II: 12 Personen). So konstatiert TN 34: „Alle Menschen sind angewiesen auf Nahrung und Kleidung.“ Eine andere Person bringt das Argument theoretisch auf dem Punkt: „Der Text widerspricht der Vernunft, da es sich um Grundbedürfnisse handelt, um die man sich sorgen muss, um zu leben“ (TN 61). Einige Personen bringen in diesem Zusammenhang das „Theodizee-Problem“ (TN 16) ins Spiel. So konstatiert TN 56: „Es gibt Leid und Hunger auf der Welt, also ernährt Gott nicht alle.“ TN 57 betont, dass Gott eben nicht alle mit dem Lebensnotwendigen versorgt, es also Hunger auf der Welt gibt: „Es erscheint mir schwierig, diesen Text zu lesen, in dem einem quasi ein blindes Vertrauen ab‐ verlangt wird bzw. der einem suggeriert, Gott würde die Menschen (alle! ) mit lebensnotwendigen Mitteln versorgen, wenn es im Kontext dazu steht, dass es bei der Tafel vielen Menschen nicht gut geht bzw. diese sich durch den Text nicht gemeint fühlen könnten.“ (TN-57) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 197 <?page no="198"?> Die allgemeine Beobachtung wird mit dem Lebenskontext der Tafel-Kund*innen in Zusam‐ menhang gebracht. Dieser Beitrag ist ein Beispiel dafür, dass manche Äußerungen nicht ganz trennscharf dem einen oder anderen Analyseschwerpunkt zuzuordnen sind. Der zweite Analyseschwerpunkt (Kontext Tafel) ist bei ebenfalls 22 Teilnehmer*innen zu beobachten (Koh. I: 12 Personen/ Koh. II: 10 Personen). Einige argumentieren mit theologischem Textbezug, wie etwa TN-63: „Der Text sagt in diesem Kontext aus, dass die Arbeit der Mitarbeitenden nicht notwendig ist, da auch ohne sie Gott dafür sorgen würde, dass die Klient*innen der Tafel genährt würden.“ (TN 63) In der Dilemma-Analyse legt TN 63 die Aussage „und euer himmlischer Vater ernährt sie doch“ (Mt 6,26b) im Kontext der Kund*innen und Mitarbeiter*innen der Tafel aus und setzt sich mit der Aussagekraft des im Text vertretenen Gottesbildes auseinander. Von den 22 Personen, die das Dilemma mit dem Schwerpunkt „Kontext Tafel“ analysieren, argumentieren 11 Personen rein säkular, d. h. ohne jeden theologischen Textbezug (Koh. I: 7 Personen/ Koh.-II: 4 Personen). Ein Beispiel bietet TN-31: „In dem Kontext unangebracht, da die Klient*innen womöglich genau diese „banalen“ Probleme haben, arm, hungrig und vielleicht sogar heimatlos sind. Probleme, die aktuell und in der Lebenswelt der Adressat*innen sind, werden als klein angesehen und nicht ernst genommen.“ (TN-31) Aus dieser Analyse wird nicht deutlich, dass es sich beim Ausgangstext um einen Bibeltext handelt oder um einen Text mit theologischem Bezug. Der theologische Bezug geht in der Analyse zugunsten des Kontextbezuges verloren. 3.3.3.3.3 Lösungsansätze Die spontan skizzierten Lösungsansätze im Umgang mit dem Text lassen sich, sofern sie auf eine bestimmte Ausrichtung von Religiosität schließen lassen, wenigen großen Trends zuordnen. Die größte Gruppe (17 Personen, davon Koh. I: 7 Personen/ Koh. II: 10 Personen) sucht die Lösung in der Betonung des Vertrauens bzw. der Hoffnung auf Gott. Die zweitgrößte Gruppe (15 Personen, davon Koh. I: 5 Personen/ Koh. II: 10 Personen) sieht die Tafelarbeit als Verwirklichung der Fürsorge Gottes im Zusammenspiel von göttlichem und menschlichem Handeln. Insgesamt 4 Personen (TN 29, TN 33, TN 54, TN 74) wählen einen säkularen Lösungsansatz. Eine weitere Gruppe betont den Verzicht auf Überfluss und Luxus (9 Personen, davon Koh.-I: 5 Personen/ Koh.-II: 4 Personen). Die häufigste Deutung des Textes Mt 6,25-27 betont das Motiv des Vertrauens auf Gott. Dies kann in Auseinandersetzung mit dem Zusammenwirken göttlicher und menschlicher Anteile des Handelns geschehen. In der Regel bleibt aber der Aspekt des Vertrauens isoliert. Die zentralen Motive des Bibeltextes sind für diesen Auslegungsansatz die Ernährung durch den himmlischen Vater und die Aufforderung, sich nicht zu sorgen. Aus dem Bibeltext wird von mehreren Teilnehmer*innen der Widerspruch zur aktuellen Erfahrung expliziert. TN 62 betont, „dass man davon ausgehen kann, egal wie schwer man es gerade im Leben hat, dass Gott für einen da ist und man auf ihn vertrauen kann.“ Hoffnung ist aus der Perspektive des Vertrauens eine Denkfigur, die betont, dass zukünftig „Gott für alle sorgen wird“ (TN 38), dass im Gegensatz zu Gegenwart und Vergangenheit 198 3 Auswertung der Daten <?page no="199"?> „am Ende alles gut wird, egal was alles passiert und schon passiert ist“ (TN 70). In einer solchen Vorstellung „kann [man] auf Gott vertrauen, er hat einen Plan und will Frieden und Gutes für einen“ (TN 61, ähnlich TN 66). In besonderer Weise drückt TN 4 die eigene Religiosität aus: „Aber wir können gut leben, wenn wir uns in Gottes Hände geben und ihm vertrauen. - Dann werden wir Hilfe bekommen! - Amen.“ (TN-4) Auch hier steht die Erfüllung des Vertrauens in der Zukunft im Mittelpunkt. Die Textaus‐ sage wird mit dem theologischen System in Einklang gebracht. Die spirituelle Erfahrung, die Geborgenheit in einem Du, das „behütet“ (TN 6) und „Interesse an unserem Wohlbe‐ finden hat“ (TN 10), steht im Vordergrund. Die Überwindung des Leids liegt in der Zukunft und geschieht „mit Gottes Hilfe“ (TN 31) oder auf der Basis von Gottes Plan. Als Forderung formuliert TN-7: „Die Priorität im Leben sollte an erster Stelle bei Gott/ dem Glauben liegen.“ (TN-7) Die Aussage des Textes ist für diese Studierenden gegenüber der Situation der Tafel- Mitarbeiter*innen oder Klient*innen prioritär bis dahin, dass sie von der Textaussage her nivelliert wird: „Nur, weil die Menschen im sozialen Brennpunkt wohnen, muss es ihnen ja nicht schlecht gehen. Sie können trotzdem ein schönes Leben haben. Sie müssen nur daran erinnert werden, dass Gott für sie da ist und sie behütet, auch wenn sie nicht reich sind.“ (TN-6) Sehr facettenreich ist die Textinterpretation in der Auslotung des Themas „Handeln Gottes und das Handeln des Menschen“. Mt 6,25-27 fordert den Verzicht auf Sorge und Vorsorge. Allenfalls in der Vogelmetapher steckt ein gegenläufiger Impuls, wie einige Teilnehmer*innen bemerken, die feststellen: „Ich glaube nicht, dass ein Vogel es leicht hat, ernährt zu sein“ (TN-59, ähnlich TN-55 und TN-74). Der Ansatz, dass die Sorge Gottes in mitmenschlicher Sorge verwirklicht ist, kommt in verschiedenen Intensitätsgraden vor. Er wird allgemein erwogen, wie beispielhaft das Zitat von TN-57 zeigt: „Als Lösungsansatz könnte dienen, dass die Tafel in gewisser Weise ein Werkzeug Gottes […] ist.“ (TN-57) Einige Personen verwenden zentrale Begriffe des Bibeltextes, um diese Lösungsmöglichkeit zu entwickeln. Dies ist beim folgenden Beispiel der Fall, in dem die Begriffe „sorgen“ und „Leben“ aufgegriffen werden: „Helfen ‚wir‘ nicht dabei, dass sich Menschen weniger sorgen müssen? Erfüllen ‚wir‘ diesen Text, damit Raum ist fürs Leben? “ (TN-40) Diese Person identifiziert sich mit den Mitarbeiter*innen der Tafel. Distanzierter, aber mit Zitat aus Mt 6,26 argumentiert die folgende Person: „Die Mitarbeiter*innen der Tafel sind hier die Fürsorger*innen oder Versorgenden, die die Aussage der Bibelstelle ‚und euer himmlischer Vater ernährt sie doch‘ in der Praxis umsetzen/ zu der 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 199 <?page no="200"?> Umsetzung beitragen und einen Beitrag dazu leisten, auch diesen Menschen die Fürsorge Gottes nahe zu bringen und diese erfahrbar zu machen.“ (TN-58) Die Verantwortung geht hier von Gott auf die Menschen über, wenn TN 58 auch das Problem vom Handeln Gottes und Handeln des Menschen im zitierten Lösungsansatz impliziert. Einige Personen arbeiten explizit mit dem Begriff der „Nächstenliebe“ (TN 71). Eine besonders explizite Verknüpfung von Theologie und Anthropologie in der Bibeltex‐ tinterpretation formuliert TN-59: „Ich würde klarstellen, dass Gott uns im Leben Gaben schenkt, aber dass wir auch die sind, die Gottes Gaben geben müssen, was unser eigenes Stück Göttlichkeit verantwortet. Gott wird durch den Text für mich so definiert: Gott ist Teilen. Er ist im Geschenk, was wir bekommen und er wirkt in mir, sodass ich geben kann.“ (TN-59) Das Wirken Gottes im Menschen explizieren mehrere Personen als Wirken des Heiligen Geistes. So diskutiert TN-48 das Dilemma und den Lösungsansatz: „Die Ehrenamtlichen könnten ihre Aufgabe hinterfragen und denken, dass nur Gott für das Wohl sorgt, aber dies kann er auch durch die Ehrenamtlichen mit dem Heiligen Geist.“ (TN-48, ähnlich TN-12) Diesen Lösungsansätzen ist gemeinsam, dass sie die Textaussage, dass Menschen versorgt werden und sich nicht sorgen sollen, auf die Situation hin interpretieren, ohne in einen Widerspruch mit der Vernunft zu geraten und die Realität zu leugnen. Diesen Gedanken, dass alles, also auch die Tafel, von Gott gegeben ist, bringt TN-23 auf den Punkt: „Gott wird mir nicht Brot regnen lassen. Jedoch ist er für mich da, ich darf vertrauen, dass er mich umsorgen wird. Tut er das nicht gerade? Alles von Gott gegeben? “ (TN-23) Radikalisiert wird dieser Ansatz, wenn Gott durch die Welt oder die Gesellschaft ersetzt wird. Dies ist dann die säkulare Variante, in der Gott als Akteur in den Hintergrund und die Gesellschaft/ Welt in den Vordergrund tritt: „Da sich keine Gedanken um Nahrung und Kleidung gemacht werden soll, muss die Gesellschaft Sorge tragen, dass jeder genug hat.“ (TN-29) „Wir brauchen keine Angst haben, dass wir verhungern oder verdursten. Die Welt stellt was bereit, damit wir weiterleben können.“ (TN-33) Es wird hier nicht ausgeführt, jedoch ist zu vermuten, dass TN 33 an den Vergleich mit den Vögeln anknüpft, die ja in der „Welt“ einfach Nahrung finden. Diesen Gedanken spitzt TN-74 zu, indem säkulare Dilemma-Analyse und „Lösungsansatz“ verbunden werden: „Von alleine wird der Kühlschrank nicht voll und wenn man darauf wartet, dass Gott einen ernährt, dann verdurstet und verhungert man. Der Vergleich zu den Vögeln ist da auch wenig hilfreich, da diese sich schließlich auch um ihr Essen bemühen müssen, da sie sonst verhungern würden.“ (TN-74) Diese Argumentation richtet sich gegen den Text und die Textaussage, konsequenterweise wird ein Auslegungsversuch des Textes nicht unternommen. Die Person bleibt der eigenen 200 3 Auswertung der Daten <?page no="201"?> stark säkularen Haltung treu, die bereits in mehreren Items mit dem Schwerpunkt Religio‐ sität aufgefallen ist. Ein letzter häufiger Deutungshorizont besteht darin, die Kritik am „in die Scheunen sammeln“ (Mt 6,26b) aufzugreifen, das als „Horten“ (TN 72) interpretiert wird. Zitiert werden aus dem Bibeltext die Schlüsselbegriffe „Essen“, „Trinken“, „Nahrung“, „Kleidung“, „Leben“ oder auch vereinzelt der Begriff „sammeln“. So bemüht sich TN 4 um den Text und schlägt als Deutung vor: „Wir sollten nicht sammeln, sondern mit dem Nötigsten zufrieden sein.“ (TN-4) Es geht um die Kritik am „Übermaß“ an „Essen, Trinken und […] Kleidung“ (TN 41), an „unnötigem Luxus“ (TN 43). Diese Deutung hat mit Blick auf die Situation „Tafel“ den Vorteil, dass Kleidung und Nahrung als Bedürfnisse des Menschen nicht abgewertet werden müssen. Thematisiert wird das zum Leben notwendige Maß. TN-11 fragt: „Was braucht man wirklich zum Leben? Essen gehört dazu, aber gleichzeitig wird verschwendet in der Gesellschaft.“ (TN-11) Einige Personen fokussieren den Reichtum in Abgrenzung zur Armut. Reichtum zu sammeln führt nicht dazu, dass jemand „besser als der Nächste ist oder gar ein erfülltes Leben hat“ (TN 30). Implizit wird hier das Motiv „Leben ist mehr als“ aufgegriffen (Mt 6,25b). TN-27 bringt es auf den Punkt: „Reichtum macht nicht glücklich bzw. erfüllt nicht den Lebenssinn.“ (TN-27) Diese grundlegende Idee wird von einigen Personen im Hinblick auf die Achtsamkeit im Umgang mit den Ressourcen und die Bewahrung der Schöpfung weiter ausgeführt. Den Schöpfungsbegriff verwenden im Lösungsansatz 2 Personen (TN-49 und TN-13). „Gottgegebenes muss achtsam zum Überleben verwendet werden. […] Die Schöpfung muss bewahrt werden […], nur das, was der Mensch zum Leben braucht, [soll] von Gottes Schöpfung verwendet werden.“ (TN-49) Politisch ausgedeutet führt diese Idee weiter in Richtung „Konsumkritik“ und „Postwachs‐ tumsökonomie“ (TN 13). Andere entwickeln aus der Grundhaltung, nicht zu verschwenden, dass man sich „auf das konzentrieren [sollte], was man schon hat und dafür dankbar sein“ (TN 25) sollte. Ähnlich nennt TN 53 „Dankbarkeit und Freude“ als Auslegungsperspektiven des Textes. 3.3.3.3.4 Ergebnis Die Tatsache, dass die Lösungsfigur (Vertrauen/ Glauben) von besonders vielen Studie‐ renden gewählt wird, korrespondiert mit der hohen Wichtigkeit der religiösen Erfahrung („Der Glaube gibt mir inneren Halt“, vgl. Abschnitt 3.3.3.2.5.2) und des Gottesglaubens ins‐ gesamt (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.2.2) für die Mehrzahl der Studierenden. Aus den Auslegungen spricht der Wunsch, sich in den Texten der Bibel wiederzufinden, diese Texte also in das 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 201 <?page no="202"?> 413 Von den 17 Personen, die diesen Lösungsansatz wählen, stimmen 12 dem Item 1.10.1 („In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder“) an MP 2 zu (TN 4, TN-6, TN-7, TN-10, TN-27, TN-55, TN-60, TN-61, TN-62, TN-66, TN-70, TN-72). 414 Von 15 Personen, die diesen Lösungsansatz wählen, stimmen 11 Personen dem Item 1.23.11 („Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren“) zu und lehnen das Item 1.4.4. („Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben in Frage“) an MP 2 ab (TN 15, TN 26, TN 30, TN 48, TN 53, TN-57, TN-58, TN-59, TN-63, TN-67, TN-69). Glaubenssystem zu integrieren. 413 Diese Haltung ist an MP 2 bei etwa einem Drittel der Studierenden vorhanden. Die Kernaussage des Zuspruchs in Mt 6,25-27 wird bei diesem Lösungsansatz ernst genommen. Der Lösungsansatz, das Handeln Gottes im Handeln des Menschen wahrzunehmen, bemüht sich um eine Textauslegung, die der Vernunftüberprüfung standhält. Der Text beansprucht zwar Geltung, er wird aber gedeutet und in ein theologisch-ethisches System integriert, das ebenfalls Geltung beansprucht. Der Bibeltext wird mit seiner Aussage eingebettet in eine theologische Konzeption, die nicht mit einem unmittelbaren Eingreifen Gottes rechnet, sondern mit dem Handeln von Menschen, die sich von Gott ansprechen lassen. Die Lösung wird also nicht auf der exegetischen, sondern auf einer theologischen Ebene gesucht, die von einem ethischen Impuls getragen wird. Klar ist aber auch, dass die Botschaft des Evangeliums, der Zuspruch des Textes Mt 6,25-27, mindestens ergänzt, wenn nicht ersetzt wird durch eine gesetzliche Botschaft („Ihr sollt handeln“). Dass dieser Lösungsansatz von einer erheblichen Anzahl von Personen gewählt wird, korreliert einerseits mit dem hohen Interesse der Studierenden an der Kerndimension des Intellekts im Rahmen der Religiosität allgemein und andererseits mit dem großen Interesse an ethischer Orientierung in der Bibel (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.2.1). Daneben kommt die Integration des Bibelverständnisses in die intellektuelle Dimension des Glaubens zum Tragen. 414 Besonders viele Befragte aus Koh. II wählen diesen Lösungsansatz. Dies korrespondiert mit der hohen Zustimmung von Koh. II zur Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.1.2). Auch die Dilemma-Analyse zeigt, dass eine große Gruppe von Studierenden den Ab‐ gleich des Bibeltextes mit der Beobachtung und der Vernunft sucht. Unterschiedliche Kombinationen von Analyseansatz und Lösungsansatz sind zu beobachten. Eine Häufung des ethischen Lösungsansatzes bei Personen, die einen Widerspruch zwischen Vernunft und Text wahrnehmen, ist nicht feststellbar. Interessant ist die Identifikation mit den Tafel-Mitarbeiter*innen bei einigen Studie‐ renden. Die Wahl eines Ansatzes, der das Handeln der Menschen einbezieht, spiegelt in jedem Fall die große Bereitschaft der Studierenden zum ehrenamtlichen Engagement (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.3.2) und weist bereits den Weg in Richtung zukünftiger professioneller Arbeitsfelder. Sowohl in der Analyse als auch als Lösungsansatz werden „ethische Großwetterlagen“ sichtbar. Dies gilt etwa für das Verhältnis von Mensch und Tier und für den Ansatz des Verzichts im Zusammenhang mit der Idee, Ressourcen zu schonen (Thema: Schöpfung). Die Priorität der eigenen Religiosität für die Bibelauslegung wird darin deutlich, dass die Dimension des Gottesverhältnisses in Mt 6,25-27 sowohl in der Analyse als auch im Lö‐ sungsansatz bei ca. 25% der Studierenden zugunsten einer säkularen Problembeschreibung 202 3 Auswertung der Daten <?page no="203"?> oder -lösung aufgegeben werden kann. Demgegenüber kommt ein Ignorieren der Situation „Tafel“ zugunsten des Gottvertrauens gegen Vernunft und Beobachtung nur vereinzelt vor. Es lassen sich also Trends ausmachen, die bereits in der quantitativen Analyse benannt werden konnten. Zugleich zeigt die Verteilung der verschiedenen Analyse- und Lösungs‐ ansätze auch die große Bandbreite religiöser Priorisierungen bei den Studierenden. Es ist auffällig, dass in der Dilemma-Analyse nur etwa die Hälfte der Befragten einen auf die soziale Konstellation der Tafel bezogenen Ansatz wählt. Im Blick auf die weit überwiegende und bleibende Zustimmung zum Item 1.5.1 („Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? “ - „Ich überlege, was er für mein Leben aussagt oder wie er in die Situation meiner Gruppe hineinspricht“, vgl. Abschnitt 3.3.2.2.1.1) wäre eine Betonung der sozialen Situation bei einer noch größeren Gruppe erwartbar gewesen. 3.3.3.4 Religiosität: Achsengrafiken Kohorte-I und II Um eine Übersicht über die Entwicklung der Kohorten im Bereich Religiosität und Bibel zu erreichen, werden 11 Items nach einem Punktesystem zu einer kumulierten Grafik zusammengefasst. Die Auswahl der Items erfolgt in Anlehnung an die Kerndimensionen von Huber, d. h., dass Items aus verschiedenen Bereichen ausgewählt werden, die den Kerndimensionen der Religiosität entlehnt sind. Dabei besteht aber nicht der Anspruch, „Zentralität“ zu messen, sondern es geht entsprechend der Forschungsfrage darum, die Entwicklung einzelner Teilnehmer*innen in diesem Bereich grafisch sichtbar zu machen. Es geht also nicht um eine absolute Einordnung in eine vorhandene Messskala, die etwa von „hochreligiös“ bis zu „nichtreligiös“ reichen würde, sondern um die Sichtbarmachung re‐ lativer Werte, „stärker ausgeprägte Religiosität“ und „schwächer ausgeprägte Religiosität“ (vgl. Abschnitt 1.5.4.2), da auf der Basis der ausgewählten Items nicht davon auszugehen ist, dass die (End-)Pole der Achse erreicht werden. Relativ sind die Werte sowohl zwischen den Teilnehmer*innen als auch zwischen den Messpunkten. 3.3.3.4.1 Ausgewählte Items und Punkte An der Kerndimension „Intellekt“ orientiert werden die Items 1.23.11 („Glaube und Wis‐ senschaft lassen sich gut vereinbaren“) und 1.18.4 (Beteiligung am kirchlichen Leben durch den Besuch von kirchlichen Bildungsveranstaltungen) ausgewählt. An der Dimension „Ideologie“ orientiert werden die Items 1.23.2 („Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat“); 1.23.13 („Ich glaube an Gott“) und 1.21.3 (Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden als religiöses Thema) ausgewählt. An der Kerndimension „öffentliche Praxis“ orientiert werden die Items 1.2.2 („In welchen Zusammenhängen spielen biblische Texte für Sie zur Zeit eine Rolle? “ - Gottesdienst) und 1.18.2 (Beteiligung am kirchlichen Leben durch die aktive Mitwirkung an Gottesdiensten) ausgewählt. An der Kerndimension „private Praxis“ orientiert werden die Items 1.3 („Wie oft lesen Sie zur Zeit in der Bibel“) und 1.4.1 („Ich lese regelmäßig für mich allein in der Bibel“) ausgewählt. An der Kerndimension „Erfahrung“ orientiert werden die Items 1.23.7 („Ich spüre Gottes Gegenwart in meinem Leben“) und 1.23.3. („Der Glaube gibt mir inneren Halt“) ausgewählt. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 203 <?page no="204"?> 415 Punkteverteilung bei den Items im Einzelnen: Item 1.2.2 Anwahl = 4P[unkte], Frage 1.3. „täglich/ mehr als einmal in der Woche“ = 4P, „einmal in der Woche/ einbis dreimal in der Woche“ = 3P, „mehrmals im Jahr“ = 2P, „seltener“ = 1P, „nie“ = 0P; Item 1.4.1 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P, Item 1.18.2 Anwahl = 4P, Item 1.18.4 Anwahl = 4P, Item 1.21.3 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P, Item 1.23.2 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; Item 1.23.3 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P, Item 1.23.7 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P, Item 1.23.11 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; Item 1.23.13 „trifft voll zu“ = 4P, „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P. Die ausgewählten Items sollen möglichst breit gestreut sein und sowohl Aussagen beinhalten, die auf allgemeine Religiosität fokussieren, als auch solche, die auf eine bibelbezogene Religiosität fokussieren. Unter den elf ausgewählten Items sind acht skalierte und drei mit Mehrfachantwortmöglichkeit (1.18.2, 1.18.4, 1.2.2). Die skalierten Fragen werden je nach Antwortmöglichkeiten abgestuft mit Punkten versehen, während der Anwahl der Mehrfachantwort jeweils 4 Punkte zugeordnet werden. Insgesamt können maximal 44 Punkte und minimal 7 Punkte erreicht werden. 415 Hohe Werte stehen für eine stärker ausgeprägte Religiosität, während geringere Punktzahlen eine schwächer ausgeprägte Religiosität abbilden. 3.3.3.4.2 Punktebegrenzungen für Sprünge Insgesamt werden minimal 11 Punkte und maximal 44 Punkte erreicht. Die geringsten Bewegungen liegen bei +/ - 0 Punkten, die größte Bewegung in beiden Kohorten bei -15 (TN 64). Entsprechend des in Abschnitt 3.3.1 erläuterten Messschemas ergibt sich daraus, dass eine Bewegung bei +/ - 0 den Wert 0 erhält, eine Bewegung von +/ - 1-5 den Wert +/ -, eine Bewegung von +/ - 6-10 den Wert ++/ -- und eine Bewegung von +/ - 11-15 den Wert +++/ ---. Ausgehend von der Annahme, dass auf der Basis der hier zusammengefassten Items keine Endpole der Religiosität ermittelt werden können, sondern nur relative Werte, wird ein großer Mittelbereich von 21-39 Punkten definiert. Werte von weniger als 21 Punkten werden als schwächer ausgeprägte Religiosität definiert, Werte von 40 und mehr Punkten als stärker ausgeprägte Religiosität. 204 3 Auswertung der Daten <?page no="205"?> 3.3.3.4.3 Achsengrafiken Kohorte-I und II Abbildung 48: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Religiosität (Kohorte-I) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 205 <?page no="206"?> Abbildung 49: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Religiosität (Kohorte-II) 206 3 Auswertung der Daten <?page no="207"?> 3.3.3.4.4 Beschreibung der Achsengrafiken In Koh. I bewegen sich die erreichten Punkte zwischen 20 Punkten (TN 11 an MP 2) und 41 Punkten (TN 7 an MP 2). In Koh. II bewegen sich die erreichten Punkte zwischen 11 Punkten (TN 74 an MP 2) und 44 Punkten (TN 51 an MP 1). Allerdings befinden sich insgesamt nur drei Teilnehmer*innen in beiden Kohorten an mindestens einem Messpunkt in einem Bereich unter 21 Punkten. Nur eine Person befindet sich an beiden Messpunkten in einem Bereich unter 21 Punkten (TN 74). Im Spitzenbereich mit 40 und mehr Punkten an einem Messpunkt befinden sich nur insgesamt vier Personen. Niemand erreicht an beiden Messpunkten eine so hohe Punktzahl. Die meisten Bewegungen in beiden Kohorten finden also im mittleren Bereich zwischen 21 und 39 Punkten statt. Insgesamt sind in Koh. I weniger Schwankungen festzustellen als in Koh. II. In beiden Kohorten sind die Bewegungen in Richtung mehr oder weniger Punkte jeweils fast ausgeglichen. In Koh. I erreichen 14 Personen an MP 2 gegenüber dem MP 1 eine höhere Punktzahl, 13 Personen verringern ihre Punktzahl. In Koh. II verringern zwölf Personen ihre Punktzahl und 13 erhöhen sie. Insgesamt vier Personen in beiden Kohorten bleiben unverändert beim gleichen Wert (TN-25, TN-57, TN-59, TN-67). Die Veränderungsbewegungen in Koh. I sind insbesondere im positiven Bereich nicht so groß wie in Koh. II. Nur zwei Teilnehmer*innen erhöhen ihre Punktzahl um mehr als 5 Punkte (TN 19 und TN 28). Im negativen Bereich bewegen sich vier TN um mehr als 5 Punkte nach unten (TN-11, TN-15, TN-16, TN-22). Die Veränderungsbewegungen in Koh. II sind demgegenüber größer. Hier gibt es im positiven Bereich sechs Personen, die mehr als 5 Punkte gewinnen (TN 47, TN 49, TN 58, TN 63, TN 66, TN 72), während im negativen Bereich vier Personen mehr als 5 Punkte verlieren (TN-4, TN-51, TN-55, TN-64). Im Bereich Religiosität fallen einzelne Personen auf, die auch bereits in der Beschreibung der Einzelitems aufgefallen waren. Es bestätigt sich der Eindruck, dass TN 74 in einem eher niedrigen Maß religiös ist und mit einer bleibenden Punktzahl unter 21 eine Besonderheit darstellt. Auch im Spitzenbereich sind einzelne Teilnehmer*innen bereits aufgefallen. So zeigt TN 53 eine besonders intensive private Religiositätspraxis und ist auch im Bereich Religiosität im oberen Mittelbereich zu verorten. Besonders interessant sind Personen, bei denen größere Bewegungen zu beobachten sind, sei es nach oben oder nach unten. Auffällig sind natürlich große Bewegungssprünge von -15 Punkten (TN 64) oder -14 Punkten (TN 11). Die Werte dieser Personen sind bereits zuvor aufgefallen. Hier könnte sich eine Krise der Religiosität andeuten. Im positiven Bereich liegen die höchsten Sprünge bei +9 Punkten (TN-27 und TN-72). 3.3.3.5 Veränderungen der Religiosität: Ergebnisse 3.3.3.5.1 Korrelation qualitativer und quantitativer Daten Die Achsengrafik zeigt bei den meisten Studierenden Bewegungen im oberen Mittelfeld des Punktebereichs - nicht im höchsten Bereich, aber auch nicht im unteren Bereich. Dies deckt sich mit der Religiosität, die bei der Auswertung weiterer quantitativer Items festgestellt wurde. Die Studierenden sind weit überwiegend hochengagiert und kirchlich orientiert, vertreten allgemeine Glaubensinhalte, die aber in der Konkretion unklarer 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 207 <?page no="208"?> werden und individuell fluktuieren. In der Tendenz entsprechen die Voten der Studierenden den Trends der Vergleichsuntersuchungen, jedoch treten diese Trends bei den Studierenden meist deutlicher hervor. Auf einer Skala von stark ausgeprägter bis schwach ausgeprägter Religiosität bewegen sich die Studierenden im oberen Mittelfeld. Sie sind überwiegend als religiös mit dem Schwerpunkt engagierter Volkskirchlichkeit einzuordnen. Dieses Ergebnis spiegelt die Selbsteinschätzung der beiden Kohorten zu Studienbeginn wieder: Weit überwiegend bezeichnen sich die Befragten selbst als „religiös“ (vgl. Abschnitt 3.1.2). Die quantitativen Daten bestätigen sowohl beim Thema „Gottesglaube“ als auch beim Thema „Glaube als innerer Halt“, dass die Zustimmung zu diesen Themen bei den meisten Studierenden bleibend hoch ist. Das Thema „Vertrauen und Glauben“ spiegelt sich als zentrales Thema für die Lösungsansätze zur Ad hoc-Exegese und in den Äußerungen zur Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) wider. Für die Bibel gilt, dass sie bleibend als mäßig wichtig angesehen wird oder die Wichtigkeit sich in der Tendenz noch steigert. Dies bestätigen auch überwiegend die Aussagen zur Wichtigkeit der Bibel: Entweder bleibt die Bibel für die Befragten wichtig oder sie wird an MP 2 wichtiger. In einigen qualitativen Äußerungen wird eine Emotionalität in Bezug auf die Bibel erkennbar, die auch mit einem Du-Erleben (Personifikation der Bibel als Gesprächspartnerin) verbunden sein kann (Frage 1.1: TN 23, TN 51, TN 53, TN 62; Frage 2.1 an MP 2: TN 4). Die Identifikation mit der Bibel (Item 1.10.1) ist aber eher unspezifisch und entwickelt sich ohne klare Tendenz. Bei diesem Thema ergibt die Korrelation qualitativer und quantitativer Daten keinen Erkenntnisgewinn. Korrelieren lässt sich hingegen das Thema „Vereinbarkeit von Vernunft und Glauben“. Der Wunsch, Vernunft und Glauben einander zuzuordnen, spiegelt sich beim Bibelverständnis und in der allgemeinen Religio‐ sität wider und bestätigt sich in einem häufig vorkommenden Lösungsansatz zu Frage 2.1 (MP 2): Die Aufforderung, auf Gottes Versorgung zu vertrauen, wird bezogen auf das praktische Handeln der Tafel, und die Menschen werden als Erfüllungsgehilfen Gottes für die Sicherstellung der Versorgung gesehen. Das Thema „Vernunft“ wird in vielen Lösungsansätzen angesprochen (vgl. Abschnitt 3.3.3.3.3). Die Wichtigkeit der Bibel bleibt für die Mehrheit der Studierenden unspezifisch. Konkret wird die Bedeutung der Bibel in der Orientierung im Alltag, an Werten, die mit ihr verbunden werden, ein Thema, das die Studierenden auch zu Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) selbst formulieren. Die Auswertung quantitativer Items zeigt, dass viele in der Bibel Orientierung und Werte suchen, was sich auch in den Lösungsvorschlägen zu Frage 2.1 an MP 2 abbildet. Das Thema Orientierung und Ethik findet sich immer wieder als eines der wichtigsten Themen der Bibelreligiosität. Im Blick auf Konkretisierungen des Glaubens und auf die inhaltliche Füllung der Haltung zur Bibel wird in der Auswertung quantitativer Daten deutlich, dass die Relevanz der Bibel hinter der Relevanz des religiösen Systems insgesamt zurückbleibt. Die Auslegungstrends zu Mt 6,25-27 bestätigen diese Tendenz. Ethisierende Auslegungen, die ohne Textbezug argumentieren, finden sich häufiger als Auslegungen, die zwar mit Bezug auf den Text, aber ohne Bezug auf die Lebenswirklichkeit argumentieren. Insgesamt zeigt sich auch für die Achse Religiosität, dass die im Rahmen eines Mixed Methods-Konzepts erhobenen Daten fruchtbar aufeinander bezogen werden können. 208 3 Auswertung der Daten <?page no="209"?> Das eigene Lesen in der Bibel findet unregelmäßig statt und ist gebunden an gemein‐ schaftliche Kontexte des kirchlichen Lebens. Dies ist eine Tendenz, die sich durch das Studium hindurch nicht ändert. Anwendungskontexte biblischer Texte spiegeln sich auch in den qualitativen Äußerungen der Befragten. Die Bibel wird eher als „Baustein“ des Glaubens (TN 27, Frage 1.1 an MP 2) und „Handwerkszeug“ (TN 4, Frage 1.1 an MP 1) und nicht so sehr als Zentrum des Glaubens verstanden. Allerdings nimmt in beiden Kohorten im Studienverlauf das Engagement in bestimmten kirchlichen Praxisfeldern ab. Damit verbunden ist eine Abnahme des Bibellesens in der Gruppe und des Austauschs über religiöse Themen, weil die Bezugsgruppe mit dem kontinuierlichen Engagement wegbricht. Einige Studierende lassen eine stark ausgeprägte oder auch eine schwach ausgeprägte Religiosität im Umgang mit der Bibel erkennen. Dies wird auch in der Auswertung der qualitativen Items deutlich. Gerade die qualitative Auswertung der spontanen Exegese zu Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2), die im vierten Semester bearbeitet wurde, zeigt die große Bandbreite der Lösungsversuche von deutlich religiösen Ansätzen mit einer absoluten Bedeutung der Bibel (TN 4) bis hin zu Lösungsvorschlägen ohne erkennbare Religiosität bei etwa einem Viertel der Befragten. Korrelationen zwischen quantitativen und qualitativen Items bestätigen beobachtete Tendenzen, so z. B. bei TN 53 und TN 58 (Tendenz: stark religiös) und TN-74 (Tendenz: schwach oder kaum religiös). 3.3.3.5.2 Annahmen 3.3.3.5.2.1 Annahme Repertoire: Anwendungsbezug Die Auswertung der quantitativen und qualitativen Daten mit dem Schwerpunkt auf der Religiosität der Studierenden zeigt, dass der Bibel zwar eine hohe Wichtigkeit zugemessen wird, dass aber der Anlass zur Beschäftigung mit der Bibel in der Orientierung an Anwen‐ dungskontexten liegt. Dies spiegeln Äußerungen, die die Bibel als „Handwerkszeug“ und „Nachschlagewerk“ bezeichnen (Frage-1.1). Auch das abnehmende Bibellesen mit anderen Menschen in Verbindung mit den abnehmenden Gelegenheiten des eigenen Engagements weisen auf eine hohe Priorität des Anwendungsbezugs biblischer Texte für die Studierenden hin. Das private Bibellesen allein hat demgegenüber eine geringere bzw. nur selten Priorität. Besonders wichtig ist die Bibel als Orientierungspunkt für Werte und ethische Orientierung. Auch dies ist ein Anwendungskontext biblischer Texte. Knapp die Hälfte aller befragten Studierenden priorisiert bei der Analyse des Dilemmas Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2) im Kontext der Tafelarbeit die soziale Situation und die Passung des Bibeltextes zur Situation. Die Wichtigkeit der Bibel konkretisiert sich für einen großen Teil der Studierenden im Anwendungsbezug biblischer Texte. 3.3.3.5.2.2 Annahme Religiosität: Glaubenskrisen Die mit der Achse Religiosität in Verbindung stehende Annahme, dass es im Verlauf des Studiums durch die Auseinandersetzung mit der Bibel zu Glaubenskrisen kommt, bestätigt sich für beide Kohorten dahingehend, dass Glaubenszweifel sich tendenziell im Laufe des Studiums verstärken. Gleichzeitig wird das Sprechen über den Glauben mit anderen in der Tendenz nicht einfacher, sondern schwieriger. Dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel den Glauben infrage stellt (Item 1.4.4 an MP-2) bejahen immerhin insgesamt 16 Personen. Das 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 209 <?page no="210"?> 416 Zu TN-74 s. Einzeluntersuchung in Abschnitt 5.2.7. Phänomen der Krise ist bei einer kleinen Gruppe vorhanden und verdichtet sich bei einigen Personen bei der Korrelation qualitativer und quantitativer Items. Es gibt bei der Satzergänzung zu Frage 1.1 verschiedene Hinweise, dass eine Trans‐ formation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und die Integration in die eigene Religiosität ein Prozess ist, der mit Glaubenskrisen einher geht. Darauf weisen einige Antworten auf die Frage 1.1 an MP 2 hin, etwa bei TN 23 („… in Konflikt gerate“), TN 51 („Leid“), TN 57 („außerhalb des Studiums als Buch des Lebens“). Von diesen Personen stimmen TN 23 und TN 51 dem Item 1.4.4 (MP 2) zu, d. h. auch auf der Ebene des entsprechenden quantitativ auszuwertenden Items sehen sie durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel ihren Glauben gefährdet. Außer TN-23 stimmen TN-1, TN-19 und TN-64 diesem Item voll zu. Insgesamt fünf Personen weisen bei mehr als einem Item Veränderungssprünge von MP 1 zu MP 2 auf, die inhaltlich auf Entscheidungen und Veränderungen im Studium schließen lassen könnten (TN 11, TN 16, TN 27, TN 35, TN 64), die als Krise gedeutet werden könnten. Von diesen fallen drei Teilnehmer*innen durch einen großen Punkteverlust in der Achsengrafik auf (TN 11, TN 16, TN 64). Außer bei den genannten Personen trifft ein großer Punkteverlust auch auf TN 15, TN 43, TN 51 und TN 55 zu. TN 74 ist in der konsequenten Distanz zu Glaubensfragen konsistent, was sich auch im Lösungsansatz zu Mt 6,25-27 und beim Niveau der Religiosität insgesamt (vgl. Abschnitt 3.3.3.4.3) abbildet. 416 Das bedeutet, dass insgesamt 14 Personen im Bereich der für die Achse Religiosität ausgewerteten Daten an mindestens einer Stelle Anzeichen für eine Krise im Studium zeigen. Bei einigen von ihnen verdichten sich die Hinweise durch Korrelation mehrerer Voten im Bereich der quantitativen und qualitativen Items (TN-11, TN-16, TN-23, TN-51, TN-64). 3.3.3.5.2.3 Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen Für die Annahme, dass bei den Studierenden die Tendenz zu einer wörtlichen Leseper‐ spektive festzustellen ist, gibt es beim Blick auf die Achse Religiosität nur vereinzelte Hinweise. Wenn bei Frage 1.1 betont wird, dass die Bedeutung der Bibel durchs Studium hindurch unverändert geblieben ist, ist diese Betonung auffällig, insbesondere, weil solche Formulierungen nur vereinzelt vorkommen (TN-4 und TN-53). Beide Personen fallen an anderen Stellen durch ihre besondere Haltung zur oder Praxis mit der Bibel auf: Item 1.10.1 („In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben vollständig wieder“) stimmen an beiden Messpunkten aus beiden Kohorten nur TN 4 und TN 53 voll zu, für TN 58 gilt dies an MP 2. Das private Bibellesen als Teil der persönlichen Glaubenspraxis kann in Verbindung mit anderen Aussagen als Hinweis auf ein wörtliches Bibelverständnis gewertet werden, das mit der Wichtigkeit der Bibel für das eigene Leben in Verbindung steht. Hier fallen TN 53 und TN 58 auf, die diese Praxis an beiden Messpunkten pflegen (Item 1.4.1) und beide häufiger als einmal pro Woche in der Bibel lesen (Frage-1.3). Beide Personen pflegen darüber hinaus das Gebet im Alltag, das trifft auch auf TN-4 zu (Item 1.23.6). Die Zuordnung eines wörtlichen Bibelverstehens zu einer stark ausgeprägten christlich-re‐ ligiösen Grundeinstellung ist plausibel. Denn ein Bemühen um den Wortlaut der Bibel als Gottes 210 3 Auswertung der Daten <?page no="211"?> 417 Das gilt für Item 1.22.5 („Das Christentum ist für mich die einzig akzeptable Religion“ an MP-1 und MP-2); Item 1.17.8 MP 2 („Eine Kindertaufe kann nicht als vollwertige Taufe gelten“); Item 1.23.7 („Ich spüre Gottes Gegenwart in meinem Leben“ an MP 1 und MP 2); Item 1.23.9 („Durch meinen Glauben weiß ich, was richtig und falsch ist“ an MP-1 und MP-2). Wort, das unmittelbar spricht, braucht als Motivation des Lesens und Verstehens die Haltung der Suche nach einer intensiven Gottesbeziehung, also eine hohe Zentralität der Religiosität. Dabei muss Hochreligiosität nicht mit einem wörtlichen Bibelverständnis einhergehen, die Logik gilt eher umgekehrt. Daher wird im Folgenden noch einmal anhand ausgewählter Items eine Tendenz zu einer stark ausgeprägten Religiosität einzelner Studierender geprüft. Die genannten Personen (TN 4, TN 53, TN 58) steigern ihre Religiosität im Verlauf des Studiums oder bleiben auf einem hohen Niveau (vgl. Abschnitt 3.3.3.4). Sie stimmen dem Item „Der christliche Glaube ist für mich Lebensgrundlage“ (Item 1.23.8) an beiden Messpunkten voll zu. Die Beteiligung am kirchlichen Leben als notwendiger Teil des Christseins (Item 1.23.10) findet an beiden Messpunkten nur bei TN-53 und TN-58 volle Zustimmung. Darüber hinaus ist nur für TN-53 bei weiteren Items eine entsprechende Einstellung zu finden. 417 TN 4 fällt durch eine spirituell geprägte Auslegung von Mt 6,25-27 auf „Aber wir können gut leben, wenn wir uns in Gottes Hände geben und ihm vertrauen.---Dann werden wir Hilfe bekommen! - Amen“. Als Satzergänzung zu Frage 1.1 schreibt TN 58 an MP 2: „… ein fast alltäglicher Begleiter, Inspiration, Wegweiser“ und bestätigt damit die quantitativen Angaben. 3.3.3.5.3 Einzelne Personen und Personengruppen Über die genannten Personen hinaus gibt es eine Übereinstimmung im Bereich der privaten religiösen Praxis. Insgesamt neun Personen geben im vierten Semester ihres Studiums an, alleine in der Bibel zu lesen und im Alltag zu beten. Diese Personen steigern entweder ihre Religiosität (TN-10, TN-23, TN-58, TN-66, TN-70) oder sie bleiben auf einem hohen Niveau (TN-25, TN-53, TN-57, TN-67). Korrelationen zwischen qualitativer und quantitativer Auswertung ergeben, dass von den 17 Personen, die bei Frage-2.1 (MP-2), also zu Mt 6,25-27, den Lösungsansatz „Vertrauen“ wählen, 12 Personen auch Item 1.10.1 (ich finde mich in der Bibel wieder) an MP 2 zustimmen (TN 4, TN-6, TN-7, TN-10, TN-27, TN-55, TN-60, TN-61, TN-62, TN-66, TN-70, TN-72). Diese Personen identifizieren sich emotional mit der Bibel. Übereinstimmungen mit einer privaten religiösen Lese- und Gebetspraxis sind nur bei TN-10, TN-66 und TN-70 festzustellen. Eine weitere Übereinstimmung ergibt sich für Personen, die bei der Auslegung von Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2) den Lösungsansatz „Gottes Handeln im Handeln des Menschen“ wählen. Von 15 Personen, die diesen Ansatz insgesamt vertreten, stimmen elf Personen Item 1.23.11 („Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren“) zu und lehnen Item 1.4.4 („Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage“) an MP 2 ab. Diese Gruppe bemüht sich um einen Ausgleich biblischer Inhalte mit der eigenen Vernunft. An diesen Stellen ergeben sich also Konsistenzen im qualitativ und quantitativ ausgewerteten Material. 3.3.3.5.4 Kohorte-I und Kohorte-II In beiden Kohorten sind auf die Gesamtgruppe bezogen keine klaren Veränderungsten‐ denzen der Religiosität festzustellen. Teile der jeweiligen Gruppe intensivieren ihre Reli‐ giosität, während bei anderen Teilen der Gruppe die Distanz zur Religiosität zunimmt. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 211 <?page no="212"?> Die Achsengrafik zeigt in beiden Kohorten bei den meisten Studierenden Bewegungen im oberen Mittelfeld des Punktebereichs, also nicht im höchsten Bereich, aber auch nicht im unteren Bereich. Dies deckt sich mit der Religiosität, die bei der Auswertung der quan‐ titativen Items festgestellt wurde. Die Studierenden sind weit überwiegend hochengagiert und kirchlich orientiert, vertreten allgemeine Glaubensinhalte, die aber in der Konkretion unklarer werden und individuell fluktuieren. Veränderungen konkreter Aspekte allgemeiner oder bibelbezogener Religiosität ver‐ laufen nach dem Muster der „fluktuierenden halben Kohorte“, wobei jeweils die Hälfte der Gruppe bei einem Votum bleibt, während der andere Teil das Votum verändert. Typisch ist ebenfalls, dass diese Veränderungen sich in beide Richtungen bewegen können, also in Richtung zu mehr oder zu weniger Zustimmung. Allerdings ist nicht erkennbar, dass bestimmte Individuen ihre Position immer ändern und andere ihre Position immer beibehalten, sondern je nach Item finden Veränderungen individuell statt oder nicht. Bestimmte Verdichtungen qualitativer und quantitativer Aussagen oder mehrerer, in die gleiche Richtung weisender quantitativer Items sind im Bereich der Veränderung von Religiosität bis auf die bereits genannten Ausnahmen („Anzeichen einer Krise“ und „stark ausgeprägte Religiosität“) nicht erkennbar. Nur im Bereich der quantitativen Datenauswertung sind Unterschiede zwischen den Kohorten erkennbar. Gegenüber Koh. I sind die Veränderungen in Koh. II in den Bereichen der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Bibel stärker ausgeprägt. Demgegenüber finden traditionelle Positionen in Koh. II stärkere Zustimmung als in Koh. I. Die didaktische Anpassung mit der Einführung des Seminarportfolios spiegelt sich möglicherweise in Koh. II bei den Voten zur Schwierigkeit beim Thema „Frauen in der Bibel“ (Item 1.9.3) sowie zur Widersprüchlichkeit der Bibel (Item 1.9.4). 3.3.4 Veränderungen der Leseperspektive 3.3.4.1 Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich-…“) Alle Satzergänzungen, die Hinweise auf die Reorganisation oder Neuorganisation von As‐ pekten des Repertoires und Aspekten der Religiosität enthalten, werden dem Schwerpunkt Leseperspektive zugeordnet. Diese Zuordnung wird ebenfalls getroffen, wenn Merkmale eines Geltungsanspruchs der Bibel deutlich werden, die auf einer Skala „wortwörtlich zu verstehen“ (wörtliche Leseperspektive) über „interpretationsbedürftig“ (übertragene Leseperspektive); „interessant“ (reduktive Leseperspektive); ohne persönliche Bedeutung (säkulare Leseperspektive) einzuordnen sind. Die Bezeichnung der Bibel als „Gottes Wort“ allein wird als nicht hinreichend für eine Zuordnung zu einer bestimmten Leseperspektive gesehen, da diese Bezeichnung so standardisiert ist, dass sie aus allen Leseperspektiven heraus verwendet wird. Die Zuordnung der Satzergänzungen zu den Achsen ist nicht so zu verstehen, dass sich die Satzergänzungen lediglich einer Achse zuordnen lassen würden. Hier wird die Zuordnung getroffen, die im Vordergrund steht (vgl. Abschnitt 3.3.1.1). Aspekte des Repertoires und der Religiosität können in den Satzergänzungen, die der Leseperspektive zugeordnet werden, definitionsgemäß auch vorkommen, da die Leseperspektive im Modell des Mobiles eine Integration von Aspekten des Repertoires und der Religiosität der Lesenden einschließt (vgl. Abschnitt 1.5.4) 212 3 Auswertung der Daten <?page no="213"?> 3.3.4.1.1 Kohorte-I Hinweise auf die Leseperspektive der Studierenden an wenigstens einem Messpunkt gibt es in 23 Fällen. Ein Schwerpunkt ist hier bei zwölf Personen feststellbar. Einige Personen thematisieren selbst die Veränderung ihrer Leseperspektive an MP 2. So z. B. TN 1, der/ die den Satz „Die Bibel ist für mich-…“ folgendermaßen ergänzt: „… ein Hilfsmittel, um den Glauben zu unterstützen und ihm eine Richtung zu weisen.“ (TN 1 an MP-1) „… wichtiger geworden, da sie als Literaturangabe fungiert und Grundlage des Studiums darstellt.“ (TN-1 an MP-2) Diese Person erläutert, warum die Bibel für sie wichtiger geworden ist. Sie unterstützt nicht mehr (nur) den Glauben, sondern wird als Teil des wissenschaftlichen Studiums wahrgenommen, als Teil einer sich professionalisierenden Praxis. Nicht nur die persönliche, sondern die berufliche Referenzfunktion („Hilfsmittel“, „Literaturangabe“) der Bibel stehen an MP 2 im Vordergrund. Zugleich wird gegenüber MP 1 eine Distanzierung von der persönlichen Bedeutung der Bibel erkennbar. Professionalisierungs- und Distanzierungs‐ prozesse sind auch bei anderen Personen feststellbar. Wie TN 1 vergleicht auch TN 26 die Leseperspektive an MP-2 mit der zu Studienbeginn: „Die Bibel ist für mich ein Buch, in dem Gott uns ‚Anweisungen‘ und Anregungen für unser Leben gibt. Sie erzählt viele verschiedene Geschichten und ich benutze sie zum Andachten schreiben.“ (TN-26 an MP-1) „Eine wichtige Grundlage des Glaubens und mit eine Grundlage des Studiums, aber immer noch sehr unbekannt.“ (TN-26 an MP-2) Im Vergleich zum Studienbeginn wird die Bibel für TN 26 nicht als „bekannt“ eingeordnet. Dies kann mit Fremdheitserfahrungen zu tun haben, die dann entstehen, wenn die Bibel nicht mehr mit (bekannten) „Geschichten“ gleichgesetzt wird. Die Bibel bleibt Glaubensgrundlage, die Fokussierung auf „Andachten“ erweitert sich aber auf das Studium insgesamt. Auch hier wird ein Distanzierungsprozess beschreibbar: Das identifikatorische „Wir“ an MP 1 wird an MP 2 durch eine neutrale Perspektive abgelöst. Im Ansatz wird ein Professionalisierungsprozess („Studium“) erkennbar. Deutlicher noch beschreibt TN 17 diesen Prozess: „… die Heilige Schrift meiner Religion und manchmal Weg-weiser.“ (TN-17 an MP-1) „… die Heilige Schrift der evangelischen Kirche. Sie hat nun allerdings auch eine wissenschaftliche Seite, da ich Teile durch Fakten aus anderen Blickwinkeln betrachten kann.“ (TN-17 an MP-2) Die Bibel bleibt heilige Schrift und steht bleibend in Bezug zur eigenen Religion bzw. Reli‐ gionsgemeinschaft, die an MP 2 aber ebenfalls aus der neutralen Perspektive beschrieben wird. Im Studium kommt eine Erweiterung des Deutungsrepertoires zur Leseperspektive hinzu („nun […] auch“). Diese wird benannt als wissenschaftliche Perspektive und Multi‐ perspektivität. Die Erweiterung des Repertoires wird als neue professionelle Möglichkeit in die Leseperspektive integriert. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 213 <?page no="214"?> Einige Studierende beschreiben ihre Leseperspektive bereits mit Hilfe von Fachtermino‐ logie. Dies trifft etwa auf TN 29 zu. Diese Person verwendet die Begriffe „wörtlich“ und das Verb „übertragen“: „… ein Buch, dessen Inhalt seine Gültigkeit nicht verliert, wenn man den Inhalt auf die heutige Zeit überträgt. Die Bibel ist für mich nicht wörtlich zu verstehen.“ (TN-29 an MP-1) „… Grundlage zum Verständnis des Glaubens. Die Bibel ist nicht wörtlich in die heutige Zeit zu übertragen.“ (TN-29 an MP-2) Unverändert betont diese Person, dass die Bibel nicht wörtlich zu verstehen, sondern in die heutige Zeit zu übertragen sei, und ordnet sich so selbst in den Bereich der „übertragenen“ Leseperspektive ein. Eine kleine Tendenz zur Distanzierung ist erkennbar, wenn die unmittelbare „Gültigkeit“ der Bibel ersetzt wird durch die wissenschaftlichere Formulierung „Grundlage zum Verständnis“. Deutlicher stellt sich die Entwicklung bei TN-30 dar: „… ein Buch, welches Grundlage für meinen Glauben bildet und in verschiedensten Lebensberei‐ chen Hilfe bietet. Jedoch darf sie nicht zu wörtlich an einigen Stellen genommen werden.“ (TN 30 an MP-1) „… teilweise ein Arbeitsbuch, mit dem ich im Studium arbeite. Andererseits ein Buch, mit dem ich mich auseinandersetze, um meinen Glauben besser zu ergründen und anderen dabei zu helfen.“ (TN-30 an MP-2) Auch hier wird das wörtliche Verständnis abgelehnt. Zu Beginn des Studiums ist die Bibel Glaubensgrundlage, und an MP 2 kommen weitere Aspekte hinzu: zum einen eine professionelle Perspektive, die sich ausdrückt in der Arbeit des Studiums, aber auch bereits in der pädagogischen Vermittlungsleistung gegenüber anderen. Die Bibel erfordert zum anderen eine Auseinandersetzung; sie ist nicht mehr einfach die Grundlage des Glaubens, sondern der Glaube selbst wird mit Hilfe der Bibel ergründet, d. h. besser verstanden. Das Studium führt zu einer Reorganisation der Elemente Religiosität („Glauben“) und Repertoire („Auseinandersetzung“; „ergründen“). Differenzierungs- und Reorganisationstendenzen sind in Koh. I bei einer Reihe weiterer Studierender erkennbar. Diese stellen sich bei einigen weiteren Studierenden wie bei TN 30 gepaart mit einer Professionalisierungstendenz dar. Dies gilt etwa für TN-9: „… die wichtigste und kompakteste Quelle, um über Religion, den Glauben an Jesus und frühere Erfahrungsberichte mit Christus zu lesen.“ (TN-9 an MP-1) „… eine existenzielle Quelle der Literatur, mit der die meisten meiner Arbeiten im religionspäda‐ gogischen Bereich arbeiten/ sich auseinandersetzen. Sie gehört zu meiner Religion, beinhaltet also Texte, die ich (auch im Kontext der Hochschule, z. B. Gottesdienst und Feier) immer noch kennenlerne, und sie regelmäßig auf Kontexte meiner heutigen/ aktuellen Lebenswelt beziehe.“ (TN-9 an MP-2) Während zu Studienbeginn eine große Distanz zur Bibel als „Quelle“ „über Religion“ spürbar wird, findet im Studium ein professioneller Aneignungsprozess statt. Die Bibel wird immer noch als „Quelle der Literatur“ gelesen, aber eben auch als Teil des Eigenen („meiner Religion“). Es geht um einen Aneignungsprozess, d. h. das Kennenlernen ist 214 3 Auswertung der Daten <?page no="215"?> noch nicht abgeschlossen. Die Kontexte, in denen die Bibel relevant wird, sind zum einen Teile des Studiums, dann aber die „Lebenswelt“. Die Bibel muss kontextualisiert werden. An MP 2 vertritt diese Person eine übertragene Leseperspektive, die zwar auch noch Aspekte des Reduktiven aufweist („Quelle der Literatur“), aber auf regelmäßige Kontextualisierungsprozesse verweist. Differenzierungsprozesse im Blick auf die Passung der Bibel zur heutigen Lebensrealität finden sich auch bei TN-12 und TN-33. „… ein Buch, in dem sehr viele Beispiele für ein harmonisches Zusammenleben niedergeschrieben sind, dazu aber auch mit Fragen und Widersprüchen zwischen AT und NT.“ (TN-12 an MP-1) „… ein Arbeitswerk, welches, abhängig von einzelnen Geschichten, genauer betrachtet werden kann/ muss. Zudem bildet sie eine unterstützende Rolle im Glauben. Ich sehe sie nicht als Startliteratur für den Glauben, da der Rahmen für viele nicht in die heutige Zeit passt, daher wende ich sie eher ausschnittsweise an, um den Kern einiger Geschichten zu verdeutlichen.“ (TN 12 an MP-2) Zu Studienbeginn spricht TN 12 noch pauschal vom harmonischen Leben und Widersprüchen zwischen AT und NT. Das Repertoire erweitert sich im Studium dahingehend, dass einzelne Texte genauer betrachtet werden müssen. Ein Distanzierungsprozess setzt ein. Es wird erkannt, dass die Bibel nicht ungebrochen in die heutige Zeit passt. Gleichzeitig formuliert TN 12 eine Strategie des Umgangs mit der Bibel, nämlich Ausschnitte auszuwählen und Kernaussagen zu verdeutlichen. Glauben und Bibel rücken in diesem Prozess auseinander, auch wenn der (entsprechend gefilterten) Bibel eine „unterstützende Rolle“ für den Glauben zugeschrieben wird. TN 12 bemüht sich erkennbar um eine Reorganisation des Repertoires und der Religiosität, um zu einer neuen professionellen Leseperspektive („Arbeitswerk“) zu kommen. Die Notwendigkeit der Auslegung für die heutige Zeit thematisiert auch TN-33: „… ein Buch mit vielen Gleichnissen und Umschreibungen für das Leben. Es soll zum Nachdenken anregen oder auch manche Situationen zu hinterfragen. Aber auch, mich zu bestätigen und mich persönlich zu festigen.“ (TN-33 an MP-1) „… ein Buch mit Geschichten, die uns Verhalten und Folgen aufzeigen. Natürlich sollte man diese an die heutige Zeit anpassen.“ (TN-33 an MP-2) Auffällig ist, dass für TN 33 an MP 2 die persönliche Perspektive zugunsten einer über‐ persönlichen Perspektive zurücktritt („uns“/ „man“ statt „mich“). Dagegen gewinnt das professionell reflektierte Umgehen mit der Bibel („sollte man […] anpassen“) an Bedeutung. Ein Distanzierungs- und Differenzierungsprozess ist auch bei TN-7 erkennbar: „… ein Buch, in dem ich Gott kennenlernen kann, durch das ich Werte und Sinn für mich entdecke und es ist eine Sammlung von vielen verschiedenen Leben (subjektive Geschichten mit Jesus, Gott und anderen Menschen).“ (TN-7 an MP-1) „… die Quelle von Erzählungen über Gotteserfahrungen und die Möglichkeit, Gott näher zu kommen.“ (TN-7 an MP-2) Zu Beginn des Studiums steht die eigene unmittelbare Beziehung zur Bibel im Vordergrund. Etwas unklar ist die Formulierung „Sammlung von vielen verschiedenen Leben“, die sich an MP 2 ausdifferenziert als „Quelle von Erzählungen über Gotteserfahrungen“. Gott näherzukommen ist nur noch eine Möglichkeit, während aus den indikativischen 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 215 <?page no="216"?> 418 Vgl. Lück (2012), 158. Formulierungen zu Studienbeginn eher eine Gewissheit spricht. Auch TN 7 reorganisiert wie TN 12 erkennbar das neue Repertoire („Erzählungen über Gotteserfahrungen“) und eigene Religiosität („Gott näherkommen“) in einer neuen Leseperspektive. Einige Studierende lassen eine reduktive Leseperspektive erkennen (TN 13 und TN 36). Die Bibel ist in dieser Sicht ein historisches Dokument, eine Sammlung oder Überlieferung, ein Zeugnis menschlicher Weisheit. 418 Es geht um die Beschreibung von Erfahrungen eines Volkes mit seinem Gott. Aus diesen Formulierungen spricht eine Distanz, bei der die Perspektive der eigenen Bibelreligiosität ausgeblendet wird. Interessant ist, dass sich bei beiden Personen diese Perspektive nicht erkennbar ändert. „… eine Überlieferung, die mir zeigt, wie das Christentum sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.“ (TN-13 an MP-1) „… ein Zeugnis der Erfahrungen eines Volkes mit ihrem Gott bzw. ihrer Religion (z. B. Apg).“ (TN 13 an MP-2) „… eine Sammlung von Erfahrungsberichten von Begegnungen mit Gott.“ (TN-36 an MP-1) „… historische Dokumente, individuelle Glaubenszeugnisse.“ (TN-36 an MP-2) Keine nennenswerte Entwicklung lässt sich bei TN 19 erkennen. An beiden Messpunkten steht der Begriff „Arbeitsmaterial“ neben dem Aspekt der „Begleitung“: „… Arbeitsmaterial für Plenum (Beruf); Begleitung im Alltag.“ (TN-19 an MP-1) „… Arbeitsmaterial; Wegbegleiter.“ (TN-19 an MP-2) 3.3.4.1.2 Kohorte-II Hinweise auf die Leseperspektive der Studierenden an wenigstens einem Messpunkt gibt es in 27 Fällen, Veränderungen in diesem Bereich sind bei 15 Befragten beschreibbar, und für alle diese Personen liegt auch der Schwerpunkt der Satzergänzung zu Frage 1.1 auf der Achse der Leseperspektive. Auch in Koh. II thematisieren einige Personen die Veränderung an MP-2 gegenüber MP-1: „… ein interessantes Buch mit vielen lehrreichen Geschichten.“ (TN-55 an MP-1) „… ein Buch, zu dem ich mehr Bezug habe als im ersten Semester meines Studiums, da ich nun über mehr Hintergrundwissen verfüge. Manchmal ist sie sogar ein Leitfaden.“ (TN-55 an MP-2) Für TN 55 führt ein erweitertes Hintergrundwissen, also ein erweitertes Repertoire, zu mehr Bezug zur Bibel, der sich dann auch im religiösen Bezug auswirkt („Leitfaden“). Es ist beobachtbar, dass manche Studierende den Weg vom Ausgangspunkt einer großen Unmittelbarkeit zur Bibel hin zur größeren Distanz beschreiten, umgekehrt aber für Menschen, die eher aus einer distanzierten Position kommen („interessantes Buch“), die Bibel durch das Studium an persönlicher Relevanz gewinnen kann. Beide Wege führen zu einer angemessenen Professionalisierung angehender Religionspädagog*innen. Eine Distanzierung wird bei TN-66 und TN-70 deutlich. „… eine Grundlage des Glaubens bzw. eine Hilfestellung und ein Fundament eines Christen.“ (TN 66 an MP-1) 216 3 Auswertung der Daten <?page no="217"?> „… ein wichtiges Werkzeug für meine Profession (z. B. für die Gestaltung von Andachten/ KU etc.) Dennoch ist sie mir z.T. noch ein Rätsel. Ich habe das Gefühl, ich bräuchte weiterhin mehr Kenntnisse über einzelne Geschichten etc. Außerdem ist die Bibel und der richtige Umgang mit ihr für meinen Glauben wichtiger geworden.“ (TN-66 an MP-2) Während zu Studienbeginn die Leseperspektive auf die Bibel rein mit „Grundlage des Glaubens“ und „Fundament“ beschrieben wird, integriert TN 66 im vierten Semester das neugewonnene Repertoire („richtiger Umgang“, „Kenntnisse“) in die eigene Glaubensper‐ spektive. Es findet eine Distanzierung und Verunsicherung statt („Rätsel“, „mehr Kennt‐ nisse“). Die Professionalität kommt in den Blick und die Bibel erfüllt in diesem Rahmen die Funktion des „Werkzeugs“. Bei TN 66 wird besonders deutlich, dass die gewonnene Leseperspektive eine Wegmarke darstellt und weitere Veränderungen zu erwarten sind. Die Professionalisierungsperspektive wird auch bei TN-70 erkennbar: „… eine Grundlage des Glaubens, sie hat bestimmte Richtlinien (10 Gebote), an die man sich halten sollte. Außerdem enthält sie viele Erklärungen.“ (TN-70 an MP-1) „… ein großer und wichtiger Teil geworden. Ich habe mich viel mit ihr auseinandergesetzt, und sie ist ein wichtiger Bestandteil meines Studiums.“ (TN-70 an MP-2) Diese Person beschreibt einen Prozess. Es ist davon auszugehen, dass die Bibel zu Beginn des Studiums noch kein „großer und wichtiger Teil“ war. An MP 1 steht vor allem die biblische Ethik im Vordergrund. Besonders betont wird an MP 2 die Wichtigkeit für das Studium in Verbindung mit der eigenen Auseinandersetzung, was auf eine Repertoireerweiterung hinweist. TN 70 zeigt, dass über die Anregung zur Auseinandersetzung mit Hilfe einer Re‐ pertoireerweiterung die Relevanz der Bibel insgesamt gesteigert werden kann. Deutlicher beschrieben wird diese anzunehmende Repertoireerweiterung durch TN-59: „… ein Vorschlag, sein christlich geprägtes Leben zu gestalten. Sie beantwortet manche Fragen, die ich über meinen Glauben habe. Ich bin mir aber bewusst, dass sie von Menschen geschrieben ist, die in einer anderen Zeit lebten. Daher entscheide ich selbst, wie ich Texte interpretiere und welchen Texten ich glaube.“ (TN-59 an MP-1) „… mehr zu einem Forschungsobjekt geworden. Sozusagen ein Blick auf den Glauben vergangener Tage. Ich fühle mich dazu befähigt, meine eigenen Inhalte und Definitionen daraus zu entnehmen und in mein Verständnis von heute einzubinden.“ (TN-59 an MP-2) Diese Person startet bereits mit einer differenzierten Leseperspektive ins Studium. Die Aspekte der Religiosität (Lebensgestaltung, eigener Glaube) sind bereits an MP 1 mit einem Repertoire im Sinne eines Programms zum Umgang mit biblischen Texten verbunden, das bereits die historische Perspektive enthält. Es ist eine eigenverantwortliche Entscheidung der Interpretation und der Auswahl von Texten erforderlich, um diese in den Glauben zu integrieren. Das Repertoire findet im Studium eine Erweiterung durch die Perspektive der Forschung, die differenziert beschrieben wird mit einer historischen Dimension („Glauben vergangener Tage“) und durch einen Prozess der Befähigung zur inhaltlichen Wahl. Die Dimension der Interpretation wird differenziert im Kontrast zur Vergangenheit beschrieben als Einbinden in ein eigenes „Verständnis von heute“. Die von Beginn an vorhandene übertragene Leseperspektive wird im Studium differenziert und vertieft. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 217 <?page no="218"?> Auch in Koh. II verwenden einige Personen zur Beschreibung der eigenen Leseperspek‐ tive Fachterminologie. Dieses gelingt nicht immer gleich gut. Wie TN 59 bringt auch TN 60 schon eine übertragene Leseperspektive ins Studium mit. Der Begriff des „Übertragens“ wird von TN-60 selbst verwendet: „… ein Buch, mit einer Ansammlung von verschiedensten Geschichten, Erlebnissen und Menschen. Diese kann man ‚teilweise‘ auf die heutige Zeit übertragen und daraus lernen bzw. etwas mitnehmen.“ (TN-60 an MP-1) „… ein Impulsgeber für meinen eigenen Glauben. Der Grundstock, auf dem ich ins Gespräch mit anderen über den Glauben kommen kann. Eine Sammlung von verschiedensten Geschichten etc. mit einer Botschaft, die man in die heutige Zeit übertragen kann/ muss.“ (TN-60 an MP-2) Gegenüber einer eher reduktiven Perspektive am Studienbeginn (die Bibel als Sammlung, aus der man etwas lernen kann) kommt an MP 2 der Glaube ins Spiel, sowohl als eigener als auch im Sinne der Professionalisierung als Glaube anderer, über den man im Beruf spricht. Für dieses professionelle Gespräch ist die Bibel Grundstock. Die „übertragene“ Leseperspektive bleibt bestehen, allerdings kommt zur Möglichkeit der Übertragung die Notwendigkeit hinzu („kann/ muss“). Weniger klar als TN-60 verwendet TN-67 Fachterminologie. Als einzige Person aller Befragungsteilnehmenden verwendet TN-67 den Begriff „hermeneutisch“ an MP-2: „… ein Ratgeber, ein Zielführer, ein Wegbegleiter, ein Schatz, der viele kleine Schätze enthält, die entdeckt werden können.“ (TN-67 an MP-1) „… ein Werk, das in einem hermeneutischen Umstand von Menschen geschrieben wurde und Gottes gute Botschaft enthält.“ (TN-67 an MP-2) Zu erahnen ist, dass im Hintergrund dieser Ausdrucksweise ein Distanzierungsprozess steht. Am Studienbeginn drückt TN 67 eine enge Beziehung zur Bibel aus („Schatz“, „Weg‐ begleiter“), gleichzeitig aber auch „Ratgeber“, was eher auf eine punktuelle Verwendung hinweist. Diese Beziehung bleibt, denn die Bibel enthält „Gottes gute Botschaft“, aber sie „enthält“ sie eben nur, indem sie „von Menschen geschrieben“ ist. Der Ausdruck „herme‐ neutischer Umstand“ ist ungelenk, gemeint ist vermutlich eine Deutungsnotwendigkeit der Texte, die aber noch nicht fachgerecht ausgedrückt werden kann. Immerhin kommt die Formulierung der Konsensformel „Gottes Wort im Menschenwort“ ziemlich nahe. Die Notwendigkeit zur Interpretation betont auch TN-61 von Studienbeginn an: „… eine Möglichkeit, mehr über verschiedene Ereignisse und Geschichten zu lesen, die mit dem Glauben zusammenhängen. Die Bibel kann somit zur Wissensaneignung als auch zum Interpretieren genutzt werden.“ (TN-61 an MP-1) „… ein Sammelwerk an Interpretationsmöglichkeiten und die Möglichkeit, mein Wissen anzu‐ wenden und immer wieder neu zu vertiefen.“ (TN-61 an MP-2) Interessant ist, dass die Dimension des Glaubens, die ja schon zu Studienbeginn eher distanziert beschrieben wird („über […] lesen“), an MP 2 ganz wegfällt. Wissen und Interpretieren bleiben Bestandteile der Leseperspektive, die Dimension des Repertoires wird aber stärker betont, indem es um Anwendung und Vertiefung und nicht mehr nur um Aneignung von Wissen geht. Kaum eine Veränderung zwischen den beiden Messpunkten 218 3 Auswertung der Daten <?page no="219"?> ist bei TN 41 feststellbar. Die Bibel ist und bleibt für diese Person glaubensrelevant, dabei aber auch kritikbedürftig: „… eine Schrift, auf der mein Glaube aufbaut, mit vielen Geschichten, aus denen man lernen kann, die man aber auch kritisch hinterfragen sollte.“ (TN-41 an MP-1) „… eine Schrift, auf der mein Glaube aufbaut, in der die Texte allerdings immer kritisch hinterfragt und beurteilt werden sollten.“ (TN-41 an MP-2) Einen besonderen Schwerpunkt bilden in Koh. II Formulierungen, die auf eine Professiona‐ lisierung im Umgang mit der Bibel hinweisen. Die Bibel ist als Arbeits- und Studiengrund‐ lage wichtig, wie es bereits bei den TN 60, TN 66 und TN 70 deutlich wurde. TN 74 verbindet die Perspektive „Studium“ mit der Wissenschaftlichkeit der Bibelbetrachtung: „… ein Grundbaustein des christlichen Glaubens.“ (TN-74 an MP-1) „… eine wichtige Basis für die wissenschaftliche theologische Arbeit im Studium.“ (TN 74 an MP 2) Die erkennbare Leseperspektive bleibt distanziert. Das Studium regt zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung an, dafür wird die Bibel Basis, während sie an MP 1 neutral und religionswissenschaftlich als „Grundbaustein des christlichen Glaubens“ gesehen wird. Bei zwei Personen kommt die professionelle Perspektive zur persönlichen Perspektive hinzu (TN-63 und TN-69): „… der Grundbaustein der Institution Kirche und damit ein familiäres und wichtiges ‚Lexikon‘ in meinem Leben.“ (TN-63 an MP-1) „… das Grundelement bzw. der Grundbaustein für meinen Glauben und Zentrum des Studiums.“ (TN-63 an MP-2) Die Bibel ist an MP 1 ein Nachschlagewerk. Das Stichwort „Grundbaustein“ und der persönliche Bezug („mein Leben“/ „mein Glauben“) bleiben bestehen, die Bibel wird aber zusätzlich „Zentrum des Studiums“, die Perspektive der „Kirche“ fällt an MP 2 weg. Ähnlich stellt sich die Entwicklung für TN-69 dar: „… die Grundlage meines Glaubens, der Leitfaden für christliche Werte.“ (TN-69 an MP-1) „… ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens und die Basis meiner zukünftigen Arbeit.“ (TN 69 an MP-2) Wie bei TN 63 bleibt die persönliche Beziehung von Bibel und Glauben bestehen. Die künftige Arbeit, d.-h. die Professionalität jenseits des Studiums wird betont. Dafür entfällt der Aspekt der Werteorientierung und die Charakterisierung der Bibel als „Leitfaden“. Bei einigen Personen geht diese Professionalisierung mit einer Neujustierung von Nähe und Distanz zur Bibel einher; zentrale Aspekte der Leseperspektive fallen an MP 2 weg. Persönlich ist die Bibel für diese Personen allenfalls als ethische Orientierung relevant. Eine Tendenz zur Distanzierung ist bei TN-48 beschreibbar: „… eine Sammlung von Geschichten, Erlebnissen, die Personen mit Gott gemacht haben. Für mich ist die Bibel eine Richtlinie, wie man auf der Welt leben sollte und wie man mit anderen Menschen umgehen sollte.“ (TN-48 an MP-1) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 219 <?page no="220"?> „… Begleiter für Andachten und der Anhaltspunkt bei Glaubensfragen. Wenn auch die Bibel keine große Verwendung bei mir findet, ist sie für mich im kirchlichen Kontext die Verwendungsgrund‐ lage für eine Predigt, Konfirmandenunterricht etc.“ (TN-48 an MP-2) An MP 2 tritt der persönliche Zugang gegenüber MP 1 zurück. Im Vordergrund stehen differenzierte berufliche Kontexte als Sitz im Leben biblischer Texte. Allenfalls der Ter‐ minus „Anhaltspunkt bei Glaubensfragen“ enthält noch das Element der persönlichen Orientierung. Anders als TN 48 beschreibt TN 38 bereits an MP 1 eine distanziertere Leseperspektive ohne persönlichen Bezug: „… ein Buch, welches Inspiration, Denkanstöße und Richtlinien für die christliche Glaubensrich‐ tung liefert. Darüber hinaus kann ich Schlüsse zum historischen Kontext des Ursprungs des Christentums, aber auch des Judentums und des Islams schließen.“ (TN-38 an MP-1) „… die Grundlage meiner Arbeit.“ (TN-38 an MP-2) Es geht um „die christliche Glaubensrichtung“, womit eine religionswissenschaftliche Position eingenommen wird. TN-38 sieht an MP-1 auf das Phänomen Bibel „aus dem Off “. Erst durch die eigene Arbeit setzt sich TN 38 in ein Verhältnis zur Bibel. Die Leseperspektive blickt auf die Bibel als Arbeitsgrundlage. Eine ähnliche Entwicklung ist bei TN 46 zu beobachten. Auch diese Person besitzt eher eine distanziert-reduktive Perspektive: „… eine Sammlung von moralischen Richtlinien, die oft anhand fiktiver bzw. (im Laufe der Zeit) stark interpretierter Geschichten deutlich gemacht werden sollen.“ (TN-46 an MP-1) „… ein Artefakt der (christlichen) Entstehungsgeschichte und Grundlage meines religionspädago‐ gischen Studiums.“ (TN-46 an MP-2) Die persönliche Beziehung wird bei TN 46 erst durch das Studium hergestellt. Die Leseperspektive zu Studienbeginn kann eher als reduktiv eingestuft werden. Eine große persönliche Distanz wird erkennbar. Erst das eigene Studium integriert die Bibel als Arbeitsgrundlage des selbstgewählten Studiums. Eine Distanzierung unabhängig von professionellen Kontexten ist bei TN-54 erkennbar: „… eine historische und spirituelle Quelle, die einen Zugang bietet, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.“ (TN-54 an MP-1) „… ein Buch mit vielen interessanten Geschichten, die eine Lebenshilfe sein können.“ (TN 54 an MP-2) Während die Bibel an MP 1 noch zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben anregt, tritt die Perspektive „spirituelle Quelle“ an MP 2 zurück. Die Bibel ist nur noch ein „Buch“ mit „interessanten Geschichten“, die allenfalls Potential zur Lebenshilfe haben. 3.3.4.1.3 Ergebnis Es fällt auf, wie individuell die Wege sind, die von den Befragten im Studium beschritten werden, um zu einer für sie angemessenen Leseperspektive zu kommen. Manche kommen mit sehr viel Interesse und Information ins Studium und bringen eine differenzierte Leseperspektive mit, die sie weiterentwickeln (z. B. TN 59). Andere haben zu Beginn des Studiums kaum Bezug zur Bibel und müssen sich diesen erst erarbeiten (z. B. TN 55). Wieder 220 3 Auswertung der Daten <?page no="221"?> 419 Vgl. Lück (2012), 158. 420 Vgl. Lück (2012), 158-159 und Ziebertz/ Riegel (2008), 42. 421 Annäherungen Koh. I: TN 9, TN 29, Koh. II: TN 38, TN 46, TN 55, TN 60, TN 63, TN 66, TN 69, TN 70; Distanzierungen Koh.-I: TN-1, TN-7, TN-12, TN-17, TN-29, TN-30, TN-33; Koh.-II: TN-48, TN-54. 422 Vgl. Lück (2012), 158-159. Für ein „wörtliches Verstehen“ der Bibel gibt es Synonyme, die in der Sache eine Inspiration der Bibel durch Gott beschreiben (Zimmer [2012], 25 und Holthaus [2007], 58) und ihr damit Offenbarungscharakter zumessen. Auf dieser Basis wird dem Wortlaut der Bibel eine hohe Autorität zugesprochen (vgl. Abschnitt 1.5). 423 Vgl. Lück (2012), 158-159 mit Bezug auf Ziebertz/ Riegel (2008), 42: Menschen werden von Gott angesprochen und auserwählt und vermitteln seine Offenbarung. Die Bibel muss für jede Zeit neu interpretiert werden. andere haben vor allem einen sehr persönlichen Bezug und lernen, sich von Texten zu distanzieren (z.-B. TN-7). Die Wege sind individuell, doch viele Personen stellen an MP 2 den Bezug zum Studium oder der künftigen Arbeit her - dieser Bezug setzt der Individualität eine Grenze. Es geht darum, zu einer Professionalität zu kommen, zu der ein (kritischer) Bezug zur Bibel gehört. Je nach Ausgangsperspektive kann Annäherung oder Distanzierung erforderlich sein. Beide Tendenzen sind mit Hilfe der Satzergänzungen zu Frage-1.1 belegbar. Das bedeutet auch, dass keine durchgängig säkulare Leseperspektive erkennbar wird, die der Bibel die Rolle eines Buches unter vielen zumisst. 419 Am ehesten könnte man noch Äußerungen wie TN-74 oder TN-38 an MP-1 als „säkular“ verstehen. Reduktive Perspektiven, die in biblischen Texten den Ausdruck menschlicher Weisheit ohne göttliche Beeinflussung sehen, 420 sind in beiden Kohorten vorhanden. Tendenzen zu einer solchen „reduktiven“ Leseperspektive gibt es an beiden Messpunkten. Kennzeichen ist vor allem eine innere Distanz zu Bibel, eine als religionswissenschaftlich zu beschreibende Perspektive auf die Bibel ohne eine eigene Bibelreligiosität. Die Entwicklung kann von einer großen Distanz hin zu einer Annäherung an die Bibel gehen (TN 9, TN 38, TN 46). Das kann bedeuten, dass sich die Bibelreligiosität verstärkt (TN 60, TN 63, TN 67). Für TN 74 eröffnet die wissenschaftliche Arbeit überhaupt erst einen Zugang zur Bibel. Es gibt aber auch den umgekehrten Weg der Distanzierung an MP 2, die explizit mit der Wissenschaftlichkeit in Verbindung gebracht werden kann (TN 17) oder mit neuen Arbeitskontexten (TN 30). In den Äußerungen einiger Personen fällt der Glaubensaspekt an MP 2 weg (TN 33 und TN 54) oder reduziert sich (TN 7). Die Distanz zur Bibel kann aber auch unverändert bestehen bleiben (TN 13 und TN 36). Beide Entwicklungstendenzen sind in beiden Kohorten erkennbar. Allerdings ist die Tendenz zur Distanzierung in Koh. I häufiger zu beobachten als in Koh. II, und die Tendenz zur Annäherung lässt sich in Koh.-II häufiger erkennen als in Koh.-I. 421 In Koh. I lehnen zwei Personen explizit eine wörtliche Leseperspektive ab (TN 29 und TN 30). Sie verwenden den Fachterminus, der eigentlich eine wortwörtliche Wahrheit der Bibel auf der Basis göttlichen Wirkens 422 beschreibt. Gemeint ist von Seiten der Studierenden die Leugnung der Interpretationsbedürftigkeit biblischer Texte, denn positiv verwendet wird der Begriff des Übertragens (TN-29) und der Auseinandersetzung (TN-30). Auch in Koh.-II sehen mehrere Personen die Notwendigkeit, Bibeltexte zu übertragen (TN-60) oder zu interpretieren (TN 61). Eine Person arbeitet mit dem Fachterminus „hermeneutisch“, wenn auch deutlich wird, dass nicht durchdrungen wurde, was mit diesem Begriff gemeint ist (TN-67). Der Sache nach beschreiben z. B. TN 9 und TN 59 eine übertragene Leseperspektive. 423 Die Notwendigkeit, 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 221 <?page no="222"?> 424 TN 9, TN 13, TN 17, TN 30, TN 36, TN 41, TN 54, TN 55, TN 59, TN 61, TN 70, TN 74. Ausgewertet wurden Hinweise auf ein historisches Bewusstsein, auf Wissen, Wissenschaft und Forschung und auf (kritische) Auseinandersetzung mit den Bibeltexten. 425 Glaube in distanzierter Formulierung: TN 1, TN 9, TN 38, TN 61, TN 70, TN 74 (MP 1); TN 48 (MP 2); persönlicher Glaube: TN 17, TN 33, TN 59 (MP 1); TN 60, TN 63, TN 67 (MP 2); TN 7; TN 36, TN 30, TN-41, TN-66, TN-69 (MP-1 und MP-2). 426 TN-9, TN-26, TN-48, TN-66. 427 Stichwort „Studium“: TN 1, TN 26, TN 30, TN 46, TN 63, TN 70, TN 74; Stichwort „Arbeit“ oder „Profession“: TN-9, TN-12, TN-19, TN-30, TN-38, TN-66, TN-69, TN-74. biblische Texte zu interpretieren, betonen auf unterschiedliche Weise viele der befragten Personen (z. B. TN 12 „anwenden“, TN 33: „an die heutige Zeit anpassen“, TN 9: „Auf Kontexte der Lebenswelt beziehen“). Daneben beschreiben viele Befragte, dass die Bibel eine Sammlung menschlicher religiöser Erfahrungen ist (z. B. TN 7, TN 36, TN 48, TN 60). Eine wörtliche Leseperspektive ist im Material zu Frage-1.1 in keinem Fall zu erkennen. Zur Analyse des Grundverständnisses der Bibel wurde vom Material der Studierenden her ein „Mobile-Modell“ entwickelt. Das Grundverständnis der Bibel beinhaltet das eigene Repertoire an Bibelkenntnissen und Auslegungsmethoden, die eigene Bibelreligiosität sowie eine eigene Leseperspektive, die Religiosität und Repertoire in Beziehung setzt und damit immer wieder reformuliert und anpasst. Beispiele für einen solchen Reorgani‐ sationsprozess werden am analysierten Material deutlich. Bei einigen Personen ist eine Reorganisation von Repertoire und Religiosität im Formulieren einer Leseperspektive durch neue Schwerpunktsetzungen an MP 2 erkennbar (TN 7, TN 9, TN 12, TN 30, TN 61). Auch wenn das im Studium neugewonnene Repertoire eher weniger beherzt angewendet wird (nur eine Person betont, sich befähigt zu fühlen, eigene Inhalte aus der Bibel zu wählen, und zwar TN 59 an MP 2), wird das Repertoire beschrieben und als neu gewonnene Perspektive reflektiert. Hinweise auf eine historisch reflektierte, kritische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel als Teil der Leseperspektive an MP 2 finden sich bei insgesamt zwölf Personen. 424 Neben diesen großen Linien kennzeichnen weitere Beobachtungen die Leseperspektiven der Studierenden über den individuellen Weg hinaus. Ein Vergleich der beiden Kohorten ergibt ähnliche Tendenzen: Von insgesamt 17 Personen wird die Bibel an mindestens einem MP mit dem Stichwort „Glauben“ in Verbindung gebracht. Dies kann als distanzierte Beschreibung geschehen (acht Personen) oder als persönlicher Zugang zur Bibel („mein Glaube“). Wenn Äußerungen, die der Sache nach den persönlichen Glaubenszugang beschreiben („ein Buch, in dem ich Gott kennenlernen kann“, TN 7 an MP 1) hinzugenommen werden, bringen zwölf Personen die Bibel mit ihrem persönlichen Glauben in Verbindung, davon sechs Teilnehmer*innen an beiden Messpunkten und je drei an MP 1 bzw. MP 2. 425 Insgesamt vier Personen nennen Anwendungskontexte biblischer Texte (KU, Predigt, Andacht). 426 Das Studium wird von sieben Personen als Lern- und Anwendungskontext erwähnt, im Horizont jetziger und späterer Arbeit sehen acht Personen die Bibel. 427 Interessant ist, dass mehrfach eine Leseperspektive artikuliert wird, die die Bibel mit Referenzwerken gleich‐ setzt (TN 63: „Lexikon“, TN 55: „Leitfaden“, TN 67: „Ratgeber“, TN 17: „Wegweiser“). Dies wirft ein Licht auf das Leseverhalten: Die Rezeption solcher Referenzwerke ist punktuell und anwendungsbezogen. Insgesamt acht Personen beschreiben selbst die Anwendung 222 3 Auswertung der Daten <?page no="223"?> 428 Koh.-I: TN-9, TN-12, TN-30, TN-33; Koh.-II: TN-48, TN-59, TN-61, TN-66. 429 TN-33, TN-38, TN-48, TN-69, TN-70. 430 Beide stimmen an MP 2 dem Item 1.7.3 („Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tieferen Verständnis biblischer Texte Informationen fehlen“) voll zu. 431 Item 1.7.1 (MP 1): „Ich würde gerne noch mehr darüber wissen, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“ bzw. (MP 2): „Ich bin zufrieden mit meinem Wissensstand darüber, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird“; Item 1.7.3: „Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen.“ biblischer Texte in verschiedenen Kontexten als eigene Praxis. 428 Eine weitere häufige inhaltliche Schwerpunktsetzung bei der Beschreibung der Bibel insgesamt liegt in der ethischen Orientierung (TN-46: „moralische Richtlinien“). 429 In Koh. I vergleichen drei Personen, in Koh. II vier Personen ihre Sicht der Bibel an MP 2 mit dem Beginn des Studiums. Je eine Person benennt selbst wahrgenommene Defizite im Umgang mit der Bibel (TN 26 und TN 66). 430 Alle anderen Personen beschreiben eine positive Entwicklung. Wie bereits mehrfach beobachtet werden konnte, identifizieren viele Studierende die Bibeltexte mit „Geschichten“. Dieser Begriff für biblische Inhalte wird von insgesamt neun Personen verwendet. 3.3.4.2 Quantitative Auswertung Die Auswertung der quantitativen Items folgt der Terminologie von Lück (vgl. Abschnitt 1.5.4) und wertet Items aus, die auf eine wörtliche, eine säkulare oder auf eine übertragene Leseperspektive hinweisen. Eine reduktive Leseperspektive wurde in den quantitativen Items nicht operationalisiert. 3.3.4.2.1 Wörtliche Leseperspektive Den Studierenden wurden an beiden Messpunkten mehrere Items vorgelegt, die nach der Zustimmung zu einem wörtlichen Bibelverstehen fragen, zum einen ist das Item 1.10.5 („Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden“), zum zweiten Item 1.7.2 („Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wörtlich verstehe.“). Das letztgenannte Item steht in Zusammenhang mit anderen Items aus Frage 1.7 zum Umgang mit der Bibel, 431 also im Kontrast zu stärker wissenschaftlich orientierten Leseperspektiven. Gefragt wird hier nach einer Selbsteinschätzung. Als Kontrollitem wurde in Frage 1.13 („Was ist Ihnen bei Ihrer Bibelauslegung wichtig? “) Item 1.13.5 eingefügt („Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und dass man gar nicht so viel über ihre Hintergründe wissen muss“). Die Ergebnisse dieser Items weisen darauf hin, dass sich nur ein sehr kleiner Personenkreis mit einer wörtlichen Leseperspektive identifiziert. Für Item 1.10.5 sind die Tendenzen in Koh. I und Koh. II vergleichbar. Das Item wird überwiegend abgelehnt, die Veränderungsprofile folgen dem Muster der fluktuierenden halben Kohorte (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.6). Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass sich die Stu‐ dierenden während des Studiums mit einer wörtlichen Leseperspektive auseinandersetzen. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 223 <?page no="224"?> Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.5 Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden. 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 7) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 13) 2018 trifft eher zu (gesamt: 6) 2018 trifft voll zu (gesamt: 2) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 9) gleich (15) (5) TN 9; TN 12; TN 13; TN 18; TN 36; (4) TN 11; TN 29; TN 32; TN 34 mehr Zustimmung (7) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 7) TN 1 (5) TN 4; TN 6; TN 15; TN 19; TN 28 TN 31 2016 trifft eher zu (gesamt: 12) TN 35 (4) TN 17; TN 22; TN 25; TN 30 (5) TN 7; TN 10; TN 23; TN 27; TN 33 TN 16; TN 26 2016 trifft voll zu (gesamt: 0) weniger Zustimmung (6) 2016 keine Angabe Abbildung 50: Bedeutung der Bibel: Von Gott eingegeben und den Menschen aufgeschrieben Etwa die Hälfte der Befragten bleibt an MP-2 bei ihrer Position aus der Erstbefragung, während die andere Hälfte ihre Position variiert. Die Bewegungen gehen in beide Richtungen. Offenbar findet im Studium in der Frage der Bibelentstehung ein Differenzierungsprozess statt. Trotz der insgesamt eher ablehnenden Gesamtergebnisse verändern mehr Teilnehmer*innen ihr Votum in Richtung größere Zustimmung als in Richtung weniger Zustimmung (+7/ -6). Die vollständige Ablehnung wird im Studium offenbar von einigen Studierenden überdacht und modifiziert. Möglicherweise erklärt sich dies aus einer Auseinandersetzung mit wissenschaftli‐ chen Methoden, die als zu dekonstruierend empfunden werden. Niemand stimmt bleibend voll zu; fünf Personen stimmen an beiden Messpunkten eher zu. An MP-2 stimmen zwei Personen 224 3 Auswertung der Daten <?page no="225"?> 432 In Koh. II ist die Tendenz noch stärker ausgeprägt: Item 1.10.5 Koh. II MP 1: „trifft voll zu“: 1 TN; „trifft eher zu“: 5 TN; „trifft eher nicht zu“: 12 TN; „trifft gar nicht zu“: 9 TN; keine Angabe: 1 TN; MP 2: „trifft voll zu“ 1 TN; „trifft eher zu“: 4 TN; „trifft eher nicht zu“: 16 TN; „trifft gar nicht zu“: 6 TN (+9/ -5, unverändert 13). An MP-1 stimmt eine Person diesem Item voll zu (TN-63), gibt diese Position dann aber auf. An MP-2 stimmt ebenfalls eine Person neu voll zu (TN-53). 2 Personen stimmen bleibend „eher“ zu (TN-40, TN-43). 433 Item 1.7.2 MP 1: „trifft vollständig zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 4 TN (14%); „trifft eher zu“: Koh. I: 5 TN (18%) / Koh.-II: 2 TN (7%); „trifft eher nicht zu“: Koh.-I: 10 TN (36%) / Koh.-II: 13 TN (46%); „trifft gar nicht zu“: Koh.-I: 12 TN (43%) / Koh.-II: 9 TN (32%); keine Angabe: Koh.-I: 1 TN (4%) / Koh.-II: 0 TN; MP-2: „trifft vollständig zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 1 TN (4%); „trifft eher zu“: Koh. I: 2 TN (7%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 8 TN (29%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 16 TN (57%) / Koh. II: 17 TN (61%); keine Angabe; Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN (Koh. I: +3/ -6, unverändert: 17; Koh. II: +3/ -13, unverändert: 12). Dieses Item kann verglichen werden mit dem Ergebnis von KMU 5: „trifft voll zu“: 8%; „trifft eher zu“: 23%; „trifft eher nicht zu“: 43%; „trifft gar nicht zu“: 29% (Bedford- Strohm/ Jung [2015], 498). Die Ablehnung des wörtlichen Bibelverständnisses der befragten Studierenden ist stärker ausgeprägt als dies unter allen Evangelischen der Fall ist. Die Zustimmung ist aber etwas höher als in Lücks Studie (dort 2,8%, vgl. Lück [2012], 159). 434 Item 1.13.5 MP 1: Koh I: 2 TN / Koh. II: 2 TN; MP 2: Koh I: 0 TN / Koh. II: 1 TN (Koh. I: +0/ -2, unverändert 26; Koh.-II: +1/ -2, unverändert 25). in Koh.-I (TN-16 und TN-26) neu voll zu; 432 an MP-1 hatte niemand voll zugestimmt. In Koh.-II stimmt an MP-1 TN-63 voll zu und an MP-2 TN-53. Das gegenüber Item 1.10.5 eindeutiger formulierte Item 1.7.2 („Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe“) wird in beiden Kohorten bereits zu Beginn des Studiums überwiegend abgelehnt, und diese Tendenz verstärkt sich an MP 2. In beiden Kohorten bleiben die meisten Personen bei einem ablehnenden Votum. Insgesamt drei Personen bleiben bei einem Votum „trifft eher zu “ (TN 27 und TN 56) bzw. „trifft vollständig zu“ (TN 53). Nur zwei Personen bewegen sich von einer ablehnenden zu einer zustimmenden Haltung (TN 1 und TN 26). Interessant sind Veränderungssprünge zwischen den Messpunkten. Eine Person bewegt sich von voller Zustimmung zu voller Ablehnung (TN-47), umgekehrt bewegt sich eine Person von voller Ablehnung zu voller Zustimmung (TN 1). Das Studium bewirkt offenbar eine Auseinandersetzung mit der Sicht auf die Bibel, die jeweils bei etwa der Hälfte jeder Gruppe zu Veränderungen führt, die aber insgesamt eher im ablehnenden Bereich bleiben. 433 Interessant sind für die Frage nach der wörtlichen Leseperspektive die voll zustimmenden Voten. Bleibend stimmt dem Item 1.7.2 nur eine Person voll zu (TN 53). An MP 1 stimmen diesem Item insgesamt vier Personen voll zu (außer TN-53 noch TN-43, TN-47, TN-49), an MP-2 außer TN-53 noch TN-1. Die Tendenz von Item 1.7.2 bestätigt sich im Ergebnis von Item 1.13.5 („Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nicht so viel über die Hintergründe wissen muss“). Letzteres wird von beiden Kohorten fast vollständig abgelehnt. Niemand wählt es an beiden Messpunkten an. Insgesamt vier Personen wählen das Item an MP 2 ab (TN 12, TN 36, TN 43, TN 49), eine Person wählt es neu an (TN 53). 434 Eine Schnittmenge von Personen mit auffälliger Zustimmung zwischen den drei Items (1.10.5, 1.7.2 und 1.13.5) besteht nur bei TN-53. Interessant ist die Entwicklung beim Thema Bibel als „Wegweiserin in allen Lebens‐ fragen“ (Item 1.10.7). Wie bei den Items 1.7.2 und 1.10.5 zeigt sich ein Auseinandersetzungs‐ prozess. Die Orientierungsfunktion der Bibel wird in beiden Kohorten an MP 2 kritischer beurteilt. Mindestens die Hälfte aller Befragten in beiden Gruppen verändern ihre Position 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 225 <?page no="226"?> 435 In Koh, II ist die Tendenz schwächer ausgeprägt: Item 1.10.7 Koh. II MP 1: „trifft voll zu“: 2 TN; „trifft eher zu“: 12 TN; „trifft eher nicht zu“: 11 TN; „trifft gar nicht zu“: 13 TN; MP-2: „trifft voll zu“ 3 TN; „trifft eher zu“: 6 TN; „trifft eher nicht zu“: 16 TN; „trifft gar nicht zu“: 3 TN (+5/ -9, unverändert 14). TN-53 bleibt bei voller Zustimmung, an MP-2 stimmen TN-57 und TN-69 neu voll zu. zu dem Thema im Studienverlauf; überwiegend findet das Item weniger Zustimmung. Diese Entwicklung ist in Koh.-I noch deutlicher ausgeprägt als in Koh.-II. Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.7 Die Bibel ist die Wegweiserin in allen Lebensfragen. 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 3) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 12) 2018 trifft eher zu (gesamt: 11) 2018 trifft voll zu (gesamt: 2) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 0) gleich (9) mehr Zustimmung (3) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 5) TN 11 TN 9; TN 17 TN 16; TN 30 2016 trifft eher zu (gesamt: 19) TN 33; TN 35 (10) TN 6; TN 10; TN 13; TN 18; TN 22; TN 23; TN 25; TN 28; TN 29; TN 32 (6) TN 12; TN 19; TN 26; TN 31; TN 34; TN 36 TN 27 2016 trifft voll zu (gesamt: 4) weniger Zustimmung (16) TN 4; TN 7; TN 15 TN 1 2016 keine Angabe Abbildung 51: Bedeutung der Bibel: Bibel als Wegweiserin in allen Lebensfragen Insgesamt 16 Personen verringern ihre Zustimmung. Bei einer vollen Zustimmung bleibt nur TN-1; nur TN-27 stimmt an MP-2 gegen den Trend voll zu. 435 Ergänzend zu diesen Items gibt ein Blick in Frage 1.12 weiteren Aufschluss über Tendenzen zu einer wörtlichen Leseperspektive, die der Bibel unmittelbare Geltung zuspricht. Als 226 3 Auswertung der Daten <?page no="227"?> 436 Item 1.12.1 MP 1: „stimme stark zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 2 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 4 TN / Koh. II: 1 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 14 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 11 TN / Koh. II: 11 TN; MP 2: „stimme stark zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 1 TN; „stimme eher zu“: Koh. I: 1 TN / Koh. II: 4 TN; „lehne eher ab“: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 4 TN; „lehne stark ab“: Koh. I: 13 TN / Koh. II: 19 TN; keine Angabe: Koh.-I: 1 TN / Koh.-II: 0 TN (Koh.-I: +4/ -7, unverändert: 16 ; Koh.-II: +5/ -10, unverändert: 13). 437 Item 1.10.1 MP-1 „trifft voll zu“: Koh.-I: TN-4, TN-23, TN-31, TN-32; Koh.-II: TN-53, TN-64; MP-2 „trifft voll zu“: Koh.-I: TN-1, TN-4, TN-7, TN-9, TN-10, TN-27; Koh.-II: TN-53, TN-58. 438 Das Ergebnis dieser Personen nach zustimmenden Voten an MP-1 und 2: TN-1 MP-1: 2 Voten/ MP-2: 3 Voten; TN-27 MP-1: 4 Voten/ MP-2: 4 Voten; TN-53 MP-1: 4 Voten/ MP-2: 6 Voten. Konfliktfeld wird hier die Auslegung zu Gen 3,16 (Gott spricht zur Frau: „Dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein“) aufgefächert. Dieser Text reizt wegen seiner klaren Inkompatibilität zu den Menschenrechten zum Widerspruch. Unterschiedliche fiktive Lösungsansätze werden skizziert, darunter auch „Hinter dieser Aussage wird ein tieferer Sinn stehen. Wenn in der Bibel steht, dass Gott so etwas sagt, dann sollte man sich auch daran halten“ (Item 1.12.1). In beiden Kohorten wird dieses Item an beiden Messpunkten weit überwiegend abgelehnt. Die Ablehnung verstärkt sich in beiden Kohorten an MP-2. Für eine wörtliche Leseperspektive sind die zustimmenden Voten interessant. In beiden Kohorten stimmt nur TN 53 an beiden Messpunkten zu. In Koh. I gibt es nur „eher“ zustimmende Voten (MP 1: TN 23, TN 26, TN 35; MP 2: TN 30). In Koh. II gibt es an MP 1 und MP 2 insgesamt drei stark zustimmende Voten (TN-38, TN-53, TN-58), sonst nur „eher“ zustimmende Voten (MP 1: TN 51; MP 2: TN 47, TN 53, TN 63, TN 67). 436 Das Veränderungsprofil folgt dem Muster der fluktuierenden halben Kohorte. Zwei Personen verändern ihre Position stark in Richtung einer deutlichen Zustimmung (TN-38) und in Richtung der völligen Ablehnung (TN-58). Nur TN-53 bleibt bei einem zustimmenden Votum. Das Ergebnis zu Item 1.10.1 („In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder“) zeigt, dass die Mehrheit beider Kohorten bei diesem Thema unspezifisch votiert (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.5.1). Für die Frage nach einer wörtlichen Leseperspektive sind Personen interessant, die an mindestens einem MP mit „trifft voll zu“ oder „trifft eher zu“ votieren. Dies sind in Koh.-I 23 Personen und in Koh.-II 22 Personen, also die überwiegende Mehrheit der Befragten. Wenn die Zahl der Personen eingegrenzt wird auf die Personen, die an beiden Messpunkten zustimmen, bleiben in Koh. I 20 Personen und in Koh. II 12 Personen. Unter Berücksichtigung der vorherigen Ergebnisse ist ein solches Votum unspezifisch. Viele Personen finden sich bleibend in der Bibel wieder, was den Ergebnissen der „Erfahrung“ als Kerndimension der Religiosität entspricht. Anzunehmen ist für eine wörtliche Leseperspektive eine hohe Zustimmung zu diesem Item. Ausgewertet werden daher die Personen, die an mindestens einem Messpunkt voll zustimmen. Dies sind in Koh I 10 Personen und in Koh. II 3 Personen. 437 Unter diesen Personen sind drei Personen in den in diesem Abschnitt bereits ausgewerteten Items (1.10.5, 1.7.2, 1.13.5, 1.10.7, 1.12.1) bezüglich einer Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive aufgefallen (TN-1, TN-27, TN-53). 438 Als Zwischenergebnis lässt sich festhalten, dass neun Personen bei mindestens drei Items Hinweise auf eine wörtlich-unmittelbare Leseperspektive zeigen (TN 1, TN 26, TN 27, TN 36, TN 43, TN 49, TN 53, TN 63, TN 67). Einige Personen zeigen am ersten Messpunkt eine Tendenz in Richtung eines wörtlichen Verständnisses, die sich dann aber vermindert (TN 36, TN 43, TN 49). Andere Personen zeigen diese Tendenz an MP 2 neu (TN 1, TN 26, TN-63, TN-67), gleichbleibend (TN-27) oder verstärkt (TN-53). 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 227 <?page no="228"?> 439 Item 1.9.11 MP 1: Koh I: 2 TN (TN 15, TN 35) / Koh. II: 1 TN (TN 53); MP 2: Koh I: 2 TN (TN 13, TN-35) / Koh.-II: 1 TN (TN-74) (Koh.-I: +2/ -2; Koh.-II: +1/ -1). 440 Item 1.21.10 („Für mich ist Gehorsam …“) MP 1: „ein religiöses Thema“: Koh. I: 2 TN / Koh. II: 2 TN; „eher ein religiöses Thema“: Koh. I: 8 TN / Koh. II: 7 TN; „eher kein religiöses Thema“: Koh. I: 6 TN / Koh. II: 10 TN; „kein religiöses Thema“: Koh. I: 12 TN / Koh. II: 9 TN; MP 2: „ein religiöses Thema“: Koh. I: 1 TN / Koh. II: 1 TN; „eher ein religiöses Thema“: Koh. I: 2 TN / Koh. II: 7 TN; „eher kein religiöses Thema“: Koh. I: 7 TN / Koh. II: 12 TN; „kein religiöses Thema“: Koh. I: 18 TN / Koh. II: 8 TN (Koh.-I: +3/ -13, unverändert 12; Koh.-II: +9/ -8, unverändert: 11). Korrelierend werden weitere Items ausgewertet. Dies betrifft ein Item aus Frage 1.9 („Besonders schwierig finde ich in der Bibel …“) mit der Option „… nichts“ (Item 1.9.11). Das Ergebnis ist unspezifisch und lässt keine Rückschlüsse auf eine ausgeprägte wörtliche Leseperspektive zu. Ganz überwiegend wird dieses Item nicht angewählt. Niemand bleibt an beiden Messpunkten bei einer Anwahl. Insgesamt je drei Personen wählen diese Antwort an MP 1 oder an MP 2. 439 Eine Übereinstimmung mit den genannten Personen, die eine Tendenz zu einem wörtlichen Verständnis zeigen, ergibt sich nur für TN-53. In Frage 1.21 sollen die Studierenden einschätzen, welche Themen ihrer Auffassung nach „religiöse Themen“ sind. Für die Verifizierung einer wörtlich-unmittelbaren Leseperspek‐ tive ist besonders die Einschätzung des Gehorsams als religiöses Thema interessant (Item 1.21.10). Hier geht es um eine bedingungslose Ausrichtung auf eine höhere Instanz hin, die unbedingte Geltung fordert. In Korrelation zu den Personen mit einer Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive fallen TN 27 und TN 53 mit voller Zustimmung an beiden Messpunkten auf. TN-67 votiert an MP-2 zustimmend. 440 Das Ergebnis der bisher ausgewerteten Items wird nun zu bereits erfolgten Auswer‐ tungen allgemeiner Items in Bezug gesetzt. Im Hinblick auf die Wichtigkeit der Bibel ist Item 1.6 (Wichtigkeit der Bibel für den Glauben) interessant in Verbindung mit Item 1.4.5 (Unwichtigkeit der Bibel). Es ist davon auszugehen, dass für Personen mit einer wörtlichen Leseperspektive die Bibel als Autorität gilt und daher wichtig für den Glauben ist. Korrespondenzen ergeben sich im Hinblick auf die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive für TN 1, TN 26, TN 27, TN 43, TN 53, TN 63 und TN 67. Diese Personen finden die Bibel für ihren Glauben mindestens an einem MP wichtig und lehnen die Unwichtigkeit der Bibel ab. Insgesamt sind die Ergebnisse der „Wichtigkeit“ zwar eher unspezifisch (vgl. Abschnitt 3.2.4), doch ist für eine wörtliche Leseperspektive die Wichtigkeit der Bibel elementar, d. h. TN 36 und TN 49 werden nicht weiter überprüft, da für sie die Bibel eher nicht wichtig ist. Ein Abgleich mit den Lesehäufigkeiten (Item 1.3, vgl. Abschnitt 3.2.1) zeigt, dass fünf der genannten sieben Personen an MP 2 das häufige Bibellesen konstant beibehalten (TN 53 und TN 63) oder aber das Bibellesen deutlich steigern (TN 1, TN 27, TN 67). TN 43 liest sehr selten (MP-1) oder nie (MP-2) in der Bibel. Ein Abgleich mit den Bewegungen und Häufigkeiten des Bibellesens alleine (Item 1.4.1, vgl. Abschnitt 3.2.3.1) ergibt, dass TN 1 an MP 2 eher weniger alleine in der Bibel liest, während bei TN 27 und TN 67 eine deutliche Steigerung der Häufigkeit vorhanden ist und TN 53 konstant regelmäßig allein in der Bibel liest. Insgesamt ist das häufige oder gesteigerte Bibellesen aber nicht mit einer auffallenden Affinität zu einer wörtlichen Leseperspektive verbunden, sondern als Faktor alleine eher unspezifisch. Das gilt noch 228 3 Auswertung der Daten <?page no="229"?> 441 Ein detaillierter Blick auf die Kontexte des Umgangs mit der Bibel zeigt, wo Veränderungen stattfinden. Für TN 53 brechen wichtige Kontexte des Bibellesens weg, nämlich Bibel- oder Haus‐ kreis (Item 1.2.7) und Freizeiten (Item 1.2.8). Als Kontext für das Lesen in der Gruppe bleibt für TN 53 der Freundeskreis (Item 1.2.4) und die Jugendgruppe (Item 1.2.5) bestehen. Für TN 36 brechen dagegen alle bisherigen Gruppen-Kontexte des Umgangs mit der Bibel weg, nämlich der Kindergottesdienst (Item 1.2.1) und Konfirmand*innenuntericht (Item 1.2.3). Für TN 27 bleiben die Kontexte Kindergottesdienst (Item 1.2.1) und Konfirmand*innenarbeit (Item 1.2.3) als Kontexte des Umgangs mit der Bibel bestehen. Darüber hinaus nimmt TN 27 gegen den Trend eine Reihe neuer ehrenamtlicher Gemeindeaktivitäten auf. Das betrifft eine Leitungsaufgabe (Item 1.18.1), Mitarbeit bei der Konfirmand*innenarbeit (Item 1.18.11), eine weitere regelmäßige Mitarbeit, etwa beim Gemeindebrief (Item 1.18.7) und die Mitwirkung in Chören und Musikgruppen (Item 1.18.5). 442 Lück (2012), 158. stärker für das Bibellesen in der Gruppe (Item 1.4.2), das nicht von intrinsischen, sondern eher extrinsischen Faktoren geprägt ist. Bei diesem Item fällt auf, dass TN 1, TN 63 und TN 67 das Bibellesen in der Gruppe eher beibehalten, während es bei TN 36 und TN 53 an MP-2 einbricht, es sich dagegen bei TN-27 verstärkt. 441 Unter Berücksichtigung aller ausgewerteten und korrelierten Items verdichten sich die Hinweise auf eine wörtliche Leseperspektive demnach bei fünf Personen (TN 1, TN 27, TN 53, TN 63, TN 67). Die größte Kontinuität weist eindeutig TN 53 auf. Bei TN 27 verstärken sich die Wichtigkeit der Bibel und die Häufigkeit des Bibellesens. Auch TN 1 und TN 67 steigern die Häufigkeit des Bibellesens im Verlauf des Studiums gegen den allgemeinen Trend. 3.3.4.2.2 Säkulare Leseperspektive Im Vergleich zu Hinweisen auf ein wörtliches Verständnis der Bibel wird anhand meh‐ rerer Items überprüft, inwiefern unter den Studierenden eine säkulare Leseperspektive erkennbar wird. Als wichtigster Indikator muss hier zunächst die Wichtigkeit der Bibel für den Glauben gelten. Eine säkulare Leseperspektive ist dadurch gekennzeichnet, dass die Bibel „ein Buch unter vielen Büchern“ 442 ist. Das bedeutet, dass Bibel und Glauben auseinanderfallen. Zunächst muss der Blick also auf Personen fallen, für die die Bibel nicht wichtig für den Glauben ist (Frage 1.6, vgl. Abschnitt 3.2.4.1). Hier zeigen sich drei Gruppen: Für bald ein Viertel aller Befragten (zwölf Personen) ist die Bibel bleibend mindestens weniger wichtig. Keine*r dieser Befragten gibt allerdings an beiden Messpunkten an, die Bibel sei unwichtig. Darüber hinaus halten weitere drei Personen die Bibel nur an MP 1 für weniger wichtig und weitere sechs Personen die Bibel nur an MP 2 für weniger wichtig. Ein Abgleich von Item 1.4.5 („Die Bibel ist für mich nicht wichtig“, vgl. Abschnitt 3.2.4.2) ergibt drei Übereinstimmungen mit Frage 1.6 bei den bleibenden Voten (TN 18, TN 49, TN 74). Weitere Übereinstimmungen zwischen Frage 1.6 und Item 1.4.5 ergeben sich bei den Voten bei einer Person nur an MP 1 (TN 38) und bei drei Personen nur an MP 2 (TN 46, TN 59, TN 64 mit starker Veränderung). Das bedeutet, dass sich an MP 1 bei insgesamt vier Personen Hinweise verdichten, dass für sie die Bibel weniger wichtig ist, und an MP 2 insgesamt bei sechs Personen. Einen weiteren Indikator liefert das Item 1.10.3 („Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Relevanz für mein Leben haben“). In beiden Kohorten votieren die Studierenden überwiegend ablehnend. Für die meisten Studierenden trifft die Aussage bleibend nicht zu. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 229 <?page no="230"?> Das betrifft 20 Personen in Koh. I und in Koh. II sogar 25 Personen. Bewegungen finden vielfach statt, aber vor allem als Modifikationen im ablehnenden Bereich. Niemand votiert an beiden Messpunkten zustimmend. Dieser Trend ist in Koh. II noch ausgeprägter als in Koh. I. In beiden Kohorten finden sich keine Teilnehmer*innen in den vier rechten unteren Quadranten. Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? -…“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.3 „Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Relevanz für mein Leben haben.“ 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 14) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 9) 2018 trifft eher zu (gesamt: 3) 2018 trifft voll zu (gesamt: 1) 2018 keine Angabe (gesamt: 1) 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 17) gleich (11) (10) TN 4; TN 7; TN 9; TN 12; TN 22; TN 23; TN 27; TN 29; TN 30; TN 36 (5) TN 1; TN 10; TN 17; TN 19; TN 25 TN 16 mehr Zustimmung (9) TN 11 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 8) (4) TN 13; TN 15; TN 26; TN 35 TN 6 TN 31; TN 33 TN 32 2016 trifft eher zu (gesamt: 3) TN 18; TN 28; TN 34 2016 trifft voll zu (gesamt: 0) weniger Zustimmung (7) 2016 keine Angabe Abbildung 52: Bedeutung der Bibel: Überlieferung alter Texte ohne Relevanz für das Leben 230 3 Auswertung der Daten <?page no="231"?> 443 In Koh. II votieren an MP 1 TN 63, an MP 2 TN 43 und TN 46 zustimmend. TN 46 lässt wie TN 11 und TN 16 eine deutliche Veränderung erkennen. Die Angaben der Kohorten in TN und v. H: Item 1.10.3 MP-1: „trifft voll zu“: Koh. I: 0 TN / Koh. II: 0 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 1 TN (4%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 8 TN (29%) / Koh. II: 16 TN (57%); „trifft gar nicht“ zu: Koh. I: 17 TN (61%) / Koh. II: 11 TN (43%); MP 2: „trifft voll zu“: Koh. I: 1 TN (4%) / Koh. II: 0 TN; „trifft eher zu“: Koh. I: 3 TN (11%) / Koh. II: 2 TN (7%); „trifft eher nicht zu“: Koh. I: 9 TN (32%) / Koh. II: 11 TN (39%); „trifft gar nicht zu“: Koh. I: 14 TN (50%) / Koh. II: 15 TN (54%). Zum Vergleich: KMU 5: „Die Bibel überliefert alte Texte. Sie haben keine unmittelbare Relevanz für mein Leben“: trifft voll zu: 10%; trifft eher zu: 23,5%; trifft eher nicht zu: 42,8%; trifft gar nicht zu: 23,7% (vgl. Bedford-Strohm/ Jung [2015], 498). Im Vergleich zu KMU 5 wird das Item von den Studierenden stärker abgelehnt. 444 Um die Übersicht zu behalten, seien diese noch einmal aufgeführt: MP 1: TN 18, TN 28, TN 34, TN 38, TN 49, TN 63, TN 74; MP 2: TN 11, TN 16, TN 18, TN 31, TN 33, TN 43, TN 46, TN 49, TN 59, TN 64, TN-74. Drei Personen votieren an MP 1 zustimmend (TN 18, TN 28, TN 34) und vier Personen an MP 2 (TN 11, TN 16, TN 31, TN 33); von Letzteren weisen zwei eine deutliche Veränderung gegenüber MP 1 auf (TN 11 und TN 16). Die Tendenz in Koh. II ist ähnlich. Nur eine Person votiert an MP 1 zustimmend (TN 63) und zwei Personen votieren an MP 2 zustimmend (TN 46 und TN 43), darunter TN 46 mit einer starken Veränderung. 443 Übereinstimmungen mit Personen, die die Bibel für eher unwichtig halten, gibt es an MP 1 bei TN 18 und an MP-2 bei TN-46. Im Rahmen der Auslegungsoptionen zu Gen 3,16 wurde den Befragten an MP 2 die Option angeboten „An diesem Text kann man sich heute nicht mehr orientieren“ (Item 1.12.6 an MP 2). In beiden Kohorten stimmen jeweils 22 Personen diesem Item stark oder eher zu. Das bedeutet, dass die Relevanz biblischer Texte differenziert beurteilt wird, je nachdem, um welche Inhalte es geht. Das bedeutet aber auch, dass die Zustimmung zu diesem Item unspezifisch ist. Bisher ist also festzuhalten, dass sich an MP 1 durch übereinstimmende Voten von Item 1.4.5 und Frage 1.6 nur bei einer Person Hinweise auf eine säkulare Leseperspektive verdichten, an MP 2 nur bei drei Personen und an beiden Messpunkten bei weiteren drei Personen, d. h. insgesamt bei sieben Personen. Zusätzlich signalisieren weitere drei Personen an MP 1 und weitere fünf Personen an MP 2 bei dem Item „Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Relevanz für mein Leben haben“ (1.10.3) Tendenzen zu einer säkularen Leseperspektive. Insgesamt zwei Personen zeigen in allen drei Items entsprechende Ten‐ denzen (TN 18 und TN 46), so dass auf dieser Basis 15 Personen an mindestens einem Messpunkt eine Tendenz zu einem säkularen Bibelverständnis signalisieren. An MP 1 betrifft dies also sieben Personen und an MP-2 elf Personen. 444 Eine weitere Korrelation mit dem Item 1.10.1 („In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder“) zeigt, dass von diesen genannten Personen sich bei zwei Personen an MP 1 (TN 34 und TN 74) und bei fünf Personen an MP 2 (TN 18, TN 33, TN 46, TN 64, TN 74) Hinweise auf eine säkulare Leseperspektive verdichten, indem diese Personen sich gar nicht oder eher nicht in den Worten, Bilden und Geschichten der Bibel wiederfinden. TN 18 und TN 46 zeigen diese Verdichtung durch alle vier Items hindurch. Bei fast allen genannten 15 Personen spiegelt sich eine säkulare Leseperspektive darin wider, dass sie nicht allein in der Bibel lesen und an MP 2 auch nicht mit anderen. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 231 <?page no="232"?> 445 Vgl. Lück (2012), 159. Ausnahmen bilden TN 31 und TN 46, die beide an MP 2 in der Gruppe die Bibel lesen (vgl. Abschnitt 3.2.3.2). Diese Aussage könnte aber auch Notwendigkeiten des Studiums berücksichtigen. Es ergeben sich damit bei insgesamt sieben Personen an MP 1 Tendenzen zu einem säkularen Bibelverständnis. Von diesen Personen behalten drei Personen (TN 18, TN 49, TN 74) an MP 2 diese Tendenz bei, und weitere acht Personen kommen an MP 2 dazu. Diese weisen teilweise starke Veränderungen in ihren Einschätzungen auf. Dies betrifft die bereits genannten TN 11, TN 16 und TN 46 für Item 1.10.3 und TN 64 bei Item 1.4.5. Solche starken Veränderungen können als Hinweise auf eine Glaubenskrise in Bezug auf die Bibel gedeutet werden. Von insgesamt 15 Personen mit Tendenzen zu einer säkularen Leseperspektive ver‐ dichten sich die Hinweise bei zwei Personen an MP 1 und 5 Personen an MP 2 durch die Korrelation mit Item 1.10.1, dass eine solche Tendenz konsistent sein könnte. Die Verteilung der genannten 15 Personen bzw. der genannten sieben Personen auf die beiden Kohorten ist unauffällig. 3.3.4.2.3 Übertragene Leseperspektive Die klassische Position einer übertragenen Leseperspektive formuliert Item 1.10.8 („Die Bibel enthält Gottes Wort in den Worten von Menschen“). 445 Der Befund zeigt, dass diese Beschreibung der Bibel von Anfang an für viele plausibel ist und im Verlauf des Studiums für die meisten an Plausibilität gewinnt. 232 3 Auswertung der Daten <?page no="233"?> Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? …“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.8 Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. (2016) / Die Bibel enthält Gottes Wort in den Worten von Menschen. (2018) 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 4) 2018 trifft eher zu (gesamt: 17) 2018 trifft voll zu (gesamt: 6) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 2) gleich (17) TN 1 mehr Zustimmung (6) TN 4 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 4) TN 9 TN 31 TN 12; TN 34 2016 trifft eher zu (gesamt: 19) TN 17 TN 35; TN 36 (15) TN 6; TN 10; TN 11; TN 13; TN 15; TN 16; TN 18; TN 19; TN 22; TN 25; TN 26; TN 27; TN 28; TN 29; TN 30 TN 33 2016 trifft voll zu (gesamt: 2) weniger Zustimmung (4) TN 23 TN 7 2016 keine Angabe (gesamt: 1) TN 32 Abbildung 53: Bedeutung der Bibel: Gottes Wort in den Worten von Menschen (Kohorte-I) In Koh. I votieren die meisten Personen bleibend mit Zustimmung (trifft eher zu: 15 Personen, trifft voll zu: eine Person). Diese Zustimmung verstärkt sich bei sechs Personen an MP 2, während vier Personen weniger zustimmen (TN 17, TN 23, TN 35, TN 36). Bleibend lehnen zwei Personen diese Aussage eher ab (TN 1 und TN 9). Es gibt stärker zustimmende Veränderungssprünge (TN 4, TN 12, TN 34; maximal verändert TN 4 die Position) und einen stärker ablehnenden Veränderungssprung (TN-17). 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 233 <?page no="234"?> Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? …“ Kohorte II (N=28) Item 1.10.8 Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. (2017) / Die Bibel enthält Gottes Wort in den Worten von Menschen. (2019) 2017 ∕ 2019 2019 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2019 trifft eher nicht zu (gesamt: 4) 2019 trifft eher zu (gesamt: 16) 2019 trifft voll zu (gesamt: 7) 2019 keine Angabe 2017 trifft gar nicht zu (gesamt: 3) gleich (11) TN 46; TN 54 mehr Zustimmung (15) TN 63 2017 trifft eher nicht zu (gesamt: 10) TN 51 TN 59 (8) TN 40; TN 41; TN 60; TN 62; TN 70; TN 71; TN 72; TN 74 2017 trifft eher zu (gesamt: 13) TN 64 (8) TN 38; TN 47; TN 48; TN 49; TN 55; TN 56; TN 61; TN 67 (4) TN 43; TN 53; TN 57; TN 69 2017 trifft voll zu (gesamt: 2) weniger Zustimmung (2) TN 58; TN 66 2017 keine Angabe Abbildung 54: Bedeutung der Bibel: Gottes Wort in den Worten von Menschen (Kohorte-II) In Koh. II verschiebt sich gegenüber Koh. I das Bild leicht. Weniger Personen stimmen bleibend zu (trifft eher zu: acht Personen; trifft voll zu: zwei Personen), allerdings verstärkt sich die Zustimmung zu diesem Item bei insgesamt 15 Personen. Nur zwei Personen stimmen an MP 2 weniger zu (TN 51 und TN 64). Bleibend lehnen vier Personen das Item ab (trifft gar nicht/ eher nicht zu: TN 46, TN 51, TN 54, TN 59). Eine maximale Veränderung ist bei TN-63 festzustellen. Die Häufigkeit der Veränderungsbewegungen (Koh. I: 10 Bewegungen; Koh. II: 17 Bewe‐ gungen) zeigt, dass die Studierenden sich mit hermeneutischen Fragen auseinandersetzen 234 3 Auswertung der Daten <?page no="235"?> und ihre Position justieren. Die Position gewinnt im Verlauf des Studiums überwiegend an Plausibilität. Allerdings nehmen die Studierenden die übertragene Position nicht als unvereinbar mit anderen Positionen zur Bibel wahr. Von den Personen, die eine Tendenz zu einer wörtlichen oder säkularen Leseperspektive aufweisen, lehnen nur drei Personen die Option „Gottes Wort in den Worten von Menschen“ an mindestens einem MP ab (TN 1, TN 46, TN 64). Selbst TN 53 kann dieser Position zustimmen, verstärkt die Zustimmung sogar im Verlauf des Studiums. Die Zustimmung zu diesem Item allein kann also nicht zuverlässig auf eine übertragene Leseperspektive hinweisen. Deutlich distanzierter beschreibt Item 1.10.4. die Leseperspektive: „Die Bibel ist ein Buch, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben“. Die Aussage geht aber in eine ähnliche Richtung wie Item 1.10.8. Wer Item 1.10.4 zustimmen kann, wird auch dem allgemeiner gehaltenen Item 1.10.8 zustimmen. Auch bei Item 1.10.4 stimmen in beiden Kohorten die meisten Personen zu. Bewegungen finden überwiegend als Differenzierungen im zustimmenden Bereich statt. Die Streuung der Voten in Koh. II ist etwas breiter als in Koh. I. In beiden Kohorten lehnt jeweils nur eine Person diese Aussage an beiden Messpunkten ab. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 235 <?page no="236"?> 446 Item 1.10.4 Koh. II MP 1: „trifft voll zu“: 10 TN; „trifft eher zu“: 14 TN; „trifft eher nicht zu“: 4 TN; „trifft gar nicht zu“: 0 TN; MP 2: „trifft voll zu“ 7 TN; „trifft eher zu“: 19 TN; „trifft eher nicht zu“: Frage-1.10: „Was bedeutet die Bibel für Sie? …“ Kohorte I (N=28) Item 1.10.4 Die Bibel ist ein Buch, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben. 2016 ∕ 2018 2018 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) 2018 trifft eher nicht zu (gesamt: 3) 2018 trifft eher zu (gesamt: 12) 2018 trifft voll zu (gesamt: 12) 2018 keine Angabe 2016 trifft gar nicht zu (gesamt: 1) gleich (14) TN 18 mehr Zustimmung (7) 2016 trifft eher nicht zu (gesamt: 3) TN 11; TN 33; TN 35 2016 trifft eher zu (gesamt: 12) TN 15; TN 27; TN 31 (5) TN 6; TN 9; TN 12; TN 23; TN 34 (4) TN 22; TN 25; TN 29; TN 32 2016 trifft voll zu (gesamt: 12) weniger Zustimmung (7) (4) TN 7; TN 17; TN 26; TN 36 (8) TN 1; TN 4; TN 10; TN 13; TN 16; TN 19; TN 28; TN 30 2016 keine Angabe Abbildung 55: Bedeutung der Bibel: Von Menschen aufgeschriebene Erlebnisse mit Gott In Koh. I gibt es insgesamt 14 Bewegungen. Nur TN 18 bleibt an beiden Messpunkten bei einem ablehnenden Votum, an MP 2 lehnen insgesamt weitere drei Personen diese Option ab (TN 15, TN 27, TN 31). Veränderungssprünge gibt es nicht. In Koh. II verändern zehn Personen ihre Position. Auch in dieser Hinsicht sind die Kohorten vergleichbar. 446 236 3 Auswertung der Daten <?page no="237"?> 2 TN; „trifft gar nicht zu“: 0 TN (+4/ -6, unverändert 18). Niemand stimmt diesem Item voll zu, für TN 71 trifft die Aussage an beiden Messpunkten eher nicht zu. Nur TN 48 lehnt an MP 2 ab. Es gibt einen zustimmenden Veränderungssprung bei TN-64. 447 Item 1.9.5 MP-1: Koh I: 5 TN / Koh. II: 2 TN; MP-2: Koh I: 2 TN (TN 15, TN 16) / Koh. II: 4 TN (TN 49, TN-56, TN-59, TN-74) (Koh.-I: +2/ -5, unverändert 21; Koh.-II: +2/ -0, unverändert 26). 448 Vgl. Lück (2012), 159: 88% der Befragten wählen das übertragene Bibelverständnis. 449 Item 1.9.4 MP 1: Koh I: 10 TN / Koh. II: 17 TN; MP 2: Koh I: 9 TN / Koh. II: 8 TN (Koh. I: +4/ -5, unverändert 19; Koh.-II: +1/ -10, unverändert 17). Zu Item 1.9.4 vgl. Abschnitt 3.3.3.2.1.2. Von den Personen, die an mindestens einem Punkt eine Tendenz zur wörtlichen oder säkularen Leseperspektive aufweisen, lehnen vier Personen die Option an mindestens einem Messpunkt ab (TN-18, TN-27, TN-31, TN-71). Beide Formulierungen sind also als Konsensformeln zu werten. Fast alle Befragten können beiden Formulierungen zustimmen. Auch der Vergleich der Personen, die beide Items ablehnen, fällt unspezifisch aus. Von insgesamt 21 Personen, die an mindestens einem MP eines der beiden Items ablehnen, lehnen nur drei Personen beide Items ab (TN 31, TN 35, TN 71), eine Person fällt durch eine Tendenz zur säkularen Leseperspektive an MP 2 auf (TN-31). Ähnlich konsensfähig ist die Ablehnung des Items 1.9.5 („Besonders schwierig finde ich in der Bibel, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen worden sein soll“). 447 Insgesamt gibt es in beiden Kohorten zusammengenommen an MP 1 nur sieben Anwahlen, an MP 2 nur sechs Anwahlen, wobei zwei Personen ihre Anwahl beibehalten (TN 56 und TN 58), das Problem mit der Schöpfungserzählung also bleibend schwierig finden. Beide gehören nicht zu den Personen, die eine ausgeprägt wörtliche oder säkulare Leseperspektive haben. Insgesamt verändern neun Personen ihre Anwahl. Fast alle Personen, die an MP 2 dieses Item neu anwählen, fallen an MP 2 auch im Bereich der säkularen Leseperspektive auf (TN 16, TN 49, TN-74). Die Auswertung der Items 1.10.8, 1.10.4 und 1.9.5 weist unter der Studierendenschaft ein ähnliches Ergebnis auf wie die Untersuchung von Lück unter angehenden Religions‐ lehrkräften. 448 Allerdings zeigt es sich, dass das Ergebnis unspezifisch ist, wenn Kontroll‐ items korreliert werden und mehrere widersprüchliche Items gleichzeitig gewählt werden können. Die Frage ist, ob alle, die hier zustimmen, professionell einordnen können, welche Leseperspektive sie gewonnen haben. Um hier noch ein genaueres Bild zu gewinnen, werden nun weitere Items (Items 1.9.4, 1.13.4 und 1.13.9) korreliert. Dabei werden jeweils die Ergebnisse an MP 2 verglichen, denn es geht darum, welche spezifische Leseperspektive nach zwei Jahren Studium erreicht werden kann. Dem Item 1.9.5 strukturell vergleichbar ist Item 1.9.4 („Besonders schwierig finde ich in der Bibel, dass die Bibel in sich widersprüchlich ist“). Erwartbar im Zusammenhang mit einer übertragenen Leseperspektive wäre, dass die Widersprüchlichkeiten der Bibel an MP 2 keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Das Item wurde unter anderen Aspekten bereits im Abschnitt Religiosität ausgewertet. 449 Das Ergebnis dieses Items weist gegenüber den genannten anderen eine größere Streuung auf und einen großen Unterschied zwischen den Kohorten an MP 1, der aber an MP 2 geringer wird, wenn auch die Tendenz ähnlich ausfällt wie bei Item 1.9.5. In Koh. I wählt die größte Gruppe (14 Personen) das Item bleibend nicht an. Weitere fünf Personen bleiben bei der Anwahl, neun Personen verändern ihre Wahl an 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 237 <?page no="238"?> 450 Koh. I: TN 4, TN 6, TN 7, TN 12, TN 13, TN 19, TN 23, TN 25, TN 26, TN 28, TN 30, TN 33, TN 34; Koh II: TN 38, TN 40, TN 43, TN 47, TN 53, TN 55, TN 58, TN 61, TN 62, TN 66, TN 67, TN 69, TN 70, TN-72. MP 2. In Koh. II verändern elf Personen ihre Wahl an MP 2, davon wählen zehn Personen das Item ab. Zehn Personen wählen das Item bleibend nicht an. Zur Spezifikation einer übertragenen Leseperspektive werden an MP 2 bei den Items 1.10.8 und 1.10.4 die zustimmenden Voten gewertet und von Item 1.9.4 und 1.9.5 die Nicht- Anwahlen, da davon auszugehen ist, dass einer Person mit übertragener Leseperspektive weder die Sieben-Tage-Schöpfung noch die Widersprüchlichkeiten der Bibel an MP 2 hermeneutische Probleme bereiten. Ausgangspunkt ist die Schnittmenge zustimmender Voten zu beiden Items der Frage 1.10 an MP 2. Dies sind in Koh. I 19 Personen und in Koh. II 21 Personen, also jeweils die größte Gruppe beider Kohorten. Von diesen Personen wählen in jeder Kohorte 18 Personen das Item 1.9.5 an MP 2 nicht an, d. h. sie sehen im Thema Schöpfung kein Problem. Von diesen jeweils 18 Personen wiederum wählen 13 Personen in Koh. I an MP 2 das Item 1.9.4 nicht an. In Koh. II sind dies 14 Personen. 450 An MP 2 weisen also die Hälfte aller Teilnehmenden eine spezifizierte übertragene Leseperspektive auf. Die Bibel wird positiv bestimmt als Gottes Wort in den Worten von Menschen, als Buch, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben, negativ bestimmt dadurch, dass diese Personen kein Problem mit der Sieben-Tage-Schöpfung und kein Problem mit Widersprüchlichkeiten haben. Insgesamt zwei der Personen, die Tendenzen zu einer wörtlichen Leseperspektive haben, sind unter dieser Gruppe zu finden (TN 53 und TN 67). Dies zeigt, dass die Positionen nicht trennscharf sind, sondern in der Wahrnehmung der Studierenden kompatibel sind. Zu einer weiteren Spezifizierung im Sinne einer übertragenen und exegetisch inter‐ essierten, das Repertoire integrierenden Leseperspektive führt die Korrelation dieses Ergebnisses mit zustimmenden Voten zu den motivational orientierten Items 1.13.4 („Ich möchte den großen Schatz der möglichen Bedeutungen oder ‚Sinne‘ biblischer Texte heben“, vgl. Abschnitt 3.3.2.2.3) und 1.13.9 („Mir ist wichtig, viel über die Hintergründe biblischer Texte zu erfahren, damit ich sie sachgerecht auslegen kann“, vgl. Abschnitt 3.3.2.2.2) an MP 2. Beide Items wurden im Abschnitt zum Repertoire unter anderen Gesichtspunkten ausgewertet. Insgesamt drei Personen in Koh. I und sechs Personen in Koh. II votieren an MP 2 im Sinne einer spezifizierten übertragenen und exegetisch interessierten Leseperspektive (TN 4, TN 6, TN 28, TN 38, TN 47, TN 58, TN 61, TN 67, TN 72). Aus dieser Personengruppe ist TN 67 mit einer Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive aufgefallen. Ein Abgleich mit den Personen, die in Frage 1.5 (Umgang mit der Bibel) eine Tendenz zur Professionalisierung aufweisen, ergibt aber in keinem einzigen Fall der hier genannten Personen eine Übereinstimmung (vgl. Abschnitt 3.3.2.5.3). Offenbar sind motivationale Aspekte des Repertoires nicht identisch mit der eigenen Praxis. 3.3.4.2.4 Ergebnis der quantitativen Panelfragen Die Auswertung der quantitativen Items, die im Rahmen der Achse „Leseperspektive“ aussagekräftig sind, hat ergeben, dass der Großteil der Studierenden eine zumindest unspezifische übertragene Leseperspektive aufweist. Es konnten konsensfähige Formeln 238 3 Auswertung der Daten <?page no="239"?> herausgearbeitet werden, die im Sinne Lücks „übertragen“ ausgerichtet sind. In zwei Fällen kommt eine Kombination mit einer wörtlichen (TN 53 und TN 67) Leseperspektive vor. Bei fast allen ausgewerteten Items ist viel Bewegung zwischen den Messpunkten erkennbar. Dies weist auf Auseinandersetzungsprozesse innerhalb der Studierendenschaft hin. Veränderungssprünge bei einigen Personen zeigen hier - wie im Abschnitt zur Reli‐ giosität - starke Veränderungen der Leseperspektive im Studium, die als Krisenphänomene interpretiert werden können. Die Items, die für eine übertragene Leseperspektive stehen, haben für viele Studierende schon zu Beginn des Studiums eine hohe Plausibilität, die sich im Studienverlauf noch erhöht. Der Vergleich mit anderen Studien ergibt, dass gegenüber den in den Vergleichsstudien befragten Evangelischen die Extrempositionen bei den hier Befragten jeweils weniger eingenommen werden. Dies gilt bei der Befürwortung der wörtlichen Leseperspektive (Item 1.7.2) ebenso wie für eine säkulare Leseperspektive (Item 1.10.3). Gegenüber angehenden Religionslehrkräften ist allerdings die wörtliche Leseperspektive bei den hier befragten Studierenden stärker ausgeprägt. Trotzdem bilden die Studierenden, die Tendenzen in Richtung einer wörtlichen Lese‐ perspektive aufweisen, bei den hier Befragten die kleinste Gruppe. Bei fünf Personen verdichten sich die Hinweise auf eine bleibende oder an MP 2 verstärkte wörtliche Leseperspektive (TN-1, TN-27, TN-53, TN-63, TN-67). Eine etwas größere Personenzahl (15 Personen) zeigt Tendenzen zu einer säkularen Leseperspektive an einem oder an beiden Messpunkten. Eine säkulare Leseperspektive, die an MP 2 neu eingenommen wird, ist gekennzeichnet durch einen Relevanzverlust der Bibel und die Ablehnung der Geltung biblischer Texte für die jeweilige Person im vierten Semester des Studiums. Dies betrifft acht Personen (TN 11, TN 16, TN 31, TN 33, TN 43, TN-46, TN-49, TN-64). Etwa die Hälfte beider Kohorten beschreitet den Weg hin zu einer spezifizierten über‐ tragenen Leseperspektive. Durch die Kombination aus mehreren Items, die motivationale Aspekte des Repertoires mit Aspekten der Leseperspektive kombinieren, ergibt eine weitere Spezifizierung. Insgesamt neun Personen sind auf dem Weg zu einer übertragenen Leseperspektive und integrieren die Motivation zu einem professionelleren Repertoire in ihre Haltung zur Bibel (TN 4, TN 6, TN 28, TN 38, TN 47, TN 58, TN 61, TN 67, TN 72). Auch hier zeigt die Überschneidung mit einer wörtlichen Leseperspektive bei TN 67, dass die Unterscheidung nicht trennscharf ist. Die Ergebnisse einiger Items zeigen Unterschiede zwischen Koh. I und Koh. II. Dies betrifft die Items 1.10.7 (Bibel als Wegweiserin in allen Lebensfragen) und 1.12.1 (der Mann soll Herr über die Frau sein, Auslegung von Gen 3,16). Beide Items werden in Koh. I stärker abgelehnt als in Koh. II. Bei Item 1.10.3 (keine Relevanz der Bibel) lehnen mehr Personen aus Koh. II dieses Item bleibend ab. Dagegen findet Item 1.10.8 (Gottes Wort im Menschenwort) in Koh.-II eine deutlich stärkere Zustimmung an MP-2, als das in Koh.-I der Fall ist. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 239 <?page no="240"?> 451 Biblisch-historischer Kontext und biblisch-literarischer Kontext: TN 9, TN 30, TN 34, TN 35, TN 67 (alle Ankerzitate in Abschnitt 3.3.2.3.3). Kontext der heutigen Lebenswirklichkeit: TN 4, TN 9, TN 31, TN 34, TN 48, TN 57, TN 58, TN 64, TN 69 (Ankerzitate teilweise in den Abschnitten 3.3.3.3.2 und 3.3.3.3.3). Noch nicht zitierte Personen werden in diesem Abschnitt dargestellt. 452 „GWA“ bedeutet „Gemeinwesenarbeit“. 3.3.4.3 Korrelation mit Frage 2.1 (Auslegung des Textes Mt 6,25-27) an MP 2 3.3.4.3.1 Blick auf die Gesamtgruppe Mit der Achse „Leseperspektive“ im Rahmen des Grundverständnisses der Bibel werden die Auslegungsperspektiven von Personen bezeichnet, die sich zum einen aus der Zuordnung von Religiosität und Repertoire ergeben und zum anderen eine allgemeine Perspektive auf die Bibel erkennen lassen, die auf der Achse wörtlich-säkular eingeordnet werden können. Auch im Zusammenhang der Ad hoc-Auslegung von Mt 6,25-27 kommen solche verallgemeinernden Äußerungen vor. Sie sind allerdings eher selten und werden im Wortlaut präsentiert. Es gibt in diesen Äußerungen implizite Hinweise auf eine hinter den Auslegungen stehende Leseperspektive. Viele Ankerzitate, die solche impliziten Hinweise betreffen, sind bereits in den Abschnitten zu den Achsen Repertoire und Religiosität zitiert worden; auf diese wird ggf. jeweils verwiesen. Wegen der geringen Textmenge werden die Items 2.1.1. und 2.1.2 in diesem Abschnitt zusammengefasst ausgewertet. Insgesamt zwölf Personen aus beiden Kohorten verwenden explizit den Begriff „Kontext“ in ihrer Auslegung. Dieser kann bezogen werden auf die Lebensrealität (neun Personen) und auf den biblischen Kontext des Bibeltextes (fünf Personen), zwei Personen (TN 9 und TN 34) verwenden ihn sowohl im Hinblick auf die Lebenswirklichkeit der Gegenwart als auch im Hinblick auf biblische Kontexte. Der Sache nach, also ohne Verwendung des Begriffs „Kontext“, kommt eine biblische Kontextualisierung bei drei weiteren Personen in den Blick, und der Kontext heutigen Lebens wird von vier weiteren Personen thematisiert. Explizite Hinweise auf eigene bewusste Überlegungen der einzunehmenden Leseper‐ spektive geben sechs Personen. Weitere 13 Personen geben durch die von ihnen verwendeten Begrifflichkeiten für ihren eigenen Umgang mit dem Bibeltext implizit Hinweise auf die Leseperspektive, die in ihrer Auslegung Anwendung findet. Bei zwei Personen wird deutlich, dass eine dialogische Erschließung des Textes für sie in Frage kommt (TN 16 und TN 47, vgl. Abschnitt 3.3.2.3.4). Ob es sich hier um grundsätzliche Erwägungen handelt, kann nicht entschieden werden. Diese Beiträge werden hier nicht noch einmal diskutiert. 3.3.4.3.2 Die Verwendung des Begriffs „Kontext“ In eine übertragene Leseperspektive können Äußerungen eingeordnet werden, die eine Kontextualisierung von Bibeltexten fordern. Den Begriff „Kontext“ verwenden zwölf Per‐ sonen. Mit „Kontext“ kann der biblisch-historische Kontext (TN 35: „Historischer Kontext. Sorge um Nahrung war eventuell früher noch größer.“) und der literarische Kontext des Bibeltexts gemeint sein (TN-67: „den Kontext des Ausschnittes einbeziehen“). 451 Der Begriff „Kontext“ kann sich aber auch auf die gegenwärtige Lebenswirklichkeit beziehen (TN-58: „Kontext der GWA“ 452 , TN-69: „Kontext der Tafel“, TN 31: [Der Bibeltext 240 3 Auswertung der Daten <?page no="241"?> ist] „in dem Kontext unangebracht“, aber auch TN 48: „der Text bereitet in diesem Kontext keine Probleme“, ähnlich TN-4). Besonders differenziert kontextualisieren TN 9 und TN 34 den Text, nämlich sowohl in Richtung auf den Bibeltext mit seinem literarischen und historischen Kontext, als auch im Blick auf den Anwendungskontext heute: „Im Kontext der Tafel […] finde ich es schwierig von der Nichtigkeit der Nahrung zu sprechen […]. Ohne historischen Kontext und Interpretation kann der Text negative Auswirkungen haben“ (TN-9). Diese Äußerung lässt darauf schließen, dass Kontextualisierung und Interpretation eines Bibeltextes nicht nur in diesem Fall Anwendung finden sollen, was auch das Auslegungs‐ programm nahelegt, das TN-9 formuliert: „Kontext verstehen. Einordnung des Textes in die Bibel“. (TN-9) Aber auch der Adressat*innenbezug wird grundsätzlich gefordert: „Adressatenbezogen arbeiten. (vllt. nicht bei Tafel [sc. den Text verwenden])“ (TN-9). Neben den biblischen Kontexten erwähnt in Koh. I außer TN 9 nur noch TN 34 den Kontextbegriff auch bezogen auf den heutigen Lebenskontext: „Um den Text für die Andacht in diesem Kontext zu verwenden, müsste man den Text ziemlich auf eine Aussage beschränken […] Generell könnte man aber mit Kommentaren zu Matthäus […] arbeiten, um sich die Aussage und den Kontext des Textes zu verdeutlichen.“ (TN-34). Beide genannten Personen thematisieren mit den verschiedenen Kontextualisierungen die Notwendigkeit, biblische Texte zu übertragen, d. h. sie in der heutigen Zeit zum Sprechen zu bringen. Ein professioneller Umgang mit den Texten bedeutet, die Unmittelbarkeit zum Text zu brechen, d. h. die Bibeltexte ebenfalls zu kontextualisieren und damit eine Distanz zum Text herzustellen, die eine Übertragung ermöglicht. 3.3.4.3.3 Kontextualisierungen mit anderen Terminologien Eine doppelte Kontextualisierung erwägt TN 36. Für die heutige Lebenswirklichkeit verwendet diese Person den Begriff der „Lebenssituation“. Die biblisch-historische Kontex‐ tualisierung wird als Frage gestellt („Zu wem spricht Jesus? “). Dann wird die grundsätzliche übertragene Leseperspektive formuliert: „Nicht jeder Text hat für alle Lebenssituationen eine Bedeutung.“ (TN-36) In der Konsequenz fordert TN 36 dann: „Anderen Text! “ (TN 36, vgl. TN 34 und TN 1). Inhaltlich betonen auch TN 15 und TN 67 die Notwendigkeit der biblischen Kontextuali‐ sierung (Zitate in Abschnitt 3.3.2.3.2). Andere Personen verwenden für die heutige Gegenwartskontextualisierung den Begriff der „Lebenswelt“ (TN 13: „Den Text könnte die Zielgruppe der Tafel als sehr unpassend gegenüber ihrer Lebenswelt finden“) oder den Begriff der „Situation“ (TN 23: „Situation der Adressat*innen“; ähnlich TN-72, s. nächster Abschnitt). 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 241 <?page no="242"?> 3.3.4.3.4 Hinweise auf die eigene Leseperspektive Insgesamt sechs Personen integrieren in ihre Auseinandersetzung mit der Anforderung, den Text Mt 6,25-27 für eine Andacht im Kontext „Tafel“ fruchtbar zu machen, eigene, grundsätzlichere Überlegungen zur Leseperspektive auf die Bibel. Ein wörtliches Verstehen wird von zwei Personen verworfen. Besonders deutlich wird dies bei TN-34: „Wörtliche Auslegung > absolut unpassend.“ (TN-34) TN 34 erwägt die Möglichkeit, den Text zu verwenden, schlägt aber dann vor, einen anderen Text zu wählen (s. Abschnitt 3.3.2.3.3). Die Souveränität der Überlegungen von TN 34 lässt darauf schließen, dass eine wörtliche Auslegung auch in Bezug auf andere Bibeltexte kritisch geprüft würde. Eine wörtliche Auslegung diskutiert auch TN 12 auf die Frage hin, inwiefern der Text Schwierigkeiten bereitet: „In gewisser Weise, wenn man die Worte wörtlich nimmt.“ (TN-12) Das wörtliche Verstehen wird als Hindernis einer gelingenden Verwendung des Textes wahrgenommen. Über diese Äußerungen hinaus können auch die grundsätzlichen Erwägungen von TN 36 als Hinweis auf die eigene Leseperspektive gedeutet werden (s. Abschnitt 3.3.4.3.3). Wenn nicht jeder Text für alle Lebenssituationen eine Bedeutung hat, gilt es für die auswählende und auslegende Person, eine Passung zwischen Text und Situation herzustellen. Dafür sind Kenntnisse verschiedener Bibeltexte notwendig, die mit der eigenen religiösen Deutung der jeweiligen Situation ins Gespräch zu bringen sind. Die Formulierung von TN 36 weist auf eine professionelle Verantwortung hin, die mit Hilfe einer übertragenen Leseperspektive umgesetzt wird. Den Begriff der Kritik verwenden TN 11 und TN 67 für den Umgang mit dem Text. Eine „kritische Auseinandersetzung“ mit dem Text schlägt TN 11 vor. TN 67 möchte hingegen: „Kritisch den Umstand betrachten und den Kontext des Ausschnittes einbeziehen.“ (TN-67) Die besondere Verwendung des Begriffs „Umstand“ ist bei TN 67 schon bei Frage 1.1 aufgefallen (die Bibel als „Werk, dass in einem hermeneutischen Umstand“ geschrieben wurde (TN-67 an MP-2). Gemeint ist vermutlich der Entstehungskontext biblischer Texte. Für TN 72 steht wie für TN 36 die Passung zum Kontext heutiger Lebenswirklichkeit als Aufgabe im Vordergrund. TN-72 formuliert programmatisch: „Zunächst muss eine vernünftige Verknüpfung zwischen dem Bibeltext und der Umgebung/ Situa‐ tion geschaffen werden und der Text inhaltlich gut rübergebracht werden, damit er nicht falsch […] verstanden wird.“ (TN-72) Wie auch für TN 36 steht hier die Passung zum Kontext heutiger Lebenswirklichkeit im Vordergrund. Die Übertragung („rüberbringen“) funktioniert erst dann, wenn die Passung in die Anwendungssituation geklärt ist. 3.3.4.3.5 Begrifflichkeiten für das eigene Umgehen mit dem Bibeltext Für den Umgang mit dem Bibeltext verwenden viele der Befragten verbale Ausdrücke (auch in Substantivierungen), um ihr eigenes aktives Handeln zu beschreiben. Mehrfach wird 242 3 Auswertung der Daten <?page no="243"?> der Begriff „Auslegung“ oder „auslegen“ verwendet (TN 34, TN 67, TN 43). Den Begriff der „Interpretation“ und das Verb „verstehen“ verwendet TN 9. Einige Personen sehen ihre Aufgabe darin, Textaussagen zuzuspitzen. TN 55 will den Text „lesen“, „verstehen“ und „eine klare Aussage […] finden“, während TN 72 „die richtigen und für mich wichtigen Stellen aus dem Text hervorheben“ will. Eine andere Person schlägt vor, den Text zu „kürzen“ und auf einen Aspekt hin zu „fokussieren“ (TN 38). Eine weitere Person möchte den Text „metaphorisch entschlüsseln“ (TN-22). Im Sinne der Kontextualisierung für die gegenwärtige Situation verwendet TN 23 die Begriffe „einfügen“ und „anpassen“ im Hinblick auf ausgewählte Textinhalte, und TN 72 bedient sich des Begriffs „rüberbringen“. Insgesamt drei Personen geben Einblick in ihre Auslegungserwägungen. Konjunktivisch formuliert TN 70: „Man könnte in die Richtung der Sorgen gehen […]. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in die Richtung ‚Vertrauen zu Gott‘ zu gehen.“ Es wird deutlich, dass verschiedene Auslegungsmöglichkeiten erwogen werden, dass also die Multiperspektivität im Blick auf den Text erlernt wurde. Als offene Frage formuliert TN 40 die eigenen Überlegungen: „Die zeitliche und kulturelle Diskrepanz zwischen Text und heute wirft die Frage nach der Bedeutung für heutige Christ*innen auf.“ (TN-40) Die Kontextualisierung des Textes in der ihm eigenen Zeit und Kultur und die gegenwärtige Lebenswirklichkeit werden thematisiert und mit dem Begriff der Bedeutung verknüpft, die aber als offene Frage stehenbleibt. Das heißt, dass hinter dieser Frage vermutlich grund‐ sätzliche Überlegungen stehen, die als Bestandteil einer übertragenen Leseperspektive gedeutet werden können. Die eigenen Schwierigkeiten mit dem Text spricht TN 57 an und möchte in der Auslegung „den inneren Zwiespalt […] benennen und nicht unter den Tisch fallen […] lassen“. Der Respekt gegenüber der Zielgruppe spricht auch aus dem Grundsatz von TN 25: „Vertrauen sollte niemandem eingeredet werden.“ 3.3.4.3.6 Ergebnis Alle Äußerungen, die in Abschnitt 3.3.4.3 zitiert wurden, lassen sich in eine übertragene Leseperspektive einordnen. Für einige Personen ist die Kontextualisierung des Bibeltextes in den Kontext der Gegenwart wichtiger, während andere die Kontextualisierung des Textes in der Welt der Bibel stärker betonen. Dabei kann sowohl der literarische Kontext in der Bibel gemeint sein als auch der historische Kontext des Bibeltextes in der biblischen Entstehungszeit. Einige wenige Personen haben bei ihrer Auslegung beide Perspektiven gleichermaßen im Blick. Ebenfalls wenige Befragte diskutieren und verwerfen die Mög‐ lichkeit eines wörtlichen Verstehens. In den oben zitierten Studierendenäußerungen wird ein souveräner und distanzierter Umgang mit dem Bibeltext probiert. Die entsprechenden Personen votieren dafür, Kontext, Adressat*innen und die Passung dieser Aspekte zu berücksichtigen. Biblische Texte sollen und können ihrer Meinung nach nicht ohne Auslegung wörtlich verstanden und ohne jede kontextuelle Reflexion einfach auf eine gegenwärtige Lebenssituation bezogen werden. 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 243 <?page no="244"?> In ihrem eigenen Handeln erscheinen die Befragten unterschiedlich souverän. Alle Beschreibungen des eigenen Auslegungshandelns zeigen, dass die Notwendigkeit einer Übertragung des Textes gesehen und dies auch als eigene Aufgabe akzeptiert wird. Dabei reichen die Lösungen, den Text im heutigen Gegenwartskontext zum Sprechen zu bringen, vom Versuch einer „metaphorischen“ Interpretation über das Kürzen, Zuspitzen und Hervorheben bis zu dialogischen Formaten. Einige Personen verwerfen den Text auch für diesen Anwendungskontext. 3.3.4.4 Leseperspektive: Achsengrafiken Kohorte-I und II 3.3.4.4.1 Ausgewählte Items und Punkte Grundsätzlich bildet eine höhere Punktzahl die Nähe zur säkularen, eine niedrige Punktzahl die Nähe zur wörtlichen Leseperspektive ab. Ausgewählt werden neun Items. Bei skalierten Items werden die Punkte skaliert vergeben. Das Item 1.4.5 („Die Bibel ist für mich nicht wichtig“) ist für alles Lesen grundlegend. Wer die Bibel nicht wichtig findet und dies voll bejaht, ist als säkular zu betrachten. Die Befürwortung einer wörtlichen Auslegung wird mit Item 1.7.2 integriert. Hier müssen dem genannten Grundsatz entsprechend die Punkte in umgekehrter Reihenfolge zugewiesen werden. Das Thema Widersprüchlichkeit der Bibel als Schwierigkeit (Item 1.9.4) wird ebenfalls als Indikator für ein wörtliches Bibelverständnis interpretiert und integriert. Hier wird der Anwahl die niedrigste Punktzahl zugewiesen, der Nicht-Anwahl eine hohe Punktzahl. In Item 1.10.1 („In den Worten […] der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder“) wird die Leseerfahrung und die damit verbundene Leseerwartung adressiert. Sich im Bibeltext nicht wiederzufinden, deutet eher auf eine säkularere Perspektive hin. Im Um‐ kehrschluss ist aber bei der vollen Befürwortung keine wörtliche Perspektive zu erwarten. Dies schlägt sich in der differenzierten Punktevergabe nieder. Umgekehrt wird auch das Item 1.10.3 (alte Texte ohne Relevanz) als Indikator einer säkularen Leseperspektive integriert. In Item 1.10.4 (Menschen schreiben Erlebnisse mit Gott auf) wird eine übertragene Leseperspektive formuliert. Ein Gegenüber zu diesem Item bildet Item 1.10.5 (die Bibel ist von Gott eingegeben). Diese Position formuliert eine Inspiration der Bibel und gehört zu einer wörtlichen Leseperspektive. Das Item 1.10.7 (die Bibel als Wegweiserin in allen Lebensfragen) wurde ausgewählt, weil es mit dem Thema Orientierung zu tun hat und gleichzeitig zur Positionierung auffordert (in allen Lebensfragen). Eine Befürwortung wird mit der niedrigsten, eine Ablehnung mit der höchsten Punktzahl belegt. Item 1.13.4 (verschiedene Sinnrichtungen der Auslegung entdecken) steht für eine übertragene Leseperspektive. Hier findet eine Lektüre unter der Voraussetzung oder mit dem Verständnis statt, dass es verschiedene Sinnrichtungen oder Auslegungsmöglichkeiten gibt. Die Achse „Leseperspektive“ hat als Extrempole die wörtliche Leseperspektive (Bibel als verbalinspiriertes Wort Gottes) und eine säkulare Perspektive (Bibel ist ein Buch wie jedes andere). Professionell erwünscht ist hier ein Mittelbereich, der mit dem Begriff „übertragen“ belegt wird (vgl. Abschnitt 1.5.4.3). Die Bibel wird als Gottes Wort im Menschenwort 244 3 Auswertung der Daten <?page no="245"?> 453 Punkteverteilung bei den Items im Einzelnen: 1.4.5: „trifft voll zu“ = 4P[unkte], „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; 1.7.2: „trifft voll zu“ = 1P; „trifft eher zu“ = 2P; „trifft eher nicht zu“ = 3P; „trifft gar nicht zu“ = 4P; 1.9.4 Anwahl = 1P, Nicht-Anwahl = 6P; 1.10.1: „trifft voll zu“ = 1P; „trifft eher zu“ = 2P, „trifft eher nicht zu“ = 5P, „trifft gar nicht zu“ = 6P; 1.10.3: „trifft voll zu“ = 6P; „trifft eher zu“ = 5P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; 1.10.4: „trifft voll zu“ = 4P; „trifft eher zu“ = 3P, „trifft eher nicht zu“ = 2P, „trifft gar nicht zu“ = 1P; 1.10.5 „trifft voll zu“ = 1P; „trifft eher zu“ = 2P, „trifft eher nicht zu“ = 3P, „trifft gar nicht zu“ = 4P; 1.10.7 „trifft voll zu“ = 1P; „trifft eher zu“ = 2P, „trifft eher nicht zu“ = 3P, „trifft gar nicht zu“ = 4P; 1.13.4 Anwahl = 3P, Nicht-Anwahl: 1 P. verstanden, als auslegungsbedürftig, aber dennoch Geltung beanspruchend. Hier sind also beide Extreme als Ergebnis bibelhermeneutischen Lernens nicht erwünscht (zur Zielsetzung des Studiums s. Abschnitt 1.3.2). Die zu erreichende Minimalpunktzahl liegt bei 9 Punkten (wörtlich), die Maximalpunkt‐ zahl bei 39 Punkten (säkular). 453 Der erwünschte, weil als übertragene Leseperspektive gesehene Bereich, liegt in der Mitte: Dieser Mittelwert beträgt 24. Der Bereich um diesen Mittelwert herum ist in der Grafik grau unterlegt (19-29 Punkte). 3.3.4.4.2 Punktebegrenzungen für Sprünge Die maximale, tatsächlich erreichte Punktzahl in beiden Kohorten beträgt 38 Punkte, der geringste Wert beträgt 15 Punkte. Die Veränderungsbewegungen der Studierenden werden zur Ermöglichung einer gebündelten Darstellung hier in drei abgestufte Bewegungsdyna‐ miken unterteilt. Diese Werte werden anhand der kleinsten und größten Bewegungen der Studierenden ermittelt. Die Veränderungsbewegungen der Studierenden beider Kohorten liegen zwischen 0 und 12 Punkten. Eine Veränderung des Wertes von MP 1 zu MP 2 zwischen 1 und 4 Punkten wird als geringe Bewegungsdynamik (+/ -) gewertet, zwischen 5 und 8 Punkten als mittlere Bewegungsdynamik (++/ --) und von 9 bis 12 Punkten als große Bewegungsdynamik (+++/ ---). Ebenfalls möglich und auch vorhanden ist das Erreichen des gleichen Wertes an beiden Messpunkten (0). 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 245 <?page no="246"?> 3.3.4.4.3 Achsengrafiken Kohorte-I und II Abbildung 56: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Leseperspektive (Kohorte-I) 246 3 Auswertung der Daten <?page no="247"?> Abbildung 57: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Leseperspektive (Kohorte-II) 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 247 <?page no="248"?> 3.3.4.4.4 Beschreibung der Achsengrafiken In Koh. I liegen die Werte der Studierenden im Bereich zwischen 16 und 38 Punkten. Der niedrigste Wert wird von TN 23 an MP 1 erreicht und der höchste Wert von TN 34 an MP 2. Am meisten kommen Veränderungsbewegungen zwischen 5 und 8 Punkten nach oben vor: Diese mittlere Bewegungsdynamik zeigen acht Studierende (TN 4, TN 12, TN 13, TN 15, TN 18, TN 19, TN 23, TN 30). Demgegenüber verringern sechs Studierende ihren Ausgangswert um 5 bis 8 Punkte nach unten (TN 9, TN 10, TN 11, TN 16, TN 25, TN 31), weitere fünf Studierende zeigen von Erstzur Zweitbefragung einen kleinen Sprung im Richtung einer säkulareren Leseperspektive (+1-4: TN 6, TN 26, TN 28, TN 30, TN 33). Jeweils vier Personen zeigen einen kleinen Sprung in Richtung einer wörtlicheren Leseperspektive (-1-4: TN 22, TN 27, TN 29, TN 32) bzw. treffen in beiden Erhebungen exakt den gleichen Wert (TN 1, TN 7, TN 17, TN 36). Zwei Studierende bewegen sich mit einem mittleren Sprung in Richtung einer säkulareren Leseperspektive (+9-12: TN 34 und TN 35). Der Maximalwert eines Sprunges liegt in Koh.-I bei 11 Punkten (TN-35: 19/ 30). Die Betrachtung des Mittelbereichs (19-29 Punkte), der für eine übertragene Leseper‐ spektive steht, zeigt folgendes Bild: In Koh. I liegen 15 Personen an beiden Messpunkten im Mittelbereich (TN 1, TN 6, TN 7, TN 9, TN 10, TN 11, TN 15, TN 16, TN 17, TN 22, TN 29, TN 30, TN 31, TN 33, TN 36), während acht Personen an MP 1 zwar in diesem Bereich liegen, ihn aber an MP 2 verlassen (TN 12, TN 13, TN 18, TN 26, TN 27, TN 28, TN 32, TN 35). Drei Personen bewegen sich an MP 2 in den Mittelbereich (TN 4, TN 23, TN 25). In beiden Befragungen liegen TN 19 und TN 34 oberhalb des Mittelbereichs und damit im säkularen Bereich. Für die Frage nach der Veränderung ist interessant, in welche Richtung die Bewegungen in erster Linie gehen. An MP 1 liegen zwei Personen unterhalb des Mittelbereichs, weitere zwei Personen genau bei 19 Punkten, also an der Untergrenze des Mittelbereichs. Über der Grenze des Mittelbereichs (über 29 Punkte) liegen drei Personen an MP 1, auf der Grenze bei 29 Punkten zwei Personen. An MP 2 liegen acht Personen bei über 29 Punkten und eine weitere Person genau auf der oberen Grenze. Unter der Grenze des Mittelbereichs von 19 Punkten liegen am zweiten Messpunkt zwei Personen, bei 19 Punkten drei Personen. Im Mittelbereich liegen 19 Teilnehmer*innen an MP 1 und 14 an MP 2. Insgesamt hat sich bei vielen Personen eine Bewegung in Richtung einer säkularen Leseperspektive vollzogen. In Koh. II zeigen die Studierenden folgendes Antwortverhalten: Das Spektrum der Antworten bzw. der zusammengerechneten Werte liegt zwischen 15 (TN 63 an MP 2) und 36 Punkten (TN-74 an MP-1). Der Blick auf die Bewegungsdynamiken zeigt bei Koh. II folgendes Bild: Am häufigsten sind geringe sowie große Bewegungsdynamiken: Eine Mehrheit von zehn Studierenden verändert ihren Wert von MP 1 zu MP 2 geringfügig in Richtung einer wörtlicheren Leseperspektive (-1-4 Punkte: TN 38, TN 43, TN 53, TN 54, TN 55, TN 59, TN 60, TN 67, TN 69, TN 72). Sechs Personen zeigen eine große Veränderung in diese Richtung (-9-12 Punkte: TN 40, TN 41, TN 57, TN 61, TN 63, TN 74), und vier Personen machen einen mittleren Sprung ebenfalls in Richtung einer wörtlicheren Leseperspektive (-5-8: TN 47, TN 51, TN 66, TN 71). Zwei Personen treffen in beiden Befragungen den gleichen Wert (TN 49 und TN 70). Fünf Studierende springen in Richtung einer säkulareren Leseperspektive in 248 3 Auswertung der Daten <?page no="249"?> einem niedrigen Punktebereich (+1-4 Punkte: TN 46, TN 48, TN 56, TN 62, TN 64), und eine Person macht einen mittleren Sprung in diese Richtung (+5-8: TN-58). Die größte Differenz zwischen zwei Werten liegt bei -12. Einen solchen Sprung vollzieht TN 63 (27/ 15), gefolgt von TN 57 (26/ 16) und TN 40, TN 41, TN 61 und TN 74, die sich jeweils um 9 Punkte in die wörtliche Richtung bewegen. Bezogen auf den übertragenen Mittelbereich (19-29 Punkte) zeigt Koh. II folgende Verteilung: 19 Personen liegen zu beiden Befragungspunkten in diesem Feld (TN 38, TN 40, TN 46, TN 48, TN 49, TN 53, TN 54, TN 55, TN 56, TN 59, TN 60, TN 62, TN 64, TN 66, TN 67, TN 69, TN 70, TN 71, TN 72). Drei Studierende befinden sich nur an MP 1 (TN 41, TN 57, TN 63) und sechs Studierende nur einem der beiden Messpunkte in diesem Bereich (TN 43, TN 47, TN 51, TN 58, TN 61, TN 74). Keine Person in Koh. II liegt an beiden Messpunkten außerhalb des Mittelbereichs. An MP 1 liegen fünf Personen oberhalb von 29 Punkten, auf der oberen Grenze des Mittelbereichs liegt eine Person. Eine Person liegt unterhalb von 19 Punkten, also unterhalb des Mittelbereichs. An MP 2 liegt keine Person oberhalb des Mittelbereichs, auf der Grenze eine Person. Unterhalb des Mittelbereichs befinden sich drei Personen, auf der unteren Grenze weitere drei Personen. Mit insgesamt 20 Personen, die sich in die wörtliche Richtung entwickeln, liegt der Mehrheitstrend der Koh. II an MP 2 im übertragenen Bereich; insgesamt sechs Personen nähern sich einer wörtlichen Leseperspektive an. 3.3.4.5 Veränderungen der Leseperspektive: Ergebnisse 3.3.4.5.1 Korrelation qualitativer und quantitativer Daten Im Abschnitt zur Leseperspektive erweist sich die Korrelation qualitativer und quantitativer Daten als besonders aussagekräftig. Sowohl die Auswertungen zu Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich …“) als auch die Achsengrafiken zeigen, dass Annäherungsprozesse an die Bibel von verschiedenen Seiten aus erfolgen können. Die Wege sind individuell. Dennoch ergeben sich Übereinstimmungen hinsichtlich der Tendenzen in Koh. I (Prozesse der Distanzierung von der Bibel sind häufiger) und Koh. II (Prozesse der Annäherung an die Bibel sind häufiger). Insgesamt gibt es wenig Hinweise auf eine ausgeprägte wörtliche Leseperspektive. Nur bei wenigen Personen verdichten sich die Daten, die eine solche Zuordnung rechtfer‐ tigen (TN 1, TN 27, TN 53, TN 63 und TN 67). Selbst dann ist die Ausprägung nicht bei allen eindeutig. Gerade in der Korrelation quantitativer Ergebnisse zu qualitativen Aussagen müssen eine Reihe von Differenzierungen vorgenommen werden. Zu einer wörtlichen Leseperspektive passend erscheint in Frage 1.1 allenfalls die Aussage von TN 53, dass die Bibel ein „alltäglicher Begleiter, Inspiration und Wegweiser“ ist, während die Satzergänzungen von TN 27 („Baustein meines Lebens“) und TN 63 („Grundbaustein für meinen Glauben“) eher unspezifisch sind. Dagegen erscheint TN 67 hinsichtlich der quantitativen Auswertungen sowohl prominent für eine wörtliche wie auch für eine übertragene Leseperspektive. Eine sich professionalisierende Haltung zur Bibel zeigt diese Person dann in den qualitativen Aussagen (vgl. Abschnitt 3.3.4.2). Auch TN 1 ist von den 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 249 <?page no="250"?> 454 Vgl. als historische Beobachtung und in Auswertung der Befragung aus den 1980er Jahren bei Daiber/ Lukatis (1991), 44 sowie 200; s. Abschnitt A.1.4.3.1.1 im Online-Zusatzmaterial A. qualitativen Aussagen her nicht einfach einer wörtlichen Leseperspektive zuzuordnen (vgl. Abschnitt 3.3.4.1). Stärker ausgeprägt ist eine säkulare Haltung zur Bibel, die sich in den qualitativen Äußerungen aber eher gemäßigt, also reduktiv äußert. In dieser Ausprägung ist die Bibel wichtig, aber als Wort der Weisheit von Menschen, ohne dass eine ausgeprägte Bibelreligiosität bei den entsprechenden Personen vorhanden wäre. In der Korrelation mit den qualitativen Daten der Frage 1.1 bestätigt sich die Zuordnung zu einer säkularen Leseperspektive an MP 2 bei neun von elf Personen (TN 11, TN 16, TN 18, TN 33, TN 46, TN 49, TN 59, TN 64, TN 74). Eher weniger passend erscheinen die Aussagen von TN 31 („… nicht mehr so fremd wie zu Beginn noch; wichtiger“). Insgesamt erweist sich im Blick auf die säkulare Leseperspektive die Korrespondenz mit qualitativen Aussagen als tragfähig. Diese gehen inhaltlich allerdings eher in eine reduktive Richtung. Sowohl durch die qualitativ als auch durch die quantitativ erhobenen Daten erweist sich die übertragene Leseperspektive als häufigste. Dies gilt für beide Kohorten, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Von insgesamt 56 Personen bewegen sich 45 Personen an MP 1 im Mittelbereich und 44 Personen an MP 2. Die Gruppe der Personen mit einer besonderen Ausprägung auf Ebene der quantitativ erhobenen Daten wird in Abschnitt 3.3.4.5.3 genauer betrachtet. 3.3.4.5.2 Annahmen 3.3.4.5.2.1 Annahme Repertoire: Anwendungsbezug Im Hinblick auf die Annahme, dass das Interesse der Studierenden primär auf den Anwendungsbezug biblischer Texte gerichtet ist und weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen besteht, können vor dem Hintergrund des bisher dargestellten Materials und insbesondere vor dem Hintergrund des Datenma‐ terials zur Achse Leseperspektive modifizierte und differenziertere Aussagen getroffen werden. Zum einen sind die Begegnungskontexte mit Bibeltexten für viele Studierende Anwendungskontexte praktischer (ehrenamtlicher) Tätigkeit. Darüber hinaus begegnen die Befragten der Bibel vor allem im Zusammenhang von Gottesdiensten. Das Bibellesen allein ist insgesamt schwach ausgeprägt. 454 Schon vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass viele Studierende primär ein anwendungsbezogenes Interesse an biblischen Texten besitzen. Die Satzergänzungen bei Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) weisen auch schon an MP 1 bei mehreren Personen auf Anwendungskontexte hin. Darüber hinaus verstärkt sich aber die Tendenz an MP 2, die Bibel als Grundlage für Studium und Beruf anzusehen. Wenn davon auszugehen ist, dass eine Bibelsozialisation vor allem durch ehrenamtliche Tätigkeiten erfolgt, dann findet eine vertiefte Begegnung mit der Breite biblischer Texte erst im Studium statt. Wie auch in den Abschnitten zum Thema Repertoire und Religiosität bei der Frage 1.1 immer wieder deutlich geworden ist, wird „Bibel“ häufig intuitiv mit „Geschichten“ gleichgesetzt. 250 3 Auswertung der Daten <?page no="251"?> Auch in Frage 1.1 geht es fast immer um Anwendungsperspektiven auf biblische Texte. Methoden der Textauslegung und biblisch-historische Kontextualisierungen werden mit Anwendungsbezügen in Beziehung gesetzt. Das spiegelt sich in den Veränderungen der Leseperspektive wider. Die Satzergänzungen zu Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) weisen bei insgesamt 16 Personen eine Selbstbeschreibung des gestiegenen professionellen Handlungsrepertoires auf. Berücksichtigt werden dabei die Beiträge an MP 2 aus den Abschnitten 3.3.2.1, 3.3.3.1 und 3.3.4.1, die das Wortfeld „Wissenschaft“ (wissenschaftlich, kritisch, Forschung, Fakten, Kenntnisse, Wissen, betrachten, untersuchen), das Wortfeld „Geschichte“ (historisch, geschichtlich) oder den Begriff „hermeneutisch“ verwenden. Die Anwendungsbezogenheit bleibt als Kontinuum bestehen, wobei einige Personen den Gewinn an Repertoire im Sinne eines sich professionalisierenden Anwendungsbezuges reflektieren. Auch die Aussagen bei Frage 2.1 an MP 2 (die Auseinandersetzung mit Mt 6, 25-27) zeigen, dass Kontextualisierungen des Textes sowohl im Hinblick auf den Anwendungskontext als auch - bei einigen Befragten - im Hinblick auf den biblischen Kontext vorgenommen werden. Letzteres bleibt auf die Gesamtgruppe gesehen aber eher eine Ausnahme. Insgesamt neun Personen, die eine spezifizierte übertragene Leseperspektive gewinnen, verknüpfen diese mit einem gestiegenen Interesse am Repertoire. Bis auf eine Ausnahme befinden sich diese Personen in der Achsengrafik an MP 2 sehr nahe am Mittelwert (24-27 Punkte, Ausnahme TN 28 mit 31 Punkten). Von diesen neun Personen beschreiben drei Personen in den qualitativen Äußerungen eine selbst wahrgenommene Steigerung des eigenen Repertoires (TN 6, TN 47, TN 61), bei weiteren zwei Personen ist diese Entwicklung im Vergleich der Messpunkte bei Frage 1.1 erkennbar (TN 38 und TN 67). TN 4 fällt in Frage 1.1 und 2.1 durch eine ausgeprägte Bibelreligiosität und Spiritualität auf. TN 58 betont in der Auslegung zu Mt 6,25-27 die Notwendigkeit der Reflexion und fällt durch häufiges Bibellesen und ebenfalls eine ausgeprägte Bibelreligiosität auf. Bei weiteren zwei Personen ist die Frage 1.1 leider nicht auswertbar (TN 28 und TN 72). Beide treten auch sonst nicht in den qualitativen Auswertungen des Abschnitts 3.3 in Erscheinung. 3.3.4.5.2.2 Annahme Religiosität: Glaubenskrisen Die Auswertung der Items im Rahmen der Achse Leseperspektive weist in zwei Zu‐ sammenhängen auf Glaubenskrisen bei einzelnen Personen hin. Die Hinweise auf eine Glaubenskrise bei TN 64, die bereits in anderen Abschnitten herausgearbeitet wurden, verdichten sich auch im Abschnitt Leseperspektive. TN 11 und TN 16 bejahen an MP 2 neu, dass die Bibel alte Texte ohne Relevanz für ihr Leben enthalte. Diese Voten bilden einen massiven persönlichen Relevanzverlust der Bibel durch das Studium hindurch ab, der als Hinweis auf eine Glaubenskrise gedeutet werden könnte. TN 11 betont an MP 2 in der Auslegung zu Mt 6,25-27, dass die Bibel kritisch zu lesen sei. TN 16 nennt die Bibel an MP 2 „Recherche- und Arbeitsbuch“. Die Bewegungen der Achsengrafik weisen aber eher auf eine Annäherung an den Mittelwert aus dem säkularen Bereich hin. Insofern verdichten sich die Hinweise auf eine Glaubenskrise insgesamt nicht. Daneben fallen dezidierte Änderungen der Leseperspektive auf. Von völliger Ablehnung einer wörtlichen Leseperspektive an MP 1 zur völligen Zustimmung bewegt sich TN 1. Die Äußerungen zu Frage 1.1 weisen aber nicht auf eine Krise hin, sondern nur darauf, dass die 3.3 Veränderungen des Grundverständnisses der Bibel 251 <?page no="252"?> Wichtigkeit der Bibel zunimmt. Den umgekehrten Weg geht TN 47. Wenn diese Person zu Beginn des Studiums eine wörtliche Leseperspektive bejaht und diese im vierten Semester völlig ablehnt, könnte dies auf eine Glaubenskrise hinweisen. TN 47 gehört zur Gruppe der Personen, die eine spezifizierte übertragene Leseperspektive an MP 2 zeigen; auch in diesem Fall verdichten sich die Hinweise auf eine Glaubenskrise nicht. 3.3.4.5.2.3 Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen Es muss unterschieden werden zwischen einer ausgeprägt wörtlichen Leseperspektive und Tendenzen in der Achsengrafik, bei denen sich zeigt, dass sich insbesondere Personen in Koh. II insgesamt eher der wörtlichen Leseperspektive annähern. Die meisten Personen in beiden Kohorten befinden sich auf der Achsengrafik an MP 2 nicht im wörtlichen Bereich, sondern entweder im Mittelbereich oder im eher säkularen Bereich (Koh.-I). Eine in sich konsistente und bleibende wörtliche Leseperspektive ist im quantitativen Material bei keiner Person festzustellen. Am ehesten könnte dies bezüglich der Achsen‐ grafik noch auf TN 1 zutreffen. Diese Person ist auch bei der Auswertung aller Items, die auf eine wörtliche Leseperspektive zielen, aufgefallen. Von den anderen in Abschnitt 3.3.4.2.1 herausgearbeiteten Personen fallen TN 27 und TN 63 auf der Achsengrafik durch eine Leseperspektive im wörtlichen Bereich an MP 2 auf, während sich TN 53 und TN 67 im übertragenen Bereich bewegen. Die Korrelation quantitativer und qualitativer Daten bestätigt in diesem Sinn für TN 67 die Tendenz zur Differenzierung. Die qualitativen Äußerungen von TN 1 sind unauffällig, während die Satzergänzungen von TN 27, TN 53 (Abschnitt 3.3.1) und TN 63 zu Frage 1.1 in den Rahmen einer wörtlichen Leseperspektive passen. Insgesamt und durch alle Auswertungen in Abschnitt 3.3 hindurch zeigt TN 53 am durchgängisten eine Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive. Einzelne Personen lehnen in den qualitativen Aussagen eine wörtliche Leseperspektive dezidiert ab. Dies trifft bei den Items zur Auslegung von Mt 6, 25-27 (2.1.1. und 2.1.2 an MP 2) auf TN 12 und TN 34 zu. Die Satzergänzungen zur Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) ergeben eine Ablehnung der wörtlichen Leseperspektive bei TN 29 an beiden Messpunkten, bei TN-30 an MP-2. Bei den Studierenden ist viel Bewegung bei den qualitativen und quantitativen Items zu beobachten. Diese kann in verschiedene Richtungen gehen. Die insgesamt wenig spezifischen Ergebnisse der quantitativen Items mit Bewegungen in beide Richtungen auf der Achse Leseperspektive können spezifiziert werden durch die qualitativen Aussagen der Satzergänzungen des Items 1.1. Auch bei den qualitativen Aussagen sind stärkere Tendenzen hin zu einer reduktiven Leseperspektive bei den Studierenden erkennbar als zu einer wörtlichen Leseperspektive. Insgesamt überwiegt aber bei quantitativen und qualitativen Items die Tendenz zu einer (sich noch verstärkenden oder differenzierenden) übertragenen Leseperspektive. Hier kann eine große Unmittelbarkeit zur Bibel durchbro‐ chen werden (Tendenz zur persönlichen Distanzierung von der Bibel) oder aber eine säkulare Leseperspektive bereichert werden (Annäherung an die Bibel). Die Tendenz zur übertragenen Leseperspektive gilt nicht nur für die Satzergänzungen bei Frage 1.1, sondern auch für die Hinweise auf Auslegungsgrundsätze im Rahmen der Items 2.1.1 und 2.1.2 an MP-2. 252 3 Auswertung der Daten <?page no="253"?> 3.3.4.5.3 Einzelne Personen und Personengruppen Abgesehen von den bisher bereits genannten Personen und Personengruppen ist die Korrelation zwischen der Gruppe von Personen mit einer spezifizierten übertragenen und exegetisch interessierten Leseperspektive (TN 4, TN 6, TN 28, TN 38, TN 47, TN 58, TN 61, TN 67, TN 72) mit den Personen interessant, die im Abschnitt Repertoire durch eine Tendenz zur Professionalisierung in Frage 1.5. zum Umgang mit der Bibel aufgefallen sind (TN 11, TN 19, TN 29, TN 32, TN 35, TN 36, TN 41, TN 48). In keinem Fall bestehen zwischen diesen Gruppen Übereinstimmungen. Ein Abgleich dieser Personen mit den jeweils 50% jeder Kohorte mit einer übertragenen Leseperspektive (vgl. Abschnitt 3.3.4.2.3) ergibt nur in einem Fall eine Übereinstimmung (TN 19). Dies bedeutet, dass ein professionellerer Umgang mit der Bibel nicht mit einer übertragenen Leseperspektive einhergehen muss. 3.3.4.5.4 Kohorte-I und Kohorte-II Mehr als in den anderen Abschnitten erweisen sich Koh. I und Koh. II als verschieden. Korrelierend zu Frage 1.1 ergibt sich aus der Achsengrafik bei Koh. I eine deutliche Tendenz zu einer stärker säkularen Leseperspektive an MP 2. Umgekehrt finden sich in Koh. II sowohl unter den Äußerungen in Frage 1.1. als auch in der Achsengrafik Annäherungen an eine stärker ausgeprägte persönliche Identifikation mit der Bibel, die sich in der Achsengrafik durch eine Annäherung der Werte an MP 2 an die wörtliche Leseperspektive ausdrückt. Im Bereich der einzelnen quantitativen Items zeigt sich der Kohortenunterschied in den Voten zu Item 1.10.8 (Gottes Wort im Menschenwort), 1.10.3 (Bibel hat keine Relevanz), 1.12.1 (Gen 3,16: Mann als Herr über die Frau) und 1.10.7 (Bibel als Wegweiserin in allen Lebensfragen). 3.4 Ergebnisse der Paneldaten 3.4.1 Zusammenfassung wichtigster Ergebnisse In den vorangegangenen Abschnitten dieses Kapitels wurden die Ergebnisse der Panelbe‐ fragungen dargestellt. Die Befragungen wurden an jeweils zwei Messpunkten bei zwei Studierendengruppen durchgeführt (Koh. I in den Jahren 2016 [MP 1] und 2018 [MP 2] und Koh. II in den Jahren 2017 [MP 1] und 2019 [MP 2]). Erhoben wurden sowohl qualitativ auszuwertende als auch quantitativ auszuwertende Daten. Beide Formate wurden in diesen Abschnitten zueinander in Beziehung gesetzt. Dies ist anhand der Achsen geschehen, die im Rahmen des Mobile-Modells, das dieser Untersuchung theoretisch zugrunde gelegt wird, entwickelt wurden. Es geht nun im ersten Schritt dieses Abschnitts um eine knappe Zusammenfassung der aus den Daten der Paneluntersuchung gewonnenen Erkenntnisse. Die Ergebnisse werden dann in weiteren Schritten detaillierter unter zusätzlichen Aspekten betrachtet: unter dem Aspekt des Mixed Methods-Ansatzes, unter den Aspekten von Achsen und Annahmen, unter dem Aspekt der beiden Kohorten und unter dem Aspekt von Gruppen und Einzelpersonen, die in diesem Kapitel in besonderer Weise herausgearbeitet wurden. Die untersuchten Studierenden erscheinen soziodemographisch homogen. Sie sind überwiegend weiblich und überwiegend unter 26 Jahre alt. Sie sind religiös in kirchlichen 3.4 Ergebnisse der Paneldaten 253 <?page no="254"?> Kontexten sozialisiert. Ihre wichtigsten Ansprechpersonen für religiöse Fragen sind vor dem Studium kirchliche Mitarbeiter*innen. Die Studierenden halten sich selbst für religiös. Die Vorerfahrungen mit der Bibel aber sind heterogen. Eine formalisierte Vorbildung durch den Religionsunterricht ist nicht vorauszusetzen. Die Satzergänzungen zu Frage-1.1 („Die Bibel ist für mich …“) an MP 1 zeigen, wie unterschiedlich die Vorerfahrungen der Studierenden in dieser Hinsicht sind. Kontexte der Berührung mit der Bibel finden sich überwiegend im öffentlichen Gemein‐ deleben und dort vor allem im Gottesdienst, der eine große Kontinuität als Kontext der Bibel durch das Studium hindurch aufweist. Daneben spielt die Bibel in vielfältigen Gruppen und Kreisen für die meisten Studierenden vor dem Studium eine Rolle. Diese Kontexte verlieren sich im Studium und finden keine Entsprechung. Das Gespräch über den Glauben wird im Studium eher schwieriger. Das private Bibellesen für sich allein wird nur von einer Minderheit der Befragten praktiziert. Wo es praktiziert wird, geht es mit dem Gebet als religiöser Praxis einher. Das Bibellesen in der Gruppe verliert sich im Studium bei vielen der Befragten analog zu den Kontexten, in denen die Bibel eine Rolle spielt. Insgesamt wird die Bibel nicht sehr häufig gelesen; nur eine Minderheit liest die Bibel unabhängig von den Kontexten häufiger als monatlich. Die Bibel ist für den Glauben für die meisten Studierenden mäßig wichtig und andere Glaubensinhalte sind demgegenüber deutlich wichtiger, wie die Ergebnisse zum Thema Religiosität zeigen. Die befragten Studierenden sind weitgehend volkskirchlichengagiert, aber nicht profiliert religiös. Sie glauben an Gott und finden im Glauben inneren Halt und sie engagieren sich fast durchweg im Gemeindeleben. Die Affinität zum Engagement bleibt im Studium bestehen, auch wenn die Kontexte sich ändern. Eine inhaltliche Erwartung an die Bibel sticht insgesamt heraus und bestätigt sich sowohl in den qualitativen als auch in den quantitativen Daten: In der Bibel suchen viele Studierende vor allem ethische Orientierung. Daneben ist die Bibel auch Grundlage des Glaubens für viele, wie die Aussagen zu Frage-1.1 immer wieder zeigen. Durch das Studium hindurch zeigt sich eine Reihe von Entwicklungen. Auf allen Ebenen wird immer wieder deutlich, dass zwar einerseits eine Motivation zum Erlernen eines methodengeleiteten Zugangs zur Bibel bei vielen Befragten vorhanden ist, dass aber der Schritt zur Anwendung in der eigenen Praxis von den meisten Studierenden im vierten Semester noch nicht vollzogen wird. Insgesamt etwa die Hälfte der Studierenden erzielen Fortschritte im Hinblick auf die Entwicklung ihres Repertoires an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit der Bibel. Bei etwa einem Viertel der Gesamtgruppe stellt die Auseinandersetzung mit wissen‐ schaftlichen Methoden zur Bibel den Glauben (in unterschiedlicher Intensität) infrage. Mit Glaubenskrisen ist zu rechnen, und es zeigen sich immer wieder Hinweise, dass es sie gibt; allerdings verdichten sie sich nur bei wenigen Personen durch verschiedene Hinweise im qualitativen und quantitativen Material. Nicht immer können solche Hinweise auf Krisen eindeutig auf die Auseinandersetzung mit der Bibel zurückgeführt werden. Die Leseperspektive der meisten Studierenden bewegt sich auch zu Studienbeginn bereits im übertragenen Bereich. Einige Studierende betonen an verschiedenen Stellen im qualitativen Material, dass die Bibel nicht wörtlich verstanden werden dürfe. Im vierten Semester verstärkt sich die Tendenz, die Bibel übertragen verstehen zu wollen. Dabei gibt 254 3 Auswertung der Daten <?page no="255"?> es Annäherungen aus verschiedenen Ausgangspositionen an den übertragenen Bereich. Dieser Befund erhärtet sich aus dem qualitativen und quantitativen Material. Versuche, die große Gruppe der übertragen lesenden Studierenden näher zu spezifizieren, führen zu Eingrenzungen, die aber zugleich zeigen, dass die Leseperspektiven nicht als trennscharf einzuordnen sind. Einige wenige Studierende zeigen Ansätze zu einem wörtlichen Verstehen der Bibel. Dies gilt an beiden Messpunkten. Eine etwas größere Gruppe von maximal einem Viertel der Studierenden zeigt an mindestens einem Messpunkt Tendenzen zu einem säkularen Verstehen der Bibel. Reduktive Äußerungen dieser Personen im qualitativen Material bestätigen diesen Befund. Es wird in den qualitativen Äußerungen immer wieder klar, dass die Studierenden eine Notwendigkeit sehen und die Bereitschaft haben, sich mit dem von ihnen individuell mitgebrachten Grundverständnis der Bibel auseinanderzusetzen. Darauf weisen auch die Befunde der „fluktuierenden halben Kohorte“ hin. Häufig und besonders bei detaillierter fragenden Items teilt sich die Gruppe in zwei Hälften: Die eine Hälfte bleibt an MP 2 bei der Position von MP 1, die andere Hälfte verändert die eigene Position. Wichtig daran ist, dass immer wieder andere Studierende zur einen oder anderen Hälfte gehören. Es sind keine Muster zu erkennen, sondern die Entwicklungen erscheinen individuell und heterogen. 3.4.2 Mixed Methods Diese kurze Zusammenfassung zeigt bereits, dass qualitativ und quantitativ ausgewertete Daten mit Gewinn aufeinander bezogen werden können. Konkret zeigt sich dies, wenn die volkskirchlich-engagierte Religiosität der Studierenden erfasst wird, wenn die Annäherung der Leseperspektive an den übertragenen Bereich aus unterschiedlichen Perspektiven nachgezeichnet wird oder wenn die Tendenz, erlernte Methoden kaum anzuwenden, sich im gesamten Material nachweisen lässt. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Inkonsistenzen. Der Versuch, mit Hilfe der verwendeten Methodik bei einzelnen Personen Krisen im Studium zu verfolgen, scheitert weitgehend. Auch bei der wörtlichen Leseperspektive erweist sich das Material nicht als konsistent. 3.4.3 Achsen 3.4.3.1 Repertoire Es zeigt sich, dass sich das Repertoire im Umgang mit der Bibel in Richtung einer höheren Professionalität entwickelt, dass aber der Schritt, neues Repertoire konkret anzuwenden, nur vereinzelt festzustellen ist. Dies beweist die Auswertung der quantitativen Items, aber auch der qualitativen Daten. An dieser Stelle ist die Äußerung von TN 59 bezeichnend: „Ich fühle mich dazu befähigt, die eigenen Inhalte und Definitionen daraus [sc. aus der Bibel] zu entnehmen und in mein Verständnis von heute einzubinden“ (Frage 1.1, TN 59 an MP 2). Diese Äußerung ist in ihrer Art singulär und zeigt, dass neben Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und der Motivation, sich mit methodengeleiteten Ansätzen zum Umgang mit der Bibel zu befassen, auch ein professionelles Selbstbewusstsein notwendig 3.4 Ergebnisse der Paneldaten 255 <?page no="256"?> 455 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 43 und 46. ist, diese Kompetenzen auch anzuwenden. Dies weist darauf hin, dass mehr Übung nötig ist, um diese Professionalität zu entwickeln. Viele Studierende bleiben durch das Studium hindurch sehr motiviert, sich mit Hinter‐ gründen und Methoden des Bibelverstehens und der Bibelauslegung zu beschäftigen. Dies entspricht der bleibenden Wichtigkeit der Bibel für die Mehrheit der Befragten. Allerdings verabschiedet sich auch eine Minderheit der Befragten von einer methodengeleiteten Bibelauslegung und wählt den Weg eines intuitiveren Repertoires. Eine kleine Gruppe von Studierenden zeigt im Umgang mit der Bibel einen konsistenten Lernfortschritt, der sich darin manifestiert, dass sie im Umgang mit Bibeltexten nicht mehr dem ersten spontanen Gedanken folgen, sondern nach historischen Hintergründen fragen und Informationen einholen. Interessant ist, dass bei dieser Gruppe das private Bibellesen an MP 2 weitgehend nicht stattfindet. Dass man es mit verschiedenen Kontexten des Bibellesens zu tun hat, konstatiert auch TN 57 bei Frage 1.1: Die Bibel als „Buch des Lebens“ gehört in einen Kontext „außerhalb des Studiums“ (TN-57 an MP-2). Schließlich sei noch ein Blick auf die Beschreibung biblischer Gattungen geworfen. Ganz überwiegend werden biblische Texte mit „Geschichten“ überschrieben. Diese sind offenbar die prominente Gattung bekannter Bibeltexte. Darauf weist auch die Bibelsozialisation mit Kinderbibeln hin. Dieser Befund wurde auf der Basis einer Zusatzstudie in Koh. II erhoben. 455 Durch die qualitativen Äußerungen an beiden Messpunkten, also nicht nur zu Studienbeginn, hält sich die Identifikation von Bibel und „Geschichten“ durch und zeigt, dass die Breite biblischer Texte bzw. Textgattungen nicht ins Bewusstsein der Studierenden rückt. 3.4.3.2 Religiosität Die volkskirchlich-engagierte Religiosität des überwiegenden Teils der Studierenden er‐ weist sich in überwältigender Zustimmung zu allgemeinen religiösen Basisitems (Glaube an Gott, der Glaube gibt inneren Halt) und an der ebenfalls überwältigenden Beteiligung fast aller Studierenden in einem oder mehreren Feldern der gemeindlichen Arbeit. Fast alle Studierenden behalten eine Beteiligung am kirchlichen Leben auch während des Studiums bei. Die Bibel hat ihren Ort in den Feldern der gemeindlichen Arbeit, was in dieser Studie als Teil der „öffentlichen Praxis“ eingeordnet wird. Bleibender Begegnungskontext mit der Bibel ist der Gottesdienst. Andere Felder der öffentlichen Praxis bleiben dagegen nicht bestehen. Dies hat Auswirkungen auf die Begegnung mit der Bibel. Die Bibel wird zu Beginn des Studiums deutlich häufiger in der Gruppe gelesen als allein. Diese Entwicklung ist aber während des Studiums rückläufig, vermutlich, weil die Beteiligung an den gemeindlichen Zusammenhängen rückläufig ist. Insgesamt geschieht das Lesen der Bibel bei den meisten Befragten sporadisch, d. h. höchstens einmal im Monat oder seltener. Die Bibel ist nicht unwichtig, aber auch für den Glauben überwiegend nicht sehr wichtig. Als wichtigster Inhalt der Bibel kann übereinstimmend in der qualitativen und quantitativen Datenauswertung die ethische Orientierung herausgearbeitet werden. 256 3 Auswertung der Daten <?page no="257"?> Bei den Personen, die regelmäßig die Bibel für sich alleine lesen, korreliert dies mit der privaten Praxis des Gebets als Teil des Glaubenslebens. Es gibt demnach unter den Studierenden auch intensiver gelebte Frömmigkeitsstile. Weitere Themen können in der Korrelation quantitativer und qualitativer Daten als Teil der Bibelreligiosität herausgearbeitet werden. Für einen Teil der Gruppe ist die Bibel eng verbunden mit dem Glauben. Etwa die Hälfte aller Befragten findet sich an beiden Messpunkten in den Worten der Bibel wieder. Die Themen „Vertrauen und Glauben“ sind ein wichtiger und verbreiteter Lösungsansatz der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1 an MP 2) und spiegeln Elemente des Grundverständnisses wider, das in den Satzergänzungen zu Frage 1.1 zum Ausdruck kommt. Auch der zweite verbreitete Lösungsansatz der Ad hoc-Exegese, die Vereinbarkeit von Vernunft und Glaube, findet sich in den qualitativ ausgewerteten Items als wichtiges Element des Glaubens der Befragten. 3.4.3.3 Leseperspektive Die übertragene Leseperspektive wird von den meisten Studierenden vertreten. Dies zeigt sich allem voran an den Satzergänzungen zu Frage 1.1. Die Bibel ist auslegungsbedürftig, nicht wörtlich zu verstehen, historisch zu sehen und in die Gegenwart zu übertragen. Diese Zugangsweisen bilden sich auch in den Voten zu quantitativen Items ab. Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort und, spezifischer, ein Buch, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben. Nach Ansätzen zum wörtlichen Verstehen unter den Studierenden wird in dieser Studie auf der Basis einer entsprechenden Annahme explizit gesucht. Dabei zeigt sich, dass sich einige Studierende im Randbereich zwischen wörtlicher und übertragener Leseperspektive bewegen. Die eigene Leseperspektive erscheint bei diesen Personen sowohl als übertragene als auch als wörtliche aber eher unspezifisch. Das gilt auch dann, wenn zur genaueren Bestimmung unterschiedlicher Ausprägungen einer übertragenen Leseperspektive Korre‐ lationen vorgenommen werden. Nur wenige Studierende (8 Personen) erreichen an MP 2 eine spezifizierte übertragene und exegetisch interessierte Leseperspektive. Dies wirkt sich aber nicht auf den Umgang mit der Bibel aus: Keine dieser Personen weist ein professionalisiertes Handlungsrepertoire auf. Bei der Korrelation quantitativer und qualitativer Daten ergibt sich im Hinblick auf eine wörtliche Leseperspektive keine eindeutige Verdichtung bei einzelnen Personen. Dies gilt eher für eine säkulare (auf der Ebene der quantitativen Daten) und reduktive (auf der Ebene der qualitativen Daten) Leseperspektive. Immerhin ein Viertel der Lösungsansätze zur Ad hoc-Exegese (Frage 2.1 an MP 2) zeigen keinen Glaubensbezug. Auch die reduktiven Satzergänzungen zu Frage 1.1 an MP 2 finden sich in vielen Fällen bei Personen, die an MP 2 anhand der quantitativen Auswertung eine säkulare Leseperspektive aufweisen (ca. 20% der Befragten). Bei einigen dieser Personen wird ein Relevanzverlust der Bibel durch das Studium hindurch greifbar. Bei den Satzergänzungen zu Frage 1.1. zeigen sich an MP 2 Integrationsversuche von Religiosität und neuem Repertoire in einer neu formulierten Leseperspektive einiger Studierender. Hier ermöglicht das Mobile-Modell mit der Überordnung der Leseperspektive über Repertoire und Religiosität die Beschreibbarkeit der Phänomene. 3.4 Ergebnisse der Paneldaten 257 <?page no="258"?> 3.4.4 Annahmen 3.4.4.1 Annahme Repertoire: Anwendungsbezug Inhaltlich der Achse Repertoire zugeordnet wird die Annahme, „dass das Interesse der Stu‐ dierenden im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt, weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen“ (Abschnitt 2.2.1). Die Studierenden beziehen sich in ihrer Bibelnutzung stark auf Anwendungskontexte. Von allen drei An‐ nahmen lässt sich diese am besten belegen. Differenziert zu betrachten ist allerdings die Haltung der Studierenden zu theoretischen und methodischen Hintergründen. Weit überwiegend besteht daran ein Interesse. Das gilt für den Studienbeginn, aber auch für das fortgeschrittene Stadium im vierten Semester. Was weitgehend nicht gelingt, ist der Schritt zur Bereitschaft bzw. zum Vermögen, das Gelernte ins eigene Handlungsrepertoire zu übernehmen und so die professionelle Rolle selbstbewusst zu füllen, wie das TN 59 beschreibt. 3.4.4.2 Annahme Religiosität: Glaubenskrisen Inhaltlich der Achse Religiosität zugeordnet wird die Annahme, „dass im Prozess der Transformation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und dessen Integration in die eigene Religiosität emotionale Widerstände überwunden werden müssen und es zu Glaubenskrisen kommt“ (Abschnitt 2.1.2). Krisen werden hier als Entscheidungssituationen verstanden, die mit Auseinanderset‐ zungen einhergehen, in deren Prozess Altes zurückgelassen und Neues aufgegriffen werden muss. Diese Prozesse sind aufreibend und kosten Energie. Es ist damit zu rechnen, dass Widerstände überwunden werden müssen, wenn intuitives Repertoire abgelegt und professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel zum einen eingeübt und zum anderen in die eigene Religiosität integriert werden soll. Spuren solcher Krisen werden in der Datenauswertung erkennbar. Sie verdichten sich aber nur bei wenigen Personen zum Bild einer Krise. Dies ist in der Korrelation von quan‐ titativen und qualitativen Daten bei TN 23 und TN 51 beschreibbar (s. Abschnitt 3.3.3.5.2.2). Dabei weist die Begrifflichkeit, die TN 23 wählt, inhaltlich deutlicher auf eine Krise hin, als das bei TN 51 der Fall ist. Für TN 23 ist die Bibel „die Grundlage meines Glaubens, aber auch ein wissenschaftliches Buch bzw. eine Grundlage zur Auseinandersetzung. Am Ende jedoch auch mein Halt im Glauben, aus dem ich Kraft schöpfen kann, aber auch immer wieder in Konflikt gerate.“ Hier werden Aspekte des Glaubens und der Wissenschaftlichkeit zur Sprache gebracht, die noch nicht integriert werden können. TN 23 und TN 51 werden im Kapitel 5 noch einmal genauer betrachtet (vgl. Abschnitt 5.2.6 bzw. 5.2.1). Weitere mehrfache Hinweise auf der quantitativen Ebene durch Korrela‐ tion gleichartiger Items auf einen Relevanzverlust der Bibel zeigen TN 11, TN 16, TN 43, TN 64 und evtl. noch TN 31. Ein Relevanzverlust allein muss aber für sich genommen kein Indikator für eine Glaubenskrise sein. 258 3 Auswertung der Daten <?page no="259"?> Insgesamt 16 Personen konstatieren an MP 2, dass die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den eigenen Glauben infrage stellen. Das sind immerhin ca. 25% aller Befragten. Das Infragestellen ist allerdings ebenfalls für sich genommen noch kein Hinweis auf eine Krise. Es ist anzunehmen, dass in der Situation, in der sich die Befragten befinden, auch größere Zusammenhänge Krisen wahrscheinlich machen. Das Sprechen über den Glauben wird für viele Befragte schwieriger, und vertraute Kontexte des Gesprächs werden im Studium nicht weitergeführt. Solche Zusammenhänge können Glaubenskrisen begünstigen. 3.4.4.3 Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen Inhaltlich der Achse Leseperspektive zugeordnet wird die Annahme, „dass an der Hoch‐ schule Hannover bei Studierenden die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel festzustellen ist“ (Abschnitt 2.1.3). Hinweise auf eine wörtliche Leseperspektive an MP 2 verdichten sich durch Korrelation verschiedener quantitativer Items bei fünf Personen (TN 1, TN 27, TN 53, TN 63, TN 67). Das bestätigen die qualitativen Daten aber in keinem Fall. Besonders hervorzuheben ist TN 53. Diese Person sticht in besonderer Weise durch inhaltliche Äußerungen und den Frömmigkeitsstil mit einer eigenen Religiosität hervor und kann mit einer wörtlichen Leseperspektive am ehesten in Verbindung gebracht werden, auch wenn selbst bei dieser Person die Hinweise nicht durchgängig konsistent sind. 3.4.5 Kohorten Insgesamt ist kein durchgängiger Unterschied zwischen beiden Kohorten erkennbar. Das überrascht insofern, als das didaktische Konzept in Koh. II umgestellt und die Arbeit mit Seminarportfolios eingeführt wurde. Hier wäre ein deutlicher Unterschied zwischen den Kohorten erwartbar gewesen, insbesondere bei der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1 an MP 2) zu Mt 6,25-27. Diese Aufgabenstellung war in Form und Ausrichtung in Koh. II intensiver eingeübt worden als in Koh. I. Gerade bei der Auswertung der Ad hoc-Exegese zeigen sich zwischen den Kohorten aber kaum Unterschiede. Die Zusammensetzung der Studierendenschaft in Koh. II erscheint auf Basis der in Abschnitt 3.2 ausgewerteten Daten heterogener als die Gruppe in Koh. I. Die Schwerpunkte in der Repertoireentwicklung beider Gruppen sind unterschiedlich: Koh. I zeigt insgesamt eine etwas ausgeprägtere Tendenz zur Professionalisierung. Dagegen sind für Koh. II historische Auslegungsansätze plausibler. Insgesamt ist der intellektuelle Aspekt des Glaubens in Koh. II stärker ausgeprägt, und traditionelle theologische Positionen finden mehr Zustimmung in Koh.-II als in Koh.-I. Interessant ist der Unterschied zwischen den Kohorten im Hinblick auf die Bewe‐ gungen der Leseperspektive bei der Gesamtheit der Befragten. Während in Koh. I mehr Bewegungen von einem eher wörtlichen Ausgangspunkt her hin zu einer übertragenen Leseperspektive zu beobachten sind, geht der Schwerpunkt der Veränderung in Koh. II vom Ausgangspunkt einer eher säkularen Leseperspektive in Richtung einer übertragenen Leseperspektive. Diese Tendenz bestätigt sich durch die Satzergänzungen zu Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich-…“). 3.4 Ergebnisse der Paneldaten 259 <?page no="260"?> 3.4.6 Individualität der Entwicklungen und Positionen Abgesehen von den bereits genannten Tendenzen bei bestimmten Personengruppen, die häufig auch nicht konsistent nachverfolgbar sind, erweisen sich die meisten Entwicklungen als in großem Maße individuell. Bei vielen Items ist das Muster der fluktuierenden halben Kohorte beschreibbar, wobei immer wieder andere Personen ihre Positionen verändern oder beibehalten. Die Satzergänzungen zu Frage 1.1 sind so individuell wie die darin sichtbar werdende Entwicklung der einzelnen Personen. Die Bibel wird häufig als Referenz- und Nachschla‐ gewerk beschrieben, ebenso aber als „Freundin“ (TN 51 an MP 2) oder „Rückzugsort“ (TN 62 an MP 1). Die Bandbreite ist groß. Manche Personen erarbeiten sich erst an MP 2 durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel einen Zugang zu ihr. Dies gilt etwa für TN 74, eine Person, die sonst eher säkulare und glaubensdistanzierte Positionen vertritt. Auch diese Person wird in Kapitel 5 (Abschnitt 5.2.7) genauer dargestellt. Die Befragten nähern sich der Bibel von unterschiedlichen Ausgangspunkten an, und einige suchen am Ende des exegetischen Studiums auch die Distanz. Auf der Basis der bisher ausgewerteten Daten und der bisher angewendeten Auswertungssystematik entlang einer Achse ist es nicht möglich, Entwicklungstypen zu erkennen, auf deren Basis etwa weitergehende und stärker verallgemeinerbare Überlegungen angestellt werden könnten. Insofern ist ein weiterer methodischer Auswertungsschritt notwendig. Im Folgenden wird versucht, durch die Zusammenschau der Bewegungstrends einzelner Personen auf allen drei Achsen weitergehende Erkenntnisse im Hinblick auf erkennbare Entwicklungs‐ typen zu gewinnen. 260 3 Auswertung der Daten <?page no="261"?> 456 Das Modell des Grundverständnisses der Bibel, das mit den drei Achsen Repertoire, Religiosität und Leseperspektive arbeitet, wurde in Abschnitt 1.5.4 ausführlich dargestellt. 457 S. die Abschnitte 3.3.2.1, 3.3.3.1 sowie 3.3.4.1. 458 Die Forschungsfrage („Welche Veränderungsprozesse sind bei Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundvers‐ tändnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? “) wurde u.-a. in den Abschnitten 1.4.1 und 2.1 erläutert. 459 Diese Zitate stammen nicht von den in Kapitel 5 ausführlich vorgestellten sieben einzelnen TN; die Auswahl dort orientiert sich an anderen Kriterien (s. Abschnitt 5.1). 460 Heller (2009), 82-84; es zeigt sich, dass diese Typen bei Studierenden der unterschiedlichen Studien‐ gänge bzw. bei weiblichen und männlichen Befragten unterschiedlich oft vertreten sind: • „orthodox“, rituell sehr aktiv, hohes Wissen über die eigene Religion (zu 70,2% bei Pfarramts‐ studierenden); • „orthodox“, rituell sehr aktiv, geringes Wissen über die eigene Religion (zu 66,7% bei Lehramts‐ studierenden und zu 83,3% bei weiblichen Studierenden); 4 Entwicklungsprofile 4.1 Fragestellung Bei diesem Auswertungsschritt geht es darum, zu untersuchen, ob sich unter den 56 über beide Messpunkte beobachteten Teilnehmer*innen (TN) bestimmte Trends oder ähnliche Bewegungen bei der Entwicklung der Werte auf den Achsen des Repertoires, der Religiosität und/ oder der Leseperspektive erkennen lassen. Diese Überlegungen schließen nicht nur eng an das Modell des Grundverständnisses der Bibel mit den drei Achsen 456 sowie die bereits erstellten Achsengrafiken 457 an, sondern auch an die zugrundeliegende Forschungsfrage. 458 In einem weiteren Schritt werden die anhand der Achsengrafiken beschriebenen Entwicklungen zu dem Zweck miteinander verglichen, Wege bei der Entwicklung des Grundverständnisses der Bibel nachzeichnen zu können, die sich nicht nur bei einer Person finden, sondern bei einer Reihe von Teilnehmer*innen. Dies geschieht unter der Fragestellung, ob sich unter den Befragten ähnliche Entwicklungsprozesse ausmachen lassen, so dass sich bestimmte „Entwicklungsprofile“ und damit gewisse „Entwicklungstypen“ herauskristallisieren. 4.2 Vorgehen Der hier unternommene Auswertungsschritt basiert auf dem quantitativen Datenmaterial der Panelbefragung. Zur Illustration der einzelnen Entwicklungsprofile werden im Nachgang die besonders prägnanten und für die Entwicklungstypen charakteristischen qualitativen Daten angefügt, und zwar die Ergänzungen bei Frage-1.1 „Die Bibel ist für mich-…“. 459 Im Überblick zur Forschungsgeschichte fand sich vor allem bei der Arbeit von Heller (2009) ein vergleichbarer Versuch einer Typisierung. Heller kombiniert diejenigen drei der fünf Religi‐ ositäts-Dimensionen, die die geringsten statistischen Korrelationen miteinander aufweisen: die ideologische, die rituelle und die kognitive Dimension. Aus den unterschiedlichen Verknüpfungs‐ möglichkeiten ergeben sich fünf religiöse Typen. 460 Dabei handelt es sich allerdings um eine <?page no="262"?> • „in Glaubensfragen unentschieden“ [d. h., dass manche Antworten eher in „orthodoxe“ Richtung tendieren und andere in „liberale“ Richtung], rituell sehr aktiv, hohes Wissen über die eigene Religion (zu 82,4% bei Pfarramtsstudierenden); • „in Glaubensfragen unentschieden“, rituell sehr aktiv, geringes Wissen über die eigene Religion (etwa gleiche viele Pfarramts- und Lehramtsstudierende, aber zu 69% weibliche Studierende); • „liberal“, rituell kaum aktiv, eher geringes Wissen über die eigene Religion (zu 83,8% bei Lehramtsstudierenden und zu 81,1% bei weiblichen Studierenden). Eine zusätzliche Kombination wird zwar erwähnt, aber nicht als Typus eingeordnet, weil sich hier zu wenige Befragte zuordnen lassen: „liberal“, rituell sehr aktiv, hohes Wissen über die eigene Religion (zu 88,2% bei Pfarramtsstudierenden und zu 70,6% bei männlichen Studierenden). 461 Dazu siehe Lehmeier/ Hassan (2022), v. a. 90-93 sowie 130-133: Es scheint einige TN zu geben, die u. a. durch die Auseinandersetzung mit biblischen Texten in besonders starker Weise in eine Krise geraten, die auch ihre Religiosität tangiert und bei denen sich eine zunehmende Infragestellung der eigenen religiösen Überzeugungen oder Positionierung zeigt. 462 S. die Abschnitte 3.3.2.4.1, 3.3.3.4.1 und 3.3.4.4.1. Typisierung anhand dreier Religiositätsdimensionen und nicht - wie im vorliegenden Projekt - anhand bibelhermeneutischer Einstellungen. Was das methodische Vorgehen eines Ausschlusses einzelner Dimensionen angeht, denen im hier vorgestellten Projekt die drei Achsen Repertoire (REP), Religiosität (REL) und Leseperspektive (LES) entsprechen würden, so kann von diesen drei Achsen zur Ermittlung bestimmter Entwicklungstypen aufgrund der ohnehin geringen Anzahl keine mehr ausgeschlossen werden. Aus diesen beiden Gründen kann Hellers Typsierung nicht als Vorbild für das hier gewählte Vorgehen dienen. Wie werden die unterschiedlichen Entwicklungstypen im Folgenden hergeleitet? Den Ausgangspunkt dafür bieten verschiedene Beobachtungen auf der Grundlage der bishe‐ rigen Ergebnisse. Das Kriterium für ein Entwicklungsprofil bzw. einen Entwicklungstyp lautet, dass die zuzuordnenden Teilnehmer*innen auf mindestens zwei der drei Achsen des Repertoires, der Religiosität oder der Leseperspektive ähnliche Bewegungen aufweisen, d. h. eine parallele Zu- oder Abnahme der Werte oder ein ähnliches Verharren in einem bestimmten Bereich der Achse. Bereits in der Portfolioanalyse haben sich Hinweise auf einen Entwicklungstyp ver‐ dichtet, der hier als A bezeichnet wird (Abschnitt 4.3.1). 461 Dieser Entwicklungstyp wird ausgehend von der Achse REL nachgezeichnet. Demgegenüber wird Entwicklungstyp B (Abschnitt 4.3.2) aus Überlegungen hergeleitet, die sich aus der Gesamtbetrachtung der sog. „Bewegungspunkte“ ergeben. Diese werden in einem Verfahren ermittelt, das bereits in den Abschnitten zu den Achsengrafiken 462 ausgeführt wurde und im folgenden Abschnitt in Petit rekapituliert und für das jetzige Anliegen begrifflich zugespitzt wird. Im Anschluss findet sich die Legende für die Tabellen, die einen Überblick über die Punkte und Bewe‐ gungen der einzelnen Teilnehmer*innen geben, die den jeweiligen Entwicklungstypen zugeordnet werden. Anhand dieses Vorgehens kann gezeigt werden, dass es Studierende gibt, die zwischen beiden Messpunkten auf allen Achsen kaum eine Entwicklung erkennen lassen (B). Die übrigen Teilnehmer*innen, die nicht in die Entwicklungsprofile A und B fallen, lassen sich vier weiteren Entwicklungstypen zuordnen. Diese werden dadurch ermittelt, dass von der Achse LES ausgehend Richtung und Intensität der Entwicklung auf den Achsen REP und REL nachvollzogen und differenziert werden. Dieses Vorgehen hat 262 4 Entwicklungsprofile <?page no="263"?> 463 S. die Abschnitte 3.3.2.4.1, 3.3.3.4.1 und 3.3.4.4.1: Itemauswahl und Gewichtung der Voten der Befragten. 464 Dieses Verfahren wurde für die Achse des Repertoires in den Abschnitten 3.3.2.4.1 und 3.3.2.4.2 erläutert und durchgeführt. sich nach ähnlichen Versuchen, die ihren Ausgang bei den beiden anderen Achsen REP und REL genommen haben, als einzig weiterführendes herausgestellt. Bei der Gruppierung der Teilnehmer*innen anhand der Positionierungen und Bewegungen auf der Achse der Leseperspektive ergeben sich die vier Entwicklungstypen bzw. -profile C bis F (Abschnitte 4.3.3-4.3.6). Diese Entwicklungstypen sind in sich relativ homogen, wobei die Homogenität bei den Entwicklungstypen C und D etwas stärker ausgeprägt ist als bei E und F. Davon separiert zu betrachten ist eine letzte Gruppe, die hier bewusst nicht als Entwicklungstyp benannt wird. Sie wird als Gruppe der „Eigenprofilierten“ bezeichnet (Abschnitt 4.3.7), und ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie keine Gemeinsamkeiten mit den anderen Entwicklungstypen aufweist. An dieser Stelle folgt eine kurze Rekapitulation der Herleitung von Bewegungsspannen und -intensitäten aus Kapitel 3, 463 auf deren Grundlage die verschiedenen Entwicklungs‐ profile entwickelt werden. Bei den drei Achsen werden jeweils für die Anwahl bestimmter Items unterschiedlich viele Punkte vergeben. Auf der Basis der dabei faktisch erreichten Punkte werden vier Bewegungsspannen festgelegt. Diesen wiederum werden Plus- und Minus-Werte für die Bewegungsintensität zugeordnet. In einem letzten Schritt werden diese Werte in sog. „Bewegungspunkte“ umgesetzt. Die Anordnung der Werte auf den Achsen REP, REL und LES ist unterschiedlich. Bei der Achse REP deutet eine Steigerung der Werte zwischen MP 1 und MP 2 auf eine Entwicklung vom intuitiven zu einem professionelle(re)n Repertoire hin und eine Abnahme auf das Gegenteil. Demgegenüber gibt es bei den Achsen REL und LES einen Mittelbereich moderater Haltungen. Die verschiedenen Achsenbereiche sind bei REL rein deskriptiv; bei LES hingegen sollte der Mittelbereich angestrebt werden. Auf der Achse des Repertoires nehmen die Teilnehmer*innen idealerweise eine Entwicklung von intuitiver hin zu (möglichst) professioneller Kompetenz im Bereich des Bibelauslegungs-Reper‐ toires. Deshalb werden unterschiedliche Items unterschiedlichen Kompetenzniveaus zugeordnet und mit entsprechend wenigen (für ein niedriges Kompetenzniveau) bzw. mehr Punkten (für ein höheres oder hohes Kompetenzniveau) versehen. 464 Dieses Verfahren ist für die Achse des Repertoires bereits oben in den Abschnitten 3.3.2.4.1 und 3.3.2.4.2 erläutert und durchgeführt worden. Rechnerisch sind im Ergebnis mindestens 1 Punkt und höchstens 41 Punkte bei der Achse REP erreichbar; tatsächlich liegt der niedrigste erreichte Wert bei 6 und der höchste bei 40 Punkten. Die tatsächlich vorhandene Bewegungsspanne der Teilnehmer*innen beträgt dabei zwischen 0 und 21 Punkten. Diese tatsächliche Bewegungsspanne wird als Maximum für die Unterteilung in vier etwa gleiche Bereiche der Werte für die Bewegungsintensität zugrunde gelegt: 4.2 Vorgehen 263 <?page no="264"?> Bewegungsspanne: Wert für die Bewegungsintensität: plus/ minus 0 bis 3 Punkte entsprechen 0 plus/ minus 4 bis 9 Punkte entsprechen +/ plus/ minus 10 bis 15 Punkte entsprechen ++/ -plus/ minus 16 bis 21 Punkte entsprechen +++/ --- Auf der Achse der Religiosität (REL) weisen höhere Werte auf eine stärker ausgeprägte Religiosität und niedrige Werte auf eine geringer ausgeprägte Religiosität der befragten Teilnehmer*innen hin. Maximal können hier 44 Punkte erreicht werden, mindestens 7. Während das Maximum tatsächlich erreicht wird, beträgt das faktische Minimum 11 Punkte. Der Bereich hoher Werte wird dabei zwischen 44 und 40 Punkten, der Mittelbereich zwischen 39 und 21 Punkten und der niedrige Bereich zwischen 20 und 7 Punkten angesetzt. Ermittelt wurden diese Positionierungen wie bei den anderen beiden Achsen auf der Basis einer Reihe von Items, die nach einem Punkteschema gewichtet wurden. Auf der Achse der Religiosität bewegt sich die tatsächlich erreichte Bewegungsspanne zwischen 0 und 15 Punkten. Entsprechend werden die Bewegungsspannen für REL in folgende Bereiche für die Bewegungsintensität unterteilt: Bewegungsspanne: Wert für die Bewegungsintensität: 0 Punkte entsprechen 0 plus/ minus 1 bis 5 Punkte entsprechen +/ plus/ minus 6 bis 10 Punkte entsprechen ++/ -plus/ minus 11 bis 15 Punkte entsprechen +++/ --- Die Achse der Leseperspektive (LES) wird bei der quantitativen Befragung in die drei Bereiche des wörtlichen, übertragenen und säkularen Lesens unterteilt; der ideale Bereich ist dabei der des übertragenen Lesens. Die Entwicklung, die die Teilnehmer*innen hierbei zwischen MP 1 und MP 2 vollziehen, wird anhand ausgewählter und entsprechend zugeordneter und gewichteter Items nachgezeichnet. Die mögliche Spanne theoretisch erreichbarer Punkte reicht von 9 bis 39 Punkten. Die niedrigen Werte werden dem Bereich der wörtlichen Leseperspektive (9-18 Punkte) zugeordnet. Es folgt der Bereich der übertragenen Leseperspektive (19-29 Punkte). Den dritten Bereich bildet die säkulare Leseperspektive (30-39 Punkte). Abweichend von Abschnitt 3.3.4.4.1 werden an dieser Stelle nun im Bereich der übertragenen Leseperspektive zusätzlich zwei Randbereiche definiert: der wörtliche Randbereich des übertragenen Bereichs der Leseperspektive (19-21 Punkte) sowie der säkulare Randbereich des übertragenen Bereichs der Leseperspektive (28 bzw. 29 Punkte). Auf dieser Achse LES beträgt die tatsächlich vorkommende größte Bewegungsspanne 12 Punkte. An diesem Wert orientiert sich die Einteilung in vier Bereiche von Bewegungsspannen. Diese werden nach dem folgenden Schlüssel in Werte für die Bewegungsintensität umgesetzt: Bewegungsspanne: Wert für die Bewegungsintensität: 0 Punkte entsprechen 0 plus/ minus 1 bis 4 Punkte entsprechen +/ plus/ minus 5 bis 8 Punkte entsprechen ++/ -plus/ minus 9 bis 12 Punkte entsprechen +++/ --- 264 4 Entwicklungsprofile <?page no="265"?> Legende für die Tabellen in Teil-4.3: Die Reihenfolge der Teilnehmer*innen bei diesen Auflistungen folgt der TN-Nr. Die Zahlenwerte bei REP, REL und LES entsprechen den erreichten Punktwerten bei den jeweils dafür ausgewählten Items an MP 1 (links) bzw. MP 2 (rechts). Plus- und Minuszeichen stehen für die Bewegungsspanne. Die Farbcodes sind Folgende: • bei der Achse des Repertoires (REP): ○ hohe Werte = großes/ breites Repertoire; niedrige Werte = geringes/ schmales Repertoire; ○ Werte 35 und größer (großes/ breites Repertoire) bzw. Werte 15 und kleiner (= ge‐ ringes/ schmales Repertoire). • bei der Achse der Religiosität (REL): ○ hohe Werte = stark ausgeprägte Religiosität; niedrige Werte = gering ausgeprägte Religiosität; ○ Werte 40 und größer (stark ausgeprägte Religiosität) bzw. Werte 20 und kleiner (= gering ausgeprägte Religiosität). • bei der Achse der Leseperspektive (LES): ○ hohe Werte = säkulare Leseperspektive; niedrige Werte = wörtliche Leseperspektive; ○ Position bzw. Bewegung verbleibt innerhalb der Mittelbereichs der übertragenen Lese‐ perspektive (19-29); ○ Punktwerte sind gelb unterlegt und zusätzlich rot bzw. grün gehalten: sie liegen im wörtlichen Randbereich der übertragenen Leseperspektive (19-21) bzw. im säkularen Randbereich der übertragenen Leseperspektive (28/ 29); ○ Punktwerte sind rot oder grün unterlegt: Bewegung aus dem Bereich der übertragenen Leseperspektive heraus: Richtung wörtlicher Leseperspektive bzw. Richtung säkularer Leseperspektive; ○ Punktwerte sind rot oder grün unterlegt und zusätzlich fettgedruckt: Werte bleiben außerhalb des Bereichs der übertragenen Leseperspektive, und zwar im Bereich der wörtlichen bzw. der säkularen Leseperspektive. 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 4.3.1 Entwicklungstyp A: Abnehmende Werte auf der Achse der Religiosität Bei Entwicklungstyp A liegt der Ausgangspunkt in einer Beobachtung aus der Portfolio- Untersuchung, wo sich Hinweise auf ein derartiges Entwicklungsprofil fanden. Tatsächlich gibt es auch in der Panel-Befragung eine Gruppe von Teilnehmer*innen, die eine mittlere oder starke Abnahme der Werte bei REL aufweisen (-bzw. ---); die Achsen REP und LES werden dabei zunächst nicht in den Blick genommen. Das Kriterium der mittleren oder stärkeren Abnahme der Werte bei REL trifft auf acht Teilnehmer*innen zu (TN 11, TN 15, TN 16, TN 22, TN 43, TN 51, TN 55, TN 64). Von diesen werden allerdings zwei wegen ihrer sonst sehr singulären Profile diesem Entwicklungstyp nicht zugeordnet (TN 11 und TN 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 265 <?page no="266"?> 465 Obwohl TN 11 und TN 64 das hier angelegte formale Kriterium einer mittleren bis starken Abnahme auf der Achse REL erfüllen, besitzen sie aufgrund der von den anderen TN des Entwicklungstyps A stark divergierenden Werte (mit der Entwicklung zu einer marginalen Religiosität) auf den beiden anderen Achsen ein ganz eigenständiges Profil. Sie lassen sich keinem Typ zuordnen und werden deshalb unten unter 4.3.7 der separaten Gruppe der „Eigenprofilierten“ zugeordnet. 466 Ohne die „Eigenprofilierten“, die unter 4.3.7 dargestellt werden. 64). 465 Nach dieser Bereinigung umfasst die Gruppe der Studierenden „mit abnehmenden Werten auf der Achse der Religiosität“ noch sechs Teilnehmer*innen, die alle eine Abnahme in mittlerer Größenordnung (--) zu verzeichnen haben. Dabei befinden sich die Werte für die Religiosität der Teilnehmer*innen selbst nach dieser mittleren Abnahme zwischen 6 und 10 Punkten immer noch im Mittelbereich der Werte; kein*e Befragte*r weist an MP 2 einen Wert gering ausgeprägter Religiosität auf (von höchstens 20 Punkten). Bei der Betrachtung der Achse des Repertoires lässt sich bei diesen sechs Studierenden eine Stagnation (0) oder leichte Abnahme (-) beobachten. Falls ein Zusammenhang zwi‐ schen der Entwicklung auf der REP- und der auf der REL-Achse besteht, ließe sich dieser so deuten, dass aufgrund der sinkenden Religiositätswerte auch ein geringeres Engagement im Bereich des Repertoires zu verzeichnen ist. Aus den Daten lässt sich aber nicht ersehen, was bei dieser Korrelation Ursache und Wirkung sein könnte. Bei näherer Betrachtung der LES-Achse fällt auf, dass es unter den sechs Studierenden niemanden gibt, der/ die sich an einem der beiden Messpunkte im Bereich der wörtlichen Leseperspektive befindet und damit auf der LES-Achse Werte zwischen 9 und 18 aufweist. Vier der sechs Studierenden liegen aber an einem der beiden Messpunkte im Randbereich von der übertragenen zur säkularen Leseperspektive (mit 28 oder 29 Punkten) oder direkt im Bereich der säkularen Leseperspektive (mit 30 und mehr Punkten). Dies sind TN 16 und TN 51 (an MP 1), TN 15 (an MP 2) und TN 43 (an beiden MP). Dabei ist allerdings keine Entwicklung in Richtung einer säkulare(re)n Leseperspektive zu beobachten, die sich in steigenden LES-Werten zeigt, sondern (bis auf TN 15) das Gegenteil: Fünf der sechs Teilnehmer*innen von Entwicklungstyp A weisen an MP 2 sinkende LES-Werte und eine übertragene Leseperspektive auf. Bei diesem Entwicklungstyp geht also eine Abnahme der Werte auf der REL-Achse und auch im REP-Bereich mit einer Bewegung auf der LES-Achse hin zu einer übertragenen Leseperspektive einher. Die folgende Tabelle stellt Entwicklungstyp A dar, also die Bewegungsintensitäten und Punktwerte derjenigen Teilnehmer*innen, die auf der Achse REL eine mittlere (--) Abnahme der Werte aufweisen. 466 TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 15 0 15 -- 31/ 25 ++ 21/ 27 16 016/ 15 -- 33/ 27 -- 29/ 23 22 018/ 17 -- 36/ 26 -24/ 22 266 4 Entwicklungsprofile <?page no="267"?> 467 Dies wird in Abschnitt 3.3.3.2.1.1 behandelt. 468 Dabei handelt es sich um vier TN: TN-1, TN-19, TN-23, TN-64. 469 Dies trifft auf zwölf TN zu: TN 11, TN 27, TN 32, TN 33, TN 38, TN 40, TN 41, TN 51, TN 54, TN 56, TN-60, TN-61. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 43 -31/ 24 -- 28/ 21 -30/ 29 51 -31/ 26 -- 44/ 35 -- 30/ 25 55 025/ 23 -- 38/ 29 -25/ 23 Tabelle 2: Entwicklungstyp A: Abnehmende Werte auf der Achse der Religiosität Zusammenfassend ist das Kennzeichen aller Teilnehmer*innen des Entwicklungstyps A ein abnehmender Wert auf der REL-Achse. Daneben haben diese Teilnehmer*innen im Bereich des Repertoires zwischen den beiden Messpunkten keine Steigerung zu verzeichnen, sondern überwiegend eine Stagnation bzw. eine geringe Abnahme. Auch zeichnen sich die Teilnehmer*innen eher durch eine säkular grundierte Leseperspektive aus, die sich aber überwiegend in den Bereich des übertragenen Lesens hinein entwickelt. Es scheint für diese Teilnehmer*innen eine Parallelentwicklung von abnehmender Religiosität und geringerem Interesse oder Engagement im Bereich des Bibelauslegungs-Repertoires zu geben, die einer Entwicklung zu einer eher übertragenen Leseperspektive korrespondiert. Deuten ließe sich das in der Weise, dass die Bibelauslegung (REP) oder auch andere Faktoren außerhalb der Beschäftigung mit der Bibel den eigenen Glauben infrage stellen (REL) und/ oder dass die Anforderungen des Bibelstudiums (v.-a. bei REP) zu hoch sind. Dass eine mögliche Infragestellung des Glaubens nicht unbedingt durch die meist neue, wissen‐ schaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel bedingt sein muss, geht aus einer Korrelation dieses Entwicklungstyps A mit den Antworten auf Item 1.4.4 an MP 2 hervor. 467 In diesem Item wird erfragt, ob die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den eigenen Glauben infrage stellen. Dies wird von vier Teilnehmer*innen voll bejaht 468 und von weiteren 12 Teilnehmer*innen eher 469 . Die einzige Überschneidung zwischen einer bejahenden Antwort bei diesem Item und der Zugehörigkeit zu Entwicklungstyp A bildet TN 51. Daraus lässt sich schließen, dass es ganz überwiegend nicht vor allem der wissenschaftliche Zugang zur Bibel ist, der für die abnehmenden REL-Werte von Entwicklungstyp A ursächlich ist, denn sonst müsste die Anzahl der Teilnehmer*innen in diesem Überschneidungsbereich deutlich höher ausfallen. Schwieriger zu deuten ist, dass die Teilnehmer*innen sich trotz der erkennbaren Schwie‐ rigkeiten (REP, REL) nicht von der Bibel distanzieren und folglich stärker zu einer säkularen Leseperspektive hin tendieren, sondern sich ganz überwiegend in Richtung des übertragenen Lesens entwickeln. 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 267 <?page no="268"?> Illustrieren lässt sich dieser Typ anhand der beiden Voten von TN 15: Er/ Sie vervollstän‐ digt Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) an MP 1 mit: „eine Metapher für den Glauben und die Richtungen, in welche dieser ‚gehen‘ kann. Aber auch und auch gerade dadurch ein Weg, Gott und den eigenen Glauben näher kennenzulernen und besser zu verstehen“. Der Glaube spielt bei dieser Beschreibung eine große Rolle, und auch Gott wird explizit erwähnt. Letzteres ist zwei Jahre später an MP 2 nicht mehr der Fall, und auch der Aspekt, mehr über Gott und den eigenen Glauben zu erfahren oder Orientierung zu finden, ist weggefallen. Lediglich die Bezeichnung der Bibel als „Metapher“ wird beibehalten: „eine Metapher (Sammlung an Metaphern) für meinen Glauben“. 4.3.2 Entwicklungstyp B: Die „Verharrenden“ Entwicklungsprofil B wird auf der Basis der in Abschnitt 4.2 rekapitulierten, zuvor ermittelten Bewegungsspannen und -intensitäten herausgearbeitet. In einem nächsten Schritt werden die aus unterschiedlich vielen Plus- und Minuszeichen bestehenden Werte für die Bewegungsintensität auf den Achsen REP, REL und LES in sog. „Bewegungspunkte“ umgesetzt. Dabei werden für +++ bzw. --jeweils 3 Bewegungspunkte vergeben, für ++ bzw. -jeweils 2 Punkte, für + bzw. - jeweils 1 Bewegungspunkt und für 0 im Sinne von fehlender Bewegung 0 Bewegungspunkte. Rechnerisch ergeben sich durch die Addition aller drei Werte auf den drei Achsen maximal 9 Bewegungspunkte. Faktisch finden sich bei der Gesamtgruppe der Befragten allerdings maximal 8 Bewegungspunkte, und auch dieser Wert wird nur von eine*r Teilnehmer*in (TN 11) erreicht. Damit die Gruppe der Studierenden mit sehr hohen Bewegungswerten nicht zu klein und damit wenig aussagefähig ist, wird die Spanne für die Werte für eine sehr hohe Beweglichkeit auf 6-8 Bewegungspunkte erweitert. Am anderen Ende der Skala stünden theoretisch 0 Bewegungspunkte; auch dieser Wert wird allerdings von niemandem erreicht. Da aber 1 und 2 Bewegungspunkte insgesamt 8mal vertreten sind, soll hier die Spanne aus dem gleichen wie für die hohen Werte genannten Grund zwischen 0-2 Bewegungspunkten angesetzt werden. Es bleibt ein dritter Bereich übrig, der Mittelbereich; in diesen fallen die Teilnehmer*innen mit 3-5 Bewegungspunkten. Um diesen Mittelbereich soll es an dieser Stelle aber nicht gehen, sondern um die beiden Extreme, also um die Teilnehmer*innen mit den geringsten bzw. den meisten Bewegungspunkten. Sie werden im Folgenden als „Verharrende“ bzw. als „Hochmobile“ bezeichnet. Bei näherer Betrachtung dieser beiden Gruppen zeigt allerdings, dass die Profilierung einer Gruppe von „Hochmobilen“ mit 6-8 Bewegungspunkten nicht überzeugend gelingen kann; die Bewegungen auf den einzelnen Achsen sind zu unterschiedlich, womit das o. g. Kriterium für ein Entwicklungsprofil (mindestens zwei Achsen weisen ähnliche Be‐ wegungen auf) nicht erfüllt ist. Deshalb kann hier nicht von einem inhaltlich konsistenten Entwicklungstypus der „Hochmobilen“ gesprochen werden. Anders ist das dagegen bei den „Verharrenden“, die zwischen 0 und 2 Bewegungspunkten aufweisen. Es handelt sich um TN 7, TN 33, TN 46, TN 54, TN 60, TN 62 und TN 70 mit 2 Bewegungspunkten sowie um TN 17 mit 1 Bewegungspunkt, also um insgesamt acht Teilnehmer*innen. Dieser Entwicklungstyp, der als Entwicklungstyp B bezeichnet 268 4 Entwicklungsprofile <?page no="269"?> wird, weist über die gemeinsame geringe Bewegungspunktzahl hinaus folgende weitere Gemeinsamkeiten auf: • Es finden sich auf der Achse LES - an MP 1 wie an MP 2 - nur Werte innerhalb des Bereichs der übertragenen Leseperspektive, auch wenn einige der Teilnehmer*innen Werte am säkularen (28 oder 29 Punkte) oder wörtlichen Rand (19-21 Punkte) dieses Bereichs aufweisen. Überhaupt nicht zu finden sind Werte im Bereich der wörtlichen (9-18 Punkte) oder der säkularen Leseperspektive (30-39 Punkte). • Bei REL liegen fast alle Werte bei beiden Messpunkten im Mittelbereich, d. h. zwischen 21 und 39 Punkten; die Ausnahme bildet dabei TN 7 mit hohen Werten an beiden Messpunkten. • Bei REP bietet sich ebenfalls ein überwiegend einheitliches Bild: Hier liegen die Werte ebenfalls fast alle im Mittelbereich (16-34 Punkte); die Ausnahme bildet TN 17 mit einem höheren Wert an MP-2. Die folgende Tabelle stellt für Entwicklungstyp B die Bewegungsintensitäten und Punkt‐ werte derjenigen Teilnehmer*innen dar, die auf allen drei Achsen insgesamt nur 1-2 Bewegungspunkte erreichen: TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 7 +25/ 31 +36/ 41 020 17 035/ 33 +28/ 31 023 33 024 +26/ 27 +27/ 29 46 018/ 17 -28/ 27 +24/ 27 54 025/ 24 -34/ 31 -26/ 22 60 025 -37/ 34 -23/ 19 62 027 -36/ 31 +21/ 22 70 + 15/ 21 +32/ 36 023 Tabelle 3: Entwicklungstyp B: Die „Verharrenden“ Das Entwicklungsprofil der „Verharrenden“ weisen also Teilnehmer*innen auf, bei denen nicht nur zwischen MP 1 und MP 2 keine gravierenden Bewegungen auf allen drei Achsen auszumachen sind, sondern die ganz überwiegend auf allen Achsen Werte im Mittelbereich aufweisen. Das Repertoire dieser Teilnehmer*innen wächst kaum, aber es sinkt auch nicht. 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 269 <?page no="270"?> Die REL-Werte bewegen sich im Mittelbereich, was weder auf eine stark noch eine gering ausgeprägte Religiosität hindeutet. Die Leseperspektive dieser Teilnehmer*innen bewegt sich im übertragenen Bereich inklusive der Randbereiche. Hypothetisch ließe sich dieser Entwicklungstyp so deuten, dass hier bereits vor Studienbeginn eine recht gute Basis im Bereich der Bibelauslegung (REP und LES) gelegt und eine gefestigte, aber nicht extrem ausgeprägte Religiosität vorhanden gewesen ist. Eigentlich sind das gute Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung im Bibelstudium; diese tritt aber nicht ein. Doch nur weil sich kein messbarer Studienfortschritt im Bibelstudium einstellt, handelt es sich nicht um „problematische“ Studierende in dem Sinn, dass der Studienerfolg im Bereich der Bibel infrage gestellt wäre. Das bereits zu Beginn recht gesicherte Kenntnisniveau sinkt nicht ab, sondern wird lediglich nicht weiter ausgebaut. Anders als bei Entwicklungstyp A sind dabei keine sinkenden Werte auf den Achsen REP oder REL zu beobachten, die auf krisenhafte Entwicklungen hindeuten könnten. Warum sich diese Teilnehmer*innen von dieser - für einen Studienfortschritt eigentlich recht günstigen - Position trotzdem nicht weiterentwickeln, kann unterschiedliche Gründe haben. Nur vermuten lässt sich, dass ein wichtiger Grund dafür darin liegt, dass im Studium zahlreiche Anforderungen zu bewältigen sind, von denen viele für diese Teilnehmer*innen gegenüber der Bibel den Reiz haben, noch unbekannt zu sein. Mögli‐ cherweise liegt hier eine - bewusste oder unbewusste - Entscheidung arbeitsökonomischer Art zugrunde: Diese Studierenden widmen sich stärker den Bereichen, in denen sie noch viel aufzuholen haben oder die ihnen bisher gänzlich unbekannt sind, statt ihre begrenzten Kräfte in einen Bereich zu investieren, in dem sie schon eine recht gute Basis haben. Als Illustration dieses Typs können die Weiterführungen des Satzes „Die Bibel ist für mich …“ aus Frage 1.1 an den beiden Messpunkten der Befragung bei TN 60 dienen. Diese*r Teilnehmer*in schreibt an MP 1: „ein Buch, mit einer Ansammlung von verschiedensten Geschichten, Erlebnissen und Menschen. Diese kann man ‚teilweise‘ auf die heutige Zeit übertragen und daraus lernen bzw. etwas mitnehmen“, womit die Vielgestaltigkeit der Bibel und das Problem der Übertragbarkeit ihrer Botschaft ins Heute betont wird. Dieser letzte Aspekt spielt auch an MP 2 eine Rolle, wird aber ergänzt um Überlegungen, die mit der angestrebten Berufsrolle zu tun haben: „ein Impulsgeber für meinen eigenen Glauben. Der Grundstock auf dem ich ins Gespräch mit anderen über den Glauben kommen kann. Eine Sammlung von verschiedensten Geschichten etc. mit einer Botschaft, die man in die heutige Zeit übertragen kann/ muss“. 4.3.3 Entwicklungstyp C: Wörtlicher werdende Leseperspektive Dieser Entwicklungstyp weist sowohl gemeinsame Positionierungen als auch gemeinsame Bewegungen auf der LES-Achse auf: An MP 1 lassen sich Werte im übertragenen Bereich der Leseperspektive einschließlich der Randbereiche zum wörtlichen und zum säkularen Bereich beobachten (d. h. zwischen 19 und 29 Punkten). An MP 2 nehmen diese Werte ab, womit sie sich in Richtung des Bereichs der wörtlichen Leseperspektive bewegen. Diese Positionierung und Entwicklung lässt sich bei TN 9, TN 10, TN 27, TN 29, TN 31, TN 32, TN 40, TN 41, TN 57, TN 63, TN 66, TN 69 sowie TN 71 finden und damit bei insgesamt dreizehn Teilnehmer*innen. Dabei verändert sich die Leseperspektive aus dem übertragenen Bereich mit seinen Grenzbereichen hin zum wörtlichen Rand des 270 4 Entwicklungsprofile <?page no="271"?> übertragenen Bereichs (mit 19-21 Punkten: TN 9, TN 10, TN 29, TN 31, TN 40, TN 66, TN 69, TN 71) bzw. in den wörtlichen Bereich hinein (mit 18 und weniger Punkten: TN 27, TN 32, TN-41, TN-57, TN-63). Die dreizehn Teilnehmer*innen mit dieser Entwicklung auf der LES-Achse weisen auf den beiden anderen Achsen REP und REL darüber hinaus folgende gemeinsame Merkmale auf: • Bei gut zwei Dritteln dieser Teilnehmer*innen (neun von dreizehn: TN-9, TN-27, TN-29, TN 31, TN 32, TN 40, TN 41, TN 66, TN 69) sind steigende REP-Werte zu verzeichnen. Bei den übrigen vier Teilnehmer*innen findet sich entweder eine stagnierende REP- Bewegungsintensität (REP = 0; TN 27 und 71) oder eine Abnahme der REP-Werte (maximal REP = -: TN 10, TN 57, TN 63). Dabei liegen an MP 2 bis auf TN 71 (mit REP = 15) alle Teilnehmer*innen mit Werten zwischen 18 und 33 Punkten im mittleren REP-Bereich. • Bei fast allen Teilnehmer*innen steigen dabei die REL-Werte an. An MP 1 liegen die REL-Werte bei allen TN zwischen 23 und 36 Punkten und damit im mittleren Bereich. Auch an MP 2 liegen sie im mittleren Bereich, dort aber sind sie leicht angestiegen auf Werte zwischen 26 und 39 Punkten. Keine Zunahme lässt sich hingegen bei TN 29 (geringe Abnahme von 28 auf 26) und TN-33 (Stagnation bei 33 Punkten) beobachten. Außerdem weist TN 66 mit REL = 42 als einzige*r Teilnehmer*in einen Wert im Bereich stärker ausgeprägter Religiosität auf. Die folgende Tabelle zeigt für Entwicklungstyp C die Bewegungsintensitäten und Punkt‐ werte der Teilnehmer*innen, die auf der Achse der Leseperspektive an MP 1 Werte im Bereich der übertragenen Leseperspektive aufweisen und sich an MP 2 in Richtung einer wörtlichen Leseperspektive entwickeln. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 9 +13/ 20 +29/ 31 -- 25/ 20 10 -26/ 22 +29/ 33 -- 24/ 19 27 025/ 24 ++ 30/ 39 -20/ 17 29 +26/ 33 -28/ 26 -24/ 21 31 +22/ 27 +25/ 28 -- 24/ 19 32 +20/ 28 +29/ 33 -21/ 18 40 ++ 18/ 32 +25/ 26 --- 29/ 20 41 ++ 18/ 31 +23/ 27 --- 25/ 16 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 271 <?page no="272"?> 470 Mit 28 Punkten liegt dabei TN 38 an MP 1 als Einzige*r in einem Randbereich des übertragenen Bereichs, nämlich am säkularen Rand des übertragenen Bereichs. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 57 -27/ 22 033 --- 26/ 16 63 -22/ 18 ++ 23/ 30 --- 27/ 15 66 ++ 23/ 33 ++ 36/ 42 -- 26/ 19 69 +17/ 25 +29/ 33 -24/ 21 71 015 +31/ 34 -- 27/ 19 Tabelle 4: Entwicklungstyp C: Wörtlicher werdende Leseperspektive Die Teilnehmer*innen dieses Entwicklungstyps scheinen die Impulse des Bibelstudiums in der Weise zu integrieren, dass sie sich in der Mehrzahl stärker in Richtung einer wörtlichen Leseperspektive orientieren. Zugleich steigen die Werte auf der Achse REL in Richtung einer stärker ausgeprägten Religiosität an, und auch die Werte auf der Achse REP nehmen (überwiegend) in Richtung eines professionelleren Repertoires zu. Umgekehrt ließe sich sagen, dass sich weder auf der Achse REP noch auf der Achse REL Hinweise auf eine krisenhafte Entwicklung erkennen lassen, weil die Werte dort nicht stärker absinken. Als Veranschaulichung kann hier TN-63 dienen: Der Satz in Frage-1.1, „Die Bibel ist für mich …“ wird an MP 1 einerseits allgemein im Hinblick auf die Kirche und andererseits mit einer persönlichen Relevanz weitergeführt: „der Grundbaustein der Institution Kirche und damit ein familiäres und wichtiges ‚Lexikon‘ in meinem Leben“. An MP 2 wird der „Grundbaustein“ durch ein „Grundelement“ präzisiert, wobei dieses nicht mehr mit der Kirche in Verbindung gebracht wird, sondern mit dem eigenen Glauben: Die Bibel ist nun „das Grundelement bzw. Grundbaustein für meinen Glauben und Zentrum des Studiums“. Hinzu tritt an MP-2 auch die Rolle der Bibel im Studium. 4.3.4 Entwicklungstyp D: Durchgängig im übertragenen Bereich Lesende Durchgängig im übertragenen Bereich der Leseperspektive befinden sich die Werte bei acht Teilnehmer*innen, und zwar bei TN 6, TN 30, TN 36, TN 38, TN 48, TN 56, TN 59 und TN 67. Ihre gemeinsamen Merkmale sind: • Die Werte für LES befinden sich bei ihnen schon an MP 1 meist 470 im Mittelbereich des übertragenen Bereichs, und dort liegen sie auch an MP 2. Die Punktspanne reicht hierbei an MP 1 zwischen 22 und 28 und an MP 2 zwischen 24 und 27 Punkten. Es 272 4 Entwicklungsprofile <?page no="273"?> 471 Die Ausnahmen sind TN 56 mit einem Punkt Zuwachs sowie TN 59 und 67 mit einer Stagnation, also mit 0 Punkten Veränderung. zeigen sich damit bei diesem Entwicklungstyp keine größeren Bewegungen auf der Achse der Leseperspektive. • Auf der Achse REP sind hingegen ausnahmslos Steigerungen zu verzeichnen: Die REP-Werte wachsen zwischen 4 und 21 Punkten an, womit ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Plus (+, ++ oder +++) zu verzeichnen ist. Dabei starten fünf der acht Teilnehmer*innen aus dem Bereich niedriger Werte auf der REP-Achse, nämlich bei 16 oder weniger Punkten (TN-6, TN-30, TN-36, TN-59, TN-67). • Hinsichtlich der REL-Achse zeigt sich - von drei Ausnahmen abgesehen - eine abneh‐ mende Tendenz. 471 Diese Minderung der REL-Werte ist allerdings nicht gravierend, sondern beläuft sich auf maximal 5 Punkte (REL = -) und befindet sich auf höherem Niveau, so dass die Teilnehmer*innen auch an MP 2 ganz überwiegend noch Werte im Bereich von oder über 30 aufweisen, also in der Hälfte des Mittelbereichs, die in Richtung einer stärker ausgeprägten Religiosität liegt. Die folgende Tabelle stellt für Entwicklungstyp D die Bewegungsintensitäten und Punkt‐ werte der Teilnehmer*innen dar, die auf der Achse der Leseperspektive durchgängig im Bereich der übertragenen Leseperspektive bleiben. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 6 ++ 8/ 19 -31/ 26 +23/ 27 30 +16/ 20 -35/ 30 +24/ 26 36 +++ 6/ 27 -29/ 27 025 38 +32/ 38 -37/ 34 -28/ 26 48 ++ 24/ 34 -37/ 33 +22/ 24 56 ++ 27/ 40 +32/ 33 +22/ 26 59 ++ 13/ 24 035 -25/ 24 67 +++ 13/ 31 039 -25/ 24 Tabelle 5: Entwicklungstyp D: Durchgängig im übertragenen Bereich Lesende Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Entwicklungstyp der „durchgängig im über‐ tragenen Bereich Lesenden“ eine stabile übertragene Leseperspektive aufweist, die es den 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 273 <?page no="274"?> Teilnehmer*innen ermöglicht, die Impulse des Studiums gut aufzunehmen. Das zeigt sich daran, dass auf der Achse des Repertoires teilweise starke Zunahmen zu beobachten sind. Die Werte auf der Achse der Religiosität nehmen zwar leicht ab, doch dabei befinden sie sich immer noch in der Hälfte des Mittelbereichs der REL-Werte, die einer ausgeprägten Religiosität näher liegt. Durch diese letzten beiden Merkmale unterscheidet sich Entwicklungstyp D von Ent‐ wicklungstyp B, den oben skizzierten „Verharrenden“. Beide Entwicklungstypen teilen eine überwiegend gleichbleibende Leseperspektive im Bereich des übertragenen Lesens. Doch auf den beiden anderen Achsen REP und REL lassen sich bei ihnen unterschiedliche Veränderungen beobachten. Während Entwicklungstyp B gleichbleibende REP- und REL- Werte aufweist, steigen bei Entwicklungstyp D die REP-Werte an, während die REL- Werte innerhalb des höheren Bereichs leicht nachgeben. In der Zusammenschau dieser beiden Entwicklungstypen lässt sich folgende These formulieren: Allein daraus, dass Teil‐ nehmer*innen an beiden Messpunkten Werte im Bereich der übertragenen Leseperspektive aufweisen, lässt sich keine Prognose für die Entwicklungen auf den anderen beiden Achsen ableiten, denn diese verlaufen bei den Entwicklungstypen B und D unterschiedlich. Illustrieren lässt sich Entwicklungstyp D anhand der ausführlichen Ergänzungen von TN 59 in Frage 1.1 „Die Bibel ist für mich …“ an beiden Messpunkten. An MP 1 heißt es: „ein Vorschlag, sein christlich geprägtes Leben zu gestalten. Sie beantwortet manche Fragen, die ich über meinen Glauben habe. Ich bin mir aber bewusst, dass sie von Menschen geschrieben ist, die in einer anderen Zeit lebten. Daher entscheide ich selbst, wie ich Texte interpretiere und welchen Texten ich glaube“. Eine stärkere Distanzierung, aber auch methodische Fundierung der bereits an MP 1 vertretenen selbstbewussten eigenen Haltung deutet sich an MP-2 an: „mehr zu einem Forschungsobjekt geworden. Sozusagen ein Blick auf den Glauben vergangener Tage. Ich fühle mich dazu befähigt, meine eigenen Inhalte und Definitionen daraus zu entnehmen und in mein Verständnis von heute einzubinden“. 4.3.5 Entwicklungstyp E: Gleichbleibend oder zunehmend säkulare Leseperspektive Dieser Entwicklungstyp zeichnet sich dadurch aus, dass alle Teilnehmer*innen bei der Leseperspektive an einem der beiden Messpunkte mindestens 28 Punkte aufweisen. Diese Teilnehmer*innen befinden sich damit im säkularen Randbereich der übertragenen Lese‐ perspektive bzw. direkt im Bereich der säkularen Leseperspektive, oder sie entwickeln sich dorthin. Mit Ausnahme von TN 49 (bei dem/ der sich an beiden Messpunkten mit 28 bzw. 29 Punkten Werte im säkularen Randbereich des übertragenen Bereichs finden) weisen alle Teilnehmer*innen dieses Entwicklungstyps an MP 2 Werte im säkularen Bereich der Leseperspektive auf. Zwei der Studierenden (TN 19 und TN 34) nehmen dabei bereits an MP 1 ihren Ausgang im säkularen Bereich der Leseperspektive, während die anderen Teilnehmer*innen an MP 1 Werte im übertragenen Bereich aufweisen (TN 28 und TN 49 mit Werten am säkularen Rand des übertragenen Bereichs, TN 35 dagegen mit einem Wert am wörtlichen Rand des übertragenen Bereichs). Insgesamt trifft diese Charakterisierung auf neun Teilnehmer*innen zu: TN 12, TN 13, TN 18, TN 19, TN 26, TN 28, TN 34, TN 35 und TN-49. 274 4 Entwicklungsprofile <?page no="275"?> Weitere gemeinsame Merkmale lassen sich nicht so deutlich ausmachen, denn die Teilnehmer*innen bewegen sich auf den Achsen REP und REL nicht einheitlich. Deshalb kann dieser Entwicklungstyp nicht als so ausgeprägt gelten wie die zuvor dargestellten Entwicklungstypen A bis D. • Bei vier Personen (TN 19, TN 34, TN 35, TN 49) ist gleichermaßen überwiegend eine Zunahme im Bereich des Repertoires (zwischen + und +++; außer bei TN 35 mit 0) wie auch bei den Werten der Religiosität (+ oder ++) zu beobachten. • Demgegenüber ist bei vier weiteren Personen (TN 12, TN 13, TN 18, TN 26) überwie‐ gend eine Abnahme im Bereich des Repertoires zu verzeichnen (außer TN 13 mit 0; sonst - oder --), und zugleich sinken die Werte im Bereich der Religiosität bei diesen vier Teilnehmer*innen leicht (-). • TN 28 stellt eine Art „Zwischentyp“ dar mit einer leichten Zunahme bei REP bei leichter Abnahme bei REL. Die folgende Tabelle stellt für Entwicklungstyp E die Bewegungsintensitäten und Punkt‐ werte der Teilnehmer*innen dar, die auf der Achse der Leseperspektive durchgängig mindestens 28 Punkte aufweisen. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 12 -12/ 7 -31/ 28 ++ 26/ 31 13 023/ 22 -33/ 29 ++ 23/ 30 18 -24/ 20 -28/ 27 ++ 26/ 32 19 +++ 16/ 33 ++ 24/ 31 +30/ 34 26 -- 25/ 13 -37/ 33 +27/ 31 28 +25/ 29 -30/ 27 +28/ 31 34 +24/ 29 +22/ 25 ++ 30/ 38 35 030/ 33 +30/ 31 +++ 19/ 30 49 ++ 15/ 29 ++ 25/ 31 028/ 28 Tabelle 6: Entwicklungstyp E: Gleichbleibend oder zunehmend säkulare Leseperspektive Insgesamt lassen sich die Teilnehmer*innen, die in ihrer Leseperspektive stärker in Rich‐ tung des säkularen Bereichs gehen oder bereits von dort kommen, in zwei Gruppen teilen. 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 275 <?page no="276"?> 472 TN-28 als eine Art „Zwischentyp“ bleibt hierbei ausgeklammert. Die eine Gruppe kann ihr Repertoire erweitern, wobei parallel dazu die Religiositätswerte steigen, während die andere Gruppe abnehmende Werte beim Repertoire wie bei der Religiosität aufweist. Beinahe besteht dabei eine punktuelle Überscheidung zwischen den Entwicklungstypen E und A, und zwar in Gestalt von TN 43. Diese*r Teilnehmer*in wird hier aufgrund der Entwicklung auf der REL-Achse in Richtung geringer ausgeprägter Religiosität dem Entwicklungstyp A zugerechnet. Er/ Sie weist aber auch LES-Werte im säkularen Bereich bzw. im säkularen Randbereich der übertragenen Leseperspektive auf. Diese Werte steigen allerdings - anders als bei den Entwick‐ lungstyp E zugerechneten Teilnehmer*innen - nicht an. Aus diesem Grund ist TN 43 nicht Entwicklungstyp E, sondern Entwicklungstyp A zuzuordnen. Zugleich sind bei TN 43 aber neben den abnehmenden RELauch abnehmende REP-Werte festzustellen. Abgesehen von der nicht ganz deckungsgleichen Entwicklung bei den LES-Werten weist TN 43 mit den sinkenden REP- und REL-Werten damit Parallelen zur zweiten Untergruppe von Entwicklungstyp E auf. Es zeigt sich damit in Gestalt von TN 43 eine gewisse Verwandtschaft zwischen Entwicklungstyp A, der sich durch eine Entwicklung in Richtung geringer ausgeprägter Religiosität auszeichnet, und Entwicklungstyp E, dessen Charakteristikum eine stärker säkulare Leseperspektive ist. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 43 -31/ 24 -- 28/ 21 -30/ 29 Tabelle 7: Beispiel für die Nähe von Entwicklungstyp A zu E (TN-43) Produktiv an dieser punktuellen Ähnlichkeit der Entwicklungstypen A und E mit TN 43 ist, dass dadurch die REL-Achse bei der Entwicklung stärker in den Blick kommt. Erneut muss betont werden, dass sich aus den Ergebnissen nicht ableiten lässt, welche Entwicklung auf welcher Achse möglicherweise bestimmend ist für die Entwicklungen auf den anderen beiden Achsen. Zusammenfassend scheinen die Teilnehmer*innen von Entwicklungstyp E, deren Leseperspektive bereits an MP 1 im übertragenen oder säkularen Bereich liegt und die sich an MP 2 in Richtung auf ein säkulareres Lesen hin entwickeln, zwei diametral entgegengesetzte Entwicklungswege im Hinblick auf Repertoire und Religiosität nehmen zu können. Bei der Hälfte dieser Teilnehmer*innen 472 verläuft die Entwicklung in Richtung steigender REP- und REL-Werte, während bei der anderen Hälfte sinkende REP- und REL- Werte zu verzeichnen sind. Im Anschluss daran lässt sich eine Hypothese im Hinblick auf Entwicklungstyp E aufstellen: Es scheint denkbar, dass bei dieser Entwicklung von Entwicklungstyp E die Religiosität ein bestimmender Aspekt ist. Beim Vergleich der Teilnehmer*innen, bei denen einen Anstieg bei REP und REL zu verzeichnen ist, mit denen, die dort sinkende Werte aufweisen, zeigt sich: Die Teil‐ nehmer*innen der erstgenannten Halbgruppe (Anstieg REP/ REL) zeigen an MP 1 REL- Werte zwischen 22 und 30, während die Teilnehmer*innen der zweiten Halbgruppe 276 4 Entwicklungsprofile <?page no="277"?> (Abnahme REP/ REL) an MP 1 mit zwischen 28 und 37 Punkten höhere REL-Werte aufweisen. Dabei bewegen sich die Teilnehmer*innen beider Halbgruppen im Mittelbereich der REL-Werte (definiert als die Spanne zwischen 21 und 39 Punkten) zwischen den beiden Polen von stärker bzw. geringer ausgeprägter Religiosität. Interpretieren ließe sich die Beobachtung folgendermaßen: Teilnehmer*innen mit einer im Mittelbereich liegenden, aber etwas stärker ausgeprägten Religiosität an MP 1 (zweite Halbgruppe) nehmen bei einer säkularer werdenden Leseperspektive eher eine Entwicklung, bei der sowohl im Repertoire als auch bei der Religiosität ein Rückgang der Punktwerte zu beobachten ist. Teilnehmer*innen hingegen, die an MP 1 eine im Mittelbereich liegende, aber etwas geringer ausgeprägte Religiosität aufweisen (erste Halbgruppe), nehmen bei einer säkularer werdenden Leseperspektive eher eine Entwicklung, bei der sowohl ihre REL-Werte als auch die Werte des Repertoires ansteigen. Es hat den Anschein, dass die Studierenden, die zu Beginn des Studiums eine etwas geringer ausgeprägte Religiosität zeigen und sich mit ihrer Leseperspektive in den säkularen Bereich entwickeln, die Impulse des Studiums (in Gestalt steigender REP-Werte) besser integrieren können als die Studierenden, die zu Beginn des Studiums eine etwas stärker ausgeprägte Religiosität aufweisen und sich mit ihrer Leseperspektive in den säkularen Bereich entwickeln. Zur Veranschaulichung dieses Entwicklungstyps E kann die Ergänzung des Satzes in Frage 1.1 durch TN 49 dienen, der/ die der ersten Halbgruppe zuzurechnen ist: Unter Ver‐ wendung von zwei gleichen sowie zwei unterschiedlichen und gleichermaßen distanzierten Zuschreibungen heißt es an MP 1: „ein Nachschlagewerk, ein Buch was im Regal steht, ein Handwerkszeug, ein Buch mit sieben Siegeln“ und in positiverer Weise an MP 2: „ein Nachschlagewerk; nicht mehr ein Buch mit sieben Siegeln; angstfreier geworden; bekannter geworden“. 4.3.6 Entwicklungstyp F: Bewegung aus anderen Bereichen der Leseperspektive in den Bereich der übertragenen Leseperspektive Unter diesem Entwicklungstyp werden diejenigen Teilnehmer*innen zusammengefasst, die sich in ihrer Leseperspektive aus einem anderen Bereich kommend in den übertragenen Bereich hineinbewegen. Dabei weisen alle an MP 2 Werte auf der Achse der Leseperspektive 24 oder 25 Punkte auf und liegen damit im mittleren Bereich der übertragenen Leseper‐ spektive. Dieses Kriterium erfüllen sieben Teilnehmer*innen, nämlich TN 4, TN 23, TN 25, TN 47, TN 58, TN 61 und TN 72. Dabei sind innerhalb dieses Entwicklungstyps - wie schon bei Entwicklungstyp E - zwei unterschiedliche Untergruppen zu erkennen, was auch diesen Entwicklungstyp F weniger konsistent erscheinen lässt als die Entwicklungstypen A bis D. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich bei diesen Teilnehmer*innen beobachten? • Auf der REL-Achse sind nahezu durchgängig steigende Werte zu beobachten (bis auf TN 25 mit einer Stagnation) bzw. bei keine*r Teilnehmer*in eine Abnahme der REL- Werte. • Ausgehend von den Werten auf der LES-Achse an MP 1 lassen sich die Teil‐ nehmer*innen in zwei Gruppen unterteilen, die sich aus unterschiedlichen Richtungen 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 277 <?page no="278"?> 473 Bei TN 25 steigt der REP-Wert von einer Größenordnung unterhalb des Mittelbereichs ausgehend in mittlerer Höhe bis in den Mittelbereich an (++ bzw. von 12 auf 27 Punkte), und der REL-Wert stagniert im höheren Bereich des Mittelbereichs (35). Der REP-Wert bei TN 61 liegt bereits an MP 1 am oberen Rand des Mittelbereichs und steigt von dort aus noch einmal weiter leicht an (+ bzw. von 32 auf 36 Punkte), bis er sich an MP 2 im Bereich des sehr ausgeprägten Repertoires befindet; der REL-Wert steigt leicht an und liegt dann ebenfalls im höheren Bereich des Mittelbereichs (+ bzw. von 33 auf 36 Punkte). 474 TN 47 beginnt an MP 1 mit einem REP-Wert von 21, der an MP 2 auf 16 Punkte absinkt (-); TN 72 weist eine gleich ausgeprägte Entwicklung (-) von 23 auf 19 Punkte auf. Bei beiden TN steigen die REL-Werte innerhalb des Mittelbereichs in mittlerer Größenordnung (++) an. der LES-Achse in den Bereich des übertragenen Lesens hineinbewegen: Die erste Gruppe weist an MP 1 auf der LES-Achse Werte im wörtlichen Bereich auf (TN 4, TN 23, TN 58), und die zweite Gruppe bietet an MP 1 Werte im säkularen Bereich (TN 25, TN 47, TN 61) bzw. im säkularen Rand des übertragenen Bereichs der Leseperspektive (TN-72). • Bei der ersten Gruppe, die sich aus dem wörtlichen Bereich der Leseperspektive (MP 1) zum übertragenen Bereich (MP 2) bewegt, lässt sich auf der REP-Achse eine Stagnation (TN 4) bzw. eine leichte (TN 23) oder mittlere (TN 58) Zunahme beobachten, und zwar auf höherem Niveau. • Die Teilnehmer*innen der zweiten Gruppe, die sich aus dem säkularen Bereich oder aus dem säkularen Randbereich der übertragenen Leseperspektive (MP 1) in den Bereich der übertragenen Leseperspektive (MP 2) hineinbewegen, weisen dabei auf der REP- Achse unterschiedliche Entwicklungen auf. Zwei Teilnehmer*innen (TN 25 und TN 61) haben beim Repertoire Zunahmen zu verzeichnen, während ihre REL-Werte stagnieren bzw. nur leicht ansteigen. 473 Zwei weitere Teilnehmer*innen (TN 47 und TN 72) weisen dagegen leicht abnehmende Werte im eher niedrigen REP-Bereich auf, wobei ihre REL- Werte stärker ansteigen. 474 Die folgende Tabelle stellt für Entwicklungstyp F die Bewegungsintensitäten und Punkt‐ werte der Teilnehmer*innen dar, die sich auf der Achse der Leseperspektive aus einem anderen Bereich kommend in den übertragenen Bereich hineinbewegen. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 4 040/ 37 +32/ 36 ++ 18/ 24 23 +25/ 31 +27/ 31 ++ 16/ 24 25 ++ 12/ 27 035 -- 30/ 25 47 -21/ 16 ++ 23/ 30 -- 32/ 24 58 ++ 27/ 40 ++ 35/ 42 ++ 17/ 25 278 4 Entwicklungsprofile <?page no="279"?> TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 61 +32/ 36 +33/ 36 --- 33/ 24 72 -23/ 19 ++ 27/ 36 -29/ 24 Tabelle 8: Entwicklungstyp F: Bewegung aus anderen Bereichen der Leseperspektive in den Bereich der übertragenen Leseperspektive Bei keine*r Teilnehmer*in von Entwicklungstyp F, der/ die sich von außerhalb des übertra‐ genen Lesens kommend in den Mittelbereich der übertragenen Leseperspektive hineinbe‐ wegt, nehmen die REL-Werte ab. Je nach Ausgangspunkt auf der LES-Achse lassen sich aber unterschiedliche Entwicklungen auf der Achse REP beobachten. Aus dem Bereich der wörtlichen Leseperspektive kommend weist die erste Gruppe (TN 4, TN 23, TN 58) eine Zunahme der Werte sowohl beim Repertoire als auch bei der Religiosität auf. Diese Untergruppe scheint die Impulse des Bibelstudiums für sich in positiver Weise fruchtbar machen zu können. Eine zweite Gruppe bewegt sich aus der entgegengesetzten Richtung, also aus dem säkularen Bereich der Leseperspektive an MP 1, an MP 2 in den übertragenen Bereich hinein (TN 25, TN 47, TN 61, TN 72). Bei dieser zweiten Untergruppe lassen sich zwei unterschiedliche Entwicklungen nachzeichnen: entweder eine Steigerung bei REP bei gleichzeitiger Stagnation bzw. leichter Zunahme von REL (TN 25 und TN 61) oder aber eine leichte Abnahme bei REP und eine stärkere Zunahme bei REL (TN-47 und TN-72). Es liegt also bei dieser zweiten Untergruppe, die sich vom weiter gefassten Bereich der säkularen Leseperspektive in den Bereich des übertragenen Lesens hineinbewegt, keine einheitliche Entwicklung auf den beiden anderen Achsen vor. Von welchen Faktoren es abhängt, ob Teilnehmer*innen den ersten der beiden beschriebenen Wege nehmen (mittlere Steigerung von REP, während REL nur leicht bzw. gar nicht steigt) oder den zweiten (leichte Abnahme von REP bei stärkerer Zunahme von REL), lässt sich den erhobenen Daten leider nicht entnehmen. Als Illustration für diesen nicht so gut greifbaren Entwicklungstyp F kann TN 23 dienen. Den Satz von Frage 1.1, „Die Bibel ist für mich …“ führt er/ sie an MP 1 so fort: „Eine Möglichkeit, meinen Glauben zu stärken und mich mit ihm zu befassen.“ Immer noch mit Bezug auf den persönlichen Glauben, aber ausführlicher und um mit dem Studium verknüpfte, teilweise auch ambivalente Aspekte erweitert heißt es an MP 2: „Unter anderem die Grundlage meines Glaubens, aber auch ein ‚wissenschaftl. Buch‘ bzw. eine Grundlage zur Auseinandersetzung. Am Ende jedoch auch mein Halt im Glauben aus dem ich Kraft schöpfen kann, [sc.: mit dem ich] aber auch immer wieder in Konflikt gerate.“ 4.3.7 Die separate Gruppe der „Eigenprofilierten“ Es gibt einige wenige Teilnehmer*innen, bei denen eine Zuordnung zu den dargestellten Entwicklungstypen nicht möglich ist. Entweder weisen sie im Vergleich mit den bisher dar‐ 4.3 Einzelne Entwicklungsprofile 279 <?page no="280"?> gestellten Personen und Entwicklungsprofilen extreme Werte oder Bewegungen auf, oder ihre Bewegungen auf den drei Achsen folgen keinem Muster, das den Bewegungen anderer Personen ähnelt. Im Grunde ist jede*r von diesen Teilnehmer*innen ein eigenständiger Entwicklungstyp. Methodisch ließe sich mit ihnen entweder so umgehen, dass sie in dieser Typisierung entweder außer Acht gelassen oder aber dass sie zu einer eigenen Gruppe zusammengefasst werden. Hier wird der zweite Weg gewählt mit dem Ziel, möglichst alle Teilnehmer*innen in den Blick zu nehmen. Dieser Gruppe der „Eigenprofilierten“, die gelegentlich auch schon zuvor in unterschiedlichen Auswertungen aufgefallen oder her‐ ausgefallen sind, werden TN 1, TN 11, TN 53, TN 64 und TN 74 zugeordnet. Sie werden hier als „Gruppe“ bezeichnet. Da sich keine Gemeinsamkeiten bei ihrer jeweiligen Entwicklung abzeichnen, lässt sich auch kein gemeinsames Entwicklungsprofil nachzeichnen. Deshalb werden sie nicht als Entwicklungstyp bezeichnet und nicht mit einem Großbuchstaben abgekürzt. Die folgende Tabelle stellt für die Gruppe „Eigenprofilierte“ die Bewegungsintensitäten und Punktwerte der Teilnehmer*innen dar, bei denen sich keine Korrelationen zwischen den Bewegungen auf den einzelnen Achsen erkennen lassen: TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 1 -- 35/ 20 +23/ 26 019 11 +++ 19/ 38 --- 34/ 20 -- 29/ 22 53 -16/ 9 -39/ 37 -22/ 20 64 030 --- 34/ 19 +21/ 24 74 -17/ 13 -14/ 11 --- 36/ 27 Tabelle 9: Die separate Gruppe der „Eigenprofilierten“ 4.4 Auswertung 4.4.1 Unterschiedliche Entwicklungswege In der Gesamtschau dieser Ergebnisse lassen sich thesenhaft einige Eindrücke formulieren: Zunächst einmal gibt es nicht den einen Entwicklungsweg, den die Studierenden in den vier Semestern ihres Bibelstudiums nehmen. Ein Grund dafür liegt darin, dass bereits die Ausgangspunkte unterschiedlich sind, also die Werte an MP 1. Doch auch ähnliche Ausgangspunkte (d. h. ähnliche Werte auf allen drei Achsen an MP 1) lassen nicht auf eine ähnliche Weiterentwicklung schließen. Dafür ein Beispiel: TN 11 und TN 16 weisen an MP 1 auf allen Achsen ähnliche Werte auf (REP: 19 bzw. 16; REL: 34 bzw. 33; LES: 280 4 Entwicklungsprofile <?page no="281"?> 475 Hierzu werden die Werte auf der REL-Achse gleich (=) und über (>) 30 angesetzt bzw. die Werte unter (<) 30. Von den zwölf Teilnehmer*innen, die an MP 1 eine Leseperspektive im Bereich des säkularen Randes des übertragenen Bereichs oder aber im säkularen Bereich aufweisen, haben fünf an MP 1 REL-Werte = und > 30 und sieben Werte von < 30. Von den insgesamt elf Teilnehmer*innen hingegen, die an MP 1 eine Leseperspektive im Bereich des wörtlichen Randes des übertragenen Bereichs oder im wörtlichen Bereich aufweisen, haben acht an MP 1 REL-Werte von = oder > 30, und nur drei haben REL-Werte von < 30. beide 29). Während TN 11 an MP 2 das Repertoire stark steigern kann und sich ebenso stark in den Bereich geringerer Religiosität entwickelt, lässt sich bei TN 16 an MP 2 ein leichtes Absinken der REP-Werte beobachten und ein Absinken der REL-Werte im mittleren Bereich. Während TN 16 hier Entwicklungstyp A zugeordnet wird, gehört TN 11 zur Gruppe der „Eigenprofilierten“. TN-Nr. Bewegungsintensität und Punkte REP REL LES 11 +++ 19/ 38 --- 34/ 20 -- 29/ 22 16 016/ 15 -- 33/ 27 -- 29/ 23 Tabelle 10: Ähnliche Ausgangspunkte - unterschiedliche Entwicklungen (TN-11 und TN-16) Die angesprochenen Entwicklungsprognosen sind deshalb nicht möglich, weil das Erhe‐ bungsformat eine individuelle Gewichtung der Achsen bei den einzelnen Teilnehmer*innen nicht vorsieht. Während die Befragungsergebnisse zwar Rückschlüsse darauf erlauben, wo sich die Teilnehmer*innen an den beiden Messpunkten mit ihren jeweiligen Werten auf den Achsen befinden, gewähren sie keine Einblicke, welche (möglicherweise) unterschiedliche Relevanz die drei Achsen für sie haben. So könnte - hypothetisch - die REP-Achse gegenüber den anderen beiden Achsen für TN 11 bedeutsamer sein als für TN 16, doch die Erhebung erlaubt hierfür keine Fundierung. Ein zweiter Eindruck rekurriert darauf, dass die Positionierungen und Bewegungen auf der Achse der Leseperspektive die Grundlage dafür boten, dass die Entwicklungstypen C bis F herausgearbeitet werden konnten. Ähnliche Versuche, die von den beiden anderen Achsen des Repertoires und der Religiosität ausgegangen sind, haben keine vergleichbaren Ergebnisse erbracht. Die Achse der Leseperspektive scheint folglich eine Art Leitachse zu sein, von der ausgehend sich die Entwicklungsprofile am ehesten nachzeichnen lassen. Ein dritter Eindruck geht in die Richtung, dass es eine Korrelation zwischen den Achsen LES und REL zu geben scheint, die allerdings im Rahmen der hier herausgearbeiteten Entwicklungstypen nicht weiter vertieft wurde: An MP 1 weisen Studierende mit einer eher säkulare(re)n Leseperspektive in der Regel eine geringer ausgeprägte Religiosität auf, und Studierende mit einer eher wörtliche(re)n Leseperspektive eine stärker ausgeprägte Religiosität. 475 Ein vierter Eindruck besteht darin, dass Studierende, die zu Studienbeginn eine i.w.S. sä‐ kulare(re) Leseperspektive aufweisen, eine weniger vorhersehbare Entwicklung zu nehmen 4.4 Auswertung 281 <?page no="282"?> scheinen als Studierende, die ihr Studium mit einer i.w.S. wörtliche(re)n Leseperspektive beginnen. Die Entwicklungen der Teilnehmer*innen, die bereits zu Beginn säkular(er) lesen, wirken insgesamt weniger berechenbar, wie sich im vorangegangenen Abschnitt an Entwicklungstyp F erkennen ließ. 4.4.2 Kohortenverteilung der Entwicklungsprofile Zur Beantwortung der Frage, wie sich die unterschiedlichen Entwicklungsprofile auf die beiden Kohorten verteilen, soll die Tabelle zunächst diese Verteilung veranschaulichen. Entwicklungstyp (Gesamtzahl) Kohorte-I TN-1 bis 36 Kohorte-II TN-38 bis 74 A (6 TN) 3 3 B (8 TN) 3 5 C (13 TN) 6 7 D (8 TN) 3 5 E (9 TN) 8 1 F (7 TN) 4 3 Eigenprofilierte (5 TN) 2 3 Tabelle 11: Kohortenverteilung der Entwicklungstypen Es zeigt sich, dass die Kohortenverteilung bei den meisten Entwicklungstypen (A, C, F und die Gruppe der Eigenprofilierten) nahezu ausgewogen ist. Die Entwicklungstypen B und D weisen mit 3: 5 Teilnehmer*innen daneben ein leichtes, gleich großes Übergewicht zugunsten von Koh.-II auf. Deutlich unausgewogen ist die Verteilung nur bei Entwicklungstyp E mit 8: 1 zugunsten von Koh. I. Diese Teilnehmer*innen bewegen sich in ihrer Leseperspektive stärker in Richtung des säkularen Bereichs oder befinden sich bereits an MP 1 dort. Das deckt sich mit den Beobachtungen in Abschnitt 3.3.4.5.4 zur Kohortenverteilung, wonach Koh. I eine deutlich stärkere Tendenz in Richtung einer säkularen Leseperspektive aufweist. 4.4.3 „Bewegungszwillinge“ Bei den hier ausgewerteten Bewegungsintensitäten fällt bei den in diesem Kapitel heraus‐ gearbeiteten Entwicklungsprofilen auf, dass es eine ganze Reihe von Teilnehmer*innen gibt, die identische Bewegungsintensitäten aufweisen. Diese Teilnehmer*innen mit sich entspre‐ chenden Werten auf den Achsen REP, REL und LES werden als „Bewegungszwillinge“ bezeichnet. Von allen 56 Teilnehmer*innen besitzen elf einen solchen Bewegungszwilling; insgesamt sind dies also 22 Teilnehmer*innen oder 39% der Befragten. Dabei lassen sich „unspezifische“ und „spezifische“ Bewegungszwillinge unterscheiden: Die „unspezifischen“ Bewegungszwillinge haben nur die Bewegungsrichtungen und -intensitäten gemeinsam, 282 4 Entwicklungsprofile <?page no="283"?> aber nicht die groben Ausgangs- und Zielpunkte ihrer Bewegungen im Sinne der Ab‐ schnitte auf den Achsen, auf denen die Werte jeweils liegen. Unspezifisch sind sechs Teilnehmer*innen mit sechs Zwillingen, also insgesamt zwölf Personen (TN 6 und TN 48, TN 7 und 70, TN 23 und TN 34, TN 28 und TN 30, TN 29 und TN 38 sowie TN 46 und TN 62). Diese unspezifischen Bewegungszwillinge unterscheiden sich an verschiedenen Punkten: Bei TN 6 und TN 48 liegt der Unterschied im Bereich des Repertoires. Während TN 6 dort sehr niedrige Werte aufweist, liegen sie bei TN 48 ziemlich hoch. Im gleichen Bereich unterscheidet sich auch TN 7 mit sehr hohen REP-Werten von TN 70 mit niedrigen REP-Werten. Bei drei weiteren Paaren liegen dagegen die Unterschiede im Bereich der Leseperspektive. Das trifft auf TN 23 und TN 34, TN 29 und TN 38 sowie auf TN 28 und TN 30 zu. Ein weiteres Paar - TN 46 und TN 62 - weist sogar Unterschiede auf zwei Achsen auf: Während TN 62 fast im Bereich einer wörtlichen Leseperspektive liegt und höhere REP-Werte aufweist, liegt TN 46 bei LES im übertragenen Bereich und hat niedrige REP- Werte. Damit wird bereits deutlich, dass alleine die Bewegungsintensitäten nicht für eine Zuordnung zweier Teilnehmer*innen zum gleichen Entwicklungstyp ausreichen, denn für die Zuordnung zu den Entwicklungstypen ist auch der jeweilige Ausgangs- und Zielpunkt der Bewegungen auf den Achsen entscheidend. Trotzdem gibt es auch bei den unspezifischen Bewegungszwillingen Paare, die dem gleichen Entwicklungstyp angehören: TN 6 und TN 48 zählen beide zu Entwicklungstyp D (den durchgängig im übertragenen Bereich Lesenden), und TN 7 und TN 70 sowie auch (trotz ihrer sonstigen Unterschiede) TN 46 und TN 62 zum Entwicklungstyp B, den „Verharrenden“. Das weist noch einmal darauf hin, dass es Entwicklungstypen gibt, bei denen die Ausgangs- und Zielpunkte der Entwicklungen gegenüber den Bewegungswerten eine untergeordnete Rolle spielen; vor allem ist das bei Entwicklungstyp B der Fall. Die übrigen „unspezifischen“ Paare gehören demgegenüber unterschiedlichen Entwicklungstypen an: TN 23 und TN 34 den Entwicklungstypen F bzw. E, TN 29 und TN 38 den Entwicklungstypen C bzw. D und TN 28 und TN-30 den Entwicklungstypen E bzw. D. Die „spezifischeren“ Bewegungszwillinge hingegen teilen sowohl die Bewegungsrich‐ tungen und -intensitäten als auch die groben Ausgangs- und Zielpunkte auf den Achsen. Hierzu zählen fünf Teilnehmer*innen mit fünf Bewegungszwillingen, also insgesamt zehn Personen. Diese spezifischeren Bewegungszwillinge gehören jeweils den gleichen Entwick‐ lungstypen an: TN 9 und TN 31 Entwicklungstyp C, TN 22 und TN 55 Entwicklungstyp A, TN 32 und TN 69 Entwicklungstyp C, TN 40 und TN 41 Entwicklungstyp C sowie TN 54 und TN 60 Entwicklungstyp B. Dadurch bestätigt sich, dass bei den Entwicklungstypen nicht nur die Bewegungswerte, sondern auch die Ausgangs- und Zielpunkte der Bewegungen maßgeblich sind. 4.5 Ergebnis Ausgehend von unterschiedlichen Ausgangspunkten und unter Verwendung verschie‐ dener methodischer Vorgehensweisen konnten bei den befragten Studierenden die sechs Entwicklungsprofile A bis F nachgezeichnet werden, die sich jeweils durch mehr oder weniger ähnliche Entwicklungswege auszeichnen. Darüber hinaus gibt es einige wenige 4.5 Ergebnis 283 <?page no="284"?> Teilnehmer*innen, die eine derart eigenständige Entwicklung nehmen, dass sie sich keinem der Entwicklungstypen zuordnen lassen; diese sind als Gruppe von „Eigenprofilierten“ bezeichnet worden. Bei sechs Personen (TN 15, TN 16, TN 22, TN 43, TN 51, TN 55) sinken die Werte im Bereich der Religiositäts-Achse während des Bibelstudium. Sie werden hier als Entwicklungstyp A bezeichnet. Sie weisen darüber hinaus an MP 1 teils eine säkular grundierte Leseperspektive auf, die sich aber an MP 2 in Richtung des übertragenen Bereichs entwickelt. Bei diesen Teilnehmer*innen ist im Bereich des Repertoires zwischen den beiden Messpunkten keine Steigerung zu verzeichnen. Möglich scheint, dass diese Teilnehmer*innen eine krisenhafte Entwicklung im Bereich der Religiosität durchleben. In einer solchen Krise könnte der Grund dafür liegen, dass sie sich im Verlauf des Bibelstudiums kein messbar größeres Bibelauslegungs-Repertoire anzueignen vermögen. Es gelingt ihnen allerdings, sich in ihrer Leseperspektive zum Bereich des übertragenen Lesens hinzuentwickeln. Als Entwicklungstyp B werden acht bei ihren Bewegungswerten weitgehend „verhar‐ rende“ Teilnehmer*innen bezeichnet (TN 7, TN 17, TN 33, TN 46, TN 54, TN 60, TN 62, TN 70). Bei ihnen lassen sich zwischen MP 1 und MP 2 keine gravierenden Entwicklungs‐ schritte beobachten. Darüber hinaus haben sie gemeinsam, dass sie auf allen drei Achsen ganz überwiegend Werte im Mittelbereich aufweisen. Damit handelt es sich nicht um Studierende mit einem unterdurchschnittlichen Wissensstand. Eher im Gegenteil: Bereits zu Studienbeginn verfügen sie über ein recht gutes Wissensniveau, das sie aber nicht weiter steigern können oder wollen. Die Entwicklungstyp C zugeordneten dreizehn Studierenden (TN 9, TN 10, TN 27, TN 29, TN 31, TN 32, TN 40, TN 41, TN 57, TN 63, TN 66, TN 69, TN 71) zeichnen sich durch eine zunehmend wörtlichere Leseperspektive aus. Sie integrieren die Anregungen durch die Studienveranstaltungen zur Bibel in der Weise, dass bei der Mehrzahl von ihnen sowohl die Werte auf der Achse der Religiosität als auch auf der Achse des Repertoires ansteigen. Dabei entwickelt sich die Leseperspektive vom Bereich des übertragenen Lesens mit seinen Grenzbereichen an MP 1 zu MP 2 in Richtung zum wörtlichen Rand des übertragenen Bereichs bzw. direkt in den wörtlichen Bereich hinein. Als Entwicklungstyp D werden die acht Studierende bezeichnet, die die Bibel durch‐ gängig im übertragenen Bereich lesen (TN 6, TN 30, TN 36, TN 38, TN 48, TN 56, TN 59, TN 67). Sie weisen alle eine recht stabile übertragene Leseperspektive auf, die es offenbar ermöglicht, die Impulse des Studiums gut aufzunehmen. Das manifestiert sich in einer teilweise erheblichen Steigerung der Werte beim Repertoire. Zugleich nehmen die Werte auf der REL-Achse leicht ab, liegen aber immer noch an beiden Messpunkten im mittleren bis hohen Bereich des Mittelbereichs. Aus der Zusammenschau dieses Entwicklungstyps D mit Entwicklungstyp B (der ebenfalls an beiden Messpunkten auf der Achse der Leseper‐ spektive Werte im übertragenen Bereich aufweist, aber auf den beiden anderen Achsen andere Entwicklungen zeigt als D) lässt sich ableiten, dass alleine die gleichbleibende Positionierung innerhalb einer übertragenen Leseperspektive keine Rückschlüsse darauf erlaubt, wie sich die Studierenden auf den anderen beiden Achsen entwickeln werden. Weniger homogen als die bisher genannten vier Entwicklungstypen A bis D erscheinen die beiden letzten Entwicklungstypen E und F. Bei Entwicklungstyp E handelt es sich um 284 4 Entwicklungsprofile <?page no="285"?> neun Personen, die in ihrer Leseperspektive stärker in Richtung des säkularen Bereichs gehen oder sich bereits an MP 1 dort befinden (TN 12, TN 13, TN 18, TN 19, TN 26, TN 28, TN 34, TN 35, TN 49). Dieser Entwicklungstyp mit einer gleichbleibend oder zunehmend säkularen Leseperspektive kann allerdings zwei verschiedene Entwicklungen nehmen: Während eine Gruppe parallel zur Steigerung ihres Repertoires auch der Religiositätswerte erweitern kann, weist die andere Gruppe abnehmende Werte beim Repertoire wie bei der Religiosität auf. Die erste dieser beiden Gruppen nimmt ihren Ausgang an MP 1 mit etwas geringeren REL-Werten als die zweite Gruppe. Es liegt deshalb der Schluss nahe, dass die Teilnehmer*innen der ersten Gruppe mit einer zu Studienbeginn etwas geringer ausgeprägten Religiosität, die sich im Laufe des Studiums mit ihrer Leseperspektive in Richtung des säkularen Lesens entwickeln, die Studienimpulse besser integrieren können als die Teilnehmer*innen der zweiten Gruppe. Den zweiten dieser beiden weniger homogenen Entwicklungstypen bildet Entwick‐ lungstyp F. Zugeordnet werden hier die sieben Teilnehmer*innen, deren Leseperspektive an MP 1 entweder im Bereich des wörtlichen oder des säkularen Lesens liegen oder aber in einem der beiden Randbereiche des übertragenen Bereichs. An MP 2 bewegen diese Personen sich in den Mittelbereich der übertragenen Leseperspektive. Diesem Entwicklungstyp sind die TN 4, TN 23, TN 25, TN 47, TN 58, TN 61 und TN 72 zuzurechnen. Fast durchgängig weisen diese Teilnehmer*innen eine leichte bis mittlere Steigerung bei den Religiositätswerten auf. Daneben ist bei diesem Entwicklungstyp - wie bei Entwicklungstyp E - ein unterschiedlicher Weg bei der Achse des Repertoires zu beobachten, und zwar in Verbindung mit dem Ausgangspunkt an MP 1. Bei den Teilnehmer*innen, die aus dem Bereich der wörtlichen Leseperspektive kommen, ist eine Zunahme der Werte beim Repertoire zu verzeichnen; hier scheinen die Studienimpulse in positiver Weise aufgenommen werden zu können. Die entgegengesetzte Entwicklung, die von der Hälfte dieser Gruppe mit dem Ausgangspunkt im säkularen Bereich der Leseperspektive genommen wird, geht beim Repertoire mit einer Abnahme einher. Dieses wenig homogene Bild lässt kaum Schlussfolgerungen zu. Am ehesten lässt sich sagen, dass eine Entwicklung der Leseperspektive von Werten im säkularen Bereich zu Studienbeginn hin zum übertragenen Bereich nach vier Semestern die Aussichten auf eine Entwicklung in Richtung eines professionelleren Repertoires nicht unbedingt begünstigt. Demgegenüber ist ein Anstieg der REP-Werte bei Teilnehmer*innen wahrscheinlicher, die zu Studienbeginn eine eher wörtliche Leseperspektive aufweisen und sich in den Bereich des übertragenen Lesens entwickeln. Neben diesen sechs Entwicklungstypen gibt es die Gruppe der „Eigenprofilierten“, die sich - trotz punktueller Überschneidungen mit manchen Entwicklungstypen - doch insgesamt so gravierend von allen Entwicklungstypen unterscheiden, dass sie im Grunde jeweils einen eigenen Entwicklungstyp darstellen. Hierzu zählen TN 1, TN 11, TN 53, TN 64 und TN-74. Bei diesen Untersuchungen hat sich einmal mehr die Achse der Leseperspektive als eine Art Leitachse für die Entwicklung herausgestellt. Allerdings lassen sich zu Beginn des Studiums keine Prognosen für eine Entwicklung bis zum vierten Semester allein anhand der Positionierung auf dieser oder auch auf den anderen beiden Achsen treffen. Im Hinblick auf die Kohortenverteilung zeigt sich, dass nur Entwicklungstyp E schwerpunktmäßig 4.5 Ergebnis 285 <?page no="286"?> bei einer der Kohorten auftritt, und zwar bei Koh. I; das stimmt überein mit der bereits zuvor gemachten Beobachtung, dass diese Teilnehmer*innen an MP 1 eher eine säkulare Leseperspektive besitzen. Die Beobachtungen zur den „Bewegungszwillingen“, wonach trotz gleicher Bewegungswerte nicht zwingend der gleiche Entwicklungstyp vorliegt, lässt sich als Bestätigung dafür werten, dass nicht die Bewegungswerte allein, sondern diese Werte zuzüglich der Berücksichtigung von Ausgangs- und Zielpunkt der Bewegungen ein recht präzises Instrument für eine Zuordnung zu Typen oder Gruppen darstellen. Dabei muss insgesamt im Blick behalten werden, dass es sich hierbei um die Auswertung ausgewählter quantitativer Ergebnisse handelt. Werden auch die qualitativen Ergebnisse mit einbezogen, so ergibt sich teilweise ein anderes Bild - das wird im nächsten Kapitel für ausgewählte Teilnehmer*innen der sechs Entwicklungstypen bzw. der Gruppe der „Eigenprofilierten“ nachgezeichnet. 286 4 Entwicklungsprofile <?page no="287"?> 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen In diesem Kapitel werden die beiden Fragebögen (an MP 1 und MP 2) von einzelnen Befragten noch einmal als Ganze ausgewertet. Dabei wird einerseits auf die Auswertungen der qualitativen Aussagen dieser Personen zurückgegriffen, wie sie bereits in Abschnitt 3.3 dargestellt wurden, und andererseits auf alle Fragen und Items beider Fragebögen (s. Anhang) und damit auch auf bisher nicht ausgewertete Fragen und Items. Auch das nun gewählte Verfahren dient dem Ziel der Untersuchung, Veränderungsprozesse beob‐ achtbar und beschreibbar zu machen. Dieses Auswertungsverfahren kann nur exemplarisch erfolgen; die Auswahl der Personen wird im Folgenden begründet. 5.1 Auswahlkriterien und Vorgehen Bei der Auswahl der Teilnehmer*innen (TN) für eine gesonderte, eingehendere Betrachtung sind vier Kriterien leitend: • Erstens soll sich die Unterschiedlichkeit der Wege der einzelnen Teilnehmer*innen in ihrem Bibelstudium so weit möglich in der Auswahl abbilden. Zu diesem Zweck sind alle in Abschnitt 4.3 (auf der Basis der den Achsengrafiken zugrundeliegenden Teile der quantitativen Paneluntersuchung) herausgearbeiteten Entwicklungsprofile und die „Eigenprofilierten“ durch jeweils eine*n Teilnehmer*in vertreten. Inwiefern der Entwicklungstyp, für den sie stehen, durch sie auch unter Berücksichtigung der qualitativen Teile des Panels (Frage 1.1 an beiden Messpunkten sowie Frage 2.1 an MP 2) repräsentiert wird, wird jeweils am Ende des Abschnitts zu diesem Entwicklungstypen vermerkt. • Zweitens sollen Teilnehmer*innen vorgestellt werden, die bisher im auswertenden Kapitel 3 noch nicht häufiger erwähnt wurden. Eine Ausnahme bildet dabei TN 74, der/ die bereits recht häufig vorgekommen ist; das ist allerdings bei den meisten Teilnehmer*innen der Fall, die der Gruppe der „Eigenprofilierten“ zugehören (vgl. Abschnitt 4.3.7). • Zum Dritten sollen die ausgewählten Teilnehmer*innen ungefähr zu gleichen Teilen den beiden Kohorten entstammen. Da in Kapitel 4 neben der Gruppe der „Eigenpro‐ filierten“ sechs Entwicklungstypen herausgearbeitet wurden, kann es keine exakt hälftige Verteilung der Teilnehmer*innen geben. Eine Kohorte muss etwas stärker repräsentiert sein, was in diesem Fall Koh.-II ist. • Viertens soll die Geschlechterverteilung in etwa derjenigen der Gesamtgruppe der Teilnehmer*innen entsprechen. Es sollen also ungefähr 80% weibliche und 20% männ‐ liche Teilnehmer*innen behandelt werden. Das ist annähernd der Fall. Dabei wird das Geschlecht der jeweiligen Teilnehmer*innen nicht angegeben, um die Anonymität zu wahren (vgl. Abschnitt 2.6.1). Aus dem gleichen Grund der Anonymisierung, aber auch wegen sprachlicher Vereinfa‐ chung wird ab jetzt in diesem Kapitel bei den Pronomina für die/ den Teilnehmer*in <?page no="288"?> 476 Dabei wird allerdings nicht zwischen vier, sondern - wie in 3.3.4.2 - nur zwischen drei unterschied‐ lichen Ausprägungen der Leseperspektive unterschieden (wörtlich, übertragen und säkular). 477 Frage 2.1.1 und 2.1.2 an MP 2; zu den Beurteilungskriterien für die Lösungen s. den Exkurs in Abschnitt 2.3.2.2. 478 Die Annahme zum Repertoire lautet, dass das Interesse der Studierenden sich nicht so sehr auf die Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen biblischer Texte richtet, sondern eher mit der Anwendung der Texte verknüpft ist. Der Annahme zur Religiosität zufolge müssen während des Transformationsprozesses eines intuitiven zu einem professionelleren Reper‐ toire im Umgang mit der Bibel emotionale Widerstände überwunden werden, bei denen es zu Glaubenskrisen kommen kann. Laut der Annahme zur Leseperspektive weisen Studierende die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel auf. Diese zeichnet sich durch Werte auf der LES-Achse aus, die mindestens im wörtlichen Bereich der übertragenen Leseperspektive liegen oder direkt im wörtlichen Bereich der Leseperspektive, also zwischen 9 und 21 Punkten, und zwar entweder an beiden Messpunkten oder an MP 2, oder durch entsprechende Hinweise im qualitativen Teil der Befragung. 479 Die Antworten auf Frage 1.1 an beiden Messpunkten wurden bereits in den Abschnitten 3.3.2.1, 3.3.3.1 und 3.3.4.1 näher betrachtet und ausgewertet. 480 Der Auswertung der sog. Dilemma-Frage 2.1 an MP 2 mit den beiden Teilfragen 2.1.1 und 2.1.2 widmen sich die Abschnitte 3.3.2.3, 3.3.3.3 und 3.3.4.3. Erläutert wird diese Frage in Abschnitt 2.3.2.2. durchgängig die weibliche Form verwendet; dadurch ist zugleich die Mehrzahl der Teil‐ nehmer*innen repräsentiert. Die Teilnehmer*innen werden im Folgenden nicht in der Reihenfolge ihrer TN-Num‐ mern vorgestellt, sondern entsprechend der Reihenfolge der Zugehörigkeit zu den Entwick‐ lungstypen A bis F bzw. der Gruppe der „Eigenprofilierten“ aus Abschnitt 4.3. Den einzelnen Auswertungen gemeinsam ist der Einstieg mit der Analyse der offenen Antworten auf Frage 1.1 an den Messpunkten 1 und 2 476 sowie gegen Ende die Betrachtung der Problem‐ beschreibung und der Lösungsansätze des Dilemma-Szenarios 477 . Dazwischen finden sich genauere Einblicke in die Erfahrungen und die Relevanz der Bibel für die jeweilige Teilnehmer*in, Einblicke in ihr Umgehen mit der Bibel und die Haltungen im Bereich der Leseperspektive, die Einstellung gegenüber dem Herleiten von Orientierung aus der Bibel sowie zur religiösen Sozialisation. Damit sind die drei Bereiche des Grundverständnisses der Bibel Repertoire, Religiosität und Leseperspektive abgedeckt (vgl. Abschnitt 1.5.4). Die genannten Zahlen sind, falls nicht anders bezeichnet, die Nummern der Fragen oder Items am jeweiligen Messpunkt (MP). Am Ende finden sich nach einer abschließenden Zusammenfassung zur jeweiligen Teilnehmer*in Überlegungen zum Entwicklungsprofil, dem die jeweiligen Teilnehmer*innen bei der Typisierung in Kapitel 4 zugeordnet wurden, sowie dazu, ob sich bei ihnen die dem Forschungsprojekt zugrunde liegenden Annahmen bestätigt finden (vgl. Abschnitt 2.1). 478 Zu Letzterem werden neben dem Gesamtbild der Paneluntersuchung die frei formulierten Antworten auf Frage 1.1 an beiden Messpunkten 479 sowie auf Frage 2.1 an MP 2 480 herangezogen und damit die qualitativen Teile der Untersu‐ chung. Bei der Annahme zur Leseperspektive wird darüber hinaus die Bewegungsrichtung und -intensität der Werte auf der Achse der Leseperspektive mit ausgewertet. Zusammen‐ genommen kann hieraus eine Art inhaltliches Profil der einzelnen Teilnehmer*innen gewonnen werden. 288 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="289"?> 481 Die andere ist TN-25 an MP-1. 482 Dazu s. Abschnitt 3.3.3.1.2. 483 TN 51 gibt bei der Frage nach der vorwiegend benutzten Bibelübersetzung (1.14 an MP 2) vier Bibelausgaben an (1. Basis Bibel, 2. Hoffnung für alle, 3. Gute Nachricht, 4. Luther) an - so viele wie sonst keine der Befragten. 484 TN 51 wählt an MP 1 bei Frage 1.2 acht der zehn angebotenen Kontexte an, in denen sie bislang biblische Texte kennengelernt hat (Kindergottesdienst, Gottesdienst, Religionsunterricht, Konfir‐ mand*innenunterricht, Freundeskreis, Jugendgruppe, Bibel- oder Hauskreis; Freizeit[en]); lediglich 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 5.2.1 TN-51 (Entwicklungstyp A) In der Eröffnungsfrage 1.1 an MP 1 skizziert TN 51 die eigene Sicht auf die Bibel folgender‐ maßen: „Gottes von Menschen niedergeschriebenes Wort, welches als Orientierung für Le‐ bensfragen dienen kann. Es bedarf jedoch Interpretation und gesundem Menschenverstand um eine wertvolle Orientierung darzustellen“. Als eine von nur zwei Teilnehmer*innen der Gruppe aller Befragten verwendet sie an dieser Stelle den Terminus „Gottes Wort“ zur persönlichen Charakterisierung der Bibel. 481 Auf eine gewisse Vertrautheit mit bibel‐ hermeneutischen Überlegungen könnte schließen lassen, dass TN 51 gleich im ersten Satz anmerkt, dass das göttliche Wort von Menschen niedergeschrieben wurde. Wichtig scheint ihr auch zu sein, dass dieses Wort „als Orientierung für Lebensfragen dienen kann“. Darin lässt sich ein Bedürfnis nach ethischer Wegweisung erkennen. Die Einschränkung im zweiten Satz macht wiederum deutlich, dass TN 51 bereits darum weiß, dass sich die Orientierung aus den biblischen Texten nicht einfach entnehmen lässt oder quasi auf der Hand liegt - jedenfalls nicht, wenn es sich um „wertvolle Orientierung“ handeln soll. Insofern sollte das Wort „kann“ am Ende des ersten Satzes durchaus ernst genommen werden: Die Bibel stellt für TN 51 nicht zwangsläufig und schon gar nicht von allein eine wertvolle Orientierung in Lebensfragen dar. Bereits an MP 1 finden sich also Hinweise auf einen eigenen reflektierten Umgang mit der Bibel, der in Richtung einer übertragenen Leseperspektive weist. 482 Ein kognitiver Zugang zur Bibel und eine gewisse Erfahrung im Umgang mit ihr kann vermutet werden. Ganz anders als an MP 1 fällt das Votum von TN 51 allerdings an MP 2 aus: Die Bibel ist für sie nun „Freundin und Leid zugleich“. Diese Aussage zeigt eine Emotionalität, von der an MP 1 nichts zu spüren war. Nun ist die Bibel für TN 51 einerseits zu einer Art Lebensbegleitung geworden, zu einer liebgewonnenen Freundin, doch der gemeinsame Weg ist nicht nur von Freude geprägt. Worauf genau sich das „Leid“ bezieht, das die Bibel nun (auch) darstellt, lässt sich an diesem Punkt zunächst nur erahnen: Geht es um die an MP 1 schon skizzierten Schwierigkeiten bei der Erhebung von Hinweisen für eine „wertvolle Orientierung“, also eher um Probleme bei der Textauslegung? Oder geht es um einzelne Textinhalte? Oder um die der Bibel immanenten Widersprüche? Einige dieser Fragen werden sich im Folgenden beim Durchgang durch die Antworten von TN-51 klären lassen. Wie sich bereits abgezeichnet hat, ist TN 51 bereits vor dem Studium der Bibel in vielfäl‐ tiger und vielgestaltiger 483 Weise begegnet. Diese Begegnungen reduzieren sich allerdings von MP 1 zu MP 2. 484 Entsprechend sinkt die Häufigkeit des eigenen Bibellesens außerhalb 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 289 <?page no="290"?> die Familie und der Film zählen nicht dazu. Von den bei dieser Frage an MP 2 abgefragten acht Kontexten bestätigt TN-51 noch drei (Gottesdienst, Freundeskreis, Freizeit[en]). 485 Das Ergebnis bei Frage 1.3 verändert sich von „mehrmals in der Woche“ an MP 1 zu „mehrmals im Jahr“ an MP-2. 486 Vor dem Studium hat TN 51 alleine (Item 1.4.1) und mit anderen zusammen (Item 1.4.2) in der Bibel gelesen, Auslegungen biblischer Texte gehört (Item 1.4.3) und auch selbst Andachten oder Gottesdienste gestaltet (Item 1.4.4, so nur an MP 1). An MP 2 hingegen liest sie weder alleine noch mit anderen in der Bibel (Items 1.4.1 und 1.4.2). 487 Sie negiert an MP-2 die Aussage eher, dass die Bibel nun wichtiger ist als vor dem Studium (1.4.3). 488 Item 1.4.5: „Die Bibel ist für mich nicht wichtig gewesen“: MP 1: trifft eher nicht zu; MP 2: trifft gar nicht zu. 489 Frage-1.6: an beiden Messpunkten „eher unwichtig“. 490 Dazu Item 1.4.4 an MP 2. Trotzdem hält TN 51 diese wissenschaftlichen Zugänge wegen der von ihr (in 1.1 an MP 1) konstatierten Interpretationsbedürftigkeit der Bibel vermutlich nicht für verzichtbar. 491 Gefragt nach der eigenen Erschließung der Bibel antwortet TN 51 an MP 1 bei allen Items der diesbezüglichen Frage 1.5 positiv, mit Ausnahme des Hinzuziehens von „Profis“ (Item 1.5.7). An MP 2 reduziert sich dieses breite Herangehen um zwei Aspekte: Nun folgt TN 51 nicht mehr den ersten spontanen Gedanken für die Auslegung (Item 1.5.2), und sie spricht auch nicht mehr mit anderen über den Text (Item 1.5.4). An beiden Messpunkten wird über den Bezug des Bibeltextes zum eigenen Kontext reflektiert (Item 1.5.1); beibehalten bleibt der Fokus auf wenige Aussagen des Textes (Item 1.5.3), das Ergründen der historischen Hintergründe eines Textes (Item 1.5.5) und das Nachschlagen fehlender Information (Item 1.5.6). Mehr über die Hintergründe biblischer Texte zu erfahren, ist an MP 1 auch einer der Wünsche von TN 51 an das Studium (Item 1.8.2 an MP 1); dieser Wunsch wird an MP 2 im Rahmen der Arbeit im Seminarkontext weiterhin geäußert (Item 1.8.4 an MP 2). Demgegenüber äußert TN 51 allerdings nicht das Bedürfnis, die Bibel besser kennenlernen zu wollen (Item 1.8.1: keine Anwahl an beiden Messpunkten), mehr in der Bibel lesen zu wollen (Item 1.8.2, nur an MP 1 erfragt) oder stärker über die Rolle der Bibel in der zukünftigen Berufspraxis nachdenken zu wollen (Item 1.8.6 an MP-1; Item 1.8.5 an MP-2). 492 Auf die Frage nach dem Interesse an der methodischen Erschließung der Bibel antwortet TN 51 an MP 1, „eher“ mehr über die Regeln und Methoden erfahren zu wollen, nach denen die Bibel ausgelegt wird (Item 1.7.1); das umformulierte Item an MP 2 fragt nach der eigenen Zufriedenheit mit dem diesbezüglich erreichten Wissensstand, und diese ist ebenfalls „eher“ gegeben. Der Widerspruch zwischen den Antworten auf inhaltlich ähnliche Fragen zeigt sich auch hier wieder: Bei dem ähnlich wie 1.7.1 formulierten Item 1.8.3 an MP 1 und bei Item 1.8.1 an MP 2 mit dem Wunsch nach mehr methodischem Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte antwortet TN 51 an beiden Messpunkten negativ. Andererseits hat TN 51 an beiden Messpunkten den Eindruck, dass ihr zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen (Item 1.7.3 an MP 1 „sehr“, an MP 2 des Studiums deutlich, 485 und auch die sozialen Orte, an denen dies geschieht, werden weniger. 486 So nimmt die Bedeutung der Bibel für den Glauben von TN 51 im Laufe der ersten vier Studiensemester nicht zu, 487 doch sie nimmt auch nicht ab. 488 Eine explizite Aussage an beiden Messpunkten lautet, dass die Bibel für den Glauben von TN 51 eher unwichtig ist. 489 Es hat den Anschein, als ob die Bibel zwar für TN 51 wichtig ist, aber nicht für ihren Glauben. Vielmehr stellt sie eine relevante Größe für ethische Orientierung dar (Frage 1.1). Bereits vor dem Studium weiß TN 51 um die Schwierigkeiten der Bibelauslegung, und an MP 2 räumt sie ein, dass die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben eher infrage stellen. 490 Was die Relevanz der Bibel an sich und für den eigenen Glauben angeht, scheint TN 51 eine ambivalente Haltung einzunehmen. Diese Ambivalenz manifestiert sich auch im eigenen Herangehen an die Bibel in einem Auseinanderklaffen von impliziten und expliziten Antworten zum Umgehen mit der Bibel. 491 Daneben hat TN 51 auch im Hinblick auf das Interesse an der methodischen Erschließung der Bibel keine konsistente Haltung. 492 290 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="291"?> „eher“). Dazu wiederum passt, dass TN 51 an beiden Messpunkten angibt, bei der Bibelauslegung viel über die Hintergründe biblischer Texte erfahren zu wollen, um sie sachgerecht auslegen zu können (Item 1.13.9). In der entsprechenden Frage 1.13 danach, was für die eigene Bibelauslegung wichtig ist, lassen sich eine Reihe von Veränderungen bei den Schwerpunkten von TN 51 entdecken: So entscheidet sie sich an MP 1 dafür, neue Themen und Texte in der Bibel kennenlernen zu wollen (Item 1.13.6); das ist an MP 2 nicht mehr der Fall. Dafür hat sie nun das Interesse an bislang kaum ausgelegten Geschichten der Bibel entwickelt (Item 1.13.2), das an MP 1 noch nicht bestand. Die Position von TN 51 verändert sich zwischen MP 1 und MP 2 auch bei Item 1.13.3 (Texte besser verstehen, in denen Gott gewalttätig dargestellt wird: von „nein“ zu „ja) und bei Item 1.13.8 ( Jesus Christus heute als Vorbild sehen: von „ja“ zu „nein“). Durchgängig keine Relevanz hat für die Bibelauslegung von TN 51, dass hinter allem Handeln Gottes der Wille nach Gerechtigkeit (Item 1.13.1) oder die Befreiung im Mittelpunkt steht (Item 1.13.7). Das Item, das nach einer Offenheit gegenüber unterschiedlichen bibelhermeneutischen Positionen fragt (Item 1.13.4), wird von TN 51 allerdings nur an MP-1 angewählt. 493 So bei Item 1.7.4 an MP-2: volle Zustimmung. 494 Diese Skepsis verstärkt sich teilweise von MP 1 zu MP 2 bzw. wird in Items zum Ausdruck gebracht, die nur an MP 2 erfragt wurden. So wird Item 1.10.2 (die Bibel überliefert Werte und Normen, die für unser Leben entscheidend sind) zwar an MP 1 eher bejaht, aber an MP 2 eher verneint. In gleicher Weise votiert TN 51 bei Item 1.10.1 gegenüber der Aussage, dass sie sich mit dem eigenen Leben in der Bibel wiederfindet; allerdings gibt TN 51 an beiden Messpunkten eine moderate Ablehnung der Aussage zu Protokoll, dass die Bibel alte Texte überliefert, die für das eigene Leben nicht relevant sind. Auch bei der Frage, ob die Bibel das Wort Gottes sei, das uns Orientierung biete (Item 1.10.6 an MP 2), lehnt TN 51 eher ab. Verneint wird ebenfalls die Aussage, dass die Bibel die Wegweiserin in allen Lebensfragen ist (Item 1.10.7) - an MP 1 entschieden und an MP 2 eher. Und auch die Aussage, dass das Alte Testament Regeln und Gesetze enthält, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind (Item 1.11.6 an MP 2), wird entschieden verneint; in gleicher Weise ist die deutliche Bejahung der Aussage in Item 1.12.6 an MP 2 zu werten, dass man sich an einem Text wie Gen 3,16 heute nicht mehr orientieren kann. 495 Während TN 51 an MP 1 nur Item 1.9.10 anwählt, wonach die Bibel manchmal keine eindeutigen Aussagen zu bestimmten Themen trifft, bejaht sie an MP 2 neben diesem noch fünf weitere Items zu spezielleren und allgemeineren Aspekten der Bibel, die ihr Schwierigkeiten bereiten. Großes Interesse äußert TN 51 allerdings an MP 2 an Informationen darüber, wie sich aus der Bibel Werte für das eigene Leben ableiten lassen. 493 In Frage 1.1 hatte TN 51 von sich aus geäußert, dass die Bibel für sie „als Orientierung in Lebensfragen dienen kann“, was aber ohne Auslegung keine „wertvolle Orientierung“ sein könne. Diese miteinander verknüpften Aspekte - das Interesse an Orientierung aus der Bibel und zugleich das Wissen um die Schwierigkeiten ihrer Herleitung - zeigt sich bei TN 51 auch in den Antworten auf eine Reihe ähnlich gelagerter Items. Der Wunsch nach Orientierung aus der Bibel ist dabei fast durchgängig gepaart mit einer skeptischen Haltung, ob das gelingen kann. 494 Die Skepsis könnte sich auch in den Voten zu explizit benannten Schwierigkeiten mit bestimmten Themen der Bibel niedergeschlagen haben. 495 Bei allem Interesse an der Bibel und dem Wunsch nach Orientierung aus ihr weiß TN 51 also um die Schwierigkeiten der Auslegung und speziell der Ableitung von Werten aus der Bibel für heutiges Handeln. Mit Fortschreiten des Studiums werden hierbei eher mehr Hürden erkannt als zu Beginn - eine mögliche Folge des breiteren, im Studium erworbenen Wissens. 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 291 <?page no="292"?> 496 TN 51 votiert an beiden Messpunkten entschieden dafür, dass die Bibel ein Buch ist, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben (Item 1.10.4). Entsprechend wird die entgegengesetzte Position, dass die Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben wurde (Item 1.10.5), von TN 51 an MP 1 moderat und an MP 2 deutlich abgelehnt. Mit dieser Position der Nicht-Inspiriertheit der Bibel korrespondieren inhaltlich die Antworten von TN 51 auf Items, in denen nach wörtlichem Bibellesen gefragt wird: Dieses wird von TN 51 an beiden Messpunkten deutlich abgelehnt (Item 1.7.2) bzw. an beiden Messpunkten als Option für das eigene Bibellesen nicht bejaht (Item 1.13.5). 497 Das ist in den Items 1.10.6, 1.10.7 und 1.10.8 an MP 1 sowie in den Items 1.10.6 und 1.10.8 an MP 2 der Fall; all diesen Items steht TN-51 in unterschiedlicher Intensität ablehnend gegenüber. 498 Ähnliches ist bereits von Daiber/ Lukatis beobachtet worden; zu dieser Einschätzung des Begriffs „Gottes Wort“ siehe in der Forschungsgeschichte im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1) in Abschnitt A.1.4.3.1.1 mit dem Zitat aus Daiber/ Lukatis (1991), 191. 499 TN 51 gibt in Frage 2.5 an MP 1 an, dass zwar die Eltern religiös sozialisiert waren, dass aber zuhause keine religiöse Praxis wie das Tisch- oder Nachtgebet gepflegt wurde. Auch hat in der Familie kein Austausch über religiöse oder kirchliche Fragen stattgefunden (Item 2.13.2 an MP 1). Die Selbstbezeichnung als religiöser Mensch findet sich in Item 2.5.2 an MP-1. 500 Die Rolle des Glaubens für das eigene Leben wird in Item 2.19.5 an MP 1 bzw. Item 1.23.5 an MP 2 mit einer negativen Formulierung erfragt, die an beiden Messpunkten entschieden verneint wird. Die Frage nach dem Glauben an Gott findet sich in Item 2.19.13 an MP 1 bzw. in Item 1.23.13 an MP 2; hier wird jeweils voll zugestimmt. 501 Diese Angaben finden sich in Frage-1.15 und Frage-1.16 jeweils an MP-2. 502 Letzteres geht aus der Antwort auf Frage 2.6 an MP 1 hervor (Teilnahme am Gemeindeleben in Form von Gottesdiensten/ Kindergottesdiensten sowie am Konfirmationsunterricht). Dabei scheint TN-51 über eine klare hermeneutische Position zu verfügen: Die Bibel ist nicht von Gott inspiriert, und wörtliches Bibellesen ist abzulehnen. 496 Weniger konsistent ist allerdings die Haltung von TN 51 zu Formulierungen, in denen „Gottes Wort“ oder „Wort Gottes“ als Inhalt oder Charakterisierung der Bibel verwendet wird. 497 Dabei hat TN 51 in Frage 1.1 an MP 1 selbst die Bibel als Gottes Wort bezeichnet. Vielleicht ist die Rede von der Bibel als „Gottes Wort“ nicht dogmatisch grundiert, sondern ist als geprägte Formulierung der Tradition zu betrachten, die eher eine Art synonyme Bezeichnung der Bibel ist? 498 Die religiöse Sozialisation im Hintergrund dieser Positionierung von TN 51 zur Bibel hat nicht maßgeblich in der Familie stattgefunden; dennoch kann sich TN 51 an MP 1 klar als religiös bezeichnen. 499 Dem entspricht, dass sie an beiden Messpunkten deutlich bejaht, dass der Glaube im eigenen Leben eine Rolle spielt und ebenfalls an beiden Messpunkten entschieden bekräftigt, an Gott zu glauben. 500 Der schulische Religionsunterricht der letzten beiden Schuljahre könnte bei der reli‐ giösen Prägung ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Zwar fand dieser nicht durchgängig statt, doch neben stark sozialethischen und spirituellen Schwerpunkten waren dabei auch die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung sowie biblische Texte insgesamt ein Thema. 501 Am Doppelstudium reizt TN 51 besonders, „Menschen zu helfen anzustreben, und selber dabei im Glauben zu wachsen“ (Frage 2.20 an MP 1). Gerade im zweiten Teil dieser Antwort könnte sich der Wunsch niederschlagen, im Studium die Möglichkeit zu bekommen, auch den eigenen Glauben stärker zu klären. Die Grundlagen dieses Glaubens sind jedenfalls nicht im familiären Bereich gelegt worden, sondern wohl eher in Gemeindeaktivitäten in der Jugendzeit. 502 292 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="293"?> Dass es TN 51 vor Probleme stellt, die eigene Position zur Bibel aus dem Stand auf den Dilemma-Text anzuwenden, lässt sich aus der Antwort auf Frage 2.1.1 an MP 2 ersehen. Die Frage nach den eigenen Schwierigkeiten mit dem Text wird folgendermaßen beantwortet: „- Essen, Trinken (Leib/ Leben etc.) sind vermutlich die tagtäglichen Sorgen und Ängste der Menschen. → und das ist auch wichtig und richtig so - Lebensinhalt fernab? - Die Lebenserwartung von armen Menschen in Deutschland ist einfach schlechter. - Selber nicht der Held sein („Meine“ Einrichtung ist die Hilfe). - ‚Wie, wenn nicht durch Arbeit/ Fleiß/ Anstrengung kann innerhalb dieses Systems in DE sich die Situation der Menschen sonst verbessern? ‘“ Aus diesen knappen Aussagen lässt sich nicht ersehen, dass TN 51 die Struktur des Textes oder die Hauptthemen des Sorgeverbots und des Delegierens der Fürsorge an Gott erfasst hätte; aus dem Bibeltext zitiert sie den Aspekt der Nahrungsaufnahme (Essen, Trinken). Es finden sich keine Überlegungen zur Einordnung des Textes (Bergpredigt, Ethik Jesu, historische Kontextualisierung). Schwierigkeiten mit dem Text oder zwischen Text und Anforderungssituation werden nicht benannt. Vielmehr antwortet TN 51 mit einer Reihe von Assoziationen zum Text, bei denen der Fokus auf Themen liegt, die den Lebenskontext heutiger Hörer*innen oder Leser*innen prägen, die Kund*innen einer Tafel sind oder sein könnten. Der Bibeltext scheint für TN 51 eher eine Art Stichwortgeber zu sein, als dass die erhebliche Spannung zwischen Textaussage und Anwendungssituation explizit zum Ausdruck gebracht würde. Dieser Eindruck deckt sich mit den Lösungsansätzen, die TN-51 in Frage-2.1.2 anbietet: „- Innehalten im Alltag. ---- Die Sorgen und Ängste für einen Moment vergessen. ---- Gott ist da, beschützt dich und versorgt dich, auch wenn du es nicht direkt siehst. - Es hat keinen Sinn, sich mit der eigentlichen eigenen Endlichkeit zu befassen. ---- Nicht in der Hand der * des Einzelnen. ---- Gott vertrauen. ---- Vertrauen abgeben. - Niemals tiefer fallen als in Gottes Hände.“ Bei Frage 2.1.1 an MP 2 hat TN 51 das Dilemma zwischen Textbotschaft und Anforderungs‐ situation nicht klar angesprochen, und in Übereinstimmung damit findet sich hier auch kein Lösungsvorschlag, der mit dieser Spannung umgehen würde. Vielmehr macht TN 51 allgemeinere Vorschläge zum Kontext der Tafelarbeit oder Empfehlungen für das Leben insgesamt. Dieser Umgang mit der Problemstellung lässt darauf schließen, dass TN 51 entweder über kein nennenswertes Repertoire der Bibelauslegung verfügt oder es hier nicht fruchtbar machen kann. Über die Leseperspektive von TN 51 geben die Antworten nur insofern Auskunft, als sich hier keine weitergehende Annäherung an den Text oder Ansätze zu einer Textauslegung finden, sondern der Text mit heutigen Lebensrealitäten in Verbindung gebracht wird. Insofern wird durch die Beantwortung dieser Frage die Selbstwahrnehmung von TN 51 bestätigt, dass es ihr schwerfällt, sich die Botschaft eines 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 293 <?page no="294"?> (dieses) biblischen Textes zu erschließen. Im Hinblick auf die Deutungen der Dilemma- Frage in Abschnitt 3.3.3.3 ist dieser Umgang mit dem biblischen Text der Deutung „Glauben/ Vertrauen“ zuzuordnen. Resümieren lässt sich zu TN 51, dass das Verhältnis von TN 51 zur Bibel sowohl von Klarheit wie auch von Ambivalenz geprägt ist. Einerseits verknüpft sich mit der Bibel die Hoffnung auf Orientierung vor allem für das Leben, weniger aber für den Glauben, doch andererseits scheint diese Orientierung der Bibel aber nur unter Mühen abgerungen werden zu können. Zudem stellt das wissenschaftliche Arbeiten an der Bibel den eigenen Glauben infrage. Denkbar ist, dass diese Gemengelage zwischen den beiden Messpunkten zu einer gewissen Frustration führt, die sich eventuell darin niederschlägt, dass TN 51 der Bibel trotz vieler Begegnungen mit ihr für den eigenen Glauben keine hohe Relevanz zubilligt. Dieser Glaube hingegen ist für TN 51 vor allem bei Studienbeginn eine wichtige Größe; hier weist TN 51 Werte im Bereich stark ausgeprägter Religiosität auf. Mit Beginn des Studiums hat TN 51 weniger Berührungspunkte mit der Bibel als vorher und nimmt gleichzeitig mögliche Problemfelder bei der Bibelauslegung stärker wahr - vor allem wenn es darum geht, wissenschaftlich an der Bibel zu arbeiten und Orientierung aus ihr zu gewinnen. Dabei hat TN 51 recht präzise Ansichten über den Charakter und das Umgehen mit der Bibel: In der Bibel finden sich verschriftlichte menschliche Erfahrungen mit Gott, die nicht wortwörtlich ausgelegt werden sollten. In dieser Positionierung erscheint die Leseperspektive von TN 51 an MP 1 säkular zu sein, doch bis MP 2 entwickelt sie sich bis in den Bereich des übertragenen Lesens hinein. Die Frage, ob (und wenn ja, inwiefern) die Bibel „Gottes Wort“ ist, kann TN 51 für sich nicht eindeutig beantworten; denkbar ist, dass in dieser Bezeichnung der Bibel eine formelhafte Verwendung im Sinne eines Synonyms vorliegt. Womöglich manifestiert sich darin aber auch, dass TN 51 zwar ein recht klares Bild der Bibel an sich hat, doch die Vermittlung mit dem eigenen Glauben und dem Wunsch nach Orientierung aus der Bibel nicht in zufriedenstellender Weise gelingt. Diesen Eindruck vermitteln ganz praktisch die Antworten auf die Fragen 2.1.1 und 2.1.2 an MP 2, vor allem aber die Charakterisierung mittels einer emotional geladenen Beziehungsmetapher (Frage-1.1 an MP-2), wenn die Bibel „Freundin und Leid“ zugleich ist. Im Abschnitt zu den Entwicklungsprofilen wird TN 51 Entwicklungstyp A zugeordnet, der durch eine Abnahme bei den Werten auf der Religiositäts-Achse gekennzeichnet ist (Abschnitt 4.3.1). Diese Abnahme lässt sich auch bei TN 51 beobachten, wobei die Werte bei ihr auch an MP 2 immer noch hoch sind. Daneben sind auch die Werte beim Repertoire recht hoch und nehmen nur leicht ab, während sich die Werte bei der Leseperspektive vom säkularen in den übertragenen Bereich bewegen. Damit zeigt TN 51 eine Entwicklung beim Bibelstudium, in der sich der Prozess gut spiegelt, den Entwicklungsprofil A aufweist. Trotz der krisenhaften Aspekte im Bereich der Religiosität und des Repertoires gelingt es ihr, sich eine übertragene Leseperspektive zu erarbeiten. Im Hinblick auf die drei für dieses Projekt getroffenen Annahmen (vgl. Abschnitt 2.1) lässt sich das Profil von TN 51 als Bestätigung von zumindest zwei dieser Annahmen betrachten. Die Annahme im Bereich des Repertoires lautet, dass das Interesse der Studie‐ renden eher im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt als in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen. Das Bedürfnis von TN 51 nach Orientie‐ rung aus der Bibel lässt sich als deutlicher Hinweis auf ein Interesse am Anwendungsbezug 294 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="295"?> biblischer Texte verstehen. TN 51 erkennt dabei durchaus die Auslegungsbedürftigkeit der Bibel an. Die dafür aber unabdingbaren Anstrengungen in theoretischer und/ oder methodischer Hinsicht, mithin eine wissenschaftlich fundierte Bibelauslegung, werden von TN 51 allerdings als Bedrohung des Glaubens angesehen und nicht im Zusammenhang einer Hilfe bei der Textauslegung genannt. Insofern bestätigt sich in den Angaben von TN-51 die Annahme im Bereich des Repertoires. Der Annahme zur Religiosität zufolge müssen während des Transformationsprozesses eines intuitiven zu einem professionelleren Repertoire im Umgang mit der Bibel emotionale Widerstände überwunden werden, bei denen es zu Glaubenskrisen kommt. Diese Beobach‐ tung lässt sich bei TN 51 durchaus machen. Zu dieser krisenbehafteten Entwicklung trägt explizit auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel bei. Anders verhält es sich mit der Annahme im Bereich der Leseperspektive; ihr zufolge sollen Studierende die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel aufweisen. Bei der Betrachtung der Werte auf der LES- Achse lässt sich diese Tendenz bei TN 51 zwar bedingt ausmachen (von 30 an MP 1 zu 25 an MP 2), denn TN 51 bewegt sich in Richtung auf eine wörtliche Leseperspektive. Doch diese wird nicht auch nur annähernd erreicht. Vom Ausgangspunkt einer säkularen Leseperspektive an MP 1 verändert sich die Leseperspektive von TN 51 bis MP 2 zu einer Leseperspektive im übertragenen Bereich. Die expliziten Äußerungen bei Frage 1.1 und auch die Antworten bei dem Items zum wörtlichen Verständnis der Bibel vermitteln ein konsistentes Bild einer nicht wörtlichen Leseperspektive, die vielmehr im übertragenen Bereich angesiedelt ist. Insofern lässt sich diese Annahme durch das Profil von TN-51 insgesamt nicht bestätigen. 5.2.2 TN-60 (Entwicklungstyp B) Den Halbsatz bei Frage 1.1 an MP 1, „Die Bibel ist für mich …“, ergänzt TN 60 durch eine Charakterisierung der Bibel und gibt bereits einen Einblick in die eigene Leseperspektive: „ein Buch, mit einer Ansammlung von verschiedensten Geschichten, Erlebnissen und Men‐ schen. Diese kann man ‚teilweise‘ auf die heutige Zeit übertragen und daraus lernen bzw. etwas mitnehmen“. Zunächst wird die Bibel also als „Buch“ eingeordnet und dieser Begriff dann näher erläutert; bei diesem speziellen Buch handelt es sich um eine „Ansammlung“, die Geschichten, Erlebnisse und Menschen umfasst. Es lässt sich vermuten, dass TN 60 das Buch Bibel als eine Ansammlung von Geschichten bezeichnen möchte, die auf verschiedenste Erlebnisse verschiedenster Menschen zurückgehen. Hervorgehoben wird in dieser Formu‐ lierung wohl die Heterogenität der in der Bibel vertretenen Texte und eventuell auch der hinter diesen Texten stehenden Ereignisse und Verfasser*innen. Daneben ist sich TN 60 der partiellen Möglichkeit („kann man ‚teilweise‘“) einer Übertragung biblischer Texte auf heutige Gegebenheiten bewusst. An MP 2 führt TN 60 den vorgegebenen Satz folgendermaßen fort: Die Bibel ist für sie nun „ein Impulsgeber für meinen eigenen Glauben. Der Grundstock auf dem ich ins Gespräch mit anderen über den Glauben kommen kann. Eine Sammlung von verschiedensten Geschichten etc. mit einer Botschaft, die man in die heutige Zeit übertragen kann/ muss.“ In den ersten beiden Sätzen umreißt TN 60 nun die Funktion der Bibel für sich selbst. Erstmals kommt dabei der Aspekt des eigenen Glaubens mit ins Spiel. Für den Glauben 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 295 <?page no="296"?> 503 TN 60 wählt an MP 1 bei Frage 1.2 acht von zehn Kontexten an (Familie, Kindergottesdienst, Gottesdienst, Religionsunterricht; Konfirmand_innenunterricht, Jugendgruppe, Film, Freizeit[en]). 504 An MP-2 stehen bei Frage-1.2 die Familie und der Religionsunterricht nicht mehr zur Wahl. 505 Das Bibellesen mehrmals im Jahr wird in Item 1.3.5 an MP 1 erfragt, das Bibellesen alleine in Item 1.4.1 und das Bibellesen in der Gruppe in Item 1.4.2, die an beiden Messpunkten identisch mit „eher ja“ beantwortet werden. 506 An MP 1 gibt TN 60 an, sowohl Auslegungen biblischer Texte gehört (Item 1.4.3) als auch Andachten und/ oder Gottesdienste gestaltet zu haben (Item 1.4.4). 507 Diese Voten finden sich in Frage-1.6 sowie in Item 1.4.5 an beiden Messpunkten. 508 An MP 2 gibt TN 60 an, dass die Bibel nun für den eigenen Glauben wichtiger ist als vor dem Studium (Item 1.4.3) 509 TN 60 antwortet bei Item 1.4.4 an MP 2 (die wissenschaftlichen Zugänge stellen den eigenen Glauben infrage) mit „eher ja“. ist die Bibel zum einen ein „Impulsgeber“ (sic! ), also wohl eine Quelle für Anregungen und Anfragen an den eigenen Glauben. Zum anderen ist die Bibel der „Grundstock“, was vermutlich als eine Art Ausgangspunkt oder Basis zu verstehen ist, um mit anderen Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Hierin kann sich ein Schritt der Professionalisierung im Hinblick auf den zukünftigen Umgang mit der Bibel zeigen. Im Anschluss an diese individuellen Funktionsbeschreibungen der Bibel findet sich erneut die bereits an MP 1 geäußerte Charakterisierung der Bibel als „Sammlung [nicht mehr ‚Ansammlung‘] verschiedenster Geschichten“ sowie der hermeneutische Hinweis, dass die „Botschaft“ der Bibel „in die heutige Zeit übertragen“ werden muss. Durchaus möglich ist, dass der an MP 2 neu hinzugekommene Hinweis auf die Notwendigkeit der Übertragung der biblischen Botschaft in die heutige Zeit (statt „kann“ [MP 1] nun „kann/ muss“ [MP 2]) eine Frucht von Überlegungen des Bibelstudiums darstellt. Vor welchem Erfahrungshintergrund im Hinblick auf die Bibel gelangt TN 60 zu solchen Einschätzungen? An MP 1 gibt TN 60 an, die Bibel bislang - außer im Freundeskreis oder in einem Bibel- oder Hauskreis - an allen bei Frage 1.2 vorgeschlagenen Zusammenhängen kennengelernt zu haben. 503 An MP 2 wählt sie von den verbliebenen acht Kontexten nur noch zwei an, 504 nämlich den Gottesdienst sowie „Freizeit(en) (eventuell auch als Leitungsperson)“. Dieser Trend der Abnahme von Berührungspunkten mit der Bibel lässt sich auch bei vielen anderen Befragten ausmachen, wie wir bereits bei TN 51 gesehen haben (vgl. Abschnitt 3.2.2 und 5.2.1); bei TN 60 ist er allerdings mit einem Rückgang von acht zu zwei Kontexten besonders stark ausgeprägt. In einer gewissen Spannung zu den zahlreichen Berührungspunkten mit der Bibel an MP 1 steht die Angabe von TN 60 an beiden Messpunkten, lediglich mehrmals im Jahr in der Bibel gelesen zu haben bzw. zu lesen; das tut TN 60 eher nicht alleine, sondern eher zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe. 505 TN 60 hat bereits vor dem Studium biblische Texte und ihre Auslegungen nicht nur rezipiert, sondern ist auch selbst schon auslegend tätig geworden; möglicherweise speist sich daraus die Erkenntnis aus Frage 1.1, dass die Bibel in „die heutige Zeit übertragen“ werden sollte. 506 Insgesamt ist die Bibel für TN 60 sehr wichtig, 507 und die Bedeutung für den eigenen Glauben nimmt sogar noch zu. 508 Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel sind dabei für den Glauben von TN 60 nicht unproblematisch. 509 Dessen ungeachtet wünscht sich TN 60 an MP 1, die Bibel besser kennenzulernen, mehr über den Einsatz der Bibel in der späteren 296 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="297"?> 510 Dies wird in den Items 1.8.1, 1.8.3, 1.8.5 und 1.8.6 an MP 1 erfragt. Dem entspricht, wie TN 60 dazu steht, zur sachgerechten Auslegung der Bibel mehr über ihre Hintergründe erfahren zu wollen (Item 1.13.9): An MP-1 wird das Item noch nicht angewählt, an MP-2 hingegen schon. 511 So Item 1.8.3 an MP-1 und Item 1.8.1 an MP-2. 512 Bei der entsprechenden Frage 1.5 werden an MP 1 fünf von sieben möglichen Herangehensweisen angekreuzt. An MP 2 finden sich davon immer noch vier (Textaussage für das eigene Leben oder die Situation der Gruppe; Konzentration auf wenige für wichtig befundene Aussagen; mit anderen über den Text sprechen; „Profis“ fragen: Items 1.5.1, 1.5.3, 1.5.4 und 1.5.7). 513 An beiden Messpunkten nicht angewählt: beim Umgang mit der Bibel Interesse an geschichtlichen Hintergründen (Item 1.5.5) sowie das Nachschlagen von Informationen (Item 1.5.6). Dem stehen an MP 2 die Anwahlen von Item 1.8.2 (weiterhin Interesse an Hintergründen biblischer Texte im Seminarkontext) sowie Item 1.13.9 gegenüber (Interesse daran, viel über die Hintergründe der Bibel zu ihrer sachgerechten Auslegung zu erfahren). 514 So Item 1.5.2. 515 Item 1.7.1: „trifft eher zu“ ja an beiden MP; ebenfalls an beiden Messpunkten ist TN-60 der Ansicht, dass ihr zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen (Item 1.7.3). 516 Alle diesbezüglichen Items werden eher oder deutlich abgelehnt (eher: Item 1.7.2 an MP 1; Item 1.10.5 an beiden Messpunkten; deutlich: Item 1.7.2 an MP 2; Item 1.12.1 an beiden Messpunkten) bzw. nicht angewählt (Item 1.13.5). 517 TN 60 lehnt an beiden Messpunkten die Aussagen eher ab, dass die Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden ist (Item 1.10.5) und dass die Bibel die Wegweiserin in allen Lebensfragen ist (Item 1.10.7). Moderat ablehnend antwortet TN 60 bei Item 1.10.6, dessen Text an beiden Messpunkten differiert; für TN 60 ist die Bibel weder das maßgebliche Wort Gottes (MP-1) noch das Wort Gottes, das uns Orientierung bietet (MP-2). 518 Nur bei Item 1.10.8 mit unterschiedlicher Frageformulierung an beiden Messpunkten ändert sich die Antwort von TN 60 von moderater Ablehnung an MP 1 zu moderater Zustimmung an MP 2; dabei geht es darum, ob die Bibel Gottes Wort im Menschenwort ist (MP 1) bzw. Gottes Wort in den Worten von Menschen enthält (MP 2). Darüber hinaus gibt es nur an einer Stelle einen Wechsel von moderater (MP 1) zu entschiedener Ablehnung (MP 2), und zwar bei Item 1.10.3 mit der Aussage, dass die Bibel alte Texte überliefert, die für das eigene Leben keine Relevanz besitzen. Alle anderen Items werden an beiden Messpunkten identisch beantwortet: TN 60 findet sich positiv in den Worten, Berufspraxis zu erfahren und auch stärker über die Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben reflektieren zu können. 510 Durchgängig besteht ein Interesse daran, im Studium methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte zu bekommen. 511 Der Bibel nähert sich TN 60 an beiden Messpunkten in recht breiter Weise, 512 ohne allerdings von sich aus nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes zu fragen oder fehlende Informationen nachzuschlagen. 513 An MP 2 bejaht sie nicht mehr, bei der Auslegung dem ersten spontanen Gedanken zu folgen, 514 was als Entwicklung in Richtung auf eine Professionalisierung angesehen werden kann. Etwas ausgeprägter und durchgängig präsent ist demgegenüber das Interesse von TN 60 daran, mehr über die Regeln und Methoden zu erfahren, nach denen die Bibel ausgelegt wird. 515 Eine dezidierte Haltung bezieht TN 60 zum wortwörtlichen Lesen der Bibel, das durchgängig abgelehnt wird, 516 und auch andere in eine ähnliche Richtung gehende Formulierungen werden negiert. 517 In dieses Bild passt, dass sich TN 60 auch an anderer Stelle offen für eine Pluralität hermeneutischer Ansätze zeigt. Der Aussage „Ich möchte den großen Schatz der möglichen Bedeutungen oder ‚Sinne‘ biblischer Texte heben“ (Item 1.13.4) stimmt sie an beiden Messpunkten zu. Die Bedeutung der Bibel für das eigene Leben beurteilt TN 60 an beiden Messpunkten sehr ähnlich und überwiegend positiv. 518 Das ist der Fall, obwohl TN 60 durchaus den Ein‐ 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 297 <?page no="298"?> Bildern und Geschichten der Bibel mit dem eigenen Leben wieder (eher ja, Item 1.10.1); die Bibel überliefert Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind (eher ja, Item 1.10.2); die Bibel ist ein Buch, in dem Menschen aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben (eher ja, Item 1.10.4). 519 Das zeigt sich bei der Beantwortung einer ganzen Reihe von Items von Frage 1.9 an MP 1. Hier wählt TN 60 drei Einzelthemen an und markiert sie dadurch als für sich schwierig (Item 1.9.1: Gott erscheint gewalttätig; Item 1.9.2: Homosexualität scheint verboten zu sein; Item 1.9.3: Frauen sind in Texten oft untergeordnet oder spielen nur eine Nebenrolle). Von den allgemeineren Aussagen bei Frage 1.9 erscheinen ebenfalls drei Themenkomplexe problematisch: Dass die Bibel in sich widersprüchlich ist (Item 1.9.4), dass die Bibel altertümlich und schwer verständlich ist (Item 1.9.7) und dass die Bibel manchmal keine eindeutigen Aussagen macht (Item 1.9.10). An MP 2 werden von allen Items lediglich zwei der allgemeineren angewählt, und zwar die Items 1.9.4 und 1.9.10. Auf der anderen Seite gibt es auch vier Items, die an keinem MP angewählt werden. Dies sind bei den Einzelthemen Item 1.9.5 mit der Sieben-Tage-Schöpfung sowie die Items 1.9.6 und 1.9.8 mit der vermeintlichen Selbstverständlichkeit der Sklaverei bzw. der Todesstrafe; bei den allgemeineren Aussagen wird Item 1.9.10 mit den Diskrepanzen zwischen AT und NT weder an MP-1 noch an MP-2 angewählt. 520 Diese Aussage bezieht sich auf die Items 1.9.4 und 1.9.10; siehe die vorangegangene Fußnote. 521 Dies wird nur an MP-2 abgefragt (Item 1.7.4). 522 Das zeigt sich an einer Reihe von Antworten: An beiden Messpunkten hat TN 60 grundsätzlich eher den Eindruck, sich mit dem eigenen Leben in den Worten, Bildern und Geschichte der Bibel wiederfinden zu können (Item 1.10.1), und bejaht eher, dass in der Bibel Werte und Normen überliefert sind, die für unser Leben entscheidend sind (Item 1.10.2). Dem entspricht die an MP 1 moderate und an MP 2 entschiedene Ablehnung der Aussage, dass die Bibel alte Texte überliefern würde, die keine Relevanz für das eigene Leben hätten (Item 1.10.3). 523 Dies zeigt sich an zwei Items, die nach Einschätzungen des Alten Testaments fragen: Einerseits äußert sich TN 60 in Item 1.11.6 an MP 2 eher positiv im Hinblick auf das Alte Testament als Buch mit Regeln und Gesetzen, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind. Skeptisch äußert sich TN 60 aber in Item 1.12.6, das wiederum nur an MP 2 abgefragt wurde; hier lautet das Votum, dass man sich an einem Text wie Gen 3,16 heute tatsächlich eher nicht mehr orientieren kann. 524 TN 60 lehnt sowohl Item 1.10.6 (nur an MP 2 gefragt) mit der These ab, dass die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet, als auch Item 1.10.7 mit der Aussage, dass die Bibel die Wegweiserin in allen Lebensfragen ist (an beiden Messpunkten). druck vermittelt, an diversen Punkten Schwierigkeiten mit biblischen Texten zu haben. 519 Dabei hat es den Anschein, dass TN 60 im Laufe der ersten vier Studiensemester vor allem die Schwierigkeiten mit konkreten ethischen Positionen in der Bibel für sich hat ausräumen können, nicht aber das allgemeinere Problem der Widersprüchlichkeit und Uneindeutigkeit der Bibel. 520 Wie steht TN 60 angesichts dessen zu dem von vielen Befragten geäußerten Wunsch, aus biblischen Texten Orientierung für das eigene Leben abzuleiten? Entschieden bejaht TN 60, mehr darüber erfahren zu wollen, wie Werte für das eigene Leben aus der Bibel abzuleiten sind. 521 Eine gute Voraussetzung für dieses Interesse bietet die Ansicht von TN 60, dass die Bibel kein distantes und ihrem Leben fernes Buch ist. 522 Trotz der optimistischen Einschätzung der Lebensnähe und Relevanz biblischer Texte nimmt TN 60 doch eine differenziertere Haltung ein, wenn es um die Ableitung ethischer Normen oder Konsequenzen für heutiges Handeln aus biblischen Texten geht: 523 Tendenziell skeptisch steht TN 60 generalisierenden Aussagen über die Bibel als Wegweisung gegenüber. 524 So kann TN 60 sowohl die Lebensnähe der Bibel und teilweise auch ihrer Werte wahrnehmen und schätzen, hat aber zugleich Zweifel daran, ob aus ihr wirklich Orientierung in vielen Fragen des heutigen Lebens gewonnen werden kann. Eine mögliche Erklärung hierfür 298 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="299"?> 525 TN 60 gibt an, eher religiös erzogen worden zu sein (Item 2.5.1 an MP 1); mehrmals in der Woche wurde sowohl zur Nacht (Frage 2.3. an MP 1) als auch vor dem Essen gebetet (Frage 2.4. an MP 1). Auch die Eltern von TN-60 sind religiös erzogen worden (Items 2.5.3 und 2.5.4 an MP-1). 526 Dies geht aus der Studienmotivation mit der Anwahl von Item 2.20.3 an MP 1 hervor: Eine wichtige Rolle spielt der familiäre Hintergrund mit der vorgegebenen Präzisierung „Eltern/ Elternteil in der Kirche aktiv“. Das familiäre Sprechen über religiöse Themen wird in Frage-2.2 an MP-1 erhoben. 527 Laut der Antwort in Item 2.5.2 an MP-1. 528 So in der Antwort in Item 2.19.5 an MP-1 bzw. Item 1.23.5 an MP-2. 529 Das geschieht in Item 2.19.13 an MP-1 bzw. Item 1.23.13 an MP-2. 530 Bejaht wird der positive Einfluss durch die anderen abgefragten Kontexte und Medien in den Fragen 2.10 und 2.11 an MP 1. TN 60 wählt an MP 1 bei Frage 2.13 fünf der sechs möglichen Menschen bzw. Gruppen an, die als Austauschpartner*innen über religiöse Themen angeboten werden. 531 Das geht aus den Antworten bei Item 2.19.16 an MP-1 sowie bei Item 1.23.16 an MP-2 hervor. 532 Der Religionsunterricht wurde in diesem Zeitraum durchgängig erteilt (Frage 1.15 an MP 2). Der Unterricht selbst hatte dabei eher einen sozialethischen (Item 1.16.1) und keinen ausgeprägt spirituellen Schwerpunkt (Item 1.16.3), und Konflikte in der Gruppe wurden darin eher nicht bearbeitet (Item 1.16.4). 533 Einerseits hat die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung eher eine wichtige Rolle gespielt (Item 1.16.2). Andererseits sind biblische Texte jedoch eher nicht vorgekommen (Item 1.16.5) bzw. eher nur im Rahmen der Beschäftigung mit bestimmten Sachthemen (Item 1.16.6). 534 Die Beteiligung am Gemeindeleben vor dem Studium ist bei TN 60 ebenso vielfältig und breit (Frage 2.6 an MP 1) wie das Engagement in diesem Bereich (Frage 2.14 an MP 1, entspricht Frage 1.18 an MP-2). wäre, dass die Bibel für TN 60 eher eine Bedeutung auf dem Feld des Glaubens hat und weniger als Quelle für ethische Handlungsanweisungen. Den Hintergrund dieser Positionen bildet bei TN 60 eine familiäre religiöse Sozialisation, durch die sie sich von den meisten ihrer Kommiliton*innen unterscheidet: 525 TN 60 hat ein(en) oder zwei in der Kirche aktive Elternteil(e), weshalb es nicht überrascht, dass zuhause im Schnitt jede Woche über religiöse Themen gesprochen wurde. 526 So sieht sich TN 60 eher als religiösen Menschen: 527 In ihrem Leben spielt der Glaube durchaus eine Rolle, 528 und sie bejaht klar, an Gott zu glauben. 529 Ihre Einstellung zum Glauben wurde durch vielfältige positive Einflüsse auch außerhalb der Familie geprägt, und sie hatte bereits vor dem Studium viele Austauschpartner*innen über religiöse Themen. 530 Angesichts dieser vielfältig vorhandenen „Übungsfelder“ für einen Austausch über religiöse Themen fällt es TN 60 durchgängig nicht schwer, mit anderen über den eigenen Glauben zu sprechen; 531 auch dadurch hebt sie sich von ihren Kommiliton*innen ab (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.4.2). Vor diesem Hintergrund ist es TN 60 auch möglich gewesen, vom schulischen Religions‐ unterricht der letzten zwei Schuljahre im Hinblick auf die Bibel zu profitieren, 532 wenn auch nicht uneingeschränkt. Im Hinblick darauf, wie die Bibel im Religionsunterricht vorgekommen ist, bleiben die Antworten von TN 60 widersprüchlich. 533 Es lässt sich allerdings vermuten, dass TN 60 bereits im schulischen Religionsunterricht eine gewisse Grundlage für einen sachgerechten Umgang mit biblischen Texten hat legen können, wenn dies nicht sogar zuvor in der Familie oder auch beim vielfältigen gemeindlichen Engagement geschehen ist. 534 Gelingt es TN 60, auf dieses Fundament im Studium so aufzubauen, dass die erworbenen Kenntnisse sich in der Dilemma-Frage 2.1 an MP 2 fruchtbar machen lassen? Frage 2.1.1 beantwortet TN-60 folgendermaßen: 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 299 <?page no="300"?> „- Häufig kommen Menschen zur Tafel, die nicht immer aus eigenen Mitteln für ihre Nahrung sorgen können. Da diese aber sehr wichtig ist, kommen sie unter anderem zur Tafel. Dinge wie Nahrung und Kleidung werden hier ‚gefühlt‘ etwas herabgestuft und als nicht so wichtig gesehen. Dadurch könnten sich einige Menschen angegriffen, unverstanden fühlen, da sie dem Ganzen selbst einen etwas höheren Stellenwert zukommen lassen.“ Das Problem, nach dem gefragt wird, stellt sich für TN 60 als Konflikt zwischen der Notwendigkeit der Nahrungsversorgung einerseits und der „gefühlten“ Abwertung von Nahrung und Kleidung im Bibeltext dar. Worin genau diese Abwertung im biblischen Text zum Ausdruck kommt, wird nicht präzisiert. TN 60 lässt kein Interesse an einer historischen oder theologischen Einordnung des Textes erkennen; ihre Überlegungen richten sich gänzlich auf die Anforderungssituation. In dem von ihr umrissenen Spannungsfeld könnten sich „einige Menschen angegriffen, unverstanden fühlen“, für die die Versorgung mit Nahrung und Kleidung einen etwas höheren Stellenwert hat (höher als im biblischen Text? ). Ob es bei diesen Menschen um die Tafel-Klient*innen oder die Tafel-Mitarbeiter*innen geht, bleibt offen. Durch diese Schwerpunktsetzungen bleibt die Problembeschreibung von TN 60 vage; es ist nicht klar, wer genau sich angegriffen fühlen könnte und ob sich die nachgezeichnete problematische Position bei ihnen oder im biblischen Text findet. Auf Letzteren wird gar nicht näher eingegangen. Die gleiche Unbestimmtheit weist auch der Lösungsvorschlag für das Dilemma auf: „über den eigenen Tellerrand hinausschauen sich über das freuen, was nicht immer offensichtlich ist sich über die kleinen Dinge freuen (Glaube …)“. Die Lösungen liegen im individuellen Bereich der Verarbeitung der zuvor geschilderten Spannung. Das Thema ist nun der eigene (vermutlich persönliche) Horizont und die Wert‐ schätzung auch „kleinen Dingen“ gegenüber. Ausgehend von der Problembeschreibung würde es naheliegen, bei diesen „kleinen Dingen“ an die Nahrungsversorgung zu denken, doch explizit als Beispiel genannt wird hier der Glaube. Wiederum bleibt offen, ob es die Tafel-Klient*innen oder die Tafel-Mitarbeiter*innen sind, an die sich der Lösungsvorschlag richtet. Theologische Einordnungen finden sich nicht. Die beiden Antworten deuten darauf hin, dass TN 60 bei diesen beiden Fragen das eigene Potenzial der Bibelauslegung, das ja - wie oben skizziert - vorhanden ist, nicht hat fruchtbar machen können. Zusammenfassend vermittelt TN 60 in den Antworten den Eindruck, bereits einiges an Kenntnissen über die Breite und Heterogenität der biblischen Überlieferungen mit ins Studium zu bringen und auch über die Notwendigkeit eines übertragenen Lesens der Texte in heutiger Zeit im Bilde zu sein. Vermuten lässt sich, dass das mit der religiösen Sozialisation im Elternhaus und dem breiten gemeindlichen Engagement vor Studienbeginn zu tun hat. Die eigene Haltung zur Bibel ist insoweit gefestigt, dass sie eine wortwörtliche Leseperspektive klar ablehnt. Die Berührungspunkte mit der Bibel verringern sich ab Studienbeginn allerdings merklich. Die wissenschaftliche Erschließung der Bibel wird überwiegend interessiert aufgenommen, aber auch als Gefährdung des eigenen Glaubens empfunden. Auch die Problematik der Widersprüchlichkeit der Bibel kann TN 60 in der ersten vier Studiensemestern nicht für sich selbst zufriedenstellend bearbeiten. Insofern überrascht es nicht, wenn sie die Bibel (in Frage 1.1) von sich aus erst an MP 2 mit dem 300 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="301"?> Thema des Glaubens in Verbindung bringt; dabei dient sie als bevorzugtes Gesprächsthema, um mit anderen Menschen über den Glauben zu sprechen. So spielt die Bibel für TN 60 vor allem für die spätere Berufsausübung und für den eigenen Glauben, weniger aber für die Gewinnung von Orientierung eine Rolle. Ausgehend von einem recht hohen Kenntnisstand im Hinblick auf die Bibel erweitert TN 60 das eigene Wissen in der ersten Studienphase nicht mehr. TN 60 wird Entwicklungstyp B zugeordnet, den „Verharrenden“ (Abschnitt 4.3.2); diese Teilnehmer*innen weisen nur zwischen 0 und 2 Bewegungspunkte auf, die für Veränderungen bei den die Achsen betreffenden Werten vergeben werden. Darüber hinaus liegen bei den Teilnehmer*innen mit diesem Entwicklungsprofil B die Werte für die Leseperspektive an beiden Messpunkten im Bereich des übertragenen Lesens einschließlich der Randbereiche, und sowohl die Religiositätsals auch die Repertoire-Werte liegen bei fast allen Befragten dieses Typs an beiden Messpunkten im Mittelbereich. TN 60 verkörpert diesen Entwicklungstyp in exemplarischer Weise; zwischen beiden Messpunkten kommt es bei ihr auf keiner der Achsen zu stärkeren Bewegungen. Es finden sich weder Hinweise auf eine gravierende Verschiebung im Bereich der Leseperspektive, noch nimmt das Repertoire signifikant zu oder ab. Auch gibt es keine Hinweise auf eine in den ersten Studiensemestern durchlebte religiöse oder Glaubenskrise. TN 60 startet im Hinblick auf die Bibel von einem soliden Wissensstand ins Studium und kann aus einem schon recht breiten Erfah‐ rungsschatz schöpfen. Diesen Vorsprung baut sie (wie auch die anderen Teilnehmer*innen des Typus der „Verharrenden“) aber nicht in der Art aus, dass es auf einer der Achsen Leseperspektive, Religiosität oder Repertoire zu größeren, weiteren Entwicklungen käme. Lediglich vermuten lässt sich, dass das bei TN 60 mit der Studienmotivation zu tun hat: Gerade das Doppelstudium ist für sie interessant (Item 2.20.2 an MP 1); möglicherweise hat TN 60 sich zu Studienbeginn mehr auf Themen konzentriert, bei denen sie noch stärkeren Lernbedarf erkannt hat als im Bereich der Bibel. Im Hinblick auf die Annahme zum Repertoire zeigt sich bei TN 60 ein ambivalentes Bild. Einerseits besitzt sie recht gute Kenntnisse im Bereich des Repertoires, was auf ein durchaus vorhandenes Interesse an den theoretischen und methodischen Hintergründen der Bibel schließen lassen könnte. Auf der anderen Seite zeigt die Auslegung bei der Dilemma-Frage, dass im praktischen Vollzug die Anwendungssituation sehr im Vordergrund steht und dass auf eventuell vorhandenes Vorwissen historischer Art nicht zurückgegriffen wird. Darüber hinaus werden die Kenntnisse im Bereich des Repertoires nicht weiter ausgebaut. Was die Annahme zur Religiosität betrifft, so lässt sich bei TN 60 keine krisenhafte Entwicklung erkennen, sodass diese Annahme sich bei TN 60 nicht bestätigen lässt. Im Hinblick auf die Leseperspektive tut sich eine Diskrepanz zwischen der inhaltlichen Positionierung von TN 60 und ihrer Zuordnung auf der LES-Achse auf: TN 60 weist zwar ausdrücklich darauf hin, dass die Bibel nicht wörtlich ausgelegt werden sollte, doch an MP 2 weist sie einen Wert am wörtlichen Rand der übertragenen Leseperspektive auf (19 gegenüber 23 an MP 1). Interessant ist diese rechnerische Zuordnung auch vor dem Hintergrund der Beantwortung der Dilemma-Frage: Trotz der deutlichen Ablehnung einer wörtlichen Leseperspektive geht TN 60 bei dieser konkreten Aufgabe in einer Weise vor, die weder ein Interesse an einer historischen noch an einer kritischen Leseperspektive erkennen lässt. Möglich scheint deshalb, dass TN 60 zwar gelernt hat, dass eine wörtliche Leseperspektive 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 301 <?page no="302"?> 535 Zur Auswertung von Frage-1.1 an beiden Messpunkten durch TN-32 s. Abschnitt 3.3.2.1.1. 536 Vor dem Studium hat TN 32 die Bibel in allen acht Kontexten kennengelernt, die bei Frage 1.2 zur Auswahl standen; außer ihr sagen das von sich sonst nur noch TN-4 und TN-17. 537 An MP 2 bleiben von Frage 1.2 Berührungen mit der Bibel im Gottesdienst, im Freundeskreis, im Film und im Hauskreis. 538 TN 32 gibt an beiden Messpunkten an, nur „mehrmals im Jahr“ in der Bibel zu lesen (Frage 1.3), was in einer gewissen Spannung zu den vielen Berührungspunkten aus Frage 1.2 an MP 1 steht. Offenbar differenziert TN 32 zwischen dem „Kennenlernen“ der Bibel in Frage 1.2 und dem eigenen Lesen der Bibel. Für sich alleine liest TN 32 an beiden Messpunkten eher nicht in der Bibel (Item 1.4.1), und auch das gemeinsame Lesen der Bibel mit anderen, das an MP 1 noch eher bejaht wird, wird an MP 2 verneint (Item 1.4.2). Im Gottesdienst hat TN 32 die Bibel eher gehört, als dass sie selbst an der Gestaltung und eigenen Auslegung beteiligt gewesen wäre (Items 1.4.3 und 1.4.4 an MP-1). 539 Dass die Bibel nicht wichtig ist (Item 1.4.5), verneint TN 32 an MP 1 lediglich moderat, während die Ablehnung dieser Aussage an MP 2 entschieden ausfällt. Für den Glauben allerdings ist die Bibel für TN-32 an beiden Messpunkten eher nicht so wichtig (Item 1.6). 540 Dies geht aus der Beantwortung von Item 1.4.3 hervor. abzulehnen ist (was sie kundtut), aber eine übertragene Leseperspektive nicht hat ausbilden oder integrieren können. Insofern bietet sich bei TN 60 auch im Hinblick auf die Annahme zur Leseperspektive - wie schon zum Repertoire - ein ambivalentes Bild. 5.2.3 TN-32 (Entwicklungstyp C) Als Weiterführung der offenen ersten Frage 1.1, „Die Bibel ist für mich …“, antwortet TN 32 an MP 1: „ein Buch voller Erfahrungen von Menschen, denen es wichtig war, Erkenntnisse und Erfahrungen, aus denen wir heute noch lernen können, weiterzugeben (durch Schrift)“. 535 Der Fokus liegt bei dieser Einordnung auf den Verfasser*innen der Bibel. Ihnen wird eine gewisse Wertschätzung entgegengebracht: Sie haben die Mühe auf sich genommen, ihre „Erkenntnisse und Erfahrungen“ auf schriftlichem Wege weiterzugeben, so dass wir heute davon lernen können. TN 32 bringt sich dabei als Mensch ins Spiel, der sich in Beziehung zu den Menschen hinter den biblischen Texten setzt. Diese Einordnung an MP 1 mit dem Fokus auf die Verfasser*innen der Bibel könnte für sich genommen fast auf eine säkulare Leseperspektive hindeuten: Weder Gott noch eine überliefernde Gemeinschaft oder „der Glaube“ kommen in den Blick. Auch bei der Antwort auf Frage 1.1 an MP-2 werden diese nicht erwähnt. An MP 2 gibt TN 32 allerdings die Betrachtungsweise von MP 1 auf und konzentriert sich auf die Bibel als Buch und dessen (beruflichen? ) Einsatz. Nun ist die Bibel für sie „ein Buch geworden mit dem ich besser umzugehen weiß. Ich kann es besser mit Situationen aus dem Alltag verknüpfen, da ich mehr Geschichten aus der Bibel kenne“. Mit diesem Fazit verknüpft TN 32 die eigene Fähigkeit des besseren Umgehens mit der Bibel mit der Anzahl und/ oder Breite der ihr nun im Studium bekannt gewordenen biblischen Texte. Während TN 32 der Bibel vor dem Studium in zahlreichen Kontexten begegnet ist, 536 reduzieren sich diese an MP 2 auf die Hälfte. 537 Dabei liest TN 32 an beiden Messpunkten nicht häufig in der Bibel. 538 Uneindeutig äußert sich TN 32 im Hinblick auf die Bedeutung der Bibel für den Glauben: Einerseits wird diese eher geringer eingeschätzt, 539 doch andererseits wächst die Relevanz der Bibel für den eigenen Glauben zwischen MP 1 und MP 2 an. 540 Widersprüchliche Angaben macht TN 32 dabei auch zu mehreren Aspekten 302 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="303"?> 541 Während sich TN 32 laut Item 1.7.1 an MP 1 mehr Informationen dazu wünscht, nach welchen Regeln und Methoden Bibeltexte auszulegen sind, hat sich dieser Wunsch anscheinend an MP 2 erfüllt, denn dann ist sie mit dem eigenen Wissensstand bei diesem Thema zufrieden. Zugleich bejaht TN 32 den Wunsch nach dem weiteren Einüben der historischen Erschließung biblischer Texte an MP 2 (Item 1.8.2). An anderer Stelle wird aber ein entgegengesetztes Interesse angewählt: In Item 1.8.3 an MP 1 bzw. Item 1.8.1 an MP 2 wünscht sich TN 32 an keinem der beiden Messpunkte das Erlernen bibelwissenschaftlicher Methoden. 542 TN 32 gibt zu Studienbeginn an, die Bibel besser kennenlernen, mehr in der Bibel zu lesen und mehr über die Hintergründe biblischer Texte erfahren zu wollen (Items 1.8.1, 1.8.2, 1.8.4 an MP 1). Den letztgenannten Wunsch nach fortgesetzter Erschließung der Texthintergründe nennt TN 32 auch an MP 2 (Item 1.8.2.). An beiden Messpunkten lehnt TN 32 allerdings ab, dass ihr zum tieferen Verständnis biblischer Texte noch Informationen fehlen (Item 1.7.3). 543 An MP 2 fragt TN 32 nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes (Item 1.5.5), schlägt fehlende Informationen nach (Item 1.5.6) und spricht mit „Profis“ über den Text (Item 1.5.7). 544 Dieses Votum findet sich in Item 1.5.4. 545 So in Item 1.8.4 an MP 2. Diesen Wunsch teilt TN 32 mit einigen Kommiliton*innen: TN 19, TN 23, TN 31, TN 36, TN 58, TN 63 und TN 66 (von diesen werden außer TN 32 nur noch TN 31, TN 63 und TN-66 Entwicklungstyp C zugeordnet). 546 Item 1.4.4 wird an MP-2 „eher“ bejaht. 547 An beiden Messpunkten sind für TN 32 Überlegungen relevant, die mit dem eigenen Leben oder der konkreten Situation der Gruppe verbunden sind; den spontanen ersten Gedanken folgt TN 32 bei der Auslegung nur an MP 1, was auch für die Konzentration auf wenige für wichtig gehaltene Aspekte des biblischen Textes zutrifft (Items 1.5.1-1.5.3). 548 An beiden Messpunkten wird es abgelehnt (Items 1.7.2 sowie 1.13.5). 549 Bei Item 1.10.5 bewegt sich das Votum von TN 32 von entschiedener Ablehnung an MP 1 zu moderater Ablehnung an MP-2. des Bibelauslegens: erstens im Hinblick auf den Wunsch, mehr über bibelwissenschaftliche Methoden erfahren zu wollen (oder nicht), 541 zweitens in Bezug auf das Interesse, die Bibel und ihre Hintergründe besser kennenlernen zu wollen (oder nicht) 542 sowie drittens im Hinblick auf das konkrete Umgehen mit der Bibel. Zu Letzterem gibt sie an, sich nun für neue Impulse im Bereich der Bibelauslegung zu öffnen und dabei auch Ratschläge von Dritten anzunehmen. 543 Andererseits negiert sie an beiden Messpunkten, zur Erschließung eines Bibeltextes mit anderen Menschen zu sprechen, 544 was im Übrigen auch in einem Spannungsverhältnis zur Zugehörigkeit zu einem Bibelkreis und dem Wunsch nach einem solchen an der Fakultät stehen könnte. 545 Es ist schwierig, aus einem so widersprüchlichen Antwortverhalten an diesem Punkt ein klares Bild der Position dieser Person zu gewinnen. Vielleicht ist das (teilweise geäußerte) gering ausgeprägte bibelexegetische Interesse darauf zurückzuführen, dass TN 32 den eigenen Glauben durch die wissenschaftliche Erschließung der Bibel gefährdet sieht. TN 32 hat an MP 2 eher den Eindruck, dass die nun neu erlernten wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den eigenen Glauben infrage stellen. 546 An drei weiteren Punkten gibt TN 32 zu ihrem konkreten Bibelauslegen allerdings konsistente Antworten: Durchgängig legt sie Wert auf die Verknüpfung der Bibel mit heutigen Lebenskontexten. Und zwischen MP 1 und MP 2 nimmt sie eine Entwicklung, bei der sie sich von intuitiver Bibelauslegung distanziert. 547 Ein wortwörtliches Verständnis der Bibel erscheint TN 32 dabei nicht als Option. 548 Dazu passt, dass TN 32 nicht der Ansicht ist, dass die Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben wurde. 549 Etwas eindeutiger erscheint auch das Bild, das TN 32 in ihren Antworten zu der Frage der möglichen Ableitung ethischer Orientierung aus der Bibel vermittelt. Auch 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 303 <?page no="304"?> 550 Die Ergebnisse finden sich in den Items 1.10.2 (für das Leben wichtige Werte und Normen in der Bibel), 1.10.6 (nur MP 2, Orientierung bietendes Wort Gottes) und 1.7.4 (nur an MP 2, Herleitung von Werten für das eigene Leben aus der Bibel). 551 Nach Item 1.11.6 (nur an MP 2 gefragt) enthält das Alte Testament für TN 32 eher nicht Regeln und Gesetze, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind. Die Aussage von Item 1.12.6 (an einem Text wie Gen 3,16 kann man sich heute nicht mehr orientieren) lehnt TN 32 dagegen eher ab, was angesichts der negativen Formulierung der Aussage mithin eine moderate Zustimmung bedeutet: Tatsächlich kann man sich an einem solchen Text heute noch orientieren. Auch die Beantwortung von Frage 1.11 zum Alten Testament scheint TN 32 dabei einige Schwierigkeiten bereitet zu haben; von den fünf an beiden Messpunkten abgefragten Items wurden insgesamt vier Items nicht beantwortet: an MP 1 Item 1.11.3 und an MP 2 die Items 1.11.1, 1.11.2 und 1.11.5. Das macht es bei vier von fünf Items unmöglich, eine Entwicklung nachzuzeichnen. Das einzige an beiden Messpunkten beantwortete Item 1.11.4 (das Alte Testament ist für mich weniger wichtig als das Neue) zeigt mit der moderat ablehnenden Antwort, dass das Alte Testament TN 32 nicht weniger wichtig ist als das Neue. 552 Während die Widersprüchlichkeit der Bibel (Item 1.9.4) für sie an beiden Messpunkten ein Problem ist, liegt dieses Problem nicht in den Diskrepanzen zwischen Altem und Neuem Testament (Item 1.9.9). Als problematisch empfunden wird allerdings die Uneindeutigkeit der Bibel zu bestimmten Themen (Item 1.9.10) an MP 1; an MP 2 ist das nicht mehr der Fall. Das könnte auf Erkenntnis‐ fortschritte von TN 32 durch das exegetische Studium an diesem Punkt rückschließen lassen. Andererseits wird die wahrgenommene Altertümlichkeit und die Unverständlichkeit der Bibel (Item 1.9.7) an MP 1 noch nicht für problematisch gehalten, an MP 2 dagegen schon; dabei wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass das Problem sich eher zu Beginn des Studiums stellt als nach vier Semestern Bibelstudium. 553 Das wird in Frage-2.1 an MP-1 erfragt. 554 Dies sind die Fragen 2.4 und 2.3 an MP 1; die anderen drei positiv antwortenden TN sind TN 10, TN-27 und TN-53. wenn an manchen Punkten Zweifel bestehen, wirkt TN 32 hier überwiegend optimistisch: Nachdrücklich bejaht sie an beiden Messpunkten, dass die Bibel Werte und Normen überliefert, die für unser Leben entscheidend sind; eher positiv steht sie auch zu der Aussage, dass die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet; und sie möchte auch mehr darüber wissen, wie Werte für das eigene Leben aus der Bibel hergeleitet werden können. 550 Dass TN 32 diese Haltung jedoch nicht ungebrochen vertritt, lässt sich aus einigen anderen Antworten erschließen. Exemplarisch sei hier Item 1.10.7 genannt: Während TN 32 an MP 1 noch eher bejaht, dass die Bibel Wegweiserin in allen Lebensfragen ist, lehnt sie diese Aussage an MP 2 eher ab. Auch im Hinblick auf das Alte Testament in Relation zum Neuen bzw. der Herleitung von Werten aus ihm bleibt TN 32 uneindeutig. 551 Ähnlich unklar bleibt das Bild in der Frage, wo TN 32 für sich Schwierigkeiten mit der Bibel sieht. 552 Erklären lassen sich die verschiedenen widersprüchlichen Antworten möglicherweise dadurch, dass TN 32 mit dem eigenen Umgang mit der Bibel bis zum Beginn des Studiums kaum vertraut war und sich nun erst durch die eingehendere Beschäftigung vor neue Fragen gestellt sieht. Möglicherweise liegt die Haltung zur Bibel von TN 32 teilweise in der religiösen Prägung begründet. Zumindest bei Studienbeginn gehört sie mehreren kirchlichen Zusam‐ menhängen an. 553 Daneben gab es auch eine religiöse Praxis in der Familie: Als eine von nur vier Befragten gibt TN 32 an, dass zuhause sowohl das Tischals auch das Nachtgebet gepflegt wurden. 554 Trotz dieser Vorgeschichte und der sehr regen Beteiligung 304 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="305"?> 555 Bei Frage-2.6 an MP-1 werden alle Kontexte angewählt. 556 Dies geht aus der Antwort auf Item 2.5.2 an MP-1 hervor. 557 Auch der schulische Religionsunterricht in den letzten beiden Schuljahren scheint bei TN 32 weniger ausschlaggebend im Hinblick auf die Haltung zur Bibel gewesen zu sein. Zwar wurde er durchgängig erteilt (Frage 1.15 an MP 2), doch er hatte eher einen sozialethischen Schwerpunkt (Item 1.6.1 an MP 2). Auch die folgenden Items wurden nur an MP 2 erfragt. Entsprechend stand die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung eher nicht im Mittelpunkt des Religionsunterrichts (Item 1.16.2). Unklar ist, wie sich die Antwortkombination verstehen lässt, dass biblische Texte im Religionsunterricht einerseits nicht vorkamen (Item 1.16.5), aber andererseits eher nur im Rahmen der Beschäftigung mit bestimmten Sachthemen behandelt wurden (Item 1.16.6). 558 Dies geschieht in den Items 2.20.2 und 2.20.4 an MP-1. am Gemeindeleben 555 gibt TN 32 an, sich eher nicht für einen religiösen Menschen zu halten. 556 Das lässt vielleicht darauf schließen, dass die familiäre religiöse Sozialisation und die Aktivitäten in der Gemeinde nicht zu etwas wie „Glauben“ geführt haben, sondern eher zu Formen der Beheimatung, die weniger mit der Bibel und dem Glauben verknüpft sind, sondern vielleicht in unterschiedlichen Aktivitäten bestehen. 557 Bei der Deutung der Befragungsergebnisse von TN 32 bis zu diesem Punkt liegt der Eindruck nahe, dass die Bibel für den eigenen Glauben von TN 32 aufs Ganze gesehen nicht von vorrangigem Interesse ist. Möglicherweise speist sich ihr Glaube aus anderen Quellen als der Bibel bzw. besitzt ein anderes Fundament wie etwa die Zugehörigkeit zu bestimmten Lebenskontexten, eine gemeinsame spirituelle Praxis o.ä. Das nicht so stark ausgeprägte Interesse an methodisch geleiteter Bibelauslegung könnte auch darin begründet liegen, dass TN 32 kein uneingeschränktes Interesse daran hat, Orientierung für das eigene Handeln aus der Bibel zu gewinnen. Sofern TN 32 den Wunsch nach Orientierung aus der Bibel verspürt, scheint für sie dafür keine wissenschaftlich fundierte Bibelauslegung vonnöten zu sein. Dafür spricht, dass sich die Werte auf der Achse der Leseperspektive bei TN 32 im oder in der Nähe des wörtlichen Bereichs bewegen, wobei sie explizit allerdings kein wörtliches Verständnis der Bibel favorisiert. Eine andere, ebenso wahrscheinliche Möglichkeit besteht darin, dass der Glaube für TN 32 trotz des intensiven Engagements in der Gemeinde und trotz der Studienwahl keine entscheidende Rolle spielt - ein Hinweis darauf könnte sein, dass sie als Motiv für die Stu‐ dienwahl die Doppelqualifikation nennt und die Hoffnung auf eine bessere Ausbildung und breitere Berufschancen. 558 Möglicherweise hat sich TN 32 zum Zeitpunkt der Befragungen noch nicht für eine spätere Berufstätigkeit im kirchlichen Bereich entschieden, weshalb sie sich auch nicht so intensiv mit den dafür spezifischen Inhalten - wie dem Studium der Bibel - auseinandersetzt. In dieses Bild würde die Antwort auf Frage 2.1.1 an MP 2 passen. Auf die Frage nach der Problematik des Textes bei der Dilemma-Frage antwortet TN-32 mit der Einschätzung: „Aufforderung zum ‚Nicht-besorgt-sein‘. => Manchmal macht man sich eben doch Sorgen und kann es nicht abstellen.“ Diese Antwort scheint weder einen relevanten historischen oder kulturellen Abstand des Bibeltextes von heutigen Menschen zu berücksichtigen noch die durch die Kontextunter‐ schiede entstehenden Verwerfungen in Rechnung zu stellen. Die Antwort erweckt den Anschein, dass der biblische Text unmittelbar an TN 32 gerichtet ist; die Hörer*innen oder 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 305 <?page no="306"?> 559 Diese Begründung findet sich in den Abschnitten 3.3.3.2.6 und 3.3.4.2.1 als Erklärung für das Phänomen der „fluktuierenden halben Kohorte“. Leser*innen der ersten christlichen Gemeinden kommen nicht in den Blick. Ebenso wenig wird eine der beiden häufigen Deutungen des Textes in Richtung „Glauben/ Vertrauen“ oder aber „Gottes Handeln im Handeln der Menschen“ vertreten (vgl. Abschnitt 3.3.3.3). Es überrascht wenig, dass TN 32 angesichts dieser wenig ausgeprägten Problemanalyse auch keinen Vorschlag für eine Lösung des Dilemmas zwischen Text und Anwendungssituation anzubieten hat. In Abschnitt 4.3.3 wird TN 32 Entwicklungstyp C zugeordnet. Dieser zeichnet sich in erster Linie durch eine zunehmend wörtlicher werdende Bibelleseperspektive aus, die ihren Ausgang im übertragenen Bereich und dessen Randbereichen nimmt. Diese Zuordnung lässt sich anhand der genaueren Betrachtung der Befragungsergebnisse für TN 32 insofern präzisieren, als es sich dabei nicht um eine ausgeprägte oder reflektierte (biblizistische bzw. fundamentalistische) Leseperspektive handeln muss. Dieses Bild ergibt sich - ungeachtet der Schwierigkeiten, aus den häufig widersprüchlichen Antworten ein klares Bild zu gewinnen - unter Berücksichtigung einer Reihe von Eindrücken: geringe Vorkenntnisse über den Umgang mit der Bibel aus gemeindlichen Aktivitäten oder dem schulischen Religionsunterricht; ein nicht besonders ausgeprägtes Interesse an biblischen Texten und ihrer Erschließung, insbesondere für den eigenen Glauben; entsprechend kein großer Wunsch nach reflektiertem Bibellesen; und an vielen Punkten inkonsistente oder widersprüchliche Antworten. Vielleicht ist TN 32 noch sehr auf der Suche nach ihrer Positionierung gegenüber vielen der hier abgefragten Themen und nimmt sozusagen probehalber unterschiedliche Standpunkte ein. 559 Möglicherweise verknüpft sich dieses Bild speziell bei TN 32 mit einer Berufsperspektive, bei der nicht von vornherein klar ist, dass der Umgang mit biblischen Texten dazugehören wird. Weitere Merkmale, die von den Teilnehmer*innen geteilt werden, die zu Entwick‐ lungstyp C gehören, treffen auch auf TN 32 zu. Auf der Achse REL steigen die Werte in Richtung einer stärker ausgeprägten Religiosität an, und in Übereinstimmung damit steigt der REL-Wert bei TN 32 von 29 auf 33 Punkte. Auf der Achse des Repertoires nehmen die Werte bei Entwicklungstyp C in Richtung eines professionelleren Repertoires zu; entsprechend steigt auch dieser Wert bei TN 32 von 20 auf 28 Punkte. Auf den beiden Achsen REP und REL liegen die Werte von TN 32 damit im Mittelbereich. Insofern lässt sich sagen, dass TN-32 durchaus für die Bewegung des gesamten Entwicklungstyps steht. Zusammenfassend lässt sich zu TN 32 sagen, dass die Bibel für sie ein Buch von Menschen für Menschen ist und eher ein Erfahrungsbericht als ein Glaubenszeugnis. Der eigene Glaube von TN 32 wird durch die wissenschaftliche Erschließung der Bibel eher infrage gestellt, weshalb sie sich wohl auch keine weiteren Kenntnisse über diese Erschließung wünscht. Gerne würde TN 32 aber mehr Bibelkenntnis besitzen, unter anderem, um Orientierung aus der Bibel gewinnen zu können, was ihr vergleichsweise möglich erscheint, aber auch kein vorrangiges Interesse darstellt. Diese besondere Form der Religiosität und des Bibelverständnisses hat TN 32 in der Familie und unterschiedlichen kirchlichen Zu‐ sammenhängen empfangen. Ihr Bibelverständnis scheint eher ein unmittelbares, weniger reflektiertes zu sein. 306 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="307"?> 560 An MP 1 befinden sich die LES-Werte von TN 32 mit 21 Punkten im säkularen Randbereich der übertragenen Leseperspektive, und an MP 2 liegen sich mit 18 Punkten direkt im Bereich der wörtlichen Leseperspektive. 561 Dazu s. Abschnitt 3.3.4.1.1. Wie lassen sich dieser Weg und dieses Entwicklungsprofil von TN 32 mit den in diesem Projekt getroffenen Annahmen verknüpfen? Im Hinblick auf die Annahme im Bereich des Repertoires, wonach die Studierenden eher an einem Anwendungsbezug biblischer Texte interessiert sind als in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen, vermittelt TN 32 ein widersprüchliches Bild. Manche der expliziten An‐ gaben von TN 32 könnten darauf hindeuten, dass das Interesse an methodischen und theoretischen Fragen zur Bibel nicht sehr groß ist; allerdings lässt TN 32 das Interesse an einer Anwendungsbezogenheit biblischer Texte vermissen. Von daher kann an diesem Punkt kein klares Bild gewonnen werden. Eindeutiger sieht die Situation allerdings bei der Annahme zur Religiosität aus. Es lässt sich bei TN 32 kein Hinweis auf eine Glaubenskrise finden. Demgegenüber kann die Annahme im Bereich der Leseperspektive durch das Profil von TN 32 bestätigt werden. Ihre Werte auf der LES-Achse lassen sich als Hinweis auf eine Tendenz in Richtung einer wörtlichen Leseperspektive deuten. 560 Dies ist der Fall, obwohl TN 32 explizit darauf hinweist, dass die Bibel nicht wörtlich verstanden werden sollte. Doch die Beantwortung der Fragen, anhand derer der Wert der Leseperspektive ermittelt wird, 561 geben hier ebenso eindeutig Auskunft wie die Antwort von TN 32 auf die Dilemma-Frage (2.1 an MP-2). Bei Letzterer scheint TN-32 kein Interesse an der Erfassung der Kernaussagen des Bibeltextes zu haben oder daran, bei der Übertragung in die Jetztzeit im Blick zu behalten, dass der Bibeltext vor langer Zeit für Menschen eines ganz anderen Kontextes verfasst wurde. TN 32 ist insofern einem (eher unreflektierten) wörtlichen Bibellesen zuzuordnen. 5.2.4 TN-30 (Entwicklungstyp D) Bei der Einstiegsfrage 1.1 steckt TN 30 an MP 1 den Rahmen des eigenen Bibelverständnisses in drei Aspekten ab: Die Bibel ist für sie zum einen „ein Buch, welches Grundlage für meinen Glauben bildet“; zum zweiten bietet die Bibel „in verschiedensten Lebensbereichen Hilfe“. Drittens wird einschränkend notiert: „Jedoch darf sie nicht zu wörtlich an einigen Stellen genommen werden“. Während der dritte Punkt direkt auf die Leseperspektive abhebt, beziehen sich die ersten beiden Aspekte allgemeiner auf die Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben sowie für verschiedene Bereiche des Lebens. Die Bibel wird hier als Glaubensgrundlage bzw. Lebenshilfe eingeordnet. Gegenüber diesem Rahmen sind an MP 2 einige Veränderungen zu beobachten: Nun lautet die Antwort: „* teilweise ein Arbeitsbuch, mit dem ich im Studium arbeite. * Andererseits ein Buch, mit dem ich mich auseinandersetze, um meinen Glauben besser zu ergründen und anderen dabei zu helfen.“ Mit der Aussage, dass die Bibel „teilweise ein Arbeitsbuch [ist,] mit dem ich im Studium arbeite“, formuliert TN 30 für sich eine neue Facette des Bibelverständnisses. Dieser neuen 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 307 <?page no="308"?> 562 Die Gestaltung von Andachten bzw. Gottesdiensten wird in Item 1.4.4 an MP 1 erfragt. Um die Kontexte des Bibellesens geht es in Frage 1.2. Die rezeptiven Kontexte an MP 1 sind dabei Kindergottesdienst, Gottesdienst, Religionsunterricht sowie Konfirmand_innenunterricht; an MP 2 wählt TN 30 drei Kontexte an, bei denen sie potenziell als Leitungsperson (so die Item-Formulierung) fungiert: Konfirmand_innenunterricht, Jugendgruppe und Freizeiten. Zusätzlich tritt der Freundes‐ kreis als für TN-30 neu relevanter Kontext hinzu. 563 Und zwar von zuvor „mehrmals im Jahr“ zu nunmehr „einmal in der Woche“ (Frage 1.3). Damit gehört TN 32 zu dem einen Drittel der Befragten, bei dem sich zwischen MP 1 und MP 2 die Häufigkeit des Bibellesens erhöht (vgl. Abschnitt 3.2.1). 564 An MP 2 ist die Bibel „für den Glauben wichtiger“ als vor Studienbeginn (Item 1.4.3). Während TN-30 bei Frage-1.6 an MP-1 die Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben als „eher unwichtig“ eingestuft hat, ist sie an MP 2 „eher wichtig“. Als gleichbleibend hoch stuft TN 30 die Wichtigkeit der Bibel für den eigenen Glauben an beiden Messpunkten ein (Item 1.4.5). Dabei sind die Kontexte des Bibellesens an beiden Messpunkten deckungsgleich (Items 1.4.1 und 1.4.2): TN-30 liest die Bibel eher weniger alleine und eher mehr zusammen mit anderen. Facette werden die zwei bereits bekannten Aspekte des Glaubens und der Hilfe gegenüber‐ gestellt („andererseits“). Beide bekannten Aspekte werden allerdings neu akzentuiert: Die Bibel erscheint nun nicht mehr als „Grundlage für meinen Glauben“, sondern als „ein Buch mit dem ich mich auseinandersetze, um meinen Glauben besser zu ergründen“. Von einem etwas abstrakten Glaubensfundament wird die Bibel nun zu einem Gegenüber, mit dem sich TN 30 auseinandersetzt, um den eigenen Glauben tiefer zu verstehen. Der Aspekt der „Hilfe“ („in verschiedensten Lebensbereichen“) von MP 1 wird nun in diese Denkbewegung des Ergründens eingeordnet. Dabei ist es allerdings nicht mehr die Bibel, die Hilfe bietet, sondern TN 30 selbst, die anderen durch die eigene Auseinandersetzung mit der Bibel bei der Ergründung des eigenen Glaubens eine Hilfe sein möchte („& anderen dabei zu helfen“). Gegenüber der an MP 1 etwas formalen „grundlegenden“ Bedeutung der Bibel tritt nun an MP 2 ihre instrumentale Seite stärker hervor. Zugleich begreift sich TN 30 stärker als Person, die mit der Bibel in Auseinandersetzung um den Glauben steht und mit den Früchten dieser Auseinandersetzung auch anderen Menschen weiterhelfen möchte; darin scheint bereits die mit dem Studium angestrebte professionelle Rolle auf. Im Hinblick auf die Bibel ist eine Verschiebung vom Subjekt zum Objekt zu erkennen, was eine gewisse Distanzierung mit sich bringt. Bei den Berührungspunkten mit der Bibel lässt sich bei TN 30 zwischen MP 1 und 2 eine Entwicklung beobachten: Überwiegen an MP 1 noch die eher rezeptiven Kontexte, so nennt TN 30 an MP 2 nun Kontexte, bei denen sie potenziell als Leitungsperson aktiv ist. 562 Hier kommt ein Rollenwechsel vom überwiegend rezeptiven zum aktiv-weitergebenden Umgang mit der Bibel zum Ausdruck, der auf jeden Fall nach dem Studium mit Eintritt in die religionspädagogische Berufspraxis vollzogen werden müsste. Vor allem aus den Antworten an MP 2 ergibt sich das Bild, dass TN 30 diesen Rollenwechsel schon ein Stück weit in den ersten Studiensemestern vollzogen hat. Zwischen den beiden Messpunkten nimmt bei TN 30 die Häufigkeit des Bibellesens deutlich zu. 563 Damit korrespondiert, dass die Bedeutung der Bibel für den Glauben von TN 30 in dieser Zeit wächst. 564 Beim Herangehen an biblische Texte sind bei TN 30 zwischen den beiden Messpunkten einige Veränderungen, aber auch Konstanten festzustellen. Zu Studienbeginn wie im vierten Studiensemester spricht TN 30 mit anderen Menschen über 308 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="309"?> 565 Das Sprechen mit anderen Menschen wird in Item 1.5.4 erfragt und die Berücksichtigung der Aussage eines biblischen Textes für das eigene Leben oder die Situation der Gruppe in Item 1.5.1. Weitere Items aus Frage 1.5 ergeben folgendes Bild: Während der Fokus an MP 1 auf wenigen wichtigen Aussagen des Textes liegt (Item 1.5.3), ist das an MP 2 nicht mehr der Fall. Dafür folgt TN 30 nun an MP-2 den ersten spontanen Gedanken für die Auslegung (Item 1.5.2). 566 Weder werden fehlende Informationen nachgeschlagen noch „Profis“ befragt (Items 1.5.6 und 1.5.7); nach geschichtlichen Hintergründen (Item 1.5.5) wird allerdings zwar an MP 1 nicht gefragt, an MP 2 aber schon. 567 TN 30 möchte an MP 1 noch eher mehr darüber erfahren, nach welchen Regeln und Methoden biblische Texte ausgelegt werden (Item 1.7.1), und ist an MP 2 mit dem eigenen Kenntnisstand zufrieden. In ähnlicher Weise konstatiert TN 30 an MP 1, zum tieferen Verständnis der Bibel eher noch mehr Informationen zu benötigen, doch an MP-2 ist das eher nicht mehr der Fall. 568 Möchte TN 30 zu Studienbeginn noch durch das Studium zum häufigeren Bibellesen angeregt werden (Item 1.8.2), mehr über den möglichen Einsatz der Bibel in der zukünftigen Berufspraxis erfahren (Item 1.8.5) und stärker über die Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben nachdenken (Item 1.8.6), lautet das Votum in der an MP 2 etwas anders gelagerten Frage 1.8, dass sie sich mehr Arbeiten an biblischen Texten im Seminarkontext wünscht (Item 1.8.2 an MP-2). 569 Wissenschaftliche Zugänge zur Bibel stellen den eigenen Glauben von TN 30 eher nicht infrage (Item 1.4.4 an MP 2). Auch zählt TN 30 zu den wenigen Teilnehmer*innen, der/ die auf die Frage danach, was sie in der Bibel besonders schwierig finden, an MP 1 „nichts“ ankreuzen (Item 1.9.11 wird an MP 1 von TN 15, TN 30 und TN 53 und an MP 2 von TN 13, TN 35 und TN 74 bejaht). An MP 2 hat sich diese Haltung geringfügig dahingehend verschoben, dass hier als einziges Item 1.9.6 angewählt wird (es wird in der Bibel selbstverständlich davon ausgegangen, dass es Sklaverei gibt). 570 Dass TN 30 vor dem Studium eher Erfahrungen mit der Auslegung neutestamentlicher Texte gehabt hat oder sie für relevanter hält, könnte die Voten in Item 1.13.8 ( Jesus Christus heute als Vorbild besonders wichtig: an MP 1 ja, an MP 2 nein) sowie in Item 1.11.8 an MP 2 (AT kündigt Jesus Christus an: eher ja) erklären. 571 Auch an beiden Messpunkten von 1.7.2 wird ein wortwörtliches Verständnis nicht als angemessen betrachtet. In gleicher Weise negiert TN 30 in Item 1.13.5 an beiden Messpunkten, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und historisch nicht weiter ergründet werden muss. Ähnlich lässt sich die Position von TN 30 in Item 1.10.5 verstehen, wonach die Bibel von Gott eingegeben, von den Menschen aber nur aufgeschrieben wurde: Hier wechselt das Votum von „eher ja“ zu „eher nein“. den Bibeltext, und ihr liegt daran, die Zielkontexte der Auslegung im Blick zu behalten. 565 Im Feld der Bibelauslegung sieht TN 30 für sich überwiegend keinen weitergehenden Infor‐ mationsbedarf. 566 Insgesamt hat es den Anschein, dass TN 30 die im Studium empfangenen Impulse zur Bibelauslegung an MP 2 ausreichend erscheinen, um die eigenen Fragen zu biblischen Texten weitgehend selbst beantworten zu können. 567 Dennoch weiß sie um den Nutzen von angeleitetem Üben und Erproben des eigenen Wissens. 568 Insgesamt bereiten biblische Texte TN 30 - anders als vielen anderen Befragten - kaum Probleme. 569 Aus dem bisher gewonnenen Bild von TN 30 lässt sich schließen, dass der Grund dafür darin liegt, dass TN 30 bereits vor dem Studium reichlich Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit biblischen Texten gehabt hat. Möglicherweise beziehen sich diese Erfahrungen eher auf neuals auf alttestamentliche Texte. 570 Insgesamt scheint sich TN 30 eine übertragene Leseperspektive angeeignet zu haben; ein wortwörtliches Verständnis der Bibel hat TN 30, wie dargestellt, bereits in Frage 1.1 an MP 1 von sich aus problematisiert, ohne dass danach gefragt worden wäre. 571 Bis hierher erscheinen die Haltungen von TN 30 relativ klar. Dieses Bild ändert sich etwas, wenn es um die Frage geht, ob sich der Bibel Leitlinien für heutiges Handeln 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 309 <?page no="310"?> 572 Bei Item 1.10.2 bejaht TN 30 an beiden Messpunkten, dass die Bibel Werte und Normen überliefert, die für unser Leben entscheidend sind, wobei die Entschiedenheit dieses positiven Votums abnimmt von „sehr“ an MP 1 zu „eher“ an MP 2. Dieser Aussage stehen allerdings einige andere Anwahlen von TN 30 gegenüber: Bei Item 1.10.7 antwortet sie auf die Frage, ob die Bibel die Wegweiserin in allen Lebensfragen ist, an MP 1 eher ablehnend, an MP 2 dann allerdings eher zustimmend. Auf die Frage in Item 1.10.6, ob die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet (nur an MP 2 erfragt), antwortet TN 30 überwiegend ablehnend (wobei möglich ist, dass sich diese Ablehnung vorrangig auf die Formulierung bezieht, dass die Bibel das Wort Gottes ist). Für das Alte Testament verneint TN 30 eher, dass sich dort Regeln und Gesetze finden, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind (Item 1.11.6, nur MP 2). Eine ähnliche Haltung lässt sich bei Item 1.12.6 an MP 2 beobachten: TN 30 ist eher der Ansicht, dass man sich an einem Text wie Gen 3,16 heute nicht mehr orientieren kann. Ebenfalls eher ablehnend antwortet TN 30 in Item 1.7.3 (nur an MP 2 erfragt), ob sie gerne mehr darüber erfahren würde, wie aus der Bibel Werte für das eigene Leben abzuleiten sind. 573 Von den 10 Items in Frage 2.17 (an MP 1) bzw. 1.21 (an MP 2) beantwortet TN 30 nur zwei Items an beiden Messpunkten identisch (9 bzw. 10: Schuld bzw. Gehorsam als religiöse Themen), und zwar ablehnend. Bei den anderen acht Items wechseln die Positionen, und zwar entweder von der Intensität her („eher“ bzw. „sehr“ zustimmend oder ablehnend: Items 1-3, 6 und 8) oder zwischen Ablehnung und Zustimmung oder umgekehrt (Items 4, 5 und 7). 574 So beantwortet TN 30 die Fragen zur Kindertaufe, zum Verständnis des eigenen kirchlichen Engagements sowie dessen Umfang (Fragen 2.8, 2.14 und 2.15 an MP 1 bzw. 1.17, 1.18 und 1.19 an MP 2) an beiden Messpunkten in sehr ähnlicher Weise. Eine ähnliche Konstanz in den Antworten lässt sich auch bei weiteren Fragen kirchlicher Praxis beobachten, nämlich bei Frage 2.18 (an MP 1) bzw. 1.22 (an MP-2) sowie 2.19 (MP-1) bzw. 1.23 (an MP-2). entnehmen lassen; hier antwortet TN 30 insgesamt uneindeutig. 572 Auch in allgemeineren Fragen zum Thema Religion wechselt TN-30 häufiger die Position. 573 Klarer scheint TN-30 aber in der Haltung zu Fragen der kirchlichen Praxis zu sein. 574 Bei den Fragen der Ad hoc-Exegese (Fragen 2.1.1 und 2.1.2 an MP 2) antwortet TN 30 in einer Weise, in der sich möglicherweise auch einige Übung im Erschließen biblischer Texte für unterschiedliche Situationen kirchlicher Praxis zeigt. In der Antwort auf die Dilemma- Frage wird vor allem die Situation der Rezepient*innen erkannt und problematisiert: „Schwierig ist an diesem Text, dass eine Geschichte immer sofort vom Hörenden aufgenommen und verarbeitet wird. Menschen, die in der Tafel arbeiten, fällt es höchstwahrscheinlich sehr schwer, den Satz ‚Sorgt euch nicht ums Essen‘ neutral aufzufassen. Er wirkt hier, aus dem Kontext der Geschichte genommen, geradezu verhöhnend.“ Es scheint ein Wissen um die Problematik des Bibeltextes in der vorgegebenen Anforde‐ rungssituation auf, wobei es unter Vorbehalt formuliert wird („höchstwahrscheinlich“). TN 30 arbeitet vor allem über die Einfühlung in das Tafel-Personal. Höchstens erahnen lässt sich, dass die historische Abständigkeit des Textes TN 30 bewusst ist. Der biblische Text selbst wird zwar zitiert, doch Hinweise auf weiteres Hintergrundwissen oder eine historische Einbettung des biblischen Textes finden sich nicht. Im Lösungsansatz fokussiert TN 30 auf den Aspekt des Sammelns, der dem biblischen Text entlehnt ist und der mit dem heute verbreiteten „Horten“ verknüpft wird. Dieser Aspekt wird mit Wertigkeiten verknüpft („besser“; „ein erfülltes Leben“). TN 30 zeigt ohne eine mögliche Abwertung des Tuns der Tafel-Helfer*innen, sondern mit deren ausdrücklicher Wertschätzung und mit dem Hinweis auf das biblische Vorbild der Vögel einen Weg aus der aufgegebenen Dilemma-Situation auf: 310 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="311"?> 575 Dass diese Kenntnisse und diese Vertrautheit nicht in der Herkunftsfamilie erworben wurden, geht aus den Antworten auf die Fragen 2.3.-2.5 an MP-1 hervor. 576 Darauf lassen die Antworten auf die Fragen 1.15 und 1.16 an MP 2 schließen; danach hatte TN 30 in den letzten zwei Schuljahren zum einen keinen durchgängigen Religionsunterricht, und zum anderen lagen die Schwerpunkte dabei deutlich im Bereich sozialethischer und spiritueller Fragen und auch in der Bearbeitung von Gruppenkonflikten. Eine methodische Erschließung der Bibel wurde kaum vermittelt; biblische Texte kamen nur im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Sachthemen vor. „Ich denke, wichtig ist es herauszustellen, dass es darum geht, dass keiner, der viel hat und viel bei sich sammelt, besser als der Nächste ist oder gar ein erfülltes Leben hat. Viel freier sind die Vögel, die sich diesem Gedanken nicht ausgeliefert sehen und ihr Leben leben. Und so tun die Helfer und Helferinnen der Tafel ein Werk nach Gottes Willen. Sie helfen den Menschen, die wenig haben, in einer Welt, in der das Horten als normal und das Geben als außergewöhnlich gesehen wird. Was uns einschränkt und nicht frei sein lässt, wie einen Vogel.“ Dieser Weg aus der Dilemma-Situation ordnet sich in eine der bereits (vgl. Abschnitt 3.3.3.3) herausgearbeiteten häufigen Deutungen des Textes ein, wenn hier das menschliche Han‐ deln im Rahmen göttlichen Handelns verstanden wird. Dabei liegt der Auslegungsschwer‐ punkt weniger beim biblischen Text als vielmehr bei der vorgegebenen Rezeptionssituation. TN 30, so lässt sich zusammenfassend sagen, hat bereits vor Studienbeginn Erfahrungen im Umgang mit biblischen Texten und ihrer Erschließung gesammelt. Das methodische Fun‐ dament dafür wurde vermutlich in der kirchlichen Jugendarbeit gelegt. Das lässt sich vor allem via negationis erschließen: Weder scheint der familiäre Hintergrund für die religiöse Prägung von TN 30 ausschlaggebend gewesen zu sein 575 noch der schulische Religionsunterricht der letzten beiden Schuljahre 576 . TN 30 hat sich die Vertrautheit mit kirchlichen Themen und Haltungen und auch einige Sicherheit in der Erschließung der Bibel wohl im kirchlichen bzw. gemeindlichen Kontext angeeignet; dafür spricht auch die relative Konstanz bei den Antworten, die sich auf Haltungen zu Fragen der kirchlichen Praxis beziehen. An diese Kenntnisse kann TN 30 nach Studienbeginn gut anknüpfen. Zudem hat sich TN 30 an MP 2 schon ein Stück weit in die Rolle einer aktiven Bibelvermittlerin hineingefunden. Die bibelexegetischen Impulse des Studiums können von TN 30 ohne nachweisbare Krisen oder Verwerfungen im Glauben integriert werden. Bereits mitgebracht ins Studium hat TN-30 eine skeptische Haltung gegenüber einem wortwörtlichen Verständnis der Bibel. Von daher scheint ihr - ausgehend von einem positiven Interesse an der Bibel - eine übertragene Leseperspektive bereits vertraut zu sein. Diese wird im Studium beibehalten und um methodische Aspekte der Texterschließung erweitert, die aber in der Dilemma-Frage kaum zur Anwendung kommt. Allerdings betrachtet TN 30 den biblischen Text in der Dilemma-Frage unter einer heutigen ethischen Frage, der Konsumkritik. Bei den Entwicklungsprofilen wird TN-30 Entwicklungstyp D zugeordnet, einem der pro‐ filierteren Typen, der eine „durchgängig übertragene Leseperspektive“ aufweist (Abschnitt 4.3.4). Bei der Leseperspektive zeigt TN 30 entsprechend an beiden Messpunkten Werte im Bereich der übertragenen Leseperspektive. Die Religiositäts-Werte sinken bei ihr geringfügig, bleiben aber auf hohem Niveau. Beim Repertoire startet TN 30 mit niedrigen Werten im mittleren Bereich, die sie zwischen MP-1 und 2 noch etwas steigern kann. Mit diesen Werten 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 311 <?page no="312"?> 577 Auch bei der Bewegungsrichtung und -intensität von TN 30 auf den drei Achsen gibt es eine Entsprechung zu einer anderen TN, und zwar zu TN 28. Diese gehört allerdings zu einem anderen Entwicklungstyp, da sie vor allem im Bereich der Leseperspektive Werte in einem anderen Achsenbe‐ reich aufweist, und zwar zu Entwicklungstyp E mit einer gleichbleibend oder zunehmend säkularen Leseperspektive (vgl. Abschnitt 4.3.5). bzw. Entwicklungen auf den drei Achsen kann TN-30 als typisch für das Entwicklungsprofil D gelten. 577 Von den in diesem Forschungsprojekt getroffenen Annahmen lässt sich bei TN 30 nur die erste im Bereich des Repertoires bestätigt finden: Bei der Dilemma-Frage zeigt sie eine anwendungsbezogene Perspektive. Damit kann die Annahme als bestätigt gelten, dass ihr Interesse eher im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt als in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen. Die Annahme zur Religiosität hin‐ gegen findet sich bei TN 30 nicht bestätigt; es müssten sich Hinweise auf eine Glaubenskrise infolge der Entwicklung eines professionelleren Repertoires finden. Das ist bei TN 30 allerdings nicht der Fall. Und auch die Annahme im Bereich der Leseperspektive lässt sich durch TN-30 nicht bestätigen. Mit den Werten von 24 (MP-1) bzw. 26 Punkten (MP-2) liegt TN 30 im Mittelbereich der übertragenen Leseperspektive und nicht im wörtlichen Bereich, und auch in Richtung des wörtlichen Bereichs entwickelt sich TN 30 nicht. Daneben bestreitet TN 30 explizit die Angemessenheit einer wörtlichen Leseperspektive. Allerdings ließ sich bereits bei TN 32 beobachten, dass eine solche Ablehnung nicht einhergehen muss mit einer tatsächlichen Umsetzung in einer Bibelauslegung, wie sie vor allem in der Dilemma-Frage sichtbar wird. Auch bei TN 30 finden sich kaum Hinweise auf eine historische oder kritische Leseweise des Bibeltextes, sondern eher eine Auslegung, die sehr auf den Rezeptionskontext ausgerichtet ist. Diese Beobachtung allerdings fällt eher in den Bereich des Repertoires und lässt kaum Rückschlüsse auf eine nicht-übertragene Leseperspektive zu. 5.2.5 TN-49 (Entwicklungstyp E) Zu Beginn der ersten Befragung ergänzt TN 49 Frage 1.1, „Die Bibel ist für mich …“, durch „ein Nachschlagewerk, ein Buch was im Regal steht, ein Handwerkszeug, ein Buch mit sieben Siegeln“. In diesem knappen Satz stecken vier Charakterisierungen, die allerdings nicht alle selbsterklärend sind. Unter der Bibel als „Nachschlagewerk“ ließe sich verstehen, dass biblische Texte dort nach dem Gehört- oder Erwähntwerden noch einmal nachgelesen werden können, oder aber, dass die Bibel kein Buch zum Lesen ist, sondern eher eine Art Lexikon, dass lediglich bei Bedarf zum Nachschlagen verwendet wird. Das „Buch was im Regal steht“ ist vieldeutig; vielleicht ist hier gemeint, dass es zunächst einmal zum Standard-Equipment von TN 49 gehört, ohne eine speziellere Funktion zu besitzen; gemeint sein könnte aber auch, dass dieses Buch im Regal steht, statt benutzt zu werden. Das „Handwerkszeug“ ist deutlich ein wichtiges Instrument; unabhängig von seiner konkreten Verwendung sollte man es (als Christ*in? im gewählten Studium? als kulturell wichtigen Text? ) auf jeden Fall besitzen. Nur vermuten lässt sich hier, dass damit bereits der berufliche Bereich angesprochen ist: Ohne dieses Buch lässt sich das eigene (zukünftige? ) Handwerk nicht ausführen. Hinter dem „Buch mit sieben Siegeln“ steht vermutlich weniger eine 312 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="313"?> 578 In Frage 1.2 wählt TN 49 an MP 1 immerhin die Hälfte der zehn möglichen Kontexte der Berührung mit der Bibel an: Gottesdienst, Religionsunterricht, Konfirmand_innenunterricht, Jugendgruppe, Freizeit(en). Außer dem nach Ende der Schulzeit wegfallenden Religionsunterricht sind an MP 2 alle vier bisherigen Kontexte immer noch vorhanden; damit unterscheidet sich TN 49 von zahlreichen Mitstudierenden, die gerade an diesem Punkt häufig erheblich weniger Kontexte nennen. 579 Nur an MP 1 wird erhoben, ob die TN Bibelauslegungen gehört (Item 1.4.3) und selber Gottesdienste und Andachten gestaltet (Item 1.4.4) haben; beides ist bei TN 49 der Fall (Item 1.4.3: „sehr“; Item 1.4.4: „eher“). 580 Die Häufigkeit des Bibellesens steigert sich zwischen den beiden Messpunkten, aber nur auf sehr niedrigem Niveau: von „seltener“ an MP 1 auf „mehrmals im Jahr“ an MP 2 (Frage 1.3). Geringfügig häufiger liest TN 49 die Bibel allein (MP 1: „gar nicht“; MP 2: „eher nicht“), wohingegen sie das Bibellesen in der Gruppe noch seltener pflegt (MP 1: „eher“; MP 2: „eher nicht“; Items 1.4.1 und 1.4.2). Anspielung auf Offb 5,1 als vielmehr die sprichwörtliche Bedeutung im Deutschen: Gemeint ist etwas, das schwer oder gar nicht zu verstehen ist. Hier schwingt eine Emotion der Bibel gegenüber mit, die aber nicht explizit angesprochen wird. Auf die gleiche Frage 1.1 lautet die Ergänzung an MP 2 vier Semester später: „ein Nachschlagewerk; nicht mehr ein Buch mit sieben Siegeln; angstfreier geworden; bekannter geworden“. Erneut aufgegriffen werden die Prädikationen als „Nachschlagewerk“ und als „Buch mit sieben Siegeln“, wobei Letzteres nun negiert wird: Die Unverständlichkeit oder Unzugänglichkeit, die die Bibel für TN 49 an MP 1 besaß, hat sie in der Zwischenzeit verloren. Jetzt wird das Verhältnis zur Bibel ausdrücklich auf der Gefühlsebene geschildert: Die Angst vor der Bibel oder dem Umgang mit ihr ist gemildert, wenn auch nicht ganz verschwunden; angstfreier bedeutet nicht völlig angstfrei. Auch dass die Bibel nun bekannter ist, heißt nicht, dass sie nun sehr vertraut wäre. Im Umkehrschluss bedeutet das für MP 1 oder zumindest für die vor MP 2 liegende Zeit, dass TN 49 die Bibel mit einer gewissen Angst verknüpft hat, die eventuell damit zu tun hat, dass die Bibel ihr wenig bekannt und wenig vertraut war. Beides wurde aber an MP-1 nicht explizit zum Ausdruck gebracht. Vielleicht konnte diese neue Klarheit bezüglich der mit der Bibel verbundenen Emotionen, die zuvor noch nicht so deutlich benannt werden konnten, (auch) durch die Beschäftigung mit der Bibel im Studium erlangt werden. Nicht mehr genannt werden an MP 2 die Charakterisierungen der Bibel als „Handwerks‐ zeug“ und als „Buch was im Regal steht“. Möglicherweise bedeutet das, dass die Bibel nun nicht mehr nur im Regal steht, sondern auch benutzt wird. Dann wäre sie vom lediglich vorhandenen, aber nicht benutzten Handwerkszeug zu einem tatsächlich zur Anwendung kommenden Nachschlagewerk geworden. In diesen Charakterisierungen spricht sich einerseits eine emotional eher distanzierte Haltung zur Bibel aus, bei der ein weitergehender persönlicher Bezug zum eigenen Leben oder Stichworte wie der „Glaube“ keine Erwähnung finden - andererseits deutet sich mit dem „Buch mit sieben Siegeln“ an MP-1 und 2 und dem Hinweis auf eine stärker erreichte Angstfreiheit an MP-2 dann doch eine gewisse Emotionalität in der Beziehung zur Bibel an. Diese Beziehung hat TN 49 durchaus in Berührung mit der Bibel ausgebildet, jedenfalls in Kontexten öffentlicher Religiosität: Einerseits geht sie an beiden Messpunkten in zahl‐ reichen Kontexten mit der Bibel um 578 und hat die Bibel vor MP 1 auch selbst ausgelegt, 579 doch andererseits liest sie nach wie vor nur selten in der Bibel. 580 In der Zusammenschau entsteht der Eindruck, dass TN 49 vor allem in gemeindlichen Kontexten mit der Bibel zu 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 313 <?page no="314"?> 581 TN 49 gibt an beiden Messpunkten an, dass die Bibel für sie (Item 1.4.5) bzw. für ihren Glauben (Frage 1.6) eher unwichtig ist. 582 So ist Bibel an MP 2 für den Glauben von TN 49 sogar eher wichtiger geworden (Item 1.4.3). Auch bei Item 1.10.1 gibt TN 49 an, sich mit dem eigenen Leben in biblischen Texten eher wiederfinden zu können, und in Item 1.10.3, dass die Bibel eher nicht alte, für das eigene Leben irrelevante Texte überliefert. 583 Das nur an MP 2 abgefragte Item, ob das Alte Testament als Sammlung seltsamer alter Geschichten wahrgenommen wird, die wenig mit dem eigenen Leben zu tun haben, bejaht TN-49 eher (Item 1.11.7); auch bejaht sie, dass das Alte Testament weniger wichtiger sei als das Neue (Item 1.11.4 an MP-1: sehr, an MP 2: eher). Dieses Votum ließe sich damit verknüpfen, dass das Alte Testament für TN 49 vor allem Jesus Christus ankündigt (Item 1.11.8, nur an MP 2 erfragt), und dass bei der eigenen Bibelauslegung besonders wichtig ist, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist (Item 1.13.8, an beiden Messpunkten). 584 So gibt TN 49 in den expliziten Fragen zum Alten Testament an, dass das Alte Testament eher nicht Regeln und Gesetze enthält, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind (Item 1.11.6, nur an MP-2 erfragt), und an einem Text wie Gen 3,16 kann man sich heute ebenfalls eher nicht mehr orientieren (Item 1.12.6, nur an MP-2 erfragt). 585 So wünscht sich TN 49 auch an MP 2, dass biblische Texte und ihre Hintergründe im Studium weiterhin im Seminarkontext ergründet werden (Item 1.8.2), was an MP-1 (Item 1.8.4) noch nicht der Fall gewesen ist. Allerdings wird der Wunsch nach mehr methodischem Handwerkszeug von MP 1 (Item 1.8.3) an MP 2 (Item 1.8.3) nicht mehr bejaht. Im Widerspruch zueinander stehen auch die an MP 1 angewählten beiden Wünsche in den Items 1.8.1 (besseres Kennenlernen der Bibel im Studium) und Item 1.8.7 (die Bibel sollte im Studium keine so große Rolle spielen). Als ein Desiderat des Studiums nimmt TN 49 offenbar die eingehendere Reflexion auf das Wie und Warum des Einsatzes der Bibel in der späteren Berufspraxis wahr (Wie: Item 1.8.5 an MP-1, Warum: Item 1.8.3 an MP-2). Deutlich ist dabei die Unzufriedenheit von TN 49 mit den eigenen Kenntnissen rund um die Bibel: An beiden Messpunkten hat sie bei Item 1.7.3 den starken Eindruck, dass ihr zum tieferen Verständnis der Bibel noch Informationen fehlen. 586 TN 49 ist jedenfalls mit dem eigenen Wissensstand an MP 2 eher nicht zufrieden (Item 1.7.1). Ungeachtet dieser Unzufriedenheit nach vier Semestern Bibelstudium gibt TN-49 nicht an, weiterhin in vertiefter Form methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekommen zu wollen (Item 1.8.1 an MP-2). tun hatte und hat und über diese Gelegenheiten hinaus kein weitergehendes Interesse an der Bibel besitzt. Was die Relevanz der Bibel angeht, äußert sich TN 49 in ambivalenter Weise. Einerseits negiert sie durchgängig und moderat die Bedeutung der Bibel für sich bzw. ihren Glauben. 581 Im Widerspruch dazu steht allerdings eine Reihe anderer Aussagen. 582 Während sich die Äußerungen zur Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben nicht miteinander in Einklang bringen lassen, lassen sich möglicherweise andere Inkonsistenzen in den Antworten von TN 49 durch eine Unterscheidung zwischen der Haltung zum Alten und zum Neuen Testament erklären: 583 Wenn TN 49 an das Alte Testament denkt, stehen Fremdheit und Skepsis im Vordergrund, wohingegen sie dem Neuen Testament gegenüber eine größere Verbundenheit spürt. Entsprechend hat sie höhere Erwartungen an die Orientierungsleistung des Neuen Testaments und misst ihm insofern größere Relevanz zu. 584 Heterogen sind auch die Voten von TN 49 bezüglich des Wunsches nach mehr Kenntnissen oder Hintergründen biblischer Texte oder der entsprechenden Methoden. 585 Vielleicht weiß TN 49 einerseits um die Lücken der eigenen Bibel- oder Methodenkenntnisse, ohne diese andererseits füllen zu können oder zu wollen (beispielsweise, weil sie an anderen Themen des Studiums mehr interessiert ist)? 586 Auch beim konkreten Herangehen an die Bibel zeigt 314 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="315"?> 587 So gibt TN 49 einerseits an beiden Messpunkten an, zu überlegen, wie sich ein biblischer Text zum eigenen Leben oder zur Situation der Gruppe verhält, was auf ein Interesse am Auslegungskontext hinweist, und schlägt auch fehlende Informationen nach oder fragt „Profis“, wird also aktiv bei der Informationsbeschaffung (Items 1.5.1, 1.5.6, 1.5.7). Andererseits folgt sie an MP 2 neu zusätzlich noch dem ersten spontanen Gedanken zum Text, was nach dem Erwerb eigener bibelexegetischer Kenntnisse keine Option mehr sein sollte. (Zu dieser Entwicklung des Repertoires von einer Nicht-Anwahl an MP 1 zur Anwahl an MP 2 [Item 1.5.2], die sich nicht nur bei TN 49 zeigt, sondern bei vier TN pro Kohorte, s. Abschnitt 3.3.2.2.1.3). Zugleich verneint TN 49 an beiden Messpunkten, mit anderen über den Text zu sprechen, sich auf wenige für wichtig befundene Aussagen zu konzentrieren oder nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes zu fragen (Items 1.5.3, 1.5.4 und 1.5.5). Dabei bekundet TN-49 ein Interesse an den Hintergründen der Bibel an MP-2 (Item 1.13.9) und gibt an MP-1 auch an, eher mehr über die Regeln und Methoden der Bibelauslegung erfahren zu wollen (Item 1.7.1). 588 An MP 1 findet TN 49 das wörtliche Lesen der Bibel noch völlig in Ordnung (Items 1.7.2 und 1.13.5), doch an MP 2 werden beide Items eher abgelehnt bzw. verneint. Durchgängig lehnt TN 49 die Ansicht ab, dass die Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben wurde (Item 1.10.5 an MP 1: „gar nicht“; an MP 2: „eher nicht“). Dem entspricht, dass die gegenläufige These, dass Menschen in der Bibel aufgeschrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben, an beiden Messpunkten eher bejaht wird (Item 1.10.4). 589 An beiden Messpunkten stimmt TN 49 eher zu, dass die Bibel Werte und Normen überliefert, die für unser Leben entscheidend sind (Item 1.10.2). Ebenfalls an beiden Messpunkten wird eher bejaht, dass die Bibel Wegweiserin in allen Lebensfragen ist (Item 1.10.7). Nur an MP 2 wird erfragt, wie die Studierenden zu der Aussage stehen, dass die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet (Item 1.10.6), was von TN 49 stark bejaht wird. Dazu passt die ebenfalls deutliche Zustimmung dazu, gerne mehr darüber wissen zu wollen, wie Werte für das eigene Leben aus der Bibel abzuleiten sind (Item 1.7.4, nur an MP 2 erfragt). Dieser Wunsch ist grundiert von der einzigen an beiden Messpunkten wahrgenommenen Schwierigkeit mit der Bibel: In dieser werden manchmal keine eindeutigen Aussagen zu bestimmten Themen getroffen (Item 1.9.10). 590 Weder sie selbst wurde religiös erzogen noch die Eltern (Frage 2.5), und zuhause wurde auch nicht gebetet (Fragen 2.3 und 2.4), worin vielleicht der Grund dafür liegt, dass TN 49 an beiden Messpunkten angibt, dass das Gebet kein Teil ihres Alltags ist (Items 2.19.6 an MP 1 bzw. 1.13.6 an MP 2). Auch sind Religion oder Kirche kein Thema der Gespräche im Familienkreis gewesen (Frage 2.2 und ebenso sich bei TN 49 ein widersprüchliches Bild. 587 Dieses findet sich aber nicht nur bei ihr, sondern auch bei anderen Befragten; darauf wurde bereits in Abschnitt 3.3.2.2.5 hingewiesen. TN 49 erlebt den wissenschaftlichen Umgang mit Bibeltexten nicht als Infragestellung des eigenen Glaubens (1.4.4 an MP 2). In der Frage der Haltung gegenüber einem wort‐ wörtlichen Verständnis der Bibel lässt sich bei TN-49 von MP-1 zu MP-2 eine Entwicklung von dezidierter Akzeptanz zu moderater Ablehnung beobachten. 588 Die Bedeutung dieser Entwicklung darf allerdings nicht überschätzt werden angesichts der Voten von TN 49, wonach die Bibel für sie selbst eher nicht sehr relevant ist (vgl. Abschnitt 3.2.4.2.2). Vor dem Hintergrund dieser fraglich-fragilen Wichtigkeit der Bibel für TN 49 lässt sich auch nachvollziehen, dass deren wissenschaftliche Erschließung nicht als bedrohlich für den Glauben wahrgenommen wird, der zudem nicht stark biblisch orientiert zu sein scheint. Bei der Herleitung ethischer Konsequenzen aus biblischen Texten zeigt sich bei TN 49 ein einheitliches und optimistisches Bild. 589 Das grundsätzliche Zutrauen zum Orientie‐ rungspotenzial der Bibel, das sich in diesen Voten ausspricht, bezieht sich nach der oben geäußerten Vermutung aber möglicherweise in erster Linie auf das Neue Testament. Aus der Befragung geht deutlich hervor, dass die religiöse Sozialisation von TN 49 nicht in der Familie stattgefunden hat. 590 In den letzten zwei Schuljahren hat sie keinen 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 315 <?page no="316"?> 2.13). Daneben haben wichtige Personen die Einstellung zum eigenen Glauben negativ beeinflusst (Mutter sowie eigene*r Partner*in: Items 2.10.1 und 2.10.6). 591 Item 1.15, an MP-2 erhoben. 592 Item 1.16, an MP-2 erhoben. 593 Frage 2.19 an MP 1 bzw. Frage 1.23 an MP 2: Der Glaube gibt TN 49 an MP 1 eher inneren Halt, an MP-2 sogar sehr (jeweils Items 3). Dass der Glaube im eigenen Leben keine Rolle spielen würde, wird an beiden Messpunkten eher zurückgewiesen (jeweils Item 5). Auch spürt TN 49 überwiegend Gottes Gegenwart im eigenen Leben (jeweils Item 7). Zweifel und Unsicherheit gehören an beiden Messpunkten für TN-49 eher zum Glauben dazu (jeweils Item 14). 594 Die entsprechenden Fragen werden an MP-1 in Frage-2.19 und an MP-2 in Frage-1.23 gestellt. 595 Item 2.19.9 an MP-1: „gar nicht“, das entsprechende Item 1.23.9 an MP-2: „eher nicht“. 596 So wird die Aussage, dass sie an eine höhere Macht glaubt und nicht an einen Gott, wie ihn die Kirche beschreibt, an MP 1 eher bejaht, an MP 2 dagegen eher verneint (Item 2.19.15 an MP 1 bzw. Item 1.23.15 an MP 2). Ist der christliche Glaube für TN 49 an MP 1 noch keine Lebensgrundlage, so ist das an MP 2 doch eher der Fall (Item 2.19.8 an MP 1 bzw. Item 1.23.8 an MP 2). Und lehnt TN 49 an MP 1 noch eher ab, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat, so wird diese Aussage an MP-2 eher bejaht (Item 2.19.2 an MP-1 bzw. Item 1.23.2 an MP-2). 597 TN 49 bejaht nur „eher“, ein religiöser Mensch zu sein (Item 2.5.2 an MP 1). Während sie an MP 1 noch gar keine Verbindung zwischen dem eigenen Engagement im kirchlichen Leben und der christlichen Tradition sieht (Item 2.15.1), ist an MP 2 das Gegenteil der Fall (Item 1.19.1). Ansonsten bejaht TN 49 durchgängig und zunehmend, dass das eigene Engagement ein Ausdruck des Glaubens, ein Ort religiöser Erfahrung und eine Möglichkeit ist, andere Menschen für den Glauben zu begeistern (an MP-1: Items 2.15.2-2.15.4: „eher“; an MP-2: Items 1.19.2-1.19.4: „sehr“). durchgängigen schulischen Religionsunterricht besucht. 591 Wenn das doch der Fall war, so hatte dieser Unterricht einen stark sozialethischen Schwerpunkt, in dem die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung keine wichtige Rolle spielte; biblische Texte kamen eher nicht vor bzw. wurden nur im Rahmen der Beschäftigung mit bestimmten Sachthemen behandelt. 592 Abgesehen von der wenig ausgeprägten Bibelgebundenheit des Glaubens ist der Glaube für TN-49 durchaus eine wichtige Größe, 593 aber offenbar zumindest an MP-1 nicht immer deckungsgleich mit dem christlichen bzw. in der Kirche verkündeten Glauben. 594 Auch ermöglicht der eigene Glaube TN 49 keine Orientierung darüber, was richtig und falsch ist. 595 In der Frage, wie sehr sich dieser Glaube von TN 49 auch als christlicher Glaube versteht, lässt sich bei ihr in den ersten vier Studiensemestern eine gewisse Entwicklung beobachten, und zwar von einem sehr individuellen Glauben, der nicht unbedingt dem kirchlich verkündeten entspricht, zu einem Glauben, der sich nun im Kontext von Kirche und Christentum begreifen kann. 596 Ähnlich lässt sich die Entwicklung deuten, die TN 49 bei der Selbstbezeichnung als religiöser Mensch und mit der Einordnung des eigenen Engagements in der Kirche nimmt. 597 Dabei scheint allerdings vor dem Hintergrund der bisher ausgewerteten Voten von TN 49 eher nicht viel darauf hinzudeuten, dass die Bibel für ihren Glauben ein wichtiger Referenzpunkt ist. Jedenfalls ist das Verhältnis zur Bibel - und auch zu Gott - einerseits durch Distanz, aber auch durch eine unterschwellige Emotionalität geprägt. Als Bestätigung für die letztgenannte Vermutung lässt sich die Antwort von TN 49 auf die Fragen 2.1.1 und 2.1.2 an MP 2 ansehen. Die Problembeschreibung dieses Dilemma- Szenarios lautet bei TN 49: „Essen ist eine aktive Handlung. Hunger wird nicht durch eine höhere Macht gestillt, die uns nicht wahrhaftig erscheint.“ Als „höhere Macht […], die uns 316 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="317"?> 598 In Abschnitt 3.3.3.3.4 wird bei diesem Lösungsansatz hervorgehoben, dass die Befragten in ihrer Textauslegung auch von dem Interesse motiviert sein könnten, dass ihr Vorschlag einer Vernunftüberprüfung standhält. nicht wahrhaftig erscheint“, wird vermutlich Gott bezeichnet. Bereits die „höhere Macht“ ist eine distanzierte Formulierung, doch die Ergänzung um „die uns nicht wahrhaftig erscheint“ lässt auch die Skepsis zumindest gegenüber der Erscheinung Gottes deutlich werden - unabhängig davon, ob „wahrhaftig“ als „wirklich“ oder „tatsächlich“ verstanden wird bzw. als „wahrhaft“ im Sinne von „faktisch“. Auf diese „höhere Macht“ sollten hungernde Menschen, so die Empfehlung von TN 49, ihre Hoffnung nicht setzen, da höchst ungewiss ist, ob es sie gibt und wie sie vielleicht erscheint. Die Schwierigkeiten, vor denen TN 49 angesichts der Dilemma-Aufgabe steht, liegen nicht in der Spannung zwischen Anforderungssituation und biblischem Text, sondern viel grundlegender darin, dass es in ihrer Sicht keinen „wahrhaftig“ eingreifenden Gott gibt - anders als im angeführten Bibeltext vorausgesetzt. Der Lösungsvorschlag für das Szenario in Frage 2.2 entspricht dieser Problembeschrei‐ bung: „Gottgegebenes muss achtsam zum Überleben verwendet werden. Jeder hat ein Recht auf genügend Nahrung und Wasser zum Überleben. Die Schöpfung muss bewahrt werden. Menschen, denen es nicht möglich ist, sich aus eigenen Stücken zu ernähren, muss geholfen werden, als Akt der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Es soll nicht im Überfluss gelebt werden, sondern nur das, was der Mensch zum Leben braucht, von Gottes Schöpfung verwendet werden.“ TN-49 sieht für sich eine Lösung in Imperativen zum achtsamen und bescheidenen Res‐ sourcenverbrauch ohne Überfluss, zur Bewahrung der Schöpfung und zur Nächstenliebe und Unterstützung der Hungernden. Gott könnte in diesem Lösungsansatz lediglich ein*e im Hintergrund stehende*r Garant*in von ethischem Verhalten wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit sein, wird hier aber in der Wendung „Gottes Schöpfung“ explizit genannt. Insofern steht bei diesem Lösungsvorschlag von TN-49 zwar die ethische Dimension im Vordergrund, doch sie ist theologisch eingebettet. Das als Lösung empfohlene Ethos wäre auch ohne die Referenz auf „Gottes Schöpfung“ schlüssig, doch aufgrund dieser Referenz ist sie nicht als säkulare, sondern als theologisch-ethische Lösung zu betrachten. 598 Bei der Einordnung nach Entwicklungsprofilen wird TN 49 dem Entwicklungstyp E mit „gleichbleibend oder zunehmend säkularer Leseperspektive“ zugeordnet (Abschnitt 4.3.5). Die diesem Entwicklungstyp zugeordneten Teilnehmer*innen weisen auf der Achse der Leseperspektive Werte im säkularen Bereich auf oder bewegen sich dorthin. TN 49 bildet hier eine Ausnahme: Sie weist an beiden Messpunkten Werte auf, die noch im übertragenen Bereich liegen, dort aber im Randbereich zum säkularen Bereich (an beiden MP: 28 Punkte). Bei den Entwicklungen auf den anderen beiden Achsen REP und REL sind zwei Gruppen der diesem Entwicklungstyp zugeordneten Teilnehmer*innen voneinander zu unterscheiden, die verschiedene Bewegungsrichtungen aufweisen; bei einer Hälfte der Teilnehmer*innen nehmen die Werte für Repertoire und Religiosität zwischen beiden Messpunkten zu, bei der anderen Hälfte dagegen nicht. TN 49 gehört zur ersten Hälfte 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 317 <?page no="318"?> und hat relativ große Steigerungen bei den Werten für Religiosität und Repertoire zu verzeichnen. Gerade die Entwicklung im Bereich der Religiosität lässt sich anhand des zuvor Geschilderten bestätigen. Das spricht dagegen, dass TN 49 im untersuchten Zeitraum eine religiöse Krise durchlebt. Sie scheint für sich eine Möglichkeit gefunden zu haben, trotz einer relativ säkularen Le‐ seperspektive und einer eher distanzierten Religiosität mit biblischen Texten und anderen Impulsen des Studiums umgehen zu können. Ob dies ausreicht, um das in Frage 2.20 an MP 1 bekundete „Interesse an der Arbeit als Diakon/ Diakonin“ tatsächlich in eine spätere Berufsperspektive einmünden zu lassen, ist eine andere Frage. Falls nicht, so hat TN 49 durch die Wahl des Doppelstudiums, die in der gleichen Frage auch als Motivation der Studienwahl genannt wird, bereits frühzeitig vorgebaut. Insgesamt wird die Bibel für TN 49 vom „Buch mit sieben Siegeln“ zu einem später besser verstandenen oder erschlossenen Buch. Das Verhältnis zu diesem Buch entwickelt sich durch bessere Kenntnis so, dass es weniger angstbesetzt ist, und der Umgang mit ihm gehört zur angestrebten Profession dazu wie der Gebrauch eines Handwerkszeugs. Charakteris‐ tisch ist für TN 49, dass sowohl vom Glauben wie von Gott in säkular geprägten Begriffen gesprochen werden kann und dass die eigene Religiosität nicht so stark ausgeprägt ist. Der Glaube scheint zunächst kein relevanter Begriff bei der Beschreibung der Beziehung zur Bibel zu sein; ein eher allgemeiner, quasi „freigeistiger“ Glaube entwickelt sich während der ersten Studiensemester zu einem Glauben, der in kirchlichen Begriffen formuliert werden kann, ohne dass allerdings eine säkulare Grundierung gänzlich verschwinden würde. Mit der Bibel geht TN 49 eher sporadisch um, ohne dies als erhebliches Defizit wahrzunehmen. Den Hintergrund dieses spezifischen Bibelverständnisses bildet eine spät durchlaufene religiöse Sozialisation; so hatte TN 49 ein Umfeld, das der Religion eher ablehnend gegenüberstand. Wird dieses Profil von TN 49 zu den drei Annahmen in Beziehung gesetzt, zeigt sich folgendes Bild: Im Hinblick auf die Annahme im Bereich des Repertoires zeigen die Ausführungen von TN 49 bei der Dilemma-Frage, dass ein Interesse am Anwendungsbezug besteht; insofern lässt sich diese Annahme durch TN 49 bestätigt sehen. Was die Annahme zur Religiosität betrifft, so deutet bei TN 49 nichts auf eine Glaubenskrise hin; diese Annahme kann damit als nicht bestätigt gelten. Ebenso wenig bestätigt sich durch TN 49 mit ihrer Leseperspektive am säkularen Rand des übertragenen Lesens die Annahme, dass sich die Leseperspektive in Richtung auf ein wörtliches Lesen entwickelt - im Gegenteil: Bei TN 49 ist keine Bewegung zu verzeichnen, sondern sie bleibt bei einer Positionierung im säkularen Rand der übertragenen Leseperspektive und hält das auch in ihren qualitativen Voten durch. 5.2.6 TN-23 (Entwicklungstyp F) TN 23 bezeichnet die Bibel für sich in Frage 1.1 an MP 1 als eine „Möglichkeit meinen Glauben zu stärken und mich mit ihm zu befassen“. Dieser Fokus auf den Glauben wird auch an MP 2 beibehalten: Weiterhin ist die Bibel „die Grundlage meines Glaubens“ sowie „mein Halt im Glauben aus dem ich Kraft schöpfen kann“. Dazu tritt allerdings die Rolle der Bibel als „ein ‚wissenschaftl. Buch‘ bzw. eine Grundlage zur Auseinandersetzung“, mit 318 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="319"?> 599 Die insgesamt deutliche Relevanz der Bibel für den eigenen Glauben bleibt an beiden Messpunkten gleich (Item 1.4.5: deutliche Verneinung, dass die Bibel nicht wichtig sei; Frage 1.6: die Bibel ist für den Glauben eher wichtig). Diesem Bild entsprechen auch die Antworten auf Frage 1.10 zur Bedeutung der Bibel für TN 23; hier bleiben alle Antworten an beiden Messpunkten im gleichen positiven bzw. negativen Bereich, und es verändert sich nur gelegentlich in der Intensität der Zustimmung oder Ablehnung. 600 Frage-1.2: An beiden MP begegnet TN-23 der Bibel nicht im Kindergottesdienst, hingegen nach wie vor im Gottesdienst. Bei allen anderen Kontexten zeigen sich Veränderungen: Weggefallen sind an MP 2 die Begegnungen mit der Bibel im Konfirmand*innenunterricht, in der Jugendgruppe, im Haus- oder Bibelkreis sowie auf Freizeiten, neu dagegen ist für TN 23 seit Beginn des Studiums der Kontakt mit der Bibel im Freundeskreis und im Film. 601 Bibellesen zusammen mit anderen: Item 1.4.2: trifft an MP 1 vollständig zu, an MP 2 dagegen eher nicht; Zeiten des Bibellesens: Frage 1.3: an MP 1 einmal in der Woche, an MP 2 einbis dreimal im Monat. 602 Item 1.4.4., so nur an MP-1 erfragt. 603 Nach wie vor überlegt TN 23, was der Text für das eigene Leben oder die Situation der Gruppe be‐ deutet (Item 1.5.1), und ebenso schlägt sie auch im Studium wie bereits zuvor fehlende Informationen zum Text nach (Item 1.5.6). Ungebrochen ist das Bedürfnis von TN 23, mehr über die Hintergründe biblischer Texte zu erfahren (Item 1.7.3, an beiden MP „eher“). 604 Den ersten spontanen Gedanken bei der Auslegung der Texte folgt TN 23 nun nicht mehr (Item 1.5.2). Auch gibt sie bei Item 1.7.1 an MP 1 an, eher gerne mehr über die Regeln und Methoden der Bibelauslegung wissen zu wollen, an MP 2 hingegen, mit den eigenen Kenntnissen in dieser Frage zufrieden zu sein. 605 Neu ist seit Studienbeginn das Sprechen mit anderen über den Text (Item 1.5.4 [was einem veränderten Lebenskontext geschuldet sein könnte]) sowie das Fragen nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes (Item 1.5.5 [hier könnte sich ein Effekt des Bibelstudiums zeigen]). An MP 2 wird zusätzlich Item 1.7.4 angewählt: TN 23 möchte mehr darüber erfahren, wie sich aus der Bibel Werte für das eigene Leben ableiten lassen. der TN 23 „aber auch immer wieder in Konflikt“ gerät. Der Schwerpunkt auf dem Glauben wird also in Frage 1.1 an MP 2 um zwei Aspekte erweitert: Die Bibel wird nun auch als wissenschaftliches Buch betrachtet, das Anlass gibt für Auseinandersetzungen. Das deutet einerseits auf ein jetzt konflikthaftes Verhältnis zur Bibel hin, wobei die Bibel nach wie vor Grundlage des eigenen Glaubens ist. Da diese Spannungen erst an MP 2 erwähnt werden, liegt die Deutung nahe, dass sie mit der neu erlernten wissenschaftlichen Betrachtung der Bibel zusammenhängt. Der bleibenden Bedeutung der Bibel für TN 23 599 entspricht, dass TN 23 an beiden Mess‐ punkten häufiger mit der Bibel in Kontakt kommt, auch wenn sich die Berührungspunkte entsprechend der Verlagerung des Lebensmittelpunkts durch den Studienbeginn ändern. 600 Die Praxis des gemeinschaftlichen Lesens der Bibel aus der Zeit vor dem Studium führt TN 23 im Studium nicht mehr fort; entsprechend reduziert sich die Zeit des Bibellesens außerhalb des Studiums. 601 TN 23 ist beim Auslegen der Bibel kein Neuling mehr, sondern hat bereits vor Studien‐ beginn selbst Andachten und/ oder Gottesdienste gestaltet. 602 Die Impulse des Studiums zeigen bei ihr Wirkung: Manche Praxen des Bibelauslegens an MP 1 werden auch an MP 2 beibehalten, 603 andere dagegen werden aufgegeben 604 oder kommen neu hinzu, 605 was insgesamt erwartbare Entwicklungen sind. Dass TN 23 ein ausgeprägtes Interesse an der Beschäftigung mit der Bibel besitzt, lässt sich aus ihren Wünschen an das biblische Studium 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 319 <?page no="320"?> 606 Diese Wünsche werden in Frage 1.8 an beiden Messpunkten formuliert, allerdings mit unterschiedli‐ chen Items. An MP 1 hat TN 23 hier alle positiven Aspekte angekreuzt (die Bibel besser kennenlernen; häufigeres Lesen; mehr Handwerkszeug bekommen fürs Bibellesen; mehr über die Hintergründe der Texte erfahren; mehr über den Einsatz biblischer Texte in der späteren Berufspraxis erfahren; die Bedeutung der Bibel für den eigenen Glauben reflektieren). Diese Aspekte wurden an MP 2 nicht mehr alle abgefragt; die beiden positiven Voten von TN 23 zu diesem Zeitpunkt (vertieft Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekommen; stärkere Arbeit daran im Seminarkontext) lassen aber darauf schließen, dass TN-23 dieses Interesse weiter besitzt. 607 Item 1.8.4, so nur an MP 2 erfragt; möglicherweise verdankt sich dieser Wunsch einem solchen verlorengegangenen Kontext in der Heimatgemeinde (s.-o. zu Item 1.4.2). 608 Item 1.4.4, so nur an MP-2 erfragt, wird deutlich bejaht. 609 Explizit lehnt TN 23 ein wörtliches Verständnis der Bibel an beiden Messpunkten moderat (Item 1.7.2) bzw. durch Nicht-Anwahl ab (Item 1.13.5). Eine ähnlich wörtliche Leseperspektive steht allerdings hinter zwei weiteren Items, bei denen TN 23 anders antwortet: In Item 1.10.5 wird die Haltung gegenüber der These abgefragt, dass die Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben wurde; hier antwortet TN 23 an beiden Messpunkten eher zustimmend. In Item 1.12.1 wird gefragt, für wie autoritativ die Teilnehmer*innen die Aussage von Gen 3,16 halten: Steckt dahinter ein tieferer Sinn und sollte man, wenn Gott so etwas sagt, sich daran halten? Hier verändert TN-23 die eigene Position von moderater Zustimmung zu moderater Ablehnung. 610 S. dazu am Ende dieses Abschnitts 5.2.6. 611 Bei den allgemeineren Widersprüchen innerhalb der Bibel werden von den entsprechenden Items 1.9.4 (die Bibel ist in sich widersprüchlich), 1.9.7 (die Bibel ist altertümlich und schwer verständlich), 1.9.9 (Diskrepanzen zwischen AT und NT) und 1.9.10 (Bibel trifft keine eindeutigen Aussagen zu bestimmten Themen) an MP 1 zwei bejaht und eines verneint; an MP 2 werden dagegen die Einzelitems genau entgegengesetzt beantwortet, also zwei verneint und eines bejaht. 612 Die Aussagen der Bibel zu einzelnen ethischen Fragen, die in den Items 1.9.1, 1.9.2, 1.9.3, 1.9.5, 1.9.6 und 1.9.8 abgefragt werden, erscheinen TN 23 an beiden Messpunkten nur in zwei Fällen problema‐ tisch (1.9.1: Gott gewalttätig, 1.9.2: Homosexualität vermeintlich verboten). Ein Problembewusstsein bezüglich der oft untergeordneten oder nebensächlichen Rolle von Frauen in der Bibel (Item 1.9.3) zeigt sich erst an MP 2. - Auch in den Fragen rund um das Verhältnis vom Alten zum Neuen Testament (Frage 1.11), zur Einschätzung der Aussagen in Gen 3,16 zur Herrschaft des Mannes über die Frau (Frage 1.12) sowie zur Relevanz bestimmter Aspekte der Bibelauslegung (Frage 1.13) sind zwischen MP 1 und 2 zahlreiche Wechsel zu beobachten, in denen sich kaum eine einheitliche Tendenz ausmachen lässt. rückschließen. 606 Zusätzlich kommt der Wunsch nach einem Bibelkreis an der Fakultät hinzu. 607 Deutlich wird, dass die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben von TN 23 erheblich infrage stellen. 608 Gerade vor dem Hintergrund der engen Verknüpfung von Bibel und Glauben für TN 23 könnte dies auf die Möglichkeit einer krisenhaften Entwicklung im Studium hindeuten. Gegenüber einem wörtlichen Verständnis der Bibel zeigt sich TN 23 ambivalent; neben expliziter Ablehnung findet sich implizite Zustimmung sowie punktuell auch eine Entwick‐ lung. 609 Trotz der expliziten Ablehnung einer wörtlichen Leseperspektive erreicht TN 23 aufgrund ihrer Anwahlen bei ausgewählten Panelitems eine Punktzahl, die sie an MP 1 als Vertreterin einer wörtlichen Leseperspektive ausweist. 610 Uneindeutig ist die Position von TN 23 auch im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die sie mit einzelnen Themen der Bibel hat bzw. nicht hat. Sie scheint tendenziell eher die allgemeineren Diskrepanzen innerhalb der Bibel als problematisch wahrzunehmen 611 als biblische Positionen zu bestimmten ethischen Fragestellungen. 612 Das Zutrauen zur Bibel als orientierungsstiftende Größe nimmt bei 320 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="321"?> 613 An MP 1 ist die Zustimmung zu Item 1.10.2 (die Bibel überliefert Werte und Normen, die für unser Leben entscheidend sind) ebenso entschieden wie die zu Item 1.10.7 (die Bibel ist Wegweiserin in allen Lebensfragen). An MP 2 wird das erstgenannte Item nur noch moderat bejaht und die Bibel als Wegweiserin sogar moderat abgelehnt. Dieser Antworttrend zeigt sich auch bei anderen Items, die nur an MP 2 gefragt wurden: Eher bejaht wird das Interesse daran, mehr darüber erfahren zu wollen, wie sich Werte für das eigene Leben aus der Bibel ableiten lassen (Item 1.7.4). Ebenso moderat bejaht wird die Aussage, dass die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet (Item 1.10.6). 614 Eher verneint wird, dass das Alte Testament Regeln und Gesetze enthält, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig sind (Item 1.11.6), und in die gleiche Richtung geht die entschiedene Befürwortung, dass man sich an einem Text wie Gen 3,16 heute nicht mehr orientieren kann (Item 1.12.6). 615 Frage 2.5 an MP 1 mit allen vier Items. Die Familie ist auch kein Ort für den Austausch über religiöse oder kirchliche Themen gewesen (Fragen 2.2 bzw. 2.13 an MP-1). 616 Taufzeitpunkt: Frage 2.7 an MP 1; Teilnahme am Gemeindeleben: Frage 2.6 an MP 1; positiver Einfluss auf den Glauben: Frage-2.10 an MP-1. 617 Frage 1.16 an MP 2: der Fokus des RU lag auf sozialethischen Themen und Konflikten innerhalb der Lerngruppe. 618 Gebet im Alltag: Item 2.19.6 an MP 1 bzw. 1.23.6 an MP 2, beide Male volle Zustimmung; Bibellesen allein: Item 1.4.1, an beiden MP moderate Zustimmung. TN 23 ist eine von neun TN, bei denen das private Bibellesen dem privaten Gebet korreliert (s. Abschnitt 3.3.3.2.6). Bei allen neun TN ist zu beobachten, dass ihre REL-Werte zwischen MP 1 und MP 2 steigen (TN 10, TN 23, TN 58, TN 66, TN-70) bzw. auf hohem Niveau bleiben (TN-25, TN-53, TN-57, TN-67) (s. Abschnitt 3.3.3.5.3). 619 Vgl. Abschnitt 3.3.2.3.4. TN 23 im Laufe der ersten vier Studiensemester etwas ab. 613 Gegenüber einer Orientierung aus dem Alten Testament nimmt TN-23 insgesamt eine eher skeptische Haltung ein. 614 Ihr Interesse an der Bibel und ihren Glauben hat TN 23 entwickelt, ohne religiös erzogen worden zu sein; Letzteres gilt bereits für ihre Eltern. Dennoch bezeichnet sich TN 23 als religiösen Menschen. 615 Sie wurde bereits als Kind getauft. In vielen Bereichen hatte sie vor dem Studium Kontakt zum Gemeindeleben: über den Konfirmationsunterricht und eine christliche Jugendgruppe, kirchliche Mitarbeiter*innen und auch den Kreis von Freund*innen. 616 Keine maßgeblichen Impulse hat für TN 23 und ihren Weg mit der Bibel der Religionsunterricht der letzten zwei Schuljahre geliefert. 617 Insgesamt scheint TN 23 das Interesse am Glauben und der Bibel weder im familiären Umfeld noch in der Schule, sondern vor allem im Bereich kirchlicher Jugendarbeit entwickelt zu haben. Ihre Religiosität lebt TN 23 an beiden Messpunkten unter anderem durch das Gebet im Alltag und durch das Bibellesen für sich alleine. 618 Wie kann TN 23 ihr Interesse und die vorhandenen Kenntnisse im Bereich der Bibel an MP 2 in der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1) fruchtbar machen? Bei der Dilemma-Frage ordnet TN-23 den Text zunächst ein: „Der Text befasst sich meiner Meinung nach sehr kritisch mit der Lage der Menschen, die die Institution Tafel nutzen.“ Das Problem wird zugespitzt, ohne allerdings die historische Distanz zwischen biblischem Entstehungs- und heutigem Anwendungskontext zu thematisieren; es hört sich so an, als sei der Text direkt für diesen aktuellen Anwendungskontext verfasst worden. Dann antwortet TN 23 mit einer Reihe von Gegenfragen, die sich vielleicht als innerer Monolog verstehen lassen: „Kann ich jemandem, dem es schlecht geht, sagen, dass Gott alles regeln wird, wenn diese Hoffnung gerade eher unpassend wirkt? “ Damit macht TN 23 deutlich, dass sich ihre Auslegung an der Anwendungssituation zu orientieren hat. 619 Der Lösungsvorschlag 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 321 <?page no="322"?> beginnt mit drei Aussagen, die in einer Art Leitlinie das komplexe Verhältnis zwischen der Bibel, dem Kontext der Hörenden und dem eigenen Gottesbild skizzieren: „Der Text kann Hoffnung spenden und dies würde ich versuchen, in die Situation der Adressat*innen einzufügen bzw. an diese anpassen. Gott wird mir nicht Brot regnen lassen. Jedoch ist er für mich da, ich darf vertrauen, dass er mich umsorgen wird.“ TN 23 offenbart damit dezidierte Vorstellungen vom Tun Gottes, die in dieser herausfor‐ dernden Auslegungssituation für sie richtungsweisend sind. Es folgen weitere Fragen, die wiederum wie ein abwägendes Selbstgespräch auf der Suche nach einer Lösung für die Auslegung klingen: „Tut er [Gott] das [d. h., für mich zu sorgen] nicht gerade? Alles von Gott gegeben? Wir bekommen, was wir brauchen. - Darf jedoch nicht [dazu] dienen, um sich darauf auszuruhen! => Gott bereitet Weg, fliegen muss ich allein, wie ein Vogel? “ TN 23 setzt in diesem Lösungsvorschlag göttliches und menschliches Tun und Lassen miteinander in Beziehung; alles menschliche Tun geschieht im Rahmen göttlichen Tuns. Diese Deutung stellt eine der beiden verbreiteten Interpretationen in der Gruppe aller Befragten dar (vgl. Abschnitt 3.3.3.3.3). Ohne theologische Schlagworte zu verwenden, aber mit knappem Bezug auf den Bibeltext („Vogel“) wird versucht, das komplexe Problem der Notwendigkeit jeder möglichen Anstrengung seitens des Menschen bei aller Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten auf der einen Seite gegen die Gewissheit auf der anderen Seite abzuwägen, dass Gott als grundsätzlich vertrauenswürdige und fürsorgende Instanz für die Menschen da ist - auch wo sie Gottes Tun nicht unmittelbar wahrnehmen können. Darin manifestiert sich, wie TN 23 eine biblische Passage nicht nur mit der vorgegebenen Anwendungssituation, sondern auch mit den eigenen Glaubensüberzeugungen in Einklang zu bringen versucht - und zwar durch den Versuch, durch einen sehr breiten theologischen Rahmen möglichst beiden Seiten gerecht zu werden, ohne nur einer von beiden den Vorzug zu geben und die andere unter den Tisch fallen zu lassen. TN 23 wird Entwicklungstyp F zugeordnet, der sich im Bereich der Leseperspektive aus anderen Bereichen in den übertragenen Bereich bewegt (Abschnitt 4.3.6). Dieser Entwicklungstyp ist einer der weniger konsistenten Typen, da hier Teilnehmer*innen zusammengefasst werden, die sich einerseits aus dem Bereich des wörtlichen Lesens zum Bereich des übertragenen Lesens bewegen und die sich andererseits vom säkularen hin zum übertragenen Bereich entwickeln. TN-23 gehört zur ersten dieser beiden Gruppen; an MP-1 weist sie auf der LES-Achse einen Wert von 16 Punkten auf, was in den Bereich der wörtlichen Leseperspektive fällt. An MP 2 hingegen liegt sie mit 24 Punkten im Bereich des übertragenen Lesens. Zugleich steigen bei ihr die Werte für die Religiosität und auch für das Repertoire, die an MP-1 bereits im Mittelbereich lagen, zu MP-2 weiter an. Damit weist sie eine Entwicklung auf, die durchaus typisch für die Halbgruppe ist, der sie angehört. Zu dieser Einordnung von TN 23 in Entwicklungstyp F ist anzumerken, dass eine gewisse Spannung zwischen diesem Profil von TN-23, das auf der Basis der quantitativ erhobenen Daten ausgewählter Items auf den drei Achsen entwickelt wurde, und ihrer 322 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="323"?> 620 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.1.1, 3.3.3.1.3, 3.3.3.2.1.1 und 3.3.3.5.2.2. 621 D.h. die Anwahl von Item 1.4.4 an MP-2. 622 TN 23 stimmt bei Item 1.10.5 (Bibel von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufge‐ schrieben) zu, was in die Richtung einer wörtlichen Leseperspektive geht. Item 1.12.1 (tieferer Sinn des Gottesworts auch bei einem problematischen Text wie Gen 3,16) wird von ihr dagegen tatsächlichen Entwicklung zu beobachten ist, wie sie sich unter Berücksichtigung auch der qualitativen Voten zeigt. Bereits angesprochen wurde die Inkonsistenz zwischen der expliziten Ablehnung einer wörtlichen Leseperspektive an MP 1 und den Werten von TN 23 auf der LES-Achse. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass in den expliziten Anwahlen erlernte Bewertungen reproduziert werden, mit denen sich die tatsächliche eigene Position nicht notwendig deckt. Eine andere Diskrepanz tut sich im Bereich der Religiosität auf: Während TN 23 auf der REL-Achse steigende Werte im Mittelbereich aufweist, deutet trotzdem einiges daraufhin, dass die Integration der wissenschaftlichen Herangehensweise an die Bibel in ihre eigene Religiosität eine krisenbehaftete Entwicklung auslöst. 620 Darauf weist nicht nur die explizite Bejahung an MP-2 hin, dass die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben erheblich infrage stellen 621 , sondern auch die Benennung der konflikthaften Beziehung zur Bibel durch deren wissenschaftliche Behandlung in der offenen Frage 1.1 an MP 2. Dass die Werte auf der REL-Achse bei TN 23 trotzdem ansteigen, lässt sich so interpretieren, dass ihr die Konflikthaftigkeit ihres Lernprozesses bewusst ist und sie in ihrer Entwicklung trotzdem bis zu einem Punkt gelangt ist, an dem ihr eine für sie selbst hinreichend stimmige Bibelauslegung möglich ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei TN 23 der Glaube für die Bedeutung der Bibel die zentrale Dimension ist. Der Aspekt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Bibel tritt erst im Studium hinzu. TN-23 ist vergleichsweise stark an der Bibel interessiert. Dabei steht sie dem wörtlichen Lesen explizit eher skeptisch gegenüber, neigt ihm aber implizit durchaus zu. Sie hofft, aus der Bibel Orientierung gewinnen zu können, aber dass dies wirklich möglich ist, scheint im Laufe des Studiums zunehmend ein Problem zu sein. Die religiöse Prägung hat TN 23 nicht in der Familie empfangen, sondern vermutlich in der kirchlichen Jugendarbeit. Bei der Korrelation des Profils von TN 23 mit den formulierten Annahmen des For‐ schungsprojekts zeigt sich Folgendes: Bezüglich der Annahme zum Repertoire deutet die Beantwortung der Dilemma-Frage durch TN 23 darauf hin, dass ein Interesse am Anwendungsbezug des Bibeltextes besteht und diese Annahme sich also bestätigen lässt. Die Annahme im Bereich der Religiosität lautet, dass es bei der Entwicklung eines professionelleren Repertoires zu Glaubenskrisen kommen kann. Bei TN 23 finden sich in ihren frei formulierten Voten, hier vor allem bei Frage 1.1 an MP 2, und auch in der Antwort auf Item 1.4.4 an MP 2 tatsächlich Hinweise auf Elemente einer Glaubenskrise. Insofern lässt sich diese Annahme durch TN-23 ebenfalls bestätigen. Uneindeutig zeigt sich das Bild bei TN 23 im Bereich der Leseperspektive, wo es um die Tendenz zu einer wörtlicheren Leseperspektive geht. TN 23 weist mit 16 Punkten bereits an MP 1 eine wörtliche Leseperspektive auf, was als Hinweis auf eine Bestätigung der Annahme gelten kann und was sich auch mit der Positionierung bei einigen Items deckt. 622 Dabei bekundet TN 23 an beiden Messpunkten allerdings explizit, eine wörtliche 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 323 <?page no="324"?> zunächst moderat befürwortet, an MP 2 aber eher abgelehnt, womit eine Entwicklung in Richtung auf eine nicht-wörtliche Leseperspektive erkennbar ist. 623 Dazu vorne in diesem Abschnitt 5.2.6: Die moderate Ablehnung des wörtlichen Bibelverstehens bei Item 1.7.2 bzw. die Nicht-Anwahl von Item 1.13.5 sprechen für eine Negation dieser Leseper‐ spektive. Leseperspektive abzulehnen. 623 Wie bereits zuvor gesagt, ist aber nicht auszuschließen, dass es sich um eine lediglich reproduzierte Positionierung handelt. Zugleich steigen die Werte auf der LES-Achse bei TN-23 von 16 Punkten an MP-1 auf 24 Punkte an MP-2 an, womit eine Leseperspektive im übertragenen Bereich erreicht ist. Im Gesamtbild, zu dem auch die Elemente einer (auch durch die Infragestellung der wörtlichen Leseperspektive ausgelösten) Glaubenskrise gehören, zeigt sich eher eine Tendenz weg von der wörtlichen Leseperspektive, die an MP 1 vermutlich vorhanden war. In TN 23 zeigt sich ein Weg, bei dem sich die Annahme zur Leseperspektive an MP-1 bestätigt findet, dann aber eine Entwicklung genommen wird, die von dieser Leseperspektive zum übertragenen Lesen führt - was nicht ohne Elemente einer Krise auskommt. 5.2.7 TN-74 (Gruppe der „Eigenprofilierten“) Die Bibel ist für TN 74 bei Frage 1.1 an MP 1 „ein Grundbaustein des christlichen Glaubens“. Wenn TN 74 hier von „einem“ Grundbaustein spricht, könnte das darauf hindeuten, dass es noch weitere gibt, die hier aber nicht genannt werden. Wenn TN 74 die grundlegende Bedeutung der Bibel in dieser Weise beschreibt, wird zum einen die Relevanz der Bibel als christliches Buch betont, das zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft gehört, und zum anderen wird auch die Bedeutung der Bibel für den Glauben angesprochen, also die religiöse Dimension der Bibel: Die Bibel ist ein Buch, dessen Bedeutung für TN 74 darin besteht, ein zentrales religiöses Buch des Christentums zu sein. Diese Benennung zeigt Anklänge an eine religionswissenschaftlich-neutrale Perspektive, wie bereits in Abschnitt 3.3.4.1.2 angemerkt wurde. Zur Relevanz der Bibel für den eigenen Glauben verhält sich TN-74 dabei nicht. Wie sich zeigen wird, hat das seine Gründe. Im vierten Studiensemester setzt TN 74 an MP 2 bei der Beschreibung der Rolle der Bibel einen anderen Akzent: Die Bibel ist für sie nun „eine wichtige Basis für die wissenschaftliche theologische Arbeit im Studium“. Die vorherige Umschreibung als ein „Grundbaustein“ wird nun durch die einer wichtigen „Basis“ abgelöst, und an die Stelle des christlichen Glaubens, dessen Grundbaustein die Bibel zuvor war, tritt nun „die wissenschaftliche theologische Arbeit im Studium“. Damit verändert TN-74 die beiden Bezugsgrößen, durch die sie die Bibel bestimmt: An die Stelle von Christentum und Glauben als Referenzkontexte treten nun die theologische Wissenschaft bzw. die wissenschaftliche Theologie („wissen‐ schaftliche theologische Arbeit“) sowie das Studium. Gegenüber der Formulierung an MP 1 hat sich damit der Kontext, für den die Bibel für TN 74 von Bedeutung ist, verändert: Umrissen wird die Bedeutung der Bibel nun innerhalb des unmittelbaren Lebenskontextes von TN 74 im Hochschulstudium. Aus dem religiösen Buch des Glaubens an MP 1 ist ein Buch geworden, dessen wichtigste Beheimatungen Wissenschaft und Studium sind. 324 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="325"?> 624 Hierzu siehe Frage 1.2 an MP 1: TN 74 bejaht einen Kontakt mit der Bibel im Gottesdienst, im Religionsunterricht und im Konfirmand_innenunterricht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass TN-74 die Bibel weder in der Familie noch im Kindergottesdienst, im Freundeskreis, in der Jugendgruppe, in Filmen, in einem Bibel- oder Hauskreis oder auf Freizeit(en) kennengelernt hat. Allerdings nennt TN 74 in Frage 2.14 an MP 1 als Kontexte der eigenen Beteiligung am kirchlichen Leben jenseits des Gottesdienstbesuchs auch Jugendfreizeit(en) und Kinderfreizeit(en); entweder scheint es auf diesen Freizeiten keine biblischen Impulse gegeben zu haben, oder TN 74 antwortet inkonsistent. Gerade im Bereich des Konfirmationsunterrichts finden sich bei zahlreichen Be‐ fragten Inkonsistenzen (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.3.2). Eine weitere Inkonsistenz findet sich bei TN 74 an MP-2 bei Frage-1.18: Hier gibt sie an, sich jenseits vom Gottesdienstbesuch und von mit dem Studium verbundenen Pflichten gar nicht mehr am kirchlichen Leben zu beteiligen. Am gleichen MP antwortet sie aber in Frage-1.20 nach weiterem ehrenamtlichem Engagement: „Evangelische Jugend eine Woche in den Sommerferien“. Verknüpft man beide Voten, könnte das entweder auf eine inkonsistente Antwort hindeuten oder heißen, dass TN-74 die Evangelische Jugend nicht als Teil des kirchlichen Lebens wahrnimmt. Eine Erklärung für diese Einordnung könnte darin liegen, dass kirchliches Leben hier als im engeren Sinne als (orts-) gemeindliches Leben verstanden wird; über Mutmaßungen können solche Überlegungen allerdings nicht hinausgehen. 625 TN 74 liest die Bibel nie für sich alleine (Item 1.4.1 an beiden MP: gar nicht). Andererseits hört sie nicht nur Auslegungen von biblischen Texten (Item 1.4.3 an MP 1: sehr), sondern liest die Texte zusammen mit anderen oder in einer Gruppe (Item 1.4.2 an MP-1: eher) und hat auch selbst Andachten und Gottesdienste gestaltet (Item 1.4.4 an MP-1: eher). Das ist allerdings seltener als mehrmals im Jahr geschehen (Item 1.3.6 an MP-1). An MP-2 verneint TN-74 die Items 1.4.1-1.4.3 dezidiert [Item 1.4.4 hat an MP-2 einen anderen Inhalt]. Dem entspricht, dass die Bibel von TN-74 an MP-2 gar nicht mehr gelesen wird (Item 1.3.7). 626 „Die Bibel ist für mich nicht wichtig“ (Item 1.4.5): MP 1 und 2: „trifft eher zu“; Wichtigkeit der Bibel für den eigenen Glauben (Frage-1.6): MP-1: „eher unwichtig“, MP-2: „unwichtig“. 627 Als einzige TN der ganzen Befragung antwortet TN 74 bei Item 2.5.2 („Ich halte mich für einen religiösen Menschen“) an MP-1 mit „gar nicht“ (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.2.2). 628 Item 1.23.5 („Der Glaube spielt in meinem Leben keine Rolle“: MP-1 [dort Item 2.19.5] und MP-2: eher ja) und Item 1.23.13 („Ich glaube an Gott“: MP 1 [dort Item 2.19.13]: gar nicht, MP 2: eher nein). 629 An MP 1 sieht TN 74 für sich die Schwierigkeiten mit der Bibel überwiegend bei ethischen Fragen (Items 1.9.2, 1.9.3, 1.9.6 und 1.9.8: Stellung der Bibel zu Homosexualität, Frauen, Sklaverei und Todesstrafe) oder theologischen Aspekten (Item 1.9.1: Gewalt im Gottesbild, 1.9.5: Sieben-Tage- Schöpfung), aber nur an einem Punkt in einer allgemeineren Charakterisierung der Bibel (1.9.7: Bibel ist altertümlich und schwer verständlich). 630 Item 1.9.11 („Besonders schwierig finde ich in der Bibel …“ => nichts) wählen an MP 1 nur TN 15, TN-30 und TN-53 und an MP-2 nur TN-13, TN-35 und TN-74 an. Vor Studienbeginn hatte TN 74 vergleichsweise wenige Berührungspunkte mit der Bibel, 624 die alle im Bereich öffentlicher Religiosität liegen. Dem entspricht ein eher sporadisches, an Gruppenkontexte gebundenes Umgehen mit der Bibel an MP 1. An MP 2 hat TN 74 außerhalb des Studiums gar nicht mehr mit der Bibel zu tun. 625 Die Bibel ist für TN-74 und für ihren Glauben insgesamt eher unwichtig. 626 Diese Aussage ist allerdings auch vor dem Hintergrund zu verstehen, dass TN-74 als einzige Teilnehmer*in in beiden Kohorten angibt, kein religiöser Mensch zu sein 627 und nicht an Gott zu glauben 628 . Dass sich die Haltung von TN 74 gegenüber biblischen Texten im Laufe der ersten Studiensemester verändert, lässt sich auch anhand der Benennung von Schwierigkeiten ersehen, die sie für sich in der Bibel wahrnimmt. Während sie an MP 1 noch eine Reihe unterschiedlicher Punkte als problematisch bezeichnet, 629 haben sich an MP 2 all diese Fragen anscheinend erledigt: Nun findet sie nichts mehr in der Bibel schwierig. 630 Vor dem 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 325 <?page no="326"?> 631 Dem ersten spontanen Gedanken folgen: Item 1.5.2. Mit 0 Anwahlen bei Frage 1.5 an einem der beiden Messpunkte ist TN-74 die einzige Teilnehmer*in, die in dieser Weise votiert. 632 Bei den Items 1.5.5 und 1.5.6 gibt TN-74 an beiden Messpunkten an, nicht nach den geschichtlichen Hintergründen biblischer Texte zu fragen und auch keine Informationen dazu nachzuschlagen. Die Antworten auf die Items 1.7.1 (mehr Wissen über Regeln und Methoden der Bibelauslegung gewünscht) und 1.7.3 (es fehlen Informationen zum tieferen Verständnis biblischer Texte) lauten an MP 1, dass Methodenwissen eher gewünscht wird, zugleich aber eher keine Informationen fehlen. An MP 2 wird in Item 1.7.1 die Zufriedenheit mit dem eigenen Wissensstand über die Methoden der Bibelauslegung abgefragt; diese ist bei TN 74 sehr ausgeprägt. Allerdings wird nun Item 1.7.3 eher bejaht, d.-h. dass noch Informationen zum Bibelverständnis fehlen. In diese letztgenannte Richtung gehen auch die Antworten auf die Items 1.8.3 und 1.8.4 an MP 1 (bzw. die Items 1.8.1 und 1.8.2 an MP 2): TN 74 wünscht sich mehr methodisches Handwerkszeug bzw. mehr Wissen über die Hintergründe biblischer Texte. Auch wählt TN 74 an beiden Messpunkten Item 1.13.9 an und bejaht damit, dass sie im Studium mehr über die Hintergründe biblischer Texte erfahren möchte, um sie sachgerecht auslegen zu können. 633 Laut der Antwort auf Item 1.4.4 an MP 2. Es ist damit nicht so, dass TN 74 in den ersten vier Studi‐ ensemestern eine Haltung gegenüber biblischen Texten entwickeln konnte, die eine Vereinbarkeit von Glauben und wissenschaftlichen Zugängen ermöglichen würde, sondern der eigene Glaube ist für TN 74 keine relevante Größe (mehr? ) und kann entsprechend auch nicht von wissenschaftlicher Exegese infrage gestellt werden. 634 Item 1.7.2 („ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe“) an MP 1: eher ja, an MP 2: gar nicht; Item 1.10.5 („Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden“) an MP 1: gar nicht; an MP 2: eher nicht; 1.13.5 („Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nichts so viel über ihre Hintergründe wissen muss“) an beiden Messpunkten: nicht angewählt; 1.12.1 (ist Gen 3,16 so zu verstehen, dass hinter dieser Aussage ein tieferer Sinn steht und man sich daran halten sollte? ) an beiden Messpunkten: gar nicht. Eine Abweichung hiervon stellt (neben Item 1.7.2 an MP 1, s. o.) Item 1.10.4 dar, wo ein säkulareres Bibelverständnis angeboten wird (die Bibel als von Menschen aufgeschriebene Erlebnisse mit Gott); hier antwortet TN 74 an MP 1 mit „eher nein“, an MP 2 dann aber - übereinstimmend mit den sonstigen Antwort-Trends in diesem Bereich - mit „eher ja“. Hintergrund der Gesamtentwicklung von TN 74 wird dies kaum daran liegen, dass all diese Fragen durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Bibel im Studium ausgeräumt werden konnten, sondern eher daran, dass sie mittlerweile mangels Interesse an der Bibel obsolet geworden sind. Diese These lässt sich anhand der Herangehensweise von TN 74 an biblische Texte verifizieren. Dazu gibt TN 74 an MP 1 lediglich an, den ersten spontanen Gedanken zu folgen; an MP 2 wird gar nichts mehr angewählt. 631 Davon abgesehen lässt sich aber auch nicht behaupten, dass TN 74 keinerlei Interesse an Methodenwissen zur Bibel hätte. Allerdings ist das Gesamtbild hierzu inkonsistent. 632 Insgesamt stellen die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den Glauben von TN 74 nicht infrage, 633 und zwar in Ermangelung eines solchen Glaubens. In diesen Kontext ist auch der bereits genannte Wunsch nach mehr Informationen über die Hintergründe biblischer Texte einzuordnen: TN 74 liest die Bibel ohne Glaubensbezug, also im Rahmen eines säkularen Bibelverständnisses. Damit korrespondiert die ziemlich klar ablehnende Haltung von TN 74 gegenüber der Legitimität eines wortwörtlichen Lesens der Bibel. 634 Das Bibelverständnis von TN 74 lässt sich unter Rückgriff auf weitere Items präzisieren. So scheint TN 74 in der Bibel zwar keine große Nähe zum eigenen Leben zu erkennen, aber in den Texten trotzdem eine gewisse allgemeine Relevanz sehen zu können, die allerdings 326 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="327"?> 635 Zwar kann sich TN 74 mit dem eigenen Leben in biblischen Texten nicht wiederfinden (Item 1.10.1: deutliche Ablehnung an beiden MP). Das heißt allerdings nicht, dass die Bibel alte Texte überliefern würde, die keine Relevanz für ihr Leben hätten (Item 1.10.3, an beiden Messpunkten eher ablehnend) - im Gegenteil überliefert die Bibel Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind (Item 1.10.2: moderate Zustimmung an beiden Messpunkten). Diese Haltung hat aber nicht zur Konsequenz, dass TN-74 mehr darüber wissen wollte, wie aus der Bibel Werte für das eigene Leben abgeleitet werden können (Item 1.7.4, nur an MP-2 erfragt). 636 Abgelehnt wird, dass die Bibel das Wort Gottes ist, das uns Orientierung bietet (Item 1.10.6, nur an MP 2 gefragt). Entschiedene Ablehnung erfährt die Aussage, dass die Bibel die Wegweiserin in allen Lebensfragen sei (Item 1.10.7 an beiden Messpunkten). Ebenso entschieden lehnt TN 74 ab, dass das Alte Testament Regeln und Gesetze enthielte, die für die eigene Lebensgestaltung wichtig wären (Item 1.11.6, nur an MP 2 erfragt), und in die gleiche Richtung geht die moderate Zustimmung zu der Aussage, dass man sich an einem Text wie Gen 3,16 heute nicht mehr orientieren kann (Item 1.12.6, nur an MP-2 erfragt). 637 Im Einzelnen: TN 74 wurde „eher nicht“ religiös erzogen (Item 2.5.1), ebenso die Mutter (Item 2.5.3), doch der Vater ist „eher“ religiös erzogen worden (Item 2.5.4). Eine Gebetspraxis wurde in der Familie kaum gepflegt (Fragen 2.3 und 2.4 an MP 1); entsprechend gehört das Gebet auch für TN 74 an beiden Messpunkten nicht zum Alltag dazu (Item 2.19.6 an MP 1 bzw. Item 1.23.6 an MP 2). In der Familie wurde nicht häufig über religiöse oder kirchliche Themen gesprochen (Frage 2.2 an MP 1), wobei sie trotzdem ein Ort des Austauschs über solche Themen gewesen ist (Frage 2.13 an MP 1). Einen positiven Einfluss auf die Einstellung zum Glauben hat die Mutter ausgeübt (Item 2.10.1 an MP 1), aber auch der Konfirmationsunterricht (Item 2.10.9 an MP 1) sowie ein konfessioneller Kindergarten (Item 2.10.10 an MP 1). In den letzten beiden Schuljahren hatte TN 74 keinen Religionsunterricht (Item 1.15.2 an MP-2). 638 Frage 1.18 an MP 2: kein kirchliches Engagement mehr (damit übereinstimmend bei Frage 1.19 an MP 2 [Beurteilung des kirchlichen Engagements] keine Anwahl von Antworten mehr); hingegen Frage 2.14 an MP 1: positiv in Bezug auf die Beteiligung an Kinder- und Jugendfreizeiten, wobei dieses Engagement in Frage 2.15 an MP 1 „eher nicht“ in Verknüpfung mit der christlichen Tradition, nicht den Bereich persönlicher ethischer Entscheidungsfindung tangiert: 635 Auf die Fragen nach ethischer Orientierung aus der Bibel antwortet TN-74 ablehnend. 636 Damit zeigt sich bei TN-74 ein Bibelverständnis, dessen grobe Linien sich folgendermaßen umreißen lassen: Einerseits besteht teilweise der Wunsch nach mehr Hintergrundinforma‐ tionen zu biblischen Texten oder auch nach mehr Methodenwissen zur Bibelauslegung, und ein wortwörtliches Verständnis der Bibel findet keine Zustimmung. Im Gegenteil: Die Tendenz geht bei TN 74 in Richtung eines säkularen Bibelverständnisses. Die Grundlage einer solchen Leseperspektive besteht andererseits aber darin, dass TN-74 kein religiöser Mensch und der Glaube insofern keine relevante Größe ist. Deshalb kann die Bibel für TN 74 von vornherein keine Glaubensrelevanz besitzen. Das bedeutet allerdings nicht, dass TN 74 die Bibel für völlig irrelevant halten würde; sie ist durchaus von einer gewissen theoretischen Bedeutung, die aber nicht greift, wenn es um allgemeinere ethische Maßgaben oder die Orientierung im eigenen Leben geht. Worin genau die positive Bedeutung der Bibel für TN 74 besteht, lässt sich anhand der abgegebenen Voten nicht ermitteln. Welcher religiöse Hintergrund steht hinter diesem Bibelverständnis von TN 74? Von der familiären Herkunft her scheint dieser Weg nicht klar vorgezeichnet gewesen zu sein. Während TN 74 an MP 1 noch nicht eindeutig negativ über die eigene Religiosität und die Bindung an den christlichen Glauben spricht, 637 verändert sich das an MP 2 zu einer ablehnenden Haltung. Hatte sich TN 74 an MP 1 noch im Rahmen von Freizeiten am kirchlichen oder religiösen Leben beteiligt, ist das an MP-2 nicht mehr der Fall. 638 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 327 <?page no="328"?> als Ausdruck des Glaubens, als Ort religiöser Erfahrung oder als Möglichkeit gesehen wird, andere für Glauben und Kirche zu begeistern. 639 Vgl. Abschnitt 3.3.2.3.2. 640 Vgl. Abschnitt 3.3.3.3.3. 641 Da es sich im Text um ein Jesuswort handelt, ließe sich dieses Votum auch mit der Antwort in Item 1.13.8 verknüpfen, wo es um die Frage nach besonders wichtigen Aspekten bei der Bibelauslegung geht; an beiden Messpunkten wählt TN 74 nicht an, dass es besonders wichtig ist, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist. Von den Schlussfragen an MP 2 mit der Dilemma-Situation beantwortet TN 74 nur diejenige, bei der es um die Schwierigkeiten mit dem Text im vorgegebenen Kontext geht. Die Frage nach möglichen Lösungsansätzen lässt TN 74 offen. Zu den Problemen mit dem biblischen Text im Kontext der Tafel äußert sich TN-74 bei Frage-2.1.1: „Die Voraussetzungen für Leben sind unter anderem die Versorgung mit Essen und Trinken, also kann man nicht einfach sagen, dass man sich darum nicht sorgen soll. Von alleine wird der Kühlschrank nicht voll und wenn man darauf wartet, dass Gott einen ernährt, dann verdurstet und verhungert man. Der Vergleich zu den Vögeln ist da auch wenig hilfreich, da diese sich schließlich auch um ihr Essen bemühen müssen, da sie sonst verhungern würden.“ In dieser Problembeschreibung demonstriert TN-74 einerseits, dass sie in der Lage ist, den Bibeltext in einzelnen Worten aufzunehmen und auch Fachterminologie zu verwenden, wenn sie von einem „Vergleich“ zwischen Menschen und Vögeln spricht. 639 Andererseits folgt TN 74 ihrer säkularen Leseperspektive, wenn sie sich an zwei Punkten gegen Aussagen des Bibeltextes wendet: 640 Man kann erstens „nicht einfach sagen, dass man sich darum [um die Versorgung mit Essen und Trinken] nicht sorgen soll“, und zweitens wird bestritten, dass die Vögel von Gott versorgt werden, „da diese sich schließlich auch um ihr Essen bemühen müssen“. Mit ihren beiden Einsprüchen und ihrer Argumentation zeigt TN 74, dass in ihrem Bibelverständnis nichts von einem irgendwie „autoritativen“ oder gar „heiligen“ Text mitschwingt. Im Gegenteil: Weil Gott eben nicht Menschen und Tiere ernährt und die Vögel insofern kein Vorbild sind, da sie sich auch nicht auf die Versorgung durch Gott verlassen, werden nach TN 74 implizit im Bibeltext falsche oder zumindest naive Behauptungen aufgestellt. 641 Der biblische Text ist deshalb einer Art Vernunftkritik zu unterziehen, vor der ihn eine irgendwie geartete besondere Hochschätzung nicht bewahren kann, weil diese ihm von TN-74 nicht entgegengebracht wird. Dabei liest TN 74 den Text als Beschreibung eines Ist-Zustands. Sie überlegt nicht, ob hier vielleicht eine übertragene Bedeutung vorliegen könnte, durch die sich die Kollision mit den heutigen vernunftbasierten Erkenntnissen von TN 74 über die Nahrungsgewinnung womöglich etwas abmildern ließe. Auch wird weder auf die Dimension des „Mehr“ im Text (Leben ist mehr als Nahrung, Leib ist mehr als Kleidung) eingegangen, die den Zugang zu einer eher übertragenen Verstehensweise hätte öffnen können, noch auf den Aspekt des „Sammelns“, der beispielsweise TN 30 eine eigene kreative Lösung ermöglicht hat (vgl. Abschnitt 5.2.4). Auch im theologischen Gehalt der Antwort von TN 74 zeigt sich eine deutliche Abgren‐ zung von den Prämissen des Textes. Im Text wird Gott als „himmlischer Vater“ bezeichnet, der für die Vögel und mehr noch für die angesprochenen Menschen sorgt. Für TN 74 328 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="329"?> 642 Gemeint sind hier Item 1.13.3 („Ich möchte Texte besser verstehen können, in denen Gott gewalttätig dargestellt wird“), das an beiden Messpunkten als für die eigene Bibelauslegung wichtig angewählt wird, sowie Item 1.9.1 („Besonders schwierig finde ich in der Bibel die Texte, in denen Gott rachsüchtig oder gewalttätig erscheint“), das an MP 1 angewählt wird, aber an MP 2 nicht mehr, wo TN-74 angibt, dass ihr in der Bibel nichts (mehr) besonders schwierig vorkommt. ist Gott keine solche Größe, von der Versorgung oder auch nur Hoffnung zu erwarten wäre. Das geht aus dem zweiten der drei Antwortsätze hervor: „[…] wenn man darauf wartet, dass Gott einen ernährt, dann verdurstet und verhungert man.“ Man muss TN 74 nicht unterstellen, dass Gott als kalter, herzloser Potentat bezeichnet werden soll, dem das Verdursten und Verhungern der Menschen egal wäre, auch wenn ein solches Gottesbild an manche der vorherigen Voten von TN 74 anschließen könnte. 642 Nach den vorangegangenen Ausführungen von TN 74 mit der zunehmenden Abwesenheit von Religiosität und Glauben scheint Gott gar keine relevante Größe zu sein, in die man entsprechend auch keine Hoff‐ nung setzen sollte. Angesichts der sonst recht klaren, unpolemischen Position von TN 74 an diesem Punkt überrascht es allerdings etwas, dass sie keine Differenzierung zwischen der eigenen Haltung und der des biblischen Textes vornimmt, sondern sich direkt gegen den biblischen Text wendet. Eine theoretische Option wäre hier - gerade vor dem Hintergrund des (teilweise und uneindeutig) bekundeten Interesses an Bibelauslegungsmethoden - auch eine historische oder kontextuelle Einordnung des Textes gewesen. Dass eine solche Einordnung nicht vorgenommen wird, passt allerdings zu der Entwick‐ lung, die TN 74 auf der Achse des Repertoires nimmt. Die ohnehin nicht so hohen Werte sinken zwischen den beiden Messpunkten noch einmal ab, was auf einen Rückgang des auslegerischen Repertoires hinweist. Auf der Achse der Leseperspektive beginnt TN 74 im Bereich des säkularen Lesens und entwickelt sich in Richtung des übertragenen Bereichs. Ein solches übertragenes Lesen macht sich allerdings in der zuletzt betrachteten Antwort auf die Dilemma-Situation nicht bemerkbar, die deutlich säkulare Züge aufweist. Die Werte auf der Religiositäts-Achse sind an MP 1 bereits niedrig und verringern sich im Verlauf noch weiter, was angesichts der bisherigen Ausführungen nicht überrascht. In Kapitel 4 wurde TN 74 der Gruppe der „Eigenprofilierten“ zugeordnet (Abschnitt 4.3.7). Dies ist kein Entwicklungstyp, der eine bestimmte Entwicklung auf den Achsen gemeinsam hätte, sondern ein Sammelbecken für diejenigen Befragten, die sich mit ihren Werten keiner der anderen Gruppen zuordnen lassen. In dieser Gruppe ist TN 74 eine der prägnantesten „Eigenprofilierten“. Zusammenfassend kann TN 74 als Person mit durchgängig distanzierter und zunehmend säkularer Haltung zur Bibel beschrieben werden. Dem entspricht eine klare Ablehnung einer wörtlichen Leseperspektive. Da TN 74 sich als nicht religiös bezeichnet und der Glaube keine relevante Größe ist, kann die Bibel für sie in diesem Bereich auch keine Bedeutung haben. Allerdings erkennt TN 74 an, dass die Bibel für christliche Gläubige Relevanz besitzt. Für sie selbst wird die Bibel in den ersten Studiensemestern eher zum Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung. Dabei gab es vor dem Studium noch einige Berührungspunkte mit der Bibel, die mit Studienbeginn allerdings wegfallen. An der Bibel ist TN 74 an und für sich nicht desinteressiert; zu Studienbeginn scheinen ihr viele - vor allem ethische - Aussagen der Bibel problematisch. In den ersten vier Semestern kann 5.2 Vorstellung und Einordnung der ausgewählten Teilnehmer*innen 329 <?page no="330"?> 643 Bei Frage 2.20 gibt TN 74 an MP 1 als Motiv für die Studienwahl das Doppelstudium an; es wäre möglich, dass sie sich für das Doppelstudium mit dem Fach Religionspädagogik entschieden hat, um sich über den eigenen Glauben und die eigene Religiosität klarer werden zu können. Unter dieser Prämisse betrachtet könnte der Weg, den TN 74 in den ersten vier Studiensemestern genommen hat, durchaus als ertragreich angesehen werden, denn das ohnehin eher säkulare Bibelverständnis und die distanziertere Religiosität konnten geklärt werden: TN 74 scheint für sich zu der Erkenntnis gelangt zu sein, dass die Bibel für sie persönlich kein besonders relevantes Buch ist und dass der christliche Glaube keine für ihr Leben wichtige Größe ist. Am (vorläufigen? ) Endpunkt dieser Such- oder Klärungsbewegung steht eine recht konsistente säkulare Haltung zur Bibel. TN 74 dann aber für sich klären, dass die Bibel für sie zunehmend weniger relevant ist. 643 So begegnet uns in TN 74 ein recht konsistentes säkulares Bibelverständnis. Aufgrund mangelnden eigenen Glaubens besitzt die Bibel für TN 74 an diesem Punkt keine Relevanz, aber es wird konzediert, dass die Bibel für gläubige Menschen und auch sonst eine gewisse Lebensrelevanz besitzen kann. Diese erstreckt sich allerdings nicht auf den Bereich ethischer Orientierung und nicht auf TN-74. Hinsichtlich der im Forschungsprojekt getroffenen Annahmen bereitet das besondere Profil von TN 74 gewisse Schwierigkeiten, weil TN 74 grundlegende Voraussetzungen nicht teilt, von denen bei der Entwicklung der Annahmen ausgegangen wurde. Im Hinblick auf die Annahme zum Repertoire lässt sich bei TN 74 kaum feststellen, dass sie ein Interesse am Anwendungsbezug biblischer Texte hätte; eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Weil TN-74 kein Interesse an der Bibel als persönlicher Glaubensbasis oder Lebensorientierung besitzt, verwendet sie ihre Kräfte im Studium auch nicht auf das Erlernen von theoretischen oder methodischen Hintergründen der Bibel. Insofern ist ihre Motivlage eine andere, als es bei der Annahme zum Repertoire vorausgesetzt wird, weshalb eine Bestätigung dieser Annahme anhand von TN 74 nicht möglich ist. Auch bei der Annahme zur Religiosität liegt bei TN 74 ein ähnlicher Sachverhalt vor wie der soeben bei der Annahme zum Repertoire beschriebene: Da TN 74 von sich explizit als nicht gläubigem bzw. religiösem Menschen spricht, kann sie also von vornherein gar keine Glaubenskrise durchmachen. Insofern lässt sich auch zu dieser Annahme hier nichts sagen. Doch immerhin zur Annahme zur Leseperspektive lässt sich ein eindeutiges Bild gewinnen: Bei TN 74 mit ihrer säkularen Leseperspektive ist keinerlei Neigung zum wörtlichen Lesen festzustellen. Zwar nehmen die Werte auf der LES-Achse von 36 Punkten an MP 1 (säkularer Bereich) auf 27 Punkte an MP 2 (übertragener Bereich) ab, aber es wäre vom Gesamtbild her völlig verfehlt, dies als Entwicklung zum wörtlichen Lesen zu betrachten. 5.3 Ergebnis In diesem Fazit kann es nicht darum gehen, aus den nun eingehend betrachteten sieben Teilnehmer*innen eine Art von „repräsentativem“ Bild für die Entwicklungstypen oder für die Befragten insgesamt zu gewinnen. Ein solches Bild wurde bereits auf breiter Basis in Kapitel 3 gewonnen. An dieser Stelle seien einige vertiefende Beobachtungen hervorgehoben: 330 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="331"?> 644 Vgl. Abschnitt 3.1.2. 645 Gemeint sind hier die Items 1.13.4 und 1.13.9 an beiden MP, wo die TN angeben, ob sie Texte besser verstehen können wollen, in denen Gott gewalttätig dargestellt wird (Item 1.13.4) bzw. ob sie mehr über die Hintergründe der Bibel erfahren wollen, damit sie sie sachgerecht auslegen können (Item 1.13.9). • Eine familiäre religiöse Sozialisation hat - was sich auch schon vorher für die Gesamtheit der Befragten gezeigt hat 644 - weniger als die Hälfte der Teilnehmer*innen erfahren. In der Gruppe der hier näher betrachteten sieben Teilnehmer*innen ist der Anteil noch einmal geringer; die religiös Erzogenen bilden nun die Ausnahme (TN-32 und TN 60 gegenüber den anderen fünf Personen, auf die das nicht zutrifft). Im Grunde ist es erstaunlich, dass diese jungen Menschen trotzdem einen kirchlichen Beruf für sich in Betracht ziehen. • Der Kenntnisstand über die Bibel und ihre Auslegung(sbedürftigkeit) ist bei Studien‐ beginn sehr unterschiedlich; die Spanne reicht von eher breiten Kenntnissen (TN 30 und TN 60) bis zu kaum vorhandenen Kenntnissen (TN 49 und TN 74). Für eine ganze Reihe von Studierenden ist das Bibelstudium deshalb eine Zeit des Nachholens bisher nicht erworbener Kenntnisse. • Die meisten Teilnehmer*innen wünschen sich, Orientierung aus der Bibel zu gewinnen, aber es wächst im Laufe der ersten Studiensemester die Skepsis, wie diese Orientierung aus der Bibel zu erheben ist. • Es gibt kaum Teilnehmer*innen, die sich konsistent explizit und sowohl durch die Werte auf der LES-Achse wie auch durch die qualitativen Antworten im Bereich einer wörtlichen Leseperspektive positionieren. Jenseits dieser Beobachtungen lassen sich noch weitere Erkenntnisse gewinnen, die teilweise schon angedeutet wurden und hier noch einmal Bestätigung finden. Besonders auffällig ist dabei der Bereich unterschiedlicher Inkonsistenzen in den verschiedenen - also den quantitativen bzw. qualitativen - Teilen der Untersuchung. Wo und wie treten solche Inkonsistenzen zutage? Erstens finden sich Inkonsistenzen innerhalb der quantitativen Panelitems, also bei expliziten Anbzw. Abwahlen oder Voten, und zwar bei verschiedenen Personen in unterschiedlicher Weise. Diese Inkonsistenzen werden nun genauer betrachtet, und es werden Erklärungen vorgeschlagen: • TN 51 (Entwicklungstyp A) weist Inkonsistenzen in den Bereichen „Herangehen an die Bibel“ sowie „Interesse an ihrer methodischen Erschließung“ auf. Ein Vorschlag für eine mögliche Erklärung wurde bereits am Ende von Abschnitt 3.3.4.2.3 gemacht: Denkbar ist, dass motivationale Aspekte des Repertoires 645 nicht identisch sind oder sein müssen mit der eigenen Praxis, wie sie in Frage 1.5 zum Repertoire deutlich wird. • Bei TN 51 zeigt sich eine weitere Inkonsistenz zwischen den unterschiedlichen Angaben zur Relevanz der Bibel. Ein Erklärungsvorschlag lautet, dass vielleicht eine Art „Entkoppelung“ stattfindet: Eine absolute, nicht näher bestimmte Relevanz der Bibel wird von der persönlichen und religiös grundierten Glaubensrelevanz der Bibel getrennt; beide werden quasi separat betrachtet. Das könnte möglicherweise einen Versuch der Vermeidung von Konflikten zwischen den beiden Bereichen darstellen. 5.3 Ergebnis 331 <?page no="332"?> 646 Anders als bei TN 51 lassen sich diese Inkonsistenzen nicht durch die Entkoppelung von Glaubens- und andere Relevanzen der Bibel auflösen. 647 Das Problem wurde bereits in Abschnitt 3.2.4.3.1 angesprochen. 648 Das Phänomen der „fluktuierenden halben Kohorte“ wurde sowohl für den Bereich der Religiosität (vgl. Abschnitt 3.3.3.2.6) als auch für den Bereich der Leseperspektive (vgl. Abschnitt 3.3.4.2.1) beschrieben. 649 Und zwar in den Items 1.7.2 („Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe“) und 1.13.5 (wichtig bei der eigenen Bibelauslegung: „Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nicht so viel über ihre Hintergründe wissen muss“); vgl. Abschnitt 3.3.4.2.1. • TN 32 (Entwicklungstyp C): TN 32 macht widersprüchliche Angaben zu fast allen Aspekten des Bibelauslegens: im Hinblick auf den Wunsch, mehr über bibelwissen‐ schaftliche Methoden erfahren zu wollen (oder nicht); im Hinblick auf das Interesse, die Bibel und ihre Hintergründe besser kennenlernen zu wollen (oder nicht); im Hinblick auf das konkrete Umgehen mit der Bibel; im Hinblick auf die (Ir-)Relevanz der Bibel; 646 im Hinblick auf die Orientierung aus der Bibel, auf das Verhältnis AT-NT sowie die Schwierigkeiten mit der Bibel. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass TN 32 vielleicht nicht alle Fragen sorgfältig gelesen und mit ihren Implikationen korrekt ver‐ standen hat; gerade bei negativ konnotierten Items kann dies ein Problem darstellen. 647 Eine andere Möglichkeit wäre, dass TN-32 sich in mehreren Positionierungen erprobt und entweder nicht in der Lage ist, eine in sich stimmige Positionierung zu entwickeln, oder eine solche nicht anstrebt, weil sie recht gut mit einer solchen „Mehrstimmigkeit“ leben kann. • TN 49 (Entwicklungstyp E) weist Inkonsistenzen beim Verhältnis zur Bibel auf. Die Bibel ist für sie (Item 1.4.5) bzw. für ihren Glauben (Frage 1.6) an beiden MP eher unwichtig, aber zugleich (Item 1.4.3 an MP 2) im Studium für den Glauben wichtiger geworden. Eine denkbare Erklärung wäre, dass die Voten einerseits auf das Alte (Skepsis, eher negativ) und andererseits auf das Neue Testament (Zutrauen und Erwartung von Orientierung, eher positiv) zu beziehen sind. Aber auch diese Erklärung muss hypothetisch bleiben. • TN 74 (Gruppe der Eigenprofilierten) zeigt ein sehr heterogenes Antwortverhalten im Hinblick auf das Interesse an Methodenwissen zur Bibel. Das ließe sich eventuell als schwankende Position im Rahmen der Herausbildung eines immer klareren Desinteresses am Glauben deuten, was aber hypothetisch bleiben muss. Doch ein gewisses wissenschaftliches Interesse an der Bibel ist vorhanden. - Bei den beiden letztgenannten Teilnehmer*innen (TN 49 und TN 74) fällt auf, dass sie in der hier genauer betrachteten Gruppe der sieben Personen diejenigen sind, die am ehesten ein säkular grundierte Leseperspektive aufweisen. In Anknüpfung an diese Beobachtung ließe sich die Vermutung formulieren, dass diese säkulare Grundierung ein Faktor sein könnte, der mit dazu führt, dass eher variable und nicht konsistente Positionierungen eingenommen - oder mit Verweis auf die „fluktuierende halbe Kohorte“ 648 erprobt - werden. Eine andere Art von Inkonsistenzen betrifft die Leseperspektive, und zwar insbesondere den Widerspruch zwischen Aussagen zur wörtlichen Leseperspektive: Explizit 649 wird eine 332 5 Einzelauswertungen ausgewählter Teilnehmer*innen <?page no="333"?> 650 Frage-1.1 an beiden MP und Frage-2.1 an MP-2. wörtliche Leseperspektive verneint, aber sowohl bei den offenen Fragen 650 als auch bei anderen Panelitems zeigen sich Voten oder Positionierungen, die doch für eine solche Leseperspektive sprechen. Dieses Phänomen lässt sich bei TN 51, TN 32, TN 30 und TN 23 beobachten. Ein Deutungsvorschlag hierzu lautet, dass es sich bei der wörtlichen Leseper‐ spektive um eine Positionierung handelt, die als negativ „gewusst“ wird, wobei diese Bewertung lediglich reproduziert wird, ohne verstanden worden zu sein bzw. ohne deshalb in Beziehung gesetzt zu werden mit der eigenen Leseperspektive. Eine weitere, ähnliche Erklärung stützt sich auch auf hier nicht eingehender behandelte Teilnehmer*innen. Sie lautet, dass manche Studierende in unterschiedlichen Denominationen sozialisiert wurden und entsprechend mehr als eine mögliche Positionierung „gelernt“ haben. Zwischen diesen einen individuell tragfähigen Kompromiss herzustellen, kann sehr herausfordernd sein und gelingt nicht in jedem Fall bereits im Bibelstudium. Mit dieser Inkonsistenz ist eine weitere, dritte verwandt. Hier liegt die Konfliktlinie vor allem zwischen den Anwahlen im quantitativen Teil des Panels auf der einen und den offenen Antworten bei Frage 2.1 an MP 2 auf der anderen Seite. In der Dilemma- Frage gehen manche Teilnehmer*innen - wie etwa TN 60 - in einer Weise vor, die ihren ansonsten erklärten Positionierungen oder Fähigkeiten nicht entspricht. TN 60 kann in ihrer rein auf die Tafel-Situation fokussierenden Antwort bei der Dilemma- Analyse das Reflexionsniveau nicht halten, das sie sonst im Bereich der Bibelauslegung erkennen lässt. Mögliche Erklärungen für diese Art von Inkonsistenz können sein, dass die Teilnehmer*innen entweder nicht über die entsprechenden Kompetenzen verfügen, oder dass ihnen die Anwendung des Gewussten in der konkreten Ad hoc-Befragungssituation nicht gelingt. Letzteres könnte vor allem an mangelnder Übung der Umsetzung des im Prinzip als richtig Erkannten liegen. In gewisser Weise zeigt sich in dieser Inkonsistenz ein Erfolg des Mixed Methods-Ansatzes: Das Bibelverständnis der Befragten wird nicht nur (in den Panelfragen und -items) in Form von Selbsteinschätzungen der Studierenden abgefragt, in denen die Teilnehmer*innen kundtun, was sie von sich, ihren Haltungen und Fähigkeiten denken oder was sie gerne tun können oder würden. Vielmehr werden diese Aspekte hier auch anhand eines konkreten Arbeitsergebnisses erhoben, denn in Frage 2.1 an MP 2 müssen die Teilnehmer*innen demonstrieren, was sie tatsächlich zu leisten willens oder imstande sind. Wie sich zeigt, ergeben diese beiden unterschiedlichen Perspektiven nicht unbedingt identische Ergebnisse; manchmal widersprechen sich die Resultate geradezu. In jedem Fall aber kann ein vollständigeres Bild dessen gezeichnet werden, was die Studierenden in ihrem Bibelstudium an Fortschritten erzielen können oder wollen. Insgesamt lässt sich bei dieser Betrachtung anhand der kompletten Fragebögen an beiden Messpunkten erneut beobachten, dass die Teilnehmer*innen sehr unterschiedliche Erkenntnis- und Entwicklungswege aufweisen. Im Vergleich mit Kapitel 4 lassen sich durch die Berücksichtigung der qualitativen Teile der Paneluntersuchung die einzelnen Profile noch einmal schärfen und präzisieren, wodurch ihre Individualität weiter zunimmt. 5.3 Ergebnis 333 <?page no="335"?> 651 Vgl. die Abschnitte 1.2.1 und 2.1. 652 Vgl. Abschnitt 1.5.3. 653 Vgl. Abschnitte 2.1.1.-2.1.3. 6 Ergebnisse 6.1 Ergebnisse der Paneluntersuchung 6.1.1 Ausgangspunkt: Forschungsfrage, drei Achsen und drei Annahmen Die Forschungsfrage des hier vorgestellten Projekts lautet: „Welche Veränderungsprozesse sind bei Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? “ 651 Um diese Frage beantworten zu können, wurde unter anderem das Modell vom Grundverständnis der Bibel entwickelt. Dieses Grundverständnis besteht aus drei Bereichen: 652 dem „Repertoire“, also den Kenntnissen und Fertigkeiten im Umgang mit der Bibel, der „Religiosität“ der einzelnen Studierenden sowie der „Lese‐ perspektive“, die im Zusammenspiel von Repertoire und Religiosität im Hinblick auf die Bibel sowie in der Auseinandersetzung mit klassischer Bibelhermeneutik ausgebildet wird. Zur Operationalisierung der Entwicklung der Studierenden wurden diese drei Aspekte als „Achsen“ mit Polen bzw. jeweils unterschiedlichen Bereichen ausgestaltet: Die Achse des Repertoires besitzt die Pole intuitiv und professionell, die Achse der Religiosität die Pole von schwach bzw. stark ausgeprägter Religiosität, und die Achse der Leseperspektive weist zwischen den Polen einer säkularen und einer wörtlichen Leseperspektive den Bereich der übertragenen Leseperspektive auf. Ebenfalls zur Operationalisierung der Forschungsfrage wurden zu den Themen der drei Achsen Annahmen formuliert, die anhand der unterschied‐ lichen Befragungsergebnisse überprüft werden konnten; sie werden in Abschnitt 6.1.4 einer gebündelten Überprüfung unterzogen. Die Annahme im Bereich des Repertoires lautet, dass das Interesse der Studierenden eher im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt und weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen. Im Bereich der Religiosität wurde die Annahme formuliert, dass im Prozess der Transfor‐ mation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und dessen Integration in die eigene Religiosität emotionale Widerstände überwunden werden müssen. Die dritte Annahme im Bereich der Leseperspektive hat zum Inhalt, dass bei den Befragten die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel festzustellen ist. 653 Im Folgenden werden zunächst die Ergebnisse der Paneluntersuchung zusammenge‐ fasst (Abschnitt 6.1.2), bevor ein vergleichender Blick auf die Ergebnisse der beiden Kohorten geworfen wird (Abschnitt 6.1.3) und gefragt wird, wie sie vor dem Hintergrund der zu Beginn formulierten Annahmen durch die Forschungsergebnisse zu beurteilen sind (Abschnitt 6.1.4). Eine Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbezug auch der Portfolioanalyse kann erst nach der Korrelation der Ergebnisse des Panels mit den Ergebnissen der Portfolioanalyse (Abschnitt 6.2) geschehen. Die gewonnenen Erkenntnisse <?page no="336"?> 654 Vgl. Abschnitt 3.1.2. 655 Möglicherweise ist das auch deshalb der Fall, weil eine vorherige familiäre Prägung nicht existiert, die ein Gegengewicht hätte darstellen können. Zur kirchlichen Glaubensausrichtung der TN vgl. die Abschnitte 3.3.3.2.2.2 und 3.3.3.2.6. 656 Vgl. Abschnitt 3.3.3.5.1. 657 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.2.2.2 und 3.3.3.2.6. 658 Vgl. Abschnitt 3.1.3. 659 Vgl. Abschnitt 3.2.4. 660 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.1.3 und 3.3.3.5.1 sowie ausführlicher Abschnitt 6.3.3. 661 Vgl. Abschnitt 3.3.2.2.5. 662 Vgl. Abschnitt 3.3.3.1.3. 663 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.2.1.1 und 6.1.4. werden vor dem Hintergrund weiterer vorhandener Forschungsprojekte und -ergebnisse eingeordnet (Abschnitt 6.3). Abschließend werden in vier Ausblicken Konsequenzen für die wissenschaftliche Exegese, die exegetisch-hermeneutische Hochschullehre allgemein und bezogen auf den untersuchten Studiengang sowie Konsequenzen für die Arbeitsfelder Kirche und Gemeinde formuliert (Abschnitt 6.4). 6.1.2 Ergebnis im Hinblick auf die Paneluntersuchung Die religiöse Sozialisation der Befragten ist ein wichtiger Faktor im Hinblick auf die Einstellungen, die sie gegenüber der Bibel haben. Der Großteil der befragten Studierenden hat keine religiöse Erziehung in der Familie genossen, und häufig wurden bereits die Eltern nicht religiös erzogen. 654 Nur bei ca. 20-25% der Befragten wurden noch familiäre Praxen wie das Tischgebet oder das Nachtgebet gepflegt, doch etwa die Hälfte der Befragten hat zuhause über religiöse oder kirchliche Themen gesprochen. Nahezu alle Teilnehmer*innen geben an, religiös zu sein. Der Ursprung dieser Religiosität liegt dabei, wie sich via negationis erschließen lässt, in der kirchlichen Jugendarbeit. Die so ausgebildete Religiosität ist stark kirchlich geprägt 655 und lässt sich für die Mehrzahl der Befragten so beschreiben, dass der Schwerpunkt dabei auf engagierter Volkskirchlichkeit liegt. 656 Die Bibel spielt für die meisten Studierenden bereits vor dem Studium eine Rolle, doch ihre Bedeutung reicht nicht an die des Glaubens an Gott heran. 657 Die historische oder wissenschaftliche Erschließung der Bibel im Studium stellt für die meisten Befragten dabei Neuland dar: Selbst bei denen, die in den letzten beiden Schuljahren durchgängig am Religionsunterricht teilgenommen haben, stand die Bibel dort nicht im Mittelpunkt des Interesses und ihre wissenschaftliche Erschließung noch weniger. 658 Die Bibel ist für die meisten Befragten in unterschiedlicher Weise relevant für den persönlichen Glauben oder das Leben insgesamt oder aber - eher abstrakt und unkonkret - ein wichtiges Buch. 659 Hier sticht lediglich ihre Rolle für eine ethische Orientierung positiv heraus. 660 Mit dem Studium tritt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bibel als neue Perspektive hinzu. Viele Teilnehmer*innen sind offen für diese neue Art des eher intellektuell und professionell bestimmten Umgangs mit der Bibel, 661 und insgesamt wächst die Bedeutung der Bibel für die Mehrzahl der Befragten während des Studiums. 662 An MP 2 geben insgesamt 16 Personen aus beiden Kohorten an, dass die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel ihren Glauben in Frage stellen. Dies entspricht einem guten Viertel der Befragten. 663 336 6 Ergebnisse <?page no="337"?> 664 Dies wird im Hinblick auf das Repertoire in den Abschnitten 3.2.2 und 3.3.2 behandelt und hinsichtlich der Religiosität im Abschnitt 3.3.3.2.3.1. 665 Vgl. die Abschnitte 3.2.3 und 3.2.5. 666 Dabei liest jeweils ein Drittel der Befragten die Bibel an MP 2 ebenso häufig bzw. selten wie an MP 1, ein weiteres Drittel liest die Bibel an MP 2 häufiger, und das letzte Drittel liest die Bibel seltener als zu Studienbeginn (vgl. Abschnitt 3.2.1). 667 Zur Bedeutung der Bibel und den Berührungspunkten mit ihr vgl. die Abschnitte 3.2.2, 3.2.3 und 3.2.4. Mit der Bibel sind alle Studierenden bereits vor dem Studium in verschiedenen Kontexten in Berührung gekommen. Dabei herrschten Kontexte der öffentlichen Religionspraxis vor; das ist namentlich der Gottesdienst, gefolgt vom Konfirmationsunterricht, dem schulischen Religionsunterricht sowie dem Kindergottesdienst, bei Letzterem bereits teilweise in der Rolle als Teamer*in. Prägend war dabei vor allem die Berührung mit der Bibel in Kontexten der kirchlichen Jugendarbeit einschließlich von Freizeiten. 664 Der Umgang mit der Bibel und eine Auseinandersetzung mit ihr fand ganz überwiegend in solchen gemeinschaftlichen oder Gruppenkontexten statt, in denen sich auch ein Teil der Befragten bereits vor dem Studium im Auslegen der Bibel hat erproben können. 665 Entsprechend sind die Erfahrungen mit der Bibel stark durch Anwendungskontexte bestimmt, in denen die Bibel als Buch mit Funktionen wie der eines Nachschlagewerks oder Handwerkszeugs wahrgenommen wird: Sie wird zu bestimmten Anlässen wie Andachten oder Gottesdiensten zur Hand genommen und für konkrete Zusammenhänge und Situationen ausgelegt. Nur sehr we‐ nige Teilnehmer*innen lesen die Bibel für sich alleine und damit im Bereich privater Religionspraxis; wer das tut, zeichnet sich auch durch eine private Gebetspraxis aus. Die meisten Befragten sind aber nicht damit vertraut, mit der Bibel für sich allein und ohne Gruppenkontext umzugehen, wie das im Studium häufig der Fall ist. Damit ist bereits der Bereich des Repertoires angesprochen: Den Studierenden ist vor allem der Umgang mit der Bibel in gemeinschaftlichen und gottesdienstlichen Kontexten nicht fremd, und teilweise haben sie schon Erfahrung damit, Andachten und/ oder Gottes‐ dienste zu gestalten. Dabei wird die Bibel von der Mehrzahl der Befragten seltener als einmal in der Woche gelesen, was sich im Mittel aller Befragten auch an MP 2 nicht ändert. 666 Auch verfügt kaum jemand zu Studienbeginn über umfangreiche oder gesicherte Kenntnisse der Bibel oder ihrer Auslegung. Mit Beginn des Studiums reduzieren sich die Berührungspunkte mit der Bibel außerhalb des Studiums (entsprechend dem Wegfall der bisherigen gemeindlichen Kontexte) und folglich auch die Häufigkeit des Bibellesens. Trotzdem wächst aber für die meisten Befragten die Bedeutung der Bibel. 667 In der Hochschullehre wird eine Professionalität im Umgang mit der Bibel angestrebt, zu der neben einer historisch grundierten und methodisch reflektierten Betrachtung der Bibel auch ein kritischer Umgang mit ihr gehört. Dabei lässt sich der erwünschte Lernfortschritt allerdings nicht erzielen: Wie der quantitative Teil der Befragung zeigt, kann nur etwa die Hälfte der Befragten das Bibelauslegungs-Repertoire im Verlauf der ersten vier Studiensemester steigern. Aus der qualitativen Erhebung (Frage 2.1 an MP 2) geht hervor, dass die meisten Teilnehmer*innen bei einer Exegese „aus dem Stand“ eine Auslegung praktizieren, die kaum historisch einordnet, die auf genaue Textbeobachtungen 6.1 Ergebnisse der Paneluntersuchung 337 <?page no="338"?> 668 Zum nicht erreichten Maß an Professionalisierung im Hinblick auf das Repertoire vgl. die Abschnitte 3.3.2.2.1 sowie 3.3.2.2.5 und 3.3.2.5. 669 Vgl. Abschnitt 3.3.2.2.2. 670 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.1.3 und 3.3.3.5.1. 671 Vgl. Abschnitt 3.3.3.2.3. 672 Vgl. Abschnitt 3.3.4.5.2. 673 Vgl. die Abschnitte 3.3.4.2.3 und 6.2. 674 Das wird in Abschnitt 3.3.4.2.3 festgestellt. 675 Vgl. Abschnitt 3.3.4.1.3. verzichtet und insgesamt nicht methodengeleitet ist. 668 Dabei bekundet die überwiegende Mehrzahl der Befragten, an den Hintergründen biblischer Texte und ihrer methodischen Erforschung interessiert zu sein. 669 Im Hinblick auf die Bibelreligiosität beider Kohorten fällt auf, wie sehr die Studierenden zu Beginn des Studiums und auch durch das Studium hindurch in der Bibel ethische Ori‐ entierung erwarten. Dies tritt sowohl in qualitativ ausgewerteten Beiträgen hervor als auch in den quantitativ ausgewerteten Items. Andere biblische Inhalte treten demgegenüber in den Hintergrund. 670 Ein weiterer Befund zur Religiosität ist der Wegfall des Umgangs mit der Bibel in Kontexten der öffentlichen religiösen Praxis, an denen die Studierenden vor dem Studium vor allem Berührungen mit der Bibel hatten. 671 Was die Leseperspektive angeht, so tendiert etwa ein Viertel der Befragten zu Studi‐ enbeginn zu einer eher säkularen Haltung und etwa ein Zehntel zu einem wörtlichen Verständnis. Dies sind allerdings ebenso wenig reflektierte Positionen wie die der Mehrzahl der Studierenden, die eher einer übertragenen Leseperspektive zuneigen. Mit der bereits angesprochenen Erweiterung der Perspektiven, unter denen die Bibel relevant ist, bildet sich im Bibelstudium mit seiner Mischung aus intellektuellen Anforde‐ rungen und Einbzw. Anpassungsnotwendigkeiten in das eigene religiöse System bei den allermeisten Befragten eine übertragene Leseperspektive heraus, die etwas stärker reflektiert ist. 672 Bei insgesamt neun Personen (16% aller Befragten) ergibt eine Korrelation quantitativer Items aus den Bereichen Leseperspektive und Repertoire eine bewusstere, „spezifizierte“ übertragene Leseperspektive an MP 2, die auf ein intensives Interesse an der Auslegung von Texten hinweist. 673 Vereinzelt gibt es daneben Teilnehmer*innen, bei denen eine wörtliche oder eine säkulare Leseperspektive ausgeprägt ist. Während des Studiums sind Entwicklungen der Leseperspektive in die wörtliche und in die säkulare Richtung festzustellen. Dabei können auch Überschneidungen zwischen mehreren Leseperspektiven vorkommen, die von den Betreffenden nicht als sich gegenseitig ausschließend wahrge‐ nommen werden. 674 Die qualitativen Aussagen zum Thema der Leseperspektive zeigen, dass unter den Studierenden sowohl zu Beginn des Studiums als auch im vierten Semester mit reduktiven Haltungen zur Bibel zu rechnen ist, ohne dass eine klare Entwicklungstendenz bei einer größeren Gruppe von Studierenden erkennbar würde. 675 Insgesamt zeigt sich, dass die Befragten je für sich unterschiedliche Entwicklungswege im Bibelstudium nehmen, die vermutlich unter anderem mit ihrer Ausgangssituation oder auch ihrer Schwerpunktsetzung im Studium verknüpft sind. Beobachten lassen sich bei etwa der Hälfte jeder Kohorte bei manchen Fragen im Bereich der Religiosität und der Leseperspektive starke, nicht in eine bestimmte Richtung gehende Suchbewegungen; dieses Phänomen wird hier als „fluktuierende halbe Kohorte“ bezeichnet. Es wird als 338 6 Ergebnisse <?page no="339"?> 676 Zu diesem Phänomen im Bereich der Religiosität vgl. Abschnitt 3.3.3.2.6 und im Bereich der Leseperspektive Abschnitt 3.3.4.2.1. 677 Diese Untersuchung wird in Kapitel 4 vorgenommen; dort s. zu Entwicklungstyp A Abschnitt 4.3.1, zu Entwicklungstyp B Abschnitt 4.3.2 etc. 678 Diese Auswertungen finden sich in Kapitel 5. Indiz dafür gewertet, dass (unter anderem) durch das Bibelstudium Denkprozesse in Gang gesetzt werden, die bei unterschiedlichen Fragen dazu führen, dass neue Positionierungen ausprobiert werden. 676 Trotz der Unterschiedlichkeit und hohen Individualisierung der Entwicklungsprozesse der Teilnehmer*innen lassen sich auf der Grundlage der quantitativ erhobenen Daten des Panels doch verschiedene Wege nachzeichnen, die jeweils von mehreren Teilnehmer*innen eingeschlagen werden und die hier als Entwicklungstypen oder -profile bezeichnet werden. 677 Beim ersten dieser Wege (Entwicklungstyp A) deutet vor allem eine stärkere Ab‐ nahme der Religiositäts-Werte darauf hin, dass diese Teilnehmer*innen eine Entwicklung nehmen, die auf eine Krise hinweisen kann. Die Werte dieser Teilnehmer*innen sinken auch im Bereich des Repertoires. Für die weiteren nachgezeichneten Entwicklungswege bilden die Veränderungen der Leseperspektive den Ausgangspunkt. Manche der Befragten weisen auf keiner der drei Achsen nennenswerte Veränderungen auf (Entwicklungstyp B). Andere dagegen bewegen sich in Richtung einer wörtlichen Leseperspektive und bleiben am Ende des Bibelstudiums dort auch, ohne beim Repertoire oder der Religiosität Einbußen zu ver‐ zeichnen (Entwicklungstyp C). Wieder andere Teilnehmer*innen besitzen eine durchgängig übertragene Leseperspektive und können sich auch bei Repertoire und Religiosität steigern (Entwicklungstyp D). Zwei weitere Gruppen von Teilnehmer*innen bewegen sich in Richtung einer säkularen Leseperspektive oder bleiben bei einer solchen (Entwicklungstyp E), bzw. gelangen aus unterschiedlichen Richtungen zu einer übertragenen Leseperspektive (Entwicklungstyp F), wobei innerhalb dieser Typen die Entwicklungen auf den Achsen der Religiosität und des Repertoires nicht einheitlich sind. Eine letzte Gruppe von Teil‐ nehmer*innen entzieht sich all diesen Zuordnungsversuchen, weil sie je für sich eine ganz eigenständige Entwicklung nehmen (Gruppe der Eigenprofilierten). Dass die Entwicklungswege trotz dieser Gruppierungsmöglichkeiten individuell bleiben, zeigen genauere Blicke auf sieben Befragte, die diesen verschiedenen Entwicklungstypen bzw. Gruppen angehören. Die Fragebögen dieser Teilnehmer*innen werden als Ganze je für sich betrachtet, wobei nun neben den quantitativen und qualitativen Daten auch bisher nicht ausgewertete Items oder Fragen herangezogen werden. 678 Dabei lassen sich sehr verschiedene Wege dieser sieben Teilnehmer*innen beobachten, die nicht nur an unterschiedlichen Ausgangspunkten beginnen, sondern auch je eigene Entscheidungen über Schwerpunktsetzungen im Studium erkennen lassen. Es zeigt sich unter anderem, dass auch ähnliche Ausgangspunkte zu Studienbeginn nicht mit ähnlichen Entwicklungs‐ wegen verknüpft sein müssen - Studierende mit guten Vorkenntnissen können sich dafür entscheiden, sich auf dieser Basis weiterzuentwickeln, aber auch dafür, ihre Kräfte stärker in andere Bereiche des Studiums zu investieren und dort etwaige Defizite auszugleichen. 6.1 Ergebnisse der Paneluntersuchung 339 <?page no="340"?> 679 Zu diesen „Basisitems“ insgesamt s. Abschnitt 3.2. Die Ergebnisse finden sich in Abschnitt 3.2.5. 680 Die näheren Ausführungen zu den Kohortenergebnisse im Hinblick auf das Repertoire finden sich in den Abschnitten 3.3.2 (Frage 1.1), 3.3.2.2.5 (quantitative Fragen, Entwicklung in Richtung Professionalität) und 3.3.2.3 (Frage-2.1 an MP-2). 681 Das Zahlenverhältnis ist hier 14 (Koh. I): sieben (Koh. II), wenn nur ein Messpunkt betrachtet wird, und 6: 2, wenn beide Messpunkte in den Blick genommen werden. 682 Nähere Angaben hierzu finden sich in den Abschnitten 3.3.3.4 (Achsengrafiken), 3.3.3.2.6 (quantita‐ tive Befragung) sowie 3.3.3.3.4 (Frage-2.1 an MP-2). 6.1.3 Ergebnis im Hinblick auf die beiden Kohorten Die beiden befragten Kohorten (die 2016 [MP 1] und 2018 [MP 2] befragte Kohorte I und die 2017 [MP 1] und 2019 [MP 2] befragte Kohorte II) weisen in vielen Ergebnissen keine gravierenden Unterschiede auf. Doch es gibt Ausnahmen: Bei den Basisitems zu den Bibellesegewohnheiten, den Kontexten der Berührung mit der Bibel und der Wichtigkeit der Bibel zeigt sich ein Bild, wonach Koh. I eher einheitlich votiert, Koh. II dagegen heterogenere und dynamischere Bewegungen aufweist. 679 Im Hinblick auf das Repertoire lässt Koh. I bei Frage 1.1 eine größere Breite der Bibelkenntnis, Koh. II dagegen eher eine größere Emotionalität sowie Erwartungen in Richtung auf die Bibel erkennen. Bei den quantitativen Ergebnissen entspricht Koh. I eher der erwartbaren Entwicklung im Studium in Richtung auf einen professionellen Umgang mit Bibeltexten, während Koh. II häufiger weiterhin spontan mit der Bibel umgeht. Koh. I lässt im Vergleich mit Koh. II mehr Probleme mit dem historischen Abstand zu den biblischen Texten erkennen. Die Dilemma- Frage bzw. Ad hoc-Auslegung von Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2) hat Koh. I öfter nicht ganz und weniger textbezogen behandelt als Koh. II, bei der die Aufgaben als Ganze und textbezogener bearbeitet wurden. Demgegenüber finden sich alle Teilnehmer*innen mit qualitativ höherwertigen Angaben zum Kontext des Textes in Koh.-I. 680 Was die Religiosität angeht, so lassen sich aus den Achsengrafiken zwei Unterschiede zwischen den Kohorten erkennen: Zum einen gibt es bei Koh. I weniger Schwankungen als in Koh. II, und auch die Schwankungsbreite fällt bei Koh. I geringer aus als bei Koh. II. Zum anderen finden sich in Koh. II deutlich mehr Teilnehmer*innen mit Werten im oberen Bereich ab 34 Punkten als in Koh. I, was auf eine stärker ausgeprägte Religiosität bei diesen Teilnehmer*innen schließen lässt. 681 In der quantitativen Untersuchung zeigt sich, dass Koh. I im Vergleich mit Koh. II ein nicht so großes Interesse an der Auseinandersetzung mit der intellektuellen Dimension des Glaubens erkennen lässt und weniger dezidiert traditionell religiöse Positionen vertritt. Das Bild bei Frage 2.1 an MP 2 entspricht dem der quantitativen Untersuchung: Bei Koh. II ist insgesamt ein größeres Interesse im Rahmen der Religiosität festzustellen, aber auch hinsichtlich der Integration des Bibelverständnisses in die intellektuelle Dimension des Glaubens. 682 Eine Beobachtung anderer Art lässt sich bei der Leseperspektive im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Kohorten formulieren: In Koh. I findet sich im Laufe des Bibelstudiums eher eine Distanzierung von der Bibel in Richtung einer säkulareren Lese‐ perspektive, während in Koh. II eher eine Annäherung an sie in Richtung einer wörtlichen Leseperspektive zu beobachten ist. Dabei erreicht aber die Mehrzahl der Befragten beider Kohorten nicht den Bereich der säkularen bzw. wörtlichen Leseperspektive, sondern 340 6 Ergebnisse <?page no="341"?> 683 Vgl. die Abschnitte 3.3.4.4.4 und 3.3.4.5.1. 684 Dabei wird auf die bereits in den Abschnitten 3.3.2.5.2, 3.3.3.5.2 und 3.3.4.5.2 formulierten Erträge zu den Annahmen Bezug genommen. Der Inhalt der Annahmen findet sich in Abschnitt 6.1.1 und der Wortlaut u.-a. in Abschnitt 2.1. 685 Vgl. Abschnitt 3.3.2.2.5. 686 Vgl. Abschnitt 3.3.2.3.5. 687 Vgl. die Abschnitte 3.3.2.2.1.3 bis 3.3.2.2.1.5. bewegt sich lediglich in die entsprechende Richtung. Im Ergebnis bedeutet das, dass sich die Befragten beider Kohorten im Mittelbereich der übertragenen Leseperspektive treffen. 683 Inwieweit vielleicht die Portfolioanalyse, die als ergänzender Teil des Forschungspro‐ jekts lediglich mit Koh. II durchgeführt wurde, zu einem Unterschied der Kohorten beigetragen hat, wird in Abschnitt 6.2 betrachtet. 6.1.4 Ergebnis im Hinblick auf die Annahmen An dieser Stelle werden noch einmal die Ergebnisse des Panels im Hinblick auf die Annahmen in den Bereichen des Repertoires, der Religiosität und der Leseperspektive zusammenfassend betrachtet. 684 Dabei geht es vor allem darum, in welcher Weise sich die Annahmen durch die Befragungsergebnisse verifizieren oder nicht verifizieren lassen. Die Annahme im Bereich des Repertoires entspricht in ihren beiden Elementen des Anwendungsbezugs sowie des nicht so starken Interesses an theoretischen und methodi‐ schen Hintergründen biblischer Texte den Befragungsergebnissen: Was das erste Element der Anwendungsbezogenheit betrifft, so zeigt sich wiederholt, dass das Interesse der Studierenden am Umgang mit biblischen Texten einen solchen aufweist. Die Studierenden bekunden dabei zwar einerseits grundsätzlich ein Interesse an der methodischen Erschlie‐ ßung biblischer Texte und ihren historischen Hintergründen, das auch nach vier Semestern des Bibelstudiums noch besteht, weil sie mit ihren eigenen Kenntnisse in diesem Bereich häufig nicht zufrieden sind. 685 Daneben finden sich in ihnen Aussagen über die persönliche Haltung zur Bibel (Frage 1.1 an beiden Messpunkten), in denen die Bibel öfter funktional und als eine Art Nachschlagewerk angesprochen wird. Bei der tatsächlichen Umsetzung in der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1 an MP 2) sind aber andererseits nur sehr wenige Studierende in der Lage, das zuvor bekundete methodische Interesse im Umgang mit einem biblischen Text in die Tat umzusetzen oder auch nur theoretisch in den Blick zu nehmen, sich Hintergrundinformationen zum Bibeltext zu beschaffen. 686 Dieser Befund wird durch das Ergebnis der Frage 1.5 bestätigt, in der es um den eigenen Umgang mit Bibeltexten geht: An MP 2 folgen immer noch sehr viele Studierende ihren ersten spontanen Gedanken, was als Hinweis auf ein intuitives und nicht auf ein professionelles Repertoire zu verstehen ist. Nur jeweils etwa die Hälfte beider Kohorten gibt im vierten Semester an, nach geschichtlichen Hintergründen zu fragen oder fehlende Informationen nachzuschlagen. 687 Im Bereich der Religiosität zeigt sich die große Rolle, die die Bibel für viele Befragte vor allem als Quelle für Werte und eine entsprechende Orientierung spielt, was sich ebenfalls als Anwendungskontext verstehen lässt. Das gleiche Bild zeigt sich, wenn es um die Leseperspektive geht; auch hier sind eher Anwendungskontexte im Blick wie 6.1 Ergebnisse der Paneluntersuchung 341 <?page no="342"?> 688 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.5.2 und 3.3.4.3. 689 Vgl. Abschnitt 3.3.2.5.2. 690 Vgl. Abschnitt 3.3.3.5.2. 691 Vgl. Abschnitt 4.3.1 zu Frage-1.4.4 an MP-2. 692 Vgl. Abschnitt 3.3.4.5.2. etwa das Studium oder der zukünftige Beruf oder aber bei Frage-2.1 an MP-2 der konkrete Anwendungskontext der Tafel-Situation. 688 Was das zweite Element des schwach ausgeprägten Interesses an theoretischen und methodischen Hintergründen biblischer Texte angeht, so lässt sich im quantitativen Teil der Befragung auch ein Rückgang oder eine Stagnation der Werte auf der REP-Achse als Hinweis auf eine Bestätigung dieser Annahme ansehen. Ausgehend von den Entwick‐ lungstypen in Kapitel 4 ist eine Stagnation der REP-Werte vor allem bei den Typen A und B zu verzeichnen, aber auch bei anderen Entwicklungstypen (außer Entwicklungstyp D) sowie der Gruppe der „Eigenprofilierten“ gibt es Teilnehmer*innen mit sinkenden oder stagnierenden REP-Werten. Insgesamt trifft dies auf 29 Teilnehmer*innen zu, also auf 52% der Befragten. Damit lässt sich eine weitgehende Überschneidung zwischen der Annahme zum Repertoire und den Befragungsergebnissen und ihrer Auswertung festhalten. Die Annahme im Bereich der Religiosität hebt auf mögliche emotionale Widerstände ab, die beim Erwerb eines professionellen Repertoires auftreten und möglicherweise zu Glaubenskrisen führen können. Bei den Auswertungen zum Repertoire 689 finden sich keine derartigen Hinweise. Anders ist das dagegen bei den Auswertungen zur Religiosität. 690 So lässt sich beobachten, dass sich Glaubenszweifel tendenziell im Verlauf des Studiums verstärken und das Sprechen über den Glauben sogar als schwieriger empfunden wird. Das an MP 2 abgefragte Item 1.4.4, in dem es darum geht, ob die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel den eigenen Glauben infrage stellen, wird von 16 Teilnehmer*innen bejaht, also 29% der Befragten; dies ist wohl das präziseste quantitative Indiz für eine mögliche Glaubenskrise im Zusammenhang mit der Transformation des Repertoires im Bibelstudium. 691 Weitere Hinweise auf emotionale Krisen im Bereich des Glaubens lassen sich bei Frage 1.1 an MP 2 entdecken, allerdings nur bei zwei Teilnehmer*innen (TN 23 und TN 51). Bei den Untersuchungen zur Leseperspektive ergibt sich kein Bild, das auf Glaubenskrisen hindeuten würde. 692 Zusätzlich werden an dieser Stelle auch die Entwicklungstypen in Kapitel 4 als Aus‐ gangspunkt für die Überprüfung der Annahme genommen. Stärker sinkende Werte auf der Achse der Religiosität (-- oder ---) bei der quantitativen Befragung können als möglicher Hinweis auf eine Glaubenskrise gewertet werden. Das Ergebnis zeigt, dass sich die An‐ nahme zur Religiosität anhand dieses Kriteriums nur bei den sechs Teilnehmer*innen von Entwicklungstyp A sowie bei zwei der „eigenprofilierten“ Teilnehmer*innen verifizieren lässt, also bei insgesamt acht Teilnehmer*innen bzw. 14% der Befragten. Allerdings lässt sich bei diesen Befragten nicht sagen, inwieweit ihre abnehmenden REL-Werte mit der neu erworbenen wissenschaftlichen Perspektive auf die Bibel zu tun haben; insofern lässt sich die Annahme im Bereich der Religiosität aus den Panelergebnissen nicht zweifelsfrei bestätigen. 342 6 Ergebnisse <?page no="343"?> 693 Diese Annahme lässt sich u. a. mit der Beobachtung verknüpfen, die Mutschler bei den Studierenden in Ludwigsburg gemacht hat, die häufig eine wörtliche Leseperspektive vertreten; dazu bei Mutschler (2014), 191-192 bzw. Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial (s. Abschnitt 7.1). Nach Mut‐ schler wird die Bibel von den Studierenden als leicht zu verstehender Text betrachtet, aus dem sich einfach Konsequenzen für das eigene Leben ableiten lassen. Mit Mutschler ist diese Einordnung der Bibel als Ausdruck einer „Differenzierungsschwäche“ zu betrachten. 694 Vgl. Abschnitt 3.3.2.5.2.3. 695 Vgl. Abschnitt 3.3.3.5.1. 696 Vgl. Abschnitt 3.3.4.5.2.3. 697 Vgl. Abschnitt 3.3.4.2.4. Bei der Annahme zur Leseperspektive geht es um die Frage, ob sich bei den Befragten die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive feststellen lässt. 693 Aus den Ergebnissen im Bereich des Repertoires lassen sich hierzu kaum Schlussfolgerungen ziehen; lediglich bei einer Person verdichten sich Hinweise auf eine solche Leseperspektive, die keine erschließenden Methoden braucht, weil der Bibeltext ohne weitere Informationen aus sich selbst heraus verständlich erscheint. 694 Auch aus dem Untersuchungsbereich zur Religiosität lassen sich für diese Annahme keine direkten Schlüsse ableiten; es könnten le‐ diglich Parallelen zwischen einer wörtlichen Leseperspektive und einer stark ausgeprägten Religiosität gezogen werden, wie sie sich unter anderem aus einer privaten Gebetspraxis herleiten lassen, die auf die bereits genannte Person sowie zwei weitere Teilnehmer*innen zutreffen. Dabei wurde allerdings bereits festgestellt, 695 dass die Beziehung zwischen einer stark ausgeprägten Religiosität und einer wörtlichen Leseperspektive dergestalt ist, dass Erstere nicht unbedingt mit Letzterer einhergeht, sondern eher umgekehrt: Wer die Bibel wörtlich versteht, ist eher in hohem Maße religiös; wer dagegen in hohem Maße religiös ist, muss sich nicht unbedingt eine wörtliche Leseperspektive zu eigen machen. Insofern vermag der Schluss von einer stark ausgeprägten Religiosität, die sich bei maximal drei Befragten finden lässt, auf eine wörtliche Leseperspektive nicht zu überzeugen. Etwas belastbarer sind dagegen die Hinweise auf eine wörtliche Leseperspektive in den Untersuchungen zur Leseperspektive. 696 Es gibt eine Gruppe von fünf Teilnehmer*innen, bei denen sich Hinweise auf eine durchgängige oder aber an MP 2 stärker werdende wörtliche Leseperspektive finden. 697 Daneben gibt es, wie dargestellt, vor allem in Koh. II einige Teil‐ nehmer*innen, die sich zwischen den beiden Messpunkten in Richtung einer wörtliche(re)n Leseperspektive entwickeln. Allerdings ist dies als Bewegung einer stärkeren Annäherung an die Bibel zu verstehen, die ihren Ausgangspunkt bei einer stärker säkular geprägten Leseperspektive hat und im Bereich des übertragenen Lesens ihr Ziel findet, und nicht als eine Bewegung, die in den Bereich des wörtlichen Lesens führt, zu dem auch der wörtliche Randbereich des übertragenen Lesens gerechnet wird. Dieses Bild findet sich in Kapitel 4 zu den Entwicklungsprofilen überwiegend bestätigt, wobei hier noch eine weitere Differenzierung anzubringen ist. Zunächst wird die Annahme durch die quantitative Untersuchung dann gestützt, wenn die Werte auf der Achse der Leseperspektive sich mindestens im wörtlichen Bereich der übertragenen Leseperspek‐ tive (19-21 Punkte) oder aber direkt im wörtlichen Bereich der Leseperspektive (9-18 Punkte) befinden, und zwar an beiden Messpunkten. Durchgängig wird dieses Kriterium von Entwicklungstyp C erfüllt: Hier weisen alle 13 Teilnehmer*innen die genannten Werte im wörtlichen Randbereich des übertragenen Bereichs oder sogar im wörtlichen 6.1 Ergebnisse der Paneluntersuchung 343 <?page no="344"?> 698 Vgl. die Abschnitte 6.3.3 und 6.3.4. Bereich der Leseperspektive auf. Daneben finden sich auch bei Entwicklungstyp B zwei Teilnehmer*innen, auf die diese Kriterien zutreffen. Es handelt sich damit um insgesamt 15 Teilnehmer*innen bzw. 27% der Befragten, denen in dieser Weise die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive zu attestieren ist. Auch diese Ergebnisse sind allerdings durch die qualitativen Teile der Untersuchung zu differenzieren: Anhand der qualitativen Ergebnisse bei Frage 1.1 und Frage 2.1 an MP 2 sowie auch auf der Grundlage der Auswertungen einzelner Teilnehmer*innen in Kapitel 5 lässt sich keine Person erkennen, die durchgängig eine dezidiert wörtliche Leseperspektive vertreten würde, und ebenso wenig lassen sich Teilnehmer*innen ausmachen, deren in eine wörtliche Richtung tendierende Leseperspektive reflektiert wirken würde. Im Gegenteil: So lässt sich in Kapitel 5 bei den TN 51, 32, 30 und 23 beobachten, dass sie in der Ad hoc-Exegese (Frage 2.1 an MP 2) eine gewisse Nähe zu einer wörtlichen Leseperspektive zeigen, sich zugleich aber gegenüber einem wörtlichen Verständnis der Bibel - gefragt oder ungefragt - explizit negativ äußern. So scheint sich eine genuine wörtliche Leseperspektive kaum finden zu lassen, sondern eher und gelegentlich Mischformen von Leseperspektiven, die für die Befragten nicht präzise voneinander zu trennen sind. Insofern lässt sich die Annahme zur Leseperspektive mit den Ergebnissen der quantitativen und qualitativen Teile der Paneluntersuchung nicht gänzlich in Deckung bringen. Zusammenfassend sind als wichtigste Ergebnisse der Paneluntersuchung festzuhalten, dass die Befragten ihr (Bibel-) Studium von einer Ausgangslage beginnen, die überwiegend keine familiäre religiöse Sozialisation aufweist und kaum eine Vertrautheit mit einer größeren Breite biblischer Texte, von deren Hintergründen oder von Methoden der Bibelauslegung. Dennoch sind die Studierenden überwiegend motiviert, sich mit der Bibel und ihrer Auslegung näher zu befassen. Dabei dominiert ein Interesse an der Anwendung der Bibel in konkreten Situationen. Dies entspricht nicht nur dem Umgang mit der Bibel, den die Studierenden in ihrer religiösen Sozialisation in der kirchlichen Jugendarbeit sowie im Gottesdienst bereits kennengelernt haben, sondern deckt sich auch mit dem Berufsbild, das sie im Doppelstudium potenziell anstreben. Trotz des vorhandenen Interesses können die meisten Befragten am Ende des Bibelstudiums den angestrebten professionellen Umgang mit der Bibel nicht aus dem Stand umsetzen. 698 Etwa ein Viertel der Befragten ist bereit, sich mit den wissenschaftlichen Zugängen zur Bibel zu befassen, obwohl sie dadurch ihren Glauben infrage gestellt sehen. Zu nachweisbaren Glaubenskrisen kommt es dabei nur in sehr wenigen Fällen, doch Hinweise auf krisenbehaftete Phänomene im Bereich der Religio‐ sität gibt es durchaus. Diese sind allerdings nicht zwangsläufig mit dem wissenschaftlichen Umgang mit der Bibel verknüpft, sondern können auch andere Ursachen haben. Der überwiegenden Mehrzahl der Befragten gelingt es im Bibelstudium, eine übertragenen Leseperspektive zu entwickeln und - teilweise nach dem „Ausprobieren“ unterschiedlicher Positionen - für sich ein individuell stimmiges und tragfähiges Grundverständnis der Bibel auszubilden. 344 6 Ergebnisse <?page no="345"?> 699 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022). 700 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 28-31. 701 Vgl. Abschnitt 3.3.2.5.1 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse Wie in Abschnitt 2.2.2 beschrieben, wurde in Koh. II im zweiten Semester eine ergänzende qualitative Studie durchgeführt, die 2022 veröffentlicht wurde (Hassan/ Lehmeier [2022]). Sie bestand aus drei Problemlösungsszenarien, die Teil einer Studienleistung im Sinne eines Seminarportfolios waren. Thematisch ging es im ersten Szenario um das Thema Schöpfung, im zweiten Szenario um das Thema Wunder und im dritten Szenario um das Thema Frauen in der Bibel. Die Seminarportfolios wurden qualitativ ausgewertet. Für einen genauen Vergleich ist somit besonders Koh. II interessant, da die Gruppe weitgehend identisch ist. Insgesamt wurden Seminarportfolios von 32 Teilnehmer*innen ausgewertet, gegenüber 28 Teilnehmer*innen, die in Koh. II an der Paneluntersuchung teilgenommen haben. Die Ergebnisse dieses Projektteils 699 werden nun mit den Ergebnissen der Paneluntersuchung insgesamt unter besonderer Berücksichtigung von Koh.-II korreliert. Aus methodischen Gründen sind die Annahmen, die dem Projektdesign der Panelun‐ tersuchung zugrunde liegen, keine Grundlage des Projektdesigns der Portfolioanalyse, sondern die Kategorien der Auswertung in der Portfolioanalyse sind dem Material ent‐ nommen. 700 Es ist daher systematisch nicht damit zu rechnen, dass Annahmen mit Hilfe der Portfolioanalyse bestätigt oder widerlegt werden. Wenn dies trotzdem der Fall ist, ergeben sich solche Korrelationsmöglichkeiten aus den im Material gefundenen Kategorien. 6.2.1 Achsen des Grundverständnisses der Bibel 6.2.1.1 Repertoire 6.2.1.1.1 Ergebnisse im Überblick Der Ergebnisvergleich von Portfolioanalyse und Paneluntersuchung zeigt einen deutlichen Unterschied. Während in der Portfolioanalyse viele Entwicklungen der Studierenden hinsichtlich der Kategorien „Präsentation von Bibeltexten“, „exegetische Denkfiguren“ und „historisches Bewusstsein im Umgang mit Bibeltexten“ beschreibbar waren, die als Wachstum und Lernfortschritt gedeutet werden können, ist das Ergebnis der Panelunter‐ suchung im Blick auf die Repertoireentwicklung weit weniger eindeutig. Gerade die Achsengrafik REP zeigt in beiden Kohorten ein ähnliches Bild: Jeweils etwa nur die Hälfte jeder Gruppe steigert das Repertoire. Im Bereich der qualitativen Daten weist die geringste Anzahl von Satzergänzungen zu Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) explizit auf Repertoire‐ veränderungen im Umgang mit der Bibel hin. 701 Die Auslegungen zu Mt 6,25-27 (Frage-2.1 an MP 2) lassen nur vereinzelt Ansätze erkennen, die auf einen methodengeleiteten Ansatz hinweisen. Gerade die formale Verwandtschaft dieses Problemlösungsszenarios mit den in der Portfolioanalyse bei Koh. II verwendeten Problemlösungsszenarien hätte erwarten lassen, dass in Koh. II mehr Personen auf die Einübung der Lösung solcher Sze‐ narien mit Hilfe von weiterführenden Informationen oder methodischen Fragestellungen zurückgreifen würden. Das ist aber nicht der Fall. Es sind kaum Unterschiede zwischen 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 345 <?page no="346"?> 702 Vgl. Abschnitt 3.3.2.2.2 703 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 140-141. 704 Vgl. Reis (2014a), 107. 705 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 141-142. den Kohorten hinsichtlich des erkennbaren Repertoires im Umgang mit dem Bibeltext beschreibbar. Wie ist dies zu erklären? Einen Hinweis geben die Ergebnisse zur Frage 1.5 der Panelbefragung (eigenes Handeln im Umgang mit einem Bibeltext): Jeweils nur etwa die Hälfte der Befragten beider Kohorten gibt im vierten Semester an, fehlende Informationen nachzuschlagen (Item 1.5.6) oder nach geschichtlichen Hintergründen des Textes zu fragen (Item 1.5.6), während die andere Hälfte dies nicht tut. Dies steht im Widerspruch zur Motivation der meisten Personen, die sich auch weiterhin mit Hintergründen biblischer Texte befassen wollen. 702 Einen weiteren Hinweis gibt die kompetenzbezogene Auswertung der Portfoliodaten: Die Motivation zur Bearbeitung der Problemlösungsszenarien nimmt eher ab, und auch fachliche Kompetenzen bedürfen im Detail noch der Übung. 703 Als hilfreich zur Erklärung könnte sich der Blick auf die Kategorisierung der im Studium zu erwerbenden Kompetenzen erweisen: Bei den für die Portfolioanalyse verwendeten Problemlösungsszenarien handelt es sich um klassische Transferaufgaben sowie auch um extrinsisch motivierte Arbeitsergebnisse (Stu‐ dienleistung), die in der Lehre gemeinsam vorbereitet wurden. Sie enthalten in erheblichem Umfang auch reproduktive Anteile. Die Ad hoc-Exegese an MP 2 der Paneluntersuchung fordert hingegen einen spontanen und unvorbereiteten Umgang mit einem neuen Text. Diese Anforderung entspricht dem Kompetenzniveau des Handelns, die ein intrinsisches Wollen und auch eine Beurteilung der Angemessenheit 704 voraussetzt, und erfordert damit ein professionelleres Kompetenzniveau. Dieses Niveau ist offenbar bei vielen Studierenden im vierten Semester noch nicht erreicht. Auch die Motivation, weiterhin im Seminarkontext Informationen zu biblischen Texten zu erarbeiten (Item 1.8.2), bildet nicht ab, dass man auch außerhalb des Seminarkontextes die gelernte Herangehensweise im eigenen Handeln anwenden würde. Die gewählte Methode der Verschränkung qualitativer und quantitativer Ansätze in verschiedenen Projektteilen hilft an dieser Stelle, die Phänomene differenzierter zu erklären. 6.2.1.1.2 Annahme Repertoire: Anwendungsbezug Beide Kohorten zeigen eine hohe Zielgruppenkompetenz in der Bearbeitung der Ad hoc- Exegese zu Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2). Diese Feststellung bestätigt den Befund der Portfolioanalyse. Darüber hinaus ist interessant, dass in Selbstbeschreibungen des Lernfortschritts durch die Studierenden in der Portfolioanalyse Anwendungskontexte eine wichtige Funktion haben. 705 Insofern könnte sich die Annahme mit diesem Befund indirekt bestätigen, dass das Interesse der Studierenden im Anwendungsbezug biblischer Texte liegt und weniger in der Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Hintergründen. Die Paneluntersuchung bestätigt diese Annahme durchweg. 346 6 Ergebnisse <?page no="347"?> 706 Vgl. Abschnitt 3.3.3.2.6 707 Hassan/ Lehmeier (2022), 138. 708 Vgl. Abschnitt 3.3.3.3.4. 709 Vgl. Abschnitt 3.3.3.2.1.2. 710 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 132. 711 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 143 und 90-93. 712 Vgl. Abschnitt 3.2.4.1. 6.2.1.2 Religiosität 6.2.1.2.1 Ergebnisse im Überblick Im Hinblick auf die allgemeine Religiosität der Studierenden bestätigen beide Projektteile eine ausgeprägte kirchliche Religiosität. 706 Dies wird in der Portfolioanalyse durch die Auswertung des Materials in der Kategorie „Problemlösung aus der Innen- und Außen‐ perspektive“ deutlich. Die meisten Studierenden argumentieren innerhalb einer kirchlich geprägten Innenperspektive. 707 Auch im Hinblick auf die Kategorie „Normen und Bibeltexte“ lassen sich die Ergebnisse der Ad hoc-Exegese im Rahmen der Paneluntersuchung mit den Ergebnissen der Portfo‐ lioanalyse vergleichen. Alle Problemlösungsszenarien beinhalten einen Normenkonflikt. Das gilt sowohl für die Szenarien der Portfolioanalyse als auch für die Dilemma-Frage zu Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2). Die Texte widersprechen entweder der modernen Wissenschaft, der Erfahrung oder dem ethischen Grundsatz der Gleichbehandlung aller Menschen. Viele Studierende bemühen sich in der Ad hoc-Exegese um einen Ausgleich von Vernunft und Glauben, indem sie Gottes Handeln im Handeln von Menschen realisiert sehen. 708 Diese Tendenz bestätigt sich in den überwiegend zustimmenden Voten zur Frage der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glauben (Item 1.23.11). 709 Bei diesen Themen ist gegenüber Koh. I eine Schwerpunktsetzung in Koh. II erkennbar. Auch in der Portfolioana‐ lyse sind die Studierenden der Koh. II häufig um Harmonisierung biblischer Texte mit modernen Normen bemüht. Dies gilt insbesondere für das Problemlösungsszenario zum Thema Frauen. 710 6.2.1.2.2 Annahme Religiosität: Glaubenskrisen Bei etwa einem Viertel der in der Portfolioanalyse untersuchten Studierenden sind unter der Kategorie „krisenhafte Phänomene“ Anzeichen einer auf die Bibel bezogenen Krise im Studium festzustellen. 711 Dieses Ergebnis bestätigt sich in der Paneluntersuchung nicht in dieser Eindeutigkeit. Zwar sind in qualitativen Aussagen immer wieder Befunde vorhanden, die auf eine Glaubenskrise einzelner Personen hindeuten könnten. Auch die Auswertung quantitativer Items weist immer wieder auf einzelne Personen hin, die etwa durch sprunghafte Veränderungen ihrer Voten zu bestimmten Items an MP 2 gegenüber MP 1 auf eine Krise hinweisen könnten. Der Versuch, solche Tendenzen aber etwa durch Korrelation quantitativer und qualitativer Daten für eine Gruppe von Personen zu erhärten, führt nur in wenigen Fällen zum Erfolg. Ein wichtiger Faktor, der im Hinblick auf Glaubenskrisen, die in der Auseinandersetzung mit der Bibel auftreten, korreliert werden muss, ist, dass die Wichtigkeit der Bibel als Teil des Glaubens von den Studierenden eher moderat gesehen wird (Frage 1.6). 712 Nur wenn die Bibel für den Glauben wichtig ist, kann die Auseinandersetzung mit ihr zu Krisen führen. Deutlicher tritt eine Gruppe durch 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 347 <?page no="348"?> 713 Vgl. Abschnitt 4.3.1. 714 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 133. Zum Thema „Typen und Tendenzen“ s. Abschnitt 6.2.2. 715 Vgl. die Abschnitte 3.3.3.5.2.2 sowie 6.1.4. 716 Vgl. Abschnitt 2.1.2 sowie Fowler (2000), 126-127 und Engels (1990), 96-121 und 207. die Korrelation der verschiedenen Achsenergebnisse in Kapitel 4 hervor, die sich durch sinkende Werte im Bereich der Achse REL auszeichnet (Entwicklungstyp A sowie zwei Teilnehmer*innen der „Eigenprofilierten“). Entwicklungstyp A werden sechs Personen aus beiden Kohorten zugeordnet, wobei ein Bezug einer Glaubenskrise zur Auseinandersetzung mit der Bibel bei den meisten dieser Personen nicht direkt nachweisbar ist. 713 Dagegen lässt sich in der Portfolioanalyse die Tendenz zur Desintegration von Glauben und Bibel bei einer Gruppe von ebenfalls sechs Personen beschreiben, die aber alle Koh. II zuzuordnen sind. Nicht alle diese Personen weisen aber Merkmale einer Glaubenskrise auf. 714 Die Portfolioanalyse beschreibt nur Krisen, die mit einer Auseinandersetzung mit Bibeltexten in Verbindung stehen. Alle Ankerzitate stammen aus dem dritten Szenario zum Thema „Frauen“. Die Begrifflichkeit ist bewusst offen gehalten („krisenhafte Phänomene“), denn die Interpretation einer Aussage als „Krise“ ist eine starke Interpretation, die zu begründen ist. Der Begriff „Krise“ wird in der Portfolioanalyse als „Entscheidungssituation“ definiert. Einer solchen Interpretation entspricht am ehesten das Item „die wissenschaftli‐ chen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage“ (1.4.4 an MP 2). Diesem stimmen, wie dargestellt, in der Paneluntersuchung an MP 2 in beiden Kohorten gut ein Viertel der Befragten zu. 715 Eine Prüfung, ob es sich um dieselben Personen handelt, ist aus methodischen Gründen (Anonymitätswahrung) nicht möglich. Immerhin ist interessant, dass auf dem Wege der Korrelation beider Projektteile eine ungefähre Vorstellung davon erzielt werden kann, wie viele Personen eine solche Phase der Krise erleben. Methodisch ist den qualitativen Aussagen der Vorzug zu geben, da die Personen aus freien Stücken und ungefragt Aussagen zu ihren Schwierigkeiten machen, während die quantitativ erhobenen Daten notwendigerweise immer nur einzelne Aspekte krisenhafter Phänomene erfragen können, die für sich genommen nicht als Krisenindikator gewertet werden können. Theoretisch ist eine Glaubenskrise auch bei Personen denkbar, die eine konstant stark ausgeprägte Religiosität haben. Insofern ist ein absinkender Wert auf der Achsengrafik REL ein Indiz für eine Krise, muss aber nicht alle Personen abbilden, die eine solche Phase durchlaufen. Auch im Blick auf die religiöse Entwicklung in der Spätadoleszenz ist davon auszugehen, dass Krisen in der Tendenz eher häufig vorkommen. 716 Insofern wäre bezogen auf das Gesamtprojekt ein höherer Wert eher wahrscheinlich, wenn auch die moderate Wichtigkeit der Bibel als Gegenargument ins Feld geführt werden kann. Die Annahme, „dass im Prozess der Transformation des intuitiven Repertoires in Richtung auf ein professionelles Repertoire im Umgang mit der Bibel und dessen Integration in die eigene Religiosität emotionale Widerstände überwunden werden müssen und es zu Glaubenskrisen kommt“, bestätigt sich dahingehend, dass an verschiedenen Stellen im Gesamtprojekt immer wieder Hinweise auf solche Krisen auftreten, wobei es schwer ist, eine genaue Aussage darüber zu treffen, wie häufig solche Krisen bezogen auf die Grundgesamtheit der Befragten auftreten. 348 6 Ergebnisse <?page no="349"?> 717 Vgl. Abschnitt 3.3.4.5.1. 718 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 131. 719 Vgl. Abschnitt 3.3.4.1 und Hassan/ Lehmeier (2022), 65-70. 720 Vgl. Abschnitt 3.3.4.5.4 und Hassan/ Lehmeier (2022), 131-132. 6.2.1.3 Leseperspektive 6.2.1.3.1 Ergebnisse im Überblick Insgesamt kommt eine übertragene Leseperspektive in beiden Projektteilen am häufigsten vor. Dies ist für die Paneluntersuchung mehrfach konstatiert worden. 717 Die Beobachtungs‐ kategorie „Verallgemeinerung von Aussagen zur Bibel“ in der Portfolioanalyse bestätigt diesen Befund. 718 Eine übertragene Leseperspektive kann sich in einem großen Spektrum an Nuancen abbilden. Dies zeigen die Äußerungen zur Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“) der Paneluntersuchung ebenso wie solche verallgemeinernden Aussagen zur Bibel in der Portfolioanalyse, die eine Leseperspektive erkennen lassen. 719 Interessant ist der Befund für Koh. II der Paneluntersuchung im Vergleich mit den Veränderungsbewegungen der Studierenden in der Portfolioanalyse hinsichtlich der Be‐ obachtungskategorie „Nähe und Distanz zum Text“. In der Portfolioanalyse ist keine Ver‐ änderung von einem distanzierten Verhältnis zum Text zu einem näheren Verhältnis zum Text zu beobachten. Es sind ausschließlich Bewegungen von Nähe zu mehr Distanz oder aber gleichbleibende Nähe bzw. gleichbleibende Distanz zu beobachten. Demgegenüber zeigt der Befund in Koh. II in der Paneluntersuchung eine in dieser Kohorte besonders häufige Bewegung vom Ausgangspunkt einer zunächst säkularen Leseperspektive hin zu einer an MP 2 eher übertragenen oder sogar in den wörtlichen Bereich gehenden Leseperspektive. Dies erweist sich an der Achsengrafik LES für Koh. II, aber auch an den Satzergänzungen zu Frage 1.1 („Die Bibel ist für mich …“). 720 Aus dem vorliegenden Material ist die Inkonsistenz an dieser Stelle nicht erklärbar. In der Portfolioanalyse regt die Aufgabenstellung der letzten Aufgabe im Rahmen der Beobachtungskategorie „Normen und Bibeltexte“ eher zu Harmonisierungsbestrebungen zwischen moderner Norm und Bibeltext an. Es kann also nicht per se an der Aufgabenstellung liegen, dass diese etwa eine Distanzierung vom Bibeltext nahelegen würde. Die Kategorien „Nähe und Distanz“ zum Text sind eng verwandt mit den Polen der Achse LES. Eine wörtliche Leseperspektive impliziert eine große Unmittelbarkeit zum Text, während eine säkulare Leseperspektive auf ein distanziertes Verhältnis zum Text hindeutet. Am ehesten lässt sich die Bearbeitung der Portfolios im zweiten Semester als eine Etappe auf dem Weg vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums (im vierten Semester) deuten. Die Studierenden probieren ihre Positionen zur Leseperspektive aus und verändern diese häufig, ohne dass für einzelne eine klare Richtung erkennbar würde. Im Bereich der quantitativen Daten der Panelbefragung weist das häufig anzutreffende Muster der fluktuierenden halben Kohorte in eine ähnliche Richtung. 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 349 <?page no="350"?> 721 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 131. 722 Vgl. die Abschnitte 3.3.4.5.1 und 4.3.3. 723 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 139. 724 Vgl. Abschnitt 3.3.4.2.4. 725 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 131. 726 Zur Homogenität vgl. Abschnitt 3.1.1 und Hassan/ Lehmeier (2022), 33-38. 6.2.1.3.2 Annahme Leseperspektive: Wörtliches Verstehen Tendenzen zu einem wörtlichen Verstehen sind in der Portfolioanalyse nur sehr vereinzelt feststellbar, sie treten als Profil einzelner Personen kaum in Erscheinung. 721 Demgegenüber gibt es in der Paneluntersuchung eine Gruppe von Personen, bei der sich Hinweise auf eine wörtliche Leseperspektive verdichten, sowie eine Reihe von Personen, deren Werte auf der Achsengrafik LES sich entweder an MP 1 und MP 2 oder nur an MP 2 im Übergangsbereich von übertragener und wörtlicher Leseperspektive bewegen (Entwicklungstyp C). 722 An dieser Stelle greift das Modell einer Achse mit fließenden Übergängen. Die Portfo‐ lioanalyse illustriert mit den Zitaten der Person PF 115, dass eine Person wörtliche und übertragene Anteile in der eigenen Leseperspektive integrieren kann (die Bibel komme von Gott, sei aber auch von Menschen geschrieben worden). 723 Auch in der Paneluntersuchung können Personen nicht immer trennscharf einer Leseperspektive zugeordnet werden. 724 Einen Hinweis, wie die Vereinbarkeit unterschiedlicher Leseperspektiven bei ein und derselben Person zu denken sein könnte, gibt die Portfolioanalyse: Einige Studierende nehmen sperrige Texte als „zeitgebunden“ und damit als auslegungsbedürftig wahr, stufen religiös integrierbare Texte aber als nicht „zeitgebunden“ und damit als unmittelbar gültig ein. 725 Die Annahme, „dass im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit bei Stu‐ dierenden die Tendenz zu einer wörtlichen Leseperspektive der Bibel festzustellen ist“, bestätigt sich dann, wenn man den Begriff „Tendenz“ betont. Eine Tendenz ist immer wieder festzustellen. Diese zeigt sich am deutlichsten bei dem Versuch, anhand der quantitativen Werte der Achsengrafiken ähnliche Bewegungsmuster bei den Befragten zu finden (Kapitel 4), am wenigsten hingegen in der Portfolioanalyse. Insgesamt betrifft diese Tendenz eher einen kleinen Teil der Befragten. 6.2.2 Entwicklungstypen und Tendenzen der Entwicklung im Gesamtprojekt Bevor die Entwicklungstypen der Paneluntersuchung mit den Tendenzen der Portfolioana‐ lyse in Beziehung gesetzt werden, müssen zwei Aspekte betont werden. Erstens handelt es sich bei der Formulierung von Tendenzen im Rahmen der Portfolioanalyse um die Auswertung rein qualitativ erhobener Daten, während die Beschreibung von Typen in der Paneluntersuchung auf der Basis rein quantitativ erhobener Daten erfolgt. Zweitens muss bei Typisierungen dieser Art immer betont werden, wie auffällig gerade vor dem Hintergrund der soziodemographischen Homogenität der Befragten beider Teilstudien die Individualität der Entwicklung der einzelnen Personen ist. 726 Die religiöse Sozialisation und die Bibelsozialisation der Befragten sind gegenüber der soziodemographischen Ho‐ mogenität heterogener und schaffen unterschiedliche Voraussetzungen für die jeweilige 350 6 Ergebnisse <?page no="351"?> 727 Vgl. die Abschnitte 3.1.2 und 3.1.3 sowie Hassan/ Lehmeier (2022), 39-43. 728 Vgl. Strube (2009a), 321-342 und Schramm (2008a), 481. 729 Hassan/ Lehmeier (2022), 133-134. 730 Vgl. die Abschnitte 4.3.1 und 6.2.1.2.2. Dieser Tendenz werden in der Portfolioanalyse sechs von 32 Personen zugeordnet. Entwicklungstyp A werden sechs von 56 Personen (aus beiden Kohorten je drei TN) zugeordnet. 731 Vgl. Abschnitt 4.3.2. In der Portfolioanalyse werden drei von 32 Personen dieser Tendenz zugeordnet. Entwicklungstyp B werden acht von 56 Personen zugeordnet, davon fünf TN aus Koh.-II. 732 Vgl. Abschnitt 4.3.4. Dieser Tendenz werden in der Portfolioanalyse sieben von 32 Personen zugeordnet. Entwicklungstyp D werden acht von 56 Personen zugeordnet, davon fünf TN aus Koh II. 733 Vgl. Abschnitt 3.3.3.3.3. Entwicklung. 727 Alle in den beiden Projektteilen untersuchten Studierenden haben Vorer‐ fahrungen mit der Bibel. Sie bringen damit immer schon ein Grundverständnis der Bibel mit. Dieses ist am Beginn des Studiums vergleichbar mit dem Bibelverstehen von Laien, die ja durchaus differenziert mit Bibeltexten umgehen, wie die Forschungen von Strube und Schramm gezeigt haben. 728 Von insgesamt fünf Tendenzen, die sich aus dem ausgewerteten qualitativ erhobenen Material der Portfolioanalyse herausarbeiten lassen (Tendenz „Integration eines neu gewonnenen Repertoires und der eigenen Religiosität in eine übertragene Leseperspek‐ tive“, Tendenz „Desintegration von Glauben und Bibel“, Tendenz „handlungsorientiertes Programm“, Tendenz „wissenschaftliches Interesse“, Tendenz „wenig Veränderungsdy‐ namik“), 729 können in drei Fällen Verbindungen zum quantitativ erhobenen Material der Panelstudie hergestellt werden. Dies betrifft Entwicklungstyp A, der sich durch sinkende Werte auf der Achse REL auszeichnet und mit der Tendenz zur Desintegration von Glauben und Bibel in Verbindung gebracht werden kann. 730 Dies betrifft Entwicklungstyp B, der sich durch wenig Veränderungsdynamik auszeichnet. 731 Dies betrifft auch Entwicklungstyp D, der sich durch stabile Werte auf der Achse LES im Bereich einer übertragenen Lese‐ perspektive auszeichnet, meist gepaart mit steigenden Werten auf der Achse REP und leicht sinkenden Werten auf der Achse REL. Verbindungslinien dieses Entwicklungstyps D können zur Tendenz „Integration eines neu gewonnenen Repertoires und der eigenen Religiosität in eine übertragene Leseperspektive“ gezogen werden. 732 Bezogen auf die jeweils untersuchte Grundgesamtheit ist der Anteil der Personen, die zur letztgenannten Tendenz gezählt werden, im Portfolio deutlich höher als in der Paneluntersuchung. Dies gilt auch für die Tendenz „Desintegration“. Umgekehrt ist der Entwicklungstyp B mit wenig Veränderungsdynamik in der Paneluntersuchung häufiger vorhanden, als das in der Portfolioanalyse der Fall ist. Die beiden anderen Tendenzen der Portfolioanalyse lassen sich weniger gut mit den Entwicklungstypen der Paneluntersuchung korrelieren. Die Tendenz, ein handlungsorien‐ tiertes Programm zu entwerfen, findet sich in der Entwicklungstypisierung auf der Basis quantitativ erhobener Daten nicht (Kapitel 4), sondern eher in den Lösungsansätzen der Ad hoc-Exegese zu Mt 6,25-27 (Frage 2.1 an MP 2). Viele Studierende versuchen, den Normenkonflikt zwischen Vernunft und biblischer Aussage dahingehend zu lösen, dass sie handlungsorientiert die Tafel als Erfüllung der Verheißung des Bibeltextes verstehen. 733 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 351 <?page no="352"?> 734 Zu TN 74 s. Abschnitt 5.2.7. Zur „spezifizierten“ übertragenen Leseperspektive s. Abschnitt 3.3.4.2.3. 735 Vgl. Abschnitt 1.5.4. 736 Hassan/ Lehmeier (2022), 86 und 136; vgl. Abschnitt 3.3.4.1.3. Das Profil von TN 74 macht deutlich, wie eine Person zu denken ist, die sich vor allem von den wissenschaftlichen Zugängen zur Bibel angesprochen fühlt, ansonsten aber eher reli‐ giös distanziert bleibt. Diese Beschreibung kann ein Licht werfen auf die Tendenz weniger Studierender, die im Rahmen der Portfolioanalyse ein eher „wissenschaftliches Interesse“ signalisieren. Auch die in der quantitativen Analyse herausgearbeitete Gruppe mit einer „spezifizierten“ übertragenen Leseperspektive verweist auf ein vereinzelt vorkommendes wissenschaftliches Interesse im Umgang mit biblischen Texten an MP-2. 734 6.2.3 Kohorte-I und Kohorte-II unter dem Gesichtspunkt der didaktischen Veränderung Wie in Abschnitt 2.2.2.2.1.2 beschrieben, wurde mit Koh. II ein neues Format der Studien‐ leistung eingeführt, das im Projektteil Portfolioanalyse ausgewertet wurde. Auf dieser Basis wäre es erwartbar gewesen, dass die Ergebnisse der Paneluntersuchung für Koh. II von den Ergebnissen für Koh. I abweichen. Eine solche Abweichung ist nur bei vereinzelten Items (historischer Abstand biblischer Texte, Motivation zur Weiterarbeit an Hintergrundinfor‐ mationen, Widersprüchlichkeiten in der Bibel, Interesse an Frauen in der Bibel, die Bibel als Gottes Wort im Menschenwort) festzustellen. Im Gesamtbild ergibt sich aber für Koh. II keine Tendenz zu einer im Vergleich zu Koh. I deutlicheren Professionalisierung am Ende des exegetischen Studiums. In keiner Weise fallen die Bearbeitungen der Ad hoc-Exegese von Koh. II gegenüber Koh. I auf, obwohl Koh. II im Bearbeiten von Problemlösungsszena‐ rien durch das neue Format viel geübter hätte sein müssen. Das lässt den Schluss zu, dass die Lehre für die Entwicklung eines Grundverständnisses der Bibel nur ein Faktor unter mehreren ist. Insgesamt zeigt sich bei Koh. II eine breitere Streuung der Ergebnisse; die Kohorte erscheint an beiden Messpunkten diverser als Koh. I. Das weist darauf hin, dass individuelle Voraussetzungen und Faktoren außerhalb der Lehre einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der einzelnen Personen haben. 6.2.4 Das „Mobile-Modell“ in beiden Projektteilen Das Mobile-Modell liegt dem Projektdesign des Gesamtprojekts mit den beiden Teilen Portfolioanalyse und Paneluntersuchung zugrunde. 735 Es wurde im Vorfeld entwickelt, um die Komplexität eines „Grundverständnisses der Bibel“ beschreibbar zu machen. Das Bild eines „Mobiles“ enthält einerseits den Aspekt der Korrelation einzelner Elemente mit der Option, Achsen auf gleicher Ebene anzuordnen oder auch übergeordnete Ebenen von untergeordneten Ebenen hierarchisch zu unterscheiden, und andererseits den Aspekt der Beweglichkeit und Veränderlichkeit. In beiden Projektteilen kann die Vorstellung, dass mit Hilfe der Leseperspektive Reper‐ toire und Religiosität zueinander in Beziehung gesetzt werden, am qualitativen Material be‐ legt werden. 736 Die Analyse der Achsengrafiken im Hinblick auf Bewegungsrichtungen und 352 6 Ergebnisse <?page no="353"?> 737 Hassan/ Lehmeier (2022), 128-129. 738 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 131. 739 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. -intensitäten (vgl. Kapitel 4) in Verbindung mit den exemplarischen Einzelauswertungen (vgl. Kapitel 5) lässt die Individualität des Grundverständnisses als je von der Einzelperson zu entwickelndes Gesamtbild der Bibel deutlich hervortreten. Die Aspekte „Repertoire“, „Religiosität“ und „Leseperspektive“, im Bild des Mobiles als „Achsen“ bezeichnet, kommen darin immer vor, aber das entstehende Mobile ist einerseits individuell und unverwech‐ selbar, andererseits der Veränderung unterworfen. Auch die Bewegungsintensitäten sind individuell unterschiedlich. Das in der Auswertung quantitativ erhobener Daten häufige Muster der „fluktuierenden halben Kohorte“ mit jeweils anderen Personen, die ihre Position beibehalten oder ändern, weist ebenfalls auf die individuelle Auseinandersetzung mit dem Grundverständnis der Bibel hin. Dass die Notwendigkeit besteht, sich mit dem Grundverständnis der Bibel auseinan‐ derzusetzen, zeigen viele Äußerungen der Studierenden zu Frage 1.1. („Die Bibel ist für mich …“), insbesondere dann, wenn die Studierenden selbst und ungefragt Veränderungen innerhalb ihres individuellen Grundverständnisses der Bibel beschreiben. Auch das Mate‐ rial der Portfolioanalyse weist auf die von Studierenden konstatierte Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit ihrem Grundverständnis hin. 737 Umso wichtiger ist daher ein Modell, mit dessen Hilfe diese Auseinandersetzungsprozesse beschrieben werden können. Das Modell hat Stärken, die gleich anhand von drei Beispielen erläutert werden. Das Modell hat auch Schwächen, die danach angesprochen werden. Deshalb kann und muss es weiterentwickelt werden. Dieses Projekt lädt dazu ausdrücklich ein. Die Vorstellung einer Achse, die an beiden Seiten durch Pole begrenzt wird, hilft, die unklaren Befunde der Leseperspektive zu erklären. Erkennbar ist auf der Achsengrafik LES, dass sich einige Personen im Randbereich von wörtlichem und übertragenem Bibelver‐ ständnis bewegen. Es sind auf einer Achse keine scharfen Trennlinien zu definieren, auch wenn diese zur Analyse und Kategorisierung hilfreich sind. Vielmehr ist von gleitenden Übergängen auszugehen. Die Leseperspektive dieses Randbereichs enthält somit Aspekte eines übertragenen und eines wörtlichen Bibelverständnisses. Das belegen einerseits die quantitativen Auswertungen, andererseits aber auch der Befund der Portfolioanalyse: Sper‐ rige Texte werden von einigen Studierenden als „zeitgebunden“, also auslegungsbedürftig wahrgenommen werden, religiös integrierbare Texte aber als nicht „zeitgebunden“, also unmittelbar gültig eingestuft. 738 Die Unterscheidung einer „unmittelbaren“ und „identifikatorischen“ Lektüre der Bibel von einem „methodengeleiteten“ Zugang 739 kann auf der Basis des Mobile-Modells deutli‐ cher beschrieben werden. Diese Unterscheidung kann auf der Ebene der Leseperspektive getroffen werden. Dann wäre eine „unmittelbare“ und vor allem eine „identifikatorische Lektüre“ mit einer wörtlichen Leseperspektive gleichzusetzen. In der vorliegenden Studie wird diese Unterscheidung auf diese Weise interpretiert. Eine Zuordnung des unmittelbaren und identifikatorischen Lesens zur Achse Repertoire würde dieses mit dem Pol des intuitiven Lesens gleichsetzen. Dieses ist in einem Studium in jedem Fall zu überwinden und muss einer Professionalisierung im Umgang mit den Texten weichen. Das Mobile- 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 353 <?page no="354"?> 740 Dass diese Offenheit prinzipiell vorgesehen ist, zeigt der EKD-Text mit der Formulierung: „[…] können begründete Auskunft geben über die eigene Vorstellung vom Text als heiliger Schrift“ (Evangelische Kirche in Deutschland [2021], 30. 741 Vgl. die Abschnitte 3.3.2.1.3 und 3.3.4.5.2.1. 742 Hassan/ Lehmeier (2022), 44-46. Nachweise für die Bezeichnung biblischer Texte als Geschichten in der Portfolioanalyse bei Hassan/ Lehmeier (2022), 53, 56, 63, 68, 90, 128. 743 Vgl. die Zuordnung der Kategorien Assmanns zu den Kategorien Lücks in Abschnitt 1.5.4.3. Hier würde dann der Begriff „kanonisch“ greifen („Kanon“ bedeutet „Richtschnur“), vgl. Assmann (1992), 93. Modell bietet die Chance, deutlicher zwischen den beiden Ebenen unterscheiden. Die eigene Leseperspektive wäre dann in jedem Fall zu reflektieren, aber die Bandbreite möglicher Leseperspektiven für Personen, die professionell in der Kirche arbeiten, würde sich erweitern unter der Voraussetzung, dass ein methodengeleitetes Repertoire im Umgang mit den Bibeltexten umgesetzt wird. 740 Das Modell hilft also, zwischen einem reflektierten Zugang zur Bibel (Leseperspektive) und einem professionellen Umgang mit Bibeltexten (Repertoire) zu differenzieren. An einem dritten Punkt wird die Leistungsfähigkeit des Modells sichtbar: Sowohl in der Portfolioanalyse als auch in der Paneluntersuchung werden biblische Texte immer wieder mit „Geschichten“, also Erzähltexten gleichgesetzt. 741 Dies hat mit der Sozialisation durch die Textauswahl in Kinderbibeln zu tun. 742 Auf der Basis des Mobile-Modells kann die These begründet werden, dass eine so verkürzte Sicht der Bibel im Bereich der Bibelkenntnisse (Repertoire) sich auf das Grundverständnis der Bibel insgesamt auswirkt. Die Schwäche des Modells liegt darin, dass keine Gewichtungen vorgesehen sind. So könnte möglicherweise - unabhängig von Verschiebungen auf der Achse - die Religiosität insgesamt schwerer wiegen. Dadurch würde es zu Schieflagen im gesamten Mobile kommen, die ausgeglichen werden müssten. Insofern ist das Modell nur bis zur Entwicklung eines neuen, leistungsfähigeren Modells tragfähig. Eine weitere Schwäche liegt in der groben Begrifflichkeit der Achsen und ihrer Bereiche. Die Zuordnung inhaltlicher Aussagen der Studierenden auf der Achse LES ist nicht immer trennscharf. Was bedeutet es etwa für die Leseperspektive, wenn Texte wie im o. g. Beispiel als „zeitgebunden“, d. h. auslegungsbedürftig eingeordnet werden? Ist eine Zuordnung zu einer übertragenen Leseperspektive gerechtfertigt? Vom Wort her lässt sich begründen, dass die Bibel als „Richtlinie“ ebenfalls in das übertragene Spektrum einzuordnen ist; 743 je nach Kontext könnte eine solche Formulierung aber auch auf ein wörtliches Verständnis hinweisen. Es liegt nahe, in solchen Formulierungen eher ein Grundverständnis ausgedrückt zu sehen als die Leseperspektive. Die Unterscheidung liegt laut Definition darin, dass Formulierungen, die der Leseperspektive zugeordnet werden, sich auf der Achse wörtlich-säkular einordnen lassen können. Das Grundverständnis der Bibel ist dagegen individuell zu denken und nicht polar: Jede Person formt ein eigenes, individuelles und dynamisches Mobile eines Grundverständnisses der Bibel, in dem die Elemente Leseperspektive, Repertoire und Religiosität unweigerlich vorkommen. 354 6 Ergebnisse <?page no="355"?> 744 Vgl. Abschnitt A.1.4.3.3 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 745 Hassan/ Lehmeier (2022), 135. 746 Zum Zeitpunkt der abgeschlossenen Auswertung waren die betreffenden Personen beider Kohorten mehrheitlich schon in der Berufspraxis angekommen und nicht mehr greifbar. Darüber hinaus war eine Auswahl einzelner, besonders interessant erscheinender Teilnehmer*innen aufgrund der An‐ onymität der Befragung nicht möglich. Eine Vollerhebung beider Kohorten durch Einzelinterviews wäre ein neues Projekt geworden und war zu keinem Zeitpunkt der Projektdurchführung realistisch. 6.2.5 Mixed Methods und die Forschungsfrage Der Ausgangspunkt des Projektes war die Frage „Welche Veränderungsprozesse sind bei Studierenden der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit vom Beginn bis zum Ende des exegetischen Studiums hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel zu beobachten und zu beschreiben? “ Zur Klärung dieser Frage wurde ein Forschungsdesign mit methodenplu‐ ralem Ansatz entwickelt. Die Gesamtauswertung des Projekts zeigt, dass ein solcher Ansatz der Komplexität der Aufgabe entspricht, Veränderungsprozesse hinsichtlich des Grundverständnisses der Bibel beobachtbar und beschreibbar zu machen. Es können differenzierte Ergebnisse erzielt werden. Die Möglichkeit der Korrelation von Daten, die auf unterschiedliche Weise generiert werden, unterstützt die Interpretation des Gesamtmaterials im Hinblick auf die Forschungsfrage. Die gewählten Methoden beider Teilprojekte - der Paneluntersuchung und der Portfo‐ lioanalyse - sind prozessorientiert, bilden also einen Weg ab. Dies gilt nur für wenige Items nicht, die unterstützend in die Auswertung einbezogen wurden. Das umfangreichste Material, das nicht prozessorientiert angelegt ist und punktuell einen Entwicklungsstand abbildet, ist durch die Ad hoc-Exegese zu Mt 6,25-27 in Frage-2.1 an MP-2 entstanden. Die Möglichkeit der Korrelation mit dem Fragebogen und damit zu einzelnen Teilnehmer*innen ist der Vorteil dieses Vorgehens gegenüber dem Format von Interviews, wie sie in der empirischen Bibelforschung häufig durchgeführt werden. 744 Interviews wurden im Projekt‐ verlauf als methodische Möglichkeit diskutiert, dann aber zugunsten der Portfolioanalyse aufgegeben, da diese gegenüber Interviews „prozessorientiert und im Prozess konfronta‐ tiver und herausfordernder“ 745 ist. Eine Schwäche des gewählten Ansatzes liegt sicher darin, dass Ursachen und Zusammenhänge von Veränderungen aus dem Datenmaterial erschlossen werden müssen und nicht mehr 746 erfragt werden konnten. Dieser Schwierig‐ keit wird durch die Profile einzelner Personen (Kapitel 5) begegnet. Eine interviewgestützte Befragung einzelner Studierender zur Frage der Entwicklung ihres Grundverständnisses der Bibel wäre ein neues und sicherlich lohnendes Projekt, müsste dann allerdings mit Personen aus anderen Kohorten durchgeführt werden. Insgesamt zeigt das qualitativ und das quantitativ erhobene Datenmaterial des Gesamt‐ projekts mit den Teilen Paneluntersuchung und Portfolioanalyse, dass die Wege der Studierenden, ihr Grundverständnis der Bibel weiterzuentwickeln, vor allem individuell sind. Dennoch lassen sich einige große Linien nachzeichnen: Die meisten Studierenden setzen sich während des Studiums mit ihrem Grundver‐ ständnis der Bibel auseinander und modifizieren es. Dies geschieht überwiegend auf der Basis einer übertragenen Leseperspektive, der zufolge die Bibel einerseits für den Glauben moderat wichtig ist, andererseits aber der Aktualisierung bedarf. Die Leseperspektiven sind 6.2 Korrelation von Paneluntersuchung und Portfolioanalyse 355 <?page no="356"?> 747 Vgl. Abschnitt 1.4 und Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 748 Daiber/ Lukatis (1991) 200. 749 Das hat sich u.-a. bei den Untersuchungen einzelner Studierender in Kapitel 5 gezeigt. nicht scharf voneinander abgegrenzt. Es können Überschneidungen mit wörtlichen oder säkularen Tendenzen vorkommen. Während des Studiums verstärkt sich die Tendenz zu einer übertragenen Leseperspektive noch. Die Bibel wird als „Gottes Wort in den Worten von Menschen“ gesehen. Die meisten Studierenden sind in der kirchlichen Jugendarbeit religiös sozialisiert. Sie verstehen sich überwiegend als religiöse Menschen. Das bleibt durch das Studium hindurch überwiegend konstant. Die Kontexte, in denen die Bibel überwiegend vorkommt, gehören zur gemeindeöffentlichen Praxis des Glaubens. Diese Kontexte bleiben im Studium häufig nicht konstant. Dadurch vermindert sich auch der Umgang mit biblischen Texten. Die Bibel wird religiös als moderat wichtig eingeordnet, wobei sich die Relevanz durch das Studium hindurch eher steigert. Eine durch die Auseinandersetzung mit der Bibel hervorgerufene Krise des Glaubens ist nur bei einer kleinen Gruppe der Befragten anzunehmen. Prominent ist das Ergebnis hinsichtlich der methodischen Kompetenz vieler Studie‐ render. Auch wenn Studieninhalte vielfach reproduziert und für einen Transfer fruchtbar gemacht werden können, zeigt sich, dass der Schritt, methodengeleitetes Umgehen mit der Bibel in das eigene Handlungsrepertoire zu integrieren, einem erheblichen Anteil der Studierenden am Ende des vierten Semesters noch nicht gelingt. Einige Gesamtergebnisse können mit der in Abschnitt 1.4 vorgestellten Literatur in Beziehung gesetzt werden. Das geschieht im folgenden Abschnitt 6.3. Im Anschluss werden Schlussfolgerungen im Hinblick auf die exegetische Wissenschaft, die exegetischhermeneutische Lehre, die Entwicklung des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit und die Arbeitsfelder Kirche und Gemeinde gezogen (Abschnitt 6.4). 6.3 Anknüpfung der Ergebnisse an die Forschung Zum Abschluss sollen die Ergebnisse des vorliegenden Projekts mit den Erträgen der ein‐ gangs vorgestellten Forschungsarbeiten 747 verknüpft werden. Das geschieht im Durchgang durch die drei Bereiche, die das Grundverständnis der Bibel bilden. Dabei wird zunächst das Thema des Bibellesens kurz betrachtet. Am Ende steht eine kurze Zusammenfassung. Ausgeklammert bleibt hierbei der Verweis auf Vergleichsuntersuchungen mit statistischem Material, der sich bei Fragen, die aus solchen Untersuchungen übernommen wurden, bereits in Abschnitt 3.3 findet. Dass das private Bibellesen bereits historisch und heute noch einmal mehr ein Rand‐ phänomen ist, wurde bereits von Daiber/ Lukatis herausgearbeitet. 748 Die Ergebnisse des vorliegenden Projekts decken sich mit diesem Befund. Im Bereich des Repertoires findet sich mittelbar bestätigt, was sich bereits in einer Reihe früherer Untersuchungen angedeutet hat. Im vorliegenden Projekt hat sich gezeigt, dass die Zunahme des Repertoires geringer ausgefallen ist als erhofft, und zwar auch bei Teilnehmer*innen, die bereits mit einigen Kenntnissen ins Studium gekommen sind. 749 Dabei spielt möglicherweise auch die Motivation zur Erweiterung des Repertoires der 356 6 Ergebnisse <?page no="357"?> 750 Piroth (2013), 31-32 (Grafiken 18 und 19). 751 Die Ergebnisse zur Bibel finden sich in: Sozialwissenschaftliches Institut der EKD (2017), 61. 752 Vgl. Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 753 Dazu s. Piroth (2013), 32 (Grafik 19), Abschnitt A.1.4.3.2.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1) sowie Kirchenamt der EKD (2003), 18 und 36, ebenfalls Abschnitt A.1.4.3.3.2 im Online- Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 754 Kirchenamt der EKD (2003), 18 und 36. 755 Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (2016), 48, Diagramm 4.38: 48% der Befragten geben an, dass biblisch-theologische Kompetenzen in ihrem Arbeitsalltag häufig oder sehr häufig zum Einsatz kommen. 756 Bee-Schroedter (1998), 454; das erläuternde Zitat von Bee-Schroedter findet sich im Online-Zusatz‐ material A (Abschnitt A.1.4.3.3.1). 757 Unter Verweis auf Fowler (2000) und Engels (1990), vgl. Abschnitt 6.2.1.2. Bibelauslegung eine Rolle. Dies lässt sich einerseits mit einem Ergebnis der Untersuchung zur Studienmotivation von Piroth verknüpfen, wonach das Interesse an der Bibel bei Studierenden an der Hochschule Hannover keine vorrangige Studienmotivation darstellt. 750 Auf der anderen Seite lässt sich dieser Befund auch in Deckung bringen mit zwei Fragen, die im Rahmen der Befragung von Diakon*innen der Hannoverschen Landeskirche gestellt wurden, die vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD durchgeführt wurde: 751 Im Hinblick auf das für die Bibelvermittlung notwendigen Wissen zeigte sich, dass ein Viertel der Anstellungsträger*innen dieses Wissen vermisst. Auf Grundlage der in der Forschung bereits vorliegenden Ergebnisse zu diesem Thema wurde schon im Vorfeld vermutet, dass die Arbeit mit der Bibel auch im Studium keine herausragende Priorität haben würde. 752 Auch wenn zu diesem Thema in der vorliegenden Befragung keine expliziten Fragen gestellt wurden, zeigt sich aus den Ergebnissen im Bereich des Repertoires doch ein Bild, das diese Vermutung zu bestätigen scheint. Im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Repertoires durch die befragten Studierenden lassen sich - wie bereits oben in Abschnitt 6.2.2 angesprochen - die Forschungen von Strube und Schramm bestätigen: zum einen, was die begrenzten, aber bereits vor dem Studium vorhandenen Kenntnisse angeht, und zum anderen im Hinblick auf die Ausrichtung an konkreten (Anwendungs-) Situationen. Eine weitere Erkenntnis zum Befund, dass das Repertoire im Bibelstudium nicht verläss‐ lich zunimmt, überschneidet sich mit dem Bereich der Religiosität. Hier hat sich in der Forschungsliteratur abgezeichnet, dass es innerhalb Deutschlands regionale Unterschiede bei der Religiosität und anzunehmenderweise auch bei der Bibelfrömmigkeit gibt. 753 Dass es dabei unter anderem auch ein Ost-West-Gefälle gibt, ließ sich punktuell bereits aus den Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen von 1992 und 2002 ersehen. 754 Spezieller für die hier betrachtete Zielgruppe hat sich dies in einer Befragung der Gemeindepädagog*innen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland angedeutet. 755 Dabei ist allerdings ein Aspekt zu berücksichtigen, der bei den genannten Studien keine Rolle gespielt hat, nämlich das Alter der Befragten. Bereits bei Bee-Schroedter hat sich bei der Untersuchung einer 20jährigen Probandin gezeigt, dass in diesem Alter nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass die religiöse Entwicklung abgeschlossen ist. 756 Dies hat sich auch bei den etwa gleichaltrigen Befragten der vorliegenden Untersuchung häufig bestätigt gefunden, 757 unter anderem in wechselnden Positionierungen („fluktuierende halbe Kohorte“). Und auch ein weiterer 6.3 Anknüpfung der Ergebnisse an die Forschung 357 <?page no="358"?> 758 Ebner u.-a. (2008), z.-B. 489-490. 759 Lück (2012), 158. Ausführlicher s. Abschnitt A.1.4.3.2.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 760 Zur Vierstufigkeit (inkl. der reduktiven Perspektive) s. Abschnitt 3.3.4.1 (mit Unterabschnitten zu Frage 1.1); zur Dreistufigkeit (ohne reduktive Perspektive) s. Abschnitt 3.3.4.2 zur quantitativen Forschung. Zur Notwendigkeit einer weiteren Ausarbeitung s. Abschnitt 6.4.1. 761 Vgl. die Abschnitte 3.3.4.2.3 und 3.3.4.2.4. 762 Lukatis/ Lukatis (1985), 155-156; s. Abschnitt A.1.4.3.1.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 763 Heller (2009), 84; ausführlicher in Abschnitt A.1.4.3.1.2 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 764 So Roose/ Büttner (2004), 67; s. Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). Aspekt der Religiosität der Befragten hatte sich bereits in der Untersuchung von Ebner u. a. angedeutet: die starke Orientierungssuche auch in bzw. aus der Bibel bei Gruppen von jüngeren Befragten. 758 Im Bereich der Leseperspektive konnte im vorliegenden Projekt Lücks vierstufiges Modell des Bibelverständnisses von wörtlichem, symbolisch-übertragenem, reduktivem und säkularem Bibelverständnis fruchtbar gemacht werden. 759 Während diese vier Stufen in der qualitativen Untersuchung Lücks verifiziert werden konnten, war es im quantitativen Forschungsteil nicht möglich, eine reduktive Leseperspektive zu operationalisieren; des‐ halb wurde dort ein dreistufiges Modell verwendet, das sich als sehr ertragreich erwiesen hat. Dabei wäre es wünschenswert, wenn dieses Modell in künftiger Forschung noch stärker verfeinert werden könnte. 760 Im Hinblick auf die Zusammenhänge zwischen der Leseperspektive und vor allem der Religiosität fanden sich die Resultate von Lukatis/ Lukatis sowie Heller in ihren Grundzügen bestätigt, was im vorliegenden Projekt als mangelnde „Trennschärfe“ unterschiedlicher Leseperspektiven oder als Inkongruenz zwischen bestimmten Leseperspektiven formuliert wurde. 761 Bei Lukatis/ Lukatis lautete das Ergebnis, dass Tendenzen eines „Dogmatismus“ bzw. konservativerer Religiosität oder aber fundamentalistischer Einstellungen bei den befragten Studierenden nicht zwingend miteinander verknüpft sind. 762 Im Anschluss an Hellers Beobachtungen wurde die Vermutung geäußert, dass der Umgang mit der Bibel womöglich nur bedingt durch ideologische Voreinstellungen geprägt ist; diese Vermutung lässt sich nun bestätigen. 763 Darüber hinaus finden sich die Ergebnisse von Roose/ Büttner bestätigt, dass gerade bei jüngeren Studierenden - wie die hier Befragten - eher weniger historisches Hintergrundwissen über die Bibel vorhanden ist, sondern eigene Erfahrungen und Erwartungen deutlich stärker zum Tragen kommen. 764 Zusammenfassend zeigen sich Schnittmengen zwischen der bisherigen Forschung und den in diesem Projekt erzielten Ergebnissen vor allem an den folgenden Punkten: Das private Bibellesen ist nur recht vereinzelt anzutreffen. Die Befragten bringen keine sichere Basis der Bibelkenntnis oder der Methodenkenntnis der Bibelauslegung mit, aber sie verfügen durchaus über ein Grundverständnis der Bibel und ein gewisses Set an Ausle‐ gungsmethoden. Die Beschäftigung mit der Bibel und ihrer Auslegung ist dabei für die Studienwahl der meisten Studierenden nicht entscheidend. Das relativ junge Alter der Befragten korreliert damit, dass ihre Religiositätsentwicklung zumindest teilweise noch nicht abgeschlossen ist. Das hat auch Auswirkungen auf ihre Leseperspektive, die sich ebenfalls noch in der Entwicklung befindet. 358 6 Ergebnisse <?page no="359"?> 765 Weitere wichtige Gedanken für eine zukünftige Exegese sind bereits am Ende der Portfolioanalyse in Abschnitt 5.5 formuliert worden; s. Hassan/ Lehmeier (2022), 143-144. 766 Dieckmann (2012a) sowie in seinem Forschungsüberblick zur Empirischen Bibelwissenschaft bei wibilex (Dieckmann [2024]). 767 Schramm (2014), 6; s. Abschnitt A.1.4.3.3.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). 768 Dies hat bereits Strube (2009b) in ihrem Vergleich der Exegeten von wissenschaftlichen zu „Alltagsbi‐ belleserInnen“ bemerkt und mahnt bei den wissenschaftlichen Exeget*innen ein solches Nachdenken an; dazu Strube (2009a), 386-399. 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 6.4.1 Ausblick: Die wissenschaftliche Exegese Die Beobachtungen, die bei der vorliegenden Untersuchung zur Herausbildung eines Grundverständnisses der Bibel gemacht wurden, geben an mehreren Punkten Hinweise darauf, wo in der wissenschaftlichen Exegese in Zukunft stärkere Akzente gesetzt werden könnten oder sollten. 765 Grundsätzlich wäre eine Perspektivenerweiterung der Exegese zu begrüßen, bei der das lesende bzw. auslegende Subjekt mit seinen Interessen, Glaubenseinstellungen und Haltungen gegenüber dem Text als prägender Faktor der Auslegung stärker in den Blick kommen würde. Diese Erkenntnisse der Rezeptionsästhetik hat unter anderem Dieckmann in seinen Forschungen aufgegriffen und für die Exegese fruchtbar gemacht. 766 Eine grundle‐ gende Beobachtung hierzu formuliert Schramm im Rahmen seiner empirischen Forschung: „Bei der Auslegung eines Bibeltextes ist der Bibeltext selbst nur eine Einflussgröße neben anderen. Sinnkonstruktion erfolgt vor/ während/ nach bzw. jenseits der Lektüre“. 767 Um diese weiteren Faktoren bei der Konstruktion des Sinns biblischer Texte berück‐ sichtigen zu können, müsste sich die Exegese allerdings aus ihrer relativen Isolation innerhalb der theologischen Disziplinen herausbegeben, in der sie derzeit oft ohne engere Kooperation mit den anderen theologischen Disziplinen existiert. Wichtig wäre eine Perspektive, bei der auch die Einstellungen gegenüber bzw. Erwartungen an die Bibel und religiöse Vorprägungen betrachtet werden können. Ein erster Schritt dazu könnte sein, dass wissenschaftliche Exeget*innen ihre eigenen Prägungen stärker reflektieren und klarlegen, 768 wie dies bereits seit Längerem in kontextueller Exegese üblich ist. Das würde allerdings eine Umorientierung in der wissenschaftlichen Exegese bedeuten. In dieser gilt immer noch weithin eine möglichst „neutrale“ oder „objektive“ Leseperspek‐ tive als wünschenswert, die allerdings unter den Perspektiven von Rezeptionsästhetik und Hermeneutik nicht existieren kann. Diese bislang meist eingenommene Haltung würde wohl von den hier im Anschluss an Lück verwendeten Leseperspektiven am ehesten einer säkularen Perspektive entsprechen. Eine solche Leseperspektive ist historisch in der Zeit der Aufklärung entstanden und begründet sich dadurch, dass der Umgang mit der Bibel zunächst einmal nicht von theologischen Interessen bestimmt sein sollte. Seit dieser Zeit ging es dabei vor allem darum, das Ansinnen solcher theologischer oder Frömmigkeitsrichtungen abzuweisen, die versuchten, aus einem streng wörtlichen Verständnis der Bibel heraus bestimmte Forschungen über biblische Texte und ihre Hintergründe zu unterdrücken. In diesen theologischen Richtungen sah man etwa den Wahrheitsgehalt beispielsweise der wörtlich verstandenen Schöpfungsgeschichten in Gen 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 359 <?page no="360"?> 769 Letzteres scheint etwa bei Huebenthal (2011) durch. 770 Dazu s.a. Abschnitt 6.4.2. 771 Lück (2012), 158 bezieht sich auf Pirner (2008), 129 und Ziebertz/ Riegel (2008), 41-42. 1-3 durch die Erkenntnisse der Evolutionsforschung bedroht oder auch die Angaben zu den Verfasser*innen (wie etwa Mose) zahlreicher biblischer Bücher durch Forschungen zu deren Entstehungsgeschichte. Manche dieser Konfliktlinien existieren bis heute in evangelikalen, biblizistischen oder fundamentalistischen Kreisen. Doch deshalb sollten wissenschaftliche Exeget*innen nicht permanent darauf verzichten, ihre eigenen religiösen Prägungen bei der Auslegung mit zu reflektieren. Das vorliegende Projekt kann als Fingerzeig in die Richtung verstanden werden, im weitesten Sinn als hermeneutisch zu verstehende Reflexionen von Anfang an in die Exegese einzubeziehen und nicht erst im Nachgang zu berücksichtigen. 769 Ein solcher Einbezug mit einer stärkeren Berücksichtigung auch der eigenen Prägungen und Verstehenserwartungen kann, wie sich in den vorliegenden Forschungen gezeigt hat, ein wichtiger motivationaler Faktor in der Hochschullehre sein. 770 Im vorliegenden Projekt wurde für das Modell der vier Leseperspektiven auf Lück zu‐ rückgegriffen. Lück selbst bezieht sich bei den „vier Arten, die Bibel zu verstehen“ (wörtlich, übertragen, reduktiv und säkular) auf Pirner und Ziebertz/ Riegel. 771 Alle vier - Lück, Pirner, Ziebertz und Riegel - sind allerdings Religionspädagogen und keine Exegeten. Bei diesem zentralen Thema der Bibelauslegung und damit der Exegese ist allerdings eine exegetische Sichtweise unabdingbar. In der Erforschung hermeneutischer Perspektiven auf die Bibel in heutigen Kontexten liegt deshalb ein weiteres Desiderat exegetischer Forschung. Im Fokus sollten dabei - ausgehend vom hier vorgestellten Projekt - tatsächlich praktizierte Leseperspektiven stehen. So erfreulich es ist, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele Veröffentlichungen zu historischen bibelhermeneutischen Ansätzen veröffentlicht wurden, so wenig wird meist das Bibellesen und -auslegen unter den konkret vorhandenen heutigen Bedingungen reflektiert. Auch im Bereich grundlegender Überlegungen fehlen Forschungen: Zu nennen wären hier einerseits Reflexionen zu kontextspezifischen Lese‐ perspektiven, also je nach (Anwendungs-)Kontext unterschiedlichen wünschenswerten Leseperspektiven. Andererseits sollte ein stärkeres Augenmerk auf die Implikationen und Folgen verschiedener Leseperspektiven gelegt werden. Eine weitere Konsequenz lässt sich aus den vorliegenden Ergebnissen ziehen: Wenn die wissenschaftliche Exegese zum Ziel hat, dass Studierende nicht nur an der Hoch‐ schule methodengeleitet und mit Hilfe wissenschaftlicher Kommentierungen an biblischen Texten arbeiten, sondern auch in ihrer späteren Berufspraxis, dann tut sie gut daran, praxistaugliche Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Gerade vor dem Hintergrund des offensichtlich schwierigen Sprungs zu einem eigenständigen professionellen exegetischen Handlungsrepertoire sollten die Hürden der Informationsbeschaffung in der Berufspraxis so niedrig wie möglich sein. Hintergrundinformationen zu biblischen Texten sollten online zur Verfügung stehen und Informationen niedrigschwellig bereitstellen. Eine Vor‐ reiterfunktion besitzt dabei das Lexikon „WiBiLex“. Weitere Formate dieser Art sollten folgen, damit für theologisch arbeitende Personen in der Fläche wissenschaftlich fundierte 360 6 Ergebnisse <?page no="361"?> Informationsmöglichkeiten bereitstehen, die den sich verändernden, digital gestützten Lesegewohnheiten heutiger Absolvierendengenerationen entgegenkommen. 6.4.2 Ausblick: Exegetisch-hermeneutische Hochschullehre In der vorliegenden Untersuchung wurden Studierende befragt, die in einem Doppelstu‐ diengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit studieren. Der Anteil exegetisch-herme‐ neutischer Lehre ist im Vergleich zum Gesamtumfang und vor dem Hintergrund der Breite des Studiengangs gering. Diese Situation ist eher vergleichbar mit Lehramtsstudiengängen, in denen ein zweites Fach und Pädagogik studiert werden. Die Studiengänge für Theologie auf Pfarramt kommen für die Übertragung der hier vorliegenden Ergebnisse weniger in Betracht. Einige Aspekte lassen sich allerdings so verallgemeinern, dass sie die Wirksam‐ keit exegetisch-hermeneutischer Lehre in vielen Zusammenhängen positiv beeinflussen können. Diese werden im Folgenden ausgeführt. Sie betreffen die Lernausgangslage, das Verhältnis von Bibel und eigener Religiosität, das Verhältnis von Exegese und Hermeneutik sowie die Motivation Studierender, methodengeleitetes Umgehen mit der Bibel in das eigene professionelle Handlungsrepertoire zu überführen. Es ist davon auszugehen, dass Studienanfänger*innen in theologischen und religions‐ pädagogischen Studiengängen im Hinblick auf die Gesamtheit biblischer Texte geringe Vorkenntnisse haben. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Bibelsozialisation haben Kinderbibeln, die vorwiegend Erzähltexte beinhalten und andere ebenso häufige Gattungen der Bibel weitgehend ausblenden. Religiöse Sozialisation und Bibelsozialisation beginnt meist erst im Rahmen kirchlicher Jugendarbeit und nicht im Rahmen des familiären Kontextes (Traditionsabbruch). Der Umgang der Studierenden mit der Bibel vor Beginn des Studiums liegt sehr selten im Feld ihrer kritischen Betrachtung oder wissenschaftlichen Erforschung; vielmehr ist sie vor allem aus Andachten und Gottesdiensten oder aus Jugendgruppenkontexten vertraut und wird dort verwendet. Insofern ist sie ein punktuell in einer bestimmten Funktion verwendetes Buch, das für den Glauben, das Leben oder auch ethische Orientierung wichtig ist. Die Bibelsozialisation ist also kirchlich und praktisch geprägt und eher kein Gegenstand der Reflexion. Der schulische Religionsunterricht setzt unterschiedliche Schwerpunkte und legt das Schwergewicht selten auf die Bibel selbst. Es ist auch nicht unbedingt davon auszugehen, dass ein solcher Unterricht immer besucht wurde, wenn er denn angeboten wird. Es ist also im Schnitt wenig Bibelwissen vorauszusetzen und noch weniger Kenntnis über den methodischen und kritischen Umgang mit der Bibel. Als Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung ist die Bibel zu Studienbeginn den meisten Studierenden unvertraut. Für die exegetische Lehre ergibt sich aus dem vorliegenden Projekt die wichtige Erkenntnis, dass exegetisches Lernen nicht abgekoppelt von der Religiosität und der reli‐ giösen Prägung der Studierenden geschieht. Die Glaubenssituierung der Bibel wird bei der wissenschaftlichen Annäherung an die Bibel meist außer Acht gelassen. Das ist bedauerlich, weil hier mögliche Anknüpfungspunkte und Chancen für Weiterentwicklungen nicht genutzt werden, aber auch, weil sich daraus krisenhafte Entwicklungen beim wissenschaft‐ lichen Umgang mit der Bibel ergeben können, die zur Desintegration von Glauben und Bibel führen und einen konstruktiven Umgang mit biblischen Texten in der beruflichen Praxis 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 361 <?page no="362"?> 772 Vgl. Fuchs (1989), 89-99. 773 Vgl. Fischer (2016), 87-90. 774 Vgl. Strube (2009a) und Schramm (2008b). verhindern. Die Auseinandersetzung mit der eigenen religiösen Prägung im Hinblick auf die Bibel und das sich daraus ergebende Grundverständnis der Bibel sollten als Teil exegetischer Hochschullehre verstanden werden, nicht als Privatsache der einzelnen Studierenden. Damit soll nicht die Wissenschaftlichkeit der exegetisch-hermeneutischen Ausbildung geschmälert werden, sondern aus den vorliegenden Ergebnissen wird gefolgert, dass ein wissenschaftliches Niveau exegetisch-hermeneutischer Hochschullehre auf diesem Weg leichter und zuverlässiger zu erreichen ist. Die Individualität der Studierenden und die Diversität der Niveaus im Umgang mit der Bibel zu Studienbeginn, aber auch noch nach mehreren Semestern bei unterschiedlicher hochschuldidaktischer Konzeption (! ) zeigt, dass die Hochschullehre eben nur ein Faktor unter vielen ist, der die Entwicklung eines Grundverständnisses der Bibel beeinflusst. Umso wichtiger ist die Kenntnis der verschiedenen anderen Faktoren für den nachhaltigen Erfolg der Lehre. Anknüpfen kann die Hochschullehre an die hohe Motivation der Studierenden, sich mit einem historisch fundierten und methodisch reflektierten Zugang zur Bibel ausein‐ anderzusetzen. Weit überwiegend ist auch die Bereitschaft zur Reflexion des eigenen Grundverständnisses der Bibel, des eigenen Zugangs zur und Umgangs mit der Bibel vorhanden. Schwieriger ist es hingegen, die Motivation der Studierenden zu fördern, den methodengeleiteten Umgang mit der Bibel ins eigene Handlungsrepertoire zu überführen. Als Ergebnis der vorliegenden Studie wird ein integriertes Modell von exegetischem und hermeneutischem Lernen von Anfang an vorgeschlagen. Ein solches Modell befördert die Entwicklung von Studierenden. Je nach Ausgangspunkt der Studierenden kann aus der einen oder der anderen Richtung gedacht werden. Die Frage nach der Bibelhermeneutik stellt sich schon bei den Methoden der Textanalyse, wenn der Text analytisch verfremdet vor der Unmittelbarkeit geschützt wird, 772 und sie stellt sich auch, wenn wissenschaftlichhistorische Methoden zum Verstehen der Texte beitragen sollen. 773 Konkret wäre etwa an eine Bibelkundeveranstaltung mit Begleittutorien zu denken, in denen explizit die Frage der Prägung und der eigenen Bibelreligiosität aufgegriffen würde. Bibelkunde selbst könnte von Anfang an auch über Verstehensmöglichkeiten und ver‐ schiedene Zugänge zur Bibel sprechen. Biblisch-theologische Grundlagenveranstaltungen könnten methodisch-exegetische Elemente mit hermeneutischen Fragen verknüpfen und so die Reflexivität der Studierenden anregen. Nicht zuletzt wäre an die Erkenntnis anzuknüpfen, dass der Umgang mit der Bibel immer schon methodisch ist, wie die Studien zum Bibelverständnis im Alltag ergeben haben. 774 Es könnte die Aufgabe der Lehre sein, an die Lust solcher Methodik anzuknüpfen und Lust zu machen auf eine Erweiterung und Ergänzung vorprofessioneller Zugänge zur Bibel durch professionelle Zugänge. Die Kernfrage besteht aber darin, wie nachhaltige exegetisch-hermeneutische Kompe‐ tenzentwicklung im Studium gefördert werden kann. Idealerweise würde die im Studium erlernte Herangehensweise an biblische Texte anhand methodischer Leitlinien und im 362 6 Ergebnisse <?page no="363"?> 775 Zu nennen ist exemplarisch als positives Beispiel eines Anwendungsbezugs biblischer Texte, der an die methodengeleitete Exegese anknüpft, das Konzept Bibliotanz®, vgl. Thiele-Petersen (2018), 80-88. 776 Vgl. Mutschler (2014), 190-191. Bewusstsein historischer Hintergründe in praktischen beruflichen Kontexten selbstver‐ ständlich zur Anwendung kommen. Die Portfolioanalyse hat gezeigt, dass zwar in einer konzentrierten und langfristigeren Eigenarbeit recht gute Ergebnisse im wissenschaftli‐ chen Umgang mit der Bibel erzielt werden können, aber in der Ad hoc-Exegese zu Mt 6,25-27 (d. h. Frage 2.1 an MP 2) eigentlich vorhandenes und trainiertes Repertoire nicht spontan und ad hoc abgerufen werden kann. Mit einer selbstverständlichen Anwendung trainierter Fähigkeiten ist bei vielen Studierenden nicht zu rechnen. Eine mögliche Reak‐ tion darauf sollte in der Schaffung von Übungskontexten bestehen. Die Frage ist aber, welche Übungskontexte hilfreich sein könnten. Die vorliegende Studie kann Hinweise auf Antworten geben. Insgesamt tritt bei vielen Studierenden die Bibel als Gegenstand des persönlichen Glaubens gegenüber anderen Glaubensinhalten zurück. Dies gilt aber nicht im Hinblick auf die Ethik. Studierende erwarten von der Bibel fast durchweg ethische Orientierung. An diesen Themenbereich der Ethik können übende exegetisch-hermeneutische Veranstal‐ tungsformate thematisch anknüpfen. Eindeutig ist auch, dass die Anwendungsorientierung im Umgang mit der Bibel in der Einschätzung der Studierenden wichtiger ist als die theoretische Erarbeitung von exegetischen Inhalten. Es gilt also, durch Anwendungskontexte zu der Erkenntnis zu führen, dass ohne eine methodengeleitete Textanalyse biblische Texte in der Praxis nicht erfolgreich zur kreativen oder dialogischen Anwendung kommen können. 775 Einen weiteren Hinweis geben die Ergebnisse zum Thema Normenkonflikt. In eine ähnliche Richtung geht der Ansatz, über „Stolpersteine des Glaubens“ bzw. sog. „Stolper‐ texte“ in Lehrveranstaltungen ins Gespräch zu kommen. 776 In der Auseinandersetzung mit Bibeltexten, deren inhärente Normen mit Normen heutiger Lebensrealität nicht kompatibel sind, liegt ein großes Potential zur hermeneutischen und methodischen Reflexion. Der Weg führt über die Emotionalität der Studierenden, also den inneren Widerstand. Dies zeigen die Ergebnisse der Portfolioanalyse im Blick auf das Problemlösungsszenario „Frauen in der Bibel“. Im besten Fall führt die Emotionalität der Auseinandersetzung zur Re-Integration des Repertoires im Umgang mit der Bibel und der eigenen Religiosität. Eine solche Erfahrung kann den Mehrwert des methodengeleiteten Arbeitens plausibel machen und in der Folge dazu führen, dass dieses Arbeiten ins eigene professionelle Handlungsrepertoire übergeht. 6.4.3 Ausblick: Lehre im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover Besonders relevant sind die Ergebnisse der vorliegenden Studie naturgemäß für den Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover. Mehrere Erkenntnisse lassen sich aus den Ergebnissen der Studie gewinnen. Die Lernausgangslagen sind bei aller Homogenität der Studierendengruppen individuell sehr verschieden. Die Wege zum eigenen „Grundverständnis-Mobile“ sind ebenfalls sehr 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 363 <?page no="364"?> 777 Vgl. Mutschler (2014), 186. individuell und unverwechselbar. Zugleich besteht eine hohe Motivation, sich mit der Bibel auf einer wissenschaftlichen Grundlage zu beschäftigen. Es gilt, den Weg von der Reproduktion der Inhalte zur eigenmotivierten professionellen Produktion zu fördern. Es gibt Personen, die durch die exegetisch-hermeneutische Lehre Erkenntnisgewinne und Fortschritte erzielen. Diese Prozesse sollten gefördert werden. Zugleich gibt es aber auch einen erheblichen Anteil der Studierenden, die keinen nachhaltigen Lernfortschritt erzielen. Auch wenn anzunehmen ist, dass unterschiedliche Interessensschwerpunkte im Studium vorhanden sind, müssen Basiskompetenzen im Umgang mit der Bibel erlernt werden. Die reine Umstellung des hochschuldidaktischen Ansatzes in der Lehrveranstal‐ tung (Koh.-II) hat aber keinen erkennbaren Mehrwert gebracht. Kontexte des Umgangs mit der Bibel und des Austauschs über Glaubensfragen brechen für viele Studierende im Studium weg. Zugleich besteht eine hohe Motivation zur Reflexion und zur Auseinandersetzung mit theologischen Inhalten. Dies belegt das Muster der „fluk‐ tuierenden halben Kohorte“. Positionen ändern sich und werden während des Studiums überdacht. Viele Studierende sind während des Studiums bleibend ehrenamtlich engagiert; potenti‐ elle Anwendungskontexte sind damit vorhanden. Allerdings sind Kontexte des Bibellesens außerhalb des Studiums auch kein Garant dafür, dass methodengeleitetes Bibellesen besser umgesetzt wird. Unter der Voraussetzung, dass die allgemeinen Aussagen für die exegetisch-herme‐ neutische Hochschullehre auch an der Hochschule Hannover gelten, könnten aus den vorliegenden Ergebnissen folgende Handlungsoptionen resultieren: Die Bibelkunde-Lehrveranstaltung des ersten Semesters muss angepasst werden. Tu‐ torien und Lerngruppen könnten installiert werden, bzw. existierende Tutorien für das Thema Bibelkunde fruchtbar gemacht werden. Zugänge zur Bibel, die vorprofessionellen „Grundverständnis-Mobiles“ aus der Gruppe sollten als Schatz begriffen werden. Sie sollten in der Veranstaltung einen höheren Stellenwert erhalten und aus der „privaten Nische“ heraustreten können. Ihre Reflexion ist zentral für den Lernerfolg und muss in der Lehrveranstaltung noch mehr Raum bekommen. Die Einbindung von Anwendungskontexten in eigene Übungen an den Bibeltexten muss konsequent betrieben werden. Dabei muss die Erarbeitung der Theorie eingefordert werden, aber der Transfer der Theorie in die praktische Umsetzung muss regelmäßig erfolgen. Idealerweise werden nicht die Reproduktion und der Transfer, sondern die eigene Produktion angeregt (etwa einer Texteinführung für die Gruppe oder die Anleitung einer kreativen Bibelauslegung). In der Kürze der zur Verfügung stehenden SWS können stärker integrative Lehr- und Lernformate installiert werden, die eine Brücke schlagen etwa zwischen exegetisch-her‐ meneutischer Lehre und dem Lernfeld „ästhetische Kommunikation“ oder exegetisch-her‐ meneutischer Lehre und der Einführung in Gottesdienst und Feier. Auch ein Semesterthema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, wie Mutschler es mit dem Darwinjahr vorschlägt, 777 könnte eine Möglichkeit sein, den Dienst von Exegese und Hermeneutik für 364 6 Ergebnisse <?page no="365"?> 778 Evangelische Kirche in Deutschland (2021). das gesamte Semestergeschehen zu plausibilisieren. In jedem Fall darf der Umgang mit der Bibel mit dem Ende des exegetischen Studiums nicht vorbei sein. Die Planung und Vorbereitung der Lehre sollten möglichst mit den Studierenden zusammen erfolgen. Auch dies ist eine Gelegenheit für die Studierenden, das eigene aktive exegetische Handeln einzuüben. Möglich wäre auch das Format eines Mini-Praxisprojekts im Rahmen der Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“. Hier könnten die ehrenamtlichen Kontexte als Praxisfelder genutzt und reflektiert werden. Möglich wäre es auch, einen Lektürekurs zu biblisch-ethischen Themen mit entspre‐ chender aktiver Vorbereitung der Texte in höheren Semestern zu installieren. Gute Erfah‐ rungen gibt es in diesem Modul bereits mit dem Format „Abendseminar zum Thema Hermeneutik“ mit gemeinsamem Abendessen und offenem Ausklang. Gute Erfahrungen gibt es ebenfalls mit der Verzahnung von Hermeneutik, Textanalyse und kreativen Bibelaus‐ legungsmethoden im Rahmen eines Blockseminars Hermeneutik. Hier konnten mehrfach Aha-Effekte erzielt werden im Hinblick darauf, wozu eine methodengeleitete Erarbeitung eines Bibeltextes dienen kann. Diese Formate sollten ausgebaut und fortgesetzt werden. 6.4.4 Ausblick: Arbeitsfelder Kirche und Gemeinde Die hier untersuchte Zielgruppe der Studierenden des Doppelstudiengangs Religionspäd‐ agogik und Soziale Arbeit strebt die doppelte Qualifikation als Sozialarbeiter*in und Diakon*in an. Die Anerkennung als Diakon*in wird im Fall dieses speziellen Studiengangs von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ausgesprochen. Die Berufsgruppe der Diakon*innen und Gemeindepädagog*innen erfährt kirchlicher‐ seits gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit, als das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Diese Berufsgruppe gehört zum theologisch ausgebildeten Personal und gehört in den Mitgliedskirchen der EKD zunehmend zu Verkündigungsteams oder multiprofessionellen Teams, die eine Grundversorgung der Gemeinden vor Ort sicherstellen. Die mehrfach zitierte EKD-Veröffentlichung zum diakonisch-gemeindepädagogischen Dienst und den für diesen Dienst geforderten einheitlichen Qualifikationsstandards ist Ausdruck dieser Entwicklung. 778 Interessant sind die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung für die Landeskirchen als Anstellungsträgerinnen der zukünftigen Diakon*innen und Gemeindepädagog*innen und als Mitverantwortliche für den o. g. Doppelstudiengang oder verwandte Studiengänge. Die Ergebnisse dieser Untersuchung tragen die regionale Färbung des norddeutschen Raumes. Die Studierenden stammen weit überwiegend aus Norddeutschland. Dies wurde in der vorliegenden Befragung nicht erhoben, ist aber ein Erfahrungswert, der über viele Jahre gleich geblieben ist. Die befragten Studierenden der Hochschule Hannover vertreten in Bezug auf die Bibel weit überwiegend eine übertragene Leseperspektive. Das bedeutet, dass der biblische Text eine Funktion innerhalb ihres Glaubenssystems hat und damit Gottes Wort in den Worten von Menschen ist. Das bedeutet auch, dass die Texte für auslegungsbedürftig und aktualisierungsbedürftig gehalten werden. In diesem Punkt unterscheidet sich die 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 365 <?page no="366"?> 779 Evangelische Kirche in Deutschland (2021), 30. 780 Vgl. Abschnitt 3.3.4.2.1. 781 Zur Rolle kirchlicher Mitarbeiter*innen s. Abschnitt 3.1.2, zu Gesprächen über den Glauben s. Abschnitt 3.3.3.2.4.2, zu den sozialen Kontexten der Bibel s. Abschnitt 3.3.3.2.3. Haltung der meisten Studierenden von einer „unmittelbaren identifikatorischen Lektüre“ der Bibel. 779 Die Studierenden sind als Rezipient*innen von Auslegungen auch in der Lage, zwischen identifikatorischer Lektüre und methodengeleiteter Bibelauslegung zu unterscheiden, wie z. B. die Beurteilungen der Auslegungsansätze zu Gen 3,16 (Frage 1.12) zeigen. 780 Schwieriger wird es, wenn aktiv und eigenständig methodengeleitet mit Bibel‐ texten gearbeitet werden soll. Entsprechend der in dieser Veröffentlichung verwendeten Terminologie im Sinne des eigenen Handlungsrepertoires im Umgang mit der Bibel sind viele Studierende am Ende ihres exegetischen Studiums noch nicht bei einem aktiven professionellen Umgang mit der Bibel angekommen. Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, müsste es mehr Gelegenheiten der Einübung dieses professionellen Umgangs mit der Bibel innerhalb und außerhalb des Studiums geben. Ein gut eingeübter professioneller Umgang mit Bibeltexten wäre ausgesprochen wün‐ schenswert. Dies gilt nicht nur im Blick auf die Berufsausübung allgemein, sondern auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Untersuchung. Weit überwiegend geben die Befragten an, Glaubensthemen vor dem Studium mit kirchlichen Mitarbeiter*innen besprochen zu haben. Im Studium wird das Gespräch über den Glauben in der Tendenz schwieriger, obwohl eigentlich ausreichend Kommiliton*innen zur Verfügung stehen müssten, um über Glaubensfragen zu sprechen. Dies gehört zu den wenigen Themen, bei denen die Vergleichsstudien positivere Ergebnisse aufweisen als bei den befragten Studierenden; es ist demnach für andere Befragte vergleichsweise einfacher, über den Glauben zu sprechen. Die Korrelation mit den Kontexten des Engagements und den Kontexten des Umgangs mit der Bibel zeigt, dass wichtige kirchliche soziale Kontexte im Studium nicht weitergeführt werden. 781 Das spricht dafür, dass kirchliche Kontexte und die dort arbeitenden Mitarbeiter*innen für fast alle Studierenden die Basis der religiösen Sozialisation bilden. Kirchliche Mitarbeiter*innen sind unersetzlich für eine religiöse Bildung von Kindern und Jugendlichen. Die starke kirchliche Orientierung zeigt auch das erhobene Profil der Religiosität der Befragten. Die kirchliche Glaubenswelt bildet die religiöse Primärsozialisation. Die Befragten sind in hohem Maße kirchlich eingebunden und engagiert, sie sind identifiziert mit ihrer Kirche. Das zeigen nicht zuletzt die Äußerungen zum Problemlösungsszenario „Frauen in der Bibel“ im Rahmen der Portfolioanalyse. Nun sollen aber die Studierenden selbst einmal diese Rolle ausfüllen, d. h. selbst Ansprechpersonen für Glaubensfragen werden. Das bedeutet, dass an den Hochschulen mit diakonisch-gemeindepädagogischen Studiengängen eine wichtige, wenn nicht zukünftig die wichtigste Berufsgruppe heranwächst, die Menschen für den Glauben gewinnen und für die kirchliche Arbeit begeistern kann, genau wie sie selbst einst von ihren älteren Kolleg*innen begeistert worden sind. Die Berufsgruppe wirkt multiplikatorisch und tra‐ ditionsbildend. Daher wäre eine geübte theologische Dialogkompetenz wünschenswert, die mindestens einen reflektierten Zugang zur Bibel einschließt, besser aber noch einen professionellen Umgang mit Bibeltexten. 366 6 Ergebnisse <?page no="367"?> 782 Vgl. Möller (2005), 236-237, s. Abschnitt A.1.4.3.2.1 im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1). Klar ist aber auch, dass unter den Bedingungen eines Doppelstudiengangs Religionspäd‐ agogik und Soziale Arbeit Theologie nur ein Fach unter anderen sein kann und die biblische Theologie eben auch nur ein theologischer Bereich unter anderen. Klar ist ebenfalls, dass die Berufsgruppe umworben ist und sich keineswegs nur in Gemeindekontexten sieht. Hier könnte kirchliche Weiterbildung ins Spiel kommen, die für gemeindliche Kontexte dann nicht nur liturgische Kompetenzen vertieft, sondern auch Kompetenzen des theologischen Dialogs. Die Studierenden kommen hochmotiviert ins Studium, sie sind und bleiben interessiert an methodischen Zugängen zur Bibel. Es gehört zur Rollenfindung und zum professionellen Selbstbewusstsein, solche erlernten Zugänge auch selbstverständlich zur Anwendung zu bringen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass grundsätzlich eine Einordnung biblischer Texte in ihren historischen Hintergrund als nötig erkannt wird. Das Problem liegt eher im Sprung in die Eigenproduktivität und in der verantwortlichen Rollenübernahme als Expert*in und professionelle*r Bibelausleger*in. Fast alle Studierenden haben vor dem Beginn des Studiums Erfahrungen mit kirchlicher Jugendarbeit gemacht. In dieser Hinsicht sind beide befragten Kohorten homogen. Sehr heterogen sind hingegen die Lernausgangslagen bezogen auf das Grundverständnis der Bibel. Ob und wie die Bibel in den Kontexten kirchlicher Jugendarbeit vorkommt, ist offenbar unterschiedlich. Dabei kommt es nicht nur auf die Inhalte an, sondern auch darauf, dass eine vertrauensvolle Beziehung zu einer Person aufgebaut wird, für die die Bibel eine persönliche Relevanz hat, die aber auch auskunftsfähig ist, wenn es um biblische Themen geht. 782 Alle genannten Aspekte - die Beziehungskompetenz, die Bibelreligiosität, aber auch das Repertoire im Umgang mit Bibeltexten - gehören zu einem Studiengang dazu, der solche Multiplikator*innen ausbildet. Die vorliegende Studie zeigt, dass es in vielen Fällen gelingt, diese Kompetenzen zu verfestigen und auszubauen. In vielen anderen Fällen gelingt es aber eben auch nicht. Welche Voraussetzungen könnte die Kirche als Institution schaffen, damit eine solche Entwicklung besser und häufiger gelingt? Einen Hinweis bietet die genannte Beziehungs‐ komponente: Bezugspersonen, zu denen Vertrauen aufgebaut werden kann, sind für die religiöse Sozialisation, d. h. auch für die Bibelsozialisation Jugendlicher wichtig. Wie kann eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit gelingen, wenn Diakon*innen und Gemeinde‐ pädagog*innen vor allem in übergemeindlichen Kontexten eingesetzt werden, wo eine kontinuierliche Beziehungsarbeit strukturell erschwert wird? Bleibt der Gemeindebezug das Privileg der Pfarrpersonen? Einen weiteren Hinweis bieten die Angaben zum schulischen Religionsunterricht. In erheblichem Umfang geben die Befragten an, in den letzten Schuljahren nicht durchgängig oder gar nicht am Religionsunterricht teilgenommen zu haben (vgl. Abschnitt 3.1.2). Selbst wenn eine Teilnahme erfolgt ist, sagt das noch nichts über die Kompetenzen im Umgang mit der Bibel aus: Weit überwiegend geben die Befragten an, dass die Bibel selbst nicht Gegenstand des Religionsunterrichts ist, sondern eher im Zusammenhang anderer Themen vorkommt (vgl. Abschnitt 3.1.3). Auch hier findet eine Begegnung mit 6.4 Ausblicke: Exegese, Hochschullehre und kirchliche Praxis 367 <?page no="368"?> 783 Vgl. Hassan/ Lehmeier (2022), 44-46. der Bibel als Schrift also eher nicht statt und kann ein theologisches oder diakonisches Studium nicht vorbereiten. Die Institution Kirche ist sowohl an der Abdeckung der Schulen mit Religionsunterricht beteiligt als auch an der Erstellung von Kerncurricula, hat also Möglichkeiten der Einflussnahme. Ein nicht zu unterschätzender Faktor der Bibelsozialisation sind Kinderbibeln. Sie wirken traditionsbildend und beeinflussen sowohl die Gesamtsicht der Bibel als auch die Kenntnis von Bibeltexten bleibend. 783 Dies könnte bei der Auswahl von Kinderbibeln berücksichtigt werden, die etwa anlässlich von Taufen verschenkt werden oder die im Kindergottesdienst Verwendung finden. Für die befragten Studierenden gehören Zweifel in höherem Maße zum Glauben dazu, als das bei Vergleichsgruppen anderer Befragungen der Fall ist. Es ist im Studium mit Krisen zu rechnen, die zuweilen auch mit der Bibel zu tun haben können. Hier wären Gesprächskontexte hilfreich, die dezidiert das Sprechen über Glaubensfragen ermöglichen und einüben. Das ist eine hochschuldidaktische Aufgabe, kann aber auch Aufgabe einer kirchlichen Begleitung von Studiengängen sein, ähnlich den Mentoratsangeboten für Lehramtsstudiengänge. Nicht zuletzt zeigt die vorliegende Studie, dass im Doppelstudiengang auch mit Personen zu rechnen ist, die eher mit einem säkularen Blick auf die Bibel ins Studium kommen und sich erst im Studium mit der Bibel auseinandersetzen. Auch in solchen Fällen kann eine Annäherung an die Bibel gelingen. Die Bibelsozialisation würde dann erst im Studium stattfinden. Die Diversität der Zugänge zur Bibel bietet große Chancen der Reflexion unter den Studierenden und sollte als Reichtum begriffen werden. 368 6 Ergebnisse <?page no="369"?> 7 Hinweise auf das Online-Zusatzmaterial 7.1 Teil A: Zur Einordnung in die Forschungsgeschichte Hier finden sich die detaillierten Untersuchungen und Einordnungen der gesichteten Forschungsliteratur, die in Tabellenform in Teil 1.4.3 steht. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen wird das Ergebnis in Abschnitt 1.4.4 formuliert. https: / / files.narr.digital/ 9783772087660/ Online_Zusatzmaterial_Teil_A.pdf 7.2 Teil B: Charakterisierungen des Alten Testaments In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse von Frage 1.11 exkursartig dargestellt und interpretiert, in der es um die Haltungen der Befragten zum Alten Testament geht. https: / / files.narr.digital/ 9783772087660/ Online_Zusatzmaterial_Teil_B.pdf 7.3 Teil C: Entwicklungsgrafiken der Panelfragen In diesem Teil werden die Ergebnisse der quantitativen Teile der Panelbefragungen grafisch dargestellt. https: / / files.narr.digital/ 9783772087660/ Online_Zusatzmaterial_Teil_C.pdf 7.4 Teil D: Chrismon-Studie zum Jahr der Bibel 2003 - vollständige Ergebnisse Die Chrismon-Studie wurde bislang nur in Auszügen publiziert; an dieser Stelle finden sich die Ergebnisse erstmals vollständig abgedruckt. https: / / files.narr.digital/ 9783772087660/ Online_Zusatzmaterial_Teil_D.pdf <?page no="371"?> Glossar Achsen: gemeint sind die Achsen des Grundverständnisses der Bibel (Repertoire, Religiosität und Leseperspektive) (s. Abschnitt 1.5) Achsengrafiken: nach Kohorten getrennte Säulendiagramme zu den Achsen des Grundverständnisses der Bibel (Repertoire, Religiosität, Leseperspektive) Ad hoc-Exegese: Frage-2.1 an MP-2 Ankerzitat: ein Zitat aus den qualitativen Teilen der Untersuchung, das typisch ist für die eingenom‐ mene Position Apg: Apostelgeschichte (s. Loccumer Richtlinien) AT: Altes Testament Auslegung von Mt 6,25-27: Frage-2.1 an MP-2 BA: Bachelor of Arts (Studienabschluss) BRS: Doppel-Bachelorstudiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit an der HSH CR: European Credit Transfer System (ECTS)-Punkte Dilemma-Frage: Frage-2.1 an MP-2 EKD: Evangelische Kirche in Deutschland EKM: Evangelische Kirche in Mitteldeutschland Entwicklungsgrafiken: innerhalb dieser Veröffentlichung: Grafiken, durch die die positionellen Veränderungen der einzelnen Teilnehmer*innen bei der Beantwortung ein und desselben Items übersichtlich dargestellt werden (s. die Abschnitte 2.5.1, 2.6.2.2 und 3.2.1) FH: Fachhochschule Fragebogen-Fragetypen (s. Abschnitt 2.3.1.4): • geschlossene Fragen: Oberbegriff für alle Fragen, bei denen sich die Teilnehmer*innen nur zu vorgegebenen Antwortmöglichkeiten verhalten können, also alle Fragen, die nicht halboffen oder offen sind - Ja-Nein-Fragen (im Unterschied zu skalierten Fragen): Fragen, bei denen sich die Teil‐ nehmer*innen bei jeder Aussage zwischen „ja“ oder „nein“ entscheiden müssen (z. B. Fragen 2.1 und 2.9 an Messpunkt 1); - skalierte Fragen (im Unterschied zu Ja-Nein-Fragen): Fragen, bei denen der Grad der Zustimmung bzw. Ablehnung anhand vorgegebener Aussagen anzugeben ist (z. B. bei Frage-1.4); - Fragen mit Mehrfachnennungen bzw. -antworten: Bei Fragen mit Mehrfachnennungen wird diese Möglichkeit in der Frageformulierung eigens erwähnt. Hier wählen die Teilnehmer*innen die Items aus, die für sie zutreffen, und bestimmen damit die Anzahl der von ihnen angekreuzten Antworten (z.-B. Frage-1.2); • halboffene Fragen: Fragen, bei denen sich die Teilnehmer*innen zu vorgegebenen Antwort‐ möglichkeiten verhalten sollen, aber daneben auch die Möglichkeit der freien Formulierung einer Antwort haben (z.-B. Items 2.6.6 und 2.20.4 an Messpunkt 1) • offene Fragen: Fragen, bei denen die Teilnehmer*innen ihre Antworten frei formulieren müssen, weil keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind (z. B. Frage 1.1 an beiden Mess‐ punkten sowie Fragen 2.1.1 und 2.1.2 an Messpunkt 2). <?page no="372"?> Fragenkomplex: eine umfangreiche Fragebogen-Frage mit zahlreichen Items Gen: Genesis bzw. 1. Buch Mose (s. Loccumer Richtlinien) GWA: Gemeinwesenarbeit Grundgesamtheit: s. „N“ HSH bzw. HsH: Hochschule Hannover Item: zu einer Hauptfrage gehörende Unterfragen bzw. -statements werden als Items bezeichnet (so hat etwa Frage-1.5 insgesamt sieben Items). Zur besseren Orientierung wird die Nummerierung der Items mit angegeben; so ist z.-B. Item 1.5.3 das dritte Item von Frage-1.5 KMU: Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung(en) der EKD (s. Literaturverzeichnis; KMU 5: Bedford- Strohm/ Jung [2015]; KMU 6: Evangelische Kirche in Deutschland [2023]) Koh. (= Kohorte): Bezeichnung der beiden Studienjahrgänge, bei denen die Panelbefragungen durchgeführt wurde; Kohorte-I hat ihr Studium 2016 begonnen, Kohorte-II 2017 KU: Konfirmationsunterricht LES: Achse Leseperspektive (vgl. Abschnitt 1.5) Lk: Lukasevangelium (s. Loccumer Richtlinien) Loccumer Richtlinien: siehe im Literaturverzeichnis: Deutsche Bischofskonferenz u.-a. (1981) MA: Master of Arts (Studienabschluss) Mixed methods: steht für gemischte Methoden bei der Datenerhebung, i. d. R. eine Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden MP: kennzeichnet in den Fußnoten das Ergebnis eines Items an Messpunkt 1 („MP 1: “) oder Messpunkt 2 („MP-2: “) MP: Messpunkt, an dem die Befragung durchgeführt wurde; MP 1 war bei beiden Kohorten der erste Tag des ersten Studiensemesters, und MP-2 lag am Ende des vierten Studiensemesters: - MP-1 bei Kohorte-I: 26.09.2016 - MP-2 bei Kohorte-I: 12.06.2018 - MP-1 bei Kohorte-II: 26.09.2017 - MP-2 bei Kohorte-II: 07.05.2019 Mt: Matthäusevangelium (s. Loccumer Richtlinien) N: Grundgesamtheit: Gesamtzahl der Befragungsteilnehmer*innen (so bedeutet z.-B. N=28, dass die Daten von 28 Befragten ausgewertet wurden) NT: Neues Testament Panel, Panelbefragung: Befragung ein und derselben Gruppe an mehreren Zeitpunkten bzw. Mess‐ punkten Panelsterblichkeit: das Phänomen, dass Personen nach der Erstbefragung an einer Folgebefragung nicht mehr teilnehmen (s. Abschnitt 2.4) Portfolio: kompetenzorientierte Prüfungsform an der Hochschule Hannover. In diesem Projekt der Kurztitel der von Hassan/ Lehmeier (2022) veröffentlichten Teilstudie „Portfolioanalyse“ (vgl. Abschnitt 1.2) Portfolioanalyse: der rein qualitative Teil des Gesamtprojekts, bereits publiziert als: Hassan, Re‐ becca/ Lehmeier, Karin, „Nicht alles, was in der Bibel heute steht, hat etwas mit meinem Glauben zu tun! “ Forschungsbericht zur Auswertung von Seminarportfolios in der Lehrveranstaltung „Biblische Theologie“ des Studiengangs Religionspädagogik und Soziale Arbeit“, Hannover 2022 (https: / / doi.org/ 10.25968/ opus-2277) (Abruf: 6.3.2024) 372 Glossar <?page no="373"?> Prozentangaben: Bei den Prozentangaben (z.-B. in Abschnitt 3.1) wird gerundet, damit keine Dezimalstellen angegeben werden müssen; dabei werden Werte zwischen x,1% bis x,4% abgerundet und Werte von x,5% bis x,9% aufgerundet. In wenigen Fällen beträgt die Summe der einzelnen Werte wegen des Aufbzw. Abrundens dabei nicht 100% REL: Achse Religiosität (vgl. Abschnitt 1.5) REP: Achse Repertoire (vgl. Abschnitt 1.5) SoSe: Sommersemester SWS: Semesterwochenstunden, die eine bestimmte Veranstaltung umfasst; wird eine Veranstaltung in einem Semester wöchentlich und regelmäßig mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche angeboten, so umfasst sie 2 SWS; Blockveranstaltungen werden entsprechend ihrem zeitlichen Umfang klassifiziert TN: interne Abkürzung für „Teilnehmer*in“ bzw. „Teilnehmer*innen“ und für deren grammatische Formen Unterstreichung: i. d. R. wird diese zur Markierung solcher Textteile in den qualitativen Befragungs‐ teilen verwendet, die in der jeweiligen Auswertung interpretiert werden WS: Wintersemester Glossar 373 <?page no="375"?> Fragebögen Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ Hinweise zum Ausfüllen des Fragebogens Bitte lesen Sie zunächst eine Frage und die jeweilige Antwortmöglichkeiten genau durch, bevor Sie antworten. Es gibt verschiedene Fragetypen: ►Ja - Nein - Fragen: Bitte kreuzen Sie die zutreffende Antwort an: Ja ○ Nein ○ Bei manchen Fragen gibt es zusätzliche Antwortmöglichkeit: Ja, und zwar______________ Hier werden Sie um ergänzende Angaben in schriftlicher Form gebeten. ►Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie die jeweils für Sie zutreffenden Antworten an. ►Fragen mit Antwortskalen: unwichtig - - sehr wichtig (1) (2) (3) (4) ○ ○ ○ ○ Kreuzen Sie auf die Zahl an, die Ihre Einschätzung am besten widerspiegelt! ►Offene Fragen: Bei offenen Fragen werden Sie gebeten, Ihre eigenen Meinungen und Einschätzungen in eigenen Worten zu formulieren. Persönlicher Fragebogencode Zu Beginn werden Sie nun zuerst gebeten, Ihrem Fragebogen einen persönlichen Code zuzuordnen. Durch den Code werden keine Rückschlüsse auf Ihre Person gezogen. Der Code dient folgendem Zweck: Da eine Folgebefragung geplant ist, ermöglicht es der nur für Sie selbst nachvollziehbare Code, anonym (d. h. ohne Kenntnis Ihrer persönlichen Angaben) den jetzigen Fragebogen und Fragebogen der Folgebefragung einander zuzuordnen. Bitte geben Sie einen persönlichen Code ein, zusammengesetzt aus: • Die beiden ersten Buchstaben des Vornamens Ihrer Mutter (bsww. Jutta=JU, Hilde‐ gard=HI) • Eine zweistellige Ziffer für Ihren eigenen Geburtsmonat (bspw. August=08, De‐ zember=12) <?page no="376"?> • Die beiden ersten Buchstaben Ihres eigenen Geburtsortes (bspw. München=MÜ, Kiel=KI) • Beispiel Jutta=JU / August=08 / München=MÜ → Code: JU08MÜ Ihr persönlicher Fragebogen - Code: - - - - - - - - - - - - Vorname der Mutter: erste 2 Buchstaben - Geburtsmonat: als 2-stellige Ziffer - Geburtsort: erste 2 Buchstaben - 376 Fragebögen <?page no="377"?> Teil-1: Erfahrungen mit der Bibel 1.1. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Die Bibel ist für mich … 1.2. In welchen Zusammenhängen haben Sie biblische Texte bisher kennengelernt? (Mehr‐ fachnennungen möglich) ○ Familie ○ Kindergottesdienst ○ Gottesdienst ○ Religionsunterricht ○ Konfirmand_innenunterricht ○ Freundeskreis ○ Jugendgruppe ○ Film ○ Bibel- oder Hauskreis ○ Freizeit(en) 1.3. Wie oft haben Sie bis zu Ihrem Studienbeginn in der Bibel gelesen? ○ täglich ○ mehr als einmal in der Woche ○ einmal in der Woche ○ einbis dreimal im Monat ○ mehrmals im Jahr ○ seltener ○ nie Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 377 <?page no="378"?> 1.4. Jetzt geht es um Ihren Glauben, und zwar bis zu Ihrem Studienbeginn. Überlegen Sie, inwiefern die folgenden Aussagen auf Sie zutreffen: - - trifft voll‐ ständig zu trifft eher zu trifft eher nicht zu - trifft gar nicht zu 1. Ich habe regelmäßig für mich allein in der Bibel gelesen. ○ ○ ○ ○ 2. Ich habe die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe gelesen. ○ ○ ○ ○ 3. Ich habe Auslegungen biblischer Texte (An‐ dachten, Predigten) gehört. ○ ○ ○ ○ 4. Ich habe Andachten und/ oder Gottesdienste ge‐ staltet. ○ ○ ○ ○ 5. Die Bibel ist für mich bisher nicht wichtig ge‐ wesen. ○ ○ ○ ○ 1.5. Wenn Sie schon häufiger selbst aktiv mit der Bibel umgegangen sind (z. B. in der Vorbereitung einer Andacht oder einer Jugendgruppenstunde): Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Bitte kreuzen Sie an, welche Aussagen auf Sie zutreffen (Mehrfachantworten möglich! ). ○ Ich überlege, was er für mein Leben aussagt oder wie er in die Situation meiner Gruppe hineinspricht. ○ Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung. ○ Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde. ○ Ich spreche mit anderen über den Text. ○ Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes. ○ Ich schlage fehlende Informationen nach (Internet, Lexika, Anhang der Bibel). ○ Ich frage Profis, wenn ich nicht weiterkomme (Pastor_innen / Diakon_innen). 1.6. Wie wichtig ist die Bibel für Ihren Glauben? Geben Sie einen Wert auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) an. unwichtig - - sehr wichtig (1) (2) (3) (4) ○ ○ ○ ○ 378 Fragebögen <?page no="379"?> 1.7. Wie stehen Sie zu den folgenden Aussagen? Bitte geben Sie an, inwieweit sie für Sie zutreffend oder nicht zutreffend sind. - - trifft voll‐ ständig zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Ich würde gerne noch mehr darüber wissen, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird. ○ ○ ○ ○ 2. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe. ○ ○ ○ ○ 3. Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tie‐ feren Verständnis biblischer Texte noch Infor‐ mationen fehlen. ○ ○ ○ ○ 1.8. Für mein Studium an der Hochschule Hannover wünsche ich mir für die Beschäftigung mit der Bibel … (Mehrfachnennungen möglich) ○ dass ich die Bibel noch besser kennenlerne. ○ dass ich häufiger in der Bibel lese. ○ dass ich noch mehr methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekomme. ○ dass ich mehr über die Hintergründe biblischer Texte erfahre. ○ dass ich mehr darüber erfahre, wie ich biblische Texte in der späteren Berufspraxis einsetzen kann. ○ dass ich auch über die Bedeutung der Bibel für meinen Glauben reflektieren kann. ○ eigentlich eher, dass die Bibel keine so große Rolle spielt. 1.9. Besonders schwierig finde ich in der Bibel … (Mehrfachnennungen möglich) ○ die Texte, in denen Gott rachsüchtig oder gewalttätig erscheint. ○ dass es so scheint, als ob Homosexualität verboten sei. ○ dass Frauen in den Texten oft untergeordnet sind oder nur eine Nebenrolle spielen. ○ dass die Bibel in sich widersprüchlich ist. ○ dass die Welt in sieben Tagen erschaffen sein soll. ○ dass selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass es Sklaverei gibt. ○ dass die Bibel so altertümlich und schwer verständlich ist. ○ dass selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass es die Todesstrafe gibt. ○ dass es Diskrepanzen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament gibt. ○ dass die Bibel manchmal keine eindeutigen Aussagen zu bestimmten Themen trifft. ○ nichts! Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 379 <?page no="380"?> 1.10. Was bedeutet die Bibel für Sie? Überlegen Sie, inwieweit die folgenden Aussagen für Sie zutreffen: - - trifft voll zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder. ○ ○ ○ ○ 2. Die Bibel überliefert Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind. ○ ○ ○ ○ 3. Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Rele‐ vanz für mein Leben haben. ○ ○ ○ ○ 4. Die Bibel ist ein Buch, in dem Menschen aufge‐ schrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben. ○ ○ ○ ○ 5. Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden. ○ ○ ○ ○ 6. Die Bibel ist das maßgebliche Wort Gottes. ○ ○ ○ ○ 7. Die Bibel ist die Wegweiserin in allen Lebens‐ fragen. ○ ○ ○ ○ 8. Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. ○ ○ ○ ○ 1.11. Was halten Sie von den folgenden Charakterisierungen des Alten Testaments? - Das Alte Testament ist für mich … am ehesten eher we‐ niger am we‐ nigsten 1. der Teil der Bibel, der für das Judentum wichtiger ist als für das Christentum. ○ ○ ○ ○ 2. die heilige Schrift der frühen Christ_innen. Des‐ halb ist es die wichtigste Basis des christlichen Glaubens. ○ ○ ○ ○ 3. der Teil der Bibel, der durch das Neue Testament in Vielem korrigiert wird. ○ ○ ○ ○ 4. weniger wichtig als das Neue Testament. ○ ○ ○ ○ 5. für meinen Glauben an Gott unverzichtbar. ○ ○ ○ ○ 380 Fragebögen <?page no="381"?> 1.12. Wir würden gerne wissen, wie Sie zu einem bestimmten biblischen Vers stehen. Nach 1. Mose 3,16 sagt Gott zur Frau: „Dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.“ Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu: - - stimme stark zu stimme eher zu lehne eher ab lehne stark ab 1. Hinter dieser Aussage wird ein tieferer Sinn stehen. Wenn in der Bibel steht, dass Gott so etwas sagt, dann sollte man sich auch daran halten. ○ ○ ○ ○ 2. Möglicherweise ist dieser Satz erst später zum eigentlichen Text hinzugesetzt worden. Er ent‐ spricht dann nicht der Meinung der ursprünglichen Autor_innen. ○ ○ ○ ○ 3. Der Text sagt aus, dass sich Frauen generell Män‐ nern unterordnen sollen. ○ ○ ○ ○ 4. Die Bibel ist einer patriarchal geprägten Zeit ent‐ standen. Deshalb müssen wir heute einen solchen Satz anders verstehen, als er damals vielleicht ge‐ meint war. ○ ○ ○ ○ 1.13. Was ist Ihnen bei Ihrer Bibelauslegung wichtig? (Mehrfachnennungen möglich) ○ Mir ist wichtig, dass hinter allem Handeln Gottes mit den Menschen der Wille Gottes nach Gerechtigkeit steht. ○ Mir ist wichtig, dass sich in der Bibel auch bislang kaum ausgelegte Geschichten finden, in denen es z. B. um Frauen, um Arme oder um Menschen am Rande der Gesellschaft geht. ○ Ich möchte Texte besser verstehen können, in denen Gott gewalttätig dargestellt wird. ○ Ich möchte den großen Schatz der möglichen Bedeutungen oder „Sinne“ biblischer Texte heben. ○ Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nicht so viel über ihre Hintergründe wissen muss. ○ Ich möchte immer neue Themen und Texte in der Bibel entdecken. ○ Mir ist besonders wichtig, dass beim Handeln Gottes die Befreiung im Mittelpunkt steht. ○ Mir ist besonders wichtig, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist. ○ Mir ist wichtig, viel über die Hintergründe der Bibel zu erfahren, damit ich sie sachgerecht auslegen kann. Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 381 <?page no="382"?> Teil-2: Religiöse Biographie 2.1. Welcher Religionsgemeinschaft bzw. Konfession gehören Sie an? ○ Ich bin evangelisch und bin Mitglied einer Landeskirche. ○ Ich bin evangelisch und bin Mitglied einer Freikirche. ○ Ich bin katholisch. ○ Ich gehöre einer anderen christlichen Konfession zu. ○ Ich gehöre einer anderen Religion zu. ○ Ich gehöre keiner Religion zu. 2.2. Bei uns zuhause wurde über religiöse Themen/ Kirche gesprochen: ○ täglich ○ mehr als einmal in der Woche ○ einmal in der Woche ○ einbis dreimal im Monat ○ mehrmals im Jahr ○ seltener ○ nie 2.3. Meine Mutter/ mein Vater oder andere nahe Bezugspersonen haben vor dem Einschlafen mit mir gebetet: ○ täglich ○ mehr als einmal in der Woche ○ einmal in der Woche ○ einbis dreimal im Monat ○ mehrmals im Jahr ○ seltener ○ nie 2.4. Bei uns zuhause wurde vor dem Essen gebetet: ○ täglich ○ mehr als einmal in der Woche ○ einmal in der Woche ○ einbis dreimal im Monat ○ mehrmals im Jahr ○ seltener ○ nie 382 Fragebögen <?page no="383"?> 2.5. Welchen Aussagen stimmen Sie zu? - - trifft voll zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Ich wurde religiös erzogen. ○ ○ ○ ○ 2. Ich halte mich für einen religiösen Menschen. ○ ○ ○ ○ 3. Meine Mutter wurde religiös erzogen. ○ ○ ○ ○ 4. Mein Vater wurde religiös erzogen. ○ ○ ○ ○ 2.6. Ich habe bis jetzt am Gemeindeleben teilgenommen … (Mehrfachnennungen möglich) ○ an Gottesdiensten/ Kindergottesdiensten ○ am Konfirmationsunterricht ○ an der Kinderbibelwoche ○ an Kinderund/ oder Jugendfreizeiten ○ an Gemeindefesten ○ an anderen Aktivitäten, und zwar: __________________________________ 2.7. Ich bin getauft als: ○ Kind ○ Jugendliche_r ○ Erwachsene_r ○ (gar nicht) 2.8. Es gibt verschiedene Ansichten darüber, weshalb ein Kind getauft wird. Welchen dieser Aussagen stimmen Sie persönlich zu und welchen nicht? - - ich stimme zu ich stimme nicht zu 1. Ein Kind wird getauft, damit es zur Kirche gehört. ○ ○ 2. Das Kind wird mit der Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. ○ ○ 3. Mit der Taufe wird ein Kind unter den Schutz Gottes gestellt. ○ ○ 4. Mit der Taufe wird der Beginn eines Lebensweges gefeiert. ○ ○ 5. Ein Kind wird getauft, damit es christlich erzogen werden soll. ○ ○ 6. Die Taufe ist vor allem eine Familienfeier. ○ ○ 7. Ein Kind wird getauft, weil das einfach dazugehört. ○ ○ Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 383 <?page no="384"?> 2.9. Haben Sie einen Konfirmationsunterricht oder einen vergleichbaren Unterricht besucht? ○ Ja ○ Nein 2.10. Durch wen oder was wurde Ihre Einstellung zum Glauben beeinflusst? - - … eher zum Posi‐ tiven be‐ einflusst … eher zum Nega‐ tiven be‐ einflusst … gar nicht be‐ einflusst 1. durch meine Mutter ○ ○ ○ 2. durch meinen Vater ○ ○ ○ 3. durch meine Großeltern ○ ○ ○ 4. durch meine Geschwister ○ ○ ○ 5. durch meinen Freundeskreis ○ ○ ○ 6. durch meine(n) Partner_in ○ ○ ○ 7. durch kirchliche Mitarbeitende (Pfarrer_in, Diakon_in, Jugengruppenleitung …) ○ ○ ○ 8. durch die Schule ○ ○ ○ 9. durch den Konfirmationsunterricht ○ ○ ○ 10. durch einen konfessionellen Kindergarten ○ ○ ○ 11. durch eine christliche Jugendgruppe ○ ○ ○ 12. durch ein Auslandsjahr ○ ○ ○ 13. durch einen Freiwilligendienst ○ ○ ○ 2.11. Wurden Sie durch Bücher und Medien mit religiösen Inhalten beeinflusst? Wenn ja, eher zum Positiven oder eher zum Negativen? - - … eher zum Posi‐ tiven be‐ einflusst … eher zum Nega‐ tiven be‐ einflusst … gar nicht be‐ einflusst 1. durch Bücher über Religion oder mit reli‐ giösen Inhalten ○ ○ ○ 2. durch Filme, Fernseh- oder Radiosendungen über Religion oder mit religiösem Inhalt ○ ○ ○ 3. durch Kirchenmusik oder Musik mit reli‐ giösem Bezug ○ ○ ○ 384 Fragebögen <?page no="385"?> 4. durch Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel über Religion oder mit religiösen Inhalten ○ ○ ○ 5. durch Internetseiten, Foren oder Blogs über Religion oder mit religiösen Inhalten ○ ○ ○ 2.12. Wie häufig tauschen Sie sich über religiöse Themen aus? ○ häufig ○ gelegentlich ○ selten ○ nie 2.13. Mit wem tauschen Sie sich über religiöse Themen aus? (Mehrfachnennungen möglich) ○ mit der/ dem Partner_in ○ mit der Familie ○ mit Freund_innen und Bekannten ○ mit kirchlichen Mitarbeitenden ○ mit anderen Kirchengemeindegliedern ○ mit Kommiliton_innen ○ mit niemandem 2.14. Abgesehen vom Gottesdienstbesuch - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? ○ Nein, überhaupt nicht (weiter mit Frage-2.16.) ○ Ja, und zwar durch … (Mehrfachnennungen möglich) ○ die Übernahme von Leitungsaufgaben (Kirchenvorstand, Ausbildung Ehrenamtli‐ cher, Leitung einer Jugendgruppe oder einer anderen kirchlichen Gruppe) ○ die aktive Mitwirkung in Gottesdiensten (z. B. in einer Vorbereitungsgruppe, als Lektor_in, Kindergottesdienst-Leiter_in) ○ den Besuch von Konzerten oder kulturellen Veranstaltungen in einer Kirche oder Kirchengemeinde ○ den Besuch von kirchlichen Bildungsveranstaltungen (Seminare, Vorträge, Medi‐ tation) ○ die Mitwirkung in Chören oder Musikgruppen ○ die Teilnahme am Frauenkreis, Männerkreis, Senior_innenkreis, an einer Jugend‐ gruppe oder einem Gesprächskreis ○ die regelmäßige Mitarbeit z. B. beim Gemeindebrief, beim Besuchsdienst, der Schularbeitenhilfe oder anderen praktischen Tätigkeiten ○ projektbezogene Mitarbeit (z. B. Gemeindefest, handwerkliche Unterstützung, Flüchtlingsarbeit, Friedensarbeit, Eine Welt o.Ä.) ○ Jugendfreizeit Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 385 <?page no="386"?> ○ Kinderfreizeit ○ Konfirmationsunterricht 2.15. Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen in Bezug auf Ihr Engagement im kirchlichen Leben zu? - - stimme stark zu stimme eher zu lehne eher ab lehne stark ab 1. Mein Engagement verbindet mich mit der christ‐ lichen Tradition. ○ ○ ○ ○ 2. Mein Engagement ist für mich ein Ort, meinen Glauben auszudrücken. ○ ○ ○ ○ 3. Mein Engagement ist für mich auch ein Ort inten‐ siver religiöser Erfahrung. ○ ○ ○ ○ 4. Mein Engagement ist eine wichtige Art und Weise, Menschen für den Glauben und die Kirche zu begeistern. ○ ○ ○ ○ 2.16. Sind Sie ehrenamtlich (noch) anderweitig aktiv, und wenn ja, wo? __________ 2.17. Im Folgenden sind Themen aufgelistet, bei denen für einige Menschen Religion eine Rolle spielt. Wie ist das für Sie? - Für mich ist/ sind … … ein re‐ ligiöses Thema … eher ein reli‐ giöses Thema … eher kein reli‐ giöses Thema … kein reli‐ giöses Thema 1. der Sinn des Lebens ○ ○ ○ ○ 2. der Tod ○ ○ ○ - 3. Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden ○ ○ ○ ○ 4. ein Recht auf Leben (in Bezug auf unge‐ borenes Leben, die Todesstrafe o.Ä.) ○ ○ ○ ○ 5. die Natur ○ ○ ○ ○ 6. die Geburt eines Kindes ○ ○ ○ ○ 7. Fragen von Sterbehilfe, Selbsttötung o.Ä. ○ ○ ○ ○ 8. Anfang und Ende der Welt ○ ○ ○ ○ 9. Schuld ○ ○ ○ ○ 10 Gehorsam ○ ○ ○ ○ 386 Fragebögen <?page no="387"?> 2.18. Welcher der folgenden Aussagen stimmen Sie zu? (Mehrfachnennungen möglich) ○ Alle religiösen Gruppen sollten die gleichen Rechte haben. ○ Die zunehmende Vielfalt von religiösen Gruppen in unserer Gesellschaft ist eine Ursache für Konflikte. ○ Meine religiöse Überzeugung ist wichtig für meine Identität und mein eigenes Selbst‐ verständnis. ○ Jede Religion hat Stärken und Schwächen, man sollte sich das jeweils Beste heraus‐ nehmen. ○ Das Christentum ist für mich die einzig akzeptable Religion. ○ Ich meine, dass feste Glaubensüberzeugungen intolerant machen. ○ Wenn sich jemand an die Gesetze hält, ist es egal, welche Religion er oder sie hat. 2.19. Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? trifft ganz genau zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Es ist mir wichtig, einmal kirchlich be‐ stattet zu werden. ○ ○ ○ ○ 2. Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen ge‐ geben hat. ○ ○ ○ ○ 3. Der Glaube gibt mir inneren Halt. ○ ○ ○ ○ 4. Jeder Christ sollte seine Kinder taufen lassen. ○ ○ ○ ○ 5. Der Glaube spielt in meinem Leben keine Rolle. ○ ○ ○ ○ 6. Beten gehört zu meinem Alltag dazu. ○ ○ ○ ○ 7. Ich spüre Gottes Gegenwart in meinem Leben. ○ ○ ○ ○ 8. Der christliche Glaube ist für mich Le‐ bensgrundlage. ○ ○ ○ ○ 9. Durch meinen Glauben weiß ich, was richtig und falsch ist. ○ ○ ○ ○ 10. Meiner Meinung nach gehört es zum Christsein dazu, sich am kirchlichen Leben zu beteiligen. ○ ○ ○ ○ 11. Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren. ○ ○ ○ ○ 12. Ich bin der Ansicht, dass viele Aussagen der Bibel historisch nicht haltbar sind. ○ ○ ○ ○ 13. Ich glaube an Gott. ○ ○ ○ ○ Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 387 <?page no="388"?> 14. Zu meinem Glauben gehört, dass ich immer wieder zweifle und unsicher werde. ○ ○ ○ ○ 15. Ich glaube an eine höhere Macht, aber nicht an einen Gott, wie ihn die Kirche beschreibt. ○ ○ ○ ○ 16. Ich finde es schwer, mit anderen über meinen Glauben zu sprechen. ○ ○ ○ ○ 17. Den Glauben brauche ich nur, wenn es mir schlecht geht. ○ ○ ○ ○ 2.20. Aus welchem Grund haben Sie sich für dieses Studium entschieden? ○ um die Wartezeit auf einen Studienplatz für Soziale Arbeit zu verkürzen. ○ weil ich die Doppelqualifikation interessant finde. ○ aufgrund meines familiären Hintergrunds (Eltern/ Elternteil in der Kirche aktiv). ○ aus einem anderen Grund, und zwar: 388 Fragebögen <?page no="389"?> Teil-3: Soziodemographische Daten 3.1. Welchen höchsten Bildungsabschluss haben Ihre Mutter und Ihr Vater? - Mutter Vater Promotion/ Habilitation ○ ○ (Fach-) Hochschulabschluss ○ ○ Allgemeine oder Fachhochschulreife (Abitur oder Fachab‐ itur) ○ ○ Meisterbrief ○ ○ abgeschlossene Berufsausbildung ○ ○ Realschulabschluss (Mittlere Reife) oder ein gleichwertiger Abschluss ○ ○ Abschluss der allgemeinbildenden polytechnischen Ober‐ schule der ehem. DDR ○ ○ Hauptschulabschluss/ Volksschulabschluss ○ ○ keinen Abschluss/ Abgangszeugnis ○ ○ ich weiß es nicht ○ ○ 3.2. Nennen Sie bitte die aktuelle bzw. letzte berufliche Stellung Ihres Vaters und Ihrer Mutter. - Mutter Vater Arbeiter_in ○ ○ Angestellte_r ○ ○ Beamtin/ Beamter, Richter_in, Berufssoldat_in ○ ○ freiberuflich tätige_r Akademiker_in (Arzt_in, Rechtsan‐ walt_in, Steuerberater_in) ○ ○ selbstständige_r Landwirt_in, Genossenschaftsbäuer_in ○ ○ Selbstständige_r, z.-B. im Handel, im Gewerbe, in der Indus‐ trie oder im Dienstleistungsbereich ○ ○ nie berufstätig gewesen ○ ○ kann ich nicht einordnen ○ ○ 3.3. Haben Sie vor Ihrem Studienbeginn bereits eine spezielle Ausbildung oder Weiterbil‐ dung mit biblischen Inhalten absolviert (z. B. Bibelschule, abgebrochenes Studium Lehramt Theologie/ Pfarramt Theologie/ Religionswissenschaft …)? Befragung am 26.09.2016 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 389 <?page no="390"?> ○ Nein ○ Ja, und zwar: 3.4. Welche Hochschulzugangsberechtigung haben Sie erworben? ○ Allgemeine Hochschulreife/ Abitur ○ Fachabitur (fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife) ○ Hochschulzugangsberechtigung aufgrund beruflicher Vorbildung (Meister_in, Tech‐ niker_in, staatlich geprüfte_r Erzieher_in, Fachkraft für ambulante Pflege etc.) ○ fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung (Immaturen- oder Z- Prüfung) ○ andere Hochschulzugangsberechtigung, und zwar: 3.5. Wie groß ist Ihre Heimatstadt (Wohnortgröße)? ○ 500 bis unter 5.000 Einwohner_innen ○ 5.000 bis unter 20.000 Einwohner_innen ○ 20.000 bis unter 100.000 Einwohner_innen ○ 100.000 bis unter 500.000 Einwohner_innen ○ 500.000 Einwohner_innen und mehr 3.6. Bitte geben Sie Ihr Geschlecht an. ○ weiblich ○ männlich ○ transgender 3.7. Wie alt sind Sie? • bis 19 Jahre alt • zwischen 20 und 25 Jahre alt • älter als 26 Jahre 3.8. Wir sind am Ende des Fragebogens angelangt. Falls Sie etwas ergänzen möchten, haben Sie hier die Möglichkeit, dies zu tun. Herzlichen Dank für die Teilnahme! 390 Fragebögen <?page no="391"?> Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ Hinweise zum Ausfüllen des Fragebogens Bitte lesen Sie zunächst eine Frage und die jeweilige Antwortmöglichkeiten genau durch, bevor Sie antworten. Es gibt verschiedene Fragetypen: ►Ja - Nein - Fragen: Bitte kreuzen Sie die zutreffende Antwort an: Ja ○ Nein ○ Bei manchen Fragen gibt es zusätzliche Antwortmöglichkeit: Ja, und zwar______________ Hier werden Sie um ergänzende Angaben in schriftlicher Form gebeten. ►Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten: Bitte kreuzen Sie die jeweils für Sie zutreffenden Antworten an. ►Fragen mit Antwortskalen: unwichtig - - sehr wichtig (1) (2) (3) (4) ○ ○ ○ ○ Kreuzen Sie auf die Zahl an, die Ihre Einschätzung am besten widerspiegelt! ►Offene Fragen: Bei offenen Fragen werden Sie gebeten, Ihre eigenen Meinungen und Einschätzungen in eigenen Worten zu formulieren. Persönlicher Fragebogencode Zu Beginn werden Sie nun zuerst gebeten, Ihrem Fragebogen einen persönlichen Code zuzuordnen. Durch den Code werden keine Rückschlüsse auf Ihre Person gezogen. Der Code dient folgendem Zweck: Da eine Folgebefragung geplant ist, ermöglicht es der nur für Sie selbst nachvollziehbare Code, anonym (d. h. ohne Kenntnis Ihrer persönlichen Angaben) den jetzigen Fragebogen und Fragebogen der Folgebefragung einander zuzuordnen. Bitte geben Sie einen persönlichen Code ein, zusammengesetzt aus: • Die beiden ersten Buchstaben des Vornamens Ihrer Mutter (bsww. Jutta=JU, Hilde‐ gard=HI) • Eine zweistellige Ziffer für Ihren eigenen Geburtsmonat (bspw. August=08, De‐ zember=12) • Die beiden ersten Buchstaben Ihres eigenen Geburtsortes (bspw. München=MÜ, Kiel=KI) • Beispiel Jutta=JU / August=08 / München=MÜ → Code: JU08MÜ Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 391 <?page no="392"?> Ihr persönlicher Fragebogen - Code: - - - - - - - - - - - - Vorname der Mutter: erste 2 Buchstaben - Geburtsmonat: als 2-stellige Ziffer - Geburtsort: erste 2 Buchstaben - 392 Fragebögen <?page no="393"?> Teil-1: Umgang mit der Bibel 1.1. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Die Bibel ist für mich jetzt, im vierten Semester meines Studiums, … 1.2. In welchen Zusammenhängen spielen biblische Texte für Sie zur Zeit eine Rolle? (Mehrfachnennungen möglich) ○ Kindergottesdienst (als Leitungsperson) ○ Gottesdienst ○ Konfirmand_innenunterricht (als Leitungsperson) ○ Freundeskreis ○ Jugendgruppe (als Leitungsperson) ○ Film ○ Bibel- oder Hauskreis ○ Freizeit(en) (eventuell auch als Leitungsperson) 1.3. Wie oft lesen Sie zur Zeit in der Bibel (außer im Rahmen des Studiums)? ○ täglich ○ mehr als einmal in der Woche ○ einmal in der Woche ○ einbis dreimal im Monat ○ mehrmals im Jahr ○ seltener ○ nie Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 393 <?page no="394"?> 1.4. Jetzt geht es um Ihren Glauben, und zwar zum jetzigen Zeitpunkt. Überlegen Sie, inwiefern die folgenden Aussagen auf Sie zutreffen: - - trifft voll‐ ständig zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Ich lese regelmäßig für mich allein in der Bibel. ○ ○ ○ ○ 2. Ich lese die Bibel zusammen mit anderen bzw. in einer Gruppe. ○ ○ ○ ○ 3. Die Bibel ist jetzt für meinen Glauben wichtiger als vor dem Studium. ○ ○ ○ ○ 4. Die wissenschaftlichen Zugänge zur Bibel stellen meinen Glauben infrage. ○ ○ ○ ○ 5. Die Bibel ist für mich nicht wichtig. ○ ○ ○ ○ 1.5. Wenn Sie außerhalb des Studiums selbst aktiv mit der Bibel umgehen und einen Text vorbereiten (z. B. in der Vorbereitung von Andachten oder Gruppenstunden): Was tun Sie, nachdem Sie einen biblischen Text gelesen haben? Bitte kreuzen Sie an, welche Aussagen auf Sie zutreffen (Mehrfachantworten möglich! ). ○ Ich überlege, was er für mein Leben aussagt oder wie er in die Situation meiner Gruppe hineinspricht. ○ Ich folge meinem spontanen ersten Gedanken für die Auslegung. ○ Ich konzentriere mich auf wenige Aussagen, die ich wichtig finde. ○ Ich spreche mit anderen über den Text. ○ Ich frage nach den geschichtlichen Hintergründen des Textes. ○ Ich schlage fehlende Informationen nach (Internet, Lexika, Anhang der Bibel). ○ Ich frage Profis, wenn ich nicht weiterkomme (Pastor_innen / Diakon_innen). 1.6. Wie wichtig ist die Bibel für Ihren Glauben? Geben Sie einen Wert auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) an. unwichtig - - sehr wichtig (1) (2) (3) (4) ○ ○ ○ ○ 394 Fragebögen <?page no="395"?> 1.7. Wie stehen Sie zu den folgenden Aussagen? Bitte geben Sie an, inwieweit sie für Sie zutreffend oder nicht zutreffend sind. - - trifft voll‐ ständig zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Ich bin zufrieden mit meinem Wissensstand darüber, nach welchen Regeln und Methoden die Bibel ausgelegt wird. ○ ○ ○ ○ 2. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ich die Bibel wortwörtlich verstehe. ○ ○ ○ ○ 3. Ich habe oft den Eindruck, dass mir zum tie‐ feren Verständnis biblischer Texte noch Infor‐ mationen fehlen. ○ ○ ○ ○ 4. Ich würde gerne mehr darüber erfahren, wie ich aus der Bibel Werte für mein Leben ableiten kann. ○ ○ ○ ○ 1.8. Ich wünsche mir für mein weiteres Studium an der Hochschule Hannover, dass … (Mehrfachnennungen möglich) ○ ich in vertiefter Form methodisches Handwerkszeug für das genaue Lesen biblischer Texte bekomme. ○ ich weiterhin im Seminarkontext biblische Texte bearbeite, indem ich Informationen über deren Hintergründe bekomme. ○ geklärt wird, warum ich für meine berufliche Praxis überhaupt mit der Bibel umgehen muss. ○ wir an dieser Fakultät einen Bibelkreis einrichten. 1.9. Besonders schwierig finde ich in der Bibel … (Mehrfachnennungen möglich) ○ die Texte, in denen Gott rachsüchtig oder gewalttätig erscheint. ○ dass es so scheint, als ob Homosexualität verboten sei. ○ dass Frauen in den Texten oft untergeordnet sind oder nur eine Nebenrolle spielen. ○ dass die Bibel in sich widersprüchlich ist. ○ dass die Welt in sieben Tagen erschaffen sein soll. ○ dass selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass es Sklaverei gibt. ○ dass die Bibel so altertümlich und schwer verständlich ist. ○ dass selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass es die Todesstrafe gibt. ○ dass es Diskrepanzen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament gibt. ○ dass die Bibel manchmal keine eindeutigen Aussagen zu bestimmten Themen trifft. ○ nichts! Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 395 <?page no="396"?> 1.10. Was bedeutet die Bibel für Sie? Überlegen Sie, inwieweit die folgenden Aussagen für Sie zutreffen: - - trifft voll zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. In den Worten, Bildern und Geschichten der Bibel finde ich mich mit meinem Leben wieder. ○ ○ ○ ○ 2. Die Bibel überliefert Werte und Normen, die für uns heute entscheidend sind. ○ ○ ○ ○ 3. Die Bibel überliefert alte Texte, die keine Rele‐ vanz für mein Leben haben. ○ ○ ○ ○ 4. Die Bibel ist ein Buch, in dem Menschen aufge‐ schrieben haben, was sie mit Gott erlebt haben. ○ ○ ○ ○ 5. Die Bibel ist von Gott eingegeben und von den Menschen nur aufgeschrieben worden. ○ ○ ○ ○ 6. Die Bibel ist das Wort Gottes, das uns Orientie‐ rung bietet. ○ ○ ○ ○ 7. Die Bibel ist die Wegweiserin in allen Lebens‐ fragen. ○ ○ ○ ○ 8. Die Bibel enthält Gottes Wort in den Worten von Menschen. ○ ○ ○ ○ 1.11. Was halten Sie von den folgenden Charakterisierungen des Alten Testaments? - Das Alte Testament ist für mich … am ehesten eher we‐ niger am we‐ nigsten 1. der Teil der Bibel, der für das Judentum wichtiger ist als für das Christentum. ○ ○ ○ ○ 2. die heilige Schrift der frühen Christ_innen. ○ ○ ○ ○ 3. der Teil der Bibel, der durch das Neue Testament in Vielem korrigiert wird. ○ ○ ○ ○ 4. weniger wichtig als das Neue Testament. ○ ○ ○ ○ 5. für meinen Glauben an Gott unverzichtbar. ○ ○ ○ ○ 6. ein Buch, das Regeln und Gesetze enthält, die für die Gestaltung meines Lebens wichtig sind. ○ ○ ○ ○ 7. eine Sammlung seltsamer alter Geschichten, die wenig mit meinem Leben zu tun haben. ○ ○ ○ ○ 8. das Buch, das Jesus Christus ankündigt. ○ ○ ○ ○ 396 Fragebögen <?page no="397"?> 1.12. Wir würden gerne wissen, wie Sie jetzt zu einem bestimmten biblischen Vers stehen. Nach 1. Mose 3,16 sagt Gott zur Frau: „Dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.“ Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu: - - stimme stark zu stimme eher zu lehne eher ab lehne stark ab 1. Hinter dieser Aussage wird ein tieferer Sinn stehen. Wenn in der Bibel steht, dass Gott so etwas sagt, dann sollte man sich auch daran halten. ○ ○ ○ ○ 2. Möglicherweise ist dieser Satz erst später zum eigentlichen Text hinzugesetzt worden. ○ ○ ○ ○ 3. Der Text fordert dazu auf, dass sich Frauen generell Männern unterordnen sollen. ○ ○ ○ ○ 4. Die Bibel ist einer patriarchal geprägten Zeit ent‐ standen. Deshalb müssen wir heute einen solchen Satz anders verstehen, als er damals vielleicht ge‐ meint war. ○ ○ ○ ○ 5. Der Text hat den Menschen zu alttestamentlicher Zeit erklärt, warum Frauen den Männern unterge‐ ordnet sind. ○ ○ ○ ○ 6. An diesem Text kann man sich heute nicht mehr orientieren. ○ ○ ○ ○ 1.13. Was ist Ihnen bei Ihrer Bibelauslegung wichtig? (Mehrfachnennungen möglich) ○ Mir ist wichtig, dass hinter allem Handeln Gottes mit den Menschen der Wille Gottes nach Gerechtigkeit steht. ○ Mir ist wichtig, dass sich in der Bibel auch bislang kaum ausgelegte Geschichten finden, in denen es z. B. um Frauen, um Arme oder um Menschen am Rande der Gesellschaft geht. ○ Ich möchte Texte besser verstehen können, in denen Gott gewalttätig dargestellt wird. ○ Ich möchte den großen Schatz der möglichen Bedeutungen oder „Sinne“ biblischer Texte heben. ○ Ich finde, dass die Bibel wortwörtlich verstanden werden kann und ich gar nicht so viel über ihre Hintergründe wissen muss. ○ Ich möchte immer neue Themen und Texte in der Bibel entdecken. ○ Mir ist besonders wichtig, dass beim Handeln Gottes die Befreiung im Mittelpunkt steht. ○ Mir ist besonders wichtig, dass Jesus Christus heute ein Vorbild ist. ○ Mir ist wichtig, viel über die Hintergründe der Bibel zu erfahren, damit ich sie sachgerecht auslegen kann. Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 397 <?page no="398"?> 1.14. Mit welcher Bibelübersetzung arbeiten Sie vorwiegend? 1.15. Bitte machen Sie Angaben zu Ihrem Religionsunterricht der letzten zwei Schuljahre (nur eine Möglichkeit ankreuzen! ): ○ Ich hatte in dieser Zeit keinen durchgängigen Religionsunterricht. ○ Ich hatte überhaupt keinen Religionsunterricht in dieser Zeit. ○ Ich hatte durchgängig Religionsunterricht. 1.16. Wie würden Sie in der Rückschau Ihren Religionsunterricht der letzten zwei Schul‐ jahre beurteilen? - - stimme stark zu stimme eher zu lehne eher ab lehne stark ab 1. Mein Religionsunterricht hatte einen stark sozial‐ ethischen Schwerpunkt ○ ○ ○ ○ 2. Die Bibel und ihre wissenschaftliche Erschließung hat eine wichtige Rolle gespielt. ○ ○ ○ ○ 3. Mein Religionsunterricht hatte einen stark spiritu‐ ellen Schwerpunkt. ○ ○ ○ ○ 4. Im Religionsunterricht haben wir Konflikte in der Gruppe bearbeitet. ○ ○ ○ ○ 5. Biblische Texte sind nicht vorgekommen. ○ ○ ○ ○ 6. Biblische Texte sind nur im Rahmen der Beschäfti‐ gung mit bestimmten Sachthemen behandelt worden. ○ ○ ○ ○ 1.17. Es gibt verschiedene Ansichten darüber, weshalb ein Kind getauft wird. Welchen dieser Aussagen stimmen Sie persönlich zu und welchen nicht? - - ich stimme zu ich stimme nicht zu 1. Ein Kind wird getauft, damit es zur Kirche gehört. ○ ○ 2. Das Kind wird mit der Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. ○ ○ 3. Mit der Taufe wird ein Kind unter den Schutz Gottes gestellt. ○ ○ 4. Mit der Taufe wird der Beginn eines Lebensweges gefeiert. ○ ○ 398 Fragebögen <?page no="399"?> 5. Ein Kind wird getauft, damit es christlich erzogen werden soll. ○ ○ 6. Die Taufe ist vor allem eine Familienfeier. ○ ○ 7. Ein Kind wird getauft, weil das einfach dazugehört. ○ ○ 8. Eine Kindertaufe kann nicht als vollwertige Taufe gelten. ○ ○ 1.18. Abgesehen vom Gottesdienstbesuch und Studienverpflichtung (Gestaltung von Kon‐ firmationsunterricht) - beteiligen Sie sich am kirchlichen Leben? ○ Nein, überhaupt nicht. (dann bitte weiter mit Frage-1.20.) ○ Ja, und zwar durch … (Mehrfachnennungen möglich) ○ die Übernahme von Leitungsaufgaben (Kirchenvorstand, Ausbildung Ehrenamtli‐ cher, Leitung einer Jugendgruppe oder einer anderen kirchlichen Gruppe) ○ die aktive Mitwirkung in Gottesdiensten (z. B. in einer Vorbereitungsgruppe, als Lektor_in, Kindergottesdienst-Leiter_in) ○ den Besuch von Konzerten oder kulturellen Veranstaltungen in einer Kirche oder Kirchengemeinde ○ den Besuch von kirchlichen Bildungsveranstaltungen (Seminare, Vorträge, Medi‐ tation) ○ die Mitwirkung in Chören oder Musikgruppen ○ die Teilnahme am Frauenkreis, Männerkreis, Senior_innenkreis, an einer Jugend‐ gruppe oder einem Gesprächskreis ○ die regelmäßige Mitarbeit z. B. beim Gemeindebrief, beim Besuchsdienst, der Schularbeitenhilfe oder anderen praktischen Tätigkeiten ○ projektbezogene Mitarbeit (z. B. Gemeindefest, handwerkliche Unterstützung, Flüchtlingsarbeit, Friedensarbeit, Eine Welt o.Ä.) ○ Jugendfreizeit ○ Kinderfreizeit ○ Konfirmationsunterricht 1.19. Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen in Bezug auf Ihr Engagement im kirchlichen Leben zu? - - stimme stark zu stimme eher zu lehne eher ab lehne stark ab 1. Mein Engagement verbindet mich mit der christ‐ lichen Tradition. ○ ○ ○ ○ 2. Mein Engagement ist für mich ein Ort, meinen Glauben auszudrücken. ○ ○ ○ ○ Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 399 <?page no="400"?> 3. Mein Engagement ist für mich auch ein Ort inten‐ siver religiöser Erfahrung. ○ ○ ○ ○ 4. Mein Engagement ist eine wichtige Art und Weise, Menschen für den Glauben und die Kirche zu begeistern. ○ ○ ○ ○ 1.20. Sind Sie ehrenamtlich (noch) anderweitig aktiv, und wenn ja, wo? 1.21. Im Folgenden sind Themen aufgelistet, bei denen für einige Menschen Religion eine Rolle spielt. Wie ist das für Sie? - Für mich ist/ sind … … ein re‐ ligiöses Thema … eher ein reli‐ giöses Thema … eher kein reli‐ giöses Thema … kein reli‐ giöses Thema 1. der Sinn des Lebens ○ ○ ○ ○ 2. der Tod ○ ○ ○ ○ 3. Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden ○ ○ ○ ○ 4. ein Recht auf Leben (in Bezug auf unge‐ borenes Leben, die Todesstrafe o.Ä.) ○ ○ ○ ○ 5. die Natur ○ ○ ○ ○ 6. die Geburt eines Kindes ○ ○ ○ ○ 7. Fragen von Sterbehilfe, Selbsttötung o.Ä. ○ ○ ○ ○ 8. Anfang und Ende der Welt ○ ○ ○ ○ 9. Schuld ○ ○ ○ ○ 10. Gehorsam ○ ○ ○ ○ 1.22. Welcher der folgenden Aussagen stimmen Sie zu? (Mehrfachnennungen möglich) ○ Alle religiösen Gruppen sollten die gleichen Rechte haben. ○ Die zunehmende Vielfalt von religiösen Gruppen in unserer Gesellschaft ist eine Ursache für Konflikte. 400 Fragebögen <?page no="401"?> ○ Meine religiöse Überzeugung ist wichtig für meine Identität und mein eigenes Selbst‐ verständnis. ○ Jede Religion hat Stärken und Schwächen, man sollte sich das jeweils Beste heraus‐ nehmen. ○ Das Christentum ist für mich die einzig akzeptable Religion. ○ Ich meine, dass feste Glaubensüberzeugungen intolerant machen. ○ Wenn sich jemand an die Gesetze hält, ist es egal, welche Religion er oder sie hat. 1.23. Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? trifft ganz genau zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft gar nicht zu 1. Es ist mir wichtig, einmal kirchlich be‐ stattet zu werden. ○ ○ ○ ○ 2. Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen ge‐ geben hat. ○ ○ ○ ○ 3. Der Glaube gibt mir inneren Halt. ○ ○ ○ ○ 4. Jeder Christ sollte seine Kinder taufen lassen. ○ ○ ○ ○ 5. Der Glaube spielt in meinem Leben keine Rolle. ○ ○ ○ ○ 6. Beten gehört zu meinem Alltag dazu. ○ ○ ○ ○ 7. Ich spüre Gottes Gegenwart in meinem Leben. ○ ○ ○ ○ 8. Der christliche Glaube ist für mich Le‐ bensgrundlage. ○ ○ ○ ○ 9. Durch meinen Glauben weiß ich, was richtig und falsch ist. ○ ○ ○ ○ 10. Meiner Meinung nach gehört es zum Christsein dazu, sich am kirchlichen Leben zu beteiligen. ○ ○ ○ ○ 11. Glaube und Wissenschaft lassen sich gut vereinbaren. ○ ○ ○ ○ 12. Ich bin der Ansicht, dass viele Aussagen der Bibel historisch nicht haltbar sind. ○ ○ ○ ○ 13. Ich glaube an Gott. ○ ○ ○ ○ 14. Zu meinem Glauben gehört, dass ich immer wieder zweifle und unsicher werde. ○ ○ ○ ○ Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 401 <?page no="402"?> 15. Ich glaube an eine höhere Macht, aber nicht an einen Gott, wie ihn die Kirche beschreibt. ○ ○ ○ ○ 16. Ich finde es schwer, mit anderen über meinen Glauben zu sprechen. ○ ○ ○ ○ 17. Den Glauben brauche ich nur, wenn es mir schlecht geht. ○ ○ ○ ○ 402 Fragebögen <?page no="403"?> Teil-2: Auseinandersetzung mit einem Bibeltext 2.1. Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Sie sind in der Gemeinwesenarbeit aktiv und leiten eine Tafel in einem sozialen Brennpunkt. Die Tafel wird von einer kirchlichen Einrichtung getragen. Regelmäßig gibt es für Mitarbeitende Andachten. Es ist Spätsommer, und am zweiten Sonntag im September ist nach der Perikopenordnung folgender Text an der Reihe (Mt 6,25-27): Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könne, wie sehr er sich auch darum sorgt? Bitte äußern Sie sich erst zu Frage-2.1.1, bevor Sie sich mit Frage-2.1.2 befassen! a. Inwiefern bereitet Ihnen der Text in diesem Kontext Schwierigkeiten? Notieren Sie spontan, was Ihnen einfällt. Weiter auf der nächsten Seite! => Befragung am 12.06.2018 im Rahmen des Projekts „Bibelhermeneutische Prozesse“ 403 <?page no="404"?> b. Skizzieren Sie vorläufige Lösungsansätze, um den Text für eine Andacht fruchtbar zu machen. Notieren Sie auch hier spontan, was Ihnen einfällt! Vielen Dank für Ihre Teilnahme! 404 Fragebögen <?page no="405"?> Literaturverzeichnis Alkier, Stefan u. a. (Hg.), Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, 2007 ff. (http: / / www.bibelw issenschaft.de/ wibilex) (Abruf: 8.4.2024). Assmann, Jan, Schriftkultur, in: ders., Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992, 87-129. 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mit biblischen Texten 101 Abbildung 8: Gottesdienst als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten . . . . . 102 Abbildung 9: Konfirmand*innenunterricht als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Abbildung 10: Konfirmand*innenunterricht als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Abbildung 11: Freundeskreis als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten . . . . 105 Abbildung 12: Jugendgruppe als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten . . . . 106 Abbildung 13: Film als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-I) . . . 107 Abbildung 14: Film als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten (Kohorte-II) . . 108 Abbildung 15: Bibel- oder Hauskreis als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten 109 Abbildung 16: Freizeiten als Kontext der Begegnung mit biblischen Texten . . . . . . . . 110 Abbildung 17: Bibellesen allein (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Abbildung 18: Bibellesen allein (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Abbildung 19: Bibellesen in der Gruppe (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Abbildung 20: Bibellesen in der Gruppe (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Abbildung 21: Wichtigkeit der Bibel für den Glauben (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Abbildung 22: Wichtigkeit der Bibel für den Glauben (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Abbildung 23: Unwichtigkeit der Bibel (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Abbildung 24: Unwichtigkeit der Bibel (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Abbildung 25: Bedeutungsgewinn der Bibel im Studium (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . 123 Abbildung 26: Bedeutungsgewinn der Bibel im Studium (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . 124 Abbildung 27: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Situationsbezug . . . . . . . . . . . 134 Abbildung 28: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Konzentration auf wenige Aussagen (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Abbildung 29: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Konzentration auf wenige Aussagen (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Abbildung 30: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Spontane Auslegung (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Abbildung 31: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Spontane Auslegung (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Abbildung 32: Frage nach den geschichtlichen Hintergründen (Kohorte-I) . . . . . . . . . 139 Abbildung 33: Frage nach den geschichtlichen Hintergründen (Kohorte-II) . . . . . . . . . 140 <?page no="418"?> Abbildung 34: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Nachschlagen von Informationen (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Abbildung 35: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: Nachschlagen von Informationen (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Abbildung 36: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: „Profis“ fragen (Kohorte-I) . . 143 Abbildung 37: Konkreter Umgang mit einem Bibeltext: „Profis“ fragen (Kohorte-II) . 144 Abbildung 38: Konkreter Umgang mit biblischen Texten: Mit anderen über den Text sprechen (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 Abbildung 39: Konkreter Umgang mit biblischen Texten: Mit anderen über den Text sprechen (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Abbildung 40: Achsengrafik: Entwicklung des individuellen Repertoires (Kohorte-I) . 158 Abbildung 41: Achsengrafik: Entwicklung des individuellen Repertoires (Kohorte-II) 159 Abbildung 42: Viele Aussagen der Bibel sind historisch nicht haltbar . . . . . . . . . . . . . 174 Abbildung 43: Infragestellung des Glaubens durch wissenschaftliche Zugänge (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Abbildung 44: Infragestellung des Glaubens durch wissenschaftliche Zugänge (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 Abbildung 45: Bedeutung der Bibel: Überlieferung von für heute entscheidenden Werten und Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Abbildung 46: Bedeutung der Bibel: In den Worten, Bildern und Geschichten findet sich das eigene Leben (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Abbildung 47: Bedeutung der Bibel: In den Worten, Bildern und Geschichten findet sich das eigene Leben (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Abbildung 48: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Religiosität (Kohorte-I) . 205 Abbildung 49: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Religiosität (Kohorte-II) 206 Abbildung 50: Bedeutung der Bibel: Von Gott eingegeben und den Menschen aufgeschrieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 Abbildung 51: Bedeutung der Bibel: Bibel als Wegweiserin in allen Lebensfragen . . . 226 Abbildung 52: Bedeutung der Bibel: Überlieferung alter Texte ohne Relevanz für das Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Abbildung 53: Bedeutung der Bibel: Gottes Wort in den Worten von Menschen (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233 Abbildung 54: Bedeutung der Bibel: Gottes Wort in den Worten von Menschen (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234 Abbildung 55: Bedeutung der Bibel: Von Menschen aufgeschriebene Erlebnisse mit Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236 Abbildung 56: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Leseperspektive (Kohorte-I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 Abbildung 57: Achsengrafik: Entwicklung der individuellen Leseperspektive (Kohorte-II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247 418 Abbildungsverzeichnis <?page no="419"?> Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Überblick über die untersuchte Forschungsliteratur zu den drei Elementen der Forschungsfrage - ausführlicher im Online-Zusatzmaterial A (Abschnitt 7.1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Tabelle 2: Entwicklungstyp A: Abnehmende Werte auf der Achse der Religiosität . . 266 Tabelle 3: Entwicklungstyp B: Die „Verharrenden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269 Tabelle 4: Entwicklungstyp C: Wörtlicher werdende Leseperspektive . . . . . . . . . . . . 271 Tabelle 5: Entwicklungstyp D: Durchgängig im übertragenen Bereich Lesende . . . . 273 Tabelle 6: Entwicklungstyp E: Gleichbleibend oder zunehmend säkulare Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275 Tabelle 7: Beispiel für die Nähe von Entwicklungstyp A zu E (TN-43) . . . . . . . . . . . . 276 Tabelle 8: Entwicklungstyp F: Bewegung aus anderen Bereichen der Leseperspektive in den Bereich der übertragenen Leseperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 Tabelle 9: Die separate Gruppe der „Eigenprofilierten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 Tabelle 10: Ähnliche Ausgangspunkte - unterschiedliche Entwicklungen (TN 11 und TN-16) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281 Tabelle 11: Kohortenverteilung der Entwicklungstypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282 <?page no="420"?> ISBN 978-3-7720-8766-0 Diese Veröffentlichung begründet im Forschungsfeld der Empirischen Bibelwissenschaft die empirische bibelhermeneutische Forschung. Sie stellt die Ergebnisse eines empirischen bibelhermeneutischen Forschungsprojekts an der Hochschule Hannover (HAW) vor: Bei zwei Studierendenkohorten des Studiengangs „Religionspädagogik und Soziale Arbeit“ wird die Entwicklung des Grundverständnisses der Bibel im Professionalisierungsprozess des exegetischen Studiums mit Hilfe eines Mixed Method-Designs untersucht. Der Fachhochschulstudiengang qualifiziert für das Berufsbild Diakon: in/ Gemeindepädagog: in. Die in der Studie gewonnenen Erkenntnisse zeigen, welche Veränderungen des Bibelverständnisses in einem exegetisch-hermeneutischen Kurzstudium möglich sind. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die exegetische Wissenschaft, die exegetisch-hermeneutische Hochschulehre und die kirchliche Praxis. Dr. habil. Gerlinde Baumann ist wissenschaftliche Theologin mit den Schwerpunkten Altes Testament und Hermeneutik, Dozentin in der Erwachsenenbildung, Fachübersetzerin aus dem Englischen und Lektorin. Rebecca Hassan arbeitet als Forschungskoordinatorin im Forschungsinstitut der Fakultät V der Hochschule Hannover. Prof. Dr. Karin Lehmeier lehrt Biblische Theologie und Religionspädagogik an der Hochschule Hannover.
