Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt
0407
1993
978-3-8233-0542-2
978-3-8233-4001-0
Gunter Narr Verlag
Robert Plötz
10.24053/9783823305422
CC BY-SA 4.0https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Neben den "klassischen" Wegstrecken, wie sie im Pilgerführer des "Liber Sancti Jacobi" (um 1150) erwähnt sind, behandelt dieser Band auch die Wege nördlich und östlich von Frankreich. Dabei zeigt sich, dass die "Konjunktur" bestimmter Streckenabschnitte oft ganz profane Hintergründe hatte: Wer schnell vorankommen wollte oder sich nicht recht auskannte, wählte die große Straße; wurden diese durch Zölle, Fehden oder Seuchen behindert, entschied man sich spontan für eine Wegvariante. Oft war die Wallfahrt mit anderen Zwecken verbunden, dem Besuch eines Heilbades oder einer Handelsmesse; doch war der gewählte Weg nicht der direkte: So reiste ein Pilger von Edinburgh über Regensburg, ein anderer von Esslingen über Antwerpen nach Santiago de Compostela.
Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt - das Standardwerk zur Pilgerstraßenforschung - liegt nun in zweiter, überarbeiteter Auflage vor.
9783823305422/9783823305422.pdf
<?page no="0"?> ISBN 978-3-8233-4001-0 - www.narr.de Neben den „klassischen“ Wegstrecken, wie sie im Pilgerführer des „Liber Sancti Jacobi“ (um 1150) erwähnt sind, behandelt dieser Band auch die Wege nördlich und östlich von Frankreich. Dabei zeigt sich, dass die „Konjunktur“ bestimmter Streckenabschnitte oft ganz profane Hintergründe hatte: Wer schnell vorankommen wollte oder sich nicht recht auskannte, wählte die großen Straßen; wurden diese durch Zölle, Fehden oder Seuchen behindert, entschied man sich spontan für eine Wegvariante. Oft war die Wallfahrt mit anderen Zwecken verbunden, dem Besuch eines Heilbades oder einer Handelsmesse; doch war der gewählte Weg nicht der direkte: So reiste ein Pilger von Edinburgh über Regensburg, ein anderer von Esslingen über Antwerpen nach Santiago de Compostela. Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt - das Standardwerk zur Pilgerstraßenforschung - liegt nun in zweiter, überarbeiteter Auflage vor. Robert Plötz (Hrsg.) Robert Plötz (Hrsg.) EUROPÄISCHE WEGE DER SANTIAGO-PILGERFAHRT EUROPÄISCHE WEGE DER SANTIAGO- PILGERFAHRT 2., durchgesehene Auflage Robert Plötz (Hrsg.) <?page no="1"?> Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt <?page no="2"?> J akobus-Studien 2 im Auftrag der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft herausgegeben von Klaus Herbers und Robert Plötz <?page no="3"?> Europäische Wege der San tiago-Pilgerfahrt herausgegeben von Robert Plötz Zweite, durchgesehene Auflage ~ Gunter Narr Verlag Tübingen <?page no="4"?> Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt / hrsg.von Robert Plötz - 2., durchges. Aufl. - Tübingen: Narr 1993 Qakobus-Studien ; 2) Beitr. teilw. dt., teilw. franz., teilw. ital. ISBN 3-8233-4001-8 NE: Plötz, Robert [Hrsg.]; GT 1. Auflage 1990 2., durchgesehene Auflage 1993 © 1990 • Gunter Narr Verlag Tübingen Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier. Druck: Müller + Bass, Tübingen Verarbeitung: Braun + Lamparter, Reutlingen Printed in Germany ISSN 0934-8611 ISBN 3-8233-4001-8 <?page no="5"?> Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII l<LAUSHERBERS Via peregrinalis HERMANN KELLENBENZ Das Straßensystem in Mitteleuropa, besonders während 1 des Mittelalters und der frühen Neuzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 ANDRE VON MANDACH Neues zum "Pilgerführer der Jakobswege" 41 FERNANDO LOPEZ ALSINA Die Entwicklung des Camino de Santiago in Kastilien und Le6n (850-1050) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 DIRKAERrs Aller a Compostelle en passant par les anciens Pays-Bas . . . . . . . 69 HEDWIG Röa<ELEIN UND GOITFRIED WENDLING Wege und Spuren der Santiago-Pilger im Oberrheintal . . . . . . . . 83 PAOLO CAUCO VON SAUCKEN La Via Francigena e gli itinerari italiani a Compostella 119 FRANZ-HEINZ HYE Tirol und die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela . . . . . . . . 131 H. p. SCHNEIDER Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) und dessen Zusammenhang mit den Jakobswegen . . . . . . . . . . . . 143 CHRISTIAN KRöTZL Wege und Pilger aus Skandinavien nach Santiago de Compostela . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 ROBERf PLäTz Pilger und Pilgerfahrt gestern und heute am Beispiel Santiago in Compostela . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 Register der Orts- und Personennamen...................... 215 V <?page no="7"?> Vorwort Der vorliegende Band "Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt" faßt die wissenschaftlichen Ergebnisse der zweiten Tagung der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft zusammen, die vom 29. September bis 2. Oktober 1988 unter Beteiligung des Europarates in Schloß Schney bei Bamberg stattfand. Wissenschaftler und Praktiker aus vielen europäischen Ländern und unterschiedlicher Disziplinen behandelten dort das Thema der Pilgerwege als Wege der europäischen Kultur unter verschiedenen Aspekten wie Denkmalpflege, literarische Tradierung der Pilgerführer, praktische Erschließung historischer Wege, Spiritualität des Weges, historische Entwicklung der "peregrinatio ad Sanctum Jacobum" bis heute etc., wobei die gesamteuropäische Dimension dieser internationalen Sakralbewegung im Vordergrund stand. Seit dem 11. Jahrhundert war das Apostelgrab in Compostela im fernen Westen Europas eines der am häufigsten aufgesuchten Pilger- und Reiseziele des "orbis christianus". Schon in der ersten Blütezeit der "peregrinatio ad limina Beati Jacobi" (12./ 13. Jahrhundert) begaben sich Pilger aus allen sozialen Schichten auf den "harten Weg" (Petrarca), um an der mutmaßlichen Tumba des Apostels Jacobus zunächst Vergebung ihrer Sünden, Heilung ihrer Krankheiten und Erfüllung ihrer Anliegen zu finden. Hohe Kleriker, Heilige, Könige und Fürsten, Bauern, Krieger, Mönche, Vaganten, Arme, Bettler und Kriminelle bedienten sich der Infrastruktur der Jakobs-Wege, um den in Mode gekommenen "Fixpunkt" zwischen Diesseits und Jenseits aufzusuchen. Zwar wissen wir von dem europäischen Einzugsbereich dieser Fahrten seit dem 11. Jahrhundert, aber bisher waren doch die im Pilgerführer des "Liber Sancti Jacobi" von etwa 1150 überlieferten Wegstrecken von Tours, Vezelay, Le Puy und Arles zumeist fast als kanonisch festliegende "Jakobswege" angesehen worden. So bedeutend dieses Dokument auch ist und so wichtig diese Strecken auch für Pilger waren, so bleibt doch die Frage, welche Wege man benutzte, wenn man nördlich und östlich von Frankreich sich auf den Weg machte, welche Varianten es im Lauf der Jahrhunderte gab, welche Wege wann und aus welchen Gründen "Konjunktur" hatten, welchen Funktionen die Wege neben der Nutzung durch Pilger dienten, welche Vorformen und Vorstufen bei der Ausbildung bestimmter Streckenabschnitte auszumachen sind. Die Diskussion der Wege durfte aber auf keinem Fall sich nur auf die konkreten Straßen beziehen, sondern sie mußte auch die übertragene Bedeutung von Wegenmitbedenken. Wenn auch nicht alle aufgeworfe- VII <?page no="8"?> nen Fragen und Forschungsaufgaben gelöst sind, so dürfte doch mit den folgenden Beiträgen ein breites Spektrum in thematischer, geographischer, chronologischer und methodischer Hinsicht abgesteckt worden sein, das zumindest zu weiterer Diskussion anregen dürfte. Daß diese nur im internationalen Rahmen erfolgen kann, versteht sich fast von selbst. Die auch diesem Band nach bewährtem Vorbild beigegebenen spanischen "resumenes", die Herr Dr. M. Santos dankenswerterweise einer kritischen Revision unterzog, sollen hierbei helfen. Der Band "Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt" wäre ohne die Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz nicht in Druck gegangen, wofür sich die Herausgeber auch im Namen der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft herzlich bedanken. Es wäre noch hinzuzufügen, daß die wissenschaftliche Publikation von Kongreßbeiträgen in keiner Weise die kontroversen Diskussionen, die Pluralität der Meinungen und die Lebhaftigkeit der Äußerungen wiedergeben kann, an denen der Kongreß in Schloß Schney so reichhaltig war. Klaus Herbers Robert Plötz VIII <?page no="9"?> Via peregrinalis KLAUS BERBERS Wenn man das Bild des Weges auf das vorgegebene Thema übertragen will, so gleichen die hier gebotenen vorläufigen Überlegungen einerseits einer Reise auf ausgetretenen Wegen, andererseits aber auch einer Gratwanderung, bei der ich mich als Historiker auf einem engen Pfad zwischen den verschiedensten Disziplinen bewege, zu denen unter anderem Theologie, Archäologie, Kunstgeschichte und die Philologien gehören 1. Via der Weg: Dies scheint uns ein vertrauter Begriff, der eine Vielzahl von Assoziationen weckt. Wir sprechen davon, auf dem rechten Weg zu sein, vom "Lebensweg", vom "Scheideweg" oder von einer "Wegscheide". Entsprechend sind auch die Menschen auf dem rechten oder falschen Weg und auf der Suche nach den rechten ''Weggefährten". Der Weg ist ein beliebter Schlüsselbegriff der Weltreligionen. Er ist keinesfalls auf das Christentum beschränkt; man findet ihn ebenso im Buddhismus 2 und im Islam 3• Auch die gnostische Bewegung des Mandäismus 4 ähnelt der peregrinatio-Konzeption in Buddhismus und Islam: die Welt gleicht einer Fremde. Im griechisch-hellenistischen Denken wird das peregrinatio-Motiv besonders bei Platon und im Neuplatonismus deutlich. Der Weg ist ein Kampf zwischen Geist und Sinnlichkeit, wird also ganz von dualistischen Vorstellungen zwischen der materiellen Welt und der Welt der Ideen, zwischen Zeit und Ewigkeit geprägt'. Bei Hesiod (ca. 700 vor Chr.) begegnet erstmals das Schema der zwei Wege, des mühevollen Weges zur Tugend (apE'tTJJ und des breiten Weges zu allem Schlechten 6• 1 Der folgende Text basiert auf dem bei der Tagung gehaltenen Einführungsvortrag, der den Blick für die verschiedensten Aspekte von "Wegen" öffnen wollte. Da ich hierbei oftmals Bekanntes in Erinnerung rufen mußte, beschränke ich mich in der vorliegenden Fassung auf einige __ im Gesamtzusammenhang wichtige und insbesondere methodische Aspekte. Die Uberlegungen des Historikers stehen im Vordergrund 2 Vgl. H. ÜLDENBERG, Buddha. Sein Leben seine Lehre seine Gemeinde (Stuttgart 13 1959) S. 70ff., 150ff., 328ff. und H. BECKH, Buddha und seine Lehre (Stuttgart 5 1981), der Buddha als "Lehrer eines Pfades" kennzeichnet, eines "praktischen Erkenntnis- und Heilspfades" (S. 135), der sich in einen achtgliedrigen Pfad teilt. 3 Vgl. L. GARDET, Islam (deutsche Ausgabe Köln 1968) S. 109-111. 4 Vgl. H. JoNAS, Gnosis und spätantiker Geist 1 (Göttingen 3 1964) S. 96ff. 5 Vgl. etwa Platon, Symposion 203-204, ed. R.G. BURY (Cambridge 1979) S. 100-104. 6 Hesiod, Erga 287-290, ed. M.L. WEST, Works and Days (Oxford 1978) S. 109f. 1 <?page no="10"?> Wenn auch dieses Schema im Alten Testament noch nicht bestimmend ist, so findet es sich doch bei Jeremias, in den Psalmen oder im Buch der Sprüche 7• Die spätjüdische Literatur greift dann das Zwei-Wege-Schema auf, teilweise im Zusammenhang mit Tugend- und Lasterkatalogen 8• Im Neuen Testament verwenden Lukas (13,24) und deutlicher noch Matthäus dieses Bild der zwei Wege, das mit dem Motiv der beiden Pforten verknüpft wird: "Tretet ein durch die enge Pforte. Weit ist ja die Pforte und breit der Weg, der ins Verderben führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte, wie schmal der Weg, der zum Leben führt und wenige sind es, die ihn finden" (7, 13-14). Wichtiger wurde noch das Johanneswort (14,6), daß Jesus selbst der Weg sei. Wenn man dies ernst nahm, so brauchte man nicht nach anderen Wegen Ausschau zu halten, brauchte nicht die Heimat verlassen, sondern mußte sich nur Christus selbst anvertrauen, wie dies auch die frühe Kirche und insbesondere Augustinus betonten 9• Der Mensch war in dieser Vorstellungswelt ständig unterwegs; er war ein Fremder (peregrinus) in einer ihm fremden Welt 10. Entsprechend war auch die Idee und der Begriff der peregrinatio, d.h. der Pilgerschaft, noch nicht mit einem konkreten Weg verbunden; wer sich als peregrinus, d.h. als "Fremder'' (so die wörtliche Übersetzung) in die Heimatlosigkeit begab wie die iroschottischen Mönche, tat dies als peregrinatio pro Christo und nicht mit der Absicht, ein konkretes, festgelegtes Ziel zu erreichen 11 • Im Mönchtum des Westens stand man dieser Form des Um- 7 Jr.21,8; Sprüche 4, 18f.,Ps.1,6. Die Wallfahrtslieder der Psalmen (Ps. 120-127) handeln weniger vom Weg als vom Ziel. Nicht eingehen kann ich hier auf die Konzeption des Lebens als peregrinatio und den Menschen als Pilger. Demach müßte Abraham als erster Pilger gelten, und der Weg des Volkes Israel ist der Weg eines pilgernden Gottesvolkes, vgl. hierzu die Zusammenstellung der wichtigsten Stellen in: EI Camino de Santiago. Un camino para Ja peregrinaci6n cristiana. Carta pastoral de los obispos del "Camino de Santiago" en Espafia [1988] 5. 18f., vgl. dort auch S. 27. 8 Vgl. ausführlich F. NöTSCHER, Gottes- und Menschenwege in der Bibel und in Qumran (Bonner Biblische Beiträge 14, Bonn 1958), demnach gehört die Zweiwegelehre zwar der altchristlichen Literatur an, sei jedoch bereits im AT und NT grundgelegt und im Ansatz erkennbar (5. 122); S. WIBBING, Die Tugend- und Lasterkataloge im Neuen Testament (Berlin 1959) besonders S. 33-42; knapper V. McCAsLANJ: ? , "The Way", Journal of Biblical Literature 77 (1958) S. 222-230 mit definitorischen Uberlegungen zum Verhältnis von AT, NT und Qumran. 9 Zur Idee der pere~natio bei Augustin vgl. K. Löwrrn, Weltgeschichte und Heilsgeschehen (Stuttgart 1967) 5. 154 und 156 sowie W. ScHULTZ, Der Gedanke der Peregrinatio bei Augustin und das Motiv der Wanderschaft bei Goethe, Neue Zeitschrift für systematische Theologie und Religionsphilosophie 8 (1966) 5. 79-110, 5. 87-99. 10 Vgl. hierzu G.B. LADNER, Homo Viator: Mediaeval Ideas on Alienation and Order, Speculum 42 (1967) 5. 233-259 (ND in: Storia e Letteratura, Raccolta di studi e testi 156, Rom 1983, 5. 937-974; hier nach dem Erstdruck zitiert). 11 Zur Entwicklung der Worte peregrinus und peregrinatio vgl. R. PLörz, Peregrini - 2 <?page no="11"?> herziehens eher kritisch gegenüber und war stärker dem Gedanken der stabilitas loci verpflichtet. Als beispielsweise Adalbert von Prag in Montecassino im Pilgergewand erschien, sagten ihm der Abt und andere beim Aufbruch, der Weg, den er gewählt habe, sei nicht der "richtige" Weg zum ewigen Leben, das Vagantentum sei für dessen Anhänger eher gefährlich 12. 1. Die Entwicklung der "Jakobswege" als Heeres-, Geleit- und Handelsstraßen in Spanien und Südwestfrankreich In den biblischen Traditionen des Alten und Neuen Testamentes sowie im frühen Christentum finden sich also durchaus noch unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung des Weges. Es ist nützlich, sich ihrer zu erinnern, wenn man über den Weg zum angeblichen Grab des hl. Jakobus nachdenkt, denn biblische Traditionen und frühe christliche Vorstellungen schwingen in fast allen mittelalterlichen Bezeichnungen des Jakobsweges mit. Worin liegt aber das Besondere dieses Weges, warum wird er im hohen und späten Mittelalter fast bedeutender als das Ziel, warum schlägt man ihn ein, wenn doch Christus selbst der Weg war, dem man in geistiger Hinsicht überall auf der Welt folgen konnte? Diese Frage beschäftigte bereits die Menschen des Hochmittelalters. In einer Predigt aus dem 12. Jahrhundert, die angeblich Papst Calixt II. (1119-1124) verfaßt haben soll, werden diese Fragen aufgegriffen. Dort heißt es über die Wunder des Heiligen und seine Grabesstätte: "Warum wirkt er [der hl. Jakobus] auch an Orten, wo er nicht liegt, ebenso Wunder wie in Galicien, wo sein Leichnam ruht? Wir sehen jedoch klarer, wenn wir unterscheiden. ... Er ist allgegenwärtig und hilft sofort in Todesgefahr und Nöten allen, die ihn anrufen, sei es auf dem Land oder zur See. So liest man nämlich über die Gegenwart der hl. Palmieri - Romei. Untersuchungen zum Pilgerbegriff der Zeit Dantes, Jahrbuch für Volkskunde NF 2 (1979), S. 103-134, besonders S. 109-113, 1. BAUMER, Wallfahrt als Metapher, in: Wallfahrt kennt keine Grenzen (München 1984), S. 55-64 und L. u. R. l<R! ss-RETIENBECK/ 1. ILLirn, Homo Viator - Ideen und Wirklichkeiten, in: ebenda S. 10-22. 12 Adalbert von Prag, Vita prior c. 14, ed. J. l<ARWASINSKA (Monumenta Poloniae, ser. nov. 2,4/ 1, Warschau 1962) S. 21 (mit Verwendung des auf S. 2 zitierten Matthäus- Wortes). Vgl. G. CoNSTABLE, Monachisme et pelerinage au Moyen Age, Revue Hist<>rique 258 (1977) S. 3-27, S. 17 (Nachdr.: DERS., Religious Life and Thought, London 1979) Nr. III mit weiteren Beispielen (5. 17-24) dafür, daß im Mönchtum bis ins 12. Jahrhundert die spirituelle, innere Suche dem konkreten Weg vorgezogen wurde. 3 <?page no="12"?> Märtyrer: Dort, wo ihre Leichname liegen, können sie zahlreiche Zeichen geben und sie tun dies auch, denn sie wirken wahrhaftige Wunder für alle, die aufrichtig bitten. Weil aber von ungläubigen Geistern bezweifelt werden kann, ob sie uns dort erhören, wo ihre Leichname mit Sicherheit nicht sind, ist es nötig, dort größere Zeichen zu zeigen, wo der Ungläubige an ihrer Gegenwart zweifeln könnte. Aber der Glaube derer, deren Geist auf Gott gerichtet ist, wiegt mehr, denn sie wissen, daß der Heilige uns erhört, auch wenn sein Leichnam nicht am Gebetsort ruht" 13. Der Verfasser dieser Predigt, die in den "Liber Sancti Jacobi", ein Sammelwerk aus dem 12. Jahrhundert 14, aufgenommen ist, erörtert hier eine Frage, die schon Papst Gregor der Große (590-604) in seinen Dialogen ansprach 15 und die vor diesem auch schon Augustin beschäftigte 16. Es scheint, daß an dieser Stelle selbst in einer Propagandaschrift für den hl. Jakobus und dessen Kultort in Santiago de Cornpostela der Weg zu Gott dem Matthäuswort entsprechend fast mehr gilt als der konkrete Weg dorthin. Nur durch einen rhetorischen Kunstgriff werden dann beide Aspekte wieder miteinander verknüpft: "Darum muß der hl. Jakobus überall verehrt werden; er hilft ohne Zögern allerorts denen, die ihn anrufen. Aber weil wir oben von den verschiedenen Völkern, die zu ihm gehen, und vorn Lohn, den ihnen der Herr gewährt, gesprochen haben, müssen wir nun vorn Weg dieser Pilger handeln" 17. Und dann folgt eine Paraphrase des bereits zitierten Johanneswortes: ''Der Weg des Pilgerns ist vorzüglich, aber schmal, denn der Pfad, der den Menschen zum Leben führt, ist schmal, hingegen breit und geräumig die Straße zum Tod. Der Weg des Pilgerns ist für die Rechtschaffenen" 18. 13 Llber Sancti Jacobi, ed. W.M. WHITEHJLL (Santiago de Compostela 1944) Bd. 1 S. 151, deutsch: K. HERBERS, Der Jakobsweg. Mit einem mittehtlterlichen Pilgerführer unterwegs nach Santiago de Compostela (Tübingen 4 1991), S. 63f.; vgl. hierzu]. M" LACAR- RA, Espiritualidad del culto y de la peregrinaci6n antes de la primera cruzada, in: Pellegrinaggi e culto dei santi in Europa fino alla 1" crociata, Convegni del centro di studi sulla spiritualita medievale 4, 1961 (Todi 1963) S. 113-145, S. 124. 14 Vgl. hierzu K. HERBER.5, Der Jakobuskult des 12. Jahrhunderts und der "Liber Sancti Jacobi" (Historische Forschungen 7, Wiesbaden 1984) sowie jüngst M.C. DfAZ Y DfAZ con colaboraci6n de M.A. GARCfA PlNEIRo y P. del ÜRO TRIGO, EI C6dice Calixtino de la Catedral de Santiago: Estudio codicol6gico y de contenido (Monograffas de Compostellanurn 2, Santiago de Compostela 1988) (5. 1-97 stimmen mit: M.C. DfAZ Y DfAz, EI Liber Sancti lacobi. Situaci6n de los problernas, Compostellanurn 32 [1987] S. 359- 442 überein). Beide Studien verarbeiten und zitieren die umfangreiche frühere Literatur. 15 Gregor der Große, Dialogi, ed. U. MoRICCA (Fonti per la Storia d'Italia 57, Rom 1924) s. 133f. 16 Vgl. Epistulae II, ed. A. GOLDBAOfER (Corpus Scriptorurn Ecclesiasticorurn Latinorurn 34, 1898) Epistula 78, 3, S. 335f. 17 Wie Anm. 13. 18 HERBERS, Jakobsweg (wie Anm. 13) S. 64. Vgl. zur Entwicklung des Konzeptes der 4 <?page no="13"?> Trotz dieser theologischen Belehrung war im 12. Jahrhundert die Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten, die peregrinatio ad loca sancta, schon gleichberechtigt neben die peregrinatio pro Christo getreten. Beides war in den Pilgerfahrten nach Jerusalem zunächst am engsten miteinander verknüpft. Wenn man Christus nicht nur geistig nachfolgen wollte, was lag näher, als seine Wege in Palästina zu verfolgen, seinen Leidens- und Kreuzweg nachzuvollziehen 19 ? Vergleicht man die großen Pilgerfahrten nach Jerusalem, Rom und Santiago, so hat der konkrete Weg bei der Compostela-Pilgerfahrt ganz besondere Bedeutung erlangt. Er ließ sogar zuweilen das Ziel ein wenig in den Hintergrund treten. Eine Vielzahl von Gründen scheint hierfür verantwortlich zu sein, und vielleicht kommen wir dem Problem ein wenig näher, wenn wir die Entstehung, die Benutzung und die verschiedenen Funktionen der Wege ansprechen, die nach Compostela führten. Ohne auf die näheren Einzelheiten zur Entstehung der Jakobustradition eingehen zu können 20, bleibt festzuhalten, daß wohl im 9. Jahrhundert ein frühchristliches Grab gefunden und als Ruhestätte des hl. Jakobus angesehen wurde2 1. zwei Wege, auch in den Mönchsregeln G.B. LADNER, Homo Viator (wie Anm. 10) S. 240f. 19 Zur Zunahme der Pilgerfahrten ins Heilige Land ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, die erst zu dieser Zeit wieder größere Bedeutung erlangten, vgl. F. MICHEAU, Les itineraires maritimes et continentaux des pelerinages vers Jerusalem, in: Occident et Orient au x• siede (Actes du IX• Congres de la societe des historiens medievistes de l'enseignement superieur public, Dijon 1978, Paris 1979) S. 79-104, S. 91. 20 Vgl. hierzu zuletzt: 0. ENGELS, Die Anfänge des spanischen Jakobusgrabes in kirchenpolitischer Sicht, Römische Quartalschrift 75 (1980) S. 146-170; J. VAN HERWAARDEN, The Origins of the Cult of St. James of Compostela, Journal of Medieval History (1980), S. 1-35; R. Pr.örz, Der Apostel Jacobus in Spanien bis zum 9. Jahrhundert, in: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 30 (1982) S. 19-145; knapper: L. VoNFS, Die "Historia Compostellana" und die Kirchenpolitik des nordwestspanischen Raumes 1070-1130 (Köln-Wien 1980) S. 273-277 sowie I-IERBERS, Jakobuskult (wie Anm. 14) S. 1-12; R. PLörz, Traditiones Hispanicae beati Jacobi, in: Santiago de Compostela (Ausstellungskatalog Gent 1985) S. 27-40 und jüngst J. CocHEYRAs, Saint-Jacques de Compostelle (Grenoble 1985). 21 Zu den archäologischen Ergebnissen vgl. neben den Grabungsberichten von M. CHAMoso LAMAS, Noticias de las excavaciones en la Catedral de Santiago, Compostellamrm 1,2 (1956) S. 5-48; 1,4 (1956) S. 257-328; 2,4 (1957) S. 225-330 und der deutschen zusammenfassenden Würdigung von E. KIRSCHBAUM, Die Grabungen unter der Kathedrale von Santiago de Compostela, Römische Quartalschrift 56 (1961) S. 234-354 weiterhin J. GUERRA CAMPOS, Exploraciones arqueol6gicas en tomo al sepulcro del Ap6stol Santiago (Santiago de Compostela 1982) und die neuen Interpretationen des Befundes durch Tu. HAUSCHILD, Archeology and the Tomb of St. James, in: The Codex Calixtinus and the Shrine of St. James, hg. von J. WILLIAMS und A. SroNFS (Jakobus- Studien Band 3, Tübingen 1992), S. 89-104. 5 <?page no="14"?> Der anfangs noch lokale Kult verbreitete sich rasch, für das Jahr 950/ 51 ist der erste nichtspanische Pilger namentlich belegt22 und im 11./ 12. Jahrhundert stand Santiago de Compostela auf einer Stufe mit den beiden großen Pilgerzielen Rom und Jerusalem 23 • War im Falle von Rom und Jerusalem das Ziel für die Pilger besonders bedeutsam, so trug bei der Jakobus-peregrinatio der Weg auch maßgeblich zum Erfolg dieser peregrinatio bei. Die Zeilen des Pilgerführers aus dem "Liber Sancti Jacobi" zu den vier Wegen, die in Frankreich ihren Ausgangspunkt nahmen, und dann in Spanien in einen einzigen Weg, den "camino frances", münden, sind immer wieder zitiert worden und bekannt 24 • Ist dieser "Hauptweg" in Spanien nun völlig neu für die Schar der Pilger geschaffen worden oder folgte der Verlauf alten, früher schon vorhandenen Straßen? Aus der frühesten konkreten Notiz zum spanischen Jakobusweg, welche die "Historia Silense" von etwa 1115 bietet, erfahren wir, der navarresische Herrscher Sancho el Mayor (1000-1035) habe den iter sancti Jacobi als direkte Verbindung von den Pyrenäen bis nach Najera angelegt, damit die Pilger nicht mehr wie früher Umwege gehen mußten, denn er habe neues Land von den Heiden zurückerobert 25. Sancho wäre also nach der "Historia Silense" zumindest ein Stück des späteren ''klassischen Weges" zu verdanken; der "neue Weg" folgte nicht mehr der alten Römerstraße, sondern war auch aus militärischen Gründen für die Heereszüge Sanchos angelegt worden. Die Reconquista, der Maurenkampf, machte einen neuen Weg nötig 26, der auch die Pilger schneller an ihr Ziel Santiago de Compostela heranführte. Bedeutende Ab- 22 Die Pilgerfahrt war noch 950 begonnen worden: ... oompulsus a Gotiscalco episcopo, qui gratia orandi egressus a partibus Aquitaniae, devotione promtissima, magno comitatu fultus ad finem Gallecie pergebat concitus ..., Text in der Edition von Ildefons von Toledo, De virginitate beatae Mariae, ed. V. BLANCO GARdA, Tratado de 1a perpetua virginidad de 5. Maria (Zaragoza 1954) 5. 33-35. Zur Sache vgl. L. V AZQUFZ DE PARGA, J.M. LACARRA, J. URfA Rfu, Las peregrinaciones a Santiago de Compostela, 3 Bände (Madrid 1948-1949) Band 1, S. 41f. sowie unten Anm. 80-82. 23 Vgl. hierzu V AZQUFZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22) Band 1, S. 51f. und P.A. SrGAL, Les marcheurs de Dieu. Pelerinages et pelerins au Moyen Age (Paris 1974) s. 113-115. 24 J. VIELLIARD, Le Guide du pelerin de Saint-Jacques de Compostelle (Macon 51979) S. 2- 4, deutsch K. HERBERS, Jakobsweg (wie Anm. 13) S. 86. 25 Historia Silense, ed. J. PERE.z DE URBEL und A. GoNZALEZ Rurz-ZoRILLA (Escuela de Estudios Medievales 30, Madrid 1959) 5. 179, vgl. V A.ZQUEZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22) Band 2, S. 12 und R. PLörz, Deutsche Pilger nach Santiago de Compostela bis zur Neuzeit, in: Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte, hg. von K. HERBERS (Jakobus-Studien 1, Tübingen 1988) 5. 1-27, 5. 8f. sowie L6PEZ ALSINA in diesem Band. 26 Vgl. VAZQUEZ DE PARGA u.a., Pereiinaciones (wie Anm. 22) Band 2, S. 17. 6 <?page no="15"?> Abb, 1: "Jakobswege" und Römerstraßen in Nordspanien (H. Hitzer: Die Straße, München 1971, S. 110) schnitte des spanischen "Pilgerweges" folgten zwar noch den alten Römerstraßen, aber die Abweichungen sind trotzdem nicht unerheblich 27• Das Zeugnis der "Historia Silense" ist deshalb von besonderem Interesse, weil es die militärische Bedeutung des Weges hervorhebt. Auch in der Geschichte über den Zug Karls des Großen nach Spanien, wie sie im sogenannten Pseudo-Turpin aus dem beginnenden 12. Jahrhundert überliefert ist, wird die militärische Funktion des Jakobsweges unterstrichen: Bei seinem Zug nach Spanien soll Karl der Große immer wieder mit muslimischen Heeren gekämpft haben; die beiden Heere waren durch den Jakobsweg voneinander getrennt: Via iacobitana dividebat utrumque exerdtum 28• Wenn man in Kriegszeiten bewaffnet über diese Wege zog, so galt es in Zeiten des Friedens, durch Schutzvorkehrungen die Unverletzlich- 27 Vgl. Abbildung 1. 28 Liber Sancti Jacobi, Buch IV (Pseudo-Turpin), Kap. 12, ed. A. HÄMEL - A. DE MAN- DACH, Der Pseudo-Turpin von Compostela (Sitzungsberichte der bayerischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Heft 1, München 1965) S. 55, vgl. die Edition nach den Aachener Handschriften von H.W. KLEIN, Die_ Chronik von Karl dem Großen und Roland (Beiträge zur romanischen Philologie des Mittelalters 13, München 1986) S. 62. Im Pseudo-Turpin soll wohl Pilgerfahrt und Glaubenskrieg mit dieser und ähnlichen Bemerkungen verbunden werden, vgl. hierzu HERBERS, Jakobuskult (wie Anm. 14) S. 134f. mit weiteren Zitaten und Literatur. 7 <?page no="16"?> keit der Reisenden sicherzustellen 29 . Die mittelalterliche Einrichtung des Geleites 30 kam nicht nur Fürsten zugute, sondern auch Pilgern. Die Geleitbriefe für Pilger gelten als eigene Quellengattung, sind jedoch nur vereinzelt erhalten 31 . Wenn wir die Berichte von Jakobspilgem des Spätmittelalters zur Hand nehmen, so kann man die Einkehr der einzelnen Pilger an fremden Höfen nicht nur als diplomatische Aktivitäten, sondern zuweilen auch als notwendige Besuche werten, um für den weiteren Weg Schutz und Geleit zu erlangen 32• Die Ermittlung von Heeres- und Geleitstraßen ein Arbeitsgebiet der Altstraßenforschung33kann wichtige Hilfen bieten, um auch die Wege der Pilger in denjenigen Regionen festzustellen, für die wir nicht über Pilgerführer oder Pilgerberichte verfügen. Neben den Funktionen als militärischen und Geleitstraßen sind die wirtschaftlichen Aspekte der sogenannten "Pilgerwege" hervorzuhe- 29 Zur rechtlichen Sonderstellung der Pilger vgl. zusammenfassend jetzt L. CARLEN, Wallfahrt und Recht im Abendland (Freiburger Veröffentlichungen aus dem Gebiete von Kirche und Staat 23, Freiburg, Schweiz 1987) besonders S. 115-171 mit Berücksichtigung der älteren Literatur. 30 Vgl. allgemein G.R. WIEDERKEHR, Das freie Geleit und seine Erscheinungsformen in der Eidgenossenschaft des Spätmittelalters. Ein Beitrag zu Theorie und Geschichte eines Rechtsbegriffes (Diss. Zürich 1976) insbesondere S. 32; D. KOEHLER, Geleit, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte Band 1 (Berlin 1971) Sp. 1481-1489, besonders Sp. 1484f. sowie M. 5cHAAB, Geleit, in: Lexikon des Mittelalters IV (1989) Sp. 1204f. Wichtig ist in unserem Zusammenhang, daß sich das Geleit im Laufe des Mittelalters vom personengebundenen Geleit zum territorial gebundenen Geleit weiter entwickelte, vgl. M. 5c: HAAB, Geleitstraßen um 1550, Beiwort zur Karte X,1 des Historischen Atlas von Baden Württemberg (1982), S. 4-6. 31 Vgl. J. VINCKE, Geleitbriefe für deutsche Pilger in Spanien, in: G. 5c: HREIBER (Hg.), Wallfahrt und Volkstum (Düsseldorf 1935) S. 258-265 und J. VIELUARD, Pelerins d'Espagne a la fin du Moyen Age, Analecta Sacra Tarraconensia 12 (1936) S. 265-300; vgl. auch die knappe Auflistung bei V AZJJ.UFZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22) Band 3, S. 29-32 und ferner CARLEN, Wallfahrt (wie Anm. 29) S. 141. 32 Vgl. z.B. den Bericht des Sebastian Ilsung, ed. V. HONEMANN, Sebastian Ilsung als Spanienreisender und Santiagopilger (mit Textedition), in: Jakobspilger (wie Anm. 25) S. 61-95. Die im Text genannten fider brieff (lX 17 und XIII 11, S85 und 89) können durchaus als Geleitbriefe verstanden werden. 33 H.-CHR. ScHNEIDER, Altstraßenforschung (Erträge der Forschung 170, Darmstadt 1982) behandelt das römische Straßensystem in der Forschung; eine umfassende neuere Darstellung zum Mittelalter fehlt, vgl. an Einzelstudien (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): D. BERGER, Alte Wege und Straßen zwischen Mosel, Rhein und Fulda, Rheinische Vierteljahresblätter 22 (1957) S. 176-191; M. KRANZHOFF, Aachen als Mittelpunkt bedeutender Straßenzüge zwischen Rhein, Maas und Mosel in Mittelalter und Neuzeit, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 51 (1929) S. 1-63; A. KURT, Zur Geschichte von Straßen und Verkehr im Land zwischen Rhein und Main (Phil. Diss. Frankfurt/ M. 1956); G. LANDAU, Beiträge zur Geschichte ~er alten Heer- und Handelsstraßen in Deutschland, eingeleitet und durch eine Ubersichtskarte erläutert von W. GöRIG--1 (Kassel/ Basel 1958); J. NoTTEBROCK, Die Aachen-Frankfurter Heerstraße in ihrem Verlauf von Aachen bis Sinzig, Bonner Jahrbücher 131 (1926) S. 245-284; W. STEIN, Handels- und Verkehrsgeschichte der deutschen Kaiserzeit (Berlin 1922, ND 1967); K. WELLER, Die Reichsstraßen des Mittelalters im heutigen Württemberg, Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte 33 (1927) S. 1-43. 8 <?page no="17"?> ben. Pilgerfahrt und Handelsfahrt konnten aufs engste miteinander verknüpft sein. So berichtet der Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert über eine "ungerechte" Zollabgabe in Ostabat bei St-Jean und St-Michel- Pied-de-Port, die von Pilgern verlangt wurde, jedoch nur für Händler gelten dürfte34. Pilger und Kaufleute passierten also gleichermaßen diese Stelle; nicht immer konnte oder wollte man Pilger und Händler unterscheiden und verlangte deshalb, wenn möglich, vonjedem den Wegzoll. Einen ähnlichen Eindruck vermittelt auch der aus dem 11. Jahrhundert stammende Zolltarif von Jaca 35 , der neben Kaufleuten und Pilgern romei mercatores, also pilgernde Kaufleute nennt. Die erstgenannten hatten den jeweiligen Zoll für die verschiedenen Güter zu entrichten; Pilger waren frei von Abgaben, und beim Bündelinhalt der romei mercatores sollte man schätzen, was für Hin- und Rückweg benötigt werde, und nur den Rest mit Zoll belegen. Die Unterscheidung des Tarifs in drei Personengruppen macht einerseits die wohl häufige Verknüpfung von Pilger- und Handelsfahrt deutlich 36, andererseits läßt sich vermuten, daß geschickte Kaufleute sogar als angebliche Pilger versucht haben dürften, die Zollstelle ohne Abgabe zu passieren 37 • Im Zusammenhang mit dem Aufschwung des Handels ist die Stadtentstehung am "camino frances" häufig als typisches Charakteristikum der städtischen Entwicklung im christlichen mittelalterlichen Spanien angesehen worden 38 • So glaubte man, daß für die Entstehung dieser 34 Liber Sancti Jacobi V 7, ed. VIELUARD, Guide (wie Anm. 24) S. 20-22, deutsch: HERBERS, Jakobsweg (wie Anm. 13) S. 96. 35 Edition mit Interpretation: J. M' LAcARRA, Un arancel de aduanas del siglo XI (Zaragoza 1950) Edition S. 19f. (der Text ist von 1076-1094). Auch abgedruckt bei V AzQUFZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22) Band 3 S. 109. 36 Einen weiteren Hinweis für die wohl häufige Verbindung von Pilger- und Handelsfahrt bietet das offizielle Verbot, dies bei Strafpilgerfahrten zu tun, vgl. L.TH. MAF.S, Mittelalterliche Strafwallfahrten nach Santiago de Compostela und Unsere Liebe Frau von Finisterra, in: Festschrift G. Kisch (Stuttgart 1955) S. 99-118, S. 113. 37 Die Literatur zu den sogenannten "falschen Pilgern" berücksichtigt allerdings in der Regel eher Kriminelle, Landstreicher, Gauner, Bettler, Häretiker und Gesandte, vgl. CARLEN, Wallfahrt (wie Anm. 29) S. 221-224 sowie L. ScHMUGGE, Der falsche Pilger, in: Fälschungen im Mittelalter. V. Frömmigkeit und Fälschung. Realienfälschungen (Monumenta Germaniae Historica, Schriften 33,V, Hannover 1988) S. 475-484, der hauptsächlich die sogenannten "Mietpilger" behandelt. - Auf die Möglichkeiten zum Handel in den Herbergen macht F. GARRISON, Les hötes et l'hebergement des etrangers au Moyen Age. Quelques solutions de droit compare, in: Etudes d'histoire du droit prive offertes a P. Petot (Paris 1959) S. 199-222, S. 201ff., aufmerksam. 38 Vgl. V AzQUFZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22) Band 1 S. 465-497; M. DE- R>URNEAUX, Les Franc,ais en Espagne aux XI• et XII• siede (Paris 1949) S. 230-258; L. GARdA DE V ALDEAVELLANO, Orfgenes de la burguesfa en la Espafia medieval (Madrid 1%9) S. 103-177 sowie knapper: H. AMMANN, Vom Städtewesen Spaniens und Westfrankreichs im Mittelalter, in: Studien zu den Anfängen des europäischen Städtewesens (Konstanz-Lindau 1958, Nachdr. 1%5) S. 105-150, besonders S. 111 und 118. 9 <?page no="18"?> Städte der Anschluß Spaniens an den mittel- und westeuropäischen Handels- und Wirtschaftsraum verantwortlich zu machen sei 39 . Die Stadtentstehung am spanischen Abschnitt des Pilgerweges, die in Navarra ab dem 11. Jahrhundert festgestellt werden kann, hängt ebenso ursächlich mit der Reconquista und der sogenannten "Europäisierung" der Iberischen Halbinsel seit dem 11. Jahrhundert zusammen 40• Ausländer, vor allem Franken (womit hauptsächlich, jedoch nicht nur Franzosen gemeint sind), waren an der Reconquista, aber auch an den Handelsfahrten in den Norden Spaniens beteiligt. Teilweise blieben sie südlich der Pyrenäen und siedelten in den Städten am Pilgerweg, deren Bevölkerung deshalb stark von "Fremden" mitbestimmt war4 1. Dieser schon seit langem von Wirtschafts- und Siedlungshistorikern festgestellte Befund wird neuerdings eindrucksvoll durch sprachhistorische Arbeiten ergänzt. In drei kurz aufeinanderfolgenden Wellen (11.-12. Jh.) siedelten die pobladores francos in Städten am Pilgerweg in Arag6n und Navarra, deren eigenständige Sprache bis ins 14. Jh. belegt ist42. Nicht nur die Reisen, sondern auch die Siedlung von Fremden an den "Pilgerwegen" dürfen somit als ein wichtiger Faktor mittelalterlicher Migration gelten 43 • Wenn der Pilgerweg somit auch Kolonistenströme "kanalisierte", so beeinflußte er auch die innere Struktur der Städte, die an ihm lagen. Als wichtige Verkehrsader teilte er sie in verschiedene Viertel, wobei Tore, Kirchen und (Markt)plätze in ihrer Lage und ihrer Funktion auch zu einem großen Teil von den Pilgerströmen bedingt waren, wie topographische Untersuchungen verdeutlichen konnten 44 • 39 Vgl. GARCfA DE V ALDEAVELLANO, Origenes (wie Anm. 38) s. 87ff. und 100 in Fortführung der Thesen von Pirenne. 40 Diese Bezeichnung hat sich in Handbüchern inzwischen eingebürgert, vgl. z.B.: lntroducci6n a la Historia de Espafia (Barcelona 91972) S. 145-148. 41 Vgl. DEFOURNEAUX, Fram,ais (wie Anm. 38) S. 230ff.; GARciA DE VALDEAVELLAOO, Origenes (wie Anm. 38) S. 103-176; J.M. LACARRA, A propos de la colonisation "franca" en Navarre et en Aragon, Annales du Midi 65 (1953) S. 331-342, insbesondere S. 333-335. 42 M. PFISTER, Galloromanische Sprachkolonien in Italien und Nordspanien (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse Nr. 5, Wiesbaden 1988) insbesondere S. 27-30. Auf die Gründe der hochmittelalterlichen Wanderungsbewegungen kann hier nicht eingegangen werden, vgl. zusammenfassend ebenda S. 31-39. 43 Vgl. G. JARilZ/ A. MÜLLER, Migration in der Feudalgesellschaft (Frankfurt/ New York 1988) und dort besonders den Beitrag von L. Sa-! MUGGE, Kollektive und individuelle Motivstrukturen im mittelalterlichen Pilgerwesen, S. 263-290, der allerdings vor allem den Aspekt des Unterwegsseins, weniger denjenigen der Siedlungstätigkeit erörtert. Vgl. auch dort zu den Möglichkeiten, Ergebnisse der modernen sozialwissenschaftlichen Migrationsforschung auf die Reisen mittelalterlicher Pilger anzuwenden. 44 Vgl. J. PASSINI, Villes medievales du chemin de Saint-Jacques-de-Compostelle (de 10 <?page no="19"?> Wenn bisher der spanische "camino frances" vor allem als militärischer und Geleitweg sowie als Wirtschaftsader und Handelsstraße behandelt worden ist, so schließt dies seine Bedeutung als Weg für Pilger keineswegs aus. Man sollte nachdrücklich darauf verweisen, daß die Pilgerfahrten nicht nur religiöse Unternehmungen im modernen Sinn des Wortes waren, sondern selbst auch ein nicht zu vernachlässigender wirtschaftlicher Faktor. Die Gaben der Pilger trugen zum Reichtum der Devotionsstätten bei; verschiedene Gewerbe befriedigten die alltäglichen Bedürfnisse, so daß sich langsam eine "Pilgerindustrie" entwickelte 45 . Um bestimmte Routen langfristig zu erhalten, reichte jedoch die Benutzung durch Pilger zumeist nicht aus 46• Bei der Wahl ihres Weges waren die Pilger grundsätzlich frei, sie folgten jedoch in der Regel bereits vorhandenen Wegen. Allerdings benutzten sie nicht nur die großen Handels- und Geleitstraßen, sondern zuweilen auch wie für Südwestfrankreich nachgewiesen wurde die dort vorhandenen kleinen Viehwege (chemins de transhumance) 47 . Auch einzelne (lokale) Heiligtümer und ihre "Konjunktur'' konnten zur Bildung und Benutzung neuer Straßen und Wege beitragen 48 . Liest man den zitierten Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert, so fällt auf, daß in einem langen Kapitel alle wichtigen Devotionszentren in Süd- und Südwestfrankreich genannt werden 49• Vom Blickpunkt des Pilgerortes Santiago aus könnte man sagen, daß hierdurch diese Zentren dem großen Zentrum untergeordnet werden sollten 50• Pampelune ä Burgos). Villes de fondation et villes d'origine romaine (Paris 1984) mit zahlreichen Abbildungen sowie DERS., EI camino de Santiago (Madrid 1987). 45 Vgl. hierzu allgemein B. GoNZALFZ SoLOGAISTÜA, Influencia econ6mica de las peregrinaciones a Compostela, Economfa Espanola 13 (1934) S. 77-93 und 14 (1934) S. 39-57; J.M. LACARRA, Le pel.erinage de Saint-Jacques: Son influence sur Je developpement economique et urbain du Moyen Age, Bulletin de ! 'Institut franc; ais en Espagne Nr. 46 (1950) S. 218-221; M. STOKSTAD, Santiago de Compostela in the Age of the Great Pilgrimages (Norman, Univ. of Oklahoma 1978) und HERBERS, Jakobuskult (wie Anm. 14) s. 181-192. 46 Vgl. hierzu die Beispiele aus Südwestfrankreich von E. CoHEN, Roads and Pilgrimage. A Study in Economic Interaction, Studi Medievali 21 (1980) S. 321-341, besonders S. 327-331. 47 Vgl. R. ÜURSEL, Chemins de transhumance, chemins de pel.erinage, Archeologia 14 (1%7) S. 71-77, besonders S. 76. 48 Die gegenseitige Bedingtheit von ökonomischen und kultgeographischen Faktoren hat CoHEN, Roads (wie Anm. 46) für Südwestfrankreich überzeugend herausgearbeitet. 49 Liber Sancti Jacobi V 8, ed. VIELUARD, Guide (wie Anm. 24) 34-82, deutsch: HERBERS, Jakobsweg (wie Anm. 13) S. 105-132. 50 So jüngst DfAz Y DfAz, Calixtino (wie Anm. 14) S. 30. Allerdings finden sich auch Ausnahmen im V. Buch des Liber Sancti Jacobi, die eher auf eine Gleichordnung hindeuten, vgl. z.B. VIELLIARD, Guide (wie Anm. 24) S. 46 (ähnliche Rechte von 11 <?page no="20"?> Von den vier Wegen durch Frankreich muß man die via Turonensis und die via Tolosana einerseits und die beiden Pilgerwege durch das Zentralmassiv andererseits unterscheiden. Die beiden letzten dienten weitaus weniger als die erstgenannten wirtschaftlichen Zwecken und wurden wohl vor allem von Pilgern benutzt5 1• Deshalb verdienen der Weg von Vezelay und derjenige von Le Puy am ehesten den Namen "Pilgerweg". Jedoch sind auch hier Einschränkungen angebracht. Beide Wege waren wohl nicht zu allen Zeiten gleichermaßen beliebt: Die via Podensis, laut dem Pilgerführer des 12. Jahrhunderts 52 für die Deutschen und Burgunder vorgesehen, war wohl bei weitem die beschwerlichste Route, um zu den Pyrenäen zu gelangen. Die deutschen Pilger des Spätmittelalters benutzen die via Podensis wohl deshalb kaum; sie zogen lieber durch das Rhönetal, so z.B. Hermann Künig von Vach im 15. Jahrhundert53. Möglicherweise spielte bei diesen Entscheidungen auch eine Rolle, daß die Rhone als Wasserweg zur Verfügung stand 54 . Aber nicht nur dies. Wenn man den beschwerlichen Weg auf sich nahm, so war die Anziehungskraft des Grabes der hl. Fides in Conques zwar im 11. und 12. Jahrhundert gegeben, aber kaum noch im Spätrnittelalter55. Wie die Kultgeschichte die Benutzung von Wegen beeinflussen konnte, zeigt auch das Beispiel von Vezelay. Seit dem 12. Jahrhundert stritt Vezelay mit St-Maximin bei Aix darum, wer die echten Reliquien der hl. Maria Magdalena besitze5 6• Als der Streit im 13. Jahrhundert zugunsten Jakobus, Martin, Leonard und Aegidius) oder 5. 60 (ähnlich den Heilungen in Compostela, die auf 5. 118 beschrieben werden). 51 Vgl. Cm-IBN, Roads (wie Anm. 46) besonders 5. 325-330. 52 VIELUARD, Guide (wie Anm. 24) 5. 48. 53 Vgl. Hermann Künig von Vach (1495) Facsimile von K. HÄBLER, Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach und die Pilgerreisen der Deutschen nach Santiago de Compostela (Straßburg 1899) Vers 102ff. (unpaginiert). 54 Möglich war die Schiffsreise oft nur flußabwärts. Grundsätzlich sei jedoch vor vorschnellen Schlüssen gewarnt. M. NICE BoYER, Roads and Rivers: Their Use and Disuse in Late Medieval France, Mediaevalia et humanistica 13 (1960) 5. 68-80 weist darauf hin, daß im Spätmittelalter in der Regel der Landweg bevorzugt wurde. Die Gründe hierfür waren die Flußzölle (eher für Kaufleute geltend) sowie die Unsicherheit durch Piraten und Naturgefahren (zur Benutzung der Rhone 5. 69-71). Dies relativiert die allgemeinen Bemerkungen von N. ÜHLER, Reisen im Mittelalter (München 1986) 5. 53-59. Vgl. zum 10. Jahrhundert: H. FlcHTENAU, Reisen und Reisende, in: DERS., Beiträge zur Mediävistik III (Stuttgart 1986) 5. 1-79, zu Flußreisen 5. 9-11. 55 Vgl. CoHEN, Roads (wie Anm. 46) 5. 327f. mit dem Hinweis darauf, daß der Niedergang auch durch die Lage an keiner der (auch ökonomisch) wichtigen Straßen bedingt war. 56 Vgl. hierzu L. BOEHM, Geschichte Burgunds (Stuttgart 2 1979) 5. 95 sowie V. SAXER, L'origine des reliques de sainte Marie Madeleine a Vezelay dans la tradition historiographique du Moyen Age, Revue des sciences religieuses 29 (1955) 5. 1-18; DERS., Le culte de Marie-Madeleine en Occident des origines a la fin du Moyen Age (Auxerre- Paris 1959) und DERS., Le dossier vezelien de Marie Madeleine. Invention et translation des reliques en 1265-1267 (Subsidia hagiographica 57, Brüssel 1975). 12 <?page no="21"?> von St-Maximin entschieden wurde, ging auch der Besuch von Vezelay und entsprechend auch die Benutzung des dort beginnenden Weges, zurück 57. So standen Pilger, Kultstätten und Wege in einer ständigen Wechselbeziehung. Vorhandene Kultstätten und Wege zogen Pilger an; andererseits beeinflußten die Pilger mit ihrer Wahl der Heiligtümer und der Wege auch die Kultgeographie eines Raumes. II. "Wege" in Mitteleuropa und ihre Ermittlung Wenn wir mehr über die von Pilgern benutzten Wege wissen wollen, so gilt es, diesen Wandel im Laufe der Jahrhunderte, der sich mit weiteren Beispielen für den spanischen Raum ebenso zeigen ließe, auch bei unseren Ermittlungen zu berücksichtigen. Wir dürfen nicht die Vorstellungen des zu Recht berühmten Pilgerführers aus dem 12. Jahrhundert, der zudem nicht nur den Stand der Dinge beschrieb, sondern auch noch propagandistisch wirkte, zum Grundschema der Pilgerwege nach Compostela für alle Epochen machen. Das heißt nicht, daß dieses quellenmäßig vorgegebene Schema nicht der Ausgangspunkt unserer Überlegungen sein darf. Mehr noch als in Spanien unterlag dieses System der ''Jakobswege" im Laufe des Mittelalters vielfachen Veränderungen 58• Trotzdem scheint auch bei diesen Varianten das Ziel der Fernpilger immer noch wichtig gewesen zu sein, denn in Spanien und teilweise noch in Frankreich wird der Begriff "Jakobsweg" in den Quellen immer wieder verwendet, und entsprechend will R. DE LA COSTE-MESSELIERE auch nur solche Straßen als "Jakobswege" verstanden wissen 59 • Wenn somit die- 57 Vgl. auch COHEN, Roads (wie Anm. 46) S. 329f. mit Hinweisen auf den Aufschwung von St-Maximin im 13. Jahrhundert. 58 Varianten für Spanien sind dokumentiert im zweiten Band des Werkes von V AZQUEZ DE PARGA u.a., Peregrinaciones (wie Anm. 22). Vgl. auch die Karten bei R. OURSEL, Pelerins du Moyen Age (Paris 1978) z.B. S. 165 (Spanien; für Frankreich S. 167) sowie bei 0-I. HrcoUNET, Les chemins de Saint-Jacques et les sauvetes de Gascogne, Annales du Midi 83 (1951) S. 293-304 (Karte S. 301) sowie E. ENNEN, Stadt und Wallfahrt in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland, in: Festschrift Matthias Zender (Bonn 1972) S. 1057-1075, Nachdr. in: DIF.S., Gesammelte Abhandlungen zum europäischen Städtewesen und zur rheinischen Geschichte Bd. 1 (Bonn 1977) S. 239- 258 (Karte S. 246); vgl. noch CoHEN, Roads (wie Anm. 46) Karte auf S. 324 sowie F. ! RSIGLER, Die Bedeutung von Pilgerwegen für die mittelalterliche Siedlungsentwicklung, Siedlungsforschung. Archäologie - Geschichte - Geographie 4 (1986) S. 81-102 (auch mit Abdruck einiger wichtiger Karten). 59 R. de LA CosTE-MESSELIERE, Un "grand chemin de Saint-Jacques" par excellence: La Via Turonensis des confins de la Touraine ä ceux du Bordelais. l. De Sainte Catherine de Fierbois ä Saint-Hilaire de Poitiers, Compostelle N.S. 1 (1988) S. 44-59, S. 45 mit 13 <?page no="22"?> ser Begriff quellenmäßig faßbar wird, so ist bei dem Begriff "Pilgerwege" oder "Pilgerstraßen" Vorsicht geboten. Beide Ausdrücke sind vorbelastet und wurden in die Wissenschaft erst durch die romanistische und kunsthistorische Diskussion eingeführt6°. Das Konzept der sogenannten "Pilgerwege" und "Jakobswege" wird außerdem um so fraglicher, je weiter wir uns von Spanien und Südwestfrankreich entfernen und je mehr Mitteleuropa in unser Blickfeld gerät. Auch in Mitteleuropa zumindest im westlichen Teil waren die Römerstraßen die Grundlage für das Straßennetz, das seit der Karolingerzeit weiter entwickelt wurde. Die Altstraßenforschung sichtet die Ortsangaben in mittelalterlichen Urkunden und anderen Quellen. Hinzu tritt in jüngster Zeit verstärkt die Archäologie6 1• Das Material bietet aber immer wieder Lücken, will man den genauen Verlauf der Wege, der sich oft änderte, rekonstruieren. Nach dieser ersten Schwierigkeit, die schon einiges an Unsicherheiten mit sich bringt, sind wir auf der Suche nach den Wegen, denen die Pilger gefolgt sind mit weiteren Schwierigkeiten konfrontiert. Der Idealfall: Berichte über oder von einzelnen Pilgern mit möglichst genauen Ortsangaben. Für die Wege von Jakobspilgem in Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden sind wir vergleichsweise gut informiert; für die Gegenden östlich des Rheins und nördlich der Alpen werden die Quellen spärlicher und die Forschung steckt noch in den Anfängen 62 • Da gerade im mittel- und nordeuropäischen Raum noch Hinweisen auf weitere Literatur. - An konkreten Quellennachweisen vgl. z.B. die Urkunden Alfons VIII.: J. GoNzALEZ, El reino de Castilla en la epoca de Alfonso VIII, 3 Bände (Madrid 1960) Band 2, S. 17, S. 642, S. 677; S. 688; Band 3 S. 550, S. 551, S. 553, S. 559, S. 582, S. 589, S. 602 und S. 612 sowie die allgemeinen Bemerkungen von J. PASSINI, Identification et cartographie du chemin frarn; ais en Espagne, in: Un avenir pour notre passe 32 (1988) S. 33f. Bezeichnenderweise treffen wir schon in Südwestfrankreich das Wort "Jakobusweg'' oder ähnliche Entsprechungen deutlich seltener; so ist auch im V. Buch des LiberSanctiJacobi z.B. von der uia Turonensis etc. die Rede; vgl. allerdings die relativ häufigen Nachweise zum Toulousain, die M. GILLES- GUIBERT, Noms des routes et des chemins dans le Midi de la France au Moyen Age, Bulletin philologique et scientifique du Comite des travaux historiques et scientifiques (1960) S. 1-39 (die auch die Verwendung der lateinischen Begriffe via, c1m1inum und strata diskutiert) S. 32 in ihrer wortgeschichtlichen Arbeit verzeichnet. 60 Vgl. unten S. 21 mit Anm. 83 und 84. 61 Vgl. D. DENECKE, Methoden und Ergebnisse der historisch-geographischen und archäologischen Untersuchungen und Rekonstruktion mittelalterlicher Verkehrswege, in: Geschichtswissenschaft und Archäologie, hg. von H. JAHNKUHN und R. WENSKUS (Vorträge und Forschungen 22, Sigmaringen 1979) S. 433-483. Vgl. außerdem die in Anm. 33 zitierte Literatur. 62 Vgl. als erste Information den Sammelband von A. DUPRONT (Hg.), Saint-Jacques de Compostelle. La quete du sacre (Turnhout 1985) (insbesondere die Beiträge von P. CAuccr VAN SAUCKEN, P.A. S! GAL und J. VAN HERWAARDEN) und die niederländische (besser konzipierte, vgl. HERBERS, Historische Zeitschrift 244 D? 87J S. 367-369) Aus- 14 <?page no="23"?> Grundlegendes zu leisten ist, seien einige methodische Bemerkungen erlaubt. Der schon angesprochene "Idealfall", daß Pilger uns selbst in ihren Berichten über den eingeschlagenen Weg informieren, ist recht selten6.3. Genauere Wegbescheibungen für Deutschland fehlen meist, denn für die meisten Pilger wird es erst im "Ausland" bzw. an der Grenze des Reiches interessant. Hermann Künig läßt seine Beschreibung in Einsiedeln beginnen und in Aachen enden 64• Die Nachweise einzelner Pilger können uns allenfalls einige kleine Punkte auf der Karte liefern 65 , und auch die vorhandenen Karten aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit helfen nur bedingt weiter66. In dieser Not wird gerne zu weiteren Quellen gegriffen. Zolltarife, Quellen zum Geleitwesen, der Nachweis von Hospizen und Herbergen; dies sind Bausteine, die man mit Vorsicht auch für Rückschlüsse auf die von Pilgern benutzten Wege heranziehen kann 67• Schwieriger wird es schon bei Jakobus-Brudergabe von J. v AN HERwAARDEN (Hg.) Santiago de Compostela. Pelgrims door de eeuwen heen (Turnhout 1985) sowie die Beiträge in diesem Band mit weiterer Literatur. 63 Die Pilgerberichte sind von I. MIECK, Les temoignages oculaires du pelerinage a Saint- Jacques de Compostelle. Etude bibliographique (du XW au XVIIl" siede), Compostellanum 22 (1977) S. 3-32 verzeichnet; vgl. zu den deutschen Pilgern auch den Sammelband Jakobspilger (wie Anm. 25). Ergänzungen zu Miecks Liste und ausführliche Interpretation steuert die Dissertation von U. GANZ-BLÄ TJLER: Andacht und Abenteuer. Berichte euro~äischer Jerusalem-und Santiago-Pilger (1320-1520) (Jakobus-Studien 4, Tübingen 1991) bei. 64 Vgl. Anm. 53, Vers 28 und 620. 65 Vgl. die bei PLOrz, Deutsche Pilger (wie Anm. 25) zitierten Beispiele. 66 Vgl. de LA CosTE-MESSELIERE, Grand chemin (wie Anm. 59) S. 44 mit Anm. 6 und DERS., De Bruges ä Rocamadour et ä Saint-Jacques de Compostelle dans les "itineraires de Bruges" (XV• s.) avec un appendice sur la "Carta Itineraria Europae" (1520), in: Une route de Poste, La Route d'Espagne (Katalog Paris 1977) (ohne Paginierung) mit Benutzung der Karte von Waldseemüller. 67 Alle genannten Quellengattungen sind für Deutschland noch nicht im Hinblick auf die Ermittlung von Pilgern und deren Wege systematisch ausgewertet worden. Vgl. zu Frankreich beispielsweise G. JUGNOT, Deux fondations augustiniennes en faveur des pelerins: Aubrac et Roncevaux, in: Assistance et Charite. Cahiers de Fanjeaux 13 (Toulouse 1978) S. 321-341. Für Deutschland blieb es bisher bei Einzelfunden, meist regionaler Art, die zumeist auch nur dann in der Spezialliteratur verwertet wurden, wenn ein unmittelbarer Bezug zum Jakobuskult erkennbar war. - Vgl. zum Frankfurter Hospiz, das den bezeichnenden Namen "Kompostell" trug: J. F'ERREIRo ALEMPAR- TE, EI Compostela francfortes y otros vestigios jacobeos en la ciudad de Goethe, Cuadernos de Estudios Gallegos 30 (1976-1977) S. 45-87; als Regionalstudie R. PLÖTZ, Santiago-peregrinatio und Jacobuskult mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Frankenlandes, in: Spanische Forschungen der Görresgesellschaft, 1. Reihe: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 31 (Münster 1984) S. 25-135 (S. 122-124 zu den Spitälern). Methodisch gesehen hat A. LASSOTTA, Pilger- und Fremdenherbergen und ihre Gäste. Zu einer besonderen Form des Hospitals vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit, in: Wallfahrt kennt keine Grenzen (München 1984) S. 128- 139 die Quellen zu Hospizen und Hospitälern am intensivsten bearbeitet. Den größeren Zusammenhang der Gastlichkeit behandelt H.C. I'EYER, Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter (Monumenta Germaniae Historica, Schriften 31, Hannover 1987). 15 <?page no="24"?> schaften 68, von denen oft behauptet wird, sie hätten sich aus ehemaligen Jakobspilgern zusammengesetzt, die durchziehenden Pilger unterstützt oder die Auflage gehabt, als Mitglieder nach Compostela pilgern zu müssen. So richtig dies in einzelnen Fällen sein mag 69 , so läßt sich in vielen Beispielen aus dem mitteleuropäischen Bereich doch kein Bezug zur Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela erkennen 70; erst weitere Detailstudien können hier Klarheit schaffen 71 • Auch die Patrozinienwahl und künstlerische Darstellungen sind zwar eindrucksvolle Zeugnisse für die Ausstrahlung eines Heiligenkultes, aber nur selten brauchbare Indikatoren für "Pilgerwege" 72 • 68 Vgl. hierzu allgemein G.G. MEERSSMAN, Ordo fraternitatis. C.Onfratemite e piet.\ nel medioevo, 3 Bände (Italia Sacra 24-26, Rom 1977) sowie zum süddeutschen und schweizerischen Raum die Arbeiten von H. HoBERG, Das Bruderschaftswesen am Oberrhein im Spätmittelalter, Historisches Jahrbuch 72 (1952) S. 238-252 (= Festschrift G. Schreiber) und von R. HENGGELER, Die kirchlichen Bruderschaften und Zünfte der Innerschweiz (1955) sowie für die Jakobusbruderschaften in Franken PLörz, Santiago-peregrinatio (wie Anm. 67) S. 11&-122 und umfassender für alle Bruderschaften L. REMLING, Bruderschaften in Franken. Kirchen- und sozialgeschichtliche Untersuchungen zum spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bruderschaftswesen im alten Bistum Würzburg (Würzburg 1985). - Die Abgrenzung der Jakobus-Bruderschaften bereitet auch definitorische Probleme, vgl. hierzu die Uberlegungen von K. 'TREMP-UTZ, Eine spätmittelalterliche Jakobsbruderschaft in Bern, Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte 77 (1983) S. 47-93, S. 52f. Offensichtlich muß auch regional differenziert werden. VgL zu Frankreich und Belgien den dort auf S. 49-52 gegebenen Forschungsbericht. 69 Eine Vereinigung ehemaliger Jakobspilger war z.B. die 1160 gegründete Bruderschaft von Imola (... qui olim venimus de Sancto Jacobo), vgl. MEERS.5MAN, Ordo (wie Anm. 68) Band 1 S. 65. Unterstützung von Pilgern ist im südwestdeutschen Raum bei der Bruderschaft von Hohenberg (bei Ellwangen), StA Ludwigsburg U 1242 (Statuten von 1526) erkennbar. Eine Abschrift besorgte mir dankenswerterweise Herr H. Sorg. Die schweizerischen Bruderschaften hat in dieser Hinsicht soweit bisher aufgrund der Vorarbeiten möglich zuletzt 'TREMP-UTZ, Jakobusbruderschaft Bern (wie Anm. 68) S. 53-56 charakterisiert. - Für Frankreich vgL z.B. jüngst J. RocHE, La confrerie de Saint-Jacques a Laval au Maine - 1383-1790, Compostelle, NS 1 (1988) S. 3<>-43; dort wird noch Anfang des 18. Jahrhunderts die Pilgerfahrt nach Galiden für die Mitglieder nach dem "ancien reglement" erwähnt (5. 38). Offensichtlich unterscheiden sich mittel- und westeuropäische Jakobusbruderschaften. Vergleichende Untersuchungen zu den verschiedenen Ländern und Regionen sind deshalb geboten. 70 Vgl. z.B. den Ablaßbrief für die Jakobusbruderschaft in Bruchsal, ed. (ohne Namen). in: Freiburger Diözesan Archiv 9 (1875) S. 376 oder die Unterlagen über die Bruderschaft in Killer (bei Burladingen): Sigmaringen, Staatsarchiv: FAS DH 78.202 (für die Vermittlung des Textes danke ich Dr. C. Bumiller und Dr. H. Röckelein); vgl. hierzu auch J.A. l<RAus, Die Jakobusbruderschaft in Killer, Hohenzollersche Heimat 1 (1951) S. 44. TREMP-UTZ, Jakobsbruderschaft Bern (wie Anm. 68) hat auch den Zusammenhang zwischen Jakobsbruderschaft und Jakobsspital erörtert und kommt für Bern zu dem Schluß, daß das Spital nicht von der Bruderschaft betrieben wurde. 71 Die Studie von TREMP-UTZ, Jakobsbruderschaft Bern (wie Anm. 68) kann hier als exemplarisch gelten; allerdings dürfte in den meisten Fällen keine so umfassende Materialbasis zur Verfügung stehen. 72 Vgl. G. ZIMMERMANN, Patrozinienwahl und Frömmigkeitswandel im Mittelalter. Dargestellt an Beispielen aus dem alten Bistum Würzburg, Würzburger Diözesange- 16 <?page no="25"?> Wenn man sich also dieser Quellen bedient, so lassen sich hieraus nur selten unmittelbar die Wege ermitteln, denen die Pilger folgten, und wir sind weit davon entfernt, eine "Karte" mit den Wegen der Pilger anfertigen zu können. Die Karte, die jüngst vom Europarat publiziert wurde7 3, suggeriert einen schon zu fertigen Eindruck. Die hier aufgeführten Straßen sind einige der alten Heeres-, Geleit- und Handelsstraßen, die sicher als eine Grundfolie weiteren Forschungen über die ''Pilgerwege" dienen können 74 • Vordringlicher erscheinen mir jedoch Karten, die verschiedene Spuren des Kultes in ihrer zeitlichen Schichtung und geographischen Ausbreitung deutlich machen, und die dann mit den notwendigen Fragezeichen in einen umfassenderen Kartenentwurf münden können. Ein kurzes Beispiel aus dem Raum zwischen unterem Neckar und Rhein, das die Strecke zwischen Neckarelz und Bruchsal betrifft75, mag zumindest einige Schwierigkeiten erläutern. Auf der Karte der Geleitstraßen, die M. 5cHAAB erarbeitet hat7 6, ist die Strecke von Neckarelz über Sinsheim nach Bruchsal nur zum Teil als Geleitstraße erfaßt. Das Geleit war zeitweise umstritten und konnte wechseln, was sicher auch auf mögliche Pilger und die Wahl ihres Weges Einfluß hatte. Auf der Strecke von Neckarelz nach Bruchsal ist allerdings eine gewisse Häufung von Spuren des Jakobuskultes erkennbar. Bevor wir nun aber schließen, hier müsse ein "Pilgerweg" existiert haben, ist erst einmal zu prüfen, wann die einzelnen Belege zu datieren sind. Wie lassen sie sich mit der zeitlichen Abfolge der Geleitsrechte schichtsblätter 20 (1958) S. 24-126und 21 (1959) S. 5-124, vgl. auch die Ergebnisse von l'Lörz., Santiago-Peregrinatio (wie Anm. 67) S. 68-92 mit zurückhaltenden Schlüssen zum Zusammenhang von Patrozinien und Pilgerfahrt (vgl. z.B. S. 73). G. PFEIFFER, Ortsnamengebung und Heiligenverehrung in Franken, in: Festschrift G. Zimmermann, hg. von F. BITINER und L. BAUER in Verbindung mit U. l<NEFELKAMP (Historischer Verein Bamberg 12, Bamberg 1984) S. 237-251 weist darauf hin, daß Kirchenpatrozinien auch oft einfach dazu dienten, Ortsnamen unterscheiden zu können. 73 Un avenir pour notre passe Nr. 32 (1988) S. 14f. 74 Ärgerlich ist, daß diese Karte mittlerweilen als Ergebniskarte und nicht als Arbeitsgrundlage rezipiert wird, so z.B. in einem Heft "die europäischen Jakobswege in der Sicht des Europarats (o.O. o.J. [1989])", das als Auftakt eines Pilotprojektes für die "freizeitpädagogische Erschließung der europäischen Jakobswege" gedacht ist (Päd. Seminar Bonn) und "EI camino de Santiago". Guia con servicios de Acogida para el verano 1989 (La Coruiia 1989) nach S. 8. Weitere Verbreitung der Karte ist zu befürchten. 75 Herr J. Zappe, Sinsheim, wies mich auf diesen Wegabschnitt hin. 76 M. ScHAAB, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Karte X,1 (1982), vgl. Abbildung 2. Vgl. auch die anregenden methodischen Darlegungen im zugehörigen Beiwort (mit weiteren Einzelkarten) sowie bereits DERS., Straßen und Geleitwesen zwischen Rhein, Neckar und Schwarzwald im Mittelalter und der früheren Neuzeit, Jahrbücher für Statistik Baden-Württembergs 4 (1958, ersch. 1959) S. 54--75 (mit mehreren Karten). 17 <?page no="26"?> . ~-MÖRLENBACH 1· ® l l •• ' I q- Stein it ~ • Remchingan •Wllferdingen " t ,. "., ====== ==-=== Geleitherren: "Kurpfälzische" Wegstrecke mit mehreren Spuren des Jakobuskultes Kurpfalz Württemberg Hochstifte Würzburg, Speyer, Straßburg Baden-Durlach Abb. 2: Geleitstraßen zwischen Rhein, Neckar und Schwarzwald, nach: M. Schaab, Historischer Atlas von Baden Württemberg, Ausschnitt aus Karte X,l (1982) <?page no="27"?> Abb. 3: Reisewege der Könige und Kaiser zwischen Rhein, Neckar und Schwarzwald, nach: M. Schaab, Straßen und Geleitwesen zwischen Rhein, Neckar und _Schwarzwald im Mittelalter und der früheren Neuzeit, Jahrbücher für die Statistik Baden-Würtembergs 4 (1958, ersch. 1959) nach S. 74. verknüpfen? Was wissen wir über die Benutzung der Geleitstraße zur Zeit dieser Belege usw.? Wie es scheint, könnte es zwar hier einen Weg geben, der auch von Pilgern bevorzugt benutzt wurde, aber wohl erst im 15. Jahrhundert, denn die Strecke scheint keinesfalls zu den größeren Königsstraßen gehört zu haben, die schon im Hochmittelalter benutzt wurden 77• Was man billigerweise also von weiteren Forschungsarbeiten hin- . sichtlich der Wege erwarten kann, und welche methodischen Vorgaben die Forschung leiten sollten, mag ein Zitat von MARTIN LINTZEL verdeutlichen: 77 Vgl. Abb. 3. Die Geleitstrecken des Oberamtes Mosbach verzeichnen den Weg, aber nur bedingt (die Strecke von Sinsheim nach Bruchsal nur für den "Hinweg"), vgl. SaiAAB, Beiwort (wie Anm. 76) S. 2 [Karte]. Andererseits zählte die Strecke mit Sicherheit nicht zu den großen Handelsstraßen, vgl. ebenda S. 9. 19 <?page no="28"?> "Es scheint mir sehr oft weniger darauf anzukommen, zu sagen, was geschehen ist, als darauf, zu sagen, bis zu welcher Grenze unsere Kenntnisse reichen und wo das Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnungen und der mehr oder weniger berechtigten Vermutungen beginnt. Ich glaube, es wäre überhaupt ... eine ganz nützliche und ergiebige Tätigkeit, einmal unter den zahlreichen Hypothesen unsrer Forschung aufzuräumen, die sich für sicheres Wissen ausgeben, und zu zeigen, wie es wirklich mit ihnen bestellt ist. Unsere geschichtlichen Kenntnisse (oder das, was wir dafür halten) würden dadurch im einzelnen zwar vermutlich verringert, aber unser Urteil dürfte sich erweitern, insofern als wir uns über die Möglichkeiten, die hinter unsrer magern Überlieferung liegen, gerade dadurch klarer werden könnten, daß wir uns nicht auf eine von ihnen festlegen." 78 • III. Die kulturgeschichtliche und spirituelle Dimension der "Jakobswege" und "Pilgerstraßen" Wenn wir weiter fragen, warum sich die Begriffe "Pilgerstraßen" und "Jakobswege" so sehr in der bisherigen Forschung durchgesetzt haben, so liegt das daran, daß man sich dieser Begriffe bediente, um die kulturgeschichtlichen Wirkungen der peregrinatio ad limina sancti Iacobi in ein wissenschaftliches Konzept einzufügen. Schon der zitierte Bericht 79 über den ersten Pilger, der von diesseits der Pyrenäen nach Santiago de Compostela zog, besitzt auch für den Weg einen geradezu symbolischen Wert. Bischof Godeschalk von Le Puy war nicht nur in Compostela, sondern sein Weg kennzeichnet auch gut weitere Funktionen dieser Straße. Auf seinem Rückweg verweilte Godeschalk in dem berühmten Kloster Albelda in der Rioja. Dort konnte er in dreifacher Hinsicht Einflüsse der "anderen Spanien" kennenlernen und aufnehmen: Er nahm an der mozarabischen Liturgie teil; er lernte dieimmozarabischenStilgebaute Kirche kennen, und schließlich brachte er ein Exemplar des Werkes des Ildefons von Toledo (t 667) über die Jungfräulichkeit Mariens 80 mit zurück. Dieses Exemplar, zunächst in Le Puy, heute in der Bibliotheque nationale in Paris aufbewahrt, berichtet in einer Notiz über die Reise Godeschalks 81 . Der Marientraktat könnte 78 M. LrNTZEL, Ausgewählte Schriften II (Berlin 1961) S. 221. 79 Vgl. Anm. 22. 80 De virginitate beatae Mariae, ed. V. BLANCO GARcfA, (wie Anm. 22). 81 Text bei BLANCO GARdA (wie Anm. 22) S. 33-35; vgl. Anm. 22. Vgl. zur Einordnung 20 <?page no="29"?> auch mit dem Marienpatrozinium der Kirche von Le Puy zusammenhängen. Die Kirche von Le Puy besaß so einen der wichtigsten mariologischen Traktate des Westgotenreiches. Ihr Baustil erinnert außerdem an islamische Einflüsse, die vielleicht vor dem Hintergrund der Pilgerreise Godeschalks weniger erstaunlich sind 82 . Die Bedeutung der Wege als kulturelle Achsen ist vor allem in der romanischen Philologie und der Kunstgeschichte zu einem größeren Konzept entwickelt worden. J. BEDIER vertrat in seinem klassischen Werk "Les legendes epiques" eine vielbeachtete These zur Entstehung der Chansons de geste, die bis heute in der romanistischen Mediävistik nachwirkt 83 • Bediers Thesen zeitigten auch Einflüsse über sein Fach hinaus, sie wirkten auf die Kunsthistoriker. So glaubte man an den Einfluß der "Pilgerstraßen" in bezug auf die Architektur romanischer Kirchen, auf Skulpturen und die Verbreitung ikonographischer Themengruppen. Auch hier haben jüngere Forschungen vieles ins rechte Licht gerückt 84 ; unbestritten bleibt jedoch, daß Pilgerfahrten den künstlerischen Austausch ausgesprochen fruchtbringend gefördert haben, wenn auch der Kampfbegriff "Pilgerstraßenarchitektur" nicht mehr im Vordergrund steht. Die kulturelle Bedeutung der Wege manifestiert sich jedoch nicht nur in Manuskripten, Literatur, Musik und Kunstwerken, sondern auch bei der Fahrt unter kulturgeschichtlichem Aspekt: J. FoNTAINE, Mozarabie hispanique et monde carolingien. Les echanges culturels entre la France et l'Espagne du VIII• su x• siede, Anuario de estudios medievales 13 (1983) S. 17-46. S. 33-35. 82 Zur Bedeutung von Tours, Limoges und Le Puy in der ersten Konsolidierungsphase des Jakobuskultes und der Wege vgl. auch den Beitrag von F. LöPEZ ALSINA in diesem Band. Vgl. zu Le Puy und Compostela auch DERS., La ciudad de Santiago de Compostela en la alta EdadMedia (Santiago de Compostela 1988) S. 192 und 266 (vor allem im Hinblick auf die Handelsbeziehungen). 83 Vgl. zur Rezeption K. l<LoocKE, J. Bediers Thesen über den Ursprung der Chansons de geste und die daran anschließende Diskussion zwischen 1908 und 1968 (Göppingen 1972) sowie die Arbeiten von A. DE MANDACH (vgl. den Beitrag in diesem Band und die dort zitierte Literatur). 84 Die beiden gegensätzlichen Modelle wurden von E. MALE, L'Art religieux du XII" siede en France (Paris 1922) und A.K. PORTER, Romanesque Sculpture of the Pilgrimage Roads, 10 Bände (Boston 1923) vertreten. Zur neueren Diskussion vgl. M. DuRuAr, Pelerinages et architecture romane, Les dossiers de l'archeologie 20 (1977) S. 22-35 und J. WILLIAMS, La arquitectura del camino de Santiago, Compostellanum 29 (1984) S. 267-290. Vgl. auch S. MoRALEJO, La reutilizaci6n e influencia de los sarc6fagos antiguos en la Espafia medieval, in: Colloquio sul reimpiego dei sarcofagi romani nel rnedioevo, Pisa 5.-12. sept. 1982, hg. von B. ANDREAE und S. SEms, Marburg 1984) S. 187-203, besonders S. 198 sowie DERS., Tue Tornb of Alfonso Ansurez (t1093): Its Place and the Role of Sahagun in the Beginnings of Spanisch Rornanesque Sculpture, in: Santiago, Saint-Denis and Saint Peter. Tue Reception of the Roman Liturgy in Le6n- Castile in 1080, hg. von B.F. REILLY (New York 1985) S. 64-100 (Auseinandersetzung mit Porters These zur romanischen Skulptur). 21 <?page no="30"?> denen, die diese Wege benutzten. Modem gesprochen: Reisen bildet. Aber bildet Reisen wirklich? Die Pilger waren auf ihrer Fahrt mit vielen fremden Eindrücken konfrontiert. Wie nahmen sie diese auf und wie erweiterte sich so ihr Weltbild? Man sollte sich vor dem vorschnellen Schluß hüten, Pilgerfahrten hätten gleichsam automatisch bewußtseinserweitemd gewirkt. Der Pilgerführer des "Liber Sancti Jacobi" läßt bei seiner Schilderung fremder Völker erkennen, daß hier auch Vorurteile oftmals nur bestätigt und sogar zementiert wurden 85 • Wenn auch der Autor nicht unbedingt die Mentalität der Pilger allgemein wiedergeben mag, so wird doch deutlich, wie sehr die vorhandenen Voreinstellungen bedeutsam dafür waren, wie die Fremde aufgenommen wurde. Erst in einigen Pilgerberichten des Spätmittelalters scheinen Ansätze zu neuen Wertungen greifbar, die in der Forschung zumeist als die Entwicklung der "theoretischen Neugierde" umschrieben werden 86 . Einige spätmittelalterliche Berichte lassen jedenfalls erkennen, daß der Weg ans Ende der Welt auch durch diese neuen Voreinstellungen bedingt war8 7. Allerdings blieb dies noch die Ausnahme und war eher das Zeichen einer neuen Zeit, denn die spätmittelalterliche Pilgerreise war im Grunde immer noch bestimmten traditionellen Normen verhaftet. Trotzdem sollte man vermerken, daß jede Reise, auch die Pilgerfahrt, grundsätzlich erst die Möglichkeit zur eigenen, genauen Beobachtung bot. Im Mittelalter und noch darüber hinaus blieb der Pilgerweg aber vor allem der Ort persönlicher Frömmigkeit. Die Gefühle und Empfindungen der Pilger beim Durchschreiten des Raumes sind zwar schwer zu fassen, aber grundlegend. Wenn der Weg der Pilger für die Rechtschaffenen und schmal ist, wie es im "Liber Sancti Jacobi" in Anlehnung an 85 Vgl. Liber Sancti Jacobi V 7, ed. VIELLIARD, Guide (wie Anm. 24) S. 1~32, deutsch: HERBERS, Jakobsweg (wie Anm. 13) S. 94-105. Vgl. hierzu L. ScHMUGGE, Über nationale Vorurteile im Mittelalter, Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 38 (1982) S. 439-459 besonders S. 448-453; K. HERBERS, Die hochmittelalterlichen Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela als europäisches Phänomen, in: Identität und Solidarität, hg. von M. BoscH und G. SaiuLTEN (Forum Politik 5, Saarbrücken-Scheidt 1988) S. 83-98, S. 96f. Vgl. allgemein zu diesem Problembereich F. HA$AUER, Volkssprachliche Reiseliteratur: Faszination des Reisens und räumlicher ordo, in: Grundriß der romanischen Literaturen des Mittelalter Xl/ 1: La litterature historiographique des origines a 1500, hg. von H.U. GUMBRECI-IT, U. LINK-HEER und P.-M. SPANGENBERG (Heidelberg 1986) s. 259-283. 86 Vgl. H. BLUMENBERG, Der Prozeß der theoretischen Neugierde (Die Legitimität der Neuzeit 3, Frankfurt/ M. 1977) besonders S. 145ff. 87 Vgl. M. STOLZ, Die Reise des Leo von Ro~mital. Wandlungen der Pilgeridee in einem deutschen Bericht des Spätmittelalters, in: Jakobspilger (wie Anm. 25) S. 97-121, besonders S. 115ff. sowie K.A. 2AENKER, Wirklichkeit und Fiktion in der spätmittelalterlichen Reiseliteratur, ebenda S. 123-131. 22 <?page no="31"?> das Bibelwort heißt, so sahen die Pilger hier wohl den tiefsten Wert der jeweils persönlichen Wegerfahrung. Die via peregrinalis ist der "Weg der Gerechten, die Freude der Heiligen, der Glaube an Auferstehung und Leben" heißt es im "Liber Sancti Jacobi" 88. Die via peregrinalis ist eine via penitentiae, ein Weg der Buße, die den Sünder läutert und von Schuld befreit. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, wenn man im Spätmittelalter statt der Fahrt zu den großen Pilgerzielen eine geistliche Pilgerfahrt zu den Heiligen Stätten nachvollzog 89 • Dabei las man wohl, z.B. in religiösen Frauengemeinschaften wie in Ulm, täglich den Bericht über einen Wegabschnitt vor, so daß die Hörer ihrem Pilgerziel täglich ein Stück näher kamen. In diesen Werken wird beides, konkrete und übertragene Bedeutung des Pilgerweges, zusammen gedacht. Der Pilgerweg als Bußweg bereitete den Weg zu himmlischen Freuden. Der Weg scheint dabei oft wichtiger als das Ziel selbst zu sein, und wenn der heilige Jakobus in den Wunderberichten ebenso auf dem Weg wie in Compostela als Wunderhelfer eingreift 90, so unterstreicht dies die Bedeutung des Weges. Vita Via und Homo Viator, die geflügelten Worte, werden im Liber Sancti Jacobi konkret und erhalten ihre klare theologische Zielsetzung: via peregrinalis ducit hominem ad vitam, der Pilgerweg führt den Menschen zum Leben 91 , womit das ewige Leben gemeint ist. Wenn auch die innere Einstellung des Pilgers für die Heilssuche sicherlich der Bedeutung des Weges übergeordnet wurde, so läßt der Pilgerweg oftmals den Pilger erst zum Suchenden und Findenden werden. In dieser Akzentsetzung unterscheidet sich Santiago de Compostela und der Weg dorthin von Rom oder Jerusalem als Pilgerzentren, bei 88 117, ed. WHITEHILL (wie Anm. 13) S. 152. 89 Dabei sind die verschiedensten weiteren Gründe für die Entstehung dieses Genre natürlich nicht aus dem Auge zu verlieren: ungefährlicher Ersatz für nicht abkömmliche Otristen, Wiederholung der eigenen Pilgerfahrt usw. Der höhere spirituelle Wert einer solchen Fahrt wird von manchen Autoren noch gesondert hervorgehoben, so von Felix Fabri, der für die Nonnen des schwäbischen Dominikanerinnenklosters in Ulm 1492 die "Sionspilgerin" verfaßte. Das Werk ist nur in Auszügen ediert, vgl. zur Intention die Passage bei H. RöHRICHT/ H. MEISNER, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande (Berlin 1880) S. 282. Die Angaben zu den Handschriften bei K. HANNEMANN, Fabri, Felix, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters, Verfasserlexikon 11 2 1980) S. 682-689) sind nicht mehr alle gültig; eine Kopie der Passagen der (nicht autographen) Ulmer Handschrift (gültige Signatur jetzt: U 9727) verdanke ich der Vermittlung von Archivdirektor Prof. Dr. Specker, Stadtarchiv Ulm (Briefe vom 25.5. und 19.7.1984), wofür auch hier herzlich gedankt sei (der Verbleib der bei Hannemann zitierten Berliner Handschrift ist unklar). Vgl. allgemein noch H. WIF.GAND, Felix Fabri. Dominikaner, Reiseschriftsteller, Geschichtsschreiber 1441/ 42-1502, Lebensbilder aus Schwaben und Franken 15 (1983) S. 1-28. 90 Vgl. hierzu K. l-IERBERS, The Miracles ofSt. James, in: Codex Calixtinus (wie Anm. 21) s. 11-29. 91 117, ed. WHITEHILL (wie Anm. 13) S. 152. 23 <?page no="32"?> denen das Ziel deutlich Vorrang genoß. Zu dieser Erhöhung des Weges, der Wege, könnte vielleicht auch die epische Dichtung bzw. der Pseudo- Turpin und die Kunst beigetragen haben: Karl der Große sah den Sternenweg nach Santiago im Traum ebenso wie die Könige aus dem Morgenland den Stern von Bethlehem als Zeichen für den Weg zu Jesus 92 • Sollte es ein Zufall sein, daß auf dem Weg nach Santiago und in Compostela auch das Motiv der Heiligen Drei Könige so häufig anzutreffen ist 93 ? Wie auch immer: selbst ohne diese Bezüge sind die Wege ad limina beati l acobi ein Phänomen, das ein ganzes Bündel von theologischen, wirtschaftlichen, philologischen, künstlerischen und historischen Wirkungen zeitigte. Blickt man zurück auf die verschiedenen Aspekte, die hier nur angedeutet werden konnten, so fragt man sich, ob der Weg und dessen konkreter Verlauf oder aber vielmehr die Wirkungen dieses Weges, die ja bis heute anhalten und auch am Interesse des Europa-Rates abzulesen sind, nicht eigentlich die Faszination des Themas ausmachen. 92 Die Literatur zu Karls Traum in der epischen Dichtung ist fast unübersehbar geworden, vgl. die Textpassage bei H.W. KLEIN, Chronik (wie Anm. 28) 5. 36 (dort auch Angabe weiterer Pseudo-Turpin-Editionen). Die Verbreitung des Pseudo-Turpin ist auch eng mit der Kanonisation Karls des Großen 1165 verbunden, die ja auch maßgeblich zur Legitimation des staufischen Herrschertums betri~ben wurde. Ein weiterer Schritt der staufischen Herrschaftslegitimation war die Ubertragung der Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln, vgl. zu diesem Zusammenhang 0. ENGELS, Des Reiches heiliger Gründer. Die Kanonisation Karls des Großen und ihre Beweggründe, in: Karl der Große und sein Schrein in Aachen, hg. von H. MÜLLEJANS (Aachen/ Mönchengladbach 1988) S. 37-46, 5. 45f. 93 Auf diesen Aspekt machte mich zuerst Frau G. Latzel (Münster) aufmerksam. Eine systematische Erfassung der ikonographischen Belege steht aus. - Auch andere Verbindungen zwischen Jakobus- und Dreikönigskult sind erkennbar, es sei nur die motivgeschichtlich interessante Beobachtung erwähnt, daß das Mirakel von dem gehenkten Jüngling (das spätere Hühnerwunder; vgl. hierzu zuletzt: R. PLörz, "Der hunlr hinder dem altar saltu nicht vergessen". Zur Motivgeschichte eines Flügelaltars der Kempener Propsteikirche, in: Epitaph für Gregor Hövelmann, Beiträge zur Geschichte des Niederrheins dem Freund gewidmet, hg. von St. FRANKEWITZ [Geldern 1987] p. 119-170) in einer Kölner Handschrift des 15. Jahrhunderts den Heiligen Drei Königen zugeschrieben wird, allerdings in einer motivgeschichtlich interessanten Umkehrung: Hier ist es der Wirt, der von Jakobspilgem des Diebstahls beschuldigt wird und dessen Unschuld sich schließlich durch Intervention der Heiligen Drei Könige offenbart, vgl. B. DE GAIFFJER, Libera tus a suspendio, in: Melanges Mario Roques II (1953) S. 93-98, Nachdruck: ders.: Etudes critiques d'hagiographie et iconologie (Subsidia hagiographica 43, Brüssel 1967 5. 227-232) 5. 231f., vgl. auch neuerdings im Zusammenhang der Entwicklung von Recht und Gesellschaft F. LoITER, Heiliger und Gehenkter. Zur Todesstrafe in hagiographischen Episodenerzählungen des Mittelalters, in: Ecclesia et regnum. Beiträge zur Geschichte von Kirche, Recht und Staat im Mittelalter. Festschrift F.-J. Schmale, hg. von D. BERG and H.-W. GoErz (Bochum 1989) 5. 1-19. s. 16. 24 <?page no="33"?> Resumen: La intenci6n del presente trabajo es exarninar los mas diversos aspectos del fen6meno de! camino en general. En primer lugar se trata de presentar brevemente la importancia que tienen las vias de comunicaci6n en las distintas culturas y religiones para exponer despues Ja significaci6n que tiene el concepto de! camino dentro del contexto de las peregrinaciones al santuario de Santiago en Compostela. El desarrollo de un camino jacobeo relativamente estable se puede observar sobre todo en Espafia y con ciertas restricciones, en Francia. Las funciones principales de 1a primitiva calzada consistfan en el sector militar, econ6mico, cultural y religioso los cuales contribuyeron en su conjunto al desarrollo de! "camino frances" en el norte de Espafia. Igualmente en Francia se puede comprobar una continua interacci6n entre la historia de la economia, de! comercio, del trafico y del culto religioso. De las "quattuor uie" eran las de Vezelay y Le Puy las que eran mas frecuentadas por peregrinos que por mercaderes y demas viajeros. Sin embargo, ambos caminos perdieron su importancia con la decadencia de ciertos centros cultuales. Resulta mas dificil hablar de "caminos de peregrinos" o "caminos de peregrinaci6n a Santiago", si nos referimos a regiones situadas mas alla del este y del norte de Francia. Los conceptos estan cargados de los resultatlos de las investigaciones de la historia del arte y de la filologfa de principios del siglo que todavfa se aplican hoy de un modo poco critico. La pretensi6n de poder confeccionar un mapa que contenga perfectamente claros los "caminos de los peregrinos" o "de Santiago" en Europa central se presenta por lo tanto ante la escasez de datos hist6ricos casi como una ilusi6n. Algunos ejemplos de investigaci6n iluminan este hecho y permiten formular un proyecto de trabajo, cuyo finalidad sera la documentaci6n de las distintas "huellas" del culto y de los peregrinos y no exclusivamente de los caminos. Pero lo que tales mapas no pueden mostrar son el valor individual y espiritual del camino y su experiencia por parte del peregrino; factores que forman una parte fundamental de los caminos de Santiago y que contribuyeron de manera muy importante a la trascendencia europea del culto jacobeo. 25 <?page no="35"?> Das Straßensystem in Mitteleuropa, besonders während des Mittelalters und der frühen Neuzeit* HERMANN l<: ELLENBENZ I Im Jahre 1907 veröffentlichte der Geograph Friedrich RAUERS eine Karte, die das Straßensystem des Alten Römischen Reiches Deutscher Nation wiedergibt. Sie zeigt ein verwirrendes Netz der Verkehrswege, und der Betrachter wundert sich, wie der Reisende sich dabei zurechtfand. In Wirklichkeit bestand für ihn nur eine begrenzte Wahlmöglichkeit. Eine ganze Reihe von Faktoren zwangen ihn, bestimmte Hauptrouten zu benutzen, wenn er ein Fernziel anstrebte. Dies ergab sich nicht nur aus dem guten oder schlechten Zustand einer Straße oder aus den geographischen Verhältnissen, seien es Berge oder Täler, Sümpfe, tiefe und gefährliche Wälder oder schwierige Flußübergänge. Noch wichtiger war die Tatsache, daß das Reich in so viele Territorien, Erzbistümer, Bistümer und Abteien, Kurfürstentümer, Fürstentümer, Grafschaften und freie Reichsstädte zersplittert war. Jedes dieser Territorien hatte seine eigene Finanz- und Wirtschaftspolitik, der die Absicht zugrunde lag, aus den Straßenverhältnissen und dem damit verbundenen Verkehrswesen möglichst großen finanziellen Nutzen zu ziehen. Das Straßenregal befand sich anfänglich wohl in den Händen des Königs, aber mit dem Niedergang der Kronmacht und dem Aufstieg der Territorialstaaten ging die Verfügung über das Straßenwesen weitgehend an die Inhaber der Territorien über, und diese bauten und beuteten es in verschiedener Weise aus, besonders indem sie Zölle und Mauten erhoben, den Fuhrmann und sonstige Reisende zwangen, den Geleitschutz eines Territorialherren in Anspruch zu nehmen, die Waren durch bestimmte zentrale Plätze nicht einfach durchzuführen, sondern niederzulegen und während einer festgesetzten Frist feilzubieten. • Auf die Beigabe eines umfangreichen wissenschaftlichen Anmerkungsapparates hat Prof. H. Kellenbenz verzichtet, da der weitaus größte Teil der verwendeten Belege eine Synthese früherer eigener Arbeiten darstellt. (Anm. der Red.) 27 <?page no="36"?> II Wir wollen im folgenden den Zustand der Straßen beschreiben, die Art und Weise erörtern, die es gab, Straßen zu bauen und auszubessern sowie Fähren und Furten durch Brücken zu ersetzen. Wir betrachten die wichtigsten Fortschritte im Transportwesen und die Rolle, die territoriale Behörden und privates Unternehmertum dabei spielten. Es folgt eine Skizze der wichtigsten Routen. Schließlich wird an Beispielen gezeigt, wie lange man für eine bestimmte Reise brauchte und was das Reisen kostete. Zuletzt bringen wir Einiges über die zur Verfügung stehenden Karten und die Literatur der Reiseführer, u.a. für die Pilger. III Die Leistung der Römer im Straßenbau bis zum Limes und in den Rheinlanden kann hier nur angedeutet werden. Bemerkenswert ist, daß die deutschen Könige die Straßenzüge aus der Römerzeit im Wesentlichen übernahmen, und die anrainenden Gemeinden hatten unter der Aufsicht der Grafen für die Erhaltung zu sorgen. Schon früh, so im Volksrecht der Baiern, ist der Begriff der "Landstraße" als öffentlicher Weg, besonders als Heerstraße, überliefert. Eine gerne gebrauchte Bezeichnung im Spätmittelalter war die "gemeine Landstraße" als Straße, die dem Land und seinem Herrschaftsträger gemeinsam gehörte, dem Verkehr durch das Land diente, im Gegensatz zu Gemeinde- und Viehwegen. Die lateinische Bezeichnung strate, auch strata publica, kommt seit dem 12. und 13. Jahrhundert öfters vor. Im Deutschen wurde daraus das Wort Strazze > Straße. Mit dem Ausbau der Territorialherrschaften gewann auch die Sorge für den Zustand und die Sicherheit der Straßen, wie schon angedeutet, eine neue Bedeutung. So konnte allein der Landesfürst über den Bau neuer Straßen verfügen, wobei die Kosten durch Abgaben von den verkehrenden Personen und Gütern bestritten wurden. Nur kurz erwähnt sei die große Tat der Leute von Urseren, die durch eine Kettenbrücke die Verbindung mit Uri herstellten und damit eine internationale Route des Fernverkehrs eröffneten. Sie war künftig die direkteste Straße zwischen den Niederlanden und Italien. Der Paß über den Gotthard, 1236 belegt, war allerdings zunächst noch kein Fahrweg. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist der Kuntersweg. Der Bozener und Haller Bürger Heinrich Kunter errichtete ihn aufgrund einer Bewilligung 28 <?page no="37"?> j r : ; e z i V: ~ . ~ •'t C j w i ~ ~ ~~ 1 =: -\" ··1 ö -: ; § w • .. e '~-- ~ s i ·~~ : ilfl; . ·a .. -l -~ ! ~fo .. _. ! ! ! (: 'l Abb. 4: Wichtige Handelsstraßen zwischen Ost-Nordsee, Adriatischem und Ligurischem Meer (aus: Kellenbenz, Landverkehr, F1uß- und Seeschiffahrt). 29 <?page no="38"?> des Landesfürsten von 1312. Er bahnte den Weg durch die Schlucht des Eisacks von Bozen bis Klausen. Für die Benützung dieses Wegs, der zunächst nur ein Saumpfad war, durfte der Unternehmer einen Zoll einheben. Außerdem durften Kunter und seine Erben entlang dieser landstrazze zwei Tavernen betreiben. Für Karren befahrbar wurde der Kuntersweg erst unter Herzog Sigmund um 1480, als man, um die nötige Verbreiterung zu erzielen, Sprengungen vornahm. Ein weiteres Beispiel liefert die Erschließung des Septimerpasses. Im Jahre 1387 verpflichtete sich Jacob von Castelmur gegenüber dem Bischof von Chur, einen Weg über den Septimer zu bauen, so daß Wagen mit 36 Rubb (1 Rubb = 25 Pfund) Last von Tingen bis Plurs verkehren konnten. Dafür gestattete der Bischof seinem Dienstmann, eine "Weglösi" zu erheben, die so bemessen war, daß die Mailänder Kaufleute damit einverstanden waren. Das Privileg galt zunächst für 10 Jahre, doch war vorgesehen, daß auch die Erben Castelmurs die Straße unterhalten sollten. Ein weiteres Beispiel wäre die Kesselbergstraße, die Herzog Albrecht IV. von Bayern zusammen mit Münchener Kaufleuten zu Ende des 15. Jahrhunderts bauen ließ, um der durch Hochwasser gefährdeten Murnauer Streckenführung auszuweichen und dafür die steile Abkürzung entlang dem Kochei- und dem Walchensee zu schaffen. Die Reparatur der Straßen war eng mit dem Zollwesen verbunden. Die Belehnung der Landesfürsten mit den Hauptz.öllen ihres Landes erlegte diesen ausdrücklich die Verpflichtung auf, für die reparatio viarum und die Sicherheit der Kaufleute und ihrer Waren zu sorgen. Das konnte auf verschiedene Weise erfolgen. Einmal mußte die einzelne Gemeinde die Straße, die durch ihr Gebiet führte, instand halten. Bei größeren Arbeiten wie Brücken mußten mehrere Gemeinden zusammenhelfen. Die Aufwendungen wurden aus den Einkünften der Zollämter bestritten. Gelegentlich standen die Stiftung liegender Güter und deren Erträgnis, auch Urbar genannt, zur Verfügung. Über den tatsächlichen Zustand einzelner Straßen erfahren wir etwas aus den Reiseschilderungen, etwa von Pilgern. Der Ulmer Dominikaner Felix Faber kam 1483 auf seiner Jerusalemreise durch den Kuntersweg, nachdem er inzwischen verbreitert worden war. Faber schreibt: "Es ist noch nicht zwei Jahre her, da war dieser Weg so schlecht, daß man ihn nur mit großen Schwierigkeiten, das Pferd mit der Hand nach sich ziehend begehen konnte. Ich erinnere mich mit welchen Gefährlichkeiten ich auf meiner ersten Pilgerfahrt diesen Weg zurückgelegt habe. Da gähnten zur rechten Seite tiefe Abgründe unmittelbar am Wege, zur linken stiegen steile Felswände empor. Der Weg war in einem so elen- 30 <?page no="39"?> den Zustande, daß man darüber öffentlich Spottlieder sang." Noch 1525 wurde die Straße von Brixen nach Klausen von den Fuhrleuten als lebensgefährlich bezeichnet. Über die Technik des Straßenbaus erfährt man nur wenig. In der Verleihung für den Kuntersweg werden Holz, Steine und Kalk als für den Bau nötiges Material bezeichnet. Es kann daraus geschlossen werden, daß man Böschungen, Holzgeländer, auch größere und kleinere Brücken anlegte. Bei den Erweiterungsbauten, die Sigmund von Tirol durchführen ließ, wurden Feuer und Pulver zum Sprengen verwendet. Über die technischen Mittel, die beim Bau der steilen Kesselbergstraße gebraucht wurden, ist leider nichts Näheres bekannt. Die Römer hatten sich auf das Pflastern verstanden. Diese Kunst hatte man auch im Mittelalter nicht ganz vergessen. Seit dem 14. Jahrhundert begann man in den Städten vor allem aus hygienischen Gründen Marktplätze und Straßen zu pflastern. Köln liefert eines der frühesten Beispiele. Die Bürger einer Stadt erhielten zum Pflastern eine besondere Erlaubnis mittels eines Privilegs. Ein solches Privileg verschaffte sich z.B. das Städtchen Sterzing am südlichen Fuß des Brenners. Pflastersteine wurden oft aus weiten Femen herangefahren. So besaß der Bischof von Freising einen Steinbruch im Gebiet des brockeligen Porphyrs bei Bozen, der für Pflastersteine besonders geeignet war. Gefahren für den Straßenkörper ergaben sich namentlich aus den Witterungsverhältnissen. Sturzbäche als Folge von starken Unwettern konnten die Straßen auswaschen und Stücke wegreißen, Überschwemmungen konnten noch schlimmeres anrichten. Der Frost konnte den Unterbau aufbrechen. Außerdem litten die Straßen unter den schweren Fahrzeugen. Von ihnen konnten die (allerdings regional begrenzten) vierrädrigen Karren 30 bis 35, ja nach Verordnungen des 16. Jahrhunderts sogar bis 55 Zentner befördern. Die berühmten Frammersbacher Fuhrleute verluden auf ihre vierrädrigen Wagen mit "kleinem Geschirr" 30 Zentner, mit "grossem Geschirr" fast 50 Zentner. Eine wichtige Funktion, um die Flüße zu überqueren, hatte der Brükkenbau, zumal da, wo Furten und Fähren nicht genügten. Zunächst begnügte man sich mit Holzbrücken. Seit dem 11. Jahrhundert errichtete man wieder steinerne Brücken, so die in Regensburg. Im Lauf des 16. Jahrhunderts setzt dann eine neue von den italienischen Architekten und Ingenieuren angeregte Phase des Brückenbaus ein. Die damaligen Verkehrsverhältnisse sind nicht denkbar ohne die Wasserstraßen und die verschiedenen Möglichkeiten, die Landstraße mit dem Wasserweg zu vertauschen. Wo sich die Gelegenheit bot, be- 31 <?page no="40"?> vorzugte man den Wasserweg, schon wegen der Mühen, die mit der Fortbewegung zu Lande verbunden waren. Dies galt besonders für die Reise talabwärts. Dabei benützte man verschiedene Formen des Bootes oder Schiffs oder auch das Floß. Alle größeren, aus den Alpen und den Mittelgebirgen kommenden Flüsse kannten die Flößerei, in erster Linie natürlich für den Transport von Holz, Getreide und anderen schweren Gütern, aber auch von Personen. Auf den Strömen, besonders dem Rhein und der Donau, gab es eine wohl organisierte Schiffahrt, auf der Donau mit den sogenannten Schachteln oder Zillen, auf dem Main schon ab Bamberg, auf dem Rhein gewöhnlich ab Basel. Flößer- und Schifferzünfte organisierten den Verkehr. Der Mainzer Schifferzunft z.B. war die Fahrt von Mainz bis Köln vorbehalten. Der regelmäßigen Schiffahrt dienten eigene Marktschiffe. Wenn es flußaufwärts ging, kam man allerdings auf dem Landweg rascher voran, denn die Schiffe mußten aufwärts im Treidelverkehr vom Land aus auf dem Treidelpfad gezogen werden. Zur landesherrlichen Aufsicht über das Straßenwesen gehörten die Wegbereiter. Kaiser Maximilian bestellte im Jahre 1508 Paul Stick} von Imst zum "bereyter der weeg und straßen" auf ein Jahr. Während dieser Zeit mußte er viermal die obere Straße über den Reschen und die untere Straße über den Brenner und die an diesen Straßen gelegenen Pall- oder Frachtenhäuser "bereiten", d.h. besichtigen, Mängel den zuständigen Amtleuten anzeigen und sie auffordern, die Mängel durch die zur Arbeit verpflichteten Untertanen beheben zu lassen. Er übte seine Tätigkeit bis 1514 aus und empfahl als Nachfolger zwei Wegbereiter, von denen der eine Nordtirol, der andere Südtirol beaufsichtigen sollte. Dieses Amt blieb bis ins 17. Jahrhundert bestehen. Die Wegbereiter hatten Berichte über den Zustand der Straßen abzugeben. In besonderen Fällen zog man Fachleute heran wie den Baumeister Jörg Kölderer, der 1524 einen offiziellen Bericht über den Zustand der Tiroler Straßen lieferte. Er klagte über den bösen Weg auf verschiedenen Strecken der Brenner- und Reschenstraße. Er erwähnte das Beschütten und Pflastern der Fahrbahn, das letztere wohl nur in den Ortschaften, sowie das Abkehren des Wassers von der Straße. Am Kuntersweg seien die "Köfl", d.h. die Felsen, auszubrechen, trockene Mauern und solche mit Mörtel zu machen. Erwähnt wurde schon das Geleitsrecht der Territorialherren. Es diente der sicheren Fahrt und Reise durch ein bestimmtes Territorium und wurde gegen eine Geleitsabgabe erteilt. Ursprünglich stand es als Regal dem König zu, geriet aber unter den Hohenstaufern mehr und mehr in 32 <?page no="41"?> die Hände der Landesfürsten. Nur über die reichsunmittelbaren Gebiete übte der König bzw. Kaiser weiterhin direkt das Geleit aus. Der Reichsabschied von 1548 erkannte noch einmal das landesherrliche Geleitsrecht an und verpflichtete die Landesherren, für die Sicherheit der Straßen zu sorgen. War das Geleit erteilt, dann war damit auch die Pflicht zum Schadensersatz verbunden. Entsprechend dem Reichsabschied von 1548 sollten bei einem Überfall auf einen Reisenden die Glocken geschlagen werden und die Obrigkeit sowie die Untertanen zu Hilfe eilen, um den Täter festzunehmen. Ein weiterer Aspekt des behördlichen Eingreifens in das Straßenwesen bezieht sich auf den Transport von Gütern und Personen und auf das Nachrichtenwesen. Schon im Lauf des Mittelalters entwickelte sich ein Transportwesen, das in der Lage war, dem Fernhandel in einer Weise zu dienen, daß der Kaufmann darauf verzichten konnte, die Ware zu begleiten. Namentlich in den schwer passierbaren Alpengegenden bildeten sich Genossenschaften, um den Transport in gemeinschaftlicher Arbeit zu erleichtern und sich gleichzeitig Verdienstmöglichkeiten zu sichern. Die Anregungen kamen von den Südhängen der Alpen und führten dann in der Schweiz wie in Tirol, in Bayern und in Schwaben zu besonderen Organisationsformen. In der Eidgenossenschaft sprach man von den ''Porten", in Tirol und auf der nördlichen Alpenseite vom "Rod- oder Rottfuhrwesen". Die Anfänge gehen bis ins ausgehende 12. Jahrhundert zurück, wo es im Etschbereich zwischen Rovereto und Bozen belegt ist. Das "Rottfuhrwesen" wurde so ausgeübt, daß am Ende jeder Strecke nicht nur die Pferde, sondern auch Rottmann und Wagen, im Winter Rottschlitten und auf dem Wasser Rottfloß wechselten. An den Rottstraßen gab es Ballenhäuser und Salzstadel, in denen die Frachten bis zur Weiterbeförderung aufbewahrt wurden. Der Transport mit der Rottfuhr brauchte seine bestimmte Zeit, deshalb waren die Kaufleute daran interessiert, in dringenden Fällen schnellere Transportmittel an der Hand zu haben. So entwickelte sich seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert neben der Rottfuhr die Einrichtung der Adirittura-, Tarfis- oder Einachswagen. Ähnlich war in Lindau den Rottfuhrleuten um 1500 der Transport von Getreide und Salz vorbehalten, der Transport der Kaufmannswaren erfolgte durch berufsmäßige Strackfuhrleute. Im Gegensatz zur Seeschiffahrt, die im Zeitalter der Entdeckungen eine Reihe wichtiger schiffsbautechnischer und navigatorischer Verbesserungen erlebte, waren die technischen Verbesserungen im Überlandverkehr bescheiden. Den vierrädrigen Wagen gab es wohl schon seit dem 13. Jahrhundert, aber erst seit Ausgang des 14., verstärkt im 16. 33 <?page no="42"?> Jahrhundert traten anstelle der schwerfälligen Scheibenräder die leichteren Speichenräder. Von Italien her breiteten sich Kutsche und Karosse aus. Anfänglich mit den Rädern fest verbunden, wurden sie, um den Stoß zu dämpfen, an einem Gestell aufgehängt. Seit Ausgang des 16. Jahrhunderts versah man diese Reisefahrzeuge mit Fensterscheiben. Besonders wichtig waren gewisse Verbesserungen des Geschirrs. Man ließ nun nicht mehr den Hals, sondern die Schulter des Tieres ziehen. Dadurch wurde eine Verbesserung der Zugkraft um das 3,6 fache erzielt. Die Bremsvorrichtungen waren für die Frachtwagen anfänglich noch einfach. Man gebrauchte den Kleffel; das war ein Bündel von Reisern oder Stecken, das man zwischen die Räder steckte. Erst vor oder um 1700 kamen eiserne Hemmketten, Radschuh und Schraubenbremse auf. Man konnte inzwischen auch in der Sänfte reisen, aber nur wenige konnten sich dies leisten. Kräftige Männer reisten nach wie vor zu Fuß oder benutzten das Pferd, wobei findige Eigenfuhrleute nebenher die Tätigkeit eines Reiseveranstalters ausübten. So ließ sich der Engländer Fynes Moryson im Jahre 1595 auf seiner Reise von Augsburg nach Venedig von einem Frächter mitnehmen, der um 17 Kronen (wahrscheinlich zu 80 Kreuzer) für Pferde, Unterkunft und Verpflegung sorgte. Wer es besonders eilig hatte, konnte seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert die Post benützen, d.h. den regelmäßigen Wechsel von Pferd und Wagen auf den einzelnen Poststationen (von positae stationes). Vorstufen, die von städtischer, staatlicher und privater Seite besonders im Lauf des 15. Jahrhunderts enwickelt worden waren, griff die bergamaskische Familie der Taxis auf. Sie richtete 1490 für den Habsburger Maximilian ein Postnetz ein, das aber erst im Lauf des 16. Jahrhunderts systematisch weiter ausgebaut wurde. Wer reiste, mußte unterwegs auch Rast machen und über Nacht eine Herberge aufsuchen, und wenn er krank wurde, mußte er sehen, daß er in einem Hospital Pflege und Behandlung fand. Seit dem 11. Jahrhundert, d.h. etwas später als im Westen, haben wir in Mitteleuropa häufigere Belege für Tavernen (aus dem lat. taberna). In den sogenannten Mirakelbüchern ist die Rede von hospitia, die zum Teil Gäste gegen Entgelt übernachten ließen, wobei bisweilen auch die Verpflegung hinzukam. Aber es war häufiger so, daß der Reisende sich selbst verpflegte. Für die Festigung und Verbreitung des Gastwirtsgewerbes spricht die Herausbildung eines besonderen Rechts der Gäste und Wirte. Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert kann man von einem gewissen Komfort der Gasthäuser sprechen. Es gab jetzt verschiedene Gastzimmer sowie 34 <?page no="43"?> einen Speise- und Aufenthaltsraum. Das Gasthaus hatte einen besonderen Namen und der Besitzer tat das mit einem Schild kund, auf dem ein Adler, ein Löwe, ein Stern und anderes abgebildet war. Freilich war es von da noch ein weiter Weg bis zu jeneroberdeutschen Gastlichkeit, von der Michel de Montaigne so anschaulich erzählt hat. Hier noch eine Bemerkung zu den Spitälern. Sie dienten der Krankenpflege, aber auch der Gastlichkeit. Die Pilgerspitäler haben hier ihren besonderen Platz. Mit dem Anwachsen der Pilgerströme seit der Jahrtausendwende kam die Gastlichkeit der Klöster, besonders der Benediktiner, dem Bedarf nicht mehr nach, und seit der Mitte des 11. bis Anfang des 12. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Spitäler an den großen Pilgerrouten nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela. Im Alpenbereich ging die Initiative vor allem von Bischöfen und Klöstern aus. Gerne wurden solche Spitäler im Bereich von Brücken errichtet. Einen eigenen Komplex bilden die zahlreichen Spitäler, die in den Städten von wohlhabenden Bürgern gestiftet wurden. IV Welches waren nun die wichtigsten Routen? Wir beschränken uns auf das Gebiet, das im Norden von der Nordsee und der deutschen Ostseeküste, dem Rhein im Westen, dem Oderbereich und Böhmen im Osten und dem Alpenraum im Süden eingegrenzt wird. Die wichtigste Nordsüdachse führte durch das Rheinland. In diesem Bereich konnte man am schnellsten und günstigsten zwischen den Niederlanden und Italien verkehren. Den hier liegenden Straßenzügen kamen die Wirren des sogenannten Hundertjährigen Kriegs im Westen zugute, der weite Teile Frankreichs und Burgunds heimsuchte. Ähnlich wirkten sich im 16. Jahrhundert die Kriege zwischen Habsburg-Spanien und den Königen von Frankreich aus, ebenso die Hugenottenkämpfe und der Dreißigjährige Krieg. Man benützte dementsprechend Wege, die durch Lothringen und das Elsaß über Basel führten, um über den St. Gotthard der Lombardei zuzustreben. Wenn man die wichtigsten Handelsplätze in den Niederlanden, zunächst Brügge und dann Antwerpen, näher ins Auge faßt, so konnte man eine Reihe von Straßenzügen wählen, wobei als Pilgerorte besonders Aachen, Köln und Trier interessieren. Während des Geldrischen Kriegs 1542/ 43 und 1585, als um das Erzbistum Köln gekämpft wurde, wich man vom Rheinland in die Richtung der Ardennen, der Eifel, des Hunsrücks und des Moselbereichs aus. Die Verbin- 35 <?page no="44"?> dungen über Köln waren schon wegen der Geländeverhältnisse billiger; die Routen, die von Nordwesten nach Mainz führten, waren wegen der durch die Bergländer führenden Straßen teurer. Von Köln und Mainz führte der bequemste Weg rheinaufwärts nach Basel. Wegen der Schwierigkeiten auf dem Strom wurde die Landroute bevorzugt und zwar diejenige der linken Rheinseite, wo die alten Städte Worms, Speyer und Straßburg lagen. Bis zu den niederländischen Unruhen bewegte sich der Hauptverkehr über die Alpen in Richtung Basel. Dann verlagerte er sich weiter nach Osten, wobei die nordniederländischen und norddeutschen Plätze stärker ins Spiel kamen, von Middelburg und Rotterdam bis Emden, Bremen, Hamburg und Lübeck. Östlich der Rheinachse war der Messeplatz Frankfurt der wichtigste Treffpunkt. Von hier aus gab es verschiedene Routen nach Süden, um über Augsburg, Nürnberg und Regensburg zu den Alpenpässen zu gelangen, während vom Rhein her kommend, andere Straßen sich in Ulm bündelten und über Lindau zu den Graubündner Pässen führten. Von Augsburg her gelangte man auf der oberen Straße über den Fernpaß und Reschen nach Süden, die untere Straße führte über Innsbruck und den Brenner. Obere Straße sagte man, weil ein Verbindungsstück durch das obere Inntal führte, Innsbruck lag bereits im unteren Inntal. In die Salzburger Route konnte man von Nürnberg und Regensburg, aber auch von Augsburg und München her einschwenken. Obwohl sie länger war, wurde sie im 16. Jahrhundert zeitweilig bevorzugt, doch hatte im 17. Jahrhundert der Tiroler Transit wieder den Vorrang. Wichtig für Kaufleute wie für Santiagopilger war die Route, die vom Bodenseeraum nach Genf, Lyon und von da rhoneabwärts führte. Von hier gab es Anschlüsse zum südwestfranzösischen Safran-, Waid- und Weingebiet, des weiteren nach Ostspanien hinein, wo ebenfalls der Safran lockte. Man benutzte diese Route auch als Ausweichmöglichkeit, wenn der Weg über die Graubündner Pässe, durch die Lombardei nach Genua und über See erschwert oder versperrt war. Die Landschaften zwischen Rhein und Weser hatten mit das dichteste Straßennetz. Das hing mit dem Städtereichtum, dem regen Gewerbeleben und dem starken Durchgangsverkehr von den Niederlanden nach der Küste sowie nach Mittel- und Ostdeutschland zusammen. Wichtige Sammelplätze waren Dortmund, Soest, Münster und Osnabrück; hier fächerten die Routen sich auf und führten in Richtung Bremen, Hamburg, Minden, Hameln, Höxter und Kassel weiter. Die bekannteste Straße war der Hellweg, der vom Rhein herkommend ab Paderborn sich in zwei Äste teilte. Weitere Ziele im Osten waren die Städte im Harzbe- 36 <?page no="45"?> reich, Magdeburg an der Elbe, Erfurt in Thüringen sowie die Messezentren Leipzig und Naumburg. Die wichtigsten Nordsüdverbindungen trafen sich in Frankfurt und Nürnberg; Hauptknotenpunkte vor den Küstenstädten waren Lüneburg und Braunschweig. Eine beliebte Diagonallinie im Nordwesten war die "Flämische Strasse", die von den Niederlanden nach Bremen führte. Der von Jütland kommende Ochsenweg passierte die Elbe westlich von Hamburg. Als Alternative zur Belt- und öresundfahrt gab es Überlandverbindungen zwischen Hamburg und Lübeck, aber auch weiter nördlich erleichterten lsthmuslinien den Übergang von der Westküste zu den Fördehäfen, und entlang der Ostseeküste gab es eine Landroute von Lübeck durch Mecklenburg und Pommern nach Stettin und Danzig. Im mitteldeutschen Raum waren Erfurt, Halle und Leipzig sowie Braunschweig und Magdeburg Stützpunkte für den Durchfuhrhandel von Westen und Süden nach der Nordsee wie nach der Ostsee. Sie wurden ergänzt durch Nürnbergs Verbindungen über Prag, Breslau und Frankfurt an der Oder. Die fürstlichen Residenzstädte, voran Hannover, Berlin und Dresden, erlangten erst ab dem 17. Jahrhundert größere Bedeutung als Knotenpunkte des Straßennetzes. Zur Reisegeschwindigkeit und den Reisekosten nur einige kurze Bemerkungen. Der Reisende legte am Tag bis zu 30 km zurück, doch konnte eine Gruppe von Reitern bis zu 70 oder 75 km erreichen. Auch die Eillast brachte es am Tag zu 50 km. Der Eigenachswagen brauchte von Augsburg bis Venedig 5-6 Wochen, Waren mit der Rottfuhr dagegen 3-4 Monate. Mit der Post reiste der Augsburger Lukas Rem 1515 in 6 Tagen von Brüssel zum Lech, mit dem eigenen Pferd hätte er 13 oder 14 Tage gebraucht. Bezüglich der Reisekosten ist es schwer, eine Norm aufzustellen. Die Kostenspanne reichte vom reisenden Vaganten, vom Pilger und Handwerker bis zum Adelssproß, der gewöhnlich den Hofmeister als Begleiter hatte, bis zum Fürsten, der sich mit großem Gefolge auf die Reise begab. Der Künstler konnte seine Reisekosten teilweise durch Auftragsarbeiten ausgleichen wie etwa Albrecht Dürer auf seiner niederländischen Reise 1520/ 21. Für die Frachten kam seit dem ausgehenden Mittelalter die Tarifpflicht auf, über die die Behörden wachten. Besonders im Lauf des 16. Jahrhunderts drängten die Fuhrleute immer wieder auf Preiserhöhungen. Um über die Gebühren orientiert zu sein, legten die Kaufleute Tarifbüchlein an. Dabei wurde nach dem Wert des Guts und der Dichte des Verkehrs differenziert. 37 <?page no="46"?> Schließlich wollte sich der Reisende über den Weg, den er nahm, orientieren. Berühmt ist die Karte, die der Nürnberger Erhart Etzlaub anläßlich des Hl. Jahres 1500 anfertigte. In einem von Nürnberg fächerartig ausstrahlenden Straßennetz konnte der Rompilger seinen Weg finden. Wallfahrts- und Pilgerorte waren mit einer Kirche gekennzeichnet. Nützlich waren die Meilenscheiben, die aber meist an den Grenzen des Reichs Halt machten. Im Lauf des 16. Jahrhunderts konnte man gedruckte Itinerare und Reisebüchlein kaufen, so das des Bergamasker Arztes Gratarolus, das 1561 in Basel mit medizinischen Ratschlägen erschien, oder das des Augsburger Jörg Gail von 1563. Seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert häuften sich die Reisebeschreibungen unter dem Einfluß des Humanismus, und im nächsten erreichte die Reiseliteratur mit den Veröffentlichungen des Martin Zeiller und des Matthäus Merlan einen ersten Höhepunkt. Bibliographischer Hinweis F. Vo1cr, Verkehr, 2. Bd., 1. und 2. Hälfte: Die Entwicklung des Verkehrswesens (Berlin 1%5). H. l<EI.LENBENZ, Landverkehr, Fluß- und Seeschiffahrt im europäischen Handel (Spätmittelalter-Anfang des 19. Jahrhunderts), in: Les grandes voies maritimes dans le monde, XV-XIX siedes. Rapports presentes au XII• Congres International des Sciences Historiques par la Commission Internationale d'Histoire Maritime a l'occasion de son VII• Colloque (Vienne, 29 aout-5 septembre 1965), Bibliotheque Generale de l'Ecole Pratique des Hautes Etudes, VI• Section, Paris, S.E.V.P.E.N. (1965) S. 65-174. DERs., Verkehr I: Geschichte, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften (HdWW) V (1979) S. 225-238. DERs., Verkehrs- und Nachrichtenwesen, in: DERs., Wirtschaft und Gesellschaft Europas 13.50-1650 (Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 3, Stuttgart 1986, S. 285-303). DERs., Das Verkehrswesen zwischen den deutschen Nord-und Ostseehäfen und dem Mittelmeer im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Trasporti e sviluppo economico, secoli XIII-XVIII, a cura di Anna Vannini Marx (Istituto Internazionale di Storia Economica F. Datini, Prato, Pubblicazioni-Serie II, Atti delle "Settimane di Studio" e altri convegni 5, Firenze 1986, s. 99-121). H.C. PEYER unter Mitarbeit von E. MOLLER-LucI<NER (Hg.), Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 3, München-Wien 1983). Wallfahrt kennt keine Grenzen, Ausstellung irn Bayerischen Nationalmuseum, München, 28. Juni bis 7. Oktober 1984, Aufsatzband, Red. TH. RAFF (München-Zürich 1 1984). 38 <?page no="47"?> 0. Srou, Geschichte des Zollwesens, Verkehrs und Handels in Tirol und Vorarlberg (Innsbruck 1953). U. LINocREN, Alpenübergänge von Bayern nach Italien 1500-1850 (München 1986). Resumen: La ponencia comienza mencionando un mapa de los caminos en Alemania durante el Antiguo Regimen, editado por el geografo Friedrich Rauers en 1907. En vista de tal red el lector se pregunta c6mo los viajeros podfan encontrar su destino. En realidad los mercaderes, carreteros o arrieros, estudiantes, clerigos o peregrinos no tenfan ocasi6n de eligir entre muchas posibilidades. Toda una serie de factores obligaban al viajante a tomar algunos grandes itinerarios. No solamente por causa del estado bueno o malo de una ruta o de la topograffa de los lugares, valles o montafias, pantanos, bosques vastos y peligrosos y rios de diffcil travesfa, pero tambien por causa de la multidud de territorios, arzobispados, electorados, obispados, pequefios condados, abadfas y ciudades imperiales que todos ejerdan su propia polftica econ6mica, cobrando sus derechos fiscales. Originalmente el peaje (jus regale caminorum) era un impuesto a pagar al Rey, pero durante el siglo XIII con el establecimiento de los territorios a costa del Imperio los sefiores de los territorios explotaban sus derechos de aduana obligando a los viajantes a ponerse bajo la protecci6n de las autoridades territoriales y a ofrecer sus mercandas al publico en ciertas ciudades del territorio (Stapelrecht). La ponencia se propone describir el estado de los caminos, las posibilidades de construcci6n y reparaci6n y la sustituci6n de balsas y vados por puentes. Sigue una resefia de los principales caminos y de las combinaciones entre caminos terrestres y fluviales. Ademas el lector hallara algunas observaciones sobre el papel de las colectividades territoriales y de las empresas privadas en los servicios de transportes regulares (Rodfuhrwesen, Spedition), la creaci6n de un servicio de correos por la casa de los Taxis oriundos del Bergamasco. Finalmente sigue una serie de ejemplos destinados a ilustrar el considerable tiempo necesario para un viaje y los gastos durante tales viajes. EI texto termina con notas sobre mapas y guias impresas para el servicio de los viajeros y los peregrinos. 39 <?page no="49"?> Neues zum "Pilgerführer der Jakobswege" ANDRE VON MANDAG-I Bekanntlich wurden die Routen durch Europa, insbesondere Frankreich und Spanien, nach Santiago de Compostela als "Jakobswege" bezeichnet. Eine Reihe von mittelalterlichen Handschriften, speziell des 12. Jahrhunderts, befaßt sich mit dem hl. Jakob und den Jakobswegen. Einige davon bieten einen regelrechten "Pilgerführer der Jakobswege". Dieser ist keineswegs, wie bisher angenommen, zielgerichtet oder auf einmal entstanden. Seine s t u f e n w e i s e E n t w i c k 1u n g vermochte aber bisher nur wenig Forscherinteresse zu wecken. Diesem Zustand soll hiermit abgeholfen werden. Einzig eine in t erd i s z i p 1i n ä r e und e u r o p ä i s c h e Betrachtungsweise erlaubt uns, die stufenweise Veränderung zu begreifen. Dazu ist jedoch eine Reihe von Einzeluntersuchungen erforderlich. Es stellen sich vier grundlegende Fragen: 1. Hat sich der Pilgerführer tatsächlich in vier Stufen entwickelt? II. Kann ein Studium der Varianten die Existenz dieser Stufen belegen? III. Die 4. Stufe, die 1159-64 in der Kathedrale von Santiago de Compostela entstand, hat einen besonderen Stellenwert. Bietet sie vier Interpolationen, von denen die zwei größten sich auf Saint-Gilles du Gard und auf Vezelay beziehen? Wurde der dritte französische Pilgerweg, der ursprünglich in Perigeux endete, bis nach Vezelay verlängert? IV. Welches sind die architektur- und kulturhistorischen Aspekte dieser Erweiterungen, d.h. inwiefern wiederspiegeln sie sich in Architektur und Kultur jener Regionen? I. Die vier Entwicklungsstufen des Pilgerführers 1. Die erste Stufe, das "Jakobsbuch" vom Typ A, ist in der Zeit von 1130- 1139 entstanden. Es enthält die Fassung Ades "Pseudo-Turpin" ("Pseudo-Turpin" ist die einem Erzbischof Turpin von Reims zugewiesene Chronik des früheren 12. Jahrhunderts über das Wirken eines legendären Karls des Großen und Rolands in Spanien). 41 <?page no="50"?> Das Jakobsbuch vom Typ A gliedert sich wie folgt (die in Klammem gesetzten Buchstaben beziehen sich auf die 1953 von A. HÄMEL herausgegebene und 1961 von mir übernommene Text-Klassifikation): (a) Die dem Papst Calixt II. zugewiesene Einführungsepistel (b) Die Wunder des hl. Jakob (c) Die Überführung der Gebeine Jakobs nach Compostela (d) Die Bereisung Spaniens durch Karl den Großen und Roland, vom hl. Jakob angeordnet (die Turpin zugewiesene Chronik) (e) Anhang 'C' dieser Chronik Das "Jakobsbuch" dieser ersten Stufe enthält noch keine Spur eines Pilgerführers. Mein neuestes, in Vorbereitung stehendes Buch "Naissance et developpement de la chanson de geste en Europe: Volume VI, Chanson de Roland. Transfert de mythe dans le monde occidental et oriental" (Droz, Geneve) zeigt auf, in welcher Zeit und Umgebung dieses Werk entstanden ist. 1 2. Die zweite Stufe wurde 1139 durch Aimeri Picaud von Vezelay nach Compostela gebracht. Außer den genannten Teilen (a) - (c) enthält dieses "Jakobsbuch" eine neue, erweiterte und veränderte Fassung von (d), genauer der Typ D der ''Turpinchronik", sowie den Anhang (e). Dazu gesellen sich vier zusätzliche Texte: (f) Heilige Leichname, die am J akobsweg ruhen und welche die Pilger aufsuchen müssen (De corporis sanctorum ... ). Dieses Kapitel beschreibt die Grabstätten der frühchristlichen Missionare und Märtyrer in Südfrankreich und an der Loire. Es handelt sich um den einzigen Jakobspilger- ''Baedeker" der je außerhalb des mittelalterlichen Spanien Verbreitung fand. 2 (g) Die Passion des hl. Eutropius von Saintes. Kurz nach seiner Papstwahl 1119 verweilte Calixt II. auf den hier beschriebenen Pilgerwegen Südfrankreichs, insbesondere in Saintes, der Grabstätte des hl. Eutropius. 1 A. DE MANDACH, Naissance et developpement de Ja chanson de geste en Europe: 1. La Geste de Charlemagne et de Roland (Geneve 1961), PRF 69, S. 91-99, 364-369; DERS., Naissance et developpement de la chanson de geste en Europe: VI.Chanson de Roland. Transferts de mythe dans le monde occidental et oriental (Geneve 1991), Kap.V. (in Vorbereitung). 2 A. DE MANDACH, Naissance et developpement I (wie Anm. 1) S. 106-125, 373-376, bes. S. 373; DERS., "La genese du Guide du pelerin de Saint-Jacques, Orderic Vital et la date de la Geste de Guillaume", in: Melanges offerts a Rita Lejeune, Bd. 2 (Gembloux 1%9), S. 811-837; vgl. K. HERBERS, Der Jakobsweg. Mit einem mittelalterlichen Pilgerführer unterwegs nach Santiago de Compostela (Tübingen 2 1986), S. 105-126. 42 <?page no="51"?> Dieser war nach der Legende ein Jünger Christi und bekehrte die Saintonge zum Christentum. 3 (h) Ad honorem regi.s summi und zwei weitere Jakobushymnen, die bei den Pilgern sehr beliebt waren, geschrieben von Aimeri Picaud aus Parthenay im Poitou, Priester in Vezelay. Er brachte 1139 diese zweite Stufe des "Jakobsbuches" von Vezelay in Burgund nach Compostela. (i) Bulle des Papstes Innozenz II. Vezelay, 1139. Der Papst erklärt diese ("verbesserte" und erweiterte) Fassung des "Jakobsbuches" für authentisch und von der römischen Kurie abgesegnet. Gleichzeitig ist sie ein Schutzbrief für seinen Schützling Aimeri Picaud, der mit seiner Freundin Gerberga Flandrensis nach Compostela ziehen und das Buch zum Grab des hl. Jakob in Compostela überbringen soll. Unter den Unterzeichnern der Bulle befindet sich Alberich, Abt von Vezelay. Diese neun Texte (a)- (i) sind öfters abgeschrieben worden, insbesondere für Benediktiner- und Zisterzienserklöster in Frankeich und Großbritannien, häufig auch im Römischen Reich Deutscher Nation: in der Freigrafschaft Burgund, der Heimat von Calixt II.; in Trier, in Basel, in Freiberg, in Polling, in St. Emmeram bei Regensburg usw., (immer mit der Turpinchronik vomTypus D). Als Unterlage zu dieser zweiten Stufe benutzte ich die Handschrift D32 in der Universitätsbibliothek von Montpellier, die nach Stichproben eine repräsentative Handschrift darstellt. 4 Eine Publikation der beiden ersten Stufen des Jakobsbuches fehlt bis heute. 3. Die dritte Stufe. Diese ist gegenüber den zwei vorangegangenen Stufen nochmals erweitert. Sie ist schwer zu datieren, entspricht aber dem Zustand des "Jakobsbuches" in Compostela nach dem Jahr 1139, bzw. vor der Neufassung von 1158-64 durch HA von Compostela. Die 3. Stufe ist nur in einer einzigen Handschrift erhalten. Diese gehörte lange dem 1152/ 54 erbauten Zisterzienserkloster Alcoba~a in Portugal. Die Klosterbibliothek wurde im 19. Jh. in die Biblioteca Nacional in 3 A. DE MANDACH, Chronique dite Saintongeaise, Texte franco-occitan ined.it 'Lee': a la decouverte d'une chronique gasconne du XIII• siede et de sa poitevinisation, Beihefte zur ZRP 120 (Tübingen 1970), S. 62-69; DERS., Le berceau des amours splendides de Tristan et lseut. A la memoire de Richard Wagner et de Mathilde Wesendonk, in: D. BuscHINGER (ed.), La legende de Tristan au moyen age, Actes du Colloque des 16 et 17 janvier 1982, Centre d'Etudes Med.ievales, Universite de Picardie (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 355, 1982), S. 13-14 u. Anm. 19-21; vgl. HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) S. 126-129 (gekürzt). 4 A. DE MANDACH, Naissance et developpement. I (wie Anm. 1) S. 373-375, bes. Hs. D32 (Montpellier, Fac. de Medecine H 142, fol. 107-129). 43 <?page no="52"?> Lissabon eingebracht. Dort steht die Handschrift unter der Nummer Alcoba<; a 334. Zuerst finden wir auf fol. 1 r. - 106 v. Texte zur Stadt und zu den Bischöfen von Tours. 5 Die Struktur des Jakobsbuches, fol. 106 v. - 184 v., ist kompliziert. Es sei auf DiAZ Y DiAZ, 103-118 und 327-333 sowie auf in Vorbereitung befindliche Bücher von DiAZ y DiAZ und A. MorsAN (Bibliotheque Diocesaine, Vannes, Morbihan) verwiesen. Das "Jakobsbuch" der 3. Stufe zeigt folgende Gliederung: Das Jakobsbuch der Abtei Alcoba<; a 1. Offizium (Teilabschrift) 2. Überführung der Gebeine des hl. Jakob nach Compostela (c) 3. Die Wunder (b); (g) Passion des hl. Eutropius (wird Kap. 8b des Pilgerführers HA) 4. Pseudo-Turpin (d)-(e). (o) Namen der Landschaften am Jakobsweg und Eigenschaften der Bewohner. Die Poiteviner sind gut, die Navarresen (Basken) sind schlecht. (Wird Kap. 7 des Pilgerführers HA) (f) Heilige Leichname, die am Jakobsweg ruhen (wird Kap. 8a des Pilgerführers HA). 6 Am Schluß (fol. 218 v.) finden wir neun Zeilen zu den Grabstätten des hl. Isidor in Leon und des hl. Jakob in Compostela: es bestand also die Tendenz, den iberischen Grabstätten mehr Gewicht beizumessen. 4. Die vierte Stufe: Fassung HA von Compostela, 1158-64 (Mit HA wird der Text bezeichnet, der von A. HÄMEL als Fassung A benannt worden ist.) Wiederum kennen wir diese Stufen nur durch eine einzige Handschrift. Es ist das Jakobsbuch, welches im Kapitelarchiv von Compostela aufbewahrt und "Codex Calixtinus" genannt wird. In der Zeit nach dem 5 EBD., S. 378. Die Hs. D200-Alcoba<; a entspricht der von mir 1961 "leergelassenen" Reserve der 13. Etappe (EBD. S. 301). Auch die Etappe 15 habe ich damals '1eergelassen", aber schon 1970 habe ich eine Turpinfassung gefunden, die in diese Stellung paßt: Hs HA 111 (Paris B.N. fr. 124, Teil B), die eine Zwischenstufe darstellt zwischen Etappe 14 (HA) und Etappe 16 (C). In einem neuen Inventar der Turpinhandschriften werden diese Hss. die entsprechenden Stellungen einnehmen müssen. Dies ist insbesondere deshalb erwähnenswert, weil die Theorie von Reservenummern von verschiedenen Kritikern angegriffen worden ist. Hätte ich nur noch mehr Lehrnummern vorgesehen! Vgl. EBD. S. 384; MANDACH, Chronique dite Saintongeaise (wie Anm. 3), S. 162. 6 M.C. DfAz Y DfAz, EI codice calixtino de la catedral de Santiago. Estudio codicol6gico y de contenido, con la colaboraci6n de M. ARACELI GARCfA PINEIRO y P. del ÜRO TR! GO, Monograffas de Compostellanum 2 (Santiago de Compostela 1988) S. 101.-118 u. 327- 333: zuerst eine Liste von 201 Texteinheiten des Jakobsbuchs von Compostela, dann eine Tabelle mit den jeweiligen Entsprechungen in den anderen Hss., wobei die dritte Kolonne der Hs. A-Akoba,; a gewidmet ist. S. auch ebd. S. 67, 129, 139, 327, 335. 44 <?page no="53"?> Tod von Alfonso el Emperador (Alfonso VII.) im Jahre 1157 und vor dem Jahre 1164 hat der Schreiber der Fassung HA den größten Teil des Jakobsbuches neu organisiert und abgeschrieben. Aus einem Sammelsurium (wie wir es aus der Alcoba<; a-Handschrift kennen) hat er fünf wohldurchdachte "Bücher'' geschaffen: Das Jakobsbuch Fassung HA 1. Das Offizium 2. Die Jakobswunder 3. Die Überführung der Gebeine des hl. Jakob nach Compostela 7 4. Die Befreiung Spaniens: Die Chronik von Karl dem Großen und Roland ("Pseudo-Turpin") 5. Der Pilgerweg Supplement Das "Offizium'' enthält, nebst (a) der dem Papst Calixt zugewiesenen Epistel, eine Reihe von Predigten und Jakobsoffizien, z.T. mit den Musiknoten. Die "Jakobswunder'' und die ''Ueberführung" enthalten die oben genannten Texte (b) und (c). Der ''Pseudo-Turpin" war ursprünglich ein ganz vom Schreiber HA verfaßter und in einzelnen Stellen veränderter Text. Dieser wurde für Kaiser Friedrich I. Barbarossa abgeschrieben; es war ein Text, der zum Kultus des 1165 heiliggesprochenen Karl des Großen beigetragen haben soll, oder vielleicht die Heiligsprechung in Aachen mitverursacht hat. 8 Wir kennen den Text hauptsächlich aus zwei Handschriften von Aachen (HAS, Stadtarchiv; HA4, Dombibliothek) und einer Handschrift der Minderen Brüder von Andernach (HA2), wobei die beiden erstgenannten zum liturgischen Gebrauch bestimmt waren, insbesondere für den Karlstag (28. Januar) im Aachener Dom. In Compostela selbst wurde die "Turpin-Chronik" z.T. ersetzt oder korrigiert. Heute zeigt der Turpintext einen unglaublichen Mischcharakter, wie die Ausgabe HÄMEL - DE MANDACH in den Sitzungsbe- 7 Ausgabe: W.M. WHITEHILL, Llber Sancti Iacobi, Codex Calixtinus: 1. Texto (Santiago de Compostela 1944); in Vorbereitung: Ausgabe DfAz YDIAz; K. HERBERS, Der Jakobuskult des 12. Jahrhunderts und der 'Liber sancti Jacobi'. Studien über das Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft im hohen Mittelalter, Historische Forschungen 7 (Wiesbaden 1984); DfAZ Y DfAZ, EI codice calixtino (wie Anm. 6). 8 H.-W. KLEIN, Dfe Chronik Karls des Großen und Roland. Ediert, kommentiert und übersetzt von H.-W. KLEIN (München 1986); A. DE MANDAG-1, Rez. von KLEIN 1986, in: ZRP 103 (1987) S. 606; H.-W. KLEIN, Karl der Große und Compostela, in: K. HERBERS (Hrsg.), Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (Tübingen 1988), S. 133-148. 45 <?page no="54"?> richten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften kritisch aufzeigt. 9 Beim 5. Teil, dem Pilgerführer, handelt es sich um ein vom Schreiber HA zusammengestelltes, uneinheitliches Konglomerat: 10 A. Kleine Einführung, insbesondere zu den spanischen Pilgerwegen. fol. 192r.-194v. Kap. 1-6: Tagesstrecken und Namen der Orte der spanischen Pilgerwege. Die Wiedererbauer der spanischen Pilgerwege unter Alfonso el Batallador vor 1120. Gute und schlechte Flüsse der spanischen Jakobswege usw. B. Die vier Jakobswege in Frankreich. fol. 194v.-206v. Kap. 7: Namen der Landschaften am Jakobsweg und Eigenschaften ihrer Bewohner (schon bei Alcoba<; a vorhanden). Kap. 8a: Entwicklung des Textes (f) Die heiligen Leichname... , mit Verlängerung des 3. Weges über Perigueux hinaus bis nach Vezelay (4 Interpolationen). Kap. 8b: (g) Die Passion des hl. Eutropius von Saintes.11 C. Compostela. Die Basilika. Die Berechtigung der sehr hohen Zahl von Domherren. Schutzbrief für die Jakobspilger. fol. 207r.-213v. Kap. 9-11. Wir kennen den langen Mittelteil B schon von der 3. Stufe her. Er handelt zur Hauptsache von Frankreich. Um nun das Gleichgewicht zwischen den spanischen und französischen Jakobswegen zu erreichen, mußte man im Teil A eine kleine Einführung von weniger als fünf Seiten in sechs kurzen Kapitelchen schaffen, und mit dem Schlußteil C ein Kapitel von 14 Seiten betreffend Compostela anfügen. Ob man diese "spanischen" Teile A und C ausgerechnet einem Franzosen wie Aimeri Picaud zuschreiben soll, wie das R. LoUis und andere tun, ist mehr als fraglich, besonders auch, weil Aimeri Picaud nur für das Jahr 1139 9 A. HÄMEL, Der Pseudo-Turpin von Compostela. Aus dem Nachlaß herausgegeben von A. DE MANDACH, Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, phil. hist. Klasse (1965) H. 1; MANDACH, Naissance et developpement VI (wie Anm. 1) Kap. V; sehr wichtig: DfAz Y DfAz, EI codice calixtino (wie Anm. 6). 10 J. VIELUARD, Le Guide du pelerin de Saint-Jacques de Compostelle. Texte latin du XII• siede, edition et traduction franc; aises d'.~pres les mss. de Compostelle et de Ripoll (Mäcon 1 1938, 5 1981~ 1 lat. Text und frz. Ubersetzung; HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2). Deutsche Ubersetzung (mit Kürzungen), mit wichtigem Kommentar und der neueren Literatur. 11 MANDACH, Chronique dite Saintongeaise (wie Anm. 3) S. 62-69; DERS., Le berceau des amours (wie Anm. 3) 5. 14 u. Anm. 19, 20. 46 <?page no="55"?> bezeugt ist, und weil die genannten Teile A und C erst um 1158-64 entstanden sind. Es stimmt, daß ein Kleriker aus Jerusalem, genannt AIMErucus, 1131 in Compostela urkundlich bezeugt ist. Kap. 5 und 9 des Pilgerführers werden dem Kanzler Aymericus zugeschrieben, wohl dem päpstlichen Kanzler Aymericus (1123-41) unter Calixt und zwei weiteren Päpsten. 12 Kap. 6 hingegen wird dem Papst Calixt II. selbst zugeschrieben, genau so wie die kurze Einführung zum eigentlichen Pilgerführer, der erst 1158-64 entstanden ist. Da dieser Papst aber schon 1124 gestorben ist, kann zumindest die letztgenannte Zuweisung nicht stimmen. Ich möchte hier K. HERBERS wie folgt zitieren: "Laut David, Etudes, III S. 187 f ., sind diese Namen als Zufügung des Schlußredaktors anzusehen, der die Bedeutung dieser Personen für das Bistum/ Erzbistum Compostela gut kannte." Meinerseits möchte ich dazu bemerken, daß die Gegenwart eines Klerikers Aimericus in Compostela in diesem Zusammenhang kaum Bedeutung hat: Der Name Ai'mer/ Aimeri war zu jener Zeit in Frankreich sehr beliebt und verbreitet. In seinem "Repertoire des noms propres" ewähnt A. MrnsAN nicht weniger als 15 verschiedene Helden der chanson de geste, die die Namen A i' m e r / A i m e r i trugen 13, und in den Nekrologen ist der Name ebenfalls häufig anzutreffen. Es wäre a b s u r d , den gesamten, recht heterogenen Pilgerführer einem einzigen Autor zuzuweisen. Noch unverständlicher ist es, dieses ganze ''Museum" von Schriftstücken auf die Zeit um 1139 zurückzudatieren und der Feder des guten Priesters Aimeri Picaud von Vezelay (genauer vom Nachbardorf Ascagne/ Asquins) zuzuschreiben. Nach dem 2. Weltkrieg hat R. Loms Ausgrabungen in Vezelay geleitet. Seine Berichte wurden von seinem Schüler an der Universität Tours, dem Priester A. MrnsAN, ausgiebig kommentiert. 14 Als bewundernswürdiger Lokalpatriot von Vezelay mag LoUis der Versuchung erlegen sein, dem Priester von Vezelay, Picaud, mehr Text zuzuschreiben als gesichert ist. Generell kann gesagt werden, daß die Entwicklung des "Jakobsbuches" in einer Reihe von Stufen verlief. Die erste Stufe umfaßt Texte, die 12 HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) S. 91, Anm. 28, S. 92, Anm. 38. 13 EBD., S. 87, Anm. 7; A. MorsAN, Repertoire des noms propres de personnes et de lieux cites dans ! es chansons de geste franc; aises et ! es reuvres etrangeres derivees. Avec preface par A. DE MANDAOi, Pub! . romanes et fram,aises CLXXIII (Geneve 1986), vol. 1, s. 121-125. 14 MANDAOi, Naissance et developpement: I (wie Anm. 1) S. 121; A. MorSAN, Bibliographie R. Louis, in: La chanson de geste et le mythe carolingien. Melanges R. LoUis I (Saint-Pere-sous-Vezelay 1982), S. XXXIII-CLIV, hier: S. XXXIX-LI (LXXVIIf.; Bibliotheque de l'Ecole des Chartes 143 (1985), S. 5-52. 47 <?page no="56"?> sich mit den Jakobswundern, der Überführung der Gebeine des Heiligen nach Compostela und mit der Befreiung Spaniens von den Muslimen befassen. Die zweite Stufe ist uns durch die Sammlung von neun Texten von Aimeri Picaud (1139) bekannt, die dritte durch die Fassung Compostela-Alcoba<; a D200, die vierte durch die Kompilation von Compostela aus den Jahren 1158-64, ursprünglich von HAl (oder lA) und von HA2 (oder 1 B, nach DfAZ Y DfAZ) kompiliert und abgeschrieben. II. Eine Untersuchung der Varianten Die folgende Tabelle enthält fünf Kolonnen. Die ersten zwei betreffen die Standorte in der Handschrift Alcoba<; a sowie in der Ausgabe VIEL- UARD des Pilgerführers (Seite, Punkt, Zeile). Die drei letzten Kolonnen vermitteln die Varianten in den Texten D32, Alcoba<; a und HA. 15 A. D32 korrekt, Alcoba<; a und/ oder HA fehlerhaft Alcob. HA D32 Alcob. HA 214v. 34.9 Zozimus Zosimus idem 215v. 48.19 excussoque excussoque excusioque 217v. 62.16 Angeliacus id. Angelicus 217r. 78.6 Blaviam Blavium idem Im ersten Fall hieß der Papst (417-418) "Zozimus", wie in der Übersetzung von VIELUARD; okzit., sp., port. "Zosimo". Im zweiten Fall, korrektes Part. Perf. von excutere: "excusso"; Handschrift HA 'excusio', von Vielliard irrtümlicherweise korrigiert. Der dritte Fall handelt von der Ortschaft Saint-Jean-d'Angely, in der Saintonge, die Lateinisch (locus) Angeliacus heißt. Offenbar kennt der Schreiber HA (der wahrscheinlich aus Compostela stammt, wie ich es gezeigt habe) die kleine Ortschaft nicht, und macht daraus einen "engelhaften" Ort. Der vierte Fall betrifft die Ortschaft Blaye an der Gironde, lat. Blavia. Der Schreiber der Vorlage der Handschrift Alcoba<; a macht daraus ein ''Blavium", was vom Schreiber HA übernommen wird. 15 MANDACH, Naissance et developpement: I (wie Anm. 1) S. 373: D32 (Montpellier, Bibi. 48 Univ. H142; 378: D200 (Lisbonne, B.N. Alcobai; a 334; VIELLIARD, Le Guide du pelerin, wie Anm. 10). <?page no="57"?> B. Die Schreibweise von D32 entspricht besser der lokalen Aussprache, oder sie ist besser als Alcoba<; a und/ oder HA. Alcob. HA 032 Alcob. HA 215r. 36.1 Trinquetai11a Trinquetalla idem 216v. 58.23 Fulgentius Fulgentius Fulgencius 214v. 34.2 De porporibus De corporibus sanctorum que sanctorum que ... requiescunt ... requiescunt idem et a peregrinis que a peregrinis visitanda sunt sunt visitanda D32 bietet die lokale, diphtongierte Form; Alcobac; a und HA bieten eine lateinisch korrigierte Lesart. Im zweiten Fall weisen D32 und Alcobac; a die Form des klassischen Lateins mit -tauf, wogegen HA die spanische Schreibart mit -cverwendet. Vermutlich geht diese Form schon auf HAI (Al bei DfAZ Y DfAZ) zurück, der im Kap. III des "Pseudo-Turpin" gewisse Ortsnamen hispanisiert: statt "Lamecum" und "Lucum" zu schreiben wie D32 und Alcobac; a fol. 191v., hispanisiert HAI in der Handschrift von Compostela fol. 165v. die Namen und schreibt "Lamego, Lugo". 16 Im dritten Fall ist D32 sinnvoll, Alcobac; a und HA geben keinen Sinn. Möglicherweise spielt hier die automatische Wiederholungstendenz beim Abschreiben eine Rolle. C. Entweder die Handschrift Alcobai; a oder erst der Schreiber HA heben ein Objekt oder eine Person besonders hervor. Alcob. HA 032 Alcob. HA 215r 36.2 columna quedam idem marmorea, valde idem marmorea excelsa obtima, valde excelsa 215v. 48.1 beati beati Guillelmi confessoris idem Guillelmi 215v. 48.7 Christi idem idem confessor idem idem Im ersten Fall fügt HA das verschönernde Adjektiv "obtima" bei. Im "Pseudo-Turpin" Kap. 22 nennen D32 und Alcobac; a (fol. 206r) das Feld 16 DfAz Y DfAZ, EI codice calixtino (wie Anm. 6) S. 284-288; HÄMEL, Der Pseudo-Turpin von Compostela (wie Anm. 8) Zeile 118. 49 <?page no="58"?> beim Marmorstein, der zur Zerstörung Durendals dienen sollte, "in prato optimo". Erst die Handschrift vom Compostela, vermutlich Schreiber HA, schreiben das Wort auf spanische Weise mit einem -b-.17 Bei D32 steht erst am Schluß des Abschnitts über den hl. Wilhelm (von Orange), er sei ein "Christi confessor"; bei HA wird die Bezeichnung "confessoris" am Anfang beigefügt. Da Wilhelm hauptsächlich von den Heldenepen her bekannt war (seine Einnahme von Nimes und Orange werden erwähnt 18) schien es vielleicht angebracht, von vornherein seine religiöse Funktion zu unterstreichen. D. Die Kapitelüberschriften Alcob. generell HA generell D32 Alcob. jedes Kap. hat keine seine Überschrift Überschrift HA keine Überschrift Die Kapitelüberschriften von D32 dienen der Übersichtlichkeit und Klarheit des Textes. Alcoba~a, sowie danach HA, bieten generell keine Kapitel überschriften. In allen 4 Variantenkategorien bietet D (1139), die erste Ausgabe des Pilgerführers durchs Loiretal, Südfrankreich und Spanien, die ursprünglichere Lesart, während die weiteren Ausgaben, Alcoba~a-Compostela und Compostela HA fehlerhafte oder veränderte Stellen aufweisen. Es ist klar, daß nicht jeder einzelne der genannten Fälle notwendigerweise an sich beweiskräftig ist, sondern was gilt ist das Gesamtbild der Entwicklung. Dank der in Vorbereitung stehenden kritischen Ausgabe des Compostelaner Jakobsbuches von DfAZ Y DfAz und Mitarbeitern (mit Varianten von Alcoba~a) wird es leichter sein, die Variantenanalyse auf die übrigen Teile des Jakobsbuches auszudehnen, d.h. auf die Teile (a) bis (e) sowie auf (g) bis (i). III. Die vier Interpolationen bei HA Das Kapitel 8a Heilige Leichname des Pilgerführers von Compostela enthält vier Erweiterungen: zwei kleine, zu Bordeaux und Santo Domingo de la Calzada, und zwei große, zu Saint-Gilles und Vezelay. 17 EBD., Zeile 1206. 18 MANDACH, La genese du Guide de pelerin (wie Anm. 2) 5. 811-827. 50 <?page no="59"?> ERSTE GENERATION Toulouse Compostela ZWEITE GENERATION < ._·' ..... / : >···---·<': : ·: : •.•.....--: <: ·~· ~~.ma1-....; ····•· .. .. Abb.5 Perigueux 51 <?page no="60"?> A. Saint-Gilles du Gard, Vielliard-Ausgabe 36.28-46.14 B. Vezelay und Saint-Leonard de Noblat, 50.17-56.16 C. Bordeaux, 18 Wörter, 80.3-5 D. Santo Domingo de la Calzada, 22 Wörter, 80.15-17. Im Falle C, Bordeaux, müssen wir uns die generelle Entwicklung des Jakobsbuches vor Augen halten. Bei den drei ersten Etappen folgt das Kapitel (f) die heiligen Leichname unmittelbar auf (d) den "Pseudo-Turpin" und seinen Anhang C (e), wobei der Text zu den Heiligen Leichnamen in gewissen Handschriften vom Typus D als Fortsetzung der Turpinchronik dargestellt ist und zwar als Kap. XXXV. Dem Leser der Chronik sind da die Angaben von Turpin, Kap. XXVII und XXIX zu der Wallfahrtskirche Saint-Seurin de Bordeaux und ihrer Rolandreliquie noch in frischer Erinnerung, wenn er, ein paar Seiten weiter, den Text zu den Heiligen Leichnamen liest. Beim neuen Jakobsbuch HA hingegen bildet der "Pilgerführer" ein selbständiges Buch V. In diesem neuen Rahmen mochte es nützlich erscheinen, in Kap. 8 kurz auf diese hl. Grabstätte und ihre Rolandreliquie hinzuweisen. Die Ortschaft Santo Domingo de la Calzada (hl. Dominikus von der (gepflasterten) Straße) verdankt ihre Entstehung dem Einsiedler und Architekten Dominikus, der in der Nähe seiner Einsiedelei um ca. 1076 eine Brücke über den Fluß Oja sowie die Pilgerstraße in dieser Region baute. Die erste Kirche wurde 1106 vom Bischof von Calahorra geweiht. Wegen der großen Pilgerströme, die gegen 1160 einsetzten, wurde der Kirchenneubau immer dringender: finanzielle Mittel mußten dafür bereitgestellt werden. 1168 wurde dann mit den Bauarbeiten einer der ersten gotischen Kirchen Spaniens begonnen. 19 Vor 1139 konnte Santo Domingo noch nicht im Pilgerführer erwähnt werden. Jedoch gegen 1164 war es soweit. Der neue Abschnitt über Santo Domingo aktualisierte den Pilgerführer. Saint-Gilles-du-Gard Diese Erweiterung trug ebenfalls zur Aktualisierung bei: Saint-Gilles war um 1160 die Hochblüte der mittelromanischen Kunst in der Region Provence-Languedoc, die als Provincia Narbonensis noch direkt Rom unterstellt war (und nicht zur Gallia gehörte). Der Einfluß der Antike war hier noch am stärksten ausgeprägt. Der Bericht über Saint-Gilles gliedert sich in drei Teile: 19 V. u. H. HELL, Die große Wallfahrt des Mittelalters. Kunst an den romanischen Pilgerstraßen durch Frankreich und Spanien nach Santiago de Cornpostela (Tübingen 1 1964, 3 1979) S. 180 u. Abb. 112-114. 52 <?page no="61"?> 1) Das Leben und die Wunder des hl. Aegidius (= Saint-Gilles), eingeschlossen das Wunder der Vergebung einer namhaften Sünde Karls des Großen (nach dem "Ronsasvals" und der "Karlamagnus Saga" 1. 24,26 handelt es sich um Inzest mit seiner Schwester Bertha, Rolands Mutter). Vgl. Buch II. Jakobswunder, Kap. 2. 36.28-40.16 2) Eingehende, wissenschaftlich genaue Beschreibung des Schreines des Heiligen in der weitläufigen Krypta. 40.16-46.5 3) Hetzreden gegen Ungarn, Bewohner von Chamalieres (Dept. Haute- Loire), Sainte-Seine (Diözese Dijon), gegen Bewohner des Cotentin in der Normandie und gegen Bewohner von Cambrai. 46.5-14 Es ist schwer auszumachen, wann die Klosterkirche oder der Aegidiusschrein fertiggestellt worden sind, insbesondere weil letzterer nicht erhalten ist. Ein Epitaph von 1142 an der Westfront gibt wenig Anhaltspunkte. Die neueste Untersuchung stammt von D. DrEMER. Vermutlich war es 1139 noch nicht soweit, aber gegen 1160 war Sainte-Gilles schon berühmt. 20 Deshalb durfte es zur weiteren "Aktualisierung" des Pilgerführers nicht übergangen werden. Vezelay- Saint-Leonard de Noblat Diese Erweiterung besteht ebenfalls aus drei Teilen: 1. Die Klosterbasilika von Vezelay; die Überführung der Gebeine der hl. Maria Magdalena nach Vezelay durch den Mönch Badilon. 50.17- 52.13 2. und 3. Saint-Leonard-de-Noblat, auf dem Wege von Vezelay nach Perigueux gelegen. Zudem wird die böse Konkurrenz, Saint-Leonard-de-Corbigny (Dept. Nievre) angegriffen deren Mönche Reliquien des hl. Leonard gestohlen haben sollen, um die Pilger zu ihrer eigenen Abteikirche zu locken. 52.14-56.16 Der Ton der Hetztirade gegen die Mönche von Corbigny erinnert an die Angriffe in der Erweiterung "Saint-Gilles" gegen die Ungarn und gegen Chamalieres usw. Die Krypta von Vezelay mit den Reliquien eines Heiligen war auch hier Anziehungspunkt für die Pilger geworden. Eine erste größere Kirche in Vezelay ging 1120 in Flammen auf und begrub über tausend Pilger unter ihren Trümmern. 1132 wurden die Altäre eines großen Neubaus eingeweiht, aber die Fertigstellung des Baus und der mannigfachen Skulpturen benötigte noch viel Zeit. Am 31. März 1146 rief hier der hl. Bernhard von Clairvaux im Beisein des 20 Eso., S. 134 u. Abb. 64-66; HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) 5. 1<17-113; 177a: hl. Aegidius; 182a: St. Gilles. 53 <?page no="62"?> Königs Ludwig VII. und vieler Fürsten und Ritter zum zweiten Kreuzzug auf. Vezelay wurde eines der neuesten Pilgerzentrum Frankreichs. So mußte es im neuen Pilgerführer einen Platz haben, und der 3. Pilgerweg mußte über Perigueux hinaus bis nach Vezelay verlängert werden. Bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts war Saint-Leonard-de-Corbigny (Nievre) noch ein bescheidenes Priorat der Abtei von Flavigny. 22 Dann machte es sich selbständig, baute sich eine Klosterkirche zur Beherbergung der Reliquien und wurde so zu einer wahren Konkurrenz für Saint-Leonard-de-Noblat. 23 Es galt somit, deren Ruf zu verteidigen, und wiederum spielte das für die A k t u a 1i s i er u n g des Pilgerführers eine Rolle. Es stellt sich jetzt die Frage, welche Bedeutung diesen Erweiterungen in Bezug auf Kunstgeschichte, Theater und Liturgie zukommt. IV. Die drei Generationen der Pilgergroßtreffpunkte Vorerst sei bemerkt, daß die ursprünglichen Großtreffpunkte der Jakobspilger bischöfliche oder erzbischöfliche Kathedralen waren, Kirchen, die schon im 3.-5. Jh. von Missionaren gegründet worden waren. Im Gegensatz zu den Bischofs- und Erzbischofskirchen war Vezelay ein Kloster und ist erst relativ spät Großtreffpunkt geworden. Zudem gehören Saint-Gilles und Vezelay zu einer neueren Generation des romanischen Bautyps. BARRAL Y ALTET und GABORIT-CHOPIN haben die Entstehung von drei solchen Generationen beleuchtet. 24 A. Die erste Generation Die erste Generation des romanischen Bautyps ist zwischen 1060 und 1080 auf den Jakobspilgerwegen entstanden: Saint-Martin-de-Tours, Saint-Martial-de-Limoges, Sainte-Foy-de-Conques, Saint-Semin-de- Toulouse und Santiago de Compostela. Alle diese Kirchen haben einen 21 G. Rlc! -ITER, Romanisches Burgund. Zur Geschichte des christlichen Abendlandes (Stuttgart 1979) 5. 120-145; X. BARRAL I ALTET/ F. AVRIL/ 0. GABORIT-CHOPIN, Le Monde roman, 1060-1220: Les royaumes d'Occident. Vol. II: L'Europe septentrionale et occidentale (Paris 1984), S. 472a, Abb. 27, 64, 65; HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) S. 27, 44, 75, Anm. 58, S. 76, 86, 116, 117, Anm. 164. 22 EBD., 5. 36f., 118. 23 HELL, Die große Wallfahrt (Anm. 19) S. 77 u. Abb. 29-30; HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) S. 26, 75, 86, 116f., 120. 24 BARRAL I ALTET u.a., Le Monde roman (wie Anm. 21) mit der neueren Bibliographie; vgl. A.W. CLAPHAM, Romanesque Architecture in Western Europe (Oxford 1936): immer noch wichtig. Der Name "drei Generationen" stammt von mir. 54 <?page no="63"?> drei- oder fünfschiffigen Grundriß; sie haben ein Querhaus und besitzen im Westen der Fassade Türme. Das Altarhaus ist mit einem C h o r u m g a n g und Radialkapellen versehen. Dieser Chorumgang hieß auf französisch carole bis ins 19. Jh. (dann deambulatoire). Er konnte die Prozessionen oder liturgische Tänze aufnehmen, die sich in parallelen Polonaisen bewegten und einer Zopfform glichen. Die Tänze wurden ebenfalls "caroles" genannt, weil sie durch die Chorumgänge führten. Weitere Einzelheiten dazu findet man in meinen Veröffentlichungen von 1979 und 1985, sowie in derjenigen von R. LAFONT (1987). 25 Eine neue Aufführung des 'Zopftanzes' von Sainte-Foy-de-Conques wird demnächst von einer Truppe aus Barcelona für die zu diesem Zweck gebauten Pilgergroßkirchen aufgeführt. B. Die zweite Generation Die zweite Generation entstand in der Zeit des ersten Kreuzzuges (1096- 99) unter der Ägide von Urban II. Die neuen Kuppelkirchen bestanden a u s e i n e m e i n z i g e n , s e h r w e i t e n S c h i f f . Betont wurde die Vertikale. Das Schiff wurde von einer Reihe von Kuppeln venezianischen, byzantinischen oder orientalischen Typs gekrönt: Pampelune, Perigueux, Le Puy, Cluny III (insbesondere von Kaiser Alfonso VI. finanziert). 26 C. Die dritte Generation Im Burgund, in Anzy-le-Duc und insbesondere Vezelay, entstand die dritte Generation des romanischen Bautyps (ca. 1120-1150). Der aufstrebenden Gestaltung der zweiten Generation (Vertikale) setzte man eine deutliche H o r i z o n t a 1i t ä t entgegen gemeint ist die beeindruckende Tiefe und Geräumigkeit dieser Kirchen. Saint-Gilles gehört ebenfalls zum Baustil dieser Epoche, doch waren hier im Klima des 25 A. DE MANDACH, Contribution a l'histoire du theätre en Rouergue au XIe siede: un mystere de sainte Foy, in: Y. GIRAUD (Hrsg.), La vie theätrale dans les provinces du Midi (Actes du Il"Colloque de Grasse, 1976, Gunter Narr, Tübingen-Paris 1979, S. 15- 32); DERS., La 'Chanson de sainte Foy' en occitan: chanson de geste, mystere ou 'theätre de danse'? , in. EBD., S. 33-43; DERS., Le röle du theätre dans une nouvelle conception des genres, in: Actes du XVU- Congres International de Linguistique et de Philologie Romanes, Aix-en-Provence 1983 (Universite de Provence, Aix-en-Provence 8, 1986, S. 27-46); R. LAFoNT, Apropos des travaux d'A. de Mandach: 'mystere primitif' et danse ceremonielle [de sainte Foy a Conques], in: J.-C. AUBAILLY (Hrsg.), European Medieval Theatre. Theätre Medieval Europeen, Bulletin de la Societe Internationale pour l'Etude Theätre Medieval (Univ. de Perpignan) 2 (1987) S. 21-26. 26 CLAPHAM, Romanesque Architecture (wie Anm. 24); die Publikationen von G. GAIL- LARD; J. GotilI GAZTAMBIDE, La fecha de construcci6n y consagraci6n de la catedral romanica de Pamplona, Principe de Viana 10 (1949) S. 385-389. 55 <?page no="64"?> Languedoc und der Provence noch andere Einflüsse am Werk, denn zahlreich waren die noch vorhandenen antiken Baudenkmäler aus römischer Zeit. 27 Die drei ersten Stufen des "Jakobspilgerführers" halten sich an die zwei ersten Generationen, die historisch, die architekturhistorisch, liturgisch und choreographisch eine frühromanische Einheit bilden. Die 4. Stufe bricht aus diesem Rahmen heraus und führt uns in die neu aufblühende "dritte Generation" ein; so entstand das heterogene "Jakobspilgerbuch", das vom späten Schreiber HA auf intelligente Weise kompiliert wurde. Schlußbetrachtung Das Jakobsbuch hat also vier Stufen durchlaufen. Die erste Stufe weist noch nicht das Wesen eines Pilgerführers auf. In der zweiten Stufe wird dem "Pseudo-Turpin" ein kleiner Pilgerführer beigefügt, der überall in Europa Verbreitung findet. Bei der dritten Stufe kommt ein Bericht über Landschaften und Bewohner entlang der Pilgerwege hinzu. In der 4. Stufe schließlich entsteht eine neue, klare Gliederung des "Liber sancti Jacobi", mit separatem, dreiteiligem "Pilgerführer'' (V. Buch). Verschiedene bisherige Texte werden zum Mittelteil B. zusammengezogen, eine Einführung A und ein Schlußteil C (zur Hauptsache den spanischen Pilgerwegen und Compostela gewidmet) werden hinzugefügt. Zusätzlich wird im Mittelteil B. die Beschreibung der Pilgerwege (Heilige Leichname) vierfach erweitert. So ist der erste kleine "Baedeker" der Jakobspilger entstanden. Leider liegen vom Jakobsbuch von Compostela nur wenige, unvollständige Abschriften mit "Pilgerführer'' vor, die während des Mittelalters alle noch in Spanien geblieben sind. Außerhalb der pyrenäenhalbinsel blieb also dieser "Baedeker'' unseres Wissens unbekannt! In Zukunft wird der Pilgerführer nach Compostela kaum mehr als monolithisches Ganzes betrachtet werden können, sondern als "Museum", in dem verschiedene Objekte diverser Herkunft vereinigt sind. Aus dem kleinen Kern ist ein Baum geworden. 27 RICHTER, Romanisches Burgund (wie Anm. 21) bes. S. 59-76, 120-145; HERBERS, Der Jakobsweg (wie Anm. 2) S. 107, Anm. 122. 56 <?page no="65"?> Resumen: Hasta hoy dfa, faltan investigaciones fundamentales sobre la evoluci6n de la "Gufa de peregrinos de los Caminos de Santiago de Compostela" durante el siglo XII. Solo una 6ptica interdisciplinaria y europea nos permite penetrar en el macrocosmos jacobeo. Pero a este efecto es, sin embargo, preciso analizar primeramente el microcosmos de los caminos jacobeos. Nuestra intenci6n es encontrar respuesta a las cuatro siguientes cuestiones. 1. Hay cuatro etapas de desarrollo en el Liber Sancti Jacobi. La primera, que data de antes de 1139, consta solo de cuatro textos y no contiene ninguna guia para el peregrino. Las tres etapas siguientes contienen gufas para el peregrino de distinta extensi6n lDe d6nde y de que epoca son? lCual es su contenido exacto? Vezelay en Borgofia, Santiago de Compostela en Galicia y Compostela/ Alcoba- <; a en el campo lingufstico galaico-portugues? 2. lEs posible reconstruir paso a paso la evoluci6n de las variantes de las tres etapas en cuesti6n? 3. La cuarta y ultima etapa, lade 1158-1164 en la catedral de Compostela, nos sorprende con cuatro interpolaciones, entre ellas dos mayores que se refieren a Saint-Gilles du Gard y Vezelay. lCual es su punto de partida y su contexto dentro de la historia y la historia del arte? lCuales son las razones y los motivos que provocaron la prolongaci6n de la tercera variante de los Caminos de Santiago en Francia, e.d. de la etapa Vezelay a Perigueux? lPor que se ha afiadido un apartado sobre Santo Domingo de la Calzada? 4. lQue significado tienen estas interpolaciones en el ambiente de Compostela, de los afios 1158 hasta 1164? Se impone la necesidad de una investigaci6n interdisciplinaria de parte de la geograffa, de la historia del teatro y del drama liturgico. Nuestra finalidad es poner de relieve la difusi6n de los diversos tipos de la Gufa no solo en la Penfnsula lberica sino tambien en Francia, Gran Bretafia y en los territorios del Imperio Romano-Germanico. Corno hemos demonstrado en los seis primeros volumenes de nuestra serie "Naissance et developpement de la chanson de geste en Europe" (Droz, Ginebra), iniciada en 1946, cuando Europa estaba de baja, los problemas literarios y culturales no pueden presentarse en su verdadera dimensi6n, si no los examinamos desde un punto de vista verdaderamente europeo. 57 <?page no="66"?> DIE FORTSETZUNG IIIA DER JAKOBSWEGE ~ ZWEITE ETAPPE 1 Der Weg von Arles II Der Weg von Le Puy III Der Weg von Perigueux IV Der Weg von Tours VIERTE ETAPPE IIIA Die Fortsetzung bis Vezelay Santo Domingo de la Calzada Abb.6 ' , p v ezelay , __ ,; ~J A I -. 6-0 Sa int -Leonard de Noblat I Lim oges Le Pu y Sa int e -Fo y de Conques <?page no="67"?> Die Entwicklung des Camino de Santiago in Kastilien und Le6n (850-1050) FERNANDO LOPEZ ALSINA In diesem Aufsatz gehe ich als Grundlage von der Vorstellung aus, daß der oder, wenn man so will, die "Caminos de Santiago" in einem sowohl chronologisch als auch inhaltlich unterschiedlichen Prozeß einen großen Teil Europas erreicht haben. Die sozialen, wirtschaftlichen, politischen, künstlerischen, kulturellen und geistigen Auswirkungen, die dieser Prozeß auf die einzelnen Teilstrecken der großen Pilgerstraße hatte, waren in den aufeinanderfolgenden Phasen der Geschichte des Jakobsweges vom neunten Jahrhundert bis zur Gegenwart sehr verschiedenartig. Von diesem allgemeinen Ansatz ausgehend möchte ich eine Reihe von Überlegungen anstellen über die erste Phase (850-1050) in der Bildung des westlichen Teiles des "Camino", welcher durch den Norden der iberischen Halbinsel, die alten Königreiche Navarra, Kastilien und Le6n, verläuft. Was die endgültige Festlegung des "Camino" in diesem von Roncesvalles bis Santiago umfassenden Abschnitt betrifft, so gibt uns die um 1118 entstandene, sogenannte "Cronica Silense" als spätestes Datum das Jahr 1035 an. In dieser Chronik wird erwähnt, daß König Sancho III. von Navarra (1000-1035) seine Herrschaft im gesamten Gebiet zwischen den Pyrenäen und der Burg Najera festigen konnte, so daß der Abschnitt des Carnino von Pamplona über Estella, Logrofio und Najera bis Burgos gegenüber den Angriffen der Muslime sicherer wurde. Von dieser Zeit an benutzten die Pilger nach Santiago, die aus Furcht vor den Muslimen den Weg über Alava genommen hatten, auf ihrem Weg von Roncesvalles nach Burgos immer eifriger diese Strecke 1. 1 Historia Silense, hrsg. von J. l'EREz DE URBEL und A. GoNZALEZ Rurz-ZoRRILLA, Madrid 1959, S. 179: Ab ipsis namque Pireneis iugis adusque Cllstrum Naz.ara, quidquid terre infra continetur a potestate paganorum eripiens, iter santi lacobi, quod barbarico timore per deuia Alabe peregrini declinabant, absque retractionis obstaculo currere freit. Demnach steht also fest, daß der Autor der Ouonik "den wirklichen Ursprung der Dynastie von Navarra und ihre Könige nicht kennt" (5. 40). Angesichts dieser Nachrichtenlücke ist es naheliegend, daß in der "Historia Silense" irrigerweise dem Sancho Garces III. zugeschrieben wird, was historisch viel besser zu Sancho Garces I., dem Eroberer der Rioja paßt. Wenn wir uns diese Interpretation zu eigen machen, hat der Bildungsprozeß, der schließlich mit der geographischen Festlegung des späteren "Iter Sancti Iacobi" endet, schon seit dem Jahr 925 begonnen. Hat nicht auch der Bischof Godeschalk von Le Puy, 59 <?page no="68"?> Die oben erwähnte Stelle aus der "Historia Silense" zeigt eindeutig, daß die Pilger nach Santiago schon spätestens um 1035 dem Weg folgten, der im wesentlichen die klassische Route in Nordspanien darstellt, und zwar einem Verlauf, der in vielen Abschnitten der alten Römerstraße von Bordeaux über Astorga und Lugo nach Asseconia entsprach 2. Wohl wird in der "Historia Silense" die am häufigsten benutzte Route endgültig beschrieben, es ist jedoch auch wichtig zu bestimmen, wann der Ausdruck "Camino de Santiago" für diese Route entstanden ist. Die erste ausdrückliche Erwähnung, derzufolge dieser Weg als "Camino de Santiago" bezeichnet wird, befindet sich in einem Dokument aus dem Jahre 10473. Derzeit handelt es sich dabei um die früheste bekannte Erwähnung, wenn auch unter Umständen noch eine frühere Stelle auftauchen könnte. In der Schrift aus dem Jahre 1047 wird die Gründung eines am Weg nach Santiago erbauten Spitals in den Ort Arconada (Provinz Palencia) erwähnt. Wie wir sehen werden, ist der Wert dieser Mitteilung außerordentlich groß. Man muß berücksichtigen, daß sich den Reisenden, die in Roncesvalles ihre Wanderung auf diesem Weg begannen, viele mögliche Reiseziele (Pamplona, Najera, Burgos, Le6n usw.) anboten und das Ziel nur für einen Teil von ihnen Compostela hieß. Das Dokument des Krankenhauses von Arconada zeigt uns, daß die Bezeichnung der ganzen Route als "Camino de Santiago" sich bereits vor 1050 durchgesetzt hat. Es hatte, anders gesagt, die geistige Assoziierung eines größtenteils antiken Straßennetzes mit einem einziden wir Mitte des zehnten Jahrhunderts in Albelda finden, möglicherweise schon diese neue vor dem barbarico timore sichere Route benutzt? 2 ln dem Itinerar von Antoninus findet man ein Straßennetz, das zum Teil mit dem identisch ist, was man nach dem "Codex Calixtinus" als klassische Strecke des "Camino de Santiago" zwischen Roncesvalles und Santiago kennt. Leider ist es heute nicht immer möglich festzustellen, inwieweit die mittelalterlichen Straßen den römischen entsprechen. Ähnlich wie J.M. RoLDAN HERVAS, Itineraria Hispana, Fuentes antiguas para el estudio de las vfas romanas en la Peninsula Iberica (Valladolid 1973) 5.99, Anm. möchte ich unter anderem darauf hinweisen, daß noch immer eine moderne Gesamtstudie über das Itinerar 17 ab "Asturica Burdicalam" fehlt. Kürzlich konnte ich nachweisen, daß sich unter dem Namen des alten "mansus Asseconia" vermutlich der Standort des gegenwärtigen Compostela verbirgt. Siehe F. L6PEZ ALSINA, De Asseconia a Compostela: pervivencia de estructuras viarias antiguas en la Alta Edad Media (Compostellanum 31, 1986) S. 3<Y7-314. 3 Siehe die Herausgabe dieses Dokuments sowie die Einwände gegen seine Echtheit in J.A. PEREZ CELADA, Documentaci6n de! monasterio de San Zoilo de Carri6n (1047-1300) (Palencia 1986) S. 3-5. Trotz mehrerer Anachronismen, die in dem Brief ausgemacht wurden, hat die Erwähnung des "Camino" keinen Anlaß zum Verdacht gegeben. Solange eine breitangelegte Quellenstudie zur zeitlichen Bestimmung der frühesten Erwähnung des "Camino" nicht existiert, müssen wir vorläufig vom Jahr 1050 ausgehen. Ebenfalls aus dem elften Jahrhundert ist die Erwähnung des am "Camino de Santiago" gelegenen Ortes Barbadelo (Lugo). Siehe M. LucAS ALVAREZ, EI Tumbo de San Juli.in de Samos, 8.-12. Jahrhundert (Santiago de Compostela 1986) S. 193. 60 <?page no="69"?> gen Reiseziel gesiegt, und zwar zuungunsten aller anderen möglichen Ziele der Benutzer. Die Herausbildung dieser allgemeinen geistigen Vorstellung ist nur zu erklären, wenn man schon für etliche Jahre davor eine intensive Pilgertätigkeit annimmt, welche die Verbindung zwischen dem heiligen Jakobus und einer alten, größtenteils römischen Straße aufkommen ließ. Wie ist es nun möglich, daß sowohl die geographische Festlegung des "Camino de Santiago" als auch die Konsolidierung der kollektiven Vorstellung als "Jakobsweg" in dem kurzen Zeitraum von zweihundert Jahren zwischen der Mitte des neunten und der Mitte des elften Jahrhunderts erreicht werden konnten? Ein Grund dafür besteht sicherlich in der klaren und überlegten Absicht der Kirche von Santiago, die von eben der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts an die Idee einer großen Pilgerfahrt von Westen her nach Compostela verfolgte und alle Völker Westeuropas einlud, an ihr teilzunehmen. Wie ist diese Behauptung zu begründen? Um das Jahr 825 entdeckte Bischof Theodomir von Iria ein kleines Bauwerk, das er als Grabkapelle des Apostels Jakobus ansah. In der Nähe der Grabkapelle erbaute man eine Kirche, in der die Grabesverehrung eingerichtet oder, wie man später sagen sollte, erneuert wurde. Die Einrichtung des Kultes sowie die Tatsache, daß man das kurz zuvor entdeckte Grabmal als das des heiligen Jakobus betrachtete, erforderten eine ordentliche Antwort auf die unvermeidliche Frage, wie und wann der Leichnam des Apostels nach Galicien gekommen war. Wir wissen nicht, in welcher Form diese Frage streng geschichtlich gestellt worden ist, wenn sie überhaupt historisch gestellt wurde. Demgegenüber ist wenigstens bekannt, daß eine Erklärung in Umlauf war, die sich ohne weiteres in die religiöse Gefühlswelt des Hochmittelalters eingliederte. Wie es häufig in der Hagiographie der Fall ist, so ist auch die erste Fassung der translatio apostolica aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts durc"1setzt von Wundern und göttlichen Eingriffen. Unter Umständen ist dies auf ein Fehlen von Nachrichten zurückzuführen, die es erlaubt hätten, auf die Frage zu antworten, wie und wann der heilige Leichnam überführt worden war4. 4 Überaus charakteristisch für ~e Translationsberichte ist der Rückgriff auf das Wunderbare; erst im Verlauf der Uberführung selbst, dann bei der Ortswahl für das endgültige Grabmal und schließlich nach der Bestattung, wenn der Heilige seine Bereitschaft zu erkennen gibt, seine Verpflichtungen als Schutzheiliger der Gemeinschaft anzunehmen. So M. HEINZELMANN, Translationsberichte und andere Quellen des Reliquienkultes (Typologie des Sources du moyen Age Occidental 33, Tumhout 1979, S. 56-57). Auf diese Weise drückt der Heilige seinen Wunsch aus, an einen bestimmten Ort überführt zu werden (S. 63). 61 <?page no="70"?> Wenn wir aber den Bericht des Beiwerks des Wunderbaren entkleiden, liegt im Grunde die Annahme nahe, daß die Überführung nicht unmittelbar nach dem Martyrium des Apostels Jakobus, sondern erst einige Jahrhunderte später, etwa um 500 stattgefunden hat. Diese erste der zur Zeit bekannten Fassungen der Überführung des Apostels Jakobus lautet etwa folgendermaßen: "Im Namen Gottes, Le6n, Bischof von Jerusalem, an die Könige der Franken, Vandalen, Goten und Römer. Nehmt Kenntnis von der Überführung des Leichnams des Heiligen Apostels Jakobus, des Bruders des gleichermaßen Apostels und Evangelisten Johannes. Hier in Jerusalem wurde er geköpft auf Befehl des Königs Herodes und sein Leichnam wurde, von der Hand Gottes geleitet, in einem Schiff überführt. Nach siebentägiger Fahrt lief das Schiff zwischen den Flüßen, die Ulla und Sar genannt werden, in einem Ort, das den Namen Bisria trägt, an. Von dort wurde der heilige Leichnam durch die Luft zur Sonne erhoben. Seine durch den Verlust des Leichnams betrübten Jünger legten wehklagend und zu Gott flehend zwölf Meilen zurück, bis sie an die Stelle kamen, an welcher der heilige Leichnam sich unter Marmorbögen begraben findet. Die drei seiner Jünger, die mit ihm zusammen begraben liegen und deren Namen Torquatus, Tisefons und Anastasius sind, verblieben bei dem Leichnam und besiegten mit Hilfe des Heiligen Apostels Jakobus den Drachen vom Berg Illicinus, der seither Heiliger Berg genannt wird. Die übrigen vier Jünger kehrten zusammen, geführt von der Hand Gottes, mit dem Schiff nach Jerusalem zurück und berichteten uns das alles auf einer Synode. Ihr, gesamte Christenheit, die dahin fahrt, sagt Dank und betet zu Gott, denn es ist wahr, daß dort verborgen der Leichnam des Apostels Jakobus ruht." 5 Von dieser so inhaltsreichen Epistel soll uns hier nur ein einziger Aspekt interessieren. Der Text ist in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts in Compostela verfaßt worden mit der Absicht, von der Überführung des heiligen Jakobus von Jerusalem aus nach Galicien Nachricht zu geben. Wir legen es hier nicht so sehr darauf an, die Grundlage oder die Wahrscheinlichkeit der Erklärung zu analysieren, die hier für die Ankunft des Heiligen in Galicien gegeben wird, als vielmehr den Gebrauch zu untersuchen, den man von diesem Text machte, um zur Pilgerfahrt nach Compostela anzuregen. Bekanntlich hatte 5 Zu einer tiefergehenden Diskussion dieser überaus interessanten Epistel, in der sich im Einklang mit den Vorstellungen der Zeit zum ersten Mal ein chronologischer Rahmen für die Überführung erschließt, siehe F. L6PEZ ALSINA, La ciudad de Santiago de Compostela en Ja Alta Edad Media (Santiago 1988) 5. 119ff. 62 <?page no="71"?> König Alfons II. von Asturien, unter dessen Herrschaft die Entdeckung stattfand, diplomatische Kontakte zu Karl dem Großen, so daß das karolingische Europa schon sehr früh vom Fund des Grabmals unterrichtet wurde. Seit 860 spiegelt eine Reihe von Märtyrerverzeichnissen von jenseits der Pyrenäen die Verehrung des Jakobsgrabes in Compostela wieder: Hujus beatissimi apostoli sacra ossa ad Hispanias translata et in ultimis earum finibus, videlicet contra mare Britannicum condita, celeberrima illarum gentium veneratione excoluntur6. Die Tatsache, daß hier die translatio und eine celeberrima veneratione erwähnt werden, zeigt, wie ich meine, die Wahrscheinlichkeit, daß der Autor dieses Satzes bereits den Brief des Bischof Le6n von Jerusalem gekannt hat. Infolgedessen scheint es mir sicher zu sein, daß sowohl Alfons II. von Asturien als auch die Kirche von Santiago selbst ein besonderes Interesse an der Verbreitung der Nachricht über den Fund des Jakobsgrabes in ganz Westeuropa hatten, und daß sie gleichzeitig den Brief des Bischof Le6n von Jerusalem mit seiner eigenartigen Erklärung der translatio in Umlauf brachten. Nach der Erneuerung der Grabverehrung war es ratsam, auch die alte Pilgerfahrt von Franken, Römern, Vandalen und Goten, das heißt die Pilgerfahrt der gesamten westlichen Christenheit zu erneuern, die, so hoffte man, die Verbindungen des Königreichs Asturien mit dem christlichen Europa des neunten Jahrhunderts festigen würde. Compostela und sein Grabmal des Apostels boten sich trefflich als Symbol für die Öffnung zu den übrigen Völkern des christlichen Europa an. Der wunderbare Fund des im fernen Finis terrae verborgenen Leichnams des heiligen Apostels Jakobus sowie die um nichts weniger wunderbare Beschreibung seiner translatio sollten eine große Bewegung der christlichen Welt auslösen, die angezogen von den Wundertaten, welche nach dem Bericht der "Historia Compostelana" aus dem zwölften Jahrhundert seit dem Fund des Leichnams in großer Zahl geschahen, nach Santiago kommen sollte 7• Die politische Lage, in der sich das Königreich Asturien seit der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts befand, war allerdings alles andere als 6 Hervorgehoben wurde der Wert dieser im Märtyrerverzeichnis von Usuardo befindlichen ersten außerspanischen Erwähnung des Jakobsgrabes, die sich bereits auf seine Bestattung in Compostela bezieht, von R. PLörz, Traditiones Hispanicae Beati lacobi. Les origines du culte de Saint-Jacques a Compostelle, in: Santiago de Compostela. 1000 Ans de Pelerinage Europeen (Gent 1985) 5. 27-39. 7 Historia Compostellana, hrsg. von E. FALQUE REY, Corpus Christianorum, Continuatio Medievalis 70 (Turnholti 1988) 5. 9: Theodomirus vero episcopus tanto fidentius oculis mentis ad caelestis patrie considerationem erigebat, quanto frequentius beatum Jacobum post basilicam sibi factam miraculis et 'Clirtutibus coruscare conspiciebat. 63 <?page no="72"?> günstig dafür, das Bewußtsein von der Transzendenz des Fundes und der Möglichkeit eines großen Pilgerortes rasch und problemlos in die Wirklichkeit umzusetzen. Der größte Teil von dem, was schließlich in Nordspanien die klassische Route des "Camino de Santiago" darstellen sollte, verlief jenseits der politischen Grenzen der christlichen Zentren des Nordens. Eine Reise über die Verkehrswege der nördlichen Meseta, den aus dem Altertum stammenden stratae und besonders über die alte Straße Braga-Astorga-Bordeaux zu unternehmen war, wenn nicht unmöglich, so doch ein gefährliches Abenteuer. Nach dem Eindringen der Muslime im Jahre 711 erlitt der Raum zwischen der kantabrischen Gebirgskette und dem Duero einen merklichen Bruch mit seiner Vergangenheit. Antike Zentren wie Amaya Patricia, Virovesca, Clunia, Segisamo, Pallantia, Legio oder Asturica verloren ab 750 gänzlich ihre Bedeutung, oder das, was ihnen um diese Zeit davon noch geblieben war. Die christlichen Fürsten leisteten der Gebietsentvölkerung Vorschub, um so eine Art strategischer Wüste zu schaffen, die das schwache Königreich Asturien vor den Angriffen der Muslime schützen konnte 8• Von 750 bis 850 übten weder die Asturier noch die Muslime Vorherrschaft in der nördlichen Meseta aus 9• Seit der Mitte des neunten Jahrhunderts beginnt dagegen die große Ausdehnung des Königreichs Asturien, die sowohl als Wiederbevölkerung (repoblaci6n) als auch als Rückeroberung (reconqu(sta) schließlich den "Camino de Santiago" in eine für die Entwicklung des Königreichs lebenswichtige Verkehrsader verwandeln sollte. Seit der Herrschaftszeit Alfons III. von Asturien wird der Apostel Jakobus mit der Expansion des Reiches in Zusammenhang gebracht, und zwar als hauptsächlicher Fürbitter und Himmelspatron von König und Königreich. Selbstverständlich sind die Kleriker, die das Grabmal des Apostels bewachen, die ersten Verfechter und wesentlichen Verbreiter dieser Verbindung. Sie sind auch die unmittelbaren Urheber der Schriften über die königlichen Urkunden, in denen die häufig auf diesem Patrozinium gründenden Schenkungen der Könige von Le6n an die Kirche von Santiago verzeichnet sind. Der Apostel selbst wird 8 Die "Chronica Rotensis" (Rot 13) sowie die Chronik "Ad Sebastianurn" (Seb 13) machen in gewisser Weise Alfons I. von Asturien verantwortlich. Siehe J. GIL F'ERNAN- DEZ/ J .L. MORALEJO/ J.I. RUIZ DE LA PEii! A, Cr6nicas Asturianas (Oviedo 1985) s. 131- 133. 9 Darauf baute C. SANcHEZ ALBORNOZ seine bekannte These auf, eingehend dargelegt in: DERS., Despoblacion y repoblaci6n del Valle del Duero (Buenes Aires 1966). Dazu auch die kürzlich erschienenen Bemerkungen von J.A. GARCIA DE CoRTAZAR, Del Cantabrico al Duero, in: Organizaci6n social del espacio en la Espaii.a medieval. La Corona de Castilla en los siglos VIII a XV (Barcelona 1985) S. 43-83. 64 <?page no="73"?> schließlich als miles Christi 10 vorgestellt. Obwohl die Könige von Le6n in der konkreten politischen Praxis nicht immer sehr überzeugend die Ziele verfolgten, die die kirchlichen Kreise des Königreiches ihnen nahelegten, und obwohl auch die politischen Verbündeten diesbezüglich viel zu wünschen übrig ließen, vollzog man in diesen zögernden Formulierungen die ersten Schritte zum Ideal der Kreuzzüge. In der Legende Karls des Großen finden wir die dilatatio mittels Waffengebrauchs im spanischen Bereich, um das Grabmal des heiligen Jakobus und seinen Camino von der Macht des Islam zu befreien. Die Stoßkraft der Wiederbevölkerung führte schließlich dazu, daß die Leoneser, Kastilier und Navarrer gegen 923 das, was wir als klassische Route des Jakobsweges bezeichnet haben, von Roncesvalles bis Compostela in ihrer Hand hatten. Im westlichen Teil der Halbinsel ging der Vorstoß in den Süden stets früher und schneller vor sich. Im westlichen Teil gelangte so eine Gruppe von Asturiem, die über den Flußlauf des Esla hinabfuhr, im Jahr 845 nach Le6n, obwohl die endgültige Besetzung des Ortes erst 856 stattfand. Asturica Augusta wurde gegen 850 von Leuten aus dem Bierzo wiederbevölkert. Gegen Ende des neunten Jahrhunderts gelang es, die Kette von Verteidigungsburgen am Duero durch die Einnahme von Zamora, Simancas, Duefias und Toro zu durchbrechen. Ein wenig später ging die Initiative zur Wiederbevölkerung Kastiliens von den jeweiligen Landesgrafen aus. Graf Rodrigo erneuert 860 Amaya Patricia. Danach werden Auca, Castrum Sigerici und Ubiema wieder aufgebaut. 884 wird Burgos gegründet und 912 erreicht man auch hier den Duero: Roa, Osma, Clunia und San Esteban de Gormaz. Schließlich gewinnt der König Sancho Garces 1. noch vor 925 die Rioja zurück 11 • Natürlich brachte die Gebietsausdehnung der christlichen Königreiche eine größere Sicherheit für den Personenverkehr auf dieser zentralen Verkehrsachse in der nördlichen Meseta und trug sowohl zu ihrer geographischen wie geistigen Festigung als Camino de Santiago bei. Dennoch leisteten die Pilger den wesentlichen und unersetzlichen Beitrag dazu. Von ihnen kann man mit Fug und Recht behaupten, daß 10 Für die Anfänge der Entstehungsgeschichte dieser Konzeption vom heiligen Jakobus als Himmelspatron des asturischen Königs und des Königreichs Asturien-Le6n siehe Anm. 5 S. 147ff. Zusammengefaßt und untersucht wurden die diesbezüglichen Formulierungen aus dem 12. Jahrhundert von F. PuY MUMJZ, Santiago, abogado en el Calixtino (1160), in: Pistoia eil Cammino di Santiago. Una dimensione europea nella Toscana medioevale (Napoli 1987) S. 57-92. 11 Siehe J. GAUTIER-DALCHE, Historia urbana de Le6n y Castilla en Ja Edad Media, siglos IX-XIII (Madrid 1979) S. 21ff. 65 <?page no="74"?> sie die wirklichen Architekten des Weges sind. Die Quellen über die Pilgerbewegung im neunten und zehnten Jahrhundert fließen außerordentlich spärlich, obschon sie in ihrer Gesamtheit genügend Aussagekraft besitzen. Zusammen mit vereinzelten unmittelbaren Daten muß auch einigen mittelbaren Hinweisen der ihnen zukommende Wert gegeben werden. Seit der Herrschaft Alfons III. von Asturien, genauer gesagt seit dem Jahr 886, wird es zum Brauch, die Pilger als Teilhaber an den Gewinnen der königlichen Schenkungen zugunsten der Kirche von Santiago zu erwähnen. Der Brauch, der in den Urkunden der drei vorhergehenden Könige noch nicht zu beobachten ist, bürgert sich in dem Augenblick ein, als Alfons III. die Bauarbeiten zur Vergrößerung der ersten Kirche von Santiago eingeleitet hat, um das größte Bauwerk der gesamten präromanisch-asturischen Architektur zu errichten. Es ist schwierig sich vorzustellen, daß Menschen gegen Ende des neunten Jahrhunderts eine gefährliche Reise zu einem weit abgelegenen Ort Galiciens auf sich genommen hätten, wenn sie nicht Gründe gehabt hätten, die unmittelbar mit dem Grabkult von Compostela in Beziehung standen 12• Die Nachrichten vom Fund und der translatio hatten ein lebhaftes Interesse nördlich der Pyrenäen erweckt. Es ist gewiß eine vielsagende Tatsache, daß für die drei wesentlichen Zentren der drei Varianten des "Chemin de St. Jacques" im Süden Frankreichs (Tours, Limoges, und Le Puy) eine Beziehung zu Compostela mit interessanten Kontakten im zehnten Jahrhundert nachgewiesen werden kann. Im Falle Tours besitzen wir die Antwort Alfons III. von 906 an den Klerus und das Volk von Tours auf die vonseiten der Kirche von Tours gestellten Fragen über das Grab des heiligen Jakobus 13. Die Antwort liefert einen weiteren Beweis für den Umlauf des Briefes des Bischofs Le6n von Jerusalem im neunten Jahrhundert. Was Le Puy angeht, so interessiert uns besonders die Pilgerfahrt des Bischofs Godeschalk, der vor 951 nach Compostela kam 14• Außerdem ist im Zusammenhang mit Limoges anzuführen, daß in Saint-Martial eine Kopie aus dem zehnten Jahrhundert der Epistel vom Bischof Le6n in gotischer Schrift und paläographischen Buchstaben existiert 15• 12 Siehe Anm. 5, S. 192ff. 13 Untersucht von A. MuN06, EI "C6d. Parisinus Lat. 2036" y sus afiadiduras hispanicas (Hispania Sacra 5, 1952, S. 67-78). 14 Herausgegeben von A. LöPFZ FERREIRO, Historia de la Santa A.M. Iglesia de Santiago de Compostela, Bd. 2 (Santiago 1899) Anhang 27, S. 57-60. 15 L. V AZQUFZ DE PARGA, J.M•· LACARRA und J. URfA Rtu, Las peregrinaciones a Santiago de Compostela, Bd. 1 (Madrid 1948) S. 39ff. 66 <?page no="75"?> Die erste Zeit der Pilgerfahrten stellt für den modernen Historiker ein ganz anonymes Gebilde dar, bis im ersten Drittel des zehnten Jahrhunderts der erste konkrete Name eines Pilgers von jenseits der Pyrenäen auftaucht. Er, der Franke Bretenald, der nach Compostela kommt, muß sozial eine eher bescheidene Stellung gehabt haben, da er, wie wir wissen, mit eigenen Händen eine curtis gebaut hat 16. Vom Jahr 950 an ist es möglich, eine größere Zahl von konkreten Pilgern nachzuweisen, wie zum Beispiel Hugo de Vermandois, den Erzbischof von Reims, der im Jahr 961 die Pilgerfahrt unternahm. Trotz alledem hinterließ der größte Teil dieses Personenverkehrs, der die doppelte Festigung des "Camino" ermöglichte, keine schriftlichen Zeugnisse. Die Kirche von Santiago war natürlich der Ort, an dem man die wachsende Zahl der Pilgerfahrten am deutlichsten spüren konnte. Charakteristisch dafür ist ihr Interesse im zehnten Jahrhundert, verschiedene am "Camino" gelegene Güter als Schenkung zu bekommen: Portomarin (Schenkung aus dem Jahr 993) das Kloster von Triacastela (922), verschiedene villae in Vega de Valcarce, Ländereien am Orbigo, einige cortes in Le6n und schließlich 1028 die villa Ledigos bei Carri6n de los Condes in einer Entfernung von fast 400 km von Compostela 17. In diesem Aufsatz glaube ich aufgezeigt zu haben - und damit komme ich zum Ende -, daß der Abschnitt des "Camino de Santiago" in Kastilien und Le6n sich schon vor dem Jahr 1050 endgültig herausgebildet hatte, und zwar nicht nur als eine Straße geistigen Charakters, sondern auch als eine Hauptverkehrsader von Kastilien und Le6n, auf der Menschen verkehrten und Waren sowie Nachrichten befördert wurden. Die Route nach Santiago besaß über ihre religiöse Bedeutung hinaus wie jede wichtige Straße einen hohen militärischen, politischen sowie wirtschaftlichen Wert. Die geschäftigsten Städte des Königreiches waren zu "Städten am Weg" 18 geworden. Von Roncesvalles aus führte der "Camino de Santiago" nach Compostela, von Santiago, Le6n oder Burgos aus aber führte er nach Frankreich und über den "Chemin de St. 16 Siehe M. PALLARES MENDFZ und E. PoRTELA Sn.VA, Aproximaci6n al estudio de las explotaciones agrarias en Galicia durante los siglos IX al XII, in: Actas de las I Jornadas de Metodologia Aplicada de las Gencias Hist6ricas. II: Historia medieval (Santiago 1975) S. 95-113 und M. PALLARES MENDFZ, El monasterio de Sobrado: un ejemplo del protagonismo monastica en la Galicia medieval (La Corui'ia 1979) S. 89, Anm.14. 17 Veröffentlicht in L6PEZ F'ERREIRO, Historia (wie Anm. 14) Bd. 2, Anhang 89, S. 219-220. 18 Über diese Städte vgl. Anm. 11 sowie C. EsrnPA DrEz, Estructura socialde la ciudad de Le6n, siglos XI-XIII, (Le6n 1977). DERs., Burgos en el contexto del nacimiento de la ciudad medieval castellano-leonesa, in: La ciudad de Burgos. Actas del Congreso de Historia de Burgos (Burgos 1985) S. 23-33. 67 <?page no="76"?> Jacques" zu den übrigen Ländern Europas. Befreit von der Bedrohung des Kalifats von C6rdoba gestalteten die christlichen Königreiche Westspaniens ihre Beziehungen zur Christenheit Westeuropas enger. Außer dem geistigen Aspekt spielten dabei gewiß noch weitere Faktoren eine Rolle. Dennoch hatte Compostela mit seiner apostolischen Bedeutung, wie sie im zehnten Jahrhundert geschaffen worden war, einen wesentlichen Beitrag geleistet, denn schließlich und endlich: Pilgerfahrt kennt keine Grenze. Resumen: La formaci6n del Camino de Santiago en la Europa medieval fue el resultado de un proceso progresivo, cuyas consecuencias de todo tipo dependieron, en buena medida, del periodo concreto en que se form6 cada uno de sus grandes tramos. El tramo castellano-leones precedi6 a los demas, entre otras razones, porque los efectos de la peregrinaci6n se manifestaron tanto mas intensa y tempranamente, cuanto menor era la distancia a Santiago de Compostela. La via dasica de Roncesvalles a Santiago, descrita en el C6dice Calixtino, naci6 como resultado de una doble fijaci6n: una fijaci6n geografica, como via interior de los reinos occidentales hispanocristianos, posible desde Sancho Garces I de Navarra (t 925), y una fijaci6n mental posterior, en virtud de la cual el transito frecuente de peregrinos entre principios del siglo XI y mediados del siglo XI hizo que esa via fuese imaginada colectivamente como iter Sancti Iacobi. Una consolidaci6n geografica y mental tan temprana se explica tambien por la decidida voluntad de la iglesia compostelana de difundir activamente la idea de una gran peregrinaci6n occidental hacia el sepukro de Santiago, voluntad detectable en los afios inmediatamente posteriores al descubrimiento del siglo IX. La epistola del obispo Le6n de Jerusalen, con la que los contemporaneos del siglo IX pretendian explicar la translatio de los restos del ap6stol Santiago desde Jerusalen a Compostela en un horizonte cronol6gico datable hacia el afio 500, induye una invitaci6n a Francos, Godos, Vandalos y Romanos para que peregrinen al santuario galaico. Los contactos tempranos de Ia sede compostelana con las iglesias de Tours, Limoges y Le Puy, puntos importantes en el Camino frances de Santiago, confirman el exito precoz en Ia organizaci6n del camino, que uni6 decisivamente al reino asturleones con el resto de Ia Cristiandad occidental. 68 <?page no="77"?> Aller a Compostelle en passant par les anciens Pays-Bas DIRK AERTS II n'y a pas eu beaucoup de pelerins qui auront autant regrette leur visite a Compostelle que Lieven De Caluwe. Apres avoir accompli toutes ses devotions, ce Gantois se sentit si soulage, qu'il devoilat au patron d'une auberge flamande, le motif de son pelerinage. En 1536 le bourgeois Antheunis van den Bossche avait ete tue a Gand et c'etait Lieven qui avait aide l'assassin. Avant meme son retour, ces nouvelles furent rapportees a Gand et les deux coupables furent conduits au bt1cher 1. Dans la relation de son voyage a Compostelle, qu'il entreprit en 1512, Jean Taccoen, seigneur de Zillebeke, mentionne lui aussi l'existence d'une auberge flamande. II s'agit du Paloma negra ou il put loger trois jours en se faisant servir les plats qu'il aimait2. En ce temps, les pelerins flamands se sentaient donc bien chez eux a Compostelle. Beaucoup etaient la d' ailleurs pour avoir ete condamnes au pelerinage expiatoire. Mais les tribunaux d' echevins pouvaient aussi les obliger a rester sur place une annee ou meme plus, ce qui revenait en quelque sorte a un bannissement. II y avait donc a l'apogee des pelerinages imposes toute une colonie de Flamands dans la ville de l'Apötre3. Apres les travaux de V AN CAUWENBERGH, MAES et VAN HERWAARDEN4 nos connaissances de cette pratique judiciaire se sont beaucoup accrues. Mais c'est surtout a A. GEORGES que nous devons la premiere synthese de tous les aspects du culte de Saint-Jacques en Belgique5. Les merites de 1 A. VIAENE, Vlaamse herbergte Compostella: 1538, dans: Vlaamse pelgrimstochten (Brugge 1982) p. 241-243 (Biekorf 65 (1964) p. 279-281). 2 A. VIAENE, Pelgrimshaven Nieuwpoort in de rij van Sluis, Amemuiden en Antwerpen 1428-1512, dans: Vlaamse pelgrimstochten, note 1, p. 245-250 (Biekorf 73 (1972) p. 129-134). 3 A. VIAENE, Vlamingen op strafbedevaart naar Compostella, dans: Vlaamse pelgrimsstochten, note 1, p. 219-235 (Biekorf 75 (1974) p. 379-395) 4 E. V AN CAUWENBERGH, Les pelerinages expiatoires et judiciaires dans Je droit communal de Ja Belgique au moyen age (Louvain 1922). L.-TH. MAEs, Vijf eeuwen stedelijk strafrecht. Bijdrage tot de rechts-en cultuurgeschiedenis der Nederlanden (Antwerpen, 's Gravenhage 1947). IDEM, Las peregrinaciones expiatores y judicales a Santiago de Compostela, Compostela (Oavijo 1951). lDEM, Mittelalterliche Strafwallfahrten nach Santiago de Compostella und Unsere Liebe Frau von Finisterra. Dans: Festschrift Guido Kisch (Stuttgart 1955) p. 99-118. J. VAN HERWMRDEN, Opgelegde bedevaarten (Assen, Amsterdam 1978). 5 A. GEORGES, Le pelerinage ä Compostelle en Belgique et dans Je Nord de Ja France 69 <?page no="78"?> cette reuvre ont ete reconnus par tous les specialistes. Neanrnoins, si ample que soit sa documentation, le sujet est si riche qu'il est a peine epuise. En tout cas, c'est surtout la carte a la finde son ouvrage qui fascine le lecteur. Sur la partie beige et celle du Nord de la France, on aper<; oit des symboles qui indiquent l'existence des eglises dediees a Saint-Jacques, des confreries et des hospices jacquaires. La plupart de ceux-ci sont relies par les lignes noires: ce sont les fameuses routes de Saint-Jacques. Comme c'est dans la nature de toute carte d'etre concrete et claire, elle contient aussi un <langer, parce qu'on la croit definitive. A partir de cette carte nous voudrions dans cette contribution reflechir sur les questions suivantes. Quels etaient les chemins que suivaient les pelerins dans ces contrees? Est-il possible de les fixer? Quelle etait la signification de ce trafic dans le cadre culturel de la societe? Determinons d' abord l'espace a etudier. Pour qu'on puisse deceler les traits specifiques du culte compostellan d'une region, il est necessaire qu'elle constitue une unite historique 6• GEORGES ne declare nulle part pourquoi il ne s'occupera quede la Belgique et de la France du Nord 7• A+il constate en effet que la plupart des chemins venant du Nord aboutissaient a Paris, de sorte qu'on peut considerer le tout comme un ensemble? De toute fac; on, en travaillant ainsi, le caractere specifique du culte compostellan et de la pratique du pelerinage en Belgique risque de se perdre. Mieux vau t, je crois, se limiter a cette partie des Anciens Pays- Bas, qui est devenue apres l'independence de la Republique des Pays- Bas du Nord (1648), les Pays-Bas Espagnols ou Meridionaux. A l'exception de la Hollande, les autres regions du Nord ne se sont integrees qu'assez tardivement dans le developpement culturel et economique de l'ensemble de ces pays. En plus, a cause de la Reforme, l'interet pour le culte de Saint-Jacques s'y est eteint beaucoup plus vite 8• Dans le Sud, les suivi d'une etude sur l'Iconographie de saint-Jacques en Belgique (Acad. royale de Belg.O. des Beaux-Arts, Mem. t. XIII, Bruxelles 1971). 6 H.-J. KoK, un specialiste renomme dans l'etude des saints patrons (en latin patrocinia, en allemand Patrozinien) remarquait: "Het is onhistorisch om bij het bestuderen van de middeleeuwse patrocinia de tegenwoordige grenzen van Nederland als afpaling van het terrein van onderzoek te nemen" (Proeve van een onderzoek van de patrocinia in het Middeleeuwse bisdom Utrecht (Assen, 1958) premiere these). 7 GEORGFS, Le pelerinage a Compostelle (note 5) p. VIII, n.1: "nous entendons par Belgique et Nord de la France, les anciens Pays-Bas meridionaux et ! es provinces frani; aises qui se nommaient: Flandre, Picardie, Normandie, Ile-de-France, Champagne et Lorraine", sans argumentation aucune. 8 VAN HERWAARDEN a constate que Je renom de Saint-Jacques et de Compostelle est beaucoup plus faible dans Je nord que dans Je sud (Pelgrims door de eeuwen heen. Santiago de Compostela in woord en beeld. (Turnhout 1985) p. 221-254). L'inventaire 70 <?page no="79"?> regions frarn; aises telles que la Normandie et les Ardennes n'ont jamais fait partie ds Pays-Bas, de sorte qu'il n'est pas opportun de les traiter ici. La region que nous etudierons englobe donc les comtes d' Arras, de Flandre et de Hainaut, les duches de Brabant, de Gueldre, de Namur, de Limbourg et de Luxembourg et la principaute de Liege, elle correspond a peu pres aux anciens eveches (avant 1559) d' Arras, de Tournai, de Cambrai et de Liege. Les temoignages les plus anciens sur la diffusion du cutte jacquaire aux Pays-Bas nous sont parvenus de la region mosane. Des la fin du x• et jusqu'au XII• siede cette region etait en plein essor. Les princes-eveques y stimulaient la vie economique et artistique. C'est en effet a Liege, ou etait leur residence, que fut inauguree en 1030 une eglise abbatiale dediee a Saint-Jacques le Mineur. Ace moment 1a les Liegeois faisaient deja le pelerinage a Jerusalem, mais le renom croissant de Saint-Jacques les poussa en 1056 a aller a Compostelle, pour obtenir, ce qui depuis lors n'est plus jamais echu a personne, une partie des reliques de l'Apötre lui-meme 9• Peu importe ici que l'abbaye liegeoise n'ait pas tenu compte de la difference entre le Mineur et le Majeur pour pouvoir legitimer cette acquisition precieuse, ni que son authenticite n'ait jamais ete demontree, notons seulement que ce recit a ete redige trop peu de temps apres le pelerinage a Compostelle lui-meme (vraisemblement entre 1095 et 1112) pour qu'il puisse etre conteste. Mais ce qui compte bien plus c'est que, selon le recit, l'idee d'un tel pelerinage leur avait ete suggeree par des etrangers, c'est-a-dire des ecdesiatiques de la dientele d'un certain 'Johannes de Osie', un noble flamand qui s'etait refugie dans la ville mosane. La famille d'Oisy occupait en effet au debut du XI• siede la chätellenie de Cambrai et J. SnENNoN a identifie le Johannes avec Jean, avoue d' Arras, qui, apres avoir essaye en vain de s'emparer du titre de chätelain de Cambrai, trouva refuge aupres d'Henri III, Empereur d'Allemagne 10• Tout cela prouve qu'en Artois le culte de Saint-Jacques s'etait deja repandu bien avant le debut du XI•siecle. A. GEORGES signale que la fete de l'apötre fut celebree, des le IX• siecle a Cambrai et des le X• a Saintprovisoire des objets d'art dans les Pays-Bas actuels se referant au culte jacquaire, dresse par M. MAoou, ne cornpte guere que 200 pieces (Mireille Madou, Jacobsstaf 1 (1989) p. 16-19). 9 Le rnanuscrit original de ce recit n' a pas ete conserve. Son contenu nous est parvenu grace ä. Gilles d'Orval: Gesta episcorurn Leodiensiurn (XIIIe s.), ed. J. HELLER, MGH Script., t.25 (1880) p. 82-86. Pour une analyse: J. STIENNON, Le voyage des Liegeois ä. Saint-Jacques de Cornpostelle en 1056, dans: Melanges F. Rousseau (Bruxelles 1958) p. 553-581 et GEORGFS, Le pelerinage (note 5) p. 101-107. 10 STIENNON, Le voyage (note 9) p. 556-558. 71 <?page no="80"?> Vaast 11 • En tout cas, aucun temoignage d'un pelerinage a Compostelle avant le milieu du XI• siede ne nous est parvenu de cette region 12• Au debut du XII• siede leur nombre ira en augmentant. Aux environs de 1120 un des plus celebres pelerins, Adalard, vicomte en Flandre et seigneur d'Eine et d'Oudenburg, fonda, au retour de Compostelle, sur le plateau de la Margeride, l'höpital d' Aubrac 13. C'est bien lors de la participation des Flamands a la deuxieme (1147), troisieme (1189) et quatrieme croisade (1217) quese sont etablis definitivement des liens entre la Flandre et la peninsule iberique. Ces liens etaient tout d'abord de nature commerciale mais, et cela des le debut, aussi religieuse. Pour les Flamands le commerce allait de pair avec la peregrination, puisque souvent les pelerins emportaient de la marchandise et faisaient des affaires. A Bapaume, a la frontiere franco-flamande, deja avant 1202, le passage de marchandises en provenance de "Saint- Jacques de l'autre cöte des monts espagnols" etait signale 14• Le tarif des droits de peage de Bapaume contenait des mesures speciales pour les "cars menant malades ou pelerins" 15. Ces liens nouveaux eurent aussi des consequences politiques. Apres la mort de sa femme Elisabeth (1182), Philippe d' Alsace, comte de Flandre, se remaria en 1184 avec Therese, fille du roi portuguais, Alphonse 11 6• On sait que son gouvemement ouvrit une periode de grande prosperite economique et qu'il chercha a s'affirmer face a son suzerain, le roi de France. De plus il avait une devotion speciale pour Saint- Jacques. II joua notamment un röle important dans un autre recit de reliques jacquaires, compose entre 1181 et 1192 17. II s'agit de l'abbaye de 11 GF.ORGF.S, Le pelerinage (note 5) p. 102. 12 II s'agit de Baudouin, eomte de Guines et de Ingelram, chätelain de Llllers qui lors de Ja bataille de Cassel (1072) ont promis d'aller a Compostelle et de fonder apre. leur retour un monastere. (GEORGF.S, Le pelerinage, note 5, p. 17-18. V AN HERWAARDEN, Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 222). 13 II s'agit d'Adalard II, fils de Cono de Eine et Oudenburg. Faisant partie de Ja plus haute noblesse flamande, il devint buticularius du eomte. II mourut en 1135. (E. WARLOP, The Flemish Nobility before 1300 (Kortrijk 1973) vol. 1, p. 96-98 et vol. 2, eo! . 1262. A. VrANE, Adalard van Eine en Oudenburg, in: Vlaamse pelgrimstochten (note 1) p. 272-279 (Biekorf 79 (1979) p. 65-72). 14 R. HÄPKE, Brügges Entwicklung zum Mittelalterlichen Weltmarkt (Berlin 1908) p. 142. 15 J. FINOT, Relations commerdales et maritimes entre Ja Flandre et l'Espagne au Moyen- Age, Annales du comite Flamand de Franee 24 (1898) p. 12. 16 Pour une biographie, voyez H. PIRENNE, Philippe d'Alsaee (1136/ 40-1191), Biographie Nationale 17 (1903) eo! . 163-176. 17 "De capite saneti Jaeobi apostoli fratris sancti Johannis evangeliste." L'auteur est vraisemblablement Guiman, moine de l'abbaye de Saint-Vaast sous l'abbatiat de Martin. VAN DRIVAL, Cartulaire de l'abbaye de Saint-Vaast d'Arras, redige au XII• 72 <?page no="81"?> r )> r r m s: : )> G) z m Cologne Am1: en. Paris VheLay LES AXES JACQUAIRES EN BELGIQUE Abb.7 Saint-Vaast a Arras qui aurait re<; u cadeau du roi de France, la tete de l'Apötre. La relique parvint au prieure de Berclau, mais environ un siede plus tard, l'abbe Martin voulut la recuperer. Philippe s'occupa de l'affaire et exigea la relique pour l'eglise qu'il avait erigee a Aire.Apres bien des querelles, on decida que le chef retournerait a Arras et que Aire en possederait une partie. Le contenu de ce recit pose pas mal de questions qui jusqu'ici n'ont pas toutes trouve de solution acceptable. Quelle est d'abord la signification de la donation du roi de France? Suffit-il de remarquer qu'elle doit etre inauthentique parce que selon la legende espagnole la relique de Saint-Jacques a Compostelle ne comportait pas encore le chef du saint 18 ? Comment expliquer ensuite l'intervention de Philippe d' Alsace? A. siede par Guiman (Arras 1875) p. 112-114. GEORGES a etudie le texte (Le pelerinage (note 5) p. 93-101). 18 Le chef aurait ete decouvert entre 1104 et 1108 a Jerusalem et depose dans la cathedrale de Compostelle en 1116 (ibid., p. 96-98). 73 <?page no="82"?> GEORGES y voit un echo de la querelle des Investitures qui se deroulait dans en ce moment entre l'Empereur Frederic Barberousse et le Pape Alexandre IIl 19• Mais pourquoi justement une relique de Saint-Jacques? S'agit-il ici d'une attention particuliere de Philippe? Le fait qu'il a luimeme peregrine a Compostelle en 1172 en est-il la preuve20? Tout cela meriterait encore d'etre exarnine plus profondement. Au debut du XII• siede le culte de Saint-Jacques dans les Pays-Bas est tellement repandu qu'on lui dedie un grand nombre d' eglises. Celle de Gand, devastee par un incendie en 1120, parait etre la plus ancienne. Beaucoup d' autres suivront. Il est evident que l' existence de reliques de l'Apötre a ete tres stimulatrice pour sa veneration, ce qui explique le grand nombre d'eglises de Saint-Jacques en Artois et dans la region liegeoise. Neanmoins il faut bien constater que l'etude de ces eglises n'a pas encore commence, car les raisons de la presence du patrocinium de Saint-Jacques ne sont pas partout les memes. La propagation de son culte dans la region du Zwin au debut du XIII' siede par exemple, peut etre expliquee par le fait que cet estuaire attirait toute sorte de voyageurs et donc aussi des pelerins venant du Nord 21 • Si ces recherches etaient faites d'une fac; on methodique, ces patrocinia pourraient nous servir de nouvelles sources de connaissances historiques et religieuses 22 • Et ce culte aboutissait-il toujours a un pelerinage? Vraisemblablement non. Quant au nombre de pelerins, des chercheurs trop enthousiastes ont propose des estimations tout a fait fantaisistes 23 • GEORGES nous presente une liste de cent cinquante noms de pelerins 24 • Comme le constate 19 Ibid., p. 98-100. 20 Giraldus Cambrensis, Ex expugnatione hibemica, dans MGH SS 27, p. 408 (GEORGES, Le pelerinage (note 5) p. 100 et VAN HERWAARDEN, Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 223). Philippe d' Alsace fonda aussi l'eglise Saint-Jacques a Capellebrouck, qu'il enrichit en 1172 d'une partie des reliques d'Aire (GEORGES, Le pelerinage (note 5) p. 77) 21 L'eglise Saint-Jacques de Bruges devint paroissiale autour de 1250 (ibid., p. 80). Dans la region du Zwin on avait des eglises dediees a Saint-Jacques a Hoeke (env. 1270), a Lissewege (XII" s.), et a Vlissingen (env. 1308). (J. BALLF.GEER, De kerk van Lissewege (Brugge 1985) p. 10-14) 22 Des savants comme H.J. KoK et M. ZENDER ont manifestement demontre la valeur d'une telle Patrozinienforschung. Voyez pour KoK, note 6. M. ZENDER a elabore ses methodes dans toute une serie d'etudes; e.a. dans: Räume und Schichtenmittelalterlichen Heiligenverehrung in ihrer Bedeutung für die Volkskunde: die Heiligen des mittleren Maaslandes und der Rheinlande in Kultgeschichte und Kultverbreitung (Köln 2 1973). 23 Comme, entre autres, celles de R. DE LA CosrE-ME$ELJERE, citees par GEORGES, Le pelerinage (note 5) p. 59 et L. MrEcK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela zwischen 1400 und 1650. Resonanz, Strukturwandel und Krise, Spanische Forschungen der Görresgesellschaft. Gesamm. Aufs. zur Kulturgeschichte Spaniens 29 (1978) p. 490-491. 24 GEORGES, Le pelerinage (note 5) p. 67-70. 74 <?page no="83"?> I. M! EcK, la seule chose qu'on peut en deduire c'est que probablement le voyage a Compostelle a connu une recrudescence aux Pays-Bas pendant les XI-XII• et les XIV-XV• siecles 25 . La liste de GEORGES peut d'ailleurs facilement etre elargie, puisqu'il n'a pas envisage les pelerinages expiatoires 26 • Le fait est la que quant au nombre de pelerins, nous ne disposons pas de donnees qui permettent d'etablir des statistiques. Neanmoins, il y a de temps en temps quelques informations tres concretes d'une valeur tres significative. Les fouilles archeologiques realisees dans quelques anciens villages actuellement submerges de l'estuaire de l'Escaut permirent la decouverte de plus de huit cents insignes de pelerinage. Leur examen montre que parmi les habitants de ces villages qui voulaient aller en pelerinage, il n'y en avait qu'une modeste partie qui choisissait Compostelle27. V AN HERWAARDEN a constate que la preference des juges pour Compostelle n'etait pas plus grande, bien qu'on doive ici aussi tenir campte de la gravite des delits 28 • Evidemment chaque jacquaire qui traversait les Pays-Bas n'etait pas un indigene. Leur routes drainaient aussi beaucoup de pelerins venant du Nord, de l'Est et de l'Ouest. C'est ce qui rend tres significatives les donnees que GEORGES nous presente quant au nombre de 'passades', c'est-a-dire la somme procuree au pelerin par les confreries de Saint- Jacques leur permettant de passer une soiree et une nuit dans la ville. Les listes des confreries de Maubeuge et de Ath prouvent que meme dans la periode du declin, a partir du XVI• siede, le nombre des pelerins de passage reste important, quoiqu'il soit tres tributaire de la situation politique. A Maubeuge 287 passades sont delivrees entre 1632 et 1638; a Ath, entre 1724 et 1739, 223 29 • Aux Pays-Bas il eut toujours un bon nombre de pelerins qui prefererent se rendre a Compostelle en bateau. Les conditions defavorables de tels voyages etaient cependant bien connues 30 • La raute partait du Zwin (Sincfal dans les textes anciens) et passait par les ports anglais, entre autres: Dover, Portsmouth, Plymouth et Bristol, apres quoi on naviguait 25 MIF.CK, Zur Wallfahrt (note 23) p. 487 et 486-499. 26 A. VIAENE nous signale deja une soixantaine de noms nouveaux (Vlaamse pelgrimstochten (note 1) p. 215-255 passim). 27 R.M. V AN HEERINGEN/ A.M. KOLDEWEIJ / A.A.G. GAALMAN, Heiligen uit de modder. In Zeeland gevonden pelgrimstekens. (Zutphen 1987) p. 18-25. 6% seulement de tous les insignes viennent de Compostelle. 28 Moins de 10% de tous ! es pelerinages expiatoires entre 1383 et 1563 avaient pour but Compostelle. (VAN HERWAARDEN, pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 239). 29 GEORGF.'l, Le pelerinage (note 5) p. 62-64. 30 Voyez par exemple "The pilgrims' sea voyage" conserve dans un manuscrit datant entre 1422 et 1461. (Early EnglishText Society 25 (London 1867) p. 30-37). 75 <?page no="84"?> d'habitude directement vers La Corune 31 . Entre 1400 et 1550 Nieuwpoort gagne en importance3 2, mais apres 1500 c'est Anvers qui devient le port des pelerins le plus important3 3• Malgre tout, la plupart des pelerins optaient pour la marche a pied. Examinons maintenant les routes qu'ils suivaient dans les Pays-Bas, mais d'abord quelques explications sur les mots route de pelerinage et route de Saint-Jacques. Ces notions assez recentes ne sont pas sans ambiguite. 11 se peut qu'elles aient une valeur historique34, en tout cas il serait faux de croire que des 'routes' ont ete tracees pour le seul usage des pelerins 35 • Sans doute les routes suivies par les pelerins en Espagne et peut-etre aussi les routes majeures en France possedent une nature commune et ont-elles eu une influence particuliere sur la vie religieuse, economique, sociale et artistique des regions qu'elles traversaient. Si on pouvait delimiter cette nature et ces influences, on disposerait d'un instrument utile pour reconnaitre un chemin comme route de Saint-Jacques. Une telle delimitation est-elle possible? Peut-etre. Ce qui nous interesse pour l'instant c'est de savoir quelles sont les routes empruntees par les pelerins compostellans passant par les Pays-Bas et si leur passage a eu des consequences quant a la vie culturelle locale. Pour la redaction de la carte a la finde son ouvrage, A. GEORGES s'est base sur la presence, d'abord des couvents, prieures ou abbayes, ensuite des höpitaux fondes par les confreries de Saint-Jacques le long des routes possibles 36 • J. van Herwaarden a remarque que les pelerins de Compostelle ne montraient pas toujours une preference pour des eglises et des etablissements dedies a leur saint. S'ils trouvaient sur leur chemin un höpital qui n'etait pas dedie a Saint-Jacques, ils ne faisaient pas de detour pour coucher ailleurs 37. 31 V AN HERwAARDEN, Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 225-226. 32 VIAENE, Vlaamse pelgrimstochten (note 1) p. 223 et 255. 33 Surtout pour ceux qui peregrinaient vers la Terre Sainte. Dirk van Paschen y possedait une entreprise specialisee dans de tels voyages. ll naviguait aussi en direction de Cornpostelle. (ibid., p. 217 et 249). 34 L'auteur du Guide du pelerin (livre IV du "Codex Calixtinus") parle de 'CJiae Sancti / acobi, iter Sancti / acobi (J. VIELLARD, Le guide du pelerin de Saint-Jacques de Cornpostelle (Paris 2 1985) p.1). Selon R. LA Cosn: -MES.5ELIERE la "Via Turonensis" en Poitou est denornrnee dans les textes d'archives "grand chernin de Saint-Jacques", etc. (GEORGF.S, Lepelerinage (note 5) p. 168). 35 CHR. DE CRAF.CI<ER-DUSSART, La notion de 'route' au Moyen-Age, Le Moyen Age 86 (1980) 49-60, p. 63. J. HUBERT, Les routes du Moyen Age, dans: Les routes de France depuis les origines jusqu'a nos jours (Paris, 1959) p. 42 et 45. 36 GEORGF.S, Le pelerinage (note 5) p. 170-171. 37 V AN HERWAARDEN, Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 126-127. 76 <?page no="85"?> Que racontent les pelerins eux-memes? Dans la liste des temoignages oculaires de Compostelle dressee par I. MIECK 38, on ne trouve que cinq pelerins ou voyageurs qui font mention de leur itineraire dans les Pays- Bas. II s'agit de Leo von Rozrnital39, H. Münzer4°, H. Künig von Vach 41 , Arnold von Harff42 et Pieter Rindfleisch 43 • On peut en deduire une seule chose: pour ceux qui se rendaient a Compostelle ou en revenaient, il existe aux Pays-Bas deux grand axes, c'est-a-dire un axe Nord-Sud et un axe Est-Ouest. Si nous voulons les etudier de plus pres, nous devons faire appel a d'autres sources d'information qui traitent de l'histoire routes au Bas Moyen Age et dans les Temps Modemes. Pour la connaissance des routes de ces periodes nous disposons d'une source d'une richesse sans egale. 11 s'agit d'un itineraire insere a la fin du XVe siede dans un "codex" appartenant a Raphael de Mercatellis, mais vraisemblablement redige un siede plus töt, aux environs de 1380, par un flamand 44• Partant de Bruges, en ce temps-la a l'apogee de sa puissance econornique, cet itineraire mentionne environ 2400 lieus d'etape, en creant ainsi un reseau routier qui recouvre comme une toile d'araignee toute l'Europe4.5. Cet "Itinerarium brugense" fut compose tout a la fois pour les marchands et pour les pelerins. Sur la route baltique par 38 L. MIECK, Les temoignages oculaires du pelerinage a Saint-Jacques de Compostelle. Etude bibliographique (du XII• au XVIII• siede), Compostellanum 22 (1977) p. 203- 232. 39 Il voyagea a Compostelle 1465-1467 (Des boehmischen Herrn Leo's von Rozmital ritter-, hof- und pilger-reise durch die Abendlande 1465-1467. Beschrieben von zweien seiner Begleiter (Bibl.Lit.Vereins 7) (Stuttgart 1844). 40 ll voyagea a Compostelle en 1484 (Itinerarium Hispanicurn Hieronymi Monetarii, ed. L. l'FANDL. Revue Hispanique 48 (1920) p. 1-179). 41 Sa relation parut en 1495. Pour 1a description de son itineraire aux Pays-Bas: vv. 559- 626 (ed. K. HAEBLER, 1899). Pour une appreciation, voyez: K. HERBERS, Der erste deutsche Pilgerführer: Hermann Künig von Vach, Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (Red. K. HERBERS, Tübingen 1988) p. 29-49. 42 Son voyage date de 1499. (Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff, ed. E. VON GROOTE, 1860). Son itineraire se trouve aussi dans: E.T. HAMY, Le livre de la description des Pays de Gilles Le Bouvier, dit Berry (Paris 1908) p. 236-237. Pour une presentation, voyez: H. BECKERS, Die Reisebeschreibung Arnold von Harff, Deutsche Jakobs-pilger und ihre Berichte (Red. K. HERBERS, Tübingen 1988), p. 51-60. 43 II accomplit son voyage en 1506-1507. Pour son itineraire v.: R. RöHRia-rr ET H. MEISNER, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande (Berlin 1880) p. 345-347. 44 Le codex est decrit par A. DEROLFZ: The Library of Raphael De Mercatellis,Abbot of St. Bavon's Ghent 1437-1508. (Gent 1979) p. 268-272. L'itineraire ne porte pas de titre. ll est transcrit par J. LELEWEL, 'Itineraire brugeois de la fin du XIV• siede, Geographie du Moyen-Age 3-4. (Bruxelles 1865) p. 281-308 et par E.T. HAMY, Le livre de ladescription des Pays de Gilles Le Bouvier, dit Berry. App. IV: Itineraire de Bruges, XV siede (Paris 1908) p. 157-216. HAMY donne comme date Je XV• siede sans aucune motivation. 45 C'est avant tout H. KRüGER qui a decouvert Ja richesse et l'originalite de ce docurnent (Das älteste Deutsche Routenhandbuch. Jorg Gails 'Raißbuchlin (Graz 1975) p. 2-3). 77 <?page no="86"?> exemple, on ne retrouve pas seulement les grandes villes hanseatiques avec lesquelles Bruges etait a cette epoque economiquement liees, mais aussi des lieux de pelerinage dont quelques-uns aujourd'hui sont presque completement oublies 46. De plus, ces centres commerciaux etaient tres souvent, eux aussi, des centres de pelerinage, pensons a Cologne, Lübeck, Danzig et Riga. II est bien curieux de constater qu'a cause de cette comcidence des aspects religieux et commerciaux A. GEORGES rejette ce document comme source valable 47, alors qu'il s'agit ici d'un trait fondamental du pelerinage aux Pays-Bas 48. La deuxieme partie de l'itineraire brugeois est consacree aux routes vers Compostelle. Entre Paris et Compostelle, on y retrouve les routes classiques. Pour se rendre de la Flandre a Paris, l'auteur decrit deux chemins avec pour chacun une variante. Partant de Bruges ou d'Ypres, on empruntait le chemin d'Arras et on atteignait ainsi Paris par Bapaume ou par Amiens. Ceux qui partaient de Gand ou des villes brabam; onnes passaient par Valenciennes et pouvaient choisir entre Cateau-Cambresis ou Cambrai pour arriver a Paris. A la finde l'äge d'or de Bruges, indiquee de fa<; on symbolique par le deplacement des bureaux de la Hanse a Anvers en 1516, l'axe Nord-Sud s'incline vers l'Est. A partir du debut du XVI• siede, la route la plus importante passera par Anvers, Bruxelles et Valenciennes. Sous les ducs de Bourgogne Bruxelles devint le centre politique du pays, ce qui augmentait encore l'importance des communications entre cette ville et la capitale de la France. Pour ceux qui vont a Compostelle passant par les Pays-Bas, c'est le chemin le plus court. On le mentionne maintes fois. Neanmoins l'itineraire n'est pas toujours le meme. Hermann Künig par exemple passe par Amiens, Arras, Douai, Valenciennes, Mons, Soignies, Braine le Comte, Halle et Bruxelles, tandis que Arnold Von Harff mentionne Cambrai, Haspres, Valenciennes, Quievrain, Mons, Halle et Bruxelles. Pieter Rindfleisch suit la meme route 49 • Sur cet axe aussi les voyageurs disposaient donc de variantes 50 • Comme M. Bwrn l'a demontre, il s'agit ici plutöt d'une regle que d'une 46 H. KR.OGER, Der Wallfahrtsort Sankt Marien auf dem Gollenberg bei Köslin, Baltische Studien 47 (1960) p. 65-70. Beaucoup de ces lieux etaient destines a des pelerinages expiatoires: A. VIAENE, Onze-Lieve-Vrouw van Lübeck, dans: Vlaamse pelgrimstochten (Brugge 1982) p. 75-79, et dans: Volkskunde 66 (1965) p. 9-13. 47 "Nous ne retiendrons cependant pas cet itineraire" (GEORGES, Le pelerinage (note 5) p. 171-172, n. 3 avec argumentation). 48 II en etait de rneme dans Jes centres cornrnerciaux de Ja Baltique: MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (note 23) p. 492-493, avec de plus amples references. 49 Pour Jes textes voyez n. 39, 41 et 42. 50 "Die unterschiedlichen ltineraraufzeichnungen Jassen vielmehr erkennen, daß wir es 78 <?page no="87"?> exception. Les routes anciennes n'avaient pas de trace delimite, elles consistaient plutöt en un faisceau de chemins qui, tout en se longeant et en se croisant, suivaient la meme direction 51 . Passons a l'axe Est-Ouest, qui au temps des Romains figurait comme l'epine dorsale du trafic dans ces regions. C'etait la grande voie Cologne-Bavai-Boulogne. On sait que ces voies romaines ont survecu encore longtemps au debut au Moyen Age, meme si a cause de l'insecurite generale, l'intensite du trafic ait beaucoup diminuee. Apres cette periode, les centres economiques changerent. Des le debut du XI• siede des temoignages d'une route ralliant Cologne a Bruges sont arrives jusqu'a nous 52 • Auparavant le trafic entre ces deux villes se faisait par le Rhin, mais depuis lors les marchands se sentaient sur terre hors de danger. Quelques historiens ont suppose que ce chemin fut a l'origine de villes nouvelles dans le Brabant, telles que Bruxelles et Louvain 53. De nos jours cette these n'est plus acceptee teile quelle. La plupart de ces villes existaient deja avant le developpement de l'axe Bruges-Cologne, ce qui n'empeche pas que, gräce a ces nouveaux contacts, elles sont devenues florissantes 54• Une partie de cet axe a ete incorporee dans la Niederstraße, c'est-a-dire, selon H. Künig von Vachs.5, le chemin emprunte par les pelerins allemands au retour de Compostelle. Venant du sud, en general de Paris, ils obliquaient a droite aux environs de Bruxelles. Les anciennes cartes nous montrent qu'ici aussi ils n'avaient que l'embarras du choix5 6• Grosso modo il s'agit de deux routes paralleles aboutissant a Aix-la-Chapelle: l'une passant par Malines, Diest, Hasselt et Maastricht, l'autre par Louvain, Tirlemont, Saint-Trond et Tongres. Toutes ces villes ont garde de riches souvenirs jacquaires: elles possedent ou bien une eglise, une confrerie ou un höpital dedie a l'Apötre5 7 • Chemin faisant le mit einer zerfaserten Spur von Parallelstraßen zu tun haben" (KRÜGER, Das älteste deutsche Routenhandbuch (note 45) p. 2-3). 51 Pour une discussion, v. J. BoNENFANT, L'origine des villes brabanc,onnes et la 'route' de Bruges a Cologne, Revue belge de philologie et d'histoire 31 (1953) p. 408-411. 52 Voyez pour cette route: idem. 53 L'auteur de cette opinion fut H. PlRENNE (Histoire de Belgique 1 (Bruxelles 1929) p. 186-187, 189 et 232). 54 C'est cette these qu'a developpee J. ßoNENFANT. 55 Son recit comporte deux sections: le Oberstraße et le Niederstraße (HERBERS, Der erste Deutsche Pilgerführer (note 41) p. 36). 56 L'itineraire de Bruges mentionne deux routes (p. 161-162 dans la transcription de E.T. HAMY). La carte de Etzlaub (1500), celle de J. Gail (1563) et quelques autres au XVI siede ne donnent pas les memes etapes (KRÜGER, Das älteste Deutsche Routenhandbuch (note 45) p. 148-156). 57 Voyez la carte de GEORGF.S a la finde son ouvrage. 79 <?page no="88"?> voyageur, pouvait evidemment changer de route, comme l'ont fait apparemment von Vach et von Harff58. En venant du Sud on disposait de plus d'un raccourci. En sortant de Valenciennes, on coupait tout droit par Nivelles et Jodoigne et on ratrappait la grand-route a Saint-Trond. Cette bretelle suivait de plus pres l'ancienne voie romaine5 9• Depuis le Xlle siede cette route stimulait l'activite economique des villes qu'elle reliait. Le grand nombre de fondations religieuses le long de cette route devait attirer egalement beaucoup de pelerins et peut-etre aussi pas mal de jacquaires 60 • Les recits de pelerins ne mentionnent pourtant pas cette route, mais Albert de Stade nous en a garde une description minutieuse6 1. Finalement, les pelerins de Saint-Jacques empruntaient dans les Pays-Bas encore deux autres routes. Elles s'inscrivent dans le grand axe Nord-Sud, bien qu'elles se soient developpees independamment l'une de l'autre. Contrairement aux autres routes deja mentionnees, ces deuxci n'aboutissaient pas obligatoirement a Paris. II s'agit d'une part de la route qui quitte l'axe Est-Ouest a Aix-la-Chapelle et suit apres Liege la vallee de la Meuse, et d'une route sortant de Liege en direction du Sud, a travers les hauteurs ardennaises. La premiere bifurquait a Civet, et soit par Saint-Quentin, soit par Reims eile atteignait Paris. Neanmoins, le pelerin pouvait aussi bien aller plus vers le Sud et chercher a atteindre Vezelay, point de depart d'une grande route jacquaire. En suivant l'autre route on pouvait faire de meme ou bien passer par Dijon pour aboutir au Puy, point de depart de la troisieme grande route frarn; aise. Qui freqentait ces routes? C'etait surtout des pelerins allemands, mais probablement aussi des gens qui avaient deja suivi la Meuse plus en aval, venant de la Gueldre ou meme de plus haut. Le pays mosan que traversaient ces routes possede une longue tradition culturelle qui remonte au Haut Moyen Age. Avec ses six abbayes ou 58 Tous les deux passaient par Bruxelles, Louvain, Diest et Maastricht (H. König von Vach, vv. 559-626 et A. Von Harff, vid. 1-IAMY, Le livre de la description (note 44) p. 236-237. 59 B. DEI.ANNE, Histoire de la ville de Nivelles des origines au XIII• siede, Annales du Cercle archeologique et folklorique de Nivelles 14 (1944) p. 142 et 127-128; P.J. LEi'EvRE, Quelques vieux chernins du roman pays de Brabant, Folklore Braban~n 93- 94 (1937) p. 214-224. 60 Nivelles (Sainte-Gertrude), Saint-Trond et Maestricht (Saint-Servais) etaient les centres les plus importants. 61 Insere dans sa chronique il nous a decrit l'itineraire de Stade a Rome (Annales Stadenses, ed. M. LAPPENBERG (MGH 55 26 (1859) p. 335-340). II a fait lui-meme ce voyage en 1236, comme il le mentionne a la p. 366 (GFORGES donne abusivernent 1240 (Le pelerinage (note 5) p. 181) et V AN HERWAARDEN l'a suivi (Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 125). D'ailleurs, son voyage n'etait pas un pelerinage comme le soutient GEORGES, mais avait un caractere diplomatique). 80 <?page no="89"?> prieures, la ville de Liege etait aussi un centre religieux de premiere importance. Nous avons deja montre comment le culte de Saint-Jacques y prit racine au Xle siede. A. GEORGES signale que l'hospice Saint-Jacques pres du Pont Avroy existait deja en 1078, ce que VAN HERWAARDEN a refute 62• 11 n'empeche que la tradition de l'Apötre est bien repandue dans toute la region. La route qui traverse les Ardennes n'a cependant pas encore ete suffisamment examinee. GEORGES mentionne quelques toponymes qui ont un rapport avec Saint-Jacques mais ne peut rien dire sur leur origine 63• 11 est un fait que la region frontiere entre le royaume de France et l'empire allemand comptait un grand nombre d' eglises dediees a Saint-Jacques. Bourg-Saint-Jacques, un village aux environs de Rethel, est mentionne dans un document d'avant 1167'64. Essayons de formuler quelques conclusions. Quoique l'appartenance au patronage de Saint-Jacques n' a pas encore ete profondement etudiee, il est clair que sur le plan local il existait aux Pays-Bas une interaction entre le culte et le pelerinage jacquaire: le culte fut stimule par le pelerinage et vice versa. Toutefois, le passage de pelerins etrangers a ete bien plus important que le pelerinage des habitants eux-memes. 11 semble que plus on s'eloignait de Compostelle, plus on se sentait moins oblige de suivre un itineraire fixe. Les pelerins de passage se laissaient plutöt guider par les circonstances quotidiennes. Si cela leur convenait, ils faisaient usage des services que leur presentaient les confreries de Saint-Jacques locales. Sinon, ils cherchaient d'autres moyens. Apparemment ces pelerins n' ont pas stimule le culte local de Saint-Jacques, ni de quelqu'autre saint, bien que la plupart ce ceux qui se rendaient a Compostelle y allaient pour des raisons religieuses. Lors de leur passage aux Pays-Bas, leur but etait avant tout de trouver une bonne route qui leur permettait d'avancer vite. Les pelerins passant par les Pays-Bas ou partant de la, ont ils donne aux routes qu'ils suivaient dans ces regions des traits propres qui les distinguaient d'autres routes? Cela est peu probable. Comme on a vu, les activites economiques semblent etroitement liees au pelerinage, ce qui fait que dans les Pays-Bas l'interference entre les deux est tres complexe. En Espagne et a un degre moindre aussi en France, le pelerinage a laisse d'autres traces plus distinctes aussi bien sur le plan religi- 62 GEORGF.S, Le pelerinage (note 5) p. 152; VAN HERWMRDEN, Pelgrims door de eeuwen heen (note 8) p. 225. 63 GEORGF.S, Le pelerinage (note 5) p. 181. 64 M. GYSSEIJNG, Toponymisch woordenboek van Belgie, Nederland, Luxemburg, Noord-Frankrijk en West-Duitsland (voor 1226), Vol. 1 (Tongeren 1960) p. 174. 81 <?page no="90"?> eux, que dans les arts et meme dans la politique. Plus on s'eloigne de Compostelle, plus ces traces s'evanouissent. Toutefois, ce qui reste est peut-etre le plus important: le fait notamment que tout ceux qui ont entrepris et entreprennent encore aujourd'hui ce pelerinage expriment en quelque sorte un meme esprit europeen, si difficile qu'il soit a determiner. Resumen: A pesar de su pequei\a superficie y de la larga distancia entre Compostela y los antiguos Pafses Bajos, estos ocupan un lugar bastante importante en las investigaciones compostelanas. En dichas regiones, el culto de Sant'Iago ya se habfa extendido en el siglo XI y la peregrinaci6n a Compostela era practicada frecuentemente. Por otra parte, los Pafses Bajos funcionaban tambien como cruce de caminos para los peregrinos que venfan del Norte y del Este. Para atravesar estas regiones, disponian de muchas posibilidades. Sin embargo, sus itinerarios pueden agruparse en algunos grandes ejes que seguian las grandes vfas comerciales. 82 <?page no="91"?> Wege und Spuren der Santiago-Pilger im Oberrheintal HEDWIG RöcKELEIN UND GOTTFRIED WENDLING I Seit einigen Jahren erlebt die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela eine Renaissance. Nicht nur die Gründung verschiedener nationaler Jakobus-Gesellschaften, nicht nur die stetig steigende Zahl der Pilger, die jährlich Santiago erreichen, sondern auch vielfältige Veröffentlichungen in Büchern, Presse und Fernsehen legen davon Zeugnis ab. Bei der Wiederentdeckung der Santiagopilgerfahrt spielt der "Pilgerweg" eine herausragende Rolle. Dies ist durchaus verständlich, denn anders als nach Rom, wohin bekanntlich viele Wege führen, erscheint dem mitteleuropäischen Pilger der "camino frances" als der Pilgerweg schlechthin. Der moderne Pilger, der sich meist nicht mehr wegen einer christlichen Heilserwartung zum Apostelgrab im fernen Galicien begibt, glaubt hier, auf dem "historischen", ja "authentischen" Weg, eine sinnliche Erfahrung von Geschichte machen zu können. Zugleich motiviert das Erlebnis des "camino frances" zur Suche nach den Wegen der Jakobspilger in der eigenen Heimat. Die geographische Route, die Straße, fasziniert aber nicht nur die Gläubigen und modernen Reisenden, sondern auch die Wissenschaftler, die sich der Erforschung der Geschichte der Pilgerfahrt nach Compostela widmen. Der berühmte Pilgerführer des Aimery Picaud spielt dabei eine Schlüsselrolle. Als erster "Reiseführer" des Mittelalters überhaupt und als einzigartige Quelle des 12. Jahrhunderts fehlt er in keiner Darstellung der Jakobus-Pilgerfahrt und die von ihm beschriebenen vier Pilgerwege durch Frankreich gehören längst zu den Standardtopoi der Jakobusforschung. Einen vorläufigen Höhepunkt in der Beschäftigung mit den Jakobswegen bildet das Projekt des Europarats "Les chemins de Saint-Jacques: Itineraire culturel europeen", der in seiner "Declaration de Saint-Jacques de Compostelle" an erster Stelle "l'identification des chemins de Saint-Jacques sur l'ensemble du territoire europeen" fordert. 1 Wir danken dem Europazentrum Tübingen für die finanzielle Unterstützung unserer Archivreisen. 1 Die "Declaration de Saint-Jacques de Compostelle" ist abgedruckt in der Zeitschrift des Europarats "Un avenir pour notre passe" Nr. 32 (1988) 5. 4. 83 <?page no="92"?> Was aber sind Jakobswege? 2 In der wissenschaftlichen Diskussion wurde trotz aller als gesichert ausgegebener Erkenntnisse über den Verlauf der Jakobswege nicht definiert, was darunter zu verstehen sei. Handelt es sich um Wege, die eigens für Jakobspilger eingerichtet oder überwiegend von ihnen benutzt wurden? Wollte man diese enge Definition zugrundelegen, müßte man wohl weitgehend auf den Begriff "Jakobsweg" verzichten. Denn es ist fraglich, ob selbst der "camino frances" dieser strengen Begriffsbestimmung gerecht werden könnte, von den Wegen in Mitteleuropa ganz zu schweigen. Oder handelt es sich um alle Wege, die von Jakobspilgern begangen wurden? Damit würde der eigene, für jeden einzelnen Pilger bedeutsame Weg erfaßt, und die Diskussion von der Wegeproblematik auf den Pilger als Träger des Jakobskultes verlagert. Die zu erwartende "Inflation" von Pilgerwegen läßt diese Definition heuristisch jedoch nicht ratsam erscheinen. Die wissenschaftliche Diskussion tendiert wenn auch unreflektiert und unausgesprochen dazu, unter Jakobswegen diejenigen Straßen und Wege zu verstehen, die von der Mehrzahl der Jakobspilgerbenutzt wurden, auch dann, wenn diese im Vergleich zu anderen Reisenden in der Minderheit waren. Wenn man bedenkt, wie wenige Routen in Deutschland durch Berichte von Jakobspilgern faßbar sind, so ist zu fragen, woran man die solchermaßen definierten Jakobswege erkennen kann. Die Antwort scheint einfach: an den vielfältigen Spuren, die die Pilger hinterlassen haben. Entlang einer Route, die häufiger von Pilgern begangen wurde, sollten mehr Spuren zu finden sein, als an einem Weg, den kaum einmal ein Jakobspilger benutzte. An dieser Stelle hat sich nun ein methodischer Kurzschluß in die Diskussion eingeschlichen, die Annahme nämlich, daß jeder Hinweis auf den Apostel Jakobussei es eine Statue in einer Kirche, ein Patrozinium, ein Altarbild, eine Bruderschaft oder das Patrozinium einer Herberge als Beweis für durchziehende Jakobspilger zu werten sei: "Eine weit verästelte Organisation von Pilgerkapellen, Jakobusbruderschaften, Hospitälern, von Brücken- und Wegebauten mit eigenen Zöllen diente diesen Pilgern und ermöglichte so den Minderbemittelten, sich auf den langen Wallfahrtswegen billig durchzuschlagen.[...] G. Schnürer weist mit Recht darauf hin, daß die Pilgerwege nach Santiago noch 2 Die nachfolgenden Gedanken beruhen auch auf einer Diskussion mit Prof. Derek Lomax, Birmingham, während der Tagung auf Schloß Schney. 84 <?page no="93"?> heute an Jakobskirchen und -bruderschaften kenntlich sind." 3 Entgegen der hier vertretenen und weithin rezipierten Auffassung HÜPFERS erscheint es uns unabdingbar, zwischen Indizien für Pilgerwege und Indizien für die allgemeine Verehrung des Apostels Jacobus maior zu unterscheiden. Für die weitere Forschung muß daher als Konsequenz folgen, daß grundsätzlich alle erhaltenen Spuren der Jakobusverehrung in einer Region zu erforschen und zeitlich zu differenzieren sind. Möglicherweise ergibt dann die räumliche Verteilung dieser Spuren für einen bestimmten Zeitraum Hinweise zur "Rekonstruktion" von Jakobswegen. Darüber hinaus sind die Ergebnisse anderer Disziplinen heranzuziehen: Altstraßenforschung, historische Kartographie, Handels- und Verkehrsgeschichte, Reiseberichte und Itinerare, Wegepolitik und Geleitrechte der lokalen Herrschaften usf. Ergänzend müssen bei den Santiagopilgern die religiösen Motive berücksichtigt werden. Ihre Wegewahl stand auch unter dem Einfluß von überregionalen religiösen Kultstätten und von Einrichtungen, die für die Pilger wichtig waren, beispielsweise den Herbergen. Alle diese Informationen zusammengenommen erlauben es, Hypothesen zu den Wegen der Jakobspilger aufzustellen. Nicht mehr und nicht weniger. Ob diese Hypothesen mit den tatsächlich begangenen Routen übereinstimmen, vermögen wir nicht zu entscheiden, denn Pilger gehen bisweilen unvorhersehbare und unerwartete Wege. Für das deutsche Sprachgebiet gibt es bis jetzt keine Region, die durch die Forschung in dieser Art untersucht worden wäre. 4 Auch unser Beitrag über das Oberrheingebiet ist nur ein erster Schritt zu einer umfassenden Darstellung. II Eingeschlossen von den Höhenrücken des Schwarzwaldes und der Vogesen erstreckt sich das Oberrheingebiet etwa von Basel im Süden bis Bruchsal im Norden. Obwohl heute durch Staatsgrenzen geteilt, ist diese Landschaft im Dreiländereck Deutschland/ Schweiz/ Frankreich 3 H.J. HÜFFER, Sant'Iago. Entwicklung und Bedeuhmg des Jakobskultes in Spanien und dem Römisch-Deutschen Reich (München 1957) S. 63. 4 Für Deutschland liegt lediglich eine gründliche Regionalstudie über Franken vor: R. PLöTZ, Santiago-peregrinatio und Jakobus-Kult mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Frankenlandes, in: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 31 (Münster 1984) S. 24-135. Besonders Abschnitt II: Die Ausstrahlung des Jakobus- Kultes auf Deutschland, besonders auf Franken, S. 60-134. Die Pilgerwege (S. 74-79) 85 <?page no="94"?> -die "Regio" eine historisch gewachsene Einheit: Vom Mittelalter bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war der oberrheinische Raum in politischer, ökonomischer und religiöser Hinsicht über den Rhein hinweg vielfach verflochten. Auch in geographischer Hinsicht bildet die Region eine Einheit, begrenzt von den Mittelgebirgen im Osten und Westen, welche die Verkehrsverbindungen erheblich erschwerten, während die flache Vorbergzone beidseits des Flußes den Verkehr begünstigte. Wir können annehmen, daß auch Pilger nach Santiago de Compostela das in der "Regio" vorhandene Straßennetz als Teilstück europäischer Nord-Süd-Verbindungen nutzten, doch ist uns bis jetzt nur ein einziger Text eines deutschen Jakobspilgers bekannt geworden, der einen Weg in unserer Region beschreibt: Der Pilgerführer des Hermann Künig von Vach von 1495. 5 Zwar beginnt die Darstellung des Pilgerweges auf dem Hinweg erst in Einsiedeln, aber bei der Beschreibung des Rückweges von Compostela über die sogenannte Niederstraße erwähnt Künig zweimal unsere Region. So bemerkt er bei der Stadt Tours, daß von hier viele Pilger durch Lothringen direkt nach Deutschland zurückgehen. Da [in Tours nämlich] ghen abe etzlich bruder zu der rechten hant / Vnd kamen durch Westerich jn theutsch lant / da magstü dich dynes leydes ergetz / Uff der straß magstü ghen gen Widerßdorff oder gen Metz6. Während die Erwähnung von Metz eher eine Route Richtung Trier oder Mainz andeutet, liegt Widersdorf 7 an der von Nancy über Saint-Nicolas-de-Port nach Saverne und Straßburg führenden Fernverbindung. Diese Strecke spricht Künig auch in den Versen 527-530 an: Wiltu aber zu sant Niclaßporten zugan / So magstu den wegk lassen anstan / Vnd magst ghen zu der rechten hant / Dan komestu gen Straßburg zu hant. Obwohl die vier Zeilen an falscher Stelle8 gedruckt sind, ist an der Zusammengehörigkeit der beiden Textpassagen nicht zu zweifeln. 9 Daß man in den Pyrenäen bisher einen S. Nikolauspaß verwerden innerhalb des Kapitels: "Jakobus im fränkischen Patrozinienwesen" behandelt. Der Autor beschränkt sich hierbei auf eine Aufzählung von Kirchen und Kapellen mit Jakobspatrozinien an Altstraßen. 5 Nachdruck der unpaginierten Druckausgabe von Straßburg (Matthias Hupfuff, ohne Datum) in: K. HÄBLER, Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach und die Pilgerreisen der Deutschen nach Santiago de Compostela (Straßburg 1899) nach S. 88. 6 Vers 581-584 der genannten Ausgabe. 7 Französisch Vergaville. Das Benediktinerinnenkloster war bis zur französischen Revolution ein bekannter lothringischer Wallfahrtsort zu Ehren des hl. Eustasius. 8 Sie stehen zwischen den zwei Wegvarianten, die Künig am steinernen Kreuz bei Burgos für seine Leser bereithält und die ohne die Verse 527-530 sehr gut zusammenpassen: Vers 523-526 der Weg nach links über den "Portenberg" (Puerto de San Adrian) und Vers 531-532 rechts weiter nach Pamplona. 9 Erstmals wurde das erkannt von: H. KRÜGER, Kartographische Zeugnisse für den 86 <?page no="95"?> geblich suchte 10, verwundert nicht, ist hier doch der lothringische Wallfahrtsort Saint-Nicolas-de-Port an der Route nach Straßburg gemeint. Der venezianische Reisende Bartolomeo Fontana ist der zweite Gewährsmann, der auf seinem Weg nach Santiago das Oberrheintal streifte. Er war im Februar 1538 in Venedig aufgebrochen. Einer seiner Abstecher führte ihn durch die Schweiz, über den Gotthardpaß und Luzern nach Liestal und Basel bis in das Elsaß. Er besuchte Mulhouse, Thann und St. Amarin, bevor er die Vogesen nach Remiremont und Epinal überquerte. Endlich strebte er nach Süden, über Luxeuil, Vesoul und Dijon ins Rhönetal. 11 Andere Wege und Straßen im Oberrheingebiet sind durch Berichte von Jakobspilgern nicht belegt. Forschungen der Verkehrs- und Handelsgeschichte sowie der historischen Kartographie ermöglichen jedoch eine schematische Darstellung der Hauptverkehrswege. 12 Bei den Nord-Süd-Routen 13 zeichnet sich beidseits des Rheins je eine hangnahe und eine flußnahe Straßenverbindung ab. Die westlichste führtevon Norden kommendüber Weissenburg und Hagenau nach Wallfahrtsort Widersdorf=Vergaville, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 98 (1950) s. 421-442. 10 So noch K. HERBERS, Der erste deutsche Pilgerführer: Hermann Künig von Vach, in: K. HERBERS (Hrsg.), Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (Tübingen 1988) S. 29-49, hierS. 38. 11 A. FuALLl (Hrsg.), L'itinerario di Bartolomeo Fontana (Perugia 1987) S. 98-101. 12 Vergleiche unsere Karte auf S. 118. Grundlage dafür sind: R. GRADMANN, Süddeutschland (Stuttgart 1931, unveränderter Nachdruck Darmstadt 1956) Tafel 8 (Städte und mittelalterliche Straßen), F. RAUERS, Zur Geschichte der alten Handelsstraßen in Deutschland. Versuch einer quellenmäßigen Übersichtskarte, Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt 52 (1906) S. 49-59 und Tafel 6. L. WDRrz, Die geschichtliche Entwicklung des Straßennetzes in Baden- Württemberg (Bonn/ Bad Godesberg 1970). 13 Der beste Überblick über die Nord-Süd-Fernverbindungen bei W. BRULEZ, Les routes commerciales d'Angleterre en Italie au XVI• siede, in: Studi in onore di Amintore Fanfani 4: Evo Modemo (Milano 1962) S. 121-184, besonders S. 139-155. Im "Itinerarium orbis Christiani" von 1579/ 80 wird erstmals der Versuch unternommen, das gesamte Straßennetz Europas zu erfassen. Vgl. die Neuausgabe von J.E. 5c: HuLER (Hrsg.), Der älteste Reiseatlas der Welt. Itinerarium Orbis Christiani (Stuttgart 1965). Im Oberrheingebiet zeigt es einmal die westliche Route durch das Elsaß über Landau, Straßburg, Colmar nach Basel (ScHuLER, Tafel 23). Auf den Kartenblättern Helvetia und Basüiense Territorium ist die flußnahe Route nach Straßburg eingezeichnet (Tafeln 179 und 183 bei ScHULER). Die badische Rheinseite dagegen bleibt in diesem Kartenwerk völlig straßenleer! Bei der Interpretation früher historischer Karten stellt sich die Frage, ob bestimmte Straßen nur mangels kartographischer Aufnahmen fehlen, oder ob diese Straßen für den internationalen Verkehr in der Tat von untergeordneter Bedeutung waren. In dem 1641 in Nürnberg gedruckten Kartenwerk Totius Germaniae novum Itinerarium der Gebrüder Johann Georg und Georg Conrad JUNG ist keine einzige durchgehende Verbindung zwischen Straßburg und Basel verzeichnet! (Vgl. W. BoNACKER, Das Urbild der modernen Straßenkarte und 87 <?page no="96"?> Straßburg und weiter über Schlettstadt, Colmar, Mühlhausen bis Basel. Die flußnahe Trasse lief von Speyer nach Süden über Lauterburg, Straßburg, Rheinau, Markolsheim, Neubreisach, Basel. Auf der badischen Rheinseite nahm die flußnahe Route ebenfalls ihren Ausgang in Speyer, überquerte den Rhein mit der Fähre von Rheinhausen, erreichte über Rastatt und Lichtenau das Straßburg gegenüberliegende Kehl und führte weiter nach Burkheim, Breisach, Neuenburg und Basel. Die östlichste aller vier Nord-Süd-Straßen verlief von Heidelberg im Norden über Bruchsal, Ettlingen, Rastatt, Offenburg, Lahr, Freiburg nach Neuenburg. Die vom Fernhandel und-verkehr bevorzugten Straßen waren die linksrheinischen, direkten Verbindungen zwischen Straßburg und Basel. 14 Hier, in den beiden Zentren der Region, fächerten sich die großen Verkehrswege wieder auf: von Straßburg führten sie nach Frankfurt, Mainz/ Köln, Trier/ Antwerpen etc., und von Basel aus über Zürich/ Graubünden bzw. Luzern/ Gotthard nach Italien oder südlich des Juras entlang über Genf nach Lyon usw. 15 Im Gegensatz zu den Nord-Süd-Verbindungen ist der Verkehr in Ost- West-Richtung stärker durch die Mittelgebirge behindert, daher weichen ihnen die Hauptverkehrslinien weitgehend aus. Von Straßburg Richtung Osten umgeht der Fernverkehr den nördlichen Schwarzwald über Rastatt, Ettlingen, Pforzheim nach Cannstatt mit Ziel Ulm/ Augsburg bzw. Abzweig nach Nürnberg. Nach Westen mit der bereits erwähnten Verbindung über Nancy nach Frankreich-können die Vogesen günstig in der Zaberner Senke überwunden werden. Auch im Süden der Mittelgebirge gibt es vergleichbare Möglichkeiten: Von Basel nach Osten zieht der Fernverkehr entlang des Hochrheins in Richtung Bodensee und Oberschwaben und nach Westen bietet sich die Burgundische Pforte an. 16 seine Quellen (Bielefeld 1958). (= Erweiterter Sonderdruck aus: Straße und Autobahn, Heft 9, 1958). 14 Vgl. den Bericht der oberösterreichischen Regierung und Kammer zu Innsbruck an Kaiser Ferdinand I. über die Wege- und Zollverhältnisse im Oberrheingebiet vom 4. September 1558, im Auszug abgedruckt in: 0. SmLZ, Die Verkehrsverbindungen des oberen Rhein- und Donaugebietes um die Mitte des 16. Jahrhunderts, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 77 (1923) S. 60-88, hier S. 74. 15 Zur Verkehrslage Basels vgl.: T. GEERING, Handel und Industrie der Stadt Basel. Zunftwesen und Wirtschaftsgeschichte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts (Basel 1886). F. EHRENSPERGER, Basels Stellung im internationalen Handelsverkehr des Spätmittelalters (Basel 1972). 16 Die Verbindung vom Oberrheintal durch die Burgundische Pforte nach Besam; on und weiter Richtung Lyon scheint allerdings weder für den Fernhandel noch für den Reiseverkehr eine große Bedeutung besessen zu haben. Bevorzugt wurde die Route durch das Schweizer Mittelland über Solothurn, Lausanne nach Genf und Lyon. 88 <?page no="97"?> Außer den genannten Ost-West-Verbindungen gab es auch Paßstraßen, die die Mittelgebirge direkt überquerten. Der Schwarzwald wurde an folgenden Stellen überwunden: Von Freiburg durch das Höllental nach Neustadt und Hüfingen; 17 von Straßburg über Offenburg durch das Kinzigtal Richtung Villingen und Donaueschingen sowie von Straßburg direkt über den Kniebis-Paß nach Dornstetten, Rottenburg. Alle diese Straßen folgten der generellen Richtung Oberschwaben und Bodensee, sind aber in ihrer Bedeutung den vorher genannten Hauptstrecken nicht vergleichbar. Auch in den Vogesen gab es gebirgsüberschreitende Straßen: von Schlettstadt über Ste.-Marie-aux-Mines (Markirch) und St. Die nach Nancy, wohin auch eine Route von Colmar aus über Kaysersberg, den Col de Bonhomme und St. Die führte. Eine Variante in südwestlicher Richtung bot die Strecke Colmar, Kaysersberg, Col de Bonhomme, mit dem Abzweig nach Gerardmer und Remiremont. III Von dem konkreten Routenvorschlag des Hermann Künig von Vach, der Route des Bartolomeo Fontana, den Ergebnissen der Altstraßenforschung und der Rekonstruktion der Fernhandelswege abgesehen, geben uns Itinerare, Reiseberichte und Aufzeichnungen anderer Pilger Einblick in tatsächlich begangene Reiserouten. Ein Büchlein für Straßburger Rompilger aus dem 15. Jahrhundert 18 bot zwei Wegevarianten an, von denen eine den Rhein entlang über Friesenheim und Markolsheim nach Breisach führte, hier den Rhein überschritt und über Neuenburg Basel erreichte. Die Rheinüberquerung bei Breisach, die in diesem handlichen Pilgerführer empfohlen wurde, 17 Hier ist im 14. und 15. Jahrhundert internationaler Handelsverkehr nachgewiesen (A. 5cHuLTE, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluß von Venedig 1 (Leipzig 1900) S. 391-394). Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde durch die Verträge zwischen Freiburg und Villingen von 1310 (Fürstenbergisches Urkundenbuch 2, Nr. 51) und von 1379 (Fürstenbergisches Urkundenbuch 6, Nr. 78,1) eine direkte Straßenverbindung zwischen den beiden Marktstädten Villingen und Freiburg geschaffen, die sich aber nur etwa 200 Jahre lang behaupten konnte. Im 30-jährigen Krieg verfiel die Straße, so daß die Hauptverbindung von Freiburg wieder über Neustadt und Hüfingen verlief (vgl. CHR. RoDllR, Die Verkehrswege zwischen Villingen und dem Breisgau, hauptsächlich Freiburg, seit dem Mittelalter, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N.F. 5 (1890) s. 505-533). 18 MoNE, Wegweiser von Straßburg nach Italien, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 4 (1853) S. 17-20. 89 <?page no="98"?> konnte aus den Karten nicht erschlossen werden. Bemerkenswerterweise wurde die von Breisach naheliegende Route durch das Höllental Richtung Bodensee nicht erwähnt, obwohl hier im 14. Jahrhundert Rompilger belegt sind. 19 Als zweite Variante schlug das Pilgerbüchlein die Kinzigtalstrecke vor: von Straßburg bzw. Kehl über Offenburg, Haslach, Homberg nach Villingen und weiter nach Konstanz. In Sebastian Brants Routenverzeichnis der Straßburger Stadtboten 20 begegnet die Kinzigtalstrecke als Teilstück einer Verbindung zwischen Straßburg und Wien bzw. Venedig. Zwar kennen wir einige Pilger, die vom Kinzigtal aus nach Compostela aufbrachen 21 ; Pilger, die weiter aus dem Osten oder Nordosten kamen und für die der Schwarzwald nur eine Durchgangsstation war, haben diese Route wegen ihres südöstlich/ nordwestlichen Verlaufs vermutlich weniger benutzt. Als von Pilgern benutzter Paß ist in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts der Kniebis belegt. 22 Die Strecke führte von Straßburg kommend über Oppenau, Horb, Reutlingen nach Ulm/ Augsburg. 23 Bis in die Neuzeit hinein blieb sie ein im Winter schwer zu überschreitender Saumpfad, bildete aber die kürzeste Verbindung von Straßburg nach 19 Um 1390 ~.rden von der am Eingang des Höllentals gelegenen Burg Falkenstein aus wiederholt Uberfälle ausgeführt, von denen auch Rompilger betroffen waren, so eine Gruppe von 8 Pilgern, die aus England, Holland und Flandern stammten. Auf Grund solcher Vorfälle wurde die Burg 1391 durch die Stadt Freiburg zerstört. Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau 2, 1. Abtheilung, hrsg. von H. 5cHREIBER (Freiburg 1828) S. 59-83, besonders S. 71f. 20 Sebastian Brant, der Autor des berühmten "Narrenschiffs", war seit 1501 Stadtschreiber in Straßburg und in dieser Funktion auch Vorsteher des städtischen Botenamtes. Zwischen 1513 und 1521 stellte er ca. 30 Itinerare der städtischen Boten für ganz Europa zusammen: Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutsches lands / an wasser / 'berg / stetten und grentzen / mit anzeygung der meilen und strassen / von statt zu statt. Diese fragmentarisch gebliebene Schrift wurde erst 1539 posthum durch den Straßburger Domprediger Caspar Hedio in dessen eigener Chronik veröffentlicht. Caspar HEDIO, EJn Auszerleszne O,ronick von anfang der weit bis auff das iar ... M.D.XXXIX .... Straßburg 1539 S. 731-778. Zur Datierung der Schrift vgl. K. V ARRENTRAPP, Sebastian Brants Beschreibung von Deutschland und ihre Veröffentlichung durch Caspar Hedio, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 50 (1896) S. 288-308, bes. S. 298 Anm. 1. Über die Routenverläufe vgl. H. KRÜGER, Die Straßburger ltinerarsammlung Sebastian Brants aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, Archiv für deutsche Postgeschichte (1966) S. 2-31, bes. S. 13f. 21 Tu. KoPP, Kinzigtäler pilgerten einst nach Santiago de Compostela, Die Ortenau 62 (1982) S. 69-82. Insgesamt 7 Pilger aus den Jahren 1520, 1610, 1649 und 1656 sind namentlich genannt. 22 Urkunde vom 16. September 1267, ausgestellt vom Konstanzer Bischof Eberhard von Waldburg Capellam in montanis seu sifois, quae Kniebus TJUlgariter appellantur, propter necessitatem peregrinorum et eadem montana transeuntium maxime amstructllm. Zitiert nach H. ROMMEL, Zu Kniebis auf dem Wald, Alemania Franciscana Antiqua 18 (1973) s. 285. 23 Der Streckenabschnitt zwischen Oppenau und Freudenstadt ist in der Forstkarte des J. Oetinger von 1609 eingezeichnet (abgebildet bei ROMMEL (wie Anm. 22) S. 286). 90 <?page no="99"?> Ulm. So erscheint der Weg auch in Brants Straßburger Wegeverzeichnis 24, während er auf Karten erst in dem ''Itinerarium Orbis Christiani" von 1579 / 80 erfaßt ist. 25 In der oben genannten Quelle, die die Pilger auf der Kniebisstrecke erwähnt, wird deren Wallfahrtsziel leider nicht näher genannt. Für die Santiagopilger lag diese Route etwas ungünstig, da sie ähnlich wie die Kinzigtalstrecke in Nordwest-Südost-Richtung verlief. 1563 empfahl der Augsburger Jörg Gail in seinem "Raißbüchlein" 2 6, einem Verzeichnis von Itineraren, das als Reiseempfehlung für Kaufleute gedacht war, von Straßburg gen Lyon über die elsässischen Stationen Matzenheim, Schlettstadt, Colmar, Bantzenheim nach Basel zu gehen 27 . Wieder andere Wege ging der Ostfriese Ubbo Emmius, der am 1. Juni 1576 zu einer Studienreise an die Universität Genf aufbrach, von wo er etwa 2 Jahre später in seine Heimat zurückkehrte28. Diese Reise führte ihn von Emden über Köln und Mainz nach Speyer. Von dort machte er einen Abstecher nach Schorndorf bei Stuttgart, um den ostfriesischen Rechtsgelehrten Assverus Allinga zu treffen 29 , wandte sich über Pforzheim und Rastatt erneut dem Oberrheintal zu und setzte nach einer mehrtägigen Rast in Straßburg seinen Weg über Schlettstadt und Markolsheim fort. Bei Burkheim überquerte er den Rhein und gelangte schließlich über Freiburg, Neuenburg und Schliengen nach Basel. Paul Hentzner 30, der den schlesischen Adligen Christoph Rehdinger auf dessen über vierjähriger Bildungsreise durch Europa begleite- 24 Vgl. KRÜGER (wie Anm. 20) S. 21. 25 Itinerarium Orbis Christiani (wie Anm. 13), Tafel 63 (Schwaben) und Tafel 65 (Herzogtum Württemberg). Bereits um 1565 wird die genaue Wegfolge zwischen Ulm und Straßburg auf der Meilenscheibe des Augsburgers Hans Rogel verzeichnet. H. KRÜGER, Oberdeutsche Meilenscheiben des 16. und 17. Jahrhunderts als straßengeschichtliche Quellen 2, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 24 (1964) S. 167-206, speziell 5. 186-190. 26 Ein neuwes nützliches Raißbüchlein / der fürnemsten Land / vnnd Stett / Durch mich Jörg Gail Burger zu Augspurg / in truck verfertiget. Augsburg 1563. Eine Faksimile-Ausgabe dieses Drucks findet sich in H. KRÜGER, Das älteste deutsche Routenhandbuch: Jörg Gails "Raißbüchlein", mit 6 Routenkarten und 272 Originalseiten im Faksimile (Graz 1974) 5. 357-424. Das Oberrheintal spielt bei Gail nur eine periphere Rolle. Im Zentrum seiner umfangreichen Sammlung von Itineraren stehen die oberdeutschen Handelsstädte Augsburg und Nürnberg. 27 Fol. 106r-106v, bei KRüGER (wie Anm. 26) S. 412. 28 Der Reisebericht des Ubbo Emmius. Ins Deutsche übersetzt von E. VON REEI<EN. Lateinischer Text hrsg. von E.H. WATERBOLK und W. BERGSMA (Groningen 1980). 29 VON REEKEN (wie Anm. 28) s. 9. 30 Paulus HENTZNERUS, Itinerarium Germaniae, Galliae, Angliae, ltaliae (Nürnberg 1610). Wir zitieren nach der 2. Auflage Nürnberg 1612. Insgesamt erschien das Buch bis 1661 in mindestens 8 Auflagen. Vgl. V. HANTZ'lCH, Deutsche Reisende des 16. Jahrhunderts (Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschi~te 1, Heft 4, Leipzig 1895) S. 97-100, der auch einige kurze Abschnitte in deutscher Ubersetzung gibt. 91 <?page no="100"?> te 31 , kam in den Jahren 1597 und 1599 insgesamt dreimal durch das Oberrheingebiet, jedesmal auf verschiedenem Wege! Im April 1597 reisten sie von Straßburg zuerst nach Baden-Baden und gingen dann durch das Renchtal über Achern und Oberkirch nach Bad Sankt Peterstal. Über Offenburg, Ettenheim und Gundelfingen gelangten sie nach Freiburg im Breisgau. Dies entspricht in groben Zügen der östlichsten Nord-Süd-Verbindung im Oberrheintal. Die Rückreise nach Straßburg erfolgte mit dem Schiff von Breisach aus. Nur etwa eine Woche später brachen sie nach Genf auf, diesmal wählten sie den Weg auf der elsässischen Seite: Schlettstadt, Colmar, Bantzenheim, Kembs, Basel. Zwei Jahre später bevorzugten sie von einem Besuch in Frankfurt zurückkommend folgenden Weg: Straßburg, Markolsheim, Breisach, Badenweiler (rechtsrheinisch! ), Ottmarsheim, Kembs, Basel. Besonders auffällig an dieser Bildungsreise ist, daß sie gleichzeitig mit einer Badereise verbunden wurde (Baden-Baden, Bad Sankt Peterstal, Badenweiler). Reisende früherer Zeiten verbanden aber nicht nur Bildung mit Kur und Erholung, sondern auch religiöse Pilgerreisen mit dem Bade. Der Hallesche Bürger Hans von Waldheym kehrte auf dem Rückweg von seiner Pilgerreise für mehrere Wochen in Baden im Aargau ein, um sich kurieren zu lassen. Waldheym genoß dort die Gesellschaft des breisgauischen Adels und der Züricher Domgeistlichkeit, die ihn in ihr exklusives Herrenbad eingeladen hatten. 32 Verweilen wir noch etwas bei der Pilgerfahrt des Hans von Waldheym. Dieser angesehene und nicht unvermögende Bürger aus Halle an der Saale machte sich 1474 auf, um das Heiligtum der Maria Magdalena in St. Maximin-la-Ste.-Baume in Südfrankreich zu besuchen. 33 Waldheyms Reiseverlauf ist für uns von Interesse, da er über weite Strecken dem Weg folgte, den auch die Santiago-Pilger benutzten, wenn sie über 31 Die Reise begann am 5. Mai 1596 in Schlesien und führte zunächst nach Straßburg (20. Mai), wo sie über ein Jahr blieben. Vom 7. bis 13. April 1597 machten sie noch einen Ausflug auf der badischen Rheinseite bis Freiburg, bevor sie am 22. April von Straßburg nach Genf aufbrachen (Ankunft dort 13. Mai 1597). Auch in Genf blieben sie ein gutes Jahr, um ihre Reise am 21. Mai 1598 fortzusetzen: Lyon, Avignon, Toulouse, Bordeaux, Paris, London, wieder Paris, Dijon, Besarn; on, Montbeliard und wieder Basel (28.10.1598). Vor der Weiterreise ein weiterer Ausflug: 17. März 1599 von Basel über Straßburg nach Frankfurt (25.3.), Heidelberg (3.4.), Straßburg (12.4.) zurück nach Basel (14.4.). Am 4. Juli 1600 kehrten sie nach Breslau zurück. 32 Do was ich bie on ynne dry wachen vnde 4 tage ... Hans von Waldheims Reisen durch die Schweiz im Jahre 1474, mitgeteilt von F.E. WELTI, Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern 25,2 (1920) S. 89-154, hier S. 130. 33 Der vollständige Reisebericht nach der Hs.Wolfenbüttel Cod. Guelf. 17.2. Aug. quart hrsg. von F.E. WELTI (Bern 1925). Den Schweizer Teil der Reise kommentierte WELTI ausführlich und edierte ihn separat (wie Anm. 32). 92 <?page no="101"?> die sog. Oberstraße gingen. Auf dem Hinweg ritt er von Konstanz kommend über Baden, Bern, Freiburg, Lausanne, nach Genf. 34 Ab Bern stimmt Waldheyrns Weg sowohl mit dem Vorschlag des Hermann Künig überein 35 als auch mit der Route, die der Nürnberger Sebald örtel knapp 50 Jahre später wählte. 36 Während Künig aber seine Pilgerroute in Einsiedeln beginnen läßt3 7, besuchte Waldheyrn das Schweizer Marienheiligtum erst auf der Rückreise. Auf dem Hinweg bewegte sich der Bürger aus Halle im Wesentlichen auf der Fernhandelsroute und nutzte die schnellsten Verbindungen, auf dem Rückweg wich er dagegen mehrfach vom geradlinigen Kurs ab, um religiöse Stätten zu besuchen. Er ging diesmal am Südufer des Genfer Sees entlang bis St. Maurice und gelangte dann in einem wilden Zick-Zack nach Kerns, wo er Nikolaus von der Flüe konsultierte, bis er endlich nach Einsiedeln kam 38 • Von dort aus ging es weiter über Zürich und Baden im Aargau nach Basel3 9• Der von Künig, Waldheym und Örtel beschriebene Reiseweg entspricht in der Westschweiz zwischen Bern und Genf dem Verlauf der Fernhandelsstraßen. Alle drei Pilger hielten sich aber nicht sklavisch an die Handelsrouten, sondern erlaubten sich "pilgertypische" Abweichungen: keiner von ihnen versäumte den Aufstieg zum Marienheiligtum von Einsiedeln, einem Ort der fernab der großen Handelsstraßen liegt. Für die Pilger, die aus dem Elsaß kommend Santiago ansteuerten, war Einsiedeln gar ein Umweg, um nicht zu sagen: der Weg in die falsche Richtung. 34 Vollständige Route: Frauenfeld, Winterthur, Bülach, Baden, Aarau, Burgdorf, Thorberg, Bern, Freiburg, Romont, Lausanne, Rolle, Nyon, Genf. 35 Druck von HÄBLER (wie Anm. 5). Künig's Weg führte von Einsiedeln aus weiter über J,: uzern, Bern, Freiburg, Lausanne, Morges, Rolle, Nyon, Coppet, Versoix nach Genf. 36 Orte! ging 1521 von Konstanz nach Winterthur und Zürich, von dort nach Einsiedeln, zurück nach Zürich und schwenkte dann über Lenzburg, Aarburg und Burgdorf auf die bekannte Route ein: Bern, Fribourg, Romont, Lausanne, Nyon, Genf (vgl. TH. HAMPE, Deutsche __ Pilgerfahrten nach Santiago de Compostella und das Reisetagebuch des Sebald Orte! (1521-22), Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (1896) S. 61-82, die betreffende Stelle S. 68). 37 Den Elsässern und Badenern war die Pilgerroute nach Einsiedeln seit der Mitte des 14. Jahrhunderts vertraut. Im 15. Jahrhundert gar dürfte es für sie das meist besuchte Fernwallfahrtsziel gewesen sein. Sebastian Brant gibt in seinem Wegeverzeichnis zwei Routen nach Einsiedeln: l<ROGER (wie Anm. 20) S. 25f. Vgl. auch: 0. RrNGHOU, Elsaß-Lothringen und Einsiedeln in ihren gegenseitigen Beziehungen (Einsiedeln 1914). 38 Die Route übersichtlich mit Daten zusammengestellt bei Wan (wie Anm. 32) S. 91f. 39 Vollständige Route: Genf, Ripaille (= Thonon), St Moritz, Villeneuve, Vivis, Oron, Romont, Freiburg, Bern, Thun, St. Beat, Thorberg, Solothurn, Langenthal, Sursee, Luzern, Kerns, Arth, Einsiedeln. Von dort aus ging es weiter über Zürich, Baden im Aargau, Königsfeld und Rheinfelden nach Basel. 93 <?page no="102"?> Mehrere elsässische Wallfahrtsstätten von überregionaler Bedeutung luden die Santiagopilger, die ohnedies auf ihrem Weg nach Süden durch das Rheintal kamen, zu einem Zwischenaufenthalt ein. Der Attraktivität dieser Heiligtümer trug der Nürnberger Kartograph Erhard Etzlaub Rechnung, der für Pilger, die zum hl. Jahr 1500 nach Rom ziehen wollten, eine Wegekarte die erste europäische Straßenkarte überhaupt! zusammenstellte. 40 Der für die flämischen Pilger vorgezeichnete Weg führt in dieser Karte über Brügge, Maastricht, Aachen, Trier, Saarbrücken ins Oberrheintal. Dort geht er wider Erwarten nicht durch Straßburg, sondern über "St. Odilia" nach Schlettstadt, Breisach und dann am Rhein entlang nach Basel 41 , von wo über Zürich, Einsiedeln und Chur die Paßstrecke nach Corno in Italien erreicht wird 42 • Die Besucher des Odilienbergs wurden in den Prioraten Truttenhausen und Niedermünster am Fuße des heiligen Berges versorgt. Wir werden auf diese beiden Hospize nochmals zurückkommen. Noch größeren Zulauf als der Odilienberg erlebten zumindest im Spätmittelalter die elsässischen Städtchen Rufach und Thann. Die Reliquien des hl. Theobald in Thann und die Wundertätigkeit an diesem Ort zogen Pilger aus ganz Deutschland und Skandinavien an. 43 Vergleichbare Anziehungskraft besaß im 14. und 15. Jahrhundert die Wallfahrt nach Rufach. An diesem Ort, an dem eine Reliquie des hl. Valentin aufbewahrt wurde, erhofften sich v.a. Epileptiker Heilung. 44 40 Ein guter Abdruck dieser Karte in: Mappae Germaniae. Die schönsten und bedeutendsten Deutschlandkarten von 1482 bis 1803, hrsg. von P.H. MEURER (Bad Neustadt a.d. Saale 1984) Tafel 3. Vgl. auch H. KRÜGER, Des Nürnberger Meisters Erhard Etzlaub älteste Straßenkarten von Deutschland (1500-1501), Jahrbuch für fränkische Landesforschung 18 (1958) S. 1-407. 41 Die Wegführung bleibt dabei eindeutig linksrheinisch, Breisach ist -fälschlicherweise auf der westlichen Rheinseite eingezeichnet. Unserer Meinung nach dient die Nennung von Breisach der Orientierung der Pilger und bedeutet nicht, daß der Weg nach Basel auf die andere Rheinseite überwechselt. In diesem Punkt ist l<RüGER (wie Anm. 40, Tafel VI) zu korrigieren. 42 Etzlaubs 1501 gedruckte "Landstraßen-Karte" zeigt mit ihren sternförmig auf Nürnberg bezogenen Routen keine in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Wege durch das Oberrheintal. 43 Seit 1357 sind in Thann Pilger aus Norddeutschland nachgewiesen und aus dem Mirakelbuch geht eindeutig hervor, daß der Ort Durchgangsstation für Pilger nach Einsiedeln, Aachen, Jerusalem, Rom und Santiago war. Vgl. M. BARTH, Zur Geschichte der Thanner St.Theobalduswallfahrt im Mittelalter, Annuaire de Ja Societe d'histoire des regions de Thann-Guebwiller 1948-1950 (Colmar 1950) S. 19-82. N. ÜHLER, Nord- und Ostdeutsche im Südwesten des Reiches. Ein Beitrag zu den Mirakeln des hl. Theobald, Schauinsland. Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins 101 (1982) S. 151-167. Eine Karte, die die Herkunft der Pilger nach Thann zwischen 1447 und 1493 verzeichnet, bei F. HIMLY, Atlas des villes medievales d'Alsace (Publications de Ja federation des societes d'histoire et d'archeologie d'Alsace 6, Strasbourg 1970) S. 43. 44 Vgl. P.P. FAUST, Aus der Geschichte des Priorates und der Epileptiker-Wallfahrt St. 94 <?page no="103"?> Im Gegensatz zu den Orten Thann und Rufach, die von Fernhandelswegen tangiert werden, liegt der Odilienberg etwas abseits der großen Straße, Einsiedeln gar völlig ab vom Schuß. Einen Umweg zu diesen Stätten machten nur die Pilger. Sie suchten diese Orte auf, um ihr Seelenheil zu mehren, um Wunder zu erleben oder von einer Krankheit geheilt zu werden. Außer den religiösen gab es aber noch andere Gründe, weshalb ein Pilger seinen Weg abseits der großen Straßen suchte. Als Hans von Waldheym während seiner Schiffsreise von Basel nach Straßburg in Breisach übernachtete, ereilte ihn ein unliebsamer Zwischenfall: Es ist gesehen, do Concze, myn knecht, myne pferde in deme Ryne trenckete, kam her widder vnd saggite mir heymelich, man hette yme sechs toten entkegin gefurt uff eynem karren uff den kerchoff. Also fragitte ich den wirt, ab es ouch zcu Brisig storbe. Sprach her, ya, es storbe an der pestilencie vnd berichte mich forder, her were zcu Stroßborg in deme iormartte gewest, do storbe es vßdermassen sere.4.S Sobald Waldheym diese schreckliche Nachricht vernommen hatte, änderte er seine Reisepläne und begab sich am nächsten Tag schleunigst nach Freiburg im Breisgau. Da er den Weg nicht kannte, lieh er sich den Knecht des Wirtes als Führer. Aber auch in Freiburg konnte er nicht bleiben, weil hier ebenfalls die Pest ausgebrochen war. Über Bonndorf und Schaffhausen eilte er daher in einem Zweitages-Ritt nach Konstanz. Neben der Tatsache, daß Pilger spontan ihren geplanten Reiseweg verlassen und wegen Pest- oder Seuchengefahr eine Alternative suchen, greift Waldheyms Bericht einen Aspekt auf, der bereits bei den Reisen des Ubbo Emmius (1578) 46 und des Paul Hentzner (1597 und 1599) 47 zur Sprache kam: der Rhein als Verkehrsweg. 48 Obwohl seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Warentransport auf dem Rhein zurückgegangen Valentin in Rufach, in: Epilepsie 84 - Antiepileptische Mono- oder Polytherapie, Medizingeschichte, Freie Vorträge (Reinbek 1984) S. 198-209. 45 WELTI (wie Anm. 33) S. 87. 46 Emmius war nach Abschluß seiner Studien in Genf auf der Rückreise nach Hause. Mit Datum vom 24. Juni 1578 schreibt er: [ ... ) fuhr ich mit einem Schiff um 3 Uhr morgens oon Basel ab und lalm an demselben Tag um 6 Uhr abends nach Straßburg. Der Reisebericht des Ubbo Emmius (wie Anm. 28) S. 43. 47 HENTZNERUS (wie Anm. 30) S. 16 und S. 176. Hentzner und Rehdinger besaßen offensichtlich ein besonderes Faible für Schiffsreisen. Sie befuhren nicht nur den Rhein und die Rhone, sondern auch ab Toulouse die Garonne bis Bordeaux und von dort weiter bis La Rochelle (ebd. S. 57-64). 48 Vif sontag Allexandri adir septem fratrum vor ich zcu schiffe oon Basil geyn Brisagk, in meynünge vorder geyn Stroßborg den Ryn nydder zcu faren. WELTI (wie Anm. 33) S. 87. Zum Verkehr auf dem Rhein vgl. K. ScHUIZ, Rheinschiffahrt und städtische Wirtschaftspolitik am Oberrhein im Spätmittelalter, in: Die Stadt am Fluß (Die Stadt in der Geschichte 4, Sigmaringen 1978) S. 141-189. 95 <?page no="104"?> war4 9, benutzten nach wie vor viele Reisende das Schiff. Im Streckenabschnitt des Oberrheinlaufes war der Rhein freilich eine Einbahnstraße flußabwärts, denn die Bergfahrt war durch die starke Strömung und die unzureichende Uferbefestigung sehr beschwerlich, so daß nur in beschränktem Umfang getreidelt wurde. Die Talfahrt dagegen von Basel nach Straßburgwar nicht nur bequemer, sondern meist auch schneller als der Landweg-SO. Die größte Bedeutung besaß die Rheinschiffahrt vom 12. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Genau so wichtig wie der Warentransport war die Personenbeförderung, besonders zur Bewältigung der Pilgermassen anläßlich des Einsiedler Engelweihefestes oder der Heiligen Jahre in Rom. Für die heimkehrenden Pilger des römischen Jubeljahres 1450 empfahl sich der Wasserweg besonders, da der Landweg durch Schwaben in Folge kriegerischer Auseinandersetzungen unsicher und gefährlich war. An manchen Tagen kamen mehr als 12 Schiffe mit Rompilgern mit je etwa 80 Personen von Zürich nach Basel! 51 Was Pilgern aus Einsiedeln und Rom recht war, sollte den Santiagopilgern nur billig sein. Wenn einer von ihnen den Weg ins Rheintal gefunden hatte und anschließend den Heiligen Drei Königen in Köln oder dem Heiltum in Aachen einen Besuch abstatten wollte, so war der schnellste, wenn auch nicht der preisgünstigste Weg dorthin sicher der zu Wasser. Historische Karten, Itinerare und die Ergebnisse der Altstraßenforschung haben uns gezeigt, daß dem Reisenden - und damit auch dem Pilger im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit im Oberrheintal eine breite Palette von Fernhandelsstraßen zur Auswahl stand. Je nach persönlichem Interesse, nach Witterung und Zustand der damals noch unbefestigten Straßen, konnte sich der Reisende eine Strecke aussuchen. Die Reiseberichte von Bildungsreisenden und Pilgern der Zeit erwiesen deutlich, daß die vorhandenen Wegevarianten auch tatsächlich genutzt 49 ScHUU (wie Anm. 48) S. 177f. Mit anderer Gewichtung W. BRULEZ, L'exportation des Pays-Bas vers l'Italie par voie de terre au milieu du XVI• siede, Annales 14 (1959) S. 461-491, speziell S. 461ff. 50 Die Fahrt von Basel nach Straßburg dauerte normalerweise 1 Tag, von Zürich aus 2 Tage. Berühmt geworden sind die sogenannten Züricher "Hirsebreifahrten" von 1456 und 1576: Aus Anlaß großer Straßburger Schützenfeste brachte man in einer Tagesfahrt den noch warmen Hirsebrei mit nach Straßburg. Weniger bekannt dagegen ist eine Notiz aus einer Konstanzer Chronik, wonach im Jahr 1466 ein Schiff mit 24 zurückkehrenden Einsiedelnpilgern vom Etzel am oberen Zürichsee in nur einem Tag bis Straßburg gelangte. PH. RUPPERr, Das alte Konstanz in Schrift und Stift. Die Chroniken der Stadt Konstanz (Konstanz 1891) S. 260f. 51 Die Chroniken Heinrichs von Beinheim 1365-1452 samt Fortsetzung 1465-1473, in: Basler Chroniken 5 (1895) 5. 327-469, hier S. 425. 96 <?page no="105"?> wurden: jede Beschreibung zeigt andere Möglichkeiten auf. Die jeweils begangene Route hing sowohl von den persönlichen Motiven der Reisenden (Bildungs-, Bade-, Pilgerreise) als auch von unvorhergesehenen Ereignissen ab (Pest, Krieg). Der Vergleich zwischen den Fernhandelsstraßen und den Pilgerwegen im Elsaß und in der Schweiz läßt erkennen, daß Pilger sich dann an den Handelsrouten orientierten, wenn sie schnell vorankommen wollten oder wenn sie die lokale Wegesituation nicht gut kannten. Für den Besuch eines bedeutsamen Heiligtums nahmen sie größere Umwege in Kauf und bewegten sich dann fernab der Hauptverkehrsadern. Da wir für das Oberrheintal nur den Künig'schen Pilgerführer und den Reisebericht des Bartolomeo Fontana als Nachweis für tatsächlich von Santiagopilgern begangene Wege besitzen, können wir nur alle theoretisch rekonstruierbaren Möglichkeiten aufzeigen. Und dennoch können wir nicht sicher sein, daß uns die Pilger nicht doch einen Strich durch unsere Wahrscheinlichkeitsrechnung machen: wir würden nie vermuten, daß Santiagopilger aus Edinburgh über Regensburg gingen, hätten wir den Beweis dafür nicht in den Quellen. 52 Einen ähnlichen Überraschungseffekt hat für uns die Reise des Bernhardin Pfoll aus Esslingen, der im Jahr 1514 über Antwerpen nach Santiago fuhr. 53 Die Wege der Pilger, die aus der Regio stammten, kennen wir nicht. Wir wissen nicht einmal, ob sie Santiago jemals erreichten, geschweige denn, ob sie in ihre Heimat zurückkehrten. IV Die Vorbehalte, die bei der Rekonstruktion der Pilgerwege bleiben, sind auch bei der Untersuchung der Einrichtungen, auf die der Pilger unterwegs angewiesen war, angebracht. Die Unterkunft und Beherbergung am Weg war nicht für alle Pilger gleich, soziale und Standes-Unterschiede zeichnen sich hier deutlich ab. Geistliche und weltliche Würdenträger, die mit einem entsprechenden Gefolge unterwegs waren, fanden bei Standesgenossen Aufnahme. Die Äbte der alten Reichsklöster beispielsweise besaßen in ihren weit abgelegenen Besitzungen sichere Stützpunkte. So geht die Fama, die Äbte 52 Regesta sive rerum Boicarum authographa, hrsg. v. M.B. DE F°REYBERG, Vol. XII (München 1849) S. 278. 53 Erwähnt bei R. RöHRICHr/ H. MESSNER, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande (Berlin 1880) S. 205. 97 <?page no="106"?> von Disentis, Reichenau und St. Gallen hätten bei ihren Rornfahrten jede Nacht auf eigenem Grund und Boden verbracht. 54 Wohlhabende Bürger wie Hans von Waldheym suchten Nacht für Nacht ein gewerblich betriebenes Gasthaus auf. Den Massen der Pilger des Spätmittelalters blieb diese Art von Unterkünften aus sozialen und finanziellen Gründen verschlossen. Das Gros der Pilger war auf karitative Einrichtungen angewiesen, die seit dem frühen Mittelalter von klösterlichen Gemeinschaften, später auch von den Städten, unterhalten wurden. Bereits im frühen Mittelalter beherbergten die Benediktinerklöster Fremde und Pilger und erfüllten damit ihre Verpflichtung der christlichen Caritas. Das elsässische Kloster Eschau stellte den Pilgern seit 1143 ein Domizil zur Verfügung. Im Interesse der Reisenden und Pilger errichteten die Mönche die Herberge nicht im Klosterbezirk, sondern etwas abseits an einer älteren Römerstraße. 55 Das Benediktinerkloster St. Fides in Schlettstadt unterhielt im 12. und 13. Jahrhundert eine Herberge für Fremde und Pilger, bis der Andrang die Möglichkeiten und Mittel der Mönche überstieg, und die Stadt zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine allgemeine Elendenherberge5 6 einrichtete. 57 Sie stand allen armen Pilgern und Fremden offen, sofern sie sich nicht binnen des letzten Monats dort aufgehalten hatten. In den Statuten von 1558 ist die Versorgung der Nutznießer geregelt, man gibt ihnen außer dem Essen und dem Schlafplatz auch ein" Allmu(o)sen" in Form von Geld mit auf den Weg. 58 Wie in Schlettstadt so vollzog sich auch in Straßburg die Entwicklung von der klösterlichen zur städtischen Pilgerherberge. Zwischen 1182 und 1225 bot das St. Markus-Hospiz eine Unterkunft. 59 Für die Jahre 54 RrNcHOI2 (wie Anm. 37) S. 9f. 55 Strasbourg, Archives departementales du Bas-Rhin, G 20, lat., Pergament. Abgedruckt bei Sr. WORDTWEIN, Nova subsidia diplomatica 7 (Heidelberg 1786) 5.)28 Nr. 49, Taf. 1: Bischof Burchard von Straßburg unterstützt die Gründung der Abtissin Kunigunde von Eschau, decrererunt et constituerunt hospitale foris villam antea dictam [= Aschowa) juxta stratam romanam ad susceptionem et refectionem peregrinantium ubivis venientium. Vgl. F.J. HIMLY (Hrsg.), Inventaire general des Archives hospitalieres du Bas-Rhin des origines a 17901 (Archives departementales du Bas Rhin 3, Strasbourg 1978) S. 56 Nr. 300. 56 Dies ist in Deutschland die gebräuchliche Bezeichnung für eine Herberge für Reisende jeder Art; das Wort "elend" bedeutet "unterwegs", "fremd", nicht "schlecht". 57 Vgl. P. ADAM, Histoire des hospices et höpitaux de Selestat (Selestat 1960) S. 30ff. 58 Schlettstadt, Archives munidpales, Statutenbuch BB 6a (1549-1565) S. 5-10. 59 Es befand sich bei St. Thomas an der Illbrücke, bei der Einfahrt nach Straßburg, vgl. 0. WINCI<ELMANN, Das Fürsorgewesen der Stadt Straßburg vor und nach der Reformation bis zum Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts. Ein Beitrag zur deutschen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte 1 (Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 5, Leipzig 1922) S. 27. 98 <?page no="107"?> 1257 bis 1278 sind mehrfach Pilgeraufnahmen im Augustinerchorherrenstift 60 St. Arbogast in Straßburg belegt. 61 Gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtete das Kloster ein Wirtshaus für reichere Pilger. 62 Da das Stift vor den Mauern der Stadt lag, mußte es alle Reisenden aufnehmen (nicht nur Pilger! ), die am Abend nach Torschluß keinen Einlaß mehr in die Stadt fanden. 63 Als auch diese Unterkunft den Massen nicht mehr gewachsen war, eröffnete die Stadt im 14. Jahrhundert eine Elendenherberge für die armen Pilger. Aus Platzgründen und in Folge wiederholter Immobilienstiftungen durch Straßburger Bürger zog die Herberge innerhalb der Stadt mehrfach um: wir finden sie 1349 in der Elisabethgasse 64, 1360/ 61 wurde sie auf den Weinmarkt verlegt. 135765 und 1374 66 ist eine weitere Elendenherberge in der Steinstraße am Fulburgetor erwähnt, die vermutlich spätestens 1393 mit der Herberge am Weinmarkt zusammengelegt wurde. Als auch dieses Haus zu eng wurde, bezog man 1534 das aufgelassene Augustinerkloster. 67 Von der Straßburger Elendenherberge besitzen wir eine Ordenunge, wie die frömden bilgerin empfangen und gehalten werden sollent, 68 die die Aufnahme, Beherbergung und Verpflegung der Pilger im 15. Jahrhundert anschaulich beschreibt: ltem zum ersten so sol man alle armen lüte und bilgerin, so hie durchziehent und zu den heiligen wöllent oder von den heiligen komment, verre oder nohe, es sient manne oder frowen, knaben oder döhtere, desglichen arme priester und schüler [... ] emphohen und uber naht herbergen [... ]. Und welhe also empfangen werdent zu beherbergen, die sollent ir stebe und gewere desglichen sack und mantel von inen tün an die ende, dahin sie bescheiden sind. Donach sollent sie in die stube gewisen werden und daselbst ir schühe und hosen von inen tün und ir bein und füsse weschen, us eim bereiten warmen wasser, so man inen gibt, und donoch zu tisch sitzen[ ... ]. Und wann sie zu tisch gesessen sint, so sol man sie heissen betten, [...]. Darnach so man sie 60 Das ehemalige Benediktinerkloster wurde 1143 in ein Augustinerchorherrenstift umgewandelt, vgl. M. BARrn, Handbuch der elsässischen Kirchen im Mittelalter (Archives de l'Eglise d'Alsace N.S. 11-13, Strasbourg 1960-1962/ 63) Sp. 1352f. 61 WINCKELMANN (wie Anm. 59) 1, 5. 27. 62 Vgl. L. DACHEUX, Fragments des diverses vieilles chroniques, Bulletin des Monuments Historiques d'Alsace, 2. ser. 18 (1897) Nr. 4218 5. 88f. 63 Aus einer handschriftlichen Notiz des 18. Jahrhunderts wissen wir, daß hinter dem Stift ein kleiner Brunnen lag, der "Jakobsbrünnlein" genannt wurde. BARrn (wie Anm. 60) Sp. 1353. 64 Urkundenbuch der Stadt Straßburg 7 (1900) 5. 174f. Nr. 584. 65 UB Straßburg 7, 5. 246 Nr. 841. 66 UB Straßburg 7, 5. 477 Nr. 1643 Anm. lb. 67 DACHEUX (wie Anm. 62) 5. 128 Nr. 4251. 68 Straßburg, Archives municipales, Hospitalarchiv, Perg. 219. Abgedruckt bei WINCKELMANN (wie Anm. 59) 2, s. 52-54 Nr. 17. 99 <?page no="108"?> sloffen wisen wil, so sol der bilgerknehte sie alle und jeden insunders fragen, ob ir deheiner flecken oder unsubere gebresten 69 an ime habe, dadurch das geliger verunreinet werden mähte [... ]; und dieselben sollten in das strobette geleit werden [... ]. So sol man die frowenpersonen und ir kinde zum ersten us der stuben füren und die den megden vor der kuchin bevelen; die sollent sie dann fürbas füren für der frowen kammern und sie doselbs heissen ir cleider abeziehen [... ]. Am Morgen nach dem Wecken werden die Betten kontrolliert und jeder Pilger wird befragt, ob ihm über Nacht etwas von seinem Gut abhanden gekommen sei. Über die Essensversorung der Pilger verfügt die Ordnung folgendes: ltem zum ersten sol man inen allen guts brots gnüg geben, [...] darzu ir jeglichem ein gute völlige schüssel mit suppen oder gemüse und je zweien zusammen uf drü stücke fleisch us eim pfunde gehogen [... ]; item ir jedem ein kruse mit win, deren drie ein völlige mosse tunt, und darzu obs, nusz oder kese, wie sich je der zit noch gebürt. Es folgen Anweisungen über die Speisung während der Fastenzeit, über verringerte Rationen für Jugendliche und Kinder und über Sonderrationen für Geistliche. Nicht nur die Städte übernahmen von den Benediktinern die Tradition der Fremden- und Pilgerbeherbergung, sondern auch die neuen Orden des 12. und 13. Jahrhunderts. Am Kniebis, dem bereits erwähnten unwirtlichen Paß über den Schwarzwald, lebte bereits vor 1267 ein Zisterziensermönch in einer einsamen Klause. 70 1267 wurde seine Kapelle zur selbständigen Kirche erhoben, 1271 ein Chorherrenstift eingerichtet. Dieser Status hielt sich allerdings nur kurze Zeit, bereits 1277 wird das Haus als Besitz der Franziskaner-Terziaren bezeichnet. 1341 verließen die Mönche ihren Orden und schlossen sich den Benediktinern in Alpirsbach an, ein in der Ordensgeschichte der Zeit ungewöhnlicher Vorgang. Die Mönche betrieben in dieser einsamen Waldgegend ein ausgesprochenes Paßhospital, in seiner Funktion vergleichbar den Pyrenäen- Hospitälern Roncesvalles und Sta. Cristina am Somport, wenn auch in kleineren Ausmaßen. Für 1294 ist auf dem Kniebis ein weltlicher Gastmeister bezeugt, der die Aufsicht über den Zustand der Straße führen sollte. Er erhob im Auftrag des weltlichen Herrn ein Wegegeld und einen Zoll, der dem Unterhalt der Straße diente. Zweimal wurde das Paßhospital von schweren Bränden heimgesucht (1463 und 1513), 1534 erfolgte die Auflösung der Klostergemeinschaft durch die Reformation. 69 Ausschlag oder ansteckende Krankheiten. 70 Zur Geschichte des Kniebis am ausführlichsten ROMMEL (wie Anm. 22) S. 283-303. 100 <?page no="109"?> Die Augustinerchorherren betrieben die bereits genannte Herberge in Truttenhausen und die zu St. Arbogast in Straßburg. 71 Bei der Gründung des Priorats von Truttenhausen im Jahr 1181 wurde gleichzeitig ein Hospital errichtet, das dem hl. Nikolaus geweiht war. 72 Kanoniker aus dem elsässischen Marbach besiedelten das Priorat von Truttenhausen. Die Niederlassung mußte im Hundertjährigen Krieg, während der Armagnakeneinfälle und im Bauernkrieg mehrfach Zerstörungen über sich ergehen lassen, nach einem verheerenden Brand 1555 wurde sie dann endgültig aufgegeben. Die verbliebenen Mönche kehrten in das Mutterkloster Marbach zurück, die Güter fielen an die Stifterfamilie der Landsberg, die sich mittlerweile zum Protestantismus bekannt hatte.73 Für die Beherbergung und Versorgung der kranken Pilger machten sich auch die Antoniter stark (Abb. 8). Im Elsaß gründeten sie vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Präzeptur in Isenheim. Sie war eine der wichtigsten Niederlassungen der deutschen Provinz des Ordens. 74 Mit ihr besaßen die Antoniter eine Station direkt an der alten Römerstraße, die durch das Rheintal verlief. 75 Das Hospital versorgte im 14. Jahrhundert täglich ca. 60 Personen, darunter zahlreiche Kranke mit längerem Aufenthalt. 76 Das Wappen des Präzeptors Guido Guersi, eingelassen in einem Schlußstein aus dem Jahr 1510 77 , zeigt außer den französischen Lilien mehrere Muscheln. 78 Im Antoniterkloster von Straßburg, einer Dependance von Isenheim, befand sich über der hölzernen Eingangstür ein Wappen init Lilien und Muscheln neben der 71 Vgl. oben Seite 94 u. 99. 72 Bestätigung der auf die Initiative Herrads von Hohenburg/ Landsberg und Gunters von Vigenhege zurückgehenden Gründung durch Herzog Friedrich von 1181 (Strasbourg, Archives departementales du Bas-Rhin, 18 J 13, lat., Pergament. Vgl. HIMLY (wie Anm. 55) S. 297 Nr. 2315). Nochmals erwähnt in der Bulle Ludus III. zugunsten der Gründung des Augustinerpriorats in Truttenhausen von 1183: cum hospitali pauperum et hospicio aduenientium hospitum (Strasbourg, Archives departementales, 18 J 14, lat., Pergament. Vgl. HIMLY, ebd. Nr. 2316). 73 J. LEGROS, Le Mont Sainte-Odile -reflets de l'histoire d'Alsace (Colmar 1974) S. 164. 74 Vgl. A. M! SCHLEWSI<I, Die Antoniter und Isenheim, in: Mathis Gothart Nithart, mit Photos von M. SEIDEL und Texten von H. GEIS5LER u.a. (Stuttgart 1973) S. 256-266, 281- 288. Ebenso bedeutsam war die Freiburger Gründung von 1290. Dem Isenheirner Kloster waren die Niederlassungen in den Städten Straßburg und Basel zugeordnet (vgl. A. MISCHLEWSI<I, Grundzüge der Geschichte des Antoniterordens bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts (Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte 8, Köln 1976). 75 MISCHLEWSI<I, lsenheirn (wie Anm. 74) S. 261. 76 MISCHLEWSI<I, Isenheirn (wie Anm. 74) S. 263. 77 Der Schlußstein stammt aus einem der neu errichteten Gebäude nach dem Brand von 1450. Er befindet sich heute im Unterlindenrnuseurn in Colmar, eingelassen in den Sockel des berühmten Isenheimer Altars. 78 J.-J. WALTZ, L'art heraldique en Alsace (Nancy 1976) S. 165 Fig. 324. 101 <?page no="110"?> Abb. 8: HI. Antonius, Einblatt-Holzschnitt, Schwaben, um 1440-1450 (München, Staatliche Graphische Sammlung Inv.nr. 118241) (Photo: München, Staatliche Graphische Sammlung) 102 <?page no="111"?> Jahreszahl 1504, ebenfalls ein Hinweis auf die Regierung Guersis. 79 Wie die Antoniterniederlassung in Straßburg so gehörte auch die von Basel zur Isenheimer Präzeptur. Neben dem Haus und der Kapelle in der Vorstadt zum Kreuz betrieben die Basler Antoniter ein Pilgerhospital. 80 Ob die Pilger, die in den bisher erwähnten Herbergen Einlaß begehrten, nach Rom, Jerusalem oder Santiago ziehen wollten, oder ob sie einem der elsässischen Pilgerorte zustrebten, spielte für die Orden und Städte keine Rolle. Der Pilgerstatus genügte als Kriterium für die Aufnahme in diesen Häusern. Doch wie war das bei den Jakobshospitälern und -hospizen, waren sie auf Jakobspilger "spezialisiert"? In Hagenau gab es spätestens seit 1374 ein Hospiz zum hl. Jakob. 81 Dieses Hospiz wird auch als "Elendenherberge" bezeichnet. Im städtischen (=neuen) Spital St.Martin in Hagenau, das 1329 seine Pforten für arme Kranke öffnete, gab es in der Kirche einen Altar zu Ehren des hl. Jakobus d.Ä. 82 Jakobus mußte sich das Altarpatrozinium aber mit anderen Heiligen teilen, die in dieser Region in Krankheits- und Seuchenfällen gerne angerufen wurden: dem hl. Jodocus, dem hl. Erhard und dem hl. Nikolaus. 83 Obwohl das neue Spital sich mit dem Patrozinium des Pilgerheiligen schmückte, war es der Krankenpflege vorbehalten und nahm keine Pilger auf. Sicherlich zu Pilgerzwecken diente dagegen eine Herberge, die kurz nach 1153 errichtet wurde, um die Scharen der Gläubigen aufzunehmen, die die von Friedrich Barbarossa in der Burg 79 DACHEUX (wie Anm. 62) S. 84 mit Umzeichnung des Wappens und der Jahreszahl. Letztere liest DACHEUX als "1404", es handelt sich aber eindeutig um die Zahl 1504. Das Kloster ist seit 1277 in Straßburg nachweisbar. Näheres bei BARrn: (wie Anm. 60) Sp. 1340-1342 u. Sp. 1914. 80 In einer Urkunde von 1462 ist von einem lwspitium peregrinorum ad S. Anthonium die Rede (CH BAER, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. III: Die Kirchen, Klöster und Kapellen. 1. Teil: St. Alban bis Kartause (Die Kunstdenkmäler der Schweiz 12, Basel 1941) S. 155). 81 Früheste Erwähnung 1374 im Cartulare von St. Georg in Hagenau. Regest bei CH.A. HANAUER, Cartulaire de Saint-Georges de Haguenau (Strasbourg 1898) S. 123 Nr. 251 u.ö. Vgl. HlMLY (wie Anm. 55) 1, S. 88f. V. GUERBER, Histoire politique et religieuse de Haguenau 2 (Rixheim 1876) S. 287 gibt fälschlicherweise 1474 als Gründungsdatum an. 82 Zahlreiche Belege für Pfründenstiftungen und sonstige spätere Erwähnungen bei BARTii (wie Anm. 60) Sp. 512f. Das Haus in Hagenau wurde 1740 in ein Militärhospital (ein Krankenhaus) umgewandelt. 83 Auch in der Pfarrkirche St. Nikolaus (sog. altes Spital) gab es u.a. einen Jakobsaltar (früheste Erwähnung 1344) vgl. BARrn: (wie Anm. 60) Sp. 501. In der Kirche des Franziskanerklosters teilten sich Jacobus maior, S. Agatha und S. Lucia einen Altar (belegt 1274) vgl. BARrn: (wie Anm. 60) Sp. 505. Die Kapelle, die der Unterlandvogt Jakob von Aeckenstein 1496 zu Ehren seines Namenspatrons stiftete, existiert heute nicht mehr. BARrn: (wie Anm. 60) Sp. 488. 103 <?page no="112"?> zu Hagenau deponierten Reichsinsignien und Reliquien sehen wollten. 84 In der kleinen Gemeinde Urloffen bei Renchen gab es im 1. Viertel des 13. Jahrhunderts ein Spital zu Ehren der hll. Jakobus und Johannes. 1218 bestätigte König Friedrich II. dem Kloster Allerheiligen das Patronatsrecht über dieses Spital. 85 Es befand sich mitten in der Siedlung und wurde im 19. Jahrhundert als Arresthaus genutzt, 86 bevor man es endgültig abriß. Über seine ursprüngliche Funktion (Krankenhaus, Pilgerherberge) wissen wir nichts. 87 Fassen wir zusammen: Unterkunft und Verpflegung der Pilger hingen vom sozialen Status und den finanziellen Möglichkeiten ab. Für wohlhabende Pilger gab es Gasthäuser, arme Pilger wurden in den klösterlichen und städtischen Hospizen oder Hospitälern aufgenommen. Diese karitativen Einrichtungen stellten den frommen Reisenden eine Schlafstelle zur Verfügung, reichten ihnen eine oder mehrere Mahlzeiten, ließen ihnen im Bedarfsfall die Krankenpflege angedeihen und statteten sie in seltenen Fällen auch mit einem Zehrgeld aus. Der Name bzw. das Patrozinium einer Herberge/ eines Hospitals darf nicht dahingehend interpretiert werden, daß Jakobsspitäler ausschließlich Jakobspilger aufgenommen hätten. Hinzu kommt, daß sich das Patrozinium häufig nicht auf die gesamte Einrichtung bezieht, sondern nur auf die Kirche oder Kapelle oder gar nur auf einen unter mehreren Altären. Hinter dem Begriff "Spital" verbergen sich im Mittelalter Einrichtungen sehr unterschiedlicher Funktion, die im konkreten Fall zutreffende kann aus dem Namenspatrozinium nicht erschloßen werden. Anhand der schriftlichen Quellen muß im Einzelfall geprüft werden, ob es sich um eine Fremdenherberge, um ein Pfründenspital zur Versorgung alter oder hilfsbedürftiger Bürger, die sich vorher durch Stiftungen einkaufen mußten, oder um eine Leproserie, ein Krankenhaus für ansteckende 84 M. BAR'IH, Reliquien aus elsässischen Kirchen und Klöstern, Archiv für elsässische Kirchengeschichte 10 (1935) S. 122f. 85 Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 34/ 4 No. 7 vom Januar 1218. Weitere Bestätigungen des Besitzes vom Kloster Allerheiligen von 1220 (GLA Karlsruhe, Abt. 34/ 4 No. 8), 1222 (Freiburg, Erzbischöfliches Archiv, Copeibuch von Allerheiligen, I B 3) und 1224 (BöHMER, Regesta Imperii 5, 710 Nr. 3916). 86 Abbildung bei E.A. HUBER, Dreizehnhundertjährige Heimat. Heimatbuch der Gemeinde Urloffen (Urloffen 1971) S. 47. 87 Die.Stifterin Uta von Schauenburg hatte bei der Wahl des Patroziniums vermutlich keine besondere Förderung der Pilgerfahrt oder der Jakobusverehrung im Sinn, sondern bevorzugte lediglich die Apostelnamen. Ein anderes von ihr gegründetes Spital im nahegelegenen Gamshurst wurde den Patronen Simon und Judas geweiht (Bestätigungsurkunde Heinrichs II. vom Dezember 1220, vgl. Regesten der Bischöfe von Straßburg 2, hrsg. v. A. HE.5.5EL und M. KREBS (Innsbruck 1928) S. 27 Nr. 861. 104 <?page no="113"?> Kranke, auch Sondersiechen- oder Gutleuthaus genannt, handelte. Nur selten z.B. in Molsheim erfüllte ein Hospital alle diese Funktionen gleichzeitig. In der Hagenauer Elendenherberge, die dem hl. Jakob geweiht war, konnte jeder bedürftige Reisende einkehren, nicht nur der Pilger nach Santiago de Compostela. Das neue Hagenauer Spital hingegen beherbergte trotz des Jakobs-Patroziniums keine Pilger, auch für das Spital in Urloffen sind Pilgeraufnahmen eher unwahrscheinlich. V Wenden wir uns denJakobsbruderschaften zu. Unter den vielen tausenden Bruderschaften, die sich in der Zeit vom 14. bis 18. Jahrhundert in Mitteleuropa bildeten, wird besonders den Jakobsbruderschaften eine herausragende Rolle bei der Betreuung von Jakobspilgem zugeschrieben. Das beruht auf den ersten Untersuchungen über Jakobsbruderschaften 88 und der 1905 veröffentlichten Gründungsurkunde der Jakobsbruderschaft von Sachseln in der Schweiz: Es ist zu wissen, dass die Schwester und Brüder, so uss dem l.andt Underwalden ob dem Waldt, sindt gen Sanct Jacob in Gallicia gewandlet: Hänt ein bruderschafft angefangen, im Jahr 1560. [...] In meynung, dass sie da wöllent den Allmechtigen Gott bitten für alle Christgläubige Seelen, In sonderheit aber für alle Schwester Und Brüder, so die Heilig Statt S. Jacobs besucht hänt, sie seyendt glych tod oder lebendig; dass ihnen Gott wölle gnädig Undt barmhertzig syn, auch allen denen, die noch Willens wärendt, die Statt des h. Zwölffbotten zu besuchen Und allen denen die noch Uff der strassen sind. 89 Geradezu beispielhaft treten die zwei wesentlichen Komponenten einer "richtigen" Jakobsbruderschaft hervor: Die Mitglieder sind selber Jakobspilger und die Bruderschaft dient der Unterstützung anderer Pilger auf dem Weg nach Compostela. Entsprechend formulierte V Az- QUEZ DE P ARGA in seinem grundlegenden Werk über die Pilgerfahrt nach Santiago: "En Alemania hubo tambien en numerosos lugares cofradias de Santiago (Jakobsbruderschaften), cuya misi6n era promover la peregrinaci6n entre sus propios miembros o facilitarla a los peregrinos, protegiendolos." 90 88 H. BoRDIER, La confrerie des Pelerins de Saint-Jacques de Cornpostelle (Montdidier 1890) über die Jakobsbruderschaft von Paris. C. DAux, Le pelerinage a Cornpostelle et la confrerie des pelerins de rnonseigneur Saint Jacques de Moissac (Paris 1898, unveränderter Nachdruck Genf/ Paris 1981). 89 Schweizerisches Archiv für Volkskunde 8 (1905) S. 61. 90 L. V AZQUEZ DE PARGA/ J. M•- LAcARRA/ J. URfA Rfu, Las peregrinaciones a Santiago de Cornpostela 1 (Madrid 1948) S. 251. 105 <?page no="114"?> Dies wurde in der wissenschaftlichen Literatur lange fortgeschrieben, 91 trotz fehlender Untersuchungen über Jakobsbruderschaften in Deutschland. 92 Erst KATIIRIN TREMP-UTz unterscheidet mit hinreichender Klarheit zwischen Jakobsbruderschaften einerseits (Gebetsbruderschaften zur Sicherung des Seelenheils meist nur der eigenen Mitglieder) und "echten" Jakobsbruderschaften im Sinne vorstehender Definition. 93 Wir schlagen allerdings vor, den Ausdruck "echte Jakobsbruderschaften" durch "Jakobspilgerbruderschaften" zu ersetzen, um diese von den Jakobsbruderschaften abzuheben, die der Pilgerfahrt ad limina Sancti Jacobi nicht verpflichtet waren. Im Oberrheingebiet sind uns bis jetzt 12 Jakobsbruderschaften bekannt geworden. Von 6 dieser 12 Bruderschaften haben wir bisher so wenig Kenntnisse, daß wir sie hier außer Betracht lassen müssen. 94 Nach den wenigen vorhandenen Urkunden läßt sich bis jetzt für keine dieser Bruderschaften eine aktive Unterstützung der Jakobuspilgerfahrt rekonstruieren. Besser belegt ist die Jakobsbruderschaft von Waldshut, deren Statuten aus dem Jahr 1513 stammen. 95 Es handelte sich um eine Bruderschaft der Schuhmacher, die jedoch nicht nur Zunftrnitgliedem offenstand. 91 PLörz (wie Anm. 4) S. 116: "Zur Förderung der peregrinatio nach Compostela unter den eigenen Mitgliedern und zur Unterstützung von Jaoobuspilgern allgemein bildeten sich während des Mittelalters zahlreiche Jacobusbruderschaften." Vgl. auch das Zitat von HÜFFERS oben, S. 84f. 92 Schon V AZQUEZ DE PARGA (wie Anm. 90) S. 251 Anm. 11 vermerkt die Einschränkung von G. ScHREIBER. Deutschland und Spanien. Volkskundliche und kulturkundliche Beziehungen. Zusammenhänge abendländischer und iberoamerikanischer Sakralkultur (Düsseldorf 1936) S. 107, wonach bis dato die Jakobsbruderschaften in Deutschland nur wenig untersucht worden waren. Noch 40 Jahre später meint I. MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela zwischen 1400 und 1650. Resonanz, Strukturwandel und Krise, in: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 29 (Münster 1978) S. 530f. Anm. 63: "Der ganze Komplex der Jakobsbruderschaften ist aber noch wenig erforscht." 93 K. TREMP-UTZ, Eine spätmittelalterliche Jakobsbruderschaft in Bern, Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 77 (1983) S. 47-93, hier S. 52. Als "echte" Jakobsbruderschaften möchte sie "nur diejenigen gelten lassen, welche sich 1. wenigstens zu einem Teil aus ehemaligen Santiagopilgern zusammensetzen und/ oder welche sich 2. neben der Sicherung des eigenen Seelenheils auch die Betreuung vorüberziehender Sa1c'! tiagopilger allenfalls in einem Jakobsspital zur Aufgabe gemacht hatten." In ihrem Uberblick über die schweizerischen Jakobsbruderschaften (S. 53-56) entsprechen dieser Definition nur 5 von insgesamt 26 genannten Bruderschaften (Altdorf, Genf, Heiligenberg bei Winterthur, Sachseln und Tafers). 94 Im Elsaß: Ribeauville 1482, Rodem 1521, Dompierre 1693. In Baden: Bruchsal 1475, Durlach 1467, Kappelwindeck ohne Datum. Die Bruderschaft in Wolfach wird hier wegen des späten Gründungsdatums (1664) nicht berücksichtigt. Es handelte sich um eine Gebetsbruderschaft, die allerdings für eine Wallfahrt zur eigenen Jakobskapelle warb. Vgl. J. SlÜBLE, Wallfahrtskapelle St. Jakob (Wolfach 1980) S. 22f. 95 Stadtarchiv Waldshut, U XII A (1513 I 29). Alle weiteren Zitate aus den Statuten der Bruderschaft sind dieser Urkunde entnommen. 106 <?page no="115"?> Mitglied konnte auch Einperson [...] geistlich oder weltlich wib oder man heimsch oder frembd sein. Eine Pilgerfahrt nach Compostela war dazu nicht erforderlich. Die etwa vierteljährlich 96 stattfindenden Seelmessen wurden am Jakobsaltar der Pfarrkirche gehalten und zwar zum Gedenken aller lebenden menschenn vnnd dotten so In diser bruderschafft gewesen vnnd noch sint vnnd aller gloubigen seien. Bei der Jakobsbruderschaft von Waldshut handelte es sich also um eine reine Gebets- und Totengedenkbruderschaft der Schuhmacher, die dem Seelenheil der eigenen Mitglieder diente. An keiner Stelle der Urkunde wird speziell auf den Jakobskult oder gar auf die Pilgerfahrt hingewiesen; die Benennung als Jakobsbruderschaft lag darin begründet, daß die Messen am Jakobusaltar der Pfarrkirche gehalten wurden. Interessanterweise wählte man die Aufseher der Bruderschaft nicht am Jakobstag, sondern an Johanni und Weihnachten 97 ; der Versammlungssaal der Schuster war mit einem Bild des hl. Georg geschmückt und nicht mit dem des Jakobus! 98 In Basel dem südlichen Zentrum des Oberrheingebietes gab es zwei Jakobsbruderschaften. Nennen wir als erste die Jakobsbruderschaft am Siechenhaus von St. Jakob an der Birs. 99 Dieses Siechenhaus stand ausdrücklich nur ansteckend erkrankten Basler Bürgern offen, keinesfalls fremden oder Pilgern. Die Insassen mußten sich gegen eine Gebühr von fünf Pfund in das Siechenhaus einkaufen und nur sie waren die Mitglieder einer Bruderschaft, die mit anderen Siechenhausgemeinschaften rheinauf- und abwärts verbunden war. 100 Ihren Namen "Sankt Jakobsbruderschaft" trägt sie allein wegen des Patroziniums der nahe- 96 25. Juli (Jakobus), 25. Oktober (Crispin und Crispinian), 5. Februar (Agathe) und 23. April (Georg). Crispin und Crispinian sind die Schutzpatrone der Schuhmacher. 97 Statuten (wie Anm. 95). 98 J. RUCH, Geschichte der Stadt Waldshut. Neubearbeitung des Geschichtswerkes Birkenmayer-Baumhauer (Waldshut 1966) S. 103. 99 Zu St. Jakob an der Birs vgl. R. RIGGENBACH, Kapelle und Siechenhaus von St. Jakob an der Birs, in: Gedenkbuch zur 500-Jahrfeier der Schlacht bei St. Jakob an der Birs vom 26.8.1944 (Basel 1944). 100 R. WACKERNAGEL, Geschichte der Stadt Basel 11,2 (Basel 1916) S. 934f. Danach gehörten der Bruderschaft die Insassen folgender Siechenhäuser an: St. Jakob a.d. Birs, Liestal, Rheinfelden, Laufenburg, Waldshut, Schlierbach, Hüningen, Eimeldingen und Bellingen. Eine ähnliche Bruderschaft wurde 1471 in Monswiller bei Saverne gegründet. Ihr gehörten die Insassen von 18 Siechenhäusem im Umkreis von etwa 50 km an. F.-J. HIMLY, La Confrerie des leproseries de Basse-Alsace au XV• siede, Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 65 (1965) S. 43-51. 1585 wurde unter Führung der Leproserie von Obernai eine Bruderschaft gegriindet, die die Siechenhäuser von Schlettstadt, Rastatt, Offenburg, Freiburg und Breisach miteinander verband (1-IIMLY, ebd. S. 51). Sie ist ebensowenig wie die Bruderschaft von St. Jakob an der Birs genauer untersucht. 107 <?page no="116"?> bei gelegenen, weit älteren Jakobskapelle an der Birs. Mit unseren Jakobspilgem gibt es keinen Zusammenhang. Es gab aber noch eine andere Jakobsbruderschaft in Basel. Am Jakobstag 1480 nahmen Prior und Konvent des Augustinerchorherrenstifts St. Leonhard die Elendenbruderschaft St. Jakob auf. 101 Hier konnte jedermann gegen Entgelt von zwei Schilling Mitglied werden: alle die menschen die do begeren In dise obgenante bruderschafft zu komen den sal man vffnemen. Außerdem war zu jeder Fronfasten ein Rappen zu entrichten und es bestand die Verpflichtung, sich am Jakobstag in der Leonhardskirche zu versammeln, was auch für Elende, d.h. fremde Mitglieder galt, wenn sie sich nicht weiter als 10 Meilen von Basel entfernt aufhielten. Weiters waren alle Mitglieder verpflichtet, in Not geratene Mitbrüder mit zwei Schillingen zu unterstützen sowie für verstorbene Mitbrüder zu beten vff das sie werde gebracht durch das gebett des hiemelforsten sanct Jacobs In die clarheit vnd froude der engelschen frolichkeit. Dafür hatten alle Mitglieder der Bruderschaft teil an sämtlichen Ablässen, die dem Leonhardsstift zugesprochen waren. Außerdem verpflichteten sich die Kleriker, das zu allen fronfasten in der obgenanten kilchen sanct Lienhart zu Basel moge gehalten werden die ewige memorie oder gedechtnis dises heilgen bruderschafft mit vigilgen vnd messen vor alle die selen die verscheiden sint vß diser bruderschafft [...]. Die Bruderschaft bestand nur 45 Jahre, nämlich bis zur Übergabe des Leonhardsstiftes an die Stadt Basel im Jahr 1525. 102 Über die gesamte Zeit sind wir durch eine Reihe von Dokumenten gut unterrichtet. Aber auch hier findet sich in keiner der Urkunden irgendein Hinweis auf die Jakobspilgerfahrt, weder als Unterstützung für durchziehende fremde Pilger noch in aktiven Pilgerfahrten der Mitglieder selber. Wieder handelt es sich um eine Gebets- und Totengedenkbruderschaft 1 0.3, deren Bedeutung auch im Zusammenhang mit dem Neubau der Leonhardskirche zu sehen ist 104, und nicht um eine Pilgerbruderschaft. 101 Gründungsurkunde der Elenden Bruderschaft St. Jakob am Leonhardsstift zu Basel, Basel Staatsarchiv, Bruderschaften Urkunden 3 (1480 VII 25). Die folgenden Zitate nach dieser Urkunde. 102 Übergabe des Stiftes St. Leonhard an die Stadt (1525 II 1), abgedruckt in Urkundenbuch der Stadt Basel 10, Nr. 34 (Basel 1908) S. 24-30. 103 R. WACKERNAGEL, Bruderschaften und Zünfte zu Basel im Mittelalter, Basler Jahrbuch (1883) S. 220-249. Auf S. 233 bemerkt er unter der Überschrift "Leidfolge, Seelenmesse und Jahrzeit für verstorbene Brüder": "Hier liegt das Schwergewicht der bruderschaftlichen Tätigkeit [...]". 104 Die der Bruderschaft wiederholt erteilten Ablässe belegen ein starkes Interesse der Bauherren an Unterstützung. Auch ein heute noch in der Kirche St. Leonhard erhaltener Schlußstein mit dem Wappen der Jakobsbruderschaft zeugt davon. Vgl. die kurzen Ausführungen von B.M. VON ScARPATETTI, Die Kirche und das Augusti- 108 <?page no="117"?> Und doch ist auf einem Siegel der Bruderschaft 105 aus dem Jahr 1497 der hl. Jakobus als Pilger mit Stab in der einen und großer Muschel in der anderen Hand dargestellt. Er steht auf dem Wappen der Bruderschaft (gekreuzte Pilgerstäbe mit Muscheln). Die Darstellung des Apostels als Pilger kann allerdings nicht überraschen, denn seit dem 13. Jahrhundert entsprach dies der geläufigen Ikonographie. 106 Ikonographisch interessanter ist die Jakobus-Darstellung auf einer römischen Ablaßurkunde vom 29. November 1517. 1 w 12 Kardinäle gewähren hierin jeder 100 Tage Ablaß, den diejenigen Gläubigen erhalten, welche an den vorgeschriebenen Festtagen dem Gottesdienst andächtig beiwohnen und außerdem tatkräftig zur Ausstattung und zum Unterhalt des Altars der Bruderschaft beitragen. In der den Text umrahmenden Blumenranke finden sich die Symbole der vier Evangelisten, die Patronatsheiligen der Kirche St. Leonhard, sowie der Pestheilige St. Rochus und Jakobus als Pilger. 108 Außergewöhnlich ist jedoch das Bild des Pilgerheiligen über dem bereits bekannten Wappen der Bruderschaft. Rechts und links vomApostel knien zwei Pilger, denen er Kronen aufsetzt. Diese Darstellung (Abb. 9) ist in der bisherigen Literatur über die Pilgerkrönungen unbekannt. 109 Die prächtige Ausschmückung der Urkunde wurde vermutlich von Johannes Ringler veranlaßt, dem Inhaber des Jakobusaltars in der Leonhardskirche, der auch den päpstlichen Ablaß erwirkt hatte.11° Eine Interpretation der gekrönten Pilger als Stifterpaar 111 bleibt fragwürdig, in der ner-Chorherrenstift St. Leonhard in Basel. 11./ 12. Jh. - 1525 (Basel und Stuttgart 1974, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 131) S. 289f. 105 Staatsarchiv Basel, Bruderschaften, Urkunden 6 (1487 VII 30). 106 R. PLärz, Imago beati Jacobi. Beiträge zur Ikonographie des hl. Jacobus Maior im Hochmittelalter, in: Wallfahrt kennt keine Grenzen. Themen zu einer Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München (München 1984) S. 248-264. 107 Staatsarchiv Basel, Bruderschaften, Urkunden 13a (1517 XI 29). 108 Vollständige jedoch recht ungenügende Abbildungen finden sich in: E. MlESCHER, Ablaßbrief von 1517 zu Gunsten des Jakobusaltars in St. Leonhard, in: Basler Jahrbuch (1915) S. 245-262, Abb. nach S. 248. F. MAURER, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt 4. Die Kirchen, Klöster und Kapellen 2: St. Katharina bis St. Nikolaus (Basel 1941) S. 240, Abb. 273. Ein Faksimile der Urkunde befindet sich im Historischen Museum in Basel. 109 R. PLÖTZ, "Benedictio perarum et baculorum" und "coronatio peregrinorum". Beiträge zur Ikonographie des HI. Jacobus im deutschsprachigen Raum, in: Volkskultur und Heimat. Festschrift für Josef Dünninger zum 80. Geburtstag (Würzburg 1986, Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie 3) S. 339-376. 110 R. R! CCENBACH, Festschrift zur Restaurierung des Basler Regierungssaals, 13. Juli 1951 (Basel 1957) S. 92. K. EscHER, Die Miniaturen in Basler Bibliotheken, Museen und Archiven (Basel 1917) S. 246, Nr. 356 sieht die Ausmalung der Urkunde stilistisch vergleichbar mit Werken des Michael Glaser von Porrentruy und des Hans Dyg von Zürich. 111 MAURER (wie Anm. 108) S. 241 und R! CCENBACH (wie Anm. 110) S. 92. 109 <?page no="118"?> Abb. 9: Ablaßbrief der Jakobusbruderschaft am St. Leonhardsstift in Basel vom 29.11.1517 (Basel, Staatsarchiv, Bruderschaften, Urkunden 13a) (Photo: Staatsarchiv Basel) Geschichte der Jakobusbruderschaft läßt sich ein solches nicht nachweisen. Als ikonographische Parallele möglicherweise als Vorbild erscheint das Titelbild eines Druckes von Pamphylus Gengenbach näherliegend: Ein hübsch lesen von grosz wunderzeichen von dem heiligen zw6lffbotten sant Jacob/ vnd zweien JacobsbrUdern. 112 Der Druck erschien ca. 1516 in Basel1 13 und zeigt auf dem Titelblatt und dessen Rückseite (fol. 112 Es handelt sich um eine verkürzte Versbearbeitung von K. KrSTENERS "Die Jakobsbrüder", entstanden wahrscheinlich Mitte des 14. Jahrhunderts in Straßburg. Vgl. den Beitrag von I. REIFFENSTEJN, Kunz Kistener, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 2., völlig neu bearbeitete Auflage 4 (Berlin/ New York 1983) Sp. 1157-1160. Die Textausgabe von K. EuuNG, Die Jakobsbrüder von Kunz Kistener (Germanistische Abhandlungen 16, Breslau 1899) bringt die Druckbilder der Ausgabe Gengenbachs nicht. Unsere Angaben beruhen auf dem Exemplar der Universitätsbibliothek Basel. 113 REIFFENSTEIN (wie Anm. 111) Sp. 1158. H. BAUCKNER, Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Spuren in unserer Heimat, in: Das Markgräflerland (1985) S. 57-90 datiert falsch auf 1576 (S. 77 Abb. 14: Pilgerkrönung mit Galgenwunder). Ihm folgt R. PLörz, der hunlr hinder dem altar saltu nicht vergessen. Zur Motivgeschichte eines Flügelaltars der Kempener Propsteikirche, in: Gedenkschrift für Gregor Hövelmann. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Geldern 1987) S. 119-170, hier S. 110 <?page no="119"?> 1v) jeweils eine Pilgerkrönung. Ein Einfluß dieser beiden Holzschnitte auf die Gestaltung der Ablaßurkunde von 1517 scheint uns wahrscheinlich. Zu den bekannten 12 Darstellungen der Pilgerkrönung gesellt sich hiermit eine zusammenhängende Gruppe aus drei Bildern, die erstmals nicht einem öffentlichen Sakralbau entstammen.11 4 Verlassen wir nun Basel und wenden uns dem Elsaß zu, dem westlichen, französischen Teil des Oberrheintales, aus dem wir noch zwei weitere Jakobsbruderschaften vorstellen möchten: eine in Kaysersberg und eine in Straßburg. Die Satzung der Kaysersberger Jakobsbruderschaft 115 aus dem Jahr 1521 berichtet uns wieder einmal nichts über Pilger oder die Pilgerfahrt nach Santiago. Genauestens werden die Aufgaben des Kaplans am Bruderschaftsaltar festgehalten, der für seine Dienste 6 Pfennig erhalten soll, während alle Gaben im Opferstock der Bruderschaft verbleiben. Die Mitglieder müssen bei der jährlichen Versammlung am Jakobstag einen gewissen Betrag einzahlen, darusß vnnd davon Soll auch ewigglich die bruderschafft vnnd die gezirde gotts auch des lieben heilligen vnnderhallten vnnd allweg die Ere gotts des heilligen vnnd der bruderschafft anngesehen werden. Auch die Kaysersberger Jakobusbruderschaft fügt sich ein in die Reihe der Gebetsbruderschaften, deren Mitglieder sich gegenseitige Hilfe zusagten, nicht aber die Unterstützung fremder Jakobspilger. Ein Zusammenhang zwischen der Bruderschaft und dem Kaysersberger Pilgerkreuz (Abb. 10) ist nicht nachweisbar. Immerhin wurde die Bruderschaft schon 1494 gegründet, 116 das Kreuz eines der wenigen erhaltenen Pilgerkreuzestammt aus dem Jahr 1511. 117 An seinem originalen Platz, dem ehemaligen westlichen Ortsausgang an der Straße Richtung Vogesenpaß, befindet sich heute eine Nachbildung aus dem Jahre 1925. 118 Von wem immer es ursprünglich errichtet worden sein 167 Abb. 17 mit gleicher Abbildung und Datierung. Gengenbach starb bereits um 1525. Bei der Abbildung handelt es sich um das Bild auf fol. 1 v der Druckausgabe von 1516, nicht um das Titelbild. 114 PLölZ (wie Anm. 109). Wandmalereien: Linz (um 1230), Almersbach, Oberbreisig, Niedermendig (alle 2. Hälfte 13. Jh.? ), Mölln (spätromanisch), Wollmatingen (Ende 15. Jh.); Glasfenster: Neuweiler (um 1490), Freiburg (1524); Plastiken: Villingen (3. Drittel 13. Jh.), Kaysersberg (um 1480), München (Museum, um 1500), Colmar (Museum, um 1500). Mittlerweile sind noch weitere Darstellungen von Pilgerkrönungen bekannt geworden, deren Beschreibung den Rahmen dieser Arbeit jedoch überschreitet. 115 Kaysersberg, Archives municipales, GG 43 (1521). Daraus das folgende Zitat. 116 Abschrift des Stiftungsbriefes (angefertigt im 17. Jahrhundert) Kaysersberg, Archives municipales, JJ 2 (No. 2) fol. 65r-65v. 117 Inschrift am Schaft des Kreuzes. 118 Das Original befindet sich im kleinen Lapidarium hinter der Pfarrkirche. Die Figur 111 <?page no="120"?> Abb. 10: Kaysersberg, Pilgerkreuz von 1511 (Kopie von 1925) (Photo: Hedwig Röckelein) 112 <?page no="121"?> mag, es ist wohl ein Hinweis, daß in jener Zeit Jakobspilger durch Kaysersberg zogen und über den Col du Bonhomme weiter nach Südwesten pilgerten. Tatsächlich sind uns aus den Kaysersberger Rechnungsbüchern auch zwei einheimische Santiagopilger von 1517 und 1518 bekannt. 119 Straßburg neben Basel die größte und wichtigste Stadt im Oberrheingebiet, Verkehrsknotenpunkt und Handelszentrum, Bischofssitz und aufstrebende Bürgerstadt: Daß wir hier dem ganzen Spektrum der Jakobusverehrung begegnen, wundert nicht. Dazu gehört auch die Jakobusbruderschaft. Von ihr besitzen wir eine Satzung 120 aus dem Jahr 1484. Danach können als Mitglieder: alle die do begerren in die genante Bruderschafft zu kommen Es sient man oder wyplich personen jung oder altt arm oder rich 121 aufgenommen werden, die Pilgerfahrt nach Compostela war also auch in Straßburg nicht Eintrittsbedingung. Die wiederholte Unterscheidung zwischen "Jakobsbrüdern" einerseits und "allen Brüdern und Schwestern der Bruderschaft" 122 andererseits zeigt jedoch, daß es unter den Mitgliedern Santiagopilger gab nämlich die als "Jakobsbrüder" bezeichneten. Folgt man dieser Unterscheidung, so mußte der Bruderschaftsmeister die Pilgerfahrt vollbracht haben, er wird nämlich als Jakobsbruder bezeichnet. 123 In den Vorstand der Bruderschaft, den sogenannten Achterrat, konnten dagegen sowohl Jakobsbrüder, d.h. also -pilger, als auch andere Bruderschaftsmitglieder gewählt werden: [...] sie sient Jacobsbruder die zu sant Jacob sint gewessen oder nit die sunßz dar zu geschicklich sint. 124 Im übrigen wird weder die Pilgerfahrt nach Compostela noch eine Unterstützung fremder Pilger erwähnt. Die Geldspenden der Mitglieder (6 Straßburger Pfennige beim Eintritt, zu jeder der vier Fronfasten 2 Pfennige) sollten neben der Verehrung der Heiligen den Mitgliedern des Jakobus wurde leider vor ca. 20 Jahren gestohlen. Trotzdem bleibt die Genauigkeit der Nachbildung ersichtlich. 119 Kaysersberg, Archives municipales, CC 18, fol. 130v und fol. 140r. 120 Straßburg, Archives municipales, III GUP 263, 11. 121 Statuten der Jakobsbruderschaft (wie Anm. 120) fol. 4v. 122 Statuten der Jakobsbruderschaft (wie Anm. 120) fol. Sr. Die gleiche Tendenz auch auf fol. 4r im einleitenden Text: Nemlich die selb Sllnt Jacobs bru.derschafttt oon den strengen ErS/ lmmen und erberren den Jacobsbnldern gemeinlichen in der genanten stat und die mit Innen es sigent jungfrouwen, frouwen priester leyen edel oder onedel wie sie genant sin verbrudert sint '01ld werden. 123 ltem man soll ouch alle jor '1Jff den nehsten silndag noch sant Jacobs tag an den Jacobs bru.dern gemein/ ich '01ld einhelliglichen ein Jocobsbru.der kiesen durch die gantz gemein der Jocobsbrilder oberster meister sin soll. Statuten der Jakobsbruderschaft (wie Anm. 120) fol. 7r. 124 Statuten der Jakobsbruderschaft (wie Anm. 120) fol. Br f. 113 <?page no="122"?> selbst zugute kommen: Ouch allen Brudern vnd Schwestern So in der Bruderschafftt sint Sie sient leben oder dott Den selben zu trost vnd zunutz soll solch gellt an wahs vnd an ander gezierde geleit werden. 125 Tatsächlich wäre die Straßburger Jakobsbruderschaft wohl kaum in der Lage gewesen, durchziehende Pilger zu unterstützen, zu gering waren die verfügbaren Mittel. 1523 im Rahmen der beginnenden Reformation bündelte der Straßburger Stadtrat die städtische Armenfürsorge im sog. "Gemeinen Almosen" und verteilte die Spenden wohltätiger Bürger und einzelner Institutionen wie z.B. von Klöstern, Pfarreien oder Bruderschaften zentral bei gleichzeitigem Verbot der Bettelei, was auch für die durchziehenden Pilger galt. 126 Die Jakobsbruderschaft übereignete dem "Gemeinen Almosen" ihre vorherige jährliche Almosengabe von 6 Viertel Roggen 127, weniger als 1% der Naturalabgaben von 679 Vierteln Roggen 128, die das "Gemeine Almosen" im Jahr 1523 erhielt. Oder anders gerechnet: Im selben Jahr verteilte das "Gemeine Almosen" allein im letzten Quartal an 217 fremde, durchziehende Personen insgesamt 503 Straßburger Pfennige als Wegegeld. 129 Die jährlichen 6 Viertel Roggen der Bruderschaft hätten umgerechnet in damaligem Geldwert 130 nicht einmal für 30 Portionen Zehrgeld ausgereicht! Ursprünglich dienten die 6 Viertel Roggen als Almosen für die einheimischen Bettler und Armen anläßlich des Jakobusfestes am 25. Juli: nach vielgeübter Christenpflicht ließ man das Getreide zu Brot ausbacken und verteilte dieses. Als Versorgung oder Unterstützung durchziehender Pilger war diese Spende nicht gedacht. VI Nach unseren derzeitigen Kenntnissen handelte es sich bei den oberrheinischen Jakobsbruderschaften um Gebets- und Totengedenkbruderschaften. Sie waren keine Bruderschaften von Jakobspilgern für Jakobspilger, um es einmal ganz verkürzt zu sagen. Pilger unter den Bruderschaftsmitgliedern finden sich nur in Straßburg. Deshalb müssen 125 Statuten der Jakobsbruderschaft (wie Anm. 120) fol. Sr. 126 Zum "Gemeinen Almosen", seiner Begründung, Funktion und seinen Aufgaben siehe WINCKELMANN (wie Anm. 59) s. 75-109. 127 WINCKELMANN (wie Anm. 59) 2 (Urkunden und Aktenstücke) S. 96. 128 Übersicht der dem Almosen überwiesenen Jahresrenten bei WINCI<ELMANN (wie Anm. 59) 2 S. 249. 129 WINCKELMANN (wie Anm. 59) s. 85. 130 Die Umrechnung erfolgt auf Grund der von WINCKELMANN (wie Anm. 59) 2 S. 93-96 gegebenen Daten. 114 <?page no="123"?> wir für das Oberrheingebiet eine besondere Bedeutung der Jakobsbruderschaften für die Pilgerfahrt nach Compostela verneinen. Bei den Pilgerherbergen haben wir ein ganz vergleichbares Bild. Wohl gab es in allen Städten und größeren Dörfern Übernachtungsmöglichkeiten, Herbergen für arme Fremde, Durchreisende und Pilger, auch entlang der Verbindungswege waren sie zu finden. Keine dieser von den Klöstern und Städten unterhaltenen Herbergen war aber ausschließlich den Jakobspilgern zugänglich. Für sie gab es im Oberrheingebiet nachweislich keine spezielle Infrastruktur. Die Verkehrswege im Oberrheingebiet sowie einige der über diese Region vorliegenden Itinerare zeigen schließlich ein vielfältiges Bild. Nahezu kein Weg eines Jakobspilgers ist uns durch eine Beschreibung bekannt. Andererseits erweist sich das Wegenetz bei näherer Betrachtung dichter und komplexer als bisher angenommen und bietet mehr Möglichkeiten unter verschiedenen Wegen auszuwählen. Der Versuch, die Santiagopilger auf einige Hauptrouten im Oberrheintal zu fixieren 131, scheint willkürlich und entspricht nicht den historischen Gegebenheiten. Die Rekonstruktion von Jakobswegen auf Grund der in einer bestimmten Region von Pilgern hinterlassenen Spuren setzt zuerst und vor allem eine genaue Bestandsaufnahme aller Relikte der Jakobusverehrung voraus. Ob dadurch die von den Jakobspilgern möglicherweise bevorzugten Routen erkannt werden können, erscheint fraglich. 132 Auch die vielfältigen Zeugnisse der Jakobusverehrung im Oberrheingebiet seien es Kirchen oder Altäre, Statuen, Kreuze, Gewann- oder Wegebezeichnungen sind zunächst einmal Zeichen der allgemeinen Jakobsverkehrung und nicht Hinweise auf Santiagopilgerstraßen. Bis jetzt gibt es nicht einmal Belege für eine auffallend große Anzahl von einheimischen oder durchziehenden Jakobspilgern in unserem 131 Beispielsweise in der provisorischen Karte der Jakobswege in: Un avenir pour notre passe (wie Anm. 1) s. 14-15. 132 G. JucNor, Sources et illustrations de l'histoire des etablissements hospitaliers et du pelerinage de Saint-Jacques de Compostelle de Ja Dordogne aux Pyrenees: Pyrenees-Atlantiques, in: 100. Congres nationale des Societes Savantes (Montpellier 1985). Histoire medievale et philologie 1: Sante, Medicine et Assistance au Moyen Age (Paris 1987) S. 333-352 kommt nach seiner detaillierten Lokalstudie zu folgendem Ergebnis (S. 347): "Cette breve etude permet, en tout cas, de renforcer l'affirmation selon laquelle s'il n'y ade 'chemin de Saint-Jacques' au sens propre, que ceux decrits par le Guide d'Aimery Picaud, innombrables sont en revanche les cheminements pelerins. Si aucune route n' a jamais ete reservee aux pelerins, en revanche aucune ne leur a jamais ete interdite, et il ne faut pas s'etonner, dans ces conditions, de retrouver trace des marcheurs jacquaires dans les vallees montagneuses ! es plus reculees: curiosite personelle, sanctuaire local a visiter ou egarement ... avec l'espoir d'etre recuperes par Je reseau d'un grand höpital specialise." 115 <?page no="124"?> Untersuchungsgebiet, weder in Urkunden noch (zum Beispiel) in den diversen Chroniken. Gab es die großen Massen der Jakobspilger hier am Oberrhein überhaupt? Oder waren die Santiagopilger nicht nur ein Teil der immensen Menge von Menschen, die die Straßen bevölkerten, Händler von nah und fern, Bettler und Gesindel, adelige Reisende, Bauern, die vielleicht einem Markt zustrebten, Landsknechte, umherziehende Mönche und Schüler, Menschen, die vor Kriegen flüchteten oder vor der Pest, des Landes verwiesene Verbrecher und - Pilger. Pilger, die zu den vielfältigsten lokalen und regionalen Wallfahrtsstätten strebten oder von dort nach Hause zurückkehrten und unter ihnen allen: auch Jakobspilger, eine Gruppe unter vielen. Auch dies läßt eine bevorzugte Suche nach "Jakobswegen" zumindest am Oberrhein fragwürdig erscheinen. Der "camino frances" in Spanien ist in seiner Einzigartigkeit nicht auf das restliche Europa übertragbar. Was am Ende in Santiago ein breiter Strom ist, speist sich aus vielen kleinen Quellen. Jede dieser Quellen: ein Pilger, mit seinem eigenen Weg, von seinem Haus aus losgehend und wieder zurückkehrend, sofern es Gott gefiel. Der Pilger mit seinen Erwartungen, Erlebnissen und Erfahrungen, mit seiner Religiosität und Spiritualität, dieser Pilger als eigentlicher Träger des europäischen Kulturaustauschs droht auf der fieberhaften Suche nach den Jakobswegen verloren zu gehen. Resumen: 1. La regi6n de la Alta Renania quese extiende entre los Vosgos y la Selva Negra, a las orillas del Rin, esta repartida entre Suiza, Francia y Alemania. Durante la epoca medieval y el Antiguo Regimen las relaciones econ6micas, religiosas y politicas entre el cant6n de Basilea, Alsacia y Baden fueron muy intensas. Por raz6n de estas circunstancias se debe tratar dicha regi6n como un conjunto a pesar de las fronteras actuales, cuya importancia se reduce cada dfa mas por el establecimiento de organizaciones de cooperaci6n internacional dentro del concepto de la "Regio". 2. l Cuales son, pues, los datos hist6ricos relevantes acerca de los caminos que entonces utilizaban los peregrinos? En primer lugar son los de los relatos que nos proporcionaron los mismos peregrinos y que dan una primera referencia sobreel tema, p.e. el itinerario de Hermann Künig von Vach, a fines de! siglo XV, que lleva el tftulo: Die straß und meylen tzu sant Jacob" (ed. 1521). Sin embargo la literatura odep6rica es muy escasa y sus descripciones de las etapas de los caminos carecen a menudo de la precisi6n necesaria. L6gicamente la investigaci6n debe intentar reconstruir los caminos de larga distancia que utilizaban los mercaderes y demas viajeros. Otras indicaciones hist6ricas para la reconstrucci6n de los "caminos de peregrinaci6n" se encuentran en la historia de los hospicios, e.d. de todos los hospicios y no solamente los dedicados a Santiago 116 <?page no="125"?> que, en su rnayor parte, son leproserfas que casi exclusivarnente se dedican a la curaci6n y al cuidado de enferrnedades contagiosas. 3. ,Las cofradfas de Santiago, tornaron tarnbien parte en la asistencia al peregrino? Habfa aproxirnadarnente una docena de cofradfas con el tftulo de Santiago en la regi6n de la Alta Renania. Por regla general, se encuentran pocas referencias a cofradias en los registros antiguos. Por lo general parece que las cofradfas no forrnaron ningun drculo exclusivarnente reservado a peregrinos de Santiago, sino se dedicaron rnas a sus socios, en prirner lugar a la rnernoria de sus rnuertos, que a la asistencia de peregrinos pobres. 117 <?page no="126"?> Das Oberrheintal Karte der zitierten Orte und Verkehrswege / " r'_". ✓ ..... ". 1 1 1 1 . J-----~': _u c; --J ~lsl '~- .... / / - '; - I 1 1 n, / <JJ Mol•hwmO Enh•u s1.,-0d,1•f lrutt"h~ren 2 / "' ... 2' / ... '--- ..... 1v,."c-, "' M•tzenhcun " , s,_. o-"._"~---+.<; r,-- " " '' <' ,' G - -~✓ ,; .'l-._il ,.,. " ........ •11c- -: . 1 ~ ., -=- ( " 1 - / ~f,' \\\' " \ e,c\\01' 1 1 ,#<_ Fluß o Orte Abb.11 118 Straße Pässe Bistumsgrenze 0 10 20 30 50km Ulm Entwurf: G. Wendling Zeichnung: Th. Göhner <?page no="127"?> La Via Francigena e gli itinerari italiani a Compostella P AOLO CAUCCI VON 5AUCKEN Le relazioni tra l'ltalia e Santiago de Compostela furono molto precoci. Basti pensare ehe dei ventidue miraeoli ehe troviamo raeeolti nel II libro del "Liber Saneti Jaeobi", quattro sono dedicati esplicitamente a pellegrini italiani, denotando eertamente una forte presenza ed un notevole interesse per il pellegrinaggio italiano. 1 Inoltre, la "Historia Compostelana", documenta i frequenti eontatti tra la sede episeopale di Santiago e quelle di Roma e eome questi avvenissero spesso attraverso pellegrini ehe si dirigevano verso l'una o l'altra. La stessa ''Historia" testimonia poi, gia nel 1120, l'esistenza di eonfratemite italiane di ex pellegrini. Riporta, infatti, ehe in oeeasione della visita del veseovo Porto a Roma, per ottenere la dignita arcivescovile alla sede eompostellana, erano presenti e appoggiavano la richiesta ... ceteri quam plures Ecclesiae beati jacobi confratres, qui Beatum Jacobum olim adierant, et seipsos ipsi apostoli subjugaverant. Propterea ecclesiam Beati Jacobi usquequaque diligebant et eius Episcopum. 2 Un'altra prova, ehe attesta i forti legami tra Italia e Santiago all'epoca di Gelmirez, ci viene data dal fatto ehe l'unica reliquia dell'apostolo ehe abbia lasciato la eattedrale di Santiago, dopo un lungo e documentato carteggio, venne inviata proprio in Italia, faeendo naseere a Pistoia il piu importante centro di devozione jacopea della Penisola. 3 D'altra parte con il proeedere degli studi sulla partecipazione italiana al pellegrinaggio compostellano appaiono eontinuamente nuovi elementi ehe doeumentano l'esistenza di un rapporto sempre piu comples- 1 M. DE MENACA, Histoire de Saint-Jacques et des ses miracles au Moyen-Age (Universite de Nantes 1987). 2 Historia Compostelana, Libro II, cap. 15 (Espaiia sagrada XX, p. 289). 3 Sulla diffusione del culto di san Jacopo a Pistoia Cfr. S. F'ERRAu, L'apostolo San Jacopo il maggiore eil suo culto a Pistoia (Pistoia 1979) e, sopratutto, L. GAI, Testimonianze jacobee e riferimenti compostellani nella storia di Pistoia dei secoli XII-XIII, in: Atti del convegno "Pistoia e il Cammino di Santiago. Una dimensione europea nella Toscana medioevale" (Universita di Perugia 1987) pp. 119-230. Sulla reliquia conservata nella cattedrale di Pistoia cfr. D. BARTOLINI, Cenni biografici di S. Giacomo Apostolo il Maggiore (Roma 1885); G. BEANI, Memorie storiche di San Jacopo apostolo il Maggiore patrono di Pistoia (Pistoia 1885) e J. GUERRA CAMfUS, Exploraciones arqueol6gicas en tomo al sepulcro del Ap6stol Santiago (Santiago de Compostela 1982). 119 <?page no="128"?> so ed artieolato e, certamente, piu ampio di quanto fino ad ora non sia stato ritenuto. 4 I problerni ehe nascono da questa precoce fioritura dell'interesse jaeopeo in Italia sono molteplici. Tra questi e fondamentale quello degli itinerari per raggiungere Santiago. Una questione particolarmente importante per l'ltalia ehe doveva tener eonto della forma allungata della penisola, del valieo delle Alpi e della necessita di attraversare la Francia. Nella maturita del pellegrinaggio eompostellano avremo concreti elementi per individuare, sia quello ehe verra ehiamato "il vero eamrnino dritto di San Giaeomo" 5, sia gli altri itinerari seeondari. 6 E' aneora, invece, da approfondire il problema degli itinerari pereorsi dai pellegrini italiani nelle piu antiche epoehe del pellegrinaggio. Scopo di questa eomunicazione e, pertanto, tentare di portare qualche elemento utile alla rieostruzione della prima e piu antiea delle vie italiane a Compostella, la eosidetta via francigena. 7 Con questo nome (ma anehe in alcuni suoi tratti con il nome di via romea o via francesca'>8, infatti, viene indicata una delle piu antiche vie altomedievali italiane: la prima ehe si tenta di rieostituire dopo la eaduta dell'impero romano eon eriteri di eontinuita e eon degli seopi piu vasti del semplice traffico locale. Questa strada nasee, infatti, per le necessita strategiche e rnilitari dei longobardi, ed in funzione antibizantina. Per comprendere il motivo del 4 P.G. CAuca VON SAUCKEN, II cammino italiano a Compostella (Universita di Perugia 1984). 5 B. FoNTANA, ltinerario o vero viaggio de Venetia [...] fino a santo Iacobo in Galitia, Venezia 1550, ed. a cura di A. Fucau, in: L'Itinerario di Bartolomeo Fontana (Universita di Perugia 1987) p. 96. 6 Anche Domenico Laffi sar11 molto preciso nella descrizione del principale itinerario italiano a Compostella ehe in sostanza ricalca quello indicato da Bartolomeo Fontana. Cfr. D. LAFFI, Viaggio in Ponente a San Giacomo di Galizia, ed. a cura di A.S. CAPPoNI (Universita di Perugia 1989). 7 Alla via francigena sono stati dedicati vari studi da R. STOPANI ehe raccoglie una vasta bibliografia nel suo ultimo: La via francigena. Una strada europea nell'ltalia del medioevo (Firenze 1988). 8 Nei documenti medievali troviamo varie denominazioni di questa via. Oltre ehe francigena o francesca e attestato frequentemente anehe via sancti Petri o via rumea: A partire dall'XI secolo dice STOPANI - Ja via Francigena sempre piu frequentemente viene denominata facendo riferimento non tanto al mondo d'Oltralpe, bensi a Roma, cioe a una delle principali mete dei pellegrinaggi de! Medioevo. Gia sul finire de! X secolo, con Ja pratica del pellegrinaggio romano, e attestata l'espressione via sancti Petri. Lo documenta la notizia della fondazione del monastero di santa Trinita delle Alpi: tra il 966 eil 983 i preti Eriprand e Peter cum aliis fratribus teutonicis, riunitisi in Dei nomine et S. Thome apostoli, decisero di dar vita alla loro esperienza religiosa postquam coniunximus nos in via S. Petri. Poi si dira strata Romae S. Petri de Ruma, oppure piu semplicemente, strata qui dicitur romea anehe se, contemporaneamente si continuera a usare l'appellativo francigena (R. STOPANI, La via francigena in Toscana (Firenze 1984) p. 35). 120 <?page no="129"?> tortuoso traeciato del suo itinerario, oceorre tener presente questa sua origine ed in particolare la situazione politica in Italia tra il VII e VIII secolo. I longobardi, una volta assestato il loro potere in Italia, avevano eostituito una serie di dueati in varie parti della penisola ehe non erano riusciti pero a saldare in un regno unitario. I eentri principali erano il dueato di Pavia e Trento al nord, il dueato della Tuscia al eentro e i dueati di Spoleto e di Benevento al sud. Al potere longobardo si eontrapponeva quello dei bizantini ehe eontrollavano le eoste della penisola, la maggior parte dei valichi appenninici ed in special modo la via Flaminia ehe permetteva il eollegamento tra Ravenna e Roma. Questa situazione obbligo i longobardi, per tenere i eontatti tra Pavia e i ducati del sud e eon la stessa Roma, a scegliere una strada, interna, lontana <lalle eoste, in grado di essere difesa. Naeque eosl un tragitto basato anehe sul fatto ehe permetteva di recuperare resti del sistema viario romano. Con la eaduta dell'Impero, infatti, la manutenzione delle strade eonsolari, ineentrata sui sistemi dei municipia, era pratieamente eessata. Non si erano piu riparati i ponti, le zone allagate erano divenute paludi, i centri abitati delle valli erano stati abbandonati per rieostituirsi sulle eolline in zone piu difendibili e protette e vasti tratti delle principali arterie di eomunicazione erano divenuti intransitabili. I longobardi, quindi, sia per evitare le zone controllate dai bizantini, sia per utilizzare tratti ancora percorribili delle vecehie strade eonsolari, scelsero per il valico degli Appennini, un passo molto a nord, gia usato dai romani per i collegamenti tra Parma e Lueca. 9 In effeti il valieo di Monte Bardone permetteva di recuperare tratti di strada aneora transitabili sui due lati dell'Appennino, sia di evitare i bizantini della Liguria e della Romagna. 11 secondo ostaeolo naturale ehe la strada incontrava, era eostituito dall'attraversamento dell'Arno ehe venne eercato a sud di Lueea, in prossimita dello sboeeo della Valdelsa ehe permetteva di giungere rapidamente a Siena. Da qui, per le valli dell'Arbia e dell'Orcia, si poteva facilmente giungere al eastello longobardo di Radicofani, da dove, lungo il fiume Paglia ci si poteva reinserire, nei pressi del lago di Bolsena, nell'antica via Cassia, abbastanza ben eonservata e seguirla poi, per Viterbo e Sutri, fino a Roma. Si formo eosl una strada militare longobarda, lontana dalle eoste, al riparo di possibili attaechi bizantini e eon funzioni eminentemente strategiche. I primi stanziamenti ebbero, pertanto, una funzione di eontrollo 9 Cfr. M. l.oPFS PEGNA, ltinera Etruriae, "Studi etruschi", XXI (1950-51). 121 <?page no="130"?> e di difesa della strada. Naequero fortifieazioni, si erearono sistemi difensivi intomo ai ponti e ai paesi. La toponomia ha eonservato il rieordo di questa antiea presenza longobarda a partire dal passo principale di Monte Bardone, derivato eertamente da quel Mons longobardorum ehe leggiamo nei documenti e ehe indica uno stanziamento e un eontrollo longobardo del passo. 10 Consolidandosi il potere longobardo in Italia, la difesa della arteria venne integrata nell' ambito di una precisa politiea di espansione e eonsolidamento ineentrata su un sistema di abbazie regie, fondate da principi e nobili longobardi su territori di proprieta reale. 11 Indipendenti dalla giurisdizione vescovile, alla quale peraltro si eontrapponevano, sorsero nei punti strategici della strada, eontrollandone il transito ed offrendo, allo stesso tempo, la prima struttura ospedaliera e assistenziale ai viandanti e ai pellegrini ehe scendevano verso Roma. Non ci troviamo aneora di fronte ad una via di gran transito, ma piu ehe altro ad un traeciato eon moltissime varianti, in terra battuta, eon scarsa manutenzione, affidata localmente alla abbazie, ai luoghi fortificati e ai paesi ehe si trovano lungo di essa. Questo itinerario assunse maggiore importanza eon la vittoria riportata sui longobardi da parte dei franehi (774) ehe ebbero, per la loro strategia imperiale e per i sempre piu stretti vineoli eon il papato, la necessita di rafforzare, ancora di piu, le eomunieazioni eon Roma. Frandgena divenne allora la strada ehe i franehi utilizzavano per raggiungere Roma, una strada ehe eome vuole il nome si originava nella terra dei franehi. Da Pavia infatti era stata sueeessivamente eompletata 10 Gia P. OiACONO nella "Historia longobardorum" (VIl,58), indica puesto valico con tale nome: quadragesimorum tempore per Alpem Bardonis Tusciam [Grimuald) ingressus. Gli fara eco L.A. MURATORI, circa mille anni dopo, ehe dira: Verum antiquiores Monte Bardonis appellare consuerunt, per quem Berceto transitus in Tusciam luwetur per pontem Tremulum, nunc Pontremoli, in Annali d'ltalia da! principio dell'era volgare sino all'anno 1500, Milano 1744, vol IV, p. 378. Si veda anche A.C. QuINTAVALLE, La strada romea, Milano 1976, ehe tratta specificatamente, il valico degli Appennini per il passo di monte Bardone e studia Ja presenza di stanziamenti longobardi nella zona. 11 "Esemplare a riguardo e il caso de! monastero di San Salvatore sul Monte Amiata, fondato sotto re Ratehis (744-49) da tale Erfo, un nobile longobardo de! Friuli ehe ottenne di stabilire il suo cenobio sulle pendici orientali de! massiccio amiatino, in un territorio di proprieta regia, prevalentemente formato da boschi e da pascoli montani, ehe ando a formare Ja ricca dotazione de! monastero. L'ubicazione dell'abbazia, prossima alla via per Roma, ehe transitava in val di Paglia, ai piedi de! versante orientale de! monte Amiata, denunziava l'esistenza di un preciso disegno politico de! re longobardo, ehe utilizzo il fervore religioso di Erfo a beneficio de! regno, raggiungendo il duplice scopo di iniziare Ja valorizzazione agricola di una zona ancora per gran parte incolta e, nel contempo, di costituire una base strategica nel sistema di controllo di quella ehe era ormai divenuta 1a principale via di comunicazione della Tuscia longobarda". SroPANI, La via francigena (nota 7) p. 10. 122 <?page no="131"?> verso il Nord, migliorando il passo delle Alpi ehe avveniva, a seeondo delle direzioni, o per il passo del Gran san Bemardo o per la valle di Susa ed il passo del Moneenisio. Nel decimo secolo, e gia divenuta un'arteria importante, ampiamente doeumentata e su di essa, in senso opposto ai pellegrini ehe si dirigevano a Roma, devettero risalire la penisola i primi pellegrini eompostellani. I franehi proseguono eon l'opera di difesa e organizzazione della strada e di assistenza dei viandanti, basandosi aneh'essi su una rete di monasteri fortifieati posti in prossimita della via francigena.12 Che questa fosse frequentata, anche da pellegrini lo attesta la nascita dell'Ordine di San Jaeopo ad Altopascio. 13 L'Ordine nasce inizialmente eome ospedale per i pellegrini ehe dovevano attraversare una delle zone piu perieolose dell'intero pereorso, quella delle paludi e dei boschi forrnatisi nella zona dell'attraversamento dell'Arno. Le prime documentazioni della sua presenza risalgono alla seconda meta dell'XI secolo. Nel 1087 una donazione all'ospedale da parte di un eerto Bono specifiea ehe i beni dovranno essere usati "ad susceptationem peregrinorum et pauperorum". Sueeessivamente l'ospedale si da una regola 1 4, si struttura eome ordine ospedaliero e si spande su tutte le principali strade del pellegrinaggio fino a Londra e a Parigi. In Spagna aprira case ed ospedali a Tortosa e, sul "Camino de Santiago", a Pamplona e ad Astorga. 15 12 "La strada dei longobardi divenne cosi strada dei franchi, il ehe determino la nascita dell'espressione "via Francigena", cioe, etimologicamente, "strada originata in Francia", termine geografico, quest'ultimo, ehe nella normale accezione medievale includeva, oltre all'odiema regione francese anehe l'antica '1otaringua", cioe l'asse renano sino ai Paesi Bassi". SmPANI, La via francigena (nota 'T) p. 14. 13 11 ruolo dell'Ordine di san Jacopo di Altopascio nella storia della via francigena fu, senza dubbio, notevole. Nato alla fine dell' XI secolo, in uno dei punti piu difficoltosi dell'intero percorso, estese presto i suoi ospedali e le sue magioni sulle principali vie di pellegrinaggio europee. Prima in Italia, poi in Francia, quindi in tutta Europa e, lungo lo stesso "Camino de Santiago", l'Ordine fonda numerose case. Basti ricordare Saint-Jacques de Haut-pas a Parigi, giä attivo nel 1186 e le proprietä dell'Ordine a Pamplona e ad Astorga. Sui problerni relativi all'Ordine si vedano: N. ANDREINI GALL! , Altopascio, 11 segno del tau (Firenze 1976), ehe raccoglie anche la principale bibliografia relativa alla questione. Sui legami piu specificatamente compostellani cfr. CAuca, 11 Camrnino italiano a Compostella (nota 4) pp. 159-174. Tra gli studi specialistici si veda G. GARGANI, 11 Maestrato dello Spedale di S. Jacopo ed i suoi sigilli, Periodico di numismatica e sfragistica IV (1872), in cui sono riprodotti i principali sigilli dell'Ordine. Si veda, infine, E. Co1URRI, L'Ospedale di S. Jacopo di Altopascio in Toscana lungo la via francesca, in: Pistoia eil Cammino di Santiago (nota 3) pp. 331-342. 14 La "Regola dei frati di Altopascio" e stata pubblicata da P. FANFANI in "Scelta di curiositä letterarie inedite e rare", dispensa LIV (Bologna 1864). 15 Sulla diffusione dell'Ordine di Altopascio in Spagna si veda A. QulNTANA PRrnro, Santiago de Alto Passo en Astorga, Compostellanum XXVII (1982), pp. 57-69 e M. 123 <?page no="132"?> 11 primo documento ehe segnala un legame tra la via ehe ormai si chiama francigena e il pellegrinaggio compostellano appare nel resoconto di viaggio ehe l' abate islandese Nikulas di Munkathvera redige in antico norvegese tra il 1151 eil 1154 in occasione del suo pellegrinaggio a Roma e in Terra Santa. 16 Sbarcato dopo sette giomi di navigazione a Bergen in Norvegia, Munkathvera, raggiunge prima Alborg in Danimarca, quindi Mainz e la valle del Reno, poi, dal passo del Gran San Bemardo, si inserisce nella francigena ehe segue fino a Roma. Segnalando le varie tappe, Munkathvera da delle brevi indicazioni sui paesi attraversati. In due occasioni indica il collegamento della francigena con il sistema di strade ehe portano a Santiago de Compostela. Una prima volta appena attraversato il Po: "Tra Pavia e Piacenza scorre un grande fiume ehe e chiamato il Po. Dopo questo, chi proviene dalla strada di Saint-Gilles, incontra la strada (per Roma)" .17 La "strada di Saint-Gilles" e una delle denominazioni della piu meridionale delle vie francesi indicate nel "Liber Sancti Jacobi", ehe da quel punto veniva raggiunta superando le Alpi per il passo del Monginevro e ridiscendendo la valle del Rodano. Si tratta di una testimonianza importante perche ci indica il punto in cui i pellegrini diretti a Santiago lasciavano la francigena per affrontare le Alpi. Successivamente Munkathvera, giunto a Luni, nei pressi di Lucca, dopo alcuni riferimenti alla saga nordica di Gunnar fatto uccidere dal re degli Unni in una fossa con i serpenti, e alla Lunigiana ricca di insediamenti, allude, esplicitamente al collegamento con le strade per Santiago. 18 Si tratta anche questa di una preziosa testimonianza ehe indica il secondo degli itinerari percorsi dai pellegrini italiani: quello lungo la costa ligure, sul tracciato della vecchia via Aurelia. La via francigena ha il suo pieno vigore nel XII secolo. E' ancora la principale via di comunicazione tra Roma e il nord, percorsa nei due sensi da pellegrini, mercanti ed eserciti. 19 Ma verso la meta del XIII Mn.LAN BoJS, La Orden de S. Jaime de Altopascio en el hospital de Ja Ponte de Perell6, Santa Creus IV (1970), pp. 95-111. 16 11 testo e accessibile, in traduzione italiana, in "11 Diario di pellegrinaggio a Roma di Nikulas di Munkathvera, abate islandese" nell' "Appendice docurnentaria" di Sro- PANI, La via francigena (nota 7) pp. 118-122, ehe Jo deriva da F.P. MAGOUN, The Pilgrim Diary of Nikulas of Munkathvera: the road to Rome, "Medieval Studies" VI (1944), pp. 347-350. Si veda anche F.D. Raschella, ltinerari italiani in una miscellanea geografica islandese del XII secolo, Filologia Germanica XXVIII-XXIX (1985-86), pp. 550-67. 17 lbidem, p. 120. 18 "A Luni ci si collega con gli itinerari dalla Spagna e da Santiago de Compostella", lbidem. 19 Su questa strada passa, nel 1191, di ritomo <lalle Crociate, Filippo II Augusto. 11 testo 124 <?page no="133"?> seeolo, a eonseguenza dell'espansione di Firenze eome potenza eommerciale e politica, si assiste al formarsi di una variante ehe avra un enorme sviluppo e ehe sostituira quasi eompletamente il valieo di Monte Bordone. E' l'itinerario, ehe lasciato il traeciato piu antico della Francigena a Poggibonsi, va verso Firenze, valiea gli Appennini al passo di Osteria bruciata, e si inserisee nella via Emilia all'altezza di Bologna. Negli "Annales Stadenses" redatti tra il il 1240 e il 1256, trascrivendo gli itinerari utilizzati dai tedeschi per raggiungere Roma, viene indicato aneora il passaggio degli Appennini per Monte Bardone, ma subito dopo si riporta il piu facile, diretto ed orrnai meglio servito, passo di Osteria Bruciata tra Bologna e Firenze. 20 A partire dal XIV secolo la francigena e usata sopratutto nel suo tratto tra Roma e Siena, tra Siena e Lueea, tra Parma e i valiehi alpini. Si preferisce passare gli Appennini tra Firenze e Bologna, poi sempre piu a sud per i valiehi del Giogo, di Scheggia, di Bocea Trabaria, fino a raggiungere il traeciato della vecehia via Flaminia ehe, per il passo del Furlo, metteva in eontatto eon i luoghi franeescani dell'Umbria e, seguendo il eorso del Tevere, eon Roma. 21 ehe decrive il suo itinerario, indica con sufficiente precisione la via francigena da Roma al passo del Moncenisio. Cfr. BENEDICT VON l'ETERROROUGH, Ex gestis Henrici II et Ricardi I, MGH Script. (Hannoverae 1885) vol. XXVII, p. 131. 20 Annales Stadenses auctore Alberte, MGH, Script., vol. XVI, pp. 335-340. II testo e attribuito a due giovani, Tirri e Firri, ehe indicano le principali vie per Roma dal nord dell'europa. Accanto a due itineari occidentali ehe si inseriscono nella via francigena, attraverso i tradizionali valichi del Gran San Bemardo e del Moncenisio, indica un terzo itinerario ehe da Stade, tocca Celle, Nordhausen, Ghota, Rothenburg, Augusta, Innsbruck, valica le Alpi al Brennero, attraversa la valle padana e supera gli Appennini, o per il valico di Osteria Bruciata, tra Bologna e Firenze, ricongiungendosi alla Francigena a Poggibonsi, o per l'Alpe di Serra tra Forli ed Arezzo, raggiungendo la francigena a Bolsena. 21 Indubbiamente lo sviluppo duecentesco di Firenze, nuova capitale italiana del commerdo e della cultura, determina un'azione, prima di raccordo con la via francigena, poi di vera e propria cattura. La strada ehe nell'alto medioevo passava sulle colline occidentali della Valdelsa, scende prima a valle, poi, nel XII secolo, attraversa il fiume e passa sulla sponda destra dell'Elsa, controllata da Firenze. Successivamente con la variante ehe unira Poggibonsi a Firenze viene tagliata completamente fuori la Valdelsa, mettendo direttamente in contatto Firenze con Roma attraverso quella ehe viene chiamata Strada Regia romana. Cfr. AA.VV. Storia e cultura della strada in Valdelsa nel Medioevo (Poggibonsi - San Gimignano 1986). La strada, con il valico di Osteria Bruciata, tra Firenze e Bologna, permetteva infatti un rapido collegamento con il sistema viario de! nord d'Europa. Il valico di Osteria Bruciata, sara successivamente sostituito da! passo de! Giogo leggermente piu a Est, a causa della fondazione delle terre nuot1e di Scarperia (1306) e di Firenzuola (1332) ehe attrarranno a loro vantaggio l'itinerario. 11 passo de! Giogo verra a sua volta sostituito a meta de! XVIII secolo, con la costruzione della nuova carrozzabile, con il passo della Futa. Cfr. AA VV. Percorsi e valichi dell'Appennino tra storia e leggenda. Futa, Osteria Brudata e Giogo (Firenze 1985). 125 <?page no="134"?> Le prime doeumentazioni dirette di pellegrini eompostellani ci mostrano eome a partire dal Trecento si seelga anehe la via della eosta ligure ormai riaperta al transito sui resti della antica Aurelia romana. 12 La francigena tuttavia resta funzionante e specifieatamente legata al transito di pellegrini 23 , nella maggior parte diretti a Roma, eome attestano i profondi segni ehe la civilta e la cultura del pellegrinaggio vi hanno lasciato, a partire dalla fitta rete di ospedali ehe la segnano. Piaeenza, San Donnino, Sarzana, Lueea, Siena, Viterbo si riempiono di ospedali. 24 Nel tratto relativamente breve tra Monteriggioni e San Quirieo d'Orcia, Venerosi Pesciolini eonta 48 ospedali 25 senza tener eonto di quelli ehe si trovano a Siena, dove d'altra parte, Bartolomeo Fontana, pellegrino eompostellano ehe vi passa nel 1538, annota ehe vi e uno bellissimo, riccho e honorato hospitale. 26 Dopo la prima struttura assistenziale basata sulle abbazie longobarde, sui monasteri franehi, si sviluppa quella degli ordini ospedalieri: il primo eome abbiamo visto e l'Ordine di San Jaeopo di Altopascio, poi verranno gli Ordini nati in Terra Santa, da quello del Tempio a quello di san Giovanni, a quello del Santo Sepolcro. Infine saranno le eorporazioni ad allestire, quasi sempre all'intemo delle citta, ospedali dedicati al proprio santo protettore. Vicino a queste strutture la via viene segnata anehe dalla presenza di numerose mansio leprosarum e domus infectorum ehe svolgono una azione specifieatamente sanitaria e ehe in genere 22 Gia nei primi diari di pellegrinaggio italiani appare come alternativa per andare a Compostella la cosidetta l1ia della costa, una strada ehe tra Luni ed Avignone seguiva la costa ligure e il tracciato dell'antica via Aurelia. Questa strada e descritta ad esempio dall'anonimo pellegrino veneziano ehe va a Santiago alla fine del XIV secolo. Cfr. A. MARilJTI1 DE SANCHEZ RIVERo, Da Veniexia per andar a meser san 2.acomo de Galizia per la via de Otioza, Principe de Viana XXVIII (1967), pp. 441-514. Questo percorso continuera ad essere abbastanza usato come itinerario compostellano, come dimostra il fiorentino don Lorenzo nel 1472. Si veda G. 5cAUA, II viaggio d'andare a santo Jacopo di Galizia, in: Atti del Convegno II pellegrinaggio a Santiago de Compostela e la letteratura jacopea (Universita di Perugia 1985) pp. 311-343. 23 La l1ia francigena viene interamente percorsa, nel suo itinerario piu classico dal mercante di Montauban, Barthelemy Bonis, ehe va a Roma nel 1350 in segno di gratitudine per essere scampato alla peste del 1348. II suo diario di viaggio indica quella ehe e senza dubbio la strada piu diretta tra Avignone e Roma e quindi anehe il "cammino dritto" dei pellegrini italiani per andare a Santiago. Or. Y. RENOUARD, Routes, etapes, et vitesse de marehe de France a Rome au XIII e au XIV siede d'apres les itineraires d'Etude Rigaud (1254) et de Barthelemy Bonis (1350), in: Studi in onore di Amintore Fanfani (Milano 1962) vol. 3°, pp. 403--428. 24 R. STOPANI, Le grandi vie del pellegrinaggio nel medioevo: spedali, lebbrosari e xenodochi lungo l'itinerario toscano della via francigena, in: Pistoia eil Cammino di Santiago (nota 3) pp. 313-330. 25 G. VENEROSI PEsaoUNI, La strada francigena nel contado di Siena nei secoli XIII-XIV, La Diana II (1933), p. 125. 26 B. FONTANA, Itinerario (nota 5) p. 89. 126 <?page no="135"?> ritroviamo dedicate a San Lazzaro. Quando si diffondera la paura per la grande peste, infine, nuove ease per malati naseeranno lungo la via, dedicate ai santi Roeeo e Sebastiano. Altre eon il nome di sant'Antonio di Vienne saranno riservate specialmente ai malati del eosidetto fuoeo di Sant'Antonio. La strada e talmente earatterizzata dalla presenza di tanti luoghi di assistenza e di strutture rieettive ehe il geografo arabo Al Idrisi nel suo "Libro del re Ruggero" rieorda ehe "... sul eammino ineontrammo poi delle ehiese cristiane destinate a servire da infermerie agli ammalati della loro fede, fummo stupiti della eura ehe essi avevano per tali istituzioni" _'Zl Alla meta del Settecento la struttura ricettiva sulla francigena aneora reggeva secondo la testimonianza di Nicola Albani ehe la pereorre al suo ritomo da Santiago. A Lueea, mostrando la compostela, riceve anehe un piceolo sussidio in quanto pellegrino eompostellano e viene alloggiato in un ospedale detto della santissima Trinita dove dice: vi sono buoni letti e miglior cena, piu migliore di qualsivoglia ospedale d'Italia e trattato con gran pulizia e assistenza di fratelli. 28 L'itinerario si arrieehisce, eon il passare del tempo, di legami sempre piu stretti eon la eultura del pellegrinaggio e non solo del pellegrinaggio eompostellano, ma del pellegrinaggio in quanto tale, da via di pellegrini quale e: a Sutri sulle mura di un vecehio mitreo romano divenuto ehiesa, troviamo l'intera storia di san Michele in Gargano sullo sfondo di torme di pellegrini ehe vi si dirigono, a Viterbo il quartiere medievale nasee intomo alla ehiesa di san Pellegrino, ad Aequapendente viene riprodotto il Santo Sepolcro, a Cuna poeo prima di Siena e effigiato il ciclo del pellegrino della forea e del gallo, a Castelfiorentino si mostrava e si mostra il eorpo di Santa Verdiana e di un azabache riportato dalla santa dal suo pellegrinaggio a Santiago; poco oltre i pellegrini entravano nella zona protetta e servita dall'Ordine di San Jaeopo di Altopascio da dove potevano proseguire verso il nord o deviare a Pistoia per visitare l'importante reliquia dell'apostolo ehe vi si venerava. Confraternite ed ospedali di san Giaeomo sono segnalati a Pavia, a Parma, a Lueea, a Firenze... E su questo registro potremmo eontinuare a lungo. 27 M. AMARI, C.SaiIAPARELLI, L'Italia descritta nel "Libro del re Ruggero", compilato da Edrisi, testo arabo pubblicato con versione e note (Roma 1883) p. 111. 28 N. ALBANI, Viaggio da Napoli a San Giacomo di Galizia (Napoli 1743) 2 voll. (ms. inedito), II, p. 214. Or. P.G. CAuca VON SAUCKEN, Una nuova acquisizione per la letteratura di pellegrinaggio italiana: il Viaggio da Napoli a San Giacomo di Galizia di Nicola Albani, in: Atti del Convegno Il pellegrinaggio a Santiago de Compostela e la letteratura jacopea (nota 22) pp. 377-427. 127 <?page no="136"?> Infine la francigena diviene un vero e proprio asse portante nel quale si inseriseono pellegrini di altre regioni italiane ehe risalgono la penisola diretti a Santiago: a Roma quelli provenienti dal grande eonvettore eostituito dalla via Appia; a Bologna e a Parma quelli della eosta adriatiea; a Piaeenza i pellegrini ehe provengono dal Veneto e dal mondo slavo, a Pavia i tedesehi ehe per il Brennero e per Milano trovano questa strada piu eonveniente della oberstrasse di Hermann Künig vonVaeh. La valle di Susa li portera, ormai tutti insieme, lungo quello ehe Bartolomeo Fontana indica eome "earnino dritto di San Giaeopo" ai valiehi alpini del Monginevro e del Moneenisio 29 e da 11, in un unico grande eoro, ad Avignone, ad Arles, alla via tolosona, verso Compostella, verso l'apostoliea tomba di Santiago, posta ai fini del mondo, per eui eome dice Dante - "laggiu si visita Galizia". 30 Resumen: Los estudios mas recientes acerca del peregrinaje compostelano muestran cada vez mas la importancia de la contribuci6n italiana. No solo en el arte, la literatura y las costumbres sino tambien en el paisaje encontramos huellas de la tradici6n jacobea. Al igual que en Francia y Alemania nacen caminos recorridos por los peregrinos compostelanos hasta crear un verdadero y propio "Camino directo de Santiago", considerado como tal hasta el siglo XVIII. Los itinerarios mas importantes son dos: uno que sigue la costa de Liguria (via de la costa) y el otro que pasa por los Alpes (via de los Alpes). Ambosse unfan a la via tolosana en la zona de Avifi.6n y de Arles. La estructura central de estos itinerarios, al igual que lade los otros menores, es la llamada vfa francigena, una vfa quese forma en la Temprana Edad Media (siglos VII-VIII) con finalidad estrategica y militar para enlazar Pavia, capital del reino longobardo, con los ducados de Espoleto, Benevento y Roma y que posteriormente se extiende hasta Francia. Los peregrinos italianos encaminados a Compostela utilizan la francigena para recorrer hacia el norte la penfnsula y atravesar los Alpes por el valle de Susa y los puertos de Moncenisio y Monginevro. Dada su posici6n central, la francigena se convierte en un verdadero eje en el que confluyen a diversos niveles peregrinos procedentes de otras regiones: en 29 lnizialmente il Monginevro fu il valico piu usato nei contatti con Ja Francia, successivamente prevalse il Moncenisio ehe dava Ja possibilitä di raggiungere piu facilmente Parigi. La concorrenza tra i due valichi alpini era alimentata anche dagli interessi dei conti di Moriana Savoia (Moncenisio) e dei conti d'Albon (Monginevro). Cfr. G. SERGI, Potere e territorio lungo Ja strada di Francia (Napoli 1981). Dai pellegrini italiani diretti a Santiago era preferito il valico de! Monginevro ehe portava rapidamente ad Avignone ed alla via tolosana. Tuttavia veniva usato anche il valico de! Moncenisio perche permetteva Ja visita de! santuario di sant'Antonio di Vienne, devozione molto legata in ltalia a quella jacopea. 30 Dante, Paradiso XXV, 18. 128 <?page no="137"?> Roma los que venian de! sur, en Parma los de la costa adriatica, en Piacenza los que llegaban de! Veneto y de! mundo eslavo, en Milan los peregrinos alemanes que descendian de! Brennern ... Este itinerario se vio profundamente influenciado por la cultura y por la civilizaci6n de! peregrinaje. Centenares de hospitales lo asistfan a lo largo de todo el trazado, allf naci6 una orden hospitalaria, la Orden de Santiago de Altopascio, pinturas al fresco, cultos y tradiciones locales han conservado hasta nuestros dfas el recuerdo de su funci6n de camino de peregrinos. 129 <?page no="139"?> Tirol und die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela FRANZ-HEINZ HYE Auf Wunsch des Europarates und der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft füge ich dem Kongreßband folgendes Koreferat bei, in dem die Beziehungen Tirols zur Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela nach dem gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse zusammengefaßt und gewürdigt werden sollen. 1 Die ersten konkreten Hinweise dafür, daß die Pilgerfahrt nach Santiago in Tirol bekannt war und als empfehlenswert empfunden wurde, stammen aus dem 12. Jahrhundert. Allerdings erfahren wir aus beiden diesbezüglichen Beweisstücken nur, daß eine Pilgerfahrt zum Grab des heiligen Apostels zwar geplant aber nicht realisiert worden ist. So war es für's erste der Bri: xner Ministeriale Udalscalch, welcher in einer um 1165/ 70 ausgestellten Traditionsnotiz für die Brixner Domkirche zum Ausdruck bringt, daß er die betreffende Güterschenkung als Ersatz für eine offenbar verlobte Pilgerfahrt nach Santiago getätigt habe: dum quadam vice iret ad sanctum Iacobvm. 2 Ähnliches ist einer Traditionsnotiz von circa 1178/ 89 zu entnehmen, welche ebenfalls für Brixen eine Schenkung seitens eines Ministerialen namens Ecchehard zum Inhalt hat: ... dum quodam tempore ad sanctum Iacobum ire vellet. 3 In beiden Fällen handelte es sich bei den Schenkungen um Güter im Pustertal bzw. um Stifter, die dort begütert und wohl auch zu Hause waren, worauf hinzuweisen nicht unwesentlich erscheint. Das Pustertal bildet nämlich die beste Verbindung von Villach zum Brennerpaß sowie weiter nach Innsbruck und damit die optimale Kommunikation zwischen zwei relativ großen bürgerlichen Zentren, deren Stadtkirchen dem hl. Apostel Jakobus d.Ä. geweiht sind. Die ältere dieser beiden ist die urkundlich seit 1136 belegte St. Jakobs- Kirche in Villach. Über die Anfänge dieser Kirche schreibt Walther Fresacher: "Es ist gar nicht unmöglich, daß die ursprüngliche Kirche für die Bewohner auf dem Boden der heutigen Stadt Villach vor der Markt- 1 Als erster hat sich mit dieser Thematik, allerdings nur am Rande, befaßt: H. FINK, Die Kirchenpatrozinien Tirols (Passau 1928) S. 162-172. 2 0. REourn, Die Traditionsbücher des Hochstifts Brixen vom 10. bis in das 14. Jahrhundert (Acta Tirolensia 1, Innsbruck 1886, S. 175, n. 499). 3 Ebd., S. 183, n. 519. 131 <?page no="140"?> gründung die St. Peter-Kirche (Perau) gewesen ist und daß sich mit der rechtlichen und räumlichen Loslösung des Marktes aus seiner Umgebung die Kaufleute eine eigene Kirche in unmittelbarer Nähe ihrer Siedlung erbauten. Der Heilige dieser Kirche (Jakob der Ältere) bestätigt die Vermutung einer späteren Begründung als St. Martin und St. Peter, da er erst im ausgehenden 11. Jahrhundert zu größerer Verehrung gelangte und besonders der Heilige der Pilger und Reisenden war. Es dürfte also die Jakob-Kirche etwas vor 1100 errichtet worden sein. Spuren dieser ältesten Kirche haben sich keine gefunden. Dafür, daß sie nicht jünger ist, spricht eine Überlieferung über die Kirchengründungen des Bischofs Otto 1. von Bamberg (1106-39), in der aus dem Hofgebiet von Villach keine genannt wird. Die Kirche St. Peter und die Kirche in der Hofbefestigung St. Martin bestanden damals schon seit längerer Zeit, und da die Kirche St. Jakob 1136 erwähnt wird, aber von Bischof Otto 1. nicht erbaut worden ist, muß sie ebenfalls vor 1106 bereits gestanden sein." 4 Dieser ausführliche Hinweis auf die Villacher St. Jakobs-Kirche darf umsomehr als berechtigt gelten, als die Gegend von Villach bereits bei der Gründung des Bistums Bamberg (1007) diesem geschenkt worden ist, einem Bistum also, dessen Oberhirten wie wir während der Tagung in Schloß Schney anläßlich der Enthüllung der Santiago-Kulturwegtafel erfahren konnten der Santiago-Pilgerfahrt und St. Jakobs-Verehrung sehr verbunden waren. Bei der zweiten oben angesprochenen St. Jakobs-Kirche hingegen handelt es sich um die heutige Stadtpfarr- und Domkirche in Innsbruck, welche bereits im Tauschvertrag für die Erwerbung des Baugrundes der Innsbrucker Altstadt rechts des Inn zum Zwecke der Erweiterung des älteren Marktes Innsbruck links des Inn über die Innbrücke im Jahre 1180 zwar noch ohne ihr Patrozinium als ecclesia in foro indirekt genannt wird. 5 Die erste Nennung ihres Kirchenpatrons erfolgt erst in einer Urkunde von 1270, einem Ablaßbrief, der zugunsten des Wiederaufbaues der abgebrannten ersten St. Jakobs-Kirche ausgestellt worden ist. 6 Im Hinblick auf die erwähnten Gründungsdaten dieser beiden St. Jakobs-(Pfarr-)Kirchen dürfen wir mit Sicherheit annehmen, daß beide 4 W. FRESAG-IER, St. Jakob in Villach. Rechtsgeschichte der Stadtpfarre. In: 900 Jahre Villach. Neue Beiträge zur Stadtgeschichte (Villach 1960) 5. 322. 5 E. FREIHERR v. ScHWIND und A. DoPSCH, Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande (Innsbruck 1895) 5. 35ff, n. 21. Vgl dazu auch F.-H. HYE, Innsbruck - Geschichte und Stadtbild. Sonderband der Tiroler Heimatblätter (Innsbruck 1980) 5. 12ff. 6 Ders., Stadtpfarrkirche und Dom zu St. Jakob in Innsbruck 1724-1974 (Innsbruck 1974) 5. 13ff. und S. 21f. 132 <?page no="141"?> Ausdruck der im 12. Jahrhundert auch in den süddeutschen Landen und Alpengebieten (vgl. oben) zunehmenden Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela sind, welche Zunahme in der im Jahre 1188 geweihten romanischen Domkirche dortselbst und ihres berühmten "P6rtico de la Gloria" ein eindrucksvolles und überwältigendes Bau- und Kunstdenkmal fand. Die Indizien einer Beziehung der Kirchenbauten in Villach und Innsbruck mit der Santiago-Pilgerfahrt und -Verehrung finden noch eine weitere Komponente in dem Umstande, daß es abgesehen von kurzen Unterbrechungen von 1177 bis 1242 Angehörige der Dynastie der Grafen von Andechs waren, die einerseits den fürstbischöflichen Stuhl von Bamberg bekleideten und andererseitf, von circa 1165/ 70 bis 1248 Inhaber der Grafschaften im Inn-, Wipp- und Pustertal waren, in welcher Zeit sie auch Innsbruck gegründet und mit Markt- und Stadtrechten begabt haben. 7 In diesem Zusammenhang mag auch noch daran erinnert werden, daß in der Zeit von 1165 bis 1170 in der Person Otto's II. ein Andechser auch auf dem Bischofsstuhl von Brixen saß. 8 An die Präsenz der Andechser in Bamberg erinnert übrigens noch heute abgesehen vom dortigen Stadtwappen eine in der bisherigen Literatur über die Grafen von Andechs unbeachtet gebliebenes Wappenrelief am sogenannten "Meranierturm" der St. Jakobs-Stiftskirche in Bamberg (vgl. oben), welcher Turm, wie sein Name andeutet, unter dem Stiftspropst bzw. späteren Bischof Poppo von Andechs (1185ft. bzw. 1238/ 42) weitergebaut worden war. 9 Soviel also zu diesem "Santiago-Dreieck" Bamberg-Villach-Innsbruck, welche beiden letztgenannten Städte sicherlich als Stationen der Pilgerroute durch das Draubzw. Pustertal über den Brenner in Richtung Arlberg angesehen werden dürfen. Ohne hier nun auf St. Jakobs-Kirchen an und im Umkreis dieser Pilgerroute näher einzugehen (wie z.B. St. Jakob in Thuins bei Sterzing, St. Jakob in Vinaders unweit nördlich des Brennerpasses, knapp oberhalb der heutigen Autobahn sowie St. Jakob in Straß im Unterinntal, an dieser 0-W-Zubringerlinie zur genannten Hauptroute), möchte ich den Blick gleich auf die Dorfkirche von St. Jakob am Arlberg in der östlichen 7 P.B. GAMS, Series episcoporum ecclesiae catholicae (Regensburg 1873) S. 259 und E. FREIHERR ÜEFELE, Geschichte der Grafen von Andechs (Innsbruck 1877) S. 23f., 33 und 30f. 8 A. SPARBER, Die Brixner Fürstbischöfe im Mittelalter (Bozen 1968) S. 67; sowie F.H. HYE, Die Grafen von Andechs und Tirol, in: Katalog der Ausstellung "Schwaben - Tirol" (Augsburg 1989) S. 47-53. 9 I. MAIERHöFFR, Bamberg, in: Bayerisches Städtebuch 1, (Stuttgart 1971) S. 97 u. 107; sowie vor allem S. GRÄN und W. TuNI<, St. Jakobskirche - Bamberg (Schnell, Kunstführer Nr. 658, München 3 1977, S. 4). 133 <?page no="142"?> Nachbarschaft des heute bekannteren St. Anton hinweisen, von wo der einst beschwerliche und gefährliche Saumweg zum Arlbergpaß seinen Anfang nahm. Das dortige Patrozinium wird allerdings erst in einer Urkunde von 1385 greifbar. 10 Zufällig um diese Zeit-meist wird hierfür das Jahr 1386 angegeben vollzog sich ein für den Pilgerweg nach Santiago äußerst wichtiger Vorgang: die Gründung des Hospizes zum hl. Christoph auf der Paßhöhe des Arlberg bzw. in einer Geländemulde wenige Meter südöstlich davon durch Heinrich Findelkind aus Kempten. Wenngleich bei dieser Gründung das Patrozinium der kleinen Hospiz-Kirche nicht dem hl. Jakobus, sondern eben dem in den Alpen allgemein als Schutzpatron der Wanderer und Reisenden verehrten hl. Christophorus zugedacht worden ist, so liegt doch auf der Hand, daß dieses Hospiz weniger von Händlern und Kaufleuten die fahrbare Landstraße und somit die wirtschaftliche Hauptverbindungslinie von Innsbruck zum Bodensee und nach Bregenz verlief über den Fernpaß, Reutte und Kempten 11 als vielmehr von armen Pilgern frequentiert und selbstverständlich für diese und auch für die lokalen Säumer geschaffen worden ist. Dazu und nur dazu passen auch die vielen Spenden von Reich und Arm, Städten, geistlichen und weltlichen Fürsten aus einem bis Trier, Nimwegen, Würzburg, Magdeburg, Prag, Wien, Laibach und Görz reichenden Umkreis, die für den Betrieb des dortigen Hospiz entrichtet worden sind, wobei die Spender durch ihre Verpflichtung zu einer gewissen jährlichen Zahlung etc. Mitglieder der dortigen Bruderschaft wurden. 12 Die gelegentlich kopierten und erneuerten Spendenbzw. Wappenbücher dieser Bruderschaft zählen zu den berühmtesten heraldischen Handschriften Mitteleuropas. Einer der späteren Kopisten dieser Wappenbücher, der Maler Vigil Raber aus Sterzing, setzt seinem um 1522/ 48 geschaffenen Werk folgende Bemerkung bei: Kund und zu wissen sey allen, so dicz Schilt- oder Wappen Buech zuekumbt zu sehen, daß ich Vigilj Räber, Maler zu Sterzingen, ain Liebhaber und Erkundiger der wappen, hab nit an wenig Mue mich geiebt umb dise abgezaichnetj Wappenschillt, von denen mir ist khunt than, wie dj jm Wirtshaus bey der 10 H. FINK, Die Kirchenpatrozinien Tirols (wie Anm. 1), S. 165. 11 H.I. BIEDERMANN, Verkehrsgeschichte des Arlbergs und seiner Umgeb~g bis zum Ausbau der Kunststraße über denselben, Zeitschrift des Deutschen und Osterreichischen Alpenvereins 15 (Salzburg 1884) S. 407-438; sowie F.H. HYE, Grundzüge der alten Tiroler Verkehrsgeschichte dargestellt anhand von Relikten in Sammlungen und im Gelände. In: Alpenübergänge vor 1850, hg. v. U. LINDGREN. = VSWG Beiheft 83 (Wiesbaden 1987) S. 154f. 12 Ein Kärtchen mit Darstellung der "Peripherie der Spendergebiete" findet sich in: E. WIDMOSER und W. KöFLF.R, Botenbuch der Bruderschaft St. Christoph auf dem Arlberg (Innsbruck o.J.) (1976), S. 45. 134 <?page no="143"?> Cappl auff dem Arlsperg jn pergamenem Buechern verzaichnet und befunden werden, nach sollichem mich belangt und hart überkumen; wellicher Buecher fünf sein, gar allt Scarteggen, zerprochn, zum Tayl zerrissen und aussergschnitn Pletern, auch Schillten und zerprochenen Copertpretern, gantz schmutzig und ubl ghaltn. Sollicher Puecher sind villeicht, wie jch acht, ausgschickht worden jn dj Terminey, ains jn dis Land, ain anders jn ain ander Gegend, und habend sich also gaistlich, weltlich, edl und unedl einlassen schreiben, sambt ains jedes Wappn verzaichnet jn diselb Puecher zu ainer Bruederschafft Sand Cristoffn Capell auff den Arlperg; solch Cappl zu underhalten hat yeder jn seim lebenlang järlich ain Zinsphening verlobt zu gebn, ainer mer, der ander weniger, und nach ainssen Tod ain merers sich verschriben, zu sampt jrm namen und schiltn. Vnd ist sollich Pruederschafft vor langen jaren jn guetem Schwang gwesst, dann vill Jndulgentz von Babsten, Cardinelen, Bischoffen darzue geben, aber jetz vast unachtsam. - Ich vermain auch sollich Glüh und Walfart sey der Zeit bschehen und pstetigt worden durch etlich Hertzogen von Osterreich und Grafen zu Tirol auch ander Fürsten, als man gen Costniz jn das Conzilj ist gez.ogen, und also dj Strass über disen Arleperg am maisten jst peschehen, und von Ungwiter ye hart, darüber man hat kummen mugen. Ist derhalb ain Spital und Capell furgnumen, auch aufgericht dj Bruederschafft 5. Cristoff gehaissen, aber jetzo ainer Tafern gleich; und ist der Brior jetz daselb genennt Claus Leinser, Wiert auf dem Arlspeg Anno 1548. 13 - Wenn Raber hier von Glüh und Walfart spricht, so kann sich dies nur auf das Gelübde zur Spendenleistung für das Hospiz, nicht aber auf eine Pilger- oder Wallfahrt dorthin beziehen, da St. Christoph am Arlberg nie ein Pilgerort war. D.h. die hier genannte Pilgerfahrt bezieht sich daher auf Pilger, die den Arlberg entweder in Richtung zum Heiligen Land bzw. nach Rom etc. oder eben in Richtung Santiago de Compostela überschritten, und um deren Sicherheit willen dieses Hospiz errichtet und erhalten worden ist. - Ich bin mir selbstverständlich bewußt, daß hier einiges noch nur hypothetisch ausgesagt wurde, hoffe aber, etwa durch Recherchen vor allem in den Sterbebüchern der betreffenden Pfarren und Kuratien beiderseits des Arlberg hierfür auch noch konkrete Angaben liefern zu können. Neben der Linie Pustertal-Brenner-Inntal-Arlberg-Schweiz haben wir in Tirol noch eine zweite mögliche Pilgerroute zu beachten. Es ist jene durch das Etschtal, welche sich in zwei Richtungen angeboten hat, in der N-W-Richtung über den Reschenzum Arlbergpaß etc. oder in der Südrichtung zu einem Mittelmeerhafen bzw. zum Schiffahrtsweg nach 13 K. F'IscHNALER, Vigil Rabers Wappenbuch der Arlberger-Bruderschaft in Weimar. In: Ders., Ausgewählte Schriften Bd. (2) (Innsbruck 1937), S. 65f. 135 <?page no="144"?> Abb. 12: Fresko-Darstellung der sogenannten "Hühnerlegende" aus dem Jahre 1441 in St. Jakob auf Kastellaz in Tramin. 136 <?page no="145"?> Spanien. Neben einer großen Zahl von St. Jakobs-Kirchen (in Tramin, bei Leifers, Gries bei Bozen, Grissian bei Prissian, Rabland ob der Töll, Glurns und Mals), die zumindest auf eine starke Verbreitung der St. Jakobs-Verehrung in den Dörfern des oberen Etschtales hinweisen, ist es namentlich ein Fresko von 1441 in der kleinen Kirche von St. Jakob auf Kastellaz in Tramin 1 4, welches unmittelbar darauf hinweist, daß man hier zumindest von der Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer Pilgerfahrt zum Grab des hl. Jakobus d.Ä. Kenntnis hatte. Ich beziehe mich damit auf ein im genannten Jahr entstandenes und gut erhaltenes Fresko von Ambros (Gander) mit Darstellung der bekannten "Hühnerlegende", deren Thematik eben nicht nur den Wunder wirkenden heiligen Apostel, sondern auch die zu seinem Grabe wallenden Pilger zum Inhalt hat (Abb. 12). Ein weiteres derartiges Fresko aus dem Jahre 1461 mit der Hühnerlegende befindet sich rund 40 km weiter nördlich in der kleinen Kirche von St. Jakob in der Mahr bei Brixen, an der wichtigen Brennerstraße. Das Fresko fungiert hier als Epitaph für den am 4. März 1461 verstorbenen Johannes Rötel, über dessen Person oder eine allfällige Pilgerfahrt nach Santiago noch nichts weiter bekannt ist. 15 Wenngleich wir bisher abgesehen von den zitierten Traditionsnotizen des 12. Jahrhunderts -vorwiegend mit Indizien und Bildwerken argumentieren mußten, so liegen uns in Form der gedruckten Tiroler Landesordnungen von 1526, 1532 und 1573/ 74 sehr konkrete quellenmäßige Aussagen über die durch Tirol führende Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela vor. Allerdings liefern uns dieselben ein zweiseitiges Bild. Einerseits stellen sie unter Beweis, daß das Auftreten von Jacobs- Pruedern bzw. Santiago-Pilgern in Tirol keineswegs eine Seltenheit war, und daß Tirol zumindest von einer (oder von zwei, vgl. oben) Sannt- Jacobs-Strassen durchzogen wurde, wodurch unsere oben entwickelten Hypothesen weitestgehend in den Bereich der Realität gerückt werden. Andererseits aber stellen die Aussagen der Tiroler Landesordnungen den Jakobs-Pilgern oder jedenfalls einigen von ihnen durchaus kein gutes Zeugnis aus; doch gerade deshalb fanden sie Aufnahme in diese Tiroler Rechts-und Polizeiordnungen. Wörtlich lautet der betreffende Paragraph in Buch VII, Absatz 10, wie folgt: 14 M. FREI, Sankt Jakob bei Tramin (Südtirol Bildverlag- Bozen, Farbkunstführer Nr. 19, 1981). E. F.cc; , Kunst im Südtiroler Unterland (Bozen 1988) S. 36 u. 49 bringt eine gute Teil-Abbildung, geht aber auf die historische Bedeutung dieses Freskos nicht ein. 15 Vgl. Hans Seeiiger, St. Jakob und die Hühnerlegende in der Kirche St. Jakob in der Mahr. In: Der Schiern, Jg. 46 (Bozen 1972) S. 287-290) 137 <?page no="146"?> Auszlaenndig Kirchen- und annder Sam/ er im Lannd, auch Jacobs Brueder mit ungebürlichen Staeben und neben den rechten Landtstrassen zu wanndlen nit zu gedulden. Man soll auch kainem frembden Kirchen- oder anndern Sambiern (so ausser Lannds sein, auch offt das Gelt an iren aignen Nuz wennden oder uppigklich verzeren) zu betlen nit gestatten, darmit die Kirchen im Lannd dester statlicher begabt und geziert werden moegen. Auch soll auf dieselben Sambier und die Jacobs Brueder, die lannge, scharpffe und ungebürliche Eysen an iren Pilgram- Staeben tragen und das Almuesen nit auf Sanct Jacobs-Strassen, sunder vom Weg suochen, fleissig gesehen [werden], darmit Mordt, Verkundtschafftung des Lannds und annder Args verhuet [werde]. Und deßhalben sollen in allen Stetten, Maerckten und Gerichten die verordneten Bettelmaister ir fieissig und getrew Erkundigung haben und bey schwaerer unser [Anm.: = landesfürstlicher] Straf! darob halten, auch sich kainen Petler, weder durch Müet, Gabe oder in annder Weg wider dise unser Ordnung bewoegen lassen, und die Gerichtsoberkaiten inen in dem allem hilflich sein und gegen allen Petlern oder Saemb- Iern, so sich hierüber ungehorsamlich hali: en und in Sunderhait den Jacobs Bruedem, die ausserhalben den rechten Landtstrassen und auf ungewoendlichen Wegen betrette [werden], nach Rat der Geschwomen gehanndelt werden, wie hievor .... von Muessiggaenngern begriffen ist. (Zitiert nach der Ausgabe von 1526). - Wörtlich der gleiche Passus bzw. Paragraph begegnet in allen oben zitierten Tiroler Landesordnungen von 1526 bis 1574 (Abb. 13), welch letztere nochmals in einem Neudruck von 1608 aufgelegt worden ist. Daß hier nur die Jacobsprueder in dieser Weise apostrophiert erscheinen, während die Rom- und Palästina-Pilger unerwähnt bleiben, läßt übrigens die Vermutung zu, daß durch Tirol vielfach solche Santiago-Pilger zogen, die diese Pilgerfahrt als Sühne für ein begangenes Verbrechen und nicht primär aus eigenem religiösem Antrieb angetreten haben, Leute also, die vor Raub und Mord nicht zurückschreckten! Die obzitierte Formulierung deutet aber auch an, daß in Tirol zumindest der Verdacht bestand, daß als Jakobs- Pilger verkleidete Fremde unter diesem Deckmäntelchen Spitzel- und Spionagedienste praktizierten und andere "arge" Ziele verfolgt haben. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts tritt uns übrigens in Sterzing eine St. Jakobs-Bruderschaft entgegen, die in ihrem Abzeichen die bekannten St. Jakobs-Symbole (zwei gekreuzte Pilgerstäbe und drei Muscheln) vereinigt, höchstwahrscheinlich aber keine Pilgersondern eher eine Handwerksbruderschaft war. 16 Ein Pfeiler des Langhauses der damals neu er- 16 A. SPARBER, Grundriß der Sterzinger Pfarrgeschichte. In: Sterzinger Heimatbuch (Schiern-Schriften Bd. 232, Innsbruck 1965, S. 176) erwähnt zwar den Bestand dieser Bruderschaft und ihre ab 1519 erhaltenen Jahresrechnungen, geht aber auf den eigentlichen Charakter dieser Bruderschaft nicht ein. 138 <?page no="147"?> CXV. ~t1rlc~onliclJe~ ©ittc,i (b" fiel,: obgemd~e -cei: b~d>dict,e pcrfo~ nen1aud) E3pdct12'bf11gcr/ ~"nber1µTo: bel~/ "! 'b mmbcrs \7cr~ wcgeno_/ lofj ileic~tferttigs / "nnii~ tmb mtifflggee11bo· <Bcfiut> tinb pöud; entbnltcn """b buedjf d,foipffcn mod)teri/ <vnffcung $U9a(cer,1"nt>-Wcin 3nfd)mrttrcn abgcd)au / 'Onb b: fe t,nb b~~~ gteid)en ~ofet: n ""b U? ircot)e\i,fet/ l)infiirnn g1-1n1113lid)cn abge~ fle~t/ 'Ont> eains \'\? egs mer gcffomc werben folkn/ Wctd,c_(p9~t; , fai~ abec: Bin f old)ea nie tbme/ bic folle n 11c~ X>ngnnbcn gcflr~tfc 1'? eib~n. • .• . . x. ~(uij(antt~ig ~frc{ictt Utt~ <ttttt~cr ~<ttttlci· (tu llannb/ aucb jacobs 23: uber / micl.'ngeb(irtid,en füa: : i • ben; "Onb neben bcn i,cd,.ten .fnubcfüs: affcn 3~ W'lnnblcn nit 3ugebutben. 1f2><ttt foH <ttt(Q fnincm J'rcmbbcn / Z,irdJcn; obcc nnnbcrr1 t5mnbkrn(foanffcr .[ii,mbo fcin/ 2htd) offtbns <vclt nn ji: cn aig~ hcn t: in~ wennbcn / ober iippigfüd) \'.! er3erm) 3ü l3ctlen nie nc: : : i ffomra {Darmit bie 2\ird)en im l! .nnnb bcffo: ffatlid>ct: bcgcibt ~nb ge3iei: t werben moge11 : -2tucI, foll anfbie~lbm 1Samblerront> bieJ"cobs l3nibet(biefannge; ~d)arpffe ""b -cngcbiMid,e €y: i fe1i an jrera p,lgrmnfüaben ti: agera/ lJnb ·t>as 2Umüfen nit auf <5ancc Jacobs 6tratfen (funbei: -com weg fucI,en) fleiffig gefc~ l)en1i: >amiic t: no: bt/ lJerfunbtfcI,aff cung bro .[annbonwb mm: i bes: 2'rgs/ "Oetbut: X>nb begt,alben follen in allen 1Stemn/ t17nrd: ~ ,inl'nb C5ei: id)ten1bie "Oero: bnecenl3etcelni'liflec / h: flciffig 'CU~ iJetreii, Erfunbigung t,11bcn/ -cnb bey f d,wnrci: -cnfcr fümffbnt: ~ ~b 911lten 12! ud) ftct, fainm petles: ; roebcs: burd, t11(ietf <vnbci c.,t>cr in annbcr weg 11."0iber bife-cnfei: ©: bmmg bm,ogcn fo(fcn/ . Xlnb bie. <5eridJts◊berfaiten f nen; in bcni allein l)ilriclJ fein/ X>nb ! Jcgcnatlenpedern obei: E3arnbtern/ fo fiel) l)iertibet: "011gel)oi~ .filmlid> l]nlte111lJnt> in funbcrb11it bcnJacobs 23: ü~ertt/ bic anfJ fert,albcn ben l\ect,~en ! .,mbtflraffen/ X>nb anf ..,ngen,onblidJcr~ wegen beci: men / nac1, ~atber <5efd)U? ◊merl g~l)annbclc wer~ ben f ll? ie l)ieuo: im ,E5ed,flm t: ittcl bi9 6ibenbm 23üd,o; -coti ~Jdf}igga~ng·e~nt~euritfc1i iff. ~ iii XI. Abb. 13: Erwähnung derJakobs-Brüder und der St.Jakobs-Straßen in der Tiroler Landesordnung von 1573/ 74. 139 <?page no="148"?> Abb. 14: Wappenstein und Stiftungsinschrift der St. Jakobs-Bruderschaft in Sterzing aus dem Jahre 1515. Abb. 15: Wappen der St. Jakobs-Bruderschaft zu Sterzing am Portal von 1511 der St. Jakobs-Kirche zu Thuins bei Sterzing. 140 <?page no="149"?> bauten Pfarrkirche von Sterzing wurde im Jahre 1515 von dieser Bruderschaft gestiftet, woran eine entsprechende Inschrift mit Symbol und Jahreszahl an demselben Pfeiler erinnert (Abb. 14). Die Inschrift lautet: Zu lob got dem almechtigen, der Junckfraw Maria vnd in den eren des heilligen Zwölfpoten sant iacob hat lase(n) mache(n) die erwirdig vnd loblich f'1'uederschaft sant iacob de(n) pfeiler 15.15. Wir dürfen auch annehmen, daß die obengenannte St. Jakobs-Kirche in Thuins bei Sterzing ab circa 1511 zur Bruderschaftskirche dieser Fraternität auserkoren worden ist, zumal sich auch dort am spätgotischen Kirchenportal die St. Jakobs-Symbolik - Muschel mit unterlegten, schräggekreuzten Pilgerstäben mit der Jahreszahl 1511 befindet (Abb. 15). Abgesehen vom erwähnten Neudruck der Tiroler Landesordnung aus dem Jahre 1608 fehlen uns derzeit irgendwelche Nachrichten über konkrete Beziehungen Tirols zu Santiago im 17. Jahrhundert. Die in manchen Tiroler Orten in der Barockzeit aufkommenden Sakraments- Ehrengarden mit Hellebarden und einer dem spanisch-höfischen Vorbild nachempfundenen Tracht könnten, müssen aber nicht in Richtung Santiago interpetiert werden. 17 Das 18. Jahrhundert hingegen sah in den Jahren 1717 bis 1724 den Neubau der zuvor abgerissenen, gotischen St. Jakobs-Pfarrkirche in Innsbruck (Pfarrsitz seit 1643) und deren Freskenausschmückung durch Cosmas Damian Asam aus München entstehen, wobei diese neuen Deckenfresken sich in mehrfacher Weise mit dem Thema "St. Jakob" befassen. Für die vorliegende Studie mag von Interesse sein, daß Asam den Heiligen im Gewölbe der Chorkuppel über dem Hochaltar hoch zu Roß als Matamoros in der Schlacht von Oavijo gegen die "heidnischen" Mauren zeigt, welches Motiv zweifellos aus Santiago stammte. Nachdem dieses Motiv, wie KLAUS HERBERS ausgeführt hat, im süddeutschen Raum in der Barockzeit, d.h. in der Zeit der Überwindung der Türkengefahr, gerne als Variante zur Symbolisierung der sieghaften und glorreichen Kirche angewandt worden sei, wäre noch zu untersuchen, welche Stellung dem Innsbrucker Santiago Matamoros in der Chronologie dieser Barocksymbolik zukommt. - In jüngster Zeit (1956) folgte diesem Vorbild schließlich der Innsbrucker Bildhauer Hans Andre, der im 17 Vgl. dazu A. MOLLINC, Die Partisaner von Thaur. Tiroler Heimatblätter (1927) 5. 113- 117; sowie Die Corporis-Ouisti-Bruderschaft und ihre 5akramentsgarde zu Schwaz in Tirol. Festschrift zum 250-jährigen Jubiläum (Schwaz 1936). Auch in Innsbruck hat eine solche Garde bestanden. Vgl. dazu E. l<LAAR, Die Herren- und Bürgerkongregation in Innsbruck 1578-1928 (Innsbruck 1928) 5. 88f. 141 <?page no="150"?> Auftrag des damaligen Propstes von St. Jakob, Dr. Josef Weingartner für den runden Barockgiebel der Innsbrucker Domkirche eine entsprechende Reiterplastik schuf, wobei er zwischen die Pferdebeine das Wappen des genannten Propstes einzufügen hatte. 18 Resumen: La peregrinaci6n a Santiago de Compostela ya tenfa resonancia en el siglo XII en el Tirol manifestandose allf en documentos del tiempo entre 1168 y 1189 cuando, en vez de cumplir el voto de una peregrinaci6n a Compostela, dos personas se liberaron de esta promesa al entregar donaciones a la catedral de Brixen. Ambos peregrinos impedidos tenian su domicilio en el valle de Puster que forma entre otras, junto con la importante carretera sobre el puerto del Brennero, la comunicaci6n entre Villach e Innsbruck. Las iglesias urbanas de ambas comunidades, documentadas o quiza construidas a partir de 1136 resp. (1180) 1266/ 70, fueron dedicadas al Ap6stol Santiago el Mayor, aunque con respecto a la elecci6n del patrocinio no se tiene que tomar en consideraci6n exclusivamente los caminos respectivos a Santiago de Compostela sino tambien una influencia sobre la elecci6n de parte de los obispos de Bamberga, para Innsbruck de parte de los condes de Andechs. Otros patrocinios o lugares de Santiago, tambien con representaciones iconograficas en pintura a1 fresco etc., parecen estar relacionados con los caminos de peregrinos que cruzan el Tirol. Merecen especial menci6n por una parte St. Jakob en el Arlberg y por otra parte el hospicio de peregrinos de San Crist6bal en la cumbre del puerto del Arlberg, fundado en el afio 1386. Junto a la documentaci6n de caracter general se presentan en este trabajo por primera vez tambien fuentes oficiales literarias, las cuales comprueban expressis verbis que, todavia en el siglo XVI, un numero elevado de "Jacobs-Brueder" utilizaba las "Jacobs-Straßen" para cruzar el Tirol causando en parte grandes problemas por su comportamiento negativo que encontraron su reflejo en un paragrafo propio en las ordenanzas del pafs del Tirol, de los afios 1526, 1532, y 1574 (aquf quiero recordar la problematica de la peregrinaci6n como penitencia para criminales). EI artfculo menciona tambien la cofradfa de Santiago, de Sterzing, que se destaca por sus emblemas. Finalmente queda la indicaci6n de que a partir del siglo XVII las noticias correspondientes disminuyen considerablemente, la peregrinaci6n a Compostela fue sustituida por la peregrinaci6n a santuarios locales, p.e. a la iglesia de St. Jakob, en Innsbruck. 18 HYE, Stadtpfarrkirche und Dom zu St. Jakob in Innsbruck (wie Anm. 6), S. SOff. u. 67. Vgl. auch von DEMs., Spanien-Tirol-Innsbruck. Zeugen gemeinsamer Geschichte, Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, N.F., Bd. 19 (Innsbruck 1992) s. 21-34. 142 <?page no="151"?> Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) und dessen Zusammenhang mit den Jakobswegen H. P. SCHNEIDER Einleitung Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) hat insbesondere zwei Bezüge zum Thema des vorliegenden Bandes: - Einerseits bilden Pilgerwege selbstverständlich einen wichtigen Bestandteil des historischen Verkehrsnetzes. - Andererseits lieferte gerade das "Programme des itineraires culturels europeens" des Europarates den entscheidenden Impuls für die Projektidee zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und Revitalisierung der Jakobswege durch die Schweiz, ausgehend von der Verbindung von Konstanz resp. Rorschach über Einsiedeln nach Genf. Diese beiden Aspekte, das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz sowie die Projektidee "Jakobswege durch die Schweiz" werden im folgenden vorgestellt: Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) Das IVS ist eine, dem Geographischen Institut der Universität Bern angegliederte Institution, die seit 1984 von der Eidgenossenschaft beauftragt ist, ein Inventar über historische Verkehrswege in der Schweiz zu erstellen. Hauptziele des IVS sind: - Die Erarbeitung des Inventars innerhalb der vom Bund gesetzten Frist bis 2000. - Eine möglichst umfassende Revitalisierung historischer Verkehrswege zu deren besserem Schutz. Das IVS entsteht in Anwendung des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz, Artikel 5, der im wesentlichen besagt, daß der Bund den Kantonen im Bereich des Natur- und Heimatschutzes Entscheidungsgrundlagen für die Raumplanung liefert. 143 <?page no="152"?> .. .. .. "' .. .... .. 0 \ """" L ..... ...... •s"vmor."'ö' ........... ·~, Übersichtskarte Kommerzialstrassen des 19. Jahrhunderts II f e c 1988 IVS Geovr. lnstihll Bem l Abb. 16: Kommerzialstraßen des 19. Jh. im Kt. Graubünden 144 <?page no="153"?> In Anwendung dieses Bundesgesetzes entstehen zur Zeit drei größere Bundesinventare: das ISOS, das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, welches sich mit dem Siedlungsbereich auseinandersetzt, das BLN, das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, für den flächenhaften Bereich ganzer Kulturlandschaften sowie das IVS, das letztlich das lineare, verbindende Kulturlandschaftselement berücksichtigt. Als Grundlage für die wissenschaftliche Erarbeitung des IVS dienen uns sowohl historische als auch geographisch-morphologische Informationen. Grundlagen für die historische Bearbeitung liefern: Alte Karten und Pläne unterschiedlicher Zeitstellung, Bildquellen (Stiche etc.) sowie im wesentlichen Schriftquellen. Parallel zur historischen Bearbeitung erfolgt eine systematische Kartierung der Wegspuren und wegbegleitenden Einrichtungen im Gelände, also gewissermaßen eine Bestandesaufnahme dessen, was von alten Verkehrswegen im Gelände noch sichtbar ist. Dabei wird differenziert zwischen unterschiedlichen Wegoberflächen, Wegformen und wegbegleitenden Einrichtungen (Meilensteine, Wegkreuze, Zollhäuser, Wegkapellen, Leprosenhäuser etc.). Als Synthese und Endprodukt dieser Grundlagenarbeiten entsteht schließlich ein Netz von, im Gelände noch feststellbaren, historischen Verkehrswegen als schützenswerte Linien. Ein Auszug aus dem Bündnerischen Kornrnerzialstraßennetz des 19. Jahrhunderts steht dafür als Beispiel (Abb. 16). Historische Verkehrswege als Ausgangslage für die künftige Raumplanung Beim Betrachten dieser Karte fällt insbesondere auf, daß wir den eigentlich auch europäisch bekannten Schutz von Einzelobjekten zugunsten eines linearen Schutzes ganzer Verbindungen verlassen. Damit gelangen nicht nur einzelne schöne Wegbegleiter wie Kirchen, Kapellen oder morphologisch besonders ausgeprägte Wegabschnitte in den Schutzbereich, sondern ganze Verbindungen. Was bedeutet dieser Schritt nun politisch? Da das IVS für die Bundesstellen ein von Gesetzes wegen behördenverbindliches Planungsinstrument darstellt, haben sich künftig sämtliche Bauprojekte, seien dies nun Straßenbau- oder Flurbereinigungspro- 145 <?page no="154"?> nel~ rig _,...., ä'lperpalast / "\ -~ 1 C- ( ·, " : Lingwurm li f Glis ~•1yf „ <l' "" .ff .. " ' / "; .. l _,.,~ " \r " / <'~ ·' : : Schallbe _"-- ~ ~-, rg ('~ \'¾ • ~ G ~ ~~B '\f,f'" '"'"'"" - -·~ WasenJ --s tockalperweg „ Passstrasse 0 ,_..,....1: ==~ 2..,.......J3km t.) ' '"! npass ~ piz '- \ . ". te'-. ' ... · Ma hihüs 1 Eggai Simplo Do ~ Gabi "" - • ' Feerber 'c, r 9 "Furggu 1-' f '\ V ,S \ ~ Abb 17· .. . . Ubersicht Stoc 146 kalperweg s· implon z . ,J w1schbergen <?page no="155"?> jekte am historischen Verkehrsnetz, das eigentlich das prägende Strukturelement der Landschaft darstellt, zu orientieren. Damit muß sich künftig zumindest theoretisch das neue gegenüber dem alten Verkehrsnetz rechtfertigen und nicht umgekehrt, wie das insbesondere der schweizerischen aber auch weitgehend europäischen Raumplanungspraxis entsprach. Daß wir bei der ab 1989 geplanten Publikation beendeter Arbeitsgebiete auf gewisse wirtschaftliche Widerstände stoßen werden, ist dabei abzusehen. Gründe für die Präsentation dieser Karte im Zusammenhang mit dem Kongreßthema gibt es im wesentlichen zwei: 1. Bei den heute laufenden Bestrebungen des Europarates sowohl im Bereiche der Jakobswege als auch im Bereiche der "campagne europeene pour le monde rural" zur Erhaltung des traditionellen Kulturgutes liegen in dieser Karte erste kleine, aber für den europäischen Raum vielleicht wegweisende konkrete Ansätze, im künftigen Raumplanungsprozeß die traditionelle Kulturlandschaft verstärkt zu berücksichtigen. 2. Bei den Revitalisierungs- und Schutzbestrebungen von Jakobswegen und deren wegbegleitenden Einrichtungen dürften sich ähnliche Schwierigkeiten zeigen wie bei den historischen Verkehrswegen in der Schweiz. Schutz durch Revitalisierung Unabhängig von rechtlichen Fragen sind historische Verkehrswege dann am besten geschützt, wenn sie 1. bekannt sind (ohne Information kein Schutz) 2. wenn sie sinnvoll genutzt werden 3. wenn sie von einem gewissen wirtschaftlichen, insbesondere touristischen Wert sind. Diesen 3 Punkten versuchen wir in dem Sinne Rechnung zu tragen, indem wir die Revitalisierung historischer Verkehrswege als kulturhistorische Wanderwege auch in Richtung eines touristischen Angebotes fördern. 147 <?page no="156"?> Beispiel Stockalperweg Simplon Die Reaktivierung dieses Saumpfades aus dem 17. Jahrhundert mit all seinen wegbegleitenden Einrichtungen als kulturhistorischer Wanderweg gilt als ein Beitrag zum heute postulierten "sanften" Tourismus. Der Stockalperweg wurde von der Schweiz im Rahmen der "campagne europeene pour le monde rural" des Europarates als "projet de demonstration" bezeichnet (Abb. 17). Die kulturhistorische Wanderung führt uns von Norden nach Süden, ausgehend vom Stockalperpalast in Brig vorbei an der alten Sust, dem ehemaligen Warenumschlagplatz, über hohlwegartig eingemauerte, gut erhaltene Wegabschnitte, vorbei an geschichtsträchtigen Jahrzahlen und bergbaulichen Einrichtungen aus längst vergangenen Zeiten, über wunderschöne, von religiösen Wegbegleitern gesäumte Pflästerungen schließlich zum Ziel, der Sust von Gondo an der italienischen Grenze (Abb. 18-20). 148 Abb. 18: Simplonsust, ehemals Warenumschlagplatz und Herberge <?page no="157"?> Abb. 19: Hohlwegartig eingemauertes Teilstück des alten Saumpfades bei Maschihüs Abb. 20: Ehemaliges Goldbergwerk im Zwischbergental 149 <?page no="158"?> Ein vergleichbares Projekt bildet etwa auch das Beispiel des "Großen Walserweges", das durch die Schweizerische Verkehrszentrale (SVZ) ausgearbeitet wurde. Projektidee "Jakobswege durch die Schweiz" In entsprechender Art und Weise versuchen wir nun, die Jakobswege durch die Schweiz zu bearbeiten mit dem Ziel einer wissenschaftlich vertiefenden Aufnahme und der Revitalisierung der Verbindungen durch die Realisierung von durchgehenden, dokumentierten kulturhistorischen Wanderwegen. Da wir im Rahmen der ordentliche ! VS-Arbeiten nur bedingt auf wissenschaftliche Spezialthemata wie die Pilgerwege eintreten können, versuchen wir mit Hilfe einer koordinierenden Stelle sowie dem Einbezug möglichst vieler Pilgerfachleute dieses Ziel zu erreichen. Eine erste Koordinationssitzung zu diesem Projekt hat bereits unter Mitwirkung einiger am Kongreß anwesender Fachleute stattgefunden. Da wir, wie Sie feststellen, eigentlich erst am Anfang dieses Projektes stehen, beschränken sich meine folgenden Ausführungen auf wissenschaftliche Teilerfahrungen, die einerseits aus der allgemeinen IVS- Arbeit stammen, andererseits von Heinrich Oberli, einem ! VS-Mitarbeiter, der die Teilstrecken Konstanz- Rapperswil und Rorschach - Einsiedeln in einem wissenschaftlichen Schnellverfahren, insbesondere im Zusammenhang mit einem geplanten, den Jakobsweg gefährdenden Flurbereinigungsprojekt, aufgenommen hat. Funktion und Struktur von Pilgerwegen Die Erfahrungen beschränken sich im weiteren insbesondere auf die morphologisch-topographische Geländeanalyse und die daraus gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich Funktion und Struktur von Pilgerwegen. Um eine Aussage über die Funktion oder Struktur von hochmittelalterlichen Wegen machen zu können, ist es, nebst der historischen Forschung, unabdingbar, sich über Zustand und Genese damaliger Wege ein ungefähres Bild vorzustellen. 150 <?page no="159"?> Bezogen auf schweizerische Verhältnisse kann man dazu etwa folgende, wissenschaftlich stark vereinfachende Aussagen machen: Die Wege hatten meistens keine feste Wegoberfläche. Dies führte häufig zur Bildung von für schweizerische Mittelland- und Voralpengebiete typischen Hohlwegformen. Je steiler das Gelände, je weicher der Untergrund, desto ausgeprägter war die Hohlwegbildung. Bei schlechtem Wetter verwandelten sich diese Wege in kaum mehr begehbaren Morast, was wiederum zu häufigem Spurwechsel und zur Bildung sogenannter Hohlwegbündel mit mehreren parallelen Spuren führte. Fahrverkehr dürfte zu jener Zeit sehr selten gewesen sein. Umso vielfältiger waren die unterschiedlichen Tragarten zu Fuß. Häufig wurde gesäumt oder, wo immer möglich, der Wasserweg einbezogen. Der Zustand der Straßen ist im Grunde genommen nur ein Spiegelbild der damals mangelhaften Organisation im Straßenwesen. Zuständig für den Straßenunterhalt waren in erster Linie die Anstößer. Ihre Pflicht, daß derjenige für den Unterhalt der Straße aufzukommen habe, der sie auch am häufigsten benutzte, geht zurück auf die römische Rechtsregel der collatio viae. Doch nicht allein der Zustand damaliger Wege wirkte sich auf das Reisen erschwerend aus, sondern häufig auch ungünstige soziale, wirtschaftliche und politische Voraussetzungen, von denen ich hier nur einige erwähne: Einmal die Straßensicherheit: Es ist unschwer sich vorzustellen, daß gerade Hohlwege ideale Voraussetzungen für das bekannte Räuber- und Wegelagererwesen bildeten. Wenig vorteilhaft wirkten sich natürlich auch die in jener Zeit unsteten Herrschaftsverhältnisse aus. Und schließlich bildete auch eine unvorstellbare Zersplitterung im Zollwesen, wie wir es aus diesem bernischen Zollbuch mit einer Fülle unterschiedlicher Abgaben erfahren, für den Reisenden eine große Erschwernis. So gab es beispielsweise: • das Geleit als Entgelt für den Schutz der Straßen, • den Brückenlohn oder das Brückengeld, den Fuhrlohn oder das Fahrgeld, • den Wäglohn oder Straßenlohn, die bei Wegen erhoben wurden, deren Unterhaltskosten hoch waren, • den Pfundzoll, als Wertzoll für die Marktware, • das Gehaltgeld, einen Proportionalzoll zum Gewicht und Wert der Waren. 151 <?page no="160"?> Beim Zustand und den damaligen Voraussetzungen im Straßenwesen dürften, dies als zusammenfassende Bemerkung, wohl häufig nicht einmal Stab und Pilgertasche weitergeholfen haben. Erste Erfahrungen, vor allem aus der Geländeanalyse durch Herrn Oberli im Bereich des Jakobsweges von Konstanz über Rapperswil und Einsiedeln bestätigen im wesentlichen die oben gemachten Feststellungen. So kann man in bezug auf die Struktur der Wege in damaliger Zeit selten von e i n e r Linienführung sprechen, sondern von mehreren, teils parallel verlaufenden. Ebenso schwierig gestaltet sich die Frage der strikten Trennung zwischen militärischen, wirtschaftlichen oder eben auch speziellen Funktionen wie derjenigen der Pilgerwege. Vielmehr muß man von der Voraussetzung ausgehen, daß Wege, wenn sie vorhanden waren, auch unterschiedlichen Zwecken dienten. Deutliche Orientierungspunkte bildeten selbstverständlich die zahlreichen wegbegleitenden Einrichtungen wie beispielsweise Klöster, Herbergen und Brücken (Abb. 21-25). Abb. 21: Steinbrücke am Jakobsweg bei Ste. Appoline im Kt.Fribourg 152 <?page no="161"?> Abb. 22: Die Teufelsbrücke am Etzel zwischen Pfäffikon und Einsiedeln Abb. 23: Kloster Fischingen im Kt. Thurgau 153 <?page no="162"?> Abb. 24: Kloster Einsiedeln 154 Abb. 25: Statue des heiligen Jakobus bei Altendorf am Zürichsee <?page no="163"?> Mit diesen vorläufigen, aufgrund des relativ jungen Forschungsstandes, doch sehr allgemeinen Bemerkungen schließe ich meine Ausführungen. Ich möchte zusammenfassend nicht so weit gehen und Schopenhauers bekanntes und geflügeltes Wort über die Bedeutung der Landschaft auf die Jakobswege übertragen, indem ich sage: Jakobswege sind nicht alles, aber ohne Jakobswege ist alles nichts .... Aber trotzdem bin ich überzeugt, daß die Jakobswege, mit der entsprechenden Unterstützung durch den Europarat, Entscheidendes zur Erhaltung des europäischen Kulturgutes beitragen werden. Resumen: El IVS (lnventario de Vfas Hist6ricas de Comunicaci6n de Suiza) es una instituci6n que, desde 1984, tiene el encargo de parte de la Confederaci6n Helvetica de hacer un inventario que com prenda la red hist6rica de los caminos de Suiza. Mas alla de la pura inventarizaci6n se intenta revitalizar los caminos hist6ricos dignos de conservaci6n para garantizarles asf una mejor protecci6n. El IVS esta ligado con los caminos de Santiago por dos razones: por un lado, los caminos de peregrinos forman parte importante de la red hist6rica de las vfas de comunicaci6n, por otra parte, es precisamente el "Programme des itineraires culturels europeens" el que proporcion6 el impulso decisivo para la tan interesante idea del proyecto del IVS. El proyecto denominado "Caminos de Santiago a traves de Suiza" tiene como prop6sito la investigaci6n cientffica de los caminos de Santiago y su reactivaci6n como caminos de valor hist6rico-cultural. Para realizar esta idea, se ha creado un centro de coordinaci6n cuyo finalidad es la incorporaci6n del mayor numero posible de expertos de peregrinaci6n. En un primer paso, el IVS inventariz6 los trayectos del camino de Santiago entre Constanza-Rapperswil y Rorschach- Einsiedeln, debido a un caso conflictivo en el cual la concentraci6n parcelaria puso en peligro una parte de un antiguo camino de Santiago. Ahora, se esta elaborando un concepto que tiene como base estas primeras experiencias ampliadas por ideas adicionales, que deberia concretar y realizar el arriba mencionado proyecto del IVS. 155 <?page no="165"?> Wege und Pilger aus Skandinavien nach Santiago de Compostela CHRISTIAN KRöTZL Der langsame Christianisierungsprozeß Skandinaviens setzte im 9. Jahrhundert ein; dieser späte Einbezug bedeutete jedoch nicht, daß das Christentum in der Folge schwächer gewesen wäre als in den altchristlichen Gebieten Europas. Ganz im Gegenteil: viele in jener Zeit sich ausbreitenden neuen oder erneuerten Formen des christlichen Kultes, u.a. auch die Pilgerfahrt als Massenphänomen, wurden in Skandinavien bereitwillig aufgenommen. 1 Der Übergang vom Heidenzum Christentum verlief in Skandinavien reibungsloser als in vielen der früher christianisierten Gegenden Europas. Das Christentum gewann hauptsächlich durch eine langsame, von meist unbekannt gebliebenen Missionaren betriebene Bekehrungsarbeit im Volke an Boden, weniger durch auferlegten Zwang von oben. Der Heiligenkult und das Pilgerfahrtswesen fanden in Skandinavien rasche Verbreitung. Neben den in den Quellen bereits seit der Jahrtausendwende erscheinenden Pilgerfahrten zu den Fernpilgerorten Jerusalem und Rom sowie zu den Orten im benachbarten Ausland läßt sich vor allem im Spätmittelalter ein reiches Netz von lokalen, regionalen und innerskandinavischen Pilger- und Wallfahrten nachweisen. 2 Zeugnis für die starke Verankerung des Heiligenkultes und der Pilgerfahrt in den zumindest in den nördlichen Teilen Skandianviens nur wenigen Jahrhunderten christlichen Einflußes ist das vielerorts feststellbare Fortleben "katholischer'' Verehrungs- und Votivbräuche bis in die Neuzeit. Skandinavier gehörten zu den ersten Ausländern, die nach der Entstehung des Jakobuskultes in Galicien weilten, jedoch nicht als friedliche Pilger, sondern als kriegerische Räuber. Die Einfälle der Wikinger in 1 Zur Ausbildung der Pilger- und Wallfahrt als Massenphänomen im Hoch- und Spätmittelalter vgl. L. 5c.HMUGGE, Zu den Anfängen des organisierten Pilgerverkehrs und zur Unterbringung und Verpflegung von Pilgern im Mittelalter, in: Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter, hg. von H.C. PEYER, Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquie_~ 3 (München 1983) S. 37-60 sowie die darin angegebene Literatur. 2 Ein ausführlicher Uberblick der Pilger- und Wallfahrten in einem einzelnen skandinavischen Land findet sich bei CHR. DAXELMÜLLER und M.L. THOMSEN, Mittelalterliches Wallfahrtswesen in Dänemark, Jahrbuch für Volkskunde, NF 1 (1978), S. 155-204. 157 <?page no="166"?> Galicien setzten gemäß spanischen und arabischen Quellen kurz nach der Auffindung des Grabes des Heiligen Jakob ein der erste Wikingerangriff wird im Jahre 844 belegt - und dauerten in mehreren Wellen sowie mit kürzeren und längeren Unterbrechungen fast zwei Jahrhunderte an. 3 Die auf den Britischen Inseln seit dem 9. Jahrhundert seßhaften Wikinger wurden bereits früh christianisiert und dürften als erste Skandinavier Galicien auch aus religiösen Motiven besucht haben. Die Quellenlage läßt für die Motive in dieser Übergangszeit des 10. und 11. Jahrhunderts jedoch keine sicheren Aussagen zu. Die ständig an Intensität und Ausstrahlung zunehmenden Santiagopilgerfahrten bildeten sicher ein wichtiges Anziehungsmoment. Eine typische Person dieser Übergangszeit war der nach seinem Tode zum Heiligen erhobene König Olaf von Norwegen, der mit einiger Wahrscheinlichkeit in den Jahren 1012-13 als Wikingerhäuptling mit seiner Flotte die Küsten Galiciens heimsuchte. Als zumindest teilweise durch die Wikingerangriffe bedingt dürfen die nach der Mitte des 9. Jahrhunderts erfolgte Verlegung des Bischofssitzes von der alten römischen Stadt Iria Flavia nach Santiago de Compostela sowie die Befestigung Santiago de Compostelas und der Küstenstriche angesehen werden. Es finden sich in Chroniken auch Hinweise auf eine mögliche Eroberung der Stadt Santiago de Compostela anläßlich eines Wikingerzuges nach Nordspanien 968-971. 4 Die Verlegung des Pilgerweges landeinwärts dürfte ebenfalls mit den Wikingereinfällen in Verbindung stehen. Bei den ersten mit Sicherheit als Santiagopilger anzusprechenden Skandinaviern handelte es sich um Kreuzfahrer ins Heilige Land, die in Galicien Zwischenstation machten. Im Jahre 1108 überwinterte ein aus 60 (Wikinger)Schiffen bestehender Kreuzzug unter Führung des norwegischen Königs Sigurd in Galicien, das in den Beschreibungen der Fahrt "Jakobsland" genannt wird. Ein Besuch Santiago de Compostelas ist nicht belegt, scheint jedoch wahrscheinlich. Sigurd nahm mit seinen Mannen auch an einigen Kämpfen der Reconquista teil, bevor er seine Reise nach Jerusalem fortsetzte. Auch in den Jahren 1151, 1189, 1197 und 1217 wird von skandinavischen Kreuzfahrerflotten berichtet, die in 3 V. ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica. lntroducci6n 6 estudio das relaci6ns galaicoescandinavas durante a ldade Media (Vigo 1986) 5. 84. 4 Vgl. J. 5TEFANSSON, Tue Vikings in 5pain. From Arabic (Morish) and 5panish Sources, Saga Book of the Viking Oub VI (1909), 5. 31-46; CHR. K: Rö1ZL, 0m nordbomas vallfärder till 5anti.ago de Compostela, Historisk Tidskrift för Finland 72. (1987), 5. 191; ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica, 5. 94. 158 <?page no="167"?> Galicien Station machten. Bezeichnend ist, daß dem dänisch-friesischen Kreuzzug von 1189 der Eintritt in die Stadt Santiago verwehrt wurde, aus Angst, die Kreuzfahrer könnten die Reliquien des Heiligen Jakob rauben. 5 Die Hanse, die den skandinavischen Auslandhandel vom 13. Jahrhundert an beherrschte, dürfte bei der Kultausbreitung eine wichtige Rolle gespielt haben; Jakobskirchen wurden in jeder größeren Hansestadt rund um die Ostsee errichtet. Neben Nikolaus und Gertrud wurde im hansischen Bereich vor allem Jakob als Beschützer der Reisenden und Kaufleute angesehen, auch wenn sich die frühere Auffassung von Jakob als Schutzheiligen der Hanse nicht bestätigen Iäßt. 6 Klar ersichtlich ist die Konzentrierung der Jakobspatrozinien sowie der ikonographischen Darstellungen in jenen Gegenden Norwegens, Schwedens und Finnlands, die am stärksten am Auslandhandel beteiligt waren: in Norwegen die Region um Bergen, in Schweden Uppland und die Insel Gotland und in Finnland das Küstengebiet um Abo (finn. Turku) sowie entlang der Hauptverkehrsader ins Inland nach Hämeenlinna. Bemerkenswert ist dabei der Anteil des vom 12. Jahrhundert an zum schwedischen Reich gehörenden und erst im 13. Jahrhundert in seinen südlichen Teilen durchgehend christianisierten Finnland: mindestens 8 Kirchen und Kapellen mit Jakobspatrozinium sowie an die dreißig erhaltene Malereien und Skulpturen, die zum großen Teil aus einheimischen Werkstätten stammen. 7 Die skandinavischen Zahlen wirken natürlich gering gegenüber den mehreren Hundert Jakobskirchen in Deutschland, müssen jedoch in Relation gesetzt werden zu den damaligen Einwohnerzahlen Europas. In allen skandinavischen Ländern stammt ein bedeutender Teil der kirchlichen Kunstgegenstände aus den Gebieten entlang der Santiagorouten, z.B. aus Limoges. Von Kunsthistorikern wird zudem in der Ornamentik und im Baustil mehrerer bedeutender Kirchen in Dänemark und Schweden ein Einfluß der Santiagopilgerfahrt gesehen. 8 Auch in den skandinavischen Orts- und Personennamen, in der mittelalterlichen Literatur sowie in den heraldischen For- 5 O! R. KRörZL, 0m nordbomas vallfärder (wie Anm. 4) S. 191; ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica (wie Anm. 3) S. 129-142. 6 B. HEYNE, Von den Hansestädten nach Santiago: Die große Wallfahrt des Mittelalters, Bremisches Jahrbuch 52 (1972), S. 69; M. ZENDER, Heiligenverehrung im Hanseraum, Hansische Geschichtsblätter 92 (1974), S. 11. 7 0. NIKULA, Sankt Jakob. Acta Academiae Aboensis, ser. A. Hurnaniora, vol. 37 / 2. 8 Vgl. W. ANDERSSON, Lund, Bari och Compostela, Studier i konstvetenskap tillägnade E. WRANGEL (Lund 1928) S. 3-34; ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica (wie Anm. 4) S. 233- 252. 159 <?page no="168"?> men haben der Jakobskult und die Jakobspilgerfahrt Spuren hinterlassen. 9 Für die Pilgerfahrt selbst finden sich vom 12. Jahrhundert an auch Belege im skandinavischen Urkundenmaterial, das unter den Zerstörungen im Gefolge der Reformation sehr zu leiden hatte. Bis ins 14. Jahrhundert berichten die Quellen fast ausschließlich von Santiagopilgerfahrten Adliger und hoher Geistlicher: Absalon (1181 ), der heilige Anders von Slagelse, Hrafn Sveinbjarnarson (1213) aus Island, die HI. Ingrid von Skänninge, die HI. Birgitta mit ihrem Mann u.a.m. 10 Im 14., 15. und in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts sind dann jedoch in den Quellen alle Schichten des Volkes vertreten. Santiago ist im erhaltenen Quellenmaterial das wichtigste außerskandinavische Ziel für Bußpilgerfahrten. Bereits 1310 hatte die Bürgerschaft von Lund einen Mord durch die Entsendung von je zwei gutbeleumdeten Bürgern nach Rom sowie nach Santiago de Compostela zu sühnen, die sich zudem verpflichten mußten, die Pilgerfahrt nicht mit einer Geschäftsreise zu verknüpfen.11 Bußpilgerfahrten wurden auch von weltlichen Gerichten angeordnet, wie dies die erhaltenen Stockholmer Ratsprotokolle vom Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts belegen. In den meisten Fällen ging es dabei um die Sühnung von Mord, in einem Falle um Ehebruch. 12 Mord am Bischof von Bergen Thorleif und an zwei Priestern war der Grund für die Entsendung von drei Pilgern nach Rom und zwei nach Santiago im Jahre 1456. 1493 wird von einem dänischen Jüngling berichtet, der nach der Ermordung seines Onkels mit Ketten an den Händen, am Hals und an den Füßen alle nordischen Domkirchen sowie Rom, Santiago de Compostela und Jerusalem aufzusuchen hatte. 13 Auch kranke Pilger machten sich auf den weiten Weg ans andere Ende der damals bekannten Welt wofür sich neben dokumentarischen auch archäologische Hinweise finden: in einigen Gräbern von skandinavischen Jakobspilgern konnten bei den· Skeletten Spuren von teils schweren Krankheiten festgestellt werden. 14 9 J. RANEKE, Svenska medeltidsvapen (Lund 1982) Bd. 1, S. 39€K01, Bd. 2, S. 675, 789; ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica (wie Anm. 4) S. 205-302. 10 Kulturhistoriskt Lexikon för Nordisk Middelalder (KLNM), Bd. 5, Sp. 529-531. 11 Item ad conducendum sepedicti Consules et cives obligant quatuor vire bone fame ad peregrinandum pro anima ipsius domini fosephi solummodo et non pro mercimonio, duos ad Sanctum facobum ..., Diplomatarium Suecanum, Bd. 2, Nr. 1697. 12 Stockholms Stadsböcker frän äldre tid (SSB) (Stockholm 1917) Bd. II: 1, S. 106, Bd. II: 2, S. 522f., Bd. Il: 3, S. 285, Bd. II: 5, S. 8, 174. 13 Diplomatarium Norvegicum (ON), Bd. 6, Nr. 551, Bd. 17, Nr. 127. 14 Vgl. K. KÖSTER, Pilgerzeichen und Pilgermuscheln von mittelalterlichen Santiagostraßen, Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 2 (Neumünster 1983) S. 134. 160 <?page no="169"?> Santiagopilgerfahrten wurden auch von Skandinaviern in Testamenten angeordnet, wofür Belege aus den höchsten Rängen der Gesellschaft vorliegen. König Magnus Eriksson und Königin Blanca von Schweden bestimmten in 1346 in ihrem Testament, daß Votivopfer u.a. auch nach Santiago geschickt werden sollten. 15 Ein offensichtlich bewußt und umfaßend angelegtes europäisches Pilgerfahrtsprogramm erscheint im Testament der dänischen Unionskönigin Margarethe aus dem Jahre 1411, in dem sie den Äbten der Zisterzienserklöster Esrom und Soro 2000 lübische Mark überläßt mit dem Auftrag, nach ihrem Tode 130 Pilgerfahrten nach 44 Orten in ganz Europa sowie in Palästina zu veranlassen. Drei Pilger wurden nach Santiago de Compostela entsandt. 16 Es ist wohl kein Zufall, daß sich gerade in Esrom und Soro zwei Grabsteine fanden, deren Inschriften und Abbildungen die mehrmalige Santiagopilgerfahrt der Verstorbenen zu Beginn des 14. Jahrhunderts belegen.17 Die Muscheln aus Santiago de Compostela bilden .im skandinavischen Pilgerzeichenmaterial die größte Gruppe und belegen so die Bedeutung der Jakobspilgerfahrt im Rahmen der skandinavischen Auslandpilgerfahrten. Als erstaunlich kann dann jedoch der Umstand bezeichnet werden, daß die skandinavischen Funde von mittelalterlichen Pilgermuscheln auch im gesamteuropäischen Vergleich die größte bisher bekannte Gruppe bilden. 18 Die südschwedische Stadt Lund weist die größte Anzahl an einem einzelnen Ort gefundener mittelalterlicher Jakobsmuscheln auf: 39 Einzelfunde, die nun in einer ständigen Ausstellung besichtigt werden können. Mit der tatsächlichen Herkunft der mittelalterlichen Jakobspilger kann dies wohl nicht übereinstimmen, stellt jedoch zweifelsohne ein Indiz für die Bedeutung der skandinavischen Santiagopilgerfahrt dar. Zu diesen Bodenfunden von Santiagomuscheln sind noch die Abdrücke auf skandinavischen Kirchenglocken 15 Diplomatariurn Suecanurn (DS), Bd. 5, nr. 4069. 16 KR. ERsLEv, Tre Gavebreve af Dronning Margrethe fra Aaret 1411, kirkehistoriske Samngar III, Raekke, 3 Bind (1881 / 82), S. 367-379; N.-K. UEBGOIT, Helllige Maend og Kvinder (HoJberg 1981) S. 36-39. Zu den testamentarisch verordneten Pilgerfahrten sowie zu den Motivstrukturen im allgemeinen vgl. L. ScHMUGGE, Kollektive und individuelle Motivstrukturen im mittelalterlichen Pilgerwesen, in: Migration in der Feudalgesellschaft, hg. von G. JARITZ und A. MÜLLER, Studien zur historischen Sozialwissenschaft (Frankfurt-New York 1988) S. 263-289. 17 T. u. B. GAD, Rejsen till Jakobsland (Kobenhavn 1975) S. 61-66. 18 K. KÖSTER, Pilgerzeichen und Pilgermuscheln (wie Anm. 14) S. 119-56. KÖSTER basiert seine Untersuchung auf 180 Pilgermuschelfunden an 58 europäischen Fundorten, wovon 24 Orte mit 67 Muschelfunden in Skandinavien liegen. - Laut den neuesten Forschungsresultaten wurden in Skandinavien bisher an 37 Fundorten 122 Santiagomuscheln aufgefunden, vgl. L. ANDERS&)N, Pilgrimsmärken och vallfart. Medeltida pilgrimskultur i Skandinavien, Lund Studies in Medieval Archeology 7 (Kumla 1989), s. 105-117. 161 <?page no="170"?> hinzuzurechnen; unter den Abdrücken nicht-skandinavischer Pilgerzeichen bilden die Santiagomuscheln die größte Gruppe. 19 In Dänemark und Schweden bestanden z.T. bereits im 13. Jahrhundert dem Heiligen Jakob geweihte Bruderschaften, die jedoch nicht so eindeutig als Gemeinschaften ehemaliger Jakobspilger anzusehen sind wie in Mitteleuropa -die Pilgerfahrt nach Santiago wird in den Statuten und im erhaltenen Urkundenmaterial der Jakobsgilden nicht erwähnt. Interessant ist, daß es sich bei sämtlichen fünf Jakobsbruderschaften in Dänemark um Schuhmachergilden handelt ein Hinweis auf den hohen Schuhverbrauch der Santiagopilger? Bestimmungen über die Bruderhilfe bei einer geplanten Santiagopilgerfahrt liegen jedoch aus anderen dänischen Gildenstatuten vor. 20 Schutzbriefe für Santiagopilger sind auch aus Skandinavien überliefert, 21 jedoch keine gesetzlichen Schutzbestimmungen, wie sie von den norwegischen Königen bereits im 12. Jahrhundert für die Olavspilger nach Trondheim erlassen wurden möglicherweise nach dem Vorbild der Santiagopilgerfahrt. Die Pilger aus Dänemark, Norwegen und Schweden sind hingegen ausdrücklich in den 1434 und 1479 erlassenen Schutzbriefen der kastilischen Könige aufgeführt. 22 Im Lichte der oben angeführten Quellenbelege können diese Schutzbestimmungen keineswegs als "rein deklamatorisch" und Skandinavien nicht als "weißer Fleck in der spätmittelalterlichen Santiagowallfahrt" angesehen werden, wie noch in einer neueren, in ihren übrigen Teilen sehr zuverlässigen Studie. 23 Zumindest aus Finnland gibt es auch Urkundenbelege für Sekundärpilgerfahrten zu Jakobskirchen. Interessant ist der Fall eines Deutschen mit Vornamen Jacob, der im Jahre 1512 unterwegs war zur Jakobskirche in Renko besuchte er vielleicht alle Kirchen seines Namensheiligen in Finnland oder Skandinavien? 24 19 Vgl. N.-K. LIEBGOTI, Afstobninger af Pilgrimstegn pä danske middelalderlige kirkeklokker, Aarboger for Nordisk Oldkyndighed og Historie (1971), S. 195-240; M. AMARI<, Pilgrirnsmärken pä svenska medeltidsklockor, Antikvarisk arkiv 28 (1965), S. 1-48. 20 T. u. B. GAD, Rejsen til Jakobsland (wie Anm. 17) S. 121-123; ALMAZAN, Gallaecia Scandinavica (wie Anm. 3) S. 191-203. 21 Beispielsweise ein Schutzbrief des letzten katholischen Bischofs von Finnland Arwid Kurck aus dem Jahre 1513, Finlands medeltidsurkunder (FMU), Bd. 7, Nr. 5693. 22 L. V AZQUFZ DE PARGA, J. M'· LACARRA, J. URfA Rfu, Las peregrinaciones a Santiago de Compostela, Bd. 1 (Madrid 1948) S. 257-258. 23 I. MrncI<, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela zwischen 1400 und 1650. Resonanz, Strukturwandel und Krise. Spanische Forschungen der Görresgesellschaft, Reihe I, Bd. 29 (1978), S. 494. 24 E. GRöNBLAD, Nya källor till Finlands medeltidshistoria (Köpenhamn 1857) S. 554. 162 <?page no="171"?> Nach der durch die Staatsmacht vor allem aus wirtschaftlichen und politischen Gründen verordneten Reformation hörten die skandinavische Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela auf. Zumindest aus Schweden und Finnland liegen jedoch bis zum Beginn dieses Jahrhunderts noch Informationen über Votivopfer bei Jakobskirchen sowie über Jakobsmärkte vor, welche neben den erhaltenen Volksliedern und -gedichten die starke Verankerung des Jakobskultes im Volke belegen. Besondere Schwierigkeiten der Skandinavier Die Siedlungsverhältnisse, die Abgelegenheit und das Klima Skandinaviens stellten die nordischen Santiagopilger vor ganz besondere Probleme. Der Winter ist vor allem in Schweden und Finnland lang und sehr streng; bei 10-20 Grad unter dem Gefrierpunkt liegenden Temperaturen sind alle Flüsse und Seen sowie der nördliche Teil der Ostsee von Dezember bis April bis Mai zugefroren. Finnland ist von Schweden durch den Bottnischen Meerbusen getrennt, dessen winterliche Eisdecke im Mittelalter jegliche Schiffahrt verunmöglichte. In einer Urkunde aus dem Monat Februar des Jahres 1493 wird einem wegen Totschlages zu ausgedehnten Bußpilgerfahrten u.a. auch nach Santiago de Compostela verurteilten dänischen Jüngling vom Erzbischof von Uppsala der Besuch der finnischen Domkirche zu Abo erlassen: das Eis machte die Passage unmöglich. 25 Andererseits konnten die winterlichen Verhältnisse zumindest im mittleren und nördlichen Skandinavien auch Erleichterungen bringen: große Seen konnten auf direktem Wege überquert werden, und Schlitten und Skier ermöglichten größere Reisegeschwindigkeiten. Die finnischen Santiagopilger mußten, auch wenn sie den Landweg wählten, auf jeden Fall zuerst die Ostsee überqueren, entweder nach Schweden, wobei dann nach Dänemark noch ein weiteres Mal eine Seepassage anstand, oder direkt nach einem Hafen am Südrand der Ostsee. Auch die isländischen Pilger hatten, falls sie die üblichste Route über Norwegen wählten, das Meer mindestens zweimal zu überqueren. An und für sich bedeutete die große Distanz auch erhöhte Kosten, wie der Grundstücksverkauf eines 1488 nach Santiago aufbrechenden Schwertschleifers aus Finnland belegt; er veräußerte sein Grundstück in Abo für 48 Mark und bestimmte, daß 20 Mark seiner zuhause bleiben- 25 FMU, Bd. 5, Nr. 4472. 163 <?page no="172"?> den Frau zu überlassen seien. 26 Andererseits waren die Kosten auch abhängig von der sozialen Stellung: vom Reichen wurde erwartet, daß er für Unterkunft und Verpflegung selbst aufkam, der Arme konnte sich auf das von der Kirche verkündete Recht des Pilgers auf Unterkunft und Verpflegung berufen. Aufgrund der großen Distanz ist es verständlich, daß vor allem die wohlhabenderen Schichten im Spätmittelalter die von der Kirche angebotene Möglichkeit der Umwandlung der versprochenen Pilgerfahrt in entsprechende Geldleistungen der commutatio voti ergriffen, was im Falle einer dänischen Rittersfrau auch noch mit ihrem Geschlecht begründet wird: Verum cum dicta margareta propter viarum pericula et sexus fragilitatem non possit ... votum adimplere .. . .27 Aus den Quellen läßt sich kaum eruieren, wie die Skandinavier die Sprach- und Kulturprobleme bei der langen Reise bewältigten. Möglicherweise gab es auch in Santiago Übersetzer, wie sie für die skandinavischen Pilger am Hospiz der Heiligen Birgitta in Rom belegt sind. Wege Es gab in Skandianvien zwar besondere Pilgerwege mit Herbergen in regelmäßigen Abständen z.B. zum HI. Olav in Nidaros (heute Trondheim), dem bedeutendsten, auch von vielen ausländischen Pilgern besuchten Pilger- und Wallfahrtsort Skandinaviens, zu den Heiligen Birgitta und Katharina in Vadstena, zum Heiligen Henrik in Nousiainen (Finnland) jedoch im Unterschied zu südlicheren Gebieten Europas keine eigentlichen Santiagowege, auf denen die Santiagopilger die Mehrheit dargestellt hätten. Sie bildeten lediglich eine der anzutreffenden Gruppen, neben Kaufleuten, Reisenden in offiziellem oder privatem Auftrage, Studenten sowie Pilgern nach den anderen von Skandinaviern besuchten Wallfahrts- und Pilgerorten in Deutschland, Frankreich, Italien, England und anderen Ländern. Es ist aus diesem Grunde auch unmöglich, eine genaue Karte der von den skandinavischen Santiagopilgern benutzten Wege anzufertigen, ebensowenig wie dies für die skandinavischen Rom- und Jerusalempilger möglich ist. Lediglich in Dänemark, wo sich alle Landwege nach Süden bündelten, dürften die Santia_gopilger einen bedeutenderen Anteil gebildet haben. Die bevorzugten Wege der Santiagopilger innerhalb Skandinaviens lassen sichlediglich aufgrund eines Vergleiches des mittelalterlichen Straßennetzes 26 SSB, II: 2, S. 291. 27 DS, Bd. 5, Nr. 4014; weitere Fälle: DN, Bd. 6, Nr. 116, 518, 598, 637. 164 <?page no="173"?> in Skandinavien mit den Orten und Kirchen mit mittelalterlichem Jakobskult (Patrozinien, ikonographische Darstellungen), den Funden von Pilgermuscheln und den dokumentarischen Belegen für Santiagopilgerfahrten eruieren. Mit einiger Sicherheit können nur die Sammel- und Knotenpunkte der Jakobspilger in Skandinavien angegeben werden. In Finnland benutzten die Pilger aus dem Inneren des Landes die sogenannte Ochsenstraße von Hämeenlinna nach Abo, dem geistigen und administrativen Zentrum dieses Teiles des schwedischen Reiches. Falls die Reise nicht über das Baltikum oder direkt nach Danzig beziehungsweise Lübeck fortgesetzt wurde, führte der Weg über die Aland- Inseln nach Stockholm. Von Stockholm aus standen den schwedischen und finnischen Pilgern verschiedene Wege offen. Eine südlichere Route führte über Linköping, wo die Reliquien des HI. Nikolaus besucht werden konnten nach Vadstena, das nach dem Tode der Heiligen Birgitta im Jahre 1373 zum bedeutendsten Wallfahrtszentrum Schwedens wurde. Von dort aus führte der Weg südwärts in die während des ganzen Mittelalters zu Dänemark gehörende Provinz Schonen, wo Lund ein wichtiges Zentrum der Santiagopilgerfahrt darstellte. Eine nördliche Route führte über Örebro nach Skara, dessen Domkirche viele Pilger anzog und Reliefs mit Darstellungen von Wundertaten des HI. Jakob aufweist, um dann ebenfalls nach Schonen zu gelangen. Von dort aus führte der Weg über die Insel Seeland westwärts aufs dänische Festland, um sich mit dem aus dem Norden Jütlands kommenden Weg zu vereinigen, der auch von den norwegischen Pilgern benutzt wurde, um schließlich über Ribe und Schleswig die Hansestadt Lübeck zu erreichen. 28 Der Landweg von Skandinavien nach Santiago führte in den meisten Fällen über Deutschland, wobei Aachen in vielen Fällen das erste Etappenziel dargestellt haben dürfte. Aachen wird neben anderen Orten im deutschsprachigen Bereich auch als eigenständiges Pilgerziel in nordischen Quellen erwähnt. Von Aachen aus war es für die skandinavischen Pilger ein leichtes, sich den Scharen anderer Santiagopilger anzuschließen, die den beiden nördlichen Santiagorouten in Frankreich zustrebten. Paris, ein wichtiger Sammelpunkt auf dem Weg nach Santiago, war im Mittelalter einer der bevorzugtesten Studienorte der Skandinavier. 29 Für die Pilgerfahrt über Land nach Rom gibt es auch aus 28 Zu den Routen insbesondere in Dänemark vgl. auch V. ALMAZAN, Les chemins de Saint-Jacques en Scandianvie, Un avenir pour notre passe 32 (1988), S. lS-20. 29 KLNM, Bd. 17, Sp. 329-342, vgl. auch 0-! R. l<RöTZL, Migrations- und Kommunikationsstrukturen im finnischen Mittelalter, Medium Aevum Quotidianum 19 (1989), S. 21-22. 165 <?page no="174"?> Skandinavien Itinerare, für die Santiagopilgerfahrt haben sich jedoch keine solche Beschreibungen überliefert; die Abzweigungsmöglichkeit nach Santiago wird hingegen bereits in der Wegbeschreibung nach Rom des isländischen Abtes Nicholas von Munkathvera aus der Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt. 30 Für die finnischen Santiagopilger gab es noch eine weitere mögliche Routenvariante: über die baltischen Länder; Reval liegt ja nur 80 Kilometer von der finnischen Küste entfernt und war die nördlichste Hansestadt mit einer bedeutenden Jakobskirche. Die baltischen Länder das Gebiet der heutigen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen waren, was immer noch gerne vergessen wird, im Mittelalter ein ebenso selbstverständlicher Teil Europas wie Skandinavien. Auch die Balten beteiligten sich aktiv an der Jakobspilgerfahrt, wie dies zahlreiche Jakobskirchen, Muschelfunde sowie dokumentarische Quellen belegen. Die Landverbindungen über größere Distanzen waren im Mittelalter jedoch sehr mühselig und der Seeweg nach Santiago bot sich deshalb für die Skandinavier in besonderem Maße an. In der Frühphase des Überganges von den Wikingerzügen sowie bei den ersten eigentlichen Pilgerfahrten überwog der Seeweg. Von großem Interesse ist dabei ein im 13. Jahrhundert aufgezeichnetes, jedoch vermutlich älteres dänischef Itinerar, das für die Reise vom westdänischen Hafen Ribe nach La Corui'ia lediglich acht Reisetage auf See veranschlagt, hinzu kamen noch Aufenthalte in drei Häfen Flanderns, Englands und Frankreichs eine Reisedauer, die sich lediglich durch die Verwendung der schnellen Wikingerschiffe erklären läßt. 31 Wie lange die Wikingerschiffe auf diesen langen Strecken noch in Gebrauch waren, läßt sich aufgrund der Quellen nicht erschließen. Ihre Ablösung hing mit der Monopolisierung des skandinavischen Auslandhandels durch die Hanse zusammen. Die schweren Hansekoggen benötigten für die gleiche Überfahrt eine wesentlich längere Zeit - 1518 wird für die Passage von Stralsund nach La Corui'ia 9 Wochen angegeben-, konnten jedoch bedeutend mehr Passagiere und Ausrüstung aufnehmen. 32 Eher erstaunlich ist nun der Umstand, daß sich nur spärliche Informationen über eigentliche Pilgerschiffe von skandinavischen Häfen aus 30 KR. KALUNO, En islandsk vejviser for pilgrimme fra 12. ärhunddrede, Aarboger for Nordisk Oldkyndighed, III: 2 (1912), S. 56; 0. ÜDENIUS, Frän Koburg till Rom. Ericus Johannis frän Lödöse och hans itinerarium, Västergotlands fomminnesföreningens tidskrift 7 (1967), S. 209-243. 31 Scriptores Rerum Danicarum Medii Aevi, Bd. V, S. 622. 32 HEYNE, Von den.Hansestädten nach Santiago (wie Anm. 6) S. 79; H.J. HOFFER, Sant'Jago (München 1957), S. 53. 166 <?page no="175"?> finden. Von Stockholm aus ist lediglich einmal von einem Pilgerschiff nach Santiago die Rede, das der in Stockholm wohnhafte deutsche Schiffer Diderik Pasche 1501 im Auftrage des Bürgermeisters und des Rates von Stockholm auszurüsten hatte die erfolgreiche Rückkehr läßt sich in den Quellen nicht belegen. 33 Neben einigen spätmittelalterlichen Informationen aus Dänemark sind dies die einzigen Quellenhinweise. Eine mögliche Erklärung für die dürftige Quellenlage liegt neben der schlechten Überlieferung darin, daß sich die skandinavischen Santiagopilger mit kleineren Schiffen in die Hansehäfen südlich der Ostsee begaben, von wo aus im Spätmittelalter regelmäßige, meist jährliche Schiffstransporte mit Santigopilgern abgingen. Quellenindizien deuten auf diese Routenvariante hin. 34 Die Schiffspassage dürfte auch von Skandinavien aus vorwiegend von den wohlhabenderen Pilgern benutzt worden sein. Selbst wenn sich also in bezug auf die skandinavischen Santiagowege keine eindeutigen Routen angeben lassen, sind die tiefen Spuren des Jakobskultes und der Jakobspilgerfahrt in Skandinavien unverkennbar. Auch das ferne Skandinavien nahm aktiv am gesamteuropäischen Phänomen der Jakobspilgerfahrt teil. Die westlichen Skandinavier kamen bereits früh als Wikinger mit der Jakobspilgerfahrt in Kontakt und der Jakobskult wurde nach der Christianisierung bereitwillig aufgenommen. Der Kult und die Pilgerfahrt stießen auch in den erst im Hoch- und Spätmittelalter christianisierten Gegenden, wie z.B. in Finnland, auf große, z.T. bis weit über die Reformation hinaus andauernde Resonanz und bildeten ein wichtiges, weit über das Mittelalter hinaus wirkendes Element der Kultur Skandinaviens. Die Santiagopilgerfahrt mit ihren vielfältigen Auswirkungen war ein bedeutender Faktor der Integration Skandinaviens in die gesamteuropäische Kultur des Mittelalters. Resumen: Introducci6n: Convienecomenzarcon la siguiente pregunta: ,Hubodesde Escandinavia, esta regi6n tan alejada del resto de Europa, peregrinaciones a Santiago de Compostela? Escandinavia es la parte mas desatentida de Europa en los tiempos medievales, a menudo considerada como pafs semi-barbaro y poco integrado en la Europa cristiana. Habria que corregir esta impresi6n. La cristia- 33 DN, Bd. 18, Nr. 176. 34 So reiste beispielsweise ein Einwohner der finnischen Stadt Abo 1513 von Hamburg nach Compostela, FMU, Bd. 7, Nr. 5686. Zu den jährlichen Pilgerschiffen von Hamburg nach Santiago vgl. HÜFFER, Sant'Jago (wie Anm. 32) S. 53. 167 <?page no="176"?> nizaci6n tardfa (a partir del siglo X) no significa necesariamente que la fe se haya divulgado solo debilmente: en realidad ocurri6 precisamente lo contrario. El movimiento de peregrinaci6n como fen6meno de masas se encuentra en aquel tiempo en pleno incremento en Europa, y Escandinavia participa en el plenamente. Los origenes: Es conocido que los escandinavos, e.d. los "vikingos", se encuentran entre los primeros visitantes de Santiago de Compostela en el siglo X(quiza ya en el siglo IX), aunque no se sabe si fue por motivo de peregrinaci6n o de saqueo. La fuentes no nos dan respuestas claras. Difusi6n del culto: La evangelizaci6n gana constantemente territorios nuevos para el culto a Santiago y la peregrinaci6n a su tumba durante toda la Edad Media. El culto al ap6stol se convierte en uno de los cultos mas importantes de Escandinavia, con ciertas regiones privilegiadas, sobre todo aquellas que se encuentran bajo la influencia de la Hansa. Las etapas de la difusi6n del culto son: Del 1000 al 1100: Dinamarca. Del 1100 al 1200: Noruega y Sur de Suecia. Dei 1200 al 1300: Suecia y Finlandia. Entre las insignias de peregrinaci6n es la concha de Santiago la mas difundida y el numero de "conchas de Santiago" en Escandinavia es extraordinariamente elevado. Igualmente se hacen notar la existencia de cofradfas y la influencia de la peregrinaci6n en el arte medieval escandinavo. Dificultades particulares: Las dificultades particulares de! peregrino escandinavo eran considerables: un clima duro con nieve o hielo en la Suecia Central y en Finlandia desde el mes de noviembre hasta el mes de mayo, con unos lagos y un mar helados. la travesfa del mar resultaba dificil, y los peregrinos de Finlandia tenfan que cruzar dos mares. la falta de calzadas romanas y Ja imposibilidad de utilizar los caminos fuera del verano. En invierno habfa que buscar otras rutas. - Ja duraci6n de! viaje desde Escandinavia era siempre muy larga, sin embargo incluso peregrinos enfermos se pusieron en camino hacia Santiago de Compostela como comprueban testimonios medico-arqueol6gicos. los problemas especificos de una lengua, cultura y mentalidad totalmente distintas (ya investigados para peregrinos de Escandinavia a Roma). Rutas: No habfa rutas especiales para los peregrinos escandinavos a Santiago de Compostela, que tenfan que utilizar los caminos normales de los comerciantes, viajeros y de los peregrinos a otros santuarios (p.e. Roma). Pero no obstante se podfa ir tambien directamente en barco, por lo menos desde Estocolmo y Bergen, y sobre todo desde los puertos hanseaticos de los paises balticos o de Alemania de! Norte de donde partian regularmente barcos de transporte. Es de notar: 1. que tambien existfa una fuerte influencia de! culto a Santiago y de las peregrinaciones a Compostela en las regiones que acogieron relativamente tarde Ja fe cristiana, sobre todo en Finlandia: lo que se expresa en el arte, patrocinios y peregrinaciones secundarias. 2. que ademas se puede constatar una fuerte influencia en la mentalidad de! pueblo, que incluso se nota mucho despues de la Reforma: peregrinaciones secundarias con ofrendas y "votos". 168 <?page no="177"?> ----- Schlesw1 V Lulx'<k köRi\'g / Söderköping j, ff 'sby ,? I ing / / t! I I -~; °holm Lt I \ I \ I \1 1 1 ' 1 " ' Ha~ula".. ____ _ 1 T; ,: stchus Abb. 26: Von Santiagopilgern vermutlich benutzte Land-und Seewege. 169 <?page no="179"?> Pilger und Pilgerfahrt gestern und heute am Beispiel Santiago in Compostela * ROBERT PLÖTZ Exposition In memoriam Domini doctissimi et amici peregrinorum meique Eliae Valifia Sampedro. Obiit XI Decembris Im Vorwort des Aufsatzbandes zur Münchener Ausstellung "Wallfahrt kennt keine Grenzen" steht nach dem Hinweis auf die thematische Einengung auf die "christliche Wallfahrt" der Satz: "Selbstverständlich sind wir des Einwandes gewärtig, daß es wohl kein allzu großer Unterschied sein könnte zwischen der Erforschung der Pilgermentalität des 10. und 11. Jahrhunderts im Abendland und der des Samnyazin, des indischen "Entsagers", des absoluten Pilgers, der seine "Welt'' verläßt, um als rituell Toter ein neues Leben zu erhalten und seinen Weg ins Nichts zu gehen als zeit- und raumloser peregrinus". 1 Für die Phänomenologie der einzelnen Religionen mag das in der peregrinatio religiosa als allgemeine Erscheinung zutreffen, nicht aber für die europäische Pilgerfahrt, für die peregrinatio ad limina Beati Jacobi. Die Analyse zweier Begriffe aus dem oben genannten Zitat soll dies belegen. Einmal "Abendland" und zum anderen "Pilger". Das christliche Abendland / der Okzident In Analogiebildung zu Luthers "Morgenland" (Mt 2,1) entstanden entwickelte sich der Terminus II Abendland" seit dem 16. Jahrhundert erst räumlich, dann seit der Romantik kulturell und religiös. Abendland ist ursprünglich und auch wieder im 20. Jahrhundert eine mythische und ~ Der Text dieses Artikels stimmt im wesentlichen mit dem Abschlußvortrag des Kongreßes in Schloß Schney überein. Zum Teil wurde der essayistische Charakter des Vortrags beibehalten. 1 L. I<Rrss-RETTENBECI< / G. MöHLER, Vorwort, in: Wallfahrt kennt keine Grenzen. Themen zu einer Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums und des Adalbert Stifter Vereins (München-Zürich 1 1984), S. 8. 171 <?page no="180"?> religiös-politische Konzeption, die in einer metaphysischen "Geographie" ansetzt. 2 Die Konzeption Europas als Abendland, als der Westen, entsteht im Prozeß der Aufspaltung des römischen Reiches in ein weströmisches und ein oströmisches Reich und umfaßt einen machtpolitischen Anspruch. Die Ausbildung eines spezifisch okzidentalen Abendlandbegriffes ist das Ergebnis des Kampfes römischer Päpste um Selbstbehauptung gegen den "apostelgleichen" 3 Heilskaiser in Konstantinopel, wobei die Päpste in und für ihr Westeuropa sich der Hilfe der Franken zu vergewissern versuchen. Diese Konstellation ergab sich allerdings nicht sofort. Unter den ersten Nachfolgern des christlichen Kaisers Konstantin zerfällt die Christenheit in Ost und West, beginnt sich der grundlegende "Ost-West-Konflikt" Europas auszubilden. Dieser Gegensatz erfährt seine endgültige Ausprägung in der Entzweiung des römischen Papstes und des Patriarchen von Konstantinopel im Jahr 1054. Die erste wichtige Entscheidung für ein westliches Abendland-Europa fiel in den Jahren um 340 nach Christi4, nämlich, als Athanasius von Alexandrien (295-373), der führende Kopf der Orthodoxen im arianischen Schisma vor dem Terror des Konstantinus nach Rom geflohen war. 5 Die Bischöfe und Theologen des Westens (Okzident), Papst Liberius, Luzifer von Cagliari, Eusebius von Vercelli, Hilarius von Poitiers und später Ambrosius von Mailand stellten sich gegen die arianischen 2 Allgemein zu diesem Thema u.a. H. FlmRMANN, Einladung ins Mittelalter, (München 2 1987), spez. 15-18; P. RICHE, Die Karolinger (Stuttgart 1987) (1. Ed. Paris 1983), 15-23; F. BoRKENAU, Ende und Anfang. Von den Generationen der Hochkultur und von der Entstehung des Abendlandes (Stuttgart 1984), 166-489; K.F. WERNER, Vom Frankenreich zur Entfaltung Deutschlands und Frankreichs. Ursprünge-Strukturen-Beziehungen (Sigmaringen 1984); K. BosL, Europa im Aufbruch. Herrschaft, Gesellschaft, Kultur in Europa vorn 10. bis zum 14. Jahrhundert (München 1980); K. HAMPE, Das Hochmittelalter. Geschichte des Abendlandes von 900 bis 1250, (Köln-Wien 6 1977); F. HEER, Abendland (Meyers Enzyklopädisches Lexikon I), Mannheim u.a. 1971, 57-64; A. VAN 5cHELTAMA, Antike - Abendland (Salzburg 1964); 0. BRUNNER, Inneres Gefüge des Abendlandes, Historia Mundi 6 (1958); J. FISCHER, Oriens - Occidens - Europa, Begriff und Gedanke 'Europa' in der späten Antike und im frühen Mittelalter (Wiesbaden 1957), und für die ältere Literatur H. PIRENNE, Geburt des Abendlandes, Dt. Übersetzung (Amsterdam 2 1941). 3 Der Apostelbegriff wurde in frühchristlicher Zeit und noch im Mittelalter über die Benennung der zwölf Apostel hinaus verwendet. So wurden u.a. Paulus, die 70 Jünger, Magdalena und auch Konstantin als Apostel oder "apostelgleich" beschrieben. Für Konstantin: Theodoret, in: Histoire d'Eglise depuis les origines jusqu'a nos jours, publ. de A. FuCHE / V. MAUN (Paris 1934ff.), hier 1, 2. 4 HEER (wie Anm. 2), 57f. 5 Vgl. A. KATSANAKIS, Art. Athanasios (Athanasius), Lexikon des Mittelalters, Bd. 1 (München-Zürich 1979), 1160f. Zur Rolle von Konstantius vgl.R. KLEIN, Constantius II. und die christliche Kirche (Darmstadt 1977), sowie J. MoREAU, Constantius II., Jahrbuch für Antike und Christentum 2 (1959), 162-178. 172 <?page no="181"?> Ostkaiser. 6 Aus dieser Abwehrhaltung der Westbischöfe entstand das westliche Abendland. Von Byzanz aus, von Osten her gesehen, war der in westlicher Sicht gottgewollte "Aufgang des Abendlandes" ein einziger Akt der Usurpation, ein Aufstand von "Barbaren" wobei hier der Begriff Barbaren in seiner Vielschichtigkeit nicht diskutiert werden solF -, der bis zum 13. Jahrhundert reichte und zur barbarischen Plünderung der heiligen Stadt während des vierten Kreuzzuges (1202-1204) führte. 8 Als früher Papst und Gründer dieses Abendlandes gilt Gregor der Große (590-604), dessen societas rei publicae christianae 9 unter Führung der römischen Kirche die "prophetische Vision des mittelalterlichen Europas" vorwegnahm, wobei den Franken eine tragende Rolle zukam. 10 Der Aufstieg des Frankenreiches und des römischen Papsttums zu universalen Führungsmächten stärkte das Sonderbewußtsein des Abendlands, in dessen weiterer Entwicklung und in schweren langwierigen Auseinandersetzungen Konstantinopel Karl dem Großen den Kaisertitel zugestand. Das Reich Karls des Großen, das der Sage nach ersten Pilgers am Grabe des Apostels Jacobus im fernen Westen Europas 11 , war im Bewußtsein der geistigen Elite der Zeit, obwohl es Europa nicht im geographischen Sinn umfaßte, ein einziges, christliches Reich, das außerhalb Roms und des Römerreichs dessen Nachfolge antrat und unter fränkischer, d.h. frankogermanischer Herrschaft stand. Europa schien als neue Gesellschaft und Kultur geboren zu sein. Da tat es auch diesem ersten Aufbruch einer europäischen Idee keinen Abbruch, daß 6 Vgl. E. ScHWARlZ, Zur Kirchengeschichte des 4. Jahrhunderts, Zeitschrift für neutestamentliche Wissenschaft und Kunde der älteren Kirche 34 (1935), 129-213 (auch in den Gesammelten Schriften III, 1959). 7 Vgl. dazu J. VOGT, Kulturwelt und Barbaren. Zum Menschheitsbild der spätantiken Gesellschaft, Abhandlungen der (geistes- und sozialwissenschaftlichen) Klasse der Akademiewissenschaften und Literatur (Mainz 1%7), 1. 8 Vgl. W. PREvENIER, Balduin 1., Lexikon des Mittelalters, Bd. 1 (wie Anm. 5), 1368f. 9 Vgl. J. RUPP, L'idee de Ja chretiente dans Ja pensee pontificale des origines ä lnnocent III (Paris 1939). 10 Die Taufe Clilodwigs (498/ 99) leitet den Beginn der Hinwendung zum Cliristentum ein. Zur Zeit des Gregor von Tours (Ende des 6. Jahrhunderts) war die allgemeine Kirchenzugehörigkeit schon selbstverständlich.Vgl. H. F'uHRMANN, Das Papsttum und das kirchliche Leben im Frankenreich, Settimane di studio de! centro italiano di studi sull' alto medioevo 27 (Spoleto 1981), 419-456, u. R. 5cHIEFFER, Art. Franken, Frankenreich, Lexikon des Mittelalters, Bd. 4 (1988), 718-723. 11 Vgl. R. Pr.örz, Deutsche Pilger nach Santiago de Compostela bis zur Neuzeit, Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte, hg. v. K. HERBERS, in Jakobus-Studien 1 (1988), 9f., Anm. 38, u. H.-W. KLEIN, Die Clironik von Karl dem Großen und Roland, Beiträge zur Romanischen Philologie des Mittelalters 13 (München 1966) 30 sowie K. HERBERS, Karl der Große und Spanien. Realität und Fiktion, in: Karl der Große und sein Schrein in Aachen. Eine Festschrift, hg. von H. MOLLEJANS (Aachen-Mönchengladbach 1988) s. 47-55. 173 <?page no="182"?> nach Karl dem Großen das äußerlich geistlich und weltlich zugleich geeinte Europa in eine Gemeinschaft von Fürsten zerfiel, an deren hegemonialer Spitze der Römische Kaiser deutscher Nation stand, dessen geistliches Pendant das Papsttum als Einheit darstellte.12 Man könnte also annehmen, daß das europäische Abendland über eine einheitliche Kultur und Weltschau zur Zeit Karls des Großen verfügt hätte, in der antike Kultur, christlicher Glaube und eigenes Sendungsbewußtsein zu dem verschmolzen wäre, was wir unter christlichem Abendland verstehen. Ich meine, daß wir damit einer Synthese und einer Kontamination vorgreifen, die sich erst wesentlich später ereignete. Christentum, Antike und Germanentum hatten sich noch nicht zu einer abendländischen Kultureinheit durchdrungen, obwohl der in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstandene Heliand erste Ansätze einer Annäherung zwischen dem weltentsagenden und friedfertigen Jenseitsglauben und der Diesseitsfreude und der robusten Natur der Germanen zeigte. Der Versuch Karls des Großen, das Abendland in einer theokratisch gefärbten Monarchie, in der die Interessen von Reich und Kirche auf einen Nenner gebracht waren, zu vereinen, war ein Vorgriff, der mit seiner Persönlichkeit zusammenhing, jedoch nicht der Normalfall für die Entwicklung von Stammesstaaten zu einem übergeordneten Staatsgebilde. Gerade das folgende, das 9. und 10. Jahrhundert, brachte einen empfindlichen Rückschlag nach dem anderen. Das Verschwinden der alten Ordnungen und das Werden neuer Regierungssysteme, die Aushöhlung der traditionellen Mächte in dieser Zeit, der Ansturm von Fremdvölkern (Normannen, Sarazenen und Ungarn), führten zu einem Vakuum, in dem den Menschen jener Zeit in ihrer Bedrückung nur ein Ausweg blieb: die Hinwendung zur Kirche als ein stabiles, zu Gott als ein ewiges Element. Das Bedürfnis nach Normen, nach erkennbarer täglicher Sicherheit, nach Glauben an eine zugängliche und gerechte Autorität wurde, wenn schon, dann nur metaphysisch durch die Religion und die Kirche befriedigt.13 Der Kult mit Heiligen und Reliquien nahm einen bis dahin nie gewesenen Umfang an, die Hinwendung der Massen zu Gott fand in einer bisher nie erlebten Weise statt. Unter anderen und vor allem in Heiligenkult und in gemeinsamen 12 Vgl. K. BosI.., Europa im Mittelalter. Weltgeschichte eines Jahrtausends (Bayreuth 2 1978), 13. 13 Dazu HAMPE, Das Hochmittelalter (wie Anm. 2), 5-8, u. J. DHONDT, Das frühe Mittelalter (Fischer Weltgeschichte 10) Frankfurt/ Main 1968, 245-250. 174 <?page no="183"?> Lebensformen fängt das christliche Abendland im Mittelalter an, sich zu verwirklichen. 14 Und doch wurden in dem tristen Panorama des 10. Jahrhunderts bereits die Grundlagen für die spätere Entwicklung des christlichen Abendlandes geweckt. Zwei Ereignisse mögen dies verdeutlichen: Mit der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 wird die territoriale Sicherung der europäischen Nationen erreicht und die Bedrohung durch Fremdvölker für Jahrhunderte beendet. Und: Wahrscheinlich im Jahr 972 fühlte sich ein hochbegabter junger Gelehrter namens Gerbert nach dem Studium aller Gelehrsamkeit, die ihm Italien und die spanische Mark zu bieten vermochten, zum Studium der Logik berufen und übersiedelte von Rom nach Reims, wo er die Leitung der dortigen Domschule übernahm. Die Tätigkeit des späteren Papstes Silvester II. (999-1003) und Lehrers Otto III., die er dort entfaltete, wurde zu einer • äußerst wichtigen Kraft für den wissenschaftlichen Fortschritt in Europa während der beiden nächsten Generationen, insofern, weil Gerbert das Gebiet der logischen Studien ausweitete und seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die er teilweise aus arabischen Quellen schöpfte, weitergab. 15 Man sollte sich jedoch nicht der Illusion hingeben, daß das Abendland um diese Zeit schon einen homogenen Charakter besessen und in seiner Gesamtheit christianisiert gewesen wäre. Die Menschen waren zwar damals Christen oder bis auf nördliche und östliche Regionen zum Christentum bekehrt, aber es drängt sich der Eindruck auf, daß die ganze Gesellschaft der Karolingerzeit unter einem dünnen christlichen Firnis lebte, der Heidentum und magisches Denken nur notdürftig überdeckt haben dürfte. Die mit Aberglauben gepaarte Leichtgläubigkeit des Volkes erscheint um so verständlicher, als das geistige Niveau und die religiöse Bildung der Priester ganz unzulänglich waren, kannten doch viele Geistliche nicht einmal das Vaterunser. 16 Nicht schon unter Karl dem Großen, sondern erst im 11. Jahrhundert verläßt das christliche Abendland das unmündige Kinddasein und stellt sich auf eigene Beine: Jetzt erst kann die Pilgerfahrt ins ''Jakobsland" ihre europäische Dimension verwirklichen. Die abendländische Kultur stellt 14 Vgl. A.J. GURJEWITSCH, Mittelalterliche Volkskultur (München 1987), 68-124. 15 Vgl. R.W. SoUTHERN, Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters. Das Abendland im 11. und 12. Jahrhundert (Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 2 1980), 9-13. Zu Gerbert von Aurillac spez. U. L! NDGREN, Gerbert von Aurillac und das Quadrivium, Sudhoffs Archiv für Geschichte und Medizin und der Naturwissenschaften, Beiheft 18 (1976). 16 J. OHONDT, Das frühe Mittelalter (wie Anm. 13), u. A. FLIGiE, La reforrne gregorienne, Bd. 1 (Paris 1924), 1-38 (La crise religieuse du x• siede). 175 <?page no="184"?> sich, wie jede von früheren Kulturen abhängige Hochkultur, zunächst als Symbiose zweier Elemente dar, die in dem überhaupt erreichbaren Maß eigenständig in ihr fortbestehen: der spät-antiken und der germanisch-keltischen Kultur, also von einerseits Hochkultur, andererseits primitiver Kultur. Bei näherem Zusehen zeigt sich sogar, daß die abendländische Kultur aus der Verschmelzung nicht einer, sondern zweier primitiver Kulturgruppen (der germanischen und der keltischen) mit nicht einer, sondern zwei Hochkulturen (der antiken und der altchristlichen) entstanden ist. Der Geist des christlichen Abendlandes bildete sich aus: Die Fähigkeit "ich" zu sagen bereitete dem abendländischen Individualismus den Boden; die christliche Milderung der Sitten, die jene trotzige Selbstbetonung, welche die nordische Tradition einbrachte, auf die Bedürfnisse der Gesellung zurückbiegt, und vor allem die Betrachtung der Seele als Quelle aller Persönlichkeitsbildung. 17 In der Kulturmorphologie des Abendlands spielt die Vorstellung von totaler persönlicher Verantwortung im Ablauf der Historie als Heilsgeschichte eine wesentliche Rolle. Gottes festgefügter Plan bestimme die Heils- und Weltgeschichte, der endzeitliche Aspekt stand für den mittelalterlichen Menschen im lateinisch-christlichen Europa oder Abendland im Vordergrund. 18 Die Zeit der Homogenisierung der christlichen Kultur im Abendland konkretisiert und lokalisiert christliches Heilsgeschehen in europäischer Dimension und stimmt mit der Europäisierung der Piigerfahrt zum Grab des Apostels Jacobus in Compostela überein. Peregrinatio religiosa 19 Seit der Antike kennen wir in der christlichen Welt das Reisen zu Heiligen Orten oder zum Lebensbereich "heiliger" Personen, bei denen auch oder vor allem in irdischen und materiellen Anliegen Erhörung und wunderbares Eingreifen außerweltlicher Mächte erwartet wird. Pilgerfahrt, allgemeine Heiligenverehrung und deren konkrete Ausformung im Reliquienwesen, in Lokalkulten etc. unterscheiden sich untereinander wesentlich und lassen sich frömmigkeitsgeschichtlich nicht beliebig miteinander vermengen, obwohl oft die Grenzen dieser Heilserfahrungen untereinander fließend und in der Entwicklung miteinander verknüpfbar sind. 17 Vgl. ßoRKENAU, Ende und Anfang (wie Anm. 2), 166-489. 18 Vgl. Fu! -! RMANN, Einladung ins Mittelalter (wie Anm. 2), 17f. 19 Vgl. zurnThema: B. KöTIING, Peregrinatio Religiosa. Wallfahrten in der Antike und das Pilgerwesen in der alten Kirche (Forschungen zur Volkskunde 33-35), Münster 2 1950 (Fotomechan. Nachdruck Münster 1980). 176 <?page no="185"?> Man kann verschiedene, deutlich voneinander trennbare Äußerungen der externen Ausprägung und inneren Motivation herausstellen: 20 1. Die Pilgerschaft, oder der "Pilgerstand" (status viae oder viatoris), die ihren Platz in der christlichen Anthropologie durch die Formulierung "Das Leben ist eine Pilgerfahrt" (vita est peregrinatio) hat. Das Erdenle- Abb. 27: Jacobus "coronatio peregrinorum". Freiburg im Breisgau: Münster Unserer Lieben Frau. Relief am südlichen Choreingang. Sandstein, Ende des 12. Jhs. Herzlichen Dank für den Hinweis an S. Moralejo (Universidad de Santiago de Compostela) (Foto: M. Galli, Vogtsburg- Oberrotweil) 20 Vgl. zu den verschiedenen Äußerungen der peregriMtio religiosa u.a . H. DiiNNINGER, Processio peregrinationis. Volkskundliche Untersuchungen zu einer Geschichte des Wallfahrtswesens im Gebiet der heutigen Diözese Würzburg, Teil 1 (Würzburger Diözesangeschichtsblätter 23, 1%1, spez. 55-75; W. BRüCKNER, Art. Pilger, Pilgerschaft, Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 3 (Freiburg-Basel-Wien 1971) 439- 442; R. PLölZ, Peregrini - Palmieri - Romei, Untersuchungen zum Pilgerbegriff der Zeit Dantes, Jahrbuch für Volkskunde NF 2 (1979), 103-134; W. BRüCKNER, Zu Heiligenkult und Wallfahrtswesen im 13. Jahrhundert, Sankt Elisabeth . Fürstin, Dienerin, Heilige. Aufsätze, Dokumentation, Katalog, Sigmaringen 1981, 117-127; E.-R. LA.BAN- DE, "Pauper et Peregrinus", Les problemes du pelerin chretien d'apres quelques travaux recents, Wallfahrt kennt keine Grenzen (wie Anm. 1) 23-32; K. Gum, Die Wallfahrt - Ausdruck religiöser Volkskultur, Eine vergleichende phänomenologische Untersuchung, Ethnologia Europaea XVI, 1 (1986), 59-82, u. R. PLäTz, Peregrinatio ad limina Beati Jacobi, Kongreßakten Pittsburgh 1988, Jakobus-Studien 3 (1992) 37-49. 177 <?page no="186"?> ben ist für den homo viator nur eine Durchgangssituation zu seinem eigentlichen außerirdischen Ziel, zu Gott. Die iroschottischen Wandermönche der mitteleuropäischen Missionszeit lebten nach diesem Ideal; sie hatten die Heimatlosigkeit von den frühen Mönchen des Ostens gelernt. Cäsarius von Heisterbach (1180-1240) rechnete die Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela einer Art von geistlichem Stand zu und bezeichnet zum Beispiel die Kölner Jacobus-Pilger als "fratres". 21 Pilgerschaft drückte noch im Hochmittelalter eine konkretisierte religiöse Haltung aus und bezog sich nicht auf einen Weg oder ein geographisch lokalisierbares Ziel. 2. Die Pilgerfahrt zu heiligen Stätten (peregrinatio ad loca sancta). Sie meint zu Beginn nur den frommen Besuch der heiligen Stätten des Lebens und des Leidens Christi in Palästina, vornehmlich in Jerusalem. Sie setzt erst unter Konstantin ein und ist im 6. Jahrhundert schon voll entfaltet. Die Pilgerfahrten ins Heilige Land galten im Frühmittelalter als "Zeichen der Heiligkeit" und wurden fast ausschließlich von Personen geistlicher oder hoher Herkunft durchgeführt. Die Sicht der Kreuzzüge als "kriegerische Pilgerfahrt" ist darauf zurückzuführen. 22 3. Die Bußpilgerfahren des Mittelalters zu entfernten Plätzen mit Apostel- und Heiligengräbem. Diese stehen in der Nachfolge der peregrinatio ad loca sancta und treten in Konkurrenz zu ihr. Das eigentliche Pilgerwesen, wie wir es heute sehen, hat erst im 12./ 13. Jahrhundert seine volle Ausprägung als europäisches Massenphänomen erfahren. Nun erst erfolgte die Einstufung von Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela als Hauptpilgerstätten (peregrinationes maiores). Der Anzahl der Pilger nach und der Beliebtheit in allen Schichten steht das Grab des hl. Jacobus in Compostela in dieser Zeit an erster Stelle als Pilgerziel, wobei die Reise dorthin auch als Ersatz für die vielen fehlgeschlagenen Kreuzzüge gelten kann. Für Dante in Florenz waren im Jahr 1293 die eigentlichen peregrini diejenigen, die ihre Heimat verließen, um St. Jacobus am Ende der alten Welt zu besuchen. Die 21 Caesarius von Heisterbach, Dialogus Miraculorum, ed. J. STRANGE, 2 Bde. (Köln 1851) Index (Koblenz 1857) zit. nach Distinctio und Capitulum, hier V, 39, u. VIII, 58. 22 Zur Kreuzzugsidee vgl. R. PLörz, Strukturwandel der peregrinatio im Hochmittelalter. Begriffe und Komponenten, Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde Jg. 26/ 27 (1981/ 82), 129-151, spez. 140-142, u. DENGL., Santiago-peregrinatio und Jacobus-Kult mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Frankenlandes, Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens, 1. Reihe Bd. 31 (1984), 47f. Auch heute noch unentbehrlich: C. ERDMANN, Die Entstehung des Kreuzzugsgedanken (Stuttgart 1935), Nachdruck Darmstadt 1974. 178 <?page no="187"?> Rompilger nannte Dante um diese Zeit "romei", die Jerusalemfahrer "palmieri". 23 Die mittelalterliche Pilgerfahrt war ein Massenphänomen, das heute Verwunderung, ja wenn man die damaligen geringen Bevölkerungsziffern zum Vergleich heranzieht - Staunen abnötigt. Chronisten berichten vom Zusammenströmen vieler Tausender von Pilgern an einem Tage, die oft ein Mehrfaches der damaligen Gesamtbevölkerung selbst der größten Pilgerorte ausmachten. Die daraus entstehenden erheblichen Verkehrs-, Ernährungs- und Beherbergungsprobleme sind uns vielmals in Urkunden und Rechnungen belegt. Einen guten Einblick gewähren u.a. zahlreiche Verträge, die im Mittelalter rheinische Schiffergilden vom Bodensee bis zum Niederrhein zur Bewältigung der Transporte von Aachenfahrern abschlossen. "Point de marine sans pelerinage" ohne Pilgerfahrt keine Schiffahrt, lautet ein altes französisches Sprichwort. Bei der ersten öffentlichen Zeigung des Trierer Heiligen Rockes (1512), die Kaiser Maximilian I. veranlaßt hatte, richtete die Trierer Obrigkeit Hilfegesuche an die Bäcker, Metzger und Fischer im weiten Umkreis der Stadt; sie hätten für so viel Volks zu sorgen, daß sie weder ein noch aus wüßten. 24 Im Jahr 1475 stand Erfurt durch die aus Mittel- und Süddeutschland nach Wilsnack strömenden Pilgermassen vor so unüberwindliche Beherbergungs- und Verpflegungsschwierigkeiten, daß sich der Rat nicht anders zu helfen wußte, als den Pilgern den Einlaß in die Stadt zu verwehren. 25 Niemals in seinem Leben hat der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach ( + nach 1240)-wie er voll Erstaunen berichtet soviel Menschen auf einmal zusammen gesehen wie in Marburg im Jahr 1233, als er sich auf Pilgerfahrt zum Grabe der heiligen Elisabeth befand. 26 23 Vgl. Pr.örz, Peregrini (wie Anm. 20), E. STEPHANY, Der Zusammenhang der großen Wallfahrtsorte an Rhein-Maas-Mosel, Kölner Domblatt (1964), 16.3-179, u. K. KÖSTER, Gutenbergs Straßburger Aachenspiegel-Unternehmen von 1438/ 1440, Gutenberg- Jahrbuch 1983, 29f. 24 Siehe K. KÖSTER, Pilgerzeichen und Pilgermuscheln von mittelalterlichen Santiagostraßen, Saint Leonard, Rocamadour, Saint Gilles, Santiago de Compostela (Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 2; Neumünster 1983), 15. 25 Zu Wilsnack: U. HEUSER, "Heilig-Blut'' in Kult und Brauchtum des deutschen Kulturraums, Diss. Bonn 1948. Vgl. auch L. Schmugge, Die Pilger. Unterwegssein im Spätmittelalter, hg. v. P. Moraw (Zeitschrift für Historische Forschungen (1985) Beiheft 1), spez. 17-47, mit Erwähnung der Pilgermassen in Rom, Monte Gargano, Saint Michel, Le Puy, Einsiedeln, Köln, Gottesbüren, Wilsnack u.a. 26 Die Schriften des Caesarius von Heisterbach über die heilige Elisabeth von Thüringen, hg. v. A. HUYSKENs, in: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach, hg. v. A. I-lrr.KA, 3 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 43), Bonn 1937, S. 329-390, hier 384. Siehe auch BRücKNER, Zu Heiligenkult und Wallfahrtswesen (wie Anm. 20), 120, u. KÖSTER, Pilgerzeichen und Pilgermuscheln (wie Anm. 24), 15. 179 <?page no="188"?> Abb. 28: "Benedictio perarum et baculorum". Lambach/ Oberösterreich: O5B-Abtei Mariä Himmelfahrt. Initiale des Rituale Lambacense. Pergament, um 1200. Herzlichen Dank für den Hinweis an W. Cahn (Yale University, New Haven) 4. Concursus populi. Er meint Wallfahrtswesen im weitesten Sinn an Gräber-, Gnadenbild- oder Wunderkulten, Heiltums- und Ablaßkonkurse, Rogationsfeiem und Pflichtprozessionen. Alle diese Erscheinungen waren im religiösen Alltag des mittelalterlichen Menschen normal und wurden damals von niemandem als Wallfahrt angesehen. Der volksfromme Kult unterschied sich am jeweiligen Verehrungsort von Heiligenreliquien in keiner Weise von später für Massen organisierten Veranstaltungen. Gelöbnisse, Opferleistungen, Votivgaben, Segnungen mit den Reliquien, Berührungen der Heiligengräber usw. sind keine Ausdrucksformen, die eines besonderen Wallfahrtsortes bedürfen. Noch heute kann sich ein confluxus in jeder gewöhnlichen katholischen Kirche in südlichen Ländern abspielen. Der sich ab Ende des 13. Jahrhunderts durchsetzende Typus wird heute Devotionalwallfahrt (aus der Ablaßformulierung der Zeit: devotionis causa)Z 1 genannt. Er ist entstanden aus dem wenig außerordentlichen, weil überall möglichen Heiligenbesuch und der kurzen Ablaßmitnahme allerorten, nur noch wenig verbunden mit der eigentlichen Pilgerfahrt oder gänzlich losgelöst von ihr. 27 Z.B. causa deoocionis seu peregrinationis (Hessisches Urkundenbuch, 1. Abt.: Urkundenbuch der Dei.Itschordensballei Hessen, v. A. WYSS, 1. Bd. (Publikationen aus den K. preußischen Staatsarchiven 3), 1879, Nachdruck Osnabrück 1%5, Nr. 623. 180 <?page no="189"?> 5. Wallfahrten. Sie sind "außerliturgische, gemeinschaftliche und daher in der Regel prozessionsweise, in regelmäßigen Zeitabständen (meist alljährlich zu einem bestimmten Termin) unternommene Bitt- und Bußgänge zu bestimmten Gnadenstätten". 28 Die Wallfahrt ist nicht identisch mit der Pilgerfahrt, die Ausdruck der Privatfrömmigkeit ist; dies schließt aber nicht aus, daß der einzelne Wallfahrer in Pilgergesinnung an der Wallfahrt teilnimmt. Die Wallfahrt ist ein volksfrommes Phänomen, an dessen Entstehung und Fortbestand Privatfrömmigkeit, Volksglaube und kirchliche Autorität gleichermaßen beteiligt sind. Einer besonderen Erwähnung bedarf die Gnadenbildwallfahrt, die sich gegen Ende des Mittelalters herauskristallisierte und dem Hang zur Materialisierung göttlicher Gnadenerweise entgegenkam. Die Gnadenbilder erlangen nach und nach die Bedeutung, die früher den Reliquien zukam, stellten für das naturhafte Empfinden etwas buchstäblich Vergegenwärtigendes dar, in dem Nähe und Berührung mit Wundermächtigkeit und Vermittlertätigkeit des Heiligen zusammenfallen. 29 Die Motive der Pilger Welche Beweggründe veranlaßten die Pilger, sich auf den harten Weg, wie Petrarca es Anfang des 14. Jahrhunderts ausdrückt, zu begeben? 30 Waren für die Kirche und für gelehrte Theologen die Hauptanliegen einer Pilgerfahrt Buße und Heilssuche, so ging es den Laien gleich welchen sozialen Standes um den ganz unmittelbaren, den im wörtlichen Sinne physischen Kontakt mit den Heiltümem am Gnadenort. Dort sucht und findet volksfrommer Glaube die gleichsam materiell greifbare Heilsversicherung, die dann mit den Devotionalien nach Hause, in den alltäglichen Lebensbereich hinein- und mitgenommen wurde. 31 Unter den aus eigenem frommen Antrieb reisenden Pilgern stellten jene Menschen ein beträchtliches, vermutlich sogar das größte Kontingent, die auf der Suche nach wunderhafter Heilung ihrer Krankheiten und Gebrechen, körperlicher wie geistig-seelischer Leiden und 28 DÜNNINGER, Processio peregrinationis (wie Anm. 20), 75. 29 Ebd. 70-72. 30 57. Kap. "Von dem harten Weg" (F. PETRARcA, Von der Artzney bayder Glück des guten und widerwertigen, unnd wess sich ain yeder inn Gelück und Unglück halten so! ", P. SrAHEL u. G.B. SPALATINUS (Augsburg 1532) 2° Buch 2, BI. 68. 31 KÖSTER, Pilgerzeichen und Pilgermuscheln (wie Anm. 24), 16. 181 <?page no="190"?> Nöte sich auf den Weg gemacht hatten. 32 Dafür legen die Berichte der zahlreichen Mirakelbücher, die Aufzeichnungen der am Gnadenort geschehenen Heilungen enthalten, ein beredtes Zeugnis ab. 33 So wundert es nicht, daß die Pilgerzahlen vor allem bei und nach Hungersnöten, Epidemien, Natur- und anderen Katastrophen gewaltig anstieg. Dazu gesellen sich die von weltlichen und geistlichen Gerichten durch Urteil, Sühne- oder Friedensverträge auf Bußpilgerfahrt Geschickten, außerdem jene Berufspilgerbrüder und -schwestem, die sich ihre Existenz verdienten, indem sie für das Seelenheil Verstorbener oder als Stellvertreter noch lebender wohlhabender Votanten gegen Bezahlung die Pilgerfahrt auf sich nahmen. 34 Schließlich verband sich gar nicht so selten eine Pilgerfahrt mit geschäftlichen oder privaten Anliegen; auch die Kuriositas und die bloße Reise- und Abenteuerlust legitimierte sich durch Stab, Pilgertasche und Muschel. 35 Die Pilger, deren Massen aus der mittelalterlichen Kultgeographie nicht wegzudenken sind, gehörten allen Ständen an: von Königen und 32 Im Codex Calixtinus findet sich eine Aufzeichnung der Gebrechen und Krankheiten, die aufgrund der durch den Apostel Jakobus erwirkten göttlichen Gnadenerweise Heilung erfahren konnten (W.M. WHITEHILL (Hg.), Liber Sancti Jacobi, Codex Calixtinus, I.Text (Santiago de Compostela 1944) 49f. u. 413). Vgl. J. URfA Rfu, La peregrinaci6n compostelana en el aspecto medico, in: L. V AZQUEZ DE PARGA/ J.-M• LAcARRA/ J. URfA Rfu, Las pregrinaciones a Santiago de Compostela, 3 Bde. (Madrid 1948-49), hier Bd. 1, 401-421. 33 Vgl. die im Libellus miraculorum des Codex Calixtinus erwähnten Mirakel (wie oben, 261-287), sowie R.C. F'INUNCE, Miracles and Pilgrims, Popular Beliefs in Medieval England (London 1Wl), C. RENDTEL, Hochmittelalterliche Mirakelberichte als Quelle zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte sowie zur Geschichte des Wallfahrtswesens, Diss.phil. (Berlin 1982), D. GoNTI-iIER/ C. LE BAS, Analyse socio-economique de quelques recueils de miracles dans la Normandie du XI" au XIII" siecles, Annales de Normandie 24 (1974), 33-36 sowie K. HERBERS, Der Jakobuskult des 12. Jahrhunderts und der Liber Sancti Jacobi (Wiesbaden 1984) 103-124. 34 Vgl. u.a. zu den Pilgermotiven: E.-R. lABANDE, Pelerinages et pelerins dans l'Europe des XI• et XII"siecles, Pelerins et chemins de Saint-Jacques en France et en Europe du dixieme siede ä nos jours (Paris 1965); P.A. SIGAL, Pauvrete et charite aux 11 sn• et 12sne siecles d'apres quelques textes hagiographiques, in: Etudes sur l'histoire de 1a pauvrete, hg. v. M. MOLLAT, Publications de la Sorbonne, Etudes 8, Bd. 1 (Paris 1974); DENGL., Les marcheurs de Dieu. Pelerinages et pelerins au moyen age, Le prisme 39 (Paris 1974); N. ÜHLER, Zur Seligkeit und zum Troste meiner Seele, Lübecker unterwegs zu mittelalterlichen Wallfahrtsstätten, Zeitschrift für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 83 (1983), 83-103; R. PLörz, Deutsche Pilger (wie Anm. 11) 1-27, DENGL., Peregrinatio in itinere stellarum: Santos, monjes, caballeros y pobres, EI Camino de Santiago, hg. v. 5. MORALEJO ALVAREZ (Curso Monografico de Ja Universidad lntemacional del Atlantico) Santiago de Compostela 1990, 63-87, u. L. ScHMUGGE, Kollektive und individuelle Motivstrukturen im mittelalterlichen Pilgerwesen, in: Migration in der Feudalgesellschaft, hg.v. G. Jaritz u. A. Müller (Frankfurt-New York 1988), 263-289. 35 Über vermeintliche Pilger vgl. neuerdings E.-R. lABANDE, Pelerins suspects ou authentiques vus par des poetes d'oil, Travaux et litterature Bd. 2 (Paris 1989), 7-22. 182 <?page no="191"?> Fürsten bis hinab zu Bettlern und Kriminellen. 36 Sie alle machten sich auf den Weg, und alle wollten von den besuchten Orten ein sichtbares Zeugnis mit nach Hause nehmen, das auf die Vollendung ihrer Pilgerfahrt hinwies. Diesem Anliegen verdanken die mittelalterlichen Pilgerzeichen ihre Entstehung. 37 Mittelalterliche Pilgerzeichen sind für uns erstmals in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts belegbar. Zu dieser Zeit bezeugt der Pilgerführer des Liber Sancti Jacobi, daß "im Paradies hinter dem Brunnen", d.h. vor dem Nordportal der Kathedrale von Compostela "crusille piscium idem inter signa beati Iacobi" zusammen mit anderem Reisebedarf an die Pilger verkauft wurden. 38 Abb. 29: Jacobus Maior mit zwei Pilgern. Frankfurt/ Main: St. Leonhards-Kirche. Tympanon des St. Jacobus-Portals (Osten). Sandstein, um 1220. Seit 1890 zugemauert. Herzlichen Dank für den Hinweis an F. Ferreiro Alemparte (Universität Frankfurt/ Main) (Foto: Ingeborg Limmer, Bamberg) 36 WI-IlTEfßLL, Liber Sancti Jacobi, Codex Calixtinus (wie Anm. 32), 149. 37 Zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema von K. KösTER, hier nur: Pilgerzeichen und Pilgermuscheln (wie Anm. 24). 38 WI-IlTEfßLL, Liber Sancti Jacobi, Codex Calixtinus (wie Anm. 32). Deutsche Übersetzung von K. HERBERS, Der Jakobsweg, Mit einem mittelalterlichen Pilgerführer unterwegs nach Santiago de Compostela (Tübingen 4 1991), 143. 183 <?page no="192"?> Peregrinatio ad limina Beati Jacobi Ich habe eingangs die Pilgerfahrt zum mutmaßlichen Grab des Apostels Jacobus in Galicien als d i e europäische peregrinatio bezeichnet und sie später als peregrinatio maior eingeordnet, zusammen mit Jerusalem und Rom. Wann trat nun Santiago de Compostela mit dem Grab des Apostels Jacobus, des ersten Blutzeugens unter den Aposteln, auf der heilsgeschichtlichen Bühne in Erscheinung? Vom 5. bis zum 11. Jahrhundert formte sich progressiv das, was wir heute als Sakralgeographie des okzidentalen Mittelalters kennen. Kirchliche Strukturen festigten sich, Heiligenkulte blühten auf, eine erste Welle häretischer Streitigkeiten wurde beigelegt und eine Vereinheitlichung der verschiedenen nationalen Liturgien im römischen Sinn fand statt. Der christliche Westen gewann ein eigenes Gesicht. In diesem Zeitraum bildeten sich auch die traditiones hispanicae, die die Grundlagen für den Jacobus-Kult und für die größte peregrinatio des Mittelalters legten. Es war vor allem das 8. Jahrhundert, in dem der Apostel Jacobus in eine "persönliche" Beziehung zur iberischen Halbinsel und damit zu Europa trat. Die Abwehrkämpfe des sich in der Nachfolge der Westgoten fühlenden kleinen christlichen Königreichs Asturien gegen die Mauren, die Bemühungen um Unabhängigkeit von dem toledanischen Primat und der daraus resultierende apostolische Anspruch der asturischen Kirche brachten im Verein mit dem Adoptianismus und der reservierten Haltung einer karolingischen Einflußnahme gegenüber ein spirituelles und psychologisches Klima zustande, dessen Materialisierung den Fund/ die Wiederentdeckung des Apostelgrabes zur Folge hatte. Gedeckt von der apostolischen Autorität und gefördert durch die christliche Reconquista der verlorenen iberischen Gebiete wurde eine Kultdynamik in Bewegung gesetzt, deren Konsequenzen bis in unsere Zeit reichen. 39 39 Über die Entwicklung des Jacobus-Kultes bis zum vermeintlichen Grabfund siehe u.a. 0. ENGElS, Die Anfänge des spanischen Jakobusgrabes in kirchenpolitischer Sicht, Römische Quartalschrift 75 (1980), 146-170; J. VAN HERWAARDEN, The Origins of the Cult of Saint James of Compostela, Journal of Medieval History 6 (1980), 1-35; DENGL., Saint James in Spain up to the 12th Century, Wallfahrt kennt keine Grenzen (wie Anm. 1), 235-247; R. PLörz, Der Apostel Jacobus in Spanien bis zum 9. Jahrhundert, Spanische Forschungen der Görresgesellschaft, 1. Reihe, Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 30 (Münster 1982), 19-145; DENGL., Traditiones Hispanicae Beati Jacobi, Santiago de Compostela, Ausstellungskatalog (Gent 1985), 27-39; M.C. DfAz Y DfAz, Literatura Jacobea hasta el siglo XII, II Pellegrinaggio a Santiago de 184 <?page no="193"?> Nach der Entdeckung des Apostelgrabes zu Zeiten des Bischofs Theodemiro von Iria Flavia und des Königs Alfons II. (789-842) bildete sich rasch ein Grabkult aus, der von Anfang an eine intensive Förderung durch die asturischen Könige erfuhr. Privilegien und Schenkungen, Kirchenbauten sowie die Beauftragung einer Mönchsgemeinschaft zur Betreuung des Kultes trugen dazu bei, daß der Jacobus-Kult bereits um 900 anfing, einen überregionalen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Mit der lokalen Pilgerbewegung im 9. Jahrhundert und dem Entstehen einer Ortschaft um die Aposteltumba setzte die urbane Entwicklung Compostelas zur geschäftigen und vielbesuchten Bischofs- und Handelsstadt des 12. Jahrhunderts ein. Die neue sakrale Bewegung erregte sogar im muslimischen Süden ein derartiges Aufsehen, daß sich der Heerführer Almanzor (997) veranlaßt fühlte, einen seiner berüchtigten Beute- und Kriegszüge gegen die Stadt mit dem einzigen im Westen bekannten Apostelgrab zu führen und bis auf das Grab alles zu verwüsten. 40 Jedoch kurz danach war der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Und seit der Jahrtausendwende mündet die Entwicklung des Heiligen Ortes mit dem Apostelgrab in die allgemeine Entwicklung des christlichen Abendlandes ein. Erst seit der Jahrtausendwende kann von einer Ausweitung der peregrinationes zu wahren Massenbewegungen gesprochen werden. Die religiösen Bedürfnisse nach den entmutigenden und stagnierenden Verhältnissen des 10. Jahrhunderts führten zu zahlreichen Translationen und neuen Reliquienschreinen: Im Jahr 1010 wurde der Überlieferung nach in St. Jean d'Angely das Haupt Johannes des Täufers entdeckt, 1037 sollen die Mönche von Vezelay die Reliquien der Hl. Maria Magdalena gefunden haben. Die Kirchen von Conques, Autun, Limoges, St. Gilles, Toulouse und Tours erfreuten sich regen Zulaufs. 41 Der Jacobus-Kult hatte von Anfang an zwei Dimensionen: eine französisch-europäische und eine spanische, die progressiv mit der Reconquista fortschritt. Beide Ausrichtungen der galicischen Sakralbewegung zeigten sich am deutlichsten zur Zeit des ersten Kreuzzuges gegen Ende Compostela e la Letteratura Jacopea. Atti de! Convegno Intemazionale di Studi (Perugia 1985), 225-250, u. DENCL., EI Codice Calixtino de la Catedral de Santiago (Monograffas de Cornpostellanum 2), Santiago de Cornpostela 1988, 11-32. 40 Zu der Entwicklung des Locus sanctus Beati Jacobi vgl. F. L6PEZ ALSINA, La Ciudad de Santiago de Compostela en la Alta Edad Media (Monograffas de Compostellanum 1), Santiago de Compostela 1988. 41 Vgl. R. PERNoun, Die Heiligen im Mittelalter. Frauen und Männer, die ein Jahrtausend prägten, Bergisch Gladbach 1988, spez. 14-18, u. L. ScHMUCCE, Die Anfänge des organisierten Pilgerverkehrs im Mittelalter, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 64 (1984), 9. 185 <?page no="194"?> des 11. Jahrhunderts. 42 Die peregrinatio, die der Jacobus-Kult hervorbrachte, dauerte als europäische und nationale Bewegung zur gleichen Zeit bis Ende des 18. Jahrhunderts. Als erste Pilger von auswärts gelten ein namenloser süddeutscher Kleriker (um 930), Bischof Gotescalc von Aquitanien im Jahr 950 und Abt Caesarius von Montserrat, der 959 in Compostela weilte. 43 Die erhöhte Mobilität der hochmittelalterlichen Gesellschaft und der ökonomisch-technische Aufschwung förderten im Verein mit sozialen und rechtlichen Veränderungen, kirchlichen Initiativen und religiöser Erneuerung und besserer Betreuung der Pilger im Hospitalwesen die Entwicklung der Pilgerfahrt zur Massenbewegung. Abb. 30: Jakobus "apostolus et peregrinus". Köln: ehemal. Standort im Petrus-Portal des Doms (Westseite des Südturms), heute im Diözesan-Museum Köln. Stein, ca. 1375- 1380. (Foto: M. Vollmer, Essen) Für die peregrinatio ad limina Beati Jacobi speziell waren noch die Bemühungen Ounys um die Reconquista (Wiedereroberung) und die Repoblacion (Wiederbevölkerung) sowie die Anlage eines gesicherten Weges durch Alfons VI. von Kastilien-Le6n und Sancho Ramirez von Navarra und Aragon gegen Ende des 11. Jahrhunderts von Bedeutung, ferner besonders die von Bischof Gelmirez geförderte Annäherung der spanischen Kirche an Rom. 44 Im 13. Jahrhundert ist die Compostela-Fahrt zur Massenbewegung geworden, die auch die ärmeren Schichten miteinbezog. Der Pilger 42 Vgl. PLÖTZ, Deutsche Pilger (wie Anm. 11), 6f. 43 Ebd., 10, und K. HERBERS, El primer peregrino ultrapirenaico a Compostela a comienzos del siglo X y las relaciones de la monarqufa asturiana con Alemania del sur, Compostellanum XXXVI (1991), 255-264. 44 Vgl. PLärz, Strukturwandel der peregrinatio (wie Anm. 22), 130-147, u. DENGL., Santiago-peregrinatio und Jacobus-Kult (wie Anm. 22), 47-54. Zur Wegsicherung F. L6PEZ ALSINA, The Development of the Camino de Santiago in Castile and Le6n between 850 and 1050, The Santiago de Compostela Pilgrim Routes, Architectural Heritage Reports and Studies, Nr. 16 (Strasbourg 1989), 48-54. 186 <?page no="195"?> beherrscht das Straßen- und Verkehrsbild im christlichen Westen, sein Patron Jacobus ist zugleich Pilger und Wegepatron. 45 Pilgerführer entstanden und Mirakelberichte wurden gesammelt (z.B. im Codex Calixtinus), die höfische Epik und die Karlstradition verbanden sich mit dem Jacobus-Kult, Bruderschaften kümmerten sich um die Pilger, ganze Gewerbe wie die Azabacheros (Gagat-Schneider), die Silberschmiede und Gastwirte lebten gerade in Compostela von den und durch die Pilger, Architektur und Kunst tauschten sich entlang der Sakralschienen Europas von und nach Compostela aus, Pilgerlieder und -romanzen entstanden: Jacobus war omnipräsent im religiösen Leben Europas bis weit in die Neuzeit hinein. 46 Das Hochmittelalter war für den Okzident eine Epoche großer Beweglichkeit. Gewiß hatte der Westen schon immer Unruhige und Reisende gekannt, wobei es sich jedoch im allgemeinen nur um eine privilegierte Minorität handelte: Krieger, Mönche, Hochadel oder Einzelgänger. Nach der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gewinnt dieser Vorgang der Mobilität sowohl quantitativ wie auch qualitativ ein anderes Aussehen. Soziale und religiöse Änderungen und Ideen, eine neue Art von Volksfrömmigkeit, rechtliche Neuerungen, technischer und wirtschaftlicher Aufschwung und viele Komponenten mehr, die wir vorher aufzeichneten, führten zu einer Allgemeinheit und Vielfältigkeit dieses Umherziehens wie in keiner Zeit zuvor. Fast in jeder sozialen Schicht, und das ist eine wesentliche Neuerung, wird das Umherstreifen, das Wandern, die Suche zu einer Notwendigkeit, einer Gewohnheit, einem Ideal. Ritter ziehen aufiiventiure, suchen den Gral. Einsiedler suchen eine Einöde nach der anderen heim, Wanderprediger lehren und bezeugen ständig an anderen Orten das wahre apostolische Leben. Auch Schüler und Studenten befinden sich auf den Straßen des Exils und des Herumirrens. Der Kaufmann und Händler ist in dieser Zeit des aufblühenden Fernhandels ständig unterwegs. 47 45 Es ist erstaunlich, daß in der ikonographischen Entwicklung der Apostel Jacobus in Gestalt eines Pilgers nicht vor dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts (D. Berenguel de Landoria) in Compostela zu finden ist (S. MORALEJO ALVARFZ, Arte de! Camino de Santi.ago y Arte de Peregrinaci6n (ss. XI-XIII), EI Camino de Santiago (wie Anm. 34), 15). Über die Ikonographie allgemein: R. PLöJZ, Imago Beati. Jacobi, Wallfahrt kennt keine Grenzen (wie Anm. 1), 248-264, u. J.K. STEPPE, De iconografie van de Heilige Jacobus de Meerdere (Santi.ago), Santi.ago de Compostela, Ausstellungskatalog (wie Anm. 39), 129-152. 46 Vgl. VAZQUEZ DEPARGA, Lasperegrinaciones (wie Anm. 32), Bd. 1 passim, u. Santiago de Compostela, Ausstellungskatalog (wie Anm. 39) mit Artikeln von V AZQUEZ DE PARGA, PLöJZ, l.6PEZ, ALSINA, BoNET CoRREA, VAN HERWAARDEN, KÖSTER, SJGAL, LA CosTE-MFSSELIERE, DURLJAT, DfAz y DtAz, CAucCJ VON SAUCKEN, FiLGUEJRA VALVERDE und L6PEz-CAw zu den verschiedenen Aspekten. 47 Vgl. R. PLÖ1Z, La peregrinatio como fen6meno altomedieval. Definici6n y Compo- 187 <?page no="196"?> Das Phänomen aber, das in höchstem Grad die Mobilität der Gesellschaft jener Zeit widerspiegelt, das alle Stände auf die Wege treibt und sie mit Fernweh und religiösem Verlangen füllt, ist die Pilgerfahrt. In der harten und schmutzigen Wirklichkeit der Straßen fanden die Menschen des 11./ 12. Jahrhunderts die tiefere Bedeutung ihres Glaubens, ihnen schien das Leben des Pilgers das christliche Leben schlechthin zu sein. Denn was ist der Christ anders als ein ewig Wandernder, der nirgends zu Hause ist, ein Vorübergehender auf dem Weg zum neuen Jerusalem. Die peregrinatio ad limina Beati Jacobi stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der christlichen peregrinatio dar. Im Zentrum des Kultes steht der Hl. Jacobus, nicht Christus, nicht das Kreuz und nicht die Kirche. Jacobus ist, wie es deutlich in der ikonographischen Entwicklung sichtbar wird, Pilgerpatron und Pilger zugleich. 48 Und hier führen die Stränge wieder dorthin zurück, wo man Christus als Pilger sieht, wo Christus in der Zeit um 1100 sich als Pilger in der Emmaus-Szene in der christlichen Ikonographie manifestiert. 49 Es kann auch kein Zufall sein, daß sich schottische Mönche unter dem Zeichen des Apostels Jacobus auf dem Festland ansiedeln, die peregrinatio pro Christo beenden und damit dievita peregrinationis. 50 Für die Pilgerfahrt nach Compostela mag es für die spätere Entwicklung nicht zuletzt bedeutsam sein, daß Santiago de Compostela Wunder- und Pilgerstätte zugleich ist, primär jedoch Wunderstätte. Die Überreste des Apostels wurden unter wunderhaften Umständen aufgefunden, der Liber miraculorum gibt Aufschluß über viele vollzogene wunderhafte Begebnisse. In vieler Hinsicht entsprach die Gnadenstätte genau dem, was die Volksfrömmigkeit, die "subversive" Frömmigkeit, nentes, Compostellanum XXIX (1984), 239-265, spez. 264f., L. 5cHMuGGE, Pilgerfahrt macht frei - Eine These zur Bedeutung des mittelalterlichen Pilgerwesens, Römische Quartalschrift 74 (1979), 17-31, u. J. LE GoFF, Das Hochmittelalter (Fischer Weltgeschichte 11), Frankfurt/ Main 1965, 9ff. 48 Allerdings nur außerhalb Compostelas. Vgl. die Literatur in Anm. 45. Bezeichnenderweise erscheint Jacobus als Pilger mit Muschel zuerst in Santa Marta de Tera (Provinz Zamora - 12. Jahrhundert), einem damals sehr bekanntem Kloster. 49 Über die Bedeutung der Emmaus-Szene für die Ikonographie des Pilgers vgl. MoRA- LEJO, Arte de! Camino de Santiago (wie Anm. 45), 17, DENGL., EI Oaustro de Silos y el arte de los Caminos de Peregrinaci6n, in: El romanico en Silos, IX Centenario de Ja consagraci6n de la iglesia y claustro 1088-1988 (Burgos 1990) 2CB-215, spez. 205, u. R. PLörz, Indumenta Peregrinorum - L'equipement du pelerin jusqu'au XlXe siede, Les traces du pelerinage ii. Saint-Jacques-de-Compostelle dans Ja culture europeenne, Patrimoine culturel, n° 20 (1992), 46-54. 50 Vgl. PLÖTZ, Peregrini - Palmieri - Romei (wie Anm. 20), G. CoNSTABLE, Monachisme et pelerinage au Moyen Age, Revue Historique 258 (1977), 3-27, u. G. ZIMMERMANN, Patrozinienwahl und Frömmigkeitswandel im Mittelalter, T. 1, Würzburger Diözesangeschichtsblätter 21 (1959), 36. 188 <?page no="197"?> die Frömmigkeit "von unten", sich von einer Wunderstätte versprach. In viel stärkerem Maß als die Rom- und Jerusalem-peregrinatio muß die "peregrinatio ad Sanctum Jacobum" für die mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Menschen im Abendland eine besondere Stellung eingenommen haben. Der Apostel Jacobus war für sie in Legende und Kult ein moderner, attraktiver Heiliger, "ein Frühlingsbote" der Volksfrömmigkeit, wie ihn Rom nicht zu bieten hatte, dessen Peter- und Pauls-Überlieferungen in gewisser Hinsicht demgegenüber zu "alt", zu sehr in liturgischen Formen erstickt schien, um noch als "wunderbar" Abb. 31: Jacobus "apostolus, martyr et peregrinus". Telgte/ Westfalen: Probsteikirche St. Clemens. Sandstein, um 1460. (Foto: D. Nothoff, Gütersloh). Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Schnell & Steiner. empfunden zu werden. 51 Für die Hinwendung der Massen zu Gott und den Heiligen ist in der Aufbruchsstimmung vor allem des 11. und 12. Jahrhunderts eines gerade seine Identität gefunden habenden christlichen Westens die Figur des Apostels und Pilgers Jacobus der Identifizierungspartner, den die Volksfrömmigkeit brauchte und akzeptierte. 52 Auch im Bewußtsein des spätmittelalterlichen Menschen nimmt das Apostelgrab im fernen Westen noch einen hohen Stellenwert ein. Sebald Ilsung aus Augsburg bemerkt in dem Bericht über seine Pilgerreise nach Compostela (1446-48), daßabgesehen vom Heiligen Land dorthin die meisten Pilger kämen. 53 51 0ÜNNINGER, Processio peregrinationis (wie Anm. 20), 67f. 52 Die einem Kult zugrundeliegenden geistig-religiösen Haltungen verlaufen vom unreflektierten und rein sinnfälligen Vorstellungsvermögen (Devotion) bis zu den Höhepunkten der Reflexion und Spiritualität (Pietät). Vgl. Ptörz, Santiago-peregrinatio und Jacobus-Kult (wie Anm. 22), 27-29. 53 "Da ist die grest fart, die in der kristenhaid ist, an zuo dem halgen grab" (V. 189 <?page no="198"?> Über die Resonanz der peregrinatio ad Sanctum Jacobum im ausgehenden Mittelalter läßt sich aufgrund nur sporadisch vorliegender Forschungsarbeiten weniger sagen. Gewiß ist nur, daß es für das 15. Jahrhundert weitaus mehr Belege über Pilger nach Compostela gibt als für jedes einzelne Jahrhundert davor und danach. 54 Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß die traditionelle peregrinatio der Franzosen nach Compostela gerade im 15. Jahrhundert einen beträchtlichen Aufschwung nahrn. 55 Vor allem die Konzilien von Konstanz (1414-1418) und Basel (ab 1431) waren für die Zunahme der Pilgerbewegung aus Mittel- und Oberdeutschland von großer Bedeutung. 56 Auch zu Beginn des 16. Jahrhunderts sind zahlreiche Pilger bis hin nach Danzig und Reval nachweisbar. Von Hamburg aus (1506 und 1510) und Stralsund (1508 und 1518) segelten Schiffe mit einigen Hundert Pilgern an Bord nach Galicien. Aus fast allen Regionen und Sprachgebieten Europas kamen die Pilger nach Compostela, um ihrem Patron und Heiligen Referenz zu erweisen. 57 Selbst aus den skandinavischen Ländern kamen im 15. Ja~hundert nach neueren Forschungen 58 zahlreiche Pilger nach Compostela. Für Ungarn und Polen liegen noch keine ausführltchen Berichte vor. Die aligemeine Aufwertung des Pilger- und Wallfahrtswesens, die sich im 15. und frühen 16. Jahrhundert vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas, wie in England z.B. beobachten läßt, brachte sowohl für die Jerusalernfahrt als auch für die peregrinatio ad limina Beati Jacobi einen Höhepunkt nicht nur im populären Pilgerverständnis. Papst Sixtus IV. dekretierte 1478, daß sich der Heilige Stuhl ausdrücklich das Recht vorbehalte, von einem Gelübde "peregrinationis ultrarnarinae, et visitationis liminumApostolorum Petri et Pauli, in Com- HoNEMANN, Sebastian Ilsung als Spanienreisender und Santiagopilger, Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (wie Anm. 11) 90, XIV, 14f.). 54 Vgl. I. Mmcx, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela zwischen 1400 und 1650. Resonanz, Strukturwandel und Krise, Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens, 1. Reihe, Bd. 29 (Münster 1978), 483-533, hier 487-491, u. W. SrARKIE, The Road to Santiago. Pilgrims of St. James (London 1957), 45. 55 Vgl. die Aufzählung für Nordfrankreich und Belgien bei A. GEORGE, Le pelerinage ä Compostelle en Belgique et dans le Nord de la France, suivi d'une etude sur l'Iconographie de saint Jacques en Belgique, (Memoires de l'Academie Royale de Belgique, Gasse des Beaux-Arts 2• serie, Bd. 13), Brüssel 1971, 105f., 152f., u. die Ausführungen von MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 492. 56 Unter Teilnahme vieler Spanier. Vgl. K. HÄBLER, Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach und die Pilgerreisen der Deutschen nach Santiago de Compostela (Straßburg 1899), 41-53, 78-83. 57 Ebd., 30-40. 58 Siehe den Beitrag von Chr. l<RörZL (Wege und Pilger aus Skandinavien nach Santiago de Compostela) im gleichen Band. 190 <?page no="199"?> Abb. 32: Jacobus "coronatio peregrinorum" (Zentrum). Winnenden: Evang. Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere. Hochaltar, auch mit einer Darstellung des Hühner- oder Galgen-Mirakels. Lindenholz, um 1520. (Foto: F. Tiedje, Paris) 191 <?page no="200"?> postela" 59 zu dispensieren. In einem Atemzug befinden wir uns wieder in der Konstellation des Hochmittelalters mit den drei peregrinationes maiores. Kontinuität im Wandel! 60 Der zu beobachtende neue Aufschwung der Pilgerfahrt nach Compostela an der Schwelle zur Neuzeit verband sich gleichzeitig mit strukturellen Änderungen. Die in der Siete Partidas im späten 13. Jahrhundert ausgedrückte Definition "Peregrinatio fit tripliciter: voluntarie, ex voto, et ex poenitentia" 61 traf nur noch teilweise zu und erfaßte nicht mehr die strukturellen Änderungen der Zeit des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. In weitaus stärkerem Maß als früher waren Pilger per condemnationem et per delegationem 62 unterwegs. Abb. 33: Pilgermuscheln auf Wappenschild. Cappenberg/ Westfalen: Stiftskirche. Chorgestühl, Eiche, 1509-1522. 59 Corpus luris Canonici, Teil II, hg. v. E. F'RIEDBERC (Leipzig 1879) Neudruck Graz 1955, Extravag. Comm. Lib. V, tit. IX, cap. V, 1309. 60 Nach einem Titel von 1. MIECK (Kontinuität im Wandel. Politische und soziale Aspekte der Santiago-Wallfahrt vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Geschichte und Gesellschaft 3 (1977), 299-328). 61 Las Siete Partidas I, 24, ! ex 1, Los codigos espafioles concordados y anotados, Bd. 2 (Madrid 1848), 314. 62 Vgl. dazu die ausführliche Darstellung bei MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de C.ompostela (wie Anm. 54), 501-508. 192 <?page no="201"?> Auch der neue Typ des peregrino caballeresco 63 und der adeligen Reisegesellschaften, für die die Pilgerfahrt einen angenehmen Zeitvertreib, ein letztes höfisches Abenteuer darstellte, kristallisiert sich erst jetzt klar heraus. Dem Sachsenherzog Heinrich (1539-41), später der "Fromme" genannt, war seine Santiago-Fahrt gewiß kein religiöses Bedürfnis, denn so sollen zwei Begleiter überliefert haben - "Schlemmen war auf solcher Reise ... die beste Andacht und Ablaß." 64 Und wie soll man schließlich einen Pilger be- oder verurteilen, der in seinem Reisebericht notiert, was "schoin junfrau kumpt bij mich slaeffen" auf baskisch heißt? 65 Einen zweiten neuen Pilgertypus stellten die wohlhabenden Patrizier aus oberdeutschen Städten dar, für die die Pilgerfahrt zum hl. Jacobus im Rahmen einer Informations- und Bildungsreise stand, bei der nicht selten geschäftliche Interessen vertreten wurden, wie es bei Nicolaus Rummel aus Nürnberg im Jahr 1408/ 09 der Fall war. 66 Abervorallemdiezahlreichen Strafpilgerfahrten, die als Instrument weltlicher Gerichtsbehörden damals eine ausgesprochene Blütezeit erlebten, schickten Tausende von größeren und kleineren Verbrechern auf die Pilgerstraßen in Europa. Die Skala der Verbrechen reichte von Mord und Todschlag, Raub und Diebstahl bis hin zu Beleidigungen und Schmähungen. 67 In der Stadt Mechelen z.B. reichte nächtliches Straßenlännen aus, um den Störenfried nach Compostela zu schicken. 68 Zur Hebung der Würde des Pilgerwesens hat eine solche peregrinatio poenaliter causa natürlich ebenso wenig 63 Vgl. PLörz, Deutsche Pilger nach Santiago de Compostela (wie Anm. 11), 24-26. 64 R. RÖHRICHT, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Land (Innsbruck 2 1900), 199. Vgl. MIECI<, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 500, Anm. 7 u.8. 65 Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff von Cöln durch Italien, Syrien, Aegypten, Arabien, Aethiopien, Nubien, ~alästina, die Türkei, Frankreich und Spanien, hg. v. E. VON GROOTE (Cöln 1860), 227. Uberhaupt scheint Arnold von Harff manchmal in Freudenhäusern genächtigt zu haben, wie es auch andere Sprachproben belegen (Ebd. 64, 76, 112 u. 189). Vgl. H. BECKERS, Die Reisebeschreibung Arnolds von Harff, Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (wie Anm. 11), 51-60. 66 Siehe K. GRUBER, Nicholaio Romolo da Noribergho. Ein Beitrag zur Nürnberger Handelsgeschichte des 14./ 15. Jahrhunderts aus dem Archivo Datini in Prato (Toskana), Mitteilungen des Vereins für die Geschichte der Stadt Nürnberg 47 (1956), 416- 425. Zu den Pilgerfahrten der Nürnberger Patrizier siehe PLörz, Santiago-peregrinatio und Jacobus-Kult (wie Anm. 22), 101-105, 109-112. 67 Aus der umfangreichen Literatur: L. CARLEN, Wallfahrt und Recht im Abendland (Kirche und Staat 23), Fribourg 1988, J. VAN HERWAARDEN, Opgelegde Bedevaarten. Een studie over de praktijk von opleggen van bedevaarten (met name in de stedelijke rechtspraak) in de Nederlanden gedurende de late middeleeuwen (ca. 1300 ca. 1550) (Van Gorcums Historische Bibliotheek nr. 95, Amsterdam 1978), u. MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 502-505. 68 L.-Tu. MAF.S, Mittelalterliche Strafwallfahrten nach Santiago de Compostela und Unsere Liebe Frau von Finisterra, Rechtshistorische Forschungen. Festschrift G. K! SCH (Stuttgart 1955), 102. 193 <?page no="202"?> beigetragen wie die peregrinatio delegata, die dazu führte, daß manche "Bettler geradezu ein Geschäft daraus gemacht haben, für andere Bußfahrten zu thun" . 69 Noch ärgerlicher aber waren die Mißstände, die auf den Pilgerstraßen selbst zu beobachten waren. Hier begegneten freiwillige und unfreiwillige Pilger den Scharen arbeitsloser oder nur saisonbeschäftigter Landstreicher und einer wahren Heerschar von Bettlem. 70 Eine Unterscheidung der sich aus den verschiedensten Motiven auf der Straße Befindenden wurde immer schwieriger. 1523 bestimmte der Rat von Bern, das an der von Einsiedeln nach Frankreich führenden "Ober straß" lag, "die Lands-, Kriegs- und Jacobsbettler, Husierer, Heiden ... und derglychen Leut hinweg ze wysen, sie nit behusen, beherbergen noch Unterschlouf geben." 71 Stadtverordnungen in ganz Europa, sei es in Douai, Compostela selbst (1503) oder in der Tiroler Landesordnung von 1532 spiegeln die gleiche Tendenz wider. 72 Der vielfach zitierte Niedergang der peregrinatio nach Compostela, die Dekadenz der Pilgerfahrt setzt hier ein, allerdings nicht in quantitativer Hinsicht. Es sind die tiefgreifenden Veränderungen qualitativer Beschaffenheit, deren extreme Erscheinungsformen Idee und Praxis der Pilgerfahrt schließlich pervertierten. 73 Seit dem 15. Jahrhundert waren das Zurücktreten der peregrinatio religiosa und die Tendenzen zur Entpersönlichung und Veräußerlichung der Pilgerfahrtspraktiken nicht mehr zu übersehen. Dazu tragen natürlich auch Zeitumstände wie zu wenig Arbeitsplätze bei, das Wiederansteigen der Bevölkerung und die daraus resultierende Arbeits- 69 HÄBLER, Das Wallfahrtsbuch (wie Anm. 56), 33. 70 Vgl. MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 508f., u. Fernand BRAUDEL, Die Geschichte der Zivilisation. 15. bis 18. Jahrhundert, Kindlers Kulturgeschichte (München 1971), 63f. 71 Anshelms Berner Chronik, Bd. 6 (Bern 1833), 223. Vgl. MIECK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 509 u. Anm. 70, der nach L. Uhland zitiert (Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage, hg. v. W. LUDWIG, Bd. 4 (Stuttgart 1868), 316). 72 Vgl. MIECK (wie oben), 509, u. zu den Tiroler Landesordnungen neuerdings F.-H. HYE, Tirol und die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela (im gleichen Band). 73 Die folgenden Ausführungen beruhen zum größten Teil auf den schon mehrfach zitierten Forschungsergebnissen von I. MIECK (Anm. 54 u. 60), der sich bisher als einziger in größerem Umfang mit der Compostela-Pilgerfahrt der Neuzeit beschäftigt hat. Weitere Hinweise u.a. bei TH. D. KENDRICK, Saint James in Spain (London 1960) 181-192, in den Regionalstudien von R. HENGGELER, S. Jacobus Major und die Innerschweiz, Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 1. Reihe, Bd. 20 (1962), 283-294. A. GEORGE (Anm. 55) u. R. PLÖTZ (Santiago-peregrinatio: Anm. 22), bei L. OiATELLIER, Sint-Jacobus pelgrims in de Nieuwe Tijd, Pelgrims door de eeuwen heen. Santiago de Compostela, hg. v. J. VAN HERWAARDEN, Tumhout 1985, 205--220, in der Bibliographie von J. GUERRA CAMPOS (Bibliograffa (1950-1969). Veinte afios de Estudios Jacobeos, Compostellanum 16 (1971), 575-736), u. im Korpuswerk von A. L6PEZ F'ERREIRo '(Historia de la S.A.M. Iglesia de Santiago de Compostela, 11 Bde. (Santiago de Compostela 1898-1909), bes. ab Bd. 7. 194 <?page no="203"?> losigkeit, Bandenunwesen vor allem entlang der französischen Wege,7 4 Pilgerkriminalität und eine seit dem 15. Jahrhundert verstärkt einsetzende Kritik an der peregrinatio selbst. 75 Die genannten Symptome lassen sich ausnahmslos schon in der vorreforrnatorischen Zeit nachweisen. Zwar kennt das konfessionell gespaltene Europa ab dem 16. Jahrhundert fortan pilgerfahrtsfreie Räume, die als Einzugsgebiet für die peregrinatio ad Sanctum Jacobum wegfielen, auch hatten Pilger, deren Weg protestantisches Territorium berührte, mit erhöhten Schwierigkeiten zu rechnen, aber dies alles berührt nur die quantitative Seite der Santiago-peregrinatio. Weder die zunehmenden Säkularisationstendenzen, noch die Kritik an der Pilgerfahrt, noch der Wegfall der protestantisch gewordenen Einzugsgebiete haben die Santiago-peregrinatio als Institution ernsthaft erschüttern können. Es gab keinen rapiden Verfall, wohl aber eine langsam fortschreitende ideelle und materielle Aushöhlung. Erst als im Lauf des 16. Jahrhunderts neue Faktoren auftraten, beschleunigte sich die Entwicklung: die wirkliche Krise der peregrinatio ad limina Beati Jacobi stand aber noch bevor. 76 Ich beschränke mich auf eine kurze Auflistung dieser Faktoren, zumal noch umfassende Grundlagenforschung dazu geleistet werden muß. 1. Die spanische Inquisition, deren abschreckende Wirkung und aufdringliche Bespitzelung viele Fremde von einem Besuch der Heiligen Stätte abhielt. 2. Das gespannte Verhältnis zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg, das in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehrere bewaffnete Auseinandersetzungen auslöste, die u.a. das burgundische Gebiet und den Pyrenäenraum, durch die wichtige Pilgerrouten liefen, zu unmittelbar betroffenen Konfliktzonen machten. 3. Der 40jährige Bürgerkrieg, der in der zweiten Jahrhunderthälfte Frankreich erschütterte. 4. Besonders gravierend für den Pilgerverkehr war es, daß sich gerade die südlichen Landesteile mehr oder minder fest in protestantischer Hand befanden: Languedoc, Gascogne, Bearn, das Königreich Navar- 74 Vor allem die Gegend um Poitiers war für ihr Bandenunwesen berüchtigt, trieb dort doch Regnier de Montigny, ein Freund von Francois Villon, sein Unwesen. Vgl. E. GINOT, Dix siecles de pelerinage a Compostelle. Les chemins de Saint-Jacxiues en Poitou, Memoires de Ja Societe des antiquaires de J'Ouest, 3e serie, tom. 5 (1911), 54. 75 U.a. durch Erasmus von Rotterdam, Thomas von Kempen, Nicolaus von Cues, Bernardino Ochino aus Siena u. Martin Luther. Vgl. MmCK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 514-517, u. V AzQUEZ DE PARGA, Las peregrinaciones (wie Anm. 32), Bd. 1, 111-117. 76 Dazu MmcK, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie oben), 517 f., dessen Ergebnisse auch in die folgende Auflistung einbezogen wurden. 195 <?page no="204"?> re und die Grafschaft Foix. Der Zugang zu den beiden wichtigsten Pyrenäenübergängen führte durch hugenottisches Gebiet. 5. Auch die Kämpfe in den Niederlanden, der sogenannte 80jährige Krieg, und die Erneuerung der direkten Konfrontation Spaniens mit Frankreich haben die äußeren Bedingungen jeder Pilgerfahrt nach Compostela bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts alles andere als erleichtert. 77 6. In der konkreten sozialen Realität vollzog sich in dem hier behandelten Zeitraum der Prozeß einer zunehmenden Pauperisierung breiter Bevölkerungsteile Europas. Die Problematik des Millionenheeres der Armen in den Städten und auf den Landstraßen, die unzähligen Eigentumsdelikte und Gewalttaten umherziehender Landstreicher und Bettler sowie das Bandenwesen, machte ein scharfes Eingreifen der Behörden unerläßlich, führte letztendlich zu einer Bürokratisierung der Pilger, und, schlimmer noch, rief in allen Bevölkerungsteilen eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Mißachtung hervor, die der Pilgerpraxis ungemein abträglich war. Die Pilgerfahrt wurde mehr oder minder zu einer Domäne der Armen. Auf diese Massen der Arbeitslosen, der Bettler und Vagabunden aus dem In- und Ausland übten die caritativen Einrichtungen entlang des camino de Santiago eine geradezu magische Anziehungskraft aus, boten sie doch eine gewisse Chance des Überlebens. 78 7. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts geriet auch die spezifisch iberische Variante der Jacobus-Tradition in eine Krise. Der innerspanische Streit um das Patronat "de las Espafias", bei dem die Santiago- Partei als umstrittener Sieger hervorging, dürfte der Pilgerfahrt nicht gerade förderlich gewesen sein. 79 Trotz dieser vielfältigen Erscheinungsformen einer materiellen und moralischen Krise war jedoch noch kein "Schwanengesang" der Pilgerfahrt ad sanctum Jacobum angebracht. Die Krise war zwar tiefgehend, aber nicht tödlich. Vor allem die Jacobus-Bruderschaften im flandrischen Raum, in Frankreich und in den katholischen Gebieten Deutschlands und der Schweiz hielten der gewachsenen Attraktivität des Jacobus- 77 Ebd., 518-520. 78 Vgl. F. BRAUDEL, der von "misere et banditisme" spricht (La Mediterranee et le monde mediterraneen a l'epoque de Philippe 11, 2. verbesserte Aufl. (Paris 1966), Bd. 2, 75-94. 79 Zu der Auseinandersetzung, die zwischen den Anhängern der 1614 seliggesprochenen Teresa von Avila und der Santiago-Partei zwischen 1614 und 16.30 heftig geführt wurde, siehe LöPEZ F'ERREIRo, Historia (wie Anm. 73), Bd. 9, 55-60, u. l<ENDRICK, Saint James in Spain (wie Anm. 73), 60-68. Ebenso zum Co-Patronat der hll. Michael, Josef und Jenaro: LÖPEZ F'ERRE! Ro, Historia (wie oben), Bd. 9, 100f., 178 u. 252f. 196 <?page no="205"?> Kultes die Stange und förderten weiterhin die peregrinatio nach Compostela. 80 Von der Jacobus-Bruderschaft im französischen Maubeuge erhielten in den Jahren 1628 bis 1632 z.B. mehr als 280 Jacobus-Pilger eine "passade", d.h. einen Geldbetrag für Abendessen und Übernachtung. 81 Auch die zahlreichen Flüchtlinge aus Irland, die vor dem Terror-Regime Cromwells in Compostela Zuflucht suchten, belegen die herausragende Stellung, die das Apostelgrab im Bewußtsein des europäischen Katholizismus noch einnahm. 82 Weiterhin trug das neu gewonnene Selbstverständnis der Kirche nach dem Tridentinum wesentlich zur Überwindung der Krise bei. Das Dekret über Heiligen- und Reliquienverehrung bot, obwohl es nicht ausdrücklich auf Pilgerfahrten einging, eine genügend tragfähige Grundlage zur Verteidigung des Pilgerwesens. Ausfluß davon sind die bekannten Streitschriften von Richeöme (Paris 1605) und Gretser (Ingolstadt, 1606). 83 Da auch die Kriege, die Mittel- und Westeuropa so lange erschüttert hatten, abklangen und die Verkehrswege sicherer wurden, konnte um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein deutlicher Aufschwung der alten europäischen Pilgerfahrt registriert werden. In ihrer Rückkehr zur peregrinatio religiosa fand die Santiago-Pilgerfahrt zu einem bescheideneren, aber auch ehrlicheren Charakter. Im Jahr 1717 kamen bereits wieder so viel Pilger nach Compostela, daß die Zahl der Beichtväter nicht ausreichte. 84 Die Santiago-Pilgerfahrt erreichte im vorrevolutionären Jahrhundert einen neuen Höhepunkt! Er hielt auf relativ hohem Niveau bis zurfrühen Mitte des 18. Jahrhunderts an, wie wir der chronologischen Aufstellung der finanziellen Unterstützung, die die Stadt Compostela in den Jahren von 1603 bis 1777 bedürftigen Pilgern zukommen ließ, entnehmen können. 85 80 Vgl. MIEa<, Zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela (wie Anm. 54), 530, u. J. SECRET, Saint-Jacques et les chemins de Compostelle (Paris 1955), 15f. 81 A. JENNFl'IN, Histoire de la ville de Maubeuge depuis sa fondation jusqu'en 1790, Bd. 2 (Maubeuge 1909), 616. 82 Vgl. L6PFZ F'ERRE! Ro, Historia (wie Anm. 73), Bd. 9, 116-120, u. J. ßUOIAN, Oliver Cromwell, (London 18 1957), 355f. 83 L. RlCHEÖME, Defense des pelerinages contre le traducteur d'une lettre pretendue de saint Gregoire de Nisse sur les pelerinages de Jerusalem. Avec ung Discours des saints reliques et ung autre des Richesses (Paris 1605). Vgl. dazu: B. KörnNG, Gregor von Nyssas Wallfahrtskritik, Studia Patristica 5 (1962), 360-367. J. GRETSER, De sacris et religiosis peregrinationibus libri quatuor (Ingolstadt 1606), spez.: De peregrinatione ad 5. Jacobum Apostolum (224ff.). Dazu: G. ScHREIBER, Strukturwandel der Wallfahrt, in: Wallfahrt und Volkstum in Geschichte und Leben (Forschungen zur Volkskunde 16/ 17), Düsseldorf 1934, 61, 117. 84 Constituciones Capitulares der Kathedrale von Santiago de Compostela (L6PFZ F'ERREI- RO, Historia (wie Anm. 73), Bd. 10, 9). 85 Die Angaben befinden sich in den Actas Capitulares der Kathedrale über dem Apo- 197 <?page no="206"?> Abb. 34: Entlassungsvermerk für den Bamberger Pilger Juan Nicolas Rote vom 24. Juni 1717. Krankenbücher des "Hospital de los Reyes Cat6licos", Santiago de Compostela. Liber 27, fol. 2'. (Foto: R. Plötz, Kevelaer) Auffallend ist der Rückgang der Pilgerzahlen in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Auch hier spielen wieder die politischen Verhältnisse in Europa eine Rolle. Der polnische Thronfolgerkrieg (1733-35) und der österreichische Erbfolgekrieg (1740-48) dürften dafür die Ursache sein und wirkten sicherlich auf potentielle Compostela-Pilger abschrekkend. 86 Dies dürfte auch für die ersten Jahre des Siebenjährigen Krieges (1756-63) zutreffen. Aufschluß über Pilger von jenseits der spanischen Grenze in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geben z.B. die schon erwähnten Actas Capitulares des Kathedralarchivs von Compostela. 87 Noch für die Jahre 1761 bis 1777, also nach den oben erwähnten kriegerischen Ereignissen, führen sie Pilger aus England, Italien, Portugal, Polen-Litauen, stelgrab. Siehe EBD., Bd. 9, Apendic: es XXXIII (156-167) von 1603-1704, Bd. 10, Apendic: es XXIX (127-137) von 1705-1777. Vgl. MIEcK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 312-315. 86 MIECK macht darauf aufmerksam, daß Kriegsschauplätze "bekanntlich u.a. das Rheinland, Lothringen, Norditalien und der flandrisch-niederländische Raum alles Gebiete, die als wichtige Einzugsbereiche der Santiago-Wallfahrt anzusehen sind", gewesen wären (Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 315, Anm. 74). 87 Vgl. Anm. 85. 198 <?page no="207"?> e• . .,. rJrU ,·Juy&. OIM.l: r~ ,._ ~- .ut,_"~ " L".,../ "- Abb. 35: Galantes Paar. "Pelerins de l'Isle de Cithere". Kupferstich, Paris, 1. Hälfte 18. Jahrhundert. Ungarn und dem Libanon auf. Die Wertschätzung, der sich die Stadt des Apostels Jacobus vor der französischen Revolution noch bei der katholischen Prominenz erfreute, belegen die Besuche von Maria Anna von Pfalz-Neuburg (1690), die designierte (zweite) Gattin Karls II. von Spanien 88 , des englischen Thronprätendenten Jakob (III.) Stuart (1719, 1672 zum Katholizismus konvertiert) sowie des Herzogs von Orleans (1775), der später als Philippe-Egalite Mitglied des Konvents war. 89 Nicht in Compostela waren Stanislaus Leszcinski, die Madame von Pompadour und die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, die sich, einer höfisch-erotischen modischen Strömung folgend, als "pelerins de l'amour'' oder "pelerins de Cythere" mit der Jakobsmuschel porträtieren ließen. 90 88 Die Reise der Königin (1689 Prokurationstrauung in Neuburg an der Donau) dauerte wegen des Krieges mit Frankreich über ein halbes Jahr und führte über Holland und England. 37 Kriegsschiffe der Seemächte gaben Geleit (Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon, hg. v. B. HAMANN (München 1988), 298f.). Vgl. A. PRINZ VON BAYERN, La peregrinaci6n de la Reina Mariana de Neoburgo a Santiago, Santiago en la Historia, la Literatura y el Arte, Bd. 1 (Madrid 1954), 145-174. 89 Siehe L6PEZ F'ERRE! Ro, Historia (wie Anm. 73), Bd. 10, 11, u. Apendices I, 1-8, u. 293f. 90 Vgl. GFORGES, Le pelerinage a Compostelle (Anm. 55), 67; MrEcK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 305, Anm. 29, u. 316, ferner zur Problematik der "pelerins de 199 <?page no="208"?> Und wieder tauchen "falsos peregrinos" auf den europäischen Pilgerwegen nach Compostela auf: Arbeitslose und Vagabunden, Steuerschuldner und Bettler benutzen aufs neue die immer noch blühende caritative Infrastruktur der Pilgerstraßen. Und wieder reagiert der Staat mit strengen Reglementierungen, um der Migration seiner Untertanen Einhalt zu gebieten, wobei er sein besonderes Augenmerk auf die Pilgerreisen der Jüngeren, d.h. der arbeits- und wehrfähigen Personen richtet. 91 Aber alle Verordnungen, von denen die letzte 1778 erlassen wurde, scheiterten, wie es in einem Dekret von 1783 steht: nach wie vor durchziehen "diferentes dass de gentes ... con pretexto de estudiante o con el de romeros o peregrinos" 92 ziellos das Land. Am Vorabend der Französischen Revolution war die Santiago-peregrinatio eine zwar nicht mehr spektakuläre, aber immer noch sehr populäre Erscheinung von beachtlicher europäischer Resonanz. Unberührt von gelehrten Disputen über historische Hintergründe der Jacobus-Verehrung und dem Gedankengut der Aufklärung, die auch auf Spanien übergriff, zogen zahlreiche Pilger nach Compostela. 93 Stadt und Kathedrale präsentierten sich ihnen prächtiger denn je, da die immer noch beträchtlichen Einnahmen der Kathedrale aufgrund des Voto de Santiago 94 eine rege Bautätigkeit ermöglichten, die ihren Höhepunkt in der architektonischen Neugestaltung der Kathedrale fand. Die größte romanische Kirche der Christenheit erhielt in den Jahren 1738 bis 1750 eine imponierende, zu zwei 70 Meter hohen Türmen emporstrebende Westfassade, die zu den gewaltigsten Schöpfungen des europäischen Barock l'amour": La Fontaine et les pel.erins. Pelerins de I'Amour et fetes galantes, Ausstellungskatalog "Sous le signe de la Coquille". Chateau-Thierry 1983, 63-72. D. PosNER, Die Fetes Galantes, in: Antoine Watteau (Berlin 1984), 116-192. 91 M! ECK (wie oben, 317) erwähnt besonders Frankreich. G. 5cHRFJBER vermerkt, daß Maria Theresia alle Pilgerfahrten ins Ausland verboten haben soll (Strukturwandel der Wallfahrt (wie Anm. 83), 73f. u. 78). Vgl. auch die Regionalstudie von B. GoY, Aufklärung und Volksfrömmigkeit in den Bistümern Würzburg und Bamberg, Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd. XXI (1969), 146-154. 92 Teilabdruck bei E. VALINA SAMPEDRO, EI Camino de Santiago. Estudio hist6ricojuridico (Madrid 1971), 786f. 93 Vgl. KENDRICK, Saint James in Spain (wie Anm. 73), 149- und MIECK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 319. 94 Der Voto de Santillgo war die Verpflichtung zu einem Jahreszensus, die in den von den Mauren befreiten Gebieten ("desde el Pisuerga al Oceano") wahrscheinlich ab dem 12. Jahrhundert bestanden hat. Seine Abschaffung erfolgte endgültig im Jahr 1834. Vgl. J. GUERRA CAMPOS, Art. Santiago, Diccionario de Historia Eclesiastica de Espafia, hg. v. Q. ALDFA V AQUERA/ T. MARIN MARTINEZ/ J. VIVES GATELL (CSIC), Bd. IV (Madrid 1975), 2189, u. 0. REY CASTELA0, La crisis de las rentas eclesiasticas en Espafia. EI ejemplo del Voto de Santiago, Compostellanum XXXI (1986), 365-410. 200 <?page no="209"?> gehört. 95 Entgegen der Feststellung namhafter Jacobus-Forscher, die in der französischen Revolution den Untergang der peregrinatio ad sanctum Jacobum sehen, möchte ich mich der Meinung von Ilja Mieck anschließen, 96 der in differenzierter Betrachtungsweise in der räumlichen und zeitlichen Dimension zu folgenden Ergebnissen kommt: 1. Revolution und Koalitionskriege haben die europäische Resonanz der Santiago-Pilgerfahrten empfindlich beeinträchtigt und ihren Einzugsbereich erheblich beschnitten. Im europäischen Rahmen fand auch nach 1815 keine Wiederbelebung der peregrinatio statt, da die wichtigsten Bewahrer und Förderer der Jacobus-Tradition, die Bruderschaften, in den Turbulenzen der revolutionären und militärischen Ereignisse sang- und klanglos verschwanden. Weiterhin reduzierte die Säkularisierung der Klöster und die Aufhebung und Umwandlung der Herbergen und Hospitäler die Pilgerwege in Westeuropa, im christlichen Abendland, von einer immer noch leistungsfähigen caritativen Institution auf einen verkehrsgeographischen Begriff. Reziprok dazu gab es immer weniger Jacobus-Pilger, die das stimulierende Element einer persönlichen Pilgerfahrt in ihre Bruderschaft oder heimische Gemeinde brachten. Compostela fiel so aus dem Blickwinkel des außeriberischen Katholizismus weitgehend heraus! Frankreich dürfte das einzige Land gewesen sein, in dem die Compostela-Tradition in bescheidenem Maß im 19. Jahrhundert außerhalb Spaniens weitergelebt hat, jedenfalls deuten das einzelne isoliert stehende Nachrichten über Pilger und Bruderschaften an. Die Behauptung ist nicht abwegig, daß Santiago de Compostela infolge der durch die Revolution ausgelösten geistigen und materiellen Umwandlungen seine Bedeutung als europäisches Pilgerziel im 19. Jahrhundert verloren hat. 97 2. Mit Sicherheit läßt sich dagegen feststellen, daß die spezifisch iberische Komponente zunächst so gut wie unberührt blieb. Die Zahl der spanischen und portugiesischen Pilger blieb zunächst annähernd kon- 95 Siehe L6PFZ FERRE! Ro, Historia (wie Anm. 73), Bd. 9, 291-314, Bei. 10, 225-287, u. A. BoNET CoRREA, Le chemin et la Cathedrale de Saint-Jacques de Compostella a l'Epoque Baroque, Santiago de Compostela, Ausstellungskatalog (Gent 1985), 61-69. 96 MIF.CK bezeichnet den Forschungsstand zur Geschichte der Santiago-peregrinatio im 19. Jahrhundert als "praktisch gleich Null" (Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 319). Auch LöPEZ F'F.RRE! Ro hat das zweifelsohne von ihm vorgesehene Kapitel über die compostelanische Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts nicht mehr schreiben können. Er starb am 20. März 1910, mitten in der Arbeit am 11. Band seiner "Historia", die mit dem Jahr 1823 abbricht (ebd., 320, Anm. 102). 97 Ebd., 320f., u. zu Frankreich vgl. R. DE LA COSTE-MF.SSEI.JERE, L'Europe et le pelerinage de Saint-Jacques de Compostelle, in: Santiago en Espafia, Europa y America (Madrid 1971), 347f. 201 <?page no="210"?> '.IAC Olll.,." A.IOR . Abb. 36: "S. lacobus Maior" (Kleines Andachtsbild). Kupferstich auf Papier. G.B. Göz, Augsburg 1760. stant, erfuhr durch den napoleonischen Krieg und die folgenden inneren Unruhen zweifellos Rückschläge, konnte sich aber dennoch auf lange Sicht behaupten. Die von G. Schreiber für die Entwicklung der Wallfahrt im Barock geprägte Formulierung von einem "Marsch ins Territoriale" findet hier auf iberischer Ebene statt. 98 1851 notiert ein französischer Reisender, daß Pilger in herkömmlicher Tracht "de tous les coins de l'Espagne" 99 kämen, ein anderer erwähnt eine "armee de pelerins". 100 Alle Berichte zeigen übereinstimmend, daß die Kontinuität der iberischen peregrinatio zum Apostelgrab in Galicien im 19. Jahrhundert zwei- 98 ScHRFlBER, Strukturwandel der Wallfahrt (wie Anm. 83), 19. 99 A. DE GARAUD~ L'Espagne en 1851 (Paris 1852), 201. Vgl. MIF.CK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 322. 100 E. BEGIN, Voyage pittoresque en Espagne et en Portugal (Paris o.J. um 1852), 215. Vgl. MIECI<, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 322. 202 <?page no="211"?> felsohne vorhanden war. Diese These wird unterstrichen durch den Grabbesuch von Isabella II. (1858) und Alfons XII. (1877). 101 3. Der Verlust der "außerpolitischen" Funktion des Santiago Matamoros,1C12 die seit dem Abklingen von Reconquista und Conquista hinfällig geworden ist. Fand man es noch im 17. Jahrhundert glaubhaft, daß Santiago in mehr als 30 Schlachten in Europa, Afrika, Mexiko und Südamerika den Spaniern zum Sieg verholfen hatte, ja selbst bei der Eroberung des "Goldenen Goa" durch die Portugiesen dabei gewesen sei, 103 so verblaßte jetzt mit dem zunehmenden Abstand Spaniens von seinen Weltreichsambitionen das Bild des miles Christi, des kriegerischen Apostels. 104 Auch in der volkstümlichen Heiligenverehrung fand ein Wandel statt. Im Zuge einer zunehmenden Muttergottes-Verehrung wurde Jacobus in den seit Ende des 13. Jahrhunderts bestehenden Virgen-Pilar-Kult (Zaragoza) integriert, wobei interessanterweise die Muttergottes die kriegerische Rolle des Apostels übernahm und als Heeresführerin den aragonesischen Truppen 1808 im Kampf gegen die Franzosen erschien. 105 4. Die Jahrhunderte hindurch lebte die Pilgerfahrt nach Compostela von ihrer caritativen Infrastruktur, die auch noch, nachdem sie im europäischen Umfeld nach den Stürmen der europäischen Revolution von der Bildfläche verschwanden, in Spanien die Pilger bis ins frühe 19. Jahrhundert versorgte. Die Listen der "peregrinos socorridos" von den Hospitälern San Juan und Santiago in Oviedo verdeutlichen dies. 106 Allerdings erfolgte der Angriff auf die Existenz leistungsfähiger Unterstützungsstationen für das Pilgerwesen bald darauf. Die rauhe Luft des 101 Ebd. u. A. BALLFSTEROS Y BERE'ITA, Historia de Espafia y su influencia en la historia universal, Bd. 11 (Barcelona-Madrid 1941), 332. 102 Vgl. E. DE LA ÜRDEN MIRACLE, Santiago en America y en Inglaterry y Escocia (Madrid 1970), R.A. FLETCHER, St. James Catapult The Life and Times of Diego Gelmirez of Santiago de Compostela (Oxford 1984), 293-300, u. R. Pr.örz, l..azo espiritual y cultural entre America y Galicia: Santiago Matamoros (Santiago de Compostela 1988). 1m Druck. 103 l<ENDRICK, Saint James in Spain (wie Anm. 73), 24, u. MrncK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 300f. 104 Vgl. u.a. A. CAsmo, La realidad hist6rica de Espana, 5. erneuerte Aufl. (Mexico D.F. 1973), 347f., A. SICART, La iconograffa de Santiago ecuestre en la Edad Media, Compostellanum XXVII (1982), 11-32, PH. GARET, Santiago "Matamoros" et ses doublets, Compostelle, Cahiers d'Etudes de Recherche et d'Histoire Compostellanes, N.S. 1 (1988), 78-88, u. Ptörz, Lazo espiritual (wie Anm. 101). 105 Sie handelte als "capitana de Ja tropa aragonesa" (CASTRO, La realidad hist6rica (wie Anm. 103), 397). Zum Komplex Virgen del Pil4r siehe H.A. Armillas Vicente u. andere, EI Pilar de Zaragoza (Zaragoza 1984). 106 Siehe V AZQUFZ DE PARCA, Las peregrinaciones (wie Anm. 32), Bd. 1, 117f. Siehe auch Bd. 3 (ebd.), 91-108, mit einer Pilgerliste von 1795-1803 (nach: AHN Madrid, Oero, Papeles legajo 426, Hospitales de San Juan y Santiago, de Oviedo). 203 <?page no="212"?> neuen Jahrhunderts bekam die spanische Kirche bald unter der Herrschaft Joseph Bonapartes zu spüren, der die Inquisition abschaffte, die Zahl der Klöster auf ein Drittel beschränkte und auch die Sondersteuer des Voto de Santiago beseitigte. 107 Doch die französische Herrschaft brach bald zusammen, aber in der weiteren Entwicklung kamen erstaunlicherweise die revolutionären Tendenzen voll zum Durchbruch: Ein Gesetz vom 1. Oktober 1820 verfügte die Aufhebung fast aller Klöster, Ordenshäuser und ähnlicher Einrichtungen, was zur Konsequenz hatte, daß 1821 bereits "280 monasterios, colegios y hospitales", davon allein 27 in Burgos, einer wichtigen Station am Jacobs-Weg, aufgelöst warenY~ Diese drastische Reduzierung der caritativen Einrichtungen entlang des spanischen Jacobus-Weges beeinflußte die peregrinatio in mehrfacher Hinsicht: Die nur noch eingeschränkt leistungsfähige Attraktivität des Pilgerwegs eliminierte die falschen Pilger. Die "stationäre Bettelei" blieb freilich davon ausgeschlossen. 109 Die Schikanen der liberalen Revolution erreichten es, daß im Jahr 1822 das Jacobus-Fest zum ersten Mal seit Jahrhunderten "sin la augusta y conmovedora ceremonia de la presentaci6n de la tradicional ofrenda" 110 begangen werden mußte. 5. Die starren Fronten zwischen Kirche und Staat und damit zwischen Ordnungsmacht und Volk mußten zu einem Ausgleich kommen, der sich in der Restaurationsverfassung von 1876 auch fand, von der das Apostelgrab auch unmittelbar profitierte. 111 Wesentlich wichtiger jedoch war für die Apostelstadt die Wiederentdeckung der lange verschollenen Gebeine des Apostels Jacobus, die im Jahr 1589 aus Furcht vor Francis Drake versteckt worden waren. Leo XIII. bestätigte in einer Bulle vom 1. November 1884 die Ergebnisse der Ausgrabung von 1879. 112 Es war sicher kein Zufall, daß zwei Monate nach der päpstlichen Anerkennung das Aflo Santo 1885 begann. Obwohl zu diesem Heiligen Jahr 107 Vgl. MIECK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 324, u. zum Voto Anm. 94. 108 M. ARTOLA GALLEGO, La Espafia de Fernando VII (Madrid 1968), 766. Vgl. MIECK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 325. 109 BALLFSTEROS Y BEREITA, Historia de Espafia (wie Anm. 101), Bd. 12, 71-74. Vgl. MIECK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60) 325. 110 L6PEZ FERRE! Ro, Historia (wie Anm. 73), Bd. 11, 332. Selbst die Mittel für den Hostienkauf schienen im Haushalt der Kathedrale von Compostela nicht vorhanden gewesen zu sein, so daß das Kapitel schon die Schließung der Kirche ins Auge faßte. Vgl. P.B. GAMS, Die Kirchengeschichte von Spanien, Bd. IIl/ 2 (Regensburg 1879), Neudruck Graz 1956, 431, u. MiECK, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 325, Anm. 137. 111 Ebd. 326, u. l<ENDRICK, Saint James in Spain (wie Anm. 73), 178f. 112 Siehe die "Carta Pastoral de! Ernrno. y Revmo. Sr. Cardenal Arzobispo de Compostela, publicada con motivo de! descubrirniento de! Santo Sepulcro y Huesos del glorioso Ap6stol Santiago" (Santiago, Palacio arzobispal 1879). 204 <?page no="213"?> wieder Pilger aus großen Teilen Europas kamen, kann man deshalb dennoch nicht von einer "antigua fisonomfa" 113 sprechen, auch wenn die Zahl der Pilger etwas angestiegen sein mag und Alfons XIII. zweimal - 1904 und 1909nach Compostela gekommen war. 114 Die spanische Enzyklopädie vermeldet 1927: "Seit etwa zwei Jahrhunderten beleben die Pilger die Stadt nur zu bestimmten Zeiten", lediglich am Jacobus-Tag biete Compostela "la extraordinaria animaci6n de sus mejores tiempos" .11 5 Die weitere Entwicklung der mittelalterlichen Heilsfahrt zum Grab des Apostels Jacobus steht ganz im Bann der politischen Entwicklung. Es bedarf keiner näheren Erläuterung, daß sich die jeweiligen politischen Instanzen immer wieder auf Santiago berufen und ihn für ihre Interessen in Anspruch genommen haben. Dennoch scheint seit dem Mittelalter der Apostel Jacobus in seiner spanischen Form als Santiago kaum jemals so zielbewußt zur ideologischen Absicherung staatlichpolitischer Realitäten und Intentionen eingesetzt worden zu sein wie in den vier Jahrzehnten der Franco-Zeit. Von dem Dekret Nr. 325 vom 21. Juli 1937' 16 an, das Jacobus in seine vollen Rechte als Patron Spaniens wieder einsetzte, bis zu den vom Staatsschef an den Aflos Santos Compostelanos persönlich überbrachten ofrendas de la naci6n, 117 wurde alles unternommen, um auch der internationalen Öffentlichkeit die Verwurzelung der politischen Führung Spaniens in gesamteuropäischen Traditionen zu demonstrieren. Jedoch die ehemals europäische Pilgerfahrt blieb bis auf wenige Ausnahmen eine spanische Sache: Noch im Aflo Santo 1971 berichtet die Presse anläßlich des Besuchs des spanischen Staatschefs über die Tausende von Pilgern, die ihm zujubelten, "procedentes de diversas provincias insulares, peninsulares y africanas." 118 Von Pilgerseharen östlich der Pyrenäen war keine Rede! Während der ganzen letzten Jahrzehnte bis nach dem zweiten Weltkrieg blieb dem im mittelalterlich-christlichen Sinn - Pilger der Weg zum Apostelgrab größtenteils versperrt. Nationaldenken, weltweite Kriege und Krisen, 113 J.M. F'ERNANDEZ SANCHEZ/ F. FRFlRE BARREIRO, Guia de Santiago y sus alrededores (Santiago de Compostela 1885), 46. 114 MmcI<, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 326. 115 Enciclopedia Universal Ilustrada Europeo-Americana, Bd. 57 (Madrid 1927), 266. Vgl. MIECI<, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 327. 116 Boletfn Oficial de Burgos (veröffentlicht am 22. Juli 1937), Faksimile-Abdruck in: Santiago en Espafia (wie Anm. 97), 474, Abb. 738. 117 Philipp IV. richtete 1643 und 1646 eine Ofrendiz (= Gabe, Spende) der Kastilischen Königreiche und der Cortes ein, die bis heute als Ofrendiz Nacional dargebracht werden. Siehe L6PEZ f°ERREIRO, Historia (wie Anm. 73), Bd. IX, 101-102 u. Apendices 16, 81-83. Vgl. J. PuYoL, Las ofrendas traditionales al Ap6stol Santiago, Bulletin Academia de la Historia 105 (1934), 103-123. 118 ABC vom 27. Juli 1971. Vgl. MIECI<, Kontinuität im Wandel (wie Anm. 60), 305f. 205 <?page no="214"?> ein Auseinandertriften Europas in ideologische Blöcke, die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft und die europäische Isolierung Spaniens während der Franco-Zeit, um nur einige Faktoren zu nennen, waren der Pilgerfahrt nach Compostela nicht gerade förderlich. Erst das neue Interesse der internationalen Geschichtswissenschaft, die damit verbundenen Kongresse und fast 20 Ausstellungen in Museen und Archiven seit den 40iger Jahren machten eine breitere Öffentlichkeit mit der Santiago-Thematik wieder bekannt. 1950 wird auch schon die erste Gesellschaft zur Förderung der peregrinatio in Paris gegründet, "Les amis de Saint-Jacques de Compostela." 119 Die weitere Geschichte schrieb zunächst der Tourismus. In dem anläßlich des Aflo Santo Compostelano 1971 vom Ministerio de Infonnaci6n y Turismo herausgegebenen Band "Santiago en Espafia, Europa y America" stehen zwei klare Aussagen: Einmal versteht sich das Werk "como una afirmaci6n del ser hist6rico de Espafia", zum anderen auch als eine Einladung "a los peregrinos de nuestra epoca que son los turistas" - "porque el turismo es una forma moderna de peregrinar". 120 War das die Alternative? Sollten 1000 Jahre europäischer Pilgerfahrt ihren Ausfluß und Abschluß beim Millionenheer der Touristen finden? Zunächst schien es so. Erste touristische Ansätze liegen bereits im letzten Jahrhundert. So brach z.B. am 29. August 1887 in München der 1. bayerische Pilgerzug zu einer Bahnreise nach Compostela "durch Frankreich, Spanien und Portugal" auf. Fünfzehn namentlich und unter Nennung aller Titel aufgeführte Damen und Herren ließen sich unter geistlicher Begleitung in der Steinzeit des Tourismus in einer kombinierten 36-tägigen Bahn-/ Schiffsreise von Barcelona bis Gibraltar, die die Bayerischen Pilgervereine vom Heiligen Lande organisierten, die Sehenswürdigkeiten fast ganz Westeuropas zeigen, um unter anderem auch zwei Tage in Compostela zu verweilen. 121 Der fragwürdige Versuch, die Pilgerfahrtstradition mit dem modernen Massentourismus in Verbindung zu bringen, brachte trotz aller Abwegigkeit den Heiligen Ort Compostela wieder in Erinnerung. Im Aflo Santo 1965 sollen zwei Millionen Besucher gekommen sein 122 und 1982 waren es nach amtlichen Angaben etwa sechs Millionen Menschen. Sicherlich befanden sich bereits viele Pilger unter ihnen. Die Entwick- 119 Siehe GUERRA CAMPOS, Bibliograffa (wie Anm. 73), 578. 120 Santiago en Espafia (wie Anm. 97), Klappentext u. 18. 121 Tagebuch des 8. bayerischen Pilgerzuges nach Santiago durch Frnkreich, Spanien und Portugal, redigiert ... von Anton MAYR (München 1905). 122 Publ. des Ministerio de lnformaci6n y Turismo: Santiago de Compostela, o.J. (um 1970). 206 <?page no="215"?> lung der letzten Jahre ist bekannt. Nicht nur der Tourismus bemächtigte sich der Stadt Compostela, auch die Pilger kamen wieder, Jahr für Jahr in größerer Anzahl, und Jahr für Jahr mehr als Pilger im mittelalterlichen Sinn. Genossenschaften und Gesellschaften gründeten sich nach Frankreich in Italien, Belgien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Portugal und der Schweiz. 123 Seit 1982 schickt die flämische Organisation OIKOTEN jugendliche Delinquenten in der alten Tradition der peregrinatio poenaliter causa zur Resozialisierung auf die Pilgerwege. Bis 1988 waren zehn solcher Gruppen unterwegs. 124 In Frankreich und Portugal wurden mehrere regionale Ausstellungen veranstaltet,1 25 in Italien fanden in Perugia und Pistoia zwei wichtige Kongresse statt. 126 In Deutschland wurde von der Düsseldorfer St. Jakobus-Bruderschaft 1987 in Köln ein Pilgertreffen unter reger internationaler Beteiligung durchgeführt. 127 Im gleichen Jahr fand der 1. Kongreß der ''Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft" in Aachen statt. 128 In Deutschland und Frankreich wird an Regionalprojekten gearbeitet, 129 in der Schweiz hat sich ein Projekt "Historische Verkehrswege (IVS) entwickelt, das die alte "Oberstraße" dem Fußpilger wieder erschließen will. 130 Nach dieser Aufzählung der kürzlichen Aktivitäten der europäischen Länder, die unmittelbar zur Einflußzone der peregrinatio ad Sanctum Jacobum gehörten, wirft sich die Frage auf: Sind es wieder die Anrainer Spaniens, die den Anstoß zu einer (Wieder-)Belebung der alten Pilgeridee geben oder sie mit neuer Spiritualität füllen wollen? Sind es wieder die im Liber Sancti Jacobi erwähnten Frand, Normanni, Scoti, ..., Theutonid, ... Saxones 123 Eine Übersicht der einzelnen Vereinigungen und Gesellschaften gibt die Mitgliedszeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft, "Der Sternenweg 1 (1988), 28-33. Zu ergänzen sind die Angaben über Portugal (Asociaci6n Portuguesa de los Amigos de Santiago, gegr. 1%8) und die Schweiz (Les Amis du Chemin de Saint- Jacques, gegr. 1988: vorgestellt im Sternenweg 2 (1988), 32). 124 Siehe W. DERVEAUX, Vlaamse Deliquenten op spaanse Pelgrimswegen, De Pilgrim, Contactblad van het Vlaams Genootschap van Santiago de Compostela 13 (1988), 2- 4, die Selbstdarstellung von OIKOTEN (ebd., 5-11), u. M. Verroens, Pelgrimeren met jongeren, Heiliging, Nieuw en oud, Jg. 37 (Juni 1987), 8-15. 125 Frankreich: Mit Katalogen u.a. in Soulac (1975), Paris (1982), Cltateau-Thiery (1983), Saint-Leonhard-de-Noblat (1985) u. Douai (1988); Portugal: Porto (1964 u. 1989). 126 Perugia 1983 (Kongreßakten 1985), Pistoia 1984 (Kongreßakten 1987). 127 Siehe H. SIMON (Hg.), Köln als Pilgerziel und Sammelpunkt der Jakobspilger. Akten des 1. internationalen Kongresses der St.-JakobUS: -Bruderschaft Düsseldorf e.V. (Düsseldorf 1987). 128 Kongreßband: K. HERBERS (Hg.), Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte, Jakobus- Studien 1 (1988), hg. v. K. HERBERS und R. l'LölZ. 129 Vorgestellt in "Sternenweg" 3 (1989), 37-39, u. Compostelle 1 (wie Anm. 104), 92- 101. 130 Siehe dazu den Bericht von H.P. 5cHNEIDER in diesem Band S. 143-156. 207 <?page no="216"?> et cetere gentes innumerabiles cuncte lingue et naciones, 131 die der peregrinatio moderna ad Sanctum Jacobum ihren geistigen und materiellen Anstoß zur europäischen Wiedergeburt geben? Wiederholt sich die Geschichte oder ist es die schon öfter zitierte Kontinuität im Wandel? Doch auch in Spanien sind seit geraumer Zeit Aktivitäten zu verzeichnen. In wissenschaftlicher Hinsicht hatte das heute noch unentbehrliche Corpus-Werk der Historiker Vazquez de Parga, Iacarra und Uria, das 1948/ 49 herauskam, schon eine Grundlage für die Forschungsarbeiten späterer Generationen gelegt. 132 Als Organ für wissenschaftliche Beiträge wurde 1956 die Zeitschrift Compostellanum 133 gegründet, dem ein Studienzentrum, das Centro de Estudios Jacobeos, 134 angegliedert wurde. Mehrere Ausstellungen realisierten sich in Madrid (1950, 1954, 1963) und Santiago (1950, 1965), und 1985 präsentierte Spanien im flämischen Gent in einer überwältigenden Materialschau auf einer Räche von mehr als 3000 m 2 Europa die Exposition Santiago de Compostela, 1000 Jahre europäische Pilgerfahrt. Es wurden über 100.000 Besucher gezählt, der umfangreiche Katalog wurde mehr als 10.000fach verkauft. 135 Aber schon vorher vollzog sich eine Sensibilisierung der spanischen Öffentlichkeit. Anläßlich des Aflo Santo Compostelano 1982 fand ein von der Öffentlichkeit stark beachteter Kongreß über Pilgerwesen und Kunst entlang des Pilgerweges statt,1 36 und das Staatliche Fernsehen (2. Programm: La Clave) lieferte im Juli 1982 einen vierstündigen Fernseh- Marathon unter Beteiligung ausländischer Spezialisten. In der Pilgerpraxis lebten alte Strukturen wieder auf. Das alte Priorat von Roncesvalles wurde für die wiederkehrenden Fußpilger ebenso Anlaufstation wie SanJuan de Ortega oder der gefürchtete Cebreiro. Von hier aus erfolgte auch in der Anfangsphase die Festlegung und Auszeichnung der Wege für Fußpilger. E. Valifta Sampedro, der Priester vom Cebreiro 137, erstellte einen spanischen Routenführer, eine moderne und wesentlich umfangreichere Version des Pilgerführers im Liber Sancti 131 WHITEHILL, Liber Sancti Jacobi, Codex Calixtinus (wie Anm. 32), 148f. 132 Siehe Anm. 32. 133 Vgl. R. Ptörz, Compostellanum, Sternenweg 3 (1989), 28. 134 OERG1..., Centro de Estudios Jacobeos, ebd., 29. 135 Santiago de Compostela, 1000 ans de pelerinage europeen (Brüssel 1985), wie Anm. 46. In Französisch und Flämisch. 136 Unter der Bezeichnung "La peregrinad6n a Santiago y el arte romanico" (24-26. Mai 1982), organisiert von S. MORALEJO. Veröffentlichung der Beiträge von R. PLörz u. J. WILLIAMS in Compostellanum XXIX (1984), 239-265 u. 267-290, sowie von J. Y ARZA u. S. MORALEJO ebenfalls in Compostellanum XXX (1985), 369-394 u. 395-430. 137 Der große Förderer der Pilger und Pilgerwege und gute Freund verstarb nach längerem Leiden am 11. Dezember 1989. Ihm sei nachträglich dieser Artikel gewidmet. 208 <?page no="217"?> Jacobi. 138 Von Estella aus nahm sich F. Beruete der Pilger an und organisierte mehrere Kulturwochen am gleichen Ort. 139 Allmählich besann sich auch das Domkapitel der Kathedrale von Compostela wieder seiner Vergangenheit und Verpflichtungen den Pilgern gegenüber. Die Compostela, 140 die Bestätigung für die vollzogene peregrinatio ad limina Beati Jacobi, wurde neu aufgelegt, und seit 1986 gibt es bei der Kathedrale selbst eine feste Anlaufstelle für Pilger, die sich eines unglaublichen Zuspruchs und Zustroms erfreut. Am 27. April 1988 wurde in Santiago de Compostela die Comisi6n interdiocesana del Camino de Santiago unter Vorsitz des Erzbischofs konstituiert, und im August 1989 kam Papst Johannes Paul II. schon das zweite Mal nach Compostela, wo er sich diesmal mit der Jugend der Welt traf. 141 Im aragonesischen Jaca fand im Oktober 1987 das erste Internationale Pilgertreffen auf spanischem Boden statt: Europa traf sich wieder an einem Pilgerort. 142 Wenig später stellte der Europarat in einem Großereignis in Compostela sein Projekt Wege der Jacobus-Pilger als europäische Kulturstraßen in feierlichem Rahmen vor, dem in unmittelbarer Nachfolge der Kongreß in Schloß Schney/ Bamberg folgte. 143 Unter dem Schlagwort "Revitalizaci6n del Camino de Santiago como primer ltinerario Cultural Europeo" bemühen 138 Guia del Peregrino. EI Carnino de Santiago, hg. v. Ministerio de Transportes, Turismo y Comunicaciones (Madrid 1982). Mittlerweilen in neueren Auflagen (Everest: Le6n 1985, z. B.) und mehreren Sprachen. 139 1962 wurde von ihm die Gesellschaft "Los Amigos del Camino de Santiago" gegründet, die folgende Publikation herausgab: E. Go1COECHEA ARRoNDO, "Rutas Jacobeas" (Le6n 1971), mit Itinerar der spanischen Wegstrecken (241-264). 140 Dazu: Wallfahrt kennt keine Grenzen, Katalog der Ausstellung (wie Anm. 1), 53f., u. Art. 2905 "Compostelas" nel 1987, Compostella 2 (Perugia 1988), A17, 2f. mit Abb. v. 1590 bis 1985 (4 Beispiele). 141 Vgl. zur Zahl der ausgegebenen "Compostelas" für 1987 den o. angef. Art. in Compostella: Insgesamt 2905; davon 1247 an Spanier, 622 an Franzosen, 378 an Belgier, 325 an Deutsche, 93 an Ita~iener, 78 an Niederländer, 39 an Schweizer, 38 an Amerikaner, 27 an Briten, 14 an Osterreicher, 5 an Polen, 3 an Irländer und 36 an Pilger anderer Nationalitäten. Im Jahr 1989 wurden von Jahresbeginn bis zum 16. September bereits 5.432 Compostelas ausgestellt, wobei der Hauptanteil auf den Monat des Papstbesuches fiel (2.763). 41 Pilger waren unter 10 Jahre alt, 31 über 70. Statistik in: Compostella (Perugia 15. Sept. 1989), B24, 6. Zu berücksichtigen ist, daß bei weitem nicht alle Fuß.. oder Fahrradpilger von der Möglichkeit der Ausstellung der Urkunde Gebrauch machen. 142 Siehe dazu das Programm: Camino de Santiago. I Congreso Intemacional. Jaca, 23 al 26 Septiembre 1987 (Jaca 1987), viersprachig. Der Kongreß stand unter der Leitung von E. V ALINA SAMPEDRO. 143 Die wissenschaftlichE! ! ' Ergebnisse dieser Tagung sind in dem hier vorliegenden Band veröffentlicht. Uber den Kongreß insgesamt: The Santiago de Compostela Pilgrim routes. Report of the Bamberg Congress, Architectural Heritage, Reports and Studies 16 (Strasbourg 1989), englisch und französisch. Die Vorstellung des Projekts durch den Europa-Rat erfolgte am 22./ 23. Oktober 1987 unter Anwesenheit zahlreicher Prominenz in Santiago de Compostela. 209 <?page no="218"?> sich zahlreiche Regionalregierungen der Autonomien entlang des alten Jacobus- Weges um Gewinnung der alten Geltung dieses europäischen Weges. 144 Seit 1987 haben sich auch zahlreiche Asociaciones de amigos del Camino de Santiago gebildet, die in lockerer Organisationsform gemeinsame Ziele und Projekte koordinieren. 145 Wege werden verbessert, Refugios eingerichtet, die Sorge um Abb. 37: Jacobusweg. Pilgerwegauszeichnung im Schwarzwald. (Foto: M. Zentgraf) den Pilger und dessen Betreuung nimmt zu. 146 Eine neue Infrastruktur zeichnet sich ab, in ihrer Fürsorge ähnlich der des Mittelalters, ebenso notwendig sicherlich auch, denn allein auf die touristische Struktur angewiesen zu sein, ergäbe keinen Sinn. Wobei wir bei der letzten Fragestellung wären: dem Sinn, der dem Nachvollzug einer mittelalterlichen Pilgerfahrt mit konkretem Ziel im modernen, nachchristlichen wie einige meinen - Europa innewohnt. 147 144 Z.B. Asturien (siehe Beitrag "The Santiago Pilgrim Route in Asturias, The Santiago Pilgrim Routes" (wie oben), 114-116), u. die Broschüre "Camino de San Adrian, 1a mas antigua ruta de peregrinaje" (1988), die das Eusko Jaurlaritza (Gobiemo Vasco) herausgab. 145 Gemeinsame Zeitschrift "Peregrino", die seit 1987 sechs Mal im Jahr erscheint und über nationale und internationale Aktivitäten in Hochglanz berichtet. 146 Siehe dazu die Verzeichnisse in den Zeitschriften der einzelnen nationalen Gesellschaften u. das nützliche Büchlein der "Comisi6n Interdiocesana de! Camino de Santiago en Espafia" EI Camino de Santiago. "Guia" con servicios de acogida. Para el_verano 1989 (La Corufia 1989). Erschien zum Papstbesuch. 147 Siehe u.a. Pilgrimeren, Heiliging Jg. 37 (Juni 1987), A. DUPRONT, Tourisme et pelerinage. Reflexions de psychologie collective, Communications 10 (Pau 1967), 97-120, P.-A. SIGAL, Marcheurs de Dieu (wie Anm. 34), F. BoURDEAU, Le pelerinage chretien entre l'espace et le temps. Permanence et renouveau du pelerinage (Lyon 1976), 153-167, Le pelerinage, Cahier de Fanjeaux 15 (1980), J. ÜiELlNI/ H. BRANTHOMME (Hg.), Les Chemins de Dieu. Histoire des pelerinages chretiens des origines nos 210 <?page no="219"?> Es läuft der 65jährige Museumsaufseher neben dem gleichaltrigen Generaldirektor der Agrar-Kommission der EG, der Computerspezialist neben der Fabrikarbeiterin, ein Mitglied der katholischen Jugend neben einem Grünen, der Marineleutnant neben einem Wehrdienstverweigerer; alle Berufe, alle gesellschaftlichen Gruppierungen vom Kaiserenkel bis zum jugendlichen Delinquenten, Arm und Reich, Frau und Mann, oft Kinder dabei, fühlen wieder die Faszination des Weges und entsprechen der Aussage des Liber Sancti Jacobi aus dem 12. Jahrhundert. Die Motive sind so vielfältig wie die Herkunft, der Beruf und die Nationalität der neuen, nachchristlichen(? ) Pilger. Sportgeist, Heilssuche, psychologische Reinigung, Sozialhygiene, unbestimmbare Sehnsucht, Bildungsbürgertum, Massentourismus, Mode, etc.: es gibt viele Chiffren für ein Phänomen, das als Kultrelikt, als "Unzeitgemäßes im Zeitgernäßen" 148 alle herkömmlichen Be- und Verurteilungskriterien sprengt. Beispiel: Religiosität und Kommerz verbinden sich auch heute wieder im Geschäft mit dem Massentourismus: Unter der Flagge "Tourisme et Chretiente" betreibt eine belgische Organisation aus Tournai ihr florierendes Geschäft. Selbst Papst Paul VI., der am 31. August 1963 die Teilnehmer des Symposions der UNO über Tourismus empfing, drückte seine positive Meinung über dieses Massenphänomen aus und sprach von "pädagogischen, kulturellen, moralischen und sozialen Werten."149 Es gibt aber auch Stimmen, die die Problematik, die auch mit dem Europaratsprojekt Wege der Jacobus-Pilger als europäische Kulturstraßen verbunden ist, klar ansprechen wie z.B. die kleine Schrift, die die Vlaams Genootschap van Santiago de Compostela unter dem Titel "Compostela in europäischer Perspektive" herausgab. Hier wird reserviertes Mißtrauen signalisiert, weil Politiker an dem Vorhaben beteiligt seien, "die ja immer ... unausgesprochene und verborgene Absichten" hätten. Die zentrale Aussage des kurzen Textes lautet: "Das Hinweglassen des christlichen Hintergrundes bei dem Jakobsweg als europäische Kulturroute wäre also eine große Verarmung, ja eine Verstümmelung. Dies gilt um so mehr für ein Projekt, wonach dasjenige gesucht wird, was die jours (Paris 1982), spez. das Kap. "La renovation spirituelle des pelerinages apres 1960", 353-369, u. R. SAUZET, Contestation et renouveau du pelerinage au debut des temps modernes, Les Otemins de Dieu (Paris 1982), 235-258. 148 K. KÖS'ILlN, Relikte, Ethnologia Bavarica 6 (Würzburg-München 1977), 3. 149 Documentation catholique, Bd. 60 (1963), 1377-1382. Vgl DuPRoNT, Tourisme et pelerinage (wie Anm. 147), 98 u. Anm. 1. 211 <?page no="220"?> europäische Kultur zusammenhält, während es ganz klar ist, daß sie eben teilweise dem christlichen Hintergrund zugrunde liegt." 150 Ich wiederhole: Die Motive sind vielfältig und nicht auslotbar. Für den wirklichen Pilger unsrer Zeit ist das alles eigentlich belanglos. Für ihn bedeutet das Ankommen am Heiligen Ort, in Compostela, zwar die Erfüllung seiner vielleicht frommen Reise, den Vollzug seiner vielleicht christlichen Hingabe- oder aus gleich welchen anderen Motiven. Für ihn, für den Pilger unserer Tage, realisiert sich die Pilgerschaft auf dem Weg. Das haben wir alle, die sich auf dem Weg befanden, geträumt und realisiert. In gewisser Weise auch die im Juli dieses Jahres erschienene "Carta Pastoral de los Obispos del Camino de Santiago en Espafia", die den Weg als "Camino para la peregrinaci6n cristiana" sieht und in einfühlsamer Weise den christlichen Sinn der peregrinatio vorstellt. 151 Andere, wie der Benediktiner Anselm Grün aus Münsterschwarzach, entwickeln eine Theologie des Weges oder des Wanderns. 152 Die überzeugendste Sicht im christlichen Kontext, eine Synthese aus passioniertem Forscherleben und großer Pilgerpraxis, bietet für mich Edmond- Rene Labande, der nach einem langen und erfüllten Forscherleben und einer mehr als 4000 km dauernden Pilgerpraxis resümiert: "Prier avec les pieds" - Beten mit den Füßen. 153 Zum Schluß noch die Frage: Warum brauchen wir alle, überzeugte Christen oder Säkularisierte, diese europäische Pilgerfahrt? Der Sternenweg der germanischen Mythologie, der Sternenweg, der Karl dem Großen in der Sage den Weg zum Apostelgrab wies, der europäische Sternenkranz, unter dem das Projekt des Europarates steht, der mittelalterliche Heilsweg, der vom Baltikum bis zum Cabo Finisterre, dem Ende Europas, führte, könnte uns helfen, unsere Identität zu finden und zu verteidigen, unser europäisches Bewußtsein, unsere abendländische Erbschaft zu begreifen und uns vor dem Verlust unserer Kultur gegenüber einer Verschnittkultur internationaler Prägung bewahren. 150 Compostela in europäischer Perspektive. Faltblatt der "Vlaams Genootschap van Santiago de Compostela" v. 17.Aug.1987, 2-3. 151 "EI Camino de Santiago". Un camino para la peregrinaci6n cristiana (Santiago de Compostela 1988). 152 A. GRÜN, Auf dem Wege. Zu einer Theologie des Wanderns (Münsterschwarzacher Kleinschriften 22) 1983. 153 E.-R. LABANDE, Prier avec ! es pieds, Lumen vitae XXXIX (1984), 191-200. 212 <?page no="221"?> Resumen: En el siglo XI se consum6 el proceso en cuyo transcurso el occidente acabarfa ganando su propio perfil cultural y etnol6gico teniendo por base comun la fe cristiana. En estrecha relaci6n con este proceso tuvieron lugar una creciente difusi6n del culto de los santos entre las masas populares y el desarrollo europeo de la "peregrinatio ad limina Beati Jacobi", cuya fama en el siglo Xya se habfa extendido fuera de las fronteras de los reinos cristianos de la Peninsula Iberica. La peregrinaci6n hasta el occidente lejano, hasta la "villa Sancti Jacobi", tuvo su primer apogeo en los siglos XII y XIII y alcanz6 junto con Jerusalen y Roma la categoria de peregrinaci6n mayor, hasta que guerras, peste y discordias internas causaron el primer bache. En el siglo XV experiment6 otro auge aunque se podfa constatar un cambio de motivos: al lado de peregrinos "devotionis causa" se presentaban a menudo peregrinos "poenitentiae causa" o "delegati". En el siglo XVI hubo un cambio de estructura cualitativo debido a factores como la Reforma, la inquisici6n espafiola, guerras, depauperaci6n y divergencias eclesiasticas. La sensible disminuci6n de guerras y los resultados del Tridentino dieron lugar a un nuevo incremento de las peregrinaciones a Santiago a partir de la segunda mitad del siglo XVII. Las circunstancias politicas de la mitad del siglo XVIII causaron otra decadencia de las peregrinaciones que se refleja en multiples decretos de parte de los estados y municipios que regulaban el tratamiento de los llamados falsos peregrinos. La Revoluci6n Francesa redujo aun mas la extensi6n europea de la "peregrinatio ad Sanctum Jacobum", quedando asi practicamente reducida a un asunto puramente iberico que todavia se mantenfa por la aun existente infraestructura caritativa, la cual qued6 finalmente eliminada bajo la ocupaci6n francesa en el primer tercio del siglo XIX que forz6 de manera decisiva la abolici6n de casi todos los monasterios reduciendo asi dramaticamente el numero de peregrinos. Tard6 hasta 1879, hasta que la peregrinaci6n a Santiago en Compostela se recuper6 ligeramente, respondiendo a los resultados de las excavaciones arqueol6gicas entonces recientes que comprobaron la existencia de tres cadaveres en la tumba apost6lica. Pero no se puede hablar de ninguna manera de un auge general. En los tiempos siguientes las fuerzas politicas se apoderaron del culto jacobeo para usarlo como justificaci6n de sus ideologfas respectivas. Aun en 1971, la "peregrinatio ad SanctumJacobum" se podfa considerar como un asunto exclusivamente espafiol. A partir de esta fecha aparecieron los primeros intentos de una revitalizaci6n de la mayor peregrinaci6n de la Edad Media. Y volvieron a venir los verdaderos peregrinos. Se fundaron sociedades y asociaciones nacionales e internacionales para promover la idea de la peregrinaci6n; la antigua infraestructura del camino se recuper6 poco a poco. Instituciones eclesiasticas y laicas se ocuparon del camino de Santiago, provocando asi el proyecto del Consejo de Europa "Caminos de Santiago como itinerario cultural europeo". Los motivos de la peregrinaci6n a Santiago sufrieron durante el transcurso del tiempo bastantes alteraciones pero la espiritualidad y el sentido del camino se mantuvieron siempre vivos. 213 <?page no="223"?> Register der Orts- und Personennamen bearbeitet von OuvIA HocHSTRASSER Das Register ist in deutsch angelegt unter Berücksichtigung der Landessprache für Ortsnamen. Erfaßt sind neben den in den Beiträgen erscheinenden Namen auch die der Texte der Anmerkungen, sofern es sich nicht um bibliographische Belege handelt. Namen aus Quellenzitaten werden in zitierter Schreibweise kursiv aufgeführt und ggf. auf ein Hauptstichwort verwiesen. Namen mittelalterlicher Personen (bis Ende des 15. Jh.) sind im allgemeinen unter ihrem Vornamen verzeichnet. Alle Personennamen werden nach Möglichkeit kurz erläutert und zeitlich belegt. Aachen 8 (Anm. 33), 15, 24 (Anm. 92), 35, 45, 79, 90, 94, %, 165, 179, 207 Aarau, Kt. Aargau, Schweiz 93 (Anm. 34) Aarburg, Kt. Aargau, Schweiz 93 (Anm. 36) Abo (Turku) Finnland 159, 163, 165, 167 (Anm. 34) Abraham, bibl. Gestalt 2 (Anm. 7) Absalon, skandin. Santiagopilger (1181) 160 Achern, Ortenaukreis 92 Acquapendente, Prov. Viterbo, Italien 127 Adalard, Flämischer Edelmann, Gründer des Hospiz im Aubrac (12.Jh.) 72 Adalbert von Prag (956-997), Bischof von Prag, Heiliger 3 Aegidius (St. Gilles t um 720), Heiliger und Abt 12 (Anm. 50), 53 Aegypten 193 (Anm. 65) Aethiopien 193 (Anm. 65) Agatha von Catania (t um 249), Heilige 103 (Anm. 83) Aimeric Picaud, Kompilator des Liber Sancti Jacobi (12. Jh.) 42-48, 83, 115 (Anm. 132) Aix-en-Provence, Frankreich 12 Aix-la-Chapelle siehe Aachen Alandinseln, Finnland 165 Alava, Baskenland, Spanien 59 Albelda, span. Kloster in der Rioja 20, 60 (Anm. 1) Alberich, Abt von Vezelay (12. Jh.) 43 Albert de Stade, Romreisender (1236) 80, 125 Alborg, Dänemark 124 Alexander III, Papst (1159-1181) 74 Alfons I, König von Asturien (739- 757) 64 (Anm. 8) Alfons II, König von Asturien (789- 842) 63,185 Alfons III der Große, König von Asturien (886-906) 64, 66 Alfons VI, König von Kastilien-Le6n (1072-1109) 46, 55, 186 Alfons VII el Emperador, König von Kastilien und Le6n (1126-1157) 45 Alfons 1., König von Portugal (1110- 1185) 72 Alfons XII., König von Spanien (1874-1885) 203 Alfons XIII, König von Spanien (1886-1931) 205 Al ldrisi, arabischer Geograph (1100um 1165) 127 Allmersbach, Rems-Murr-Kreis 111 (Anm.114) 215 <?page no="224"?> Almanzor, muslimischer Heerführer (939-1002) 185 Al Mansur siehe Almanzor Aloba<; a, portugies. Zisterzienserkloster 43-50 Alpen 28-33,39, 120,123,124 Alpirsbach, Schwarzwald-Haar-Kreis 100 Altendorf, Kt. Zürich, Schweiz 154 Altopascio, Brückenhospiz am Arno 123, 124 (Anm. 15), 126, 127 Amaya Patricia, spätantike Siedlung in Kastilien 64, 65 Ambrosius von Mailand (339-397), Bischof von Mailand, Heiliger 172 Amerika 209 (Anm.141) Amiens, Dept. Somme, Frankreich 78 Anastasius, Begleiter des hl. Jacobus d.Ä. (1. Jh.) 62 Anders von Slagelse, Heiliger, Santiagopilger 160 Andre, Hans Innsbrucker Bildhauer (zeitgen.) 141 Angeliacus siehe Saint-Jean-d'Angely Antheunis van den Bossche, Bürger von Gent (16. Jh.) 69 Antoninus, Itinerar des, von einem Bürger aus Piacenza (Italien) anonym verfaßt (6. Jh.) 60 (Anm. 2) Antonius Abbas, Vater der Mönche und Heiliger (t 356) 102, 127 Antwerpen (Anvers), Belgien 35, 69 (Anm. 2), 76, 78, 88, 97 Anvers siehe Antwerpen Apenninen 121, 122 (Anm. 10), 125 Aquitanien, südfrz. Herzogtum 6 (Anm. 22) Arabien 193 (Anm. 65) Arag6n, Königreich und Reg. 10 Arbia, Fluß in der Toskana 121 Arconada, Prov. Palencia, Spanien 60 Ardennen 35,71,80,81 Arlberg, Alpenpaß 133-135 216 Arles, Dept. Bouches-du-Rhone, Frankreich 128 Arno, ital. Fluß 121, 123, 124 (Anm. 15), 126, 127 Arnold von Harff (1471-1505), niederrheinischer Santiagopilger 77, 78, 80, 193 (Anm. 65) Arras, Grafschaft und Stadt, Dept. Pas-de-Calais, Frankreich 71-74, 78 Arth, Kt. Schwyz, Schweiz 93 (Anm. 39) Artois, Landschaft in Nordfrankreich 71 Arwid Kurck, finnischer Bischof (um 1510) 162 (Anm. 21) Asam, Cosmas Damian, Münchner Freskenmaler (um 1720) 141 Ascagne (Asquins) Dept. Yonne, Frankreich 47 Asquins stehe Ascagne Asseconia, spätantike Siedlung in Galicien 60 Assverus Allinga, ostfriesischer Rechtsgelehrter (16. Jh.) 91 Astorga, Prov. Le6n, Spanien 60, 64,123 Asturica (Asturica Augusta), spätantike Siedlung in Kastilien 64, 65 Asturien Königreich und Reg., Spanien 63,64,65, 184,210 (Anm.144) Ath, Belgien 75 Athanasius von Alexandrien (295- 373), Bischof, Heiliger 172 Aubrac, Dept. Areyron, Frankreich 15 (Anm. 67), 72 Auca, spätantike Siedlung in Kastilien 65 Augsburg 34,36,37,38,88,90,91 (Anm. 26), 189 Augustinus (354-430), Kirchenvater 2, 4 Autun, Dept. Saöne-et-Loire, Frankreich 185 Avignon, Frankreich 92 (Anm. 31), 126 (Anm. 22 u. 23), 128 <?page no="225"?> Bad Bellingen, Lkr. Lörrach 107 (Anm. 100) Baden, Kt. Aargau, Schweiz 92, 93 Baden-Baden 92 Badenweiler, Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald 92 Baden-Württemberg 8 (Anm. 33), 33, 83-116 Bad Peterstal, Ortenaukreis 92 Badilon, Mönch aus Vezelay (12. Jh.) 53 Bamberg, Bistum und Stadt 32, 132, 133, 198, 200 (Anm. 91) Bapaume, Dept. Pas-d.e-Calais, Frankreich 72, 78 Barbadelo, Prov. Lugo, Spanien 60 (Anm. 3) Barcelona, Reg. Katalonien, Spanien 55 Barthelemy Bonis, Rompilger aus Montauban (14. Jh.) 126 (Anm. 23) Bartolomeo Fontana, venezianischer Reisender (1538) 87, 89, 97, 120 (Anm. 5 u. 6), 126, 128 Basel, Kanton und Stadt, Schweiz 32, 35, 36, 38, 43, 87, 88, 89, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 103, 107, 108, 109, 110, 113, 190 Baskenland siehe Navarra Baudouin, Pilger (11. Jh.) 72 (Anm. 12) Bautzenheim, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 91, 92 Bavay, Dept. Nord, Frankreich 79 Bayern 33,39,206 Bearn, franz. Provinz 195 Belgien 13 (Anm. 58), 16 (Anm. 68), 69-82, 90 (Anm. 19), 190 (Anm. 55), 198 (Anm. 36), 207,209 (Anm. 141) Benevento, ital. Herzogtum 121 Bergen, Norwegen 124, 159, 160 Berlin 37 Bern, Kanton und Stadt, Schweiz 16 (Anm. 68, 69, 70), 93, 106 (Anm. 93), 194 Bernardino Ochino, Reformator und Generalvikar des Kapuzinerordens, Siena (16. Jh.) 195(Anm. 75) Bernhard von Oairvaux (1090-1153), Zisterzienserabt, Mystiker, Heiliger 53 Bertha, Schwester Karls des Großen, Mutter Rolands (um 800) 53 Besan<; <>n, Dept. Doubs, Frankreich 88 (Anm. 16), 92 (Anm. 31) Bethlehem, Palästina 24 Bierzo, Landschaft in Leon, Spanien 65 Bisria, legendärer Ort (translatio) zwischen Sar und Ulla, siehe Sar und Ulla, Prov. La Corui\a 62 Birgitta von Schweden (14. Jh.), Heilige 160, 164 Blanca, Königin von Schweden (14. Jh.) 161 Blaye, Dept. Gironde, Frankreich 48 Bodensee 36,88,89,90, 134,179 Bocca Trabaria, Paß im Apennin 125 Böhmen 35 Bologna, Reg. Emilia-Romagna, Italien 125, 128 Bolsena, Reg. Lazio, Italien 121, 125 (Anm.20) Bonndorf, Lkr. Waldshut 95 Boni, Stifter des Hospiz von Altopascio (11. Jh.) 123 Bordeaux, Dept. Gironde, Frankreich 50, 52, 60, 64, 92 (Anm. 31), 95 (Anm. 47) Boulogne-sur-Mer, Dept. Pas-d.e- Calais, Frankreich 79 Bourgheim (Burkheim) Dept. Bas- Rhin, Frankreich 88, 91 Bourg-Saint-Jacques, Dept. Ardennes, Frankreich 81 Bozen, Reg. Trentino, Italien 28, 30, 31,33, 137 Brabant, belg. Herzogtum 71, 78, 79 80 (Anm. 59) Braga, spätantike Siedlung in Portugal 64 217 <?page no="226"?> Braine le Comte, Belgien 78 Brant, Sebastian, Stadtschreiber in Straßburg (16. Jh.) 90, 91 Braunschweig 37 Breisach, Breisgau-Hochschwarzwald 88, 89, 90, 92, 94, 95, 107 (Anm. 100) Bregenz, österreich 134 Bremen 36, 37 Brenner, Alpenpaß 31, 36, 125 (Anm. 20), 128, 131, 133, 135 Breslau 37, 92 (Anm. 31) Bretenald, fränk. Pilger (10. Jh.) 67 Brig, Kt. Wallis, Schweiz 148 Bristol, Großbritannien 75 Brixen, Reg. Trentino, Italien 31, 131,133 Bruchsal, Karlsruhe 16 (Anm. 70), 17, 19, 88, 106 (Anm. 94) Brügge, Belgien 35, 72 (Anm.14), 74 (Anm. 21), 77-79, 94 Brüssel, Belgien 37, 78, 79, 80 (Anm.58) Bülach, Kt. Zürich, Schweiz 93 (Anm.34) Burchard, Bischof von Straßburg (12. Jh.) 98 (Anm. 55) Burgdorf, Kt. Bern, Schweiz 93 (Anm. 34 u. 36) Burgos, Reg. Altkastilien, Spanien 11 (Anm. 44), 59, 60, 65, 67, 86 (Anm. 8), 204 Burgund, Freigrafschaft siehe Franche-Comte Burgund, Herzogtum, Frankreich 12 (Anm. 56), 35, 54 (Anm. 21), 55, 78,195 Burgundische Pforte, Senke zwischen Jura und Vogesen 88 Byzanz (Konstantinopel) 121, 172- 175 Cabo Finisterre, Galicien 212 Cäsarius von Heisterbach, Zisterziensermönch (1180-1240) 178, 179 Caesarius von Montserrat, Abt des 218 Klosters Sta. Cecilia von Montserrat (10. Jh.) 186 Calahorra, Prov. Rioja, Spanien 52 Calixt II, Papst (1119-1124) 3, 41-45, 47 Cambrai, Dept. Nord, Frankreich 53, 71, 78 Cannstatt, Stuttgart 88 Capellebrouck, Belgien 74 (Anm. 20) Cappenberg, Westfalen 192 Carri6n de los Condes, Prov. Palencia, Spanien 60 (Anm. 3), 67 Castelfiorentino, Reg. Toskana, Italien 127 Castrum Sigerici, spätantike Siedlung in Kastilien 65 Le Cateau-Cambresis, Dept. Nord, Frankreich 78 Cebreiro, Paßort im Kantabrischen Gebirge 208 Celle 125 (Anm. 20) Chamalieres, Dep. Haute-Loire, Frankreich 53 Champagne, franz. Provinz 70 (Anm. 7) Chateau-Thiery, Dept. Ille-et-Vilaine, Frankreich 207 (Anm. 125) Chlodwig, fränk. König (466-511) 173 (Anm. 10) Christophorus, Heiliger (3. Jh.) 134 Chur, Kt. Graubünden, Schweiz 30, 94 Clavijo, Ort 16 km von Logrof\o (Rioja), legendärer Schlachtort 141 Clunia, Prov. Burgos, Spanien 64, 65 Cluny, Benediktinerabtei im Burgund 55,186 Col de Bonhomme, Vogesenpaß 89, 113 Colmar, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 87 (Anm. 13), 88, 89, 91 Corno, Reg. Lombardia, Italien 94 Compostela siehe Santiago de Compostela <?page no="227"?> Conques, Dept. Aveyron, Frankreich 12, 51, 54, 55, 185 Contentin, Landschaft in der Normandie 53 Coppet, Kt. Genf, Schweiz 93 (Anm. 35) Corbigny, Dept. Nievre, Frankreich 53 C6rdoba, Reg. Andalusien, Spanien 68 Cromwell, Oliver, engl. Staatsmann und Heerführer (1599-1658) 197 Cuna, Prov. Siena, Italien 127 Dänemark 124, 157-168, 157 (Anm. 1), 160-167 Dante Alighieri, italien. Dichter (t 1321) 2 (Anm. 11), 178 Danzig 37, 78, 165, 190 Deutschland 8 (Anm. 33), 13 (Anm. 58), 15, 83-118, 165, 190,196,207, 209 (Anm. 141) Diest, Belg. 79, 80 (Anm. 58) Dijon, Dept. Cöt~'Or, Frankreich 80, 87, 92 (Anm. 31) Disentis, Paßkloster in Graubünden 98 Domenico Laffi, Pilger (17. Jh.) 120 (Anm.6) Dominikus siehe Santo Domingo Dompierre, Dept. Vosges, Frankreich 106 (Anm. 94) Donau 32 Donaueschingen, Schwarzwald- Baar-Kreis 89 Dordogne, Fluß in Südwestfrankreich 115 (Anm. 132) Dornstetten, Freudenstadt 89 Dortmund 36 Douai, Dept. Nord, Frankreich 78, 194, 207 (Anm. 125) Dover, Großbritannien 75 Drake, Francis, engl. Freibeuter und Admiral (t 1596) 204 Drautal, österr. Alpen 133 Dresden 37 Duei\as, Prov. Palencia, Spanien 65 Dürer, Albrecht, Maler (1471-1528) 37 Duero, Fluß in Kastilien 64, 65 Düsseldorf 207 Durlach, Karlsruhe 106 (Anm. 94) Dyg, Hans, Zürcher Maler (um 1500) 109 (Anm.110) Eberhard von Waldburg, Bischof von Konstanz (13. Jh.) 90 (Anm. 22) Ecchehard, Brixener Ministerialer (12. Jh.) 131 Edinburgh, Großbritannien 97 Eifel 35 Eimeldingen, Lörrach 107 (Anm. 100) Einsiedeln, Kt. Schwyz, Schweiz 15, 86,93,94,95, 150,152,153,154,194 Eisackschlucht, Südtirol 30 Elbe 37 Elisabeth, Heilige (1207-1231) 179 Elisabeth von Flandern, Gattin Phillips d' Alsace (t 1182) 72 Eisa, Fluß in der Toskana 121, 125 (Anm.21) Elsaß 35, 87, 93 (Anm. 37) 90-97, 98, 100-103, 104, 111-114 Emden 36, 91 England siehe Großbritannien Epinal, Dept. Vosges, Frankreich 87 Erasmus von Rotterdam, Humanist (t 1536) 195 (Anm. 75) Erfo, langobardischer Edelmann aus dem Friaul (8. Jh.) 122 (Anm. 11) Erfurt 37, 179 Erhard von Regensburg, fränk. Missionsbischof des 7. Jh. 103 Eschau, Elsäßisches Kloster 98 Esla, Fluß in Kastilien 65 Estella, Prov. Navarra, Spanien 59, 209 Esslingen 97 Estland 166 Esrom, Zisterzienserkloster, Dänisches 161 Etschtal, Südtirol 135, 137 Ettenheim, Ortenaukreis 92 219 <?page no="228"?> Ettlingen, Karlsruhe 88 Etzel, Berg am Zürichsee 96 (Anm. 50), 153 Etzlaub, Erhart, Nürnberger Karthograph (um 1500) 38, 79 (Anm. 56), 94 Eusebius von Vercelli, Bischof (4. Jh.) 172 Eustasius, Heiliger und Abt von Luxeuil (t 629) 86 (Anm. 7) Eutropius, Heiliger und 1. Bischof von Saintes 42, 44 Felix Faber, Ulmer Dominikaner, Jerusalempilger (1483) 30 Ferdinand I, dt. Kaiser (1503-1564) 88 (Anm.14) Fernpaß, Alpenpaß 36, 134 Fides von Agen (von Conques), Heilige und Märtyrerin (t 303) 12, 55 (Anm. 25) Filippo II Augusto (Philipp II August), dt. König (1165- 1223) 124 (Anm. 19) Finnland 157-168 Firenze siehe Florenz Fischingen, Kloster im Thurgau 153 Flandern, Grafschaft 71, 72, 78, 90 (Anm. 19), 198 (Anm. 36) Flavigny, Abtei, Dept. Cöte-<i'Or, Frankreich 54 Florenz, Toskana 125, 127, 178 Foix, Stadt und Grafschaft, Dept. Ariege, Frankreich 196 Forli, Reg. Emilia-Romagna, Italien 125 (Anm. 20) Frammersbach, Tirol 31 Franche-Comte (Freigrafschaft Burgund) 43 Franco Bahamonde, Francisco, span. General und Staatsmann (1892- 1975) 205, 206 Fram; ois Villon, frz. Räuber und Lyriker (1431-1463) 195 (Anm. 74) Franken 15 (Anm. 67), 16 (Anm. 68), 17 (Anm. 72) 220 Frankfurt a.d.Oder 37 Frankfurt a. Main 15 (Anm. 67), 36, 37, 88, 92, 183 Frankreich 6, 13 (Anm. 58), 14, 15 (Anm. 67), 16 (Anm. 68 u. 69), 21 (Anm. 81), 35, 41, 43, 67, 76, 78, 81, 85, 91 (Anm. 30), 120, 123 (Anm. 12), 165, 190, 193 (Anm. 65), 194- 196, 199 (Anm. 88), 200 (Anm. 91), 201,206,207,209 (Anm. 141) Frauenfeld, Kt. Thurgau, Schweiz 93 (Anm. 34) Freiberg, Kloster in Sachsen, DDR 43 Freiburg im Breisgau 88, 89, 91, 92, 95, 101 (Anm. 74), 107 (Anm. 100), 111 (Anm. 114), 177 Freising, Oberbayr. Bistum 31 Friaul, ital. Herzogtum 122 (Anm. 11) Friedrich I Barbarossa, dt. Kaiser (1122-1190) 45, 74,103 Friedrich II, dt. Kaiser (1194- 1250) 104 Friedrich VI, Herzog von Schwaben (1171-1191) 101 (Anm. 72) Fribourg (Freiburg), Kanton und Stadt, Schweiz 93, (Anm. 36) Friesenheim, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 89 Furlo, Paß im Apennin 125 Fynes Moryson, engl. Reisender (1595) 34 Gail, Jörg, Augsburger Schriftsteller und Kartograph (um 1563) 38, 77 (Anm. 45), 79 (Anm. 56), 91 Galicien, Spanien 3, 16 (Anm. 69), 60, 62, 66, 67 (Anm. 16), 120 (Anm. 5), 128, 157, 158, 184, 190 Gamshurst, Ortenaukreis 104 (Anm. 87) Gand siehe Gent Gander, Ambros, Tiroler Maler (15. Jh.) 136, 137 Garonne, Fluß in Südwestfrankreich 95 (Anm. 47) <?page no="229"?> Gascogne, Herzogtum und Region, Südwestfrankreich 13 (Anm. 58), 195 Gard, Dept., Frankreich 52 Geldern, Herzogtum 71, 80 Diego II Gelmfrez, Bischof und Erzbischof von Santiago de Compostela (1098-1140) 119, 186 Genf, Kanton und Stadt, Schweiz 36, 88, 91, 92, 93 Genfer See 93 Gengenbach, Pamphylus, Basler Buchdrucker (um 1500) 110, 111 (Anm. 113) Gent (Gand), Belgien 69, 74, 78, 208 Genua, Reg. Liguria, Italien 36 Georg, Heiliger (t 303) 107 Gerardmer, Dept. Vosges, Frankreich 89 Gerberga Flanderensis, Begleiterin des Aimeric Picaud (12. Jh.) 43 Gerbert von Aurillac, später: Silvester II, Papst (940-1003) 175 Gilles Le Bouvier, Schriftsteller (15. Jh.) 77 (Anm. 42) Giogo, Paß im Apennin 125 Gironde, franz. Dept. 48 Civet, Dept. Ardennes, Frankreich 80 Glurns, Reg. Trentino, Italien 137 Codeschalk (Gottschalk, Gotescalc), Bischof von Le Puy 936-%2) 20, 21, 59 (Anm. 1), 66, 186 Görz, Oldenburg 134 Goethe, Johann Wolfgang von, (1749- 1832) 2 (Anm. 9), 15 (Anm. 67) Gotha, Erfurt, DDR 125 (Anm. 20) Gotland, Schweden 159 Gran San Bernardo siehe Großer Sankt Bernhard Graubünden, schweiz. Kanton 36, 88 Gregor 1. der Große, Papst (59~04) 173 Gregor von Nyssa, Theologe, Heiliger (335-394) 197 (Anm. 83) Gregor von Tours, Bischof, Heiliger (538-594) 173 Gretser, Johann, Theologe (um 1600) 197 Gries, Reg. Trentino, Italien 137 Grissian, Reg. Trentino, Italien 137 Großbritannien (England) 43, 87 (Anm. 13), 90 (Anm. 19), 91 (Anm. 30), 190, 197, 199, 207, 209 (Anm. 141) Großer Sankt Bernhard (Gran San Bernardo), Alpenpaß 123, 124, 125 (Anm. 20) Guersi, Guido, Präzeptor des Antoniter-Klosters Isenheim (um 1500) 101, 103 Guiman, Mönch im Kloster Saint- Vaast (12. Jh.) 72 (Anm. 17) Gundelfingen, Freiburg 92 Gunter von Vigenhege, elsäß. Adliger (um 1100) 101 (Anm. 72) Hämeenlinna, Finnland 159, 165 Hagenau, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 87, 103, 104, 105 Hainaut, belg. Grafschaft 71 Halle a.d.Saale 37, 78, 92, 93 Hamburg 36, 37, 167 (Anm. 34), 190 Hameln, Nieders. 36 Hannover 37 Hans von Waldheym, Hallescher Pilger (15. Jh.) 92, 93, 95, 98 Haslach im Kinzigtal, Ortenaukreis 90 Haspres, Belgien 78 Hasselt, Belgien 79 Hedio, Caspar, Straßburger Domprediger und Chronist (16. Jh.) 90 (Anm. 20) Heidelberg 88, 92 (Anm. 31) Heiliges Land siehe Palästina Heinrich II, Herzog von Schwaben (Heinrich VII, dt. König) (1211- 1242) 104 (Anm. 87) Heinrich III. dt. Kaiser (1017-1056) 71 221 <?page no="230"?> Heinrich der Fromme, Sachsenherzog (1539-1541) 193 Heinrich Findelkind, Kemptener Bürger, Gründer des Arlberghospizes (1386) 134 Heinrich von Beinheim, Basler Chronist (15. Jh.) 96 (Anm. 51) Hentzner, Paul, Reiseschriftsteller (um 1600) 91, 95 Hermann Künig von Vach, Santiagopilger (1485) 12, 15, 77, 78, 79, 80, 86, 89, 93, 97, 128 Herodes, bibl. Gestalt 62 Herrad von Hohenberg/ Landsberg, elsäß. Adliger (um 1100) 101 (Anm. 72) Hesiod, griech. Dichter (um 700 v.Chr.) 1 Hilarius von Poitiers, Bischof, Heiliger (315-367) 172 Hoeke, Niederlande 74 (Anm. 21) Höxter, Nordrhein-Westfalen 36 Höllental, Schwarzwald 89, 90 Hohenberg, Ostalbkreis 16 (Anm. 69) Horb, Freudenstadt 90 Homberg, Ortenaukreis 90 Hrafn Sveinbjamarson, isländischer Santiagopilger (um 1213) 160 Hüfingen, Schwarzwald-Baar-Kreis 89 Hüningen, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 107 (Anm. 100) Hugo de Vermandois, Erzbischof von Reims, Pilger (10. Jh.) 67 Hunsrück 35 ll~e-France, franz. Provinz 70 (Anm. 7) lldefons von Toledo, span. Gelehrter (t 667) 6 (Anm. 22), 20 llsung, Sebastian (Sebald Ilsung), Augsburger Santiagopilger (1446- 48) 8 (Anm. 32), 189 Imola, Stadt in Italien (Prov. Bologna) 16 (Anm. 69) Imst, Stadt in Tirol 32 222 lngelram, nieder! . Edelmann (11. Jh.) 72 (Anm. 12) Ingrid von Skännige, skand. Heilige, Santiagopilgerin 160 Inn 132,135 Innsbruck, ÖSterreich 36, 88 (Anm. 13), 125 (Anm. 20), 131, 132, 133, 134, 141 Iria Flavia, Bischofsitz in Galicien (heute: Padr6n) 158, 185 Irland 197, 209 (Anm. 141) lsabella II, Königin von Spanien (1830-1904) 203 lsenheim, Elsäßisches Antoniterkloster 101, 103 Isidor, Heiliger und Erzbischof von Sevilla (t 633/ 36) 44 Island 160, 163 Italien 10 (Anm. 42), 14, 28, 34, 35, 39, 41, 87 (Anm. 13), 88, 89 (Anm. 17 u. 18), 91 (Anm. 30), 96 (Anm. 49), 119-128, 193 (Anm. 65), 197, 207,209 (Anm. 141) Jaca, Prov. Huesca, Spanien 9,209 Jacob von Castelmur, graubündner Adliger (14. Jh.) 30 Jacob von Fleckenstein, elsäß. Vogt (um 1500) 103 (Anm. 83) Jakobus der Jüngere (Saint-Jacques le Mineur), A: Postel (1. Jh.) 71 Jakobus der Altere, Apostel (1. Jh.) (Jacobus Major, San Giacomo, St. James) 3-5, 12 (Anm. 50), 15, 23, 41-45, 48, 61-65, 69-71, 73, 79, 81, 84, 85, 103-105, 109, 119, 123, 127, 131, 132, 138, 158, 159, 173, 176, 177, 182-188, 190, 193, 194 (Anm. 74), 199,201,204,206 Jean d'Oisy siehe Johannes de Osie Jakob III. Stuart, engl. Thronprätendent (1688-1766) 199 Jeremias, bibl. Gestalt 2 Jerusalem 5, 6, 23, 30, 35, 47, 62, 71, 94 (Anm. 43), 103, 157, 160, 164, 178, 179, 189, 190 Jesus Christus 188 <?page no="231"?> Jodocus, Heiliger, Pilger und Eremit (t um 669) 103 Jodoigne, Belgien 80 Johannes, Apostel (1. Jh.) 2, 4, 62, 72 (Anm. 17), 104, 126 Johannes de Osie Oean d'Oisy), flämischer Edelmann (11. Jh.) 71 Johannes der Täufer, bibl. Gestalt 185 Johannes Paul II, Papst (seit 1978) 209 Joseph Bonaparte, Bruder Napoleons I, König von Spanien (1768-1844) 204 Judas, bibl. Gestalt 104 (Anm. 87) Jütland, Dänemark 165 Jung, Georg Conrad und Johann Georg, Nürnberger Kartographen (17.Jh.) 87(Anm.13) Jura 88 Kantabrisches Gebirge (Cordillera Canttibrica), 64 (Anm. 9), 86 (Anm. 8), 210 (Anm. 144) Kastilien (Altkastilien, Neukastilien), Königreich und Provinz, Spanien 14 (Anm. 59), 21 (Anm. 84), 59-68, 186 Kassel 36, 72 (Anm. 12) Kappelwindeck, Rastatt 106 (Anm. 94) Kaysersberg, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 89, 111-113 Karl der Große, König und Kaiser (768-814) 7, 24, 41, 42, 45, 53, 63, 65, 173, 174,175,212 Karl II, König von Spanien (1661- 1700) 199 Kehl, Ortenaukreis 88, 90 Kembs, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 92 Kempten, Allgäu 134 Kerns, Kt. Obwalden, Schweiz 93 Kesselbergstraße, Wegstrecke über Kochei- und Walchensee 30 Killer, Zollernalbkreis 16 (Anm. 70) Kinzigtal, Schwarzwald 89, 90 Klausen, Alpenpaß 30, 31 Kniebis, Schwarzwaldpaß 89, 90, 91, 100 Kochelsee, Bayern 30 Kölderer, Jörg, Tiroler Baumeister (um 1520) 32 Köln 24 (Anm. 92), 31, 32, 35, 36, 78, 79, 88, 91, 96, 178, 186, 193 (Anm. 65), 207 Königsfeld, Kt. Aargau, Schweiz 93 (Anm.39) Köslin, Baltikum 77 (Anm. 46) Konstantin I der Große, röm. Kaiser (280-337) 172, 178 Konstantinopel siehe Byzanz Konstanz 90, 93, 95, 150, 152, 190 Künig von Vach siehe Hermann Künig von Vach Kunigunde von Eschau, Äbtissin (12. Jh.) 98 (Anm. 55) Kunter, Heirnich, Straßenbauer (14. Jh.) 28, 30 La Coruna, Reg. Galicien, Spanien 76, 166 Lago di Bolsena, Mittelitalien, See 121 Lahr, Ortenaukreis 88 Laibach, Ortenaukreis 134 Lambach, Oberösterreich 180 Landau, Pfalz 87 (Anm. 13) Langenthal, Kt. Bern, Schweiz 93 (Anm.39) La Rochelle, Dept. Charente-Maritime, Frankreich 95 (Anm. 47) Laufenburg, Kt. Aargau, Schweiz oder Lkr. Waldshut 107 (Anm. 100) Lausanne, Kt. Waadt, Schweiz 88 (Anm. 16), 93 Lauterburg, Dept. Bas-Rin, Frankreich 88 Laval, Dept. Mayenne, Frankreich 16 (Anm. 69) Lazarus von Bethanien, Heiliger und Zeitgenosse Jesu 127 Lech, Alpenfluß 37 223 <?page no="232"?> Leinser, Claus, Prior im St. Christoph Hospiz am Arlberg (16. Jh.) 135 Lenzburg, Kt. Aargau, Schweiz 93 (Anm. 36) Ledigos, Prov. Palencia, Spanien 67 Legio, spätantike Siedlung in Kastilien, siehe Le6n 64 Leifers, Reg. Trentino, Italien 137 Leipzig 37 Leo XIII, Papst (1878-1903) 204 Leo von Rozmital, böhm. Santiagopilger (1465) 22 (Anm. 87), 77 Le6n, Bischof von Jerusalem (um 800) 62, 63, 66 Le6n, Region und Stadt, Spanien 21 (Anm. 84), 44, 59-68, 186 Leonard von Noblat (t um 559? ), Heiliger und Abt 12 (Anm. 50), 53 Lettland 166 Libanon 198 Liberius, Papst (352-366) 172 Lichtenau, Rastatt 88 Liege (Lüttich), Bistum und Stadt, Belgien 71,74,80,81 Ligurien (Liguria), ital. Region 121, 124, 126 Liestal, Kt. Basel, Schweiz 87, 107 (Anm. 100) Lieven De Caluwe, niederl. Pilger (16. Jh.)69 Limburg, niederl. u. belg. Provinz 71 Limoges, Dept. Haute-Vienne, Frankreich 21 (Anm. 82), 54, 66, 159,185 Lindau, Österreich 36 Linköping, schwed. Wallfahrtsort 165 Linz, Österreich 111 (Anm. 114) Lissewege, Niederlande 74 (Anm. 21) Litauen 166, 197 Logrof\o, Prov. Rioja, Spanien 59 Loire, Fluß in Zentralfrankreich 42, 50 London, Großbritannien 92 (Anm. 31), 123 224 Lombardei (Lombardia), ital.Region 35,36 Lothringen, frz. Provinz 35, 70 (Anm. 7), 86, 93 (Anm. 37), 123 (Anm. 12), 198 (Anm. 86) Louvain (Löwen), Belgien 79, 80 (Anm. 58) Lucca, Reg. Toskana, Italien 121, 124, 125, 126, 127 Lucia von Syrakus (um 300? ) Heilige 103 (Anm. 83) Lucius III, Papst (1181-1185) 101 (Anm. 72) Ludwig VII, König von Frankreich (1120-1180) 54 Lübeck 36, 37, 78, 165 Lüneburg 37 Lugo, Reg. Galicien, Spanien 60 Lukas, Evangelist 2 Luni, Prov. Lucca, Italien 124, 126 (Anm. 22) Lund, Schweden 160, 161, 165 Luther, Martin, Theologe (1483-1546) 171, 195 (Anm. 75) Luxemburg, Herzogtum 71, 81 (Anm.64) Luxeuil-les-Bains, Dept. Haute- Saöne, Frankreich 87 Luzifer von Cagliari, Bischof (4. Jh.) 172 Luzern, Kanton und Stadt, Schweiz 87, 88, 93 (Anm. 34) Lyon, Frankreich 36, 88, 91, 92 (Anm.31) Maas 74 (anm. 22) Maastricht, Niederlande 79, 80 (Anm. 58), 94 Magnus Eriksson, König von Schweden (1319-1363) 161 Madrid, Spanien 208 Magdeburg 37,134 Mailand, Italien 128 Mainz 32,36,86,88,91, 124 Malines (Mechelen), Belgien 79 Mals, Reg. Trentino, Italien 137 Marbach, Elsäßisches Kloster 101 <?page no="233"?> Marburg 179 Marckolsheim, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 88, 89, 91, 92 Margarethe I, Königin von Dänemark (1353-1412) 161 Margeride, Gebirgszug im Zentralmassiv 72 Maria Anna von Pfalz-Neuburg, Königin von Spanien, Gattin Karls II. (1667-1740) 199 Maria Magdalena, Heilige (1. Jh.) 12, 53, 92, 172 (Anm. 3), 185 Maria Theresia, Kaiserin (1717-1780) 200 (Anm. 91) Martin, Abt des Klosters Saint-Vaast in Arras (12.Jh.) 72 (Anm.17), 73 Martin, Heiliger, Bischof von Tours (371-397) 12 (Anm. SO), 132 Maschihös, Kt. Wallis, Schweiz 149 Matthäus, Evangelist 2, 3 (Anm. 12), 4 Matzenheim, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 91 Maubeuge, Dept. Nord, Frankreich 75, 197 Maximilian 1. Kaiser (1459-1519) 32, 34, 179 Mechelen siehe Malines Mecklenburg 37 Meseta, Landschaft in Kastilien 64, 65 Metz, Dept. Moselle, Frankreich 86 Meuse, Fluß in Nordfrankreich 80 Michael von Gargano, Erzengel 127 Minden 36 Middelburg, Niederlande 36 Milano siehe Mailand Mittelmeer 38, 137 Moissac, Dept. Tarn-et-Garonne, Frankreich 105 (Anm. 88) Molsheim, Dept.Bas-Rhin, Frankreich 105 Montaigne, Michel de, frz. Schriftsteller (1533-1592) 35 Moncenisio, Alpenpaß 123, 125 (Anm. 20), 128 Monginevro, Alpenpaß 124, 128 Mons (Bergen), Belgien 78 Montauban, Dept. Tarn-et-Garonne, Frankreich 126 (Anm. 23) Montbeliard, Dept. Doubs, Frankreich 92 (Anm. 31) Monte Bardone, Paß im Apennin 121, 122, 125 Montecassino, ital. Benediktinerabtei, Latium 3 Monteriggione, Reg. Toskana, Italien 126 Montpellier, Dept. Herault, Frankreich 43 Mont Sainte-Odile siehe Odilienberg Morges, Kt. Waadt, Schweiz 93 (Anm. 35) Mosel 35 Mühlhausen siehe Mulhouse München 36,111 (Anm.114), 206 Münster 36 Münzer, H. Santiagopilger (1484) 77 Mulhouse, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 87, 88 Najera, Prov. Rioja, Spanien 6, 59, 60 Namur, belg. Grafschaft 71 Nancy, Dept. Meurthe-et-Moselle, Frankreich 86, 88, 89 Napoli siehe Neapel Naumburg, Halle, DDR 37 Navarra (Baskenland), Königreich und Reg., Spanien 10, 44, 59, 195 Neapel 127 (Anm. 28) Neckarelz, Neckar-Odenwald-Kreis 17 Neuenburg, Breisgau-Hochschwarzwald 88, 89, 91 Neuf-Brisach (Neubreisach), Dept. Haut-Rhin, Frankreich 88 Neustadt, Breisgau-Hochschwarzwald 89 Neuweiler, Dept. Bas Rhin, Frankreich 111 (Anm. 114) Nicholas di Munkathvera, Isländischer Abt und Pilger (um 1150) 124, 166 225 <?page no="234"?> Nicola Albani, Neapolitaner, Santiagopilger (um 1740) 127 Nicolaus Rummel, Nürnberger Santiagopilger (1408/ 09) 193 Niederlande 13 (Anm. 58), 14, 28, 35, 36, 37, 69-82, 90 (Anm. 19), 96 (Anm. 49), 123 (Anm. 11), 193 (Anm. 67), 1%, 199 (Anm. 88), 207, 209 (Anm. 141) Niedermendig, Koblenz 111 (Anm. 114) Niedermünster Priorat am Odilienberg 94 Niederstraße 79, 86 Nieuwport, Belgien 76 Nikolaus von Cues, Kardinal, Philosoph (1401-1464) 195 (Anm. 75) Nikolaus von der Flüe, Heiliger, Mystiker (1417-1487) 93 Nikolaus von Myra (von Bari), Heiliger (4. Jh.) 103, 159, 165 Nimes, Dept. Gard, Frankreich 50 Nimwegen, Niederlande 134 Nivelles, Belgien 80 Nordsee 35,37,38 Normandie, Herzogtum und Region, Frankreich 53, 70 (Anm. 7), 71 Norwegen 124, 157-168 Nürnberg 36, 37, 38, 87 (Anm. 13), 88, 91 (Anm. 26), 193 Nyon, Kt. Waadt, Schweiz 93 (Anm. 34, 35, 36) Oberbreisig, Ahrweiler, Rheinland- Pfalz 111 (Anm. 114) Oberkirch, Ortenaukreis 92 Oberstraße (Oberstraß) 79 (Anm. 55), 93, 128, 194, 207 Obernai, Dept.Bas-Rhin, Frankreich 107 (Anm. 100) Örebro, Schweden 165 örtel, Sebald, Nürnberger Santiagopilger (1521/ 22) 93 Österreich 34, 35, 195, 198, 209 (Anm.141) Oetinger, Johann, Kartograph (um 1600) 90 (Anm. 23) 226 Oder 35 Odilienberg (St. Odilia, Mont Sainte- Odile), Wallfahrtsort in den Vogesen 94, 95, 101 (Anm. 73) Offenburg, Ortenau 88, 89, 90, 92, 107 (Anm. 100) Oja, Fluß in der Rioja 52 Olaf II. der Heilige, König von Norwegen (995-1030) 158, 164 Oppenau, Ortenaukreis 90 Orange, Dept. Vaucluse, Frankreich 50 Orbigo, Fluß in Kastilien 67 Orcia, Fluß in der Toskana 121 Oron, Kt. Waadt, Schweiz 93 (Anm. 39) Osma, spätantike Siedlung in Kastilien 65 Osnabrück 36 Ostabat-Asme, Dept. Pyrenees- Atlantiques, Frankreich 9 Osteria Bruciata, Paß im Apennin 125 Ostsee 35, 37, 38, 163, 168 Ottmarsheim, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 92 Otto 1., Bischof von Bamberg (1106- 1139) 132 Otto II. von Andechs, Bischof von Brixen (12. Jh.) 133 Otto III., Kaiser (980-1022) 175 Oviedo, Reg. Asturien, Spanien 203 Paderborn 36 Paglia, Fluß in der Toskana 121, 122 (Anm. 11) Palästina (Terra Santa, Heiliges Land) 124,126,135,138,158,178, 193 (Anm. 65), 206 Pallantia, spätantike Siedlung in Kastilien 64 Pamplona, Prov. Navarra, Spanien 11 (Anm. 44), 55, 59, 60, 123 Paris, Frankreich 20, 70, 78, 79, 80, 92 (Anm. 31), 105 (Anm. 88), 123, 165,206 <?page no="235"?> Parma, Reg. Emilia-Romagna, Italien 121, 125, 127, 128 Parthenay, Dept. Deux-Sevres, Frankreich 43 Pasche, Diderik, Seemann aus Stockholm (um 1500) 167 Paschen, Dirk van, Seefahrer aus Antwerpen (16. Jh.) 76 (Anm. 33) Paul VI, Papst (1963-1978) 211 Paulus, Apostel (1. Jh.) 172 (Anm.3) Pavia, ital. Herzogtum 121 Pavia, Prov. Milano, Italien 122, 124, 127, 128 Perigueux, Dept. Dordogne, Frankreich 46, 51, 53, 54, 55 Perugia, Reg. Umbria, Italien 207 Petrarca,Francesco, ital. Humanist und Dichter (1304-1374) 181 Petrus, Apostel (1. Jh.) 132 Pfäffikon, Kt. Zürich, Schweiz 153 Pfoll, Bernhardin, Esslinger Santiagopilger (1514) 97 Pforzheim 88, 91 Philippe d' Alsace, Graf von Flandern (1136/ 40-1191) 72, 73, 74 Philipp IV, König von Spanien (1621- 1665) 205 (Anm. 117) Piacenza, Reg. Emilia-Romagna, Italien 124, 126, 128 Picardie, franz. Provinz 70 (Anm. 7) Pistoia, Reg. Toscana, Italien 119, 127,207 Platon, griech. Philosoph (428-348 v.Chr.) 1 Plurs, Kt. Graubünden, Schweiz 30 Plymouth, Großbritannien 75 Po, ital. Fluß 124 Poggibonsi, Prov. Siena, Italien 125 Poitiers, Dept. Vienne, Frankreich 13 (Anm. 59), 195 (Anm. 74) Poitou, franz. Provinz 43, 44, 76 (Anm. 34), 195 Polen 190,198,209 (Anm. 141) Polling, Kloster, Kreis Weilheim (Oberbayern) 43 Pommern 37 Pompadour, Marquise de, Mätresse Ludwigs XV (1721-1764) 199 Portenberg siehe Puerto de San Adrian Porto, Portugal 207 (Anm. 125) Portomarin, Prov. Lugo, Spanien 67 Portsmouth, Großbritannien 75 Portugal 43, 197, 201, 206, 207 Prag, Tschechoslowakei 3, 37, 134 Prissian, Reg. Trentino, Italien 137 Provence-Languedoc (Provincia Narbonensis), franz. Provinz 52, 56,195 Puerto de San Adrian (Portenberg), Paß im Kantabrischen Gebirge 86 (Anm. 8), 210 (Anm. 144) Pustertal, Südtirol 131, 133, 135 Le Puy, Dept. Haute-Loire, Frankreich 12, 20, 21, 55, 59 (Anm. 1), 66, 80 Pyrenäen 6, 10,20,59,63,66,115 (Anm. 132), 195, 205 Quievrain, Belgien 78 Raber, Vigil, Maler zu Sterzing (16. Jh.) 134 Rabland ob der Töll, Reg. Trentino, Italien 137 Rapperswil, Kt. Zürich, Schweiz 150, 152 Raphael de Mercatellis, engl. Abt (15. Jh.) 77 Rastatt, Karlsruhe 88, 91, 107 (Anm. 100) Ravenna, Reg. Emilia Romagna, Italien 121 Rehdinger, Christoph, schlesischer Reisender um 1600 91f., 95 (Anm. 47) Regensburg 36,43,97 Regnier de Montigny, franz. Räuber (16. Jh.) 195 (Anm. 74) Reichenau, Konstanz 98 Reims, Dept. Marne, Frankreich 80, 175 227 <?page no="236"?> Rem, Lukas, Augsburger Reisender (1515) 37 Remiremont, Dept. Vosges, Frankreich 87 Renchen, Ortenaukreis 104 Renchtal, Schwarzwald 92 Renko, Finnland 162 Reschen, Alpenpaß 32, 36, 135 Rethel, Dept. Ardennes, Frankreich 81 Reval, Estland 166, 190 Reutlingen 90 Reutte, Allgäu 134 Rhein 32, 35, 36, 74 (Anm. 22), 79, 85-87, 124, 179 Rheinau, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 88 Rheinfelden, Kt. Aargau, Schweiz 93 (Anm. 39), 107 (Anm. 100) Rheinhausen, Karlsruhe 88 Rhone 36, 87, 95 (Anm. 47) Ribe, Dänemark 165, 166 Ribeauville, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 106 (Anm. 94) Richeöme, Louis, frz. Theologe (um 1600) 197 Riga, Lettland 78 Rindfleisch, Pieter, Santiagopilger (1506) 77, 78 Ringler, Johannes, Basler Bürger (um 1500) 109 Rioja, Landschaft in Kastilien 20, 59 (Anm. 1), 65 Ripaille siehe Thonon Roa de Duero, Prov. Burgos, Spanien 65 Rocamadour, Dept. Lot. Frankreich 15 (Anm. 66) Rochus von Montpellier (13./ 14. Jh.) (Rocco), Heiliger 109, 127 Rodem, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 106 (Anm. 94) Rodrigo, Kastilischer Graf (9. Jh.) 65 Rötel, Johannes, Tiroler Santiagopilger (15. Jh.) 137 Rogel, Hans, Augsburger Maler um 1565 91 (Anm. 25) 228 Roland, Gefährte Karls des Großen (8. Jh.) 7 (Anm. 28), 41, 42, 45, 53 Rolle, Kt. Waadt, Schweiz 93 (Anm. 34, 35) Romont, Kt. Fribourg, Schweiz 93 (Anm. 34, 36, 39) Romagna (Emilia-Romagna), ital. Region 121 Rom 5, 6, 23, 35, 38, 80 (Anm. 61), 94, (Anm. 43), 96, 103, 119, 120, 121, 122-126, 128, 136, 138, 157, 160, 164,166,172,175,178,179,189 Roncesvalles, Priorat u. Hospiz in den Pyrenäen, Prov. Navarra, Spanien 15 (Anm. 67), 59, 60, 65, 67,100,208 Roncevaux siehe Roncesvalles Rorschach, Kt. St. Gallen, Schweiz 150 Rote, Juan Nicolas, Bamberger Santiagopilger (1717) 198 Rouffach (Rufach), Dept. Haut-Rhin, Frankreich 94, 95 Rothenburg, Lkr. Ansbach 125 (Anm. 20) Rottenburg, Tübingen 89 Rotterdam, Niederlande 36 Rovereto, Südtirol 33 Saarbrücken 94 Sachseln, Kt. Obwalden, Schweiz 105 Sahagun, Prov. Le6n, Spanien 21 (Anm. 84) Sainte-Seine, Dept. Cöte-d'Or, Frankreich 53 Saintes, Dept. Charente-Maritime, Frankreich 42 Saintonge, Landschaft in Südfrankreich 43, 46 (Anm. 11), 48 Salzburg, Österreich 36 San Esteban de Gormaz, Prov. Soria, Spanien 65 San Giacomo siehe Jakobus der Ältere San Juan de Ortega, Prov. Burgos, Spanien 208 <?page no="237"?> San Quirico d'Orcia, Reg. Toskana, Italien 126 San Salvatore, Kloster auf dem Monte Amiata 122 (anm. 11) Sancho I Garces, König von Navarra (905-925) 59 (Anm. 1), 65 Sancho III. der Große, König von Navarra (1000-1035) 6, 59 Sancho V. Ramfrez, König von Navarra (1076-1094) 186 Santa Marta de Tera, Kloster, Provinz Zamora, Spanien 188 (Anm. 48) Santa Cristina, Hospiz am Somportpaß 100 Santiago de Compostela (Compostela) 2 (Anm. 7), 4-6, 11, 13, 14 (Anm. 62), 15 (Anm. 66), 16, 20, 21 (Anm. 82, 84), 22 (Anm. 85), 23-25, 41-48, 50, 54, 56, 59-63, 65-69, 71-75, 78, 81-83, 86, 87, 90, 93, 94 (Anm. 43), 97, 103, 105, 106 (Anm. 91), 107, 111, 113, 115, 116, 119-122, 124, 127, 128, 131, 133, 135, 137, 138, 141, 157-159, 164-165, 176, 178, 182, 183-187, 188-192, 194-198, 200-206, 209 Santo Domingo de la Calzada, Prov. Rioja, Spanien 50, 52 Santo Domingo de la Calzada, Straßenbauer, Heiliger (11. Jh.) 52 Santo Domingo de Silos, Prov. Burgos, Spanien 59 Sar, Fluß bei Santiago de Compostela 62 Sarzana, Reg. Liguria, Italien 126 Saverne, Dept. Bas-Rhin, Frankreich 86, 88 Schaffhausen, Kanton und Stadt, Schweiz 95 Scheggia, Paß im Apennin 125 Schlesien 92 (Anm. 31) Schleswig 165 Schlettstadt siehe Selestat Schliengen, Lörrach 91 Schlierbach, Göppingen 107 (Anm. 100) Schonen, schwed. Landschaft 165 Schrondorf, Rems-Murr-Kreis 91 Schwäbisch Hall 28 Schwarzwald 85, 88, 89, 90, 100 Schwaz, Tirol 141 (Anm. 16) Schweden 159-168 Schweiz 16 (Anm. 68, 69), 33, 85, 87, 92-97, 135, 143-155, 196,207, 209 (Anm. 141) Sebastian, Heiliger (3./ 4. Jh.) 127 Segisamo, spätantike Siedlung in Kastilien 64 Selestat (Schlettstadt), Dept. Bas- Rhin, Frankreich 88, 89, 91, 92, 94, 98, 107 (Anm. 100) Septimer, Alpenpaß 30 Siena, Reg. Toskana, Italien 121, 125, 126 Sigmund, Herzog von Tirol (1446- 1496) 30, 31 Sigurd 1., König von Norwegen (1103-1130) 158 Silvester II. (Gerbert von Aurillac), Papst (999-1003) 175 Simancas, Prov. Valladolid, Spanien 65 Simon, Heiliger (1. Jh.)104 (Anm. 87) Simplon, Alpenpaß 146, 148 Sinzheim, Rastatt 17-19 Sinzig, Koblenz 8 (Anm. 33) Sixtus IV., Papst (1471-1484) 190 Skandinavien 157-169, 190 Skara, Schweden 165 Soest, Westfalen 36 Soignies, Belgien 78 Solothurn, Kanton und Stadt, Schweiz 88 (Anm. 16), 93 (Anm. 39) Somport, Pyrenäenpaß 100 Soro, Dänisches Zisterzienserkloster 161 Soulac-sur-Mer, Dept. Gironde, Frankreich 207 (Anm. 125) Spanien 3-20, 21 (Anm. 81), 41, 42, 48, 50, 52, 56, 72 (Anm. 15), 76, 81, 105 (Anm. 91), 116, 123, 124 (Anm. 18), 158, 184, 193 (Anm. 65), 195, 229 <?page no="238"?> 196, 201-206, 209 (Anm. 141) Speyer 36, 88, 91 St. Anton, Arlberg, Österreich 134 St. Amarin, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 87 St. Arbogast, Stift in Straßburg 99 St. Beat, Kt. Bern, Schweiz 93 (Anm. 39) St. Christoph, Hospiz am Arlbergpaß 134 St. Die, Dept. Vosges, Frankreich 89 St. Emmeram, Regensburg 43 St. Fides, Kloster in Schlettstadt 98 St. Gallen, Schweiz 98 St. Gotthard, Alpenpaß 28, 35, 87, 88 St. James siehe Jakobus St.-Gilles, Dept. Gard, Frankreich 50,52,53,54,55, 185 St. Gilles siehe Aegidius St-Jacques le Mineur siehe Jakobus der Jüngere St.-Jean-d.'Angely (Angeliacus), Dept. Charente-Maritime, Frankreich 48, 185 St.-Jean-Pied-d.e-Port, Dept. Pyrenees-Atlantiques, Frankreich 9 St. Leonhard, Augustinerstift in Basel 108 St.-Leonard-d.e-Corbigny (Dept. Nievre) 53, 54 St.-Leonard de Noblat, Dept. Haute- Vienne, Frankreich 52, 53, 54, 207 (Anm.125) St. Markus, Hospiz in Straßburg 98 St. Maurice, Kt. Waadt, Schweiz 93 St. Maximin-la-Ste.-Baume, Dept. Var, Frankreich 12, 13, 92 St.-Michel-Pied-d.e-Port, Dept. Pyrenees-Atlantiques, Frankreich 9 St. Moriz, Kt. Graubünden, Schweiz 93 (Anm. 39) St.-Nicolas-d.e-Port, Dept. Meurtheet-Moselle, Frankreich 86 St.-Quentin, Dept. Aisne, Frankreich 80 230 St.-Trond, Belgien 79, 80 St.-Vaast, Kloster in Arras 72, (Anm. 17), 73 St. Valentin, Priorat in Rufach 94 (Anm. 44) Stade, Niederlande 80 Ste. Appoline, Kt. Fribourg, Schweiz 152 Ste.-Catherine-d.e-Fierbois, Dept. Indre-ex-Loire, Frankreich 13 (Anm. 59) Ste. Foy siehe Fides Ste.-Marie-aux-Mines (Markirch), Dept. Haut-Rhin, Frankreich 89 Ste. Odilia siehe Odilienberg Sterzing, Reg. Trentino, Italien 31, 133, 138, 140, 141 Stettin, DDR 37 Stick! , Paul, Straßenaufseher Kaiser Maximilians (16. Jh.) 32 Stockholm, Schweden 160, 165, 166 Stralsund 166, 190 Straß, Inntal 133 Straßburg, Frankreich 36, 86-92, 94- 96, 98, 101, 103, 111, 113, 114 Stuttgart 91 Sursee, Kt. Luzern, Schweiz 93 (Anm.39) Susa, Alpenfluß 123, 128 Sutri, Prov. Viterbo, Italien 121, 127 Syrien 193 (Anm. 65) Taccoen, Jean, Herr von Ziellebeke, fläm. Pilger (1512) 69 Taxis, lombardisches Adelsgeschlecht (15. Jh.)34 Terra Santa siehe Palästina Tevere siehe Tiber Thann, Dept. Haut-Rhin, Frankreich 87, 94, 95 Theobald von Thann, Heiliger 94 (Anm. 43) Theodomir von lria, Bischof von Iria Flavia (um 800) 61, 63 (Anm. 7), 185 Theresia, Tochter des Königs von <?page no="239"?> Portugal, Gattin Philipps d' Alsace (12.Jh.) 72 Thomas von Kempen, Mystiker (1379-1471) 195 (Anm. 75) Thonon-les-Bains (Ripaille), Dept. Haute-Savoie, Frankreich 93 (Anm. 39) Thorberg, Kt. Bern, Schweiz 93 (Anm. 34, 39) Thorleif, Bischof von Bergen (15. Jh.) 160 Thüringen 37 Thuins, Reg. Trentino, Italien 133, 140, 141 Thun, Kt. Bern, Schweiz 93 (Anm. 39) Thurgau, Schweiz. Kanton 153 Tiber, (Tevere), ital. Fluß 125 Tingen, Kt. Graubünden, Schweiz 30 Tirlemont, Belgien 79 Tirol 30, 33, 36, 39, 131-141, 194 Tisefons, Begleiter des hl. Jakobus (1. Jh.) 62 Toulouse, Dept. Haute-Garonne, Frankreich 14 (Anm. 59), 51, 54, 92 (Anm. 31), 95 (Anm. 47), 185 Tongres (Tongern), Belgien 79 Toro, spätantike Siedlung in Kastilien 65 Torquatus, Begleiter des HI. Jakobus (1. Jh.) 62 Tortosa, Prov. Barcelona, Spanien 123 Toscana, ital. Region 120 (Anm. 8) 123 (Anm. 13) Touraine, frz. Herzogtum 13 (Anm. 59) Tours, Dept. Indre-et Loire, Frankreich 21 (Anm. 82), 54, 66, 76 (Anm. 34), 86, 185 Tournai, Stadt und Bistum, Belgien 71,211 Tramin, Reg.Trentino, Italien 137 Triacastela, Prov. Lugo, Spanien 67 Trient, ital. Herzogtum 121 Trier 35, 43, 86, 88, 94, 134, 179 Trondheim, Norwegen 162 Truttenhausen, Priorat am Odilienberg 94, 101 Türkei 193 (Anm. 65) Tuscia, ital. Herzogtum (spätere Toskana) 121, 122 (Anm. 11) Turku siehe Abo Turpin, Erzbischof von Reims (748- 794) 7, 41, 42 Ubbo Emmius, ostfriesischer Reisender (um 1576) 91, 95 Ubierna, spätantike Siedlung in Kastilien 65 Udalscalch, Brixener Ministerialer (12. Jh.) 131 Ulla, Fluß in Galizien 62 Ulm 23, 30, 36, 88, 90, 91 Umbrien (Umbria), ital. Region 125 Ungarn 53,190,198 Uppland, Schweden 159 Uppsala, Schweden 163 Uri, schweiz. Kanton 28 Urloffen, Ortenaukreis 104, 105 Urseren, Kt. Uri, Schweiz 28 Uta von Schauenburg, bad. Adelige (um 1200) 104 (Anm. 87) Valenciennes, Dept. Nord, Frankreich 78, 80 Valentin von Rom (t 269), Heiliger 94 Valif\a Sampedro, Elias, Priester auf dem Cebreiro (t 1989) 208 Vega de Valcarce, Prov. Le6n, Spanien 67 Venedig 34, 37, 87, 89 (Anm. 17), 90, 120 (Anm. 5), 126 (Anm. 22) Venetien (Veneto), ital. Region 128 Verdiana Attavanti von Castelfiorentino (13. Jh.), Heilige 127 Vergaville (Widersdorf), Dept. Moselle, Frankreich 86, 87 Versoix, Kt. Genf, Schweiz 93 (Anm.35) Vesoul, Dept. Haute-Saöne, Frankreich 87 231 <?page no="240"?> Vezelay, Dept. Yonne, Frankreich 12, 13, 42, 43, 46, 47, 50, 52, 53-55, 80, 185 Via Appia, Römerstraße, Capua-Rom 128 Via Aurelia, Römerstraße, Pisa-Rom 124,126 Via Cassia, Römerstraße Florenz- Rom 121 Via Emilia, Römerstraße Rimini- Piacenza 125 Via Flaminia, Römerstraße Rimini- Rom 125 Via Francigena, mittelalterlicher Verkehrsweg Rom-Norditalien 119-128 Villach, Tirol 131, 132, 133 Villeneuve, Kt. Waadt, Schweiz 93 (Anm. 39) Villingen, Schwarzwald-Saar-Kreis 89, 90,111 (anm.114) Vinaders, Tirol 133 Virevesca, spätantike Siedlung in Kastilien 64 Viterbo, Reg. Lazio, ital. Latium 121, 126, 127 Vlissingen, Niederlande 74 (Anm. 21) Vogesen 87, 88, 89 Vorarlberg 39 232 Walchensee, Bayern 30 Waldshut 106, 107 Weissenburg siehe Wissembourg Weser 36 Widersdorf siehe Vergaville Wien, Österreich 90, 134 Wilhelm von Orange, altfrz. Sagenheld 50 Wilhelmine von Bayreuth, Markgräfin (18. Jh.) 199 Wilsnack, Wallfahrtsort b. Erfurt 179 Winnenden, Rems-Murr-Kreis 191 Winterthur, Kt. Zürich, Schweiz 93 (Anm. 34, 36) Wissembourg (Weissenburg), Dept. Bas-Rhin, Frankreich 87 Wolfach, Ortenaukreis 106 (Anm. 94) Worms 36 Würzburg, Bistum und Stadt 16 (Anm. 68), 72, 134, 200 (Anm. 91) Ypres, Belgien 78 labern siehe Saveme Zamora, Altkastilien, Spanien 65 Zeiller, Martin, Reiseschriftsteller (17. Jh.) 38 Zürich, Stadt und Kt., Schweiz 88, 92, 93, 94, % Zürichsee 96 (Anm. 50), 154 <?page no="241"?> ISBN 978-3-8233-4001-0 - www.narr.de Neben den „klassischen“ Wegstrecken, wie sie im Pilgerführer des „Liber Sancti Jacobi“ (um 1150) erwähnt sind, behandelt dieser Band auch die Wege nördlich und östlich von Frankreich. Dabei zeigt sich, dass die „Konjunktur“ bestimmter Streckenabschnitte oft ganz profane Hintergründe hatte: Wer schnell vorankommen wollte oder sich nicht recht auskannte, wählte die großen Straßen; wurden diese durch Zölle, Fehden oder Seuchen behindert, entschied man sich spontan für eine Wegvariante. Oft war die Wallfahrt mit anderen Zwecken verbunden, dem Besuch eines Heilbades oder einer Handelsmesse; doch war der gewählte Weg nicht der direkte: So reiste ein Pilger von Edinburgh über Regensburg, ein anderer von Esslingen über Antwerpen nach Santiago de Compostela. Europäische Wege der Santiago-Pilgerfahrt - das Standardwerk zur Pilgerstraßenforschung - liegt nun in zweiter, überarbeiteter Auflage vor. Robert Plötz (Hrsg.) Robert Plötz (Hrsg.) EUROPÄISCHE WEGE DER SANTIAGO-PILGERFAHRT EUROPÄISCHE WEGE DER SANTIAGO- PILGERFAHRT 2., durchgesehene Auflage Robert Plötz (Hrsg.)
