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Angelo Poliziano

Dichter und Gelehrter

0916
2015
978-3-8233-7977-5
978-3-8233-6977-6
Gunter Narr Verlag 
Thomas Baier
Tobias Dänzer
Ferdinand Stürner
10.24053/9783823379775

Angelo Poliziano (1454-1494) zählt als enzyklopädisch gebildeter Gelehrter und Professor am Florentiner Studio sowie als Schöpfer eines facettenreichen poetischen Oeuvres zu den großen Leitfiguren des europäischen Humanismus. Er schuf griechische, lateinische und italienische Dichtungen von weitreichendem Einfluss, schrieb Epigramme, Elegien und Silven; er befasste sich mit der philologischen Erschließung des antiken Erbes und hielt Vorlesungen über Homer, Ovid, Statius und Aristoteles. Die in diesem Band versammelten Studien leuchten zentrale Aspekte der reichen intellektuellen Biographie des Dichters wie des Philologen aus und zeichnen im Dialog mit der jüngsten Forschung ein aktuelles Bild von seiner geistesgeschichtlichen Bedeutung. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die Verbindungslinien zwischen dichterischem und theoretischem Werk, das Verhältnis zu anderen Humanisten des mediceischen Florenz und Aspekte der Rezeptionsgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert.

9783823379775/9783823379775.pdf
<?page no="0"?> herausgegeben von Thomas Baier, Tobias Dänzer und Ferdinand Stürner Angelo Poliziano Dichter und Gelehrter Neo L atina <?page no="1"?> Angelo Poliziano <?page no="2"?> Herausgegeben von Thomas Baier, Wolfgang Kofler, Eckard Lefèvre und Stefan Tilg in Verbindung mit Achim Aurnhammer Neo L atina 24 <?page no="3"?> Angelo Poliziano Dichter und Gelehrter herausgegeben von Thomas Baier, Tobias Dänzer und Ferdinand Stürner <?page no="4"?> Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Gedruckt mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Pegasus Limited for the Promotion of Neo-Latin Studies St. Gallen. © 2015 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier. Internet: www.narr.de E-Mail: info@narr.de Printed in Germany ISSN 1615-7133 ISBN 978-3-8233-6977-6 <?page no="5"?> E C K A R D L E F È V R E S T U D I O R U M N E O L A T I N O R U M F A U T O R I P R I N C I P I S T I M U L A T O R I O C T O G E N A R I O <?page no="7"?> Inhalt Vorwort ....................................................................................................................ix Poetik Rita Degl’Innocenti Pierini L’epicedio di Angelo Poliziano per Albiera degli Albizi: tradizione classica e contaminazione di generi .................................................. 1 Hélène Casanova-Robin Invidia, ira, dolorque La poétique des passions négatives chez Politien : jeu littéraire et construction éthique ................................................................... 29 Virginie Leroux Politien et les songes : désir, imago mortis et vacance de l’âme ....................... 47 Émilie Séris La dérision du corps dans la poésie latine d’Ange Politien ............................ 63 Claudia Wiener Alle Leiden dieser Welt Probleme der Allegorese-Methoden für die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem ........................................................................... 83 M. Elisabeth Schwab Angelo Polizianos Wortmalereien ...................................................................... 99 Thomas Gärtner Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian ................................... 119 Philologie Gianna D’Alessio Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio in un capitolo della Miscellaneorum Centuria Secunda di Poliziano (Misc. II, 49, Taras) ................ 131 <?page no="8"?> viii Inhalt Daniela Marrone La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano: ripensamenti terminologici ............................................................................... 143 Francesco Caruso Amicus Plato sed magis amica veritas: Poliziano e i confini della filosofia .................................................................... 157 Valerio Sanzotta Per Ficino e Poliziano: alcune riflessioni ......................................................... 177 Rezeption Catherine Langlois-Pézeret Gilbert Ducher (c. 1490-c. 1548) - émule de Politien ? .................................. 191 Sylvie Laigneau-Fontaine Nicolas Bourbon imitateur, pilleur ou contempteur de Politien ? ............... 203 Laura Refe Poliziano e allievi allo Studio fiorentino: scambi di appunti e di libri tra amici accademici ........................................... 219 Übersetzung Thomas Baier Poliziano als Übersetzer ..................................................................................... 243 Tobias Dänzer Mechanik und Enzyklopädie in Polizianos Ilias-Übersetzung ..................... 259 Stellenregister zu den Werken Polizianos ....................................................... 275 Namensregister ................................................................................................... 276 <?page no="9"?> Vorwort Vor drei Lustren hob Eckard Lefèvre zusammen mit Eckart Schäfer die Neo- Latina in Freiburg aus der Taufe. Herausgegeben in Verbindung mit Fachvertretern aus den neueren Philologien, soll die Reihe nach dem Willen ihrer Begründer „einerseits Altphilologen an die Neulateiner Europas heranführen“, andererseits hat sie das Ziel, „der multinationalen neulateinischen Literatur um ihrer selbst willen gerecht zu werden“. Diesem Anspruch wissen sich die Herausgeber bis heute verpflichtet. Die NeoLatina haben in den letzten 15 Jahren ihren unverwechselbaren Platz in den zunehmend aufblühenden Studien zum Neulatein gefunden. Die Freiburger Symposien, aus denen zahlreiche Bände hervorgegangen sind, haben mittlerweile eine „peregrinatio academica“ angetreten und in Würzburg eine weitere Heimstatt gefunden. Künftig sollen auch Konferenzen in Innsbruck abgehalten werden. Seit ihrem Bestehen durften die Veranstalter der Colloquien und die Herausgeber der Bücher immer wieder - so auch für diesen Band - auf die großzügige Unterstützung der Stiftung „Pegasus Limited for the Promotion of Neo-Latin Studies“ in St. Gallen vertrauen. Die Stiftung hat sich um den Bestand der NeoLatina unschätzbare Verdienste erworben. Ihr sei dafür größter Dank ausgesprochen. Dank gebührt auch dem „Ludwig-Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien“ in Innsbruck. Mit dessen Förderung konnte vom 3. bis 5. Juli 2014 eine Poliziano-Tagung in Würzburg durchgeführt werden, deren Ergebnisse nunmehr publiziert werden. Ein Großteil der Aufsätze liegt in französischer Sprache vor. Damit findet eine Tradition zu voller Blüte, die in der engen Verbindung zwischen Freiburg und den Universitäten Straßburg und Mulhouse wurzelt. Außerdem zeigt sich darin die von den Gründern der Reihe herausgehobene grenzüberschreitende, mithin europäische Dimension der studia neolatina. Der Gegenstand des Bandes brachte es mit sich, dass auch Beiträge in italienischer Sprache nicht fehlen. Der internationale Auftritt des Buches ist ein Zeichen für die Vielfalt wissenschaftlicher Zugänge und die Einheit des gemeinsamen europäischen Erbes. Es soll Ausdruck des Dankes sein, dass dieser Band Eckard Lefèvre zum 80. Geburtstag überreicht wird. Seinen Impulsen verdanken sich zahlreiche Themen, die in den zurückliegenden Jahren behandelt wurden, seiner Sorgfalt und Disziplin ist das Erscheinungsbild der Reihe geschuldet. Er hat den Kontakt zum Gunter Narr Verlag Tübingen hergestellt, der das Projekt dankenswerterweise unter seine bewähre Obhut genommen und ihm die Treue gehalten hat. Die NeoLatina haben immer wieder den Blick über die Alpen geworfen und sich dem italienischen Humanismus gewidmet. Da am latinistischen <?page no="10"?> x Vorwort Lehrstuhl der Universität Würzburg ein Projekt zu „Poetik und Polemik bei Poliziano“ (Tobias Dänzer) bearbeitet wird, lag es nahe, diesem Autor ein Colloquium zu widmen. Poliziano wurde in Montepulciano nahe Florenz geboren und erwarb sich mit der Übertragung von vier Ilias-Gesängen aus dem Griechischen in lateinische Hexameter - siebzehnjährig - den Titel eines homericus adulescens (Ficino). Er trat in den Umkreis des Medici-Fürsten Lorenzo il Magnifico. Sein enzyklopädisches Wissen, seine Belesenheit und sein poetisches Talent erregten die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Im Alter von 26 Jahren wurde er auf den Lehrstuhl für Poetik und Rhetorik an der Florentiner Universität berufen. Er hielt Vorlesungen zu Literatur sowie Philosophie und stand in regem Austausch mit Gelehrten wie Pico della Mirandola und Marsilio Ficino. Er dichtete auf Latein, Griechisch und in Volgare, er legte Epigramme, Elegien und Sylven vor, er trat als Philologe und Dichter in Erscheinung. Diesen beiden Facetten seines Œuvres ist der vorliegende Band gewidmet. Die thematische Vielfalt des Werks findet ihr einigendes Band in der poetischen Überformung. Ob er als Schöpfer einer „Poetik und Ikonographie des Schlafes“ (Leroux) auftritt oder ob er das Gedicht „Über die Krätze“ als allegorische Mahnung eines Dichters an seinen Mäzen vorträgt (Wiener), ob er sich im Gewand des grammaticus als Neuschöpfer einer lateinischen Fachsprache präsentiert, ob er aus antiker Tradition heraus eine „Poetik der Affekte“ (Casanova-Robin) entwirft oder ob er spätere Dichter zur Nachahmung anregt: Stets begegnet uns Poliziano als intimer Kenner antiker Vorbilder und gleichzeitig als geistreicher, origineller Kopf. Mögen sich die Leser dieses Bandes vom Charme Polizianos berühren lassen! Die Herausgeber danken Herrn Tillman Bub vom Gunter Narr Verlag für die umsichtige Betreuung sowie Caroline Weber und Steffen Münch für Hilfe beim Korrekturlesen. Würzburg, im August 2015 Th.B. / T.D. / F.S. <?page no="11"?> Rita Degl’Innocenti Pierini (Florenz) L’epicedio di Angelo Poliziano per Albiera degli Albizi: tradizione classica e contaminazione di generi * varietas ipsa, fastidii expultrix et lectionis irritatrix Poliziano, Miscellanea praef. I Il 24 giugno del 1473 la festa di S. Giovanni, patrono di Firenze, fu celebrata con particolare solennità, 1 perché vi partecipò anche Eleonora d’Aragona, figlia del re di Napoli, che passava da Firenze per andare a raggiungere Ferrara e sposare Ercole d’Este, duca di Ferrara e di Modena. 2 A questi festeggiamenti prese parte anche la giovane Albiera degli Albizi, figlia di Luca degli Albizi e di Caterina di Tommaso Soderini: la famiglia degli Albizi, che possedeva un notevole numero di case nell’odierno Borgo, era molto importante a Firenze dove dal XIII secolo vantava quasi cento priori. Albiera era nata il 15 novembre del 1457 ed era stata educata nel monastero fiorentino di S. Vincenzo sotto la guida della fondatrice Annalena Malatesta, vedova di Baldaccio d’Anghiari giustiziato nel 1441 per volontà di Cosimo de’ Medici. Albiera, uscita dal monastero fu fidanzata a Sigismondo Lotteringhi della Stufa, 3 egregius iuvenis et qui Laurentio iam inde a puero miro amore, mira pietate esset coniunctus, come lo designa il Poliziano stesso nel Pactianae coniurationis Commentarium. Del resto, come si evince anche dall’Epicedio per Albiera del Poliziano, ai vv. 209 e 249, 4 Sigismondo era personalità politica di rilievo, che nel 1473 ricoprì il priorato, summus honos, prima magistratura fiorentina. Inoltre non è da dimenticare, come osserva opportunamente Francesco Bausi 5 , che il Poliziano fin all’inizio del dicembre 1473 era stato segretario del padre di Sigismondo, Agnolo della Stufa, molto fedele ai Medici, che l’avrà introdotto presso di loro; del resto il * Ringrazio vivamente Francesco Bausi e Donatella Coppini per alcuni preziosi aggiornamenti bibliografici. 1 Sui festeggiamenti di S. Giovanni a Firenze in età medicea, vd. Dempsey 1999, 5-9; Ventrone 2007. 2 Falletti 1983, 134. 3 Su questo personaggio, intimo amico del giovane Lorenzo, si vedano le informazioni fornite da Rochon 1963, 90-93. 4 Rimando all’esaustivo commento ai versi fornito da Bausi 2003. 5 Vd. Bausi 2003, XVI. <?page no="12"?> 2 Rita Degl’Innocenti Pierini giovane della Stufa risulta figura di un certo spessore culturale, anche a giudicare da quello che si deduce dalla sua biblioteca. 6 La giovanissima Albiera, che in seguito ai postumi di una polmonite contratta durante la festa per Eleonora d’Aragona morì non ancora sedicenne quasi alla vigilia delle nozze, fu seppellita nella chiesa di S. Pier Maggiore, molto probabilmente con un suo busto marmoreo sulla tomba, 7 ma niente di questo è rimasto, perchè la chiesa venne demolita nel 1784 dal granduca Pietro Leopoldo, in quanto ritenuta pericolante (si trovava nell’attuale piazza S. Pier Maggiore in fondo quindi a Borgo degli Albizi); quindi il ricordo di lei rimane affidato alle parole di importanti letterati del tempo, primo fra tutti il Poliziano, che aveva allora solo 19 anni, ma che si era già fatto ampiamente conoscere con le sue traduzioni dell’Iliade: a quegli anni del resto risalgono anche le sue prime importanti indagini sui classici, gli studi catulliani e su Marziale. 8 Il tragico evento destò grande sconcerto nell’ambiente dei letterati medicei: 9 ne fa fede in particolare una significativa e ampia antologia dedicata ad Albiera, con testi poetici ed in prosa, trasmessa in un bel codice di dedica donato dal fidanzato Sigismondo ad Annalena Malatesta (la fondatrice del monastero fiorentino di S. Vincenzo, dove, come abbiamo già ricordato, Albiera era stata educata) ed ornato da eleganti miniature, conservato oggi nella Biblioteca dell’Accademia delle Scienze di Torino (NN.V. 7), che fu studiato da Federico Patetta in un saggio edito negli Atti dell’Accademia stessa (1917- 1918). L’epistola dedicatoria di Sigismondo, che leggiamo all’inizio della silloge, denota una certa competenza del lessico epistolare e della topica consolatoria classica e si rivolge alla dedicataria Annalena Malatesta, definita gravissima et religiosissima mulier; ne cito solo la parte che più ci interessa: 10 Scripserunt ad me amici quidam eulogia nonnulla ut dolorem consolarentur, quem ex obitu Albierae dulcissimae uxoris meae nuper suscepi. Habuerunt multum ponderis, ut, quod nunquam putavi fore ut viverem sine lachrymis, iam resipiscere incipiam et minus adversari voluntati divinae. Ea mitto ad te, si eandem vim habere tecum possint. Scio enim te quoque egere consolatoribus, que tua in Albieram pietas fuit. Vale. La raccolta presente nel codice torinese è predisposta secondo un criterio esterno: prima si leggono le composizioni in metro elegiaco, sei, poi tre lettere 6 Bec 1984, 200-203. Vd. anche infra sulla lettera dedicatoria. 7 Se ne occupa ampiamente Luchs 2012. 8 Su Poliziano e Catullo, vd. Gaisser 1982; sul Marziale dei della Stufa e Poliziano, vd. Bausi 2003, XV. 9 Sull’elegia al Fonzio del 1473 come interessante spaccato della vita letteraria dell’ambiente frequentato dal giovane Poliziano, basti rimandare all’analisi di Bausi 2003, XVIII ss. 10 Cito da una copia del testo del manoscritto fornitami anni fa dalla Biblioteca dell’Accademia delle Scienze di Torino. <?page no="13"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 3 consolatorie in prosa, seguite da un Hymnus anonimo in metro saffico. A questi dieci scritti ‘maggiori’, che sono caratterizzati anche da iniziali miniate, seguono 28 epigrammi latini, due greci e due epigrafi. Gli autori sono 12, mentre due componimenti risultano anonimi; ci sono nomi molto noti, oltre a Poliziano che inaugura la raccolta, Marsilio Ficino, Naldo Naldi, Ugolino Vieri, il Cantalicio, Bartolomeo Fonzio, Francesco da Castiglione, Carlo Marsuppini, Alessandro Braccesi, Bartolomeo Scala: meno noti Amabilio e Andronico Bisanzio. La silloge nel suo complesso non è mai stata pubblicata, anche se le altre attestazioni di condoglianza per la giovane Albiera sono ascritte a poeti e letterati importanti, che hanno visto pubblicate le loro opere. 11 Oltre al noto epicedio del quale ci occuperemo, è opportuno segnalare che Poliziano compose anche 6 epitafi per la fanciulla (3 tetrastici e 3 distici): questi componimenti, che leggiamo nell’edizione Del Lungo, 12 sono di fattura molto meno raffinata rispetto all’epicedio, piuttosto banali nelle tematiche e privi di quegli artifici formali, che caratterizzano già la produzione latina polizianea, plasmati evidentemente su moduli della tradizione epigrafica ed epigrammatica. 13 Uno di essi, 65 Del Lungo (il secondo nella silloge torinese), sembrerebbe implicare, stando anche allo stesso Del Lungo nella sua edizione, di essere stato apposto sotto il busto nella chiesa di S. Pier Maggiore, ed è elaborato sul motivo topico della superiorità della poesia eternatrice in rapporto alle arti figurative: 14 Vivebam, fato sum rapta Albiera; coniunx Sismundus vitam reddidit en iterum: nam faciem et claram caelato marmore formam, ingenium et mores carmine restituit. Del resto anche il lungo epicedio per Albiera (286 versi) si chiude con due distici che implicano un epitafio, congeniali senz’altro all’epilogo di un carme composto in metro elegiaco (ma su questi versi torneremo più ampiamente in conclusione). Gli altri epitafi del Poliziano sono rivolti uno, il 66, 15 dalla fanciulla a Sigismondo, definito ancora coniunx, mentre nel 67, che il Del Lungo intitola Gloria mondana e celeste di Albiera, la fanciulla in prima persona esalta 11 Vd. Perosa 2000, 189-194. 12 Del Lungo 1867. 13 I componimenti meriterebbero comunque una trattazione più ampia, che non è possibile svolgere in questa sede. 14 Su questo motivo, vd. Mattiacci 2013, 210-213; in particolare da segnalare il confronto con Mart. 10, 32, 5-6 Ars utinam mores animumque effingere posset / pulchrior in terris nulla tabella foret. 15 Il Del Lungo 1867 ad loc. annota: «Albiera allo sposo. Mi paiono un solo epigramma questi 2 distici divisi nelle stampe». Possiamo aggiungere che infatti sono uniti nel codice di Torino: Viva tibi fueram, coniunx, Albiera semper / chara quidem, nunc sum mortua chara magis. / Debebam vivens tibi, sed mage rapta; voluptas / illa fuit , verum haec proxima relligio est. <?page no="14"?> 4 Rita Degl’Innocenti Pierini la morte come ‘seconda vita’ per la fama immortalatrice conferitale dalla poesia in sua memoria. 16 Il travestimento classico per cui la morte rende Albiera una dea 17 si legge nei due componimenti di un distico rivolti dalla fanciulla a Sigismondo e al padre: 68 Mortalis fueram dum vixi Albiera coniunx / Sismonde, at nunc sum mortua facta dea; 70 Quid quereris, genitor? 18 vivit tua filia coelo / Albiera: anne deam progenuisse doles? L’epicedio per Albiera divenne giustamente famoso e con esso il giovanissimo Poliziano si conquistò un posto di rilievo tra i letterati della corte medicea: già Giulio Cesare Scaligero nel libro VI della sua Poetica (1561, p. 739) sottolineava che Elegia pro epicedio valde bona est, ingeniosa, plena, numerosa, candida, arguta, efficax: plane digna tanto viro et quam equidem scripsisse malim, quam quae dicitur ab Ovidio in morte Drusi missa. Dunque secondo lo Scaligero l’elegia per Albiera sarebbe da preferire alla Consolatio ad Liviam, attribuita ad Ovidio in età umanistica, un testo che viene anche imitato in qualche passo dal Poliziano, e che, come ben sappiamo, ora non viene più considerata opera autentica del Sulmonese. 19 Interessante notare, per incidens, che la Consolatio ad Liviam, in quanto ascritta ad Ovidio, fu pubblicata in una delle due prime edizioni a stampa (Roma 1471) e poi in quella di Ausonio (Venezia 1472), cioè proprio negli anni immediatamente precedenti all’elaborazione dell’epicedio polizianeo per Albiera. Tutti i manoscritti, come dimostra Reeve, 20 sono della fine del XV secolo e quindi coevi alle edizioni a stampa, tanto che c’è stato chi come Moritz Haupt in passato è arrivato a considerarla un falso umanistico: che fosse ben conosciuta nell’ambiente fiorentino, frequentato da Poliziano, lo testimonia la presenza in un codice Laurenziano 36.2 ai ff. 242r-247v, codice L che fu vergato da Bartolomeo Fonzio 21 per Francesco Sassetti, presso cui si recò nel 1471. Il Fonzio, più anziano del Poliziano di sette o otto anni, seguì le lezioni di Pietro Cennini, dove si trattava forse anche dell’ad Liviam, come si potrebbe evincere da un codice di appunti, il Riccardianus 152, studiato da Caroti e Zamponi, 22 dove a 167v se ne riportano degli excerpta 23 (ma una connessione diretta con le lezioni del Cennini non è dimostrata). 24 Il Poliziano, 16 Morte una geminam sum nacta Albiera vitam / fama etenim terras spiritus astra colit. / Fama olim, numquam sed spiritus occidet; haec mi / vita quidem semper vivet, at illa diu. 17 Mortalem [...] deam è anche definita Albiera nell’epicedio, v. 150 (vd. Bausi 2003 ad loc.). 18 Il vocativo genitor è omesso nell’edizione Del Lungo, ma è tradito nel manoscritto della raccolta di Torino ed è necessario per ragioni metriche. 19 Vd. Schoonhoven 1992. 20 Analisi documentata in Reeve 1976, 79-98 (in particolare 80); vd. anche Schoonhoven 1992, 40-52. 21 Vd. bibliografia in Bausi 2003, XIII. 22 Caroti / Zamponi 1974, 41-45. 23 Vv. 9-10, 347, 357-362, 369-374, 427-428 e 443-444. 24 Se Dal Zotto 1904, 57 ss. li attribuisce alle lezioni del Cennini e quindi parla di prima testimonianza, viceversa Reeve 1976, 94 seguendo Caroti / Zamponi 1974, 41-45 non connette gli excerpta con le lezioni del Cennini. <?page no="15"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 5 che ne cita quattro versi come Ovidius ad Liviam nel commento ai Fasti p. 23, 46 (Lo Monaco), non sembra che utilizzarla molto sporadicamente per l’Albiera, come si evince dalle documentate note del commento di Bausi all’epicedio; 25 forse qualche traccia ulteriore, ma certo piuttosto sfumata, mi pare di poter individuare, come per esempio subito nella protasi al v. 2 in un contesto di lamentatio topico degli epicedi (aut quis iam miseris temperet a lachrymis), dove è vero che temperet a lachrymis ricalca le parole di Enea in Aen. 2, 8, come indica opportunamente Bausi 2003, ad loc., ma non appare forse estraneo anche alla mediazione di Cons. ad Liv. 8, dove leggiamo et quisquam lacrimas temperat ore tuas? . Interessante è anche il caso del distico (vv. 19-20) Maius habes vulnus secreto in pectore, quam quo / te deceat madidas non habuisse genas, dove il Poliziano svolge un motivo consolatorio cortigiano-panegiristico, richiamando Sigismondo, in quanto membro di una élite, a contenere pubbliche manifestazioni di dolore, 26 motivo che si può leggere più ampiamente svolto per la sposa di Augusto a partire dai vv. 345-346 Quid deceat Drusi matrem matremque Neronis / adspice, quo surgas, adspice, mane toro. Una possibile interferenza di un modulo carico di ironia tragica, che rimanda con la movenza sarcastica dell’i nunc ai casi dell’imprevedibile fortuna, presente nei vv. 363- 364 dell’ad Liviam (i nunc et rebus tanta impendente ruina / in te solam oculos et tua damna refer) non escluderei che non contribuisca a plasmare i vv. 49-50 dell’epicedio polizianeo (Ah dolor! I nunc, et rebus confide secundis, / quas Fortuna levi fertque refertque manu! ), seppure qui si imponga come preminente soprattutto nei versi successivi la memoria di Properzio 3, 18. Anche nelle patetiche parole di Albiera morente che si rivolge al coniunx Sigismondo, vv. 212- 213 Parce igitur Manes sollicitare pios; / parce, precor, lachrymis, coniunx [...], movenza già presente al v. 193 Parce, precor, lachrymis, si può intravedere un modello anche in Cons. ad Liviam, quando si sottolinea il dominio della cieca Fortuna sulle vicende umana, vv. 375-376 Regna deae inmitis parce inritare querendo / sollicitare animos parce potentis erae. Altri esempi si potranno forse aggiungere, ma mi interessava sottolineare come anche l’ad Liviam interagisca con altri testi classici più nobili e possa aver addirittura influito nell’adozione stessa del distico elegiaco da parte di Poliziano per il suo epicedio. Se come abbiamo detto fu già lo Scaligero ad esaltare l’epicedio di Poliziano per Albiera, facendo un lungo salto nel tempo, furono in séguito gli studi di Isidoro Del Lungo e di Giosuè Carducci, che contribuirono a valutare il componimento positivamente, sia per la sua capacità descrittiva ed evocativa sia soprattutto in relazione alla genesi del più importante componimento in volgare del Poliziano, Le Stanze per la giostra, anch’esso elaborato non molto tempo dopo con analogo intento occasionale, celebrativo come è ben noto 25 Il testo dell’epicedio sarà citato secondo l’edizione di Bausi 2003. 26 Ho trattato del motivo in Degl’Innocenti Pierini 1990 b, 221-234. <?page no="16"?> 6 Rita Degl’Innocenti Pierini della vittoria di Giuliano de’ Medici nel torneo tenutosi in S. Croce il 29 gennaio 1475. Notava appunto Giosuè Carducci 27 che la «macchina mitologica» presente nell’Epicedio costituisce un significativo precedente delle Stanze. Nonostante affermazioni come queste, per anni continuerà a pesare sulla poesia latina del Poliziano un notevole pregiudizio, che in Italia fu poi incrementato dall’idealismo crociano imperante fino almeno alla fine degli anni ‘40 del secolo scorso; leggiamo per esempio in un articolo di Benedetto Croce del 1932 dedicato alla poesia latina del Rinascimento: 28 «ciò che offusca sovente questi carmi latini del Poliziano è la formula letteraria e erudita, della quale egli non sa far di meno e che si mescola alle parole ritraenti le fresche impressioni della realtà [...]. Certo il punto che a noi suona più poetico nella elegia in morte di Albiera degli Albizi è quello in cui si evoca la bella persona della giovinetta; la parte del compianto è alquanto declamata» fino a giungere ad un’affermazione piuttosto singolare e quanto mai impressionistica: «Ma anche in quella evocazione si vede alternare nell’esametro la frase nata e nel pentametro la frase fatta». Ma è soprattutto con un magistrale saggio pubblicato in inglese nella prestigiosa rivista dell’Istituto Warburg da Alessandro Perosa nel 1946, che comincia l’indagine moderna e filologicamente attrezzata del testo polizianeo del quale ci occupiamo: il Perosa, del quale mi onoro di essere stata allieva a Firenze per la filologia umanistica, aveva studiato con Giorgio Pasquali ed era personalità capace di coniugare lo sguardo d’insieme di grande e acuta competenza letteraria all’indagine testuale, 29 ma non arrivò purtroppo a pubblicare un commento all’Epicedio né l’edizione della silloge poetica per Albiera compresa nel codice torinese, come si riprometteva da tempo e pur avendoci lavorato a lungo. L’articolo cui prima mi riferivo è intitolato Febris: A Poetic Myth Created by Poliziano, e il Perosa individua nell’ekphrasis centrale del poemetto la volontà del giovane poeta latino di emulare i suoi classici ricreando sulle loro orme un mito, che, pur basato su molte letture e riscritture, fosse in grado di vivere di luce propria e di gareggiare con i modelli. Emerge già nel pioneristico saggio del Perosa quello che diventerà il Leitmotiv della critica sul Poliziano e che vediamo applicato allo studio della poesia umanistica a partire da un fondamentale saggio di Mario Martelli del 1973, a 5 secoli dall’elegia per Albiera, La semantica di Poliziano e la «Centuria secunda» dei «Miscellanea»: Poliziano, con la sua dottrina eccezionalmente precoce ed il suo fine gusto letterario, si dimostra in grado di costruire un tessuto poetico in cui interagisce un mosaico di voci letterarie, varie per tipologia e età, ma tutte amalgamate e fatte ruotare intorno a quelle che Martelli definisce «unità semanticoletterarie», nuclei tematici che intersecano notizie erudite e topoi poetici in un 27 Carducci 5 1863: vd. Bausi 2004-2005, 225 n. 20. 28 Croce 1932, 248. 29 Una recente disamina di Perosa studioso della poesia umanistica offre Coppini 2013, nell’ambito di una serie di studi dedicati alla memoria dello studioso. <?page no="17"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 7 nuovo e felicemente armonioso amalgama. 30 Ad un allievo di Martelli, Francesco Bausi, anche lui di formazione fiorentina quindi, dobbiamo gli studi più recenti sull’epicedio per Albiera e soprattutto un eccellente commento puntuale al carme, edito nel 2003, che viene a colmare quella lacuna, che il Perosa già lamentava ripromettendosi il commento cui abbiamo ora accennato. Ed è appunto da questo importante lavoro che dobbiamo muoverci per la nostra analisi, punto costante di riferimento delle mie considerazioni che partono ovviamente da un’ottica di filologa classica, tralasciando quindi per esempio il rapporto del Poliziano con le fonti di poesia consolatoria umanistica, sulle quali del resto disponiamo di ricerche importanti ancora di Bausi. 31 Il mio intento è quello di proporre un percorso di lettura di alcuni snodi della struttura di questo ampio componimento, tentando di individuare nella sua complessa e raffinata tessitura qualche ulteriore suggestione che mi sembra pervenire al giovane poeta anche da modelli diversi rispetto a quelli principali e tradizionalmente evocati, fino a postulare, come vedremo, una forma di poetica implicita, che alessandrinamente intreccia generi diversi in una sorta di Kreuzung der Gattungen, o, come si preferisce ora definirla, un mosaico di generi. 32 Mi sembra utile prendere avvio dalla struttura del poemetto, partendo dallo schema proposto nel commento di Bausi, e operando solo qualche limitata distinzione rispetto alla sua proposta di suddivisione dei versi: i vv. 1-56 sono caratterizzati da un’ampia protasi che introduce il carme con i caratteri topici della lamentatio dell’epicedio, dove il poeta si descrive, vv. 11-14, come un poeta epico 33 che ha abbandonato il suo compito (la traduzione in latino dell’Iliade ovviamente), nil dulce sonans, non quindi per intonare un piacevole canto d’amore, come la scelta del metro elegiaco potrebbe far supporre ai dotti lettori di Poliziano, 34 ma carmina moesta, e così assecondare il dolore di Sigismondo, intrecciando compianto per il suo lutto e laudatio della giovane perduta promessa sposa (comunque già definita coniunx al v. 5 e poi ai vv. 24- 25). I vv. 57-58, a mio parere, possono essere considerati un proemio al mezzo, che introduce eziologicamente il racconto dei vv. 59-88, che offrono un’ampia descrizione della festa di S. Giovanni in onore di Eleonora d’Aragona con la partecipazione della giovane Albiera, la cui grazia e bellezza scatenano i torvi 30 Martelli 1995, 267-274. 31 Sui modelli contemporanei, oltre alle note ad locc., vd. la valida sintesi di Bausi 2006, 14 e n. 12. 32 Mi riferisco per esempio alla complessa analisi del carme 64 di Catullo fornita da Fernandelli 2012 a. 33 Bausi 2003, ad loc. confronta Stat. silv. 1, 5, 8-9 Paulum arma nocentia, Thebae, / ponite: dilecto volo lascivire sodali. 34 Dulcis evoca la poesia leggera, pastorale ed elegiaca: vd. per es. Gell. 19, 9, 4 poetarum quoque recentium quaedam erotica dulcia et venusta cecinerunt. <?page no="18"?> 8 Rita Degl’Innocenti Pierini orbes di Ramnusia, l’invidiosa dea che ordisce contro di lei una trama di morte attraverso l’intervento di Febris; i vv. 89-164 costituiscono un’ekphrasis, cuore centrale del poemetto, ricca di suggestioni espressionistiche di matrice ovidiana, tesa a contrapporre il tema della morte a quello della bellezza giovanile e dell’amore. Conclusasi l’ekphrasis, si torna in forma di Ringkomposition ai motivi topici dell’epicedio, con ai vv. 165-190 la descrizione della malattia e il dolore dei parenti, seguita dagli ultima verba della fanciulla morente al promesso sposo (vv. 191-220), poi dalla descriptio mortis e dello strazio dei parenti e di Sigismondo (vv. 221-250), dalle esequie (vv. 251-280) e chiusa infine da un epitafio di 2 distici (vv. 281-286). Già dall’analisi schematica del componimento credo che si possa evincere una cura compositiva ed una ricchezza tematica, che travalica la topica dell’epicedio: in particolare la struttura anulare con l’ekphrasis centrale non può non ricordare, a mio avviso, il carme 64 di Catullo, intitolato nei codici umanistici Epithalamium Thetidos et Pelei, un epitalamio mitico, 35 modello nel quale Poliziano poteva aver trovato il raffinato antecedente della sua tessitura poetica, 36 in cui s’intrecciano Amore e Morte, giacché si conclude con il canto epitalamico delle Parche e l’evocazione di un destino di morte collettiva con la nascita di Achille, apportatore di guerra e di sangue. I principali modelli classici suggeriti per l’elegia 37 vengono a coincidere con famosi epicedi, in distici come Ovidio Amores 2, 6 per la morte del pappagallo di Corinna, e 3, 9 in morte di Tibullo (oltre naturalmente alla Consolatio ad Liviam), l’elegia properziana di Cornelia, ma soprattutto si sottolinea, a ragione, la profonda influenza esercitata da carmi funebri delle Silvae staziane, la cui editio princeps era uscita un anno prima, nel 1472, 38 e che sarà un testo sempre molto caro al Poliziano, che nell’anno 1480/ 1481 gli dedica il suo primo corso universitario: 39 gli epicedi staziani sono numerosi, e, anche se in esametri, per la loro lunghezza, per singoli stilemi e topoi sono presenti continuamente alla memoria poetica del Poliziano (significativi in particolare sono il 2, 1 per il giovane Glaucia; 2, 6 a Flavio Etrusco per la perdita del suo puer delicatus; 5, 1 in morte di Priscilla, la moglie del potente liberto Abascanto). 40 Credo comunque che lo schema compositivo, che abbiamo evidenziato per l’Epicedio di Albiera, non trovi soddisfacente riscontro nella struttura degli epicedi staziani: lo stesso Poliziano, quando commenta Silvae 2, 1 l’Epicedion in 35 É da segnalare con Fernandelli 2012 a, 2 n. 3, che per esempio già Claudiano, nella Praefatio del suo Epithalamium de nuptiis Honorii Augusti, allude al carme 64, fin dal primo verso, come ad un epitalamio (Surgeret in thalamum ducto cum Pelion arcu). 36 Nelle note introduttive al suo commento a Stat. silv. 1, 2 Poliziano cita Catullo e Claudiano come autori latini di epitalami pervenuti e Teocrito tra i Greci. 37 Vd. Bausi 2003, XL-XLI. 38 Vd. Bausi 2003, XLV e n. 76. 39 Si veda Cesarini Martinelli 1978. 40 Sugli epicedi di Stazio, vd. Asso 2008, con ulteriore bibliografia. <?page no="19"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 9 Glauciam (p. 430, 26-431, 24 Cesarini Martinelli) sottolinea, parafrasando Menandro retore (2, 9; 413-414 Russel / Wilson), quali sono gli elementi e la struttura da seguire in un discorso consolatorio: una prima parte che si configura come una consolatio, in consolatione incipiamus et ipsi conqueri augeamusque affectus [...], seguita da laudatio generis, naturae, educationis, eruditionis, studiorum, factorum del defunto, e, se si tratta di un giovane, si fa leva sulla mozione degli affetti (affectus inde eruendi sunt, quod ante diem obierit, quod parentes, quod amicos spe privarit). Nella seconda parte si suggerisce il ritorno alla consolazione, che deve ora trattare della comune condizione umana e anche di come le cose del mondo si deteriorino, della sorte dell’anima e della beatitudine che vive il defunto. Pur nella sintesi del testo che ho operato, si evince chiaramente che lo schema bipartito appare rispecchiato 41 solo nell’incipit dell’Epicedio di Albiera, dove il poeta asseconda ed enfatizza il dolore di Sigismondo, e poi nella parte finale, dove è la stessa Albiera morente a consolare il suo futuro e mancato sposo, e i suoi genitori con le parole topiche degli epicedi e della letteratura consolatoria. Come si può ben vedere, rimane fuori gran parte dello sviluppo strutturale di un poemetto come l’epicedio per Albiera, che è legato anche all’occasione e alla celebrazione di una festa, quella di S. Giovanni, che prelude alle nozze di Eleonora d’Aragona con Ercole d’Este. Io credo, e tenterò di dimostrarlo nella mia analisi, che Poliziano arrivi a contaminare deliberatamente epicedio ed epitalamio forse per offrire almeno post mortem un dono di nozze poetico, che poteva aver promesso o poteva addirittura essergli stato già commissionato da Sigismondo stesso: in questo senso può essere importante un’osservazione che leggo in Bausi, nella sua edizione 42 dell’epicedio, quando fa notare che probabilmente il manoscritto di Marziale corretto da Poliziano, ora alla British Library, sarebbe stato approntato come dono nuziale per le già programmate nozze della Stufa-degli Albizi. In quest’ottica di lettura non sottovaluterei il peso programmatico dei versi 13-14, che potrebbero sottintendere un rapporto tra dulcia carmina come poesia amorosa per le nozze e i moesta carmina dell’epicedio; invece di lasciare l’esperienza epica per cantare poesia d’amore si trova costretto suo malgrado all’esperienza della poesia triste: Heu nil dulce sonans taceo iam bella tubasque / et refero ad nigros carmina moesta rogos. Si può forse supporre un’influenza della poetica catulliana, quando evocare la morte del fratello implica per il poeta solo una poesia ‘triste’ e non i dulcia carmina d’amore: vd. 65, 1-3; 10-11: Etsi me assiduo confectum cura dolore / sevocat a doctis, Ortale, virginibus, / nec potis est dulcis Musarum expromere fetus / mens animi [...]; at certe semper amabo, / semper maesta tua carmina morte canam. Esaminiano ora il primo ritratto di Albiera, vv. 25-42: 41 Così Cesarini Martinelli 1978, 140-141. 42 Vd. Bausi 2003, XIV-XV. <?page no="20"?> 10 Rita Degl’Innocenti Pierini Uxor abest, heu heu! , sed qualem nulla tulerunt Saecula, sed qualem tempora nulla ferent: Uni quicquid habet dederat Natura decoris, Uni etiam dederat Gratia quicquid habet. Candor erat dulci suffusus sanguine, qualem Alba ferunt rubris lilia mixta rosis. Ut nitidum laeti radiabant sidus ocelli: Saepe Amor accensas rettulit inde faces. Solverat effusos quoties sine lege capillos, Infesta est trepidis visa Diana feris; Sive iterum adductos fulvum collegit in aurum, Compta Cytheriaco est pectine visa Venus. Usque illam parvi furtim componere Amores Sunt soliti, et facili Gratia blanda manu, Atque Honor et teneri iam cana Modestia vultus, Et Decor, et Probitas, purpureusque Pudor, Casta Fides, Risusque hilaris, Moresque pudici, Incessusque decens, nudaque Simplicitas. Lo spazio riservato alla descrizione incantata e insistita della bellezza fisica di Albiera in due lunghi e significativi passi del poemetto non appare consono alla topica dell’epicedio, come teorizzato nei retori e applicato dai poeti latini, dove, specialmente in Stazio, sono esaltate soprattutto le doti morali. Per verificare se la mia interpretazione coglie nel segno, mi soffermerò in particolare sul raffinato ritratto fisico di Albiera, per evidenziarne tracce di una lunga tradizione poetica che richiama l’epitalamio, dove è costante l’esaltazione della bellezza virginale della sposa. Infatti Poliziano nell’evocare la bellezza di Albiera, pur collegata nei vv. 26 ss. ad un motivo topico della lamentatio, sembra voler innanzitutto sottolineare nella fanciulla la bellezza acerba e quasi androgina, simile a quella delle eroine vergini della tradizione epica latina, come la Camilla di Virgilio o l’Atalanta di Ovidio, oppure alle ninfe insidiate e ritrose presenti nelle Metamorfosi. Basterà per esempio a confermarlo la sostanziale distanza, non solo di ruolo e d’età, dal ritratto di una sposa defunta come la Priscilla dell’epicedio di Stazio silv. 5, 1, che è maggiormente incentrato sulle doti morali arcaizzanti della donna romana, addirittura equiparata ad un’Apula coniunx del buon tempo andato (vv. 118 tenor idem animo moresque modesti; 121 ipsa dapes modicas et sobria pocula tradit), mentre la sua presenza fisica è evocata con rapidi tocchi, privi di suggestioni erotiche e di fascino, quasi una lode obbligata in negativo (vv. 54 et felix species multumque optanda maritis; 64-66 nec frons triste rigens nimiusque in moribus horror, / sed simplex hilarisque fides et mixta pudori / gratia). Poliziano sembra volersi ispirare ad una tradizione poetica incentrata sulla leggiadria virginale, come dimostra, quasi paradossalmente, anche un influsso diretto del ritratto fisico staziano di Glaucia, il puer delicatus di Atedio <?page no="21"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 11 Meliore (silv. 2,1), del quale vengono esaltate le qualità fisiche accanto a quelle morali, costituendo quindi un modello di rilievo per l’Albiera di Poliziano. La descrizione fisica di Glaucia in Stazio mira ad evidenziare pudore e sobrietà, sottolineandone la precoce maturità nell’atteggiamento (vv. 39-40 rapit inde modestia praecox / et pudor et tenero probitas maturior aevo), e anche i particolari dell’acconciatura sono corredati nel testo staziano da un’aggettivazione ‘moraleggiante’ (vv. 43-45 et castigatae collecta modestia frontis / ingenuique super crines mollisque decorae / margo comae? ). In particolare da questa silva Poliziano sembra far derivare l’immagine del rossore pudico, che tinge l’incarnato candido di Albiera, degli occhi che dardeggiano splendenti, nonché la descrizione della chioma, ma, come di consueto, pur non mancando gli elementi comuni, come i vv. 41-42 di Stazio (o ubi purpureo suffusus sanguine candor / sidereique orbes radiataque lumina caelo), basta leggere lo svolgimento dei due motivi in Poliziano per capire come per Albiera i tratti descrittivi varino con grande maestria l’elogio staziano, dimostrando di saper cogliere nella grazia efebica del puer anche il sedimentarsi di una tradizione letteraria, virgiliana, ma soprattutto ovidiana, che era tesa a far emergere proprio il fascino ambiguo di figure femminili androgine come Camilla o Atalanta, 43 confluite poi in Stazio nella grazia efebica di un puer come Glaucia oppure nell’Achille giovane dell’Achilleide, 44 quando sta per inserirsi nel chorus delle fanciulle a Sciro, 1, 336-337 fallitque tuentes / ambiguus tenuique latens discrimine sexus. Anche in questa particolare tecnica di incrocio a mosaico di modelli, segno certo di grande sensibilità interpretativa, il Poliziano mi sembra possa dimostrarsi in qualche modo precursore della critica moderna, 45 che ha appunto insistito nel collegare queste tipologie descrittive, che culminano nel gusto staziano per la grazia efebica, e per questo credo che si possa parlare a buon diritto, come ho già accennato, addirittura di poetica implicita del Poliziano. Del resto immagini simili specialmente in relazione all’acconciatura dei capelli si riscontrano anche per divinità come Diana e Bacco, che sono tradizionalmente modelli efebici dagli incerti confini sessuali: di Bacco in un coro dell’Oedipus di Seneca, quando se ne evoca il giovanile travestimento femminile per sfuggire a Giunone, leggiamo, v. 415 spargere effusos sine lege crines, che è molto vicino alla descrizione di Albiera al v. 33 Solverat effusos quoties sine lege capillos, tranne che poi nel Poliziano questa descrizione si lega invece al paragone con Diana cacciatrice, v. 34 infesta est trepidis visa Diana feris, immagine che si rivela a sua volta plasmata su un famoso passo del III libro dell’Ars amatoria ovidiana dove ai vv. 143-144 leggiamo Altera succinctae religetur more Dianae, / ut solet, attonitas cum petit illa feras. Qual è la tessera-spia del mosaico testuale che lega, in questo complesso e suggestivo intarsio, il 43 Vd. infatti per Atalanta Ov. met. 8, 322-323 Talis erat cultu, facies, quam dicere vere / virgineam in puero, puerilem in virgine possis. 44 Vd. Rosati 1992. 45 Vd. per es. La Penna 1996, 161-184; Rosati 1992. <?page no="22"?> 12 Rita Degl’Innocenti Pierini passo tragico senecano all’Ovidio dell’Ars? Credo senz’altro l’espressione sine lege riferita all’acconciatura, che troviamo poco prima anche nel testo del III libro dell’Ars ovidiana 133-134 non sint sine lege capilli / admotae formam dantque negantque manus, famoso contesto nel quale Ovidio esaltava le munditiae, anche quelle che simulavano, come anche nel caso di Albiera, una raffinata nonchalance nell’acconciatura (v. 153 et neglecta decet multas coma). 46 Del resto proprio l’evocare la fanciulla in diverse forme dell’acconciatura e quindi in varie attitudini dimostra la conoscenza della didascalica erotica ovidiana, 47 che implicava una seduzione, che emanava anche da una studiata semplicità (v. 155 ars casum simulet): si nota però nel Poliziano una variatio rispetto ai modelli classici, giacché nel testo di Ovidio a Diana cacciatrice rimandava un’acconciatura con i capelli legati dietro con un nodo o una treccia che scendeva giù nel collo, 48 per la quale non dimentichiamo poi l’ulteriore suggestione derivata da una famosa descrizione di Didone, che nel IV dell’Eneide si avvia alla caccia insieme ad Enea, mentre i suoi crines nodantur in aurum, 49 acconciatura, che vediamo ben rappresentata nella pittura e nella scultura fiorentina coeva del Poliziano per giovani donne, 50 e che invece viene evocata subito dopo per Albiera in riferimento al seduttivo pettine di Venere. 51 Anche la descrizione di Dafne nel I libro delle Metamorfosi 52 mi pare offrirci un calzante parallelo di una capigliatura sine lege, e quello che più ci interessa sottolineare è che si collega in modo evidente al tema della verginità ritrosa delle ninfe, 53 in allusiva connessione intertestuale con motivi topici 46 Vd. Labate 1984, 167. 47 Il motivo ritorna nelle Stanze: vd. Bausi 2003, ad vv. 33-36. 48 Per il tema della caccia, vd. Didone in Verg. Aen. 4, 138; Atalanta in Ov. met. 8, 319 crinis erat simplex, nodum collectus in unum. Altri passi discute Gibson 2003, ad loc. 49 Il passo nel suo complesso sembra presente anche in séguito per la presenza del termine caterva, quando Ramnusia chiede l’intervento di Febris, vv. 133-134: Quae gaudet, fati sortisque ignara futurae; / quam digito atque oculis densa caterva notat? ; vd. infatti Verg. Aen. 4, 136-139 Tandem progreditur magna stipante caterva / Sidoniam picto chlamydem circumdata limbo; / cui pharetra ex auro, crines nodantur in aurum, / aurea purpuream subnectit fibula vestem. 50 Basti citare di Sandro Botticelli il Ritratto di giovane donna come ninfa (forse Simonetta Cattaneo Vespucci) ascritto circa al 1480-1485, ora conservato allo Städel Museum di Frankfurt am Main. 51 Sulla seduzione del pettinarsi, si veda ora l’importante saggio di Rosati 2015. Interessante anche il rapporto con Venere ed in particolare (cito testualmente da pp. 239-240) «una presenza di primo piano nell’iconografia della Vanitas, particolarmente diffusa nell’arte medievale e rinascimentale, costituita da una donna nuda, seduta o recombente mentre è dedita alla toilette, cioè mentre si pettina i capelli guardandosi allo specchio, o li adorna con gioielli e fiori». 52 Sulla presenza del mito di Dafne nelle Stanze, vd. Delcorno Branca 2006, 122-123. 53 Da segnalare anche Diana e le sue ninfe nell’episodio di Atteone met. 3, 168-170, dove Diana al bagno si vede acconciare i capelli dalla ninfa Crocale: nam doctior illis / Ismenis Crocale sparsos per colla capillos / colligit in nodum, quamvis erat ipsa solutis. Del resto non <?page no="23"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 13 dell’epitalamio, vv. 477-480, dato che mi pare addirittura esibita nel passo ovidiano la dipendenza dal catulliano carme 62: 54 Vitta coercebat positos sine lege capillos. 55 Multi illam petiere, illa aversata petentes inpatiens expersque viri nemora avia lustrat. Nec, quid Hymen, quid Amor, quid sint conubia curat. Ancora interessante è lo sviluppo relativo alla descrizione delle chiome di Dafne (tema che prelude alla metamorfosi in pianta, v. 550) sotto lo sguardo innamorato di Apollo, che arriva ad immaginare anche l’effetto di una chioma composta e pettinata, vv. 497-499: spectat inornatos collo pendere capillos et ‘quid, si comantur? ’ ait. Videt igne micantes sideribus similes oculos, […] La presenza di quest’ultimo passo nella memoria poetica del Poliziano è confermata dal paragone (ut nitidum laeti radiabant sidus ocelli) degli occhi ‘ridenti’ 56 con stelle, motivo topico della poesia d’amore, nel corteggiamento amoroso, 57 ma anche dell’epitalamio a partire da Saffo fr. 34 V., come emerge anche nel successivo ritratto di Albiera durante la festa: qui ci piace ricordare un modello, già riconosciuto dal Bausi nel suo commento, e cioè un’elegia, la 3, 8 del Corpus tibullianum, elegia tibulliana in quanto parte di quel corpus poetico, ma in realtà legata al ciclo di Sulpicia, con ogni probabilità post-ovidiano, dove proprio nel raffigurare la giovane Sulpicia appaiono susseguirsi alcuni motivi presenti in questo ritratto, come gli occhi che ispirano amore (vv. 5-6 illius ex oculis, cum vult exurere divos, / accendit geminas lampadas acer Amor), il motivo della duplice, ma comunque seduttiva acconciatura dei capelli (vv. 9- 10 seu solvit crines, fusis decet esse capillis; / seu compsit, comptis est veneranda comis), distici cui si inframezza un elemento molto importante ai fini del nostro componimento, e cioè il tema del Decor personificato, che accompagna la fanciulla in ogni suo gesto esterno (vv. 7-8 Illam, quidquid agit, quoquo vestigia movit, / componit furtim subsequiturque Decor). Infatti anche nel nostro epicedio dimentichiamo che Albiera è definita nympha nel corso del poemetto (v. 79), come a maggior ragione sarà la Simonetta nello scenario boschereccio delle Stanze. 54 Vd. Catull. 62, 42 multi illum pueri, multae optavere puellae; 55-59 multi illam agricolae, multi coluere iuvenci; cum par conubium maturo tempore adepta est, / cara viro magis et minus est invisa parenti. / Hymen o Hymenaee, Hymen ades o Hymenaee! 55 Il verso è espunto da Tarrant nell’edizione oxoniense: a mio parere le nostre considerazioni corroborano la tesi di Murgia 1985, che difende l’autenticità del verso mettendo in luce anche il rapporto tra il tema della castità e la capigliatura apparentemente non curata. 56 Vd. anche Stanze 1, 55, 1-2: Poi con occhi più lieti e più ridenti, / tal che ‘l ciel tutto asserenò d’intorno (da leggere col commento di Bausi 1997, ad loc.). 57 Sul tema della stella nel corteggiamento, vd. Rosati 2003. <?page no="24"?> 14 Rita Degl’Innocenti Pierini il distico successivo alla descrizione delle chiome, vv. 37-38, mi pare introdurre in modo elegante un motivo del tutto anomalo rispetto al ritratto del defunto tradizionale nella laudatio e fortemente corroborare la suggestione di lettura, che proponiamo per il nostro carme, cioè l’intrecciarsi di motivi da epitalamio ad elementi topici dell’epicedio. Infatti ai vv. 37-38 sono i parvi Amores, gli Amorini, 58 che di nascosto acconciano la giovane Albiera quasi si trattasse di una sposa (usque illam parvi furtim componere Amores / sunt soliti), e vi collabora la seduttiva Gratia con la sua mano esperta; quindi il tradizionale corteggio di Venere, topico degli epitalami, 59 prelude e apre in modo originale e significativo ai versi seguenti, nei quali vengono enumerate virtù personificate, 60 una sorta di comitatus virtutum, un corteggio di virtù, che corrisponde in positivo a quello dei terribili compagni di Febris evocati poi ai vv. 97-104 dell’ekphrasis, mescolando qualità di Albiera, congrue con il tono di solenne rimpianto che si confà al tema funebre, con elementi più consoni alla tradizionale laudatio muliebris della poesia amorosa e di corteggiamento sia classica che volgare. Sono elencati Honor, la Modestia topica del puer senex, Decor, Probitas, purpureus Pudor, casta Fides, Risus hilaris, Mores pudici, Incessus decens 61 e nuda Simplicitas), un passo che, a mio parere, si modella parzialmente, almeno sulle ultime virtù evocate, anche su un’elegia degli Amores, la 1, 3, 11-14, dove però sono riferite al poeta stesso, che così si raffigura, non senza un po’ d’ironia, per conquistare la donna amata: 58 Vd. anche in Poliziano sylv. 2, 216-217 comes alma sorori / it Venus, et Venerem parvi comitantur Amores. Sugli Amorini (parvi Amores in Prop. 3, 1, 11) negli epitalami, oltre a Stazio silv. 1, 2, vd. anche Claud. epith. Honor. 97 ss.; Sid. Apoll. Rur. 53 ss.; Ennod. epith. dict. Maximo 53 ss.; Venant. Fort. poemat. 5, 1, 24. Sull’influsso di Stazio sull’epitalamio tardo, basti citare Pavloskis 1965; Horstmann 2004; Wasdin 2014, passim. 59 Menandro retore suggerisce la presenza degli amorini nel canto nuziale: vd. 2.6 (404, 20 Russell / Wilson); 2, 7 (407, 5-8; 411, 12-13 Russell / Wilson), come testimonia del resto ampiamente Claudiano nei suoi carmi nuziali: epith. Honor. 72-74 mille pharetrati ludunt in margine fratres, / ore pares, aevo similes, gens mollis Amorum; carm. min. 25, 10-20: pinnati passim pueri quo quemque vocavit / umbra iacent; fluitant arcus ramisque propinquis / pendentes placido suspirant igne pharetrae. / Pars vigiles ludunt aut per virgulta vagantur, / scrutantur nidos avium vel roscida laeti / mala legunt, donum Veneri, flexusque secuntur / palmitis et summas pinnis librantur in ulmos, / defendunt alii lucum Dryadasque procaces / spectandi. Per uno sguardo d’insieme sul motivo del corteggio di Venere nella poesia tardo-antica, vd. Guérard 2011. 60 Interessante un testo ricco di personificazioni di concetti astratti come Claud. epith. Honor. 77-85 nodo / et flecti faciles Irae vinoque madentes / Excubiae Lacrimaeque rudes et gratus amantum / Pallor et in primis titubans audacia furtis / iucundique Metus et non secura Voluptas; / et lasciva volant levibus Periuria pinnis. / Quos inter petulans alta cervice Iuventas / excludit Senium luco. Per il motivo delle personificazioni in Claudiano, ancora utile Fargues 1933, 258-260. 61 Sul tema dell’incessus, vd. anche Stanze 1, 46, 1-4: Con lei sen va Onestate umile e piana / che d’ogni chiuso cor volge la chiave; / con lei va Gentilezza in vista umana, / e da lei impara il dolce andar soave. <?page no="25"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 15 At Phoebus comitesque novem vitisque repertor hac faciunt, et me qui tibi donat, Amor, et nulli cessura fides, sine crimine mores nudaque simplicitas purpureusque pudor. Quanto poi all’Incessus decens, motivo chiaramente molto presente nella poesia stilnovistica volgare (basti ricordare Dante e Guinizzelli in primis) mi pare trovare un modello classico ancora una volta sui precetti amorosi dell’Ars amatoria, dove nel III libro, rivolto alle donne, si ricorda che (v. 299) Est et in incessu pars non temnenda decoris. Ma torniamo ad Amores e Gratia, la cui presenza non ho mai riscontrato in epicedi classici: 62 la loro evocazione invece denuncia, a mio parere, un modello staziano e precisamente il famoso epitalamio in Stellam et Violentillam, Silvae 1, 2, molto apprezzato dal Poliziano come siamo in grado di stabilire dal successivo commento a questa selva staziana, 63 che già il Carducci considerava fonte d’ispirazione per le Stanze per la Giostra. 64 I vv. 19-23 dell’epitalamio di Stazio sono un passo che è opportuno considerare anche in funzione di un particolare della descrizione di Albiera ai vv. 29-30, che avevo prima tralasciato e che mi ero riservata di esaminare in séguito, consapevole delle ulteriori suggestioni di questa più complessa interpretazione, anche in relazione alla struttura: […] nec blandus Amor nec Gratia cessat amplexum niveos optatae coniugis artus floribus innumeris et olenti spargere nimbo. tu modo fronte rosas, violis modo lilia mixta excipis et dominae niveis a vultibus obstas. La menzione di Gratia in Stazio per evocare le tre Grazie 65 trova un’ampia e dotta spiegazione nel Commento del Poliziano al passo, come osserva la sua editrice, Lucia Cesarini Martinelli, 66 dove sarebbe da intendere come sino- 62 Tranne ovviamente dove intercorra un motivo erotico fra il poeta e chi è oggetto di consolazione, come nel carme 3 di Catullo per il passer di Lesbia. 63 Basti citarne la parte più significativa, 192, 12-20 Cesarini Martinelli: omnes in hac Sylva nervos suos poeta intendit. Nam et res ipsa inducta divinarum personarum granditate attollitur et, cum ex admiratione voluptatem incussit, multa narrationis varietate distinguitur, ut aurium fastidio rerum diversitate subveniatur. Ipse praeterea filus orationis ita contexitur, ut multa figurarum varietate exornetur floribusque verborum quodammodo pictaretur. Carmen vero fusum est ac securum quodque ita laetitia luxurietur, ut dignitatem tamen suam retineat. 64 Vd. Carducci 5 1863, 306-307. 65 Le tre Grazie spargono profumi anche alle nozze di Amore e Psiche: vd. Apuleio met. 6, 24 (sull’importanza del testo apuleiano per Poliziano, vd. infra). Naturalmente in poesia esametrica il singolare Gratia è anche scelta obbligata dal metro, come appare confermato dal motivo epitalamico presente in Ov. met. 8, 428-430: non pronuba Iuno, / non Hymenaeus adest, non illi Gratia lecto: / Eumenides tenuere faces de funere raptas. 66 Vd. l’ampia discussione di Cesarini Martinelli 1978, 134-138. <?page no="26"?> 16 Rita Degl’Innocenti Pierini nimo di Suadela o Peithò, la Persuasione, e come mi sembra confermato dall’aggettivo blandus epiteto di Amor in Stazio, 67 come blanda è la Gratia in Poliziano, Albiera v. 38: il Poliziano nel suo corso trae spunto dal passo di Stazio per offrire una dottissima disquisizione, che fornisce anche rare e preziose varianti del mito, che non ci interessa certo ripercorrere in questa sede. Quello che mi sembra significativo ricordare ai miei fini è che per suffragare la sua tesi il Poliziano sottolinea che Peithò veniva invocata nei rituali di nozze, insieme a dèi più importanti, e cita un passo di Pausania 9, 35, dove si afferma che Ermesianatte la definiva appunto una delle tre Grazie. A noi basti aggiungere che il tema della persuasione nei confronti della fanciulla ritrosa, che non conosce l’amore, appare certo topico nelle complesse e scenografiche alchimie espressive degli epitalami tardi. 68 Lo stesso contesto epitalamico staziano prima citato presenta una suggestiva immagine di Stella, e della sua sposa, sommersi di fiori che intrecciano colori e fragranze, come è topico dell’epitalamio classico da Saffo in poi: 69 i vv. 22-23 tu modo fronte rosas, violis modo lilia mixta / excipis et dominae niveis a vultibus obstas erano stati utilizzati dal Poliziano poco prima nel descrivere Albiera (v. 30), così come il topico contrasto cromatico rossore / pallore ai vv. 29-30 (Candor erat dulci suffusus sanguine, qualem / alba ferunt rubris lilia mixta rosis) è valorizzato dal Poliziano con l’insistenza sul bianco presente nei due incipit successivi (candor / alba) in modo da far ipotizzare, a mio parere, anche un lusus etimologico col nome della fanciulla, suggestione che può essere ulteriormente motivata dalla presenza delle viole nel passo parallelo dell’epitalamio di Stazio, fiore evocato per evidente gioco etimologico con il nome della sposa staziana, Violentilla. 70 Il numero degli autori suggeriti per il dotto mosaico di reminiscenze, che caratterizzano il topos del contrasto pallore / rossore in Poliziano, è decisamente ampio, e ne fa fede il ricco commento di Bausi: dalla Lavinia di Eneide 12, 67-69 71 agli Amores di Ovidio, per non parlare 67 Il Poliziano si sofferma a lungo su blandus commentando Stat. silv. 1, 2: vd. 200, 10-201, 9 Cesarini Martinelli. In particolare da segnalare 201, 3: Blandus Amor, qui ex Venere scilicet natus est. 68 Vd. per esempio Draconzio (autore peraltro non noto a Poliziano) Rom. 6, 60-65 Ibat in obsequium Risus, Amplexibus haerens; / iusta Libido coit, venit et moderata Voluptas, / candida legitimas acce<n>dens Gratia taedas / occurrit, venit alma Fides, Petulantia simplex, / casta Pudicitia procedit mente quieta, / Sobrietas per cuncta vigil devota cucurrit / et quicquid iustos solite comitatur Amores, da leggere col commento di Luceri 2007 ad loc. 69 Vd. Wheeler 1930, 212-214. 70 Si potrà ricordare anche l’allusivo e grecizzante Ianthis di Mart. 6, 21, 1-2: Perpetuam Stella dum iungit Ianthida vati / laeta Venus, dixit. Inoltre Stella avrebbe definito Asteris la sua donna, giocando sul cognomen Stella: Stat. silv. 1, 2, 195-199 (sempre utili le note di commento di Pederzani 1995). 71 É dedicato a questa immagine virgiliana lo studio di Lyne 1983. <?page no="27"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 17 di testi tardo-antichi e umanistici; in ogni caso ci interessa segnalare che appare sovente connotato come elemento topico dell’epitalamio e poi della poesia stilnovistica. 72 Ma veniamo allo snodo strutturale dove, a mio parere, si evince in modo più chiaro che il Poliziano possa aver voluto deliberatamente contaminare il tradizionale lamento dell’epicedio con motivi epitalamici, e cioè a partire da quello che ho prima definito il proemio al mezzo dei vv. 57-58. Consideriamo il distico in cui si ripresenta la persona del poeta che si definisce attonitus lui stesso, compartecipando emotivamente al lutto cantato, e chiede alla Musa di rinnovare la propria ispirazione, vv. 57-58: Tu mihi nunc tanti fuerit quae causa doloris, Attonito vati, moesta Thalia, refer. Il Poliziano innesta qui un modulo chiaramente eziologico (quae causa), che non appare motivo topico degli epicedi, ma che invece ben si adatta agli epitalami, come testimonia in particolare ancora quello staziano per Stella e Violentilla, dove leggiamo, vv. 46-50: Sed quae causa toros inopinaque gaudia vatis attulit, hic mecum, dum fervent agmine postes atriaque et multa pulsantur limina virga, hic, Erato iucunda, doce. La dichiarazione staziana implica un aggancio narrativo al motivo eziologico dell’incontro d’amore, che verrà ampiamente sviluppato nei vv. 51-200 dell’epitalamio, dove Venere e Amore costruiscono le premesse celesti e l’antefatto ‘mitico’ della vicenda amorosa dei due futuri coniugi. Stazio si ispira chiaramente a Virgilio e alle sue due famose invocazioni alle Muse nell’Eneide (Aen. 1, 8 Musa, mihi causas memora, 7, 37-41 Nunc age [...] Erato [...] primae revocabo exordia pugnae) e significativa si rivela soprattutto quella ‘al mezzo’ nel settimo libro, dove Erato riacquista il suo ruolo di Musa congeniale all’amore, così come sottolineato da iucunda, un epiteto adatto ad alludere alle gioie amorose. Il Poliziano invoca invece Thalia, la Musa della commedia e della poesia leggera, che Stazio due volte nelle Silvae definisce lasciva (silv. 2, 1, 116; 5, 3, 98), ma qui essa è maesta come si conviene all’epicedio con una sorta di giuntura dottamente ossimorica, attestata però in poeti umanisti: 73 d’altra parte essa indica anche la Musa in generale, come in molti autori latini, 74 e come 72 Dal punto di vista formale vorrei aggiungere che forse il più vicino a Poliziano appare un pentametro anonimo citato in Mar. Victor. G. L. 6,105 K. lactea sanguineis lilia mixta rosis giacché, a parte il diffusissimo emistichio lilia mixta rosis, qui occorre l’aggettivo sanguineus, che evoca il sanguen di Albiera (immagine che sembra derivare anche dall’epicedio staziano di Glaucias v. 41 o ubi purpureo suffusus sanguine candor). 73 Per i passi paralleli rimando al commento di Bausi 2003, ad loc. 74 Musa della poesia in generale (Hor. carm. 4, 6, 25-26 Doctor argutae fidicen Thaliae, / Phoebe; Ov. fast. 5, 53-54 dicta probarunt / Clioque et curvae scita Thalia lyrae) e dei generi <?page no="28"?> 18 Rita Degl’Innocenti Pierini indica lo stesso Poliziano, che nelle Stanze 1, 45, 1 afferma di Simonetta: Sembra Talia se in man prende la cetra. Dunque il proemio al mezzo permette al poeta di stemperare il pathos della lamentatio topica dell’epicedio introducendo una pausa narrativa, un’ampia digressione, che si sofferma a descrivere la festa di S. Giovanni, il pellitus Johannes come lo chiama Poliziano, evocando le corse di cavalli, i festeggiamenti per Eleonora d’Aragona, le danze con la partecipazione della bella Albiera per poi culminare nello scatenarsi in cielo dell’ira invidiosa e vendicativa di Rhamnusia, che nottetempo le avventa contro Febris. Tutto ciò che concerne l’attualità fiorentina subisce un travestimento mitologico, che suggerisce un’atmosfera raffinatamente alessandrina, con ampie e solenni perifrasi spazio-temporali ad indicare precise circostanze e luoghi, ma pure soffuse da un’aura irreale e favolistica, segnata già dall’avvio nel verso 59, che implica ancora, a mio parere, un sottile riferimento al più dotto e alessandrino dei carmi catulliani, 75 il carme 64, l’Epithalamium Thetidos et Pelei. Non credo che sia senza significato, perché, come abbiamo già affermato, era anche in quel modello che Poliziano poteva aver trovato il raffinato antecedente della sua tessitura poetica, in cui s’intrecciano Amore e Morte, atmosfera rarefatta del mito e realtà del presente: Poliziano, Albiera v. 59 A n n u a pelliti referentem s a c r a Ioannis appare modellato su Catull. 64, 388 A n n u a cum festis venissent s a c r a diebus. Non privo di suggestione a questo proposito si rivela anche il v. 62, dove si ricorda che Eleonora d’Aragona si reca a condividere il talamo di Ercole d’Este (Herculeumque petens regia nata torum), sottolineando così il tema nuziale, sottinteso già nell’evocazione della topica epitalamica e corroborato dalla tessera catulliana virgo regia, che è ancora eco del carme 64, 86-87, dove così è definita Arianna in un contesto di chiara ascendenza epitalamica. É dunque in questa luce nuova e gioiosa, che si possono inquadrare i festeggiamenti per S. Giovanni, patrono di Firenze, che divengono una lieta festa di nozze, dove è coinvolta la città tutta in tutte le sue componenti, come appare dai vv. 65-68: Pro se quisque igitur pueri iuvenesque senesque Matresque et tenerae, splendida turba, nurus illius adventum celebrant: atque unicus urbis Est vultus, festo murmure cuncta fremunt. minori, della commedia per Stazio (silv. 2, 1, 116) e dell’elegia per Ovidio trist. 4, 10, 56 notaque non tarde facta Thalia mea est; 5, 9, 31-32. 75 Bausi 2003 ad loc. segnala opportunamente testi ovidiani: interessante per refer soprattutto Verg. georg. 1, 338-339 atque annua magnae / Sacra refer Cereri. <?page no="29"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 19 Si intrecciano qui una serie notevole di modelli in modo da creare un quadro festoso: 76 il v. 65 si modella su un contesto panegiristico di Marziale (9, 7, 9 Dilexere prius pueri iuvenesque senesque), mentre il motivo della festa innesta su un passo ovidiano un’inaspettata suggestione 77 da una tragedia senecana, l’Agamemnon. Nel passo ovidiano evocato (met. 3, 528-530) si descrive il festante arrivo di Bacco a Tebe, tema caro all’ambiente mediceo; sono presenti termini come turba, matresque nurusque, ma soprattutto spicca fremunt, 78 in collegamento al rituale festis ululatibus, variato da Poliziano in murmure, sulla scorta di un famoso passo del I libro dell’Eneide, dove però si parla del magnus murmur dei venti: Liber adest, festisque fremunt ululatibus agri: turba ruit, mixtaeque viris matresque nurusque vulgusque proceresque ignota ad sacra feruntur. La singolare immagine polizianea dell’unicus vultus della città festante è qui incastonata da un famoso coro dell’Agamemnon senecano, quando si evoca la festa dei Troiani, dopo che hanno creduto all’inganno dei Greci e al loro dono fatale, vv. 643-646: Ducunt turmas, haec femineas, / ille viriles. / Festae matres votiva ferunt / munera divis, / festi patres adeunt aras; / unus tota est vultus in urbe. Altri ipotesti ovidiani si impongono alla nostra attenzione per confermare la ricercata tessitura di questi versi: mi limito in particolare a rilevare l’elegante intarsio testuale del v. 66 et tenerae, splendida turba, nurus, derivata da her. 8, 12 Graias, barbara turba, nurus con la raffinata presenza dell’apposizione parentetica, inserzione dell’apposizione fra aggettivo e sostantivo, secondo una tecnica già alessandrina, ma ben documentata nelle Egloghe di Virgilio (si ricordi almeno 1, 57 raucae, tua cura, palumbes) e che leggiamo anche nell’elegia del Poliziano in morte di Ovidio. 79 76 I passi paralleli riportati nel commento da Bausi colgono invece l’elemento del compianto, come Cons. ad Liviam 203-204 Omnis adest aetas, maerent iuvenesque senesque, / Ausoniae matres Ausoniaeque nurus, cui va aggiunto il concetto del cordoglio unanime nei versi precedenti Omnibus idem oculi, par est concordia flendi: / funeris exequiis adsumus omnis eques. 77 Il confronto manca in Serafini 2008, un contributo peraltro molto limitato su Seneca tragico in Poliziano. 78 Verg. Aen. 1, 55-56 Illi indignantes magno cum murmure montis / circum claustra fremunt, appare valido confronto soprattutto sul piano della resa formale; vd. anche Ov. trist. 1, 2, 25 Inter utrumque fremunt immani murmure venti. Cuncta fremunt si legge in Lucan. 10, 321-322 cuncta fremunt undis, ac multo murmure montis / spumeus invitis canescit fluctibus amnis. 79 Vd. Degl’Innocenti Pierini 1990, 225. Sull’importanza dell’elegia in morte di Ovidio anche nell’ambito degli studi ovidiani del Poliziano professore, vd. Bausi 2014, 91-100, che argomenta persuasivamente sull’autunno del 1481 come data di composizione dell’elegia, avvicinandone cronologicamente quindi la composizione all’epitafio per Albiera. <?page no="30"?> 20 Rita Degl’Innocenti Pierini É chiaramente impossibile dare conto di tutte le suggestioni esegetiche, che questa parte relativa alla festa implica: certo è che appare frutto di un’elaborazione particolarmente raffinata e suggerisce accostamenti di sapore alessandrino. Basterà limitarci ad aggiungere qualche considerazione sulla topothesia dei vv. 69-70, quando il Poliziano introduce la descrizione del luogo, dove ha sede la festa: si tratta di Borgo Ognissanti, strada famosa per la Chiesa omonima e molto vicina alle rive dell’Arno, dove si trova il Palazzo Lenzi, dalle cui finestre Eleonora d’Aragona avrebbe assistito alle corse dei cavalli, il palio dei barberi, sul prospiciente Prato d’Ognissanti e alle danze di fanciulle alle quali partecipò anche Albiera. 80 Poliziano si riferisce a questi luoghi con raffinati toponimi di suo conio, calchi classici come il grecizzante Panthagia per rendere Ognissanti, mentre i Fiorentini sono definiti Syllani, 81 Tyrrheni i Toscani, e il Palazzo Lenzi Domus Lentia. Particolarmente sottile e suggestivo il modello latino sotteso ai vv. 69-70: E s t v i a (Panthagiam Syllani nomine dicunt): Omnibus hic superis templa dicata 82 micant Infatti Borgo Ognissanti si trasfigura in un locus amoenus classico, anzi direi che si trasforma nel più sublime dei luoghi, in quanto definendolo Panthagia, col travestimento greco del nome, Poliziano sembra voler evocare il cielo degli dèi pagani ed in particolare la Via Lactea, secondo un modulo descrittivo derivato, a mio parere, ancora una volta da Ovidio, che in met. 1, 168 E s t v i a sublimis caelo manifesta sereno apre così la descrizione romanizzata di una via, che si inerpica nel cielo e presso la quale si trovano le case degli dèi maggiori e minori. Poliziano sembra voler deliberatamente alludere al testo ovidiano, 83 operando però un rovesciamento allusivo, giacché Ovidio ‘abbassava’ la sede degli dei assimilandola al romano Palatino (met. 1, 173-174 hac parte potentes / caelicolae clarique suos posuere penates), mentre Poliziano sublima e mitizza la chiesa dedicata a tutti i santi ed anche la domus Lentia, che iperbolicamente ‘squarcia le nubi ed innalza il suo tetto fino al rutilante cielo’ come ben traduce Bausi i vv. 71-72 (Hic domus aethereas perrumpens Lentia nubes, / provehit ad rutilos culmina celsa polos). Il travestimento mitico di una scena reale e attuale, che assolve anche ad un evidente intento panegiristico nei confronti della città di Firenze, dei suoi 80 Sui luoghi rimando al commento ad loc. di Bausi 2003. Sulle danze nelle celebrazioni di S. Giovanni, vd. Dempsey 1999, 8. 81 Leonardo Bruni nella sua Storia di Firenze inizia il suo racconto storico proprio sostenendo che Firenze era stata fondata da Silla: Florentiam urbem Romani condidere a L. Sylla Fesulas deducti, fuerunt hi Syllani milites. 82 Vd. Ov. fast. 1, 706 Hac sunt Ledaeis templa dicata deis. 83 Sull’importanza delle Metamorfosi nell’immaginario ecfrastico del Poliziano volgare, vd. Delcorno Branca 2006, con la bibliografia ivi citata. <?page no="31"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 21 Signori, e dell’illustre ospite promessa sposa, serve anche come solenne premessa narrativa ad un’ulteriore descrizione di Albiera (vv. 77-84), evocata mentre è intenta a danzare, lei pulcherrima nympha tra le nurus che intrecciano armoniosi passi di danza in onore dell’ospite regale: Regia nata leves gaudet celebrare choreas, Iamque nurus certa brachia lege movent. Emicat ante alias vultu pulcherrima nymphas Albiera, et tremulum spargit ab ore iubar. Aura quatit fusos in candida terga capillos, Irradiant dulci lumina nigra face; Tamque suas vincit comites, quam Lucifer ore Purpureo rutilans astra minora premit. Emerge nel primo distico il ricordo anche di un verso, corrotto in parte per noi, ma ugualmente significativo nella clausola, ancora dal catulliano carme 64, v. 287 linquens †doris c e l e b r a n d a c h o r e i s , dove Catullo descrive, nell’ambito del paesaggio ameno di Tempe, danze di fanciulle tessale per le nozze di Peleo e Teti: un testo quindi il carme 64 che sembra insinuarsi nella memoria poetica polizianea in punti chiave dell’epicedio di Albiera, a suggellare, io credo, l’idea, che andiamo tentando di suggerire e sviluppare della compresenza del tema di Amore e Morte, inteso come intersezione retorica tra generi opposti, epicedio ed epitalamio, ma ugualmente d’occasione e celebrativi. Ai vv. 79-84 proprio l’immagine di Albiera, descritta quale la più bella delle fanciulle, celebrata come colei che spicca e brilla (emicat) nel gruppo superando le altre, rimanda a motivo topico negli encomi delle spose che si leggono negli epitalami, 84 a partire probabilmente da Saffo 34 V., ma soprattutto da Teocrito nell’epitalamio per Elena, dove appunto la celebrata è descritta come la più bella; 85 in particolare il paragone con Lucifero, la stella del mattino, ai vv. 83- 84 ne è la spia più significativa. La comparazione è molto diffusa e fa parte sia della retorica panegiristica sia della retorica del corteggiamento; 86 ne sottolinea l’importanza la collocazione incipitaria di emicat al v. 79, nonché l’esplicito paragone con Lucifer, astro che, con la sua luce rossastra, ha il potere di offuscare tutte le stelle sue compagne. La consapevole raffinatezza della riesumazione polizianea traspare anche dal dotto incastro oraziano di ambito encomiastico da carm. 1, 12, 46-48 m i c a t inter omnis / Iulium sidus, velut inter ignis 84 Vd. Lyghounis 1991, 187; 190. 85 Vd. Theocr. 18, 26-28: «l’Aurora sorgendo manifesta il suo bel volto, o veneranda Notte, così come la splendente primavera al cessare dell’inverno: così l’aurea Elena splendeva tra noi». Il motivo ritorna anche nell’epitalamio staziano di Stella e Violentilla: vd. silv. 1, 2, 113-116 Celsae procul aspice frontis honores / suggestumque comae. Latias metire quid ultra / emineat matres: quantum Latonia Nymphas / virgo premit quantumque egomet Nereidas exsto. 86 Il motivo è esemplificato con ricco corredo di passi in Rosati 2003. <?page no="32"?> 22 Rita Degl’Innocenti Pierini / luna minores. Ma, come di consueto, un modello non soddisfa tutte le molteplici sfumature del testo di Poliziano, dato che emicat implica sì il bagliore delle stelle, ma anche la giovanile baldanza, che viene esaltata attraverso la collocazione incipitaria nelle figure giovanili, ora per sottolineare l’eroismo di Eurialo e Niso (Aen. 5, 319-320 Nisus / e m i c a t et ventis et fulminis ocior alis; 337 e m i c a t Euryalus et munere victor amici), ora il vigore di Atalanta nella gara di corsa del decimo delle Metamorfosi. 87 Se è vero che tremulum iubar occorre già in Lucrezio (5, 697), forse la collocazione di iubar in ultima sede staccato dall’epiteto fa pensare che Poliziano si ispiri anche qui all’Ovidio dei Fasti 1, 78, dove l’immagine è impiegata in un contesto di festa, anche se non riferita al volto femminile (et tremulum summa spargit in aede iubar). 88 Del resto lo spettacolo della festa si snoda di fronte ad un pubblico estasiato, dove attoniti sono gli spettatori come gli astanti di fronte alla virginea apparizione della Camilla virgiliana nel catalogo del settimo dell’Eneide: 89 quindi con scelta sapientemente mirata il poeta addensa su Albiera elementi che tutti richiamano figure giovanili dei suoi amati classici, destinate a mors immatura come la sua sfortunata eroina. Se coglie nel segno la nostra interpretazione che vede nel carme un consapevole mosaico di generi, in particolare epitalamio ed epicedio, allora anche la macchina mitologica, come la definì Carducci, attraverso la quale Rhamnusia, invidiosa di Albiera e del suo destino, volge il suo sguardo torvo dal cielo per colpirla a morte attraverso l’invio di Febris, non troverebbe la sua ispirazione solo in tre noti episodi delle Metamorfosi, quello di Invidia (met. 2, 752- 832), di Tisifone (met. 4, 432-480) e della Fame (met. 8, 788-813), ben individuati già da Perosa nel suo magistrale e pioneristico studio su Febris, ma, con la tecnica dell’oppositio in imitando, anche nell’epitalamio di Stella e Violentilla, come segnalato, a mio parere, già dal ribaltamento tematico del proemio al mezzo nei vv. 57-58. Infatti in Stazio l’aition delle nozze felici (vv. 46-47) ha il suo svolgimento in cielo, dove Venere viene sollecitata da uno dei suoi Amorini a spingere Violentilla alle nozze, con lo sguardo divino che dal cielo si rivolge verso la donna, descritta poi anche da Venere come la più bella fra tutte. Venere si reca col carro aggiogato di cigni dalla donna per spingerla a cedere all’amore di Stella (1, 2, 161-193); specularmente opposta invece la Rhamnusia di Poliziano, che si reca da Febris per convincerla a colpire il corpo di Albiera e portarla alla morte (vv. 131-136). Importante mi pare segnalare 87 Vd. met. 10, 652-653 signa tubae dederant, cum carcere pronus uterque / e m i c a t et summam celeri pede libat harenam. 88 Sembrerebbe confermarlo la lunga trattazione del termine iubar nel relativo commento del Poliziano ai Fasti. 89 Aen. 7, 812-817 illam omnis tectis agrisque effusa iuventus / turbaque miratur matrum et prospectat euntem, / a t t o n i t i s i n h i a n s a n i m i s ut regius ostro / velet honos leuis umeros, ut fibula crinem / auro internectat, Lyciam ut gerat ipsa pharetram / et pastoralem praefixa cuspide myrtum. <?page no="33"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 23 che sia Venere nell’epitalamio di Stazio che Febris in Poliziano si rivolgono alle donne oggetto del loro interesse e che ad entrambe i poeti fanno proferire parole alla loro presenza, mentre invece nelle Metamorfosi di Ovidio Invidia, Tisifone e Fame semplicemente si insinuano silenziosamente nei corpi delle loro vittime: la differenza non era sfuggita ad Alessandro Perosa, 90 che ne attribuiva la presenza solo alla sensibilità personale del Poliziano, a quello che Perosa definisce «the elegiac pathos which animates, though with a slightly theatrical overtone, the most sincerely felt verses in the Elegy». Per il percorso di lettura da noi svolto credo che si possa ragionevolmente attribuire questo particolare narrativo all’influsso dell’epitalamio staziano, così apprezzato anche da Poliziano commentatore delle Silvae: così come un modello, meno letteralmente presente, ma alluso in singoli passi e strutturalmente significativo è, come abbiamo osservato, il carme 64 di Catullo, che assomma in sé temi nuziali e presagi di morte attraverso il canto epitalamico delle Parche. In questo senso è interessante ricordare come molto recentemente Donatella Coppini abbia persuasivamente indicato un ulteriore modello per l’Albiera di Poliziano nella fabula di Amore e Psiche di Apuleio, prosastico, ma dalle sottili implicazioni allegoriche e filosofiche, e soprattutto molto importante per alcuni snodi della struttura dell’epicedio: non si può che consentire con lei, soprattutto sottolineando un ulteriore elemento, significativamente coerente col punto di vista della mia lettura, e cioè che anche nel racconto apuleiano si presenta quel coesistere di amore/ matrimonio e morte, che abbiamo evidenziato nel nostro testo e che anche in Apuleio deriva proprio, come è stato ampiamente dimostrato, dall’influsso della topica della poesia nuziale ed elegiaca. 91 Non è possibile certo sondare e, forse, indicare altre intersezioni di topoi letterari e generi nell’epicedio; mi vorrei limitare in conclusione a sottolineare molto sinteticamente alcune presenze di motivi riconducibili ad altre opere di Ovidio, che si conferma autore imprescindibile nell’immaginario poetico del Poliziano. 92 Importante mi pare per esempio evidenziare l’interesse per l’antiquaria romana, che si presenta, non casualmente, in modo molto particolareggiato e documentato nella descrizione del culto di Febris ai vv. 123-124, cui l’incipit stesso di sapore arcaizzante, olli, contribuisce a dare una patina d’antichità: O l l i templa olim posuit romana propago, Abstinuit saevas nec tamen inde manus Inoltre degno di rilievo è il motivo epigrafico, cioè l’inserimento in conclusione del carme dei versi di un epitafio da porre sul tumulo della fanciulla, 90 Perosa 1946, 84. 91 Vd. soprattutto Mattiacci 1998, 127-149. 92 Recenti sondaggi sulla presenza di Ovidio in Poliziano si devono a Martelli 2006. <?page no="34"?> 24 Rita Degl’Innocenti Pierini che potrebbe anche contribuire a spiegare, a mio parere, il motivo per cui Poliziano sceglie il distico elegiaco per il suo epicedio, pur traendo gran parte della sua ispirazione dall’esametrico Stazio. Ci basti citare i conclusivi vv. 281-286: Et tandem gelidos operosi marmoris artus Includit tumulus, et breve carmen habet: «Hoc iacet Albierae pulchrum sub marmore corpus; Nulla quidem tantum marmora laudis habent. Exornat tumulum corpus, sed spiritus astra: O quanta accessit gloria lausque polo! » Poliziano si fa erede di una ben consolidata tradizione elegiaca, risalente a Tibullo e Properzio, 93 ma che viene sviluppata soprattutto da Ovidio nelle Heroides, dove talvolta le eroine in conclusione delle loro lettere, quale autocosciente presagio del loro tragico destino di morte, si dettano il loro epitafio da apporre sul sepolcro; basterà ricordare la Didone della settima epistola, vv. 193-196: nec consumpta rogis inscribar Elissa Sychaei, hoc tantum in tumuli marmore carmen erit: «Praebuit Aeneas et causam mortis et ensem. ipsa sua Dido concidit usa manu.» Si conferma dunque l’interesse già molto giovanile del Poliziano per opere e temi, che saranno anche oggetto di studio dello studioso più maturo, quando dedicò un corso all’epistola ovidiana di Saffo a Faone sul finire dell’anno accademico 1481/ 1482, e ai Fasti nell’anno 1481/ 1482. Non irrilevante in questo senso notare che lo stesso espediente dell’epitafio è presente nell’elegia De Ovidii exilio et morte, vv. 31-36, dove sono gli Amorini, che attivano il rogo per il loro poeta d’amore e poi gli dettano l’epigrafe, a testimonianza dell’esigenza di variare e ampliare la topica tradizionale dell’epicedio: Accurrere leves paphia cum matre volucres, arsuroque faces supposuere rogo: quem simul absumpsit rapidae violentia flammae, relliquias tecto composuere cado; impositum brevi signarunt carmine saxum: «Qui iacet hic teneri doctor amoris erat» Cosa dire per porre termine ad una troppo lunga trattazione, se non che il Poliziano non finisce mai di stupirci con la sua enorme doctrina, oserei direi mostruosa per un adulescens quale in fondo egli era ancora: concludo così 93 Vd. per es. Prop. 4, 7, 83-86 hic carmen media dignum me scribe columna, / sed breve, quod currens vector ab urbe legat: / «hic Tiburtina iacet aurea Cynthia terra: / accessit ripae laus, Aniene, tuae» (non in conclusione dell’elegia). Sul tema utili i lavori di Fedeli 1989; Ramsby 2005. <?page no="35"?> L’epicedio per Albiera degli Albizi 25 senza una vera conclusione questo vagabondaggio tra i meandri del labirinto di agnizioni in cui ci si inoltra lasciandoci guidare dal fascino raffinato del poetico ludere polizianeo. Bibliografia Asso, Paolo: Il genere consolatorio da Stazio alle letterature europee, Vichiana 10, 2008, 176-196. Bausi, Francesco: L’Epicedion in Albieram di Angelo Poliziano (testo e versione semipoetica), Yale Italian Poetry 8, 2004-2005, 215-247. Bausi, Francesco: Due schede su Poliziano professore, in: Lucia Bertolini / Donatella Coppini / Clementina Marsico (curr.): Nel cantiere degli Umanisti per Mariangela Regoliosi, Firenze 2014, 91-111. 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Toutes font l’objet de représentations multiples, d’autant plus qu’elles sont, comme on le sait, intrinsèquement liées à la codification des genres depuis l’antiquité : la colère est le point d’impulsion du chant épique, la douleur occupe majoritairement la plainte élégiaque, l’envie apparaît comme l’un des motifs récurrents de l’épigramme, tandis que la crainte demeure, elle aussi, attachée à l’épopée. Certes, il n’existe aucune exclusivité non plus dans un tel usage, ni chez les Anciens ni chez les Humanistes et Politien, lecteur d’Aristote et d’Horace, goûte manifestement le tressage des codes. 2 La question des passions implique également le recours à un autre matériau prisé des poètes : le mythe, objet de réécritures et d’exégèses innombrables tout au long du Moyen Âge et du Quattrocento. Politien manifeste là encore un intérêt propre pour la mythopoïétique, outil de choix, irrigué par le vaste répertoire hérité d’Homère, de Virgile, et d’Ovide, pour ne citer que les plus connus, qui inspirent la mise en scène de l’inuidia, de l’ira ou du dolor en y mêlant les méditations éthiques afférentes. Assurément, ces représentations sont dotées d’un statut inégal, selon qu’elles se confondent avec le sujet principal du poème ou qu’elles n’apparaissent qu’en tant qu’élément secondaire, mais elles sont empreintes d’une expressivité intense que l’on ne saurait réduire au simple ornement rhétorique - à moins de considérer précisément l’ornement au plein sens du terme, de moyen d’accession à la dignitas et de voie d’élévation de l’âme. On note par ailleurs, dans les écrits en prose de l’humaniste, un intérêt marqué pour l’éthique en général et pour les passions négatives en particulier, qu’il s’agisse du traité sur la colère chez les enfants, 1 Voir par exemple la lettre de Ficin à Bernardo Bembo. Landino et Politien développent et illustrent dans leurs productions la théorie d’une poétique propre à offrir une voie à la vertu. À ce sujet : Bettinzoli 2001. 2 Bausi 1998, 2001 ; Galand 1995. <?page no="40"?> 30 Hélène Casanova-Robin de la traduction de l’Enchiridion d’Épictète, du Panepistemon 3 (1490) ou de ses commentaires aux œuvres antiques, comme en témoigne aussi la praefatio au Commentaire de Perse. 4 Cette constante dans l’œuvre de l’humaniste « philologue et poète », 5 incite à entreprendre une enquête qui fasse apparaître les points de rencontre entre la méditation morale et l’élaboration d’un langage poétique novateur revendiqué par l’Ambrogini. En effet, la dichotomie poésie/ philosophie reste inopérante pour les œuvres des Humanistes qui développent une matrice conceptuelle commune, mettant en débat les théories antiques, même si, par nature, les uns sont plus portés à l’innovation spéculative et les autres à l’invention poétique. La question des passions négatives demeure complexe, ambivalente par nature comme en témoignaient déjà les écrits de Lucrèce, de Cicéron et de Sénèque, malgré l’apparent consensus sur leur condamnation. Si ces affections sont blâmables, pour le trouble de l’âme qu’elles suscitent et parce qu’elles contreviennent à l’état de tranquillité qui constitue l’idéal du sage, elles n’en comportent pas moins, paradoxalement, une dimension positive, voire les virtualités d’un élan dynamique propice à la création. Faut-il voir là l’une des justifications de l’intérêt de l’humaniste, épris de dialectique ? Je propose d’examiner ici l’inuidia, l’ira et le dolor, chacune au prisme d’un paradigme mythique illustré dans quelques pièces poétiques. L’inuidia, devenue un objet d’étude et un thème littéraire récurrent au Quattrocento, 6 apparaît comme une passion cardinale chez Politien, sinon un véritable point nodal de l’écriture, le lieu même d’une imitation créatrice. Il est alors tentant d’en étudier quelques occurrences « au miroir des Anciens », rassemblées autour de la figure de Rhamnusia. L’ira, souvent apparentée dans les écrits à un furor, investie parfois même d’une acception tragique, exhausse le paradigme d’Hercule, au travers de la prépondérance des références sénéquiennes que la notion convoque, au point d’inciter à une lecture métaphorique en ce sens de la Sylva in scabiem. Quant au dolor, je choisirai d’en considérer moins la représentation que le remède proposé pour l’apaiser, répondant alors au paradigme d’Orphée, figure matricielle de toute l’œuvre de l’humaniste, synthétisant son projet poétique et son souci parénétique. 3 Maïer 1966 ; Mandosio 1996 et Séris 2002. 4 Édition moderne : Martinelli-Ricciardi 1985. 5 Laurens 1995 ; Mariani Zini 1999. 6 Par exemple dans les Intercenales d’Alberti, ainsi que dans toute la tradition épigrammatique. <?page no="41"?> La poétique des passions négatives chez Politien 31 1. L’inuidia au miroir des Anciens : le paradigme de Rhamnusia L’inuidia occupe une position centrale dans la poésie de Politien, si bien que, au gré d’une réorganisation de la hiérarchie traditionnelle, lui sont subordonnées deux autres passions, le dolor et le metus. Ce choix permet un développement esthétique original, grâce à une réélaboration de nombreux textes antiques, ceux d’Ovide en particulier que propose l’humaniste, mais il correspond également à l’adoption d’une posture de poète satirique, dans le sillage de Martial. Certes, les définitions de l’inuidia transmises par les Anciens demeurent présentes en filigrane et la réflexion éthique n’est pas occultée : cette passion est, selon Cicéron, une aegritudo, 7 née du désir de s’emparer du bien d’autrui jugé excessif (nomen inuidiae quod uerbum ductum est a nimis intuendo fortunam alterius, Cic. Tusc. 3, 9, 20) et elle demeure liée au regard « le mot d’envie, terme qui signifie étymologiquement regarder avec trop d’insistance le bonheur d’un autre » (ibid.), puis 3, 10, 21 : inuidentia est aegritudo ex alterius rebus secundis, « l’envie est un chagrin provoqué par le bonheur d’autrui ». Dans la plupart des occurrences, l’inuidia est présentée du point de vue de la victime du regard néfaste de l’envieux. 8 Aristote l’avait analysée en détail, l’associant en outre au désir de compétition, qui justifie sa transposition dans le champ de la création poétique : « L’envie atteint encore ceux avec qui l’on est en rivalité […] avec ceux qui convoitent le même objet que nous. » (Rhét. 2, 10, 6 et 7). La mise en scène de l’inuidia dans la poésie de Politien répond donc à ces deux aspects. D’une part, on découvre la dénonciation de cette passion dans un certain nombre d’épigrammes inscrites dans un contexte d’échange poétique polémique, d’autre part, on la voit envisagée sous l’angle de la souffrance qu’elle provoque, comme une entité extérieure, souvent assimilée à la cruauté du destin. Dans le premier cas, Politien adopte l’éthos d’un satiriste, à la manière de Martial, déjà emprunté par Pétrarque dans certaines épîtres métriques (Ép. à Zoilus). L’inuidus poeta apparaît alors plus qu’un mauvais poète, comme un homme qui n’a su subvenir aux besoins essentiels du corps et de l’âme, exclu de surcroît de la communauté civique, qui ne peut donc en aucun cas susciter la pitié, conformément à l’analyse aristotélicienne (Rhét. 2, 10, 11). L’épigramme 53 illustre cet aspect : In inuidum Quisquis es obscuro uatem qui dente lacessis Maiorem tristi, degener, inuidia, Vsque late lucemque paue, blactarius auctor, 7 Traduction de Humbert pour la C.U.F. 8 Ce point de vue rappelle l’usage cicéronien du terme dans Tusc. 3, 9, 20, en vertu d’une distinction inuidia / inuidentia. <?page no="42"?> 32 Hélène Casanova-Robin Liuidior Graecis barbariorque tuis. Quosque fames opicis ad nos emisit Athenis, 5 Hos audi; gens est auribus apta Midae. Qui que tu sois qui déchires de tes dents obscures un poète inspiré, Plus grand que ta funeste envie, bâtard, Redoute partout largement la lumière, auteur miteux, Plus livide et plus barbare que tes Grecs. Tous ceux que la famine nous a envoyés depuis la misérable Athènes, Je les ai entendus ; ce peuple est bon pour les oreilles de Midas. 9 À la virtuosité poétique déployée dans l’esthétique du grotesque, reposant sur la dévaluation du corps difforme, rehaussée par le jeu d’antithèses ombre/ lumière, s’ajoute l’invention visuelle d’une créature dépourvue de toute harmonie morale et physique. L’inuidus est dépeint selon un mode réflexif, sa jalousie naît de ses propres manques et insatisfactions, que l’humaniste associe ici à la Grèce, en une allusion à la situation contemporaine critique d’un peuple alors anéanti. De surcroît, le satiriste y voit le signe d’une incompétence poétique, puisque, suivant la pensée de Pétrarque, la gloire littéraire permet précisément de rester indifférent à l’envie. 10 Mais, comme le révèlent aussi bien d’autres pièces, la mise en scène de l’inuidia engendre également une réflexion éthique plus vaste. Politien choisit d’illustrer ce thème, avec toute la réflexion qui lui est associée chez l’Arpinate, dans l’épicède d’Albiera, 11 déployant une virtuosité poétique louée de tous ses contemporains, dès la publication du texte. Le trait original prédominant, à première lecture, réside dans l’association de l’inuidia, personnifiée sous les traits de la déesse de Rhamnonte, Rhamnusia et du motif des lumina, (« yeux » mais aussi « lumières »), dont le poète exploite ensuite la richesse sémantique (89-90) : Vertit in hanc toruos Rhamnusia luminis orbes, Exiguoque mouet murmura parua sono. Elle tourne sur elle les orbes torves de ses yeux, la Rhamnusienne, Et elle pousse de petits grognements d’une faible intensité. Les nombreux exégètes 12 ont repéré ici combien le portrait de la créature maléfique est pétri de références empruntées à Ovide et à Stace, réélaborées en 9 Sauf mention contraire, les traductions des textes latins cités sont personnelles. 10 Pétrarque, Remèdes aux deux fortunes 2, 35 : Est, ut perhibent, calcande aliud iter inuidie, per excellentem gloriam, sed per erraro uestigio signatum, ita ut plures hoc calle gradientium, in id quod fugiunt relabuntur. « Il existe, à ce qu’on dit, un autre moyen de surmonter l’envie : c’est d’acquérir une gloire éminente. Mais c’est là un chemin très peu frayé ; la plupart de ceux qui veulent le suivre retombent dans les dangers qu’ils fuyaient. » (Traduction Carraud 2002). 11 Sur cette pièce : Bausi 1994 et 2004-5. 12 Bausi 1996 ; Séris 2002 ; Coppini 1998. <?page no="43"?> La poétique des passions négatives chez Politien 33 faveur d’une représentation tout entière tendue vers l’expression du pathos de la puella démunie face à l’hostilité de la déesse. Le motif de la lumière, récurrent, constitue un fil unitaire de l’évocation, d’autant plus approprié qu’il se prête à appuyer le renversement de situation provoqué par cette passion néfaste (91-92) : Tum miserae letale fauens, oculisque nitorem Adiicit et solito celsius ora leuat. Alors elle dispense à la malheureuse une faveur mortelle : elle ajoute à son regard De l’éclat, elle dresse son front plus haut qu’à l’accoutumée. Grâce à une dramatisation accrue par la caractérisation d’une scène sonore autant que visuelle (murmura parua, exiguo sono), l’intervention de la Rhamnusienne constitue la première étape vers la démultiplication des passions négatives : crainte et douleur s’ajoutent désormais à l’envie. Le processus de la vengeance ainsi décrit occupe une place prépondérante, bien au-delà de celle que lui accordait Stace, par exemple, dans l’épicède de la Silve 2, 6. L’intérêt de l’humaniste se porte ici sur les signes physiques de l’inuidia, le choix d’une représentation anthropomorphe ouvre alors sur une véritable physiognomonie. 13 En outre, on découvre ici une intense réflexion sur la fortuna, comme le révèle la réélaboration de vers empruntés à la Silve 5, 1 de Stace : 14 l’innocence est frappée, la déesse insuffle à la puella un supplément de beauté (nitorem adiicit, solito celsius) mais pour la convertir, à son insu, en une créature coupable d’hybris. Le couple problématique fatum / fortuna en devient prééminent et la Fortuna, invoquée dès le début du poème (v. 23 et 50), comme dispensatrice de bienfaits accordés « d’une main légère », s’avère d’autant plus éphémère et instable. Ce trait est tout aussi notable dans les poèmes de Naldi (él. 1, 29, 33-48) et de Verino (Epigr. 5, 14-15), personnalités poétiques majeures du cercle florentin au moment où s’est constitué l’ensemble d’hommages littéraires à Albiera. Il s’accorde alors avec une préoccupation contemporaine qui excède celle de la circonstance funeste : le poète rejoint là les réflexions sur la fortuna 15 menées dans un plus large espace par les lettrés et philosophes du Quattrocento qui, après Pétrarque, dénoncent le rôle mineur, voire inexistant joué par la Providence sur la vie humaine et la difficulté de l’existence conçue comme un perpétuel combat. Le débat est ravivé dans les années 1470, au moment où se développe la querelle autour de l’astrologie, lorsque Marsile Ficin entreprend de traduire les Ennéades de Plotin avant de commenter le traité de 13 Séris 2002. 14 Stace 5, 1, 137-169. 15 Salutati, Bracciolini, Pontano, par exemple. <?page no="44"?> 34 Hélène Casanova-Robin cet auteur Sur le destin (1487), sujet auquel le philosophe travaille manifestement depuis plus d’une décennie. 16 Or Politien se plaît à transposer ces questions en langage mythopoïétique, lorsque, associant ainsi à diverses reprises inuidia / fortuna, il offre une figure anthropomorphe à la Fortuna. Le distique de clôture du discours de la cruelle divinité dans l’épicède pour Albiera 17 comporte une formule gnomique finale qui résonne d’accents empruntés à Sénèque (Consol. ad Marciam 12, 1, mais aussi Ad Polybium 9, 9), orientant ainsi le propos vers le genre consolatoire, tout en conservant une écriture poétique de coloration horatienne dans le pentamètre (159-160) : Stat uacua tua Parca colo, moritura puella; Ne geme, cum dulce est uiuere, dulce mori est. Elle se tient avec un fuseau vide, ta Parque, tu vas mourir jeune fille ; Ne gémis pas, de même qu’il est doux de vivre, il est doux de mourir. La matrice conceptuelle à l’œuvre apparaît résolument d’imprégnation stoïcienne, pour répondre à la question d’un dolor insoutenable. Certes, le poète met en débat la nature du remède, plus qu’il n’offre de solution doctrinale et l’attribution même de ces paroles à Rhamnusia appuie à nouveau, non sans ironie, la dimension dramatique du propos. Dans la suite du poème, le travail d’orfèvrerie opéré par l’humaniste avec les citations antiques révèle, de façon prégnante, un arrière-plan tissé de références philosophiques qu’elles soient dogmatiques ou poétiques, 18 recomposées de façon à exhausser la représentation de la douleur. Ce sont tout d’abord les symptômes personnifiés qui rappellent subtilement le catalogue d’allégories infernales développé par Cicéron dans le De natura deorum (Dolus, Metus, Labor, Mors, Tenebrae, Miseria, 3, 17). La contamination avec Mét. 4, 484 d’Ovide ajoute un supplément de monstrueux, à valeur esthétique et morale, en évoquant l’irruption de la Furie chez Athamas, accompagnée de Luctus, de Pauor, de Terror et d’Insania. Mais, plus largement, les réminiscences antiques dans le poème de Politien apparaissent toutes en relation avec la question du destin, en vertu d’une inspiration stoïcisante, peut-être concomitantes de sa traduction latine de l’Enchiridion d’Épictète, participant d’une configuration dialectique autour du fatum. L’accroissement du pathétique n’en intensifie que davantage l’aporie. Le débat au sujet des passions négatives et du destin est ainsi actualisé : Cicéron, dans le passage cité du De natura deorum, rappelait la nécessité du recours à la raison pour interpréter ces créatures mythologiques. Ici, selon un procédé analogue, enrichi par des choix esthétiques et littéraires brillants, 16 Sur ce point : Vanhaelen 2007. 17 L’élégie 6, adressée à l’ami médecin Antonio Benivieni, riche d’une méditation sur la mort et le destin, comporte la même iunctura : uacua colo (v. 12). 18 Lucrèce 6, Virgile, Énéide 6, Sénèque, Herc. Fur. 694 et Œdipe 592 ; Silius Italicus 1, 549 et 13, 581 ; de même chez Stace, Claudien ou Hésiode (Théog. 212). <?page no="45"?> La poétique des passions négatives chez Politien 35 l’humaniste questionne les diverses postures antiques sur le sujet au gré de cette mythopoïétique dramatisée. Ficin lui répond, en quelque sorte, lorsqu’il lui suggère d’adopter lui-même le nom d’Hercule, 19 mais d’autres implications éthiques et poétiques se trouvent alors révélées à travers la convocation de cette figure éminemment liée au labor, dans toute l’acception du terme. 2. Ira et furor ? Le paradigme d’Hercule Un autre grand poème de Politien, la Sylva in scabiem, daté de 1478-1480, 20 met en scène une maladie physique déclenchant une forme de rage, due au prurit, dans laquelle on peut déceler, métaphoriquement, une peinture de la colère, ou plutôt d’une forme d’irascibilité violente. La colère, « ce désir de se venger d’une personne qui semble nous avoir lésés de façon imméritée » (Cic. Tusc. 4, 21), cet élan qui emporte l’âme par un « désir mauvais » (ibid. 77-79), constitue aussi un objet d’étude considérable chez Politien, comme en témoigne aussi ce petit traité où il revendique, contre Sénèque, la nature positive de cette émotion chez les enfants : Quod ira in pueris optimæ sæpe indolis est argumentum. 21 Sans aucune prétention à renouveler ici les éminentes études déjà produites sur le sujet, notamment celles d’une extrême richesse et parfaitement convaincantes, de Paolo Orvieto ou d’Attilio Bettinzoli, auxquelles s’ajoutent désormais de récents travaux d’une grande pertinence, 22 je souhaiterais examiner de plus près l’intertexte sénéquien au regard de la représentation poétique du furor ou de l’ira, passions de l’âme que l’on peut sans doute associer, par métabolè, à la frénétique démangeaison 23 qui affecte le locuteur. Le choix de cette exploration vise à suggérer la présence d’un fil conceptuel d’orientation stoïcisante, que les études récentes sur l’étendue et la maîtrise de la culture philosophique de Politien peuvent aisément légitimer. La prépondérance des échos des écrits du penseur stoïcien antique incite donc à chercher, dans 19 À la fin de son Apologia […] de Medicina, Astrologia, Vita Mundi, […] adressée le 15 septembre 1489 à Pietro Neri, Pietro Guicciardini et Pietro Soderini, Ficin compare Politien à Hercule (voir Maïer 1966, 373). Politien lui répond dans l’Ep. 6, 17, in GRY. 1, 191-192 (voir Maïer 1966, 373). 20 Orvieto 1989 (édition critique de la Sylva in scabiem précédée d’une riche étude introductive). 21 Référence donnée par Bettinzoli 1995, 238-239 (notes). 22 Voir notamment Galand 2004, qui apporte, outre une lecture parfaitement stimulante du texte, une synthèse bibliographique très riche. 23 Sonnier 2011 traduit scabies par « ulcération ». Ce choix ne manque pas de justification puisqu’il permet de combiner « gale » et « rage » par le substantif dérivé de « ulcérer ». Toutefois, l’acception première du nom « ulcération » désignant un orifice, n’est pas pleinement satisfaisante ici. <?page no="46"?> 36 Hélène Casanova-Robin ce texte en particulier, une justification du surnom d’Hercule attribué à Politien par Ficin. En effet, à la fin du De uita, Ficin écrit en ces mots, dans une adresse à plusieurs de ses amis : […] Politianum Herculem accersito, Hercules quondam ubi periculosius certandum foret, uocitabant Iolaum, tu nunc similiter nosti profecto, quod barbara monstra Latium iam deuastantia Politianus Hercules inuaserit, lacerarit, […] Fais venir Politien-Hercule : Hercule jadis, lorsqu’il devait combattre assez dangereusement, on appelait Iolaus, toi, maintenant, tu sais certainement que de la même manière, Politien Hercule s’est jeté sur les monstres barbares qui dévastaient déjà le Latium, il les a mis en pièces, il les a tués, […] Cette comparaison, exposée à la fin d’un traité sur les genres de vie, ne manque pas d’être signifiante, malgré les dénégations de Politien. 24 Hercule est le héros de fameuses pièces de Sénèque, très prisées des humanistes depuis le Trecento, et comme on le sait, il est aussi plus largement la figure emblématique du proficiens dans la doctrine du Portique. En outre, il connaît une faveur toute particulière dans la Florence du Quattrocento depuis la diffusion de l’ample ouvrage allégorique de Coluccio Salutati, De Herculis laboribus, à l’aube de ce siècle. Ces divers éléments engagent à poser l’hypothèse que ce personnage fournit un paradigme pertinent au regard de la représentation des passions mise en œuvre par le poète tout au long de ses écrits et notamment dans la Sylva in scabiem, même s’il s’agit d’une variation quelque peu fantaisiste sur le sujet et empreinte d’une grande virtuosité poétique. Certes, le premier préalable réside dans la validité de l’acception métaphorique du nom scabies au sens de « rage », « fureur », « colère furieuse et persistante», que l’on peut tirer du sémantisme de cette « gale ulcérante ». Dans textes antiques, le substantif scabies est pour ainsi dire exclusivement utilisé au sens propre. Sénèque en use, dans une formule comparative (De tranquill. 2, 11), pour souligner le plaisir paradoxal qui peut naître d’une douleur irritante. Il s’agit alors de décrire un état de souffrance qui s’exprime par un « mouvement hors de soi », assez proche, pour cela, d’une forme de colère, néanmoins, non dénué d’une certaine forme de jubilation. Pétrarque, luimême grand lecteur de Sénèque, a étendu, plus explicitement que ne l’avaient fait les Anciens, le sémantisme de scabies. Dans les Remèdes aux deux fortunes 2, 85, après avoir dépeint les tourments physiques dus à la gale, il achève son dialogue sur un prolongement métaphorique, prêtant à Ratio ce développement où la gale devient la métaphore de plusieurs passions : […] inuisibilis animorum scabies, cupiditas ac libido, et pruritus quidam ulciscendi querendique, qui quo magis scalpitur, acrius estuat. 24 Voir lettre citée supra note 19. <?page no="47"?> La poétique des passions négatives chez Politien 37 […] une gale invisible de l’âme, la convoitise et le désir et puis il y a cette démangeaison de se venger et de se plaindre : plus on la gratte, plus l’irritation grandit. 25 Ces occurrences ont pu inspirer bien des traits de la Sylva in scabiem à Politien. Cette pièce poétique singulière offre en effet, de nombreux indices d’une variation talentueuse de cette méditation sur une passion négative : on y reconnaît, à côté du pathos, une forme de plaisir obscur, parente de cette « joie malveillante », compagne de la colère, telle que l’ont caractérisée les stoïciens anciens. 26 En outre, le paradigme d’Hercule, attribué à Politien par Ficin semble ici à l’œuvre : il permet de combiner deux postures du héros, l’une issue de la tragédie, conférant à son ami l’éthos du furens, développé dans tout le poème, l’autre est celle de l’Hercule combattant. Cette seconde posture assimile implicitement la situation du sujet à celle d’une épreuve d’endurance face aux labores envoyés par la malédiction divine, ici convertis en épisodes de lutte contre les parasites de la gale, autant d’étapes qui ponctuent la progression du personnage-locuteur et qui offrent une matrice structurelle et épistémologique à l’ensemble du texte. Dès l’ouverture est campée une situation de souffrance physique semblable à celle d’Hercule sur l’Œta : Sylua in scabiem, 1-12: Quae tam foeda lues, graciles delapsa per artus, Ambustos lacerat nervos? quae tam impia diris Vis inimica mali populatur viscera flammis Marcentesque bibit venas avidoque, pavendum, Igne liquefactas sorbet furiosa medullas? An mihi Tartareum misera in praecordia virus Eumenides Stygiamque facem et, crudele, virentes Oris Cerberei spumas rabiemque Chimaerae Afflarunt? Totum videor gestare sub alvo Vesbion aut fessos Volcani incude caminos Et Phlegetonteae glomerata incendia ripae. Quelle est cette peste qui s’immisce dans mes membres délicats, Qui consume et déchire mes nerfs ? Quel est ce mal puissant, si impie, Malin, qui dévaste mes viscères de ses flammes cruelles, Qui s’abreuve à mes veines exsangues et qui, de son feu ravageur, - Horreur ! absorbe ma substance liquéfiée ? Hercule sur l’Œta, 1218-1232: (H.) Heu qualis intus scorpios, quis feruida plaga reuulsus cancer infixus meas urit medullas? sanguinis quondam capax tumidi uigor pulmonis arentes fibras distendit: ardet felle siccato iecur totumque lentus sanguinem auexit uapor. Primam cutem consumsit, hinc aditus nefas in membra fecit, abstulit costis latus, exedit artus penitus et totas malum hausit medullas: ossibus uacuis sedet. Nec ossa durant ipsa, sed compagibus discussa ruptis mole conlapsa fluunt. Hélas, quel Scorpion en mon sein, quel Cancer Détaché de la voûte enflammé, s’est fixé sur moi Et brûle mes moelles ? La puissance jadis vigoureuse De mon sang ardent distend les tissus desséchés de mes poumons ; mon foie brûle, le fiel est sec 25 Traduction Carraud très légèrement modifiée (2002, 912-913). 26 Prost 2004, 261. <?page no="48"?> 38 Hélène Casanova-Robin Les Euménides ont-elles insufflé dans mon cœur misérable du venin du Tartare Et un brandon stygien et - cruauté - la bave verdâtre De la bouche de Cerbère et de la Chimère enragée ? Je crois porter dans mon ventre le Vésuve tout entier Ou les forges de Vulcain lasses de son enclume Et l’incendie répandu sur les rives du Phlégéton. Et une chaleur a lentement consumé tout mon sang. D’abord ce mal monstrueux a brûlé ma peau, puis il a pénétré dans mon corps, ravageant mes flancs et mes côtes, et se propageant au cœur de mes membres il a absorbé ma substance complètement. Il siège dans mes os vides à présent. Mais ceux-ci ne sont plus durs : les nerfs rompus, ils se désunissent, Se répandent sous leur poids. À la constellation zodiacale retenue par Sénèque, Politien a préféré le registre du corps, reportant l’insertion des créatures infernales dans la seconde partie de cet exorde. Le style adopté par l’humaniste s’écarte ainsi de l’élévation tragique antique. Pour autant, la représentation du tourment corporel correspond à un anéantissement physique proche de la consomption, de la liquéfaction, de la dessication, autant de processus révélant la perte de l’unité de l’être. L’accent est mis chez Politien sur le motif du feu, en une amplification considérable qui permet de condenser, dès ces premiers vers, l’image latente d’Hercule portant la tunique empoisonnée de Déjanire et de densifier le propos par un champ lexical empreint d’une vive portée métaphorique. La description des symptômes est nourrie d’indications physiologiques bien connues aussi par les descriptions des effets de la passion amoureuse chez Catulle (delapsa per artus ; uis inimica). Un double champ sémantique au moins se trouve donc posé dès l’ouverture, combinant celui de la maladie organique et celui de la souffrance de l’âme. On y reconnaît de surcroît la caractérisation de la colère telle que la définit Sénèque : ce mal « affreux et dévastateur », adfectus [...] taeter et rabidus (De ira 1, 1), que le philosophe avait exposé par la mention de signes cliniques impossibles à masquer : flagrant ac micant oculi, multus ore toto rubor exaestuante ab imis praecordiis sanguine, labra quatiuntur, dentes comprimuntur, horrent ac surriguntur capilli, spiritus coactus ac stridens, articulorum se ipsos torquentium sonus, gemitus mugitusque et parum explanatis uocibus sermo praeruptus et conplosae saepius manus et pulsata humus pedibus et totum concitum corpus magnasque irae minas agens, foeda uisu et horrenda facies deprauantium se atque intumescentium. nescias utrum magis detestabile uitium sit an deforme. (1, 1, 4) les yeux s’enflamment, lancent des éclairs, une vive rougeur se répand sur tout le visage sous l’action du sang qui afflue du cœur, les lèvres tremblent, les dents se serrent, les cheveux se dressent et se hérissent, la respiration est gênée et sifflante, les articulations, en se tordant, craquent, aux gémissements, aux mugissements se mêlent des lambeaux de phrases indistinctes, les mains s’entrechoquent sans cesse, les pieds frappent la terre, le corps tout entier est en <?page no="49"?> La poétique des passions négatives chez Politien 39 mouvement et lance des menaces irritées, les traits, grimaçants et bouffis, sont défigurés et hideux. (trad. Bourgery, revue par P. Veyne) Plus encore, Sénèque avait souligné la dimension invasive de la colère (1, 1, 6), tous traits que l’on décèle dans l’autoportrait liminaire du locuteur présenté dans la Silve. Certes, le caractère tragique semble d’emblée pointé par l’invocation d’une cause extérieure, supra-humaine, qui aurait suscité un tel état, mais le poète interrompt le questionnement sur son origine. Alors, la stratification sémantique à l’œuvre, où se trouvent superposés une souffrance physique et un état passionnel intense, deux traits réunis dans le personnage d’Hercule, laisse attendre une réaction « audacieuse » du « je », analogue à celle du héros vainqueur de monstres. À cet endroit, on pourrait sans doute retrouver mise en débat la thèse sénéquienne d’une colère inutile et relevant d’une âme asservie à son affection (Sylva 108-109 : tum quo uocat impetus, illuc / auferor), qui n’obéit à nulle raison. En outre, la rage qui a envahi le « je » de la Sylva in scabiem, le conduit à pousser des cris terrifiants et à s’adonner à une course erratique, en des traits semblables à ceux d’Hercule dans la tragédie Hercule sur l’Œta, comme l’a noté Paolo Orvieto (ad loc.) : Hic uero non iam gemitus, non murmure mixtae Proueniunt lachrymae : pauidas it stridor ad auras Terrificus totosque alto clamore penates Efferus incendit dolor et furialis hanelo Vox pulmone sonat ; tum quo uocat impetus, illuc auferor ac memet fugiens nemora auia lustro. (104-109) Ce ne sont pas là gémissements ni larmes mêlées De plaintes qui résonnent : surgit un cri strident terrifiant jusqu’aux cieux Épouvantés et, par cette clameur puissante, la douleur terrible enflamme Tous les pénates et une voix en furie résonne, issue du poumon Haletant, alors là où m’appelle cette voix impétueuse, je me laisse entraîner et je me fuis moi-même, parcourant des bois sans chemin. Toutefois, Sénèque lui-même reconnaît, au livre 2 du De ira, que « les natures énergiques produisent l’irascibilité, les âmes bouillantes, les âges de feu et ne renferment rien de maigre et de chétif ; mais leur vigueur est imparfaite… » (2, 15, 2). Cette vigueur, pour insuffisante qu’elle soit, n’en apparaît pas moins illustrée dans ces vers et, là encore, il semble que Politien ait défini son personnage au regard de ces critères, en tenant compte des nuances apportées par le philosophe antique. Tel Hercule, « je » doit aussi affronter des monstres terrifiants, quoique présentés sous un aspect burlesque. 27 La persona du locuteur, modelée sur les traits du héros, livre ainsi bataille aux créatures infernales (226-233). Si elle ne les vainc pas glorieusement, elle leur survit : uiuo tamen, revendiquant un exploit à la mesure du mal qui l’affecte. Tel Hercule, 27 Galand 2004. <?page no="50"?> 40 Hélène Casanova-Robin encore, « je » devient solitaire, abandonné par les siens face à ses épreuves, il affronte sa passion, décrite en termes physiques. Le personnage ressemble alors au Sérénus décrit par Sénèque à l’ouverture du traité De constantia sapientis : Videor mihi intueri animum tuum incensum et efferuescentem (3, 1), « Il me semble voir ta verve qui s’échauffe et bouillonne », au moment où il n’a pas encore entendu la leçon de sagesse. Enfin le « je » de la Sylva accomplit des exploits - non ceux d’Hercule, mais ceux de Prométhée, à condition qu’il obtienne le soutien de Jupiter, présenté comme le régulateur de l’univers (317-325) : […] Si placidum ponto caput exerat aequoreus rex, Mox rauci cadit ira freti cumulique minaces Sternuntur, pulsae nubesque hyemesque recedunt Et pauefacta silent animosi murmura uenti : Sic, ubi turbineo luctusque dolorque furorque 321 Pectore bacchantur totoque in corde superbit Tempestas effrena animi, si cominus adsis Sidereo radians uultu, procul exulat omnis Tristitia ac tumidam mulcent placida otia mentem. Si le roi de la mer exhibe sa tête des flots, Bientôt la fureur de l’onde rauque et les nuages menaçants S’immobilisent, les nuées et les tempêtes repoussées s’en vont Et les grondements du vent violent se taisent, impressionnés : De même, lorsque le chagrin, la douleur et la fureur se déchaînent Dans mon cœur en furie et que la tempête enfle, superbe, Dans toute mon âme, si tu es là, tout près, Rayonnant de ton visage lumineux comme un astre, toute tristesse Se dissipe et une paix sereine réconforte mon esprit tourmenté. Ainsi est exprimé le terme du cheminement du locuteur, depuis ses labeurs douloureux jusqu’au rétablissement d’un ordre cosmique. Cette action ordonnatrice permet le glissement de la figure d’Hercule à celle d’Orphée, déjà intégrée au discours à partir du v. 262, à travers l’évocation d’un chant plaintif (lachrymabile carmen) produit par une lyre, aux portes des Enfers. La parole poétique, pour désordonnée qu’elle ait pu apparaître, a été efficiente puisqu’une forme de concorde en est issue. <?page no="51"?> La poétique des passions négatives chez Politien 41 3. Le remède au dolor : le paradigme d’Orphée La figure d’Orphée, tant prisée de Ficin et de Politien, 28 constitue, au regard des passions et du dolor, en particulier, un paradigme majeur, propre à répondre à ce constat d’une souffrance humaine qui pourrait sembler insurmontable. Le mythe du poète frappé d’une intense douleur, mais doué d’un chant d’exception, rejoint là encore, de façon singulière, la réflexion héritée de Sénèque. Le philosophe, à la fin du De tranquillitate animi, émettait une réserve sur le nécessaire éloignement du sage envers toute affection et sur le travail à effectuer sur soi pour éloigner tout pathos. Il rappelait en effet combien un peu d’exubérance était nécessaire au génie, mettant en relation la folie et la création : Nam, siue graeco poetae credimus, “aliquando et insanire iucundum est”; siue Platoni, “frustra poeticas fores compos sui pepulit”; siue Aristoteli, “nullum magnum ingenium sine mixtura dementiae fuit”. (17, 10) S'il faut en croire un poète grec : « Il est quelquefois agréable de perdre la raison. » Platon n’a-t-il pas dit : « Jamais homme de sens rassis ne s’est fait ouvrir le temple des Muses ; » et Aristote : « Point de grand génie sans un grain de folie. » Réitérant son affirmation au paragraphe suivant, le philosophe recourait à la métaphore du cheval rebelle pour illustrer l’accession au sublime : Non potest grande aliquid et super ceteros loqui nisi mota mens. Cum uulgaria et solita contempsit instinctuque sacro surrexit excelsior, tunc demum aliquid cecinit grandius ore mortali. Non potest sublime quicquam et in arduo positum contingere, quamdiu apud se est: desciscat oportet a solito et efferatur et mordeat frenos et rectorem rapiat suum, eoque ferat quo per se timuisset escendere. (17, 11) Il n’y a qu’une âme exaltée dont le langage puisse atteindre au majestueux et au grandiose. […] Il lui est impossible d’atteindre au sublime, à l’inaccessible, tant qu’elle ne sort pas d’elle-même : il faut qu’elle s’écarte de la route ordinaire, morde son frein, entraîne son cavalier, et lui fasse gravir des hauteurs où jamais il ne se fût risqué lui-même. Or, cette extase, procédant d’une cette sortie de soi qui permet de transmuer la douleur en œuvre sublime, le modèle d’Orphée en fournit l’archétype, comme l’exprime Politien dans l’élégie à Fonzio en dépeignant précisément Ficin, accomplissant cette heureuse union de la sagesse et de la poésie (181- 192) : Saepe graues pellit docta testudine curas, Et uocem argutis suggerit articulis, 28 Kristeller 1978, 278 et 1988 ; Chastel 1976 ; Bettinzoli 1995, 34. <?page no="52"?> 42 Hélène Casanova-Robin Qualis Apollinei modulator carminis Orpheus Dicitur Odrysias allicuisse feras, Marmaricos posset cantu mulcere leones 185 Quasque niger tigres semper Amanus habet, Caucaseo traheret duras e uertice cautes Saxaque Sicaniis condita gurgitibus. Hinc, ubi conticuit, Musarum concitus oestro Deferor ad solitos protinus ipse Lares 190 Atque iterum meditor numeros Phoebumque lacesso Attonitusque sacram pectine plango chelym. Souvent, [Ficin] éloigne les lourds soucis de sa docte lyre, Et il ajoute la voix à ses modulations variées, Tel Orphée, chantre des vers apolliniens, Qui, dit-on, domptait les fauves odrysiens, Il pourrait apaiser de son chant les lions marmariques Et ces tigres que possède toujours le noir Amanus Il entraînerait du sommet du Caucase les dures roches Et les pierres cachées dans les gouffres sicaniens. Alors, quand il s’est tu, stimulé par l’accord des Muses Je suis emporté moi-même aussitôt vers mes Lares familiers Et une fois de plus, je compose mes vers cadencés et je harcèle Phébus, Puis, saisi, je frappe ma lyre sacrée de mon plectre. À travers la figure du chantre de Thrace, brossée sous les traits d’un musicien d’exception et ici confondue avec le sage Ficin, on reconnaît la riche analyse menée par Politien sur la musique mise en relation avec la philosophie morale (v. 185). 29 Comme l’a savamment montré Florence Malhomme, 30 une pensée similaire est théorisée dans le Panepistémon, 31 aboutissement de cette réflexion rigoureuse et dense dont les prémices apparaissent dans les extraits poétiques présentés ici. L’harmonie musicale, aux côtés de la voix, fournit alors le modèle de l’harmonie éthique, en vertu d’une poésie par essence civilisatrice, propre à apaiser les passions, et la figure d’Orphée synthétise ce pouvoir. Politien illustre ce point en plusieurs passages de la Silve Nutricia (1486), dont voici l’un des premiers, particulièrement éloquent pour l’évocation du remède apporté par la poésie orphique à l’ira et à la violence (116-123) : An ille ferox, ille implacatus et audax Viribus, ille graui prosternens cuncta lacerto, Trux uitae, praeceps animae, submitteret aequo Colla iugo aut duris pareret sponte lupatis, Ni prius indocilem sensum facundia uictrix 120 29 Sur Orphée dans Nutricia : Garin 1957 ; Benassi 1997 ; Branca 1983. 30 Malhomme 2011, 2013. 31 Le Panepistémon ou praelectio à l’Éthique à Nicomaque d’Aristote, est prononcé en 1490 et publié en 1492 ; voir Mandosio 1996, Bettinzoli 2001. <?page no="53"?> La poétique des passions négatives chez Politien 43 Vimque reluctantem irarum flatusque rebelles Carmine mollisset blando, pronisque sequentem Auribus ad pulchri speciem duxisset honesti ? Mais cet être féroce, implacable et rendu audacieux Par sa force, lui qui jette tout à terre de son bras puissant, À la vie sauvage, à l’âme téméraire, aurait-il soumis volontiers Son cou au joug et aurait-il obéi de lui-même aux mors hérissés de pointes Si l’éloquence n’avait d’abord vaincu son naturel indocile Et sa violence batailleuse de ses colères et son orgueil rebelle En l’adoucissant par de doux vers, et si elle ne l’avait conduit, Après avoir captivé son oreille, vers la beauté du Bien splendide ? L’argument est développé, dans les vers suivants (124-131), à propos des lions, des dragons et de Cerbère, en une extension universelle du propos destinée à appuyer la fonction psychagogique et tempérante du chant poétique. Or Sénèque avait également choisi la métaphore du musicien, dans la Lettre à Lucilius 88, 9, pour exprimer la construction de l’harmonie intérieure au mépris de la douleur : Ad musicum transeo : doces me quomodo inter se acutae et graues consonent, quomodo neruorum disparem reddentium sonum fiat concordia : fac potius, quomodo animus secum meus consonet nec consolia mea discrepent. Monstras mihi qui sint modi flebiles : monstra potius quomodo inter aduersa non emittam flebilem uocem. J’en arrive à la musique. Tu m’enseignes comment les voix aiguës et les voix graves s’harmonisent, comment des cordes qui rendent un son différent peuvent s’accorder. Ah ! Plutôt, fais en sorte que l’harmonie règne dans mon âme, qu’il n’y ait pas de dissonance dans mes volontés. Tu m’apprends quels sont les modes plaintifs ; apprends-moi plutôt à ne pas exhaler de plaintes dans l’adversité. Politien semble relever le défi, lorsqu’il s’emploie précisément à exposer les dissonances de l’âme et à les convertir en harmonieuse poésie, explorant une autre voie tout aussi parénétique. Le furor coléreux qui irriguait la Sylva in scabiem, d’inspiration tragique, s’est mué en furor poétique civilisateur et restaurateur d’ordre. La réflexion sur les passions conduite par Politien est entée sur les textes majeurs que nous ait légués l’Antiquité. L’Ambrogini, s’il ne renouvelle pas sur ce point les grandes conceptualisations des penseurs grecs et latins, n’en offre pas moins une formulation poétique inédite, irriguant sa création par ces figures érigées en paradigmes que sont Rhamnusia, Hercule et Orphée. Plus que des ornements littéraires, ces personnages deviennent des outils herméneutiques, modelés par le poète humaniste pour façonner un langage nouveau, propre à constituer le moteur d’une introspection personnelle placée en <?page no="54"?> 44 Hélène Casanova-Robin miroir d’un plus large questionnement sur l’humanité, où s’opère, dans ce glissement du singulier à l’universel, une conversion de la matrice philosophique en poésie. La méditation sur le dolor, l’ira, l’inuidia donne ainsi naissance à une uis créative singulière, posant les questions mêmes de l’excellence de l’art, de son origine et des modalités de son expression mais aussi de son efficacité sur les passions. L’art en effet, et la musique en particulier liée au verbe poétique, est érigé en lieu de sublimation des pathémata, voie féconde pour surmonter les souffrances, à la condition qu’il procède d’un savoir universel, nourri de sources toujours nouvelles, la philosophie, la philologie et toutes les sciences en général n’étant jamais dissociées. Bibliographie Bausi, Francesco: Sui Nutricia di Angelo Poliziano. Questioni esegetiche e testuali, Interpres 14, 1994, 163-197. Bausi, Francesco: Poliziano e la poesia umanistica contemporanea, in: Vincenzo Fera / Mario Martelli (ed.): Agnolo Poliziano, poeta, scrittore, filologo, Firenze 1998, 165- 191. Bausi, Francesco: L’Epicedion in Albieram di Angelo Poliziano, Yale Italian Poetry 8, 2004-5, 215-247. Benassi, Stefano: La filosofia e le lettere : la configurazione mito-poietica in Poliziano, in : Luisa Secchi Tarugi (ed.): Poliziano nel suo tempo, Firenze 1997, 117-133. 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Dans l’épigramme 109, en revanche, Politien s’inscrit dans la lignée de Pétrarque en développant le lien entre le songe, le désir et la mort, lien qu’il explore de même dans l’Epicedion d’Albiera. J’accorderai une importance toute particulière à la question du sommeil comme condition de la vacance de l’âme (vacatio animi), question qui fut l’objet d’un conflit entre Marsile Ficin et Callimaco Esperiente, alias Filippo Buonaccorsi, qui contestait la possibilité d’une séparation de l’âme et du corps pendant le sommeil. Enfin, à plusieurs reprises, Politien associe sommeil, élection divine et inspiration et la description des songes qui figure au chant II des Stanze per la Giostra del Magnifico Giuliano di Piero de’ Medici me semble avoir contribué aux représentations iconographiques de l’inspiration onirique qui se multiplient au début du XVI e siècle. Le sommeil éternel d’Endymion Le cas d’Endymion est un premier exemple de l’ambiguïté des songes pour les humanistes. 2 Selon la version la plus répandue, il fut plongé dans un sommeil éternel par la Lune, désireuse de profiter des attraits du beau jeune homme et il devint à Rome un modèle de beauté. 3 Si le sommeil souligne la passivité du beau berger, il lui permet aussi d’échapper à la mort et de rester éternellement jeune et beau ; surtout, il témoigne de l’amour que lui voue la Lune. Dans la troisième églogue, Théocrite envie ainsi « celui qui dort sans retour, Endymion » ( , / ). 4 1 Le songe humaniste a fait l’objet de nombreuses études, notamment Gandolfo 1978 ; Carrai 1990 ; Windau 1998 et Bokdam 2012. Une exposition lui a été consacrée en 2013, à l’initiative de Chiara Rabbi Bernard, Alessandro Cecchi et Yves Hersant, d’abord à Florence, au Palazzo Pitti, puis à Paris, au musée du Luxembourg. 2 Sur le mythe à la Renaissance, voir Agapiou 2005. 3 Voir notamment Prop. 2, 15, 11-12 ; Val. Flacc. 8, 30 ; Iuv. 10, 318 et Nonn. Dion. 11, 391- 392. 4 Theokr. eid. 3, 49-50. <?page no="58"?> 48 Virginie Leroux Le sommeil d’Endymion, qui devint proverbial dès le IV e siècle avant J.-C., se prête surtout à des interprétations allégoriques : il symbolise ainsi l’inconscience totale de la mort dans les Tusculanes où Cicéron vulgarise les arguments exposés par Platon dans l’Apologie (32 D). 5 Dans le De finibus, en revanche, la figure du dormeur éternel devient le paradigme du faux plaisir de l’inconscience. 6 Par ailleurs, l’interprétation allégorique selon laquelle Endymion serait l’âme humaine et son mythe une allégorie de l’attraction que la lune exerçait sur les âmes qui aspiraient à monter vers l’astre divin, apparaît chez Plutarque et Tertullien la rapporte aux Stoïciens. 7 Endymion est lié d’une manière intime à l’eschatologie, fait attesté par l’existence d’une grande production de sarcophages ornés de représentations du mythe d’Endymion et de Séléné. 8 A la Renaissance, les cercles néo-platoniciens développent une double image du repos : l’influence de Plotin et de Porphyre les incitent à voir dans l’inconscience du sommeil l’image de l’oubli des vérités intellectuelles, mais Ficin réhabilite dans le De voluptate le plaisir repos épicurien, tandis que les Hymnes orphiques et l’hymne au Sommeil d’Hercule furieux exercent une influence positive. 9 L’image d’Endymion est tributaire de cette ambivalence, comme en témoigne l’exemple de Politien. Dans la Praelectio in priora Aristotelis analytica ou Lamia, ce dernier reprend à son compte l’assimilation entre plaisir illusoire et sommeil : Sed quod uoluptatem diximus esse in philosophia maximam, quo facilius intelligere possitis, fingite aliquem uobis cunctis affluentem deliciis, qui nihil omnino sapiat, qui prudentia penitus uacet ; an quisquam uiuere huius uitam uolet ? Equidem non puto. Sicuti nec semper ebrius, nec semper esse puer, nec dormire semper, ad morem Endymionis eligat quispiam. Quanquam enim aliqua etiam in somniis gaudia sunt, falsa illa tamen, adumbrata, imaginaria, non uera, non solida, non expressa sunt gaudia. 10 5 Tusc. 1, 92. 6 Itaque, ne si iucundissimis quidem nos somniis usuros putemus, Endymionis somnum nobis uelimus dari, idque si accidat, mortis instar putemus. « Dussions-nous faire les songes les plus agréables, nous ne voudrions pas du sommeil d’Endymion et, s’il nous était imposé, ce serait pour nous quelque chose de semblable à la mort », fin. 5, 20, trad. J. Martha 1989, 143. Analysant la distinction entre la conception cyrénaïque du plaisir en mouvement et la conception épicurienne du plaisir en repos, André Laks (2007, 24 et 39) mentionne un passage de Diogène Laërce (2, 89) qui attribue à l’école d’Aristippe l’assimilation entre « le plaisir en repos » ou « catastématique » à l’état du dormeur : l’absence de souffrance est comme l’état de quelqu’un qui dort ( ). 7 Plut. De fac. 943c-d et Tert. Anim. 44. 8 Voir notamment Lochin 1990, V, 1, 599-601 et V, 2, 608-609A et Gabelmann 1990 III, 1, 726-42 et III, 2, 551-561. 9 Voir Flamand 2008 et Bokdam 2012, 65-72. 10 Poliziano 2010, 224. <?page no="59"?> Politien et les songes 49 Pour que vous puissiez comprendre ce que nous avons dit, quand nous avons dit que le plus grand plaisir se trouve dans la philosophie, imaginez-vous un homme à qui s’offrent toutes les délices, mais qui n’ait absolument aucun savoir, qui soit totalement dépourvu de sagesse : qui voudrait vivre la vie de cet homme ? Personne, je pense. De même que personne ne choisirait d’être toujours ivre, toujours enfant, ou toujours endormi comme Endymion. Car quoiqu’il y ait certaines jouissances dans les songes, celles-ci sont fausses, en ombre, imaginaires ; ce ne sont pas des jouissances véritables, solides et nettement distinctes. 11 Le vrai plaisir est celui de la connaissance qui implique une lucidité vigile par opposition à la fausse jouissance qu’incarne Endymion. Or, dans une épigramme érotique, l’épigramme 109, Politien reprend le topos de l’enviable Endymion, développé dans la troisième églogue de Théocrite : In somnos O mihi quanta datis, fallaces, gaudia, Somni ! Invideo, Endymion, Latmia saxa tibi. Iam si nil sopor est gelidae nisi mortis imago, Omnia mors superat gaudia : vita vale. 12 Sur les sommes Quelles grandes joies vous m’avez donné, Sommes trompeurs ! Endymion, je t’envie les roches Latmiennes, Si le sommeil n’est rien d’autre qu’une image de la mort glacée, La mort surpasse toutes les joies : vie, adieu ! (notre traduction) Pétrarque avait placé Endymion dans un locus amoenus verdoyant pour célébrer le refuge du sommeil, suscitant une riche postérité tant chez les poètes néo-latins que les poètes en langue vernaculaire. 13 Le motif du sort enviable d’Endymion est notamment développé par Landino dans l’élégie 2, 11 de la Xandra et par Giovanni Pontano dans le poème 30 du premier livre des Hendécasyllabes, les deux poètes recourant au macarisme felix Endymion et dépeignant les étreintes sensuelles de la Lune. 14 Adressant son poème à son ami Cariteo, Pontano se moque vraisemblablement de l’amour trop platonique de ce dernier qui développe précisément le lien établi par Politien entre songe, désir et mort. Cependant, alors que Cariteo célèbre à l’instar de Sannazar et de Gilles de Viterbe une félicité céleste conçue comme un sommeil éternel, 11 Traduction Bokdam (2012, 70), très légèrement modifiée. 12 Poliziano 1867, 165. Epigramme citée par Windau 1998, 154. 13 Canzone 237, 31-39 (Pétrarque 1988, 384). Voir notamment Gandolfo 1978, 43-75 ; Coleman 1980, 449-458 ; Carrai 1990, 49 ; Agapiou 2005, 131-143 et Bokdam 2012, 615-620. 14 Xandra 2, 11, 17-24 (Landino 1939, 60) et Hendecasyllaborum liber primus 30 (Pontano 1948, 305-306). <?page no="60"?> 50 Virginie Leroux Politien ne confère pas au sommeil d’Endymion une valeur métaphysique. 15 On peut de fait rapprocher son poème d’un sonnet dans lequel Lorenzo de’ Medici demande au Sommeil une vision de l’aimée. Le dernier tercet convoque sans le nommer le sommeil éternel d’Endymion : Se cosí me la monstri, o sia eterno il nostro sonno, o questi sonni lieti, lasso, non passin per l’eburnea porta ! 16 Laurent s’explique lui-même sur l’image finale dans son Comento : prier que ces songes joyeux ne passent pas par la porte d’ivoire est comme prier qu’ils ne soient pas illusoires, mais vrais et que se produise l’effet heureux de ceux qui passent par la porte de corne. 17 Le songe apparaît comme un lieu privilégié d’épanouissement de la passion, conformément à la théorie naturaliste du rêve, selon laquelle la phantasia onirique traduit et laisse croître l’obsession amoureuse. 18 Conscient de cette réalité psychologique, le poète amoureux entend précisément manipuler ses rêves pour pallier la déception de la réalité ; avec humour, il s’appuie cependant sur le passage précédemment cité du De finibus qui assimile le sommeil d’Endymion à la mort (5, 20) pour en inverser le sens et proclamer un vœu qui contredit l’affirmation énoncée dans Lamia, selon laquelle personne ne voudrait être toujours endormi comme Endymion. Le cas particulier de l’Epicedion d’Albiera L’association du sommeil et de la mort se retrouve dans l’Epicedion d’Albiera degli Albizi, daté de 1473. Fiancée de Sigismondo della Stufa, fils d’Agnolo de la Stufa, grand ami de Lorenzo de Medicis et premier protecteur de Politien, la jeune femme était morte le 14 juillet 1473, alors qu’elle n’avait pas encore seize ans. La première occurrence du motif du sommeil dans l’Epicedion se situe aux vers 117-118 qui décrivent l’insomnie comme symptôme de la fièvre. 19 La notation fait écho au vers 103 où Insomnia est mentionnée parmi les allégories qui accompagnent Febris : horridus atque Rigor, trepidaeque Insomnia mentis. Si les écrits médicaux, en particulier ceux d’Hippocrate et de Pline témoignent du phénomène, la notation figure aussi chez Lucrèce, dans la fameuse description de la peste : Nec requies erat ulla mali (6, 1178) et lumina […] oculorum expertia somno (6, 1181). 15 Voir Gandolfo 1978, 52-75 et Bokdam 2012, 615-620. 16 Sonnet 20, 2 e tercet. Lorenzo de’ Medici 1965, 380. 17 Lorenzo de’ Medici 1965, 383. Voir aussi Zanato, 1979, 187, n. 48. 18 Sur la fécondité du fantasme onirique dans la poésie humaniste, voir Leroux 2008. 19 Nulla quies nullique premunt membra arida somni, / Faucibus in salsis tussis acerba sonat [...], 117-118 (Poliziano 2003, 70), « Aucun repos, aucun somme ne pressent ses membres secs, / Mais une âpre toux résonne dans sa gorge amère » (notre traduction). <?page no="61"?> Politien et les songes 51 Après avoir envisagé le sommeil comme un critère de vie et de bonne santé, Politien exploite plus loin la parenté entre sommeil et mort. Le sommeil est d’abord un élément de dramatisation puisque c’est pendant le sommeil de la jeune femme que la Mort se saisit d’elle et vient l’infecter de son poison en une scène que l’on a comparée à l’épisode de l’infection de Turnus endormi par Allecto. 20 Les héros de l’âge d’or hésiodique avaient le bonheur de mourir comme domptés par le sommeil ( ’ ’ . / 21 ) et, selon Hérodote, Héra récompensa Kleobis et Biton de leurs exploits en les plongeant dans un sommeil de mort. 22 Ici, pour rendre la scène plus pathétique et la mort plus cruelle, Politien souligne le confort de la couche (molli constiteratque toro, 145) ; la qualité du sommeil tranquille de la jeune femme (placidum … somnum, 146 et quae placidam carpis secura mente quietem, 156) et son innocence (et fati et sortis nescia virgo tuae, 157). Le motif intervient de nouveau dans les lamentations qui suivent les dernières paroles et les derniers instants de la jeune femme qui meurt dans les bras de son époux (Epicedion 258) : Ah, miseri, somnus et leuis umbra sumus ! Malheureux, nous sommes sommeil et ombre légère ! La structure du pentamètre met en relief le mot somnus avant la coupe, auquel fait écho sumus mais aussi plus discrètement la première syllabe d’umbra. On reconnaît le vers célèbre de Pétrarque : « veramente siam noi polvere et ombra » 23 et la définition célèbre de Pindare : / : « l’homme est le songe d’une ombre ». 24 Or, Politien cite précisément cette formule de Pindare dans Lamia pour fustiger la précarité de la vie humaine et dénigrer les belles apparences qui cachent la laideur de l’humanité (Lamia 47-47) : Quid ea est omnis praeter inanem umbram uel, ut significantius ait Pindarus, umbrae somnium ? Homo bulla est, antiquum inquit prouerbium. […] Procul enim si spectes, magnum quiddam esse putes, ubi propinques, euanescit. Qu’est toute cette beauté sinon une vaine ombre ou, comme le dit de façon plus expressive Pindare « le rêve d’une ombre » ? L’homme est une bulle, dit l’antique proverbe. […] En effet, si on regarde de loin, on pense qu’elle a une certaine grandeur, mais quand on s’approche, elle s’évanouit. (notre traduction) 20 Epicedion 144-161 et Verg. Aen. 7, 413-414. 21 Hes. Op. 116-117. 22 Histoires I, 31. 23 Canzoniere 294, 12. 24 P. 8, 95-96. Selon toutes probabilités, les odes de Pindare étaient alors l’objet des leçons d’Andronico Callisto, suivies par Politien et par Fonzio, mais on trouve aussi ces vers de Pindare dans la Consolatio ad Apollonium du pseudo-Plutarque (104b) que Politien pouvait connaître dans la traduction latine d’Alamanno Rinuccini (voir Bausi dans Poliziano 2003, 92). <?page no="62"?> 52 Virginie Leroux Cependant, dans l’Epicedion, la remarque sur la fugacité et la précarité de la vie fait place à une comparaison de la morte à une belle endormie qui euphémise la mort et sacralise la jeune femme (259-262) : Non tamen aut niueos pallor mutauerat artus, Aut gelido macies sederat ore grauis, Sed Formosa leuem mors est imitata soporem : Is nitidos uultus oraque langor habet. La pâleur n’avait pas changé ses membres de neige, L’intense maigreur n’avait pas pris place sur son visage glacé, Mais la belle mort a imité le sommeil léger : Cette langueur tient ses traits éclatants et son visage. (notre traduction) C’est probablement à la silve 5, 3 de Stace que Politien emprunte le motif de la mort imitant le sommeil. 25 Le sommeil éternel de la jeune femme constitue le pendant de la belle mort de Sarpédon au chant XVI de l’Iliade. De même que le héros homérique gagne l’immortalité de la gloire qui le fixe dans une jeunesse définitive, Albiera repose éternellement sous la forme d’une statue de marbre (pulchrum sub marmore corpus, 283) qui témoigne de sa gloire et des éloges qu’elle suscite (281-286). Dans le sommeil comme dans la mort, l’âme fait l’expérience de son détachement du corps ou du moins d’une rencontre avec le divin. C’est ce dernier aspect que nous étudierons à présent. Songes prophétiques et vacance de l’âme Le Panepistemon s’achève par un développement consacré à la divination qui accorde une place à la divination des dormeurs. Politien mentionne, sans le nommer, les divisions de Macrobe, distinguant d’abord l’insomnium, qui n’a aucune utilité ni valeur prémonitoire (insomnium diuinatione caret) du somnium ou rêve prémonitoire qui se décline lui-même en trois catégories : le somnium, qui annonce le futur de façon voilée, la uisio, qui montre une image du futur qui se réalisera telle quelle, et l’oraculum, où des parents, des saints ou la divinité elle-même montrent clairement un événement futur. 26 Politien enchaîne, 25 Sed te torpor iners et mors imitata quietem / Explicuit falsoque tulit sub Tartara somno, 5, 3, 260-261. « Mais un engourdissement paresseux et une mort à l’image du repos étendirent tes membres et t’emportèrent dans le Tartare à la faveur d’un sommeil trompeur », trad. Izaac 1961, 111. 26 Visa dormientium, aut insomnium sunt, aut somnium. Insomnio phantasma occurit, quod uisum Cicero appellat, et Ephialtes, qui latine incubus dicitur. Somnio, uisio et oraculum, quae Graece et dicuntur. Insomnium diuinatione caret. Ex cura animi, corporis, et fortunae. Panepistemon, Politianus 1971, 473. Voir Macrobe, Commentaire au songe de Scipion 1, 3, 1-12 et sur ce passage, Armisen-Marchetti dans Leroux / Palmieri / Pigné 2015, 155- 176. <?page no="63"?> Politien et les songes 53 en le mentionnant cette fois, avec les distinctions d’Artémidore entre songes directs (théorématiques) et songes symboliques (ou allégoriques) et il précise les divisions établies par Artémidore. 27 Le songe prophétique est un topos littéraire que l’on trouve notamment chez Homère, par exemple au chant II de l’Iliade lorsque Zeus envoie Oneiros convaincre Agamemnon d’aller combattre. Politien a traduit le passage dans ses jeunes années et sa traduction est instructive car il substitue Somnus à Oneiros, témoignant ainsi de l’influence de la tradition épique latine. 28 L’équivalence, déjà virgilienne, entre Somnus et Somnium, le neutre Somnium n’admettant pas de personnification, était légitimée par la traduction du passage dans l’Epitome de Bebio Italico qui choisit Somnum au vers 113, probablement pour des raisons métriques et enchaîne ainsi : Vade, age, per tenues auras, lenissime divum. 29 De même, chez Politien, par contamination avec les Métamorphoses, Oneiros malveillant chez Homère, devient comme chez Ovide, le plus doux des dieux. 30 Politien transpose précisément dans les Stances pour la joute de Julien de Médicis l’épisode du chant XI des Métamorphoses dans lequel Junon envoie Iris trouver Somnus pour lui demander d’envoyer un songe annonçant à Alcyone la mort de son époux Ceyx. Il contamine cette source avec l’intervention de Somnus au chant X de la Thébaïde de Stace (84-124) et peut-être avec l’intervention d’Iris auprès de Dionysos au livre XXXI des Dionysiaques de Nonnos de Panopolis. Vénus, apprenant de Cupidon la blessure d’amour de Julien, dépêche ainsi la nymphe Pasithée, épouse du Sommeil, demander à ce dernier d’envoyer des Songes pour insuffler à Julien l’ardeur de combattre dans la joute (Stanze 2, 1-16). Tandis qu’Iris est dans la tradition épique la messagère de Junon, la grâce Pasithée, dont Politien précise qu’elle est entre toutes la plus aimable et la plus belle (2, 22) est ici plus appropriée comme compagne de Vénus, d’autant qu’à son action se conjugue celle des Amours qui enflamment le cœur des guerriers pendant leur sommeil (2, 18, 5-7). On retrouve le modèle d’Allectô, peut-être passé au filtre de la médecine médiévale qui souligne la malléabilité du dormeur, plus sensible aux incantations et à l’action du démon. 31 A la nuit, la troupe des Songes se rend auprès du prince pour lui 27 Somnia uel theorematica, uel allegorica sunt. Haec autem uel propria, uel aliena, uel communia, uel publica, uel mundana : quorum coniectura sit, natura, lege, consuetudine, arte, nominibus, definitione. Qui uero somnia interpretantur, coniectores dicuntur a nostris. Extantque libri adhuc Daldiani Artemidori, Onirocriticon. Panepistemon, Politianus 1971, 473. Ces divisions sont établies par Artémidore en Oneirokritika 1, 2. 28 Voir par exemple les vers 7 et 9 : Magnanimum ad regem fallacem mittere Somnum et Vade, age, rumpe moras, divum placidissime Somne. Pour les sources antiques, voir Cerri 1977, 163 n. 171. 29 Sur le choix de Somnum par Bebio Italico, voir Bebio Italico 1982, 222. Sur la présence de l’Epitome et d’autres sources dans la version de Politien, voir Rubinstein 1983, 48-70. 30 Ov. met., 11, 623 : Somne, quies rerum, placidissime, Somne, deorum. 31 Delaurenti 2007, 362-363. <?page no="64"?> 54 Virginie Leroux signifier par des visions successives sa victoire dans l’arène et la mort de sa bien-aimée Simonetta (Stanze 2, 27-46). Politien a sûrement en tête le songe de Scipion rapporté par Pétrarque au début de l’Africa (1, 154-194 et 2), dans lequel l’ombre de son père lui prédisait la victoire ; cependant la vision rappelle aussi le songe de Dante qui, au début de la Vita nuova, voit apparaître le dieu Amour dans une nuée de feu, portant Béatrice endormie, nue dans un drap couleur de sang. Amour tient dans sa main le cœur enflammé de Dante et éveille la jeune femme pour le lui donner à manger. Sa joie se transforme alors en tristesse et il s’élève dans le ciel avec Béatrice. 32 Le rêve annonce l’éveil à l’amour de la jeune femme et préfigure aussi la mort réelle de Béatrice, survenue deux ans avant la rédaction de l’œuvre. Dans les Stanze, le sommeil de Julien est qualifié de trompeur (al fallace sonno, 2, 30), mais les visions, comme celles de Dante, sont véridiques. Cette intervention divine durant le sommeil est particulièrement remarquable s’agissant de l’inspiration poétique. Selon un scénario antique dont l’élu est tantôt le jeune Pindare, tantôt Homère, tantôt Platon, des abeilles viennent se poser sur les lèvres du poète endormi et y distillent un rayon de miel, présage de son talent. 33 Pontano adapte le topos à Virgile dans le poème 1, 14 de l’Eridanus lorsqu’il décrit la naissance mythique de Virgile: l’enfant est bercé sur le sein de la nymphe Mélissa qui l’apaise par de doux jeux (blandis […] iocis) et, étendu sur des feuilles de laurier et profondément endormi, il est veillé par les abeilles qui enduisent sa bouche de miel. 34 Politien décrit dans la silve Nutricia le sommeil de Pindare en exploitant la valeur expressive des allitérations en sifflantes qui miment la respiration du dormeur: Aerios procul in tractus, et nubila supra Pindarus it Dircaeus olor, cui nectare blanda Os tenerum libastis apes, dum fessa leuaret Membra quiete puer mollem spirantia somnum. Au loin, dans les étendues aériennes, au-dessus des nuages, s’avance Pindare, le cygne de Dircé, dont vous effleurâtes les tendres lèvres du nectar, douces abeilles, tandis qu’enfant il allégeait par le repos la fatigue de ses membres qui respiraient un moelleux sommeil. 35 Politien rapporte enfin la mort du poète pendant son sommeil, suprême récompense divine (Nutricia 576-579) : 32 Dante, Vita nuova 3, 3, 1980, 37. 33 Pindare chez Paus. Graeciae descriptio 9, 23, 2-3 ; Homère dans Anthologie palatine (2, 342- 343) et Platon chez Pline (nat. 11, 55) et Valère-Maxime I, 6, ext. 3). Sur l’épisode, voir Steiner 1986, 45-46 et sur la symbolique du miel, voir Borgeaud 2004, 113-126. 34 1, 14, 32-35, Pontano 1948, 393. 35 Politien, Nutricia 558-561, 1987, 341 (trad. légèrement modifiée). Voir aussi Poliziano 1978, 680-681. <?page no="65"?> Politien et les songes 55 Inde senem, pueri gremio cervice reposta Infusum, et dulci laxantem corda sopore, Protinus ad maneis et odoro germine pictum Elysium tacita rapuit Proserpina dextra. Enfin, quand il fut vieux, un jour qu’il était étendu, sa tête posée sur le sein d’un enfant, tandis qu’il délassait son cœur en un doux sommeil, sans le réveiller, Proserpine en silence l’enleva de sa main droite pour le conduire chez les Mânes, dans l’Elysée orné de fleurs odorantes. 36 L’inspiration onirique prend aussi la forme d’une visite des Muses en rêve, dans l’élégie que Politien adresse à Jean-Battiste Cantalicio : Iam sol Tyndaridas geminos lustrare quadrigis Coeperat, et tepidum iam promouere diem; Cum somnus dulci soluit mea membra sopore, Curarum domitrix pressit et alta quies. Ecce ego conspicio uenientes ordine Musas... 20 Aut fuit, aut uacuae somnia mentis erant. Quaeque suos uario uelarat flore capillos, Cuiusque in manibus laurea uirga fuit. Vt primum thalami tetigerunt limina nostri, Lucida ab aethereo est lumine facta domus. 25 Hic Dea, pieridas inter pulcherrima cunctas, Incoepit roseo sic prior ore loqui: Surge, age, phoebaeos qui uis cognoscere uates, Vt tua gorgoneis ora rigentur aquis. I, Geminiani celeri pete moenia passu, 30 Moenia quae multum Cynthius ipse colit: Hic uates uiridi redimitus tempora lauro Ad Phoebum poterit praeuius esse tibi. Dixit. Et ex oculis cunctae fugere sorores, Et mea destituit lumina somnus iners. 35 Scis nunc cur numeros misi tibi, docte poeta? Vt tangam sacri, te duce, fontis aquas. 37 Déjà, le soleil sur son char avait commencé à parcourir les Tyndarides Et à faire lever le jour tiède, Quand le sommeil délia mes membres d’une douce torpeur, Et le repos profond, dompteur des soucis, les pressa. Voici que je vois les Muses venir en ordre, Soit cela fut, soit ce furent des songes de mon esprit vacant. Chacune des Muses avait orné sa chevelure de fleurs variées Et tenait en sa main une branche de laurier. Dès qu’elles eurent touché le seuil de ma chambre à coucher 36 Politien 1987, 343. 37 Elégie 2, 16-37, Poliziano 1867, 229. <?page no="66"?> 56 Virginie Leroux L’éclat de l’éther illumina ma demeure. Là, une déesse, la plus belle de toutes les Piérides, Commença à parler de sa bouche de rose. Lève-toi, allons, toi qui veux connaître les poètes phébéens, Afin que tes traits soient figés par les eaux gorgoniennes. Va, gagne d’un pas rapide les remparts de Geminiano Que le Cynthien en personne habite souvent: Là, un poète aux tempes ceintes de laurier verdoyant Pourra te guider vers Phébus. Elle dit. Et de mes yeux s’enfuirent toutes les sœurs, Et le sommeil qui engourdit quitta mes yeux. Tu sais à présent pourquoi je t’ai envoyé ces vers, savant poète? Pour que je touche, sous ta conduite, les eaux de la source sacrée. (notre traduction) Politien reprend ici à son compte la scénographie hésiodique de l’apparition des Muses en l’inscrivant explicitement dans un songe. Hésiode ne fait aucune allusion au sommeil, cependant sa scénographie est transposée en rêve par Callimaque : une épigramme anonyme de l’Anthologie palatine est ainsi adressée au songe ( ) qui enleva le poète de Libye, pour le mener sur l’Hélicon au milieu des Piérides, qui lui dirent tour à tour les Aitia. 38 Properce évoque les somnia Callimachi et dans l’élégie 3, 3, il adopte la forme du songe, dans lequel il se voit d’abord couché dans l’ombre moelleuse de l’Hélicon, près de la source Hippocrène, pour mettre en scène l’injonction de Phébus qui lui prescrit une inspiration plus légère. La topique du rêve des Muses est de nouveau utilisée par Claudien dans le Panégyrique sur le sixième consulat de l’empereur Honorius, à des fins encomiastiques, et Piccolomini reprend l’image dans le poème liminaire adressé à Cynthie, sous la conduite de laquelle, il « boit les songes à la fontaine de Castalie » (Te duce Castalio somnia fonte bibo, In Cinthiam 1, 7). Dans son Traité sur les songes, en hommage à la faculté représentative, Synésius de Cyrène explique que le sommeil supprime provisoirement l’activité des sens et permet l’apparition du songe, produit de l’imagination. Grâce à cette vie imaginative, l’homme est en contact avec les dieux qui lui transmettent différents types de savoir et en particulier l’inspiration poétique (Traité des Songes 4, 3). 39 Marsile Ficin qui traduisit le traité mentionne le sommeil parmi les sept genres de vacances de l’âme (septem sunt uacandi genera) : le 38 Anthologie palatine 7, 42. 39 Dans la lettre 154, il affirme que son Traité sur les songes lui a été inspiré directement par Dieu : il aurait été écrit en une fin de nuit, à l’occasion d’une vision ; de même Aristide fait des visites du dieu Asclépios dans son sommeil la source de nombreuses expressions et pensées qui dépassent ses propres possibilités. <?page no="67"?> Politien et les songes 57 sommeil, l’évanouissement, l’humeur mélancolique, l’équilibre de la complexion, la solitude, l’admiration et la chasteté. 40 Pendant le sommeil, les canaux du cerveau par lesquels les « esprits » aptes à la sensibilité et au mouvement sont d’ordinaire transmis aux membres, sont obstrués. L’âme se recueille et n’est occupée ni à sentir les qualités corporelles, ni à gouverner et à mouvoir les membres du corps, ni à traiter des affaires extérieures. Plus l’action extérieure se relâche, plus l’activité intérieure augmente. Or les actes intérieurs sont les visions de la fantaisie et les déductions de la raison. Les plus belles créations sont dues à des hommes qui délaissant le corps se réfugièrent dans les régions supérieures de l’âme. La question a été l’objet d’une controverse avec Callimaco Esperiente qui dans la préface des Songes de Léon Tusci, dédiée à Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medici, conteste la théorie ficinienne de la vacatio animae et soutient le caractère inséparable du corps et de l’âme durant le sommeil, rapportant les rêves à la psychologie du rêveur. 41 La formulation de Politien est ambiguë : l’apparition réelle des Muses est précisément opposée aux songes de son esprit oisif. Si l’expression uacae […] mentis transpose la uacatio animi de Ficin, le poème met surtout en valeur une filiation poétique puisque les Muses suggèrent à Politien de rendre visite à Cantaliccio. On pense à Ennius qui associe le songe à la doctrine pythagoricienne de la transmigration des âmes pour rendre compte de sa filiation avec Homère. 42 De même le songe de Politien introduit l’idée d’une transmission, dans un contexte esthétique où l’imitation joue un rôle de premier plan. L’enargeia onirique L’inspiration onirique permet enfin à Politien d’évoquer les théories antiques de l’enargeia. Dans la silve Ambra, en une scène qui rappelle l’apparition en rêve d’Hector à Enée, au chant II de l’Enéide, Ulysse apparaît en rêve à Homère pour l’inciter à le chanter (405-432). Le rêve constitue un modèle pour la création artistique, depuis les théories de la « phantaisie » aux liens établis par Freud entre la création artistique et le rêve diurne. Comme l’a montré Perrine Galand, les théories esthétiques utilisent le modèle onirique comme paradigme de la représentation et pour penser l’illusion référentielle. C’est ainsi que l’adjectif enarges, utilisé par Homère pour décrire les apparitions divines en songe et qui évoque à la fois une blancheur brillante et le caractère immédiatement identifiable du personnage ainsi « mis en lumière » devient, dès Théophraste, le qualificatif spécifique de l’art descriptif d’Homère, puis de toute forme de représentation particulièrement vivante, capable, comme un 40 Théologie platonicienne 13, 2, Ficin 1964, 214. 41 Voir Radetti 1960, 111-121 ; Kempfi 1964, 263-272 et Castelli 1987, 57-72. 42 La bibliographie est particulièrement abondante, voir notamment Lévi 2013, 18-38. <?page no="68"?> 58 Virginie Leroux songe, de donner au lecteur l’illusion de voir des objets ou des êtres absents. 43 Horace associe aux songes les monstres hybrides conçus par la fantaisie débridée du poète (ars 7-9) ; au chant 11 des Métamorphoses, Ovide fait de sa description de la maison du Sommeil et de la fabrication des Songes par Morphée une allégorie de la composition poétique 44 et Quintilien approfondit le parallèle en rattachant au songe la production des émotions : les visions qu’évoque l’orateur sont liées à un état de semi-veille (somnia quaedam uigilantium), à une vacance de l’âme (otia animarum) et aux espoirs vains qui habitent l’esprit (spes inanes). 45 Ce modèle onirique inspirera tout particulièrement les peintres de la Renaissance. Il faudrait faire un sort au carreau de l’Allégorie du Sommeil, qui fait partie d’une frise en terre cuite vernissée placée jusqu’en 1967 au-dessus du portique qui ouvre sur la façade de la villa médicéenne de Poggio à Caiano. 46 Cette œuvre énigmatique, datée de 1490-91, attribuée à Andrea Sansovino, conçue par les humanistes de l’entourage de Laurent le Magnifique, peut-être dirigés par Bertoldo di Giovanni, contient de nombreuses références platoniciennes. Selon André Chastel qui lit l’œuvre comme une célébration de l’ordre cosmique et naturel, c’est Politien qui aurait conçu le projet iconographique. 47 On peut identifier le personnage qui tient des pavots à Hypnos, tandis que la femme debout peut personnifier la Nuit ainsi que pourrait le confirmer son petit diadème en forme de croissant de lune. Elle semble veiller sur un homme profondément endormi, une jambe repliée : en admettant que le char représenté soit le char de l’âme, la scène pourrait précisément figurer la vacatio animi. Notons par ailleurs que Politien signale dans les Stanze que Sommeil fait escorte au char de la Nuit (Al carro della Notte el facea scorta, Stanze 2, 23, 5), notation qui pourrait fournir une autre clef d’interprétation à la frise. Comme l’ont suggéré plusieurs critiques dont Charles Dempsey, Les Stances pour la joute du Magnifique Julien auraient inspiré la représentation de Mars et Venus par Botticelli et auraient donné au peintre l’idée de substituer aux Amours des Songes, représentés sous la forme de petits satyres qui faisaient partie des cortèges de Pan. Botticelli s’inspire aussi de la description des Songes, qui pour accomplir leur mission s’arment comme des soldats (Stanze 2, 25, 7-8 et 26), peut-être par amplification d’un détail de la Thébaïde, dans laquelle Stace qualifie les Songes d’« obscure cohorte de la Nuit ». 48 Un 43 Voir Galand 1995, 123-134. 44 Met. 11, 592-649. Voir Rosati 1983 ; Galand 1994, 234-237 ; Hardie 2002, 277-282 ; Porchera 2012, 27-51. 45 Inst. 6, 2, 29-30. 46 Allégorie du Sommeil ou de la Mort : Le Char du Soleil ou de l’Ame. Poggio a Cariano, Prato, Villa Medicea. 47 Chastel 1964, 226 et 231. 48 Noctis opaca cohors, trabibusque aut postibus haerent, Thébaïde 10, 114. <?page no="69"?> Politien et les songes 59 autre élément descriptif retient cependant l’attention, c’est la mention des masques des songes (Stanze 2, 24) : Ciascun de’ Sogni dentro alle lor larve Gli si fe’ incontro, e ‘l viso discoverse ; Ma lei, poi che Morfeo tra li altri scelse, Gli chiese al Sonno, e tosto indi si svelse. Chacun des Songes sous son masque Vint à sa rencontre et lui découvrit son visage ; Mais elle, après avoir choisi Morphée avec les autres, Les requit au sommeil et bientôt de là s’éloigna. 49 Le passage est fortement inspiré de la visite d’Iris à Somnus dans les Métamorphoses où la déesse illumine de même l’antre du sommeil et le réveille. Morphée y est défini comme un artifex, comme un « imitateur de formes », « simulatoremque figurae » (met. 11, 64). Il s’agit d’envoyer à Alcyone un songe qui, sous les traits de Ceyx (Ceycis imagine, 11, 587), apprenne à Alcyone le décès de son époux. Or, comme son correspondant grec , le terme imago, qui qualifie chez Ovide le processus métamorphique, désigne à la fois l’image du rêve, le fantôme et divers types de simulacres, qu’il s’agisse du masque de cire du défunt qui, dans les familles nobles, allait rejoindre la galerie des ancêtres dans l’armoire située dans l’atrium, près de l’autel familial, d’œuvres d’art ou d’images « imaginaires ». 50 Le terme larve, utilisé par Politien, restitue la polysémie du terme imago puisqu’il signifie à la fois « masque » et « fantasme ». Charles Dempsey rapproche le texte de Politien du masque que tient la Nuit de Michel-Ange, mais on songe aussi à l’Antre du Sommeil de Taddeo Zuccaro, que l’on date de 1563. 51 Le 21 novembre 1562, l’humaniste Annibal Caro adresse à Taddeo Zuccaro une lettre précisant le programme à suivre pour décorer la chambre de l’Aurore dans le palais Farnèse à Caprarole : Zuccaro devra représenter Morphée occupé à fabriquer des masques d’aspect différent, dont certains devront figurer aux pieds du Sommeil. Le peintre figure ainsi Morphée comme un sculpteur en train d’utiliser ses instruments. 52 Autre point commun entre le tableau de Zuccaro et les Stanze de Politien, les songes qui entourent Morphée flottent dans les airs (Stanze 2, 23, 5-7) : Al carro della Notte el facea scorta E l’aria intorno avea di Sogni piena, Di varie forme e stranier’ portamenti, Au char de la nuit, il faisait escorte, 49 Politien 2006, 51. 50 Sur , voir Brillante 2003, 92-94 et pour imago, voir Cancik 1999, 169-188. 51 Taddeo Zuccaro, L’Antre du sommeil, Paris, musée du Louvre, inv. 10481. 52 Notons que la personnification de la peinture par Ripa porte un masque assorti de l’inscription imitatio, Iconologia 2, 121. Voir Leuschner 1997, 279-316. <?page no="70"?> 60 Virginie Leroux Et l’air autour de lui était empli de Songes Aux formes variées et aux allures étranges. 53 Politien contamine ici deux sources antiques : Ovide évoque les nombreux songes aux formes variées (passim uarias imitantia formas, met. 11, 613) qui entourent Somnus, mais ils sont couchés (iacent, 11, 614). En revanche, Tibulle décrit le char de la Nuit suivi par Somnus et les vains songes (2, 1, 87-90) : Ludite : iam Nox iungit equos, currumque sequuntur Matris lasciuo sidera fulua choro, Postque uenit tacitus furuis circumdatus alis Somnus et incerto Somnia nigra pede. Jouez : déjà la Nuit attelle ses chevaux, et derrière le char de leur mère s’avance le chœur dansant des astres fauves. Par derrière vient sans bruit le Sommeil, enveloppé de ses ailes foncées, et les vains Songes au pied incertain. 54 Zuccarro n’a pas conservé l’image du char de la Nuit, mais celle, bien plus expressive visuellement, des songes qui flottent dans les airs, de même que Giorgio Vasari dans son Allégorie du Rêve : un jeune homme endormi s’appuie sur une jeune fille ailée, tandis qu’au-dessus d’eux des angelots portent chacun un miroir, signifiant ainsi la révélation et l’illumination apportées par le rêve lorsque Dieu l’inspire. 55 Politien joue ainsi un rôle indéniable dans le développement d’une poétique et d’une iconographie du sommeil. Les sources antiques sont diffusées avant lui, notamment par Boccace qui, dans la Généalogie des dieux, présente à la fois l’étiologie médicale du sommeil, l’épisode du chant 11 des Métamorphoses, l’invocation au sommeil de l’Hercule furieux et la classification des songes par Macrobe, 56 mais l’œuvre de Politien témoigne d’un contexte néo-platonicien qui met l’accent sur l’inspiration divine et la vacance de l’âme, d’un héritage pétrarquiste qui associe désir et mort et de l’influence des Silves de Stace, qui consacre l’autonomie de l’ad Somnum. Si sa conception du songe n’a pas le caractère mystique qu’elle prendra chez certains de ses successeurs, Politien contribue à fixer des images et à développer des problématiques qui manifestent les liens étroits entre sommeil et création et nourriront à la fois la théorie esthétique humaniste et les représentations figurées. 53 Politien 2006, 51. 54 Tibulle 1989, 88. 55 Giorgio Vasari, Allégorie du Rêve, vers 1565. New York, The Metropolitan Museum of Art (Rodgers Fund, 1967, inv. 67, 95.4). 56 Boccace 1998, 164. <?page no="71"?> Politien et les songes 61 Bibliographie Agapiou, Natalia: Endymion au carrefour. La fortune littéraire et artistique du mythe d’Endymion à l’aube de l’ère moderne, Berlin 2005. Baebius Italicus: Ilias Latina, introduzione, edizione critica, traduzione italiana e commento a cura di Mario Scaffai, Bologna 1982. Boccaccio, Giovanni: Tutte le opere, VII-VIII, a cura di Vittore Branca, Milano 1998. Bokdam, Sylviane: Métamorphoses de Morphée. Théories du rêve et songes poétiques à la Renaissance, en France, Paris 2012. Borgeaud, Philippe: L’enfance au miel dans les récits antiques in: Véronique Dasen (éd.): Naissance et petite enfance dans l’Antiquité, Fribourg 2004, 113-126. Brillante, Carlo: Sogno, ispirazione poetica e phantasia nella Grecia arcaica, Quaderni urbinati di cultura classica 75, 1987, 35-51. Cancik, Hubert: ‘Idolum’ and ‘Imago’. 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Zanato, Tiziano: Saggio sul « Comento » di Lorenzo de’ Medici, Florence 1979. <?page no="73"?> Émilie Séris (Paris) La dérision du corps dans la poésie latine d’Ange Politien J’aimerais développer un aspect de l’œuvre de Politien que j’ai quelque peu négligé dans le livre que j’ai consacré à cet auteur, le rire et plus particulièrement la dérision du corps. 1 La perspective de la mémoire, qui était celle de ma thèse, a présidé à la sélection des passages que j’ai étudiés et, si je me suis efforcée d’embrasser l’ensemble de la production poétique de Politien pour en dégager une cohérence, je suis consciente que certains textes ont cependant été omis ou insuffisamment traités : c’est le cas notamment des invectives, de l’ode In Anum ou de la Sylva in scabiem. 2 D’autre part, ces dernières années, de nouvelles études ont paru sur le rire dans l’Antiquité et à la Renaissance. 3 Des travaux sur la théorie du rire dans la satire et la comédie latines comme dans la littérature vernaculaire ont permis d’affiner considérablement les catégories du comique. Il est nécessaire, me semble-t-il, de réexaminer les poèmes de Politien à l’aune de ces outils, d’autant que le Florentin a été lui-même l’un des premiers humanistes à esquisser, dans ses commentaires aux satires de Perse 4 et aux comédies de Térence, 5 les préceptes d’un art du rire. Politien est remonté aux sources antiques pour redéfinir les genres de la satire et de la comédie : le Philèbe de Platon, la Poétique d’Aristote, le De ridiculis de Cicéron (De orat. 2, 2, 216-290), l’Institution oratoire de Quintilien (6, 3) et les satires d’Horace (1, 10 ; 2, 1 et 2, 7). Il n’ignorait pas non plus, lui à qui ont été attribués plusieurs livres de bons mots, la veine humaniste de la facétie. 6 S’il est 1 Séris 2002. 2 Ange Politien, Inuectiuae et Odae 9 (éd. I. del Lungo), 1867, 131-140 et 271-272 ; Silva in Scabiem (éd. A. Perosa), 1954 ou Sylva in scabiem (éd. P. Orvieto), 1989. Sur l’ode In anum, voir Cotton Hill 1951, 328-330 et Charlet 1998, 43-52. Sur la Silva in scabiem, voir Perosa 1946, 74-95 ; Carrai 1988, 276-282 ; Cerri 1977, 533-536 ; De Robertis 1967, 139-156 ; Del Guerra 1960, 9-28 et 1967, 81-90 ; Walner 1987, 176-183 ; Orvieto 1988, 199-269 ; Zoi 1991, 339-344 et Saggese 1994, 263-265. Sur ces trois textes, voir Maïer 1966, ch. 4 : Le burlesque et les créations fantastiques, 180-202 ; Bettinzoli 1995, cap. 2 : « Dolus et error » : la fugacità, il grottesco, l’iperbole, 39-65 et Orvieto 2009, 157-215. 3 Sur la théorie du rire, voir la bibliographie qui accompagne cet article. 4 Politien, In Persium (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985. 5 Politien, Andria Terenti (éd. R. Lattanzi Rosselli), 1973. 6 Politien, Detti Piacevoli (éd. T. Zanato), 1993. Voir aussi Pétrarque, Rerum memorandarum libri II, 37-61 : « De facetiis ac salibus illustrium » et II, 62-84 : « De mordacibus iocis » ; Alberti, Momus ; Le Poge, Facetiae. Cette pratique allait bientôt être théorisée comme un art de cour par Giovanni Pontano (De sermone, 1502), Paolo Cortesi (De cardinalatu, 1510) et Balthazar Castiglione (Il libro del Cortegiano, 1528). <?page no="74"?> 64 Émilie Séris vrai que ces travaux universitaires de Politien, liés au cours qu’il a consacré en 1484-1485 aux satires d’Horace et de Perse, sont probablement postérieurs à certains des poèmes que nous allons étudier, il n’en sont pas moins pertinents car ils peuvent éclairer, même a posteriori, la pratique du poète et donner sens à ses fictions. Par ailleurs, les recherches de Politien sur le corpus médical d’Aristote, d’Hippocrate, de Galien, de Celse ou d’Alexandre d’Aphrodise, dont l’importance a été soulignée par la critique pour les poèmes que nous abordons, nous confirme dans l’idée que le poète humaniste a mené, parallèlement, une approche anatomique du rire, ouvrant la voie aux traités du XVI e siècle comme ceux de Laurent Joubert, de Celso Mancini, de Rudolph Goclenius ou du second Politien (Antonio Lorenzini). 7 Le corps est doublement au centre de ces poèmes car il est à la fois l’objet et le lieu du rire, sa cause et son moyen. Il en est à la fois une source externe et l’origine interne. La description du corps ridicule donne donc aussi lieu à un examen du corps du rieur, introspection qui aboutit à l’autodérision de la Sylva in scabiem, une fiction dans laquelle le corps visible et risible s’identifie au corps propre. On songe à la figure de Démocrite, mise en scène par Alberti dans le Momus et maintes fois invoquée ensuite dans la littérature de la Renaissance : 8 le philosophe grec, en proie à un rire irrépressible, non sans s’être lui-même déguenillé, disséquait des animaux pour trouver le siège de son propre mal. 9 On sait que dans le Commentaire sur Perse Politien s’est intéressé aux maladies des philosophes et qu’il cherchait en particulier à comprendre l’origine de la rage (rabies) ou de la colère (ira). 10 Le rire n’est-il pas aussi chez Politien une manifestation de la mélancolie et rire du corps ne participe-t-il pas d’une enquête philosophique ? Je propose de revisiter une invective « Contre Mabilius », l’ode « Contre la vieille » et la « Silve galeuse » à la lumière de ces différents éléments et de voir en quoi ces poèmes ont pu contribuer à l’élaboration d’une conception humaniste du rire. 7 Laurent Joubert, Traité du ris, 1579 ; Celso Mancini, De risu ac ridiculis, 1591 ; Rudolph Goclenius, Physiologia de risu et lacrumis, 1597 et Antonio Lorenzini, De risu eiusque causis et effectis, 1603. 8 Leon Battista Alberti 1993, 188-213 ; Antonio Phileremo Fregoso, Riso di Democrito e pianto di Eraclito, 1506. Voir aussi Jehasse 1980. 9 Les sources antiques sur la folie de Démocrite sont principalement les Lettres attribuées à Hippocrate (éd. A. Roselli, 1998) ; Cicéron, De orat. 2, 234 ; Sénèque (De ira 2, 10) ; Juvénal (10, 28-36) et Lucien (Vitarum auctio, 13-14). Sur la légende de Démocrite, voir Salem 1996. 10 Cesarini Martinelli, in : Ange Politien, In Persium, 1985, 70. <?page no="75"?> La dérision du corps 65 Le nez du style (nasus stili) A bien des égards, les invectives contre Mabilius apparaissent comme la mise en scène d’un débat sur l’essence du ridicule, dans lequel le destinataire, identifié à Mabilio da Novate di Milano, 11 est un détracteur s’opposant à la conception du rire illustrée par Politien. Ainsi, l’épigramme 49 dans l’édition d’Isidoro Del Lungo s’intéresse à la légitimation de la plaisanterie (iocus) et semble se référer à un critère rationnel et universel : « Moi, je plaisante en riant de toi, mais c’est à bon droit, Mabilio : Qui ne rirait, je te le demande, de tes vers ? » (Ipse iocor tecum ridens, sed iure, Mabili ; / Quis non rideret carmina, quaeso, tua ? ). 12 L’épigramme 50 engage entre les poètes une gare dans l’exercice de la caricature et plus précisément pour la description comique de l’appendice nasal. Le thème trouvait des modèles à la fois dans la lyrique latine antique, chez Martial et chez Perse, et dans la poésie vernaculaire chez Burchiello et Francesco d’Altobianco degli Alberti. 13 Loin de répugner à faire des défauts physiques la matière de sa uituperatio, Politien souligne la pertinence du sujet et relève à son tour le défi : Quod nasum mihi quod reflexa colla Demens obiicis, esse utrumque nostrum Assertor ueniam uel ipse ; nam me nil nasutius est sagaciusque, In te dum liceat uibrare nasum. 14 5 Puisque tu critiques mon nez et ma nuque voûtée, Insensé, de chacun d’entre eux Prenons nous-même la défense ; car rien N’a plus de nez ni de sagacité que moi, Pour peu que contre toi puisse frémir mon nez. Si Politien, pour plaider la défense de son nez, emprunte à Martial le mot nasutius (2, 54, 5) et l’expression nasum rhinocerotis (1, 3, 1) qui désigne la finesse d’esprit, c’est chez Aristote et Cicéron en personne qu’il trouve caution et arguments. Dans le commentaire sur l’Andrienne de Térence, le poète humaniste se réfère à la définition aristotélicienne et cicéronienne des ridicula : Est enim comoedia illa uetus imitatio quidem deteriorum sed ridiculi tamen gratia. Non enim uitia ultima exprimit, sed eam turpitudinis partem, quae ridiculo continetur. Ridiculum enim uelut quoddam est mendum et deformitas citra dolorem aut pernitiem : uelut ridicula facies turpicula quidem 11 Picotti 1955. 12 Politien, Epigr. lat. 49, 3-4 (éd. I. Del Lungo), 1867, 137. 13 Orvieto 2009, 165. 14 Politien, Epigr. lat. 50, 1-5 (éd. I. Del Lungo) 1867, 137. <?page no="76"?> 66 Émilie Séris adque peruersa, sed quae dolore tamen careat. Ad hunc modum comoedia naturaliter processit in medium. 15 En effet, la grande comédie ancienne est certes l’imitation de défauts, mais en vue du ridicule. Car elle n’exprime pas les vices les plus profonds, mais cette partie du laid qui est limitée au ridicule. Car le ridicule est comme une déficience et une disgrâce exemptes de douleur et de nuisance. Ainsi, tu peindras des choses ridicules, laides et même perverses, mais qui seront sans douleur. C’est de cette manière que, naturellement, la comédie est montée sur la scène. 16 Politien reprend ici la définition de la comédie au chapitre 5 de la Poétique d’Aristote : « le comique est une partie du laid » et « consiste dans un défaut ou une laideur qui ne causent ni douleur ni destruction » comme c’est le cas d’un masque de comédie. 17 Le nez fait partie de ces ridicula naturels, les parties du corps proéminentes et disgracieuses, qui suscitent la joie du spectateur sans apporter de douleur à l’amuseur. Mieux, c’est l’une de ses parties postiches que les mimes ou les comédiens portaient sur scène dans l’Antiquité et plus tard dans la commedia dell’arte. C’est une partie du corps que l’on peut écorcher sans attenter en profondeur à la personne. En outre, l’humaniste emprunte aussi largement à Cicéron sa théorie des ridicula. Au second livre du traité De l’orateur, ce dernier justifie l’usage de la plaisanterie dans le discours pour concilier l’auditoire à la cause et modérer parfois la sévérité du propos : Locus autem et regio quasi ridiculi -nam id proxime quaeritur- turpitudine et deformitate quadam continetur. Haec enim ridentur uel sola uel maxime, quae notant et designant turpitudinem aliquam non turpiter. Est autem, ut ad illum tertium ueniam, est plane oratoris mouere risum. 18 Or le lieu et le domaine, pour ainsi dire, du ridicule -c’est la question suivante- consiste dans une laideur et une disgrâce. Car on rit exclusivement ou principalement de ce qui souligne et signale sans laideur une laideur quelconque. Pour en venir au troisième point, c’est tout à fait le propre de l’orateur de susciter le rire. Pour Cicéron comme pour Aristote, le ridicule porte sur la laideur morale (turpitudo) ou sur le défaut physique (deformitas). 19 Toutefois, l’orateur romain introduit ensuite une distinction claire entre les res et les uerba qui pose au rire des limites tout en le légitimant : on ne peut ou ne doit rire que des laideurs qui sont exprimées et soulignées avec finesse et avec art. Ce sont les mots qui rendent les choses laides risibles et non les laideurs qui sont ridicules en ellesmêmes. 15 Politien, Andria Terenti, (éd. R. Lattanzi Rosselli), 1973, 4. 16 Je donne mes propres traductions chaque fois que je ne précise pas le nom du traducteur. 17 Aristote, Poétique 49 a 34-37 (éd. et trad. R. Dupont-Roc et J. Lallot), 1980, 49. Voir aussi Ordine 2009, 10. 18 Cicéron, De orat. 2, 236 (éd. E. Courbaud), 1966, 105. 19 Ordine 2009, 12. <?page no="77"?> La dérision du corps 67 En effet, si Politien entre en polémique avec Mabilio, ce n’est pas, on l’a vu, sur l’objet de la uituperatio, mais sur ses procédés et sur le style. Dans la suite du poème il approfondit une antithèse entre l’éclat de rire (cacchinus) et le style facétieux (facetus) : Nam quis te, rogo, sic inelegantem, Insulsum, illepidum uidens, ineptum, Versus scribere prorsus infacetos, Non centum cupiat sibi esse nasos ? Centum rhinocerotas atque barros, 10 Ronchos, auriculas, ciconiasque, Cum splene et petulantibus cachinnis ? 20 Car qui, je te le demande, te voyant ainsi sans élégance Sans sel, sans charme et sans pertinence, Écrire des vers parfaitement dépourvus d’humour, Ne souhaiterait avoir cent nez ? Cent nez de rhinocéros et d’éléphant, Ricanements, oreillettes et cous de cigogne, Avec la rate et des éclats de rire impudents ? Certains termes de l’invective sont manifestement repris du second livre du De oratore où Cicéron différencie l’orateur du mime (sannio), qui fait rire seulement par son corps -physionomie, voix, gestuelle - et non par son langage. 21 Dans la dérision des défauts physiques, il importe de conserver une certaine modération : Est etiam deformitatis et corporis uitiorum satis bella materies ad iocandum ; sed quaerimus idem, quod in ceteris rebus maxime quaerendum est, quatenus. In quo non modo illud praecipitur, ne quid insulse, sed etiam, si [quid] perridicule possis, uitandum est oratori utrumque, ne aut scurrilis iocus sit aut mimicus. 22 Les disgrâces et les vices corporels sont aussi une assez belle matière pour plaisanter ; mais, comme en toute chose, il faut absolument rechercher la mesure. En cela, non seulement il est prescrit de se garder de ce qui est sans sel, mais aussi, quand une bonne plaisanterie est possible, l’orateur doit éviter deux choses : la bouffonnerie et le mime. L’adjectif insulsus (dénué de sel ou d’esprit) par lequel Politien peint son adversaire contribue à faire de lui l’un de ces bouffons qui ne sait éviter la trivialité. 23 Du reste, le terme ciconia, emprunté à Horace (Satires 2, 2, 49) désigne un 20 Politien, Epigr. lat. 50, 6-12 (éd. I. Del Lungo), 1867, 137. 21 Cicéron, De orat. 2, 251. Voir aussi Delignon 2006, 429-437. 22 Cicéron, De orat. 2, 239 (éd. Courbaud), 1966, 106. 23 Fontes Barato 2005, 41-62. <?page no="78"?> 68 Émilie Séris geste de moquerie imitant le cou de la cigogne et relève du comique visuel. Les mots rhonchos (ricanement) et auriculas (oreilles sensibles) tirés des épigrammes de Martial (1, 3, 5 et 2, 5, 33) évoquent des bruits et des éclats de rire contrefaisant les cris des animaux. Mais, comme l’a bien souligné Attilio Bettinzoli, le rire naît surtout dans ce poème de la richesse verbale, de la figure de l’hyperbole et de la composition stylistique. 24 De plus, dans le Pro Caelio, Cicéron avait opposé deux façons d’exprimer les critiques : dites avec trop d’ impudence (petulantius) elles sont injurieuses, mais prononcées avec davantage de facétie (facetius), elles deviennent humoristiques et dignes d’un homme d’esprit : Maledictio nihil habet propositi praeter contumeliam ; quae si petulantius iactatur, conuicium, si facetius urbanitas nominatur. 25 La médisance ne vise rien d’autre que l’outrage ; si elle est lancée avec davantage d’impudence, on l’appelle une injure, avec davantage de facétie, on l’appelle humour. Les termes petulans et facetus apparaissent également dans le poème de Politien pour opposer deux genres de plaisanterie et l’adjectif petulans est associé à insulsus dans une autre épigramme contre Mabilio (44 : Es mendax, leuis, insolens, ineptus, / insulsus, petulans…). 26 Au XVI e siècle Laurent Joubert compare dans son Traité du ris (2, 7) le rire aux cris des différents animaux. 27 D’autres comme Erasme, interprétant la formule d’Aristote dans Les parties des animaux (3, 10) cherchent à faire au contraire du rire le propre de l’homme. 28 L’opposition entre le rire bête et le rire subtil trouvait dans l’anatomie une explication médicale : si le cachinnus a pour origine le diaphragme ou la rate, le rire de l’homme urbanus naît au contraire du cœur, qui est le siège des passions, voire même du cerveau. 29 On peut faire l’hypothèse que Politien a conforté sa poétique du rire par ses lectures médicales et que l’opposition entre les deux styles de plaisanterie correspond à une analyse physiologique des différents types de rire. Enfin, il existait un débat ancien sur Lucilius, l’inventeur de la satire romaine, dans lequel le nez avait été donné comme la métaphore du style satirique. Pline, dans la préface des Histoires naturelles, donne Lucilius comme l’inventeur du « nez du style » (stili nasum) et lui attribue une double défiance 24 Bettinzoli 1995, 49-51. 25 Cicéron, Pro Caelio 3, 6 (éd. J. Cousin), 1962, 90. 26 Politien, Epigr. lat. 44 (éd. I. Del Lungo), 1867, 134. 27 Laurent Joubert 1973, 211. 28 Ménager 1995, 13 et 153 et Gorris Camos 2003 ; Heck 2003 et Jourde 2003. Voir aussi Subrenat 1990. 29 Ménager 1995, 20 et Gorris Camos 2003, 157-159. <?page no="79"?> La dérision du corps 69 à l’égard d’un public trop vulgaire comme d’un public trop docte. 30 Cicéron en effet, dans le De oratore (2, 6, 25), après avoir loué l’urbanitas de Lucilius, affirme qu’il écrivait pour un lecteur qui ne fût ni trop ignorant, ni trop instruit. 31 Horace, lui, dans ses satires, avait critiqué l’agressivité de Lucilius et ses attaques nominatives contre les grands de ce monde. Bénédicte Delignon a montré comment Horace opposait le ridiculum à l’acre, s’interdisant le franc parler brutal et destructeur de Lucilius (Sat. 1, 4 ; 1, 10 ; 2, 1 et 2, 7). 32 Dans la satire 1, 4 en particulier, il comparait Lucilius à un fleuve bourbeux. Si Quintilien a récusé ce jugement sévère d’Horace sur son prédécesseur, soulignant l’érudition, la liberté, l’âpreté et le sel de Lucilius, il juge cependant celui-ci inférieur à Horace (10, 1, 93-94). 33 Politien prend donc position dans ce débat quand il fait l’éloge de Lucilius au début du commentaire des Satires de Perse et, reprenant la métaphore du nez, il en fait l’emblème de la satire, le summum du rire et de la critique : Itaque dictus est primus ‘condidisse styli nasum’, quod naso uidelicet et summa irrisio atque uituperatio significetur ; quem tametsi ‘fluere lutulentum’ dicit Horatius et ‘esse aliquid quod tollere possis’, tamen insignem gloriam 30 Pline, Hist. nat., praef. 7, (éd. et trad. J. Beaujeu), t. I, 1950, 49 : Quod si hoc Lucilius, qui primus condidit stili nasum, dicendum sibi putauit, Cicero mutuandum, praesertim cum de re publica scriberet, quanto nos causatius ab aliquo iudice defendimur ! (Si donc Lucilius, le créateur du style satirique, a cru devoir s’exprimer en ces termes et Cicéron les lui emprunter, spécialement dans son traité « De la République », combien n’avons-nous pas plus de raison de faire opposition à un tel juge! ). 31 Cicéron, De orat. 2, 6, 25, (éd. et trad. E. Courbaud), 1966, 17 : Nam ut C. Lucilius homo et doctus et perurbanus dicere solebat ea quae scriberet neque se ab indoctissimis neque a doctissimis legi uelle, quod alteri nihil intellegerent, alteri plus fortasse quam ipse. (C. Lucilius, esprit très cultivé et très fin, répétait qu’il souhaitait pour ses ouvrages des lecteurs qui ne fussent ni trop ignorants ni trop instruits, parce que les uns n’y entendraient rien, mais les autres y entendraient peut-être plus que lui-même). 32 Delignon 2006, 219-245. 33 Quintilien, inst. 10, 1, 93-94 (éd. et trad. J. Cousin), t. VI, 1979, 95-96 : Satura quidem tota nostra est, in qua primus insignem laudem adeptus Lucilius quosdam ita deditos sibi adhuc habet amatores, ut eum non eiusdem modo operis auctoribus, sed omnibus poetis praeferre non dubitent. Ego quantum ab illis, tantum ab Horatio dissentio, qui Lucilium « fluere lutulentum » et « esse aliquid, quod tollere possis » putat. Nam et eruditio in eo mira et libertas atque inde acerbitas et abunde salis. Multum est tersior ac purus magis Horatius et, nisi labor eius amore, praecipuus. (La satire, d’autre part, est toute nôtre, et Lucilius, qui est le premier à s’y être fait un grand renom, a encore des dévots, qui lui sont si attachés qu’ils n’hésitent pas à le préférer à d’autres satiriques et même à tous les autres poètes. Pour moi, je suis aussi éloigné de cette opinion que de celle d’Horace, qui le compare à un « courant bourbeux » et pense qu’il y a chez lui « des choses que l’on pourrait supprimer ». Car sa culture est admirable ainsi que son indépendance, et cela lui donne de l’âpreté et infiniment de piquant. Bien plus châtié et plus pur est Horace, et à moins que je sois entraîné par mon inclination à son égard, il mérite le premier rang <des satiriques>). <?page no="80"?> 70 Émilie Séris multorum iudicio reportauit, adeo etiam a nonnullis probatus ut non Horatio tantum et Persio, sed plane omnibus poetis anteferretur. 34 C’est pourquoi on dit qu’il est le premier à avoir « composé le nez du style », parce que le nez signifie le comble de la raillerie et du blâme ; et même si Horace dit qu’il « coule comme un fleuve bourbeux » et qu’ « il y a des choses que l’on pourrait ôter », néanmoins il a remporté une gloire insigne par le jugement de beaucoup, approuvé par quelques uns au point qu’ils le plaçaient non seulement avant Horace et Perse, mais aussi avant absolument tous les poètes. L’invective contre Mabilio apparaît comme une illustration de ce nasus stili, une verve satirique qui évite la vulgarité de Mabilius grâce au sel de l’esprit et à l’invention verbale, mais qui ne s’interdit pas l’ancienne causticité latine d’un Lucilius (illa uetus dicacitas). D’objet du rire, le corps est devenu son origine et son procédé : l’appendice nasal est identifié chez Politien à la faculté même de susciter le rire par les mots. Le prurit (prurigo) L’ode « In Anum », de date incertaine, développe le thème de la détestation de la vieille (le uituperium uetulae) à partir de souvenirs en particulier de Properce (El. 4, 5, 63), d’Horace (Epod. 5, 15-24 et 47-48 ; Sat. 1, 8, 24-39) et de Martial (Epigr. 3, 93, 1-5), mais aussi de Plaute, de Térence, de Juvénal et de Perse. 35 Il n’a échappé à aucun critique que cette ode formait un diptyque avec l’ode « In Puellam », opposant à l’éloge d’une jeune beauté idéale le blâme de la vieillesse hideuse et honteuse. 36 Cette composition binaire s’inscrit dans la tradition médiévale des portraits féminins antithétiques depuis l’Ars uersificatoria de Mathieu de Vendôme (1, 56-58), qui avait opposé une peinture de Beroé à celle d’Hélène, ou encore le poème du pseudo-Ovide intitulé « De vetula ». Cette tradition, présente aussi dans l’iconographie, était particulièrement vivace dans la poésie vernaculaire et Politien traite également du sujet dans ses rimes (« La vecchia cadaverosa »). 37 Il est tentant d’établir un lien entre ce poème et la légende de la mort de Zeuxis : des humanistes ont commenté l’anecdote selon laquelle l’illustre peintre grec serait mort en s’étranglant de rire, alors qu’il venait de peindre le portrait d’une vieille femme. Rabelais s’interroge dans le chapitre 17 du Quart livre sur la fin de Philémon et de Zeuxis, emportés tous deux par un irrépressible fou rire, et un discours anonyme Sur la joie et la tristesse donne précisément pour cause de cet accès de folie l’étonnement que causa au peintre le contraste entre son dernier tableau, 34 Politien, In Persium (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985, 10. 35 Pour l’étude des sources du poème, voir Charlet 1998, 43-44 et Orvieto 2009, 166-169. 36 Cotton Hill 1951, 328-330 et 1963, 57-68 ; Maïer 1966, 190 ; Charlet 1998, 53-45 et Orvieto 2009, 166-186. 37 Orvieto 2000, 13-44. <?page no="81"?> La dérision du corps 71 représentant une vieille, et son chef d’œuvre, le célèbre portrait d’Hélène. 38 La mésaventure de Zeuxis fait partie de la même collection de ces morts étranges, entraînées par le rire, que celle de Démocrite. De fait, la vieille femme de Politien provoque le rire et en particulier celui de ses anciens amants, saisis par l’altération de sa beauté : Mammis senecta putridis, praegrandibus, Araneosis, deciduis, inanibus, Laxoque uentre, dissipato et fixili, 15 Cunno ulceroso, uerminante podice, Natibusque macris, aridis et osseis ; Vtroque sicco crure, utroque bracchio, Talo genuque utroque procul extantibus, Calcaneoque pernionibus graui, 20 Vt nil sit aspernabilius, nil tetrius Monstruosiusque aut nauseabundum magis. […] Nunc nemo iam uult uisere, nemo colloqui ; Fastidit unusquisque et habet ludibrio Anum subante perditam prurigine. Sed audet impudens tamen, audet impudens, 30 Procax, proterua, nec iam anus, sed mortua, Vtcunque prurit (prurit autem iugiter) […] 39 Des mamelles pourries par la vieillesse, étirées Comme des toiles d’araignées, tombantes et vides, Un ventre lâche, qui se répand, à découper, Le sexe plein d’ulcères, de vermine le derrière, Les fesses maigres, flétries et osseuses, Les deux bras et les deux jambes secs, Les deux talons et les deux genoux cagneux Et le pied alourdi par les engelures, Si bien que rien n’est plus méprisable, rien n’est plus honteux, Plus monstrueux ou plus nauséabond. Maintenant plus personne ne veut la voir, ni lui parler ; Chacun est dégouté et tourne en dérision La vieille rongée par le prurit en chaleur. Mais l’impudente ose quand même, l’impudente ose, Effrontée, farouche, moins vieille encore que morte, Chaque fois que ça la démange (or ça la démange sans cesse) […] Au début de la Praelectio in Persium, la peinture de la laideur physique et de la débauche des sens est justifiée par la vocation éthique de la poésie. Après 38 Ménager 1995, 28-30. 39 Politien, Odae 9, 13-32 (éd. I. Del Lungo), 1867, 272. <?page no="82"?> 72 Émilie Séris avoir rappelé la devise de Socrate, le fameux « Connais-toi toi-même », Politien rappelle que la poésie fut la première forme de la philosophie : Quapropter bene ueteres primam quandam philosophiam poeticen esse aiebant ac eaque potissimum sapientiae auspicabantur initia, quippe cuius praeceptis atque exemplis sensuum labes omnes maculaeque abstergerentur. 40 C’est pourquoi les anciens disaient que la poétique est une première philosophie et auguraient au mieux des débuts de la sagesse, parce que par ses préceptes et ses exemples toutes les souillures des sens et toutes les taches étaient nettoyées. Politien se fonde sur la définition platonicienne du comique dans le Philèbe (47d-50 e) : 41 Socrate y énonçait la devise inscrite sur le temple de Delphes et donnait pour ridicules les gens qui se méconnaissent eux-mêmes et qui ajoutent à cette illusion la faiblesse (49 b). Les puissants, qui sont capables de se venger, sont plus redoutables que ridicules, même s’ils ignorent leurs vices. La vieille femme, en revanche, répond parfaitement aux deux critères platoniciens du ridicule, car elle allie la méconnaissance de soi et la faiblesse. Toutefois, Politien introduit aussi dans sa praelectio la notion aristotélicienne de catharsis. La fonction cathartique de la poésie est ici clairement évoquée et Politien renvoie plus loin aux fêtes des Dionysies ou des Bacchanales. Plus encore qu’aux tragédies, il attribue aux comédies, qui stigmatisaient les vices des hommes, le pouvoir de purger les passions (purgandis sensibus). La peinture de la vieille prostituée suscite le dégoût général (fastidium), détourne définitivement ses anciens amants de leur intempérance par le rire (ludibrio) et s’achève par une vive imprécation du poète lui-même. La licence et l’obscénité de la satire sont également expliquées par son origine dramatique : on sait que Politien accepte encore dans l’introduction aux Satires de Perse l’idée que la satire latine est dérivée du drame satyrique, même s’il lui arrive d’envisager dans d’autres passages son autonomie. A côté des ridicula, la satire latine tolère aussi les pudenda, c’est-à-dire les mots et les actes propres aux satyres : […] satyram, quae sic arbitror dicta ab antiquae illius fabulae argumento, quod in hac quoque ridiculae res pudendaeque dicuntur, quae uelut a Satyris proferuntur et fiunt. 42 […] la satyre, qui, je pense, a été nommée ainsi à cause de l’argument de la fable antique, parce que chez elle on dit aussi ces choses ridicules et honteuses qui sont pour ainsi dire prononcées et faites par des satyres. Les plaisanteries érotiques et le piquant (satyrica mordacitas) viennent encore des fêtes nuptiales dont témoignent les vers fescennins ou la poésie de Catulle 40 Politien, In Persium, (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985, 5. 41 Cerasuola 1980 et Ordine 2009, 5-9. 42 Politien, In Persium, (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985, 10. <?page no="83"?> La dérision du corps 73 et des chants de soldats lors des triomphes. 43 Dans l’ode, au vers 30, la vieille est dite à deux reprises impudens et les vers sont ostensiblement licencieux, la description physique soulignant les parties les plus érotiques du corps. Surtout, on retrouve dans le poème de Politien la veine érotique catullienne symbolisée par le prurit, cette excitation des sens lascive et jouissive. L’ode In Anum transmet, après l’Hermaphroditus (1425) d’Antonio Becadelli et le Pruritus (1447-1448) de Giovanni Pontano cette maladie poétique qui vous gratte jusqu’à l’hilarité : Giovanni Pontano disait au début du Pruritus que son livre donnait des démangeaisons (pruritum feret hic nouus libellus). 44 Les traités médicaux humanistes témoignent du rapport physiologique entre le désir érotique et le rire, plaçant l’origine de certains rires involontaires dans les pudenda. En effet, dans un passage des Parties des animaux (3, 11) sans doute connu de Politien, Aristote explique que le chatouillement provoque un échauffement du diaphragme qui déclenche le rire. Le chatouillement est du reste, comme le rire, une spécificité de l’homme dans la nature. D’autre part, le chatouillis est associé à la douleur puisque les blessures dans la région du diaphragme provoquent également, et pour la même raison, le rire. Il est probable aussi que Politien a lu le passage où Alexandre d’Aphrodise exclut de son étude le rire provoqué par le chatouillement, jugeant ce problème trop obscur. Ces textes ont ensuite suscité un vif débat sur la question au XVI e siècle : Celso Mancini cite Aristote dans son De risu ac ridiculis 45 et si Jérôme Fracastor ou Laurent Joubert voient dans le plaisir corporel des chatouilles, qui peut aller jusqu’à causer la mort, un faux rire, François Valeriola y reconnaît une forme d’étonnement suivi d’un consentement de l’âme à l’émotion du plaisir. 46 Enfin, le rire dans l’ode In Anum n’est dénué ni de cruauté ni d’amertume car cette fois la laideur a partie liée avec la souffrance et la mort. A la fin du poème la vieille est comparée à un squelette et présentée comme déjà morte : elle présente au lecteur une image du memento mori, une vanité. Politien dans la préface de l’Andrienne a donné une définition noble de la comédie comme miroir (speculum) et comme image de la vérité (imago ueritatis), en s’appuyant sur des expressions de Cicéron. 47 D’autre part, la complicité de la satire avec le drame satyrique autorise encore selon lui le mélange du rire et des larmes : 43 Ibidem, 7. 44 Sur le Pruritus de Giovanni Pontano, voir Hartkamp 2003, 219-233 et plus généralement sur l’influence de Catulle à la Renaissance Ford 2013, 55-97. 45 Ménager 1995, 25-26. 46 François Valeriola, Enarrationum medicinalium libri sex, Lyon, Gryphe, 1554, 221. 47 Politien, Andria Terenti (éd. R. Lattanzi Rosselli), 1973, 8 : Cicero comoediam esse ait imitationem uitae, speculum consuetudinis, imaginem ueritatis <Hortens, frg 10 ; S. Rosc. 47>. Liuius Andronicus ait comoediam esse cottidianae uitae speculum, nec iniuria. Nam ut intenti speculo ueritatis liniamenta facile per imagines colligimus, ita lectione comoediae imitationem uitae consuetudinisque non egerrime animaduertimus. <?page no="84"?> 74 Émilie Séris Caeterum comoedia risum continebat et scommata, tragoedia luctus et lamenta, satyrica hilaritatem lacrymis admiscebat et ab eiulatu in laetitiam desinebat. 48 En outre, la comédie contenait le rire et les moqueries, la tragédie le deuil et les lamentations, le drame satyrique mêlait l’hilarité aux larmes et partant de la plainte finissait en allégresse. Politien se réfère ici encore au Philèbe où Platon décrit l’état d’âme dans lequel le théâtre plonge le spectateur, et en particulier le spectateur de comédie, comme un mélange de deux affects opposés, la douleur et le plaisir (48 a ou 50 b). Toutefois, l’humaniste fait de ce mélange le propre du drame satyrique, qui mêlerait les larmes de la tragédie au rire de la comédie, et, partant, du genre de la satire qui en est dérivé. Là encore, il semble que Politien serve de relais et anticipe les réflexions des médecins et des philosophes moraux du XVI e siècle : Laurent Joubert pense que le rire est le débat de deux affections contraires, la joie et la tristesse, que suscitent simultanément la laideur. Dans son traité Sur la sympathie et l’antipathie, Jérôme Fracastor définit le rire comme un mélange de plaisir et d’étonnement, non dénué d’une certaine contrariété : Est autem risus compositus ex admiratione et laetitia motus, propter quod et quaedam contranitentia in risu est. On reconnaît l’influence du Théétète (155d), dans lequel Platon présentait le thauma comme le commencement de la philosophie. 49 Le rire sardonien (risus sardonius) Au début de la Sylva in scabiem Politien décrit avec acribie son propre corps en proie à un mal terrifiant que la plupart des critiques s’accordent pour identifier, d’une manière ou d’une autre, à la mélancolie. Paolo Orvieto en particulier a montré ce que ce diagnostique de la rage (rabies) et de la fureur (furor) devait aux évocations anciennes de la colère dans le problème 30 d’Aristote et dans le De ira et les tragédies de Sénèque. 50 Pour autant, la forme et la tonalité du poème détournent la peinture de cette passion de la gravité et du pathétique. Comme l’a souligné Attilio Bettinzoli, la Sylva in scabiem est un lusus, un jeu littéraire qui frise la farce et le fantastique. 51 Politien compose une parodie d’épopée à l’imitation de la Batrachomachie que les humanistes du Quattrocento attribuaient à Homère ou du Culex qu’ils croyaient de Virgile. 52 L’humour et l’autodérision sont sensibles dans cette description complaisante des symptômes de la maladie : 48 Politien, In Persium (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985, 6. 49 Jérôme Fracastor, De sympathia et antipathia rerum (éd. C. Pennuto), 2008, 142 et Leroux 2010. 50 Orvieto, in: Ange Politien, Sylva in scabiem (éd. P. Orvieto), 1989, 38-46. 51 Bettinzoli 1995, 59-61. 52 Orvieto 2009, 215. <?page no="85"?> La dérision du corps 75 Cor salit, ardentes strident sub pectore fibrae, Aret hiulca sitis, putridum uesana cruorem Est rabies, siccoque in gutture febris hanelat Exesas depasta genas, suffectaque tabo 15 Gliscit laxa cutis ; rubor igneus excitat orbes Sanguineos, fugiunt oculi, squalentia pallor Ora uorat, titubant gressus, genua aegra fatiscunt Ossaque, me miserum, uix summam tabida pellem Informant. Pro saeue dolor metuendaque pestis, 20 Pro facies infanda mali ! maculosa cruentis Horrent membra notis ; humeros, colla, ora, lacertos, Pectus, terga, latus, clunes, uentrem, inguina, suras Occupat una lues ; totum est in uulnere corpus, Corpore de toto sanies fluit albida, crassus 25 Stillat ubique cruor : requies non ulla laborum. 53 Le cœur tressaute, les fibres brûlantes grésillent sous la poitrine, La soif aride a la bouche béante, une rage insensée ronge Le sang putride, dans la gorge asséchée la fièvre halète Après avoir mangé mes joues creusées, remplie de pus La peau distendue gonfle ; une rougeur de feu injecte les orbes De sang, les yeux vacillent, la pâleur dévore Le visage souillé, les pas titubent, les genoux faibles flageolent Et les os corrompus, pauvre de moi, ont peine à donner forme À la surface de la peau. Ô douleur cruelle et fléau redoutable, Ô mal indescriptible ! les membres sont maculés de marques Sanglantes ; les épaules, le cou, le visage, les bras, La poitrine, le dos, les flancs, les fesses, le ventre, l’aine, les jambes Sont gagnés en même temps par la maladie ; tout le corps est une blessure, De tout le corps s’écoule une sanie blanche, un sang Épais goutte partout : il n’est pas de répit à ces souffrances. Mieux, le mal que peint Politien n’est pas sans rappeler les descriptions antiques du mécanisme du rire. Cicéron, dans le De oratore, analyse l’éclat de rire comme un mouvement qui se communique en même temps aux flancs, à la bouche, aux veines, aux yeux et au visage. Il renvoie cependant pour en mieux comprendre le fonctionnement à l’expérience de Démocrite, qui l’a vu de ses yeux : Atque illud primum - quid sit ipse risus, quo pacto concitetur, ubi sit, quo modo existat atque ita repente erumpat, ut eum cupientes tenere nequeamus, et quo modo simul latera, os, uenas, oculos, uoltum occupet -, uiderit Democritus. 54 53 Politien, Sylva in scabiem, 12-20 (éd. P. Orvieto), 1989, 70-72. 54 Cicéron, De orat. 2, 235 (éd. E. Courbaud), 1966, 104. <?page no="86"?> 76 Émilie Séris Et d’abord ceci - ce qu’est le rire lui-même, comment il est suscité, où il siège, comment il surgit et éclate ainsi soudain au point que nous ne pouvons malgré nous le contenir et comment il s’empare simultanément des flancs, de la bouche, des veines, des yeux et du visage -, il se peut bien que Démocrite l’ait vu. C’est du reste à ce passage que se réfèrent la plupart des traités sur le rire au XVI e siècle. 55 On constate d’autre part que dans la Sylua in scabiem la maladie du poète naît d’un ébranlement du cœur qui gagne ensuite le visage et tout le reste du corps. L’anatomie du rire chez Laurent Joubert ou Ambroise Paré présente plus d’une analogie avec la description de Politien : le rire naît d’une dilatation du cœur, qui secoue la poitrine et émeut le visage. 56 La bouche s’élargit, les yeux brillent et pleurent, les joues rougissent, les veines du cou s’enflent, les bras tremblent, les jambes trépignent, le ventre s’effondre en provoquant de vives douleurs. Le fou rire a pour effet une perte de liquides - sueur, larmes, bave… - qui s’échappent par tous les orifices du corps comme d’autant de blessures. 57 Le rire, quand il est porté à l’excès et ne peut plus être arrêté, conduit à l’évanouissement, voire à la mort. Il est d’autant plus tentant de rapprocher la scabies de Politien du rire de Démocrite que le poète compare lui-même son mal au rire sardonien : Quin etiam ad numeros (pro scaeuum et grande doloris Ingenium ! ), ad numeros iuuat asprum auellere corpus Et spoliare artus penitusque immergere uenis Crudeles digitos : tum dirum murmur et atrox 65 Prosequitur fremor, ac rabie confusa uoluptas Concordem digitis gemitum laniantibus effert ; Tum laxas nares, tum dentem dente uideres Attritum exacui pressasque infrendere malas Suspendique genas ac nasum cogere rugas 70 Liuentem et totam demitti in lumina frontem, Sardonioque putes risu deducere rictum. 58 Bien pire, en rythme (ô malheur ! ô monstrueux Génie de la douleur) en rythme elle déchire avec joie le corps râpeux, Écorche les membres et enfonce ses doigts cruels Au fond des veines : alors, s’ensuivent un grondement terrible Et un atroce tremblement, et le plaisir mêlé à la rage Pousse un gémissement en accord avec les doigts qui lacèrent ; Alors on peut voir les narines dilatées, les dents frottées aux dents S’aiguiser, les mâchoires acérées grincer, 55 Laurent Joubert 1973, 11-12. 56 Ambroise Paré 1976, t. I, 91-92. 57 Laurent Joubert 1973, 42 : « on sue, on pisse, on fiante à force de rire, et quelquefois on en évanouit ». 58 Politien, Sylva in scabiem 62-72 (éd. P. Orvieto), 1989, 76. <?page no="87"?> La dérision du corps 77 Les joues remonter, le nez bleu se creuser de rides Et tout le front retomber sur les yeux, Et l’on peut penser que le rictus s’étire sous le rire sardonien. » Le rire sardonien est étymologiquement un mal qui sévissait en Sardaigne où poussait une herbe vénéneuse, la Sardoa, dont l’ingestion provoquait des crises foudroyantes qui convulsaient le corps et déformaient le visage, laissant sur les traits du mort un rictus effroyable. 59 Erasme lui a consacré un adage intitulé Risus sardonius : de risu ficto aut amarulentum aut insano denique. 60 Il explore les sources littéraires de cette affection d’Homère à Dioscoride en passant par Tite-Live, Pline ou Strabon 61 et il la met en relation avec les mœurs barbares d’une île où l’on pratiquait les sacrifices humains et où les victimes mouraient en riant pour se donner du courage. 62 De même, chez Laurent Joubert, le rire sardonien est un faux rire, « menteur, simulé et traître, plein d’amertume » ; 63 c’est un rire de folie, d’arrogance, d’injure ou de moquerie. Dans un chapitre consacré au « ris malsain et bâtard », 64 il associe le rire sardonien au « spasme cynique ou Ris de chien » et, s’appuyant sur Galien et Paul d’Egine, il décrit les convulsions et la grimace qu’il imprime au patient : les esprits et les vapeurs de sang remplissent les muscles et les étirent, si bien que les joues sont relevées, les maxillaires tendus, le menton élargi et la bouche tordue exactement comme chez les rieurs. Frank Lestringant a montré qu’à la Renaissance le rire sardonien est plus particulièrement le rire du « Démocrite voyageur », un mal qui affecte celui à qui les institutions et les mœurs d’un pays demeurent étrangers. 65 Le rire sardonique est un rire qui sépare, qui révèle la distance du rieur à l’égard de la société qu’il observe ; c’est un rire qui dissèque son objet et qui finit par disloquer le rieur lui-même. Et si la maladie qui secouait le poète Politien, le rongeait jusqu’au sang, le grattait à en mourir et lui faisait perdre la tête n’était autre que le fou rire, le rire sardonique qui poussait le philosophe Démocrite à ouvrir le corps des bêtes pour trouver le siège de sa propre folie et en extirper la colère. La scabies serait bien alors une manifestation de la mélancolie, non pas la tristesse muette de Solon ou les larmes d’Héraclite, mais plutôt l’hilarité féroce et utile de celui qui se connaît lui-même. Car si aucune drogue ne peut venir à bout de cette maladie, le rire est à lui-même son propre remède. Politien développe dans toute la sylve la métaphore médicale : il commence par affirmer qu’aucun médecin par son art, qu’aucun dieu par ses pouvoirs ne saurait le guérir 59 Lestringant 2003, 195-217. 60 Erasme, Les Adages, 2041 (éd. J.C. Saladin), 2011, vol. 3, 202-208. 61 Pline, Hist. nat. 25, 109 ; Tite Live, Ab urbe condita 2, 17 ; Strabon, Géographie 11 et Dioscoride 2, 175, 1. 62 Gorris Camos 2003, 157-159. 63 Laurent Joubert, 2, 7, 1973, 213-215. 64 Ibidem, 2, 3, 1973, 175-183. Voir aussi, Ambroise Paré 1976, t. II, 183 et t. III, 843. 65 Lestringant 2003, 196. <?page no="88"?> 78 Émilie Séris d’une telle affection (Sylva in Scabiem, 27-52) et il termine en suppliant Laurent de Médicis de ne plus lui refuser ses faveurs qui sont le seul allègement de ses souffrances (Sylva in Scabiem, 292-295). Au delà de la visée encomiastique immédiate du poème, on peut reconnaître dans ce topos la conception du rire comme pharmakon. Dans la République (3, 408 e), Platon avait dit que le médecin guérissait le corps par l’âme et Marsile Ficin avait redonné vie à la métaphore du philosophe médecin. 66 L’idée aristotélicienne d’eutrapélia accordait aussi au divertissement et au délassement des vertus positives (Ethique à Nicomaque, 4, 10 et 10, 6) et attribuait à certains hommes la faculté de montrer aux autres les ridicula de ce monde (Rhétorique I, 1371 b-1372a). 67 Politien emploie le même lexique médical que dans la Sylva in scabiem dans la Praelectio in Persium pour parler des maladies de l’âme et attribuer aux auteurs de satires et de comédies le pouvoir de guérir les passions : Quapropter, ut medici saepe eiusmodi corporis partibus ferrum adhibent aut cauterium, quo scilicet uires ipsarum uel consopitae excitentur, uel fugatae reuocentur, ita nos profecto his potissimum hominibus nostros curandos animos tradere debemus, qui labem pestemque illorum omnem cunctaque perturbationum semina ceu ferro et flammis radicitus extirpant, quales scilicet ei potissimum poetae censentur, qui aut Romanam hanc satyram, aut Atheniensem illam ueterem comoediam scriptitarunt. 68 C’est pourquoi, de même que les médecins appliquent souvent aux parties de ce genre de corps le fer ou le cautère, pour que les forces de celles-ci soient excitées quand elles sont endormies ou rappelées quand elles ont fui, de même nous devons absolument donner à ces hommes principalement nos âmes à soigner, eux qui extirpent à la racine toute souillure, toute peste et tout germe de troubles par le fer et les flammes, tels qu’assurément l’on considérait principalement les poètes qui écrivaient cette satyre romaine ou l’ancienne comédie athénienne. Les poètes satiriques et comiques ont précisément pour vocation de soigner les âmes en les débarrassant des souillures (labes) et des fléaux (pestes) qui les affectent et le rire qu’ils pratiquent, pour corrosif qu’il puisse être, assainit les blessures comme le fer ou les flammes. Or, Pline, lorsqu’il parle au livre 25 de la plante sardonienne qu’il nomme ranunculus ou batrachion, lui accorde des propriétés caustiques qui en font un remède efficace contre la lèpre, la gale et pour effacer les marques laissées par ces maladies sur la peau : Omnibus uis caustica, si cruda folia inponantur, pusulasque ut ignis faciunt. Ideo ad lepras et psoras iis utuntur et ad tollenda stigmata, causticisque omnibus miscent. 66 Ménager 1995, 72. 67 Ibidem, 96 et Ordine 2009, 10-11. 68 Politien, In Persium (éd. L. Cesarini Martinelli), 1985, 4. <?page no="89"?> La dérision du corps 79 Toutes ont des propriétés caustiques, si on applique les feuilles crues, et elles font naître des ampoules comme le feu ; aussi s’en sert-on pour la lèpre, la gale et pour effacer toutes les marques sur la peau. 69 Chez Politien, le rire sardonique est salutaire : ce n’est pas encore, comme cela le deviendra chez Erasme, un signe d’impiété. Le médecin Laurent Joubert confirme la thèse de Politien en consacrant un chapitre entier au pouvoir de guérison du rire : « Quel bien apporte le Ris, et si quelque malade peut guérir à force de rire ». 70 Il y donne de nombreux exemples de guérison par le rire qu’il emprunte notamment à Hippocrate. On sait aussi, grâce à Nuccio Ordine, l’importance qu’a eu cette conception du rire thérapeutique pour la théorie de la nouvelle, qui s’est élaborée à la Renaissance : la facétie et la nouvelle étaient écrites et lues comme des remèdes contre la Mélancolie. 71 La dérision du corps est dans la poésie de Politien à la fois enquête, dissection et chirurgie. Le rire est le symptôme et le remède de la mélancolie. Il a partie liée avec ce que le corps a de plus trouble - maladie, désir immodéré, douleur, folie et mort -, mais il met aussi sur la voie de la connaissance et de la sagesse par le biais de l’observation, de l’étonnement, de la réflexion, de la distinction. Politien a sûrement contribué à la théorie humaniste du rire en proposant une synthèse des textes fondateurs sur le comique, de Platon à Quintilien, qui élargissait la doctrine cicéronienne des ridicula et préparait l’esthétique et l’éthique du risible théorisées au siècle suivant par Vincenzo Maggi et Francesco Robortello et développées avec tant de bonheur par la nouvelle. Il a aussi, et c’est probablement son aspect le plus original, approfondi dans sa poésie, nourrie de lectures médicales, les descriptions et les explications anatomiques du rire. Enfin, il parvient à susciter dans ses compositions une variété de rires nuancés : dans l’invective 50 « In Mabilium », il joue contre une personne identifiée d’un comique inoffensif, qui confinerait à la bouffonnerie sans la richesse de l’élocution et la pertinence des traits ; dans l’Ode In Anum, il pratique une verve érotique et cruelle contre un type de personnage jugé sans défense ; dans la Sylva in scabiem enfin, il se rit de lui-même avec complaisance pour mieux guérir les autres. 69 Pline, Hist. nat. 25, 109 (éd. et trad. J. André), 1974, 89. 70 Laurent Joubert, 3, 14, 1973, 330-336. Voir aussi Ambroise Paré 1976, t. I, 103-104. 71 Ordine 2009, 44-57. <?page no="90"?> 80 Émilie Séris Bibliographie Editions et traductions Sources antiques Aristote: La poétique, éd. et trad. R. Dupont-Roc et J. Lallot, Paris 1980. Cicéron: De oratore, éd. et trad. E. Courbaud, Paris 1966 ; Pro Caelio, éd. et trad. J. Cousin, Paris 1962. Hippocrate: Sur le rire et la folie, trad. Y. 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Seit der Entdeckung des Gedichts durch Paul Oskar Kristeller und der mustergültigen Erstpublikation von Alessandro Perosa im Jahr 1954 sind die Interpretationen, jeweils von der Deutung der Krankheit ausgehend, in zwei unterschiedliche Richtungen geführt worden. Giorgio Del Guerra, Professor für Geschichte der Medizin in Genua, hat (mit Berufung auf Juliana Hill Cotton 1 ) 1960 in seiner Reihe Scientia veterum das Krankheitsbild als die Syphilis identifiziert, die auch Polizianos frühen Tod 1494 erklären sollte. Sein wichtigstes Argument dabei war, dass die Schwere der geschilderten Symptome die üblichen Symptome der scabies (Krätze) bei weitem überschreitet. Vor allem aber hat Del Guerra für seine Syphilis-Diagnose die zeitgenössischen oder zeitnahen Zeugnisse dafür zusammengetragen, dass Poliziano vor seinem Tod 1494 in ein Fieber verfallen sei, das eine erschreckende geistige Verwirrung hervorgerufen habe. Dass seine Deutung so entschieden von der philologischen Poliziano-Forschung zurückgewiesen wurde, 2 liegt an zwei methodischen Problemen: Del Guerra wollte erstens mit dem Syphilis-Befund auch die Sylva in scabiem zum Spätwerk umdatieren und ging sogar so weit, dass er behauptete, sie sei an den v e r s t o r b e n e n Lorenzo († 1492) gerichtet. Zweitens mögen zwar die geschilderten Symptome der Hautkrankheit zur Syphilis passen, 1 Cotton 1954, 96-105. Vgl. dazu auch Cotton 1963, 68, Anm. 3, wo sie Perosas Datierung (mit einem wenig überzeugenden Argument) widerspricht: “the subject is too grim to be considered a youthful pastime”. 2 Mit Bezug auf die Rezension von Giovanni Del Ponte, Rassegna della Letteratura italiana 7, 1964, 479-480; dazu De Robertis 1967, bes. 139-140. <?page no="94"?> 84 Claudia Wiener aber zugleich darf die literarische Faktur des Werks nicht übergangen werden: Schon die wörtlichen Parallelen zum Hercules Oetaeus und zu den Pestschilderungen der antiken Literatur lassen fragen: Wie ist das Verhältnis von Intertextualität zur Authentizität eines klinischen Krankheitsbildes? Oder provozierender gefragt: Hatte also der pseudo-senecanische Hercules auf dem Oeta auch schon Syphilis? Dass Poliziano die Klage über seine Krankheit nicht nur auf der Ebene des Literalsinns verstanden wissen wollte, wird durch den Schlussteil der Sylva signalisiert, in dem Lorenzo de’ Medici als medicus angerufen wird, der dem kranken Dichter die verlorene Kraft der Dichtkunst wiedergeben soll. Dass Lorenzo nicht die m e d i z i n i s c h e n Fähigkeiten hatte, einen Syphilitiker zu heilen 3 , war auch schon Del Guerra klar. Für ihn ist daher die Bitte an Lorenzo im übertragenen Sinn zu verstehen und an den 1492 verstorbenen Patron gerichtet: an den vorangegangenen Fürbitter im Jenseits? Mehr Akzeptanz hat die Deutung gefunden, dass das Sprachspiel mit Lorenzos Gentilnamen ihn symbolisch zum medicus macht, d.h. dass er für Polizianos gesellschaftliche Stellung in Florenz heilsam wirken soll. Alessandro Perosas Studie 4 hat bereits die Grundlage für die Datierung in die 70er Jahre mit den Bezugnahmen auf zeitgenössische Gegebenheiten gelegt: Es sind zum einen historische Ereignisse: die Einnahme von Volterra 1472 (Sylv. 328-330), der Friedensschluss zwischen Florenz, Mailand und Venedig 1474 (Sylv. 299- 300) und die Reform des Studio di Pisa 5 vom 19. Dezember 1474 (Sylv. 326- 327). Zum zweiten erinnert Poliziano an seine vorausgegangenen Leistungen als Dichter (Sylv. 245-261); dabei sind nur die Werke der Frühzeit genannt: Mit Referenz auf Vergil und Statius 6 (ille ego qui quondam) beginnt er an seine Leistung als Übersetzer der Ilias ins Lateinische (Sylv. 245-248) und als Dichter der Stanzen zu erinnern, die das Turnier mit dem Sieg des Giuliano de’ Medici bei der Feier des Dreibundes mit Mailand und Venedig 1474 als Triumph Cupidos überhöhen (Sylv. 248-261). 7 Weil Giuliano in der congiura dei Pazzi 1478 ums Leben kam, was in dieser Dichtung nicht erwähnt wird, möchte Alessandro Perosa mit guten Gründen dieses Ereignis als terminus ante quem verstehen. Wenn die Krankheit symbolisch zu deuten ist, dann reizt es umso mehr, einen biographischen Schlüssel für die Deutung zu finden: Der Italianist Paolo Orvieto hat in einem Essay von 1988 und in seiner kommentierten Ausgabe der Sylva in scabiem von 1989 erfolgreich die Deutung vertreten, dass die 3 Orvieto 1988, 205-206. 4 Perosa 1954; Orvieto 1988, 199-200. 5 Petralia 1996, 956; zu Lorenzos und Polizianos Beziehungen zu dem maßgeblichen Juristen in Pisa, Bartolomeo Sozzini, vgl. Bargagli 1996. 6 Carrai 1988, 276-277. 7 Tewes 2011, 262-263. <?page no="95"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 85 geschilderten körperlichen Symptome als Ausdruck der Psyche des Dichters zu lesen seien, die an ira leide. Orvieto baut dabei seine Deutung auf Mario Martellis Interpretation des 29. Epigramms an Lorenzo auf, 8 in dem der Medici-Mäzen das Ich des Gedichts vor zwei Löwen rettet. Martelli weist dafür eine (stoische) Allegoresetradition in Florenz nach, welche die einzelnen Taten des Herakles als Siege über bestimmte Affekte deutet: Die Löwen sind demnach als Siege über ira / iracundia zu deuten. Zweifellos sind für den Florentiner Neuplatonismus solche Allegoresemethoden typisch. Mit dem Similienapparat seiner Ausgabe verfolgt Orvieto daher vor allem den Zweck, diese allegorische Deutungstradition auch für die Sylva in scabiem zu belegen; dementsprechend wird für jeden Ausdruck, den Poliziano für körperliche Symptome verwendet, eine übertragene Bedeutung für psychische Vorgänge in antiker oder späterer Tradition nachgewiesen. Polizianos Formulierungen, die auf antike Referenztexte über Furien und furor-Phänomene in der Epik (besonders bei Lucan und in Statius’ Thebais) und Tragödie (Seneca, Hercules furens) zurückzuführen sind, scheinen zunächst Orvietos Deutungsansatz zu unterstützen. Auch Cicero und Seneca betonen in ihren philosophischen Schriften die Analogie von körperlichen und geistigen Erkrankungen; Seneca setzt gerade in De ira zur Beschreibung psychischer Phänomene nur zu gern diese Analogie zu körperlichen Krankheitssymptomen ein. Hélène Casanova Robin weist in diesem Band 9 die Allegorese-Tradition für scabies nach; mir scheint dabei wichtig, dass scabies hier für cupiditas als Kategorie der stoischen Affektensystematik 10 zu verstehen ist, nicht eingeschränkt auf ira, die eine Unterkategorie der cupiditas nach der stoischen Definition darstellt: cupiditas ulciscendae iniuriae. 11 Orvietos Reduzierung auf den Affekt ira allein scheint mir für das Verständnis der Sylva in scabiem aus zwei Gründen problematisch: Er übergeht dabei zum einen die Unterschiede, die zwischen dem Bild der Löwen im 29. Epigramm und dem Bild des Ungeziefers bestehen, das die scabies verursacht. Der Nemeische Löwe mag zwar für ira / iracundia stehen, aber auf ihn nimmt Poliziano in diesem Gedicht keinen Bezug, nicht einmal in ei- 8 Martelli 1980, 270-281. Das Epigramm hat tatsächlich eine ganz ähnliche Gestik wie die Sylva in scabiem, wird doch Lorenzo als Retter des Dichters in Lebensgefahr angerufen: Laurentio Medici maecenati suo: Sum tuus, o Medices: fateor, tuque ipse fateris; / Sum tuus usque: tui sit tibi cura, precor. / Heu, pereo! heu, lacerant gemini mea corda leones! / Eripe me a rabidis, spes mea sola, feris (zitiert nach Martelli 1980, 270). Auch die Allegorese-Tradition der Taten des Herakles bei Coluccio Salutati ist sicher ein wichtiger Hinweis, der auch für die Deutung der Sylva in scabiem nicht übergangen werden darf. 9 S. 29-45. 10 Empfehlenswert dazu ist der Beitrag von Halbig 2004, 30-68. 11 Sen. dial. 3, 2, 3 b (=Lact. ira 17, 13); dort auch die Definition des Poseidonios: cupiditas puniendi eius a quo te inique putes laesum. <?page no="96"?> 86 Claudia Wiener nem der Gleichnisse. Andere Untiere und Gegner, die von Hercules überwunden wurden, wird man in der Allegorese-Tradition durch andere Affekte oder Herausforderungen für die virtus deuten müssen. Die pseudosenecanische Hercules-Oetaeus-Tragödie, auf die Poliziano deutlich rekurriert, aber auch der Hercules furens, den Orvieto zusätzlich einbezogen wissen will, haben entweder gar nicht oder nicht schwerpunktmäßig den Affekt ira und seine Überwindung zum Thema. Zum anderen erklärt Orvieto nicht, wie das Verhalten des Leidenden in der Sylva mit dem Verhalten von Zornigen bei Seneca (und anderen antiken Autoren zur Zorn-Therapie) übereinstimmt bzw. eben nicht übereinstimmt. Die Entstehung des Affekts ira ist in der antiken Affektentheorie immer als eine (willentliche) Reaktion auf einen Auslöser erklärt: als der Wunsch, Rache auszuüben für eine Herabsetzung, die man erlitten zu haben meint. In dieser Sylva verhält sich der Betroffene nicht wie ein Zorniger, den wir in Senecas Affekt-Tragödien erleben; es fehlt schon ein Hinweis auf ein Rachebedürfnis, das als Ausgangspunkt der Verletzung wenigstens bildlich formuliert sein müsste. Die Reflexion über den eigenen Zustand und das daraus resultierende Verhalten entspricht nicht so sehr einem Rachebedürfnis als vielmehr einem Selbstschutz; und die Erkenntnis der eigenen Hilflosigkeit lässt den Betroffenen um Hilfe von außen bitten. Vertiefen wir den Vergleich des Leidenden der Sylva mit der stoischen Auffassung von Zorn bei Seneca. Dass Poliziano Senecas Darstellung der stoischen und der peripatetischen Auffassung von Zorn in De ira sehr gut gekannt hat, zeigt sich in seinem Essay Quod ira in pueris optimae saepe indolis est argumentum, 12 der an Lorenzo de’ Medici gerichtet ist und thematisch gerade in die Zeit von Polizianos Erzieheramt passt. Poliziano rekurriert wörtlich auf Senecas Darstellung, allerdings in Abweichung von der Stoa: Ohne damit ira bei Erwachsenen verteidigen zu wollen, wie er betont, sieht Poliziano doch in der natürlichen Regung bei K i n d e r n den Zorn als Ausweis eines edlen Charakters an. Damit schließt er sich gerade der Argumentation an, die Seneca als peripatetische Metriopathie kennzeichnet und gegen die der Stoiker in seinen drei Büchern De ira so intensiv argumentiert. Zorn ist in der stoischen (und übrigens auch in der peripatetischen) 13 Tradition definiert als die Begierde, erlittenes Unrecht - vor allem im Sinne einer Beleidigung oder sozialen Herabsetzung - zu bestrafen. Ohne diese Definition als Ausgangspunkt würde Senecas Aggressionstherapie nicht funktionieren. Denn die Therapie redet dem Patienten aus, dass er Unrecht erlitten hat. Was „Unrecht“ ist, muss man in dieser Therapie erst einmal einzuschätzen lernen: Mit Hilfe der stoischen Güterlehre wird man angeleitet, richtig zu bewerten, was ein „Unrecht“ ist und was nur eine Belästigung (incommodum) ist. 12 1553, 474 477. 13 Seneca zitiert die Definition des Aristoteles in De ira (dial. 3, 3, 3). <?page no="97"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 87 Man lernt, dass man als moralisch integrer Mensch überhaupt von einem anderen Menschen gar nicht beleidigt werden kann, weil man in seinem Selbstbild nicht einmal durch böswillige Absicht des Gegenüber getroffen oder gar beschädigt werden kann. In der stoischen Therapie wird also das Selbstwertgefühl so weit gesteigert, bis man bei gestärktem Selbstbewusstsein zu dem Urteil gelangen muss, dass der Gegner kein Unrecht zufügen konnte, weil man selbst darüber hoch erhaben ist: Es ist weit unter unserer Würde, einen moralisch schlecht agierenden Gegner überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Wenn wir also kein Unrecht erlitten haben, müssen wir uns auch nicht rächen wollen. In Senecas Affekt-Tragödien werden daher die Reflexion über das erlittene Unrecht und der Entschluss zur Rache ausführlich inszeniert. In Polizianos Gedicht haben wir zwar eine ausführliche Reflexion über den qualvollen Zustand selbst, doch ist für den Leser dieser allegorischen Darstellung nicht zu entschlüsseln, worin die erlittene iniuria besteht und wer der schädigende Gegner ist. Der Anlass des Zorns wird nicht benannt, die Verursacher sind eine anonyme Masse an Peinigern. Der Leidende kann sich nur unzureichend rächen: Er zerfleischt sich in Verzweiflung selbst, um die Verursacher des Leidens loszuwerden. Ist das Rache? Bei Seneca wird zwar die Tendenz zur Selbstdestruktion beim Zornigen betont: Wenn der Zornige nur sein Ziel erreicht, nämlich den Gegner, an dem er sich rächen will, mit ins Verderben zu ziehen, nimmt er sogar die Selbstzerstörung in Kauf (dial. 3, 1, 2 und 3, 19, 1-4). Aber trifft das auf den Leidenden in der Sylva zu? Natürlich will der Gepeinigte das Ungeziefer entfernen, selbst unter Zerstörung der eigenen Haut. Aber er will sich letztlich damit doch selbst schützen und sein Leiden beenden. Darum ruft er um Hilfe, was ein rachebegieriger Zorniger bei Seneca nicht tut. Nehmen wir als Beispiel die von ira zur Rache getriebenen Verbrecher in Senecas Tragödien: Sie sind a l l e i n , können niemanden zu Hilfe rufen, weil sie sich von allen, auch den Göttern, verlassen fühlen. Atreus erhöht sich selbst zum Rachegott; Medeas Enttäuschung, dass die Sonne aufgeht und ihr Ahnherr Helios also zusehen kann, welches Unrecht ihr angetan wird, treibt sie in ihrem Eingangsmonolog dazu, selbst die Rache ins Werk zu setzen. Nun könnte man sagen, dass Poliziano eben nicht die stoische ira-Auffassung vertreten hat; aber Orvietos Sammlung an Belegstellen für die allegorische Interpretation der Krankheit als ira-Anfall stammen zum größten Teil eben aus diesem Bereich. Allerdings weitet er diese Sammlung auch aus, etwa indem er (eher unvermittelt) u.a. die Nähe von Zorn zu Melancholia (atra bilis) in späteren Theorien betont. 14 Die Hercules-Allegorese mit der ira-Interpretation zu verbinden, scheint mir noch problematischer. Bei den Seneca-Dramen kann man zwischen Affekt-Dramen und Fatum-Dramen, zu denen die Hercules-Dramen des Corpus Senecanum gehören, deutlich unterscheiden. Der 14 Orvieto 1988, 238. <?page no="98"?> 88 Claudia Wiener furor des Hercules in Senecas Hercules furens ist kein Anfall von ira im stoischen Sinn, sondern ein von der Göttin Juno (als Allegorie der Fortuna) veranlasster Wahnsinnsanfall: Nicht den furor, wohl aber die anschließende Verzweiflung über die Konsequenzen des furor-Anfalls als Schicksalsschlag zu überwinden, ist die herkulische Aufgabe in diesem Stück. Die unmenschlichen Leiden des Hercules Oetaeus dagegen sind p h y s i s c h e r Natur und kein Affekt, auch wenn sie durch einen vermeintlichen Liebeszauber verursacht sind. Auch diese Aufgabe ist ein Kampf gegen das vom Schicksal auferlegte Leid. Eine erste Konsequenz aus den Problemen, die eine Konzentration der Allegorese auf den Affekt ira aufwirft, ist für mich, dass man ein wesentlich weiteres Verständnis dieser Leiden in der Sylva annehmen sollte: Wenn man bei der moralphilosophischen Allegorese bleiben will, muss man wohl ein ganzes Spektrum von Leidenschaften ansetzen. Das ist deswegen so wichtig, weil mit der Identifikation des Affekts als ira auch der konkrete Anlass zum Z o r n in Polizianos Biographie ausgemacht wurde. Für Paolo Orvieto ist es der Entzug der lukrativen Pfründe, die Prioria von San Paolo, durch Giovanni Tornabuoni im Jahr 1477, ohne dass Lorenzo es verhindert hätte. 15 Tobias Leuker geht in diese Richtung sogar noch weiter, ohne sich um Datierungsprobleme zu kümmern. 16 Er bezieht den Zorn auf den Bruch mit Lorenzo, auf den man aus Polizianos Abwesenheit von Florenz im Jahr 1479 schließen möchte. Ursache könnte der Konflikt mit Clarice Orsini gewesen sein, der in der Frage der Erziehungsmethode des Sohnes Piero eskalierte, als dessen Lehrer Poliziano von Lorenzo eingestellt worden war. Ist die Sylva also seine Bitte um Versöhnung? Auch Matthew McGowan nimmt das freiwillige „Exil“ Polizianos als biographischen Hintergrund an, indem er intertextuelle Bezüge zu Ovids Exildichtungen nachweisen will. 17 Wieder sind wir bei derselben Frage: Wie wird der Anlass und Auslöser dieses Zorns in der Sylva in scabiem geschildert? Nehmen wir einmal an, Poliziano wollte einen dieser Konflikte mit Lorenzos Umfeld in der Sylva zum Ausdruck bringen und sagen, wie sehr er unter dieser Situation leidet: Konnte er es dann wagen, seine Feinde (ob nun Giovanni Tornabuoni oder Lorenzos Gemahlin Clarice) als Ungeziefer zu schildern, das ihn subkutan quälte? Konnte er tatsächlich zum Ausdruck bringen, dass die Sticheleien und Verleumdungen seiner Gegner so wirkten? Wollte er sagen, dass die Gegner zahllos, aber ungreifbar klein seien, so dass Poliziano sich nicht wehren konnte? Eine solche Bildlogik ist erstens bei beiden angeblichen Anlässen schwer zu erklären. Sie ist vor allem dann kontraproduktiv, wenn mit der Allegorese 15 Orvieto 1988, 240-242. 16 Leuker 1997, 96-133, zur Datierungsfrage bes. 107-112. 17 McGowan 2005, 33-36. <?page no="99"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 89 auch ein Versöhnungsangebot intendiert sein sollte. Zweitens wäre damit nicht mehr der Affekt ira zum Ausdruck gebracht, sondern vor allem das Leiden des Opfers unter den Angriffen (den Verleumdungen? ) und der sozialen Isolation. Und zu der Stilisierung als Leidender würde die Hercules-Allegorese recht gut passen. Die Methode der Allegorese sollte nicht nur punktuell oder abschnittsweise, sondern für das ganze Gedicht Geltung haben. Es scheint mir deshalb wichtig, das Gedicht im Zusammenhang zu lesen. Eine Aufbauskizze soll einen Überblick über den gedanklichen Verlauf geben: I. Erste Symptome und Verlauf der Krankheit 1-11 Panische Fragen des Betroffenen schildern die gefühlten Symptome: Erklärungsversuch mit Furien und brandverursachenden Giften der Unterwelt 12-26 Umfassende Wirkung des Brandes auf alle Körperteile: totum est in vulnere corpus 27-39 Keine Heilmittel helfen; keine ärztliche Kunst hilft. 40-44 Unablässige Qual bei Tag und Nacht: Schlaflosigkeit 45-51 Verkehrung der Wahrnehmung: Selbst süßeste Getränke schmecken bitter. 52-78 Reaktionen des Gepeinigten: Selbstdestruktion, um die Pein zu beenden. 52-72 Rhythmisches Abkratzen der eigenen Haut; Stöhnen, Grimassieren, Beißen 73-78 episches Gleichnis: Molosserhund, der in der Augusthitze Ungeziefer abwehrt. 79-117 Neubeginn der Qualen: Blutgefüllte Pusteln/ Blasen entstehen aus den Narben. 79-89 Das scheinbare Ende des Schmerzes ist nur der Neubeginn. 90-96 episches Gleichnis: Wiedergeburt des Phoenix 97-103 Platzen der Pusteln: Blutige Flecken auf den Kleidern 104-109 Reaktion des Gepeinigten: Steigerung zum Schreien, Keuchen und Davonrennen 110-117 episches Gleichnis: Rasen der Bacchantin II. Eigenschaften der Verursacher 118-136 Biss eines Ungeziefers (pellegena): Kleinheit (und Zahl) des Schädlings 128-136 Vergleich mit Zahl der Staubpartikeln im Sonnenlicht oder der Atome Demokrits; die Kleinheit des Gegners steht in indirekter Proportionalität zur Größe der Wirkung 137-154 Kontrast zu Giftschlangen mit schneller und tödlicher Wirkung: schleichender Befall des ganzen Körpers beim Stich tief in die Haut <?page no="100"?> 90 Claudia Wiener 155-162 episches Gleichnis: spanischer Goldgräber, der Schächte in die Erde gräbt. 163-168 episches Gleichnis: Stachelschwein und Fuchs, die Schächte für ihre Bauten graben. 169-179 Unsichtbarkeit von außen: Vergleich mit dem Labyrinth des Minos 180-225 Zahl(losigkeit) und Namen des Ungeziefers 180-196 Vergleich mit Mückenschwärmen am Stall, mit Ziegenmelkern, Ameisen zur Erntezeit 197-225 Katalog der Helden des blutsaugenden Ungezieferheeres Zahllosigkeit: Vergleich mit Blättern im Sturm, mit Blüten im Sommer, mit Sandkörnern im Meer III. Das Ich beschreibt seine Leiden: Klage über das grausame Leben 226-239 Todeswunsch angesichts der Qualen: Bitte um den Tod durch Freundeshand 240-244 Verlust der comites, die aus Angst vor Ansteckung fliehen 245-261 Frühere Leistungen als Dichter: Ilias-Übersetzung und Stanze (giostra di Giuliano) 262-291 Jetziger Zustand: Der Dichterlorbeer wird zum Zypressenkranz. Hilflosigkeit der Musen: Eher sind Sturm und Meer, wilde Tiere mit Gesang zu besänftigen. IV. Enkomion auf Lorenzo 292-312 Lorenzo kann Polizianos Prometheus- und Tantalusqualen erleichtern. 313-320 Gleichnis: Neptun als Beschwichtiger des Seesturms 321-347 Bitte um Rückkehr: Wo immer Lorenzo sich gerade aufhält (Enkomion auf außenpolitische Taten und adventus in Florenz), er soll den Kranken besuchen. 348-358 Wenn der allmächtige Gott die Bitten eines Bedrängten hört, kommt er zu Hilfe. Der Aufbau des Gedichts orientiert sich zunächst am Krankheitsverlauf. Nach der Selbstbeobachtung, die von den ersten Symptomen in mehreren Stadien den Verlauf der Krankheit und ihrer physischen Wirkungen schildert (Sylv. 1-117), wird die Ursache ausgemacht (Sylv. 118-225). Der Verursacher des Befalls ist ein in der Haut wohnender Parasit, der sein Wirtstier befällt und schlimmer wütet als alle Schlangen in Lucans Schlangenkatalog im neunten Buch der Pharsalia. Die Natur hat dieses kleine Tier aber viel schädlicher gemacht, weil es nicht wie Schlangengift schnell tötet, sondern zu langsamer Qual verurteilt. Wir erfahren dabei: Der Schmarotzer frisst gerade n i c h t an den lebenswichtigen Stellen der Organe. Poliziano setzt <?page no="101"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 91 nun an, diese kleinen Tiere wie die Frösche und Mäuse in der Batrachomyomachia mit sprechenden Heroennamen wie Menschenfresser, Blutsauger, Fingerbeißer etc. aufzuzählen: Die Tragik der Situation steht in spannungsreichem Kontrast zu diesem Katalog von Mini-Heroen in der Tradition von mock epic. 18 Paolo Orvieto schweigt sich zur Funktion dieses Mittelteils aus. Will man dem Allegorese-Verfahren treu bleiben, müsste man die Parasiten als Polizianos Schädiger bzw. Verleumder deuten. Mit der Einsicht, dass seine Peiniger nur unwürdige Parasiten sind, denen er moralisch überlegen ist, und zwar so, dass er sie parodistisch verspotten kann, hätte sich aber Poliziano mit Hilfe von stoischer Aggressionstherapie selbst vom Affekt erfolgreich geheilt, indem er magnus animus bewiesen hätte. Diese Therapie verfehlt jedoch hier evident ihre Wirkung, denn die soziale Isolation besteht weiter und wird sehr konkret im dritten Teil benannt (Sylv. 226-291). Für einen Stoiker wäre diese Isolation kaum erwähnenswert; denn auch darüber ist er erhaben. Für Poliziano ist die Isolation jedoch Grund zur Verzweiflung! Zwei Folgerungen sind daraus möglich: Entweder müssen wir den Gedanken generell verwerfen, dass Poliziano die Sylva allegorisch im Sinne der stoischen Affektentheorie verstanden wissen wollte, oder wir nehmen an, dass Poliziano demonstrieren wollte, dass zumindest die stoische Haltung letztlich, selbst wenn er sie anwendet, nicht zum Erfolg führen kann. Diese zweite Lösung würde zum Gestus des 29. Epigramms passen; denn hier wie dort ist die Rolle des Hercules von Poliziano nicht so durchgehalten, dass er ohne Hilfe zum Erfolg gelangte; Poliziano bekennt damit, dass er (von welchen Qualen oder Affekten er auch immer heimgesucht wird) kein autarker Stoiker ist, sondern dass er der Hilfe des Schutzherrn Lorenzo bedarf. Es bleibt ihm am Ende also nur der Hilferuf übrig (Sylv. 292-347), der panegyrisch Lorenzo in den Rollen eines Jupiter (nur er könnte Tantalus erlösen, tut es aber nicht) oder Herkules (er darf in Jupiters Auftrag Prometheus erlösen) und eines Neptun imaginiert (der die Wogen nach dem Seesturm glättet). Die Rückkehr dieses übermenschlichen Helfers nach Florenz wird ersehnt. Die enkomiastische Überhöhung des Lorenzo bis zur Göttlichkeit wird durch das Schlussgebet - den traditionellen Abschluss eines Panegyricus - wieder etwas relativiert (Sylv. 348-358). Poliziano sagt dort deutlich, dass es ihm in diesem Gedicht existentiell um seine Anerkennung als Dichter in Florenz geht und dass dies ohne die Hilfe des medicus Lorenzo nicht möglich ist. Wir sollten daher an dieser Stelle die etwas älteren Interpretationen von Emilio Bigi 19 und von Attilio Bettinzoli 20 zur Geltung kommen lassen, die mit Berechtigung auf die extreme Spannung von Artifizialität der Dichtung und 18 Angelo Cerri hat gezeigt, dass die Periphrasen der Namen von Ovids Hundekatalog in der Actaeon-Episode (Ov. met. 3, 206-225) inspiriert sind: Cerri 1977, 533-536. 19 Bigi 1967, 151-163. 20 Bettinzoli 1986, 166-192. <?page no="102"?> 92 Claudia Wiener Hässlichkeit der Thematik und den Hang zur Groteske hingewiesen haben. Bettinzoli hat 1986 das Gedicht als programmatischen Ausdruck des Manierismus gelesen und dabei die W i r k u n g dieser Dichtung durchaus treffend charakterisiert. Die Deutung dieser Dichtung als poetologische Aussage führt zu einem Ergebnis, das eben so viel Anspruch auf Gültigkeit beanspruchen darf wie der Bezug auf das emotionale Befinden des Dichters. Der Deutungsansatz verdient eine Vertiefung, indem wir die Intertextualität als Lenkung von Lesererwartung wahrnehmen, wenn Poliziano beim Leser die Erinnerung an bestimmte literarische Modelle aufruft. Methodisch wichtig ist: Die Intertextualität beruht hier natürlich auch, aber eben nicht ausschließlich auf Einzeltextreferenzen im Sinne bestimmter Signalzitate, sondern vor allem auf Systemreferenzen: 21 Assoziationen, die den Leser an die Struktur bestimmter Textsorten/ Genres erinnern, so dass er mit einem festen in der Textsorte üblichen gedanklichen Verlauf und Ausgang rechnet. Ergänzt man das Aufbauschema um die Werke, die inhaltlich in der Erinnerung des Lesers aufgerufen werden, sieht man, dass in den rahmenden Passagen vor allem der leidende Hercules Oetaeus als Modell dient, dass die Krankheitsschilderung in ihrer Symptomatik den Pestschilderungen angepasst ist und dass der Mittelteil Lukrez und Lucan thematisch verpflichtet ist. Dazu kommen die Gleichnisse, deren prominente Vorbilder bei den antiken Epikern zu finden sind. Gedanklicher Verlauf der Sylva in scabiem Literarische Modelle (in Auswahl) 1-51 Symptome 52-72 Reaktionen des Gepeinigten: Selbstdestruktion, um die Pein zu beenden 73-78 Gleichnis: Molosserhund, der in der Augusthitze Ungeziefer abwehrt. 79-89 Neubeginn der Qualen: Blutgefüllte Pusteln / Blasen entstehen aus den Narben. 90-96 Gleichnis: Wiedergeburt des Phoenix 97-117 Aufplatzen der Pusteln 110-117 Gleichnis: Rasen der Bacchantin Hercules Oetaeus: Ovid met. 9, 161 ff.; Ps.-Sen. Herc. O. 1218-1230; 1249- 1264; 1359 ff. und weitere Tragödienhelden (vgl. Cic. Tusc. 2) Pestschilderungen: Lucr. 6, 1140 ff.; (Verg. georg. 3, 478 ff.); Ov. met. 7, 517 ff.; Sen. Oed. Phoenix: Ov. met. 15, 392 ff.; Claud. carm. min. 27 Bacchantin: u.a. Verg. Aen. 4, 301 ff. 118-127 Biss eines Ungeziefers (pellegena): Kleinheit (und Zahl) des Schädlings 21 Ich beziehe mich mit dem Begriff der Systemreferenz auf Broich / Pfister / Suerbaum 1985, 52 56. <?page no="103"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 93 128-136 Vergleich mit Zahl der Staubpartikeln im Sonnenlicht oder der Atome Demokrits 137-154 Kontrast zu Giftschlangen mit schneller und tödlicher Wirkung: schleichender Befall des ganzen Körpers beim Stich tief in die Haut 155-162 Gleichnis: spanischer Goldgräber, der Schächte in die Erde gräbt. 163-168 Gleichnis: Stachelschwein und Fuchs, die Schächte für ihre Bauten graben. 169-179 Unsichtbarkeit von außen: Vergleich mit dem Labyrinth des Minos 180-196 Zahl(losigkeit): Vergleich mit Mückenschwärmen am Stall, mit Ziegenmelkern, Ameisen zur Erntezeit 197-225 Katalog der Helden des blutsaugenden Ungezieferheeres Zahllosigkeit: Vergleich mit Blättern im Sturm, mit Blüten im Sommer, mit Sandkörnern im Meer Demokrit: Lucr. 5, 650-670 Schlangen: Lucan. 9, 720 ff. Goldgräber: Lucan. 4, 297 f. Stachelschwein: Claud. carm. min. 9 Labyrinth: Verg. Aen. 5, 583 ff. und Aen. 6, 14 ff. (Ziegenmelker: Verg. georg. 3, 177) Fliegen: Hom. Il. 2, 469 ff. Ameisen: Verg. Aen. 4, 402 ff. Batrachomyomachia: (Ov. met. 5, 206 ff.: Katalog der Hunde des Actaeon) 226-239 Todeswunsch: Bitte um den Tod durch Freundeshand 240-244 Verlust der comites, die aus Angst vor Ansteckung fliehen. 245-261 Frühere Leistungen 262-291 Jetziger Zustand: Dichterlorbeer wird zu Zypressenkranz Hercules Oetaeus (Herc. O. 1290 ff.) Herc. O. 1231 ff. und 1345 ff.; Ov. met. 9, 182 ff. Statius, Silvae bes. silv. 2, 1 und 5, 1; 5, 3 292-312 Lorenzo kann Polizianos Prometheus- und Tantalusqualen erleichtern. 313-320 Gleichnis: Neptun als Beschwichtiger des Seesturms 321-347 Bitte um Rückkehr 348-358 Wenn der allmächtige Gott die Bitten eines Bedrängten hört, kommt er zu Hilfe. Hercules Oetaeus Herc. O. 1377-1395 Neptun: Verg. Aen. 1, 124 ff. Poliziano beginnt sein Gedicht mit der Gestik, mit der Statius in den Silvae einen scheinbar expositionslosen Einstieg ins Thema gern gestaltet: Das Erstaunen über ungewöhnliche Wahrnehmungen wird als erstaunte Frage oder empörter Ausruf artikuliert. 22 Das Ich der Sylva in scabiem konfrontiert uns hier überraschend mit der Schilderung des eigenen Krankheitsbefalls. Einem 22 Stat. silv. 1, 1; 1, 2; 2, 5; 4, 3; 5, 4; 5, 5; so auch schon Ovid fast. 5, 545-549, um die Aufmerksamkeit auf die Einweihung des Mars Ultor-Tempels zu lenken. <?page no="104"?> 94 Claudia Wiener Ich-Erzähler, der körperliche Qualen (zumal in dieser Intensität) selbst schildert, finden wir in antiker Literatur selten; eine Ausnahme bildet die Tragödie, so dass Cicero im zweiten Buch der Tusculanae disputationes mit zahlreichen Zitaten aus griechischen Tragödien die im Schmerz lamentierenden Helden als ungeeignete Vorbilder kritisiert hat. 23 Ähnlich wie etwa der ovidische und pseudosenecanische Hercules Oetaeus diagnostiziert Poliziano sein Leiden; Hercules Oetaeus beschreibt, dass seine Haut von dem mit Nessus- Blut getränkten Gewand zerfressen wird; er spürt, dass das Gift mit der peinigenden Wirkung eines Feuerbrands tiefer in seinen Körper eingedrungen ist. Dabei enttäuscht dieses Modell den Leser, wenn er erwartet, dass Poliziano als Stoiker selbst den Schmerz oder das Schicksal überwinden wollte. Ein Ende der Qual erreicht der Dichter im ganzen Gedicht nicht, Linderung kann nur Lorenzo verschaffen: In dessen Anwesenheit würde Poliziano sogar endlose Leiden, wie die Qualen des Prometheus und der Unterweltsbüßer Tantalus und Sisyphus, aushalten (Sylv. 292-312). Erneut ist damit Hercules Oetaeus in Erinnerung gerufen, der im Dialog mit Alcmene von sich behauptet, er würde leichter Prometheus’ Leid und alle denkbaren labores erdulden als diese Qualen (Herc. O. 1377-1395). Im Unterschied zu Hercules erreicht Poliziano durch seine Leiden keine Divinisierung - oder nur, wenn Lorenzo hilft, der damit in eine Jupiter-Rolle gehoben wird. Wir können aus dem Verlauf dieses Gedichts folgern: Poliziano scheitert an dem Anspruch, als ein herkulischer Held sein Leiden (ob nun an Affekten oder an künstlerischen Herausforderungen) selbst zu überwinden: Er inszeniert sich nicht als ein stoischer Intellektueller, der sich selbst helfen kann - er inszeniert sich als einer, der an den stoischen Ansprüchen der Autarkie scheitert. Er betont damit umso deutlicher, dass er auf Lorenzos Hilfe nicht verzichten kann; mit den Parallelen zur Hercules-Gestalt wird letztlich die enkomiastische Funktion des Gedichtes verstärkt, die Lorenzo folgerichtig zu einem Jupiter erhebt. Der Verlauf, den Polizianos Krankheit im Gedicht nimmt, gleicht in vielen Punkten der Klinik der antiken Pestschilderungen bei den lateinischen Dichtern: Modelle sind Lukrez’ Schilderung der Pest in Attika (Lucr. 6, 1140 1286), 23 Denn im Kontext seiner disputatio plädiert Cicero für die stoische Überwindung von Schmerz durch den Willen, um zu zeigen, dass Schmerz das glückliche Leben nicht beeinträchtigen kann. Wenn Athleten und Gladiatoren Schmerz ertragen und überwinden können, müssten Intellektuelle mit Hilfe ihrer ratio mindestens so leistungsfähig sein wie diese körperlich trainierten Menschen, um den Schmerz selbst kontrollieren zu können. Orvieto 1988, 221-222, sieht in den Hercules Oetaeus-Anspielungen und den Tragödien-Zitaten von Ciceros Tusculanae disputationes eine wichtige Bestätigung für eine symbolische Deutung der Hercules-Gestalt durch Poliziano. <?page no="105"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 95 die Pest in Aegina in Ovids Metamorphosen (met. 7, 517-613) und der Pestverlauf in Theben in Senecas Oedipus in Oedipus Eingangsmonolog (Oed. 28 70) und dem ersten Chorlied (Oed. 133 201). Dort finden sich die Symptome der Fieberkranken (von blutunterlaufenen Augen, schmerzhaftem Brand bis zur Schwächung des ganzen Körpers: Lucr. 6, 1145 1250; Ov. met. 7, 554 560; Sen. Oed. 180 189); die Tatsache, dass jegliche ärztliche Hilfe ohne Erfolg bleibt, wird überall hervorgehoben (Lucr. 6, 1179 1181; Ov. met. 7, 525 527; Sen. Oed. 69 70); für die rücksichtslose Suche der Patienten, Linderung der körperlichen Qual mit allen Mitteln zu finden, und für die verzweifelte Todessehnsucht des Erkrankten haben wir u.a. hier Vorbilder. Selbst Details, wie die Entstellung des Gesichts durch die Krankheit, finden sich wörtlich bei Lukrez (6, 1192 1194). Was erwarten wir als Leser also vom Ausgang dieser Krankheit, wenn wir die literarischen Modelle erkannt haben? Wir erwarten einen unaufhaltsam tödlichen Verlauf. Erneut werden wir auch mit diesem literarischen Modell in unserer Erwartung enttäuscht: Denn Polizianos Krankheit zeichnet sich dadurch aus, dass sie n i c h t lebensbedrohlich ist (Sylv. 137-152). Die Verursacher dringen gerade nicht bis zu den lebenswichtigen Organen vor. An die Stelle der Lebensbedrohung stellt Poliziano die Schilderung seiner qualvollen Selbstzerfleischung. Die Kleinheit und Zahllosigkeit der Verursacher wird mit Demokrits Atomen verglichen; wir erinnern uns daran, dass Lukrez die Pestursache durch fremde Atome, die die Atmosphäre verseuchen, erklärt hat (Lucr. 6, 1090 1137). Aber es sind eben keine Atome, sondern mikroskopisch kleine Tierchen. Die Kleinheit dieses hinterhältigen Feindes wird kontrastiert mit Lucans großen entsetzlichen Giftschlangen auf Catos Wüstenzug in der afrikanischen Wüste: Diese Schlangen sind gefährlich und tödlich. Wir erwarten: Die Schlangen sind so schrecklich wie diese Hautpest. Aber nein: Solche Schlangen sind sogar gnädiger, denn sie bringen dem Opfer schnell den Tod. Die Parasiten dagegen verlängern die Qual, ohne zu töten. Denn sie sind kleine Froschmäusler, die nur das Opfer nagen und quälen. Dieser Katalog der kleinen Parasiten im Stil der Batrachomyomachia macht zum Abschluss den Eindruck perfekt: Nein, Poliziano leidet an keiner tragischen oder eines Epos würdigen Krankheit, sie gehört explizit den agrestes morbi an, die von Lorenzo aus Polizianos Herz vertrieben werden sollen (Sylv. 344-345: miserere laborum / tantorum: pelle agrestis hoc pectore morbos). Das Thema dieses Leidens ist also mit dem Adjektiv agrestis als etwas gekennzeichnet, das für die Epik oder Tragödie unangemessen ist. Die Folge ist, dass dem Dichter für dieses Ergebnis seines dichterischen Leidensprozesses keine gesellschaftliche Anerkennung zuteil wird: Er macht sich lächerlich, die Freunde und Förderer wenden sich von ihm ab, worauf die Musen in Schreckstarre verfallen. Umgekehrt aber konnte Poliziano früher die gesellschaftli- <?page no="106"?> 96 Claudia Wiener chen Erwartungen an eine (erhabene) Dichtung erfüllen: mit der Ilias-Übersetzung und den Stanze. Das signalisiert dem Leser am Ende des Gedichts, dass Lorenzo Hilfe darin besteht, dem Dichter einen geeigneten Stoff zu liefern, um damit die epische Höhe zu garantieren und den ästhetischen Anspruch zu erfüllen. Bleibt dagegen Poliziano auf seine eigene Befindlichkeit und die daraus gewonnenen Stoffe oder Themen für Dichtung (agrestes morbi) konzentriert, wird er mit seiner Artifizialität grotesk scheitern: Nur scheinbar erfüllt er die Rolle des leidenden Helden oder des Opfers einer schicksalhaften Seuche; die Kleinheit und Trivialität dessen, woran er leidet, passt nicht zum hohen Anspruch seiner Ausdrucksfähigkeit. Seine Sehnsucht nach großen Themen drückt sich in vielen Glanzstücken dieser Dichtung aus: Mit der Pestschilderung macht er den antiken Autoren Konkurrenz genauso wie mit den zahlreichen epischen Gleichnisse vom Phoenix bis zum tanzenden Staub im Sonnenlicht. Aber das Ergebnis dieses Aufwands wird kein Heldenepos, es bleibt nur ein Frosch-Mäuse-Krieg. Poliziano benötigt einen Heros, wie er sie in der Ilias vorgefunden hat und wie es Giuliano für die Stanze war. Lorenzo, das ist die Aussage des Gedichts, erfüllt diese Eigenschaften. Er macht seinem Namen als medicus dieser Dichterleiden alle Ehre. Thomas Ricklin hat im Rahmen einer Veranstaltung der Münchner Forschergruppe „Natur in politischen Ordnungsentwürfen“ das Gedicht als eine Drohung an Lorenzo im Geiste des neu erwachten Epikureismus gelesen: Wenn der Dichter in Zukunft ohne Lorenzos Unterstützung dichtet, dann wird nicht das strahlende Florenz der Medici verewigt werden - vielmehr könnten Themen wie Pest und Leid, von denen die Sylva in scabiem eine eloquente Kostprobe gibt, stattdessen Polizianos Produktion bestimmen. Damit sind die metapoetischen Tendenzen des Textes genauso berücksichtigt wie die auffälligen thematischen Spannungen zwischen (scheiternder) stoischmoralphilosophischer Leidensbezwingung und Vorstellungen der epikureischen Physik. Für mich stellt sich allerdings die Frage, wie weit man hier wirklich von einer Drohung sprechen kann. Vielmehr scheint mir das Thema der Krankheit vor allem durch die Rolle des medicus für Lorenzo evoziert, und die Hercules-Parallele sorgt dafür, dass Lorenzo als Jupiter erlösend eingreifen darf. Damit ist für mich die enkomiastische Aussage des Textes doch sehr stark gemacht. Jedenfalls gibt uns diese Interpretation aber zu bedenken, dass das Verhältnis von Dichter und Mäzen seit Petrarca neu verhandelt wird, der es als S y m b i o s e verstanden wissen wollte. 24 Auch Poliziano inszeniert es 24 So in der Widmung der Africa an König Robert (1, 27-45) und im Verhältnis von Ennius und Scipio in diesem Epos; explizit u.a. in der allerdings kaum rezipierten Collatio Laureationis (ed. Godi 1970), u.a. in cap. 4 über das Verhältnis von öffentlicher Anerkennung und Qualität der Literatur und in cap. 10, 1-3 über das praemium poetae (gloria sowohl in se ipsis wie auch in his, quos tali honore dignati sunt) und im sehr bekannten Privilegium laureationis (ed. Mertens 1988) mit dem Beginn der duplex quaerenda gloriae via, die Gott <?page no="107"?> Die Interpretation von Polizianos Sylva in scabiem 97 als ein bilaterales Verhältnis: Der Dichter ist es, der den medicus zu Hilfe ruft; der Dichter hat demnach als erster verstanden, dass Autarkie nicht zum Ziel führt, sondern dass nur ein beiderseitiges Entgegenkommen für Dichter und Mäzen ein ideales Ergebnis bringen wird. Auch Lorenzo muss zuvor etwas leisten, bevor er dafür gepriesen werden kann. Allerdings wird in diesem Gedicht auch betont, dass n u r Lorenzo das leisten kann; nichts und niemand anderes kann dem Dichter ein angemessenes und gleichwertiges Thema liefern. Man mag heute die enkomiastische Tendenz des Gedichts als unangenehm empfinden. Aber man sollte die Innovativität in dieser Art von Enkomion trotzdem anerkennen: Der Gepriesene wird eben nicht in seinen (vorhandenen oder erwünschten) virtutes präsentiert, wie man das schon zu gut kennt; die virtus wird hier in ihrer potenziellen Wirkung in Aussicht gestellt; sie wird ex negativo bestätigt, weil ihr Fehlen sich für den Dichter schmerzhaft bemerkbar macht, der deshalb mit dem Hässlichen und Trivialen auf groteske Weise ringen muss. Diese Enkomiastik entfaltet eine umso attraktivere Wirkung dadurch, dass sie sich paradoxerweise gerade nicht im Lobpreis entfaltet, sondern im Rahmen einer abschreckenden Thematik und in einer Dichtung, die durch ihr verzerrtes Verhältnis von Form, Sprache und Inhalt den Leser irritiert und völlig andere Erwartungen weckt. Im Unterschied zur üblichen Panegyrik stellt Poliziano mit all seiner Ausdrucksfähigkeit die Unerträglichkeit der Gegenwart dar, um damit (und hierin wieder im Einklang mit der Tradition der Panegyrik) für Dichter/ Dichtung und Herrscher die Aussicht auf eine gemeinsame goldene Zukunft als Erlösung zu inszenieren. Literatur Ambrogini, Angelo, detto il Poliziano: Opera Omnia, Basel 1553. Ambrogini, Angelo, detto il Poliziano: Sylva in scabiem, testo inedito a cura di Alessandro Perosa, Roma 1954. Ambrogini, Angelo, detto il Poliziano: Sylva in scabiem, a cura di Paolo Orvieto, Salerno 1989. Bargagli, Rita: Bartolomeo Sozzini, Lorenzo de’ Medici e lo Studio di Pisa (1473-1494), in: La Toscana al tempo di Lorenzo il Magnifico. Convegno Internazionale di Studi, Firenze, Pisa, Siena 5-8 novembre 1992, III: Politica Economia Cultura Arte, Pisa 1996, 1167-1172. Bettinzoli, Attilio: Dolus et error, di alcuni carmi latini del giovane Poliziano, Lettere italiane 38, 1986, 166-192. Bigi, Emilio: La cultura del Poliziano e altri studi umanistici, Pisa 1967. dem Menschen eröffnet hat, und der Bedeutung der Literaten, quorum industria ac labore tam sibi ipsis quam aliis claris viris, quos suis dignabantur nobilitare carminibus, nominis immortalitatem quaerebatur. <?page no="108"?> 98 Claudia Wiener Bigi, Emilio: Ambrogini, Angelo, detto il Poliziano, in: Dizionario biografico degli Italiani 2, 1960, 691-702. Broich, Ulrich / Pfister, Manfred / Suerbaum, Ulrich: Bezugsfelder der Intertextualität, in: Ulrich Broich / Manfred Pfister (Hgg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen 1985, 48-77. Carrai, Stefano: Echi massimianei nella Sylva in Scabiem, Interpres 8, 1988, 276-282. Cerri, Angelo: Nota sulla Sylva in scabiem di Angelo Poliziano, Giornale storico della letteratura italiana 154, 1977, 533-536. Cotton, Juliana Hill: Death and Politian, The Durham University Journal 46, 1954, 96- 105. 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Elisabeth Schwab (Göttingen) Angelo Polizianos Wortmalereien Einleitung In Polizianos Vorrede zu seiner Homervorlesung, eine Zusammenfassung der pseudo-plutarchischen Schrift De Homero, 1 übernimmt er auch dessen Charakterisierung der Beziehung von Homers Dichtung zur Malerei: Quid si eundem picturae quoque magistrum auctoremque vocemus? Num, opinor, mentiemur, cum praesertim sapientis dictum feratur, p o e s i n e s s e l o q u e n t e m p i c t u r a m , s i c u t e c o n t r a r i o p i c t u r a i p s a m u t a p o e s i s v o c a t u r ? Quod si cui fortasse aut absurdum videtur aut magnificum nimis, legat, obsecro, vel illam in Achillis clypeo caelaturam vel, si hoc gravatur, locum certe hunc de Euryclea anu, Ulissem ex cicatrice agnoscente, diligenter consideret, cuius equidem imaginem statumque et habitum non tam accipere auribus quam ipsis plane oculis videor usurpare (Od. 19, 467- 77) […] Und wenn wir Homer sogar als Meister und Schöpfer der Malerei bezeichnen, werden wir dann lügen? Man kennt doch den Ausspruch eines Weisen Mannes [Simonides], D i c h t u n g s e i M a l e r e i m i t W o r t e n , w i e m a n a n d e r e r s e i t s d i e M a l e r e i e i n e s t u m m e D i c h t u n g n e n n t . Sollte jemand diesen Satz für absurd oder gar zu hochtrabend halten, lese er doch <die Beschreibung> der getriebenen Arbeit auf Achills Schild oder, wenn ihm dies zu mühsam ist, wenigstens mit Sorgfalt die Stelle von der alten Oryklea, die Odysseus an seiner Wunde erkennt, wobei ich Bild, Aufbau und Ausführung nicht nur mit den Ohren, sondern geradezu mit den Augen zu erfassen meine (Od. 19, 467-477) […] 2 Der Ausspruch des Simonides, Dichtung sei ‚Malerei mit Worten‘, ist allgemeiner Bestandteil des rinascimentalen Kunstdiskurses, wie er sich v.a. durch die theoretischen Traktate von Leon Battista Alberti und Giorgio Vasari etablierte. 3 Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, schon an Polizianos literarischen Bildbetrachtungen, 4 seinen ‚Wort-Malereien‘, seine enge Vertrautheit 1 [Plutarchi] de Homero § 216-217. 2 Pol. Oratio in expositione Homeri § 89, deutsche Übersetzung nach Schönberger 2011, 89. 3 Pfisterer 2002, 11-54. 4 Mit Bedacht vermeide ich den Terminus ‚Ekphrasis‘, da eine Vereinnahmung dieser Bezeichnung für die Beschreibung eines Kunstwerkes in der Literatur eine Verengung des antiken rhetorischen Begriffes bedeuten würde. Ob die Renaissance den Begriff als <?page no="110"?> 100 M. Elisabeth Schwab und seinen kreativen Umgang mit Fragen dieses Diskurses aufzuzeigen, die insbesondere im 16. Jahrhundert greifbar werden. 5 Wenn Poliziano als Dichter Kunstwerke der Malerei und Bildhauerei in Worten vor Augen führt und ihre Wirkung mit den Mitteln der Sprache nachzeichnet, treten darin Hauptthemen des Diskurses zu Tage: (a) die Figur des gottgleichen Künstlers, (b) die Ähnlichkeit des Kunstwerkes mit der Natur (imitatio), (c) die emotionale Wirkung auf den Betrachter durch die zum Topos erhobene Qualität der täuschend-echten ‚Vergegenwärtigung von Lebendigkeit‘. 6 Dabei ist ersichtlich, wie Poliziano, ganz im Sinne eines Paragone der Künste, seine dichterischen Möglichkeiten derart ausreizt, dass er damit die Wirkung der Malerei zu überflügeln sucht. 7 Im Folgenden soll das gerade skizzierte Verhältnis von Dichtung und Malerei anhand von drei ‚Bildbeschreibungen‘ Polizianos untersucht werden: einem lateinischen (Nr. LV) und einem griechischen Epigramm (Nr. LIV) sowie der Beschreibung des Tors zum Palast der Venus in den Stanze per la Giostra in italienischer Sprache. Allen drei ‚Wortmalereien‘ ist gemeinsam, dass es sich um Gedichte handelt, in denen der Leser von Poliziano zur Betrachtung eines Kunstwerkes aufgerufen wird, auf welchem eine schöne weibliche Gestalt zu sehen ist. Ihre Analyse erfolgt jeweils in zwei Schritten: Zunächst geht es um den ‚Blick‘, d.h. darum, wer auf wen blickt und was dabei gesehen wird. Danach werden die Texte hinsichtlich stilistischer Besonderheiten und der Verarbeitung literarischer Praetexte untersucht. So werden anhand der Texte die genannten Diskursfelder aufgezeigt (a-c). Die Schlussbetrachtung bietet eine knappe Gesamtschau der Ergebnisse und kontrastiert diese mit einem Ausschnitt in Prosa aus Polizianos Predigt „Über die Passion Jesu Christi“ (d). Genre-Bezeichnung nutzte, ist gänzlich unklar, vermutlich taucht er in dieser Bedeutung erst im 19. Jahrhundert auf (Webb 2009, 28-37). 5 Die Untersuchung gründet sich also ähnlich wie die von Rosen 2000 auf der Voraussetzung, dass der Kunstbegriff der Frühen Neuzeit rhetorikgebunden war und das Ut-pictura-poesis-Theorem schon Gültigkeit hatte (Rosen 2000, 172). 6 Pfisterer 2002, v.a. 57-59, 188-220. Über die Betonung der engen Beziehung von Malerei und Dichtung in Kunst- und Literaturtraktkaten der Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) siehe Lee 1940. 7 Giuliani sieht schon in den Bildbeschreibungen des Philostrat einen antiken Beitrag zur Paragone-Debatte (Giuliani 2006, 94-95). <?page no="111"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 101 1. Wortmalerei: Epigr. lat. LV 8 LV. In picturam puellae, quae in deliciis Laurentio Medici est. Ne dubita, picta est quam cernis virgo: sed acres Hisce oculis flammas ejaculatur Amor; Hisce oculis vocem dedit ars, linguaeque negavit. Heu fuge! Sed nulla est jam fuga: vulnus habes. 9 Auf das Bild eines Mädchens, das den Lorenzo de’Medici entzückt Zweifele nicht daran, gemalt ist sie, die du siehst, die Jungfrau: Doch Aus diesen Augen schießt spitze Flammen Amor; Diesen Augen gab Stimme die Kunst, und verwehrte sie der Zunge. Wehe, flieh! Doch schon ist die Flucht vergeblich: verwundet bist du. 10 Wie an den Imperativen (ne dubita, heu fuge) und der zweiten Person Singular (vulnus habes) deutlich wird, stellt uns das Epigramm 11 die Situation zweier Betrachter vor einem Bild vor. 12 Dieses zeigt das Portrait eines Mädchens, welches es dem Stadtherrn von Florenz, dem Mäzen Lorenzo de’Medici, angetan hat. Der Witz des Epigramms beruht darauf, dass dieses Mädchen nicht in Fleisch und Blut existiert, sondern lediglich im gemalten Bildnis. Daher wendet sich der eine Betrachter, der diese Situation durchschaut hat, mit warnender Stimme an den anderen: Er solle nicht daran zweifeln, dass es sich nur um eine gemalte, keine echte Jungfrau handelt. Doch die Augen der Dargestellten haben eine solche Anziehungskraft, dass der andere sich in die gemalte Ge- 8 Ich danke Prof. W. Kühlmann und der Heidelberger sodalitas für interessante Anregungen zu Interpretation und Übersetzung dieses Epigramms. 9 Das Gedicht bildet in der Sammlung des Del Lungo bei den Epigrammata Latina den Auftakt zu der Rubrik Amatoria. Die lateinischen Epigramme Polizianos wurden erst postum veröffentlicht, weshalb eine chronologische Reihenfolge nicht mehr rekonstruierbar war. Anstatt die ohnehin fehlerhafte Reihenfolge in der Aldina aus dem Jahr 1498 (ediert von Pier Crinito und Alessandro Sarti) zu übernehmen, entschied sich Del Lungo daher dafür, die Gedichte thematisch zu ordnen (Del Lungo 1867, XXII-XXIX). Die Gruppierungen von Del Lungo sind überschrieben mit Ad amicos et proceres (I-XLII), Invectiva (XLIII-LIV), Amatoria (LV-LXIV), Epitaphia (LXV-XCII), Inscriptiones variae (XCIII-CIV), Miscellanea (CV-CXI). So kommt es, dass das Epigramm bei Del Lungo mit der Laufnummer LV, in der Aldina und den Opera omnia dagegen recht früh, unter der Nummer 15, erscheint. 10 Übers. Verf. 11 Zur Kunstbeschreibung in Epigrammen der Antike siehe Friedländer 1912, 55-60. 12 Es ist wohl kaum zu entscheiden, ob es sich um zwei individuelle Betrachter handelt oder um einen einzelnen, der einen impliziten Monolog führt. <?page no="112"?> 102 M. Elisabeth Schwab stalt verliebt. Die Warnung (picta est quam cernis) wird ungehört ausgesprochen und auch die rettende Aufforderung zur Flucht (Heu fuge! ) kommt zu spät: Der Betrachter des Bildes ist schon getroffen und trägt die Wunde einer unglücklichen Liebe. In der Unerreichbarkeit der Geliebten trägt das Epigramm geradezu die Züge der Tragik, wie sie der hoffnungslosen Liebessehnsucht Petrarcas anhaftet. 13 Vertrauen wir auf das Poliziano eigene, schier undurchdringliche Gewebe intertextueller Bezüge, so führt uns das ungewöhnliche ejaculatur (v. 2) zu der Schilderung der unglücklichen Liebesbegegnung von Pyramus und Thisbe in Ovids Metamorphosen, die im Selbstmord der beiden Liebenden endet: Pyramus stößt sich das Schwert in den Unterleib und zieht es dann sterbend wieder aus der Wunde (vulnus) heraus. Ein Blutstrahl spritzt hervor „nicht anders, als wenn ein brüchiges Bleirohr platzt und aus dem schmalen Spalt zischend das Wasser in langem Strahl herausschießt (eiaculatur) […]“. 14 Mit ähnlicher Intensität also brechen die Flammen Amors aus den Augen des gemalten Mädchens hervor. 15 Die Betonung der Augen 16 erfolgt darüber hinaus durch die Wiederholung von Hisce oculis zu Beginn der beiden mittleren Verse. Das deiktische -ce schafft hier eine besonders hervorgehobene Unmittelbarkeit. Der Weg der verschiedenen „Blicke“ lässt sich kurz in vier Punkte fassen: 1. Der Blick des Betrachters fällt auf das Bild (cernis, v. 1). 2. Das Bild ‚blickt‘ auf den Betrachter zurück, d.h. die Augen der Frauengestalt werden zu Amors Medium: 17 Er verliebt sich unglücklich in das gemalte Mädchen. 3. Diese ‚Begegnung‘ von Betrachter und Bild beobachtet ein anderer Betrachter des Bildes, der Sprecher des Epigramms: Auf ihn jedoch hat die dargestellte Frauengestalt nicht dieselbe Wirkung; er widersteht den Verlockungen Amors und warnt den anderen. 13 Pyritz 1963, 136-137. 14 Übers. nach Gerhard Fink ²2007. Eiaculor, ThLL Bd. 5,2, Sp. 302-303: Ov. met. 4, 120b- 124a: ferventi moriens e vulnere traxit / et iacuit resupinus humo: cruor emicat alte, / non aliter, quam cum vitiato fistula plumbo / scinditur et tenui stridente foramine longas / eiaculatur aquas […]. 15 Die sonstige Schönheit des dargestellten Mädchens bleibt unerwähnt. Über den Impromptu-Charakter des Epigramms, welches das Kunstwerk nur als Anlass für einen originellen Gedanken nimmt, siehe Friedländer 1912, 55: „Das Kunstwerk selbst, sei es real, sei es für diesen bestimmten Zweck erfunden, kommt nur so weit in Betracht, als es der epigrammatischen Absicht dient.“ Ähnlich der Fall der Epigramme über Myrons Bronze-Kuh (Anth. Pal. 9, 713-742, 793-798), über die schon Goethe enttäuscht bemerkt, sie sagten kaum etwas über die Beschaffenheit der Bronze aus (Squire 2010). 16 Über die Theorie des Sehens in der Renaissance siehe Lindberg 1987, 262-311. 17 Das Bild des Flammen schießenden Amors, der sich hinter den Augen verbirgt, findet sich auch in Stanze 1, 40. Ebenso auch schon in der Anth. Pal. 16, 182, 6 (Leonidas v. Tarent). <?page no="113"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 103 4. Der Leser des Epigramms ‚hört‘ diese Warnung. Er wird Zeuge, wie das gesprochene Wort der freundschaftlichen Warnung dem Bann der gemalten ‚Augen-Sprache‘ unterliegt. Vermittels der gemalten Augen der virgo wird der Betrachter gleichsam von Amors Pfeil getroffen und trägt die Verwundung einer aussichtslosen Liebe davon (vulnus habes). Diese starke Wirkung des Betrachtens auf den eigenen Gemütszustand wird ebenfalls durch einen intertextuellen Bezug zu Ovids Metamorphosen implizit thematisiert. So führen die letzten zwei Worte des Epigramms vulnus habes zur Geschichte der Polyxena, der Tochter von Priamus und Hecuba. Achill hatte sich vergeblich in die Priesterin verliebt und verlangte sie nach dem Fall Trojas den Griechen als Opfer ab. 18 Polyxena nimmt den Tod tapfer entgegen. Ihre Mutter Hecuba aber blickt auf die Wunde der Tochter und erhält dadurch selbst eine Verwundung, wie sie beklagt: „[…] Tochter, daliegst du tot, und ich sehe deine Wunde, die mir Wunden schlägt. Ach, damit ich keinen der Meinen nicht durch Mord verliere, hast auch du eine blutige Wunde (vulnus habes)! […]“. 19 Das Betrachtete hat Macht über den Betrachter: Wie der Anblick der verwundeten Tochter den Affekt des Mitleids hervorruft und der Mutter eine seelische Verwundung zufügt, so wird der Betrachter beim Anblick des Bildes vom Liebespfeil getroffen, weil „die Lebendigkeit des Bildes mit der Möglichkeit des ‚Antuns‘ auch eine Potenz zur Verwundung besitzt.“ 20 Mit dieser Einsicht spielt auch Polizianos Zeitgenosse Leonardo in seinem berühmten Spruch, den er einem verhüllten Werk beigibt und dabei gleichsam das Kunstwerk selbst warnend zum Betrachter sprechen lässt: «Non iscoprire se libertà / t’è cara ché ’l volto mio / è charciere d’amore» („Nicht enthüllen, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Antlitz ist Kerker der Liebe“). 21 Hier wird der rhetorische Begriff der Enargeia, die Eigenschaft des lebendigen ‚Vor-Augen-Führens‘ in der Rede, 22 von seinem ursprünglichen Feld 18 Ov. met. 13: Achill hatte sich während der Kämpfe um Troja umsonst in Polyxena verliebt, da sie Priesterin der Athene war. Nach dem Fall Trojas erscheint Achill den Griechen an der thrakischen Küste aus einer klaffenden Erdspalte und verlangt Polyxenas Opfer. 19 nata, iaces; videoque meum, tua vulnera, vulnus. / et, ne perdiderim quemquam sine caede meorum, / tu quoque vulnus habes. (Ov. met. 13, 495-497a, Übers. nach Gerhard Fink ²2007). 20 Bredekamp 2010, 22. 21 Bredekamp 2010, 17-23 setzt diesen Spruch als Motto für sein Vorhaben über die „Theorie des Bildaktes“. Über das Vermögen der Praxiteles-Venus und Pygmalions Galatea, den Betrachter „in Fesseln zu schlagen“ sowie über das Nachleben dieses Motivs bis in die Kunst des 21. Jahrhunderts siehe Bredekamp 2010, 141-169. 22 Über die Übertragung von Sprach-Bildern auf die physische Präsenz von Artefakten als Grundmotiv der Kunsttheorie in der Renaissance sowie die Übertragung des Begriffes Enargeia aus der Rhetorik auf die Bildkunst siehe Rosen 2000, 173-78; 181-84. <?page no="114"?> 104 M. Elisabeth Schwab der Rhetorik auf ein Kunstwerk übertragen. 23 Spielerisch übergeht Poliziano in seinem Epigramm die eigentliche Beschreibung und konzentriert sich stattdessen auf die Wirkung, wodurch er die Phantasia des Lesers kitzelt. 24 Freilich liegt der Fall anders als bei Leonardo, denn Poliziano bewegt sich in seinem Medium: der Sprache. Der Gattungsunterschied zwischen Bild und Sprache (lingua) scheint ihm vollkommen bewusst zu sein, wenn er selbst auf die Stummheit des Bildes und deren Substitution durch die Lebendigkeit der Augen des Portraits hinweist (Hisce oculis vocem dedit ars, linguaeque negavit, v. 3). Es bleibt ungewiss, ob das Epigramm tatsächlich einen Bezug zu einem physisch präsenten Bild hatte. So wird die Qualität der Enargeia im Epigramm nur scheinbar auf ein Bild übertragen und verbleibt schließlich in ihrer ursprünglichen Gattung: Das Vermögen des materiellen Bildes, in die ‚leonardeske Gefangenschaft‘ zu führen, bleibt Fiktion des Gedichtes. Nach den beiden Entleihungen aus Ovids Metamorphosen (ejaculatur, vulnus habes) führen uns die folgenden sprachlichen Besonderheiten des Epigramms in vorklassische Zeit: Wie gleich in den ersten zwei Worten an ne mit darauffolgendem Imperativ (ne dubita) zu erkennen ist, gibt sich das Epigramm den Anstrich des umgangssprachlichen Latein eines Terenz. In diese Richtung weist auch das Pronomen His mit dem angehängten Demonstrativpartikel -ce. 25 Die Verbindung der beiden grammatischen Auffälligkeiten erinnert an die Passage in Terenzens Heauton Timorumenos: der Vater Chremes tadelt seinen Sohn Clitipho dafür, sich der Freundin seines Freundes genähert zu haben: „Sah ich dich die Hand nicht grad der Dirne in den Busen schieben? […] - Clitipho: Ich? - Chremes: Mit eigenen Augen, leugne nicht (hisce oculis, ne nega) […].“ 26 Der beobachtende Blick des Vaters führt hier zum Tadel, ebenso wie er in unserem Epigramm zur Warnung vor der täuschenden Lebendigkeit des Bildes veranlasst. Bei Terenz ist es also der Vater, der den Sohn beobachtet. Auch unser Gedicht setzt zwei Personen voraus: Die eine erliegt dem Zauber des Bildes und 23 Poliziano verwendet den Begriff der Enargeia in seinen Randnotizen zur Ilias mehrfach (Galand 1987, 27-28; Megna 2009, 11-13), und zwar sowohl zur Bezeichnung eines besonders lebhaften Vergleichs (etwa zu Il. 2, 144-151: […] comparatio […] constituit rem ante oculos per eandem enargeiam) als auch zur Kommentierung von Il. 4, 223-225, einer Hinwendung an den Rezipienten mit „du hättest wohl gesehen“, cernas bzw. (Megna 2009, 13; 66-67, vgl. auch 59 zu Il. 2, 116-126; 90 zu Il. 4, 48-49; 136 zu Il. 5, 618- 619). 24 Über Enargeia und Phantasia in der antiken rhetorischen Theorie siehe Graf 1995, 145- 149. 25 Siehe die Merkmale der lateinischen Umgangssprache bei Willms 2013, 241-249. Zu dem oben genannten treten noch die Interjektion Heu sowie die Negation in Vers 4 nulla est iam fuga hinzu. 26 CH.: vidin ego te modo manum in sinum huic meretrici inserere? […] CL.: mene? CH.: hisce oculis, ne nega. […] (Ter. Heaut. 3, 3, 563b-564, Übers. nach Rau 2012). <?page no="115"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 105 verliebt sich, die andere wird Augenzeuge dieses intimen Moments. Die Warnung über die von ihm vorhergesehene Wirkung des Bildes wird in Form des Epigramms ausgesprochen. Hieraus eröffnen sich zwei Aspekte darüber, welche Wirkmöglichkeiten der Dichter dem Kunstwerk zugedacht haben mag: Zunächst ist die ars des Künstlers über die Maßen zu bewundern, da ihm die imitatio derart gelungen ist, dass zumindest der eine Betrachter von der Lebendigkeit der Dargestellten getäuscht und zur Liebe gezwungen wird. Zugleich aber scheint die Täuschung durchschaubar zu sein, wie die Warnung des anderen schonungslos offenbart (Ne dubita, picta est quam cernis virgo, v. 1). Der Betrachter, der dem Blick des Bildes erliegt, steht als Dummkopf da, weil er auf die optische Täuschung des Kunstwerks hereinfällt. Macht sich der Dichter also über das Opfer des Bildes lustig? - Dies scheint sogar im Klang des Epigramms angelegt zu sein, wie der onomatopoetische Effekt der toskanischen Aussprache von Hisce oculis (Verse 2 und 3) vermuten lässt: Das deiktisch durch -ce verstärkte His ist aus metrischen Gründen nicht erklärbar, denn das angehängte e wird beim lauten Aussprechen elidiert. Doch hat Hisce einen klanglichen Effekt, da hierdurch das c mit dem nachfolgenden oculis zu einem Zisch-Laut verschmilzt. Seinen muttersprachlich toskanischen Lesern konnte Poliziano hiermit ein besonderes Hörerlebnis bieten, nämlich His-ce oculis > «gli sciocchi», 27 ‚die Dummköpfe‘. 28 In dieser Paronomasie könnte ein impliziter Metakommentar in toskanischer Sprache 29 über unkritische Betrachter des Bildes bestehen: Was sind das für ‚Dummköpfe‘ («sciocchi»), die sich in ein Bild verlieben! 30 2. Wortmalerei: Epigr. Graec. LIV , , , . , . 27 In diesem kollektiven Sinn auf die Menschheit insgesamt bezogen «sciocco» schon bei Dante Inf. 70, 7, «con riferimento a collettività o al genere umano, in quanto incapaci di giudicare rettamente le cose del mondo» (GDLI 1996, vol. 18, 55). 28 Doppeldeutigkeiten dieser Art finden sich prominent schon bei Petrarca, v.a. in der Laura-Symbolik: Laura > l’aura bzw. lauro, l’oro etc. (Friedrich 1964, 196-201). 29 Die Anregung zur Kombination von einer lateinischen und einer volkssprachlichen Sprach- und Sinnebene könnte Poliziano aus der polyphonen Musik erhalten haben, wie etwa den Motetten des Codex Montpellier (13. Jahrhundert). Über polyphone Musik im Florenz des 14. und Anfang 15. Jahrhunderts siehe Gozzi 2011, 140-145; für Anhaltspunkte für das Interesse an mehrstimmigem Gesang in Polizianos Silven siehe Lovato 1996, 236-37. 30 Ein ähnlicher Effekt versteckt sich bekanntlich in W. A. Mozarts Difficile lectu mihi mars et jonicu difficile (K. 559) bei Aussprache mit bayerischem Akzent. <?page no="116"?> 106 M. Elisabeth Schwab · ’ . ’ ( ), ’ . ’ , ’ ’ . 31 Zyprische Anadyomene Sowie ich die Zyprische Anadyomene, Werk der Hand des Apelles, erblickte, verharrte ich lange in Bewunderung: da ja das Auge der Jungfräulichen und Fröhlichen ein Schamgefühl besetzt hielt, vermischt mit Lachen. Und mit ihrer Rechten drückte sie Tropfen vom meeresbenetzten Haupt und es brodelte der Schaum: Ich aber hatte folglich eine gewisse Furcht vor dem Nass. Die Linke aber bedeckte ihre Scham, noch unter Wasser befindlich (denn bis zu den Hüften war sie im Wasser), und überdies hatte ein Aufschäumen von den Geburtsschmerzen der Mutter die Brust bespritzt. Wenn Ares, der Gefesselte, sie einmal so gehalten hätte, nicht hätte er ablegen wollen Hephaistos’ unzerreißbare Banden. 32 Dieses Gedicht stammt aus der Sammlung griechischer Epigramme, die Poliziano im Wettbewerb mit seinem griechischen Kollegen Lascaris nach dem Vorbild der Anthologia Palatina verfasste. 33 Einfacher als im vorangehenden Gedicht lässt sich hier der Blickkontakt beschreiben, denn Betrachter und Erzähler sind eine Person, die beim Anblick der Schönen, einem Werk des Malers Apelles, für lange Zeit vor dem Bildnis verharrt: Zunächst fällt auch hier der Blick auf das Auge. Von dort wandert er zum nassen Haupthaar, das sie mit der rechten Hand ( ) ausdrückt. Die Beschreibung wendet sich dem naturalistischen Effekt des Wassers und dann der linken Hand zu ( ), welche die Scham bedeckt. Das Gedicht endet mit einem Kommentar, der auf den Seitensprung der Aphrodite mit Mars anspielt. In der Phantasie des Betrachters wird dabei der Kontext der Geburtsszene an der Küste Zyperns verlassen, und die Schöne erscheint in einer anderen mythologischen Szene, nämlich bei ihrem Seitensprung mit Ares. Hiermit jedoch nicht genug: Die Gestalt auf dem Kunstwerk ist so schön, dass sie die Aphrodite Homers, wie sie im achten Buch der Odyssee vorkommt, noch übertrifft. Hätte nämlich Hephaistos den Mars beim Seitensprung mit einer solchen ( ) durch das herabfallende Netz gefesselt, wäre Ares gern in dieser Gefangenschaft verharrt. 34 31 Zitiert nach Pontani 2002, 222. 32 Übers. Verf. 33 Pontani 2002, XXIII-XXIV. 34 Bekanntlich stellt sich Hermes im Gespräch mit Apoll angesichts des gefesselten Paares vor, er hätte trotz der Fesseln gern anstelle von Mars mit Aphrodite das Bett geteilt. <?page no="117"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 107 Als literarische Vorlage dieses Epigramms sind in erster Linie die fünf Gedichte aus der Anthologia Palatina hervorzuheben, 35 die ebenfalls von der ‚Anadyomene‘ des Malers Apelles handeln, wie sie soeben aus dem Meer ihrer Mutter auftaucht und sich dabei das Wasser aus den Haaren drückt. Neu im Vergleich zu den Gedichten in der Anthologia Palatina ist in Polizianos Version des Themas lediglich die linke Hand, die nicht (wie die rechte) das Wasser aus den Haaren drückt, sondern stattdessen die Scham verdeckt. Hierdurch vermischt Poliziano zwei Venus-Typen miteinander, nämlich zum einen den Typ der Venus Anadyomene, die sich mit beiden Händen über den Kopf fasst, um die nassen Haare auszuwringen. Zum anderen den Typ der Venus Pudica, die sich mit der Rechten die Brust, mit der Linken die Scham bedeckt, wie er in der Medici-Venus erhalten ist. Zudem ist sie bis zur Hüfte von Wasser umspült, was den Dichter nicht daran hindert, die unter Wasser befindliche Linke zu erwähnen. Auf einem Kunstwerk, sei es nun ein Gemälde oder eine Statue, ist dies dagegen nur mit Mühe darstellbar. 36 Darüber hinaus ist dieses Wasser so brodelnd und schäumend, dass es beim Betrachter neben der Bewunderung ( 37 ) für die Schöne auch den Affekt der Furcht ( ) hervorruft. Insgesamt ist das Epigramm in der Lage, in wenigen Zeilen nicht ein Bild der Aphrodite, sondern gleich mehrere bekannte Darstellungen der Göttin in der Phantasie des Lesers zu evozieren und oszillieren zu lassen: Die Venus Anadyomene verschmilzt mit der Venus Pudica, die sich aber überraschender Weise noch bis zur Hüfte im aufgewühlten Meer befindet und sogleich die Assoziation an die Beischlafszene mit Mars wachruft. So kann wohl mit Recht behauptet werden, dass auch Poliziano das Werk des Apelles in seinen Versen übertroffen hat, wie vor ihm schon die griechischen Dichter der Anthologia Palatina. Dies hatte er sich in seinem Brief an Urceo (1494) gewünscht: Lege vero primum quod in Apelleam Venerem post tot antiquorum composui. Quam Plinius etiam noster Anadyomenen vocat, et v i c t a m G r a e c i s Schließlich tritt Poseidon für Mars ein und überredet Hephaistos, die Fesseln zu lösen (Od. 8, 266-369). 35 Anth. Pal. 16, 178, 3-4 (Antipater von Sidon), 179, 3-4 (Archias), 180, 3-5a (Democritus), 181, 3-4 (Julianus von Ägypten), 182, 5 (Leonidas von Tarent). Eine wichtige Quelle ist auch Nonnos von Panopolis, vgl. etwa das seltene Adjektiv ‚ ‘ (v. 3) bei Nonn. Dion. 48, 274; ‚ ‘ (v. 5) bei Dion. 32, 122; 48, 348 (hier bezogen auf Artemis, die sich die Haare trocknet); ‚ ‘ (v. 5) z.B. bei Dion. 1, 208; ‚ ‘ (v. 8) bei Dion. 5, 313 (hier wiederum bezogen auf Artemis, die zur Hälfte aus dem Bade auftaucht und sich die Brüste schamhaft vor Aktaions Blicken verdeckt); ‚ ‘ (v. 10) als ion.-ep. Klausel bei Nonn. Dion. 1, 71; 48, 957; ‚ ‘ (v. 11) bei Dion. 29, 358 (hier soll gerade umgekehrt als bei Poliziano und in der Odyssee Ares den Hephaistos in Ketten legen) und schließlich ‚ ‘ (v. 12) bei Dion. 35, 293 (Pontani 2002, 225- 228). 36 Vgl. Pontani 2002, 224-25. 37 Dies ist ein Lieblingswort des Nonnos, vgl. Dion. 1, 126; 9, 35 etc. (Pontani 2002, 225). <?page no="118"?> 108 M. Elisabeth Schwab v e r s i b u s ait, a quibus tamen sit illustrata [Plin. nat. hist. 35, 91]; quae laus ad me non attinet, „illo qui nondum tempore factus eram“ [Carm. Priapea 68, 38]. 38 Lies aber vor allem das, was ich auf die Venus des Apelles in Nachfolge so vieler antiker Autoren gedichtet habe. Diese hat auch unser Plinius ‘Anadyomene’ genannt, und hat behauptet, sie sei v o n g r i e c h i s c h e n V e r s e n ü b e r t r o f f e n worden, durch die sie sogar erst berühmt gemacht wurde [Plin. nat. hist. 35, 91]; dieses Lob gilt für mich nicht, „da ich zu jener Zeit noch nicht geschaffen war“ [Carm. Priapea 68, 38]. 39 3. Wortmalerei: Stanze 1, 99-103 Die Vermischung von Venus Anadyomene und Venus Pudica durch die Haltung der Hände (siehe oben) übernimmt Poliziano in den berühmten Stanze per la Giostra. Die zweite Hälfte des ersten Buches besteht aus einer Beschreibung des Reiches der Venus mit ihrem Palast (Stanze 1, 68-120). Hier verweilt Poliziano besonders bei der Beschreibung des Eingangsportals, einer reich verzierten Reliefarbeit des Hephaistos, 40 die auf zwei Torflügeln eine Vielzahl von mythologischen Liebeserzählungen kunstvoll schildert. 41 Den Auftakt hierzu bildet wiederum die Anadyomene: (99) Nel tempestoso Egeo in grembo a Teti si vede il frusto genitale accolto, sotto diverso volger di pianeti errar per l’onde in bianca schiuma avvolto; e drento nata in atti vaghi e lieti una donzella non con uman volto, da zefiri lascivi spinta a proda, gir sovra un nicchio, e par che ‘l cel ne goda. 42 In der stürmischen Ägäis sieht man, wie das abgehauene Glied im Schoß der Thetis empfangen wird und unter unterschiedlichen Drehungen der Planeten 38 Pol. epist. 5, 7 an Urceo, zitiert nach Pontani 2002, XXV-XXVI. 39 Übers. Verf. 40 Zur Besonderheit göttlicher Kunstwerke vgl. auch die Reliefarbeiten im dantesken Purgatorio (Münchberg 2005, 70-79). 41 Im Einzelnen werden in dieser Passage des ersten Buches der Stanze per la Giostra folgende Geschichten geschildert: Die Geburt der Venus (97-103), der verliebte Vulcanus selbst (104), Iuppiters Liebschaften von Europa bis Ganymed (105-107), weitere Götter, die um der Liebe willen ihre Gestalt verändern (108; Neptun, Saturn, Apoll), Apoll und Daphne (109), die verlassene Ariadne (110), Bacchus und sein Gefolge (111-112), der Raub der Proserpina (113), Herkules und Omphale (114), Polyphem und Galatea (115- 118). 42 Text nach Bausi 1997. <?page no="119"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 109 umhertreibt durch die Wogen, von weißem Schaum umhüllt; und wie darinnen in anmutigen und fröhlichen Vorgängen ein Mädchen geboren wird - nicht von menschlichem Antlitz -, und wie es sich, von ungezügelten Westwinden ans Ufer gestoßen, auf einer Muschel dreht; und es scheint, dass sich der Himmel daran freue. 43 (100) Vera la schiuma e vero il mar diresti, e vero il nicchio e ver soffiar di venti; la dea negli occhi folgorar vedresti, e ‘l cel riderli a torno e gli elementi; l’Ore premer l’arena in bianche vesti, l’aura incresparli e crin’ distesi e lenti; non una, non diversa esser lor faccia, come par ch’a sorelle ben confaccia. Wahr würdest du den Schaum und wahr das Meer nennen, und wahr die Muschel und wahr das Blasen der Winde; die Göttin sähest du an den Augen funkeln, und den Himmel, wie er um sie her lacht, und die Elemente: die Horen, wie sie den Sand in weißen Kleidern betreten; die Luft, die ihnen die losen und lockeren Haare kräuselt; [du sähest, dass] ihre Gesichter nicht eins, nicht unterschiedlich sind, sondern so wie es scheint, dass es Schwestern gut zu Gesicht stehe. (101) Giurar potresti che dell’onde uscissi la dea premendo colla destra il crino, coll’altra il dolce pome ricoprissi; e, stampata dal piè sacro e divino, d’erbe e di fior’ l’arena si vestissi; poi, con sembiante lieto e peregrino, dalle tre ninfe in grembo fussi accolta, e di stellato vestimento involta. Du könntest schwören, dass aus den Wogen die Göttin entstiege, mit der Rechten das Haar drückend, und dass sie mit der anderen den süßen Apfel bedecke; und dass sich, getreten vom heiligen und göttlichen Fuße, der Sand von Kräutern und Blumen bekleide; dass sie dann mit frohem und göttlichen Antlitz von den drei Nymphen im Schoße empfangen würde, und von einem bestirnten Kleid umhüllt würde. (102) Questa con ambe man le tien sospesa sopra l’umide trezze una ghirlanda d’oro e di gemme orïentali accesa; questa una perla alli orecchi accomanda; 43 Übers. Verf. <?page no="120"?> 110 M. Elisabeth Schwab l’altra al bel petto e’ bianchi o m e r i intesa, par che ricchi monili intorno spanda, de’ quai solien cerchiar lor proprie gole quando nel ciel guidavon le carole. Die eine hält ihr mit beiden Händen erhoben über die feuchten Zöpfe eine Girlande von Gold und orientalischen Edelsteinen entflammt; die andere steckt ihr eine Perle an die Ohren; die dritte wendet sich der schönen Brust und den weißen S c h u l t e r n zu und scheint reiche Halsketten ringsum auszubreiten, mit denen sie gewöhnlich ihre eigenen Hälse umgaben, immer wenn sie im Himmel auf Bällen tanzten. (103) Indi paion, levate inver’ le spere, seder sovra una nuvola d’argento: l’aier tremante ti parria vedere nel duro sasso, e tutto il cel contento; tutti li dei di sua biltà godere, e del felice letto aver talento: ciascun sembrar nel volto meraviglia, con fronte crespa e rilevate ciglia. Von dort scheinen sie empor gehoben zu werden zu den Sphären und auf einer Wolke aus Silber zu sitzen: Du meinst zu sehen, wie die Luft erzittert im harten Stein, und der gesamte Himmel zufrieden ist; wie alle Götter ihre Schönheit genießen und nach dem glücklichen Lager Verlangen haben: Jedem erscheint das Staunen im Gesicht, mit gekräuselter Stirn und erhobenen Brauen. Ähnlich wie in dem eben erwähnten griechischen Epigramm fängt auch dieses ‚Kunstwerk‘ die Geburt der Venus ein, doch scheint es kaum möglich, dem Blick des Beschreibenden zu folgen und tatsächlich eine Reliefarbeit als Ausgangspunkt der Betrachtung zu imaginieren: Zu Beginn klingt Hesiods Schilderung der gewaltsamen Zeugung durch die Entmannung des Uranos an. 44 Das Meer wird noch ergänzt um eine Muschel, die von Zephyr-Winden über den weißen Meeresschaum an Land getrieben wird (99), wo Venus von Horen in Empfang genommen (100-101) und geschmückt wird (102). Das Gedicht entscheidet sich also nicht für einen einzelnen Moment der Geschichte, wie ihn eine bildliche Darstellung eigentlich herausgreifen und statisch festhalten müsste, sondern schildert die Geschichte der Geburt in ihrer zeitlichen Abfolge. Dabei wird die Dynamik durch die Wahl der Verben besonders hervorgehoben: Das Genital des Uranos ‚treibt durch das stürmische Meer‘ (errar per l’onde), die Muschel wird an das Ufer ‚gestoßen‘ (spinta a proda), und das Mädchen darauf ‚dreht‘ sich dabei (gir sovra un nicchio). Während das Betreten des Strandes zunächst nur in der Phantasie des Betrachters geschieht, gekenn- 44 Hesiod, Theog. 154-206. <?page no="121"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 111 zeichnet durch den Konjunktiv (Giurar potresti che dell’onde uscissi […] ricoprissi […] si vestissi […] fussi accolta […]), scheint die Szene mit den schmückenden Horen ‚tatsächlich‘ dargestellt zu sein, wie die Indikative anzeigen ([…] le tien […] accomanda […] spanda […]). Dem Schmuck soll man sogar ansehen können, dass es sich um dieselben Halsketten handelt, welche die Horen selbst zum Tanz umlegen (de’ quai solien cerchiar lor proprie gole). Es braucht wohl tatsächlich einen göttlichen Bildhauer wie Hephaistos, um all dies in Stein zu meißeln. 45 Schließlich aber erfährt der bewundernde Leser, dass er nicht der einzige ist, der diesem schönen Schauspiel beiwohnt: Wie in Stanze 103 beschrieben, erfreuen sich alle Götter («tutti li dei») ihrer Schönheit und wollen mit Venus das Lager teilen. Hiermit hat sich Poliziano die ‚idealen Zuschauer‘ geschaffen, denn sollte es dem Leser noch an der nötigen phantasia für die außergewöhnliche Schönheit der soeben geborenen Venus gefehlt haben, so wird sie nun gleichsam dadurch bewiesen, dass selbst die Götter bei diesem Anblick voller Staunen die Stirn kräuseln und die Augenbrauen heben (ciascun sembrar nel volto meraviglia, con fronte crespa e rilevate ciglia). Zugleich verweist der Text auf vielfache und originelle Weise darauf, dass er ein Kunstwerk wiedergibt: zunächst, indem der Erzählfluss immer wieder als indirekt durch ein ‚man sieht‘ (si vede 99, 2) bzw. ‚es scheint‘ (par che 99, 8 und paion 103, 1) gekennzeichnet wird. Der Effekt wird noch gesteigert durch die direkte Ansprache des Lesers als potenziellen Betrachter: „Echt würdest du es nennen“ (Vera […] diresti 100, 1-3) und „du könntest schwören, dass…“ (Giurar potresti che […] 101, 1). Zudem wird sogar die Materialität des Reliefs explizit ausgedrückt: Aphrodite erhebt sich auf einer Wolke aus Silber, sovra una nuvola d’argento, (sicherlich nicht nur silber-farben gemeint) gen Himmel, wobei der harte Stein, aus dem das Werk geschaffen wurde, vor der Schönheit der Darstellung zu zittern scheint: l’aier tremante ti parria vedere nel duro sasso (103, 1-3). Schließlich verweisen auch die intertextuellen Bezüge 46 darauf, dass das Gedicht in die reiche Tradition antiker Bildbeschreibungen einzureihen ist: Neben dem schon erwähnten Selbstzitat aus dem griechischen Epigramm (LIV, 5-8) in Stanze 101, 1-3 (la dea premendo colla destra il crino, coll’altra il dolce pome ricoprissi), worin zugleich die ekphrastischen Epigramme der Anthologia Palatina anklingen, schöpft Poliziano auch aus Ovids Metamorphosen: In der Anapher V e r a la schiuma e v e r o il mar diresti / e v e r o il nicchio e v e r soffiar 45 Vgl. die Probleme Giulianis 2006, 96-106 bei der Analyse der Amphion-Episode Philostrats, die ihn zu der Überzeugung bringen, es handele sich um die absichtliche Beschreibung eines „unmöglichen Bildes“, um die Begrenztheit der Malerei im Vergleich zur literarischen Beschreibung aufzuzeigen. Als erster auf die mediale Differenz von Malerei und Dichtung hingewiesen hat bekanntlich Lessing anhand der Laokoon-Gruppe (Lessing 1766, z.B. 130). 46 Siehe hierzu den Kommentar von Bausi 1997, vol. 2, 87-90. <?page no="122"?> 112 M. Elisabeth Schwab di venti (100, 1-2) klingen deutlich die Verse Ovids an, als er den „Raub der Europa“ auf der Weberei der Arachne beschreibt: v e r u m taurum, freta v e r a putares (Ov. met. 6, 104). Für den Webwettbewerb mit Athena hatte Arachne dasselbe Thema ausgesucht wie Poliziano für das Tor zum Venuspalast, nämlich die verschiedenen Liebesabenteuer der Götter in Verwandlung. Auch am Ende der Strophe greift Poliziano zu Ovid, als er die Gesichter der Horen beschreibt (non una, non diversa esser lor faccia, / come par ch’a sorelle ben confaccia). Dies ist eine italienische Übersetzung der beiden Verse, mit denen Ovid die Töchter der Doris, die Nereiden, charakterisiert ([…] facies non omnibus una, / non diversa tamen, qualem decet esse sororum, Ov. met. 2, 13b-14). Auch sie sind auf einem Portal abgebildet, nämlich auf dem zum Reich des Helios, wo sie von Phaeton erblickt werden. Durch die sorgsam ausgewählten Zitate verleiht Poliziano seinem Text ein hohes Maß an Selbstreferenzialität: gleich drei Bildbeschreibungen werden aus der reichen literarischen Tradition herangezogen, um die eigene Kunstbeschreibung in Szene zu setzen. Doch hiermit nicht genug: Im Folgenden kommt Poliziano zu seinem Lieblingsautor und, wie ich bereits zu Beginn aus der Vorrede Polizianos zu Homer zitiert hatte, dem ‚Erfinder der Malerei‘: Homer. Von ihm adaptiert Poliziano fast vollständig den zweiten Hymnus auf Aphrodite. 47 Insbesondere Stanze 102 ist eine beeindruckende Übertragung des Homerischen Hymnus 6, 5b-13: […] 5 ’ , ’ , ’ ’ , ’ , ’ ’ 10 ’ . […] Da nahmen die Horen mit goldenem Stirnreif / grüßend sie auf und hüllten sie ein in unsterbliche Kleider, / krönten ihr dann mit dem goldenen, herrlichen, trefflich gewundnen / Kranz das unsterbliche Haupt. Ins Löchlein am Läppchen der Ohren / steckten sie Blumen aus kostbarem Gold und aus Messing, behingen / dann noch den zarten Hals und die schimmernden Brüste mit goldnen / Ketten, womit die Horen selber sich schmücken, so oft sie goldene Reife im Haar / zum lieblichen Reigen der Götter und zum Hause des Vaters gehen. 48 Stolz kennzeichnet Poliziano in dieser Strophe seine antike Quelle, indem er den Homographen omeri (102, 5) einfügt, was hier zwar auf Italienisch die 47 Zur Rezeption der Homerischen Hymnen in Polizianos Stanze siehe Schwab 2015. 48 Übersetzung nach Weiher 6 1989. <?page no="123"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 113 ‚Schultern‘ der Aphrodite bezeichnet, aber zugleich auch lateinisch ‚von Homer‘ bedeutet. Das Wort ist offenbar mit Absicht von Poliziano in seine italienische Übertragung der griechischen Hymne eingefügt worden, da im homerischen Original eigentlich nicht die Schultern, sondern der Hals ( , v. 10) genannt ist. 49 Poliziano verwendet Homers ‚Malerei in Worten‘, um in den Stanzen ein imaginiertes Kunstwerk zu beschreiben: das Tor des Palastes in den göttlichen Gefilden der Aphrodite. Die phantastische Beschreibung des Dichters wiederum inspirierte den Maler: Wie Aby Warburg in seiner Doktorarbeit zeigen konnte, fungierte Poliziano als Berater Botticellis. 50 In Botticellis Geburt der Venus materialisiert sich die ‚Wortmalerei‘ des Dichters Poliziano als ‚stumme Dichtung‘. Schlussbetrachtung (a) Polizianos ‚Wortmalereien‘ sind dichterische Überhöhungen von Meisterwerken, die nur in der Phantasie des Dichters und seiner Leser existieren. Poliziano gibt seine dichterischen Kreationen als Werke des legendären Apelles (Epigr. graec. LIV) und des göttlichen Hephaistos (Stanze 1, 97-119) aus und behauptet sogar, das Tor zum Reich der Venus sei das Schönste, was dieser je geschaffen habe. 51 In der Tat vertraut Poliziano weniger auf die künstlerische Qualität des Schmiedes als auf die ‚Maler-Dichter‘ der Antike: Ovid, die Dichter der Anthologia Palatina, Nonnus und Homer, den ‚Erfinder‘ der Gattung. Das Spiel mit der Figur des Künstlers erreicht seinen Höhepunkt in der italienischen Übertragung des griechischen Hymnus auf Aphrodite als Werkbeschreibung des Reliefs von Hephaistos, wenn beide Künstler implizit im Kunstwerk erscheinen (Stanze 1, 102, 5 omeri und 104, 1 divin fabro). 52 (b) Das Qualitätsmerkmal eines Kunstwerkes, eine möglichst naturnahe imitatio zu sein, beansprucht Poliziano auch für seine ‚Wortmalereien‘: Explizit wird dies in Stanze 100, 1-2, wenn die Szene so gekonnt vor Augen gestellt wird, dass sie vom Betrachter für ‚echt‘ gehalten wird. Doch Poliziano übertrumpft das Ideal der imitatio, indem er die Reliefarbeit des Hephaistos nicht nur über alle anderen Kunstwerke hebt, sondern sogar sagt, die Natur müsse 49 Der Hals wird in Polizianos Übertragung keineswegs übergangen, sondern erscheint in Stanze 102, 7 (gole). 50 Warburg 1893, 39-69. Über die Beratung von Malern durch die Humanisten siehe Pfisterer 2002, 153-156. 51 Vgl. Stanze 1, 119, 5: né d’altro si pregiò Vulcan mai tanto. Eine kühne Äußerung: Man denke nur an Hephaistos’ Schilde für Achill und Aeneas und ihre Beschreibung (Hom. Il. 478-608; Verg. Aen. 8, 617-731). 52 Poliziano lässt sich den göttlichen Künstler sogar selbst auf der Reliefarbeit darstellen, vgl. hierzu Bredekamp 2010, 78-85. <?page no="124"?> 114 M. Elisabeth Schwab sich im Vergleich hierzu schämen (che tutte altre opre sarian roze e morte, / da far di sé Natura vergognare, Stanze 1, 97, 4-5). (c) Diese Enargeia der ‚Wortmalereien‘ führt, zumindest fiktiv, zur Sinnestäuschung der Betrachter, die Staunen und Bewunderung (Stanze 1, 103, 7-8; epigr. graec. LIV, 2), aber auch bedrohlichen Affekten wie der Furcht (epigr. graec. LIV, 7) ausgesetzt werden. Eben diese Täuschung ist Thema des lateinischen Epigramms (LV): Ein Gemälde hat die Macht, den Betrachter in eine unglückliche Liebe zu zwingen. Doch wiederum erhebt sich Poliziano mit Mitteln der Sprachen über den Effekt der Malerei, indem er mit der Warnung picta est, quam cernis und mit dem Effekt der Paronomasie von hisce oculis die Illusion des Bildes bricht. (d) Abschließend sei den Beschreibungen schöner Frauen-Darstellungen in Polizianos Dichtungen ein Ausschnitt aus seiner Predigt Della Passione di Gesù Cristo 53 zum Kontrast gegenüber gestellt. Aller Wahrscheinlichkeit nach bezieht sich Poliziano hier tatsächlich auf ein Tafelbild mit der ‚Beweinung Christi‘: […] unigenito figliuolo di Dio e vero Idio generato innanzi a’secoli, sapienza del Padre eterno, mediatore del Nuovo Testamento, redentore e salvatore e creatore del mondo, umile mansueto ed immacolato Agnello. L a c u i p i e t o s a i m a g i n e v e d e t e , Padri miei, dinanzi agli occhi vostri, tutta dalla sua naturale bellezza transfigurata deformata e consunta; onde si lamenta il Profeta dicendo: Vidimus eum, et non erat species ei neque decor [Jes. 53, 2]. Perché la faccia sua tanto speciosa, piena di tutte le grazie, specchio degli angeli, è ora livida pallida afflitta ed oscura: il capo suo tesoro della sapienza e scienza di Dio, ora è percosso e di spine asprissime coronato; gli occhi più che il sole chiari e pieni d’infinita pietà, sono ora per la morte velati e chiusi; tutto il corpo suo lacero, tutto flagellato, tutto piagato e sanguinoso. Lui disposto giù di croce, colle braccia distese, col capo chino, col cuore aperto, v i c h i a m a , P a d r i m i e i , v ’ i n v i t a a pianger seco il suo acerbissimo dolore; far compagnia alla sua santa sposa, vedova sconsolata, alla sua dolente madre la cui anima è dal coltello traffitta; a piangere insieme ancora colle pietre, col sole, col cielo e colla terra, con tutti gli elementi, con tutto el mondo, el suo incomparabile tormento; a gustare il sapore amarissimo, ma a noi saluberrimo, della sua gravissima passion; a inginocchiarvi a inchinarvi e prosternarvi dinanzi a’ suoi santissimi piedi. Entrate adonque, Padri, sotto l’ombra suavissima delle sue sante braccia; rinfrescatevi, Padri miei, nella fonte abondantissima che ’l fianco di Iesù trafitto versa, nell’onde copiosissime che dalle mani e da’ piedi suoi confitti descendono; odorate e gigli e le rose, e fiori vermigli e bianchi, e ne fate ghirlande a’vostri cuori; i m p r o n t a t e n e l l a c e r a d e l l e m e n t i 53 Zuletzt ist diese Predigt zusammen mit drei weiteren (eine in lateinischer, drei in toskanischer Sprache) für eine Auftragsarbeit für die Söhne Lorenzo de’Medici zum Vortrag in der Compagnia di San Giovanni Evangelista aus den Jahren 1490-94 gehalten worden, siehe Delcorno Branca 2013, 207-208 und Eisenbichler 1996, 303-308. <?page no="125"?> Angelo Polizianos Wortmalereien 115 v o s t r e q u e s t o s a n t i s s i m o s i g i l l o , q u e s t a s a l u t i f e r a i m a g i n e ; […] 54 […] eingeborener Sohn Gottes und wahrer Gott, gezeugt vor der Welt, Weisheit des ewigen Vaters, Vermittler des Neuen Testamentes, Erlöser und Retter und Erschaffer der Welt, bescheidenes, sanftes und unbeflecktes Lamm. S e i n e r b ä r m l i c h e s B i l d s e h t a n , meine Patres, das vor euren Augen ist: wie es ganz von seiner natürlichen Schönheit transfiguriert, deformiert und verbraucht wurde; daher beschwert sich der Prophet, indem er sagt: Wir sahen ihn, und er hatte weder Gestalt noch Schöne [Jes. 53, 2]. Denn sein so schönes Gesicht, aller Gnaden voll, Spiegel der Engel, ist nun von blauen Flecken übersäht, bleich, gepeinigt und dunkel: sein Haupt, Schatzhaus der Weisheit und Kenntnis Gottes, ist nun geschlagen und von spitzesten Stacheln bekrönt; die Augen, sonst heller als die Sonne und voll von unendlicher Gnade, sind nun durch den Tod verschleiert und geschlossen; sein ganzer Körper ist zerrissen, ganz zerpeitscht, ganz verletzt und blutverschmiert. Er, der vom Kreuz abgenommen wurde, mit ausgebreiteten Armen, mit gebeugtem Haupt, mit offenem Herzen, e r r u f t e u c h , m e i n e P a t r e s , e r l ä d t e u c h e i n , mit ihm seinen heftigsten Schmerz zu beweinen, sich zu seiner heiligen Braut zu gesellen, untröstliche Witwe, und zu seiner schmerzhaft getroffenen Mutter, deren Herz vom Messer durchbohrt wurde; um darüber hinaus zusammen mit den Steinen zu weinen, mit der Sonne, mit dem Himmel und mit der Erde, mit den Elementen insgesamt und mit der gesamten Welt über seine unvergleichliche Qual; zu schmecken den bittersten, doch für uns heilbringendsten Geschmack seiner schlimmsten Passion; euch hinzuknien, euch zu beugen und zu Boden zu werfen vor seinen heiligsten Füßen. Tretet also ein, Patres, unter den süßesten Schatten seiner heiligen Arme; erfrischt euch, meine Patres, an dem üppigen Quell, den die durchbohrte Seite Jesu vergießt, an dem überaus reichlichen Nass, das von seinen angenagelten Händen und Füßen herabfließt; riecht die Lilien und Rosen, die leuchtendroten und weißen Blumen und macht daraus Girlanden für eure Herzen; p r ä g t i n d a s W a c h s e u r e s G e i s t e s d i e s e s h e i l i g s t e S i e g e l e i n , d i e s e s h e i l b r i n g e n d e B i l d ; […] 55 An diesem Ausschnitt wird deutlich, dass Poliziano sich des didaktischen Potenzials von Bildern sehr bewusst war, beruht doch fast die gesamte Predigt 56 auf der compassio, dem Mitleiden mit dem zu Tode geschundenen Christus auf dem Bild, zu dessen Betrachtung er aufruft (imagine vedete). Seine Worte 54 Pol. Della Passione di Gesù Christo, Text nach Tarugi 1970, 84-85. 55 Übers. Verf.; die Passage endet mit der Aufforderung, den Blick nach oben zu wenden, wo die ‚Beweinung‘ kommentierend ergänzt wird durch die typologisch relevanten Szenen aus dem Alten Testament (Moses’ eherne Schlange, Noahs Regenbogen) sowie durch den Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt, aus dem Physiologus. 56 Über Leitfäden zum Verfassen von Predigten in der Renaissance siehe Mack 2011, 257- 262. <?page no="126"?> 116 M. Elisabeth Schwab unterstützen lediglich die Enargeia des Bildes und verstärken so die emotionale Wirkung der Betrachtung dieses Heilsbildes (salutifera imagine). Wie in Wachs soll es sich in die Köpfe der Zuhörer einprägen (nella cera delle menti vostre). In der Tat, selbst ohne das dazugehörige Gemälde erzielt Poliziano diesen Effekt mit einer Steigerung seiner Beschreibung von Leid und Qual zu einem wahren Horrorszenario. Beginnen wir wieder mit dem Blick: Wie schon bei der Aphrodite wandert er zuerst zum zentralen Punkt, dem Gesicht und den Augen. Das Bild zeigt den gebrochenen Ausdruck des qualvoll Verstorbenen, doch Polizianos Beschreibung ergänzt kontraststark, was das Bild nicht zugleich bieten kann, nämlich seine vorige ‚natürliche Schönheit‘ (sua naturale bellezza). Im Folgenden wird der Blick auf den ganzen Körper geweitet. Wir erfahren, dass der Leichnam gerade abgenommen wurde, die Arme noch vom Kreuzestod ausgebreitet sind, die Seitenwunde klafft. So verleiht nun Poliziano dem Toten auf dem ‚stummen Bild‘ eine Stimme, uns zu ‚rufen‘ und ‚einzuladen‘. Zuvor hatte Poliziano den Propheten Jesaja zitiert, doch nun spricht der Gekreuzigte selbst: 57 Der Betrachter soll nicht nur schauen, sondern vor Mitleid ‚weinen‘ (pianger), zusammen mit dem toten Christus, den Frauen und der umgebenden Landschaft, ja, er soll die Passion nicht nur ansehen, sondern in einer synästhetischen Erfahrung ‚schmecken‘. Die Betrachtung kulminiert mit der Aufforderung zum Eintreten in die Szenerie des Bildes, die sich unter den Wortmalereien Polizianos auf grausige Weise in einen christlichen locus amoenus verwandelt: Schatten, Erfrischung, Quelle, Nass und Blumenduft - der Leichnam spendet all diese Annehmlichkeiten. Wie nicht zuletzt diese Predigt verdeutlicht, wusste Poliziano um das höchste Ideal der Malerei, den Betrachter mit allen seinen Sinnen in Bann zu schlagen. Für seine Sprachkunst nutzt er die Möglichkeiten der anderen Gattung, indem er auf raffinierteste Weise mit Worten Kunstwerke von geradezu magischen Fähigkeiten erschafft: Sie zwingen ihre Betrachter physisch in die Knie, versetzen in Staunen, lösen Furcht und Verliebtheit aus. Wenn Homer als ‚Erfinder‘ der Malerei gilt, so ist Poliziano ein Virtuose dieser Kunst. Bibliographie Battaglia, Salvatore (Hg.): Grande Dizionario della Lingua Italiana, vol. 18, Turin 1996 (= GDLI 1996). Bredekamp, Horst: Theorie des Bildaktes, Berlin 2010. 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Willms, Lothar: Klassische Philologie und Sprachwissenschaft, Göttingen u.a. 2013. <?page no="129"?> Thomas Gärtner (Köln / Osnabrück) Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian Der folgende Beitrag wird sich mit den lateinischen und griechischen Epigrammen Polizians beschäftigen, und zwar unter drei Gesichtspunkten: (1) Zunächst soll auf die innovative Einbeziehung anderer Dichtungsgattungen in die Epigrammatik eingegangen werden, die sich insbesondere im lateinischen Corpus beobachten lässt; (2) dann wird in beiden Corpora jeweils ein mutmaßlich vom Autor als Einheit intendierter größerer Zyklus herauspräpariert und kurz vorgestellt; und (3) schließlich soll versucht werden, durch Einzelinterpretation einigen auf antiken konventionell-epigrammatischen Stoffen beruhenden Stücken etwas Neues zu entlocken. Eine der ersten Fragen, die man sich beim Umgang mit Polizians Epigrammen stellt, besteht darin, ob die lateinische und die griechische Sammlung, die beide zum größten Teil auf der Editio princeps, der Aldina von 1498, beruhen, in erster Linie eine Frucht der Sammeltätigkeit des Erstherausgebers oder aber ein vom Autor konzipiertes Gedichtbuch bilden. Die Antwort hierauf fällt in den beiden heutzutage führenden Ausgaben gegensätzlich aus. Die griechischen Epigramme liegen in der Ausgabe von Filippomaria Pontani von 2002 vor, wo die Reihenfolge der Erstausgabe bewahrt wird; für die lateinischen Epigramme hingegen muß man noch auf die Ausgabe von Isidoro del Lungo aus dem Jahr 1867 zurückgreifen, der die Epigramme als ein Konvolut von Kleindichtungen auffasst, das er ohne Hemmung nach seinen eigenen Gattungskriterien neuordnet - wobei er den Epigrammen der Editio princeps auch gelegentlich handschriftliche Neufunde beimischt. In dieser verschiedenen editorischen Vorgehensweise zeigt sich einerseits natürlich die Zeit der Editoren: Pontani kannte selbstverständlich im Gegensatz zu del Lungo den relativ jungen wissenschaftlichen Diskurs über das antike Dichtungsbuch. Aber andererseits bietet das lateinische Epigrammcorpus im Vergleich zum griechischen auch als solches weitaus größere Anreize zu einer am Wissen über antike Gattungen geschulten Neuordnung: Es enthält z.B. eine Zahl von Oden, daneben aber auch einen Schauspielerprolog zur Aufführung eines Plautus-Stücks und rhythmische Mariendichtungen, die in der Editio princeps - ob sinnigerweise oder nicht, bleibe hier offen - unmittelbar neben einem herkömmlich epigrammatischen Spottgedicht auf ein abstoßendes altes Weib stehen. <?page no="130"?> 120 Thomas Gärtner (1) Damit wäre bereits der erste Punkt des Beitrags erreicht, der innovative Umgang mit herkömmlichen Gattungen im lateinischen Corpus. Beginnen wir mit dem erwähnten Spottgedicht auf die geile Alte: Man muß sich nicht mit den unappetitlichen Einzelheiten des Gedichtverlaufs befassen, der über eine Reihe von Beschimpfungen zur einstigen Promiskuität der Dame, ihrer jetzigen Verlassenheit, ihrem trotzdem weiterbestehenden Geschlechtstrieb und schließlich zu ihrer Ablehnung durch das Ich und einigen uncharmanten Tiervergleichen führt. Am poetologisch bedeutsamen Anfang werden die Jamben wie bissige Hunde auf die Frau gehetzt: H u c h u c i a m b i , arripite mi iam mordicus Anum hanc furenti percitam libidine / […] Hierher, hierher, ihr Jamben: Packt mir nunmehr bissig diese Alte, die von rasender Geilheit erregt ist […] 1 Daß hier die Verse autoreferenziell in ihrer metrischen Qualität apostrophiert und aufgehetzt werden, erweist Catulls carmen 42 als Vorbild: Adeste, hendecasyllabi, quot estis Omnes undique, quotquot estis omnes. Kommt her, ihr Hendekasyllaben, wieviele ihr alle überall seid. 2 Dort werden Hendekasyllaben von allen Seiten zusammengerufen, um von einer moecha turpis, also ebenfalls einer hässlichen Frau, Schreibtäfelchen mit vom dichterischen Ich verfassten Hendekasyllaben zurückzufordern. Das catullische Gedicht ist im Vergleich zu dem Polizians weitaus weniger obszön; am Ende versucht der Dichter sein Ziel, die Rückgabe der Täfelchen, zu erlangen, indem er die moecha turpis ironisch als Pudica et proba anredet. Polizian knüpft also beim ersten polymetrischen Teil von Catulls liber tripertitus an, der - wie man schon bei Martial beobachten kann - für die literaturgeschichtliche Selbstkonstitution des römischen Epigramms stets von besonderer Bedeutung war, obwohl es sich bei diesem ersten Teil nicht um Epigramme im engeren Sinne handelt. 3 An diesen polymetrischen Werkteil Catulls knüpft auch Polizian in seinen lateinischen Epigrammen an, setzt aber dessen Hendekasyllaben, dem typischen Vermaß für Gelegenheitsdichtung, die wesentlich polemischeren Jamben entgegen, die man gut wie bissige Hunde aufhetzen kann, und integriert damit zugleich einen im Vergleich zu Catull obszöneren, herkömmlich epigrammatischen Stoff und zugleich eine 1 Politian. odae 9 p. 271 del Lungo. 2 Catull. 42, 1-2. 3 Vgl. zuletzt Mindt 2013, 148-158. <?page no="131"?> Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian 121 weitere Gattung, den Jambus, in sein Corpus - wobei ihm natürlich schon Catull mit jambischen Gedichten und Martial mit seinen Hinkjamben vorangegangen sind. Der humanistisch gebildete Leser erkennt jedoch den konkreten intertextuellen Bezug auf Catulls carmen 42 sowie die damit verbundene Verschärfung des polemischen Tons gegen die weibliche Hauptperson und die Verschiebung von catullischer Gelegenheitsdichtung zu massiver Aischrologie. Übrigens hat Polizians Widersacher Michael Marullus, von dem im Folgenden noch die Rede sein wird, Polizians Apostrophe an die Jamben wieder mit dem catullischen Adeste kombiniert, die jambische Polemik aber nicht - wie Catull und Polizian - gegen eine moecha, sondern gegen den bei ihm unter dem Pseudonym Ecnomus figurierenden Polizian selbst gekehrt. 4 Eine weitere - freilich negative - Gattungsreferenz liegt in einem lyrischen Gedicht Polizians vor, in welchem das Ich bedauert, durch seinen Rückzug auf ein Landgut den Besuch eines jungen humanistischen Freunds in der verwaisten Stadtwohnung verpasst zu haben. Voller Enttäuschung wünscht sich Polizian aus der ländlichen Idylle fort in einen typisch humanistischen Dichteraustausch mit dem Freund. Dieses Gedicht beginnt folgendermaßen: Nil me iam patula iuvat Saevo letiferum lumine Sirium Devitare sub ilice/ […]. Jetzt macht es mir keinerlei Freude mehr, unter einer breiten Steineiche den todbringenden Sirius mit seinem grausamen Leuchten zu vermeiden […]. 5 Die Junktur patula […] / […] Sirium / Devitare sub ilice ist ein unverkennbares Echo auf einen bukolischen Vers: [...] / Torrentem patula vitabant ilice solem/ […] sie mieden die dörrende Sonne durch eine breite Steineiche. 6 Dieser Vers findet sich - in wörtlich übereinstimmender Form - am Beginn zweier Eklogen des Calpurnius Siculus bzw. des Nemesian. Calpurnius Siculus (von dessen Hirtendichtung erst Moritz Haupt im 19. Jahrhundert die Eklogen Nemesians schied) war zur Zeit Polizians noch ein relativ neuer Autor, dessen Lektüre Polizian jedoch ausdrücklich in seinen Nutricia bezeugt. Durch den dezidiert negativen Bezug (Nil […] iuvat) auf zwei Gedichtanfänge des neuen bukolischen Corpus profiliert Polizian sein humanistisches Lebensideal, welches den Austausch mit gelehrten Dichterfreunden dem beschauli- 4 Marullus epigr. 3, 50, 19 p. 79 Perosa: A d e s t e iambi, rapite caedite trahite. Formal wirkt hier zusätzlich wohl Ter. Maur. 2182 Adesto, iambe praepes, […]. 5 Politian. odae 7 p. 266 del Lungo. 6 Calp. ecl. 5, 2 = Nemes. ecl. 3, 2. <?page no="132"?> 122 Thomas Gärtner chen Naturgenuß vorzieht. Die Gattungskonfrontation spiegelt gewissermaßen die Konfrontation der Lebensformen. Dabei wird auch die strophische Struktur in den Dienst der Calpurnius-Imitation genommen: Die kürzeren, glykonäischen Verse enthalten das aus Calpurnius übernommene Wortmaterial, der längere Vers (ein Asclepiadeus minor) dagegen nur eine ausweitende Umschreibung der Junktur Torrentem […] solem, wobei die übertrieben wirkende Ausmalung der tödlichen Kraft der Sommerhitze bereits die Abwertung des präpariert. Während in diesem formal ungewöhnlichen Gedicht eine Bezugnahme auf einen relativ neuen bukolischen Text die Ablehnung bukolischer Lebensform kunstvoll zelebriert, wird die humanistische Lebenswahl in den griechischen Epigrammen literarisch verhältnismäßig eindimensional dargestellt. Am Ende von Epigramm 7 sagt der Dichter: ’ (sc. ) ’ ’ . Ohne jene (sc. ohne humanistische Freunde) möchte ich nicht einmal unsterblich sein und nicht einmal König über die Unsterblichen. 7 Die Zuspitzung „ohne Freunde ist nicht einmal die Existenz als König der Himmlischen freudvoll“ ist einer berühmten homerischen Lebenswahlaussage geschuldet. Der Totenschatten Achills bekundet: ’ , ’ , , . Ich möchte lieber als Landmann für einen anderen Lohndienste tun, bei einem Mann ohne Besitz, der nicht viel Lebensunterhalt hat, als über alle verblichenen Toten zu gebieten. 8 Bei Homer kommt es auf die Polarität an („lieber hier auf Erden der letzte Ackerknecht als in der Unterwelt der höchste König“), bei Polizian soll dagegen die humanistische Lebensform hyperbolisch in den Himmel gehoben werden („ohne humanistische Freundeskultur lohnt nicht einmal die Existenz als höchster Himmelskönig“). Anders als in den lateinischen Epigrammen wird diese Präferenz jedoch nicht durch innovative Bezüge auf andere literarische Gattungen bekundet, sondern durch ein schlichtes Zitat einer Homerstelle, die ihrerseits bereits die richtige Lebenswahl zum Gegenstand hat. 7 Politian. epigr. graec. 7, 15-16 Pontani. 8 Hom. Od. 11, 489-491. <?page no="133"?> Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian 123 (2) Kommen wir nun zum zweiten Punkt des Beitrags, dem Versuch, Gedichtzyklen in den lateinischen bzw. griechischen Epigrammen Polizians herauszupräparieren. Die lateinischen Epigramme beginnen (zumindest in der uns in der Editio princeps vorliegenden Anordnung) mit einer größeren Zahl von Gedichten, die mit ernsthaft enkomiastischem Bezug auf Lorenzo di Medici verfasst sind. Diese di Medici-Gedichte finden im weiteren Verlauf des Corpus ihre Fortführung in einem Odengedicht, welches Trost sucht in Anbetracht der Ermordung von Lorenzos Bruder Giuliano anlässlich der Pazzi-Verschwörung im Jahr 1478. 9 Diese Ode kontrastiert insbesondere mit einem Epigramm aus dem Anfangsteil, welches die Bruderliebe zwischen Lorenzo und Giuliano feierte 10 (der zu dieser Zeit doch wohl noch lebte). Doch der ernsthaft enkomiastische Ton dieser Gedichte wird bereits durch einen anderen Zyklus konterkariert, nämlich durch Gedichte auf den Cardinale di San Sisto, Pietro Riario. 11 Zunächst wird eine zufällige Witterungserscheinung zum Indiz für den göttlichen Status des Kardinals hochstilisiert; doch weitere Gedichte zeigen, daß diese enkomiastischen Stücke nur geschrieben wurden in der Hoffnung auf ein Geldgeschenk für den Dichter seitens des Kardinals. Vollends verlassen wird der enkomiastische Ton der Anfangsgedichte der lateinischen Epigramme im Zyklus auf den schlechten Dichter Mabilius. 12 Bei diesem Mabilius handelt es sich um Polizians Dichterkollegen Michael Marullus. Dieser wird in verschiedenen invektivischen Epigrammen verspottet, sowohl wegen Äußerlichkeiten als auch wegen seiner Gedichte; wenn es beispielsweise um die Nasen von Marullus und Polizian geht, so ist dies nicht nur äußerlich gemeint, sondern die „Nasen“ sind zugleich auch ein poetologisches Symbol für Literaturkritik. 13 Daß tatsächlich ein Zyklus auf Mabilius bzw. Marullus vorliegt, zeigt sich darin, daß diese Thematik nach einer längeren Unterbrechung noch einmal aufgegriffen wird durch ein Grabepigramm auf Mabilius. 14 Dieses Stück beruht auf einer schlichten Umkehrung der üblichen Bitte des Sprechers um einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit für den Verstorbenen seitens des 9 Politian. odae 2 p. 259-261 del Lungo. 10 Politian. epigr. lat. 27 p. 123 del Lungo. 11 Politian. epigr. lat. 5-10 p. 111-114 del Lungo. 12 Politian. epigr. lat. 43-52 p. 131-140 del Lungo. 13 Politian. epigr. lat. 50 p. 137-138 del Lungo; vgl. Kißel 1990 zu Pers. 1, 40-41 und ferner Tondo 2007 (letzteres auf freundlichen Hinweis von Thomas Baier). 14 Politian. epigr. lat. 52 p. 140 del Lungo Flecte, viator, iter; foetet: nam putre Mabili Hac fovea corpus conditur atque animus. <?page no="134"?> 124 Thomas Gärtner Wanderers; in diesem Fall soll sich der Wanderer besser sofort wieder abwenden, um dem Gestank des Grabs zu entgehen. Wichtig für die Beurteilung dieses Grabepigramms als Abschluß des Mabilius-Zyklus ist jedoch, daß es sich nicht auf den tatsächlichen Tod des Marullus beziehen kann. Dieser ist historisch in das Jahr 1500 zu datieren; dagegen starben die historisch fixierbaren Personen, deren Tod in den lateinischen Epigrammen Polizians thematisiert wird (oben war schon die Rede von Giuliano di Medici), zumeist in den 70-er Jahren des 15. Jahrhunderts. Daher muß man annehmen, daß Polizian den Tod seines verhaßten Widersachers einfach in seinem Epigramm-Zyklus inszeniert hat. Hierzu stimmt, daß Mabilius in einem der invektivischen Epigramme nahegelegt wurde, freiwillig aus dem Leben zu scheiden; 15 hier hat Polizian also den Schlusspunkt seines Mabilius- Zyklus bereits präpariert. Einen ähnlichen Zyklus kann man auch innerhalb der griechischen Epigramme nachweisen. In seinem Zentrum steht die Dichterin Alexandra, d.i. Alessandra Scala, Tochter des Florentiner Kanzlers Bartolomeo Scala und spätere Ehefrau des Michael Marullus. Gemäß epigr. 28 verliebte sich das Ich in Alessandra, und zwar nach rechter Humanistenart, als diese die sophokleische Elektra rezitierte, und zwar an derjenigen Stelle, als Elektra ihren Bruder Orest umarmt (der übrigens von einem Bruder Alessandras gespielt wurde), 16 was bei Polizian Eifersucht ( ) verursachte. In epigr. 30 stilisiert Polizian Alessandra dann aufgrund ihrer humanistischen Qualitäten als seine Traumfrau, die ihm jedoch - so der ernüchternde Gedichtschluß - kaum einmal im Jahr zu sehen vergönnt ist. In epigr. 30 b - angeblich der Antwort Alessandras - verwahrt sich die verehrte Frau in vielleicht manierierter Bescheidenheit dagegen, als humanistisch ebenbürtiges Gegenstück neben dem bedeutenden Polizian stehen zu können, weist aber seine erotischen Avancen offenbar nicht mit der nötigen Klarheit zurück. Dies hat zur Folge, daß die Korrespondenz zwischen beiden weitergeht: Die Epigramme 31-33 enthalten drei alternative Ausdeutungen einer Sendung von Veilchen seitens Alessandras an Polizian, eine erotisch-neutrale, eine erotisch-hoffnungslose und eine erotisch-optimistische. Danach scheint die Korrespondenz längere Zeit geruht zu haben; erst in epigr. 48 17 beklagt Polizian, daß er Alessandra weder sehen noch hören kann noch auch nur eine geschriebene Antwort von ihr erhält. Auch hierauf scheint keine Resonanz erfolgt zu sein; in epigr. 50 greift Polizian dann zu einer finalen 15 Politian. epigr. lat. 47 p. 136 del Lungo. 16 Vgl. hierzu die Testimonien bei Pontani 2002, 131 z.St. 17 Politian. epigr. graec. 48 Pontani ’ , ’ , ’ ’ ; <?page no="135"?> Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian 125 Grobheit: 18 Er sendet Alessandra als Geschenk einen knöchernen Kamm zum Arrangement ihrer Haare, in der Hoffnung, als Gegengabe ihren „behaarten Fleischkamm“ zu erhalten - wohl weniger ein ernstgemeinter letzter Versuch als ein aischrologisches Ventil der Enttäuschung, mit dem zugleich das Eingangsgedicht des Alessandra-Zyklus bei Janos Laskaris, 19 das ebenfalls die Übersendung eines Kamms an Alessandra begleitet, ein obszönes Echo erhält. Durch den Kunstgriff, Alessandra in epigr. 30 b selbst zu Wort kommen zu lassen, fingiert Polizian eine Art von „Briefroman“, auch wenn in den übrigen Gedichten nur er selbst spricht (in epigr. 48 wird gerade das Fehlen einer weiteren Antwort Alessandras thematisiert) - so kann der Leser bei linearer Lektüre dem letztlich scheiternden Versuch, eine humanistisch-erotische Liebesbeziehung anzubahnen, Schritt für Schritt beiwohnen. Wie beim Mabilius-Zyklus innerhalb der lateinischen Epigramme ergibt sich auch hier der Eindruck eines systematisch durchgeführten und mit großer Bewußtheit - durch eine sexistische grobe Verletzung bzw. ein fiktives Grabepigramm - abgeschlossenen Gedichtzyklus. (3) Es folgt nunmehr der letzte Teil des Beitrags, eine Interpretation einiger durchaus dem konventionellen Motivthesaurus der antiken Epigrammatik entnommenen Stücke. Das erste stammt aus den lateinischen Epigrammen und gestaltet eine Naturaitiologie, nämlich die Erklärung des bitteren Geschmacks der Lorbeerfrucht. 20 Apoll bekennt sich zu seiner Daphne auch nach deren Verwandlung in einen Lorbeerbaum, ganz wie in den Metamorphosen 21 (zu 18 Politian. epigr. graec. 50 Pontani , , , , . 19 Laskaris epigr. 11 p. 41 Meschini. 20 Politian. graec. poet. epigr. 14 p. 548 del Lungo Complexus virides frondosae virginis artus „Sic quoque mutata“ dixit Apollo „fruar“. Utque novas gustu bacas temptavit, „eandem (Hei mihi! ) servat“ ait „nunc quoque amaritiem“. Das Motiv der Bitterkeit von Früchten, die aus dem früheren Verhalten einer in einen Baum verwandelten Person hergeleitet wird, dürfte zugleich auch den Einfluß der Oleaster-Metamorphose verraten (Ov. met. 14, 524-526, freundlicher Hinweis von Wolfgang Kofler). 21 Ov. met. 1, 553-558 Hanc quoque Phoebus amat positaque in stipite dextra Sentit adhuc trepidare novo sub cortice pectus Complexusque suis ramos, ut membra, lacertis Oscula dat ligno; refugit tamen oscula lignum. Cui deus: “at quoniam coniunx mea non potes esse, Arbor eris certe“ dixit “mea […]“. <?page no="136"?> 126 Thomas Gärtner vergleichen ist insbesondere Sic quoque […] fruar mit met. 1, 553 Hanc quoque Phoebus amat). Aber bei Ovid beschränkt sich dieses Festhalten an der Liebe auf den Moment unmittelbar nach Daphnes Verwandlung. Bei Polizian dagegen scheint Apoll solange bei Daphne zu verharren, bis der neuentstandene Baum auch Früchte trägt, in deren bitterem Geschmack er dann das ablehnende Verhalten Daphnes wiederfindet. Polizian verlängert also nicht nur die bei Ovid vorgegebene Aitiologie vom Baum auf seine Früchte, sondern er verlängert auch das erotische Beharrungsvermögen Apolls, der auf die Frucht der verwandelten Daphne zu warten scheint, in der Hoffnung, wenigstens diese wären süß, und dann abermals enttäuscht wird. Wie Polizian die Liebe Apolls verlängert, so verlängert Marullus die Ablehnung Daphnes 22 und lässt sie noch nach ihrer Verwandlung ablehnend auf Apolls Äußerung replizieren. Dabei greift Marullus geradezu höhnisch auf Polizians Versauftakt Sic quoque zurück; genaugenommen, wenn man die Junktur ramos […] inanes (V. 3) wörtlich nimmt, negiert er das ganze Epigramm Polizians, indem er seine Daphne Apoll nur leere, also fruchtlose, Zweige darbieten lässt. Ein neues Textbeispiel: In dem epigr. 40 der griechischen Sammlung 23 wird Anth. Pal. 9, 61 24 weiterverarbeitet; es handelt sich um den Stoff der spartanischen Mutter, die ihren aus dem Krieg flüchtig heimkehrenden Sohn mit Verweis auf den militärischen Ehrenkodex der Stadt selbst mit dem Schwert aburteilt. In dem antiken Vorbildepigramm tut die Frau eine männliche Äußerung (V. 4 […] ) und richtet den Sohn, da er sich Spartas unwürdig verhalten hat (V. 5 […] ) und Vaterland sowie Geschlecht getäuscht hat (V. 6 ). Referenzgröße ist nur der männliche Ehrenkodex Spartas. 22 Marullus epigr. 4, 3 p. 81 Perosa Tuta suis monstris et iam nova laurea Daphne, S i c q u o q u e amatori sed tamen aspra deo „Nunc“ ait „exulta r a m o s complexus i n a n e s ; Ut tua sim, coniunx non ero nempe tua.“ 23 Politian. epigr. graec. 40 Pontani ’ , , , · ’ ’ · „ ’ , · , .“ 24 Anth. Pal. 9, 61 ’ , ’ , · „ “ „ , , ’, .“ <?page no="137"?> Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian 127 Dagegen in dem griechischen Epigramm Polizians (vgl. Anm. 23) wird die „spartanische Frau“ zur weiblichen Referenzgröße und zum normativen Inbegriff eines neuen Wertideals; im Schlußdistichon heißt es: „Stirb wie der Sohn e i n e r S p a r t a n e r i n , da du nicht wie e i n S p a r t a n e r sterben willst“ - womit das neue weibliche Ideal mit dem herkömmlichen männlichen explizit konfrontiert wird. In V. 3 wird die Medea-ähnliche Tragik der Spartanerin thematisiert, die das von ihr geborene und genährte Kind selbst tötet, und in V. 5 verlängert sie ihr jetziges Empfinden in diese Vergangenheit: „Wenn ich dich für einen solchen gehalten hätte, hätte ich dich gar nicht erst geboren“. Erst in der griechischen Version Polizians wird das eigenständige weibliche Wertideal einer „spartanischen Frau“ konstruiert, zelebriert und monumentalisiert. Wohl einen leichten Reflex dieser Neugestaltung Polizians finden wir in einem Epigramm des verhaßten Marullus. 25 In diesem jambischen Stück beschimpft die Mutter ihren Sohn eben nicht als […] wie in dem AP-Gedicht, sondern (V. 5) als non digna me proles. Auch hier ist die Frau selbst die Referenzgröße. Kommen wir - als nächstes Beispiel - zum Motiv des „ackernden Eros“. Die antike Behandlung dieses Motivs ist unter dem Namen des Moschos überliefert: 26 Eros staffiert sich als Landmann aus und pflügt beim Säen mit einem Gespann aus Stieren (V. 3). Dann droht er dem als Wettergott verstandenen Zeus (V. 5-6): „Fülle meine Äcker (sc. mit Früchten), damit ich nicht dich, den Stier der Europa, unter das Joch spanne“. Diese Drohung operiert also mit der Vorstellung, Eros könnte bei seiner Feldarbeit den als „Stier der Europa“ figurierenden Zeus zum Pflügen verwenden. 25 Marullus epigr. 2, 6 Mater Lacaena conspicata filium Relicta inermem parmula Progressa contra traiicit ferro latus Super necatum his increpans: „Abi hinc, morere, n o n d i g n a m e p r o l e s , abi, Mentite patriam et genus.“ 26 Anth. Pal. 16, 200 (Moschos) , ’ · . ’ · „ [v.l. ] , ’ .“ <?page no="138"?> 128 Thomas Gärtner Vergleichen wir nun hiermit die lateinische Fassung Polizians. 27 Die Schlußdrohung lautet hier (V. 6): Ne cogam Europae te iuga ferre bovem. In der griechischen Version (vgl. Anm. 26, V. 6) hat man als Apposition zu zu verstehen; im Griechischen sind die syntaktischen Verhältnisse aufgrund der Regel, daß die Apposition zum Personalpronomen mit Artikel zu stehen hat, eindeutig. Im Lateinischen spricht nichts dagegen, analog Europae […] bovem als Apposition zu te aufzufassen: „damit ich nicht dich als Stier Europas zwinge, mein Joch (sc. bei der Landarbeit) zu tragen“. Eindeutig in diesem Sinne gibt später Henricus Stephanus 28 (V. 6) den Pentameter wieder mit Ne te Europaeum dem sub aratra bovem, und auch Marullus macht in seiner variierenden Wiedergabe 29 deutlich, daß Jupiter an die Stelle des von Amor verwendeten Stiers treten soll. Doch man muß sich fragen: Ist diese Deutung, welche Europae mit bovem verbindet, naheliegend, wenn man nur den lateinischen Pentameter Ne cogam Europae te iuga ferre bovem vor sich hat? Wenn man nur diesen Pentameter ohne griechischen Text zu übersetzen hätte, so gäbe man ihn m.E. am ehesten folgendermaßen wieder: „damit ich nicht dich zwinge, als Stier (sc. in Stiergestalt) d a s J o c h E u r o p a s zu tragen“. Dann würde Europae nicht zu bovem (wie im Griechischen ), sondern zu iuga gehören. In dieser Weise verstanden, entfernt sich der Pentameter zwar von der sachlichen Grundkonstellation des „pflügenden Eros“, insofern Jupiter dann nicht mehr im wörtlichen Sinne für Amor pflügen, sondern das Joch der Eu- 27 Politian. ex Moscho p. 528 del Lungo Peram humeris habilem posito nunc induit arcu Et posita baculum lampade sumpsit Amor, Subque iugum missos stimulo citat ecce iuvencos Improbus et cultae semina mandat humo, Suspiciensque polos „imple“ inquit „Iuppiter, arva, N e c o g a m E u r o p a e t e i u g a f e r r e b o v e m “ . 28 Henricus Stephanus, Epigrammata graeca selecta ex Anthologia, p. 218. Pro pharetra et facibus peram stimulumque Cupido Sumpsit aratoris munus obire volens, Utque iugo validis oneravit colla iuvencis, Versatae coepit credere semen humo, Et mox suspiciens „ure [gr. ]“ inquit „Iuppiter arva, N e t e E u r o p a e u m d e m s u b a r a t r a b o v e m . “ 29 Marullus, epigr. 2, 47 Spreverat Idalium rerum plebs indiga numen, Iamque puer Veneris cesserat urbe fame. Ergo boves iungit curvoque innixus aratro Pinguia ruricolae suscitat arva modo. Semina restabat terrae dare: semina dantem Non expectatis obruit auster aquis. Ille irae impatiens „agedum omnia, Iupiter,“ inquit „Sterne neca [gr. ]: e n e c t o t u b o v e t a u r u s e r i s . “ <?page no="139"?> Lateinische und griechische Epigramme bei Polizian 129 ropa tragen müsste; andererseits berücksichtigt er dann aber eines der grundsätzlichsten Konzepte, welches in der lateinischen Liebeselegie gegenüber der griechischen erotischen Dichtung neu betont oder zumindest wesentlich stärker hervorgehoben wird: das sogenannte servitium amoris, wonach in fundamentaler Umkehrung der gesellschaftlichen Verhältnisse der Mann zum Sklaven der Geliebten wird; diese Vorstellung passt natürlich besonders gut auf die Erniedrigung des höchsten Gottes. Daß Polizian solche Grundvorstellungen der römischen Liebeselegie selbst in seinen griechischen Epigrammen berücksichtigt, zeigt ein letztes Textbeispiel. Über die paradoxermaßen bewaffnete spartanische Aphrodite gibt es in der Anthologia Palatina eine ganze Serie von Epigrammen. Zwei alternative Erklärungen werden in den antiken Epigrammen angeboten: 1. Aphrodite muß als Geliebte des Kriegsgottes Ares ebenfalls Waffen tragen 30 - nicht besonders eindrucksvoll. 2. Aphrodite hat im Liebesspiel Ares besiegt, ihn nach archaisch-epischer Tradition der eigenen Rüstung entkleidet und diese selbst angelegt. 31 Diese zweite Erklärung, die einen metaphorischen bzw. erotischen Sieg der Aphrodite voraussetzt, wirkt wesentlich witziger. Doch Polizian hat sich für seine griechische Fassung (epigr. 55) 32 wieder etwas Anderes ausgedacht. Aphrodite erklärt die Tatsache ihrer Bewaffnung folgendermaßen (V. 5-8): 30 Anth. Pal. 16, 176 (Antipater) · ’ , . . 31 Anth. Pal. 16, 171 (Leonidas) , , ; · , . Ferner Anth. Pal. 16, 177 (Philippos) , , ; . ’ ; ’ , ; 32 Politian. epigr. graec. 55 Pontani „ , , ’ ; ’ ’ [cf. Hom. Il. 5, 428] , ’ .“ „ ’ , ’ ’ , ’ . ’ ’ . “ <?page no="140"?> 130 Thomas Gärtner ’ , ’ ’, ’ . ’ ’ . Aber ich rüste mich nicht zur Schlacht, sondern ich lege die Waffen des Ares an, damit Ares (selbst) den Kampf vergisst. Denn wenn er in mir allein sowohl Kriegsgerät als auch Liebesspiel gefunden hat, wird er niemals mehr sein Lager abseits meines Schlafzimmers aufschlagen. Aphrodite möchte ihrem Ares ein „Gesamtpaket“ ( ) bieten, das ihn dauerhaft davon abhält, andere Schlachtplätze als ihr Schlafzimmer aufzusuchen. Man wird kaum annehmen dürfen, daß sich Aphrodite, um Ares zu stimulieren, auf einen physischen Kampf mit diesem einlassen will, sondern auch hier eine Metaphorisierung des Kampfbegriffs annehmen (wie sie letztlich auch in den griechischen Vorbildern - vgl. Anm. 31 - vorlag). Jedoch entspricht diese Metaphorik (ein „Kampf im Schlafzimmer“, der den Liebenden dauerhaft von den Schauplätzen realer Kriege fernhält) exakt dem Konzept der militia amoris in der römischen Liebeselegie - genau dieses Motiv integriert Polizian hier in das Gefäß des griechischen Epigramms. Literatur Haupt, Moritz: De carminibus bucolicis Calpurnii et Nemesiani, Berlin 1854 (= Opuscula I, Leipzig 1875, 358-406). Laskaris, Johannes: Giano Laskaris, Epigrammi Greci, a cura di Anna Meschini, Padua 1976. Marullus, Michael: Michaelis Marulli carmina, ed. Alessandro Perosa, Zürich 1951. Poliziano, Angelo: Omnia opera Angeli Politiani et alia quaedam lectu digna, Venedig 1498 (Aldina). Mindt, Nina: Martials ‚epigrammatischer Kanon‘, München 2013. Persius Flaccus, Aulus: Satiren, herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Walter Kißel, Heidelberg 1990 (= Kißel 1990). Poliziano, Angelo: Isidoro del Lungo, Prose volgari inedite e poesie latine e greche edite e inedite di Angelo Ambrogini Poliziano, Florenz 1867. Poliziano, Angelo: Liber epigrammatum Graecorum, a cura di Filippomaria Pontani, Rom 2002 (Edizione Nazionale dei Testi Umanistici 5). Stephanus, Henricus: Epigrammata graeca selecta ex Anthologia, Genf 1570. Tondo, Isabella: Uomini dal naso di cane. Figure dell’intelligenza in Roma antica, Rom 2007. <?page no="141"?> Gianna D’Alessio (Cassino) Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio in un capitolo della Miscellaneorum Centuria Secunda di Poliziano (Misc. II, 49, Taras) Il capitolo 49 della Seconda Centuria può essere correttamente interpretato solo collocandolo diacronicamente nella vasta esegesi umanistica dedicata alle Silvae di Stazio. A tal proposito, fondamentale risulta tuttora l’articolo della Cesarini Martinelli che analizzava il ruolo delle Silvae di Stazio nella critica testuale di Poliziano, invitando ad approfondire la ricerca in analisi più dettagliate, che tenessero conto delle diverse posizioni e interpretazioni staziane date dall’umanista a partire dagli anni ‘70. 1 Non sarà quindi inutile ricostruire alcuni aspetti del metodo filologico di Poliziano, riprendendo e riconsiderando anche testimonianze già note, al fine di far emergere le verisimili intenzioni per cui venne scritto il capitolo della Seconda centuria. 2 Partiamo dall’indagare con attenzione il capitolo, tra gli ultimi dell’opera incompiuta del filologo e intitolato semplicemente Taras: Poliziano analizzava alcuni versi della prima silva del primo libro di Stazio (Stat. Silv. 1, 1, 102-104), secondo la vulgata che si era diffusa tramite l’editio princeps (Venezia, 1472): 3 1 Cesarini Martinelli 1975, 130-174. Sull’identificazione del codice delle Silvae di Stazio usato da Poliziano si vd. anche il contributo di Reeve 1977, 202-225, secondo cui, al contrario della Cesarini Martinelli e in linea con Pastore Stocchi 1966, 39-74, il codice va identificato con il Matritense 3678 (M), il famoso apografo spedito da Poggio al Barbaro, capostipite di tutti i manoscritti esistenti. La questione è ancora dibattuta e non viene affrontata dettagliatamente in questa sede, in considerazione del fatto che, in relazione ai versi discussi, è sufficiente valutare che Poliziano, nel caso in cui non avesse letto e collazionato effettivamente M, ha sicuramente conosciuto la tradizione manoscritta del testo staziano appartenente alla famiglia fiorentina dei codici direttamente derivati dal codice antico fatto copiare da Poggio e ha letto probabilmente un apografo di M, non rintracciabile, a cui attribuiva somma valenza filologica e che per qualche ragione identificava proprio con l’esemplare portato da Poggio in Italia, attraverso la definizione di poggianus liber (vd. Rizzo 1973, 155-161). 2 Per i riferimenti alla Seconda Centuria si fa generalmente riferimento alla divisione in paragrafi e alle pagine dell’editio minor di Branca e Pastore Stocchi (Poliziano, Misc. II, ed. min.). Laddove indicato esplicitamente, per correzioni e aggiunte marginali, si ci riferisce all’originale riprodotto fotograficamente nell’editio maior a cura dei medesimi. 3 L’editio princeps contiene Catullo, Tibullo, Properzio e Selvae di Stazio (Statius 1472, ISTC: it00366400). Uno degli esemplari più noti è oggi conservato nella Biblioteca corsiniana (50 F 37), ed è la famosa stampa usata da Poliziano e da lui riccamente postillata, vd. Perosa 1955, n°. 1 = Maïer 1965, 361-362; per quanto riguarda il testo manoscritto su cui <?page no="142"?> 132 Gianna D‘Alessio et tua mitis Ora tonans tua sydereas imitantia flammas Lumina contempto mallet Rhodos aspera Phoebo. 4 Per il verso 103, era diffusa dunque la lezione tonans, al posto di quella corretta, presentata dal filologo come sua congettura, Taras. In particolare, Poliziano aveva in mente un’edizione commentata, edita a stampa, a cura di Domizio Calderini; 5 scrive infatti esplicitamente in un’aggiunta marginale, coeva si basa l’edizione a stampa si vedano le puntuali osservazioni contenute nell’introduzione a Statius 1970, XLIII-XLIV: Marastoni sottolinea che la stampa, pur con intrusioni provenienti da altre famiglie, si basa sostanzialmente, per il testo di Stazio, sui codici manoscritti della famiglia . 4 Le edizioni moderne delle Silvae si comportano ambiguamente rispetto al ruolo delle collazioni di Poliziano, annotate nell’esemplare corsiniano dell’editio princeps, in vista della costituzione del testo e dell’apparato dell’edizione critica di Stazio; si possono individuare due orientamenti: gli editori che scelgono di escludere Poliziano in considerazione del fatto che le sue collazioni vengono considerate descriptae dal codice M e quelli invece che lo considerano latore di una redazione non derivata direttamente da M. Punto di partenza sicuramente significativo è costituito da Klotz (Statius 1911): per i versi considerati stampa la lezione Tarans di M e altri codici, ricordando la congettura Taras di Poliziano, desunta dagli appunti e dalla lettera al Beroaldo (vd. infra); contro Taras ricorda un passo di Verg. Aen. 1, 741 Atlans. L’edizione curata da Marastoni (Statius 1970), presenta, come quella di Klotz, la lezione tarans, ma non considera le lezioni di Poliziano, visto che le collazioni sulla stampa corsiniana sono considerate come lezioni apografe di M. Ugualmente si comporta Traglia (Statius 1978), che però riporta la congettura di Poliziano considerando la stampa e gli appunti del corso su Stazio dell’’80-’81: [Tarans M, Taras A (lectiones a Politiano Corsiniano exemplari adscriptae sine ulla certa indicatione), (codex Magl. VII 973)]. Courtney (Statius 1990, XI-XXII), che pure stampa Tarans, ritiene che per una ragione psicologica Poliziano attribuisca la lezione Taras, sua congettura, al codice poggiano, identificato con M, nella pagine del Magl. VII 973, ma afferma che il codice usato per le note nella stampa corsiniana è lo stesso di quello citato nella Seconda Centuria. 5 Ragguagli essenziali sulla biografia di Domizio Calderini con ulteriore bibliografia sono contenuti in Perosa 1973, 597-605 e Campanelli 2001. In un volume miscellaneo stampato nel 1502 (In hoc volumine haec continentur. Marci Antonii Sabellici Annotationes veteres & recentes: ex Plinio: Liuio: & pluribus authoribus. Philippi Beroaldi Annotationes centum. Eiusdem Contra Seruium grammaticum libellus. Eiusdem Castigationes in Plinium. Eiusdem etiam Appendix annotamentorum. Ioannis Baptiste Pii Bononiensis Annotationes. Angeli Politiani Miscellaneorum centuria vna. Domitii Calderini Observationes quedam. Eiusdem Politiani Panepistemon. Eiusdem prelectio in Aristotelem: cui titulus est Lamia. Baptiste Egnatii Veneti Racemationes, Venetiis, stampata presso Iacobus Pentius de Leuco, 16 Dicembre 1502), compaiono alcuni brevi commenti di Marco Antonio Sabellico al passo delle Silvae 1, 1, 103- 104, in cui il filologo, di formazione romana e di pochissima cultura greca, cercava di superare la lezione tonans spiegandola in questo modo e avvicinandosi molto alle posizioni di Poliziano: «Atticus olei senior Iovis et tua mitis / ora tonans tua sydereas imitantia flammas / lumina contempto mallet Rhodos aspera Phoebo: ubi si mitis tonans legas, praeterquam quod frigide nimis dictum videri possit partum, similitudine usus esset poeta ab Phidia ad Iovem et ab eo rursus ad Rhodum transgressus; quare vide ne Tara sit non tonans legendum, ut conditoris nomen sit inibi pro Taranto positum, ubi Lysippus, <?page no="143"?> Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio 133 al testo e probabilmente successiva alla rilettura dei commenti di Domizio ad locum: quae tamen dicit nihil omnino ad rem Domitius. 6 Il commento di Domizio Calderini risulta in effetti per questo luogo approssimativo e sembra semplificare il passo staziano; il v. 103 è del tutto tralasciato e il filologo romano si limita a scrivere poche indicazioni relative esclusivamente ai versi precedenti e successivi: Contempto Phoebo: Contempta statua et colosso Phoebi. Nam Rodii statuam et colossum Solis habebant septuaginta cubitorum altitudinis, quam fecit Cares Lyndius, Bisippi discipulus; ea prostrata est post quinquagesimum sextum annum. Rhodos aspera, ob situm. 7 Il commento al v. 104, nel riferimento alla statua di Rodi, può in qualche modo aver indirizzato anche l’interpretazione di Poliziano, come vedremo. Per corroborare la sua congettura, Poliziano recupera la lezione che leggeva nel poggianus liber, così descritto: Verum poggianus liber, quem viderat etiam ante nos idem Domitius, mendosus ille quidem utpote gallicani cuiusdam indocti hominis manu descriptus sed ex antiquo ut arbitror (ita certe vestigia multa indicant merae vetustatis) a Plynio auctore, colossum LX cubitorum ingeniose fabricatus est; quae sane opinio eo videtur vero proprior, quia statim et Rhodum subiecit, quae et ipsa Phoebi est colosso nobilitata». Sarebbe da indagare con più precisione quando furono stesi questi appunti e se sono stati letti da Poliziano, che comunque non mi sembra faccia mai un riferimento, diretto o indiretto, al Sabellico. Sulla biografia del Sabellico si vd. Accame 2008, 24-26 e note; Tateo 1982, 510-515; Rita 2004; Sabellico 1999, 7-8 e note. 6 Poliziano, Misc. II, 49, ed. min. c. 67r, 7, 90. 7 I commenti di Calderini a Stazio (Statius 1475, ISTC: is00697000) sono editi per la prima volta il 1° agosto del 1475, insieme ai commenti del filologo all’epistola ovidiana di Saffo a Faone e alcune note su passi di Properzio; su questa opera, che è l’ultima del Calderini e dedicata non ad un membro della famiglia Medici ma a Agostino Maffei, influente rappresentante della curia romana, si vd., in particolare, Dionisotti 1968, 167-170. Ho consultato l’incunabolo corsiniano con segnatura 49 A 23, ff. 11v e 14v; per il passo di Stat. Silv. 1, 1, 102-104, Calderini scrive: Atticus elei senior Iovis et tua mitis / Ora tonans tua sydereas imitantia flammas / Lumina contempto mallet rhodos aspera phoebo. Trascrivo anche i commenti ad locum di Domizio Calderini secondo i lemmi da lui individuati: «Atticus senior: Phidias Atheniensis simulacro Iovis Olympii ex ebore effecto perpetua nobilitate claruit; invidit quam familiaritate periclis contraxit tandem in carcerem coniectus mortuus est. Plinius Fidiam clarissimum ecce per omnes gentes quae Iovis Olympii famam intellegunt nemo dubitat alibi, ante omnes tamen Phidias Atheniensis Iove Olympio facto ex ebore statuam, cum dicaretur Iupiter fulmine probavit, ut scribit Pausanias. Senior: nam fuit alter Phidias pictor et iunior. Iovis elei: id est Olympii: nam Elis iuxta Olimpium. Templum est in Peloponneso, locus autem ubi ludi celebrantur Olympia dicebantur, non Olympus mons nam Olympus inter procul abest neque in monte ii ludi agebantur. […] Rhodos aspera, ob situm.» <?page no="144"?> 134 Gianna D‘Alessio quo uno tamen cetera quae usquam sunt exemplaria emanaverunt. Is igitur poggianus liber sic habet: «et tua mitis Ora Tarans». 8 È chiaro dunque che il codice descriptus sed ex antiquo gli serve esclusivamente come supporto filologico al sommario e lacunoso commento di Domizio Calderini, che, a suo dire, è a maggior ragione colpevole in quanto anche lui lettore del medesimo codice; aggiunge poi - ed è questo il vero fulcro del capitolo - un ricco corredo di autori latini e soprattutto greci, tra cui emerge in particolare Ateneo (Ath. 12, 23, 522d), utilizzato per spiegare perché i tarentini si definiscano molles; il passo è trascritto a f. 70 v ed è richiamato nel margine del f. 67r tramite dei segni di rimando, indizio di una aggiunta sicuramente successiva alla prima stesura del capitolo. In particolare, Poliziano nota che la citta di Taranto era detta in latino Tarentum mentre in greco, , come è testimoniato da un oracolo che ricava da Strabone (6, 3, 2). Il fondatore della città, seguendo le indicazioni di Servio relative ad un passo dell’Eneide, sarebbe appunto un tale Taras spesso identificato con uno dei figli di Nettuno (Serv. Aen. 3, 551). 9 E a tal proposito aveva intenzione di aggiungere, come ci testimonia una nota a margine riferita al passo di Servio, la testimonianza tratta da Aristotele («Aristoteles in 4° Politon [1291b]»). Spiega poi perché la città è definita mitis, così come i suoi abitanti molles Tarentini. Cita quindi, prima dell’aggiunta di Ateneo, un verso di Giovenale (6, 297) e la definizione di Macrobio (Macr. sat. 3, 18, 13) per cui il nome stesso della città significa molle, motivo per cui Orazio può scrivere et molle Tarentum (Hor. sat. 2, 4, 34). Tramite Luciano e Polluce ricorda anche la definizione della veste femminile chiamata tarantinidion. E continua con delle notazioni di carattere stilistico, sostenendo la felice espressione antitetica (antitheto etiam festivo) creata da Stazio nell’accostare Rhodos aspera e mitis Taras, in riferimento al fatto che in entrambe le città vi fossero due statue colossali. È proprio questa notazione a dare inizio alla parte conclusiva del capitolo in cui Poliziano discute di alcune fonti che parlavano della statua di Taranto. Prima di tutto, recupera una citazione indiretta da Lucilio, conservata in Nonio Marcello (Non. 3, cubitus Lucil. 16, 10), secondo la quale a Taranto vi era una statua enorme di Giove, scolpita da Lisippo, alta 40 cubiti. Il dato è confermato anche da una citazione greca: Strabone infatti ricordava una grandissima statua di Giove, che si trovava a Taranto e che era seconda solo al colosso 8 Misc. II, 49, c. 67r, 8-12, ed. min. 90. 9 Serv. Aen. 3, 551: fabula talis est: Lacones et Athenienses diu inter se bella tractarunt, et cum utraque pars adfligeretur, Lacones, quibus iuventus deerat, praeceperunt, ut virgines cum quibuscumque concumberent. factum est ita, et cum post sedata bella iuventus incertis parentibus nata, et patriae [erubesceret] et sibi esset obprobrio: nam partheniatae dicebantur: accepto duce Phalanto, octavo ab Hercule, profecti sunt, delatique ad breve oppidum Calabriae, quod Taras, Neptuni filius, fabricaverat, id auxerunt et prisco nomine appellaverunt Tarentum. bene ergo nunc ‘Herculei Tarenti si vera est fama’, quia Taras condiderat, auxerat Phalantus. <?page no="145"?> Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio 135 di Rodi. Il capitolo termina con la citazione di Plinio, il quale diceva che nessuno era riuscito a trasferire a Roma la statua per proteggerla a causa della grandezza e della difficoltà del trasposto (Plin. nat. 34, 7, 40). Il cuore del capitolo non è quindi esclusivamente la congettura Taras né la focalizzazione sul codex poggianus, come sembrerebbe a prima vista, ma la argomentata e critica valutazione delle auctoritates citate, nell’ottica di una sintesi generale sul passo staziano, che Poliziano si proponeva di mettere insieme ricollegando e richiamando alla memoria suoi interventi critici, anche di molto lontani nel tempo. È utile quindi ricordare che Poliziano, il 1° aprile del 1494, scriveva in un’epistola al Beroaldo che ancora adulescens, vivente adhuc Domitio, aveva segnato marginibus domestici codicis una serie di adnotationes al testo delle Sylvae che inviava in elenco al suo amico in modo che nessuno se ne potesse appropriare illegittimamente. Tra queste spunta, in relazione a Stazio, la congettura Taras ripresa nel capitolo in questione; scriveva infatti: nec mitis apud nos tonans, immo Taras, quo Neptuni statua innuitur, cuius apud Nonium Lucilius, cuius (ut omittam graecos) etiam Plinius meminit. 10 È Poliziano stesso a rivelarci che queste note, di cui un plagiatore si era appropriato senza il suo consenso, non erano quelle desunte dal suo corso su Stazio degli anni ’80-’81, ma certe notarelle che aveva scritto su un suo quaderno di appunti e che trascriveva nell’ epistola per rivendicare la sua posizione in merito a non pochi punti del testo di Stazio, sottolineando che aveva solo annotato i passi, non li aveva esplicati e annunciando il desiderio di approntare un nuovo commento al testo delle Silvae. Come sostengono Branca e Pastore Stocchi, il capitolo della Seconda Centuria va datato all’agosto del 1494, 11 dunque poco dopo l’epistola appena ricordata, di cui il capitolo sembra una prima naturale continuazione. In riferimento invece al quaderno di appunti sembra probabile, come ha dimostrato la Cesarini Martinelli, che Poliziano non stia parlando delle sue note di collazione e di esegesi aggiunte all’esemplare dell’Editio princeps delle Silvae di Stazio della Biblioteca corsiniana. Le note presenti nella stampa sono quelle che Poliziano aveva raccolto e poi utilizzato per il corso istituzionale su Stazio, quasi tutte databili tra il 1475 e il 1480, e desunte dallo stesso codex poggianus usato per la Seconda Centuria. 12 10 Vd. Politianus 1970, epist. VI, 1. 11 Vd. Poliziano, Misc. II, ed. min. 26. 12 È ormai superata la posizione di Engelmann 1902, 112-140 il quale riteneva, sulla base di questa epistola, che il Poliziano non avesse conosciuto il codex poggianus fino all’aprile del 1494; la cosa è impossibile, come afferma Cesarini Martinelli 1975, 135-140, dal momento che al tempo del commento universitario dedicato a Stazio (1480-1481), Poliziano attingeva pienamente al codice che tramandava le lezioni del codex antiquus di Poggio; lo stesso codice è utilizzato e sottoposto a serrata collazione nei margini della stampa corsiniana, come mostrano indizi contenutistici e soprattutto paleografici. Sono presenti grafie posteriori al 1480 ma in misura molto minore rispetto a quelle giovanili. Poliziano <?page no="146"?> 136 Gianna D‘Alessio Meritano invece di essere nuovamente considerati i commenti per il corso su Stazio, che Poliziano non pensò mai di pubblicare: in riferimento al v. 103 qui discusso, Poliziano scriveva (Magl. VII 973, f. 38v, ed. Cesarini Martinelli): TARAS: ita habet codex emendatior, non ut ii perverse mutarunt «Tonans»: nec enim sensus ullus sequitur. Diximus autem superius ex Plinio de Lysippi Iove, qui Tarenti erat. De eo etiam meminit Strabo de Tarento loquens: (Strab., 6, 3, 2). Lucilius quoque Satyrarum libro 26, ut est apud Marcellum in dictione «cubitus», sic ait: Lysippi Iupiter istac Transivit XL cubita altus Tarento. Taras autem graece dicitur. Eius autem urbis, ut scribit Servius, Taras conditor; aucta est deinde a Phalanto Lacedaemonio. 13 (Istac ex isthac; Tarento ex transivit int. lin.). Il codice emendatior da cui trae la lezione, come ha giustamente osservato la Cesarini Martinelli, è sempre lo stesso codice poggiano usato anche nella Seconda Centuria, così indicato in riferimento al fatto che per quanto scorretto è senza dubbio il miglior manoscritto della tradizione, il meno corrotto; è in sostanza un’altra espressione per indicare quel codice ampiamente descritto fin dall’inizio dei suoi appunti. 14 Va notato però, in primo luogo, che Poliziano presenta la lezione Taras senza alcun riferimento al fatto che sia una sua congettura; più probabilmente non pensava di dover notare in dettaglio il fatto che la lezione del codice Tarans fosse stata sottilmente corretta in Taras. Se è impossibile arrivare ad affermazioni più certe in merito ad appunti che non furono mai pensati per la pubblicazione, certamente l’intenzione di Poliziano doveva essere principalmente cominciò a postillare l’incunabolo corsiniano qualche tempo dopo che venne in suo possesso, forse in contemporanea alle emendazioni al testo di Catullo del 1473. Sicuramente dopo il 1475, prima del corso dell’’80, collazionò il testo di Stazio con il codice poggiano e con l’edizione di Calderini. 13 Per il testo degli appunti, di cui si cita dal f. 38v, si vd. Cesarini Martinelli 1978, in cui vi è la trascrizione di tutte le note contenute nel Magl. VII 973. Si noti che nelle postille della stampa a f. 131v abbiamo la stessa correzione istac da isthac e compare in interlinea il verbo transivit, presente nella citazione di Nonio Marcello, trascritta nella stampa, corretto negli appunti per il corso in Tarento. 14 Come afferma Cesarini Martinelli 1975, 142 n. 2, al contrario di Pastore Stocchi 1966, 39- 74, il quale riteneva che il codex emendatior fosse un codice diverso dal poggiano, un buon recenziore che conservava lezioni dell’archetipo. In particolare si consideri il significato del termine emendatus dato da Rizzo 1973, 214-215, secondo cui emendatus si riferisce al «buon codice», il più attendibile. È d’altra parte in questo senso che va considerato anche quanto scrive Poliziano nel codice Magl. VII 973 a c. 4r in merito al codex poggianus: «Pauca de codice ipso. Latuere autem hi libelli multos annos ad nostram usque memoriam, atque a Poggio viro doctissimo e Germania in Italiam tralati sunti, mendosi quidem ac mutilati et, ut verius dixerim, dimidiati, sed quorum tamen summum operae pretium constiterit.» <?page no="147"?> Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio 137 quella di criticare la lezione tonans, brutalmente stroncata, piuttosto che giustificare la lezione Taras. 15 È invece più significativo il fatto che Poliziano, in secondo luogo, dando il correlativo greco del nome della città scrive un nominativo e, in fine, correda la lezione con citazioni tratte da autori latini, Plinio, Servio e Lucilio, a cui si aggiunge il greco Strabone, senza alcuna sua ulteriore argomentazione. Sembrerebbero, in effetti, esserci in nuce tutte le osservazioni contenute nel capitolo 49 della Seconda Centuria da cui siamo partiti, che si configura quasi come un riassunto più ragionato e dettagliato dei vecchi appunti; come scrive Pastore Stocchi: «la ripresa dei vecchi appunti per il corso staziano dovette avere in qualche modo nel ’93-’94 il sapore di una riscoperta anche per certe posizioni metodologiche». 16 In realtà il tratto distintivo di questo capitolo, al contrario di quanto ritenuto da Branca e Pastore Stocchi, non è affatto da rintracciare nel fatto che Poliziano consultasse un codice diverso, il poggianus liber, rispetto a quello utilizzato per le note a Stazio, contenute nella stampa corsiniana, note che, come abbiamo già ricordato, sono quasi tutte coeve o anteriori al corso dell’anno accademico ’80-’81 e presuppongono la lettura del così detto codex poggianus, conosciuto a partire dal 1475 17 e usato nuovamente nella Seconda Centuria. 18 Risulta quindi automatico chiedersi per quale motivo Poliziano abbia voluto riaffrontare un tema vecchio, su cui in sostanza non c’era nulla di nuovo da dire, in un capitolo della Seconda centuria. Prima di tutto, come abbiamo notato fin dall’inizio, e come Poliziano fa spesso nelle pagine di questo suo ultimo lavoro filologico, e anche nell’epistola ricordata, sua principale cura 15 Courtney (Statius 1990, XI-XXII) ritiene che per una ragione psicologica Poliziano avrebbe attribuito la lezione Taras, sua congettura, al codice poggiano, nelle pagine degli appunti; il codice usato per le note nella stampa corsiniana è però, in linea con la Cesarini Martinelli, identificato con quello citato nella Seconda Centuria. 16 Vd. Poliziano, Misc. II, ed. min. 26. 17 Vd. supra n. 12. 18 L’attenzione con cui Poliziano si avvicina al testo tramandato dal codice di Poggio, come afferma nella Seconda Centuria, pregevole perché descriptus da un codice considerato antico, si desume chiaramente dalla subscriptio della stampa corsiniana, scritta a ridosso del corso sulle Silvae e quindi stranamente posteriore alle prime postille vergate (f. 187v): «Incidi in exemplar Statii Sylvarum, quod ex Gallia Poggius Gallica scriptum manu in Italiam attulerat, a quo videlicet uno, licet mendoso depravatoque et (ut arbitror) etiam dimidiato, reliqui omnes codices qui sunt in manibus emanarunt. Quare cautio mihi fuit ne quid in corrigendo hoc nostro ab illo mutarem, ne nimia (ut adsolet) diligentia aut mihi aut ceteris studiosis noceret. Quem si modum tenerent ceteri librorum emendatores tenuissentque priores, minus multo laboris in hac re quam nunc habemus haberemus.» In effetti non c’è molta differenza tra questa posizione metodologica e quella che si riscontra nella descrizione del liber poggianus riassunta nella Secunda Centuria. <?page no="148"?> 138 Gianna D‘Alessio era di controllare e correggere le lezioni divulgate tramite la stampa, facendone conoscere le correzioni. 19 In aggiunta, nel riprendere la questione della lezione Taras, e certamente nel rileggere i suoi precedenti appunti, trova occasione al contempo di rinfrescare e migliorare quelle vecchie note staziane, in vista anche dell’ulteriore corso sulle Silvae pensato proprio per il 1494. Le fasi di questo lavoro si intravedono in filigrana, se si considera nuovamente la stampa corsiniana e si pone attenzione ad una nota marginale, relativa al verso in questione, fino ad ora mai considerata. 20 Nel margine superiore esterno, anche se rifilato, si legge, quanto già riassunto al tempo del corso nel manoscritto Magliabecchiano: [ei]us filius nomine Taras, cum urbem condidit; auxit vero Phalantus octavus ab Hercule dux Laconum, qui partheniati sunt dicti, ut est apud Servium. 21 Anche la nota che inizia al centro del margine superiore, sotto la precedente, sfociando nel margine destro, è contenuta negli appunti degli anni ’80-’81. Scrive infatti Poliziano nell’incunabolo corsiniano: Lucilius, Sat. 26 Lysippi Iupiter istac (ex isthac) transivit XL cubita altus tarento. Lege N. Mar. in dictione cubitus. Entrambe queste note sono databili per la Cesarini Martinelli ad una fase precedente il corso su Stazio, tra il 1475 e il 1478, mentre per la nota nel margine sinistro, suggeriva una data successiva al corso sulle Silvae. Tale nota è in effetti posteriore non solo su basi paleografiche ma anche in quanto latrice di indicazioni nuove rispetto agli appunti per il corso. Nell’appunto infatti Poliziano scriveva: 19 Poliziano sentiva il bisogno di rivendicare come proprie la congettura e l’esegesi della lezione Taras; d’altra parte per lo stesso motivo, scriveva la lettera al Beroaldo: sappiamo non doveva essere infrequente né difficile appropriarsi illegittimamente di annotazioni altrui. Significativo è notare che, se nella circolazione a stampa si era largamente diffusa la lezione tonans, diversamente nei manoscritti compare, almeno una volta e probabilmente ricavata dal corso di Poliziano, in una nota a margine la lezione Taras. Mi riferisco al ms. della Laurenziana di Firenze, già citato dalla Cesarini Martinelli 1975; il Convent. Soppr. 6, di cui parla anche Reeve 1977, 202-225 è il codice di Stazio appartenuto a Giorgio Antonio Vespucci; ed infatti la mano che scrive Taras può essere senz’altro attribuita a quella di Giorgio Antonio Vespucci e databile agli anni ’80-85, in considerazione delle valutazioni di De la Mare 1973, 119. 20 Le postille di interesse si possono leggere, scritte in un inchiostro molto chiaro, a f. 131v dell’editio princeps di Catullo, Tibullo, Properzio e delle Silvae di Stazio (Venezia 1472, IGI 9657, Biblioteca Corsiniana 50 F 37). Queste note non erano leggibili a Engelmann 1902, 1-144; sulla stampa si è intervenuti con un restauro successivo allo studio dell’Engelmann, grazie al quale sono state eliminate molte macchine di umido, che rendevano illeggibili alcuni appunti marginali, si vd. Bollettino dell’Istituto di patologia del libro «Alfonso Gallo», 31, 1972, 1/ 4, 185. 21 Per Partheniati vd. Servius ad Virg. Ecl. 10, 57: quod Partheniae Lacedaemonii, duce Phalanto, ibi aliquando consederint priusquam in Italiam navigarent et Tarentum conderent. <?page no="149"?> Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio 139 Tarento colitur Neptunus: Hor., [ab] Iove neptunoque sacri custode Tarenti, 22 recte declinatur / . [D]omitius contra fidem antiqui textus contraque [coni]ecturae (? ) 23 rationem legit tonans Inserisce dunque due elementi non recepiti negli appunti del corso, fondamentali invece nella Seconda Centuria: la menzione di Orazio per quanto riguarda il legame tra Taras e Nettuno (lo stesso Orazio è poi citato nel capitolo in riferimento a mitis) e la corretta declinazione in greco del nome della città. Ma ciò che emerge con maggiore forza è la sferzata polemica contro il metodo di Domizio Calderini; nel riferimento che Poliziano fa al textus antiquus si può rintracciare anche un’allusione al fatto che Domizio aveva avuto modo di vedere, prima di Poliziano, il codex poggianus, secondo quanto affermato nella Seconda Centuria. Poliziano rielabora quindi nel capitolo 49, secondo un profilo filologicamente più corretto, quanto aveva asserito nel commento al corso su Stazio (ma ricordo che quegli appunti non erano pensati per la pubblicazione), aggiungendo con argomentazioni più precise le postille della stampa corsiniana. L’obiettivo di Poliziano resta comunque Domizio Calderini che nella sua edizione presupponeva la lezione tonans, non considerando né l’autorità di un valido codice, né assecondando un giusto ragionamento fondato sulla ratio di una plausibile congettura. A tal proposito, è sicuramente interessante spiegare la genesi della lezione erronea, che è comune a tutti i codici nominati già da Klotz e puntualmente identificati da Marastoni con la sigla , tra cui emerge in particolare, quello siglato G, cioè il ms. C95 della Biblioteca Vallicelliana di Roma; in tale codice, cartaceo, che fu commissionato da Pomponio Leto, prima del 1470, come copia di lavoro ad uso personale, per il v. 103 in questione si legge un erroneo tirans (banale corruzione da tarans) corretto dalla mano dello stesso Pomponio 22 Vd. Hor. carm. 1, 28, 28-29: unde potest tibi defluat aequo / ab Iove Neptunoque sacri custode Tarenti. 23 Propongo di leggere coniecturae non solo su basi paleografiche, ma anche in considerazione di quanto dice Rizzo 1973, 288: «Per gli umanisti la congettura corrisponde ad uno dei due canoni dell’emendare, alla ratio». Il secondo canone è fondato sull’auctoritas, su cui si basano le emendazioni derivate ope codicum (procedimento in questa nota sintetizzato da Poliziano con l’espressione fides antiqui textus), sulla base quindi dei codici o delle testimonianze di tradizione indiretta degli scrittori antichi. La ratio invece è riferibile alla sfera dell’intervento d’autore tramite coniectura. Il termine coniectura collegato alla ratio è sintagma già presente in Cic. top. 82 (Coniecturae ratio in quattuor partes distributa est) e sotteso in Quint. inst. 3, 6, 30 (coniectura dicta est a coniectu id est directione quadam rationis ad veritatem). Il giudizio di Poliziano sull’operare filologico di Domizio Calderini, fallace sia sul piano dell’auctoritas quanto della ratio, è cosa ben nota e viene dichiarato senza mezzi termini nel capitolo V della Seconda Centuria, in cui Poliziano discute un passo dell’Ibis di Ovidio, malamente interpretato da Domizio. <?page no="150"?> 140 Gianna D‘Alessio in tonans. 24 La famiglia è definita significativamente da Marastoni con il nome di «famiglia romana» 25 ed in effetti sembrerebbe che nella stessa direzione, implicitamente, si ponesse Poliziano che in sostanza, criticando la lezione tonans, getta discredito su una certa filologia di ambiente romano, identificata specificatamente nella persona del suo maestro dei primi tempi: non parrà quindi così strano che per capire meglio Poliziano, anche alla fine del XV sec., si debba partire da Calderini. 26 Bibliografia Accame, Maria: Pomponio Leto, vita e insegnamento, Tivoli 2008. Campanelli, Maurizio: Angelo Poliziano e gli antichi manoscritti di Marziale, Interpres 17, 1998, 281-308. Campanelli, Maurizio: Polemiche e filologia ai primordi della stampa: le Observationes di Domizio Calderini, Roma 2001. Cesarini Martinelli, Lucia: Le Selve di Stazio nella critica testuale di Poliziano, Studi italiani di filologia classica 47, 1975, 130-174. De la Mare, Albinia Catherine: The Handwriting of Italian Humanists, vol. I, fasc. 1, Oxford 1973. Dionisotti, Carlo: Calderini, Poliziano e altri, Italia Medievale e Umanistica 11, 1968, 151-185. Engelmann, Arthur: De Statii Silvarum codicibus, Lipsiae 1902. Engelmann, Arthur: Über die Handschriften der Silvae des Statius, Hermes 38, 1903, 285-291. Maïer, Ida: Les manuscrits d’Ange Politien, Genève 1965. Pastore Stocchi, Manlio: Sulle «curae statianae» del Poliziano, Atti dell’Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti 125, 1966-1967, 39-74. Perosa, Alessandro: Calderini, Domizio, Dizionario Biografico degli Italiani XVI, 1973, 597-605. Perosa, Alessandro (cur.): Catalogo della mostra del Poliziano nella Biblioteca Medicea Laurenziana, manoscritti, libri rari, autografi e documenti (Firenze 1954), Firenze 1955. Politianus, Angelus: Opera omnia, a cura di Ida Maïer, t. III (Opera miscellanea et epistulae), Torino 1971. 24 Vd. Statius 1911, 8. Il codice, siglato G nelle edizioni di Stazio, fu usato per gli studi pomponiani sul testo delle Silvae di Stazio ed infatti proprio su di esso si fonda l’edizione manoscritta di Silvae e Achilleis curata dal filologo romano, contenuta nel Vat. Lat. 3875 (I) postillato fino alla c. 3v, che già Marastoni (Statius 1970, XI), pur senza nominare Pomponio Leto, identificava come apografo diretto di G. Sulla genesi di questo codice si vd. Accame 2008, 90-91 e Scarcia Piacentini 1984, 491-555. A latere, ricordo che dalla stessa famiglia deriva anche il codice K (Vat. Lat. 3282), codice personale di Antonio Panormita, vd. Statius 1970, XII. 25 Statius 1970, XC. 26 Un caso analogo è quello descritto da Campanelli 1998 in riferimento ai codici di Marziale conosciuti da Poliziano. <?page no="151"?> Nuove riflessioni sulle Silvae di Stazio 141 Poliziano, Angelo: Commento inedito alle Selve di Stazio, a cura di Lucia Cesarini Martinelli, Firenze 1978. Poliziano, Angelo: Miscellanorum Centuria Secunda, editio minor, a cura di Vittore Branca e Manlio Pastore Stocchi, Firenze 1972. Poliziano, Angelo: Miscellaneorum Centuria Secunda, editio maior (introduzione, stampa anastatica, trascrizione sussidiaria a cura di Vittore Branca e Manlio Pastore Stocchi), 4 voll., Firenze 1972. Reeve, Michael D.: Statius’ Silvae in the Fifteenth Century, Classical Quarterly 27, 1977, 202-225. Rita, Giovanni: Da Vicovaro e Venezia. Introduzione a Marcantonio Sabellico, Tivoli 2004. Rizzo, Silvia: Il lessico filologico degli umanisti, Roma 1973. Sabellico, Marcantanio: De latinae linguae reparatione, a cura di Guglielmo Bottari, Messina 1999. Scarcia Piacentini, Paola: Note storico-paleografiche in margine all’Accademia Romana, in: Alphons Maria Stickler (cur.): Le chiavi della memoria. Miscellanea in occasione del I centenario della Scuola Vaticana di Paleografia, Diplomatica e Archivistica, Città del Vaticano 1984, 491-555. Statius, Publius Papinius: Tibullus, Albius, Elegiae. Add.: Propertius, Elegiae; Catullus, Carmina. Statius, Silvae. Guarinus Veronensis (= Benevenutus de Campesanis), Hexastichum. Hieronymus Squarzaficus, Vitae Catulli, Tibulli, Propertii. Ovidius, Elegia de morte Tibulli, ed. Vindelinus de Spira, Venetiis, 1472 (ISTC: it00366400). Statius, Publius Papinius: Silvarum libri V. Comm. Domitius Calderinus (Add. Ovidius: Sappho, comm. Domitius Calderinus; Domitius Calderinus, Elucubratio in quaedam Propertii loca), ed. Arnoldus Pannartz, Romae, 13 aug. 1475 (ISTC: is00697000). Statius, Publius Papinius: Silvae, herausgegeben von Alfred Klotz, Leipzig 1911. Statius, Publius Papinius: Silvae, edited by Aldo Marastoni, Leipzig 2 1970. Statius, Publius Papinius: Silvae, a cura di Antonio Traglia, Torino 1978. Statius, Publius Papinius: Silvae, edited by Edward Courtney, Oxford 1990. Tateo, Francesco: Coccio, Marcantonio, Dizionario Biografico degli Italiani XXVI, 1982, 510-515. <?page no="153"?> Daniela Marrone (Padua) La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano: ripensamenti terminologici Negli ultimi anni di insegnamento nello Studio fiorentino Poliziano commentò alcuni testi di Aristotele accettando l’invito dell’amico Pico della Mirandola a mettere al servizio della filosofia la sua magistrale perizia filologica ed esegetica. 1 Con queste lezioni Poliziano desiderava riscattare le opere di Aristotele dalla pedanteria e dai fraintendimenti dei precedenti commentatori per restituirne l’autentico pensiero tramite un restauro non speculativo del testo, ma piuttosto filologico. Poliziano introdusse la lezioni sull’Ethica Nicomachea con il Panepistémon, prolusione pronunciata nello Studio fiorentino alla fine del 1490 e pubblicata per la prima volta a Firenze nel 1492. 2 La praelectio, a parte la funzione specifica di introdurre un corso accademico, vuole essere anche un programma, con carattere autonomo, rivolto alla formazione dell’uomo colto. Essa presenta infatti un complesso sistema enciclopedico ed elabora un’idea di unità e totalità del sapere di cui Poliziano, sulle orme degli antichi scrittori come Quintiliano, Cicerone e Plinio, più volte si era fatto promotore. Nel Panepistémon (che interpreto come un aggettivo sostantivato maschile e dunque ‘onnisciente’) 3 la precisa distinzione tra le varie scienze esige un apparato definitorio essenziale e una dizione precisa e concisa. 4 1 Il ciclo su Aristotele fu articolato come segue: 1490-1491 Etica e Fisica; 1491-1492 Categorie, Interpretazione e Elenchi sofistici; 1492-1493 Analitici primi; 1493-1494 Analitici secondi e Topici (vd. Del Lungo 1897, 180-181). Per l’attenta lettura di queste pagine e per i loro importanti consigli ringrazio i professori Aldo Lunelli e Manlio Pastore Stocchi. Ringrazio inoltre Thomas Baier per la sua generosa ospitalità al Convegno, di cui si pubblicano qui gli Atti. 2 Panepistemon, Florentiae, Antonius Miscominus, X kal. mart. [2 II ] 1491, 4°, rom. (H 13225; HCR III 153; IGI 7960). A questa prima edizione ne seguirono molte altre, tra cui la più nota è certamente quella contenuta negli Opera del 1498, pubblicati da Aldo Manuzio e curati principalmente dal bolognese Alessandro Sarti e dal fiorentino Pietro Crinito: Omnia opera Angeli Politiani, et alia quaedam lectu digna, quorum nomina in sequenti indice videre licet, Venetiis, Aldus Manutius, 1498 (H* 13218; IGI 7952; BMC V, 559). 3 Voce attestata in pochi autori tardi o bizantini. Tra i primi Gal. comm. II in Hipp. de humor. 2, 30 ed Eus. Caes. dem. evang. 5, 4, 13. 4 Nella sezione programmatica del Panepistemon Poliziano affermava: Nec pompam tamen hic orationis aut verborum phaleras expectetis et “pictae tectoria linguae” (Pers. 5, 25). Nam quod eleganter Manilius inquit astronomus: “Ornari res ipsa negat contenta doceri (Man. 3, 38)”. Il passo si basa sul testo critico che sto preparando. A beneficio del lettore fornisco <?page no="154"?> 144 Daniela Marrone Poliziano ripartisce la filosofia razionale in grammatica, storia, dialettica, retorica e poetica, associando alle arti del trivium, come già avevano fatto altri umanisti, la storia e la poetica: Rationalis aut indicat aut narrat aut demonstrat aut suadet aut oblectat, unde grammatica, historia, dialectica, rhetorica et poetica emerserunt (Polit. panep. p. aIIr). 5 In questo contributo vorrei prendere in esame la sezione dedicata all’ultima di queste arti e fare alcune considerazioni di natura lessicale. Va premesso che nella prolusione la poetica non è celebrata come scienza dominante da cui derivino altre discipline, 6 né giungere alla sua esaltazione attraverso una gradatio ascendente rientra tra gli scopi della praelectio. 7 Infatti nella scala delle arti proposta nel Panepistémon la poetica è gerarchicamente equiparata a grammatica, storia, dialettica e retorica e nel presentarla Poliziano mantiene la medesima sobrietà del dettato: De poetica brevius dicendum, quod et saepius hoc ipso loco de ea peroravimus et in Nutriciis eidem satisfecimus, et multa cum superioribus disciplinis habet communia. Prima species illius est quae metro heroico, fabula allegorica, historia vetusta et suo quodam dicendi genere utitur. Altera eorum qui versificatores appellantur, tum lyrici, tragici, comici, satyrici, 8 suis et ipsi partibus distincti. Mox elegiaci et utriusque satyrae scriptores et iambici, bucolici, asmatographi, epithalamiographi, monodi epigrammatumque auctores. Tum illa obscuriora poematum genera, ithyphallicum, manerus, borimus, lytierses et la traduzione di questo e dei seguenti passi greci e latini presenti in questo lavoro: ‘Tuttavia non dovete aspettarvi qui uno stile ornato o parole imbellettate e “l’intonaco di belle espressioni”. Infatti l’astronomo Manilio dice con eleganza: ’è la materia che non si presta ad essere ornata, contenta soltanto di insegnare’ (aI v). Si rimanda alle pagine all’editio princeps del 1492. 5 ‘La filosofia razionale o indica o narra o dimostra o persuade o crea diletto, e di qui sono sorte la grammatica, la storia, la dialettica, la retorica e la poetica’. La considerazione del trivio come parte della filosofia era recente e non accolta in modo unanime, come si evince, per esempio, dalla Praefatio in Tusculanis di Cristoforo Landino del 1458, in cui l’autore, dopo avere definito le filosofie speculativa e attiva, riferisce che la dialettica secondo alcuni costituiva la terza parte della filosofia, secondo altri invece non era qualificabile come “scienza” (Landino 1974, I 7-10). Va detto inoltre che nel Panepistémon la poetica è dissociata dalle altre arti creative quali la musica, che è tra le matematiche, e l’architettura e il disegno, che appartengono alle arti pratiche, ed è invece assimilata all’arte oratoria, come si dirà anche più avanti. 6 Alcuni studiosi affermano infatti che la poesia è considerata nel Panepistémon fonte di tutte le scienze. Si veda, tra gli altri, Meltzoff 1987, 23-24. 7 Non mi sembra infatti si possa condividere l’osservazione in tal senso espressa da Maïer 1960, 354. 8 Si allude qui al dramma satiresco greco, mentre poco più avanti, con utriusque satyrae scriptores, Poliziano distingue la satira nelle sue due tipologie, luciliana e menippea. Questa tripartizione verrà presentata e chiarita in Miscellaneorum centuria secunda 28, dove Poliziano corregge l’errata identificazione della satira e dei suoi autori che Merula aveva presentato nella prima parte del suo commento a Giovenale, per cui vd. le pagine introduttive dell’edizione a cura di Branca e Pastore Stocchi: Poliziano 1972, vol. I 18-19. <?page no="155"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 145 item qualis Centaurus ille Chaeremonis, quae communi vocabulo “poemata” dicuntur. Triplex autem genus dramaticon, exegeticon, mixtum. Caracteribus autem constant longo, brevi, medio, florido. Quippe finitimus oratori poeta est, ut Cicero inquit, sicut numeris astrictior, ita verbis licentior (Polit. panep. p. bVIIr-v). 9 Poliziano avverte subito che tratterà brevemente la materia e ne fornisce le ragioni: De poetica brevius dicendum quod et saepius hoc ipso loco de ea peroravimus et in Nutriciis eidem satisfecimus et superioribus disciplinis habet communia. In molti studi è stato evidenziato e discusso il richiamo esplicito alla prolusione Nutricia, di cui, nel caso del Panepistémon, Poliziano non ha mantenuto il piano retorico in versi. In quella prolusione, precisa l’autore, l’argomento ha ricevuto sufficiente attenzione (satisfecimus): infatti si indugia sulla tradizione poetica dalle origini ai tempi moderni e sulla funzione civilizzatrice della poesia. 10 Prima di rimandare alla Silva, Poliziano ricorda però di avere parlato spesso di poetica nello Studio fiorentino: hoc ipso loco. Come è stato più volte osservato, le lezioni a cui allude sono quelle dedicate nel 1481 al commento alle Silvae di Stazio, 11 anche se saepius potrebbe indicare che di poetica si parlò anche in altre occasioni. Un’altra ragione per cui la trattazione della poetica può essere sintetica è che essa cum superioribus disciplinis habet communia, contiene, cioè, tratti comuni con altre discipline presentate nel Panepistémon, come la ritmica e la metrica, suddivisioni della musica artificialis, e come la retorica. 9 ‘La poetica va trattata in modo più sintetico, sia perché ne ho parlato spesso in questa stessa sede e ha ricevuto sufficiente attenzione nella Silva Nutricia, sia perché essa contiene dei tratti comuni con le altre discipline sopra presentate. La prima species è quella che impiega il metro eroico, un racconto allegorico, un evento storico remoto nel tempo e un proprio stile. La seconda species appartiene a coloro che sono chiamati versificatori: vi fanno parte i lirici, i tragici, i comici, gli autori del dramma satiresco, distinti ciascuno nelle proprie sottocategorie. Vi sono poi i poeti elegiaci, gli autori di satira nelle sue due tipologie, i poeti giambici, i bucolici, gli asmatografi, gli epitalamiografi, i monodici e gli autori di epigrammi. Poi ci sono i generi poetici più oscuri, l’itifallico, il manerus, il borimus, il lytierses e ugualmente quello del tipo del Centaurus di Cheremone, i quali sono detti con termine comune “poesie”. Vi sono poi tre tipi di poesia, drammatica, esegetica e mista. Essi possono presentare inoltre uno stile diffuso, conciso, medio, florido. Infatti il poeta, come dice Cicerone, è affine all’oratore, più vincolato alle leggi ritmiche, ma più libero nell’uso delle parole’. 10 Il richiamo della Silva Nutricia segnalerebbe, secondo Bettinzoli, il rapporto di complementarità, ma anche di distinzione di ruoli, che esiste, agli occhi di Poliziano, tra le Silvae e il Panepistémon: Bettinzoli 2001, 22. 11 Gli appunti staziani sono stati visti come uno “schema di lavoro” per una trattazione dettagliata sulla poesia e sugli altri generi letterari che andò sviluppandosi negli anni successivi, per cui vd. Cesarini Martinelli 1996, 86-87. Della stessa studiosa va segnalato anche l’esame condotto su uno zibaldone autografo di Poliziano anteriore al 1480, il ms. II I 99 della Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze, che costituisce il documento più antico dell’interesse dell’umanista per la poetica (Cesarini Martinelli 1985). <?page no="156"?> 146 Daniela Marrone A partire dalla classificazione dei generi basati sul metro, è necessario mettere a confronto il testo del Panepistémon (Prima species illius est quae metro heroico, fabula allegorica, historia vetusta et suo quodam dicendi genere utitur) con la premessa di Poliziano al commento alla prima Silva di Stazio che d’ora in poi, per brevità, chiamerò Prolegomena. Qui si legge un’identica distinzione dei generi metrici, distinzione di cui Cesarini Martinelli ha identificato le principali fonti in Quintiliano, nell’Ars grammatica di Diomede e negli scoli di Tzetze all’Alexandra di Licofrone. In questo excursus Poliziano si sofferma a lungo su ciascun genere fornendo un minuzioso elenco dei rispettivi cultori greci e latini, tanto che la sezione del Panepistémon sulla poetica si può dire ne rappresenti la sintesi. 12 Tuttavia un attento raffronto tra i due passi, quello dei Prolegomena e quello del Panepistémon, permette di notare alcune importanti differenze sul piano lessicale. Nel primo Poliziano introduce la classificazione dei generi come segue: Sed antequam ad argumentum ipsum ceteraque singulatim explicanda accedam, de singulis poematum generibus dicendum videtur, ut intelligatur quanam singulae ipsae Sylvae propria gaudeant appellatione signari (Polit. in Stat. sylv. 1, 1 Cesarini Martinelli 51-52). 13 I poematum genera esposti negli appunti staziani equivalgono, nella sostanza, a quelli segnalati alcuni anni dopo nel Panepistémon, ma in quest’ultimo le quattro categorie in cui risultano raggruppati sono dette non poematum genera ma poeticae species. Quanto alle ragioni di questa difformità lessicale, credo si possa affermare che il ripensamento terminologico di Poliziano sia dato dal fatto che species è il corrispondente latino del greco : 14 poeticae species risulta così essere l’esatta traduzione dell’aristotelico con cui si apre il trattato De poetica di Aristotele: 12 Utili considerazioni sull’argomento in Bettinzoli 1995, 139-142. Un confronto tra i due testi si legge anche in Séris 2002, 327-331. Émilie Séris si è soffermata anche in tempi più recenti su questi luoghi di Poliziano fornendo condivisibili considerazioni (Séris 2012). 13 ‘Ma prima di giungere all’argomento vero e proprio e di illustrare tutti i luoghi uno ad uno, mi sembra opportuno parlare dei singoli generi di poesia, in modo che si capisca con quale specifica denominazione alle singole Silvae piaccia essere designate’. Per il testo latino ci si basa sull’edizione a cura di Cesarini Martinelli (1978). 14 Nelle traduzioni latine di Platone è reso con species come, per es., nel Timaeus tradotto da Calcidio (Plato Latinus 2 1975, 32-33). Allontanandoci dal piano puramente tassonomico, qual è quello di Poliziano, segnalo, per le analogie con questo percorso, le recentissime riflessioni di Manlio Pastore Stocchi sulla valenza del tecnicismo di matrice greca e di tradizione platoneggiante ydea, forma con cui Petrarca volle indicare il modello celeste, l’exemplar aeternum di Laura nel sonetto 159 dei Rerum vulgarium fragmenta (Pastore Stocchi 2014, 206-223). Tra le fonti latine da cui Petrarca poteva attingere la parola, ma anche una definizione del concetto, è significativo il passo di Sen. epist. 58, 18-21 (Propria Platonis supellex est: ideas vocat, ex quibus omnia, quaecumque videmus, fiunt et ad quas cuncta formantur. Hae inmortales, inmutabiles, inviolabiles sunt [...]. Quid sit idea, id est, <?page no="157"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 147 , , , [...] (1447a). 15 È superfluo ripercorrere la rinnovata frequentazione del testo della Poetica in età rinascimentale, ma basti dire che essa comincia nella seconda metà del XV secolo, quando il trattato diventa noto agli umanisti italiani, 16 e che Poliziano fu tra i primi possessori del manoscritto miscellaneo Laurenziano 60, 14, contenente appunto la Poetica di Aristotele (1r-24v), seguita da alcuni scritti perlopiù di interesse retorico. 17 Specialmente ai margini del trattato aristotelico compaiono numerose postille di mano del Poliziano databili alla fine degli quid Platoni esse videatur, audi: “idea est eorum, quae natura fiunt, exemplar aeternum”). Petrarca sapeva inoltre che l’equivalente latino del greco , corradicale e semanticamente affine a , era species, come poteva leggere in Cicerone Tusc. 1, 58: appellat ille [Plato], nos speciem; o in Macrobio somn. 1, 2, 25: originales rerum species, quae dictae sunt. Per approfondimenti si veda Pastore Stocchi 2014, spec. 211-216. 15 ‘Trattiamo dunque della poetica in sé e dei suoi generi, quale potenzialità ciascuno possegga e come debbano comporsi i racconti perché la poesia riesca ben fatta [...], incominciando secondo natura in primo luogo dai principi’. Anche nella traduzione latina della Poetica di Aristotele, assai poco diffusa, di Guglielmo di Moerbecke (1278) veniva utilizzato il termine species: De poetica ipsaque et speciebus ipsius, quam virtutem habet, et quomodo oportet constituere fabulas. L’espressione poeticae species evoca inoltre il titolo del capitolo Poeticae species Latinae dello pseudo Cesio Basso, compreso da Keil nell’opera frammentaria Breviatio pedum (gramm. VI 312). Tuttavia non risulta che Poliziano al tempo potesse conoscere il testo dell’Ars de metris, poiché esso fu scoperto a Bobbio nel 1493 dal Galbiate. Il suo autore fu confuso inoltre dai primi editori con Atilio Fortunaziano. Il grammatico Diomede, infine, utilizza la forma poematos species con riferimento al genere di poesia mista di cui si parlerà più sotto: vel communis poematos species prima est heroica, ut est Iliados et Aeneidos; secunda est lyrica, ut est Archilochi et Horatii (III 483 Keil). 16 Riguardo l’anticipazione di Ermolao Barbaro circa l’importanza della Poetica e sulla presenza della sua lezione nell’aristotelismo di Poliziano si rimanda a Branca 1983, 13-16. Sulla conoscenza del trattato nel Quattrocento e sulla sua tradizione manoscritta si vedano Lobel 1933; Garin 1973; Roncoroni 2006. Nonostante gli umanisti conoscessero le idee aristoteliche contenute nella Poetica attraverso le traduzioni latine di Guglielmo di Moerbecke del 1278, e di Giorgio Valla del 1498 (Venetiis, Simon Bevilaqua, IGI 6792), la dottrina retorica, e in particolare sulla poetica, si fondava principalmente sui testi di Cicerone, Orazio e Quintiliano. Neppure l’edizione del testo greco stampato da Aldo Manuzio nel 1508 contribuì a destare grande interesse per la Poetica, che iniziò ad avere fortuna solo dopo la pubblicazione della traduzione latina del 1536 ad opera di Alessandro Pazzi (Venetiis, Haeredes Aldi et Andrea Asulanus). 17 Il manoscritto Plut. 60, 14 è cartaceo, di mm 205 140, di cc. 113 numerate a lapis + 4 cc. bianche alla fine. A c. 1r si legge la nota di possesso di Poliziano, in inchiostro rosso, in latino e in greco. Alla Poetica seguono Plutarco, Dionigi d’Alicarnasso, Libanio, Menandro e Ps. Demetrio (cc. 83r-113r). Per la descrizione del codice vd. Bandini 1768, 603- 604; Perosa 1955, 72-73 n. 71; Maïer 1965, 336. <?page no="158"?> 148 Daniela Marrone anni ’70: 18 sono annotazioni in greco e in latino, generalmente in inchiostro rosso. Recenti studi ne hanno evidenziato l’interesse prevalente per gli aspetti eruditi della Poetica: vengono registrati nomi di autori, titoli di opere, nomi di personaggi poetici, alcuni termini o frasi. 19 Sono note inoltre le pagine in cui Poliziano ha tradotto o parafrasato alcuni luoghi del trattato, a partire dal commento preparatorio alle lezioni sull’Andria di Terenzio, databile probabilmente 1484-1485, in cui trascrisse il passo di Aristotele poet. 1447b-1449b. 20 Tornando al Panepistémon, l’impiego di species come diretto corrispondente di denota dunque la presenza del testo aristotelico dal punto di vista terminologico. Il primo genere poetico indicato da Poliziano nel Panepistémon è quello epico che si serve del verso eroico, di un racconto allegorico, di un evento storico remoto nel tempo e di un proprio stile: Prima species illius [scil. poeticae] est quae metro heroico, fabula allegorica, historia vetusta et suo quodam dicendi genere utitur. 21 Poliziano aveva fornito nei Prolegomena una definizione pressoché identica formulata sulla base del prologo che Giovanni Tzetze (che per l’umanista era Isaac) 22 aveva premesso ai suoi Scholia all’Alexandra di Licofrone. Il grammatico bizantino aveva concepito queste annotazioni come introduzione all’esegesi di un testo poetico, pratica didattica che esisteva ancora ai tempi di Poliziano e che si ripeté, per l’appunto, in occasione del commento a Stazio. Oltre alla loro comune destinazione didascalica, il prologo di Tzetze agli Scholia e i Prolegomena di Poliziano manifestano significative coincidenze anche sul piano contenutistico e lessicale, a cominciare dalla definizione del genere epico: . * * ’ * * * * · , , , . , , 18 Di conseguenza non si può condividere l’opinione di Bywater (1909, XXV) secondo cui Poliziano avrebbe conosciuto tardi la Poetica. Lo studioso si basava sulla ripresa nel Panepistémon (che datava erroneamente al 1483) del passo della Poetica sul Centaurus di Cheremone (poet. 1447b), di cui si dirà più sotto. 19 Vd. Roncoroni 2006, 81-87. 20 Vd. Poliziano 1973, IX-XIV. 21 ‘Il primo genere poetico è quello che si serve del metro eroico, di un racconto allegorico, di un evento storico remoto nel tempo e di un proprio stile’. 22 Il commento all’Alexandra è ascritto a Isaac Tzetzes in tutti i manoscritti che lo tramandano, ma oggi si sa che ne fu autore il fratello Giovanni. Scheer è dell’opinione che il commento in primo luogo fu composto da Giovanni e che in seguito fu da lui affidato a Isaac per la sua revisione e pubblicazione (XVI-XVII). <?page no="159"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 149 , , , “ ” (Tzetz. Prol. in Lycophr. Alex. II 1, 19-23; 2, 1-2 Scheer). 23 Est igitur primum genus eorum, qui poetae per excellentiam appellantur, qui et heroico utuntur metro et fabulam allegoricam usurpant et antiquam historiam asciscunt et sua quadam peculiarique oratione utuntur. Quorum, qui heroicum tantum usurpant metrum, cetera omittunt, hi Graece dicuntur, ut si nos versificatores dixerimus. Quintilianus libro X: “Cornelius Severus etiamsi versificator quam poeta melior” (Polit. in Stat. sylv. 1, 1 Cesarini Martinelli 52, 3-10). 24 Credo vada notato che l’ultima delle quattro caratteristiche, cioè lo stile che contraddistingue ciascun poeta, nei Prolegomena viene detta peculiaris oratio, mentre nel Panepistémon è variata in dicendi genus. Per spiegare questo ripensamento è opportuno guardare alla fonte e alla doppia valenza del termine impiegato da Tzetze: esso può indicare ‘discorso’, che Poliziano rese nei Prolegomena con il latino oratio, e ‘stile’, che egli preferì al momento della stesura del Panepistémon e che tradusse con dicendi genus, certamente più appropriato. Dunque si constata ancora una difformità lessicale tra i due testi in conseguenza di una più matura riflessione e di una nuova interpretazione della fonte. Come si è visto, nei Prolegomena Poliziano afferma poi che tra i poeti epici ve ne sono alcuni che, fatta eccezione per l’impiego del verso eroico, omettono le altre caratteristiche e che in latino sono detti versificatores sulla scorta di Quintiliano inst. 10, 1, 89: Quorum, qui heroicum tantum usurpant metrum, cetera omittunt, hi Graece dicuntur, ut si nos versificatores dixerimus. Quintilianus libro X: “Cornelius Severus etiamsi versificator quam poeta melior”. È evidente che Poliziano si fonda sempre sulle parole di Tzetze, , , , , e che vi 23 ‘Devo parlare dei segni distintivi e delle caratteristiche dei poeti menzionati. Coloro che vengono chiamati poeti per eccellenza presentano queste quattro caratteristiche: il metro eroico, un racconto allegorico, un evento storico remoto nel tempo e un certo stile, senza le quali sono detti epopoiói. Vi sono cinque rinomati poeti: Omero, Esiodo, Paniasi, Antimaco e Pisandro, e inoltre nuovi poeti “quante foglie e fiori nascono in primavera” (Hom. Od. 9, 51)’. Tzetzes affronta il medesimo argomento nei Versus de poematos generibus 1, 167-174, premessi ai Prolegomena de comoedia agli scoli ad Aristofane. 24 ‘Il primo tipo è costituito da coloro che vengono detti poeti per eccellenza, i quali impiegano il metro eroico, ricorrono a un racconto allegorico, si appropriano di un evento storico remoto nel tempo e si servono di un proprio stile particolare. Tra di essi quelli che impiegano soltanto il metro eroico e omettono le altre caratteristiche vengono detti in greco epopoiói, come se noi dicessimo versificatores. Quintiliano nel libro decimo dice: “Cornelio Severo anche se miglior versificatore che poeta”’. <?page no="160"?> 150 Daniela Marrone aggiunge il passo di Quintiliano, in cui si trova il termine versificator, il cui impiego nell’antichità è assai raro. 25 Tuttavia l’espressione di Tzetze , ‘senza le quali sono detti epopoioí’, a mio parere non fu decifrata da Poliziano in modo univoco. Nei Prolegomena egli sembra averla interpretata come se vi leggesse , per cui si potrebbe chiamare colui che, non osservando le ultime tre caratteristiche, compone in metro eroico, ma non presenta un racconto allegorico, un evento storico remoto nel tempo e un proprio stile. 26 Si può però ipotizzare che in seguito Poliziano abbia pensato ad una lettura alternativa e letterale di , in base alla quale il termine indichi chi non osserva tutte e quattro le caratteristiche: esso designerebbe quindi colui che compone versi nel rispetto di un metro che non sia l’esametro. 27 Si può ritenere infatti che nel Panepistémon Poliziano, dopo avere riesaminato il passo di Tzetze, abbia volutamente sorvolato sulla designazione greca , poiché qui non del tutto inequivocabile, e sul parallelo latino (non più del tutto accettabile) offerto da Quintiliano per l’impiego di versificator. Quest’ultima ipotesi renderebbe possibile, come conseguenza, nuovi spunti di riflessione sul percorso interpretativo di Poliziano anche in merito al passo dell’oratore latino. Infatti nella prolusione Poliziano usa il termine versificator con un valore diverso rispetto a quanto fece nei Prolegomena: esso indica cioè colui che compone poesia di un genere non epico e quindi raccoglie col suo significato una categoria più ampia di poeti, quella che Poliziano individua come seconda species: 28 Altera [scil. species] eorum qui versificatores appellantur, tum lyrici, tragici, comici, satyrici, suis et ipsi partibus distincti; 29 mox elegiaci et utriusque satyrae scriptores 30 et iambici, bucolici, asmatographi, epithalamiographi, monodi epigrammatumque auctores. Questa enumerazione di generi segue un ordine quasi identico a quello dell’excursus dettagliato dei Prolegomena, in cui la fonte principale continua ad essere Tzetze. 31 25 Tra gli scrittori tardo antichi usano versificator con il significato tecnico di ‘versificatore’ Terenziano Mauro De syllabis 1011; Giustino 6, 9, 4; Beda Venerabile De arte metrica 3. 26 Anche se Aristotele non elenca queste categorie, va comunque ricordato che a poet. 1447b 8-23, come si dirà tra poco, egli ha cura di precisare che non a tutti si accorda la qualifica di , come per esempio a coloro che trattano materia tecnica. Tuttavia la visione aristotelica pare qui non avere influenza diretta. 27 Ciò può trovare conferma nel fatto che questo sia l’unico luogo in cui Tzetze impiega il termine . Infatti altrove per indicare il “poeta epico” lo scoliasta impiega sempre . 28 Va notato anche che nel passo sulla poetica del Panepistémon Poliziano non usa mai il termine poeta. 29 Nei Prolegomena Poliziano aveva distinto la commedia in tre generi e in tre età sulla base di Diom. gramm. I 488 Keil. 30 Vd. supra n. 8. 31 Vd. Tzetz. Prol. in Lycophr. Alex. II 2-3 Scheer, e Poliziano 1978, 53-59. <?page no="161"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 151 Dopo questo secondo caso di difformità tra i due testi, risulta utile fare alcune considerazioni a proposito dell’ultimo gruppo di generi poetici proposto da Poliziano nel Panepistémon: quelli caratterizzati dalla rarità del metro. Nei Prolegomena erano stati presentati come segue: Sunt quidem haec praecipua poematum genera. Multa item feruntur praeter haec, ut ithyphallicum, manerus, borimus, lytierses, linus, ut Centaurus ille Chaeremonis, cuius Aristoteles meminit, quod opus mixtum ex omni genere metrorum erat. Sed haec omnia uno communi nomine poemata appellari possunt, quemadmodum et singulae Statii Sylvae (Polit. in Stat. sylv. 1, 1 Cesarini Martinelli 59, 13-18). 32 Le stesse classificazioni, con esclusione del linus, ma con il conclusivo riferimento al genere praticato nel Centaurus da Cheremone, vengono presentate in modo quasi identico nel Panepistémon, dove sono registrate come obscuriora genera: Tum illa obscuriora poematum genera ithyphallicum, manerus, […]. Quanto al caso del poeta Cheremone, che per comporre la propria opera si era servito di ogni genere di metro, va segnalato che l’esempio è tratto dal passo della Poetica in cui Aristotele, obiettando contro alcune denominazioni tradizionali, ritiene che l’impiego di una forma metrica non sia condizione sufficiente per chiamare “poeta” chi compone versi: , (1447b). 33 Negli appunti staziani, considerate le loro finalità didattiche, il rinvio ad Aristotele e la breve spiegazione sull’ignota rapsodia polimetrica di Cheremone sono invece espliciti (ut Centaurus ille Chaeremonis, cuius Aristoteles meminit, quod opus mixtum ex omni genere metrorum erat), mentre nel Panepistémon si dice soltanto: et item qualis Centaurus ille Chaeremonis. 32 ‘Sono questi, dunque, i principali generi poetici. Oltre ad essi vengono tramandati molti altri generi, come l’itifallico, il manerus, il borimus, il lytierses, il linus, come il Centaurus di Cheremone ricordato da Aristotele, che era un’opera mista costituita da ogni tipo di metro. Ma tutti questi generi possono essere chiamati con la comune denominazione di poesie, come anche le singole Silvae di Stazio’. L’itifallico era un tipo di verso utilizzato nei canti delle processioni per il dio della fertilità ed era classificato nell’antichità come trimetro giambico acatalettico o dimetro trocaico brachicatalettico (vd. Schröder 1929, s.v.); il era una variante egiziana del genere conosciuto presso i greci sotto il nome di , canto associato al mondo dei campi. Quest’ultimo era stato citato, insieme ai generi raramente attestati , canto dei contadini mariandini (Bitinia), e , canto dei contadini frigi, nell’Onomasticon di Giulio Polluce a 4, 53-54. Su questo passo di Poliziano si veda anche Bettinzoli 2001, 23-24. 33 ‘In modo simile anche chi compisse l’imitazione combinando tutti i versi come Cheremone ha composto il Centauro, rapsodia mista di tutti i versi, dovrebbe essere chiamato poeta’. <?page no="162"?> 152 Daniela Marrone Per completezza vanno fatte alcune precisazioni in merito ai tipi di poesia e alla classificazione degli stili presentati nel Panepistémon. Poliziano distingue i poematos genera in dramaticon, exegeticon e mixtum, per i primi due riprendendo i termini greci che Diomede aveva presentato nell’Ars grammatica accanto a quelli latini. Poematos genera sunt tria. Aut enim activum est vel imitativum, quod Graeci dramaticon vel mimeticon, aut enarrativum vel enuntiativum, quod Graeci exegeticon vel apangelticon dicunt, aut commune vel mixtum, quod Graeci vel appellant (Diom. gramm. I 482, 14-17 Keil). 34 La ripartizione proposta da Diomede era basata cioè sulla voce di chi parla: quella dei personaggi senza l’intervento del poeta, come nel caso delle tragedie e delle commedie (activum est vel imitativum, quod Graeci dramaticon vel mimeticon); la voce del solo poeta, come nel caso di una parte delle Georgiche e dell’opera di Lucrezio (enarrativum vel enuntiativum, quod Graeci exegeticon vel apangelticon dicunt); la voce del poeta alternata a quella dei personaggi, come nel caso rappresentato dall’Eneide (commune vel mixtum, quod Graeci vel appellant). La fonte è senza dubbio Diomede anche per la terza e ultima classificazione, quella degli stili in , , , (Diom. gramm. I 483, 7 Keil: Poematos characteres sunt quattuor, , , , ), ma nel Panepistémon, diversamente da quanto avviene nei Prolegomena (in Stat. sylv. 1, 1 Cesarini Martinelli 60-61), Poliziano predilige la terminologia latina a quella greca: Characteribus autem constant longo, brevi, medio, florido. 35 L’Ars grammatica di Diomede era stata largamente annotata da Poliziano, in età giovanile, ai margini di un esemplare della silloge di autori grammaticali stampata a Venezia nel 1476, a cura dell’editore e filologo francese Nicolas Jenson, oggi il postillato A 4 2 della Biblioteca Nazionale di Firenze. 36 In par- 34 ‘Vi sono tre generi di poesia. Attivo o imitativo, che i greci chiamano drammatico o mimetico; o narrativo o enunciativo, che i greci dicono esegetico o espositivo; o comune o misto, che i greci chiamano o ’. Poliziano nei Prolegomena aveva riportato quasi l’intero passo del grammatico latino (in Stat. sylv. 1, 1 Cesarini Martinelli 59-60). La classificazione dei generi ha, secondo alcuni studiosi, radici platonico-aristoteliche, anche se il passo di Aristotele su cui ci si fonda per questa affermazione, cioè poet. 1448a, è corrotto e di difficile interpretazione. Per il perspicuo impiego da parte di Poliziano dell’Ars grammatica di Diomede si leggano anche le valide considerazioni di Séris 2012, 51-52. 35 Il sistema tripartito degli stili (subtilis o brevis, gravis o grandis, interiectus o medius) era stato già presentato nella Rhetorica ad Herennium (4, 8, 11), da Cicerone (opt. gen. 2) e da Quintiliano (12, 19, 58). Nella lista dei characteres lo stile florido viene ad aggiungersi ai tre precedenti sia in Diomede, sia nei Saturnalia di Macrobio (Sat. 5, 1, 5). 36 Diomedis doctissimi ac diligentissimi linguae Latinae perscrutatoris De arte grammatica opus utilissimum, [Venetiis], Nicolaus Ienson Gallicus, 1476 (IGI 3471; GW 8399; BMC V 182). Un primo esame del postillato di Poliziano si legge in Lattanzi Roselli 1971. In questo <?page no="163"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 153 ticolare il terzo libro di Diomede forniva a Poliziano materiale utile per la definizione dei generi letterari, materiale che egli riprese non solo negli appunti staziani, ma anche nella Praelectio in Persium e nel commento all’Andria, rispettivamente per la definizione di satira e di commedia. Infine, una citazione da Cicerone fa seguito alla classificazione degli stili e chiude la sezione del Panepistémon sulla poetica: Quippe finitimus oratori poeta est, ut Cicero inquit, sicut numeris astrictior, ita verbis licentior. 37 Nel passo del De oratore si parla dell’affinità tra il poeta e l’oratore, il primo dei quali è da considerarsi più vincolato alle leggi ritmiche, ma più libero nell’uso delle parole, e certamente compagno del secondo e quasi a lui pari nell’impiego degli ordini stilistici: Est enim finitimus oratori poeta, numeris astrictior paulo, verborum autem licentia liberior, multis vero ornandi generibus socius ac paene par (de orat. 1, 70). 38 La sentenza ciceroniana, di cui Poliziano omette l’affermazione relativa agli stili (multis vero ornandi generibus socius ac paene par), conferma, a mio avviso, che nella classificazione delle discipline del Panepistémon la poetica sia sentita molto vicina all’oratoria secondo una tradizione inaugurata da Cicerone, continuata in età medievale 39 e sistematizzata in età umanistica da Coluccio Salutati che l’aveva collocata tra le arti del discorso 40 e definita sermocinalis scientiae pars. 41 articolo si parla anche della conoscenza e dell’impiego da parte di Poliziano dell’anonimo trattato bizantino (Aristofane 1949, 38-45; Koster IV), di cui però non mi sembra si possa rilevare traccia nel Panepistémon. 37 ‘Infatti il poeta è affine all’oratore, come dice Cicerone, come più vincolato alle leggi ritmiche, così più libero nell’uso delle parole’. 38 ‘Infatti il poeta è affine all’oratore, un poco più vincolato alle leggi ritmiche, ma più libero nell’uso delle parole, certamente compagno e quasi alla pari in molte specie di ornamenti’. Va inoltre notato che nel libro primo del De oratore Cicerone asserisce che l’oratore deve avere una vasta cultura ed essere competente in tutte le arti, requisito che sta alla base dell’uomo omnisciens, , di Poliziano. 39 Secondo la classificazione medioevale derivante dalla dottrina averroistica la poetica era raggruppata alla logica, alla dialettica, alla retorica e alla sofistica, ed era ordinata gerarchicamente insieme ad esse sulla base della loro relazione con la verità. Ruggero Bacone classificò poi la poetica come parte della retorica. 40 De laboribus Herculis 1, 3-4. 41 Epist. 12, 7: Sermocinalis scientie pars est poetica, cuius proprium est metrico dicendi genere figuratoque sermone in cortice verborum unum ostendere et aliud sumendo res aut verba pro rebus aliis atque verbis medullitus importare; et nichil est quod poeta non possit hac commutatione verborum et rerum suis carminibus pertractare. […] (lettera a Leon Giovanni de’ Pierleoni). La relazione tra poesia e oratoria in Poliziano è stata oggetto di riflessione da parte degli studiosi. Così Branca: “Il Poliziano oscilla continuamente tra la tendenza a separare la poetica dalla retorica (come nella Oratio super Fabio Quintiliano, in cui però dice che le Sylvae sono ‘oratoribus aeque poetisque imitandas exprimendasque’) e il riconoscimento di una loro naturale convergenza poiché ‘finitimus oratori poeta est’ (come nel Panepistemon, in cui però divide l’’arte del persuadere’ dalla poesia). Certo si stacca risolutamente dalla teoria mistica del ‘furor divinus’: ha una concezione della poesia come travaglio, come lavoro lento e insistente.” (Branca 1983, 34). <?page no="164"?> 154 Daniela Marrone Per concludere, il raffronto tra i Prolegomena e il Panepistémon rivela che a distanza di alcuni anni, al momento della stesura del secondo, Poliziano, sulla base di una nuova interpretazione delle fonti, ripensò alla terminologia impiegata nel corso accademico su Stazio e che in parte adottò, come si è visto, definizioni diverse. Delle difformità lessicali riscontrate, alcune non intaccano il piano contenutistico, come poeticae species o dicendi genus, altre invece rappresentano dei divari concettuali, come nel caso di versificator. I dati raccolti consentono inoltre riflessioni di carattere più generale sul rapporto tra il Panepistémon e le sue fonti. Si può affermare infatti che la loro scelta sia sempre funzionale alla determinazione della res: nel passo esaminato Poliziano seleziona da Diomede, e soprattutto da Tzetze, i concetti, poiché da questi autori erano stati esposti in modo ben strutturato. Nello specifico poi l’umanista, che vagheggia con il Panepistémon un ideale enciclopedico e sistematico del sapere, condivide con il secondo anche programma e obiettivi, dato che nelle prime righe del prologo agli Scholia a Licofrone Tzetze dichiara che per chi si avvicina alla poesia è opportuno conoscere tutti i suoi numerosissimi generi, anche se enumerarli, aggiunge poco più sotto, può risultare lungo e noioso ([…] , ; Tzetz. Prol. in Lycophr. Alex. II 1, 17-18 Scheer). 42 Per quanto riguarda infine la presenza nel Panepistémon della Poetica di Aristotele, essa è avvertibile solo per la ripresa della sua terminologia specifica, come si è visto per le poeticae species, mentre si può affermare che Poliziano non accolga, né qui, né nei precedenti Prolegomena, lo statuto della poesia tramandato nel trattato aristotelico, 43 il cui status textus peraltro era - e in parte è ancora oggi - problematico e causa di oggettive ambiguità e quindi, si può concludere, agli occhi del Poliziano non soddisfacente e non abbastanza attendibile. È tuttavia ragionevole supporre che le posizioni di Poliziano sulla Poetica avrebbero potuto essere sviluppate e chiarite in uno dei corsi che egli si riprometteva di dedicare ai libri aristotelici, dopo quelli esaminati dal ’90- 91 fino alla sua morte. 44 42 ‘E innumerevoli altri generi che sarebbe lungo e noioso elencare, quantunque si conoscano bene’. Ringrazio Niccolò Zorzi per i suggerimenti offertimi nell’interpretazione di questo passo. 43 Sul ruolo della Poetica nell’opera di Poliziano si sofferma Roncoroni 2006, 81-87. 44 Ipotesi avanzata già da Branca 1983, 34. Ritengo che Poliziano avrebbe posto la propria attenzione specialmente su alcuni aspetti della Poetica quali, per esempio, il concetto di universalità della poesia e lo studio di tipo tassonomico delle funzioni specifiche di ciascun elemento poetico. Non meno rilevanti, per lui, potrebbero essere stati i concetti aristotelici di letteratura con valore pedagogico e di educazione in vista di un ruolo civile. Poliziano infatti assegna alla poesia una funzione pedagogica, cioè educatrice e civilizzatrice nella Enarratio in Sapphus epistolam, nella Oratio supra Fabio Quintiliano, nella Praelectio De dialectica e specialmente nella Silva Nutricia. <?page no="165"?> La poetica nel sistema pedagogico di Poliziano 155 Bibliografia Aristofane: Le commedie, ed. critica e traduzione a cura di Roberto Cantarella, vol. I. Prolegomeni, Milano 1949. Aristotle: On the Art of Poetry. A Revised Text with Critical Introduction, Translation and Commentary by I. Bywater, Oxford 1909. Bandini, Angelo Maria: Catalogus codicum Graecorum Bibliothecae Laurentianae [...], II, Florentiae 1768 (Catalogi codicum Graecorum lucis ope reimpressi). Bettinzoli, Attilio: Daedalum iter. Studi sulla poesia e la poetica di Angelo Poliziano, Firenze 1995 (Biblioteca di Lettere italiane 51). 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Pratiques et théories des genres littéraires entre Italie et Espagne (XV e- XVII e siècles), Actes du colloque international organisé à l’Université de Bourgogne les 16 et 17 octobre 2009, Dijon 2012, 49-63. Tzetzes, Joannes: Prolegomena de comoedia, edidit Wilhelm Johannes Wolf Koster [Scholia in Aristophanem 1.1A], Groningen 1975 (Scripta Academica Groningana). <?page no="167"?> Francesco Caruso (Baltimore) Amicus Plato sed magis amica veritas: Poliziano e i confini della filosofia L’unica, pregevole monografia sugli interessi filosofici di Angelo Poliziano, Polizian, ein Beitrag zur Philosophie des Humanismus (1972), la dobbiamo ad Alfons Waschbüsch, una spia della Stasi in Vaticano, nota col nome in codice di «Antonius». Oggi, grazie al «dogma del perdono», Antonius continua a lavorare all’interno della Chiesa cattolica ma purtroppo ha smesso di scrivere sull’umanista toscano. 1 Il suo contributo, d’altra parte, per quanto contenesse spunti interessanti nonostante una bibliografia forse un po’ datata anche allora, è rimasto isolato e le domande sul ruolo della filosofia nell’attività letteraria del Poliziano, o sul fatto che egli fosse o meno filosofo e se e in che misura abbia dato un contributo alla filosofia umanistica, sono state poste piuttosto di rado o solo incidentalmente. 2 Nelle pagine seguenti si cercherà di aggiungere qualche tassello a questo mosaico ancora oscuro e, in particolare, si analizzerà cosa Poliziano intendesse per filosofia, specie nei rapporti di questa con la grammatica (o filologia). La tesi che si vuole qui sostenere è che per Poliziano la filosofia, genericamente intesa come ricerca della verità, è un’attività che, a causa delle limitazioni intrinseche all’uomo, può essere circoscritta solo a un àmbito ristretto, che è fondamentalmente quello della pratica filologica. L’espressione «confini della filosofia» contenuta nel titolo va dunque intesa in questa accezione specifica. La nostra indagine prenderà le mosse dal rapporto tra Poliziano e Platone. «Il vecchio ateniese», così definito dall’umanista nella Lamia, è infatti il suo onnipresente, sebbene talvolta solo implicito, interlocutore filosofico; a ciò si aggiunga che lo sviluppo del pensiero polizianeo, specie negli ultimi anni, può essere meglio compreso, a nostro avviso, proprio sullo sfondo della riflessione critica su certi aspetti del platonismo. 3 1 Kohler 2011, ad indicem. 2 Si rimanda il lettore ai singoli contributi distribuiti nelle varie rassegne bibliografiche, Bettinzoli 1987 e 1993, Bessi 1992, a cui si può aggiungere più di recente Bettinzoli 2009 e i quattro saggi introduttivi contenuti in Poliziano 2010. 3 Ciò non deve essere inteso in contraddizione col fatto che Poliziano abbia dedicato buona parte degli ultimi anni della sua attività accademica allo studio delle opere di Aristotele. Sebbene la storia dei rapporti tra il filosofo greco e l’umanista toscano sia ancora tutta da scrivere e che non è ovviamente questa la sede per tentarne una sintesi, vorremmo qui limitarci ad alcune considerazioni: lo studio attento delle opere dello Stagirita da parte di Poliziano avvenne solo in un momento piuttosto avanzato della sua biografia (fine anni Ottanta e primi anni Novanta del Quattrocento); che il medesimo <?page no="168"?> 158 Francesco Caruso Platone esercitò una forte influenza sulla formazione del Poliziano negli anni Settanta del Quattrocento soprattutto attraverso la mediazione di Marsilio Ficino, e arrivò a rappresentare, per lui, insieme a Socrate, il modello del filosofo in cerca della verità: «fu il maestro degli insoddisfatti delle cose del mondo, dei ricercatori consapevoli, della bellezza dell’immagine senza termine, perché il termine è dovunque e in nessun luogo […] la luce delle anime inquiete che in lui ritrovarono la loro inquietudine; delle anime assetate di sete inestinguibile». 4 Ma è soprattutto confrontandosi con certe armature concettuali platoniche e platonizzanti che Poliziano elabora gran parte delle proprie convinzioni filosofiche, specie con riguardo a certe parti della metafisica e all’etica. Tuttavia, questi entusiasmi verso il platonismo cominciano a raffreddarsi alla fine degli anni Ottanta: se da un lato ciò corrisponde a un generale declino della stella ficiniana all’interno della cerchia medicea - soprattutto dopo il coinvolgimento seppur indiretto di Ficino nella congiura dei Pazzi - 5 dall’altro è nostra ferma convinzione, come cercheremo di spiegare, che la presa di distanza di Poliziano verso Platone deve anche e soprattutto ascriversi a un generale disagio intellettuale provato dall’umanista verso la capacità della filosofia platonica di cogliere concretamente la verità. 6 La prima esplicita e argomentata lode di Platone si trova forse nell’epistola prefatoria alla traduzione dell’Encheiridion (manuale) del filosofo stoico Epitteto. La lettera fu stesa a Careggi dove Poliziano aveva trovato rifugio dopo esser stato scacciato, per divergenze mai del tutto chiarite, dalla residenza medicea di Cafaggiuolo da Clarice Orsini, moglie di Lorenzo. 7 È una lettera non datata ma deve con certezza collocarsi tra la tarda primavera del 1479 e il 1 agosto del medesimo anno, data in cui Poliziano replicò alle critiche mosse da Bartolomeo Scala a Epitteto e al suo manuale. 8 Fu un’estate laboriosa per l’umanista che, tra le altre cose, aveva latinizzato una serie di testi greci tra cui studio si concentrò fondamentalmente sull’Aristotele logico e sull’Organon, dato il grande interesse che Poliziano mostrò per le artes sermocinales (cfr. Vasoli 1968, 116-131; Waschbüsch 1972, 128-181); che Aristotele si prestava come nessun altro all’insegnamento universitario grazie alla struttura sistematica delle sue opere e alla massiccia presenza di strumenti didattici elaborati nel corso dei secoli; che, come negli ultimi anni Poliziano aveva fatto Plinio il Vecchio e Aulo Gellio le pietre angolari per la costruzione della sua enciclopedia della cultura antica, analogamente Aristotele fungeva per lui da quadro di riferimento del pensiero degli antichi. 4 Garin 1942, 22. 5 Vd. Gentile 1980; Fubini 1984 e 1987. 6 Eugenio Garin già nel 1954 ricordava che non «v’è gran traccia del platonismo ficiniano nell’opera polizianesca, anche se spesso Platone è presente: ma è Platone, e non la ‹teologia platonica›; e di Platone piuttosto quell'aspetto della moralità socratica che poteva andare a ricongiungersi con l’insegnamento di Epitteto» (Garin 1994, 345). 7 La vicenda è ricostruita in Picotti 1955, 32-37, con allegata documentazione a 69-71 (da integrare con le puntualizzazioni di Martelli 1980, 280 n. 39). 8 Ciò a riprova che la traduzione dell’Encheiridion, pubblicata solo dopo la morte del Poliziano nell’aldina del 1498, ebbe una qualche circolazione anche in vita. <?page no="169"?> Poliziano e i confini della filosofia 159 i Problemata dello pseudo-Alessandro d’Afrodisia e le Amatoriae narrationes di Plutarco. Il testo di Epitteto dovette però esercitare su Poliziano un’attrattiva speciale: gli offriva ampi spazi per l’esercizio filologico, soddisfaceva la sua inestinguibile sete di testi remoti e oscuri e si prestava infine a un uso pratico. 9 Fu probabilmente quest’ultimo motivo a spingere Poliziano a fare del suo patrono il destinatario pratico oltre che il dedicatario dell’opera. Come ha scritto una moderna biografa del Magnifico, «Lorenzo non aveva mai lavorato così tanto, né aveva mai dovuto affrontare pericoli tanto numerosi come nella primavera e nell’estate del 1479». 10 In effetti, era pressato su tutti i fronti: politico, militare, finanziario; la guerra, la peste, l’imprevedibile gioco delle alleanze politiche e la cronica necessità di denaro lo avevano consumato. 11 Se Poliziano non poteva (o forse non voleva) combattere fisicamente al fianco di Lorenzo - non dobbiamo dimenticare che nel dicembre dello stesso anno si sarebbe rifiutato di accompagnarlo nella delicata e pericolosa missione napoletana presso Ferrante d’Aragona - era tuttavia in grado di aiutarlo a uscir vittorioso dalla guerra che il Medici conduceva quotidianamente contro le afflizioni dell’anima, fornendogli, con la traduzione da Epitteto, le armi terapeutiche della filosofia: Non dal dio Vulcano, come Achille ed Enea, ma dalla natura e dalla ragione il nostro Epitteto ricevette le armi che lo conservassero illeso e invincibile non solo dai dardi e dalla spada ma anche dalla paura, dal dolore e dalle altre perturbazioni dell’anima. Quest’uomo, infatti, non si scontrò violentemente con dei centauri, come fece il celebre Ceneo, ma contro la fortuna e la pubblica opinione, che egli sconfisse e mise in fuga, al punto da estirparle del tutto dalla vita umana. 12 9 Su tutte queste traduzioni, si veda Maïer 1966, 372-386. I Problemata e le Amatoriae Narrationes pare non abbiano granché circolato vivente Poliziano e, come il manuale di filosofia stoica, furono pubblicate postume nell’aldina (1498). 10 Hook 1984, 111. 11 Come scrisse nell’ottobre di quell’anno a Girolamo Morelli, fidato ambasciatore fiorentino a Milano: «Per l’amore di Dio, Girolamo, acordatevi questo tracto con la volontà nostra et habbiatemi compassione delle infinite brighe che ho, che è maraviglia che io non habbi perduto questo mio poco senno. Scrivovi brieve in questa parte, perché so con voi non bisognia parole et perché sono sì stracho, che non posso più» (Lorenzo de’ Medici, Lettere, IV, 233). 12 Poliziano 1553, 393: Epictetus hic noster, ea non a Vulcano, ut Achilles atque Aeneas, sed a natura ipsa ac ratione arma accepit, quae non modo se a telis et ferro, sed a metu quoque et dolore caeterisque animi perturbationibus tutum inviolabilemque praestiterint. Bellum quidem hic vir non cum centauris, ut ille [scil. Caeneus], sed cum fortuna cumque opinione acerrimum gessit. Quas ita ambas fudit et fugavit, ut eas ex universa quoque hominum vita exterminaverit. Secondo il mito, Ceneo, menzionato nella prima parte della lettera, qui non riprodotta, era in origine una ninfa poi trasformata in uomo da Poseidone e aveva guidato i Lapiti contro i centauri (Ov. met. 12, 198-246; 247-616). È singolare che qui Poliziano richiami il mito secondo la versione di Pindaro (frag. 128), un locus usato in funzione anti-stoica da <?page no="170"?> 160 Francesco Caruso Pare dunque che con la sua condotta di vita, lo stoico greco avesse dato prova della bontà della sua dottrina, insegnando a tener sotto controllo ciò che «è in noi», cioè in nostro potere, e a non farsi sopraffare da ciò che «non è in noi», secondo la fondamentale distinzione che apre il Manuale: Tra le cose che esistono al mondo, alcune sono in nostro potere, altre no. Dipendono da noi un’opinione, un desiderio, un impulso, un rifiuto e, in una sola parola, quanti sono i nostri atti. Non sono invece in nostro potere il corpo, i beni, la reputazione, le cariche e, per dirlo in una parola, quante non sono nostre azioni. Le cose che dipendono da noi sono per natura libere, non impedite, limpide, quelle che invece non dipendono da noi sono prive di forza, schiave, piene di ostacoli, estranee. 13 Seguendo la regola d’oro di Epitteto («sopporta e astieniti»), Lorenzo avrebbe dovuto resistere ai rovesci di fortuna, tollerare gli attacchi dei nemici e astenersi dalle passioni. 14 La combinazione di chiarezza e concretezza che attraverso i secoli hanno garantito all’autore del Manuale l’interesse e il favore di lettori numerosi e prestigiosi - perfino di uno dal palato esigente come Giacomo Leopardi - non mancò di sedurre Poliziano, per cui la prosa di Epitteto, o meglio, di Arriano, era un esempio di «stile efficace e rigoroso, dotato di una mirabile forza persuasiva». 15 Tuttavia, non tutti furono persuasi. Tra questi vi fu Bartolomeo Scala, il cancelliere fiorentino filo-mediceo che da tempo si interessava alla filosofia e aveva anche composto un trattato Sulle sette filosofiche (1458). 16 La polemica con Scala è stata ben studiata e discussa e, sebbene non conosciamo Plutarco (Stoicos 1057 D). Tutte le traduzioni di questo contributo, dove non diversamente indicato, sono mie. 13 Epitteto 2004, 33. Si riporta qui la versione latina polizianea: Eorum quae sunt partim in nobis est, partim non est. In nobis est opinio, conatus, appetitus, declinatio et, ut uno dicam verbo, quaecunque nostra sunt opera. Non sunt in nobis corpus, possessio, gloria, principatus et uno verbo quaecunque nostra opera non sunt. Quae igitur in nobis sunt, natura sunt libera, nec quae prohiberi impedirive possint. Quae in nobis non sunt, ea imbecilla, serva, et quae prohiberi possint, atque aliena (Epitteto 1985, 69). 14 Cfr. Poliziano 1553, 393-394: Sed quod in toto hoc libello pluribus explicatur, id omne Epictetus duobus his verbis, quae etiam frequentissime usurpabat, comprehendere est solitus: ‘Sustine et abstine’. 15 Sermo autem in eo omnino efficax est, atque energiae plenus, et in quo mira sit ad permovendum vis (ibid. 393). Arriano di Nicomedia (85-161/ 180 d. C.), storico greco e politico romano fu un discepolo di Epitteto e ne trascrisse molte opere, tra cui l’Encheiridion nella versione che ci è stata tramandata. 16 Lo Scala (1430-1497) occupò il ruolo di cancelliere di Firenze per ben trentadue anni ed è a lui che si deve la riforma della cancelleria in senso moderno, cioè come ufficio adatto alle esigenze di uno Stato centralizzato (cfr. Brown 1979, 329-343). Se è vero che con il Poliziano mai furono davvero amici, occorre anche dire che le aperte ostilità tra i due cominciarono solo intorno al 1493. <?page no="171"?> Poliziano e i confini della filosofia 161 l’epistola che conteneva le critiche del cancelliere, possiamo ricavarle dalla responsiva polizianea, intitolata Pro Epicteto Stoico, del 1 agosto 1479. 17 Delle tre obiezioni principali ci soffermeremo su quelle due che hanno attinenza anche solo indiretta con la ricostruzione del rapporto tra Poliziano e Platone. Anzitutto Scala aveva sostenuto che gli insegnamenti di Epitteto non erano praticabili, in quanto richiedevano uno sforzo sovrumano all’individuo. Poliziano cercò di contrastare questo argomento richiamandosi all’esempio offerto dal saggio di fronte alla morte di una persona cara - un topos delle discussioni umanistiche sull’etica: 18 Tu soggiungi che le cose che insegna sono troppo ardue, troppo al di sopra delle nostre forze. Che cosa vuoi dire? Se ami tuo figlio, tua moglie, ricordati che tu ami un essere umano: e non ti turberai per la sua morte […]. Perciò è necessario che proprio quando la fortuna è più favorevole si mediti sulle sciagure, i pericoli, le disgrazie, gli esilî. Pensa sempre che le mancanze del figlio, la morte della moglie, la malattia della figlia, sono esperienze comuni e che si possono verificare, cosicché nulla appaia al tuo animo come inaspettato; se poi accade qualcosa di favorevole, consideralo un guadagno. 19 Quella di Poliziano è una non risposta, perché non risolve il problema ma si limita a riformularlo. Egli dovette accorgersene perché cercando di rintuzzare l’altra argomentazione del cancelliere, cioè che un atteggiamento impassibile come quello richiesto all’uomo dal filosofo stoico sarebbe contro natura, si richiamò alla condotta esemplare di alcuni uomini illustri: Nessuno resiste alla natura: combattendola è come lottare al modo dei giganti contro gli dei, come si dice. Eppure abbiamo letto che in occasione della morte di amatissimi familiari, molti si sono astenuti da lacrime e gemiti, come il celebre Solone ateniese o Catone il censore, che erano considerati, e difatti lo erano, uomini saggi. Certo, son cose non semplici a farsi: tuttavia non sono al di là delle capacità umane. 20 17 Si veda, da ultimo, De Pace 2002, 161-174. 18 Si veda, ad esempio, Tenenti 1957, 53-58. 19 At sunt, inquis, ardua nimis supraque hominis vires, quae praecipit. Quidnam id tandem? Si filium, si uxorem amas, dic te hominem amare, mortuo enim non perturbaveris. […] Omnes cum secundae res sunt maxime, tum maxime meditari secum oportet, quo facto adversam aerumnam ferant, pericula, damna, exilia; peregre veniens semper cogites, aut filii peccatum, aut morbum filiae, communia esse haec, fieri posse, ut nequid animo sit novum; quicquid praeter spem eveniat, omne id deputare esse in lucro (Garin 1962, 918: ma ne ho ampiamente rielaborata la traduzione). Se ci siamo soffermati sulla polemica con lo Scala è anche per segnalare che l’obiezione che questi aveva rivolto a Epitteto e che abbiamo appena discusso, sarà la stessa che, molti anni dopo, Poliziano rivolgerà proprio a Platone, un momento essenziale del rapporto controverso che l’umanista toscano ebbe con quest’ultimo e che qui stiamo provando a ricostruire. Ma di questo diremo in seguito. 20 Naturae enim nemo resistit, cui qui adversetur is gigantum more quod dicitur cum diis bellum gerat. Multos autem legimus in carissimorum sibi pignorum obitu lachrymis fletuque abstinuisse, ut Atheniensem illum Solonem, ut Censorem Catonem, qui ambo sapientes et fuerint et <?page no="172"?> 162 Francesco Caruso La seconda obiezione, che coinvolge più direttamente Platone, riguarda un aspetto più tecnico della concezione filosofica di Epitteto: il cancelliere non si capacita infatti di come il filosofo stoico consideri il corpo come qualcosa che «non è in noi». La risposta, dice Poliziano, era già in Platone, nell’Alcibiade primo (129c-130b): in questo dialogo, il filosofo delle Idee illustra come l’uomo sia anima che partecipa di ragione e che il corpo non sia p a r t e dell’uomo, bensì strumento della sua anima. In effetti, l’uomo può avere dominio del corpo ma il corpo non può dominare se stesso e pertanto l’uomo non è corpo più anima, perché ciò che domina non può essere dominato allo stesso tempo. Ne consegue che, come ribadito da Epitteto, il corpo «non è in noi». Questa verità filosofica, che Bartolomeo Scala aveva definito «arida e priva di succo», per Poliziano è invece «concisa e formulata con dottrina e considerazione» e «non custodita in un luogo nascosto ma alla portata di chiunque avesse voluto farla propria. Cosa c’è infatti di più celebre del celebre Platone» che ce l’ha tramandata? 21 L’esplicita menzione di Platone rivela quello che è forse l’elemento di maggiore originalità della Pro Epicteto Stoico nell’ambito delle riflessioni filosofiche che Poliziano andava facendo in quegli anni, e cioè l’assimilazione dello stoicismo di Epitteto al platonismo. Egli voleva affermare che su un elemento chiave quale la riflessione sui rapporti anima-corpo, la dottrina di Epitteto si fondava, e quindi indirettamente confermava, quella di Platone. 22 Che questa posizione non costituisse semplicemente un richiamo a un’auctoritas per rinforzare un’argomentazione all’interno di una polemica - e che quindi andasse al di là della contingenza dello scontro con Scala - lo dimostra il fatto che i due filosofi greci erano stati in qualche modo assimilati già nell’epistola presint habiti. Non sunt quidem haec factu facilia; non supra hominis tamen sunt vires (Poliziano 1553, 920). 21 Cfr. Garin 1962, 922: Cur enim ut aridam succoque carentem divisionem illam vexes, qua ille paucissimis verbis scienter circumspecteque omnia quae sunt suas in partes tribuit, non intelligo; at non in abdito hoc erat, sed in promptuario ad manum volenti id sumere, ac praesto erat. Quid enim Platone ipso illustrius? 22 Per Poliziano, assegnare a Platone una posizione di privilegio intellettuale, non significava ipso facto sottoscrivere il progetto filosofico ficiniano: «Già nel De volputate [Ficino] aveva dichiarato l’inadeguatezza proprio della teoria dell’anima esposta nell’Alcibiade primo a rappresentare la vera dottrina platonica: a identificare l’anima con l’uomo esistente terreno, obiettava, vi era il pericolo che si scartasse ciò che era più importante, la sua natura divina assicuratagli dall’intelletto» (De Pace 2002, 175). Scriveva Alessandro Daneloni a proposito della traduzione dell’Encheiridion: «un’opera di filosofia ‘pratica’ la cui scelta segnalava da parte sua [scil. del Poliziano] un implicito, ma non meno deciso, distacco dal misticismo neoplatonico del Ficino» (Viti 1994, 316 n. 125). <?page no="173"?> Poliziano e i confini della filosofia 163 fatoria indirizzata a Lorenzo: «Arriano, che restituì la libertà a questo platonico, cioè questo uomo autentico, in un singolo volume raccolse insieme, come si fa con i fiori, degli estratti dai libri di Epitteto». 23 Se negli anni Ottanta del Quattrocento Poliziano rimarrà fedele a questa visione del platonismo riassunta sinteticamente nell’appena citato «Platonicum, hoc est, verum hominem», le cose cominceranno a cambiare intorno all’inizio degli anni Novanta, quando, pressato dall’ambiente accademico, Poliziano decide di affrontare esplicitamente il problema del far filosofia e dell’esser filosofo nella Lamia, la prolusione universitaria letta nell’autunno del 1492 in apertura di anno accademico presso lo Studio fiorentino. 24 La Lamia è un testo di grande complessità, in cui la voce dell’autore si trova affiancata da altre, con effetti polifonici che talvolta oscurano il senso del dettato. Non è infrequente, inoltre, che le argomentazioni siano bruscamente interrotte per poi essere riprese molto più avanti nel testo, quando non semplicemente abbandonate. I giudizî e le opinioni espressi dal Poliziano sono spesso filtrati dall’ironia, quando non dal sarcasmo, e nella prima parte dell’orazione - in cui viene ripercorso con modalità genericamente dossografiche un tratto di storia del pensiero antico - occorre distinguere con molta attenzione quelle dottrine che, secondo lui, meritano di essere o meno seguite. 25 Quest’ambiguità di fondo raggiunge il suo apice proprio nel ritratto che l’umanista toscano fa di Platone, che è presentato come paradigma ideale di filosofo ma simultaneamente adombrato come modello negativo. Beninteso, non si tratta di un attacco frontale, quanto piuttosto di un discorso che si muove lungo gli ambigui contorni di una critica per associationem. Il primo accostamento, implicito ma ben noto all’elite culturale che era il destinatario ideale della prolusione accademica, è quello tra Platone e Pitagora: Pitagora era tenuto in gran conto da Marsilio Ficino e dalla scuola neoplatonica, un movimento piuttosto noto nella Firenze del tempo. Ficino ammirava Pitagora non solo in qualità di precursore di Platone ma anche come uno dei profeti, uno strumento della Provvidenza, un’interprete della rivelazione continua dei misteri divini […]. È proprio come se nella Lamia Poliziano ridicolizzasse l’ammirazione dei neoplatonici per Pitagora. 26 Attaccare Pitagora significava in effetti mirare al cuore della catena sapienziale della prisca theologia e screditarne gli anelli successivi, che includevano appunto Platone e Ficino. Presentato come «Lui in Persona», «notevole anche 23 Arrianus […] eque eius [scil. Epicteti] libris, quasi florem quendam, qui hunc Platonicum, hoc est, verum hominem in libertatem vindicaret, excerpsit et in volumen redegit […] (Poliziano 1553, 393). 24 Per cui si vedano rispettivamente le introduzioni a Poliziano 1986 e Poliziano 2010. 25 Sull’uso dell’ironia nella Lamia, vd. Poliziano 1986, xxi-xxii. 26 Id. xvi. <?page no="174"?> 164 Francesco Caruso per la sua gamba d’oro, nato più volte e rinato», Pitagora è trattato letteralmente come uno zimbello filosofico: «se ascolterete precetti di ‘Lui in Persona’ morirete dal ridere». 27 Poliziano prende di mira soprattutto i symbola Pythagorica, una raccolta di prescrizioni con cui il filosofo greco obbligava i proprî discepoli a una serie davvero singolare di comportamenti: una volta alzatisi dal letto, dovevano «piegare le coperte e cancellare le impronte lasciate dal proprio corpo», dovevano astenersi dall’ «urinare contro il sole» e sottoporsi ad altre amenità; contraddire a questi precetti non era possibile perché «non appena [Pitagora] prendeva un allievo presso di sé, subito gli portava via la parola». 28 Più avanti, quando Poliziano racconta l’episodio di Pitagora che doma l’orsa Daunia o il toro di Taranto (§ 11), sembra farne il protagonista di un’agiografia popolaresca. Tuttavia, questo «professore, o meglio, questo imbonitore di un tipo così rivoltante di sapienza» considerava se stesso un filosofo, un uomo che studiava «un tipo particolare di conoscenza» chiamato sophia, cioè lo studio di ciò che è bello, divino e puro (§ 16). Si tratta di un’ambiguità evidente, che ci porta a chiederci come sia possibile conciliare da un lato l’esoterismo stravagante (ma lucrativo) di Pitagora e dei suoi seguaci, e dall’altro la disinteressata e pura contemplazione: questa non è forse inevitabilmente corrotta da quello? O la nobiltà ed eccellenza della contemplazione filosofica alla fine giustifica i comportamenti di chi la pratica? Poliziano non offre alcuna spiegazione per questo improvviso cambiamento di tono e appare evidente che preferisca piuttosto lasciare che sia il lettore a riflettere su questa contraddizione. La figura di Pitagora ne esce irrimediabilmente compromessa e l’unico tra i suoi insegnamenti che Poliziano sembra voler «salvare» è l’invito alla contemplazione filosofica. A questo punto, per contrasto, entra in gioco Platone. Racconta Poliziano che per «il vecchio ateniese» il filosofo è colui che studia i numeri, la generazione di dèi ed esseri viventi (theogonia zoogoniaque), le stelle e gli astri e che sappia discernere il vero dal falso (§§ 17-21). Infatti - e ritorna qui il tema della verità accennato in precedenza a proposito di Epitteto - i filosofi «dovrebbero avere tutti un medesimo segno distintivo: odiare il falso e amare la verità», verità che è spesso il risultato di un’azione collettiva: 27 In realtà «in nessun punto della Lamia Poliziano chiama Pitagora per nome. Egli quindi segue - non senza intenti ironici - la consuetudine degli allievi di Pitagora che si astenevano dal pronunciare il nome del proprio maestro in segno di rispetto» (Poliziano 1986, 29 ad 4.21). 28 Femore etiam aureo conspicuum, natus saepius ac renatus. Nomen illi erat ‘Ipse’ (§ 8); Praecepta vero si Ipsius audieritis, risu, scio, diffluetis (ibid.); Cum lecto surges, stragula complicato vestigiumque corporis confundito (§ 9); Sed eos discipulos, ut ad se quenque receperat, statim prorsus elinguabat! (§ 8). Le citazioni dalla Lamia sono date secondo l’edizione Celenza (Poliziano 2010), di cui si segue la divisione in paragrafi. La traduzione in italiano è nostra. Sui detti di Pitagora, si veda Celenza 2001. <?page no="175"?> Poliziano e i confini della filosofia 165 [Platone] diceva che proprio chi cerca con cura la verità vuole avere in quest’attività quanti più alleati e aiutanti possibile e che sa che nella filosofia come nella caccia accade la stessa cosa: se infatti uno segue le tracce di una belva da solo, non la catturerà mai o lo farà con grande difficoltà; chi invece chiederà l’aiuto di altri arriverà facilmente perfino alla sua tana. Pertanto, in questa che è quasi una caccia per la verità, molti sono i luoghi difficili e impervî, chiusi tutt’attorno da alberi e ombre terrificanti, su cui, da soli, non si può far luce. 29 Il filosofo deve inoltre raggiungere questo obiettivo spassionatamente, senza sperare in una ricompensa di tipo materiale («sia assente l’amore per il denaro»), essere pronto a guardare dentro se stesso ed ad astenersi dal pronunciare giudizî severi sugli altri («il filosofo non dovrà scoprire inopportunamente e con troppo zelo i segreti del prossimo - come invece fanno le lamie di cui abbiamo detto - né vorrà sapere cosa accade nel privato di una casa ed esser temuto per questa sua conoscenza»). 30 Qui, opponendo una ricerca della verità policentrica e collettiva a quella monocentrica e gerarchica e proponendo come risultato di questa ricerca un dato meramente intellettuale e non un guadagno monetario, Poliziano mette in rilievo due aspetti della dottrina platonica che, per così dire, emendano gli aspetti meno accettabili del modello pitagorico, pur mantenendone fermi alcuni punti, come lo studio della matematica o dell’astronomia. Tuttavia, come vedremo a breve, agli occhi dell’umanista toscano, anche il modello platonico presenta delle mancanze non di poco conto. Infatti, sebbene si distacchi, seppur in meliorem partem, da Pitagora, il ritratto del filosofo platonico costituisce una rottura in senso astratto rispetto a un’antica tradizione che invece voleva il sapiente con i piedi ben piantati per terra. Prosegue infatti Poliziano: un tempo, in un’epoca antica, erano detti sapienti quegli uomini che coltivavano anche le arti meccaniche, cosa che portò il vate Omero a chiamare s a p i e n t e anche il falegname [Il. 15, 411-414]. Ma ci fu un certo vecchio ateniese che era, dicono, molto alto e che alcuni pensano fosse colmo di Apollo. Costui negò che si addicessero al sapiente quelle arti che sono in massima parte al servizio della vita, siano esse necessarie, utili, eleganti, ludiche o accessorie. Disse invece che il vero possesso del filosofo sta nella scienza dei numeri e che 29 Porro hunc et ipsum veritatis indagandae studiosum esse et habere quam plurimos eiusdem studii socios adiutoresque velle, scilicet qui norit evenire idem in philosophia quam in venatu: si quis enim feram solus vestiget, is eam vel numquam vel aegre deprehendet; qui venatores advocet alios facile ad ipsum cubile perveniet. Et in hac igitur veritatis quasi venatione loca abrupta confragosaque sunt plurima, arboribus clausa circum atque horrentibus umbris, quae lustrare solus nequeas (§ 24). 30 Pecuniarum quoque abesse amor debet (§ 26). Sed nec arcana cuiusque curiosius nec scrupulosius (ut illae quas diximus Lamiae) rimabitur, nec scire volet secreta domus atque inde timeri (§ 27). <?page no="176"?> 166 Francesco Caruso se questa venisse sottratta alla natura dell’uomo, anche la ragione andrebbe perduta per sempre. 31 Il contrasto tra Omero e Platone tradisce l’intenzione di Poliziano di criticare, per quanto sottilmente, l’opinione del secondo: per lui, infatti, Omero è un poeta ispirato, lo chiama appunto «vate», e un filosofo che egli tiene in tale stima che nella Oratio in Expositione Homeri (1485), con cui aveva inaugurato il corso sull’Iliade, poté affermare: «Cosa dovrei dire adesso della filosofia, in cui può certamente dirsi che non esiste sentenza degli antichi più nobile e opinione tanto celebrata di cui non riconosciamo l’origine in Omero? » 32 Ma è soprattutto ciò che Poliziano presenta come il motivo del disaccordo tra i due venerabili campioni della grecità a contenere in nuce le nuove perplessità dell’umanista verso il filosofo delle Idee e, più in generale, verso ciò che il suo pensiero rappresentava. In apertura del Panepistemon (1490), un’altra prolusione accademica in cui tracciava uno schema enciclopedico delle discipline, Poliziano si era già espresso seguendo il modello omerico, pronunciandosi sin dall’incipit a favore delle arti ritenute inferiori: Vorrei adesso passare all’interpretazione dell’Etica di Aristotele e approcciarla secondo il criterio seguente: per quanto sia possibile, mettere insieme all’interno del medesimo schema non solo le arti e le discipline che sono dette liberali o le arti meccaniche ma anche quelle vili e sedentarie, di cui pur necessita la vita. 33 Gli studiosi concordano sulla portata innovativa di queste parole e a loro riguardo Jean-Marc Mandosio, uno dei primi (e dei pochi) a dedicare uno studio al Panepistemon, si è espresso molto nettamente: In termini aristotelici si tratta di una vera eresia, poiché le arti meccaniche appartengono alla categoria della poietica, cioè la produzione delle cose artificiali, nella quale Aristotele vede una delle tre grandi forme di conoscenze 31 Olim autem, apud saeculum priscum, sapientes appellari consueverant etiam qui sellularias quasdam callebant artes, unde vates Homerus fabrum quoque lignarium sapientem vocat. Sed extitit Atheniensis quidam senex altis eminens humeris, ut aiunt, quem etiam putant homines Apolline satum. Hic sapientis esse negavit eas artis quae plerunque vitae inserviant, sive illae necessariae, sive utiles, sive elegantes, sive ludicrae, sive auxiliares sint. Propriam autem philosophi esse supellectilem dixit numerorum scientiam, quos, inquit, a natura hominis si removeris, etiam ratio perpetuo perierit (§ 17). 32 Quid dicam de philosophia, in qua nulla est ferme nobilior posterorum sententia aut opinio celebrata, cuius non in poeta Homero originem agnoscamus? (Poliziano 2007, § 18, 1-3: ). Si veda anche l’incipit dell’Oratio: «Parlerò di Omero, il vate» (Dicturus de Homero vate, §1, 1). 33 Mihi vero nunc Aristotelis eiusdem libros de moribus interpretanti consilium est, ita divisionem istiusmodi aggredi: ut quoad eius fieri possi, non disciplinae modo et artes vel liberales quae dicuntur vel machinales, sed etiam sordidae illae ac sellulariae, quibus tamen vita indiget, intra huius ambitum distributionis colligantur (Poliziano 1553, 462). Le arti sedentarie sono le attività manuali che si svolgono da seduti, come quella del calzolaio (cfr. Gell. 3, 10, 1). <?page no="177"?> Poliziano e i confini della filosofia 167 umane, ma che restano per lui di statuto inferiore, e dunque esteriore [sic], alla filosofia. 34 Se già includere le arti meccaniche all’interno di una trattazione filosofica era una mossa ardita, inserire quelle vili e sedentarie dovette apparire una vera provocazione (si ricordi che anche il Panepistemon fu pronunciato pubblicamente all’università). Era insomma un punto su cui Poliziano aveva fatto un certo investimento ideologico e che adesso si rifletteva nel contrasto da lui proposto tra Omero, progenitore di una visione concreta della filosofia, e Platone, teorico di quella astratta. Sembra proprio che Poliziano voglia imputare a quest’ultimo una scarsa attenzione alla v i t a reale in cui si ricorre ad attività anche vili ma necessarie («quibus tamen vita indiget»). Questo è il motivo per cui riteniamo che nella Lamia egli criticasse la tendenza di Platone a discorsi astratti che non hanno un’attinenza immediata e concreta con la realtà. Anzitutto, la fonte principale su cui Poliziano costruisce il personaggio-Platone è l’Epinomis, un dialogo spurio ma a quel tempo attribuito al «vecchio ateniese» in cui questi è presentato come studioso di matematica, astronomia, geometria, dialettica e retorica e al cui pensiero pedagogico-politico si allude solo saltuariamente e cripticamente. 35 Vi è poi l’aspetto aristocratico della filosofia platonica, che viene presentato come presupposto del filosofare: Ma questo stesso vecchio uomo soleva anche dire che è necessario che un tale filosofo sia il prodotto di un matrimonio consacrato, cioè che abbia genitori eccellenti [Plat. Rep. 5, 458e]. Dopo tutto, come suol dirsi, un’erma non può ricavarsi da un pezzo di legno qualsiasi. Come rami e ramoscelli storti e contorti non possono mai per natura essere raddrizzati e anche se trattati e ammorbiditi con le mani tornano subito a quella loro naturale deformità, così quelli che hanno natali poco illustri e poca istruzione, guardano sempre verso il basso, amano cioè le occupazioni infime, non alzano gli occhi verso l’alto, non sono mai né giusti né liberi. 36 34 Mandosio 1996, 152. 35 Ari Wesseling ha segnalato che nel testo della Lamia ci sono alcuni frammenti della Repubblica di Platone nella traduzione di Temistio, come ad esempio Rep. 6, 485a, or 6, 490a, rispettivamente in Poliziano 1986, 53-54 ad 7, 1-5, e 57 ad 7, 28-29. 36 Sed enim talem hunc philosophum nasci etiam affirmabat oportere idem senex e matrimonio sacro, hoc est ex optimis parentibus. Non enim ex omni ligno, sicut dicitur, Mercurius fit. Ut autem rami et surculi pravi tortuosique natura minime unquam redigi ad rigorem suum queunt, quamvis manu tractentur et emolliantur, sed ad naturalem illam statim pravitatem recurrunt, sic hi qui parum nati honeste, parum educati ingenue sunt, continuo ad humum spectant, hoc est, vilissima quaedam ministeria adamant, nec in sublime animos attollunt, nec recti unquam nec liberi sunt (Poliziano 2010, § 22). <?page no="178"?> 168 Francesco Caruso Più avanti nel testo, tuttavia, Poliziano affermerà che «il filosofo certamente si prenderà gioco di colui che si crede nobilissimo per il fatto di avere forse cinque o sei antenati aristocratici e ricchi». 37 A meno di non voler ammettere una flagrante contraddizione che, dato il contesto, appare incomprensibile, rimane quindi oscuro il significato di quel «matrimonio consacrato» e di quei «genitori eccellenti» e conseguentemente ambiguo il messaggio finale: o la filosofia non è per tutti, oppure affermare che non lo sia per mancanza di credenziali, di un pedigree vorremmo perfino dire, è un’argomentazione risibile («eum deridebit»). Ma la più inequivocabile critica a Platone, benché sempre legata a un sottile gioco testuale, è da ricondursi al racconto che Poliziano fa nella Lamia del cosiddetto «mito della caverna», che egli decide di rievocare secondo la versione del filosofo neoplatonico Giamblico, «chiamato unanimemente divinissimo in tutta l’antica Grecia». 38 Le due versioni del mito sono sostanzialmente identiche nel contenuto e preferire quella di Giamblico a quella, molto più nota, di Platone, tradisce ben più che la consueta ricerca per la fonte peregrina e funge da precisa indicazione autoriale. Inoltre, Poliziano si astiene dall’interpretare la macro-allegoria rappresentata dal mito e si limita a sottolineare un aspetto politico del mito (il filosofo come guida) rispetto quello speculativo, e decisamente più rilevante, della Teoria delle Forme platonica: fa, cioè, l’opposto di quanto aveva fatto all’inizio della prolusione quando aveva introdotto Platone per la prima volta. La sezione ha, poi, una chiusura formidabile: Mi limiterò a suggerire quanto segue: coloro che sono incatenati nell’oscurità [della caverna] non sono nient’altro che la massa e i non istruiti, mentre quell’uomo liberato dai vincoli ed esposto alla chiara luce del giorno è proprio il filosofo di cui abbiamo parlato per un bel po’. Come vorrei essere lui! Non temo infatti l’invidia o l’accusa di abuso del titolo [di filosofo] al punto da non voler essere un filosofo, se solo ciò fosse possibile. 39 Quest’ultimo passo, che nelle intenzioni stesse del Poliziano ha funzione di ricapitolazione generale («de quo quamdiu loquitur»), è in effetti il cuore della questione che stiamo qui affrontando. Liquidato sarcasticamente il modello di filosofo offerto da Pitagora, Poliziano si volge a decantare le lodi di Platone, che di quel modello contemplativo è visto allo stesso tempo come erede e riformatore. Ma tra gli insegnamenti del «vecchio ateniese» e la vita c’è uno iato, 37 «An is [scil. philosophus] non eum deridebit qui se generosissimum putet quod avos quinque forte aut sex nobiles enumeret et divites? (Id. § 57). 38 Quem veteris Greciae consensus vocare divinissimum solet (§ 58). 39 Nunc illud tantum admonebo: vinctos in tenebris homines nullos esse alios quam vulgus et ineruditos, liberum autem illum clara in luce et exemptum vinculis, hunc esse ipsum philosophum de quo iamdiu loquimur. Atque utinam is ego essem! Non enim tam metuo invidiam crimenque nominis huius ut esse philosophus nolim, si liceat (§ 67). <?page no="179"?> Poliziano e i confini della filosofia 169 un dislivello che nella pratica appare incolmabile. Come ha scritto Christopher Celenza nell’introduzione alla sua recente edizione della Lamia, «mentre Poliziano va avanti col suo discorso, diventa ancor più chiaro che il modello ideale di filosofo non è certo una cosa cattiva […] a livello ideale. Il problema è che è veramente impossibile trovarne uno così nella realtà». 40 Dovrebbe esser chiaro a questo punto che le strategie discorsive a cui Poliziano ricorre nella Lamia non ammontano a un aperto dissenso dottrinale quanto piuttosto a ciò che chiameremmo una resistenza intellettuale nei confronti di una concezione dell’esercizio della filosofia come attività elevata e sublime, impersonata da Platone e dalle sue dottrine. Nella narrazione della Lamia a ciò corrisponde un gesto in cui si può facilmente riassumere il nocciolo ideologico dell’intera prolusione e cioè il rifiuto del titolo di philosophus a favore di quello di grammaticus, un gesto che a nostro avviso non andrebbe letto non tanto come un’ (ironica) ammissione di ignoranza nei confronti delle superciliose lamie, quanto piuttosto come riconoscimento della propria umana limitatezza. 41 Rimane dunque aperta la questione sul significato concreto del rapporto tra questi due diversi tituli. Nella Lamia, il compito del grammaticus - un termine che potremmo tradurre con buona approssimazione come «filologo» nella sua accezione più ampia - viene definito come quello di «esaminare e illustrare ogni genere di scrittori, siano essi poeti, oratori, storici, filosofi, medici, giuristi», 42 una formulazione da cui Poliziano deriva la sua difesa contro l’attacco delle lamie: Io confesso di essere solo un interprete di Aristotele. Quanto io sia adatto a ciò, qui non c’entra, ma certamente ammetto di essere un interprete, non un filosofo […]. Filopono, allievo di Ammonio e condiscepolo di Simplicio, non è forse un valido interprete di Aristotele? E tuttavia nessuno lo chiama filosofo, ma tutti lo chiamano filologo. 43 Questa presa di posizione da parte dell’umanista toscano apre un nuovo scenario, in quanto non si tratta più di istituire paragoni tra scuole o tendenze filosofiche, come Poliziano aveva fatto nella prima parte dell’orazione, ma tra filosofia e filologia. 40 Poliziano 2010, 38. 41 Ciò che, si ricorderà, era una delle critiche mosse dallo Scala a Epitteto. 42 Grammaticorum enim sunt partes, ut omne scriptorum genus, poetas, historicos, oratores, philosophos, medicos, iureconsultos, excutiant atque enarrent (§ 71). Su questa figura si veda Scaglione 1961, Mariani Zini 1999. Sull’argomento mi permetto anche di rinviare il lettore a Caruso 2010. 43 Ego me Aristotelis profiteor interpretem. Quam idoneum non attinet dicere, sed certe interpretem profiteor, philosophum non profiteor. […] An non Philoponus ille Ammonii discipuli Simpliciique condiscipulus idoneus Aristotelis est interpres? At eum nemo philosophum vocat, omnes grammaticum (§§ 69-70). Gli autori qui citati sono tutti commentatori di Aristotele di tendenza neoplatonica. <?page no="180"?> 170 Francesco Caruso La questione è molto complessa ma vorremmo qui formulare un’ipotesi che possa gettare nuova luce su questo nodo cruciale della biografia intellettuale di Poliziano. A nostro avviso, occorre anzitutto rendersi conto che egli concepiva filosofia e filologia come due discipline strettamente intrecciate ma che miravano entrambe a rispondere, iuxta propria principia, al problema della verità. Sui loro rapporti, Poliziano si esprime in un passo pressoché sempre ignorato delle sue adnotationes sulle Selve di Stazio (1479-80). 44 L’occasione da cui è scaturito l’appunto che ci accingiamo a commentare è data da uno degli innumerevoli motivi di disaccordo tra Poliziano e l’amato-odiato (e a quel tempo ormai defunto) filologo Domizio Calderini su un passaggio controverso delle Selve. 45 Qui Poliziano decide di trasformare il consueto intervento polemico in una lezione di metodo; inoltre, il solenne appello agli studenti che apre il passo in questione, ci indica che esso era destinato alla pubblica lettura in classe, fatto piuttosto straordinario per una raccolta di note preparatorie a un corso. All’inizio Poliziano invita agli studenti a non affidarsi a soluzioni preconfezionate, perché la verità non è dogmatica e quindi va rifiutato il principio di autorità: Secondo me, miei carissimi auditori e compagni, niente ostacola le nostre menti e i nostri studî in misura così massiccia come il fatto di dare più peso all’autorità che alla ragione. Infatti [in questo modo] cessiamo di appellarci al nostro giudizio e riteniamo vero ciò che è stato giudicato tale da colui che noi approviamo e molto spesso commettiamo il peggiore degli sbagli, cioè dare il nostro assenso a ciò che è falso o non conosciuto. Così, spesso accade che in quella parte della vita in cui siamo pochissimo esperti, legati dai precetti di coloro che affermano di essere dei maestri, ci proponiamo di occuparci di cose il cui valore non abbiamo ancora ben capito e, come se fossimo sballottati da una tempesta, ci aggrappiamo a qualunque disciplina come a uno scoglio. 46 Questo ammonimento metodologico agli studenti non ha la sola funzione di metterli in guardia dall’influenza di maestri mendaci (e in questo senso, il di- 44 L’unica eccezione è Vittore Branca che però discute questo passo esclusivamente sub specie philologiae (cfr. Branca 1983, 167-169), laddove noi vogliamo qui dimostrare come per Poliziano quella relazione rientri in un discorso più generale sulla ricerca della verità e sulle modalità di tale ricerca. 45 Sul rapporto tra i due, si veda Dionisotti 1968; Campanelli 2001, 4-10. 46 Equidem ita mea est sententia, amantissimi auditores et commilitones mei, nihil tantopere ingeniis studiisque nostris officere quam si autoritatis potius quam rationis momenta quaeramus. Nam et desinimus nostrum iudicium adhibere idque ratum habemus quod ab eo, quem probamus, iudicatum videmus, et in unum maximum vitium persaepe incidimus, ut aut falsis aut incognitis assentiamur. Itaque saepe usu venit ut infirmissimo tempore aetatis, eorum, qui docere se profitentur, legibus astricti, aliquid nobis tuendum proponamus, quod nondum satis quale sit intelligamus, et ad quancunque disciplinam quasi simus tempestate delati, ad eam tamquam ad saxum adhaerescamus (Poliziano 1978, 90-91). Su questo passo, si veda anche De Pace 2002, 143- 144. <?page no="181"?> Poliziano e i confini della filosofia 171 saccordo con Calderini appare poco più che un pretesto retorico). Infatti, leggendo il passo immediatamente successivo, tutto il discorso riflette un atteggiamento filosofico complessivo che deriva dalla convinzione dell’impossibilità di fondare la verità sulle opinioni dell’uomo, cioè di un soggetto affetto da limiti consustanziali: Infatti, come soleva dire Democrito, la verità sta nel fondo e, sia per l’oscurità intrinseca alle cose stesse, sia perché il nostro giudizio è debole, nulla di più si può fare per esporla o, per dire, tirarla su, che dare pochissimo retta alle opinioni preconfezionate. 47 E se è vero che è particolarmente nocivo per un filosofo l’essere esposto ai pericoli inerenti all’ossequio acritico del principio di autorità - come non pensare a quel «Nomen illi erat ‘Ipse’» che nella Lamia avrebbe attribuito a Pitagora? -, ad esso non si sottraggono gli altri uomini, quelli le cui opere che il grammaticus doveva interpretare: Per non parlare del fatto che i filosofi stessi non sono solo suddivisi in diverse scuole con opinioni diverse, ma poi combattono per la verità a due a due, e non succede forse la stessa cosa con le altre discipline liberali [bonae artes]? Vi prego dunque di considerare i filologi, i dialettici, gli oratori, i medici, gli astronomi e gli altri autori delle arti liberali: certo nei loro scritti si troveranno molti argomenti usati per attaccarsi l’un l’altro che per difendersi, ma come scrive Aristotele, ‘La disputa affina grandemente il pensiero’ [Probl. 916b, 19]. 48 Possiamo dunque affermare che alla fine degli anni Settanta del Quattrocento, una delle maggiori preoccupazioni di Poliziano filologo concerneva la ricerca della verità che aveva la filosofia e i suoi metodi come principale punto di 47 Latet, enim, ut Democritus aiebat, in fundo veritas vel ipsarum rerum obscuritate, vel iudiciorum nostrorum infirmitate nihilque magis ad eliciendam et tanquam expromendam illam facere potest, quam si praeiudicatis opinionibus minime accesserimus (Id. 91). L’opinione di Democrito è stata probabilmente tratta da Cic. Ac. 1, 44, un testo che Poliziano conosceva molto bene. È molto interessante che per rinforzare il suo discorso, poco dopo egli ricorra a un passo dell’Etica Nicomachea di Aristotele in cui questi criticava non troppo velatamente Platone: «Forse è meglio indagare la nozione di universale e analizzare i problemi che esso comporta nel modo in cui esso viene adoperato sebbene una ricerca di questo tipo diventerebbe sgradevole per il fatto che sono nostri amici gli uomini che hanno introdotto la teoria delle Idee. Ma probabilmente sembrerà più opportuno e doveroso per salvaguardare la verità eliminare gli interessi privati in questo discorso, soprattutto se si è filosofi. Certo, anche se entrambe le cose ci sono care, è sacrosanto onorare la verità» (1096a, 11- 13). 48 Ut omittam quod philosophi ipsi non solum in suas diversarum opinionum sectas distributi sunt, sed et singuli paene cum singulis pro veritate digladiantur, nonne idem tandem in omnibus bonis artibus tenor est? Inspicite, quaeso, grammaticos, dialecticos, oratores, medicos, astrologos, ceterosque liberalium disciplinarum autores [sic]: multo profecto plura in eorum libris contra alios quam pro se ipsis invenietis. Contentiosa enim illa disputatio, ut Aristoteles scribit, magnopere ingenium exacuit (Poliziano 1978, 91-92). <?page no="182"?> 172 Francesco Caruso riferimento. Tuttavia, questa ricerca non era appannaggio esclusivo del filosofo, ma anche di colui che praticava le bonae artes. Da questo punto di vista, filosofia e filologia erano concepite come discipline parallele, indirizzate al medesimo fine ma su binari differenti. Ma nella Lamia, all’inizio degli anni Novanta, questi due binari fatalmente divergono e quello della filosofia è lasciato alla sua fulgida ma impraticabile gloria. Questo forse significa che Poliziano ha abbandonato del tutto la filosofia? La risposta è negativa, perché proprio in quegli anni lì egli aveva ridefinito teoricamente il rapporto tra le due discipline. Nel succitato Panepistemon, Poliziano aveva distinto tre tipi di filosofia: teoretica, pratica e razionale, con quest’ultima volta a «spiegare o raccontare o dimostrare o persuadere o intrattenere; di essa derivarono la grammatica, la storia, la dialettica, la retorica e la poetica». 49 La grammatica, cioè la filologia lato sensu, non è allora diversa dalla filosofia, ma ne è una sua parte, o meglio, una filiazione. Secondo questo schema, allora, il titolo di filosofo rigettato nella Lamia riguarda certamente la filosofia teoretica e la metafisica e la capacità dell’uomo di raggiungere delle verità universali, mentre rimane più sfumata la posizione di Poliziano con riguardo alla filosofia pratica e all’etica. In sintesi, è come se dagli anni delle adnotationes Statianae in poi, l’umanista abbia progressivamente ristretto l’ambito della praticabilità filosofica, guidato dalla convinzione dell’incommensurabilità tra la speculazione umana e gli obiettivi posti da alcune «parti» della filosofia, una convinzione espressa in termini netti nella Praelectio de dialectica (1491), prolusione al corso sulle opere logiche di Aristotele, in cui Poliziano, discutendo la dialettica platonica affermava: È dunque sorta una contesa tra filosofi sul fatto se la dialettica sia parte o strumento della filosofia o, come aveva sostenuto Boezio, entrambe le cose. In effetti, questa dialettica platonica potrà sembrare remota ad alcuni e forse sin troppo difficile. Pertanto penso varrà la pena di tirar giù, come da un piedistallo, l’orazione che abbiamo incominciata, e cioè scendere ad esaminare i caratteri proprî di questa nostra opera. 50 Parole che, per quanto metaforiche, tradiscono un atteggiamento mentale di rifiuto nei confronti di insegnamenti filosofici troppo alti o sublimi. 49 Rationalis aut indicat, aut narrat, aut demonstrat, aut suadet, aut oblectat. Unde grammatica, historia, dialectica, rhetorica et poetica emerserunt (Poliziano 1553, 463). 50 Nata inde contentio inter philosophos est, philosophiae ne pars, an instrumentum dialectica sit, an (quod Boetius existimavit) utrumque. Verum Platonica ista remota nimis, nimisque etiam fortassis ardua quibusdam videri poterit. Itaque operae precium, credo, faciemus, si institutam orationem quasi de fastigio deducamus in planum, hoc est, si ad ea quae sunt instituti operis propria descendamus (Id. 529). Questo passo è una delle colonne portanti delle interpretazioni del pensiero di Poliziano in chiave anti-platonica, per cui vd., ad esempio, Garin 1994, 340. Per un approccio radicalmente diverso, vd. Robichaud 2010, 169-173. <?page no="183"?> Poliziano e i confini della filosofia 173 In conclusione, dovrebbe essere chiaro a questo punto che la dicotomia philosophia / grammatica non opera un giudizio di valore sui meriti o sulle mancanze di queste due discipline, ma si esprime esclusivamente sulla praticabilità dei metodi rispettivi. La celebre allegoria che apre il capitolo IV della Centuria prima (1489), in cui il grammatico greco Aristofane simboleggia la filologia e lo stoico Cleante la filosofia è, a nostro avviso, solo un programma generico di metodo, troppo vago per risolvere il nodo della relazione tra le due discipline. Anzi, se volessimo prendere il testo alla lettera, sembra proprio che esso autorizzi a concepire la filosofia come ancilla grammaticae: Chi intraprende lo studio dei poeti è necessario lavori non soltanto, come si suol dire, alla lucerna di Aristofane, ma anche a quella di Cleante. Inoltre, non dovrà prendere in considerazione soltanto le scuole filosofiche, ma anche quelle dei giuristi, dei medici, dei logici, e di tutte quelle altre dottrine che compongono quell’insieme di conoscenze che chiamiamo ‘enciclopedia’, ma anche quelle di tutti i grammatici. 51 Ora, forse non è questa la sede per discutere se tale rovesciamento di rapporti tra le due discipline, con un parziale declassamento della filosofia, possa essere considerata la spia di una posizione filosofica di tipo scettico da parte di Poliziano; di certo egli qui non sta denunciando una generale impasse gnoseologica: in altre parole, Poliziano non è un pirronista. Va detto piuttosto che egli considera il testo su cui si esercita la sua attività di filologo come lo spazio epistemologico privilegiato, cioè lo spazio da cui sia possibile attingere il massimo di verità. Questa verità, tuttavia, non potrà avere lo status di verità teoretica o metafisica ma sarà una verità provvisoria raggiunta attraverso la pratica filologica. Sulle orme di quanto diceva Emanuele Severino nell’introdurre i suoi studenti alla filosofia, potremmo dire che Poliziano filologo, rinunciando alla verità, ossia alla determinazione oggettiva delle cose, la fa coincidere con la certezza, cioè con quella determinazione del vero e del falso (testuale) che ha natura soggettiva e a cui dedicò l’intera sua esistenza. 52 51 Qui poetarum interpretationem suscipit, eum non solum (quod dicitur) ad Aristophanis lucernam, sed etiam ad Cleanthis oportet lucubrasse. Nec prospiciendae autem philosophorum modo familiae, sed et iureconsultorum, et medicorum item, et dialecticorum, et quicunque doctrinae illum orbem faciunt, quae vocamus encyclia, sed et philosophorum [Ald: philologorum] quoque omnium (Poliziano 1553, 229). Preferisco la variante philologorum dell’aldina perché quella della basileana philosophorum è ridondante. Particolarmente interessante, ai nostri fini, è che vengano esclusi i teologi. 52 Severino 2010, 9. <?page no="184"?> 174 Francesco Caruso Bibliografia Bessi, Rossella: Aggiornamento bibliografico, in: Rossi, Vittorio: Il Quattrocento, Padova 1992, 613-622. Bettinzoli, Attilio: Rassegna di studi sul Poliziano (1972-1986), Lettere Italiane 39, 1987, 53-125. Bettinzoli, Attilio: Rassegna di studi sul Poliziano (1987-1993), Lettere Italiane 44, 1993, 592-648. Bettinzoli, Attilio: La lucerna di Cleante. Poliziano tra Ficino e Pico, Firenze 2009. Branca, Vittore: Poliziano e l’Umanesimo della parola, Torino 1983. 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A questo si aggiunga lo schema interpretativo che soprattutto negli ultimi anni ha teso a svalutare il contributo di Ficino nella formazione giovanile di Poliziano. Un esempio è la recente interpretazione della Venere nelle Stanze, ricondotta a un’espressione di sensualità, a una Venere lucreziana e dunque antificiniana, 2 come pure la datazione al 1484-1486 della traduzione polizianea del Carmide platonico, ultimamente proposta da Attilio Bettinzoli sulla base di parallelismi con la Praelectio in Persium: 3 una datazione così tarda, cioè quando ormai il Poliziano era ben fuori da qualsiasi suggestione neoplatonica, obbligherebbe a rileggere questa prova di traduzione in chiave emulativa o addirittura provocatoria, quasi fosse, come scrive il Bettinzoli, «un guanto di sfida» gettato al Ficino. 4 Ma la datazione più verosimile per il Carmide resta ancora quella proposta da Sebastiano Gentile, che ha ricondotto questa traduzione all’insegnamento 1 Sulla questione è illuminante Hankins 2011, con un’interessante appendice di lettere tra Kristeller e Garin alle pp. 497-505; sullo stesso tema anche Hankins 2001, poi ristampato in Hankins 2003, 573-590. 2 Orvieto 2009, in part. 273-278. 3 Bettinzoli 2009, 147 e n. 80, con l’app. 3 (188-195). A proposito di tale tendenza interpretativa, fuori fuoco sembra anche la lettura data da Bettinzoli 2009, 113 della frase Nam in tanta temporis brevitate loqui superflua philologi est potius quam philosophi nell’epistola ficiniana indirizzata al Poliziano e intitolata Laus brevitatis, databile per via indiziaria agli ultimi mesi del 1473, dove più che alla filologia (il Poliziano, come è noto, non si definì mai philologus, ma grammaticus), si dovrà vedere un riferimento alla verbosità dei retori. L’epistola del Ficino è pubblicata in Marsilio Ficino 1990, 39. 4 Bettinzoli 2009, 147 n. 80. <?page no="188"?> 178 Valerio Sanzotta di Andronico Callisto, che fu a Firenze tra il 1471 e il 1474. 5 Nella prefatoria indirizzata a Lorenzo, il Poliziano orgogliosamente rivendica di essere stato il primo a insegnare a Platone il latino (eum [...] Latinum sermonem edocui), cioè verosimilmente il primo a tradurre il Carmide, il che automaticamente stabilisce come terminus ante quem la data del 1484, anno in cui il Ficino pubblicò il suo corpus di traduzioni platoniche; come ha osservato Gentile, 6 l’affermazione del Poliziano rende comunque implausibile anche la data proposta da Hankins (1479-1480), essendo poco credibile che il Poliziano, a Firenze già da sette anni, nulla sapesse delle traduzioni di Ficino, benché non ancora pubblicate nella loro versione definitiva. Ma pure ammesso che la frase debba essere interpretata diversamente, cioè che il Poliziano fu il primo a insegnare a Platone un b u o n latino, e dunque vi si debba scorgere in filigrana un’allusione sarcastica alle doti letterarie di Ficino, l’appellativo Petri filium con il quale Lorenzo è nominato nell’indirizzo della prefatoria (Angeli Politiani ad magnanimum Laurentium Medicem Petri filium in Platonis Charmidem e Graeco a se in Latinum conversum praefatio) impone di risalire a una data più alta, cioè non molti anni dopo la morte di Piero, avvenuta il 2 dicembre 1469. 7 Proprio il riferimento a Piero, che a distanza di quasi vent’anni, dopo la morte di Giuliano e il consolidamento della signoria del Magnifico, non avrebbe avuto alcun significato, rende inverosimile uno spostamento così avanti per la traduzione polizianea del Carmide. Ora, benché nella prima metà degli anni ‘70 la conoscenza di Ficino da parte del Poliziano fosse probabilmente ancora piuttosto superficiale, del fatto che una certa influenza ficiniana non si possa co- 5 Gentile 1998. Vd. ora anche le considerazioni di Megna 2009, XXVII-XXVIII, LIX-LXIII, LXXIV-LXXVI e passim, in particolare per quanto riguarda il rapporto tra le postille del Poliziano alla propria traduzione (su di esse vd. anche infra) e la recollecta omerica del Laur. 66, 31, vale a dire gli appunti di un anonimo studente di un corso sull’Iliade tenuto da Andronico Callisto probabilmente presso lo Studio fiorentino. 6 Gentile 1998, 375-376. Il Carmide fu tradotto da Ficino entro il primo aprile 1466, se, come sembra certo, la tabula della princeps rispecchia l’ordine cronologico in cui i dialoghi furono tradotti. In quella data il Ficino scrive infatti a Michele Mercati di aver fino ad allora tradotto ventitré dialoghi e di avere tra le mani il Cratilo (il Carmide si trova al ventesimo posto, dopo l’Ippia minore). In quell’occasione Ficino raccomanda all’amico, dal quale era attesa una visita di Migliore Cresci, che, qualora l’ospite glielo avesse richiesto, avrebbe potuto mostrargli le sue versioni platoniche, intimando però che non ne venisse tratta alcuna copia: Nam - scrive il Ficino - emendatione indiget, neque edere volo nisi omnes expleverim (vd. Gentile in: Gentile / Niccoli / Viti 1984, 48 nr. 36; Megna 1999, 63 n. 2). La lettera, un tempo nella Biblioteca Serlupi di Firenze, è stata pubblicata dapprima da Kristeller 1937, 88-89 sulla base di una copia del sec. XVIII; sulla base dell’autografo è stata ripubblicata da Kristeller 1987, 19 (la citazione del passo è anche in Gentile in: Gentile / Niccoli / Viti 1984, 48 nr. 36 e in Megna 1999, 60). Sulla lettera vd. ora anche Gentile 2013, 148 nr. 35. 7 Il testo della prefatoria si legge criticamente edito in Hankins 1990, 623-626 nr. 64 e in Gentile 1998, 382-385. <?page no="189"?> Per Ficino e Poliziano 179 munque negare, e che, anzi, proprio tale influenza rafforzi la datazione proposta da Gentile, sono rivelatrici, come è ormai noto, le postille apposte dal Poliziano in margine alla sua coeva traduzione dell’Iliade nel Vat. lat. 3298 (libri II-III) e nel Vat. lat. 3617 (libri IV-V), che pure nella peculiarità e nella autonomia intellettuale di Poliziano sono fortemente intrise di implicazioni allegoriche di stampo ficiniano. 8 Un esempio famoso è la postilla sulla nube che Atena toglie dagli occhi di Diomede perché egli sia in grado di riconoscere gli uomini e gli dèi, apposta dal Poliziano a Il. 5, 149-152 (= Hom. Il. 5, 127- 128) in margine a c. 23v del Vat. lat. 3617: nube quadam circumsepta anima divina sapientia purgatur puraque in luce refulget [«l’anima, circondata da una nube, è liberata dalla divina sapienza, e ora rifulge nella pura luce»]. 9 Il fatto che tanto l’esegesi di questa postilla quanto la traduzione del testo omerico cui essa si riferisce si ritrovino nella prefazione del Carmide 10 è in fondo un ulteriore indizio che l’esperimento platonico di Poliziano andrà collocato nel medesimo torno di anni. Un altro esempio è quello della postilla sulle due Veneri, una Venere ‹celeste› e una ‹volgare›, in margine a Il. 5, 384-390 (= Hom. Il. 336-340) a c. 30r dello stesso Vat. lat. 3617: Venus in manu vulneratur quoniam celestis illa Venus Platonis cum in sensu tangendi polluitur vulgaris evadit [«Venere è ferita alla mano poiché quella celeste Venere di Platone, quando è violata nel senso del toccare, diventa volgare»]. 11 La postilla, che verosimilmente dipende dal capitolo 7 dell’oratio secunda del ficiniano Commentarium in Convivium de Amore, intitolato De duobus amoris generibus ac de duplici Venere, contribuisce a indebolire gli argomenti di chi vuole la Venere delle Stanze del tutto indipendente da un influsso ficiniano. 12 Si ha dunque l’impressione che la vera fisionomia dei rapporti tra Ficino e Poliziano debba ancora emergere compiutamente e che diversi aspetti delle 8 Per l’edizione delle postille vd. Levine Rubinstein 1982 e Megna 2009, quest’ultima con ampio commento. 9 Levine Rubinstein 1982, 216 e soprattutto Megna 2009, 102-104. Per l’analogia con l’interpretazione di Cristoforo Landino di Verg. Aen. 2, 604-607 - versi ai quali chiaramente la traduzione del Poliziano si ispira - vd. Megna 2009, 103. Per il riutilizzo del verso omerico nell’epigramma nr. 11 all’Argiropulo vd. infra. Le traduzioni italiane, dove non altrimenti specificate, sono mie. 10 Gentile 1998, 370-371; Megna 2009, LXXIII, 103. 11 Levine Rubinstein 1982, 215 e 233; Megna 2009, 116. 12 ‹Celeste› e ‹volgare› sono gli aggettivi che Ficino utilizza per tradurre la e la del Simposio di Platone (Marsile Ficin 2002, 39-43); come nota Megna 2009, 117, la fonte diretta della postilla del Poliziano è probabilmente una nota a questo stesso verso dell’Iliade, risalente alle lezioni di Andronico Callisto, in margine a c. 151r del Laur. 66, 31. La distinzione tra le due Veneri è commentata anche da Cristoforo Landino, Disputationes Camaldulenses, 125-126 e passim (Cristoforo Landino 1980). Per tutto questo vd. Levine Rubinstein 1982, 215; Gentile 1998, 372 e soprattutto Megna 2009, 116-117. <?page no="190"?> 180 Valerio Sanzotta loro relazioni attendano di essere scandagliati. In questo contributo vorrei soprattutto riflettere sulla conversazione filologica che i due umanisti intrattennero nella realtà concreta dei manoscritti da loro posseduti e annotati: si tratta questo dell’unico campo sul quale, soprattutto dopo il rapido spegnimento degli entusiasmi neoplatonici di Poliziano, i due umanisti fiorentini potevano ancora confrontarsi e trovare uno spazio comune. Trattandosi di un terreno ancora in parte da dissodare, mi limiterò qui a fare il punto delle ricerche in corso e delineare possibili nuovi itinerari, oggi resi più agevoli da quell’importante strumento di lavoro che è il volume dedicato al Quattrocento della serie Autografi dei letterati italiani, di recentissima pubblicazione, che contiene due lunghi ed esaurienti capitoli dedicati al Ficino e al Poliziano. 13 Il codice più famoso che passò dalle mani di Ficino a quelle di Poliziano è certamente il Laur. 71, 33, contenente il testo greco del Corpus Hermeticum, tradotto dal Ficino nel 1463 su incarico di Cosimo de’ Medici. 14 Il manoscritto, portato in Italia dal monaco Leonardo da Pistoia, fu donato da Cosimo al Ficino, il quale in seguito lo vendette al Poliziano, come si ricava dalla nota di possesso apposta dall’umanista: Angeli Politiani liber, emptus aureis duabus a Marsilio Fecino [«questo libro è di Angelo Poliziano, comprato per due monete d’oro da Marsilio Fecino»]. La nota, sicuramente posteriore al 1463, non è datata, ma che essa sia tarda sospetta Gentile nella voce contenuta nel volume degli Autografi sopra citato, riflettendo sulla forma del nome Fecino, nella quale lo studioso scorge un intento derisorio, da riconnettere al campo semantico di faex. 15 Non si andrà forse molto lontano dalla verità nel collocare la vendita, o almeno l’annotazione del Poliziano, intorno alla prima metà degli anni ‘80, prima cioè della composizione dei Nutricia, nei quali studi recenti hanno messo in luce forti tracce di ermetismo. 16 Il secondo manoscritto degno di menzione è il ms. gr. 461 conservato nella Bayerische Staatsbibliothek di Monaco. Il codice contiene, tra le altre opere, il De abstinentia di Porfirio e le metafrasi di Prisciano di Lidia del De anima, del De phantasia e del De sensu di Teofrasto, opere che il Ficino tradusse in latino, dedicandole a Filippo Valori, tra il 1486 e il 1489. 17 Che fu proprio questo il 13 Rispettivamente Gentile 2013 e Daneloni 2013. 14 La traduzione ficiniana del Corpus Hermeticum si può leggere ora in edizione critica: Mercurius Trismegistus 2011. Sul Laur. 71, 33 vd. soprattutto Gentile in: Gentile / Niccoli / Viti 1984, 37-38 nr. 27; Gentile in: Gentile / Gilly 2001, 41-43 nr. I; Gentile 2013, 152 nr. 8; Daneloni 2013, 308 nr. 49. 15 Gentile 2013, 140. La forma Fecinus, che è comunque quella originaria, si trova corretta di pugno dello stesso filosofo nella forma più consueta Ficinus, probabilmente proprio per non favorire accostamenti scatologici, in due casi: nel Ricc. 135 dell’Etica Nicomachea tradotta dal Bruni e nel Ricc. 581, contenente il commento di Macrobio al Somnium Scipionis (Gentile 2013, 140). 16 Bettinzoli 2009, 59-106. Non può tuttavia essere escluso che il Poliziano fosse interessato anche agli altri opuscoli contenuti nel codice. 17 Gentile in: Gentile / Niccoli / Viti 1984, 125-129 nrr. 97-99. <?page no="191"?> Per Ficino e Poliziano 181 codice utilizzato dal filosofo per la traduzione di Prisciano lo dimostrano alcune correzioni di mano del Ficino al testo del De sensu; tali correzioni, come dichiara lo stesso filosofo nella dedica a Filippo Valori, furono approvate proprio dal Poliziano: Quamvis autem graecum exemplar unicum invenerimus et id quidem mendosum atque mutilatum, attamen lege securus et ita caeteris praebe legendum: nam emendare hoc atque resarcire diligentissime studui, et Angelus Politianus noster, acerrimo vir iudicio plurimaque doctrina, nostram hanc diligentiam approbavit. 18 Benché sia riuscito a rinvenire un solo esemplare greco, e per di più mendoso e mutilo, tuttavia potrai leggerlo con sicurezza e far sì che altri lo leggano con altrettanta sicurezza: infatti ho cercato di emendarlo e di risarcirlo con molto impegno, e il nostro Angelo Poliziano, uomo di acutissimo giudizio e di ricchissima dottrina, ha approvato questa nostra fatica. Il Poliziano, in ogni caso, non si limitò alla semplice verifica delle emendazioni ficiniane, ma integrò, a c. 77r, una lacuna dovuta a un saut du même au même alla fine del De phantasia [Tav. 1]: ’ < , , , ’ ·> 19 ma quando le cose divengono e sono pensate, solo allora evidentemente <l’intelletto le possederà, mentre possiede sempre gli intelligibili, se veramente la conoscenza teoretica è identica alle cose conosciute, evidentemente solo quella che è in atto: > (20, 24-27) Poliziano integrò certamente la lacuna con l’utilizzo del Laur. 87, 20, che è l’unico altro manoscritto allora presente a Firenze, nel quale una mano molto vicina all’ambiente del Poliziano ha apposto i titoli del De anima (c. 74r), del De sensibus (c. 148r) e del De phantasia (c. 158r). Il codice laurenziano fu con ogni verosimiglianza utilizzato anche dal Ficino per la sua traduzione del De daemonibus di Psello; se lo utilizzò, comunque non lo possedette, come indica la mancanza dei suoi caratteristici segni di attenzione. 20 18 Marsilius Ficinus 1576, 1801; vd. anche Gentile in: Gentile / Niccoli / Viti 1984, 124 nr. 96 e Megna 2004, 332 n. 1. 19 Priscianus Lydus 1886, 37. L’apparato di Bywater tace di questa integrazione. 20 Gentile 2013, 143. Il Ficino ebbe sempre un particolare riguardo per i codici che non erano di sua proprietà, come ha spiegato Gentile (ibid.), e su di essi si è spesso limitato ad apporre correzioni testuali ma non estese postille. Di contro, la mancanza di interventi autografi del Ficino non implica automaticamente il fatto che il filosofo non abbia avuto accesso al codice, come dimostra il Conv. soppr. 78 della Laurenziana, utilizzato dal Ficino prima del 1464 per la sua traduzione del commento di Ermia al Fedro (Gentile 1990, 97; Lucarini 2010, in part. 503-511). Allo stesso modo credo sia possibile, sebbene non si possa garantirlo sul piano documentario, che Ficino abbia consultato il Laur. Conv. soppr. 103, contenente il commento al Parmenide di Proclo e anch’esso privo di <?page no="192"?> 182 Valerio Sanzotta Nella sua traduzione di Prisciano, Ficino recuperò l’integrazione del Poliziano sul codice di Monaco (sed quando fiunt intelligunturque, tunc videlicet haec habebit, ipsa vero intelligibilia semper, siquidem scientia speculativa eadem est atque scita, haec autem ipsa, quae videlicet secundum actum […]), 21 il che aggiunge particolare evidenza alla collaborazione tra i due umanisti sul testo di Prisciano di Lidia. Ma il Monac. gr. 461 è importante anche perché esso fu utilizzato dal Ficino per la selezione dei passi del De abstinentia di Porfirio: gli excerpta porfiriani che poi Ficino effettivamente tradusse sono infatti indicati da freghi verticali desinenti con un puntino verso l’alto e verso il basso a indicare ripettivamente l’inizio e la fine di un passo [Tav. 2]. Si tratta di un segno peculiare di Ficino, che troviamo per esempio anche nel Laur. 80, 15, vergato da Giovanni Scutariota e contenente anch’esso il De abstinentia e ugualmente utilizzato dal Ficino, accanto al codice di Monaco, per la scelta e la traduzione degli excerpta di Porfirio. 22 Un segnetto leggermente diverso, realizzato da una linea verticale e da due puntini, non è però, come sottolinea ancora Gentile, attribuibile con sicurezza al Ficino e comunque non è caratteristica esclusivamente ficiniana, ma viene utilizzato anche da Pico e da Poliziano. 23 È il caso per esempio del Laur. 85, 11, contenente gli Schizzi pirroniani e gli undici libri dell’Adversus mathematicos di Sesto Empirico, un codice culturalmente significativo perché in esso si associano, con interventi molto simili, le mani di Ficino, Pico e Poliziano. Al Ficino si deve probabilmente anche il titolo a c. Iv (Sextus Pyrronius de secta sceptica), mentre alla mano del Poliziano vanno attribuite due integrazioni di lacuna alle cc. 180r e 203v, forse sanate per mezzo del Laur. 85, 19, codice in cui si trovano tre suoi isolati notabilia. 24 Un altro codice che passò tra le mani sia di Ficino che di Poliziano è un manoscritto di Plotino, il Laur. 87, 3, che presenta postille e correzioni di mano del Ficino; tale codice riveste un’importanza fondamentale per la traduzione ficiniana del filosofo neoplatonico, essendo il modello del celebre Par. gr. 1816, copiato nel 1460 da Giovanni Scutariota, anch’esso intensamente postillato da Ficino. 25 Sebbene nel Laur. 87, 3 non vi siano segni di lettura da parte note ficiniane, dal momento che il codice, come pure il Conv. soppr. 78, apparteneva alla Badia fiorentina dove il Ficino aveva senz’altro accesso (su questi aspetti mi permetto di rinviare alle mie considerazioni in Sanzotta 2014, 214 n. 17). 21 Marsilius Ficinus 1576, 1835. 22 Gentile 2013, 142 e 152 nr. 10. 23 Gentile 2013, 142-143. 24 Cao 1994, 239-240 nr. 86; Gentile 2013, 143 e 152 nr. 12; Daneloni 2013, 309 nr. 60. Sul Laur. 85, 19 vd. la bibliografia adunata in Daneloni 2013, 309 nr. 61. 25 Sul Laur. 87, 3 vd. da ultimo Gentile 2013, 141 e 152-153 nr. 14, con bibl. precedente; sul Par. gr. 1816 si veda almeno Förstel 2006, dal quale si attende l’edizione delle postille, e Gentile 2013, 141 e 149-150 nr. 54, con bibl. precedente. Una correzione a c. 84r sul Laur. 87, 3 è stata attribuita al Ficino da Förstel 2006, 77, e poiché tale correzione è stata incorporata nel testo del Parigino dallo Scutariota, dovrebbe derivarne il fatto che Ficino fu <?page no="193"?> Per Ficino e Poliziano 183 del Poliziano, Filippomaria Pontani ha supposto che il Poliziano leggesse la Vita Plotini di Porfirio proprio su questo codice, sulla base del fatto che la forma per (cioè ‹vertigini›) al v. 13 dell’epigramma dorico nr. 11 indirizzato nel 1473 all’Argiropulo ( ’ ) [«affinché tu allontani con la tua mente dalle nostre palpebre il buio e la vertigine» (trad. Pontani)], 26 proviene quasi certamente da un verso dall’oracolo sulla morte di Plotino, [«della vita avida di sangue e delle disgustose vertigini»] (Porph. Vita Plotini, 22, 32), dove è lezione stampata da Henry / Schwyzer e presente in tutta la tradizione manoscritta fuorché nel Laur. 83, 7, la cui lezione peculiare è proprio . 27 In realtà sono gli interi vv. 11-17 di questo epigramma del Poliziano a presupporre l’oracolo trasmesso da Porfirio, come avevano a loro tempo notato già Ardizzoni, Nicastri e Garin e ora conferma il Pontani. 28 L’oracolo porfiriano si lega curiosamente con la vicenda della traduzione ficiniana di Plotino. L’esemplare della prima redazione di questa traduzione, insieme con la Vita Plotini, è oggi il Conv. soppr. E.1.2562 della Biblioteca Nazionale di Firenze, un manoscritto interessante non solo perché presenta postille di mano di Giovanni Pico, ma soprattutto perché è l’unico codice ad averci trasmesso lo stadio più antico della traduzione ficiniana, ancora priva del commento, al posto del quale vi sono delle carte lasciate vuote. 29 Priva di testo è anche la c. 15r-v, che corrisponde esattamente al punto dove si sarebbe dovuto leggere l’oracolo sulla morte di Plotino, segno che in un primo momento il Ficino lasciò non tradotto questo difficile testo, irto di oscurità e di problemi interpretativi, che compare invece nella versione finale della traduzione. Ormai quasi trent’anni fa il Wolters ha negato, sulla base di argomenti stilistici, la paternità ficiniana della traduzione dell’oracolo, da assegnare invece a qualcuno al quale il filosofo aveva chiesto soccorso. 30 Il Wolters, sia pure ipoteticamente, fa il nome di Demetrio Calcondila escludendo quello di Poliziano, ma gli argomenti addotti - cioè il fatto che Calcondila fosse il maggiore esperto di dialetto epico, nonché in stretti rapporti con il Ficino - non sono in realtà pienamente convincenti, e lo studioso ignora sia il legame intertestuale dell’oracolo porfiriano con l’epigramma del Poliziano all’Argiropulo, sia il fatto che tra le mani di Poliziano, benché dieci anni prima, passò un codice di Plotino utilizzato dal Ficino (cioè il Laur. 87, 3). Mi chiedo dunque, altrettanto ipoteticamente, se in possesso del Laur. 83, 7 già prima del 1460. Ma Gentile 2013, 152-153 nr. 13 ha dimostrato tuttavia che la correzione non è ascrivibile a Ficino. 26 Politianus 2002, 57. Per le fonti di questo verso vd. infra. 27 Pontani in: Politianus 2002, 65-66; vd. anche Henry / Schwyzer in: Plotinus 1951, 32, in apparato. 28 Pontani in: Politianus 2002, 63-67. 29 Vd. soprattutto Wolters 1986 e Gentile 1994, 127 e 131-133 nr. 44. 30 Wolters 1990. <?page no="194"?> 184 Valerio Sanzotta sulla base di queste considerazioni non valga la pena riaprire la questione e, posto che davvero la traduzione dell’oracolo non si debba attribuire al Ficino, verificare l’ipotesi di una possibile attribuzione al Poliziano, il quale, tra l’altro, non molti anni dopo, si cimentò con Plotino traducendo un breve passo del trattato I, 3 delle Enneadi in occasione della sua Praelectio de dialectica del 1491. 31 Sia qui detto per inciso, poiché il Wolters la richiama diffusamente, che l’affermazione di Paul Henry nel suo prezioso lavoro sui manoscritti di Plotino, secondo cui il Poliziano corresse di suo pugno il Vat. Reg. gr. 97 sulla base della traduzione ficiniana, 32 è destituita di fondamento, dal momento che gli interventi correttori sul codice vaticano sicuramente non sono attribuibili al Poliziano. 33 Se effettivamente il Poliziano fosse responsabile della traduzione dell’oracolo sulla morte di Plotino, incastonata nella traduzione ficiniana, avremmo aggiunto un ulteriore tassello al mosaico di questa conversazione dotta tra Poliziano e Ficino. Da risolvere resta anche il problema della facies testuale greca alla base dell’oracolo porfiriano, che a un primo sguardo non sembra perfettamente sovrapponibile a quella offerta dal Laur. 87, 3 e dal suo apografo Par. gr. 1816, i due codici plotiniani utilizzati da Ficino. Mi limito a un solo esempio, relativo al v. 41 ( ’ ’ / ) [«aprendo dalle palpebre il pesante chiavistello della nebbia»], che è alla base del verso dell’epigramma all’Argiropulo del Poliziano discusso poco sopra a proposito della forma per : 34 nel verso porfiriano troviamo , che è forma ionica per , lezione concordemente tramandata dal Laurenziano e dal Parigino, mentre la traduzione del Ficino (o di chi ha volto in latino l’oracolo porfiriano) ha macula (sed a palpebris excussa gravi macula caliginis), 35 il che presuppone certamente un codice con (appunto, ‹macchia›); tale lezione costringe tra l’altro il traduttore a rendere il verbo con ‹scacciare› (excussa) anziché, più esattamente, con ‹aprire›. La lezione , vale la pena notare, è attestata solo a livello di tradizione a stampa nelle edizioni degli Oracula Sibyllina raccolti dall’umanista tedesco Vincenzo Opsopoeo. 36 31 Wolters 1987. 32 Henry 1948, 133, richiamato in Wolters 1987, 460-462; vd. anche Pontani in: Politianus 2002, 66. 33 Il codice non è recensito in Daneloni 2013. 34 Come notano Pontani in: Politianus 2002, 64 e Megna 2009, 103, Poliziano si è qui probabilmente ricordato anche di Hom. Il. 5, 127-128 ( , / ) [«ho tolto la nebbia che prima velava i tuoi occhi, perché tu possa distinguere un uomo da un dio» (trad. M. G. Ciani)]. Per la postilla del Poliziano alla sua traduzione di questi versi vd. supra. 35 Plotinus 1492, axv. Vd. anche Henry / Schwyzer in: Plotinus 1951, 33 e in Plotinus 1964, 30, in apparato. 36 Henry / Schwyzer in: Plotinus 1951, 33 e in Plotinus 1964, 30, in apparato. <?page no="195"?> Per Ficino e Poliziano 185 Ho lasciato in ultimo la menzione, poiché il dato non è più verificabile, del codice dei carmi di Gregorio di Nazianzo, oggi perduto, che Ficino e Poliziano ebbero in comune: da questo manoscritto deriva la conoscenza da parte del Poliziano degli inni 29-37 della prima sectio del primo libro, ai quali l’umanista allude in un suo epigramma (nr. 9); 37 di entrambi carmi 31 e 37 l’unico testimone esistente alla metà del Quattrocento era rappresentato dal padre dell’attuale Vind. theol. gr. 43 (ma il carme 31 è anche nel Neap. II D 32, anch’esso dipendente dall’antigrafo del Vindobonense), e da quel codice perduto il Ficino trascrisse per proprio conto i carmi 30-35 nel Vat. Borg. gr. 22. 38 È forse possibile, come suggerisce il Pontani, che sia stato lo stesso Ficino a raccomandare al Poliziano la lettura di questi carmi di Gregorio di Nazianzo. 39 In conclusione, mi sembra che da questo manipolo di codici passati tra le mani del Ficino e del Poliziano possa emergere un tessuto di collaborazione molto più profondo di quanto una certa tendenza interpretativa, basata solo sulle esigue testimonianze epistolari, possa lasciare intendere. Le più recenti ricerche della filologia umanistica hanno del resto messo in luce le considerevoli capacità critico-testuali del Ficino, perfettamente in grado di operare restauri della sua fonte greca non soltanto attraverso collazioni di differenti manoscritti o congetture autonome, ma anche grazie alla collaborazione filologica di altri umanisti. 40 Si può citare, a titolo di esempio, il caso messo in luce da Paola Megna, 41 vale a dire la coincidenza testuale tra una resa latina di Ficino e un’aggiunta interlineare nel Marc. gr. 190, un manoscritto del commento di Proclo all’Alcibiade I appartenuto al Bessarione e che quasi certamente non giunse mai tra le mani di Ficino; nel passo in questione il Marciano ha infatti , [«Alcibiade è concepito in due modi, e come anima»], e unico in tutta la tradizione manoscritta esso integra [«e come anima che si serve del corpo»]; nella sua versione latina degli excerpta dal commento procliano, completata entro il 1491, il Ficino sembra tenere conto dell’integrazione traducendo Alcibiades dupliciter intelligitur, et ut simpliciter anima, et ut anima utens corpore. Benché sia certamente possibile che Ficino abbia integrato autonomamente il secondo membro della frase, vista la notorietà della definizione, 42 oppure abbia fatto 37 Pontani in: Politianus 2002, 41. 38 Sulla questione vd. soprattutto Sicherl 1986, 223-226; Sicherl 2011, 9; bibliografia recente sul codice in Gentile 2013, 145 nr. 5. 39 Pontani in: Politianus 2002, 41. 40 Vd. le considerazioni di Berti 2001, 352-353; Megna 2004, 342 e 361-62; Gentile 2007, 24- 25. 41 Megna 2004, 348-349. 42 Ficino dimostra di conoscere tale definizione - che deriva da Plat. Alc. I, 129b-130c ma che egli poteva trovare, variamente formulata, anche nel primo trattato delle Enneadi di Plotino, in diversi luoghi di Agostino (p. es. epist. 187, 3, 8) e in Macrobio (somn. 2, 12, 7- 8) - già all’altezza del 1464, allorché scriveva la prima redazione dell’argumentum dell’Alcibiade I, dove si trova la frase: Est autem homo anima rationalis, mentis particeps, corpore <?page no="196"?> 186 Valerio Sanzotta ricorso all’antigrafo del Marciano (che in ogni caso non ci è giunto), non può neppure essere escluso che Ficino abbia potuto ricevere questa lezione per via indiretta dal Bessarione stesso o da altri della cerchia del cardinale. 43 Come anche la Megna sottolinea, 44 se la conoscenza da parte di Ficino di lezioni alternative fosse derivata non solo dalla visione diretta dei manoscritti, ma anche dalle relazioni personali con altri dotti, anche quelle forme di consulenza alle quali il Ficino accenna, ma delle quali non abbiamo testimonianza concreta, potrebbero essere interpretate in una luce sensibilmente diversa. Mi riferisco in particolare alla revisione delle traduzioni di Platone, per la quale il Ficino esprime riconoscenza nei confronti dei suoi censores, fra i quali si trova, oltre al Landino, al Buoninsegni, al Calcondila, al Vespucci, anche il Poliziano (usum praeterea acerrimo Angeli Politiani doctissimi viri iudicio) [«mi sono giovato inoltre dell’acutissimo giudizio del dottissimo Angelo Poliziano»]: 45 in altri termini, una consulenza che potrebbe forse essere andata al di là del semplice fatto stilistico. I tempi sono dunque maturi per tratteggiare un’immagine di Ficino diversa da quella vulgata, restituendogli una sensibilità critica che sapeva avvalersi della collaborazione della più agguerrita filologia quattrocentesca, pur non essendo il Ficino un grammaticus, né facendo professione di filologia. Dall’interrogazione dei manoscritti credo possa emergere un quadro diverso anche del rapporto tra Ficino e Poliziano: proprio l’incontrastata autorità filologica del Poliziano potrebbe aver sollecitato l’emersione nel Ficino di quella sensibilità, che, pur con tutti i limiti della sua mancanza di sistematicità e di un utilizzo ancillare della critica del testo, lo fa pienamente un umanista del Quattrocento. Bibliografia Bausi, Francesco / Campanelli, Maurizio / Gentile, Sebastiano / Hankins, James (curr.): Autografi dei letterati italiani. Il Quattrocento, I, Roma 2013. Berti, Ernesto: Marsilio Ficino e il testo greco del Fedone di Platone, in: Jacqueline Hamesse (éd.), Les traducteurs au travail: leurs manuscrits et leurs méthodes. Actes du Colloque international organisé par le «Ettore Majorana Center for Scientific Culture» (Erice, 30 septembre - 6 octobre 1999), Turnhout 2001, 349-425 (Fédération Internationales des Instituts d’Études Médievales. Textes et Études du Moyen Âge 18). utens (Parma, Biblioteca Palatina, Epistolario Palatino (Carteggio di Lucca), Scat. 5, Suppl. I, c. 4v; per la seconda redazione vd. Plato 1491, c. 10v). La definizione è utilizzata anche dal Poliziano in un passo dell’epistola Pro Epicteto Stoico (Garin 1952, 914), che come spiega Bettinzoli 2009, 129 n. 39, egli poteva leggere nel commento di Simplicio al Manuale di Epitteto. 43 Megna 2004, 348. 44 Megna 2004, 348-349 n. 2. 45 Plato 1491, c. [IV]v. <?page no="197"?> Per Ficino e Poliziano 187 Bettinzoli, Attilio: La lucerna di Cleante. Poliziano tra Ficino e Pico, Firenze 2009 (Saggi di «Lettere italiane» 65). Cao, Gian Mario: L’eredità pichiana: Gianfrancesco Pico tra Sesto Empirico e Savonarola, in: Viti 1994, 231-245. Daneloni, Alessandro: Angelo Poliziano (Angelo Ambrogini) (Montepulciano [Siena] 1454 - Firenze 1494), in: Bausi / Campanelli / Gentile / Hankins 2013, 295-329. 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A son arrivée, il fit comme tous ses collègues lyonnais : 2 il publia son recueil d’épigrammes, Epigrammaton libri duo, dont il avait commencé à écrire quelques pièces dès les années 1520. 3 Avec Politien, Ducher présente au moins deux points communs qui légitiment le désir de s’interroger, au prisme de ce recueil, sur les rapports entre le grand Italien et le Lyonnais moins connu : tout d’abord, la pratique d’un même genre, l’épigramme, par imitation de l’Anthologie grecque ; 4 et puis, comme assez peu de ses contemporains, Ducher connaît le grec, 5 et l’on verra que c’est un point de contact important entre eux. On tentera donc d’analyser la réception de Politien par Ducher dans son recueil d’épigrammes de 1538, pour montrer que le Lyonnais emprunte souvent au grand Italien, comme maints de ses contemporains, et lui rend hommage : Ducher semble donc a priori être l’émule de Politien, aussi bien sur le plan des idées poétiques que sur celui de l’intertextualité. 1 Ce Tombeau, intitulé Recueil de vers latins et vulgaires de plusieurs poètes français composés sur le trépas de Monsieur le Dauphin, fut publié chez François Juste en 1536 ; on peut en consulter une édition numérique sur le site de la BNF à la cote NUMM 70241. 2 Entre 1533 et 1539 parurent de nombreux recueils d’épigrammes néo-latines à Lyon : les Nugae de Nicolas Bourbon en 1533 (voir Bourbon 2008) ; les Epigrammes de Jean Visagier en 1537 ; les Epigrammes de Claude Rosselet la même année ; les Carmina d’Etienne Dolet en 1538 (éd. moderne : Dolet 2009) ; les Ludorum libri d’Hubert de Suzanne en 1538 ; les Epigrammaton libri duo d’Antoine de Gouvea. 3 S. Laigneau-Fontaine et moi-même proposons une édition traduite et annotée de ce recueil (Paris 2015). 4 Politien 2002, introduction, XXIV, où l’auteur suppose que c’est à la suite de la lecture publique, par Lascaris, des Epigrammes de l’Anthologie en 1493 que Politien composa trente épigrammes grecques qu’il désirait joindre aux quelques autres composées dans sa jeunesse ainsi qu’à ses pièces latines. 5 Sur cette compétence, on pourra consulter notre mise au point à paraitre dans l’introduction sur Gilbert Ducher que nous proposons dans l’édition de ses épigrammes. <?page no="202"?> 192 Catherine Langlois-Pézeret I. Les emprunts poétiques Ducher emprunte à Politien des idées poétiques ou des topoi que ce dernier avait mis à la mode en leur inaugurant une fortune considérable. C’est ainsi que l’on trouve dans la poésie de Ducher des réflexions sur la docte variété et la mésotès, deux éléments stylistiques chers au poète toscan. Ducher aborde la question de la docte variété dans l’épigramme II, 57, une pièce où il vante les qualités épigrammatiques de Théocrène. Aux qualités de lepos et de dulcedo, il ajoute la capacité à ravir son auditoire et termine l’éloge (v. 5-6) par le distique suivant : Pascunt, nec satiant : etiam si lecta relegit, Lecturiet lector saepius haec eadem. [Ses vers] nourrissent sans rassasier : même s’il relit ce qu’il a déjà lu, Le lecteur aura envie de lire encore plus souvent ces mêmes textes. Le premier hémistiche pascunt nec satiant développe la métaphore de la nourriture intellectuelle en des termes bibliques 6 et par l’antithèse qu’il comporte souligne bien l’idée de variété, d’autant qu’il joue sur l’allitération en [s] et des sonorités communes en [a] et en voyelles nasalisées pour créer un effet de paronomase renforçant l’idée de changement dans la continuité ; le reste du distique évoque les conséquences certaines sur le lecteur, présentées au futur : plaisir et envie de relire, comme l’indique l’adverbe saepius. On est bien dans la thématique de la variété chère au poète florentin, qui le pousse à emprunter à des sources diverses et à pratiquer tous les genres. 7 C’est dans cet ordre d’idées qu’il faut peut-être lire l’épigramme I, 70 de Ducher, où ce dernier, se posant en directeur de conscience d’un jeune homme qui pourrait être son élève, reproche à ce nommé Tomarin de se complaire dans la paresse (v. 7-8) : Quantumuis etiam, Tomarine, uoceris ad alta ; Serpis humi. Nec uox excitat ulla pigrum. Tu peux bien, Tomarin, être appelé à de hauts sommets ; Tu rampes à terre. Nulle parole ne parvient à faire lever le paresseux que tu es. Malgré ses prétentions poétiques symbolisées par la formule ad alta et le passif uoceris qui sous-entend l’idée d’une élection divine, le jeune homme en reste au style pédestre et Ducher use alors sans surprise de la même expression (serpis humi) qu’Horace dans l’Art poétique (v. 27-28) pour désigner un style 6 L’expression pascunt nec satiant appartient au latin biblique (Anselme de Cantorbery, Epistula de incarnatione Verbi, Sch 8, 28 ; Césaire d’Arles, Sermons, 93) ; elle donne aux poèmes de Théocrène une dimension divine particulièrement élogieuse. 7 Sur l’esthétique de la variété chez Politien, on renverra à Maïer 1966, 203-215 ; Galand- Hallyn 2001, 509-573 ; Mandosio 2001. <?page no="203"?> Gilbert Ducher - émule de Politien ? 193 terre à terre ; Ducher en modifie cependant l’énonciation pour adopter celle de Politien dans la silve Nutricia (v. 379), où ce dernier employait la deuxième personne, serpis humi, pour s’adresser à Hésiode ; mais là où Politien usait de la négation pour dire qu’Hésiode atteignait habilement le style moyen en évitant aussi bien les hauteurs du sublime que le style bas, Ducher caricature cette fois un poète prétentieux et incapable, dans son inertie, de créer quoi que ce soit de valable. Voilà donc quelques exemples d’idées poétiques empruntées à Politien et émaillant le recueil de Ducher, preuve de la prégnance du modèle italien dans cet ouvrage français. II. Un intertexte à différents degrés On repère aussi dans le recueil de Ducher de fréquents phénomènes d’intertextualité. Ainsi, en II, 64, épigramme adressée à Maurice Scève, le poète lyonnais évoque l’intervention de Calliope alors qu’il s’apprêtait à chanter les frères Vauzelles en des vers héroïques ; en voici les six premiers vers : Saepius in iustos tentaui effundere uersus Vauselianorum stemma decusque trium. Conatum ecce meum, sed non sine scommate, risit Ipsa sui princeps Calliopea chori. Scilicet hic certe Dea, rerum praescia, uidit 5 Esse meis impar uiribus illud onus. Bien souvent j’ai tenté de faire couler, en des vers réguliers, La lignée et la gloire des trois frères Vauzelles. Tel était mon effort ; mais non sans sarcasme, elle a ri, Calliope, oui, elle qui guide son chœur. À coup sûr la déesse, dans sa prescience, a vu Que ce poids était supérieur à mes forces. Certes, en prenant connaissance de l’attitude que Ducher attribue à la Muse Calliope, on pense immédiatement à celle de Cupidon au début des Amours d’Ovide : comme ce dernier, Ducher s’est avoué, aux deux premiers vers, incapable de composer une grande œuvre en hexamètres ; Calliope se moque alors et le poète, changeant de projet et de registre, se met à produire des distiques élégiaques. Mais on ne peut pas ne pas penser aussi à une des premières épigrammes latines de Politien, adressée à Laurent de Médicis, où il explique comment Calliope a réagi alors qu’il s’apprêtait à célébrer son souverain protecteur : 8 Dum cupio ingentes numeris tibi soluere grates, 8 Politien 1970, 110. <?page no="204"?> 194 Catherine Langlois-Pézeret Laurenti, aetatis Gloria prima tuae, Excita jamdudum longo mihi murmure, tandem Astitit arguta Calliopaea lyra. Astitit ; inque meo preciosas corpore uestes 5 Vt uidit, pauidum rettulit inde pedem. Nec potuit culti faciem Dea nosse poetae Corporaque in tyrio conspicienda sinu. Si minus ergo tibi meritas ago carmine grates, Frustrata est calamum Diua uocata meum. 10 Mox tibi sublato modulabor pectine uersus, Cultibus affuerit cum mea Musa nouis. Tandis que je désirais te témoigner en vers mon immense reconnaissance, Laurent, première gloire de notre époque, Réveillée depuis longtemps par un long murmure, enfin Se dressa devant moi Calliope à la lyre mélodieuse. Elle se dresse et quand elle vit sur mon corps de précieux Vêtements, elle recula alors d’un pas timide. Et la Déesse ne put reconnaître la figure d’un poète cultivé Et son corps qu’elle devait voir dans un habit de pourpre. Si donc je ne te témoigne pas la reconnaissance que tu mérites, C’est parce que la divine que j’avais invoquée a réduit ma plume à néant. Bientôt je modulerai pour toi des vers sur un plectre dérobé, Quand ma Muse se sera présentée en nouveaux vêtements. On pourra remarquer la similitude de situation entre les deux épigrammes : dans les deux cas, le poète s’apprête à célébrer un protecteur important ; inutile de s’appesantir sur Laurent de Médicis dont chacun connaît la grandeur en Toscane à l’époque de Politien ; quant à eux, les frères Vauzelles appartenaient, à Lyon, à la classe des notables, Jean de Vauzelles ayant notamment participé à la création de la première aumône laïque et Mathieu à celle du collège de la Trinité où enseigna Ducher à partir de 1538 ; 9 dans les deux cas, la Muse de l’épopée se présente soudainement au poète (astitit chez Politien, risit chez Ducher) en une sorte d’épiphanie amusante ; elle modifie les projets de l’un et l’autre poètes (frustrata est calamum Diua chez Politien ; uidit esse meis impar uiribus chez Ducher) ; dans les deux cas, la divinité rabaisse leurs prétentions au vers épique, que semblent désigner les habits précieux de Politien (preciosas uestes) et que désigne explicitement l’expression iustos uersus chez Ducher. Le poète se trouve donc démuni, privé d’inspiration. Si l’idée est topique, la similitude de traitement saute d’autant plus aux yeux que l’expression adoptée par Politien, pauidum rettulit inde pedem, est ambiguë : elle donne certes à voir la Muse effarouchée, qui recule devant un poète qu’elle ne reconnaît pas, mais peut aussi faire allusion au pied de l’hexamètre qu’elle lui retire 9 Sur la famille Vauzelles, on consultera Kammerer 2014. <?page no="205"?> Gilbert Ducher - émule de Politien ? 195 pour le cantonner, comme Ducher le fera dans sa pièce, à la pratique du distique élégiaque. L’Ode in anum de Politien, qui s’inspirait des traditions antiques et médiévales de la caricature de la vieille laide souvent hypocrite, 10 semble aussi avoir séduit les Lyonnais et notamment Ducher, qui propose dans son recueil deux portraits de ce type dans lesquels l’influence de Politien se révèle clairement. Le premier portrait se situe à la pièce I, 124 et s’en prend à une certaine Splenia : Occurris quoties, aperis mihi, Splenia, mammas, Haud minimum sperans inde placare mihi ; Frustra est, incassum tanta expromuntur omaza : Si uolet, impurus comparet illa coquus ! Id genus ostento non sum quem exurere possis : 5 Rebus ut obscoenis mens inimica mihi est. Chaque fois que tu viens me voir, Splenia, c’est les mamelles à l’air, Et tu espères vivement me plaire en agissant ainsi ; Mais c’est en vain et sans résultat que sont dévoilés de si gros paquets de viande : Que s’en occupe, si bon lui semble, un immonde cuisinier ! Ce n’est pas là le genre de prodige susceptible de m’enflammer : Car mon âme déteste toute obscénité. Cette pièce est écrite en distiques élégiaques, qui ne présente pas d’aspect particulièrement satirique, contrairement au distique iambique adopté par Politien dans l’Ode in anum. Cependant, on reconnaît dans l’épigramme de Ducher des éléments inspirés du grand Italien. La situation de l’anecdote est exactement la même : le poète est poursuivi par les assiduités de la vieille femme qu’il repousse. Sur ce canevas commun, Ducher greffe des éléments qui rappellent aussi son modèle. Tout d’abord, la vieille porte le nom de Splenia, qu’il faut peut-être faire dériver étymologiquement du mot latin splen désignant l’organe de la rate : voilà qui pourrait constituer une première allusion à l’Ode in anum, qui commence par un anti-blason comme l’a montré J.-L. Charlet. 11 Pour compléter cette impression, Ducher évoque les seins de la vieille femme de manière très dévalorisante : il use du terme mammas, comme Politien au vers 8 (mammis senecta putridis praegrandibus), qu’il qualifie plus loin d’omazum, terme peu commun dans la littérature, désignant des tripes de bœuf chez Horace 12 ou Pline l’Ancien : 13 peut-être faut-il voir dans ce choix lexical une volonté d’imprimer une coloration populaire et imagée à son por- 10 Pour une mise au point sur cette tradition, on consultera Charlet 1998, 43-44. 11 Charlet 1998, 45. 12 Horace, Ep. I, 16, 34. 13 Pline, Histoire naturelle 8, 180. <?page no="206"?> 196 Catherine Langlois-Pézeret trait. Et ce désir de faire populaire se retrouve dans l’allusion à la foule bigarrée 14 qu’évoque I. Maïer pour l’ode de Politien, et dont on peut voir un écho dans la mention du cuisinier au vers 4 de Ducher. Une autre pièce de Ducher, II, 51, décrit cette fois Socillina, autre vieille hypocrite décrépite : Nunquam a te quisquam est passus, Socilina, repulsam, Latae aut angustae conditionis homo. Nanque omnes primae fortunae opibusque beatos Olim admisisti, dum tibi forma fuit. Deformis pinguesque coquos uilesque subulcos 5 Admittis, neque non gratus agazo tibi est. Vis tamen interea matrona pudica uideri. Fucum aliis facias, nam mihi nota probe es. Jamais de toi nul homme ne s’est vu refuser, Socilina, Qu’il soit de condition élevée ou modeste. Car tous les êtres de premier rang ou dotés de richesses, Jadis, tu les as reçus, tant que tu as été belle. Les cuisiniers difformes et gras, les humbles porchers, Tu les reçois à présent, et un palefrenier ne manque pas de charme à tes yeux. Tu veux pourtant ce faisant passer pour une matrone pleine de pudeur. Jette de la poudre aux yeux des autres, car moi, tu m’es fort bien connue. Ducher reprend cette fois d’autres aspects de l’Ode in anum. Le mouvement de la pièce est identique chez les deux poètes : il s’agit de la dégradation inéluctable de la femme décrite, qui la conduit, chez Politien, à n’avoir plus d’amant désireux de la fréquenter, et chez Ducher, peut-être plus indulgent, à ne plus pouvoir être difficile sur sa clientèle. Autre point commun entre le Toscan et le Lyonnais : chacun évoque le carnaval des amants (passés pour Politien, présents pour Ducher), qui appartiennent tous au petit peuple : il s’agit des coquos, subulcos, agazo, chez Ducher, qui rappellent, de façon beaucoup moins étoffée, les pistor, caupo, calo, bajulus des vers 23-25 de Politien. De manière beaucoup moins scabreuse, on retrouve chez Ducher le topos de la pâle pensée introduit par Politien dans une épigramme en l’honneur d’Alessandra della Scala, avec la symbolique de la souffrance amoureuse. On la repère, par exemple, dans l’épigramme I, 152 adressée par Ducher à sa dura domina qu’il nomme Gellia : Aurea quum uiolae pallenti lilia quondam Innecto, Paphiae debita serta Deae Vesano insiluit cor impete, Gellia, nostrum Pessimus innocuae pacis amator Amor. Nec finemue modumue facit praecordia circum 5 Immiscendi ignes ignibus, ille procax, 14 Maïer 1966, 191. <?page no="207"?> Gilbert Ducher - émule de Politien ? 197 Vt cineres tandem redigar consumptus in atros, Flamma diu totus, siue fauilla magis. Un jour qu’à la pensée pâlissante j’unissais des lis dorés, Tressant des guirlandes pour la déesse de Paphos, En un assaut dément, Gellia, voici que me sauta au cœur Celui qui aime si mal la paix et l’innocence : l’Amour. Et sans terme ni mesure, le voici qui, autour de mon cœur, Se met à unir le feu au feu, cet impudent, Si bien que je suis enfin consumé et réduit en noires cendres, Tout entier transformé, et pour longtemps, en flamme ou plutôt en étincelle. Le motif de la « pâle pensée » se trouve à l’origine dans l’épigramme grecque 31 de Politien, 15 auteur chez qui, d’après les analyses de P. Galand, 16 la pensée blanche ou jaune symbolise la coquetterie de la bien-aimée, source de souffrance pour son amant ; cette fleur convient donc bien à cette épigramme de Ducher, dans la suite de laquelle il adopte l’èthos de l’amant maladif en développant longuement la thématique du feu amoureux symbole de souffrance (surtout dans les quatre derniers vers). Peut-être est-il bon, cependant, de préciser que Ducher emprunte certainement l’expression pallens uiola à son ami Bourbon, qui l’avait lui-même empruntée à Jacques Toussain, le premier à avoir traduit du grec au latin, en 1519, les épigrammes de Politien. 17 On l’a vu, Ducher emprunte plus ou moins explicitement des expressions à Politien chez qui il a visiblement butiné. Il y a cependant une imitation pleinement assumée, l’épigramme II, 50 en l’honneur de Maurice Scève, intitulée Ad Mauricium Scaeuam, Politiani, où il imite l’épigramme grecque XXV de Politien, 18 que ce dernier avait adressée en 1480 à Giampetro Arrivabene, chancelier du Cardinal Francesco Gonzaga, évêque d’Urbino, qu’il avait rencontré lors de son séjour mantouan. 19 Il paraît bon de proposer une analyse comparative des deux épigrammes, en commençant par celle de Politien: . ’ , . ’ , 5 15 Politien 2002, 152 : . 16 Politien 1987, 177-178. 17 Sur ces emprunts divers, voir Bourbon 2008, 556. 18 Ducher a pu lire les épigrammes de Politien soit à Paris (entre 1520 et 1535), puisqu’elles parurent en même temps que ses œuvres complètes chez Alde, en 1498, puis en France chez Bade et Petit en 1512, édition suivie d’une 2e en 1519, connue parce que les épigrammes grecques y sont accompagnées de la traduction latine de Toussain qui connaîtra une grande fortune éditoriale (Politien 2002, Introduction, LXXI-LXXIII), soit à Lyon, puisque Gryphe en proposa plusieurs éditions entre 1528 et 1550 (Politien 2002, Introduction, LXXIII-LXXIV). 19 Politien 2002, 113-114. <?page no="208"?> 198 Catherine Langlois-Pézeret , ’ , , . ’ ’ , , . On dit que, de Platon encore enfant, un jour les abeilles chargées De miel de Mopsopie baignèrent les lèvres. Au-dessus du berceau de Stésichore chanta un rossignol: Ce sont les marques du charme miellé des deux poètes. Mais je crois que nul oiseau ne s’assit au-dessus de toi, ni nulle abeille, Mais les Piérides elles-mêmes, ô Giampetre! Ulysse aurait lui-même doucement goûté du lotos, Si son éloquence était aussi mielleuse que la tienne. Ducher le suit d’assez près : Instillauit apis puero sua mella Platoni ; Hinc omnes Graio uicit in eloquio. Stesichoro puero cecinit Pandione nata ; Hinc dicendo illi gratia multa fuit. Nulla apis infudisse tibi sua mella putetur ; 5 Concinuisse tibi nulla putetur auis. Tam suaue eloquium Pitho tibi, Scaeua, ministrat, Quod numeris nectit dexter Apollo tuis. Une abeille instilla son miel dans la bouche de Platon, quand il était enfant ; C’est pourquoi il vainquit tout le monde en éloquence grecque. Pour Stésichore enfant chanta la fille de Pandion ; C’est pourquoi en parlant il avait une grande grâce. Mais que l’on n’aille pas penser qu’une abeille a instillé son miel en toi ; Que l’on n’aille pas penser qu’un oiseau a chanté pour toi. C’est Pithô qui t’assure une éloquence si douce, Scève, Une éloquence que l’habile Apollon entrelace à tes rythmes. On remarquera tout d’abord la fidélité du poète lyonnais à son modèle, notamment dans la structure d’ensemble de la pièce, qui compte cinq distiques élégiaques comme chez Politien ; les exemples d’hommes de lettres élus sont identiques, avec Platon et Stésichore, ainsi que les signes de leur élection, l’abeille pour le premier et le rossignol pour le second ; enfin, la démarche adoptée est la même : ces exemples servent d’étalon pour prouver la supériorité de leur dédicataire qui n’a pas besoin d’une élection divine pour l’emporter par son talent poétique. Mais cela n’empêche pas Ducher de s’accorder une certaine liberté : là où Jacques Toussain, le premier traducteur en France des pièces de Politien, avait fait preuve d’une fidélité absolue, 20 Ducher s’octroie 20 Voici la traduction proposée par J. Toussain : Zampetro Arriuabeno, Dorice : Labras infantis tinxisse olim aiunt Platonis / Rutilas apes Mopsopio implentes melle ; / Stesichori uero cecinit in pectoribus Luscinias, / signa suauis utriusque Gratia. / Sed tibi neque ullam auem insidere, neque apes / Credo, sed ipsas Zampetre Pieridas. / Nempe lotum et ipse gustasset <?page no="209"?> Gilbert Ducher - émule de Politien ? 199 quelques libertés, d’abord dans le vocabulaire choisi, où le verbe grec est paraphrasé en instillauit, où le rossignol est désigné par sa périphrase ovidienne Pandione nata, mais aussi dans la chute de l’épigramme : là où Politien usait d’un adunaton mettant en scène Ulysse mangeant du lotos en entendant Giampetro Arrivabene, Ducher affirme à Scève qu’il est favorisé dans ses vers par Pitho, la Persuasion divinisée, et Apollon lui-même : c’est une façon beaucoup plus auguste de clore son épigramme pour célébrer la supériorité de Maurice Scève. On l’a vu, Ducher se situe bien, par rapport à Politien, dans une relation d’imitation le plus souvent assumée. On ne manquera cependant pas de s’interroger, pour conclure, sur le sens de l’épigramme II, 18 de Ducher, où, afin de s’attaquer à un certain Eucnus, le poète auvergnat part de la légende de Psaphon, qui apprenait à ses oiseaux à répéter qu’il était un grand roi pour le faire croire à tous leurs auditeurs : Laudum et nominis impudens sititor Psaphon, dum studet inuenire laudem, Commento utitur, Eucne, perspicaci. Vocales uolucres domi educatas Id proferre, 5 Docet sedulitate diligenti. Emmissae uolucres id eloquuntur, Olim quod fuerant domi eruditae. Persuasus populus rudis Psaphoni Cultus instituit sacros Deorum. 10 Tu multos alis haud leui moneta, Qui stulto populo, idque compitatim, Supra Vergilium esse te poetam Adfirment, misero ore et impudenti. Quid credat populus, nihil laboro : 15 Eucnum te scio, non scio poetam. L’impudent Psaphon, assoiffé de louanges et de renommée, S’appliquant à obtenir louange, Use de son imagination perspicace, Eucnus. À des oiseaux parlants qu’il a élevés chez lui, Il apprend, en y mettant tout son zèle, à répéter « Psaphon est un grand dieu ». Les oiseaux, envoyés au dehors, répètent Ulysses/ Si talis quidem fuisset, qualis tua oratio. Traduction si fidèle qu’elle fait dire à F. Pontani, l’éditeur moderne des épigrammes grecques de Politien : « le traduzioni di Toussain non appaiono nel complesso particolarmente felici […] nella loro letteralità inelegante e spesso esasperata… » (Politien 2002, 256). On pourra remarquer aussi que la fidélité au texte pousse Toussain à ne pas toujours respecter la métrique. <?page no="210"?> 200 Catherine Langlois-Pézeret Ce qu’on leur avait enseigné chez eux. Le peuple ignorant se laisse convaincre et pour Psaphon Instaure les cultes sacrés des grandes divinités. Toi, tu repais d’espèces sonnantes et trébuchantes beaucoup de gens Pour qu’ils affirment au peuple stupide, à tous les carrefours, D’une bouche misérable et impudente, Que tu es un poète supérieur à Virgile. Ce que croit le peuple, je ne m’en soucie pas : Je sais que tu es Eucnus, et je sais que tu n’es pas un poète. Dans cette pièce, il semble que Ducher imite, sans le dire, une épigramme de Jean Lascaris, plutôt que l’adage 200 d’Erasme qui recensait aussi ce proverbe ; dans son recueil, Ducher avait déjà repris, en le précisant dans le titre, deux épigrammes de Lascaris, en I, 6 et II, 91, signe qu’il connaissait l’œuvre épigrammatique de l’expatrié grec, œuvre parue à Bâle en 1527 et 1537. Or, dans son épigramme 23, Lascaris s’en prenait à Ange Politien, dont il était le rival pour des raisons à la fois amoureuses et intellectuelles, 21 dans les termes suivants : · « , ». « , ». , 5 ’ . ’ . Psaphon enseignait à des oiseaux imitateurs à crier : « Psaphon est un dieu, vraiment c’est un grand dieu ». Grâce à tes machinations pour toi aussi croassent les corbeaux : « Il est grand par le savoir, Ange, il est savant ». Il était possible à des chevaux de faire grand un roi, et Un oiseau élit un dieu en Libye. Mais ta folie, ni les nobles rois ni les dieux Bienheureux n’en feraient de la sagesse. On notera que Ducher compose son épigramme dans le même but, stigmatiser un poète, déjà égratigné en I, 73, un poète qui veut passer pour meilleur qu’il n’est en répétant qu’il est supérieur à Virgile. Il cite les mots mêmes du proverbe . On pourrait donc se demander si cette pièce ne vise pas, en filigrane, Politien caché sous les traits d’Eucnus. Et il faudrait alors réévaluer l’émulation de Ducher vis-à-vis de Politien, qui pourrait se teinter parfois de connotations négatives. 21 Lascaris courtisait, comme Politien, Alessandra della Scala ; il avait en outre, en 1493, assisté aux cours de Politien sur Homère et l’accusa alors d’avoir plagié de longs passages du Pseudo-Hérodote et du Pseudo-Plutarque (voir Laskaris 1976, 127). <?page no="211"?> Gilbert Ducher - émule de Politien ? 201 Bibliographie Sources Bourbon, Nicolas: Nugae - Bagatelles (1533), éd. Sylvie Laigneau-Fontaine, Genève 2008. Dolet, Etienne: Carmina, édition traduite et annotée par Catherine Langlois-Pézeret, Genève 2009. Ducher, Gilbert: Epigrammes, édition traduite et annotée par Sylvie Laigneau-Fontaine et Catherine Langlois-Pézeret, Paris 2015. Laskaris, Giovanni: Epigrammi Greci, a cura di Anna Meschini, Padoue 1976. Politien, Ange: Opera omnia, a cura di I. Maïer, tomus secundus, Turin 1970. Politien, Ange: Les Silves, texte traduit et commenté par Perrine Galand, Paris 1987. Politien, Ange: Liber epigrammatum graecorum, a cura di Filippomaria Pontani, Rome 2002. Etudes Charlet, Jean-Louis: « La laideur féminine dans l’ode 9 In anum d’Ange Politien », in: Luisa Secchi Tarugi (cur.): Disarmonia, Brutezza e bizzarria nel Rinascimento, Atti del VII Convegno internazionale (Chianciano-Pienza 17-20 luglio 1995), Firenze 1998, 43-52. Kammerer, Elsa: Jean de Vauzelles et le creuset lyonnais. Un humaniste catholique au service de Marguerite de Navarre entre France, Italie et Allemagne (1520-1550), Genève 2014. Maïer, Ida: Ange Politien. La formation d’un poète humaniste (1469-1480), Genève 1966. Mandosio, Jean-Marc: La « docte variété » chez Ange Politien, in: Dominique de Courcelles (dir.): La Varietas à la Renaissance, actes de la journée d’étude organisée par l’Ecole Nationale des Chartes (27 avril 2000), Genève 2001, 33-42. Galand-Hallyn, Perrine / Hallyn, Fernand (dir.): Poétiques de la Renaissance : le modèle italien, le monde franco-bourguignon et leur héritage en France au XVIe siècle, Genève 2001. <?page no="213"?> Sylvie Laigneau-Fontaine (Dijon) Nicolas Bourbon imitateur, pilleur ou contempteur de Politien ? Né en 1503 dans un petit village de Champagne, Nicolas Bourbon commença ses études dans la ville de Troyes, où il reçut l’enseignement de Jacques Toussain, alors simple régent de grammaire. 1 C’est sans doute dans sa classe qu’il écrivit, à titre d’exercices scolaires, ses premières épigrammes latines et grecques puisque Toussain préconisait ce type de formation par imitation des classiques. 2 C’est aussi avec lui que Bourbon s’initia à la lecture des bons auteurs. Or, fervent admirateur des Anciens, Toussain ne rejetait pas pour autant les contemporains, et vouait en particulier une grande admiration à Politien, dont il avait traduit en latin les épigrammes grecques en 1519. Le propos de cette communication est d’analyser l’influence que l’œuvre du grand humaniste italien et son esthétique ont pu avoir sur les épigrammes de Bourbon, publiées à diverses reprises et successivement enrichies. 3 Qui feuillette l’œuvre de Bourbon remarque tout d’abord un certain nombre de pièces que le poète affirme ouvertement avoir imité de Politien. Dans les Nugae de 1533, huit pièces portent la mention imitatio Politiani, imitatio , ou encore e Graeco Politiani ou (ou ). Comme le genre littéraire choisi par notre auteur pouvait le laisser supposer, ce sont les épigrammes de Politien qu’il imite. Sa pièce 56 reprend ainsi la huitième épigramme latine de l’humaniste italien, consacrée à une hirondelle nichant près d’une statue de Médée : Politien Ad hirundinem nidificantem sub Medeae statua : Medeae statua est, misella hirundo, Sub qua nidificas. Tuos ne credas Huic natos, rogo, quae suos necauit. 4 1 Toussain fut nommé en 1532 à la chaire de grec au Collège Royal. Voir Goujet 1971, 111, col. 1. 2 Voir Hutton 1946, 85. 3 Voir bibliographie. Les Epigrammata de 1530 comptent trois cents pièces ; les Nugae de 1533 un peu moins de six cents ; les Nugarum libri octo, de 1538 et 1540 plus de mille cinq cents. 4 Politien, ep. lat. 8, del Lungo 1867, 546 : « A une hirondelle nichant sous une statue de Médée. C’est une statue de Médée, pauvre petite hirondelle, / sous laquelle tu niches. Ne confie pas tes enfants / je t’en prie, à celle qui a tués les siens » (trad. personnelle). <?page no="214"?> 204 Sylvie Laigneau-Fontaine Bourbon In irundinem sub Medeae statua nidulantem. Imitatio Politiani : Medeae statua est, natos cui credis, irundo ? Fer alio : uiden’ haec mactat ut ipsa suos ? 5 Politien s’inspirait de l’épigramme IX, 346 de l’Anthologie (= Plan. I a , 85, 5) : , , ’ ’ ; 6 Bourbon imite Politien bien davantage que l’Anthologie : non seulement le titre est une simple variation, l’attaque de la pièce lui est empruntée et un certain nombre de termes sont directement repris mais, comme chez l’Italien, le lieu de nidification de l’hirondelle n’est plus un tableau, mais une statue. Il a aussi maintenu le ton de l’épigramme de Politien : la pièce grecque caractérisait l’hirondelle par l’amplitude de son vol ; l’Italien en donnait une image plus pathétique (diminutif misella, supplication rogo), que Bourbon rend par des interrogatives affectives et un pressant impératif ; il a par ailleurs souligné la violence médéenne en remplaçant necare par mactare et en usant d’un présent très « énargique ». Enfin, aux trois vers de Politien, il en substitue deux, pour renchérir sur l’exigence de brièveté propre au genre épigrammatique, défendue d’ailleurs par Politien, amateur de perspicua breuitas. 7 Les sept autres pièces sont empruntées aux épigrammes grecques de l’Italien. Cette préférence s’explique par la volonté de Bourbon de se poser en habile helléniste et, pour ce faire, il a parfois conservé dans ses imitations latines un titre grec. 8 Il est difficile en revanche de déterminer ce qui l’a motivé dans le choix de ces six pièces en particulier : elles ne forment pas une série chez Politien et ne sont pas consacrées à une thématique particulière. Il semble plutôt que Bourbon ait voulu privilégier la technique de l’échantillonnage, afin de mettre en valeur un des critères de construction du genre épigrammatique, celui de la variété. 9 La première pièce grecque de Politien, adressée à un jaloux 5 Nugae, ép. 56, Laigneau-Fontaine 2008, 288 : « C’est à une statue de Médée que tu confies tes enfants, hirondelle ? / Porte-les ailleurs : ne la vois-tu pas tuer de sa propre main ses enfants ? » Sauf mention contraire, les citations de Bourbon sont tirées de l’édition Cratander des Nugae, base de mon édition Droz. 6 « Toi dont le vol traverse toute la terre et ses îles, ô hirondelle, c’est sur un tableau de Médée que tu nourris tes petits ? Et tu espères qu’elle gardera fidèlement les oisillons que tu lui confies, cette Colchidienne qui n’a même pas épargné ses propres enfants ? » (trad. G. Soury 1957, 139). 7 Sur cette exigence, exprimée en particulier dans sa leçon inaugurale sur la dialectique, voir Mandosio 2001, 35. 8 Nugae, ép. 247 : E , 374 : E , 467 : . 9 Sur cet aspect, voir La Variatio 2014, en particulier Laigneau-Fontaine 2014, 441-552. <?page no="215"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 205 qui l’a salué d’un ambigu , est une épigramme satirique ; la pièce 24, consacrée à un inspiré par le seul Apollon et ne chantant que guerres et batailles, est métapoétique (elle exprime ce que n’est pas le domaine de l’épigramme) ; les pièces 31 et 32 développent, avec un sens érotique, les métaphores des fleurs et des fruits ; 51, consacrée à un orgue, peut être rangée dans la catégorie des épigrammes descriptives ou votives ; 56 est l’historiette d’une prédiction étrange qui se révèle exacte ; enfin, 57, consacrée aux moustiques, peut être lue comme un éloge paradoxal. La plupart des « sousgenres » de l’épigramme sont donc représentés, et Bourbon rend ainsi hommage à la uarietas mise en œuvre dans le recueil de Politien, dont c’était le principe esthétique fondamental. Cette variété dans les sujets se double d’une variété dans les sources : dans ces sept pièces, Politien s’inspire tantôt de l’Anthologie, 10 tantôt de Boccace, 11 de Lucien, 12 ou encore d’autres poètes italiens. 13 Or, là encore, c’est bien Politien et non sa source qu’imite Bourbon. Dans le cadre de cette communication, je ne prendrai que quelques exemples, dont celui de l’épigramme sur l’orgue. Cette pièce est imitée d’une épigramme de Julien l’Apostat dans le livre IX de l’Anthologie Grecque (ép. 365 = Plan. I a , 84, 8) : . ’ , , . ’ ’ , ’ . 5 , ’ . 14 Voici les versions qu’en donnent respectivement Politien et Bourbon : Politien ; O 10 C’est le cas de l’épigramme 51 : cf. A.G. IX, 365 (Plan. I a , 84, 8). 11 Ep. 31 et 33 : cf. Boccace, Decam. 3, 6, 3. 12 Ep. 1 : cf. Lucien, Pro lapsu inter salutandum 2. 13 Ep. 56 attribuée par Politien à Pulce de Constanza, poète vénitien de la première moitié du XIV e siècle : cf. Poetae Latini Minores IV, 127 = Anthologie Latine I, 786. Ep. 57, sans doute écrite suite à une controverse sur le genre du mot culex avec Bartolomeo Scala (voir del Lungo 1867, 223-224 et Pontani 2002, 241-243). 14 « J’aperçois des roseaux d’une autre espèce. Assurément, c’est d’une autre terre, d’airain peut-être, qu’ils ont plutôt poussé, plante sauvage. Ce n’est point par nos souffles qu’ils sont animés mais, en s’élançant du fond d’une caverne en peau de taureau le vent court au-dessous, sous la racine des roseaux percés avec art. Et un homme plein de fierté, ayant des mains aux doigts agiles, se tient debout, frappant les touches qui répondent à ces flûtes. Celles-ci, se soulevant doucement, expriment la mélodie » (trad. P. Waltz 1974, 7). <?page no="216"?> 206 Sylvie Laigneau-Fontaine , ’ . ; 5 O ; 15 Bourbon Fistula spectatur numerosa atque aereus ordo Set quis in hoc strepitus clam fit ? Et unde sonus ? Ille uolubilibus tremulas ferit ecce tabellas Articulis, instans dexter utraque manu. Set (rogo) dispersi unde fluunt tanta agmina uenti ? 5 Folles a tergo flare uiden’ geminos ? 16 Bourbon se montre bien plus proche de Politien que de sa source grecque. Malgré un début similaire, insistant sur le processus de la vue, l’Anthologie soulignait davantage le caractère mystérieux de l’instrument et proposait une épigramme transgénérique, dont les commentateurs ont bien remarqué qu’elle utilisait « le mètre, la langue et le style de l’épopée ». 17 Les deux auteurs renaissants préfèrent le distique élégiaque habituel de l’épigramme et, même si quelques termes font encore image ( ou agmina uenti, dont l’acception militaire peut être un clin d’œil au caractère épique de la pièce grecque), offrent un morceau plus pédagogique, fondé sur un jeu de questions-réponses mimant un dialogue entre l’auteur-professeur et le lecteurélève. Ainsi, par son choix d’imiter dans certaines de ses pièces Politien plutôt que l’auteur dont celui-ci s’inspire, Bourbon paraît vouloir montrer qu’il accorde au premier une place de choix dans le Panthéon des auteurs classiques qu’il est légitime et formateur d’imiter. Néanmoins, les choses ne sont peutêtre pas aussi nettes car l’on peut se demander si c’est bien Politien que Bourbon imite. De fait, il y eut entre eux un intermédiaire, et c’est probablement à cet intermédiaire, dont il est plus proche, que le poète français entend avant tout rendre hommage. Il s’agit de son maître Jacques Toussain : sa traduction des épigrammes grecques de Politien avait rencontré un tel succès qu’elle accompagna toutes les éditions de Politien à partir de sa parution en 1519. Voici la version de la pièce sur l’orgue proposée par Toussain : 15 Politien, ep. gr. 51; Pontani 2002, 207-208 : « ‹Vedo una bronzea fila di canne : ma chi è che di nascosto da essa trae il molteplice suono ? › ‹Ecco, è costui, che fa girare le dita veloci con impulsi vagabondi, e percorre le pagine tremanti›. ‹Ma dove gli esce un così grande sciame di molteplici venti ? › ‹Non vedi l’otre doppio che sta dietro ? › ». 16 Bourbon, ép. 247, Laigneau-Fontaine, 2008, 520 : « ‹Je regarde l’orgue harmonieux et l’alignement de ses tuyaux d’airain. / Mais quel murmure se fait en cachette à l’intérieur ? D’où vient le son ? › / ‹Eh bien, c’est que le musicien frappe de ses mains virevoltantes les tremblantes / lamelles en appuyant habilement de chaque main›. / ‹Mais (je me le demande) d’où coulent et se répandent de telles quantités de souffle ? › / ‹Vois-tu les deux soufflets qui s’enflent par derrière ? › ». 17 Waltz 1974, 186 (rapprochement avec des vers d’Homère et d’Apollonios de Rhodes et surtout un passage de Nonnos de Panopolis, III, 234-238). <?page no="217"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 207 Aereum fistularum uideo ordinem ; sed quis in ipso Efficit occulte multiforem strepitum ? - Hic uagis uolubiles articulos pulsibus Agitans, tremulasque utrinque mouens tabellas. - Sed dispersorum unde tantum agmen flatuum ? 5 - Non uides folles duplices a tergo ? 18 Dans les deux pièces, on a le même le jeu du questionnement, et les reprises verbales sont très nombreuses, y compris pour les termes qui font image (agmen), tandis que les variations sont, le plus souvent, d’ordre purement synonymique (occulte / clam ; agitans / instans). Certes, il s’agit là d’une épigramme relativement technique et il était sans doute difficile de se démarquer véritablement dans la même langue. Mais un autre exemple est plus probant encore : il s’agit d’un extrait de l’épigramme sur les moustiques : Politien , , ’ ’ . 19 Bourbon Fertilis ut Venerem culices quos procreat unda, Hos in amore uiros exuperare decet : Nam uolucrem culices alarum imitantur Amorem Remigio, et multum sanguinis ore bibunt. 20 Mis à part l’inversion des deux premiers vers, l’imitation de Bourbon est fidèle au texte de Politien, et l’emploi de la belle expression virgilienne remigio alarum 21 pour traduire le grec est particulièrement bien choisie. 18 Del Lungo 1867, 216 : « ‹Je vois un alignement de tuyaux d’airain ; mais qui en lui / provoque en cachette ce murmure à plusieurs entrées ? › / ‹C’est cet homme qui agite ses mains virevoltantes en des pulsations errantes / et fait mouvoir des deux côtés les lamelles tremblantes›. / ‹Mais d’où vient une telle quantité de souffle répandu ? › / ‹Ne vois-tu pas les deux soufflets qui s’enflent par derrière ? › » (trad. pers.). Comme l’a fait remarquer le Pr. Th. Baier lors de ma communication, les vers de Toussain ne sont pas dépourvus de problèmes métriques : le dernier distique, par exemple, est impossible à scander. 19 Politien, ep. gr. 57, 1-4, Pontani 2002, 240 : « Le zanzare devono amare certo più degli uomini : nascono dall’acqua fertile, come Venere, scimmiottano Amore altovolante col remeggio delle ali e bevendo il sangue ». 20 Bourbon, ép. 374, 1-4, Laigneau-Fontaine 2008, 661 : « Les moustiques que, telle Vénus, fait naître l’onde fertile, / en amour ils surpassent les hommes, et c’est bien normal : / car les moustiques imitent l’Amour ailé du mouvement / de leurs ailes et boivent quantité de sang ». 21 Aen. I, 301. <?page no="218"?> 208 Sylvie Laigneau-Fontaine Or, cette expression se trouve déjà dans la traduction donnée par Toussain de la pièce grecque de Politien : Culices amore capi magis decet quam uiros, Productos fertilibus, ut Venus, ex aquis ; Et imitantes aëriuolum Amorem, Remigio alarum et quod sanguinem bibant. 22 Il semble que, dans les quatre vers cités - et l’on pourrait faire la même analyse sur le reste de la pièce et sur les autres épigrammes « imitées de Politien » - Bourbon s’amuse à paraphraser le texte de Toussain. Bien entendu, notre poète est trop proche de lui, et son professeur est trop connu dans le milieu parisien pour qu’il puisse s’agir de larcin. C’est plutôt une manière de clin d’œil à une traduction publiée avec succès, et une façon d’affirmer qu’autant que le texte du grand humaniste italien, celui du professeur au Collège Royal mérite d’être imité. Ainsi, la mention « imitation de Politien » qui figure dans certaines épigrammes de Bourbon est une sorte de trompe-l’œil, destiné à attirer l’attention sur un autre que lui. Mais dans les Nugae, l’imitation de l’humaniste italien ne se limite pas aux pièces dans lesquelles elle est clairement indiquée. D’autres pièces, qui se gardent de préciser leur source, s’inspirent indubitablement de lui. C’est le cas de l’épigramme 89, épitaphe du nommé Marron, qui reprend, en l’adaptant à l’une des cibles favorites de Bourbon (les avares) une épigramme latine de Politien : Politien Flecte, uiator, iter ; foetet : nam putre Mabili Hac fouea corpus conditur atque animus. 23 Bourbon Ah foetet nimis ! Huic foueae Marronis auari Corpus inest et mens. Flecte, uiator, iter ! 24 L’emprunt est évident : l’auarus Marro a remplacé le putris Mabilius, mais l’idée et l’expression sont semblables, malgré la variation de conditur en inest et d’animus en mens. Bourbon perd en suspens (l’ouverture sur flecte uiator iter, variation parodique du souhait tumulaire habituel que le passant s’arrête 22 Del Lungo 1867, 224 : « Il convient que les moustiques soient plus que les hommes séduits par l’amour ; / eux qui, telle Vénus, sont nés des ondes fertiles / et qui, imitant l’Amour qui vole dans les airs / du mouvement de leurs ailes, boivent du sang » (trad. pers.) 23 Politien, ep. lat. 52; Del Lungo 1867, 140 : « Passe ton chemin, voyageur ; ça pue : car de Mabilius, l’immonde / corps est enfermé dans cette fosse, avec son âme » (trad. pers.). 24 Bourbon, ép. 89, Laigneau-Fontaine 2008, 326 : « Ah, quelle puanteur ! Dans cette fosse se trouve le corps / du cupide Marron, et aussi son âme. Passe ton chemin, voyageur ! ». <?page no="219"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 209 quelques instants pour lire l’épitaphe 25 , provoquait un effet de surprise chez Politien), mais gagne en expressivité dégoûtée par le double système d’assonances et d’allitérations et de rime intérieure qui structure le vers, et fait de la puanteur dégagée par Marron une sorte de caractéristique ontologique du personnage. L’épigramme grecque 36 de Politien a une double source. Elle mêle la figure du buveur d’urine que l’on trouve chez Catulle (carmen 39) à celle du « pâtre grossier » que, dans la vingtième Idylle de Théocrite, Eunica refuse d’embrasser, et commence donc par un vigoureux ’, . Le premier vers de l’épigramme 62 de Bourbon, tout pareillement, s’attaque à un « buveur d’urine » qui a l’audace de rechercher les baisers du poète (oscula uis tibi dem, lotii turpissime potor). Bien qu’elle ne soit pas mentionnée, l’imitation de Politien est évidente, toujours via la traduction de Toussain (Ne me osculeris, lotii potor). Autre exemple, l’épigramme 82, violente diatribe In anum lasciuientem rappelle évidemment l’ode I, 9 In anum de l’Italien, dont elle semble présenter une version abrégée. La pièce de Politien déployait toutes les ressources d’une langue virtuose et copieuse, « alimentée par le flot intarissable des images », 26 en un « comique d’accumulation » 27 qui multipliait sur dix-huit vers plus de trente adjectifs ou ablatifs de description ; Bourbon se conforme aux critères génériques du genre épigrammatique en en proposant une version réduite (seize vers contre trente-neuf), et néanmoins assez proche : chez tous deux, la vieille est édentée (edentula 28 ) et son ventre particulièrement peu appétissant ; 29 la malheureuse a été autrefois courtisée par bien des hommes mais plus personne n’en veut aujourd’hui, 30 alors qu’elle-même brûle encore de désir (prurire 31 ) ; elle sollicite de ses avances le poète, 32 et celui-ci est dégoûté par ce qui n’est désormais plus une femme mais un cadavre ambulant. 33 La seule originalité de Bourbon par rapport à la pièce de Politien consiste à se présenter comme dérangé « dans ses études » 34 par les avances de la vieille, se donnant ainsi un èthos de docte intéressé uniquement par la science qui ne figure pas chez son prédécesseur. 25 Cet appel au passant pour qu’il prenne le temps de lire l’épitaphe est topique dans la poésie de tombe, cf. par exemple A.G. VII, 2 bis, 1 ou Aulu-Gelle I, 24, 4, 3. Cet appel contribue souvent à souligner le caractère pathétique d’une situation. 26 Maïer 1966, 188-191. 27 Charlet 1998, 47. 28 Politien, v. 9 ; Bourbon, v. 1. 29 Politien, v. 15 ; Bourbon, v. 11. 30 Politien, v. 23-28 ; Bourbon, v. 3-6. 31 Politien, v. 32 ; Bourbon, v. 8. 32 Politien, v. 30-34 ; Bourbon, v. 1. 33 Politien, v. 31 ; Bourbon, v. 16. 34 V. 1-2 : Cur me sollicitas, edentula, curue fatigas / obturbans studiis, ô scelerata, meis ? <?page no="220"?> 210 Sylvie Laigneau-Fontaine D’autres pièces présentent des imitations moins précises et littérales, mais paraissent néanmoins s’inspirer aussi de Politien. L’emprunt concerne alors non pas des vers ou des expressions, mais plus largement des idées, des thématiques, des motifs. C’est par exemple le cas lorsque le poète reproche à son mécène son manque de générosité, tout en insistant sur son propre talent, capable de porter aux nues ledit mécène. 35 C’est sans doute aussi chez Politien que Bourbon trouve la conception du grammaticus qui apparaît dans ses Nugae. L’épigramme 228 se présente comme un bref mais vif éloge du grammaticus en tant qu’« expert en écrits de tous genres » (v. 2 : Cum sit qui scripti calleat omne genus). Contre Pontano, par exemple, qui, dans ses dialogues Charon et Antonius (1491), « tourn[ait] en ridicule […] toute la catégorie des grammairiens, considérés comme incapables de comprendre la poésie parce qu’irrémédiablement stupides », 36 Bourbon fait sienne la conception de Politien qui, dans la praelectio Lamia, avait précisément dépeint le grammaticus sous les traits du sage capable de juger les écrits de tous genres, poétiques comme historiques, oratoires, philosophiques, médicaux ou juridiques. Ainsi, dans les discussions qui, au XVI e siècle, se développèrent autour de la figure du grammairien, 37 Bourbon se range du côté du Florentin et, comme lui, voit en lui un « encyclopédiste, à qui aucune discipline ne doit rester étrangère ». 38 Dans d’autres polémiques renaissantes encore, Bourbon est du même avis que Politien. C’est le cas des controverses qui ont entouré l’interprétation des fameux poèmes catulliens sur le moineau de Lesbie. Le fait de savoir si ce moineau était ou non une métaphore du sexe masculin avait entraîné une violente querelle. Politien s’était montré partisan de cette interprétation dans les Miscellanées (I, 6), tandis que Sannazar, au contraire, lui avait vivement reproché son manque de pudeur. 39 Or, c’est bien à une lecture érotique des deux carmina de Catulle que souscrit Bourbon : Donarem ut sibi passerem, Rubella Instabat rogitare lachrymando. Cui bellum uolucremque cum dedissem Hic (inquit) mihi passerem dat et se Credi uult mihi Lesbiae Catullum ! 40 5 35 Bourbon, ép. 54 ou 293 ; Politien, ep. lat. 2. 36 Gualdo Rosa 2000, 213. 37 Voir un rappel de cette querelle par exemple dans Bistagne 2012, 99-110 : l’auteur s’intéresse successivement à « Pontano contre Leonardo Bruni », « Pontano contre Lorenzo Valla » et « Pontano contre Politien ». 38 Mandosio 2001, 38. Cette conception du grammairien était déjà exprimée dans la préface de la première centurie des Miscellanées (1489) en réponse à laquelle Pontano écrivit justement Charon et Antonius (voir Deramaix 2006, 263). 39 Voir Haig Gaisser 1993, 242-249. 40 Bourbon, Nugarum libri octo, Lyon, Gryphe, 1538, ép. I, 96 : « Rubella ne cessait en pleurant de me demander / de lui donner un moineau. / Et comme je lui avais donné un <?page no="221"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 211 Dans cette pièce amusante, le poète se met en scène comme un amant un peu sot, qui ne voit pas le désir très charnel de son amie ; si l’on donne à la pièce un sens métapoétique, elle se moque de ceux qui ne comprennent pas le double sens des poèmes catulliens. Or, il s’agit là, de la part de Bourbon, de la seconde version de la même pièce ; dans les éditions précédentes, le sens était le même, mais sans doute moins explicite : In puellam Vt donem sibi passerem puella Non cessat rogitare Turrianum. Vellet forsitan et Catullianum ! 41 Dans la dernière édition de ses épigrammes, Bourbon a préféré à l’allusion érudite une pièce plus claire, qui prend sans doute possible position en faveur de l’interprétation de Politien. Nulle querelle, sans doute, ne déchira davantage la République des lettres que celle du cicéronianisme. Partagés entre ceux qui « singe[aient] Cicéron » et ceux qui préféraient « braire avec Apulée », 42 les humanistes campèrent sur des positions théoriques très intransigeantes, même si la pratique des uns et des autres était en fait souvent assez proche. 43 Là encore Bourbon, partisan incontesté de la docta uarietas, choisit l’esthétique politienne. En témoignent sa manière de pratiquer l’épigramme, qui mêle des sources très variées empruntées aux écrivains latins de toute époque, 44 mais aussi quelques pièces plus théoriques, dans lesquelles il expose ses conceptions en matière de poésie, beau petit oiseau / elle dit : ‹Il me donne un moineau et / veut être pour moi ce que Catulle était pour Lesbie› » (trad. pers.). 41 Bourbon, ép. 78, Laigneau-Fontaine 2008, 312 : « Une jeune fille ne cesse de me supplier / de lui donner un moineau turrianien. / Peut-être voudrait-elle aussi le moineau catullien ! ». Il est difficile, pour nous lecteurs modernes, de comprendre le sens de l’adjectif Turrianus employé par Bourbon. Je propose, sans certitude, d’y voir une allusion à l’agronome Turrianus Niger, ami de Cicéron et de Caton : le moineau « turrianien », du nom de l’agronome, renverrait donc au sens propre de moineau, tandis que le moineau catullien, du nom du poète, renverrait à son sens métaphorique. On peut aussi, malgré la graphie avec deux -r, y voir une allusion au Turium, fleuve de Tarraconaise, région d’origine de Martial. 42 Magnien 2003, 424-448. 43 Sur cet aspect, voir Galand-Hallyn / Deitz 2001 qui montrent que la querelle du cicéronianisme, contrairement à ce que sa vigueur pourrait laisser croire, opposa souvent « des humanistes de milieux proches, dont les convictions, en réalité ne diffèrent pas tant » (2001, 465). Langlois-Pézeret, dans son édition des Carmina de Dolet, a par exemple montré que même ce dernier, dont le cicéronianisme cristallisa pourtant sa haine contre Erasme, a une pratique de l’épigramme qui n’est pas sans contradiction avec ses prises de position théoriques et que son imitatio est beaucoup plus variée qu’on pouvait s’y attendre (2009, 143-145). 44 Sur cet aspect, voir Laigneau-Fontaine 2008, 68-90. <?page no="222"?> 212 Sylvie Laigneau-Fontaine telle l’épigramme 91, où il reprend la métaphore traditionnelle de l’œuvrejardin comme symbole de la variété : Agri non nequeunt placere multis Qui flores uarios rosasque gignunt ; Sic mentem recreant, leuant iuuantque Demulcentque epigrammat libelli. 45 En outre, en 1538, dans une des lettres dédicaces du recueil, il prend explicitement position dans cette querelle et se livre à une attaque réglée contre les cicéroniens qui « l’ennuient au plus haut point », avec leur façon de tenir pour quantité négligeables tout autre auteur que Cicéron, aussi bien « les deux Plines et Aulu-Gelle » que « Budé, Erasme et Politien ». 46 Voilà qui ressemble fort à une profession d’admiration envers Politien. Ainsi, l’humaniste italien paraît être un auteur clé dans la poétique de Bourbon. Source revendiquée ou cachée de nombreux poèmes dans le fond ou la forme, il est aussi celui qui a théorisé un certain nombre des critères esthétiques qui informent les recueils des Nugae puis des Nugarum libri octo, tels la docta uarietas ou la perspicua breuitas. Mais alors, une chose semble surprenante : le nombre de poèmes explicitement imités de Politien est finalement assez faible : huit pièces sur presque six cents en 1533, pas davantage en 1538, sur mille cinq cents pièces ; pire, la mention imitatio Politiani disparaît alors de l’épigramme sur l’hirondelle nichant près de la statue de Médée ! La proportion de pièces revendiquant leur source politienne est dans ce recueil d’à peine 0,5% : on peut difficilement parler de vibrant hommage. Par ailleurs, alors que les deux autres auteurs contemporains évoqués dans la lettre-préface des Nugarum libri octo que j’ai citée, Erasme et Budé, reçoivent un important tribut d’éloges (dans les Nugae, on compte quatre pièces encomiastiques sur le premier, six sur le second, souvent très emphatiques), ce n’est nullement le cas de Politien. Mis à part les mentions « imitation de Politien », on ne trouve qu’une seule fois son nom dans son œuvre, dans une épigramme bien peu valorisante : 45 Ep. 91, Laigneau-Fontaine 2008, 326 : « Ils charment assurément les yeux de la foule, les champs / Où poussent les roses et les fleurs multicolores. / De même, l’esprit est ranimé, allégé, égayé, / Amignoté par les livres d’épigrammes ». 46 Nugarum libri octo, o. c., p. 328 : Ciceroniani sunt. Budaeus, Erasmus, Politianus nihil sunt. Quid de nostri seculi hominibus loquor ? Quintilianus, duo Plinii, Gellius et quotquot illius temporis extant autores, infantissimi sunt. De poetis idem sentiendum. Praeter Virgilium, nullum esse dignum lectu. Et tamen isti noui homines in eo humanitatem suam ostendunt, insignem profecto illam et memorabilem, quod poetis illis ac quam plurimis aliis doctrinam non defuisse eamque multam satis et suscipiendam fatentur et agnoscunt : eloquentiam uero pernegant. Ciceronem unum esse imitandum, tanquam solum eloquentem et uerum oratorem. Virgilium poetam unum esse apud Latinos et dignum qui ediscatur. Caeteros omneis fastidiunt merasque esse umbras poetarum et simias aiunt. Set iam pertaesum est, mi Stella, istorum barbatulorum. <?page no="223"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 213 Virgilium per i, non Vergilium per e dicendum, contra quam Politianus in Miscel[laneis] praecipit : Publius et Paphius mihi donauere nomisma, Quo nihil argento purius esse potest. Peruetus est : in eo legitur sculptumque uidetur Virgilii nomen laurigerumque caput. Virgilium, non Vergilium, lego ; nempe secunda 5 Hic uocalis abest, syllaba prima Virest. Virgilium a uirga, cur nobis non placet aeque Atque à Vergiliis dicere Vergilium ? Iam mihi qui tabulas, fragmenta et marmora et arcus Obiiciunt, ualeant : me nihil ista mouent ! 47 10 C’est dans le chapitre 77 de la Première Centurie des Miscellanées que l’humaniste italien avait pris parti pour la graphie Vergilius (Quo argumento dicendum est Vergilius, non Virgilius), et Bourbon s’oppose aux deux arguments qu’il développe : Politien avait en effet rejeté avec virulence, comme des « balivernes » (nugae), l’étymologie faisant venir le nom de Virgile d’une uirga laurea 48 et préféré le rattacher aux étoiles qui portent aujourd’hui le nom de Pléiades mais qui, en latin, s’appelaient les uergiliae stellae. 49 Par ailleurs, une bonne moitié de ce chapitre des Miscellanées est occupée par le recensement des éléments prouvant que cette graphie était bien celle de l’Antiquité : Politien affirme que lui-même ou des savants dignes de confiance ont vu de leurs propres yeux, en Toscane, des fragments de marbre (mensam quampiam marmoream) ou de pierre (mensa item lapidea) et divers manuscrits (dont ceux des Pandectes, du commentaire de Donat, de La Cité de Dieu, de Columelle ou encore des Lettres de Sénèque...) portant le mot Vergilius. Ce sont tous ces témoignages, qui s’étendent chez Politien sur une trentaine de lignes, que Bourbon rejette avec désinvolture et mépris dans ses deux derniers vers, comme s’ils n’avaient aucune importance et aucune valeur. Ainsi, la seule mention de Politien dans les Nugae et les Nugarum octo, mis à part la précision imitatio Politiani, consiste à dire que celui-ci se trompe, et se 47 Bourbon, p. 363; Laigneau-Fontaine 2008, 648 : « Il faut dire Virgilius avec un -i, et non Vergilius avec un -e, contrairement à l’avis de Politien dans les Miscellanées : Publius et Paphius m’ont fait cadeau d’une médaille / de l’argent le plus pur qui soit au monde. / Elle est très ancienne : on y lit et on y voit gravé / le nom de Virgile et sa tête laurée. / Je lis Virgilius et non Vergilius ; sans doute la deuxième / voyelle est-elle effacée, mais la première syllabe est bien Vir-. / Faire venir Virgilius de uirga (baguette), pourquoi ne serait-ce pas aussi bien / que de faire venir Vergilius de Vergiliae (les Pleiades) ? / Quant à ceux qui m’opposent tables, fragments, marbres et arcs, / Adieu : rien de cela ne m’ébranle ». 48 Politien, ad loc. : […] a uirga, quod quidam nugantur, laurea. 49 Id., ibid. : a uergiliis ipsis […] hoc nomen crediderim inclinatum potius hercle quam a uirga. Il est à noter que les modernes font dériver le nom de ces étoiles du verbe uergo « incliner, se coucher », alors que Politien le rapproche de uer, « le printemps ». <?page no="224"?> 214 Sylvie Laigneau-Fontaine trompe en outre dans ce qui est son œuvre philologique la plus importante et peut apparaître comme « le bilan de ses dix premières années d’enseignement». 50 Bourbon semble avoir tout particulièrement apprécié son épigramme contre lui, puisque cette pièce fait partie de celles, relativement peu nombreuses, qui figurent dans toutes les éditions successives de son recueil, et sans changement entre 1533 et 1540. 51 Or, même s’il est vrai que certains vestiges archéologiques confondent Vergilius et Virgilius, 52 on s’étonne de voir Bourbon préférer cette graphie, qui vient en particulier des clercs du Moyen- Age 53 (pour lesquels il professe de coutume le plus grand dédain 54 ), au lieu d’affirmer son accord avec Politien, représentant des innovations d’une critique « moderne ». 55 D’après David Scott Wilson-Okamura, cette graphie pourrait provenir également d’un rapprochement avec le mot uir, 56 et c’est à cette étymologie que semblait adhérer Bourbon en 1530 ; dans sa version des Epigrammata, en effet, le poème contre Politien comporte deux vers de plus : Vir bonus et prudens manet aeternumque manebit In pretio ; uer est res breuis et fugax. Peut-être a-t-il jugé en 1533 que ce rapprochement entre Virgilius et uir n’était pas justifié, et préféré supprimer ces deux vers. Mais il a bel et bien choisi de conserver l’épigramme dans laquelle il s’inscrit en faux contre le travail pédagogique de Politien. Comme on l’a vu, Bourbon, dans ses épigrammes, imite parfois de façon très précise les épigrammes de Politien et s’inspire à l’évidence de sa poétique et de son esthétique, mais refuse de lui rendre véritablement hommage, préférant au contraire faire entendre une voix critique à l’égard du philologue. S’il y a une explication à cela, elle me semble tenir tout entière dans la nationalité de Politien. De fait, la Renaissance en France est « moins imitation de 50 Mandosio 2008, 33-52. 51 Epigrammata, fol. XII r° ; Nugae 1533, fol. h vii v° (Vascosan) et ép. 363 (Cratander) ; Nugarum libri octo II, 169 (1538 et 1540). 52 Merci pour cette précision à ma collègue S. Lefebvre, professeur d’histoire romaine à l’université de Bourgogne, qui renvoie par exemple à une inscription de Rome, portant successivement les deux graphies (C.I.L., 06, 16751, p. 3520). 53 Sur l’origine médiévale de cette transformation de Vergilius en Virgilius, voir J. Bolton Holloway 1994, note 18 : “We recall that it is in the medieval world of the monastery that the name of Publius Vergilius Maro undergoes a metamorphosis to Virgil, in reference to the virga of the magician and necromancer, which the Middle Ages considered Virgil to be and which he is in Dante’s Commedia, and the pedagogue, as boys in this period and the Renaissance were taught their Latin by means of the birch rod, the virga“. 54 Sur l’exécration de Bourbon pour le Moyen-Age et sa prétendue barbarie, voir Laigneau- Fontaine 2008, 181-184. 55 Sur les polémiques suscitées par la prise de position de Politien, et le peu d’influence qu’elle eut en fin de compte sur l’habitude de dire Virgilius, voir Wilson-Okamura 2010, 13-44 : “Virgil with an -i ”. 56 Id., ibid., 13. <?page no="225"?> Nicolas Bourbon imitateur de Politien 215 l’Italie que compétition avec l’Italie », pour reprendre la formule de Marie- Madeleine de La Garanderie. 57 Même si des ouvrages plus récents ont montré qu’italianisme et anti-italianisme cohabitent dans la France de cette époque, 58 c’est bien du seul second courant que Bourbon est le représentant, lui qui a bien l’intention de permettre à ses compatriotes de se défaire du complexe d’infériorité si longtemps ressenti vis-à-vis du pays voisin. C’est ainsi qu’à propos de Budé, bonarum literarum princ[eps], il s’exclame par exemple : Iam nihil est Italus quod Gallo insultet : habemus Budaeum, maius quo nihil esse potest. 59 Le péremptoire nihil, le brutal insultet et le rejet qui met Budaeum en valeur signalent la certitude de Bourbon : désormais, à ses yeux, la France n’a plus rien à envier à l’Italie ; c’est même l’inverse car, affirme-t-il, les Muses sont désormais devenues françaises. 60 C’est peut-être ce qui motive les deux vers qu’il ajoute à la pièce contre la vieille impudique : si celle-ci lui répugne tant, c’est non seulement du fait de sa laideur, mais aussi parce qu’elle vient déranger dans ses chères études un docte qui entend s’y consacrer « corps et âme ». Voilà le nouvel èthos endossé par les Français qui, selon Bourbon, deviennent les nouveaux savants de l’Europe, remplaçant dans ce rôle les Italiens : et dans ce contexte, il était hors de question de rendre hommage à un Italien, fût-ce le plus grand d’entre eux, fût-il unanimement admiré par la communauté humaniste, et en premier lieu par Jacques Toussain, le maître de Bourbon : la gloire de la France, à ses yeux, ne l’admet pas ! Bibliographie Sources primaires Anthologie Palatine, t. VII, éd. G. Soury, tome VII, Paris, C.U.F, 1957 ; t. VIII, éd. P. Waltz, G. Soury avec le concours de J. Irigoin et P. Laurens, Paris 1974. Bourbon, Nicolas: Epigrammata, Lyon, Laurent Hyllaire, 1530. Bourbon, Nicolas: Nugae, Paris, Vascosan et Bâle, Cratander, 1533 (éd. moderne S. Laigneau-Fontaine, Genève 2008). Bourbon, Nicolas: Nugarum libri octo, Lyon, Gryphe, 1538 et Bâle, Cratander, 1540. Dolet, Etienne, Carmina, Lyon, Gryphe, 1538 (éd. moderne C. Langlois-Pézeret, Genève 2009). 57 1995, 14. 58 Balsamo 1992 et Cooper 1997. 59 Bourbon, ép. 381, 3-4, Laigneau-Fontaine 2008, 670 : « Désormais plus de raison, pour l’Italien, de mépriser le Français : nous avons / Budé, et rien ne peut le surpasser ». 60 Cf. ép. 472, 1-2 : Gallia iam Musas te praeside nostra sorores / Reddiderat studiis officiisque suas (au Seigneur de Salazar, archidiacre de Sens). <?page no="226"?> 216 Sylvie Laigneau-Fontaine Politien, Ange: Omnium Angeli Politiani operum [...] tomus prior (-posterior) ; accessit omnium quae in toto opere graeca sunt accuratissima Jacobi Tusani interpretatio [...], Paris, Bade, 1519 (éd. moderne : Angelus Politianus, Opera omnia, a cura di Ida Maïer, Turin 1970-1971 ; éd. modernes des épigrammes: I. del Lungo, Angelo Ambrogini Poliziano, Prose volgari inedite. Poesie latine e greche, Florence 1867 ; F. Pontani, Angeli Politiani Liber Epigrammatum Graecorum, Rome 2002). Sources secondaires Balsamo, Jean: Les Rencontres des Muses. 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Wilson-Okamura, David S.: Virgil in the Renaissance, Cambridge 2010. <?page no="229"?> Laura Refe (Venedig) Poliziano e allievi allo Studio fiorentino: scambi di appunti e di libri tra amici accademici* L’insegnamento universitario di Angelo Poliziano, professore di ‘Poesia e retorica greca e latina’ allo Studio fiorentino dal 1480 al 1494, anno della sua morte, è stato oggetto di indagini che hanno mirato essenzialmente ad una ricostruzione contenutistica e cronologica dei suoi corsi. 1 Tali importanti acquisizioni non sono state accompagnate da un’interpretazione complessiva dell’efficacia e dell’influsso dell’attività di Ambrogini dentro e fuori l’università quale si può ricavare da una ricerca globale sui suoi allievi, 2 nonostante alcuni studi avessero messo in luce le potenzialità di uno studio declinato in tal senso. 3 Va rilevato che l’enorme materiale polizianeo a noi pervenuto, che si sta avviando ad una completa definizione, ha rallentato l’indagine sui discepoli; di essi non c’era fino ad ora una recensio completa che consentisse di mettere in relazione le varie personalità e, quando pure esistevano studi specifici, non sempre sono stati fatti ‘dialogare’ adeguatamente con quelli sul maestro. L’affascinante prima ricostruzione della scuola di Poliziano proposta da Mencken due secoli e mezzo fa, 4 anche se non priva di imprecisioni e lacune, ha avuto il merito di indicare una pista di ricerca potenzialmente fruttuosa, mai finora percorsa con pretese di esaustività. Rilevando, ancora ai giorni nostri, la carenza di una ricerca di questo tipo, nel 2012 ho intrapreso uno studio sulla scuola di Poliziano che mi ha permesso di tracciare un primo quadro delle dinamiche di scambio e di interazione tra figure di rilievo della Firenze del Quattrocento. L’interpretazione finale complessiva dei dati raccolti consentirà di approdare ad una ricostruzione di largo respiro di un periodo storico centrale per la cultura europea e di seguire il cammino percorso da idee e metodi diffusi da Poliziano, attraverso gli allievi, oltre i confini geografici e temporali. 5 * Ringrazio Silvia Rizzo per l’attenta lettura e per i preziosi suggerimenti. 1 Del Lungo 1897, 174-183 (anche in Poliziano 1925, 231-241); Maïer 1966, 423-435; Branca 1968; Branca 1983, 86-87; Cesarini Martinelli 1996; Silvano 2001; Bausi 2014. Il contributo di Mandosio 2008 riprende i sopracitati lavori di Branca e di Cesarini Martinelli senza aggiungere novità. Naturalmente integrano il quadro relativo a Poliziano professore le edizioni dei suoi appunti autografi per i corsi, per un elenco delle quali rinvio a Cesarini Martinelli 1996, 464 n. 6, a cui va aggiunto Poliziano 2010. 2 Vd. le osservazioni, con rinvii bibliografici, di Cesarini Martinelli 1996, 479. 3 Penso al saggio di Pozzi 1966 e allo studio di Fera 1983. 4 Mencken 1736, 75-91 e 639-642. 5 La ricerca è stata intrapresa durante una fellowship a Villa I Tatti, The Harvard Uni- <?page no="230"?> 220 Laura Refe Nel presente contributo, dopo aver fornito qualche dato significativo emerso dalla recensio degli allievi da me effettuata, mi soffermerò su uno dei tanti filoni di indagine che si possono seguire nella ricostruzione della scuola di Ambrogini: lo scambio di libri, appunti e materiali di lavoro all’interno dell’ambiente universitario e del circolo polizianeo, fenomeno che mi è parso interessante in quanto dà la misura del fervido arricchimento intellettuale che l’umanista contribuì ad incentivare e della grande ‘officina-laboratorio’ di studio sui testi antichi che egli fu in grado di allestire attorno a sé e alla quale collaboravano i suoi studenti. Le ricerche sulla scuola di Poliziano allo Studio fiorentino mi hanno consentito di individuare, allo stato attuale, i nomi di una cinquantina di personalità, per alcune delle quali è ancora da definire il grado di affiliazione a Poliziano e l’assiduità nella frequenza ai suoi corsi. Rientra provvisoriamente nella categoria ‘allievo di Poliziano’ chi si definisce tale nelle testimonianze a noi note, per esempio in una lettera, 6 colui che Poliziano considera suo allievo 7 e chi è indicato dalle fonti come tale. 8 Questa terza opzione richiede un’accurata verifica di attendibilità: indagini più specifiche sulla vita e sulle opere di quegli studenti che sembrano aver calcato le orme del maestro stanno dando la misura di quanto dello spirito enciclopedico e del metodo polizianeo è passato, insieme alle opere, alle generazioni successive. Per alcuni allievi è stato possibile individuare sia la provenienza geografica della famiglia di appartenenza sia i precedenti o i successivi spostamenti. Ne è emerso un quadro sociale vivo e variegato di cui vale la pena fornire qualche elemento, a partire dalle origini per poi approdare alle professioni svolte dopo l’esperienza allo Studio. Tra i circa 50 allievi censiti ci sono italiani (provenienti dalle attuali regioni di Lazio, Marche, Puglia, Romagna, Toscana, Veneto) e stranieri (portoghesi e inglesi 9 ). Considerando a parte versity Center for Italian Renaissance Studies in Florence (a.a. 2012/ 2013), ed è proseguita durante un’altra fellowship al Warburg Institute - School of Advanced Studies, University of London (a.a. 2013/ 2014). 6 È il caso di Michele Acciari per il quale vd. infra, 229-231. 7 È il caso di Bernardo Ricci (vd. infra, 222 e n. 21), definito da Ambrogini suo «alumnus» in una lettera a Iacopo Gherardi da Volterra del marzo 1489/ ’90: Carusi 1904, LXXII- LXXIII. 8 È il caso di Thomas Linacre e William Grocyn per i quali vd. infra, 220 n. 9. 9 I portoghesi sono Luís, Álvaro e Trist-o Teixeira (rispettivamente Verde 1977, t. 1, 50- 53 e 56; t. 2, 923), che nel 1489 erano stati inviati a Firenze, a studiare presso Poliziano, dal loro padre Jo-o, gran Cancelliere del re del Portogallo Jo-o II (Battelli 1942; Biscetti 1993); questi giovani seguirono il corso su Svetonio dell’a.a. 1490-’91 (per il quale vd. infra, 233) e probabilmente anche un corso sulla Naturalis historia di Plinio che Poliziano tenne in forma privata per sette mesi nel 1490, secondo quanto è registrato in un’annotazione di Ambrogini stesso sull’incunabolo ora ad Oxford, Bodleian Library, Auct. Q.1.2 (Perosa 1955, 22). Al corso su Plinio partecipò anche un altro portoghese, Martinho de Figueiredo (Verde 1977, t. 2, 635 e 988, dove è indicato come «studens iuris» e non «humanarum litterarum»), che dichiara di essere stato allievo in Italia di Po- <?page no="231"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 221 alcuni casi incerti, la maggioranza degli studenti proviene dalla Toscana. 10 Per molti l’esperienza fiorentina rappresenta una tappa di passaggio nell’ambito di una mobilità studentesca molto elevata; 11 per quanto possibile ho cercato di ricostruire il percorso degli allievi tra un’università e l’altra. Per ciò che concerne le professioni, alcuni di questi studenti saranno impiegati come docenti dello Studio fiorentino: Carlo Antinori, 12 condotto all’insegnamento di ‘Diritto canonico’ dal 1499; Francesco Pucci, 13 professore di ‘Poesia e retorica’ nel 1491-’92; Lorenzo Ciatti, 14 docente di ‘Grammatica e lettere greche’ dal 1498; Frosino Bonini, 15 anche lui docente, prima privatamente poi presso lo Studio, di ‘Grammatica e lettere greche’ dal 1497; Guarino Favorino Camerte, 16 magister grammaticae negli anni 1492-’93, 1494-’95 e 1495-’96; Marcello Adriani, 17 che occupò la cattedra lasciata vacante da Poliziano alla sua morte. Intraprenderanno la carriera accademica in altri luoghi della penisola lo stesso Pucci, nel Regno di Napoli, ove occupò anche il posto di bibliotecario regio e fece parte dell’Accademia pontaniana (Poliziano stesso lo ha indicato tra i discepoli che avevano saputo farsi onore lontano da Firenze con l’insegnamento universitario 18 ); i portoghesi Luís Teixeira, 19 che ritroveremo professore nello Studio di Ferrara, in contatto con poeti e liziano per Plinio e congiuntamente del giurista Bartolomeo Sozzini per il diritto (Costa Ramalho 1985, 146). Gli inglesi che parteciparono al corso su Plinio sono con tutta probabilità William Grocyn (Verde 1977, t. 1, 351) e Thomas Linacre (Verde 1977, t. 1, 914- 15; Weiss 1946 e 1957; per una panoramica globale sulla molteplice attività di questo umanista vd. Maddison / Pelling / Webster 1977, in particolare i contributi di Clough 1977, 1-23 e Schmitt 1977, 36-75), che le fonti indicano come allievi di Poliziano in Italia in questo periodo. Ho dedicato alcune pagine agli allievi stranieri di Poliziano in Refe 2015, contributo a cui rinvio anche per indicazioni bibliografiche retrospettive su queste personalità. 10 Da Firenze e dai centri minori di Bucine, Galliano del Mugello, Montepulciano, Pistoia, Prato, Uzzano, Volterra. 11 C’è chi veniva a Firenze appositamente per frequentare la scuola di Poliziano. È il caso di Girolamo Amaseo, consigliato da Carlo Antinori, già allievo di Ambrogini, e da Scipione Carteromaco a preferire Firenze a Milano, come testimonia una lettera pubblicata da Pozzi 1966, 192-201, che è anche un’importante testimonianza sulla vita universitaria fiorentina del 1493. 12 Verde 1973 b, 152-153; 1977, t. 1, 203-205. 13 Verde 1973 b, 260-261; 1977, t. 1, 310-311; Corfiati 2011 e 2012. 14 Verde 1973 b, 422-423; 1977, t. 1, 563; 1985 t. 1, 356. 15 Verde 1973 b, 194-195; 1977, t. 1, 253. 16 Verde 1973 b, 292-293; 1977, t. 1, 346-347; 1985, t. 3, 1082-1083; Pozzi 1966; Ceresa 1995, 474-477. 17 Verde 1973 b, 476-477; 1977, t. 2, 620; Godman 1995. 18 Angeli Politiani Omnia opera, et alia quaedam lectu digna […], Venezia, Aldo Manuzio, 1498 (Hain *13218; IGI 7952; ISTC ip008860009), ff. hii r-hiii r. 19 Supra, 220 n. 9. Oltre alla bibliografia indicata da Verde si aggiunga quella segnalata da Fera 1983, 20 n. 1, che si può integrare con Moreira de Sá 1983. <?page no="232"?> 222 Laura Refe letterati del luogo, e Martinho de Figueiredo, 20 professore all’Università di Lisbona. Alcuni degli allievi intraprenderanno carriere diplomatiche, come Bernardo Ricci, 21 cancelliere dell’oratore fiorentino a Milano al tempo di Ludovico il Moro; Roberto Minucci, 22 protonotario apostolico e commissario papale in Inghilterra tra 1495 e 1508. Altri diventeranno precettori privati, come Bartolomeo Dei, Bartolomeo Galeatano, Michele Acciari, 23 che erano in stretto contatto tra loro, impegnati in un fitto rapporto epistolare e professionale; 24 altri ancora saranno intellettuali di spicco come il già citato Guarino Favorino, 25 bibliotecario a Roma dal 1510 della recuperata biblioteca medicea privata 26 e vescovo di Nocera nel 1514. Favorino fu anche autore di un’importante raccolta di testi relativi alla lingua greca dedicata a Piero de’ Medici, figlio di Lorenzo il Magnifico, e accompagnata da una lusinghiera lettera prefatoria di Poliziano, di un Dictionarium, 27 primo tentativo di allestimento di un lessico greco, 28 e di una traduzione latina degli ‘apoftegmi’ di vari autori greci raccolti da Stobeo dedicata a papa Leone X 29 che, ripresa ed ampliata da un umanista polacco, Venceslaus Sobeslavensis (Wenceslao Sobieska), nel Cinquecento fu stampata più volte in Polonia. 30 Spesso tra gli studenti troviamo anche veri e propri collaboratori all’attività filologica polizianea: contemporaneamente alla frequenza ai corsi universitari alcuni allievi particolarmente fidati furono impiegati da Poliziano nella collazione e nella trascrizione di testi antichi: 31 tale attività è provata da sottoscrizioni, risalenti per lo più agli anni ’90 e apposte sugli esemplari 20 Supra, 220 n. 9. 21 Verde 1977, t. 1, 189; oltre alla bibliografia indicata da Verde vd. da ultimo Ricciardi 2010. Del carteggio tra Poliziano, Ricci, Giovanni Pico della Mirandola, Ermolao Barbaro, Iacopo Antiquario ha parlato Martelli 1995, 234-247. 22 Verde 1977, t. 2, 858; Rhodes 1979 e 1981; Hunt 1991, 71-72. Ho in preparazione un articolo con molte novità sul personaggio. 23 Per queste personalità vd. infra, 224-231. 24 Per alcune epistole di Bartolomeo Galeatano a Bartolomeo Dei relative alla loro attività di precettori privati vd. Verde 1977, t. 1, 147-151. 25 Supra, 221 e n. 16. 26 A Roma Guarino fu anche precettore privato dei nipoti del cardinal Giovanni de’ Medici, futuro papa Leone X; ricoprì diversi incarichi e godette di numerosi benefici, sia sotto il pontificato di Leone X che di Clemente VII: Ceresa 1995. 27 Thesaurus Cornu copiae et Horti Adonidis, Venezia, Aldo Manuzio, 1496 (Hain / Copinger *15493; IGI 9510; ISTC it00158000); Perosa 1955, 75-76. 28 Per quest’opera vd. almeno Guida 1982. 29 Apophthegmata ex variis autoribus per Ioannem Stobaeum collecta Varino Favorino Camerte interprete, Roma, Giacomo Mazzocchi, 1517, ristampata dallo stesso tipografo nel 1519, con un titolo diverso e con aggiunte. 30 Con lo stesso titolo dell’edizione del 1519 fu prodotta in 500 esemplari a Cracovia nel 1522 perché fosse distribuita a tutti i magistrati del regno, dati gli intenti morali dello scritto, e riproposta nel 1529, nel 1538 e nel 1539: vd. Estreicher 1891, p. III, vol. 14, 29. 31 Supino 1998, 236-237. <?page no="233"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 223 di lavoro, per Minucci, 32 Lattanzio Ambrogini, 33 nipote di Poliziano, Niccolò Baldella, 34 che lavorarono a Columella, a Palladio e a Ovidio; 35 per Pier Matteo Uberti, 36 Iacopo Modesti 37 e Ciatti, 38 che si occuparono delle Pandette dell’imperatore Giustiniano, di Celso e di Apicio. 39 Nei codici e nelle stampe spesso la mano del maestro si alterna a quelle degli allievi così che risulta complessa una sicura attribuzione paleografica. 40 Questo ‘spirito di squadra’ si esplicava anche nello scambio di materiali di lavoro e di libri tra allievi di Poliziano e tra il maestro e i suoi studenti o conoscenti. Ho selezionato alcuni casi esemplificativi di queste relazioni quali emergono dalla loro corrispondenza epistolare e grosso modo risalenti cronologicamente al periodo di insegnamento di Ambrogini allo Studio; il quadro che ne emerge, seppur parziale, sia per esigenze legate allo spazio concesso al presente articolo, sia per le caratteristiche stesse di un work in progress, integrabile in ogni fase della ricerca, è significativo di un clima culturale vivo e fortemente segnato dalla presenza del filologo. 41 32 Supra, 222 e n. 22. 33 Verde 1977, t. 1, 559-560. 34 Verde 1977, t. 2, 724 (ma anche Campana 1957, 203 n. 1). 35 Sull’incunabolo degli Scriptores rei rusticae, Paris, Bibl. Nationale, Rés. S. 439 (Maïer 1965, 353-55; Perosa 1955, 25-27 nr. 11; Supino 1998, 236 n. 55) e su quello di Ovidio, Oxford, Bodleian Library, Auct. P 2.2 (Maïer 1965, 350-51; Supino 1998, 236 nn. 56-57; la segnatura della n. 57 è errata). 36 Verde 1977, t. 2, 825; Mussini 2010-2011, 459-471. 37 Verde 1977, t. 1, 406-409; Arrighi 2011; vd. anche infra, 234. 38 Supra, 221 e n. 14. 39 Per il Digesto vd. i tre volumi a stampa collazionati con l’antico Codex Pisanus chiamato anche Codex Florentinus (per il quale vd. Baldi 2010) conservati a Firenze, Bibl. Laurenziana, Plut. 91 inf. 15, 16, 17 (Perosa 1955, 56-58 nr. 48-50; Maïer 1965, 431-432); per Celso vd. l’editio princeps curata da Bartolomeo Fonzio nell’esemplare ora a Firenze, Bibl. Nazionale, Inc. Magl. C.2.9 (Perosa 1955, 61-63 nr. 58), collazionato con il ms. di Firenze, Bibl. Laurenziana, Plut. 73, 1; per Apicio vd. il ms. Arkhiv Sankt- Petersburgskogo filiala Instituta rossiiskoi istorii Rossiiskoi Akademii Nauk V 645 (olim Leningrado, Archivio dell’Istituto di Storia dell’Accademia delle scienze dell’URSS, già Museo di Paleografia), collazionato da Poliziano insieme ad Uberti e Ciatti con il codice di New York, The Library of Academy of Medicine, RB Vault (olim Phillips 275); sui mss. di Apicio (le cui segnature aggiornate sono dedotte da Mussini 2010-2011, 461) vd. Campana 1957, 198-214. Ad Uberti si deve la trascrizione, ai ff. 161r-180v del ms. Città del Vaticano, Bibl. Apostolica Vaticana, Vat. Lat. 6337, di alcuni testi medici tratti dal ms. di Firenze, Bibl. Laurenziana, Plut. 73, 41: Campana 1957, 185-198. 40 Supino 1998, 239-240. In qualche caso fu Poliziano stesso a delegare ai collaboratori l’apposizione della nota che recava traccia del lavoro di collazione nella forma soggettiva contuli ego […]: Supino 1998, 236. Marchiaro 2013 riconosce nella scrittura di Pietro Crinito, altro allievo di Poliziano, uno spiccato fenomeno imitativo della grafia del maestro. 41 Alcune di queste lettere sono già state pubblicate; ne ho controllato la trascrizione sugli originali (ho indicato tra parentesi quadre la lettura degli altri editori, ove diverga dalla mia; tra uncinate racchiudo i miei interventi correttori; tra tonde sciolgo alcune parole <?page no="234"?> 224 Laura Refe In una lettera del 23 agosto 1481 Bartolomeo Galeatano, 42 maestro di scuola e allievo di Ambrogini, 43 chiedeva a Bartolomeo di Miliano Dei, 44 prima studente e poi figura di primo piano nello Studio, 45 di intercedere presso Gherardo, suo familiaris, per ottenere degli scripta Iuvenalis. 46 Nella lettera è sottolineato l’ascendente che Dei aveva su questo Gherardo, che non faceva temere a Galeatano una delusione nell’espletamento della richiesta. C’è da domandarsi se in questa figura si possa vedere Gherardo di Giovanni di Miniato del Fora, 47 cartolaio di Firenze ma anche miniatore, propuntate), in taluni casi ne ho modificato tacitamente la punteggiatura, le ho ordinate cronologicamente e le ripropongo in nota, corredate da una traduzione di servizio, in considerazione del loro interesse per la tematica trattata. 42 Verde 1977, t. 1, 147-151 e ad indicem (Bartolomeo di Andrea Guidoni, detto Galeatano). 43 Di Galeatano resta una miscellanea di appunti presi alle lezioni di Poliziano: vd. infra, 225 e n. 52. 44 Verde 1977, t. 1, 135-145, ma anche 430 per la lettera che Dei scrive a Giovanni di Piero Acciaiuoli (infra, 227 n. 59). 45 Nato nel 1460, Dei si era formato per la professione notarile ma intraprese anche gli studia humanitatis (1477-1484). Già dal 1479 dovette occuparsi di insegnamento privato ai fanciulli, prima nella scuola di ser Matteo da Rocca (vd. il catasto citato da Verde 1977, t. 1, 135) e poi in altro modo. Entrò nell’ufficio delle Riformagioni e, dalla metà del 1484, nell’ufficio notarile degli Ufficiali dello Studio (US); il 15 novembre 1497 fu eletto Notaio delle Riformagioni (Verde 1973 b, 751). I libri IV, V, VI degli US e molti altri documenti sparsi nelle miscellanee che si conservano negli Archivi di Stato di Firenze e di Pisa sono di suo pugno. Sul personaggio vd. anche Marzi 1910, ad indicem. Conserviamo gran parte della corrispondenza di Dei presso l’Archivio di Stato di Firenze, Corporazioni religiose soppresse dal governo francese, 78, 316 (d’ora in poi ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316; avverto qui che molte lettere sono mutile, lacere e di difficile lettura). Alcune epistole di Bartolomeo si trovano anche frammiste alla corrispondenza dello zio Benedetto Dei, conservata presso la Biblioteca Laurenziana, Ashburnam 1841 (per informazioni biografiche e bibliografiche essenziali su Benedetto Dei, impegnato in un’intensa attività politico-amministrativa e in molti viaggi per l’Europa, autore di una Cronaca e di due Memorie storiche, di centinaia di lettere missive e responsive e di vari scritti minori, vd. Barducci 1988). 46 ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 142: «Bartholomaeus Galeatanus Bartholomeo Deio salutem dicit. Mihi gratum facies si curabis ut per te a Gerardo, familiari tuo, ea scripta Iuvenalis per aliquot dies habere possim, quibus si carerem, maximopere in eo percurrendo elaborarem; sed non vereor (plurimum enim apud eum vales) quin ea ipse mihi commodet. Caeterum, si aliquando mihi facultas dabitur, faciam profecto quod ipse quoque cognosces te a me semper fuisse amatum. Vale, die 2III° Augusti M° CCCC° LXXXI» (pubblicata anche da Verde 1977, t. 1, 150). «Bartolomeo Galeatano saluta Bartolomeo Dei. Mi farai una cortesia se ti adopererai per farmi avere per qualche giorno per tua intercessione da Gherardo, tuo familiare, quegli appunti su Giovenale, senza i quali farei una gran fatica a percorrere il testo. Ma non temo che egli non me li conceda (infatti tu hai grandissimo ascendente su di lui). Del resto, se ne avrò l’occasione, farò senz’altro in modo che anche tu conoscerai il bene che ti ho sempre voluto. Addio, 23 agosto 1481». 47 Antetomaso 2000. <?page no="235"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 225 prietario di una bottega insieme a suo fratello Monte. 48 Anche se di età differenti 49 , Dei e Gherardo di Giovanni intrattenevano una corrispondenza ed erano in rapporti di stima reciproca, come mostrano alcune epistole di Gherardo, nelle quali egli si firma ‘Gerardus Apelleius’, nome con cui era noto nell’ambiente fiorentino, forse allusivo alla sua predilezione per la pittura, conservate nella filza contenente il carteggio di Dei. 50 In una di queste lettere, datata 7 giugno 1481, Gherardo di Giovanni esorta l’amico Bartolomeo a non dedicarsi solo alla poesia, ma anche allo studio delle Sacre Scritture, 51 segno del fatto che era al corrente della predilezione di Dei per gli studia poetica. L’interesse di Galeatano per Giovenale si protrae costante negli anni: sappiamo da un suo quaderno di appunti che egli fu uditore del corso di Poliziano su questo autore nel 1485-’86. 52 Un’epistola successiva di qualche mese (datata 16 ottobre 1481) mostra che lo scrivente Galeatano e il destinatario Dei erano in rapporti di stretta collaborazione per lo scambio di materiali relativi ai corsi che si tenevano allo Studio; 53 infatti dalla lettera si deduce che, di tanto in tanto, Galeatano 48 Martini 1956. 49 Gherardo era nato nel 1445 ca. (vd. infra, 225 n. 51), Bartolomeo nel 1460 ca. 50 Si tratta di quattro lettere e un biglietto, pubblicati da Verde 1977, t. 1, 136-138, che però non sono relative a scambi di materiali di studio. Le testimonianze datate risalgono al 1481 (9 dicembre) e al 1489 (7 giugno), quindi Dei e Gherardo di Giovanni erano sicuramente in contatto nel 1481, anno in cui Galeatano chiedeva a Dei di intercedere presso «Gerardo, familiari suo». Fahy 1989, 10 sostiene che Gherardo di Giovanni, da ragazzo, era stato allievo di Poliziano, ma non specifica la fonte di questa informazione. 51 ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 121: «Gerardus Apelleius Bartholomeio Deio s. d. […] magnopere te hortor, mi Bartholomee, non tantum studiis poeticis versari, sed etiam Sacris interdum Litteris vacare […]. Florentiae, die VII Iunii 1489» (pubblicata integralmente da Verde 1977, t. 1, 136; la data indicata da Verde, 1481, trascritta invece esattamente da Martini 1956, 33, è da correggere). «Gherardo ‘Apelleius’ saluta Bartolomeo Dei. […] ti esorto vivamente, mio Bartolomeo, a non applicarti soltanto agli studi poetici ma ad avere tempo di tanto in tanto anche per le Sacre Scritture […]». Martini 1956, 16, scrive che Gherardo, intorno agli anni ’80 del Quattrocento, vestiva l’abito da chierico con l’intenzione di farsi prete, senza mai riuscire nell’intento. In un documento dell’ASF, Monte Comune, Copie del Catasto 1480, San Giovanni, Drago, I, f. 627r, tra le ‘bocche’ di Nanni (Giovanni) di Miniato è registrato «Gherardo […] d’età d’anni 35» che «dicie di volere esser prete». Galizzi 2004, 259, riferisce che Gherardo visse come converso nel monastero di San Marco fino al 1480. Questa ‘parentesi religiosa’ potrebbe ‘sposarsi bene’ con le raccomandazioni fatte a Dei perché non trascurasse lo studio delle Sacre Scritture. 52 Si tratta del ms. di Ravenna, Bibl. Classense, 237 (Perosa 1955, 35-36 nr. 22; Maïer 1965, 258; Verde 1977, t. 1, 151; Fera 1983, 40 n. 3; Verde 1985, t. 2, 633-638) che ai ff. 111r- 218v reca annotazioni di Galeatano relative al corso di Poliziano su Giovenale, collocato in maniera induttiva nell’a.a. 1485-’86: Cesarini Martinelli 1996, 475-476; Branca 1983, 75-76; Del Lungo 1897, 179. 53 Una lettera di Galeatano a Dei del 15 luglio 1481 (ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 116: <?page no="236"?> 226 Laura Refe ricorreva all’aiuto di Dei come aveva fatto anche l’anno precedente. Si nominano anche degli scripta che, per il tramite di Dei, qui ringraziato, Galeatano aveva avuto da Gherardo. Si potrebbe pensare ad altra cosa rispetto agli scripta Iuvenalis richiesti due mesi prima, dato che Galeatano aveva detto di volerli solo per aliquot dies; tuttavia se due mesi non erano pochi giorni, non erano neppure tanti, 54 e forse la rassicurazione di Galeatano circa la restituzione del materiale al legittimo proprietario Gherardo potrebbe essere stata fatta per compensare parzialmente la promessa inserita nella richiesta di agosto (della serie ‘li ho tenuti un po’ di più ma alla fine li ho restituiti’). 55 Questa estrema disponibilità di Dei nello scambiare appunti, libri e materiali di lavoro era nota tra gli allievi di Poliziano (ma anche nell’’ambiente allargato’ dei conoscenti degli allievi 56 ): tra il 1482 e il 1483 57 Dei inviava con Verde 1977, t. 1, 149), che allude a loro frequenti conversazioni avvenute allo Studio, sembrerebbe suggerire che i due vi si recavano con una certa assiduità. 54 Se confrontati, ad esempio, con i quattro anni che Poliziano impiega a restituire, e su sollecito, un manoscritto di Lucrezio a Pomponio Leto, come testimoniano due epistole stampate negli Omnia opera, f. bii r-v (vd. Poliziano 2006, 54-58). 55 Firenze, Bibl. Laurenziana, Ashburnam 1841, II, 33: «Bartholomeus Galeatanus Bartholomeo Deio salutem dicit. […] Nunc autem, ut ipse non ignoras, accidit tempus in quo et auxilio et opera tua me, ut in anno superiore consuevi, uti oportet, praesertim his in operibus quae in Studio sunt legenda, quapropter mihi ignosce si nimis familiariter interdum impero tibi. Hoc enim dat nostra familiaritas; hoc dat etiam tua et clemens et inclyta virtus, quae facit ut etiam qui numquam te noverint tibi imperent. Ea scripta quae per te a Gerardo habui ad eum per discipulum nostrum perferenda curavi; quare tibi, ut debeo, summas gratias ago. […] Vale. Die XVI a Octobris M°CCCC°LXXXI» (pubblicata anche da Verde 1977, t. 1, 150). «Bartolomeo Galeatano saluta Bartolomeo Dei. […] Ora dunque, come tu stesso sai, è giunto il momento in cui bisogna che io mi avvalga del tuo aiuto e della tua disponibilità, come ho fatto l’anno scorso, soprattutto per quelle opere che si leggeranno nello Studio, perciò perdonami se di tanto in tanto ti do ordini con troppa confidenza. Questo ci permette la nostra confidenza; questo permette anche la tua e mite e ben nota indole, che fa sì che anche chi non ti conosce ti chiede qualcosa. Quegli appunti che ho avuto per tuo tramite da Gherardo mi sono adoperato perché fossero a lui riconsegnati per mezzo del nostro discepolo; perciò, come è mio dovere, ti ringrazio moltissimo. […] Addio, 16 ottobre 1481». 56 Bartolomeo era al centro di uno scambio di libri che coinvolgeva varie personalità: vd. la lettera a lui indirizzata da Antonio Foresi, notaio del vicariato di Val di Cecina, il 2 aprile 1487 (ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 246: trascritta anche da Verde 1977, t. 1, 140): «Docto iuveni ser Bartholomeo Dei in palagio de’ signori alle riformagioni in Firenze [sul retro]. Sarà, con questa mia, una ad Naldo, la quale vi priegho non vi incresca quando andate ad palagio, portarla ad lui con lire tre et mezo, che vi darà Tonio, famiglio di Ridolfo, che m’ha comperato cierte pistole di Cicerone, le quali vi farete dare et daretele ad Tonio che le rechi ad me, et dite ad Naldo che per lui le mandi a ogni modo, peroché non sarebbe poi chi l’arrecassi. Pertanto farete per mio amore con diligentia. Christo vi guardi. Al buio. A dì 2 d’aprile 1487. Antonio Foresi notaio del vicariato di Val di Ciecina». Naldo sarà da identificarsi in Naldo Naldi (per il quale vd. Crimi 2012), docente allo Studio fiorentino dal 1483 (di ‘Grammatica’ e anche di ‘Poetica ed oratoria’: Verde 1973 b, 492-499), in rapporti con Poliziano e corrispondente di Dei in quegli anni: vd., ad es., ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 137 e f. 141, rispettivamente del <?page no="237"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 227 una lettera a Giovanni di Piero Acciaiuoli 58 i dictata di Poliziano su Teocrito e le declinazioni nominali e verbali. Dal testo si deduce che Acciaiuoli aveva chiesto più ampiamente materiale relativo al greco e che Dei gli aveva mandato tutto ciò di cui era in possesso; Dei si rallegrava se tale materiale potesse essere utile al collega e si raccomandava che, in caso contrario, gli rinviasse subito gli scripta, segno forse del valore che attribuiva loro e del timore che non tornassero al legittimo proprietario; in conclusione si dichiarava a disposizione di Acciaiuoli. 59 1480 e del 1481 (pubblicate da Verde 1977, t. 1, 136-137). Nell’epistola del 1481 è nominato un Ridolfo in cui Verde individua Bartolomeo Ridolfi (Verde 2010, ad indicem). Un Ridolfo appare ancora come tramite tra Antonio Foresi e Bartolomeo Dei in un’altra lettera del 31 marzo 1481 (ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 235): in questo caso si tratta di Ridolfo di Pagnozo Ridolfi, come si deduce dall’indicazione posta di seguito al destinatario nel retro della lettera («data ad casa Ridolfo di Pagnozo Ridolfi da san Filice in piaza in Firenze»). 57 La lettera non ha data ma è collocabile in questo lasso di tempo: vd. infra, 227 n. 59. 58 Verde 1977, t. 1, 429-430. Giovanni Acciaiuoli fu US dal 24 aprile al 30 settembre 1495 e dal 25 novembre 1500 al 24 novembre 1501 (Verde 1973 a, 279, 281), provveditore degli US e amministratore delle entrate dello Studio (Verde 1973 b, 753). Collaborò insieme ai fratelli Bernardo e Neri dei Nerli all’editio princeps dei poemi omerici curata da Demetrio Calcondila nel 1488 (IGI 4795; ISTC ih00300000). 59 «Bartholomeus Deius Ioanni Acciaiuolo s. d. Ecce ad te mitto, mi Ioannes, scripta illa graeca quae Angelo Politiano dictante collegi in Theocriti expositione atque in nominum declinationibus et verborum; praeterea mihi est graece nihil. Si tibi haec usui sunt, gaudeo; sin contra, ea statim ad me remittas rogo sciasque mea omnia, quicquid habeo, tibi mecum esse communia». «Bartolomeo Dei saluta Giovanni Acciaiuoli. Ecco ti mando, mio Giovanni, quegli appunti greci che ho raccolto durante l’esposizione di Angelo Poliziano di Teocrito e delle declinazioni nominali e verbali; non ho niente di greco oltre a questo. Mi rallegro se ti sono utili; se no, ti chiedo di rimandarmeli subito e sappi che ciò che è mio, qualunque cosa io abbia, è tuo». Si tratta della lettera trascritta da Del Lungo 1897, 178 (anche in Poliziano 1925, 235, poi riprodotta in Verde 1977, t. 1, 430), che per lo studioso deve essere del 1482 perché era nel vol. XLV dei Protocolli di Provvisioni del Consiglio Maggiore dell’anno 1482 prima della collocazione nell’Inserto di varie scritture dell’ASF ove la vide lo studioso. Non mi è stato possibile individuare la lettera tra il posseduto dell’ASF: secondo quanto mi riferiscono Francesca Klein e Vanna Arrighi l’Inserto di varie scritture non corrisponde ad alcuna collocazione attuale. Per Fera 1983, 51 n. 2, Dei inviava a Giovanni questi dictata «certamente dopo il 1483». L’epistola ha fornito un appiglio cronologico per la collocazione dei corsi elementari di greco di Ambrogini: per Del Lungo 1897, 178 (anche in Poliziano 1925, 235), le lezioni sui rudimenti della lingua greca sono dell’a.a. 1481-’82 (lo studioso pensa si riferiscano a quelle indicate nella sottoscrizione dell’incunabolo di Paris, Bibl. Nationale, Rés. S. 439, f. 85v: «[…] MCCCCLXXXII, anno altero scilicet nostrae publicae professionis, cum […] Graecae linguae rudimenta Florentinae iuventuti dictabamus», «[…] 1482, secondo anno del mio insegnamento pubblico, quando dettavamo i rudimenti della lingua greca alla gioventù fiorentina»: vd. supra, 223 n. 35) mentre colloca le lezioni su Teocrito nell’anno successivo; Branca 1983, 86 n. 22, pone entrambi i corsi nell’a.a. 1482-’83; Cesarini Martinelli 1996, 468, sostiene l’impossibilità di datare con sicurezza i corsi a cui fa riferimento Dei, anche se ritiene verosimile che appartengano al primo <?page no="238"?> 228 Laura Refe Il 6 gennaio del 1484 il monaco vallombrosano Girolamo di Pietro Conti 60 chiedeva a Dei, insieme alla trascrizione delle prediche di Santo Spirito pronunciate per la quaresima dell’anno precedente e per l’avvento e il Natale appena trascorso, il commento di Poliziano alle favole di Esopo, anche di quelle che il maestro avrebbe letto durante il successivo periodo di quaresima, e si raccomandava perché lettera e documenti fossero affidati a mani sicure, dato che ciò che Dei aveva scritto precedentemente non gli era ancora pervenuto. 61 Dalla risposta di Girolamo, datata 8 febbraio dello stesso anno, si capisce che Dei aveva esaudito le sue richieste perché il monaco aveva periodo di insegnamento di Poliziano. I contratti stipulati con gli US per gli a.a. 1480- ’81 e 1481-’82 prevedevano che Poliziano si dedicasse all’esposizione privata di herotimata: Verde 1973 b, 27. 60 Verde 1977, t. 1, 371. Dai documenti del Catasto del 1480 pubblicati da Verde si deduce che Girolamo, nato il 25 dicembre 1457, divenuto orfano nel 1468, era stato cresciuto dallo zio paterno Francesco insieme ai suoi sei fratelli, uno dei quali, Pietro, era cartolaio con Monte e Gherardo di Giovanni (supra, 225). Girolamo era divenuto frate vallombrosano il 14 luglio 1477. 61 ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 230: «Hieronymus monachus suo Bartholomeo Deio s. […] Et profecto, admodum mihi opem feres, si dederis operam ut ea quae superiori anno in quadragesima et quae nunc in Christi Iesu Nativitate et adventu a Sancti Spiritus contionatore, summa omnium admiratione, declamata sunt diligenter perscribas et nobis deinde copiam ex his facias. […] te oro ut et [om. Verde] hec, quae dixi, et comenta, quae in fabellas Esopi a domino Angelo dantur, mihi, ut pollicitus es, paulatim et sensim transcribere cures. Mihi quidem voti mei res erit satis si eas fabellas <quae, da sottintendersi>, istic dum essem, ostendit et in futuro Carnisprivio […] ostendet, cum comento percipiam. Et post has quas ad me scri<bis> litteras cura ut fideli dentur; nam quas superioribus diebus scripsisti nondum ad manus [mani Verde] meas pervenerunt. Commendabis me in primis amicissimo nostro Rodulpho et deinde omnibus qui sunt de familia eius, ex mutuo affectu [aspectu ms. e Verde] quorum non parvum solatium coepi. Saluta officio et affectu meo Gherardum. […] Vale. Ex M(onisteri)o Valle die 6 Ianuarii 1483 [84]» (pubblicata integralmente da Verde 1977, t. 1, 139). «Il monaco Girolamo saluta il suo Bartolomeo Dei. […] E di sicuro mi sarai molto d’aiuto se ti adopererai di mettere per iscritto accuratamente quelle prediche che sono state pronunciate, con somma ammirazione di tutti, dal predicatore di Santo Spirito l’anno scorso in quaresima e quelle di ora del Natale e dell’avvento e poi di trarne una copia per me. […] ti prego di aver cura di trascrivere per me un po’ alla volta e con attenzione sia ciò che ti ho detto, sia il commento che Angelo [sc. Poliziano] fa alle favole di Esopo, come mi hai promesso. Sarà soddisfatto il mio desiderio se otterrò con il commento almeno quelle favole che ha esposto mentre ero lì e esporrà all’inizio della quaresima prossima […]. E poi abbi cura che le lettere che mi scriverai si diano a persona fidata; perché quelle che mi hai scritto nei giorni scorsi non sono ancora giunte in mie mani. Mi raccomanderai innanzitutto al nostro caro amico Rodolfo e poi a tutti coloro che fanno parte della sua famiglia, dal reciproco affetto dei quali ho avuto non poco conforto. Saluta da parte mia con affetto Gherardo. […] Addio. Dal monastero di Vallombrosa, 6 gennaio 1483 [84]». Per il Carnisprivium vd. Cappelli 1998, 139. <?page no="239"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 229 ricevuto le lettere che inizialmente non gli erano giunte e gli scripta graeca e lo pregava di ricordarsi delle prediche. 62 Da questi scambi epistolari si deduce dunque che Dei era stato uditore almeno dei corsi elementari di greco dei primi anni di insegnamento di Poliziano allo Studio (Teocrito, Esopo). La collaborazione tra gli allievi di Poliziano non riguardava solo materiale universitario, ma anche opere che destavano curiosità o che erano ritenute utili o indispensabili per le attività che essi svolgevano collateralmente agli studi. Con un’epistola del 29 dicembre 1486 l’uzzanese Michele Acciari, 63 allievo di Poliziano e segretario di Filippo Valori all’epoca della lettera, precettore di suo figlio Bartolomeo e, successivamente, di Giuliano di Pagolantonio Soderini, scriveva al già nominato studente e collaboratore di Ambro- 62 ASF, Corp. rel. soppr. 78, 316, f. 231: «Hieronymus monachus Bartholomeo Deio s. Quas ad me litteras [litteras pluribus ms. e Verde; ritengo che pluribus appartenga ad una prima formulazione del periodo, come se Girolamo volesse scrivere pluribus diebus, ma poi si è corretto e ha scritto ante paucos dies, quindi pluribus è da cassare] ante paucos dies scripsisti a fratre Iacobo nostro accepi. Nunc et alias accepi, breviores tamen, una cum scriptis graecis. Profecto praebes te mihi nimis obsequiosum; unum hoc mihi valde molestum est: me non posse, ut vellem, voluntati tuae interdum etiam obsequi. […] Tu igitur, ut coepisti, excute quaeso his rescriptis et crebris litteris nostri torporis [temporis Verde] ignaviam, ne nos poeniteat aliquando his graecis litteris operam dedisse, quod equidem fiet nisi [sc. si] nos neglexeris. […] Obsecro etiam te per dominum Yesum ut in memoria habeas predicationes illas de quibus saepe verbum fecimus […]. Vale et me Rodulpho nostro et uxori sue, mulieri dignissime, commendabis, familiam autem suam omnem salutabis meo nomine […] Ex Monisterio Valle quam raptim. 8 a feb.» (sul mg. sup. sin. compare, forse in altra mano rispetto a quella del testo, l’indicazione «1483 febraias») (pubblicata integralmente da Verde 1977, t. 1, 140). «Il monaco Girolamo saluta Bartolomeo Dei. Ho ricevuto dal nostro fra Giacomo le lettere che mi hai scritto pochi giorni fa. Ora ne ho ricevuta un’altra più breve insieme con gli appunti greci. Ti mostri senza dubbio molto disponibile con me; una cosa mi rincresce: che io non posso, come vorrei, assecondare di tanto in tanto anche le tue richieste. […] Tu dunque, come hai cominciato a fare, scuoti, ti prego, con queste risposte e con frequenti epistole l’ignavia del nostro torpore perché non mi penta prima o poi di essermi dedicato a queste lettere greche, cosa che accadrà se mi trascurerai. […] Ti supplico anche, per nostro signore Gesù, di ricordarti di quelle prediche delle quali spesso abbiamo parlato […]. Stai bene e raccomandami al nostro Rodolfo e alla sua signora, donna degnissima, e saluta da parte mia tutta la sua famiglia […]. Dal monastero di Vallombrosa, di fretta, 8 febbraio». 63 Verde 1977, t. 2, 647-651. Acciari è stato tratto dall’ombra da Delcorno Branca 1976, grazie al ritrovamento di un carteggio apografo con quarantatré sue lettere e due a lui dirette (Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, olim ins. 6). In una missiva databile ai primi mesi del 1494 e inserita nell’epistolario di Poliziano come Ep. XII 24 (Omnia opera, ff. riii v-riiii r), Acciari si definisce allievo di Ambrogini da un decennio; la vicenda che ha portato all’inclusione della sua lettera nell’epistolario polizianeo è ricostruita in Refe 2010-2011, 323-342 (con presentazione biografica e riferimenti bibliografici retrospettivi); le lettere di Acciari sono indicate secondo la numerazione ad esse assegnata da Delcorno Branca 1976 e da me ripresa nell’articolo citato in questa nota. <?page no="240"?> 230 Laura Refe gini, Uberti. 64 Questi in quel momento si trovava a Roma e seguiva le lezioni di Pomponio Leto su Valerio Flacco; Acciari ne gioiva e gli chiedeva di raccogliere diligentemente materiale delle lezioni di Leto su questo autore e di far pervenire a lui, e non ad Augusto, amico o conoscente comune, un libro con l’opera di Manilio e Arato e tutto ciò che poteva essere utile ai loro studi. 65 La risposta di Uberti, conservata nello stesso manoscritto che contiene la corrispondenza di Acciari, arrivò il I marzo 1487; Uberti non aveva ancora inviato a Michele gli opuscula richiesti, ma lo avrebbe fatto a breve, sicuro che li avrebbe graditi. 66 Sempre Acciari, con due lettere senza data, ma risalenti con tutta probabilità a quegli stessi anni Ottanta, restituiva dei libri presi in prestito da amici; con un biglietto scherzoso rendeva ad Angelo Tranquillo, personaggio 64 Supra, 223. 65 Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, f. 35r-v (Ep. XL): «Mic(hael) Ac(ciarius) suo Petro Matteo s.p.d. […] Optatissimum mihi est quod Valerium Pomponius legat, sed optatius multo quia hominis benivolentia occupatus sis; is enim tibi amicisque tuis vehementer prodesse poterit. Quare eum diligenter sectare et Flacci scripta quam diligentissime colligas. Augustum tuo nomine salutavi seque librum propediem habiturum [habiturus Delcorno Branca] dixi. Ego tamen velim Mallium Aratumque potius ad me quam ad illum mittas, preterea si quid tibi est quod studiis nostris conducere possit. Vale et, ut cognoscam te memorem mei, frequenter ad me scribe. Decembris die XXVIIII MccccLxxxvi, Florentiae. Vale» (pubblicata parzialmente anche da Delcorno Branca 1976, 473 n. 24 e 477 e Verde 1977, t. 2, 651). «Michele Acciari saluta caramente il suo Pier Matteo. […] Mi fa molto piacere che Pomponio legga Valerio [sc. Flacco], e molto di più che tu goda del favore di quell’uomo; egli infatti potrà fortemente giovare a te e ai tuoi amici; perciò seguilo diligentemente e raccogli ancor più diligentemente gli appunti su Flacco. Ho salutato Augusto da parte tua e gli ho detto che avrebbe avuto a breve il libro. Io tuttavia preferirei che mandassi Manilio e Arato piuttosto a me che non a lui, e oltre a ciò se hai qualcosa che possa essere utile ai nostri studi. Addio e scrivimi spesso perché io sappia che ti ricordi di me. Firenze, 28 dicembre 1486. Addio». La lettera permette di fissare al 1479 l’anno in cui Acciari arrivò a Firenze dalla nativa Uzzano perché in apertura egli scrive di essere in questa città da sette anni. Anche l’Ep. VII (Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, f. 13r) si apre con un’«auctoritas» del «peritissimus Astronomie Mallius poeta»: «Nascentes morimur finisque ab origine pendet. Hinc et opes et regna fluunt, et saepius orta, / paupertas…» (Man. 4, 16-18). «Dalla nascita è la morte, e la fine dipende dal principio. Di qui il fluire delle ricchezze e dei regni e più spesso l’origine / della miseria…». Per l’insegnamento universitario di Pomponio Leto, documentato anche dai dictata degli studenti, che, soprattutto in ambiente romano, indicano gli appunti presi a lezione dagli allievi ascoltando la viva voce del maestro, vd. Accame 2008, 87-95 (con riferimenti bibliografici retrospettivi). È consultabile on-line un repertorio che raccoglie, ordina e cura l’edizione di materiale bio-bibliografico e di testi scelti di Pomponio e dei «Pomponiani»: http: / / www.repertoriumpomponianum.it/ index.html. 66 Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, ff. 35v-36r (Ep. XI): «Pet(ru)s Mattheus Ubertus Micchaelli Ac(ciarii) s.p.d. […] Opuscula quae tibi gratissima erunt propediem te habiturum scias. […] Vale, raptim, ex Urbe, prima Martii 1487». «Pier Matteo saluta Michele Acciari. […] Sappi che avrai a breve gli opuscoli che ti saranno graditissimi. Addio, di fretta, da Roma, I marzo 1487». <?page no="241"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 231 non altrimenti noto, un volume di Ovidio le cui sorti sono accomunate a quelle dell’autore: come questo era rimasto lontano dalla patria, relegato da Augusto sul Ponto, anche il libro aveva scontato un esilio presso Acciari ma ora era felice di tornare a casa. 67 Con un’altra lettera Acciari restituiva a Giovanni Orlandi un’opera di argomento religioso-morale, forse monastico, perché era sopraggiunta l’improvvisa e folgorante lettura del De bello gallico e del De bello civili di Cesare; anche questo testo è animato dalla personificazione di autori ed opere. 68 67 Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, ff. 15v-16r (Ep. X): «M(ichael) A(cciarius) Angelo Tranquillo s. Credo Nasoni huic tuo non secus apud me nuper exulasse videri ac imperio augustino vel in Ponto intus immanes Sarmatas. Ita exulandi fato semper adductus [ms. corr. su abductus a marg.], laetissimo tandem abs te nuncio revocatus, repetit modo te miro perfusus gaudio eoque maiore [Verde; maiorem ms.] quam illud futurum erat si ab immiti tyranno veniam impetrasset, qui tunc ad inquietam patriam, coniugem et procellam [Delcorno Branca e Verde; proellam ms.] nunc vero ad Tranquillos etiam [et Delcorno Branca e Verde] Angelos remeari se novit. Vale, vale» (pubblicata integralmente da Delcorno Branca, 476 n. 33, e da Verde 1977, t. 2, 649). «Michele Acciari saluta Angelo Tranquillo. Credo che a questo tuo Nasone recentemente presso di me sia parso di essere in esilio non diversamente che su ordine di Augusto nel Ponto tra i barbari Sarmati. Così sempre guidato dal destino d’esilio, richiamato infine da te con un lietissimo annuncio, ora ti torna ricolmo di incredibile gioia, tanto maggiore di quella che avrebbe provato se avesse impetrato la grazia dal crudele tiranno, lui che in quel caso sapeva di tornare all’inquieta patria, alla moglie e alla tempesta, ora ad Angeli e pure Tranquilli». 68 Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 17 ins. 7, f. 16r-v (Ep. XI): «M(ichael) Acciar(ius) Iohanni Orlando Piscensi s. d. ‘En rursus sum [e.g.; N Ressum ms.] tibi’, sed ais: ‘quod ita festinanter ad me redit? ’ Dicam ego quid est. Tanti hospitis consuetudine laetus apprime gaudebam atque eo magis quod non solum hospitem, sed familiarem quoque tuum esse intelligebam. Eram assidue secum, alloquebar, cibum una capiebam, osculabar, eum etiam saepe consulebam et viri sapientiam, eloquentiam quoque et religionem admirabar. Quid plura? Me quoque monachum fere, id est solitudinis amatorem effecerat. Oderam rursus vitia iam pene omnia et mundanarum quoque illecebrarum totiusque iam actae vitae paenitebat [e.g. Rizzo; distendebat ms.]. Sic res habebat. Ecce repente Cesar abs te [ad te ms. e Delcorno Branca; ms. corr. su abe’] venit, fumosam mox casulam [caesulam ms.; cesulam Delcorno Branca] subiit et solita animi magnitudine atque imperatoria maiestate nos aggreditur [aggredit Delcorno Branca], tonat, fulminat, Gallos primum, Hyspanos protinus, item [in’ ms.] magnum quoque Pompeium gravemque inde Catonem et senatum denique a se victum gloriatur et clamat. Quid facere<m>? Istum ego vite magistrum, qui me etiam moribus et sermone suo meliorem faciebat, pietatis studio retinere cupiebam. Hunc vero qui me et summissis fascibus adierat, tantam maiestatem, tantam rursus fortitudinem admiratus, amabam iam nimis, colebam et verebar. Itaque vir iste sacer, quietis [quetis ms.] et religionis amator, tumultus idem et bellorum expers, ut armis pariter et imperatori caederet et me ancipiti distentum [distentus ms.] officio levaret, quam apud nos vix iam honeste manere recipere sese ad te maluit. Vale» (pubblicata parzialmente da Delcorno Branca 1976, 476 n. 34). «Michele Acciari saluta Giovanni Orlandi da Pescia. ‘Ecco, sono di nuovo da te’, ma dici: ‘perché torna a me così di corsa? ’ Ti dirò io come mai. Felice, godevo molto della frequentazione di un così bravo ospite e ancor di più perché capivo <?page no="242"?> 232 Laura Refe Un’epistola di fine 1491 testimonia lo scambio di materiale di studio tra personalità ruotanti attorno a Poliziano: Bernardo Michelozzi, 69 legato ad Ambrogini da rapporti di stima e collaborazione, Benedetto Riccardini 70 e Agostino Nettucci Vespucci, 71 allievi, questi ultimi due, di Poliziano. Il 15 novembre 1491 Riccardini si scusava con Michelozzi per non avergli ancora mandato uno Svetonio come promesso 72 perché il libro era ancora nelle mani che non era solo un ospite ma anche un tuo familiare. Ero sempre con lui, gli parlavo, mangiavo con lui, lo baciavo, spesso gli chiedevo consiglio e ammiravo la sapienza dell’uomo, anche l’eloquenza e la religione. Cosa di più? Aveva fatto quasi monaco anche me, cioè amante della solitudine. Odiavo di nuovo ormai quasi tutti i vizi e mi rincresceva delle lusinghe mondane e di tutta la vita passata. La cosa stava così. Ecco che all’improvviso viene da parte tua Cesare, subito entra nella fumosa casetta e ci assale con la solita grandezza d’animo e maestosità da comandante, tuona, fulmina, si vanta e proclama di aver vinto prima i Galli, poi gli Hispani, del pari anche il grande Pompeo e poi il grave Catone e infine il senato. Che fare? Io desideravo trattenere per amor di pietà codesto maestro di vita che mi rendeva migliore anche con i suoi costumi e il suo eloquio. Ma questo, che era venuto da me consegnando anche le armi, ammirato da tanta maestà, e pure da tanta forza, lo amavo già troppo, lo veneravo e lo riverivo. E così questo sant’uomo, amante della pace e della religione, inesperto parimenti di tumulti e di guerre, per cedere del pari alle armi e all’imperatore e sollevare me occupato dal duplice impegno, ha preferito ritornare da te piuttosto che rimanere presso di me ormai non più decorosamente. Addio». La personificazione è una caratteristica dello stile di Acciari: vd. Refe 2010-2011, 337 e 340. 69 Verde 1977, t. 1, 184-185; Michelozzi frequentò lo Studio in qualità di «studens in humanis litteris» e vi conseguì il dottorato in diritto canonico nel 1482. Tra il 1482 e il 1486 sono testimoniati prestiti di volumi latini e greci (alcuni appartenuti a Calcondila e a Filelfo) dalla biblioteca del Magnifico. Nel 1479, quando Poliziano fu allontanato da casa Medici per sopravvenuti contrasti con Clarice Orsini, Michelozzi lo sostituì in qualità di precettore dei figli di Lorenzo; a seguito di questo divortium alcuni volumi di Poliziano (Omero, Platone e Demostene) erano rimasti a Cafaggiolo nelle mani di Michelozzi, come testimonia una lettera di Poliziano a Lorenzo. I due furono legati da reciproca stima, come attesta l’onorevole menzione di Michelozzi nei capp. 23 e 61 dei primi Miscellanea (vd. infra, 233-234 nn. 76 e 77) e l’elogio che Bernardo fa di Poliziano in una lettera a Francesco Pucci: Pellegrini 2010 (con rinvii bibliografici). 70 Verde 1977, t. 1, 171; Riccardini, noto anche come «Benedictus filologus», fu precettore della scuola di san Lorenzo dal 1498 al 1507, anno della sua morte, e lavorò per lo stampatore fiorentino Filippo Giunti: Black 2012, 20-21 e Black 2015. Su Riccardini vd. Crinito 1955, 16 e n. 36, 52-53 e 357; Lo Monaco 1993-1994; Venier 2001, 102-125 e passim; Bottari 2007, 171; Beltramini / Gasparotto / Tura 2013, 98-99 (Daneloni). 71 Verde 1977, t. 1, 114. Negli anni ’90 Nettucci aveva seguito i corsi aristotelici di Poliziano, come testimonia il ms. di Firenze, Bibl. Laurenziana, Strozzi 54: il codice, che contiene la traduzione latina eseguita da Leonardo Bruni dell’Etica Nicomachea e degli Economici dello ps. Aristotele, presenta delle note di possesso di Nettucci e sui suoi margini ricorrono anche i nomi di Poliziano e di Pico: Fera 1983, 8 n. 1; Perosa 1955, 58 nr. 51. Per il cognome Vespucci vd. infra, 233 n. 73. 72 Firenze, Bibl. Nazionale, Ginori Conti, 29/ 54, f. 16: «Utriusque lingue doctori domino Bernardo de Michelozis canonico dignissimo cathedrali ecclesie Florentinae mihi observandissimo, Pisis [sul retro]. Reverende pater, post multas commendationes s. Si me peccasse tibi denegarem sane mentirer. At vero peccatum meum venia dignum est, <?page no="243"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 233 di Agostino, precettore di Giovanni Vespucci. 73 L’episodio è forse connesso al maestro: nell’anno accademico 1490-’91 Ambrogini aveva infatti tenuto allo Studio proprio un corso su Svetonio di cui abbiamo testimonianza in un quaderno di appunti 74 di uno studente portoghese. 75 Michelozzi era un punto di riferimento per i materiali di lavoro anche per Poliziano: dal cap. 23 della prima centuria dei Miscellanea sappiamo che Bernardo aveva fornito ad Ambrogini un volume di Marziale 76 e dal cap. 61 che Poliziano aveva consultato un suo vetustissimus codex di Macrobio. 77 quandoquidem Suetonium, quem ad te quam celerrime missurum eram, Agustinus, magister Ioannis Vespucci, Vulpariae possidebat. Itaque opus fuit ut suum aspectarem adventum, quapropter non michi sed illi danda est culpa. […] Die decimo quarto novembris 1491. Tuus, tuus inquam servulus Benedictus». «Al signor Bernardo Michelozzi dottore in latino e greco, degnissimo canonico della cattedrale della chiesa fiorentina da me stimatissimo, Pisa. Reverendo padre, dopo molte raccomandazioni ti porgo i miei saluti. Se negassi di aver peccato certo mentirei. Ma in verità il mio peccato è degno di perdono, dal momento che lo Svetonio che ti avrei dovuto mandare molto rapidamente, ce l’aveva a Volpaia Agostino, precettore di Giovanni Vespucci. Così mi è toccato aspettare il suo arrivo, per cui bisogna attribuire la colpa a lui e non a me. […] 14 novembre 1491. Tuo, proprio tuo servo Benedetto». Ringrazio Gerard González Germain, a cui si deve l’identificazione del «Benedictus» della firma in Benedetto Riccardini, per avermi segnalato la lettera che è inedita, ma consultabile online all’indirizzo http: / / teca.bncf.firenze.sbn.it/ ImageViewer/ servlet/ Image- Viewer? idr=BNCF0003829864#page/ 31/ mode/ 1up. Una descrizione del documento in Manus On line - Censimento dei manoscritti delle Biblioteche italiane, all’indirizzo http: / / manus.iccu.sbn.it/ opac_SchedaScheda.php? ID=159564 con molte inesattezze da rettificare. In Riccardini è stato individuato con qualche incertezza da De Marinis / Perosa 1970, 86, anche l’autore della lettera a Michelozzi del 29 settembre 1494 in cui è annunciata la morte di Poliziano, definito dallo scrivente, che si firma solo «Benedictus», suo «magister», riprodotta alla tav. 35; il confronto paleografico tra i due documenti permette di asserire che le due epistole sono state vergate dalla stessa mano. Riccardini aveva dedicato a Michelozzi la sua edizione di Valerio Flacco, Argonauticon, Firenze, Filippo Giunta, 1503 (Decia 1978, 67 nr. 6). 73 Proprio l’incarico presso questa famiglia rendeva il personaggio noto ai contemporanei anche come Agostino Vespucci: vd. González Germain 2015 (con indicazioni bibliografiche retrospettive). Dello stesso studioso sono in preparazione altri contributi su questa figura. 74 Napoli, Bibl. Nazionale, V D 43: Fera 1983, 16-17. 75 Da identificarsi in uno dei fratelli Teixeira, che erano a Firenze in quegli anni, forse Álvaro o Trist-o (vd. supra, 220 n. 9): Fera 1983, 20-21. 76 Misc. I 23 (Omnia opera, f. D iii r): «[…] Nam in eo [sc. exemplar] quem mihi nuper doctus utraque lingua vir Bernardus Michelottius ab nescio quo sibi Perusino commodatum dedit inspiciendum […]». «[…] Infatti nell’esemplare che il dotto di greco e latino Bernardo Michelozzi mi ha dato recentemente da esaminare, prestatogli da non so che Perugino […]». 77 Misc. I 61 (Omnia opera, f. G iii v): «[…] Tum eum locum sicutique alios permultos prope ad verbum conatus exprimere est in Saturnalibus Macrobius, quanquam in omnibus quos quidem hactenus viderim macrobianos codices ‘aconitum’ pro ‘cicuta’ reperitur, sicut in vetustissimo etiam Bernardi Micheloctii, bene litteratis hominis et ami- <?page no="244"?> 234 Laura Refe Dunque lo scambio di materiale non riguardava solo gli allievi, ma coinvolgeva pure Poliziano. C’erano studenti che, anche lontani da Firenze, continuavano a ‘lavorare’ per Ambrogini. Iacopo Modesti, che abbiamo visto essere stato suo assiduo collaboratore, 78 negli anni ’90 divenne studente di diritto nella sede pisana dello Studio. Perosa, Branca, Pastore Stocchi e Verde hanno richiamato l’attenzione su un carteggio tra Poliziano e questo suo allievo, che è una testimonianza dello studio sulle Pandette che Poliziano stava compiendo in quel periodo e di cui restano tracce nella prima e nella seconda centuria dei Miscellanea. 79 Una lettera di questo carteggio, datata 12 febbraio 1491, 80 mostra l’attenzione che l’allievo aveva nei confronti dell’interesse del maestro per i codici antichi. Rivolgendosi a lui per ottenere informazioni su un passo del Digesto che Ambrogini avrebbe dovuto controllare sul Codex Pisanus di Palazzo, lo informava anche di aver visto presso un collega un codice delle Satire di Persio «literis Longobardis inscriptus»; 81 promettendo in cambio al giovane i Miscellanea, 82 lo aveva ottenuto in prestito per trasmetterglielo e quindi in conclusione pregava Poliziano di fargli pervenire celermente una copia dei Miscellanea. 83 La risposta del maestro non ci è pervenuta. ci nobis». «[…] E poi Macrobio nei Saturnalia si è sforzato di riprodurre quasi parola per parola quel luogo così come moltissimi altri, per quanto nei codici macrobiani, almeno in quelli che ho visto finora, si trova sempre ‘aconitum’ per ‘cicuta’, come pure nell’antichissimo codice di Bernardo Michelozzi, buon letterato e mio amico». I Saturnalia erano stati utili a Poliziano per correggere un passo di Plin. nat. 14, 58: Viti 2012, 166. 78 Supra, 223; insieme a Lorenzo di Francesco di Simone del Forbiciaio e ad altri scribi Modesti lavorò per Poliziano anche alla stesura del ms. di Firenze, Bibl. Nazionale, Rinuccini 20, il più antico originale superstite della traduzione di Erodiano di Ambrogini, da lui dedicata a papa Innocenzo VIII: Supino 1998, 235 e Gionta 1998, 438 n. 26. 79 Perosa 1955, 174-175 nr. 256; Branca / Pastore Stocchi 1978, 16-18; Verde 1977, t. 1, 407-408 (che trascrive i brani più significativi del carteggio). 80 La lettera reca nella data l’anno 1490; secondo lo stile pisano si tratterebbe del 1490 (così mostra di ritenere Verde 1977, t. 1, 407), secondo lo stile fiorentino indicherebbe il 1491 (così intende Perosa 1955, 174). Resta il dubbio, perché l’epistola è scritta da Pisa da un pratese che aveva studiato a Firenze; tuttavia io propendo per il 1491 perché Modesti, che non poteva certo dirsi ‘pisano d’adozione’ a questa altezza, scriveva una lettera ad un vero ‘fiorentino d’adozione’. 81 Come chiarisce Rizzo 1984, 122-126, gli umanisti dei secoli XV e XVI usavano l’espressione litterae Longobardae per indicare, in genere, le scritture appartenenti al sistema grafico della minuscola corsiva, tra loro affini per ductus, forma delle lettere, legature e, tra di esse, specialmente la minuscola dell’Italia meridionale, la beneventana. 82 Come è noto la prima centuria dei Miscellanea era stata stampata a Firenze, da Antonio di Bartolomeo Miscomini, il 19 settembre del 1489 (Hain *13221, IGI 7959; ISTC ip00890000); fu inserita anche negli Omnia opera. 83 Firenze, Bibl. Marucelliana, A 166, f. 136r-v della numerazione posta sull’angolo sup. destro, conteggiato erroneamente 134 (epistola originale autografa; una trascrizione della stessa lettera, di mano più tarda, senza indirizzo, a f. 135r-v): «Clarissimo viro domino Angelo Politiano patrono suo honorando, Florentiae [sul retro]. Salve, numen <?page no="245"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 235 Pur di procurarsi testi che lo interessavano, Poliziano non solo coinvolgeva gli allievi, ma era anche disposto a ‘scomodare’ una serie di amici dotti. 84 Risale al 1493 il prestito ad Ambrogini di un codice contenente Ausonio e Prudenzio da parte di Matteo Bosso, 85 che era stato priore della Badia Fiesolana dal 1489 al 1492 e in quel momento si trovava a Verona. 86 L’episodio è testimoniato da un concitato scambio di lettere, raccolte nella seconda parte dell’epistolario bossiano. 87 Nella vicenda erano stati coinvolti anche Giovanni Pico della Mirandola, suo nipote Giovan Francesco, precettato dallo zio perché il desiderio di Ambrogini venisse esaudito, e l’erudito veronese Alberto Avanzi. Giovan Francesco sarebbe dovuto passare dal cenobio di Verona, dove Bosso si trovava, e avrebbe dovuto ritirare il volume con alcune meum. Recepi me superioribus diebus in musion [museum Verde] cuiusdam iuvenis non ineruditi, certe mei amantissimi [amantis Verde] atque ibi, inter confabulandum, occurrit forte fortuna oculis Persii libellus literis Longobardis inscriptus, quem ego, ut vidi, statim ad te destinavi eumque admodum cupide, admodum curiose habendum curavi. Quid multa? Is tandem (quae sua est liberalitas) tradidit, hac tamen conditione, ut Miscellanea tua compensationis loco sibi traderentur. Eum nunc […] ad te mitto placiturum (ut existimo) tibi amatori vetustatis. […] Pisis, die 12 februarii 1490 [91]. [più in basso] Miscellanea expecto quamprimum, ut liberer quaesita conditione. Servitor Iacobus Modestus Pratensis» (pubblicata integralmente da Verde 1977, t. 1, 407). «All’illustrissimo signor Angelo Poliziano suo venerabile patrono, Firenze. Salve, mio nume. Mi sono recato qualche giorno fa nella biblioteca di un giovane non privo di cultura e che certamente mi ama molto e qui, durante la conversazione, mi è balzato agli occhi per caso e per fortuna un libretto di Persio vergato in scrittura longobarda che, non appena l’ho visto, ho destinato subito a te e mi sono adoperato per averlo con molta brama e molta curiosità. Che dire di più? Egli infine data la sua generosità me lo ha consegnato, però ad una condizione: che gli si dessero in cambio i tuoi Miscellanea. Te lo mando e credo che ti piacerà, amante come sei dell’antichità. […] Pisa, 12 febbraio 1490 [91]. Aspetto con ansia i Miscellanea per essere liberato dalla condizione pattuita. Servitore Iacopo Modesti da Prato». Poliziano si servì anche di un «vetustissimum commentarium» di Persio «literis quas Langobardas vocant perscriptum», come risulta dalla prima centuria dei Miscellanea, cap. 44. 84 Ovviamente si potrebbe parlare anche di altri codici che Poliziano aveva ottenuto in prestito da eruditi suoi conoscenti (per ulteriori esempi vd. supra, 226 n. 54 e 233-234 nn. 76-77); tuttavia ho scelto di approfondire questo caso perché è una testimonianza significativa del ‘traffico’ di persone che si era creato attorno al volume desiderato, dei passaggi di mano in mano per soddisfare quella che sembra più una pretesa da parte di Poliziano che non un’umile richiesta, come rivela Bosso a Baldassare Crasso (vd. lettera citata infra, 237 e n. 92). 85 Per un profilo biografico vd. Soranzo 1965; Mutini 1971; Bottari 2005. 86 Ho ricostruito un quadro del rapporto tra Bosso e gli intellettuali della cerchia medicea all’epoca del suo priorato fiesolano, trattando nel dettaglio anche la vicenda del libro concesso a Poliziano, in un mio articolo la cui uscita è prevista per il 2015 (vd. bibliografia). Per ulteriori dettagli sulla questione rinvio a questo contributo, nel quale pubblico integralmente lo scambio epistolare relativo al prestito. 87 Matthaei Bossi Epistulae familiares et secundae, Mantova, Vincenzo Bertoco, 9 novembre 1498 (Hain *3671; IGI 2019; ISTC ib01042000, digitalizzata e disponibile in rete sul sito della Bayerische Staatsbibliothek di München). <?page no="246"?> 236 Laura Refe opere di Ausonio e di Paolino di Nola che Poliziano richiedeva con insistenza ma, non potendolo fare personalmente, aveva mandato un nunzio. La lettera con tutta probabiltà è del gennaio 1493, come suggeriscono le due successive epistole di Bosso che sono datate: quella scritta a Pico per avvisare della consegna del codice all’incaricato del nipote, che è del 12 febbraio, e quella a Poliziano, del 24 febbraio 1493. La prima è un brevissimo messaggio di servizio che avvisa dell’invio del codice. La seconda, per noi più interessante, è il resoconto puntuale della vicenda fatto a Poliziano, da cui si traggono dettagli che arricchiscono la storia di particolari 88 e che forniscono elementi di descrizione del manoscritto. Bosso affermava che il codice, molto antico, si leggeva a malapena, era vergato in inchiostro giallino e in «Longobardo charactere» 89 e versava in pessime condizioni; i testi contenuti nel volume erano mutili e all’opera di Ausonio si trovavano mescolati brani di Prudenzio. 90 Successiva di qualche giorno (26 febbraio) è l’epistola di Bosso 88 Ad esempio che Giovan Francesco aveva delegato persona di fiducia al ritiro perché diretto alla corte dell’imperatore Massimiliano. 89 Supra, 234 n. 81. 90 Matthaei Bossi […] 1498, f. giii v (Ep. LX): «Ad Angelum Politianum virum Latinae Graecaeque <linguae> eruditissimum, de transmisso ei Ausonio atque Prudentio. […] Cui [sc. unus ex ministris] librum a te, Politiane, tam saepe avideque quaesitum ita mox ac libentissime credidi, ut tui cupientissimus sum tuisque votis omnibus deditus, qui et antea saepe vehementerque condolui reperisse neminem qui perferendi eius trans Alpes negotium voluerit. Parum tamen - ita subdubito - applausurus est tibi praeter id unum fortasse, quod veternosus vix legitur et atramento subcroceo Longobardoque caractere excriptus est, carie tineaque obesus. Quam gravem canitiem ac vetustatem in libris, ut in vino caeteri, abs te plurimi factam et conquisitam quaque ac exploratam animadverti saepius. Eundem vero ex notatione indicis [indice stampa] ad libri caput apposita mancum et truncum plerisque locis offendes plus quam caeteros et cum his, quae Ausonii sunt, leges quoque nonnulla interiecta atque immixta Prudentii, ut consociatum sis habiturus utrumque disiecta per membra Ausonium atque Prudentium. Quales tamen sunt, talibus utitor placito arbitrioque tuo, videns ne tibi nobisque depereant. […] Veronae, sexto Kal. Martias 1493» (anche in Politianus 1971, 225). «Ad Angelo Poliziano, uomo eruditissimo di lingua latina e greca, sull’Ausonio e Prudenzio a lui inviato. […] Ho consegnato a lui [sc. a persona delegata] subito e con piacere il libro da te richiesto molte volte, Poliziano, e molto impazientemente, tanto sono a tua disposizione, desiderosissimo di esaudire i tuoi desideri, io che anche prima, spesso e con forza, mi sono rammaricato di non aver trovato nessuno che volesse prendersi la briga di portarlo oltre le Alpi. Tuttavia - sospetto - poco ti piacerà fuorché per una cosa forse, che per la sua decrepitezza si legge a malapena ed è stato scritto in inchiostro giallino e in lettere longobarde, mangiato da muffa e tarli. Mi sono reso conto più di una volta che tu hai in grande considerazione, ricerchi dappertutto e indaghi questa estrema vecchiaia nei libri, come altri nel vino. Dalla nota apposta a mo’ di indice all’inizio del libro troverai che è un volume mutilo e lacunoso più degli altri in diversi punti, e con quelli che sono di Ausonio leggerai anche alcuni passi di Prudenzio interpolati e mescolati, tanto da avere, congiunti, entrambi, Ausonio e Prudenzio per membra fatte a pezzi. Tuttavia, quali che sono, utilizzali a tuo piacimento, curando che non vadano perduti per me e per te. […] Verona, 24 febbraio 1493». <?page no="247"?> Poliziano e allievi allo Studio fiorentino 237 ad Avanzi, nuova testimonianza della brama di avere il codice di Ambrogini, che aveva determinato il coinvolgimento di più persone influenti nella faccenda. Il priore, insieme ad altre notizie di famiglia, comunicava ad Alberto, che si trovava a Firenze, di aver fatto avere a Poliziano l’Ausonio, scusandosi per il ritardo con il quale il compito era stato portato a termine. 91 Il venerando codice venne richiesto a Bosso anche da Baldassare Crasso, come mostra una lettera non datata, ma forse dei primi mesi 1495. Bosso sembra non al corrente della morte di Poliziano perché nell’epistola non vi è alcun accenno che lo faccia pensare. Crasso aveva chiesto l’Ausonio ma Bosso non glielo poteva trasmettere perché consegnato tre anni prima a Poliziano («transmisimus enim illum ad Angelum Politianum superioribus iam tribus annis»), il quale, a detta del priore, lo aveva ‘tormentato’ per ottenerlo, scomodando persone influenti. 92 Del codice bossiano passato ad Ambrogini a tutt’oggi non si hanno tracce. 93 In conclusione, dai documenti esaminati ricaviamo che il materiale di scambio tra queste personalità, il più delle volte preteso in tempi rapidi (statim, propediem, celerrime, quamprimum), era di varia tipologia: dai sussidia universitari (scripta, commenta, dictata), ai veri e propri testi di studio e di lavoro (opuscula, volumina, libri, codices, exemplaria); tra gli autori richiesti, o per i testi o per gli appunti presi durante le lezioni allo Studio, abbiamo grande varietà con Giovenale, Teocrito, Esopo, Cicerone, Valerio Flacco, Manilio e Arato, Ovidio, Cesare, un autore di argomento morale-religioso, Svetonio, Persio, Marziale, Macrobio, Ausonio e Prudenzio. Gli esempi discussi, che coprono, quasi senza soluzione di continuità, l’intero arco cronologico di insegnamento di Poliziano per spingersi anche oltre, danno la misura della fervida temperie culturale che Angelo Ambrogini aveva stimolato, fatta di collaborazione, di scambi, di favori, di arricchimento reciproco; un ambiente che traeva linfa vitale dalla personalità dell’insigne filologo e che, come abbiamo visto, continuava a trovare alimento anche dopo la sua morte. Lo studio sui suoi allievi continuerà a restituirci 91 Matthaei Bossi […] 1498, f. g iiii r (Ep. LXI). 92 Matthaei Bossi Epistolarum tertia pars, Venezia, Bernardino Vitali, 13 agosto 1502. Rinvio al mio già citato contributo (vd. supra, 235 n. 86) anche per la datazione dell’epistola che faccio risalire ai primi mesi del 1495 e non al 1496, come si dovrebbe fare se si contasse con precisione il triennio dal 1493, anno del prestito; sospetto infatti che Bosso computi «tribus annis» con una certa enfatica larghezza perché è inverosimile che la notizia della morte di Poliziano nel 1496 non fosse ancora giunta a Verona nella cerchia dei suoi ammiratori. La lettera è stata trascritta anche da Dionisotti 2009, 364-366; un brano pure in Rizzo 1984, 163 n. 1. 93 Concordo con Dionisotti 2009, 365, che ritiene inverosimile l’ipotesi degli editori di Ausonio secondo la quale il codice di Bosso, dopo la morte di Ambrogini, fosse tornato a Verona; la cosa pare altamente improbabile, data la nota dispersione dei codici appartenuti o in lettura a Poliziano dopo la sua improvvisa dipartita (Branca 1983, 322- 328). <?page no="248"?> 238 Laura Refe perle preziose di questi proficui contatti, che elevano Poliziano a fondatore di una scuola d’eccezione nell’Europa umanistica. Bibliografia Accame Lanzillotta, Maria: Pomponio Leto: vita e insegnamento (in appendice Lettera di Marcantonio Sabellico a Marcantonio Morosini a cura di Emy Dell’Oro), Tivoli 2008 (Ricerche di filologia, letteratura e storia 6 = Biblioteca pomponiana 1). Antetomaso, Ebe: Gherardo di Giovanni di Miniato, in: Dizionario biografico degli italiani 53, 2000, 635-639. 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Noch Petrarca 1 hatte sich ohne allzu großen Erfolg um die Erlernung des Griechischen bemüht. Umso nachhaltiger war er an einer modernen lateinischen Übersetzung Homers, des pastor, wie er ihn im Bucolicum carmen (1, 59) ehrfürchtig nennt, interessiert. Eine solche fertigte ihm der Grieche Leonzio Pilato nach einer Homerhandschrift aus dem Besitz Boccaccios in den Jahren 1360-1363 an. Das Ergebnis war jedoch mehr als enttäuschend. Die Prosaversion zeigte eine solche Primitivität, dass der Auftraggeber sich durch die Ilias zwar noch hindurchquälte, die Odyssee aber nach 21 Seiten beiseite legte. Darauf deutet jedenfalls das Abreißen der handschriftlichen Marginalien in Petrarcas Kopie, die heute in der Bibliothèque nationale de France einzusehen ist. Die ersten Verse des Elaborats lauten folgendermaßen: Iram cane dea Pelidae Achillis Corruptibilem, quae innumerabiles Graecis dolores posuit. Multas autem robustas animas inferna antea misit Heroum: ipsorum autem cadavera ordinavit canibus Avibusque omnibus. 2 Es nicht verwunderlich, dass Petrarca über den Urheber dieses Machwerks in einem Brief an Boccaccio urteilte, man solle diesen wie seinerzeit die griechischen und troischen Heroen am besten den Maden zum Fraß vorwerfen. 3 Als der so geschmähte Übersetzer 1364 bei einem Schiffsunglück ums Leben kam, ließ sich Petrarca, wiederum in einem an Boccaccio gerichteten Schreiben, zu der maliziösen Bemerkung hinreißen: Quem alia ad te epistola Graecis escam vermibus destinaram heu, Italis cibus est piscibus. 4 1 Zum folgenden Abschnitt vgl. Waszink 1971, 78-87. 2 Zitiert nach Vahlen 1869, 372; vgl. auch Waszink 1971, 79; Franceschini / Pertusi 1959, 323-355. Nolhac 1887, 105 stellt fest: „On comprend que si Pilate a adopté le système de traduction verbum ad verbum, c’est qu’il était trop ignorant pour en pouvoir suivre un autre.“ Zu Pilato im Kontext der Homerübersetzer vgl. Rubinstein 1983, 49f.; Sowerby 1997, 45-47. 3 Ep. senil. 3, 6. Vgl. dazu de Nolhac 1907, 156-188. 4 Ep. senil. 6, 16. Offenbar blieb Pilatos Übersetzung lange Zeit die einzige. Noch um 1400 teilt Pier Paolo Vergerio mit, dass er die Odyssee in dieser Übertragung gelesen habe, vgl. Waszink 1971, 79 mit Anm. 28. <?page no="254"?> 244 Thomas Baier Natürlich befriedigte Pilatos Übersetzung auch das Bedürfnis anderer Homerfreunde nicht und es folgten weitere Versuche. Einzelne Teile wurden in Prosa übertragen; zu nennen sind Leonardo Brunis Reden von Odysseus, Phoinix und Achilles aus dem neunten Gesang der Ilias. 5 Lorenzo Valla legte eine Bearbeitung von 16 Ilias-Büchern vor, die aber eher eine nachempfindende Prosaerzählung von hoher stilistischer Qualität ist als eine wirkliche Übersetzung. 6 Mit der Zeit folgten gelungene Versübertragungen von - bisweilen nur ganz kurzen - Teilen der Ilias, so durch Carlo Marsuppini, 7 Orazio Romano, Niccolò della Valle, Janus Pannonius, Angelo Poliziano, 8 Francesco Filelfo. 9 Zwischen 1420 und 1426 erschien der erste theoretische Traktat zum Gegenstand: Leonardo Brunis De interpretatione recta. Polizianos Beherrschung des Griechischen war für seine Zeit ungewöhnlich und verschaffte ihm Anerkennung. Um 1470, ein Jahr nach seinem Eintritt in den Studio fiorentino, begann er mit der Übersetzung des zweiten Ilias-Buches, dem noch die Bücher 3 bis 5 folgten. 10 Die eigenständige Abfassung griechischer Epigramme schloss sich an. Ab etwa 1473 verkehrte Poliziano im Hause der Medici, konnte deren Bibliothek nutzen und übte die Aufgabe eines Erziehers aus. Seine eigentliche philologische Phase begann mit der Übernahme eines Lehrstuhls für griechische und lateinische Sprache und Literatur am Studio im Jahr 1480. 11 Politianus Grammaticus Weshalb übersetzte man überhaupt? Cicero rechtfertigt seine Übersetzertätigkeit in De finibus (1, 4) und tritt dem Einwand entgegen, es bedürfe keiner Philosophie in lateinischer Sprache, da man die Werke auch auf Griechisch lesen könne. Wer so rede, verkenne, so Cicero, dass es doch um die Freude am sermo patrius und das nomen Romanum gehe. Er sieht in der Übertragung griechischer Philosophen also, ähnlich wie der von ihm herausgegebene Lukrez, auch eine sprachschöpferische Leistung. Diese war bei Pilatos Übersetzung freilich noch nicht zu erkennen, die Nachfolger erachteten ihre Übersetzertätigkeit aber sehr wohl als Stilübung und gleichsam Propädeutikum für 5 Vgl. Voigt 1893, 191-192. 6 Voigt 1893, 192; Vahlen 1869, 373. 7 Vgl. dazu Pierini 2014, 3-30. 8 Poliziano setzte im Anschluss an Marsuppini mit dem zweiten Buch ein; zur Charakteristik vgl. Voigt 1893, 197 und Sowerby 1997, 172. 9 Vgl. Voigt 1893, 194-197. Text bei Calderini 1913, 331; dort weitere Homerzitate aus Filelfos Schriften. 10 Nach Rubinstein 1983, 51 erfüllte Polizianos Versübertragung alle Erwartungen an eine Humanistenübersetzung: „that it be eloquent and artistic, that it be in the style of the classical masters, particularly Vergil“. 11 Hardt 1996, 239. <?page no="255"?> Poliziano als Übersetzer 245 eigene schriftstellerische Arbeit. Außerdem ersetzten Übertragungen Kommentare und philologische Studien. 12 Die spätantiken Kommentare waren der Protorenaissance weitgehend unbekannt oder wurden gerade erst wiedergefunden. 13 Poliziano selbst hat in den Miscellanea, wie Waszink es ausdrückt, „Kabinettstückchen philologischer Interpretation“ 14 vorgelegt, aber letztlich handelt es sich eben doch nur um einzelne Proben. Die Anfänge der Griechischen Philologie in der Renaissance liegen also eigentlich in der Übersetzung. Es wurde bereits festgestellt, dass die Postille zur Ilias-Übersetzung die einzigen und ersten ästhetischen Bewertungen der Homerischen Dichtung enthalten. 15 Kardinal Iacopo Ammannati Piccolomini schrieb (in nicht ganz stilsicherem Latein 16 ) an den Homericus adulescens Poliziano über den Nutzen von dessen Homerübersetzung: Ad ediscendum Homerum pertinet, ad alendum grandibus spiritum, ad ea tandem suscipienda, in quibus nostro gradu, non alienis vestigiis, incedere habeamus. 17 Homer wird, ähnlich wie in der antiken Homerallegorese, ein eigener Bildungswert zugeschrieben, und Aufgabe der Übersetzung sei es, diesen auch für Griechischunkundige zu eröffnen. Dabei ist Piccolomini die prinzipielle Inkompatibilität der Erfahrungshorizonte beider Sprachen durchaus bewusst: linguae [...] cuiusque suam excellentiam esse, und deshalb stehe Homer der griechische Mantel besser als die römische Toga. Man mag hinter dieser Äußerung bei aller Bewunderung einen sachten Vorbehalt heraushören, der auf die prinzipielle Unübersetzbarkeit literarischer Texte zielt. 18 Poliziano trifft er kaum, zeichnet doch gerade er sich durch wachen Umgang mit den Eigentümlichkeiten der Ausgangssprache und den Anforderungen der Zielsprache aus. Dies entspringt Polizianos Selbstverständnis als Grammaticus, wie er es in der Praelectio in Priora Aristotelis Analytica cui titulus Lamia erläutert: Grammaticorum enim sunt hae partes, ut omne scriptorum genus, poetas, historicos, oratores, philosophos, medicos, iureconsultos excutiant atque enarrent. Nostra aetas, parum perita rerum veterum, nimis brevi gyro grammaticum sepsit: et apud antiquos olim tantum auctoritatis hic ordo habuit, ut censores essent et iudices scriptorum omnium soli grammatici, quos ob id etiam criticos vocabant [...] Verum alias de grammaticis: nunc ad me redeo. 12 Vgl. Cortesi 2007, ix: Die Übersetzungen seien nicht etwa ein „lavoro di ricalco da una lingua all’altra“, sondern erwiesen sich als „strumento epistemologico”. 13 Vgl. Waszink 1971, 77: Erst 1433 fand etwa Giovanni Aurispa das Commentum Terenti des Donat in Mainz. 14 Waszink 1971, 77. 15 Vgl. Megna 2009, xxxvii und Rubinstein 1982, 209. 16 Die Verwendung von habere als Hilfsverb mit Infinitiv taucht erst im Spätlatein auf und ist im Mittelalter gebräuchlich, vgl. Niermeyer 2002, s.v. ‚habere‘. 17 Zit. nach Megna 2009, xxiv. 18 Diese ist freilich etwas anderes als die elitäre Ablehnung von Übersetzungen, die die von Cicero in De finibus 1, 4 zitierten Gegner erkennen lassen. <?page no="256"?> 246 Thomas Baier Non scilicet philosophi nomen occupo, ut caducum, non arrogo ut alienum, propterea quod philosophos enarro. 19 Die Rolle der Grammatiker ist es, alle Arten von Schriften auszulegen und zu erläutern, Dichter, Historiker, Redner, Philosophen, Ärzte, Juristen. Unsere Zeit, die von der Antike allzu wenig versteht, hat den Grammatiker auf einen allzu engen Wirkungskreis beschränkt; bei den Alten hatte dieser Stand einst solche Autorität, dass man nur Grammatiker zu Richtern und Kritikern von Schriftwerken machte; daher hießen sie auch Critici. [..] Über Grammatiker lasse ich mich aber ein anderes Mal aus: zurück zu mir! Ich freilich führe nicht den Namen Philosoph, ist er doch hinfällig, ich beanspruche ihn auch nicht, weil er mir nicht zusteht, und zwar deshalb, weil ich Philosophen auslege. Offenbar antwortet Poliziano hier auf eine gängige Polemik, wenn er feststellt, unter seinen Zeitgenossen habe der Name „Grammaticus“ an Klang eingebüßt: nomen hoc in ludum trivialem detrusimus, tamquam in pistrinum. Wie sieht Poliziano also den Grammaticus? Als jemanden, der in die Grundlagen der humanitas einführt. Er schreibt in epist. 3, 11 an Lucio Fosforo, den Bischof von Segni: Humanitatem cum dico, non magis quam intellego: utrumque enim latine quidem scientibus significat. 20 Poliziano hat damit eine goldene Mitte gefunden zwischen einer Beschäftigung mit den Schriften der Alten, die nur die Bestätigung des eigenen Weltbilds sucht, und einem standpunktlosen rein strategischen Umgang mit den Texten. Ein objektives Herangehen an den Text verbindet sich bei ihm mit Bildung der Persönlichkeit. Zwar identifiziert sich der Leser nicht mit seinen Texten, lässt sich aber durch die Lektüre verändern. Gewiss hätte Poliziano August Böckhs Definition der Philologie als „Erkenntnis des Erkannten“ zugestimmt. Oder in seinen eigenen Worten im Brief an Scala: Man betreibe Philologie, ut nos ipsos asseramus. 21 Die Ilias-Übersetzung war für Poliziano eine Art Tirocinium im Übersetzen griechischer Autoren. Er hatte sich das Schwerste ausgewählt in der Hoffnung, damit das größte Ansehen zu erwerben. Die Arbeit fiel in die Jahre 1473 bis 1475, die er selbst als summum otium bezeichnete. Eine zweite Phase übersetzerischer Aktivität entfaltete Poliziano von Mai bis Juni 1479, und zwar 19 Zit. nach Maïer 1966, 373. 20 Poliziano 1553, 35. Vgl. Scaglione 1961, 60; ebd. 70: „But the grammarian-critic’s encyclopedia is not a static body of beliefs and cold information. It is not a system of truths, but the search for a method that will adequately serve him who seeks not the universal truth of abstract principles but the true components of everything that has concrete existence. For this reason he could not ultimately be a Platonist. In Plato, the ‘failure’ of philosophy was the triumph of poetry.” 21 Oliver 1958, 205 mit Anm. 61; vgl. Anm 38. Vgl. Scaglione 1961, 50 über Poliziano als Interpreten antiker Literatur: „the grammaticus of Politian’s school is primarily and ultimately concerned with the discovery of a pluralistic world made of relative, distinct, equally valuable viewpoints, to be reverently and scientifically reconstructed in their unique, time-bound integrity.“ <?page no="257"?> Poliziano als Übersetzer 247 während seines otium Faesulanum, das ihm Lorenzo zugestanden habe - ein suave otium, wie er später zu Protokoll gibt. 22 In dieser Zeit übersetzte er wohl Plutarchs Amatoriae narrationes für Pandolfo Collenuccio, die dem Alexander von Aphrodisias zugeschriebenen Problemata und vor allem das Encheiridion des Epiktet. 23 Die ungeheure Produktivität dürfte aber wie einst bei Cicero 24 gerade nicht Ausdruck eines gänzlich ungetrübten otium sein, sondern mag auch einen persönlichen Zweck verfolgen: Der Grammaticus wollte sich als stoischer Philosoph präsentieren, der mit Schicksalsschlägen umzugehen weiß. Poliziano hatte Lorenzos Haus zunächst nicht ganz freiwillig verlassen, sondern auf Betreiben von Lorenzos Gattin Clarice Orsini. Eigentlich war die Anstellung als Hauslehrer für den jungen Piero de‘ Medici im Jahr 1475 für den gut zwanzigjährigen Poliziano ein Karrieresprung gewesen. Worin die Reibungen bestanden, die der Dame des Hauses seine Anwesenheit unerträglich machten, wissen wir nicht genau. Oliver vermutet: „the mother, in whom the usual sentimentality of women was augmented by a neurotic temperament and pietistic tendencies, feared that discipline and pagan literature might bruise the tender soul of her darling“. 25 Der Rauswurf erfolgte in Abwesenheit ihres Ehemanns, Anfang Mai 1479. Ein wenig mag sich Poliziano selbst dann noch wie ein Verbannter gefühlt haben, als Lorenzo die eigenmächtige Maßnahme seiner Gattin zu einem Studienaufenthalt in seinem Faesulanum abmilderte. 26 Aus dieser Vorgeschichte erklärt sich vielleicht die Erleichterung, die in der Praefatio zur Epiktet-Übersetzung mitschwingt, wenn Poliziano das fertige Werk als Dank an Lorenzo bezeichnet: ut indulti a te nobis tam suavis otii rationem aliquam redderem. 27 Man kann hinter der Wahl des Autors und des Themas somit eine persönliche Absicht erkennen - ähnlich wie hinter den philosophischen Schriften Senecas. Doch ist die Übersetzung nicht nur eine Propagandaschrift in eigener Sache, sondern sie gehört in den großen Rahmen von Polizianos Plan, die griechische Literatur allmählich in lateinischer Sprache zugänglich zu machen und dabei zugleich die Sprache zu einer Fachsprache zu formen. Er ließ gewissermaßen Ciceros Programm wieder aufleben. Es findet sich in der Epiktet-Praefatio, die im Stile einer cohortatio zur Philosophie zu lesen ist, die also einen Protreptikos darstellt, auch ein Methodenkapitel, in dem sich der Humanist als Fachkundiger in den Methoden der alexandrinischen Philologie zu erkennen gibt: 22 Vgl. Oliver 1958, 199. 23 Vgl. Viti 2011, 43. 24 Vgl. Cic. off. 3, 1-4. 25 Oliver 1958, 189. 26 Vgl. Oliver 1958, 189. 27 Zit. nach Oliver 1958, 197. <?page no="258"?> 248 Thomas Baier Hoc ego opus cum latinum facere aggrederer [...] in duo omnino mendosissima exemplaria incidi, pluribusque locis magna ex parte mutilata. Qua propter cum et cetera quaecumque usquam exemplaria extarent non dissimilia his esse audirem, permisi mihi, ut sicubi aliqua capita aut deessent aut dimidiata super forent, ea ego de Simplicii verbis, qui id opus interpretatus est, maxima (quantum in me esset) fide supplerem. Quod si non modo fieri poterat, ad sensum certe ipsum parum sincerumque latinum a nobis redditum arbitror. Quod ne quempiam fortasse perturbet, quemadmodum Aristarchum Homeri versus quos ipse non probaret, ita nos singula ipsa capita, quae nostris quidem verbis explicentur, obelo, hoc est veru, iugulavimus. 28 Pico della Mirandola erbat sich Polizianos Homer-Übersetzung sowie das Encheiridion Epiktets. Erstere wollte Poliziano nicht aus der Hand geben - negant ferre lucem 29 - der Epiktet indes fand bei dem Bittsteller begeisterte Aufnahme: Er sei dadurch zum Stoizismus konvertiert worden, bekannte Pico nach der Lektüre. Poliziano, der immer wieder betont, wie sehr ihn die Begierde nach Ruhm antreibe, hatte sich das Horazische Postulat zu eigen gemacht, nur zu edieren, was höchsten Ansprüchen genügte, und mahnte alle Schüler: ne dum nimis ad vota laudum properant, cruda adhuc in publicum studia sua propellant. 30 Aus Epiktets Handbüchlein freilich konnte er Bescheidenheit lernen, oder, wenn er sie schon nicht lernen wollte, doch wenigstens nach außen hin den Anschein erwecken. Was die Übersetzung selbst angeht, dürfen wir davon ausgehen, dass sich Poliziano sowohl in der Textherstellung als auch im Ausfeilen seiner Werke an die eigenen hochgesteckten Ansprüche hielt. In der Epiktet-Übersetzung sind die textkritischen Zeichen leider nicht überliefert. Mehr noch: Die Übersetzung ist in Teilen mit der früheren des Niccolò Perotti von 1450 identisch. Die Erklärung dürfte im Eingriff eines postumen Herausgebers, vielleicht Filippo Beroaldos, liegen. 31 Es zeigt sich hier einmal mehr das grundsätzliche Problem des Poliziano-Nachlasses: die Tatsache, dass seine Schriften nach seinem Tod zerstreut wurden, teils in ikonoklastischer, teils vielleicht auch in unrechtmäßiger Aneignungsabsicht. Charmides Recht wenig weiß man über Polizianos von Alessandro Sarti postum herausgegebene Charmides-Übersetzung. Sie erschien erstmals in der Aldina mit den Opera omnia von 1498. Soweit ich sehe, wurde sie in der Forschung bislang 28 Zit. nach Maïer 1966, 376. 29 Zit. nach Oliver 1958, 199. Vgl. auch Rubinstein 1983, 69. 30 Zit. nach Oliver 1958, 192, Anm. 19. 31 Vgl. Oliver 1958, 200-201 und 208. <?page no="259"?> Poliziano als Übersetzer 249 kaum beachtet. 32 Es ist nur der Anfang erhalten, aber dennoch zeigt sie sich als ein reifes Beispiel für Polizianos immense sprachschöpferische Kraft, die ihn als Fachschriftsteller Cicero ebenbürtig macht. Es ist nicht bekannt, wann Poliziano am Charmides arbeitete. Eine Datierung in das Jahr 1479/ 80, jedenfalls vor der Berufung an den Studio fiorentino, ist aber wahrscheinlich. 33 Hankins nennt als Terminus post quem das Jahr der Universitätsneugründung in Pisa 1473, da Lorenzo als optimus academiae patronus gefeiert werde, was möglicherweise darauf zu beziehen sei. 34 Poliziano nimmt für sich in Anspruch, die Arbeit innert weniger Tage vollendet zu haben, erweckt mithin den Anschein der Beiläufigkeit seines Unterfangens: Plato habe schon längst gierig auf seine Latinisierung gewartet, und er, Poliziano, sei diesem Wunsche nur zu gerne gefolgt: eumque pauculis admodum diebus, quos apud me sit diversatus, latinum sermonem edocui. Quem quidem ille (quae sua est docilitas) ita sane avide celeriterque arripuit ut ad litem iam ipsam philosophorum simiis intendendam omni studio accingi videretur. 35 Die Darstellung erweckt den Eindruck, als habe sich Platon gleichsam mit leichter Feder von selbst übersetzt und als sei Poliziano nur das Instrument gewesen. Und warum wollte Plato lateinisch werden? Um es mit Afterphilosophen, simiae philosophorum, aufzunehmen. 36 Das Motiv der Beiläufigkeit und Schnelligkeit verrät den Statius-Kenner. Der flavische Silven-Dichter erläutert in der Praefatio zum ersten Buch, keines der darin enthaltenen Gedichte habe er longius biduo tractum, alle stünden sie unter der gratia celeritatis (Stat. silv. praef. 1). Als Beleg nennt er gleich das erste Gedicht über den Equus Domitiani, dessen 100 Verse er dem indulgentissimus imperator am Tag nach der Einweihung übergeben habe. Dass es sich bei 32 Vgl. Hankins 1991, 449: „It is a remarkable circumstance that nowhere in the vast literature devoted to Angelo Poliziano has more than a passing notice been given to his fragmentary translation of Plato’s Charmides.” 33 Aufgrund von Parallelen des Charmides-Vorworts mit der Praefatio zur Übersetzung von De generatione et corruptione durch Andronico Callisto datiert Gentile 1998, 373-375 in das Jahr 1474/ 5. 34 Hankins 1991, 449-451 verweist auf einen Brief Polizianos an Lorenzo vom 22. Juni 1479, in dem von interpretationes die Rede ist, was den Charmides einschließen könnte. In dem Brief vergleicht sich Poliziano geistreich mit dem Gärtner, der das Faesulanum instand hält: Beide brächten Früchte hervor. Allerdings sei der vilicus im Vorteil, da er all sein Gerät zur Hand habe, während Polizianos Bibliothek, Homerus, Plato et Demosthenes ceteraque Musarum instrumenta, in die Hände seines Nachfolgers auf der Erzieherstelle gefallen sei. Heißt das, dass Poliziano gar nicht arbeiten konnte? Oder stilisiert er sich nur nach Art des poeta doctus, dem es, wie etwa Catull in c. 68, an einer Bibliothek fehlt? Immerhin fallen Epiktet und Alexander von Aphrodisias recht eindeutig in diese Phase. 35 Poliziano 1553, 447-448. 36 Das Ziel dieser Polemik könnten nach Schönberger 2011, 136 Ficino und Landino sein; dagegen spricht allerdings die platonische Attitüde, die sich Poliziano in der Einleitung zu Epiktet und Charmides gibt. Nach Hankins 1991, 452 ist das Ziel eher der Averroismus. <?page no="260"?> 250 Thomas Baier dieser Behauptung des Statius um eine maßlose Übertreibung handelt, muss hier nicht eigens betont werden. Statius‘ Widmungsbrief an Stella spielt deutlich mit dem Topos der Geschwindigkeit, signalisiert dem Leser mithin, dass die präzisen Zeitangaben nicht ernst zu nehmen sind. Poliziano hat das in seinen Statius-Vorlesungen sehr genau erkannt und immer wieder betont, es handele sich bei Statius‘ Silven in Wahrheit um libri elegantissimi. 37 Für Statius ist die Schnelligkeit eine positive Kategorie, weil sie auf einen geistreichen Autor verweist. Zudem nimmt sie der massiven Huldigung an Domitian 38 etwas von ihrer unerträglichen Schwere: Ein spontanes Lob klingt allemal glaubwürdiger als ein mühsam gedrechseltes. Poliziano hat das Motiv der Schnelligkeit so aufgegriffen, dass nicht er selbst als der geniale Sprachkünstler im Vordergrund steht, sondern sich die lateinische Sprache als ideales Medium Platon nachgerade aufdrängt. 39 Poliziano ist nur der Lehrer, eben der grammaticus. Wie bei Statius schließt sich an den Beiläufigkeitstopos eine Huldigung an den Herrscher an. Doch diese lässt er Platon selbst, das terrestre oraculum, sprechen. Der Philosoph habe in Lorenzo de‘ Medici ex universa hominum multitudine den einzigen erkannt, der sowohl den Staat weise lenke als auch der Philosophie zugetan sei, mithin einen Philosophenkönig. Dieser vorbildliche Herrscher hole nämlich den Vater der Philosophie, der schon lange im Exil lebe, quasi postliminio in patriam, statte ihn gleichsam mit einem Rückkehrrecht aus und rufe ihn heim. Platon eile zu Lorenzo als zu einem Seelenverwandten: maximaque alacritate visum te, salutatumque, tuaeque virtuti, quoad eius fieri possit, gratulatum accurreret: 40 Platon im Exil, Lorenzo als sein Retter. Platon beabsichtige, so führt Poliziano weiter aus, mit dem Herrscher über die Tugend der temperantia zu reden, eben den Gegenstand des Tugenddialogs Charmides. Den Exilierten, der im literarischen Gewand seine Rückberufung erbittet, finden wir auch in der ungefähr gleichzeitig entstandenen Sylva in scabiem. Dieses eindrückliche Gedicht über die Krätze ist seit 1952 wieder bekannt 41 und galt ursprünglich als eine gelehrte Spielerei im Stile der tändelnden Gelegenheitsgedichte des Statius. Neuerdings 42 hat man den autobiographischen Hintergrund der Sylve erkannt. Leuker formuliert: „Poliziano läßt sein 37 Vgl. Friedrich 1972, 45. 38 Statius begründet im Brief an Stella die Themenwahl des ersten Gedichts mit dem sprichwörtlich auf den Kaiser gemünzten a Iove principium. Zugleich lässt er damit die epische Tradition des Lehrgedichts (Arat) anklingen. 39 Vgl. Coppini 1998, 128 zu celeritas, incitatio, natura bei Poliziano. 40 Poliziano 1553, 448. 41 Von Kristeller in der Biblioteca Governativa in Parma entdeckt. Vgl. Kristeller 1967. 42 Vgl. Orvieto 1989,1-65. <?page no="261"?> Poliziano als Übersetzer 251 alter ego [sc. den an der Krätze Erkrankten] um Befreiung aus einer Hölle bitten. 43 [...] Was er mit der Sylva in Wahrheit erwirken wollte, war [...] der befreiende Rückruf aus Mantua, wo er im Frühjahr 1480 seiner Rehabilitierung harrte.“ 44 Lorenzo de‘ Medici wird zum Medicus, dem Arzt, der in seiner Situation allein Heilung bringen kann. Durch Anspielungen an Ovid und Petrarca, welche Leuker aufgezeigt hat, 45 konnte sich Poliziano scheinbar leidenschaftslos hinter literarischer Fiktion verstecken, gleichzeitig aber ein ihm ernstes Anliegen vortragen. In demselben Ton nähert sich im Charmides-Vorwort der Philosoph Platon als Anwalt Polizianos dem Florentinischen Fürsten und ersucht ihn um temperantia. Nur wer diese erreicht habe, dem stehe das Geheimnis der Philosophie offen: Haud enim omnino quenquam penitissimis illis philosophiae mysteriis initiandum censet, qui non ipsam prius philosophiam sit consecutus. 46 Temperantia ist Polizianos Übersetzung für , derjenigen Tugend, um die es im Charmides geht. Doch versteht er in der Praefatio erkennbar etwas anderes darunter als Platon. Ihm geht es um Mäßigung und Affektfreiheit. Um diese auszudrücken, verwendet Poliziano Begriffe aus dem Wortfeld der Medizin und der Hygiene. Die obtrectatores der Weisheit und falsi philosophi werden dagegen mit den bekanntermaßen unreinlichen Harpyien verglichen. 47 Warum wählt Poliziano gerade den Charmides? Vermutlich wegen der Tugend der , die er, wie erwähnt, als temperantia übersetzt. Mit dieser Übersetzung folgt er Cicero, der in Tusc. 3, 16 temperantia, moderatio und modestia als gängige Übersetzungen nennt. Allerdings ist er mit keiner richtig zufrieden und fragt sich, ob nicht frugalitas den Sinn besser träfe. 48 Sie sei nämlich diejenige Tugend, die die Affekte moderiere: eius enim videtur esse proprium motus animi adpetentis regere et sedare semperque adversantem libidini moderatam in omni re servare constantiam (3, 17). Diese Definition kommt der Bedeutung von im Charmides eigentlich am nächsten. Sokrates, der ja von der Einheit von Tugend und Wissen ausgeht, definiert die in diesem Dialog als eine Art „Meta-Wissen“, eine übergeordnete Instanz, die das Spezialwissen lenkt und richtig dosiert. 49 Nicht umsonst bringt er sie mit 43 Vgl. Polizianos Verteidigungsbrief vom 19. März 1480, in dem er von Heilung spricht und Medizinvergleiche bemüht, Picotti 1915, 99. 44 Leuker 1997, 125. 45 Vgl. Leuker 1997, 110. 46 Poliziano 1553, 448. 47 Poliziano 1553, 447. 48 An dieser Stelle argumentiert Cicero vor seinem eigenen Erfahrungshintergrund, schreibt also suo Marte, ohne Quelle; vgl. Lefèvre 2008, 91 und 111. Cicero schreibt im dritten Buch De aegritudine lenienda und versteht darunter auch den Kummer infolge Machtverlusts. Insofern dürfte sich der „exilierte“ Poliziano als Seelenverwandter gefühlt haben. 49 Vgl. Baier 2005, 51. <?page no="262"?> 252 Thomas Baier dem Sprichwort sowie mit dem Delphischen in Zusammenhang. Das scheint auch Cicero vorzuschweben, wenn er die frugalitas als Pendant zur definiert (3, 16). Daher hätte es sich für Poliziano angeboten, Ciceros Vorschlag zu übernehmen. Er bleibt jedoch bei der eingeführten Übersetzung temperantia. Der Grund hierfür kann eigentlich nur sein, dass es ihm darauf ankam, Lorenzo il Magnifico auf eine Herrschertugend, nämlich die Mäßigung, hinzuweisen. Seneca verlangt bereits in De clementia vom Herrscher verissima animi temperantia (1, 11, 2), seine potestas sei temperantissima (1, 14, 2), und als Gerichtsherr habe er temperantia animi in potestate ulciscendi (2, 3, 1) walten zu lassen. Die auf die Milde des Herrschers zugespitzte temperantia des platonischen Charmides ist somit ein Wink mit dem Zaunpfahl an Lorenzo. Platon, der ja in dem Vorwort selbst auftritt, spricht für seine und Polizianos Sache zugleich, wie Otto Schönberger in seiner Übersetzung darlegt: „Der Schluß führt zum Beginn zurück: Maßhalten ist die eigentliche, beste Lebensmaxime für den Herrscher und für alle anderen.“ 50 Die Tusculanen werden an anderer Stelle in der Einleitungsepistel zitiert: Die Philosophie erscheint als totius vitae dux et virtutis indagatrix atque expultrix vitiorum: ein deutliches Zitat aus dem Gebet an die Philosophie (Tusc. 5, 5). Das wäre nicht weiter verwunderlich, da Poliziano seine Epistel mit einschlägigen Anspielungen und Zitaten spickt, ja sie geradezu aus Versatzstücken - keinesfalls wörtlichen, aber doch deutlich identifizierbaren - aufbaut. Diese Stelle ist aber insofern besonders, als sie in eine längere Ilias-Anspielung aus dem fünften Buch eingepasst ist wie ein Edelstein in eine Fassung. An der Homer-Stelle ist von den Großtaten des Diomedes die Rede, davon, wie er durch Pandaros verwundet wird, Athene ihn daraufhin stärkt und ihm die Fähigkeit verleiht, Götter zu erkennen; Athene spricht zu Diomedes: „Und auch das Dunkel nahm ich dir von den Augen, das vorher darauf lag, daß du deutlich erkennst einen Gott wie auch einen Mann“ (5, 127-128, Übers. Schadewaldt). Eben diese Erleuchtung überträgt Poliziano auf die Erleuchtung durch die Philosophie. So wie jener homerische Diomedes sich in conferta hostium acie abmühte und der Erleuchtung bedurfte, so hätten wir die Philosophie anzuflehen, damit auch wir in der Lage seien: purgata iam in luce hominem spectare deumque. 51 Bei diesem in einem Prosatraktat auffälligen Hexameter handelt es sich um ein Selbstzitat aus seiner eigenen Homerübersetzung (5, 152). Und nicht nur das, auch die Umgebung des Verses bedient sich derselben Formulierungen, wie wir sie im Umfeld der genannten Ilias-Stelle haben. Damit lässt sich beweisen, dass der Charmides nach den vier Ilias-Büchern entstanden, und die ursprünglich erwogene Frühdatierung 52 ein für allemal zu den Akten zu legen ist. Poliziano bezieht sich aber nicht nur verbum de verbo 50 Schönberger 2011, 137. 51 Poliziano 1553, 447. 52 Vertreten von Waschbüsch 1972, 65. <?page no="263"?> Poliziano als Übersetzer 253 auf seine Ilias, sondern auch implizit. Homer ist für ihn divinae sapientiae quasi quidam Oceanus; 53 er sieht den Dichter in der Tradition der stoischen Homer- Allegorese als Quelle naturwissenschaftlicher und moralphilosophischer Erkenntnis - eine Auffassung, die ja auch von Ficino und den Neuplatonikern geteilt wurde. 54 Megna 55 weist allerdings zu Recht darauf hin, dass die allegorisch geprägte, naturwissenschaftliche Homerinterpretation in den Postille nur hier und an einer weiteren Stelle (5, 384-390) auftritt. Sie ist also nicht das Übliche, sondern eher die Ausnahme. Umso auffälliger ist aber das Zitat im Charmides- Vorwort. Der hier evozierte Zusammenhang ist bereits in der Homer-Übersetzung bzw. den Postille zu unserer Stelle (Il. 5, 127-128 = Pol. 5, 149-152) angelegt. 56 Polizianos Anmerkung reflektiert über die einschlägigen Homer-Scholien (bT 131-132a), die die Diomedes-Szene im Sinne einer umdeuten; Diomedes werde in allegorischer Verschlüsselung bedeutet, der Begierden zu entsagen: . Genau dieselbe Auslegung wiederholt sich in der Charmides-Praefatio. Poliziano zitiert sich nicht nur im Wortlaut, sondern übernimmt auch das Konzept. Er erklärt explizit, dass die Hilfe der Pallas Athene eine allegorische Umschreibung der Hilfe durch die Philosophie sei: hoc est, sanctissimae philosophiae auxilium implorandum est. Und er fährt fort: ipsa nobis omnem illam, quae nostris nunc oculis obducta mortales hebetat visus, atque humida circum caligat, nubem eripiat. 57 Dieses Zitat ist ebenfalls eng an die Ilias-Übersetzung angelehnt und, wie Megna und vor ihr andere feststellen, „chiaramente“ 58 Vergil geschuldet. In Aen. 2, 604-606, in der Epiphanie der Venus vor Aeneas, findet sich folgender Wortlaut: [...] namque omnem, quae nunc obducta tuenti mortalis hebetat visus tibi et umida circum caligat, nubem eripiam [...]. Man sieht an der Wortähnlichkeit, wie Poliziano bei der Ilias-Übersetzung gearbeitet hat, nämlich durch das Zusammensuchen geeigneter Versatzstücke. 59 Die assoziative Verknüpfung kennzeichnet aber auch den Philologen Poliziano. Nicht nur Worte und Motive, sondern auch Konzepte fasst er unter einem einheitlichen Gedanken zusammen. An unserer fraglichen Stelle lässt 53 Das schon in der Antike gängige Bild von Homer als Ozean hatte Poliziano auch bei der Auslegung der Verse 1-4 des vierten Ilias-Buches angewandt, vgl. Gentile 1998, 371. 54 Vgl. Marcel 1964, 227: Quam divinum putas in Homero viguisse acumen, qui et caecus et inops tot et tanta percepit, tam egregie cecinit, ut cunctas in eum tum humanas tum divinas artes Plato asserat concurrisse (= Ficini opera 297). 55 Vgl. Megna 2009, xxxv. 56 Vgl. Megna 2009, 102. 57 Poliziano 1553, 447. 58 Vgl. Megna 2009, 102. 59 Vgl. den Aufsatz von T. Dänzer in diesem Band. <?page no="264"?> 254 Thomas Baier sich diese Form der assoziativen Verknüpfung besonders gut nachweisen: Poliziano geht gleichsam in konzentrischen Kreisen vor. Er beginnt mit Merkur / Hermes, der im zehnten Buch der Odyssee Odysseus das Moly aushändigt. Darin sieht er ein Pharmakon, das den Helden vor Verblendung schütze. Sodann fügt er das Diomedes-Beispiel an, gelangt darüber zum Lob der Philosophie in den Tusculanen, um danach wieder über Diomedes und die Kirke- Geschichte auf Merkur zurückzukommen. Ihn lässt er den Gedankengang mit einem aus Apuleius (apol. 43) bekannten Sprichwort abschließen, das lautet: „Nicht aus jedem Holz lässt sich ein Merkur schnitzen“. 60 Dieses Komponieren von Texten ist einerseits ein Kennzeichen für breite Belesenheit und unbändige Kreativität. Andererseits spricht es aber für Polizianos beinahe religösen Respekt vor den antiken Texten. Sie sind ihm eben nicht ein Steinbruch für das Auffinden von Versatzstücken, sondern Ausdruck eines tieferen Sinns. Die Zusammenstellung von Zitaten ist nicht ein Notbehelf, sondern die Zusammenführung zusammengehöriger Denkmuster. Poliziano stellt die Bezüge nicht her, sondern macht vorhandene sichtbar. Damit sieht er sich durchaus in antiker Tradition. Ohne Philosophie sei es unmöglich, „im reinen Licht zu erglänzen oder jene kostbare Perle 61 aus eigener Kraft, wie es heißt, zu finden oder den Verlockungen des irdischen Lebens zu entrinnen, die uns wie Kirkes Becher in Tiere verwandeln.“ Mit der Perle (margarita) zitiert er vielleicht Cic. or. 87, mit den Circaei poculi könnte er auf einen Passus in den Verrinen anspielen, wo Cicero in einem bösartigen Wortspiel mit dem Namen Verres, der ja auch „Hausschwein“ bedeutet, den Namensträger verspottet: Tamquam aliquo Circaeo poculo factus est Verres (Div. Caec. 57). Der Zitatreichtum signalisiert eben nicht schöpferische Armut, sondern belegt die breite Bedeutung und damit Richtigkeit des Gesagten. Warum aber sieht sich der Grammaticus, der doch gar keinen Anspruch auf das nomen philosophi erhebt, zu einem solchen Protreptikos genötigt? Es steckt dahinter wohl eine persönliche Absicht. Wie sich Cicero mit den Tusculanen im Jahr 45 selbst tröstete, so gibt das auch Poliziano vor: Er präsentiert sich als abgeklärten stoischen Weisen, stilisiert sich wie schon in der Epiktet- Übersetzung als harmlosen, duldsamen Philosophen, kurzum als jemanden, den man gefahrlos zurückholen konnte. Zu guter Letzt dürfte der Humanist im Exil es äußerst passend gefunden haben, dass der Charmides mit einer Heimkehrerszene beginnt: Sokrates kommt aus dem Krieg nach Hause und wird freudig, ja stürmisch begrüßt. Man darf davon ausgehen, dass Poliziano sich hier selbst gesehen hat oder wenigstens andeuten wollte, wie er selbst sich seine Rückunft wünschte. Die Ausführungen lassen vermuten, dass der Charmides um 1479/ 80 übersetzt wurde und dass Poliziano, ähnlich wie Seneca in seinen Dialogen, die 60 Non enim ex omni ligno, ut Pythagoras dicebat, debet Mercurius exculpi. 61 Vgl. das Gleichnis von der Perle bei Mt 13, 45f. <?page no="265"?> Poliziano als Übersetzer 255 philosophische Botschaft mit einer persönlichen Absicht verband. Eben darin dürfte auch die innere Verbindung zwischen Epiktets Handbüchlein und diesem Platon-Dialog bestehen. Die Übersetzung Die Übersetzung ist zielsprachenorientiert und strebt es an, die Unscheinbarkeit und Alltäglichkeit des Platonischen Dialogs durch entsprechende Formulierungen der Zielsprache zu erreichen. Den mitunter additiven, parenthesenreichen Satzbau des Griechischen versucht Poliziano in geordnete Perioden zu übertragen. Wo Platon allerdings preziös oder bildhaft formuliert, ahmt Poliziano getreu nach. Als Sokrates etwa darlegt, in Sachen Knabenschönheit sei sein Urteil nicht maßgeblich, heißt es bei Platon: (154 b 8), bei Poliziano sehr frei, beinahe sinnentstellend: mihi nihil pensi. Im Griechischen erläutert Sokrates mit einem Bild: Er sei wie ein ‚weißes Lot‘, also ein Lot, das man wegen des fehlenden Kontrasts nicht erkenne; Poliziano überträgt wörtlich: facile equidem alba sum regula carpentarii, und unterstellt damit dessen unmittelbare Verständlichkeit. 62 Gräzismen meidet er; lediglich das Wort pharmacum für medicina setzt er ein. Kurios ist die Formulierung cum dicto für quod cum diceret. Eine gewisse Übersetzungskritik übte bereits Josse Bade, der das Fragment 1519 in seiner opera-omnia-Ausgabe abdruckte und mit Ficinos Übersetzung verglich. Dabei hob er durchaus Stellen hervor, an denen Ficino eleganter oder klarer formulierte. Am interessantesten ist jedoch seine Kritik an den homoerotischen Passagen am Beginn des Charmides: hoc magis e Platonis quam e Socratis stomacho videtur dictum. An Ficino lobt er schließlich, dass dieser die anzüglichen Passagen übergangen habe. Der Grammaticus Poliziano übte dagegen Texttreue und übersetzte ohne solche moralische Skrupel. 63 Im Lichte dessen wird man ihn als den moderneren Übersetzer bezeichnen dürfen. Literatur Baier, Thomas: Seneca als Erzieher, in: Thomas Baier / Gesine Manuwald / Bernhard Zimmermann (Hgg.): Seneca. Philosophus et Magister, Freiburg / Berlin 2005, 49- 62 (Paradeigmata 4). Budé, Guillaume: Annotationes Gulielmi Budaei Parisiensis Secretarii Regii, in quattuor et viginti Pandectarum libros, [...], Paris 1524. 62 Budé 1524, fo. CVII v. erläutert das Sprichwort unter ausdrücklichem Verweis auf Polizianos Charmides-Übersetzung: Hoc autem proverbium in eos valet, qui sine discrimine aliquid faciunt, ut si in albo pariete alba linea utatur aliquis. 63 Vgl. Hankins 1991, 452f. <?page no="266"?> 256 Thomas Baier Calderini, Aristide: Ricerche intorno alla biblioteca e alla cultura greca di Francesco Filelfo, Studi italiani di filolologia classica 20, 1913, 204-424. Coppini, Donatella: L’ispirazione per contagio: “Furor” e “remota lectio” nella poesia latina del Poliziano, in: Vincenzo Fera / Mario Martelli (Hgg.): Agnolo Poliziano. Poeta, scrittore, filologo. Atti del Convegno Internazionale di Studi, Montepulciano 3-6 novembre 1994, Firenze 1998, 127-164. Cortesi, Mariarosa: Vitalità della traduzione umanistica, in: dies. (Hg.): Tradurre dal greco in età umanistica. Metodi e strumenti (Atti del seminario di studio 9 settembre 2005), Firenze 2007, ix-xvi. 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Auch dies hat die Forschung längst als Gütesiegel, als Ausdruck der docta varietas und der enzyklopädischen Bildung des Dichterphilologen proklamiert. 3 Nicht wenige seiner Zeitgenossen indes standen Polizianos ungewöhnlicher Stilistik kritisch gegenüber. Sie äußerten unverhohlene Kritik, zuweilen gar heftige Polemik: Giorgio Merula etwa, erklärter Intimfeind Polizianos, leistete sich im Widmungsbrief zu seiner Schrift In Politianum einen heftigen Ausfall gegen die affektierte, pfauenhafte Attitüde seines Gegners: Die Begriffe, so Merula, seien überall zusammengesucht, ungebräuchlich und unverständlich, er verrenke sich völlig beim Versuch, mit antikischem Wortschatz anzugeben. Mit voller Absicht gerate er so in Geschmacklosigkeit, klopfe sich dabei aber noch selber auf die Schulter. 4 1 Maïer 1966, 203: “A chaque vers, à chaque expression, à chaque image, l’impression de ‘déjà vu’ est aussitôt effacée par celle, contraire, de nouveauté. A y regarder de près on pourrait dire, sans crainte de tomber dans le paradoxe, que presque rien n’est nouveau mais presque tout est neuf.“ 2 Orvieto 2009, 14: “[…] Poliziano è tutto concentrato a stupire con altri impressionanti exploits di funambolismo combinatorio, di docta varietas che […] stordiscono il lettore (e, ancora, l’interprete moderno) per il policromo e labirintico mosaico di recuperi […].“ Vgl. ferner Bettinzoli 1995, 7: “Anfrattuosa, labirintica, ambiguamente elusiva, la scrittura del Poliziano lo è, d’altronde, per vari aspetti“; ders. 2009, 59. 3 Vgl. Ghinassi 1957, 83-85; zur sprach- und gattungsübergreifenden Gültigkeit des Stilprinzips der “parole rare” vgl. Pontani 2002, cxxxvii; Maïer 1966, 203-210. 4 Merula, In Politianum, epist. ded. 32-34 (Fabbri 1979, 293): ubique accersitum, insolens et perinde obscurum verbum, frigidissima denique affectio; in ostentatione veterum vocum totus distorquetur; libens et volens atque sibi plaudens in apirocalliam incurrit. Mit dem Begriff der <?page no="270"?> 260 Tobias Dänzer Ein differenzierteres und von allzu tiefer Feindseligkeit befreites, in der Sache aber nicht unähnliches Urteil über den Schreibstil Polizianos stammt von dem Politiker und Literaten Bartolomeo Scala. Aus einem Antwortbrief Polizianos aus dem Jahre 1493 lassen sich zwei Hauptanklagepunkte rekonstruieren: 5 Tu mihi superioribus diebus aperte dixisti et abs te auditum multi retulerunt non placere genus scribendi meum, propterea quod ascita nimium verba et remota consecter. Me quoque esse quendam (sic enim soletis dicere) ferruminatorem. Du, Scala, hast mir in den vergangenen Tagen ganz offen gestanden - und ich habe dein Urteil auch von anderen gehört -, dass dir mein Schreibstil nicht gefalle, weil ich allzu entlegene und ungebräuchliche Wörter verwenden würde. Außerdem sei ich - so sagt ihr für gewöhnlich - ein ‚Zusammenschweißer‘. Poliziano befasst sich im Folgenden mit den Anwürfen seines Widersachers und stellt ihnen eine veritable refutatio gegenüber. Auf den ersten Vorwurf, den des ungebräuchlichen Worts, antwortet Poliziano: Zwar sei es richtig, dass man nicht wahllos ungebräuchliches Vokabular verwenden solle. Derjenige aber, der etwa nur den Stil Ciceros gelten lasse, werde notwendigerweise Livius, Sallust, Quintilian oder Seneca ausschließen. 6 Auf den Vorwurf der ferruminatio, des Zusammenschweißens von Versatzstücken, reagiert Poliziano souverän und nicht ganz ohne Selbstironie: In humoristischer Weise fragt er, was denn am Begriff ferruminare anstößig sei: Er sei passend, leicht verständlich, ja sogar außerordentlich wohlklingend. 7 Poliziano beschließt den Brief, indem er, ausgehend vom Caesar-Wort, nach dem ein ungebräuchlicher Ausdruck wie eine Klippe zu umschiffen sei, bemerkt, dass dies in einer Zeit, in der das Lateinische mit der Muttermilch eingesogen wurde, sehr viel überzeugender gewirkt habe als heute, wo man es in der Schule von den Lehrern eingetrichtert bekomme. 8 Mit dem Aufruf an die Lehrer, die Schatzkammern der Alten zu öffnen, verbindet Poliziano apirocallia (‚Geschmacklosigkeit‘) nimmt Merula bewusst einen gänzlich ungebräuchlichen Gräzismus auf, den Gellius (11, 7) für denjenigen verwandt hat, der allzu gesuchte, außer Gebrauch geratene und daher vermeidliche Wörter benutze. Zur Polemik zwischen Merula und Poliziano Fabbri 1998; vgl. auch McLaughlin 1995, 202. 5 Pol. epist. 5, 1 (Poliziano 1553, 58). Der Brief ist transkribiert in Galand-Hallyn / Hallyn 2001, 494-495. 6 Hier rekurriert Poliziano freilich auf gängige Argumente im Ciceronianismus-Streit, den er selber durch seinen Briefwechsel mit Paolo Cortesi maßgeblich bestimmt hat. Zur humanistischen imitatio-Debatte im Allgemeinen vgl. McLaughlin 1995; zur Kontroverse zwischen Poliziano und Cortesi vgl. Fera 1999. 7 Epist. 5, 1 (Poliziano 1553, 59): Caeterum cur hoc ipsum verbum ‚ferrumino‘ tanto cum risu profertur, cum sit proprium, simplex, non male sonans, non obsoletum […]? 8 Epist. 5, 1 (Poliziano 1553, 59). <?page no="271"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 261 ein Postulat, das in unvergleichlicher Weise für sein eigenes Werk gilt: Das Niveau des ammengesäugten Muttersprachlers ist nur durch Fleiß und Anstrengung zu erreichen, das gleichsam angeborene sprachliche Defizit nur durch übergroße Belesenheit wettzumachen. 9 Im Folgenden sollen zwei Fragen untersucht werden, die für Polizianos Dichtungskonzeption von weitreichender Bedeutung sind: Woher rührt die Vorstellung einer philologischen Stilistik, deren Ziel die aemulatio veterum ist, und wie manifestiert sie sich im Werk des Dichters? Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich das erste ernstzunehmende poetische Erzeugnis in den Mittelpunkt rücken, von dem der eben erst sechzehnjährige Dichter selbstbewusst bekundete, dass er damit in Wettstreit mit den größten Dichtern der Antike zu treten gedenke. 10 Die Rede ist von der lateinischen Hexameterübersetzung der Gesänge 2-5 der Ilias Homers, die Poliziano den Zugang zum Hof Lorenzos de’ Medici eröffnete und ihm, aus dem Munde keines Geringeren als Marsilio Ficino, den Titel eines homericus adulescens einbrachte. 11 Die Ilias-Übersetzung ist von unschätzbarem Wert für das Verständnis des Dichters und Gelehrten Poliziano, weshalb es mehr als verwunderlich ist, dass sie bislang in den einschlägigen Studien zu Poliziano kaum eine nennenswerte Behandlung erfahren hat. 12 Die Überlieferung der Übersetzung in zwei Handschriften, die in der Biblioteca Vaticana aufbewahrt sind, ist ein Glücksfall für die Wissenschaft: Poliziano hat alle vier Gesänge reichlich mit Randbemerkungen versehen, die belegen, dass und wie sich der wissbegierige Nachdichter für sämtliche Facetten des homerischen Werks, für Rhetorik, Allegorese und Realien aller Art interessierte. 13 9 Vgl. z.B. den Widmungsbrief zur Nutricia: Multa et remota lectio, multa illum (scil. libellum) formavit opera (Bausi 1996, 163-164). 10 Dies hatte sich der Knabe im hexametrischen Widmungsgedicht an Lorenzo de’ Medici vorgenommen: Te duce vel priscis ausim certare poetis (v. 51: Del Lungo 1867, 434). 11 Ficino, epist. 1, 17 (Opera omnia 1, 618): Nutris domum homericum illum adolescentem Angelum Politianum, qui Graecam Homeri personam latius coloribus exprimat. Exprimit iam, atque id quod mirum est, in tam tenera aetate exprimit, ut nisi quis Graecum fuisse Homerum noverit, dubitaturus sit, e duobus uter naturalis sit, et uter pictus Homerus. Zum homericus adolescens vgl. z.B. Maïer 1966, 86-91; Branca 1983, 37-43. 12 Die erste moderne Edition der postille fertigte Alice Levine Rubinstein an (Levine Rubinstein 1982); Paola Megna besorgte 2009 eine zweite, reich kommentierte Edition, deren Bedeutung für die Poliziano-Forschung kaum hoch genug veranschlagt werden kann (Megna 2009). 13 Die Bücher 2/ 3 und 4/ 5 unterscheiden sich hinsichtlich der Art und Weise der Übersetzung, wobei die früheren Bücher eine ‚poetischere‘, an Vergil und Ovid orientierte sprachliche Gestalt aufweisen, die späteren eine technischere, stärker am homerischen Text gehaltene Übersetzung bieten. Mit dem Wandel des Übersetzungsstils geht eine veränderte Annotationspraxis einher: Hatte sich Poliziano in den Büchern 2 und 3 insbesondere für die rhetorische Gestaltung des Textes interessiert, steht nun eine facettiertere, vorrangig realiengestützte Analyse im Vordergrund; vgl. hierzu Levine Rubinstein 1982, 205-209. <?page no="272"?> 262 Tobias Dänzer Um die Ilias-Übersetzung in Form und Aussagekraft angemessen würdigen zu können, ist es zunächst nötig, Polizianos Homerbild und die dieses konstituierenden Einflüsse näher zu beleuchten. Poliziano, Homer und Andronicus Callistus Polizianos Beschäftigung mit Homer gelangte, nach seiner jugendlichen Übersetzung, zu einem weiteren Höhepunkt in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als er sich dem Dichterfürsten in einer prosaischen und einer poetischen Panegyrik widmete und eine Vorlesung zur Odyssee hielt, von welcher sich die Vorrede und eine grammatische Analyse der ersten beiden Bücher erhalten haben. 14 Die panegyrischen Erzeugnisse feiern Homer als Erfinder sämtlicher Künste und Wissenschaften, als Kenner des menschlichen Lebens und als Künder der göttlichen Wahrheit. Die hexametrische Silve Ambra aus dem Jahre 1485 fungierte wohl als akademische Vorrede zu einer Ilias-Vorlesung, 15 im darauffolgenden Jahr hielt Poliziano seine Oratio in expositione Homeri - eine Rede, die er am besten nie gehalten hätte. In der Rede trat Poliziano, längst anerkannter Professor am Studio, als Lobredner Homers auf, und suchte vor der gesammelten Prominenz Florentiner Gelehrter den griechischen Dichter als Quell alles Wissens zu rühmen. Allein: Er tat es nicht in seinen eigenen Worten, sondern gab in fragwürdiger Naivität weite Teile der pseudo-plutarchischen Schrift De Homero in lateinischer Übersetzung wieder, ohne seine Quelle zu benennen. Noch 1508 wusste der französische Gelehrte Guillaume Budé von dem Ereignis zu berichten, wobei er dem Plagiator schelmisch Belesenheit zugestand, Originalität hingegen absprach. 16 So wenig ruhmvoll die Rede für Poliziano gewesen sein mag, so aufschlussreich ist sie für sein Homerbild. Bereits die Einleitungsworte zeichnen ein unmissverständliches Bild der Rolle, die Homer für die intellektuelle Biographie Polizianos gespielt hat: [Dicam] de Homero vate, doctrinarum omnium atque ingeniorum auctore et principe, et [dicam] in coetu hominum vel graece vel latine doctissimorum […] Nam et ego is sum, qui ab ineunte adolescentia ita huius eminentissimi poetae studio ardoreque flagraverim, ut non modo eum totum legendo olfecerim peneque contriverim, sed iuvenili quodam ac prope temerario ausu vertere etiam in latinum tentaverim. 14 Zur Odyssee-Vorlesung (1488/ 89) vgl. Silvano 2002 mit Edition im Anhang und ders. 2010 mit einer vollständigen Edition der Aufzeichnungen des Par. gr. 3069; früher Dorez 1895, wo bereits die Vorrede und Auszüge aus dem “commentaire grammatical“ transkribiert waren. 15 Vgl. Cesarini Martinelli 1996, 475. 16 Hillgruber 1994, 77-78. Zu Affäre und Plagiatsproblematik ausführlich Megna 2007, XXXVII-XLVI. <?page no="273"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 263 Ich will über den Dichter Homer sprechen, den Schöpfer aller Wissenschaften und Fürsten aller großen Geister, und ich will vor einer Versammlung von Männern sprechen, die vorzügliche Kenner des Griechischen und Lateinischen sind. […] Ich selbst nämlich glühte seit meinen Jünglingsjahren so sehr von Eifer und Begeisterung für diesen überragenden Dichter, dass ich ihn nicht nur ganz studierte, ihn erforschte und das Buch beinahe zerlas, ja, es in jugendlichem, fast leichtfertigem Wagemut sogar ins Lateinische zu übersetzen suchte. 17 Die Schrift De Homero, die Poliziano im Anschluss so freimütig zitierte - bzw. nicht zitierte - ist fraglos eines der wichtigsten Stücke kaiserzeitlicher Sekundärliteratur zu den homerischen Epen, und sie hat Poliziano von Beginn an geprägt. Der Autor der Schrift unternimmt den Versuch, die bis ins 6. vorchristliche Jahrhundert hinaufreichende Vorstellung von Homer als Quell alles Wissens anhand einer detaillierten Textanalyse zu untermauern. 18 Dabei wird Homer nicht nur als Vater der Rhetorik, Schöpfer des Rechts und der Staatsformen oder als Begründer sämtlicher Philosophenschulen geadelt, sondern auch als Meister in praktischeren Künsten gerühmt, so im Kriegswesen, der Medizin oder der Malerei. Homer ist nicht nur der geheime Vermittler philosophisch-theologischer Wahrheiten oder Ursprung sämtlicher hehrer, sogenannter freier Wissenschaften und Künste, sondern wird als Protagonist eines umfassenderen, enzyklopädischen Weltwissens vorgeführt. Einen weit größeren Einfluss auf den jungen Homerübersetzer übte allerdings die Person aus, die ihn mit dem pseudo-plutarchischen Traktat vertraut gemacht hatte. Die zentrale Figur in Polizianos früher intellektueller Biographie ist der byzantinische Gelehrte Andronicus Callistus, der nur für wenige Jahre, von 1471-75, in Florenz unterrichtete und den Poliziano in einem Epigramm an Lorenzo hymnisch als geistigen Vater und Nährer der Dichter pries. 19 Dass der Byzantiner diese Rolle insbesondere für den jungen Poliziano eingenommen hatte, bekundete dieser indirekt noch in der Coronis seiner Miscellaneorum centuria prima von 1489, als er schrieb, dass er tenera adhuc aetate den Lockungen Homers weit stärker zugeneigt gewesen war als platonischer und aristotelischer Philosophie, die ihn Ficino und Argyropoulos gelehrt hatten. 20 Die jugendliche Abwendung von seinen philosophischen 17 Pol. Orat. in exp. Homeri 1-2 (Megna 2007); Übersetzung Schönberger 2011, 73. 18 Zur Entwicklung des Bildes Homers als ‚Quell alles Wissens‘ vgl. Hillgruber 1994, 5-35. 19 Elegia ad Laurentium Medicem 9-12: Tu tantum Andronicum serves! O quantus ab illo / spiritus in nostri pectoris ima venit! / o quos ille tibi gignit nutritque poetas / dum tonat Argolicis Troica bella modis! Zum Lehrer-Schüler-Verhältnis und Polizianos Epigrammen auf den Lehrer Maïer 1966, 30-31. Zum Einfluss des Lehrers auf Poliziano vgl. Gentile 1998; Fera 1997, 716-717; Megna 2009, XXV-XXVIII; LX-LXII. Allgemeine Darstellungen des Gelehrten bieten Cammelli 1942 und Bigi 1961. 20 Poliziano 310: Etenim ego, tenera adhuc aetate, […] dabam quidem philosophiae utrique operam, sed non admodum assiduam, videlicet ad Homeri poetae blandimenta natura et aetate proclivior, <?page no="274"?> 264 Tobias Dänzer Lehrern und die Hinwendung zu Homer hatte gleichzeitig ein deutliches Bekenntnis zu seinem ‚homerischen‘ Lehrer Andronicus Callistus bedeutet. Andronicus präsentierte sich in der Widmungsepistel an Lorenzo, die er seiner Übersetzung der aristotelischen Schrift peri phthoras kai geneseos voranstellte, als Verfechter eines enzyklopädischen Bildungsideals, das selbst noch geringere Wissenschaften und Künste zu integrieren suchte als der Autor von De Homero, wobei er als Beispiel die Landwirtschaft anführte. Die Gesamtheit aller Disziplinen, die er universa philosophia nennt, habe ihren Beginn in der homerischen Dichtung: Homer gilt dem Byzantiner als Bürge und Protagonist einer Philosophie der Enzyklopädie. 21 In die Jahre, in denen Poliziano an der Ilias-Übersetzung arbeitete, fällt eine Ilias-Vorlesung des Meisters, von der sich - auch dies ein kaum zu unterschätzender Glücksfall - die anonyme Mitschrift eines Studenten erhalten hat. 22 Andronicus hat sein Homerverständnis in vorbildlicher Manier am Text exemplifiziert und an seine Studenten weitergegeben. Der anonyme Codex zeigt, dass der Lehrer seine Studenten mit der einschlägigen spätantiken Sekundärliteratur zur homerischen Ilias vertraut machte, so unter anderem mit den Saturnalia und dem Kommentar zum Somnium Scipionis des Macrobius, den homerischen Scholien, dem byzantinischen Homerexegeten des 12. Jahrhunderts Eustathius sowie mit der bereits erwähnten Schrift De Homero. 23 Außerdem wird deutlich, dass er die homerische Ilias unter akribisch enzyklopädischem Zugriff behandelte, wobei sowohl auf sprachlich-grammatische Phänomene, rhetorische Figuren, allegorische Auslegungen eingegangen wurde als insbesondere auch Wert auf die Erklärung von Realia aller Art gelegt wurde. Angesichts frappierender Übereinstimmungen zwischen der Mitschrift des Anonymus und Polizianos postille am Rand seiner Übersetzung darf als wahrscheinlich angenommen werden, dass Poliziano in eben der Ilias- Vorlesung saß, deren Manuskript die Hand des Anonymus tradiert hat. Anhand eines Vergleichs der Ilias-Übersetzung samt Marginalien mit dem Vorlesungsmanuskript lässt sich aufzeigen, inwiefern die realienorientierte Vermittlung des Lehrers im Erstlingswerk des Schülers Widerhall gefunden hat. Im 4. Gesang der Ilias wird Menelaos auf Geheiß der Athene, die die friedliche Beendigung des trojanischen Krieges verhindern will, durch einen Pfeilquem tunc latine quoque miro, ut adulescens, ardore, miro studio versibus interpretabar. Vgl. hierzu Leuker 1997, 8-10. 21 Der Widmungsbrief ist in Andronicus‘ Florentiner Jahre, also zwischen 1471 und 1475, zu datieren. Ediert wurde der Brief von James Hankins (Hankins 2004, 297-303). 22 Die Handschrift, der Codex Pluteus 66,31, ist in der Biblioteca Laurenziana in Florenz aufbewahrt. Während man zunächst verschiedene Schreiber vorgeschlagen hatte (Maïer 1966, 57-59 etwa Bartolomeo Fonzio), plädierte Resta 1978, 1092-1093 überzeugend für einen unbekannten Schüler. 23 Vgl. Megna 2009, LX-LXII. <?page no="275"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 265 schuss des Lykierkönigs Pandaros niedergestreckt und wäre wohl auch getötet worden, hätte nicht die Auftraggeberin selbst das Geschoss auf eine gut gepanzerte Stelle in Menelaos’ Rüstung gelenkt. Homer beschreibt die Gestalt des Geschosses an mehreren Stellen des 4. Gesangs, am ausführlichsten aber in den Versen 148-152: 24 ’ ’ . Und da erschauerte der Herr der Männer Agamemnon, Wie er sah, wie das schwarze Blut herabfloss aus der Wunde, Und es erschauerte auch selbst der aresgeliebte Menelaos. Doch als er sah, wie die Umschnürung und die Haken noch außen waren, Da sammelte sich ihm, zurückgeströmt, der Mut in der Brust. Polizianos Übersetzung erlaubt sich einen Vers mehr, hält sich insgesamt aber eng an das homerische Substrat: 25 Illicet ipse virum timuit regnator Atrides, ut nigrum aspexit fundentia membra cruorem; nec minus extimuit fatum Menelaus acerbum. At vero exsertum tenui de vulnere nervum ut vidit geminasque hamatae cuspidis alas, pectore collegit vires animumque recepit. Ein Unterschied fällt deutlich ins Auge: Der homerische Vers , also „er sah, wie die Umschnürung und die Haken noch außen waren“, übersetzt Poliziano mit At vero exsertum tenui de vulnere nervum / ut vidit, geminasque hamatae cuspidis alas, wobei er den homerischen Begriff in einer um drei Wörter vermehrten, reichlich sperrigen Konstruktion wiedergibt. Während in der homerischen Version lediglich von den , den Widerhaken des Pfeils die Rede ist, konkretisiert Poliziano die Gestalt des Geschosses: Die Pfeilspitze (cuspis) hat neben ihren Widerhaken (hami) noch ein ‚Zwillingsflügelpaar‘ (geminae hamatae alae). Es ist nicht ohne weiteres ersichtlich, was mit den beiden Flügeln gemeint ist, was auch darin begründet ist, dass die Junktur ala cuspidis im klassischen Latein schlichtweg nicht belegt ist. Wie aber kam Poliziano zu seiner fachmännischen Version der Pfeilspitze? Hier gibt die anonyme Mitschrift der Ilias-Vorlesung des Andronicus Callistus Aufschluss. Auf den Seiten 134r-v findet sich eine Besprechung der betreffenden Passage, wo nach einer lateinischen Wort-für-Wort-Übersetzung 24 Übersetzung Schadewaldt. 25 Pol. Il. 4, 172-177. <?page no="276"?> 266 Tobias Dänzer der Verse 148-187 deren Kommentierung einsetzt (mit dem Begriff , vulnus). Besonders ins Auge fallen drei künstlerisch wenig ambitionierte, für unsere Zwecke aber äußerst aufschlussreiche Zeichnungen, die der Student vom homerischen Geschoss angefertigt hat. Neben der ersten Zeichnung (134r) sind die Teile der Pfeilspitze erläutert. Hier wird für die lateinische Erklärung acumen alarum sagittae, also Spitze der ‚Pfeilflügel‘, gegeben. Die sind also die Widerhaken, die die Pfeilflügel spitz abschließen. Anhand der drei Zeichnungen erkennt man das Bemühen des Studenten um exakte Benennung der Bestandteile der Pfeilspitze: In zwei der Skizzen (134r und 134v rechts) steht der Begriff noch an falscher Stelle, nämlich in den Pfeilflügeln, den alae, die im homerischen Text nicht erwähnt sind. Die dritte Skizze (134v links) schließlich gibt des Andronicus Erklärung am trefflichsten wieder: Hier stehen die , die Widerhaken, an der richtigen Stelle. Der Student hat diese Zeichnung eingekreist, wohl um seiner Erkenntnis, die Teile nunmehr richtig benannt zu haben, Ausdruck zu geben. Poliziano hingegen hat die detaillierten Ausführungen des Meisters offenbar schnell begriffen, und folgt ihnen so genau - seine Pfeilspitze hat alae und hami -, dass er in puncto Exaktheit über das homerische Substrat noch hinausgeht. Wir haben hier einen von mehreren Belegen, wie der Übersetzer und Nachdichter Poliziano das homerische Epos im Lichte des enzyklopädischen Zugangs seines Lehrers interpretiert. Gerade die Pfeilspitze als eine Miniatur im wahrsten Sinne offenbart in exemplarischer Weise eine Herangehensweise an den homerischen Text, für die der enzyklopädische Anspruch nicht nur schönrednerisches Ornament ist. Hier wird deutlich, dass selbst das kleinste Detail der homerischen Epen, und seien es auch nur die Widerhaken einer Pfeilspitze, hinreichend verstanden werden will. Ferruminatio Hieran anknüpfend soll ein weiteres Beispiel den Entstehungsprozess der Übersetzung erläutern, der die größte Relevanz für das Verständnis der Poetik Polizianos besitzt. Im 5. Gesang fürchtet Hera einmal mehr, die Trojaner könnten die Griechen bezwingen, und beschließt, dem Kampf in eigener Person eine Wendung zu geben. Hierzu baut ihr Hebe einen Streitwagen zusammen, dessen Entstehung Homer in sachgerechter Weise schildert: 26 ’ ’ . , ’ , ’ 26 Hom. Il. 5, 722-732 (Übersetzung Schadewaldt). <?page no="277"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 267 , . ’ ’ , ’ ’ , ’ . Hebe aber warf schnell um den Wagen die gebogenen Räder, Die ehernen, achtspeichigen, um die eiserne Achse. Von denen ist golden der Radkranz, unvergänglich, doch darüber Sind eherne Radbeschläge angefügt, ein Wunder zu schauen, Und die Naben sind voll Silber, die sich drehen auf beiden Seiten. Und der Wagenkorb ist mit goldenen und silbernen Riemen Durchspannt, und zwei rings umlaufende Geländer sind daran, Und von ihm aus geht die silberne Deichsel. Am äußersten Ende Band sie fest das goldene schöne Joch und steckte die Gurte hinein, Die schönen goldenen. Und unter das Joch führte Here Die schnellfüßigen Pferde, begierig nach Streit und Kampfruf. Hier stellt sich die grundsätzliche Frage: Wie konnte Poliziano, noch fast ein Knabe und zudem Nichtmuttersprachler, diese Stelle in lateinische Hexameter übersetzen? Oder anders gefragt: Wie, mit welchen Hilfsmitteln, würde ein heutiger Philologe diese Stelle in lateinische Hexameter übersetzen? Poliziano hatte darauf eine verblüffend pragmatische Antwort, die den Blick auf seinen Schreibtisch in vorzüglicher Weise freigibt. Auf die 14 Verse seiner Übersetzung entfallen nicht weniger als 11 Randbemerkungen, die teilweise die verwendeten Fachbegriffe duplizieren, teilweise ihre Herkunft angeben. 27 At festina rotas Hebe subnectit ahenas rotae curribus, atque octo radios quos ferreus axis radii, axis circumagit, radiatque ardenti aeterna rotarum curvatura auro, quam circum innexuit orbem curvatura aeneus extremum visu mirabile canthus: canthus ap. Persium hinc atque hinc axem rapida vertigine circum argento modii fulgent: argentea lora modii ap. Vitruvium, lora aureaque intendunt subnixam splendida sedem: desuper assurgunt camiro duo tympana dorso: tympana ap. Maronem fulgurat argento temo editus. Illicet Hebe temo porrectumque iugo temonem subligat aureo, iugum aureaque annectit latis subitura ferorum vincula pectoribus. Tum colla comantia Iuno vincula subiuga prosubigit, flagratque cupidine pugnae. 27 Pol. Il. 5, 829-842 (Cod. Vat. Lat. 3617 ff. 41v-42r) nach den Editionen von Levine Rubinstein 1982 und Megna 2009, wobei die ersten fünf Marginalien auf den linken, die restlichen vier auf den rechten Rand gesetzt sind. Seite 41v des Cod. Vat. Lat. 3617 ist abgedruckt bei Daneloni 2013, 320. <?page no="278"?> 268 Tobias Dänzer Wir spüren der Sache auf den Grund: Polizianos homerischer Wagen verdankt sein Gerüst einem äußerst prominenten, wenngleich wenig glückbringenden Gefährt, dem Sonnenwagen des Sol, von Phaethon zugrunde gerichtet: 28 Finierat monitus; dictis tamen ille repugnat propositumque premit flagratque cupidine currus. ergo, qua licuit, genitor cunctatus ad altos deducit iuvenem, Vulcania munera, currus. aureus axis erat, temo aureus, aurea summae curvatura rotae, radiorum argenteus ordo; per iuga chrysolithi positaeque ex ordine gemmae clara repercusso reddebant lumina Phoebo. Phoebus war mit seiner Ermahnung am Ende, doch jener verschließt sich den Worten, bleibt bei seinem Vorsatz und brennt vor Verlangen nach dem Wagen. Also führt der Vater - er hatte so lange wie möglich gezögert - den Jüngling zum Geschenk des Vulcanus, dem hohen Wagen. Golden war die Achse, die Deichsel golden, golden die äußerste Rundung des Rades, der Kranz der Speichen aber von Silber. Am Joch spiegelten Goldtopase und zierlich angeordnete Edelsteine den Sonnengott und warfen funkelnde Strahlen zurück. Die meisten Übernahmen an Fachvokabular entstammen der ovidischen Schilderung des Unglückswagens, so Achse (axis), Deichsel (temo), Rad und Radkranz (rotae, curvatura), Speichen (radii) und Joch (iugum). Da der homerische Wagen allerdings weit fachmännischer gestaltet ist, muss der Übersetzer seiner Version des Wagens weitere lateinische termini technici einpassen. Diese fand er nach eigener Aussage etwa bei Persius, und zwar in der 5. Satire, wo am Beispiel eines Wagens exemplifiziert wird, dass der Mensch dem Augenblick beständig hinterherläuft und ihn, so sehr er es möchte, doch niemals ergreifen kann: 29 nam quamvis prope te, quamvis temone sub uno vertentem sese frustra sectabere canthum, cum rota posterior curras et in axe secundo. Denn, obgleich dir so nah, obgleich an der nämlichen Deichsel, Haschst du doch ewig umsonst nach der vor dir kreisenden Felge, Wenn du als hinteres Rad und an zweiter Achse mußt laufen. Das von Poliziano entlehnte und an die nämliche Versposition gesetzte canthus, die eiserne Radschiene, ist hier metonymisch für das Rad gebraucht. Weitere Begriffe dieser Wagenbeschreibung konnte er für seine Bedürfnisse nutzbar machen: so etwa vertigo, von vertere abgeleitet, für die schnelle Umdrehung des Rades, und wiederum temo. 28 Ov. met. 2, 103-110 (Übersetzung Gerhard Fink). 29 Pers. 5, 70-72 (Übersetzung Otto Seel). <?page no="279"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 269 Die tympana sind positionsgetreu, jedoch fehlerhaft übernommen aus der Darstellung der Nützlichkeit von Zypressen- und Zedernholz aus Vergils Georgica: 30 hinc radios trivere rotis, hinc tympana plaustris agricolae, et pandas ratibus posuere carinas. Aus solchem Holz drehen die Bauern Radspeichen, auch Scheibenräder für Karren, und man macht davon bauchige Spanten für Schiffe. Poliziano hatte wohl fälschlicherweise angenommen, tympana seien die ‚Geländer‘, das heißt die Seitenwände des Lastwagens, und verwendete es für die homerischen , die Geländer des Wagenkorbs. Daneben konnte er hier wiederum Speichen und Räder (radii, rotae) finden. Der einzige Prosa-Autor, der genannt wird, ist Vitruv: Von ihm seien die modii, Radnaben, übernommen. In der Tat hatte Vitruv im 9. Kapitel des 10. Buchs von De Architectura zur Messung des zu Wagen zurückgelegten Weges das Anbringen eines mit Nadel versehenen Keils an die Radnabe, modiolus rotae, empfohlen. 31 Aufgrund der drei aufeinanderfolgenden, für den Hexameter ungeeigneten Kürzen des Wortes formte es der Übersetzer zu modius um, womit allerdings der Sinn entstellt wird. Nach diesem tour d’horizon durch die römische Stellmacherwerkstatt soll die Phaethon-Stelle aus den Metamorphosen nochmals in den Blick genommen werden: Poliziano entlehnt nicht nur das Fachvokabular des Wagens, sondern auch ein weiteres, unspezifischeres Versatzstück. Kaum steht ihr Streitwagen bereit, führt Hera die Pferde unter das Joch und sehnt sich, so Homer, nach Streit und Kampf: ’ (Il. 5, 732). Phaethon, so Ovid, glüht vor Verlangen nach dem väterlichen Wagen: flagratque cupidine currus (met. 2, 104). Poliziano schien das - nicht zu Unrecht - für eine geeignete sprachliche Parallele zu halten, und setzte die beiden Sehnsüchte kurzerhand in eins: flagratque cupidine pugnae (Pol. Il. 5, 842). Damit intendiert Poliziano, wie hier deutlich zu sehen ist, keinesfalls eine tiefere inhaltliche Konnotation: Die Übernahme der Junktur erfolgt, wie auch die Übernahme der Fachtermini, mechanisch. 32 Berechtigt freilich ist die Frage, ob die Prinzipien, die an einer Übersetzung herausgearbeitet wurden, auch auf dem freieren Feld eigenständiger 30 Verg. georg. 2, 444-445 (Übersetzung Otto Schönberger). 31 Vitr. 10, 9, 2: tunc in rotae modiolo ad partem interiorem tympanum stabiliter includatur habens extra frontem suae rutundationis extantem denticulum unum. 32 Vgl. hierzu Levine Rubinstein 1979, 55: “… these borrowings have an almost strictly stylistic function, and are not meant to evoke the context from which they were taken. Instead, Poliziano has found one or two Vergilian passages describing a narrative situation similar to that being translated - Zeus sends a messenger, the protagonist cannot sleep - and uses Vergilian verses as an artistic translation of these Homeric passages. When the reader tries to find greater significance in the evocation of these Vergilian scenes, he rapidly runs into difficulties.” <?page no="280"?> 270 Tobias Dänzer Dichtung Geltung beanspruchen können. Dass dies mit Nachdruck zu bejahen ist, soll exemplarisch anhand eines Textbeispiels aus dem Rusticus belegt werden. Die hexametrische Silve aus dem Jahr 1483, akademische praelusio zur Vorlesung über Hesiods Erga kai hemerai und Vergils Georgica, bezeugt in instruktiver Weise einerseits das Mechanische des Dichtens Polizianos sowie andererseits dessen enzyklopädischen Zuschnitt. Über den Weinanbau des Bauern im Frühjahr weiß der gelehrte Poet Fachmännisches zu berichten: 33 et montem caedit scrobibus fortique bidente terga soli frangit Bacchaeaque semina rectum explicat in quincuncem et disserit ordine longo. Auch gräbt er Pflanzlöcher in den Hügel, bricht mit dem mächtigen doppelzinkigen Karst Erdbuckel, pflanzt die Jungreben in gerader Linie wie die Würfelfünf und setzt sie in langen Reihen in Löcher. Poliziano geriert sich als fachkundiger Landmann, der sich auf das Pflanzen junger Weinreben sehr gründlich versteht. Interessant sind die Quellen, die er für die Zurschaustellung seiner landbaulichen Expertise heranzieht. Die drei Verse sind ein Konglomerat geeigneter poetischer und prosaischer Prätexte, die das Pflanzen von Weinreben behandeln: Neben dem Vergil der Georgica sind es vor allem Varro und Columella, deren Kenntnisse sich Poliziano hier bedient: So entstammt etwa der Vorschlag, die Weinstöcke ad quincuncem zu setzen, den res rusticae der beiden Fachschriftsteller. 34 Anhand des Ratschlags, den Hügel mit Furchen zu überziehen und die harte Erde aufzuhacken, lässt sich die poetische Technik Polizianos musterhaft nachvollziehen: Vergil hatte dem Landmann bei der Vorbereitung der Rebfläche geraten: His animadversis terram multo ante memento / excoquere et magnos s c r o b i b u s c o n c i d e r e m o n t e s (Verg. georg. 2, 260-261) sowie […] solum scindendum glaebaque versis / aeternum frangenda bidentibus (2, 399-400). Columella riet: Insequitur deinde fossor, qui crebris b i d e n t i b u s aequaliter et minute s o l i t e r g a comminuat (Colum. r.r. 4, 14). Vergil lieferte das für den Hexameter geeignete Material und beansprucht deshalb hier größeren Raum. Dies ändert sich allerdings, wo Vergil nicht mehr die Hauptquelle ist. Columella und Varro hatten zur Anordnung der Weinstöcke ad quincuncem geraten - nicht so Vergil in den Georgica. Wie wird nun, da ein direktes metrisches Modell fehlt, die fachmännische Weisung ins Metrum gebracht? Der dritte Vers des Zitats hebt an mit dem in hexametrischer Dichtung äußerst 33 Pol. Rust. 130-132; Übersetzung Schönberger 1992, 31. 34 Varro rust. 1, 7, 2; Colum. r.r. 3, 15; zu den weiteren Quellen vgl. Bausi 1996, 57-58. Für die Abfassung der Silva hatte sich der Dichter ein Exzerpt der 1472 in Venedig erschienen Sammlung der Scriptores rei rusticae mit den Werken des älteren Cato, des Varro, des Columella und des Palladius angefertigt: vgl. Bianca 2007; zum Manuskript Perosa 1955, 25-27; Maïer 1965, 353-355. <?page no="281"?> Polizianos Ilias-Übersetzung 271 beliebten Auftakt explicat. 35 Auch der entlegene terminus quincunx bereitet in metrischer Hinsicht keinerlei Schwierigkeiten: Der Spondeus wird mittels der Elision der Akkusativendung beibehalten. Für die abschließende Junktur ordine longo greift Poliziano zurück auf einen gängigen epischen Versschluss, der insbesondere von Silius Italicus gebraucht wurde. 36 Poliziano bedient sich gebräuchlicher hexametrischer Formeln, ohne dass damit sogleich eine tiefere, allusive Funktion verbunden wäre, die über die Literalebene des Textes hinauswiese. Die Versatzstücke werden - dies ist die Technik des Ilias-Übersetzers - auf ihre formale und inhaltliche Eignung hin ausgewählt und schließlich zu einem homogenen neuen Vers verschweißt. Man erkennt hier in exemplarischer Weise, was für den Rusticus im Gesamten gilt: Poliziano lässt auf dem Gebiet der Landwirtschaft nicht nur ein Vorbild gelten, sondern vereinigt verschiedene Quellen, die Material bieten für eine metrisch anspruchsvolle und fachwissenschaftlich möglichst exakte Darstellung komplexer Vorgänge. Dass dieser Anspruch freilich aus der Zielsetzung resultiert, mit den großen Dichtern der Antike in Wettstreit zu treten, wie Poliziano bereits einige Jahre früher im Widmungsgedicht seiner Ilias-Übersetzung formuliert hatte, ist evident. Die Beschäftigung mit Homer hat Polizianos Selbstverständnis als Gelehrter in entscheidendem Maße geprägt. Greifbar wird dies in der eingangs zitierten übel beleumdeten Rede von 1486. Sie steht am Beginn einer Reihe polemischer Schriften, in denen Poliziano an der Konzeption des Panepistémon arbeitete, des umfassend Gebildeten, den er, auch unter der Bezeichnung grammaticus, gegen die Philosophen seiner Zeit ins Feld führte. 37 Als Vorkämpfer und Identifikationsfigur hierfür galt ihm Homer. Polizianos poetische Auseinandersetzung mit Homer beginnt jedoch sehr viel früher. Die Ilias-Übersetzung erschließt, eindringlicher als jedes andere Werk, die Dichtungskonzeption Polizianos. Sie erlaubt, dem Dichter und Gelehrten bei der Arbeit über die Schulter zu sehen und die Genese seiner Dichtung nachzuvollziehen. Der jugendliche Übersetzer der Ilias ist der mechanische ‚Zusammenschweißer‘ und unermüdliche Sucher nach dem geeigneten Wort. Dieses Charakteristikum des poetischen Stils Polizianos ist die Folge seines enzyklopädischen Anspruchs - seine Lehrmeister sind Andronicus Callistus und Homer. 35 So Lucr. 2, 882; Ov. am. 2, 6, 55; medic. 34; trist. 2, 425; Lucan. 1, 474; 3, 377; 4, 19; 6, 693; 7, 417; Stat. Theb. 10, 142; Iuv. 12, 53; Poliziano selbst hat in seiner Ilias-Übersetzung wiederholt von diesem Versauftakt Gebrauch gemacht: Pol. Il. 2, 106; 830; 3, 594. 36 Vgl. Sil. 6, 564; 7, 76; 733; 11, 295; 13, 809; 14, 645; vgl. außerdem Verg. Aen. 1, 395. 37 Vgl. hierzu den Beitrag von Francesco Caruso in diesem Band. <?page no="282"?> 272 Tobias Dänzer Literaturverzeichnis Bettinzoli, Attilio: Daedaleum iter. Studi sulla poesia e la poetica di Angelo Poliziano, Firenze 1995. Bettinzoli, Attilio: La lucerna di Cleante. Poliziano tra Ficino e Pico, Firenze 2009. Bianca, Concetta: La diffusione manoscritta e a stampa degli Scriptores rei rusticae nel Quattrocento, Schede umanistiche 21, 1, 2007, 91-106. 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Pact.: 1 In Andr. Ter.: 65-66, 73, 148- 154 In Fast. Ov.: 5 In Stat. Silv.: 145-154 Misc.: 234 I 4: 173 77: 213 II 49: 131-140 Elegiae Ad Cantal.: 55-57 Ad Font. 181-192: 41-42 De Ovidii exilio et morte: 24 Epic. in Alb.: 1-25, 50-52 89-92: 32-33 117-118: 50 145-157: 51 159-160: 34 258: 51 259-262: 52 281-286: 52 Epigrammata: 119-130 graec. (Pontani) 7: 15-16 11: 183-184, 185 25: 197-199 31: 197 36: 209 48: 124 40: 126 50: 124-125 51: 206 54: 105-108 55: 129 57: 207 lat. (Del Lungo) 5-10: 123 8: 203 27: 123 28: 124 29: 85-86, 91 30: 124 31-33: 124 43-52: 123 44: 68 47: 124 49: 65 50: 65-70 52: 208 53: 31 55: 101-105 109: 49 ex Moscho: 128 Epistolarum liber 3, 11: 246 5, 7: 107-108 Interpretationes Trad. Charm.: 177-179, 243-257 Trad. Epict.: 158-160, 247 Trad. Il.: 2, 7, 96, 179, 246, 259- 271 Postille: 253, 261, 264-266 Odae (Del Lungo) 2: 123 7: 121 9: 70-74, 195-196, 209 Orationes et sermones Della Passione: 114-116 Or. in exp. Hom.: 99, 166, 262- 262 <?page no="286"?> 276 Register Pro Epict.: 161-162 Quod in pueris (De ira): 86-87 Praelectiones De dial.: 172, 184 In Pers.: 71-73, 78, 177 Lamia: 48-49, 51, 157, 163-173, 210, 245-246 Panepist.: 42, 52, 143-154, 166- 167, 172 Silvae Ambr.: 57, 262 Nutr. 116-131: 42-43 379: 193 558-561: 54 576-579: 54-55 Rust.: 270-271 Silv. in scab.: 35-40, 74-79, 83- 98, 250-251 1-12: 37 12-26: 75 27-52: 78 62-72: 76 108-109: 39 226-233: 39 292-295: 78 292-312: 94 317-325: 40 348-358: 91 Stanze: 5-6, 15, 53, 96 1, 45, 1: 18 1, 99-103: 108-113 2, 1-46: 53-54 2, 23-26: 58-60 Namensregister Acciaiuoli, Giovanni di Piero 227 Acciari, Michele 220, 222, 229- 231 Alberti, Leon Battista 64, 99 Albizi, Albiera degli 1-25 Alexander Aphr. 73, 247 Ammannati, Jacopo 245 Auct. Anth. Pal. 106-107, 126, 127-129 7, 42: 56 9, 346: 204 9, 365: 205 Argyropulos, Johannes 183 Aristophanes Gramm. 173 Aristoteles 72, 169 Eth. Nic.: 78, 143 Part. an.: 73 Poet.: 66, 146-148, 150 n. Probl.: 74 Rhet.: 31, 78 Artemidor 53 Bade, Josse 255 Beccadelli, Antonio 73 Boccaccio, Giovanni 243 Bosso, Matteo 235-237 Botticelli, Sandro 58, 113 Bourbon, Nicolas 203-217 Bruni, Leonardo 244 Budé, Guillaume 215 Calderini, Domizio 170-171, 133-140 Callistus, Andronicus 178, 179 n., 249 n., 263-271 Calpurnius Siculus 121-122 Catull 13, 18, 21, 23, 38, 64, 120- 121, 209, 210-211 Chalkondyles, Demetrios 183 Cicero 73, 85, 211-212 Cael.: 68 De orat.: 66-69, 75-76, 153 Div. Caec.: 254 Fin.: 48, 244 <?page no="287"?> Register 277 Nat. deor.: 34 Or.: 254 Tusc.: 31, 35, 80, 94, 251-252, 254 Claudian 56, 92-93 Cleanthes Stoicus 173 Columella 270 Conti, Girolamo di Pietro 228 Dante 54 Dei, Bartolomeo 224-227, 229 Demokrit 71, 75-77 Diomedes Gramm. 152-154 Ducher, Gilbert 192-201 Epiktet 34, 158-164, 247 Erasmus 68, 77, 200 Esperiente, Callimaco 57 Ficino, Marsilio 33-35, 36, 41-42, 48, 56, 158, 177-186, 255 Fora, Gherardo di Giovanni del 224-226 Fracastoro, Girolamo 73-74 Galeatano, Bartolomeo 224-226 Hesiod 51, 56 Homer 57, 65-66, 243-244, 253, 261-271 Il.: 52, 53, 93, 261, 264-267 Od.: 122, 254 Batr.: 74, 91, 95 Hym.: 112-113 Horaz Ars: 58, 192-193 Epist.: 195 Serm.: 69 Jamblich 168 Joubert, Laurent 68, 73-74, 77, 79 Laskaris, Janos 106-107, 125, 200 Lucan 85, 90-91, 95 Lucilius 68-70 Lukrez 50, 92-95 Macrobius 52 Malatesta, Annalena 1-2 Marullus, Michael 121, 123-128 Martial 68 Medici, Lorenzo de’ 50, 78, 83- 85, 86, 91, 94, 95-97, 159, 247- 252 Merula, Giorgio 259 Michelozzi, Bernardo 232-233 Modesti, Iacopo 223, 234 Naldi, Naldo 33 Nazianz, Gregor von 185 Nonnos 53 Ovid / Ps.-Ovid 32 Ars: 12, 15 Am.: 8, 14, 193 Cons. Liv.: 4-5 Her.: 24 Met.: 12-13, 20, 22-23, 34, 53, 58-60, 92-93, 95, 102-103, 112, 125-126, 268, 269 Perotti, Niccolò 248 Persius 268 Petrarca, Francesco 32, 33, 49, 51, 54, 96-97, 243 Pico della Mirandola 177, 183, 248 Pilato, Leonzio 243-244 Pindar 51 Platon / Ps.-Platon 157-173, 177- 179 Alc. I: 162 Apol.: 48 Charm.: 177, 248-255 Phileb.: 72, 74 Res publ.: 78 Plinius maior 68, 78-79, 195 Plotin 183, 184 Plutarch / Ps.-Plutarch am.: 247 De Hom.: 99, 262-264 Pontano, Giovanni 49-50, 54, 73, 210 Porphyrios 180, 182-183 Priskianos Lydos 180-182 Pythagoras 57, 163-164, 168, 171 Quintilian 58, 69, 149-150 <?page no="288"?> 278 Register Rabelais 70 Salutati, Coluccio 36, 153 Sannazaro, Jacopo 210 Scala, Alessandra 124-125 Scala, Bartolomeo 160-162, 260 Scaliger, Julius Caesar 4-5 Scève, Maurice 193, 197-199, Seneca / Ps.-Seneca Cons. Marc.: 34 Const. sap.: 40 De ira: 38-40, 86-87 Epist.: 43 Herc. fur.: 85 Oedip.: 11, 92 Polyb.: 34 Tranquill.: 36, 41 Herc. Oet.: 37-38, 84, 86, 92-95 Simonides 99 Statius 32 Achill.: 11 Silv.: 10-11, 15-17, 22, 33, 52, 93, 131-140, 249-250 Theb.: 53, 58, 85 Stufa, Sigismondo della 1-9 Synesius Cyr. 56 Terenz 104 Theokrit 47, 209 Tibull 60 Toussain, Jacques 197, 198, 203- 217 Tzetzes, Johannes 146, 148, 149, 154 Uberti, Matteo 223, 230 Valla, Lorenzo 244 Varro Rust.: 270 Vergil 54, 213-214 Aen.: 12, 17, 19, 51, 57, 92-93, 207 Culex: 74 Georg.: 92-93, 269, 270 Verino, Ugolino 33 Vitruv 269 Zuccaro, Taddeo 59-60 <?page no="290"?> NeoLatina herausgegeben von Thomas Baier, Wolfgang Kofler, Eckard Lefèvre und Stefan Tilg in Verbindung mit Achim Aurnhammer Bereits erschienen: 1 Ulrike Auhagen / Eckard Lefèvre / Eckart Schäfer (Hrsg.) Horaz und Celtis 2000, 338 Seiten €[D] 54,- ISBN 978-3-8233-5791-9 2 Ulrike Auhagen / Eckart Schäfer (Hrsg.) Lotichius und die römische Elegie 2001, 322 Seiten €[D] 54,- ISBN 978-3-8233-5792-6 3 Eckard Lefèvre / Karin Haß / Rolf Hartkamp (Hrsg.) Balde und Horaz 2002, 393 Seiten €[D] 68,- ISBN 978-3-8233-5793-3 4 Thomas Baier (Hrsg.) Pontano und Catull 2002, 321 seiten €[D] 68,- ISBN 978-3-8233-5794-0 5 Eckart Schäfer (Hrsg.) Johannes Secundus und die römische Liebeslyrik 2004, 370 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6080-3 6 Joachim Camerarius Eclogae / Die Eklogen herausgegeben von Lothar Mundt 2004, XXXVII, 327 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-8233-6081-0 7 Tamara Visser Antike und Christentum in Petrarcas Africa 2004, V, 411 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-8233-6117-6 8 Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hrsg.) Balde und die römische Satire/ Balde et la satire romaine 2005, 343 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6141-1 9 Ulrike Auhagen / Stefan Faller / Florian Hurka (Hrsg.) Petrarca und die römische Literatur 2005, 337 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6142-8 10 Eckart Schäfer (Hrsg.) Sannazaro und die Augusteische Dichtung 2005, 278 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-8233-6193-0 <?page no="291"?> 11 Eckart Schäfer (Hrsg.) Sarbiewski Der polnische Horaz 2006, 321 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6224-1 12 Reinhold Glei (Hrsg.) Virgilius Cothurnatus - Vergil im Schauspielhaus Drei lateinische Tragödien von Michael Maittaire 2006, 220 Seiten €[D] 49,- ISBN 978-3-8233-6238-8 13 Eckard Lefèvre / Eckart Schäfer (Hrsg.) Daniel Heinsius Klassischer Philologe und Poet 2007, 443 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6339-2 14 Thorsten Fuchs Philipp Melanchthon als neulateinischer Dichter in der Zeit der Reformation 2007, 428 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6340-8 15 Eckart Schäfer / Eckard Lefèvre (Hrsg.) Michael Marullus Ein Grieche als Renaissancedichter in Italien 2008, 288 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6435-1 16 Eckart Schäfer (Hrsg.) Conrad Celtis: Oden / Epoden / Jahrhundertlied Libri Odarum quattuor, cum Epodo et Saeculari Carmine (1513) 2012, 394 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6635-5 17 Eckard Lefèvre / Eckart Schäfer (Hrsg.) Ianus Dousa Neulateinischer Dichter und Klassischer Philologe 2009, 360 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6525-9 18 Eckard Lefèvre / Eckart Schäfer (Hrsg.) Beiträge zu den Sylvae des neulateinischen Barockdichters Jakob Balde 2010, 351 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6614-0 19 Marie-France Guipponi-Gineste / Wolfgang Kofler / Anna Novokhatko / Gilles Polizzi (Hrsg.) Die neulateinische Dichtung in Frankreich zur Zeit der Pléiade / La Poésie néo-latine en France au temps de la Pléiade 2015, 340 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6702-4 20 Wolfgang Kofler / Anna Novokhatko (Hrsg.) Cristoforo Landinos Xandra und die Transformationen römischer Liebesdichtung im Florenz des Quattrocento 2016, ca. 400 Seiten ca. €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6785-7 21 Stefan Tilg / Isabella Walser (Hrsg.) Der neulateinische Roman als Medium seiner Zeit/ The Neo-Latin Novel in its Time 2013, VIII, 262 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6792-5 <?page no="292"?> 22 Iris Heckel (Hrsg.) Floris van Schoonhoven Lalage sive Amores Pastorales - Lalage oder Bukolische Liebesgedichte (1613) 2014, 468 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6897-7 23 Thomas Baier / Jochen Schultheiß (Hrsg.) Würzburger Humanismus 2015, X, 295 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6898-4 24 Thomas Baier / Tobias Dänzer / Ferdinand Stürner (Hrsg.) Angelo Poliziano Dichter und Gelehrter 2015, X, 278 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-8233-6977-6 25 Patrick Lucky Hadley Athens in Rome, Rome in Germany Nicodemus Frischlin and the Rehabilitation of Aristophanes in the 16th Century 2015, 185 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-8233-6923-3 <?page no="293"?> Angelo Poliziano (1454-1494) zählt als enzyklopädisch gebildeter Gelehrter und Professor am Florentiner Studio sowie als Schöpfer eines facettenreichen poetischen Oeuvres zu den großen Leitfiguren des europäischen Humanismus. Er schuf griechische, lateinische und italienische Dichtungen von weitreichendem Einfluss, schrieb Epigramme, Elegien und Silven; er befasste sich mit der philologischen Erschließung des antiken Erbes und hielt Vorlesungen über Homer, Ovid, Statius und Aristoteles. Die in diesem Band versammelten Studien leuchten zentrale Aspekte der reichen intellektuellen Biographie des Dichters wie des Philologen aus und zeichnen im Dialog mit der jüngsten Forschung ein aktuelles Bild von seiner geistesgeschichtlichen Bedeutung. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die Verbindungslinien zwischen dichterischem und theoretischem Werk, das Verhältnis zu anderen Humanisten des mediceischen Florenz und Aspekte der Rezeptionsgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert. Neo L atina