eJournals Fremdsprachen Lehren und Lernen 54/1

Fremdsprachen Lehren und Lernen
flul
0932-6936
2941-0797
Narr Verlag Tübingen
10.24053/FLuL-2025-0001
0428
2025
541 Gnutzmann Küster Schramm

Zur Einführung in den Themenschwerpunkt

0428
2025
Marlene Aufgebauer
flul5410003
54 • Heft 1 DOI 10.24053/ FLuL-2025-0001 M ARLENE A UFGEBAUER * Zur Einführung in den Themenschwerpunkt Das umfassende und vielseitige Thema ‚Feedback im Fremdsprachenunterricht‘ stellt bereits seit geraumer Zeit einen wesentlichen Interessensschwerpunkt der Fremdsprachenforschung dar (vgl. H ATTIE / T IMPERLEY 2007). Zumeist werden in einschlägigen Publikationen vor allem die unterschiedlichen Feedbackformen und -möglichkeiten, die Wirkung und Effizienz des Feedbacks oder auch die Annahme, das Ablehnen oder das Umsetzen des Feedbacks aus Lernendenperspektive betrachtet. Ebenso steht häufig das Feedback auf schriftliche Produktionen von Fremdsprachenlerner*innen im Zentrum, da diese leichter greifbar und weniger flüchtig sind als mündliche Äußerungen. Selten wird das komplexe Thema des Feedbacks im Fremdsprachenunterricht jedoch aus Sicht der Lehrpersonen beziehungsweise in Bezug auf die Ausbildung angehender Fremdsprachenlehrer*innen betrachtet (vgl. B ECKER / S TUDE 2021; R ÜTTI -J OY 2019, 2021); insbesondere der Aspekt des Feedbacks auf mündliche Beiträge von Lerner*innen wird nur marginal fokussiert. Um Lernenden einer Fremdsprache gezielt adressatengerechtes, dem Sprachstand entsprechendes und lernförderliches Feedback auf mündliche Produktionen wie beispielsweise Kurzpräsentationen von Gruppen- und Projektarbeiten oder Impulsreferate zu geben, bedarf es auf Seiten der Lehrpersonen einer Vielzahl unterschiedlicher Kompetenzen und Fertigkeiten, die bereits in der Fremdsprachenlehrer*innenausbildung verstärkt bewusst gemacht, ausgebaut und geübt werden sollten. Die mannigfaltigen Kompetenzen, über die eine Fremdsprachenlehrperson neben zahlreichen anderen allein auf der sprachlichen Ebene (linguistisch und pragmatisch) verfügen sollte, werden u.a. in den Berufsspezifischen Sprachkompetenzprofilen für Lehrpersonen für Fremdsprachen (vgl. B LEI - CHENBACHER et al. 2017; K USTER et al. 2014; E GLI C UENAT et al. 2016) aufgezeigt. Beispielhaft sei eine von zahlreichen in den Berufsspezifischen Sprachkompetenzprofilen formulierte Kann-Beschreibung für Fremdsprachenlehrpersonen der Sekundarstufe I (für Deutsch, Englisch oder Französisch) angeführt, die unter dem Hand- * Korrespondenzadresse: Mag. Dr. Marlene A UFGEBAUER , Universität Wien, Institut für Germanistik, Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache; Porzellangasse 4/ 2/ 4 in 1090 W IEN E-Mail: marlene.aufgebauer@univie.ac.at Arbeitsbereiche: Lehrer*innenbildung, Professionalisierung von Fremdsprachenlehrer*innen, Schreibprozessforschung Fokus Fe edba ckkompetenz 4 Marlene Aufgebauer DOI 10.24053/ FLuL-2025-0001 54 • Heft 1 lungsfeld „Beurteilen, Rückmeldungen geben und beraten“ bereits deutlich auf die Komplexität der lehrer*innenseitigen Feedbackkompetenz verweist: Die Lehrperson kann in der Zielsprache... die mündliche Sprachproduktion von Lernenden verstehen, analysieren und beurteilen, um eine differenzierte Rückmeldung geben zu können. a Auf der Basis eines kurzen Monologs (z.B. Kurzbericht mit eigenen Kommentaren, Textzusammenfassungen) anhand von Kriterien (z.B. Inhalt, Spektrum sprachlicher Mittel, Genauigkeit, Redefluss oder Angemessenheit des Sprachregisters) Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten ermitteln. b Anhand einzelner Kriterien die mündlichen Beiträge von zwei Lernenden beurteilen, die einen Dialog führen (z.B. über Austausch oder Musik). (K USTER et al. 2014: 13) Auch in der Betrachtung einiger weiterer Kompetenzrahmen und Profilraster zu professionellem unterrichtlichen Handeln angehender Fremdsprachenlehrer*innen, in welchen nicht ausschließlich die zielsprachlichen Fertigkeiten von Fremdsprachenlehrer*innen angeführt sind (vgl. C AMBRIDGE E NGLISH T EACHING F RAMEWORK 2018; E AQUALS 2020; E UROPÄISCHE U NION 2011-2013; E UROPARAT 2007), wird deutlich, wie groß die Anzahl der Teilkompetenzen unterrichtlichen Handelns ist, die erforderlich sind, um Fremdsprachenlernenden eine lernfördernde konstruktive Rückmeldung zu ihren mündlichen Äußerungen und Leistungen zu geben. Zusätzlich zu den gewissermaßen übergeordneten (fremd-)sprachlichen Kompetenzen müssen angehende Fremdsprachenlehrpersonen im Sinne eines spracherwerbsförderlichen Lehrer*innenhandelns auch über Kompetenzen im Bereich Diagnose und Evaluation des Sprachstandes (vgl. R ÜCKL et al. 2022), Erkennen des Lernfortschrittes und Wissen um die Zone der nächsten Entwicklung (vgl. V YGOTSKIJ 1987), Erkennen der Fehlerarten und Wissen um die Ursachen (Kompetenz, Performanz) sowie deren Bearbeitungsmöglichkeiten verfügen. Ebenso müssen in der unterrichtlichen Interaktion und für mündliches Feedback in der (Halb-)Öffentlichkeit eines Klassenzimmers oder Sprachkurses auch Kompetenzen im Bereich der Empathie und Gesichtswahrung erlangt werden, was laut L AZOVIC (2023) ein deutliches Desiderat in der Forschung und Praxis der Fremdsprachenlehrer*innenausbildung darstellt und worauf sie wie folgt hinweist: Die diskursive Entwicklung der Empathie in der Unterrichtskommunikation, das Verhältnis unterschiedlicher Dimensionen der Empathie sowie ihre Förderung im Kontext der Ausbildung von Lehrkräften ist empirisch immer noch ungenügend untersucht und wenig in die Prozesse der Reflexionsförderung integriert [...]. (L AZOVIC 2023: 19) Zu den Beiträgen Der Beitrag von M ARLENE A UFGEBAUER behandelt die Bedeutung von Feedbackkompetenz für angehende Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/ DaZ) und deren Integration in die Lehrkräfteausbildung. Er zeigt, dass Feedback ein essenzielles Werkzeug im Sprachenlernen ist, sowohl um Lernende zu motivieren als auch um sie gezielt zu fördern. Dabei wird auf die Subkategorien der Feedback- Zur Einführung in den Themenschwerpunkt 5 54 • Heft 1 DOI 10.24053/ FLuL-2025-0001 kompetenz, wie Empathie, sprachliche Präzision, und Kommunikationsfähigkeit, eingegangen, die eng mit der Diskurskompetenz im Unterricht verbunden sind. Praxisorientierte Methoden wie Micro-Teaching, Videographie und Peer-Feedback werden als zentrale Ansätze zur Förderung dieser Kompetenzen hervorgehoben. Abschließend werden aktuelle Studien ebenso wie Desiderata vor allem zum Einsatz digitaler Feedbacktools und deren Potenzial zur Optimierung von Feedbackprozessen im Fremdsprachenunterricht angeführt. Der Beitrag von O LIVIA R ÜTTI -J OY ist im Bereich des Englischunterrichts, jedoch im schweizerischen Kontext angesiedelt und beschäftigt sich mit den sprachlichen Facetten von Feedback-Kompetenz. Die explorative Studie untersucht die Verständlichkeit von mündlichem Feedback angehender Fremdsprachenlehrender aus der Sicht von Lernenden und hebt hervor, dass eine konzeptuelle Erweiterung von feedback literacies um die sprachliche Facette sinnvoll wäre. Der Beitrag zeigt, dass Lernende eine klare und präzise Aussprache sowie eine angemessene Lautstärke und Komplexität der Inhalte als verständnisfördernd empfinden, während Unflüssigkeit und eine zu hohe Sprachgeschwindigkeit hinderlich sind. Es wird betont, dass für effektive Feedback-Prozesse sowohl die sprachliche als auch die inhaltliche Verständlichkeit unerlässlich sind. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Kooperationen in der Ausbildung von Fremdsprachenlehrenden, um deren Feedback-Kompetenzen zu stärken. Insgesamt tragen diese Erkenntnisse zur Diskussion bei, wie Feedback-Prozesse im Fremdsprachenunterricht optimiert werden können. M ILICA L AZOVIC fokussiert das überaus relevante und zumeist wenig beachtete Thema der Empathie in Sprachlernberatungsgesprächen. Der Artikel untersucht die Rolle der Empathie in Sprachlernberatungsgesprächen aus einer interaktional-linguistischen und longitudinalen Perspektive. Die Studie basiert auf Audioaufnahmen von Beratungsgesprächen und Teamdiskussionen von Lehramtsstudierenden, die internationale Studierende beraten. Die Ergebnisse zeigen, dass empathisches Handeln als wesentlich für die erfolgreiche Sprachlernberatung betrachtet wird, wobei die Übernahme der Perspektive der Lernenden und die Simulation von innerer Rede als zentrale Strategien hervorgehoben werden. Die Ergebnisse unterstreichen des Weiteren die Bedeutung einer anpassungsfähigen und empathischen Kommunikation für den Lernerfolg und die Förderung der Lernautonomie der Studierenden. Es wird deutlich, dass eine vertiefte Reflexion und Weiterentwicklung dieser empathischen Fähigkeiten notwendig ist, um die Qualität der Sprachlernberatung zu verbessern. M ICHAELA R ÜCKL stellt Mentoring Tandems als „Lerngelegenheiten für den Aufbau von Diagnose- und Feedbackkompetenz in sprachendidaktischen Lehrveranstaltungen“ mit dem Fokus auf romanische Sprachen vor. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Tandems durch feedbackbasierte Interaktionen eine wertvolle Lernumgebung bieten, in der Lehramtsstudierende der Unterrichtsfächer Französisch und Spanisch als Fremdsprache ihre pädagogischen Fähigkeiten entwickeln können. Insbesondere die Kategorien Beziehungsfähigkeit, Motivationsfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit wurden positiv beeinflusst. Zudem konnten die Studierenden ihre Fähigkeiten zur Förderung von Lernstrategien und zur Erstellung individualisierter Lernmaterialien 6 Marlene Aufgebauer DOI 10.24053/ FLuL-2025-0001 54 • Heft 1 verbessern. Insgesamt wird das Konzept als wirksames Instrument zur Vorbereitung auf den Lehrberuf bewertet. C ARMEN K ONZETT -F IRTH thematisiert „Feedbackpraktiken im Fremdsprachenunterricht“ und bietet „Eine Bestandsaufnahme mit Überlegungen zur Förderlichkeit von Feedback für die Entwicklung von Interaktionskompetenz“. Der Beitrag untersucht spontane Feedbackpraktiken im Französischunterricht und deren Einfluss auf die Entwicklung von Interaktionskompetenz. Es wurden Unterrichtssituationen analysiert, in denen Lehrkräfte mündliches Feedback zu Schüler*inneninteraktionen gaben, um Hypothesen zur Lernförderlichkeit abzuleiten. Die Ergebnisse zeigen, dass effektives Feedback interaktiv gestaltet und auf die spezifischen Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt sein muss. Die Studie betont die Notwendigkeit differenzierter Feedbackkompetenzen, um Lernprozesse anzuregen und Interaktionsfähigkeiten zu fördern. 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