Fremdsprachen Lehren und Lernen
flul
0932-6936
2941-0797
Narr Verlag Tübingen
10.24053/FLuL-55-0009
flul551/flul551.pdf0511
2026
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Gnutzmann Küster SchrammSvenja HABERLAND, Corinna KOCH (Hrsg.): Das Zusammenspiel physischer Präsenz und digitaler Virtualität im Unterricht romanischer Sprachen. Stuttgart: ibidem 2024, 252 Seiten [€ 29,90]
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2026
Maria Eisenmann
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DOI 10.24053/ FLuL-55-0009 55 • Heft 1 Svenja H ABERLAND , Corinna K OCH (Hrsg.): Das Zusammenspiel physischer Präsenz und digitaler Virtualität im Unterricht romanischer Sprachen. Stuttgart: ibidem 2024, 252 Seiten [€ 29,90] Der vorliegende Band versammelt Beiträge einer Sektion des Romanistentags 2023 in Leipzig unter dem Leitgedanken der Balance und des Zusammenspiels von Präsenzunterricht und digitalen Lernsettings. Bereits in der Einleitung betonen H ABERLAND und K OCH , dass die Erfahrungen mit Pandemieunterricht zwar zu einer stärkeren Integration digitaler und hybrider Lehrformate geführt haben, gleichzeitig aber die Bedeutung unmittelbarer physischer Kommunikation beim Sprachenlernen neu ins Bewusstsein gerückt sei. Gegen dieses Spannungsfeld lotet der Sammelband „Merkmale, Potenziale und Begrenzungen“ (vgl. Einführung) verschiedener Lehr-Lern-Szenarien aus - sei es virtuell, face-to-face oder im gemischten Format. Der einleitende Beitrag klärt zudem zentrale Begriffe und orientierende (Bildungs-)Leitlinien zum Thema, bevor der Band in drei große Abschnitte gegliedert wird. Der erste Block „Digitale und physische Austausche“ vereint drei Beiträge, die sich mit transnationalen Lernsettings befassen und zeigen, wie digitale sowie auch physische Begegnungen zur Förderung von Sprachhandeln, Reflexionsfähigkeit und interkultureller Kompetenz beitragen können. Michaela R ÜCKL analysiert die didaktischen Potenziale von eTandems unter besonderer Berücksichtigung sozialkonstruktivistischer Ansätze. Sie betont, dass durch medienbasierte Peer-Interaktion metakognitive Prozesse angestoßen und Aufgabenformate hinsichtlich Authentizität, Individualisierung und Adaption weiterentwickelt werden können. Lisa Marie B RINKMANN und Franziska G ERWERS stellen ein Blended-Mobility-Projekt zwischen Schülerinnen und Schülern aus Hamburg und Navarra vor, in dessen Zentrum der Vergleich schulischer Systeme und die gemeinsame Entwicklung alternativer Schulkonzepte steht. Die Autorinnen belegen anhand qualitativer Auswertungen, dass ein gezielt angeleiteter Austausch in virtuellen und physischen Räumen zur kritischen Reflexion globaler Bildungsfragen beitragen kann. Carola S TROHSHEN und Katharina L EONHARDT dokumentieren ein deutsch-spanisches eTandem-Projekt zwischen den Universitäten Erfurt und Murcia zur vergleichenden Phraseologie. Sie zeigen auf, wie durch die kontrastive Arbeit mit idiomatischen Wendungen kulturelle Differenzerfahrungen sprachlich sichtbar und reflektierbar werden. Gemeinsam machen diese Beiträge deutlich, dass digitale Austauschformate - ob im schulischen oder hochschulischen Kontext - besonders lernwirksam sind, wenn sie klar gerahmt und auf Reflexion sowie sprachlich-kulturelle Vertiefung hin konzipiert sind. Der zweite Abschnitt „Authentische digitale Kommunikation“, thematisiert die Verbindung von digitaler Medienpraxis und fremdsprachlichem Lernen unter der Prämisse lebensnaher, authentischer Sprachverwendung. Anne-Marie L ACHMUND zeigt, wie Social Media im Fremdsprachenunterricht Autonomie und digitale Kompetenzen fördern können, und thematisiert Datenschutz und didaktische Steuerung. Christian O LLIVIER erweitert das Konzept der „realworld tasks“, bei dem Lernende in digitalen Kontexten mit externen Gesprächspartnern interagieren und durch die Lehrkraft gezielt unterstützt werden. Elke H ÖFLER analysiert vor dem Hintergrund der Medienkonvergenz und der Auflösung traditioneller Mediengrenzen, welche neuen Anforderungen sich für Sprachunterricht und Medienbildung in einer (post-)digitalen Kultur ergeben. Dabei wird insbesondere die Notwendigkeit einer kritisch-reflektierten Medienkompetenzbildung betont, die Lernende als mündige digitale Bürgerinnen und Bürger qua- B e s p r e c h u n g e n Besprechungen 137 55 • Heft 1 DOI 10.24053/ FLuL-55-0009 lifiziert. Regina S CHLEICHER entwickelt schließlich ein literaturdidaktisches Modell für den Französischunterricht, das virtuelle Räume wie digitale Karten, Musikdienste oder Museumsplattformen in die Auseinandersetzung mit französischsprachiger Literatur integriert. Ihr Konzept orientiert sich an bildungspolitischen Vorgaben (z. B. zu BNE) und zeigt exemplarisch, wie literarisches Lernen durch digitale Zugänge geöffnet werden kann. Die Beiträge dieses Abschnitts verdeutlichen, dass ‚Authentizität‘ im digitalen Fremdsprachenunterricht nicht nur als Reproduktion realer Sprechsituationen verstanden werden kann, sondern als gestaltbares, mediatisiertes Lernarrangement, das didaktisch reflektiert werden muss. Der dritte Abschnitt „Digital angereicherte Unterrichtssettings“ fokussiert innovative Lehr- Lern-Formate, die digitale Medien zur Erschließung neuer Lernräume, Themenfelder und methodischer Zugänge nutzen. Elissa P USTKA , Barbara S OUKUP , Lisa K RAMMER und Sophia S EEREINER berichten vom VisibLL-Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler als „Citizen Scientists“ die mehrsprachige Sprachlandschaft Wiens als außerschulischen Lernort erforschen. Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass solche Projekte nicht nur sprachliche Beobachtung und Reflexion fördern, sondern auch methodisch, organisatorisch und motivatorisch anspruchsvoll sind. Philipp F ÖRSTER und Lukas E IBENSTEINER entwickeln mit ihrem virtuellen Escape Room „Escape Strasbourg“ ein szenariobasiertes Lernformat, das plurilinguale Kompetenz, Kollaboration und Spielmotivation verbindet. Angesiedelt zwischen universitärer Lehrkräfteausbildung und -fortbildung adressiert der hybride Ansatz kognitive, affektive und konative Aspekte des Sprachenlernens und wurde im Rahmen einer punktuellen empirischen Erhebung hinsichtlich seines Motivationspotenzials evaluiert. Melanie A RRIAGADA widmet sich schließlich dem Einsatz von KI-gestützten Schreibassistenzen wie DeepL und ChatGPT im Spanischunterricht. Ihre didaktische Konzeption versteht die Tools nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung für sprachproduktive Prozesse, etwa im Rahmen hybrider Textproduktion, strategischer Prompt-Nutzung oder metasprachlicher Reflexion über maschinell erzeugte Texte. Besonders betont wird die Notwendigkeit einer kritischen digitalen Sprachbewusstseinsbildung. Alle Beiträge in diesem Block zeigen, wie digitale Werkzeuge den Unterricht über traditionelle Lernräume hinaus erweitern und neue Formen des (inter-)aktiven Sprachenlernens ermöglichen. Der Sammelband vermittelt einen differenzierten Überblick über zeitgemäße didaktische Konzepte an der Schnittstelle von physischer Präsenz und digitaler Virtualität im Fremdsprachenunterricht. Die Beiträge reichen von reflektierten Praxisberichten über innovative Unterrichtsformate bis hin zu medien- und kulturpädagogischen Perspektiven. Zahlreiche Kapitel entwickeln konkrete Szenarien für den Einsatz digitaler Medien (u. a. eTandems, Social Media, virtuelle Escape Rooms oder KI-gestützte Tools) und veranschaulichen, wie diese zur Erreichung konkreter Lernziele, zur Förderung kommunikativer Kompetenzen oder zur Öffnung des Lernraums genutzt werden können. Die Technologisierung des Fremdsprachenlernens wird dabei nicht als Selbstzweck, sondern als funktionale Erweiterung verstanden. Dabei konzentrieren sich die Beiträge auf den Französisch- und Spanischunterricht - ein Fokus, der angesichts der besonderen Relevanz dieser Sprachen im schulischen Fremdsprachenkanon plausibel ist und die didaktische Tiefenschärfe der vorgestellten Konzepte stärkt. Die enge fachliche Verankerung erlaubt eine präzise Auseinandersetzung mit sprachspezifischen Herausforderungen, kulturellen Bezügen und curricularen Anforderungen. Zugleich wird deutlich, dass viele der skizzierten Methoden - etwa projektorientiertes Arbeiten mit digitalen Tools, transnationale Kooperationen oder die Integration KI-gestützter Schreibassistenz - prinzipiell auch auf andere Fremdsprachen übertragbar sind. Gerade weil zentrale didaktische Prinzipien wie Authentizität, Kollaboration oder Reflexion im Mittelpunkt stehen, bieten die Beiträge zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine auch nicht romanistische Fremdsprachendidaktik. 138 Besprechungen DOI 10.24053/ FLuL-55-0010 55 • Heft 1 Die Beiträge stammen aus verschiedenen Ländern und Hochschulkontexten (u. a. Deutschland, Österreich, Spanien) und eröffnen durch ihre unterschiedlichen institutionellen Rahmungen vielfältige didaktische Zugänge. Die Kapitel sind einheitlich aufgebaut, klar gegliedert und mit englischen Abstracts versehen, was sowohl die Orientierung im Band erleichtert als auch seine internationale Anschlussfähigkeit stärkt. Die sprachliche Darstellung ist durchgehend präzise und terminologisch fundiert, ohne an Verständlichkeit einzubüßen. Besonders hervorzuheben ist die konzeptionelle und didaktische Sorgfalt, mit der viele Autor: innen konkrete Unterrichtsbeispiele modellieren und reflektieren. Diese Praxisnähe macht zahlreiche Beiträge für die direkte Umsetzung oder Weiterentwicklung im eigenen Unterricht anschlussfähig. Die Heterogenität der Beitragstypen - von empirischen Studien über konzeptionelle Entwürfe bis hin zu theoretischen Reflexionen - erweist sich als Stärke, da sie unterschiedliche Perspektiven, Fragestellungen und Erfahrungsstände adressiert. Kritisch zu vermerken ist jedoch die Entscheidung, den abschließenden Beitrag ausschließlich auf Spanisch zu veröffentlichen, was die sprachliche Kohärenz des Bandes beeinträchtigt. Insgesamt stellt der Sammelband eine fundierte und praxisnahe Ressource für Lehrende und Studierende im Bereich der romanischen Fremdsprachendidaktik dar. Er liefert wertvolle Impulse zur Verknüpfung analoger und digitaler Lernphasen und eröffnet vielfältige Anregungen zur Weiterentwicklung und Adaption der vorgestellten Konzepte. Mit seinem Schwerpunkt auf der Wechselwirkung von Präsenz und Virtualität verweist der Band auf eine zentrale Herausforderung der Fremdsprachendidaktik im 21. Jahrhundert und lädt dazu ein, die Transformation des Unterrichts nicht nur zu begleiten, sondern aktiv mitzugestalten. Würzburg M ARIA E ISENMANN Gwendoline L OVEY : Interaktives Sprechen im lehrwerkbasierten Fremdsprachenunterricht der Grundschule. Tübingen: Narr Francke Attempto 2024 (Romanistische Fremdsprachenforschung und Unterrichtsentwicklung), 507 Seiten [92,00 €] Die umfangreiche Monographie von Gwendoline L OVEY , mit der sie 2023 an der Universität Augsburg promovierte, beschäftigt sich mit dem Lehren und der Entwicklung mündlicher Kompetenzen, einem Kernthema des Fremdsprachenunterrichts. Der Fokus auf das interaktive Sprechen ist besonders willkommen, noch dazu in Verbindung mit einer ausführlichen Beforschung der Lehrwerksverwendung. Die Arbeit stellt in Kapitel 1 zunächst die Ziele und Forschungsfragen vor. Besonders erfreulich im Kontext einer qualitativen Studie ist es, dass die Forscherin auch ihre eigene Rolle im Forschungsprozess thematisiert. Der Forschungsüberblick in Kapitel 2 präsentiert sodann den theoretischen Hintergrund der Studie, wobei sowohl didaktische Methoden für den Unterricht der Kompetenz Sprechen (2.3) als auch sprachwissenschaftliche Modelle zur analytischen Erfassung von kognitiven Prozessen beim Sprechvorgang (2.4) vorgestellt werden. Während die fremdsprachendidaktische Forschung in Kapitel 2.2 nur seit 2001 besprochen wird, findet sich in Kapitel 2.3. ein historischer Abriss über Lehrwerksmethoden der letzten 120 Jahre. In Kapitel 2.5. „Forschungsdiskurse zur mündlichen Sprachproduktion“ reichen die Quellen wiederum nur bis 2017. Es bleibt etwas unklar, wieso hier unterschiedliche Zeiträume angesetzt wurden. Komplettiert wird der Überblick durch zwei Kapitel zum Stand der Forschung in Bezug auf das Handeln und Denken von Lehrpersonen sowie zur Beforschung von Lehrwerken. Diese beiden Kapitel stechen durch besonders kritische Reflexionen hervor, und die Autorin kann hier überzeugend eine Forschungslücke ausmachen sowie ihre eigene Forschung einord-
