Forum Modernes Theater
fmth
0930-5874
Narr Verlag Tübingen
10.24053/FMTh-2024-0008
0120
2025
351-2
BalmePerformative Zugehörigkeiten. Levke Harders’ ‚doing belonging‘ in Justitia! Identity Cases (2022)
0120
2025
Anna Sacher
Die Geschichtswissenschaftlerin Levke Harders brachte mit ‚belonging‘ eine Erweiterung zum Begriff der Identität in die Debatte ein. Das auf Prozesshaftigkeit basierendeKonzept zielt jenseits essentialisierender Zuschreibungen auf Aspekte individueller sowie gemeinschaftlicher Agency ab. Die insbesondere mit ‚doing belonging‘ stark gemachte, performative Dimension von sozialen Prozessen wird in diesem Beitrag mit Gin Müllers künstlerischpraktischer Arbeit Justitia! Identity Cases (2022) enggeführt. Methodisch werden im Rahmen einer Aufführungsanalyse die theatralen Marker von Rolle, Setting und Partizipation untersucht. Dabei wird die Frage nach den Grenzen eines ‚doing belonging‘ aufgeworfen, sowie danach, wer an der eigenen Konstruktion von ‚belonging‘ teilhaben kann. Harders’ Konzept birgt, so die Hypothese, das Potential, einerseits persönliche und gemeinschaftliche Zugehörigkeit in Abgrenzung zu festgeschriebenen Identitätsmarkern zu erzeugen und andererseits Grenzen von Agency aufzuzeigen, die diskriminierende Strukturen aufrechterhalten.
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Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) Anna Sacher (Wien) Die Geschichtswissenschaftlerin Levke Harders brachte mit ‚ belonging ‘ eine Erweiterung zum Begriff der Identität in die Debatte ein. Das auf Prozesshaftigkeit basierende Konzept zielt jenseits essentialisierender Zuschreibungen auf Aspekte individueller sowie gemeinschaftlicher Agency ab. Die insbesondere mit ‚ doing belonging ‘ stark gemachte, performative Dimension von sozialen Prozessen wird in diesem Beitrag mit Gin Müllers künstlerischpraktischer Arbeit Justitia! Identity Cases (2022) enggeführt. Methodisch werden im Rahmen einer Aufführungsanalyse die theatralen Marker von Rolle, Setting und Partizipation untersucht. Dabei wird die Frage nach den Grenzen eines ‚ doing belonging ‘ aufgeworfen, sowie danach, wer an der eigenen Konstruktion von ‚ belonging ‘ teilhaben kann. Harders ’ Konzept birgt, so die Hypothese, das Potential, einerseits persönliche und gemeinschaftliche Zugehörigkeit in Abgrenzung zu festgeschriebenen Identitätsmarkern zu erzeugen und andererseits Grenzen von Agency aufzuzeigen, die diskriminierende Strukturen aufrechterhalten. Der Geschichtswissenschaftler Valentin Groebner kocht sich 2022 einen „ Identitee “ , klagt über zähen „ Identiteer “ 1 und ist damit nicht alleine. 2021 fand das Wiener Literaturfestival unter dem Titel Identissimo (oder anderes gleich) statt und hatte zum Ziel, den Begriff der Identität auseinanderzunehmen und in seinen verschiedensten Dimensionen zu untersuchen. 2 Im gleichen Jahr erlangte Mithu Sanyals Roman Identitti Aufmerksamkeit. 3 Er reiht sich dabei nicht nur in vielseitige Wortspiele ein, sondern erweitert den deutschsprachigen Diskurs um Identität und Identitätspolitiken um eine neue Komponente. Sanyal lenkt mit ihrer Geschichte über eine Professorin an einer deutschen Universität, die sich nicht nur privat als Woman of Color ausgibt, sondern so auch als Wissenschaftlerin profiliert und schließlich als weiße Frau enttarnt wird, den Blick, ähnlich den Debatten um Geschlecht, auf Race als Bestandteil von Identitätskonstruktion. Sie wirft damit Fragen auf, was Selbst- und was Fremdzuschreibungen für eigene Zugehörigkeiten bedeuten und wie Identität in intersektionalen und postkolonialen Diskussionen verortet und verunsichert werden kann. Auch wenn Identitti vor allem ein gesellschaftspolitisches Gedankenspiel vornimmt, ist der Fall nicht aus der Luft gegriffen. Ende 2020 wurde beispielsweise die Selbstinszenierung der Influencerin Hilaria Baldwin kurzzeitig zum medialen Skandal. So stellte sich heraus, dass Baldwin seit Jahrzehnten vorgab Spanierin zu sein, mit spanischem Akzent sprach und auf Nachfrage erzählte, sie sei auf Mallorca geboren. Tatsächlich wurde sie in Massachusetts als weiße Amerikanerin geboren und ihr Geburtsname lautet Hillary. 4 In der Performance Justitia! Identity Cases unter der Regie und Konzeption von Gin Müller werden solche Aspekte der Identitätskonstruktion unter dem Begriff ‚ trans-race ‘ in künstlerisch-praktischer Herangehensweise erforscht. Justitia! wurde im November 2022 im brut Wien uraufgeführt. Das brut ist als freie Produktions- und Forum Modernes Theater, 35/ 1-2, 100 - 113. Gunter Narr Verlag Tübingen DOI 10.24053/ FMTh-2024-0008 Spielstätte in Wien ein bekannter Standort für die Performance- und Tanzszene im deutschsprachigen Raum. Justitia ist der erste Teil eines vierjährigen Rechercheprojekts von Gin Müller, Wiener Theaterwissenschafter: in, Performer: in und Queer-Aktivist: in, das im Rahmen des Vereins zur Förderung der Bewegungsfreiheit initiiert wurde. 5 Die Performance Justitia! Identity Cases setzt an den theatralen Dimensionen des Gerichts an und inszeniert einen fiktiven Gerichtsprozess um eine der Protagonist: innen im Spannungsfeld von Selbstinszenierung und Aneignungsvorwürfen innerhalb der ‚ trans-race ‘ -Debatte. Indem über „ wahre “ Identitäten geurteilt werden soll, wird innerhalb der Performance ein stringentes Verständnis von sozialen Prozessen kritisch befragt. Ausgehend vom Begriff der „ Identität “ wird dieser als „ Identitätsprozess “ neu gefasst und untersucht, inwiefern performative Prozesse das Potential bergen, praktisch und eigenmächtig als Gegenentwurf zu festgeschriebenen Identitätsrastern angewendet zu werden. Im Kontext dieses Artistic-Research- Projekts möchte ich den Begriff des ‚ belonging ‘ nach Levke Harders aufgreifen und auf den Prüfstand stellen. Die Geschichtswissenschaftlerin veröffentlichte Anfang 2022 ihre Ausführung zum Konzept von ‚ belonging ‘ , für das sie als Erweiterung zu Identität argumentiert. Nach einer Verortung von Harders ‘ Konzept im Rahmen ihres soziologisch-historischen Forschungsumfeldes soll es auf den Bühnenraum des Theaters übertragen werden. Insbesondere die performativ-körperliche Dimension von ‚ doing belonging ‘ 6 , die von Harders als Teilaspekt von ‚ belonging ‘ eingeführt wird, lässt sich mit Inszenierungsstrategien in Justitia! engführen. Auch wenn in Justitia! am Begriff der „ Identität “ gearbeitet wird, während Harders sich mit ‚ belonging ‘ ausschließlich auf Zugehörigkeiten (in Abgrenzung zur „ Identität “ ) bezieht, gleichen sich die beiden Herangehensweisen in der Verunsicherung scheinbar festgeschriebener, sozialer Einordnungen. Die Engführung von Harders ‘ Konzept und Müllers Performance möchte ich im Rahmen einer exemplarischen Aufführungsanalyse erproben. 7 Mit einem Fokus auf drei Elemente der Inszenierung - Rolle, Setting und Partizipation - wird untersucht, inwiefern die in der Aufführung verhandelten Zugehörigkeiten für das Konzept von ‚ doing belonging ‘ fruchtbar gemacht werden können. Im Versuchsraum der Theateraufführung werden nicht nur unterschiedliche Varianten von Zugehörigkeit auf der Bühne ausgehandelt, sondern auch in der Relation von Bühnengeschehen und Publikum. Zu diesem inszenatorisch hervorgebrachten Raum wirft Matthias Warstat die Frage auf, wie „ eine Inszenierung, die von identitätsbezogenen Ein- und Ausschlüssen handelt, mit den Ein- und Ausschlussmechanismen des Theaters “ 8 umgeht. Anhand von Justitia! lässt sich weiter fragen, wie Agency durch ‚ doing belonging ‘ konstituiert oder auch verunmöglicht wird. Die Verschränkung der Performance Justitia! mit Harders ’ Konzept des ‚ belonging ‘ soll sich diesen Fragen annähern und dabei - so das Ziel - auch die Bedingungen dafür offenlegen, wer auf welche Weise an der eigenen Konstruktion von ‚ belonging ‘ teilhaben kann. Identität vs. ‚ belonging ‘ . Begriffsklärung nach Levke Harders In gegenwärtigen Diskussionen wird der Begriff der Identität vermehrt kritisch hinterfragt, die Soziologen Rogers Brubaker und Frederick Cooper haben ihn bereits 2000 als zu unspezifisch disqualifiziert. 9 Neben Harders 10 plädiert auch Philipp Ther dafür, Identität als einschlägige Kategorie abzuschaffen. Der Begriff sei nicht mehr tragbar, „ denn Identität insinuiert 101 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) ein identisch sein, das man auch mit einer weichen, subjektivistischen Definition nicht wegbekommt “ 11 . Ther führt stattdessen den Begriff der Identifikation an, der sich durch einen aktiven, individuellen Prozess kennzeichnet und „ eine Annäherung an ein Objekt der Identifikation [beschreibt], mit dem man aber nicht eins werden muss “ 12 . Hierbei möchte ich in Abgrenzung zu ‚ belonging ‘ anmerken, dass auch im Rahmen der Identifikation eine Gruppe, die sich durch homogene, identitätsstiftende Merkmale zusammenfindet, als Ausgangspunkt benötigt wird und erst so ein individueller Bezug zu dieser bereits bestehenden und womöglich fremdbestimmten Gruppe aufgebaut werden kann. Harders fragt ebenfalls nach einem Gegenkonzept zum Begriff der Identität, wobei sie ‚ belonging ‘ als Kategorie historischer Analyse in die Debatte einbringt. Sie orientiert sich dabei an den Soziologinnen Floya Anthias und Nira Yuval-Davis, um Zugehörigkeiten abseits von festgeschriebenen gesellschaftlichen Gruppen differenziert und transnational untersuchen zu können. Harders argumentiert für ‚ belonging ‘ , um der Schwierigkeit zu begegnen, in historischen Analysen mit identifikatorischen Kategorien der jeweiligen Zeit zu arbeiten, die mitunter Diskriminierungsstrukturen reproduzieren oder überhaupt erst konstruier(t)en: „ Im Gegensatz zu Konzepten wie Identität betont ‚ belonging ‘ , dass Zugehörigkeiten immer situiert und plural sind, sich verändern, dass sie ebenso strategisch genutzt wie konstruiert sein können “ 13 . Mit dem Ziel, intersektionale Zusammenhänge in der historischen Analyse sichtbar zu machen und mit ihnen weiterarbeiten zu können, verwendet Harders ‚ doing belonging ‘ als Erweiterung, die sich durch eine Enthierarchisierung von Zuschreibungen kennzeichnet. Es sind also Mehrfahrzugehörigkeiten ( ‚ multiple belongings ‘ nach Harders) eines einzelnen Individuums möglich bzw. aus intersektionaler Perspektive sogar die Voraussetzung für die Funktionalität des Begriffs. In dieser Performativität zeigt sich der wichtigste Aspekt von Harders ’ ‚ belonging ‘ , nämlich der seiner Konstruktion. Harders spricht von ‚ doing belonging ‘ , um die Entstehung von Zugehörigkeiten einerseits als nicht festgeschrieben und veränderbar zu markieren und andererseits ihre Verankerung in gesellschaftlichen Diskursen aufzuzeigen. Ther schließt sich Harders ’ Konzept an und problematisiert in der Analysearbeit mit „ Zugehörigkeit “ und „ Identität “ die Passivität und Fremdeinwirkung, die diesen Begriffen inhärent seien. Eine Zuschreibung geht dabei von den Analysierenden - in seinem Fall: den Historiker: innen - aus und nicht von den Individuen. Um dieses Ungleichgewicht zu verändern, müssten die Empfindungen der jeweiligen Personen mit ins Gewicht gezogen werden. „ Doch wer kann derlei Gefühle und die ebenso wichtigen kognitiven Prozesse quellenbasiert bestimmen - das war schon die Crux bei der Identitätsforschung “ 14 , merkt Ther an und verweist in diesem Kontext auf Harders ’ Ansatz des ‚ doing belonging ‘ . Dieser biete eine Möglichkeit, ebendiesem Umstand entgegenzuwirken, da der Fokus nicht auf die Identität/ Zugehörigkeit/ das ‚ belonging ‘ selbst gelegt wird, sondern auf den Prozess, in dem ‚ belonging ‘ , mitunter eigenmächtig erzeugt und konstruiert wird. Im Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdzuschreibung wird in der Anwendung von ‚ belonging ‘ vom Individuum ausgegangen und nicht von der Gruppe, die von einem Identitätsbegriff umfasst wird. Die Wichtigkeit dessen bringt Valentin Groebner auf den Punkt und erläutert, dass die gesellschaftliche Konstruktion einer Gruppe, die die gleichen Identitätsmerkmale teilt, darauf beruhe, „ dass die meisten Personen, die darunter subsumiert werden, vorher nicht gefragt worden sind, ob sie denn auch dabei sein möchten “ 15 . Der Prozess des ‚ doing belon- 102 Anna Sacher ging ‘ gibt demnach mehr Aufschluss über gesellschaftliche Zugänge und eigene Selbstbilder als eine (Fremd-)Zuschreibung, bei der die inhärente Prozesshaftigkeit ausgeblendet wird. Diese Prozesshaftigkeit zeigt sich nach Harders zudem darin, dass ‚ belonging ‘ nicht permanent ist und auch in ein ‚ un-belonging ‘ aufgelöst werden kann. So beschreibt sie den Zustand eines Individuums, das sich vormals über ein ‚ belonging ‘ einer Gruppe zugehörig zeigen konnte und durch veränderte Umstände von dieser Gruppe ausgeschlossen wird oder sich selbst aus der Gruppe zurückzieht. 16 Zusätzlich führt sie die Dimension des ‚ non-belonging ‘ an und fasst darunter den Zustand eines grundsätzlichen Ausschlusses von Individuen, noch bevor diese jemals Teil einer Gruppe waren. ‚ Non-belonging ‘ findet sich häufig in formalen oder (national-)staatlichen Regulierungen, die bestimmte Individuen mitunter wegen ihres Geschlechts oder ihrer Ethnizität konsequent marginalisieren. Der Fokus dieses Artikels wird zunächst auf der Performativität von ‚ belonging ‘ liegen, um anschließend Aspekte von ‚ non-belonging ‘ zu integrieren. Justitia! Identity Cases: Identitätsprozesse als Performance Die Performance Justitia! nähert sich interdisziplinär Fragen nach Gerechtigkeit und dem Verhältnis von Inszenierungen in Theater und Gericht an. Dabei verweist sie auf die Institution des Gerichts als theatral konstruiert und setzt in diesem Sinne einen Gerichtsprozess in sieben Episoden jeweils nach den Logiken verschiedener Theaterformen in Szene. Auch die medialen Darstellungen von Gerichtsprozessen werden zum Thema. Zwischen Doku-Theater, Courtroom-Drama und Gerichts-Musical übernehmen die vier Performer: innen (Gin Müller, Sandra Selimovic´, Mariama Nzinga Diallo und Edwarda Gurrola) unterschiedliche Funktionen innerhalb eines Gerichtsprozesses und performen gemäß den Charakteristika der jeweiligen Theaterformen. Gezeigt wird ein fiktiver Gerichtsprozess um die Figur Icnoyótl González, eine feministische und indigene Aktivistin aus Mexiko mit postkolonialem Schwerpunkt. Angelehnt an Mithu Sanyals Roman Identitti wird zu Beginn der Performance enthüllt, dass Icnoyótl keine indigene Mexikanerin ist, sondern als weiße Mexikanerin ihr ethnisches Erbe lediglich vorgibt. Daraus resultiert eine große mediale Aufmerksamkeit, die in einen Shitstorm und einen Gerichtsprozess gegen Icnoyótl übergeht. Justitia! untersucht im Rahmen dieses Gerichtsprozesses, wie „ Identitätsprozesse “ vor Gericht und im Theater verhandelt werden und eröffnet eine Analogie des theatralen Spiels auf der Bühne und der performativen Entfaltung eines eigenen ‚ belonging ‘ . 17 ‚ Belonging ‘ wird in der Performance unter anderem an spezifischen Zuschreibungen der einzelnen Figuren festgemacht, indem Charakteristika der Performer: innen auf ihre Figuren übertragen werden. 18 Die Figur der Performerin Sandra Selimovic´, Jelena Serifovic´, wird wie Selimovic´ als Romnja und LGBTQ-Aktivistin mit Fokus auf Klassenfragen vorgestellt. Mariama Nzinga Diallo wird in ihrer Figur Beatrice Lincoln als intersektionale Feministin angekündigt und ihr Einsatz für Schwarze Geflüchtete wird vor dem Hintergrund angesprochen, dass sich Diallo privat für Schwarze Geflüchtete aus der Ukraine einsetzt. Gin Müller wird in der Figur als Paul Miller ebenfalls als Transgender-Aktivist: in vorgestellt und nimmt als Regisseur: in zu Beginn die Position der Moderation ein. Lediglich im Fall der Performerin Edwarda Gurrola übernimmt diese mit Icnoyótl González eine fiktive Figur. Ausgehend von der intersektionalen Verschränkung von Gender, Race, Class und sexueller Orientierung auf privater und 103 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) inszenierter Ebene der Performer: innen bezieht sich ‚ belonging ‘ in Justitia! verstärkt auf Transitionsprozesse. Ein Fokus wird neben Gender vor allem auf Transition im Kontext von Race gelegt und macht im Übergang von einer Identifikation bzw. Identität zu einer anderen die Prozesshaftigkeit der Kategorien sichtbar. Dabei fällt auf, inwiefern das tatsächliche ‚ doing ‘ für diese Prozesse relevant ist, also welche mitunter klischeebehafteten Marker notwendig sind, um ‚ belonging ‘ zu erzeugen. So z. B. die Tatsache, dass Icnoyótl ihre Kleidung an einen stereotyp indigenen, mexikanischen Kleidungsstil anpasst (Kostüm: Noushin Redjaian) und Jelena/ Selimovic´ beschreibt, wie ihr Menschen begegnen, die sich als „ Gypsy “ fühlen und sich dementsprechend stereotypisiert kleiden. ‚ Belonging ‘ entsteht für Icnoyótl darüber hinaus durch Marker wie Hautfarbe, Sprache und Körperlichkeit, die nur in einem gewissen Maß veränderbar sind. Das Konzept von ‚ doing race ‘ wird als historische, politische Ideologie im Kontext kolonialer Praktiken in Mexiko angesprochen und in Icnoyótls Gerichtsprozess insofern aufgegriffen, als dass der kontroverse Begriff des ‚ trans-race ‘ verwendet wird. 19 Icnoyótl verteidigt sich mit den Worten: „ Maybe I was born as White. But I identify as indígena, as POC. I am post-racial. Ich bin trans-racial “ 20 . Beatrice/ Diallo merkt an, dass die Problematik des Konzepts von ‚ trans-race ‘ unter anderem darin liegt, dass es weiße Unterdrückung reproduziert, da sich die praktische Umsetzung zu einem überwiegenden Teil auf weiße Menschen mit einer vermeintlichen Transition zu einer BIPOC bezieht. Auch wenn sich die Debatte in historische, Schwarze Kontexte einbetten lässt, wird in gegenwärtigen Aushandlungen sichtbar, inwiefern es etwa für Schwarze Personen mit deutlich größeren Schwierigkeiten verbunden ist, „ trans-weiß “ zu sein. Auch Jelena stellt in ihrer Anklage an Icnoyótl klar, inwiefern ‚ trans-race ‘ in der Freiheit der eigenmächtigen Wahl der eigenen Ethnizität weiße Privilegien aufzeigt. 21 Setting: „ Stop! Das ist mein Gerichtssaal. “ Einsteigend in eine analytische Perspektive auf Justitia! wird das Setting der Inszenierung, d. h. Raum und Räumlichkeit, untersucht. Der Fokus liegt exemplarisch auf szenischen Momenten, in denen Theater als ein doppelter Ort 22 sichtbar wird: in diesen Momenten tritt der Wechsel, die Diskrepanz oder die Überlagerung zwischen dem Ort der Aufführung im brut und den dort gezeigten fiktiven Handlungsräumen offen hervor. Der Raum als Referenzrahmen innerhalb der Performance ist insofern relevant, als dass er durch seine Öffnung zum Publikum oder seine häufigen Wechsel auf verschiedene Weisen ‚ belonging ‘ konstruiert. Die Performance beginnt im Setting einer Talkrunde. Dieses gleicht in seinem Aufbau, mit einem langen Tisch, gepolsterten Stühlen und einer hellen Bühnenbeleuchtung, dem herkömmlicher Diskussionsrunden, wie sie auch in anderen Kontexten im brut veranstaltet werden. Das Setting mag dem Publikum bekannt erscheinen und verschränkt gleich zu Beginn den Ort der Aufführung mit dem der theatralen Handlung. Nach der ersten Viertelstunde wird die Talkrunde aufgelöst. Nachdem Jelena den medialen Aufruhr um Icnoyótls behauptete Ethnizität aufgreift, wird das Setting durch das Einblenden eines Gerichtssaals auf den drei Leinwänden auf der Bühne verändert. Begleitet durch das Ausfaden des Bühnenlichts und einer eingespielten Stimme im Stil einer Nachrichtensprecher: in, die den Vorwurf an Icnoyótl beschreibt, wird ein zeitlicher und räumlicher Wechsel markiert. Mit dem Verschieben der Bühnenplattform, auf der die Tische 104 Anna Sacher der Talkrunde aufgebaut sind, sowie mit neuen Bühnenelementen, wird auf der Bühne ein Gerichtssaal installiert. Für das Publikum wird durch diesen Bruch bereits zu Beginn der Performance etabliert, dass die diegetischen Räume innerhalb der Aufführung fluide sind und der Bezug zum realen Theaterrahmen variiert. Im Laufe der Performance werden weiter neue Settings eingeführt, die in den meisten Fällen durch ähnliche Übergänge erzeugt und mit Musik oder Stimmen aus dem Off kontextualisiert werden. Die tatsächlichen Räumlichkeiten des brut werden in die inszenierten Räume integriert, verändern jedoch innerhalb der Aufführung immer wieder ihre Position. Nach der ersten Szene der Talkrunde, die mit Zeit und Ort der Publikumserfahrung übereinstimmt, verändert sich das Verhältnis im Übergang zur zweiten Szene. Die Stimme im Stil einer Nachrichtensprecher: in aus dem Off spielt darauf an, dass sich der Skandal um Icnoyótl in der Veranstaltung ereignete, der das Publikum in dem Moment beiwohnt: „ Bei einer Diskussionsveranstaltung im brut Theater in Wien kam es gestern zu einem Eklat. “ 23 , während sich dabei die zeitliche Ebene bereits vom Aufführungsmoment ablöst. Auch die folgenden Episoden der verschiedenen Theaterformen sind in einem Bühnenraum verortet und besonders in Episode 1 „ #Doku-Theater - Reenacting the Identity Case Icnoyótl G., Zeugin Jelena S. “ , wird die Räumlichkeit insofern kontextualisiert, als dass die Handlung weiterhin im brut verortet wird: Der Gerichtsprozess soll im Stil dokumentarischen Theaters auf der Bühne des brut nachgestellt werden.Während der ersten von drei Publikumsabstimmungen stellt eine Stimme aus dem Off sich als „ Justitia “ und als „ juristischer Infobot “ vor. Durch eine monotone, computergenerierte Aussprache wird sie als KI-Stimme gekennzeichnet. Hier wird das erste Mal der theatrale Rahmen des brut und der tatsächlichen Bühne als Schauplatz gebrochen. Mit der an das Publikum adressierten Frage der KI: „ Sie haben sich heute als Zuseher: innen in diesem Prozess eingefunden. Stehen Sie mit der Angeklagten in einem verwandtschaftlichen Verhältnis oder sind Sie einfach als Beobachter: in in den Verhandlungssaal J5 gekommen? “ 24 hat das Publikum im Rahmen der Aufführung die Bühne des brut verlassen und die Performance sich scheinbar in einen fiktiven Gerichtsaal verlagert. Eine ähnliche Verschiebung findet zum Ende der Performance im Setting der Abschlussplädoyers von Episode 7 statt, indem eine Stimme im Stil einer Nachrichtensprecher: in aus dem Off ankündigt: „ Wir schalten nun live an den Ort der Verhandlung “ 25 . Durch eine eingespielte Tonspur mit Hintergrundgeräuschen und Stimmengewirr wird der Ort als Gerichtssaal markiert, der sich damit von der tatsächlichen Bühne des brut ablöst. Für das Publikum entstehen immer wieder neue Formen der Zugehörigkeit, die performativ im Rahmen der Aufführung und besonders durch auditive Kontextualisierungen erzeugt werden. ‚ Belonging ‘ entsteht somit durch den Faktor des Zur-gleichen-Zeit-am-gleichen-Ort-Seins. Dabei handelt es sich jedoch weniger um eine für Theateraufführungen charakteristische leibliche Kopräsenz: 26 Der geteilte Ort beschreibt hier nicht den Raum des Theaters aus Bühne und Publikumssaal, sondern die Räume, die innerhalb der Aufführung diegetisch erzeugt und bespielt werden, wie das Setting der Talkrunde oder des Gerichtssaals. Zum Ende von Episode 1 wird die Verschränkung der verschiedenen (Bühnen-) Räume besonders deutlich. Innerhalb des dokumentarischen Reenactments des Gerichtsprozesses um Icnoyótl ist Jelena als Zeugin geladen. Zum Abschluss ihrer Aussage wird Musik eingespielt und Jelena/ Selimovic´ beginnt einen Song zu rappen. Das Setting scheint sich zu verändern, die 105 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) gerade noch von Gurrola verkörperte Staatsanwältin führt für die Rapperin eine Live- Kamera. Der Song wird jedoch von der durch Diallo verkörperten Richterin unterbrochen: „ Stop, das ist mein Gerichtssaal. Die Sitzung ist für heute beendet. Glaubst du, du bist in einer Diskothek, oder was? “ 27 In der Bestätigung des Raums als Gerichtsaal fällt die Szene aus dem Kontext des dokumentarischen Theaters heraus. Diallo wird weder als Performerin sichtbar, die Selimovic´s Einschub unterbricht, noch als Beatrice, die sich auf Jelena bezieht. Diallo verweist in ihrer Rolle als Richterin auf den fiktiven Raum des Gerichtssaals, der zuvor lediglich durch die dokumentarische Nacherzählung präsent war. Auffällig wird hier, dass auf theatraler Ebene kein einheitliches ‚ belonging ‘ zwischen den Performer: innen und den jeweiligen Szenen besteht. Das Setting einer Szene verhindert nicht, dass sie auf unterschiedlichen inhaltlichen Ebenen agieren. Der geschaffene Raum auf der Bühne kann von allen Performer: innen jederzeit performativ und wirkmächtig gebrochen werden - sie wechseln damit permanent ihre eigene Funktion und Zugehörigkeit. Rolle: „ Konflikt, Drama. Exactly my thing. “ In Bezug auf die Rollenkonstruktion in Justitia! im Wechsel zwischen Figuren und Positionen der Performer: innen soll im Folgenden die Inszenierung eines aktiven ‚ doing belonging ‘ untersucht werden. Herausstechend sind dabei die Momente, in denen die in der Performance etablierten Verhältnisse der Figuren gebrochen werden. Zunächst wird im Übergang der Talkrunde zu Episode 1 „ #Doku-Theater “ eine spezifische Rollenkonstruktion als Rahmen der Performance eingeführt. Diallo sagt als Beatrice: „ Eigentlich wollte ich Icnoyótl González zu dekolonialen Positionen der Gerichtsbarkeit befragen, aber nun muss ich die Richterin im Gerichtssaal spielen “ 28 . Die Richterin wird dabei als theatrale Rolle herausgestellt, während Beatrice, ebenfalls eine Rolle, einen scheinbar privaten Eindruck erweckt. Es wird ein Rahmen konstruiert, in dem die Figuren der ersten Szene (Beatrice, Jelena, Paul und Icnoyótl) die darauffolgenden Szenen spielen und diese Figuren somit selbst zu Schauspieler: innen werden. Dieser Positionswechsel bezieht sich auf alle Figuren, außer auf Icnoyótl, die in Episode 1 die Staatsanwältin spielt. Da anzunehmen wäre, dass sich Icnoyótl deutlich kritischer zu diesem Verfahren gegen sie selbst verhalten würde, scheint Gurrola im Gegensatz zu den anderen drei Performer: innen eine neue Rolle anzunehmen. 29 Gurrola verkörpert nicht Icnoyótl, die die Rolle der Staatsanwältin annimmt, sondern die Staatsanwältin scheint eine zusätzliche Rolle von Gurrola zu sein. Für den weiteren Verlauf der Performance wird hier zu Beginn festgelegt, dass die Figuren auf der Bühne nicht ausgehend von den jeweiligen Performer: innen-Körpern gekennzeichnet werden, sondern abhängig vom Aufbau einer Szene neu zu kontextualisieren sind. Diese szenische Verabredung wird jedoch in verschiedenen Momenten der Performance gebrochen. In Episode 3 „ #Tribunal “ schließt Selimovic´ als Richterin einen szenischen Einschub von Beatrice mit folgendem Dialog: Selimovic´ als Richterin: „ Wir danken Beatrice Lincoln für die Anhörung und schließen hiermit die Sitzung. “ Diallo/ Beatrice: „ Ich habe gesagt, ich mache [sic! ] Performance, warum unterbrichst du mich jetzt? “ Selimovic´/ Jelena: „ Aber ich dachte, das war schon fertig. “ 30 In dieser Sequenz wird das Performerinnen- Ich der beiden sichtbar. Während Beatrice im Setting eines Tribunals im Theater die 106 Anna Sacher Position der Anklägerin einnimmt, wird auf eine spezifische Absprache zwischen Selimovic´ und Diallo eingegangen, die sich auf einen vorhergegangenen Zeitpunkt, vermutlich im Probenprozess, bezieht. Neben der Rolle von Beatrice wird hier auch Diallo als Performerin angesprochen. Auf diese Weise wird sie auf mehreren Zugehörigkeitsebenen adressiert. Die verschiedenen Ebenen können sich zwar in solchen theatralen Momenten nicht gänzlich überlagern, aber sie bedingen sich gegenseitig und existieren dabei als ‚ multiple belonging ‘ nebeneinander; in diesem Fall in der doppelten Ansprache als Beatrice und als Diallo. An späterer Stelle wird ergänzend das Performerinnen-Ich von Gurrola und Diallo explizit hervorgehoben. Diallo sagt zu Gurrola im Übergang zu Episode 4 „ #Courtroom- Drama “ : „ Du bist eine super Telenovela- Schauspielerin, das passt perfekt “ . Gurrola erwidert: „ Ja, Konflikt, Drama. Exactly my thing “ 31 . Bezogen wird sich dabei auf Gurrolas privates Berufsleben als Telenovela- Schauspielerin; Diallo kennzeichnet sich in ihrem Wissen darüber ebenfalls als Performerin und nicht als Rolle. Hier treten die privaten Performerinnen am deutlichsten hervor und nähern sich dem Publikum an, das möglicherweise ebenfalls Gurrolas Biografie kennt. Anschließend und als direkter Übergang zu Episode 4 „ #Courtroom-Drama “ wirft Jelena ein: „ Kann jemand die Emo-Musik einschalten, bitte? “ 32 . Sie markiert ihre Position in der Rolle als Schauspielerin im Bühnenraum. 33 Vor der überdramatisierten Inszenierung im Stil eines Melodramas in Episode 4 wird so die Distanz zwischen den verschiedenen Rollendimensionen besonders deutlich hervorgehoben. Die Episode des Courtroom-Dramas wird von Jelena/ Selimovic´ beendet, indem sie die Ebenen der Rollen und Performer: innen wieder zusammenführt. Zu Icnoyótl sagt sie: „ Okay, Stop. You ’ re pathetic, really, you ’ re pathetic. Du tust so als würdest du heulen, aber man sieht nicht mal eine Träne. [. . .] Ah, white tears, alles white tears, this is white fragility “ 34 . Selimovic´ wird zunächst als Performerin wahrgenommen, die das theatrale Setting des Melodramas unterbricht und Gurrolas Schauspiel kritisiert. Im selben Zug kommt sie zurück in ihre Rolle als Jelena, die gegenüber Icnoyótl spricht und sie für ihr weiß-Sein anklagt. Damit wird der Bogen zum Beginn der Performance geschlagen, als die Figuren der ersten Szene als Schauspieler: innen aller folgenden Szenen eingeführt wurden. Auffallend am Aufbrechen des Verhältnisses von Figur und Schauspieler: in während der Performance ist, dass Rollenzuschreibungen und damit Zugehörigkeiten auf der Bühne durch zweierlei Komponenten markiert werden. Einerseits findet eine Kennzeichnung der Rolle durch offensichtliche, äußerliche Merkmale statt, etwa Richter: innenroben als Kostüme oder veränderte Frisuren, wie im Fall von Gurrola/ Icnoyótl. Darüber hinaus wird ‚ belonging ‘ durch Brüche mit dem theatralen Konzept und durch verbale Kontextualisierung erzeugt. Zu Beginn der Performance erklärt Jelena im Rahmen der Talkrunde, „ dass es für marginalisierte Gruppen oft lebensentscheidend wird, fluide Identitäten vor Gericht zu performen “ 35 . Sie bezieht sich damit auf den kritisierten, weißen Gerichtsapparat. Im theatralen Setting von Justitia! erproben die Performer: innen dieses Prinzip der „ fluiden Identitäten “ vor Gericht im Sinne eines ‚ belonging ‘ in ihren Rollenverschiebungen auf praktische Weise. Partizipation: „ Haben Sie schon mal . . .? “ Partizipation ergibt sich in Justitia! durch die Adressierung des Publikums, das teilweise konkret durch den Einsatz eines Abstimmungstools eingebunden wird. Zweimal wird das Publikum im Laufe der Perfor- 107 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) mance aufgefordert mit seinen Smartphones einen QR-Code zu scannen, der auf die mittlere Leinwand auf die Bühne projiziert wird. Es öffnet sich auf den Endgeräten ein Interface, auf dem jeweils eine von mehreren Antwortmöglichkeiten ausgewählt werden kann. Das Ergebnis jeder Frage wird in Echtzeit und anonymisiert ebenfalls auf der mittleren Leinwand angezeigt und bildet grafisch die Verhältnisse zwischen den vom Publikum gewählten Antworten ab. In Säulen- oder Kreisdiagrammen ist abzulesen, welche Antwort von der Mehrheit des Publikums gewählt wurde und welche Abweichungen es gibt. In gelöster Atmosphäre im Theatersaal während der Abstimmungsphase (kurze, private Gespräche oder Austausch über die Funktionalität des Abstimmungstools im Publikum; die Performer: innen befinden sich währenddessen nicht auf der Bühne) werden einzelne Kommentare oder Regungen aus dem Publikum zu den sich abzeichnenden Ergebnissen laut. Diese partizipative Dimension von Justitia! wird durch die gleichnamige, als „ juristischer Infobot “ eingeführte KI-Stimme aus dem Off moderiert. Die gestellten Fragen zum laufenden Gerichtsprozess der Performance ergeben sich aus inhaltlichen Anknüpfungspunkten ( „ Standen Sie selbst schon einmal vor Gericht? “ ), beziehen sich auf die Aufführungssituation ( „ Lieben Sie das Gerichtstheater? “ ) oder regen die Reflexion eigener Zugehörigkeiten an ( „ Haben Sie schon einmal bezüglich Ihrer eigenen Identität gelogen? “ ). Im Zuge der Abstimmungen wird deutlich, dass dem Publikum im Verlauf der Performance immer wieder die Rolle der Richter: innen zugeschrieben wird. Zunächst wird in der ersten Abstimmungsrunde gefragt: „ Was ist Ihre heutige Funktion in diesem Gericht? “ 36 , woraufhin sich die große Mehrheit laut der projizierten Auswertung der Antworten als „ Zuschauer: innen “ einsortiert. In der zweiten Abstimmungsrunde wird das Publikum jedoch dazu angehalten, Stellung zum Verlauf des theatralen Gerichtsprozesses zu beziehen ( „ Welche Position finden Sie am überzeugendsten? “ / „ Ist Frau Icnoyótl González schuldig, ihre Fördergeber vorsätzlich betrogen zu haben? “ / „ Ist Frau Icnoyótl González schuldig, bewusst eine andere Identität vorgetäuscht zu haben, um ihre Karriere positiv zu beeinflussen? “ ). Das Publikum wird selbst zu einer urteilenden Instanz. Am Ende der Performance ist eine Ankündigung des Infobots zu hören: „ Sehr geehrte Richter: innen, ich bin Justitia, Ihr juridischer Meta- Algorhythmus. [. . .] Ich wurde programmiert, um mein Urteil nach euren Maßstäben zu fällen “ 37 . Die Daten, die die KI angeblich durch die Eingaben des Publikums gesammelt hat, werden als Kriterien des Gerichtsurteils angekündigt und die Zuschauer: innen damit zu ausführenden Richter: innen gemacht. Bereits im Kontext der ersten Abstimmung ist von der KI- Stimme zu hören: „ Auch wenn Sie kein Urteil fällen, beurteilen Sie, was Sie sehen “ 38 . Die vom Publikum übernommene Position der Richter: innen doppelt sich also in der Beurteilung der Aufführung als solcher und in der Beurteilung des vorliegenden moralischen Falls. Durch die diversen Meinungen, für die auf der Bühne argumentiert wird, und durch das ausbleibende Gerichtsurteil am Ende der Performance, müssen die Zuschauer: innen eine eigene Haltung zum Geschehen entwickeln. Die letzte Szene - Episode 7 „ #Abschlussplädoyers “ - wird von einer Stimme im Stil einer Nachrichtensprecher: in aus dem Off damit anmoderiert, dass später die Richter: innen über das Urteil entscheiden werden. 39 Auch hier wird diese Rolle dem Publikum zugeschrieben. Die Position des Publikums ist in einem ständigen Wandel: Während es zu Beginn der Aufführung noch als Zuschauende einer Talkrunde im brut begrüßt wird, wird es am Ende als Richter: innen aus der Perfor- 108 Anna Sacher mance entlassen. Durch die nur scheinbare Selbstzuschreibung der eigenen Position in der ersten Abstimmungsfrage als Zuschauer: innen, die im Lauf der Performance ohne eigenes Zutun in die Position der Richter: innen gewandelt wird, ist das Publikum kein Teil des Prozesses von ‚ doing belonging ‘ , der auf der Bühne ausgehandelt wird. Die Zugehörigkeit der Zuschauenden charakterisiert sich durch das Setting auf der Bühne, das über den Ort und durch performative Aussagen der Performer: innen auch die Rolle der Anwesenden im Publikumsraum bestimmt. Es besteht für die Zuschauenden nicht die Möglichkeit selbst Zeug: innen zu werden, anzuklagen oder den eigenen Standpunkt zu verteidigen und sich der eigenen Rollenzuschreibung zu widersetzen, sondern ausschließlich sich mit den gebotenen Zuschreibungen auseinanderzusetzen. Darüber hinaus muss gefragt werden, wer dieses Publikum überhaupt ist. Mit Blick auf rezente Debatten über eine postkoloniale sowie dekoloniale Theaterwissenschaft, 40 ist hier das Verhältnis von Publikum und Inszenierung näher zu befragen. So befand sich in der Aufführung von Justitia! ein mehrheitlich weißes Publikum, wozu sich vermuten lässt, dass die Zusammensetzung des Publikums bereits vorab von den Produzierenden auf diese Weise erwartet wurde. Die Blickverhältnisse, die die Inszenierung und performative Aushandlung von ‚ belonging ‘ im intersektionalen Rahmen von Race begleiten, sind im Lauf der Performance immer wieder von der Spiegelung des Publikumsblicks bzw. vom Zurückwerfen dieses Blicks von der Bühne aus geprägt. So sieht die Inszenierung vor, dass das Publikum als richtende Instanz unmittelbar mit den Anklagen der Performer: innen konfrontiert wird. Deutlich wird das Verhältnis etwa, wenn Beatrice ihren, auch wortwörtlich als Anklage geframten, szenischen Einschub über die Verunmöglichung des Atmens als Schwarze, geflüchtete Frau performt: Sie steht dabei mit Blick und Redner: innenpult zum Publikum und nicht zum hinter ihr sitzenden, diegetischen Gerichtskomitee der Performer: innen. Auch während Jelenas Rap wendet Selimovic´ sich direkt in die von Gurrola geführte Live-Kamera und damit ans Publikum, das so unmittelbar mit dem Text über ihre Erfahrungen als queere Romnija in Österreich konfrontiert ist. Durch die Publikumszusammensetzung kommt auch die Frage auf, wem es möglich ist, ins Theater zu gehen, und wer damit überhaupt zu einem Publikum werden kann. Mit dem Fokus meiner Auseinandersetzung mit Harders ’ ‚ doing belonging ‘ auf die Versuchsanordnung einer Justitia! Aufführung, soll der erweiterte Kontext von ‚ belonging ‘ in Bezug auf die Teilhabedimensionen des Publikums hier nur angerissen werden. ‚ Doing belonging ‘ im historischen Spannungsfeld Die Analyse von Setting, Rolle und Partizipation bzw. Position des Publikums in Justitia! zeigt, wie ‚ belonging ‘ vor allem in Momenten theatraler Brüche sichtbar wird. Dies ist besonders in Sequenzen der Fall, in denen die Konstruktion von (eigenem) ‚ belonging ‘ scheinbar oder tatsächlich scheitert. ‚ Doing belonging ‘ kennzeichnet sich also mitunter durch seine Fehlerhaftigkeit und Inkonsequenz, wodurch Grenzen gerade dieser performativen Dimension von ‚ belonging ‘ aufgezeigt werden. Entscheidend dafür ist nicht, dass ‚ belonging ‘ immer wieder neu konstruierbar ist, sondern die Frage danach, von wem und in welchem Rahmen es eigenmächtig konstruiert werden kann; und somit also die Frage, für wen das Ausleben oder Konstruieren eines ‚ belonging ‘ tatsächlich performativ Wirklichkeit wird. 109 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) In Justitia! werden die Grenzen von ‚ doing belonging ‘ sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch dargestellt. Sie zeigen sich auf drei Ebenen. Inhaltlich wird klar, dass das Prinzip von ‚ trans-race ‘ auf ausschließenden Faktoren beruht und sich vorwiegend auf Privilegien weißer Menschen bezieht. Zweitens wird durch die fluiden Rollenzuschreibungen der Performer: innen deutlich, inwiefern ‚ doing belonging ‘ häufig darin besteht, etablierte Grenzen von Zuschreibungen zu überschreiten und (theatrale) Verabredungen zu brechen. Diese ‚ Verabredungen ‘ im theatralen Setting lassen sich im Kontext von Harders ’ Konzept mit Formen struktureller Diskriminierung marginalisierter Gruppen in gesellschaftlichen oder institutionellen Machtstrukturen engführen. Ein eigenmächtiges Ausleben von ‚ belonging ‘ erreicht mitunter dann seine Grenzen, wenn strukturelle Diskriminierungen als gesellschaftliche ‚ Verabredung ‘ gebilligt werden. Mit vorherrschenden „ Identitätsfaktoren “ , wie z. B. Nationalität, Race oder Gender, die sich selbst performativ erzeugen, kann dieses Verhältnis nur schwer aufgebrochen werden. Bruebaker und Cooper beschreiben in ihrer Identitätskritik, wie der Begriff von „ Identität “ bereits einschränkt, was darunter gedacht und gefasst werden kann und damit wenig Freiraum für Partikularisierung und individuelle Ansprüche lässt. 41 Im Produzieren eines eigenen ‚ belonging ‘ , das sich als intersektional begreift und sich nicht an vorherrschenden „ Identitätsfaktoren “ orientiert, sondern mit ihnen bricht, liegt das Potential, Machtstrukturen produktiv in Frage zu stellen. Darin ist ein weiteres Argument in Ergänzung der Diskussion von Ther, Groebner und Harders zu finden, den Begriff der „ Identität “ mit ‚ belonging ‘ zu überarbeiten, um überhaupt neue Kategorien von Zugehörigkeiten entstehen lassen zu können. Durch die Partizipation des Publikums zeigt sich, inwiefern Teilhabe am Prozess von ‚ doing belonging ‘ kuratiert werden kann und wo der eigenen Zuschreibung Grenzen aufgezeigt werden, die zunächst nicht aufgelöst werden können. Harders verwendet den Begriff des ‚ non-belonging ‘ , womit sie Formen der „ formalen Exklusion “ 42 in Bezug auf die Zugehörigkeit/ das ‚ belonging ‘ zu einer Gruppe bezeichnet. Mit Blick auf die festgeschriebene Position des Publikums wird ‚ non-belonging ‘ durch die formale Trennung zwischen Performer: innen und Zuschauenden inszeniert. Es wird nicht zwangsläufig der Ausschluss aus jeglicher Gruppe erzeugt, kann sich doch das Publikum weiterhin zu jedem Zeitpunkt als Teil der Besucher: innen oder innerhalb der eigenen Freund: innengruppe im Publikum, etc. identifizieren und so eine oberflächlich homogene Gruppe bilden. Auch ist eine Möglichkeit der Identifikation mit den dargelegten Erfahrungen der Performer: innen oder der Rollen möglich, bleibt aber in der unidirektionalen Ausrichtung verhaftet und lässt sich - zumindest im Rahmen der Performance - nicht auf einen Austausch erweitern. Das eigenmächtige Potential, das ‚ doing belonging ‘ im Gegensatz zu Identität birgt, kann sich nichtsdestotrotz nur bis zu einem gewissen Grad manifestieren. Der Prozess von ‚ doing belonging ‘ kann gleichermaßen an vorherrschenden Identitätsnormen in Form von Nationalität, (Geschlechter-)Binarität, etc. scheitern. Dieser Ausschluss zeigt sich in Bezug auf die Möglichkeit von persönlicher Agency im ‚ doing belonging ‘ . Dabei wird deutlich, inwiefern für den performativen Aspekt von ‚ doing belonging ‘ die Frage danach relevant ist, wer in der Lage ist, ‚ belonging ‘ einerseits als validiertes Zugehörigkeitsgefühl zu empfinden und andererseits als gesellschaftlich reale Zugehörigkeit auszuleben. Mit Blick auf den geschichtswissenschaftlichen Kontext von Harders ’ Forschung ist anzumerken, dass besonders in einer Untersuchung von historischen Indi- 110 Anna Sacher viduen oder Gruppen der performative Anspruch von ‚ doing belonging ‘ mit Bedacht anzuwenden ist. Das nachträgliche Zuschreiben von ‚ belonging ‘ , das jeder Form von retrospektiver Analyse, sei es im historischen oder zeitgenössischen Kontext, innewohnt, birgt immer auch die Gefahr, in das Raster von Identitäten überzugehen, dem Harders mit ihrer Theorie entgegenwirkt. Wenn Ther in Harders ’ performativem Ansatz die Möglichkeit sieht, dieser „ Crux “ von identitätsbezogener Geschichtsforschung zu entgehen, ist wichtig anzumerken, dass ein performativer Vorgang immer mit einer gewissen Gegenwärtigkeit in Verbindung steht. So ist das ‚ doing ‘ / produzieren von ‚ belonging ‘ immer an eine Interaktion gebunden, welche ermöglicht, dass ‚ belonging ‘ , unabhängig von einer tatsächlichen (Theater-)Bühne, wahrgenommen wird. In der hier angewendeten Aufführungsanalyse findet sich möglicherweise eine Analyseform, die, gespeist aus der eigenen Beobachtung und Teilnahme am Theater-Ereignis, der Nachträglichkeit in der Auseinandersetzung mit ‚ doing belonging ‘ auf direktestem Weg entgegenzuwirken versucht. So bleibt es in einer (geschichtswissenschaftlichen) Anwendung von Harders ’ Konzept relevant, die Nicht-Abgeschlossenheit von Zugehörigkeiten und ‚ belonging ‘ sichtbar zu machen. Die beschriebenen Grenzen, die sich in der Prozesshaftigkeit von ‚ doing belonging ‘ ergeben, bergen nicht nur das Potential die Teilhabe an und Möglichkeiten für ‚ belonging ‘ elementar in eine Identitätsuntersuchung mit einzubeziehen. In ihrem Sichtbar-werden zeigen ebendiese Grenzen auch bestehende, diskriminierende Strukturen auf, die nicht durch innovative Begrifflichkeiten allein überwunden werden können, aber mithilfe von Ansätzen wie ‚ doing belonging ‘ präsent bleiben und werden. Anmerkungen 1 Valentin Groebner, „ Handeln historische ‚ Wir ‘ -Erzählungen von Identität? “ , https: / / gtw.hypotheses.org/ 1913, [Zugriff am 24.01. 2023], S. 1 f. 2 Vgl. Ilija Trojanow, „ Literatur im Herbst: Identissimo “ , https: / / alte-schmiede.at/ alte-s chmiede/ document/ literatur-im-herbst-iden tissimo, [Zugriff am 02.02.2023]. 3 Mithu Sanyal, Identitti, München 2021. 4 Vgl. Elyse Wanshel, „ Hilaria Baldwin Responds To Claims That She ’ s Been Pretending To Be Spanish “ , https: / / www.huffpost. com/ entry/ hilaria-baldwin-responds-claimpretends-to-be-spanish_n_5fe9f8d9c5b6680 9cb3323ee [Zugriff am 02.02.2023]. 5 Vgl. Brut nordwest, https: / / brut-wien.at/ de/ Programm/ Kalender/ Programm-2022/ 11/ Gi n-Mueller, [Zugriff am 03.02.2023]. 6 Vgl. Levke Harders, „ Zugehörigkeit als Kategorie historischer Analyse “ , https: / / gtw.hy potheses.org/ 1942, [Zugriff am 24.01.2023]. 7 Als Grundlage der Aufführungsanalyse dienen mein Erinnerungsprotokoll des Theaterbesuchs am 24.11.2022 sowie ein Mitschnitt der Performance vom 27.11.2022. Vielen Dank an Gin Müller für die freundliche Weitergabe der Aufnahme. Justitia! Identity Cases, (AT/ Premiere: 24.11.2022., brut Wien, R: Gin Müller; besucht am 24.11.2022; Mitschnitt 27.11.2022). 8 Matthias Warstat, „ Affekttheorie und das Subjektivismus-Problem in der Aufführungsanalyse “ , in: Christopher Balme / Berenika Szymanski-Düll, Methoden der Theaterwissenschaft, Tübingen 2020, S. 117 - 131, hier S. 123. 9 Vgl. Rogers Brubaker, Frederick Cooper „ Beyond ‚ Identity ‘“ , in: Theory and Society, 29/ 1 2000, S. 1 - 47. 10 Der hier aufgeführte zeitnahe und inhaltliche Bezug zwischen Levke Harders, Philipp Ther und Valentin Groebner geht auf den 53. Deutschen Historiker: innentag am 06.10. 2021 zurück, infolgedessen die drei Wissenschaftler: innen ihre Impulsbeiträge der Sektion „ Das umstrittene ‚ Wir ‘ . Auf der Suche nach neuen Wegen zur historischen Erfor- 111 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022) schung von Kollektiven “ verschriftlicht haben. Siehe: Historikertag, https: / / www.histori kertag.de/ Muenchen2021/ sektionen/ das-um strittene-wir-auf-der-suche-nach-neuen-we gen-zur-historischen-erforschung-von-kolle ktiven/ [Zugriff am 30.06.2024]. 11 Philipp Ther, „ Kollektive Zuschreibungen und individuelle Erfahrungen. Zum Verhältnis von Makro- und Mikrozugängen in der historischen Soziologie", https: / / gtw.hypothe ses.org/ 1959, S. 9 [Zugriff am 24.01.2023]. 12 Ebd., S 9. Ergänzung A. S. 13 Harders, „ Zugehörigkeit als Kategorie historischer Analyse “ , S. 2. Hervorhebung im Original. 14 Ther, „ Kollektive Zuschreibungen und individuelle Erfahrungen “ , S. 9. 15 Groebner, „ Handeln historische ‚ Wir ‘ -Erzählungen von Identität? “ , S. 3. 16 Vgl. Harders, „ Zugehörigkeit als Kategorie historischer Analyse “ , S. 3. 17 Als Rahmenprogramm von Justitia wurde am 26. November 2022 die Roundtable Diskussion „ (De-)Constructing Identity. Gender, race a construct? - and what about belonging? “ unter der Moderation von Carmen Gheorghe mit Marty Huber, Authentically Plastic, Lea Susemichel, Faris Cuchi Gezahegn sowie Gin Müller und Sandra Selimovic´ im brut Wien veranstaltet und auch hier der Begriff des belonging im Kontext von Identitätskonstruktion diskutiert. Siehe: Brut nordwest, https: / / brut-wien.at/ d e/ Programm/ Kalender/ Programm-2022/ 11/ JUSTITIA! -Roundtable [Zugriff 30.06.2024]. 18 Durch die teilweise enge Überschneidung von Rollen und Figuren werden im Sinne einer besseren Übersicht der Vorname der Rollen und der Nachname der Performer: innen verwendet. Bei einer eindeutigen Überschneidung oder einer Unklarheit werden beide Namen angeführt. 19 Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Begriff „ trans-race “ siehe Rogers Brubakers theoretische Engführung von „ transrace “ und transgender: Rogers Brubaker, Trans. Gender and Race in an Age of Unsettled Identities, Princeton 2016. 20 Zur besseren Nachvollziehbarkeit werden bei wörtlichen und indirekten Zitaten aus Justitia Timecodes angegeben. Referiert wird dabei auf den Mitschnitt der Justitia Aufführung vom 27.11.2022. Hier Justitia, 55: 22 - 55: 38 min. 21 Ebd., 21: 25 - 22: 40 min. 22 Vgl. Gerda Baumbach, Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 1 Schauspielstile, Leipzig 2021, S. 200 - 238. 23 Justitia, 13: 44 min. 24 Ebd., 38: 22 - 28: 36 min. 25 Ebd., 1: 15: 55 min. 26 Vgl. Erika Fischer-Lichte u. a. in: Ästhetik des Performativen, Frankfurt am Main 2004. 27 Justitia, 29: 24 - 29: 32 min. 28 Ebd., 16: 35 min. 29 Dass durch die Einführung von Gurrola als Richterin rein konzeptionell das Setting der Gerichtsszene im Stil dokumentarischen Theaters instabil wird, sei hier nur am Rande angemerkt. Im theatralen Setting der dokumentarischen Szene wäre es nicht möglich ,eine Rolle mit einer Person zu besetzen, die ausschließlich diese Rolle „ ist “ . Das passiert jedoch in dem Moment, in dem die Staatsanwältin weder von Icnoyótl gespielt wird noch als eine neue Rolle von Gurrola eingeführt wird. 30 Justitia, 50: 58 - 51: 08 min. 31 Ebd., 53: 42 min. 32 Ebd., 53: 56 min. 33 Die Rolle bleibt dabei in der Distanz zu Selimovic´ als Performerin, da diese die zuständigen Techniker: innen mit Namen ansprechen könnte und wüsste, dass diese über den Musik-Cue informiert sind. 34 Justitia., 01: 02: 50 min. 35 Ebd., 8: 25 min. 36 Ebd., 39: 38 min. 37 Ebd., 1: 14: 45 min. 38 Ebd., 38: 37 min. 39 Vgl. ebd., 01: 15: 38 min. 40 Joy Kristin Kalu, Azadeh Sharifi, Lisa Skwirblies, „ Das implizite Publikum. Ein Plädoyer für eine postkoloniale, rassismuskritische Aufführungsanalyse “ , in: Azadeh Sharifi / Lisa Skwirblies (Hg.), Theaterwissenschaft postkolonial/ dekolonial. Eine kritische Bestandsaufnahme, Bielefeld 2022, S. 77 - 86. 41 Vgl. Brubaker, Cooper, „ Beyond ‚ Identity ‘“ , S. 35; gemeint ist hier kein Anspruch an 112 Anna Sacher neoliberale Individualisierung, sondern das Hinterfragen einzelner Kategorien und Mechanismen, die zu einer universalen Identitätsbildungen führen, die immer an diskriminierende Strukturen geknüpft ist. 42 Harders, „ Zugehörigkeit als Kategorie historischer Analyse “ , S. 3. 113 Performative Zugehörigkeiten. Levke Harders ’ ‚ doing belonging ‘ in Justitia! Identity Cases (2022)
