Forum Modernes Theater
fmth
0930-5874
Narr Verlag Tübingen
10.24053/FMTh-36-0001
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2026
361-2
BalmeEditorial
0413
2026
Berenika Szymanski-Düll
fmth361-20005
Editorial Berenika Szymanski-Düll (München) Krisen sind zu einem Dauerzustand geworden. Was im letzten Editorial noch als Diagnose erschien, hat sich inzwischen weiter verdichtet und verschärft, ja gar normalisiert. Diese Verschärfung betrifft nicht nur die Themen, mit denen sich Theater auseinandersetzt, sondern auch die Bedingungen seiner Produktion und Reflexion. Die Erwartungen an Theater als Ort der Kritik, der Begegnung und der gesellschaftlichen Selbstverständigung sind hoch - zugleich wächst der Druck, diese Erwartungen einzulösen, zu legitimieren oder zu rechtfertigen. Theater steht damit zunehmend im Spannungsfeld von ästhetischer Autonomie, politischer Zuschreibung und institutioneller Unsicherheit. Die Beiträge dieses Doppelheftes von Forum Modernes Theater greifen diese Konstellationen aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Sie befassen sich mit Formen der Begegnung und Partizipation, mit historischen und gegenwärtigen Konfliktlagen, mit Erinnerung, Zuschreibung und Institutionalisierung. Dabei wird Theater nicht als geschlossener Möglichkeitsraum verstanden, sondern als ein Feld, in dem gesellschaftliche Spannungen sichtbar werden, sich verschieben oder auch verschärfen. So rückt der Beitrag von Wolf-Dieter Ernst zum Applied Theatre nicht gelingende Partizipation, sondern deren Störungen und Risiken in den Mittelpunkt und fragt nach den ethischen Implikationen nachhaltiger Begegnung. Benoît Ellerbachs Analyse von Heiner Müllers Die Kanakenrepublik legt offen, wie sich neokoloniale und rechtsextreme Fantasien historisch formieren und bis in gegenwärtige Diskurse hineinwirken. Theresa Schwarzkopf und Claudius Baisch wiederum reflektieren institutionelle und disziplinäre Voraussetzungen theaterwissenschaftlicher Wissensproduktion historisch. Das von Anna Raisich und Ulf Otto kuratierte Themenheft Writing Theatre: Performing Arts and Ethnography verschiebt den Fokus auf methodische und epistemologische Fragen. Es richtet den Blick auf die Formen des Beobachtens, Schreibens und Positionierens, mit denen Theater erforscht wird, und reflektiert die Bedingungen ethnografischer Annäherungen an performative Praktiken. Damit geraten nicht nur Forschungsgegenstände, sondern auch die Verfahren ihrer Beschreibung in den Blick. Mit dieser FMT-Ausgabe verbindet sich zugleich eine Veränderung in eigener Sache. Ab der nächsten Ausgabe wird Johanna Zorn das Herausgeberinnenteam von Forum Modernes Theater verstärken. Ich freue mich sehr über diese Zusammenarbeit. Die Krisen werden nicht verschwinden. Umso wichtiger bleibt es, Räume des Nachdenkens, des Zweifelns und der gemeinsamen Diskussion offen zu halten. In diesem Sinne freue ich mich auch weiterhin über Beitragseinreichungen, die diese Diskussionen aufnehmen und weiterführen. Berenika Szymanski-Düll, Dezember 2025 Forum Modernes Theater, 36/ 1-2, 5 - 6. Gunter Narr Verlag Tübingen DOI 10.24053/ FMTh-36-0001
