Forum Modernes Theater
fmth
0930-5874
Narr Verlag Tübingen
10.24053/FMTh-36-0004
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2026
361-2
BalmeGeplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen. Als die ‚Theatersammlung Niessen‘ (doch nicht) in die Schweiz kam.
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2026
Theresa Schwarzkopf
Im Juni 1956 verfasste Professor Carl Niessen vom theaterwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln eine Erklärung mit dem Titel „Weshalb die Theatersammlung Niessen nicht in die Schweiz ging. Eine Antwort auf den Angriff durch die Deutsche Universitätszeitung auf Grund der Akten und der Mitteilungen der Studenten“, worin er seine persönliche Perspektive auf den sogenannten ‚Niessen-Handel‘ abbildete. Im Oktober 1955 hatte er nach langwierigen Verhandlungen seine private Theatersammlung an die Stadt Zürich geschenkt, jedoch nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Schenkungsversprechens um Entlassung aus dem Vertrag gebeten. An der Diskussion waren neben den direkten Vertragspartner:innen auch viele weitere Akteur:innen bis hin zur schweizerischen und deutschen Bundesebene beteiligt. Die Konsequenzen des schließlich geplatzten Deals betrafen vor allem die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur, welche die Theatersammlung Niessen zur Grundlage einer Institutionalisierung der Theaterwissenschaft in der Schweiz machen wollte. Durch die quellenkritische Befragung bislang unberücksichtigter Archivalien des Schweizer Archivs der Darstellenden Künste ergänzt der Beitrag die Fachgeschichtsforschung um schweizerische Perspektiven.
fmth361-20038
Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen. Als die ‚ Theatersammlung Niessen ‘ (doch nicht) in die Schweiz kam. Theresa Schwarzkopf (Bern) Im Juni 1956 verfasste Professor Carl Niessen vom theaterwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln eine Erklärung mit dem Titel „ Weshalb die Theatersammlung Niessen nicht in die Schweiz ging. Eine Antwort auf den Angriff durch die Deutsche Universitätszeitung auf Grund der Akten und der Mitteilungen der Studenten “ , worin er seine persönliche Perspektive auf den sogenannten ‚ Niessen-Handel ‘ abbildete. Im Oktober 1955 hatte er nach langwierigen Verhandlungen seine private Theatersammlung an die Stadt Zürich geschenkt, jedoch nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Schenkungsversprechens um Entlassung aus dem Vertrag gebeten. An der Diskussion waren neben den direkten Vertragspartner: innen auch viele weitere Akteur: innen bis hin zur schweizerischen und deutschen Bundesebene beteiligt. Die Konsequenzen des schließlich geplatzten Deals betrafen vor allem die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur, welche die Theatersammlung Niessen zur Grundlage einer Institutionalisierung der Theaterwissenschaft in der Schweiz machen wollte. Durch die quellenkritische Befragung bislang unberücksichtigter Archivalien des Schweizer Archivs der Darstellenden Künste ergänzt der Beitrag die Fachgeschichtsforschung um schweizerische Perspektiven. 1 Und die Schweiz? Eine fachgeschichtliche Neuperspektivierung des ‚ Niessen-Handels ‘ Die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) berichtete im Frühjahr 1956: Die jüngste Mitteilung der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur zieht noch einmal die traurige Bilanz aus der Angelegenheit der Theatersammlung Niessen, die im Herbst des vergangenen Jahres auch durch die deutsche Presse gegangen ist. Ein Kölner Universitätsprofessor schenkt seine Sammlung feierlich und in juristisch bindender Form der Stadt Zürich, nachdem er seit dem Krieg keine Möglichkeit gefunden hat, sie in Köln aufzustellen. Nachträglich wird ihm unter dem Druck seiner Studierenden die Schenkung leid, und obwohl alle amtlichen deutschen Stellen sie als rechtskräftig ansehen und keine Einwendungen gegen ihren Vollzug erheben, widerruft er sie mit faulen Ausreden: er habe sein Versprechen überhastet abgegeben, es sei ungültig usw. Die Stadt Zürich verzichtet vornehm auf die Verfolgung ihres klaren Rechtsanspruchs, und die Sammlung ruht weiterhin in ihren Kisten. Die Öffentlichkeit aber läßt diesen Vorgang fast ohne Protest geschehen - ja, nicht wenige sind wohl noch vergnügt, weil ‚ deutsches Kulturgut ‘ im Lande bleibt und die ‚ reichen Schweizer ‘ das Nachsehen haben. Ist solche Passivität eines Standes würdig, der erzieherisch tätig sein soll, eines Landes, das sich von dem kleinen Nachbarn in seiner Not unendlich viel hat helfen lassen? 2 Mit dem Artikel übernimmt die Redaktion die Position der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK), die ihrerseits in ihren Mitteilungen über den sogenannten „ Niessen-Handel “ 3 dahingehend resümiert hatte. 4 Obwohl Carl Niessen (1890 - 1969), Professor für Theaterwissenschaft am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Forum Modernes Theater, 36/ 1-2, 38 - 52. Gunter Narr Verlag Tübingen DOI 10.24053/ FMTh-36-0004 zu Köln, die DUZ laut eigener Aussage bis dahin nicht einmal gekannt haben möchte, störte er sich offenbar dermaßen an deren unkritischer Abbildung der schweizerischen Perspektive, dass er daraufhin eine fünfzehnseitige Erklärung veröffentlichte, die seine Sicht der Dinge darlegte. 5 Der Schlagabtausch bezieht sich auf Verhandlungen aus dem Jahr 1955, im Zuge derer Carl Niessen seine umfassende private Theatersammlung rein faktisch betrachtet der Stadt Zürich schenkte. Die Stadt Köln hatte sich zuvor gemäß einer amtlichen Stellungnahme gegen einen Ankauf entschieden, da aufgrund der massiven Kriegsschäden die finanziellen und räumlichen Mittel fehlten, um die Niessen-Sammlung erneut unterzubringen. Während des Krieges waren sämtliche Museen Kölns zerstört worden und eine Reihe anderer Kölner Sammlungen warteten ihrerseits bereits auf neue Gebäude, weswegen neu angekauftes Museumsgut zunächst in einem Depot untergebracht worden wäre. 6 Da Niessen durch seinen ehemaligen Assistenten, den Schweizer Theaterwissenschaftler Edmund Stadler (1912 - 2000), gute Kontakte in die Schweiz hatte, bot sich Zürich als willkommene Alternative an. Die wohlwollende Beziehung zwischen Niessen und der Schweiz sollte allerdings bald darauf Schaden nehmen, da der Professor nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Schenkungsversprechens Anfang Oktober um Entlassung aus dem Vertrag bat. Die Schenkung kam letztlich nicht zustande, und die Sammlung wurde, dreizehn Jahre nach ihrer Rettung aus dem Kölner Institut am Salierring 7 und einer Zwischenlagerung an verschiedenen Orten, zunächst übergangsmäßig, auf Schloss Wahn bei Köln untergebracht, 8 wo sie sich bis heute befindet. Der Vorgang sorgte international für großen medialen Wirbel, da die Schenkung bzw. deren Rückzug Ärger auf verschiedenen Seiten schürte und, wie etwa der DUZ- Artikel zeigt, nicht zuletzt die Verhandlung moralischer Fragen aufwarf, welche Niessens Professoren-Ehre und die Deutsch- Schweizerische Beziehung betrafen. 9 An der Diskussion beteiligten sich neben den direkten Vertragspartner: innen Carl Niessen und der Stadt Zürich sowie der stark involvierten SGTK außerdem die Studierenden des Kölner Instituts, die Stadt Köln, das Kultusministerium Nordrhein-Westfalens und das Bundesministerium für Inneres der Bundesrepublik Deutschland. Auch die Abteilung für internationale Organisationen des Eidgenössischen Politischen Departements in Bern wurde zumindest darüber auf dem Laufenden gehalten. 10 Während die Studierenden Kölns den Verlust der großen Theatersammlung für ihr eigenes Institut und gar für ganz Deutschland fürchteten, standen für die SGTK - wie bisher unberücksichtigte Korrespondenzen, Presseartikel und Typoskripte im Schweizer Archiv der Darstellenden Künste (Stiftung SAPA) darlegen - große und langjährige Hoffnungen auf ein eigenes schweizerisches Theatermuseum und das erste Schweizer Institut für Theaterwissenschaft auf dem Spiel. Der ‚ Niessen-Handel ‘ ist demnach ein aufschlussreiches Beispiel für die Neuorientierung der (deutschsprachigen) Theaterwissenschaft, die vor den Hintergründen der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges stattfand. 11 Da die besagten Verhandlungen zwischen Niessen und den schweizerischen Akteur: innen wissenschaftlich bisher nicht umfassend aufgearbeitet wurden und, wie bereits angedeutet, äußerst komplex sind, kann an dieser Stelle nicht eruiert werden, wer denn nun - im wahrsten Sinne des Wortes - Recht hatte. Mich interessiert vielmehr das Faktum, dass der ‚ Niessen- Handel ‘ in heutiger theaterwissenschaftlicher Forschung kaum Erwähnung findet und dass, wenn darüber geschrieben wird, 39 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen lediglich Niessens Narrativ in Betracht gezogen wird, während schweizerische Perspektiven nicht vorkommen. 12 Die mangelnde Aufmerksamkeit, die der SGTK seit dem Eklat zukam, obwohl sie die hauptsächliche Leidtragende des geplatzten Deals war, ist darauf zurückzuführen, dass sich eine institutionalisierte Schweizer Theaterwissenschaft erst im Entstehen befand und sich die SGTK gegenüber Carl Niessen, der als einer der ‚ Gründungsväter ‘ der deutschen Theaterwissenschaft gilt, in einer vergleichsweise schwächeren Position befand. Da sich die Erforschung der Fachgeschichte noch mehrheitlich mit Institutsgeschichten befasst, besteht in der Fachgemeinschaft bis heute zudem eine generelle Wissenslücke zur Fachgeschichte der Theaterwissenschaft in der Schweiz. 13 Durch die quellenkritische Befragung bislang unberücksichtigter Archivalien ergänzt der Beitrag die Fachgeschichtsforschung um schweizerische Perspektiven. Was erzählt der geplatzte Deal über die schweizerische Theaterwissenschaft? Er bezeichnet einen Moment, in dem der Schritt, durch den die Theaterwissenschaft zur eigenständigen Universitätsdisziplin in der Schweiz werden sollte, beinahe geglückt wäre und dessen Ausbleiben weitreichende Konsequenzen hatte. Langjährige Hoffnung auf Etablierung der Theaterwissenschaft Edmund Stadler, Carl Niessens Assistent während der Zeit des Nationalsozialismus (dessen politische Einstellung noch zu erforschen ist), war Ende 1945 in die Schweiz zurückgekehrt 14 und nahm dort 1946 das Amt des Konservators der Schweizerischen Theatersammlung an. Er war maßgeblich an der Rettungsaktion der Niessen-Sammlung während des Zweiten Weltkrieges beteiligt gewesen und wusste daher um die Schwierigkeiten, einen Ausstellungsort zu finden. Nicht nur lag sie ihm persönlich am Herzen, sondern Niessen sah Stadler, den er laut Briefwechseln als seinen Nachfolger andachte, 15 für deren Betreuung und Aufarbeitung vor. 16 Stadler muss frühzeitig erkannt haben, dass die vom Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont gebliebene Schweiz noch am ehesten Niessens Bedingungen erfüllen konnte und begann die Sammlung Niessen bereits 1946 bei der SGTK zu bewerben. Während Stadler damit eine sichere Position für die Sammlung (und damit einhergehend für sich selbst) anstrebte, konnte er gleichzeitig die Erfüllung der langjährigen Hoffnungen der SGTK auf ein schweizerisches Theatermuseum und ein erstes eigenes Institut für Theaterwissenschaft in der Schweiz in Aussicht stellen. 17 Daher begann die SGTK umgehend auf den Erwerb der Sammlung Niessen hinzuarbeiten, wie Korrespondenzen an die Zürcher Stadträte und an Bundesrat Philipp Etter aus dem Jahr 1946 beweisen. 18 1950 wandte sich die SGTK erneut an den Zürcher Stadtrat, der eine jährliche Förderung zum Auf- und Ausbau der Sammlung vorsichtig in Aussicht stellte, sofern die Kaufsumme von Mäzen: innen beschafft würde. Die SGTK begann daraufhin gezielt, in ihren Mitteilungen auf einen möglichen Erwerb aufmerksam zu machen, um Interesse bei potenziell am Kauf interessierten Kreisen zu wecken. 19 Ebenfalls im Jahr 1950 hatte Niessen erstmalig zugesagt, die Sammlung der Stadt Zürich zu schenken, 20 befand sich jedoch immer wieder auch mit anderen Interessent: innen im Gespräch, da die SGTK die geforderten Mittel nicht aufbringen konnte. Als 1953 der Schweizerische Nationalfonds den Antrag auf Finanzierung, zu dem auch ein Vertragsvorentwurf 21 beigelegt wurde, ablehnte, wurde das mittlerweile siebenjährige Traktandum Niessen beinahe von der SGTK verworfen. 22 Dennoch hörte sie nicht auf, sich um die Sammlung zu bemühen, und in dem von 40 Theresa Schwarzkopf Misserfolgen geprägten Vorgang ergaben sich schließlich sukzessiv doch Zugeständnisse, die mit dem Interesse der SGTK, eine schweizerische Theaterwissenschaft zu institutionalisieren, einhergingen. Zunächst konnte 1955, im dritten Anlauf, 23 die Ausstellung ‚ Theater der Welt ‘ bei den Zürcher Juni-Festwochen im Kunstmuseum Helmhaus mit Carl Niessen organisiert werden. 24 Dabei wurden erstmalig seit der Rettung während des Zweiten Weltkrieges bedeutsame Teile aus den Sammlungsbeständen der Öffentlichkeit präsentiert. 25 Sowohl Niessen als auch die SGTK wollten die Ausstellung nutzen, um Interesse an einem Ankauf zu generieren. Ob Niessen damit eher auf ein Umdenken Kölns hinarbeiten wollte, wie es ihm später von Oskar Eberle (1902 - 1956), dem Sekretär der SGTK, vorgeworfen wurde, 26 oder ob er wie die SGTK die Absicht verfolgte, mit der Ausstellung das Interesse der Schweizer Öffentlichkeit und von Privatkreisen für die Erwerbung der Sammlung zu wecken, 27 ist ungewiss. So oder so verfehlte die Ausstellung ihre Wirkung nicht. Die SGTK verzeichnete die Ausstellung mit 6.500 Besucher: innen als großen Erfolg, 28 der zu weiteren Verhandlungen zwischen der Stadt Zürich und Niessen über die Sommermonate führte, wobei ein Termin zur Entscheidung Niessens auf den 15. August 1955 gelegt wurde. 29 Die Stadt schien entschlossen und hatte sogar noch vor Ausstellungsende die Villa Egli, eine Herrschaftsvilla am Seefeldquai, 30 in der die Sammlung und das Theatermuseum untergebracht werden sollten, gekauft. 31 Die Chancen für die SGTK standen nach vielen Jahren endlich gut. Die drohende Überführung der Sammlung in die Schweiz veranlasste aber auch in Köln einige lebhafte Reaktionen, in denen der Verlust der Sammlung für die Stadt Köln bedauert und die Kölner Kulturpolitik kritisiert wurden. 32 Der Triumph der SGTK wurde dadurch gefährdet, und sie bemühte sich umso mehr darum, den Vertrag zu einem Abschluss zu bringen. Warum aber war die Sammlung Niessen für die SGTK so wichtig? In einem Schreiben vom 22. Januar 1953 an den Generalsekretär der Stiftung Pro Helvetia Karl Naef bat Edmund Stadler darum, sich der Angelegenheit ‚ Erwerb der Sammlung Niessen ‘ besonders anzunehmen. Er betonte, dass die „ junge schweizerische Theaterwissenschaft [. . .] eines grössern wissenschaftlichen Aparates [sic! ] bedarf, um Grundlagenforschung zu betreiben “ 33 und formulierte damit den Wunsch nach einem Lehrstuhl für Theaterwissenschaft, um den sich die SGTK nach ihrer Gründung 1927 bereits frühzeitig bemühte. 34 In seinem Brief wie auch in den Versuchen der SGTK, die Schweizer Öffentlichkeit für den Kauf zu begeistern, wurde das Bedürfnis geäußert, die Schweiz mithilfe der Sammlung Niessen als Grundlage für ein Institut und ein Theatermuseum zum ‚ Big Player ‘ innerhalb der internationalen Theaterwissenschaft zu befördern. In ihrem Spendenaufruf 1952 konstatierte die SGTK, dass im Vergleich zu ausländischen Theatermuseen in Wien, München, Köln, Stockholm, Paris, Mailand oder Rom ihre Schweizerische Theatersammlung bisher sehr bescheiden bleiben musste. 35 Bis dahin hatte die SGTK zwar, wie sie durchaus stolz in ihrem Jahresbericht 1954 hervorhob, durch ihre rege Ausstellungstätigkeit wie keine andere Instanz „ das Schweizer Theater in ganz Europa propagiert “ 36 , jedoch bekäme die Schweizer Theaterwissenschaft, die bisher „ auf Sand baue “ 37 , mit der Sammlung Niessen eine Grundlage für ein neues theaterwissenschaftliches Zentrum, von dem ganz Europa profitieren würde. 38 Darüber hinaus würden der internationale Ruf Zürichs als Theaterstadt sowie das lebendige Theater und die allgemeine Volksbildung bereichert werden. 39 Bei der Möglichkeit, die 41 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen sich jetzt biete, handle es sich um einen einmaligen Glücksfall, durch den der Schweiz über Nacht zu internationalem Ansehen verholfen werde. 40 All das zeigt, dass der SGTK allem voran an der Legitimation einer schweizerischen Theaterwissenschaft lag. Die Schweiz war nicht Teil der Gründungswelle theaterwissenschaftlicher Institute im deutschsprachigen Raum gewesen, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts durch die universitäre Legitimierung der neuen Disziplin ausgelöst wurde 41 und hatte dementsprechend noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Da die frühe Theaterwissenschaft generell stark an Theatersammlungen gebunden war, 42 war die Schweizerische Theatersammlung für die Legitimierung und Institutionalisierung einer Theaterwissenschaft in der Schweiz von großer Bedeutung. 43 Wie die Theaterwissenschaftlerin Martina Cuba darlegt, konnte ein Institut sein Prestige durch den Besitz einer umfangreichen Sammlung innerhalb der Universität steigern und seine Repräsentationsfunktion gegenüber einer universitären wie allgemeinen Öffentlichkeit erfüllen. Eine präzise Auswahl der Bestände konnte insofern zur Profilierung von Theaterwissenschaftler: innen beitragen, als diese das Material auswerteten und ihre Ergebnisse publizierten. 44 Seit den 1920er Jahren hatte sich die Konkurrenz bei der Beschaffung von Materialien entsprechend zu steigern begonnen. 45 Der SGTK hatten bis dahin die Ressourcen gefehlt, ihre Sammlung entsprechend zu erweitern und sie musste sogar um den generellen Fortbestand der Schweizerischen Theatersammlung fürchten. 46 Sie war daher äußerst bestrebt, Niessens Sammlung, in der sich sein Führungsanspruch innerhalb der deutschsprachigen Theaterwissenschaft spiegelte, 47 für die Schweiz zu erwerben. Dabei handelte es sich um Niessens Privatsammlung, die er zeitgleich mit der im Umfang größeren Studiensammlung des Kölner Instituts für Theaterwissenschaft bereits bei seinem Dienstantritt 1919 angelegt hatte. In den darauffolgenden Jahren konnte er letztere in rasantem Tempo zur größten rein institutsgebundenen Studiensammlung innerhalb der deutschsprachigen Theaterwissenschaft ausbauen. 48 Dies gelang ihm, indem er seine Netzwerke nutzte und Theaterschaffende davon überzeugte, ihre Werke durch Aufnahme in die Sammlung zu ‚ verewigen ‘ . 49 Niessen nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um die Sammlungen zu erweitern, ohne dabei moralische Bedenken walten zu lassen. Ein besonders eindrückliches Beispiel hierfür ist seine „ Shoppingtour “ 50 nach Wien im Jahr 1938, die er unmittelbar nach dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Österreich unternahm. Die dabei erworbenen Objekte präsentierte er noch im selben Jahr in einer Ausstellung mit dem nahezu hehlerisch anmutenden Titel „ Ernte eines Jahres “ . 51 Die Privatsammlung, deren Umfang erstmals im Rahmen der Auslagerung 1942 schriftlich festgehalten wurde, fungierte als wichtige Ergänzung der Institutssammlung. Wann immer dem Institut die Mittel gefehlt hatten, hatte Niessen beachtliche Beträge seines Privatvermögens in den Ankauf neuer Materialien investiert, aus denen sich schließlich die Privatsammlung zusammensetzte. 52 Um Niessen vom Handel zu überzeugen, wurde die SGTK nicht müde, ihn auf die Vorteile einer Unterbringung dieser kostspielig wie aufwändig zusammengestellten Privatsammlung in der Schweiz hinzuweisen. 53 In der Tat wäre der Handel für Carl Niessen kein schlechter gewesen. Seit der Zerstörung des Kölner Instituts 1942 hatte Niessen vergeblich nach einer geeigneten Unterbringung seiner Privatsammlung gesucht, 54 deren Bestände ungenutzt in Kisten lagen. 55 Er suchte außerdem nach einer neuen Funktion für sich selbst, 56 da auf- 42 Theresa Schwarzkopf grund des gegen ihn eingeleiteten Entnazifizierungsverfahrens nach 1945 unklar war, ob er überhaupt wieder an die Universität Köln zurückkehren konnte. 57 Carl Niessen hatte sich bereits in den 1920er Jahren offen antisemitisch in seinen Vorlesungen geäußert, 58 vertrat deutschnationalistische und völkische Ansichten, war kooperatives Mitglied der Reichstheaterkammer 59 und kurzzeitig Teil des Wehrverbands ‚ Stahlhelm ‘ bzw. der Sturmabteilung (SA) der NSDAP. 60 Wie die Theaterwissenschaftlerinnen Sabine Herder und Nora Probst beschreiben, erscheint sein Verhältnis zu Ideologien des Nationalsozialismus zwar ambivalent, 61 jedoch hatte er währenddessen nicht nur seine Forschung weitestgehend ungehindert fortsetzen, 62 sondern mit der Berufung auf den Kölner Lehrstuhl für Theaterwissenschaft auch seinen beruflichen Höhepunkt erreichen können. 63 Zwar galt Niessen 1949 offiziell als entlastet und durfte seine Lehrtätigkeit ab 1950 fortführen, 64 doch war die Suche nach einer Unterbringung der Sammlung weiterhin ergebnislos verlaufen. Besonders brenzlig wurde es, als ihm 1950 die Unterkunft in Godesberg kündigte. Infolgedessen hoffte er auf eine Möglichkeit, die Sammlung an die Schweiz zu verkaufen und zog neben Zürich auch Basel oder Bern in Betracht. 65 Nachdem sich die Stadt Köln Ende September 1955 schließlich - scheinbar endgültig - gegen einen Ankauf entschieden hatte, reiste Niessen unmittelbar nach Zürich und unterzeichnete am 3. Oktober 1955 ein nach schweizerischem Recht gültiges Schenkungsversprechen. 66 Die Schenkung hätte in ihrer Wirkweise mehr einem Handel entsprochen, da sie, wenn auch nicht an eine Kaufsumme, an bestimmte Gegenleistungen gebunden war, die durchaus monetären Wert besassen. In einer Abschrift des Schenkungsversprechens sind Niessens Bedingungen aufgelistet, die sich weitestgehend mit dem decken, was er in seiner Erklärung aus dem Juni 1956 schrieb. 67 Für die Schenkung hätte Niessen demnach nicht nur die bereits erwähnte Villa Egli zur Ausstellung seiner Sammlung von der Stadt Zürich, sondern auch eine jährliche Subvention von mindestens 50.000 Franken für die Erschliessung und Bearbeitung der Sammlung für Wissenschaft und Öffentlichkeit erhalten. Davon wären jährlich 15.000 Franken für theaterwissenschaftliche Arbeiten und als Druckzuschüsse für Publikationen vorgesehen gewesen. Über diese hätten die Studierenden Kölns auch nach Niessens Ableben, auf Antrag eines aus dem Konservator der Zürcher Theatersammlung (d. h. vorerst Edmund Stadler) und dem aktuellen Inhaber des Kölner Lehrstuhls für Theaterwissenschaft bestehenden Kuratoriums, Stipendien beziehen können. Zudem hätte Niessen durch die Schenkung sowohl die Betreuung seiner Sammlung durch die SGTK bzw. ein Institut sichergestellt als auch dafür gesorgt, dass die Sammlung weder verkauft noch verschenkt würde und zudem über Vermögenswerte frei verfügen können. 68 Der Zürcher Stadtpräsident Dr. Emil Landolt (1895 - 1995) wies den Gemeinderat an, von der Schenkungsannahme gemäß seiner Schenkungsurkunde Kenntnis zu nehmen und den jährlichen Kredit von 50.000 Franken für die Betreuung der Sammlung zu bewilligen. 69 Dieser nahm die Schenkung offiziell am 12. Oktober 1955 an und die langwierigen Verhandlungen schienen geglückt. 70 Die Schenkung der Sammlung an die Schweiz hätte Niessen allerdings auch über die materiellen Gegenleistungen und den Umstand hinaus, dass er damit endlich einen Platz für sein Lebenswerk gefunden hätte, insofern bereichert, als er in der Schweiz ein Replikat seines Wissenschaftskonzeptes installiert hätte. Niessen hatte, wie Martina Cuba darlegt, in seiner Laufbahn sowohl seine Vision einer Theaterwissenschaft als 43 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen eigenständige Universitätsdisziplin, den Aufbau einer Studiensammlung von Theatralia für Studierende als Anschauungs- und Forschungsapparat sowie die Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit in einem Theatermuseum erreicht. 71 Ziele also, die auch die SGTK verfolgte und deren Erreichung durch den Handel garantiert gewesen wäre. Da Niessen die Berechtigung eines Theatermuseums darin sah, dass dieses als systematisches Lehrmittel an ein Forschungsinstitut gebunden war, 72 hätte sich die schweizerische Theaterwissenschaft von anderen Disziplinen unabhängig gemacht. Die im Vertrag zentrale Bedingung der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Nutzung der Sammlungsbestände hätte den für Niessen so wichtigen Umgang mit Originalen von Studierenden, Lehrenden und Forschenden 73 auch für eine schweizerische Theaterwissenschaft fest verankert. Wie Stadler ihn in einer Korrespondenz wissen lässt, würde Niessen mit der Schenkung nicht nur in Westdeutschland, sondern auch in der Schweiz den Ruhm erwerben, die Grundlagen der Theaterwissenschaft geschaffen zu haben. 74 Diese guten Bedingungen waren es womöglich auch, die Niessen zwischen Emil Landolt bzw. dessen Sekretär Dionys Gurny, dem Niessen eine besonders „ gefährliche Suggestionskraft “ 75 vorwarf, der SGTK und seinen Studierenden dermassen in die Bredouille brachten, dass er innerhalb kürzester Zeit mehrfach zwischen Zusage und Rückzug des Schenkungsversprechens hin und her schwankte und damit für viel Ärger bei der SGTK sorgte. Konsequenzen für die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur Dass Niessen den Zürcher Stadtrat um Entlassung aus dem Vertrag bat, 76 sorgte für Entrüstung bei der SGTK und entsprechende Artikel gelangten an die Presse. Am prominentesten polemisierte der Sekretär der SGTK Oskar Eberle gegen Niessen, indem er mehrere Zuschriften an die Presse tätigte. Der Konflikt scheint weniger ideologisch motiviert gewesen zu sein, da Eberle als Schüler des bekannten völkischen Literaturhistorikers Josef Nadler keine Berührungsängste mit dessen stammesgeschichtlicher Forschung hatte. Eberles Konzepte für das schweizerische Theater wiesen, wie die Literaturwissenschaftlerin Ursula Amrein beschreibt, deutliche Parallelen zu nationalsozialistischen Festen und Inszenierungen auf. Mit dem ,Staatsfestspiel ‘ erschuf er die schweizerische Version des Thingspiels, das Niessen zu Beginn der 1930er Jahre entworfen hatte. Jedoch wusste Eberle die Imitation zu verbergen, indem er behauptete, das Staatsfestspiel stehe in einem schweizerischen Traditionszusammenhang. 77 Eberles Einwände zeugen eher von der Besorgnis, dass die Anstrengungen der SGTK ins Leere laufen könnten. Er warf dem Kölner Professor in einer Zuschrift an die Kölnische Rundschau vor, „ die Gutmütigkeit und den unermüdlichen Eifer der Schweiz “ 78 zehn Jahre lang nur dazu benutzt zu haben, um die Stadt Köln zum Erwerb der Sammlung zu zwingen. In derselben Zuschrift diffamierte Eberle den Wert der ehemals in der Weisung des Stadtrates an den Zürcher Gemeinderat noch als „ die bedeutendste[n] private[n] Theatersammlung “ 79 Europas bezeichneten Sammlung Niessen erheblich, indem er die umfangreichere universitäre Theatersammlung Kölns mit der Niessen-Sammlung verglich und meinte, dass diese in Zürich umfassend ergänzt werden müsste. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, dennoch auf Einhaltung des Vertrages zu bestehen. 80 Mitte November, nach Niessens Rückzug der Schenkung, erschien eine Sonderausgabe der Schweizerischen Theaterzeitung zur „ Affäre Niessen “ 81 . In einem Absatz der Redaktion, die Oskar Eberle zu diesem Zeitpunkt noch 44 Theresa Schwarzkopf innehatte, drohte diese mit rechtlichen Schritten: Sollte Professor Niessen entgegen der schweizerischen Erwartungen nicht einlenken, so darf man annehmen, dass sich die zürcherischen Behörden auf den Rechtsstandpunkt des einwandfrei abgeschlossenen Vertrages stellen. Ein deutscher Professor, die Kölner Universität, die deutsche Geisteswelt und das gesamte deutsche Volk werden sich in der heiklen internationalen Situation kaum einen Vertragsbruch nachsagen lassen. 82 Auch wenn Oskar Eberle womöglich zur Überbewertung des allgemeinen Stellenwertes der Theaterwissenschaft neigte, so steckt in seiner Aussage das tatsächliche Vorhaben, rechtlich gegen Niessen vorzugehen. Zu seinem Unglück war aber nicht die SGTK, sondern die Stadt Zürich Vertragspartnerin Niessens, sodass die SGTK nichts Weiteres tun konnte, als den Zürcher Stadtpräsidenten Emil Landolt zu bitten, Niessen keinesfalls aus dem Vertrag, von dessen Rechtsgültigkeit sie überzeugt war, zu entlassen. Eberles entrüsteter Appell mag mit der Reaktion Landolts auf Niessens Bitte um eine Entlassung aus dem Vertrag zu tun gehabt haben. Landolt hatte Anfang November eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der er zwar Niessens Vorwurf bestritt, dass die Schweiz ihn unter Druck gesetzt habe, und die Rechtsgültigkeit des Schenkungsversprechens betonte, jedoch gleichzeitig ausdrückliches Verständnis für „ die seelischen Nöte, in denen sich Prof. Niessen wegen der ihm von einem Teil seiner Studenten gemachten Vorwürfe befindet “ 83 , ausdrückte. Aufgrund von Korrespondenzwechseln mit Carl Niessen schloss Landolt, dass Niessen derzeit nicht in der Lage dazu sei, die Konsequenzen des Handels zu überblicken. Man wolle die Sache erst wieder angehen, wenn Niessen sich unter ruhigeren Umständen eine Meinung gebildet habe. 84 Die SGTK fürchtete, dass Landolts verständnisvolle Erklärung Niessen einen einfachen Ausweg aus dem Vertrag geben könnte. Niessen werde sich dadurch womöglich in seiner Argumentation, dass es sich beim Schenkungsversprechen lediglich um einen Vorvertrag handele, bestärkt fühlen. In einem Schreiben an Landolt bat die Gesellschaft daher umso dringlicher darum, die Sammlung für Zürich zu erhalten. Sie konstatierte, dass ein Verzicht nicht nur die Stadt Zürich und die schweizerischen Theaterwissenschaftler bloßstellen würde, sondern auch die „ zehnjährigen Bemühungen um eine Fundierung der Theaterwissenschaft in der Schweiz um den lange und schwer erkämpften Erfolg “ 85 brächte, der im Schenkungsvertrag zum Ausdruck gebracht wurde. Die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur kämpft seit 28 Jahren um die Anerkennung der Theaterwissenschaft durch die Hochschulen. Sie gab in dieser Zeit 32 Publikationen heraus und veranstaltete im In- und Ausland 35 Ausstellungen. Die eigentliche Grundlage für eine fruchtbare Förderung der Theaterwissenschaft aber bilden Bibliothek, Theatersammlung und Theatermuseum. Durch die Sammlung Niessens hätte die Schweiz ein sicheres Fundament für die Theaterwissenschaft und die mannigfachen Anregungen, die von ihr dem lebendigen Theater zuströmen können, erhalten. [. . .] Durch die Nichterfüllung des Vertrags sind unsere Bestrebungen im Dienste der Wissenschaft und der Kunst nicht nur misskreditiert, sondern beinah vor unsere Anfänge zurückgeworfen. Alle europäischen und amerikanischen Staaten haben uns auf dem Gebiet der Theaterwissenschaft längst überflügelt. Durch die Sammlung Niessen hätten wir den empfindlichen Rückstand dank der Grosszügigkeit der Stadt Zürich aufholen können. Soll nun all das, was grossartig hätte erreicht werden können, durch einen Vertragsbruch von Seiten Prof. Niessens zunichte gemacht werden? 86 45 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen Obwohl sie nicht die Vertragspartnerin war, wappnete sich die SGTK vorsorglich für einen Rechtsstreit. Anfang Dezember 1955 sandte Rudolf Stamm (1909 - 1991), Präsident der SGTK von 1957 - 1960, 87 einen Brief an den Juristen und Rechtshistoriker Hans Thieme 88 (1906 - 2000), dem ein ganzer Ordner an Materialien zum ,Niessen-Handel ‘ beigelegt war. Nach der Lektüre verfasste Thieme umgehend einen Brief an seinen Freund Arndt Müller, einen deutschen Rechtsanwalt in Köln, um diesen als sachlichen Berater für eine möglichst druckbefreite Lösung der Niessen-Angelegenheit zu gewinnen. 89 Auf der anderen Seite drohte auch Niessen in einem Schreiben an Oskar Eberle mit einem Rechtsstreit. Eine freiwillige Entlassung aus dem Vertrag wäre wünschenswert, er sei aber auch bereit, rechtlich gegen den Vertrag vorzugehen. Neben der „ rechtswidrigen Entführung “ 90 einiger Kisten von Schloss Wahn durch Edmund Stadler - dem Moment, in dem das Hin und Her Niessens eskalierte und Stadler sichtlich die Nerven verlor - sei das entscheidende Argument, dass er mit der Aussicht auf einen notariellen Vertrag hintergangen wurde. Die Stadt Zürich, die so beispielhaft um Mehrung ihrer Kulturgüter bemüht ist, kann es sich ebensowenig wie die Gesellschaft leisten, dass ich meine Beweise öffentlich vorlege. Dann erst ist der europäische Skandal da. 91 Das Versprechen betrachtete Niessen selbsterklärend als rechtsungültig und räumte ein, dass daher keine Lieferung verlangt werden könne. Einen Stifter zur Abgabe seiner Sammlung zu zwingen, sei eine noch nie dagewesene Unmöglichkeit. 92 Nach Einschätzung Hans Thiemes sei ein Prozess - auch wenn dieser seiner professionellen Ansicht nach zu Gunsten der Schweiz ausgehen würde - sowohl von schweizerischer als auch von deutscher Seite nicht wünschenswert, 93 jedoch sollte „ von deutscher Seite alles getan werden [. . .], das feierlich gegebene Wort Prof. Nissens [sic! ] zu honorieren. “ 94 Er ließ keinen Zweifel an der Gültigkeit des schriftlichen Schenkungsversprechens, da nach internationalem Privatrecht das am Ort des Vertragsschlusses geltende, also das schweizerische Recht maßgebend sei. 95 Niessens Argumente, die er offenbar von juristischer Seite bezogen habe, um eine Rechtsbasis für seinen Widerruf der Schenkung zu finden, befand Thieme als „ reichlich töricht “ 96 und prognostizierte Niessen bei einer Irrtumsanfechtung keinen Erfolg vor den deutschen Gerichten. 97 Zum Rechtsstreit kam es schließlich nicht, aber ihre hitzigen Angriffe wurden der SGTK insofern zum Verhängnis, als sie Niessen neben anderen einen weiteren willkommenen Grund für die Aufhebung des Schenkungsversprechens lieferten. So schrieb Niessen am 20. November 1955 an Oskar Eberle, die übereilt eingeleitete Polemik habe ihn dermaßen diffamiert, dass ihm eine Beteiligung an der Betreuung seiner Sammlung in Zürich nun nicht mehr zugemutet werden könne. 98 Im Januar 1956 ermächtigte schließlich der Zürcher Stadtrat den Stadtpräsidenten Landolt, Niessen die geschenkten Objekte zurückzugeben. 99 Am 16. Januar wurde die Bekanntmachung des Zürcher Stadtrats veröffentlicht, mit der Niessen aus dem Schenkungsversprechen entlassen wurde. 100 Warum sich Stadtrat und Stadtpräsident dazu entschieden, keine rechtlichen Schritte zu gehen und Niessen aus dem Vertrag zu entlassen, kann bisher nur vermutet werden. Als offiziellen Grund nannte Landolt eine Meldung Niessens an die Presse vom 9. Januar 1956, die deutlich zeige, dass er die Sammlung nicht nach Zürich geben wolle. 101 Laut Presse sei der Beschluss, das Schenkungsgut zurückzugeben, eine Antwort auf 46 Theresa Schwarzkopf Niessens Unentschlossenheit sowie auf seine Beschuldigung der Stadt Zürich, sich seine Sammlung „ anzueignen “ 102 und auf verschiedene in der Presse veröffentlichte Verlautbarungen. 103 Offenbar wollte die Stadt Zürich diese Vorwürfe nicht gelten lassen. Womöglich hatte sie genug von der Unentschlossenheit Niessens, der sich auch nach seiner Bitte um Entlassung erst recht wieder die Möglichkeit einer (testamentarisch veranlassten) Überführung in die Schweiz offenhalten wollte, sofern eine nachhaltige Unterbringung in Deutschland doch nicht glücke. 104 In der Presse gab es jedenfalls Hinweise darauf, dass der Handel für die Stadt Zürich und die Zürcher Bevölkerung schlichtweg keinen allzu großen Stellenwert (mehr) hatte. In einem Artikel aus dem Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich vom 8. November 1955 wurde konstatiert, dass entscheidend für das Bekommen oder Nicht-Bekommen der Sammlung sei, für wen das Material von größerem Interesse sei. Es wurde, im Unterschied zur Darstellung der SGTK, bemerkt, dass die Teilausstellung der Sammlung im Helmhaus unverhältnismäßig schlecht besucht gewesen wäre. Mehr als das, „ ist es für Zürich weniger wichtig, ein städtisches Theatermuseum zu haben, als ein gutes Stadttheater! “ 105 Auch in einem Artikel aus dem Luzerner Tagblatt vom 2. Januar 1956 wurde darauf hingewiesen, dass ein wirkliches Bedürfnis für die Übersiedelung weder beim Theater noch beim Publikum bestehe, sondern vielmehr in jenen Kreisen, „ die parallel mit der Uebernahme der Sammlung an der Einrichtung eines ,theaterwissenschaftlichen ‘ Lehrstuhles an der Zürcher Hochschule interessiert sind. . . “ 106 Auch im Berner Tagblatt wurde am 27. Januar 1956 berichtet, dass Zürich keine Theaterstadt sei und nicht unbedingt ein Theatermuseum brauche. 107 Diese Absage an eine Identifikation als Theaternation und Zürich als Theaterstadt muss für die SGTK, die sich so bemüht hatte, den Wert einer institutionalisierten Theaterwissenschaft nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Schweiz hervorzuheben, vernichtend gewesen sein. Dem nicht genug, hatte Niessens Entlassung aus dem Schenkungsversprechen weitere bittere Konsequenzen für die SGTK. Sie verlor nicht nur die Villa Egli und damit die räumlichen Möglichkeiten für ein Theatermuseum und ein theaterwissenschaftliches Institut, sondern auch die großzügige Förderung der Stadt Zürich. Zwar habe Niessen dem Zürcher Stadtpräsidenten Landolt noch den Vorschlag gemacht, die Schweizerische Theatersammlung in der Villa Egli zu installieren, 108 jedoch war dies aus bürokratischen Gründen nicht möglich. Der Kredit, der vom Gemeinderat gewährt worden war, stand ausdrücklich im Zusammenhang mit der Sammlung Niessen und durch deren Verlust habe laut Gemeinderat keine Veranlassung zur Schaffung eines städtischen Theatermuseums mehr bestanden. 109 Auch wenn die SGTK aufgrund des unglücklichen Verlaufs letztlich nicht in ihrem Vorhaben vorankam, die Theaterwissenschaft an einer Schweizer Universität zu institutionalisieren und ihre Position innerhalb der deutschsprachigen wie auch internationalen Theaterwissenschaft zu verbessern, ermöglichte eine Erhöhung der jährlichen Subvention durch die eidgenössischen Räte 110 ihre Weiterarbeit. Keinen geringen Trost brachte zudem, dass der Mäzen, der Dichter Hans Reinhart (1880 - 1963) aus Winterthur, seinen Beitrag von 50.000 Franken, den er der SGTK für den Erwerb der Sammlung Niessen zur Verfügung gestellt hatte, nicht zurückzog. Von dem Geld konnte die umfassende , Theatersammlung Stahl ‘ des Max Herrmann-Schülers, Dramaturgen, Theaterkritikers, Schriftstellers und Dozenten Ernst Leopold Stahl (1882 - 1949) angekauft werden. 111 Mit den übrigen 5.000 Franken konnte außerdem ein neues - besonders prestigeträch- 47 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen tiges und zukunftsweisendes - Projekt der SGTK, die periodische Verleihung des Hans- Reinhart-Rings für Theaterschaffende, die sich um das schweizerische Theater besonders verdient gemacht haben, mitfinanziert werden. 112 Anmerkungen 1 Diese Forschung wurde durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) [10001HL_ 212859] gefördert. Zur Umsetzung von Open Access wird eine Creative Commons Attribution CC BY Lizenz auf jedes Author ’ s Accepted Manuscript angewendet, das aus dieser Einreichung hervorgeht. 2 O. A., „ Theatersammlung Niessen “ , in: Deutsche Universitätszeitung, Heft XI/ 10 (1956), PA Fachbegriffe 1.17, Schweizer Archiv der Darstellenden Künste (Stiftung SAPA). 3 O. A., „ Der Hans Reinhart-Ring “ , o. D., Hans-Reinhart-Ring, Geschichte ab 1956, Jury ab 1956, Finanzierung ab 1957, Stiftung SAPA, A-2011. 4 Vgl. Oskar Eberle, Rudolf Stamm, Georg Thürer, „ Theatersammlung Niessen und SGTK. Rückblick auf die Schenkung und ihren Rückzug “ , in: Mitteilungen der SGTK, 8. Jahr Nr. 2 (3/ 1956), PA Fachbegriffe 1.17. 5 Vgl. Carl Niessen, „ Weshalb die Theatersammlung Niessen nicht in die Schweiz ging. Eine Antwort auf den Angriff durch die Deutsche Universitätszeitung auf Grund der Akten und der Mitteilungen der Studenten “ , 06/ 1956, PA Fachbegriffe 1.17, S. 1 - 15. 6 Vgl. o. A., „ Kauf der Sammlung Niessen in Köln abgelehnt “ , Kölner Stadt-Anzeiger (13.10.1955), PA Fachbegriffe 1.17. 7 Vgl. Edmund Stadler, „ Die Rettung eines Lebenswerkes “ , in: Hans Günther Auch et al. (Hg.), Mimus und Logos: eine Festgabe für Carl Niessen, Emsdetten 1952, S. 233 - 241, hier S. 233. 8 Vgl. Emil Landolt, „ Weisung des Stadtrates an den Gemeinderat. Theatersammlung Nießen “ , 7.10.1955, PA Fachbegriffe 1.17, S. 1 - 4, hier S. 2; vgl. Nora Probst, Objekte, die die Welt bedeuten. Carl Niessen und der Denkraum der Theaterwissenschaft, Szene & Horizont, Bd. 4., Stuttgart 2022, S. 14. 9 Vgl. Hans Thieme, [Korrespondenz an Arndt Müller], 9.12.1955, PA Fachbegriffe 1.17; vgl. Eberle, Stamm, Thürer, „ Theatersammlung Niessen und SGTK. Rückblick auf die Schenkung und ihren Rückzug “ . 10 Vgl. August Rebsamen, [Korrespondenz an den Minister der Abteilung für internationale Organisationen des Eidgenössischen Politischen Departements Bern], 8.11.1955, Schweizerisches Bundesarchiv (BAR), E2003A#1971/ 44#648*; vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenz an Dionys Gurny], 2.12.1947, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11, Stiftung SAPA, A-2011. 11 Für eine ausführliche Darstellung der kulturhistorischen Kontexte sowie der methodisch-historiographischen Herangehensweise erlaube ich mir auf meine Dissertation zur Internationalisierung der deutschsprachigen Theaterwissenschaft während des Kalten Krieges zu verweisen, die derzeit im Rahmen des SNF- und FWF-geförderten Weave-Projektes „ History of Theatre Studies. Swiss/ Austrian Networks and Contexts (HoTS) “ am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern entsteht. Projektverantwortliche: Beate Hochholdinger-Reiterer (Institut für Theaterwissenschaft Universität Bern), Birgit Peter (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft Universität Wien). 12 Vgl. Probst, Objekte, die die Welt bedeuten, S. 218 - 222; vgl. Martina Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus. Zur Sammlungsgeschichte der Bestände am Zentralinstitut für Theaterwissenschaft der Universität Wien 1943 - 1945, Wien 2017, S. 94 - 95. Vgl. Sabine Herder, „ Carl Niessen und das Institut für Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln “ , in: Walter Pape (Hg.): Zehn Jahre Universitätspartnerschaft Univerzita v Praze - Universität zu Köln. Kolloquium zur Universitäts- und Fachgeschichte. Elektronische Schriftenreihe der Universitäts- und Stadtbibliothek, Bd. 3, Köln 2011, S. 135 - 156, hier S. 153. 48 Theresa Schwarzkopf 13 Vgl. Beate Hochholdinger-Reiterer, „ Theaterwissenschaft in der Schweiz “ , in: Maske und Kothurn 61/ 3 - 4 (2015), S. 101 - 107, hier S. 101; vgl. Isabelle Haffter, „ Die transnationale Fachgeschichte der Theaterwissenschaft in der Schweiz: Ein Forschungsdesiderat “ , in: Thewis (2022), S. 11 - 21, hier. S. 11. 14 Aus Briefen Edmund Stadlers und Carl Niessens geht hervor, dass Stadler 1945 ursprünglich nicht dauerhaft in die Schweiz zurückkehren wollte. Da die Rückreise nach Deutschland jedoch mit Schwierigkeiten verbunden gewesen sei, habe er eine befristete Stelle als Konservator der Schweizerischen Theatersammlung und daraufhin Lehraufträge an den Universitäten Bern und Zürich angenommen, vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenz an Allied Military Permit Office], 5.11.1947, SGTK Allg. Korrespondenzen M - Z 07.1946 - 12.1950 5.3.6, Stiftung SAPA, A-2011; vgl. Carl Niessen, [Korrespondenz an Dr. Beckhoff], 5.8.1947, SGTK Allg. Korrespondenzen M - Z 07.1946 - 12.1950 5.3.6. 15 „ Wenn Sie in Köln die Möglichkeit einer Niederlassung sehen, so stehe ich nicht im Wege. Ich bin froh, zurücktreten zu können. Vielleicht sprechen Sie mit dem Universitätsoffizier. “ , Carl Niessen, [Korrespondenz an Edmund Stadler], 1.1.1948, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11; Stadler sei sich der Ehre bewusst, die Niessen ihm erweise, indem er ihn als seinen Nachfolger in Köln vorschlage, aber er könne sich aus der Schweiz nicht ohne weiteres zurückziehen, da er sich aus politischen Gründen dadurch die Zukunft in seiner Heimat verbauen würde, vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 24.9.1955, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11; Niessen bestreitet später, dass er Stadler zu seinem Nachfolger hatte machen wollen, vgl. Niessen, „ Weshalb die Theatersammlung Niessen nicht in die Schweiz ging “ , S. 3. 16 Vgl. Carl Niessen, [Typoskript], 5.9.1944, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 17 Vgl. Edmund Stadler, „ Verhandlungen wegen des Erwerbes der Sammlung Niessen 1946 - 1955 “ , o. D., PA Fachbegriffe 1.17, S. 1 - 12. 18 Oskar Eberle, [Korrespondenz an Zürcher Stadträte und Stadtpräsident], 7.5.1946, Niessen Köln 1956 4.2.7, Stiftung SAPA, A- 2011; vgl. Oskar Eberle, [Korrespondenz an Bundesrat Philipp Etter], 8.5.1946, Niessen Köln 1956 4.2.7. 19 Vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 27.11.1951, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 20 Vgl. Oskar Eberle, [Korrespondenz an Carl Niessen], 16.11.1950, SGTK Korrespondenzen A. - Z 01.1946 - 12.1953 5.3.7, Stiftung SAPA, A-2011. 21 O. A., „ Bereinigter Vertragsvorentwurf “ , 16.10.1952, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 22 O. A., „ Protokoll der Vorstandssitzung der SGTK “ , 20.6.1953, SGTK Protokolle Vorstandssitzung 1932 7.5.1, Stiftung SAPA, A- 2011. 23 Vgl. Stadler, „ Verhandlungen wegen des Erwerbes der Sammlung Niessen 1946 - 1955 “ , S. 3 f. 24 Vgl. Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 27.11.1951, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 25 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 95. 26 Vgl. o. A., „ Affäre Niessen im Spiegel der Presse “ , Neue Zürcher Nachrichten (25.11. 1955), PA Fachbegriffe 1.17. 27 Vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 19.1.1955, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 28 Vgl. o. A., „ Protokoll Vorstand SGTK “ , 17.9.1955, SGTK Protokolle Vorstandssitzung 1932 7.5.1. 29 Vgl. Stadler, „ Verhandlungen wegen des Erwerbes der Sammlung Niessen 1946 - 1955 “ , S. 5. 30 Edmund Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 18.6.1955, SGTK Sammlung Niessen, 5.3.11. 31 Vgl. o. A., „ Protokoll Vorstand SGTK “ , 17.9.1955, SGTK Protokolle Vorstandssitzung 1932 7.5.1. 32 Vgl. o. A., [Korrespondenz Schweizerische Gesandtschaft an Herrn Dr. Doka], 14.10. 1955, BAR, E2003A#1971/ 44#648*. 49 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen 33 Edmund Stadler, [Korrespondenz an Karl Naef], 22.1.1953, SGTK Allg. Korrespondenz L. - Z. 01.1951 - 12.1953 5.3.3, Stiftung SAPA, A-2011. 34 Vgl. Sarah Marinucci, „ Die Gründung des Instituts für Theaterwissenschaft in Bern. Die Folgen einer politischen Akzentverschiebung “ , in: Anne Fournier, Andreas Härter, Beate Hochholdinger-Reiterer (Hg.): Schweizer Theaterwelten, Bern 2018, Bd. 90, S. 125 - 136, hier S. 125. 35 Vgl. o. A., „ Wir suchen Mäzene für ein schweizerisches Theatermuseum “ , Mitteilungen der SGTK (1.1.1952), SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 36 O. A., „ Jahresbericht der SGTK “ , 1954, SGTK Protokolle Vorstandssitzung 1932 7.5.1. 37 Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 18.6.1955, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 38 Vgl. ebd. 39 Vgl. Edmund Stadler, „ Sammlung Niessen “ , o. D., SGTK Sammlung Niessen 5.3.11, S. 1 - 2, hier S. 2. 40 Vgl. o. A., „ Wir suchen Mäzene für ein schweizerisches Theatermuseum “ . 41 Vgl. Marinucci, „ Die Gründung des Instituts für Theaterwissenschaft in Bern “ , S. 125. 42 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 34. 43 Vgl. Hochholdinger-Reiterer, „ Theaterwissenschaft in der Schweiz “ , S. 105. 44 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 34. 45 Vgl. a. a. O., S. 48. 46 Die SGTK fürchtete um den Fortbestand der Schweizerischen Theatersammlung, da die Konservatoren-Stelle Stadlers ab 1956 nicht mehr wie bis dahin aus Krediten des Departements des Innern finanziert und somit auch die Arbeit an der Theatersammlung sowie die internationale Ausstellungsarbeit nicht weitergeführt werden hätte können, vgl. o. A., „ Jahresbericht der SGTK “ , 1954; vgl. o. A., „ Protokoll der Vorstandssitzung der SGTK “ , 5.6.1955, SGTK Protokolle Vorstandssitzung 1932 7.5.1. 47 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 92. 48 Vgl. Herder, Carl Niessen und das Institut für Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln, S. 150 - 152. 49 Vgl. a. a. O., S. 142, 151. 50 A. a. O., S. 152. 51 Vgl. ebd.; vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 96. 52 Vgl. Herder, Carl Niessen und das Institut für Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln, S. 152 f. 53 Vgl. Edmund Stadler, [Korrespondenzen an Carl Niessen], 12.5.1952, 16.3.1953, 22.6. 1955, 14.7.1955, 24.9.1955, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 54 Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 137. 55 Vgl. Probst, Objekte, die die Welt bedeuten, S. 199. 56 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 137. 57 Vgl. Probst, Objekte, die die Welt bedeuten, S. 199. 58 Vgl. a. a. O., S. 241. 59 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 86. 60 Vgl. Probst, Objekte, die die Welt bedeuten, S. 229 - 233. 61 Vgl. Herder, Carl Niessen und das Institut für Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln, S. 145; vgl. Probst, Objekte, die die Welt bedeuten, S. 252 - 257. 62 Vgl. a. a. O., 253. 63 Vgl. a. a. O., S. 250. 64 Vgl. a. a. O., S. 260. 65 Carl Niessen, [Korrespondenz an Edmund Stadler], 28.8.1950, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 66 Thieme, [Korrespondenz an Arndt Müller], 9.12.1955. 67 Vgl. Niessen, „ Weshalb die Theatersammlung Niessen nicht in die Schweiz ging “ , S. 4. 68 Carl Niessen, „ Abschrift der Schenkungsurkunde “ , 3.10.1955, PA Fachbegriffe 1.17. 50 Theresa Schwarzkopf 69 Vgl. Landolt, „ Weisung des Stadtrates an den Gemeinderat. Theatersammlung Nießen “ , 7.10.1955, S. 4. 70 Vgl. o. A., „ Debatte über den Geschäftsbericht im Gemeinderat von Zürich “ , Neue Zürcher Zeitung (13.10.1955), PA Fachbegriffe 1.17. 71 Vgl. Cuba, Die Gründung eines theaterwissenschaftlichen Forschungsapparates im Nationalsozialismus, S. 89. 72 Vgl. a. a. O., S. 92. 73 Vgl. a. a. O., S. 91. 74 Vgl. Stadler, [Korrespondenz an Carl Niessen], 24.9.1955, SGTK Sammlung Niessen 5.3.11. 75 Carl Niessen, [Korrespondenz an Edmund Stadler], 18.11.1955, PA Fachbegriffe 1.17. 76 Niessen bat den Gemeinderat am 1. November 1955 um Entlassung, am 3. November darum, ihm noch Zeit für eine Entscheidung zu lassen und am 8. November erneut um Entlassung, vgl. o. A., „ Theatersammlung Niessen und Stadt Zürich. Eine Erklärung des Stadtpräsidenten “ , Neue Zürcher Zeitung (8.11.1955), PA Fachbegriffe, 1.17. 77 Vgl. Ursula Amrein: „ Los von Berlin! “ . Die Literatur- und Theaterpolitik der Schweiz und das „ Dritte Reich “ , Zürich 2004, S. 319, 327 - 329. 78 Oskar Eberle, zit. n. o. A., „ Affäre Niessen im Spiegel der Presse “ . 79 Landolt, „ Weisung des Stadtrates an den Gemeinderat. Theatersammlung Nießen “ , 7.10.1955, S. 3. 80 Vgl. o. A., „ Affäre Niessen im Spiegel der Presse “ . 81 Vgl. ebd. 82 O. A., „ Die Theatersammlung Niessen und die Schweiz “ , Mitteilungen der SGTK (15.11.1955), PA Fachbegriffe 1.17. 83 Emil Landolt, „ Theatersammlung Niessen “ , 11/ 1955, PA Fachbegriffe 1.17, S. 1 - 6, hier S. 5. 84 Vgl. a. a. O., S. 5 f. 85 O. A., [Korrespondenz des SGTK-Vorstands an Emil Landolt], 19.11.1955, PA Fachbegriffe 1.17, S. 1 - 3, hier S. 2. 86 Ebd. 87 Vgl. Thomas Waldmann: „ Rudolf Stamm “ , in: Andreas Kotte (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Band 3, Zürich 2005, S. 1733. 88 Hans Thieme war ab 1937 Mitglied der NSDAP, vgl. Peter Landau, „ Thieme, Hans “ , in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 124 - 125 [Online-Version], https: / / www.d eutsche-biographie.de/ pnd11862198X.html# ndbcontent [Zugriff am 05.05.2025]. 89 Vgl. Thieme, [Korrespondenz an Arndt Müller], 9.12.1955. 90 Carl Niessen, [Korrespondenz an Oskar Eberle], 24.11.1955, PA Fachbegriffe 1.17. 91 Ebd. 92 Vgl. ebd. 93 Vgl. Hans Thieme, [Korrespondenz an Rudolf Stamm], 9.12.1955, PA Fachbegriffe 1.17. 94 Thieme, [Korrespondenz an Arndt Müller], 9.12.1955. 95 Vgl. ebd. 96 Ebd. 97 Vgl. Thieme, [Korrespondenz an Rudolf Stamm], 9.12.1955. 98 Vgl. Niessen, [Korrespondenz an Oskar Eberle], 24.11.1955. 99 Vgl. o. A., „ Geschäftsbericht des Stadtrats 1956 “ , 1956, Stadtarchiv Zürich, V. B. b.43.: 1.98, S. 13. 100 Vgl. o. A., „ Der Verzicht Zürichs auf die Theatersammlung Prof. Nießens “ , Der Bund (16.1.1956), PA Fachbegriffe 1.17; vgl. o. A., „ Der Leidensweg der Sammlung Niessen. Der Zürcher Stadtrat verzichtet “ , Neue Zürcher Nachrichten (16.1.1956), PA Fachbegriffe 1.17. 101 Vgl. ebd. 102 O. A., „ Zürich bleibt ohne Theatersammlung “ , Berner Tagblatt (27.1.1956), PA Fachbegriffe, 1.17. 103 Vgl. o. A., „ Der Verzicht Zürichs auf die Theatersammlung Prof. Nießens “ . 104 Vgl. Niessen, [Korrespondenz an Oskar Eberle], 24.11.1955. 105 O. A., „ Also doch nicht . . . Prof. Nießen will die Schenkung seiner Theatersammlung rückgängig machen “ , Tages-Anzeiger Zürich (8.11.1955), PA Fachbegriffe 1.17. 51 Geplatzter Deal und zerschlagene Hoffnungen 106 O. A., „ Um die Theatersammlung Nießen “ , Luzerner Tagblatt (2.1.1956), PA Fachbegriffe 1.17. 107 Vgl. o. A., „ Zürich bleibt ohne Theatersammlung “ . 108 Vgl. Niessen, [Korrespondenz an Oskar Eberle], 24.11.1955. 109 Vgl. o. A., „ Zürich verzichtet. Theatersammlung Nießen wird zurückgegeben “ , Tages- Anzeiger Zürich (16.1.1956), PA Fachbegriffe 1.17; vgl. o. A., „ Der Leidensweg der Sammlung Niessen. Der Zürcher Stadtrat verzichtet “ . 110 Vgl. o. A., „ Eine Träne für die Sammlung Niessen “ , Basler Nachrichten (20.3.1956), PA Fachbegriffe 1.17. 111 Vgl. Edmund Stadler, „ Die Theatersammlung Stahl “ , in: Mimos. Mitteilungen der SGTK, 9. Jahr Nr. 3/ 4 (1957), Hans-Reinhart-Ring, Geschichte ab 1956, Jury ab 1956, Finanzierung ab 1957, S. 2 - 8, hier S. 7 f. 112 Vgl. o. A., „ Post festum “ , in: Mimos. Mitteilungen der SGTK, 12. Jahr Nr. 4/ 4 (1960), Hans-Reinhart-Ring, Geschichte ab 1956, Jury ab 1956, Finanzierung ab 1957, S. 1 - 2, hier S. 1. 52 Theresa Schwarzkopf
