eJournals Internationales Verkehrswesen 63/4

Internationales Verkehrswesen
iv
0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2011-0064
71
2011
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Eine Vision für nachhaltigen Verkehr

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2011
Wolfgang Schade
Anja Peters
Jonathan Köhler
Die „Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland“ (VIVER) des Fraunhofer-ISI zeichnet ein realisierbares, normatives und anschauliches Bild für nachhaltigen Verkehr in Deutschland und beschreibt die Treiber einer solchen Veränderung hin zu einem nachhaltigen Verkehrssystem.
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POLITIK Verkehr 2050 Internationales Verkehrswesen (63) 4 | 2011 16 Eine Vision für nachhaltigen Verkehr Die „Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland“ (VIVER) des Fraunhofer-ISI zeichnet ein realisierbares, normatives und anschauliches Bild für nachhaltigen Verkehr in Deutschland und beschreibt die Treiber einer solchen Veränderung hin zu einem nachhaltigen Verkehrssystem. M it der Rio-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung (Earth Summit) der Vereinten Nationen 1992 wurde das Konzept der Nachhaltigkeit in die politische und gesellschaftliche Debatte eingeführt. Grundsätzlich sollen danach unsere Bedürfnisse heute so befriedigt werden, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Dabei sind sowohl die ökologische als auch die ökonomische und soziale Dimension relevant. Übertragen auf das Verkehrssystem müssen die Mobilitätsbedürfnisse heutiger und zukünftiger Generationen umweltschonend, volkswirtschaftlich eizient und gleichzeitig komfortabel mit einer Vielzahl von Optionen möglichst kostengünstig erfüllbar sein, ohne den menschlichen Lebensraum und die natürlichen Ressourcen heute und zukünftig negativ zu belasten. Trotz einer jahrzehntelang andauernden Diskussion über Maßnahmen, mit denen der heutige Verkehr nachhaltiger gestaltet werden soll, sind wir heute - nicht nur in Deutschland - immer noch mit einer Vielzahl von Problemen wie Lärm, Klimabelastung, Unfälle und der Zerschneidung der Städte durch heutige Verkehrsinfrastrukturen konfrontiert. Um den Ansprüchen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, muss sich unser Verkehrssystem somit deutlich wandeln. Das Fraunhofer-ISI hat sich in einem internen Projekt die Frage gestellt, wie dieser Wandel sich vollziehen könnte und ein qua- Foto: General Motors Internationales Verkehrswesen (63) 4 | 2011 17 Abb. 1: Zusammenfassung der Megatrends und Schlüsselfelder in der VIVER-Visualisierung [2] litatives Szenario für nachhaltigen Verkehr in Deutschland entworfen [1]. Dieses ist im Folgenden beschrieben. Megatrends - Treiber des Wandels Verkehr ist erheblich von den Rahmenbedingungen abhängig, unter denen er stattfindet, und eine Vision eines nachhaltigen Verkehrs kann nur Realität werden, wenn sie mit diesen im Einklang steht. Für die Ausarbeitung unserer Vision haben wir die Entwicklungen bestimmender Rahmenbedingungen bis 2050 - sogenannter Megatrends - identifiziert und definiert. Durch die Zielsetzung der Nachhaltigkeit wurden bewusst positive Entwicklungen angenommen, die bei konsequentem politischem Handeln realisierbar sind. So ist angesichts des demographischen Wandels von einem deutlichen Rückgang der Bevölkerung bis 2050 auszugehen. Eine aktive Familienförderungs- und Einwanderungspolitik kann die zunehmende Alterung und das Schrumpfen der Bevölkerung zwar dämpfen, aber nicht verhindern, so dass ein Rückgang von heute rund 82- Mio. auf 70 bis 74- Mio. Personen realistisch erscheint. Die Erholung von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/ 2009 ging schneller vonstatten als während der Krise erwartet, und für die kommenden Jahre ist mit einem weiteren Wirtschaftswachstum zu rechnen. Aufgrund mittel- und langfristig dämpfender Efekte (z. B. den erwarteten Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung und weiter steigende Rohstofpreise) ist zukünftig von niedrigeren Wachstumsraten als in der Vergangenheit auszugehen (durchschnittlich noch 1 bis 1,5 %). Die Globalisierung wird sich aus unserer Sicht weiter fortsetzen, so dass die Handelsströme weiter zunehmen, allerdings mit verringertem Tempo. Für Deutschland und Europa werden die Ost-West-Achsen gegenüber den Nord-Süd-Achsen an Bedeutung gewinnen. Produktionsprozesse im Ausland werden zum Teil wieder zurückverlagert. Private Initiative und Liberalisierung von Märkten werden auch zukünftig die Wirtschaftsordnung prägen, die Regulierung der Märkte durch den Staat wird nach der Wirtschaftskrise 2008/ 2009 zunehmen. Eine wichtige Rolle für die zukünftige Mobilität spielt das hierfür verfügbare Einkommen der Haushalte, das stark zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen diferiert. Entgegen dem sich in den letzten Jahren abzeichnenden Trend gehen wir in unserer positiven Vision davon aus, dass erfolgreich Maßnahmen ergrifen werden, die ein weiteres Auseinanderdriften der Einkommensgruppen verhindern. Steigende Energiekosten durch zunehmende Knappheit fossiler Brennstofe bei gleichzeitig steigender globaler Energienachfrage sowie höhere Infrastruktur- und Nutzungskosten werden zu einem deutlichen Anstieg der Kosten für physische individuelle Mobilität bis ins Jahr 2025 führen. Wir erwarten, dass bis 2050 die bis dahin technologisch nicht reduzierten externen Efekte des Verkehrs bei allen Verkehrsträgern durch intelligente Gebührensysteme vollständig internalisiert werden. Der Anstieg der fossilen Energiepreise sowie eine ambitionierte globale Klimaschutzpolitik sind wichtige Treiber für eine forcierte Durchdringung der Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien, insbesondere im Stromsektor. Bis 2050 ist ein zunehmend spürbarer Einfluss des Klimawandels zu erwarten, insbesondere werden sich häufigere Extremwetterereignisse wie Stürme, Dürren, Überflutungen oder Hitzeperioden auf die Verkehrssysteme auswirken. Durch Anpassungsmaßnahmen können die Efekte des Klimawandels auf die Mobilität insgesamt aber gering gehalten werden. Zur Visualisierung der Vision VIVER wurden die identifizierten Megatrends und die Schlüsselfelder der Vision in Form von Piktogrammen graphisch dargestellt (siehe Abbildung-1). Vision eines nachhaltigen Personenverkehrs Für die Umsetzung einer nachhaltigen Mobilität spielen Veränderungen in verschiedenen Schlüsselfeldern, die vor dem Hintergrund der beschriebenen Megatrends zu sehen sind, eine entscheidende Rolle. Zum einen betrefen diese Schlüsselfelder Bereiche, welche die Mobilität beeinflussen, wie gesellschaftliche Werte, die Gestaltung von Arbeit und Freizeit sowie Raumplanung und Produktionsprozesse, zum anderen zentrale Elemente der Verkehrssysteme selber wie Mobilitäts- und Logistikkonzepte. Wertewandel, wie eine zunehmende Bedeutung von Klima- und Ressourcenschutz, ein Wandel weg vom Auto als Statussymbol hin zu einer flexibleren, vernetzten Mobilität sowie die Assoziation von frei verfügbarer Zeit und Entschleunigung mit wachsender »Ein nachhaltiges Verkehrssystem erscheint möglich, das die negativen Verkehrsefekte deutlich reduziert, wirtschaftlich realisierbar ist und gleichzeitig die Lebensqualität der Bevölkerung umfassend verbessert.« POLITIK Verkehr 2050 Internationales Verkehrswesen (63) 4 | 2011 18 Lebensqualität sind heute schon in Ansätzen erkennbar. Durch die zunehmende Knappheit fossiler Energieträger und eine konsequente Energie- und Klimapolitik werden diese Entwicklungen an Dynamik gewinnen. Sie sind wichtige Faktoren für ein fortschreitendes Umdenken im Mobilitätsbereich. Im Folgenden wird das Ergebnis einer Umgestaltung unserer Verkehrssysteme hin zu einem nachhaltigen Verkehr für den Personenverkehr und anschließend für den Güterverkehr anschaulich beschrieben. Dazu nehmen wir eine Sicht aus dem Jahr 2050 ein, ohne den genauen Zeitpfad festzulegen. Im Jahr 2050 wird es als bedeutender Bein urbanen Regionen, nutzt im Jahr 2050 ein Großteil der Bevölkerung ÖV, Car-Sharing, das Fahrrad und andere motorisierte Kleinstfahrzeuge. Auch zu Fuß werden wieder mehr Wege zurückgelegt. Dabei hat ein Trend zum Nutzen-statt-Besitzen stattgefunden, da vermehrt Vorteile wie Kostenersparnis, Entlastung von Wartungs- und Reparaturarbeiten, Nachhaltigkeitsaspekte sowie Flexibilität durch vielfältige Wahlmöglichkeiten erkannt und attraktive Mobilitätsangebote geschafen wurden. Die Zahl der autofreien Haushalte im urbanen Raum hat in unserer Vision seit 2010 stark zugenommen, so dass die Zahl der Parkplätze drastisch reduziert werden Mobilitätsmanagement dazu bei, Verkehr zu vermeiden oder zu verlagern. Die Nutzung von modernen Kommunikationstechnologien als Alternative zu Dienstreisen über große Distanzen wird von den Unternehmen, nicht zuletzt wegen des gestiegenen Kostendrucks, deutlich gefördert, erfährt aber auch aufgrund der möglichen Zeiteinsparungen zunehmende Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Ein beträchtlicher Teil der Geschäftsreisen konnte somit ersetzt werden. „Echte“ soziale Kontakte haben aber auch im Geschäftsbereich eine große Bedeutung behalten, vielfach ist sogar durch einen stärkeren interkulturellen Austausch und komplexere Geschäftsbeziehungen neuer Verkehr über weitere Distanzen entstanden. Die Konsumstrukturen sind 2050 deutlich lokaler geworden. Gestiegene Transportkosten und ein wachsendes Qualitäts- und Umweltbewusstsein bewirkten seit 2010 ein Umdenken bei den Konsumenten und in der Folge bei den Produzenten. Zusammen mit ausgereiften Recycling-Technologien hat dies zu einer Stärkung regionaler und lokaler Produkte und Dienstleistungen geführt. Daneben wurden Internet-Einkaufsangebote, unter anderem bei Lebensmitteln, ausgeweitet und werden zunehmend genutzt. Durch eine Bündelung und Optimierung der Wege ermöglichen sie weitere Einsparpotenziale. Fernreisen sind 2050 - auch durch die stark gestiegenen Kosten im Flugverkehr - die Ausnahme. Ein mit dem Regionalverkehr gut vernetztes Angebot an Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken, macht Bahnreisen innerhalb Europas deutlich attraktiver. Moderne Technologien ermöglichen die eiziente und komfortable Nutzung aller Verkehrsmittel einschließlich einer übergreifenden Abrechnung sowie eine Optimierung des Verkehrsflusses und eine höhere Sicherheit. Informationen über Unfälle und Staus sowie über alternative Verkehrsmittel und Routen und deren Auswirkungen auf Fahrzeit, Kosten und Ressourcenverbrauch stehen den Verkehrsteilnehmern uneingeschränkt und rechtzeitig zur Verfügung. Standardmäßig eingeführte Abstandswarn-, Brems- und Spurhaltesysteme sowie Car2Car-Kommunikationselemente erhöhen die aktive Sicherheit in allen Straßenfahrzeugen und ermöglichen eine eiziente Fahrweise. Eiziente Technologie kommt 2050 im Personenverkehr umfassend und in unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten zum Einsatz, sei es in Personenwagen, Kleinstfahrzeugen oder im öfentlichen Verkehr. Die durchschnittlichen CO 2 -Emissionen der gesamten Pkw-Flotte sind bis 2030 auf 90-g/ km Abb. 2: Vision vom entschleunigten, multimodalen Stadtverkehr mit elektrischen Kleinfahrzeugen, Segways und Fahrrädern Grafik: VIVER-Studie standteil der Lebensqualität angesehen, seine alltäglichen Bedürfnisse durch kurze Wege zu erfüllen und flexibel mobil zu sein, ohne viel motorisierten Verkehr zu verursachen. Durch eine nachhaltige Stadt- und Verkehrsplanung sind die Städte für alle Bevölkerungsgruppen attraktiver und das tägliche Leben ortsbezogener geworden. Innerstädtische Alternativen zum Einfamilienhaus auf dem Land erfahren aufgrund des geringeren Flächen- und Energieverbrauchs, durch ein lebenswertes und grünes Wohnumfeld, durch bequeme, kurze Wege sowie der damit verbundenen Flexibilität und Unabhängigkeit zunehmende Beliebtheit. Durch vernetzte Mobilitätsangebote und attraktive Infrastrukturen, insbesondere konnte. Neben attraktiven urbanen Rad- und Fußwegenetzen wurde so Platz für neue Grünflächen sowie zentral gelegenen Wohnraum geschafen. Zusammen mit neuen Antriebs- und Kommunikationstechnologien haben diese Entwicklungen zu einer um ein vielfaches eizienteren Mobilität geführt. Multimodalität, d. h. die flexible Kombination verschiedener Verkehrsmittel je nach Wegetypen und -zwecken, gehört zum Alltag. Flexible öfentliche Mobilitätsangebote werden auch im ländlichen Raum zunehmend genutzt, auch wenn dort der motorisierte Individualverkehr immer noch eine sehr große Rolle spielt. In der Arbeitswelt tragen moderne Technologien und ein konsequentes betriebliches Internationales Verkehrswesen (63) 4 | 2011 19 gesunken. Es existiert eine Vielfalt von Antriebsenergien, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Pkw mit Wasserstof-Brennstofzellen eignen sich für die Nutzung auf Langstrecken. In urbanen und verdichteten Regionen sind reine Elektroautos im Einsatz, die klein, leicht und kostengünstig ausgelegt sind. Insbesondere in bergigem Gelände machen Fahrräder mit zuschaltbaren Elektromotoren das Radfahren deutlich attraktiver. Die begrenzte Reichweite von reinen Elektrofahrzeugen ist kein Problem, da die Fahrzeuge in umfassende multimodale Mobilitätskonzepte eingebunden worden sind. So stehen öfentliche Elektrofahrzeuge wie auch herkömmliche Fahrräder auf zugewiesenen Parkplätzen überall an Knotenpunkten des ÖV. Moderne Car- und Bike-Sharing-Technologie erlaubt einen einfachen Zugang auch ohne Vorbuchung und das Abstellen an jedem anderen freien Parkplatz. Mobilitätsanbieter liefern Informations-, Buchungs-, Nutzungs- und Abrechnungsdienstleistungen zu den verschiedenen Verkehrsmitteln aus einer Hand. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix kann bis 2050 auf über 90 % gesteigert werden. Alternative nicht-fossile Treibstofe reduzieren die CO 2 -Emissionen der wenigen Hybridautos mit Verbrennungsmotoren, die noch im Einsatz sind, weiter. Zudem sind 2050 viele technische Verbesserungen zur Nutzung der Eizienzpotenziale, wie eine optimierte Motorsteuerung, Leichtbau, Leichtlauföle oder Reifen mit niedrigem Rollwiderstand, für Pkw Standard. Das Personenverkehrsaukommen auf deutschen Straßen ist insgesamt bis zum Jahre 2050 deutlich zurückgegangen − zum einen bedingt durch kürzere Wege und eine geringere Anzahl von motorisierten Wegen pro Person, zum anderen durch den Rückgang und eine veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung infolge des demografischen Wandels. Vision eines nachhaltigen Güterverkehrs Die angesprochenen Veränderungen der Rahmenbedingungen wirken sich auch im Güterbereich aus und unterstützen zusammen mit konsequenten Maßnahmen die Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Güterverkehr. Organisatorische Verbesserungen, neue Fahrzeug- und Umschlagstechnologien sowie moderne Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen 2050 eine ökonomisch wie auch ökologisch optimierte Nutzung aller beteiligten Verkehrsträger im Güterverkehr sowie eine Verbesserung des Verkehrsflusses. Verlade- und Rangierterminals arbeiten 2050 weitgehend ohne menschliche Eingrife, was die Kosten und Umschlagzeiten erheblich senkt. Auf ausgewählten Schienenstrecken verkehren fahrerlose Gütershuttles. Insgesamt haben sich die Gütermengen von Straße und Binnenschiffahrt deutlich Richtung Bahn verlagert. Der kombinierte Verkehr Straße/ Schiene, und eingeschränkt auch Straße/ Schiene/ Wasserstraße hat einen hohen Marktanteil gewonnen. Im Bereich der Straßen-Nutzfahrzeuge haben viele Eizienztechnologien aus dem Pkw-Bereich Einzug gehalten, insgesamt dominieren im Jahr 2050 Hybridtechnologien sowie rein elektrische leichte Lkw im Bereich des urbanen Lieferverkehrs. Der Schienenverkehr ist 2050 nahezu vollständig elektrifiziert worden. Beeinträchtigungen durch Lärm und Schadstofe konnten durch technische Verbesserungen der Schienenwege, Güterzüge und Lkw weitestgehend reduziert werden. Einzig die CO 2 -Emissionen spielen 2050 noch eine signifikante Rolle, sind aber soweit gesenkt worden, dass das nationale Ziel einer Reduktion der Treibhausgase um mindestens 80 % erreicht wurde. So ist die Stromerzeugung für den Schienengüterverkehr weitgehend CO 2 -neutral gestaltet worden. Im schweren Lkw-Verkehr spielen Verbrennungskraftstofe nach wie vor eine wichtige Rolle, werden jedoch zu großen Teilen aus Biomasse oder komplett synthetisch hergestellt. Flugzeuge der neuesten Generation sind durch konsequenten Leichtbau und neue Konstruktionsformen wesentlich eizienter, werden allerdings nach wie vor mit Kerosin bzw. Bio-Kerosin betrieben. Insgesamt führen die beschriebenen Veränderungen bis 2050 zunächst zu einer Stabilisierung des Verkehrsaukommens im Güterbereich und schließlich zu einer leichten Abnahme aufgrund des Übergangs zu regionalen Wirtschaftskreisläufen in zahlreichen Sektoren und bei lokalen Dienstleistungen. Schlussfolgerungen und Ausblick Visionen und Szenarien, die so weit in die Zukunft reichen, sind naturgemäß mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Sie haben jedoch eine wichtige Funktion bei der ganzheitlichen Betrachtung von Systemen und ihren Einflussfaktoren sowie der Entscheidung über Ziele und Maßnahmen. Sie erleichtern den Diskurs über mögliche oder notwendige Veränderungsprozesse. Durch eine anschauliche und umfassende Vermittlung möglicher Konsequenzen wird der Einbezug relevanter Zielgruppen in notwendige Entscheidungsprozesse möglich. LITERATUR [1] SCHADE, W.; PETERS, A.; DOLL, C.; KLUG, S.; KÖHLER, J.; KRAIL, M. (2011): VIVER - Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland. Fraunhofer ISI Working Paper Sustainability and Innovation, no. S 3/ 2011, Karlsruhe. Download: http: / / isi. fraunhofer.de/ isi-de/ e/ download/ working-papers-sustainability-and-innovation/ WP3-2011_VIVER.pdf. [2] KOZINSKI, J.; Fraunhofer-ISI (2010): Graphische Visualisierung der Vision VIVER. Öl auf Leinwand, Fraunhofer-ISI, Karlsruhe. Wolfgang Schade, Dr. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Karlsruhe wolfgang.schade@isi.fraunhofer.de Anja Peters, Dr. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Karlsruhe anja.peters@isi.fraunhofer.de Jonathan Köhler, Dr. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Karlsruhe jonathan.koehler@isi.fraunhofer.de Mit den in der Vision dargestellten Veränderungen und Trendbrüchen in mobilitätsrelevanten Schlüsselfeldern bis 2050 erscheint ein nachhaltiges Verkehrssystem möglich, das die negativen Efekte des Verkehrs deutlich reduziert, wirtschaftlich realisierbar ist und gleichzeitig die Lebensqualität der Bevölkerung umfassend verbessert. Dabei wird ofensichtlich, dass ein solches System nur durch gleichzeitige und konsistente Veränderungen in vielen Bereichen, die miteinander in Wechselwirkung stehen, erreicht werden kann. Zentrale Bausteine der Vision bilden die neue vernetzte, multimodale Mobilität in urbanen Räumen, die sich dadurch ergebenden Chancen für eine attraktive „grüne“ Stadtplanung und -gestaltung, sowie der durch Energieverteuerung, Klimapolitik und Klimawandel unterstützte Wertewandel. Die Beschreibung notwendiger Politiken und Maßnahmen zur Umsetzung der Vision sowie eine Quantifizierung der Veränderungen wurden hier bewusst ausgeklammert und sind für einen nächsten Schritt vorgesehen, um die Entwicklung der Vision durch implizite Annahmen zu praktischen Details nicht einzuschränken. Bei der Bearbeitung dieses Vorhabens haben weitere Kollegen des Fraunhofer-ISI mitgewirkt. Insbesondere waren dies Claus Doll, Stefan Klug und Michael Krail. ɷ