eJournals Internationales Verkehrswesen 64/1

Internationales Verkehrswesen
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0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2012-0008
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Transportmarktumfrage 2012

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Paul Wittenbrink
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loGIStIK Ausblick Internationales Verkehrswesen (64) 1 | 2012 24 Bewertung des Kombinierten Verkehrs aus Verladersicht Auf Grund zunehmender Verkehrs- und Umweltherausforderungen wird der Ruf nach Verlagerung von Verkehren auf den Kombinierten Verkehr (KV) immer lauter. Dabei stellt sich die Frage, was die Kunden heute davon abhält, den KV stärker zu nutzen. Und: Welche Gründe sprechen für die nutzung, wo bestehen Optimierungspotenziale? Insofern bildete der KV einen weiteren Schwerpunkt der diesjährigen BME/ DhBW-Umfrage zum Transportmarkt 2012. Auf der Basis von 16 möglichen Gründen (Mehrfachnennungen erlaubt) geben mehr als 50 % der Verlader, die den KV heute nicht nutzen, die Geschwindigkeit des KV als Grund an. Wobei hier sicher zwischen dem Kontinentalverkehr und dem weniger zeitkritischen Seehafenhinterlandverkehr zu unterscheiden ist. Die Geschwindigkeit ist noch wichtiger als die zu geringen Distanzen oder auch die mangelnde KV-Ainität des Transportguts (s. Abbildung 4 ). Insofern müssen sich Bahnen und Operateure hier die Frage stellen, wie sie es schaffen können, die KV-Systeme insgesamt zu beschleunigen. Darüber hinaus könnten fast drei Viertel der Dienstleister den KV (Schiene-Straße) nutzen, wenn die Verlader bereit wären, längere Transportzeiten zu akzeptieren. Von den Verladern ist aber scheinbar nur etwa ein Drittel bereit, sie zu akzeptieren. Hier ist also noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Fast ein Drittel der Verlader bemängelt aber auch, dass der eigene Transport- und Logistikdienstleister zu wenig auf den KV ausgerichtet ist. Hier sind also die Dienstleister gefragt, zumal die Sendungen für den KV gebündelt werden müssen, da viele Verlader auch nicht das zielreine Volumen von mindestens einer Wechselbrücke haben. Viele Dienstleister, die den KV nicht nutzen, geben zudem an, dass ihre Kunden gar nicht nach dem KV fragen (45,5 %) bzw. keinen KV wünschen (36,4 %). Auf jeden Fall sollte das Thema „KV“ stärker auf die Agenda kommen. Auch die Bahnen sind gefragt, werden sie doch beim Service wesentlich schlechter bewertet als die Operateure. Weitere Hinderungsgründe sind die zu langen Entfernungen zum nächsten Terminal, die damit verbundenen hohen Vor- und Nachlaufkosten oder auch die Zeiten und Verbindungen am Terminal. Erstaunlich: Der Preis spielt keine zentrale Rolle. Er hält nur etwa ein Viertel der Unternehmen von der Nutzung des KV ab. Dessen Preis-Leistungs-Verhältnis kann also so schlecht nicht sein. Vielmehr geben 85 % der Verlader, die den KV nutzen, dafür den Preis als Grund an, was die Annahme stärkt, dass der KV kein wesentliches Preisthema hat (s. Abbildung 5 ). Insbesondere im Seehafenhinterlandverkehr ist der KV eine sehr interessante Alternative, zumal dieser in der Regel weniger zeitkritisch ist. Dicht gefolgt wird die Preisattraktivität von der Umweltfreundlichkeit, die anscheinend für die Verlader in Zeiten zunehmender Bedeutung des Themas „Green Logistics“ eine hohe Relevanz hat. Einen zentralen Vorteil spielt der KV beim Transport schwerer Güter aus, weil hier auch im Vor- und Nachlauf zum Terminal 44 t Gesamtgewicht ausgeschöpft werden können. Auf dem Weg zum Terminal ist der (kurze) Gigaliner also schon lange Realität. Für fast ebenso viele Unternehmen ist die gute Planbarkeit und Zuverlässigkeit ein weiterer Grund, den KV zu nutzen. Darüber hinaus geben von den Dienstleistern, die den KV nutzen, knapp drei Viertel an, dass der KV es ihnen ermöglicht, mit wenigen Fahrzeugen und Fahrern ein großes Ladungsvolumen zu bewegen. Wenn sie dann noch - wie es rund 43 % dieser Dienstleister angeben - durch eine gute Vor- und Nachlauforganisation TRANSPORTMARKTUMFRAGE 2012 die Systemkosten des KV reduzieren können, kann sich das zu einem Wettbewerbsvorteil entwickeln. Die KV-Nutzer bemängeln heute neben der mangelnden Flexibilität, die eher ein Systemnachteil ist, die unzureichenden Informationen über den Sendungsstatus und die Unpünktlichkeit. Viele Dienstleister beklagen zudem, dass oft keine ausreichenden Trassen in den gewünschten Zeitlagen vorhanden sind (81,8 %) und dass sie zu wenig feste Kapazitätszusagen bekommen (45,5 %). Nach ihren künftigen Plänen gefragt, wollen knapp 40 % der Unternehmen ihre KV-Aktivitäten ausbauen. Das lässt darauf schließen, dass der KV trotz aller Herausforderungen noch eine große Zukunft haben wird. Prof. Dr. Paul Wittenbrink Abb. 5: Gründe, die aus Sicht der Verlader für die Nutzung des KV sprechen Verlader: Wir nutzen den Kombinierten Verkehr*, weil ... * Kombinierter Verkehr Lkw/ Bahn mit Umschlag der Ladeeinheit … wir Vorteile bei der Kfz-Steuer haben. … wir vom Sonntags- und Feiertagsverbot ausgenommen sind. … wir auf den Transport von WB/ Ct./ SA ausgerichtet sind. …der KV gut planbar und zuverlässig ist. …wir mit dem KV 44 t anstatt 40 t fahren können. …der KV im Seehafenhinterlandverkehr wettbewerbsfähig ist. …der kV sehr umweltfreundlich ist. …der KV eine preisgünstige Alternative zum Lkw ist. Abb. 4: Gründe, die aus Sicht der Verlader gegen eine Nutzung des KV sprechen Verlader: Wir nutzen den Kombinierten Verkehr* nicht, weil ... * Kombinierter Verkehr Lkw/ Bahn mit Umschlag der Ladeeinheit …wir keine Ansprechpartner bei den KV-Operateuren haben. …der Service der KV-Operateure zu schlecht ist. …die Abrechnung zu kompliziert ist. …die Nachlauforganisation am Zielort fehlt. …uns keine Preise bekannt sind. …ab dem Terminal in unserer Nähe zu wenig Verbindungen angeboten werden. …die Zeiten am Terminal nicht passen. …die Vor- und Nachlaufkosten zu hoch sind. …unser zielreines Volumen nicht für mind. eine WB reicht. …die Entfernung zum KV-Terminal zu weit ist. …die Preise zu hoch sind. …unser Dienstleister nicht auf KV ausgerichtet ist. …der Service der Bahnen zu schlecht ist. …unser Transportgut nur bedingt KV-affin ist. …unsere in Frage kommenden Distanzen zu kurz für den KV sind. …der KV zu langsam ist.