Internationales Verkehrswesen
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0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2012-0131
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2012
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»Die Infrastruktur ist unterfinanziert!«
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Frank Straube
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EDITORIAL Frank Straube Internationales Verkehrswesen (64) 6 | 2012 3 »Die Infrastruktur ist unterfinanziert! « D ie Leistungsfähigkeit der Infrastruktur eines Landes unterstützt die Intensität nationaler wie internationaler wirtschaftlicher Beziehungen. Die Logistik nimmt hierbei eine Schlüsselfunktion ein. Sie unterstützt Handel und Produktion durch integrierte verkehrsträgerübergreifend konzipierte Transportnetzwerke. Mit ihren − auch die Anforderungen des Personenverkehrs integrierenden − Ansätzen sorgt sie für eine bestmögliche Harmonisierung innerbetrieblicher Logistik mit den Erfordernissen des Transports. Die Erfüllung dieser Funktion ist nur möglich durch eine gut ausgebaute und belastbare Infrastruktur. Investitionen in Neu- und Ausbau sowie in Instandhaltung sollten somit ein zentraler Bestandteil aktiver Wirtschaftspolitik sein. Der Verkehrsetat ist mit ca. 10- Mrd.- EUR seit längerem strukturell unterinanziert. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sind für die Instandhaltung der vorhandenen Infrastruktur jährlich ca. 9-Mrd.-EUR notwendig. Neu- und Ausbaumaßnahmen erfordern weitere 5- Mrd.- EUR, was zu einem Fehlbedarf von ca. 4-Mrd.-EUR führt. Die vorhandenen knappen Mittel müssen folgerichtig bedarfsgerecht eingesetzt werden. Die hierzu notwendigen Verkehrsprognosedaten werden zurzeit in relativ großen Abständen erhoben, so dass beispielsweise der aktuelle Investitionsrahmenplan 2011 bis 2015 sich teilweise noch auf Daten von 2001 bezieht. Zur Verbesserung dieser Prognose können Unternehmen der Verkehrsbranche einen entscheidenden Beitrag leisten. Deren rollierende Jahresplanung berücksichtigt nicht nur das wirtschaftliche Geschehen ex post, sondern antizipiert auch die Entwicklung logistischer Trends, wie immer kleiner werdende Auftragsgrößen, volatile Nachfragen sowie Auswirkungen von Produktionsstandortentscheidungen zugunsten lokaler und/ oder globaler Standorte. Diese bedarfsgerechtere Mittelallokation kann durch eine Vernetzung der Akteure, aus Personen- und Güterverkehr, weiter unterstützt werden, so dass infrastrukturelle Engpässe priorisiert werden. Der Zugang zur Infrastruktur bei monopolistischen Engpässen wird in vielen Fällen mit dem Ziel reguliert, die Netzwerkeizienz zu steigern. Das Interessante hier ist, dass beispielsweise die Bodenabfertigung an Flughäfen anders reguliert wird als die Containerabfertigung an Häfen. Oftmals sind diese unterschiedlichen Regulierungsvorschriften nicht verkehrsträgerspeziisch zu begründen. Es erscheint sinnvoll, die Regulierungsmechanismen im Hinblick auf die Steigerung der Netzwerkeizienz zu untersuchen und die Übertragbarkeit auf andere Verkehrsträger zu prüfen. Jedoch ist bei allen Verbesserungen der Infrastruktur der Bürger proaktiv zu beteiligen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass zukünftig eine bessere Form der Bürgerbeteiligung mit kürzeren Planungszeiten und besserer Kommunikation erforderlich ist. Ein „Mobilitätsdialog Deutschland“ kann bei der Schafung eines Bewusstseins für die Notwendigkeit einzelner Infrastrukturmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen, indem er lokale wie nationale Unternehmen, Bürgerinitiativen und Politik mit einbezieht und somit die Bedeutung der Infrastruktur für den Wohlstand der Bevölkerung und der Wirtschaft verdeutlicht. Ihr Frank Straube frank.straube@tu-berlin.de »Verkehrsprognosen sollten öfter aktualisiert werden.«
