eJournals Internationales Verkehrswesen 65/2

Internationales Verkehrswesen
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0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2013-0034
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Mehrwert schöpfen aus Datenquellen

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Petra Gust-Kazakos
Der Karlsruher Softwarehersteller PTV bietet Geodaten mit sehr unterschiedlichen Attributen für Transport, Verkehr und Vertrieb an. In Verbindung mit einer geeigneten Softwarelösung können Logistikunternehmen dies für sich nutzen.
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LOGISTIK Geodaten Internationales Verkehrswesen (65) 2 | 2013 32 Mehrwert schöpfen aus Datenquellen Der Karlsruher Softwarehersteller PTV bietet Geodaten mit sehr unterschiedlichen Attributen für Transport, Verkehr und Vertrieb an. In Verbindung mit einer geeigneten Softwarelösung können Logistikunternehmen dies für sich nutzen. Die Autorin: Petra Gust-Kazakos R aumbezogene Daten - oder kurz: Geodaten - machen mehr aus vorhandenen IT-Systemen. Das gilt für die Transportlogistik ebenso wie für Verkehrsplanung und Vertriebsoptimierung. Logistikunternehmer können anhand der Daten beispielsweise die Auswirkungen neuer Mauttarife oder ihre Depotstandorte analysieren. Verkehrsplaner können auf vorhandene Daten oder Modelle zurückgreifen, statt Verkehrsdaten zu hohen Kosten und mit großem Zeitaufwand selbst zu erheben. Und das Marketing kann mit zusätzlichen Daten zielgruppenspeziische Analysen vornehmen. DDS Digital Data Services, Tochterunternehmen der PTV Group in Deutschland, liefert zahlreiche Daten und Dienstleistungen, die sich zusammen mit PTV-Produkten oder anderen Anwendungen nutzen lassen. Dazu zählen Kaukraft- und Unternehmensdaten zur Verwendung im Geomarketing, aber auch zahlreiche weitere Datentypen zur Nutzung in geograischen Informationssystemen (GIS), Business Intelligence (BI) oder individuell nach Anwendungsfall.. daten für die Logistikplanung Unnötige Fahrten vermeiden und die Fahrzeuglotte optimal einsetzen: Viel Information ist nötig, wenn das Ergebnis eine eiziente Tour sein soll. Routingfähige Straßennetze in unterschiedlichen Detaillierungsgraden bilden die Grundlage für die Planung von Touren. Als ergänzende Informationen sind logistische Streckenattribute für LKW wie Durchfahrtshöhen, Brückenbelastbarkeiten und Gefahrgutrestriktionen bis hin zu Mautinformationen und Emissionsdaten des eingesetzten Fahrzeugtyps praxisrelevant. Straßenentfernungen sind die Basis für jedes Transportplanungssystem. Eine Besonderheit ist hier das EWS - Entfernungswerk Straße, das für alle Orte in Europa die Entfernungen als fertige Datensätze liefert. Für Deutschland und Österreich auch inklusive anfallender Mautkilometer. Damit ist der Quasi-Standard der Branche nicht nur ein wichtiges Instrument zur Entfernungsermittlung, sondern ermöglicht auch eine umfassende und schnelle Kalkulation der Transportkosten. Die Daten werden als ASCII-Datensatz geliefert, weshalb sie lexibel in unterschiedliche Systeme wie Oracle oder SAP eingebunden werden können. Besonders bei der Berechnung umfangreicher Transportaufträge zahlt sich der schnelle Zugrif auf die Daten aus. Will der Disponent dynamisch rechnen, kann er Baustellen oder Staus bei der Ermittlung der Ankunftszeit berücksichtigen oder über tagesabhängige Verkehrsbelastungen zeitbezogen planen (Bild 1). Routingfähige Schienennetze erweitern das Planungsspektrum um alternative Transportmöglichkeiten. Aus Content und Komponenten kann der Anwender die für ihn passende Anwendung gestalten oder bereits existierende Planungsprogramme damit aufwerten. Auch bei der Analyse bestehender und der Planung neuer Depotstandorte sind Gebietsdaten hilfreich, die beispielsweise auf der Grundlage von Gemeinde- oder PLZ-Grenzen vorliegen. Mit ihrer Hilfe lässt sich untersuchen, ob die Depots ideal liegen, ausreichend dimensioniert sind oder ob weitere Depots nötig wären. Kombiniert man Geo- und soziodemograische Daten für die Bewertung, erhält man eine exzellente Basis zur Optimierung, Restrukturierung oder Expansion eines Logistiknetzwerks. daten für die Verkehrsplanung Verkehrsbelastung ist ein Thema, das alle interessiert: Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit genauso wie Spediteure, Rettungsdienste oder auch Werbetreibende. Präzise Aussagen über die Verteilung der Verkehrsmengen sind überall dort wichtig, wo Verkehrsbelastung relevant für die Planung ist. Eine geplante Ortsumgehung, die Sinnhaftigkeit einer neuen Autobahnanschlussstelle oder der Ausbau einer Bundesstraße - bei vielen Fragestellungen der Verkehrsplanung Bild 1: Geschwindigkeitsproile optimieren die Routenplanung. Internationales Verkehrswesen (65) 2 | 2013 33 geht es darum, die verkehrliche Wirkung einer Maßnahme vor ihrer Realisierung zu ermitteln. In der Regel muss dabei nicht nur die gegenwärtige Situation analysiert werden, auch die Auswirkungen gilt es zu prognostizieren. Das vorkalibrierte überregionale Verkehrsmodell PTV Validate beispielsweise basiert auf permanent aktualisierten Kartendaten des weltweit tätigen Herstellers NAVTEQ, ist transparent und nachvollziehbar attribuiert (Streckenkapazität, Geschwindigkeiten etc.) und bietet eine landesweit einheitliche Modellqualität (Bild 2). Durch die deutschlandweite Abdeckung können in Teilmodellen alle relevanten Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehre abgebildet werden - auch von und ins benachbarte Ausland. Aufgrund der Standardisierung sind auf PTV Validate basierende Modellergebnisse räumlich und zeitlich gut miteinander vergleichbar im Gegensatz zu einfachen empirischen Verkehrsuntersuchungen, die auf den jeweiligen Einzelfall hochgerechnet sind und sich hinsichtlich ihrer Detaillierung und Qualität meist stark unterscheiden. Ob es um großräumige Verkehrskonzepte geht oder um kleinräumige Planungen - längst haben sich Geodaten als Grundlage etabliert. Verkehrsbelastungen, Verkehrsströme, Szenarien alternativer Verkehrskonzepte oder Erreichbarkeitsstudien sind nur einige der Anwendungsfelder, deren Planungsgrundlagen auf Geodaten und ihren Möglichkeiten basieren. Weil hochwertige Daten die beste Grundlage für exzellente Verkehrsmodelle sind, liefert PTV Kartendaten zu Verkehrsnetzen, Geschwindigkeitsproile, ganze Verkehrsmodelle oder statistische Informationen über das Geschehen auf der Straße. Diese Daten sind speziell angepasst für die hauseigenen Softwareprodukte. daten für die Vertriebsplanung In manchen Fällen inden Verkehrsdaten und vertrieblicher Einsatz zusammen: Pendlerströme, die mit einem Verkehrsmodell auf Straßennetze umgelegt werden, sind beispielsweise eine gute Basis, um Standorte zu ermitteln, von denen aus zielgerichtet Waren und Informationen angeboten werden. Sei es der „Cofee to go“ oder Außenwerbung. Der am häuigsten eingesetzte Indikator für das Konsumpotenzial einer Region ist allerdings die Kaukraft, also das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialversicherungsbeiträge inklusive empfangener Transferleistungen. Besonders bei Konsumgüterherstellern, Händlern und Dienstleistern, die sich mit regionaler Vertriebsplanung, Standortanalysen und Geomarketing beschäftigen. Bild 2: Das Verkehrsmodell PTV Validate basiert auf permanent aktualisierten Kartendaten weltweit tätiger Hersteller. Bild 3: Für die Expansionsplanung sind Erreichbarkeitszonen interessant. Petra Gust-Kazakos Corporate Communications, PTV Group, Karlsruhe petra.gust-kazakos@ptvgroup.com Besonders viele Informationen werden benötigt, um zu wissen, wo ein Filialnetz optimal erweitert werden kann, wo Vertriebsaktivitäten verstärkt oder Werbeaktionen punktgenau durchgeführt werden können (Bild 3). Mit dem passenden Planungswerkzeug und den richtigen Karten und Daten, etwa Gebietsgrenzen oder sozio-demograischen Informationen, kann der Vertriebsplaner schnell erkennen, wo er seine Umsatzpotenziale am besten ausschöpfen kann. Die neuesten Ansätze aus Geomarketing und Location Intelligence, also intelligenter Nutzung raumbezogener Daten, können damit genutzt werden. Vielfältige Marktdaten liegen auf Geodatenbasis vor und erlauben umfassende Analysen von der Straßen- oder Einzelhaus-Ebene bis zur europaweiten Betrachtung auf Länderebene. Denn jeder Unternehmer proitiert davon, wenn er erkennt, wo Umsätze stecken, wo seine Kunden sitzen - und wie er dorthin kommt. ■