eJournals Internationales Verkehrswesen 67/2

Internationales Verkehrswesen
iv
0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2015-0030
51
2015
672

Engpass Infrastruktur - Bleibt Deutschland Logistikweltmeister?

51
2015
Hans-Dietrich Haasis
iv6720003
Internationales Verkehrswesen (67) 2 | 2015 3 Hans-Dietrich Haasis EDITORIAL Engpass Infrastruktur - Bleibt Deutschland Logistikweltmeister? D eutschland ist Logistikweltmeister - noch! Ein Blick auf die für Personen- und Gütermobilität in Deutschland verfügbare Transportinfrastruktur zeigt deutliche Engpässe auf. Und zwar durchgängig für alle Verkehrsträger. So wird etwa der Güterstraßenverkehr durch Instandsetzungs- und Erneuerungsmaßnahmen bei Brücken deutlich belastet. Im Güterschienenverkehr können die notwendigen Ausbaumaßnahmen im Hinterlandverkehr der deutschen Seehäfen genannt werden. Und im Binnenschifverkehr sind Erweiterungsmaßnahmen bei Schleusen für wirtschaftliche Verkehre seit Jahren notwendig. Als mögliche Lösung bei knapper Transportinfrastruktur böte sich vor diesem Hintergrund bekanntlich eine verbesserte und betriebswirtschaftlich darstellbare Integration der unterschiedlichen Verkehrssysteme an. Und trotz sichtbaren Erfolgen im Kombinierten Verkehr, bei dem Angebot an multimodalen Strategien für nachhaltiges Transportieren und den dahinterliegenden Innovationen in Organisation und Technologie sowie dem erfolgreichen Ausbau von Güterverkehrszentren mit dem Ziel, Verkehre zu verlagern und engpassorientiert zu steuern, ist hier weiterer Handlungsbedarf dringend geboten. Insbesondere von politischer Seite wäre zu erwarten, dass verlässliche und für die einzelnen Akteure auch wirtschaftlich handhabbare Randbedingungen geschaffen werden, welche es erlauben, die sogenannten Transaktionskosten, also die Kosten für Entwicklung, Anbahnung und Realisierung neuer Transportdienstleistungen und -produkte zu vermindern, statt sie - wie derzeit zu befürchten ist - zu erhöhen. Es fehlt am klaren politischen Bekenntnis für multimodale Transportlösungen insbesondere im Güterverkehr und an dem hörbaren Willen, die hierfür notwendigen Weichen auch innovationsorientiert zu stellen. Studiengesellschaften und multimodale Promotion-Center erfüllen vor diesem Hintergrund eine wichtige, noch weiter zu unterstützende Kümmerer-Funktion. Dabei geht es nicht allein um Infrastrukturinvestitionen, sondern vor allem auch um Investitionen in Knowhow, in lexibel kombinierbare Geschäftsmodelle, in die Verfügbarkeit und Kompatibilität von Informationsprozessen und -systemen sowie die Nutzung digitaler Infrastruktur für neue web-basierte Servicedienstleistungen im Transport- und Logistiksektor. Systemintegration bezieht sich insoweit auf die Ausgestaltung aller fünf Sichten auf die Verkehrssysteme: Infrastruktur, Verkehrstechnologien, Geschäftsprozesse, Informationsangebote und Nutzerservice. Gerade die Bereitstellung digitaler Infrastruktur und der darauf aubauenden Software- Applications böten die Möglichkeit, nicht negativ belastet von Infrastrukturabgabe zu reden, sondern positiv fokussiert, eine Mobilitätsservicegebühr als Mehrwert bei der Nutzung der Infrastruktur zu betonen. Dass zur Systemintegration Lösungen von privatwirtschaftlicher Seite angeboten werden, wird auch dieses Jahr die transport logistik wieder eindrucksvoll in München zeigen. Es bleibt zu wünschen, dass es den Interessenten an diesen Lösungen durch technische Regelungen, verwaltungswirtschaftliche Verordnungen und das Verzögern von forschungsorientierten Transferprojekten nicht noch mehr erschwert wird, ihr Interesse an zukunftsfähigen multimodalen Transportprodukten und -dienstleistungen auch in die Tat umzusetzen. Systemintegration im Transport- und Logistikbereich wird künftig noch mehr die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und Unternehmen prägen. Gerade hierfür wünsche ich Ihnen viele gute Ideen, und natürlich auch viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe des Internationalen Verkehrswesens. Ihr Hans-Dietrich Haasis Univ.-Prof. Dr., Lehrstuhl für Maritime Wirtschaft und Logistik, Universität Bremen