eJournals Internationales Verkehrswesen 67/2

Internationales Verkehrswesen
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0020-9511
expert verlag Tübingen
10.24053/IV-2015-0047
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2015
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Chinesische Wirtschaft im Wandel

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2015
Dirk Ruppik
Die chinesische Regierung unter Premier Li Keqiang will eine Transformation der chinesischen Wirtschaft hin zu mehr Beständigkeit und Qualität und zügelt daher das Wirtschaftswachstum. Trotzdem werden gewaltige Infrastrukturprojekte angeschoben –nicht zuletzt wegen des boomenden Onlinehandels. Und zunehmend sollen eigene Hightech-Produkte wie etwa chinesische Hochgeschwindigkeitszüge exportiert werden.
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Internationales Verkehrswesen (67) 2 | 2015 53 China LOGISTIK Chinesische Wirtschaft im-Wandel Die Logistik im Reich der Mitte in Zeiten der Abkühlung Wirtschaftswachstum, Sonderwirtschaftszone, Neue Seidenstraße, Maritime Seidenstraße, Infrastruktur, Hochgeschwindigkeitsverkehr Die chinesische Regierung unter Premier Li Keqiang will eine Transformation der chinesischen Wirtschaft hin zu mehr Beständigkeit und Qualität und zügelt daher das Wirtschaftswachstum. Trotzdem werden gewaltige Infrastrukturprojekte angeschoben -nicht zuletzt wegen des boomenden Onlinehandels. Und-zunehmend sollen eigene Hightech-Produkte wie etwa chinesische Hochgeschwindigkeitszüge exportiert werden. Der Autor: Dirk Ruppik D er chinesische Wirtschaftsmotor dreht merklich langsamer: Nach drei Jahrzehnten zweistelligen Wachstums blieb das Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2011 laut Weltbank mit 9,3 % zum ersten Mal einstellig - nur noch 7,7 % erreichte es im Jahr 2012 und 7,4 % in 2014. Die Prognosen für die nächsten Jahre sehen eine weitere Abschwächung vor und liegen bei 6,9 % für 2017. Manche Stimmen aus der Wirtschaft sagen, diese Abkühlung sei notwendig und eher positiv für das Weltwirtschaftsklima. Die Nachrichtenagentur Xinhua erklärte im Januar: „Der nach Geschwindigkeit und Leistung verrückte Markt scheint die Realität einer neuen normalen, gesünderen chinesischen Wirtschaft mit stabilem Wachstum, positiven Trends, einer optimierten Struktur und besseren Qualität sowie einer verbesserten sozialen Absicherung zu verkennen. Diese Entwicklung könnte größere Vorteile bringen als ein wundersames zweistelliges Wachstum.“ Dahinter steht: Die Regierung will die zweitgrößte Wirtschaft der Welt dramatisch transformieren und nimmt daher geringere Wachstumsraten in Kauf. Sogenannte „wissensbassierte Unternehmen“ sollen die Fertigung ergänzen. Eine zunehmende Inlandsnachfrage soll das Wachstum stärken. Das Land der Mitte will zunehmend zu den entwickelten Industriestaaten aufschließen - die Welt soll künftig chinesische Produkte begehren, nicht nur in China gefertigte. Auf dem World Economic Forum (WEF) am 21.- 24. Januar in Davos sagte der chinesische Premier Li Keqiang: „Wenn ich die chinesische Wirtschaft mit einer fahrenden Lokomotive vergleiche, dann möchte ich Sie wissen lassen, dass dieser Zug weder Geschwindigkeit noch Schwungkraft verliert. Er wird nur durch einen stärkeren Motor angetrieben und fährt mit größerer Beständigkeit. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten und neue Wachstumsimpulse.“ Der Premier versicherte: „Wir haben efektive Maßnahmen ergrifen, um Schulden sowie inanzielle und potenzielle Risiken abzuwehren. Die hohe Sparquote Chinas, die momentan bei 50 % steht, generiert ausreichende Geldmittel, um das Wachstum aufrechtzuerhalten. Die chinesischen lokalen Schulden - wovon 70 % aus der Infrastrukturentwicklung stammen - sind durch Vermögenswerte gedeckt. … Eine Finanzkrise wird in China nicht stattinden. Wir müssen zwischen den städtischen und ländlichen Gebieten eine ausgeglichenere Entwicklung anstreben.“ Dafür investiert die chinesische Regierung weiterhin intensiv in Straßen- und Schienenwege. Die massiven Infrastrukturprojekte schafen viele Arbeitsplätze und helfen die Wirtschaft im beschriebenen Sinne zu transformieren. Große Infrastrukturprojekte und spannender Logistikmarkt In diesem Jahr hat die Regierung laut dem Premier Li einige Schlüsselsektoren im Infrastrukturbau identiiziert. Dazu gehören der Bau von Eisenbahnen in den zentralen und westlichen Landesprovinzen, Wasserschutzprojekte, der Wiederaubau verwahrloster Stadtgebiete sowie der Umweltschutz. Zudem soll die private Finanzierung mittels Public-Private Partnership (PPP) gefördert werden. Die chinesische Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn, Kernenergie, Produkte aus dem Luftfahrt- und Telekommunikationsbereich und anderen Hochtechnologiebereichen sind laut Li ausgewählte Produkte, die künftig verstärkt exportiert werden sollen. Der Export soll Drittmärkte öfnen. Zudem sind größere Joint-Ventures zwischen dem Land der Mitte und anderen Ländern denkbar. Die Volksrepublik will zudem die Initiativen zum Aubau des Wirtschaftsgürtels „Seidenstraße“ und der „Maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ voranbringen. Die National Development and Reform Commission (NDRC) hat laut Xinhua zwischen dem 16. Oktober und 5. November vergangenen Jahres 21 Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtwert von 693,3 Mrd. Remimbi Yuan (rund 100 Mrd. EUR) genehmigt. Darunter beinden sich 16 Schienen- und fünf Flughafenprojekte. Und China bietet einen der spannendsten Logistikmärkte der Welt. Nirgendwo sonst wird so viel für Logistikdienstleistungen ausgegeben. Dies liegt aber nicht nur an der Größe des Transportvolumens, sondern auch an Ineizienzen. Daher investiert das Land gewaltige Summen in die entsprechende Infrastruktur. Auch der wachsende Binnenmarkt erfordert mehr Lieferungen: Die Zulieferketten werden diversiiziert, Internetshopping treibt zunehmend den Handel an. Nach Schätzung der „Economist Intelligence Unit“ operieren mehr als 7500 „Express Delivery“-Betriebe im Land. Sind im Inland lokale Dienstleister stark, so dominieren internationale Spieler die grenzüberschreitenden Expresslieferungen: DHL, Fedex, TNT und UPS stehen für rund 80% des Marktes. Die größten chinesischen Logistikbetriebe sind durchweg Internationales Verkehrswesen (67) 2 | 2015 54 LOGISTIK China Staatsunternehmen und dominieren z.B. Seetransport und Schiene. straßennetzwerk als Hauptschlagader China wird laut Dai Dongchang, Leiter der Planungsabteilung des Ministry of Transport, bis 2030 rund 4,7 Billionen Yuan (681-Mrd. EUR) in Straßenprojekte investieren. Dann werden landesweit 400 000 km National- und Schnellstraßen (2012: 173 000-km) existieren, berichtet die Tageszeitung China Daily. Der nationale Plan (2013-2030) des Verkehrsministerium sieht 362- Mrd. EUR für Schnellstraßen vor, der Rest soll für mautlose Straßen verwendet werden. Die Finanzierung würde zum größten Teil durch den Bund vorgenommen. Die Straßenabdeckung in China ist gemäß Huang Min, Direktor der Abteilung für Schlüsselindustrien der National Development and Reform Commission, immer noch unzureichend. „Das Straßennetzwerk kann die Nachfrage durch die rasante Wirtschaftsentwicklung und Verstädterung nicht decken.“ Der Druck, den die Volksrepublik durch den notwendigen Straßenbau erfährt, ist immens. Eine ausgeglichene Entwicklung von kleinen, mittleren und großen Städten verlangt nach mehr Infrastruktur insbesondere in Form von Straßen. Gemäß Verkehrsministerium wird das Urbanisierungsprogramm die Nachfrage nach Straßen um das Dreibis Vierfache steigern - bisher sind 900 der 2800 Landkreise nicht an das nationale Hauptverkehrsstraßennetz angebunden. Laut Huang wird den Straßenprojekten hauptsächlich in diesen Gebieten und in den ländlichen westlichen Regionen der Vorrang gegeben. Eine weitere treibende Kraft für den Straßenbau ist der Internethandel durch große Onlinehändler wie Alibaba, Tmall oder JD.com. Hochgeschwindigkeitsnetzwerk und-„go West“ Im März 2013 wurde das Eisenbahnministerium aufgrund eines Korruptionsfalls um den damaligen Eisenbahminister Liu Zhijun aufgelöst und in die National Railway Administration und die für den Betrieb zuständige China Railway Corporation aufgeteilt. Bis zum Jahr 2020 will die chinesische Regierung rund 300 Mrd. USD (knapp 300- Mrd. EUR) in den Ausbau des Eisenbahnnetzes für Hochgeschwindigkeits(HG)- Verkehr stecken - es wird das längste der Welt sein. Wesentliche Grundlage der chinesischen Eisenbahnpolitik ist der im Februar 2004 vom Staatsrat verabschiedete „Mittel- und langfristige Plan für die Entwicklung des wichtigsten Langstreckenverkehrsmittels Chinas bis 2020“. Die drei Hauptziele des langfristigen Ausbauplans sind: • Expansion des Eisenbahnnetzes auf 120 000 km mit Trennung von Fracht- und Passagiernetz zumindest auf den Hauptstrecken (Bild 1) • Bevorzugter Auf- und Ausbau des Bahnnetzes in den Westprovinzen des Landes • Errichtung eines HG-Netzes mit insgesamt 16 Verbindungen Die erste HG-Strecke zwischen Peking und Tianjin war pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele im August 2008 in Betrieb genommen worden, am 10. Dezember 2014 hat die Regierung nun den Bau 32 weiterer HG-Strecken ausgerufen. Darunter beindet sich die 1780 km lange Verbindung zwischen Guangzhou und Shanghai, auf der sich die Fahrtzeit von 16 auf sieben Stunden verkürzen wird. Im November wurde die HG-Bahn in Xinjiang als Beginn der „Neuen Seidenstraße“ (Bild 2) auf Land- und Seeweg zwischen China und Rest-Asien in Betrieb genommen. Zudem hat das Land der Mitte die Vision ein HG-Netz aufzubauen, das sich zwischen Amerika und London ausdehnt. In den genannten 120 000 km Eisenbahnnetz bis 2020 sind 16 000 km neugebauter HG-Strecke enthalten. Bis 2040 sollen alle wichtigen Städte Chinas in das Netzwerk eingelochten sein. Dann werden fünf vertikale, sechs horizontale und acht integrierte Linien als Hauptadern dienen. golden Waterways und aufstrebende Häfen Laut des CIA World Factbook besitzt China mit 110 000 km das längste Wasserstraßennetzwerk der Welt. Seit 2003 ist die Länge Bild 2: DB Schenker Schienengütertransport von China über die eurasische Landbrücke nach Deutschland, kurz vor der Abfahrt in Xiangtang Foto: DB Schenker Bild 1: Bestehende und geplante Fernbahnstrecken in China bis 2020 allerdings zurückgegangen. Verschiedene Transportkorridore sollen im Rahmen des Wasserwege-Entwicklungsplans „Golden Waterways“ entlang des Yangtse-Flusses entstehen, der hauptsächlich auf Logistik- und Schiffahrtszentren lussabwärts von Shanghai, Wuhan (Flußmitte) und dem Oberlauf von Chongqing fokussiert. Dabei ist geplant, den intermodalen Transport entlang der Wasserwege - gemäß der „Go- West“-Politik der Regierung insbesondere in Zentralchina und den Westprovinzen - zu verbessen, berichtet das amerikanische Journal of Commerce. Der Yangtse verbindet elf Provinzen vom Ostchinesischen Meer bis nach Sichuan. Das Yangtse-Fluss- Delta mit einer Gesamtlänge von Wasserwegen mit rund 6000 km ist weltweit das geschäftigste Inlandwasserwege-Netzwerk. Der Containerverkehr betrug in den ersten sechs Monaten von 2014 laut der Yangtze River Administration 6,08 Mio. TEU. Das gesamte Frachtvolumen belief sich in 2014 auf 2,06 Mrd. t und damit 7,4 % über dem Vorjahr. Weiterhin ist geplant, Binnenhäfen zu bauen und Wasserwege für große Schife über 1000 t auf insgesamt 19 000 km auszubauen. Dem Yangtse fällt bereits heute eine Schlüsselrolle im Stahl- und Kohletransport zu. Die Haupthäfen der Volksrepublik sind Dalian, Ningbo, Qingdao, Qinhuangdao, Shanghai, Shenzhen und Tianjin. Der Hafen Shanghai ist mittlerweile laut Statista. com mit 33,6 Mio. TEU in 2013 zum größten Hafen der Welt herangewachsen. Danach folgen Singapur mit 32,6 Mio. TEU und Shenzhen mit 23,3 Mio. TEU. Inzwischen liegen sieben der weltweit zehn umschlagstärksten Häfen in China. Um mit dem immer noch hohen Wirtschaftswachstum schrittzuhalten, müssen die Häfen weiter wachsen. So will die Wirtschaftssonderzone Shenzhen ihre Position weiter ausbauen und investiert in das wachstumsstärkste Terminal „Da Chan Bay“ (Bild 3). Dessen Kapazität soll durch die Entwicklung der Phase 2 um 3,5 Mio. TEU auf 9 Mio. TEU erweitert werden. Vier weitere Liegeplätze werden noch vor 2020 in Betrieb gehen. Aufgrund des geringeren Wirtschaftswachstum entwickeln die Hafenbetreiber Cosco Paciic und China Merchants Holding International (CMHI) zunehmend Terminals in Übersee. Beispiele sind der Hafen Piräus in Griechenland und der Hafen Colombo in Sri Lanka. ■ Dirk Ruppik Asien-Korrespondent und freier Fachjournalist, Thailand dirk.ruppik@gmx.de Weitere Informationen zum Thema Weltbank http: / / data.worldbank.org/ country/ china World Economic Forum (WEF) 2015 http: / / www.weforum.org/ events/ worldeconomic-forum-annual-meeting-2015 National Development and Reform Commission (NDRC) http: / / www.ndrc.gov.cn/ China Ministry of Transport http: / / www.mot.gov.cn/ China Daily http: / / www.chinadaily.com.cn/ china/ Bild 3: Da Chan Bay in direkter Nähe der Sonderwirtschaftszone Shenzen ist das wachstumsstärkste Terminal Chinas. * Industrie-Sectionaltor SPU 67 Thermo im Vergleich zum SPU 42 Energiesparen inklusive: Sectionaltore SPU Thermo • Europas Nr. 1 mit über 75 Jahren Erfahrung im Torbau • beste Wärmedämmung: U-Wert bis zu 0,51 W/ (m² • K) • Weltneuheit: thermisch getrennte Schlupftür mit extralacher Edelstahl-Schwelle Industrie-Sectionaltor SPU F42 Industrie-Sectionaltor SPU 67 Thermo bis zu 30 % * bessere Wärmedämmung