Italienisch
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0171-4996
2941-0800
Narr Verlag Tübingen
10.24053/Ital-2024-0025
ita4692/ita4692.pdf0615
2026
4692
Fesenmeier Föcking Krefeld OttGrazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski
0615
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Eva-Tabea Meineke
Stephanie Neu-Wendel
Klaudia Ruschkowski ist als Autorin – auch für Hörspiele –, Dramaturgin, Herausgeberin und Übersetzerin aus dem Englischen und Italienischen bekannt. Für den Verlag S. Marix in Wiesbaden, der zum Verlagshaus Römerweg gehört, betreut sie die Reihe „PERLEN – Bedeutende italienische Autorinnen des 20. und 21. Jahrhunderts“, für die sie auch einige Romane übersetzt hat. Grazia Deledda ist in der Reihe derzeit mit zwei Romanen vertreten – Il paese del vento (Blicke der Liebe und des Neids) und Marianna Sirca, übersetzt von Monika Lustig –, ein dritter – L’ombra del passato – wird im Laufe des Jahres 2026 in einer Übersetzung der Herausgeberin selbst erscheinen. Im Interview skizziert Klaudia Ruschkowski die Aktualität und Modernität von Deleddas Sprache und geht dabei auch auf die Herausforderungen einer Übersetzung ins Deutsche ein. Ein weiteres Thema, das angesprochen wird, betrifft die eindringlichen und universellen Beschreibungen der Natur und der Figuren, die oft durch eine spiegelgleiche Beziehung miteinander verbunden sind. Klaudia Ruschkowski erläutert zudem die Mehrsprachigkeit von Deleddas Werk sowie das transgressive Potenzial der Protagonistinnen der Romane und Erzählungen, die „Nein sagen zu einem Schicksal, das sie wie ‚einen Vogel im Käfig‘ aus dem Leben sperrt“.
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Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel Klaudia Ruschkowski è conosciuta come autrice - anche di produzioni radiofoniche -, drammaturga, curatrice, e traduttrice dall’inglese e dall’i‐ taliano. Per la casa editrice S. Marix di Wiesbaden, che fa parte del gruppo editoriale Verlagshaus Römerweg, cura la collana «PERLEN - Autrici italiane di rilievo del XX e XXI secolo», della quale ha tradotto anche alcuni romanzi. Grazia Deledda è presente nella collana con attualmente due romanzi - Il paese del vento e Marianna Sirca, tradotti da Monika Lustig -, un terzo - L’ombra del passato - verrà pubblicato nel corso del 2026 in una traduzione della curatrice stessa. Nell’intervista Klaudia Ruschkowski delinea l’attualità e la modernità del linguaggio deleddiano, soffermandosi anche sulle sfide per una traduzione in tedesco. Un altro argomento che viene affrontato riguarda le descrizioni di impatto forte e universale della natura e dei personaggi, spesso legati tra di loro da un rapporto speculare. Klaudia Ruschkowski si sofferma inoltre sul plurilinguismo dell’opera deleddiana nonché sul potenziale trasgressivo delle protagoniste dei romanzi e dei racconti che “dicono no a un destino che li relega fuori dalla vita come ‚uccelli in gabbia‘”. Klaudia Ruschkowski ist als Autorin - auch für Hörspiele -, Dramaturgin, Herausgeberin und Übersetzerin aus dem Englischen und Italienischen bekannt. Für den Verlag S. Marix in Wiesbaden, der zum Verlagshaus Römerweg gehört, betreut sie die Reihe „PERLEN - Bedeutende italieni‐ sche Autorinnen des 20. und 21. Jahrhunderts“, für die sie auch einige Romane übersetzt hat. Grazia Deledda ist in der Reihe derzeit mit zwei Romanen vertreten - Il paese del vento (Blicke der Liebe und des Neids) und Marianna Sirca, übersetzt von Monika Lustig -, ein dritter - L’ombra del passato - wird im Laufe des Jahres 2026 in einer Übersetzung der Herausgeberin selbst erscheinen. Im Interview skizziert Klaudia Rusch‐ kowski die Aktualität und Modernität von Deleddas Sprache und geht DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 dabei auch auf die Herausforderungen einer Übersetzung ins Deutsche ein. Ein weiteres Thema, das angesprochen wird, betrifft die eindringlichen und universellen Beschreibungen der Natur und der Figuren, die oft durch eine spiegelgleiche Beziehung miteinander verbunden sind. Klaudia Ruschkowski erläutert zudem die Mehrsprachigkeit von Deleddas Werk sowie das transgressive Potenzial der Protagonistinnen der Romane und Erzählungen, die „Nein sagen zu einem Schicksal, das sie wie ‚einen Vogel im Käfig‘ aus dem Leben sperrt“. Ich habe mit dem Wind, den Wäldern, den Bergen gelebt. Ich habe tage-, monate- und jahrelang beobachtet, wie die Wolken sich langsam am sardischen Himmel entfalteten. Habe unzählige Male den Kopf an Baumstämme, Steine und Felsen gelehnt, um den Stimmen der Blätter zu lauschen, dem, was die Vögel sprachen, was das strömende Wasser erzählte. Habe die Sonne auf- und untergehen sehen, sah, wie der Mond in der unendlichen Einsamkeit der Berge heraufkam, habe den Gesängen und der traditionellen Musik, den Märchen und Fabeln und den Gesprächen des Volkes gelauscht. Und so hat sich meine Kunst geformt, wie ein Lied oder ein Motiv, das spontan von den Lippen eines einfachen Poeten strömt. (Grazia Deledda bei der Entgegennahme des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember 1927 in Stockholm.) Frage: In der Reihe „Perlen“ geben Sie Romanübersetzungen italienischer Autorinnen der Moderne und der Gegenwart heraus. Grazia Deledda ist bislang mit zwei Romanen vertreten, die beide von Monika Lustig übersetzt wurden: Il paese del vento aus dem Jahr 1931, unter dem Titel Blicke der Liebe und des Neids 2024 erschienen, sowie Marianna Sirca aus dem Jahr 1915, dessen gleichnamige Übersetzung im vergangenen Jahr herausgegeben wurde. Haben Sie als Herausgeberin eine besondere Affinität zu Grazia Deledda bzw. gab es eine inhaltliche Motivation, gerade diese beiden Romane auszuwählen? Stehen sie eventuell exemplarisch für Grazia Deleddas Gesamtwerk? Klaudia Ruschkowski Jede der Autorinnen der Reihe „Perlen“, seien es Matilde Serao oder Lalla Romano, Goliarda Sapienza oder auch Arianna Cecconi, ist zunächst einmal konkurrenzlos und einzig - in ihrem literarischen Ansatz, ihrer Sprache, ihren Themen. Jede für sich ist ein Leuchtturm in der literarischen Landschaft des italienischen 20. beziehungsweise 21.-Jahrhunderts. Grazia Deledda nimmt jedoch eine Sonderstellung ein. 1931, als ihr Roman Il paese del vento erscheint, ist sie die weltweit berühmteste italienische Schriftstel‐ lerin: Fünf Jahre zuvor wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 128 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel 1 Romagna 1959, 48. - nach der Schwedin Selma Lagerlöf die zweite Frau, die diese Ehrung erhielt. In der Begründung der Jury hieß es, die Auszeichnung gelte „ihrer schriftstelleri‐ schen, von hohem Ideal getragenen Kraft, die mit plastischer Klarheit das Leben auf ihrer abgeschiedenen Insel schildert und allgemein menschliche Probleme mit Tiefe und Wärme behandelt“. 1 Dieses Zusammenspiel zwischen dem Ergründen ihrer Heimat Sardinien und des geografischen Herzens der Insel, der Barbagia - mit ihren patriarchalbäuerlichen Strukturen, ihren uralten Mythen und Mysterien, ihrer ungestümen Natur -, der innigen Liebe zum Leben, das es zu erhalten, zu intensivieren, zu bereichern gilt, und dem ebenso passionierten wie nüchternen Blick auf die Menschen und deren innere Beweggründe, verbunden mit dem Willen und dem Vermögen, das, was ihr dabei begegnet, in Erzählung zu verwandeln, kennzeichnet Grazia Deledda und begeistert mich für sie. Hinzu kommt, dass sie sich als Autorin nie über ihre Figuren erhebt und gleichzeitig nie die archai‐ sche bäuerliche Welt Sardiniens idealisiert, sondern durch ihre vielschichtige, mitunter visionäre Sprache der Komplexität des Menschen im Verhältnis zu sich selbst und zur Natur Ausdruck gibt. Noch immer liegt erst ein kleiner Teil von Grazia Deleddas mehr als 40 Romanen in deutscher Übersetzung vor und bis auf wenige, jüngst überarbeitete Neuausgaben datieren diese zumeist weit zurück. Womit also dramaturgisch beginnen, um die große Erzählerin in der Reihe „Perlen“ angemessen zu präsentieren? Die Entscheidung fiel mit Il paese del vento auf einen ihrer letzten Romane und damit auf den Einstieg in ihr Werk vom Ende her. Im Deutschen, auch zur Unterscheidung vom weit bekannteren Roman Canne al vento, haben wir uns für den Titel Blicke der Liebe und des Neids entschieden, der ebenso auf ein inhaltlich wichtiges Motiv verweist. Der Wind, der durch beinahe jeden ihrer Romane und unzählige ihrer Novel‐ len weht, Ausdruck des unstillbaren Verlangens, bedrängt auch hier Mensch und Natur. Er tritt auf als elementares Wesen, das „mit boshafter Heftigkeit“ ein Durcheinander im Außen erzeugt, worin sich das Durcheinander im Inneren der Protagonistin spiegelt. Zum ersten und einzigen Mal in Grazia Deleddas Werk erzählt ein „Ich“ und dazu eins mit stark autobiografischen Zügen. Dieses Ich sieht sich dem „Wind der Fatalität“ ausgesetzt, der es ausgerechnet auf seiner Hochzeitsreise mit dem Mann konfrontiert, der vor Jahren das Verlangen in ihm entzündet hatte und dann spurlos verschwand. Im Inneren der Erzählerin, getrieben von der Sehnsucht, zu erfahren, ob das, was sie damals für Liebe hielt, wirklich Liebe war, ereignet sich ein Drama. Sie hat geheiratet, obwohl DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 129 2 Fois 2007, 12, dt. KR. 3 Deledda 2024, 166. sie, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, noch immer an einem Anderen hängt, beziehungsweise an der Vorstellung von ihm. Viele der Widersprüche in Grazia Deleddas Romanheldinnen erweisen sich hier zu einem Teil auch als die ihren. „Die Leser“, schreibt Marcello Fois in seinem Vorwort zur Neuauflage von Il paese del vento, Ilisso 2007, „werden in einem großartigen Akt bar jeder Vermittlung direkt in den Kopf der Protagonistin versetzt.“ 2 Das erzählende Ich wird vom Wind, der herrscht, im wahrsten Sinn des Wortes, und der sich dann zum Sturm auswächst, mitgerissen. Es bewegt sich auf etwas zu, das durchaus die Qualität einer Katastrophe birgt. Es scheint, als halte die Natur Gericht und fordere von ihm, die Augen zu öffnen, sich der Verstrickung seines fiebrigen Egos bewusst zu werden, sich seinen Emotionen und schließlich der Realität des Lebens zu stellen. Der Wind begleitet das Ich auf seinem Gang, er „trinkt die Tränen“ aus seinen Augen, und Grazia Deledda bekennt auf einer der letzten Seiten von Il paese del vento: „Und wenn ich heute dieses Buch schreibe, dann, um mich vor den Lebenden und den Toten zu verantworten, und vor allem vor meinem eigenen Gewissen.“ 3 Auch Marianna Sirca, die Protagonistin des gleichnamigen, 1915 erschiene‐ nen Romans, die zweite Veröffentlichung in der Reihe „Perlen“, muss sich verantworten. Aus einfachen Verhältnissen, vom Vater als Mädchen nach Núoro gegeben, in den Haushalt des Onkels, eines reichen alten Pfarrers, den sie bis zu seinem Tod pflegt, erbt sie mit 30 Jahren dessen Vermögen. Ihre Jugend ist zum großen Teil dahin. Doch jetzt ist sie wirtschaftlich unabhängig, keine Sklavin mehr, und sie vertritt vor sich den Anspruch, nun in allem über ihr Leben zu bestimmen. Doch kaum, dass sie die Augen auf die Realität dieses Lebens öffnet, bezeichnenderweise am Ort ihrer Kindheit in den sardischen Bergen, trifft sie Simone Sole wieder, einen Knecht, den sie von klein auf kennt. Simone ist Bandit geworden, um kein Sklave mehr zu sein. Den Ausdruck „Sklave“ verwenden Marianna und Simone explizit für sich selbst - ein Dasein, das sie scheinbar hinter sich gelassen haben und doch mit sich tragen. Jeder von beiden sieht und erhofft im anderen die Freiheit. Sie verlieben sich ineinander. Doch frei ist Marianna nur wegen ihres Reichtums, Simone nur als Gesetzloser. Ihre Liebe erweist sich als tragisch und unmöglich. Marianna, die nicht geliebt wurde, da sie arm war, will jetzt, da sie reich ist, wenn sie geliebt wird, um ihrer selbst willen geliebt werden. Sie entzieht sich den Riten, den religiösen Werten, der Kultur der bäuerlichen Gesellschaft, die die Rolle der Frau nach eisernen Gesetzen festlegt, und greift somit nach DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 130 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel 4 Lustig 2025, 16. 5 Mariani 2016, dt. KR. 6 Deledda 2025, 244. 7 Deledda 2025, 259. 8 Deledda 2024, 165. den Sternen, „eine tollkühne Störung der Weltordnung“, schreibt Monika Lustig in ihrem Vorwort zur deutschen Ausgabe. 4 Mariannas Anspruch auf Selbstbestimmtheit schlägt, ohne dass es ihr zunächst bewusst ist, gegenüber Simone irgendwann in Hybris um: Sie verlangt von ihm, sich der Justiz zu stellen und sich durch diesen Akt von jeder Schuld zu reinigen, um sie heiraten zu können, als ein ihr Ebenbürtiger. Dobbiamo essere pari - wir müssen gleich sein, heißt es immer wieder, fast eine Parole. Im Namen ihrer Freiheit soll er die seine opfern. Das erste Wort in Grazia Deleddas Roman lautet „Marianna“, das letzte „Simone“. Mit Simones Tod, im Kern durch Mariannas Hochmut, und deren Jawort zu einer standesgemäßen Heirat, jedoch nur, weil die Augen des Mannes, der um sie wirbt, denen von Simone gleichen, schließt sich der Kreis einer, der Kritikerin Cecilia Mariani zufolge, „Autopsie eines Verlangens, das eher psychologischer als physischer, eher transzendenter als materieller Natur ist“. 5 Fast wie ein Ouroboros, Sinnbild für den unendlichen Kreislauf, finden auch Marianna und Simone sich in einem Kreislauf der Einheit der Gegensätze wieder: „Ja, er rannte, er floh, aber auch sie rannte und floh; ihr Weg war derselbe und sie würden sich an jedem Halt wiedertreffen.“ 6 Dem erzählenden Ich aus Il paese del vento und Marianna, zwei Protagonis‐ tinnen mit einer starken und widersprüchlichen Weiblichkeit - unterdrückt und entschlossen, schüchtern und ehrgeizig -, ist eine innere Einsamkeit gemeinsam und der unbedingte Wille, aus sich selbst heraus zu leben, was kühn ist in ihrer Zeit und der gesellschaftlichen Ordnung. Beide, auf verschiedene Weisen und mit unterschiedlichen Konsequenzen, erkennen ihre Verantwortung für ein Geschehen, das in dem einen Fall kurz davorstand, eine kaum geschlossene Ehe zu zerstören, und in dem anderen den Geliebten dem Tod ausliefert. Marianna, „sie hatte alles zurückgelassen, war nackt“ 7 , hält sich in dem gesellschaftlichen Leben, in das sie zurückkehrt, an Simones Schatten fest. Das erzählende Ich aus Il paese del vento „erbricht allen Schmerz, alle Wut, alles Gift“ 8 und stellt sich der klärenden Aussprache mit dem Ehemann. Frage: Grazia Deledda war zu Lebzeiten eine der bekanntesten und erfolgreichs‐ ten Autorinnen ihrer Zeit, geriet dann aber nach ihrem Tod zunehmend in Vergessenheit und verschwand weitgehend aus dem literarischen Kanon, auch in Italien. Als ein Grund kann die Einordnung ihres Werks als „regionalistisch“ DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 131 9 Cerina 2019. 10 Zit. nach Mameli 2021. 11 Vgl. Heyer-Caput 2008. und „folkloristisch“ gelten, eine Haltung, die sowohl in der Literaturkritik als auch in der Forschung lange Zeit weitergetragen wurde. Mittlerweile findet eine Re-Kanonisierung statt, nicht zuletzt durch Übersetzungen und Neuauflagen, und es wird zunehmend Deleddas Modernität herausgestellt. Welche Aspekte in ihrem Werk machen Grazia Deledda Ihrer Meinung nach zu einer Autorin der Moderne? Klaudia Ruschkowski Trotz des großen Publikumserfolgs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die kritische Rezeption von Grazia Deleddas Werk in Italien bis Anfang der 1970er Jahre eher dürftig und wenig inspiriert. Ihre Modernität wurde vor allem von einer neidischen und frauenfeindlichen Literaturwelt missverstanden, abgetan oder einer „provinziellen Schriftstellerin“ gar nicht erst zugetraut. Man kritisierte sie als folkloristisch, fern der erstrebten Bilder von „großartigen und fortschrittlichen Schicksalen“, wie die Literaturwissenschaftlerin Giovanna Cerina bemerkte. 9 Zudem wollte es nur schwer gelingen, Grazia Deleddas Werk einer bestimmten literarischen Strömung zuzuordnen. Es war von Idealismus die Rede, von Verismus, Naturalismus, Realismus, Symbolismus oder Dekaden‐ tismus. Erst anlässlich ihres 100. Geburtstags flammte das Interesse wieder auf. Ein Schub entstand, als der Literaturkritiker Carlo Bo, damals Rektor der Universität von Urbino und einer der führenden Kolumnisten des Corriere della Sera, 1986 die Ismen beiseiteließ und die „immense Freiheit“ von Grazia Deleddas Schreiben hervorhob, ihre „kritische Sicht auf die Existenz“ und ihre Beschreibung einer „sowohl sardischen als auch universalen Gesellschaft“. Gegenüber der Krise des Einzelnen in Bezug auf die Moderne und die neuen moralischen und historischen Gleichgewichte, die im Zuge der tiefgreifenden Veränderungen des frühen 20. Jahrhunderts entstehen, stellt sie, bemerkte Bo, die anthropologischen Werte der sardischen Welt auf die Probe. 10 Für die Italianistin Margherita Heyer-Caput gilt Grazia Deledda daher als Pionierin der Intermedialität zwischen Sprachen, da sie Sardinien als eine existenzielle Kategorie lesen und beschreiben konnte, die die Krise des modernen Menschen zum Ausdruck brachte. 11 Nach der Einigung Italiens wird auch die alte patriarchalische Welt Sardini‐ ens, verwurzelt in ihren Traditionen, ihren ethischen und kulturellen Werten, jahrzehntelang durch eine schwere Wirtschaftskrise erschüttert und kämpft gegen den Druck eines ihr zutiefst fremden, aber mächtigeren kulturellen DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 132 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel 12 Grazia Deledda: „Lettere ad Epaminonda Provaglio“, in: Romagna 1959, 50-65, 55, dt. KR. 13 Borgese 1911, dt. KR. Modells, das unaufhaltsam selbst in die periphersten Winkel der Insel vordringt. Grazia Deleddas Werk ist an dieser Bruchstelle zu verorten. „Ich verstehe die ganze Modernität des Lebens und hasse Sentimentalität zutiefst“, schreibt sie im Januar 1892 an Epaminonda Provaglio in die Redaktion der römischen Zeitschrift L’ultima moda, die seit 1888 Geschichten von ihr veröffentlicht. 12 Sardinien, speziell die Barbagia, wird zum Schauplatz für Dramen, die von der Entfremdung des Einzelnen von der Gemeinschaft erzählen, der Konfrontation mit dem Fremden, der Rebellion gegen rigide Normen und moralische Regeln. Grazia Deledda erzählt von inneren Konflikten, Gewissenskrisen, Schuldgefüh‐ len und der Sehnsucht nach Erlösung, von psychischer Erstarrung und der Unfähigkeit, sich mitzuteilen. In jedem Moment zeigt sie die dem Menschen innewohnende Zerbrechlichkeit in einer Welt, die ihn mit ihren Forderungen, die letztlich die seinen sind, in seiner eigenen Hybris immer stärker schüttelt, wie das „Schilf im Wind“. Ihre Figuren, insbesondere ihre Protagonistinnen, ringen mit moralischen Dilemmata, sie treffen selbstbestimmt Entscheidungen, machen Fehler, nehmen Opfer in Kauf. Der Mensch, zeigt Grazia Deledda, kann sich auf nichts zurückziehen. Und selbst Gott, so sehr er an ihm hängt, so wichtig er für seinen Seelenfrieden und sein Leben auch sein mag, er bietet letztlich keine Erlösung. Der Mensch ist selbst verantwortlich. Oft im Widerspruch zu den strengen gesellschaftlichen Normen des ländlichen Sardiniens kämpfen Grazia Deleddas Figuren darum, sich ihrer eigenen Identität bewusst zu werden und sie zu definieren. Der Literaturkritiker Giuseppe Antonio Borgese erblickt in einem 1911 erschienenen Essay die „elementare Qualität von Grazia Deleddas Kunst, die einigen der ruhmreichsten Romanciers fehlt“, in ihrer „Gabe des Erzählens“, ein „instinktiver Reichtum, wie der Enthusiasmus des Lyrikers und die Eloquenz des Prosaautors“, etwas, das nicht durch Anstrengung erreicht wird, sondern dieser Autorin immanent ist und sich aus dem „reichen Erfahrungsschatz“ speist, „der sich, neben ihrer Intelligenz, ihrem langen Leben in der Provinz verdankt“. 13 Da schließt sich der Kreis. Frage: Deledda selbst hat als Sardin im jungen Italien das Italienische als Fremdsprache erlernen müssen. Ihr Zeitgenosse Italo Svevo hatte in Triest eine ähnlich komplexe sprachliche Situation vorliegen, die seine Rezeption erschwert hat, wobei letztlich aber gerade diese marginalisierte Position seine Poetik der Moderne besonders befördert hat. Wie würden Sie Deleddas Sprache DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 133 14 Deledda 2024, 22. 15 Fois 2007, 12, dt. KR. beschreiben und wie zugänglich ist sie, Ihrer Meinung nach, für heutige Leser*innen? Welche Herausforderungen stellt sie für die Übersetzung dar? Klaudia Ruschkowski Grazia Deleddas ‚Leben in der Provinz‘, auf einer Insel, weitab vom sogenannten ‚Kontinent‘, ist die Basis für ihr Erzählen und für ihr sprachliches Gestalten. Ihre Sprache empfinde ich als reich, als bildhaft und vielschichtig. Ihre unrhe‐ torische Prosa schafft wunderbare Darstellungen, sowohl in den detailreichen Landschafts- und Naturbeschreibungen als auch in der komplexen Entwicklung der Psychologie der Figuren. Ihre Modernität liegt zweifellos gerade darin, dass sie über zwei Sprachen verfügt. Zum einen das Sardische als ihre Muttersprache, genau genommen das Nuoresische, einer seiner vier Hauptdialektstränge. Zum anderen das Italienische als in der Grundschule und vor allem autodidaktisch, durch die „gierige Lektüre von Büchern, die nicht meinem Alter und vor allem nicht meiner Erziehung entsprachen“, 14 erlernte Fremdsprache. Das, was Grazia Deleddas Mutter als „größte Sünde“ betrachtete, war ihre Lektüre der italieni‐ schen Klassiker und der ins Italienische übersetzten Werke der Weltliteratur, kreuz und quer, von Chateaubriand über Dumas bis Dostojewski. Sie verschlang aber auch illustrierte Zeitschriften, die Studenten hin und wieder aus Cagliari mitbrachten, und besaß eine Bibel aus der Bibliothek ihres Onkels. Ihre allerersten Geschichten schreibt sie auf Sardisch, für verschiedene Zeitschriften der Insel. Um auf dem „Kontinent“ veröffentlicht zu werden, in Rom, um in der Welt gelesen zu werden, schreibt sie auf Italienisch. Lange kursierten unter den Kritikern die verschiedensten Vorurteile über ihr angeb‐ lich „schlechtes“, ja „schlampiges“ Italienisch und nährten das Klischee, ihre Werke würden durch Übersetzungen in andere Sprachen, die sie stilistisch und grammatikalisch verbesserten, deutlich profitieren. „Man warf ihr vor, ein nicht gerade feines Italienisch zu verwenden“, bemerkt Marcello Fois, „und genau deshalb ist es heute so lesbar! “ 15 Heute wird klar, wie modern und zugänglich ihre Sprache, ihr Ausdruck, gerade durch den Umgang mit der Zweisprachigkeit ist. In Schreiben in einer fremden Sprache bringt Etel Adnan als französisch alphabetisierte Libanesin im Verhältnis zum Englischen zum Ausdruck, was zweifellos auch Grazia Deledda im Verhältnis zum Italienischen bewegte: „Ich betrat die andere Sprache wie eine Entdeckerin: Jedes Wort entstand neu, die Ausdrücke waren Schöpfungen, DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 134 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel 16 Adnan 2019. 17 Vgl. Lavinio 2014. die Adverbien immens, gewaltig, die Verben schleuderten Pfeile, eine simple Präposition […] war ein Abenteuer! “ 16 Grazia Deledda durchzieht ihr Italienisch mit sardischen Wörtern und Wen‐ dungen und überträgt sprachliche Methoden der Rekonstruktion mündlicher Erzählungen in Schrift. Als Autorin nimmt sie sich des Transports von Wahr‐ nehmung von der einen Sprache in die andere an und tritt damit von vornherein in den schöpferischen Prozess des Übersetzens ein. In vielen ihrer Werke liest es sich, als strukturierte sie ihre tiefinnere Erfahrung, die Phänomenologie ihrer Empfindungen, auf Sardisch, um sie dann ins Italienische zu übertragen. Daher spiegeln sich in ihnen sprachliche Strukturen des Sardischen wider, weniger im technischen Sinn, sondern, wie die Linguistin Cristina Lavinio betont, in ihrem Wertgehalt, ihren Urteilen, ihren existenziellen Bedeutungen und vielleicht auch in den unausgesprochenen, aber dennoch präsenten Bedeutungsstruktu‐ ren, die sich durch die gesamte Erzählung ziehen. 17 Dialektale Formen, Lehnworte und Regionalismen setzt Grazia Deledda insbesondere in Dialogen ein, was eine große Lebendigkeit und Authentizität schafft - ein Stilmittel moderner Literatur, das die Identität der Figuren unter‐ streicht und den Lesenden ein Gefühl von deren Herkunft und Lebensort ver‐ mittelt. Aber auch in den erzählerischen Teilen nutzt Grazia Deledda dialektale Einschübe, die sie häufig kursiv hervorhebt, um kulturell konnotierte Objekte und Verwendungen zu benennen. Diese Stilmittel finden sich im Übrigen auch in ihren Romanen, die nicht auf Sardinien spielen. Da taucht sie vom Italienischen aus beispielweise in die dialektale Mündlichkeit der Po-Ebene, des Veneto, von Rom, um ihre Figuren zu charakterisieren. Beim Lesen und vor allem beim Übersetzen ihrer Texte kommt es mir vor, als sei ihr diese aus der Zweisprachigkeit erwachsene Arbeitsweise, das jeweilige „Ans andere Ufer bringen“, schlicht in Fleisch und Blut übergegangen. Herausforderungen beim Übersetzen von Grazia Deleddas Werken bestehen aus meiner Sicht vor allem darin, ihrer plastischen, kraftvollen Sprache mutig zu folgen, keine Angst zu haben vor Priestern, Banditen, Zündholzmachern, Besenhändlern oder Wucherinnen, das heißt vor einer alten, unbekannten, mitunter auch fiabesken Welt, und der Versuchung zu widerstehen, die Erzäh‐ lung ins Pittoreske zu ziehen oder sprachlich irgendwie zu historisieren. Das gilt auch und sehr für die Dialoge, die tatsächlich gesprochene Sprache und oft erstaunlich deftig sind. Man spürt, da ist nichts Ausgedachtes, alles wurde wirklich gehört. Das soll sich, meine ich, auch im übersetzerischen Zugriff DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 135 18 Benjamin 1972, 11. 19 Grazia Deledda: „Lettera ad Andrea Pirodda, 10 maggio 1891“, in: Romagna 1959, dt. KR. widerspiegeln. Die lebendigen dialektalen Wendungen stellen wie immer und so auch hier eine eigene Herausforderung dar. Es gilt, wenn möglich, sie beizubehalten. Das ‚Wie‘ und dessen Form ist dann im Kontext jeweils neu herauszufinden. „Übersetzungen, die mehr als Vermittlungen sind“, schreibt Walter Benjamin so wunderbar, „entstehen, wenn im Fortleben ein Werk das Zeitalter seines Ruhms erreicht hat. Sie dienen daher nicht sowohl diesem […], als dass sie ihm ihr Dasein verdanken. In ihnen erreicht das Leben des Originals seine stets erneute, späteste und umfassendste Entfaltung.“ 18 Das steht zumindest zu hoffen und bedeutet auch bei Grazia Deleddas Romanen eine Herausforderung. Frage: Im Mittelpunkt der beiden übersetzten Romane steht, wie häufig bei Grazia Deledda, eine Frauenfigur. Lassen sich Ihrer Ansicht nach Deleddas Romane - insbesondere Blicke der Liebe und des Neids und Marianna Sirca - auch als kritische Perspektivierung und Verhandlung von Gender-Rollen und Geschlechterhierarchien verstehen? Gibt es diesbezüglich eventuell auch Unterschiede zwischen den beiden Romanen, zwischen deren Publikation 16 Jahre und ein Nobelpreis liegen? Klaudia Ruschkowski In vielen ihrer Romane beschäftigt Grazia Deledda sich eingehend mit der Rolle der Frau. Oft als ‚Feministin der ersten Stunde‘ bezeichnet, nutzt sie ihr Schrei‐ ben als Mittel zur Emanzipation. Zunächst der eigenen, denn sie widersetzt sich dadurch schon früh den Zwängen des strengen Regelgefüges ihrer Insel, „kühn und mutig wie ein Riese“ und ohne Furcht vor „intellektuellen Auseinan‐ dersetzungen“, wie sie 1891 mit zwanzig schreibt. 19 Trotz aller Widerstände, mit ihrem unbedingten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, verwirklicht sie dann mit knapp dreißig ein entscheidendes Vorhaben, auf das sie so lange hingearbeitet hat: Sie verlässt Sardinien und geht nach Rom, auf Distanz, wobei die „wilde, unbezwingbare Insel“ der Kern ihrer schöpferischen Arbeit bleibt. Und das Zentrum dieses Kerns bilden unbestritten die Frauenfiguren, die sie entwirft. Sie sind stark und verletzlich, ringen mit ihren Gefühlen und suchen nach Auswegen aus der ihnen vorgezeichneten Rolle. Sie sagen Nein zu einem Schicksal, das sie wie einen ‚Vogel im Käfig‘ aus dem Leben sperrt. Grazia Deledda macht aus ihren Protagonistinnen aber weder Heldinnen noch Opfer. Sie zeigt sie in ihrem Widerstand, ihrer Sehnsucht nach Liebe, ihrem Stolz, ihrem Scheitern. Sie lässt sie Prozesse der Bewusstwerdung durch‐ DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 136 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel laufen. Marianna Sirca erkennt ihren Hochmut, durch den sie den geliebten Simone getötet hat, dessen Freiheit ihr weniger galt als die eigene. Eine große emanzipatorische Leistung. Denn Verhältnisse einfach umzukehren, ohne ein Bewusstsein von wahrer Gegenseitigkeit, bringt auch nicht weiter. Mariannas Weiterleben in der Gesellschaft ist die Akzeptanz ihrer inneren Isolation und Einsamkeit. Das Ich in Il paese del vento, das im Rückblick erzählt, gesteht sich „von heute aus“, wie „seekrank, dem Tod nah… Galle spuckend“ ein, fata‐ lerweise einem Trugbild nachgelaufen zu sein. Ihm wird bewusst, dass sich das Drama seiner „Lebensunerfahrenheit“ und seinem „atavistischen Misstrauen gegenüber allem Neuen“ verdankte, und tut, nachdem der „falsche Stolz“ in ihm erstorben ist, den Schritt ins Leben. Donna Noemi aus Canne al vento, Annesa aus L’edera, Rosalia genannt Olì aus Cenere, oder Annalena Bilsini, um nur einige zu nennen, sind Porträts einer komplexen Weiblichkeit, die gegen äußere und innere Widerstände zu ihrer Würde findet. Trotz ihrer grundsätzlichen gesellschaftlichen Zurückhaltung trat Grazia Deledda in Fragen, die das Leben der Frauen betrafen, dann doch einige Male bewusst in die politische Öffentlichkeit. Sie sprach sich für die Scheidung aus, eröffnete am 5. Mai 1908 gemeinsam mit Maria Montessori in Rom den „Ersten Nationalen Kongress italienischer Frauen“ mit der Forderung nach Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben und nach deren politischen Rechten und kandidierte unter diesem Aspekt 1909 im Wahlkreis Núoro für den Partito Radicale. Dann wandte sie sich wieder ganz dem Schreiben zu. Der von ihr verkörperte Feminismus ist eher ein intimer, der auf eine „sororità“ abzielt, eine „Schwesternschaft“, die auf Verständnis und gemeinsamen Zielen basiert und ein Band der Solidarität, der Zuneigung und der gegenseitigen Unterstützung knüpft. Die weibliche Autonomie, um die es ihr geht, fasst und beschreibt sie aus den verschiedensten Blickwinkeln, sie steht im Zentrum ihres Lebens und ihres Werks. Frage: In der Begründung für die Verleihung des Nobelpreises an Grazia Deledda heißt es: „She does not uselessly waste her vivid colours; but even then, the nature which she describes has the simple, broad lines of ancient landscapes, as it has their chaste purity and majesty. It is a marvelously lively nature in perfect harmony with the psychological life of her characters.“ Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach die Landschaftsdarstellung in beiden Romanen, insbesondere im Verhältnis zur Charakterisierung der Figuren? DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 137 20 Deledda 2025, 22. 21 Deledda 2025, 23. Klaudia Ruschkowski In Grazia Deleddas Werken ist die Landschaft, bei der es sich zumeist um die sardische, die der Barbagia handelt, ein zentrales narratives Element, in doppeltem Sinn. Sie ist zunächst eine geografische Landschaft, der Schauplatz des Geschehens. Sie bettet die Figuren ein, erzählt von ihrer Herkunft, ihrer Gegenwart. Zugleich repräsentiert sie eine mentale Landschaft, verweist auf Temperamente, Eigenschaften, psychische Verfasstheiten und Stimmungen der Figuren, spiegelt sie wider oder führt über sie hinaus. Grazia Deleddas Landschaften sind komplexe Bilder voller Magie, Farbe und Atmosphäre. Marianna Sirca, geschwächt und erschöpft von der langen Pflege des Onkels, wird aus Núoro und dem dunklen Haus des Toten aufs Land gebracht. „Der Wald war in frisches Grün getaucht, alles blühte und eine unendliche Ruhe breitete sich über die ganze Welt.“ Dies färbt auf Marianna ab und schon nach drei Tagen wirkt sie „wie ausgewechselt“. Der Abend sinkt herab - das „doch“ fügt der Lesende hier fast wie von selbst ein, womit zu Beginn der Erzählung bereits von einem Ende die Rede ist -, sie sitzt vor dem kleinen Haus aus unbehauenem Stein auf ihrem Besitz, ihrer tanca, und Grazia Deledda lässt Mariannas Blick schweifen, der den Ort sichtbar macht, an dem sich das Drama abspielen wird: Vor ihr erstreckte sich eine weite, grasbewachsene Lichtung und in ihrer Mitte erhob sich eine tausendjährige Korkeiche, an der die Hunde festgebunden waren; dahinter das Grün der Felder, die bis in den Wald hineinreichten und sich im dunklen Schatten der Macchia und der Felsen verloren; zu ihrer Rechten hoben sich zwischen einer Baumreihe die Gipfel der immer noch azurblauen Bergkette vor dem roten Himmel des Sonnenuntergangs ab. 20 Auf der Lichtung zeigen und über sie bewegen sich im Lauf des Geschehens alle Figuren, die mit Mariannas Schicksal verbunden sind. Wohingegen die Berge, Felsen und die Macchia bereits auf Simone Sole und den Lebensraum des Banditen verweisen. Die „unendliche Ruhe“ trügt aber ebenso wie Mariannas Seelenfrieden. Ihr fehlt anscheinend nichts, und doch - „lauschte sie im vollen Bewusstsein ihrer selbst in ihr Inneres, gewahrte sie eine Dämmerung, heiter zwar, aber eine Dämmerung, rot und grau, grau und rot, einsam wie die des Abends auf der tanca.“ 21 Mit dieser Ouvertüre hat Grazia Deledda den äußeren wie inneren landschaftlichen Raum umrissen. In beide Räume bricht das Unvorhergesehene, Ersehnte, Gefürchtete und reißt die so sorgsam wie widerwillig bewahrten Mauern ein. Hier zeigt sich DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 138 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel 22 Borgese 1911, 95ff. 23 Deledda 2025, 114-115. 24 Deledda 2025, 221. die Dimension der Natur, die in Grazia Deleddas Romanen ebenfalls Protago‐ nistin ist. Sie, ihre dynamische Urkraft, die das menschliche Dasein formt und offenbart, wird beschrieben als ein lebendiges Wesen, das die menschliche Seele reflektiert, ihren Kampf zwischen Willen und Schicksal, Gut und Böse. Sie ist aber auch ein Quell des Trostes und der Stärke, teilt wie „eine große Mutter“ die tiefen Sorgen und wirkt wie Balsam für die von Leidenschaften erschütterte Seele. „Es ist eine ungestüme und kindliche Art, das Leben der Natur zu spüren, aber voller Unmittelbarkeit und Kraft“, beobachtet Borgese. Und weiter: Grazia Deleddas Vergleiche zwischen den unbezähmbaren Naturgewalten und den seelischen Stürmen ihrer Figuren „können wild und bizarr sein, nie jedoch kalt oder primitiv“. 22 In Marianna Sirca treffen zwei intrinsisch miteinander verbundene Seelen aufeinander, beide marginalisiert - die Frau, der Bandit -, beide mit einer rasenden Sehnsucht, sämtliche Ketten zu sprengen und ein auf allen Ebenen freies Leben zu führen. Simones muterfüllter Rachedurst, der die Welt in Brand setzen will, findet sich dem wuchtigen Bild eines Gewitters gegenüber, der niederstürzende Regen wird vom Wind wie ein mit Draht durchwirkter Schleier angehoben, bäumte sich dann kreischend auf und fiel mit Wucht zurück auf die Bäume und Büsche, die sich ängstlich bogen und wanden. Auf einer Lichtung schüttelten sich hundertjährige Steineichen, in diesem Gewebe aus Wasser gefangen, schwankten wie riesige Spinnen in ihren Netzen. Über den Himmel zogen Feuerschlangen, vom Wind gepeitschte Ungeheuer; auch der Regen schien davonzueilen, in die Ferne zu flüchten, erschrocken über die eigene Wucht. Alles floh, getrieben von einer Woge der Panik. All das, was nicht von der Erde loszulösen war, die Steine, funkelnd in düsterem Widerschein, die Macchia, das wild wogende Gras, all das, was sich nicht auf die Flucht machen konnte, wand sich in verzweifeltem Zucken. 23 Die Wut des Orkans, die Simone erfasst, ein Bild für seine innere schicksalhafte Dynamik, erfüllt ihn „mit einer wahnsinnigen Kampfeslust“ gegen alles und jeden. Von ihr getrieben, rennt er seinem Tod entgegen. Für Marianna hingegen wird der Ruf der Zwergohreule unter dem strahlen‐ den Mond inmitten eines reinen, klaren Blaus „zum Stöhnen aus dem Inneren der Erde, die in der großen Stille über ein verborgenes, unheilbares Leid klagt“ 24 , ihr eigenes zutiefst verletztes Inneres, das eher als ihr Bewusstsein von der Vergeblichkeit ihrer beider Verlangen weiß. Sie denkt an Simones Augen, hört DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 139 25 Deledda 2025, 222. 26 Deledda 2024, 92. 27 Deledda 2024. das Echo seiner leeren Versprechungen… Da geriet ihr ganzes Inneres in Aufruhr, der Schmerz warf sich dem Stolz entgegen, wie das tobende Meer gegen einen schwachen Pfahl… ihre Tränen vermischten sich mit dem Tau, den die Nacht in den Schoß der Erde weinte. 25 Das erzählende Ich in Il paese del vento durchlebt in einer Landschaft am Meer, die vermeintlich im selben Maß wie seine Seele von einem immer heftiger wehenden Wind geschüttelt wird, alle Zweifel und Unsicherheiten einer Situation, in der sich die Realität zusehends in einer irrealen Gefühlswelt aufzulösen droht. Es fühlt sich schließlich zu einem Zweikampf herausgefordert: Der Sturm raste, mit räuberischem Wahnsinn den Sand wegtragend, vor mir entlang; fuhr mir unter die Kleider und in die Haare, als wollte er sie mir entreißen; drang in meine Ohren ein, füllte meine Augen mit Sand und den Mund mit seinem Aroma nach Pilzen und Moos, seinen Ursprung preisgebend: wie ein Riesenhöhlenwesen aus den Grotten hervorgebrochen, mit der festen Absicht, den Frieden der Natur unwiederbringlich zu erschüttern. Doch das Verlangen, mich mit ihm zu messen, ergreift mich von neuem. Auch ich spüre, eine Kraft der Natur zu sein, und will ihn durchqueren, wie er die Bäume und die Büsche durchfährt. 26 Gleich darauf gelangt das Ich ans Meer und etwas Eigenartiges geschieht. „Das Meer ist friedlich, azurblau, unter der Furie des Monsters nur leicht gekräuselt…“. 27 Die „Furie des Monsters“ scheint doch weit stärker im Inneren der Protagonistin zu wüten als im Außen. Unmerklich hat Grazia Deledda das Geschehen an einen Wendepunkt gebracht, und die Beschreibungen des Winds, des Sturms sind plastische Bilder für den Seelenzustand der Erzählerin. „Auch ich spüre, eine Kraft der Natur zu sein“, das ist ein wunderbarer Satz, der Grazia Deleddas gesamtes Schreiben charakterisiert. Frage: Sind noch weitere (Neu-)Übersetzungen in Planung? Klaudia Ruschkowski Grazia Deleddas dritter Titel in der Reihe „Perlen“ ist der 1907 in der römischen Zeitschrift Nuova Antologia erschienene Roman L’ombra del passato, den ich selbst erstmalig übersetze. Er wird zum Herbst 2026 erscheinen. Grazia Deleddas Ehemann Palmiro Madesani stammte aus Cicognara bei Viadana in der Provinz Mantua. Mit ihm und der Familie verbrachte sie immer wieder längere Zeiträume dort. Die Landschaft der Poebene wurde DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 140 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel zum Schauplatz einiger ihrer Romane. L’ombra del passato wirft einen fast fotografischen Blick auf die Umgebung eines kleinen Orts namens Casalino und die Menschen, die dort leben. „In diesem Roman“, heißt es anlässlich der jüngsten italienischen Neuauflage 2009 bei Ilisso, „erweist sich Grazia Deledda, deren figurative Qualität bekannt ist, nahezu als Bildhauerin, so wie sie jede Figur in ihrer Körperlichkeit, ihrem Aussehen, ihrer Gestalt einfängt.“ Präzis beschrieben wird auch der soziale Kontext, in dem sich die Geschichte entfaltet, das entbehrungsreiche Leben der Padana, mit hart arbeitenden Bauern und kleinen, teils bitterarmen Handwerkern, in einem Ort, der um die Kirche entstanden ist und um den Palazzo Dargenti, der von den reichen Eigentümern, die in der Stadt leben, nur noch als Sommerfrische genutzt wird. In zwei Teilen erzählt L’ombra del passato von der Kindheit und dem frühen Erwachsenenalter des Protagonisten Adone. Grazia Deledda entwirft einen temperamentvollen, begabten kleinen Jungen aus armseligsten Verhältnissen. Sein Weg scheint vorgezeichnet. Er hat jedoch Glück im Unglück, denn ein rei‐ cher Onkel holt ihn in sein Haus. Er hat den ungestümen Kleinen so gern, dass er ihn als Erben einsetzt. Ein völlig neuer Weg scheint sich ihm dadurch aufzutun. Doch als der Onkel überraschend stirbt, lässt ein Verwandter der Witwe das Testament mit deren Wissen verschwinden und übernimmt mit seiner Sippe die Herrschaft über Haus und Hof. Ab jetzt ist Adone nichts weiter als ein armer Störenfried. Sein Schicksal, so klein er auch noch ist, scheint nun allein in seiner Hand zu liegen. Adones Sehnsucht nach Gerechtigkeit angesichts einer materiellen Armut, die familiäre Bindungen und gesellschaftliche Verhältnisse brutalisiert, verkörpert sich in seinem Traum, Lehrer zu werden. Sein Vorbild ist der Student Davide, der aufkeimende sozialistische Ideen in den Ort bringt. „Der Tag wird kommen! “, sagen die Erwachsenen voller Wut und Hoffnung bei den Zusammenkünften, in die sich der Junge heimlich schleicht. Grazia Deledda beschreibt in diesem äußerst lebendigen Roman - fast filmisch durch die Dialoge und die Landschaftsbilder -, der in der Rezeption der „sardischen Autorin“ irgendwie untergegangen zu sein scheint, den Kampf um Autonomie durch Wissen, um die Überwindung des vernichtenden Gefühls der Verlassenheit durch einen - realisierbaren - Traum, um die selbstbestimmte Formung der eigenen Möglichkeiten in der Realität. Die ewige Hoffnung, dass Weggehen Freiheit bedeutet, trifft auf die Erkenntnis, dass man nirgendwo glücklich sein kann, wenn man seine Wurzeln verliert. Adones Liebe zu Cate‐ rina, einer Waisen, arm wie er, mit der er die Kindheit geteilt hat, trifft auf seine Leidenschaft für Maddalena, die Enkelin der reichen Dargenti. Maddalena erscheint ihm wie das gelobte Land, das neue Ufer, zu dem er aufbrechen wollte, seit er denken kann. Caterina verkörpert die Wurzeln, das Alte, all das, was DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 141 28 Viva 2016. 29 Carnero 2024. er kennt und doch eigentlich hinter sich lassen wollte. Adone steht zwischen seinen Ansprüchen, zwischen der Verheißung der Zukunft und dem Schatten der Vergangenheit, und es zerreißt ihn fast. Grazia Deleddas Erzählung hat etwas Magisches. Ihre jungen, bedrängten Helden wenden sich gegen die Last der Ohnmacht und suchen auf jede er‐ denkliche Weise nach Auswegen. Das gilt für Adone ebenso wie für Caterina und Maddalena und auch für Davide. „Die Welt der Vorfahren“, schreibt die Literaturkritikerin Samantha Viva, ist kein Zufluchtsort vor den Übeln der Gesellschaft, sondern ihr grausamer Wächter. Die Werte des Katholizismus erscheinen bigott und engstirnig und binden Frauen und Männer eher an Aberglauben als an metaphysische Ideale, an einen Ort, an dem der Geist abwesend zu sein scheint. Doch nicht einmal die sozialistische Parabel ist frei vom Verfall, sie ist eher eine ideale Vorstellung als eine reale Möglichkeit, im ewigen Kreislauf, in dem sich die Armen nach einer moralischen Gerechtigkeit sehnen, die nie wirklich erreicht werden kann … Grazia Deledda präsentiert hier ein modernes politisches Bild, dargestellt in der Dichotomie zwischen moralischem Gesetz und praktischem Nutzen. 28 Nach heftigen inneren Kämpfen erkennt Adone schließlich, dass es nur einen Weg gibt, sich dem Leben zu stellen: den der Gegenwart, im Bewusstsein der Gefährdung, aber mit dem Vertrauen in sich selbst. Frage: Wie könnte Grazia Deledda in Zukunft noch bekannter werden? Welches wären diesbezügliche Desiderata bzw. Vorschläge? Klaudia Ruschkowski 2024 schrieb Roberto Carnero, Professor für Literatur an der Universität Bo‐ logna: Seit einigen Jahren wird zunehmend darüber diskutiert, wie die Präsenz von Frauen im literarischen Kanon gestärkt werden kann. Dieses Thema ist von erheblicher kritischer, historischer und pädagogischer Bedeutung. Und eigentlich müsste man nichts erfinden: Es würde genügen, Schriftstellerinnen wahrzunehmen. Das Problem ist, dass wir sie noch viel zu oft übersehen. Das gilt auch für Grazia Deledda. 29 Die Grundlage der Wahrnehmung, der Lese- und Rezeptionsräume sind zweifel‐ los Publikations- und Übersetzungsprojekte. Und Anreize hierfür ergeben sich bei einer Autorin wie Grazia Deledda gewiss durch die Auseinandersetzung mit DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 142 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel ihrem Schreiben und ihrer literarischen Bedeutung in Seminaren, Symposien, Werkstätten, Forschungsprojekten und, wie an dieser Stelle, in Zeitschriften oder in Anthologien. Etwas Generelles, dessen Wichtigkeit ich bei der Reihe „Perlen“ bemerke, sind Lesungen, verbunden mit der Vorstellung der Autorin durch die nicht nur sachkundigen, sondern auch enthusiastischen Übersetzer*innen. Die an‐ schließenden Gespräche mit dem Publikum zeigen immer wieder, wie wertvoll diese vermeintliche ‚Kleinarbeit‘ ist, um das Interesse für eine Autorin zu ent‐ zünden, deren Veröffentlichungen zeitlich zurückliegen. Das Wiederentdecken ist tatsächlich ein Abenteuer, zu dem nicht nur Leser*innen, sondern auch Blogger*innen gern aufbrechen. Zumal, wenn man überrascht feststellt, wie unmittelbar die Werke sich heute lesen und wie der Blick aus einer anderen Zeit die Gegenwart erhellen kann. Eine Initiative wie der diesjährige Lesemarathon der VDIG [Vereinigung deutsch-italienischer Kulturgesellschaften], der sich Grazia Deledda widmet, mit Schwerpunkt auf Canne al vento, wird sicher Kreise ziehen. Und dann gilt es, auch jenseits von Anlässen und Jahrestagen ‚am Ball‘ zu bleiben und die Eichhörnchentätigkeit der leidenschaftlichen Vermittlung kontinuierlich fortzusetzen. Bibliographie Primärliteratur Deledda, Grazia: Blicke der Liebe und des Neids, aus dem Italienischen von Monika Lustig. Wiesbaden: S. Marix Verlag 2024 (Reihe „Perlen“). Deledda, Grazia: Marianna Sirca, aus dem Italienischen von Monika Lustig. Wiesbaden: S. Marix Verlag 2025 (Reihe „Perlen“). Sekundärliteratur Adnan, Etel: „Schreiben in einer fremden Sprache“. Aus dem Französischen von Lukas Valtin. In: Etel Adnan. Sturm ohne Wind. Gedichte Prosa Essays Gespräche. Hrsg. von Hanna Mittelstädt und Klaudia Ruschkowski. Hamburg: Edition Nautilus 2019, 382-385. Benjamin, Walter: „Die Aufgabe des Übersetzers“. In: Walter Benjamin: Gesammelte Schriften. Bd. IV/ 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, 9-21. Borgese, Giuseppe Antonio: „Grazia Deledda“. In: La Vita e il Libro, seconda serie. Milano-Roma: Fratelli Bocca Editori 1911, 95-104. DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 Grazia Deledda neu übersetzen: Ein Interview mit Klaudia Ruschkowski 143 Carnero, Roberto: „Con Grazia Deledda per riscoprire il ruolo delle donne in letteratura“. Avvenire, 16.12.2024, https: / / www.avvenire.it/ agora/ cultura/ con-grazia-deledda-per-r iscoprire-il-ruolo-delle-donne-in-letteratura_83688. Cerina, Giovanna: „…E così si è formata la mia arte“. In: Grazia Deledda, Un’amicizia nuorese - Lettere inedite a Pietro Ganga (1898-1905). Hrsg. von Giovanna Cerina. Soveria Mannelli: Rubettino Editore 2019, 132-157. Fois, Marcello: „Prefazione“. In: Grazia Deledda: Il paese del vento. Nuoro: Ilisso Edizioni 2007. Heyer-Caput, Margherita: Grazia Deledda’s Dance of Modernity. Toronto u. a.: University of Toronto Press 2008. Lavinio, Cristina: „Dalle prime attestazioni al persistere di alcuni (pre)giudizi su una lingua e una modernità incomprese“. In: La ‚sfortuna‘ di Grazia Deledda. Hrsg. von Justyna Łukaszewicz und Barbara Meazzi. Italica Wratislaviensia 15/ 2024, 45-63. Lustig, Monika: „Eine Ortsbestimmung oder Warum eine Frau die Titelheldin eines Romans über die Figur des sardischen Banditen ist“. Vorwort zu: Grazia Deledda: Marianna Sirca. Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Wiesbaden: S. Marix Verlag 2025, 5-19. Mameli, Giacomo: „Omaggio al genio di una grande scrittrice“. La Nuova Sardegna, 29.10.2021. Mariani, Cecilia: „La storia di Marianna Sirca, un’eroina ‚sola come la fiera nel bosco‘“. 24.10.2016, https: / / www.criticaletteraria.org/ 2016/ 10/ paginedigrazia-marianna-sirca -grazia-deledda.html Romagna, Mario Ciusa (Hrsg .): „Motivazione del Premio Nobel 1926, letta all’Accademia di Stoccolma dal Prof. Schück“. In: Onoranze a Grazia Deledda, Nuoro 21 giugno 1959. Cagliari: Soc. Poligrafica Sarda 1959. Viva, Samantha: „‚L’ombra del passato‘ che perseguita e affranca, parabola del nostro intimo io“. 21.11.2016, https: / / www.criticaletteraria.org/ 2016/ 11/ paginedigrazia-lomb ra-del-passato-che.html. DOI 10.24053/ Ital-2024-0025 144 Herausgegeben von Eva-Tabea Meineke und Stephanie Neu-Wendel
