eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL36/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2025-0059
pm364/pm364.pdf0922
2025
364 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Projektmanagement im Gesundheitswesen

0922
2025
Steffen Scheurer
pm3640002
2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 04/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0059 EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Heft beschäftigen wir uns mit dem Projektmanagement im Gesundheitswesen- - aus zweierlei Gründen. Zum einen: Projekte im Gesundheitswesen betreffen uns alle. Zum anderen: Im Gesundheitswesen besteht dringender Handlungsbedarf und Reformdruck. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung in Deutschland ist um nahezu 10 Jahre gestiegen: von ~34,8 Jahre (1960) auf ~44,6 Jahre (2025). Dies ist auf den anhaltenden demografischen Wandel mit sinkenden Geburtenraten und steigender Lebenserwartung zurückzuführen. Mit dem höheren Durchschnittsalter wachsen auch die Anforderungen für Gesundheitsdienstleistungen. Zugleich nimmt der Fachkräftemangel im Gesundheitssystem zu. Die Kosten steigen kontinuierlich. Dies bringt unser Gesundheitssystem an seine Grenzen. Es führt kein Weg an der Steigerung von Effektivität und Effizienz vorbei. Diese Entwicklungen sind übrigens nicht „typisch deutsch“. Sie sind auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Wir sind kein Einzelfall. Inzwischen reagiert die Politik in Deutschland. Exemplarisch seien zwei Aktivitäten aus 2025 genannt: Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) soll die medizinische Versorgung auf qualitativ hochwertige Kliniken konzentriert werden. Dabei will man auch einem unkontrollierten Krankenhaussterben vorbeugen und eine Entbürokratisierung im Krankenhausbetrieb erreichen. Zudem wurde im Januar 2025 das Projekt „ePA 3.0“ gestartet. Mit der elektronischen Patientenakte sollen die Integration medizinischer Daten zu einer verbesserten Behandlungsqualität führen. Damit können in Zukunft Doppeluntersuchungen vermieden werden. In Summe kann all dies helfen, Kosten zu sparen, die Versorgungsqualität zu erhöhen und Patienten stärker im Gesundheitswesen zu beteiligen. Diese und noch weitere Herausforderungen führen zu erheblichen Veränderungen im gesamten Gesundheitswesen- - besonders im Klinikbereich. Wir stellen Ihnen in diesem Heft einige dieser Projekte vor. Beginnen wir mit einem Interview mit Etelka Wenzel und Julia Kallenberg . Etelka Wenzel leitet das Projektmanagementoffice, Julia Kallenberg leitet das Projektprogramm „ePA“ an der Charité in Berlin. Beide erklären, wie Projektportfolio- und das Projektprogrammmanagement an der Charité organisiert sind. Julia Kallenberg stellt zusätzlich in ihrem Beitrag die Vorgehensweise in ihrem Projektprogramm zur ePA-Einführung vor. Zudem blicken wir auf die Situation im Schweizer Gesundheitswesen. Nicole Gerber gibt dazu in ihrem Beitrag einen ersten Überblick. Ähnliche Herausforderungen wie die Charité hat auch die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK). Annette Gretler , stellvertretende Leiterin der Unternehmensentwicklung der PUK, beschreibt, wie in ihrem Klinikum ein neues Tool zur Unterstützung des Projektportfoliomanagements iterativ eingeführt wurde. Projektmanagement im Gesundheitswesen Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut ist bekannt als weltweit führendes Institut im Bereich der globalen Gesundheit. Wie es dem Institut gelingt, mit einem aktiv gelebten Projektlebenszyklus weltweit wirkungsvolle Projekte zu realisieren-- dies zeigen Kristina Pelikan, Helen Prytherch, Jakob Zinsstag, Rea Tschopp, Michael Käser und Marco Waser . Digitalisierung, Prozessoptimierung, Transformation sind aus Schweizer Spitälern nicht mehr wegzudenken. Natalie Esther Galeczki legt dar, wie der Aufbau einer Projektmanagement-Community hilft mit diesen Anforderungen umzugehen. Corinne Spirig und Stefan Lienhard stellen mit dem digital health center bülach (dhc) das führende Schweizer Netzwerk für Digitalisierung und digitale Transformation im Gesundheitswesen vor. Im Zentrum der Tätigkeiten steht die Vernetzung von Start-ups, Unternehmen und Dienstleistenden, um gemeinsam den Fortschritt der Branche voranzutreiben. Neben unseren Schwerpunktbeiträgen werfen wir auch einen Blick auf die Digitalisierung in der Verwaltung. Daniel Meier, Stefanie Sixel, Zbigniew Marciniak, Jasmin Tarhouni, Julia Herzberg und Kjell Jobst legen dar, welche Besonderheiten bei digitalen Projekten im öffentlichen Dienst zu berücksichtigen sind. Naciye Akca berichtet über ein spannendes Projekt der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen. In diesem Projekt hat ein interdisziplinäres Projektteam den hochschulspezifischen Künstliche Intelligenz [KI] -basierten Chatbot „Mr. Callidus Bund“ (Callidus- = schlau; Bund- = HS Bund) entwickelt. Die Beteiligen kamen aus den Disziplinen der Betriebswirtschaftslehre und der Wirtschaftsinformatik. Annette Bühler berichtet über die Rolle der Ethik im Projektmanagement. Saskia Weiß zeigt wie durch strukturiertes Projektmanagement der Podcast „Snacksize Projektmanagement“ entstand. Zusätzlich berichtet Sebastian Wieschowski über fünf Fragen, die auf dem 34. IPMA World Congress gestellt wurden- - und zu denen es mitunter überraschende Antworten gibt. Nicht zuletzt: Im Dezemberheft 2023 haben wir Ihnen versprochen, Sie bei dem Großprojekt „Fehmarnbelttunnel“ auf dem Laufenden zu halten. Wir lösen unser Versprechen ein: Lesen Sie in diesem Heft die Reportage mit Updates zu diesem Projekt- - und ein Interview mit Gerhard Cordes zum Risikomanagement. Die aktuellen Fragen im Gesundheitswesen werden uns wohl auch noch in den kommenden Jahren begleiten. Gut zu wissen, dass es mit Projektmanagement eine Methodik gibt, um auch mit diesen Herausforderungen systematisch umzugehen. Wir alle sind auf den Erfolg dieser Projekte angewiesen. In diesem Sinne: bleiben Sie gesund! Ihr Steffen Scheurer