PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0004
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GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Digitale Transformation im Baumanagement – Neue Werkzeuge für eine neue Managementkultur
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Suzana Čufer
Mit der Querung Grüze entsteht das zentrale Puzzlestück für die Umsetzung des Verkehrskonzepts Neuhegi-Grüze in Winterthur, Schweiz. Die neue ÖV-Drehscheibe über dem SBB-Bahnhof bildet dabei nicht nur einen wichtigen Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr, sondern auch eine Grundlage für die Entwicklung eines neuen Quartiers. Dieser strategische Baustein wird als wesentlicher Bestandteil der urbanen Weiterentwicklung angesehen, um die Infrastruktur in Winterthur für die Zukunft zu sichern.
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14 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0004 Querung Grüze Digitale Transformation im Baumanagement-- Neue Werkzeuge für eine neue Managementkultur Suzana Čufer Mit der Querung Grüze entsteht das zentrale Puzzlestück für die Umsetzung des Verkehrskonzepts Neuhegi-Grüze in Winterthur, Schweiz. Die neue ÖV-Drehscheibe über dem SBB-Bahnhof bildet dabei nicht nur einen wichtigen Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr, sondern auch eine Grundlage für die Entwicklung eines neuen Quartiers. Dieser strategische Baustein wird als wesentlicher Bestandteil der urbanen Weiterentwicklung angesehen, um die Infrastruktur in Winterthur für die Zukunft zu sichern. Das Gebiet Neuhegi-Grüze spielt eine Hauptrolle für die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung von Winterthur und des Kantons Zürich. Neuhegi-Grüze wird zu einem dicht und gemischt genutzten Stadtteil von Winterthur mit zusätzlichen 4‘500 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie 8‘000 neuen Arbeitsplätzen. Eine wesentliche Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Umsetzung des Verkehrskonzepts Neuhegi-Grüze. Es sorgt für die optimale Anbindung des neuen Stadtteils an das Straßen- und das Schienennetz und berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse des Fuß- und des Veloverkehrs. In diesem Konzept nimmt der Bahnhof Grüze eine Schlüsselrolle ein. Sein Bahnangebot wird im Rahmen des SBB-Projekts „S-Bahn 2. Generation“ langfristig massiv ausgebaut. Der Bahnhof Grüze erhält bis 2050 ein S-Bahnangebot, das mit dem heutigen am Hauptbahnhof vergleichbar ist. Die Querung Grüze wird als Teil des ÖV-Korridors das Quartier mit dem öffentlichen Verkehr erschließen und ist zentraler Bestandteil der zukünftigen ÖV-Drehscheibe Bahnhof Grüze. Die Querung Grüze wird als vorgespannter einbis zweistegiger Plattenbalken konzipiert. Die Vorspannung wird derart ausgelegt, dass der Betonquerschnitt unter ständigen Lasten nicht dekomprimiert. Der Überbau wird in 5 Etappen betoniert, wobei die Vorspannkabel zum Teil gekoppelt werden. Die Koppelfugen werden jeweils durch Kontinuitätskabel überdrückt. Der Bewegungsnullpunkt befindet sich in der Nähe des Eckbereichs. Bei den Widerlagern werden mehrzellige Dehnungsfugen mit Sinusplatten angeordnet. Vom Bewegungsnullpunkt entfernte Stützen werden mit verschiebbaren Lagern versehen. Die Stützen im Bahnbereich werden auf Bahnanprall bemessen. Die Brücke wird generell auf Pfählen im Schotter fundiert, lediglich im Bereich des SBB-Unterwerks sind zwei Stützen mit Flachfundationen vorgesehen. Digitalisierung im Baumanagement Das Tiefbauamt Stadt Winterthur als Eigentümer und Bauherr stellt sicher, dass diese äußerst komplexe Aufgabe mit den Abbildung 1: Übersicht Brückenelemente Wissen | Digitale Transformation im Baumanagement 15 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0004 modernen planerischen und baulichen Technologien realisiert wird. Die Implementierung fortschrittlicher digitaler Prozesse und Kollaborationsplattformen spielt dabei eine Schlüsselrolle, um die verschiedenen Anforderungen in der Planung und Ausführung des Projektes Querung Grüze effizient zu bewältigen. Gerade die Digitalisierung im Baumanagement spielt eine immer stärkere Rolle in der Abwicklung von Projekten. Um diese höchst komplexen Anforderungen zu erfüllen, müssen die Projektmanager zunehmend auf neue Medien zurückgreifen. Dadurch wird eine neue Managementkultur entwickelt, die stärker auf Flexibilität, Effizienz und Zusammenarbeit ausgerichtet ist. Da die Prozesse im Projektmanagement mit der fortschreitenden Digitalisierung immer komplexer werden, müssen die Projektmanager digitale Kollaborationsplattformen nutzen, um die Projektteams optimal zu führen und zu koordinieren. Am Beispiel der Querung Grüze zeigt sich, wie die buildagil, CDE / Kollaborationsplattform als zentrales Werkzeug fungiert, um die verschiedenen Aspekte des Projekts in einer benutzerfreundlichen Umgebung zu integrieren. Cloud-Plattformen sind längst nicht nur ein Ort für den Datenaustausch, sondern haben sich zu unverzichtbaren Kommunikations- und Koordinationswerkzeugen entwickelt. Sie ermöglichen es den Projektbeteiligten, in Echtzeit miteinander zu arbeiten, Informationen auszutauschen und Entscheidungen schneller zu treffen. Dadurch werden klassische Kommunikationsmittel wie Telefon und E-Mails zunehmend weniger genutzt, da die digitale Zusammenarbeit viel effizienter und transparenter gestaltet werden kann. In dieser neuen Ära des digitalen Baumanagements bieten Kollaborationsplattformen nicht nur den Vorteil der zentralen Dokumentenablage, sondern auch die Möglichkeit zur fortlaufenden Projektüberwachung und -analyse. So können mögliche Verzögerungen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die digitale Transformation verändert somit nicht nur die Art und Weise, wie kommuniziert wird, sondern auch die gesamte Projektstruktur und -durchführung. Vom Modell zur Baustelle zum digitalen Zwilling Für die Umsetzung des BIM-konformen 3D-Modells der Querung Grüze hat die Bauherrschaft die Planer, Bauunternehmer und Lieferanten vertraglich verpflichtet, alle Geschäftsprozesse über die digitale Kollaborationsplattform abzuwickeln. Der Generalplaner übernimmt dabei eine führende Rolle sowohl in der Implementierung der digitalen Kollaborationsplattform als auch in der Entwicklung des 3D-Modells. In enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Unternehmen für Visualisierungen mit Web-Technologie wurde eine fortschrittliche Grundlage für das digitale Bauprojektmanagement geschaffen. Durch die Nutzung der digitalen Kollaborationsplattform können alle Beteiligten in Echtzeit auf das 3D-Modell zugrei- Abbildung 2: Modelbasierte Planung Abbildung 3: Modellbasierte Ausführung Wissen | Digitale Transformation im Baumanagement 16 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0004 fen, Änderungen vornehmen und sich schnell über den Projektstatus austauschen. Ein Beispiel dafür ist, dass die modellbasierte Bewehrungslegung eine effiziente und schnelle Abwicklung der Prozesse ermöglicht hat. Dabei haben die Bauherrschaft, der Generalplaner, das Bauunternehmen und die Lieferanten auf Grundlage des 3D-Modells die Planung, Ausführung und die Koordination der Bewehrungslegung durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass die BIM-modellbasierte Bewehrungslegung eine Vielzahl von Vorteilen hat, die zu einer höheren Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Brückenplanung und -konstruktion führen, wie unter anderem: Präzision und Genauigkeit: BIM hat eine präzise Modellierung der Bewehrung ermöglicht, was zu einer genaueren Planung und Ausführung geführt hat. Fehler wurden frühzeitig erkannt und behoben, bevor sie in die Bauphase übergehen. Kollaboration: Durch die Verwendung von BIM haben verschiedene Disziplinen (Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Lieferanten) effizienter über die Kollaborationsplattform zusammengearbeitet. Alle Beteiligten haben Zugriff auf dasselbe Modell, was die Kommunikation verbessert und Missverständnisse reduziert hat. Visualisierung: BIM-Modelle bieten eine anschauliche Darstellung der Bewehrung und der gesamten Struktur. Dies hat das Verständnis komplexer Details erleichtert und geholfen potenzielle Probleme frühzeitig zu identifizieren. Effizienz: Die automatisierte Generierung von Bewehrungsplänen und -listen spart Zeit und reduziert den Aufwand für manuelle Berechnungen und Zeichnungen. Dies hat zu einer schnelleren Projektabwicklung geführt. Die Zukunft der neuen Baumanagementkultur Die digitale Transformation im Baumanagement eröffnet eine Vielzahl von Vorteilen, die von optimierten Prozessen über eine verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit bis hin zu einer nachhaltigeren Bauweise reichen. Dies wird besonders deutlich am Beispiel der Querung Grüze, bei der sich der Einsatz digitaler Werkzeuge und Methoden in der Praxis vollständig bewährt hat. Neue digitale Werkzeuge schaffen die Grundlage für eine moderne Managementkultur, die von Flexibilität, Transparenz und Datenorientierung geprägt ist. Dieser Wandel ist nicht nur eine technologische Notwendigkeit, sondern auch ein entscheidender Schritt hin zu einer zukunftsfähigen Bauindustrie. Deswegen spielt eine gezielte Weiterbildung im digitalen Projektmanagement im Hinblick auf die IPMA-Zertifizierung eine zentrale Rolle. Diese Qualifikation fördert nicht nur die Effizienz und Flexibilität im Umgang mit digitalen Transfor- Abbildung 4: Modellbasierte Bewehrungslegung Brückenecke Abbildung 5: Rohbau Stand April 2025 Wissen | Digitale Transformation im Baumanagement 17 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0004 mationen, sondern ermöglicht es den Führungskräften auch, innovative Projektmethoden anzuwenden und die Veränderungen proaktiv zu gestalten. Der erfolgreiche Projektmanager der Zukunft wird ein technologischer Vorreiter sein, der sowohl die Prozesse optimiert als auch die Menschen in einem zunehmend digitalen Arbeitsumfeld motiviert und anleitet. Weitere Informationen Projekt Querung Grüze Eingangsabbildung: links: Querung Grüze (2027); rechts: Querung Grüze (2040+) VERWENDETE ABKÜRZUNGEN: BIM-- Building Information Modeling CDE-- Common Data Environment IPMA-- International Project Management Association ÖV-- öffentlicher Verkehr SBB-- Schweizerische Bundesbahnen VZPM-- Verein zur Zertifizierung von Personen im Management Suzana Čufer Suzana Čufer, studierte Bauingenieurin, ist derzeit Leiterin der Infraprojekte beim Tiefbauamt Stadt Winterthur und verantwortet seit über 9 Jahren als Gesamtprojektleiterin das Projekt Querung Grüze. Ihre berufliche Expertise hat sie im Bereich Untertagebau und Tunnelbau auf internationaler Ebene erworben. Zu ihren wichtigsten Stationen gehören Großprojekte wie der East Side Access in New York, die Kopenhagen Metro in Dänemark, das Shanzi Wanjiazhai Yellow River Diversion Project in China sowie der Gotthard Basistunnel in der Schweiz, in denen sie ihre Führungs- und Fachkompetenz unter Beweis stellte. Seit über 15 Jahren übt sie die Funktion der öffentlichen Bauherrschaft im Bereich des städtischen Tiefbaus aus. Sie ist IPMA Level A zertifiziert und ist als Assessorin für den VZPM tätig. Für mehr Transparenz in kommunalen Projekten. Viele Vorschriften. Wenig Transparenz? Öffentliche Projekte müssen regelkonform, nachvollziehbar und ressourcenorientiert laufen. Fehlt die gemeinsame Übersicht, wird Steuerung schwierig. Whitepaper downloaden Anzeige
