eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0010
pm371/pm371.pdf0413
2026
371 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in – und was steckt alles in der GPM Trainerausbildung?

0413
2026
Michael Ribeiro
Sibylle Sowa
Für erfahrene Projektmanager*innen, die ihr Wissen weitergeben möchten, stellt die Akkreditierung als GPM Projektmanagement-Trainer*in eine attraktive Perspektive dar. Dieser Fachbeitrag beantwortet die zentralen Fragen zu diesem anspruchsvollen Weg: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, wie ist die GPM Trainerausbildung strukturiert und welche Inhalte werden vermittelt? Aus der doppelten Perspektive des leitenden Trainers und einer Absolventin werden der zweistufige Ausbildungsprozess (Basis- und Aufbaukurs), das didaktische Konzept und die vier logischen Lernebenen detailliert erläutert. Der Artikel liefert damit einen umfassenden Einblick in die Anforderungen, den Ablauf und den Mehrwert der Qualifizierung – sowohl für die Trainer*innen selbst als auch für deren Organisationen.
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47 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in-- und was steckt alles in der GPM Trainerausbildung? Michael Ribeiro, Sibylle Sowa Für eilige Leser | Für erfahrene Projektmanager*innen, die ihr Wissen weitergeben möchten, stellt die Akkreditierung als GPM Projektmanagement-Trainer*in eine attraktive Perspektive dar. Dieser Fachbeitrag beantwortet die zentralen Fragen zu diesem anspruchsvollen Weg: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, wie ist die GPM Trainerausbildung strukturiert und welche Inhalte werden vermittelt? Aus der doppelten Perspektive des leitenden Trainers und einer Absolventin werden der zweistufige Ausbildungsprozess (Basis- und Aufbaukurs), das didaktische Konzept und die vier logischen Lernebenen detailliert erläutert. Der Artikel liefert damit einen umfassenden Einblick in die Anforderungen, den Ablauf und den Mehrwert der Qualifizierung-- sowohl für die Trainer*innen selbst als auch für deren Organisationen. Schlagwörter | Trainerausbildung, IPMA, Kompetenzentwicklung, ICB4, ATP, Akkreditierungsprozess Einleitung Vielen erfahrenen Projektmanager*innen stellt sich früher oder später die Frage wie sie ihre Erfahrung an andere weitergeben können. Die Möglichkeit, sich als GPM Projektmanagement-Trainer*in zu entwickeln wird hier vorgestellt. Die jährliche Anzahl der Projektmanagementzertifizierungen in Deutschland nach dem System der IPMA® steigt weiterhin und damit die Anzahl der durchgeführten IPMA® Qualifikationslehrgänge. Darauf weist die GPM berechtigterweise nicht ohne Stolz hin. Großenteils stehen dahinter Unternehmen, die sich für eine der IPMA® Zertifizierungen entscheiden, wenn es um die Qualifizierung ihre Mitarbeiter*innen im Projektmanagement geht. Die Gründe mögen jeweils spezifisch sein, wie die Erhöhung der Kompetenzen beim Projektpersonal, einheitlichere Abwicklung der Projekte oder die Schaffung von firmeninternen Standards. Vielleicht allen gemein ist die Erkenntnis, dass Projektmanagement nicht nur von Projektmanagement-Systematik und Prozessen lebt. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren liegen in der Kommunikation zwischen Menschen. Genau deshalb wird das System der IPMA® als passend anerkannt, denn die 28 Kompetenzelemente der ICB4 decken neben dem technischen Vorgehen im Projektmanagement auch eine breite Palette an projektrelevanten Soft-Skills ab. Hinter jedem durchgeführten IPMA® Qualifizierungslehrgang steht ein autorisierter Trainingspartner der GPM (ATP) und ein akkreditierter Projektmanagement-Trainer (AT). Der ATP akquiriert und organisiert den Lehrgang. Der AT führt den Lehrgang durch [1]. Wer sind GPM Projektmanagement-Trainer*innen und wie ist der Weg dahin Der Weg zur Akkreditierung als AT ist anspruchsvoll. Die Anforderungen der GPM an die Trainerakkreditierung stellen einen engen Filter dar, der zukünftige ATs entlang wichtiger Kriterien auswählt und damit eine möglichst hohe Trainingsqualität sicherstellt. Deshalb finden sich in der Trainerschaft der GPM ausschließlich Menschen, denen es ein wichtiges Anliegen ist, ihre Erfahrung als Trainer*innen zu teilen. Sonst hätten sie sich den hohen Anforderungen nicht gestellt und hätten nicht viel Zeit investiert, um den Weg zur GPM Akkreditierung zu beschreiten. Und diese Menschen haben zusätzlich jeweils langjährige, persönliche Projektmanagementerfahrung. Denn das ist eine der wichtigsten Anforderungen für die Trainerakkreditierung der GPM. Die Geschäftsmodelle der GPM Trainer*innen sind gemischt: Selbständige oder Angestellte von Wirtschaftsunter- Berichte aus dem GPM | Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in- 48 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 nehmen und Behörden; Trainings in Vollzeit oder Trainings als Nebentätigkeit; selber ATP der GPM oder ausschließlich AT; vielleicht nebenher auch Projektmanagement-Berater*in. All das und weitere hier nicht aufgezählte Konstellationen kommen vor. Alles ist möglich. Das macht die Gesamtheit der ATs so vielschichtig. Die Anforderungen der GPM Trainerakkreditierung Die GPM erwartet von Trainer*innen, die sich zum GPM Trainer akkreditieren lassen wollen, Praxiserfahrungen aus zwei Richtungen: • Erfahrung im Projektmanagement • Erfahrung als Projektmanagement-Trainer*in Diese Anforderungen sind mit Kriterien hinterlegt, die im Textkasten überblicksmäßig dargestellt sind. Der Weg zum AT ist, gerade wenn es um die GPM Trainerausbildung geht, alles andere als eine formelle Kleinigkeit. Die GPM Trainerausbildung ist eine intensive Reise, bei der Didaktik, Selbstreflexion, methodische Exzellenz und gelebte Haltung eng miteinander verwoben werden. Zudem werden die Qualifizierungsprodukte der GPM intensiv betrachtet und durch Lehrproben das Verständnis dafür gestärkt. Die folgenden Absätze geben einen Blick hinter die Kulissen der Trainerausbildung aus der Perspektive des durchführenden Trainers und aus der Sicht einer Teilnehmerin: Wie läuft diese Ausbildung ab? Welche Inhalte und didaktischen Prinzipien prägen sie? Die GPM Trainerausbildung Der Einstieg in die GPM Trainerausbildung beginnt in der Regel mit dem persönlichen Motiv die eigene langjährige Projekterfahrung und das dabei erworbene Wissen weiterzugeben. Die GPM bietet für diesen Wunsch die GPM-Trainerausbildung. Das ist ein strukturierter Ausbildungspfad, der sich in zwei Teile gliedert: Basiskurs und Aufbaukurs. Im Basiskurs stehen zunächst Grundlagen von Trainings im Vordergrund: Didaktik, Rollenverständnis als Trainer*in, Gruppendynamik und die Fähigkeit, Inhalte verständlich und lernwirksam zu vermitteln. Ziel ist es, ein professionelles Fundament in Bezug auf Trainingskompetenzen zu schaffen. Zusätzlich werden die Teilnehmenden auf die IPMA® CCT [2] Trainerzertifizierung vorbereitet, die im Anschluss absolviert werden kann. Das IPMA® CCT Trainerzertifikat ist ein weltweit anerkannter Nachweis von Trainingskompetenz, den die Zertifikant*innen mittels Prüfungsleistungen bestehend aus • Nachweis von Trainingserfahrung, • Trainingsreport, • Lehrprobe und • Interview erlangen können. Bei der Struktur der Vorgaben für die IPMA® CCT Trainerzertifizierung orientiert sich die IPMA® an ihren Zertifizierungen für Projektmanagement. • Die IPMA® hat zwei komplementäre „Competence Baselines“ entwickelt. Die Individual Competence Baseline (ICB) für die Projektmanagementzertifizierung umfasst 28 Kompetenzen aus den Bereichen Perspective, People und Practice. Die ICB-CCT für die Trainerzertifizierung enthält weitere 14 Kompetenzen, die sich auf die Arbeit als Trainer*in beziehen. • Jedes Kompetenzelement hat dazugehörige Kompetenzindikatoren, mittels derer das Vorhandensein der jeweiligen Kompetenz bei der Zertifizierung abgeprüft wird. • Zertifizierungen für Projektmanagement haben die senioritätsbezogenen Level D, C, B und A mit aufsteigendem Anspruch. Die Trainerzertifikate nach der ICB-CCT haben die Level C, B und A. Die Ähnlichkeit der Strukturen und der Begrifflichkeiten zwischen der IPMA® Projektmanagementzertifizierung und der IPMA® CCT Trainerzertifizierung hat einen gewissen Charme. Gleichzeitig kann sie auch für Verwirrung sorgen, wenn es um darum geht, die Voraussetzungen der GPM Trainerakkreditierung zu verstehen. Da der Basiskurs den Beginn der Trainerausbildung darstellt, besteht ein Lernziel darin, das komplizierte Geflecht von Anforderungen an Zulassung und Zertifizierung für die verschiedenen Elemente der GPM Trainerakkreditierung zu vermitteln. Das mag trivial erscheinen, wenn man den hier dargestellten Überblick an Anforderungen betrachtet. Die Details der Anforderungen von GPM und PM-ZERT, die den Leser*innen hier erspart werden, sind komplizierter und in Teilen tun sich die Teilnehmenden zunächst schwer mit dem Transfer auf ihren eigenen Fall. Der Aufbaukurs richtet den Fokus auf die Vermittlung von IPMA® Lehrgangsinhalten: Blicken wir kurz auf die IPMA® Projektmanagementlehrgänge, die von den Traineraspirant*innen gehalten werden sollen, auch mit Blick auf die Unterschiede zwischen den verschiedenen Zertifizierungsleveln. Seniorität der Teilnehmenden: Die Teilnehmergruppen der IPMA® Projektmanagementlehrgänge sind von ihrer Erfahrung, ihren Erwartungen aber auch den zu vermittelnden Inhalten her unterschiedlich, je nachdem, ob eine IPMA® Level D, C, B oder A Zertifizierung angestrebt wird. Zulassungsanforderungen: Die IPMA® Projektmanagementzertifizierung Level D hat keine Zugangsbeschränkung und steht damit auch Projektmanagement-Novizen offen. Dagegen unterliegen die Projektmanagementzertifizierungen der Level C, B und A hohen Anforderungen an die vorhandene Erfahrung in Projektmanagementrollen. Deren Erfüllung muss von den Lehrgangsteilnehmer*innen im Rahmen des Antragsprozesses nachgewiesen werden. Inhalt: Die IPMA®-Projektmanagementlehrgänge unterscheiden sich inhaltlich zwischen Level D und den höheren Levels C, B und Voraussetzungen für die GPM Trainerakkreditierung 1. Projektmanagementerfahrung, nachgewiesen durch ein IPMA® Projektmanagementzertifikat Level C, B oder A 2. Trainingspraxis und -kompetenz nachgewiesen durch ein Trainerzertifikat nach dem System der IPMA® CCT Zertifizierung (CCT steht für Consultants, Coaches und Trainer) und mindestens 500 Trainingsstunden 3. Teilnahme an der GPM Trainerausbildung Berichte aus dem GPM | Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in- 49 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 A: Letztere umfassen einen größeren Stoffumfang und gehen zudem mehr in die Tiefe. Zertifizierungsanforderungen: Die Zertifizierung zum IPMA® Projektmanagement Level D prüft bei der Hälfte des Stoffumfangs das Verständnis des Stoffes ab und bei der anderen Hälfte die Anwendung des Stoffwissens auf einen konkreten Fall. Das entspricht nach der eingesetzten Wissenstaxonomie Kompetenzstufe 1 beziehungsweise 2. Beim Level C wird durchgängig die Kompetenzstufe 2 verlangt, also die Anwendung des Stoffwissens auf einen konkreten Fall. Bei Level B - und noch stärker bei Level A - wird aufgrund des zunehmenden Stoffumfangs die Kompetenzstufe 3 gefordert. Das bedeutet, bezogen auf einen konkreten Fall, die Analyse des methodischen Bedarfs sowie die fallspezifische Gestaltung der Methodik. Prüfungsverlauf: Level C und B Zertifizierungen bestehen mit Projektreport, schriftlicher Prüfung, Workshop und Interview aus 4 Prüfungsteilen. Für den Level D sind 2 Prüfungsteile gefordert und für den Level A 3 Prüfungsteile. Ein AT muss neben den grundlegenden Fertigkeiten als Trainer*in auch die Fähigkeit haben, Inhalte und Didaktik eines Lehrgangs dem Level entsprechend anzupassen um auf die genannten Unterschiede einzugehen. Darauf geht die GPM Trainerausbildung ein, wie im Folgenden dargestellt. Didaktik mit Anspruch: Das Konzept der GPM Trainerausbildung Die Ausbildung lebt von einem klaren didaktischen Konzept, das sich an modernen Lernprinzipien orientiert. Lernen wird nicht als Aneignung von Wissen im klassischen Sinn verstanden, sondern als aktiver, reflexiver, sozialer Prozess. Im Zentrum steht daher Lernen durch Erfahrung. Die Teilnehmenden gestalten selbst Trainingssequenzen, erhalten fundiertes Feedback, reflektieren ihre Wirkung-- und lernen so nicht nur was sie vermitteln sollen, sondern wie sie dies tun. Die Ausbildungsgruppen sind bewusst klein gehalten, um individuelle Entwicklung zu ermöglichen. In der GPM Trainerausbildung wird ein Methodenmix eingesetzt, der sich in der Praxis bewährt hat: Einzel- und Gruppenarbeiten, kollegiale Beratung, Simulationen, Reflexionsphasen und Rollenspiele wechseln sich ab. Besonders wichtig ist die kollegiale Rückmeldung-- differenziert, respektvoll und immer auf Entwicklung ausgerichtet. Als Train-the-Trainer Format dienen Konzeption und Durchführung der Trainerausbildung in Sachen Qualität als Benchmark für die kommenden GPM Trainer*innen. Die GPM Trainerausbildung hat mehrere 4 logische Ebenen, die in Abbildung 1 dargestellt sind. Ebene 1: Inhalte verstehen Zunächst müssen die Teilnehmenden der GPM Trainerausbildung die verschiedenen Inhalte kennenlernen und verstehen. Da für die Teilnahme schon eine IPMA® Projektmanagementzertifizierung vorausgesetzt ist, ist das Projektmanagementwissen nicht Teil der Trainerausbildung. Aber der Scope der 28 Kompetenzelemente der ICB4 muss behandelt werden, ebenso wie die Zulassungsanforderungen für die 4 Level von IPMA® Projektmanagementzertifizierungen und die jeweiligen Prüfungselemente und -anforderungen. Diese sind auf mehreren Leitfäden der PM-ZERT verteilt beschreiben. Eine Herausforderung für die angehenden ATs ist es, diese später ihren Lehrgangsteilnehmenden vermitteln zu können. Zudem müssen die ATs in der Lage sein, den Antragsprozess ihrer Teilnehmer*innen inhaltlich und prozessual zu begleiten. Sie müssen eine Beurteilungskompetenz für die umfangreichen Antragsunterlagen entwickeln, denn die zukünftigen Lehrgangsteilnehmer*innen erwarten von ihren ATs eine Aussage dazu, ob die vorhandene Projekterfahrung den komplizierten Anforderungen der GPM / PM-ZERT entspricht und wie das treffsicher dargestellt werden kann. Weitere inhaltliche Themen beziehen sich auf die IPMA® CCT Trainerzertifizierung. Auch hier müssen die 14 Kompetenzelemente der ICB-CCT sowie die Zulassungs- und Prüfungsanforderungen verstanden werden. In diesem Fall nicht, Inhaltsübersicht zur GPM Trainerausbildung Berichte aus dem GPM | Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in- 50 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 um sie weiter zu vermitteln, sondern um die eigene CCT-Trainerzertifizierung zu durchlaufen. Ebene 2: Vermitteln IPMA®-spezifischer Inhalte In der 2. logischen Ebene geht es um die spezifische Didaktik, die für die IPMA® Lehrgänge nötig ist. Zu Beginn eines IPMA®-Projektmanagementlehrgangs muss ein AT den Teilnehmenden die Zulassungsvoraussetzungen, den Antragsprozess sowie die Prüfungsanforderungen (wie oben aufgeführt) nahebringen. Wie macht man das, ohne dass der Lehrgang den Eindruck von bürokratischem Overload erweckt? Wie werden die Projektmanagementinhalte in den verschiedenen Kompetenzstufen vermittelt? Wie geht man mit heterogenen Teilnehmererwartungen um? Die didaktischen Instrumente zur wirksamen Vermittlung der Projektmanagementinhalte sind abhängig von der geforderten Kompetenzstufe und von der Zielgruppe und ihren Bedürfnissen. Dies alles wird im Aufbaukurs mit den angehenden ATs thematisiert und in Lehrproben erfahrbar gemacht. Die Lehrproben sind dabei nicht nur ein Übungsfeld für diejenigen, die die Lehrprobe ausarbeiten und halten. Die weiteren Seminarteilnehmenden beobachten die Lehrprobe und die jeweilige Lehrkraft sehr genau, um anschließend ein fundiertes Feedback zu geben. Ebene 3: Grundsätzliche Trainingsdidaktik In der GPM Trainerausbildung wird berücksichtigt, dass die Teilnehmergruppe der angehenden ATs heterogen in Bezug auf ihre Trainingserfahrung ist. Neben erfahrenen und routinierten Trainer*innen, für die die GPM Trainerausbildung eine Abrundung ihrer Kompetenzen darstellt, nehmen auch Menschen teil, die am Anfang ihrer Trainerkarriere stehen und weniger Trainingserfahrung mitbringen. Aus diesem Grund wird im Basis- und im Aufbaukurs auch auf didaktische Grundlagen eingegangen. Allerdings bietet die GPM Trainerausbildung keine vollumfängliche didaktische Ausbildung. Das würde den Rahmen zeitlich und preislich sprengen. Der Titel suggeriert mit dem Begriff „Trainerausbildung“ aber genau das; eine umfassende didaktische Befähigung. Das wird im Verlauf der GPM Trainerausbildung als Spannungsfeld transparent gemacht und behandelt. Ein wichtiger Baustein in der GPM Trainerausbildung ist die Entwicklung von Feedbackkompetenz. Feedback zu geben, bedarf einer zugrunde liegenden Fachkompetenz, einer guten Beobachtungsgabe und der Fähigkeit die Beobachtungen wohlformuliert zu adressieren. Feedback zu geben ist eine bedeutende Fähigkeit für die spätere Trainerrolle in den IPMA® Projektmanagementlehrgängen. Darin wird zum Beispiel auf den Workshop der Level C, B und A Projektmanagementzertifizierung vorbereitet. Die Beobachtung des Workshopgeschehens und die Formulierung in einem wertschätzenden und konstruktiven Feedback ist von hohem Wert für die Lehrgangsteilnehmenden. Die üblichen Regeln zum Geben und Nehmen von Feedback sind allen Teilnehmenden der GPM Trainerausbildung bekannt. Die Umsetzung benötigt aber dann doch Einiges an Übung. Deshalb gibt es mit der hohen Anzahl an Lehrproben im Verlauf der GPM Trainerausbildung ausreichend Möglichkeit, die Beobachtungsgabe zu schärfen und die Fähigkeit, die eigenen Beobachtungen in wertvolles Feedback zu formulieren, erheblich zu stärken. Die Feedbackkompetenz ist auch expliziter Bestandteil der IPMA® CCT Trainerzertifizierung. Als weitere didaktische Grundlagen werden beispielsweise Übungsformen zum Kennenlernen, zur Reflexion und zur Aktivierung bearbeitet. Die GPM Trainerausbildung selbst soll im Hinblick auf die didaktische Konzeption und Durchführung als Vorbild dienen und erfahrbar machen, wie sich ein guter Lehrgang aus Sicht von Teilnehmenden anfühlt. Das ist der Anspruch an die Konzeption und die operative Umsetzung der GPM Trainerausbildung durch die Trainer. Es bedingt auch, dass eingesetzte didaktische Elemente im Kursverlauf transparent gemacht und mit der Teilnehmendengruppe auf der Metaebene reflektiert werden. Dieser Wechsel von der Lernstoffverarbeitung und -anwendung auf die Reflexionsebene zur eingesetzten Didaktik bedeutet eine zusätzliche Herausforderung für die Teilnehmenden und verdeutlicht die hohen Anforderungen der GPM Trainerausbildung. Ebene 4: Übergreifende Themen Die GPM ist ein gemeinnütziger Verein und bildet mit ihren Fachgruppen und Regionalgruppen, mit der PM-ZERT als Prüfungsarm und dem System von ATPs und ATs so etwas wie ein eigenes Ökosystem. In diesem System kann man sich mit der eigenen Fachkompetenz einbringen. Einige der ATs arbeiten auch in Fach- und Regionalgruppen oder sind in Beiräten des Vereins aktiv. Dieses Ökosystem wird in der GPM Trainerausbildung von einem Vertreter der GPM vorgestellt. Ziel ist es, den zukünftigen ATs die möglichen Perspektiven bei der GPM aufzuzeigen, denn ein Verein ist nur so gut, wenn sich seine Mitglieder aktiv engagieren. In der GPM Trainerausbildung werden auch die gängigen Geschäftsmodelle der Trainer*innen in diesem System besprochen. Gespräche dazu finden schon im Basiskurs statt. Im Aufbaukurs wird das Thema für die Teilnehmenden durch die näher rückende Akkreditierung nochmal konkreter und die beiden durchführenden Trainer, beide ATs und Vertreter eines ATP, geben offen und ungeschminkt Auskunft. Die Haltung als Trainer*in ist ein Thema, auf das neben all den genannten Inhalten über die gesamte GPM Trainerausbildung hinweg immer wieder eingegangen wird. Wer andere ausbildet, muss sich selbst führen können. Wer sich als Trainer*in selbst weiterentwickeln möchte, braucht eine hohe Fähigkeit zur Selbstreflexion und ein Streben zur beruflichen Exzellenz. Der Respekt vor den vorhandenen Erfahrungen der eigenen Lehrgangsteilnehmenden ist entscheidend, denn auch ATs mit vielen Jahren an Lehrgangserfahrung können von den Teilnehmenden ihrer Lehrgänge immer noch etwas dazulernen. Dafür muss ein Trainer / eine Trainerin den Teilnehmenden auf Augenhöhe und mit Offenheit und Neugierde begegnen. Die GPM Trainerausbildung bietet in diesem Sinne Anlass und Raum für einen persönlichen Reflexions- und Reifeprozess. Warum sich der Weg zum AT lohnt-- für Menschen und Organisationen Die GPM Trainerausbildung ist anspruchsvoll und zeitintensiv, keine Frage. Die genannten Zulassungsanforderungen kommen erschwerend hinzu. Aber die GPM Trainerausbildung und die GPM Trainerakkreditierung lohnt sich-- auf mehreren Ebenen. Berichte aus dem GPM | Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in- 51 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 Für Organisationen, die ihre Mitarbeiter*innen in die GPM Trainerausbildung schicken, ist die Investition in eigene Trainer*innen ein strategischer Schritt. Sie bauen internes Wissen auf, reduzieren externe Abhängigkeiten und stärken die Umsetzungskompetenz im Projektmanagement. Für die Teilnehmenden bedeutet der Weg persönliche Weiterentwicklung, methodische Schärfung und ein vertieftes Verständnis von Lehren und Lernen. Viele berichten davon, wie sie durch die Ausbildung ihre eigene Rolle neu entdeckt und ihr Selbstbewusstsein gestärkt haben. Nicht zuletzt profitieren auch die Teilnehmenden in den späteren IPMA® Lehrgängen: Sie erleben Trainer*innen, die nicht nur Inhalte vermitteln, sondern Lernprozesse gestalten, Perspektiven öffnen und echte Entwicklung ermöglichen. Ausbildung zur IPMA®/ GPM Trainerin-- ein persönlicher Erfahrungsbericht von Sibylle Sowa „Beste Ergebnisse bringt man vor allem immer dann, wenn man eine große Leidenschaft für die Aufgaben mitbringt“. Wie wird man eigentlich ein erfolgreicher Projektmanager? Diese Frage wurde mir kürzlich von einem Werkstudenten innerhalb eines Projekts gestellt. Das hat mich an die Grundlagen meines beruflichen Weges erinnert und daran, wie bedeutend kontinuierliches und auch strukturiertes Lernen in den Projektmanagementstandards und der Austausch von Wissen sind. Ein wesentlicher Meilenstein auf meinem Weg zur professionellen Projektmanagerin war der Ausbildungslehrgang zur zertifizierten Projektmanagerin der IPMA® Level B, den ich vor einigen Jahren bei einem autorisierten Trainingspartner der GPM absolvierte. Durch die Ausbildung und anschließenden Zertifizierung erwarb ich strukturiertes Wissen zum richtigen Ablauf von Projekten. Dieses Know-how nutze ich bis heute, ganz gleich, ob ich ein bestehendes Projekt übernehme oder ein neues Projekt von Grund auf neu strukturiere und aufbaue. Meine Reise zur Wissensvermittlerin-- vom Projektmanagement zur Trainerin Der Wunsch, das erlernte Wissen rund um diese wesentlichen Grundlagen im Projektmanagement an andere weiterzugeben, entstand aus meinen eigenen Erfahrungen, da meine ersten Projektschritte noch vor der Ausbildung zur zertifizierten Projektmanagerin eher durch die Methode „Learning by Doing“ geprägt waren. Aufgrund meiner Zertifizierung zur Senior Projektmanagerin verstand ich, wie wichtig es ist, die IPMA® Standards im Projektmanagement zu etablieren und anzuwenden. Diese positiven Erfahrungen möchte ich weitergeben, um zukünftig möglichst vielen Projektmitarbeitenden die Gelegenheit zu geben, das Projektmanagementhandwerk begleitet und strukturiert zu erlernen und sich stetig weiterzuentwickeln. Das Trainer-Ausbildungssystem der GPM-- Zulassung, Basiskurs, Aufbaukurs, Zertifizierung: Nach erfolgreicher Prüfung der Zulassungsvoraussetzungen, fand zunächst der Basiskurs statt. Im Basiskurs wurde sehr ausführlich das IPMA® Ausbildungssystem erläutert. Das Ausbildungssystem in Gänze zu verstehen und erklären zu können, ist eine der großen Herausforderung für die neuen Trainer*innen. Gleichzeitig konnten wir bereits im Basiskurs-- und das zog sich vollständig durch alle Ausbildungseinheiten durch- - die ersten eigenen Trainingssessions unter den strengen Vorgaben der Prüfungsbedingungen durchführen. Es war ein intensives Arbeiten in kleinen Gruppen, in einem besonderen vertrauensvollen Miteinander und der direkten Umsetzung des Erlernten. Das ermöglichte wertschätzendes Feedback von den erfahrenen Ausbildungsverantwortlichen sowie den Trainingskollegen. Dass ich als einzige Frau dabei war, war kein Nachteil, aber etwas schade. Ich kann an dieser Stelle nur alle Trainerinnen ermutigen, die Ausbildung auch im Hinblick auf die eigene Trainerentwicklung zu absolvieren. Eine weitere Besonderheit ist für die Teilnahme am Aufbaukurs relevant: Den Standard der IPMA® im Lizenzsystem der GPM darf man als akkreditierter GPM-Trainer nur in Zusammenarbeit mit einem ATP unterrichten. Alle ATPs sind auf der Homepage der GPM zu finden. Eine wichtige Voraussetzung ist es daher, einen Kontakt oder besser noch einen Vertrag mit einem solchen zu haben, um die Zulassung für den Aufbaukurs zu bekommen. Da viele der ATPs auf akkreditierten Trainernachwuchs warten, waren die Kontakte rasch hergestellt. Während des Aufbaukurses wurden dann vertieft die Prüfungsinhalte erarbeitet und ganz praktisch geübt. Und bei der Frage: „Wie werde ich ein erfolgreicher Projektmanager? “ antworte ich sehr klar: „Setze unbedingt auf eine Ausbildung bei einem autorisierten Trainingspartner der GPM. Die dort eingesetzten zertifizierten Trainer*innen verfügen über eine fundierte Ausbildung und vermitteln Projektmanagement strukturiert, praxisorientiert und kompetent.“ Fazit Projektmanagement ist mehr als Methodenkoffer und Prozesse. Es ist ein Handwerk, das gelernt-- und gelehrt-- werden muss. Die GPM Trainerausbildung bietet hierfür den passenden Rahmen: strukturiert, fordernd, inspirierend. Und sie ist zugleich ein Spiegel dessen, was gute Projektarbeit und gute Lehre aus- Berichte aus dem GPM | Wie wird man heute GPM Projektmanagement-Trainer*in- 52 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0010 machen: Klarheit, Zielorientierung, Zusammenarbeit-- und die Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten. Wer sich auf diesen Weg macht, lernt nicht nur, wie man trainiert-- er / sie wird selbst zum besseren Projektmanager. Kostenübersicht (Stand 2025): Basiskurs: EUR 3.490 Aufbaukurs: EUR 2.490 Zusätzlich: Reise-/ Übernachtungskosten und Zertifizierungsgebühren Lassen Sie sich bei einem der autorisierten Trainingspartner beraten-- es lohnt sich. [1] Da die GPM in ihren Bezeichnungen ATP und AT die männliche Form von Trainingspartner*innen und Trainer*innen verwendet, wird im Folgenden bei den Bezügen zum ATP und AT aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf Gendern verzichtet. Alle Geschlechtsarten sind gemeint. Die weiteren Formulierungen sind nach bestem Wissen gegendert. [2] CCT steht für Consultants, Coaches and Trainer und bezieht sich auf IPMA® Zertifizierungen zum IPMA® Certified Project Management Consultant and Coach und IPMA® Certified Project Management Trainer. Bei der GPM Trainerausbildung spielt nur die Trainerzertifizierung eine Rolle. Darauf fokussieren die weiteren Bezüge in diesem Artikel. Eingangsabbildung: © iStock.com / alvarez Michael Ribeiro Michael Ribeiro ist akkreditierter GPM Projektmanagement-Trainer (AT). Mit internationaler Führungserfahrung, naturwissenschaftlichem Hintergrund und einem internationalen MBA-Abschluss arbeitet er als Berater für Organisationsentwicklung im Bereich Projektmanagement für die TEAMWILLE GmbH. Michael Ribeiro hat 2023 die GPM Trainerausbildung neu konzipiert und führt sie seitdem als Lead-Trainer durch. www. linkedin.com / in / ribeirogermany/ Sibylle Sowa Sibylle Sowa verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung vielfältiger Projekte-- zuletzt bei der Börse Stuttgart, wo sie u. a. auch standardisierte Projektmanagement-Vorgaben etablierte. Als IPMA® Level B Senior Projektmanagerin und seit Juli 2025 als IPMA® Level C Certified Trainerin bringt sie tiefgehendes Fachwissen mit. Seit September 2025 ist sie als selbstständige Trainerin im GPM-Lizenzsystem tätig und ergänzt ihre langjährige Projektmanagement-kompetenz durch die Arbeit als Business Coach (DBVC) und Mediatorin. Mehr unter www.dieprojektschule.de MEDIENTIPP Ronny Baierl Meeting-Management kompakt Leitfaden für erfolgversprechende und wirksame Besprechungen 1. Auflage 2026, 120 Seiten ISBN print 978-3-381-13161-7 ISBN eBook 978-3-381-13162-4 DOI 10.24053/ 9783381131624 Ladenpreis print €[D] 24,90 Ladenpreis eBook €[D] 19,99 Die Effizienz von Meetings erhöhen mithilfe konkreter positiver wie negativer Anwendungsbeispiele aus dem unternehmerischen Alltag Besprechungen gehören unweigerlich zum Berufsleben. Doch wie kann man sie wirksam gestalten. Prof. Dr. Ronny Baierl verrät in diesem Ratgeber, was vor, während und nach einem Meeting zu beachten ist. 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