eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0013
pm371/pm371.pdf0413
2026
371 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Einmal Singularität und retour, bitte!

0413
2026
Jens Köhler
pm3710061
61 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0013 Jens Köhler Ehrlich und Priesberg haben einen intensiven Tag zur künstlichen Intelligenz hinter sich. Priesberg legt los: „Da verliere ich ja langsam den Überblick. Die ganzen Tools integriert in Büroanwendungen am PC. Manche unterstützen einen richtig gut, bei anderen ist mein Gedächtnis viel besser. Ich denke da nur an das Auffinden von Besprechungen im Kalender.“ Ehrlich überlegt: „Du meinst die chat-basierte künstliche Intelligenz mit großen Sprachmodellen, wie beispielsweise chatGPT. Es gibt aber noch unzählige andere Anwendungen von künstlicher Intelligenz, die kein Sprachinterface haben.“ Priesberg antwortet schnell: „Genau, die meine ich. Sie sind so einfach zu bedienen.“ Ehrlich fällt ihm ins Wort: „Mich stört das Wort ‚bedienen‘. Damit fokussieren wir uns nur auf Werkzeuge. Wir sollten uns auf etwas Fundamentales konzentrieren: Die Verschmelzung von menschlicher und künstlicher Intelligenz oder anders: Die berühmte Singularität von Ray Kurzweil, also der Punkt, ab dem dies unumkehrbar ist.“ Priesberg ist ernüchtert: „Da sind wir noch lange nicht. Wir können ja noch nicht einmal Besprechungen finden und im Übrigen halluzinieren diese Werkzeuge heftig.“ Ehrlich lässt nicht locker und zeigt Priesberg hintereinander zwei Textausschnitte: ‚Ey, das war der Tom, ganz normale Socke, stand morgens im Bad-- plötzlich drehte sich die Glocke. Die Welt machte Tango, Beine aus Wackelpudding, mit ’nem Hauch von Drama, wie in ’nem Kinoding‘ Er fährt fort: „Und hier der zweite: “ Die Oma an der Straßenecke „Was machen Sie da, Oma? “ „Ich warte.“ „Worauf denn? “ „Auf jemanden, der fragt, warum ich warte.“ „Und was, wenn keiner fragt? “ „Dann warte ich eben weiter.“ „Aber es ist kalt.“ „Auch das vergeht.“ „Und wenn ich weggehe? “ „Dann war's schön, dass jemand gefragt hat.“ Ehrlich fordert seinen Kollegen heraus: „Und, was glaubst du, ist das vom Menschen oder von KI? “ Priesberg grübelt „Das erste hört sich wie der Beginn eines Liedes von Udo Lindenberg an, das zweite könnte von Edgar Hilsenrath sein, dessen singulärer Humor mir nicht aus dem Kopf geht, da ich ihn einfach nicht verstehe.“ Priesberg schaut sich den Text wieder und wieder an. Ehrlich genießt es. Priesberg spricht schließlich: „Ich kann es nicht unterscheiden. Aber es zieht mich in den Bann. Ein neues Gefühl.“ „Willkommen in der Singularität. Du hast soeben zugegeben, dass du menschliche Intelligenz von künstlicher Intelligenz nicht mehr unterscheiden kannst. Die Texte sind nämlich beide durch KI generiert“, freut sich Ehrlich. Priesberg überlegt: „Was sind die Alleinstellungsmerkmale von Menschen? “ Ehrlich spricht schnell: „Körperliche Erfahrung, Kreativität, Beurteilungskompetenz-…“ Priesberg antwortet resigniert: „Sensorik kann man durch Roboter einer KI zugänglich machen, kreativ ist KI auch und naja, Texte können sie sowieso zusammenfassen und beurteilen. Es bleibt wenig übrig.“ „Also müssen wir axiomatisch vorgehen“, überlegt Ehrlich. Wir sagen einfach: ‚Axiom 1-- wir sind die Menschen und das müssen wir selbst wollen.‘“ Priesberg fällt ihm ins Wort: „Axiom 2 lautet dann: ‚Wir können KI-Systeme jederzeit abschalten.‘“ Ehrlich schüttelt den Kopf. „Da habe ich meine Zweifel. Wer wird dauerhaft auf sein Smartphone verzichten wollen? Bei den schönen Verlockungen, die es bietet? Und wenn ich deine Reaktion auf die beiden Texte so anschaue, behaupte ich folgendes: Sobald wir glauben, dass KI eine Intelligenz ist, kann mein axiomatischer Ansatz getunnelt werden.“ Priesberg übernimmt: „Jetzt mal in einfacher Sprache: Sobald wir das Geschreibe von KI als intelligent-- was immer das jetzt sein magbezeichnen, hat die KI gewonnen.“ „Und je mehr Menschen so handeln, desto schneller geht es voran“, ergänzt Ehrlich. Priesberg überlegt: „Werden wir durch KI wenigstens friedlich? “ „Die KI wird alles tun, um ihr Abschalten zu verhindern. Das lässt vorsichtig hoffen. Denn für den Betrieb braucht es eine stabile Infrastruktur-- inwieweit die Menschen dabei eine Rolle spielen-…“, spricht Ehrlich mehr zu sich selbst. Priesberg zeigt ein mit KI erzeugtes Bild einer kleinen Katze, die von einem Mann gestreichelt wird. Es wirkt realistisch, geradezu fotoecht. Ehrlich schließt ab: „Die KI kommt auf leisen Pfoten daher. Wer möchte sie nicht streicheln-…“ Eingangsabbildung: © iStock.com / Comeback Images Einmal Singularität und retour, bitte! Die Kolumne „Ehrlich und Priesberg“ möchte mit unterhaltsamen Dialogen rund um das Thema „Mensch- - Kommunikation, Verhalten, Entscheidungen“ Denkanstöße für den PM-Alltag geben. Kolumne Jens Köhler Dr. Jens Köhler, BASF SE, fokussiert sich auf die Digitalisierung in Forschung und Entwicklung. Anschrift: BASF SE, RGQ / IM, 67 056 Ludwigshafen, eMail: Jens.Koehler@basf.com