eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0018
pm372/pm372.pdf0727
2026
372 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Roland-Verleihung: Wie Projektmanagement den öffentlichen Sektor modernisiert

0727
2026
Sebastian Wieschowski
Die öffentliche Verwaltung steht unter hohem Veränderungsdruck – zwischen Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigenden Erwartungen an Effizienz und Bürgernähe. Die Verleihung des „Roland – Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“ zeigt anhand konkreter Projekte, wie professionelles Projektmanagement dazu beiträgt, diese Herausforderungen strukturiert zu bewältigen und Verwaltung aktiv zu modernisieren.
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4 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0018 Roland-Verleihung: Wie Projektmanagement den öffentlichen Sektor modernisiert Sebastian Wieschowski Die öffentliche Verwaltung steht unter hohem Veränderungsdruck - zwischen Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigenden Erwartungen an Effizienz und Bürgernähe. Die Verleihung des „Roland - Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“ zeigt anhand konkreter Projekte, wie professionelles Projektmanagement dazu beiträgt, diese Herausforderungen strukturiert zu bewältigen und Verwaltung aktiv zu modernisieren. Wer an die öffentliche Verwaltung denkt, hat oft ein klares Bild vor Augen: lange Flure, komplexe Zuständigkeiten, Formulare in mehrfacher Ausfertigung und Prozesse, die eher verwalten als gestalten. Die Verwaltung gilt vielen als langsam, hierarchisch und risikoavers- - als ein System, das auf Stabilität ausgerichtet ist und Veränderungen eher zögerlich begegnet. Innovation, so das verbreitete Klischee, entsteht andernorts: in Start-ups, in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft. Die Einreichungen beim „Roland-- Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“, der am 9. Juni 2026 im Rahmen des 12. Zukunftskongresses Staat & Verwaltung in Berlin vergeben wurde, zeichnen ein völlig anderes Bild. Sie zeigen eine Verwaltung, die experimentiert, vernetzt arbeitet und neue Wege geht-- oft unter schwierigen Rahmenbedingungen. Projekte aus Kommunen, Ländern und dem Bund belegen, wie datenbasierte Steuerung, agile Methoden oder partizipative Ansätze konkret umgesetzt werden. Ob digitale Sozialleistungen, KI-gestützte Mobilitätsplanung oder neue Formen der Bürgerbeteiligung- - die Bandbreite der eingereichten Vorhaben macht deutlich, dass Innovation längst im öffentlichen Sektor angekommen ist. Im Jahr 2026 wurden zwei Projekte ausgezeichnet: Das Projekt „QuattroPole Hackathon“ steht exemplarisch für eine neue Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der öffentlichen Verwaltung. In einem gemeinsamen Format arbeiteten Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus mehreren Städten der Großregion parallel an konkreten Herausforderungen- - vernetzt durch digitale Infrastruktur und verbunden durch eine gemeinsame Zielsetzung. Innerhalb kurzer Zeit entstanden interdisziplinäre Lösungsansätze mit internationaler Perspektive, die über klassische Verwaltungsgrenzen hinausreichen. Der Hackathon zeigt, wie Projektmanagement als verbindendes Element wirken kann, um unterschiedliche Systeme, Kulturen und Arbeitsweisen produktiv zusammenzuführen und Innovation im öffentlichen Raum gezielt zu fördern. Mit der „Digitalisierung Leipzig-Pass“ wurde ein tiefgreifender Systemwechsel in der kommunalen Leistungsverwaltung umgesetzt. Statt eines klassischen Antragsverfahrens erfolgt die Ausstellung des Passes heute automatisiert und ereignisbasiert, sobald die Anspruchsvoraussetzungen vorliegen. Damit wird nicht nur der Verwaltungsaufwand erheblich reduziert, sondern auch die soziale Teilhabe verbessert, da berechtigte Bürgerinnen und Bürger Leistungen ohne zusätzliche Hürden erhalten. Gleichzeitig wurden interne Prozesse standardisiert und digital vernetzt. Das Projekt steht beispielhaft für eine proaktive Verwaltung, die Leistungen nicht mehr nur bereitstellt, sondern aktiv zugänglich macht-- effizient, nutzerorientiert und nachhaltig. Der „Roland“ wird alle zwei Jahre von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. vergeben und würdigt herausragende Projekte aus der öffentlichen Verwaltung in den Kategorien lokal, regional und national. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Maßnahmen, sondern die Qualität des Projektmanagements als entscheidender Erfolgsfaktor. Bewertet werden unter anderem Innovationsgrad, gesellschaftliche Relevanz, nachhaltiger Nutzen sowie die sichtbare Anwendung von Projektmanagement-Kompetenzen. Grundlage ist eine strukturierte Bewertungsmatrix, die auch internationale Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und etablierte Projektmanagement-Standards berücksichtigt. Ziel des Preises ist es, erfolgreiche Beispiele sichtbar zu machen-- und zu zeigen, welchen Beitrag professionell gesteuerte Projekte zur Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Sektors leisten können. Er wurde ins Leben gerufen, um Best-Practice-Beispiele aus Bund, Ländern und Kommunen zu würdigen und zu zeigen, wie professionelles Projektmanagement Verwaltung leistungsfähiger, transparenter und bürgernäher macht. Bemerkenswert ist dabei die zunehmende Vernetzung zwischen Kommunen, Landesverwaltungen und Institutionen. Viele Projekte entstehen im Verbund, teilen Erfahrungen und entwickeln gemeinsam Standards. Damit verändert sich auch das Selbstverständnis des öffentlichen Sektors-- weg von isolierten Zuständigkeiten, hin zu einer kooperativen Verwaltung, die Wissen teilt und voneinander lernt. Die eingereichten Projekte verdeutlichen, dass erfolgreiche Modernisierung kein Zufall ist, sondern das Ergebnis klarer Strukturen, methodischer Kompetenz und einer lernenden Verwaltungskultur. Laut GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy zeigen die diesjährigen Einreichungen, dass Projektmanagement in der Verwaltung kein Nischenthema mehr ist, sondern eine Schlüsselkompetenz für den Umgang mit Transformation, Fachkräftemangel und Digitalisierung. Insgesamt wurden 24 Projekte aus ganz Deutschland eingereicht, die eines gemeinsam haben: Sie machen Wandel in der Verwaltung sichtbar- - und zeigen, wie sich Behörden mit professionellen Methoden für die Zukunft aufstellen. Reportage | Roland-Verleihung: Wie Projektmanagement den öffentlichen Sektor modernisiert 5 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0018 Dabei reicht die Spannbreite der Themen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit bis hin zu Organisationsentwicklung, Bürgerbeteiligung und Fachkräftesicherung. Verwaltung wird hier nicht mehr als Bewahrer des Status quo verstanden, sondern als aktiver Gestalter gesellschaftlicher Veränderung. Digitalisierung als Daueraufgabe Viele eingereichte Projekte verdeutlichen, dass Digitalisierung längst nicht mehr als Einzelprojekt, sondern als strukturelle Daueraufgabe verstanden wird. Von digitalen Lernplattformen für Einsatzkräfte über smarte Stadtentwicklung bis hin zu datenbasiertem Mobilitätsmanagement- - Verwaltungen vernetzen zunehmend klassische Verwaltungsprozesse mit neuen digitalen Werkzeugen. Auffällig ist dabei, dass der Wandel nicht mehr allein in IT- Abteilungen stattfindet. Digitalisierung wird zur gemeinsamen Aufgabe von Verwaltung, Politik, Bildung und Bürgerschaft. In vielen Projekten wurde der Einsatz agiler Methoden wie Scrum oder Kanban als entscheidender Erfolgsfaktor genannt: Sie ermöglichen ein iteratives Vorgehen, kürzere Entscheidungswege und mehr Flexibilität im Umgang mit komplexen Aufgaben. Nachhaltigkeit als Leitmotiv Neben der Digitalisierung prägt das Thema Nachhaltigkeit viele der eingereichten Projekte. Verwaltung versteht sich zunehmend als Treiberin einer ökologischen Transformation-- sei es durch innovative Konzepte für städtisches Grün, nachhaltige Mobilität oder ressourcenschonende Beschaffung. Auffällig ist, dass Nachhaltigkeit dabei nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gedacht wird. Projekte zur Förderung von Gleichstellung, Diversität oder regionaler Ernährungspolitik zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Verwaltung immer stärker mit gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft wird. Diese breite Definition von Nachhaltigkeit verlangt nach interdisziplinären Teams, die über Ressortgrenzen hinweg arbeiten-- ein Ansatz, der in nahezu allen erfolgreichen Projekten zu beobachten ist. Der Fachkräftemangel als Innovationstreiber Ein weiteres zentrales Thema in den Einreichungen ist der Fachkräftemangel. Viele Verwaltungen reagieren darauf mit innovativen Konzepten zur Personalentwicklung, Qualifizierung und Organisationskultur. Dabei wird deutlich: Projektmanagement ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Haltung. Verwaltungen nutzen Projektarbeit zunehmend, um Kompetenzen aufzubauen und Eigenverantwortung zu fördern. Mitarbeitende werden in Veränderungsprozesse aktiv eingebunden- - von der strategischen Planung bis zur praktischen Umsetzung. Diese partizipative Herangehensweise steigert nicht nur die Motivation, sondern führt auch zu tragfähigeren Ergebnissen, weil Wissen und Erfahrung aus unterschiedlichen Verwaltungsebenen in die Projekte einfließen. Erfolgsfaktoren: Agilität, Interdisziplinarität, Kompetenzaufbau Aus der Gesamtschau der Bewerbungen lassen sich drei Erfolgsfaktoren ableiten, die über alle Verwaltungsebenen hinweg gelten: 1. Flexibilität: Ergebnisorientiertes und angepasstes Handeln ersetzt starre Hierarchien und fördert Innovationsfähigkeit. 2. Interdisziplinarität: Projekte, die verschiedene Fachrichtungen und Organisationseinheiten zusammenführen, erzielen nachhaltigere Wirkungen. 3. Kompetenzaufbau: Projektmanagement-Kompetenzen werden zur zentralen Voraussetzung für erfolgreiche Verwaltungsmodernisierung. Diese Faktoren zeigen, dass Verwaltung heute in Projekten denkt-- und dass Projektmanagement längst ein integraler Bestandteil moderner Verwaltungsführung geworden ist. Der Wandel in der Verwaltung ist nicht allein technisch oder organisatorisch-- er ist kulturell. Viele der eingereichten Projekte zeigen, dass eine neue Führungskultur entsteht, die auf Vertrauen, Transparenz und Kooperation basiert. Projektarbeit fördert eigenverantwortliches Handeln und lässt Mitarbeitende über Hierarchie- und Amtsgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Verwaltung wird so zunehmend zur lernenden Organisation- - eine Voraussetzung, um in komplexen Transformationsprozessen handlungsfähig zu bleiben. Ein wiederkehrendes Thema in vielen Bewerbungen ist die Frage der Verstetigung: Wie lässt sich ein erfolgreiches Projekt in den dauerhaften Verwaltungsalltag integrieren? Hier zeigt sich, dass Projektmanagement längst mehr ist als ein Werkzeug für Einzelvorhaben- - es wird zur strategischen Steuerungsebene. Portfoliomanagement, klare Governance- Strukturen und ein professionelles Berichtswesen gewinnen an Bedeutung, um gute Ideen in nachhaltige Veränderungen zu überführen. Der „Roland-- Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement“ macht diese Entwicklung sichtbar. Die Resonanz aus der Jury zeigt, dass der Roland weit mehr ist als ein Preis: Er ist ein Seismograph für Modernisierung und ein Spiegelbild der Vielfalt an Innovationsansätzen in der Verwaltung. Projektmanagement erweist sich dabei als verbindendes Element zwischen Strategie und Umsetzung-- als Methode, mit der Verwaltungen den Wandel planvoll gestalten, Komplexität beherrschbar machen und ihre Zukunftsfähigkeit sichern.