Transforming cities
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expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2016-0080
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Regenwasser versickern statt ableiten
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Im Rahmen des grundhaften Ausbaus dreier Straßenzüge in der nordwestlich von Dresden gelegenen Großen Kreisstadt Coswig galt es eine Lösung für die Entwässerung zu finden.
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14 4 · 2016 TR ANSFORMING CITIES PRAXIS + PROJEKTE Infrastruktur Zur Entwässerung der Straßen wollte die WAB Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH im Rahmen des Bauvorhabens zunächst einen neuen Regenwasserkanal anlegen und den nahegelegenen Lockwitzbach als Vorfluter nutzen. Nach sorgfältiger Abwägung aller Vor- und Nachteile sowie Beauftragung eines Bodengutachtens riet die mit der Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung und Betreuung der Baumaßnahme beauftragte Dresdener ACI-Aquaproject Consult Ingenieurgesellschaft mbH jedoch dazu, das auf den Verkehrsflächen anfallende Regenwasser vor Ort zu versickern. Das mit der Umsetzung der Arbeiten betraute Unternehmen Eurovia Verkehrsbau Union GmbH, Niederlassung Dresden, baute in der Niederauer-, der Nord- und der Siedlerstraße die von der Funke Kunststoffe GmbH entwickelte D-Rainclean ® -Sickermulde mit Gussabdeckung der Klasse D 400 ein. Die Sickermulde nimmt mit Schadstoffen belastetes Niederschlagswasser von Straßen, Parkplätzen, Hof- und Dachflächen auf und gibt es nach der Passage einer Substratschicht in unbedenklichem Zustand an das Grundwasser ab. Für die Erstellung der Schmutzwasser-Sammler in den drei Straßen setzten die Verkehrswegebau-Spezialisten von Eurovia ebenfalls auf ein Produkt aus Hamm, eingebaut wurden die in der Ausschreibung geforderten Rohre des HS ® - Kanalrohrsystems. Plan B: versickern statt einleiten Für die Schmutzwasser-Sammler wurden HS ® -Kanalrohre verwendet: in der Siedlerstraße auf 53 m Länge Rohre der Nennweite DN/ OD 200, in der Niederauerstraße und der Nordstraße auf 135 bzw. 165 m Länge Rohre DN/ OD 250. Die Leitungen für die Trinkwasserversorgung wurden ebenfalls erneuert, ebenso der Straßenbelag, der Gehweg und die Beleuchtung. Zudem wurden im Rahmen der Verlegung des Schmutzwassersammlers sämtliche Grundstücke an den öffentlichen Bereich angeschlossen. Zu diesem Zweck wurden bei der Regenwasser versickern statt ableiten D-Rainclean ® -System für drei Straßenzüge in Coswig Im Rahmen des grundhaften Ausbaus dreier Straßenzüge in der nordwestlich von Dresden gelegenen Großen Kreisstadt Coswig galt es eine Lösung für die Entwässerung zu finden. Verlegung der Sammler entsprechende Hausanschlussleitungen aus braunen HS ® -Kanalrohren DN/ OD 160 bis 1 m auf die Grundstücke verlegt, außerdem wurde ein Übergabeschacht gesetzt. Mit Blick auf die Entwässerung warf der grundhafte Ausbau der drei Straßen im Norden von Coswig allerdings eine Reihe von Fragen auf. Auf den Grundstücken anfallendes Regenwasser sollte vor Ort versickert werden - was mit dem auf Verkehrsflächen anfallenden Regenwasser geschehen sollte, musste jedoch noch geklärt werden. Zunächst zog die WAB Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH den Bau eines neuen Regenwassersammlers in Betracht. Dieser hätte an einen vorhandenen Regenwasserkanal angebunden werden müssen, der wiederum in den als Vorfluter genutzten nahegelegenen Lockwitzbach einleitet. Planer Dipl.-Ing. Hagen Müller von der ACI-Aquaproject Consult Ingenieurgesellschaft zählt Gründe auf, aus denen man die ursprünglichen Überlegungen wieder verworfen habe: „Der vorhandene Regenwasserkanal war hydraulisch schon sehr ausgelastet; zusätzlich zum angedachten Regenwasserkanal hätten noch weitere Rückhaltemaßnahmen vorgenommen werden müssen.“ Auch der Lockwitzbach sei mit Blick auf die Aufnahmekapazität bereits an seine Grenze gelangt, hinsichtlich der Genehmigung sei das ursprünglich ins Auge gefasste Vorhaben daher schwierig gewesen. Andere Randbedingungen waren günstiger: Der zum großen Teil aus Heidesand bestehende Boden vor Ort schien sich zur Versickerung anzubieten - eine Annahme, die das vom Ingenieurbüro ACI in Auftrag gegebene Baugrundgutachten bestätigte. Angesichts des ermit- Bild 1: Die Sickermulde nimmt mit Schadstoffen belastetes Niederschlagswasser von Straßen, Parkplätzen, Hof- und Dachflächen auf und gibt es nach der Passage einer Substratschicht in unbedenklichem Zustand an das Grundwasser ab. © Funke Kunststoffe GmbH 15 4 · 2016 TR ANSFORMING CITIES PRAXIS + PROJEKTE Infrastruktur telten Durchlässigkeitsbeiwertes von 3x10-4 brachte Funke-Fachberater Uwe Schmidt als denkbare Lösung die D-Rainclean ® - Sickermulde ins Spiel. „Das mit einem speziellen Substrat gefüllte System, das sowohl in einer offenen als auch einer geschlossenen Variante mit befahrbarer Gussabdeckung Klasse B 125 oder Klasse D 400 lieferbar ist, dient zur Behandlung und Versickerung von belastetem Oberflächenwasser“, so Schmidt. „Schwermetalle werden durch Adsorption, Kationentausch und Filterung gebunden, Ölrückstände werden biologisch abgebaut.“ Beratung bereits in der Planungsphase Im Markt ist die von Funke entwickelte Sickermulde bereits seit mehr als zehn Jahren im Einsatz - eine lange Zeit, in der das vom DIBt zugelassene Produkt seine Leistungsfähigkeit im Rahmen zahlreicher Baumaßnahmen bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Die Baubeteiligten im sächsischen Coswig allerdings hatten mit dem D-Rainclean ® - System noch keine Erfahrungen gesammelt. Umso wichtiger sei die Beratung durch den Hersteller gewesen, die bereits in der Planungsphase begonnen habe, betont Planer Müller. Zunächst rechnete die technische Kundenberatung von Funke das vom Planer entwickelte Konzept und leiteten eine Empfehlung ab - Ergebnis: Für die Entwässerung von 12 m 2 Fläche würde jeweils 1 m Mulde benötigt. In der Siedlerstraße wurden die Muldenelemente auf Wunsch des Auftraggebers direkt am Bordstein verlegt, in der Niederauer- und der Nordstraße hingegen in der Straßenmitte verlegt. „In den Randbereichen lagen bereits Leitungen für verschiedenste Medien“, erläutert Müller, „und die Verlegung der vorhandenen Trassen wäre sehr aufwändig gewesen.“ Umfangreiche Beratung sowohl in der Planungsals auch in der Ausführungsphase spielt eine wichtige Rolle - ein Grundsatz, der sich auch beim Bauvorhaben in Coswig auszahlte. Der enge Kontakt, den Planer Müller, Eurovia und Funke hielten, sorgte dafür, dass offene Fragen zu Produkt und Einbau schnell beantwortet wurden und sich der Bauablauf zügig gestaltete, obwohl der Einsatz des Systems für die Beteiligten vor Ort eine Premiere darstellte. Pflegeleicht und lange haltbar Zunächst stand die Vorbereitung des Planums an. Im Anschluss wurde eine 25 cm tiefe Rigole ausgehoben und mit Sand und Kies verfüllt, als Ausgleich diente eine 3 bis 5 cm dicke Schicht aus Splitt. Auf diese Ausgleichsschicht setzte man die Sickermulden, anschließend bekamen die Elemente eine Betonrückenstütze. Hier wurde umlaufend mit verlorener Schalung gearbeitet: Den Beton baute man zweilagig ein, die Stärke zwischen Splittschicht und Unterkante der Abdeckung liegt bei etwa 20 cm. Im nächsten Schritt wurde die Gussabdeckung aufgebracht, dann umlaufend ein 3 cm tiefes Mörtelbett für die Läufersteine eingebracht. Zum Abschluss der Arbeiten wurden die Mulden mit Substrat befüllt, die Gussabdeckungen verschraubt und Schwarzdecken aufgebracht. „Die Instandhaltung des Drainagesystems gestaltet sich übrigens sehr problemlos“, so Schmidt, „wir empfehlen, offene Mulden zwei bis drei Mal im Jahr von Laub und Unkraut zu reinigen. Bei der geschlossenen Variante, wie sie in Coswig eingesetzt wurde, reicht sogar eine einmalige jährliche Reinigung.“ Noch ungleich längere Zeiträume gelten mit Blick auf das Substrat: Untersuchungen eines unabhängigen Labors prognostizieren für das Substrat eine Standzeit von bis zu 20 Jahren. Sechs Wochen nach Abschluss der Arbeiten zieht auch Planer Müller ein positives Fazit. Mit dem Ablauf wie mit dem Ergebnis der Baumaßnahme seien alle Baubeteiligten zufrieden. Das System D-Rainclean ® sei aus seiner Sicht „unbedingt zu empfehlen. Wenn die Randbedingungen stimmen, bietet die Sickermulde von Funke eine gute technische Lösung, fasst Müller seine Erfahrungen zusammen. Bild 2: In der Siedlerstraße wurde die Sickermulde auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers entlang des Bordsteins verlegt. © Funke Kunststoffe GmbH Funke Kunststoffe GmbH Siegenbeckstr. 15 Industriegebiet Uentrop Ost 59071 Hamm-Uentrop info@funkegruppe.de www.funkegruppe.de
