Transforming cities
tc
2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2019-0089
124
2019
44
Kopplung technischer Infrastruktursysteme am Beispiel Wasser
124
2019
Thomas Hillenbrand
Claudia Hohmann
Susanne Bieker
Jutta Niederste-Hollenberg
Felix Tettenborn
Anna Grimm
Wenn sich verändernde Rahmenbedingungen (insbesondere Klimawandel und demographischer Wandel), neue Anforderungen (Klimaschutz, Ressourceneffizienz etc.) und innovative technische Möglichkeiten auf komplexe sozio-technische Systeme, wie netzgebundene technische Infrastrukturen mit ihren hohen Pfadabhängigkeiten und daraus resultierenden geringen Flexibilitäten und hohen sogenannten sunk costs (irreversiblen, nicht mehr rückgängig zu machende Kosten), treffen, entstehen besondere Herausforderungen. Grundsätzliche strategische Lösungsansätze werden ausgehend von Leitbildern und konkreten Konzeptbeispielen im Folgenden beschrieben.
tc440075
75 4 · 2019 TR ANSFORMING CITIES THEMA Urbane Netze Die zur Bewältigung der genannten Herausforderungen notwendigen Transformationsprozesse für die bestehenden technischen Infrastruktursysteme sind nur dann umsetzbar, wenn auch ihre institutionelle Einbettung und die relevanten politischen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Kontextfaktoren sowie die daraus resultierenden Pfadabhängigkeiten berücksichtigt werden (siehe [1]). Dabei hängen diese Systeme in ihrer Dynamik von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren ab - insbesondere von Ansätzen, die zu einer (neuartigen oder womöglich auch verstärkten) Kopplung verschiedener Infrastrukturbereiche und der zugehörigen Netze führen. Aus der Kopplung von Infrastrukturbereichen können Potenziale für eine erhöhte Energie- und Ressourceneffizienz und eine verbesserte Klimaanpassung resultieren. Gleichzeitig bedeutet die damit einhergehende Zunahme der Komplexität oftmals einen zusätzlichen Abstimmungs- und Koordinierungsbedarf bei Planung, Bau und Betrieb. Im Folgenden werden anhand von Leitbildern für verschiedene Infrastrukturbereiche künftige Entwicklungen und die damit verbundenen Kopplungsmöglichkeiten und -synergien skizziert. Kopplungspotenziale der Wasserinfrastruktur Während für andere Infrastrukturbereiche - insbesondere Energie und Mobilität - die Gestaltungsmöglichkeiten einschließlich der damit verbundenen Potenziale und Hemmnisse einer Sektorkopplung bereits seit längerem im Fokus stehen, wird der Wasserbereich bislang nur in geringem Umfang in entsprechende Analysen und Untersuchungen einbezogen. Dabei umfasst die Wasserinfrastruktur nicht nur die Versorgung mit Trink- und möglicherweise Brauchwasser sowie die sichere Ableitung und Behandlung von Abwasser, sondern auch den Umgang mit bzw. die integrierte Bewirtschaftung von Regenwasser 1 , eine sichere Löschwasserversorgung und einen umfassenden Gewässer-, Hochwasser- und Überflutungsschutz. Kopplungspotenziale der Wasserinfrastruktur mit anderen Sektoren ergeben sich im städtischen Kontext insbesondere mit dem Gebäudebereich (zum Beispiel: wassereffiziente Gebäude; Gebäudekühlung und -klimatisierung basierend auf aufbereitetem Regenwasser-/ Abwasserteilströmen), dem Energiesektor (zum Beispiel: Energiegewinnung aus 1 Vgl. Definition des Begriffs Abwasser nach § 54 Abs. 1 Wasserhaushaltsgesetz. Wasser, Infrastrukturen, Effizienz, integrierte Systeme, Sektorkopplung, Akteurskonstellationen, Geschäftsmodelle Thomas Hillenbrand, Claudia Hohmann, Susanne Bieker, Jutta Niederste-Hollenberg, Felix Tettenborn, Anna Grimm Wenn sich verändernde Rahmenbedingungen (insbesondere Klimawandel und demographischer Wandel), neue Anforderungen (Klimaschutz, Ressourceneffizienz etc.) und innovative technische Möglichkeiten auf komplexe sozio-technische Systeme, wie netzgebundene technische Infrastrukturen mit ihren hohen Pfadabhängigkeiten und daraus resultierenden geringen Flexibilitäten und hohen sogenannten sunk costs (irreversiblen, nicht mehr rückgängig zu machende Kosten), treffen, entstehen besondere Herausforderungen. Grundsätzliche strategische Lösungsansätze werden ausgehend von Leitbildern und konkreten Konzeptbeispielen im Folgenden beschrieben. © Olya Adamovich auf Pixabay Kopplung technischer Infrastruktursysteme am Beispiel Wasser Potenziale, Hemmnisse und deren Überwindung THEMA Urbane Netze 76 4 · 2019 TR ANSFORMING CITIES THEMA Urbane Netze Abwasser; Rückgewinnung der thermischen Energie aus Abwasser(-teil)strömen, Wärmetransport in Abwasserkanälen), dem ICT-Sektor (Fernüberwachung bzw. -betrieb dezentraler Anlagen, Kopplung mit Wettervorhersagen, etc.) oder mit der Flächenbewirtschaftung im Zusammenhang mit neuen Mobilitätskonzepten (vgl. entsprechende Analysen im Rahmen des Fraunhofer Innovationsnetzwerkes „Morgenstadt“, [2]). Leitbilder einzelner Infrastrukturbereiche und ihre Kopplungspotenziale Der Blick auf zukünftige Entwicklungsrichtungen und Leitbilder ermöglicht es, insbesondere (neue) sektorübergreifende Auswirkungen zu berücksichtigen und damit Investitions- und Sanierungsentscheidungen zukunftsfester zu machen. Die Weiterentwicklung der Wasserinfrastrukturen im Sinne einer wassersensiblen Stadtentwicklung und einer möglichst naturnahen Wasserbewirtschaftung basiert auf mehreren Säulen: Zum einen wird Abbzw. Niederschlagswasser als Ressource betrachtet, beispielsweise für Bewässerungszwecke urbanen Grüns als auch für die zunehmende Nachfrage nach Urban Gardening und Urban Agriculture. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Städten besonders zu spüren, wodurch Grün- und Wasserflächen zur Kühlung wie zur Freizeitnutzung an Bedeutung gewinnen. Der steigende Wasserbedarf, insbesondere in längeren Trockenperioden, fördert das Bewusstsein, dass Abwasser eine ganzjährig verfügbare Wasserressource ist; kleinräumige „fit for purpose“-Aufbereitungen und Nutzungen gewinnen an Bedeutung, beispielsweise in der (urbanen) Landwirtschaft oder für andere weniger sensible Nutzungen. Die reduzierten Abwassermengen schaffen im Kanalsystem Raum für den Transport von (stärker verschmutztem) Niederschlagswasser. In Kombination mit einem dezentralen Regenwassermanagement einschließlich multifunktionaler Flächennutzungen kann die Überflutungsgefahr bei Starkregenereignissen reduziert werden. [3] Eine integrative Planung berücksichtigt neben Wasserwirtschaft und Stadtgestaltung auch andere Sektoren wie den Energie- und Mobilitätssektor und ermöglicht unterschiedliche Synergieeffekte. Die Entwicklung urbanen Verkehrs in Richtung nachhaltiger Mobilitätslösungen ist von verschiedenen Trends getrieben. Maßgeblichen Einfluss hat der Wechsel von klassischen Verbrennungsmotoren hin zu alternativen Antrieben. Gekoppelt mit intelligenten Verkehrssystemen, die den Verkehrsfluss verbessern, und dem Aufbau der entsprechenden Ladeinfrastruktur kann innerhalb des bestehenden Systems des motorisierten Individualverkehrs (MIV) eine lokal CO 2 -emissionsfreie Mobilität erreicht werden. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Substitution des MIV durch einen ausgebauten ÖPNV, ergänzt um On-demand-Lösungen wie beispielsweise autonome Shuttles oder die Nutzung von Sharing-Angeboten. Die bestehende Straßeninfrastruktur wird dabei den verschiedenen Verkehrsträgern zugeteilt. Durch die zunehmende geteilte Nutzung von Fahrzeugen (Sharing) nimmt der private PKW-Besitz und damit der Bedarf an Abstellflächen ab, was neue Nutzungen freiwerdender Flächen beispielsweise für ein integriertes Regenwassermanagement ermöglicht. Gleichzeitig können Ladepunkte für alternative Antriebe stärker gebündelt und damit ressourceneffizienter angeboten werden. Begleitet wird das Leitbild der geteilten, autonomen Mobilität von einem Ausbau der IT-Infrastruktur, um die Vernetzung von Fahrzeugen und Dienstleistungen zu gewährleisten. Um Emissionsreduktionen zu erreichen und wachsenden Stadtbevölkerungszahlen zu begegnen, können Verkehrsströme nicht nur optimiert, sondern auch vermieden werden. Durch ein Umdenken beim Stadtbild und durch Neuorganisation der für die Bevölkerung relevanten Einrichtungen innerhalb kurzer Distanzen („Stadt der kurzen Wege“), können der Fuß- und Radverkehr ausgebaut, PKW und zugehörige Infrastrukturen wie Straßen und Parkmöglichkeiten reduziert, Energie eingespart und Flächen neu genutzt werden. Bild 1: Schematische Darstellung zur Umsetzung einer Energieallee im Rahmen des i.WET-Konzepts. © Fraunhofer ISI 77 4 · 2019 TR ANSFORMING CITIES THEMA Urbane Netze In einem treibhausgasneutralen Energiesystem für Deutschland gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Energieformen, die noch eingesetzt werden: Strom aus erneuerbaren Energien, Wasserstoff oder synthetische Kohlenwasserstoffe aus erneuerbar hergestelltem Strom, biogene Energieträger sowie lokale erneuerbare Wärme aus Solar- und Geothermie. Allen Dekarbonisierungsstrategien gemein ist die stark zunehmende Bedeutung von Strom mit Konsequenzen für die Netzinfrastruktur. Elektrizität ersetzt fossile Energieträger in vielen Bereichen, zum Beispiel durch Elektromobilität im Transportsektor, durch Wärmepumpen für die Gebäudewärme oder durch dezentrale PV-Anlagen auf innerstädtischen Gebäuden. Hier bietet sich eine Schnittstelle zum Wassersektor an: Extensive Dachbegrünungen können durch Kühlungseffekte zu Effizienzsteigerungen der Anlagen führen und gleichzeitig zur Zwischenspeicherung von Niederschlägen und zur Gebäudekühlung genutzt werden. Die Bedeutung von Nah- und Fernwärme wird voraussichtlich zunehmen, unter anderem weil dadurch die Wärme effizienter und saisonal gespeichert werden kann. Ergänzend sind Kopplungsmöglichkeiten mit der Wärmerückgewinnung aus Abwasser gegeben. Offen diskutiert wird, welche Rolle strombasierte Energieträger (Wasserstoff, E-Methan, Power-to-liquid etc.) spielen können und sollen, vor dem Hintergrund einer geringen Umwandlungseffizienz und langfristig hohen Kosten bei aber bereits vorhandener Infrastruktur. So könnte zum Beispiel in Zukunft Gebäudewärme mit klassischen Gasheizungen, gespeist aus dem Erdgasnetz, bereitgestellt werden. Unklar ist derzeit auch noch, ob und in welchem Zeitraum die vorhandenen Gasinfrastrukturen auf reinen Wasserstoff umgestellt werden könnten. In jüngster Zeit beginnt eine Debatte um sogenannten „Blauen Wasserstoff“, also Wasserstoff aus fossilem Erdgas, dessen bei der Umwandlung entstehende CO 2 -Emissionen in Lagerstätten abgeschieden und verpresst werden sollen. Je nach verfolgter Strategie ergeben sich daraus sehr unterschiedliche Anforderungen an Energieinfrastrukturen. Beispiele innovativer Kopplungen Im Folgenden werden ausgewählte, innovative Beispiele der Kopplung der Wasserinfrastruktur mit anderen Infrastrukturen beschrieben, die die Potenziale sowie die dazu notwendigen Herangehensweisen verdeutlichen sollen. Vor dem Hintergrund der im Rahmen des Klimaschutzes notwendigen Wärmewende spielt die über das Abwasser aus den Haushalten ungenutzt abgeleitete Wärmemenge eine wichtige Rolle - insbesondere bei energetisch sanierten Wohnungen ist dies die größte Wärmesenke. Diese Wärmemenge ist im sogenannten Grauwasser, also dem Abwasser aus Dusche, Badewanne, Wasch- und Geschirrspülmaschine enthalten. Dieser Abwasserteilstrom ist insgesamt nur gering belastet und deshalb auch mit geringem Aufbereitungsaufwand für höherwertige Nutzungen einsetzbar. Hier setzt das durch das Fraunhofer ISI entwickelte Infrastrukturkonzept i.WET (integriertes Wasser-Energie-Transitions-Konzept) an, das eine kombinierte Wiederverwendung von Regen- und behandeltem Grauwasser mit Wärmerückgewinnung vorsieht. i.WET ermöglicht die Einführung eines neuen unter anfänglicher Beibehaltung des vorhandenen Systems (Bild 1). Die großtechnische Umsetzung von i.WET erfolgt derzeit in Lünen, unter wissenschaftlicher Begleitung eines von der Stiftung Zukunft NRW geförderten Forschungsprojekts. Ein weiterer Ansatz zur Hebung bislang ungenutzter Sektorkopplungspotenziale setzt bei dezentralen Abwärmequellen an, beispielsweise der Abwärme von Industrieunternehmen. Das BMWi- Vorhaben „InnoA2“ führt derzeit ein Pilotprojekt zur Erschließung dezentraler, bislang ungenutzter Abwärmequellen durch Wärmetransport über die bestehende Kanalinfrastruktur durch, so dass eine Doppelnutzung dieser Infrastruktur erreicht wird [4]. Auf diese Weise kann ein Beitrag zur Senkung des Primärenergiebedarfs und der Treibhausgasemissionen ohne die Errichtung neuer Verteilnetze erreicht werden. Aufgrund der zum Teil anstehenden Anpassungen der urbanen Stromnetze können sich dabei zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten durch die Einbindung weiterer Abwärmequellen ergeben. Kopplungsmöglichkeiten hinsichtlich einer verbesserten IT-Infrastruktur und der Digitalisierung sind vielfältig [2]: Beispielsweise kann unter der Idee eines Smart-Water-Grids die Vernetzung von Informationen zu Trinkwasserreservoir-Füllständen mit Niederschlagsprognosemodellen, die Kopplung von Wasser- und Energienetzen (Wasserspeicher als Energiespeicher) oder die Einbindung verbrauchernaher, online eingebundener Wasserzähler gesehen werden. Hinsichtlich der Zunahme von Starkregen kann durch die Vernetzung von Wetterdaten und der Bewirtschaftung von ober- und unterirdischen Speicherräumen bei der Regenbzw. Abwasserableitung das Wasserinfrastrukturnetz besser (in real-time) gesteuert werden. Eine vorausschauende dynamische Modellierung von Niederschlagsaufkommen und -ableitung sowie resultierender Ausbzw. 78 4 · 2019 TR ANSFORMING CITIES THEMA Urbane Netze Überlastung der Infrastruktur sowie eventueller Gegenmaßnahmen erlauben ein strategisches, geplantes Vorgehen. Besonders interessant werden entsprechende Ansätze durch die Einbindung neuer Mobilitätskonzepte, die veränderte oder multifunktionale Nutzungen von Verkehrsflächen ermöglichen, so dass dadurch beispielsweise zusätzliche temporäre Speicher genutzt werden können. Auf der Wasserversorgungsseite kann durch einen Abgleich von in das Trinkwassernetz eingespeister Wassermenge und zeitnah erfassten Verbrauchsdaten eine optimierte Überwachung des Trinkwassernetzes erfolgen: Damit kann auf Leckagen schneller reagiert sowie Wasserverlusten und Schäden durch im Untergrund austretendes Wasser vorgebeugt werden. Digitale Verbrauchsmessungen ermöglichen zeitlich aufgelöste Wasserverbrauchsprofile und damit die Bestimmung der tatsächlichen Inanspruchnahme der Versorgungsinfrastruktur, deren Maximalkapazität vom Spitzenverbrauch abhängig ist, so dass eine verursachungsgerechtere Kostenzurechnung ermöglicht wird (Umsetzung des Äquivalenzprinzips bei der Tarifgestaltung). Sie können außerdem eine wesentlich bessere Grundlage für Prognosen zur künftigen Verbrauchsentwicklung darstellen. Zusätzlich können die Kopplungsmöglichkeiten zur IT-Infrastruktur auch dazu genutzt werden, die Nachfrageseite stärker einzubinden. Damit lassen sich Verbraucher zu bewussten und qualifizierten Entscheidungen befähigen, beispielsweise durch Angaben zum eigenen Verbrauch und in Relation zu Vergleichsgruppen oder Zielwerten (bidirektionaler Datenfluss zwischen Wasserversorger und Kunde um etwa im Falle längerer Trockenperioden gezielte Anreize setzen zu können). Ein Beispiel ist der im Projekt DAIAD entwickelte und umgesetzte Ansatz, Nutzer über ihren Wasserverbrauch beim Duschen online zu informieren und dadurch Anreize für einen sparsamen Umgang mit Wasser zu geben (Bild 2, [5]). Förderung und Management von Transitionen Der beschriebene Handlungsdruck kann über den daraus resultierenden Anpassungsdruck auf bestehende konventionelle Systeme (auch als Regime bezeichnet) zu sogenannten Gelegenheitsfenstern („windows of opportunities“) für innovative Konzepte in Nischen führen, welche die Umsetzung innovativer Infrastrukturlösungen begünstigt [6]. In urbanen technischen Infrastruktursystemen stehen diesen innovativen Ansätzen allerdings oftmals sehr starke Pfadabhängigkeiten etwa aufgrund der vorhandenen und eingespielten Entscheidungs- und Planungsprozesse, des Know-Hows der eingebundenen Akteure und der hohen Fixkosten gegenüber. Die notwendigen Veränderungen sind in verschiedene Ebenen zu unterscheiden [7]: Auf der übergeordneten Ebene (Bund, Bundesländer oder Fachverbände) werden über entsprechende Regelungen wie Gesetze oder Richtlinien der Rahmen sowie Anforderungen, etwa zur Energie- und Ressourceneffizienz (aktuell beispielsweise zur Energieeffizienz bei der Abwasserbehandlung oder zur Phosphorrückgewinnung), gesetzt. Bei diesen Prozessen wird teilweise auf das technische Regelwerk verwiesen, das heißt, die Berücksichtigung innovativer Technologien und Konzepte durch die normungssetzenden technischen Verbände kann deren Umsetzung sehr stark fördern 2 . Wichtig ist dabei, dass Kopplungspotenziale von allen betroffenen Sektoren berücksichtigt werden, im Regelwerk aber auch gleichzeitig ausreichend Freiräume für die Erprobung und Umsetzung innovativer Ansätze verbleiben. Besondere Relevanz haben auch Förderprogramme wie zum Beispiel die über die Abwasserabgabe finanzierten Programme der Bundesländer oder, als ein sehr konkretes Beispiel, die Förderung der dezentralen Wärmerückgewinnung aus Schmutzbzw. Grauwasser in Gebäuden über die Kleinserien-Richtlinie im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Für die Umsetzung konkreter Projekte haben lokale Akteure eine zentrale Bedeutung. Da technische urbane Infrastruktursysteme oftmals öffentliche Güter zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen bereitstellen, spielen hier insbesondere kommunale Akteure eine wichtige Rolle. Im Rahmen von Planungsprozessen, beispielsweise für eine integrierte Quartiersentwicklung, sind Sektor-Kopplungspotenziale ausreichend zu berücksichtigen: Entsprechende Aspekte sind dabei sehr frühzeitig einzubinden, etwa in einer vorgeschalteten, fachübergreifenden „Planungsphase 0“. Wesentlich ist eine umfassende, alle Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigende Bewertung von Planungsalternativen, so dass die Stärken gekoppelter Lösungsansätze sich im Bewertungsergebnis auch wiederfinden können. Zusätzlich besteht weiterhin großer Bedarf für Demonstrations- und Pilotprojekte im Sinne von Leuchttürmen, die durch die Präsentation der Technologien und Ansätze deren Akzeptanz entscheidend verbessern können. Zur Unterstützung entsprechender Ansätze benötigt es unter an- 2 Hier ist aktuell beispielsweise die Aktivität der DWA für eine wassersensible Zukunftsstadt zu nennen. Bild 2: Rückkopplung des Duschwasserverbrauchs an den Nutzer im Rahmen des Forschungs- und Demonstrationsprojekts DAIAD. © Amphiro AG 79 4 · 2019 TR ANSFORMING CITIES THEMA Urbane Netze Dr.-Ing. Thomas Hillenbrand Leitung Geschäftsfeld Wasserwirtschaft Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: thomas.hillenbrand@isi.fraunhofer.de Claudia Hohmann Wissenschaftliche Mitarbeiterin Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: claudia.hohmann@isi.fraunhofer.de Dr.-Ing. Susanne Bieker Wissenschaftliche Mitarbeiterin Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: susanne.bieker@isi.fraunhofer.de Dr.-Ing. Jutta Niederste-Hollenberg Projektleiterin Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: jutta.niederste-hollenberg@isi.fraunhofer.de Dr.-Ing. Felix Tettenborn Projektleiter Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: felix.tettenborn@isi.fraunhofer.de Anna Grimm Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fraunhofer-Inst. f. System- und Innovationsforschung ISI Kontakt: anna.grimm@isi.fraunhofer.de derem geeignete organisatorische Instrumente. Ein Beispiel dafür bietet das Canvas für die Koordinierung von Transformationsprozessen, das sich aus dem unternehmensintern bereits zum Innovationsmanagement etablierten Business Model Canvas [8] ableitet. Dieses Instrument kann zum Beispiel bei der Strukturierung und grundlegenden Skizzierung von innovativen Konzepten im Rahmen einer Projekt- oder Quartiersentwicklung oder auch als Kommunikationsunterstützung innerhalb und außerhalb von Demonstrationsprojekten beitragen und auf unterschiedlichen Verwaltungsebenen eingesetzt werden. [9] Fazit Zur Bewältigung der neuen Herausforderungen erfordern die unterschiedlichen technischen Infrastruktursektoren zunehmend einen integrierten, Sektor übergreifenden Planungsansatz. Nur so können Synergien genutzt und die Anforderungen (effizient) erfüllt werden. Für das Management der dadurch bedingten komplexen Transformationsprozesse müssen die relevanten Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen inter- und transdisziplinär vernetzt und ihr Handeln koordiniert werden. Zur Umsetzung stehen Kommunen heute schon verschiedene Instrumente und Planungsunterstützungstools zur Verfügung bzw. werden aktuell entwickelt. Zudem bieten Demonstrations- und Leuchtturmprojekte wichtige Orientierungsmöglichkeiten. LITERATUR [1] Kiparsky, M., Sedlak, D. L., Thompson, B. H., Truffer, B.: The Innovation Deficit in Urban Water: The Need for an Integrated Perspective on Institutions, Organizations, and Technology. Environmental Engineering Science, 30 (8), (2013) S. 395-408. https: / / doi. org/ 10.1089/ ees.2012.0427 [2] Fraunhofer Innovation Network „Morgenstadt: City Insights“ Morgenstadt, City of the future, Phase 1, Final Report, 2013. Online unter: https: / / www.researchgate.net/ publication/ 312596689_Morgenstadt_City_Insights_-_Final_Report [3] Hoyer, J., Dickhaut, W., Kronawitter, L., Weber, B.: Water Sensitive Urban Design. Principles and Inspiration for Sustainable Stormwater Management in the City of the Future. Jovis, Berlin, 2011. [4] https: / / www.isi.fraunhofer.de/ de/ competence-center/ nachhaltigkeit-infrastruktursysteme/ projekte/ inno_a2.html [5] http: / / daiad.eu/ [6] Geels, F. W., Schot, J.: Typology of sociotechnical transition pathways. Research policy, 36(3), (2007) S. 399-417. [7] Hillenbrand, T., Eckartz, K., Hiessl, H., Hohmann, C., Niederste-Hollenberg, J.: Transition urbaner Wasserinfrastruktursysteme notwendig und machbar? KA Korrespondenz Abwasser, Abfall. 65. Nr. 2, (2018) S. 121-129. DOI: 10.3242/ kae2018.02.003 [8] Osterwalder, A., Pigneur, Y.: Business Model Generation: A handbook for visionaries, game changers and challengers. John Wiley and Sons, Inc., Hoboken, New Jersey, 2010. [9] Hohmann, C., Hillenbrand, T.: Geschäftsmodellperspektive für eine Nachhaltigkeitstransformation der Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland (Konferenz für Kommunales Infrastruktur-Management, 26.09.2019, Berlin. https: / / w w w.kim.tu-ber-lin.de/ f ileadmin/ fg 280/ veranstaltungen/ kim/ konferenz_2019/ praesentationen/ 2038_14.00_hohmann-hillenbrand.pdf AUTOR*INNEN
