Transforming cities
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expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2023-0002
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Kombiniert: Eine Feuer- und Rettungswache mit Regionsleitstelle in Hannover
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Nordwestlich der Innenstadt von Hannover haben struhkarchitekten BDA einen multifunktionalen Neubau geplant und realisiert: Die Feuer- und Rettungswache 1 am Weidendamm beherbergt neben den umfangreichen Räumlichkeiten der Berufsfeuerwehr auch die Regionsleitstelle Hannover sowie ein städtisches Rechenzentrum. Das Planungsbüro aus Braunschweig gewann 2012 den Wettbewerb für das Großprojekt. Er wurde in zwei Bauabschnitten realisiert und 2014 bzw. 2021 in Betrieb genommen.
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4 1 · 2023 TR ANSFORMING CITIES PRAXIS + PROJEKTE Stadtraum Asymetrischer Baukörper zwischen Wohnhäusern und Industriearchitektur Standort des Neubaus ist die ehemalige „Gleisharfe“ des Güterbahnhofs Hannover. Auf dem weitläufigen Gelände erstreckt sich der asymetrische Bau entlang der Bahntrasse, die vom Hauptbahnhof Richtung Nordwesten führt. Durch die abgestuften Höhen der einzelnen Bauteile - von fünf Geschossen im Südosten bis zu zwei Geschossen im Nordwesten - und dank der für den Ort typischen, rotbunten Ziegelfassade fügt sich das Ensemble respektvoll in sein städtebauliches Umfeld ein. Zwischen den Wohnhäusern am Weidendamm und der Industriearchitektur jenseits der Bahntrasse erzeugt die selbstbewusste Architektur der „FRW 1“ eine identitätsstiftende bauliche Gestalt. Gleichzeitig schützt der Baukörper die dahinterliegende Wohnbebauung vor den Schallemissionen der Bahntrasse. Selbstbewusste städtebauliche Präsenz An der Kreuzung von Weidendamm und Kopernikusstraße definiert und besetzt die FRW- 1 eine städtebaulich prominente Ecksituation. Hier bildet ein fünfgeschossiger Gebäuderiegel entlang der Kopernikusstraße den höchsten Punkt des in seiner Höhe gestaffelten Ensembles. Unter einer weiten Auskragung ist der Haupteingang im Stadtraum gut erkennbar. Ein vorplatzartiger Fußgängerbereich vor der Kombiniert: Eine Feuer- und Rettungswache mit Regionsleitstelle in Hannover Nordwestlich der Innenstadt von Hannover haben struhkarchitekten BDA einen multifunktionalen Neubau geplant und realisiert: Die Feuer- und Rettungswache 1 am Weidendamm beherbergt neben den umfangreichen Räumlichkeiten der Berufsfeuerwehr auch die Regionsleitstelle Hannover sowie ein städtisches Rechenzentrum. Das Planungsbüro aus Braunschweig gewann 2012 den Wettbewerb für das Großprojekt. Er wurde in zwei Bauabschnitten realisiert und 2014 bzw. 2021 in Betrieb genommen. Bild 1: Mit seiner rotbunten Ziegelfassade fügt sich das Ensemble respektvoll in das städtebauliche Umfeld ein. © Frank Aussieker 5 1 · 2023 TR ANSFORMING CITIES PRAXIS + PROJEKTE Stadtraum Gebäudeecke und die spitzwinklige Geometrie verleihen dem Baukörper Präsenz und Dynamik. Der mäanderförmige Bau legt sich um zwei U-förmig gefasste, großzügig dimensionierte Innenhöfe, auf denen die Feuerwehr- Fahrzeuge ausreichend Platz zum Rangieren haben. Der südliche Innenhof ist zur Bahntrasse hin geöffnet, der nördliche zum Weidendamm. Hier befindet sich auch die wichtigste Ein- und Ausfahrt für die Einsatzfahrzeuge. An der Kopernikusstraße liegt eine zweite Alarmausfahrt, die vor allem in den Nachtstunden genutzt wird, um die Bewohner am Weidendamm vor Ruhestörung zu schützen. Für die PKW der Beschäftigten steht eine separate Zufahrt bereit, wodurch Kreuzungsverkehr mit den Einsatzfahrzeugen vermieden wird. Arbeiten und Ruhen - Die „Zugwache“ Die abschnittsweise Realisierung des Gesamtprojektes war eine zentrale Anforderung des Planungswettbewerbs im Jahr 2012. Damit wollten die Auslobenden vermeiden, dass nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Eindruck eines Provisoriums entsteht. Das Planungsteam von struhkarchitekten wurde dieser Anforderung gerecht und realisierte bis 2014 für die Feuer- und Rettungswache den jetzt in der Mitte des Gesamtgebäudes liegenden dreigeschossigen Gebäuderiegel sowie ein Nebengebäude. Einen Großteil dieser Flächen nehmen die drei Hallen für die Einsatzfahrzeuge ein. Sie liegen direkt nebeneeinander, getrennt durch Erschließungskerne und Treppenhäuser. An der Straßenseite ergänzen die Räume der Einsatzleitung, Kleiderkammern und Umkleideräume das Erdgeschoss des 1. Bauabschnitts. Im Obergeschoss befinden sich Büro- und Besprechungsräume sowie die Ruheräume, Sanitärbereiche und der Fitnessraum der Feuerwehrleute, die hier pro Schicht bis zu 48 Stunden am Stück verbringen. Die sogenannte „Zugwache“ der FRW 1 ist rund um die Uhr besetzt und einsatzbereit. Sie ist in drei Schichten organisiert: Das bedeutet für die Beschäftigten zwei Tage Leben vor Ort, sofern kein Einsatz ansteht. In der einsatzfreien Zeit wird in den Werkstätten und an den Fahrzeugen gearbeitet, um die ständige Einsatzbereitschaft zu erhalten. Multifunktional: Feuer- und Rettungswache plus Leitstelle für die Region Mit dem zweiten Bauabschnitt von 2016 bis 2021 wurde die FRW-1 um verschiedene Funktionen für die Feuerwehr Hannover ergänzt, darunter weitere Fahrzeughallen, Werkstätten, Büros und Schulungsräume. Auch eine Mensa war Teil des Raumprogramms. Sie steht den Beschäftigten aller Bereiche der neuen FRW 1 zur Verfügung und befindet sich im Brückengebäude über dem nördlichen Innenhof. Mit ihrer zur Bahntrasse hin gelegenen Terrasse bietet sie eine hohe Aufenthaltsqualität. Ein zentraler Baustein des zweiten Bauabschnittes ist die im Frühjahr 2022 in Betrieb genommene Regionsleitstelle Hannover. Sie befindet sich im dritten und vierten Obergeschoss des insgesamt fünfgeschossigen, südlichen Gebäuderiegels. Hier werden auf etwa 500 m² alle Anrufe des Feuerwehrnotrufs 112 entgegen genommen und jährlich rund 300 000 Einsätze in der Region Hannover koordiniert. Weitere Räumlichkeiten stehen unter anderem für ein städtisches Rechenzentrum, die Telefon- und Informationszentrale sowie für den „Stab Außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) der Landeshauptstadt Hannover bei Großschaden- und Katastrophenlagen bereit. Der erste Bauabschnitt wurde (mit Ausnahme der Fahrzeughallen) nach den Anforderungen des Passivhausstandards erstellt. Der zweite Bauabschnitt wurde in Analogie zum ersten mit passivhaustauglichen Komponenten an der Gebäudehülle realisiert, unter anderem mit dreifachverglasten Fenstern oder Wärmerückgewinnung in den Lüftungsanlagen. Kühllasten werden überwiegend mit Hilfe von Kühldecken abgeführt. Die Dächer sind weitestgehend extensiv begrünt. Bild 2: Durchlaufende Erschließung: Über die Brücke im südlichen Innenhof ist eine komplette „Gebäudequerung“ möglich. © Frank Aussieker 6 1 · 2023 TR ANSFORMING CITIES PRAXIS + PROJEKTE Stadtraum Sorgfältig komponiertes Zusammenspiel der Materialien Die äußere Erscheinung der FRW-1 wird geprägt durch das rotbunte Ziegelmauerwerk. Es wird - mit Ausnahme der Fahrzeughallen sowie der Leitstellenfassade - als Verblendmauerwerk vor der Stahlbetonkonstruktion an allen Fassaden eingesetzt. Gegliedert werden die Ziegelfassaden durch langgezogene, horizontale Fensterbänder. Diese anthrazitfarbenen Streifen werden ihrerseits durch feine, helle Sichtbetonstürze akzentuiert. Der Kontrast zwischen opakem Mauerwerk und dunkel gefassten Fassadenflächen wird in den beiden Innenhöfen in größerem Maßstab fortgeführt: Die Fassaden der Fahrzeughallen sind als transparente Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit dunklen Metallteilen und durch das Glas erkennbaren Sichtbetonstützen ausgeführt. Eine homogene, oberflächenbündige Erscheinung der Fassade - in die sogar die Außenbeleuchtung für das Vorfeld integriert wurde - betont die klare Kubatur der Baukörper. Darüber, hier ebenfalls getrennt durch einen umlaufenden Sichtbetonstreifen, liegen die Ruheräume hinter einer rotbraunen Klinkerfassade. Einfache, aber langlebige und sorgfältig komponierte Materialien wurden auch im Innenraum verwendet: Sichtbeton und Gipskarton an den Wänden, Werkstein, Linoleum und Nadelfilz als Bodenbeläge. Etwas aufwändiger hat man den großen Saal der Leitstelle ausgestattet: Dort sorgen organisch geformte Akustikpanele aus Holz für sehr kurze Nachhallzeiten - sehr wichtig in einem Raum, in dem täglich hunderte Telefonate geführt werden. Auch die große Raumhöhe der Leitstelle ist den hohen Anforderungen an die Akustik und den Nachhall geschuldet, sie entspricht zwei Regelgeschossen. Für die Beleuchtung der fast 20 Arbeitsplätze in der Leitstelle hat ein Lichtplanungsbüro eigens ein Lichtkonzept entwickelt. Sofern das Tageslicht den Saal nicht durch die raumhohe Glasfassade flutet, garantieren die Spezialleuchten an der Decke eine Lichtstärke von bis zu 10 000 Lux. Sie beugen als chronobiologische Beleuchtung, die an die Tageszeit angepasst werden kann, der Ermüdung der Mitarbeitenden vor. Nicht nur in der Leitstelle, sondern im gesamten Gebäudekomplex hilft ein hoher Anteil an natürlichem Tageslicht bei der Orientierung. Dem Planungsteam gelang dabei ein lebhafter Wechsel zwischen Introvertiertheit - zum Beispiel in den Bereichen der Ruheräume, die teilweise um private Innenhöfe herum gruppiert sind - und Offenheit mit fließenden Übergängen zum Außenraum, so wie im Foyer mit seinem Bezug zur vielbefahrenen Straßenkreuzung, oder in der Mensa, von wo aus der Blick weit über die Bahntrasse und ins Grüne schweifen kann. Neubau der Feuer- und Rettungswache Weidendamm Hannover, 1. und 2. Bauabschnitt 1. Bauabschnitt Wettbewerb: 2012 Baubeginn 1. BA: 2013 Fertigstellung 1. BA: 2014 Auftraggeber: Landeshauptstadt Hannover Bauherr: Landeshauptstadt Hannover Leistungsphasen nach HOAI (struhkarchitekten): 1-9 Bruttogeschossfläche (BGF): 6.083 m² Brutto-Rauminhalt (BRI): 28.427 m³ 2. Bauabschnitt Baubeginn 2. BA: 2016 Fertigstellung 2. BA: 2021 Auftraggeber: Landeshauptstadt Hannover Bauherr: Ed. Züblin AG Leistungsphasen nach HOAI (struhkarchitekten): 1-9 Bruttogeschossfläche (BGF): 15.197m² Brutto-Rauminhalt (BRI): 60.393m³ Gesamt 1 + 2. Bauabschnitt Bruttogeschossfläche (BGF): 21.280 m² Brutto-Rauminhalt (BRI): 88.820 m³ PROJEKTDATEN struhkarchitekten BDA Planungsgesellschaft mbH public@struhk-architekten.de https: / / struhk.de KONTAKT Bild 3: Die organisch geformte Wandverkleidung und die große Raumhöhe sorgen für gute Akustik. © Frank Aussieker
