Transforming Cities
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2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0041
tc102/tc102.pdf0811
2025
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Architekturspaziergang in Wat Phnom
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2025
Bao Tran Ho
Christina Karagianni
Sokunlanita May
Dirk Schwede
Wie inklusiv sind unsere öffentlichen Räume in Städten wirklich? Am Beispiel des Wat Phnom Parks in Phnom Penh wird deutlich, wie Barrierefreiheit, Mobilitätsgerechtigkeit, soziale Teilhabe und Sicherheit in der Stadtplanung häufig zu kurz kommen – trotz bestehender Entwicklungspläne. Ein Architekturspaziergang mit Studierenden legt physische und soziale Zugangshürden offen und zeigt, warum eine nutzer:innenorientierte Planung so wichtig ist. Der Beitrag verbindet theoretische Konzepte wie Mobilitätsgerechtigkeit und Schaffung von Räumen für alle mit konkreten Beobachtungen vor Ort und liefert Impulse für eine Stadt- und Freiraumplanung, die Vielfalt ernst nimmt – nicht nur für Deutschland, sondern auch in kambodschanischen Städten.
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Architekturspaziergang in Wat Phnom Öffentliche Räume neu denken: Erkenntnisse aus dem Architekturspaziergang in Wat Phnom Barrierefreiheit, Mobilitätsgerechtigkeit, Inklusive Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Nachhaltige Stadtentwicklung, Gender und Care-Arbeit, Sichere Räume, Wat Phnom / Phnom Penh Bao Tran Ho, Christina Karagianni, Sokunlanita May, Dirk Schwede Wie inklusiv sind unsere öffentlichen Räume in Städten wirklich? Am Beispiel des Wat Phnom Parks in Phnom Penh wird deutlich, wie Barrierefreiheit, Mobilitätsgerechtigkeit, soziale Teilhabe und Sicherheit in der Stadtplanung häufig zu kurz kommen - trotz bestehender Entwicklungspläne. Ein Architekturspaziergang mit Studierenden legt physische und soziale Zugangshürden offen und zeigt, warum eine nutzer: innenorientierte Planung so wichtig ist. Der Beitrag verbindet theoretische Konzepte wie Mobilitätsgerechtigkeit und Schaffung von Räumen für alle mit konkreten Beobachtungen vor Ort und liefert Impulse für eine Stadt- und Freiraumplanung, die Vielfalt ernst nimmt - nicht nur für Deutschland, sondern auch in kambodschanischen Städten. Bedeutung der Barrierefreiheit in der Planung öffentlicher Räume Öffentliche Grün- und Freiräume sind längst zu einem zentralen Handlungsfeld nachhaltiger Stadtentwicklung geworden. Im Kontext globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem demografischen Wandel und zunehmender sozialer Ungleichheiten gelten sie als essenzielle Orte für Erholung, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Internationale Leitbilder wie die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) oder regionale Entwicklungspläne, etwa der Phnom Penh Masterplan 2018-2030, betonen ihre Bedeutung für die Lebensqualität in Städten. Neben ihrer ökologischen Funktion sind sie wichtige Räume sozialer Teilhabe und kultureller Vielfalt (Global Green Growth Institute 2019). Trotz der langfristigen Ambitionen bleibt die konkrete Ausgestaltung öffentlicher Räume in vieler Hinsicht hinter den aktuellen Ansprüchen einer inklusiven und gerechten Stadtentwicklung zurück. Noch immer sind Freizeit- und Grünanlagen weder barrierefrei gestaltet noch ausreichend darauf ausgerichtet, die vielfältigen Bedürfnisse unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen. Häufig dominieren einseitige Nutzungsangebote und gestalterische Lösungen, die bestimmte Gruppen, etwa Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, ältere 34 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041 ker in den Fokus rücken muss und gezielt darauf hinwirken, Zugang, Nutzbarkeit und Sichtbarkeit für alle Menschen gleichermaßen zu gewährleisten (UN- Habitat 2025). Es soll dabei nicht nur um die Erfüllung von Richtlinien gehen, sondern um die Umsetzung von empathischer Planungslogik gegenüber unterschiedlichen Bedürfnissen von diversen Menschen (Karagianni et al. 2024). Barrierefreiheit und Sicherheit durch normative Planungshilfen Um die Qualitäten und Defizite öffentlicher Freiräume systematisch bewerten zu können, bieten bestehende internationale und nationale Normen wichtige Bewertungsmaßstäbe. Diese können - trotz ihres Ursprungs im Globalen Norden - auch im Kontext des Globalen Südens Anhaltspunkte für die Gestaltung inklusiver und sicherer öffentlicher Räume liefern. In diesem Zusammenhang werden die internationalen und nationalen Normen und Richtlinien angefordert, die in Planungen einbezogen werden sollen (Paulig 2020a; 2020b): Die DIN 18040-3 „Barrierefreies Bauen - Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum“ sowie die DIN 33942 „Barrierefreies Planen von Freiräumen“ formulieren klare Vorgaben zur barrierefreien Gestaltung öffentlicher Räume. Ergänzt werden diese durch die sicherheitstechnischen Standards der DIN EN 1176/ 1177 für Spiel- und Aufenthaltsflächen sowie durch die praxisnahen Empfehlungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). Laut dem Rahmenplan „Design for Everyone“, herausgegeben vom Aktionsrat für Menschen mit Behinderungen (Disability Action Council General Secretariat, 2018), existieren in Kambodscha grundlegende Richtlinien zur Barrierefreiheit, etwa in Bezug auf Beschilderung, Ausstattung von Spielplätzen und öffentlichen Parks. In der Praxis finden diese in der Regel bislang nur selten Anwendung. Obwohl die oberen Normen aus dem Globalen Norden stammen, bieten sie einen hilfreichen Orientierungsrahmen, um die Qualitäten und Defizite öffentlicher Räume auch in anderen Kontexten kritisch zu reflektieren. Wie sich inklusive Gestaltung im urbanen Alltag von Phnom Penh konkret auswirken, zeigt das Beispiel des Parks Wat Phnom. Untersuchung der Inklusion am Beispiel des Parks Wat Phnom Diese Problematik der Normung und Umsetzung barrierefreier Infrastruktur betrifft die Verkehrs- und Freiräume - in Deutschland ebenso wie im Globalen Süden. Eine gebaute Umwelt, die bestimmte Gruppen, etwa Menschen mit Behinderungen, durch unzureichende Gestaltungsmöglichkeiten ausschließt, verweist auf strukturelle Herausforderungen im Umgang mit Inklusion, wie sie auch im kambodschanischen Kontext sichtbar werden (Aronsakda 2022). Ein ans chauliche s B eispiel hierfür ist das Untersuchungsgebiet Wat Phnom, einer zentral gelegenen Parkanlage mit einer bedeutenden Pagode im Herzen des Platzes in Phnom Penh, Kambodscha. Dort wird sichtbar, wie der Mangel an geeigneten Planungsinstrumenten und begrenzte Ressourcen dazu führen, dass Mobilitätsgerechtigkeit im Kontext öffentlicher Grünräume häufig nicht erreicht wird. Der fehlende Fortschritt in der Entwicklung nachhaltiger und inklusiver Planungsansätze lässt sich teils historisch erklären: Phnom Penh hat mehrfach tiefgreifende Menschen, Kinder, Frauen, Personen mit Care-Verantwortung oder marginalisierte soziale Gruppen, systematisch ausschließen. Auch Aspekte der Sicherheit insbesondere in Grünanlagen im Hinblick auf Erreichbarkeit, Orientierung, Beleuchtung und soziale Kontrolle werden in der Planung zu wenig berücksichtigt (Dellenbaugh-Losse 2024, 150). Die Frage, wer öffentliche Räume tatsächlich nutzen kann und unter welchen Bedingungen, ist damit unmittelbar mit dem Anspruch auf soziale Gerechtigkeit verbunden. Barrierefreiheit ist in diesem Kontext weit mehr als ein technisches Planungskriterium - sie ist eine Grundvoraussetzung für Inklusion, Chancengleichheit und die selbstbestimmte Teilhabe am öffentlichen Leben. Eng damit verknüpft ist das Konzept der Mobilitätsgerechtigkeit, das den Zugang zu öffentlichen Räumen als essenziellen Bestandteil einer gerechten und ink lusi ven Mobilit ät splanung versteht. Mobilitätsgerechtigkeit erweitert den klassischen Begriff von Mobilität: Es geht nicht nur um das Zurücklegen von Wegen von A nach B, sondern um den selbstbestimmten Zugang und die Nutzung zu wichtigen Orten des öffentlichen Lebens, zu denen Erholungs- und Grünräume gehören. Barrierefreiheit und gerechte Mobilitätschancen deuten damit weit mehr als auf ein technisches Planungskriterium. Sie werden zur Grundvoraussetzung für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe (Rammler et al. 2022). Wenn Nut zende Freiräume nicht sicher und barrierefrei erreichen können, bleibt von den sozialen und gesundheitlichen Vorteilen dieser Orte ausgeschlossen (Rammler et al. 2019, 3). Demzufolge wird immer deutlicher, dass die Mobilitätswende den öffentlichen urbanen Raum stär- PRAXIS + PROJEKTE Architekturspaziergang 35 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041 Diese Elemente stellen durchaus eine Relevanz zum Konzept von barrierefreien Planen und Bauen dar, da sie generell allen Nutzungsgruppen ermöglicht, den Raum anzueignen (Dellenbaugh-Losse 2024, 150). Problemaufriss und Diskussion in Form eines Workshops Ortsbegehung: Erkundung von Inklusionsbarrieren in Wat Phnom Anhand eines partizipativen Architekturspaziergangs im Park Wat Phnom mit elf Studierenden aus Architektur und Stadtplanung wurde die Gestaltung untersucht, inwiefern die befindlichen Mobilitätsbarrieren und die Idee eines inklusiven Designs gegenüberstehen. Die Analyse basiert auf der Beobachtung und Reflexion der Teilnehmenden und gibt Einblicke in urbane Herausforderungen im Spannungsfeld der Barrierefreiheit, Sicherheit, Geschlechtergerechtigkeit, kulturellem Erbe der Khmer Gesellschaft. Der Workshop „Architecture Walk “ war in drei zentrale Phasen gegliedert: B e ob a c ht un g s s p a z i e r g a n g : Die Studierenden erkundeten Wat Phnom selbstständig und dokumentierten Probleme in Bezug auf Sicherheit, Zugänglichkeit und urbane Inklusivität. G r upp e ndis k u s sion e n: D ie Te i l n e h m e n d e n a n a l y s i e rten ihre Beobachtungen in Gruppen, reflek tierten, wie Stadtgestaltung verschiedene Nutzer: innengruppen beeinflusst, und fassten ihre Erkenntnisse visuell auf Postern zusammen. Input von E xper t: innen: jeweils eine Personen aus dem Fachbereich Architektur, Nachhaltige Entwicklung und Stadtplanung kommentierten die Problembereiche und diskutierten mögliche gestalterische Umgangsformen für einen intender Or t im Her zen Phnom Penhs. Auch als touris tisches Ziel und städtischer Erholungsraum wird der Park rege genutzt. Dennoch bestehen in Hinblick auf Zugänglichkeit und Inklusion Verb e s s er ung spotenziale. Steile, unebene Wege s tellen für ältere Menschen, Personen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Familien mit Kindern eine Herausforderung dar. Auch die Anbindung an den umliegenden Straßenraum könnte durch sichere Querungsmöglichkeiten und barrierearme Übergänge verbessert werden. Neben der phy sischen Zugänglichkeit oder gestalterischen Attraktivität eines Ortes, ist zusätzlich das subjektive Sicherheitsempfinden eines Nutzenden von Relevanz. Gerade für Frauen und Mädchen ist das Erleben von Sicherheit ein entscheidender Faktor für die Aneignung oder Vermeidung öffentlicher Räume. In der Praxis fehlt es vielerorts an bewusstseinsbildenden Prozessen und konkreten Strategien, um Räume für die Inklusion und Diversität zu sensibilisieren. Insbesondere wird Gender Mainstreaming als Planungsansatz bereits in der Stadtplanung verwendet und dazu beitragen, systematisch zu hinterfragen, inwiefern urbane Räume geschlechtersensibel, sicher und inklusiv gestaltet sind. Wendepunkte in seiner Urbanisierung durchlebt. Der Wandel von einer Stadt, die lange Zeit von Konflikten und Instabilität geprägt war, hin zu einem Zentrum rascher Urbanisierung und wirtschaftlicher Entwicklung ist b e m e r ke n s w e r t . G l e i c h ze iti g bringt diese rasche Entwicklung erhebliche Herausforderungen mit sich, da viele Bereiche weitgehend ungeplant verläuft und die finanziellen Mittel für den Ausbau einer erforderlichen Infrastruktur bislang unzureichend sind (Baker et al. 2017, 7). Wat Phnom: Ein öffentlicher Raum zwischen Alltagsnutzung und (sozialer) Barrieren Die Pagode im Wat Phnom Park gilt als bedeutendes kulturelles Wahrzeichen und identitätsstif- Bild 2: Die Pagode liegt auf dem Hügel des Parks und ist nur über Treppen erreichbar (Foto: Karagianni) Bild 1: „Children Park“ des Wat Phnom (Foto: Ho) PRAXIS + PROJEKTE Architekturspaziergang 36 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041 kräften verstärkt sich dieses Unsicherheitsgefühl zusätzlich, vor allem bei weibliche Besuchende. Forderung eines inklusiven, sicheren und sozialen Designs Trotz seiner Beliebtheit ist Wat Phnom nicht für alle gleichermaßen zugänglich. Die Wege sind uneben und verlaufen zu nah an stark befahrenen Straßen, was das Gehen, besonders für Menschen mit Behinderungen oder besonderen Bedürfnissen, unsicher macht. Andere stellten fest, dass es keine Rampen für Rollstuhlfahrende oder Personen mit Mobilitätseinschränkungen gibt, wodurch zentrale Bereiche, wie der Pagode, unzugänglich bleiben. Auch die öffentlichen Toiletten wurden kritisiert, da sie schwer zu erreichen seien und nicht barrierefrei gestaltet sind. Weitere Beobachtungen zeig ten, dass grundlegende infrastrukturelle Verbesserungen nötig sind: ebene, breite Wege, barrierefreie Toiletten und klare Beschilderung, um die Inklusivität des Parks zu erhöhen. Zudem wurde das Fehlen von Wegweisern bemängelt, was die Orientierung erschwer t. V iele erwähnten das Fehlen von Hinklusiveren und funktionaleren öffentlichen Raum. Durch diesen Ansatz thematisierten die Teilnehmenden nicht nur zentrale Herausforderungen der Ortsgestaltung, sondern entwickelten auch praktische, inklusive Lösungsansätze. Mobilitätseinschränkungen im Wat Phnom Täglich nutzen unterschiedliche Personengruppen den Wat Phnom, deren Bedürfnisse jedoch in der aktuellen Gestaltung des Park s kaum Berück sichtigung finden. Besonders für Frauen mit Kindern und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bestehen erhebliche Zugangshürden. Bereits der Weg dorthin führt über eine stark befahrene Straße, die ohne geeignete Querungshilfen wie Fußgängerüberwege oder Mittelinseln auskommt. Der direkte Zugang zur zentralen Pagode auf dem Hügel erfordert zudem das Überwinden steiler, gepflasterter Stufen, eine unüberwindbare Barriere für viele. Gerade Frauen, die häufig mit Care-Arbeit und der Begleitung von Kindern oder Pflegebedürftigen betraut sind, haben ein besonderes Bedürfnis nach barrierearmen und sicher zugänglichen Freiräumen (Dellenbaugh-Losse 2024, 74f.). Sicherheit und Sicherheitsgefühl: Das dringendste Problem Viele Studierende stellten fest, dass sich Wat Phnom nachts unsicher wegen schlechter Beleuchtung und fehlender sichtbarer Sicherheitsmaßnahmen anfühlt. Einige gaben an, den Park nach Einbruch der Dunkelheit allein nicht aufsuchen zu wollen. In weiten Bereichen des Parks ist die Beleuchtung spärlich, und dichte Bepflanzung schränkt die Sichtachsen erheblich ein. Durch fehlende Präsenz von Sicherheits- Bild 3: Studierende bei der Ortsbegehung (Foto: Karagianni) PRAXIS + PROJEKTE Architekturspaziergang 37 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041 Phnom Penh wird die Diskrepanz deutlich. Obwohl die Pagode bzw. der Park generell ein kulturell bedeutender und s tark genutzter Raum ist, bleiben die Anforderungen an Barrierefreiheit, Sicherheit - insbesondere von Frauen und soziale Teilhabe zurück. Der beobachtende Architekturspaziergang verdeutlichte nicht nur bestehende Defizite, sondern zeigte auch, wie wertvoll es ist, zukünftigen Planer: innen und Architekt: innen frühzeitig einen geschulten Blick für die Belange von Inklusion und Mobilitätsgerechtigkeit zu vermitteln und sie für diese Fragestellungen zu sensibilisieren. Diese Reflexion zwischen Erlebenund Gestalten stellteinenwichtigen ersten Schritt dar, um langfristig ein stärkeres Bewusstsein für die Bedürfnisse unterschiedlichster Nutzer: innengruppen in der Planungspraxis zu verankern. Die Erkenntnisse des Workshops sind damit weniger als abschließende Lösung zu verstehen, sondern vielmehr als Impuls für einen kontinuierlichen Transformationsprozess, hin zu einer Stadtplanung, die Barrierefreiheit, Sicherheit und soziale Teilhabe nicht nur als technische Vorgaben, sondern als zentrale Gestaltungsprinzipien urbaner Lebensräume stets mitdenkt. Organisation & Mitwirkung des Workshops Der Workshop war Teil des Projekts Build4People, geleitet von der Fachhochschule Lübeck (Deutschland), mitorganisiert von „Women in Architecture and Engineering“ ( W.A.E.), gegründet und vertreten durch Sokunlanita May. Die Veranstaltung wurde von den Expert: innen Christina Karagianni, Bao Tran Ho, Prof. Dr. Dirk Schwede und Laekhena Setha begleitet, die wertvolle Impulse gaben. thematisiert. Die Studierenden stellten fest, dass es vor allem an schattigen Plätzen mangele, was die Aufenthaltsqualität zusätzlich einschränkte, insbesondere während heißer Tageszeiten. Persönliche Lernprozesse & Erkenntnisse: Wie der Workshop Perspektiven veränderte Die Evaluation zeigte, dass der Workshop das Verständnis der Studierenden für Inklusivität und Genderfragen in der Stadtplanung erheblich vertiefte. Studierende gaben an, künftig mehr Wert auf folgende Faktoren zu legen: Nutzer: innenorientiertes und barrierefreies Design Bessere Platzierung von Stadtmöblierung für Zugänglichkeit, soziale Interaktion und Erholung Umgang mit Kulturerbe bei gleichzeitiger moderner Anpassung Eine Person erwähnte in der Diskussionsrunde: „Ich werde Inklusivität in meiner zukünftigen Architekturarbeit berücksichtigen, indem ich die Geschichte des Ortes kenne und verstehe, wie die Menschen ihn nutzen.“ Fazit: Auf dem Weg zu inklusiveren urbanen Räumen Die Diskussion um barrierefreie und mobilitätsgerechte urbane Räume ist längst feste Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklungskonzepte. Internationale Leitbilder, wie die SDGs sowie normative Vorgaben, darunter die DIN 18040-3 und die DIN 33942, liefern klare Handlungsansätze, um den Zugang zu öffentlichen Räumen gerechter und inklusiver zu gestalten. Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass die Umsetzung dieser Theorien oftmals komplexer ist. A nhand de s B eispiels de s Wo r k s h o p s i m Wa t P h n o m , weisen zu Toiletten oder Parkeingängen. Die Anmerkungen unterstreichen die Bedeutung einer strategischen Platzierung von Sitzgelegenheiten, schattigen Ruhebereichen und einer besseren Beschilderung für eine benutzerfreundlichere Umgebung. Stadtmöblierung & Komfort für Nutzende Eine gerechte Planung für alle bedeutet, sich gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Nutzer: innengruppen zu konzentrieren. Die öffentliche Verfügbarkeit von Sitzgelegenheiten spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie die Teilhabe und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum maßgeblich beeinflusst. Sitzmöglichkeiten müssen so gestaltet und verteilt sein, dass sie vielfältige Nutzungsformen ermöglichen - für ältere Menschen zur Erholung, für Kinder und Jugendliche als Treffpunkte und für Menschen mit Care-Aufgaben oder Mobilitätseinschränkungen als notwendige Ruhepunkte im Alltag (Dellenbaugh-Losse 2024, 146 ff.). Fehlende oder mangelhaft gestaltete Aufenthaltsmöglichkeiten können insbesondere für Frauen und Mädchen, die sich in unsicheren Umgebungen oft weniger wohlfühlen, zu einem Rückzug aus dem öffentlichen Raum führen. Auch für Senior: innen sollten gut zugängliche Grünflächen mit Sitz- und Erholungsmöglichkeiten geschaffen werden, sowohl für Gruppen als auch für das Alleinsein. Die Komplexität steigt dabei insbesondere mit der Nachfrage durch Menschen mit Care-Aufgaben und Mobilitätseinschränkungen (Dellenbaugh-Losse 2024, 146 ff.). Im Rahmen des Workshops wurde die unzureichende Ausstattung des Wat Phnom mit geeigneten Sit z gelegenheiten PRAXIS + PROJEKTE Architekturspaziergang 38 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041 Disability Action Council General Secretariat (Hrsg.). (2018). Technical standards on physical accessibility infrastructure for persons with disabilities. https: / / access2cambodia. org/ wp-content/ uploads/ 2024/ 10/ 4. DAC-HI_Technical%20Standards%20 on%20Physical%20Accessibility-Eng- Compressed.pdf Irschik, E., Kail, E., Klimmer-Pölleritzer, A., Nuss, A., Puscher, G., Schönfeld, M., & (Hrsg.), A. W. (2013). Manual for Gender Mainstreaming in Urban Planning and Urban Development. Karagianni, C., Aronsakda, S., & Schwede, D. (2024). Barrierefreiheit im städtischen Raum. Transforming cities, 9(2). https: / / doi.org/ 10.24053/ tc- 2024-0014 Paulig, U. (2020). Der inklusive Spielplatz - Webinar zur DIN 18034. Nullbarriere - Bauen, Planung, Planen. https: / / nullbarriere.de/ inklusiver-spielplatz-18034.htm Paulige, U. (2020). DIN 18034 Spielplätze und Freiräume zum Spielen. Nullbarriere - Planen, Bauen, Wohnen. https: / / nullbarriere.de/ din-18034-1-spielplaetze.htm Rammler, S., Kollosche, I., & Breitkreuz, A. (2019). Mobilität für alle - Mobilitätsgerechtigkeit und regionale Transformation in Zeiten des Klimawandels! Weiterdenken, Ausgabe 4. Rammler, S., Thomas, D., Kollosche, I., & Flores, S. (2022). Mobilitätsgerechtigkeit als Leitkonzept der Verkehrspolitik - Die sozial-ökologische Transformation der Mobilität gerecht und inklusiv gestalten (IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gemeinnützige GmbH, Hrsg.). IZT - Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek. UN-Habitat (Hrsg.). (2025). Mobility and transport. UN-Habitat. https: / / unhabitat.org/ topic/ mobility-and-transport Eingangsabbildung: © Bao Tran Ho Forschung für eine bessere urbane Lebensqualität: Das Build4People-Projekt Das Build4People-Projekt erforscht und fördert nachhaltige Architektur und Stadtentwicklung durch neue urbane Transformationspfade in Phnom Penh. Der Fokus liegt auf den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Menschen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter dem Förderkennzeichen 01LE1908 gefördert und von der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Michael Waibel koordiniert. LITERATUR Aronsakda, S. (2022, Juli 7). Opinion: Cambodia can build an inclusive urban landscape. VOD English. https: / / vodenglish.news/ opinion-cambodiacan-build-an-inclusive-urban-landscape/ ASIAN DEVELOPMENT BANK. (2022). Inclusive Cities: Urban Area Guidelines. ASIAN DEVELOPMENT BANK (Hrsg.), Hrsg. Baker, Judy, L., Kikutake, Natsuko, Lin, Xinyuan, S., Johnson, Caldwell, E., Yin, Soriya, Ou, & Narya. (2017). Urban development in Phnom penh. World Bank; Baker, Judy L., Kikutake, Natsuko, Lin, Sarah Xinyuan, Johnson, Erik Caldwell, Yin, Soriya, Ou, Narya. http: / / documents.worldbank.org/ curated/ en/ 286991511862455372 Dellenbaugh-Losse, M. (2024). Gendergerechte Stadtentwicklung: Wie wir eine Stadt für alle bauen (2024. Aufl.). Springer Gabler. AUTOR: INNEN Bao Tran Ho, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Masterstudierende in Stadtplanung im Fachbereich Bau an der Technischen Hochschule Lübeck bao.tran.ho@ th-luebeck.de Christina Karagianni, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Bau an der Technischen Hochschule Lübeck christina.karagianni@ th-luebeck.de Sokunlanita May, Architektin, absolviert an der Hochschule Kirirom Institute of Technology und Gründerin der Gemeinschaft „Women in Architecture and Engineering“. lanitamaysokun@ gmail.com Dirk Schwede, Professor für Energie- und Gebäudetechnik an der Technischen Hochschule Lübeck dirk.schwede@ th-luebeck.de PRAXIS + PROJEKTE Architekturspaziergang 39 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0041
