eJournals Transforming Cities 10/2

Transforming Cities
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2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0042
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Mit Hochdruck zur Verkehrswende: Schnellladeparks auf der Überholspur

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Burkhard Seizer
Lukas Öhler
Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle zur erfolgreichen Umsetzung der Verkehrswende. Vor diesem Hintergrund engagiert sich das Gemeinschaftsunternehmen autostrom.plus GmbH aktiv am Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Drees & Sommer entsteht derzeit ein leistungsfähiges Netzwerk von Schnellladestationen entlang deutscher Autobahnen. Im Rahmen des sogenannten Deutschlandnetzes, das vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) initiiert wurde, sollen bundesweit bis zu 9.000 Schnellladepunkte an mehr als 1.000 Standorten errichtet werden.
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Mit Hochdruck zur Verkehrswende: Schnellladeparks auf der Überholspur Ladeinfrastruktur, Deutschlandnetz, Elektromobilität, Autobahn, Nachhaltigkeit Burkhard Seizer, Lukas Öhler Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle zur erfolgreichen Umsetzung der Verkehrswende. Vor diesem Hintergrund engagiert sich das Gemeinschaftsunternehmen autostrom.plus GmbH aktiv am Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Drees & Sommer entsteht derzeit ein leistungsfähiges Netzwerk von Schnellladestationen entlang deutscher Autobahnen. Im Rahmen des sogenannten Deutschlandnetzes, das vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) initiiert wurde, sollen bundesweit bis zu 9.000 Schnellladepunkte an mehr als 1.000 Standorten errichtet werden. Ladeinfrastruktur an Autobahnen: Maßstäbe für Europa Die Umstellung des Verkehrssek tor s auf klimafreundliche Mobilität zählt zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Elektrofahrzeuge spielen dabei eine entscheidende Rolle - vorausgesetzt, die notwendige Ladeinfrastruktur ist in ausreichendem Maß vorhanden. Besonders entlang der Autobahnen, also auf Langstrecken, ist ein verlässliches und flächendeckendes Netz von Ladepunkten unerlässlich. Nur wenn Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Zugänglichkeit stimmen, lässt sich der Übergang zur 40 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0042 Strecken, verfügen bereits über grundlegende Infrastruktur und bieten Nutzenden durch sanitäre Einrichtungen einen zusätzlichen Komfortfaktor während der Ladezeit. Die hohe Verkehrsdichte an diesen Punkten erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlich sinnvollen Auslastung der Ladeeinrichtungen. Die Entscheidung, bevorzugt bestehende Anlagen zu nutzen, bringt infrastrukturelle und wirtschaftliche Vorteile. Der Ausbau kann schneller und kosteneffizienter erfolgen, da keine komplett neuen Standor te erschlossen werden müssen. Gleichzeitig profitieren die Nutzerinnen und Nutzer von den bereits vorhandenen Einrichtungen. Das Ziel ist, dass entlang der Autobahnen spätestens alle zehn Minuten Fahrzeit ein Schnellladepunkt erreichbar ist - ein dichter Takt, der die Reichweitenplanung deutlich vereinfacht und zur Alltagstauglichkeit der Elektromobilität beiträgt. Als Vorbild voran Mit dem aktuellen Aufbau übernimmt Deutschland innerhalb Europas eine Vorreiterrolle beim Thema L adeinfrastruktur. Das Projekt ist nicht allein durch staatliche Förderung getragen, sondern setzt auf eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Unternehmen. Das ermöglicht eine Verbindung hoher technischer Standards mit der wirtschaftlich tragfähigen Umsetzung. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine flächendeckende Elektromobilität keine abstrakte Zukunftsvision ist, sondern mit strategischer Planung und gezielten Investitionen bereits heute realisiert werden kann. Integrierte Koordination und effiziente Prozesse Der Ausbau von Ladeinfrastruktur entlang deutscher Autobahnen erfordert mehr als den Einsatz technischer Komponenten. Er stellt hohe Anforderungen an die Koordination zwischen Planung, Bau und Betrieb. Das Projekt autostrom.plus verfolgt dabei einen integrierten Ansatz: Als Joint Venture organisiert es alle Projektphasen zentral, mit Drees & Sommer in der Rolle des verantwortlichen Partners für Projektsteuerung und -koordination. Zum Konsortium gehören zudem das in Hannover ansässige Energieversorgungsunternehmen enercit y AG sowie die Q1 Energie AG aus Osnabrück, ein Betreiber von L adepark s und Tank stellen. Ergänz t wird das Team durch die Pohl-Gruppe, ein auf Energie-, Infrastruktur- und Verkehrswegebau spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Hohenwestedt, die S WN Stadt werke Neumünster GmbH sowie die Wes t falen Weser L adeser vice GmbH aus Paderborn, die als Dienstleister für Ladeinfrastruktur insbesondere den technischen Betrieb und das Backend- Management übernimmt. Elektromobilität auf breiter Ebene umsetzen. In Deutschland wird derzeit ein entsprechendes Netz aufgebaut, das in dieser Form europaweit einzigartig ist und Maßstäbe setzen soll. Benutzerfreundlichkeit und Verfügbarkeit im Deutschlandnetz Das übergeordnete Ziel des leistungsstarken, zukunftssicheren Net zes von Schnellladestatio nen ist es, den Ladevorgang für Elektrofahrzeuge so einfach und schnell zu gestalten wie das herkömmliche Tanken. Dafür reicht es nicht aus, lediglich leistungsstarke Ladetechnik - wie Gleichstrom- Schnelllader mit bis zu 400 kW - zur Verfügung zu stellen: Auch die gesamte Nut zerer fahrung muss mitgedacht werden. Dazu gehören eine intuitive Bedienung der Ladesäulen, kurze Ladezeiten und transparente Abrechnungssysteme. Digitale Dienste wie die Anzeige freier Ladepunkte in Echtzeit oder die nahtlose Integration in Navigationssysteme sind ebenfalls zentrale Bestandteile eines modernen Ladeangebots. Entscheidend ist, dass die Nutzung der Infrastruktur zuverlässig und planbar erfolgt, unabhängig vom Fahrzeughersteller oder vom verwendeten Bezahlsystem. Ein weiterer zentraler Baustein des Vorhabens ist das sogenannte Deutschlandnet z , das vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) initiiert wurde. Es umfasst den Auf bau von bis zu 9.0 0 0 Schnellladepunkten an mehr als 1.000 Standorten bundesweit. Besonders in den Fokus rücken dabei Autobahnrastanlagen, und hier vor allem sogenannte PWC- Anlagen - Parkplätze mit WC-Einrichtung. Diese Standorte eignen sich in mehrfacher Hinsicht für den Aufbau von Ladeinfrastruktur: Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zu vielbefahrenen © Drees & Sommer SE PRAXIS + PROJEKTE Schnellladeparks 41 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0042 higes Energie- und Mobilitätssystem geschaffen. Ein häufig geäußerter Vorbehalt gegenüber der Elektromobilität betrifft die im Vergleich zum Tanken längere Ladezeit. Durch Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 400 kW und Fahrzeuge mit 800-Volt-Systemen lassen sich diese Zeiten deutlich reduzieren. Unter optimalen Bedingungen kann ein Ladevorgang von zehn auf 60 Prozent in unter 15 Minuten erfolgen - bei bestimmten Fahrzeugen sogar in weniger als zehn Minuten. Damit wird schnelles Nachladen an Autobahnen zunehmend mit der gewohnten Tankdauer vergleichbar. Neben der technischen Leistungsfähigkeit wurde auch die Gestaltung der Ladeparks auf die Bedürfnisse der Nutzenden ausgerichtet. Die Ladebereiche sind überdacht, barrierefrei zugänglich und in direkter Nähe zu sanitären Einrichtungen. Besonderes Augenmerk gilt der einfachen Handhabung der Ladesäulen. So ermöglichen Teleskoparme eine ergonomische Bedienung - auch für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Die Kombination aus Funktionalität, Zugänglichkeit und Aufenthaltsqualität zielt darauf ab, den Ladevorgang als integralen Bestandteil der Reise erfahrbar zu machen. Ausblick: 200 Schnellladeparks bis Ende 2026 Bis Ende 2026 sollen alle 200 Ladeparks entlang der deutschen Autobahnen vollständig in Betrieb genommen sein. autostrom.plus realisiert dabei rund die Hälfte dieser Standorte. Die andere Hälfte wird durch die Unternehmen E.ON Drive Infrastructure GmbH, TotalEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH und Fastned Deutschland GmbH & Co KG umgesetzt. Damit entsteht ein flächendeckendes, leistungsfähiges werden frühzeitig in die Planung integriert, und technische Erweiterbarkeit wird von Anfang an berücksichtigt. Um aus laufenden Projekten zu lernen, sind regelmäßige Rückkopplungsformate vorgesehen. Die operative Steuerung des Projekts ist zwischen den zehn regionalen Standorten der Autobahn GmbH und deren Zentrale in Berlin aufgeteilt. Diese sogenannte hybride Steuerungsstruktur ermöglicht die Einhaltung bundesweiter Standards bei gleichzeitiger Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten. Komfortabel, schnell, barrierefrei: Anforderungen an modernes Laden Ein zentrales Element des Projekts ist die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Alle Ladepunkte werden mit zertifiziertem Ökostrom betrieben und tragen damit zur Reduktion der CO 2 -Emissionen im Verkehrsbereich bei. Darüber hinaus ist die Infrastruktur so angelegt, dass sie technologische Entwicklungen langfristig aufnehmen kann. Dies betrifft sowohl steigende Ladeleistungen als auch die Integration digitaler Systeme. Damit wird nicht nur der aktuelle Bedarf gedeckt, sondern auch eine Grundlage für ein zukunftsfä- Im Zentrum steht ein kollaboratives Projektabwicklungsmodell, bei dem alle beteiligten Akteure - Planungsbüros, Bauunternehmen, Betreiber - von Beginn an auf gemeinsame Projektziele verpflichtet sind. Dadurch werden Reibungsverluste an Schnittstellen reduziert, Abstimmungsprozesse erleichtert und die Zeitspanne von der Planung bis zur Umsetzung verkürzt. Die Steuerung paralleler Bauvorhaben erfolgt über standardisierte Abläufe und gebündelte Ressourcen. Durch die Anwendung wiederholbarer Prozesse und die Nutzung vorhandener Synergien z wischen einzelnen Gewerken wird ein hohes Maß an Effizienz erreicht. Grundlage dafür ist ein modularer Baukastenansatz, der die schnelle Skalierung an verschiedenen Standorten ermöglicht. Im Idealfall kann der Baubeginn innerhalb eines halben Jahres nach Beauftragung erfolgen. Die bauliche Umsetzung erfolgt auf Basis aktueller baulicher und technischer Standards. Dazu zählen unter anderem strukturierte Fundamentierungsarbeiten, die Installation leistungsfähiger elektrotechnischer Systeme sowie die Einbindung in digitale Steuerungseinheiten. Bestehende IT-Systeme © Drees & Sommer SE PRAXIS + PROJEKTE Schnellladeparks 42 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0042 das Vorhaben zu einem Best- Practice-Modell für Infrastrukturprojekte im öffentlichen Raum - sowohl in technischer als auch in organisatorischer Hinsicht. Es zeigt, wie durch kollaborative Strukturen und moderne Projektmethodik komplexe Vorhaben effizient und nachhaltig realisiert werden können. Eingangsabbildung: © 2024 Eichert Media und verlässliches Schnellladenetz - ein Meilenstein für die Verkehrswende und ein zentraler Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Diese Zielmarke ist nicht nur ambitioniert, sondern auch realistisch - dank des kollaborativen Projektmanagementansatzes, der auf partnerschaftlicher Zusammenarbeit, geteilter Verantwortung und frühzeitiger Integration aller Projektbeteiligten basiert. Durch die enge Abstimmung zwischen Bauunternehmen, Planern, Betreibern und öffentlichen Auftraggebern werden Schnittstellen reduziert, Entscheidungen beschleunigt und Synergien optimal genutzt. Die bundesweite Verfügbarkeit von Hochleistungsladeinfrastruktur wird die Akzeptanz und Alltagstauglichkeit der Elektromobilität signifikant erhöhen und gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Mobilitätskonzepte schaffen. Mit dem erfolgreichen Bauabschluss des Projekts bis 2026 wird © 2024 Eichert Media AUTOR: INNEN Burkhard Seizer, Dr., Geschäftsführer autostrom.plus GmbH und Senior Manager bei Drees & Sommer SE Lukas Öhler, Referent autostrom.plus GmbH und Projektleiter bei Drees & Sommer SE PRAXIS + PROJEKTE Schnellladeparks 43 2 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0042