eJournals Transforming Cities10/3

Transforming Cities
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2366-7281
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expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0052
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GREEN: Cool & Care

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Rosina Schachl
Thomas Dandekar
In Anbetracht der demografischen Veränderungen und der steigenden Durchschnittstemperaturen gewinnen nachhaltige Pflegekonzepte zunehmend an Bedeutung. Das Projekt „GREEN: Cool & Care“ (2019-2022), unter der Leitung von Prof. Azra Korjenic, widmete sich beispielsweise der Entwicklung und Erprobung klimaneutraler und nachhaltiger Konzepte für Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen (Korjenic et al., 2022)
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GREEN: Cool & Care Nachhaltige Konzepte für Pflegeeinrichtungen Begrünung, Pflegeeinrichtungen, Nachhaltigkeit, Smart City, Ressourcenmanagement, Klimaanpassung Rosina Schachl, Thomas Dandekar In Anbetracht der demografischen Veränderungen und der steigenden Durchschnittstemperaturen gewinnen nachhaltige Pflegekonzepte zunehmend an Bedeutung. Das Projekt „GREEN: Cool & Care“ (2019-2022), unter der Leitung von Prof. Azra Korjenic, widmete sich beispielsweise der Entwicklung und Erprobung klimaneutraler und nachhaltiger Konzepte für Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen (Korjenic et al., 2022) Das beispielhafte Projekt testete innovative Begrünungsmaßnahmen sowie intelligente Gebäudetechnik im Haus der Barmherzigkeit und dem Pflegewohnhaus Donaustadt in Wien. Die Herausforderung bestand darin, die Lebensqualität und Gesundheit der Bewohnerinnen zu verbessern und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck der Einrichtungen zu minimieren. Besonders berücksichtigt wurde dabei die erhöhte Vulnerabilität älterer Menschen gegenüber Hitzebelastungen, die durch den Klimawandel zunehmend verstärkt werden (Korjenic et al., 2022). Zu den umgesetzten Begrünungskonzepten gehörten vertikale Begrünungen in Form von Pflanzenwänden und Fassadenbegrünungen, die eine natürliche Kühlung gewährleisten und grüne Oasen auch auf begrenztem Raum schaffen. Horizontale Begrünungen, wie barrierefreie Gartenanlagen, Terrassen und begrünte Balkone, boten Bewegungs- und Begegnungsräume für die Bewohnerinnen. Zusätzlich wurden bewegliche Pflanzen aufgestellt. So können die Bewohner flexibel gärtnern, selbstständig sein und gemeinsam die Pflanzen pflegen (Korjenic et al., 2022). Die Entwicklung und Umsetzung der Begrünungskonzepte erfolgte durch einen interdisziplinären Ansatz, 8 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0052 zeitdatenanalyse zu optimieren (Ma et al., 2013). Eine umfassendere Integration in Smart- City- Konzepte und der Einsatz von IoT-Technologien können dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren (Madakam et al., 2022). Dabei müssen jedoch Datenschutz und Datensicherheit besonders beachtet werden (Madakam et al., 2022). Eine weitere vielversprechende Strategie zur Reduzierung der Überhitzung von Pflegeeinrichtungen ist die bewusste Erhöhung der Albedo städtischer Oberflächen. Die Albedo bezeichnet den Anteil der reflektierten Sonnenstrahlung an der Gesamtstrahlung und spielt eine entscheidende Rolle bei der Temperaturregulierung im urbanen Raum (IG Lebenszyklus Bau, 2023). Durch den gezielten Einsatz von Materialien mit hoher Reflexionsfähigkeit, wie helle Dachflächen, reflektierende Fassadenelemente oder entsprechend gestaltete Freiflächen, kann die lokale Temperatur signifikant gesenkt werden. Studien zeigen, dass die Kombination aus hochreflektierenden Oberflächen und Begrünungselementen den sommerlichen Kühlenergiebedarf von Gebäuden um 20 -30 % senken kann (Akbari und Kolokotsa, 2016). Im Bereich des Ressourcenmanagements können neue Bewässerungssysteme, Regen- und Grauwassernutzung sowie wassersparende Konzepte den Wasserverbrauch nachhaltig senken (Santos & Taveira-Pinto, 2013). Rec ycling, Kompostierung und Mehr wegkonzepte können die A bfallmenge minimieren und eine Kreislaufwirtschaft fördern (DKG, 2022). Der Einsatz erneuerbarer Energien wie Photovoltaik, Wärmepumpen oder Kraft-Wärme-Kopplung kann die Emissionen und Betriebskosten weiter senken (DKG, 2022). Studien und Praxisbeispiele deuten darauf hin, dass energieeffiziente Sanierungen und die Nutzung erneuerbarer Energien die Betriebskosten deutlich reduzieren können (DKG, 2022). Evaluation und Ausblick: Obwohl diese Maßnahmen zunächst Investitionen erfordern, können sie sich langfristig durch Einsparungen bei Energie-, Wasser- und Abfallentsorgung amortisieren. Der genaue Umfang der Kosteneinsparungen hängt von Faktoren wie Standort, Größe der Einrichtung und spezifischen Maßnahmen ab. Förderprogramme und innovative Finanzierungsmodelle können die Umsetzung erleichtern. Die Integration von P flege robotern kann zukünftig neue Möglichkeiten eröffnen. Mobile Serviceroboter unterstützen ältere Menschen in vielfältigen Bereichen: Sie erinnern an Medikamente oder Termine, helfen bei Haushaltsaufgaben, überwachen die Sicherheit und erkennen Stürze, bieten Gesundheitsmonitoring bei dem Fachleute aus Technik, Pflege, Sozialwissenschaft und Planung gemeinsam mit Bewohnerinnen, Angehörigen und Mitarbeitenden Lösungen erarbeiteten (Korjenic et al., 2022). Im ps ychologischen Bereich wirkt sich die Präsenz von Grünflächen nachweislich positiv auf das Wohlbefinden der Bewohnerinnen aus. Es ist bereits bekannt, dass der Zugang zu Gärten und Pflanzen die Stimmung hebt, die Schlafqualität und Konzentrationsfähigkeit verbessert sowie Gefühle von Erholung und innerer Ruhe fördert (Rappe, 2005). Auch depressive Verstimmungen und Angstzustände können durch den Aufenthalt im Grünen gelindert werden. Darüber hinaus fördern grüne Umgebungen soziale Interaktionen und stärken das Gefühl von Autonomie und Identität. Pflegepersonal bestätigt, dass Pflanzen und Gärten besonders bei Menschen mit Demenz positive emotionale Reaktionen und Sinnesanregungen her vorrufen können (Rappe, 2005). Pflanzen verbessern die Luftqualität, filtern Schadstoffe und erhöhen den Sauerstoffgehalt. Begrünte Flächen senken die Umgebungstemperatur um bis zu 2 °C, fungieren als natürliche Klimaanlagen und reduzieren Lärm. Studien im Rahmen des Projekts unterstützen die Annahme, dass Bewohnerinnen in naturnahen Einrichtungen aktiver, sozialer und gesünder sind als in konventionellen Pflegeheimen (Korjenic et al., 2022). Unabhängig von diesem Projekt wurden weitere technische Innovationen zur Steigerung der Nachhaltigkeit betrachtet. Building Management Systeme (BMS) können in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden, um Energie-, Wasser- und Temperaturflüsse zentral zu steuern und so Betriebskosten sowie Ressourcenverbrauch durch Echt- PRAXIS + PROJEKTE Konzepte für Pflegeeinrichtungen 9 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0052 Klimaanpassungsstrategien in Pflegeeinrichtungen. In: Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und Lebensqualität in der Pflege. Wien: TU Wien Verlag. Deutsche Krankenhausgesellschaft, 2022. Klimaschutzmaßnahmen im Krankenhaus. DKI Factsheets. Available at: https: / / www.dkgev.de/ fileadmin/ default/ Mediapool/ 1_DKG/ 1.7_Presse/ 1.7.1_ Pressemitteilungen/ 2022/ 2022-07-19_ DKI_Factsheets_Klimaschutzmassnahmen.pdf [Accessed 21 May 2025]. DeutscheKrankenhausgesellschaft,2022. Status quo, Maßnahmen und Investitionskosten: Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern. Available at: https: / / www.dkgev.de/ fileadmin/ default/ Mediapool/ 1_DKG/ 1.7_Presse/ 1.7.1_Pressemitteilungen/ 2022/ 2022-07-19_ DKI-Gutachten_Klimaschutz_in_ deutschen_Krankenha__usern.pdf [Accessed 21 May 2025]. Santos, C. & Taveira-Pinto, F., 2013. Analysis of different criteria to size rainwater storage tanks using detailed methods. Resources, Conservation and Recycling, 71, pp.1-6. Available at: https: / / doi. org/ 10.1016/ j.resconrec.2012.11.004 [Accessed 21 May 2025]. Eingangsabbildung: PBZ St. Pölten Balkon im 2. Stock 2022 / © TU Wien (Korjenic, 2022) haben großes Potential, das Mikroklima zu verbessern, die Lebensqualität zu steigern. Durch die Kombination te chnis cher und sozialer Innovationen können nachhaltige, klimaresiliente Wohn- und Pflegeheime, die zugleich Gesundheit und Wohlbefinden von Bewohnerinnen und Personal fördern, entstehen. LITERATUR Akbari, H. & Kolokotsa, D., 2016. Three decades of urban heat islands and mitigation technologies research. Energy and Buildings, 133, pp.834-842. IG Lebenszyklus Bau, 2023. Reflexionsstrahlung (Albedo-Effekt) im Gebäudesektor: Ein Positionspapier. Wien. Santamouris, M. et al., 2018. Passive and active cooling for the outdoor built environment - Analysis and assessment of the cooling potential of mitigation technologies using performance data from 220 large scale projects. Solar Energy, 154, pp.14-33. Asgharian, P., Panchea, A.M. & Ferland, F., 2022. A review on the use of mobile service robots in elderly care. Robotics, 11(6), p.127. https: / / doi.org/ 10.3390/ robotics11060127 Pichler, B., Dressel, G. & Reitinger, E., 2022. Wenn Wohn- und Pflegeheime grüner werden. Die Wirkungen von Pflanzen im Kontext personenzentrierter Pflege und Betreuung. Halbmayer, K. et al., 2021. Green: Cool care - research and development of greening measures in nursing homes in Austria. Technical and social interconnections. Sustainability, 13(20). Ma, Z., Cooper, P., Daly, D. & Ledo, L., 2013. Building management systems and energy efficiency in buildings: A review. Renewable and Sustainable Energy Reviews, 25, pp.409-419. https: / / doi. org/ 10.1016/ j.rser.2013.04.060 Madakam, S., Ramaswamy, R. & Tripathi, S., 2022. IoT-based smart building management systems: A review. Journal of King Saud University - Computer and Information Sciences, 34(7), pp.4552- 4566. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jksuci.2018.09.014 Rappe, E., 2005. The influence of a green environment and horticultural activities on the subjective well-being of the elderly living in long-term care. University of Helsinki, Department of Applied Biology, Publication 24. Korjenic, A., Dressel, V., Schiffleitner, A., Nöbauer, I. & Pichler, B., 2022. GREEN: Cool & Care - Begrünungsmaßnahmen als personenzentrierte und kognitive Unterstützung. Spezifische Modelle wie der Care-Obot dienen als Assistenzsystem für alltägliche Aufgaben, während Robovie auf menschliche Kommunikation spezialisiert ist. Studien zeigen eine überwiegend positive Bewertung durch ältere Menschen und Pflegekräfte, besonders hinsichtlich der Förderung von Selbstständigkeit und der Entlastung des Pflegepersonals. Die Akzeptanz wird dabei von Benutzerfreundlichkeit, Funktionsumfang und kulturellen Faktoren beeinflusst. Herausforderungen bestehen noch in technischen Einschränkungen, Datenschutz und ethischen Fragen. Weitere Forschungen untersuchen, ob Roboter soziale Interaktion fördern und Einsamkeit bei älteren Menschen reduzieren können (Asgharian et al., 2022). Ziel ist eine Pflege, die Mensch und Umwelt gleichermaßen in den Mittelpunkt stellt. Fazit: Innovative Begrünung und smarte Technik in Pflegeeinrichtungen AUTOR: INNEN Rosina Schachl, B Sc, Masterstudentin an der Julius Maximilian Universität im Bereich Biologie, Urlaubstraße 4 97076 Würzburg rosina.schachl@gmail.com Thomas Dandekar, Prof., Dr., Leiter Bioinformatik, Biozentrum, Julius Maximilian Universität, Am Hubland, 97074 Würzburg. PRAXIS + PROJEKTE Konzepte für Pflegeeinrichtungen 10 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0052