Transforming Cities
tc
2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0055
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Wie sich Cochem-Zell dem Klimawandel stellt
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Tanja Sprenger
Der Sommer 2021 hat eindrücklich gezeigt, welche verheerenden Folgen Extremwetterereignisse in Deutschland haben können. Im Ahrtal fielen innerhalb kurzer Zeit rund 200 Liter Regen pro Quadratmeter. Das bekamen sowohl die Menschen als auch die Infrastruktur und Natur vor Ort zu spüren. Der Landkreis Cochem-Zell, knapp eine Autostunde vom Ahrtal entfernt, entwickelt deshalb gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Drees & Sommer und dem österreichischen Unternehmen alpS ein Klimaanpassungskonzept. Erste Studien der Expert:innen zeigen bereits: Der Landkreis muss sich auf häufiger auftretende Wetterextreme einstellen.
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Wie sich Cochem-Zell dem Klimawandel stellt Hitze, Trockenheit, Ernteausfall, Extremwetter, Regen, Ahrtal, Anpassung Tanja Sprenger Der Sommer 2021 hat eindrücklich gezeigt, welche verheerenden Folgen Extremwetterereignisse in Deutschland haben können. Im Ahrtal fielen innerhalb kurzer Zeit rund 200 Liter Regen pro Quadratmeter. Das bekamen sowohl die Menschen als auch die Infrastruktur und Natur vor Ort zu spüren. Der Landkreis Cochem-Zell, knapp eine Autostunde vom Ahrtal entfernt, entwickelt deshalb gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Drees & Sommer und dem österreichischen Unternehmen alpS ein Klimaanpassungskonzept. Erste Studien der Expert: innen zeigen bereits: Der Landkreis muss sich auf häufiger auftretende Wetterextreme einstellen. Das Ausmaß des Klimawandels macht sich in der Region bereits bemerkbar. Die Temperaturen sind in den vergangenen Jahren um bis zu 1,8 Grad gestiegen, Nächte mit Frost werden seltener, Trockenperioden dauern länger. Im Jahr 2024 fiel die Weinernte an der Mosel so gering aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Klimaanpassungskonzept soll hier greifen und die Region künftig besser für den Umgang mit Extremwetter vorbereiten. Bis Oktober 2026 entsteht das Konzept, das die vorhandenen Strukturen im Kreisgebiet durchleuchtet, Lücken aufzeigt und konkrete Schritte zur Anpassung an die veränderten klimatischen Gegebenheiten ableitet. Regionale Topografie als Risikofaktor Zwischen Osteifel, Hunsrück und dem engen Moseltal gelegen, weist der Landkreis Cochem-Zell 22 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0055 sowohl kurzals auch langfristig die Resilienz der Region stärken. Ein besonderer Fokus dabei liegt auf naturbasier ten A nsät zen: Dächer und Fassaden begrünen, klimaresiliente Bäume pflanzen, Land nachhaltig nutzen und Rückhalteflächen zurückgewinnen. Sie verbessern das Mikroklima und die Lebensqualität, fördern die Artenvielfalt und schützen die Ökosysteme. Insbesondere kleinere G e meinden in der Region arbeiten bereits an Starkregenkonzepten, um Überflutungsrisiken besser zu beherrschen. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigte sich zuletzt beim Hochwasser 2023, als bestehende Schutzmauern teilweise an ihre Grenzen stießen. Sich beteiligen, um Akzeptanz zu schaffen Ein zentrales Element des Projekts stellt das aktive Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort dar. Um die Maßnahmen zum Klimaschutz wirksam und nachhaltig umzusetzen, setzt das Projekt deshalb auf einen partizipativen Ansatz: In Workshops, digitalen Dialogformaten sowie bei öffentlichen Veranstaltungen wird nicht nur fundiertes Wissen rund um Klimaschutzstrategien vermittelt, sondern auch das Erfahrungswissen der Teilnehmenden einbezogen. Dadurch entsteht ein konstruktiver Austausch auf Augenhöhe. Die verschiedenen Formate fördern nicht nur das Verständnis für notwendige Veränderungen im Landkreis Cochem-Zell, sondern stärken auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. So entstehen praxisnahe und lokal tragfähige Lösungen, die auf die Bedürfnisse und Potenziale der Menschen in der Region abgestimmt sind. Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen nutzen Mit dem Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes (K AnG) im Juli 2024 wurde erstmals ein verbindlicher rechtlicher Rahmen für die Klimaanpassung in Deutschland geschaffen. Das Gesetz markiert einen wichtigen Meilenstein, da es Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen in die Pflicht nimmt, sich systematisch auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Insbesondere die Länder sind nun verpflichtet, eigene Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln und zugleich die Kommunen aktiv beim Planen und Umeine komplexe naturräumliche Struktur auf, die ihn besonders anfällig für klimatische Extremwetterereignisse macht. Zwar schlängelt sich die Mosel dort idyllisch durch die Täler, birgt auf der anderen Seite aber auch große Gefahr. Bei Starkregen steigt der Wasserstand des Flusses innerhalb kürzester Zeit stark an, was die Wahrscheinlichkeit von übertretenden Ufern und daraus resultierenden überschwemmten Flächen erhöht. Insbesondere die dicht besiedelten Talabschnitte und die bisher nicht stark über die Ufer tretenden kleineren Gewässer, die bei starken Regenfällen stark anschwellen, stellen eine Gefahr dar. Zu Beginn des Klimaanpassungsprojekts untersuchte ein interdisziplinäres Team von Drees & Sommer und alpS die klimatischen Veränderungen im Kreisgebiet und analysierte, wie diese sich auf zentrale Lebens- und Wirtschaftsbereiche auswirken. Dabei erfassten die Expert: innen sowohl bestehende als auch potenzielle zukünftige Risiken. Die Analysen machen deutlich: In allen Naturräumen steigen die Temperaturen spürbar. Auch extreme Wetterereignisse wie Starkregen treten häufiger auf, während sich gleichzeitig die Trockenphasen verlängern. Die prognostizierten Entwicklungen wirken sich nicht nur auf die bauliche Infrastruktur aus, sondern beeinflussen auch die Gesundheit der Menschen vor Ort und setzen natürliche Ökosysteme zunehmend unter Druck. Vom Analysieren zum Handeln Das K limaanpas sung skonzept basiert auf einer systematischen Bewertung der bestehenden Infrastruktur, vorhandenen Kapazitäten und den regionalen Strukturen vor Ort. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die Bild 1: Hochwasser im Landkreis Cochem- Zell. © unser-klimacochem-zell e. V. PRAXIS + PROJEKTE Klimaanpassung 23 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0055 lagen aus. Daraus ergibt sich ein akuter Handlungsbedarf. Insbesondere auf kommunaler Ebene, wo die konkreten Maßnahmen jetzt umgesetzt werden. Eingangsabbildung: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com. Zukunftsaufgabe der Regionalentwicklung Die zunehmende Häufigkeit und Intensität klimatischer Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, Starkregen, Überschwemmungen oder langanhaltende Trockenperioden, führt mit Nachdruck vor Augen: Sich an den Klimawandel anzupassen, ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Vielmehr gehört es heute zu den zentralen Heraus forderungen einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Stadt- und Regionalentwicklung. Die Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar und wirken sich unmittelbar auf die Lebensqualität der Menschen, die Infrastruktur, die Wirtschaft und die natürlichen Lebensgrundsetzen konkreter Maßnahmen zu unterstützen. Parallel zum gesetzlichen Rahmen öffnen neue Förderprogramme gezielt Handlungsspielräume für Städte, Gemeinden und Landkreise. Sie bieten finanzielle Anreize, um die oftmals begrenzten Ressourcen vor Ort gezielt für den Aufbau klimaresilienter Strukturen zu nutzen und unterstützen. Eines der Förderfenster wurde dabei vom Bundesumweltministerium im Zeitraum vom 15. Mai bis 15. August 2025 bereitgestellt. Das Programm ermöglichte es Kommunen, Fördermittel sowohl für das konzeptionelle Planen als auch für das konkrete Umsetzen von Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung zu beantragen. AUTOR: INNEN Tanja Sprenger, Leading Consultant bei Drees & Sommer Anzeige Buchtipp Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Die Schattenseiten des Massentourismus Venedig, Barcelona und Mallorca! Immer mehr Destinationen leiden unter Overtourism - der massiv auf Gesellschaft und Natur wirkt. Andreas Kagermeier und Eva Erdmenger gehen dem Phänomen auf den Grund. Sie beleuchten Auslöser und Treiber und zeigen die Tragfähigkeit einer Destination auf. Management- und Governance-Ansätze erörtern sie und regen einen Paradigmenwechsel in der Tourismuswissenschaft an. Das Buch richtet sich an Studierende und Forschende aus den Bereichen Tourismus und Geographie sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Andreas Kagermeier, Eva Erdmenger Overtourism 2., überarbeitete und erweiterte Au age 2025, 336 Seiten €[D] 27,90 ISBN 978-3-8252-6260-0 (print) ISBN 978-3-8385-6260-5 (eBook) DOI 10.36198/ 9783838562605 PRAXIS + PROJEKTE Klimaanpassung
