eJournals Transforming Cities10/3

Transforming Cities
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2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0056
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Blau-Grüne Infrastrukturen erfolgreich umsetzen

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Mario Stefan
Katharina Mauß
Eva Schwab
Das Forschungsprojekt PeriSponge erarbeitete effizient gestaltete, multifunktionale und multicodierte Lösungen für das Regenwassermanagement entlang von peri-urbanen Verkehrsflächen, um deren klimatische, ökologische und soziale Funktionen zu verbessern. Der Artikel stellt Erkenntnisse aus dem Projekt vor, mit speziellem Fokus auf die erkannten Hemmnisse und Erfolgsfaktoren.
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Blau-Grüne Infrastrukturen erfolgreich umsetzen Peri-urbane Mobilitätsräume als Potenziale für die Klimawandelanpassung erkennen und transformieren Urban Water Management, Peri-Urbane Mobilitätsräume, Klimawandeladaptation und -mitigation, Erfolgsfaktoren der Umsetzung, Klein- und Mittelstädte, multifunktionale und multicodierte Freiräume Mario Stefan, Katharina Mauß, Eva Schwab Das Forschungsprojekt PeriSponge erarbeitete effizient gestaltete, multifunktionale und multicodierte Lösungen für das Regenwassermanagement entlang von peri-urbanen Verkehrsflächen, um deren klimatische, ökologische und soziale Funktionen zu verbessern. Der Artikel stellt Erkenntnisse aus dem Projekt vor, mit speziellem Fokus auf die erkannten Hemmnisse und Erfolgsfaktoren. Das Projekt PeriSponge wurde im Rahmen des Programmes Stadt der Zukunf t der Ös terreichi schen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) vom Klima- und Energiefonds gefördert. Das Projektteam unter der Leitung der TU Graz, Institut für Städtebau, setzte sich aus Forschung und Fachplanung zusammen: Institut für Siedlungswasser wirtschaft und Landschaftswasserbau, TU Graz; bgmr Landschaftsarchitekten GmbH; GRÜNSTATTGRAU Forschungs- und Innovations GmbH; Verkehrplus GmbH; Maria Baumgartner, Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur. Blau- Grüne Infrastruk turen sind entscheidend für die Gestaltung lebenswerter Städte und Gemeinden und tragen durch Kühlung, Regenwasserrückhalt 25 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0056 Bild 1: Schemaschnitt zur Aufwertung des Straßenraumes durch Blau-Grüne Infrastrukturen, © Institut für Städtebau, TU Graz terien orientieren; z. B. den Straßenraum als öffentlichen Raum für alle zu gestalten oder die Versiegelung auf ein festgelegtes Maß zu limitieren und Entsiegelungsmaßnahmen in gewissem Umfang zu treffen. Solch ein Ziel schafft ein Fundament für koordiniertes Handeln in allen Fachbereichen und Orientierung für die notwendigen Schritte. So können die unterschiedlichen Maßnahmen zur Zielerreichung strategisch in Planungsinstrumente eingebettet werden. Sonst besteht die Gefahr, dass kleinmaßstäbliche Umgestaltungen aus dem strategischen Blick geraten. Auch hilft es zeitlichen Herausforderungen gut zu begegnen, wenn Planungsphasen und Projektzeitläufe aktiv aufeinander abgestimmt und koordiniert werden. Mit einem klaren Ziel kann auch von politischer Seite konsistent argumentiert und damit Akzeptanz geschaffen werden. Pilotprojekte können z. B. helfen, erste Hemmnisse zu überwinden, zu lernen und eine Vorreiterrolle einzunehmen. Im Folgenden sind die wichtigsten Lernerfahrungen aus den Fallstudien im Projekt PeriSponge zusammengefasst: 1) Schnelles Handeln zählt - auch im Kleinen Bereits punktuelle Maßnahmen wie die Errichtung von Retentionsmulden, Einzelbäumen, Fassadenbegrünung oder die Entsiegelung wenig benutzter Flächen verdienen Unterstützung. Kleine Schritte können nämlich den Einstieg in komplexere Transformationsprozesse erleichtern und Erfahrung bringen. Außerdem werden bereits sichtbare Erfolge während laufender Beteiligungs- oder Planungsprozesse geschaffen, was zusätzlich motiviert. Jede Umsetzung signalisiert Handlungsbereitschaft, Anschauungsbeispiele und erhöht Akzeptanz für weitere Maßnahmen. 2) Bewährtes nutzen Bewährte Materialien und Umsetzungspartner: innen (Fachfirmen, Lieferanten) beizubehalten, wenn vorhanden, punktet in Sachen Verlässlichkeit und Planungssicherheit und bringt meist wirtschaftliche Vorteile. Einfache, kostengünstige und naturnahe un d B io di v er s it ät s förd e r un g wesentlich zur Anpassung an den Klimawandel bei. Zusätzlich schaffen sie öffentliche Räume, d i e z u r L e b e n s q u a l i t ä t d e r Bewohner: innen beitragen. Ein besonderes Potenzial für mehr Blau-Grüne Infrastrukturen liegt in der Verkehr sinfras truk tur, die beispielsweise Straßen, Kfz- Stellplätze, Bahnhöfe und dergleichen einschließt. Blau-Grüne Infrastrukturen sind nicht nur in dicht bebauten Zentren wichtig, sie sind auch gute Möglichkeiten, Siedlungsränder und peri-urbane Gebiete, im Bereich der Stadt- Umland-Verflechtungen, klimafit zu machen. Im Zuge des Forschungsprojektes wurden drei österreichische kommunale praxisnahe Fallstudien in Feldbach, Feldkirch und Wels durchgeführt, um Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten im Planungsalltag der Gemeinden zu erörtern. Eine Prämisse für den blaugrünen Transformationsprozess ist, ein gemeinsames, klares Ziel in der Gemeinde festzulegen. Das Ziel kann sich sowohl an qualitativen als auch an quantitativen Kri- PRAXIS + PROJEKTE Regenwassermanagement 26 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0056 effekte von Bäumen, Leistungsfähigkeit von wasserdurchlässigen Belägen). Hier helfen Erfahrungswerte aus anderen Kommunen, Visualisierungen und begleitende Evaluierungen. Der Handlungsleitfaden „Zukunftsfähige Mobilitätsräume“, der im Zuge dieses Projektes entstanden ist, beinhaltet auch eine überblicksmäßige sechsphasige Checkliste mit Handlungsempfehlungen, um die Einbindung von Blau-Grünen-Infrastrukturen (BGI) in der öffentlichen Raumplanung zu unterstützen. Eingangsabbildung: © iStock.com/ 4u4me sind, in klassischen Beteiligungsformaten aber oft unterrepräsentiert bleiben, wie etwa Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. Durch niederschwellige Formate, kreative Zugänge oder Anknüpfung an ohnehin stattfindende Veranstaltungen können diese Gruppen leichter erreicht werden. Eine gute Prozessbegleitung, Dokumentation und transparente Kommunikation schaffen Glaubwürdigkeit und erhöhen die Chance auf eine breite Akzeptanz bei der Umsetzung. 5) Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg Aktiv, transparent und zielgerichtet - intern innerhalb der Gemeinde und nach außen gegenüber der Bevölkerung. S olch eine Kommunikation unterstützt niederschwellige, gut begleitete Bewusstseinsbildung über alle Gruppen, um die Notwendigkeit von neuen Gestaltungsansätzen zu kommunizieren. Wichtig ist hier die Aufarbeitung fundierter Daten und belastbarem Zahlenmaterial als Argumentationsgrundlage (zum Beispiel in Bezug auf Kühl- Lösungen die effektiv zum Regenwassermanagement beitragen, dürfen nicht fehlen, genauso wie innovative Lösungen. Kommunale Bauhöfe und ihre Erfahrungen spielen hier eine wichtige Rolle. Letztlich stellen neue Anforderungen in Planung und Umsetzung auch die ausführenden Betriebe und Planer: innen selbst vor Herausforderungen, da viele Regelwerke nicht auf Besonderheiten Blau-Grüner Infrastrukturen ausgelegt sind. Zu Beginn sollte man deshalb auf einfache, umsetzbare Lösungen, fachliche Begleitung bei der Umsetzung und die Einbeziehung einer ökologischen Bauaufsicht setzen. 3) Mut zum Ausprobieren Es zahlt sich aus, im Kleinen zu testen, was im Großen funktionieren könnte. Temporäre Projekte und kleine Piloten können evaluiert werden und umfassendere Projekte verbessern oder leichter ins Rollen bringen. Wichtig ist auch, dieses Wissen zu teilen. Gemeinden profitieren stark vom Austausch untereinander. Konkrete Möglichkeiten, wie bei knappem Gemeindebudget oder innerhalb bestehender gesetzlicher Rahmenbedingungen z. B. bei Schneeräumung mit versickerungsfähigen Belägen oder dem S alzeintrag in Baumstandorte oder der Geschwindigkeitsreduktion auf einer Landesstraße umgegangen werden kann, bringt alle weiter. 4) Gesellschaft aktiv einbinden Menschen wollen verstehen, mitreden und mitgestalten, besonders wenn es um Veränderungen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld geht. Es reicht nicht aus, nur die lautesten Stimmen zu hören, sondern man muss besonders Bevölkerungsgruppen Aufmerksamkeit schenken, welche von Veränderungen stark betroffen Bild 2: Handlungsleitfaden „Zukunftsfähige Mobilitätsräume“ , © Institut für Städtebau, TU Graz AUTOR: INNEN Mario Stefan, Dipl.Ing, Univ.Ass am Institut für Städtebau, Fakultät für Architektur, Technische Universität Graz, Rechbauerstraße 12/ II, 8010 Graz stefan@tugraz.at Katharina Mauß, Dipl. Ing., Prokuristin GRÜNSTATTGRAU Forschungs- und Innovationslabor, Favoritenstraße 50, 1040 Wien katharina.mauss@ gruenstattgrau.at Eva Schwab, Ass.Prof. DI Dr., Projektleitung, Stellv. Institutsleiterin am Institut für Städtebau, Fakultät für Architektur, Technische Universität Graz, Rechbauerstraße 12/ II, 8010 Graz eva.schwab@tugraz.at PRAXIS + PROJEKTE Regenwassermanagement 27 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0056