Transforming Cities
tc
2366-7281
2366-3723
expert verlag Tübingen
10.24053/TC-2025-0061
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2025
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Städte in der Polykrise. Zielkonflikte sektoraler Resilienzen am Beispiel Wien
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Mark Schernerhttps://orcid.org/0000-0003-0371-8395
Thomas Thalerhttps://orcid.org/0000-0003-3869-3722
Michael Frieseneckerhttps://orcid.org/0000-0002-9654-6213
In Zeiten der Polykrise ist urbane Resilienz eine planerische Herausforderung. Globale Krisen haben lokale Auswirkungen auf städtische Systeme. In der Stadtplanung werden diese Risiken unterschiedlich wahrgenommen. Die Auseinandersetzung mit Krisenfolgen macht Resilienz in der Planungspraxis relevant. Resilienz kann jedoch zu neuen Problemen führen, wie etwa zu Resilienskonflikten speziell zwischen sektoralen Resilienzen. Resilienzkonflikte zeigen sich an lokalen Fallbeispielen wie Wien. Wir fordern sektorale Resilienzen in der Stadtplanung besser zu koordinieren.
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Städte in der Polykrise. Zielkonflikte sektoraler Resilienzen am Beispiel Wien Polykrise, Resilienzkonflikte, Urbane Klimawandelanpassung, Leistbares Wohnen, Wien Mark Scherner, Thomas Thaler, Michael Friesenecker In Zeiten der Polykrise ist urbane Resilienz eine planerische Herausforderung. Globale Krisen haben lokale Auswirkungen auf städtische Systeme. In der Stadtplanung werden diese Risiken unterschiedlich wahrgenommen. Die Auseinandersetzung mit Krisenfolgen macht Resilienz in der Planungspraxis relevant. Resilienz kann jedoch zu neuen Problemen führen, wie etwa zu Resilienskonflikten speziell zwischen sektoralen Resilienzen. Resilienzkonflikte zeigen sich an lokalen Fallbeispielen wie Wien. Wir fordern sektorale Resilienzen in der Stadtplanung besser zu koordinieren. Polykrise und urbane Resilienz Die Klimakrise führt global zu Umweltkatastrophen. Menschen fliehen vor Dürren und Überschwemmungen. Massenmigration aus dem globalen Süden in den globalen Norden ist unter anderem ein Auslöser nationalistischer Politik. Dem kann ein Rückgang internationaler Koordination auch in Klimaangelegenheiten folgen. Das kann wiederum die Klimakrise verstärken. Partikuläre Krisen sind also Auslöser und Folge von weiteren Krisen in der Polykrise und damit entscheidend für urbane Gerechtigkeitsfragen (Friesenecker et al., 2025). Städte sind Teil eines globalen Systems. In einer stark vernetzten Welt haben globale Krisen ständig lokale Auswirkungen auf Städte. Aber auch einzelne Städte können von Krisen getroffen werden. Wir verstehen Krise als partikulär. Das heißt: Krisen geben spezifische Schocks ab. Die Klimakrise führt etwa zum globalen Anstieg von Hitzetagen (Friesenecker et al., 2025). Die Finanzkrise 2008 leitete 53 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0061 gerechtigkeiten zu stärken, die sie eigentlich überwinden wollten. In diesem Beitrag werden wir diskutieren, wie sich Städte an Krisen anpassen, wie es zu Zielkonflikten und der Reproduktion von Ungerechtigkeit zwischen partikulären Resilienzen kommen kann und wie auch diese Zielkonflikte koordiniert werden können. Sektorale Prioritäten in der Resilienzplanung Globale Systeme der Polykrise zeigen sich auch in der Stadt als urbanes System. So treffen in Zeiten der Polykrise regelmäßig Schocks auf urbane Räume. Städte versuchen sich lokal an die globalen Folgen von extremen Naturereignissen, wie Hitze, Hochwasser, Dürre, Wassermangel; Terrorismus und Cyber-Angriffen; wirtschaftlicher Schrumpfung; Preisanstiegen und Verdrängung auf dem Wohnung smark t; oder die Beschädigung von Infrastrukturen anzupassen, also Resilienz aufzubauen. In Folge von solchen Krisen verlieren städtische Systeme Teile ihrer sektoralen Funktionen, etwa die öffentliche Daseinsvorsorge. Je nach Resistenz, also der Fähigkeit Schocks zu widerstehen, sind die Schäden an der öffentlichen Infrastruktur stärker oder schwächer. Und je nach Widerherstellungszeit brauchen Sektoren der Stadtplanung länger oder kürzer, um Krisen zu überwinden. Je nach Resistenz und Wiederherstellungszeit lässt sich urbane Resilienz bestimmen (siehe Kasten). Es wird aufgrund der Vielzahl potenzieller Krisen, der Vielfalt von Städten sowie der unterschiedlichen Auslegungen von Resilienz nie resiliente Städte per se geben. Folgen wir jedoch der Annahme, dass partikuläre Krisen Teil der Polykrise sind, dann treffen vielseitige Krisen auf ganz unterschiedliche Städte. Daraus folgen differenzierte Prioritäten sektoraler Resilienz. Auch diese Prioritäten zeigen sich in der Zeitlichkeit und den Sektoren von Stadtpolitik. Idealtypisch kann man sagen, dass einige Städte den Hochwasserschutz priorisieren, wenn sie in der Vergangenheit von extremen Fluten getroffen wurden. Andere Städte setzen Wert auf Wohnungspolitik, um die aktuelle Gentrifizierung an ihren Wohnungsmärkten zu überwinden. Wieder andere bereiten sich auf zukünftige Hitzewellen vor, indem sie der Freiraumplanung Mittel zur Verringerung des Mikroklimas zur Verfügung stellen. In der Planungspraxis lassen sich jedoch innerhalb von einer Stadt verschiedene partikuläre Krisen und sektorale Resilienzen beobachten. Zielkonflikte zwischen Resilienzen in den Sektoren der Stadtplanung sind ein planungspraktisches Problem. weltweit die Finanzialisierung von Wohnungsmärkten als Spekulationsobjekt ein (Haase und Schmidt, 2024). Die COVID-19-Pandemie ab 2019 führte in Städten weltweit zu sozialer Isolation, steigender Arbeitslosigkeit und Inflation. Russlands Krieg gegen die Ukraine verstärkte 2022 diese Inflation durch Energiepreissteigerungen in Europa. In Zeiten der Polykrise sind also auch in Städten einzelne Krisen Auslöser und Folge weiterer Krisen. Die gerechte Stadt muss eigentlich alle Krisen gleichzeitig lösen. In der Praxis schaffen Städte das selten. Sie müssen daher abwägen, an welche Krisen sie sich anpassen, also Resilienz aufbauen (Kabisch, Rink und Banzhaf, 2024). Setzen sie sich das Ziel Resilienz gegenüber einer Krise aufzubauen, sollten die externen Effekte dieser Lösung berücksichtigt werden: Ist die Problemlösung Startpunkt eines neuen Problems, ist das Ziel kohärent mit anderen Planungszielen? Städte müssen also Zielkonflikte zwischen partikulären Krisen und sektoralen Resilienzen ausverhandeln, um nicht mit der Lösung für einen Sektor ein Problem für andere Sektoren zu schaffen - und dadurch Un- 1. Niedrige Resilienz: Kann eine Stadt nach einer Krise, etwa nach einer extremen Hitzeperiode, nicht wieder zurück zum Status quo finden - und muss nach und nach hitzegeschädigte Häuser aufgeben - ist das ein Zeichen von schwacher Resistenz und einer langen Widerherstellungszeit. Das zeichnet niedrige Resilienz aus. In Folge von niedriger Resilienz nehmen sozialräumliche Ungerechtigkeiten zu. 2. Hohe Resilienz: Schafft es eine Stadt nach einer Krise in kurzer Zeit den Status quo - Häuser bewohnbar machen - wieder zu erreichen, beweist sie damit eine starke Resistenz in einer kurzen Wiederherstellungszeit. Hier trägt Resilienz zur Nachhaltigkeit bei. Wird eine Krise überwunden und der Ausgangszustand wiederhergestellt, ist die Resilienz zwar hoch, aber vormalige sozialräumliche Ungerechtigkeiten bleiben erhalten. 3. Transformation: Nachhaltigkeit folgt jedoch erst aus der Kombination von Kontinuität mit Transformation. Schaffen es Städte über den Status quo hinaus und verringern zum Beispiel zukünftige Hitzerisiken in sozioökonomisch schwachen Wohnquartieren und Freiräumen, erhalten sie nicht nur die Kontinuität von Systemfunktionen, sie transformieren das geschockte System und bauen Ungerechtigkeiten ab. Dazu braucht es oft Koordination zwischen Sektoren der Stadtplanung. STÄRKEN VON RESILIENZ THEMA Umwelt 54 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0061 Die klimaangepasste Stadt VERSUS Die leistbare Stadt In der Planungspraxis treten einzelne Krisen gleichzeitig auf und stehen miteinander in Wechselwirkung. Die Klimakrise führt in den meisten Europäischen Großstädten zu einem rasanten Anstieg der Hitzetage - so auch in Wien. Hier soll es laut aktuellen Prognosen ab den 2050er Jahren über 100 Hitzetage pro Jahr geben. Durch die Finanzkrise geraten parallel städtische Wohnungsmärkte extrem unter Druck. Gewinnorientierte Investoren und auch private Spekulanten treiben die Preise für Wohnraum auf privaten Miet- und Eigentumsmärkten in Agglomerationsräumen wie Wien nach oben. Wie auch andere Großstädte hat sich Wien der Klimawandelanpassung im öffentlichen Raum verschrieben. Sie begrünen ehemals betonierte und von Parkstreifen blockierte Straßen. Sie fördern Grundeigentümer bei der Begrünung ihrer privaten Liegenschaften. Sie renovieren ihre urbanen Parks und schützen ihre Grüngürtel. Ziel ist das sommerliche Mikroklima in der Stadt zu senken, um auf zukünftige Hitzewellen vorbereitet zu sein. Über Klimafunktionskarten werden besonders heiße Stadtteile bei der Klimawandelanpassung priorisiert. Das sind oft dicht bebaute Viertel mit teilweise einkommensschwachen Haushalten, sie zu fördern ist eine Frage der sozialräumlichen Gerechtigkeit (Friesenecker et al., 2025). Die Aufwertung des öffentlichen Raums führt jedoch an privaten Mietwohnungsmärkten zu Zielkonflikten, etwa direkter Verdrängung aus Wohnungen und ganzen Stadtteilen durch Räumungen und Preissteigerungen oder indirekter Verdrängung, bei der sich Mieter ganze neue Stadtteile mit höherem Grünraumanteil nicht mehr leisten können (Haase und Schmidt, 2024). Beispiele für diese sogenannte Grüne Gentrifizierung in Europa sind Barcelona, Edinburgh, Kopenhagen und Nantes. Die Wohnungsmärkte dieser Städte sind weder resistent gegenüber der Finanznoch der Klimakrise. Gerade einkommensschwache Haushalte sind hiervon betroffen. Sie sind in schlecht ausgestattete Stadtteile gezogen, um niedrige Mietpreie angeboten zu bekommen. Werden Klimaanpassungen in ihre Miete eingepreist, führt hohe Klimaresilienz nicht zu Gerechtigkeit, sondern reproduziert Ungerechtigkeit in unregulierten Wohnungsmarktsegmenten (Haase und Schmidt, 2024). Um auf diesen doppelten Schock von Finanz- und K limakrise zu reagieren, können St ädte ganz unterschiedliche Planungsinstrumente wählen. Anders als viele andere europäische Städte Resilienzkonflikte in der nachhaltigen Stadtentwicklung Wie oben ausgeführt, gibt es nicht die universell resiliente Stadt, sondern nur Städte, die planen, sich sektoral an die Folgen partikulärer Krisen anzupassen - vor, während oder nachdem sie von Schocks getroffen wurden. Das zeigt: auf die Risikowahrnehmung vielfältiger partikulärer Krisen müssen mehrere sektorale Resilienzen in der Planungspraxis gleichzeitig folgen. Wenn Städte die Polykrise wahrnehmen, und sich einer nachhaltigen Stadtentwicklung verschrieben haben, müssen sie also zwischen sektoralen Resilienzen abwägen, um nicht die Resilienz gegenüber einer Krise zur Krise eines anderen Sektors werden zu lassen. Dazu ein Beispiel aus Wien: Seit den frühen 2010er Jahren hebt der grünraumplanerische Sektor der Wiener Stadtverwaltung das Thema der Hitzeresilienz und der Klimawandelanpassung immer höher auf die planerische Agenda. Mit dem Urban Heat Island Strategieplan, der 2015 rausgekommen ist, wurde erstmals stadtweit erhoben, welche Risiken durch urbane Hitze entstehen und welche freiraumplanerischen Maßnahmen umgesetzt werden sollten. Diese Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum wurden in den letzten 10 Jahren immer stärker gefördert, zuletzt durch die Förderschiene der Stadt für die 23 Wiener Bezirke Lebenswerte Klimamusterstadt im Umfang von 100 Millionen Euro. Daraus sollten Baumpflanzungen, Parkerweiterungen, Sitzgelegenheiten, Beschattungen und Trinkwasserbrunnen finanziert werden. Mit dem Wien Plan 2035 wurde nun im Jahr 2025 festgesetzt, dass besonders dicht bebaute und von einkommensschwächeren Haushalten bewohnte Stadtviertel prioritär an das Klima angepasst werden sollen - Anzeichen von hoher Resilienz und an Gerechtigkeit orientierter Transformation. Gleichzeitig führen diese Investitionen zu Bedenken am Wiener Wohnungsmarkt: Könnten die Investitionen in die klimaresiliente Stadterneuerung zu Lageverbesserungen und damit zu Preissteigerungen am Wohnungsmarkt beitragen? Könnten gerade die, für die der öffentliche Raum eine wertvolle Erweiterung ihrer beengten Wohnverhältnisse ist, durch die bessere Lage unter Druck gesetzt werden? Der grünraumplanerische Sektor ist für die Abwägung mit diesem Zielkonflikt nicht zuständig und der wohnungspolitische Sektor wurde bei den Investitionen nicht mit einbezogen. Wir werden uns im Folgenden auf diesen Resilienzkonflikt zwischen Klimawandelanpassung und Wohnungspolitik für leistbares Wohnen konzentrieren und aufzeigen, wie dieser koordiniert wird. THEMA Umwelt 55 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0061 Die resiliente Stadt ist Teil der globalen Polykrise. Die Beispiele der Klima- und Finanzkrise zeigen, dass sich die Konfliktfelder urbaner Resilienz über städtische, regionale, nationale und internationale Ebenen erstrecken. Auch die Zuständigkeiten für urbane Resilienz liegen nicht immer innerhalb des Systems Stadt. Das zeigt der Wiener Fall, der in nationale Gesetze zur Wohnungsmarktpolitik eingebettet ist. Urbane Resilienz ist ein sektorales Planungskonzept: Sie erarbeitet sich Resilienz gegenüber Schock i) oder Schock ii). Sie ist kein holistisches Konzept. Damit ist die resiliente Stadt per se obsolet und verwischt Resilienzkonflikte. Resilienz ist die Fähigkeit einer Stadt nach einer partikulären Krise ihre zentralen Funktionen in einem spezifischen Sektor wiederherzustellen oder zu transformieren. Bei der Wiederherstellung werden Ungerechtigkeiten reproduziert, in der Transformation werden Ungerechtigkeiten überwunden. Letzteres erfordert die Koordination zwischen Planungssektoren. Die resiliente Stadt ist kein statischer Zustand, sondern eine prozessuale Norm bzw. Maßstab. In der Polykrise befinden sich Städte immer vor, in oder nach einem Schock. Im Wissen um die Allgegenwärtigkeit von globalen Krisen mit lokalen Auswirkungen, steht das Lernen über partikuläre Krisen, sektorale Resilienz und die Koordination von Resilienzkonflikten im Fokus nachhaltiger Stadtentwicklung. In Anbetracht der Polykrise fordert das Konzept der Resilienz Städten ab normativ und parteilich zu sein. Sie sollen das Richtige aus vergangenen Krisen lernen und zukünftige Krisen richtig antizipieren, um in möglichst kurzer Zeit Schocks wieder auszugleichen oder zur Transformation eines Bereichs zu nutzen. Damit wird die Dynamik nach der Krise zentrales Thema der Stadtentwicklung: Soll das System Stadt inklusive seiner Ungerechtigkeit in einem Sektor erhalten werden? Oder soll die nächste Krise genutzt werden, um die Transformation zwischen Sektoren hin zu mehr Gerechtigkeit anzustreben? Resilienzkonflikte und Zielkonflikte zwischen Gerechtigkeitsansprüchen in stadtplanerischen Sektoren entstehen überall dort, wo die Koordination zwischen den Politikfeldern keine Priorität hat oder wo Städte keine Zuständigkeit für Regularien haben. Daher braucht es eine Stadtplanung, die ihre Sektoren dazu anregt, sich an zukünftige Krisen anzupassen. Dabei sollten sektorale Resilienzkonflikte antizipiert werden. Dort, wo mehrere Sektoren tangiert werden, braucht es Koordination von sektoraler Resilienz, um Gerechtigkeit nach Krisen zu stärken. ist Wien eingebettet in ein stark regulierendes Mietrecht auf nationaler Ebene und investiert auf städtischer Ebene in den Erhalt und Bau von städtischen und genossenschaftlichen Wohnungen. Preisanstiege auf dem privaten Mietwohnungsmarkt sind zwar für überdurchschnittliche Grünlagen legitim, dabei handelt es sich aber um Wohnungen im direktenUmfeld zusehrgroßen Grünflächen, wiedem Wiener Prater. Der große Bestand städtischer und genossenschaftlicher Wohnungen ist weitestgehend von Spekulation ausgeschlossen. Verdrängungen durch grüne Lageverbesserungen sind in diesem Segment nicht möglich. Hier profitiert Wien von einem historischen Erbe der Dekommodifizierung, in dem leistbares Wohnen schon vor derFinanz-undderKlimakrisepriorisiertwurde.Durch das Erbe des Roten Wiens der 1920er Jahre, gemeinnützige Bauvereinigungen und das stark regulierende Mietrecht werden heutige Resilienzkonflikte für weite Teile des Wohnungsmarktes vorgebeug t: Dicht bebaute und einkommensschwächere Stadtteile können begrünt werden, ohne dass Verdrängung eine dominante Rolle spielt. In Koordination der Sektoren für Begrünung und Wohnungspolitik können genau die Gruppen in der Klimawandelanpassung priorisiert werden, die auf den öffentlichen Raum und ein kühleres Mikroklima angewiesen sind. Weite Teile der Stadt lassen sich so gerecht transformieren. Aber auch in Wien lässt sich der Resilienzkonflikt zwischen klimaangepasster Stadt und leistbarer Stadt beobachten: Dort, wo private Grundeigentümer, besonders spekulierende Wohnungsunternehmen, illegale Preissteigerungen durch öffentliches und privates Grün rechtfertigen, weil sie wissen, dass entweder ihre einkommensstarke Käuferschaft ein grünes Umfeld erfragt, oder, dass einkommensschwache und bildungsferne Haushalte ihre Rechte nicht kennen. Um diese Ungerechtigkeit zu vermeiden, müsste das Mietrecht gestärkt und um Strafen erweitert werden. Ein Ruf, der von der Wiener Wohnungspolitik an die nationale Ebene gerichtet wird. Ausblick: Koordination sektoraler Resilienz Die resiliente Stadt in der Polykrise ist systemisch schwierig abzugrenzen, setzt sektorale Prioritäten, ist prozesshaft, normativ und parteilich (Kabisch, Rink und Banzhaf, 2024). Resilienzkonflikte führen zu sozialräumlicher Ungerechtigkeit. Durch eine stärkere Priorisierung von Koordination zwischen Sektoren der Stadtplanung kann Gerechtigkeit in der Planung für Resilienz mehr Rechnung getragen werden (Friesenecker et al., 2025). THEMA Umwelt 56 3 · 2025 TR ANSFORMING CITIES DOI: 10.24053/ TC-2025-0061 LITERATUR Friesenecker, M. et al. (2025) ‘Socially equitable climate risk management of urban heat ’, npj Urban Sustainability, 5(1), S. 1-16. Verfügbar unter: https: / / doi.org/ 10.1038/ s42949- 025-00202-2. Haase, A. und Schmidt, A. (2024) ‘Impulse für eine kritische DebattezurresilientenStadtentwicklungamBeispieldergrünen Gentrifizierung’, in Kabisch, S., Rink, D. und Banzhaf, E. (Hrsg.) Die Resiliente Stadt: Konzepte, Konflikte, Lösungen. Berlin, Heidelberg: Springer. S. 39-53. Verfügbar unter: https: / / link. springer.com/ chapter/ 10.1007/ 978-3-662-66916-7_3. Kabisch, S., Rink, D. und Banzhaf, E. (2024) Die Resiliente Stadt: Konzepte, Konflikte, Lösungen. Berlin, Heidelberg: Springer. Verfügbar unter: https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-662-66916-7. Eingangsabbildung: © iStock.com/ lbrix AUTOR: INNEN Mark Scherner, BA MA, Institut für Landschaftsplanung, BOKU University; SIMH- 01/ 10, Peter-Jordan-Straße 65/ I, 1180 Wien mark.scherner@boku.ac.at https: / / orcid.org/ 0000-0003-0371-8395 Thomas Thaler, Priv.-Doz. MMag. Ph.D., Institut für Landschaftsplanung, BOKU University; SIMH-01/ 10, Peter-Jordan-Straße 65/ I, 1180 Wien thomas.thaler@boku.ac.at https: / / orcid.org/ 0000-0003-3869-3722 Michael Friesenecker, Mag.rer.nat. Dr. phil., Institut für Landschaftsplanung, BOKU University, SIMH-01/ 10, Peter-Jordan-Straße 65/ I, 1180 Wien michael.friesenecker@boku.ac.at https: / / orcid.org/ 0000-0002-9654-6213 Anzeige Buchtipp Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Ideal für Studierende des Öffentlichen Wirtschaftsrechts Öffentliche Aufträge sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Vergabe solcher Aufträge ist allerdings an zahlreiche Regeln und Vorschriften gebunden. Ralf Schnieders stellt in seinem Buch 16 Fälle zum Vergaberecht vor - jeweils mit Fallbeschreibung und Falllösung. Auf die Methodik der Fallbearbeitung geht er zu Beginn des Buches zudem ein und bereitet so ideal auf die Prüfung vor. Das Buch richtet sich an Studierende des Wirtschaftsrechts, des Öffentlichen Wirtschaftsrechts, des Public Managments und der Wirtschaftswissenschaften. Ralf Schnieders Vergaberecht: Fälle und Lösungen 1. Au age 2025, 228 Seiten €[D] 24,90 ISBN 978-3-8252-6295-2 (print) ISBN 978-3-8385-6295-7 (eBook) DOI 10.36198/ 9783838562957 THEMA Umwelt
