Forum Exegese und Hochschuldidaktik: Verstehen von Anfang an (VvAa)
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Francke Verlag Tübingen
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Fischer Heilmann Wagner KöhlmoosSpielerisches mit Tiefgang
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Nancy Rahnhttps://orcid.org/0000-0003-3251-413X
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Spielerisches mit Tiefgang Eine Roundtable-Diskussion zu Exegese und Wissenschaftskommunikation Nancy Rahn (orcid.org/ 0000-0003-3251-413X) Vier ganz unterschiedliche Personen trafen sich im Mai 2024 mit mir per Zoom für einen einstündigen Austausch über Kontexte, Herausforde‐ rungen und Chancen von Wissenschaftskommunikation. Sie alle verbindet nicht nur der Standort Schweiz, sondern vor allem Motivation und Freude für die Vermittlung des Kulturguts Bibel und ihre Erforschung an einen breiten Kreis von Interessierten, im Dialog mit den Fragen unserer Zeit. Four very different people met with me via Zoom in May 2024 for a one-hour chat about the contexts, challenges, and opportunities of scholarly communication. These people are all united not only by their location in Switzerland, but, above all, by their motivation and joy in communicating the cultural heritage of the Bible and its research to a broad audience, in dialogue with the questions of our time. All of them offer their individual perspectives; however, the exchange of experiences highlights the main concerns of scholarly communication in the field of exegesis/ theology for today. PD Dr. Veronika Bachmann ist Leiterin des Fachbereichs Theologie und Religion an der Paulus Akademie in Zürich und lehrt als Privatdozentin Altes Testament an der Universität Tübingen. Dr. Nina Beerli ist Geschäftsführerin der Theologischen und Religionswissen‐ schaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Sie hat im Fach Altes Testament promoviert und ist regelmäßig in der universitären Lehre und in der Erwachse‐ nenbildung tätig. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 1 Die Paulus Akademie ist eine Bildungs- und Kulturinstitution, die Begegnung und Dialog ermöglichen will. Wechselseitig bringt sie christliche Handlungs- und Hoff‐ nungsperspektiven in den gesellschaftlichen Prozess und gesellschaftliche Perspektiven in die katholische Kirche ein. Vgl. www.paulusakademie.ch. Die von der Paulus Akademie herausgegebenen Jahresberichte geben auch einen ausschnitthaften Einblick in Metadaten wie Teilnehmendenzahlen etc. Dr. Moni Egger ist Theologin und Bibelerzählerin. Sie arbeitet als Dozentin für Bibeldidaktik und Bibelhebräisch an der Universität Luzern und freischaffend rund um Märchen, Erzählkunst und Theologie (www.matmoni.ch). Dr. David Staub war ursprünglich Bezirksschullehrer und ist heute Wissen‐ schaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neues Testament und antike Religions‐ geschichte der Universität Bern. Seine Freude am Unterrichten hat er nie verloren. Wir starten mit einer Runde zu den jeweiligen Orten, an denen die Teilnehmenden mit Wissenschaftskommunikation in Kontakt sind oder waren. So zeigen sich Ausschnitte aus vier verschiedenen Wissenschaftskommunikationsbiografien. Veronika Bachmann: Ich bin seit knapp zwei Jahren Fachbereichsleiterin für Theologie und Religion an der Paulus Akademie in Zürich. 1 „Stellt Fragen zur Zeit! “ lautet der Claim der Paulus Akademie: Hier ergibt sich die Möglichkeit, Fenster zu öffnen auch zu biblischen Themen und zur Exegese. Unsere Veran‐ staltungen sind wissenschaftsbasiert, interdisziplinär, konstruktiv-kritisch und in weltanschaulicher Offenheit konzipiert. Dem muss ich auch in Veranstal‐ tungen gerecht werden, in denen die Bibel eine Rolle spielt. Das ist eine große Chance. Die Theo-Loge zum Beispiel ist ein Format, bei dem immer ein Gast aus der akademischen Theologie im Zentrum steht. Damit kann Faszination entstehen für das, was wir in der Theologie, auch in der Exegese, machen. Wissenschaft bekommt ein Gesicht. In Diskussionsformaten mit mehreren Personen kann das Diskurspotenzial z. B. von hermeneutischen Fragen deutlich werden. Menschen werden mit hineingenommen in Fragen nach Zugängen, nach dem Wert, aber etwa auch nach der Instrumentalisierung von Texten. Auch mit explizit textzentrierten Formaten beginnen wir zu experimentieren. Nina Beerli: Ich erlebe, dass Wissenschaftskommunikation bereits in der akade‐ mischen Lehre beginnt. Das exegetische Proseminar ist ein gutes Beispiel: Hier wird immer wieder grundsätzlich reflektiert, was Wissenschaft ausmacht und damit auch für ihre Kommunikation zentral ist. Das Studium der Theologie ist auch - oder sollte es sein - eine Ausbildung in Wissenschaftskommunikation. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 14 Nancy Rahn 2 Der evangelische Theologiekurs richtet sich an Menschen, die sich für theologische Fragestellungen interessieren und sich gern mit Grundfragen des Lebens auseinander‐ setzen. In der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau ist der Theologiekurs Bestandteil der Ausbildung für Religionslehrpersonen. Vgl. https: / / www.evang-tg.ch/ d e/ beratung/ angebote/ theologiekurs. 3 FAMA ist eine feministisch-theologische Zeitschrift in der Schweiz. Vgl. www.fama.ch. 4 BibelErz. Verein für biblische Erzählkunst. Vgl. www.bibelerz.ch. Ein weiterer Ort sind die evangelischen Theologiekurse, 2 in die ich eingebunden bin. Gerade dort erlebe ich stark hermeneutische Diskussionen, vor allem was den Umgang mit biblischen Texten angeht. Der Hintergrund, den die Lernenden haben, spielt eine große Rolle und fließt immer wieder in die Reflexion ein. Für uns Lehrende geht es darum zu übersetzen, zu aktualisieren, in ganz unterschiedlichen Formen und Formaten. Moni Egger: Einerseits bin ich ebenfalls in der Aus- und Weiterbildung tätig, inzwischen vor allem im Bereich Religionspädagogik und Katechese. Die schon angesprochene Unterscheidung von Wissenschaft und persönlichen Zugängen, von Spiritualität, ist dort sehr relevant. Auch bei der FAMA 3 bin ich aktiv; das ist wiederum schreibende Wissenschaftskommunikation. Hier zeigt sich im Schriftlichen nochmal verstärkt, dass exegetische Themen, die ich versuche einzubringen, doch zum Teil relativ viel Vorwissen voraussetzen. Die Aufberei‐ tung der Fragen für ein theologisch nicht geschultes Publikum ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für Autor: innen. Auch durch die Erstellung von Lehrmitteln und Unterrichtshilfen bewege ich mich in diesem Feld von zunächst schriftlicher, dann mündlicher Wissenschaftskommunikation. Hier ist das schon biblisch bedeutsame Erzählen - ‚eine Geschichte draus machen‘ - etwas, das meine Arbeit stark prägt. Darum ist wohl mein Lieblingskind der Wissenschaftskommunikation auch BibelErz, 4 wo wir biblische Geschichten für verschiedene Zielgruppen frei erzählen. Für mich funktioniert Kommunikation über Bibel so am einfachsten: Fiktion und Bedeutung werden gleichermaßen klar. David Staub: Ich unterrichte an der Theologischen Fakultät Bern natürlich vor allem Studierende. Wir haben dort in den Bibelwissenschaften aber auch den Anspruch, unsere Arbeit einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das findet in unserem Format Bibelwissenschaft im Gespräch einen Platz. An der Volkshochschule Zürich habe ich einen Kurs zu den Evangelien durchgeführt, was für mich eine enorm spannende Erfahrung war: Dasselbe Thema, das mich auch im Unikontext beschäftigt, konnte ich mit einer ganz anderen und sehr heterogenen Gruppe bearbeiten. Überraschenderweise war das für mich als DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 Spielerisches mit Tiefgang 15 Dozent herausfordernder als der Kurs an der Uni; vor allem in Bezug darauf, den Menschen gerecht zu werden angesichts ihrer verschiedenen Hintergründe, Vorkenntnisse und Wünsche an den Kurs. Auch von meiner örtlichen Kirchge‐ meinde werde ich immer mal wieder für Themenabende angefragt. Da kann es dann um mein Dissertationsthema gehen oder um biblische Motive in einem aktuellen Streaming Format. Schon bei den Eingangsvoten und dem Blick auf die verschiedenen Orte von Wissenschaftskommunikation sind einige Herausforderungen deutlich geworden, denen wir uns noch zuwenden werden. Zunächst interessiert mich, was hinter der Motivation meiner Gesprächspartner: innen steckt: Warum Wissenschaftskom‐ munikation? Und gab es Stationen auf ihrem eigenen Lebens- und Lernweg, die besonders ausschlaggebend waren dafür? David Staub: Für mich persönlich ist es immer wieder ein Ausbrechen aus dem Elfenbeinturm. Mitten in meinen Gedanken, Themen, Forschungsfragen stellt sich mir die Frage nach der Relevanz von dem, was ich tue, und nach Verbindung zur Gesellschaft. Gerade nach Abenden mit größerem Publikum habe ich das Gefühl, ich konnte einem breiteren Kreis von Menschen etwas zugänglich machen von dem Wertvollen, das an der Universität passiert. Veronika Bachmann: Ich habe in Fribourg studiert. Für mich ging damals von der Arbeit rund um das BIBEL+ORIENT Museum, das die Bibel in den Kontext ihrer Welt stellt und mit Menschheitskultur zusammen in den Blick nimmt, eine große Prägekraft aus. Biblische Texte machen Menschheitsfragen zum Thema und haben damit Relevanz bis heute. Sie können uns darin trainieren, Brücken zu bauen. Schon das Lesen der Texte selbst, das Eintauchen in vergangene Zeiten, baut solche. Ich mache die Erfahrung, dass das Menschen auch neugierig macht, sich auf etwas einzulassen, was sie verändert. Vielleicht geht das sogar in Richtung Spiritualität? Was Wissenschaft ist und was spirituell - das darf für mich insofern gerne ineinandergreifen. Gerade der Fribourger Schule hat man gerne vorgeworfen, nicht theologisch, sondern rein historisch zu sein. Ein solcher Vorwurf greift für mich zu kurz. Nina Beerli: Für mich war schon seit Beginn des Studiums die Kommunikation und die Vermittlung der Inhalte ein entscheidender Punkt. Das hat Theologie, das hat Exegese für mich lebendig gemacht, und macht es immer noch. Theologiekurse, Volkshochschule, Lehre an der Uni - das gibt mir so viele Möglichkeiten zum Austausch, zur Diskussion. Ich lerne selbst dabei. Und die Teilnehmenden machen häufig die Erfahrung: Auch ohne religiösen Hinter‐ DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 16 Nancy Rahn 5 Ein Beispiel dazu findet sich in Egger, Abtreibung. grund haben mir diese Texte etwas zu sagen, können mich zum Nachdenken anregen. Moni Egger: Ein weiterer Aspekt wäre für mich noch: Ich ziehe persönlichen Nutzen aus der Kommunikation exegetischer Inhalte. Erst wenn ich etwas erfolgreich kommuniziert habe, habe ich es selbst ganz verstanden. Oft denken wir bei Wissenschaftskommunikation über die Richtung vom Elfen‐ beinturm nach außen nach. Kann wissenschaftliche Exegese von dem, was in Wissenschaftskommunikation passiert, wiederum profitieren? Wie erleben Men‐ schen diese andere Denkrichtung? Moni Egger: Beim Leiten von Erzählkursen lerne ich unheimlich viel über die biblischen Texte. Es geht darum, wie das Weiße zwischen den schwarzen Buchstaben gefüllt wird. Die biblischen Texte alleine zu lesen kann ein Anfangs‐ punkt sein - größere Dimensionen eröffnen sich im gemeinsamen Lesen und Nachdenken. 5 Nina Beerli: Erst kürzlich hatte ich eine kurze WhatsApp-Kommunikation mit einer befreundeten Pfarrerin, die einen wissenschaftlichen Artikel von mir gelesen hatte. Sie hat Aspekte davon weitergedacht, quasi Punkte, die ich gesetzt hatte, als Doppelpunkte verstanden. Wir wissen ja, dass es immer noch mehr zu entdecken und neu zu verstehen gibt. Daraus kann im besten Fall eine Art Kreislauf werden, auch in Bezug auf das Nachdenken über Methodik und Kommunikation. David Staub: Ich bin immer wieder überrascht, welche Fragen Menschen ohne viel Vorwissen stellen, wenn sie relativ unbefangen an biblische Texte herangehen. Ich habe wiederholt die Erfahrung gemacht, dass sich dadurch Aspekte erschlossen haben, die ich vorher nicht im Blick hatte. Wir wissen ja aus der Forschungsgeschichte: Textauslegung lebt von den Fragen, die wir an die Texte stellen. Deshalb hat der Berner Neutestamentler Prof. Dr. Ulrich Luz (†) in seinen EKK-Kommentierungen jeweils nicht nur am Ende der Besprechung einer Perikope einen Ausblick auf ihre Rezeptionsgeschichte geboten, sondern manchmal die Reihenfolge radikal umgestellt und mit der Wirkungsgeschichte angefangen, um, davon ausgehend, zur exegetischen Diskussion zu gelangen. Veronika Bachmann: Gerade die verschiedenen Prägungen, denen man inner‐ halb von Formaten der Wissenschaftskommunikation bei Teilnehmenden be‐ DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 Spielerisches mit Tiefgang 17 gegnet, haben viel mit der Rezeptionsbzw. Wirkungsgeschichte der Texte zu tun. Auf diese große Bedeutung der Rezeptionsgeschichte bin ich vor allem über die Vermittlung gekommen, nicht so sehr durch das Studium. Auch hermeneutische Fragen kommen hier wieder ganz stark ins Spiel: Wer macht was mit welchen Texten? Das lässt sich explizit zum Thema machen. Aus nur wenigen Stimmen in einem kurzen Gespräch wird viel vom Potenzial von Wissenschaftskommunikation deutlich. Welchen Herausforderungen - seien sie struktureller, inhaltlicher, organisatorischer Natur - begegnen Engagierte in der Vermittlung von exegetischen Einsichten in unserer Zeit? Wie kann man damit umgehen? Welche Ressourcen gibt es, um Herausforderungen zu bearbeiten? Nina Beerli: Eine große Herausforderung scheint mir, dass Menschen mit sehr vielen Vorurteilen an die Texte herangehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Lernende durch konservative und zum Teil wissenschaftsskeptische Standpunkte geprägt sind. Für einige von ihnen hat Theologie etwas Destruk‐ tives; der implizite oder explizite Vorwurf ist, dass Wissenschaft die Texte nicht als heilige Texte ernst nimmt. Da muss erst viel geklärt werden, da müssen Mauern abgerissen werden - das ist unter Umständen ein langer Prozess. Ähnliche Erfahrungen habe ich aber auch mit Lernenden gemacht, die ein explizit offenes, liberales Weltbild haben. Auch da gibt es zum Teil starke Vorbehalte. Die Texte werden nicht nur als alt, sondern auch als brutal, anstößig und theologisch schwierig zu verdauen wahrgenommen - und deshalb oft als Ganzes abgelehnt. Hier ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch anstößige, brutale Texte wichtige Einsichten vermitteln und zum Nach- und Weiterdenken anregen können, ist mindestens genauso herausfordernd! Aber es ist möglich. Viel ist da auch vom persönlichen Kontakt, von der Resonanz zwischen Lehrenden und Lernenden, abhängig. Moni Egger: Diese Erfahrungen kenne ich auch. Gerade bei Texten, bei denen Menschen das Gefühl haben, sie wissen ganz genau, was sie bedeuten, ist es anspruchsvoll, produktive Irritation, eine Atmosphäre des Hinterfragens ent‐ stehen zu lassen. Nicht selten begegnen zum Beispiel festgefahrene, unbewusst antijüdische Klischees, mit denen wir umgehen müssen. Daran merkt man auch, dass es wenige Orte gibt zum Nachdenken über biblische Texte, über Religion allgemein. Manche Glaubenssätze oder Prägungen nehmen Menschen bereits seit Jahrzehnten mit und hatten noch keine Möglichkeit, sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 18 Nancy Rahn Veronika Bachmann: Für mich ergibt sich dadurch auch die Notwendigkeit von wirklicher Übersetzungsarbeit. Die Komplexität der Bibelwissenschaft ist schon sehr hoch und unsere Ergebnisse können wir häufig nicht 1: 1 auf andere Kontexte übertragen. Ich habe gelernt, viel stärker von den Zielgruppen her zu denken. Was hilft wem, um eigenständigere und tragfähige Zugänge zu Bibli‐ schem zu finden? Das erfordert auch, manche Eitelkeiten abzulegen, mit einer gewissen Demut an die Aufgabe zu gehen und nicht Guru spielen zu wollen, so verlockend das sein kann. Ein Potenzial von Wissenschaftskommunikation kann also wiederum sein, sich selbst als Wissenschaftler: in zu reflektieren. Und noch ein ganz anderer Aspekt: Manchmal bin ich frustriert, wenn ich bei Profis, seien es Absolvent: innen von theologischen Studiengängen oder Wissenschaftler: innen, ein komplett fehlendes Interesse an Wissenschaftskom‐ munikation und Vernetzung in diese Richtung erlebe. Das zeigt deutlich, wie sehr Wissenschaftskommunikation auch eine Ressourcen- und Prioritätenfrage ist. David Staub: Wenn ich mich auf ein Seminar vorbereite, versuche ich immer, am Verstehenshorizont der Studierenden entlang zu navigieren. Das ist in vielen Wissenschaftskommunikationsformaten nicht oder nur bedingt möglich. Volkshochschulkurse sind am ersten Abend eine absolute Blackbox. Ich muss immer wieder neu, auch spontan, mit der Diversität der Gruppe umgehen, die Teilnehmer: innen abholen und vernetzen. Zum Abschluss und Weiterdenken interessiert mich: Wie könnten Wünsche lauten an die gute Fee der Wissenschaftskommunikation? Nina Beerli: Ich würde mir wünschen, dass Wissenschaftskommunikation im Bereich der (akademischen) Theologie insgesamt einen größeren Stellenwert bekommt. Forschung und ihre Kommunikation gehören auf das Engste zu‐ sammen. Das spiegelt sich meiner Wahrnehmung nach z. B. bei der Evaluierung akademischer Karrieren oftmals nicht wider. Veronika Bachmann: Eine stärkere Vernetzung von Menschen, denen Wissen‐ schaftskommunikation wichtig ist, wäre zukunftsweisend. Genauso wie die Verbindung von Kreativität und Wissenschaft. Das könnte nicht zuletzt Fronten zu bearbeiten und aufzubrechen helfen zwischen Menschen mit sehr unter‐ schiedlichen Meinungen zur Bibel. Vielleicht sogar auf unerwartete Art und Weise. Auch institutionelle Unterstützung, ob von Medien oder Kirchen, wäre hier wünschenswert und wichtig. Wir brauchen Zeit und Raum für Spielerisches mit Tiefgang. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 Spielerisches mit Tiefgang 19 Moni Egger: Vor allem im akademischen Kontext würde ich mir das noch verstärkt wünschen. Auch theologische Fakultäten, Universitäten allgemein, könnten Räume öffnen, in denen Wissenschaftler: innen und einer breiteren Öffentlichkeit Austausch ermöglicht würde, der beide Seiten befruchtet. David Staub: Mein Wunsch wäre, dass wir es dadurch schaffen, gerade jün‐ geren Menschen das Potenzial der Auseinandersetzung mit biblischer Literatur für aktuelle gesellschaftliche Fragen wieder neu deutlich und zugänglich zu machen. Ich denke, da liegt eine große Ressource für die Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung. Literatur Egger, Moni: Abtreibung in der Bibel? Die Heilung der blutflüssigen Frau, FAMA 34,3 (2018/ 3), 14-16, https: / / matmoni.ch/ wp-content/ uploads/ 2019/ 08/ FAMA_18_3_ Blutflu%CC%88ssige.pdf. Letzter Zugriff: 26.07.2024. https: / / www.bibelerz.ch. Letzter Zugriff: 26.07.2024 https: / / www.evang-tg.ch/ de/ beratung/ angebote/ theologiekurs. Letzter Zugriff: 26.07.2024. https: / / www.fama.ch. Letzter Zugriff: 26.07.2024. https: / / www.paulusakademie.ch. Letzter Zugriff: 26.07.2024. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0002 20 Nancy Rahn
