Forum Exegese und Hochschuldidaktik: Verstehen von Anfang an (VvAa)
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2366-0597
2941-0789
Francke Verlag Tübingen
10.24053/VvAa-2023-0017
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2026
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Fischer Heilmann Wagner KöhlmoosEinführende Methodenwerke – Hilfestellung für den Schreibprozess exegetischer Hausarbeiten?
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Leandra Hübener
Lisa Röttcher
Die Exegese ist ein grundlegender Bestandteil der theologischen Ausbildung in der Evangelischen Theologie und dient als Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten in der Bibelwissenschaft. In diesem Artikel wird untersucht, wie einführende Methodenwerke Studierende beim Verfassen exegetischer Arbeiten unterstützen können, indem drei beispielhafte Werke evaluiert werden. Unsere Bewertung stützt sich auf vier Schlüsselkriterien, die wir aus unseren eigenen Erfahrungen als Studierende abgeleitet haben: logischer Aufbau, Klarheit der Sprache, Ausgewogenheit des theoretischen Inputs und Verwendung anschaulicher Beispiele.
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1 Leandra Hübener und Lisa Röttcher sind Studentinnen an der Goethe-Universität Frankfurt. Einführende Methodenwerke - Hilfestellung für den Schreibprozess exegetischer Hausarbeiten? Leandra Hübener/ Lisa Röttcher 1 Exegesis is a fundamental part of theological education in Protestant theology, serving as the basis for academic papers in biblical studies. This article explores how introductory methodological books can support students in writing exegetical papers by evaluating three exemplary works. Our review is built on four key criteria, which we based on our own experiences as students: logical structure, clarity of language, balance of theoretical input, and use of illustrative examples. Die Exegese ist ein grundlegender Bestandteil der theologischen Ausbil‐ dung in der Evangelischen Theologie und dient als Grundlage für wis‐ senschaftliche Arbeiten in der Bibelwissenschaft. In diesem Artikel wird untersucht, wie einführende Methodenwerke Studierende beim Verfas‐ sen exegetischer Arbeiten unterstützen können, indem drei beispielhafte Werke evaluiert werden. Unsere Bewertung stützt sich auf vier Schlüs‐ selkriterien, die wir aus unseren eigenen Erfahrungen als Studierende abgeleitet haben: logischer Aufbau, Klarheit der Sprache, Ausgewogenheit des theoretischen Inputs und Verwendung anschaulicher Beispiele. Die Exegese bildet in der Evangelischen Theologie das Fundament der theolo‐ gischen Ausbildung von Studierenden - sowohl für das Lehrals auch für das Pfarramt. Daher ist sie auch die Grundlage jeder Hausarbeit in den biblischen Fächern. In unserem Proseminar haben wir gelernt, dass es bei den ersten Schritten einer Exegese weniger darum geht, feine Mosaike zu legen, sondern eher den Text als großes Ganzes in den Blick zu nehmen und ein Fundament zu legen. Um diese Grundlagen von Anfang an verstehen zu können, gibt es DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 neben Proseminaren auch einführende Methodenwerke. Sie werden meist als begleitende Lektüren eingesetzt, um ein tieferes Verständnis der exegetischen Anforderungen zu entwickeln. Daneben kann sie Studierenden für den Schreib‐ prozess als Hilfestellung dienen; sie kann aber auch mehr Verwirrung stiften als Klarheit schaffen. Was aus unserer Sicht konkret beim Schreiben einer Hausarbeit unterstützt, wollen wir im Folgenden kurz illustrieren. Aus unserer eigenen Erfahrung als Studierende heraus formulieren wir Kriterien, anhand derer wir exemplarisch drei Werke einführender Literatur beleuchten.- 1. Eine sinnvolle Struktur ist nötig, bei der die Methodenschritte in einer stringenten Abfolge dargelegt werden. In den Worten des Beispiels vom Anfang gesprochen, könnte man es so formulieren: Die großen Steine, die das Fundament der Auslegung bilden, werden in einer Art und Weise erklärt, dass Studierende nun nicht mehr über sie stolpern. In einem späteren Schritt kann man sich dann einem detaillierten Mosaik widmen. 2. Zudem ist eine verständliche Sprache, die zum Weiterlesen anregt, ein ab‐ solutes Muss. Gerade die Formulierungsweise von einführender Literatur sollte und muss an den Wissensstand der Rezipient: innen angepasst sein. Dabei fördert eine verständliche Sprache maßgeblich die Vermittlung der Methodenschritte, die in der späteren Arbeit Anwendung finden sollen.- 3. Das richtige Maß an theoretischem Input in Verbindung mit hilfreichen Erklärungen trägt zum Verständnis der Methodenschritte bei. Das richtige Maß bedeutet, wesentliche Fachbegriffe einzuführen, diese zu erläutern und dabei nicht zu tief in einem theologischen Fachjargon zu versinken. Wichtig ist uns, dass Studienanfänger: innen als Hauptzielgruppe von einleitender Literatur dem Text gut folgen können. Darüber hinaus scheint es uns wichtig, sich im Aufbau einer Einführung auf wesentliche Inhalte einer exegetischen Arbeit zu fokussieren, um Studierende nicht durch übermäßigen Input zu verwirren.- 4. Schließlich empfinden wir gute und textnahe Beispiele, die idealerweise graphisch anschaulich dargestellt werden, als essenziell, um die gerade gelernten Methoden zu veranschaulichen und zu festigen. Beispiele helfen, das neu erlernte, theoretische Wissen auf die eigene Arbeit zu projizieren und Selbsterarbeitetes mithilfe der Beispiele abzugleichen.- In einem nächsten Schritt wenden wir oben genannte Kriterien auf drei Werke einführender Literatur an und prüfen, inwiefern diese als Hilfestellung im Schreibprozess einer exegetischen Hausarbeit hilfreich sein können. Exempla‐ risch sollen daher die Bücher „Bibelauslegung“ von Michael Schneider und Michael Rydryck, „Methoden alttestamentlicher Exegese“ von Thomas Hieke DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 76 Leandra Hübener/ Lisa Röttcher 2 Die Auswahl fiel auf diese Methodenwerke, da sie beide exegetischen Fächer abdecken und eine möglichst große Auswahl an Studiengängen berücksichtigen. 3 Rydryck/ Schneider, Bibelauslegung. 4 Rydryck/ Schneider, Bibelauslegung, 9. 5 Vgl. Rydryck/ Schneider, Bibelauslegung, 5-7. und Benedict Schöning sowie „Leitfaden Exegese“ von Kurt Erlemann und Thomas Wagner betrachtet werden. 2 Dabei nehmen wir eine studentische Perspektive ein und bieten so eine ehrliche Einschätzung, welche Aspekte aus einführender Literatur den Schreib‐ prozess unterstützen und welche unter Studierenden eher Verwirrung stiften. Dies soll dazu dienen, dass die zukünftige Literatur die Bedürfnisse der Studie‐ renden noch stärker einbezieht und somit eine bessere Wissensvermittlung stattfinden kann. Damit ist beiden Seiten geholfen; Studierende haben ein Einführungswerk, das sie in ihrem Schreibprozess begleiten kann, und die Leh‐ renden erhalten eine ehrliche Rückmeldung und Idee, wie sie das Konzept einer Exegese möglichst gut vermitteln und den Schreibprozess begleiten können. 1 Schneider/ Rydryck Zunächst widmen wir uns dem Werk „Bibelauslegung“ von Schneider/ Rydryck 3 . Dieses erst vor zwei Jahren erschienene Buch setzt sich bewusst von anderen Methodenbüchern ab, indem es nicht Studierende, sondern „Leserinnen in der kirchlichen und schulischen Praxis“ 4 in den Blick nimmt. Diese Einführung soll demnach nicht direkt den Schreibprozess einer wissenschaftlichen Arbeit unterstützen, sondern mit Blick auf ein Praxisfeld, Grundzüge der Exegese vermitteln. Die Autoren satteln das Pferd gewissermaßen von hinten auf: Erst durch die Relevanz der biblischen Texte in der praktischen Lebenswelt lohne sich das theologische Nachdenken darüber. Der Text hat demnach immer einen Sinn und einen Sitz im Leben der Rezipient: innen. Dieser sehr praxisnahe Blick eröffnet eine neue Perspektive auf das Verständnis der Exegese und hat, bei Berücksichtigung, auch große Einwirkungen auf den Schreibprozess der Studierenden. Strukturell (1) ist das Buch in drei Abschnitte gegliedert: Teil A befasst sich mit den Grundlagen des Textverständnisses und führt überblicksartig in die Lebenswelt des Neuen Testaments ein. In Teil B gehen die Autoren näher auf die Textanalyse ein. Dabei verfolgen sie einen semiotisch-kritischen Ansatz. Teil C widmet sich schließlich einer praktischen Anwendung der Bibelauslegung in Gottesdienst und Schule. 5 Auch die Unterstruktur der Kapitel ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut, sodass das Werk leicht verständlich ist.- DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 Einführende Methodenwerke 77 6 Erlemann/ Wagner, Leitfaden. Als erster Leseeindruck (2) fällt uns auf, dass die sprachliche Ausarbeitung an einigen Stellen etwas holprig und für den ungeübten Leser unverständlich ist. Grundsätzlich verwenden die Autoren aber eine simple, einfache und anschauliche Sprache. Deutlich ist, dass die Autoren, wie sie es bereits im Abschnitt „Ziel dieses Buches“ dargelegt haben, einen Schwerpunkt auf die Praxis legen (3). So finden sich immer wieder Verweise und Verbindungen zu Teil C. Da für sie die prak‐ tische Anwendung der biblischen Texte die wichtigste Voraussetzung für ein theologisches Nachsinnen und Forschen ist, scheint dies nicht verwunderlich, kann jedoch beim Schreibprozess einer Arbeit überfordernd sein. Diese Praxisnähe zieht sich ebenfalls durch die Beispiele (4), die bereits mit der Überschrift „Skizzen für die Praxis“ überschrieben sind. Dabei greifen die Autoren den im vorherigen Kapitel beschriebenen Methodenschritt auf und setzen ihn in die Tat um. An dieser Stelle wäre eine bessere Verbindung zwischen der theoretischen Einführung und der praktischen Umsetzung sehr hilfreich. Generell sollte ein solches Verständnis von Theorie und Praxis kritisch reflektiert und vor allem über seine Machbarkeit in der realen Lebenswelt nachgedacht werden. Die Autoren gehen nach diesem Ansatz von einem fertigen Mosaik aus, für das sie sich die richtigen Steine heraussuchen müssen. Damit ist der/ die Rezipient: in jedoch dazu verleitet, dem Text eine Perspektive aufzuerlegen, die der Text nicht hergibt. Abschließend kann festgehalten werden, dass das Einführungswerk „Bibel‐ auslegung“ von Schneider / Rydryck für Pfarr- und Lehrpersonen ausgelegt ist, die bereits in ihrem Studium mit der Exegese in Kontakt kamen und nun für ihre Berufspraxis ein Werk zur Begleitung suchen. Für das Verfassen einer Hausarbeit ist sie jedoch nicht als alleiniges Hilfsmittel geeignet, kann jedoch zum Schreibprozess beitragen und als Ergänzung dienen. 2 Erlemann/ Wagner Einen anderen Ansatz verfolgt der „Leitfaden Exegese“ von Erlemann/ Wagner. 6 Dieser UTB-Band wendet sich vor allem an BA- und Lehramtsstudierende und bietet einen Vorschlag, wie historisch-kritische Exegese ohne Sprachkenntnisse des Hebräischen und Griechischen sinnvoll an deutschen Übersetzungen ange‐ wendet werden kann. Er ist damit weniger für klassische Proseminararbeiten der Pfarramtsstudierenden ausgelegt, sondern möchte die Kompetenzen för‐ dern, die später im Lehramt von Bedeutung sind. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 78 Leandra Hübener/ Lisa Röttcher Zuerst aber werfen wir einen Blick auf die Struktur des Buches (1). Das Buch unterteilt sich in zehn Kapitel, die inhaltlich jeweils aufeinander aufbauen und den Studierenden damit eine Orientierung für ihren Schreibprozess bieten sollen. Strukturell gut gemacht sind die zu Beginn jedes Kapitels formulierten Leitfragen, Ziele und Methoden, die einen Wegweiser für das folgende Kapitel darstellen. Das wirkt sich positiv auf den Schreibprozess aus: Das Buch lädt dazu ein, sich inhaltlich auf den zu lernenden Inhalt vorzubereiten und zu wissen, worauf es beim Schreiben wirklich ankommt. Auch über die Proseminararbeiten hinaus ist ein solcher Aufbau hilfreich, da Studierende lernen, auch ohne fest vorgegebene Struktur, das Fundament der Exegese anzuordnen. Positiv ist uns das umfangreiche Literaturverzeichnis am Ende des Buches aufgefallen: Hier finden Studierende grundlegende Literatur, auf die sie beim Schreiben einer eigenen Hausarbeit zurückgreifen können. Sprachlich (2) passt sich das Buch an die Inhalte an. Die Autoren bemühen sich auf der Satzebene um eine einfache Sprache und versuchen, nicht durch übermäßig verschachtelte Sätze Studierende zur Verzweiflung zu bringen. Trotzdem sind die Texte durch die Wortwahl nicht unbedingt einfach zu lesen. Uns fällt auf, dass ein relativ hohes Maß an Fachbegriffen verwendet wird, die zwar bei ihrer Einführung kurz erklärt, anschließend aber vorausgesetzt werden. In der inhaltlichen Struktur (3) greifen die Autoren die Methodenschritte und den Umfang einer historisch-kritischen Proseminararbeit auf. Damit orientieren sie sich an den Inhalten eines Proseminars und vertiefen punktuell einige Aspekte, die gegebenenfalls in den Schreibprozess mit einfließen können. Am Ende jedes Kapitels finden sich mehrere Beispiele (4), die das Kapitel inhaltlich aufgreifen und den neu gelernten Methodenschritt anwenden. Als gut bewerten wir, dass es sich in den Beispielen immer um eine gleichbleibende Auswahl an Bibelstellen handelt. Das bedeutet, dass im Laufe der Lektüre eine fast vollständige exemplarische Exegese durchgeführt wird. Gleichzeitig werden oft mehrere Bibelstellen nacheinander umfangreich ausgeführt; diese Fülle an Beispielen wirkt stellenweise überwältigend. Zusammenfassend hält das Methodenbuch, was es verspricht: Es ist eine Anleitung für eine Proseminararbeit ohne Voraussetzung griechischer und hebräischer Sprachkenntnisse. Damit wendet es sich bewusst BA- und Lehr‐ amtsstudierenden zu und kann gerade in diesem Rahmen den Schreibprozess unterstützen. Für Pfarramtsstudierende kann das Buch in manchen Aspekten hilfreich sein, bietet jedoch keine vollständige Anleitung zum Verfassen einer Proseminararbeit. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 Einführende Methodenwerke 79 7 Hieke/ Schöning, Methoden. 8 Hieke/ Schöning, Methoden, 7. 3 Hieke/ Schöning Einen wiederum anderen Ansatz wählen Hieke/ Schöning in ihrem Buch „Me‐ thoden alttestamentlicher Exegese“. 7 Sie betonen, ihre Einführung sei ein „Lern‐ buch“ - also ein Buch, das vor und während des Schreibprozesses praktische Hilfestellungen für die Anwendung exegetischer Methodenschritte bieten soll. Denn, so formulieren die Autoren selbst: „Um zu lernen, wie man biblische Texte auslegt, muss man genau das tun: biblische Texte auslegen” 8 . Die Zielgruppe sind Studierende der Theologie sowie generell an alttestamentlicher Exegese Interessierte. Wie bereits Erlemann/ Wagner verfolgen die Autoren einen histo‐ risch-kritischen Ansatz. Kenntnisse der griechischen und hebräischen Sprache werden nicht voraus‐ gesetzt, sodass dieses Buch auch für BA- und Lehramtsstudierende geeignet ist. Vereinzelte Hinweise führen weitergehend in den Umgang mit der alten Sprache ein. Dadurch sind zwei Fokusse auf den Text möglich: ein praktischer und ein bibelwissenschaftlicher. Wie bereits Erlemann/ Wagner orientiert sich auch dieses Buch strukturell (1) an den „klassischen“ methodischen Schritten einer historisch-kritischen Proseminararbeit und arbeitet diese systematisch ab. Die Kapitel sind jedoch sehr unterschiedlich aufgebaut. So bietet dieses Methodenbuch farblich abge‐ hobene Kästchen, in denen Stichpunkte zusammengefasst werden, Beispiele erläutert werden, Überblickswissen gegeben wird oder am Ende des Kapitels mit einem „Wissens-Check“ dazu eingeladen wird, Gelerntes zu wiederholen. Das Lehrbuch regt demnach dazu an, erlerntes Wissen durch Wiederholun‐ gen zu festigen und eine reflektierte Position einzunehmen. Dies leitet zum eigenständigen Schreiben an, da nicht einfach nur Methodenschritte stumpf abgearbeitet, sondern verstanden und selbst angewendet werden sollen. Das Buch bietet damit eine fundierte Anleitung zum Setzen der groben Grundsteine einer Exegese. Der sprachliche Stil (2) ist dabei einfach, jedoch nicht zu schlicht, sodass er zum Weiterlesen anregt. In seiner inhaltlichen Struktur (3) beschränkt sich das Lernbuch auf die für eine Proseminararbeit relevanten Aspekte und hat damit unserer Meinung nach eine gute Balance zwischen Erklärungen, Beispielen und theoretischem Methodenwissen. Die Inhalte werden immer wieder in Schaubildern bildlich dargestellt, womit das Verstehen der einzelnen Schritte sowie deren Grundlagen vereinfacht wird. Fachbegriffe werden verständlich eingeführt und erklärt, DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 80 Leandra Hübener/ Lisa Röttcher nehmen im Gesamttext jedoch keine Überhand. Demnach unterstützt das Methodenbuch insbesondere in dieser Hinsicht den Schreibprozess. Die Beispiele (4) wirken dabei nicht überfrachtet, sondern kommen im Fließtext punktuell vor, um den methodischen Zwischenschritt unmittelbar zu veranschaulichen. Dafür wurden Texte aus verschiedenen Büchern ausgewählt, sodass alle alttestamentlichen Textsorten vertreten sind. Wie die Autoren bereits in ihrem Vorwort betont haben, ist dieses Buch ausschließlich auf alttestament‐ liche Texte bezogen, was wir persönlich sehr schade finden. Denn eine begrenzte Mischung aus alttestamentlichen und neutestamentlichen Texten würde das interdisziplinäre Schreiben vereinfachen und unterstützen. Abschließend wollen wir festhalten, dass dieses Buch von den drei Beispielen dasjenige ist, mit dem sich am besten eine historisch-kritische alttestamentliche Proseminararbeit schreiben lässt. Es deckt die verschiedenen Kompetenzen der Studierenden ab und fokussiert sich auf das Basiswissen, das für den grundlegenden Schreibprozess notwendig ist. 4 Fazit Betrachten wir die unterschiedlichen Methodenbücher unter Berücksichtigung unserer Kategorien, so kommen wir zum Schluss, dass größere Unterschiede innerhalb der Methodenbücher zu finden sind, als wir zunächst erwartet haben. Umso wichtiger erscheint uns eine kritische Betrachtung dieser Methodenbü‐ cher mit Blick auf den Schreibprozess und seine Rezipient: innen.- Wie würde nun aber ein für uns ideales Methodenbuch aussehen? Eine endgültige Antwort auf diese Frage ist schwer zu geben. Wir wollen jedoch kurz festhalten, welche Aspekte wir aus den drei exemplarisch betrachteten Büchern als besonders hilfreich empfunden haben - vor allem hinsichtlich des Schreibprozesses.- Unter dem Gesichtspunkt, dass wir einführende Literatur dahingehend be‐ werten, wie gut sie den Schreibprozess einer Proseminararbeit unterstützen kann, finden wir generell einen inhaltlichen Aufbau, der sich an einem Prose‐ minar orientiert, sinnvoll und hilfreich (1).- Farbliche Gestaltung lockert das Textbild einführender Literatur auf und hilft, den Text in den Augen der Lesenden grob zu strukturieren (1). Positiv ins Auge gefallen sind uns die farbigen Kästchen im Buch von Hieke/ Schöning. In Erlemann/ Wagner hat uns besonders das ausführliche Literaturverzeichnis am Ende des Buches gefallen (1). Es bietet einen umfangreichen Überblick über die Standardliteratur und die wichtigsten Kommentare.- DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 Einführende Methodenwerke 81 Wir schätzen, dass die Autoren den Studierenden mit einfacher, leicht ver‐ ständlicher Sprache entgegenkommen (2). Wichtig finden wir dabei jedoch, gut verständliche Sprache nicht mit langweiliger Sprache zu verwechseln. Neben einem guten Maß an theoretischem Input braucht es ein ausgewogenes Maß an Fachbegriffen (3). Wir finden es wichtig, mit Fachbegriffen zu arbeiten, diese sollten jedoch nicht die Überhand gewinnen und an den passenden Stellen eingeführt und erklärt werden - sonst wirkt es schnell verwirrend.- Prinzipiell finden wir es gut, sowohl alttestamentliche als auch neutestament‐ liche Passagen beispielhaft zu bearbeiten (4). Hier ist es jedoch wichtig, darauf zu achten, dass diese nicht zu lang werden - das wirkt schnell überfordernd. Abschließend können wir sagen, dass keines der drei Bücher das „per‐ fekte“ Methodenbuch ist. Eine Kombination aus Hieke/ Schöning sowie Erle‐ mann/ Wagner in der historisch-kritischen Exegese im Rahmen einer Prosemi‐ nararbeit kann jedoch eine sehr gute Basis bilden, um Studierende dabei zu unterstützen, das Fundament der Exegese im Schreibprozess einer exegetischen Hausarbeit sicher anzuordnen. Literaturverzeichnis Rydryck, Michael/ Schneider, Michael: Bibelauslegung: Grundlagen - Textanalysen - Praxisfelder, Göttingen 2022. Hieke, Thomas/ Schöning, Benedict: Methoden alttestamentlicher Exegese, Darmstadt 2017. Erlemann, Kurt/ Wagner, Thomas: Leitfaden Exegese: Eine Einführung in die exegeti‐ schen Methoden für das BA- und Lehramtsstudium, Tübingen 2013. DOI 10.24053/ VvAa-2023-0017 82 Leandra Hübener/ Lisa Röttcher
