Forum Exegese und Hochschuldidaktik: Verstehen von Anfang an (VvAa)
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2366-0597
2941-0789
Francke Verlag Tübingen
10.24053/VvAa-9-0002
vvaa91/vvaa91.pdf0824
2026
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Fischer Heilmann Wagner KöhlmoosFeministische Exegese als intersektionales Projekt
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2026
Christl M. Maierhttps://orcid.org/0009-0001-3791-6317
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1 Christl M. Maier ist Universitätsprofessorin an der Philipps-Universität Marburg und Extraordinary Professor der Gruppe Altes und Neues Testament an der Universität Stellenbosch, Südafrika. 2 Zur globalen Perspektive vgl. Schüssler Fiorenza/ Jost (Hg.), Bibelwissenschaft. 3 Diese Schreibweise schließt Menschen verschiedener Geschlechter bewusst ein. Feministische Exegese als intersektionales Projekt Christl M. Maier (orcid.org/ 0009-0001-3791-6317) 1 Feministische Exegese wird in Deutschland seit über fünfzig Jahren betrieben. 2 Sie verknüpft eine Vielzahl verschiedener Herangehensweisen an biblische Texte, ist somit als ein plurales Projekt, genauer als ein vielschichtiger und sich stetig verändernder Prozess zu verstehen. Da sich sowohl die hermeneutischen Perspektiven als auch die Wahl der Methoden inzwischen stark ausdifferenziert haben, verwende ich im Folgenden manchmal den Plural. Feministische Exe‐ get: innen 3 orientierten sich in allen Phasen an Theorien der feministischen Philosophie sowie der Sozial- und Literaturwissenschaften, die jeweils eng mit den Frauenbewegungen verknüpft waren. Auch die Frauenbewegungen sind vielschichtig: Sie zielen bis heute auf gesellschaftliche Veränderungen zugunsten von Frauen, was häufig mit den Begriffen „Emanzipation“ und „Be‐ freiung“ signalisiert wird. Um die Wechselwirkungen zwischen Bewegungen, Theorien in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Inhalten darzustellen, setzt der Beitrag mit Schlaglichtern zur Geschichte ein (1), stellt Ausgangspunkt, Ziel und Methoden Feministischer Exegese vor (2), spricht über deren Einbindung in die Lehre in Marburg (3) und erläutert dies an einem aktuellen Seminar (4). DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 4 Diskurs wird hier in Anlehnung an Michel Foucault verstanden als „eine Praxis des Denkens, Schreibens, Sprechens und auch Handelns, die diejenigen Gegenstände, von denen sie handelt, zugleich selbst systematisch hervorbringt. Diskurse folgen innerhalb bestimmter historischer Schnitte einem für sie spezifischen und sie von anderen unterscheidendem (sic) synchronen Set von Regularitäten, das bestimmt wie und was gedacht, geschrieben, gesprochen, gehandelt werden kann, was als wahr und was als falsch gilt“; Parr, Art. Diskurs, 274f. 5 Die Diskurse sind in Anlehnung an Sieler/ Tuider, Diversity, 20-38, dargestellt. Mit Fokus auf die feministische Exegese vgl. Schmidt, Was ist normal? Zur Entwicklung in den USA seit den 1970er Jahren vgl. Plaskow, Bewegung, sowie den Beitrag von Susanne Scholz in diesem Band. 6 Vgl. den Überblick bei Meyer-Wilmes, Rebellion, 19-41. 7 Vgl. das namengebende Buch von Gutiérrez, Theologie. 1 Von der feministischen zur gender-gerechten Exegese Die über fünfzigjährige Geschichte der feministischen Exegese in Deutschland kann als eine Folge von fünf sich überlappenden und zum Teil miteinander konkurrierenden Diskursen 4 beschrieben werden. 5 1.1 „Das Private ist politisch“ - der Gleichheitsdiskurs Der Gleichheitsdiskurs hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert und prägte sowohl die erste Frauenbewegung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts als auch die zweite der 1960er Jahre. Er zielte zunächst auf die „Emanzipation“ der Frau, d. h. die Gleichberechtigung von Frauen in der Politik, insbesondere im Wahlrecht, und in der Gesellschaft, im Blick auf den Zugang zu Bildung sowie auf gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit. Diese Emanzipation der Frauen von Staat, Ehemann und Genossen, so die Idee, würde zur Umgestaltung des hierarchischen und asymmetrischen Geschlechterverhältnisses in Theorie und Praxis führen. Kritisch anzumerken ist dabei, dass die Kategorie „Frau“ meist essentialistisch und universalistisch verstanden wurde. Auch feministische Theologie und Exegese in Deutschland wurzeln in den um 1900 gegründeten konfessionellen Frauenverbänden, in der überwiegend protestantischen, ökumenischen Bewegung, der römisch-katholischen Laienbe‐ wegung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und der Neuen Frauenbewegung seit den 1960er Jahren. 6 Sie bezogen sich u. a. auf die la‐ teinamerikanische Befreiungstheologie, die die biblische Tradition als Impuls für eine umfassende Gesellschaftskritik verstand und die Entrechtung der Armen anprangerte. 7 Bereits 1895 hatte die US-amerikanische Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton mit der Herausgabe einer Woman's Bible argumentiert, dass die gängigen Auslegungen der biblischen Texte eine Hierarchisierung der DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 16 Christl M. Maier 8 Vgl. Schottroff u.-a., Exegese, 3-7; Newsom/ Ringe, Commentary. 9 Zur Etablierung feministischer Theologie an der Universität vgl. Matthiae u. a. (Hg.), Feministische Theologie. Deren Entwicklung erfolgte gegenüber den Diskursen in den Gesellschaftswissenschaften und der US-amerikanischen Theologie jeweils etwa ein Jahrzehnt später. 10 Vgl. z.-B. Moltmann-Wendel, Mensch; Ohler, Frauengestalten. 11 Vgl. das 1995 erschienene Standardwerk Connell, Mann. 12 Vgl. Schüssler Fiorenza, Gedächtnis (engl. 1983); Brot (engl. 1985). Zu Schüssler Fiorenzas Biographie und Hermeneutik vgl. Maier, Schüssler Fiorenza, 308-315. 13 Vgl. Trible, Gott und Sexualität; Trible, Gott. Geschlechter in den Text eintrugen. Die Frauenbibel geriet schnell in Verges‐ senheit und wurde erst 1974 wieder entdeckt. 8 Feministische Theologie wurde in Deutschland zunächst in Akademien, auf Kirchen- und Katholikentagen sowie in autonomen Frauengruppen betrieben. In der akademischen Theologie fasste sie erst seit Beginn der 1980er Jahre Fuß, meist in enger Anlehnung an US-ameri‐ kanische Diskurse und zunächst in studentisch organisierten Seminaren. 9 In der Bibelauslegung kamen vor allem die bisher vernachlässigten Frauenfiguren in den Blick, in denen die Auslegerinnen eigene Erfahrungen gespiegelt fanden. 10 1.2 „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ - der Differenzdiskurs Aufgrund von sozialwissenschaftlichen Analysen der 1960er und 1970er Jahre und Studien zum Männerbild seit den 1980er Jahren entwickelte sich der Differenzdiskurs, der Unterschiede zwischen Männern und Frauen - biologi‐ sche, psychologische, soziale und politische - in den Vordergrund rückte und Vorstellungen von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ hinterfragte. Mit Simone de Beauvoirs berühmtem Diktum („Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“) wird die Differenz in der Hervorbringung von Geschlecht anerkannt, aber weiterhin Gleichheit in Theorie und Praxis eingefordert. Paral‐ lel dazu entwickelte sich die Männerforschung, die die Rollen von Männern kritisch beleuchtete. 11 Dieser Fokus auf die Geschlechterdifferenz - so die bald aufkeimende Kritik - folgte allerdings immer noch der binären Logik der Zweigeschlechtlichkeit. Die feministische Exegese zielte seit den 1980er Jahren sowohl auf die Gleichberechtigung von Frauen als auch auf die Wahrnehmung der eigenen Betroffenheit von Diskriminierung und sexualisierter Gewalt, verknüpfte somit die beiden bisher genannten Diskurse. Einflussreich waren in dieser Phase die Werke der in den USA lebenden Neutestamentlerin Elisabeth Schüssler Fiorenza 12 und der US-amerikanischen Alttestamentlerin Phyllis Trible. 13 Ent‐ DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 Feministische Exegese als intersektionales Projekt 17 14 Vgl. Schüssler Fiorenza, Brot, 50-58. In ihrem 2001 erschienenen Buch Schüssler Fiorenza, Weisheitswege, 252-254, führt sie sieben hermeneutische Schritte an: eine Hermeneutik der Erfahrung, von Herrschaft und sozialem Standort, des Verdachts, der kritischen Beurteilung, kreativer Imagination und Vorstellungskraft, der Er-Innerung und der Re-Konstruktion sowie eine Hermeneutik engagierten Handelns für Verände‐ rung. 15 Vgl. Schottroff, Schwestern; Kahl, Reading. 16 Der neueren Konvention in der Genderforschung entsprechend großgeschrieben. 17 Vgl. Plaskow, Feminism; Plaskow, Bewegung, 38-42. 18 Vgl. Schottroff/ Wacker (Hg.), Wurzel; Röckemann/ Winkler, Theologie. 19 Vgl. von Kellenbach, Cultivating, 260-265. 20 Vgl. z.-B. Williams, Sisters. scheidend war eine gegenüber der historisch-kritischen Herangehensweise neue Hermeneutik, die die Erfahrung der erzählten und historisch-kritisch rekonstruierten Frauenfiguren mit der eigenen verschmolz und Kritik an den patriarchalen Geschlechterverhältnissen von der biblischen Zeit bis in die Gegenwart übte. Diese kritische Perspektive wird „Hermeneutik des Verdachts“ genannt: Unter der Annahme, die Texte seien androzentrisch und hätten Frauenerfahrung systematisch verschwiegen und ausradiert kritisierte sie deren autoritativen Status und re-imaginierte Erfahrung und Autorität der verschwie‐ genen Frauen. 14 Luise Schottroff und Brigitte Kahl rückten die materiellen Bedingungen und sozio-ökonomischen Machtverhältnisse, die sich in biblischen Texten spiegeln, in den Vordergrund, um die Wechselwirkungen von Geschlecht und Klasse zu untersuchen. 15 Diese Forschungen förderten die Wahrnehmung der Pluralität von Frauenerfahrung und der Pluralität von Schriften jenseits der Kanongrenzen. Ersteres wurde auch durch den Widerspruch jüdischer und Schwarzer 16 Frauen gegen diese frühen feministischen Studien deutlich. So kritisierte Judith Plaskow bereits Ende der 1970er Jahre offene und versteckte antijudaistische Muster in christlich-feministischen Auslegungen, 17 was zu einer ertragreichen Auseinandersetzung mit theologischen Inhalten führte 18 und die Notwendigkeit einer christlich-feministischen „Post-Holocaust“-Hermeneutik unterstrich. 19 Die Dominanz weißer Wissenschaftler: innen im feministisch-the‐ ologischen Diskurs westlicher Länder stellten afro-amerikanische und afrika‐ nische Exeget: innen in Frage. Sie entwickelten im Lauf der 1980er Jahre die womanist theology, die sich gegen rassistische und sexistische Mechanismen der Ausgrenzung wandte. 20 DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 18 Christl M. Maier 21 Fischer, Exegese. 22 Schmidt, Was ist normal? , 253-255. 23 Deutsche Fassung: Das Unbehagen der Geschlechter (1991). 24 Das Akronym steht für lesbian, gay, bisexual, transgender und queer. Teilweise wird + oder * ergänzt für weitere Geschlechtsidentitäten. 1.3 „Doing gender“ - der Konstruktivismusdiskurs Seit Beginn der 1980er Jahre setzte sich auch im deutschen Sprachraum die eng‐ lischsprachige Unterscheidung von sex (als biologisches Geschlecht) und gender (als soziales Geschlecht) durch. Sie betont, dass Geschlechterrollen zeitlich und kulturell bedingt und deshalb grundsätzlich veränderbar sind. Dabei wird Zweigeschlechtlichkeit zunehmend in Frage gestellt und das Konzept des doing gender entwickelt. Dieses legt Zuschreibungs- und Darstellungsroutinen als soziale Prozesse offen, in denen Gender durch tägliche Praxis hergestellt wird. Diesem Diskurs entstammen die Umbenennung der feministischen Zugänge in Gender Studies und die politische Strategie des Gender-Mainstreaming. Kritisiert wurde, diese Veränderungen stellten feministische Identitätspolitik in Frage und die Idee, Geschlechterrollen würden sich durch veränderte Performanz ändern, sei zu idealistisch. In der deutschsprachigen feministischen Exegese weitete sich der Blick auf sozial konstruierte Geschlechterverhältnisse, deren sozialgeschichtlichen Hintergrund und Machtverhältnisse sowie auf die Interaktion von weiblichen und männlichen Figuren in biblischen Texten erst in den 1990er Jahren. Diese Erweiterung der Analyse zeigte sich auch in Bezeichnungen, die neben oder an‐ stelle des Adjektivs „feministisch“ traten. So benennt etwa Irmtraud Fischer ihre Auslegung als „gender-fair“ 21 und Uta Schmidt spricht von „gender-gerecht“. 22 1.4 „Gender Trouble“ - der Dekonstruktivismusdiskurs Als Gegenmodell zum Konstruktivismus entwickelte sich seit Beginn der 1990er Jahre der Dekonstruktivismusdiskurs, in dem die bereits erkannten, vielgestaltigen Differenzen innerhalb der Kategorie „Frau“ bzw. „Mann“ und die performative Kraft dieser Bezeichnungen vertiefend reflektiert wurden. In dem 1990 erschienenen Buch „Gender Trouble“ 23 argumentiert die US-amerikanische Philosoph: in Judith Butler, auch die Kategorie „sex“ sei kulturell geformt und werde durch Sprache und gesellschaftliche Normierungsprozesse hergestellt, die auf der Ausgrenzung sexueller Minderheiten basierten. Deren Dekonstruk‐ tion zielt auf die Verschiebung und Auflösung binärer Logiken und versteht die LGBTQ-Bewegung 24 als Ort neuer Entwürfe, deren „queere“ Analysen die DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 Feministische Exegese als intersektionales Projekt 19 25 Vgl. Guest u.-a. (Hg.), Queer Bible; Hornsby (Hg.), Bible Trouble. 26 Zur feministischen Exegese in den USA siehe den Beitrag von Susanne Scholz in diesem Band. 27 Der erste Sammelband dazu ist Avalos u. a. (Hg.), Abled Body; einen Forschungsüber‐ blick bietet Raphael, Power. 28 Vgl. Crenshaw, Demarginalizing, 139. 29 Vgl. Walgenbach, Analyseparadigma, 114 f., im Anschluss an die Definition von Thomas S. Kuhn. Vielfalt und Uneindeutigkeit von „sex“ aufzeigen. Im Kontext dieses Diskurses entstanden „queere“ Analysen biblischer Texte, die die Uneindeutigkeit und Vielfalt geschlechtlicher Formationen erwiesen. Auch an dieser Stelle ging die englischsprachige Forschung mit Kommentaren zur „Queer Bible“ 25 voran und kritisierte an bisherigen feministischen Auslegungen, sie seien zu sehr an der Zweigeschlechtlichkeit orientiert und stützten daher das politisch-gesellschaft‐ liche System der Heteronormativität. 26 Darüber hinaus gelangte die Normierung menschlicher Körper in den Fokus, was zur Entwicklung der (Dis)ability Studies führte und in den Bibelwissenschaften zum Interesse an der Darstellung und Bewertung versehrter und geschundener Körper. 27 Von manchen politischen Aktivist: innen wurde dieser Diskurs allerdings kritisch betrachtet mit dem Argument, er schwäche die politische Handlungsfähigkeit und spiegele ein Elitenbewusstsein, das andere Kategorien wie Rasse/ Ethnie und Klasse/ Status vernachlässige. 1.5 Geschlecht als interdependente Kategorie - der Intersektionalitätsdiskurs Der Begriff „intersectionality“ wurde von der US-amerikanischen Juristin Kim‐ berlé Crenshaw geprägt, die 1989 in einer Studie die verlorene Klage von sieben Schwarzen Frauen gegen ihre Entlassung bei General Motors diskutierte und für deren Diskriminierung aufgrund von Rasse und Geschlecht das Bild der Straßenkreuzung („intersection“) verwendete. 28 Sie brachte frühere Kritiken seitens Schwarzer Frauen und der LGBTQ-Bewegung an der Dominanz weißer Mittelschichtsfrauen im feministischen Diskurs auf den Punkt. Katharina Wal‐ genbach zufolge entwickelte sich Intersektionalität seit Beginn der 1990er Jahre in Deutschland zu einem Paradigma der interdisziplinären Genderforschung: Sie biete einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für alte Fragen und sei mit ihren Begriffen, Problemstellungen, Theorien und Methoden offen genug, um eine neue Generation von Forschenden vor als bedeutsam identifizierte Probleme zu stellen. 29 Eine intersektionale Analyse verweist auf Wechselwir‐ kungen zwischen sozialen Kategorien wie Gender, Ethnizität, Nation und Klasse DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 20 Christl M. Maier 30 Vgl. Walgenbach, Analyseparadigma, 123; Degele/ Winker, Intersektionalität, Abschnitt 1. 31 Vgl. Walgenbach, Analyseparadigma, 118. 32 Vgl. Walgenbach, Analyseparadigma, 119. 33 Vgl. Degele/ Winker, Intersektionalität. 34 Ähnlich Eisen u.-a. (Hg.), Doing Gender, 9-21; vgl. auch Jost/ Jäger (Hg.), Vielfalt. 35 Vgl. z. B. Sugirtharajah (Hg.), Voices; Dube Shomanah (Hg.), Other Ways, und die Beiträge von Autor: innen aus verschiedenen Kontinenten in Schüssler Fiorenza/ Jost (Hg.), Bibelwissenschaft, und Scholz (Hg.), Handbook. und versucht, deren gleichzeitiges Zusammenwirken zu analysieren. Während in den USA intersectionality eine rechtlich-politische Dimension besitzt, für deren Identitätspolitiken die Trias von race, class, gender zentral ist, wird Intersektionalität in Europa als eine theoretische Analyseperspektive aufgefasst und um weitere Kategorien wie Sexualität, Alter, (Dis)Ability, Religion oder Nationalität ergänzt. 30 Walgenbach geht noch einen Schritt weiter und bestimmt diese sozialen Kategorien als „interdependent“, d. h. in sich inhomogen und wechselseitig voneinander abhängig. 31 Daher müsse jede Forschung eine Aus‐ wahl und Gewichtung von Kategorien vornehmen und sei ihrerseits situiert und partikular. 32 Auch Nina Degele und Gabriele Winker versuchen die Verwo‐ benheit von Ungleichheitskategorien auf verschiedenen Ebenen theoretisch zu fassen und im empirischen Forschungsprozess zu analysieren. 33 Wie die Einbettung der feministischen Exegese in die bisherigen Diskurse zeigt, war das Zusammenspiel verschiedener sozialer Kategorien schon Thema, bevor sich Intersektionalität als neues Paradigma durchsetzte. 34 Zur globalen Ausweitung des Diskurses um diese Wechselwirkungen hat auch beigetragen, dass Exeget: innen aus Süd- und Ost-Asien, Afrika und Lateinamerika ihre Auslegungen auf Englisch in Sammelbänden US-amerikanischer Verlage publi‐ zierten. 35 Ihre postkolonialen Perspektiven spielen im Intersektionalitätsdiskurs eine wichtige Rolle und tragen entscheidend zur Diversifizierung der exegeti‐ schen Forschungsgemeinschaft bei. Dabei wird deutlich, dass feministische Exeget: innen meist eine bestimmte Kategorie hervorheben und deren Wechsel‐ wirkungen mit anderen Kategorien analysieren mit dem Ziel, Machtstrukturen in den biblischen Texten und deren bisheriger Rezeption zu dekonstruieren. Die hier skizzierte Entwicklung feministischer Diskurse zeigt außerdem, dass feministische Exeget: innen ihre Auslegung biblischer Texte von Beginn als kontextuelle Theologie, d. h. als ein vom Standpunkt und den Interessen der Auslegenden und ihrer Rezipient: innen abhängiges intersektionales Projekt verstanden haben. Als Projekt ist feministische Exegese stets in Prozesse der DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 Feministische Exegese als intersektionales Projekt 21 36 So auch Scholz, Introduction, 9. Strittige Themen und Positionen beschreibt Hidalgo, Kampf. 37 Claassens u. a. (Hg.), Teaching, 1 (Übersetzung C.M.): „All of us are passionate about raising awareness, and changing the way people think and feel and act regarding the intersections of race, class, sexual orientation, health, and the various other signifiers that are responsible for ongoing forms of injustice and violation.“ Politisierung, der Vielfalt und der Kontinuität aktueller politischer Kämpfe eingebunden. 36 2 Ausgangspunkt, Ziel und Methoden Feministischer Exegese Ausgangspunkt feministischer Bibelauslegungen sind trotz aller Unterschiede immer noch die Erfahrungen von Frauen und weiterer marginalisierter Perso‐ nen, die je nach Status, Ethnie und Alter äußerst vielfältig sind. Ihre kontex‐ tuelle Situiertheit zeigt sich u. a. daran, dass feministische Exeget: innen die eigene Positionierung entlang der oben genannten Kategorien mitteilen, um ihre Voraussetzungen und Interessen deutlich zu machen. Sie stellen damit ihre Auslegung als eine partikulare Position vor, die ihren Erkenntnisprozess nachvollziehbar darstellt und um die begrenzte Aussagekraft ihrer Ergebnisse weiß. Dieses Vorgehen sollte unter Bibelwissenschaftler: innen eigentlich selbst‐ verständlich sein, denn eine von der auslegenden Person unabhängige, quasi objektive Interpretation des Textes gibt es nicht. Grundlegend für feministische Exegese ist die Analyse biblischer Texte mit Blick auf die in ihnen erkennbaren Geschlechterverhältnisse, Gesellschafts‐ formen und Machtdiskurse. Eine weitere Gemeinsamkeit bildet das Ziel, die Bedeutung der biblischen Texte für heutige gesellschaftliche Fragestellungen herauszuarbeiten. Die (süd-)afrikanischen Exegetinnen Juliana Claassens, Char‐ lene van der Walt und Funlola Olojede nennen dieses Ziel programmatisch „teaching for change“, denn sie verstehen ihre Gender-Lehre als ein Mittel der sozialen Veränderung. Sie setzen sich dafür ein, „das Bewusstsein zu schärfen und die Art und Weise zu verändern, wie Menschen denken, fühlen und handeln, wenn es um die Überschneidungen von Rasse, Klasse, sexueller Orientierung, Gesundheit und den verschiedenen anderen Faktoren geht, die für anhaltende Formen von Ungerechtigkeit und Verletzung verantwortlich sind.“ 37 Dieses Bewusstsein und eine machtkritische Auslegung kann in Zustimmung zu den Aussagen biblischer Texte erfolgen oder im Widerspruch, als Dekonstruktion von deren Inhalten und Wertungen. DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 22 Christl M. Maier 38 Vgl. Scholz, Introduction, 2-5; Milne/ Scholz, Conversation. 39 Vgl. Maier, Diskurs. 40 Zur Entwicklung des „new literary criticism“ vgl. Tanner, Discovering. 41 Gute Einführungen geben Müllner, Handwerkszeug; Schmidt, Randfiguren, 41-56. 42 Vgl. Tanner, Discovering, 168f. Die oben skizzierte Entwicklung der Fragestellungen bezieht sich im We‐ sentlichen auf die Hermeneutik als Summe von Grundannahmen, Situiertheit und Interessen der Ausleger: innen. Die von Schüssler Fiorenza beschriebenen hermeneutischen Schritte bilden dabei ein Grundmuster, können aber auch erweitert oder abgeändert werden. Anders als im Blick auf die hermeneutischen Perspektiven gibt es keine genuin feministischen Methoden der Auslegung. Susanne Scholz und Pamela Milne beklagen zu Recht, dass feministische Exeget: innen häufig Methode und Hermeneutik nicht klar voneinander trennen. 38 Methoden sind an den Texten orientierte und klar definierte Werkzeuge für die Textanalyse, die allerdings eine oft implizite Ideologie und eine begrenzte Reichweite besitzen, derer sich die auslegende Person bewusst sein sollte. Obwohl das in außereuropäischen Kon‐ texten umstritten ist, eignet sich m. E. das Bündel der im deutschen Sprachraum etablierten historisch-kritischen Methoden ebenso für feministische intersek‐ tionale Textanalysen 39 wie die neueren, aus den Literaturwissenschaften über‐ nommenen synchronen Zugänge. 40 Zu ersteren zählen Text-, Form-, Literar- und Redaktionskritik sowie Traditionsgeschichte, die sukzessive aus anderen Disziplinen, die sich mit Texten und der Rekonstruktion von Geschichte befass‐ ten, übernommen wurden. Zu Letzteren zählen die narratologische Analyse und der rhetorical criticism, die in der englischsprachigen Forschung favorisiert werden. Eine narratologische Analyse untersucht die verschiedenen Ebenen einer biblischen Erzählung, ihrer Figuren, Orte und Leserlenkung. 41 Die rheto‐ rische Analyse beschreibt die erkennbaren strukturellen, intentionalen und bedeutungsstiftenden Elemente eines biblischen Textes. 42 Obwohl synchrone narratologische und rhetorische Analysen viele Erkennt‐ nisse über einen biblischen Text, dessen Figuren, Orte, Wertungen und Vorstel‐ lungen liefern, interessieren mich als feministische Exegetin, die in Deutschland ausgebildet wurde, auch dessen soziale und geschichtliche Entstehungsbedin‐ gungen. Obwohl die Verfasserschaft nicht individuell identifizierbar ist, spiegelt ein biblischer Text als sukzessiv entstandenes Produkt einer Schreiberelite, die sich mit der Zeit wandelte und immer wieder neue Deutungen ihrer Welt vornahm, Milieus und Weltbilder bestimmter historischer Kontexte. Diese Kontexte können über andere Quellen wie archäologische Befunde, Inschriften und außerbiblische Texte, soweit es geht, rekonstruiert werden. DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 Feministische Exegese als intersektionales Projekt 23 43 O.N., Modulbuch, 34. Eine solche, notwendigerweise hypothesenhafte Rekonstruktion ermöglicht gleichzeitig, Entwicklungen in der Darstellung von Geschlechterverhältnissen sowie Unterschiede zwischen damals und heute zu erkennen und Metaphern als zeitbedingte, kulturell bestimmte Sprachbilder aufzufassen - mithin die biblischen Texte nicht als zeitlose Wahrheiten, sondern als kontextuelle, von Menschen verfasste Beschreibungen von Gott und Welt zu verstehen. 3 Einbettung der Gender-Lehre in das Curriculum In den Studiengängen Kirchliches Examen/ Magister Evangelische Theologie und Lehramt an Gymnasien des Fachbereichs Evangelische Theologie der Phi‐ lipps-Universität Marburg gibt es seit über zehn Jahren ein Wahlpflichtmodul „Geschlechterforschung in der Theologie“, dessen zwei Lehrveranstaltungen von den Lehrenden der theologischen Hauptfächer abwechselnd verantwortet werden. Es kann im Rahmen des Bachelor-Nebenfachs „Gender Studies und feministische Wissenschaften“ belegt werden, das vom Marburger Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung organisiert wird. Zu die‐ sem interdisziplinären Nebenfach tragen verschiedene Geisteswissenschaften bei. Das übergreifende Qualifikationsziel des Moduls „Geschlechterforschung in der Theologie“ ist, die Bedeutung der Kategorie „Geschlecht“ für die christliche Theologie und ihre Praxis in Universität, Kirche und Gesellschaft zu vermitteln. Dabei sollen die Studierenden Kompetenzen in intersektionaler Analyse erwer‐ ben: „Sie wissen um die Wechselwirkung der Kategorie Geschlecht mit anderen Kategorien z. B. Hautfarbe, sozialer Status etc. […] Sie erkennen die Bedeutung von Geschlecht in der Produktion und Interpretation von biblischen, wissen‐ schaftlich-theologischen, religiösen und didaktischen Texten und analysieren Sprache auf Geschlechtergerechtigkeit hin bzw. können selbst geschlechterge‐ rechte Sprache verwenden. Sie begreifen die Kontext- und Erfahrungsbezogen‐ heit der eigenen Geschlechtsrolle und erkennen Handlungsmöglichkeiten zur Veränderung der vorfindlichen Geschlechterverhältnisse.“ 43 Für dieses Modul biete ich Seminare zur feministischen Exegese an, auch zusammen mit Kolleginnen und gelegentlich auf Englisch, mit Titeln wie: „Einführung in die feministische Bibelauslegung“ (WiSe 2011/ 12), „Geschlech‐ terbeziehungen im Alten Testament - genderfair und religionspädagogisch betrachtet“ (SoSe 2020, mit Petra Hilger), „Lebensformen im Alten Testament - gendertheoretisch betrachtet“ (SoSe 2021), „Männlichkeitskonzepte im Alten DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 24 Christl M. Maier Testament“ (WiSe 2022/ 23), „Gender, Postcolonial, and Queer Readings of the Hebrew Bible“ (SoSe 2023; WiSe 2025/ 26), „How to Read Biblical 'Texts of Terror' from Postmodern Perspectives“ (WiSe 2023/ 24) und „Ist die Bibel ein patriarchales Buch? Positionen aus 50 Jahren feministisch-theologischer Forschung“ (WiSe 2024/ 25, mit Angela Standhartinger). Neben Studierenden der Evangelischen Theologie für Pfarramt und Lehramt nehmen daran regelmäßig auch Studierende anderer geisteswissenschaftlicher Fächer teil, so dass die Interessen am Thema und die Kenntnisse der Quellen sehr unterschiedlich sind. Die gemischten Studierendengruppen haben den Vorteil, dass alle Teilnehmenden ihre eigene Situation und ihre Fragen im Blick auf das Thema erklären müssen. Zu Beginn des Semesters führe ich meist in die Ge‐ schichte feministischer Exegese und ihre Verbindung zur Frauenbewegung ein und thematisiere einschlägige Theorien der Geschlechterforschung. Die Her‐ meneutik feministischer Exegese diskutiere ich anhand der hermeneutischen Schritte Schüssler Fiorenzas. Dann folgt die Analyse alttestamentlicher (und ggf. neutestamentlicher) Texte, die für das Seminarthema relevant sind, meist mit Hilfe grundlegender Fragen der narratologischen und rhetorischen Text‐ analyse sowie mit Hintergrundinformationen zu antiken sozial-geschichtlichen Kontexten. Da Kenntnisse des biblischen Hebräischen und Griechischen nicht vorausgesetzt werden können, arbeite ich mit verschiedenen deutschen bzw. englischen Bibelübersetzungen. Bei erkennbar starken Abweichungen versuche ich zusammen mit Studierenden, die die alten Sprachen gelernt haben, den antiken Ausgangstext zu erläutern. Parallel zu den eigenen Textanalysen lesen die Studierenden Auslegungen aus verschiedenen Weltgegenden. Sie sollen jeweils herausfinden, welchen hermeneutischen und methodischen Zugang der/ die Exeget: in wählte und welche Textbeobachtungen jeweils deren Deutung stützen. Dieses Vorgehen soll die Position der Ausleger: innen kenntlich machen sowie das Ziel und Ergebnis ihrer Auslegung würdigen. Zum anderen sollen die Wechselwirkungen der Kategorien Geschlecht, Ethnie, Status, Religion etc. hinsichtlich der biblischen Figuren, der Ausleger: innen sowie der von ihnen intendierten Rezipient: innen der Auslegung herausgearbeitet werden. 4 Ein Beispiel intersektionaler Gender-Lehre Als Beispiel stelle ich abschließend Ziele und Aufbau des Seminars „Ist die Bibel ein patriarchales Buch? Positionen aus 50 Jahren feministisch-theologischer Forschung“ vor, das ich kürzlich zusammen mit meiner neutestamentlichen DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 Feministische Exegese als intersektionales Projekt 25 44 Ich danke Angela Standhartinger für das kritische Gegenlesen und hilfreiche Kommen‐ tare zu diesem Aufsatz. 45 Vgl. Trible, Gott, 89-168; Fischer, Egalitär entworfen. 46 Vgl. Standhartinger, Religion. 47 Vgl. Jes 42,13-14; 49,13-15; 66,10-13; Jer 8,21 - 9,2; Ps 22,1-12; Mt 11,28-30; Lk Q 11,34-35/ Mt 23,37-39; Joh 7,37-39; 13,22-26; 19,25-27.31-35; 20,1-10. 48 Vgl. Baumann, 'Männlichkeit'; Schüssler Fiorenza, Jesus, 198-242; Petersen, Jesus. 49 Vgl. Walgenbach, Intersektionalität. Kollegin Angela Standhartinger veranstaltete. 44 Dieses Seminar will anhand von Beispieltexten aus dem Alten und Neuen Testament sowie klassisch geworde‐ nen Aufsätzen einen Überblick über die Geschichte feministisch-theologischer Exegese vermitteln. Dabei kommen zentrale Positionen dieses Forschungsfeldes von den Anfängen in der Zweiten Frauenbewegung bis zum gegenwärtigen Diskurs um Geschlechtervielfalt und queer-theologische Kritiken zur Sprache. Die Studierenden sind eingeladen, sich mit Primärtexten und zentralen Positi‐ onen der Forschungsdebatte eine eigene hermeneutische Position zu erarbeiten. Nach einer einführenden Sitzung mit Statements und Bildern aus 50 Jahren Frauenbewegung präsentierte Angela Standhartinger Schlaglichter aus der Ge‐ schichte der feministischen Theologie. In zwei folgenden Sitzungen behandelten wir das Verhältnis der Geschlechter nach Gen 1-3 zunächst anhand der Ausle‐ gungen von Phyllis Trible und Irmtraud Fischer 45 und die neutestamentliche Rezeption der Schöpfungserzählungen in Gal 3,27-29 und 1 Kor 11,2-16. 46 Zwei Sitzungen thematisierten Familienbilder, also Vorstellungen von Ehe, Ehescheidung und Geschlechternormen anhand alttestamentlicher Rechtstexte, Eheverträge aus Elephantine und Orten der judäischen Wüste sowie neutesta‐ mentlicher Stellen (Mt 19,1-12; Mk 3,31-35; 1 Kor 7,1-41; 1 Tim 2,8-15; 2 Tim 4,2-3). Weitere Sitzungen behandelten geschlechter-diverse Gottesbilder 47 mit Aufsätzen zur Männlichkeit JHWHs, zu Jesus als Prophet der Weisheit und seiner hoheitschristologischen Überformung und zur queeren Interpretation des johanneischen Jesus. 48 Die Kategorien Geschlecht, Ethnie, Status, Religion etc. wurden in fast jeder Sitzung aufgerufen, die Sekundärliteratur jeweils mit Blick auf die Deutung von deren Wechselwirkungen gelesen. Mithilfe eines einführenden Aufsatzes von Katharina Walgenbach 49 und meiner Auslegung zu den interkulturellen Ehen in Esr 9-10 stellten wir die Möglichkeiten einer intersektionalen Analyse vor. Diese wurde anhand der biblischen Prophetinnen Mirjam (Ex 15,20-21; Num 12), Hulda (2 Kön 22,14-20), der Töchter Ijobs (TestIjob 46-53) und der Wahrsagerin aus Philippi (Apg 16,16-22) vertieft. In fast jeder Sitzung des Seminars wurde intensiv in gemischten Kleingruppen von Studierenden der Theologie und der Gender Studies gearbeitet, wobei deren unterschiedliche Zugänge und Kenntnisse zu lebhaften Diskussionen führten. DOI 10.24053/ VvAa-9-0002 26 Christl M. Maier In den weiteren Sitzungen präsentierten Studierende in Zweiergruppen eine intersektionale Analyse einer biblischen oder außerbiblischen Figur ihrer Wahl. Gewählt wurden Hagar (Gen 16; 21), Dina (Gen 34), Ruth (Rut), Jael (Ri 4-5), die starke Frau (Spr 31,10-31), der Kämmerer (Apg 8) und die Märtyrerin Thekla (Thekla-Akten). Zu den Themen der Präsentationen stellten wir einschlägige Literatur zur Verfügung. Es handelt sich dabei um feministische Interpreta‐ tionen der Texte, die meist eine Kategorie favorisieren, in wenigen Fällen bereits intersektional argumentieren. Die Studierenden sollen den Kontext der Ausleger: innen sowie ihren eigenen erkennen, die jeweiligen Beobachtungen am Text vergleichen und die Wechselwirkungen mindestens zweier Kategorien darstellen und dabei Machtstrukturen in den Texten und deren Rezeption aufzeigen. Wie die vorigen lebhaften und teilweise kontroversen Diskussionen im Seminar erwarten ließen, zeitigten diese Präsentationen interessante Ergeb‐ nisse. Sie boten eindrückliche Beispiele dafür, dass feministische Exegese im Diskurs geschieht - als kritische Rezeption antiker Texte in Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen und eigenen Interessen. Literaturverzeichnis Avalos, Hector u.-a. (Hg.): This Abled Body. Rethinking Disabilities in Biblical Studies (SemeiaSt 55), Atlanta 2007. Baumann, Gerlinde: Die 'Männlichkeit' JHWHs. Ein Neuansatz im Deutungsrahmen altorientalischer Gottesvorstellungen, in: Crüsemann Frank u.-a. (Hg.): Dem Tod nicht glauben. Sozialgeschichte der Bibel. 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