ZNT – Zeitschrift für Neues Testament
znt
1435-2249
2941-0924
Francke Verlag Tübingen
10.24053/ZNT-2025-0014
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2026
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Dronsch Strecker VogelZur Verfasserfrage des lukanischen Doppelwerks
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2026
Jan Heilmann
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Kontroverse Zur Verfasserfrage des lukanischen Doppelwerks Einführung in die Kontroverse zwischen Stefan Alkier und Bart J. Koet Jan Heilmann Streitpunkt zwischen dem Frankfurter Neutestamentler Stefan Alkier und seinem Tilburger Kollegen Bart J. Koet ist die Frage, ob das Evangelium nach Lukas und die Apostelgeschichte von ein und demselben Verfasser stammen. Während die Mehrheit der Forschung diese Frage bejaht und entsprechend von einem „lukanischen Doppelwerk“ spricht, formuliert Alkier „begründete Zweifel“ an diesem relativen Konsens. Alkiers Kritik setzt an einem grundsätzlichen Punkt an. Er wendet sich gegen „die suggestive Irreführung des Terminus ‚Einleitungswissenschaft‘“, der Erwartungen wecke, die unerfüllbar seien. „Einleitung“ suggeriere durch seine Semantik des Vorgeordneten eine vermeintliche Sicherheit, obwohl die als Einleitung formulierten Sachverhalte hochgradig hypothetisch bleiben. Statt eines Vorgehens von der Geschichte zum Text plädiert Alkier für den umgekehrten Weg - „vom Text zur Geschichte“ - und fordert, dass die soge‐ nannten Einleitungsfragen nicht „der philologisch-kritischen intratextuellen Analyse“ vorangestellt, sondern „mit aller Bescheidenheit und Behutsamkeit am Ende der jeweiligen Interpretation bedacht werden“ sollten. An die Stelle der traditionellen Einleitungsfragen solle eine Kompetenzanalyse treten, die danach fragt, was derjenige oder diejenigen, die einen solchen Text schreiben konnten, wissen und können mussten. Die entscheidende Pointe von Alkiers Argumentation liegt in seiner These, dass die Interpretation der Gemeinsamkeiten beider Schriften die Verfasserfrage nicht beantworten könne. Gemeinsamkeiten wie die Widmung an Theophilos oder stilistische Parallelen bewiesen lediglich, dass aus der Perspektive der späteren Zeitschrift für Neues Testament 28/ 56 (2025) DOI 10.24053/ ZNT-2025-0014 Schrift beide Texte zusammen gelesen werden sollten, sagen aber nichts darüber aus, ob es sich um einen oder um zwei Verfasser handelte. Diese Frage könne „nur durch die Herausarbeitung der Unterschiede und ihre interpretative Gewichtung bearbeitet werden.“ Alkier führt stilistische Differenzen der Proömien ins Feld, verschiedene Erzähltechniken bei Reisebeschreibungen, unterschiedlichen Umgang mit Wiederholungen sowie semantische Auffälligkeiten im Wortschatz. Die Summe dieser Beobachtungen sei so stark zu gewichten, dass sie zu berechtigten Zweifeln an der Hypothese eines Verfassers führen. Bart J. Koet würdigt zunächst Alkiers methodische Sensibilität und stimmt dessen Forderung zu, dass sogenannte Einleitungsfragen nicht der philologisch-kritischen Analyse vorangestellt werden sollten. Seine Kritik setzt an einer ungewöhnlichen Stelle an: Alkier vernachlässige systematisch die jüdischen Elemente und die Kennt‐ nis der Schriften Israels als zentrale Kompetenz des lukanischen Autors. Gerade diese Kompetenz fehle in der von Alkier erwähnten Liste der Kenntnisse und Fähigkeiten und damit auch ein entscheidender Aspekt dessen, was das Bildungsprofil des Autors der lukanischen Schriften ausmacht. Koet demonstriert seine Gegenthese exemplarisch an der programmatischen Verteilung von Jesaja-Zitaten über beide Werke hinweg, die eine durchdachte intertextuelle Architektur erkennen lasse und auf eine konzeptionelle Einheit hinweise. Wir wünschen den Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre zweier Positionen, die nicht nur unterschiedliche Antworten auf die Verfasserfrage geben, sondern auch die Notwendigkeit einer weiteren methodologischen Diskussion über die „Einleitungswissenschaften“ aufzeigen und damit den Bogen zum letzten Heft aufspannen. Jan Heilmann, *1984, Dr. theol., studierte Ev. Theologie, Geschichte und Germanistik in Bochum und Wien. Nach Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Bochum, Münster und Dresden war er von 2020-2023 Professor für Neues Testament mit dem Schwerpunkt griechisch-römi‐ sche Kultur an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU München. 2023 nahm er einen Ruf auf die Professur für Biblische Theologie am Institut für Evangelische Theologie an der TU Dresden an. In seiner Forschung beschäftigt er sich u. a. mit dem Johan‐ nesevangelium, der antiken Mahlkultur, der neutestamentlichen Textund Kanongeschichte sowie den Kulturtechniken Lesen und Schreiben in Antike und frühem Christentum. Zeitschrift für Neues Testament 28/ 56 (2025) DOI 10.24053/ ZNT-2025-0014 88 Jan Heilmann
