Bilanzen
Financial Statements
0316
2026
978-3-8385-5877-6
978-3-8252-5877-1
UTB
Carsten Berkau
10.36198/9783838558776
Das Lehrbuch Bilanzen - Financial Statements vermitteln die Grundlagen der internationalen Bilanzierung. Es dokumentiert den Stoff einer internationalen Bilanzierungsvorlesung auf Bachelor- und Master-Niveau in deutscher Sprache.
Der internationale Jahresabschluss (financial statements) und dessen Positionen werden mit mehr als 60 internationalen Fallstudien vermittelt. Durch den hohen Fallstudienanteil bekommt man als Leserin oder Leser die Gelegenheit, bei der Erstellung von Jahresabschlüssen über die Schulter zu gucken. Alle fiktiven Fallstudien enthalten ausführliche Berechnungen, Buchungssätze, Konten im T-Account-Format und die Jahresabschlusselemente nach IFRSs.
Die Kapitelstruktur folgt der Reihenfolge von Bilanzpositionen und sieht für jedes Element von IFRS-Abschlüssen ein eigenes Kapitel vor. Es werden alle Bilanzpositionen vom Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) bis zu Ertragsteuerschulden (income tax liabilities) besprochen. Weiter wird gezeigt, wie man Gewinn- und Verlustrechnungen, Kapitalflussrechnungen und Eigenkapitalveränderungsrechnungen nach IFRSs aufstellt. Die internationalen Erläuterungen (notes) werden an einer Fallstudie demonstriert und enthalten die Nachhaltigkeitsberichtserstattung (ESG reporting). Für die Grundlagen der Konzernrechnungslegung und für Joint Venture Accounting gibt es ein eigenes Kapitel.
Jedes Kapitel enthält eine Übersicht, die Lernziele und endet mit einer Zusammenfassung, mit Arbeitsdefinitionen für neu eingeführte Fachbegriffe und mit Testfragen einschließlich Lösungen. Um die internationale fachsprachliche Kompetenz zu fördern, werden Fachausdrücke des Rechnungswesens (accounting) in Klammern übersetzt. Es gibt im Text ergänzende Hinweise zu besonderen Sachverhalten im Rechnungswesen und Abschnitte mit Verfahrensanweisungen für Standardprobleme, die Accounting-Prozess-Schritte.
Über die Zusatzmaterialien können mehr als 300 Übungsaufgaben mit Lösungen und zusätzliche Fallstudien auf Englisch und Deutsch heruntergeladen werden.
9783838558776/9783838558776.pdf
<?page no="0"?> Carsten Berkau Bilanzen Financial Statements 6. Auflage <?page no="1"?> utb 3128 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn - Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Walter de Gruyter · Berlin · Boston Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main <?page no="2"?> Prof. Dr. Carsten Berkau lehrt seit 1996 Controlling und Rechnungswesen an der Hochschule Osnabrück. Er hält zudem Accounting-Vorlesungen an den Universitäten in Cape Town, Grahamstown, Gqeberha (Port Elizabeth), Kuantan, Seoul und Shanghai. <?page no="3"?> Carsten Berkau Bilanzen Financial Statements 6., vollständig überarbeitete Auflage <?page no="4"?> Umschlagmotiv: © iStockphoto · Murmakova Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. 6., vollständig überarbeitete Auflage 2026 5. Auflage 2020 4. Auflage erschien nur in englischer Sprache 3. Auflage 2012 2. Auflage 2010 1. Auflage 2009 Bilanzen ist die deutschsprachige Übersetzung des Lehrbuchs Financial Statements , 9 th ed. DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838558776 © UVK Verlag 2026 - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Dischingerweg 5 · 72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption ⅼ gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 3128 ISBN 978-3-8252-5877-1 (Print) ISBN 978-3-8385-5877-6 (ePDF) <?page no="5"?> I Inhalt I Inhalt......................................................................................................1-5 II Einführung ........................................................................................... 1-16 1 Vereinbarungen.................................................................................... 1-18 1.1 Abrechnungszeiträume ...................................................................................1-18 1.2 Fachausdrücke im Rechnungswesen ............................................................1-18 1.3 Namen der Konten .........................................................................................1-18 1.4 Alphabetische Reihenfolge.............................................................................1-18 1.5 Basics .................................................................................................................1-18 1.6 Financial Statements........................................................................................1-19 1.7 Buchungssätze ..................................................................................................1-19 1.8 Buchungssatzformat........................................................................................1-19 1.9 Berechnungen...................................................................................................1-19 1.10 Südafrikanische Kapitalsteuern .....................................................................1-19 1.11 Fallstudien .........................................................................................................1-19 1.12 Fallstudien Textformat ...................................................................................1-20 1.13 Unterscheidung zwischen Kasse und Bank.................................................1-20 1.14 Aufteilung von Kapitalflüssen .......................................................................1-20 1.15 Unternehmen....................................................................................................1-20 1.16 Kosten-Aufwands-Abgrenzung.....................................................................1-20 1.17 Länder................................................................................................................1-20 1.18 Währungen........................................................................................................1-21 1.19 Zahlenformat in Tabellen und Abbildungen...............................................1-21 1.20 Datenblätter ......................................................................................................1-21 1.21 Vorauszahlungen bei der Ertragsbesteuerung ...........................................1-21 1.22 Hinweis..............................................................................................................1-21 1.23 Accounting-Prozess-Schritte..........................................................................1-21 1.24 Ertragsteuern ....................................................................................................1-21 1.25 Journal Entries .................................................................................................1-21 1.26 Steuerbilanzen ..................................................................................................1-22 1.27 Namen ...............................................................................................................1-22 <?page no="6"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-6 1.28 Aufwands- und Ertragskonten ...................................................................... 1-22 1.29 Lohnbuchhaltung ............................................................................................ 1-22 1.30 Sprache.............................................................................................................. 1-22 1.31 Lernziele............................................................................................................ 1-23 1.32 Rechtsformen von Unternehmen ................................................................. 1-23 1.33 Länge von Monaten und Jahren ................................................................... 1-23 1.34 Genauigkeitsgrad ............................................................................................. 1-23 1.35 Links/ QR-Codes ............................................................................................. 1-23 1.36 Literatur ............................................................................................................ 1-23 1.37 Nicht Erwähntes.............................................................................................. 1-23 1.38 Zusatzmaterial.................................................................................................. 1-24 1.39 Zahlungsbedingungen .................................................................................... 1-24 1.40 Kontendarstellungen....................................................................................... 1-24 1.41 Ratierliche Abschreibungen und Zinsen ..................................................... 1-25 1.42 Zitieren von Gesetzestexten oder Standards .............................................. 1-26 1.43 Buchungsreihenfolge ...................................................................................... 1-26 1.44 Vorzeichen in den Jahresabschlüssen .......................................................... 1-26 1.45 Kapitalertragsteuer .......................................................................................... 1-26 1.46 Transaktionskosten ......................................................................................... 1-26 1.47 Umsatzsteuer.................................................................................................... 1-26 1.48 Vorsteuerabzugsberechtigung ....................................................................... 1-27 1.49 Arbeitsdefinition.............................................................................................. 1-27 1.50 Fertigungsauftragskonto................................................................................. 1-27 1.51 Schreibweise für Management Disziplinen ................................................. 1-27 1.52 WWW................................................................................................................ 1-27 1.53 Youtube Videos ............................................................................................... 1-28 1.54 10-20-30-Regel ................................................................................................. 1-28 2 Der Jahresabschluss nach Handelsgesetzbuch HGB .........................2-29 2.1 Inhalt dieses Kapitels ...................................................................................... 2-29 2.2 Lernziele............................................................................................................ 2-29 2.3 Deutsche Rechtsformen................................................................................. 2-30 2.4 Verpflichtung zur Buchführung und JA-Erstellung .................................. 2-31 <?page no="7"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-7 2.5 Unternehmensgründung.................................................................................2-31 2.6 Ertragsbesteuerung..........................................................................................2-32 2.7 Umsatzsteuer ....................................................................................................2-33 2.8 F/ S KIELING TAXI GmbH - 20X1.........................................................2-34 2.9 F/ S KIELING TAXI GmbH - 20X2 .........................................................2-42 2.10 Zusammenfassung ...........................................................................................2-50 2.11 Arbeitsdefinitionen ..........................................................................................2-51 2.12 Kontrollfragen..................................................................................................2-52 2.13 Lösungen...........................................................................................................2-53 3 Der Jahresabschluss nach IFRSs .........................................................3-54 3.1 Inhalt dieses Kapitels ......................................................................................3-54 3.2 Lernziele ............................................................................................................3-54 3.3 IFRSs .................................................................................................................3-55 3.4 Zugang zu den IFRSs......................................................................................3-55 3.5 F/ S KENILWORTH MTS Ltd. - 20X1.....................................................3-55 3.6 F/ S KENILWORTH MTS Ltd. - 20X2.....................................................3-70 3.7 Zusammenfassung ...........................................................................................3-79 3.8 Arbeitsdefinitionen ..........................................................................................3-80 3.9 Kontrollfragen..................................................................................................3-81 3.10 Lösungen...........................................................................................................3-82 4 Jahresabschlüsse in Handelsunternehmen..........................................4-83 4.1 Inhalt dieses Kapitels ......................................................................................4-83 4.2 Lernziele ............................................................................................................4-83 4.3 Handelsgeschäfte .............................................................................................4-84 4.4 Ermittlung des Rohertrags .............................................................................4-85 4.5 Summen- und Saldenliste ...............................................................................4-85 4.6 Warenerfolgskonto ..........................................................................................4-85 4.7 F/ S RYNEVELD Ltd. ...................................................................................4-86 4.8 F/ S TELUK Sdn. Bhd. ................................................................................4-103 4.9 Tabellarische Kalkulation der Summen- und Saldenliste ........................4-103 4.10 Zusammenfassung .........................................................................................4-103 <?page no="8"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-8 4.11 Arbeitsdefinitionen........................................................................................ 4-104 4.12 Kontrollfragen ............................................................................................... 4-104 4.13 Lösungen ........................................................................................................ 4-105 5 Grundlagen der Bilanzanalyse ........................................................... 5-106 5.1 Inhalt dieses Kapitels .................................................................................... 5-106 5.2 Lernziele.......................................................................................................... 5-106 5.3 Unternehmensbewertung............................................................................. 5-106 5.4 Unternehmenssituation ................................................................................ 5-107 5.5 F/ S ROSENDAHL Ltd. ............................................................................. 5-108 5.6 Schritte einer Bilanzanalyse.......................................................................... 5-108 5.7 Informationsbedarfsanalyse ......................................................................... 5-108 5.8 Formalprüfung............................................................................................... 5-109 5.9 Horizontalanalyse .......................................................................................... 5-109 5.10 Vertikalanalyse ............................................................................................... 5-110 5.11 Grundlagen der Kennzahlenanalyse........................................................... 5-110 5.12 F/ S CAPELIFT (Pty) Ltd. .......................................................................... 5-112 5.13 Leistungskennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. ......................................... 5-114 5.14 Liquiditätskennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. ....................................... 5-121 5.15 Kapitalstrukturkennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. ............................... 5-123 5.16 Marktkennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. ............................................... 5-126 5.17 Zusammenfassung ........................................................................................ 5-128 5.18 Arbeitsdefinitionen........................................................................................ 5-128 5.19 Kontrollfragen ............................................................................................... 5-128 5.20 Lösungen ........................................................................................................ 5-129 6 Formale Anforderungen an den Jahresabschluss .............................. 6-130 6.1 Inhalt dieses Kapitels .................................................................................... 6-130 6.2 Lernziele.......................................................................................................... 6-130 6.3 Konsistenz mit den IFRSs ........................................................................... 6-130 6.4 Qualitative Anforderungen an Jahresabschlüsse ...................................... 6-131 6.5 F/ S BATHURST Ltd. .................................................................................. 6-134 6.6 Bilanz - BATHURST Ltd. .......................................................................... 6-144 <?page no="9"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-9 6.7 Gewinn- und Verlustrechnung - BATHURST Ltd.................................6-147 6.8 Eigenkapitalveränderungsrechnung - BATHURST Ltd.........................6-148 6.9 Kapitalflussrechnung - BATHURST Ltd. ................................................6-149 6.10 Erläuterungen - BATHURST Ltd..............................................................6-151 6.11 Nachhaltigkeitsberichtserstattung ...............................................................6-155 6.12 Zusammenfassung .........................................................................................6-159 6.13 Arbeitsdefinitionen ........................................................................................6-159 6.14 Kontrollfragen................................................................................................6-159 6.15 Lösungen.........................................................................................................6-160 7 Anlagevermögen in der Bilanz........................................................... 7-161 7.1 Inhalt dieses Kapitels ....................................................................................7-161 7.2 Lernziele ..........................................................................................................7-161 7.3 Erstbewertung ................................................................................................7-161 7.4 F/ S GETEN (Pty) Ltd. ................................................................................7-163 7.5 Qualifizierte Vermögenswerte .....................................................................7-164 7.6 F/ S LANGDAM Bhd. .................................................................................7-165 7.7 Folgebewertungen .........................................................................................7-167 7.8 F/ S GELLENDORFF Ltd. ........................................................................7-168 7.9 Wertminderungen ..........................................................................................7-171 7.10 Wertminderungsaufwand - GELLENDORFF Ltd. ...............................7-171 7.11 Neubewertungen............................................................................................7-181 7.12 F/ S TINNEN Ltd.........................................................................................7-182 7.13 Vermögensabgang .........................................................................................7-194 7.14 F/ S YSTERFONTEIN Ltd. .......................................................................7-194 7.15 Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien.........................................7-198 7.16 F/ S MERSEBURG Ltd. ..............................................................................7-199 7.17 Zum Verkauf gehaltenes Vermögen...........................................................7-200 7.18 F/ S OVERBERG (Pty) Ltd. .......................................................................7-201 7.19 Immaterielles Vermögen ..............................................................................7-203 7.20 F/ S Zahnarzt PAARDEBERG ..................................................................7-203 7.21 Forschungs- und Entwicklungsaufwand....................................................7-205 7.22 F/ S WESPOORT Ltd. .................................................................................7-205 <?page no="10"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-10 7.23 Leasing ............................................................................................................ 7-206 7.24 F/ S KRIGE (Pty) Ltd. ................................................................................. 7-208 7.25 F/ S ALIGSE Ltd. ......................................................................................... 7-213 7.26 F/ S RICHTERSVELD (Pty) Ltd. - Leasingnehmer .............................. 7-215 7.27 F/ S RICHTERSVELD (Pty) Ltd. - Leasinggeber .................................. 7-219 7.28 Kurzfristige Mietverhältnisse....................................................................... 7-222 7.29 F/ S JONKERS GmbH................................................................................ 7-222 7.30 Finanzinstrumente......................................................................................... 7-223 7.31 Zusammenfassung ........................................................................................ 7-231 7.32 Arbeitsdefinitionen........................................................................................ 7-231 7.33 Kontrollfragen ............................................................................................... 7-232 7.34 Lösungen ........................................................................................................ 7-233 8 Unternehmenszusammenschlüsse .................................................... 8-234 8.1 Inhalt dieses Kapitels .................................................................................... 8-234 8.2 Lernziele.......................................................................................................... 8-234 8.3 Konzernrechnungslegung ............................................................................ 8-234 8.4 Einzelabschlüsse nach IAS 27 ..................................................................... 8-238 8.5 F/ S BRENO Ltd. ......................................................................................... 8-238 8.6 Konzernabschlüsse ....................................................................................... 8-244 8.7 F/ S GAMKA/ SWARTBERG - Erstkonsolidierung............................. 8-245 8.8 F/ S GAMKA/ SWARTBERG - Folgekonsolidierungen ...................... 8-253 8.9 F/ S PORTERSVILLE/ HENDERSON................................................. 8-263 8.10 Innerkonzernliche Erfolgskonsolidierung................................................. 8-270 8.11 F/ S PATTEN/ SPYKER............................................................................. 8-271 8.12 Gemeinschaftsunternehmen........................................................................ 8-280 8.13 F/ S QUICKARMS-RESPONSE-FIRE - gem. Tätigkeiten ................. 8-280 8.14 F/ S CLOSEWATCH - Gemeinschaftsunternehmen ............................. 8-286 8.15 Zusammenfassung ........................................................................................ 8-290 8.16 Arbeitsdefinitionen........................................................................................ 8-290 8.17 Kontrollfragen ............................................................................................... 8-291 8.18 Lösungen ........................................................................................................ 8-292 <?page no="11"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-11 9 Umlaufvermögen in der Bilanz ..........................................................9-293 9.1 Inhalt dieses Kapitels ....................................................................................9-293 9.2 Lernziele ..........................................................................................................9-293 9.3 Anlage- und Umlaufvermögen ....................................................................9-294 9.4 Vorräte.............................................................................................................9-294 9.5 F/ S GREENACRES Ltd. - Periodisches System ...................................9-296 9.6 Fortlaufende Lagerbuchhaltung ..................................................................9-298 9.7 F/ S GREENACRES Ltd. - Fortlaufende Lagerbuchhaltung ...............9-299 9.8 Retouren..........................................................................................................9-301 9.9 Unterschiede bei der Vorratsbewertung ....................................................9-306 9.10 Anwendung unterschiedlicher Einkaufspreise ..........................................9-306 9.11 F/ S ROSEFIELD Ltd..................................................................................9-306 9.12 Wertminderungsaufwand .............................................................................9-312 9.13 F/ S HEISTEL (Pty) Ltd. .............................................................................9-312 9.14 Manufacturing Accounting ..........................................................................9-314 9.15 Gemeinkostenverrechnung ..........................................................................9-316 9.16 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. ....................................................9-317 9.17 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (i) ...............................................9-322 9.18 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. - IAS 2.13 (ii)...........................9-322 9.19 Fertigungssammelkonto ...............................................................................9-326 9.20 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (iii) .............................................9-326 9.21 F/ S HEUNING Ltd.....................................................................................9-327 9.22 Forderungen ...................................................................................................9-331 9.23 F/ S CHELMSFORD Ltd. ...........................................................................9-332 9.24 Wertpapiere im Umlaufvermögen ..............................................................9-335 9.25 F/ S NOKOX (Pty) Ltd................................................................................9-335 9.26 F/ S NOKOX (Pty) Ltd. - Fortsetzung......................................................9-337 9.27 Vorauszahlungen ...........................................................................................9-340 9.28 Cash und Cash-Äquivalente .........................................................................9-340 9.29 F/ S BAKENSKOP PLC .............................................................................9-341 9.30 Zusammenfassung .........................................................................................9-341 9.31 Arbeitsdefinitionen ........................................................................................9-341 9.32 Kontrollfragen................................................................................................9-342 <?page no="12"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-12 9.33 Lösungen ........................................................................................................ 9-343 10 Kapitalflussrechnung .................................................................... 10-344 10.1 Inhalt dieses Kapitels ..............................................................................10-344 10.2 Lernziele ...................................................................................................10-344 10.3 Verpflichtung zum Aufstellen einer Kapitalflussrechnung ..............10-344 10.4 F/ S EIMKE Ltd. ....................................................................................10-345 10.5 Direkte Methode .....................................................................................10-350 10.6 F/ S EIMKE Ltd. - Direkte Methode .................................................10-351 10.7 Überleitung von Gewinnen zu operativen Cash-Flows ....................10-351 10.8 Schritt (1) ..................................................................................................10-353 10.9 Schritt (2) ..................................................................................................10-353 10.10 Schritt (3)...................................................................................................10-354 10.11 Schritt (4)...................................................................................................10-354 10.12 Schritt (5)...................................................................................................10-354 10.13 Schritt (6)...................................................................................................10-354 10.14 Schritt (7)...................................................................................................10-355 10.15 Schritt (8)...................................................................................................10-357 10.16 Schritt (9)...................................................................................................10-357 10.17 Schritt (10) ................................................................................................10-357 10.18 Schritt (11) ................................................................................................10-358 10.19 Schritt (12) ................................................................................................10-358 10.20 Schritt (13) ................................................................................................10-358 10.21 F/ S EIMKE Ltd. - Überleitungsrechnung .........................................10-358 10.22 Derivative Methode.................................................................................10-362 10.23 Zusammenfassung ...................................................................................10-362 10.24 Arbeitsdefinitionen ..................................................................................10-362 10.25 Kontrollfragen..........................................................................................10-363 10.26 Lösungen...................................................................................................10-364 11 Eigenkapital in der Bilanz .............................................................11-365 11.1 Inhalt .........................................................................................................11-365 11.2 Lernziele ...................................................................................................11-365 <?page no="13"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-13 11.3 Eigenkapital ............................................................................................. 11-365 11.4 Gezeichnetes Kapital ............................................................................. 11-365 11.5 F/ S YARRA Ltd. - 20X0 ..................................................................... 11-367 11.6 Rücklagen................................................................................................. 11-368 11.7 F/ S YARRA Ltd. - 20X0 - Fortsetzung ............................................ 11-368 11.8 F/ S YARRA Ltd. - 20X1 ..................................................................... 11-370 11.9 C/ S YARRA Ltd. - 20X2 ..................................................................... 11-374 11.10 Bilanzgewinn............................................................................................ 11-376 11.11 Zusammenfassung .................................................................................. 11-379 11.12 Arbeitsdefinitionen ................................................................................. 11-379 11.13 Kontrollfragen ......................................................................................... 11-380 11.14 Lösungen .................................................................................................. 11-381 12 Gewinn- und Verlustrechnung...................................................... 12-382 12.1 Inhalt......................................................................................................... 12-382 12.2 Lernziele................................................................................................... 12-382 12.3 Gewinn- und Verlustrechnung............................................................. 12-383 12.4 F/ S ABINGTON Ltd. - Gesamtkostenverfahren ........................... 12-384 12.5 F/ S SUDHUIZEN PLC - Gesamtkostenverfahren........................ 12-389 12.6 F/ S ABINGTON Ltd. - Umsatzkostenverfahren ........................... 12-397 12.7 F/ S SUDHUIZEN PLC - Umsatzkostenverfahren ........................ 12-402 12.8 Zusammenfassung.................................................................................. 12-408 12.9 Arbeitsdefinitionen................................................................................. 12-408 12.10 Kontrollfragen ......................................................................................... 12-409 12.11 Lösungen .................................................................................................. 12-410 13 Eigenkapitalveränderungsrechnung.............................................. 13-411 13.1 Inhalt......................................................................................................... 13-411 13.2 Lernziele................................................................................................... 13-411 13.3 IFRS-Vorschriften .................................................................................. 13-411 13.4 F/ S BELMONT Ltd. ............................................................................ 13-412 13.5 F/ S BELMONT Ltd. - Ausgabe und Einzug von Aktien.............. 13-414 13.6 F/ S BELMONT Ltd. - Gewinnbestimmung .................................... 13-415 <?page no="14"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-14 13.7 F/ S BELMONT Ltd. - Sonstige Erträge ...........................................13-416 13.8 F/ S BELMONT Ltd. - Revaluations...................................................13-417 13.9 F/ S BELMONT Ltd. - Gewinnverwendung .....................................13-418 13.10 Zusammenfassung ...................................................................................13-421 13.11 Arbeitsdefinition ......................................................................................13-421 13.12 Kontrollfragen..........................................................................................13-421 13.13 Lösungen...................................................................................................13-422 14 Schulden in der Bilanz .................................................................. 14-423 14.1 Inhalt .........................................................................................................14-423 14.2 Lernziele ...................................................................................................14-423 14.3 Schulden ...................................................................................................14-423 14.4 Verbindlichkeiten ....................................................................................14-424 14.5 F/ S WERWOK Ltd. - Wareneinkauf auf Ziel ..................................14-426 14.6 F/ S BATHURST Ltd. - Darlehnsfinanzierung..................................14-426 14.7 F/ S MEUL Ltd. - Fortgeführte Anschaffungskosten ......................14-428 14.8 Emission von Anleihen ..........................................................................14-429 14.9 F/ S BRIZA Ltd. - Anleihen ..................................................................14-430 14.10 F/ S MEMEL PLC - Annuitätendarlehn mit Sondertilgungen........14-430 14.11 Rückstellungen .........................................................................................14-430 14.12 F/ S SEENA Ltd. - Bewertung von Rückstellungen .........................14-431 14.13 F/ S HADRA (Pty) Ltd. - Pensionsrückstellung .................................14-433 14.14 F/ S DUMMOND (Pty) Ltd. - Nacharbeitsrückstellung...................14-434 14.15 F/ S SALMAN Ltd. - Drohverlustrückstellung...................................14-440 14.16 Zusammenfassung ...................................................................................14-442 14.17 Arbeitsdefinitionen ..................................................................................14-442 14.18 Kontrollfragen..........................................................................................14-443 14.19 Lösungen...................................................................................................14-443 15 Abkürzungen................................................................................. 15-444 16 Abbildungsverzeichnis.................................................................. 16-452 17 Links ............................................................................................. 17-456 18 Literatur ........................................................................................ 18-457 <?page no="15"?> für Marlo <?page no="16"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-16 II Einführung Diese sechste Auflage berücksichtigt das Feedback, das wir von unseren Leserinnen oder Lesern in Deutschland und Südafrika erhalten haben. Der fünften Auflage folgend, erscheint das Lehrbuch in dieser Auflage erneut in zwei Sprachen: Englisch und Deutsch. Sie können die Bücher Satz für Satz vergleichen. Inhaltlich haben wir einige neue Fallstudien eingefügt, z.B. HEUNING und ALIGSE, mit denen wir gute Erfahrungen in der Hochschule Osnabrück und der Cape Peninsula University of Technology in Kapstadt gemacht haben. Ebenfalls wurde die Darstellung der Buchungen an der Präferenz der Studierendenschaft ausgerichtet. Buchungen werden in dieser deutschen Version im DR-CR-Format dargestellt, dagegen in der englischen Ausgabe weiterhin als Journal Entries. Es wurden in beiden Büchern die in der 8. englischsprachigen Auflage eingeführten ganzzahligen Zahlenformate für die Buchungssätze und Jahresabschlüsse beibehalten, auch wenn die Berechnungen im Text auf zwei Nachkommastellen genau angegeben werden. Der Inhalt von Bilanzen stellt auf die Vermittlung von Bilanzierungswissen nach internationaler Rechnungslegung IFRSs ab. Die deutsche Bilanzierung wird nur in Kapitel (2) zu Vergleichszwecken besprochen. Dieses macht es Leserinnen oder Lesern einfacher, die bereits Wissen über die deutsche Buchhaltung und Bilanzierung mitbringen. Bilanzen wird nach internationalem Curriculum für Bachelor- und Masterstudiengänge vermittelt. Es wird von den Lesern erwartet, dass sie Grundwissen über internationale Bilanzierung haben, wie es in unserem Lehrbuch Basics of Accounting und dem zugehörigen Online-Material vermittelt wird. (Bitte vorher lesen! ) Um unseren deutschen Leserinnen oder Lesern den Zugang zur internationalen Fachsprache zu erleichtern, werden die wesentlichen Fachausdrücke (technical terms) im Text in Klammern übersetzt. Dies war beim Schreiben dieses Lehrbuchs naheliegend, weil diese sechste Auflage Bilanzen von der neunten Edition der Financial Statements zurückübersetzt wurde. Wir haben das Lehrbuch an Fallstudien orientiert: Es gibt darin mehr als 60 Fallstudien und viele Zusatzmaterialien, hauptsächlich Klausuraufgaben und Videos. Sie können diese von der Website des Verlags über den Link: https: / / files.narr.digi cases.zip downloaden: 350 Klau suraufgaben mit ausführlichen Lö sungen und ca. 60 Videos, die sich auf den Buchinhalt direkt beziehen und von uns gedreht wurden. Das Lehrbuch wurde gemeinsam von einem Expertenteam aus Deutschland und Südafrika verfasst. Es greift unsere Lehrerfahrung in Hörsälen in Osnabrück und Lingen (Ems), Kapstadt, Enschede, Gqeberha und George, Grahamstown, Kuantan, Seoul and Shanghai auf. Wir bedanken uns bei unseren Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule Osnabrück, insbesondere bei <?page no="17"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-17 Frau Prof. Dr. Marion Wendehals, und an den Partnerhochschulen für ihren wertvollen Input. Ein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Jürgen Schechler vom Verlag für die angenehme Zusammenarbeit. Er leitet das Lektorat in München und ist zu einem engen und freundschaftlichen Partner auch bei der Erstellung unsere anderen Lehrbücher Basics of Accounting, Financial Statements, und Management Accounting geworden. Wir bedanken uns ebenso bei allen Studierenden und Leserinnen oder Lesern für ihr wohlwollendes Feedback und Fragen. Sie helfen uns damit, die Lehrbücher kontinuierlich zu verbessern und an Ihre Anforderungen anzupassen. Wir sind sicher, dass Ihnen die 6. Auflage von Bilanzen beim Lernen von internationaler Bilanzierung hilft! Enjoy Accounting! Diese sechste Auflage von Bilanzen widmen wir Marlo. Cape Town, im Dezember 2025 Keabetswe and Carsten Berkau <?page no="18"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-18 1 Vereinbarungen Die unten aufgelisteten Konventionen gelten im Wesentlichen zur Vereinfachung der Fallstudien. In der Praxis ist die Bilanzierung umfangreicher, daher wird versucht, die Komplexität auf ein Niveau zu reduzieren, das für das Studium des Rechnungswesens angemessen ist. Z.B. wird kein Kontenplan angewendet und damit die Anzahl von Konten erheblich reduziert. In einem realen Arbeitsumfeld muss man das richtige Konto aus dem Kontenrahmen finden; dieses ist aber nicht erforderlich, um die Prinzipien der Jahresabschlusserstellung zu lernen, weil die Fallstudien im Hörsaal weniger kompliziert sind. Die nachfolgenden Konventionen beziehen sich auf Rechtsformen von Unternehmen, anzuwendende Steuersätze, Formate etc. Sie finden in diesem Lehrbuch Anwendung, gleichermaßen in unseren Büchern Basics of Accounting, Management Accounting, Financial Statements und für alle online verfügbaren Zusatzmaterialien. Zu Beginn des Lernprozesses sind wahrscheinlich viele der Vereinbarung noch unverständlich. Sie werden an den Anfang des Buchs platziert, damit man sie leicht findet. Die Reihenfolge ist die gleiche, wie in der englischsprachigen Ausgabe, d.h. die Reihenfolge orientiert sich am englischsprachigen Stichwort. Dieses wird i.d.R. im Singular angeführt. 1.1 Abrechnungszeiträume (accounting period) Jede Abrechnungsperiode beginnt am 1.01.20XX und endet zum 31.12.20XX. Um die Zahlenbeispiele auf spätere Perioden übertragen zu können, werden Dekaden durch ein X ersetzt, z.B. 20X4. Nach X kommt Y, danach Z. 1.2 Fachausdrücke im Rechnungswesen (accounting technical term) Zum Ende eines jeden Kapitels werden neue Fachausdrücke erklärt. Dieses dient zum Verständnis des Inhalts. Die Erläuterungen sind für Anfänger im Rechnungswesen geschrieben. Sie sind daher weniger formal oder justiziabel als die Definitionen des IASB. 1.3 Namen der Konten (account name) Konten werden aus didaktischen Gründen mit ihren englischen Namen in Buchungssätzen dargestellt. Im Text wird die deutsche Bezeichnung verwendet und häufig der englische Kontoname in Klammern zugefügt, z.B. Warenerfolgskonto (trading account). 1.4 Alphabetische Reihenfolge (alphabetic order) Alle Listen sind in alphabetischer Reihenfolge. Sie bezieht sich auf die englischsprachigen Begriffe, so dass die Reihenfolge und die Kapitelnummern mit der englischen Auflage übereinstimmen. 1.5 Basics (Basics) Basics bezieht sich auf das Lehrbuch Berkau: Basics of Accounting. Es wird empfohlen, die Basics vor dem Studium <?page no="19"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-19 der Bilanzen zu lesen. Sie führen in die internationale Buchhaltung ein und erläutern die wichtigsten Konzepte, ohne direkt auf die IFRSs Bezug zu nehmen. 1.6 Financial Statements (Bilanzen) Das Lehrbuch Berkau: Financial Statements ist eine enge englische Übersetzung zu diesem Lehrbuch. Alle Fälle und Abbildungen stimmen mit den Finan ci al Statements 9e überein. 1.7 Buchungssätze (bookkeeping entry) Alle Buchungssätze werden fett gedruckt und über die ganze Seitenbreite dargestellt, um sie hervorzuheben. 1.8 Buchungssatzformat (bookkeeping entry format) Buchungssätze werden als Sollbuchungen (debit entry) und Habenbuchungen (credit entry) dargestellt. DR steht für debit recorded (Soll) und CR für credit recorded (Haben). Nachfolgend wird ein Buchungssatz für das Anschaffen eines Kfz gezeigt, dabei wird ein Umsatzsteuersatz von 20 % angewendet: DR Property, Plant, Equipment... 20.000 EUR DR VAT.......................... 4.000 EUR CR Cash/ Bank.................... 24.000 EUR Der Indikator für den Buchungssatz im Text, z.B. “Buchungssatz (1)” findet sich ebenfalls in den Kontendarstellungen als “(1)”. In dieser deutschen Version des Lehrbuchs Bilanzen werden Buchungssätze im Text dargestellt; in der englischen Version Financial Statements werden sie dagegen als Journal Entries außer in Kapitel (2) gezeigt. 1.9 Berechnungen (calculation) Bei allen Berechnungen werden die Währungseinheiten nur beim Ergebnis angegeben, z.B.: 10 + 20,50 = 30,50 EUR. Weiter werden Zahlen als ganze Zahlen (integer) dargestellt, wenn die Nachkommastellen Null sind. Ergebnisse werden fett im Text gedruckt, um sie leichter zu finden. 1.10 Südafrikanische Kapitalsteuern (capital gain tax CGT in South Africa) Der Steuersatz für Kapitalerträge aus Besitz von Sachanlagevermögen in Südafrika wird zum Ertragsteuersatz für Unternehmen angenommen (30 %). Es werden keine Steuererleicht er ungen oder Freibeträge behandelt. 1.11 Fallstudien (case study) Die Fallstudien in diesem Lehrbuch sind so einfach wie möglich gestaltet, selbst wenn sie dadurch unrealistisch wirken. Das Vermitteln von Rechnungswesenwissen steht im Vordergrund. <?page no="20"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-20 1.12 Fallstudien Textformat (case study text format) Fallstudien werden in einer anderen Schriftart als der normale Text gezeigt (kursiv). 1.13 Unterscheidung zwischen Kasse und Bank (cash/ bank distinction) Es wird nicht zwischen dem Kasse- Konto und dem Bank-Konto differenziert. Eine Abhebung von einem Bankkonto wird als DR Cash/ Bank - CR Cash/ Bank gebucht. Wenn nicht anderweitig angegeben werden Geschäftsvorfälle als Transaktionen in bar oder als Banküberweisungen angenommen. 1.14 Aufteilung von Kapitalflüssen (cash flow separation) Zinszahlungen werden immer als Finanz-Cash-Flow aufgefasst, selbst wenn IAS 7.33 es zulässt, sie sowohl als Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit wie aus Finanztätigkeit anzusehen. Dies gilt für alle Fallstudien. Vorsteuerforderungen und Umsatzsteuerschulden aus Investitionstätigkeiten - Anschaffungen/ Abgang von Anlagevermögenswerten sind Cash- Flows aus Investitionstätigkeit. 1.15 Unternehmen (company) Die Rechtsform von Unternehmen gehört nicht zum Curriculum für Rechnungswesen. Sie werden in den Basics behandelt. Es wird angenommen, dass 1 Zur Definition von Kosten und Methoden für die Kostenspaltung siehe das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (4). alle Unternehmen, die in dem Lehrbuch behandelt werden, verpflichtet sind, Jahresabschlüsse aufzustellen. Im Unterschied zu den IFRSs wird nicht der Begriff Entity für Unternehmen verwendet. Wenn dieser Ausdruck in den Standards verwendet wird, kann man davon ausgehen, dass auf Unternehmen referenziert wird. In einigen gesetzlichen Regelungsbereichen (jurisdictions) werden die IFRSs auf Abschlüsse, z.B. von einer ärztliche Gemeinschaftspraxis in der Rechtsform einer Partnerschaft angewendet, die per se kein Unternehmen darstellt. Statt Entität werden die Fachbegriffe „Geschäftsbetrieb“, „Firma“ und „Unternehmen“ verwendet. In diesem Buch werden die meisten Unternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft geführt, z.B., GmbH, AG, Pty Ltd., PLC, Inc., etc. 1.16 Kosten-Aufwands-Abgrenzung (costexpense-congruence) Standardmäßig wird eine Kongruenz von Kosten und Aufwand vorausgesetzt. 1 1.17 Länder (country) Alle Fallstudien dieses Buchs finden in Ländern statt, in denen die IFRSs auf Einzelabschlüsse (single entity statements) anzuwenden sind. Wegen unserer Lehre in Kapstadt beziehen sich viele ausländische Beispiele auf südafrikanische Unternehmen. <?page no="21"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-21 1.18 Währungen (currency unit) Bei allen Beispielen gilt als Berichtswährung die Landeswährung der Fallstudie, auch wenn IAS 21 genauere Kriterien für die Währungsbestimmung festlegt. Es wird die allgemein übliche Drei-Buchstaben-Kennung für Währungen verwendet, z.B. ZAR für südafrikanische Rand oder GBP für British Pound Sterling. 1.19 Zahlenformat in Tabellen und Abbildungen (data format in tables) In Tabellen und Abbildungen werden negative Zahlen durch Einklammern gekennzeichnet, z.B. (7,50) ist -7,50 EUR. 1.20 Datenblätter (data sheet) Die wichtigsten Informationen für Fallstudien werden jeweils in einem Datenblatt zusammengefasst. Dieses dient dem Zusammenstellen der wichtigsten Zahlenwerte in komprimierter Form. Die Datenblätter ersetzen nicht die Erläuterung der Fallstudie oder stellen eine Aufgabenstellung dar. 1.21 Vorauszahlungen bei der Ertragsbesteuerung (prepayment of income taxes) Es wird in den Fallstudien auf das Behandeln von Steuervorauszahlungen (provisional tax payments) an die Finanzbehörden (revenue service) verzichtet. Steuern werden zum Jahresende berechnet und als kurzfristige Verbindlichkeiten, meistens als Ertragsteuerschulden (income tax liabilities) gebucht. Für deutsche Unternehmen gilt dagegen § 249 HGB. Ausstehende Ertragsteuerschulden werden in Deutschland als Rückstellungen ausgewiesen. 1.22 Hinweis (note) Hinweis: In diesem Lehrbuch sind Hinweise aufgeführt, die nicht direkt zum Lernstoff gehören, aber das Verständnis erleichtern. Sie werden in einem speziellen Format dargestellt. Beim Wiederholen kann man sie überspringen. 1.23 Accounting-Prozess-Schritte (how it is done) (1) Sie finden Vorgehens-Abschnitte in diesem Lehrbuch. (2) Sie beinhalten kurze und klare Arbeitsanweisungen für das Rechnungswesen. (3) In einer Open-Book- Klausur sollen Ihnen die Anweisungen wie ein Mogelzettel helfen. 1.24 Ertragsteuern (income tax) In unseren Lehrbüchern gilt für die Ertragsbesteuerung ein vereinfachter Gesamtsteuersatz. Die Ertragsteuern betragen 30 % auf den Vorsteuergewinn (earnings before taxation). In einem realen Unternehmen sind die vereinfachten Ertragsteuerberechnungen mit den Beträgen zu ersetzen, die von den Steuerexperten berechnet wurden. Die Gewerbesteuer wird als Ertragsteuer angesehen, obwohl ihre Bemessungsgrundlage der Gewerbeertrag ist. 1.25 Journal Entries (journal entry) Seit der achten englischsprachigen Auflage werden Buchungssätze in der <?page no="22"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-22 international üblichen Darstellung von Journal Entries abgebildet. Dieses ist Standard in Bilanzierungsvorlesungen im Ausland. Für diese Ausgabe wurde jedoch das in Deutschland mehr verbreitete Buchungssatzformat beibehalten. Journal Entries zeigen das Datum, die relevanten Konten und ein Narrativ. Der oben bereits vorgestellte Buchungssatz sieht wie unten gezeigt aus. Er enthält jetzt jedoch das Datum und einige Zusatzinformation. Im Text wird grundsätzlich die Überschriftenzeile mit der Spaltenüberschrift “DR” (debit recorded) für Soll und “CR” (credit recorded) für Haben nicht gezeigt. Weil internationale Bilanzierung vermittelt wird, werden die Konten in englischer Sprache benannt. Das Konto Property, Plant, Equipment ist das Sachanlagekonto, das VAT- Account ist das Vorsteuer- und Umsatzersteuerschuldkonto und Cash/ Bank repräsentiert das zusammengefasste Kasse-/ Bank-Konto. DR CR @ 2.01.20X1 Property, Plant, Equipment PPE 20.000 Value Added Tax VAT 4.000 Cash/ Bank C/ B 24.000 (acquisition of a business car) 1.26 Steuerbilanzen (financial statement for taxation) Es werden keine Steuerabschlüsse behandelt. Sie sind nur für die Ertragsbesteuerung und das Bestimmen von latenten Steuern relevant (vereinfachtes Steuermodell). Weil Steuerlatenzen Einfluss auf die Neubewertung haben, sind Steuerliche Gewinn- und Verlustrechnungen in Kapitel (7) enthalten. 1.27 Namen (name) Unternehmen werden im Lehrbuch mit fiktiven Namen bezeichnet, z.B. SCHULZE-BRAMMELKAMP Ltd. Es sind keine Verbindungen zu bestehenden Personen oder Firmen beabsichtigt. 1.28 Aufwands- und Ertragskonten (nominal account) Aufwands- und Ertragskonten (nominal accounts) werden mit der Jahreszahl gekennzeichnet, z.B. Labour- 20X1 LAB. 1.29 Lohnbuchhaltung (accouting for labour) Das Buchen von Löhnen erfolgt immer unter der Bezeichnung Löhne (labour), auch wenn sowohl Löhne (wages) als auch Gehälter (salary) gemeint sind. Die Lohnbuchhaltung (Accounting for labour) wird in Kapitel (19) der Basics im Detail behandelt. 1.30 Sprache (language) Dieses Lehrbuch ist in Deutsch geschrieben - das Schwesterlehrbuch Financial Statements erscheint in South <?page no="23"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-23 African English. Alle Abbildungen sind grundsätzlich in Englisch. 1.31 Lernziele (learning objective) Jedes Kapitel enthält Lernziele und endet mit einer Zusammenfassung. Es wird ebenso ein kurzer Überblick über das Kapitel gegeben. 1.32 Rechtsformen von Unternehmen (legal forms of a business) In diesem Lehrbuch kommen unterschiedliche Rechtsformen von Kapitalgesellschaften vor: Ltd., (Pty) Ltd., Sdn. Bhd., Bhd., AG, GmbH, UG, PLC, Inc., etc. Wenn keine Rechtsformangabe erfolgt, handelt es sich um ein privates Einzelunternehmen, z.B. SANDPIPER BOOKS für eine inhabergeführte Buchhandlung. 1.33 Länge von Monaten und Jahren (length of a month/ year) Bei Nebenrechnungen werde häufig Durchschnittsrechnungen angewendet. Die folgenden Umrechnungen liegen zugrunde: 1 Monat = 21,5 Tage = 4,3 Wochen. 1 Jahr = 12 gleichlange Monate = 365 Tage = 52 Wochen. 1.34 Genauigkeitsgrad (level of precision) Es wird mit Dezimalzahlen auf zwei Nachkommastellen genau gerechnet. Die Darstellung in den Jahresabschlüssen und in den Buchungssätzen ist jedoch immer ganzzahlig. Zwischenergebnis aus Nebenrechnungen werden ebenfalls gerundet. Die meisten Berechnungen im Lehrbuch sind mit MS- Excel gerechnet; daher sind die Berechnungen im Hintergrund genauer als im Lehrbuch dargestellt. 1.35 Links/ QR-Codes (link/ QR code) Links, die mit QR-Codes verbunden sind und im Lehrbuch abgedruckt sind, führen Sie zu weiterführendem Zusatzmaterial. In dieser Ausgabe wurden zur Reduktion des Umfangs des Lehrbuchs einige Fallstudien ausgelagert. Die verlinkten Inhalte sind die gleichen, wie für die englischsprachige Ausgabe des Lehrbuchs, d.h. sie sind englisch. 1.36 Literatur (literature) Die wichtigste Quelle, um Jahresabschlüsse aufzustellen, sind die Standards, die vom International Accounting Standard Board IASB herausgegeben werden. Am Ende des Lehrbuchs werden Literaturempfehlungen gegeben. Da hier die Wissensvermittlung und Lehre im Vordergrund steht, wird auf das Diskutieren und Vergleichen von Lehrmeinungen weiterstgehend verzichtet. Oberste Priorität hat, dass vermittelt wird, wie man Jahresabschlüsse aufstellt. 1.37 Nicht Erwähntes (non-existing item) Falls eine Angabe in einer Fallstudie nicht gemacht wird, ist davon auszugehen, dass etwas nicht existiert. Gehen Sie davon aus, dass Preise butto und Kosten netto angegeben sind. <?page no="24"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-24 1.38 Zusatzmaterial (online material) Die online verfügbaren Zusatzmaterialien sind zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Lehrbuchs 354 Klausuraufgaben mit Lösungen. Deren Benennung schließt die Kapitelnummer und eine laufende Nummer mit ein. Z.B. Task_A10.14-SUNLANDS ist eine Klausuraufgabe zum Lehrbuch Bilanzen bzw. Financial Statements (A), gehört zu Kapitel (10), und ist die 14. Aufgabe. Je höher die laufende Nummer, desto neuer ist die Aufgabe. Bezogen auf die Buchbezeichnung steht (B) für Basics und (C) für Controlling, welches die deutsche Übersetzung für Management Accounting ist. Die Aufgaben sind i.d.R. zweisprachig. 1.39 Zahlungsbedingungen (payment terms) Wenn nichts Weiteres zu den Zahlungsvereinbarungen erwähnt wird, werden Auszahlungen und Vereinnahmungen sofort über das Kasse-/ Bank- Konto gebucht. In diesem Lehrbuch werden Steuerzahlungen und -erstattungen sowie Dividenden erst im nächsten Jahr fällig. Zahlungen, die über das Jahr gleichverteilt stattfinden, werden zusammengefasst am 30.06.20XX (für Aufwand) oder 1.07.20XX (für Erträge) datiert. So können z.B. Monatszahlungen durch einen komprimierten Buchungssatz ersetzt werden, z.B. eine zwölfmonatige Mietzahlung als ein Buchungssatz. Damit lässt sich im Lehrbuch die Anzahl der Buchungssätze reduzieren. 1.40 Kontendarstellungen (presentation of accounts) Alle Konten werden im T-Kontenformat gezeigt. Die darin dargestellten Zahlen werden als ganze Zahlen (integer) ausgewiesen. Die Konten haben einen Drei-Buchstaben/ Zahlen-Code, der bei den Abschlussarbeiten zur Identifizierung von Buchungssätzen in den Gegenkonten angegeben wird, z.B. Property, Plant, Equipment = PPE. Siehe z.B. Abbildung 1.1. Originäre Buchungssätze werden dagegen durchnummeriert oder mit laufenden Buchstaben identifiziert. Alle Aufwands- und Ertragskonto führen das Jahr als Suffix im Namen, z.B. Depreciation-20X4 DPR. Siehe unten die Konten für das Anschaffen eines Kfz und die Fahrzeugabschreibungen, die: 20.000/ 5 = 4.000 EUR/ Jahr betragen, weil hier davon ausgegangen wird, dass die Nutzungsdauer (useful life) fünf Jahre beträgt. <?page no="25"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-25 D C D C (1) 20.000 (1) 4.000 D C D C (1) 24.000 ACC 4.000 D C DPR 4.000 Cash/ Bank C/ B Depreciation-20X1 DPR Accumulated depreciation ACC Property, plant, equipment PPE Value added tax VAT Abb. 1.1: Konten 1.41 Ratierliche Abschreibungen und Zinsen (pro-rated depreciation/ interest) Obwohl sie als Jahreswerte angegeben werden, erfolgen Abschreibungen und das Berechnen von Zinsaufwand/ -ertrag monatsweise, d.h. auf einen ganzen Monat genau. Monatslängen sind über das Jahr gleichverteilt. Daher wird die monatliche Abschreibung und der Monatszins bestimmt, indem der Jahreswert durch zwölf dividiert wird. Wenn z.B. das bilanzierende Unternehmen einen Vermögenswert kürzer als ein volles Jahr hält, zählen diejenigen Monate für die Abschreibungsberechnung, in denen der Vermögenswert für mehr als die Hälfte der Monatsdauer in Besitz war, d.h. länger als 15 Tage. Zinssätze sind als Jahreswerte angegeben: per annum (/ a) und unterliegen einer jährlichen Zinseszinsrechnung (compounded annually). Bei einer Kreditfinanzierung, die sich auf weniger als ein volles Jahr bezieht, wird der Zinsaufwand ratierlich berechnet und ebenfalls auf ganze Monate genau bestimmt. Wird ein Bankdarlehn am 9.06.20X4 mit einem jährlichen Zinssatz von 10 %/ Jahr aufgenommen, beträgt der Zinsaufwand: 7 × 100.000 × 10%/ 12 = 5.833,33 EUR. Falls die Daten nicht am Anfang oder Ende des Jahres liegen, wird der Monat bei der Datumsangabe unterstrichen, z.B. 11.06.20X4, um darauf hinzuweisen, dass evtl. eine ratierliche Aufwands- oder Ertragsberechnung geboten ist. Standardmäßig werden Zins- und Tilgungszahlungen zum Jahresende fällig: 31.12.20XX. Zinsen werden nur für Schulden, z.B. für Bankdarlehn, Anleihen etc. berechnet. Kontoüberziehungen werden in diesem Lehrbuch ignoriert. Eine Ausnahme bildet das Kapitel (37) im Lehrbuch Basics of Accounting. <?page no="26"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-26 1.42 Zitieren von Gesetzestexten oder Standards (quotation of law text/ standard) Gesetzestexte/ Standards werden zitiert wie ‘§ 266 HGB’ oder ‘IAS 1.68’. Es wird sich auf die Originalgesetzte bezogen. Es gilt zu berücksichtigen, dass sich bei den IFRSs die Paragrafen im Laufe der Zeit ändern, wenn Paragrafen eingefügt werden, verschieben sich die Nummern der nachfolgenden nach hinten. 1.43 Buchungsreihenfolge (sequence of bookkeeping entries) Die Reihenfolge bei Buchungssätzen folgt der logischen Reihenfolge, die sich am Text orientiert. Die Nummern oder andere Identifizierer für Buchungssätze implizieren keine Reihenfolge. 1.44 Vorzeichen in den Jahresabschlüssen (sign of numbers on financial statements) Dem internationalen Vorgehen folgend, wird Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung negative ausgewiesen. Dies ist als das (DR)CR- Format bekannt. Der Debit Entry ist eingeklammert; dies steht international für einen negativen Wert. In der Bilanz sind die Werte i.d.R. positiv. Eine Ausnahme bilden der Bilanzgewinn (retained earnings) und rückgekaufte Aktien (treasury stock). In der Kapitalflussrechnung (cash flow statement) werden Einzahlungen positiv und Auszahlungen negativ gezeigt. Die Darstellung für die Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) erfolgt im (DR)CR-Format, so dass Eigenkapitalmehrungen positiv ausgewiesen werden und Minderungen negativ. 1.45 Kapitalertragsteuer (tax on capital returns (dividend tax) Die Kapitalertragsteuer (dividend tax) ist eine Einkommensteuerart. In diesem Lehrbuch wird die Kapitalertragsteuer mit 25 % auf den Kapitalertrag berechnet. Es ist zu berücksichtigen, dass für Unternehmen, die eine Dividende beschließen, die Kapitalertragsteuer keine Unternehmensbesteuerung darstellt, obwohl die Gesellschaft sie schuldet. Sie ist in den meisten Ländern eine Abzugssteuer, besteuert wird aber die Anlegerin oder der Anleger als Privatperson. Dividendeneinkommen von Unternehmen ist ertragsteuerfrei, siehe für deutsche Unternehmen § 8b KStG. 1.46 Transaktionskosten (transaction cost) In diesem Lehrbuch werden Transaktionskosten vernachlässigt. Diese sind z.B. Kosten, die beim Verkauf, beim Aufnehmen oder Rückzahlen von Darlehn, bei der Aktienausgabe oder bei Anleihen anfallen. 1.47 Umsatzsteuer (value added tax, goods and service tax) Die Umsatzsteuer wird als value added tax (VAT) oder GST für Goods and Service Tax bezeichnet. Außer z.B. in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) und einigen U.S. Bundesstaaten, wie Delaware oder Alaska, werden Konsumentinnen oder Konsumenten besteuert und zahlen an die Verkäuferin oder den Verkäufer bzw. die <?page no="27"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-27 Dienstleisterin oder den Dienstleister Umsatzsteuer - teilweise als Mehrwertsteuer oder Sales Tax bezeichnet. In diesem Lehrbuch wird ein gemeinsames Umsatzsteuerkonto für das Erfassen der Vorsteuer (input-VAT) im Soll und der Umsatzsteuerschuld (output-VAT) im Haben verwendet. Der Umsatzsteuersatz beträgt immer 20 %. Verminderte Umsatzsteuersätze wie in einigen Ländern auf Bücher, Blumen oder Nahrungsmittel erhoben, gelten in diesem Lehrbuch nicht. 1.48 Vorsteuerabzugsberechtigung (VAT reduction) Es wird angenommen, dass jedes Unternehmen, das in diesem Lehrbuch besprochen wird, vorsteuerabzugsberechtigt ist. Somit vereinnahmt jedes Unternehmen von seinen Kundinnen oder Kunden die Umsatzsteuer. In einigen Übungsaufgaben gibt es zur Vereinfachung im letzten Absatz, der immer mit „Gefragt: “ beginnt, einen Hinweis, dass die Umsatzsteuer ignoriert werden darf. Der Absatz „Gefragt“ (requirement) steht immer am Ende der Aufgabenstellung und legt genau fest, was gefragt wird und bepunktet wird. Er wird durch Fettdruck hervorgehoben. Siehe Klausuraufgabenstellungen in den Zusatzmaterialien. 1.49 Arbeitsdefinition (working definition) Zum Ende eines Kapitels finden sich kurze und leicht zu verstehende Definition für neue Begriffe im Rechnungswesen. Sie stellen so etwas wie 2 Wenn man den Link aus der Online-Version des Lehrbuchs kopiert, muss man aufpassen, dass ein evtl. Zeilentrennungszeichen gelöscht wird! ein Glossar dar und sind zur Erleichte-rung des Verständnisses. 1.50 Fertigungsauftragskonto (Work-in- Process account) Das Abstimmkonto für Fertigungsaufträge heißt Work-in-Process Account. Es wird in diesem Lehrbuch auch für einzelne Fertigungsaufträge verwendet. Wenn eine Nummer angefügt ist, handelt es sich immer um einen einzelnen Fertigungsauftrag, z.B. “Work-in- Process 7441” für den Auftrag 7441. Von der Bezeichnung Job Order Account wird abgesehen, um die Verbindung zwischen einzelnen Fertigungsaufträgen und dem Summenwert, der in der Bilanz unter Umlaufvermögen ausgewiesen wird, zu betonen. 1.51 Schreibweise für Management Disziplinen (spelling management terms) Diese Regelung bezieht sich im Wesentlichen auf die englischsprachige Version des Lehrbuchs. Darin werden akademische Disziplinen, wie Accounting, Marketing, Human Resources etc., großgeschrieben. Sie werden mit Zusatzmaterial, wie Übungsaufgaben in Form von ehemaligen Klausuraufgaben, Lösungen, Videos und sonstigem Zusatzmaterial versorgt. Folgen Sie dem Link des Verlags: 2 eisten Fälle beziehen sich auf Klausuraufgabenstellungen an der Hoch <?page no="28"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 1-28 Partnerhochschulen im Ausland, in South Africa, China, South Korea und Malaysia. 1.53 Youtube Videos (youtube videos) Auf unserem YouTube Chanel (Carsten Berkau) sind Lernvideos zu diesem Lehrbuch als „unlisted“ veröffentlicht. Den Link erhalten Sie über den Verlag. 1.54 10-20-30-Regel (10-20-30 Rule) In diesem Lehrbuch gilt die 10-20-30 Regel. Falls nicht anders angegeben, beträgt der Zinssatz standardmäßig 10 %/ Jahr, der Umsatzsteuersatz 20 % und der Gesamtsteuersatz für die Ertragsbesteuerung 30 %. <?page no="29"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-29 2 Der Jahresabschluss nach Handelsgesetzbuch HGB 2.1 Inhalt dieses Kapitels Es wird hier eine Einführung in die deutsche Rechnungslegung nach Handelsgesetzbuch (HGB) gegeben. Die Erstellung eines handelsrechtlichen Jahresabschlusses wird an der Fallstudie KIELING TAXI GmbH aus Hannover demonstriert, die aufgrund ihres Standorts deutsches Handelsrecht für ihren Einzelabschluss anwendet. Die Bilanzierungsvorschriften, auch GAAPS (generally accepted accounting principles) genannt, bestehen in Deutschland aus dem Handelsgesetzbuch HGB und dem Gesellschaftsrecht, z.B. GmbHG oder AktG. Für die erste Periode wird nur der Jahresabschluss aufgestellt. Erst mit der zweiten Abrechnungsperiode werden Buchungssätze im Buch behandelt; diejenigen für die erste Periode stehen jedoch zum Download über die Zusatzmaterialien zur Verfügung. Die Fallstudie beschreibt eine Taxigesellschaft, die nur wenige Geschäftsvorfälle hat, zur Vermittlung der Grundlagen der deutschen Rechnungslegung: ihre Gründung, das Anschaffen eines Fahrzeugs, dessen Ausrüsten mit Taxi-Equipment, Abschreibungen auf das bewegliche Anlagevermögen (Kfz), Zahlungen für Löhne und Betriebsaufwand sowie das Buchen von Umsätzen aus Fahraufträgen. Es werden die Abrechnungsperioden 20X1 und 20X2 betrachtet. Aus der ersten Abrechnungsperiode wird der komplette Gewinn in das nächste Jahr übertragen. In der Periode 20X2 werden die Buchungssätze nach deutschen Buchhaltungsgrundsätzen und das Aufstellen des Jahresabschlusses nach Handelsgesetzbuch gezeigt. Es wird eine Gewinnverwendung beschrieben, bei der Teile des ausschüttungsfähigen Betrags den Gewinnrücklagen zugeführt werden, für weitere ein Dividendenbeschluss gefasst wird und der Rest in das nachfolgende Geschäftsjahr 20X3 vorgetragen wird. Hinweis: Der ausschüttungsfähige Betrag ist das Nachsteuerergebnis erhöht um Gewinnvorträge und vermindert um Verlustvorträge. Weiter sind verpflichtend zu bildende oder aufzubauende Rücklagen nicht ausschüttungsfähig. Die Ausschüttungsfähigkeit bedeutet die Möglichkeit zum Beschluss einer Dividende, die später an die Eigentümerinnen oder Eigentümer ausgezahlt wird. 2.2 Lernziele Nachdem Sie dieses Kapitel durchgearbeitet haben, können Sie eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung für ein deutsches Unternehmen aufstellen und haben ausreichende Fachsprachkompetenz erworben, um über die deutsche Rechnungslegung sprechen und schreiben zu können. Sie verstehen die Fachausdrücke der deutschen Bilanzierung und die wesentlichen Bilanzierungsvorschriften nach deutschem Handelsgesetzbuch HGB. Das erlernte Wissen erlaubt Ihnen, später das deutsche Handelsgesetzbuch mit den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRSs zu vergleichen. <?page no="30"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-30 Internationalen Studierenden bietet dieses Kapitel eine Einführung in die deutsche Rechnungslegung. Weil sehr viele Vereinfachungen in diesem Lehrbuch verwendet werden, kann Sie dieses Kapitel nicht zu einer Buchhalterin oder einem Buchhalter qualifizieren, aber Sie verstehen, was diese machen. 2.3 Deutsche Rechtsformen Für die Rechnungslegung ist die Rechtsform von Unternehmen relevant. Es werden Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften unterschieden. Private Betriebe kommen in der Rechtsform Einzelunternehmen, Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften vor. Eine einfache Personengesellschaft stellt die Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR 3 dar. Wie bei einem Einzelunternehmen sind die Eigentümerinnen oder Eigentümer einer GbR vollständig und gesamtschuldnerisch für das Vermögen und die Schulden ihrer Gesellschaft haftbar. Kapitalgesellschaften sind dagegen haftungstechnisch begrenzt und häufig in Besitz von mehreren Eigentümerinnen oder Eigentümern. Wenn die Unternehmensanteile einer Kapitalgesellschaft öffentlich an einer Börse gehandelt werden, kann jeder ihre Aktien erwerben und ist dann berechtigt, an der Gewinnverteilung zu partizipieren. Man spricht dann von Publikumsgesellschaften (public entity). Diese sind von öffentlich-rechtlichen Unternehmen, die in Besitz der Öffentlichen Hand, z.B. dem Bund, dem Land oder 3 Abkürzung für: Gesellschaft bürgerlichen Rechts, siehe §§ 705 - 741 BGB. einer Gemeinde stehen, zu unterscheiden. Öffentlich-rechtliche Unternehmen werden in diesem Lehrbuch nicht behandelt. Im Unterschied zu Privatunternehmen ist der Verlust der Eigentümerinnen oder Eigentümer bei einer Kapitalgesellschaft auf das Eigenkapital der Gesellschaft beschränkt. Das Eigenkapital umfasst das gezeichnete Kapital, die Rücklagen und die kumulierten Erträge. Weil die Eigentümerinnen oder Eigentümer nicht im Überschuldungsfall für die Gesellschaft haften, ist in Deutschland der Gläubigerschutz einer der wesentlichen Gründe für die Verpflichtung zum Erstellen von Jahresabschlüssen. Die Geschäftspartnerinnen oder Geschäftspartner einer Kapitalgesellschaft müssen die Möglichkeit haben, die Finanzlage einer Gesellschaft und ihre Liquidität beurteilen zu können, bevor sie in Geschäftsbeziehungen mit ihr treten, damit sie ihr Risiko abschätzen können. Hinweis: Eine Kapitalgesellschaft ist überschuldet, wenn ihre Schulden das Vermögen übersteigen. Dieses bedeutet negatives Eigenkapital. In einer solchen Situation wird die Einstellung des Betriebs und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wahrscheinlich. Hinweis: Die Geschäftsführung einer Kapitalgesellschaft ist für ihr Handeln haftbar, wenn ihr Fahrlässigkeit oder Vorsatz nachweisbar ist. Sie steht insbesondere gegenüber den Eigentümerinnen oder Eigentümern in der Verantwortung. In Deutschland müssen Kapitalgesellschaften und Handelsunternehmen <?page no="31"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-31 das deutsche Handelsgesetzbuch befolgen. Das HGB enthält spezielle Abschnitte für Handelsunternehmen als auch für Kapitalgesellschaften. 2.4 Verpflichtung zur Buchführung und JA-Erstellung § 242 HGB legt allen Handelsunternehmen und Kapitalgesellschaften die Verpflichtung zur Buchhaltung und zum Erstellen von Jahresabschlüssen auf. Alle Handelsunternehmen führen Bücher nach § 239 HGB und erstellen ein Inventar nach § 240 HGB. Für Handelsunternehmen, die als klein gelten, gilt eine Ausnahme (für die Anwendung der §§ 238 - 241 HGB) wenn sie einen Umsatz von weniger als 600.000 EUR/ Jahr in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren und einen Jahresüberschuss von nicht mehr als 60.000 EUR/ Jahr erwirtschaften, siehe §241a HGB. Diese Ausnahme gilt nur für Handelsunternehmen, die keine Kapitalgesellschaften sind. In Ergänzung zu Handelsunternehmen muss nach § 264 HGB jede Kapitalgesellschaft einen Jahresabschluss aufstellen. Kapitalgesellschaften in Deutschland sind die Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH (ebenso Unternehmergesellschaft UG (haftungsbeschränkt)) und die Aktiengesellschaft AG. Aktiengesellschaften sind Kapitalgesellschaften auf Aktienbasis. Eine GmbH ist eine Gesellschaft in Privatbesitz, vergleichbar zu einer PLC oder einer (Pty) Ltd. im vereintem Königreich UK, Australien und Südafrika. Genaueres regelt das deutsche Gesellschaftsrecht, in Deutschland sind dies das GmbHG und das AktG. Der deutsche Jahresabschluss besteht aus einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung (§ 242 HGB). Kapitalgesellschaften erstellen darüber hinaus in Verbindung mit § 264 HGB einen Anhang und einen Lagebericht. Der Anhang gehört zum Jahresabschluss, siehe § 264 HGB. Er ist deshalb prüfungspflichtig. Nach § 316 HGB ist der Jahresabschluss von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften zu prüfen. Hinweis: Eine Abschlussprüfung bedeutet, dass ein ausgewiesener und qualifizierter Abschluss- oder Wirtschaftsprüfer (auditor) den Jahresabschluss auf Richtigkeit prüft. Eine Abschlussprüferin oder ein Abschlussprüfer beurteilt ein Unternehmen nicht, sondern prüft den Jahresabschluss auf Übereinstimmung mit Buchhaltungsgrundsätzen, Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchhaltung GOB, und den Bilanzierungsvorschriften, nach z.B. HGB oder IFRSs. Der Anhang enthält ergänzende Angaben zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung nach § 284 HGB. Hinweis: Der deutsche Begriff für die Gesamtheit der Jahresabschlusselemente ist “der Jahresabschluss”. Im Gegensatz dazu spricht das IASB (International Accounting Standard Board) von einem „full set of financial statements“, d.h. einer Menge von Jahresabschlusselementen. 2.5 Unternehmensgründung Mit der Gründung einer Kapitalgesellschaft wird diese im Handelsregister eingetragen. Das Handelsregister, auch Handelsregisterrolle, wird in Deutschland bei den zuständigen Amtsgerich- <?page no="32"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-32 ten geführt. Die gesetzlichen Vertreterinnen oder Vertreter einer Kapitalgesellschaft beauftragen eine Notarin oder einen Notar mit der Eintragung in das Handelsregister. Die Notarin oder der Notar setzt den Gründungsvertrag (memorandum of incorporation, the articles) auf, der unter Anderem den Zweck der Gesellschaft, ihre Adresse, die gesetzlichen Vertreterinnen oder Vertreter usw. festlegt. Beim Aufsetzen des Gründungsvertrags entstehen die ersten Tätigkeiten im Rechnungswesen: Eine der erforderlichen Gründungsunterlagen ist § 240 folgend die Eröffnungsbilanz (opening balance sheet) und wird in dem Format nach § 266 HGB erstellt. Häufig enthält die Eröffnungsbilanz bei der Gründung nur die Positionen gezeichnetes Kapital und Kasse/ Bank. Das gezeichnete Kapital besteht aus den Mitteln, die die Eigentümerinnen oder Eigentümer in die Gesellschaft einbringen. Ein Unternehmen kann auch durch eine Sachgründung eingerichtet werden; dann sind weitere Vermögenspositionen auszuweisen. Nach ihrer Gründung muss eine Kapitalgesellschaft sowohl handelsrechtliche als auch steuerrechtliche Jahresabschlüsse aufstellen. Damit erstellen die gesetzlichen Vertreterinnen oder Vertreter der Gesellschaft zwei Jahresabschlüsse, die unterschiedlichen Gesetzen genügen. Der handelsrechtliche Jahresabschluss (commercial financial statements) folgt in Deutschland dem Handelsgesetzbuch HGB, während der steuerliche an dem deutschen Einkommensteuergesetz EStG ausgerichtet ist. Der Jahresabschluss nach HGB 4 Siehe die Businessplan-Fallstudie SCHLUCHMAN im Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (6). wird bei dem zuständigen Amtsgericht veröffentlicht, während der Steuerabschluss (financial statements for taxation) in Deutschland als E-Bilanz an das Finanzamt übermittelt wird. Beide Jahresabschlüsse werden im Rechnungswesen erstellt. Weil das HGB und das EStG unterschiedliche Ziele verfolgen, ist ein einziger Jahresabschluss, der gleichzeitig unterschiedlichen Zielen genügt, unwahrscheinlich. In diesem Lehrbuch wird nur der handelsrechtliche Jahresabschluss behandelt, der in Deutschland nach HGB aufgestellt wird und international nach IFRSs. Bevor steuerliche Fragestellungen verlassen werden, sollen zwei Aspekt behandelt werden, die für das Rechnungswesen und die Buchhaltung relevant sind: (1) Vereinfachung der Ertragsbesteuerung (income tax calculation). (2) Umsatzbesteuerung (value added tax). 2.6 Ertragsbesteuerung In Vorlesungen zur betrieblichen Steuerlehre wird die landesrechtliche Besteuerung von Unternehmen vermittelt. Das Steuerrecht ist an einer fairen Besteuerung ausgerichtet. Es folgt dem Grundprinzip, dass Steuerpflichtige mit hohem Einkommen höhere Steuersätze anwenden als solche mit niedrigerem Einkommen (tax progression). 4 Somit folgt das Steuerrecht dem Potential der Steuerpflichtigen zum Gemeinwohl der Gesellschaft beizutragen (Tragfähigkeitsprinzip). <?page no="33"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-33 Hinweis: Aus der Kostenrechnung sind Allokationsprinzipien bekannt, z.B. für die innerbetriebliche Leistungsverrechnung oder Erzeugniskalkulation. Nach dem Identitätsprinzip werden nur Einzelkosten zugerechnet. Bei dem häufig angewendeten Verursachungsprinzip orientiert sich die Zuordnung am Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Das Durchschnittsprinzip verteilt die Kosten gleichmäßig auf die Kalkulationsobjekte. Bei dem Tragfähigkeitsprinzip werden solche Kostenobjekte höher belastet, die hohes Unterstützungspotential, z.B. hohe Nettoverkaufspreise, aufweisen. Das Steuerrecht enthält zahlreiche und detaillierte Regelungen sowie viele Ausnahmeregelungen zur Ertragsbesteuerung. In diesem Lehrbuch wird die Unternehmensbesteuerung stark vereinfacht. Die Ertragsteuern werden bestimmt, indem das Vorsteuerergebnis mit einem Gesamtsteuersatz von 30 % multipliziert wird. Bei einem realen Unternehmen muss diese Berechnung durch eine genaue Ertragsbesteuerung ersetzt werden. 5 Als Ertragsteuer gilt neben der Einkommen- und Körperschaftsteuer hier ebenfalls die Gewerbesteuer. 2.7 Umsatzsteuer Die Umsatzbesteuerung (value added tax) ist eine Verbrauchssteuer und wird von den Konsumentinnen oder Konsumenten beim Wareneinkauf oder bei Leistungsbezug erhoben. Der Umsatzsteuersatz (VAT-rate) ist für alle Verbraucher gleich. Unternehmen werden in Deutschland von den Finanzämtern standardmäßig von der Umsatzsteuer befreit, weil sie keine Verbraucher sind, sondern Waren 5 Siehe Schneeloch, D.; Meyering S.; Patek, G.: Betriebliche Steuerlehre. oder Dienstleistungen zu Zwecken der Produktion oder Dienstleistungserstellung beziehen. Sehr kleine Kapitalgesellschaften können die Vorsteuerabzugsberechtigung bei Unterschreiten bestimmter Größenkriterien ablehnen. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen, die Waren einkaufen oder Leistungen beziehen, zahlen die Vorsteuer (input-VAT), aber erhalten von den Finanzbehörden später dafür eine Erstattung. De facto sind Unternehmen nicht vorsteuerpflichtig. Die Erstattung erfolgt über eine Umsatzsteuererklärung (VAT return form), die beim Finanzamt einzureichen ist. Alle vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen (companies registered for VAT reduction) müssen Umsatzsteuern (output-VAT) von ihren Kunden im Namen des Finanzamts (revenue service) vereinnahmen. Die Umsatzsteuer wird über den Umsatz bemessen. Man nennt sie in Deutschland im allgemeinen Sprachgebrauch auch Mehrwertsteuer. Alle Unternehmen zeichnen ihre Vorsteuerzahlungen und Umsatzsteuervereinnahmungen in einem Vorsteuer- und Umsatzsteuerschuldkonto auf. Nach den im Lehrbuch geltenden Konventionen in Kapitel (1) zahlen sie erst zu Beginn des nachfolgenden Geschäftsjahres den Überschuss der Umsatzsteuerschulden über die Vorsteuerforderungen an das Finanzamt. Umgekehrt erhalten Sie eine Erstattung der Vorsteuerforderungen, die die Umsatztsteuerschuld übersteigt. Reale Unternehmen nehmen die Umsatzsteuerzahlungen im Monatsrhythmus vor. In diesem Lehr- <?page no="34"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-34 buch wird zur Vereinfachung von einem vereinheitlichten Umsatzsteuersatz von 20 % ausgegangen und angenommen, alle Unternehmen sind standardmäßig vorsteuerabzugsberechtigt. Ermäßigte Umsatzsteuersätze sollen nicht gelten. Nachfolgend wird die erste Fallstudie KIELILNG TAXI GmbH besprochen. Die Fallstudie ähnelt der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. im nächsten Kapitel (3) zur internationalen Rechnungslegung. Auf diese Weise können die Rechnungslegungsstandards deutsches HGB und die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRSs verglichen werden. Der Vergleich von Rechnungslegungsvorschriften ist nicht Teil des Lernstoffs in diesem Lehrbuch zur internationalen Bilanzierung. 2.8 F/ S KIELING TAXI GmbH - 20X1 Für die KIELING TAXI GmbH Fallstudie gilt das deutsche Handelsgesetzbuch und dass die Buchungssätze im DATEV Format erstellt werden. Hinweis: Die DATEV (Datenverarbeitung für steuerberatende Berufe) ist ein deutsches Unternehmen, das Dienstleistungen im Bereich des Rechnungswesens anbietet. Weil es eng mit dem deutschen Finanzamt zusammenarbeitet, nimmt es quasi die Rolle eines Standardsetters ein. Für das erste Geschäftsjahr werden keine Buchungen gezeigt aber über die Zusatzmaterialien bereitgestellt; es wird sich vollkommen auf die Erstellung des Jahresabschlusses konzentriert. Nachfolgend wird das Datenblatt gezeigt, das wesentliche Informationen zur Fallstudie enthält. Datenblatt für die KIELING TAXI GmbH Standort: Deutschland (Hannover). Berichtswährung: EUR. Klassifizierung: Dienstleistungsunternehmen. Gründung: 1.01.20X1; Einlage des Eigentümers: 50.000 EUR, 10.000 EUR davon als Taxilizenz. Anschaffung eines Fahrzeugs: 30.000 EUR netto, Wert der Taxiausrüstung: 5.000 EUR netto. Abschreibungen: nach linearer Abschreibungsmethode über drei Jahre, Restbuchwert: 8.000 EUR. Relevante Abrechnungsperioden: 20X1 / 20X2. Umsatzerlöse: 100.000 EUR / 105.000 EUR. Löhne (für die Fahrerinnen oder Fahrer): 50.000 EUR / 55.000 EUR. Betriebsaufwand (umsatzsteuerrelevant): 15.000 EUR / 16.000 EUR. Gewinnverwendung: in 20X1: vollständiger Gewinnvortrag / in 20X2: 10.000 EUR Auszahlung an den Eigentümer, 10.000 EUR Zuführung zu den Gewinnrücklagen, der Rest wird in das Geschäftsjahr 20X3 vorgetragen. Umsatzsteuersatz: 20 %. Hinweis: Die Datenblätter für die Fallstudien tragen nur die Informationen aus dem nachfolgenden Text zusammen; sie sind keine Aufgabenstellung oder Fallbeschreibung. Herr Kieling eröffnet ein Taxigewerbe und erwirbt dafür eine Taxilizenz in Hannover. Er gründet eine Kapitalgesellschaft mit dem Namen KIELING TAXI GmbH. Die GmbH folgt dem deutschen GmbH-Gesetz (GmbHG) und erfordert <?page no="35"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-35 eine Mindesteinlage in Höhe von 25.000 EUR von seinen Eigentümerinnen oder Eigentümern (zusammen). Ein Unternehmen in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH muss beim zuständigen Amtsgericht registriert werden. Herr Kieling vereinbart einen Termin bei dem Anwalt, Dr. Meppen. Er bringt in das Unternehmen 50.000 EUR ein, welche zum Teil als Zahlung in ein Bankkonto der zukünftigen Kapitalgesellschaft erfolgen. Herr Kieling eröffnet ein Konto bei der Commerzbank in Hannover und zahlt darauf 40.000 EUR ein, bevor er den Notar aufsucht. Den Rest seiner Einlage bringt er als Taxilizenz ein, die einen Wert von 10.000 EUR hat. Ihre Bewertung erfolgt zu Anschaffungskosten. Am 27.12.20X0 legt Herr Kieling den Einzahlungsbeleg über die Einlage als einen verifizierten Kontoauszug und die Taxilizenz bei Dr. Meppen vor. Ebenso übergibt er dem Anwalt seine Eröffnungsbilanz, die in Einklang mit den Formalvorschriften des § 266 HGB ist. Siehe die Eröffnungsbilanz in Abbildung 2.1. Dem § 244 HGB folgend hat Herr Kieling die Bilanz in deutscher Sprache und in EUR erstellt. Aktivseite [EUR] Passivseite [EUR] A. Anlagevermögen A. Eigenkapital I. Immaterielle 10.000 I. Gezeichnetes Kapital 50.000 Vermögensgegenstände II. Kapitalrücklage II. Sachanlagen III. Gewinnrücklage III. Finanzanlagen IV. Gewinnvortrag/ Verlustvortrag V. Jahresüberschuß/ -fehlbetrag B. Umlaufvermögen I. Vorräte B. Rückstellungen II. Forderungen und sonstige I. Rückst. für Pensionen Vermögensgegenstände II. Steuerrückstellungen III. Wertpapiere III. sonst. Rückstellungen IV. Kassenbestand, 40.000 Bundesbankguthaben, C. Verbindlichkeiten Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks D. Rechnungsabgrenzungsposten C. Rechnungsabgrenzungsposten E. Passive latente Steuern D. Aktive latente Steuern E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung 50.000 50.000 Kieling Taxi GmbH BILANZ zum 1.01.20X1 Abb. 2.1: Eröffnungsbilanz für die KIELING TAXI GmbH <?page no="36"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-36 Der Anwalt setzt den Gründungsvertrag auf, durch den Herr Kieling zum Geschäftsführer für die KIELING TAXI GmbH bestellt wird. Zukünftig vertritt er rechtlich die Taxigesellschaft. Herr Dr. Meppen reicht den Gründungsvertrag beim zuständigen Amtsgericht in Hannover ein, wodurch folgende Ereignisse ausgelöst werden: (1) Die KIELING TAXI GmbH wird in das Handelsregister beim Amtsgericht in Hannover eingetragen und (2) die Finanzbehörden weisen der Gesellschaft eine deutsche Steuer-ID zu. Der Vertreter der KIELING TAXI GmbH (Herr Kieling) erhält eine Benachrichtigung über die Eintragung in das Handelsregister vom Amtsgericht als auch eine Registrierungsbestätigung vom Finanzamt in Hannover. Am 2.01.20X1 nimmt die KIELING TAXI GmbH ihren Betrieb auf. Sie muss von jetzt an Bücher führen und ein Inventar aufstellen. Zum Gründungszeitpunkt besitzt die Gesellschaft eine Taxilizenz im Wert von 10.000 EUR und 40.000 EUR Bankguthaben bei der Commerzbank. Am 4.01.20X1 erwirbt die KIELING TAXI GmbH einen gebrauchten Mercedes- Benz E220d zu Anschaffungskosten von 30.000 EUR. Anschaffungskosten sind grundsätzlich der Nettowert. Die Rechnung des Autohändlers muss die Umsatzsteuer ausweisen, siehe § 255 HGB und § 15 UStG. Die KIELING TAXI GmbH fordert vom Finanzamt Hannover die Vorsteuer i.H.v.: 30.000 × 20% = 6 6.000 EUR in der nächsten Abrechnungsperiode zu erstatten. Hätte die Taxigesellschaft das Kfz von einer Privatperson erworben, wäre kein Ziehen der Vorsteuer möglich gewesen. Hinweis: Um die Vorsteuer (input-VAT) ziehen zu können, müssen beide Vertragsparteien eine Vorsteuerabzugsberechtigung besitzen. Die Käuferin oder der Käufer braucht die Erlaubnis zum Vorsteuerabzug und die Verkäuferin oder der Verkäufer muss die Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen. Die KIELING TAXI GmbH beauftragt einen spezialisierten Taxiausrüster mit dem Umbau des Kfz für den Zweck als Taxi mit Taxameter. Das Kfz wird mit einer Taxisignalleuchte auf dem Dach, mit einem Funkgerät für die Kommunikation mit der Fahrtenausgeberin oder dem Fahrtenausgeber, einem Taxameter und mit Sitzkontakten ausgestattet, die zusammen 6.000 EUR (brutto) kosten. Der Ausrüster weist die Vorsteuer auf der Rechnung aus. Die Vorsteuer beträgt: 5.000 × 20% = 1 1.000 EUR. Dem § 255 HGB folgend betragen die Anschaffungs- und Herstellungskosten für das Taxi: 30.000 + 5.000 = 3 35.000 EUR. Die KIELING TAXI GmbH zahlt an den Fahrzeughändler und den Ausrüster zusammen: 35.000 × (1 + 20%) = 4 42.000 EUR per Überweisung. An dieser Stelle wird eine Vereinfachung für die Umsatzsteuerberechnungen vorgestellt, die jedoch nur gültig ist, wenn der Lehrbuchumsatzsteuersatz von 20 % gilt: <?page no="37"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-37 Accounting-Prozess-Schritte (Umsatzsteuerberechnung bei einem Umsatzsteuersatz von 20 % (VAT calculation based on a VAT rate of 20%)) (1a) Wenn der Nettowert gegeben ist, multiplizieren Sie diesen mit 120 % oder mit 1,2, um den Bruttobetrag zu bestimmen. (1b) Wenn der Nettowert gegeben ist und Sie wollen die Umsatzsteuer berechnen, multiplizieren Sie den Nettowert mit 20 % oder teilen Sie ihn durch 5. (2a) Wenn die Umsatzsteuer bekannt ist und Sie wollen den Bruttowert berechnen, multiplizieren Sie den Umsatzsteuerbetrag mit 6. (2b) Wenn der Umsatzsteuerbetrag bekannt ist und Sie wollen den Nettowert berechnen, teilen Sie ihn durch 20 % oder multiplizieren Sie ihn mit 5. (3a) Wenn der Bruttowert gegeben ist und Sie wollen den Nettowert bestimmen, teilen Sie ihn durch 120 % oder 1,2. (3b) Wenn der Bruttowert gegeben ist und Sie wollen den Umsatzsteuerbetrag bestimmen, dividieren Sie den Umsatzsteuerbetrag durch 120 % und multiplizieren sie anschließend mit 20 %. Alternativ teilen Sie den Bruttowert durch 6. Die Abschreibungen auf das Taxi werden nach linearer Abschreibungsmethode über eine Nutzungsdauer von drei Jahren vorgenommen 6 . Die Absetzung für Abnutzung (Afa-) Tabelle des deutschen Bundesfinanzministeriums ist für den Steuerabschluss in Deutschland anzuwenden und wird hier für den handelsrechtlichen Jahresabschluss ebenfalls verwendet. Die KIELING TAXI GmbH erwartet, dass sie das Fahrzeug nach dem 31.12.20X3 zu einem Nettopreis von 8.000 EUR verkaufen kann. Deshalb ist der abschreibungsfähige Betrag des Taxis: 35.000 - 8.000 = 227.000 EUR. Die jährlichen Abschreibungen sind: 27.000 / 3 = 99.000 EUR/ Jahr. Nach Abzug der Abschreibungen führt die KIELING TAXI GmbH das Auto mit einem Wertansatz von: 42.000 / 120% - 9.000 = 226.000 EUR 6 Das Kfz ist ein Gebrauchtfahrzeug. zum 31.12.20X1. Die Abschreibung wird am Jahresende vorgenommen. Während der Abrechnungsperiode 20X1 erwirtschaftet die KIELING TAXI GmbH einen Umsatz von 100.000 EUR durch Fahraufträge. Aufgrund ihrer Vorsteuerabzugsberechtigung zahlen die Taxikundinnen oder -kunden (zusammen) den Bruttobetrag, den man englischsprachig Proceeds nennt (es gibt kein deutsches Wort dafür) i.H.v.: 100.000 × 120% = 120.000 EUR. Die Löhne für Fahrerinnen oder Fahrer betragen 50.000 EUR/ Jahr und die KIELING TAXI GmbH zahlt für Betriebsausgaben 18.000 EUR/ Jahr, der Betrag ist brutto. In dieser Fallstudie sind die Betriebsausgaben umsatzsteuerrelevant (VATable), weil sie unter von Dritten bezogenen Aufwand fallen. Ihr Nettobetrag ist: 18.000 / 120% = 1 15.000 EUR/ Jahr. <?page no="38"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-38 Siehe die Buchungssätze im Journal in Abbildung 2.2. Zur Vereinfachung der Fallstudie werden Einzelbuchungen zu einer Sammelbuchung zusammengefasst, die auf die Jahresmitte von 20X1 datiert wird. Andernfalls müssten alle Fahraufträge einzeln erfasst werden. Hinweis: Diese Vereinfachung gilt für das gesamte Lehrbuch Bilanzen. Nr Betrag Datum Bemerkung Soll Haben AW 10.000 2.01.20X1 Unternehmensgründung Lizenzen gez. Kapital 40.000 Kasse/ Bank gez. Kapital (1) 30.000 4.01.20X1 Pkw-Anschaffung Anlagevermögen Kasse/ Bank 6.000 Vorsteuern Kasse/ Bank (2) 5.000 5.01.20X1 Taxiausstattung Anlagevermögen Kasse/ Bank 1.000 Vorsteuern Kasse/ Bank (3) 9.000 31.12.20X1 Pkw-Abschreibungen Abschreibungen Anlagevermögen (4) 100.000 1.07.20X1 Umsatz aus Fahrten Kasse/ Bank Umsatzerlöse 20.000 Kasse/ Bank Ust.-Schuld (5) 50.000 30.06.20X1 Lohnaufwand Löhne Kasse/ Bank (6) 15.000 30.06.20X1 Betriebsaufwand Betriebsaufwand Kasse/ Bank 3.000 Vorsteuern Kasse/ Bank Kieling Taxi GmbH JOURNAL 20X1 Abb. 2.2: Journal für die KIELILNG TAXI GmbH (20X1) Die Gewinn- und Verlustrechnung bestimmt das Vorsteuerergebnis für 20X1: Für die Gewinnermittlung werden vom Umsatzerlös die Löhne, der Betriebsaufwand und die Abschreibungen abgezogen: 100.000 - 50.000 - 15.000 - 9.000 = 226.000 EUR. Beträge, die für die Erfolgsbestimmung verwendet werden, sind immer Nettowerte. Sie sind entweder Umsätze, sonstige Erträge oder Aufwand, hier: - Umsatzerlöse: 100.000 EUR. - Löhne: 50.000 EUR. - Betriebsaufwand: 15.000 EUR. - Abschreibungen: 9.000 EUR. Im nächsten Jahr 20X2 zahlt die KIELING TAXI GmbH gemäß den Konventionen aus Kapitel (1) Ertragsteuern i.H.v.: 26.000 × 30% = 7 7.800 EUR. Diese sind Aufwand in 20X1, der in 20X2 gezahlt wird. Nachfolgend wird die Bilanz des ersten Jahresabschlusses behandelt. Sie zeigt das gesamte Vermögen auf der linken Seite (debit side). Bei der KIELING TAXI GmbH besteht das Vermögen aus dem Kfz, der Taxilizenz als auch aus Kasse- / Bank-Bestand. Der Wert des Kfz ist nach Abschreibungen: 35.000 - 9.000 = 26.000 EUR. Die Lizenz wird nicht abgeschrieben, weil sie keinem Werteverlust unterliegt (vorgegeben). Der Saldo für das Kasse-/ Bank-Konto beträgt: 40.000 - 36.000 - 6.000 + 120.000 - 50.000 - 18.000 = 550.000 EUR. Der Kasse-/ Bank- Bestand beruht auf den Bruttowerten, hier: anteilige, eingezahlte Stammeinlage: 40.000 EUR. <?page no="39"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-39 - Taxianschaffung: 36.000 EUR. - Taxiausrüstung: 6.000 EUR. - Proceeds: 120.000 EUR. - Löhne für Fahrerinnen oder Fahrer: 50.000 EUR. - Zahlungen für Betriebsaufwand: 18.000 EUR. Auf der Passivseite ihrer Bilanz zeigt die KIELING TAXI GmbH das Eigenkapital, welches aus dem gezeichneten Kapital von 50.000 EUR und dem Nachsteuerergebnis (Jahresüberschuss) besteht und über den Vorsteuergewinn abzüglich Ertragsteuern berechnet wird: 26.000 - 7.800 = 118.200 EUR. Unterhalb des Eigenkapitals steht eine Rückstellung für die Ertragsteuern i.H.v. 7.800 EUR. Die KIELING TAXI GmbH ist vorsteuerabzugsberechtigt und berücksichtigt die Umsatzsteuer bei ihren Geschäftsprozessen. Aus den Einnahmen des Taxibetriebs im Geschäftsjahr 20X1 resultiert eine Umsatzsteuerschuld. Die bei der Berechnung berücksichtigte Vorsteuerforderung ist: 6.000 + 1.000 + 3.000 = 10.000 EUR. Die Beträge für die Berechnung der Umsatzsteuerzahlung an das Finanzamt stammen aus: vereinnahmte Umsatzsteuer aus Fahraufträgen: 20.000 EUR. - Vorsteuerforderung aus der Fahrzeuganschaffung: 6.000 EUR. - Vorsteuerforderung aus der Fahrzeugausrüstung: 1.000 EUR. - Vorsteuerforderung aus Betriebsaufwand: 3.000 EUR. Die auszuweisenden Umsatzsteuerschulden der KIELING TAXI GmbH sind die Differenz aus Umsatzsteuerschuld und Vorsteuerforderungen und betragen: 20.000 - 10.000 = 1 10.000 EUR. Diese werden in der Bilanz unter kurzfristigen Schulden (short-term liabilities) dargestellt. Die Bilanz für die KIELING TAXI GmbH wird auf der Grundlage der Einordnung der Gesellschaft als klein im Sinne des § 267 HGB ausgewiesen. Die Formalkriterien für den Bilanzausweis stammen aus § 266 HGB. Kleine Kapitalgesellschaften erstellen die Bilanz in einer verkürzten Form. Hinweis: Eine deutsche Kapitalgesellschaft ist klein im Sinne des § 267 HGB, wenn sie über zwei aufeinanderfolgende Jahre zwei der folgenden Grenzwerte nicht überschreitet: 7,5 Mio. EUR Bilanzsumme, 15 Mio. EUR Umsatz, 50 Mitarbeiter. Die Buchungssätze und die zugehörigen T-Konten für die KIELING TAXI GmbH stehen zum Download bereit. Sie können über den Link 2.A aufgerufen werden: Link 2.A: KIELING TAXI GmbH Siehe unten die Bilanz der KIELING TAXI GmbH zum 31.12.20X1 in Abbildung 2.3. <?page no="40"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-40 Aktivseite [EUR] Passivseite [EUR] A. Anlagevermögen A. Eigenkapital I. Immaterielle 10.000 I. Gezeichnetes Kapital 50.000 Vermögensgegenstände II. Kapitalrücklage II. Sachanlagen 26.000 III. Gewinnrücklage III. Finanzanlagen IV. Gewinnvortrag/ Verlustvortrag V. Jahresüberschuß/ -fehlbetrag 18.200 B. Umlaufvermögen I. Vorräte B. Rückstellungen II. Forderungen und sonstige I. Rückst. für Pensionen Vermögensgegenstände II. Steuerrückstellungen 7.800 III. Wertpapiere III. sonst. Rückstellungen IV. Kassenbestand, 50.000 Bundesbankguthaben, C. Verbindlichkeiten 10.000 Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks D. Rechnungsabgrenzungsposten C. Rechnungsabgrenzungsposten E. Passive latente Steuern D. Aktive latente Steuern E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung 86.000 86.000 Kieling Taxi GmbH BILANZ zum 31.12.20X1 Abb. 2.3: verkürzte Bilanz der KIELING TAXI GmbH (20X1) In Deutschland müssen Unternehmen ihren Jahresabschluss beim zuständigen Amtsgericht in dem Format vorlegen, wie es über §§ 266 und 275 HGB vorgeschrieben ist. Die Formalvorschriften sind streng; Positionen im Jahresabschluss müssen wie im Gesetzestext benannt werden und die vorgegebene Reihenfolge ist einzuhalten. Eine deutsche Bilanz enthält einige Positionen, die im Vergleich zu internationaler Bilanzierung zusätzlich oder anders ausgewiesen werden, die jedoch für die KIELING TAXI GmbH nicht relevant sind. Sie sollen kurz vorgestellt werden: 7 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (18). (a) Rechnungsabgrenzungsposten werden in § 250 HGB geregelt. Das bilanzierende Unternehmen weist Ausgaben vor dem Bilanzstichtag aus, die Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Tag sind. Solche Aufwendungen sind i.d.R. Vorauszahlungen (prepaid expenses). 7 (b) Auf der Passivseite werden Rechnungsabgrenzungsposten für Einnahmen vor dem Abschlussstichtag gebildet, die Erträge für eine bestimmte Zeit nach diesem Tag sind. Solche sind i.d.R. Vorauszahlungen oder Anzahlungen, die von Kunden vereinnahmt wurden. 8 8 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (15). <?page no="41"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-41 (c) Latente Steuern sind Steuerertrag oder -aufwand, der von der aktuellen Ertragsbesteuerung nach EStG und dem Ausweis im steuerrechtlichen Abschluss abweicht. (d) Wenn ein Unternehmen einen Verlust ausweist, der die Eigenkapitalsumme übersteigt, schreibt § 268 HGB vor, dass die Differenz zwischen Verlust und Eigenkapitalsumme unter nicht durch Eigenkapital gedecktem Fehlbetrag auf der Aktivseite auszuweisen ist. Wenn diese Position ausgewiesen wird, besteht eine hohe Insolvenzwahrscheinlichkeit aufgrund von Überschuldung. Hinweis: Der Grund für die Beantragung der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist Überschuldung und/ oder Zahlungsunfähigkeit. Die Fallstudie KIELING TAXI GmbH wird mit der Gewinn- und Verlustrechnung fortgesetzt: Die KIELING TAXI GmbH erstellt eine Gewinn- und Verlustrechnung als Teil ihres handelsrechtlichen Jahresabschlusses nach deutschem HGB. Ihre Formalvorschriften folgen § 275 HGB. Sie kann nach dem Gesamtkosten- oder dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt werden. 9 Die KIELING TAXI GmbH erstellt ihre Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren. Sie wird in Abbildung 2.4 dargestellt. Hinweis: Eine Gewinn- und Verlustrechnung kann nach dem Gesamt- oder dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt werden. (1) Beim Gesamtkostenverfahren werden alle Aufwendungen der Abrechnungsperiode von den Umsätzen abgezogen. Produktionsunternehmen berücksichtigen eine Erhöhung ihrer Bestände an fertigen Erzeugnissen als negativen Aufwand. (2) Beim Umsatzkostenverfahren wird nur der Aufwand für den Wareneinsatz von den Umsätzen abgezogen. Das Verfahren erfordert Kostenzuweisungen auf Fertigerzeugnisse vorzunehmen. Beide Methoden führen auf den gleichen Gewinn. Siehe im Detail die Ausführungen in Kapitel (12). 9 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (28). <?page no="42"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-42 [EUR] 1. Umsatzerlöse 100.000 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands and fertigen und unfertigen Erzeugnissen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betrieblichen Erträge 5. Materialaufwand (a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren (b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 6. Personalaufwand (50.000) (a) Löhne und Gehälter (b) soziale Abgaben und und Aufwendungen für die Altersversorgung und für Unterstützung 7. Abschreibungen (9.000) (a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs (b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 8. sonstige betrieblichen Aufwendungen (15.000) 9. Erträge aus Beteiligungen 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 14. Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit 26.000 15. außerordentliche Erträge 16. außerordentliche Aufwendungen 17. außerordentliches Ergebnis 18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (7.800) 19. sonstige Steuern 20. Jahresüberschuß/ Jahresfehlbetrag 18.200 Kieling Taxi GmbH GEWINN- und VERLUSTRECHNUNG für 20X1 Abb. 2.4: Gewinn- und Verlustrechnung der KIELING TAXI GmbH (20X1) Herr Kieling hält eine Gesellschafterversammlung ab und beschließt über die Gewinnverwendung der Gesellschaft. Unternehmen können entweder eine Dividende ausschütten, den Gewinn den Rücklagen zuführen oder einen Gewinn oder Verlust in die nächste Abrechnungsperiode vortragen. Das Letztere vertagt die Gewinnverwendungsentscheidung um ein Jahr. Die Eigentümerinnen oder Eigentümer können ebenso beschließen, die Gewinnverwendungsmöglichkeiten zu mischen. Die KIELING TAXI GmbH trägt den kompletten Gewinn i.H.v. 18.200 EUR in die nächste Abrechnungsperiode 20X2 vor. 2.9 F/ S KIELING TAXI GmbH - 20X2 Nachfolgend wird die Abrechnungsperiode 20X2 behandelt: Zu Beginn der Periode leistet die KIELING TAXI GmbH Zahlungen für Ertrags- und Umsatzsteuern. Beginnend mit diesem Abschnitt werden Buchungssätze für die Geschäftsvorfälle dargestellt. Bei dieser Fallstudie wird die <?page no="43"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-43 deutsche Buchführung angewendet; später, in den folgenden Kapiteln (3) bis (14), werden alle Buchungssätze im internationalen Format vorgenommen. Die KIELING TAXI GmbH beginnt ihr Geschäftsjahr mit einem Eröffnungsbilanzkonto. Das Unternehmen wendet den DATEV-4 Kontenrahmen an. Der Kontenrahmen DATEV-4 kann über den Link 2.B heruntergeladen werden. Link 2.B: DATEV-4 Kontenrahmen Ein Unternehmen, dass die Buchhaltung für ein neues Geschäftsjahr beginnt, überträgt die Salden für die Bilanzpositionen aus der Vorperiode durch ein 9000- Eröffnungsbilanzkonto. Siehe die Konten zum 1.01.20X2 in Abbildung 2.5. Darin sind die Kontonummern und Namen aus dem DATEV-4 Kontenrahmen verwendet worden. Bei der Eröffnung wird auf die Gegenkonten mit ihrem vierstelligen Code gemäß des DATEV-4 Kontenrahmens verwiesen. Einige Konten haben keine Nummern, weil sie automatisch von der Buchhaltungssoftware erzeugt werden und deshalb keine Konten des Kontenrahmens darstellen, z.B. das Konto für den Jahresüberschuss. S H S H 2900 50.000 0110 10.000 9000 10.000 2970 18.200 0520 26.000 3020 7.800 1810 50.000 3800 10.000 86.000 86.000 9000-Saldenvorträge EBK 0110 Konzessionen S H S H 9000 26.000 9000 50.000 0520 PKW 1810 Bank (Commerzbank) S H S H 9000 50.000 9000 18.200 2900 Gezeichnetes Kapital 2970 Gewinnvortrag vor Verwendung S H S H 9000 7.800 9000 10.000 3020 Steuerrückstellungen 3800 Umsatzsteuer Abb. 2.5: Konten der KIELING TAXI GmbH (1.01.20X2) <?page no="44"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-44 Während des Geschäftsjahres 20X2 erfasst die KIELING TAXI GmbH die folgenden Geschäftsprozesse: (A) Ertragsteuerzahlung für 20X1 i.H.v. 7.800 EUR. (B) Zahlung der Umsatzsteuerschuld für 20X1 i.H.v. 10.000 EUR. (C) Taxiabschreibung i.H.v. 9.000 EUR. (D) Lohnzahlungen 55.000 EUR. (E) Gezahlter Betriebsaufwand von 19.200 EUR (brutto). (F) Umsatzrealisierung aus Fahraufträgen i.H.v. 105.000 EUR (netto). (G) Einzahlung von 126.000 EUR in das Bankkonto bei der Commerzbank. Die KIELING TAXI GmbH erfasst die Buchungssätze (A) - (G) für ihre Geschäftsvorfälle in 20X2. Weil die Buchungssätze nach der deutschen Buchhaltung behandelt werden, werden sie im Soll-an-Haben-Format gezeigt. 3020 Steuerrückstellungen.... 7.800 EUR an 1810 Bank (Commerzbank)...... 7.800 EUR 3800 Umsatzsteuer............ 10.000 EUR an 1810 Bank (Commerzbank)...... 10.000 EUR 6222 Abschreibungen auf Kfz.. 9.000 EUR an 0520 PKW..................... 9.000 EUR 6010 Löhne................... 55.000 EUR an 1810 Bank (Commerzbank)...... 55.000 EUR 6300 Sonstige betr. Aufw..... 16.000 EUR 1400 Abziehbare Vorsteuer.... 3.200 EUR an 1810 Bank (Commerzbank)...... 19.200 EUR 1600 Kasse................... 126.000 EUR an 3800 Umsatzsteuer............ 21.000 EUR an 4200 Erlöse.................. 105.000 EUR 1810 Bank (Commerzbank)...... 126.000 EUR an 1600 Cash.................... 126.000 EUR Nach deutscher Buchhaltung wird die Gegenbuchung für den Abschreibungsaufwand im Vermögenskonto erfasst. Nachdem alle Buchungen abgeschlossen worden sind, ermittelt die KIELING TAXI GmbH ihren Gewinn wie in Abbildung 2.6 dargestellt. Mit dem Buchungssatz (G) wird der Kassenbestand in das Bankkonto eingezahlt. Weil der DATEV-Kontenrahmen verwendet wird, sind Kasse und Bank getrennte Konten. Mit dem Buchungssatz <?page no="45"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-45 (H) 10 werden die Ertragsteuern i.H.v. 30 % des Vorsteuerergebnisses den Steuerrückstellungen zugeführt. Nach § 249 HGB werden Schulden aus Ertragsbesteuerung als Rückstellungen ausgewiesen. 11 Die KIELING TAXI GmbH beschließt über die Gewinnverwendung auf ihrer Gesellschafterversammlung. Hinweis: Eine Gesellschafterversammlung bei einer GmbH oder eine Hauptversammlung bei einer AG (annual general meeting AGM) ist die jährliche Versammlung der Eigentümerinnen oder Eigentümer. Der Zweck des AGM ist die Feststellung des Jahresabschlusses, Entscheidungen über die Gewinnverwendung, Wahl der Geschäftsführung bei einer GmbH oder des Vorstands bei einer AG, die Bestellung der Abschlussprüferin oder des Abschlussprüfers (auditors) etc. Der ausschüttungsfähige Betrag ist der Gewinnvortrag aus 20X1 und der Jahresüberschuss aus 20X2: 18.200 + 17.500 = 35.700 EUR. Die Gewinnverwendung bei der KIELING TAXI GmbH ist wie folgt: - 10.000 EUR Zuführung zu den Gewinnrücklagen. - 10.000 EUR Dividenden an den Eigentümer. Diese führen auf eine Buchung in den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber den Eigentümerinnen oder Eigentümern. - 15.700 EUR werden vorgetragen. Die Gewinnverwendung wird über die Buchungssätze (I), (J), und (K) erfasst. Am 31.12.20X2: 2970 Gewinnvortrag........... 10.000 EUR an 3519 Verb.ggü.Gesellschaftern 10.000 EUR 2970 Gewinnvortrag........... 8.200 EUR Jahresüberschuss............. 1.800 EUR an 2960 Andere Gewinnrücklagen.. 10.000 EUR Jahresüberschuss............. 15.700 EUR an Bilanzgewinn................. 15.700 EUR Siehe die Konten der KIELING TAXI GmbH in Abbildung 2.6 nach Gewinnverwendung. Aus didaktischen Gründen wird das Konto 9000 doppelt gezeigt. Es ist das Eröffnungsbilanzkonto EBK als auch das Schlussbilanzkonto SBK. 10 Nicht gezeigt. 11 Im Unterschied erfordern die IFRSs eine Ertragsteuer-Schuld (income tax liability) auszuweisen. <?page no="46"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-46 S H S H 2900 50.000 0110 10.000 EBK 10.000 SBK 10.000 2970 18.200 0520 26.000 3020 7.800 1810 50.000 3800 10.000 86.000 86.000 9000 Saldenvorträge EBK 0110 Konzessionen S H S H EBK 26.000 (C) 9.000 EBK 50.000 (A) 7.800 SBK 17.000 (G) 126.000 (B) 10.000 26.000 26.000 (D) 55.000 (E) 19.200 SBK 84.000 176.000 176.000 0520 Pkw 1810 Bank (Commerzbank) S H S H SBK 50.000 EBK 50.000 (I) 10.000 EBK 18.200 (J) 8.200 18.200 18.200 2900 Gezeichnetes Kapital 2970 Gewinnvortrag S H S H (A) 7.800 EBK 7.800 (B) 10.000 EBK 10.000 SBK 7.500 (H) 7.500 3800 3.200 (F) 21.000 15.300 15.300 SBK 17.800 31.000 31.000 3020 Steuerrückstellungen 3800 Umsatzsteuer S H S H (C) 9.000 P&L 9.000 (D) 55.000 P&L 55.000 6222 Abschreibungen auf Kfz 6010 Löhne S H S H (E) 16.000 P&L 16.000 (E) 3.200 3800 3.200 6300 Sonst.betr.Aufwendungen 1400 Vorsteuer Abb. 2.6: Konten der KIELING TAXI GmbH (20X2) <?page no="47"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-47 S H S H (F) 126.000 (G) 126.000 P&L 105.000 (F) 105.000 1600 Kasse 4200 Erlöse S H S H 6010 55.000 4200 105.000 (H) 7.500 P&L 7.500 6222 9.000 6300 16.000 EBT 25.000 105.000 105.000 76XX 7.500 EBT 25.000 A/ S 17.500 25.000 25.000 Gewinn- und Verlust 76XX Ertragsteueraufwand S H S H (J) 1.800 P&L 17.500 SBK 10.000 (I) 10.000 (K) 15.700 17.500 17.500 Jahresüberschuss 3519 Verb.ggü.Gesellschaftern S H S H SBK 10.000 (J) 10.000 SBK 15.700 (K) 15.700 2960 Other earnings reserves Retained earnings S H 0520 17.000 2900 50.000 0110 10.000 2960 10.000 1810 84.000 R/ E 15.700 3519 10.000 3020 7.500 3800 17.800 111.000 111.000 9000 Saldovorträge SBK Abb. 2.6: Konten der KIELING TAXI GmbH (20X2) - Fortsetzung Die Buchhaltung bereitet den Jahresabschluss vor. Die KIELING TAXI GmbH erstellt eine Gewinn- und Verlustrechnung auf der Grundlage ihres Gewinn- und Verlustrechnungskontos (profit and loss account). Die Gewinn- und Verlustrechnung ist in Abbildung 2.7 gezeigt. Hinweis: In diesem Lehrbuch werden zur Vereinheitlichung die Gewinn- und Verlustrechnungen im (S)H-Format dar- <?page no="48"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-48 gestellt, deshalb werden Habenbuchungen, wie für Erlöse und sonstige Erträge, positiv und alle Sollbuchungen für Aufwand als negative Zahlen dargestellt. Diese Darstellung ist bei internationaler Rechnungslegung üblich und wird in den nachfolgenden Kapiteln beibehalten. In Deutschland ist es dagegen üblich, Aufwand positiv darzustellen und entsprechend des Ergebnisses über eine Differenz zu berechnen. [EUR] 1. Umsatzerlöse 105.000 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands and fertigen und unfertigen Erzeugnissen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betrieblichen Erträge 5. Materialaufwand (a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren (b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 6. Personalaufwand (55.000) (a) Löhne und Gehälter (b) soziale Abgaben und und Aufwendungen für die Altersversorgung und für Unterstützung 7. Abschreibungen (9.000) (a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs (b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 8. sonstige betrieblichen Aufwendungen (16.000) 9. Erträge aus Beteiligungen 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 14. Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit 25.000 15. außerordentliche Erträge 16. außerordentliche Aufwendungen 17. außerordentliches Ergebnis 18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (7.500) 19. sonstige Steuern 20. Jahresüberschuß/ Jahresfehlbetrag 17.500 Kieling Taxi GmbH GEWINN- und VERLUSTRECHNUNG für 20X1 Abb. 2.1: Gewinn- und Verlustrechnung der KIELING TAXI GmbH (20X2) Nach § 276 HGB, dürfen kleine Kapitalgesellschaften die Positionen (1) bis (5) unter der Bezeichnung Rohergebnis zusammenfassen. Als Nächstes wird die Bilanz behandelt. Ein Unternehmen erstellt eine Bilanz entweder vor oder nach Gewinnverwendung. Wenn die Gewinnverwendung berücksichtigt wird, muss § 268 HGB angewendet werden: Bei vollständiger Gewinnverwendung (d.h. es wird kein Gewinn/ Verlust vorgetragen), wird der Posten Jahresüberschuss Null und kann weggelassen werden. Bei teilweiser Verwendung <?page no="49"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-49 des Ergebnisses wird der Posten Jahresüberschuss durch den Bilanzgewinn ersetzt. Der Bilanzgewinn (retained earnings) weist den Gewinn- oder Verlustvortrag aus. Dieser wird zu Beginn der nächsten Abrechnungsperiode vom Bilanzgewinn in den Gewinnvortrag gebucht. Die KIELING TAXI GmbH entscheidet sich für den Bilanzausweis unter Ergebnisverwendung. Deshalb ersetzt sie die Positionen Gewinnvortrag von 20X1 und den Jahresüberschuss durch den Bilanzgewinn. Er beträgt: 18.200 + 17.500 - 10.000 - 10.000 = 1 15.700 EUR. Die KIELING TAXI GmbH ist eine kleine Kapitalgesellschaft und kann einige Vereinfachungen für sich geltend machen. Die Vorteile einer kleinen Kapitalgesellschaft sind: (a) Der Bilanzausweis folgt einem verkürzten Gliederungsformat, bei dem nur die Positionen ausgewiesen werden müssen, die mit Buchstaben und römischen Ziffern gekennzeichnet sind. (§ 266 HGB). (b) Kleine Kapitalgesellschaften brauchen bestimmte Forderungen nach § 268 HGB im Anhang nicht zu erläutern. (c) Kleine Kapitalgesellschaften brauchen bestimmte Verbindlichkeiten nach § 268 HGB im Anhang nicht zu erläutern. (d) § 274a HGB nimmt kleine Kapitalgesellschaften von den Regelungen zu Abgrenzungen und latentem Steuerausweis nach §§ 268, 274 HGB aus. Die obigen Ausnahmen und Vereinfachungen sind für die KIELING TAXI GmbH anzuwenden. Siehe die verkürzte Bilanz zum 31.12.20X2 in Abbildung 2.7. <?page no="50"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-50 Aktivseite [EUR] Passivseite [EUR] A. Anlagevermögen A. Eigenkapital I. Immaterielle 10.000 I. Gezeichnetes Kapital 50.000 Vermögensgegenstände II. Kapitalrücklage II. Sachanlagen 17.000 III. Gewinnrücklage 10.000 III. Finanzanlagen IV. Gewinnvortrag/ Verlustvortrag V. Jahresüberschuß/ -fehlbetrag 15.700 B. Umlaufvermögen I. Vorräte B. Rückstellungen II. Forderungen und sonstige I. Rückst. für Pensionen Vermögensgegenstände II. Steuerrückstellungen 7.500 III. Wertpapiere III. sonst. Rückstellungen IV. Kassenbestand, 84.000 Bundesbankguthaben, C. Verbindlichkeiten 27.800 Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks D. Rechnungsabgrenzungsposten C. Rechnungsabgrenzungsposten E. Passive latente Steuern D. Aktive latente Steuern E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung 111.000 111.000 Kieling Taxi GmbH BILANZ zum 31.12.20X2 Abb. 2.7: Verkürzte Bilanz der KIELING TAXI GmbH (20X2) §§ 284 - 288 HGB enthalten Regeln zum Anhang. Der Anhang zählt nach deutschem HGB zum Jahresabschluss und ist damit bei Prüfungspflicht der Gesellschaft mitzuprüfen. Hinweis: Prüfungspflichtigkeit von Kapitalgesellschaften wird in § 316 HGB geregelt. Für kleine Kapitalgesellschaften gilt ein verkürzter Anhang nach § 288 HGB. Für die Fallstudie KIELING TAXI GmbH wird kein Anhang erstellt. Um den Anhang eines realen Unternehmens zu studieren, siehe den Jahresabschluss der Lufthansa AG, der sich über den folgenden Link 2.C downloaden lässt: Link 2.C: Anhang der Lufthansa AG 2.10 Zusammenfassung Deutsche Handelsunternehmen und Unternehmen in der Rechtsform eine Kapitalgesellschaft erstellen und veröffentlichen einen Jahresabschluss nach §§ 242 and 264 HGB. Der Jahresabschluss in Deutschland umfasst eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung. Kapitalgesellschaften erstellen ebenso einen Anhang und <?page no="51"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-51 einen Lagebericht. Im Fall einer Kapitalmarktorientierung und wenn keine Konzernzugehörigkeit besteht, muss eine Kapitalgesellschaft zusätzlich eine Kapitalflussrechnung aufstellen. (§ 264 HGB). Es wurde die Fallstudie KIELILNG TAXI GmbH, welche eine fiktive deutsche Kapitalgesellschaft ist, behandelt und ihre Jahresabschlüsse über zwei Abrechnungsperioden aufgestellt. Nach der letzten Abrechnungsperiode hat die Gesellschaft eine Gewinnverwendung vorgenommen. Die Bilanz für die zweite Abrechnungsperiode wurde unter deren Berücksichtigung aufgestellt. 2.11 Arbeitsdefinitionen Abgrenzungsposten (accrual): Ein Rechnungsabgrenzungsposten wird in der Bilanz für Ertrag oder Aufwand gebildet, der bereits bezahlt worden ist und für eine bestimmte Periode nach dem Bilanzstichtag ist. Anhang (appendix): Ausweis von Informationen zum Jahresabschluss, der über §§ 284 - 288 HGB geregelt ist. Die Jahresabschlüsse von deutschen Unternehmen müssen um einen Anhang ergänzt werden. Gewinnverwendung (appropriation of profit): Verwendung des um einen Gewinn- oder Verlustvortrag korrigierten Ergebnisses durch entweder Zuführung zu den Rücklagen, Zahlungen an die Anteilseignerinnen oder Anteilseigner oder durch Vortrag in die nächste Abrechnungsperiode. Bilanz (balance sheet): Element eines Jahresabschlusses, das Vermögen, Eigenkapital und Schulden in aggregierter Form zeigt. Insolvenz (bankruptcy): Eine Situation, die das Liquidieren eines Unternehmens einleitet und durch Überschuldung (over-indebtedness) oder Illiquidität veranlasst wird. Lagebericht (business report): Darstellung der Unternehmenssituation zum Zeitpunkt der Berichterstattung und für die nähere Zukunft. Der Lagebericht wird für Unternehmen vorgeschrieben die nicht als klein im Sinne des § 167 HGB eingeordnet werden. DATEV-4 Kontenrahmen (DATEV-4 chart of accounts): Liste von standardmäßigen Konten, die für die elektronische Übermittlung von Jahresabschlüssen und Konten standardisiert ist. Ausschüttungsfähiger Betrag (distributable amount): Der Wert, den ein Unternehmen als Dividende an seine Eigentümerinnen oder Eigentümer auszahlen kann. Er enthält den Gewinnvortrag und den Jahresüberschuss. Wenn das Unternehmen einen Verlust vorträgt, muss dieser abgezogen werden. Von dem ausschüttungsfähigen Betrag werden Zuführungen zu den gesetzlichen Rücklagen und Vorzugsdividenden ausgenommen. Jahresabschluss (financial statements): Ein deutscher Jahresabschluss enthält eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und einen Anhang. Kapitalgesellschaften müssen ebenfalls einen Lagebricht aufstellen; dieser zählt nicht zum Jahresabschluss. Ein Jahresabschluss kann um eine Kapitalflussrechnung erweitern werden. Handelsgesetzbuch HGB (German commercial code HGB): Deutsches Gesetz, das für Kaufleute und Kapitalgesellschaften gilt. Es regelt, wann ein Jahresabschluss aufzustellen ist und wie dies erfolgt. <?page no="52"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-52 Gewinn- und Verlustrechnung (income statement): Bestandteil des Jahresabschlusses, der Ertrag und Aufwand miteinander für die Gewinnermittlung vergleicht. Sein Format wird in § 275 HGB geregelt. Kapitalgesellschaft (limited company): Rechtsform für ein Unternehmen, bei dem die Anteilseignerinnen und Anteilseigner für Verluste nur mit ihrem Eigenkapital haften. Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag (non-covered loss on the asset side): Ein Verlust, der das Eigenkapital übersteigt muss auf der Vermögensseite der Bilanz nach § 266 HGB ausgewiesen werden. Rückstellung (provision): Unsichere Schuld (uncertain liability), z.B. für Ertragsteuern oder Aufwand nach § 249 HGB. Rückstellen erfordern das Vorliegen einer gegenwärtigen Verpflichtung des Unternehmens zum Bilanzstichtag. Umsatzsteuer (value added tax): Verbrauchssteuer, die in den meisten Ländern erhoben und dessen Bemessungsgrundlage der Umsatz ist. Sie beträgt in diesem Lehrbuch 20 %. 2.12 Kontrollfragen (1) Am 12.07.20X6 erwirbt ein deutsches Unternehmen eine Maschine zu einem Bruttopreis von 15.000 EUR. Für das Einrichten der Maschine und ihren Transport verlangt ein Spezialunternehmen insgesamt 1.200 EUR (netto). Das Unternehmen willigt ein, letztere in dem nächsten Jahr zu bezahlen. Wie hoch ist der Abschreibungsaufwand (depreciation) in 20X6, wenn er nach linearer Abschreibungsmethode (straight-line method) über eine Nutzungsdauer (useful life) von fünf Jahren vorgenommen wird? 1. 1.370 EUR . 2. 1.500 EUR . 3. 1.250 EUR . 4. 3.288 EUR . (2) Ein deutsches Unternehmen erwirtschaftet ein Vorsteuergewinn (pretax profit) i.H.v. 80.000 EUR, trägt einen Verlust i.H.v. 20.000 EUR vor und führt die Hälfte des ausschüttungsfähigen Betrages den Rücklagen (reserves) zu. Sonst erfolgt keine Gewinnverwendung. Wie hoch ist der Bilanzgewinn (retained earnings)? 1. 38.000 EUR . 2. 30.000 EUR . 3. 50.000 EUR . 4. 18.000 EUR . (3) Ein deutsches Unternehmen erwirbt eine Maschine, leistet eine Teilzahlung von 100.000 EUR und bucht kurzfristige Verbindlichkeiten (short-term liabilities) von 44.000 EUR. Wie hoch waren die Anschaffungskosten (cost of acquisition)? Es sind Umsatzsteuern zum Umsatzsteuersatz von 20 % zu berücksichtigen. 1. 144.000 EUR . 2. 120.000 EUR . 3. 100.000 EUR . 4. 44.000 EUR . (4) Ein deutsches Unternehmen erwirbt ein Firmenfahrzeug zu einem Bruttopreis (gross purchase price) von 56.400 EUR. Das Kfz wird in der aktuellen Abrechnungsperiode zur Hälfte bezahlt, die andere <?page no="53"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 2-53 Hälfte soll im nächsten Jahr bezahlt werden. Wie hoch ist die Vorsteuerforderung (input-VAT claim) gegenüber dem deutschen Finanzamt (German revenue service)? 1. 11.280 EUR. 2. 4.700 EUR . 3. 9.400 EUR . 4. 5.640 EUR . (5) Ein deutsches Unternehmen bezahlt Miete i.H.v. 360 EUR/ Monat. Die Mietzahlungen sind drei Monate im Voraus fällig. Die Miete ist als Bruttowert angegeben. Wie hoch ist der Ausweis der Miete als aktivischer Rechnungsabgrenzungsposten? 1. 0 EUR. 2. 1.080 EUR . 3. 900 EUR . 4. 360 EUR . 2.13 Lösungen 1-1, 2-4, 3-2, 4-3, 5-3. <?page no="54"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-54 3 Der Jahresabschluss nach IFRSs 3.1 Inhalt dieses Kapitels In diesem Kapitel wird eine Fallstudie besprochen, die derjenigen der KIELING TAXI GmbH aus dem vorherigen Kapitel (2) ähnlich ist. Hier wird der Jahresabschluss in Einklang mit internationalen Rechnungslegungsstandards IFRSs aufgestellt. Es werden zunehmend englischsprachige Fachausdrücke der internationalen Bilanzierung im Text in Klammern angeführt, um die internationale fachsprachliche Kompetenz zu fördern. Die Abbildungen sind mit diesem Kapitel beginnend durchgehend englischsprachig, weil sie den IFRSs folgen. Die Fallstudie behandelt eine Taxigesellschaft, die in Südafrika tätig ist, wo IFRSs für den Einzelabschluss gelten. Hinweis: Ein Einzelabschluss (single-entity financial statements) ist der Jahresabschluss für ein einzelnes Unternehmen. Ein Konzernabschluss (group statements) ist der Jahresabschluss, der die Einzelabschlüsse der Konzerngesellschaften zusammenfasst. Konzernrechnungslegung wird in Kapitel (8) behandelt. Die Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. zeigt die Unternehmensgründung, die Anschaffung von zehn Fahrzeugen und deren Umrüstung mit Taxiequipment (Dachleuchte, Funkgerät etc.), die Abschreibungen auf die Kfz, das Erfassen von Lohnaufwand, die Zahlungen für Betriebsaufwand und die Erfassung von Umsatzerlösen. Im Gegensatz zu Kapitel (2), werden jetzt alle Buchungen im internationalen 12 Es gibt eine detailliertere Einführung in die Standardisierung nach IFRSs im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (4). Buchhaltungsformat vorgenommen und ein vollständiger Jahresabschluss nach IFRSs aufgestellt. Die Elemente eines vollständige Jahresabschlusses (set of financial statements) sind entsprechend den Vorschriften in IAS 1.10 eine Bilanz (statement of financial position (or: balance sheet)), eine Gewinn- und Verlustrechnung unter Berücksichtigung von Erträgen (a statement of profit or loss and other comprehensive income (or: income statement)), eine Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity), eine Kapitelflussrechnung (statement of cash flows) und ein erläuternder Anhang (notes). Vor der Besprechung der Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd., werden die International Accounting Standards IFRSs eingeführt und ein Überblick gewährt, wo man sie findet, wie man sie versteht und wie sie angewendet werden. 12 3.2 Lernziele Nachdem Sie dieses Kapitel durchgearbeitet haben, können Sie im internationalen Format buchen und haben die Erstellung eines ersten Jahresabschlusses nach IFRSs gesehen. Sie können einfache Jahresabschlüsse für Fallstudien im Rechnungswesen nach IFRSs erstellen. Der Anhang sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung werden in Kapitel (6) besprochen. <?page no="55"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-55 3.3 IFRSs International Financial Reporting Standards IFRSs ähneln Gesetzen für die internationale Rechnungslegung. In Deutschland gelten internationale Rechnungslegungsvorschriften für den Konzernabschluss (group statements), sobald eine der Konzerngesellschaften am Kapitalmarkt teilnimmt; alle Einzelabschlüsse (single-entity financial statements) müssen dagegen nach deutschem Handelsgesetzbuch HGB erstellt werden. Die internationalen Rechnungslegungsstandards werden in vielen Teilen der Welt verwendet, einschließlich Südkorea, der EU, Indien, Hong Kong, Australien, Malaysia, Pakistan, GCC countries, Chile, Philippinen, Südafrika, Singapore und der Türkei, jedoch nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die IFRSs werden vom International Accounting Standard Board IASB in London herausgegeben. Es wird gezeigt, wie man Zugriff auf die Standards erhält, nachdem man eine Studierendenbenutzerprofil beim der IFRS Foundation angelegt hat. 3.4 Zugang zu den IFRSs Zum Zweck der akademischen Ausbildung bietet die IFRS Foundation kostenfreien Zugriff auf die Standards, die aus dem letzten Jahr stammen oder älter sind. Folgen Sie dem Link 3.A. für einen Zugang. Alternativ finden Sie in den Zusatzmaterialien ein Video, das vorführt, wie man sich registriert/ anmeldet und Standards downloaden kann: 13 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (6) - (19), (31) und (33). Link 3.A: Download der IFRSs für Studierende 3.5 F/ S KENILWORTH MTS Ltd. - 20X1 Die Anwendung der IFRSs wird am Beispiel der Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. in Cape Town demonstriert. Die Berichtswährung ist der südafrikanische Rand ZAR. Hinweis: Der südafrikanische Rand steht zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Lehrbuchs bei ca. 1 EUR : 20 ZAR. Um die Beträge in Euro umzurechnen, müssen sie durch 20 dividiert werden. In der Fallstudie werden alle Buchungssätze für die behandelten Geschäftsprozesse erklärt und später in T-Konten dargestellt, aus denen anschließend der IFRS-Abschluss erstellt wird. Für diese Fallstudie wird elementares Grundlagenwissen über die internationale Buchführung vorausgesetzt. 13 Hinweis: In Ergänzung zu gängigen Buchhaltungsstandards führen Aufwands- und Ertragskonten in diesem Lehrbuch immer die Jahreszahl in der Bezeichnung mit. Ebenfalls werden Konten <?page no="56"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-56 durch einen Drei-Buchstabencode ergänzt, der bei den Abschlussarbeiten als Referenz dient. Für die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. werden die folgenden Schritte jeweils in den Geschäftsjahren 20X1 und 20X2 und in der dargestellten Reihenfolge behandelt: (1) Unternehmensgründung (establishment). (2) Buchen der originären Geschäftsvorfälle (business activities) als Buchungssätze im DR-CR-Format und ihre Darstellung in T-Konten. (3) Durchführen der Abschlussarbeiten (adjustments) einschließlich der Gewinnermittlung und Ertragsbesteuerung. (4) Aufstellen der Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) und Gewinnverwendung. (5) Aufstellen einer Bilanz (balance sheet). (6) Erstellen einer Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity). (7) Erstellen der Kapitalflussrechnung (statement of cash flows). Der Anhang wird für diese Fallstudie nicht besprochen. Datenblatt für die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. Standort: Südafrika (Kapstadt). Berichtswährung: ZAR. Klassifizierung: Dienstleister. Gründung: vor dem 1.01.20X1; Grundkapital: 5.000.000 ZAR, Nennbetrag: 10 ZAR/ Aktie. Die Gesellschaft nimmt ihren Betrieb zum 1.01.20X1 auf. Anschaffung von zehn Kfz zu 360.000 ZAR/ Kfz brutto, Taxiausstattung: 24.000 ZAR/ Kfz (netto). Abschreibung: nach linearer Abschreibungsmethode über eine Nutzungsdauer von vier Jahren ohne Restwert. Abrechnungsperioden: 20X1 / 20X2. Umsatzerlöse: 12.500.000 ZAR / 13.200.000 ZAR. Lohnaufwand für Fahrerinnen oder Fahrer: 7.000.000 ZAR / 8.000.000 ZAR. Gehälter für den Funker und für den Manager zusammen: 1.650.000 ZAR / 1.650.000 ZAR. Betriebsaufwand, vorsteuerrelevant (VATable): 2.000.000 ZAR / 2.000.000 ZAR. Mietaufwand (nicht vorsteuerrelevant): 12.000 ZAR/ Monat / anfangs: 12.000 ZAR/ Monat, Zahlung einen Monat im Voraus, ab dem 1.07.20X2: 13.800 ZAR/ Monat. Gewinnverwendung: in 20X1 vollständiger Gewinnvortrag / 20X2: 30 % Dividende an die Aktionärinnen oder Aktionäre, 20 % Rücklagen, 50 % Gewinnvortrag. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. ist eine Taxigesellschaft, die Individual-Taxiservice auf der Basis von Taxametern anbietet. Die Gesellschaft wird in Kapstadt durch Ausgabe von 500.000 Stammaktien zu jeweils 10 ZAR/ Aktie gegründet. Zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung vor dem 1.01.20X1 beträgt das gezeichnete Kapital: 10 × 500.000 = 5 5.000.000 ZAR. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. nimmt ihre operative Tätigkeit am 1.01.20X1 auf. Hinweis: In diesem Lehrbuch werden unterschiedliche Gründungsszenarien behandelt. Dabei findet die Gründung entweder vor oder während des ersten Geschäftsjahrs statt. Findet sie vorher statt, enthält die Anfangsbilanz bereits das gezeichnete Kapital und die zugehörige Einzahlung stellt keinen Cash-Flow für die <?page no="57"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-57 erste Periode dar. Erfolgt die Gründung während des ersten Geschäftsjahres, wird keine Gründungsbilanz dargestellt und die Einzahlung des Grund- oder Stammkapitals sind kapitalflussrelevant. Die KENILWORTH METERED TAXI Service Ltd. wendet die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRSs auf ihren Jahresabschluss an, weil sie in Südafrika ansässig ist. Die Eigentümerinnen oder Eigentümer zahlen zusammen 5.000.000 ZAR in das Konto der KENILWORTH METERED TAXI Service Ltd. bei der FNB Bank 14 ein. Die Gesellschaft ist bei dem South African Revenue Service SARS (Finanzamt) registriert und vorsteuerabzugsberechtigt. Es gilt ein Umsatzsteuersatz von 20 %. Hinweis: Der reale südafrikanische Umsatzsteuersatz beträgt 15 % zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Lehrbuchs. Der Name der Gesellschaft ist KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. und wird im Text als KMTS Ltd. abgekürzt. Die Eröffnungsbilanz (opening statement of financial position) wird nach IAS 1.54 aufgestellt. Sie wird in Abbildung 3.1 gezeigt. Weil die Gründung und die Einzahlung des Grundkapitals durch die Eigentümerinnen oder Eigentümer bereits stattgefunden haben, werden das gezeichnete Kapital und die Position für Kasse/ Bank als Anfangswerte (opening values OV) in den Konten ausgewiesen. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E Share capital 5.000.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Acc. receivables A/ R Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 5.000.000 Income tax liab. Total assets 5.000.000 Total equity and liab. 5.000.000 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X1 Abb. 3.1: Eröffnungsbilanz für die KMTS Ltd. Zuerst werden Investitionen in das Anlagevermögen (Kfz) behandelt. Am 2.01.20X1 erwirbt die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. zehn Kfz zu einem Anschaffungspreis (brutto) von 360.000 ZAR/ Kfz und zahlt diese per 14 FNB = First National Bank of South Africa. Banküberweisung. Es wird der Buchungssatz (1) erfasst. Es wird hier nicht zwischen Kasse und Bank unterschieden. In einem realen Unternehmen muss die Buchhalterin oder der Buchhalter die <?page no="58"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-58 beiden Konten getrennt voneinander führen. 15 Hinweis: Zur Vereinfachung der Buchhaltung wird nicht zwischen Kasse und Bank bzw. Konten bei verschiedenen Banken unterschieden. Es geht vorrangig um das Aufstellen einer Bilanz, so dass diese Aufteilung für die in den Fallstudien behandelten Sachverhalte irrelevant ist. In dieser Fallstudie werden die Kfz in das Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) gebucht. Alternativ hätte die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. ein Fahrzeug-Konto (motor vehicle account) als Unterkonto ihres Sachanlagevermögens führen können. Es wird kein spezielles Format für die Bilanzstruktur in Abb. 3.1 verfolgt. IAS 1.57 stellt explizit fest, dass der Standard (IAS 1) keine Darstellungsformatvorschriften hinsichtlich der Reihenfolge von Bilanzpositionen noch für deren Bezeichnung vorgibt. Hinweis: In diesem Lehrbuch und für alle Lehrmaterialien wird immer die gleiche Vorlage verwendet. Die MS-Excel- Datei mit den Vorlagen steht zum Download über das Zusatzmaterial zur Verfügung. Die Darstellung der Buchungen erfolgt im internationalen DR-CR-Format. Am 2.01.20X1 (1): DR P, P, E-Account PPE.......... 3.000.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 600.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 3.600.000 ZAR Nach der erstmaligen Aktivierung der Kfz wird deren Ausstattung am 9.01.20X1 vorgenommen. Die Abschreibungen zählen zu den Jahresabschlussarbeiten. Hinweis: Für die Buchhaltung unterscheidet man originäre Buchungssätze, die auf der Geschäftstätigkeit des Unternehmens beruhen und Abschlussbuchungen. Die Abschlussbuchungen finden mit Datum 31.12.20XX am Geschäftsjahresende statt. Um die Abschlussbuchungen von den originären Buchungen zu unterscheiden, werden letztere durchnummeriert, wobei sich die Indizes der Jahre unterscheiden, z.B. im ersten Jahr Zahlen, im zweiten Buchstaben. Bei Abschlussarbeiten wird immer das Gegenkonto als Referenz über den Drei-Buchstabencode eingetragen. In dieser Fallstudie wird wie bei 15 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (37). einem realen Unternehmen zwischen originären Buchungssätzen und Abschlussbuchungen unterschieden. Bei einer Bilanzierungsklausur sind die Geschäftsvorfälle des Geschäftsjahres vorgegeben und können in der Reihenfolge ihrer Erwähnung gebucht werden. So stellt man sicher, dass man keine Buchungen vergisst. Wie bei der vorherigen Fallstudie werden die Kfz als Taxi mit Taxameter bei einem Taxiausrüster umgebaut. Die Fahrzeugausstattungen kosten 24.000 ZAR/ Kfz. Der Wert ist netto. Daher zahlt die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd.: 120% × 24.000 × 10 = 288.000 ZAR. Dies wird als Buchungssatz (2) erfasst. Der erste Debit Entry ist im Sachanlagevermögenskonto (P, P, E- <?page no="59"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-59 account), weil nach IAS 16.16 Umbauten/ Ausrüstungen zu den Anschaffungskosten gehören. Am 9.01.20X1 (2): DR P, P, E-Account PPE .......... 240.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 48.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 288.000 ZAR Während der Abrechnungsperiode 20X1 erwirtschaftet die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. einen Umsatzerlös von 12.500.000 ZAR. Aufgrund ihrer Vorsteuerabzugsberechtigung müssen die Fahrgäste den Bruttopreis zahlen, der Umsatzsteuern beinhaltet. Daher ist der Zahlungseingang in Summe: 120% × 12.500.000 = 15.000.000 ZAR. Die Erfassung des Umsatzes (revenue recognition) erfolgt über den Buchungssatz (3), siehe unten. Hinweis: Es wird angenommen, dass ein Buchungssatz für alle Umsatzerlöse zusammen in der Jahresmitte erfolgt. Dieses gilt ebenso für Aufwendungen. Aufwandsbuchungen finden immer am 30.06. und Umsatzerlösbuchungen und für sonstige Erträge am 1.07. der Abrechnungsperiode statt. Am 1.07.20X1 (3): DR Cash/ Bank C/ B ................ 15.000.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 2.500.000 ZAR CR Revenue-20X1 REV ............. 12.500.000 ZAR Die Fahrerinnen oder Fahrer bei KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. verdienen jeweils 500.000 ZAR/ (Jahr × Fahrerin oder Fahrer). Die Gesellschaft beschäftigt 14 Fahrerinnen oder Fahrer. Die Löhne für alle Fahrerinnen oder Fahrer zusammen betragen: 14 × 500.000 = 7.000.000 ZAR/ Jahr. Die Lohnbuchhaltung erfasst am 30.06.20X1 den Buchungssatz (4). 16 Hinweis: Die Lohnbuchhaltung wird in diesem Lehrbuch stark vereinfacht. Es werden keine Lohnsteuern (payroll tax) und sonstige Lohnnebenkosten berücksichtigt. Löhne werden gebucht, als würden sie an Freelancer gezahlt. Eine realistische Lohnbuchhaltung wird in Kapitel (19) der Basics behandelt, weil es mehr ein Buchhaltungsthema ist, als dass es zur Jahresabschlusserstellung gehört. Am 30.06.20X1 (4): DR Labour-20X1 LAB .............. 7.000.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 7.000.000 ZAR Der Funker (zugleich Fahrauftragsdisponent) bei der KENILWORTH METERED 16 Für die Lohnbuchhaltung wird auf das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (19) verwiesen. TAXI SERVICE Ltd. verdient jährlich 650.000 ZAR/ Jahr. Er arbeitet in der <?page no="60"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-60 Zentrale am Funkgerät, nimmt eingehende Telefonanrufe entgegen und erfasst die Fahraufträge der Kundinnen oder Kunden. Er weist die Fahrten den Taxifahrerinnen oder -fahrern per Funkkontakt zu. Der Geschäftsführer der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. verdient 1.000.000 ZAR/ Jahr. Am 30.06.20X1 werden die Löhne für den Funker und den Geschäftsführer als Buchungssatz (5) zur Vereinfachung der Fallstudie zusammen gebucht: 650.000 + 1.000.000 = 1 1.650.000 ZAR/ Jahr. Am 30.06.20X1 (5): DR Labour-20X1 LAB.............. 1.650.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 1.650.000 ZAR Der Betriebsaufwand (operational expenses) für die Taxis, z.B. für Kraftstoff, Wartung, Ersatzteile, Reparaturen, Wäschen, beträgt jährlich 2.000.000 ZAR/ Jahr. Der Aufwand wird an Dritte gezahlt und ist deshalb umsatzsteuerpflichtig (subjected to VAT). Daher ist der gezahlte Preis: 120% × 2.000.000 = 2.400.000 ZAR/ Jahr. Er wird als Buchungssatz (6) am 30.06.20X1 erfasst. Im internationalen Kontenrahmen gibt es nur ein Umsatzsteuerkonto für die Erfassung von Vorsteuern (input-VAT) und Umsatzsteuerschuld (output-VAT). Die Vorsteuer wird im Soll, Umsatzsteuerschulden im Haben darin gebucht. Hinweis: Alle Zahlungen an andere Unternehmen berücksichtigen standardmäßig die Umsatzsteuer. IAS 2.11 und IAS 16.16 legen fest, dass Anschaffungskosten (cost of purchase/ cost of acquisition) für Unternehmen, die vorsteuerabzugsberechtigt (registered for VAT reduction) sind, immer die Nettobeträge nach Abzug von Rabatten und Preisnachlässen sind. Am 30.06.20X1 (6): DR Operational Expenses-20X1 OEX 2.000.000 ZAR DR Value Added TAX VAT.......... 400.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 2.400.000 ZAR Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. zahlt für Büro- und Garagenmiete 12.000 ZAR/ Monat. In den Mietzahlungen sind keine Vorsteuern enthalten. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. mietet von einer Privatperson, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist und die Umsatzsteuer nicht ausweisen kann. Daher kann die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. keine Vorsteuer (input-VAT) auf Mieten vom südafrikanischen Finanzamt ziehen. Die Mieten sind einen Monat im Voraus fällig. Jedoch wurde die Januarmiete bereits am 2.01.20X1 bezahlt, weil das Unternehmen vorher gar nicht bestanden hat, Deshalb leistet die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. 13 Zahlungen für monatliche Mieten in 20X1, die letzte davon ist für den Januar 20X2. Alle Mietzahlungen zusammen ergeben: 13 × 12.000 = 1156.000 ZAR. Zur Vereinfachung wird ein einziger Buchungssatz (7) am 30.06.20X1 erfasst: <?page no="61"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-61 Am 30.06.20X1 (7): DR Rent-20X1 RNT................ 156.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 156.000 ZAR Siehe die T-Konten der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. in Abbildung 3.2. Die Konten wurden noch nicht abgeschlossen (balanced-off), weil die Abschlussarbeiten (adjustments) noch ausstehen. D C D C OV 5.000.000 (1) 3.600.000 OV 5.000.000 (3) 15.000.000 (2) 288.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 (6) 2.400.000 (7) 156.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C (1) 3.000.000 (1) 600.000 (3) 2.500.000 (2) 240.000 (2) 48.000 (6) 400.000 Property, Plant, Equipment PPE Value addedd tax VAT [20%] D C D C (3) 12.500.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 Revenue-20X1 REV Labour-20X1 LAB D C D C (6) 2.000.000 (7) 156.000 Operational expenses-20X1 OEX Rent-20X1 RNT Abb. 3.2: Konten der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. führt die Abschlussarbeiten am Jahresende durch. Der erste Buchungssatz für die Abschlussarbeiten bezieht sich auf die Abschreibungen (depreciation). In dieser Fallstudie werden nur die Taxis abgeschrieben. Die Abschreibung folgt der linearen Abschreibungsmethode (straight-line method) unter Berücksichtigung einer Nutzungsdauer (useful life) von vier Jahren. Es gibt keinen Restwert (residual value). Hinweis: Bei linearer Abschreibungsmethode wird der jährliche Abschreibungsaufwand berechnet, indem der abschreibungsfähige Betrag (depreciable amount) auf die Nutzungsdauer bezogen wird. Zur Vereinfachung wird monatsgenau abge- <?page no="62"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-62 schrieben; jede Monatsabschreibung umfasst (1/ 12) der jährlichen Abschreibung. Bei degressiver Abschreibung wird vom aktuellen Buchwert ein vorgegebener Prozentsatz p abgezogen. Wird der prozentuale Anteil auf den Monat bezogen angegeben, ergibt sich der Buchwert nach zwölf Monaten aus dem Anfangswert OV zu: OV × (1 - p) 12 . Abschreibungen und eine weitere Methode, die Leistungsabschreibung (units of production method) werden in dem Lehrbuch Basics of Accounting, in Kapitel (17) behandelt. Die jährliche Abschreibung bezieht sich auf die Anschaffungskosten für die Kfz und deren Umbau: (3.000.000 + 240.000) / 4 = 8810.000 ZAR/ Jahr. Diese Berechnung folgt IAS 16.16. Die Abschreibungen werden am 31.12.20X1 erfasst: Im Unterschied zu Kapitel (2), erfolgt die Habenbuchung nun im Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation). Es stellt das Standardgegenkonto (default contra account) bei internationaler Buchhaltung für Abschreibungsaufwand dar. Am 31.12.20X1: DR Depreciation-20X1 DPR........ 810.000 ZAR CR Accumulated Depreciation ACC. 810.000 ZAR Eine weitere Abschlussbuchung bezieht sich auf das Buchen von zeitlichen Abgrenzungen im Vorauszahlungskonto (prepaid expense account). 17 Um Ausgaben für bestimmte Zeiträume nach dem Bilanzstichtag abzugrenzen, werden sie als Vorauszahlungen (prepaid expenses) gebucht. Sie zählen dann nicht als Aufwand der aktuellen Abrechnungsperiode. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. zahlt im Dezember 20X1 Miete für den Januar 20X2. Alle Mieten werden im Soll auf das Mietkonto (rent account) gebucht. Um die dreizehnte Zahlung dem nächsten Jahr zuzuordnen, muss eine Mietzahlung umgebucht und dabei den Vorauszahlungen zugewiesen werden: DR Prepaid Expense account - CR Rent-20X1. Zu Beginn der nächsten Abrechnungsperiode bucht die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. die Vorauszahlungen auf das Mietkonto für 20X2 (Rent-20X2 account): DR Rent-20X2 - CR Prepaid Expenses. Hinweis: Wäre die Miete umsatzsteuerpflichtig, wäre kein Umbuchen für die Vorsteuer erfolgt. Es wäre allein der Mietaufwand umgebucht worden. DR Prepaid Expenses PRE......... 12.000 ZAR CR Rent-20X1 RNT................ 12.000 ZAR Nach Erfassen der originären Buchungssätze und dem Durchführen der Abschlussarbeiten werden alle Konten abgeschlossen (balancing-off). Siehe die T- Konten der KENILWORTH METERED TAXI SERVICES Ltd. in der folgenden Abbildung 3.3. 17 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (13) und (18). <?page no="63"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-63 D C D C OV 5.000.000 (1) 3.600.000 c/ d 5.000.000 OV 5.000.000 (3) 15.000.000 (2) 288.000 b/ d 5.000.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 (6) 2.400.000 (7) 156.000 c/ d 4.906.000 20.000.000 20.000.000 b/ d 4.906.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C (1) 3.000.000 (1) 600.000 (3) 2.500.000 (2) 240.000 c/ d 3.240.000 (2) 48.000 3.240.000 3.240.000 (6) 400.000 b/ d 3.240.000 c/ d 1.452.000 2.500.000 2.500.000 b/ d 1.452.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT [20%] D C D C c/ d 12.500.000 (3) 12.500.000 (4) 7.000.000 b/ d 12.500.000 (5) 1.650.000 c/ d 8.650.000 8.650.000 8.650.000 b/ d 8.650.000 Revenue-20X1 REV Labour-20X1 LAB D C D C (6) 2.000.000 c/ d 2.000.000 (7) 156.000 PRE 12.000 b/ d 2.000.000 c/ d 144.000 156.000 156.000 b/ d 144.000 Operational expenses-20X1 OEX Rent-20X1 RNT D C D C ACC 810.000 c/ d 810.000 c/ d 810.000 DPR 810.000 b/ d 810.000 b/ d 810.000 Depreciation-20X1 DPR Acc depr ACC Abb. 3.3: Konten nach den Abschlussarbeiten für die KMTS Ltd. (20X1) <?page no="64"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-64 D C RNT 12.000 c/ d 12.000 b/ d 12.000 Prepaid expenses PRE Abb. 3.3: Konten nach den Abschlussarbeiten für die KMTS Ltd. (20X1) - Fortsetzung Der nächste Schritt ist die Gewinnbestimmung (profit calculation). Alle Aufwands- und Ertragskonten werden in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto abgeschlossen (closed-off to profit and loss). Die Aufwands- und Ertragskonten sind: - Mieten (rent). - Löhne (labour). - Betriebsaufwand (operational expenses). - Abschreibungen (depreciation). - Erlöse (revenue). Im Gewinn- und Verlustrechnungskonto wird der Drei-Buchstabencode (threeletter-code) der Gegenkonten, z.B. RNT für Mietaufwandskonto, als Referenz eingetragen. Siehe das Gewinn- und Verlustrechnungskonto in Abbildung 3.4. Durch die Kontenreferenz erkennt man den Ursprung der Aufwandsbuchungen, so dass sich die Gewinn- und Verlustrechnung einfach aufstellen lässt. Der Vorsteuergewinn (pre-tax profit) bei der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. beträgt: 12.500.000 - 2.000.000 - 144.000 - 810.000 - 8.650.000 = 8 896.000 ZAR. Der Vorsteuergewinn wird als Earnings before Taxation EBT bezeichnet. Die Beträge für die Gewinnermittlung sind: - Erlöse: 12.500.000 ZAR. - Betriebsaufwand: 2.000.000 ZAR. - Mieten: 144.000 ZAR. - Abschreibungen: 810.000 ZAR. - Löhne: 8.650.000 ZAR. Entsprechend des Modells für die Ertragsbesteuerung wird das Vorsteuerergebnis mit 30 % multipliziert und ergibt den Ertragsteueraufwand (income tax expenses). Der Jahresüberschuss (earnings after taxes, annual surplus) beträgt: 896.000 × (1 - 30%) = 6627.200 ZAR. Siehe die Konten in Abbildung 3.4 nach Fertigstellung der Abschlussarbeiten einschließlich der Gewinnermittlung und Ertragsbesteuerung. <?page no="65"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-65 D C D C (1) 3.000.000 (1) 600.000 (3) 2.500.000 (2) 240.000 c/ d 3.240.000 (2) 48.000 3.240.000 3.240.000 (6) 400.000 b/ d 3.240.000 c/ d 1.452.000 2.500.000 2.500.000 b/ d 1.452.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT [20%] D C D C OV 5.000.000 (1) 3.600.000 c/ d 5.000.000 OV 5.000.000 (3) 15.000.000 (2) 288.000 b/ d 5.000.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 (6) 2.400.000 (7) 156.000 c/ d 4.906.000 20.000.000 20.000.000 b/ d 4.906.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C c/ d 12.500.000 (3) 12.500.000 (4) 7.000.000 P&L 12.500.000 b/ d 12.500.000 (5) 1.650.000 c/ d 8.650.000 8.650.000 8.650.000 b/ d 8.650.000 P&L 8.650.000 Revenue-20X1 REV Labour-20X1 LAB D C D C (6) 2.000.000 c/ d 2.000.000 (7) 156.000 PRE 12.000 b/ d 2.000.000 P&L 2.000.000 c/ d 144.000 156.000 156.000 b/ d 144.000 P&L 144.000 D C D C ACC 810.000 c/ d 810.000 c/ d 810.000 DPR 810.000 b/ d 810.000 P&L 810.000 b/ d 810.000 Operational expenses-20X1 OEX Rent-20X1 RNT Depreciation-20X1 DPR Acc depr ACC Abb. 3.4: Konten nach der Gewinnermittlung für die KMTS Ltd. (20X1) <?page no="66"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-66 D C D C RNT 12.000 c/ d 12.000 OEX 2.000.000 REV 12.500.000 b/ d 12.000 RNT 144.000 DPR 810.000 LAB 8.650.000 EBT 896.000 12.500.000 12.500.000 ITE 268.800 b/ d 896.000 R/ E 627.200 896.000 896.000 Prepaid expenses PRE Profit and Loss-20X1 P&L D C D C ITL 268.800 c/ d 268.800 c/ d 268.800 ITE 268.800 b/ d 268.800 P&L 268.800 b/ d 268.800 D C c/ d 627.200 P&L 627.200 b/ d 627.200 Income tax expenses ITE Income tax liabilities ITL Retained earnings R/ E Abb. 3.4: Konten nach der Gewinnermittlung für die KMTS Ltd. (20X1) - Fortsetzung Das Gewinn- und Verlustkonto zeigt die Differenz zwischen Umsatzerlösen und Aufwand als Saldo. Man sieht ebenfalls das Nachsteuerergebnis. R/ E zeigt an, dass der Jahresüberschuss in das Eigenkapital gebucht wird. Im Gegensatz zu einem Gewinn- und Verlustrechnungskonto erzwingen die IAS 1.81A - 1.82B nicht den Ausweis jeder einzelnen Aufwandsart in der Gewinn- und Verlustrechnung (income statement). Z.B. kann die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. den Betriebsaufwand und die Mieten zu einem einzigen Posten sonstiger Aufwand (other expenses) in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income) zusammenfassen. Dessen Betrag ist: 2.000.000 + 144.000 = 2 2.144.000 ZAR. Siehe nachfolgend die Gewinn- und Verlustrechnung für die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. in Abbildung 3.5. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist keine sonstigen Erträge 18 aus, Beispiele dafür werden in den Kapiteln (6), (8) und (9) behandelt. 18 Siehe zur Bilanzierung von sonstigen Erträgen: Berkau, C.: Ausweis von Umsatzerlösen und sonstigen Erträgen/ Aufwendungen in: KOR 23(2023)7, S. 325-337. <?page no="67"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-67 [ZAR] Revenue 12.500.000 Other income 0 12.500.000 Materials 0 Labour (8.650.000) Depreciation (810.000) Other expenses (2.144.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 896.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 896.000 Income tax expenses (268.800) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 627.200 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X1 Abb. 3.5: Gewinn- und Verlustrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) Das nächste Element eines vollständigen Jahresabschlusses ist die Bilanz (statement of financial position). Bei der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. müssen nur einige, wenige Positionen berechnet werden, die meisten lassen sich von den Bestandskonten (real accounts) direkt übernehmen. Der Betrag für das Anlagevermögen (property, plant and equipment) wird aus dem Sachanlagekonto (property, plant, equipment account) und dem Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation account) bestimmt: 3.240.000 - 810.000 = 2.430.000 ZAR. Der Betrag für die kurzfristigen Schulden (accounts payables) beinhaltet die Differenz zwischen Umsatzsteuerschuld und Vorsteuerforderungen, welches der Saldo des Umsatzsteuerkontos (VAT account) ist: 1.452.000 ZAR. Siehe die Bilanz in Abbildung 3.6. <?page no="68"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-68 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 2.430.000 Share capital 5.000.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 627.200 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Acc. receivables A/ R Short-term liab. A/ P 1.452.000 Prepaid expenses 12.000 Provisions Cash/ Bank 4.906.000 Income tax liab. 268.800 Total assets 7.348.000 Total equity and liab. 7.348.000 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X1 Abb. 3.6: Bilanz für die KMTS Ltd. (20X1) Siehe die noch ausstehenden Elemente für einen vollständigen Jahresabschluss nach IAS 1.10 in den Abbildungen 3.7 und 3.15 am Ende des Kapitels. Ein Beispiel für Erläuterungen (notes) folgt in Kapitel (6). Der gesamte Zahlungsmittelstrom (cash flow) der Periode ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Anfangswert und Saldo des Kasse-/ Bank-Kontos. Der Kapitalfluss für die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd.’s ist in 20X1 negativ, weil der in der Bilanz ausgewiesene Betrag für die Position Kasse/ Bank niedriger ist als derjenige in der Eröffnungsbilanz. Der Zahlungsmittelstrom (cash flow) beträgt: 4.906.000 - 5.000.000 = ( (94.000 ZAR). Bisher haben die Geschäftsprozesse der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd.’s Zahlungsmittel verbraucht, dabei stammt der negative Kapitalfluss hauptsächlich aus Investitionstätigkeiten. Für Unternehmen ist es nicht unüblich, im ersten Geschäftsjahr aufgrund von Investitionstätigkeiten negative Cash-Flows auszuweisen. Hinweis: Die Höhe des Kapitalflusses ist branchenabhängig und wird durch die Finanzierungsart für das Anlagevermögen beeinflusst. Branchen mit hohem Kapitaleinsatz, wie Produktionsunternehmen und bei Kreditfinanzierung ihrer Anlagen haben einen betragshöheren negativen Kapitalfluss als Dienstleister mit z.B. geleastem Sachanlagevermögen. Um den Zahlungsmittelstrom im Detail zu verstehen, wird eine Kapitalflussrechnung aufgestellt. Diese unterteilt den Cash-Flow in die Bereiche Zahlungsmittelströme für Betriebstätigkeit, für Investitionen und für Finanzierung. Hier wird die Kapitalflussrechnung nicht im Einzelnen besprochen, sondern die Kapitalflussrechnung für die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. in Abbildung 3.7 gezeigt. Kapitalflussrechnungen werden in Kapitel (10) im Detail besprochen. Für das Verständnis, ob und warum der Buchwert eines Unternehmens sich verändert, wird eine Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in <?page no="69"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-69 equity) 19 aufgestellt. Der Buchwert eines Unternehmens ist der Wert des Eigenkapitals, wie er in der Bilanz ausgewiesen wird, d.h. er leitet sich aus der Buchhaltung ab. Bei der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. hat sich das Eigenkapital um: 5.627.200 - 5.000.000 = 627.200 ZAR erhöht. Siehe die Eigenkapitalveränderungsrechnung in Abbildung 3.8. Weitere Erläuterungen zur Eigenkapitalveränderungsrechnung folgen in Kapitel (13). Cash flow from operating acitivities [ZAR] [ZAR] Proceeds 15.000.000 Payment for operating expenses (2.400.000) Payment for labour (8.650.000) Payment for rent (156.000) 3.794.000 Cash flow from investing activities Investments (3.888.000) (3.888.000) Cash flow from financing activities 0 Total cash flow (94.000) Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X1 Abb. 3.7: Kapitalflussrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X1 5.000.000 5.000.000 Profit 20X1 627.200 627.200 as at 31.12.20X1 5.000.000 0 627.200 5.627.200 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X1 Abb. 3.8: Eigenkapitalveränderungsrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) Nachdem der Jahresabschluss für das erste Geschäftsjahr aufgestellt wurde, wird der zweite für 20X2 vorbereitet. 19 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (30) oder in diesem Lehrbuch Bilanzen das Kapital (13). Bei der internationalen Buchhaltung werden die Bestandskonten (real account) fortgeführt. <?page no="70"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-70 Im Gegensatz dazu sind alle Aufwands- und Ertragskonten für die nächste Abrechnungsperiode neu zu erstellen, weil die vorherigen durch Ausbuchen in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto bei den Abschlussarbeiten aufgelöst worden sind. 20 3.6 F/ S KENILWORTH MTS Ltd. - 20X2 Im Unterschied zu 20X1 erwirtschaftet die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. im nächsten Geschäftsjahr einen höheren Umsatzerlös (revenue) i.H.v. 13.200.000 ZAR und hat zwei neue Fahrer eingestellt. Der Vermieter erhöht mit Beginn vom 1.07.20X2 die Mieten um 15 %. Der neue Mietaufwand beträgt: (1 + 15%) × 12.000 = 1 13.800 ZAR/ Monat und gilt für alle nachfolgenden Monate. In 20X2 wird nicht investiert. In Vorbereitung einer neuen Abrechnungsperiode müssen Anfangsbuchungen vorgenommen werden. Üblicherweise beziehen sich diese Vorarbeiten auf die unten dargestellten Tätigkeiten: - Zuweisung von Vorauszahlungen (prepaid expense allocation) auf die Aufwandskonten. - Ertragsteuerzahlungen (income tax payments). - Umsatzsteuerzahlungen (VAT payments). - Zahlung sonstiger, kurzfristiger Schulden, z.B. Lieferantenverbindlichkeiten. - Forderungsvereinnahmung entsprechend Vereinbarung (debt collection). - Vereinbarte Dividendenauszahlungen (dividend payments). etc. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. weist 12.000 ZAR Mietvorauszahlungen (prepaid rent) dem Mietaufwandskonto (Rent-20X2 account) zu. Der Buchungssatz für die Umbuchung heißt (A). Hinweis: In der Abrechnungsperiode 20X2 werden alle Buchungssätze mit Großbuchstaben markiert. Am 1.01.20X2 (A): DR Rent-20X2 RNT................ 12.000 ZAR CR Prepaid Expenses PRE......... 12.000 ZAR Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. nimmt die Ertragsteuerzahlungen für 20X1 in 20X2 vor. Eine weitere Steuerzahlung erfolgt für den Betrag, den die Umsatzsteuerschuld die Vorsteuerforderungen übersteigt und führt auf eine Auszahlung von 1.452.000 ZAR an die südafrikanische Finanzbehörden SARS. Siehe die Buchungssätze (B) und (C); beide werden am 1.01.20X2 erfasst. 20 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (31). <?page no="71"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-71 Am 1.01.20X2 (B), (C): DR Income Tax Liabilities ITL... 268.800 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 268.800 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 1.452.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 1.452.000 ZAR Siehe die Konten, nach Abschluss der Vorarbeiten in Abbildung 3.9. Weil die Einträge des Vorjahrs nicht mehr wichtig sind, werden sie in der Abbildung 3.9 ausgegraut. D C D C OV 5.000.000 (1) 3.600.000 c/ d 5.000.000 OV 5.000.000 (3) 15.000.000 (2) 288.000 b/ d 5.000.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 (6) 2.400.000 (7) 156.000 c/ d 4.906.000 20.000.000 20.000.000 b/ d 4.906.000 (B) 268.800 (C) 1.452.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C (1) 3.000.000 (1) 600.000 (3) 2.500.000 (2) 240.000 c/ d 3.240.000 (2) 48.000 3.240.000 3.240.000 (6) 400.000 b/ d 3.240.000 c/ d 1.452.000 2.500.000 2.500.000 (C) 1.452.000 b/ d 1.452.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT D C D C RNT 12.000 c/ d 12.000 c/ d 810.000 DPR 810.000 b/ d 12.000 (A) 12.000 b/ d 810.000 Prepaid expenses PRE Acc depr ACC Abb. 3.9: Konten der KMTS Ltd. (20X2) <?page no="72"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-72 D C D C c/ d 627.200 P&L 627.200 c/ d 268.800 ITE 268.800 b/ d 627.200 (B) 268.800 b/ d 268.800 D C (A) 12.000 Retained earnings R/ E Income tax liabilities ITL Rent-20X2 RNT Abb.: 3.9: Konten der KMTS Ltd. (20X2) - Fortsetzung In 20X2 bucht die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. die folgenden Geschäftsvorfälle: (D) Umsatzerlöse (recognition of revenue). (E) Löhne (labour recognition). (F) Mieten (rent recognition). (G) Betriebsaufwand (operational expense recognition). (D) Die Umsatzerlöse betragen 13.200.000 ZAR. Die Proceeds sind: 120% × 13.200.000 = 115.840.000 ZAR. Alle Fahrgäste zahlen bar. Der Buchungssatz (D) wird am 1.07.20X2 erfasst. Am 1.07.20X2 (D): DR Cash/ Bank C/ B................ 15.840.000 ZAR CR Value Added Tax VAT.......... 2.640.000 ZAR CR Revenue-20X2 REV............. 13.200.000 ZAR (E) Löhne: Es sind 16 Taxifahrerinnen oder -fahrer angestellt. Ebenso werden für die Lohnbuchung der Funker und der Manager berücksichtigt: 16 × 500.000 + 650.000 + 1.000.000 = 9 9.650.000 ZAR. Der Buchungssatz (E) für alle Löhne wird am 30.06.20X2 erfasst. Am 30.06.20X2 (E): DR Labour-20X2 LAB.............. 9.650.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 9.650.000 ZAR (F) Die Mieten steigen in der Mitte der Abrechnungsperiode 20X2 um 15 %. Weil es Vorauszahlungen für 20X2 gibt, ist der Betrag des Buchungssatzes für Mietzahlungen in Summe: 5 × 12.000 + 7 × 13.800 = 1 156.600 ZAR. Da die Miete für den Januar/ 20X2 bereits im Dezember 20X1 bezahlt wurde, müssen nur fünf Mietbuchungen zu 12.000 ZAR/ Monat erfolgen. Die nachfolgenden sieben Buchungen sind für die Zeit von Juli/ 20X2 bis Januar/ 20X3 und betragen jeweils 13.800 ZAR/ Monat. Am Jahresende wird die Miete für den Januar/ 20X3 im Zuge der Abschlussarbeiten den Vorauszahlungen zugeordnet. Siehe unten <?page no="73"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-73 den Buchungssatz (F) für zwölf Einzelbuchungen und auf den 30.06.20X2 datiert. Am 30.06.20X2 (F): DR Rent-20X2 RNT................ 156.600 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 156.600 ZAR (G) Betriebsaufwand: Der Betriebsaufwand beträgt 2.000.000 ZAR/ Jahr. Er wird am 30.06.20X2 erfasst. Am 30.06.20X2 (G): Dr Operational Expenses OEX ..... 2.000.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 400.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 2.400.000 ZAR Nachfolgend werden die Abschlussarbeiten vorgenommen. Sie umfassen die Abschreibungen und die Mietabgrenzung. Beide werden mit Datum vom 31.12.20X2 gebucht. Am 31.12.20X2: DR Depreciation-20X2 DPR ........ 810.000 ZAR DR Accumulated Depreciation ACC . 810.000 ZAR DR Prepaid Expenses PRE ......... 13.800 ZAR CR Rent-20X2 RNT................ 13.800 ZAR Wie in der vorherigen Abrechnungsperiode werden alle Konten abgeschlossen und die Aufwands- und Ertragskonten in die Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss account) ausgebucht. Auf Basis der Buchungen kann die Gewinnermittlung für 20X2 stattfinden. Siehe die Konten für 20X2 in Abbildung 3.10. <?page no="74"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-74 D C D C OV 5.000.000 (1) 3.600.000 c/ d 5.000.000 OV 5.000.000 (3) 15.000.000 (2) 288.000 b/ d 5.000.000 (4) 7.000.000 (5) 1.650.000 (6) 2.400.000 (7) 156.000 c/ d 4.906.000 20.000.000 20.000.000 b/ d 4.906.000 (B) 268.800 (D) 15.840.000 (C) 1.452.000 (E) 9.650.000 (F) 156.600 (G) 2.400.000 c/ d 6.818.600 20.746.000 20.746.000 b/ d 6.818.600 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C (1) 3.000.000 (1) 600.000 (3) 2.500.000 (2) 240.000 c/ d 3.240.000 (2) 48.000 3.240.000 3.240.000 (6) 400.000 b/ d 3.240.000 c/ d 1.452.000 2.500.000 2.500.000 (C) 1.452.000 b/ d 1.452.000 (G) 400.000 (D) 2.640.000 c/ d 2.240.000 4.092.000 4.092.000 b/ d 2.240.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT [20%] D C D C RNT 12.000 c/ d 12.000 c/ d 810.000 DPR 810.000 b/ d 12.000 (A) 12.000 b/ d 810.000 RNT 13.800 c/ d 13.800 c/ d 1.620.000 DPR 810.000 25.800 25.800 1.620.000 1.620.000 b/ d 13.800 b/ d 1.620.000 Prepaid expenses PRE Acc depr ACC Abb. 3.10: Konten der KMTS Ltd. nach Gewinnermittlung (20X2) <?page no="75"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-75 D C D C c/ d 627.200 P&L 627.200 c/ d 268.800 ITE 268.800 b/ d 627.200 (B) 268.800 b/ d 268.800 c/ d 1.036.840 P2L 409.640 c/ d 175.560 ITE 175.560 1.036.840 1.036.840 444.360 444.360 b/ d 1.036.840 b/ d 175.560 Retained earnings R/ E Income tax liabilities ITL D C D C (A) 12.000 PRE 13.800 c/ d 13.200.000 (D) 13.200.000 (F) 156.600 c/ d 154.800 P2L 13.200.000 b/ d 13.200.000 168.600 168.600 b/ d 154.800 P2L 154.800 D C D C (E) 9.650.000 c/ d 9.650.000 (G) 2.000.000 c/ d 2.000.000 b/ d 9.650.000 P2L 9.650.000 b/ d 2.000.000 P2L 2.000.000 Rent-20X2 RNT Revenue-20X2 REV Labour-20X2 LAB Operational expenses-20X2 OEX D C D C ACC 810.000 c/ d 810.000 RNT 154.800 REV 13.200.000 b/ d 810.000 P2L 810.000 LAB 9.650.000 OEX 2.000.000 DPR 810.000 EBT 585.200 13.200.000 13.200.000 ITE 175.560 b/ d 585.200 R/ E 409.640 585.200 585.200 D C ITL 175.560 c/ d 175.560 b/ d 175.560 P2L 175.560 Depreciation-20X2 DPR Profit and Loss-20X2 P2L Income tax expensess-20X2 ITE Abb. 3.10: Konten der KMTS Ltd. nach Gewinnermittlung (20X2) - Fortsetzung Die Eigentümerinnen oder Eigentümer von Kapitalgesellschaften wollen mit investierten Mitteln einen Rückfluss (return on investment) erzielen. Bei einer Aktiengesellschaft wird die <?page no="76"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-76 Zahlung an die Aktionärinnen oder Aktionäre für deren Gewinnanteil als Dividende bezeichnet. Hinweis: Die Gewinnverwendung wird auf der Gesellschafter- oder Hauptversammlung (annual general meeting) beschlossen. Sie kann bei der Aufstellung der Bilanz vorweggenommen werden. Die Voraussetzung für den Gewinnverwendungsbeschluss ist die Feststellung und Prüfung des Jahresabschlusses. Prüfungspflichtige Kapitalgesellschaft bestellen einen Abschlussprüfer, der untersucht, ob der Jahresabschluss korrekt erstellt wurde, d.h. richtig ist. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. hat für 20X1 keine Dividende beschlossen. Deshalb haben ihre Aktionärinnen oder Aktionäre bisher noch keinen Rückfluss erhalten. Somit steht der Gewinn aus dem Vorjahr zur Ausschüttung an. Auf der Hauptversammlung (annual general meeting) zu Beginn von 20X3 beschließen die Aktionärinnen oder Aktionäre der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. eine Dividende i.H.v. 30 % des ausschüttungsfähigen Betrags. Der ausschüttungsfähige Betrag beinhaltet den Gewinnvortrag aus 20X1 und den Jahresüberschuss für 20X2. Der ausschüttungsfähige Betrag ist ebenso der Saldo des Retained Earnings account, siehe Abbildung 3.11. Er beträgt: 627.200 + 409.640 = 1 1.036.840 ZAR. Bei internationaler Buchhaltung verbleibt ein Gewinnvortrag im Konto Retained Earnings. Es gibt kein eigenes Gewinn- oder Verlustvortragskonto. Hinweis: Die Übersetzung des Kontos Retained Earnings mit Bilanzgewinn ist nicht präzise. Im Lehrbuch wird zur Kennzeichnung der IFRS-Bilanzposition Retained Earnings der Ausdruck „Bilanzgewinn (retained earnings)“ verwendet, um eine Verwechselung mit dem Bilanzgewinn nach § 268 HGG zu verhindern. Auf Grundlage der Entscheidung der Aktionärinnen oder Aktionäre werden 30 % des ausschüttungsfähigen Betrags als Dividenden im nächsten Jahr ausgezahlt, dies sind: 30% × 1.036.840 = 311.052 ZAR. 20 % werden den Gewinnrücklagen zugeführt: 20% × 1.036.840 = 207.368 ZAR. Der Rest wird in die nächste Abrechnungsperiode vorgetragen; die Hauptversammlung wird über dessen Verwendung in 20X4 beschließen. Eine Investorin oder ein Investor, die oder der 10.000 Stammaktien der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. hält, bekommt eine Dividende in Höhe von: (10.000/ 500.000) × 311.052 = 6.221,04 ZAR. Ihre oder seine Rendite (return on investment) beträgt: 6.221,04 / 100.000 = 6 6,22%. Die Investorin oder der Investor profitiert ebenso von einem Anstieg des Eigenkapitals i.H.v.: (1.036.840 - 311.052) / 5.000.000 = 114,52%. Hinweis: I.d.R. stellen internationale Kapitalgesellschaften ihren Jahresabschluss unter Berücksichtigung der Gewinnverwendung auf. Die KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. bucht in ihrer Bilanz die Dividenden als kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber Aktionärinnen oder Aktionären. Sie nimmt deshalb die Entscheidung auf der Hauptversammlung vorweg. Die Ausschüttung der Dividenden erfolgt in 20X3. Das zu verwendende Konto ist das Konto Verbindlichkeiten ggü. Anteilseignern (shareholders for dividend account). Es gehört zu kurzfristigen Verbindlichkeiten (A/ P account). <?page no="77"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-77 Eine Zuführung zu den Gewinnrücklagen ändert die Eigenkapitalsumme nicht, weil dieses einen Eigenkapitaltausch (equity swop) darstellt, dies bedeutet die Mittel verbleiben im Unternehmen, z.B. zur Refinanzierung. Die nicht auszuschüttenden Gewinne gemäß der Entscheidung der Aktionärinnen oder Aktionäre werden in die nächste Abrechnungsperiode vorgetragen. Dafür ist keine Buchung erforderlich, weil der Betrag im Konto Retained Earnings verbleibt. Am 31.12.20X2: DR Retained Earnings R/ E ........ 311.052 ZAR CR Shareholder for Div. A/ P ..... 311.052 ZAR DR Retained Earnings R/ E ........ 207.368 ZAR CR Earnings Reserves E-R ........ 207.368 ZAR In Abbildung 3.11 werden nur die Konten abgebildet, die für die Gewinnverwendung relevant sind. D C D C c/ d 627.200 P&L 627.200 c/ d 207.368 R/ E 207.368 b/ d 627.200 b/ d 207.368 c/ d 1.036.840 P2L 409.640 1.036.840 1.036.840 S4D 311.052 b/ d 1.036.840 E-R 207.368 c/ d 518.420 1.036.840 1.036.840 b/ d 518.420 Retained earnings R/ E Earnings reserves E-R D C c/ d 311.052 R/ E 311.052 b/ d 311.052 Shareholder for dividend A/ P Abb. 3.11: Konten der KMTS Ltd. zur Gewinnverwendung (20X2) Siehe unten den Jahresabschluss ohne Anhang in Abbildung 3.12, Abbildung 3.13, Abbildung 3.14 und Abbildung 3.15. Die Kapitalflussrechnung und die Eigenkapitalveränderungsrechnung werden hier mit dargestellt, weil sie zum vollständigen Jahresabschluss zählen. Ihre Aufstellung ist Thema in den Kapiteln (10) und (13). Nach Studium dieser Kapitel sollte zur Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI SERVICE <?page no="78"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-78 Ltd. zurückgekehrt werden, um die Kapitalflussrechnung und die Eigenkapitalveränderungsrechnung nachzuvollziehen. [ZAR] Revenue 13.200.000 Other income 0 13.200.000 Materials 0 Labour (9.650.000) Depreciation (810.000) Other expenses (2.154.800) Earnings before int. & taxes (EBIT) 585.200 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 585.200 Income tax expenses (175.560) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 409.640 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X2 Abb. 3.12: Gewinn- und Verlustrechnung der KMTS Ltd. (20X2) A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 1.620.000 Share capital 5.000.000 Intangibles Reserves 207.368 Financial assets Retained earnings 518.420 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Acc. receivables A/ R Short-term liab. A/ P 2.551.052 Prepaid expenses 13.800 Provisions Cash/ Bank 6.818.600 Income tax liab. 175.560 Total assets 8.452.400 Total equity and liab. 8.452.400 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X2 Abb. 3.13: Bilanz der KMTS Ltd. (20X2) <?page no="79"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-79 Cash flow from operating acitivities [ZAR] [ZAR] Proceeds 15.840.000 Payment for operating expenses (2.400.000) Payment for labour (9.650.000) Payment for rent (156.600) Tax payments (1.720.800) 1.912.600 Cash flow from investing activities 0 Cash flow from financing activities 0 Total cash flow 1.912.600 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X2 Abb. 3.14: Kapitalflussrechnung der KMTS Ltd. (20X2) Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X1 5.000.000 5.000.000 Profit 20X1 627.200 627.200 as at 31.12.20X1 5.000.000 0 627.200 5.627.200 Profit 20X2 409.640 409.640 Dividend 20X2 (311.052) (311.052) Additions Res. 20X2 207.368 (207.368) 0 as at 31.12.20X2 5.000.000 207.368 518.420 5.725.788 Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X2 Abb. 3.15: Eigenkapitalveränderungsrechnung der KMTS Ltd. (20X2) 3.7 Zusammenfassung Die internationale Buchhaltung ähnelt der deutschen. Beide Buchhaltungssysteme wenden die Doppik an. Die Jahresabschlusserstellung erfolgt auf Bestands- und Aufwands-/ Ertragskonten. International wird kein Eröffnungs- oder Schlussbilanzkonto verwendet. IAS 1.10 legt fest, dass ein vollständiger Jahresabschluss aus einer Bilanz, einer Gewinn- und Verlustrechnung, einer Kapitalflussrechnung, einer Eigenkapitalveränderungsrechnung und den Erläuterungen (notes) besteht. Es wurde die Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI <?page no="80"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-80 SERVICE Ltd. in Kapstadt besprochen und ihre Jahresabschlusserstellung für 20X1 und 20X2 verfolgt. In der Regel stellen Unternehmen den Jahresabschluss unter Berücksichtigung der Gewinnverwendung auf. In diese werden Gewinn- oder Verlustvorträge aus vorherigen Abrechnungsperioden einbezogen. Die Aktionärinnen oder Aktionäre entscheiden, ob die Gewinnrücklagen erhöht werden sollen oder ob Dividenden ausgeschüttet werden. Nicht verwendete Ergebnisbestandteile werden in die nächste Abrechnungsperiode übertragen und sind als Bilanzgewinn (retained earnings) in der Bilanz sichtbar. 3.8 Arbeitsdefinitionen Unter Berücksichtigung der Gewinnverwendung (appropriation of profits, under): Wenn der Jahresabschluss unter Ergebnisverwendung erstellt wird, werden Dividenden und Zuführungen zu den Rücklagen berücksichtigt. Internationale Rechnungslegungsstandards (International Accounting Standards IFRSs): Standards zum Rechnungswesen, die von dem International Accounting Standard Board entwickelt werden, sind entweder IAS (International Accounting Standard) oder IFRS (International Financial Accounting Standard). Paragraf (paragraph): Teilbereich eines Standards. Die Paragrafen werden über Nummern identifiziert. Der Jahresabschluss (set of financial statements): Gemäß dem IAS 1.10 besteht ein vollständiger Jahresabschluss aus einer Bilanz, einer Gewinn- und Verlustrechnung, einer Eigenkapitalveränderungsrechnung, einer Kapitalflussrechnung und den Erläuterungen (notes). Er kann eine weitere Bilanz enthalten, die nach IAS 8 bei Änderungen von Schätzungen und Bewertungsmethoden erforderlich wird. Standardsetter (standard setter): Eine Organisation, die Standards herausgibt. Bei den IFRSs ist der Standardsetter das International Accounting Standard Board, das in London, Canary Wharf residiert. Kapitalflussrechnung (statement of cash flows): Element des Jahresabschlusses, das die Veränderung der Position Kasse/ Bank anzeigt. Es enthält Zahlungsmittelstromveränderungen strukturiert in die Klassen Cash-Flows aus operativer Tätigkeit, aus Investitionen und aus Finanzierungen enthält. Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity): Ein Element des Jahresabschlusses, dass die Veränderung von Eigenkapitalpositionen in der Bilanz darstellt. Bilanz (statement of financial position): Ein Element des Jahresabschlusses, dass das Vermögen mit der Summe aus Eigen- und Fremdkapital vergleicht. Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income): Jahresabschlusselement, dass den Betriebsgewinn berechnet und sonstige Erträge und Aufwand einander gegenüberstellt. <?page no="81"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-81 3.9 Kontrollfragen (1) Am 2.07.20X5 erwirbt ein Unternehmen, das nach IFRSs bilanziert, ein Firmenfahrzeug für 72.000 EUR brutto. Für die Ausstattung als Taxi zahlt es weitere 3.600 EUR (brutto). Das Kfz wird nach linearer Abschreibungsmethode straightline method) über fünf Jahre abgeschrieben. Am Ende der Nutzungsdauer wird das Kfz. wahrscheinlich zu 3.000 EUR (netto) verkauft. Wie hoch ist die Abschreibung (depreciation) in 20X6? 1. 14.520 EUR . 2. 12.000 EUR . 3. 6.000 EUR . 4. 12.600 EUR . (2) Ein Unternehmen, das Jahresabschlüsse nach IFRSs aufstellt, erwirtschaftet ein Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsen EBIT i.H.v. 250.000 EUR. Der Zinsaufwand beträgt 4.200 EUR. Wie hoch ist der Jahresüberschuss (annual surplus, earnings after tax)? 1. 254.200 EUR . 2. 177.940 EUR . 3. 170.800 EUR . 4. 203.360 EUR . (3) Ein Unternehmen erwirtschaftet ein Ergebnis nach Ertragsteuern (earnings after tax EAT) von 100.000 EUR. Es trägt einen Gewinn aus der letzten Abrechnungsperiode i.H.v. 50.000 EUR vor. Auf der Hauptversammlung (annual general meeting) beschließen die 500 Stammaktionärinnen oder -aktionäre (ordinary shareholders) eine Dividende von 7,50 EUR/ Aktie und dass der Rest in das nächste Jahr vorgetragen werden soll. Wie hoch ist der Bilanzgewinn (retained earnings) wenn jede Stammaktionärin oder jeder Stammaktionär (in Summe 500) zehn Aktien besitzt? 1. 50.000 EUR . 2. 112.500 EUR . 3. 62.500 EUR . 4. 37.500 EUR . (4) Eine Kapitalgesellschaft, die im Soll Löhne (labour) für 10.000 EUR, Mieten (rent) für 1.200 EUR, vorausgezahlte Versicherungsbeiträge (prepaid insurance) 450 EUR, Abschreibungen auf ein Fabrikgebäude (depreciation on factory building) 600 EUR, Abschreibungen auf Kfz (depreciation on motor vehicle) 900 EUR und Betriebsaufwand (operational expenses) 2.400 EUR bucht, weist in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung aus: 1. Löhne: 10.000 EUR, Mieten: 1.200 EUR, Vorauszahlungen: 450 EUR, Abschreibungen: 1.500 EUR, sonstigen Aufwand: 2.400 EUR. 2. Löhne: 10.000 EUR, Mieten: 1.200 EUR, Abschreibungen: 1.500 EUR, sonstigen Aufwand: 4.050 EUR. 3. Löhne: 10.000 EUR, Abschreibungen: 1.500 EUR, sonstigen Aufwand: 3.600 EUR. 4. Löhne: 10.450 EUR, Abschreibungen: 1.500 EUR, sonstigen Aufwand: 3.600 EUR. (5) Ein Unternehmen zahlt für die Jahresmiete 1.080 EUR während der aktuellen Abrechnungsperiode und muss weitere 360 EUR in der nächsten (für die aktuelle Abrechnungsperiode) bezahlten. Zuvor <?page no="82"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 3-82 werden 360 EUR als Verbindlichkeiten gebucht. Mieten sind umsatzsteuerrelevant (subjected to VAT). Mit welchem Betrag wird der Mietaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) ausgewiesen? 1. 900 EUR . 2. 1.080 EUR . 3. 1.200 EUR . 4. 1.440 EUR . 3.10 Lösungen 1-2, 2-2, 3-2, 4-3, 5-3. <?page no="83"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-83 4 Jahresabschlüsse in Handelsunternehmen 4.1 Inhalt dieses Kapitels Diese Kapitel ist eine Einführung in die internationale Jahresabschlusserstellung für Handelsunternehmen nach IFRSs. Handelsunternehmen (retailer) sind komplizierter als Dienstleister, aber im Vergleich zu Produktionsunternehmen einfacher, weil sie zwar Lagerbewegungen berücksichtigen, aber keine Produkte kalkulieren (manufacturing accounting). Handelsunternehmen wenden spezielle Instrumente im Rechnungswesen an, wie eine Summen- und Saldenliste (trial balance T/ B) und ein Warenerfolgskonto (trading account T/ A), die in diesem Kapitel vorgestellt werden. Handelsunternehmen zeichnen den Warenfluss für eingekaufte Güter und Lagerentnahmen sowie für Retouren auf, welche Einkaufsrücksendungen (return outwards) an Lieferanten und Warenrücknahmen (returns inwards) von Kunden sein können. In diesem Kapitel wird ein periodisches Lagerhaltungssystem verwendet. Hinweis: Mit einem Lagerhaltungssystem bucht man Warenbewegungen. Bei einem periodischen Lagerhaltungssystem wird am Ende jeder Periode eine Inventur vorgenommen. Der Wareneinsatz wird berechnet, indem alle Einkäufe zum Anfangsbestand addiert werden und der Schlussbestand abgezogen wird. Die Alternative ist eine fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual system), welche erfordert, alle Warenzu- und -abgänge zu erfassen. Diese wird in Kapitel (9) behandelt. Es wird die Fallstudie RYNEVELD Ltd. besprochen, die eine Handelsgesellschaft für Büropapier ist. Aus didaktischen Gründen handelt das Unternehmen nur mit einem einzigen Produkttyp. Die RYNEVELD Ltd. setzt ein Warenerfolgskonto (trading account) für ihre Rohertragsbestimmung ein. Um die Korrektheit von Buchungssätzen - z.B. in einer Rechnungswesenklausur überprüfen zu können, wird gezeigt, wie man eine Summen- und Saldenliste vor (trial balance) als auch nach den Abschlussarbeiten (adjusted trial balance) aufstellt. Zum Ende des Kapitels wird die Gewinnermittlung bei Handelsunternehmen behandelt. Die Fallstudie RYNEVELD Ltd. umfasst drei Abrechnungsperioden, von denen die erste (20X6) im Lehrbuch beschrieben wird. Die zweite Periode ist eine Aufgabe mit Lösung, die in den Zusatzmaterialen enthalten ist. Die letzte Periode 20X8 wird als Selbsttest zur Verfügung gestellt. Es wird dafür ein Lösungsformular in den Zusatzmaterialien bereitgehalten, das die Note dem deutschen Bewertungssystem folgend ermittelt, nachdem die Lösungen vollständig eingetragen wurden. Dieses Kapitel behandelt ebenfalls eine Kreditfinanzierung. 4.2 Lernziele Nachdem Sie dieses Kapitel durchgearbeitet haben, können Sie handelsrechtliche Jahresabschlüsse für Handelsunternehmen nach IFRSs erstellen. Sie haben gelernt, die relevanten Standards für Handelsunternehmen <?page no="84"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-84 anzuwenden. Sie können den Rohertrag (gross profit) und das Vorsteuerergebnis (pretax profit) bestimmen und kennen deren Bedeutung. Sie sind ebenso mit dem Warenerfolgskonto (trading account) vertraut und können mit einer Salden- und Summenliste (trial balance) vor und nach den Abschlussarbeiten Ihre Buchungssätze auf Konsistenz mit der Doppik überprüfen. 4.3 Handelsgeschäfte Das Geschäftsmodell von Handelsunternehmen besteht darin, Güter von Lieferanten einzukaufen und sie an ihre Kundinnen oder Kunden weiterzuverkaufen. Bei einem periodischem Lagerhaltungssystem setzen sie ein Wareneingangskonto (purchase account) ein, um Warenannahmen zu erfassen. Zur Rohertragsermittlung vergleichen Handelsunternehmen ihre Umsatzerlöse und Wareneinsätze in einem Warenerfolgskonto (trading account). In diesem Kapitel werden alle Handelsgeschäfte über ein periodisches Lagerhaltungssystem abgewickelt. 21 Es wird eine Inventur zum Bilanzstichtag (am Anfang und Ende des Geschäftsjahres) durchgeführt und der Wareneinsatz durch Vergleich zwischen Anfangs- und Endbestand unter Berücksichtigung von Wareneingängen und Retouren von Handelsware berechnet. 21 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (26). Die fortlaufende Lagerbuchführung (perpetual inventory system) wird in Kapitel (9) eingeführt. Handelsunternehmen bestimmen ihren Gewinn in zwei Schritten: (1) Zuerst wird der Rohertrag berechnet und anschließend (2) die Gewinnermittlung bis zum Vorsteuerergebnis (earnings before taxes) fortgesetzt. Anschließend erfolgt die Ertragsbesteuerung. (ad (1)) Der Rohertrag ist der Unterschiedsbetrag zwischen Umsatzerlösen (revenue) und dem Wareneinsatz (cost of goods sold). Der Wareneinsatz wird zu Anschaffungskosten bewertet. Anschaffungskosten sind der Nettowert des Einkaufs nach Abzug von Preisnachlässen und Rabatten. IAS 2.11 und IAS 16.16 sind jeweils anzuwenden. Die Vorratsbewertung kann Wertanpassungen oder -abschreibungen aufgrund von z.B. Verderb unterliegen. 22 Nach Erfassen eines Wertminderungsaufwands ist der beizulegende niedrigere Wertansatz für Lagerbewegungen zu verwenden. (ad (2)) Der zweite Schritt ist die Gewinnermittlung. Das Vorsteuerergebnis ist der Rohertrag abzüglich aller weiteren Aufwendungen, z.B. Löhne, Abschreibungen, Betriebsaufwand etc., jedoch ohne Ertragsteueraufwand. Ertragsteueraufwand wird im letzten Schritt der Gewinnermittlung abgezogen. In diesem Lehrbuch wird die Ertragsbesteuerung vereinfacht, indem der vorgegebene Ertragsteuersatz (income tax rate) mit dem Vorsteuerergebnis multipliziert wird. Das Nachsteuerergebnis ist der Jahresüberschuss/ -fehlbetrag (annual surplus). 22 Siehe die Fallstudie HEISTEL (Pty) Ltd. in Kapitel (9), bei der eine Wertminderung aufgrund technischen Fortschritts gebucht wird. <?page no="85"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-85 Siehe unten die Struktur der Gewinnermittlung: Umsatzerlöse (revenue) ./ . Handelswareneinsatz (cost of merchandise goods sold) = Rohertrag (gross profit) ./ . Weiterer Aufwand (further expenses), z.B. Löhne, Anschreibungen, sonstiger Aufwand = Vorsteuerergebnis (net profit (EBT)) ./ . Ertragsteueraufwand (income tax expenses) = Jahresüberschuss (annual surplus (EAT)) 4.4 Ermittlung des Rohertrags Roherträge (gross profit) werden anhand der Fallstudie DEMANN GmbH erläutert, die ein Dienstleister für Haustechnik ist und gleichzeitig mit Ersatzteilen (spare parts) für Heizungsanlagen handelt. Die Fallstudie lässt sich über den Link 4.A herunterladen: Link 4.A: DEMANN GmbH. 23 Die Summen- und Saldenliste wird in Kapitel (29) des Lehrbuchs Basics of Accounting eingeführt. 4.5 Summen- und Saldenliste Als Nächstes werden die Summen- und Saldenliste (trial balance) sowie später das Warenerfolgskonto (trading account) eingeführt. Die Wirkungsweise der beiden Instrumente wird an der Fallstudie des Papierhändlers RYNEVELD Ltd. demonstriert. Eine Summen- und Saldenliste (trial balance) ist eine Liste mit allen Konten und ihren Salden - genauer: Saldovorträgen (balance brought down) zum Abschlussstichtag. 23 In der Vergangenheit haben Buchhalterinnen oder Buchhalter sie verwendet, um die Konsistenz ihrer Buchungen mit der Doppik (double entry system) zu prüfen. In der Summen- und Saldenliste müssen die Summen der im Soll abgeschlossenen Konten (b/ d on the debit side) mit der Summe der im Haben abgeschlossenen (b/ d on the credit side) übereinstimmen. 24 Heutzutage verprobt eine Buchhaltungssoftware die Buchungssätze, bevor sie ausgeführt werden, so dass die Anwenderinnen oder Anwender vor Fehlbuchungen geschützt sind. Die Summen- und Saldenliste liefert dann nur noch einen Kontenüberblick mit ihren Salden und hilft beim Übermitteln von Kontoständen, z.B. zwischen Konzernunternehmen im Rahmen der Konzernrechnungslegung (group accounting) oder im Berichtswesen (reporting) 4.6 Warenerfolgskonto Das Warenerfolgskonto (trading account) wird erstellt, nachdem die originären Buchungssätze abgeschlossen 24 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (10) - (12). <?page no="86"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-86 wurden und mit der Summen- und Saldenliste (trial balance) auf Konsistenz überprüft wurden. Die Umsatzerlöse werden auf die Habenseite gebucht und Materialaufwand/ Wareneinsatz auf der Sollseite erfasst. Der Saldo des Warenerfolgskontos ist der Rohertrag. Ein Warenerfolgskonto wird oft in Kombination mit einem periodischen Lagerhaltungssystem eingesetzt. Darin wird der Materialaufwand (cost of goods sold) bestimmt, indem der Warenanfangsbestand um Warenzugänge erhöht und davon der über Inventur ermittelte Schlussbestand abgezogen wird. Dafür müssen die Vorratskonten (inventory accounts), die Wareneingangskonten (purchase account) und die Umsatzerlöskonten (revenue accounts) in das Warenerfolgskonto ausgebucht werden. Es muss ebenso sichergestellt werden, dass Warenrücknahmen und Einkaufsrücksendungen im Warenerfolgskonto erfasst werden. Die Anwendung des Warenerfolgskontos wird jetzt an der Fallstudie RYNEVELD Ltd. demonstriert. 4.7 F/ S RYNEVELD Ltd. Unten ist das Datenblatt für RYNEVELD Ltd. dargestellt Datenblatt für die RYNEVELD Ltd. Standort: Südafrika (George). Berichtswährung: ZAR. Klassifizierung: Handelsunternehmen. Abrechnungsperiode: 20X6. Ausgabe von Aktien: 100.000 × 5 ZAR/ Aktie am 1.01.20X6. Finanzierung: über ein Bankdarlehn 200.000 ZAR; Zinssatz 6 %/ Jahr, Tilgung: 40.000 ZAR/ Jahr, konstant. Miete: 36.000 ZAR/ Jahr; Zahlungen einen Monat im Voraus. Geschäftsausstattung (Anlagevermögen): 200.000 ZAR; Abschreibungen: nach linearer Abschreibungsmethode über zehn Jahre ohne Restwert. Einkauf: 250.000 ZAR (netto). Warenschlussbestand: 22,4 % des verfügbaren Warenbestands. Umsatzserlös: 545.000 ZAR. Betriebsaufwand (nicht umsatzsteuerrelevant): 15.000 ZAR/ Monat. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die RYNEVELD Ltd. wird am 1.01.20X6 durch Ausgabe von 100.000 Stammaktien zu jeweils 5 ZAR/ Aktie gegründet. Die Ausgabe der Aktien erfolgt pari, d.h. zu 5 ZAR/ Aktie; dies ist der Nennwert. Am 2.01.20X6, nimmt die RYNEVELD Ltd. ein Bankdarlehn über 200.000 ZAR auf. Der jährliche Zinssatz beträgt 6 %/ Jahr und ist zum Jahresende fällig. Die Darlehnstilgung ist konstant und beträgt 40.000 ZAR/ Jahr. Sie wird zusammen mit den Zinsen am Jahresende bezahlt. Die Ladenmiete (rent) beträgt 36.000 ZAR/ Jahr; auf sie fällt keine Umsatzsteuer an. Die RYNEVELD Ltd. zahlt die Mieten einen Monat im Voraus. Die erste Zahlung für den Januar/ 20X6 wird am 2.01.20X6 geleistet, diejenige für den Februar/ 20X6 am 30.01.20X6 usw. Die RYNEVELD Ltd. erwirbt eine Geschäftsausstattung - Regale, Tische etc. - für 240.000 ZAR am 2.01.20X6. Der Preis (brutto) wird sofort bezahlt. Die Geschäftsausstattung wird nach linearer Abschreibungsmethode (straightline method) über zehn Jahre abgeschrieben. Es besteht kein Restwert (residual value). Die RYNEVELD Ltd. kauft Büropapier für 300.000 ZAR (brutto) ein und zahlt die Hälfte des Preises im Januar/ 20X6 und <?page no="87"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-87 die andere ein Jahr später im Januar/ 20X7. Am Bilanzstichtag von 20X6, führt die RYNEVELD Ltd. eine Inventur durch. Sie stellt fest, dass 22,4 % (bezogen auf den Wert) des Büropapiers noch am Lager ist. Während des ersten Geschäftsjahres 20X6 erwirtschaftet die RYNEVELD Ltd. Umsatzerlöse i.H.v. 545.000 ZAR. Alle Kunden zahlen bar. Hinweis: Umsatz ist immer der Nettowert. Der Begriff stammt aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Betriebsaufwand, hauptsächlich Lohnkosten, beträgt in 20X6 monatlich 15.000 ZAR/ Monat. Es wird keine Umsatzsteuer auf den Betriebsaufwand berücksichtigt. Nachfolgend werden die Buchungssätze für die Geschäftsvorfälle besprochen und eine Summen- und Saldenliste (trial balance) für die RYNEVELD Ltd. erstellt. Danach wird der Rohertrag im Warenerfolgskonto (trading account) und der Vorsteuergewinn im Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss account) ermittelt. Bei der Gründung gibt die RYNEVELD Ltd. Stammaktien in Höhe von insgesamt: 100.000 × 5 = 5 500.000 ZAR aus. Der Zeitpunkt für die Aktienausgabe ist der 1.01.20X6. Somit zählt die Aktienausgabe als Buchungssatz (1) und ist kapitalflussrelevant: Am 1.01.20X6 (1): DR Cash/ Bank C/ B ................ 500.000 ZAR CR Issued Capital ISS ........... 500.000 ZAR Die RYNEVELD Ltd. nimmt bei ihrer Hausbank einen Kredit auf. Die Darlehnsauszahlung beträgt 200.000 ZAR. Dies ist der Nennwert des Darlehns (principal). Er wird als Buchungssatz (2) und unter langfristigen Schulden erfasst. Der Zinsaufwand (Buchungssatz (3)) für 20X6 betragen: 6% × 200.000 = 1 12.000 ZAR. Neben der Zinszahlung muss die RYNEVELD Ltd. eine Tilgung von 40.000 ZAR pro Jahr leisten. Der Buchungssatz für die Tilgung gehört zu den Abschlussarbeiten und wird nach der Erstellung der ersten Summen- und Saldenliste (trial balance) vorgenommen. Weil die Zinsen i.d.R. unterjährig bezahlt werden, zählen sie hier nicht zu den Abschlussarbeiten und werden als originärer Buchungssatz berücksichtigt. Zusammenfassend werden die Zinsen am 30.06.20X6 gebucht. Siehe unten die Buchungssätze (2) und (3): Am 2.01.20X6 (2) und 30.06.20X6 (3): DR Cash/ Bank C/ B ................ 200.000 ZAR CR Interest Bearing Liab. IBL... 200.000 ZAR DR Interest-20X6 INT ............ 12.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 12.000 ZAR <?page no="88"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-88 Die Miete beträgt 3.000 ZAR/ Monat und unterliegt nicht der Umsatzbesteuerung, weil der Vermieter nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist. Der Mietaufwand wird im Voraus gezahlt mit Ausnahme der ersten Monatszahlung. Deshalb leistet die RYNEVELD Ltd. dreizehn Mietzahlungen im Geschäftsjahr 20X6 - die letzte davon zählt als Vorauszahlung für den Januar/ 20X4. Es werden dreizehn Mietzahlungen als zusammengefasster Buchungssatz (4) am 30.06.20X6 erfasst. Die letzte Mietzahlung wird als Vorauszahlung im Zuge der Abschlussarbeiten umgebucht. Am 30.06.20X6 (4): DR Rent-20X6 RNT................ 39.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 39.000 ZAR Die Anschaffung der Geschäftsausstattung wird zu Nettobeträgen von 200.000 ZAR in das Anlagevermögen gebucht. Es fällt Umsatzsteuer an, weil der Verkäufer vorsteuerabzugsberechtigt ist. Der Buchungssatz (5) wird am 5.01.20X6 erfasst: Am 5.01.20X6 (5): DR P, P, E-Account PPE.......... 200.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 40.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 240.000 ZAR Die Abschreibungen auf die Geschäftsausstattung zählen zu den Abschlussarbeiten und werden später behandelt. Der nächste Buchungssatz ist für den Papiereinkauf. Es wird im Soll des Wareneinkaufskontos gebucht, weil ein periodisches Lagerhaltungssystem im Einsatz ist. 25 Der Einkauf ist umsatzsteuerrelevant. Die Vorsteuer wird im Umsatzsteuerkonto (VAT account) im Soll gebucht und stellt eine Forderung der RYNEVELD Ltd. gegen die südafrikanischen Finanzbehörden (South African Revenue Service SARS) dar. Siehe den Buchungssatz (6) unten. Auf der Grundlage der Einkaufsbedingungen erfolgt die Zahlung in zwei Schritten - einer ist in 20X6 fällig, der zweite in 20X7. Hinweis: Umsatzsteuer wird niemals aufgeteilt. Die Vorsteuer entsteht bei Vertragsabschluss mit Erfassung des Buchungssatzes. In Einklang mit dem nationalen Umsatzsteuergesetz fordert die RYNEVELD Ltd. den kompletten Vorsteuerbetrag im Umfang von 50.000 ZAR sofort vom Finanzamt (revenue service). 25 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (26). <?page no="89"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-89 Am 6.01.20X6 (6): DR Purchase-20X6 PUR ............ 250.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 50.000 ZAR CR Accounts Payables A/ P ........ 150.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 150.000 ZAR Der Schlussbestand der Handelswaren wird zum Ende des Jahres 20X6 berücksichtigt, wenn die Abschlussarbeiten stattfinden. Zunächst wird der Schlussbestand nicht erfasst. Die Inventur wird zum Jahresende vorgenommen und bei den Abschlussarbeiten (adjustments) berücksichtigt. Der Umsatzerlös beträgt 545.000 ZAR. Die Proceeds sind der Bruttowert davon und betragen: 545.000 × 120% = 654.000 ZAR. Siehe den Buchungssatz (7), der in der Jahresmitte erfasst wird. Am 1.07.20X6 (7): DR Cash/ Bank C/ B ................ 654.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 109.000 ZAR CR Revenue-20X7 REV ............. 545.000 ZAR Der Betriebsaufwand wird als Buchungssatz (8) erfasst. Der Wert ist nicht umsatzsteuerrelevant und beträgt: 12 × 15.000 = 1 180.000 ZAR. Am 30.06.20X6 (8): DR Operational Expenses-20X6 OEX 180.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 180.000 ZAR Siehe die Buchungssätze soweit sie erfasst worden sind in Abbildung 4.1. D C D C (1) 500.000 (3) 12.000 c/ d 500.000 (1) 500.000 (2) 200.000 (4) 39.000 b/ d 500.000 (7) 654.000 (5) 240.000 (6) 150.000 (8) 180.000 c/ d 733.000 1.354.000 1.354.000 b/ d 733.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS Abb. 4.1: Konten der RYNEVELD Ltd. vor den Abschlussarbeiten <?page no="90"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-90 D C D C c/ d 200.000 (2) 200.000 (3) 12.000 c/ d 12.000 b/ d 200.000 b/ d 12.000 Interest bearing liabilities IBL Interest-20X6 INT D C D C (4) 39.000 c/ d 39.000 39.000 39.000 b/ d 39.000 Rent-20X6 RNT Prepaid expenses PRE D C D C (5) 200.000 c/ d 200.000 (5) 40.000 (7) 109.000 b/ d 200.000 (6) 50.000 c/ d 19.000 109.000 109.000 b/ d 19.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT D C D C (6) 250.000 c/ d 250.000 c/ d 150.000 (6) 150.000 b/ d 250.000 b/ d 150.000 Purchase-20X6 PUR Accounts payables A/ P D C D C c/ d 545.000 (7) 545.000 (8) 180.000 c/ d 180.000 b/ d 545.000 b/ d 180.000 Revenue-20X6 REV Operational expenses-20X6 OEX Abb. 4.1: Konten der RYNEVELD Ltd. vor den Abschlussarbeiten - Fortsetzung An dieser Stelle wird die erste Summen- und Saldenliste (trial balance) erstellt, um die Buchungssätze auf ihre Konsistenz mit der Doppik zu prüfen. Dazu werden die Saldovorträge (balance b/ d) der Konten eingetragen. Siehe die Summen- und Saldenliste in Abbildung 4.2. Die Werte stimmen mit denen aus den Konten in Abbildung 4.1 überein. <?page no="91"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-91 Account Debit entries Credit entries [ZAR] [ZAR] Cash/ Bank C/ B 733.000 Issued Capital ISS 500.000 Interest bearing Liabilities IBL 200.000 Interest-20X6 INT 12.000 Rent-20X6 RNT 39.000 Property, Plant, Equipment PPE 200.000 Value added Tax VAT 19.000 Purchase-20X6 PUR 250.000 Accounts payables A/ P 150.000 Revenue-20X6 REV 545.000 Operational expenses-20X6 OEX 180.000 Total: 1.414.000 1.414.000 Ryneveld Ltd. TRIAL BALANCE as per 31.12.20X6 Abb. 4.2: Summen- und Saldenliste der RYNEVELD Ltd. Accounting-Prozess-Schritte (Summen- und Saldenliste (trial balance)): (1) Erfassen Sie die Buchungssätze für die Geschäftsvorfälle in T-Konten. Schließen Sie alle Konten ab. (2) Erstellen Sie eine Liste mit Zeilen für jedes Konto darin. Fügen Sie zwei Spalten hinzu, eine für Soll-Salden, die andere für Haben-Salden. Tragen Sie die Saldovorträge (balance b/ d) für jedes Konto in die Spalten Soll bzw. Haben ein. (3) Vergleichen Sie die Summen der beiden Spalten. Stimmen Sie überein, sieht Ihre Buchhaltung gut aus. Dennoch gilt, dass eine Summen- und Saldenliste keine Garantie für richtiges Buchen ist. Verstöße gegen die Doppik würde jedoch auffallen. Im Weiteren werden die Abschlussarbeiten (adjustments) gezeigt. Für die RYNEVELD Ltd. werden die folgenden Abschlussbuchungen vorgenommen: (a) Abschreibungen (depreciation). (b) Tilgung des Bankdarlehns (bank loan pay-off). (c) Umwidmung der Tilgungszahlung entsprechend IAS 1.60 (reclassification of next year’s pay-off following IAS 1.60). (d) Mietaufwandsabgrenzung (accruals for rent). (e) Rohertragsermittlung (gross profit calculation). (f) Ergebnisermittlung (net profit calculation). <?page no="92"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-92 (g) Ertragsbesteuerung (income tax calculation). Ad (a): Abschreibungen Die RYNEVELD Ltd. bucht Abschreibungen auf ihre Geschäftsausstattung. Abschreibungen beziehen sich immer auf die Anschaffungs- (und Herstellungskosten), d.h. es sind bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen immer Nettowerte. Die Abschreibungen auf die Geschäftsausstattung bei der RYNEVELD Ltd. betragen: (240.000 / 120%) / 10 = 20.000 ZAR. Am 31.12.20X6: DR Depreciation-20X6 DPR........ 20.000 ZAR CR Accumulated Depreciation ACC. 20.000 ZAR Ad (b): Tilgung des Bankkredits Der Kreditvertrag legt fest, dass die RYNEVELD Ltd. jährlich eine Tilgung von 40.000 ZAR leisten muss. Der Buchungssatz wird unten gezeigt. Am 31.12.20X6: DR Interest bear. Liab. IBL..... 40.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 40.000 ZAR Ad (c): Umwidmung der Tilgung für das nächste Jahr Die kurzfristigen Rückzahlungen für das Darlehn betragen 40.000 ZAR. Die IFRSs schreiben eine Trennung von kurzfristigen und langfristigen Schulden vor. Die RYNEVELD Ltd. muss die Tilgung (pay-off), die im nächsten Jahr fällig ist, als kurzfristig ausweisen. Es wird das Konto für kurzfristige Schulden (accounts payables account) bebucht. Der Buchungssatz überträgt langfristige in kurzfristige Schulden. Hinweis: Die Kontennamen können verwirren. Die Tatsache, dass eine Darlehnskomponente von dem Interest Bearing Liabilities Account in die kurzfristigen Schulden übertragen wird, bedeutet nicht, dass die Schulden zinsfrei werden. Der Zinsaufwand in 20X7 berücksichtigt den Darlehnsbetrag abzüglich der Tilgung in 20X6 und ist somit an dem geschuldeten Betrag zum 1.01.20X7 orientiert. Deshalb beträgt der Zinsaufwand in 20X7: (200.000 - 40.000) × 6% = 9.600 ZAR. In der Bilanz zum 31.12.20X6 werden 120.000 ZAR langfristige Schulden und 40.000 ZAR kurzfristige ausgewiesen; beide Werte werden für die Zinsberechnung in 20X7 berücksichtigt. Am 31.12.20X6: DR Interest bear. Liab. IBL..... 40.000 ZAR CR Accounts Payables A/ P........ 40.000 ZAR Ad (d): Abgrenzung der Mieten In Übereinstimmung mit IAS 1.27 wird die Gewinn- und Verlustrechnung unter dem Abgrenzungsgrundsatz (accrual basis of accounting) aufgestellt. Aufwand wird in der Periode erfasst, für die er ist. Zahlungszeit- <?page no="93"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-93 punkte werden nicht bei der Zuordnung zu Abrechnungsperioden berücksichtigt. Bei der RYNEVELD Ltd. muss die Miete für den Januar/ 20X7 von dem Mietaufwand in 20X6 abgegrenzt werden. 26 Dazu wird die Miete für Januar/ 20X7 aus dem Aufwandskonto in die Vorauszahlungen (prepaid expense account) übertragen. Auf diese Weise werden die Aufwendungen „geparkt“ und erst in der nächsten Abrechnungsperiode in das Aufwandskonto für 20X7 gebucht. Im Unterschied zu einer HGB-Bilanz werden Vorauszahlungen international als Umlaufvermögen ausgewiesen. Siehe den folgenden Buchungssatz: Am 31.12.20X6: DR Prepaid Expenses PRE ......... 3.000 ZAR CR Rent-20X6 RNT................ 3.000 ZAR Ad (e) Rohertragsermittlung Für die Ermittlung des Rohertrags (gross profit) wird das Warenerfolgskonto (trading account) erstellt. 27 Der Rohertrag ist die Differenz aus Umsatzserlös und Wareneinsatz. Weitere Anpassungen können stattfinden, z.B. wenn ein Unternehmen Einkäufe an Lieferanten zurückschickt oder wenn Waren von Kundinnen oder Kunden zurückgenommen werden. Siehe zu den Einträgen im Warenerfolgskonto (trading account) die Abbildung 4.3. D C INV Opening stock REV Sales revenue PUR Purchases INV Closing stock R.I. Returns inwards R.O. Returns outwards Trading account-20XX T/ A Abb. 4.3: Einträge im Warenerfolgskonto Retouren 28 sind entweder Einkaufsrücksendungen (returns outwards) oder Warenrücknahmen (returns inwards). Einkaufsrücksendungen werden erfasst, wenn Waren an Lieferanten zurückgeschickt werden. Es wird dafür ein Einkaufsrücksendungskonto (returns outwards account) verwendet. Einkaufsrücksendungen werden bei 26 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (18). 27 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (22). der Ergebnisermittlung mit Nettowerten berücksichtigt, weil sie sich auf die Anschaffungskosten beziehen. Sie führen auf eine Habenbuchung im Einkaufsrücksendungskonto (returns outwards account). Sobald diese in das Warenerfolgskonto ausgebucht wird, erscheint die Position darin auf der Habenseite. Eine weitere Habenbuchung erfolgt im Umsatzsteuerkonto 28 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (20) - (23), um den Einfluss von Retouren auf die Umsatzsteuer zu verstehen. <?page no="94"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-94 (VAT account), um die Vorsteuerforderung anzupassen. Die Sollbuchung erfolgt entweder im Forderungskonto (accounts receivables account), wenn eine Gutschrift (voucher) entgegengenommen wird, in den kurzfristigen Verbindlichkeiten (accounts payables account), wenn der Lieferant die Rechnung mindert oder im Kasse-/ Bank-Konto bei einer sofortigen Entschädigung in bar oder per Überweisung. Als Nächstes werden Warenrücknahmen (returns inwards) besprochen. Wenn Waren von Kundinnen oder Kunden zurückgenommen werden, müssen sie auf der Sollseite des Warenrücknahmekontos (returns inwards account) zu Nettoverkaufspreisen (net selling price) erfasst werden. Als Alternative kann eine Sollbuchung im Umsatzerlöskonto (revenue account) erfolgen. Eine weitere Sollbuchung findet im Umsatzsteuerkonto statt, um die Umsatzsteuerschuld zu reduzieren, die beim Verkauf gebucht wurde. Die Habenbuchung kann in dem Verbindlichkeitskonto bei Ausstellen einer Gutschrift (voucher), im Forderungskonto (accounts receivables account A/ R) für eine Verminderung der Rechnung oder im Kasse-/ Bank- Konto bei einer Sofortentschädigung von Kundinnen oder Kunden erfolgen. Bei einer Rücknahme hängt der Warenbestand davon ab, was mit den zugenommenen Waren passiert. Sie können entsprechend dem Warenrücknahmegrund entweder eingelagert oder vernichtet werden. Wenn Waren fehlerhaft und irreparable sind, werden sie vernichtet. Dann erfolgt keine Lagerbestandsbuchung. Wenn die Kundin oder der Kunde einen Fehlkauf begangen hat und die Waren sich in qualitätsmäßig verkaufsfähigem Zustand befinden, werden sie eingelagert und können weiterverkauft werden. Waren müssen zu dem gleichen Wert zurückgebucht werden, zu denen sie zuvor dem Lager entnommen wurden. Falls die genauen Werte nicht zu ermitteln sind, ist der bestmögliche Schätzwert anzuwenden. 29 Bei der RYNEVELD Ltd. finden keine Retrouren statt. Hinweis: In 20X7 schickt die RYNEVELD Ltd. Waren an ihren Lieferanten zurück (Aufgabe). Die RYNEVELD Ltd. erfasst Lieferungen im Wareneingangskonto (purchase account) und führt zu jedem Bilanzstichtag eine Inventur durch. Weil das Unternehmen in 20X6 gegründet wurde, besteht kein Anfangsbestand an Handelswaren. Die Summe der Einkäufe beträgt 250.000 ZAR. Das Wareneingangskonto wird in das Warenerfolgskonto (trading account) abgeschlossen: Am 31.12.20X6: DR Trading Account-20X6 T6A..... 250.000 ZAR CR Purchase-20X6 PUR............ 250.000 ZAR 29 Siehe den Fall MONTAGU (Pty) Ltd. zu den Buchungssätzen für Retouren bei unterschiedlichen Warenwerten. Der Fall ist in dem Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (28) behandelt. <?page no="95"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-95 Für die Buchungen auf der Habenseite des Warenerfolgskontos (trading account) müssen die Umsätze erfasst sowie eine Inventur durchgeführt werden. Der Umsatzerlös beträgt 545.000 ZAR. Die Inventur ermittelt einen Wert an Handelswaren in Höhe von 22,4 % der Einkäufe; dies ergibt: 22,4% × 250.000 = 56.000 ZAR. Auf der Habenseite des Warenerfolgskontos werden zwei Einträge gebucht: Am 31.12.20X6: DR Revenue-20X6 REV ............. 545.000 ZAR CR Trading Account-20X6 T6A ..... 545.000 ZAR DR Inventories INV .............. 56.000 ZAR CR Trading Account-20X6 T6A ..... 56.000 ZAR Das Warenerfolgskonto wird in Abbildung 4.4 gezeigt. Ad (f): Gewinnermittlung Für die Ermittlung des Vorsteuerergebnisses (earnings before taxation) werden alle übrigen Aufwendungen vom Rohertrag subtrahiert; eine Ausnahme bildet der Ertragsteueraufwand. Bei der RYNEVELD Ltd. sind diese Aufwendungen die Abschreibungen, der Betriebsaufwand, Mieten und Zinsen. Die entsprechenden Aufwandskonten werden in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ausgebucht. Das Warenerfolgskonto wird in die Gewinn- und Verlustrechnung übertragen, so dass der Rohertrag darin auf der Habenseite erscheint; in dem Warenerfolgskonto (trading account) wird eine entsprechende Sollbuchung vorgenommen. Hinweis: Bei einem Verlust wäre eine Sollbuchung im Gewinn- und Verlustrechnungskonto vorzunehmen. Siehe die nachfolgenden Buchungssätze und die zugehörigen Konten in Abbildung 4.4. Am 31.12.20X6: DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 20.000 ZAR CR Depreciation-20X6 DPR ........ 20.000 ZAR DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 180.000 ZAR CR Operational Expenses-20X6 OEX 180.000 ZAR DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 36.000 ZAR CR Rent-20X6 RNT................ 36.000 ZAR <?page no="96"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-96 DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 12.000 ZAR CR Interest-20X6 INT............ 12.000 ZAR DR Trading Account-20X6 T6A..... 351.000 ZAR CR Profit and Loss-20X6 P6L..... 351.000 ZAR Ad (g): Ertragsbesteuerung Nach den Konventionen in Kapitel (1) beträgt der Ertragsteueraufwand 30% des Vorsteuerergebnisses. Bei RYNEVELD Ltd. ergeben sich Ertragsteuern i.H.v.: (351.000 - 20.000 - 180.000 - 36.000 - 12.000) × 30% = 103.000 × 30% = 3 30.900 ZAR. Der nachfolgende Buchungssatz wird für den Ertragsteueraufwand vorgenommen (Vereinfachung). Hinweis: Der vollständige Buchungssatz für die Ertragsbesteuerung wäre: DR Income Tax Expenses . . . - CR Income Tax Liabilities . . . und anschließend: DR P&L-Account . . . - CR Income Tax Expenses . . . Bei der Fallstudie KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd. in Kapitel (3) wurden diese Buchungssätze vorgenommen. Hier wird dagegen vereinfacht gebucht. Am 31.12.20X6: DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 30.900 ZAR CR Income Tax Liabilities ITL... 30.900 ZAR Nach Abzug der Ertragsteuern vom Vorsteuerergebnis erhält man den Jahresüberschuss, der in das Eigenkapitalkonto Bilanzgewinn (retained earnings account) übertragen wird. Hinweis: Bei internationaler Buchhaltung gibt es nur ein Retained Earnings Account für das Ergebnis. Ein Jahresüberschusskonto in Kombination mit einem Bilanzgewinnkonto wie nach § 268 HGB ist nicht üblich. Bei RYNEVELD Ltd. ergibt sich ein Übertrag auf den Bilanzgewinn in Höhe von: 103.000 - 30.900 = 7 72.100 ZAR. Siehe den nachfolgenden Buchungssatz. Bei einem Verlust wäre der Buchungssatz invertiert. In einem solchen Fall wären nach dem Ertragsteuermodell keine Ertragsteuern angefallen. Am 31.12.20X6: DR Profit and Loss-20X6 P6L..... 72.100 ZAR CR Retained Earnings R/ E........ 72.100 ZAR Siehe unten in Abbildung 4.4 alle Konten der RYNEVELD Ltd. nach den Abschlussarbeiten. <?page no="97"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-97 D C D C (1) 500.000 (3) 12.000 c/ d 500.000 (1) 500.000 (2) 200.000 (4) 39.000 b/ d 500.000 (7) 654.000 (5) 240.000 (6) 150.000 (8) 180.000 c/ d 733.000 1.354.000 1.354.000 b/ d 733.000 IBL 40.000 c/ d 693.000 733.000 733.000 b/ d 693.000 Cash/ Bank C/ B Issued capital ISS D C D C c/ d 200.000 (2) 200.000 (3) 12.000 c/ d 12.000 C/ B 40.000 b/ d 200.000 b/ d 12.000 P6L 12.000 A/ P 40.000 c/ d 120.000 200.000 200.000 b/ d 120.000 Interest bearing liabilities IBL Interest-20X6 INT D C D C (4) 39.000 PRE 3.000 RNT 3.000 c/ d 3.000 c/ d 36.000 b/ d 3.000 39.000 39.000 b/ d 36.000 P6L 36.000 Rent-20X6 RNT Prepaid expenses PRE D C D C (5) 200.000 c/ d 200.000 (5) 40.000 (7) 109.000 b/ d 200.000 (6) 50.000 c/ d 19.000 109.000 109.000 b/ d 19.000 Property, Plant, Equipment PPE Value added tax VAT Abb. 4.4: Konten der RYNEVELD Ltd. nach den Abschlussarbeiten (20X6) <?page no="98"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-98 D C D C (6) 250.000 c/ d 250.000 c/ d 150.000 (6) 150.000 b/ d 250.000 T/ A 250.000 b/ d 150.000 c/ d 190.000 A/ P 40.000 190.000 190.000 b/ d 190.000 Accounts payables A/ P Purchase-20X6 PUR D C D C c/ d 545.000 (7) 545.000 (8) 180.000 c/ d 180.000 T/ A 545.000 b/ d 545.000 b/ d 180.000 P6L 180.000 Revenue-20X6 REV Operational expenses-20X6 OEX D C D C ACC 20.000 c/ d 20.000 c/ d 20.000 DPR 20.000 b/ d 20.000 P6L 20.000 b/ d 20.000 Depreciation-20X6 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C PUR 250.000 REV 545.000 OV 0 GP 351.000 INV 56.000 T/ A 56.000 c/ d 56.000 601.000 601.000 56.000 56.000 P6L 351.000 b/ d 351.000 b/ d 56.000 Trading account-20X6 T/ A Inventories INV D C D C DPR 20.000 T/ A 351.000 c/ d 30.900 P6L 30.900 OEX 180.000 b/ d 30.900 RNT 36.000 INT 12.000 EBT 103.000 351.000 351.000 D C ITL 30.900 b/ d 103.000 c/ d 72.100 P6L 72.100 R/ E 72.100 b/ d 72.100 103.000 103.000 Retained earnings R/ E Income tax liabilities ITL Profit or Loss-20X6 P6L Abb. 4.4: Konten der RYNEVELD Ltd. nach den Abschlussarbeiten (20X6) - Fortsetzung Accounting-Prozess-Schritte (Buchen in einem Warenerfolgskonto (recording trading account)): (1) Übertragen Sie den Anfangsbestand des Vorratsbestandskontos (inventory account) in das Warenerfolgskonto (trading account). DR Trading Account - CR Inventories. <?page no="99"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-99 (2) Erfassen Sie alle Wareneingänge im Wareneingangskonto (purchase account). Berücksichtigen Sie die Vorsteuern. Zum Ende der Abrechnungsperiode schließen Sie das Wareneingangskonto in das Warenerfolgskonto ab. (3) Erfassen Sie alle Verkäufe im Umsatzerlöskonto (revenue account). Berücksichtigen Sie die Umsatzsteuerschuld. Schließen Sie das Umsatzerlöskonto in das Warenerfolgskonto ab. (4) Bei Warenrücknahmen (return inwards) buchen Sie erhaltene Zahlungen oder gewährte Gutschriften (granted voucher) und erfassen Sie den Nettoverkaufspreis auf der Sollseite des Warenrücknahmekontos. Alternativ können Sie negative Umsatzerlöse buchen. Schließen Sie das Warenrücknahmekonto in das Warenerfolgskonto ab. Wenn Waren zurückgenommen wurden, buchen Sie diese auf das Lager oder vernichten Sie diese. Wenn Sie auf Lager gelegt werden, werden sie bei der Inventur (stock taking) am Ende der Abrechnungsperiode berücksichtigt. (5) Ermitteln Sie den Schlussbestand der Vorräte durch Inventur (stock taking). Buchen Sie den Schlussbestand der Vorräte im Soll in das Vorratskonto und im Haben im Warenerfolgskonto. (6) Wenn Einkaufsrücksendungen (returns outwards) stattfinden, erfassen Sie diese im Einkaufsrücksendungskonto (returns outwards account) und berücksichtigen die Umsatzsteuern gemäß den Anschaffungskosten. Erfassen Sie eine Sollbuchung im Kasse-/ Bank-Konto oder unter Forderungen (accounts receivables account) oder Verbindlichkeiten (accounts payables account) und nehmen Sie eine Habenbuchung im Umsatzsteuerkonto (VAT account) vor. Bebuchen Sie das Einkaufsrücksendungskonto im Haben oder alternativ das Wareneingangskonto (purchase account) für einen negativen Einkauf. Buchen Sie das Einkaufsrücksendungskonto in das Warenerfolgskonto aus. (7) Bestimmen Sie den Saldo des Warenerfolgskontos (trading account). Wenn der Saldovortrag im Soll ist (debit balanced), ergibt sich ein Verlust (gross loss). Wenn der Saldo im Haben steht, liegt ein positiver Rohertrag vor (gross profit). Übertragen Sie den Rohertrag oder -verlust in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto durch Ausbuchen (closing-off) des Warenerfolgskontos. Die Summen- und Saldenliste nach den Abschlussarbeiten (adjusted trial balance) wird aufgestellt, wenn die Abschlussarbeiten erfolgt sind. Siehe die Abbildung 4.5. Weil die Aufwands- und Ertragskonten entweder in das Warenerfolgskonto oder in das Ge- <?page no="100"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-100 winn- und Verlustrechnungskonto abgeschlossen werden, erscheinen sie nicht in der Summen- und Saldenliste nach den Abschlussarbeiten. Ihr Saldo beträgt Null. Dies gilt ebenfalls für das Gewinn- und Verlustrechnungskonto als auch für das Warenerfolgskonto (trading account). Account Debit entries Credit entries [ZAR] [ZAR] Cash/ Bank C/ B 693.000 Issued Capital ISS 500.000 Interest bearing Liabilities IBL 120.000 Prepaid expenses PRE 3.000 Property, Plant, Equipment PPE 200.000 Value added Tax VAT 19.000 Accounts payables A/ P 190.000 Accumulated Depreciation ACC 20.000 Income Tax Liabilities ITL 30.900 Retained Earnings R/ E 72.100 Inventories INV 56.000 952.000 952.000 Ryneveld Ltd. ADJUSTED TRIAL BALANCE as per 31.12.20X6 Abb. 4.5: Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten bei der RYNEVELD Ltd. (20X6) Accounting-Prozess-Schritte (Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten (adjusted trial balance)): (1) Erstellen Sie eine Summen- und Saldenliste vor Abschlussarbeiten (trial balance). (2) Buchen Sie die Abschlussarbeiten (adjustments) für die Ergebnisermittlung, z.B. für Abschreibungen, Abgrenzungen etc. Kalkulieren Sie das Vorsteuerergebnis (earnings before taxes) und den Jahresüberschuss (earnings after taxes). Buchen Sie den Ertragsteueraufwand und den Jahresüberschuss in das Eigenkapital. Falls Sie einen Jahresabschluss unter Gewinnverwendung erstellen, bestimmen und buchen Sie die Dividende und Zuführung/ Auflösen von Rücklagen. Wenn ein Gewinn/ Verlust vorgetragen wird, ergibt sich ein Saldovortrag im Bilanzgewinnkonto (retained earnings account). (3) Übertragen Sie die Abschlussarbeiten in die Summen- und Saldenliste. Löschen Sie alle Einträge für Aufwands- und Ertragskonten (nominal accounts), die in das <?page no="101"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-101 Gewinn- und Verlustrechnungskonto ausgebucht worden sind. Berücksichtigen Sie, dass das Warenerfolgskonto (trading account) und das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ebenfalls ausgebucht werden. Vergleichen Sie darin nach Erstellen der Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten (adjusted trial balance) die Summe auf der Soll- und der Habenseite. (4) Stellen Sie eine Gewinn- und Verlustrechnung auf. Erstellen Sie eine Bilanz über die Bestandskonten (real accounts) aus der Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten (adjusted trial balance). Evtl. müssen Sie für die Vorbereitung der Bilanz Konten zusammenfassen, z.B. das Anlagevermögenskonto (P, P, E-account) mit dem Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation account). Nachfolgend wird aus der Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten für die RYNEVELD Ltd. die Bilanz aufstellt. Es sind für die Bilanzerstellung nur wenige Änderungen erforderlich. So muss das Konto für das Anlagevermögen mit den kumulierten Abschreibungen saldiert werden und die Umsatzsteuerschulden müssen den kurzfristigen Schulden zugewiesen werden. Die Bilanzposition für das Anlagevermögen in der Bilanz (P, P, E item) ergibt: 200.000 - 20.000 = 180.000 ZAR und die Position für kurzfristige Schulden beträgt: 19.000 + 190.000 = 2 209.000 ZAR. Ansonsten können die Werte von der Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten direkt in die Bilanz kopiert werden. Siehe die Bilanz der RYNEVELD Ltd. in Abbildung 4.6. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 180.000 Share capital 500.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 72.100 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 56.000 Long-term liab. 120.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 209.000 Prepaid expenses 3.000 Provisions Cash/ Bank 693.000 Income tax liab. 30.900 Total assets 932.000 Total equity and liab. 932.000 Ryneveld Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X6 Abb. 4.6: Bilanz der RYNEVELD Ltd.’s balance sheet (20X6) <?page no="102"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-102 Die Gewinn- und Verlustrechnung wird aus dem Warenerfolgskonto (trading account) und dem Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss account) abgeleitet. Sie erfüllt die Vorschriften des IAS 1.82. Die RYNEVELD Ltd. hat keine sonstigen Erträge. Alle Umsatzerlöse und Aufwendungen wurden erfolgswirksam erfasst. Die Gewinn- und Verlustrechnung wird in Abbildung 4.7 gezeigt. [ZAR] Revenue 545.000 Other income 0 545.000 Materials (194.000) Labour 0 Depreciation (20.000) Other expenses (216.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 115.000 Interest (12.000) Earnings before taxes (EBT) 103.000 Income tax expenses (30.900) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 72.100 Ryneveld Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X6 Abb. 4.7: Gewinn- und Verlustrechnung der RYNEVELD Ltd. Für die RYNEVELD Ltd. wird hier keine Kapitalflussrechnung (statement of cash flows) oder Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) beschrieben, um Redundanz des Lernstoffs zu vermeiden. Sie können jedoch über den Link 4.B heruntergeladen werden. 30 Die Aufgabe ist in den Zusatzmaterialen enthalten. Link 4.B: RYNEVELD Ltd. Hinweis: Es wird empfohlen, die Aufgabe A4.38 über die RYNEVELD Ltd. für das Geschäftsjahr 20X7 aus den Zusatzmaterialien durchzuarbeiten. 30 <?page no="103"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-103 4.8 F/ S TELUK Sdn. Bhd. Die Fallstudie TELUK Sdn. Bhd. behandelt ein Handelsunternehmen für Büromaterial und enthält Retouren (returns) als auch Forderungsabschreibungen. Forderungsabschreibungen (bad debts) werden gebucht, wenn ein Unternehmen davon ausgeht, dass seine Schuldnerin oder Schuldner insolvent ist und die Forderungen uneinbringlich sind. Die Fallstudie kann über den Link 4.C heruntergeladen werden: Link 4.C: TELUK Sdn. Bhd. 4.9 Tabellarische Kalkulation der Summen- und Saldenliste Alternativ können Jahresabschlüsse auch über eine Summen- und Saldenliste aufgestellt werden, die aus einem Tabellenblatt entwickelt wird. Die Erklärung der tabellarischen Kalkulation kann über den QR-Code und den Link 4.D heruntergeladen werden: Link 4.D: Worksheet Methode Es gibt ein weiteres Beispiel BINNENVELD Ltd. für die tabellarische Ermittlung der Summen- und Saldenliste, das sich auf einen Surfshop bezieht. Siehe den Link 4.E. Link 4.E: BINNEVELD Ltd. Hinweis: Man muss nicht die tabellarische Methode zur Erstellung der Summen- und Saldenliste beherrschen. Die Methode ist jedoch schneller. 4.10 Zusammenfassung In diesem Kapitel wurde das Erstellen von Jahresabschlüssen in Handelsunternehmen über eine Summen- und Saldenliste (trial balance) unter Einbezug des Warenerfolgskontos (trading account) behandelt. Für Handelsunternehmen (retailer) ist der Rohertrag (gross profit) wichtig. Es wurde sich ausschließlich auf ein periodisches Lagerhaltungssystem bezogen und Einkaufsrücksendungen (return outwards) und Warenrücknahmen (returns inwards) besprochen. Das Thema wird in Kapitel (9) erneut aufgegriffen, wenn die fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual inventory system) eingeführt wird. Weiter wurde die tabellarische Methode zur Erstellung der Summen- und Saldenliste vorgestellt. <?page no="104"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-104 4.11 Arbeitsdefinitionen Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation account): Konto zum Erfassen des Abschreibungsaufwands über die gesamte Nutzungsdauer eines Vermögenswertes. Summen- und Saldenliste nach den Abschlussbuchungen (adjusted trial balance): Summen- und Saldenliste, die erstellt wird, nachdem die Abschlussarbeiten, z.B. die Abschreibungserfassung, das Umbuchen von Vorauszahlungen und die Gewinnermittlung, beendet worden sind. Rohertrag (gross profit): Unterschiedsbetrag zwischen Umsatzerlös und Wareneinsatz (Materialaufwand). Vorsteuerergebnis (net profit): Ergebnis nach Abzug von Zinsaufwand und vor Ertragsbesteuerung. Das Vorsteuerergebnis wird mit EBT (earnings before taxation) bezeichnet. Periodisches Lagerhaltungssystem (periodic inventory system): Lagerhaltungssystem bei dem eine Inventur (stock taking) einmal pro Periode erforderlich ist, um den Material- oder Wareneinsatz zu bestimmen. Warenerfolgskonto (trading account): Teil der Erfolgsbestimmung, der sich nur auf den Umsatzerlös und den Material- oder Wareneinsatz bezieht. Der Saldo des Warenerfolgskontos ist der Rohertrag. Summen- und Saldenliste (trial balance): Die Trial Balance ist eine Liste aller Konten und zeigt deren Saldovorträge in Spalten. Die Summe der Saldovorträge auf der Sollseite muss bei Konsistenz mit der Doppik mit denjenigen auf der Habenseite übereinstimmen. 4.12 Kontrollfragen (1) Eine Kapitalgesellschaft weist einen Vorratsanfangsbestand i.H.v. 56.000 EUR aus. Während der Abrechnungsperiode beschafft sie Waren im Wert (cost of purchase) von 300.000 EUR und später von 350.000 EUR. Zum Ende der Abrechnungsperiode ergibt eine Inventur einen Warenschlussbestand i.H.v. 100.000 EUR. Der Verkaufsumsatz beträgt 850.000 EUR. Die Abschreibungen auf die Geschäftsausstattung sind 40.000 EUR. Wie hoch ist der Rohertrag (gross profit)? 1. 244.000 EUR . 2. 204.000 EUR . 3. 144.000 EUR . 4. 104.000 EUR . (2) Ein Unternehmen erfasst einen Anfangsbestand an Vorratsvermögen i.H.v. 300 EUR. Der Schlussbestand beträgt 100 EUR. Während der Abrechnungsperiode haben zwei Warenbeschaffungen von 1.000 EUR und 2.000 EUR (netto) stattgefunden. Der Umsatzerlös beträgt 5.000 EUR. Wie hoch ist der Rohertrag (gross profit)? 1. 1.200 EUR . 2. 1.800 EUR . 3. 2.200 EUR . 4. 1.600 EUR . (3) Ein Handelsunternehmen für Baseball-Caps bucht einen Anfangsbestand an Baseball-Caps in Höhe von: 90 × 34 EUR/ Stk. = 3.060 EUR. Während der Abrechnungsperiode kauft das Handelsunternehmen 500 Baseball-Caps für 35 EUR/ Stk., von denen es 50 <?page no="105"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 4-105 an den Lieferanten wegen Qualitätsmängeln zurückschickt. 344 Baseball-Caps werden zu jeweils 70 EUR/ Stk. verkauft. 80 Kunden erhalten einen Preisnachlass von 10%. Das Handelsunternehmen bucht Lagerbestandsbewegungen (inventory movement) gemäß des Verbrauchsfolgefiktionsverfahrens first-in-first-out. Wie hoch ist der Rohertrag (gross profit)? 1. 9.820 EUR . 2. 11.570 EUR . 3. 12.130 EUR . 4. 27.320 EUR . (4) Am 2.04.20X4 erwirbt ein Unternehmen eine Maschine zu einem Bruttopreis von 24.000 EUR. Der Verkäufer bietet einen Preisnachlass von 10% auf die Maschine am 1.07.20X4 an. Die Abschreibungen beginnen im April und folgen der linearen Abschreibungsmethode (straight-line method) über fünf Jahre. Wie hoch ist der Abschreibungsaufwand (depreciation) in 20X4? 1. 1.800 EUR . 2. 3.600 EUR . 3. 2.700 EUR . 4. 2.000 EUR . (5) Ein Unternehmen beschafft Handelswaren zu Anschaffungskosten (cost of purchase) von 100.000 EUR. Der Anfangsbestand für das Vorratsvermögen am Jahresbeginn beträgt 20.000 EUR. Während der Abrechnungsperiode verkauft das Unternehmen Waren mit einem Wert von 58.000 EUR und schickt Waren im Wert von 18.000 EUR an den Lieferanten zurück. Die Verkaufserlöse betragen 150.000 EUR. Wie hoch ist der Rohertrag? 1. 92.000 EUR . 2. 106.000 EUR . 3. 86.000 EUR . 4. 136.000 EUR . 4.13 Lösungen 1-1; 2-2; 3-2; 4-3; 5-1. <?page no="106"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-106 5 Grundlagen der Bilanzanalyse 5.1 Inhalt dieses Kapitels In diesem Kapitel werden die Grundlagen der Bilanzanalyse besprochen. Für eine Bilanzanalyse braucht man Hintergrundwissen über die Branche, in der das Unternehmen tätig ist. Deshalb werden hier nur die wichtigsten Kennzahlen für die Leistungsmessung (performance), die Zahlungsfähigkeit (liquidity), die Kapitalstruktur (capital structure) und den Marktwert eines Unternehmens (market valuation) vorgestellt und ihre Bedeutung erläutert. Die Kennzahlen werden auf die Fallstudie CAPELIFT Ltd. angewendet, die ein Dienstleistungsanbieter im Bereich der Luftfahrtindustrie (aviation) ist. 5.2 Lernziele Nachdem Sie dieses Kapitel durchgearbeitet haben, kennen Sie wichtigsten Grundlagen der Bilanzanalyse und verstehen die Bedeutung der verwendeten Kennzahlen (metrics). Dies wird Ihnen einen fliegenden Start für die Vorbereitung Ihrer ersten realen Bilanzanalyse geben. 5.3 Unternehmensbewertung Dieses Kapitel ist aus der Sicht einer Unternehmensbewerterin oder eines Unternehmensbewerters (company appraiser) geschrieben. Es wird sich in diesem Kapitel auf das Lesen von Jahresabschlüssen konzentriert, nicht auf deren Erstellung. Somit wird die Bilanzierung aus der Sicht der Bilanzadressatinnen oder Bilanzadressaten behandelt. Hinweis: Die Bilanzanalyse wird am Anfang des Lehrbuchs platziert, um ein Bewusstsein dafür zu erzeugen, wie Jahresabschlüsse von Anderen gelesen werden. Eine Bilanzanalyse, für die allein Standard-Kennzahlen ausgewertet werden, reicht für die Unternehmensbeurteilung und -bewertung nicht aus. So etwas kann eine KI-gestützte Software leisten. Es wäre dasselbe, als würde eine Medizinerin oder ein Mediziner jede Untersuchung mit einem großen Blutbild beginnen, welches bedeuten würde, dass das Labor die Probe gegen alle Krankheiten untersuchen würde. In der Medizin ist das Vorgehen anders: eine Blutprobe wird immer nur auf diejenigen Krankheiten getestet, die die Ärztin oder der Arzt vermutet; diese werden anhand der zuvor diagnostizierten Symptome bestimmt. Die Bilanzanalyse folgt einem ähnlichen Ansatz. Es findet eine Voruntersuchung statt, die auf eine Situationsbeschreibung des Unternehmens führt. Anschließend werden Kennzahlen gebildet, um eine anfängliche Unternehmensbeurteilung zu bestätigen. Dabei wird die Diagnose entweder bestätigt oder muss verworfen werden; im letzten Fall muss die Analyse wiederholt werden. Weil hier eine Bilanz eines Luftfahrtunternehmen analysiert wird, muss der Jahresabschluss mit Kennzahlen, die für die Branche üblich sind, beurteilt werden. Es wird in diesem Kapitel die fiktive Luftfahrtgesellschaft CAPELIFT Ltd. behandelt. <?page no="107"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-107 Es werden hier nur Bilanzen von Unternehmen behandelt, die die internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRSs anwenden. Ebenfalls wird vorausgesetzt, dass der Jahresabschluss prüfungspflichtig ist und die Abschlussprüfung bereits erfolgt ist. Wirtschaftsprüferinnen oder Wirtschaftsprüfer untersuchen Jahresabschlüsse auf Richtigkeit. In vielen Ländern wird die Prüfung von Jahresabschlüssen durch das Gesellschaftsrecht, z.B. Aktiengesetz (national Company’s Act) - in Deutschland aber durch das Handelsgesetzbuch vorgeschrieben und bildet die Voraussetzung zur Feststellung des Jahresabschlusses (approval of financial statements). Die Abschlussprüfung wird nicht über die IFRSs reglementiert. 5.4 Unternehmenssituation Eine Bilanzanalyse beginnt mit Basis- Kennzahlen, um einen Überblick über die Situation des Unternehmens zu gewinnen - dies wurde oben mit einer ärztlichen Diagnose verglichen. Anschließend werden Annahmen (hypothesis) über die Lage des Unternehmens getroffen und versucht, sie über die Kennzahlbildung und -auswertung zu verifizieren. Zu Beginn werden in der Regel standardisierte Leistungskennzahlen gebildet, die z.B. die Umsatzrendite (return as percentage of sales) bestimmen. Will man z.B. eine geringe Leistungsfähigkeit (performance) eines Unternehmens genauer verstehen, werden branchenspezifische Kennzahlen in die Untersuchung einbezogen. Z.B. 31 Siehe das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (17). wird in der Luftfahrtindustrie bei Linienflügen (line aviation) die zeitgerechte Leistungserstellung bewertet (on-time-performance rate), indem die die Anzahl der pünktlichen Abflüge auf die Anzahl aller Abflüge bezogen wird. Die Kennzahl berücksichtigt, wie oft ein Abflug - gemessen an der Push-back-Time innerhalb eines 15minütigen Toleranzintervalls im Vergleich zum Plan pünktlich erfolgt ist. Linienfluggesellschaften überwachen die On-Time-Performance, weil die Passagierzufriedenheit von der Pünktlichkeit abhängt. Die Abflugpünktlichkeit sinkt z.B., wenn die Arbeiten am Gate (ramp work) nicht vor Abflug abgeschlossen werden können, wenn Fluggerät zu spät von einem vorherigen Flug zurückkommt, wenn die Crew nicht bereit ist, wenn die Flugzeugprüfung (pre-flight check) nicht abgeschlossen ist, Mängel aus vorherigen Flügen am Flugzeug festgestellt wurden (write-ups), der Boardingprozess sich verspätet oder die Push- Back- oder Taxi-Freigabe nicht rechtzeitig erteilt werden. Für die Bilanzanalyse werden branchenspezifische Kennzahlen mit nachgeordneten Kennzahlen vertieft. Das Untersuchen von untergeordneten Kennzahlen heißt in der Fachsprache Drill-down-Analyse 31 . Um Kennzahlen zu entwickeln, müssen die Branche, das Geschäftsmodell und ihre Prozesse berücksichtigt werden. Somit ist der Einzelwert einer Kennzahl weniger wichtig, man muss vielmehr spezifische Kennzahlen zwi- <?page no="108"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-108 schen Unternehmen, die in der gleichen Branche angehören, miteinander vergleichen. Hinweis: In einem Lehrbuch zum Rechnungswesen können nicht spezifische Kennzahlen für eine Vielzahl von Branchen vorgestellt werden. Es wird sich deshalb auf die Grundlagen bezogen und nur eine Fallstudie behandelt. Es soll gezeigt werden, wie Beziehungen zwischen Kennzahlen aufgebaut werden und wie sich eine anfängliche Beurteilung über eine Bilanzanalyse bestätigen lässt. Es wird unten das Vorgehen einer hypothesengestützten Bilanzanalyse für das fiktive Produktionsunternehmen ROSENDAHL Ltd. demonstriert. 5.5 F/ S ROSENDAHL Ltd. Die ROSENDAHL Ltd. ist ein Hersteller für Turnschuhe. Es ist bereits bekannt, dass die Leistung des Unternehmens zu niedrig ist. Die Investorinnen oder Investoren sind mit den Ergebnissen unzufrieden und haben bessere Anlagealternativen am Kapitalmarkt. Die Beschreibung der Bilanzanalyse für das Unternehmen ROSENDAHL Ltd. ist aus dem Lehrbuch ausgelagert und kann über den Link 5.A aufgerufen werden. Link 5.A: ROSENDAHL Ltd. Der Fall ROSENDAHL Ltd. macht deutlich, dass für eine Bilanzanalyse das Gesamtbild (big picture) betrachten werden muss und man sich nicht für das Beurteilen von Unternehmen auf einzelne Kennzahlen verlassen darf. Bei einer Bilanzanalyse müssen alle untersuchten Kennzahlen in dieselbe Richtung deuten. Widersprüche und Unstimmigkeiten bei einer Bilanzanalyse zeigen, dass die getroffenen Annahmen falsch sind. Es muss dann die Ursprungsannahme zur Unternehmenssituation verworfen werden und eine neue Diagnose erstellt werden. 5.6 Schritte einer Bilanzanalyse Der Prozess einer strukturierten Bilanzanalyse umfasst die folgenden Schritte: (1) Bestimmen des Informationsbedarfs (defining information requirements). (2) Formalprüfung (formal checks). (3) Horizontalanalyse (horizontal analysis). (4) Vertikalanalyse (vertical analysis). (5) Kennzahlenanalyse (ratio analysis). 5.7 Informationsbedarfsanalyse Der Informationsbedarf bestimmt den Analyseweg. Es können unterschiedliche Gründe für eine Bilanzanalyse vorliegen, z.B. das Eingehen einer Wirtschaftsbeziehung mit dem zu analysierenden Unternehmen als Lieferant oder Abnehmer, oder man ist potenzielle Anlegerin oder Anleger oder bewirbt sich auf eine Stelle in dem Unternehmen. <?page no="109"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-109 5.8 Formalprüfung Zu Beginn einer Bilanzanalyse erfolgt die Formalprüfung, z.B. ist festzustellen, ob der richtige Jahresabschluss aus verlässlicher Quelle vorliegt. Als Analystin oder Analyst ist man typischerweise nicht im Rechnungswesen des zu bilanzierenden Unternehmens beschäftigt und hat keinen Zugang zu den Buchhaltungsunterlagen. Entsprechend ist die Bilanzanalyse auf die veröffentlichten Unterlagen (Jahresabschluss und Geschäftsbericht) beschränkt. Eine Drill-down Analyse bis auf die Urbelegebene ist nicht möglich. Häufig lässt sich auf Bilanzanalyseergebnisse von anderen Fachkundigen zugreifen, die ihre Ergebnisse teilen, oder KI-gestützte Auswertungen vornehmen. Die Informationen können hilfreich sein, die Lage des Unternehmens grob einzuschätzen. Bei der Übernahme von Einschätzungen ist Vorsicht geboten. Eine Bilanzanalyse stellt eine Interpretation von Daten dar, sie ist keine Prüfung. Daher sind Bilanzanalysen von Anderen insbesondere dann nicht vertrauenswürdig, wenn die Hintergründe der Unternehmensbeurteilung, z.B. der Informationsbedarf für die Analyse, nicht bekannt sind. Für die Richtigkeit von Jahresabschlüssen ist der Beurteilung der Abschlussprüferin oder des Abschlussprüfers zu folgen. Eine Bilanzanalyse erfordert, dass die Abschlussprüferin oder der Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage darstellt. Im Unterschied zu Bilanzanalyse ist die Jahresabschlussprüfung eine Prüfung auf Richtigkeit. Die Abschlussprüferinnen oder Abschlussprüfer teilen nicht ihre Auffassung über die Situation oder Zukunft eines Unternehmens, sondern konzentrieren sich auf die Richtigkeit und Gesetzes-/ Standardkonformität. Jeder Jahresabschluss enthält einen Vermerk über angewendete Rechnungslegungsstandards. Für Jahresabschlüsse, die nach IFRSs aufgestellt werden, bestimmt IAS 1.16, dass das bilanzierende Unternehmen eine uneingeschränkte Aussage in ihren Erläuterungen treffen muss, dass der vorliegende Jahresabschluss nach IFRSs aufgestellt wurde. (“An entity whose financial statements comply with IFRSs shall make an explicit and unreserved statement of such compliance in the notes […]”). Jahresabschlüsse, die nach anderen Rechnungslegungsstandards (GAAPs = generally accepted Accounting principals) aufgestellt wurden, erfordern Kennzahlenanpassungen im Vergleich zu solchen, die hier vorgestellt werden. Z.B. erfordern Jahresabschlüsse, die nach deutschem HGB aufgestellt wurden, eine Anpassung von Kennzahlen aufgrund des Behandelns von Rechnungsabgrenzungsposten (accruals) oder bei der Bewertung von Sachanlagevermögen (asset valuation). 5.9 Horizontalanalyse Eine Horizontalanalyse liefert Informationen über die zeitliche Entwicklung von Kennzahlen für ein Unternehmen, z.B. die Umsatzentwicklung. Die Entwicklung eines Unternehmens <?page no="110"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-110 muss in einen Zusammenhang mit der allgemeinen Branchenentwicklung gestellt werden. Es kann eine allgemeine Entwicklung vorliegen, z.B. eine Finanzkrise oder eine Marktentwicklung in die Richtung Elektromobilität, welche den Kontext eines Unternehmens bildet. So muss z.B. bei der Beurteilung einer Umsatzentwicklung unterschieden werden, ob die gesamte Branche betroffen war oder ob eine einzelne Mitbewerberin oder ein einzelner Mitbewerber ihre oder seine Marktposition in einem Verdrängungswettbewerb ausbaut. 5.10 Vertikalanalyse Eine Vertikalanalyse zeigt die Anteile von Jahresabschlusspositionen an anderen oder an Summen. Sie zeigt z.B., welchen Anteil die Vorräte eines Produzenten im Verhältnis seines Gesamtvermögens ausmachen. Für die Auswertung einer Vertikalanalyse sind normative Information erforderlich. Diese beschreiben, wie ein gutes Unternehmen sich verhalten würde (best practice). Es sollte nicht auf allgemeine Regeln zurückgegriffen werden, z.B. die goldene Bilanzregel zur die Kapitalstruktur. Vielmehr ist ein umfangreiches und tiefgreifendes Verständnis über das Geschäftsmodells anzustreben, über das sich eine Beurteilung von Kennzahlausprägungen ableiten lässt. Um eine Vertikalanalyse zu visualisieren, werden typischerweise Tortendiagramme (pie diagram) verwendet. Diese zeigen z.B. wie hoch der Lohnkostenanteil an den Gesamtkosten ist, welches eine entscheidungsunterstützende Information ist, wenn das Unternehmen eine Verlagerung von Produktionsstätten in das Ausland erwägt (decision about relocating production facilities), wo andere Lohnkostenniveaus vorherrschen. 5.11 Grundlagen der Kennzahlenanalyse Grundsätzlich liefern die Werte von Jahresabschlusspositionen bereits eine gute Ausgangslage zur Unternehmensbeurteilung. Der Zweck von Jahresabschlüssen nach IAS 1.9 besteht darin, Informationen über die Finanzlage, die Leistung und über Zahlungsmittelströme eines bilanzierenden Unternehmens zu vermitteln, die für viele Bilanzadressatinnen oder Bilanzadressaten nützlich sind, um wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Die Bilanz zeigt die finanzielle Lage eines Unternehmens. Die Gewinn- und Verlustrechnung unter Berücksichtigen von sonstigen Erträgen gibt Informationen über die Ertragskraft (financial performance) und welcher Anteil davon repetitiv ist und welcher auf einem Einmaligkeitseffekt beruht. Die Kapitalflussrechnung beschreibt den gesamten Zahlungsmittelstrom unterteilt in Teile davon, die auf betriebsgewöhnliche Tätigkeiten (cash flow from operations), auf Investitionstätigkeiten (cash flow from investing activities) oder auf Finanztransaktionen zurückzuführen sind (cash flow from financing activities). Ein Großteil des Informationsbedarfs von Analystinnen oder Analysten wird bereits über den Jahresabschluss erfüllt, ohne dass Kennzahlen berechnet werden müssen. Dennoch erfordern spezielle Informationszwecke (special information needs) das <?page no="111"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-111 Verknüpfen von Daten aus dem Jahresabschluss zu Kennzahlen, z.B. die Kombination von Bilanzwerten mit Daten aus der Gewinn- und Verlustrechnung, um daraus Verhältniskennzahlen, z.B. Rentabilitätskennzahlen (return ratio), zu bilden. Eine Kennzahlenanalyse stellt auf Vergleichen ab. Unternehmen werden z.B. für das Bilden von Reihenfolgen (ranking), oder für Unternehmensvergleiche, z.B. um ein geeignetes Unternehmen mit bestimmten Kennzahlausprägungen oder nach Selektionskriterien zu identifizieren. Kennzahlen messen die Leistung (performance), die Zahlungsfähigkeit (liquidity), die Kapitalstruktur (capital structure) oder den Marktwert (market value). Nachfolgend wird die Kennzahlenanalyse gegliedert nach den o.g. vier Kennzahlentypen behandelt. Unternehmensvergleiche werden erschwert, wenn Unternehmen unterschiedlich groß sind. Obwohl mit der Gewinn- und Verlustrechnung die Ertragskraft bestimmt wird, lassen sich nicht die Periodengewinne einer 3.000-Mitarbeiter großen Unternehmensberatungsgesellschaft mit einem Start-up Unternehmen vergleichen, dessen Gründer von zu Hause und allein agiert. Um Unternehmen unterschiedlicher Größe vergleichen zu können, werden für die Bilanzanalyse Verhältniskennzahlen aufgestellt, die die Unternehmensgröße relativieren. Z.B. wird das Vorsteuerergebnis auf den Umsatz bezogen. So kann bei Unternehmen unterschiedlicher Größe verglichen werden, wie hoch ihr Gewinn je eingenommenem Euro ist. Der Umsatz repräsentiert dafür die Unternehmensgröße und berücksichtigt sie bei der Kennzahlberechnung. Es sollen nachfolgend die Handelsunternehmen A, B, C und D miteinander verglichen werden, von denen die in Abbildung 5.1 dargestellten Informationen bekannt sind. Company Gross profit Sales GP/ Sales A 200.000 848.000 23,58% B 300.000 1.252.000 23,96% C* 500.000 1.927.500 25,94% D 350.000 1.468.400 23,84% Abb. 5.1: Unternehmensdaten Die Informationen über den Rohertrag (gross profit) und die Verkaufserlöse (sales revenue) stammen aus den Gewinn- und Verlustrechnungen der vier Handelsunternehmen (retailer). Der Rohertrag zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug des Wareneinsatzes (cost of sales) bzw. des Materialaufwands (materials) verbleibt und für die Geschäftsprozesse und den Gewinn verbleibt. Der Umsatzerlös stellt das Produkt aus Warenpreis × Menge dar und spiegelt das als <?page no="112"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-112 Größe zu interpretierende Vermögen eines Unternehmens wider, Waren zu produzieren und Dienstleistungen zu erbringen und zu vermarkten. Welches der vier Handelsunternehmen erbringt die höchste Leistung? Dies lässt sich beurteilen, wenn der Rohertrag auf den Verkaufsumsatz bezogen wird. Die Umsatzrentabilität kann das leistungsstärkste Handelsunternehmen identifizieren. Deshalb werden die Roherträge der Unternehmen auf den Umsatz bezogen. Pro 100 EUR Umsatz erwirtschaftet das Handelsunternehmen A einen Rohertrag von 23,58 EUR, B: 23,96 EUR, C: 25,94 EUR und D: 23,84 EUR. Somit ist C das leistungsstärkste Unternehmen. Die Kennzahl Umsatzrentabilität (profit as percentage of sales) misst eine Ergiebigkeit - dies ist eine Kennzahl, die den Output mit dem Input vergleicht. Sie beschreibt die Effizienz der eingesetzten Ressourcen und Prozesse. Kennzahlen werden aus den Daten des Jahresabschlusses abgeleitet. Einige Daten sind periodenbezogen, andere werden aus der Bilanz zu einem bestimmten Zeitpunkt - dem Bilanzstichtag - entnommen. Ein Wert aus der Gewinn- und Verlustrechnung, z.B. der Umsatz, ist immer auf einen Zeitraum bezogen. Ein Wert aus einer Bilanzposition wird aus dem Saldo eines Bestandskontos abgeleitet und ist auf den Bilanzstichtag bezogen. Bei dem Bilden von Verhältniszahlen als Quotient mit einem Zähler und einem Nenner, die jeweils aus der Bilanz bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung stammen, muss festgelegt werden, welche Bilanzzahlen mit welchem Zeitbezug relevant sind. Dies kommt z.B. bei der Gesamtkapitalrentabilität vor, weil der Kapitalgewinn (earnings before interest and tax) sich auf die Bilanzsumme bezieht. Bilanzzahlen - hier die Bilanzsumme - ist entweder der (a) Anfangswert, (b) Schlussbestandswert oder (c) Durchschnittswert aus Anfangs- und Endwert. In diesem Lehrbuch wird die Variante (b) zur Kennzahlenbildung verwendet. Es gibt gute Gründe für das Verfolgen von (a) und (c), dennoch wird sich hier grundsätzlich auf (b) bezogen, weil sich dann Kennzahlen aus einem einzigen, vorliegenden Jahresabschluss ableiten lassen. In anderen Zusammenhängen als der Lehre wäre die Berechnung des Durchschnittswertes aus Anfangs- und Endwert sinnvoller, dies entspricht der Alternative (c). Dann würde die Gesamtkapitalrentabilität auf den Durchschnittswert der Bilanzsummen zum Periodenbeginn und ende bezogen. Interpretiert man den Anfangswert als ein Potential, das zur Verfügung gestellt wird, um den Kapitalgewinn zu erwirtschaften, wäre Variante (a) zielführender. Die Kennzahlen werden nach ihren Inhalten klassifiziert in: - Leistungskennzahlen (performance ratio). - Liquiditätskennzahlen (liquidity ratio). - Kapitalstrukturkennzahlen (capital structure ratio). - Marktwerte (market value ratio). 5.12 F/ S CAPELIFT (Pty) Ltd. Um die meistgebräuchlichen Kennzahlen zu erläutern, werden sie nachfolgend für das Dienstleistungsunter- <?page no="113"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-113 nehmen CAPELIFT (Pty) Ltd. angewendet. Das Unternehmen wird kurz beschrieben. Datenblatt für CAPELIFT (Pty) Ltd. Standort: South Africa (Cape Town). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Luftfahrt. Gezeichnetes Kapital: 7.500.000 ZAR. Abrechnungsperiode: 20X8. Flotte: ein Jet, ein Propellerflugzeug. Finanzierung: Kreditfinanzierung; Zinssatz: 5,9 %/ Jahr. Piloten: Freiberufler. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. ist eine kleine Fluggesellschaft, die Charterflüge anbietet. Das Unternehmen besitzt zwei Flugzeuge, einen Jet und ein einmotoriges Propellerflugzeug. Das Unternehmen ist am internationalen Flughafen in Kapstadt angesiedelt. Beide Flugzeuge sind kreditfinanziert zu einem Zinssatz von 5,9 %/ Jahr. In der Bilanz weist die Gesellschaft ein gezeichnetes Kapital von: 1.000.000 × 7,50 = 7 7.500.000 ZAR aus, welches den Nennwert der Stammaktien (ordinary shares) repräsentiert. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. ist Eigentümerin der Flugzeuge und weist sie als Sachanlagevermögen (assets) aus. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. hat Zugang zu einem Pool aus Pilotinnen oder Piloten mit kommerziellen Fluglizenzen (commercial pilot), die eine Stand-by Crew darstellen und freiberuflich tätig sind. Sie stellen ihren Flugdienst der CAPELIFT (Pty) Ltd. gemäß den geleisteten Flugstunden in Rechnung und werden für Reisekosten und Übernachtungen entschädigt. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. reicht die Rechnungen ihrer Crew ohne Aufschlag an ihre Kundinnen oder Kunden weiter. Die Kundinnen oder Kunden der CAPELIFT (Pty) Ltd.’s sind Geschäftsleute, die die Flugzeuge für Flüge zu kleineren und regionalen Flughäfen in Südafrika chartern. Siehe unten die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung der CAPELIFT (Pty) Ltd. für 20X8. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 60.000.000 Share capital 7.500.000 Intangibles Reserves 6.000.000 Financial assets Retained earnings 7.000.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 50.000.000 Acc. receivables A/ R 10.000.000 Short-term liab. A/ P 16.500.000 Prepaid expenses 2.000.000 Provisions Cash/ Bank 18.000.000 Income tax liab. 3.000.000 Total assets 90.000.000 Total equity and liab. 90.000.000 CapeLift (Pty) Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X8 Abb. 5.2: Bilanz der CAPELIFT (Pty) Ltd. (20X8) <?page no="114"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-114 [ZAR] Revenue 50.000.000 Other income 0 50.000.000 Materials 0 Labour (14.000.000) Depreciation (2.500.000) Other expenses (20.550.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 12.950.000 Interest (2.950.000) Earnings before taxes (EBT) 10.000.000 Income tax expenses (3.000.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 7.000.000 CapeLift (Pty) Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X8 Abb. 5.3: Gewinn- und Verlustrechnung der CAPELIFT (Pty) Ltd. (20X8) 5.13 Leistungskennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. Die wirtschaftliche Leistung (financial performance) misst, ob ein Unternehmen mit seinen Geschäftsprozessen erfolgreich ist. Im Unterschied zur Produktivität werden für die wirtschaftliche Leistung der Output und der Input in Währungseinheiten gemessen. Umsatz entsteht aus dem Verkauf von Waren oder dem Erbringen von Dienstleistungen. Dieser wird zur Leistungserbringung in Bezug gesetzt. Somit messen Leistungskennzahlen die Effizienz. Die wirtschaftliche Leistung ist ein Vergleich, der entweder als Differenz oder als Verhältnis ausgedrückt wird. Die Grundlage für die Berechnung der wirtschaftlichen Leistung (financial performance) stellt die Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income) dar. Diese vergleicht den Umsatzerlös mit dem Aufwand für das Herstellen von Erzeugnissen oder dem Erbringen von Dienstleistungen und deren Vermarktung. Die Differenz ist der Periodengewinn. Der Gewinn misst die wirtschaftliche Leistung. In Ergänzung zur reinen Gewinnermittlung vergleichen die Kennzahlen zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit den Gewinn mit dem geleisteten Input, z.B. mit dem Kapitaleinsatz (capital input), dem Verkaufsumsatz (sales) oder Investitionsvolumen (investment). Störende Einflüsse werden von der Leistungsmessung ferngehalten, z.B. der Einfluss der nationalen Besteuerung, Zinsen oder der Einfluss von Dividenden. Um Leistungsfähigkeiten zwischen unterschiedlichen Branchen vergleichen <?page no="115"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-115 zu können, werden wesentliche Branchenunterschiede, auf denen das Geschäftsmodell eines Unternehmens beruht, berücksichtigt. So ist z.B. der Kapitaleinsatz bei einer Unternehmensberatungsgesellschaft weniger wichtig als ihr Human Capital. Daher weisen Produktionsunternehmen oder Unternehmen, die kapitalintensiven Branchen zugehören, signifikant niedrigere Kapitalrentabilitäten auf als Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Einsatz von Humankapital beruht, z.B. Anwaltsfirmen oder Arztpraxen. Nachfolgend werden die wichtigsten allgemeinen Kennzahlen für die Leistungsmessung vorgestellt und am Beispiel der CAPELIFT (Pty) Ltd. vorgerechnet: - Anlagenumschlag (fixed asset turnover). - Lagerumschlag (inventory turnover). - Kapitalrentabilität (return on capital employed). - Gesamtkapitalrentabilität (return on assets). - Eigenkapitalrentabilität (return on shareholders’ funds). - Umsatzrentabilität (return as percentage of sales). - Ergebnis pro Aktie (earnings per share). - Economic Value Added. Hinweis: Kennzahlen werden in diesem Lehrbuch durch Großschreibung hervorgehoben. Anlagenumschlag: Der Anlagenumschlag (fixed asset turnover) bezieht den erzielten Umsatz auf den Wert des Anlagevermögens. Der Umsatz wird berechnet, indem man von den Proceeds alle Rabatte und Preisnachlässe, Umsatzsteuern und zusätzliche Vertriebskosten, z.B. für Transport, abzieht. Das Dividieren des Umsatzes durch die Summe des Anlagevermögens bewertet Investitionsentscheidungen nachträglich. Ein Anlagenumschlag ist schwer zu interpretieren, wenn das Unternehmen verschiedene Leistungen bei Einsatz derselben Maschinen erbringt. Es sollten dann besser Umsätze von Erzeugnissen auf einzelne Anlagen allokiert werden, um einen investitionsbezogenen Anlagenumschlag zu bestimmen. Der Anlagenumschlag wird über die Anlagenbuchwerte berechnet. Somit führt eine Leistung, die mit weitestgehend abgeschriebenen Anlagen erbracht wird und den gleichen Umsatz erzielt wie eine mit neuem Anlagevermögen erbrachte Leistung, zu einem höheren Anlagenumschlag. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. könnte einen höheren Anlagenumschlag durch Einsatz von älterem Fluggerät erzielen, solange ihre Kundinnen oder Kunden dies tolerierten und die Flugaufsicht die Flugerlaubnis für die Flugzeuge nicht entzöge. Würden jedoch die Kundinnen oder Kunden nicht bereit sein, mit alten Flugzeugen zu reisen, würde der Umsatz und der Gewinn sinken und damit auch der Anlagenumschlag. Der Anlagenumschlag in der Luftfahrtindustrie hängt mit der Einsatzdichte (deployment rate) und der Flugzeugauslastung (load factor) unmittelbar zusammen. Die Flugzeugauslastung ist die Sitzbelegung, bezogen auf die Sitzplatzkapazität. Flugzeuge erwirtschaften Ertrag nur, wenn sie in der Luft sind. Viele Fluggesellschaften beziehen deshalb für die Einsatzdichte <?page no="116"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-116 die Flugzeit auf das ganze Jahr. Die Luftfahrtaufsicht schreibt genau vor, wie Flugzeiten gemessen werden, z.B. muss das Flugzeug sich während der Flugzeit aus eigener Kraft bewegen und darf z.B. nicht geschoben werden, d.h. die Zeit für den Push-back zählt nicht zur Flugzeit. Es wird von den Fluggesellschaften angestrebt, so wenig Zeit am Boden wie möglich zu verbringen. Deshalb führen z.B. Langstreckenflüge (long haul flights) zu einem höheren Anlagenumschlag als regionale Flüge (domestic flights), wenn das gleiche Fluggerät eingesetzt würde. Da für Langstreckenflüge jedoch in der Regel teurere Wide-Body-Jets eingesetzt werden, die hohe Anschaffungskosten (cost of acquisition) haben, relativiert sich der Unterschied. Es ist in diese Berechnung ebenso die Sitzkapazität einzubeziehen. Weil Passagiere eine Intoleranz gegenüber Verspätungen und Annullierungen zeigen, halten Fluggesellschaften Extrakapazitäten (stand-by equipment) vor. Somit vermindert sich die unternehmensweite Einsatzdichte und der Anlagenumsatz sinkt. Es besteht ein Kompromiss (trade-off) aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Verlässlichkeit bei der Leistungserbringung. Das Bereitstellen von Ersatzmaschinen reduziert den Anlagenumschlag, weil Leerzeiten entstehen. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. bestimmt ihren Anlagenumschlag (fixed asset turnover) zu: 50.000.000 / 60.000.000 = 8 83,33%. Die Kennzahl steht für eine geringe Leistung, weil die CAPELIFT (Pty) Ltd. nur eine geringe Auslastungsquote (deployment rate) aufweist. Da sie keine Linienflüge anbietet, muss sie hohe Preise für Individualflugverkehr verlangen. Ihre Kundinnen oder Kunden erwarten eine Fluggerätverfügbarkeit, die ihren Reiseplanungen entspricht. Um ihren Anlagenumschlag zu erhöhen, könnte die CAPELIFT (Pty) Ltd. erwägen, den schnellen, aber teuren Jet zu ersetzen. Ihre Marktforschungsabteilung muss dafür bestimmen, ob die Kundinnen oder Kunden längere und weniger komfortable Flüge zu günstigeren Preisen buchen würden. Weiter unten werden Pläne kalkuliert, ein weiteres Propellerflugzeug anzuschaffen. Lagerumschlag: Der Lagerumschlag (inventory turnover) stellt eine Leistungskennzahl vorwiegend für Produktions- und Handelsunternehmen dar. Er misst, wie häufig der Lagerbestand (stock) pro Jahr im Durchschnitt neu aufgefüllt werden muss. Die Kennzahl wird in der Logistik auf einzelne Lagerbestandsarten bezogen, um Schnelldreher (fast-moving goods) und Ladenhüter (slow-moving goods) zu identifizieren. Im Rechnungswesen wird der Lagerumschlag als wirtschaftliche Leistungsfähigkeit interpretiert, die angibt, wie schnell sich Waren verkaufen lassen. Ein hoher Lagerumschlag bedeutet Flexibilität, weil sich der Lagerbestand schnell abbauen lässt. Dieses stellt eine wichtige Information für solche Unternehmen dar, die Erzeugnisse produzieren, die Trends unterliegen, z.B. in der Bekleidungsindustrie (fashion industry), oder bei der Produktion von verderblichen Waren (perishable goods industry). <?page no="117"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-117 Der Lagerumschlag ist hoch, wenn Unternehmen mit Waren für den täglichen Lebensbedarf handeln, z.B. Discounter mit Lebensmitteln. Er ist gering in Spezialgeschäften, die eine hohe Auswahl an Produkten anbieten, z.B. das KaDeWe in Berlin, das viele Sorten von hochpreisigen Schokoladen im Sortiment führt. Ein Unternehmen mit einem hohen Lagerumschlag hat relativ zur Absatzmenge geringen Lagerhaltungsaufwand und wenig Kapitalkosten. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. sind Lagerbestände von untergeordneter Bedeutung. Das Luftfahrtunternehmen hält kein Vorratsvermögen, z.B. kein Flugbenzin (aviation gas) oder Kerosin, noch Bestand an Flugzeugersatzteilen, weil das Fluggerät in einer Werkstatt auf dem Flughafengelände gewartet wird. Daher wird kein Lagerumschlag für die CAPELIFT (Pty) Ltd. bestimmt. Kapitalrentabilität: Die Kapitalrentabilität (return on capital employed) bezieht sich auf den Anteil des Eigenkapitals und der langfristigen Schulden, die im Unternehmen investiert wurden. Dagegen werden kurzfristige Schulden nicht als investiert betrachtet, wenn sie über Lieferantenkredite finanziert werden und daher keine Kapitalkosten verursachen. Somit wird nur das Kapital einbezogen, für das ein Unternehmen Kapitalkosten trägt, entweder über Dividendenzahlungen an die Eigentümerinnen oder Eigentümer oder als Zinsen bei einer Kredit- oder Anleihenfinanzierung. Zur Kapitaleinsatzberechnung werden das gesamte Eigenkapital und langfristige Schulden berücksichtigt. Der Zähler für den Return on Capital Employed ROCE ist das Vorsteuerergebnis, damit die Renditekennzahl von Einflüssen der Ertragsbesteuerung nicht beeinflusst wird und somit zwischen Unternehmen verglichen werden kann, die in unterschiedlichen Regionen tätig sind. Hinweis: Im Lehrbuch wird zwar ein einheitlicher Ertragsteuersatz von 30 % verwendet, jedoch ergeben sich in Deutschland bereits durch regional unterschiedlichen Gewerbesteuerhebesätze Besteuerungsunterschiede. Die auf das eingesetzte Kapital bezogene Kapitalrentabilität bei der CAPELIFT (Pty) Ltd.’s beträgt: 10.000.000 / (7.500.000 + 6.000.000 + 7.000.000 + 50.000.000) = 1 14,18 %. Um den Wert der Kapitalrentabilität einzuordnen, muss sie mit Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt - oder einfacher dem Zinssatz in Südafrika verglichen werden. Letzterer beträgt ca. 9 %/ Jahr. Somit ist das Geschäftsmodell im Vergleich zu am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen und unter Berücksichtigung der Inflationsrate erfolgreich. Gesamtkapitalrentabilität: Die Gesamtkapitalrentabilität (return on assets) misst den Kapitalgewinn (EBIT) anteilig zu der Summe des Vermögens. Bei einem Jahresabschluss nach IFRSs entspricht der Nenner der Bilanzsumme. Im Zähler werden Ertragsteuern und Zinsen nicht berücksichtigt, um die Gesamtleistung eines Unternehmens bezogen auf seine Produktion oder Dienstleistungserstellung zu messen. <?page no="118"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-118 Problematisch bei der Anwendung der Gesamtkapitalrentabilität ist, dass sie sich bei hohem Abschreibungsgrad erhöht, obwohl die Produktion/ Dienstleistungserbringung konstant bleibt. Z.B. wird ein UBER-Driver, der in jedem Jahr die gleiche Anzahl von Fahrten durchführt, seine Gesamtkapitalrentabilität dadurch erhöhen, dass der Wert seines Fahrzeugs aufgrund von Abschreibungsaufwand sinkt. Die Gesamtkapitalrentabilität wird in Unternehmen/ Konzernen verwendet, um z.B. die Leistung für ein Ranking von Werken oder Tochterunternehmen zu messen. Sie ist frei von Ertragsteuer- und Zinseinflüssen und lässt sich leicht berechnen, solange sie sich auf bilanzielle Einheiten bezieht, d.h. nicht auf Abteilungen, weil sonst Allokationen erforderlich sind, um den Erfolg und den Kapitaleinsatz aufzuteilen. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. ist die Gesamtkapitalrentabilität: 12.950.000 / 90.000.000 = 1 14,39%. Wenn man sie mit dem Kapitalmarktzinssatz vergleicht, könnte man eine Vorsteuerergebnismarge unter der Annahme berechnen, das Unternehmen wäre vollständig kreditfinanziert. Eigenkapitalrentabilität: Die Eigenkapitalrentabilität (return on shareholders’ funds ROSF) bezieht sich auf den Ertrag, der den Investorinnen oder Investoren zusteht. Das von den Eigentümerinnen oder Eigentümern investierte Kapital (shareholders’ funds) beinhaltet die Eigenkapitalpositionen: gezeichnetes Kapital (issued capital), Rücklagen (reserves) und den Bilanzgewinn (retained earnings). Im Gegensatz zur Eigenkapitalrentabilität (return on equity) wird der Nenner über die Buchwerte berechnet, indem die Summe der Vermögenswerte um die Schulden verringert wird. Hier führen beide Berechnungen auf den gleichen Nenner, weil nach IFRSs Vermögen gemäß beizulegenden Werten (fair market value) bilanziert wird. Bisher wurde die Leistung aus Unternehmenssicht oder aus der Sicht einer Werksleiterin oder eines Werksleiters (plant manager) beurteilt. Jetzt soll die Sichtweise von Investorinnen oder Investoren eingenommen werden. Die Eigenkapitalrentabilität ROSF entspricht dem Rückfluss an die Eigentümerinnen oder Eigentümer, z.B. als mögliche Dividenden. Um die Eigenkapitalrentabilität ROSF als aussagekräftige Leistungskennzahl nutzen zu können, muss der Einfluss der Gewinnverwendung eliminiert werden. Sie beeinflussen nicht die Leistungsfähigkeit. Die Eigenkapitalrentabilität ROSF wird berechnet, indem das Nachsteuerergebnis (net profit after tax NPAT) auf das gesamte Eigenkapital bezogen wird. Das Nachsteuerergebnis NPAT ist der Umsatz abzüglich aller Aufwände, Ertragsteuern und Zinsen. Es kann ebenso sonstiges Einkommen, z.B. Erträge aus Anleihenbesitz enthalten. Die Ertragsbesteuerung wird deshalb einbezogen, weil den Eigentümerinnen oder Eigentümern nur das Nachsteuerergebnis über Ausschüttungen zusteht. Das Eigenkapital im Nenner wird vor Gewinnverwendung berücksichtigt, um auf das Leistungspotential abzustellen. Dieses bedeutet, dass die Berechnung des Ei- <?page no="119"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-119 genkapitals erfolgt, bevor beschlossene Dividenden den Verbindlichkeiten zugerechnet werden. Die Eigenkapitalrentabilität könnte ebenfalls auf dem aktuellen Dividendenbeschluss aufbauen. Dies ist jedoch deshalb nicht sinnvoll, weil Dividendenbeschlüsse sich auch auf Gewinnvorträge beziehen können. Daher würde der aktuelle Dividendenbeschluss die Leistungen aus der Vergangenheit mitberücksichtigen. Bei CAPELIFT (Pty) Ltd. ist die Eigenkapitalrentabilität (return on shareholders’ funds): 7.000.000 / (7.500.000 + 6.000.000 + 7.000.000) = 3 34,15%. Der Wert ist hoch, weil das Unternehmen stark verschuldet ist und deshalb ein relativ geringes Eigenkapital ausweist und gleichzeitig eine hohe Leistung erbringt. Die Eigenkapitalrentabilität liegt deshalb deutlich über dem Kapitalmarktzinssatz. Umsatzrentabilität: Die Umsatzrentabilität (return as percentage of sales oder return on sales) wird bestimmt, indem der Jahresüberschuss auf den Umsatz bezogen wird. Die Kennzahl ermittelt, wie hoch das Ergebnis gemessen am Verkauf der Produkte/ Dienstleistungen ist. Z.B. wird bestimmt, wie hoch der Gewinn für eine Luftfahrtgesellschaft ist, wenn sie ein Ticket für 100 EUR verkauft (netto). Eine hohe Umsatzrentabilität zeigt, dass das Unternehmen innovative Produkte verkauft/ Dienstleistungen erbringt und dass effiziente Geschäftsprozesse für den Verkauf/ Dienstleistungserbringung/ Produktion bestehen. Sie deutet ebenso auf eine gute Marktposition hin. Entsprechend hat ein Dienstleistungsunternehmen mit Monopolstellung eine hohe Umsatzrentabilität. Dies trifft nicht in stark umkämpften Märkten zu, z.B. bei der Automobilherstellung, wo Unternehmen gezwungen sind, ihre Produkte ständig zu innovieren und ihren Kundinnen oder Kunden Preisnachlässe anbieten, um ihren Marktanteil zu sichern oder auszubauen. Die Umsatzrentabilität kann sich nur auf Erträge beziehen, die mit der Leistungserbringung in direkter Verbindung stehen, d.h. sonstige Erträge sind nicht zu berücksichtigen, weil sie nicht zu Umsatzerlösen führen. Ebenso wäre es sinnvoll, keine Ertragsteuern oder Zinsen abzuziehen, wenn nur eine Leistungsmessung vorgesehen ist. I.d.R. wird bei der Umsatzrentabilität der Jahresüberschuss durch den Umsatz dividiert. Die Umsatzrentabilität (return as percentage of sales or return on sales ROS) für die CAPELIFT (Pty) Ltd. ist: 7.000.000 / 50.000.000 = 1 14%. Diese bedeutet, dass die Fluggesellschaft einen Jahresüberschuss von 14 ZAR für jede 100 ZAR erzielt, die sie von Kundinnen oder Kunden (netto) beim Ticketverkauf oder für das Chartern einnimmt. Ergebnis pro Aktie: Das Ergebnis pro Aktie (earnings per share EPS) ist eine Kennzahl im Regelungsbereich der IFRS. Der Standardsetter widmet der EPS-Kennzahl den IAS 33. Das Ergebnis pro Aktie misst die wirtschaftliche Leistung (performance measurement). Die Leistung soll nicht über Dividendenbeschlüsse der Unternehmensleitung oder durch <?page no="120"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-120 Entscheidungen der Eigentümerinnen oder Eigentümer auf der Hauptversammlung (annual general meeting) beeinflusst werden. Sobald die Dividendenbeschlüsse in die Berechnungen einbezogen würden, misst die Kennzahl nicht mehr die Leistung. Deshalb wird die EPS-Kennzahl berechnet, indem die maximal mögliche Dividende, die sich aus dem aktuellen Ergebnis (ohne Gewinn- oder Verlustvorträge) an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre beschließen lässt, gebildet, und auf die Anzahl der in Umlauf befindlichen Stammaktien bezogen. Im Unterschied zu einer Dividendenberechnung werden keine Gewinn- oder Verlustvorträge berücksichtigt und sich auf das aktuelle Ergebnis bezogen. Der IAS 33.10 regelt die Berechnung des Ergebnisses pro Aktie EPS. Einige Positionen müssen in Abzug gebracht werden, bevor Einkommen an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre ausgezahlt werden kann: (a) Vorzugsdividenden (preference dividends) und (b) in Deutschland mögliche Zuführungen zu den gesetzlichen Rücklagen, vergleiche IAS 33.14. Der IAS 33.12 bestimmt die Berechnung des Zählers. Der Betrag, der an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre ausschüttungsfähig ist, wird durch die Anzahl der in Umlauf befindlichen Stammaktien gemäß IAS 33.19 dividiert. Änderungen der Anzahl von Stammaktien während des Geschäftsjahres jeweils mit oder ohne Zahlung durch die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre werden 32 Economic Value Added ist ein Markenzeichen der Steward Stern Management Services. durch die Berechnungsvorschriften in IAS 33.26 - IAS 33.29 berücksichtigt. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. hat 1.000.000 Stammaktien (ordinary shares) im Umlauf. Ihr Einkommen (earnings) beträgt 7.000.000 ZAR und führt auf einen Gewinn pro Aktie EPS von: 7.000.000 / 1.000.000 = 7 7 ZAR/ Aktie. Die Kennzahl Earnings per Share ist als Nenner des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (price-earnings ratio) bekannt, die den Marktwert (share price) mit dem Gewinn pro Aktie EPS ins Verhältnis setzt. Zur genauen EPS- Berechnung siehe den nachfolgenden Link 5.B. Link 5.B: EPS-Berechnungen Economic Value Added TM : Der Economic Value Added EVA stellt den Wertzuwachs eines Unternehmens aufgrund von Erträgen dar. 32 Für die Economic Value Added (EVA) Berechnung wird der Nettogewinn nach Ertragsteuern (net operating profit after taxes NOPAT) mit der Differenz aus Vermögen und den kurzfristigen Schulden verglichen, die mit den gewichteten Kapitalkosten (weighted average cost of capital WACC) multipliziert wird. Die durchschnittlich gewichteten Kapitalkosten <?page no="121"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-121 WACC sind eine Verhältniszahl und werden als Prozentwert angegeben. Die Differenz zwischen Vermögen und kurzfristigen Schulden repräsentiert das von den Investorinnen oder Investoren eingesetzt Kapital. Die kurzfristigen Schulden werden abgezogen, weil angenommen wird, dass deren Finanzierung über i.d.R. zinsfreie Lieferantenkredite erfolgt. Durch das Multiplizieren des Kapitaleinsatzes mit den durchschnittlich gewichteten Kapitalkosten WACC, bestimmt man den Ertrag, der mit dem Kapitaleinsatz am Kapitalmarkt über Alternativinvestitionen erzielbar ist. Daher vergleicht der Economic Value Added das operative Ergebnis mit den Opportunitätskosten des Unternehmens. Das Ergebnis ist eine Differenz, die angibt, um wieviel Währungseinheiten der Wertzuwachs des Unternehmens den Ertrag aus einer alternativen Investition am Kapitalmarkt übersteigt. Sie wird in Währungseinheiten gemessen und beinhaltet ein Tax Shield, in diesem Lehrbuch den Faktor (1 - 30%). Das Tax Shield berücksichtigt, dass die alternative Investition am Kapitalmarkt steuerpflichtig ist, d.h. der Kapitalertragsteuer unterliegt, und wird hier pauschal mit 30% besteuert. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. erfordert die Berechnung der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten WACC die Bestimmung des Durchschnittszinssatzes für alle Kredite. Die absoluten Zinszahlungen können der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen werden und müssen durch die langfristigen Schulden dividiert werden, um den Zinssatz zu bestimmen. Der Zinssatz beträgt 2.950.000 / 50.000.000 = 5 5,9%/ Jahr. Die Renditeerwartung der Aktionärinnen oder Aktionäre wird hier mit 10 %/ Jahr pauschaliert, die als Dividenden erzielbar wäre. Die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten WACC betragen: [10% × (7.500.000 + 6.000.000 + 7.000.000) + 5,9% × 50.000.000] / 73.000.000 = 6 6,85%/ Jahr. Der Economic Value Added EVA vergleicht den Betriebsgewinn nach Steuern (net operating profit after tax NOPAT) mit dem Zinsertrag, der sich als Opportunitätskosten nach Steuern am Kapitalmarkt erzielen lässt und mit dem Zinssatz 6,85 % bewertet wird. Die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten WACC werden mit dem Tax Shield von hier: (1 - 30%) multipliziert. Das Tax Shield repräsentiert die Besteuerung von virtuellen Zinserträgen aus der Vergleichsrechnung. Der Economic Value Added ist: 7.000.000 - 6,85% × (1 - 30%) × (90.000.000 - 16.500.000 - 3.000.000) = 33.619.525 ZAR. Die Fluggesellschaft erhöht ihren Firmenwert um 3,62 Mio. ZAR im Vergleich zu einer alternativen Investition am Kapitalmarkt bezogen auf die mittleren gewichteten Kapitalkosten. 5.14 Liquiditätskennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. Liquidität ist die Fähigkeit, Vermögenswerte in eine leicht übertragbare Form zu überführen, vorzugsweise in Kassenbestand. Im Deutschen wird dafür häufig das Adjektiv flüssig verwendet. Die Liquiditätskennzahlen geben an, wie schnell ein Unternehmen sein Vermögen veräußern kann. Allgemein gilt, dass langfristiges Vermögen schwieriger zu liquidieren ist als Kassenbestand oder Bankguthaben. <?page no="122"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-122 Bei Liquidieren eines Unternehmens werden alle Vermögenswerte in Barvermögen umgewandelt und Schulden zurückgezahlt. 33 Die Liquiditätskennzahlen messen, wie schnell Barvermögen bereitgestellt werden kann, indem Vermögenswerte, die nicht Kasse- / Bankbestand sind, verkauft werden und Schulden getilgt werden. Man unterscheidet die nachfolgenden Liquiditätskennzahlen: - Liquidität dritten Grades (current ratio). - Liquidität zweiten Grades (quick ratio). - Liquidität ersten Grades (cash ratio). - Durchschnittliche Forderungslaufzeit (debtors’ collection days, days sales outstanding DSO). Liquidität dritten Grades: Die Liquidität dritten Grades (current ratio) ist eine Verhältniskennzahl, die berechnet wird, indem das Umlaufvermögen durch die kurzfristigen Schulden dividiert wird. Eine Liquidität von 100 % bedeutet, dass das komplette Umlaufvermögen durch kurzfristige Schulden finanziert ist. In einem solchen Fall trägt das Unternehmen kein Liquiditätsrisiko, weil das Anlagevermögen durch langfristige Schulden und Eigenkapital gedeckt ist und das Umlaufvermögen durch kurzfristige Schulden, häufig über Lieferantenkredite. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. ist die Liquidität dritten Grades: 30.000.000 / 33 Siehe zu Liquidationen und Abgang von Vermögenswerten das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (34) und (35). 19.500,000 = 1 153,85%. Die Liquidität 3. Grades belegt, dass die CAPELIFT (Pty) Ltd. über ausreichend Umlaufvermögen verfügt, um ihre kurzfristigen Schulden zurückzuzahlen. Weil der Wert die 100 %-Marke übersteigt, ist davon auszugehen, dass Teile des kurzfristigen Vermögens langfristig, d.h. durch langfristige Schulden oder Eigenkapital, gedeckt sind. Die Liquidität dritten Grades sagt nichts über die Finanzierung von Anlagevermögen aus. Liquidität zweiten Grades: Im Unterschied zur Liquidität dritten Grades enthält der Zähler bei der Liquidität zweiten Grades (current ratio) nur kurzfristig verkaufsfähiges Umlaufvermögen. Es ist davon auszugehen, dass sich Vorräte (inventories) und Vorauszahlungen (prepaid expenses) nicht kurzfristig in Kassenbestand umwandeln lassen; sie werden daher im Zähler nicht berücksichtigt. Die Liquidität zweiten Grades wird berechnet, indem das Umlaufvermögen ohne Vorräte und Vorauszahlungen durch die kurzfristigen Schulden dividiert wird. Eine Liquidität zweiten Grades (quick ratio) von 100 % bedeutet, dass leicht liquidierbares Umlaufvermögen ausreicht, um kurzfristige Schulden zu decken. Ein Unternehmen kann in einem solchen Fall kurzfristige Verbindlichkeiten schnell zurückzahlen. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. beträgt die Liquidität zweiten Grades (quick ratio): 28.000.000 / 19.500.000 = 1 143,59%. Somit reicht das kurzfristig liquidierbare <?page no="123"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-123 Umlaufvermögen aus, um die kurzfristigen Schulden zu tilgen. Der Wert für die Liquidität zweiten Grades ist ähnlich desjenigen dritten Grades, weil die CAPELIFT (Pty) Ltd. kein Vorratsvermögen hält. Liquidität ersten Grades: Die Liquidität ersten Grades (cash ratio) stellt einen weiteren Schritt in Richtung einer kurzfristigen Liquidierbarkeit von Unternehmen dar. Sie beschreibt, in welchem Umfang der Kasse-/ Bank-Bestand ausreicht, um kurzfristige Schulden sofort, d.h. innerhalb weniger Bankarbeitstage, zu decken. Eine Liquidität ersten Grades in Höhe von 100 % bedeutet, dass ein Unternehmen den Wert seiner kurzfristigen Schulden als Kasse-/ Bank- Bestand hält. Dieses stellt eine sehr hohe Liquidität dar. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. beträgt die Liquidität ersten Grades (cash ratio): 18.000.000 / 19.500.000 = 9 92,31%. Der Wert ist hoch und zeigt, dass die CAPELIFT (Pty) Ltd. eine ausreichend hohe Cash-Reserve hält, mit der sich nahezu alle kurzfristigen Schulden zurückzahlen lassen. In der Luftfahrtindustrie ist eine hohe Liquidität erforderlich, um Löhne, Kraftstoffe, Übernachtungen und Flughafengebühren sofort, d.h. vor oder bei Flugantritt, bezahlen zu können. Eine hohe Liquidität ist nicht nur positiv zu beurteilen, weil die Ziele Liquidität und Leistungsfähigkeit miteinander konkurrieren. Liquiditätsreserven stehen nicht zur Produktion oder Dienstleistungserbringung zur Verfügung und schwächen damit das wirtschaftliche Leistungspotential. Durchschnittliche Forderungslaufzeit: Forderungen werden für die Liquidität berücksichtigt, aber sie sind i.d.R. schwierig zu vereinnahmen. Deshalb ist die durchschnittliche Zeitspanne, die vergeht, bis Forderungen vereinnahmt werden, als Liquiditätskennzahl geeignet. Sie wird Durchschnittliche Forderungslaufzeit (debitors collection days, days sales outstanding DSO) genannt. Die Kennzahl Durchschnittliche Forderungslaufzeit wird bestimmt, in dem die Forderungen (total of receivables × 365) durch den Verkaufswert der Kreditverkäufe dividiert wird. Die Durchschnittliche Forderungslaufzeit hängt weitgehend von der Branche und von dem Zahlungsverhalten der Kundinnen oder Kunden ab. Bei CAPELIFT (Pty) Ltd. zahlen die Hälfte der Kundinnen oder Kunden sofort und die andere Hälfte verspätet. Dies führt auf eine durchschnittliche Forderungslaufzeit von: 10.000.000 × 365 / 25.000.000 = 1 146 Tage. D.h., die Schuldnerinnen oder Schuldner benötigen im Durchschnitt: 146/ 365 = 4 40 % des Jahres, um ihre Rechnungen zu begleichen. Entsprechend werden zu einem Anteil von 40 % der Verkäufe Forderung in der Bilanz ausgewiesen. Dies ist kein guter Zustand in einem Land, in dem der Zinssatz bei ca. 9 %/ Jahr liegt, weil die CAPELIFT (Pty) Ltd. die Forderungen ihrer Kundinnen oder Kunden nahezu fünf Monate finanziert. 5.15 Kapitalstrukturkennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. Man kann die Kapitalstruktur (capital structure) direkt aus der Bilanz ableiten. Auf der Passivseite der Bilanz wird <?page no="124"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-124 die Kapitalherkunft abgebildet. Man erkennt, ob das Unternehmen über Eigen- oder Fremdkapital finanziert wird. Für die Verbindlichkeiten ist weiterhin dargestellt, ob sie gemäß den vereinbarten Zahlungsbedingungen kurz- oder langfristig sind. Im Allgemeinen wird eine Finanzierung angestrebt, bei der Anlagevermögen langfristig finanziert ist und das Umlaufvermögen über kurzfristige Verbindlichkeiten. Dagegen wäre es risikoreich, wichtige Positionen im Anlagevermögen über kurzfristige Kredite zu finanzieren, die zu jedem Zeitpunkt fällig gestellt werden können. Für Verbindlichkeiten bei Unternehmen, die einen IFRS-Abschluss aufstellen, ist zu berücksichtigen, dass langfristige Schulden über beizulegende Werte (fair value), zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs) oder diskontiert (present value disclosure) bilanziert werden. Dagegen werden kurzfristige Schulden immer zu Erfüllungswerten (settlement values) bilanziert. Nachfolgend sollen nur einige Kennzahlen aus der Fülle von Kapitalstrukturkennzahlen (gearing ratio) besprochen werden, weil diese auf die gleichen Informationen über die Kapitalstruktur führen. Es ist erforderlich, den Grund für das Bewerten der Kapitalstruktur zu wissen. Er ist häufig das Abschätzen des Leverage Effekts für das Treffen von Finanzierungsentscheidungen. Es werden die drei Kennzahlen für die Kapitalstruktur besprochen: - Verschuldungsgrad (debt to equity ratio D2E). - Working Capital. - Zinsdeckungsgrad (interest coverage). Verschuldungsgrad: Der Verschuldungsgrad (debt to equity ratio) ist das Verhältnis zwischen den Schulden und dem Eigenkapital. Dazu werden die Schulden durch die Summe des Eigenkapitals dividiert. Alternativ gibt es Kapitalstrukturkennzahlen, bei denen entweder das Eigenkapital oder die Schulden auf die Bilanzsumme bezogen werden. Hier wird der englischsprachigen Bezeichnung debt-to-equity gefolgt und der Anteil der Schulden auf das Eigenkapital bezogen. Bei CAPELIFT (Pty) Ltd. ist der Verschuldungsgrad (debt-to-equity ratio D2E): (90.000.000 - 20.500.000) / 20.500.000 = 33,39 bzw. beträgt 339 %. Dieses zeigt, dass das Unternehmen hoch verschuldet ist, welches in einer kapitalintensiven Branche, wie der Luftfahrtindustrie, zu erwarten ist. Nachfolgend wird die Deckung des langfristigen Anlagevermögens gemäß der Kapitalstruktur betrachtet. Die CAPELIFT (Pty) Ltd. hat langfristiges Kapital aus Eigenkapital und Kreditfinanzierung, in Summe von: 7.500.000 + 6.000.000 + 50.000.000 = 663.500.000 ZAR für die Finanzierung von Sachanlagen (property, plant and equipment), die mit 60.000.000 ZAR ausgewiesen werden. Die Deckungsgrad reicht zur Sicherstellung der Fortführung von Unternehmenstätigkeiten aus. <?page no="125"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-125 Im Rechnungswesen und in der Finanzierung wird häufig der Leverage Effekt angeführt. 34 Gemäß dem Leverage Effekt steigt die Eigenkapitalrentabilität aufgrund eines zunehmenden Verschuldungsgrads, sofern die Gesamtkapitalrentabilität die Kapitalkosten übersteigt. Der Effekt stellt auf die Eigenkapitalrentabilität ab. Seine Formel ist am leichtesten zu verstehen, wenn sie auf die Kapitalstruktur (D2E) bezogen wird. Die Formel für den Leverage berechnet die Eigenkapitalrentabilität wie folgt: ROE = ROA + D2E × (ROA i); darin ist: ROA die Gesamtkapitalrentabilität (return on assets) für die der Kapitalgewinn (EBIT) durch die Bilanzsumme dividiert wird, D2E der Verschuldungsgrad (debt to equity), der als Quotient aus Schulden und Eigenkapitalsumme berechnet wird, und i ist der durchschnittliche Zinssatz für langfristige Schulden (rate of interest for longterm debts). Ein Unternehmen, das verschuldet ist, kann seine Eigenkapitalrentabilität erhöhen, indem es die Kapitalstruktur in Richtung der Schulden verschiebt, solange die Gesamtkapitalrentabilität (return on assets) die Fremdkapitalkosten am Kapitalmarkt i übersteigt. Der Leverage-Effekt wirkt in beide Richtungen. Er verstärkt die Eigenkapitalrentabilitätsentwicklung sowohl positiv als auch negativ. Der Leverage-Effekt ist bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen, wenn die Erweiterungsinvestitionen fremdfinanziert werden sollen. Für den Fall der CAPELIFT (Pty) Ltd. wurde die Wirkung des Leverage Effekts 34 Eine detaillierte Herleitung des Leverage Effekts ist enthalten in dem Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (7). für den Fall berechnet, dass die Luftfahrtgesellschaft ihre Flotte um ein Kleinflugzeug erweitert. Siehe den Link 5.C für weitere Erläuterungen zum Leverage Effekt und seine Anwendung bei der Luftfahrtgesellschaft CAPELIFT (Pty) Ltd. Link 5.C: CAPELIFT (Pty) Ltd. Working Capital: Das Working Capital ist eine absolute Kennzahl, die in Währungseinheiten gemessen wird. Sie stammt aus der Finanzierung und stellt die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten dar. Bei der Finanzplanung muss man das Working Capital kennen, weil es das zu finanzierende Umlaufvermögen darstellt, das für die Betriebsbereitschaft gebraucht wird. Neben Investition in Sachanlagen benötigt ein Unternehmen Kapital, um seine Geschäftsprozesse durchführen zu können: für Materialvorräte, für Ersatzteile, für Handelsware und für die Finanzierung von Kundenforderungen, wenn den Kundinnen oder Kunden bequeme Zahlungsmöglichkeiten, wie Ratenkauf, Kauf auf Ziel etc. angeboten werden. Auf der anderen Seite (der Bilanz), reduzieren in Anspruch genommene <?page no="126"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-126 Lieferantenkredite den Finanzierungsaufwand für das benötigte Umlaufvermögen. Aus diesem Grund werden kurzfristige Schulden bei der Berechnung des Working Capital abgezogen. 35 Die CAPELIFT (Pty) Ltd. weist ein Working Capital aus, das aus Forderungen, Vorauszahlungen, Kasse-/ Bank-Bestand abzüglich kurzfristiger Schulden und Ertragsteuerschulden besteht. Kurzfristige Anteile von Krediten werden nicht abgezogen, weil diese weiterhin zinspflichtig sind. Zum 31.12.20X8 beträgt ihr Working Capital: 10.000.000 + 2.000.000 + 18.000.000 - (16.500.000 - 2.500.000) - 3.000.000 = 113.000.000 ZAR. Grundsätzlich versuchen Unternehmen, ihr Working Capital so gering wie möglich zu halten. Sie versuchen, geringes Vorratsvermögen und möglichst wenig Kasse-/ Bank-Bestand zu haben. Das Working Capital hängt von Schwankungen des Umlaufvermögensbestands und der Fristigkeit von Zahlungen ab. In der Luftfahrtbranche sind Zahlungen bei und vor Flugbetrieb zu leisten. Sie bedingen hohe Working Capital Bedarfe. Zinsdeckungsgrad: Der Zinsdeckungsgrad (interest coverage) misst den Prozentsatz für den Teil des Kapitalgewinns (EBIT), der den Zinsaufwand abdeckt. Dieser ist über 100 %. Der Anteil wird i.d.R. nicht in einem Prozentwert angegeben, sondern in Tagen ausgedrückt. Damit wird gemessen, wie viele Tage das Unternehmen (gemessen am 35 Das Betreiben eines Konsignationslagers führt auf eine Reduktion von Working Capital, aber EBIT) für den Zinsaufwand tätig sein muss. Der Zinsdeckungsgrad (interest coverage bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. beträgt: 12.950.000 / 2.950.000 = 4 4,39. Der Wert stellt dar, dass die CAPELIFT (Pty) Ltd. zu einem hohen Anteil kreditfinanziert ist. Im Unterschied zu anderen Kapitalstrukturkennzahlen (gearing metrics) berücksichtigt der Zinsdeckungsgrad die Kapitalkosten (borrowing costs). Wenn man den Wert invertiert und anschließend mit 365 multipliziert, beschreibt der Zinsdeckungsgrad -1 × 365 die Anzahl von Tagen pro Jahr, die benötigt werden, um den Zinsaufwand aus dem Kapitalgewinn (EBIT) zu decken. Bei CAPELIFT (Pty) Ltd. sind es: 365 / 4,39 = 8 83,14 Tage. Dieses bedeutet, dass die Gesellschaft vom 1. Januar bis 22. März zur Kreditfinanzierung fliegt. 5.16 Marktkennzahlen - CAPELIFT (Pty) Ltd. Marktkennzahlen lassen sich nur dann bestimmen, wenn ein Unternehmen am Kapitalmarkt partizipiert. Dann ist der Börsenkurs (share market price) öffentlich zugänglich und kann mit dem Buchwert verglichen werden. Die untenstehenden Marktkennzahlen sind für die Bewertung üblich: - Kurs-Gewinn-Verhältnis (price/ earnings ratio). - Dividendenrendite (dividend yield). - Markt-Buch-Wert (market book ratio). häufig bedingt es auch höhere Einkaufspreise für die Waren. <?page no="127"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-127 Für die CAPELIFT (Pty) Ltd. ist keine Marktbewertung verfügbar, weil ihre Aktien nicht an einer Börse gehandelt werden. Zu Lehrzwecken wird angenommen, dass ihre Aktien mit 25 ZAR/ Aktie am Bilanzstichtag bewertet werden (31.12.20X8). Es soll ebenfalls angenommen werden, dass die CAPELIFT (Pty) Ltd. eine Dividende in Höhe von 50 % ihres Jahresüberschusses aus 20X8 beschließt. Kurs-Gewinn-Verhältnis: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (price earnings ratio) vergleicht den Marktpreis einer Aktie (Aktienkurs) mit dem Ergebnis pro Aktie (earnings per share EPS). Somit entsteht ein Quotient aus Kurswert und jährlichem Ertrag aufgrund des Aktienbesitzes. Weil der Kurswert durch das Ergebnis pro Aktie dividiert wird, gibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis die Zahl der Abrechnungsperioden an, die man braucht, um den Aktienkauf mit Gewinnen daraus zu decken. Dieser Zeitpunkt wird in der Betriebswirtschaft als Break- Even-Point bezeichnet. Die Voraussetzung für den Vergleich ist, dass das Unternehmen jedes Jahr die Maximaldividende (100 %) beschießt und dass das Barwertkalkül (time value of money) vernachlässigt werden darf. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. ist das Kurs- Gewinn-Verhältnis (price earnings ratio): 25 / (7.000.000 / 1.000.000) = 3 3,57. Somit muss eine Investorin oder ein Investor vier Jahre (3 Jahre und 0,57 × 365 = 2 208 Tage) warten, bevor sie oder er mit dem Aktienkauf Einkommen erzielt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird für Unternehmensvergleiche verwendet und zeigt, wie hoch das Vertrauen der Anlegerinnen oder Anleger in die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens ist. Dividendenrendite: Die Dividendenrendite (dividend yield) ist die beschlossene Dividende dividiert durch den Kurswert der Aktie. Sie stellt ein Ergiebigkeitsmaß (efficiency based metric) für den Rückfluss aus Aktieninvestition aus der Sicht der Anlegerinnen oder Anleger dar. Es sollte schwächer formuliert werden: sie stellt „eine Art Ergiebigkeitsmaß“ dar, weil die Rückzahlungen immer auf den aktuellen Kurswert bezogen werden. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. beträgt die Dividendenrendite: (7.000.000 / 2) / (25 × 1.000.000) = 1 14%. Markt-Buchwert-Verhältnis: Das Markt-Buchwert-Verhältnis (market book ratio) einer Aktie drückt den Kurswert als prozentualen Anteil bezogen auf den Buchwert aus. Das Markt-Buchwert-Verhältnis zeigt, wenn es 100 % übersteigt, das Vertrauen zukünftiger Anlegerinnen oder Anleger in das Potential des Unternehmens, den Unternehmenswert (shareholder value) zu steigern, weil sie bereit sind, den Buchwert zu überzahlen. Der Buchwert repräsentiert den Betrag, zu dem ein Unternehmen liquidiert werden kann. Es wird vorausgesetzt, dass in der Regel der Marktwert den Buchwert übersteigt, d.h. ein Unternehmen einen höheren Kurswert <?page no="128"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-128 als den Liquidationserlös (liquidation proceeds 36 ) besitzt. Bei der CAPELIFT (Pty) Ltd. ist das Markt- Buchwert-Verhältnis (market book value): 25 / ((7.500.000 + 6.000.000 + 7.000.000) / 1.000.000) = 1 121,95%. 5.17 Zusammenfassung In diesem Kapitel wurde in die Grundlagen der Jahresabschlussanalyse für Unternehmen eingeführt, die nach IFRS bilanzieren. Eine Bilanzanalyse sollte nur durchgeführt werden, wenn Vertrauen hinsichtlich der Korrektheit des Jahresabschlusses besteht, in der Regel, nachdem die Abschlussprüfung stattgefunden hat. Die Jahresabschlussanalyse besteht aus einer Horizontal-, einer Vertikal- und eine Kennzahlanalyse. In der Regel bezieht man Kennzahlen auf die Leistung (performance), die Liquidität (liquidity) und die Kapitalstruktur (capital structure). Für am Kapitalmarkt teilnehmende Unternehmen können die Eigenkapitaltitel über Kurswerte bewertet und Marktkennzahlen ermittelt werden. Eine Bilanzanalyse erfordert ausreichend Fachkenntnis über die Branche, in der das untersuchte Unternehmen tätig ist. Es wurde eine Bilanzanalyse für eine kleine Fluggesellschaft vorgestellt. Der Fall ist fiktiv und wurde vorgetragen, um Kenntnisse zu vermitteln, die für eine reale Jahresabschlussanalyse eines Luftfahrtunternehmens erforderlich sind. 36 Proceeds sind grundsätzlich Bruttowerte. 5.18 Arbeitsdefinitionen Bilanzanalyse (financial statement analysis): Unternehmensbeurteilung auf der Grundlage eines Jahresabschlusses. Liquidität (liquidity): Möglichkeit eines Unternehmens, Schulden kurzfristig zu tilgen. Markt-Kennzahlen (market ratio): Kennzahlen, die den Aktienpreis eines Unternehmens mit dem Unternehmenswert, der aus dem Jahresabschluss hergeleitet wird, ins Verhältnis setzen. Leistung (performance): Vermögen eines Unternehmens erfolgswirksam Erzeugnisse zu produzieren und Dienstleistungen zu erstellen und diese zu vermarkten. Kennzahl (ratio): Im Rechnungswesen ist dieses eine Verhältniszahl oder Differenz, die aus verschiedenen Jahresabschlusspositionen abgeleitet wird. 5.19 Kontrollfragen (1) Eine Kapitalgesellschaft weist eine Gesamtkapitalrentabilität (return on assets) von 20 % auf. Ihr Eigenkapital beträgt 100.000 EUR und die Schulden sind 120.000 EUR. Welche Aussage trifft zu? 1. Der Rohertrag beträgt 44.000 EUR. 2. Das Nachsteuerergebnis beträgt 44.000 EUR. 3. Das Nachsteuerergebnis beträgt 30.800 EUR. 4. Das Nachsteuerergebnis beträgt 20.000 EUR. <?page no="129"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 5-129 (2) Ein Unternehmen weist Vorräte i.H.v. 40.000 EUR, Forderungen (receivables) i.H.v. 10.000 EUR und einen Saldo für das Kasse- / Bank-Konto i.H.v. 20.000 EUR aus. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten (short-term liabilities) betragen 50.000 EUR. Welche Aussage trifft zu? 1. Die Liquidität 1. Grades (cash ratio) ist 29 %. 2. Die Liquidität 3. Grades (current ratio) ist 60 %. 3. Die Liquidität 2. Grades (quick ratio) ist 60 %. 4. Die Liquidität 1. Grades (cash ratio) ist 40 %. (3) Eine Kapitalgesellschaft weist 40 % Verbindlichkeiten (liabilities) zu einem Zinssatz von 4 %/ Jahr und 60 % Eigenkapital (equity) aus. Die Aktionärinnen oder Aktionäre erwarten eine Dividendenrendite (dividend yield) von 10 %. Wie hoch sind die gewichteten mittleren Kapitalkosten (weighted average cost of capital WACC? 1. 7,0 % . 2. 7,6 % . 3. 4,0 % . 4. 6,4 % . (4) Eine Kapitalgesellschaft mit 10.000 Stammaktionärinnen oder Stammaktionären und 5.000 Vorzugsaktionärinnen oder Vorzugsaktionären erwirtschaftet ein Ergebnis vor Ertragsbesteuerung (EBT) i.H.v. 25.000 EUR. Sie beschließt eine Dividende in Höhe von 50 % des ausschüttungsfähigen Betrags an ihre Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre. Die Vorzugsdividende beträgt 5.000 EUR. Wie hoch ist das Ergebnis pro Aktie (earnings per share EPS), wenn alle Aktien den gleichen Nennwert haben? 1. 1,50 EUR . 2. 1,25 EUR . 3. 0,70 EUR . 4. 0,63 EUR . (5) Ein Unternehmen erwirtschaftet ein operatives Ergebnis vor Ertragsteuern von 100.000 EUR. Die mittleren gewichteten Kapitalkosten (weighted average costs of capital WACC) betragen 5 %/ Jahr. Die Vermögenssumme beträgt 1.000.000 EUR und kurzfristige Verbindlichkeiten haben einen Wert von 400.000 EUR. Wie hoch ist der Economic Value Added? 1. 70.000 EUR . 2. 49.000 EUR . 3. 40.000 EUR . 4. 50.000 EUR . 5.20 Lösungen 1-2, 2-4, 3-2, 4-4, 5-2. <?page no="130"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-130 6 Formale Anforderungen an den Jahresabschluss 6.1 Inhalt dieses Kapitels In diesem Kapitel werden die Formalvorschriften für Jahresabschlüsse nach IAS 1 besprochen. Diese beziehen die Erläuterungen (notes) ein. Als Demonstrationsbeispiel dient die Fallstudie BATHURST Ltd. mit Sitz in Australien. Das Unternehmen ist eine Autovermietung in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Die BATHURST Ltd. erstellt ihren Jahresabschluss in Einklang mit den IFRSs. In der Fallstudie wird ein vollständiger Jahresabschluss für das Geschäftsjahr aufgestellt, das zwei Jahre nach dem Gründungsjahr liegt. Es wird ebenso eine Kreditfinanzierung nach der Effektivzinsmethode behandelt. Im Vergleich zu anderen Fallstudien in diesem Lehrbuch ist die Fallstudie BATHURST Ltd. umfangreicher und mehr erklärungsbedürftig, z.B. um die Werte in der Anfangsbilanz vorzurechnen. Aus didaktischen Gründen erwirtschaftet die BATHURST Ltd. im ersten Geschäftsjahr einen Verlust und weist einen negativen Zahlungsmittelstrom (cash flow) auf. Ihr negativer Zahlungsmittelbestand (cash/ bank balance) am Ende von 20X6 erfordert den Ausweis des Kasse-/ Bank-Bestands als kurzfristige Schuld. Um den Unterschied zwischen Umsatzerlösen und sonstigen Erträgen darstellen zu können, erwirbt BATHURST Ltd. Anleihen, aus denen sie Kapitalerträge 37 Siehe zu rechtlichen Aspekten bei der Anwendung der IFRSs das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (4). bezieht, die nicht mit dem Kerngeschäft einer Autovermietung in Verbindung stehen. Das Kapitel beginnt mit qualitativen Anforderungen (qualitative characteristics) an Jahresabschlüsse, die nach IFRSs erstellt werden, wie sie im Rahmenwerk (framework) und IAS 1 vorgegeben werden. 6.2 Lernziele In diesem Kapitel erlernen Sie Formalaspekte für das Ausweisen von Jahresabschlüssen. Nach Bearbeiten dieses Kapitels sind Sie mit dem Rahmenwerk und IAS 1 vertraut und können Jahresabschlüsse unter Erfüllung der Formalvorschriften aufstellen. 37 6.3 Konsistenz mit den IFRSs Der IAS 1.16 fordert, dass nach IFRSs bilanzierende Unternehmen eine eindeutige und uneingeschränkte Erklärung in den Erläuterungen (notes) abgeben müssen, dass der Jahresabschluss den IFRSs folgt. Siehe die Erläuterungen (notes) in der Abbildung 6.8 zu dieser Fallstudie BATHURST Ltd. Einen allgemeinen Jahresabschluss (general-purpose financial statements) muss ein Unternehmen mindestens jährlich vollständig erstellen. Allgemeine Jahresabschlüsse sind Abschlüsse, die ein Unternehmen regelmäßig zum Jahresende aufstellt. Es <?page no="131"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-131 dürfen keine Sonderfälle, wie Unternehmenszusammenschlüsse oder Liquidationen das Aufstellen eines allgemeinen Jahresabschlusses bedingen. In Einklang mit den Konventionen in Kapitel (1) werden allgemeine Jahresabschlüsse in diesem Lehrbuch immer zum 31.12.20XX aufgestellt. Besondere Umstände können erfordern, dass Abschlüsse häufiger erstellt werden müssen, z.B. erfordert das Listen an der New York Stock Exchange von den notierten Gesellschaften regelmäßige Quartalsabschlüsse. Der IAS 1.36 regelt die Häufigkeit der Jahresabschlusserstellung. Er bestimmt ebenso, wie Jahresabschlüsse zu erstellen sind, wenn die Abrechnungsperiode kürzer ist, z.B. wenn ein Unternehmen in der Jahresmitte gegründet wird. Es liegt dann ein Rumpfgeschäftsjahr vor. In Übereinstimmung mit dem IAS 1.10 besteht ein vollständiger Jahresabschluss aus einer Bilanz (statement of financial position), einer Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income), einer Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity), einer Kapitalflussrechnung (statement of cash flows) und den Erläuterungen (notes). Die Erläuterungen beschreiben die Bilanzierungsgrundsätze und Erklärungen zu bestimmten Jahresabschlusspositionen, z.B. wird ein Anlagespiegel in Ergänzung zu der Positionen Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) aufgestellt und in den Erläuterungen gezeigt. Nach IAS 1.38 und 1.38A müssen Jahresabschlüsse Vergleichsinformationen über das vorherige Geschäftsjahr bereitstellen. Wenn ein Unternehmen seine Bilanzierungsgrundsätze oder deren Parameter ändert, z.B. bei Wechsel der Abschreibungsmethode, muss es nach IAS 8 zum Zeitpunkt zwei Jahren vor dem aktuellen Bilanzstichtag eine weitere Bilanz aufstellen, so dass insgesamt drei Bilanzen vorliegen, siehe IAS 1.40A. Dieses ermöglicht den Bilanzadressatinnen oder -adressaten einen Vergleich, bei dem die geänderte Abschreibungsmethode bereits auf die Vorperiode angewendet wird. Dabei unterscheidet sich dann der Jahresabschluss für den Vergleichszeitraum von dem tatsächlichen. Entsprechend ist das Anpassen der Anfangsbilanz für den Vergleichszeitraum erforderlich und führt auf den zusätzlichen Jahresabschluss zum Zeitpunkt zwei Jahren vor dem Bilanzstichtag. Formale Aspekte für Jahresabschlüsse nach IAS 1 sind eng mit dem Einhalten von Bilanzierungsgrundsätzen verbunden. Diese werden nachfolgend behandelt. 6.4 Qualitative Anforderungen an Jahresabschlüsse Jahresabschlüsse nach IFRSs folgen die unten aufgeführten Bilanzierungsgrundsätzen: (a) Grundsatz der verlässlichen Darstellung (faithful representation (IAS 1.15)). (b) Grundsatzes der Unternehmensfortführung (going concern principle (IAS 1.25)). (c) Grundsatz der Periodenabgrenzung (accrual basis of Accounting (IAS 1.27)). <?page no="132"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-132 (d) Grundsatz der Wesentlichkeit und Zusammenfassung (materiality and aggregation (IAS 1.29)). (e) Saldierungsverbot (prohibition of offsetting (IAS 1.32)). (f) Beibehaltungsgrundsatz für den Bilanzausweis (comparability by consistency of presentation (IAS 1.45)). Die Grundsätze werden nachfolgend erläutert bevor die Fallstudie BATHURST Ltd. behandelt wird. Ad (a): Verlässliche Darstellung Der IAS 1 legt fest, dass es das Ziel von Jahresabschlüssen ist, Informationen bereitzustellen, die für wirtschaftliche Entscheidungen eines breiten Adressatenkreises nützlich sind. Es darf keine Adressatengruppe übervorteilt oder benachteiligt werden. Dies ist nach deutschem Handelsgesetzbuch HGB anders vorgesehen, weil der Gläubigerschutz die Jahresabschlusserstellung prägt. Die Informationen in Jahresabschlüssen sind die Finanzposition, die Erfolgskraft und die Liquidität von bilanzierenden Unternehmen. Um den Informationsbedürfnissen aller Adressatinnen oder Adressaten gleich zu entsprechen, dürfen bilanzierende Unternehmen die Informationen nicht beeinflussen. Der IAS 1.15 regelt, dass eine faire Berichtserstattung Verlässlichkeit von Informationen gemäß dem Rahmenwerk erfordert und regelt entsprechend die Ansatzvorschriften für Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Aufwand. Der F OC12 (conceptual framework for financial reporting) fordert, dass Informationen vollständig, neutral und fehlerfrei sein müssen. Ad (b): Fortführungsgrundsatz Dem Grundsatz von der Unternehmensfortführung folgend müssen die Bilanzadressatinnen oder -adressaten darauf vertrauen können, dass das bilanzierende Unternehmen seine Tätigkeiten in der vorhersehbaren Zukunft fortführt. Ein Unternehmen muss zur Fortsetzung seiner Geschäftstätigkeiten fähig sein. Wenn das bilanzierenden Unternehmens nicht die Unternehmensfortführung beabsichtigt oder wesentliche Hinderungsgründe dazu vorliegen, muss es diese Umstände anzeigen und den Jahresabschluss unter Berücksichtigung von Liquidationswerten aufstellen. Ad (c): Periodenabgrenzungsgrundsatz Die IFRSs folgen der dynamische Bilanztheorie und sehen den Zweck der Bilanzierung in der Information der Bilanzadressatinnen oder -adressaten über die wirtschaftliche Leistung des bilanzierenden Unternehmens. Daher müssen Erträge und Aufwand denjenigen Abrechnungsperioden zugeordnet werden, für die sie sind. Der Periodenabgrenzungsgrundsatz nach F44 (Rahmenwerk) bestimmt, dass Allokationen zu Abrechnungsperioden vorzunehmen sind, in denen Ertrag erwirtschaftet wird oder Aufwand anfällt - unabhängig davon, wann die zugehörigen Zahlungsmittelströme erfolgen. Siehe IAS 1.27 und F OB17. <?page no="133"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-133 Hinweis: Eine Kapitalflussrechnung kann grundsätzlich nicht den Periodenabgrenzungsgrundsatz befolgen, weil sie Zahlungsströme abbildet. Weil die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Grundsatz der Periodenabgrenzung aufgestellt wird, müssen z.B. Vorauszahlungen in der Bilanz ausgewiesen werden und Abschreibungsaufwand erfolgswirksam erfasst werden. Ad (d): Wesentlichkeit und Zusammenfassungen Die Wesentlichkeit der Bilanzierung bezieht sich auf Informationsrelevanz. IAS 1.29 legt fest, dass wichtige Positionen einzeln auszuweisen sind. Wenn Positionen nicht wesentlich sind, darf das bilanzierende Unternehmen sie nicht auslassen, kann sie aber mit anderen Positionen kombiniert darstellen. Ad (e): Saldierungsverbot Der IAS 1.32 untersagt das Saldieren, außer es ist explizit durch einen Standard erlaubt. Hinweis: Saldieren bedeutet das Subtrahieren von negativen Beträgen von positiven und den Ausweis der Differenz. Dieses geschieht z.B. bei Vermögensabschreibungen oder wenn Kredite getilgt werden, d.h. die Tilgung wird von dem geschuldeten Betrag abgezogen und der Darlehnsstand ausgewiesen. Das Saldieren über Jahresabschlusspositionen hinweg, z.B. von Verbindlichkeiten mit Forderungen ist unzulässig entsprechend dem oben zitierten Standard. Eine Ausnahme bildet der Ausweis von Vorsteuerforderungen und Umsatzsteuerschulden aufgrund des Vornehmens von Umsatzsteuerbuchungen in nur einem Umsatzsteuerkonto (VAT account). Ad (f): Vergleichbarkeit durch den Beibehaltungsgrundsatz beim Bilanzausweis Der IAS 1.45 verlangt das Beibehalten des Formats, die Einteilung von Positionen und ihre Bewertung für den Bilanzausweises. Der Standard legt fest, dass Veränderungen nur zulässig sind, wenn der Bilanzierende eine andere Darstellung wählt, um bessere oder zuverlässigere und für die Bilanzadressatinnen oder den Bilanzadressaten Informationen mit höherer Relevanz auszuweisen und wenn die veränderte Einteilung in der Zukunft beibehalten wird. Jahresabschlüsse müssen den Identifizierungsvoraussetzungen nach IAS 1.49 genügen. Der Standard bestimmt, dass jedes Jahresabschlusselement (statement) ein Berichtskopf haben muss, und welche Informationen darin enthalten sein müssen. Nach IAS 1.51 muss der Berichtskopf das Jahresabschlusselement eindeutig bezeichnen und den Namen des berichtenden Unternehmens, das Datum/ den Zeitraum des Jahresabschlusselements darstellen und seine Berichtswährung und Angaben über den Genauigkeitsgrad (Rundungsgenauigkeit) enthalten. Für Einzelabschlüsse muss die Rechtsform des bilanzierenden Unternehmens, z.B. KIELING Taxi GmbH, angegeben werden. Eine Rechtsformangabe signalisiert u.a., dass der vorliegende Jahresabschluss kein Konzernabschluss ist. <?page no="134"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-134 Hinweis: Ein Konzernabschluss bezieht sich auf eine Gruppe von Unternehmen und hat keine Rechtsform. 6.5 F/ S BATHURST Ltd. Nachfolgend wird die Autovermietung BATHURST Ltd. in Melbourne besprochen. Die Aktiengesellschaft erstellt einen vollständigen Jahresabschluss einschließlich der Erläuterungen (notes) für einen Zweijahreszeitraum. Die Berichtsperiode ist das Geschäftsjahr 20X6; der Berichtszeitraum erstreckt sich vom 1.01.20X5 bis zum 31.12.20X6. Der Jahresabschluss von 20X5 ist das Vergleichsjahr. Datenblatt für die BATHURST Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Klassifizierung: Dienstleistungsunternehmen. Berichtsperioden: 20X5 / 20X6. Aktienausgabe: 50.000 × 6 AUD/ Aktie am 1.01.20X4. Finanzierung: über Bankdarlehn i.H.v. 150.000 AUD; Zinssatz 2,5 %/ Jahr. Vermögen: drei Kfz zu Anschaffungskosten von 65.000 AUD/ Kfz; jährliche Abschreibungen 15.000 AUD/ Kfz; Restwert: 5.000 AUD/ Kfz; Büro: 150.000 AUD; Büroabschreibungen: 12.500 AUD/ Jahr. Vermietungsleistung (Output): 850 Kfz- Tage / 980 Kfz-Tage. Vermietungsumsatz (netto) pro Kfz-Tag: 156 AUD/ (Kfz-Tag) / 195 AUD/ (Kfz-Tag). Betriebsaufwand: 48.000 AUD / 65.000 AUD (nicht umsatzsteuerrelevant). Anleihen in Besitz ab (2.01.20X6): gesamter Nennwert der Anleihen: 200.000 AUD; Coupon-Rate 4 %/ Jahr (jährliche Zahlungsweise) Umsatzsteuersatz: 20 %. Die BATHURST Ltd. ist eine Aktiengesellschaft auf Basis von 50.000 Stammaktien mit einem Nennwert von jeweils 6 AUD/ Aktie. Ihr Grundkapital beträgt: 50.000 × 6 = 3300.000 AUD. Das Geschäftsmodell der BATHURST Ltd. ist das Vermieten von Kfz. Sie wurde am 1.01.20X4 gegründet. Zu Beginn von 20X5 ein Jahr später besitzt die BATHURST Ltd. drei Kfz, Mercedes-Benz C-Klasse. Zu diesem Zeitpunkt ist jedes Kfz ein Jahr alt. Die Abschreibungen werden nach linearer Abschreibungsmethode über vier Jahre vorgenommen. Der Restwert (residual value) am Ende der Nutzungsdauer (useful life) beträgt 5.000 AUD/ Kfz. Die Anschaffungskosten sind 65.000 AUD/ Kfz. Aus der Anschaffung der Kfz weist die BATHURST Ltd. am 31.12.20X4 eine Vorsteuerforderung i.H.v.: 3 × 20% × 65.000 = 3 39.000 AUD aus. Die Vorsteuerforderung wird in der Bilanz in Abbildung 6.1 unter der Position Accounts Receivables (Forderungen) gezeigt. Die BATHURST Ltd. betreibt ihr Vermietungsgeschäft in einem Büro, das für 150.000 AUD angeschafft wurde. Bei der Anschaffung von Gebäuden fällt keine Umsatzsteuer an. Es soll zur Vereinfachung ebenfalls keine Grunderwerbsteuer berücksichtigt werden. Die Gebäudeabschreibungen werden nach linearer Abschreibungsmethode und über eine Nutzungsdauer von zwölf Jahren vorgenommen. Bis zum 1.01.20X5 hat BATHURST Ltd. ihr Büro mit: 150.000 / 12 = 1 12.500 AUD abgeschrieben. Für die Bürofinanzierung hat die BATHURST Ltd. ein Bankdarlehn am 1.01.20X4 mit einem Nennbetrag von 150.000 AUD aufgenommen. Der jährliche Zinssatz beträgt 2,5 %/ Jahr. Jedes <?page no="135"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-135 Jahr zahlt die BATHURST Ltd. einen konstanten Tilgungsbetrag von 15.000 AUD/ Jahr. Am 1.01.20X5 beträgt der Darlehnsstand: 150.000 - 15.000 = 135.000 AUD. In der Bilanz wird das Bankdarlehn mit 120.000 AUD langfristigen Schulden (interest bearing liabilities) und 15.000 AUD kurzfristigen Schulden ausgewiesen, der letzte Betrag ist für die Tilgung am 31.12.20X5. Der IAS 1.60 über den getrennten Ausweis von lang- und kurzfristigen Schulden wird befolgt. Hinweis: Das Trennen von kurz- und langfristigem Vermögen folgt dem Informationsbedarf von Bilanzadressatinnen oder -adressaten. Kurzfristiges Vermögen besteht häufig aus Vorräten, die sich durch Reduktion von Bestellungen in einer Krise leicht abbauen lassen, während die Liquidation von Anlagevermögen schwieriger ist. Die Abbildung 6.1 zeigt die Pro-Forma- Bilanz für die BATHURST Ltd. zum 1.01.20X5. BATHURST Ltd. nimmt ihre Kfz-Vermietungstätigkeit am 1.01.20X5 auf. Zuvor wurden Anschaffungen getätigt und aufgrund fehlender Umsätze ein Verlust von 61.250 AUD ausgewiesen, der auf Büroabschreibungen i.H.v. 12.500 AUD, auf Kfz-Abschreibungen von 45.000 AUD und auf Darlehnszinsen beruht. Die Zinsen betragen: 2,5% × 150.000 = 3 3.750 AUD. Der Verlust i.H.v.: 12.500 + 45.000 + 3.750 = 661.250 AUD wird in das Geschäftsjahr 20X5 vorgetragen. Er ist der negative Bilanzgewinn (retained earnings), wie im Eigenkapital der Bilanz gezeigt wird, siehe Abbildung 6.1. Verluste, die nicht durch Auflösung von Rücklagen ausgeglichen werden, sind Verlustvorträge und werden unter Bilanzgewinn in der Bilanz negativ ausgewiesen. Hinweis: Im Unterschied zur deutschen Bilanzierung gibt es international keinen Posten Gewinn- oder Verlustvortrag. Die Beträge bleiben als Saldo im Retained Earnings Account und stellen den verbleibenden Bilanzgewinn bzw. -verlust dar. Detailinformationen über die Berechnung der Anfangswerte in der Bilanz und über die Anwendung der Effektivzinsmethode (s.u.). auf den Bankdarlehnsausweis können über den Link 6.A aufgerufen werden. Die BATHURST Ltd. ist kreditfinanziert. Der Effektivzinssatz des Darlehns beträgt 2,5 %/ Jahr. Der Nennwert des Zinssatzes ist gleich hoch, weil das Darlehn zum Nennbetrag zurückgezahlt wird und jährliche Zinszahlungen vereinbart wurden. Der Effektivzinssatz ist für die Darlehnsbewertung anzuwenden und lässt sich über eine internen Zinsfußberechnung aus dem Darlehnsvektor ableiten. Hinweis: Man kann zur internen Zinsfußberechnung die MS-Excelfunktion IKV() verwenden. Wenn das Office-Paket auf die Anzeigesprache Englisch eingestellt ist, heißt die Funktion IRR() - für internal rate of return. Der Zahlungsreihenvektor für das Darlehn lautet: BL(t) = {150.000; 18.750; 18.375; 18.000; 17.625; 17.250; 16.875; 16.500; 16.125; 15.750; 15.375}. Der interne Zinsfuß ist: IKV(BL(t)) = 2 2,5%/ Jahr. <?page no="136"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-136 Link 6.A: BATHURST Ltd. A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 287.500 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings (61.250) Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 120.000 Accounts receivables 39.000 Short-term liab. A/ P 15.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 47.250 Income tax liab. Total assets 373.750 Total equity and liab. 373.750 Bathurst Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X5 Abb. 6.1: Bilanz der BATHURST Ltd. (20X4) Als Nächstes werden die Geschäftsvorfälle in 20X5 besprochen: Die BATHURST Ltd. erhält von dem australischen Finanzamt eine Erstattung ihrer Vorsteuerforderung i.H.v. 39.000 AUD. Diese wird als Buchungssatz (1) erfasst. Die Buchungssätze werden für diese Fallstudie nicht vollständig im Text dargestellt, können aber der Abbildung 6.2 entnommen werden. Die Nummern für die Buchungssätze werden als Referenz in der T-Konten-Darstellung verwendet. Die BATHURST Ltd. vermietet ihre Kfz zu einem Preis von 156 AUD/ Kfz-Tag (netto). Während der Abrechnungsperiode 20X5 ist ihre in Autovermietungstagen gemessene Leistung (output) 850 Kfz-Tage (Vermietungstage). Der Umsatzerlös der BATHURST Ltd. ist: 850 × 156 = 1 132.600 AUD. Die Proceeds werden von den Kundinnen oder Kunden vollständig bezahlt und als Buchungssatz (2) erfasst. Ihr Betrag ist: 120% × 132.600 = 1 159.120 AUD. Hinweis: Es gibt kein deutsches Wort für Proceeds. Der Begriff bezeichnet den Bruttowert vom Umsatz und stellt daher die Einzahlungen dar, die für den Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen vereinnahmt werden. Entsprechendes gilt, wenn Forderungen bei Kauf auf Ziel gebucht werden. Der Betriebsaufwand in 20X5 beträgt 48.000 AUD und wird als Buchungssatz <?page no="137"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-137 (3) erfasst. Die Betriebskosten unterliegen nicht der Umsatzsteuer (non-VATable). Die BATHURST Ltd. zahlt den Betriebsaufwand bar und vollständig. Die Zinsberechnung für das Bankdarlehn hängt vom Darlehnsstand zum 1.01.20X5 ab, weil die BATHURST Ltd. Zinsen und Tilgungen zum Jahresende bezahlt. Am 1.01.20X5 schuldet die BATHURST Ltd. ihrer Bank: 120.000 + 15.000 = 1 135.000 AUD. Nach IFRS 9 muss die Effektivzinsmethode für die Zinskalkulation angewendet werden. Weil hier der Effektivzinssatz mit dem Nominalzinssatz übereinstimmt, ist der Zinsaufwand: 2,5% × 135.000 = 3 3.375 AUD. Es wird eine Sollbuchung im Zinsaufwandskonto (interest account) und eine Habenbuchung im Kasse-/ Bank- Konto vorgenommen. Dieses ist der Buchungssatz (4). Die folgenden Absätze sind ein Einschub und behandeln die Berechnung und Buchungssätze entsprechend der Effektivzinsmethode. Hinweis: Der Effektivzinssatz wird zum Vergleichen von Darlehnsangeboten berechnet und berücksichtigt weitere Zahlungen, z.B. für Gebühren, und die Zinseszinsrechnung bei unterjähriger Zahlungsweise. Er muss von den Banken als Kreditinformation ausgewiesen werden. In Übereinstimmung mit den IFRSs bilanziert BATHURST Ltd. das Bankdarlehn als Schuld und wendet die Effektivzinsmethode zur Darlehnsbewertung an. Dieses beeinflusst nicht die Notwendigkeit zum Trennen von kurz- und langfristigen Schulden nach IAS 1.60. Für das Darlehn der BATHURST Ltd. ist der Effektivzinssatz 2,5 %/ Jahr, welches dem Nominalzins entspricht. In Fällen, in denen der Effektivzinssatz vom Nominalzinssatz abweicht, wird der Zinsaufwand erfolgswirksam (through profit and loss) erfasst und übersteigt die Zinszahlungen. Dann müssen zwei getrennte Buchungen vorgenommen werden, die erste für den Zinsaufwand und die zweite mit Bezug auf die Zahlung. Wenn beide Zinssätze - der effektive und der nominale gleich sind, lassen sich die Buchungen vereinfachen. Dann wird nur eine Sollbuchung im Zinsaufwandskonto und eine Habenbuchung in Kasse/ Bank erfasst. Bei der BATHURST Ltd. beträgt der Zinsaufwand in 20X5: 135.000 × 2,5% = 3.375 AUD. Die Zinszahlungen an die Bank betragen ebenso: (150.000 - 15.000) × 2,5% = 33.375 AUD. Am 31.12.20X5: DR Interest-20X5 INT ............ 3.375 AUD CR Interest bear. Liab. IBL..... 3.375 AUD DR Interest bear. Liab. IBL..... 3.375 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 3.375 AUD Nachfolgend werden die Abschlussarbeiten (adjustments) behandelt. Bei BATHURST Ltd. enthalten sie die (a) Tilgung für das Bankdarlehn und die (b) Abschreibungen auf die Büroimmobilie und die drei Kfz. (ad (a)) Die Tilgungszahlungen verringern die kurzfristigen Schulden, weil eine <?page no="138"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-138 Sollbuchung im Konto kurzfristige Schulden (accounts payables) und eine Habenbuchung unter Kasse/ Bank vorgenommen wird. Die Darlehnstilgung beträgt im nachfolgenden Jahr erneut 15.000 AUD und muss wieder als kurzfristige Schuld in der Bilanz gezeigt werden. Siehe die Tilgungsbuchung in 20X5, welche mit dem Dreibuchstabencode (three-letter-code) für die Gegenkonten markiert wird (C/ B und A/ P). Nach der Zahlung wird die Darlehnstilgung für 20X6 dem Konto für kurzfristige Verbindlichkeiten zugewiesen. Der Buchungssatz hat die Kennzeichnungen (A/ P und IBL). Weil die Tilgungszahlungen bei der BATHURST Ltd. konstant sind, könnten die Buchungssätze vereinfacht werden, jedoch wären sie bei einem Annuitätendarlehn unterschiedlich, weil der Zinsanteil im Zeitverlauf sinkt und sich dadurch die Tilgung erhöht. Hinweis: In der Betriebswirtschaft werden Annuitätendarlehn häufig verwendet, weil ihre Kalkulation durch die Anwendung von Rentenformeln (annuity factors) einfach ist und bei der Liquiditätsplanung gleichhohe Zahlungen entstehen. (ad (b)) Die Abschreibungen in 20X5 und in 20X6 auf die Kfz betragen 15.000 AUD/ (Jahr × Kfz). Der Abschreibungsaufwand auf alle Kfz beträgt: 3 × 15.000 = 45.000 AUD. Alle Abschreibungen in 20X5 werden als Buchungssätze erfasst, die in Abbildung 6.2 mit ACC und DPR markiert sind. Die Büroabschreibungen betragen 12.500 AUD und werden ebenso mit ACC und DPR indiziert. Bei Anwendung einer Anlagenbuchhaltung (asset management), führt ein bilanzierendes Unternehmen ein Konto für kumulierte Kfz-Abschreibungen (accumulated depreciation on car) getrennt von einem kumulierten Büroabschreibungskonto (accumulated depreciation on office). Hinweis: Bei einer Anlagenbuchhaltung wird jeder Vermögensgegenstand in einem eigenen Anlagenvermögenskonto und einem eigenen Konto für kumulierte Abschreibungen geführt. Es folgt die Gewinnermittlung für die BATHURST Ltd. Das Vorsteuerergebnis, das mit EBT (earnings before income taxation) markiert ist, beträgt in 20X5: 132.600 - 45.000 - 12.500 - 3.375 - 48.000 = 2 23.725 AUD. Nach Berücksichtigung der Ertragsbesteuerung verbleibt ein Nachsteuergewinn (EAT) von: (1 - 30%) × 23.725 = 1 16.607,50 AUD und wird als Jahresüberschuss in den Bilanzgewinn (retained earnings) gebucht. Siehe alle Konten in Abbildung 6.2, insbesondere das Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss). <?page no="139"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-139 D C D C OV 345.000 c/ d 345.000 OV 57.500 b/ d 345.000 DPR 45.000 c/ d 115.000 DPR 12.500 115.000 115.000 b/ d 115.000 Property, plant and equipment PPE Acc depr ACC D C D C A/ P 15.000 OV 120.000 C/ B 15.000 OV 15.000 c/ d 105.000 c/ d 15.000 IBL 15.000 120.000 120.000 30.000 30.000 b/ d 105.000 b/ d 15.000 Interest bearing liabilities IBL Short-term liabilities A/ P D C D C ACC 45.000 P5L 57.500 (4) 3.375 P5L 3.375 ACC 12.500 57.500 57.500 Depreciation-20X5 DPR Interest-20X5 INT D C D C P5L 132.600 (2) 132.600 OV 39.000 (1) 39.000 c/ d 26.520 (2) 26.520 65.520 65.520 b/ d 26.520 Revenue-20X5 REV Value added tax VAT D C D C OV 47.250 (3) 48.000 (3) 48.000 P5L 48.000 (1) 39.000 (4) 3.375 (2) 159.120 A/ P 15.000 c/ d 178.995 245.370 245.370 b/ d 178.995 Cash/ Bank C/ B Operational expenses-20X5 OEX Abb. 6.2: Konten der BATHURST Ltd. (20X5) <?page no="140"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-140 D C D C DPR 57.500 REV 132.600 c/ d 7.118 ITL 7.118 INT 3.375 b/ d 7.118 OEX 48.000 EBT 23.725 132.600 132.600 ITL 7.118 b/ d 23.725 R/ E 16.608 23.725 23.725 Profit and Loss-20X5 P5L Income tax liabilities ITL D C D C OV 61.250 P5L 16.608 c/ d 300.000 OV 300.000 c/ d 44.643 b/ d 300.000 61.250 61.250 b/ d 44.643 Retained earnings R/ E Share capital ISS Abb. 6.2: Konten der BATHURST Ltd. (20X5) - Fortsetzung Nachfolgend werden die Buchungen im Geschäftsjahr 20X6 besprochen. Die BATHURST Ltd. zahlt ihre Ertragsteuerschulden über Buchungssatz (A) und ihre Umsatzsteuerschuld über Buchungssatz (B) dargestellt. Der Umsatzerlös für 980 Kfz-Vermietungstage wird mit: 980 × 195 = 1 191.100 AUD (netto) erfolgswirksam erfasst. In 20X6 ist der Nettopreis für die Tagesmiete eines Kfz 195 AUD/ (Kfz-Tage). Es werden 55 % der Proceeds in bar vereinnahmt - der Rest wird als Zahlungseingang in dem nächsten Jahr erwartet und deshalb als Forderung (accounts receivables) gebucht. Siehe den Buchungssatz (C) der einen Teil der Proceeds im Forderungskonto auf der Sollseite erfasst. Proceeds sind Bruttowerte, daher ist der Forderungswert: 191.100 × 120% × (1 - 55%) = 1103.194 AUD. 38 Anleihen werden an der Fallstudie KILDARE Ltd. und bezogen auf den Anleger Bill Elmwood Der Betriebsaufwand steigt in 20X6 und beträgt 65.000 AUD. Er wird als Buchungssatz (D) erfolgswirksam erfasst und ist hier nicht vorsteuerrelevant. Die Aufwendungen werden sofort und bar bezahlt. Um mit ihrem Geldvermögen Zinserträge zu erzielen, erwirbt die BATHURST Ltd. am 2.01.20X6 Anleihen für 200.000 AUD 38 , die eine Coupon-Rate von 4 %/ Jahr haben - erfasst als Buchungssatz (E). Die BATHURST Ltd. ist Besitzerin der Anleihen (bondholder) und führt die Anleihen im Anlagevermögen. Gemäß den Konventionen in Kapitel (1) fallen bei dem Erwerb keine Transaktionskosten an. Mit den Anleihen erwirtschaftet die BATHURST Ltd. einen Zinsertrag von: 200.000 × 4% = 88.000 AUD. Er wird auf der Habenseite des Zinsertragskontos im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (15) beschrieben. <?page no="141"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-141 (interest income (CPN für Coupon)) erfasst und stellt sonstigen Ertrag (gain) dar. Siehe Buchungssatz (F). Der Zinsertrag aus den Anleihen steht nicht im Zusammenhang mit Kfz-Vermietungsgeschäften. Mit der Investition in die Anleihen überzieht BATHURST ihr Bankkonto; sie muss deshalb am Bilanzstichtag dessen Saldo als kurzfristige Verbindlichkeit im Umfang von 3.516,50 AUD in der Bilanz darstellen. 39 Der Zinsaufwand für das Bankdarlehn, der an die Bank gezahlt wird, beträgt: (105.000 + 15.000) × 2,5% = 3 3.000 AUD. Die Berechnung bezieht sich auf den Darlehnstand zum 1.01.20X6 und berücksichtigt lang- und kurzfristige Darlehnsanteile. Der Zinsaufwand wird über den Buchungssatz (G) erfasst. Als Nächstes werden die Abschlussarbeiten besprochen, die am 31.12.20X6 vorgenommen werden. Bei der BATHURST Ltd. beinhalten die Abschlussarbeiten wieder (a) die Tilgungszahlungen für das Bankdarlehn und (b) das Erfassen der Abschreibungen. (ad (a)) Die Darlehnsrückzahlung wird von den kurzfristigen Verbindlichkeiten im Umfang von 15.000 AUD abgezogen, siehe den Buchungssatz, der mit (C/ B und A/ P) indiziert ist. Die Tilgungszahlung für 20X7 wird von langfristigen Verbindlichkeiten (interest bearing liabilities) in die kurzfristigen Verbindlichkeiten umgebucht, siehe den mit A/ P und IBL markierten Buchungssatz in Abbildung 6.3. IBL steht für zinspflichtige Schulden (interest bearing liabilities); gemeint sind die langfristigen Schulden. (ad (b)) Die Abschreibungen auf die Kfz bleiben 45.000 AUD/ Jahr und für das Büro 12.500 AUD/ Jahr. Siehe die Gewinnermittlung für die BATHURST Ltd. im Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss), das in Abbildung 6.3 gezeigt wird. Auf der Grundlage der Gewinnermittlung beschließen die Eigentümerinnen oder Eigentümer der BATHURST Ltd. eine Dividende von 0,10 AUD/ Aktie. Der Jahresabschluss wird unter Verwendung des Ergebnisses aufgestellt und zeigt daher kurzfristige Verbindlichkeiten für die Dividenden an die Aktionärinnen oder Aktionäre in Höhe von: 50.000 × 0,10 = 5.000 AUD. Es sind 50.000 Aktien in Umlauf. Die Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien bestimmt die Berechnung der Dividende an die Aktionärinnen oder Aktionäre. Die Konten für die BATHURST Ltd. mit Stand zum 31.12.20X6 werden in Abbildung 6.3 gezeigt. 39 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (37). <?page no="142"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-142 D C D C OV 345.000 c/ d 345.000 OV 57.500 b/ d 345.000 DPR 45.000 c/ d 115.000 DPR 12.500 115.000 115.000 b/ d 115.000 (D) 45.000 c/ d 172.500 (E) 12.500 172.500 172.500 b/ d 172.500 D C D C A/ P 15.000 OV 120.000 C/ B 15.000 OV 15.000 c/ d 105.000 c/ d 15.000 IBL 15.000 120.000 120.000 30.000 30.000 A/ P 15.000 b/ d 105.000 C/ B 15.000 b/ d 15.000 c/ d 90.000 c/ d 15.000 IBL 15.000 105.000 105.000 30.000 30.000 b/ d 90.000 b/ d 15.000 Interest bearing liabilities IBL Short-term liabilities A/ P Property, plant, equipment PPE Acc depr ACC D C D C ACC 45.000 P6L 57.500 (G) 3.000 P6L 3.000 ACC 12.500 57.500 57.500 Depreciation-20X6 DPR Interest-20X6 INT D C D C P6L 191.100 (C) 191.100 OV 39.000 (1) 39.000 c/ d 26.520 (2) 26.520 65.520 65.520 (B) 26.520 b/ d 26.520 c/ d 38.220 (C) 38.220 64.740 64.740 b/ d 38.220 Revenue-20X6 REV Value added tax VAT Abb. 6.3: Konten der BATHURST Ltd. (20X6) <?page no="143"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-143 D C D C OV 47.250 (3) 48.000 (D) 65.000 P6L 65.000 (1) 39.000 (4) 3.375 (2) 159.120 A/ P 15.000 c/ d 178.995 245.370 245.370 b/ d 178.995 (A) 7.118 (C) 126.126 (B) 26.520 (F) 8.000 (D) 65.000 (E) 200.000 (G) 3.000 ´c/ d 3.517 A/ P 15.000 316.638 316.638 b/ d 3.517 Cash/ Bank C/ B Operational expenses-20X6 OEX D C D C DPR 57.500 REV 191.100 c/ d 7.118 P5L 7.118 INT 3.000 CPN 8.000 (A) 7.118 b/ d 7.118 OEX 65.000 c/ d 22.080 P6L 22.080 EBT 73.600 29.198 29.198 199.100 199.100 b/ d 22.080 ITL 22.080 b/ d 73.600 R/ E 51.520 73.600 73.600 Profit and loss-20X6 P6L Income tax liabilities ITL D C D C OV 61.250 P5L 16.608 c/ d 5.000 R/ E 5.000 c/ d 44.643 b/ d 5.000 61.250 61.250 b/ d 44.643 P6L 51.520 DIV 5.000 c/ d 1.878 51.520 51.520 b/ d 1.878 Retained earnings R/ E Dividends/ p DIV Abb. 6.3: Konten der BATHURST Ltd. (20X6) - Fortsetzung <?page no="144"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-144 D C D C (E) 200.000 c/ d 200.000 P6L 8.000 (F) 8.000 b/ d 200.000 D C D C (C) 103.194 c/ d 103.194 c/ d 300.000 OV 300.000 b/ d 103.194 b/ d 300.000 Financial instruments FIN Interest income-20X6 CPN Accounts receivables A/ R Share capital ISS Abb. 6.3: Konten der BATHURST Ltd. (20X6) - Fortsetzung Nach dem Abschluss der Buchungen wird der Jahresabschluss für die Berichtsperiode 20X6 aufgestellt. Der IAS 1.38 schreibt vor, dass Jahresabschlüsse eine Spalte für Vergleichsinformationen, i.d.R. aus der Vorperiode enthalten müssen. Dieses wird in diesem Lehrbuch regelmäßig aus Platzgründen unterlassen; stattdessen werden zwei Abschlüsse abgebildet: einer für die Berichtsperiode und ein weiterer für den Vergleichszeitraum. Eine Ausnahme bildet der Jahresabschluss für die BATHURST Ltd. in diesem Kapitel. Für die BATHURST Ltd. werden alle Elemente des handelsrechtlichen Jahresabschlusses detailliert behandelt: (1) Bilanz (statement of financial position). (2) Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income). (3) Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity). (4) Kapitalflussrechnung (statement of cash flows). 40 Siehe das Conceptual Framework for Financial Reporting: F 4.8 - 4.14. (5) Erläuterungen mit Nachhaltigkeitsberichterstattung (notes including sustainability report). 6.6 Bilanz - BATHURST Ltd. In F 4.4 definiert das IASB die Bilanzinhalte als Vermögen, Schulden und Eigenkapital. - Das Vermögen ist eine Ressource, die von dem bilanzierenden Unternehmen aufgrund eines vorherigen Ereignisses beherrscht wird. Von Vermögenswerten muss ein zukünftiges wirtschaftliches Nutzenpotential ausgehen. 40 Die Ansatzkriterien für Vermögen unterscheiden sich von einer HGB-Bilanz. Hinweis: In der deutschen Bilanzierungsfachsprache wird ein Unterschied in der Vermögensbezeichnung gemacht. Bei IFRS-Bilanzen spricht man von Vermögenswert, wird der Jahresabschluss nach deutschem HGB aufgestellt, verwendet man den Ausdruck Vermögensgegenstand. <?page no="145"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-145 - Die Schulden sind gegenwärtige Verpflichtungen eines Unternehmens, die aus einem Ereignis der Vergangenheit resultieren und deren Tilgung zu einem Ressourcenabfluss in der Zukunft führen. 41 Schulden bestehen aus Verbindlichkeiten und Rückstellungen. - Das Eigenkapital ist die Differenz aus Vermögen und Schulden. 42 Bei der BATHURST Ltd. beträgt der Unternehmensbuchwert 301.877,50 AUD am Bilanzstichtag 31.12.20X6. Dieses ergibt einen Buchwert pro Aktie von: 301.877,50 / 50.000 = 6 6,04 AUD/ Aktie. Der Aktienbuchwert übersteigt den Aktiennennwert nur um 0,04 AUD/ Aktie; dieses ist darauf zurückzuführen, dass keine Kfz-Vermietung in 20X4 stattgefunden hat, um die Fallstudie zu vereinfachen. Somit trägt die BATHURST Ltd. einen Verlust bereits aus ihrem ersten Jahr in das Geschäftsjahr 20X5 vor. Siehe die Position Bilanzgewinn (retained earnings) in 20X5. In der Bilanz wird zuerst der Verlustvortrag mit dem Nachsteuerergebnis saldiert und nach Berücksichtigung der Gewinnverwendung abzüglich der beschlossenen Dividende ausgewiesen: 51.520 - 44.642,50 - 5.000 = 1 1.877,50 AUD. Die BATHURST Ltd. stellt die Bilanz auf, wie sie in Abbildung 6.4 für 20X6 gezeigt wird. A 20X6 20X5 20X6 20X5 C, L Non-current assets [AUD] [AUD] Equity [AUD] [AUD] P, P, E 172.500 230.000 Share capital 300.000 300.000 Intangibles Reserves Financial assets 200.000 Retained earnings 1.878 (44.643) Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 90.000 105.000 Accounts receivables 103.194 Short-term liab. A/ P 61.737 41.520 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 0 178.995 Income tax liab. 22.080 7.118 Total assets 475.694 408.995 Total equity and liab. 475.694 408.995 Bathurst Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X6 Abb. 6.4: Bilanz der BATHURST Ltd. (20X6) Nach IAS 1.51 muss BATHURST Ltd. ihre Jahresabschlusselemente eindeutig bezeichnen, hier Bilanz (statement of financial position). Die Namensangabe (BATHURST Ltd.) zeigt, dass die Bilanz zu einem Einzelabschluss gehört. Die Rechtsform (hier: Ltd.) signalisiert, dass 41 Siehe das Conceptual Framework for Financial Reporting: F 15 - F 19. hier ein Einzelabschluss (single-entity financial statements) vorliegt. Der Kopf zeigt ebenso den Bilanzstichtag (31.12.20X6), gibt die Berichtswährung (AUD für australische Dollar) an und legt die Rundungsgenauigkeit fest, hier das 42 Siehe das Conceptual Framework for Financial Reporting: F 20 - F 23. <?page no="146"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-146 Runden auf den nächsten ganzen australischen Dollar. Die Formalvorschriften für eine Bilanz werden in IAS 1.54 bestimmt. Die Bilanz der BATHURST Ltd. weist ihre Vermögenswerte, ihre Schulden und das Eigenkapital aus. Der IAS 1.60 bestimmt, dass das bilanzierende Unternehmen kurzfristige und langfristige Vermögenswerte und Schulden getrennt ausweisen muss. Die BATHURST Ltd. zeigt ihr Anlagevermögen (non-current assets) bestehend aus den Kfz und Immobilienbesitz (property). In 20X6 sind dort ebenfalls die Anleihen zu fortgeführten Anschaffungskosten dargestellt. Das Umlaufvermögen besteht aus den Positionen Kasse/ Bank und Forderungen (receivables). In der Bilanz werden keine Einzelwerte für Vermögen ausgewiesen, diese werden im Anlagespiegel gezeigt, der in den Erläuterungen (notes) enthalten ist (s.u.). Bei Schulden ist die Trennung differenzierter, weil das Bankdarlehn aus einem kurzfristigen Anteil (die Tilgung im nächsten Jahr) und langfristigen Anteilen besteht. IAS 1.69 behandelt die Untergliederung von Schulden. Im Gegensatz zu kurzfristigen Schulden müssen langfristige Schulden nach IFRS 9.5.3.1 und IFRS 9.4.2.1. zu beizulegenden Werte (fair market value) ausgewiesen oder als Vereinfachung dazu zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs), das bedeutet nach der Effektivzinsmethode bewertet werden. Die Bankschulden bleiben bis zu ihrer vollständigen Tilgung (settlement) bestehen, so dass eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten möglich ist. Bei fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs) werden die Schulden mit dem Effektivzinssatz aufgewertet und jährlich fällige Zahlungen abgezogen. In Kapitel (14) wird die Effektivzinsmethode für die BATHURST Ltd. erneut aufgegriffen, dann unter Berücksichtigung von unterjährigen Zahlungen und einer Abschlussgebühr. Dadurch entsteht dann ein Unterschied zwischen Effektiv- und Nominalzinssatz. In diesem Kapitel werden gleiche Zinssätze berücksichtigt, um die Fallstudie zu vereinfachen. Entsprechend wird das Darlehn mit: (105.000 + 15.000) × (1 + 2,5%) - 3.000 - 15.000 = 1 105.000 AUD bewertet. Zum 31.12.20X6 weist die BATHURST Ltd. langfristige Bankschulden von 90.000 AUD und kurzfristige in Höhe von 15.000 AUD aus; letztere sind am 31.12.20X7 fällig. Die kurzfristigen Schulden stehen in der Bilanzposition Accounts Payables (A/ P) und enthalten die kurzfristige Darlehnstilgung, die Umsatzsteuerschuld und die Dividendenansprüche der Aktionärinnen oder Aktionäre. Ebenso gehört die Überziehung des Bankkontos in die kurzfristigen Schulden. Ertragsteuerverbindlichkeiten (income tax liabilities) sind nach IAS 1.54 in Kombination mit IAS 12 als eine gesonderten Bilanzposition auszuweisen. Ihr Wert darf nur Verbindlichkeiten aus der Ertragsbesteuerung enthalten. Dagegen gehören Umsatzsteuerschulden zu kurzfristigen Schulden (accounts payables). Das Eigenkapital der BATHURST Ltd. ist die Differenz zwischen Vermögen und Schulden und beträgt: 372.500 + 103.194 - 90.000 - 61.736,50 - 22.080 = 3 301.887,50 AUD. Es besteht aus dem Grundkapital (issued capital) und dem Bilanzgewinn. <?page no="147"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-147 6.7 Gewinn- und Verlustrechnung - BATHURST Ltd. Die Gewinn- und Verlustrechnung informiert über die Ertragslage eines Unternehmens aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit und aus sonstigen Erträgen (other income). 43 Alle Erträge, die nicht mit dem Geschäftsmodell in Verbindung stehen, sind sonstige Erträge. Der Begriff außerordentlich wird nur verwendet, wenn Ertrag aus einer Ausnahmesituation heraus entsteht. Verschiedene Einkommensarten können zu unterschiedlichen Besteuerungen führen. Die BATHURST Ltd. weist für 20X6 die Gewinn- und Verlustrechnung aus, wie sie in Abbildung 6.5 gezeigt wird. 20X6 20X5 [AUD] [AUD] Revenue 191.100 132.600 Other income 8.000 0 199.100 132.600 Depreciation (57.500) (57.500) Other expenses (65.000) (48.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 76.600 27.100 Interest (3.000) (3.375) Earnings before taxes (EBT) 73.600 23.725 Income tax expenses (22.080) (7.118) Earnings after taxes (EAT) 51.520 16.608 Bathurst Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X6 Abb. 6.5: Gewinn- und Verlustrechnung für die BATHURST Ltd. (20X6) Bei Anwendung der IFRSs ist es üblich, Umsatzerlöse und sonstige Erträge positiv und Aufwand negativ auszuweisen. Es gilt das (DR)CR-Format. Negative Werte werden bei internationaler Bilanzierung in Klammern dargestellt. Die BATHURST Ltd. weist nach IAS 1.82 Umsatzerlöse aus der Kfz-Vermietung getrennt von den Zinserträgen ihrer An- 43 IAS 1.81A - IAS 1.105 regeln den Ausweis von Gewinn- und Verlust sowie sonstigen Erträgen. leihen aus. In 20X6 beträgt das Einkommen der BATHURST Ltd. in Summe 199.100 AUD. Ihr Aufwand besteht aus Abschreibungen (depreciation) und sonstigem Aufwand (other expenses), der mit dem Vermieten von Kfz in Verbindung steht. Eine Gewinn- und Verlustrechnung zeigt nach IAS 1.82 keine einzelnen Aufwendungen. Der Gewinn- und Verlustrechnungsausweis ist im Vergleich zum Gewinn- und <?page no="148"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-148 Verlustrechnungskonto eine Aggregation. Einem Unternehmen ist es überlassen, die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren (nature of expenses method) nach IAS 1.102 oder nach dem Umsatzkostenverfahren (cost of sales format) nach IAS 1.103 aufzustellen. 44 Bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens sind ergänzende Ausweisanforderungen zu befolgen, um den Bilanzadressatinnen oder Bilanzadressaten aufwandsartenbezogene Informationen zu vermitteln. So muss das bilanzierende Unternehmen Informationen zu einzelnen Aufwandsarten, wie Löhnen, Materialaufwand und Abschreibungen gesondert darstellen. Es muss Angaben zur Aufwandsartenstruktur in den Erläuterungen (notes) machen, so dass die Bilanzadressatinnen oder Bilanzadressaten den Einfluss von, z.B. Lohnsteigerungen, auf die Ertragslage abschätzen können. Es ist gängige Praxis, den Kapitalgewinn (EBIT) als Zwischenergebnis zu zeigen. Damit wird die Berechnung von Leistungskennzahlen unterstützt. Der IAS 1.82 verlangt den expliziten Ausweis von Finanzaufwand, der für die BATHURST Ltd. als Zinsaufwand (interest) gezeigt wird. Dieser bezieht sich hier auf die Kreditfinanzierung von Kfz und der Büroimmobilie. Nach Abzug der Ertragssteuern, die nach nationalem Steuerrecht erfolgt und hier als Lehrbuchvereinfachung als 30 %-tige Pauschalbesteuerung vorgenommen wird, wird der Jahresüberschuss (annual surplus) ermittelt, der als Nachsteuerergebnis (earnings after taxation EAT) in der Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt wird. 6.8 Eigenkapitalveränderungsrechnung - BATHURST Ltd. In Übereinstimmung mit IAS 1.106 ändert sich das Eigenkapital entweder durch Gewinn- oder Verlust, durch sonstige Erträge, durch Transaktionen mit den Eigentümerinnen oder Eigentümern und/ oder durch Neubewertungen. Transaktionen mit den Eigentümerinnen oder Eigentümern sind die Ausgabe/ der Einzug von Aktien oder Dividendenausschüttungen. Der Standard verlangt das Aufstellen einer Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity), welche Spalten für die Eigenkapitalpositionen in der Bilanz und Zeilen zu Beginn und am Ende des Geschäftsjahres als auch für Transaktionen, die das Eigenkapital verändern, vorsieht. Siehe IAS 1.108 und IAS 1.109. In Abbildung 6.6 wird die Eigenkapitalveränderungsrechnung der BATHURST Ltd. für den Zeitraum 20X5 und 20X6 gezeigt. 44 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (28). <?page no="149"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-149 Share capital Reserves Retained earnings total [AUD] [AUD] [AUD] [AUD] as at 1.01.20X5 300.000 (61.250) 238.750 Profit 20X5 (EAT) 16.608 16.608 as at 31.12.20X5 300.000 0 (44.643) 255.358 Profit 20X6 (EAT) 51.520 51.520 Dividend 20X6 (5.000) (5.000) as at 31.12.20X6 300.000 0 1.878 301.878 Bathurst Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X6 Abb. 6.6: Eigenkapitalveränderungsrechnung für die BATHURST Ltd. (20X5/ 20X6) Das Eigenkapital der BATHURST Ltd. ändert sich durch das in 20X5 und 20X6 erwirtschaftete Ergebnis und den Dividendenbeschluss für 20X6. Weil die BATHURST Ltd. zusätzlich sonstige Erträge ausweist, enthält ihre Gewinn- und Verlustrechnung Zinserträge, die den Bilanzgewinn erhöhen. 6.9 Kapitalflussrechnung - BATHURST Ltd. Kapitalflussrechnungen werden in IAS 1.10 gefordert, wie in IAS 1.111 dargestellt wird; der IAS 7 behandelt die Berechnungen und den Ausweis von Zahlungsmittelströmen (cash flow). Im Gegensatz zum deutschen HGB besteht nach IFRSs eine grundsätzliche Verpflichtung zur Erstellung einer Kapitalflussrechnung. In Deutschland (HGB) besteht die Verpflichtung zum Erstellen eine Kapitalflussrechnung bei Kapitalmarktorientierung und hängt von einer Konzernzugehörigkeit ab. <?page no="150"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-150 20X6 20X6 20X5 20X5 [AUD] [AUD] [AUD] [AUD] Cash flow from operating acitivities Proceeds 126.126 159.120 Payment for operations (65.000) (48.000) Income tax payment (7.118) VAT payment (26.520) 39.000 27.489 150.120 Cash flow from investing activities Bond investment (200.000) 0 (200.000) 0 Cash flow from financing activities Coupon received 8.000 Interest paid (3.000) (3.375) Pay-off bank loan (15.000) (15.000) (10.000) (18.375) Total cash flow (182.512) 131.745 Bathurst Ltd. STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X6 Abb. 6.7: Kapitalflussrechnung für die BATHURST Ltd. (20X6) Die Kapitalflussrechnung (statement of cash flows) weist Vergleichsinformationen für 20X5 aus. Sie unterteilt Cash-Flows nach ihrer Herkunft in durch operative, investitionsbezogene und finanzorientierte Geschäftsprozesse verursacht, siehe IAS 7.10. 45 Für die Bestimmung der Zahlungsmittelströme aus operativer Tätigkeit kann das bilanzierende Unternehmen eine direkte Berechnung oder eine Überleitungsrechnung für den Cash- Flow aus dem Nachsteuerergebnis vornehmen. Beide Verfahren stehen in Einklang mit IAS 7.18. 46 Zur Vereinfachung berechnet die BATHURST Ltd. ihren Kapitalfluss aus 45 IAS 7.14 zeigt Beispiele für Cash-Flows aus operativer Tätigkeit. IAS 7.16 enthält Beispiele für investitionsbezogene Cash-Flows und IAS 7.17 zeigt Beispiele zu Finanz-Cash-Flows. operativen Tätigkeiten nach der direkten Methode. In Kapitel (10) wird die Überleitungsrechnung vorgestellt. Bei Anwendung der direkten Methode ermittelt man den operativen Cash-Flow über das Kasse-/ Bank-Konto. 47 Zinserträge und gezahlter Zinsaufwand werden als Zahlungsmittelstrom aus Finanztätigkeit in Übereinstimmung mit IAS 7.33 berücksichtigt. Dies entspricht den Konventionen in Kapitel (1) - ein Ausweis unter operativen Tätigkeiten ist nach IFRSs ebenfalls zulässig. Der für das Bankdarlehn anfallende Zinsaufwand (loan interest) und der Zinsertrag aus den Anleihen (interest income) müssen 46 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (32). 47 Die Überleitungsrechnung wird im Detail in Kapitel (10) dargestellt. Hier wird nur auf den Ausweis der Kapitalflussrechnung abgestellt. <?page no="151"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-151 getrennt nach IAS 7.31 dargestellt werden. Es besteht hierfür ein Saldierungsverbot. Dividendenzahlungen werden dem IAS 7.34 folgend als Finanzzahlungsmittelströme angesehen, weil sie auf eine Eigenkapitalfinanzierung zurückzuführen sind. Die Zahlung von Ertragsteuern zählt in Einklang mit IAS 7.35 als Cash-Flow aus betrieblicher Tätigkeit. 6.10 Erläuterungen - BATHURST Ltd. Im Vergleich zum Anhang nach Deutscher Rechnungslegung, sind die Erläuterungen (notes) eine detailliertere Beschreibung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze. Der IAS 1.112 verlangt, dass die Erläuterungen Informationen über das Aufstellen des Jahresabschlusses und die zum Einsatz kommenden Bilanzierungsgrundsätze enthalten müssen. Weiter vermitteln die nach IFRS geforderten Erläuterungen Informationen, die nicht in anderen Statements abgebildet werden, z.B. einen Anlagespiegel (register of noncurrent assets). IAS 1.113 legt fest, dass die Erläuterungen systematisch aufzustellen sind und sie verständlich und vergleichbar sein müssen. Häufig enthalten die Jahresabschlusselemente (statement) Verweise auf die Erläuterungen - vergleichbar mit Fußnoten. Jedes bilanzierende Unternehmen muss Erläuterungen nach IFRSs aufstellen. Die Erläuterungen gehören zu einem vollständigen Jahresabschluss. Die BATHURST Ltd. erstellt ihre Erläuterungen bezogen auf die folgenden Themen, s.u. (a) Bilanzierungsgrundsätze (accounting policy). (b) Eigenkapital (equity). (c) Langfristige, zinspflichtige Schulden (non-current interest bearing liabilities). (d) Sachanlagen (tangible assets). (e) Vorräte (inventory). (f) Steuerschulden (tax liabilities). (g) Dividenden (dividend). (h) Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge (revenue and other income). (i) Aufwand (expenses). Die Erläuterungen für den Jahresabschluss der BATHURST Ltd. (notes) beziehen sich auf die Jahresabschlusselemente zum Bilanzstichtag 31.12.20X6, siehe Abbildung 6.8. Bathurst Ltd. NOTES to FINANCIAL STATEMENTS as at 31.12.20X6 (a) Accounting Policy These annual financial statements are prepared in accordance with IFRSs and the Company’s Act in Australia. (IAS 1.16) The international standards below apply: - IAS 1, - IAS 7, - IAS 12, <?page no="152"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-152 - IAS 16, - IAS 32, - IFRS 7, - IFRS 9, - IFRS 13, - IFRS 15. The company was established on 2.01.20X4 in the legal form of a limited company (Ltd.) under Australian law. Its balance sheet date is 31.12.20XX BATHURST Ltd. is registered for VAT reduction. The board of directors as per 31.12.20X6 is: - Chief executive officer (CEO), chair: Peter Lansfield (holding 10,000 ordinary shares) - Chief financial officer (CFO): Patricia Glenroy (holding 5,000 ordinary shares) - Chief operations officer (COO): Hank McKay (holding 6,000 ordinary shares) The independent Australian Auditing firm SAFETRUST Ltd. audited the financial statements on 5.02.20X7. The statement of auditors discloses that in their opinion, the financial statements present fairly, in all material respects, the financial position of BATHURST Ltd. as of 31 December 20X6, and its financial performance and cash flows for the year then ended in accordance with International Financial Reporting Standards and the requirements of the company’s act in Australia. The Accounting period 20X6 started on 1.01.20X6 and ended on 31.12.20X6. Comparative information is given for the fiscal year 20X5 as per 31.12.20X5. The financial statements are prepared on historical cost basis. Tangible assets are valued at cost less accumulated depreciation. Depreciation method is straight-line method for tangible assets. Liabilities are reported on amortised cost basis applying the effective interest method in compliance with IFRS 9. (b) Equity Issued capital: BATHURST Ltd. was established on 2.01.20X3 by a par value share issue of 50,000 ordinary shares at 6 AUD/ share. - Authorised shares: 100,000 ordinary shares at 6 AUD/ share nominal amount - Issued shares: 50,000 ordinary shares at 6 AUD/ share nominal amount Reserves: - Capital reserves: n/ a. - Earnings reserves: n/ a. - Revaluation reserves: n/ a. <?page no="153"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-153 Retained earnings: Retained earnings result from the valuation of liabilities and annual surplus of prior Accounting periods. (c) Interest bearing liabilities The interest bearings liabilities result from a bank loan with COMMONWEALTH BANK. The bank loan is a mortgage with a nominal, annual rate of interest of 2.5 %/ a. The principal is 150,000 AUD. The annual pay-off amount is 15,000 AUD/ a. The bank loan is secured by the office building, as separate title property, located in 3141 Melbourne, 193 Toorak Rd. The bank loan recognition is based on amortised costs. The effective interest method applies. The present value of the loan is: 105,000 AUD. The short-term liability portion therein is 15,000 AUD. The settlement amount for the bank loan is: 105,000 AUD. There are no further bank loans nor other long-term liabilities. (d) Tangible assets Tangible assets are one office, separate titled in an office block and three motor vehicles, type of Mercedes-Benz C-class. The office was conveyed into Bathurst Ltd.’s ownership on 5.01.20X4. The address is: 193 Toorak Rd, 3141 Melbourne. The floor size of the office is 47 m 2 . The purchase price plus cost of conveyance (total costs of acquisition) is 150,000 AUD. The office is financed through a bank loan (mortgage) of 150,000 AUD. Depreciation on the building is based on straight-line method and is amounting to 12,500 AUD/ a. The cars are disclosed on a register of non-current assets as a group of cars. The cars have been purchased at 65,000 AUD/ car on 2.01.20X4. The residual value of the cars is estimated to be: 3 × 5,000 = 1 15,000 AUD. Depreciation applies over a useful life period of four years based on straight-line method. Depreciation charges on motor vehicles are 15,000 AUD/ (a × car). Asset P, P, E @ cost / @ valuation Acc. depr. Acc. impairment loss Carrying amount Office (Toorak Rd, Melbourne) 150,000 (37,500) 0 112,500 Cars 3 Mercedes-Benz C-class 195,000 (135,000) 0 60,000 Total 172,500 Bathurst Ltd. REGISTER of NON-CURRENT ASSETS as at 31.12.20X6 The reconciliation of opening values with closing amounts is disclosed on asset group levels below: <?page no="154"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-154 Cars Office total [AUD] [AUD] [AUD] Opening value 20X5 150,000 137,500 287,500 Additions 0 Disposal 0 Depreciation (45,000) (12,500) (57,500) Impairment loss 0 Revaluations 0 Closing value 20X5 105,000 125,000 230,000 Additions 0 Disposal 0 Depreciation (45,000) (12,500) (57,500) Impairment loss 0 Revaluations 0 Closing value 20X6 60,000 112,500 172,500 Bathurst Ltd. RECONCILIATION of OPENING VALUES with CLOSING VALUES as at 31.12.20X6 (e) Inventory Bathurst Ltd. does not carry inventories as per 31.12.20X6. (f) Tax liabilities Income taxes (IAS 12) All income tax liabilities along IAS 12 are resulting from income taxes. The income taxes are based on earnings from 20X6 and are amounting to 22,080 AUD. No prepayments for income taxes have been made. The amount for income tax is due on 15.01.20X7. Income taxes are disclosed as short-term liabilities on the balance sheet and under the income tax liability item. VAT payables The revenues earned by renting out motor vehicles are VATable at a VAT rate of 20 %. The VAT payables are: 38,220 AUD. The value is net of input-VAT claims. The amount is disclosed as short-term liability under the item accounts payables A/ P. VAT payables are due on 15.01.20X7. (g) Dividends BATHURST Ltd.’s owners declared a dividend to its registered shareholders to an extent of 0.10 AUD/ share. The total of dividends is: 50,000 × 0.10 = 5 5,000 AUD. The proposed payment of dividends needs approval at the annual meeting held on 30.05.20X7. The dividend is due on 15.06.20X7. The dividend will be paid to all shareholders registered as per 1.06.20X6. (h) Revenue Car rental (core business) <?page no="155"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-155 BATHURST Ltd. earned a revenue of 191,100 AUD by renting out motor vehicles in Australia. No trade rebates/ discounts have been allowed. Receivables of 103,194 AUD result from business operations. Financial revenue (other income) An interest income of 8,000 AUD was earned from holding 2,000 bonds of Bank of Queensland. The bonds mature on 6.11.20Y9, and their nominal value is 100 AUD/ bond. The annual coupon rate is 4 %/ a. The bonds are traded at 100 AUD/ bond as per 31.12.20X6. (i) Expenses Total expenses at BATHURST Ltd. are amounting to 125,125 AUD. The expense values are disclosed in detail below: - Depreciation on cars and office: 57,500 AUD. - Interest on bank loan: 3,000 AUD (effective rate of interest: 2.5 %/ a). - Operational expenses, such as: labour, maintenance, cleaning: 65,000 AUD. Melbourne, in January 20X7 Peter Lansfield ______________________ (CEO - BATHURST Ltd.) Abb. 6.1: Erläuterungen der BATHURST Ltd. (20X6) Die Erläuterungen entsprechen den Vorschriften des IAS 1. Sie werden vom Vorstandsvorsitzenden (chief executive officer (CEO)) der BATHURST Ltd., Mr P. Lansfield, unterzeichnet. 6.11 Nachhaltigkeitsberichtserstattung ESG steht für Umwelt (environment), Sozialgerechtigkeit (social) und Unternehmensführung (governance). Bisher besteht für die BATHURST Ltd. keine rechtliche Verpflichtung zum Erstellen eines Nachhaltigkeitsberichts - ESG-Report. Unternehmen stellen zunehmend ihre Bemühungen zur Nachhaltigkeit in Ergänzung zu ihren Finanzberichten dar. Vergleichbar mit den Finanzberichten, die erstellt werden, um gegenüber den Eigentümerinnen oder Eigentümern der Verantwortung über das überlassene Kapital gerecht zu werden, kommt ein Nachhaltigkeitsbe- <?page no="156"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-156 richt der Verantwortung der Unternehmen gegenüber der Umwelt (environment), sozialen Gerechtigkeit (social equality) und der Anforderung an sorgfältige, ethische Unternehmensführung (due dilligence) nach. Unten wird ein fiktiver Nachhaltigkeitsbericht für die BATHURST Ltd. für das Geschäftsjahr 20X6 angeführt, der als Anhang in den Erläuterungen (notes) veröffentlicht wird. Anschließend wird auf die Standardisierung bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung eingegangen. Bathurst Ltd. ESG-Report as at 31.12.20X6 BATHURST Ltd. is a car rental in Melbourne, Australia, and voluntarily reports about its ESG performance and its objectives. It includes ESG aspects in its daily decisions. E - Environment BATHURST Ltd. is a service provider and aims to become CO2 neutral by 20Y0. It strives for the introduction of carbon accounting to control its CO2 emissions. It strives for improvement of its greenhouse gas footprint with regard to scope (1) direct emissions: BATHURST Ltd. operates a paperless office where no invoices or other correspondence with its customers is printed out. The renting-out is based on a smart phone app. The car maintenance and cleaning are carried out in environmentally friendly and certified facilities and avoids waste of water and the use of aggressive cleaning chemicals. Scope (2) indirect emissions: BATHURST Ltd. will install a solar panel system and will heat from 20X8 onwards its office with solar energy produced by its own panels mounted on the roof. Scope (3) - other emissions: The fleet of the company is consequently changed to emission neutral cars. BATHURST Ltd. does not invest in piston engine driven motor vehicles in the future. After regular replacement of all cars, BATHURST Ltd. solely rents out electric cars which are charged on its own wall boxes and get charged with solar electricity. S - Social Equality BATHURST Ltd. is committed to social equality. At the time of reporting, its board members are 1/ 3 women. With its hiring procedures the company ensures that aspects of social equality and inclusion are considered when deciding about new employees joining the company. The safety and working place healthy of its offices is controlled regularly. BATHURST Ltd. assigned one board member (Mr McKay) with the task of working place security. <?page no="157"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-157 G - Governance The corporate governance is based on risk management for the company (calculated on MonteCarloSimulations of identified and annually revised risk assessments) and the establishment of supply chains that guarantee the consideration of aspects of social equality and environmentally friendly production and service rendering. The rented-out cars are supporting e-mobility and are acquired from car manufacturers who report their ESG-performance themselves and in the future only with certified business partners. With national networking the company strives for building business cooperations with other rental companies to reduce the energy consumption on ferry rides for car returns. BATHURST Ltd. includes stakeholders by polls in their decision making procedures. BATHURST Ltd. invests in ESC education and reports voluntarily about its ESG achievements on social media and on its notes (as an appendix named ESG report). Melbourne, in January 20X7 Peter Lansfield ______________________ (CEO - BATHURST Ltd.) Abb. 6.2: Nachhaltigkeitsbericht der BATHURST Ltd. (20X6) Verbraucher sind heute an Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit interessiert und wollen von Produkten und Dienstleistungen, die sie kaufen oder konsumieren, den Einfluss auf die oben genannten Aspekte wissen. Ebenso prüfen Investorinnen oder Investoren als auch Kreditgeberinnen oder -geber die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen für ihre Entscheidungen über Beteiligungen an Unternehmen oder über deren Finanzierung. Unternehmen, wie in diesem Kapitel die dargestellte fiktive Kfz-Vermietung BATHURST Ltd. berichten freiwillig über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen und benutzen die Nachhaltigkeitsberichterstattung ebenso, um der Öffentlichkeit ihre Strategie und Erfolge im Bereich der Nachhaltigkeit darzustellen. Nachhaltigkeitsberichterstattung wird dabei häufig auch zur Selbstdarstellung verwenden. Dieses ist per se nicht negativ auszulegen, weil es das berichtende Unternehmen dazu anspornt, über Nachhaltigkeitsaspekte zu reflektieren und ihren Beitrag zu mehr umweltschonenden Geschäftsmodellen, zu weniger sozialer Ungerechtigkeit und Verbesserung der Unternehmensführung zu dokumentieren. Es besteht jedoch eine latente Gefahr eines Greenwashings, wenn die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht reglementiert und prüfbar ist. Durch ein Standardisieren der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird ein Beitrag zur besseren Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsdarstellung geleis- <?page no="158"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-158 tet. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird dafür auf den gleichen Stellenwert gehoben, den die Finanzberichterstattung geniest. Sie wird zukünftig Teil des Geschäftsberichts werden und prüfungspflichtig sein. In der EU müssen ca. 50.000 Unternehmen Nachhaltigkeitsberichterstattung leisten. Diese sind Unternehmen, die zwei aus drei Kriterien in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschreiten: Mehr als 250 Mitarbeiter, ein Umsatz über 50.000.000 EUR und eine Bilanzsumme von über 25.000.000 EUR. Bei Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt der Grundsatz der doppelten Wesentlichkeit: Es ist der Einfluss des Unternehmens auf die Umwelt als inside-out-Wesentlichkeit als auch der Einfluss des Umfelds auf das Unternehmen, z.B. bei Finanzierungen als outside-in-Wesentlichkeit zu berücksichtigen. Nachhaltigkeitskennzahlen sind nichtfinanzielle Messgrößen, die qualitativ oder quantitativ sind. Quantitative Kennzahlen sind z.B. (E) Treibhausgasemissionen, Nutzung von Energie und Wasser, Abfallvermeidung, CO 2 - Ausstoß; (S) Personalwechselhäufigkeit (employee turnover), Unfallstatistiken; (G) Diversität bei der Vorstandsbesetzung etc. Qualitative Kennzahlen lassen sich schwieriger vergleichen und sind z.B. (E) Klimaschutzstrategien, (S) der Beitrag des Unternehmens zu Diversität, zu sozialer Gerechtigkeit und Inklusion, Arbeitsplatzsicherheit; (G) der Aufbau von Unternehmenspartnerschaften innerhalb von Lieferketten, faire Bezah- 48 ESRS = European Sustainability Reporting Standards lung von Vorständen und Managerinnen oder Managern, Risikomanagement, Ethische Geschäftspraktiken. Qualitative Kennzahlen eröffnen einen größeren Raum für Interpretationen und geben mehr Anlass zu Diskussionen. Die Standardisierung von Nachhaltigkeitsberichten wird von unterschiedlichen Organisationen unterstützt. Es werden hier nur die wichtigsten namentlich erwähnt.: - Global Reporting Initiative’s GRI standards - SABS Standards - IFRS Sustainability Disclosure Standards (entwickelt von der IFRS Foundation und dem kürzlich eingerichtetem ISSB International Sustainability Standards Board) Das Komitee kooperiert mit dem EFRAG und GRI, um sicherzustellen, dass die Standards zu den länderspezifischen Regelungen konform sind. Derzeit sind der IFRS S1 und IFRS S2 veröffentlicht worden. - CSRD ist die europäische Corporate Sustainability Reporting Directive. Sie ist für börsennotierte und große Unternehmen in Europa zu beachten. Die Berichtsanforderungen sind an einer Vielzahl von Berichtspunkten geknüpft, die den Leserinnen oder Lesern von Nachhaltigkeitsberichten vergleichbare Informationen, z.B. der ESRS 48 E1 über Klimawandel, der 276 Berichtspunkte umfasst. Die ESRS werden vom EFRAG European Financial Reporting Advisory Group entwickelt. <?page no="159"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-159 Hier wird sich an dem ISSB orientiert, das zwei Standards, IFRS S1 und IFRS S2, herausgegeben hat. Der erste beschreibt allgemeinen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und der zweite ist auf klimabezogene Berichte ausgerichtet. 6.12 Zusammenfassung In diesem Kapitel wurden die formalen Vorschriften für die finanzielle Rechnungslegung und die Nachhaltigkeitsberichterstattung behandelt. Es wurde sich auf die Vorgaben aus dem Rahmenwerk, dem IAS 1 und IAS 7 bezogen. Es wurde ein vollständiger Jahresabschluss für die Fallstudie BATHURST Ltd. beschrieben, die eine fiktive Kfz-Vermietung in Melbourne ist. Der Jahresabschluss enthält eine Bilanz, einer Gewinn- und Verlustrechnung, eine Eigenkapitalveränderungsrechnung, eine Kapitalflussrechnung und die Erläuterungen. Es wurden Besonderheiten beim Ausweis von Darlehn, negative Bankkontosalden, sonstige Erträge, Zinsdarstellungen bei der Kapitalflussrechnung etc. erläutert. 6.13 Arbeitsdefinitionen Abrechnungsperiode (accounting period): Zeitspanne, für die der Jahresabschluss aufgestellt wird. In diesem Lehrbuch ist sie immer ein Jahr. Effektivzinsmethode (effective interest method): Bewertung von Schulden und Finanzinstrumenten über einen Zahlungsvektor, bei dem die Vektorelemente mit dem internen Zinsfuß aufgezinst werden. Der Effektivzinssatz kann über ein Iterationsverfahren berechnet werden. Die einfachste Berechnung ist jedoch über die MS-Excel-Funktion IKV(). Zahlungen werden für die Bewertung abgezogen, z.B. für Darlehnstilgung. Erläuterungen (notes): Darstellung von Rechnungswesenansätzen und Erläuterung der Jahresabschlusspositionen. 6.14 Kontrollfragen (1) Eine Aktiengesellschaft wird am 10.03.20X4 durch Ausgabe von 100.000 Stammaktien (ordinary shares) zu jeweils 1 EUR/ Aktie gegründet. Es zieht am 1.10.20X4 10.000 Stammaktien ein. Auf der Hauptversammlung beschießen die Aktionärinnen oder Aktionäre über die Gewinnverwendung. Der zur Ausschüttung verfügbare Betrag ist 200.000 EUR. Sie beschließen eine Dividende von 0,50 EUR/ Aktie und dass der Rest in das nächste Jahr vorgetragen werden soll. Wie hoch ist der Saldo des Bilanzgewinnkontos (retained earnings account) wie er im Jahresabschluss zum 31.12.20X4 dargestellt wird? 1. 125.000 EUR . 2. 150.000 EUR . 3. 155.000 EUR . 4. 159.583 EUR . (2) Eine Kapitalgesellschaft nimmt am 4.07.20X3 einen Kredit als Annuitätendarlehn (annuity) mit einem Nennwert von 100.000 EUR auf. Der Zinssatz beträgt 3 %/ Jahr. Die Annuität ist 10.000 EUR/ Jahr. Im ersten Jahr (20X3) wird die An- <?page no="160"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 6-160 nuität ratierlich berechnet (Beachten Sie den Zeitpunkt der Darlehnsaufnahme). Wie wird das Bankdarlehn in der Bilanz unter langfristigen Schulden ausgewiesen? Sie müssen den IAS 1.60 befolgen! ) 1. 85.790 EUR . 2. 96.500 EUR . 3. 93.000 EUR . 4. 89.395 EUR . (3) Ein Unternehmen berichtet in den Erläuterungen (notes) über sonstige Erträge (other comprehensive income). Es hat in der letzten Abrechnungsperiode einen Ertrag aus Zinserträgen i.H.v. 5.000 EUR und aus Anleihenverkäufen (bond disposal) erzielt. Die Anleihen wurden am 1.01.20X6 zu 95.000 EUR erworben; dieses bedeutet eine Anschaffung zu 5 % unter dem Nennwert (at discount). Der Nennwert beträgt 100.000 EUR. Am 1.07.20X6 ist der beizulegende Wert (fair market value) der Anleihen 98.000 EUR aber dem Unternehmen gelingt es, die Anleihen an diesem Tag zu 100.000 EUR zu verkaufen. Wie hoch ist der sonstige Ertrag während der Abrechnungsperiode, wenn die Anleihen zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert werden? 1. 10.000 EUR . 2. 4.500 EUR . 3. 7.500 EUR . 4. 5.250 EUR . (4) Ein Unternehmen, dass Jahresabschlüsse nach IFRSs aufstellt, erwirbt Material für 50.000 EUR. Es verbraucht davon die Hälfte für die Produktion. Die Hälfte der hergestellten Erzeugnisse, die das Material enthalten, werden während der Abrechnungsperiode verkauft. Das Unternehmen stellt ihre Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren (cost of sales format) auf. Die hoch ist Materialaufwand, der in den Erläuterungen (notes) anzugeben ist? 1. 50.000 EUR . 2. 12.500 EUR . 3. 25.000 EUR . 4. 0 EUR . (5) Ein Unternehmen, dass nach IFRSs bilanziert, erwirbt am 3.01.20X4 eine Maschine zu einem Preis i.H.v. 120.000 EUR (brutto). Der Verkäufer bietet am 4.03.20X4 einen Preisnachlass von 10 % an. Die Abschreibung folgt der degressiven Abschreibungsmethode (diminishing balance method) mit einem Prozentwert von 1,5 %/ Monat. Erstellen Sie einen Anlagespiegel. Wie hoch ist der Buchwert (carrying value) zum Bilanzstichtag 31.12.20X5? 1. 62.620 EUR . 2. 83.493 EUR . 3. 69.578 EUR . 4. 62.406 EUR . 6.15 Lösungen 1-3, 2-4, 3-3, 4-2, 5-1. <?page no="161"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-161 7 Anlagevermögen in der Bilanz 7.1 Inhalt dieses Kapitels Dieses Kapitel behandelt die Aktivierung und Bewertung von Anlagevermögen, z.B. Maschinen, Fahrzeugen, Innenausstattungen von Restaurants, Lizenzen etc. Allgemein gilt, dass das Anlagevermögen länger als eine Abrechnungsperiode im Unternehmen bleibt. Deshalb sind Bewertungsänderungen, z.B. Abschreibungen, Wertminderungsaufwand und Neubewertungen zu berücksichtigen. Die Struktur in diesem Kapitel folgt der zeitlichen Reihenfolge von Transaktionen während der Lebensdauer des Sachanlagevermögens. Es beginnt mit Aktivierungen, behandelt anschließend Folgebewertungen und endet mit dem Abgang von Vermögenswerten. Es wird sich auf IAS 16 und IAS 36 konzentriert. IAS 16 behandelt die Aktivierung und Bewertung von Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) und IAS 36 regelt Wertminderungsaufwand (impairment loss). Dieses Kapitel behandelt ebenso immaterielles Vermögen (IAS 38), Immobilienbesitz (investment property) (IAS 40), Leasing (IFRS 16), Finanzinstrumente (IAS 32, IAS 39, IFRS 7 und IFRS 9) und das Kapitalisieren von Finanzierungsaufwand (borrowing costs) (IAS 23). Jeder Aspekt wird in einer separaten Fallstudie behandelt. 7.2 Lernziele Nach dem Lesen dieses Kapitels können Sie Sachanlagevermögen nach IFRS aktivieren und bewerten. Sie können Sachanlagevermögen zum Zeitpunkt der erstmaligen Aktivierung buchen und wissen, ob und wie das Kosten- oder Neubewertungsmodell nach IAS 16 für Folgebewertungen anzuwenden ist. Ihnen sind ebenso die Buchungssätze beim Verkauf oder Abgang von Sachanlagen bekannt und Sie sind mit Spezialvorschriften nach IFRS 5 für Vermögen, das zur Veräußerung bestimmt ist, vertraut. Sie verstehen die Bilanzierung von Leasing, Immobilien und Finanzinstrumenten. In diesem Kapitel lernen Sie die unten genannten Themen in der angegebenen Reihenfolge und kennen die zugehörigen IFRSs Standards: (1) Erstbewertung (initial recognition). (2) Folgebewertung (subsequent valuation). (3) Vermögensabgang (disposal of assets). (4) Immobilienbesitz und Sachanlagen, die zum Verkauf anstehen (investment property and assets held for sale). (5) Immaterielles Vermögen (intangible assets). (6) Leasingverträge (leases). (7) Finanzinstrumente (financial instruments). 7.3 Erstbewertung Nach F 4.4 (framework), ist ein Vermögenswert (asset) eine vom bilanzierenden Unternehmen aufgrund eines vorherigen Ereignisses in Verfügungsmacht stehende Ressource, von der wirtschaftliches Nutzenpotential ausgeht. <?page no="162"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-162 Die IFRSs orientieren sich mehr an dem Aspekt des wirtschaftlichen Nutzens als an rechtlichem Besitzstand. Die Aktivierung und Bewertung von Vermögen hängen von der Erwartung auf wirtschaftliches Nutzenpotential und der Verlässlichkeit für die Bewertung ab. Der F 4.8 definiert wirtschaftlichen Nutzen als das Potential künftige Zahlungseingänge zu generieren oder zu äquivalenten Vorteilen beizutragen. Dies kann vom Beitrag des Vermögens abhängen, zur Produktion, Dienstleistungserstellung oder Verwaltung beizutragen oder auch von der Möglichkeit eines Verkaufs. Ein bilanzierendes Unternehmen muss Verfügungsmacht über ihr Vermögen besitzen. Wenn ein Unternehmen Vermögen nicht beherrscht, darf es dieses nicht bilanzieren, z.B. kann eine Ärztin oder ein Arzt, die oder der in ihrem oder seinem Patientenstamm ein Potential für wirtschaftlichen Nutzen erkennt, diesen nicht aktivieren, weil sie oder er nicht die Arztwahl ihrer oder seiner Patientinnen oder Patienten beeinflusst. Ebenso ist die Reputation oder ein Markenbekanntheitsgrad nicht bilanzierungsfähig, weil daraus abgeleitetes Verhalten von Kundinnen oder Kunden nicht gesteuert werden kann. Die Forderung nach einem Ereignis in der Vergangenheit bezieht sich darauf, wie das bilanzierende Unternehmen den Besitz von Vermögen erlangt hat und bestimmt seine Bewertung; so kann Vermögen durch Anschaffung, Schenkung oder z.B. über ein Leasingverhältnis zugehen. Der IAS 16 legt ebenfalls fest, wie Vermögen zu aktiveren ist. Das Aktivieren 49 Ein Beispiel für eine Flugzeugabschreibung wird im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (17) besprochen. (asset recognition) nach F 4.37 bedeutet, das Vermögen auf der Aktivseite der Bilanz auszuweisen. Zum Aktivierungszeitpunkt muss das bilanzierende Unternehmen den Wert des Vermögens verlässlich bestimmen können. Oben Genanntes führt auf die Aktivierungsvoraussetzungen (recognition requirements) wie sie in IAS 16.7 angegeben sind: Vorliegen von wirtschaftlichem Nutzenpotential und Verlässlichkeit bei der Bewertung. In einigen Fällen muss zur Aktivierung Vermögen in Bestandteile aufgeteilt werden. Dies gilt für Vermögen, das wesentliche Ersatzteile (major spare parts) enthält. Solches Vermögen wird nach IAS 16.8 getrennt bilanziert. Ein Verkehrsflugzeug wird als eine Menge von einzelnen Sachanlagevermögenswerten bilanziert, z.B. Rumpf, Triebwerke, Innenausstattung - selbst, wenn diese miteinander, z.B. durch Bolzen, Nieten, etc., zusammengefügt sind. Für die einzelnen Komponenten gelten unterschiedliche Abschreibungsparameter, z.B. unterschiedliche Lebensdauern für den Rumpf und die Triebwerke. Für Flugzeuge regelt IAS 16.14 zusätzlich, dass regelmäßige Wartungsarbeiten (major part inspections, checks) in die Bewertung einbezogen werden müssen. 49 Es kommt hierbei auf die Bedeutung der Komponenten an; bei einem Kfz würden z.B. Winterreifen nicht einzeln aktiviert. Zu Beginn dieses Kapitels wird sich auf die erstmalige Bilanzierung (initial recognition) bezogen. Technisch gesehen ist die Aktivierung ein Buchungs- <?page no="163"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-163 satz mit einer Sollbuchung im Sachanlagekonto (property, plant, equipment), einer weiteren Sollbuchung für die Vorsteuerforderung im Umsatzsteuerkonto (value added tax account) und einer Habenbuchung unter Kasse/ Bank oder Verbindlichkeiten. Für die Bewertung regelt der IAS 16.15, dass Sachanlagevermögen zu Anschaffungskosten (at cost) zu aktiveren ist. Der Ausdruck „at costs“ bezieht sich auf die historischen Anschaffungskosten, wie sie in IAS 16.16. festgelegt sind. Der Paragraf beschreibt drei Kostenkategorien für die Vermögensbewertung. Sie müssen addiert werden, um den Wert des Vermögensgegenstands zu bestimmen. (a) Anschaffungspreis, einschließlich Einfuhrzölle, nicht erstattungsfähige Umsatzsteuer abzüglich von Preisnachlässen und Rabatten. (acquisition price, including import duties, non-refundable VAT, less trade discounts and rebates). (b) Direkt zurechenbare Kosten (directly attributable costs). (c) Abbruchkosten (cost of dismantling). 7.4 F/ S GETEN (Pty) Ltd. Die Anschaffungskosten und das Berücksichtigen von Preisnachlässen werden anhand der Fallstudie GETEN (Pty) Ltd. erläutert. Datenblatt für die GETEN (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Gqeberha). Berichtswährung: ZAR. Klassifizierung: Produktionsunternehmen. Anschaffung einer Standsäge: 24.000 ZAR Bruttopreis. Preisnachlass: 5 %. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die GETEN (Pty) Ltd. ist ein Produktionsunternehmen und kauft am 17.09.20X1 eine Standsäge zu einem Preis von 24.000 ZAR. Der Preis ist der Bruttowert und enthält 20 % Vorsteuer. Die GETEN (Pty) Ltd. ist vorsteuerabzugsberechtigt. Hinweis: Eine Vorsteuerabzugsberechtigung ist der Standardfall für Steuerpflichtige (tax payers), die Unternehmen sind. Sie berechtigt dazu, die gezahlte Vorsteuer (input-VAT) vom Finanzamt erstattet zu bekommen und verpflichtet es, Umsatzsteuern (output-VAT) beim Verkauf zu vereinnahmen und an das Finanzamt abzuführen. Der Verkäufer der Standsäge bietet der GETEN (Pty) Ltd. einen Preisnachlass von 5 %. Ein Preisnachlass (discount) ist eine Preisminderung zum Verkaufszeitpunkt. Wenn der Preis nachträglich reduziert wird, spricht man von einem Rabatt (rebate). Der reduzierte Verkaufspreis für die Standsäge im Fall GETEN (Pty) Ltd. beträgt: 95% × 24.000 = 2 22.800 ZAR. Die Standsäge ist Sachanlagevermögen. Es wird erwartet, dass GETEN (Pty) Ltd. zukünftiger wirtschaftlicher Nutzen durch den Einsatz der Standsäge in der Produktion entsteht. Um die Standsäge zu aktivieren, berechnet die GETEN (Pty) Ltd. die Anschaffungskosten zu: (24.000/ 120%) × (1 - 5%) = 1 19.000 ZAR. Die Vorsteuer zählt nicht zu den Anschaffungskosten, weil sie vom Finanzamt erstattet wird. Nach IAS 16.16 zählen nur nichterstattungsfähige Verkaufssteuern zu den Anschaffungskosten. Weil in diesem Lehrbuch angenommen wird, dass jedes Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist, kommt das Aktivieren von Vorsteuern nicht vor. <?page no="164"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-164 Hinweis: Für eine Bilanzierende oder einen Bilanzierenden, die oder der nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, würde die Vorsteuer zu den Anschaffungskosten (cost of acquisition) zählen, d.h. es würde der Bruttowert aktiviert. Der Preisnachlass muss nach IAS 16.16 abgezogen werden. Die Anschaffungskosten für die Standsäge lassen sich verlässlich bestimmen, weil sie vom Einkaufspreis abgeleitet werden. Der gewährte Preisnachlass wird aus didaktischen Überlegungen einzeln dargestellt. Entsprechend werden die folgenden Buchungssätze erfasst. Hinweis: In einer Rechnungswesenklausur ist es einfacher, den Buchungssatz zu vereinfachen und sofort von dem reduzierten Kaufpreis auszugehen; hier wären die reduzierten Anschaffungskosten 19.000 ZAR. Siehe unten. 50 Am 17.09.20X1: DR P, P, E-account PPE.......... 20.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 4.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 24.000 ZAR DR Cash/ Bank C/ B................ 1.200 ZAR CR Discount Received Account DRA 1.200 ZAR DR Discount Received Account DRA 1.200 ZAR CR Value Added Tax.............. 200 ZAR CR P, P, E-account PPE.......... 1.000 ZAR Weil der Verkäufer den Preisnachlass sofort gewährt, kann der Buchungssatz wie unten erfasst werden: Am 17.09.20X1: DR P, P, E-Account PPE.......... 19.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 3.800 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 22.800 ZAR Nach dem Erfassen des Buchungssatzes für die Standsäge ist ihre Aktivierung abgeschlossen und ihr Wert wird im Sachanlagenkonto (property, plant, equipment) mit 19.000 ZAR geführt. 50 Siehe zu Preisnachlässen das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (36). 7.5 Qualifizierte Vermögenswerte Wenn Vermögen noch weitere, erhebliche Konfigurationsschritte, Anpassungen oder weitere Produktionsschritte für seinen geplanten Einsatz erfordert, sind der Qualifizierungsaufwand und evtl. zusätzlicher Zinsaufwand zu berücksichtigen und müssen <?page no="165"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-165 in die Bewertung nach IAS 16.16(b) einbezogen werden. Eine Taxigesellschaft, die ein Kfz erwirbt und einen Taxameter installiert, bereitet das Fahrzeug auf den geplanten Einsatz (deployment) als Taxi vor. Die Kosten für die Taxiausstattung und ihren Einbau erhöhen die Anschaffungskosten und werden zusammen mit dem Taxi abgeschrieben - statt sie in der Periode des Erwerbs als Aufwand zu erfassen. Sie sind keine großen, bedeutsamen Ersatzteile (major spare parts) im Sinne des IAS 16.8. Weiterer Aufwand kann den Anschaffungskosten als Zinsen zugerechnet werden, wenn diese zur Finanzierung des Umbaus anfallen. Der IAS 23.8 verlangt, dass das bilanzierende Unternehmen den bei der Qualifizierung anfallenden Zinsaufwand (borrowing costs) in die Anschaffungskosten einbezieht. Der IAS 23.10 bestimmt die Bedingungen für das Kapitalisieren von Finanzaufwand. Ein allgemeiner, nicht spezifizierter Zinsaufwand oder Reparaturaufwand, z.B. das Auswechseln einer Auspuffanlage bei einem Kfz, dürfen nicht in die Anschaffungskosten eingerechnet werden, weil sie Betriebsaufwand darstellen und erfolgswirksam erfasst werden müssen, wenn sie entstehen. Hinweis: Der Ausdruck erfolgswirksames Erfassen bedeutet das Buchen durch das Gewinn- und Verlustrechnungskonto. Im Englischen wird das als recording through profit or loss oder als recording through other comprehensive income bezeichnet. 7.6 F/ S LANGDAM Bhd. Zum Verständnis über qualifizierte Vermögenswerte (qualifying assets) 51 wird die Fallstudie LANGDAM Bhd. in Kuala Lumpur behandelt: Datenblatt für die LANGDAM Bhd. Standort: Malaysia (Kuala Lumpur). Berichtswährung: Malaysische Ringgit MYR. Klassifizierung: Dienstleistungsunternehmen. Anschaffung von Software: 340.000 MYR Nettoeinkaufswert. Anpassungsaufwand: 100.000 MYR. Umsatzsteuersatz: 20 %. LANGDAM Bhd. ist eine Unternehmensberatungsgesellschaft in Malaysia. Das Unternehmen erwirbt am 24.11.20X6 die Software ADMACC für ihre Kundenauftragsabwicklung. Der Nettoeinkaufspreis für die ADMACC Software beträgt 340.000 MYR. Zusätzlich zu den Kosten für den Einkauf der Software passt ein Softwarespezialist die Software auf die Bedürfnisse der LANGDAM Bhd. an. Hinweis: Das Anpassen einer Software bedeutet das Vornehmen von Einstellungen und das Anlegen der Stammdaten und wird als Customizing bezeichnet. Der Softwareexperte stellt 100.000 MYR in Rechnung (netto). Das Customizing stellt direkt zurechenbare Kosten nach IAS 16.16(b) dar. Deshalb wird die Aktivierung der Software ADMACC wie unten gebucht: 51 Siehe als detailliertere Darstellung zu Qualifying Assets den Beitrag: Berkau, C.: Kapitalisierung von Fremdkapitalkosten für das Errichten einer Vermietungsimmobilie. In: KOR 24(2024)10, S. 399-404. <?page no="166"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-166 Am 24.11.20X6: DR P, P, E-account PPE.......... 340.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 68.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 408.000 ZAR DR P, P, E-account PPE.......... 100.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 20.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 120.000 ZAR Die Software ADMACC wird mit: 340.000 + 100.000 = 4 440.000 MYR bewertet. Dies ist der Wert für ihre erstmalige Aktivierung. 52 Er enthält den Qualifizierungsaufwand. Vermögenerwerb kann ebenso auf der Grundlage von Tauschgeschäften erfolgen oder Vereinbarung über verspätete Zahlungen unter Berücksichtigung von Zinsanteilen enthalten, die anteilige Anschaffungskosten sind. Es werden nicht alle Aspekte der Aktivierung im Lehrbuch behandelt. Es stehen jedoch Fallstudien zu diesen Themen in den Zusatzmaterialien zur Verfügung. Siehe die Spezialfallstudien, die über Link 7.A und Link 7.B aufgerufen werden können. Link 7.A: RAVENWOOD GmbH Link 7.B: OTZE AG Accounting-Prozess-Schritte (Erstmalige Aktivierung (initial asset recognition)): (1) Bestimmen Sie den zu aktivierenden Vermögenswert und ob die Aktivierungsvoraussetzungen (recognition criteria) erfüllt sind. Das Vermögen muss zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen versprechen und verlässlich bewertbar sein. (2) Wenden Sie das Kostenmodell an. Nach dem Kostenmodell werden die Anschaffungskosten dem IAS 16.16 folgend bestimmt. (3) Unternehmen mit Vorsteuerabzugsberechtigung müssen die Vorsteuer abziehen. (4) In dem Fall, dass Einführzölle anfallen, müssen diese auf den Nettowert bezogen und addiert werden. Kalkulieren Sie die ziellandspezifische Umsatzsteuer um 52 Siehe: IAS 16.15 - IAS 16.28. <?page no="167"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-167 den neuen, zu zahlenden Bruttowert zu bestimmen. Ziehen Sie die Vorsteuer ab, wenn das importierende Unternehmen zum Zeitpunkt der Aktivierung vorsteuerabzugsberechtigt ist. (5) Ziehen Sie Rabatte und Preisnachlässe ab, die Sie von der Lieferantin oder dem Lieferanten gewährt bekommen haben. (6) Wenn die Verkäuferin oder der Verkäufer einen Zinsanteil in den Preis einbezieht, weisen Sie den Zinsaufwand getrennt aus. Falls das Unternehmen die Finanzierungskosten kapitalisiert, ist keine Trennung erforderlich. (7) Nehmen Sie eine Sollbuchung im Sachanlagekonto (property, plant, equipment) für die Anschaffungskosten vor, eine weitere Sollbuchung für die Vorsteuerforderung und eine Habenbuchung im Kasse-/ Bank-Konto oder unter Verbindlichkeiten. (8) Falls eine (getrennte) Zinskomponente anfällt, buchen Sie die Zinsen im Zinsaufwandskonto (interest account). 7.7 Folgebewertungen Eine Folgebewertung (subsequent valuation) ist jede Bewertung, die der Aktivierung folgt, z.B. für Abschreibungen, Wertminderungsaufwand oder Neubewertungen. Grundsätzlich bestimmt die Bewertung (measurement), zu welchem Wertansatz das Vermögen in der Bilanz ausgewiesen wird. Der Betrag, mit dem das Vermögen bilanziert wird, ist der Buchwert (carrying value). Einige Vermögensbewertungen ändern sich nicht, z.B. Grundstücke, weil Land keinem Werteverzehr unterliegt. Es kann jedoch eine Neubewertung durch z.B. Erhöhung von Grundstückspreisen erforderlich werden. Die meisten Vermögensgegenstände ändern ihren Wert durch den Einsatz (deployment) oder aufgrund von Veralterung. Hinweis: Das Bewerten von Abschreibungsaufwand über die Nutzungsdauer ist eine Vereinfachung im Gegensatz zum Berücksichtigen von Parametern, die den Einsatz und/ oder dessen Intensität messen. Für Folgebewertungen regelt IAS 16.29, dass das bilanzierende Unternehmen das Vermögen entweder nach dem Kostenmodell oder dem Neubewertungsmodell bewerten muss. Eine Folgebewertung nach dem Kostenmodell in Einklang mit IAS 16.30 enthält die ursprüngliche Bewertung zu Anschaffungskosten und Anpassungen für z.B.: (a) Abschreibungen (depreciation). (b) Wertminderungsaufwand (impairment loss). (c) Wertaufholungen (reversal of an impairment loss). Abschreibungen berücksichtigen die gewöhnliche Nutzung von Sachanlagen und deren Werteverzehr. Die Abschreibungsbuchungssätze enthalten <?page no="168"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-168 eine Sollbuchung für Abschreibungsaufwand und eine Verminderung des Buchwertes für das Vermögen auf der Habenseite des Kontos für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation). Wertminderungsaufwand entsteht für außergewöhnliche Abschreibungen, welche durch überdurchschnittlichen Gebrauch oder Unfälle, z.B. Werkzeugbruch bei einer Produktionsmaschine, entstehen. Die Notwendigkeit zum Erfassen von Wertminderungsaufwand wird dadurch sichtbar, dass der für Vermögen beim Verkauf erzielbare Betrag (recoverable amount) unter dem Buchwert liegt (IAS 36.59). Die Differenz zwischen dem durch Verkauf oder Einsatz erzielbaren Betrag, welches der höhere Wertansatz aus Veräußerungswert und Nutzungswert ist, und dem Buchwert ist als Wertminderungsaufwand zu erfassen. Es wird eine Sollbuchung im Wertminderungsaufwandskonto (impairment loss) und ein Habenbuchung im Konto für kumulierte Wertminderungen (accumulated impairment loss) vorgenommen. Anschließend muss dem IAS 36.63 folgend die weitere Abschreibung auf die vorgenommene Wertminderung angeglichen werden. Es besteht nachfolgend auch die Möglichkeit zu einer Wertaufholung (reversal impairment loss) nach IAS 36.110. Dabei wird eine zuvor vorgenommene Wertminderung ganz oder teilweise rückgängig gemacht. Der neue, erzielbare Betrag (recoverable amount) ist auf denjenigen Wertansatz beschränkt, den der Vermögenswert ohne Wertminderungsaufwand gehabt hätte. Wenn der beizulegende Wert höher ist, muss für den Anteil, den der Buchwert den Wertansatz, der bei regelmäßiger Abschreibung entstanden wäre, übersteigt, eine Neubewertung (revaluation) gebucht werden. Eine Neubewertung (revaluation) folgt dem Neubewertungsmodell nach IAS 16.31 und bezieht sich auf eine Bewertung nach: (a) Aktuellen Buchwerten (current values). (b) Nettoveräußerungswerten (net realisable values). (c) Gebrauchswerten (value in use). Eine Neubewertung ist geboten, wenn Vermögen unterbewertet ist. Dieses bedeutet, dass der beizulegende Wert (fair value) den aktuellen Buchwert übersteigt. Der beizulegende Wert orientiert sich i.d.R. am erzielbaren Betrag. Nachfolgend werden Fallstudien behandelt, die Abschreibungen, Wertminderungsaufwand und Neubewertungen in dieser Reihenfolge behandeln. 7.8 F/ S GELLENDORFF Ltd. Abschreibungen und Wertminderungsaufwand werden an der Fallstudie GELLENDORFF Ltd. für einen Geschäftswagen gezeigt. Es wird eine Wertminderung durch einen Unfall verursacht, gegen den die Gesellschaft versichert ist. Es wird gezeigt, dass Versicherungserstattungen als sonstiger Ertrag erfasst werden. Datenblatt für die GELLENDORFF Ltd. Standort: Australien (Perth). Berichtswährung: AUD. Einteilung: nicht relevant. <?page no="169"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-169 Anschaffung eines Kfz zu 80.000 AUD mit einem Rabatt von 10 %: 72.000 AUD Bruttopreis. Zeitpunkt der Anschaffung: am 2.04.20X1. Abrechnungsperioden: 20X1 - 20X6. Abschreibungen: lineare Abschreibungsmethode über eine Nutzungsdauer von fünf Jahren, Restwert: 10.000 AUD. Am 4.04.20X4: Wertminderung aufgrund eines Unfalls auf, Fall (i): 24.700 AUD; Fall (ii): 18.400 AUD. Reparaturaufwand: 8.400 AUD (brutto). Bewertung nach der Reparatur: Fall (i) am 8.04.20X4; in Fall (ii): drei Monate später auf: 22.400 AUD am 8.07.20X4. Der Restwert sinkt um 2.300 AUD - nur Fall (ii). In beiden Fällen entschädigt die Versicherung die GELLENDORFF Ltd. für den Reparatur- und Wertminderungsaufwand. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die GELLENDORFF Ltd. erwirbt am 2.04.20X1 einen Geschäftswagen Volkswagen ID.4 und zahlt den Bruttoeinkaufspreis von 80.000 AUD. Das Kfz erfüllt die Aktivierungsbedingungen (recognition criteria): Es führt für die GELLENDORFF Ltd. zu zukünftigem wirtschaftlichem Nutzen und kann verlässlich bewertet werden. Einen Monat später gewährt der Autohändler der GELLENDORFF Ltd. einen nachträglichen Preisnachlass (rebate) von 10 %. Die Anschaffungskosten werden nach IAS 16.16 bestimmt und erfordern das Berücksichtigen des Rabatts. 53 Die Anschaffungskosten für den Volkswagen ID.4 betragen: (1 - 10%) × 80.000 / 120% = 6 60.000 AUD. Wegen der Vorsteuerabzugsberechtigung ist die Vorsteuer für GELLENDORFF Ltd. erstattungsfähig und kann kein Bestandteil der Anschaffungskosten sein. Der Nettowert nach Abzug des Rabattes ist 72.000 AUD. Hätte der Händler den Preisnachlass sofort gewährt, hätte die Anschaffung auf der Grundlage des reduzierten Preises gebucht werden können. Weil die GELLENDORFF Ltd. den Rabatt einen Monat nach dem Kauf erhält, muss die ursprüngliche Anschaffung und das Erhalten des Rabattes durch ein Rabattkonto (rebate received account) erfasst werden. Das Rabattkonto ist in der Abbildung 7.1 und Abbildung 7.2 nicht zu sehen, weil das Sachanlagevermögenskonto (property, plant, equipment) und das Umsatzsteuerkonto (VAT account) bereits in 20X1 abgeschlossen wurden. Die Konten in den nachfolgenden Abbildungen zeigen ausschließlich das Geschäftsjahr 20X4. Am 2.04.20X1: DR P, P, E-account PPE .......... 66.667 AUD DR Value Added Tax VAT .......... 13.333 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 80.000 AUD 53 Siehe zur Buchung von nachträglich gewährten Preisnachlässen das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (36). <?page no="170"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-170 Am 4.05.20X1: DR Cash/ Bank C/ B................ 8.000 AUD CR Rebate Received Account RRA.. 8.000 AUD DR Rebate Received Account RRA.. 8.000 AUD CR P, P, E-account PPE.......... 6.667 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 1.333 AUD Abschreibungen 54 erfolgen auf der Grundlage der Anschaffungskosten und folgen hier der linearen Abschreibungsmethode. Hinweis: Die Abschreibungen werden für die gesamte Nutzungsdauer auf den rabattierten Wert des Vermögenswertes bezogen, d.h. beginnend mit dem Erwerbszeitpunkt selbst bei nachträglicher Gewährung eines Rabatts. Weil Abschreibungen zusammen mit den Abschlussarbeiten gebucht werden, sind nachträglich gewährte Rabatte zu diesem Zeitpunkt bekannt. Nach der Nutzungsdauer von fünf Jahren erwartet GELLENDORFF Ltd. das Kfz für 10.000 AUD verkaufen zu können, welches der zuverlässigste Schätzwert des zukünftigen Nettoverkaufserlöses ist. IAS 16.6 bestimmt den Restwert als den Nettowert, den ein Unternehmen aktuell bei einem Vermögensabgang erzielen würde. Entsorgungskosten, z.B. eine Kommission an einen Händler, wären abzuziehen. Aktuell erzielbar bezieht sich auf den Verkaufspreis, der sich für ein fünf Jahre altes, vergleichbares Kfz heute erzielen ließe. Am Ende des ersten Geschäftsjahres wird der Volkswagen ID.4 zu 75 % des jährlichen Abschreibungsaufwands wegen seiner Anschaffung im April abgeschrieben. Der abschreibungsfähige Betrag (depreciable value) ist der geschätzte Wertverlust über die komplette Nutzungsdauer von fünf Jahren. Nach IAS 16.6 sind dieses die Anschaffungskosten abzüglich des Restwerts (residual value). Bei Anwendung der linearen Abschreibungsmethode ist der abschreibungsfähige Betrag durch die Nutzungsdauer zu dividieren, um den jährlichen Abschreibungsaufwand zu bestimmen: (60.000 - 10.000) / 5 = 110.000 AUD/ Jahr. Der in 20X1 zu erfassende Abschreibungsaufwand beträgt: (9/ 12) × 10.000 = 7 7.500 AUD. Der Buchungssatz bei der GELLENDORFF Ltd. für den Abschreibungsaufwand wird unten gezeigt. Bei Rechnungslegung nach IFRSs werden grundsätzlich die Habenbuchungen im Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation) vorgenommen. Hinweis: Der Grund für ein Extrakonto für kumulierte Abschreibungen ist das spätere Ermöglichen von Neubewertungsbuchungen. 54 Siehe zu Abschreibungsmethoden das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (17). <?page no="171"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-171 Am 31.12.20X1: DR Depreciation-20X1 DPR ........ 7.500 AUD CR Accumulated Depreciation ACC . 7.500 AUD Der Buchwert des Volkswagen ID.4 zum 31.12.20X1 beträgt: 60.000 - 7.500 = 52.500 AUD. In den Geschäftsjahren 20X2 und 20X3 wird das Kfz mit jeweils 10.000 AUD/ Jahr abgeschrieben. Der Buchwert zu Beginn von 20X4 ist: 52.500 - 10.000 - 10.000 = 332.500 AUD. 7.9 Wertminderungen In Ergänzung eines normalen Werteverzehrs durch regelmäßige Abschreibungen kann ein plötzlicher Wertverlust aufgrund eines außerordentlichen Ereignisses vorkommen. Eine außerplanmäßige Abschreibung auf den beizulegenden Wert bezeichnet man als einen Wertminderungsaufwand (impairment loss). Wertminderungsaufwand muss in der Abrechnungsperiode erfasst werden, in der er entsteht. Der Buchungssatz für Wertminderungsaufwand ist: DR Impairment Loss-20XX - CR Accumulated Impairment Loss. Er ähnelt einer gewöhnlichen Abschreibungsbuchung. Wenn in nachfolgenden Perioden der Grund für eine Wertminderung nicht weiter besteht und sich der Wert für das Vermögen erhöht, muss der Wertminderungsaufwand revidiert werden und eine Wertaufholung gebucht werden. Der Buchungssatz dafür ist: DR Accumulated Impairment Loss - CR Impairment Loss-20XX oder alternativ: - CR Reversal Impairment Loss-20XX. Hinweis: Eine Wertaufholung (reversal of an impairment loss) ist auf die Höhe begrenzt (capped), die sich bei regelmäßiger Abschreibung als Bewertung ergeben hätte. Die meisten Unternehmen sind gegen unfallbedingte Wertverluste versichert. In der fortgesetzten Fallstudie GELLENDORFF Ltd. wird ein Wertminderungsaufwand und eine damit in Zusammenhang stehende Versicherungserstattung behandelt. 7.10 Wertminderungsaufwand - GELLENDORFF Ltd. Es werden zwei Szenarien für eine Wertminderung des Firmenfahrzeugs besprochen. Fall (i): Das Kfz der GELLENDORFF Ltd. wird bei einem Unfall beschädigt und sofort repariert. Weil die GELLENDORFF Ltd. annimmt, dass sich der Wert trotz Reparatur im Vergleich zu dem Wert vor dem Unfall vermindert hat, bestellt sie einen Gutachter, der den Wert nach dem Unfall und der Reparatur feststellt. Sowohl der Reparaturals auch der Wertminderungsaufwand sind versichert. Fall (ii): Das Kfz wird ebenfalls in einen Unfall verwickelt und anschließend einem Gutachter vorgestellt. Das Kfz wird erst drei Monate später repariert. Danach wird erneut ein Gutachter beauftragt, die bleibende Wertminderung des Fahrzeugs zu beurteilen. Der Wertminderungsaufwand und die Reparatur sind versichert. <?page no="172"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-172 Die beiden Fälle unterscheiden sich hinsichtlich der Abschreibungshöhe und ihrer Zeitpunkte. Im Fall (ii) muss für die Zeit zwischen dem Unfall und der Reparatur angepasster Abschreibungsaufwand (adjusted depreciation) erfasst werden. Hinweis: Fahrzeuge werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Deshalb wird selbst bei Stilllegung eines Kfz die Abschreibung fortgesetzt. In der Regel wird beschädigtes Vermögen, wie ein Kfz oder eine Maschine, ohne bleibende Wertminderung repariert. Es ist daher unwahrscheinlich, dass nach dem Abschluss der Reparatur der Vermögenswert erneut geschätzt werden muss. Dies erfolgt nur, wenn vermutet wird, dass ein Schaden zurückbleibt (impairment loss). Hinweis: Der Fall GELLENDORFF Ltd. wurde bewusst so gestaltet, dass sich damit Wertminderungsaufwand und nachfolgend Wertaufholungen bei verschiedenen Zeitfolgen demonstrieren lassen. Ad (i): Wertminderung mit sofortiger Reparatur 55 Am 4.04.20X4 wird das Kfz der GELLENDORFF Ltd. in einen Unfall verwickelt. Bevor die Beschädigung erfasst wird, muss die drei-monatige Abschreibung vor dem Unfall gebucht werden. Der Abschreibungsaufwand für den Zeitraum Januar/ 20X4 - März/ 20X4 wird als Buchungssatz (1’) erfasst. Er beträgt ein Viertel des jährlichen Abschreibungsauf- 55 Für den Fall i werden alle Buchungssätze mit ‘ gekennzeichnet. wands, weil Abschreibungen monatsgenau erfasst werden, siehe die Konventionen in Kapitel (1). Deshalb ist der Buchwert des Kfz vor dem Unfall: 60.000 - 7.500 - 2 × 10.000 - 2.500 = 3 30.000 AUD. Nach dem Unfall wird das Kfz repariert. Die Reparatur kostet 8.400 AUD (brutto) und wird als Buchungssatz (2’) am 7.04.20X4 erfasst. Für die Reparatur kann die GELLENDORFF Ltd. die ausgewiesene Vorsteuer ziehen, weil die Reparaturwerkstatt vorsteuerabzugsberechtigt ist. Nach der Reparatur bewertet ein Gutachter am 8.04.20X4 das Kfz mit 24.700 AUD. Die Differenz zwischen dem Buchwert vor dem Unfall und dem neuen Wert, der dem Gutachten folgt, muss als Wertminderungsaufwand i.H.v.: 30.000 - 24.700 = 5 5.300 AUD erfasst werden. Hinweis: Eine Reparatur bewirkt, dass der Zustand vor dem Schadensereignis wiederhergestellt wird. In keinem Fall wird Reparaturaufwand direkt in die Bewertung des reparierten Vermögenswertes einbezogen; d.h. ein Buchen von Reparaturaufwand in das Sachanlagevermögenskonto ist nicht zulässig. Der IAS 36.59 legt fest, dass bei Übersteigen des Buchwertes über den beizulegenden Wert der Buchwert auf den zu vereinnahmenden Wert (recoverable amount) zu vermindern ist. Der zu vereinnahmende Wert ist der höhere Betrag, zu dem der Vermögenswert auf einem aktiven Markt verkauft werden kann und seinem Nutzungswert (value in use), welcher der Barwert der aus dem Einsatz resultierenden Zahlungseingänge ist (IAS <?page no="173"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-173 36.6). Der Nutzungswert ist z.B. die Summe zukünftiger und abgezinster Mieteinnahmen (discounted rental income) aus Immobilienbesitz. Wenn der Buchwert den beizulegenden Wert übersteigt, ist der Vermögenswert überbewertet. Für die meisten Positionen des Sachanlagevermögens reicht es aus, die Buchwerte mit den von einer Gutachterin oder einem Gutachter geschätzten Werten zu vergleichen. Der Unterschiedsbetrag wird dann als Wertminderungsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Die GELLENDORFF Ltd. bucht Wertminderungsaufwand in Höhe von 5.300 AUD als Buchungssatz (3’). Siehe unten die Buchungen im März/ 20X4 und April/ 20X4 bei der GELLENDORFF Ltd. Der Apostroph markiert den Fall (i). Am 31.03.20X4 (1‘): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 2.500 AUD CR Accumulated Depr. ACC ........ 2.500 AUD Am 7.04.20X4 (2‘): DR Repair-20X4 REP .............. 7.000 AUD DR Value Added Tax VAT .......... 1.400 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 8.400 AUD Am 8.04.20X4 (3‘): DR Impairment Loss-20X4 I/ L..... 5.300 AUD CR Accumulated I/ L AIL.......... 5.300 AUD IAS 36.63 bestimmt Abschreibungsaufwand nach einer Wertminderung. Die Abschreibungen werden auf den neuen Wertansatz angepasst. Ein Restbuchwert (residual value) muss bei der Bestimmung des abschreibungsfähigen Betrags berücksichtigt werden, falls er existiert. Nach der Reparaturbuchung und dem Erfassen des Wertminderungsaufwands, wird die Abschreibung für das Kfz der GELLENDORFF Ltd. fortgesetzt. Der Restbuchwert wird in Fall (i) nicht beeinflusst. Der monatliche Abschreibungsaufwand ist jetzt: (24.700 - 10.000) / 24 = 6 612,50 AUD/ Monat. Der Abschreibungsaufwand für das verbleibende Jahr 20X4 beträgt: 9 × 612,50 = 5.512,50 AUD und wird als Buchungssatz (4’) erfasst. Siehe unten den Buchungssatz für die angepasste Abschreibung. Am 31.12.20X4 (4‘): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 5.513 AUD CR Accumulated Depr. ACC ........ 5.513 AUD <?page no="174"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-174 Die GELLENDORFF Ltd. hat ihr Kfz versichert und bestätigt dem Versicherungsunternehmen ihre Vorsteuerabzugsberechtigung. Die Versicherung erstattet den Reparaturaufwand (netto), weil die GELLENDORFF Ltd. die Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommt. Hinweis: Nach IAS 16.65 wird die Erstattung für beschädigtes Sachanlagevermögen oder für deren Reparatur erfasst, sobald das Versicherungsunternehmen die Schadensregulierung zusagt und nicht erst bei Zahlungseingang. Deshalb werden zwei Buchungssätze erfasst. Die Erstattung durch die Versicherung der GELLENDORFF Ltd. bezieht sich auf den Reparatur- und Wertminderungsaufwand und beträgt: 7.000 + 5.300 = 12.300 AUD. Die Schadensregulierung soll kurz nach dessen Zusage erfolgen und wird als Buchungssatz (5’) und (6‘) erfasst. Siehe die Konten in Abbildung 7.1. Am 30.08.20X4 (5‘): DR Accounts Receivables A/ R..... 12.300 AUD CR Insurance Refund-20X4 IRA.... 12.300 AUD Am 2.09.20X4 (6‘): DR Cash/ Bank C/ B................ 12.300 AUD CR Accounts Receivables A/ R..... 12.300 AUD Eine Erstattung von einer Versicherung wird nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst, weil sie keinen Umsatzerlös aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit darstellt. Sie muss als sonstiger Ertrag gebucht werden, um zu zeigen, dass der Ertrag auf ein außergewöhnliches Ereignis zurückzuführen ist. D C D C OV 60.000 c/ d 60.000 OV 27.500 b/ d 60.000 (1') 2.500 c/ d 35.513 (4') 5.513 35.513 35.513 b/ d 35.513 Property, plant, equipment PPE Acc depr ACC D C D C (3') 5.300 c/ d 5.300 c/ d 5.300 (3') 5.300 b/ d 5.300 b/ d 5.300 Impairment loss-20X4 I/ L Acc Impairment Loss AIL Abb. 7.1: Konten der GELLENDORFF Ltd. (i) <?page no="175"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-175 D C D C (1') 2.500 (2') 7.000 c/ d 7.000 (4') 5.513 c/ d 8.013 b/ d 7.000 8.013 8.013 b/ d 8.013 Depreciation-20X4 DPR Repair-20X4 REP D C D C (2') 1.400 c/ d 1.400 (6') 12.300 (2') 8.400 b/ d 1.400 c/ d 3.900 12.300 12.300 b/ d 3.900 Value added tax VAT Cash/ Bank C/ B D C D C c/ d 12.300 (5') 12.300 (5') 12.300 (6') 12.300 b/ d 12.300 Insurance refunds-20X4 IRA Accounts receivables A/ R Abb. 7.1: Konten der GELLENDORFF Ltd. (i) - Fortsetzung Accounting-Prozess-Schritte (Erfassen von Wertminderungsaufwand (recording an impairment loss)): (1) Prüfen Sie das Anlagevermögen auf mögliche Überbewertung (over-rating) durch Vergleich des Buchwertes (carrying amount) mit dem zu vereinnahmenden Wert (recoverable amount). (2) Wenn der Buchwert den beizulegenden Wert übersteigt, bestimmen Sie die Differenz. Dies ist der Betrag für den Wertminderungsaufwand (impairment loss). (3) Buchen Sie den Wertminderungsaufwand in das Wertminderungsaufwandskonto (impairment loss) und nehmen Sie eine Habenbuchung bei den kumulierten Wertminderungen (accumulated impairment loss) vor. (4) Setzen Sie auf der Grundlage der überarbeiteten Bewertung die Abschreibungen fort. (Dazu müssen Sie den neuen Buchwert um den Restbuchwert reduzieren und durch die verbleibende Nutzungsdauer dividieren.) Ad (ii): Wertaufholungsaufwand, Verzögerte Reparatur und teilweise Wertaufholung 56 56 Die Buchungssätze werden jetzt mit ‘’ gekennzeichnet. Als Nächstes wird der Fall der GELLENDORFF Ltd. mit Änderungen der Beträge und Zeitpunkte wiederholt. Jetzt <?page no="176"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-176 wird angenommen, dass der Volkswagen ID.4 erst drei Monate nach dem Unfall repariert wird. Ein Gutachter schätzt den Kfz-Wert direkt nach dem Unfall und erneut nach der Reparatur. Die letzte Bewertung führt zu einer Wertaufholung (reversal of impairment loss). Weiterhin wird gezeigt, wie man die Abschreibung anpasst, wenn sich aufgrund eines Unfalls der Restbuchwert ändert. Hinweis: Ein bilanzierendes Unternehmen ist verpflichtet, ihr wertgemindertes Vermögen auf Änderungen des beizulegenden Wertes regelmäßig zu prüfen. Eine Wertsteigerung bedingt eine Wertberichtigung oder Wertaufholung nach IAS 36.114. Eine Wertaufholung ist das vollständige Zurücknehmen einer vorherigen Wertminderung; eine Wertberichtigung ist eine teilweise Änderung der Wertminderung. Unten wird die Fallstudie auf den Unfallzeitpunkt, den 4.04.20X4 zurückgestellt. Jetzt werden der Zeitablauf und der Betrag der Kfz-Bewertung verändert: Das Kfz wird erst am 3.07.20X4 repariert (drei Monate später). Dafür findet eine angepasste Abschreibung für den Zeitraum zwischen dem Unfall und der Reparatur statt. Der beizulegende Wert direkt nach dem Unfall beträgt 18.400 AUD wie durch den Sachverständigen ermittelt, und nach der Reparatur ist der beizulegende Wert 22.400 AUD. Der Restbuchwert in Fall (ii) vermindert sich aufgrund der Schätzung des Sachverständigen ebenfalls und beträgt nur noch 7.700 AUD. […] Am 4.04.20X4 wird das Kfz der GELLENDORFF Ltd. in einen Unfall verwickelt. Die Abschreibungen vor dem Unfall werden als Buchungssatz (1’’) erfasst. Der Buchwert vor dem Unfall beträgt: 60.000 - 7.500 - 2 × 10.000 - 2.500 = 3 30.000 AUD (der gleiche Wert wie in Fall (i)). Nach dem Unfall beträgt der beizulegende Wert gemäß der Bewertung durch den Sachverständigen 18.400 AUD. Der Wertminderungsaufwand wird mit dem Buchungssatz (2’’) erfasst und beträgt: 30.000 - 18.400 = 11.600 AUD. Der Wertminderungsaufwand wird am 6.04.20X4 gebucht. Der Restbuchwert für das Kfz soll laut Gutachten nicht verändert werden. Am 31.03.20X4 (1‘‘): DR Depreciation-20X4 DPR........ 2.500 AUD CR Accumulated Depr. ACC........ 2.500 AUD Am 6.04.20X4 (2‘‘): DR Impairment Loss-20X4 I/ L..... 11.600 AUD CR Accumulated I/ L AIL.......... 11.600 AUD Die GELLENDORFF Ltd. lässt das Kfz am 3.07.20X4 in einer Reparaturwerkstatt instand setzen. Obwohl das Fahrzeug in den letzten drei Monaten nicht gefahren wurde, muss die Abschreibung mit den Parametern fortgesetzt werden, die aufgrund des Gutachtens nach dem Unfall und dem anschließenden Wertminderungsaufwand bestanden haben. Der angepasste Abschreibungsaufwand beträgt für die drei Monate: 3 × (18.400 - 10.000) / 24 = 1 1.050 AUD. Siehe unten den Buchungssatz (3‘‘) für den angepassten Abschreibungsaufwand. <?page no="177"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-177 Am 30.06.20X4 (3‘‘): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 1.050 AUD CR Accumulated Depr. ACC ........ 1.050 AUD GELLENDORFF Ltd. zahlt an die Reparaturwerkstatt 8.400 AUD (brutto). Siehe den Buchungssatz (4’’). Der Reparaturaufwand ist Aufwand und wird in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Nach der Reparatur (4’’) schätzt der Gutachter den beizulegenden Wert des Kfz auf 22.400 AUD und den Restbuchwert nur noch auf 7.700 AUD. Die Wertberichtigung des Fahrzeugs bei der GELLENDORFF Ltd. verringert den vorherige Wertminderungsaufwand (impairment loss) entsprechend des Buchungssatzes (5’’). Dies führt auf eine Erhöhung des Buchwertes für das Kfz um: 22.400 - (18.400 - 1.050) = 5 5.050 AUD. Die Wertanpassung (5‘‘) stellt buchungstechnisch einen invertierten Wertminderungsaufwand mit einer Sollbuchung im Konto für kumulierten Wertminderungsaufwand (accumulated impairment loss) und einer Habenbuchung im Konto Negativer Wertminderungsaufwand (reversal impairment loss) dar. Es ist ebenfalls möglich, die Habenbuchung im Wertminderungsaufwandskonto vorzunehmen. IAS 36.117 begrenzt Wertanpassungen auf den Wert des Vermögens, der sich ohne vorherigen Wertminderungsaufwand ergeben hätte. Zur Kontrolle wird das Maximum der Wertanpassung für das Kfz der GELLENDORFF Ltd. bestimmt: Ohne den Unfall wäre der Buchwert des Kfz am 3.07.20X4 gewesen: 60.000 - (0,75 + 2 + 0,5) × (60.000 - 10.000) / 5 = 2 27.500 AUD. Somit liegt die Wertberichtigung im Zulässigkeitsbereich nach IAS 36.117: der beizulegende Wert i.H.v. 22.400 AUD liegt unterhalb der Bewertungsobergrenze von 27.500 AUD. Am 3.07.20X4 (4‘‘): DR Repair-20X4 REP .............. 7.000 AUD DR Value Added Tax VAT .......... 1.400 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 8.400 AUD Am 6.07.20X4 (5‘‘): DR Accumulated I/ L AIL.......... 5.050 AUD CR Impairment Loss-20X4 I/ L..... 5.050 AUD Nach der Wertberichtigung wird die Abschreibung fortgesetzt und für den Zeitraum Juli/ 20X4 bis Dezember/ 20X4 erfasst. Die angepasste Abschreibung für die zweite Jahreshälfte orientiert sich an der Herabstufung des Restbuchwertes auf 7.700 AUD und beträgt: 6 × (22.400 - 7.700) / 21 = 4 4.200 AUD. Siehe unten den Buchungssatz (6’’), der zu den Abschlussarbeiten zählt. <?page no="178"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-178 Am 31.12.20X4 (6‘‘): DR Depreciation-20X4 DPR........ 4.200 AUD CR Accumulated Depr. ACC........ 4.200 AUD Im Anschluss wird die Schadensregulierung durch die Versicherung der GELLENDORFF Ltd. für die Reparatur und die dauerhafte Wertminderung behandelt. Der Reparaturaufwand i.H.v. 7.000 AUD (netto) ist abgedeckt. Die verbleibende Wertminderung bezieht sich auf den Wertminderungsaufwand, der teilweise durch die Wertberichtigung revidiert wurde: 11.600 - 5.050 = 6 6.550 AUD. Die GELLENDORFF Ltd. erhält eine Erstattung von: 7.000 + 6.550 = 1 13.550 AUD von ihrem Versicherer - erfasst als Buchungssatz (7’’). Das Konto für die Erstattung durch die Versicherung (insurance compensation) wird in die sonstigen Erträge abgeschlossen (nicht gezeigt). Siehe die Konten in Abbildung 7.2. Hinweis: Die Minderung des Restwertes ist nicht im Versicherungsumfang enthalten, weil es ein zukünftiges Ereignis ist. D C D C OV 60.000 c/ d 60.000 OV 27.500 b/ d 60.000 (1'') 2.500 (3'') 1.050 c/ d 35.250 (6'') 4.200 35.250 35.250 b/ d 35.250 Property, plant, equipment PPE Acc depr ACC D C D C (1'') 2.500 (4'') 7.000 c/ d 7.000 (3'') 1.050 b/ d 7.000 (6'') 4.200 c/ d 7.750 7.750 7.750 b/ d 7.750 Depreciation-20X4 DPR Repair-20X4 REP D C D C (2'') 11.600 (5'') 5.050 (5'') 5.050 (2'') 11.600 c/ d 6.550 c/ d 6.550 11.600 11.600 11.600 11.600 b/ d 6.550 b/ d 6.550 Impairment loss-20X4 I/ L Acc Impairment Loss AIL Abb. 7.2: Konten der GELLENDORFF Ltd. (ii) <?page no="179"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-179 D C D C (4'') 1.400 c/ d 1.400 (7'') 13.550 (4'') 8.400 b/ d 1.400 c/ d c/ d 5.150 13.550 13.550 b/ d 5.150 Value added tax VAT Cash/ Bank C/ B D C c/ d 13.550 (7'') 13.550 b/ d 13.550 Insurance refund-20X4 IRA Abb. 7.2: Konten der GELLENDORFF Ltd. (ii) - Fortsetzung Accounting-Prozess-Schritte (Wertberichtigung/ Wertaufholung (reversal impairment loss)): (1) Nach der Buchung von Wertminderungsaufwand (impairment loss) müssen Sie den beizulegenden Wert überwachen. (2) Bestimmen Sie den aktuell beizulegenden Wert des Vermögenswertes. (3) Bei einer Unterbewertung, prüfen Sie, wie hoch eine Bewertung des Vermögenswertes sein würde, wenn kein Wertminderungsaufwand (impairment loss) gebucht worden wäre. Dieser Betrag stellt die Bewertungsobergrenze für eine Wertberichtigung/ Wertaufholung dar. Wenn der beizulegende Wert unterhalb dieser Bewertungsgrenze liegt, fahren Sie mit Schritt (4a) fort. Ansonsten führen Sie Schritt (4b) aus! (4a) Buchen Sie eine Wertberichtigung/ Wertaufholung auf den beizulegenden Wert. Nehmen Sie eine Sollbuchung im Konto kumulierte Wertminderungen (accumulated impairment loss) und eine Habenbuchung im Konto Zurückgenommener Wertminderungsaufwand ((reversal) impairment loss) vor. Eine Wertberichtigung oder eine Wertaufholung ist negativer Aufwand. (4b) Führen Sie eine Wertberichtigung bis zu dem maximalen Wert aus, wie in Schritt (4a) beschrieben. Danach nehmen Sie eine Neubewertung im Umfang des Restbetrags vor. Siehe auch die Behandlung von Neubewertungen (revaluations) in Kapitel (7). Ein Unternehmen muss in den Erläuterungen (notes) über die Bewertung von Sachanlagevermögen berichten. Dazu werden ein Anlagespiegel (register of non-current assets) und eine Überleitungsrechnung für die Sachanlagenbewertung (reconciliation statement) auf Vermögensgruppenebene erstellt. Diese Anlagen werden für die GELLENDORFF Ltd. in Abbildung <?page no="180"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-180 7.3 und Abbildung 7.4 auf den Fall (ii) bezogen und zum Ende des Geschäftsjahres 20X4 gezeigt: Asset P, P, E @ cost / @ valuation Acc. depr. Acc. impairment loss Carrying amount [AUD] [AUD] [AUD] [AUD] Volkswagen ID.4 60.000 (35.250) (6.550) 18.200 . . . Gellendorff Ltd. REGISTER of NON-CURRENT ASSETS as at 31.12.20X4 Abb. 7.3: Anlagespiegel der GELLENDORFF Ltd. 20X4 20X3 [AUD] [AUD] OV as per 1.01.20X4 32.500 42.500 Depreciation (2.500) (10.000) Adjusted depreciation (5.250) Impairment loss (11.600) Reversal impairment loss 5.050 Revaluation Value at per 31.12.20X4 18.200 32.500 Gellendorff Ltd. P, P, E-RECONCILIATION STATEMENT as at 31.12.20X4 Abb. 7.4: Überleitungsrechnung für das Sachanlagevermögen bei der GELLENDORFF Ltd. Hinweis: Es wird die Fallstudie OBSERVATRY Ltd. (Aufgabe A7.40) empfohlen. 57 In dem Fall OBSERVATRY Ltd. kommen Vermögensabgänge vor, die in diesem Kapitel (7) behandelt werden bzw. in den Basics nachzulesen sind. 58 57 Die Aufgabe ist in den Zusatzmaterialien enthalten. 58 Abgänge von Vermögen wird im Lehrbuch Basics of Accounting, in Kapitel (35) behandelt. Ein Wenn die degressive Abschreibungsmethode angewendet wird und ein Wertminderungsaufwand ist zu revidieren, werden Zusatzrechnungen erforderlich, um die Bewertungsobergrenze für eine Wertberichtigung/ Wertaufholung nach IAS 36.117 Beispiel für den Abgang von Vermögen nach einer Neubewertung folgt in Kapitel (7.16). <?page no="181"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-181 zu ermitteln. Eine Wertberichtigung/ Wertaufholung wird vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Eine darüberhinausgehende Wertsteigerung stellt eine Neubewertung dar. Hinweis: Der Unterschied zwischen Wertberichtigung und Neubewertung ist die Habenbuchung. Bei einer Wertberichtigung wird diese erfolgswirksam im Konto Wertminderungsaufwand (impairment loss) gebucht, während eine Neubewertung das Bilden einer Neubewertungsrücklage im Eigenkapital verursacht. Der Fall GROOTVLEI Ltd. zeigt eine Wertberichtigung bei Anwendung der degressiven Abschreibungsmethode und eine Wertberichtigung. Siehe die Fallstudie GROOTVLEI Ltd., die sich über die Zusatzmaterialien aufrufen lässt: Link 7.C. Link 7.C: GROOTVLEI Ltd. Wenn das bilanzierende Unternehmen Abschreibungsparameter und/ oder die Abschreibungsmethode ändert, fordern der IAS 8.22 und IAS 1.10 deren Ausweis um eine Abrechnungsperiode vorzuziehen, um die Änderungen ebenso bei den Vergleichswerten zu berücksichtigen. (IAS 1.38). Siehe ein Beispiel für das Verändern von Abschreibungsparametern in der Fallstudie TYGERVALLEY Ltd.; der IAS 8 findet darin Anwendung. Link 7.D: TYGERVALLEY Ltd. 7.11 Neubewertungen Eine Neubewertung bedeutet das Erhöhen des Wertes für Vermögen auf einen beizulegenden Betrag oberhalb des aktuellen Buchwerts. Neubewertungen müssen gebucht werden, sobald der beizulegende Wert den aktuellen Wertansatz übersteigt. Eine Neubewertung gleicht eine Unterbewertung von Vermögen aus. Hinweis: Neubewertungen müssen nach IFRSs durchgeführt werden, aber sie sind nach deutscher Gesetzgebung unzulässig. Ein bilanzierendes Unternehmen hat kein Wahlrecht bei Neubewertungen. Das nationale Steuerrecht lässt i.d.R. ebenfalls keine Neubewertungen zu, sondern folgt bei der Vermögensbewertung dem pagatorischen Prinzip, das dem Kostenmodell nach IFRSs entspricht. Somit werden die historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten nur um Abschreibungs- und Wertminderungsaufwand reduziert. Neubewertungen sind allein bei Folgebewertung zulässig. Selbst wenn einem Unternehmen ein Glückskauf gelingt, muss die Erstbewertung dem Kostenmodell folgen, siehe IAS 16.15. Eine Folgebewertung kann erst anschließend stattfinden. <?page no="182"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-182 Hinweis: Ein Glückskauf (lucky buy) ist der Vermögenserwerb zu einem Preis unterhalb des beizulegenden Wertes (fair market value). Zur Anwendung des Neubewertungsmodells wird ein Schweißroboter bei TINNEN Ltd. betrachtet. Es wird ein Gesamtsteuersatz von 30 % für die Ertragsbesteuerung berücksichtigt. Der Ertragsteuersatz (income tax rate) ist für Neubewertungen wichtig, weil latente Steuern entstehen, wenn Vermögenswerte steuerrechtlich und handelsrechtlich unterschiedlich bewertet werden. 7.12 F/ S TINNEN Ltd. Anders als bei anderen Fallstudien werden hier zuerst nur die Berechnungen und der Vorgehens-Absatz vorgestellt, um sich bei den anschließenden Erklärungen auf die Zahlen der Fallstudie beziehen zu können. Es wird das Standardvorgehen (Accounting-Prozess-Schritte) bei Neubewertungen beschrieben: Sobald Sachanlagen unterbewertet sind, müssen ihre Buchwerte auf den beizulegenden Wert hochgestuft werden. Die Wertsteigerung wird dem Vermögenswert zugeordnet und parallel in das Eigenkapital als Neubewertungsrücklage gebucht. Es darf keine erfolgsmäßige Erfassung vorgenommen werden, wenn der Vermögenswert in Unternehmensbesitz bleibt, d.h. noch keine Erfolgsrealisierung (profit realisation) stattgefunden hat. Die IAS 16.42 und IAS 12.18 verlangen, dass ein Anteil in Höhe des Ertragsteuersatzes (hier: 30 %) der Neubewertungsrücklage den latenten Steuern als Rückstellung (deferred tax liabilities) zugeführt werden muss. Der verbleibende Anteil von hier 70 % verbleibt im Konto für Neubewertungsrücklagen (revaluation reserves). Erst mit Verkauf oder Abschreibung des neubewerteten Vermögenswertes, muss der volle Betrag, bei Verkauf/ Ausbuchen, oder ein Anteil davon, bei Abschreibungen, der latenten Steuern in die Neubewertungsrücklagen zurückgebucht werden. Die Neubewertungsrücklage wird anschließend vollständig/ anteilig in den Bilanzgewinn (retained earnings) gebucht. Mit dem Überführen in den Bilanzgewinn werden die aufgelösten Neubewertungsrücklagen an die Eigentümerinnen oder Eigentümer ausschüttungsfähig, weil eine Gewinnrealisation (profit realisation) stattgefunden hat. Das Vorgehen wird an der TINNEN Ltd. gezeigt. Aus didaktischen Gründen werden zwei Abrechnungsperioden berücksichtigt und zusätzliche Umsatzerlöse sowie Aufwand gebucht. Hinweis: Letzteres dient dazu, einer Situation zu erzeugen, in der das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet und versteuern muss. Datenblatt für die TINNEN Ltd. Standort: Südafrika (Stellenbosch). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Produktionsunternehmen. Abrechnungsperioden: 20X3 / 20X4. Vermögensgegenstand: Schweißroboter (welding machine). Anschaffungskosten: 800.000 ZAR am 2.01.20X3. Abschreibungen: Degressive, monatsgenaue Abschreibungsmethode zu 1,67 %/ Monat. Neubewertung am 1.07.20X4 auf: 750.000 ZAR. <?page no="183"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-183 In beiden Abrechnungsperioden: weitere Umsatzerlöse: 1.400.000 ZAR und weiterer Aufwand: 600.000 ZAR. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die TINNEN Ltd. erwirbt am 2.01.20X3 einen Schweißroboter (welding machine) zu 800.000 ZAR (netto). Die Nutzungsdauer des Schweißroboters beträgt fünf Jahre, während der degressive Abschreibungen vorgenommen werden. Der Abschreibungsprozentsatz beträgt 1,67 %/ Monat. 59 TINNEN Ltd. bucht die Anschaffung und die Abschreibungen des Schweißroboters für 20X3. Der gezahlte Kaufpreis ist der Bruttowert i.H.v.: 800.000 × 120% = 960.000 ZAR. Die TINNEN Ltd. zahlt den Kaufpreis per Überweisung. Siehe Buchungssatz (1). Am 2.01.20X3 (1): DR P, P, E @Cost PPC ............ 800.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 160.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 960.000 ZAR Hinweis: Um die Buchung von später neubewertetem Vermögen unterscheiden zu können, wird bei internationaler Bilanzierung das Sachanlagenkonto mit dem Zusatz „zu Anschaffungskosten (@cost“ versehen. Aus Platzgründen wird dieses bei dem Buchungssatz nicht gemacht, jedoch in der Abbildung 7.5. Die Abschreibungen werden degressiv vorgenommen (diminishing balance method, declining method). Hinweis: Der einfachste Weg, um Werte bei einer degressiven Abschreibung zu berechnen, besteht darin, sich auf die Buchwerte zu beziehen. Es ist leichter den Buchwert nach Abschreibung auszurechnen als den Abschreibungsaufwand. Bei einem vorgegebenen Abschreibungsprozentsatz (depreciation rate) dr und der Anzahl von Abschreibungsperioden t, beträgt der neue Buchwert (carrying amount) ca n : ca n = (1 - dr) t × ca o . Der Abschreibungsaufwand ergibt sich aus der Differenz zwischen dem alten und dem neuen Buchwert: depr = ca o - ca n . Am Ende von 20X3 beträgt der Buchwert des Schweißroboters: 800.000 × (1 - 1,67%) 12 = 6653.615,67 ZAR. Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Buchwert vom 31.12.20X4 und den Anschaffungskosten ergibt den Abschreibungsaufwand für 20X3. Dieser beträgt: 800.000 - 653.615,67 = 1 146.384,33 ZAR. Der Abschreibungsaufwand wird erfolgswirksam als Buchungssatz (2) erfasst. Am 31.12.20X3 (2): DR Depreciation-20X3 DPR ........ 146.384 ZAR CR Accumulated Depreciation ACC . 146.384 ZAR Accounting-Prozess-Schritte (Degressive Abschreibung (declining method, diminishing balance method)): (1) Bestimmen Sie den abschreibungsfähigen Betrag (depreciable amount). Dieser sind die Anschaffungskosten 59 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (17). <?page no="184"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-184 in der ersten Periode bzw. der aktuelle Buchwert in nachfolgenden abzüglich des Restbuchwerts (residual value). (2) Wenden Sie den Abschreibungsprozentwert dr, z.B. die monatliche oder jährliche Abschreibungsrate an. (3) Bestimmen Sie die Anzahl der Abschreibungsperioden, z.B., t Monate. (4) Berechnen Sie den Buchwert zum Ende der Abschreibungsdauer (useful life) durch Multiplikation des aktuellen Buchwertes mit dem Faktor (1 dr) t . (5) Um den Abschreibungsaufwand (depreciation) zu berechnen, müssen Sie den neuen Buchwert ca N vom vorherigen ca O abziehen. (6) Buchen Sie Abschreibungsaufwand (depreciation) und die kumulierten Abschreibungen (accumulated depreciation). Hinweis: Wenn der Abschreibungsprozentsatz auf das Jahr bezogen ist, muss man bei der Umrechnung von Jahresauf Monatswerte die Zinseszinsrechnung (compound interest calculation) berücksichtigen. In diesem Lehrbuch wird einer monatsgenauen Abschreibung gefolgt. Neben den Abschreibungen erfasst die TINNEN Ltd. in beiden betrachteten Geschäftsjahren einen Betriebsaufwand (operational expenses) i.H.v. 600.000 ZAR (non-VATable) und erwirtschaftet einen Umsatzerlös i.H.v. 1.400.000 ZAR (VATable). Siehe die Erfolgsrechnung in Abbildung 7.5. Die TINNEN Ltd. trägt das Periodenergebnis als Gewinnvortrag in die nächste Abrechnungsperiode 20X4 vor. Am 30.06.20X3 (3): DR Operational Exp.-20X3 OEX.... 600.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 600.000 ZAR Am 1.07.20X3 (4): DR Cash/ Bank C/ B................ 1.620.000 ZAR CR Value Added Tax VAT.......... 280.000 ZAR CR Revenue-20X3 REV............. 1.400.000 ZAR Am 1.07.20X4 schätzt ein Gutachter den beizulegenden Wert für den Schweißroboter auf 750.000 ZAR. Zuvor wird der Buchwert des Schweißroboters zum 30.06.20X4 berechnet, welches einen Tag vor der Neubewertung ist. Die TINNEN Ltd. erfasst für sechs Monate degressiven Abschreibungsaufwand und bestimmt den neuen Buchwert zu: 653.615,67 × (1 - 1,67%) 6 = 590.797,56 ZAR. Der von dem Gutachter geschätzte beizulegende Wert (= 750.000 ZAR) übersteigt den Buchwert, so dass die Notwendigkeit zur Neubewertung nach IAS 16.31 erfüllt ist. Die Bewertung durch <?page no="185"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-185 den Sachverständigen zählt als eine verlässliche Bewertung. Der Buchungssatz für eine Neubewertung ähnelt dem für eine Ersatzbuchung (replacement bookkeeping entry). Hinweis: Bei einer Ersatzbuchung werden Teile eines Vermögenswertes ausgetauscht. Wird z.B. der Motor eines Lkw ersetzt, muss der Buchwert des alten Motors aus dem Konto für das Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) ausgebucht werden und der neue im Soll eingebucht werden. Buchungssätze für Neubewertungen werden ebenfalls als Ersatzbuchungssätze bezeichnet, weil der Vermögenswert virtuell gegen einen höherwertigen ausgetauscht wird. Für das Studium von Ersatzbuchungen wird nahegelegt, den QR-Code unten zu scannen und sich die Buchungssätze für einen realen Teiletausch anhand der Fallstudie CORAL Ltd. anzusehen. Link 7.E: CORAL Ltd. Neubewertungen sind virtuelle Austausche von kompletten Vermögenswerten durch den neubewerteten. Deshalb besteht der Buchungssatz bei einer Neubewertung aus dem Ausbuchen des alten Vermögenswertes und dem Einbuchen des neubewerteten. Die Differenz wird im Haben des Rücklagenkontos gebucht. Um auf die Neubewertung hinzuweisen, wird das Suffix @VALUATION an den Kontonamen für den Vermögenswert angehängt. Das Konto P, P, E @COST wird eingesetzt, wenn die Bewertung nach dem Kostenmodell erfolgt, das P, P, E @(RE)VALUATION für Vermögenswerte, die nach dem Neubewertungsmodell bewertet wurden. Hinweis: Methodisch gibt es für eine Neubewertungsbuchung zwei Alternativen: Die Netto-Ersatzbuchungsmethode (net replacement method) und die Brutto- Ersatzbuchungsmethode (gross replacement method). Grundsätzlich wird die Netto-Ersatzbuchungsmethode eingesetzt, wenn der beizulegende Wert durch ein Gutachten festgestellt wurde. Die Neubewertung wird dann zum Bewertungszeitpunkt vorgenommen. Dagegen wird die Brutto-Ersatzbuchungsmethode angewendet, wenn die Neubewertung auf einem generellen Anstieg der Anschaffungskosten für gleichartiges Vermögen beruht. Dieses Vorgehen erfordert, die Neubewertung auf die Erwerbszeitpunkt vorzuverlegen. Für die Fallstudie TINNEN Ltd. wird die Netto-Ersatzbuchungsmethode verwendet; am Ende der Fallstudie wird ein QR-Code-Link gezeigt, mit dem man zu der Brutto-Ersatzbuchungsmethode gelangt, damit man die Methoden vergleichen kann. Vor der Neubewertung des Schweißroboters muss die TINNEN Ltd. die Abschreibungen für den Zeitraum Januar/ 20X4 bis Juni/ 20X4 buchen. Die Abschreibung beträgt: 653.615,67 - 590.797,56 = 6 62.818,11 ZAR. Zur Kennzeichnung der Buchungssätze werden Großbuchstaben verwendet, weil die Buchungen im nächsten Jahr stattfinden. <?page no="186"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-186 Die Abschreibung wird als Buchungssatz (C) dargestellt. Die Buchungssätze (A) und (B) sind für die Zahlung der Ertragsteuer- und Umsatzsteuerschulden. Siehe die Abbildung 7.5. Am 30.06.20X4 (C): DR Depreciation-20X4 DPR........ 62.818 ZAR CR Accumulated Depr. ACC........ 62.818 ZAR Als Nächstes wird die Neubewertung auf 750.000 ZAR über einen Netto-Ersatzbuchungssatz (net replacement bookkeeping entry) erfasst. Die Werterhöhung des Schweißroboters beträgt: 750.000 - 590.797,56 = 1 159.202,44 ZAR. Der Buchungssatz (R) 60 wird unten besprochen. Die Sollbuchung erfolgt im Konto für neubewertetes Sachanlagevermögen (P, P, E @ VALUATION account) und berücksichtigt den neuen Wertansatz; es findet eine Habenbuchung im Konto für zu Kosten bewertetes Sachanlagevermögen (P, P, E @COST account) statt, um die Anschaffungskosten auszubuchen. Entsprechend müssen die bis dahin gebuchten kumulierten Abschreibungen (accumulated depreciation) gelöscht werden, weil die Anschaffungskosten minus kumulierte Abschreibungen den Buchwert des Schweißroboters darstellen. Die Bewertungsdifferenz wird in die Neubewertungsrücklagen im Eigenkapital gebucht. Hinweis: Das Löschen von kumulierten Abschreibungen bei Neubewertungen nach der Netto-Ersatzbuchungsmethode (net replacement method) ist der Grund dafür, dass bei Abschreibungsbuchungen nach IFRSs die Gegenbuchung im Konto für kumulierte Abschreibungen erfolgt. Weil bei Anwendung des deutschen HGB keine Neubewertungen vorgesehen sind, ist man es in Deutschland gewohnt, die Gegenbuchung für den Abschreibungsaufwand im Sachanlagevermögen vorzunehmen. Am 1.07.20X4 (R) DR P, P, E @Valuation PPV....... 750.000 ZAR DR Accumulated Depr. ACC........ 209.202 ZAR CR P, P, E @Cost PPC............ 800.000 ZAR CR Revaluation Reserves R-R..... 159.202 ZAR Neubewertung sind im Steuerrecht nicht zulässig. Dies führt auf eine unterschiedliche Vermögensbewertung in der IFRS- Bilanz im Vergleich zum Steuerabschluss. Ein direkt nach der Neubewertung stattfindender Verkauf zu Marktpreisen würde zu einem zu versteuernden Verkaufsgewinn i.H.v.: 750.000 - 60 R für Revaluation. 590.797,56 = 1159.202,44 ZAR führen, weil dieses der Unterschiedsbetrag zwischen dem Marktwert (fair value) und dem steuerlichen Wertansatz (tax base) ist. Gemäß der vereinfachten Ertragsbesteuerung in diesem Lehrbuch würde der Verkaufsgewinn bei sofortigem Verkauf Ertragsteuern (income tax) von: <?page no="187"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-187 159.202,44 × 30% = 4 47.760,73 ZAR bewirken. Der IAS 12 behandelt die Ertragsbesteuerung und deren Bilanzausweis. In Übereinstimmung mit IAS 12.20 muss TINNEN Ltd. den Ertragsteueranteil aus der Neubewertung in die Rückstellungen für latente Steuern (deferred tax liabilities) buchen. Weil der Buchungssatz zur Neubewertung gehört, wird er mit (R’) bezeichnet. Am 1.07.20X4 (R‘): DR Revaluation Reserves R-R ..... 47.761 ZAR CR Deferred Tax Liab. DTL....... 47.761 ZAR Zur Übersicht siehe die Konten in Abbildung 7.5. Wenn neubewertetes Vermögen abgeschrieben wird, müssen die Steuerlatenzen und die Neubewertungsrücklagen anteilig zum Umfang der Abschreibungen am Vermögenswert (genauer: an dessen abschreibungsfähigen Betrag) aufgelöst werden. Siehe dazu die TINNEN Ltd. während der zweiten Jahreshälfte in 20X4: Die TINNEN Ltd. schreibt den Schweißroboter nach der Neubewertung ab. Der Abschreibungsaufwand orientiert sich an dem neuen Buchwert i.H.v. 750.000 ZAR. Deshalb beträgt die Abschreibung für die Monate Juli/ 20X4 bis Dezember/ 20X4: 750.000 - 750.000 × (1 - 1,67%) 6 = 772.081,48 ZAR. Die Abschreibung wird als Buchungssatz (D) erfasst. Am 31.12.20X4 (D): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 72.081 ZAR CR Accumulated Depr. ACC ........ 72.081 ZAR Der Abschreibungsanteil im Verhältnis zu dem abschreibungsfähigen Betrag ist: 72.081,48 / 750.000 = 9 9,61%. Deshalb löst die TINNEN Ltd. 9,61 % ihrer latenten Steuerrückstellungen (deferred tax liabilities): 9,61% × 47.760,73 = 4.589,81 ZAR und ebenso von ihrer ursprünglich gebildeten Neubewertungsrücklage (initial revaluation reserves): 9,61% × 159.202,44 = 1 15.299,35 ZAR auf. Die Buchungssätze (D) und (D’) entsprechen dem IAS 16.41. Am 31.12.20X4 (D‘) und (D‘‘): DR Deferred Tax Liab. DTL....... 4.590 ZAR CR Revaluation Reserves R-R ..... 4.590 ZAR DR Revaluation Reserves R-R ..... 15.299 ZAR CR Retained Earnings............ 15.299 ZAR <?page no="188"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-188 Es folgt die Gewinnbestimmung bei TINNEN Ltd: Der Betriebsaufwand (operating expenses) und der Umsatzerlös sind in 20X4 gleich hoch wie in 20X3. Der Vorsteuergewinn beträgt: 1.400.000 - 134.899,59 - 600.000 = 6 655.100,41 ZAR. Darin wird die Abschreibung auf den Schweißroboter i.H.v. 62.818,11 + 72.081,48 = 1 134.899,59 ZAR für das gesamte Jahr berücksichtigt. TINNEN Ltd. folgt der Ertragsbesteuerung auf Grundlage des Gesamtsteuersatzes von 30 %. Im Steuerabschluss wird Vermögen grundsätzlich nach dem Kostenmodell bewertet. Deshalb weicht der Abschreibungsaufwand im Steuerabschluss von demjenigen nach IFRSs ab. Wenn die steuerliche Ergebnisrechnung von derjenigen nach IFRSs abweicht, entstehen Steuerlatenzen und müssen im Jahresabschluss nach IFRSs ausgewiesen werden. Bei TINNEN Ltd. betragen die Abschreibungen im Steuerabschluss: 653.615,67 - 653.615,67 × (1 - 1,67%) 12 = 119.598,86 ZAR. Die Ertragsbesteuerung ergibt: (1.400.000 - 119.598,86 - 600.000) × 30% = 2 204.120,34 ZAR. Diese sind für den IFRS-Abschluss anzuwenden. Hinweis: Technisch gesehen werden die Ertragsteuern von dem Steuer-GuV- Konto in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto für den handelsrechtlichen Jahresabschluss nach IFRSs (profit and loss) kopiert. Die übertragenen Ertragsteuern sind höher als diejenigen nach IFRSs. Der Unterschied der Besteuerung resultiert aus den höheren Abschreibungen nach IFRS und beträgt: 204.120,34 - 665.100,41 × 30% = 4 4.590,22 ZAR. Er wird als latenter Steuerertrag (deferred tax income) ausgewiesen und vom tatsächlichen Steueraufwand abgezogen. Die Gegenbuchung ist eine Sollbuchung im Bilanzgewinnkonto (retained earnings). Siehe Buchungssatz (G). Hinweis: Die Sollbuchung im Bilanzgewinnkonto macht deutlich, dass die latenten Steuererträge keine Erstattung durch die Finanzbehörden darstellen. D C D C (4) 1.680.000 (1) 960.000 (2) 146.384 P3L 146.384 (3) 600.000 c/ d 120.000 1.680.000 1.680.000 b/ d 120.000 (A) 196.085 (F) 1.680.000 (B) 120.000 (E) 600.000 c/ d 883.915 1.800.000 1.800.000 b/ d 883.915 Cash/ Bank C/ B Depreciation-20X3 DPR Abb. 7.5: Konten der TINNEN Ltd. (20X4) <?page no="189"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-189 D C D C c/ d 146.384 (2) 146.384 (3) 600.000 P3L 600.000 (R) 209.202 b/ d 146.384 (C) 62.818 209.202 209.202 c/ d 72.081 (D) 72.081 b/ d 72.081 Acc depr ACC Operational expenses-20X3 OEX D C D C (1) 800.000 c/ d 800.000 (1) 160.000 (4) 280.000 b/ d 800.000 (R) 800.000 c/ d 120.000 280.000 280.000 (B) 120.000 b/ d 120.000 c/ d 280.000 (F) 280.000 400.000 400.000 b/ d 280.000 PPE @COST Value added tax VAT D C D C P3L 1.400.000 (4) 1.400.000 DPR 146.384 REV 1.400.000 OEP 600.000 NP3 653.616 1.400.000 1.400.000 ITL 196.085 b/ d 653.616 R/ E 457.531 653.616 653.616 Revenue-20X3 REV Profit and Loss-20X3 P3L D C D C c/ d 196.085 P3L 196.085 c/ d 457.531 P3L 457.531 (A) 196.085 b/ d 196.085 (G) 4.590 b/ d 457.531 c/ d 204.120 ITL 204.120 (D'') 15.299 400.205 400.205 c/ d 933.810 P4L 465.570 b/ d 204.205 938.400 938.400 b/ d 933.810 Income tax liabilities ITL Retained earnings R/ E Abb. 7.5: Konten der TINNEN Ltd. (20X4) - Fortsetzung <?page no="190"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-190 D C D C (C) 62.818 (R) 750.000 c/ d 750.000 (D) 72.081 c/ d 134.900 b/ d 750.000 134.900 134.900 b/ d 134.900 P4L 134.900 Depreciation-20X4 DPR PPE @VALUATION D C D C (R') 47.761 (R) 159.202 (D') 4.590 (R') 47.761 (D'') 15.299 (D') 4.590 c/ d 43.171 c/ d 100.733 47.761 47.761 163.793 163.793 b/ d 43.171 b/ d 100.733 Revaluation reserves R-R Deferred tax liabilities DTL D C D C (E) 600.000 P4L 600.000 P4L 1.400.000 (F) 1.400.000 Operational expenses-20X4 OEX Revenue-20X4 REV D C D C DPR 134.900 REV 1.400.000 DPR 119.599 REV 1.400.000 OEX 600.000 OEX 600.000 NP4 665.100 NP4 680.401 1.400.000 1.400.000 1.400.000 1.400.000 ITL 204.120 b/ d 665.100 ITL 204.120 b/ d 680.401 R/ E 465.570 (G) 4.590 R/ E 476.281 669.691 669.691 680.401 680.401 Profit and Loss-20X4 P4L Tax-Profit and Loss-20X4 P4L Abb. 7.5: Konten der TINNEN Ltd. (20X4) - Fortsetzung Es folgt eine Zusammenfassung des Vorgehens bei Neubewertungen: . Für die Buchungssätze wird darin angenommen, dass eine Anlagenbuchhaltung besteht, d.h. es gibt für jeden Vermögenswert ein eigenes Anlagekonto. Accounting-Prozess-Schritte (Neubewertungen (revaluations, net replacement method): (1) Bestimmen Sie den beizulegenden Wert, z.B. über ein Sachverständigengutachten. (2) Erstellen Sie ein neues Konto für Sachanlagevermögen (P, P, E @VALUATION) und tragen Sie dort den beizulegenden Wert ein. <?page no="191"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-191 (3) Nehmen Sie eine Habenbuchung im P, P, E @COST Account vor, um es abzuschließen. (4) Schließen Sie das Konto für kumulierte Abschreibungen ab. (5) Wenn die Neubewertung einer Wertminderung folgt, buchen Sie eine Wertanpassung. (6) Buchen Sie die Bewertungsdifferenz aus der Neubewertung im Neubewertungsrücklagenkonto (revaluation reserves). (7) Ziehen Sie den Ertragsteueranteil der Neubewertung von den Neubewertungsrücklage ab und buchen Sie diese in die latenten Steuerrückstellungen (deferred tax liabilities). Accounting-Prozess-Schritte (Abschreiben von neubewertetem Vermögen (depreciation on revalued assets)): (1) Bestimmen Sie den Abschreibungsaufwand für den neubewerteten Vermögenswert. (2) Buchen Sie den Abschreibungsaufwand und erfassen Sie die kumulierte Abschreibungen. (3) Bestimmen Sie den Abschreibungsanteil am abschreibungsfähigen Betrag. (4) Lösen Sie in Höhe des Abschreibungsanteils die Rückstellungen für latente Steuern auf. DR Deferred Tax Liabilities - CR Revaluation Reserves. (5) Lösen Sie die ursprünglich gebildete Neubewertungsrücklage im Umfang des Abschreibungsanteils auf: DR Revaluation Reserves - CR Retained Earnings. (6) Berechnen Sie das Vorsteuerergebnis nach IFRSs. (7) Berechnen Sie das steuerliche Vorsteuerergebnis und die Ertragsbesteuerung. (8) Übertragen Sie die Ertragsteuern in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto nach IFRSs. (9) Die Ertragsteuern übersteigen den Wert des Vorsteuerergebnisses nach IFRS multipliziert mit dem Ertragsteuersatz (= EBT IFRS × 30%). Ermitteln Sie den Unterschiedsbetrag und ziehen ihn von dem Ertragsteueraufwand ab. Buchen Sie diesen im Soll des Bilanzgewinnkontos (retained earnings). (10) Bestimmen Sie das Nachsteuerergebnis und übertragen es in das Bilanzgewinnkonto. Bisher wurden nur die Buchungssätze für Steuerlatenzen besprochen, die durch Neubewertungen nach IAS 12 entstanden sind. Unten werden die Gründe für das Buchen und Auflösen von Steuerlatenzen und Neubewertungsrücklagen erläutert. Es wird sich auf die Fallstudie TINNEN Ltd. bezogen. <?page no="192"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-192 Die Neubewertungen und Steuerlatenzen werden im handelsrechtlichen Jahresabschluss nach IFRSs gebucht. Neubewertungen dürfen niemals erfolgswirksam erfasst werden, wenn keine Gewinne realisiert werden. Eine Neubewertung erhöht dagegen das Eigenkapital im gleichen Umfang wie der Vermögenswert steigt (ohne Berücksichtigung der latenten Steuern). Nach IAS 12.15 werden latente Steuern nur für vorübergehende ertragsteuerliche Unterschiede (temorary income tax difference) gebucht. Bei einer Neubewertung entsteht ein steuerlicher Unterschied durch die Steuerlatenzrückstellung und in den Perioden danach aufgrund von höheren Abschreibungen als latenter Steuerertrag. Die Differenzen sind vorübergehend, weil die Unterschiede aufgrund der Neubewertung durch diejenigen aufgrund von höheren Abschreibungen ausgeglichen werden. Da hier von einem vereinfachten Ertragsteuermodell ausgegangen wird, ändern sich die Steuersätze nicht. Für die Bewertung von latenten Steuern ist IAS 12.51 anzuwenden. Wenn die TINNEN Ltd. ihren Schweißroboter neu bewertet, erhöhen sich beide Bilanzseiten um 159.202,22 ZAR. Auf der Passivseite wird die Erhöhung im Verhältnis 70 : 30 zwischen der Neubewertungsrücklage und Steuerlatenzrückstellung (deferred tax liabilities) aufgeteilt. Die Neubewertungsrücklage beträgt: 159.202,44 - 47.760,73 = 1 111.441,71 ZAR und die Rückstellung für latente Steuern ist: 159.202,44 × 30% = 47.760,73 ZAR. Um einen Gewinn aus einer Neubewertung zu realisieren, muss ein Unternehmen entweder (1) das neubewertete Vermögen verkaufen/ ausbuchen oder es (2) abschreiben. (ad (1)) Der Verkauf des Schweißroboters zu seinem beizulegenden Wert (= 750.000 ZAR) führt in dem handelsrechtlichen Jahresabschluss auf keinen Gewinn aber ertragsteuerlich auf einen Verkaufsgewinn (gain on disposal) von: 750.000 - 590.797,56 = 1 159.202,44 ZAR. Die Ertragsteuern auf den Verkaufsgewinn betragen: 30% × 159.202,44 = 4 47.760,73 ZAR. Weil das Unternehmen Rückstellungen für latente Steuern (deferred tax liabilities) von 47.760,73 ZAR zum Zeitpunkt der Neubewertung gebildet hat, löst es diese beim Verkauf auf und ordnet sie der Neubewertungsrücklage zu. Ebenso muss es die vollständige Neubewertungsrücklage auflösen, weil der neubewertete Vermögenswert ausgebucht wird: 111.441,71 + 47.760,73 = 159.202,44 ZAR. Dieser Betrag wird dem Bilanzgewinn zugeführt und somit an die Eigentümerinnen oder Eigentümer ausschüttungsfähig. Gleichzeitig wird im Bilanzgewinnkonto ein latenter Steuerertrag (deferred tax income) i.H.v. 47.760,73 ZAR auf der Sollseite erfasst. Diese Buchung reduziert den ausschüttungsfähigen Betrag um den Ertragsteueranteil. Dieser entsteht durch den Ergebnisunterschied aufgrund unterschiedlicher Abschreibungen im Steuerabschluss verglichen mit demjenigen nach IFRSs: 159.202,44 × 30% = 47.760,73 ZAR. Nach IFRSs ist der Verkaufsgewinn Null. Die Aktionärinnen oder Aktionäre der TINNEN Ltd. sind berechtigt, aus der Neubewertung und verbunden mit dem anschließenden Verkauf eine Dividende von: 159.202,44 - <?page no="193"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-193 47.760,73 = 1 111.441,71 ZAR zu erhalten, die dem Verkaufsgewinn abzüglich der darauf entfallenden Ertragsteuern entspricht. (ad (2)) Eine Abschreibung stellt im Unterschied zum Verkauf eine nur teilweise Gewinnrealisierung dar, aber sie funktioniert gleich. Wenn das bilanzierende Unternehmen den neubewerteten Vermögenswert zu einem bestimmten Anteil abschreibt - wie TINNEN Ltd. um 9,61 % löst es Steuerlatenzen und die Neubewertungsrücklage im Umfang des Abschreibungsanteils auf. Letztere wird in den Bilanzgewinn gebucht und so für die Aktionärinnen oder Aktionäre ausschüttungsfähig. Gleichzeitig entsteht aufgrund der Abschreibungen auf die neubewertete Maschine, die die ertragsteuerliche Abschreibung überschreiten, ein Ergebnisunterschied. Im Fall der TINNEN Ltd. kann dieser aus Abbildung 7.5 abgelesen werden (DPR in den Gewinn- und Verlustrechnungskonten). Er beträgt: 134.899,59 - 119.598,86 = 15.300,73 ZAR. Die Abschreibungsdifferenz führt auf einen Unterschied bei der Ertragsteuerberechnung i.H.v.: 15.300,73 × 30% = 4 4.590,22 ZAR. Dieses ist ein latenter Steuerertrag, weil er vom Ertragsteueraufwand abgezogen wird. Weil die Gegenbuchung auf der Sollseite des Bilanzgewinnkontos erfolgt, reduziert sie die aufgelösten Neubewertungsrücklagen um ihren Ertragsteueranteil: 15.299,35 - 4.589,81 = 1 10.709,54 ZAR. Dieses ist eine anteilige - im Umfang von 9,61 % - Gewinnrealisierung der Neubewertung nach Ertragsteuern. Zur Kontrolle wird der ausschüttungsfähige Betrag an die Aktionärinnen oder Aktionäre der TINNEN Ltd. aus dem Verkauf (1) mit dem Abschreibungsprozentsatz multipliziert. Dieses führt ebenfalls auf: 111.441,71 × 9,61% = 1 10.709,55 ZAR. Die Rundungsdifferenz entsteht durch das Abrunden des Prozentwertes für den Abschreibungsanteil auf 9,61 %. Wenn für einen Vermögenswert ein Restbuchwert existiert, führen die oben dargestellten Buchungssätze zu einem Rest der Neubewertungsrücklage. Dieser wird erst aufgelöst, sobald das Unternehmen den neubewerteten Vermögensgegenstand vollständig ausgebucht hat. Entsprechend wird die Gleichheit des Eigenkapitals nach IFRSs und in der Steuerbilanz erst erreicht, nachdem der Vermögenswert komplett abgeschrieben und ausgebucht worden ist. Wenn die Berechnungen des Abschreibungsanteils sich nur auf den abschreibungsfähigen Betrag beziehen, d.h. der Restbuchwert wird nicht berücksichtigt, wird die Neubewertungsrücklage durch die Abschreibungen bereits komplett aufgelöst. Der Effekt soll an der Fallstudie STEENBERG Ltd. vorgeführt werden. In Fall (i) wird die Neubewertungsrücklage gemäß des Abschreibungsanteils aufgelöst, der sich auf den abschreibungsfähigen Betrag bezieht. In Fall (ii) wird der Abschreibungsanteil auf den kompletten beizulegenden Wert des neubewerteten Vermögenswertes bezogen. Es wird gezeigt, dass in Fall (ii) der Bilanzgewinn während der Nutzungsdauer zwischen IFRS- und Steuerabschluss abweicht. Am Ende der Nutzungsdauer ist aber in beiden Fällen der Bilanzgewinn gleich hoch. <?page no="194"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-194 Über den Link 7.F gelangt man zu der Fallstudie STEENBERG Ltd. Link 7.F: STEENBERG Ltd. Eine Alternative zu der Netto-Ersatzbuchungsmethode (net replacement method) ist die Brutto-Ersatzbuchungsmethode (gross replacement method). Sie ist anzuwenden, wenn die Neubewertung durch einen generellen Preisanstieg für gleiche oder ähnliche Vermögenswerte bedingt ist. Über den Link 7.F gelangt man zu der Fallstudie JANSSENS Ltd. Link 7.G: JANSSENS Ltd. 7.13 Vermögensabgang Ein Ausscheiden von Vermögen wird am Besten über ein Realisationskonto (Realisation account) gebucht. 61 Wenn Anlagevermögen nach einer Neubewertung ausgebucht wird, müssen die zugehörigen Neubewertungsrücklagen (revaluation reserves) und 61 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (34) und (35). Rückstellungen für latente Steuern (deferred tax liabilities) zuvor komplett in den Bilanzgewinn (retained earnings) ausgebucht werden. Nur Erträge aus dem Verkauf (disposal proceeds), die Umsatzsteuern und der Buchwert (property, plant, equipment account, accumulated depreciation account und accumulated impairment loss account) des Vermögenswertes dürfen in das Realisationskonto abgeschlossen werden. Das Realisationskonto wird nach IAS 16.68 in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto, besser: in sonstige Erträge (other comprehensive income account) ausgebucht - d.h. es wird erfolgswirksam erfasst. Der IAS 16.67 bestimmt, dass eine Ausbuchung bei Abgang von Vermögen oder, wenn kein wirtschaftlicher Nutzen mehr von dem Vermögenswert ausgeht, zu erfolgen hat. 7.14 F/ S YSTERFONTEIN Ltd. Die YSTERFONTEIN Ltd. ist eine Baugesellschaft mit Sitz in Johannesburg, die ein zuvor neubewertetes Grundstück verkauft. Datenblatt für die YSTERFONTEIN Ltd. Standort: Südafrika (Johannesburg). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Baugewerbe. Abrechnungsperioden: 20X1 - 20X6. Grundstück: 300 m 2 ; Anschaffungskosten: 225.000 ZAR zuzüglich Gebühren für die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags: 50.000 ZAR. Neubewertung auf: 3.000 ZAR/ m 2 . Verkauf am 30.11.20X6 zu 1.000.000 ZAR. <?page no="195"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-195 Umsatzsteuer nicht relevant. Die YSTERFONTEIN Ltd. erwirbt am 4.01.20X1 ein Grundstück mit einer Fläche von 300 m 2 in der Absicht, dieses als Parkplatz für ihre Firmenfahrzeuge und Baumaschinen zu verwenden. Der Anschaffungspreis beträgt 225.000 ZAR. Für die notarielle Übertragung (conveyance) zahlt die YSTERFONTEIN Ltd. 50.000 ZAR. Der Übertragungsaufwand gehört zu den Anschaffungskosten. Hinweis: In Südafrika gibt es keine Grunderwerbsteuer. Die gesamten Anschaffungskosten betragen: 225.000 + 50.000 = 2 275.000 ZAR. Die Gemeinde (municipality of Johannesburg) erklärt am 5.07.20X5 das Gelände, auf dem sich der Parkplatz der YSTERFONTEIN Ltd. befindet, zu einem Industriegebiet, so dass die Grundstückspreise auf 3.000 ZAR/ m 2 steigen. YSTERFONTEIN Ltd. muss deshalb ihren Parkplatz neubewerten. Der neue, beizulegende Wert ist: 300 × 3.000 + 50.000 = 9 950.000 ZAR. Die Übertragungskosten (conveyance cost) werden weiterhin zur Grundstücksbewertung herangezogen. Der Buchungssatz für die Neubewertung wird unten gezeigt. Hinweis: Grundstücke unterliegen keiner regelmäßigen Abschreibung. Ein Ertragsteueranteil von: 30% × 675.000 = 2202.500 ZAR der Neubewertung wird in die latenten Steuerrückstellungen gebucht, wie in Buchungssatz (2) gezeigt. Am 5.07.20X5 (1) und (2): DR P, P, E @Val PPV ............. 950.000 ZAR CR P, P, E @Cost PPC ............ 275.000 ZAR CR Revaluation Reserves R-R ..... 675.000 ZAR DR Revaluation Reserves R-R ..... 202.500 ZAR CR Deferred Tax Liab. DTL....... 202.500 ZAR Die YSTERFONTEIN Ltd. verkauft am 30.11.20X6 das Grundstück zu 1.000.000 ZAR. Die Buchungen berücksichtigen das Realisationskonto, nachdem die passiven Steuerlatenzen und die Neubewertungsrücklage in den Bilanzgewinn ausgebucht wurden. Hinweis: Die Trennung zwischen Auflösen der Neubewertungsrücklage und Steuerlatenzen von dem Realisationskonto ist wichtig, weil die Neubewertung nicht erfolgswirksam ist. Dagegen sind Verkaufserlöse erfolgswirksam zu erfassen. Am 30.11.20X6: DR Deferred Tax Liab. DTL....... 202.500 ZAR CR Revaluation Reserves R-R ..... 202.500 ZAR <?page no="196"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-196 DR Revaluation Reserves R-R..... 675.000 ZAR CR Retained Earnings R/ E........ 675.000 ZAR DR Cash/ Bank C/ B................ 1.000.000 ZAR CR Realisation-20X6 REA......... 1.000.000 ZAR DR Realisation-20X6 REA......... 950.000 ZAR CR P, P, E @Val PPV............. 950.000 ZAR In Südafrika gibt es eine Kapitalertragsteuer (capital gain tax) auf Immobilienbesitz. Der Kapitalertrag wird berechnet, indem die Anschaffungskosten vom Verkaufsumsatz (disposal proceeds) abgezogen werden. Hier beträgt der Kapitalgewinn: 1.000.000 - 275.000 = 7 725.000 ZAR. Es werden zur Vereinfachung keine Abzüge oder Freibeträge auf die Capital Gain Tax behandelt. Der Kapitalertragsteuersatz ist 30 %. Siehe unten die Buchungssätze für das Buchen der Kapitalertragsteuer i.H.v.: 30% × 725.000 = 2217.500 ZAR. Am 31.12.20X6: DR Capital Gain Tax CGT......... 217.500 ZAR CR Accounts Payables A/ P........ 217.500 ZAR Siehe die Konten der YSTERFONTEIN Ltd., welche nur die Geschäftsvorfälle für das Grundstück enthalten. D C D C OV 950.000 (D) 950.000 OV 472.500 (B) 675.000 (A) 202.500 675.000 675.000 PPE @VALUATION Revaluation Reserves R-R D C D C (A) 202.500 OV 202.500 DTI 202.500 (B) 675.000 c/ d 507.500 OCI 35.000 710.000 710.000 b/ d 507.500 Deferred tax liabilities DTL Retained earnings R/ E Abb. 7.6: Konten der YSTERFONTEIN Ltd. <?page no="197"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-197 D C D C (D) 950.000 (C) 1.000.000 (C) 1.000.000 . . . GoD 50.000 1.000.000 1.000.000 Realisation-20X6 REA Cash/ Bank C/ B D C D C OCI 50.000 (5) 50.000 EBT 50.000 GoD 50.000 ITL 217.500 b/ d 50.000 R/ E 35.000 DTI 202.500 252.500 252.500 Gain on disposal-20X6 GoD Other comprehensive income-20X6 OCI D C D C c/ d 217.500 PLT 217.500 EBT 725.000 GoD 725.000 b/ d 217.500 A/ P 217.500 b/ d 725.000 R/ E 507.500 725.000 725.000 Accounts payables A/ P Profit and Loss for Taxation PLT Abb. 7.6: Konten der YSTERFONTEIN Ltd. - Fortsetzung Accounting-Prozess-Schritte (Ausbuchen von Sachanlagevermögen (disposal of an asset)): (1) Erfassen Sie alle Abschreibungen und Wertminderungen bevor Sie den Vermögensgegenstand ausbuchen. Wenn das Vermögen auf der Basis von Neubewertungsbeträgen geführt wird, lösen Sie die zugehörige Neubewertungsrücklage und die latenten Steuerrückstellungen auf. (2) Erstellen Sie ein Realisationskonto. (3) Buchen Sie Zahlungseingänge für die Disposal Proceeds im Soll im Kasse-/ Bank-Konto und im Haben im Realisationskonto. Für Verkäufe auf Ziel (sale on credit) buchen Sie entsprechend Forderungen (accounts receivables). (4) Buchen Sie die Umsatzsteuerschuld (output-VAT), die mit dem Abgang des Vermögenswertes vereinnahmt wurde, auf der Sollseite des Realisationskontos und im Haben im Umsatzsteuerkonto (VAT account) - jedoch nur, wenn die Umsatzsteuer anzuwenden ist (nicht bei Grundstücksverkäufen). (5) Schließen Sie das Anlagekonto (P, P, E account) in das Realisationskonto ab. (6) Schließen Sie das Konto für kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation) und falls es besteht, <?page no="198"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-198 ein Konto für kumulierte Wertminderungen (accumulated impairment loss) in das Realisationskonto ab. (7) Bestimmen Sie den Saldo für das Realisationskonto. (8) Schließen Sie das Realisationskonto in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto oder in das Konto für sonstige Erträge (other comprehensive income) ab. Die YSTERFONTEIN Ltd. verwendet ein Realisationskonto, um den Verkaufsgewinn (gain on disposal) für das Grundstück zu bestimmen. Dieser beträgt: 1.000.000 - 950.000 = 5 50.000 ZAR. Der auf den steuerlichen Ansatz des Immobilienvermögens (tax base) bezogene Verkaufsgewinn beträgt: 1.000.000 - 275.000 = 725.000 ZAR. Daher sind die Kapitalertragsteuern (capital gain tax): 725.000 × 30% = 2 217.500 ZAR. Diese gehören nicht zu Ertragsteuerarten und müssen deshalb als kurzfristige Schulden (short-term payables) ausgewiesen werden. Wenn man die Kapitalertragsteuern mit den erwarteten Ertragsteuern aus dem Gewinn von 50.000 ZAR (IFRS) vergleicht, übersteigen die Kapitalertragsteuern die Steuern für sonstige Erträge um: 217.500 - 15.000 = 2 202.500 ZAR. Die YSTERFONTEIN Ltd. bucht einen latenten Steuerertrag in Höhe der aufgelösten latenten Steuerrückstellungen. Somit erhöht sich das Eigenkapital der YSTERFONTEIN Ltd., als wäre niemals eine Neubewertung gebucht worden. Die Fallstudie YSTERFONTEIN Ltd. ist einfach strukturiert, weil Grundstücke nicht abschreibungsfähig sind. Weiterhin ist keine Umsatzsteuer auf Immobilienverkäufe anzuwenden. Hinweis: Es wird die Aufgabe A7.55 PAROW Ltd. empfohlen, bei der ebenfalls ein Grundstück neubewertet wird. 62 62 Die Aufgabe ist in den Zusatzmaterialien enthalten. 7.15 Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien (investment property) sind Grundbesitz und Eigentum an Gebäuden, die dazu dienen, Mieteinkünfte (rental income) oder Verkaufsgewinne (capital appreciation) zu generieren. Der IAS 40 ist anzuwenden. IAS 40.5 regelt, dass als Finanzinvestition gehaltene Immobilien niemals Grundstücke und Gebäude sein können, die die Eigentümerin oder der Eigentümer zur Erzeugnisproduktion, Dienstleistungserstellung oder für Verwaltungszwecke nutzt. In solchen Fällen ist IAS 16 anzuwenden. Der IAS 40.5 schließt ebenso aus, dass Grundstücke und Gebäude zum Verkauf anstehen. Ein Unternehmen, das Grundstücke und Gebäude erwirbt, um sie kurzfristig zu verkaufen, wendet nicht IAS 40, sondern IFRS 5 an. Deren Eigennutzung ist ebenfalls ausgeschlossen. Auf zu Verkaufszwecken gehaltenes Vermögen gehen die Abschnitte 7.19 und 7.20 ein. Der IAS 40.10 gesteht dem bilanzierenden Unternehmen zu, dass Grundstücke und Gebäude in selbstgenutzte Immobilien und als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien aufgeteilt werden. Eine Selbstnutzung liegt auch <?page no="199"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-199 bei Hotels vor. Der Dienstleistungscharakter wird über den Vermietungsaspekt gestellt und bedingt, dass ein Hotelbetrieb unter die Regelungen von Sachanlagevermögen nach IAS 16 fällt. Der IAS 40 wird an der Fallstudie MERSEBURG Ltd. erläutert. 7.16 F/ S MERSEBURG Ltd. Die MERSEBURG Ltd. erwirbt ein Bürogebäude, das sie selbst zu einem geringen Anteil zur Immobilienverwaltung nutzt. Es sind die IAS 40 als auch IAS 16 anzuwenden. Datenblatt für die MERSEBURG Ltd. Standort: Südafrika (Grahamstown). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Vermietung. Als Finanzinvestition gehaltene Immobilie: 21.021.000 ZAR; Bürogebäude mit 42 Einheiten, angeschafft am 2.01.20X7. Abschreibung: 420.420 ZAR. Neubewertung auf 25.200.000 ZAR am 2.01.20X8. Umsatzsteuer: nicht relevant. Die MERSEBURG Ltd. erwirbt am 2.01.20X7 in Grahamstown ein Bürogebäude mit 42 Einzelbüros. Der Anschaffungspreis beträgt 21.000.000 ZAR. Anschaffungsnebenkosten fallen nur für den Transfer (conveyance) an. Sie betragen 21.000 ZAR. Eines der Einzelbüros wird zur Verwaltung der übrigen 41 Büros genutzt. Das Bürogebäude lässt sich nach IAS 40.10 aufteilen. Die Büros sind gleich groß und gleichwertig. Wegen der unterschiedlichen Nutzung muss MERSEBURG Ltd. im Jahresabschluss ihre Büros einzeln behandeln. Das selbstgenutzte Büro stellt Anlagevermögen dar und wird nach IAS 16 behandelt. Dagegen sind die anderen 41 Büros zu Investitionszwecken gehaltene Immobilien (investment property) nach IAS 40. Zum Erwerbszeitpunkt bucht die MERSEBURG Ltd. das Bürogebäude gemäß der Nutzung und mit anteilig verrechneten Anschaffungsnebenkosten für den Transfer, z.B. das selbstgenutzte Büro (owner-occupied office) zu: (1/ 42) × 21.021.000 = 5 500.500 ZAR. Am 2.01.20X7: DR Investment Property IVP ...... 20.520.000 ZAR DR P, P, E @Cost PPC ............ 500.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 21.021.000 ZAR Die MERSEBURG Ltd. vermietet 41 Büros und vereinnahmt monatliche Mietzahlungen. Wenn der beizulegende Wert der Büros sich ändert, schreibt der IAS 40.35 vor, dass die Bewertungsanpassungen als Ertrag oder Verlust in der Abrechnungsperiode erfolgswirksam zu erfassen sind, in der die Wertänderung stattgefunden hat. Dieses unterscheidet sie von einer Neubewertung nach IAS 16.39, weil die Wertsteigerungen für die 41 Büros erfolgswirksam gebucht werden und keine Neubewertungsrücklage und Rückstellungen für Steuerlatenzen verursachen. Die unterschiedliche Behandlung von Wertsteigerungen wird an den Büros der MERSEBURG Ltd. demonstriert: <?page no="200"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-200 MERSEBURG Ltd. bewertet in 20X7 die 42 Büros zu Anschaffungskosten und schreibt sie zusammen über 50 Jahre linear ab: (1/ 50) × 21.021.000 = 4 420.420 ZAR. Die Büros werden am Ende des Geschäftsjahres 20X7 zu einem Wert von: 21.021.000 - 420.420 = 2 20.600.580 ZAR geführt. Die MERSEBURG Ltd. stellt am 2.01.20X8 fest, dass der Wert des Bürogebäudes von 20.600.580 ZAR auf 25.200.000 ZAR gestiegen ist. Das selbstgenutzte Büro erfordert eine Neubewertung nach IAS 16. Sein Buchwert war 490.490 ZAR und der neue beizulegende Wert (fair value) beträgt 25.200.000 / 42 = 6 600.000 ZAR. Die Neubewertung wird als der unten dargestellte Buchungssatz erfasst. Es werden Rückstellungen für latente Steuer i.H.v.: 30% × 109.510 = 3 32.853 ZAR gebildet. Am 2.01.20X8: DR P, P, E @Valuation PPV....... 600.000 ZAR DR Accumulated Depr. ACC........ 10.010 ZAR CR P, P, E @Cost PPC............ 500.500 ZAR CR Revaluation Reserves R-R..... 109.510 ZAR DR Revaluation Reserves R-R..... 32.853 ZAR CR Deferred Tax Liab. DTL....... 32.853 ZAR Im Unterschied zu dem selbstgenutzten Büro wird die Wertsteigerung der 41 zu Investitionszwecken gehaltenen Büros erfolgswirksam erfasst und als Ertrag aus Neubewertung (gain on revaluation) ausgewiesen. Dieser ist: 41 × (600.000 - 490.490) = 4 4.489.910 ZAR - siehe den untenstehenden Buchungssatz: Am 2.01.20X8: DR Investment Property IVP...... 4.489.910 ZAR CR Gain on Revaluation GOR...... 4.489.910 ZAR 7.17 Zum Verkauf gehaltenes Vermögen IFRS 5 ist auf Vermögen anzuwenden, das zum Verkauf steht. Nach IFRS 5.8 besteht eine Voraussetzung für die Klassifizierung als zum Verkauf stehendes Anlagevermögen darin, dass der Verkauf geplant sein muss. Dieses wird z.B. erfüllt, wenn der Vermarktungsprozess bereits angelaufen ist. Zum Verkauf stehendes Anlagevermögen ist zu dem niedrigeren Wertansatz aus Buchwert und zu erzielendem Verkaufspreis (fair market value) abzüglich eines Verkaufsaufwandes auszuweisen (IFRS 5.15.). Nach IFRS 5 stellt zum Verkauf stehendes Anlagevermögen keine Vorräte dar. Es sind hauptsächlich Sachanlagen, die das Unternehmen aufgrund des Nichtfortführens von Geschäftsprozessen oder wegen erschöpftem wirtschaftlichen Nutzenpotential auszubuchen beabsichtigt. Dieses gilt auch bei ersetztem Sachanlagevermögen, z.B. wenn eine Taxigesellschaft ein neues Fahrzeug <?page no="201"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-201 angeschafft hat und das alte veräußern will. Ein Unternehmen darf das zum Verkauf anstehende Vermögen nach IFRS 5.25 nicht abschreiben. Der IFRS 5.38 fordert einen gesonderten Bilanzausweis als zum Verkauf anstehendes Vermögen. 7.18 F/ S OVERBERG (Pty) Ltd. IFRS 5 wird an der Fallstudie OVERBERG (Pty) Ltd. vertieft, die ein Surfshop am Weststrand in Kapstadt betreibt. Die Gesellschaft verkauft vormals für ihre Kite- Surfkurse eingesetzte Boards und Lenkdrachen (kite surfing unit = KSU). Datenblatt für die OVERBERG (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Kapstadt). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Dienstleistungsunternehmen. Zum Verkauf stehende Sachanlagen: 15 Kite-Surfing-Units (KSU), Anschaffungskosten: 20.000 ZAR/ KSU am 2.01.20X4; Nutzungsdauer: vier Jahre; Restwert: 8.000 ZAR/ KSU. Verkaufsabsicht: ab 1.10.20X6 aufgrund von nicht fortgesetzten Schulungen; Nettoverkaufspreis: 10.000 ZAR/ KSU. Am 31.12.20X6: zehn noch nicht verkaufte Kite-Surfing-Units. Umsatzsteuersatz: 20 %. OVERBERG (Pty) Ltd. ist ein Surfshop in Kapstadt. Das Unternehmen verkauft Surfausrüstungen am Weststrand und betreibt eine Kite-Surfschule in Camps Bay. Für die Kite-Surfschule hat die OVERBERG (Pty) Ltd. 15 Lenkdrachen und Boards erworben, die als KSU bezeichnet werden (kite surfing unit). Die KSUs wurden am 2.01.20X4 zu Anschaffungskosten von 20.000 ZAR/ KSU erworben. Die Abschreibungen erfolgen nach linearer Abschreibungsmethode über eine Nutzungsdauer von vier Jahren. Der Restbuchwert (residiual value) pro KSU beträgt 8.000 ZAR/ KSU. Am 1.10.20X6 entscheidet OVERBERG (Pty) Ltd., ihre Kite-Surfschule zu schließen und sie in einen Surfshop umzuwandeln. Die Schulungstätigkeiten stellen ein nicht-fortgesetztes Betätigungsfeld (discontinued operations) dar. Ab dem 1.11.20X6 werden keine Kite-Surf-Kurse mehr angeboten. OVERBERG (Pty) Ltd. will ihre KSUs zu netto 10.000 ZAR/ KSU veräußern. Beim Verkauf fallen keine Zusatzkosten an, weil OVERBERG (Pty) Ltd. die KSUs in ihrem eigenen Surfshop verkauft. Zu Beginn von 20X6 werden die KSUs zu historischen Anschaffungskosten von jeweils: 20.000 - 3.000 - 3.000 = 114.000 ZAR/ KSU geführt. Die Abschreibung für den Zeitraum Januar/ 20X6 bis Oktober/ 20X6 beträgt: 10 × (14.000 - 8.000) / 24 = 2 2.500 ZAR/ KSU. Siehe Buchungssatz (1) für die Abschreibungen in Abbildung 7.9. Wenn OVERBERG (Pty) Ltd. am 1.11.20X6 ihre Kite-Surfkurse einstellt, hat jede KSU einen Buchwert von: 14.000 - 2.500 = 1 11.500 ZAR/ KSU. Der IFRS 15.15 fordert die Bewertung der KSUs zum niedrigeren aus Buchwert und beizulegendem Wert abzüglich von Verkaufskosten. Die Absicht der OVERBERG (Pty) Ltd., ihre KSUs zu 10.000 ZAR/ KSU zu verkaufen, bestimmt den beizulegenden Wertansatz. Die KSUs werden als zum Verkauf bestimmt gehalten und in Einklang mit IFRS 5.20 von 11.500 ZAR/ KSU auf 10.000 ZAR/ KSU wertgemindert. Die OVERBERG <?page no="202"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-202 (Pty) Ltd. erfasst den Wertminderungsaufwand über Buchungssatz (2). Das Konto für das zum Verkauf stehende Anlagevermögen heißt auszubuchende Anlagen (disposal assets). Am 1.11.20X6 (2): DR Disposal Assets DAA.......... 150.000 ZAR DR Accumulated Depr. ACC........ 127.500 ZAR DR IL on Discontinued Ops. ILD.. 22.500 ZAR CR P, P, E - KSU................ 300.000 ZAR Zeitgleich zum Klassifizieren der KSUs als zum Verkauf stehende Anlagen, stellt OVERBERG (Pty) Ltd. auch deren Abschreibung ein. Zum Ende von 20X6 hat die OVERBERG (Pty) Ltd. fünf der KSUs zu einem Nettoverkaufspreis von 10.000 ZAR/ KSU verkauft. Siehe den Buchungssatz (3). Am 20.12.20X6 (3): DR Cash/ Bank C/ B................ 60.000 ZAR CR Value Added Tax VAT.......... 10.000 ZAR CR Disposal Assets DAA.......... 50.000 ZAR Hinweis: Der Buchungssatz (3) ist einfacher als bei einem Verkauf von Vorratsvermögen, weil die KSUs bereits mit dem Verkaufspreis bewertet sind. Die verbleibenden KSUs befinden sich am 31.12.20X6 noch in dem Surfshop der OVERBERG (Pty) Ltd. Siehe in der Abbildung 7.7 die Konten zum 31.12.20X6. D C D C OV 300.000 (2) 300.000 (2) 127.500 OV 90.000 (1) 37.500 127.500 127.500 P, P, E (KSU) Acc depr ACC D C D C (1) 37.500 P&L 37.500 (2) 150.000 (3) 50.000 c/ d 100.000 150.000 150.000 b/ d 100.000 Depreciation-20X6 DPR Disposal assets account DAA Abb. 7.7: Konten der OVERBERG (Pty) Ltd. <?page no="203"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-203 D C D C (2) 22.500 P&L 22.500 (3) 60.000 c/ d 60.000 b/ d 60.000 Impairment Loss on discontinued ops ILD Cash/ Bank C/ B D C D C c/ d 10.000 (6) 10.000 DPR 37.500 b/ d 10.000 ILD 22.500 NL 60.000 60.000 60.000 b/ d 60.000 R/ E 60.000 Value added tax VAT Profit and Loss-20X6 P&L D C P&L 60.000 c/ d 60.000 b/ d 60.000 Retained earnings R/ E Abb. 7.7: Konten der OVERBERG (Pty) Ltd. - Fortsetzung 7.19 Immaterielles Vermögen Immaterielles Vermögen (intangible assets) ist Vermögen ohne physische Substanz, z.B., Lizenzen, Garantien, Patente, Entwicklungskosten (design costs), Nutzungsrechte (right of use asset), Goodwill etc. Der IAS 38 behandelt immaterielles Vermögen. IAS 38.4 bestimmt, dass immaterielles Vermögen mit materiellem Vermögen verbunden sein kann, z.B. enthält Software eine Installations-CD und eine ausgedruckte Bedienungsanleitung. Es ist dann entscheidend, welche Komponente überwiegt. Hinweis: Dieses Buch Bilanzen gilt wegen der QR-Codes und des über die Zusatzmaterialien verfügbaren Content als Software. Entsprechend einer Entscheidung des Amtsgerichts München ist deshalb auf dieses Buch kein verminderter Umsatzsteuersatz anwendbar. Bei Software ist die immaterielle Komponente der wesentliche Bestandteil, daher wird sie als immaterielles Vermögen eingestuft. Obwohl Kassenbestand und deren Äquivalente als immateriell angesehen werden können, gehört er immer zum Umlaufvermögen. Der IAS 38.12 fordert, dass immaterielles Vermögen identifizierbar sein muss, welches bedeutet, es muss sich separieren lassen - es muss ebenso verkehrsfähig (exchangeable) sein oder muss sich auf Vertragsrechte zurückführen lassen. Nach IAS 38.13 muss immaterielles Vermögen in der Verfügungsmacht des bilanzierenden Unternehmens stehen. 7.20 F/ S Zahnarzt PAARDEBERG In dem nächsten Fall PAARDEBERG (Zahnarzt) geht es um die Aktivierungsfähigkeit (recognition ability) eines Patientenstamms: <?page no="204"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-204 Datenblatt für Dr. Paardeberg. Standort: Deutschland (Hamburg) Berichtswährung: EUR. Klassifikation: Arztpraxis. Anschaffungskosten: 750.000 EUR. Vermögenswerte: 80.000 EUR Umsatzsteuer ignoriert. Herr Dr. Paardeberg ist Zahnarzt und erwirbt eine Praxis von einer Kollegin, die nach Asien auswandern will. Hinweis: Das Fall einer Arztpraxis wurde in dieses Lehrbuch aufgenommen, um zu unterstreichen, dass die IFRSs ebenfalls auf Nicht-Unternehmen anzuwenden sind. Der Wert der Arztpraxis ist signifikant höher als das Sachanlagevermögen, das damit verbunden ist, wie z.B. die Geräte im Behandlungszimmer, die Möbel des Wartezimmers, Computeranlagen etc. Der wesentliche Wert, der den Verkaufspreis für die Arztpraxis bestimmt, ist der Patientenstamm. Obwohl ein wirtschaftliches Nutzenpotential von dem Patientenbestand bei Übernahme der Arztpraxis ausgeht, gelten die Patientinnen oder Patienten als nicht durch den Betrieb beherrschbar. In dem Fall, in dem Herr Dr. Paardeberg einen Preis für die Arztpraxis bezahlt, der die Summe des materiellen Vermögens übersteigt, ist die Differenz zwischen den Anschaffungskosten und der Summe des Sachanlagevermögens als Goodwill anzusehen. Der Goodwill resultiert aus dem Erwerb und wird zu identifizierbarem Vermögen, das aus einem Vertrag abgeleitet ist. Die Anschaffung der Arztpraxis erfolgt für 750.000 EUR, 80.000 EUR davon stehen mit Sachanlagevermögen in Verbindung. PAARDEBERG nimmt am 4.03.20X7 die nachstehende Buchung vor: Am 4.03.20X7: DR P, P, E-Account PPE.......... 80.000 EUR DR Goodwill G/ W................. 670.000 EUR CR Cash/ Bank C/ B................ 750.000 EUR Nach erstmaliger Aktivierung von immateriellem Vermögen hängt die Folgebewertung von der regelmäßigen Abschreibung über die Nutzungsdauer ab oder von weiteren, sonstigen Bewertungen, letztere erfordern regelmäßig Werthaltigkeitssprüfungen (impairment/ revaluation checks). In dem Fall der Arztpraxis PAARDEBERG wird der Goodwill aus dem Kaufpreis abgeleitet und hängt zukünftig von dem Ruf des Zahnarztes Dr. Paardeberg, seiner Leistung und den Entscheidungen der Patientinnen oder Patienten ab. Deshalb ist der Goodwill möglichen Wertänderungen ausgesetzt. PAARDEBERG muss den wirtschaftlichen Nutzen des Goodwills regelmäßig prüfen. Wenn die Patientinnen oder Patienten ausbleiben, muss eine Wertminderung auf den abgeleiteten Goodwill erfasst werden. Für das Anwachsen des Patientenstamms aufgrund der hohen Kompetenz des Herrn Dr. Paardeberg besteht keine Möglichkeit zum Erhöhen des Goodwills. Hinweis: Selbstgeschaffener Goodwill ist nicht aktivierungsfähig. <?page no="205"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-205 7.21 Forschungs- und Entwicklungsaufwand Der Aufwand für Produktentwicklung und -gestaltung stellt ebenfalls immaterielles Vermögen dar. Forschungsaufwand ist dagegen nicht aktivierungsfähig. Entwicklungs- und Designkosten werden als Vermögenswert aktiviert und über die Anzahl von Perioden abgeschrieben, in denen die Erzeugnisse produziert werden. Es gelten nach IAS 38.54 - 38.64 spezielle Kriterien für das Aktivieren von Entwicklungsaufwand. Die Aktivierungskriterien sollen Forschung und Entwicklung voneinander abgrenzen: Die erste Phase, in der neues Wissen erlangt wird, gilt i.d.R. als Forschung. Dessen Aufwand darf nicht aktiviert werden, sondern muss erfolgswirksam im Jahr der Forschungsleistung als Aufwand erfasst werden. Sobald der Prozess in die Entwicklungsphase übergeht, muss das bilanzierende Unternehmen belegen, dass es die Kriterien nach IAS 38.57 erfüllt, z.B. die Machbarkeit, den Umsetzungswillen und -fähigkeit, das Herstellungspotential etc. unter Beweis stellen. 7.22 F/ S WESPOORT Ltd. Für das Aktivieren von Entwicklungsaufwand wird die WESPOORT Ltd. in East London besprochen. Das Unternehmen aktiviert Aufwand für die Entwicklung eines neuen Rasenmähertyps. Datenblatt für die WESPOORT Ltd. Standort: Südafrika (East London). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Produktionsunternehmen. Entwicklungskosten: 600.000 ZAR. Erfüllung der Aktivierungskriterien nach IAS 38.57 am 3.03.20X4. Produktionsstart: 31.05.20X4. Produktionsvolumen: 96.000 Rasenmäher in den nächsten zwei Jahren. Umsatzsteuer: nicht relevant. Die WESPOORT Ltd. ist ein Hersteller von Rasenmähern am Eastern Cape in Südafrika. Für die nächste Saison entwickelt die WESPOORT Ltd. einen neuen kabellosen Rasenmähertyp. Sie führt dafür eine Marktanalyse und Tests mit Akkumulatoren durch. Anschließend, am 3.03.20X4, beginnt die WESPOORT Ltd. mit der Entwicklung des neuen Rasenmähers und wendet 600.000 ZAR Entwicklungskosten auf. Während der Entwicklungsphase bucht die WESPOORT Ltd. Lohnaufwand, Abschreibung auf die Konstruktionssoftware (CAD-System) und Aufwand für Produkttests. Die WESPOORT Ltd. beweist das Erfüllen der Entwicklungskriterien nach IAS 38.57 am 3.03.20X4. WESPOORT Ltd. plant, 96.000 Einheiten des neuen Rasenmähers während des Zeitraums Juni/ 20X4 bis Mai/ 20X6 herzustellen. Die Entwicklungsphase wird am 31.05.20X4 abgeschlossen, wonach die Produktion anläuft. Die WESPOORT Ltd. hat Entwicklungsaufwand i.H.v. 600.000 ZAR als immaterielles Vermögen aktiviert. Sie schreibt ihn am Jahresende proportional zu der Produktionsleistung (production volume) für die neuen Rasenmäher ab. Die Produktionsleistung ist über die gesamte Produktionszeit gleichverteilt. Somit ist die Teilabschreibung auf den aktivierten Entwicklungsaufwand für die Produktionszeit von sieben Monaten in 20X4: 7 × 600.000 / 24 = 1175.000 ZAR. <?page no="206"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-206 Siehe unten die Buchungssätze für die Aktivierung und Abschreibung des Entwicklungsaufwands: Am 31.05.20X4: DR Intangible Assets ITA........ 600.000 ZAR CR Depreciation-20X4 DPR........ 100.000 ZAR CR Labour-20X4 LAB.............. 350.000 ZAR CR Other Expenses (Test) OTH.... 150.000 ZAR Am 31.12.20X4: DR Depreciation-20X4 DPR........ 175.000 ZAR CR Accumulated Depr. ACC........ 175.000 ZAR 7.23 Leasing Dem IFRS 16.9 folgend ist ein Leasingvertrag (lease) ein Vertrag zwischen der Leasingnehmerin oder dem Leasingnehmer (lessee) und der Leasinggeberin oder dem Leasinggeber (lessor) über die Nutzung eines identifizierbaren Vermögenswerts während eines Zeitraums im Austausch für eine Vergütung (consideration). 63 Mit dem Leasingvertrag (lease agreement) erlangt die Leasingnehmerin oder der Leasingnehmer die Verfügungsgewalt über den Leasinggegenstand. Die Übertragung (conveyance) des Nutzungsrechts und der damit verbundenen Risiken für den Leasinggegenstand ist ein essenzielles Kriterium für das Begründen eines Leasingverhältnis und führt zur Aktivierung eines Nutzungsrechts (right of use asset) und eine Leasingverbindlichkeit (lease liability) - beide zu Barkapitalwerten (present value) bewertet. Hinweis: Im Gegensatz zu einer Kreditfinanzierung, z.B. eines Fahrzeugs, bei 63 Siehe zu Leasingverhältnissen die Fallstudie COSSAL Ltd. im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (15). dem ein Kfz bilanziert wird und zusätzlich ein Darlehn passiviert wird, wird bei Leasingverhältnissen nur das anteilige Nutzungsrecht aktiviert. Die Beherrschung des Leasingobjekts durch die Leasingnehmerin oder den Leasingnehmer unterscheidet Leasingverhältnisse von anderen Dienstleistungen, bei denen die Leistungserbringerin oder der Leistungserbringer weiter über die Nutzung des Gegenstands entscheidet, z.B. bei Vermietungsgeschäften. Leasingverhältnisse wirken sich auf Leistungskennzahlen der Leasingnehmerin oder des Leasingnehmers aus, z.B. die Gesamtkapitalrentabilität (return on assets). Kurze Leasingverhältnisse und solche von geringer Bedeutung/ Wert werden von der Aktivierung ausgenommen und können nach dem vereinfachten Ansatz (simplified approach) als Aufwand bilanziert werden, siehe IFRS 16.5. <?page no="207"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-207 Als Beispiel für die Bilanzierung eines Leasingverhältnisses nach IFRS 16.5 wird auf die Fallstudie ALIGSE Ltd. in Abschnitt 7.25 verwiesen. Ein Leasingverhältnis wird in der Buchhaltung der Leasingnehmerin oder des Leasingnehmers zum Zeitpunkt des Übergangs des Leasingobjekts gebucht. Für die Leasingnehmerin oder den Leasingnehmer ähnelt ein Leasingverhältnis einem Mietvertrag. Sie oder er bezahlt für die Nutzung des zugrundeliegenden Vermögenswertes. Später gibt sie oder er den Leasinggegenstand an die Leasinggeberin oder den Leasinggeber (lessor) zurück. Anders als bei Mietverhältnissen, wird das Nutzungsrecht an dem Leasingobjekt aktiviert und abgeschrieben. Ebenso werden die gesamten Leasingzahlungen als diskontierte Leasingverbindlichkeit passiviert. Für die Diskontierung wird der Leasingzinssatz verwendet, siehe unten. IFRS 16.9 erfordert zu Beginn des Leasingverhältnisses zu prüfen, ob der Vertrag ein Leasingverhältnis darstellt oder eines enthält. Ein Vertrag ist oder enthält ein Leasingverhältnis, wenn das Nutzungsrecht eines bestimmbaren Leasingobjekts während eines definierten Zeitraums gegen eine Vergütung übertragen wird. Die Bewertung des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeit erfolgt zu Barkapitalwerten. Das Nutzungsrecht enthält alle Leasingzahlungen, auch solche, die zu Beginn des Leasingverhältnisses erfolgen, weitere Einzelkosten und Kosten für die Wiederherstellung des Leasingobjekts (IFRS 16.24). Für die Passivierung der Leasingschuld nach IFRS 16.26 wird ebenfalls der Ausweis zu Barkapitalwerten gefordert. Der Diskontierungszinssatz ist entweder der im Leasingverhältnis enthaltene Zinssatz (rate implicit in the lease) oder als Ersatz dafür der Grenzverschuldungszinssatz (incremental borrowing rate) der Leasingnehmerin oder des Leasingnehmers. Hinweis: Der im Leasingverhältnis enthaltene Zinssatz lässt sich aus dem Wert des Leasingobjekts und den Leasingraten über eine interne Zinsfußrechnung ableiten. Oftmals kennt aber nur die Leasinggeberin oder der Leasinggeber den Wert des Leasingobjekts. Dann lässt sich auf der Seite der Leasingnehmerin oder des Leasingnehmers der Zinssatz nicht ermitteln. Hinweis: Der Grenzverschuldungszinssatz ist derjenige Zinssatz, zu dem die Leasingnehmerin oder der Leasingnehmer unter Berücksichtigung ihrer oder seiner bereits bestehenden Verschuldungssituation eine weitere Kreditfinanzierung vornehmen kann. Nachfolgend wird die Bilanzierung von Leasingverhältnissen bei der Leasinggeberin oder beim Leasinggeber behandelt. Für die Leasinggeberin oder den Leasinggeber ist ein Leasingverhältnis ein Finanzgeschäft. Die Leasinggeberin oder der Leasinggeber finanziert der Leasingnehmerin oder dem Leasingnehmer die Nutzung des Leasingobjekts. Deshalb zählen Umsatzerlöse aus Leasinggeschäften zu Zinserträgen. Wenn die Leasinggeberin oder der Leasinggeber gleichzeitig Verkäuferin oder Verkäufer des Leasingobjekts ist, wird der Verkaufserlös einzeln erfasst, wie in der Fallstudie RICHTERSVELD Ltd. gezeigt wird. <?page no="208"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-208 Häufig ist die Leasinggeberin oder der Leasinggeber bereits in Besitz des Leasingobjekts. Der Besitz entsteht entweder durch vorherigen Erwerb oder durch Herstellung des Leasingobjekts. Die Leasinggeberin oder der Leasinggeber bucht das Leasingobjekt als Forderungen über einen Buchungssatz wie: DR Forderungen aus Leasingverhältnis (lease receivables account) - CR Sachanlagevermögen (P, P, E account). Nachfolgend werden die Buchungen auf der Leasingnehmerseite (Fallstudie KRIGE) besprochen. In der zweiten Fallstudie RICHTERS- VELD/ BOULOUNGER werden beide Seiten behandelt. 7.24 F/ S KRIGE (Pty) Ltd. Zur Einführung in Leasingverhältnisse dient die Fallstudie KRIGE (Pty) Ltd.: Datenblatt für die KRIGE (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Johannesburg). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Transportunternehmen (UBER). Leasingobjekt: Pkw Toyota über zwei Jahre. Leasingraten (installment): 120.000 ZAR/ Jahr. Wiederherstellungsaufwand: 50.000 ZAR. Umsatzsteuer nicht relevant. Herr Krige ist ein UBER-Driver in Johannesburg. Er gründet das Unternehmen KRIGE (Pty) Ltd., die nach IFRSs bilanziert. Die KRIGE (Pty) Ltd. geht einen Leasingvertrag mit einem Toyota-Händler über einen Leasingzeitraum von zwei Jahren ein, der am 2.01.20X3 beginnt und am 31.12.20X4 endet. Das Leasingverhältnis hat einen Zinssatz von 5 %/ Jahr. Der Zinssatz wird für die Barwertbestimmung (present value calculation) verwendet. Hinweis: Die Leasinggeberin oder der Leasinggeber entscheidet über den Zinssatz, der dem Leasingverhältnis zugrunde liegt. Es wird hier von einem Kaufpreis für das Kfz von 600.000 ZAR und seinem Verleasen über fünf Jahre zu 120.000 ZAR ausgegangen. Wenn man die Gleichung 600.000 = 120.000 × ((1+r) 5 -1)/ (r × (1 + r) 5 ) nach r auflöst, erhält man 4,88%/ Jahr und rundet den Prozentwert auf 5 %/ Jahr zur Vereinfachung auf. Die KRIGE (Pty) Ltd. zahlt jährliche Leasingraten i.H.v. 120.000 ZAR/ Jahr. Weiterhin schätzt die KRIGE (Pty) Ltd., dass die Wiederherstellungskosten für kleinere Reparaturen an dem Kfz, z.B. Kratzer und Beulen am Ende des Leasingzeitraums, 50.000 ZAR betragen. Hinweis: Häufig wird bei Leasingverträgen über Fahrzeuge eine Wertermittlung des zurückzunehmenden Kfz nach der gefahrenen km-Leistung vereinbart. Erwartet die Leasingnehmerin oder der Leasingnehmer, dass sie oder er das Fahrzeug mehr als die vereinbarte Laufleistung beansprucht, wird sie oder er dieses als Zahlungen im Rahmen einer Restwertgarantie (payables under residual value guarantee) berücksichtigen. Der Zahlungsreihenvektor für das Taxi ist: T(t) = {0; -120.000; (-120.000 50.000)} = { {0; -120.000; -170.000}. Die Leasingschuld (lease liability) entspricht dem Barwert des Vektors i.H.v.: 120.000/ 1.05 + 170.000/ 1.05 2 = 268.480,73 ZAR. Die KRIGE (Pty) Ltd. kennt den Preis für das Taxi nicht, weil der Leasinggeber <?page no="209"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-209 und Autohändler die Anschaffungskosten nicht offenlegt. Es wird mit 5 %/ Jahr (gegeben) als Zinssatz gerechnet. Hinweis: Bei der nächsten Fallstudie RICHTERSVELD/ BOULOUNGER wird demonstriert, wie man den einem Leasingverhältnis zugrundeliegenden Zinssatz berechnet, wenn man die Anschaffungskosten kennt. Die KRIGE (Pty) Ltd. aktiviert am 2.01.20X3 das Nutzungsrecht zum Barwert aller Leasingraten einschließlich der Wiederherstellungskosten: 268.480,73 ZAR. Es wird der Buchungssatz (1) am 2.01.20X3 vorgenommen: Am 2.01.20X3 (1): DR Right-of-Use-Asset RUA ....... 268.481 ZAR CR Lease Liability IBL.......... 268.481 ZAR Hinweis: Das Nutzungsrecht ist zwar immaterielles Vermögen, wird aber regelmäßig nach IFRSs in der Bilanz unter der Position Property, Plant, Equipment ausgewiesen. Für den Bilanzausweis der Leasingschuld am 31.12.20X3 muss diese einmalig mit dem Zinssatz von 5%/ Jahr aufgezinst (compound) werden. Dieses führt auf einen Zinsaufwand von: 268.480,73 × 5% = 113.424,04 ZAR, erfasst als Buchungssatz (2). Zum Bilanzstichtag wurde die Leasingzahlung für 20X3 bereits geleistet und die nächste Leasingrate als kurzfristige Verbindlichkeit umgebucht. Die Zahlung wird als Buchungssatz (3) erfasst. In Übereinstimmung mit IAS 1.60 wird die Zahlung in 20X4 als kurzfristige Schuld ausgewiesen. Sie wird nicht aufgezinst. Um den Wert zu prüfen, kann man den Erfüllungswert im nächsten Jahr einmalig mit 5 % diskontieren und erhält: 170.000 / 1,05 = 1 161.904,76 ZAR. Ein Jahr später, am 31.12.20X4, löst die KRIGE (Pty) Ltd. die verbleibende Leasingverbindlichkeit auf. Sie wird entsprechend nicht mehr in der Bilanz zum 31.12.20X4 berücksichtigt. Siehe die Buchungssätze (2) bis (4), welche in 20X3 erfasst werden. Am 31.12.20X3 (2) bis (4): DR Interest-20X3 INT ............ 13.424 ZAR CR Lease Liability IBL.......... 13.424 ZAR DR Lease Liability IBL.......... 120.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 120.000 ZAR DR Lease Liability IBL.......... 161.905 ZAR CR Short-term Liab. A/ P ......... 161.905 ZAR <?page no="210"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-210 IFRS 16.23 fordert, das Nutzungsrecht nach dem Kostenmodell zu bilanzieren. Die Anschaffungskosten sind der Barwert aller Leasingzahlungen. Hinweis: Zahlungen zu Beginn des Leasingverhältnisses sind in der Bewertung des Nutzungsrechts berücksichtigt, aber zählen nicht zu Leasingverbindlichkeiten. Für die Folgebewertung des Nutzungsrechts, wird dieses nach einer angemessenen Methode und ihren Parametern abgeschrieben. Häufig wird die lineare Abschreibungsmethode verwendet. Im Fall KRIGE (Pty) Ltd. erfolgt die Abschreibung des Nutzungsrechtes nach linearer Abschreibungsmethode ohne Restwert. Der Abschreibungsaufwand ist in beiden Jahren: 268.480,73 / 2 = 134.240,37 ZAR. Der erste wird als Buchungssatz (5) erfolgswirksam erfasst. Am 31.12.20X3 (5): DR Depreciation-20X3 DPR........ 134.240 ZAR CR Accumulated Depr. ACC........ 134.240 ZAR Siehe die Konten in Abbildung 7.8. D C D C (1) 268.481 c/ d 268.481 (3) 120.000 (1) 268.481 b/ d 268.481 (4) 161.905 (2) 13.424 281.905 281.905 Right-of-use-asset RUA Lease liability IBL D C D C c/ d 120.000 (3) 120.000 c/ d 161.905 (4) 161.905 b/ d 120.000 b/ d 161.905 Cash/ Bank C/ B Short-term liabilities A/ P D C D C (5) 134.240 P3L 134.240 c/ d 134.240 (5) 134.240 b/ d 134.240 Depreciation-20X3 DPR Accumulated depreciation ACC Abb. 7.8: Konten der KRIGE (Pty) Ltd. (20X3) <?page no="211"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-211 D C D C DPR 134.240 NL 147.664 P3L 147.664 c/ d 147.664 INT 13.424 b/ d 147.664 b/ d 147.664 R/ E 147.664 D C (2) 13.424 P3L 13.424 Profit and Loss-20X3 P3L Retained earnings R/ E Interest-20X3 INT Abb. 7.8: Konten der KRIGE (Pty) Ltd. (20X3) - Fortsetzung Im Geschäftsjahr 20X4 schreibt KRIGE (Pty) Ltd. das Nutzungsrecht über den Buchungssatz (A) ab und zahlt die vereinbarten 170.000 ZAR. Die Zahlung wird als Buchungssatz (B) erfasst und enthält die Leasingrate und die Zahlung zur Erfüllung der Restwertgarantie: 120.000 + 50.000 = 1 170.000 ZAR. Der Buchungssatz (C) berücksichtigt den Zinsaufwand für das Aufzinsen der kurzfristigen Verbindlichkeit: 161.904,76 × 5% = 88.095,24 ZAR in 20X4. Hinweis: Die Trennung von kurz- und langfristigen Schulden wird aufgrund unterschiedlicher Bewertungen vorgenommen. Leasingverbindlichkeiten werden zu Barwerten ausgewiesen; dieses gilt für ihre Einordnung als langfristig wie auch als kurzfristig. Die Zinsen aus dem Leasingverhältnis werden in die kurzfristigen Schulden gebucht. Damit weist das Konto für kurzfristige Verbindlichkeiten vor der Tilgung: 161.904,76 + 8.095,24 = 1 170.000 ZAR aus. Für die Ausbuchung des Kfz wird das Realisationskonto verwendet. Die Ausbuchung wird über die Buchungssätze (D’) und (D’’) vorgenommen. Am 31.12.20X4 (A), (B), (C), (D‘) und (D‘‘): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 134.240 ZAR CR Accumulated Depr. ACC ........ 134.240 ZAR DR Short-term Liab. A/ P ......... 170.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 170.000 ZAR DR Interest-20X4 INT ............ 8.095 ZAR CR Short-term Liab. A/ P ......... 8.095 ZAR DR Realisation-20X4 REA ......... 268.481 ZAR CR Right-of-Use-Asset RUA ....... 268.481 ZAR <?page no="212"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-212 DR Accumulated Depr. ACC........ 268.481 ZAR CR Realisation-20X4 REA......... 268.481 ZAR In Abbildung 7.9 ist das Realisationskonto ausgeglichen (zero-balanced). Der Aufwand besteht aus Abschreibungen, Zinsen und Wiederherstellungsaufwand. D C D C (1) 268.481 c/ d 268.481 P3L 147.664 c/ d 147.664 b/ d 268.481 (D') 268.481 b/ d 147.664 P4L 142.336 c/ d 290.000 290.000 290.000 b/ d 290.000 Right-of-use-asset RUA Retained earnings R/ E D C D C c/ d 120.000 (3) 120.000 c/ d 161.905 (4) 161.905 b/ d 120.000 (B) 170.000 b/ d 161.905 c/ d 290.000 (B) 170.000 (C) 8.095 290.000 290.000 170.000 170.000 b/ d 290.000 Cash/ Bank C/ B Short-term liabilities A/ P D C D C (A) 134.240 P4L 134.240 c/ d 134.240 (5) 134.240 b/ d 134.240 (D'') 268.481 (A) 134.240 268.481 268.481 Depreciation-20X4 DPR Acc depr ACC D C D C (3) 120.000 (1) 268.481 (C) 8.095 P4L 8.095 (4) 161.905 (2) 13.424 281.905 281.905 Lease liabilities IBL Interest-20X4 INT D C D C DPR 134.240 NL 142.336 (D') 268.481 (D'') 268.481 INT 8.095 142.336 142.336 Profit and Loss-20X4 P4L Realisation REA Abb. 7.9: Konten der KRIGE (Pty) Ltd. (20X4) <?page no="213"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-213 Accounting-Prozess-Schritte (Buchen von Leasingverhältnissen (lease recording)): (1) Prüfen Sie, ob ein Leasingverhältnis vorliegt. (2) Bestimmen Sie den Wert des Nutzungsrechts (rightof-use-asset). (3) Bestimmen Sie die Leasingverbindlichkeiten als den Barwert zukünftiger Leasingzahlungen. Berücksichtigen Sie auch Sonderzahlungen, z.B. für Wiederherstellungsaufwand. (4) Buchen Sie das Nutzungsrecht und die Leasingverbindlichkeiten. (5) Schreiben Sie das Nutzungsrecht ab. (6) Zinsen Sie Leasingverbindlichkeiten jährlich auf (compound interest) und ziehen Sie geleistete Leasingzahlungen ab. (7) Die temporären Buchwerte des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeiten können aufgrund ihrer unterschiedlichen Bewertungsmethoden voneinander abweichen. (8) Zum Ende des Leasingverhältnisses buchen Sie das Nutzungsrecht aus und tilgen die Leasingverbindlichkeiten. 7.25 F/ S ALIGSE Ltd. Der Fall ALIGSE Ltd. zeigt die Buchungen, die erforderlich sind, wenn ein Leasingverhältnis nach dem vereinfachten Ansatz (simplified approach) gemäß IFRS 16.5 gebucht wird. Hinweis: Das Leasingverhältnis der ALIGSE Ltd. ist kein operatives. Der Begriff operatives Leasing bezieht sich auf die Klassifikation nach IFRS 16.61. Die hier besprochenen Leasingverhältnisse sind Finanzleasingverhältnisse, die nach dem allgemeinen Ansatz (general approach), oder kurzfristige Leasingverhältnisse nach IFRS 16.5, die nach dem vereinfachten Ansatz (simplified approach) gebucht werden. Ein Mietverhältnis, bei dem kein Übergang von Risken und Nutzen erfolgt, wird in der Fallstudie JONKERS GmbH als operatives Leasing in den Abschnitten 7.28 und 7.29 vorgestellt. Datenblatt für die ALIGSE Ltd. Standort: Südafrika (Bloemfontein). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Leasingobjekt: Computer über zwei Jahre. Leasingzahlungen: 1.000 ZAR/ Monat im ersten Jahr / 1.300 ZAR/ Monat für das zweite Jahr. Leasingzeitraum: 1.04.20X1 - 31.03.20X3. Umsatzsteuer nicht relevant. Die Buchungssätze für den vereinfachten Ansatz werden in IFRS 16.6 vorgeschrieben: Die Leasingnehmerin oder der Leasingnehmer erfasst die Leasingzahlungen für das Leasingverhältnis als Aufwand entweder nach einer linearen Verteilung über den Leasingzeitraum oder nach einer anderen, systematischen Verteilungsgrundlage. <?page no="214"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-214 Die ALIGSE Ltd. least von der BENNINGSEN (Pty) Ltd. über einen Zeitraum von 24 Monaten einen Computer. Das Leasingverhältnis erfüllt die Voraussetzungen zur Anwendung der Ausnahmeregelung zum Leasingausweis nach IFRS 16.5. ALIGSE Ltd. beschließt, die Ausnahmeregelung zur Bilanzierungsvereinfachung zu beanspruchen. Hinweis: Der IFRS 16.5 zwingt das bilanzierende Unternehmen nicht den vereinfachten Bilanzierungsansatz anzuwenden und lässt ebenso das Bilanzieren nach dem allgemeinen Ansatz (general approach) zu. Die Leasingraten betragen 1.000 ZAR/ Monat im ersten Jahr und 1.300 ZAR/ Monat im zweiten. Das Leasingverhältnis beginnt am 1.04.20X1. Das Jahresende des Leasingverhältnisses entspricht nicht dem Geschäftsjahresende. Weil die ALIGSE Ltd. den vereinfachten Ansatz beansprucht, bestimmt sie die durchschnittlichen Leasingraten für das Leasingverhältnis: 12 × 1.000 + 12 × 1.300) / 24 = 1 1.150 ZAR/ Monat. Bei dem Leasingverhältnis fallen die Leasingzahlungen mit dem Leasingaufwand auseinander. In 20X1 beträgt der Leasingaufwand: 9 × 1.150 = 110.350 ZAR. Die Leasingraten sind: 9 × 1.000 = 9 9.000 ZAR. Weil die Leasingzahlungen geringer als der Leasingaufwand sind, muss eine kurzfristige Verbindlichkeit (accounts payables) gebucht werden. Der Buchungssatz unten wird am Jahresende vorgenommen und repräsentiert die Einzelbuchungen über das gesamte Jahr. Am 31.12.20X1: DR Lease Expense-20X1 LEX....... 10.350 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 9.000 ZAR CR Accounts Payables A/ P........ 1.350 ZAR Im nächsten Geschäftsjahr 20X2 betragen die Leasingaufwendungen: 12 × 1.150 = 113.800 ZAR. Die Zahlungen folgen dem Leasingvertrag und sind: 3 × 1.000 + 9 × 1.300 = 1 14.700 ZAR. Weil jetzt die Leasingraten den Leasingaufwand übersteigen, werden die Verbindlichkeiten im Umfang von: 14.700 - 13.800 = 9 900 ZAR reduziert. Der Saldo in dem Verbindlichkeitskonto (accounts payables) zum Jahresende von 20X2 ist: 1.350 - 900 = 4 450 ZAR. Der Buchungssatz (A), der die zwölf Zahlungen und den Aufwand repräsentiert, wird unten gezeigt. Am 31.12.20X2: DR Lease Expense-20X2........... 13.800 ZAR DR Accounts Payables A/ P........ 900 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 14.700 ZAR Im letzten Jahr endet das Leasingverhältnis am 31.03.20X3. Es werden nur drei Leasingraten bezahlt: 3 × 1.300 = 3.900 ZAR. Der Leasingaufwand beträgt: <?page no="215"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-215 3 × 1.150 = 3 3.450 ZAR. Das Auflösen der kurzfristigen Verbindlichkeit erfolgt im Umfang von: 3.900 - 3.450 = 4 450 ZAR. Siehe unten den Buchungssatz für das Leasingverhältnis in 20X3: Am 31.12.20X3: DR Lease Expense-20X3........... 3.450 ZAR DR Accounts Payables A/ P ........ 450 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 3.900 ZAR Accounting-Prozess-Schritte (Vereinfachter Ansatz zum Bilanzieren eines Leasingverhältnisses (simplified approach for lease recognition)): (1) Prüfen Sie, ob die Voraussetzungen nach IFRS 16.5 erfüllt werden (geringer Wert, kurzzeitiges Leasingverhältnis). (2) Entscheiden Sie, ob Sie die Buchungsvereinfachung beanspruchen wollen. (3) Berechnen Sie den durchschnittlichen Leasingaufwand für den komplette Leasingzeitraum. (4) Buchen Sie den jährlichen Leasingaufwand (Berücksichtigen Sie Vorauszahlungen, Verbindlichkeiten etc.) Überzahlungen führen auf Vorauszahlungen (prepaid expense), Unterzahlungen erfordern das Buchen von Leasingaufwand als kurzfristige Verbindlichkeiten (A/ P account). (5) Prüfen Sie am Ende des Leasingzeitraums, ob die gezahlten Leasingraten dem Leasingaufwand entsprechen. 7.26 F/ S RICHTERSVELD (Pty) Ltd. - Leasingnehmer Bei der Fallstudie RICHTERSVELD (Pty) Ltd. wird Finanzleasing aus der Sicht des Leasingnehmers (lessee) und des Leasinggebers (lessor) behandelt. Die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. ist eine Bäckerei, die ein Leasingverhältnis mit dem Maschinenhändler BOULOUNGER Ltd. über eine Knetmaschine eingeht. Nach IFRS 16.63 sind Situationen, in denen von Finanzleasing auszugehen ist, solche, wenn Risiken und Nutzen auf den Leasingnehmer übertragen werden, wenn es eine wahrscheinlich umzusetzende Kaufoption gibt, wenn der Leasingzeitraum den überwiegenden Teil der Nutzungsdauer umfasst, wenn bei Leasingbeginn die Barwerte der Leasingraten dem Wert des Leasingobjekts entsprechen und wenn der Leasinggegenstand hauptsächlich von dem Leasingnehmer genutzt werden kann. Datenblatt für die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Klassifizierung: Lebensmittelbranche (Bäckerei). Leasingobjekt: Knetmaschine für zwei Jahre. Bruttoeinkaufspreis: 108.000 AUD. Anfangszahlung: 10.000 AUD. Leasingraten: 24.000 AUD/ Jahr. <?page no="216"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-216 Leasingzeitraum: 20X4 / 20X5. Zinssatz (Grenzverschuldungssatz des Leasingnehmers): 8 %/ Jahr Leasingart: Finanzleasing. Kaufoption: zu 45.000 AUD am Ende des Leasingverhältnisses. Umsatzsteuersatz: 20 %. RICHTERSVELD (Pty) Ltd. ist eine Bäckerei in Melbourne. Für ihre Brotherstellung geht sie ein Leasingverhältnis mit BOULOUNGER Ltd. über eine Knetmaschine ein. Die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. beabsichtigt, die Maschine für zwei Jahre zu leasen und sie anschließend (evtl.) zu kaufen. Zu Beginn des Leasingverhältnisses ist eine Zahlung von 10.000 AUD fällig. Die Leasingraten (lease installment) betragen 24.000 AUD/ Jahr. Für den Zeitpunkt nach der Leasingperiode sieht der Leasingvertrag eine Kaufoption für den Erwerb der Maschine zu 45.000 AUD vor. Die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. garantiert, dass die Maschine nach den zwei Jahren ihres Einsatzes einen Wert von 45.000 AUD haben wird. Aufgrund der zu erwartenden hohen Nutzungsintensität der Maschine geht sie davon aus, dass die Maschine nur 43.000 AUD am Ende des Leasingzeitraums wert sein wird. Deshalb berücksichtigt sie eine Zahlung i.H.v. 2.000 AUD, um die gegebene Wertgarantie erfüllen zu können. Nach IFRS 16.27 muss diese Zahlung in die Bewertung des Nutzungsrechts einbezogen werden. Die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. plant die Kaufoption auszuüben, ist sich jedoch zu Beginn des Leasingverhältnisses darüber nicht sicher. Hinweis: Nach IFRS 16.27 wird der Preis zum Ausüben der Kaufoption in die Bewertung des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeiten nur einbezogen, wenn sich die Leasingnehmerin oder der Leasingnehmer bei Beginn des Leasingverhältnisses sicher ist, dass sie oder er die Option ausübt. Die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. wendet für die Berechnung des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeiten ihren Grenzverschuldungszinssatz i.H.v. 8 %/ Jahr an, weil der im Leasingverhältnis implizit enthaltene Zinssatz ihr nicht bekannt ist. Der Wert des Nutzungsrechts ist der Barkapitalwert aller Zahlungen für das Leasingverhältnis. Weil Unsicherheit über das Ausüben der Kaufoption besteht, wird die Zahlung für den Erwerb nicht berücksichtigt. Der Leasingvektor für das Nutzungsrecht (right-of-use-asset) ist: R(t) = {10.000; 24.000; (24.000 + 2.000)} = { {10.000; 24.000; 26.000}. Sein auf der Grundlage eines Abzinsungsprozentsatzes (discount rate) von 8 %/ Jahr berechneter Barwert ist: 10.000 + 24.000 / (1 + 8%) + 26.000 / (1 + 8%) 2 = 54.513,03 AUD. Das Nutzungsrecht übersteigt die Leasingverbindlichkeit um 10.000 AUD, weil die Anfangszahlung in t = 0 erfolgt ist und deshalb keine Schuld darstellt. RICHTERSVELD (Pty) Ltd. aktiviert das Leasingverhältnis am 2.01.20X4 über den Buchungssatz (1). <?page no="217"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-217 Am 2.01.20X4 (1): DR Right-of-Use-Asset RUA ....... 54.513 AUD CR Lease Liability IBL.......... 44.513 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 10.000 AUD Am Ende von 20X4 bucht die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. Zinsaufwand i.H.v.: 44.513,03 × 8% = 3 3.561,04 AUD und Abschreibungen auf das Nutzungsrecht i.H.v.: 54.513,03 / 2 = 2 27.256,52 AUD. Weiter wird die Leasingrate von 24.000 AUD an den Leasinggeber gezahlt. Siehe die Buchungssätze (2) - (4). Hinweis: Hier wird kein getrennter Ausweis von kurz- und langfristigen Schulden nach IAS 1.60 vorgenommen. Dieser Aspekt wurde bereits in Zusammenhang mit der Fallstudie KRIGE (Pty) Ltd. behandelt. Am 31.12.20X4 (2), (3), (4): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 27.257 AUD CR Accumulated Depr. ACC ........ 27.257 AUD DR Lease Liability IBL.......... 24.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 24.000 AUD DR Interest-20X4 INT ............ 3.561 AUD CR Lease Liability IBL.......... 3.561 AUD Siehe die Konten zum Zeitpunkt 31.12.20X4 in Abbildung 7.10. D C D C (1) 54.513 c/ d 54.513 OV . . . (1) 10.000 b/ d 54.513 c/ d 34.000 (3) 24.000 34.000 34.000 b/ d 34.000 D C D C (3) 24.000 (1) 44.513 (2) 3.561 P4L 3.561 c/ d 24.074 (2) 3.561 48.074 48.074 b/ d 24.074 Right of use asset RUA Cash/ Bank C/ B Lease liability IBL Interst-20X4 INT Abb. 7.10: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X4) <?page no="218"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-218 D C D C (4) 27.257 P4L 27.257 c/ d 27.257 (4) 27.257 b/ d 27.257 D C D C DPR 27.257 R/ E 30.818 P4L 30.818 c/ d 30.818 INT 3.561 b/ d 30.818 30.818 30.818 Depreciation-20X4 DPR Accumulated depreciation ACC Profit and Loss-20X4 P4L Retained earnings R/ E Abb. 7.10: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X4) - Fortsetzung Im Geschäftsjahr 20X5 erfasst die RICHTERSVELD (Pty) Ltd. einen Zinsaufwand von: (44.513,03 × 1,08 - 24,000) × 8% = 11.925,93 AUD und Abschreibungen in Höhe von 27.256,52 AUD. Siehe die Konten nach Aufwandserfassung und Ausführung der Zahlung an den Leasinggeber in Abbildung 7.11. D C D C (1) 54.513 c/ d 54.513 OV . . . (1) 10.000 b/ d 54.513 REA 54.513 c/ d 34.000 (3) 24.000 34.000 34.000 b/ d 34.000 c/ d 60.000 (B) 26.000 60.000 60.000 b/ d 60.000 Right-of-use-asset RUA Cash/ Bank C/ B D C D C (3) 24.000 (1) 44.513 (2) 3.561 P4L 3.561 c/ d 24.074 (2) 3.561 48.074 48.074 (B) 26.000 b/ d 24.074 (C) 1.926 26.000 26.000 Lease liability IBL Interst-20X4 INT Abb. 7.11: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X5) <?page no="219"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-219 D C D C (4) 27.257 P4L 27.257 c/ d 27.257 (4) 27.257 b/ d 27.257 c/ d 54.513 (A) 27.257 54.513 54.513 REA 54.513 b/ d 54.513 Depreciation-20X4 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C DPR 27.257 R/ E 30.818 P4L 30.818 c/ d 30.818 INT 3.561 b/ d 30.818 30.818 30.818 P5L 29.182 c/ d 60.000 60.000 60.000 b/ d 60.000 Profit and Loss-20X4 P4L Retained earnings R/ E D C D C (A) 27.257 P5L 27.257 (C) 1.926 P5L 1.926 D C D C DPR 27.257 R/ E 29.182 RUA 54.513 ACC 54.513 INT 1.926 29.182 29.182 Profit and Loss-20X5 P5L Realisiation-20X5 REA Depreciation-20X5 DPR Interest-20X5 INT Abb. 7.11: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X5) - Fortsetzung 7.27 F/ S RICHTERSVELD (Pty) Ltd. - Leasinggeber Nachfolgend wird das Leasingverhältnis über die Knetmaschine in der Buchhaltung des Leasinggebers (lessor) behandelt. Der Leasinggeber ist die BOULOUNGER Ltd., die ebenfalls Händler für Industrieküchenausstattungen ist. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, Küchenmaschinen von dem Hersteller einzukaufen und sie mit einem Aufschlag von 25 % auf die Anschaffungskosten weiterzuverkaufen. In dem Fall der Knetmaschine erwirbt sie das Unternehmen zu einem Bruttoeinkaufspreis von 86.400 AUD. Die Anschaffungskosten betragen: 86.400/ 120% = 7 72.000 AUD. Der beizulegende Wert (fair market value) und Verkaufspreis für die Knetmaschine ist: 72.000 × (1 + 25%) = 9 90.000 AUD (Nettoverkaufspreis). Entsprechend ist die erzielte Marge der BOULOUNGER Ltd. bei dem Maschinenverkauf: 90.000 - 72.000 = 1 18.000 AUD. Der Erwerb der Knetmaschine wird von BOULOUNGER Ltd. am 2.01.20X4 als Buchungssatz (1) erfasst; es ist Umsatzsteuer zu berücksichtigen. <?page no="220"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-220 Am 2.01.20X4 (1): DR Asset Held for Leas A4L...... 72.000 AUD DR Value Added Tax VAT.......... 14.400 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 86.400 AUD Zur Kalkulation des in dem Leasingverhältnis implizit enthaltenen Zinssatzes stellt man den Zahlungsreihenvektor des Leasingverhältnisses auf, der auf den beizulegenden Wert (fair market value) 64 der Knetmaschine bezogen ist und die von RICHTERSVELD (Pty) Ltd. erwarteten Zahlungen berücksichtigt: B(t) = {(- 90.000 + 10.000); 24.000; (24.000 + 45.000)} = { {-80.000; 24.000; 69.000}. Der Vektor berücksichtigt entweder den Kauf der Maschine durch RICHTERSVELD (Pty) Ltd. oder deren Rückgabe zum garantierten Wert i.H.v. 45.000 AUD. Der interne Zinsfuß des Vektors ist nach der MS-Excel-Funktion Interner Zinsfuß berechnet worden und ergibt: IKV(B(t)) = 9,07 44 %/ Jahr. Bei Rücknahme der Knetmaschine nach zwei Jahren zum garantierten Wert beträgt der Vektor ebenfalls: B(t) = {-80.000; 24.000; (24.000 + 2.000 + 43.000)} = { { 80.000; 24.000; 69.000}. Der in einem Leasingverhältnis implizit enthaltene Zinssatz verändert sich nicht in Abhängigkeit des Ausübens der Kaufoption, weil der Preis dem Maschinenwert zum Ende des Leasingverhältnisses entspricht. Weil die BOULOUNGER Ltd. eine Anfangszahlung (initial payment) von der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. vereinnahmt, sind die Forderungen der Barwert der zukünftigen Zahlungen: 24.000 / (1 + 9,07 44 %) + 69.000 / (1 + 9,07 44 %) 2 = 80.000,05 AUD. Über die Buchungssätzen (2) und (3) erfasst BOULOUNGER Ltd. ihren Umsatzerlös (revenue) und den Wareneinsatz (cost of sale). Der Unterschiedsbetrag ist der Verkaufsgewinn (sales profit). Der Buchungssatz (4) erfasst den Zinsertrag (interest income) für 20X4 i.H.v. 80.000,05 × 9,0744% = 7 7.259,56 AUD, und mit dem Buchungssatz (5) berücksichtigt die BOULOUNGER Ltd. den Zahlungseingang ihres Leasingnehmers i.H.v. 24.000 AUD. Siehe unten die Buchungssätze in der Buchhaltung des Leasinggebers für 20X4. Am 2.01.20X4 (2), (3): DR Cash/ Bank C/ B................ 10.000 AUD DR Accounts Receivables A/ R..... 80.000 AUD CR Revenue-20X4 REV............. 90.000 AUD DR Cost of Sales-20X4 COS....... 72.000 AUD CR Asset Held for Lease A4L..... 72.000 AUD Am 31.12.20X4 (4), (5): DR Accounts Receivables A/ R..... 7,260 AUD CR Interest Income-20X4 I4I..... 7.260 AUD 64 IFRS 16.71 ist anzuwenden. <?page no="221"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-221 DR Cash/ Bank C/ B ................ 24.000 AUD CR Accounts Receivables A/ R ..... 24.000 AUD In Abbildung 7.12 werden alle relevanten Konten des Leasinggebers BOULOUNGER Ltd. gezeigt. Die Berechnungen wurden auf der Grundlage des Zinssatzes, der implizit dem Leasingverhältnis zugrunde liegt, vorgenommen. 65 D C D C (1) 72.000 (3) 72.000 (1) 14.400 c/ d 14.400 b/ d 14.400 (B) 14.400 Asset held for lease A4L Value added tax VAT D C D C OV . . . (1) 86.400 (2) 80.000 (5) 24.000 (2) 10.000 (4) 7.260 c/ d 63.260 (5) 24.000 87.260 87.260 c/ d 52.400 b/ d 63.260 (D) 69.000 86.400 86.400 (C) 5.740 (B) 14.400 b/ d 52.400 69.000 69.000 (D) 69.000 (A) 7.578 c/ d 23.422 83.400 83.400 b/ d 23.422 D C D C P4L 90.000 (2) 90.000 (3) 72.000 P4L 72.000 D C D C COS 72.000 REV 90.000 P4L 7.260 (4) 7.260 EBT 25.260 I4I 7.260 97.260 97.260 ITL 7.578 b/ d 25.260 R/ E 17.682 Cash/ Bank C/ B Accounts receivables A/ R Revenue-20X4 REV Cost of sale-20X4 COS Profit and Loss-20X4 P4L Interest income-20X4 I4I Abb. 7.12: Konten der BOULOUNGER Ltd. 65 Beispiele zu Veränderung von Leasingverträge werden behandelt in: Berkau/ Neethling/ Msiza: Case Study FIUMICINO (Pty) Ltd.: Lease Modifications in the Lessors' Books - IFRS 16. in: KOR 24(2024)7/ 8, S. 297-303. <?page no="222"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-222 D C D C c/ d 17.682 P4L 17.682 c/ d 7.578 P4L 7.578 b/ d 17.682 (A) 7.578 b/ d 7.578 c/ d 21.700 P5L 4.018 c/ d 1.722 P5L 1.722 21.700 21.700 9.300 9.300 b/ d 21.700 b/ d 1.722 Retained earnings R/ E Income tax liabilities ITL D C D P5L 5.740 (C) 5.740 EBT 5.740 I5I 5.740 ITL 1.722 b/ d 5.740 R/ E 4.018 Interest income-20X5 I5I Profit and Loss-20X5 P5L Abb. 7.12: Konten der BOULOUNGER Ltd. - Fortsetzung 7.28 Kurzfristige Mietverhältnisse Kurzfristige Mietverhältnisse (shortterm leases) werden als Aufwand erfasst. Siehe die Fallstudie JONKERS GmbH, die eine Unternehmensberatungsgesellschaft in Osnabrück ist. 7.29 F/ S JONKERS GmbH Die JONKERS GmbH fährt regelmäßig zu Beratungskunden und stellt ihnen die Reisekosten ohne Aufschlag in Rechnung. Bei der JONKERS GmbH fallen für die Fahrzeuge nur kurzfristige Mietverhältnisse an, die erfolgswirksam erfasst werden. Datenblatt für die JONKERS GmbH: Standort: Deutschland (Osnabrück). Berichtswährung: EUR. Klassifikation: Unternehmensberatung. Mieten eines Audi A3 am 6.06.20X7 für vier Tage. Mietpreis: 135 EUR/ Tag. Versicherungskosten: 40 EUR/ Tag. Umsatzsteuer: ignoriert. Am 6.06.20X7, besucht die JONKERS GmbH einen Kunden in Saarbrücken. Sie mietet dafür von einer Autovermietung einen Audi A3. Sie gibt das Kfz am 9.06.20X7 zurück, so dass Mietaufwand für vier Tage i.H.v.: 4 × 135 = 5 540 EUR anfällt. Obwohl das Unfallrisiko auf die JONKERS GmbH übertragen wird, besteht kein Leasingverhältnis nach IFRS 16. Die JONKERS GmbH versichert zwar das Auto, aber lässt es nicht auf sich zu. Sie weist die Versicherungskosten ihren Reisekosten zu. Die Versicherungskosten betragen: 4 × 40 = 1 160 EUR. Die JONKERS GmbH stellt ihrem Kunden die gesamten Reisekosten: 540 + 160 = 7 700 EUR in Rechnung. Die in Rechnung gestellten Reisekosten stellen keine Umsatzerlöse dar, sondern sind sonstige Erträge, die dem Reisekostenaufwand gegenüberstehen; sie stellen deshalb eine Kostenerstattung durch Dritte dar. Die kurzfristige Miete für das Kfz zählt nicht zu Leasingverhältnissen. Es liegt vielmehr eine Dienstleistung der Autovermietung vor. Die JONKERS GmbH hat den vollständigen Nutzen aus dem Fahrzeug und entscheidet, wohin sie damit fährt. Sie mietet es aber kurzfristig. <?page no="223"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-223 Die JONKERS GmbH erfasst die Kosten in zwei Buchungssätzen: (1) für die Anmietung des Autos und (2) für die Vereinnahmung der Kostenübernahme durch den Beratungskunden. Am 9.06.20X7 (1): DR Travel Expenses-20X7 TEX ..... 700 EUR CR Cash/ Bank C/ B ................ 700 EUR Am 1.07.20X7 (2) DR Cash/ Bank C/ B ................ 700 EUR CR Travel Refund-20X7 TRF ....... 700 EUR 7.30 Finanzinstrumente Die Behandlung von Finanzinstrumenten (financial instruments) bezieht sich auf IAS 32, (Financial Instruments, Presentation), IFRS 7: (Financial Instruments, Disclosure) and IFRS 9: (Financial Instruments). Der IAS 32.11 definiert Finanzinstrumente: Ein Finanzinstrument ist ein Vertrag, der zu Finanzvermögen bei einem Unternehmen und zu einem Eigenkapital- oder Verbindlichkeitsinstrument bei einem anderen führt. Wenn z.B. ein Unternehmen junge Aktien erwirbt, werden diese Vermögenswerte und das ausgebende Unternehmen bucht die (komplette) Aktienausgabe unter gezeichnetem Kapital und - wahrscheinlich unter Kapitalrücklagen für das Agio, wenn die Ausgabe über pari erfolgt. Langfristiges Finanzanlagevermögen wird in diesem Kapitel (7) behandelt. In Kapital (14) werden dagegen Fremdkapitalinstrumente aus der Sicht der Emittenten (issuer) besprochen. Die Bewertung folgt den gleichen IFRS-Standards. Beispiele zu kurzfristigem Finanzvermögen werden in Kapitel (9) unter Wertpapieren im Umlaufvermögen gezeigt. Nachfolgend werden verschiedene Finanzinstrumente besprochen, um einen möglichst breiten Überblick zu gewähren und um zu zeigen, wie Finanzinstrumente bilanziert und bewertet werden. In einige Fallstudien wird im Lehrbuch nur kurz eingeführt, um dann auf die Zusatzmaterialen zu verweisen, wo sie zum Download bereitstehen. Nachfolgend sind die Fallstudien mit den Namen der Unternehmen aufgeführt. (a) Grenzüberschreitende Beteiligung (cross-border investments) an anderen Unternehmen - HAWKINS Ltd. / STEYN GmbH. (b) Anleihen, die an einer Wertpapierbörse (bond market) gehandelt werden - HAVENGA Ltd. (c) Anleihen (bonds), die bis zur Fälligkeit (time to maturity) gehalten werden - NATBERGEN (Pty) Ltd. (d) Vorzugsaktien (preference shares), die zu beizulegenden Werten gehalten werden und über sonstige Erträge aktualisiert werden (held at FVTOCI) und anschließend verkauft werden - DORRINGTON Ltd. / ROTTMAN Ltd. <?page no="224"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-224 (e) Derivate (derivatives), Kaufoptionen (call option) für Kupfer - MOLLENBERG Ltd. Der IAS 32 definiert zwar Finanzinstrumente, regelt jedoch nicht deren Bilanzierung und Bewertung (recognition and measurement). Dieses findet in IFRS 7 und IFRS 9 statt. Alle Fragen des Bilanzausweises wurden in den IFRS 7 verlegt: Ausweis von Finanzinstrumenten (financial instruments, disclosure). Die Bewertung (measurement) findet sich in IFRS 9. In diesem Kapitel wird sich auf die Sichtweise der Anlegerin oder des Anlegers (holders of financial instruments) bezogen. Finanzvermögen sind Beteiligungen (investments), Aktienbesitz (ownership of shares), Anleihen (bonds), Forderungen (receivables), Devisentermingeschäfte (currency futures), Kaufoptionen (call options) etc. Es wird gezeigt, wie Anlegerinnen oder Anleger Finanzinstrumente buchen und bewerten. Eine Grundregel für den Ausweis von Finanzinstrumenten ist, dass dafür das Geschäftsmodell der Anlegerin oder des Anlegers zu berücksichtigen ist. Das Geschäftsmodell beschreibt, was die Anlegerinnen oder Anleger mit dem Finanzvermögen beabsichtigen. Man unterscheidet Finanzvermögen, das bis zur Fälligkeit gehalten wird, von solchem, das mit Gewinnerzielungsabsicht gehandelt wird. Hält ein Unternehmen Anleihen 66 bis zur Fälligkeit, weist es diese zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs) aus. 66 Siehe zu Anleihen das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (15). Hinweis: Wenn Finanzinstrumente zu einem anderen Preis erworben als sie später veräußert werden, d.h. über oder unter pari, wird über die interne Zinsfußmethode der Effektivzinssatz bestimmt. Eine Bewertung, bei der der aktuelle Wert mit dem Effektivzinssatz aufgezinst wird und alle Zahlungen subtrahiert werden, bezeichnet man als zu fortgeführten Anschaffungskosten. Wenn eine Aktionärin oder ein Aktionär vorhat, Aktien bei einer günstigen Gelegenheit zu verkaufen, ordnet man die Aktien dem Umlaufvermögen zu. Die Bewertung erfolgt dann zu Marktwerten (fair market value). Hinweis: Weil Aktien keine Fälligkeit besitzen, ist dieses der Standardfall und wird unter Umlaufvermögen in Kapitel (9) besprochen. (ad a) Nachfolgend wird auf den Fall HAWKINS Ltd. verwiesen, ein südafrikanisches Unternehmen, das nach IFRS bilanziert und eine Beteiligung an einem deutschen Unternehmen hält. Man kann die Fallstudie über den Link 7.H aufrufen. Link 7.H: C/ S HAWKINS Ltd. / STEYN GmbH - Cross-Border Beteiligungen <?page no="225"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-225 (ad b) Die HAVENGA Ltd. erwirbt Anleihen, die öffentlich an einer Wertpapierbörse gehandelt werden. Der Fall kann über den Link 7.I heruntergeladen werden. Link 7.I: Anleihenbewertung Wenn die Halterin oder der Halter von Anleihen diese mit einem Agio (premium) bzw. Disagio (discount) erworben hat und sie bis zu deren Fälligkeit hält, erfolgt die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (IFRS 9.4.1.2 und IFRS 9.5.4.1), wobei die Anleihen sich stetig dem Rückzahlungsbetrag (redemption value) annähern. Hinweis: Erwerb mit Agio bedeutet über pari, d.h. der Kaufpreis ist höher als der Nennwert; bei einem Disagio liegt ein Erwerb unter pari vor. (ad c) Die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs), d.h. unter Anwendung der Effektivzinsmethode wird an der nächsten Fallstudie NATBERGEN (Pty) Ltd. gezeigt. Datenblatt für die NATBERGEN (Pty) Ltd. Standort: Australien (Brisbane). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: nicht relevant. Anleihen zum Nennwert von 400.000 AUD, Anschaffungskosten: 350.000 AUD am 3.01.20X3. Rückzahlung der Anleihen (redemption): 31.12.20X7. Couponrate: 8 %/ Jahr. Umsatzsteuer nicht relevant. Die NATBERGEN (Pty) Ltd. erwirbt am 3.01.20X3 - fünf Jahre vor deren Fälligkeit Anleihen zu einem Preis von 350.000 AUD. Ihr Nennbetrag (face value) beträgt 400.000 AUD. Zu diesem Wert werden die Anleihen bei Fälligkeit eingezogen. Der Erwerb der Anleihen ist unterhalb des Nennwertes, d.h. unter pari erfolgt. Hinweis: Ein Discount wird i.d.R. als Prozentwert ausgedrückt, man sagt die Anleihe wird zu 87,5 (%) gehandelt, weil die Anschaffungskosten 350.000/ 400.000 = 87,5 % des Nennwertes betragen. Hätten Sie 440.000 AUD gekostet, hatte man den Preis als 10 (%) ausgedrückt, weil die Anschaffungskosten (1 + 10%)-mal so hoch wie ihr Nennwert sind. Eine Bewertung von Anleihen unterhalb ihres Nennwertes entsteht, wenn der Kapitalmarktzinssatz oberhalb der Couponrate liegt oder wenn Misstrauen gegenüber der Emittentin oder dem Emittenten besteht, weil bezweifelt wird, dass diese oder dieser die Couponzahlungen und/ oder den Einzug der Anleihen finanzieren kann. Hinweis: Der Wert eine Anleihe für die Anlegerin oder den Anleger besteht aus zwei Komponenten: CR × ((1 + i) t - 1) / (i × (1 + i) t + NV × (1 + i) -t . Darin ist CR die Couponrate, i der Zinssatz, NV der Nominalwert (face oder nominal value) und t die verbleibende Laufzeit bis zur Fälligkeit, gemessen über die Anzahl von Perioden. Der erste Summand ist der Barwert für regelmäßig bezogene Couponzahlungen und der zweite steht für die Rückzahlung beim Einzug der Anleihe. <?page no="226"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-226 Die Couponrate für die Anleihen der NATBERGEN (Pty) Ltd. beträgt 8 %/ Jahr auf den Anleihen-Nennwert, so dass die Anlegerin oder der Anleger eine jährliche Couponzahlung von: 8% × 400.000 = 32.000 AUD/ Jahr erhält. Dividenden und Zinsen hängen grundsätzlich vom Nennbetrag ab. Die NATBERGEN (Pty) Ltd. aktiviert ihre Anleihen beim Erwerb zu 350.000 AUD (cost of acquisition). Siehe den Buchungssatz unten: Am 3.01.20X3: DR Financial Assets (Bonds) FNA. 350.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 350.000 AUD Die NATBERGEN (Pty) Ltd. hält die Anleihen bis zu ihrer Fälligkeit (redemption) und erhält nur Zahlungen aus den Anleihen, d.h. sie erwirtschaftet z.B. keine Spekulationsgewinne durch vorzeitige Veräußerung. Anleihenzahlungen sind allein auf den Coupon und die Rückzahlung bei Fälligkeit bezogen. Die Bewertung erfolgt zu fortgeführten Anschaffungskosten. Hinweis: Man bezeichnet solche Zahlungen als solely Payments of Principal and Interest = SPPI. Eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten gleicht temporäre Schwankungen der beizulegenden Werten (fair value) für die Anleihen aus, die durch den Kapitalmarktzinssatz oder das Handeln der Anleihen am Rentenmarkt verursacht werden. Die Effektivzinsmethode berücksichtigt Anfangs- und Endwerte, sowie alle Zahlungen und Vereinnahmungen, die dazwischen erfolgen. NATBERGEN (Pty) Ltd. erwirbt die Anleihen zu 350.000 AUD und erhält bei Fälligkeit am 31.12.20X7 400.000 AUD. Zwischenzeitlich und am Ende der Laufzeit vereinnahmt sie Couponzahlungen i.H.v. 32.000 AUD/ Jahr. Der Zahlungsreihenvektor ist: B(t) = { 350.000; 32.000; 32.000; 32.000; 32.000; 432.000}. Siehe die Anleihenbewertung bei NATBERGEN (Pty) Ltd. in Abbildung 7.16. Sie führt nach dem Einzug der Anleihen auf den Wert Null. Accounting-Prozess-Schritte (Anleihenbewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (effective interest method for bond valuation)) (1) Stellen Sie den Zahlungsvektor für das Finanzvermögen (financial asset) auf. (2) Bestimmen Sie den Effektivzinssatz über die interne Zinsfußberechnung. (3) Zinsen Sie den aktuellen Anleihenwert mit dem Effektivzinssatz auf. (4) Ziehen Sie die erhaltenen Zahlungen für Coupons und die Rückzahlung ab. (5) Das Ergebnis ist der Endwert (final value) für das Finanzvermögen (financial asset). <?page no="227"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-227 Der Effektivzinssatz für den Vektor B(t) beträgt 11,41 77 %/ Jahr. Alternativ kann der interne Zinsfuß über einen Finanzplan bestimmt werden, wie in Link 7.J demonstriert wird. Der Link führt zu einer MS-Excel-Tabelle. Link 7.J: NATBERGEN (Pty) Ltd. Period Opening amount Eff. interest Coupon received/ redemption Carrying amount 20X3 350.000,00 39.962,10 32.000,00 357.962,10 20X4 357.962,10 40.871,19 32.000,00 366.833,29 20X5 366.833,29 41.884,08 32.000,00 376.717,37 20X6 376.717,37 43.012,62 32.000,00 387.729,99 20X7 387.729,99 44.270,01 432.000,00 (0,00) Natbergen (Pty) Ltd. BOND VALUATION PLAN (20X3 - 20X7) Abb. 7.13: Anleihenbewertung nach der Effektivzinsmethode Bis zur Fälligkeit hat die NATBERGEN (Pty) Ltd. die Anleihen stetig auf einen Betrag von 400.000 AUD aufgezinst, welches dem Erfüllungsbetrag beim Einzug und Rückzahlung der Anleihen entspricht. (ad d) Es wird eine weitere Fallstudie DORRINGTON Ltd. behandelt, bei der Vorzugsaktien besprochen werden. Um die Fallstudie DORRINGTON Ltd./ ROTTMAN Ltd. über Vorzugsaktien aufzurufen, ist dem Link 7.K zu folgen. Link 7.K: DORRINGTON (Pty) Ltd./ ROTTMAN Ltd. - Vorzugsaktien (ad e) Eine spezielle Form von Finanzinstrumenten stellen Derivate (derivatives) dar. Sie werden oft zum Absichern von Preisund/ oder Währungsrisiko eingesetzt (hedging). Bei Deriva- <?page no="228"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-228 ten sind die finanziellen Verpflichtungen der Emittentin oder des Emittenten von bestimmten, zuvor festgelegten Parameterwerten abhängig, z.B. von Rohstoffpreisen. Derivate sind Termingeschäfte, Tauschgeschäfte und Optionsgeschäfte. Sie werden mit beizulegenden Werten (fair value) bewertet, wobei die erfolgswirksame Anpassung durch die Gewinn- und Verlustrechnung bzw. durch sonstige betriebliche Erträge (FVTPL) bzw. (FVTOCI) gebucht wird. Unten wird der Fall des Elektronikherstellers MOLLENBERG Ltd. behandelt, der eine Kaufoption auf Kupfer erwirbt, um seine Materialkosten gegen volatile Preise am Rohstoffmarkt abzusichern. Eine Kaufoption ist ein Vertrag, bei dem der Optionsinhaber das vertragliche Recht zum Erwerb von Rohstoffen oder Finanzinstrumenten zu einem festgelegten Ausübungspreis zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb einer bestimmten Zeitspanne gegen Zahlung der Optionsprämie erwirbt. Optionen können gehandelt, d.h. weiterveräußert werden. Weil die Optionsinhaberin oder der Optionsinhaber mehr Handlungsmöglichkeiten als die Stillhalterin oder der Stillhalter (option writer) besitzt, bezeichnet man ihre oder seine Position als long. Entsprechend heißt diejenige der Stillhalterin oder des Stillhalters Short-Position. Wenn der Marktpreis zum Zeitpunkt der Ausübung unter den Ausübungspreis fällt, wird der Ausübungspreis obsolet, man sagt, die Kaufoption ist "out of the money" und die Optionsinhaberin oder der Optionsinhaber hat den Preis für die Option (premium) vergebens gezahlt. Es besteht grundsätzlich keine Verpflichtung zur Optionsausübung, so dass der maximale Schaden der Verlust der Optionsprämie ist. Wenn der Marktpreis den Ausübungspreis übersteigt (“in the money”), profitiert die Optionsinhaberinnen oder die Optionsinhaber von der Preisdifferenz. Jedoch muss der Vorteil um die Optionsprämie reduziert werden. Kaufoptionen sind nützlich, wenn die Optionsinhaberin oder der Optionsinhaber steigende Marktpreise erwartet. Optionen können Kaufoptionen (call) oder Verkaufsoptionen (put) sein. Im Fall MOLLENBERG Ltd., nimmt das Unternehmen eine Long-Position bei einer Kaufoption ein. Die MOLLENBERG Ltd. erwirbt eine Kaufoption auf Kupfer und bezahlt eine Optionsprämie von 10.000 AUD. Datenblatt für die MOLLENBERG Ltd. Standort: Australien (Perth). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: Produktionsunternehmen. Kaufoption: 100.000 lbs. Kupfer zu 360.000 AUD. Kupferpreis: 2,50 USD/ lb; 2,65 USD/ lb. Währungsumrechnungskurs: 69 USD : 100 AUD; 72 USD : 100 AUD. Optionsprämie: 10.000 AUD. Umsatzsteuer nicht berücksichtigt. Die MOLLENBERG Ltd. benötigt Kupfer für ihrer Produktion. Der Kupferpreis unterliegt Preisschwankungen. Die MOLLENBERG Ltd. rechnet kurzfristig mit einem Kupferpreisanstieg. Sie erwirbt eine Kaufoption auf Kupfer zum <?page no="229"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-229 Preis von 3,60 AUD/ lb 67 am 31.12.20X9. Die Option wird am 14.05.20X5 erworben als der Kupferpreis 2,50 USD/ lb beträgt. Der Währungsumrechnungskurs zum US-Dollar betrug zu diesem Zeitpunkt 69 USD : 100 AUD. MOLLENBERG Ltd. entrichtet die Optionsgebühr i.H.v. 10.000 AUD. Die Kaufoption ist auf eine Menge von 100.000 lbs. begrenzt. Die Erstbewertung der Kaufoption erfolgt am 14.05.20X5. Die MOLLENBERG Ltd. bucht die Kaufoption als Finanzinstrument. Siehe den Buchungssatz (1), welcher zu Anschaffungskosten (Optionsprämie) erfolgt: Am 14.05.20X5: DR Financial Assets FNA ......... 10.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 10.000 AUD Wenn am 31.12.20X5 der Kupferpreis unter 3,60 AUD/ lb liegt, wird die Option (übergangsweise) wertlos, weil MOLLENBERG Ltd. Kupfer ohne ihre Kaufoption einzusetzen günstiger erwerben kann. Dennoch entwertet ein Sinken des Kupferpreises noch nicht die Kaufoption, weil die MOLLENBERG nicht den Preis am 31.12.20X9 kennt (vier Jahre später). Die Bewertung der Kaufoption zum 31.12.20X5 erfolgt zu beizulegenden Werten (fair value) über das sonstige Ergebnis (FVTOCI). Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, die Kaufoption weiterzuverkaufen. Der Kupferpreis beträgt am 31.12.20X5 2,65 USD/ lb. Der Währungsumrechnungskurs zu diesem Zeitpunkt ist: 72 USD : 100 AUD. Für eine Bewertung der Kaufoption zu Marktpreisen ist der zwischenzeitliche Ertrag zu bestimmen, der vom aktuellen Kaufpreis abhängt. Am 31.12.20X5 kosten 100.000 Pfund Kupfer: 100.000 × 2,65 / 0,72 = 3 368.055,56 AUD. Aufgrund der Kaufoption kann MOLLENBERG Ltd. das Kupfer zu 360.000 AUD einkaufen. Somit ist der beizulegende Wert der Option zu diesem Zeitpunkt: 368.055,56 - 360.000 = 8.055,56 AUD. Dieses stellt eine Wertminderung im Vergleich zu den Anschaffungskosten dar: 10.000 - 8.055,56 = 1.944,44 AUD. Die MOLLENBERG Ltd. muss den Wertminderungsaufwand ihrer Kaufoption über das sonstige Ergebnis (FVTOCI) erfassen, indem sie den Buchungssatz (2) vornimmt. Die Bewertung berücksichtigt, dass der Vorteil eines günstigen Rohstoffeinkaufs um die Optionsprämie zu mindern ist. Am 31.12.20X5: DR Other Expenses-20X5 OTH ...... 1.944 AUD CR Financial Asset FNA .......... 1.944 AUD Während der nächsten Jahre setzt die MOLLENBERG Ltd. ihre Optionsbewertungsanpassung gemäß des jeweiligen Kupferpreises und Devisenkurses fort. 67 Kupfer wird in Pfund (lbs.) gehandelt. Wenn der Preis unter 360.000 AUD am 31.12.20X9 sinkt, ist die Kaufoption out of the money und die MOLLENBERG Ltd. bucht einen Wertminderungsaufwand <?page no="230"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-230 für die (verbleibende) Optionsprämie, weil die Kaufoption ihr keinen Nutzen stiftet. Wenn die Kaufoption für den Kupfereinkauf eingesetzt wird, ist sie als Aufwand zu erfassen und zählt bei MOLLENBERG Ltd. zu den Beschaffungskosten. Es soll angenommen werden, dass die Optionsbewertung i.H.v. 8.055,56 AUD von 20X5 fortbesteht (keine weiteren Kupferpreis- oder Währungsumrechnungskursänderungen) und dass der Preis für die Kupfermenge am 31.12.20X9 365.000 AUD beträgt. Die Anschaffungskosten betragen deshalb: 360.000 + 8.055,56 = 3 368.055,56 AUD. In 20X5 hat bereits einmal ein Wertminderungsaufwand i.H.v. 1.944,44 AUD stattgefunden. Die kompletten Anschaffungskosten betragen somit: 368.055,56 + 1.944,44 = 3 370.000 AUD. Der Wert gilt für alle Kupferpreise oberhalb von 360.000 AUD. Es soll jetzt als Alternativszenario angenommen werden, dass der Kupferpreis am 31.12.20X9 355.000 AUD beträgt. Die MOLLENBERG Ltd. lässt daher ihre Kaufoption verfallen und erwirbt Kupfer zu 355.000 AUD. Sie bucht eine Wertminderung der Kaufoption. Die Anschaffungskosten betragen: 355.000 AUD erhöht um den Wertminderungsaufwand von 8.055,56 AUD. Es ist ebenso der Wertminderungsaufwand in 20X5 i.H.v. 1.944,44 AUD zu beachten. Im Vergleich zum Unterlassen des Optionserwerbs sind jetzt die Aufwendungen um: 8.055,56 + 1.944,44 = 1 10.000 AUD höher. Dieses sind die Kosten für die Optionsprämie. Bisher wurden Finanzinstrumente behandelt, die für längere Zeiträume gehalten werden. Wenn Unternehmen Aktien oder Anleihen oder andere Finanzinstrumente nur kurzfristig halten, ordnet man sie den Wertpapieren im Umlaufvermögen zu. Solche Finanzinstrumente sind Thema in Kapitel (9). Accounting-Prozess-Schritte (Buchen von Finanzinstrumenten (recording financial assets as noncurrent assets)): (1) Beurteilen Sie, ob die Finanzinstrumente kurz- oder langfristig gehalten werden. Für kurzfristige Finanzinstrumente siehe Kapitel (9). (2) Bilanzieren Sie langfriste Finanzinstrumente zu Anschaffungskosten. (3) Für Folgebewertungen prüfen Sie das Geschäftsmodell der Anlegerin oder des Anlegers des Finanzinstruments. Es bestimmt die Bewertungsmethode. (4) Wenn beabsichtigt ist, das Finanzinstrument bis zur Fälligkeit zu halten, wird es zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Wenn das Finanzinstrument zum sofortigen Verkauf gehalten wird, wenden Sie beizulegende Werte (fair market value) an und buchen Anpassungen entweder durch die Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstige Erträge/ Aufwände. <?page no="231"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-231 (5) Beim Ausbuchen von Finanzinstrumenten verwenden Sie das Realisationskonto. (6) Buchen Sie einen Gewinn oder Verlust beim Ausbuchen durch die Gewinn- und Verlustrechnung oder sonstige Erträge/ Aufwände. 7.31 Zusammenfassung Anlagevermögen sind Sachanlagen, immaterielles Vermögen, Beteiligungen und Finanzinstrumente. Besondere Bewertungs- und Ausweisvorschriften sind für Leasingverhältnisse zu beachten, welche bei der Leasingnehmerin oder dem Leasingnehmer als Nutzungsrecht und Leasingschuld bilanziert werden. Weil das Anlagevermögen länger als eine Abrechnungsperiode im Unternehmen verbleibt, sind Bewertungsveränderungen zu berücksichtigen. Beispiele für Folgebewertungen sind Abschreibungen, Wertminderungsaufwand und Neubewertungen. Finanzinstrumente werden zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet oder nach dem beizulegenden Wert. Der Abgang von Anlagevermögen wird entweder erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstiger Ertrag/ Aufwand erfasst. Es wird empfohlen, ein Realisationskonto (realisation account) zu verwenden und bei neubewertetem Vermögen die Rückstellungen für Steuerlatenzen und gebildete Neubewertungsrücklagen zuvor aufzulösen. 7.32 Arbeitsdefinitionen Fortgeführte Anschaffungskosten (amortised costs): Eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten bedeutet, dass z.B. Anleihen nach der Effektivzinsmethode bewertet werden. Kaufoption (call option): Recht, aber keine Verpflichtung Vermögen zu einem vereinbarten Preis in der Zukunft zu kaufen. Buchwert (carrying value): Bewertung, wie sie für den Jahresabschluss gültig ist und in den Konten geführt wird. Anschaffungskosten (cost of acquisition): Entsprechend der Konventionen in Kapitel (1) zur die Vorsteuerabzugsberechtigung: Nettopreis für den Erwerb des Vermögens unter Abzug von Preisnachlässen und zusätzlichen Kosten. Beizulegender Wert (fair value): Bewertung von Vermögen oder Schulden zu einem Wert, der auf einem aktiven Markt ausgehandelt werden würde, z.B. ein Anleihenbewertung auf dem Rentenmarkt. Finanzinstrument (financial asset): Aktien, Anleihen, Optionen etc., die erworben werden, um sie länger als eine Abrechnungsperiode in Besitz zu halten. Brutto-Ersatzbuchungsmethode (gross replacement method): Buchungssatz für eine Neubewertung die z.B. auf einem allgemeinen Preisanstieg beruht. Die Anpassung wird gebucht, als wäre der Vermögenswert zu dem erhöhten Preis beim Erwerb aktiviert worden. <?page no="232"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-232 Wertminderungsaufwand (impairment loss): Unterschiedsbetrag zwischen dem Buchwert und dem niedrigeren Wertansatz (recoverable amount), z.B. aufgrund eines außergewöhnlichen Ereignisses. Immaterielles Vermögen (intangible asset): Vermögenswert ohne physische Eigenschaften, z.B. Rechte, Garantien. Beteiligung (investment): Besitz an einem Anteil eines anderen Unternehmens, z.B. durch Halten von mehr als 20 % der Stimmrechtsanteile. Allgemein sind Beteiligungen Tochterunternehmen, Anteile an assoziierten Unternehmen oder resultieren aus gemeinschaftlichem Besitz an Joint Ventures. Immobilienbesitz (investment property): Land oder Gebäude, deren Zweck in der Vermietung oder dem gewinnbringenden Weiterverkauf besteht. Leasingverhältnis (lease): Vertrag einen Vermögenswert für eine bestimmte Zeitdauer zu nutzen, seine Beherrschungsgewalt zu erlangen gegen Zahlung einer Vergütung (lease installment) an die Leasinggeberin oder den Leasinggeber. Leasingnehmer (lessee): Partei, die einen Leasinggegenstand von ihrer Besitzerin oder ihrem Besitzer least. Leasinggeber (lessor): Partei, die den Leasinggegenstand verleast. Netto-Ersatzbuchungsmethode (net replacement bookkeeping method): Buchungssatz für eine Neubewertung, bei der die Bewertung auf ein Gutachten zurückzuführen ist. Die Neubewertung erfolgt zu Werten, die bei dem Zeitpunkt der Neubewertung gelten. Verkaufsoption (put option): Recht, aber keine Verpflichtung Vermögen zu einem vereinbarten Preis in der Zukunft zu verkaufen. Realisationskonto (realisation account): Konto zum Erfassen von Vermögensabgängen. Das Realisationskonto wird in die Gewinn- und Verlustrechnung oder in sonstige Erträge ausgebucht. Erzielbarer Betrag (recoverable amount): Betrag, der beim Verkauf erzielbar ist oder der Nutzwert. Es ist der höhere der beiden alternativen Werte anzusetzen. Neubewertung (revaluation): Zuweisen eines Wertes, der den bisherigen Buchwert übersteigt, außer nach einer Wertminderung. Nutzwert (value in use): Bewertung von Vermögenswerten nach erzielbarem Cash-Flow. 7.33 Kontrollfragen (1) Ein australisches Handelsunternehmen geht für seine Verkaufsperson ein Leasingvertrag über ein Elektroauto über drei Jahre ein, die am 2.01.20X1 beginnen. Die Leasingraten betragen nachschüssig 25.000 AUD/ Jahr. Es ist keine Umsatzsteuer zu berücksichtigen. Es fallen ebenfalls keine Kosten für das Instandsetzen (restoring costs) an. Bestimmen Sie die Leasingschuld auf der Seite des Leasingnehmers zu Beginn des Leasingvertrags, wenn der im Leasingverhältnis implizit enthaltende Zinssatz 7,21 %/ Jahr beträgt. 1. 75.000 AUD . 2. 65.357 AUD . 3. 70.069 AUD . 4. 50.000 AUD . <?page no="233"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 7-233 (2) Ein Unternehmen erwirbt ein Kfz zu einem Bruttopreis von 78.000 EUR und holt es aus Stuttgart für 1.200 EUR Transportkosten (brutto) ab. Der Händler bietet einen Preisnachlass von 10 % auf den Kfz-Kauf an. Wie hoch sind die Anschaffungskosten (cost of acquisition)? 1. 71.400 EUR . 2. 59.500 EUR . 3. 59.400 EUR . 4. 58.500 EUR . (3) Ein Unternehmen, das vorsteuerabzugsberechtigt ist, erwirbt ein Kfz am 3.07.20X4 zu einem Bruttopreis von 62.400 EUR. Das Kfz wird über fünf Jahre nach linearer Abschreibungsmethode (straight-line method) bei Berücksichtigung eines Restbuchwertes (residual value) von 12.000 EUR abgeschrieben. Nach einem Unfall und einer Reparatur, die das Unternehmen am 1.10.20X4 mit 10.200 EUR bezahlt (brutto) hat das Kfz einen Wert von 38.000 EUR. Die Versicherung übernimmt die Reparaturkosten und die dauerhaft entstandene Wertminderung (impairment loss). Wie hoch ist der Entschädigungsanspruch gegenüber der Versicherung (compensation receivable)? 1. 20.500 EUR . 2. 22.200 EUR . 3. 30.380 EUR . 4. 12.000 EUR . (4) Ein Unternehmen erwirbt am 1.07.20X3 eine Maschine zu Anschaffungskosten von 300.000 EUR. Die Maschine wird über fünf Jahre nach linearer Abschreibungsmethode abgeschrieben. Nach 2,5 Jahren am 29.12.20X5 - wird die Maschine neubewertet und mit einem beizulegenden Wert (fair value) i.H.v. 200.000 EUR ausgewiesen. Wie hoch sind die in der Bilanz zum 31.12.20X5 darzustellenden Neubewertungsrücklagen (revaluation reserves)? 1. 50.000 EUR . 2. 56.000 EUR . 3. 80.000 EUR . 4. 35.000 EUR . (5) Ein Unternehmen erwirbt am 2.03.20X3 eine Maschine zu 5.000 EUR netto. Die Nutzungsdauer (useful life) beträgt fünf Jahre. Es ist degressive Abschreibungsmethode mit einem Abschreibungsprozentsatz von 2 %/ Monat anzuwenden. Wie hoch ist der Buchwert (carrying value) der Maschine zum 31.12.20X4? 1. 4.085,36 EUR . 2. 3.205,85 EUR . 3. 3.000,00 EUR . 4. 3.078,90 EUR . 7.34 Lösungen 1-2; 2-2; 3-1; 4-4; 5-2. <?page no="234"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-234 8 Unternehmenszusammenschlüsse 8.1 Inhalt dieses Kapitels Dieses Kapitel behandelt den Ausweis von Beteiligungen (investments) in Einzelabschlüssen nach IAS 27 (separate financial statements) als auch das Darstellen von Jahresabschlüssen für Unternehmenszusammenschlüsse, wie Konzerne (group) oder Gemeinschaftsunternehmen (joint ventures). Unternehmenszusammenschlüsse erfordern nach IFRS 3 Konsolidierungen. Ein Konzern besteht aus mehreren Unternehmen, die untereinander über Beherrschungsverhältnisse (control relationship) verbunden sind; dabei hält typischerweise ein Unternehmen die Stimmrechtsmehrheit eines anderen. Wenn das Unternehmen A die Unternehmen B und C beherrscht, bilden die drei Unternehmen im Sinne des Rechnungswesens einen Konzern. Dagegen wird ein Gemeinschaftsunternehmen von anderen Unternehmen zusammen beherrscht. Wenn die Unternehmen X und Y gemeinsam Z beherrschen, dann ist Z das Gemeinschaftsunternehmen und X und Y sind die Investoren bzw. genauer: Joint Venture-Partner. Dieses Kapitel behandelt eine Fallstudie über Beteiligungen, die im Einzelabschluss nach IAS 27 gezeigt werden, drei Fallstudien über Konzernabschlüsse und zwei Beispiele für Gemeinschaftsunternehmen bzw. gemeinschaftliche Tätigkeiten. 68 Siehe die Anweisungen zu der Datei im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (5). 8.2 Lernziele Nach Durcharbeiten dieses Kapitels verstehen Sie die Grundlagen der Konsolidierungsrechnungen und können Jahresabschlüsse für Unternehmenszusammenschlüsse aufstellt. Sie kennen und verstehen die wesentlichen Vorschriften für die Konzernrechnungslegung und das Bilanzieren von Gemeinschaftsunternehmen. Sie können Jahresabschlüsse auf Fallstudien-Niveau konsolidieren und das Konsolidierungsschema, wie es in der CH5-Datei zur Verfügung gestellt wird, anwenden. 68 8.3 Konzernrechnungslegung Ein Konzern besteht aus einem Mutterunternehmen (parent) und Tochterunternehmen (subsidiary). Das Mutterunternehmen übt die Beherrschungsmacht aus, während das Tochterunternehmen abhängig ist. Konzerne müssen in Ergänzung zu Einzelabschlüssen (single-entity financial statements) für jedes Konzernmitglied zusätzlich einen Konzernabschluss aufstellen, der den gesamten Konzern umfasst. Der Konzernabschluss ist auf alle Konzernmitglieder bezogen, d.h. er fasst die Einzelabschlüsse zusammen. Ein Konzern mit drei Mitgliedern, einem Mutterunternehmen und zwei Tochterunternehmen stellt vier Jahresabschlüsse auf, drei Einzelabschlüsse und einen Konzernabschluss (group statement). Konsolidierungen sind Berechnungen, die vorgenommen werden müssen, um <?page no="235"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-235 doppelte bzw. mehrfache Berücksichtigungen von Positionen im Konzernabschluss herauszurechnen, die durch das Zusammenfassen der Einzelabschlüsse entstehen. Die Konzernrechnungslegung erfolgt nicht auf realen Buchungen. Es gibt keine Konzernbuchhaltung. Das Vornehmen von Konsolidierungsbuchungen bedeutet das Vorbereiten von Konzernabschlüssen. Konzernabschlüsse werden aus Einzelabschlüssen abgeleitet. Weil die Konsolidierungsschritte der Doppik folgen, bezeichnet man sie als Konsolidierungsbuchungen. Die wichtigsten Standards für Konzernzusammenschlüssen sind IAS 27: Einzelabschlüsse (separate financial statement), IAS 28: Beteiligungen (investment) und Gemeinschaftsunternehmen (joint ventures), IFRS 3: Unternehmenszusammenschlüsse (business combination), IFRS 10: Konsolidierte Abschlüsse (consolidated financial statements, IFRS 11: Gemeinschaftsvereinbarungen (joint arrangement) als Überbegriff für gemeinschaftliche Tätigkeiten (joint operation) und gemeinschaftliche Beherrschung (joint control) and IFRS 12: Ausweis von Beteiligungen an dritten Unternehmen (disclosure of interest in other entities). IAS 27 stellt Regeln für das Ausweisen von Einzelabschlüssen (separate finan- 69 Vergleichbar mit IAS 27.3 wird hier nicht behandelt, wann Einzelabschlüsse nach IAS 27 erforderlich sind, sondern nur im Fall, dass sie es sind, wie sie aufgestellt werden. Gründe können z.B. sein, dass ein Tochterunternehmen in einem mehrstufigen Konzern von der Aufstellung cial statements IAS 27) auf. 69 Ein Einzelabschluss ist der Jahresabschluss eines Unternehmens, das Beteiligungen hält, eines Mutterunternehmens oder eines Joint Venture-Partners, die Beteiligung entweder zu Anschaffungskosten (at cost) oder beizulegenden Werten (fair values) nach IFRS 9 oder nach der Equity-Methode (equity Accounting) wie in IAS 28 festgelegt ausweisen (IAS 27.10). Ein Unternehmen, das keine Beteiligungen hält, stellt keine zusätzlichen Einzelabschlüsse nach IAS 27 auf, siehe IAS 27.7. Der IAS 28 bezieht sich auf Beteiligungen (associated companies) und gemeinschaftlich beherrschte Unternehmen (joint ventures). Insbesondere wird in IAS 28.10ff die Eigenkapitalmethode (equity method) geregelt. Die Equity-Methode bestimmt, dass Beteiligungen, die in Jahresabschlüssen von den beherrschenden Unternehmen ausgewiesen werden, proportional zu ihrer Eigenkapitalentwicklung im Wert steigen/ fallen. 70 IFRS 3 beinhalten Regelungen zu Unternehmenszusammenschlüssen (business combination) nach der Erwerbsmethode (acquisition method). Ein Unternehmenszusammenschluss liegt vor, wenn die erworbenen Vermögenswerte und Schulden (acquired assets and liabilities) ein Geschäft begründen (constitute a business). Diese trifft auf Tochterunternehmen, Beteiligungen und Joint Ventures zu. eines Konzernabschlusses befreit ist und deshalb einen Einzelabschluss nach IAS 27 aufstellt. Genaues regelt das nationale Gesellschaftsrecht. 70 Siehe die Fallstudie STEYN/ HAWKINS in Kapitel (7), wo bereits die Equity Methode eingesetzt wurde. <?page no="236"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-236 Würde z.B. jemand von einem Reisedienstleister nur alle Busse erwerben, würde daraus kein Konzern entstehen, siehe IFRS 3.3. Der IFRS 10 behandelt konsolidierte Abschlüsse (consolidated financial statements). Konsolidierungen werden beim Erstellen von Konzernabschlüssen vorgenommen. Ein Konzern umfasst das Mutterunternehmen und allen Tochterunternehmen. In konsolidierten Jahresabschlüssen werden die Vermögenswerte, Schulden, Eigenkapital, Erträge, Aufwand und Zahlungsmittelströme (cash flows) des Mutterunternehmens und aller Tochterunternehmen summiert und so dargestellt, als wären sie diejenigen eines Einzelunternehmens. Dabei entstehen Mehrfachberücksichtigungen, z.B. für ein Tochterunternehmen als Beteiligung (investment) als auch für dessen Vermögenswerte. Das Eliminieren von Mehrfacherfassungen wird als Konsolidierung bezeichnet. IFRS 11 bestimmt gemeinschaftliche Vereinbarungen (joint agreement), welche i.d.R. sich darauf beziehen, dass ein Unternehmen gemeinschaftlich durch mehr als einen Partner beherrscht wird oder dass mehrere Unternehmen gemeinschaftliche Tätigkeiten ausüben. (joint operation). Gemeinschaftliche Tätigkeiten (jointly controlled operation) bedingen, dass verbindlich, i.d.R. vertraglich, bestimmt wird, wie gemeinschaftlich Entscheidungen getroffen werden. IFRS 12 fordert von Unternehmen, dass sie Informationen über die Art, das Risiko und das Beteiligungsver- 71 Solche Fälle werden in den Kapiteln (7) und (9) behandelt. hältnis von Anteilen an anderen Unternehmen berichten. Dieses soll der Bilanzadressatin oder dem Bilanzadressaten helfen, die Vermögens- und Finanzlage und zukünftige Zahlungsmittelströme von Unternehmenszusammenschlüssen zu beurteilen. Ein Unternehmenszusammenschluss bedingt, dass ein Unternehmen ein anderes beherrscht. Beherrschung bezieht sich typischerweise auf das Stimmrechtsverhältnis. Es sind zwei Grenzbeteiligungsverhältniswerte (threshold percentages) zu beachten: 20 % und 50 %. Allgemein gilt: (1) < 20 % der Stimmrechtsanteile bewirkt keine Beherrschung des anderen Unternehmens, an dem anteiliger Besitz besteht. Das Unternehmen, das die Anteile hält, weist die Beteiligung als Finanzinstrument (financial instrument) nach IFRS 9 aus. Dieses erfordert die Bilanzierung zu Anschaffungskosten (at cost) und bei Folgebewertung nach beizulegenden Werten, die ergebniswirksam anzupassen sind (for subsequent measurement at fair values through profit or loss or through other comprehensive income). 71 Vereinfachend kann sich auf den Buchwert des Unternehmens bezogen werden, an dem die Anteile gehalten werden. (2) 20 % … 50 % der Beherrschungsanteile begründet eine Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen, das mit Ausübung eines wesentlichen Einflusses durch den Besitzer der Stimmrechtsanteile <?page no="237"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-237 einhergeht. Für die Bewertung von assoziierten Unternehmen ist die Equity-Methode anzuwenden. An assoziierten Unternehmen beteiligte Unternehmen erstellen Einzelabschlüsse nach IAS 27. (3) > 50 % der Stimmrechtsanteile erfordert das Aufstellen von Konzernabschlüssen. Ein Konzernabschluss ist ein Jahresabschluss für den gesamten Konzern, der alle Konzernunternehmen einbezieht. Er schließt auch in einem mehrstufigen Konzern die Tochterunternehmen von Tochterunternehmen ein (multiple-level group structure). Die Beherrschungsanteile können von rechtlichen Besitzverhältnissen abweichen. Sie sind an der absoluten Beherrschung orientiert. Das Beherrschen bezieht sich auf die Möglichkeit, die Finanzierung und die Betriebsabläufe so steuern zu können, dass daraus für das beherrschende Unternehmen eine Vorteilsnahme entsteht (IFRS 10, appendix A). Beherrschungskriterien werden in IFRS 10.7 festgelegt. Allgemein ist der Besitzanteil an einem Unternehmen einfach bestimmbar. Bei einem mehrstufigen Konzern nehmen jedoch Konzernunternehmen gleichzeitig eine Mutter- und Tochterrolle an. Die Berechnung der Einflussnahme wird dann über die Beherrschungsverhältnisse bestimmt. Wenn das Unternehmen A 60 % von B besitzt und B Eigentümer von C zu 55 % ist, dann beherrscht A beide Unternehmen B und C, obwohl ihm rechtlich C nur zu einem Anteil von: 60% × 55% = 33% zusteht. Es sind nur die absoluten Beherrschungsverhältnisse relevant, weil Beherrschung sich im Rechnungswesen aufgrund des Grundsatzes der Vollkonsolidierung (s.u.) nicht relativieren lässt. Hier beherrscht A das Unternehmen B, welches vollständige Beherrschung bedeutet, d.h. 100 %. Weiterhin beherrscht B das Unternehmen C komplett, weil es 55 % seiner Stimmrechtsanteile hält. Somit beherrscht B das Unternehmen C vollständig. In der Folge erstellt das Unternehmen A einen konsolidierten Jahresabschluss, der die Unternehmen A, B und C einschließt. Das Unternehmen B erstellt keinen konsolidierten Jahresabschluss für B and C, weil dieses bereits in dem Konzernabschluss von A enthalten ist. Es ist IFRS 10.31 anzuwenden: Das Unternehmen B stellt eine Beteiligung dar und bewertet ihr Tochterunternehmen C zum Ausweis im Einzelabschluss (separate financial statements) auf der Grundlage von IFRS 9 zuerst zu Anschaffungskosten und nachfolgend zu beizulegenden Werten, wobei Anpassungen erfolgswirksam zu erfassen sind. (at fair values through profit or loss). Für Unternehmenszusammenschlüsse gelten die folgenden drei Grundsätze: (1) Bezogen auf die Beherrschungsstruktur schirmt die höchste Instanz eines Mutterunternehmens alle untergeordneten Konzernunternehmen von der Verpflichtung Konzernabschlüsse aufzustellen ab. Umgangssprachlich wird dieses Prinzip als das Tannenbaumprinzip bezeichnet, weil bei einem Tannenbaum die oberen Äste die unteren vor Regen schützen. (2) Dem Prinzip der Vollkonsolidierung folgend gelten nur absolute Beherrschungsverhältnisse von 100 %, <?page no="238"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-238 die anzusetzen sind, sobald ein übergeordnetes Unternehmen die Beherrschungsmacht erlangt. Es gilt für das Unternehmen als erfüllt, das mehr als 50 % der Stimmrechtsanteile hält. Wenn z.B. zwei Unternehmen an einem dritten jeweils 70 % und 30 % der Stimmrechtsanteile halten, dann besitzt dasjenige, welches die absolute Mehrheit der Anteile hält (70 %) die absolute Beherrschungsmacht über das Unternehmen und nimmt es vollständig in seinen Konzernabschluss auf. Das andere Unternehmen wird darin als Minderheitsgesellschaft (noncontrolling interest holder) berücksichtigt. Im Unterschied zum Joint Venture Accounting wird bei der Konzernrechnungslegung die Beherrschung nicht quotal berücksichtigt. (3) Die Konzernrechnungslegung bezieht alle Tochterunternehmen in den Konzernabschluss ein - unabhängig davon, wo das Tochterunternehmen ansässig ist (Weltabschlussprinzip). Diese bedeutet, dass die Konzernrechnungslegung geographische Grenzen komplett ignoriert. Für das Rechnungswesen gelten die rechtlichen Bestimmungen des Rechtsraums (jurisdiction), in dem das Mutterunternehmen residiert. Nachfolgend werden Unternehmenszusammenschlüsse in drei untergeordneten Abschnitten besprochen: (A) Einzelabschlüsse (separate financial statements). (B) Konsolidierte Abschlüsse (consolidated financial statements). (C) Gemeinschaftliche Beherrschung von Unternehmen (joint venture accounting). 8.4 Einzelabschlüsse nach IAS 27 (ad A) Der IAS 27 regelt Einzelabschlüsse, in denen Beteiligungen ausgewiesen werden. Einzelabschlüsse nach IAS 27 werden von Unternehmen, die Beteiligungen halten, von Mutterunternehmen und von Partnern an Joint Ventures aufgestellt. Der Unterschied zu Konzernabschlüssen besteht darin, dass keine Konsolidierungen erfolgen. Beteiligungen werden nach den bestehenden Eigentumsverhältnissen ausgewiesen. Einzelabschlüsse (separate financial statements) werden von nur einem bilanzierenden Unternehmen allein erstellt mit Ausweis ihre Beteiligung darin als Vermögenswerte. 8.5 F/ S BRENO Ltd. Die Einzelabschlüsse nach IAS 27 werden an der Fallstudie BRENO Ltd. besprochen, die eine Beteiligung an einem anderen Unternehmen als Finanzinstrument ausweist und eine weitere an einem assoziierten Unternehmen hält. Datenblatt für BRENO Ltd. Standort: Südafrika (Bloemfontein). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Beteiligungen: 36,5 % an SABONA Ltd.; 9 % an SUURENBERG Ltd. Jahresüberschuss (EAT): BRENO Ltd.: 280.000 ZAR / SUURENBERG Ltd.: 34.000 ZAR / SABONA Ltd.: 24.000 ZAR. Dividenden: 40 % / 25 % / 15 %. Aktienkurs der SUURENBERG Ltd.: beim Erwerb 3 ZAR/ Aktie, später: Anstieg um 6 %. Umsatzsteuer vernachlässigt. BRENO Ltd. hält einen Anteil von 36,5 % an SABONA Ltd. und 9 % an SUURENBERG Ltd. Deshalb ist SABONA <?page no="239"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-239 Ltd. eine assoziierte Gesellschaft und die Beteiligung an SUURENBERG Ltd. ist ein Finanzinstrument. Das Merkmal für ein assoziiertes Unternehmen ist das Ausüben eines signifikanten Einflusses und wird für die SABONA Ltd. erfüllt. Nach IAS 28.5 übt ein Unternehmen einen signifikanten Einfluss aus, wenn es mehr als 20 % der Stimmrechtsanteile hält. BRENO Ltd. erstellt keinen Konzernabschluss und muss keine Konsolidierung in ihrem Einzelabschluss nach IAS 27 berücksichtigen. Sie erstellt den Einzelabschluss (separate financial statements) nach IAS 27 unter Ausweis der Beteiligung an der SUURENBERG Ltd. als Finanzinstrument und an der SABONA Ltd. als ein assoziiertes Unternehmen. Siehe in Abbildung 8.1 die Bilanz der BRENO Ltd. zu Beginn des Geschäftsjahres 20X5. Im Anlagevermögen werden die Beteiligung und das Finanzinstrument ausgewiesen. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 800.000 Share capital 500.000 Investments 73.000 Reserves 300.000 Financial assets 27.000 Retained earnings 140.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 34.000 Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 66.000 Income tax liab. 60.000 Total assets 1.000.000 Total equity and liab. 1.000.000 Breno Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X5 Abb. 8.1: Bilanz der BRENO Ltd. (1.01.20X5) Für die Bewertung der Anteile an der SABONA Ltd. ist IAS 28 anzuwenden; die Bewertung des Finanzinstruments SUURENBERG Ltd. entspricht IFRS 9. In dem Geschäftsjahr 20X5 erwirtschaften die drei Unternehmen die unten dargestellten Gewinne und nehmen Zahlungen an ihre Aktionärinnen oder Aktionäre vor. Es gibt keine Gewinn-/ Verlustvorträge aus vorherigen Perioden. - BRENO Ltd.: Vorsteuergewinn: 280.000 ZAR. Dividende 40 %. - SUURENBERG Ltd.: Nachsteuerergebnis 34.000 ZAR, davon eine Dividende i.H.v. 25 %. - SABONA Ltd.: Nachsteuerergebnis: 24.000 ZAR, davon eine Dividende i.H.v. 15 %. Hinweis: Zur Vereinfachung wird in Abweichung von den Konventionen in Kapitel (1) vorgegeben, dass Dividenden von Tochterunternehmen, von Beteiligungen oder Joint Ventures in der Periode gezahlt werden, für die sie sind. Dieses gilt für das gesamte Kapitel (8), um die Fallstudien in <?page no="240"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-240 nur einer Periode einschließlich Gewinnverwendung behandeln zu können. Die Dividendenerträge sind noch nicht in den Jahresabschlüssen (Gewinn- und Verlustrechnungen und Bilanzen) für die BRENO Ltd. berücksichtigt. Sie wurden vor Ergebnisverwendung aufgestellt, siehe die Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. in Abbildung 8.2: [ZAR] Revenue 750.000 Other income 0 750.000 Materials (10.000) Labour (120.000) Depreciation (80.000) Other expenses (250.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 290.000 Interest (10.000) Earnings before taxes (EBT) 280.000 Income tax expenses (84.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 196.000 Breno Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X5 Abb. 8.2: Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. (20X5) Entsprechend der Berücksichtigung von Dividendenerträgen in der aktuellen Periode vereinnahmt BRENO Ltd. von SABONA Ltd. und SUURENBERG Ltd. Dividendenzahlungen für 20X5. Der Aktienbesitz an der SUURENBERG Ltd. wird dem IFRS 9 folgend als Finanzinstrument in der Bilanz der BRENO Ltd. ausgewiesen. Die SUURENBERG Ltd. ist an der Johannesburg Stock Exchange (JSE) notiert. Zum Zeitpunkt des Erwerbs der Anteile durch die BRENO Ltd. ist der Börsenkurs für eine Stammaktie 3 ZAR/ Aktie. BRENO Ltd. besitzt 9.000 Stammaktien. Die Anschaffungskosten für die Aktien betragen: 3 × 9.000 = 27.000 ZAR. Dieses entspricht der in der Bilanz in Abbildung 8.1 gezeigten Bewertung. Die BRENO Ltd. weist die Anteile ursprünglich zu Anschaffungskosten in Übereinstimmung mit IFRS 9.5.1.1. aus. Der Börsenkurs von 3 ZAR/ Aktie stellt die Anschaffungskosten zum Erwerbszeitpunkt dar. Durch den Gewinn, der in 20X5 erwirtschaftet wurde, erhöht sich der Börsenkurs für SUURENBERG Ltd. am 31.12.20X5 um 0,18 ZAR/ Aktie (vorgegeben). Der beizulegende Wert (fair market value) je Aktie beträgt 3,18 ZAR/ Aktie. Daraus entsteht eine Wertsteigerung um: 0,18 / 3 = 6 6%. BRENO <?page no="241"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-241 Ltd. muss den Wertansatz für ihren Aktienbesitz erhöhen. Sie bilanziert ihr Aktienvermögen zu beizulegenden Werten mit Anpassung über sonstige Erträge (fair value through other comprehensive income) in Übereinstimmung mit IFRS 9.5.2.1. Die Wertsteigerung der SUURENBERG Ltd.-Anteile beträgt: 6% × 27.000 = 1 1.620 ZAR. Die BRENO Ltd. nimmt den untenstehenden Buchungssatz vor: Am 31.12.20X5: DR Financial Assets (SUURENB) FNA 1.620 ZAR CR Other Compr. Income-20X5 OCI. 1.620 ZAR Der auf die Aktien der BRENO Ltd. entfallende Dividendenanspruch aufgrund des Ausschüttungsbeschlusses der SUURENBERG Ltd. (25 %) beträgt 9 % der Dividenden: 9% × 34.000 × 25% = 765 ZAR. Die BRENO Ltd. erfasst die Vereinnahmung der Dividenden unter sonstigen Erträgen. Am 31.12.20X5: DR Cash/ Bank C/ B ................ 765 ZAR CR Other Compr. Income-20X5 OCI. 765 ZAR Für die Beteiligung an dem assoziierten Unternehmen SABONA Ltd. wendet BRENO Ltd. die Equity-Methode nach IAS 28.10 an. Die Equity-Methode erhöht bzw. vermindert den Wert einer Beteiligung gemäß der Buchwertentwicklung des assoziierten Unternehmens. Der IAS 27.12 sieht vor, dass Dividenden erfolgswirksam zu erfassen sind, außer wenn das bilanzierende Unternehmen die Equity-Methode verwendet. Die SABONA Ltd. erwirtschaftet im Geschäftsjahr 20X5 einen Jahresüberschuss i.H.v. 24.000 ZAR. Bezogen auf ihr gezeichnetes Kapital entspricht dieses einem Anteil von: 24.000 / (73.000/ 36,5%) = 1 12%. Im Nenner wird das Eigenkapital über den Ausweis in der Bilanz von BRENO Ltd. retrograd bestimmt. Die Aktienausgabe ist pari erfolgt, d.h. zum Nennwert. Die Beteiligung an SABONA Ltd. wird mit 73.000 ZAR ausgewiesen; dieses entspricht 36,5 % der Aktien. Deshalb ist das gezeichnete Kapital bei SABONA Ltd.: 73.000 / 36,5% = 2200.000 ZAR. Die Dividendenauszahlung durch die SABONA Ltd. beträgt 15 % des Gewinns in Höhe von 24.000 ZAR und muss nach IAS 28.10 und IAS 27.12. abgezogen werden. Der Grund dafür besteht darin, dass sich durch den Dividendenbeschluss der Buchwert von SABONA Ltd. reduziert. Daher ist der Eigenkapitalzuwachs über den Anteil zu bestimmen, der nicht an die Aktionärinnen oder Aktionäre ausgeschüttet wird: 12% × (1 - 15%) = 110,2%. Die Bewertung des assoziierten Unternehmens SABONA Ltd. erhöht sich im Jahresabschluss von BRENO Ltd. um: 73.000 × 10,2% = 7 7.446 ZAR. Ebenso wird eine Dividendenzahlung von: 15% × 24.000 × 36,5% = 1 1.314 ZAR vereinnahmt und als sonstiger Ertrag erfasst. Siehe die nachstehenden Buchungssätze: <?page no="242"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-242 Am 31.12.20X5: DR Cash/ Bank C/ B................ 1.314 ZAR CR Other Compr. Income-20X5 OCI. 1.314 ZAR DR Investment @Equity (S) INV... 7.446 ZAR CR Other Compr. Income-20X5 OCI. 7.446 ZAR Der IAS 27.12 erfordert den Dividendenabzug für die Beteiligungsbewertung, weil Dividenden den Unternehmensbuchwert vermindern. Die Dividenden wurden bereits berücksichtigt, als der Wertzuwachs an der Beteiligung i.H.v. 7.446 ZAR bestimmt wurde, weil die Beteiligung um 10,2 % statt um 12 % erhöht wurde. Bezogen auf die sonstigen Erträge führen die Dividenden auf ein Nullsummenspiel (zero-sum-game), weil die Bewertung des assoziierten Unternehmens im gleichen Umfang sinkt, wie der Ertrag aus Dividenden das Einkommen erhöht. Deshalb sind für die Bewertung der gesamten Beteiligungserträge Dividenden nicht relevant. Weil die BRENO Ltd. eine Aktiengesellschaft ist, fallen keine Kapitalertragsteuern (dividend tax) auf die Dividenden an. Der Jahresabschluss der BRENO Ltd. wird nach Gewinnverwendung in den Abbildungen 8.3 und 8.4 gezeigt. Das Vorsteuerergebnis beträgt 291.145 ZAR, siehe Abbildung 8.4. Der Dividendenanspruch ihrer Aktionärinnen oder Aktionäre beträgt: 40% × 291.145 × (1 - 30%) = 8 81.520,60 ZAR. Dieser wird gemäß den Vorgaben in diesem Kapitel (8) sofort gezahlt und reduziert den Kasse-/ Bank- Bestand. Der Betrag für den Bilanzgewinn (retained earnings) ist: 140.000 + 203.802 - 81.520,60 = 2 262.281,40 ZAR. Die sonstigen Erträge in der Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. enthalten die Dividenden von SUURENBERG Ltd. und SABONA Ltd. und ihre Bewertungsunterschiede; in Summe: 765 + 1.620 + 7.446 + 1.314 = 11.145 ZAR. <?page no="243"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-243 A Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 720.000 Share capital 500.000 Investments 80.446 Reserves 300.000 Financial assets 28.620 Retained earnings 262.281 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 34.000 Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 286.558 Income tax liab. 87.344 Total assets 1.149.624 Total equity and liab. 1.149.624 Breno Ltd. SEPARATE STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X5 Abb. 8.3: Bilanz der BRENO Ltd. (separate F/ S) [ZAR] Revenue 750.000 Other income 11.145 761.145 Materials (10.000) Labour (120.000) Depreciation (80.000) Other expenses (250.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 301.145 Interest (10.000) Earnings before taxes (EBT) 291.145 Income tax expenses (87.344) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 203.802 Breno Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X5 Abb. 8.4: Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. (separate F/ S) Accounting-Prozess-Schritte (Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements)): (1) Bestimmen Sie, ob ein Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statement IAS 27) auszuweisen ist. <?page no="244"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-244 Es gelten nationale Vorschriften (z.B. das Aktiengesetz). (2) Wenn Einzelabschlüsse nach IAS 27 zu erstellen sind, stellen Sie diesen für die Investorin oder den Investor auf. (3) Weisen Sie Finanzinstrumente zu Anschaffungskosten oder beizulegenden Werte unter erfolgswirksamer Erfassung der Bewertungsunterschiede durch die Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstige Erträge aus. (4) Weisen Sie Beteiligungen an assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen nach der Equity-Methode aus. (5) Bewerten Sie Beteiligungen an Tochterunternehmen (subsidiary) anfänglich zu Anschaffungskosten und anschließend zu beizulegenden Werten mit Erfassung der Bewertungsunterschiede als sonstige Erträge (fair values through other comprehensive income). (6) Buchen Sie erhaltende Dividenden(-ansprüche) erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstige Erträge. (7) Bei Anwendung der Equity-Methode verringern Dividendenbeschlüsse und -zahlungen des assoziierten Unternehmens oder von Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) die Beteiligungsbewertung. Buchen Sie eine entsprechende Bewertungsminderung für Dividenden. 8.6 Konzernabschlüsse (ad B) Konsolidierte Jahresabschlüsse werden als abgeleitet bezeichnen, weil ein Konzern keine Bücher führt. Konzernabschlüsse bauen auf den Einzelabschlüssen der Konzernunternehmen auf. Hinweis: Dieses bedeutet Zusatzarbeit im Rechnungswesen, weil das Aufstellen von späteren Konzernabschlüssen erfordert, die erstmaligen Konsolidierungsbuchungen zu wiederholen bzw. sie zu pflegen. Beim Einsatz von Buchhaltungssoftware stellt dies kein Problem dar, jedoch muss man sich in einer Rechnungswesenklausur auf Extraarbeit einstellen. Im Unterschied zu Einzelabschlüssen nach IAS 27 erfordern Konzernabschlüsse Konsolidierungen. Nachfolgend werden das Konsolidieren und das Aufstellen von Konzernabschlüssen an drei Fallstudien erläutert. In Vorbereitung auf das Erstellen von konsolidierten Jahresabschlüssen müssen alle Einzelabschlüsse der Konzernunternehmen positionsweise „addiert“ werden. Das Ergebnis wird als Summenbilanz bezeichnet. Für die Berechnungen müssen die Jahresabschlüsse formal vereinheitlicht werden. Genauso wie man Brüche addiert, indem man sie vorher gleichnamig macht, z.B.: 1/ 3 + 1/ 2 = (2 + 3) / 6 = 5/ 6, erfordert das Zusammenfassen von Jahresabschlüssen die Anwendung der gleichen Rechnungswesenstandards, eine einheitliche Berichtswährung, den Bezug zum gleichen Bilanzstichtag usw. Ein Konzern, der aus <?page no="245"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-245 einem holländischen und einem südafrikanischen Unternehmen besteht und bei dem das südafrikanische Unternehmen das Mutterunternehmen ist, muss den Jahresabschluss, der in den Niederlanden nach dem Dutch Woertbook van Koophandel aufgestellt worden ist, nach IFRSs überführen. Weiter müssen alle Beträge in die Berichtswährung des Konzerns überführt werden, welche der südafrikanische Rand ZAR ist. Sobald die Jahresabschlüsse vereinheitlicht wurden, können die Positionen aus den Abschlüssen der Konzernunternehmen zusammengeführt werden. Das positionsweise Addieren bedeutet, dass für jede Position die Summe aus den Einzelabschlüssen der Konzernunternehmen gebildet wird, z.B.: PPE Dutch + PPE SAn = PPE Group . Das Aggregieren von Einzelabschlüssen führt zu Doppelzählungen, wie bei dem Berücksichtigen des Beteiligungswertes für ein Tochterunternehmen und seiner Vermögenswerte. Um Mehrfachzählungen auszuschließen, eliminieren Konsolidierungen innerkonzernliche Salden, Wirkungen von Geschäftsvorfällen zwischen Konzerngesellschaften, innerkonzernliche Erträge und Aufwände. 8.7 F/ S GAMKA/ SWARTBERG - Erstkonsolidierung Unten wird der Fall der GAMKA/ SWARTBERG Gruppe behandelt und das Erwerbsprinzip nach IFRS 3.4. vorgestellt. Es ist es erforderlich, den Erwerber (GAMKA Ltd.) des Tochterunternehmens zu bestimmen und den Zeitpunkt des Erwerbs (1.01.20X4) festzulegen. Weiter müssen alle Vermögenswerte, Schulden und nicht-beherrschende Anteile (s.u.) bestimmt und ggf. ein bestehender Goodwill ausgerechnet werden. In den der GAMKA/ SWARTBERG Gruppe nachfolgenden Fallstudien werden die PORTERSVILLE Ltd. und ihr Tochterunternehmen HENDERSON Ltd. besprochen, um Erfolgskonsolidierungen im Rahmen einer Folgekonsolidierung zu zeigen. In der Fallstudie PATTEN/ SPYKER werden weitere Geschäftsbeziehungen zwischen Konzerngesellschaften und die innerbetriebliche Erfolgskonsolidierung behandelt. Datenblatt für GAMKA/ SWARTBERG Standort: Südafrika (Cape Town). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Beteiligungsverhältnis: GAMKA Ltd. hält 80 % der SWARTBERG Ltd. Anschaffungszeitpunkt: 1.01.20X4. Umsatzsteuer nicht relevant. Am 1.01.20X4 erwirbt GAMKA Ltd. 80 % der Stimmrechte an der SWARTBERG Ltd. Durch den Erwerb bilden die Unternehmen einen Konzern. GAMKA Ltd. ist Eigentümer von 80 % der Stammaktien von SWARTBERG Ltd. und übt die Beherrschung über SWARTBERG Ltd. aus. Durch das Erlangen der Beherrschungsmacht wird GAMKA Ltd. zum Mutterunternehmen; die SWARTBERG Ltd. ist das Tochterunternehmen. Sowohl GAMKA Ltd. als auch SWARTBERG Ltd. erstellen einen Einzelabschluss und einen gemeinsamen Konzernabschluss. Der Konzernabschluss besteht aus allen Elementen eines vollständigen Jahresabschlusses <?page no="246"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-246 und berücksichtigt darin die Konzernunternehmen wie Abteilungen eines einzelnen Unternehmens. Diese bedeutet, dass alle Vermögenswerte von GAMKA Ltd. und SWARTBERG Ltd. in der Konzernbilanz für die GAMKA Group ausgewiesen werden. 72 Ein vollständiger Jahresabschluss enthält eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung, eine Kapitalflussrechnung, eine Eigenkapitalveränderungsrechnung und die Notes. Der IAS 1.10 ist auf Konzernabschlüsse gleichsam anzuwenden. Um die Vermögenswerte in der ersten Konzernbilanz der GAMKA Group zu bestimmen, werden alle Bilanzpositionen von allen Konzernunternehmen addiert. Zum Ausweis und für die Bewertung sind die Werte zum Erwerbszeitpunkt zu berücksichtigen (IFRS 3.18). Z.B., PPE GAMKA + PPE SWARTBERG = 230.000 + 40.000 = 270.000 ZAR. Die obigen Beträge wurden den Bilanzen, wie in Abbildung 8.5 und Abbildung 8.6 gezeigt, entnommen. Für die Konzernbilanz muss eine Kapitalkonsolidierung (capital consolidation) erfolgen, weil Positionen doppelt in die Summenbilanz eingehen: Die Beteiligung der GAMKA Ltd. an der SWARTBERG Ltd. stellt einen Vermögenswert dar. Ebenso werden die Vermögenswerte der SWARTBERG Ltd. als Vermögen des Konzerns berücksichtigt. Um die Konzernrechnungslegung von den Doppelzählungen zu befreien, wird eine Kapitalkonsolidierung vorgenommen, über die die Beteiligung an dem Tochterunternehmen gegen ihr Eigenkapital aufgerechnet wird. 72 Siehe z.B. Abbildung 8.10. Allgemein bestehen Konsolidierungen aus Kapitalkonsolidierung, innerkonzernlicher Schulden/ Forderungskonsolidierung und einer Erfolgskonsolidierung für innerkonzernlich erzielte Gewinne/ Verluste in der Konzernbilanz und -Gewinn- und Verlustrechnung. Diese bewirken, dass Mehrfachzählungen von Jahresabschlusspositionen oder Effekte von innerkonzernlichen Transaktionen, wie Gewinne und Verluste oder Forderungen und Verbindlichkeiten eliminiert werden. Bei einer Kapitalkonsolidierung werden die Beteiligung an dem Tochterunternehmen und ihr Eigenkapital aus dem Konzernabschluss herausgerechnet. Weil die Bewertung des Tochterunternehmens nach der Erwerbsmethode stattfindet, kann ein Konsolidierungsunterschiedsbetrag (difference on consolidation) entstehen, der zu einem Goodwill oder negativen Goodwill führt. Wenn ein Tochterunternehmen anteilsweise erworben wurde, wird die Eigenkapitalposition zum Erwerbsanteil mit den Anschaffungskosten verrechnet. Der Eigenkapitalanteil, der nicht dem Mutterunternehmen bzw. anderen Konzernunternehmen gehört, wird als nicht beherrschende Anteile (non-controlling interest) im Eigenkapitalbereich der Konzernbilanz als eigenständige Position ausgewiesen. Dieses ist der Besitzanteil von Eigentümerinnen oder Eigentümer, die keine Konzernunternehmen sind, z.B. eine Investorin oder ein Investor, die oder der 30 % der Anteile eines Tochterunternehmens hält. Aufgrund des Vollkonsolidierungsprinzips bezieht der Konzernabschluss das komplette Tochterunternehmen in den <?page no="247"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-247 Konsolidierungskreis ein, auch den Anteil von Eigentümerinnen oder Eigentümern, die das Tochterunternehmen nicht beherrschen. Früher wurden diese als Minderheitsanteile (minority interest) oder Minderheitsgesellschafter bezeichnet. Das Konsolidieren von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Konzernunternehmen löscht alle wechselseitigen und innerkonzernliche Schuldbeziehungen Eine Erfolgskonsolidierung führt auf ein Löschen von innerkonzernlichen Gewinnen in der Konzerngewinn- und Verlustrechnung und im Eigenkapital der Konzernbilanz. Eine Erfolgskonsolidierung kann ebenso bewirken, dass Wertansätze für Vermögen anzupassen sind, z.B. wenn ein Konzernunternehmen Waren an ein anderes erfolgswirksam verkauft. Dann werden mit der Erfolgskonsolidierung auch Bewertungsansätze für innerkonzernlich erworbenes Vermögen angepasst, weil Anschaffungskosten aus Konzernsicht berücksichtigt werden müssen. Bei Konsolidierungsrechnungen wird zwischen der Erstkonsolidierung (initial consolidation) und Folgekonsolidierungen (subsequent consolidation) unterschieden. Die Erstkonsolidierung erfolgt zum Erwerbszeitpunkt, i.d.R. wenn die Konzerneigenschaft begründet wird. Eine Folgekonsolidierung bezieht sich auf alle Konsolidierungen, die sich der Erstkonsolidierung anschließen. Bilanziererinnen oder Bilanzierer bezeichnen die Konsolidierungsrechnungen als „Konsolidierungsbuchungen“, weil Anpassungen immer auf der Soll- und Habenseite vollzogen werden. Konsolidierte Jahresabschlüsse haben keine Zahlungsbemessungsfunktion. Sie haben keine Auswirkungen auf Ertragsteuerzahlungen oder Dividenden. Der alleinige Zweck ist Informationsbereitstellung. Nachfolgend werden die Konsolidierungen für die GAMKA GROUP besprochen. Es werden die Erst- und eine Folgekonsolidierung behandelt. Die beiden Konzernunternehmen weisen am 31.12.20X3 die Bilanzen wie unten gezeigt aus. Dieses ist der Zeitpunkt einen Tag vor dem Erwerb des Tochterunternehmens SWARTBERG Ltd. am 1.01.20X4 durch GAMKA Ltd.: <?page no="248"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-248 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 230.000 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 70.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 170.000 Long-term liab. 50.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 50.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 100.000 Income tax liab. 30.000 Total assets 500.000 Total equity and liab. 500.000 Gamka Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X3 Abb. 8.5: Bilanz der GAMKA Ltd. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 40.000 Share capital 50.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 28.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 30.000 Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P 10.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 30.000 Income tax liab. 12.000 Total assets 100.000 Total equity and liab. 100.000 Swartberg Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X3 Abb. 8.6: Bilanz der SWARTBERG Ltd. Die Einzelabschlüsse in Abbildung 8.5 und Abbildung 8.6 tragen den Namen der Konzernunternehmen und weisen deren Rechtsform aus. Alle Bilanzpositionen sind nach IFRSs bewertet. Die Berichtwährung ist der südafrikanische Rand ZAR. Die Jahresabschlüsse beider Unternehmen wurde ohne Gewinnverwendung erstellt, weil die Gewinne in die Abrechnungsperiode 20X4 vorgetragen werden. Es wird ein Konzernabschluss beim Erwerb und als Folgekonsolidierung zum 31.12.20X4 (ein Jahr später) aufgestellt. Zuerst wird die Kapitalkonsolidierung vorbereitet: Als GAMKA Ltd. 80 % der Anteile der SWARTBERG Ltd. am 1.01.20X4 erwirbt, beträgt ihr Buchwert: 50.000 + 28.000 = <?page no="249"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-249 78.000 ZAR. Der Buchwert der Beteiligung der GAMKA Ltd. an dem Tochterunternehmen SWARTBERG Ltd. umfasst 80 % davon: 80% × (50.000 + 28.000) = 62.400 ZAR. Die GAMKA Ltd. zahlt den vormaligen Eigentümerinnen oder Eigentümern 65.000 ZAR für 80 % der Stammaktien von SWARTBERG Ltd. Die Zahlung übersteigt den Buchwert des erworbenen Anteils an der SWARTBERG Ltd. Die Bilanz der GAMKA Ltd. weist jetzt eine Beteiligung i.H.v. 65.000 ZAR und einen verminderten Kasse-/ Bank-Bestand aus. Die Kasse-/ Bank-Position ist: 100.000 - 65.000 = 3 35.000 ZAR. GAMKA Ltd. hat für das Tochterunternehmen einen Preis oberhalb des Buchwertes gezahlt, z.B. aus strategischen Überlegungen, wie bei Beurteilung der Marktposition von SWARTBERG Ltd. oder unter Annahme eines hohen Marktpotentials in der Zukunft, etc. 73 GAMKA Ltd. erfasst den untenstehenden Buchungssatz, welcher die Anschaffungskosten beim Erwerb des Tochterunternehmens zeigt. Siehe in Abbildung 8.7 die Bilanz der GAMKA Ltd. am 1.01.20X4 - nach dem Erwerb. Am 1.01.20X4: DR Investment Subsidiary INS .... 65.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 65.000 ZAR A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 230.000 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Investment 65.000 Retained earnings 70.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 170.000 Long-term liab. 50.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ 50.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 35.000 Income tax liab. 30.000 Total assets 500.000 Total equity and liab. 500.000 Gamka Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X4 Abb. 8.7: Bilanz der GAMKA Ltd. nach Erwerb In der Bilanz für den Einzelabschluss der GAMKA Ltd. wird die Beteiligung an dem Tochterunternehmen zu Anschaffungskosten i.H.v. 65.000 ZAR ausgewiesen. Für den Konzernabschluss werden die Positionen beider Bilanzen addiert. Die 73 Siehe das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (11). Bilanz der SWARTBERG Ltd. hat sich durch den Wechsel der Besitzverhältnisse nicht verändert. Sie wird deshalb nicht nochmals abgebildet, weil die Beträge im Vergleich zu denen in der Abbildung 8.6 unverändert sind. <?page no="250"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-250 Mit dem Erwerb von 80 % der Anteile an der SWARTBERG Ltd. wird GAMKA Ltd. das Mutterunternehmen und SWARTBERG Ltd. das Tochterunternehmen. Beide Unternehmen sind weiterhin verpflichtet, Einzelabschlüsse aufzustellen. Als Nächstes wird der Konzernabschluss zum 1.01.20X4 vorbereitet. Dieser wird zum Erwerbszeitpunkt unter Berücksichtigung der Erstkonsolidierung aufgestellt. Das Zusammenführen der Einzelabschlüsse wird mit einem Konsolidierungsbogen (consolidation worksheet) unterstützt, wie er in Abbildung 8.8 dargestellt wird. PARENT SUBSIDIARY AGGR. CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 230.000 40.000 270.000 270.000 Investments 65.000 65.000 65.000 Goodwill 0 0 cur Assets Inventory 170.000 30.000 200.000 200.000 Cash/ Bank 35.000 30.000 65.000 65.000 500.000 100.000 600.000 600.000 SH's capital Issued capital (300.000) (50.000) (350.000) (350.000) Reserves 0 0 Reval. Reserves 0 0 Retained ear. (70.000) (28.000) (98.000) (98.000) Non-ctrl int 0 0 Liabilities Int. bear. liab. (50.000) (50.000) (50.000) Payables (50.000) (10.000) (60.000) (60.000) Tax liabilities (30.000) (12.000) (42.000) (42.000) (500.000) (100.000) (600.000) (600.000) Abb. 8.8: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X3.1) In dem Konsolidierungsbogen werden in den linken Spalten die Einzelabschlüsse für die GAMKA Ltd. und die SWARTBERG Ltd. für jede Position zusammengeführt. Die addierten Beträge werden als Summenabschluss (AGGR) gezeigt, welches die vorläufige Konzernbilanz vor Konsolidierungsbuchungen ist. Z.B. ist der Betrag für das Sachanlagevermögen im Summenabschluss: 230.000 + 40.000 = 270.000 ZAR. Beim Erstellen des Summenabschlusses werden die Beteiligung in Höhe von 65.000 ZAR und alle weiteren Vermögenswerte auf der Sollseite ausgewiesen. Der Buchwert des erworbenen Tochterunternehmens ist die Differenz ihres Vermögens und Schulden: 100.000 <?page no="251"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-251 - (10.000 + 12.000) = 7 78.000 ZAR. 74 Dieses bedingt, dass die SWARTBERG Ltd. jetzt mit mehr als 180 % im Summenabschluss berücksichtigt wird. "Mehr" bezieht sich auf den Goodwill, der noch nicht ausgewiesen wird, aber in dem Betrag von 65.000 ZAR enthalten ist. 100 % stellt die Berücksichtigung durch die Vollkonsolidierung dar, obwohl nur 80 % Eigentum durch den Konzern erworben wurden. Um mehrfaches Berücksichtigen des Tochterunternehmens im Konzernabschluss auszuschließen, werden die Beteiligung und der anteilige Buchwert der SWARTBERG Ltd. gegeneinander aufgerechnet und der Anteil, um den die Anschaffungskosten den anteiligen Buchwert des Tochterunternehmens übersteigen, als Goodwill ausgewiesen. 80 % des Wertes der SWARTBERG Ltd. entspricht: 80% × 78.000 = 6 62.400 ZAR. Die Differenz zu den Anschaffungskosten beträgt: 65.000 - 62.400 = 2 2.600 ZAR. Es wird eine Konsolidierungsbuchung vorgenommen, wie in der Spalte Kapitalkonsolidierung (CAP.CONS) in Abbildung 8.9 gezeigt wird. Dieses wird in IFRS 3.32 geregelt. Siehe die beiden Konsolidierungsbuchung für die Kapitalkonsolidierung wie in dem Konsolidierungsbogen unter CAP.CONS in Abbildung 8.9 gezeigt wird. PARENT SUBSIDIARY AGGR. CAP. CONS CAP. CONS CAP. CONS CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 230.000 40.000 270.000 270.000 Investments 65.000 65.000 (65.000) 0 Goodwill 0 2.600 2.600 cur Assets Inventory 170.000 30.000 200.000 200.000 Cash/ Bank 35.000 30.000 65.000 65.000 500.000 100.000 600.000 (62.400) 0 0 537.600 SH's capital Issued capital (300.000) (50.000) (350.000) 40.000 10.000 (300.000) Reserves 0 0 Reval. Reserves 0 0 Retained ear. (70.000) (28.000) (98.000) 22.400 5.600 (70.000) Non-ctrl int 0 (10.000) (5.600) (15.600) Liabilities Int. bear. liab. (50.000) (50.000) (50.000) Payables (50.000) (10.000) (60.000) (60.000) Tax liabilities (30.000) (12.000) (42.000) (42.000) (500.000) (100.000) (600.000) 62.400 0 0 (537.600) Abb. 8.9: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X3.2) Das Vorgehen bei der Kapitalkonsolidierung enthält zwei Schritte. Im ersten Schritt werden die Anschaffungskosten der Beteiligung und ihr anteiliger (80 %) Buchwert (issued capital 74 Vergleiche Abbildung 8.6. and retained earnings) miteinander verrechnet und ein Goodwill ausgewiesen: 2.600 + 40.000 + 22.400 = 6 65.000 ZAR. Im zweiten Schritt wird der Anteil von 20 % des Buchwertes des Tochterunternehmens, das aus gezeichnetem Kapital und <?page no="252"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-252 Bilanzgewinn (retained earnings) besteht, den außenstehenden Eigentümerinnen oder Eigentümern der SWARTBERG Ltd. (nicht GAMKA Ltd.) zugeordnet. Sie sind Halterinnen oder Halter von nicht beherrschenden Anteilen (non-controlling interest holder). Dafür enthält der Eigenkapitalbereich einer Konzernbilanz eine Extraposition Nicht beherrschender Anteil (non-controlling interest). Bei der GAMKA Group enthält diese Position 20 % des gezeichneten Kapitals und 20 % des Bilanzgewinns (retained earnings) zum Erwerbszeitpunkt: 20% × 50.000 = 110.000 ZAR und: 20% × 28.000 = 55.600 ZAR. Die Erstkapitalkonsolidierungsbuchungen werden für nachfolgende Kapitalkonsolidierung beibehalten. Die Konzernbilanz für die GAMKA GROUP wird in Abbildung 8.10 gezeigt. Die Werte wurden aus der rechten Spalte des Konsolidierungsschemas (consolidation worksheet) übernommen. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 270.000 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Investment Retained earnings 70.000 Goodwill 2.600 Non-ctrl interest 15.600 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 200.000 Long-term liab. 50.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 60.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 65.000 Income tax liab. 42.000 Total assets 537.600 Total equity and liab. 537.600 Gamka Group consolidated STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X4 Abb. 8.10: Konzernbilanz Für weitere Konsolidierungen werden die Konsolidierungsbuchungssätze bei der Erstkonsolidierung zusammengefasst. So können sie in nachfolgenden Konsolidierungsbögen komprimiert in einer Spalte dargestellt werden. Der Buchungssatz für die Kapitalkonsolidierung ist unten gezeigt: DR Goodwill..................... 2.600 ZAR DR Issued Capital............... 50.000 ZAR DR Retained Earnings............ 28.000 ZAR CR Investments.................. 65.000 ZAR CR Non-ctrl. Interest........... 15.600 ZAR <?page no="253"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-253 Bei der Erstkonsolidierung der GAMKA Gruppe finden keine Forderungs-/ Schulden-Konsolidierungen oder innerkonzernliche Ergebniskonsolidierungen statt. 8.8 F/ S GAMKA/ SWARTBERG - Folgekonsolidierungen Es wird der Konzernabschluss für die GAMKA Ltd. und SWARTBERG Ltd. ein Jahr später behandelt: Die Unternehmen weisen ihre Gewinn- und Verlustrechnungen wie unten in Abbildung 8.11 und Abbildung 8.13 gezeigt und die zugehörigen Bilanzen für das Geschäftsjahr aus, das am 31.12.20X4 endet: [ZAR] Revenue 200.000 Other income 200.000 Materials (24.000) Labour (100.000) Depreciation (16.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 60.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 60.000 Income tax expenses (18.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 42.000 Gamka Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 8.11: Gewinn- und Verlustrechnung der GAMKA Ltd. (20X4) <?page no="254"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-254 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 214.000 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Investment 65.000 Retained earnings 112.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 160.000 Long-term liab. 50.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 50.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 91.000 Income tax liab. 18.000 Total assets 530.000 Total equity and liab. 530.000 Gamka Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X4 Abb. 8.12: Bilanz der GAMKA Ltd. (20X4) Hinweis: Zum Verständnis der Bilanz werden weitere Hintergrundinformationen zu den Geschäftsvorfällen vorgestellt, die jedoch für das Verständnis der Konzernrechnungslegung nicht relevant sind. Sie können diese Erläuterungen überspringen und weiterlesen, wo * ist. Die Position Anlagevermögen (property, plant and equipment) vermindert sich aufgrund von Abschreibungen und beträgt: 230.000 - 16.000 = 2 214.000 ZAR. Waren wurden dem Lager entnommen, so dass eine Reduktion des Vorratsvermögen in Höhe von 10.000 ZAR entsteht: 170.000 - 10.000 = 1160.000 ZAR. Es wird berücksichtigt, dass alle Geschäftsvorfälle - außer Abschreibungen und Lagerentnahmen - in bar erfolgen. Die GAMKA Ltd. zahlt 30.000 ZAR an das Finanzamt für ihre Ertragsteuerschulden aus 20X3. Ein Cash-Umsatz von 200.000 ZAR wird um Lohn- und Materialeinkauf reduziert. Somit beträgt der Kasse- / Bank-Bestand: 35.000 + 200.000 - 14.000 - 100.000 - 30.000 = 9 91.000 ZAR. Auf der Passivseite gibt es keine Änderung beim gezeichneten Kapital und das Nachsteuerergebnis wird dem Bilanzgewinn zugerechnet: 70.000 + 42.000 = 1112.000 ZAR. Bei den Verbindlichkeiten wird nur eine Veränderung bei den Ertragsteuerschulden vorgenommen: 30.000 - 30.000 + 18.000 = 1 18.000 ZAR. Als Nächstes wird das Tochterunternehmen, die SWARTBERG Ltd. in Abbildung 8.13 und Abbildung 8.14 betrachtet. <?page no="255"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-255 [ZAR] Revenue 35.000 Other income 0 35.000 Materials (15.000) Labour 0 Depreciation (10.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 10.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 10.000 Income tax expenses (3.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 7.000 Swartberg Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 8.13: Gewinn- und Verlustrechnung der SWARTBERG Ltd. (20X4) A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 30.000 Share capital 50.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 35.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 30.000 Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P 10.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 38.000 Income tax liab. 3.000 Total assets 98.000 Total equity and liab. 98.000 Swartberg Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X4 Abb. 8.14: Bilanz der SWARTBERG Ltd. (20X4) Die Bilanz wurde vor Ergebnisverwendung aufgestellt. Hinweis: Die folgenden Darstellungen dienen der Erläuterung des Einzelabschlusses der SWARTBERG Ltd. Wie zuvor: Sie können den nächsten Paragrafen überspringen und weiterlesen, wo * ist. Die Bewertung für das Sachanlagevermögen (property, plant and equipment) <?page no="256"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-256 in der Bilanz der SWARTBERG Ltd. entsteht aus der vorherigen Bewertung abzüglich der Abschreibungen; es gibt keine Neuanschaffungen oder -bewertungen: 40.000 - 10.000 = 3 30.000 ZAR. Das Vorratsvermögen bleibt unverändert. Für die Bewertung vom Kasse- / Bank-Bestand wird angenommen, dass alle Geschäftsvorfälle - außer die Abschreibungen - in bar erfolgen. Sie enthalten die Ertragsteuerzahlungen, Umsatzzahlungen und Materialeinkäufe. Die Position Kasse/ Bank beträgt: 30.000 + 35.000 - 15.000 - 12.000 = 338.000 ZAR. Das gezeichnete Kapital ändert sich nicht; die Position Bilanzgewinn (retained earnings) ist: 28.000 + 7.000 = 35.000 ZAR. Kurzfristige Schulden bleiben unverändert und die gezahlten Ertragsteuerschulden resultieren aus den ausgewiesenen Ertragsteuerschulden im Jahresabschluss 20X3. Die Position Ertragsteuerschulden ist: 12.000 - 12.000 + 3.000 = 3 3.000 ZAR. SWARTBERG Ltd. nimmt eine Gewinnverwendung vor, bei der sie sich ausschließlich auf den Jahresüberschuss bezieht. Dieser beträgt 7.000 ZAR und wird im Verhältnis der Besitzverhältnisse als Dividende zu 80 % an die GAMKA Ltd. und der Rest an die Halterinnen oder Halter von nicht beherrschenden Anteilen ausgezahlt. Bei SWARTBERG Ltd. reduziert sich der Kasse-/ Bank-Bestand durch die Dividendenzahlung um 7.000 ZAR. GAMKA Ltd. erhöht den Kasse- / Bank-Bestand um: 80% × 7.000 = 5 5.600 ZAR. Siehe unten die Buchungssätze für die Gewinnverwendung, die sich vereinfachend auf das Bilanzgewinnkonto statt auf sonstige Erträge beziehen. Am 31.12.20X4 (bei SWARTBERG Ltd.): DR Retained Earnings R/ E........ 7.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 7.000 ZAR Am 31.12.20X4 (bei GAMKA Ltd.) DR Cash/ Bank C/ B................ 5.600 ZAR CR Retained Earnings R/ E........ 5.600 ZAR * Die Konsolidierungsbuchungen erfolgen wieder nach dem Konsolidierungsschema (consolidation worksheet). Aus den Werten für die Einzelabschlüsse ergeben sich die Beträge in der Summenbilanz (aggregated balance sheet). Hinweis: In dem Konsolidierungsschema werden im Unterschied zu Abbildung 8.12 und Abbildung 8.14 die Bilanzen nach Ergebnisverwendung berücksichtigt, siehe unten. In dem Konsolidierungsschema sind die Buchungen für die Erstkonsolidierung bereits eingetragen, siehe die Spalte CAP. CONS. Es wird die zusammengefasste Konsolidierungsbuchung wie oben berechnet verwendet. Siehe den Konsolidierungsbogen in Abbildung 8.15. <?page no="257"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-257 PARENT SUBSIDIARY AGGR. CAP. CONS CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 214.000 30.000 244.000 244.000 Investments 65.000 65.000 (65.000) 0 Goodwill 0 2.600 2.600 cur Assets Inventory 160.000 30.000 190.000 190.000 Cash/ Bank 96.600 31.000 127.600 127.600 535.600 91.000 626.600 (62.400) 564.200 SH's capital Issued capital (300.000) (50.000) (350.000) 50.000 (300.000) Reserves 0 0 Reval. Reserves 0 0 Retained ear. (117.600) (28.000) (145.600) 28.000 (117.600) Non-ctrl int 0 (15.600) (15.600) Liabilities Int. bear. liab. (50.000) (50.000) (50.000) Payables (50.000) (10.000) (60.000) (60.000) Tax liabilities (18.000) (3.000) (21.000) (21.000) (535.600) (91.000) (626.600) 62.400 (564.200) Abb. 8.15: Konsolidierungsbogen GAMKA Group (20X4.1) Es gibt keine Bewertungsänderungen hinsichtlich der Beteiligung noch ändern sich die Besitzverhältnisse an dem Tochterunternehmen. Eine Anpassung der Kapitalkonsolidierung ist erforderlich, um den Erfolg und den Anteil daran, der den nicht beherrschenden Anteilen zugerechnet wird, zu berücksichtigen. Es sind keine innerkonzernlichen Gewinne entstanden. Der Nachsteuergewinn des Tochterunternehmens beträgt 7.000 ZAR wie er in der Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt wird. Ein Anteil i.H.v. 80 % davon wird dem Mutterunternehmen zugeordnet und der Rest i.H.v. 20 % wird den nicht beherrschenden Anteilen zugerechnet. Somit werden: 80% × 7.000 = 5.600 ZAR den Konzernunternehmen und: 7.000 - 5.600 = 1 1.400 ZAR den Halterinnen oder Haltern von nicht beherrschenden Anteilen (non-controlling interest holder) zugerechnet. Diese wird unten in der Gewinn- und Verlustrechnung in Abbildung 8.16 gezeigt und ist bereits bei den Bilanzwerten, die in das Konsolidierungsschema eingetragen wurden, berücksichtigt worden. <?page no="258"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-258 [ZAR] Revenue 35.000 Other income 0 35.000 Materials (15.000) Labour 0 Depreciation (10.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 10.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 10.000 Income tax expenses (3.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 7.000 EAT controlling interest holders (5.600) EAT non-ctrl interest holders (1.400) 0 Swartberg Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 8.16: Erweiterte Gewinn- und Verlustrechnung für SWARTBERG Ltd. (20X4) Der nächste Schritt der Konsolidierungsbuchungen ist das Zuordnen von Dividenden auf die Konzernunternehmen und die Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen in der Konzernbilanz. Die konzerninterne Dividendenzahlung an die GAMKA Ltd. ist für den Konzernabschluss irrelevant. Sie ist eine interne Übertragung zwischen Konzernunternehmen und hat keinen Einfluss auf das Eigenkapital des Konzerns. Die wechselseitigen Zahlungen werden ebenfalls durch die Summenbildung der Kasse- / Bank-Bestände ausgeglichen. Das gleiche gilt für den Bilanzgewinn. Die Zahlung der Dividenden an die Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen wirkt sich jedoch auf die Eigenkapitalstruktur aus, weil die Dividenden das Eigenkapital der Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen reduzieren. Dieses wurde durch die Konsolidierung jedoch bislang nicht berücksichtigt und muss korrigiert werden. Durch das Buchen der Dividende aus dem Bilanzgewinnkonto (retained earnings account) sind sie bisher dem Konzern (fälschlich) zugeordnet worden. Es wird die nachfolgende korrigierende Konsolidierungsbuchung ausgeführt: DR Non-ctrl. Interest........... 1.400 ZAR DR Retained Earnings R/ E........ 1.400 ZAR <?page no="259"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-259 Siehe den Konsolidierungsbuchungssatz in dem Konsolidierungsschema und die daraus abgeleitete Konzernbilanz in den Abbildungen 8.17 und Figure 8.18. PARENT SUBSIDIARY AGGR. CAP. CONS non-ctrl Int CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 214.000 30.000 244.000 244.000 Investments 65.000 65.000 (65.000) 0 Goodwill 0 2.600 2.600 cur Assets Inventory 160.000 30.000 190.000 190.000 Cash/ Bank 96.600 31.000 127.600 127.600 535.600 91.000 626.600 (62.400) 0 564.200 SH's capital Issued capital (300.000) (50.000) (350.000) 50.000 (300.000) Reserves 0 0 Reval. Reserves 0 0 Retained ear. (117.600) (28.000) (145.600) 28.000 (1.400) (119.000) Non-ctrl Int 0 (15.600) 1.400 (14.200) Liabilities Int. bear. liab. (50.000) (50.000) (50.000) Payables (50.000) (10.000) (60.000) (60.000) Tax liabilities (18.000) (3.000) (21.000) (21.000) (535.600) (91.000) (626.600) 62.400 0 (564.200) Abb. 8.17: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X4.2) A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 244.000 Share capital 300.000 Intangibles Reserves Investment Retained earnings 119.000 Goodwill 2.600 Non-ctrl interest 14.200 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 190.000 Long-term liab. 50.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 60.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 127.600 Income tax liab. 21.000 Total assets 564.200 Total equity and liab. 564.200 GAMKA GROUP consolidated STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X3 Abb. 8.18: Konzernbilanz der GAMKA Group (20X4) Die Konzerngewinn- und Verlustrechnung ist einfach, weil keine innerkonzernlichen Gewinne erzielt worden sind. <?page no="260"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-260 Deshalb können die Gewinn- und Verlustrechnungen der Konzernunternehmen direkt addiert werden. Siehe das Ergebnis in Abbildung 8.19. Das Ergebnis des Tochterunternehmens wird entsprechend der Anteile aufgeteilt, die dem Konzern und den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zugeordnet sind. Der Gewinn, der den Konzernunternehmen zugewiesen wird, enthält den Gewinn, den das Mutterunternehmen erzielt hat, und Dividendenerträge aus dem Tochterunternehmen. Insgesamt ist der Gewinn: 42.000 + 80% × 7.000 = 4 47.600 ZAR. Der Betrag ist in der Gewinn- und Verlustrechnung negativ ausgewiesen, weil er in das Eigenkapital (retained earnings) ausgebucht wird. Der Anteil des Gewinns des Tochterunternehmens, der den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zugeordnet wird, ist über die Beteiligungsanteile berechnet worden, den diese halten: 20% × 7.000 = 1 1.400 ZAR. Dieser stellt ebenfalls eine negative Zahl in der Konzerngewinn- und Verlustrechnung dar, weil der Anteil in das Eigenkapital ausgebucht wird. In der Eigenkapitalveränderungsrechnung werden weder der Gewinn des Tochterunternehmens, der an das Mutterunternehmen ausgeschüttet wird, noch derjenige an die Halterinnen und Halter von nicht-beherrschenden Anteilen ausgewiesen, weil beide Anteile verwendet werden. Hinweis: In der nachfolgenden Fallstudie PORTERSVILLE/ HENDERSON GROUP wird eine nur teilweise Gewinnverwendung vorgenommen, so dass Ergebnisanteile den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zugewiesen werden. <?page no="261"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-261 [ZAR] Revenue 235.000 Other income 235.000 Materials (39.000) Labour (100.000) Depreciation (26.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 70.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 70.000 Income tax expenses (21.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 49.000 EAT controlling interest holders (47.600) EAT non-ctrl interest holders (1.400) 0 Gamka Group STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 8.19: Konzerngewinn- und Verlustrechnung der GAMKA Group (20X4) Die Eigenkapitalveränderungsrechnung im Konzernabschluss erfordert Einträge für die Gewinnverwendung zwischen den Konzernunternehmen und den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen. Siehe unten die Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung zum Stichtag 31.12.20X4 in Abbildung 8.20. Darin ist die Gewinnzuordnung nur auf das Aufteilen des Ergebnisses des Tochterunternehmens bezogen, weil der Gewinn des Mutterunternehmens vollständig den Konzernunternehmen zuzuordnen ist. Der Anteil, der den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zusteht, wird von dem Konzernergebnis vor Aufteilung abgezogen, welcher 42.000 + 7.000 = 4 49.000 ZAR beträgt. <?page no="262"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-262 Share capital Non-ctrl interest Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X4 300.000 15.600 70.000 385.600 Profit 20X4 54.600 54.600 Dividends 20X4 (7.000) (7.000) Profit allocation (1.400) 1.400 0 as at 31.12.20X4 300.000 14.200 119.000 433.200 Gamka Group STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X4 Abb. 8.20: Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung (20X4) Ein Konzernabschluss schließt eine Kapitalflussrechnung ein. Es wird angenommen, dass alle Tätigkeiten der Fallstudie in bar erfolgen - eine Ausnahme bilden nur Abschreibungen und Lagerentnahmen. Für die Kapitalflussrechnung für den Konzern wendet die GAMKA Group die Überleitungsmethode an, die im Detail in Kapitel (10) besprochen wird. Die Konzernkapitalflussrechnung wird in Abbildung 8.21 gezeigt. Cash flow from operating acitivities [ZAR] [ZAR] EBT 70.000 add Interest paid 0 add Depreciation 26.000 96.000 changes in working capital changes in A/ R 0 changes in inventory 10.000 changes in A/ P (42.000) changes in VAT/ r only materials 0 changes in VAT/ p 0 64.000 Cash flow from investing activities Investments 0 0 Cash flow from financing activities Dividend to non-ctrl. Int holders (1.400) (1.400) Total cash flow 62.600 Gamka Group STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X4 Abb. 8.21: Konzernkapitalflussrechnung für die GAMKA Group (20X4) <?page no="263"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-263 Der Betrag des Gesamtzahlungsmittelstroms (total cash flow) für den Konzern entspricht dem Gesamt-Cash-Flow, wie er aus den Einzelabschlüssen der Konzernunternehmen abgeleitet werden kann: 96.600 + 31.000 - 35.000 - 30.000 = 6 62.600 ZAR. Accounting-Prozess-Schritte (Konsolidierte Jahresabschlüsse (consolidated financial statements)): (1) Bestimmen Sie, ob ein konsolidierter Jahresabschluss zu erstellen ist. (2) Bestimmen Sie die Unternehmen, die in den Konsolidierungskreis einzubeziehen sind. (3) Kopieren Sie die Einzelabschlüsse in Vorbereitung auf den Konzernabschluss in das Konsolidierungsschema. Falls erforderlich, nehmen Sie Anpassung hinsichtlich der Berichtswährung, dem Bilanzstichtag usw. vor. Nehmen Sie weitere Anpassungen vor, um die Einzelabschlüsse an die IFRSs anzupassen, wenn sie anderen GA- APs folgend aufgestellt wurden. (4) Addieren Sie die Einzelabschlüsse positionsweise. (5) Erstellen Sie eine Kapitalkonsolidierung auf der Grundlage der Erwerbsmethode. Nehmen Sie Konsolidierungsbuchungen zur Kapitalkonsolidierung in dem Konsolidierungsschema vor. Die Kapitalkonsolidierung wird zum Erwerbszeitpunkt vorgenommen. (6) Führen Sie eine Erfolgskonsolidierung durch. Eliminieren Sie innerkonzernlich erzielte Gewinne/ Verluste und passen Sie ggf. Bewertungen von Vermögenswerten, die zwischen Konzernunternehmen verkauft wurden, an. (7) Führen Sie eine Konsolidierung von Forderungen und Verbindlichkeit durch, wenn innerkonzernliche Forderungen und/ oder Verbindlichkeiten bestehen. (8) Wenn Dividenden berücksichtigt werden, lassen Sie die innerkonzernlichen Dividendenzahlungen- und -vereinnahmungen unbeachtet. Bei Dividendenbeschlüssen oder -zahlungen an nicht-beherrschende Anteile, buchen Sie die Eigenkapitalverminderung von dem Konzern auf den nicht-beherrschenden Anteil um. (9) Erstellen Sie den Konzernabschluss auf der Grundlage der Werte, die Sie im Konsolidierungsbogen berechnet haben (rechte Spalte). 8.9 F/ S PORTERSVILLE/ HENDERSON In der nächsten Fallstudie wird eine Ergebniskonsolidierung mit Auswirkung auf die Vorratsbewertung und die Dividenden besprochen. Die PORTERSVILLE Ltd. erwirbt am 3.01.20X2 einen Anteil von 80 % an ihrem Lieferanten HENDERSON Ltd. Diese ist ein Handelsunternehmen (retailer). Alle Aktien der PORTERSVILLE Ltd. als auch der HENDERSON Ltd. haben einen Nennwert von 1 AUD/ Stammaktie. <?page no="264"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-264 Datenblatt für PORTERSVILLE/ HENDERSON Standort: Australien (Sydney). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: Handelsunternehmen. Beteiligung: Die PORTERSVILLE Ltd. hält 80 % der Anteile an der HENDERSON Ltd. Erwerbszeitpunkt: 3.01.20X2, Anschaffungskosten: 520.000 AUD für 400.000 Stammaktien. Buchwert der HENDERSON Ltd. zum Erwerbszeitpunkt: 600.000 AUD. Die Anschaffungskostenmethode ist anzuwenden. Abrechnungsperiode: 20X5 Dividende der HENDERSON Ltd.: 0,15 AUD/ Aktie. Vorratsvermögen bei der PORTERSVILLE Ltd.: Waren im Wert von 100.000 AUD, die von HENDERSON Ltd. erworben wurden. Anschaffungskosten für die HENDERSON Ltd.: 65.000 AUD. Umsatzsteuer ignoriert. Am 3.01.20X2 erwirbt PORTERSVILLE Ltd. einen Anteil von 80 % der Stammaktien der HENDERSON Ltd. Zu diesem Zeitpunkt beträgt deren Bilanzgewinn (retained earnings) 100.000 AUD. Es wurden zum Zeitpunkt des Erwerbs keine Rücklagen im Jahresabschluss der HENDERSON Ltd. ausgewiesen. Siehe unten die Bilanzen für beide Unternehmen zum 31.12.20X5 - vier Jahre später. Das Vorratsvermögen der PORTERSVILLE Ltd. enthält Waren für 100.000 AUD, die sie von HENDERSON Ltd. erworben hat. Dieses ist der Preis, den sie an die HENDERSON Ltd. beim Einkauf gezahlt hat. Die HENDERSON Ltd. selbst hat die Waren von einem Zulieferer für 65.000 AUD erworben. Die HENDERSON Ltd. zahlt ihren Aktionärinnen oder Aktionären eine Dividende i.H.v. 0,15 AUD/ Aktie für das Geschäftsjahr 20X5. Die Dividende ist in den Jahresabschlüssen berücksichtigt, die in Abbildung 8.22 und Abbildung 8.23 gezeigt werden (nach Gewinnverwendung). Es gibt keine Gewinn-/ Verlustvorträge in den Jahresabschlüssen der PORTERSVILLE Ltd. noch in denjenigen der HENDERSON Ltd. <?page no="265"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-265 A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 2.300.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 300.000 Investments 520.000 Retained earnings 760.000 Non-ctrl interest Current assets Liabilities (liab.) Inventory 260.000 Long-term liab. 1.000.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 220.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 500.000 Income tax liab. 300.000 Total assets 3.580.000 Total equity and liab. 3.580.000 Portersville Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X5 Abb. 8.22: Bilanz der PORTERSVILLE Ltd. (Mutterunternehmen) A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 1.300.000 Share capital 500.000 Intangibles Reserves 300.000 Investments Retained earnings 135.000 Non-ctrl interest Current assets Liabilities (liab.) Inventory 300.000 Long-term liab. 800.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 300.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 525.000 Income tax liab. 90.000 Total assets 2.125.000 Total equity and liab. 2.125.000 Henderson Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X5 Abb. 8.23: Bilanz der HENDERSON Ltd. (Tochterunternehmen) Zuerst wird die Kapitalkonsolidierung behandelt, d.h. wiederholt: Die Kapitalkonsolidierung zum 3.01.20X2 berücksichtigt den Erwerb von 400.000 Stammaktien der HENDERSON Ltd. zu einem Preis i.H.v. 520.000 AUD. Das gesamte Eigenkapital der HENDERSON Ltd. zum Zeitpunkt des Erwerbs war: 500.000 + 100.000 = 600.000 AUD. Der Buchwert der Aktien von HENDERSON Ltd., die PORTERSVILL Ltd. erworben hat, betragen zum Erwerbszeitpunkt: 80% × 600.000 = 480.000 AUD. Siehe unten den Kapitalkonsolidierungsbuchungssatz: <?page no="266"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-266 DR Goodwill..................... 40.000 AUD DR Issued Shares................ 500.000 AUD DR Retained Earnings............ 100.000 AUD CR Non-ctrl. Interest........... 120.000 AUD CR Investment................... 520.000 AUD Die Kapitalkonsolidierung wird nachträglich nur geändert, wenn sich Änderungen, z.B. in den Besitzverhältnissen, ergeben. Die Beträge werden in das Konsolidierungsschema (consolidation worksheet) eingetragen. Die einzige Veränderung, die vorgenommen wird, besteht darin, den Bilanzgewinn (retained earnings) den Gewinnrücklagen zuzuordnen. Somit ist die obige Sollbuchung nicht mehr im Bilanzgewinnkonto (retained earnings), sondern im Konto für Gewinnrücklagen (earnings reserves). Dieses folgt der Gewinnverwendung bei der PORTERSVILLE Ltd. im Jahr des Beteiligungserwerbs. In dieser Fallstudie werden keine Gewinn-/ Verlustvorträge aus Vorjahren berücksichtigt. PARENT SUBSIDIARY AGGR. CAP. CONS CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 2.300.000 1.300.000 3.600.000 3.600.000 Investments 520.000 520.000 (520.000) 0 Goodwill 0 40.000 40.000 cur Assets Inventory 260.000 300.000 560.000 560.000 Cash/ Bank 500.000 525.000 1.025.000 1.025.000 3.580.000 2.125.000 5.705.000 (480.000) 0 5.225.000 SH's capital Issued capital (1.000.000) (500.000) (1.500.000) 500.000 (1.000.000) Reserves (300.000) (300.000) (600.000) 100.000 (500.000) Retained ear. (760.000) (135.000) (895.000) (895.000) Non-ctrl. int 0 (120.000) (120.000) Liabilities Int. bear. liab. (1.000.000) (800.000) (1.800.000) (1.800.000) Payables (220.000) (300.000) (520.000) (520.000) Tax liabilities (300.000) (90.000) (390.000) (390.000) (3.580.000) (2.125.000) (5.705.000) 480.000 0 (5.225.000) Abb. 8.24: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (1) Weil das Nachsteuerergebnis aus 20X1 den Gewinnrücklagen zugeführt wurde, ist bekannt, dass die HENDERSON Ltd. zwischen dem 3.01.20X2 und 31.12.20X4, ihre Gewinnrücklagen um: 300.000 - 100.000 = 2 200.000 AUD erhöht hat. Der Betrag wird den Konzernunternehmen und den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen im Verhältnis 4 : 1 zugeordnet und führt auf die nächste Spalte im Konsolidierungsschema. Die Gewinnrücklagen werden im Verhältnis 4 : 1 aufgeteilt und führen auf 160.000 AUD : 40.000 AUD. Daher werden 40.000 AUD den Halterin- <?page no="267"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-267 nen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zugeordnet. Aus Platzgründen werden die Spalten für die Einzelabschlüsse in Abbildung 8.25 nicht mehr gezeigt. AGGR. CAP. CONS non-CTRL CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 3.600.000 3.600.000 Investments 520.000 (520.000) 0 Goodwill 0 40.000 40.000 cur Assets Inventory 560.000 560.000 Cash/ Bank 1.025.000 1.025.000 5.720.000 (480.000) 0 0 0 5.240.000 SH's capital Issued capital (1.500.000) 500.000 (1.000.000) Reserves (600.000) 100.000 40.000 (460.000) Retained ear. (895.000) (895.000) Non-ctrl. int 0 (120.000) (40.000) (160.000) Liabilities Int. bear. liab. (1.800.000) (1.800.000) Payables (520.000) (520.000) Tax liabilities (390.000) (390.000) (5.705.000) 480.000 0 0 0 (5.225.000) Abb. 8.25: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (2) Das Vorratsvermögen, das in der Bilanz der PORTERSVILLE Ltd. dargestellt wird, enthält einen innerkonzernlichen Gewinn, der korrekt im Einzelabschluss berücksichtigt wird. Die PORTERSVILLE Ltd. hat Waren für 100.000 AUD von HENDERSON Ltd. erworben und weist diese mit ihren Anschaffungskosten aus. Im Unterschied dazu muss die Konzernbilanz bei der Bewertung von Vorratsvermögen die Anschaffungskosten für den Konzern zugrunde legen. Diese sind die Anschaffungskosten bei HENDERSON Ltd., die 65.000 AUD betragen. Dies ist: 100.000 - 65.000 = 3 35.000 AUD weniger als in der Einzelbilanz der PORTERSVILLE Ltd. ausgewiesen. Gleichzeitig führt der von der HENDERSON Ltd. erzielte Verkaufsgewinn auf einen nichtrealisierten Gewinn aus der Sicht der Konzernrechnungslegung. Die Waren wurden nur zwischen Konzernunternehmen verkauft, jedoch noch nicht an Kunden außerhalb des Konsolidierungskreises. Somit muss der Gewinn der HENDERSON Ltd. im Konto für den Bilanzgewinn (retained earnings) und bei den Ertragsteuerschulden um insgesamt 35.000 AUD korrigiert werden. Dieses führt auf: 35.000 × (1 - 30%) = 2 24.500 AUD Abzug beim Bilanzgewinn (retained earnings) und: 35.000 × 30% = 1 10.500 AUD Verminderung der Ertragsteuern. Obwohl die Konzernrechnungslegung keinen Einfluss auf die Ertragsbesteuerung besitzt, müssen die Abzüge von den Ertragsteuern für den Konzernabschluss vorgenommen werden, um die Konsolidierungsbuchungen Doppik-gerecht auszuführen. <?page no="268"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-268 Nachfolgend wird der nächste Konsolidierungsschritt für den Konzernabschluss der PORTERSVILLE Group durchgeführt und in Abbildung 8.26 gezeigt. AGGR. CAP. CONS non-CTRL Profit.CONS CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 3.600.000 3.600.000 Investments 520.000 (520.000) 0 Goodwill 0 40.000 40.000 cur Assets Inventory 560.000 (35.000) 525.000 Cash/ Bank 1.025.000 1.025.000 5.705.000 (480.000) 0 (35.000) 0 5.190.000 SH's capital Issued capital (1.500.000) 500.000 (1.000.000) Reserves (600.000) 100.000 40.000 (460.000) Retained ear. (895.000) 24.500 (870.500) Non-ctrl. int 0 (120.000) (40.000) (160.000) Liabilities Int. bear. liab. (1.800.000) (1.800.000) Payables (520.000) (520.000) Tax liabilities (390.000) 10.500 (379.500) (5.705.000) 480.000 0 35.000 0 (5.190.000) Abb. 8.26: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (3) Als Nächstes wird die Gewinnverwendung des Tochterunternehmens HENDERSON Ltd. betrachtet. Die Tochtergesellschaft zahlt ihren Aktionärinnen oder Aktionären eine Dividende i.H.v. 0,15 AUD/ Aktie aus. Die gesamte Dividende beträgt: 0,15 × 500.000 = 75.000 AUD. Ein Anteil davon i.H.v.: 80% × 75.000 = 660.000 AUD stellt eine innerkonzernliche Dividende dar und erfordert keine Konsolidierungsmaßnahme. Vereinfacht werden die Buchungen bei der Dividendenzahlung über das Bilanzgewinnkonto (retained earnings) vorgenommen. Die Vereinfachung besteht darin, dass der Ertrag bei PORTERSVILLE Ltd. zunächst unter sonstigen Erträgen (other comprehensive income) erfasst wird und anschließend in den Bilanzgewinn (retained earnings) übertragen wird. Beide Buchungen sind bei den Bilanzen in Abb. 8.22 und Abb. 8.23 berücksichtigt worden. Am 31.12.20X5 (bei HENDERSON Ltd): DR Retained Earnings R/ E........ 75.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 75.000 AUD Am 31.12.20X5 (bei PORTERSVILLE Ltd.) DR Cash/ Bank C/ B................ 60.000 AUD CR Retained Earnings R/ E........ 60.000 AUD <?page no="269"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-269 Der Anteil an der Dividendenausschüttung i.H.v. 75.000 - 60.000 = 1 15.000 AUD stellt eine Zahlung an die Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen dar, die hier als außerhalb des Konzerns angesehen werden. Bisher wurden die Dividendenzahlungen in dem Konsolidierungsschema als eine resultierende Verminderung des Bilanzgewinns im Konzern um 15.000 AUD berücksichtigt. Richtig ist jedoch, diese den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zuzuordnen. Daher muss im Rahmen der Konsolidierung eine Korrekturbuchung vorgenommen werden, ähnlich derjenigen, die bei der GAMKA/ SWARTBERG GROUP vorgenommen wurde. Sie wird hier jedoch mit der Gewinnverteilung kombiniert, weil im Fall der PORTERSVILLE/ HENDERSON GROUP keine vollständige Gewinnverteilung stattfindet, s.u. Es muss bestimmt werden, wie viel des Bilanzgewinns der HENDERSON Ltd. verbleibt, weil dem Konzern daraus nur 80 % zustehen und den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen 20 %. Der Bilanzgewinn der HENDERSON Ltd. betrug im Einzelabschluss 210.000 AUD vor Gewinnverwendung. Weil kein Gewinn-/ Verlustvortrag aus den Vorperioden besteht, stammt der Bilanzgewinn vollständig aus Gewinnen, die in 20X5 erzielt worden sind. Es werden davon 24.500 AUD für innerkonzernliche Gewinne abgezogen und weitere 75.000 AUD für Dividenden. Damit verbleiben im Bilanzgewinnkonto des Konzerns: 210.000 - 24.500 - 75.000 = 1 110.500 AUD. Ein 20 %-tiger Anteil davon wird auf die Eigenkapitalposition Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen (non-controlling interest holder) übertragen. Dieses führt auf eine Übertragung von: 110.500 × 20% = 22.100 AUD aus dem Gewinn für 20X5. Von diesen sind die o.g. Korrekturen für die Dividenden an konzernexterne Eigentümerinnen oder Eigentümer in Abzug zu bringen. Es werden deshalb: 22.100 - 15.000 = 7 7.100 AUD aus dem Bilanzgewinn des Konzerns auf die Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen übertragen. Siehe unten in Abbildung 8.27 die letzte Spalte des Konsolidierungsschemas für die PORTERSVILLE Group und in Abbildung 8.28 ihre Konzernbilanz nach Ergebnisverwendung. <?page no="270"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-270 AGGR. CAP. CONS non-CTRL Profit.CONS Dividends CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 3.600.000 3.600.000 Int. assets 0 0 Investments 520.000 (520.000) 0 Goodwill 0 40.000 40.000 cur Assets Inventory 560.000 (35.000) 525.000 Cash/ Bank 1.025.000 1.025.000 5.705.000 (480.000) 0 (35.000) 0 5.190.000 SH's capital Issued capital (1.500.000) 500.000 (1.000.000) Reserves (600.000) 100.000 40.000 (460.000) Retained ear. (895.000) 24.500 7.100 (863.400) Non-ctrl. int 0 (120.000) (40.000) (7.100) (167.100) Liabilities Int. bear. liab. (1.800.000) (1.800.000) Payables (520.000) (520.000) Tax liabilities (390.000) 10.500 (379.500) (5.705.000) 480.000 0 35.000 0 (5.190.000) Abb. 8.27: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (4) A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 3.600.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 460.000 Investment Retained earnings 863.400 Goodwill 40.000 Non-ctrl interest 167.100 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 525.000 Long-term liab. 1.800.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P 520.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 1.025.000 Income tax liab. 379.500 Total assets 5.190.000 Total equity and liab. 5.190.000 Portersville GROUP CONSOLIDATED STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X5 Abb. 8.28: Konzernbilanz für die PORTERSVILLE Group 8.10 Innerkonzernliche Erfolgskonsolidierung Bei der Erfolgskonsolidierung von innerkonzernlichen Gewinnen ist die Zuordnung von Bilanzgewinnen (retained earnings) zu den Konzernunternehmen und zu nicht-beherrschenden Anteilen relevant. Das Herausrechnen von innerkonzernlich erzielten Gewinnen erhöht den Erfolg des Tochterunternehmens, wenn das Mutterunternehmen den innerkonzernlichen Gewinn erzielt hat. In der obigen Fallstudie wurde der innerhalb des Konzerns erwirtschaftete Gewinn von <?page no="271"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-271 dem Tochterunternehmen HENDERSON Ltd. durch den Warenverkauf an das Mutterunternehmen PORTERSVILLE Ltd. erzielt. Dieser wurde eliminiert und führte auf eine anteilige Anpassung des Bilanzgewinns der Konzernunternehmen und der nicht-beherrschenden Anteile. Wenn der Gewinn des Tochterunternehmens durch eine innerkonzernliche Erfolgskonsolidierung ansteigt, muss der Anstieg der nicht-beherrschenden Anteile mitberücksichtigt werden. Beispiele sind das Beziehen von und Zahlungen für Leistungen an das Mutterunternehmen, der Erwerb von Anlagevermögen vom Mutterunternehmen verbunden mit Anpassungen auf nachfolgende Abschreibungen, Ausleihungen vom Mutterunternehmen usw. In der nächsten Fallstudie wird ein Konzern behandelt, bei dem das Mutterunternehmen eine Beratungsleistung für ihr Tochterunternehmen erbringt und dafür nur hälftig bezahlt wird, während der Rest als Forderung gebucht wird. Es muss eine innerkonzernliche Erfolgskonsolidierung erfolgen und ein Anstieg des Eigenkapitals des Tochterunternehmens berücksichtigt werden, der anteilig den Halterinnen oder Haltern von nicht-beherrschenden Anteilen zugeordnet wird. 8.11 F/ S PATTEN/ SPYKER Die PATTEN Ltd. ist eine Unternehmensberatung und erwirbt am 1.01.20X0 für 700.000 AUD 60 % der Anteile an dem Produktionsunternehmen SPYKER (Pty) Ltd. Siehe unten in Abbildung 8.29 und in Abbildung 8.30 die Einzelabschlüsse der Konzernunternehmen. A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 600.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 400.000 Investment 700.000 Retained earnings Current assets Liabilities (liab.) Inventory 350.000 Long-term liab. 500.000 Acc. receivables A/ R Short-term liab. A/ P 100.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 350.000 Income tax liab. Total assets 2.000.000 Total equity and liab. 2.000.000 Patten Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X0 Abb. 8.29: Bilanz der PATTEN Ltd. nach Erwerb <?page no="272"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-272 A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 350.000 Share capital 500.000 Intangibles Reserves 178.500 Investment Retained earnings 321.500 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 200.000 Long-term liab. 100.000 Acc. receivables A/ R 300.000 Short-term liab. A/ P 50.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 300.000 Income tax liab. Total assets 1.150.000 Total equity and liab. 1.150.000 Spyker (Pty) Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X0 Abb. 8.30: Bilanz der SPYKER (Pty) Ltd. Die Werte in der Bilanz zum 31.12.20X0 werden erläutert, wenn der erste konsolidierte Jahresabschluss aufzustellen ist. Zuerst wird PATTEN Ltd. besprochen: Während des Geschäftsjahres 20X0 schreibt die Unternehmensberatung PATTEN Ltd. ihr Sachanlagevermögen (property, plant, equipment) zu einem Anteil von 15 % ab. Es bucht Löhne i.H.v. 200.000 AUD. Die PATTEN Ltd. bucht einen Beratungsumsatz i.H.v. 450.000 AUD, 30 % des Umsatzerlöses stammt von der Beratung ihres Tochterunternehmens SPYKER (Pty) Ltd. Die SPYKER (Pty) Ltd. zahlt nur die Hälfte des Preises, die andere Hälfte wird am 31.03.20X1 fällig. Die Kosten für alle erbrachten Beratungsleistungen bestehen aus Löhnen im Umfang von 200.000 AUD und Abschreibungen. Diese Kosten werden gleichmäßig auf alle Beratungsaufträge aufgeteilt. Während des Geschäftsjahrs 20X0 schreibt das Produktionsunternehmen SPYKER (Pty) Ltd. ihre Maschinen mit 50.000 AUD ab. Sie kauft Material für 500.000 AUD und ermittelt einen Vorratsbestand an Rohmaterial i.H.v. 70.000 AUD. Der Rohmaterialanfangsbestand i.H.v. 200.000 AUD (siehe die Bilanz) wird durch die Produktion aufgezehrt. Zum Geschäftsjahresende befinden sich keine Fertigerzeugnisse am Lager. Die Löhne betragen 400.000 AUD, 75 % davon entfallen auf die Produktion. Diese Information ist wichtig für die Erzeugniskalkulation, weil die Verkaufspreise davon abhängen. Die SPYKER (Pty) Ltd. bezieht von ihrem Mutterunternehmen Beratungsleistungen und muss dafür 135.000 AUD bezahlen. Die Beratung bezieht sich auf die Vermarktung ihrer Produkte. Deshalb werden keine Beratungskosten in die Erzeugniskalkulation einbezogen. Der Umsatzerlös in 20X0 entspricht 150 % der Herstellungskosten der verkauften Erzeugnisse. Die gesamten Herstellungskosten enthalten Löhne, Abschreibungen und Materialaufwand. Sie betragen: 50.000 + 630.000 + 300.000 = 9 980.000 AUD. Entsprechend der Preiskalkulation ist der Umsatzerlös: 150% × 980.000 = 1.470.000 AUD. <?page no="273"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-273 Zum Ende des Geschäftsjahres 20X0 beschließen und zahlen beide Unternehmen eine Dividende von 10 % ihrer ausschüttungsfähigen Beträge. Der ausschüttungsfähige Betrag umfasst ebenso sonstige Erträge, die in 20X0 erzielt worden sind. Erhaltene Dividenden eines Unternehmens unterliegen weder der Kapitalertragsteuer noch sind sie ertragsteuerrelevant. Daher werden die vollständigen Dividendeneinkünfte in beiden Unternehmen dem zur Ausschüttung verfügbaren Betrag zugerechnet. Die Unternehmen weisen ihre Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen wie unten dargestellt aus: A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 510.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 400.000 Investment 700.000 Retained earnings 127.800 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 350.000 Long-term liab. 500.000 Acc. receivables A/ R 67.500 Short-term liab. A/ P 100.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 548.300 Income tax liab. 48.000 Total assets 2.175.800 Total equity and liab. 2.175.800 Patten Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X0 Abb. 8.31: Bilanz der PATTEN Ltd. (20X0) <?page no="274"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-274 [AUD] Revenue 450.000 Other income 30.000 480.000 Materials 0 Labour (200.000) Depreciation (90.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 190.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 190.000 Income tax expenses (48.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 142.000 Patten Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X0 Abb. 8.32: Gewinn- und Verlustrechnung der PATTEN Ltd. (20X0) 75 Der Jahresabschluss der PATTEN Ltd. zum Geschäftsjahresende von 20X0 wird nachfolgend erläutert: Die Abschreibungen betragen 15 % des Anlagevermögens: 15% × 600.000 = 9 90.000 AUD. Die Beträge für Löhne und Umsatz sind gegeben. Der Beratungsumsatz für den Auftrag bei der SPYKER (Pty) Ltd. beträgt: 30% × 450.000 = 1 135.000 AUD. Die Zahlung dafür wird nur zur Hälfte vereinnahmt: 135.000 / 2 = 6 67.500 AUD. Die PATTEN Ltd. erzielt einen Dividendeneinkommen von 30.000 AUD von ihrem Tochterunternehmen als sonstigen Ertrag. Der ausschüttungsfähige Betrag ist das Nachsteuerergebnis einschließlich der erzielten Dividendeneinkünfte i.H.v. 142.000 AUD. Daher ist die Dividende der PATTEN Ltd.: 10% × 142.000 = 1 14.200 AUD, die bereits in 20X0 ausgezahlt werden. Die Ertragsbesteuerung der PATTEN Ltd. hängt nicht von den erhaltenden Dividendenzahlungen von SPYKER (Pty) Ltd. ab: 30% × (190,000 - 30,000) = 4 48,000 AUD. Die Position Kasse/ Bank berücksichtigt alle Zahlungen einschließlich den Dividendenzahlungen: 350,000 + 450,000 - 67,500 - 200,000 + 30,000 - 14,200 = 548.300 AUD. Der Bilanzgewinn (retained earnings) wird nach Gewinnverwendung ausgewiesen: (1 - 10%) × 142.000 = 1 127.800 AUD. Das Tochterunternehmen SPYKER (Pty) Ltd. erstellt einen Jahresabschluss wie er in der Abbildungen 8.33 und Abbildung 8.34 gezeigt wird. 75 Die Ertragsbesteuerung berücksichtigt nicht die Erträge aus Dividendeneinkünften. <?page no="275"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-275 A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 300.000 Share capital 500.000 Intangibles Reserves 178.500 Investment Retained earnings 450.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 70.000 Long-term liab. 100.000 Acc. receivables A/ R 300.000 Short-term liab. A/ P 117.500 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 752.500 Income tax liab. 76.500 Total assets 1.422.500 Total equity and liab. 1.422.500 Spyker (Pty) Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X0 Abb. 8.33: Bilanz der SPYKER (Pty) Ltd. (20X0) [AUD] Revenue 1.470.000 Other income 0 1.470.000 Materials (630.000) Labour (400.000) Depreciation (50.000) Other expenses (135.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 255.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 255.000 Income tax expenses (76.500) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 178.500 Spyker (Pty) Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X0 Abb. 8.34: Gewinn- und Verlustrechnung der SPYKER (Pty) Ltd. (20X0) Nachfolgend werden die Beträge im Jahresabschluss der SPYKER (Pty) Ltd. besprochen: Die Abschreibungen betragen 50.000 AUD (gegeben). Der Materialaufwand wird über ein periodisches Lagerhaltungssystem bestimmt. Er beträgt: 200.000 + 500.000 - 70.000 = <?page no="276"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-276 630.000 AUD. Die Löhne betragen 400.000 AUD; 300.000 AUD davon entfallen auf die Produktion. Der Umsatz wird als 150 % der Herstellungskosten bestimmt: (50.000 + 630.000 + 300.000) × 150% = 11.470.000 AUD. Die SPYKER (Pty) Ltd. bezieht nicht fertigungsrelevante Beratungsleistungen 76 im Umfang von: 135.000 AUD und zahlt sie hälftig sofort: 135.000 / 2 = 6 67.500 AUD. Die Dividende, die die SPYKER (Pty) Ltd. bezahlt, stellt 10 % ihres ausschüttungsfähigen Betrags dar. Der Bilanzgewinn aus dem Vorjahr betrug 321.500 AUD und kann an die Eigentümerinnen oder Eigentümer ausgeschüttet werden und zählt damit zum ausschüttungsfähigen Betrag. Die Zahlung an die Eigentümerinnen oder Eigentümer beträgt: 10% × (321.500 + 178.500) = 5 50.000 AUD; weil das Mutterunternehmen 60 % der Anteile des Unternehmens hält, sind: 60% × 50.000 = 3 30.000 AUD davon an die PATTEN Ltd. zu zahlen. Der andere Anteil von 20.000 AUD ist nicht-beherrschenden Anteilen (non-controlling interest holder) der SPYKER (Pty) Ltd. zuzuordnen. Gemäß der Fallstudie werden die Dividenden bereits in 20X0 gezahlt. Für die Erläuterung der Position Bilanzgewinn (retained earnings) wird der Betrag nach Dividendenauszahlung bestimmt: 321.500 + 178.500 - 50.000 = 4 450.000 AUD. Für die Kapitalkonsolidierung, die vom 1.01.20X0 wiederholt wird, lässt sich das untenstehende Konsolidierungsschema verwenden. Im ersten Schritt werden die Anschaffungskosten mit 60 % des Buchwertes (equity) der SPYKER (Pty) Ltd. zum Erwerbszeitpunkt verglichen. Es entsteht ein Goodwill i.H.v.: 700,000 - 60% × (500,000 + 178,500 + 321,500) = 100,000 AUD. Weiter werden 40 % des Eigenkapitals den nicht-beherrschenden Anteilen zugerechnet: 40% × (500,000 + 178,500 + 321,500) = 200,000 + 71,400 + 128,600 = 4 400,000 AUD. Die Konsolidierungsbuchen werden für die Kapitalkonsolidierung wie folgt zusammengefasst: DR Goodwill..................... 100.000 AUD DR Issued Capital............... 500.000 AUD DR Reserves..................... 178.500 AUD DR Retained Earnings............ 321.500 AUD CR Investments.................. 700.000 AUD CR Non-Ctrl. Interest........... 400.000 AUD Siehe das Konsolidierungsschema und die darin gezeigte Kapitalkonsolidierung in Abbildung 8.35. 76 Die Beratungskosten werden nicht für die Kalkulation von Fertigungserzeugnissen berücksichtigt, weil sie produktionsfern sind. <?page no="277"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-277 PARENT SUBSIDIARY AGGR. CAP. CONS CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 600.000 350.000 950.000 950.000 Int. assets 0 0 Investments 700.000 700.000 (700.000) 0 Goodwill 0 100.000 100.000 cur Assets Inventory 350.000 200.000 550.000 550.000 Receivables 300.000 300.000 300.000 Cash/ Bank 350.000 300.000 650.000 650.000 2.000.000 1.150.000 3.150.000 (600.000) 0 2.550.000 SH's capital Issued capital (1.000.000) (500.000) (1.500.000) 300.000 200.000 (1.000.000) Reserves (400.000) (178.500) (578.500) 107.100 71.400 (400.000) Retained ear. (321.500) (321.500) 192.900 128.600 0 Non-ctrl. Int 0 (400.000) (400.000) Liabilities Int. bear. liab. (500.000) (100.000) (600.000) (600.000) Payables (100.000) (50.000) (150.000) (150.000) Tax liabilities 0 0 (2.000.000) (1.150.000) (3.150.000) 600.000 0 (2.550.000) Abb. 8.35: Konsolidierungsbogen für die PATTEN/ SPYKER Group Die nachfolgenden Konsolidierungsschritte sind: (1) Eliminieren der innerkonzernlich erzielten Gewinne, (2) Forderungs- und Schuldenkonsolidierung aufgrund des innerkonzernlich erzielten Gewinns, (3) Zuordnung von Gewinnanteilen auf die nicht-beherrschenden Anteile und (4) Die Dividendenkonsolidierung. (ad 1) Der Ertrag aus Beratungsleistung muss aus dem Konsolidierungsschema eliminiert werden. Weil beide Parteien den Aufwand/ Ertrag und Kasse/ Bank gebucht haben, ist der innerkonzernliche Gewinn für den Konzernabschluss bereits neutralisiert. Es sind keine weiteren Anpassungen zum Eliminieren mehr erforderlich. Dennoch beeinflusst der innerkonzernlich erzielte Gewinn das Eigenkapital bei dem Tochterunternehmen und wirkt sich auf die nicht-beherrschenden Anteile aus. Ohne den innerkonzernlich erzielten Gewinn wäre das Nachsteuerergebnis bei der SPYKER (Pty) Ltd. um: (1 - 30%) × 135.000 = 94.500 AUD höher. Der Gewinn des Mutterunternehmens wäre um den gleichen Betrag niedriger. Weil der Ergebnisunterschied das Tochterunternehmen beeinflusst, muss der nicht-beherrschende Anteil angepasst werden. In dem Konsolidierungsschema wird der höhere Gewinn des Tochterunternehmens zu einem Anteil von 40 % den nicht-beherrschenden Anteilen zugeordnet: 40% × 94.500 = 337.800 AUD. Siehe die Spalte Beratungsdienstleistung (Service) in dem Konsolidierungsschema in Abbildung 8.36. (ad 2) Weil der innerkonzernliche Ertrag nur zu einem Anteil von 50 % bezahlt wurde, müssen die Verbindlichkeiten beim Tochterunternehmen und die Forderungen beim Mutterunternehmen <?page no="278"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-278 PATTEN Ltd. gegeneinander verrechnet werden. Der Betrag ist: 135.000 / 2 = 67.500 AUD. Siehe die Spalte Debts in dem Konsolidierungsschema in Abbildung 8.36. (ad 3) Vor dem Löschen des innerkonzernlich erzielten Gewinns war der Gewinn in 20X0 bei der SKYPER (Pty) Ltd.: 178.500 - 50.000 = 1 128.500 AUD nach Ertragsbesteuerung und Abzug der Dividenden. Dieser muss zwischen den nicht-beherrschenden Anteilen und den Konzernunternehmen im Verhältnis 40 : 60 aufgeteilt werden: Die Zuordnung zu nicht-beherrschenden Anteilen ist: 40% × 128.500 = 5 51.400 AUD. Siehe die Spalte non-ctrl in dem Konsolidierungsschema in Abbildung 8.36. (ad 4) Für die Dividendenzahlungen des Tochterunternehmens ist zu berücksichtigen, dass diese bereits stattgefunden haben. Die Dividenden, die die SPYKER (Pty) Ltd. an die Konzernunternehmen ausgezahlt hat, wurden bereits berücksichtigt. Der Anteil für Dividenden, die an die Halterinnen oder Halter von nichtbeherrschenden Anteilen gezahlt wurden, ist den nicht-beherrschenden Anteilen zu belasten: 40% × 50.000 = 2 20.000 AUD. Siehe die Spalte DIV in dem Konsolidierungsschema in Abbildung 8.36. AGGR. CAP. CONS Service Debts Div non-ctrl CONS. F/ S N-cur Assets P,P,E 810.000 810.000 Int. assets 0 0 Investments 700.000 (700.000) 0 Goodwill 0 100.000 100.000 cur Assets Inventory 420.000 420.000 Receivables 367.500 (67.500) 300.000 Cash/ Bank 1.300.800 1.300.800 3.598.300 (600.000) 0 (67.500) 0 0 2.930.800 SH's capital Issued capital (1.500.000) 500.000 (1.000.000) Reserves (578.500) 178.500 (400.000) Retained ear. (577.800) 321.500 37.800 (20.000) 51.400 (187.100) Non-ctrl int. 0 (400.000) (37.800) 20.000 (51.400) (469.200) Liabilities Int. bear. liab. (600.000) (600.000) Payables (217.500) 67.500 (150.000) Tax liabilities (124.500) (124.500) (3.598.300) 600.000 0 67.500 0 0 (2.930.800) Abb. 8.36: Konsolidierungsbogen für die PATTEN/ SPYKER Group Unten ist die Konzernbilanz für die PATTEN/ SPYKER Group in Abbildung 8.37 und die Konzerngewinn- und Verlustrechnung in Abbildung 8.38 wiedergegeben. <?page no="279"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-279 A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 810.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 400.000 Investment Retained earnings 187.100 Goodwill 100.000 Non-ctrl. Int. 469.200 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 420.000 Long-term liab. 600.000 Acc. receivables A/ R 300.000 Short-term liab. A/ P 150.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 1.300.800 Income tax liab. 124.500 Total assets 2.930.800 Total equity and liab. 2.930.800 Patten/ Spyker Group STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X0 Abb. 8.37: Konzernbilanz für die PATTEN/ SPYKER Group [AUD] Revenue 1.785.000 Other income 30.000 1.815.000 Materials (630.000) Labour (600.000) Depreciation (140.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 445.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 445.000 Income tax expenses (124.500) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 320.500 Patten/ Spyker Group STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X0 Abb. 8.38: Konzerngewinn- und Verlustrechnung für die PATTEN/ SPYKER Group 77 77 Die Dividenden sind für die Ertragsbesteuerung nicht relevant. <?page no="280"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-280 8.12 Gemeinschaftsunternehmen (ad C) Ein Gemeinschaftsunternehmen ist ein Unternehmen, das sich in gemeinschaftlichem Besitz befindet und von mehreren Unternehmen beherrscht wird. Allgemein wird dafür im Deutschen auch der Begriff Joint Venture verwendet. Joint Venture Accounting erfordert eine Vereinbarung zur Regelung der gemeinschaftlichen Führung (joint agreement). Der IFRS 11.4 beschreibt ein Joint Agreement als Vereinbarung über die gemeinschaftliche Führung von zwei oder mehreren Unternehmen. Für gemeinschaftliches Beherrschen oder gemeinschaftliche Tätigkeiten müssen Entscheidungen einstimmig getroffen werden (IFRS 11.7). Wenn ein oder mehrere Partner die Beherrschungsmacht über ein anderes Unternehmen ausüben, ist nach IAS 28 die Anwendung der Equity-Methode für das Bewerten des Gemeinschaftsunternehmens geboten oder die Beteiligung wird nach IFRS 9 ausgewiesen (IFRS 11.24 und IFRS 11.25). Das IASB unterscheidet gemeinschaftliche Tätigkeiten (joint operation) von Gemeinschaftsunternehmen (joint ventures). Nach IFRS 11.14 müssen die beteiligten Partner bestimmen, welche Form eines Joint Arrangements vorliegt. Nach IFRS 11.15 sind gemeinschaftliche Tätigkeiten (joint operation), z.B. das Erbringen von Dienstleistungen, für die die Partner eigene Vermögenswerte einbringen. Sie behalten die Rechte an ihrem Vermögen und die Pflichten für ihre Schulden. Die Unternehmen teilen später den Gewinn und Aufwand für die gemeinschaftlichen Tätigkeiten proportional zu ihrem Anteil auf. Es erfolgt keine Unternehmensgründung. Nach IFRS 11.16 liegen dagegen bei einem Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) die Vermögensrechte gemeinsam bei den beherrschenden Unternehmen. Es erfolgt eine Unternehmensgründung. Das Joint Venture ist nach der Equity-Methode zu bewerten und im Jahresabschluss der Partnerunternehmen anteilig auszuweisen. Nach IFRS 11.20 und IFRS 11.24 weisen an gemeinschaftlichen Tätigkeiten (joint operation) Beteiligte ihr Vermögen, Schulden, Erträge und Aufwendungen im Jahresabschluss aus. Ein an einem Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) beteiligter Partner, zeigt in seinem Jahresabschluss die Beteiligung. Nachfolgend werden beide Formen von Joint Arrangements an vergleichbaren Fallstudien dargestellt: (1) Gemeinschaftliche Tätigkeiten (joint operation). (2) Gemeinschaftsunternehmen (joint venture). 8.13 F/ S QUICKARMS- RESPONSE-FIRE - gemeinschaftliche Tätigkeiten (ad 1) Am 1.01.20X7 beschließen die Sicherheitsfirmen QUICKARMS Ltd. und RESPONSE (Pty) Ltd. gemeinsame Patrouillengänge in einem Stadtteil von Johannesburg durchzuführen. Die FIRE Ltd. wird als dritter Partner zu 10 % an der gemeinschaftlichen Tätigkeit beteiligt. <?page no="281"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-281 Datenblatt für die QUICKARMS- RESONSE-FIRE Operations Standort: Südafrika (Johannesburg). Berichtwährung: ZAR. Klassifikation: Sicherheitsservice. Partner: QUICKARMS Ltd., RESPONSE (Pty) Ltd., FIRE Ltd. Anteile: 45 % / 45 % / 10 %. Gemeinsam genutztes Vermögen: 150.000 ZAR. Umsatz aus gemeinsamer Tätigkeit: 700.000 ZAR. Aufwand für die gemeinsame Tätigkeit: Materialaufwand: 80.000 ZAR; Löhne: 500.000 ZAR. Umsatzsteuer vernachlässigt. Der unter den drei Partnern geschlossene Vertrag bestimmt, dass gemeinsame Entscheidungen der Einstimmigkeit bedürfen. Deshalb kann FIRE Ltd. Abstimmungen selbst mit ihrer 10 %-tigen Beteiligung an den Joint Operations blockieren. Bei dem Joint Arrangement besitzt jeder Partner Vetorecht. Die Patrouillengänge werden als gemeinschaftliche Tätigkeit (joint operation) nach IFRS 11.15 angesehen. Die beteiligten Partner besitzen gemeinschaftliche Kontrolle über das eingesetzte Vermögen und tragen gemeinsam die Verantwortung für entstehende Verpflichtungen. In ihren Jahresabschlüssen weisen die QUICKARMS Ltd., RESPONSE (Pty) Ltd. und die FIRE Ltd. das für die Patrouillengänge eingesetzte Sachanlagevermögen (Fahrzeuge, Waffen) im Wert von 150.000 ZAR anteilig zu ihrer Beteiligung aus: Die QUICKARMS Ltd. und RESPONSE (Pty) Ltd. zu einem Anteil von jeweils 45 % und FIRE Ltd. zu 10 %. Somit bilanziert z.B. QUICKARMS Ltd.: 45% × 150.000 = 667.500 ZAR des eingesetzten Vermögens. Die Partner zahlen bei der Anschaffung des gemeinsam genutzten Sachanlagevermögens die Kosten gemäß ihren Anteilen. Die Aktivierungskriterien nach IFRS 11.20 sind anzuwenden. Abschreibungen fallen in dem vorliegenden Fall nach linearer Abschreibungsmethode über eine Nutzungsdauer von drei Jahren an. Es wird beschlossen, dass RESPONSE (Pty) Ltd. zunächst alle Umsätze vereinnahmt und alle Kosten für die Patrouillengänge übernimmt. Zum Jahresende überträgt die RESPONSE (Pty) Ltd. die jeweiligen Gewinnanteile auf ihre Partner. Siehe die Bilanz der QUICKARMS Ltd. in Abbildung 8.39. Sie weist das Vermögen für die gemeinschaftlich durchgeführten Patrouillengänge als Anteil an gemeinschaftlichem Vermögen (assets for joint control) aus: 45 % × 150.000 = 667.500 ZAR. <?page no="282"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-282 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 300.000 Share capital 400.000 Intangibles Reserves 100.000 Share in joint assets 67.500 Retained earnings Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 115.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 247.500 Income tax liab. Total assets 615.000 Total equity and liab. 615.000 QuickArms Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X7 Abb. 8.39: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X6) In 20X7 beträgt der Umsatz für die gemeinschaftlichen Patrouillengänge 700.000 ZAR. Der Materialverbrauch ist 80.000 ZAR und es sind 500.000 ZAR Löhne angefallen; alle Aufwendungen werden in bar bezahlt. Der Gewinn aus den gemeinschaftlich durchgeführten Patrouillengängen beträgt: 700.000 - 80.000 - 500.000 = 1 120.000 ZAR. Zum Jahresende von 20X7 hat die QUICKARMS Ltd. Anspruch auf Auszahlung eines Gewinnanteils von: 45% × 120.000 = 5 54.000 ZAR von ihrem Partner RESPONSE (Pty) Ltd. In Ergänzung zum anteiligen Gewinn schreibt die QUICKARMS Ltd. ihre Vermögenswerte, die für die gemeinschaftlichen Patrouillengänge eingesetzt wurden, ab und berücksichtigt einem Aufwand i.H.v.: 45% × (150.000 / 3) = 222.500 ZAR. Weil die QUICKARMS Ltd. ihre gemeinschaftlich genutzten Vermögenswerte bilanziert, muss sie diese auch abschreiben. Es wird für die QUICKARMS Ltd. eine Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt. Diese enthält nicht die Positionen, die sich auf die gemeinschaftlich durchgeführten Patrouillengänge beziehen. Siehe die Gewinn- und Verlustrechnung in Abbildung 8.40. Darunter wird die Bilanz vor Berücksichtigung der gemeinschaftlichen Patrouillengänge in Abbildung 8.41 dargestellt. <?page no="283"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-283 [ZAR] Revenue 1.300.000 Other income 0 1.300.000 Materials (35.000) Labour (500.000) Depreciation (50.000) Other expenses (43.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 672.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 672.000 Income tax expenses (201.600) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 470.400 QuickArms Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X7 Abb. 8.40: Gewinn- und Verlustrechnung der QUICKARMS Ltd. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 250.000 Share capital 400.000 Intangibles Reserves 100.000 Share in joint assets 67.500 Retained earnings 470.400 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 115.000 Accounts receivables Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 969.500 Income tax liab. 201.600 Total assets 1.287.000 Total equity and liab. 1.287.000 QuickArms Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X7 Abb. 8.41: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X7) Im Jahresabschluss der QUICKARMS Ltd. wird der Gewinnanteil an den gemeinschaftlich ausgeführten Patrouillengängen als Forderung (receivables) ausgewiesen. Ebenso werden ergänzend die Abschreibungen auf die Vermögenswerte, die für die gemeinschaftlichen Patrouillengänge eingesetzt wurden, als Aufwand erfasst. Unten sind die Buchungssätze für das Erfassen des Gewinnanteils i.H.v. 54.000 ZAR und die Abschreibungen auf die eingesetzten Vermögenswerte im Umfang von 22.500 ZAR erfasst: <?page no="284"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-284 Am 31.12.20X7: DR Depreciation-20X7 DPR........ 22.500 ZAR CR Accumulated depr. ACC........ 22.500 ZAR DR Accounts Receivables A/ R..... 54.000 ZAR CR Other Compr. Income-20X7 OCI. 54.000 ZAR Nachdem die obigen Buchungssätze erfasst sind und die Ertragsteuern um: (54.000 - 22.500) × 30% = 9 9.450 ZAR erhöht wurde, hat der Jahresabschluss das dargestellte Aussehen: [ZAR] Revenue 1.300.000 Other income (joint) 54.000 1.354.000 Materials (35.000) Labour (500.000) Depreciation (50.000) Depreciation (joint) (22.500) Other expenses (43.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 703.500 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 703.500 Income tax expenses (211.050) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 492.450 QuickArms Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X7 Abb. 8.42: Gewinn- und Verlustrechnung der QUICKARMS Ltd. 78 78 Die sonstigen Erträge stellen keine Dividenden dar und unterliegen hier der Ertragsbesteuerung. <?page no="285"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-285 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 250.000 Share capital 400.000 Intangibles Reserves 100.000 Share in joint assets 45.000 Retained earnings 492.450 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. 115.000 Accounts receivables 54.000 Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 969.500 Income tax liab. 211.050 Total assets 1.318.500 Total equity and liab. 1.318.500 QuickArms Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X7 Abb. 8.43: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X7) Accounting-Prozess-Schritte (Bilanzieren von gemeinschaftlichen Tätigkeiten (accounting for joint operations)): (1) Weisen Sie Vermögenswerte, die gemeinschaftlichen Tätigkeiten (joint operations) dienen, in der Bilanz getrennt aus. (2) Berechnen Sie das Ergebnis aus gemeinschaftlichen Tätigkeiten vor Ertragsteuern. (3) Übertragen Sie das anteilige Vorsteuerergebnis auf die anderen Partner oder buchen Sie die Zuweisung von anderen Partnern als sonstigen Ertrag (other comprehensive income). (4) Weisen Sie Abschreibungen und sonstigen Aufwand für gemeinschaftliche Tätigkeiten getrennt in der Gewinn- und Verlustrechnung aus. (5) Erstellen Sie den Einzelabschluss (separate financial statement). Der Fall wird vergleichbar mit Bezug auf ein Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) wiederholt. Dieses bedingt die Gründung eines neuen Unternehmens CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. Die Zahlen der untenstehenden Fallstudie sind anders als in der vorherigen. Es soll kein Vergleich der Zahlenwerte, etwa für einen Steuerbelastungsvergleich, aus den beiden Fallstudien vorgenommen werden oder gemeinschaftliche Tätigkeiten mit einem Gemeinschaftsunternehmen verglichen werden. Es wird nur die unterschiedliche Behandlung im Jahresabschluss dargestellt - rechtliche und ertragssteuerliche Unterschiede werden nicht beurteilt. <?page no="286"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-286 8.14 F/ S CLOSEWATCH - Gemeinschaftsunternehmen (ad 2) Wenn die drei Partnerunternehmen aus der vorherigen Fallstudie die Patrouillengänge über ein Gemeinschaftsunternehmen abwickeln, müssen sie ein Joint Venture als eigenständiges Unternehmen gründen. Die Partner üben gemeinsam und gesamtschuldnerisch die Beherrschung des neuen Unternehmens CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. aus. Der IFRS 11.24 bestimmt den anteilig zu den Besitzverhältnissen bewerteten Ausweis des Joint Venture in der Bilanz der Partnerunternehmen als Beteiligungen. Datenblatt für die CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Johannesburg). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Sicherheitsdienst. Gründung: 1.01.20X7. Eigentümer: QUICKARMS Ltd., RESPONSE (Pty) Ltd., FIRE Ltd. Besitzanteile: 45 % / 45 % / 10 %. gezeichnetes Kapital: 200.000 ZAR. Ausleihung von 25.000 ZAR von QUICKARMS Ltd. Anlagevermögen: 150.000 ZAR. Umsatz: 700.000 ZAR. Materialaufwand: 80.000 ZAR; Löhne: 500.000 ZAR. Umsatzsteuer vernachlässigt. Die Bilanz für die CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. wird in Abbildung 8.44 gezeigt. Das Unternehmen CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. wird mit 200.000 ZAR gezeichnetem Kapital gegründet. 150.000 ZAR davon werden in Sachanlagevermögen, z.B. Fahrzeuge und Waffen, investiert. Das Joint Venture leiht zur Finanzierung der Patrouillengänge von der QUICKARMS Ltd. 25.000 ZAR, wie unter kurzfristigen Schulden dargestellt. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 150.000 Share capital 200.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P 25.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 75.000 Income tax liab. Total assets 225.000 Total equity and liab. 225.000 Close-Watch (Pty) Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X7 Abb. 8.44: Anfangsbilanz der CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. Während des Geschäftsjahrs 20X7 erfasst die CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. ein Nachsteuerergebnis i.H.v. 49.000 ZAR. Es wurde noch keine Dividende beschlossen. Die kurzfristigen Schulden i.H.v. 25.000 ZAR wurden bis zu diesem Zeitpunkt zurückgezahlt. <?page no="287"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-287 [ZAR] Revenue 700.000 Other income 0 700.000 Materials (80.000) Labour (500.000) Depreciation (50.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 70.000 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 70.000 Income tax expenses (21.000) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 49.000 Close-Watch (Pty) Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X7 Abb. 8.45: Gewinn- und Verlustrechnung CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 100.000 Share capital 200.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 49.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P 0 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 170.000 Income tax liab. 21.000 Total assets 270.000 Total equity and liab. 270.000 Close-Watch (Pty) Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X7 Abb. 8.46: Bilanz der CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. (20X7) Die QUICKARMS Ltd. und die RESPONSE (Pty) Ltd. weisen die Beteiligung zu jeweils: 45% × 200.000 = 9 90.000 ZAR aus. Die FIRE Ltd. stellt ein Finanzinstrument i.H.v. 20.000 ZAR dar. Zum Zeitpunkt der Anschaffung/ Gründung stellt die QUICKARMS Ltd. einen <?page no="288"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-288 Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements) auf, der die Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) ausweist, die nach der Equity Methode bewertet wurde. Für die Hauptpartnerunternehmen ist eine Equity-Bewertung nach IAS 28.10 vorgeschrieben. Der Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements) der QUICKARMS Ltd. zum 1.01.20X7 wird unten in Abbildung 8.47 dargestellt. Darin sind die Forderungen aus der Ausleihung von 25.000 ZAR ausgewiesen. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 300.000 Share capital 400.000 Intangibles Reserves 100.000 Investment (joint) 90.000 Retained earnings Current assets Liabilities Inventory Interest bear liab 115.000 Accounts receivables 25.000 Accounts payables Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 200.000 Tax liabilities Total assets 615.000 Total equity and liab. 615.000 QuickArms / Close-Watch JOINT VENTURE SEPARATE STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X7 Abb. 8.47: Bilanz der QUICKARMS/ CLOSE-WATCH (JV)’s (IAS 27) Zum Ende des Geschäftsjahres 20X7 hat sich die Bewertung der CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. um: (249.000 - 200.000) / 200.000 = 2 24,5% erhöht. Weil kein Dividendenbeschluss vorliegt, erhöht sich die Bewertung der Beteiligung im Jahresabschluss der QUICKARM Ltd. und RESPONSE (Pty) Ltd. ebenfalls um 24,5 %. Der neue Wertansatz ist: (1 + 24,5%) × 90.000 = 1 112.050 ZAR. Die Gegenbuchung für den Bewertungsanstieg wird im Konto Beteiligungsertrag (investment income) vorgenommen, welches für die Erfolgsrechnung nicht berücksichtigt wird. 79 Somit beträgt der Bilanzgewinn bei QUICKARMS Ltd.: 1.300.000 + 22.050 - 35.000 - 500.000 - 50.000 - 79 Es liegt ein nicht realisierter Gewinn vor. 43.000 - 201.600 = 4 492.450 ZAR. Die Ertragsteuern von 201.600 ZAR werden nicht verändert. Unten wird die Bilanz für das Partnerunternehmen QUICKARMS Ltd. in Abbildung 8.48 als Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statement) dargestellt. Die Gewinn- und Verlustrechnung, die in Abbildung 8.40 ohne Berücksichtigung des Ertrags und der Abschreibungen aus der gemeinschaftlichen Tätigkeit aufgestellt wurde, wird übernommen und ist um den Beteiligungsertrag zu erweitern und im Einzelabschluss auszuweisen. Die Ertragsbesteuerung bezieht sich nicht auf den Anstieg der Beteiligung i.H.v. 22.050 ZAR, weil der Gewinn noch nicht realisiert wurde. <?page no="289"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-289 A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 250.000 Share capital 400.000 Intangibles Reserves 100.000 Investment (joint) 112.050 Retained earnings 492.450 Current assets Liabilities Inventory Interest bear liab 115.000 Accounts receivables Accounts payables Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 947.000 Tax liabilities 201.600 Total assets 1.309.050 Total equity and liab. 1.309.050 QuickArms Ltd. SEPARATE STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X7 Abb. 8.48: Bilanz des Joint Ventures QUICKARM/ CLOSE-WATCH Weil kein Anzeichen für einen Bewertungsanstieg vorliegt, wird das Finanzinstrument der FIRE Ltd. beibehalten und mit 20.000 ZAR bewertet. Hinweis: Aufgrund der Anwendung der Equity-Methode nach IAS 28.10 beeinflusst die Ausleihung zwischen dem Joint Venture und eines der Partnerunternehmens nicht die Bewertung, weil keine Konsolidierung gefordert ist. Accounting-Prozess-Schritte (Bilanzierung von Gemeinschaftsunternehmen (joint venture accounting)): (1) Erstellen Sie Jahresabschlüsse für das Gemeinschaftsunternehmen und die Partnerunternehmen. Prüfen Sie, ob das Joint Venture ein Finanzinstrument ist oder nach der Equity-Methode als Beteiligung zu bewerten ist. (2a) Wenn das Gemeinschaftsunternehmen als Finanzinstrument ausgewiesen wird, bewerten Sie es zu Anschaffungskosten oder beizulegenden Werten, die über die Gewinn- und Verlustrechnung oder sonstige Erträge angepasst werden. (2b) Wenn die Bilanzierung des Joint Venture als Beteiligung nach der Equity-Methode erfolgt, prüfen Sie, ob ein Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements) aufzustellen ist. (3a) Wenn der erstmalige Einzelabschluss nach IAS 27 aufzustellen ist, bewerten Sie das Joint Ventures anteilig und zu Anschaffungskosten. <?page no="290"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-290 (3b) Wenn im Rahmen der Folgebewertung Einzelabschlüsse nach IAS 27 erforderlich sind, weisen Sie darin das Joint Venture nach der Equity-Methode bewertet aus. (4b) Erfassen Sie Einkünfte aus erhaltenen Dividenden über die Gewinn- und Verlustrechnung oder sonstige Erträge. Ziehen Sie die Dividendeneinkünfte bei der Bewertung des Joint Ventures ab. (5) Erstellen Sie den Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements) für die Partnerunternehmen unter Ausweis des Joint Ventures darin. 8.15 Zusammenfassung Die Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen bezieht sich auf das Erstellen von Einzelabschlüssen nach IAS 27 (separate financial statements), konsolidierte Abschlüsse nach IFRS 3 oder Joint Arrangements nach IFRS 11. Kleine Beteiligungen werden als Finanzinstrumente nach IFRS 9 erfasst. Beteiligungen, auf die ein beachtlicher Einfluss ausgeübt wird, sind nach der Equity-Methode nach IAS 28 zu bewerten. Die Konzernrechnungslegung stellt auf das Decken von Informationsbedarfen ab. Sie enthält das Vereinheitlichen der Jahresabschlüsse der Konzernunternehmen und das Aufstellen einer Summenbilanz. Die notwendigen Konsolidierungen beziehen sich auf das Kapital, Gewinne und gegenseitige finanzielle Verpflichtungen zwischen Konzernunternehmen. Sie wurden an mehreren Fallstudien im Detail erläutert. Eine Konzernrechnungslegung hat keinen Einfluss auf die Notwendigkeit für oder die Art, wie Einzelunternehmen Jahresabschlüsse aufstellen oder ausweisen. Sie besitzt keine Zahlungsbemessungsfunktion. In Europa wird die Konzernrechnungslegung nach IFRSs vorgeschrieben, wenn ein Konzernunternehmen am Kapitalmarkt aktiv teilnimmt. 8.16 Arbeitsdefinitionen Erwerbsmethode (acquisition method): Methode bei der Konzernrechnungslegung. Die Positionen des beherrschten Unternehmens werden mit dem Wert bilanziert, der zur Zeit der Erlangung der Beherrschungsmacht bestanden hat. Ein Unterschiedsbetrag zwischen den Anschaffungskosten und dem Buchwert führt zu Goodwill oder negativem Goodwill. Assoziiertes Unternehmen (associated company): Ein assoziiertes Unternehmen ist eines, an dem das beteiligte Unternehmen einen Anteil zwischen 20 bis 50 % der Stimmrechtsanteile hält. Es muss ein signifikanter Einfluss von der Investorin oder dem Investor ausgehen. Kapitalkonsolidierung (capital consolidation): Berechnung, die Mehrfachzählungen von Tochterunternehmen in einem Konzernabschluss ausschließt. Konsolidierte Abschlüsse (consolidated financial statements): Jahresabschluss eines Konzerns der wie ein Einzelabschluss wirkt und in dem die Konzernunternehmen wie Abteilungen dargestellt werden. <?page no="291"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-291 Beherrschung (control): Macht die Strategie und operative Entscheidungen eines anderen Unternehmens zu bestimmen. Um die Beherrschungsmacht über ein anderes Unternehmen auszuüben, wird das Halten von mehr als 50 % der Stimmrechtsanteile angenommen. Equity Methode (equity method): Methode für Bewertungsanpassungen von assoziierten Unternehmen und Joint Venture-Beteiligungen, die auf Veränderungen des Buchwertes aufbauen. Die Equity Methode wird in IAS 28.10 bestimmt. Konzernrechnungslegung (group accounting): Vorbereiten von Konzernabschlüssen für Unternehmenszusammenschlüsse. Gemeinschaftliche Vereinbarungen (joint arrangement): Gemeinschaftliche Tätigkeiten oder Gemeinschaftsunternehmen. Erfolgskonsolidierung (profit consolidation): Eliminieren von innerkonzernlichem Erfolg mit evtl. Bewertungsanpassung für damit in Zusammenhang stehende Vermögenswerte. Einzelabschlüsse nach IAS 27 (separate financial statements): Jahresabschlüsse, die als Einzelabschluss für ein Mutterunternehmen oder eine Investorin oder einen Investor erstellt werden, und darin Tochterunternehmen, Beteiligungen an assoziierten Unternehmen oder Joint Ventures nach IAS 27 ausweisen. 8.17 Kontrollfragen (1) Die Gesellschaft A Ltd. erwirbt 210 Aktien der Gesellschaft B Ltd., die ein gezeichnetes Kapital von 300 Aktien zu jeweils 10 EUR/ Aktie hat. Zum Erwerbszeitpunkt ist der bei der Gesellschaft B Ltd. ausgewiesene Bilanzgewinn (retained earnings) 1.000 EUR. Die Anschaffungskosten (costs of investment) betragen 2.900 EUR. Wie hoch ist der auszuweisende Goodwill? 1. Null . 2. 100 EUR . 3. 200 EUR . 4. 120 EUR . (2) Die Gesellschaft L Ltd. erwirbt 550 Anteile (shares) der Gesellschaft S Ltd. welche ein gezeichnetes Kapital von 1.000 Aktien zu jeweils 5 EUR/ Aktie hat. Zum Erwerbszeitpunkt weist das Konto Bilanzgewinn (retained earnings) einen Betrag von 1.500 EUR auf. Zu Beginn des Geschäftsjahrs hat der Anfangswert des Bilanzgewinnkontos bei der Gesellschaft S Ltd. (retained earnings) 5.000 EUR betragen. Wie hoch ist der Anteil der Halterinnen oder Halter von nicht-beherrschenden Anteilen, in der Konzernbilanz (consolidated balance sheet)? 1. 5.175 EUR . 2. 5.000 EUR . 3. 6.325 EUR . 4. 4.500 EUR . (3) Die Gesellschaften A Ltd. und B Ltd. gründen am 1.01.20X4 ein Gemeinschaftsunternehmen J Ltd. zu gleichen Anteilen i.H.v. jeweils 50.000 EUR. Die J (Pty) Ltd. erwirtschaftet in 20X4 ein Vorsteuerergebnis i.H.v. 35.000 EUR. Sie beschließt eine Dividende von 4.500 EUR für beide Partner zusammen. <?page no="292"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 8-292 Wie hoch ist der Wert der Gesellschaft J (Pty) Ltd. im Einzelabschluss nach IAS 27 (separate financial statements) von A Ltd. auszuweisen 1. 50.000 EUR . 2. 55.000 EUR . 3. 62.250 EUR . 4. 65.250 EUR . (4) Die Gesellschaft Y Ltd. erwirbt am 1.01.20X2 50 Stammaktien von C Ltd., die auf 200 Stammaktien zu jeweils 10 EUR/ Aktie basiert. Die Anschaffungskosten betragen 500 EUR. Zum Erwerbszeitpunkt weist das Bilanzgewinnkonto der C Ltd. (retained earnings) einen Bestand von Null auf. Am 31.12.20X7 ist der Bilanzgewinn der Gesellschaft Y Ltd. 2.000 EUR und derjenige von C Ltd. 1.000 EUR. Wie wird die Beteiligung an Y Ltd. in der Bilanz von C Ltd. ausgewiesen? 1. 1.250 EUR . 2. 1.000 EUR . 3. 750 EUR . 4. 500 EUR . (5) Die Gesellschaft A (Pty) Ltd. erwirbt am 1.01.20X2 60 % der Anteile von P Ltd. Der Anfangswert des Bilanzgewinnkontos (retained earnings) bei P Ltd. beträgt 1.000 EUR. Das Tochterunternehmen beschließt eine Dividende von 600 EUR. Der Schlussbestand des Bilanzgewinnkontos (retained earnings) nach Gewinnverwendung beträgt 1.500 EUR im Einzelabschluss (single-entity financial statements). Wie hoch ist der Anstieg des Eigenkapitals von P Ltd. aufgrund des Gewinns/ der Dividende im Konzernabschluss (consolidated financial statements) für die Halterinnen und Halter von nicht-beherrschenden Anteilen auszuweisen? 1. 660 EUR . 2. 200 EUR . 3. 360 EUR . 4. 900 EUR . 8.18 Lösungen 1-2, 2-4, 3-2, 4-3, 5-2. <?page no="293"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-293 9 Umlaufvermögen in der Bilanz 9.1 Inhalt dieses Kapitels Umlaufvermögen steht einem Unternehmen i.d.R. kürzer als ein Jahr zur Verfügung. Es besteht aus Vorräten (inventory), Forderungen (receivables), Wertpapieren des Umlaufvermögens (securities) und Kasse-/ Bank- Bestand (cash/ bank). Nach IRFSs werden Vorauszahlungen (prepaid expenses) als Umlaufvermögen ausgewiesen, weil diese die Vermögensmerkmale wie im Rahmenwerk definiert erfüllen (conceptual framework for financial reporting F 4.8 - F 4.13.) Diese sind Zugang wirtschaftlichen Nutzens und Verlässlichkeit bei der Bewertung. In diesem Kapitel werden Ansatz und Bewertung von Umlaufvermögen behandelt. Weil Vorräte aus Rohmaterial (raw materials), in Fertigungsaufträgen gebundenem Vermögen (work-in-process) als auch aus Fertigerzeugnisbeständen (finished goods) bestehen, werden ebenso die Grundlagen einer Erzeugniskalkulation (manufacturing accounting) 80 besprochen. Für Bestandsbewegungen (inventory movement) wird die fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual system) eingeführt und mit dem periodischen System, wie in Kapitel (4) behandelt, verglichen. Weil Finanzinstrumente (financial instrument) auch kurzfristig gehalten werden können, berücksichtigt dieses Kapitel ebenso den Ansatz (recognition) und die Bewertung (measurement) von Wertpapierbestand des Umlaufvermögens. 80 Lesen Sie für die Fertigungskalkulation auch im Lehrbuch Basics of Accounting das Kapitel (25) und für die Unterschiede zwischen einer Fertigungsauftragskalkulation (job order costing) und Dieses Kapitel beginnt mit der Fallstudie GREENACRES Ltd., anhand der alternative Lagerhaltungssysteme vorgestellt und verglichen werden. Bei der Fallstudie ROSEFIELD Ltd. werden Lagerentnahmen (stock release) zu unterschiedlichen Einstandspreisen (cost of purchase) berücksichtigt und die Verbrauchsfolgefiktionsverfahren (cost formula) first-in-first-out und gewichtete Durchschnittsmethode (weighted average method) vorgestellt. Die Fallstudie HEISTEL (Pty) Ltd. zeigt das Bewerten von Vorräten unterhalb ihrer Anschaffungskosten zu Veräußerungswerten (net realisable values). Die Fertigungsauftragskalkulation (manufacturing accounting) wird an der Fallstudie RIEBEEK- KASTEEL (Pty) Ltd. erklärt, die eine Druckerei ist. Zusätzlich zur Darstellung des Kostenflusses in einem Fertigungsunternehmen werden Leerkosten (idle cost) und ihre Behandlung nach IAS 2.13 erklärt. Zum Ende des Kapitels werden kleine Fallstudien zur Bewertung von Wertpapieren im Umlaufvermögen und eine zum Ausweis von Kasse-/ Bank- Vermögen unter Berücksichtigung von Fremdwährungen (consideration of foreign currency) behandelt. 9.2 Lernziele In diesem Kapitel lernen Sie den Ansatz und die Bewertung von Umlaufvermögen (short-term assets) nach IAS 2. Sie werden mit der Kalkulation einer mehrstufigen Divisionskalkulation (process costing) im Lehrbuch Management Accounting, die Kapitel (18) bzw. (19). <?page no="294"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-294 von selbst erstellten Erzeugnissen vertraut gemacht, die über Fertigungsauftragskonten (work-in-process) und fertigungsbezogene Gemeinkostenkonten (manufacturing overheads) erfolgt. Sie lernen die buchhalterische Behandlung von Forderungen und Wertpapieren im Umlaufvermögen. Nach Durcharbeit dieses Kapitels können Sie Vorräte nach IAS 2 und Finanzinstrumente (financial instrument) auf der Grundlage von IFRS 9 bewerten und in der Bilanz ausweisen. 9.3 Anlage- und Umlaufvermögen Nach IAS 1.60 werden das Umlaufvermögen und Anlagevermögen (noncurrent assets) getrennt voneinander in der Bilanz ausgewiesen. IAS 1.61 schreibt vor, dass die Positionen auf der Grundlage einer Zwölf-Monats- Regel voneinander abzugrenzen sind. IAS 1.66 legt fest, dass Umlaufvermögen in einem normalen Zyklus umzusetzen, d.h. zu verkaufen oder zu verbrauchen, ist oder Handelsware oder Kasse-/ Bank-Bestand darstellt. Dies schließt Forderungen ein. Alle anderen Positionen sind Anlagevermögen. Die obige Einteilung gilt nicht strikt auf Ausprägungsebene, sondern erfolgt generisch. Z.B. wird ein Getriebehersteller die Einordnung für ein seit zwei Jahren auf Lager liegendes Getriebe, das nach speziellen Kundenanforderungen gefertigt wurde, nicht ändern. Die Klassifizierung des Getriebes als Vorratsvermögen bleibt bestehen. 81 Siehe die Fallstudie MOSSEL SPORTS im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (34). Weil Vorräte kürzer als ein Jahr vorgehalten werden, werden sie nicht abgeschrieben. Es können jedoch Wertminderungen entstehen, weil Vorräte zu dem niedrigeren Wertansatz aus Anschaffungs- und Herstellungskosten und Veräußerungswerten (net realisable value) anzusetzen sind. Letzteres wird als Bewertung nach Fair Value bezeichnet. Ähnliche Vorschriften existieren für Wertminderungen auf uneinbringliche Forderungen. Man bezeichnet uneinbringliche Forderungen als Bad Debts. Diese werden im Konto Wertminderungsaufwand für uneinbringliche Forderungen (bad debts) erfasst. 81 Das Buchen von uneinbringlichen Schulden bedeutet das Abschreiben der Forderungen als Aufwand zusammen mit einer Habenbuchung im Forderungskonto (accounts receivables). Umlaufvermögen besteht aus: (1) Vorräten (inventories). (2) Forderungen (accounts receivables). (3) Wertpapieren im Umlaufvermögen (securities). (4) Vorauszahlungen (prepaid expenses). (5) Kasse/ Bank (cash/ bank). Die nachfolgenden Unterkapitel folgen der obigen Einteilung für das Umlaufvermögen. 9.4 Vorräte Der IAS 2.6 definiert Vorräte als Vermögenswerte, mit denen ein Unternehmen Handelsgeschäfte betreibt <?page no="295"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-295 oder welche der Leistungserstellung dienen, z.B. die in der Produktion oder zur Dienstleistungserstellung verbraucht werden. Bei Handelsunternehmen oder in Fertigungsbetrieben können die Vorratsbestände, z.B. Material oder Handelswaren, einen hohen Wert ausmachen. Dagegen haben Dienstleister, z.B. Unternehmensberatungen, Rechtsanwaltskanzleien oder Softwareproduzenten, i.d.R. nur geringes Vorratsvermögen. Zuerst wird die Fallstudie des Handelsunternehmens GREENACRES Ltd. besprochen. Bei Einzelhändlern (retailer) bestehen Vorräte hauptsächlich aus Handelsware, die eingekauft und an Kundinnen oder Kunden weiterverkauft wird. Die Fallstudie GREENACRES Ltd. zeigt den Vergleich zwei alternativer Lagerhaltungssysteme (inventory movement system) 82 , dem periodischen System (periodic system) und der fortlaufenden Lagerbuchführung (perpetual system). Es werden alle Buchungen der Lagerhaltungssysteme für den gleichen Sachverhalt gezeigt. Es wird zuerst das bereits in Kapitel (4) angewendete periodische System behandelt, nachfolgend wird die fortlaufende Lagerbuchhaltung eingeführt. Das periodische System wurde bei der Fallstudie RYNEVELD Ltd. eingesetzt. In Handelsunternehmen wird über das Warenerfolgskonto (trading account) der Rohertrag bestimmt, wenn ein periodisches System eingesetzt wird. Bei einem periodischen System führt ein Unternehmen nur einmal pro Abrechnungsperiode, i.d.R. am 31.12., eine Inventur durch (stock taking). Die 82 Siehe im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (26). Lagerbestände (inventory level) sind deshalb zu Anfang und am Ende einer Abrechnungsperiode bekannt, jedoch nicht unterjährig. Ein Zugang von Vorratsbeständen wird in einem Wareneinkaufskonto (purchase account) im Soll erfasst. Es finden jedoch keine Warenentnahmebuchungen (stock release) statt. Ein bilanzierendes Unternehmen bestimmt den Verbrauch seines Vorratsvermögens über die Differenz zwischen Anfangsbestand, Einkäufen und Schlussbestand. Bei Rücksendungen (return outwards) oder Rücknahmen (return inwards) werden Anpassungen im Warenerfolgskonto vorgenommen. Mit fortschreitender Digitalisierung wird das periodische System in der Praxis nur noch selten angewendet - eher dann, wenn während des Geschäftsjahres nur geringes Interesse an dem Bestand des Vorratsvermögens besteht oder dieser offensichtlich ist. Bei fortlaufender Lagerbuchführung werden sowohl Wareneingänge und abgänge im Rechnungswesen erfasst. Es wird ein Vorratskonto (inventory account) verwendet. Darin werden für Wareneingänge Sollbuchungen vorgenommen und Warenausgänge im Haben erfasst. Bei Einsatz einer fortlaufenden Lagerbuchführung kennt ein Unternehmen zu jeder Zeit seine Lagerbestände. Das Überwachen der Vorratsbestände hilft Handelsunternehmen bei ihrem Bestellwesen. In den folgenden Absätzen werden Rücksendungen und Rücknahmen, die in Kapitel (4) eingeführt wurden, für die Fallstudie GREENACRES Ltd. <?page no="296"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-296 dargestellt. Es werden vier Fälle besprochen: Rücksendungen (returns outwards) und Rücknahmen (returns inwards) für sowohl das periodische Lagerhaltungssystem als auch bei fortlaufender Lagerbuchführung. Die Vorratsbewertung erfolgt immer zu Nettowerten, wenn Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt sind. Dieses ist durch die Konventionen in Kapital (1) der Standardfall in diesem Lehrbuch. Die Anschaffungskosten für Vorräte werden in IAS 2.11 definiert. Sie sind der Nettowert des Einkaufspreises vermindert um Preisnachlässe. Ebenso werden den Vermögenswerten zurechenbare, weitere Anschaffungskosten, wie Transport- und Umschlagskosten (handling costs) einbezogen. Bei Folgebewertungen wird der niedrigere Wertansatz aus entweder Anschaffungskosten oder dem Veräußerungswert berücksichtigt; siehe IAS 2.9: Inventories shall be measured at the lower of cost and net realisable value which is the estimated selling price less cost of completion and less costs to make the deal (IAS 2.6). Die Bewertungsvorschriften sind streng auszulegen, das bedeutet, dass das bilanzierende Unternehmen kein Methodenwahlrecht besitzt. Sobald eine Verminderung des ursprünglichen Wertansatzes festgestellt wird, muss der niedrigere Wert angesetzt werden. Bei einer dem Einkauf folgenden Wertsteigerungen stellen die Anschaffungskosten die Wertobergrenze dar. Beim Bewerten des Vorratsvermögens sind Neubewertungen wie beim Anlagevermögen nicht zulässig. Der IAS 2.6 bestimmt den Nettoverkaufswert (net realisable value) als denjenigen fairen Wertansatz für das Vorratsvermögen, der nach IFRS 13.6 als Preis festgelegt wird, der bei einem ordnungsmäßigen Verkauf des Vermögens/ der Vorräte erzielt werden kann. Eine Wertminderung von Vorräten von ihren Anschaffungskosten auf den Veräußerungswert stellt sicher, dass Vorräte immer zu realistischen Marktwerten geführt werden, die für ihren Verkauf oder Einsatz gelten (IAS 2.28). Ein Einsatzwert (value in use) ist der Barkapitalwert des Einnahmevektors, z.B. für Mieteinnahmen einer Immobilie. Bei der Vorratsbewertung kommt ein Value in Use i.d.R. nicht vor. 9.5 F/ S GREENACRES Ltd. - Periodisches System Die Fallstudie GREENACRES Ltd. zeigt Vorratsbuchungen bei alternativen Lagerhaltungssystemen. Das Unternehmen ist ein Händler für Lampen. Zur Vereinfachung soll nur mit einem Lampentyp gehandelt werden; die Anschaffungskosten für die Lampen sind in dieser Fallstudie konstant. Untenstehend ist das Datenblatt für die GREENACRES Ltd. dargestellt. Datenblatt für die GREENACRES Ltd. Standort: Südafrika (Gqeberha). Berichtswährung: ZAR. Klassifizierung: Handelsunternehmen. Lageranfangsbestand: 168.000 ZAR (= 140 Lampen); Einkauf: 1.200.000 ZAR; Stückkosten: 1.200 ZAR/ Stk.; Nettoverkaufspreis: 2.000 ZAR/ Stk. Verkaufsmengen: 800 Stück (400 + 250 + 150). Umsatzsteuersatz: 20 %. <?page no="297"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-297 Zu Beginn von 20X5 weist die GREENACRES Ltd. einen Lampenanfangsbestand i.H.v. 168.000 ZAR auf, der aus 140 Lampen besteht, die jeweils zu 1.200 ZAR/ Stk. in der Vorperiode eingekauft wurden. Während der Abrechnungsperiode 20X5 (zur Vereinfachung am 30.06.20X5) bestellt die GREENACRES Ltd. 1.000 Lampen zu jeweils 1.200 ZAR/ Stk. (netto). Die neuen Lampen sind vom gleichen Typ wie diejenigen, die sich am 1.01.20X5 am Lager befinden. Zuerst wird das bereits bekannte periodische Lagerhaltungssystem (periodic system) besprochen. Die Lampen werden mit ihren (konstanten) Stückanschaffungskosten bewertet. Der Buchungssatz (1) zeigt den Lampeneinkauf. Am 30.06.20X5: DR Purchase-20X5 PUR ............ 1.200.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 240.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 1.440.000 ZAR In 20X5 verkauft die GREENACRES Ltd. insgesamt 800 Lampen in drei einzelnen Geschäftsvorfällen, alle zu einem Nettoverkaufspreis von 2.000 ZAR/ Stk. Die Buchungssätze (2a), (2b) und (2c) für die Umsatzrealisierungen werden am 1.07.20X5, 1.08.20X5 and 1.09.20X5 erfasst. Es werden drei einzelne Umsatzbuchungen über 400, 250 und 150 Lampen vorgenommen. Am 1.07.20X5 (2a): DR Cash/ Bank C/ B ................ 960.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 160.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV ............. 800.000 ZAR Am 1.08.20X5 (2b): DR Cash/ Bank C/ B ................ 600.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 100.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV ............. 500.000 ZAR Am 1.09.20X5 (2c): DR Cash/ Bank C/ B ................ 360.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 60.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV ............. 300.000 ZAR Zum Ende von 20X5 führt GREENACRES Ltd. eine Inventur durch und stellt fest, dass sie 340 Lampen auf Lager hat. Deren Wert beträgt: 340 × 1.200 = 4 408.000 ZAR. GREENACRES Ltd. überträgt den Schlussbestand unter der Referenz INV in das Warenerfolgskonto als Buchungssatz (3). Die Bewertung erfolgt auf Anschaffungskostenbasis. Im Warenerfolgskonto (trading account) bestimmt die GREENACRES Ltd. den Wareneinsatzwert der verkauften Lampen, indem sie den Schlussbestandswert von <?page no="298"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-298 der Summe aus Lageranfangs- und Wareneinkaufswerten abzieht: 168.000 + 1.200.000 - 408.000 = 9 960.000 ZAR. Die Kosten für die verkauften Waren werden in der Gewinn- und Verlustrechnung (income statement, statement of profit or loss and other comprehensive income) ausgewiesen. Siehe den Buchungssatz unten und anschließend die Berechnung des Rohertrags in Abbildung 9.1. Hinweis: Der Rohertrag ist Umsatz minus Wareneinsatz. Am 31.12.20X5: DR Inventories INV.............. 408.000 ZAR CR Trading Account-20X5 T/ A..... 408.000 ZAR D C D C OV 168.000 T/ A 168.000 OV . . . (1) 1.440.000 (3) 408.000 c/ d 408.000 (2a) 960.000 c/ d 480.000 576.000 576.000 (2a) 600.000 b/ d 408.000 (2a) 360.000 1.920.000 1.920.000 b/ d 480.000 Inventories (lamps) INV Cash/ Bank C/ B D C D C (1) 1.200.000 T/ A 1.200.000 (1) 240.000 (2a) 160.000 (2b) 100.000 c/ d 80.000 (2c) 60.000 320.000 320.000 b/ d 80.000 Purchase-20X5 PUR Value added tax VAT D C D C T/ A 1.600.000 (2a) 800.000 INV 168.000 REV 1.600.000 (2a) 500.000 PUR 1.200.000 (3) 408.000 (2a) 300.000 GP 640.000 1.600.000 1.600.000 2.008.000 2.008.000 b/ d 640.000 Revenue-20X5 REV Trading account-20X5 T/ A Abb. 9.1: Konten der GREENACRES Ltd. (periodische Lagerhaltung) 9.6 Fortlaufende Lagerbuchhaltung Die Fallstudie GREENACRES Ltd. wird wiederholt, allerdings unter Anwendung einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung (perpetual system). Bei Einsatz einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung erfasst das bilanzierende <?page no="299"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-299 Unternehmen die Einkäufe direkt in dem Vorratskonto (inventory) ein Einkaufskonto (purchase account) gibt es nicht - und bucht Lagerabgänge sofort. Das Gegenkonto ist ein Aufwandskonto für die Kosten verkaufter Erzeugnisse, das als Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) bezeichnet wird. Ein Unternehmen bestimmt seinen Lagerbestand als Saldo des Vorratsvermögenskontos. Dieser wird in das Warenerfolgskonto (trading account) ausgebucht. 9.7 F/ S GREENACRES Ltd. - Fortlaufende Lagerbuchhaltung Für die Fallstudie gilt der gleiche Lampenanfangsbestand: 168.000 ZAR. Die GREENACRES Ltd. bestellt 1.000 Lampen und erfasst den Wareneingang über die Buchung (A). Durch den Buchungssatz erhöht sich der Wert für das Vorratsvermögen. Am 31.12.20X5 (A): DR Inventories INV .............. 1.200.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 240.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 1.440.000 ZAR Die drei Verkäufe führen auf drei Buchungssätze zur Erfassung der Verkaufsumsätze von 400 Lampen, von 250 Lampen und schließlich von 150 Lampen. Alle Lampen werden zu einem Nettoverkaufspreis von 2.000 ZAR/ Stk. verkauft. Die Umsatzsteuer muss berücksichtigt werden. Die Gesamtzahl verkaufter Lampen beträgt: 400 + 250 + 150 = 8 800 Lampen. Der Umsatz beträgt (C 1 ): 400 × 2.000 = 8 800.000 ZAR, (C 2 ): 250 × 2.000 = 5 500.000 ZAR und (C 3 ): 150 × 2.000 = 3 300.000 ZAR. Die GREENACRES Ltd. erfasst ebenfalls drei Buchungssätze für Lagerabgänge (B 1 … B 3 ) am 1.07.20X5, am 1.08.20X5, und am 1.09.20X5. Das Aufwandskonto bei Handelsunternehmen wird nicht Materialaufwand, sondern Wareneinsatzkonto (cost of goods sold), d.h. Kosten für verkaufte Waren, genannt. Der Aufwand für Waren und der Umsatz werden in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Die Differenz ergibt den Rohertrag. Alle Buchungssätze für Vorratsbewegungen werden auf der Grundlage ihrer Stückanschaffungskosten, die hier konstant 1.200 ZAR/ Stk. betragen, vorgenommen. Hinweis: Umsatzbuchungen werden immer zu Verkaufspreisen gebucht; Lagerbewegungen mit ihren Anschaffungs- und Herstellungskosten, d.h. netto. Siehe die untenstehenden Buchungssätze (B 1 ) - (C 3 ): Am 1.07.20X5 (C 1 , B 1 ): DR Cash/ Bank C/ B ................ 960.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 160.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV ............. 800.000 ZAR <?page no="300"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-300 DR Cost of Goods Sold-20X5 COS.. 480.000 ZAR CR Inventories INV.............. 480.000 ZAR Am 1.08.20X5 (C 2 , B 2 ): DR Cash/ Bank C/ B................ 600.000 ZAR CR Value Added Tax VAT.......... 100.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV............. 500.000 ZAR DR Cost of Goods Sold-20X5 COS.. 300.000 ZAR CR Inventories INV.............. 300.000 ZAR Am 1.09.20X5 (C 3 , B 3 ): DR Cash/ Bank C/ B................ 360.000 ZAR CR Value Added Tax VAT.......... 60.000 ZAR CR Revenue-20X5 REV............. 300.000 ZAR DR Cost of Goods Sold-20X5 COS.. 180.000 ZAR CR Inventories INV.............. 180.000 ZAR Bei fortlaufender Lagerbuchhaltung (perpetual system) kennt GREENACRES Ltd. zu jedem Zeitpunkt den Wert ihres Vorratsbestands, z.B. nach dem zweiten Verkauf: 168.000 + 1.200.000 - 480.000 - 300.000 = 5 588.000 ZAR. Siehe die Konten der GREENACRES Ltd. in Abbildung 9.2. D C D C OV 168.000 (B 1 ) 480.000 OV . . . (A) 1.440.000 (A) 1.200.000 (B 2 ) 300.000 (C 1 ) 960.000 (B 3 ) 180.000 (C 2 ) 600.000 c/ d 408.000 (C 3 ) 360.000 c/ d 480.000 1.368.000 1.368.000 1.920.000 1.920.000 b/ d 408.000 b/ d 480.000 Inventories (lamps) INV Cash/ Bank C/ B D C D C T/ A 1.600.000 (C 1 ) 800.000 (B 1 ) 480.000 T/ A 960.000 (C 2 ) 500.000 (B 2 ) 300.000 (C 3 ) 300.000 (B 3 ) 180.000 1.600.000 1.600.000 960.000 960.000 Revenue-20X5 REV Cost of goods sold-20X5 COS Abb. 9.2: Konten bei GREENACRES Ltd. (fortlaufende Lagerbuchhaltung) <?page no="301"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-301 D C D C COS 960.000 REV 1.600.000 (A) 240.000 (C 1 ) 160.000 G/ P 640.000 (C 2 ) 100.000 1.600.000 1.600.000 c/ d 80.000 (C 3 ) 60.000 b/ d 640.000 320.000 320.000 b/ d 80.000 Trading account-20X5 T/ A Value added tax VAT Abb. 9.2: Konten bei GREENACRES Ltd. (fortlaufende Lagerbuchhaltung) - Fortsetzung Accounting-Prozess-Schritte (Buchungen bei fortlaufender Lagerbuchhaltung (accounting under perpetual inventory system)): (1) Buchen Sie Einkäufe direkt ins Vorratsvermögenskonto. Verwenden Sie getrennte Vorratsvermögenskonten für unterschiedliche Warentypen. (2) Beim Verkauf erfassen Sie Buchungssätze für die Umsatzrealisierung auf der Grundlage von Verkaufspreisen. (3) Buchen Sie Lagerabgänge im Soll des Wareneinsatzkontos (cost of goods sold). Bewerten Sie Lagerbestandsbewegungen zum niedrigeren ihrer Anschaffungs- und Herstellungskosten und Nettoveräußerungswerte (net realisable values). (4) Wenn erforderlich kalkulieren Sie den Lagerbestand über den Saldo des Vorratsvermögenskontos (balancingoff the inventory account(s)). (5) Erstellen Sie am Jahresende ein Warenerfolgskonto (trading account) zur Ermittlung des Rohertrags. Schließen Sie das Wareneinsatzkonto in das Warenerfolgskonto ab. Übertragen Sie NICHT den Anfangs- oder Endbestand des Vorratsvermögenskontos in das Warenerfolgskonto. Schließen Sie ebenfalls das Umsatzerlöskonto (revenue account) in das Warenerfolgskonto ab. (6) Bei Rücksendungen (returns outwards) bebuchen Sie das Vorratsvermögenskonto entsprechend des Falles. (7) Kalkulieren Sie den Rohertrag und schließend Sie das Warenerfolgskonto in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ab. 9.8 Retouren Einkaufsrücksendungen (return outwards) werden erfasst, wenn ein Unternehmen gekaufte Waren/ Material an seine Lieferantin oder seinen Lieferanten zurückschickt. Wenn Kundinnen oder Kunden gekaufte Waren zurückbringen, bucht man eine Warenrücknahme (return inwards). Das Buchen von Einkaufsrücksendungen und <?page no="302"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-302 Warenrücknahmen ist ein Buchhaltungsthema 83 ; dennoch werden sie hier behandelt, weil die Buchungssätze von dem angewendeten Lagerhaltungssystem abhängen. Nachfolgend wird die Fallstudie GREENACRES Ltd. erweitert. Es wird jetzt berücksichtigt, dass 50 Lampen an ihren Lieferanten retourniert werden und 15 Lampen ihrer Kundinnen oder Kunden zurückgenommen werden. Die Stückanschaffungskosten betragen weiterhin 1.200 ZAR/ Stk. und der Nettoverkaufspreis ist 2.000 ZAR/ Stk. (a) Einkaufsrücksendungen (return outwards) bei periodischem Lagerhaltungssystem (periodic system). (b) Einkaufsrücksendungen (return outwards) bei einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung (perpetual system). (c) Warenrücknahmen (return inwards) bei einem periodischen Lagerhaltungssystem (periodic system). (d) Warenrücknahmen (return inwards) bei einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung (perpetual system). Für die vier Fälle können die Buchungen in den bestehenden Konten vorgenommen werden oder in davon getrennten Extrakonten für Einkaufrücksendungen (returns outwards account) oder für Warenrücknahmen (returns inwards account). Eine Einkaufsrücksendung kann als negativer Einkauf auf der Habenseite des Wareneingangskontos berücksichtigt wer- 83 Lesen Sie die Kapitel (20) - (23) im Lehrbuch Basics of Accounting. den. Das gleiche gilt für Warenrücknahmen. Sie können als negative Verkäufe im Umsatzkonto auf der Sollseite erfasst werden. Hinweis: Bevorzugt ist in Einkaufsrücksendungs-/ Warenrücknahmekonten zu buchen, weil es einfacher ist. (ad (a)) Einkaufrücksendung von 50 Lampen an den Lieferanten bei einem periodischen Lagerhaltungssystem: Nach dem Eingang einer Lieferung von 1.000 Lampen, stellt GREENACRES Ltd. fest, dass 50 davon fehlerhaft sind. Sie schickt diese am 5.07.20X5 an ihren Lieferanten zurück. Die Stückanschaffungskosten betragen 1.200 ZAR/ Stk. Für die Einkaufsrücksendung wird ein Einkaufsrücksendungskonto (returns outwards account) eingerichtet, das im Haben bebucht wird. Das Einkaufsrücksendungskonto gehört zu den Aufwands- und Ertragskonto (nominal account). Wie bei Einkäufen werden die Anschaffungskosten berücksichtigt (netto). Zum Zeitpunkt der Einkaufsrücksendung und der Erstattung wird die Vorsteuerforderung (input-VAT claim) angepasst (verringert), indem eine Habenbuchung im Umsatzsteuerkonto vorgenommen wird. Das Konto Kasse/ Bank wird im Soll in Höhe des Bruttowertes bebucht, wenn der Lieferant sofort eine Zahlung veranlasst. Alternativ kann der Lieferant auch den Rechnungsbetrag erlassen oder verringern, so dass eine Sollbuchung bei den Lieferantenschulden (accounts payables) erfolgt, oder eine Gutschrift ausstellen, welche zu einer Sollbuchung im Forderungskonto führt. Hier entschädigt der Lieferant die GREENACRES Ltd. <?page no="303"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-303 durch eine Zahlung. Nachfolgend werden die Buchungssätze vorgestellt: Am 5.07.20X5: DR Cash/ Bank C/ B ................ 72.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 12.000 ZAR CR Returns Outwards-20X5 R.O.... 60.000 ZAR Am 31.12.20X5: DR Returns Outwards-20X5 R.O.... 60.000 ZAR CR Trading Account-20X5 T/ A ..... 60.000 ZAR Die obigen Buchungssätze zeigen, dass das Einkaufsrücksendungskonto in das Warenerfolgskonto oder das Gewinn- und Verlustrechnungskonto abgeschlossen werden. Handelsunternehmen schießen es in das Warenerfolgskonto (trading account) ab, während Produktionsunternehmen das Gewinn- und Verlustrechnungskonto verwenden. Bei einem periodischen Lagerhaltungssystem zieht man Einkaufsrücksendungen von den Wareneingängen (purchase) für die Bestimmung des Wareneinsatzes (cost of goods sold) ab. Bei der GREENACRES Ltd., beträgt der Wareneinsatz: 168.000 + 1.200.000 - 348.000 - 60.000 = 960.000 ZAR. Der Betrag i.H.v. 348.000 ZAR berücksichtigt die Bestandsreduktion durch Rücksendungen: 408.000 - 60.000 = 3 348.000 ZAR. Die Rücksendung hat keine Auswirkung auf den Wareneinsatz. Daher wirken sich Einkaufsrücksendungen nicht auf die Ergebnisermittlung aus. (ad (b)) Einkaufsrücksendung von 50 Lampen an den Lieferanten bei fortlaufender Lagerbuchhaltung: Eine Einkaufsrücksendung führt zu einer Lagerentnahme in Kombination mit einer Korrektur der Vorsteuerforderung und der Erfassung eines Zahlungseingangs / eines Nachlassens des Rechnungsbetrags / dem Ausstellen einer Gutschrift (voucher). Das Einkaufsrücksendungskonto wird jetzt in die Vorräte abgeschlossen. Letzteres erfolgt zeitgleich zur Einkaufsrücksendung. Am 5.07.20X5: DR Cash/ Bank C/ B ................ 72.000 ZAR CR Value Added Tax VAT .......... 12.000 ZAR CR Returns Outwards-20X5 R.O.... 60.000 ZAR DR Returns Outwards-20X5 R.O.... 60.000 ZAR CR Inventories INV .............. 60.000 ZAR Es sind keine weiteren Buchungen erforderlich und die Gewinnermittlung findet wie in Abbildung 7.2. gezeigt statt. <?page no="304"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-304 (ad (c)) Warenrücknahmen von 15 Lampen bei einem periodischen Lagerhaltungssystem: Am 12.10.20X5 retournieren die Kundinnen oder Kunden der GREENACRES Ltd. 15 Lampen, die sie zuvor zu einem Nettoverkaufspreis von 2.000 ZAR/ Stk. erworben haben. Dies wird als Warenrücknahme (return inwards) erfasst. Zur Vereinfachung werden alle Warenrücknahmen als ein einziger Geschäftsvorfall behandelt. Dessen Betrag ist: 15 × 2.000 = 30.000 ZAR. Eine Warenrücknahme macht einen vorherigen Verkauf rückgängig. Sie muss deshalb im Soll und zu Nettoverkaufspreisen der zurückgenommenen Waren erfasst werden. Gleichzeitig erfordert eine Warenrücknahme das Vermindern der Umsatzsteuerschuld. Für zurückgenommene Waren müssen keine Umsatzsteuerschulden an die Finanzbehörden gezahlt werden, somit ist in dem Umsatzsteuerkonto (VAT account) eine Sollbuchung zur Kompensation der zuvor gebuchten Umsatzsteuerschuld vorzunehmen. Die Habenbuchung erfolgt entweder in dem Konto für Kasse/ Bank bei einer Auszahlung, in den Verbindlichkeiten für eine Gutschrift oder unter Forderungen, wenn die Rechnung an den Kunden korrigiert wird. Die Buchungssätze für eine Warenrücknahme werden untenstehend aufgeführt. Darin wird eine Auszahlung für die Entschädigung der Kundinnen oder Kunden berücksichtigt. Am 12.10.20X5: DR Returns Inwards-20X5 R.I..... 30.000 ZAR DR Value Added Tax VAT.......... 6.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 36.000 ZAR Am 31.12.20X5: DR Trading Account-20X5 T/ A..... 30.000 ZAR CR Returns Inwards-20X5 R.I..... 30.000 ZAR Bei Anwendung eines periodische Lagerhaltungssystem sind keine weiteren Buchungen erforderlich. Falls die retournierten Waren nicht fehlerhaft sind, wird die Verkäuferin oder der Verkäufer sie einlagern. Falls die Waren Mängel haben und nicht verkaufsfähig sind, werden sie repariert oder vernichtet. Das Ergebnis davon wird bei der Inventur berücksichtigt. Hinweis: I.d.R. wird eine Warenrücknahme bei Händlerinnen oder Händlern mit einer Einkaufsrücksendung kombiniert, wenn die Händlerin oder der Händler die Waren von den Kundinnen oder Kunden zurücknimmt und diese unmittelbar an seine Lieferantin oder Lieferanten weiterreicht. (ad (d)) Warenrücknahme von 15 Lampen bei einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung: Wenn GREENACRES Ltd. am 12.10.20X5 15 Lampen zurücknimmt, ergeben sich zwei Optionen: (d1) Die Kundinnen oder Kunden retournieren die Lampen wegen eines Fehlkaufs. Die Ware ist intakt. Die Waren werden dann auf das Lager genommen. In diesem Fall erfordert die Warenrücknahme zwei Buchungssätze. Einen für das Rückgängigmachen des <?page no="305"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-305 Verkaufs und einen zweiten für die Lagerbestandserhöhung. Der erste führt auf eine auf den Nettoverkaufspreis bezogene Sollbuchung im Warenrücknahmekonto (returns inwards) und eine Korrektur im Umsatzsteuerschuldkonto (VAT account) im Soll. Eine Habenbuchung für die Entschädigung erfolgt entweder im Kasse-/ Bank-Konto für eine Auszahlung, den Verbindlichkeiten für das Anpassen der Rechnung oder unter Forderungen bei Ausstellen einer Gutschrift. Die zweite Buchung berücksichtigt das Zurücklegen der Waren auf das Lager. Diese bedingt das Anpassen des Wareneinsatzkontos (cost of goods sold) auf der Habenseite - weil die Waren keinen Aufwand für Wareneinsatz mehr darstellen - und eine Sollbuchung im Vorratskonto. Der Einkaufswert der returnierten Lampen für die letzte Buchung beträgt: 15 × 1.200 = 118.000 ZAR. Zum Jahresende wird das Warenrücknahmekonto entweder in die Gewinn- und Verlustrechnung oder das Umsatzerlöskonto abgeschlossen. Beides hat denselben Effekt auf den Erfolg. Bei der GREENACRES Ltd. ist der Betrag des Wareneinsatzes unter der Annahme, dass die retournierten Waren eingelagert werden: 480.000 + 300.000 + 180.000 - 15 × 1.200 = 9 942.000 ZAR. Somit beträgt der Rohertrag: 1.600,000 - 30.000 - 942.000 = 6 628.000 ZAR. Die Buchungssätze werden unten dargestellt. Am 12.10.2025: DR Returns Inwards-20X5 R.I..... 30.000 ZAR DR Value Added Tax VAT .......... 6.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 36.000 ZAR DR Inventories INV .............. 18.000 ZAR CR Cost of Goods Sold-20X5 COS .. 18.000 ZAR Am 31.12.20X5: DR Trading-Account-20X5 P5L..... 30.000 ZAR CR Returns Inwards-20X5 R.I..... 30.000 ZAR Im Fall (d2), lässt die GREENACRES Ltd. den zweiten Buchungssatz aus, weil sie die Waren vernichtet. Der Aufwand für das Vernichten ist bereits beim Verkauf im Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) berücksichtigt worden - damals als Aufwand beim Verkauf. Der Aufwand für den beim Verkauf erfolgten Wareneinsatz beträgt in 20X5: 480.000 + 300.000 + 180,000 = 9960.000 ZAR. Es sollte bei Rücknahme und Vernichtung der Lampen eine Umbuchung i.H.v. 18.000 EUR stattfinden, über die der Wareneinsatz in eine Vorratsvermögensabschreibung umgewandelt wird: DR Waste - CR Cost of Goods Sold. Diese ist ergebnisneutral und kann im Lehrbuch weggelassen werden. Weiter wird der Umsatzerlös um die Warenrücknahme gekürzt: 1.600.000 - 30.000 = 1 1.570.000 ZAR. Der Rohertrag beträgt: 1.570.000 - 960.000 = 6 610.000 ZAR. Der Unterschied zwischen den Roherträgen im Fall (d1) und (d2) ist: 15 × 1.200 = 118.000 ZAR. <?page no="306"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-306 Wenn Einkäufe und Verkäufe auf verschiedenen Einkaufs- und Verkaufspreisen beruhen, wird die Bewertung von Einkaufsrücksendungen und Warenrücknahmen anspruchsvoller und erfordert eine Einzelverfolgung von Warenbewegungen oder die Anwendung von Verbrauchsfolgefiktionsverfahren für die Bewertung von Retouren. 84 9.9 Unterschiede bei der Vorratsbewertung Bislang wurden nur Vorräte mit gleichen Einstandspreisen behandelt. Die Bewertung von Vorratsbeständen kann sich jedoch aufgrund von zwei Effekten ändern: (1a) Unterschiedliche Einkaufpreise. (1b) Wertminderungsaufwand für Vorratsvermögen, z.B. durch Verderb oder Beschädigung etc. 9.10 Anwendung unterschiedlicher Einkaufspreise Dem Grundsatz der Einzelbewertung folgend muss ein Unternehmen, das Vorratsvermögen zu unterschiedlichen Preisen eingekauft hat, dieses mit individuellen Kosten bewerten, siehe IAS 2.23. Eine Ausnahme von der Einzelbewertung besteht bei wechselseitiger Substituierbarkeit von Waren. Substituierbarkeit bedeutet, dass sich Waren aufgrund von technischen Merkmalen oder hohen Mengen voneinander nicht unterschieden lassen, z.B. bei Flüssigkeiten, wie Benzin in einem Tank oder Schrauben in einer Kiste. In 84 Siehe den Fall MONTAGUE (Pty) Ltd. in Kapitel (28) des Lehrbuchs Basics of Accounting. manchen Fällen rechtfertigt ein zu geringer Stückwert nicht die Einzelverfolgung von Vorräten. Eine unmittelbare Substituierbarkeit ist z.B. auch bei Lebensmittelpackungen für denselben Artikel gegeben, selbst wenn unterschiedliche Mindesthaltbarkeitsdaten aufgedruckt sind. Bei unmittelbar substituierbaren Waren (ordinary interchangeable goods) sind Verbrauchsfolgefiktionsverfahren (cost formula) anzuwenden. Mit Verweis auf IAS 2.25 folgen diese der firstin-first-out-Methode (FIFO) oder der gewichteten Durchschnittsmethode. 85 Wertminderungsaufwand durch Verderb, Beschädigung oder Veralterung wird im Anschluss an die Fallstudie ROSEFIELD Ltd. unter Abschnitt 9.12. besprochen. 9.11 F/ S ROSEFIELD Ltd. Die ROSEFIELD Ltd. ist ein Game Shop auf Aktienbasis. Sie wendet eine fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual system) für ihre Bestandsbewegungen an. Im ersten Fall (i), folgt die ROSEFIELD Ltd. dem Verbrauchsfolgefiktionsverfahren first-in-firstout, anschließend wird unter (ii) der gleiche Fall bei Anwendung der gewichteten Durchschnittsmethode wiederholt. First-in-First-out - Fall (i): ROSEFIELD Ltd. handelt mit Spielekonsolen in Melbourne. Unter den Spielekonsolen gibt es zwei Typen: Game-Console- 400 und Game-Console-500. 85 Verbrauchsfolgefiktionsverfahren werden im Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (27) behandelt. <?page no="307"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-307 Datenblatt für die ROSEFIELD Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Klassifizierung: Einzelhändler. Anfangswerte für Lagerbestände: Null. Einkäufe: siehe Abbildung 9.3. Verkäufe: I-VI/ 20X0: 100 × Game Console-400; VII-XII/ 20X0: 148 × Game Console-400; 126 × Game Console-500. Nettoverkaufspreise: Game Console-400 zu 200 AUD/ Stk.; Game Console-500 zu 350 AUD/ Stk. Umsatzsteuersatz: 20 %. Die ROSEFIELD Ltd. beschafft ihre Spielekonsolen bei einem Lieferanten zu unterschiedlichen Preisen. Ihr Einkaufsjournal (purchase journal) wird in Abbildung 9.3 gezeigt. Spielekonsolen des gleichen Typs sind unmittelbar substituierbar; entsprechend erfolgt die Bestandsbewertung bei der ROSEFIELD Ltd. nicht über eine Einzelverfolgung, sondern basiert auf einem Verbrauchfolgefiktionsverfahren, hier: first-in-first-out. Die ROSEFIELD Ltd. setzt zwei getrennte Vorratskonten ein: eins für die Game Console-400 und das andere für die Game Console-500. Zu Beginn von 20X0 befinden sich keine Spielekonsolen im Vorratsvermögen. Untenstehend ist das Einkaufsjournal abgebildet. Date Item Amount Purchase Cost [AUD] 5.01.20X0 Game Console-400 80 120 5.01.20X0 Game Console-500 50 200 1.04.20X0 Game Console-400 100 125 1.04.20X0 Game Console-500 100 210 1.07.20X0 Game Console-400 75 130 1.07.20X0 Game Console-500 100 215 1.10.20X0 Game Console-400 100 130 Rosefield Ltd. PURCHASE JOURNAL for the period ended 31.12.20X0 Abb. 9.3: Einkaufsjournal der ROSEFIELD Ltd. In der Abrechnungsperiode 20X0 verkauft ROSEFIELD Ltd. 100 Game Console-400 in der ersten Jahreshälfte und weitere 148 Game Console-400 in der zweiten. Der Nettoverkaufspreis pro Game Console-400 beträgt 200 AUD/ Stk. Es wird keine Game Console- 500 in der ersten Jahreshälfte von 20X0 verkauft. Im zweiten Halbjahr verkauft die ROSEFIELD Ltd. 126 Game Console- 500 zu einem Nettoverkaufspreis von 350 AUD/ Stk. Um den Fall zu vereinfachen, soll angenommen werden, dass die Verkäufe entweder komplett am 30.06.20X0 oder 31.12.20X0 stattfinden. Der erste Verkauf am 30.06.20X0 von 100 Game Console-400 führt auf eine Lagerentnahme von: 80 × 120 + 20 × 125 = 112.100 AUD. Anschließend sind noch 80 Game Console-400 zu einem Stückwert von 125 AUD/ Stk. auf Lager. Der <?page no="308"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-308 Umsatz durch den Verkauf von 100 Game Console-400 beträgt: 100 × 200 = 20.000 AUD. Die ROSEFIELD Ltd. bucht den Verkauf von 100 Game Console-400 als Buchungssätze (8) und (9i) am 30.06.20X0: Am 30.06.20X0 (8, 9): DR Cash/ Bank C/ B................ 24.000 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 4.000 AUD CR Revenue-20X0 REV............. 20.000 AUD DR Cost of Goods Sold-20X0 COS.. 12.100 AUD CR Inventories IN4.............. 12.100 AUD In der zweiten Jahreshälfte von 20X0 verkauft die ROSEFIELD Ltd. 148 Game Console-400 zu 200 AUD/ Stk. und erwirtschaftet damit einen Umsatz von: 148 × 200 = 2 29.600 AUD. Der Wareneinsatz (costs of goods sold) beträgt: (100 - 20) × 125 + (148 - 80) × 130 = 1 18.840 AUD. Nachstehend werden die Buchungssätze (10) und (11i) gezeigt, welche die ROSEFIELD Ltd. am 31.12.20X0 vornimmt. Am 31.12.20X0 (10, 11i): DR Cash/ Bank C/ B................ 35.520 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 5.920 AUD CR Revenue-20X0 REV............. 29.600 AUD DR Cost of Goods Sold-20X0 COS.. 18.840 AUD CR Inventories IN4.............. 18.840 AUD Mit dem Verkauf der 126 Game Console- 500 erwirtschaftet die ROSEFIELD Ltd. einen Umsatz von: 126 × 350 = 444.100 AUD. Der Wareneinsatz beträgt: 50 × 200 + (126 - 50) × 210 = 2 25.960 AUD. Obwohl das Konto zum Ende der ersten Jahreshälfte abgeschlossen wird, muss das vorgegebenen Verbrauchsfolgefiktionsverfahren beachtet werden. Die Buchungssätze (12) und (13i) werden am 31.12.20X0 erfasst. Am 31.12.20X0 (12, 13i): DR Cash/ Bank C/ B................ 52.920 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 8.820 AUD CR Revenue-20X0 REV............. 44.100 AUD DR Cost of Goods Sold-20X0 COS.. 25.960 AUD CR Inventories IN5.............. 25.960 AUD Die Abbildung 9.4 zeigt die Konten. Die Kalkulation des Rohertrags (gross profit) findet im Warenerfolgskonto (trading account) statt. Im Gegensatz zum periodischen Lagerhaltungssystem enthält <?page no="309"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-309 das Warenerfolgskonto nur Umsatzerlöse (revenue) und den Wareneinsatz (cost of goods sold). D C D C (1) 9.600 (9i) 12.100 (2) 10.000 (13i) 25.960 (3) 12.500 (11i) 18.840 (4) 21.000 (5) 9.750 (6) 21.500 c/ d 26.540 (7) 13.000 c/ d 13.910 52.500 52.500 44.850 44.850 b/ d 26.540 b/ d 13.910 Inventory Game Console-400 IN4 Inventory Game Console-500 IN5 D C D C (1) 1.920 (8) 4.000 (8) 24.000 (1) 11.520 (2) 2.000 (10) 5.920 (10) 35.520 (2) 12.000 (3) 2.500 (12) 8.820 (12) 52.920 (3) 15.000 (4) 4.200 (4) 25.200 (5) 1.950 (5) 11.700 (6) 4.300 (6) 25.800 (7) 2.600 c/ d 730 c/ d 4.380 (7) 15.600 19.470 19.470 116.820 116.820 b/ d 730 b/ d 4.380 Value added tax VAT Cash/ Bank C/ B D C D C (8) 20.000 (9i) 12.100 (10) 29.600 (11i) 18.840 c/ d 93.700 (12) 44.100 (13i) 25.960 c/ d 56.900 93.700 93.700 56.900 56.900 T/ A 93.700 b/ d 93.700 b/ d 56.900 T/ A 56.900 Revenue-20X0 REV Cost of goods sold-20X0 COS D C COS 56.900 REV 93.700 G/ P 36.800 93.700 93.700 b/ d 36.800 Trading account-20X0 T/ A Abb. 9.4: Konten der ROSEFIELD Ltd. (i: FIFO) Durchschnittsmethode - Fall (ii): Bei Anwendung der gewichteten Durchschnittsmethode muss die ROSEFIELD Ltd. jede Lagerentnahme zum gewichteten Durchschnittswert der bis zur Entnahme zugegangenen Spielekonsolen bewerten. <?page no="310"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-310 Dass die Verkäufe entweder am 30.06.20X0 oder 31.12.20X0 stattfinden, bestimmt die Bewertung der verkauften Spielekonsolen. Die gewichtete Durchschnittsmethode berücksichtigt die Anzahl und den Wert von Spielekonsolen, die bis dahin eingekauft worden sind. Um das alternative Verbrauchsfolgefiktionsverfahren zu berücksichtigen, werden die Buchungssätze (9i), (11i) und (13i) für die Lagerentnahmen ersetzt. Alle anderen Buchungssätze bleiben bestehen; einige ändern sich jedoch hinsichtlich ihrer Beträge aufgrund von Folgerechnungen. Buchungssatz (9ii) ersetzt (9i). Im Unterschied zur FIFO-Verbrauchsfolge muss die ROSEFIELD Ltd. jetzt die gewichteten Durchschnittskosten für die Game Console-400, die am 30.06.20X0 verkauft wurden, berücksichtigen: (80 × 120 + 100 × 125) / 180 = 1 122,78 AUD/ u. Somit ist der Wareneinsatz, der den Lagerentnahmen entspricht, im ersten Halbjahr: 100 × 122,78 = 112.278 AUD. Der Buchungssatz (9ii) wird am 30.06.20X0 vorgenommen: Am 30.06.20X0 (9ii): DR Cost of Goods Sold-20X0 COS.. 12.278 AUD CR Inventories IN4.............. 12.278 AUD Buchungssatz (11ii) ersetzt (11i). Die Bewertung der Game Console-400 zu gewichteten Durchschnittskosten am 31.12.20X0 beträgt: ((180 - 100) × 122,78 + 75 × 130 + 100 × 130) / (80 + 75 + 100) = 1127,73 AUD/ Stk. Somit beträgt der Wareneinsatz: 148 × 127,73 = 18.904,76 AUD. Die Bewertung erfolgt auf genauen Beträgen für die durchschnittlichen Stückkosten durch MS- Excel in Abbildung 9.5. Der Wert 127,73 AUD/ Stk. wird in MS-Excel für die Buchungssätze nicht gerundet. Für den Buchungssatz (11ii) werden somit 18.905 AUD berücksichtigt: Am 31.12.20X0 (11ii): DR Cost of Goods Sold-20X0 COS.. 18.905 AUD CR Inventories IN4.............. 18.905 AUD Der Buchungssatz (13ii) ersetzt (13i). Die Bewertung der Game Console-500 zu Durchschnittskosten am 31.12.20X0 beträgt: (50 × 200 + 100 × 210 + 100 × 215) / (50 + 100 + 100) = 2 210 AUD/ Stk. Daher ist der Wareneinsatz für die Game Console-500: 126 x 210 = 2 26.460 AUD. Der Buchungssatz (13ii) wird am 31.12.20X0 erfasst. Die Berechnung des Rohertrags erfolgt im Warenerfolgskonto (trading account) in Abbildung 9.5: <?page no="311"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-311 Am 31.12.20X0 (13ii): DR Cost of Goods Sold-20X0 COS .. 26.460 AUD CR Inventories IN5.............. 26.460 AUD D C D C (1) 9.600 (9ii) 12.278 (2) 10.000 (13ii) 26.460 (3) 12.500 (11ii) 18.905 (4) 21.000 (5) 9.750 (6) 21.500 c/ d 26.040 (7) 13.000 c/ d 13.668 52.500 52.500 44.850 44.850 b/ d 26.040 b/ d 13.668 Inventory Game Console-400 IN4 Inventory Game Console-500 IN5 D C D C (1) 1.920 (8) 4.000 (8) 24.000 (1) 11.520 (2) 2.000 (10) 5.920 (10) 35.520 (2) 12.000 (3) 2.500 (12) 8.820 (12) 52.920 (3) 15.000 (4) 4.200 (4) 25.200 (5) 1.950 (5) 11.700 (6) 4.300 (6) 25.800 (7) 2.600 c/ d 730 c/ d 4.380 (7) 15.600 19.470 19.470 116.820 116.820 b/ d 730 b/ d 4.380 Value added tax VAT Cash/ Bank C/ B D C D C (8) 20.000 (9ii) 12.278 (10) 29.600 (11ii) 18.905 c/ d 93.700 (12) 44.100 (13ii) 26.460 c/ d 57.642 93.700 93.700 57.642 57.642 b/ d 93.700 b/ d 93.700 b/ d 57.642 T/ A 57.642 Revenue-20X0 REV Cost of goods sold-20X0 COS D C COS 57.642 REV 93.700 G/ P 36.058 93.700 93.700 b/ d 36.058 Trading account-20X0 T/ A Abb. 9.5: Konten der ROSEFIELD Ltd. (ii: gewichtete Durchschnittsmethode) <?page no="312"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-312 Accounting-Prozess-Schritte (Bestandsbewertungen nach der gewichteten Durchschnittsmethode (inventory movements based on weighted average cost formula)): (1) Bestimmen Sie die Stückkosten und die Menge des Vorratsanfangsbestand. (Erstellen Sie für die Vorratsbewertung Nebenrechnungen.) (2) Bei Zugängen im Vorratskonto bestimmen Sie den Wert und die Menge. (3) Berechnen Sie die gewichteten Durchschnittswerte über die Formel c = (a × x + b × y)/ (a + b). a ist die vorherige Bestandsmenge; x sind die Stückkosten des vorherigen Bestands; b ist die Anzahl der Waren, die eingehen und y sind die Stückkosten für den Wareneingang. c sind die Stückkosten für den aktuellen Lagerbestand. Erweitern Sie die Formel bei mehreren Warenzugängen. (4) Wenn Sie Lagerentnahmen vornehmen, multiplizieren sie ihre Menge mit den Stückkosten c. (5) Führen Sie Schritt (2) und (3) für Wareneingänge bzw. (4) bei Lagerentnahmen aus. Die erweitere Fallstudie ROSEFILED Ltd., die Einkaufsrücksendungen und Warenrücknahmen enthält und Preisnachlässe berücksichtigt sowie mehr Warenbewegungen für Spielekonsolen zeigt, kann über den nachstehenden QR-Code downgeloaded werden. Link 9.A: ROSEFIELD Ltd. 9.12 Wertminderungsaufwand Vorratsbewertungen können durch Verderb, Schäden oder allgemeinen Rückgängen von Verkaufspreisen vermindert werden. Der Lagerbestand wird dann auf seinen Nettoveräußerungswert (net realisable value), wie nach IAS 2.28 vorgeschrieben, herabgesetzt. Das Vorgehen zur Wertminderung bei Vorräten ähnelt einer außerplanmäßigen Abschreibung, dennoch ist der Fachausdruck Wertminderungsaufwand oder Wertabschreibung, letzteres für komplett zerstörte Vorräte. Wertminderungen und Wertabschreibungen auf Vorräte bewirken Aufwandsbuchungen. Der IAS 2.30 erfordert eine Bewertung zu Nettomarktpreisen auf Grundlage bestmöglicher Informationen. Die Gegenbuchung zu Wertminderungsaufwand erfolgt im Vorratskonto. 9.13 F/ S HEISTEL (Pty) Ltd. Nachstehend wird der Fall HEISTEL (Pty) Ltd. besprochen, mit dem Wertminderungsaufwand bei Vorräten gezeigt wird. <?page no="313"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-313 Datenblatt für die HEISTEL (Pty) Ltd. Standort: Deutschland (Saarbrücken). Berichtswährung: EUR. Klassifizierung: Handelsunternehmen. Vorratsanfangsbestand: 38.250 EUR (45 Laptops zu 850 EUR/ Stk. Nettoverkaufspreis: 1.200 EUR/ Stk. Neuer Bruttoverkaufspreis (Angebot): 999 EUR/ Stk. Umsatzsteuersatz: 20 %. Der Laptophändler HEISTEL (Pty) Ltd. hat kürzlich 200 Laptops von seinem Lieferanten, der SUNNY AG, zu Stückanschaffungskosten von 850 EUR/ Stk. eingekauft. Der Nettoverkaufspreis beträgt 1.200 EUR/ Stk. Zum Ende von 20X4 sind noch 45 Laptops vorrätig. Die SUNNY AG hat bereits mit der Herstellung eines neuen Laptopmodells begonnen. Um den Vorratsbestand abzubauen, plant die HEISTEL (Pty) Ltd. die Laptops zu 999 EUR/ Stk. Bruttoverkaufspreis im Januar/ 20X5 zu verkaufen. Der Nettoverkaufspreis pro Stück beträgt: 999 / 120% = 8 832,50 EUR/ Stk. Der geplante Verkauf gilt als hinreichender Indikator für die Wertminderung des Vorratsvermögens am Bilanzstichtag 31.12.20X4. Der Buchwert der Vorräte verringert sich um: 45 × (850 - 832,50) = 7 787,50 EUR. Der untenstehende Buchungssatz erfasst den Wertminderungsaufwand auf die Vorräte. Der Wertminderungsaufwand (loss on inventory devaluation) wird in die Gewinn- und Verlustrechnung ausgebucht. Am 31.12.20X4: DR Loss on Devaluation-20X4 LOD . 778 EUR CR Inventories INV .............. 778 EUR DR Profit and Loss-20X4 P4L..... 778 EUR CR Loss on Devaluation-20X4 LOD . 778 EUR Die Bewertung für die 45 Laptops in der Bilanz zum 31.12.20X4 beträgt: 45 × 832,50 = 3 37.462,50 EUR. Accounting-Prozess-Schritte (Wertminderungsaufwand bei Vorratsvermögen (loss on devaluation of inventories)): (1) Bestimmen Sie den Buchwert und den tatsächlichen Wert des Vorratsvermögens sowie den Nettoveräußerungswert. (2) Wenn der Nettoveräußerungswert genauso hoch oder höher als der Buchwert ist, ist keine Aufwandsbuchung erforderlich. (3) Wenn der Nettoveräußerungswert unter dem Buchwert liegt, bestimmen Sie die Bewertungsdifferenz. (4) Buchen Sie die Bewertungsdifferenz im Soll im Wertminderungsaufwandskonto (loss on devaluation). Nehmen Sie die Gegenbuchung im Vorratsvermögen vor. <?page no="314"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-314 (5) Schließen Sie zum Ende der Abrechnungsperiode das Wertminderungsaufwandkonto in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ab. Eine alternative Vorratsbewertung nach IAS 2.22 ist die Einzelhandelsmethode (retail method). Sie geht von den Verkaufspreisen und einer bekannten Verkaufsmarge aus. Man darf sie nur in Fällen anwenden, wenn andere Kostenbewertungen nicht praktikabel sind. Die Einzelhandelsmethode eignet sich bei Vorliegen großer Mengen von Schnelldrehern (fast turning goods). Hinweis: Es wird nahegelegt, die Fallstudie in Aufgabe A4.41 RIVERGATE (Pty) Ltd. durchzuarbeiten, welche ein Online- Händler für Laptops behandelt. In dem Fall werden unterschiedliche Laptoptypen bei steigenden Einkaufspreisen als auch Wertminderungsaufwand auf Vorräte aufgrund des Auslaufens (discontinuation) eines Laptopmodells behandelt. 86 9.14 Manufacturing Accounting Eine Fertigungsauftragskalkulation (manufacturing accounting) bewertet selbsterstellte Erzeugnisse. Die Anschaffungs- und Herstellungskosten (cost of manufacturing) sind Aufwand für die Produktion der Erzeugnisse. Sie umfassen Materialeinzelkosten (direct materials) und Umwandlungskosten (cost of conversion). IAS 2.12 bezieht sich auf die Umwandlungskosten. Diese enthalten Lohneinzelkosten und systematisch zugewiesene Produktionsgemeinkosten (systematically allocated manufacturing overheads) z.B. Abschreibungen auf 86 Die Aufgabe ist in den Zusatzmaterialien enthalten. Produktionsanlagen, Lohngemeinkosten etc. Für die Erzeugniskalkulation wird ein Fertigungsauftragskonto (job order account, work-in-process account) verwendet. Nachfolgend wird sich allein auf die Fertigungsauftragskalkulation (job order costing) bezogen, die die häufigste Form der Kalkulation von Erzeugnissen darstellt und in allen Fällen funktioniert. Hinweis: Wenn gleiche oder ähnliche Erzeugnisse in Fließfertigung produziert werden, z.B. in einer Brauerei oder in der pharmazeutischen Industrie, kann alternativ eine mehrstufige Divisionskalkulation (process costing) zum Einsatz kommen. Diese erfordert, dass alle Erzeugnisse die gleichen Bearbeitungsstationen in derselben Reihenfolge durchlaufen, und allokiert alle Gemeinkosten der beanspruchten Kostenstellen auf die gesamte Produktionsmenge. 87 Bei einer Fertigungsauftragskalkulation werden Einzelkosten, z.B. die Anschaffungskosten für Material oder die Lohneinzelkosten, einem Fertigungsauftrag direkt zugerechnet und Gemeinkosten anteilig zugewiesen. Dafür werden Aufwandsbuchungen für Einzelkosten und verrechnete Gemeinkosten im Fertigungsauftragskonto (work-in-process) erfasst. Hinweis: Eigentlich heißt das Konto Job Order account und das Abstimmkonto dazu Work-in-Process account. Um zu 87 Die mehrstufige Divisionskalkulation (process costing) wird im Lehrbuch Management Accounting anhand der Fallstudie EDEWECHT (Pty) Ltd. in Kapitel (19) behandelt. <?page no="315"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-315 verhindern, dass zwei unterschiedliche Begriffe für den gleichen Sachverhalt verwendet werden, wird in diesem Lehrbuch der Fertigungsauftrag mit Work-in-Process übersetzt. Das Konto für den Fertigungsauftrag 7441 heißt dann Job Order- 7441. Dieser Benennung wird in den Kontenabbildungen gefolgt. Das Fertigungsauftragskonto nimmt neben den Einzelkosten verrechnete Gemeinkosten der Fertigung auf und enthält alle Kosten für die hergestellten Erzeugnisse eines Fertigungsauftrags. Ein Fertigungsauftrag ist ein interner Auftrag für das Herstellen von Teilen (part) oder kompletten Erzeugnissen (product). Im Gegensatz dazu ist ein Kundenauftrag einer Käuferin oder einem Käufer zugeordnet und bezieht sich auf das Endprodukt oder Ersatzteile (spare part), die einzeln verkauft werden. Die Fertigungsauftragskalkulation erfordert das Buchen von Gemeinkosten für die Produktionseinrichtungen und ihre Allokation zu den Erzeugnissen. Gemeinkosten können nicht einem einzelnen Erzeugnis oder Fertigungsauftrag ohne proportionales Schlüsseln zugerechnet werden. Dagegen sind Einzelkosten direkt einem Erzeugnis zugeordnet, z.B. Materialeinzelkosten (direkt materials) oder Lohneinzelkosten (direct labour). Fertigungsbezogene Gemeinkosten werden deshalb zuerst in einem kostenstellenbezogenen Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads) gesammelt und anschließend auf den Fertigungsauftrag gebucht: DR Work-in-Process - CR Manufacturing Overheads. Zu Beginn werden alle Gemeinkosten als Aufwandsarten, z.B. Abschreibungen, Löhne etc. gebucht. Anschließend werden Gemeinkosten einzelnen Fertigungsbereichen oder Kostenstellen zugeordnet. Das Konto ist das Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads). Dieses ist in der Regel kostenstellenbezogen. Hinweis: Hier soll unter einer Kostenstelle lediglich ein kleiner Fertigungsbereich verstanden werden. Alle Kostenstellen werden später über eine Gemeinkostenverrechnung (application of overheads) entlastet. Dabei werden die Gemeinkosten den Fertigungsaufträgen zugerechnet und die Kostenstelle im gleichen Umfang entlastet. Bei der Gemeinkostenverrechnung werden die Fertigungsaufträge für ihre in Anspruch genommene Leistung in den Kostenstellen belastet. Im Fertigungsauftragskonto wird Aufwand erfasst und in der Kostenstelle, die die Leistung erbracht hat, wird zur Entlastung eine Habenbuchung (manufacturing overheads) vorgenommen. Gemeinkosten ohne Leistungserstellungsbezug werden in nicht-fertigungsbezogenen Gemeinkostenkonten (non-manufacturing overheads) erfasst, z.B. Verwaltung, sonstiger Aufwand etc., und anschließend in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ausgebucht. In Fertigungsbetrieben gibt es somit drei Kontenarten: - Fertigungsauftragskonto (work-inprocess): Es repräsentiert einzelne Fertigungsaufträge. - Fertigungsbezogene Gemeinkostenkonten (manufacturing overheads): Sie sind auf Kostenstellen <?page no="316"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-316 oder Kostenstellengruppen in der Produktion bezogen. - Nichtfertigungsbezogene Gemeinkostenkonten (non-manufacturing overheads): Sie sind mit solchen Abteilungen verknüpft, die nicht in die Herstellung von Erzeugnissen involviert sind. Sie werden i.d.R. nach Funktionen benannt, z.B. Verwaltungskonto, Marketingkonto etc. Im Fertigungsauftragskonto werden die Erzeugnisse auftragsbezogen kalkuliert. Sobald die Produktion abgeschlossen ist und alle Kosten dem Fertigungsauftragskonto zugeordnet sind - einschließlich der über Kostenstellen verrechneten Fertigungsgemeinkosten - werden die Erzeugnisse eingelagert und ihre Gesamtkosten dem Vorratskonto für Fertigerzeugnisse (finished goods inventory) zugeordnet. Durch das Dividieren der gesamten Produktionskosten (cost of manufacturing) durch die Fertigungsauftragsgröße (lot size) werden die Stückherstellungskosten (unit costs of manufacturing) bestimmt. Hinsweis: In der Fertigung nennt man das Volumen eines Fertigungsauftrags ein Los. Die Produktionsmenge eines Fertigungsauftrags ist die Losgröße (lot size). Je kleiner die Losgröße, desto flexibler ist die Fertigung. Aus wirtschaftlichen Gründen sollte in großen Losen produziert werden, um Rüstkosten auf möglichst viele Erzeugnisse zu verteilen. 9.15 Gemeinkostenverrechnung Die Zuordnung von fertigungsbezogenen Gemeinkosten auf Fertigungsaufträge (DR Work-in-Process - CR Manufacturing Overheads) nennt man Gemeinkostenverrechnung (overhead application). Für die Bilanzierung folgt die Gemeinkostenverrechnung einem Vollkostenrechnungssystem (absorption costing). Dabei werden variable und fixe Fertigungsgemeinkostenanteile zusammen verrechnet. Hinweis: Variable Fertigungskosten ändern sich mit der Losgröße, fixe nicht, d.h. sie sind beschäftigungsneutral. Hinweis: In der Kostenrechnung werden Teilkostenrechnungssysteme bevorzugt. Sie verhindern, dass bei geringen Stückzahlen hohe Anteile von Fixkosten auf Erzeugnisse verrechnet werden. Dadurch steigen bei Unterauslastung die Stückkosten. Bei einer stückkostenbezogenen Preisbestimmung (cost plus pricing) werden damit Erzeugnisse bei Unterauslastung überteuert angeboten und man kalkuliert sich aus dem Markt. Um das Überbewerten von Erzeugnissen zu verhindern, werden nicht alle Gemeinkosten auf Erzeugnisse verrechnet. Dieses ist nur bei einer Istbeschäftigung zulässig, die annähernd der Normalkapazität nach IAS 2.12f. entspricht. Andernfalls müssen Leerkosten getrennt ausgewiesen und in die Gewinn- und Verlustrechnung ausgebucht werden. Für die Gemeinkostenverrechnung wird die in Bezugsgrößeneinheiten gemessene Leistung einer Kostenstelle über einen Plankostenverrechnungssatz bei Normalbeschäftigung, z.B. 150 EUR/ MH (per machine-hour) bestimmt. Der Plankostenverrechnungssatz (predetermined overhead allocation rate) ist der Quotient aus Plankosten und Planleistung. Ein Fertigungsauftrag, für den die Kostenstelle eine Leistung von drei Maschinenstunden erbracht hat, wird dann mit: 3 × 150 = <?page no="317"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-317 450 EUR der Fertigungsgemeinkosten belastet. Diese werden im Fertigungsauftragskonto (work-in-process) als Aufwand erfasst. Die Habenbuchung findet in dem Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads) der leistungserbringenden Kostenstelle statt. Die genaueste Kalkulation würde erreicht, wenn alle Gemeinkostenverrechnungen auf Istkostenbasis stattfinden würden. Während der Produktion sind die Istkosten jedoch (noch) nicht bekannt. Deshalb erfolgt die Gemeinkostenverrechnung über Plankostenverrechnungssätze, die mit der gemessenen Istbeschäftigung multipliziert werden. Der Einsatz von Plankostenverrechnungssätzen bewirkt häufig, dass verrechnete Gemeinkosten von den Istkosten abweichen. Dieses führt entweder zu einer Über- oder Unterverrechnung von Gemeinkosten (overor underapplication of overheads). Unterverrechnete Produktionsgemeinkosten nennt man Leerkosten, weil sie ungenutzte Kapazitäten repräsentieren. Um die Zuordnung von Leerkostenanteilen auf Erzeugnisse zu verhindern, fordert IAS 2.13 die Gemeinkostenverrechnung über Plankostenverrechnungssätze, die unter Berücksichtigung von Normalkapazitäten berechnet werden. Die Normalkapazität ist die durchschnittliche Beschäftigung in der Vergangenheit unter Berücksichtigung typischer Unterbrechungen, z.B. durch Wartung und Störungen. Nur in Fällen, in denen die Ist-Leistung einer Normalkapazitätssituation annähernd entspricht, dürfen alle Fertigungsgemeinkosten dem Fertigungsauftrag zugerechnet werden. Dann wird das kostenstellenbezogene Fertigungsgemeinkostenkonto in den Fertigungsauftrag vollständig ausgebucht. Nach der Fertigungsgemeinkostenverrechnung werden alle Fertigungsgemeinkostenkonten (manufacturing overhead accounts), die dann nur noch über- oder unterverrechnete Gemeinkosten enthalten, in die Gewinn- und Verlustrechnung ausgebucht. Man könnte behaupten, dass die verbleibende Differenz als „Rest“ in die Gewinn- und Verlustrechnung übertragen wird. Die über- oder unterverrechneten Gemeinkosten der Fertigungskostenstellen sind Aufwand der aktuellen Abrechnungsperiode; bei überverrechneten Fertigungsgemeinkosten wirken sie als negative Kosten und als den Wareneinsatz (costs of sales) mindernd. 9.16 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. Nachfolgend wird die Fertigungsauftragskalkulation (manufacturing accounting) bei einem Produktionsunternehmen, das nur einen Produkttyp - Landkarten in einer Fertigungskostenstelle herstellt, besprochen. An dem Fall RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd., wird die Unterverrechnung von Fertigungsgemeinkosten demonstriert. Dabei wird auf das Verrechnen von Leerkosten nach IAS 2.13 eingegangen. Es folgt eine weitere Fallstudie HEUNING Ltd. mit einer Fertigungsgemeinkostenverrechnung für mehreren Kostenstellen auf mehrere Fertigungsaufträge und Produkte. <?page no="318"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-318 Datenblatt für RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Langebaan). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Produktionsunternehmen. Abrechnungsperiode: Januar/ 20X6 Plan / Januar/ 20X6 Ist (Monatsabschluss). Gemeinkosten: Abschreibungen: 3.000.000 ZAR/ Jahr; Meisterlohn: 1.320.000 ZAR/ Jahr; Verwaltungskosten: 1.488.000 ZAR/ Jahr. Produktionsvolumen: 7.200.000 Stk. Landkarten in 1.920 Stunden / Fertigungsauftrag im Januar/ 20X6: 450.000 Landkarten in 124 Stunden. Lohneinzelkosten: Papier 1,20 ZAR/ Stk.; Toner 0,80 ZAR/ Stk. Nettoverkaufspreis: 7 ZAR/ Stk. Im Januar/ 20X6 verkauft RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. 385.000 Landkarten. Umsatzsteuersatz: 20 %. Hinweis: In der Fallstudie wird häufig der Kostenbegriff verwendet, obwohl Aufwand gemeint ist. Dies ist in der deutschen, betriebswirtschaftlichen Fachsprache üblich, z.B. wird von Herstellungskosten, statt von Herstellungsaufwand gesprochen. Dieses findet sich ebenfalls in Gesetzestexten wieder. In diesem Lehrbuch wird grundsätzlich von der Gleichheit von Kosten und Aufwand ausgegangen, siehe die Konventionen in Kapitel (1). Es gibt daher keinen betriebsfremden Aufwand, der keine Kosten darstellt, und auch keine kalkulatorischen Kosten. 88 Der Aufwand von RIEBEEK-KASTEEL (Pty) Ltd. besteht aus Einzelkosten, die Materialeinzelkosten für Papier und Toner sind, und aus Gemeinkosten für Löhne, Abschreibungen und Verwaltung. Das Material wird monatlich auf der Grundlage der Planmenge eingekauft; es gibt keinen Sicherheitsbestand, aber 88 Vgl. zur Definition von Kosten das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (4) einen Bestandsaufbau von Material durch Unterbeschäftigung, das bedeutet, es werden weniger Landkarten gedruckt als geplant waren. Das monatliche Planproduktionsvolumen ist über das Jahr gleichverteilt, d.h. die Monatsproduktionsmenge ist 1/ 12 der Jahresproduktion. Die Vorratsentnahmen beziehen sich auf die aktuelle, monatliche Produktionsmenge. Wenn RIEBEECK- KASTEEL (Pty) Ltd. weniger Landkarten als geplant druckt, erhöht sich ihr Vorratsvermögen. Die Anfangsbestände für beide Materialarten in dieser Fallstudie sind Null. Für das Drucken von Landkarten verwendet RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. einen Drucker mit jährlicher Abschreibung von 3.000.000 ZAR/ Jahr. Weitere Fertigungsgemeinkosten sind Meisterlohn in der Druckereikostenstelle von 1.320.000 ZAR/ Jahr. Es fallen Verwaltungskosten von 1.488.000 ZAR/ Jahr an; diese sind nicht fertigungsbezogen. Oben genannte Kosten sind Gemeinkosten, weil sie für mehrere (hier: monatliche) Fertigungsaufträge anfallen. Im Januar/ 20X6 plant RIEBEECK- KASTEEL (Pty) Ltd. 7.200.000 / 12 = 600.000 Landkarten zu drucken. Die Planproduktionszeit beträgt 1.920 / 12 = 160 Stunden, so dass eine Produktionsleistung (output rate) von: 600.000 / 160 = 33.750 Stk./ Std. geplant wird. RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. misst die Ausbringungsmenge (output) ihrer Druckerei in Stunden - nicht in Stückzahlen. Die Berechnung des Plankostenverrechnungssatzes zur Verrechnung der Fertigungsgemeinkosten auf Fertigungsaufträge wird weiter unten besprochen. Seine Einheit ist ZAR/ Std., weil er auf die <?page no="319"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-319 Bezugsgröße Druckereistunden bezogen ist. Die Materialkosten für Papier betragen 1,20 ZAR/ Stk. (pro Bogen Papier) und für Toner 0,80 ZAR/ Stk. (pro Landkarte). Für das im Januar/ 20X6 geplante Produktionsvolumen bestellt die RIEBEECK- KASTEEL (Pty) Ltd. Papier zu Anschaffungskosten von: 1,20 × 600.000 = 720.000 ZAR. Toner wird für: 0.80 × 7.200.000 / 12 = 4 480.000 ZAR beschafft. Zum Zeitpunkt des Materialeinkaufs kennt die RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. ihr tatsächliches Produktionsvolumen noch nicht. Nach Abschluss des Fertigungsauftrags im Januar/ 20X6 werden alle Landkarten in den Fertigerzeugnisbestand (finished goods inventory) gebucht. Beim Verkauf werden die Anschaffungs- und Herstellungskosten (cost of manufacturing) der verkauften Landkarten als Aufwand in dem Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) erfasst. Der Nettoverkaufspreis pro Landkarte beträgt 7 ZAR/ Stk. Die RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. plant den Verkauf aller 600.000 Landkarten im Januar 20X6. Sie erwartet einen Umsatz von: 7 × 600.000 = 4 4.200.000 ZAR zu erwirtschaften. In Abbildung 9.6 wird die Fertigungsauftragskalkulation auf der Grundlage des geplanten Produktionsvolumens gezeigt. Daraus wird der Plankostenverrechnungssatz bestimmt. Er wird unter Berücksichtigung der Normalkapazität berechnet (= 160 Stunden für 600.000 Landkarten). Der Plankostenverrechnungssatz weist die Druckerabschreibung und den Meisterlohn der Druckerei über die Planleistung (gemessen in Stunden) dem Fertigungsauftrag zu. Der Plankostenverrechnungssatz beträgt: (3.000.000 / 12 + 1.320.000 / 12) / 160 = 22.250 ZAR/ Std. Er wird als Plankostenverrechnungssatz bezeichnet, weil er auf Grundlage der Planmengen und Plankosten berechnet wird. Nachfolgend sind alle Konten mit den Plandaten für Januar/ 20X6 gezeigt. Es ist zu beachten, dass die Konten in Abbildung 9.6 keine Ist-Buchungen sind. Sie dienen ausschließlich der Produktkalkulation und Ergebnisplanung. Für die Gemeinkosten werden Monatswerte berücksichtigt. D C D C OV . . . (1) 864.000 (1) 144.000 (12) 840.000 (12) 5.040.000 (2) 576.000 (2) 96.000 (4) 110.000 c/ d 600.000 (5) 124.000 840.000 840.000 c/ d 3.366.000 b/ d 600.000 5.040.000 5.040.000 b/ d 3.366.000 Cash/ Bank C/ B Value added tax VAT Abb. 9.6: Planrechnung bei der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. <?page no="320"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-320 D C D C (1) 720.000 (6) 720.000 (2) 480.000 (7) 480.000 Inventory (paper) INP Inventory (ink) INI D C D C (3) 250.000 (8) 250.000 c/ d 250.000 (3) 250.000 b/ d 250.000 Depreciation on printer-20X6 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C (4) 110.000 (9) 110.000 (5) 124.000 P&L 124.000 Supervisors' salary-20X6 LAB Administration-20X6 ADM D C D C (6) 720.000 (10) 1.560.000 (8) 250.000 WIP 360.000 (7) 480.000 (9) 110.000 MOH 360.000 360.000 360.000 1.560.000 1.560.000 Work-in-Process-20X6 WIP Manufacturing overheads-20X6 MOH D C D C (10) 1.560.000 (11) 1.560.000 (11) 1.560.000 P&L 1.560.000 Finished goods inventory FGI Cost of goods sold-20X6 COS D C D C P&L 4.200.000 (12) 4.200.000 COS 1.560.000 REV 4.200.000 ADM 124.000 EBT 2.516.000 4.200.000 4.200.000 b/ d 2.516.000 Revenue-20X6 REV Profit and Loss-20X6 P&L Abb. 9.6: Planrechnung bei der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. - Fortsetzung Eine Plangemeinkostenverrechnung in Abbildung 9.6 kann keine Über- oder Unterverrechnung von Fertigungsgemeinkosten enthalten. Niemand würde Leerkosten planen, außer es bestünde keine Möglichkeit zum Auslasten der Produktionskapazitäten. Da die IFRSs das Anwenden einer Vollkostenrechnung fordern, steigen die Stückkosten bei Unterauslastung von Produktionskapazitäten. Sie sind deshalb zu überwachen (monitoring). Sie werden berechnet, indem die Anschaffungs- und Herstellungskosten (cost of <?page no="321"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-321 manufacturing) durch die Losgröße geteilt werden: 1.560.000 / 600.000 = 2 2,60 ZAR/ Stk. Die Planrechnung (budget calculation) erfolgt auf der Grundlage von Normalkapazität und unter der Annahme des vollständigen Verkaufs der Landkarten. Nachfolgend soll der Istzustand bei Unterauslastung (under-performance) demonstriert werden. Die Berechnungen werden mit Ist-Mengen wiederholt. Im Januar/ 20X6 hat die RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. nur 450.000 Landkarten in 124 Stunden gedruckt. Der Produktionsprozess ist weniger effizient als geplant; Die Produktionsleistung ist von 3.750 Stk/ Std. auf: 450.000 / 124 = 3 3.629,03 Stk./ Std. gesunken. Die Verrechnung der Fertigungsgemeinkosten folgt der Produktionsleistung der Druckereikostenstelle in Stunden; nicht in Ausbringungsmengeneinheiten (Stk.), um die Effizienz zu überwachen (efficiency monitoring). RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. stellt 75 % der Planmenge in: 124 / 160 = 7 77,50 % der Planzeit her. Die niedrigere Produktionsmenge in Kombination mit Materialbestellungen auf Planbasis führt zu Minderverbräuchen des Materials und bedingt einen Schussbestand des Vorratsvermögens für Papier und Toner. Der Schlussbestand des Papiers hat einen Wert von: (600.000 - 450.000) × 1,20 = 1 180.000 ZAR und des Toners von: (600.000 - 450.000) × 0,80 = 1 120.000 ZAR. RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. verkauft im Januar/ 20X6 385.000 Landkarten zu jeweils 7 ZAR/ Stk. Damit erhöht sie ihren Fertigerzeugnisbestand (finished goods inventory) um: 450.000 - 385.000 = 65.000 Landkarten. Die Bewertung der Fertigerzeugnisse folgt der aktuellen Ausbringungsmenge und berücksichtigt den Plankostenverrechnungssatz für die Bestimmung der Fertigungsgemeinkosten. Unten werden zwei alternative Berechnungen aufgeführt, (i) unter der Annahme, dass die geringe Landkartenproduktion eine Normalkapazitätssituation darstellt und Leerkosten nicht gesondert ausgewiesen werden und damit den Stückkosten zugeschlagen werden und (ii) dem IAS 2.13 folgend mit Leerkostenausweis. Die letzte ist anzuwenden, wenn die Plan-Ist-Abweichung des Produktionsvolumens signifikant ist. Die Fertigungsgemeinkostenverrechnung erfolgt über den Plankostenverrechnungssatz und die nicht verrechneten Gemeinkosten werden als Leerkosten in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Der Grund für das Trennen von Leerkosten nach IAS 2.13 besteht darin, zu verhindern, dass Gemeinkosten für ungenutzte Kapazitäten (Leerkosten) auf die Stückherstellungskosten zugeschlagen werden. Deshalb schreibt IAS 2.13 vor, dass Leerkosten nicht den Enderzeugnissen zugerechnet werden dürfen, sondern in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden müssen. Leerkosten werden in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto gebucht, wenn die Kapazität von der Normalkapazität erheblich abweicht. Andernfalls verrechnet man alle fertigungsbezogenen Gemeinkosten der Kostenstelle auf die Fertigungsaufträge. Das Bestimmen des Wertes für Normalkapazität und ab welchem Wert Überkapazität besteht, ist eine Ermessensfrage. Der IAS 2.13 benennt hierzu Kriterien. Im vorliegenden Fall ist eine Verminderung der Ausbringungsmenge für Landkarten <?page no="322"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-322 im Umfang von 25 % als eine signifikante Minderleistung zu beurteilen. Später wird, als Fall (iii) gekennzeichnet, die gleiche Berechnung wie für (ii) vorgenommen, aber ein Manufacturing Summary Account aus didaktischen Gründen verwendet. 9.17 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (i) Eine Vollkostenrechnung berücksichtigt die Fertigungsgemeinkosten vollständig für die Kalkulation der Fertigerzeugnisse, d.h. sie bezieht sowohl variable als auch fixe Kosten ein; es werden 360.000 ZAR für Abschreibungen und Löhne auf das Fertigungsauftragskonto (work-inprocess) gebucht. Die Fertigungsgemeinkosten enthalten Leerkosten für: 160 - 124 = 3 36 Stunden. RIEBEECK- KASTEEL (Pty) Ltd. kann bei Unterbeschäftigung ihre Abschreibungen nicht mindern und muss den Meister gemäß seinem Arbeitsvertrag bezahlen, weil dieser keinen Werkvertrag 89 hat. Bei einer Vollkostenrechnung werden die Fertigungsgemeinkosten komplett dem Fertigungsauftrag zugewiesen: DR Work-in-Proccess - CR Manufacturing Overheads. Die Stückkosten erhöhen sich von 2,60 ZAR/ Stk. auf: (450.000 × (1,20 + 0,80) + 360.000) / 450.000 = 2,80 ZAR/ Stk. Das Monatsergebnis unter Berücksichtigung der Verkaufsmenge beträgt: 385.000 × (7 - 2,80) - 124.000 = 1 1.493.000 ZAR. 89 Zu den Details der Lohnbuchhaltung siehe Kapitel (19) im Lehrbuch Basics of Accounting. 9.18 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. - IAS 2.13 (ii) Die Anwendung von IAS 2.13 bezieht sich auf die Konten in Abbildung 9.7; es werden jetzt Leerkosten in die Gewinn- und Verlustrechnung ausgebucht und als Aufwand der aktuellen Periode erfasst. In Kombination mit dem Leerkostenausweis für die Abschreibung auf den Drucker und den Meisterlohn werden die Fertigungsgemeinkosten dem Fertigungsauftrag nach der Ist-Leistung in Stunden mit dem Plankostenverrechnungssatz multipliziert zugewiesen. Bei der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. beträgt der Plankostenverrechnungssatz: 360.000 / 160 = 2 2.250 ZAR/ Std. Somit verrechnet RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd.’s nur Fertigungsgemeinkosten in Höhe von: 124 × 2.250 = 2279.000 ZAR auf den Fertigungsauftrag. Der Rest der Fertigungsgemeinkosten sind Leerkosten: 360.000 - 279.000 = 8 81.000 ZAR. Sie sind Aufwand der Abrechnungsperiode und werden in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Siehe die Ergebnisrechnung für den Januar/ 20X6 in Abbildung 9.7 wie oben beschrieben. Es wurden Leerkosten in Höhe von 81.000 ZAR in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ausgebucht. In der Gewinn- und Verlustrechnung werden die Leerkosten entweder unter der Position Wareneinsatz (cost of goods sold) oder als sonstiger Aufwand (other expenses) ausgewiesen. Bei einer Überverrechnung von Fertigungsgemeinkosten wären die Buchungssätze invertiert und würden den Aufwand für den Wareneinsatz in der <?page no="323"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-323 Gewinn- und Verlustrechnung vermindern. Hinweis: Technisch bedingt kommt eine Überverrechnung von Gemeinkosten in Produktionsunternehmen seltener vor. D C D C OV . . . (1) 864.000 (1) 144.000 (12) 539.000 (12) 3.234.000 (2) 576.000 (2) 96.000 (4) 110.000 c/ d 299.000 (5) 124.000 539.000 539.000 c/ d 1.560.000 b/ d 299.000 3.234.000 3.234.000 b/ d 1.560.000 Cash/ Bank C/ B Value added tax VAT D C D C (1) 720.000 (6) 540.000 (2) 480.000 (7) 360.000 c/ d 180.000 c/ d 120.000 720.000 720.000 480.000 480.000 b/ d 180.000 b/ d 120.000 Inventory (paper) INP Inventory (ink) INI D C D C (3) 250.000 (8) 250.000 c/ d 250.000 (3) 250.000 b/ d 250.000 Depreciation on printer-20X6 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C (4) 110.000 (9) 110.000 (5) 124.000 P&L 124.000 Supervisors' salary-20X6 LAB Administration-20X6 ADM D C D C (6) 540.000 (10) 1.179.000 (8) 250.000 WIP 279.000 (7) 360.000 (9) 110.000 c/ d 81.000 MOH 279.000 360.000 360.000 1.179.000 1.179.000 b/ d 81.000 P&L 81.000 Work-in-Process-20X6 WIP Manufacturing overheads-20X6 MOH Abb. 9.7: Konten der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. Ist (IAS 2.13) <?page no="324"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-324 D C D C (10) 1.179.000 (11) 1.008.700 (11) 1.008.700 P&L 1.008.700 c/ d 170.300 1.179.000 1.179.000 b/ d 170.300 Finished goods inventory FGI Cost of goods sold-20X6 COS D C D C P&L 2.695.000 (12) 2.695.000 COS 1.008.700 REV 2.695.000 MOH 81.000 ADM 124.000 EBT 1.481.300 2.695.000 2.695.000 b/ d 1.481.300 Revenue-20X6 REV Profit and Loss-20X6 P&L Abb. 9.7: Konten der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. - Ist (IAS 2.13) - Fortsetzung Wegen einer längeren Produktionszeit pro Landkarte im Vergleich zu den Planwerten steigen die Stückkosten pro Landkarte geringfügig an: 1.179.000 / 450.000 = 2 2,62 ZAR/ Stk. an. Dennoch liegen diese Stückkosten deutlich unterhalb derjenigen für Fall (i) i.H.v. 2,80 ZAR/ Stk. Es gilt zu berücksichtigten, dass die Materialeinzelkosten für Papier und Toner i.H.v. 2 ZAR/ Stk. darin enthalten sind. Der hohe Anstieg bei den Produktionsgemeinkosten im Umfang von: 0,20/ 0,60 = 3 33% bei den Stückkosten ist auf das Einbeziehen von Leerkosten in die Herstellungskosten für die Landkarten in Fall (i) zurückzuführen. Hinweis: In der Fachsprache der internationalen Bilanzierung werden die Herstellungskosten (cost of manufacturing) in Einzel- und Gemeinkosten unterteilt. Der Anteil der Stückherstellungskosten, der kein Materialaufwand ist, wird Umwandlungskosten (cost of conversion) genannt. Dieser enthält Lohneinzelkosten. Accounting-Prozess-Schritte (Produktkostenkalkulation (manufacturing accounting)): (1) Buchen Sie Einkäufe (Verwenden Sie möglichst eine fortlaufende Lagerbuchhaltung), Aufwand, Umsatz und sonstige Erträge. (2) Legen Sie Fertigungsauftragskonten (work-in-process) für Fertigungsaufträge (job order), Fertigungsgemeinkostenkonten für Kostenstellen (manufacturing overheads) und nicht-fertigungsbezogene Aufwandskonten (non-manufacturing overhead) an. (3) Buchen Sie Lagerentnahmen für Material als Materialeinzelkosten im Fertigungsauftragskonto oder als Fertigungsgemeinkosten (manufacturing overheads) der Kostenstellenkonten. <?page no="325"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-325 (4) Buchen Sie Lohneinzelkosten in das Fertigungsauftragskonto oder als Fertigungsgemeinkosten in die jeweiligen Kostenstellen. (5) Buchen Sie sonstige Gemeinkosten als Verwaltungsaufwand. (6) Buchen Sie keine Zinsen, außer wenn diese produktionsbezogen anfallen (IAS 23). (7) Addieren Sie die Fertigungsgemeinkosten einer Kostenstelle. (8) Bestimmen Sie den Plankostenverrechnungssatz der Kostenstellen, indem Sie die Plankosten durch die Planleistung dividieren. (9) Weisen Sie die Fertigungsgemeinkosten den Fertigungsaufträgen zu, indem Sie die Ist-Leistung mit dem Plankostenverrechnungssatz multiplizieren. (10) Buchen Sie nicht verrechnete Fertigungsgemeinkosten in die Gewinn- und Verlustrechnungskonto aus. Unterverrechnete Gemeinkosten führen auf eine Sollbuchung in dem Gewinn- und Verlustrechnungskonto und zu viel verrechnete Gemeinkosten ergeben eine Habenbuchung. (11) Bilden Sie die Summe aller Kosten für einen Fertigungsauftrag. Diese enthält Materialeinzelkosten und Umwandlungskosten (cost of conversion). Die Umwandlungskosten sind Lohneinzelkosten und über die Kostenstellen verrechnete Fertigungsgemeinkosten. (12) Buchen Sie die Kosten eines Fertigungsauftrags in das Konto Fertigerzeugnisse, sobald die Produktion abgeschlossen ist. (13) Beim Verkauf von Fertigerzeugnissen werden die Lagerentnahmen als Aufwand im Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) erfasst. Bei Fertigerzeugnissen aus unterschiedlichen Fertigungsaufträgen müssen Sie i.d.R. unterschiedliche Stückkosten berücksichtigen. Buchen Sie Umsatzerlöse/ sonstige Erträge. (14) Schließen Sie das Wareneinsatzkonto (cost of goods sold), die Verwaltungskostenkonten (administration) und das Umsatzkonto (revenue) in die Gewinn- und Verlustrechnung ab und bestimmen Sie das Vorsteuerergebnis. (15) Führen Sie die Ertragsbesteuerung durch und schließen Sie das Gewinn- und Verlustrechnungskonto in die Konten für Ertragsteuerschulden (income tax liabilities) und Bilanzgewinn (retained earnings) ab. Accounting-Prozess-Schritte (Behandeln von Leerkosten (recording idle costs)): (1) Folgen Sie den Schritten zur Produktkostenkalkulation wie oben: <?page no="326"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-326 (1.1) Buchen Sie Einzelkosten in Fertigungsauftragskonten (work-in-process). (1.2) Buchen Sie Fertigungsgemeinkosten in die Kostenstellen (manufacturing overheads). (1.3) Buchen Sie nichtfertigungsbezogene Gemeinkosten in Aufwandskonten und schließen Sie diese später in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto ab. (2) Vergleichen Sie für jede Kostenstelle die Ist-Fertigungsgemeinkosten mit denen, die sich bei Normalkapazität ergeben würden (Verwenden Sie den Plankostenverrechnungssatz). Prüfen Sie, ob die Istkapazität von der Normalkapazität signifikant abweicht. (3a) Wenn die Ist- und die Normalkapazität eng beieinander liegen, verrechnen Sie die Fertigungsgemeinkosten, indem Sie das Fertigungsgemeinkostenkonto in das Fertigungsauftragskonto (work-in-process) ausbuchen. Buchen Sie Lagerbewegungen in das Fertigerzeugniskonto (finished goods inventory). (3b) Wenn die Ist- und die Normalkapazität erheblich abweichen, verrechnen Sie die Fertigungsgemeinkosten bei Normalkapazität und weisen Sie die verbleibenden Leerkosten der Gewinn- und Verlustrechnung zu. Buchen Sie Lagerbewegungen in das Fertigerzeugniskonto (finished goods inventory). 9.19 Fertigungssammelkonto Ein Fertigungssammelkonto (manufacturing summary account) ist ein Abstimmkonto für Fertigungsgemeinkosten und Fertigungsaufträge. Es kommt bei einem periodischen Lagerhaltungssystem und wenn sich das Fertigungsauftragskonto und das Fertigungsgemeinkostenkonto auf die gleiche Kostenstelle beziehen, zum Einsatz. Eine solche Situation ist selten und kommt vor, wenn sich eine mehrstufige Divisionskalkulation (process costing) anwenden lässt. Bei der Fallstudie RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. kann ein Fertigungssammelkonto angewendet werden, da ein Einproduktunternehmen mit nur einer Fertigungskostenstelle vorliegt, siehe unten. 9.20 F/ S RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (iii) Für RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. und bei Anwendung des IAS 2.13 (ii) wird jetzt ein Fertigungssammelkonto (manufacturing summary account) eingesetzt. Für die Anwendung müssen die Vorratsbewertungen bekannt sein, die aus den vorherigen Berechnungen übernommen werden. Die Kalkulation der Fertigerzeugnisse muss nach IAS 2.13, d.h. ohne Einbezug von Leerkosten, erfolgen. Es werden die folgenden stückbezogenen Material- und Herstellungskosten und verwendet: - Papier: 1,20 ZAR/ Stk. - Toner: 0,80 ZAR/ Stk. - Landkarten: 2,62 ZAR/ Stk. <?page no="327"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-327 Die RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. verwendet ein Fertigungsauftragskonto und ein Fertigungsgemeinkostenkonto, die jetzt durch ein einziges Fertigungssammelkonto (manufacturing summary account) ersetzt werden. D C D C OV.P 720.000 FGI 1.179.000 FGI 1.008.700 P&L 1.008.700 OV.I 480.000 INP 180.000 DPR 250.000 INI 120.000 LAB 110.000 c/ d 81.000 1.560.000 1.560.000 b/ d 81.000 P&L 81.000 D C D C MSA 1.179.000 COS 1.008.700 COS 1.008.700 REV 2.695.000 c/ d 170.300 MSA 81.000 1.179.000 1.179.000 ADM 124.000 b/ d 170.300 EBT 1.481.300 2.695.000 2.695.000 b/ d 1.481.300 Manuf. summary account-20X6 MSA Cost of goods sold-20X6 COS Finished goods inventory FGI Profit and Loss-20X6 P&L Abb. 9.8: MSA-Konto der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (iii) In dem Fertigungssammelkonto stehen die Anfangswerte für Papier (OV.P) und Toner (OV.I) auf der Sollseite. Dort werden ebenso alle Aufwandsarten erfasst, hier Abschreibungen (DPR) und Meisterlohn (LAB). Nach Abschluss der Produktion wird der Schlussbestand für Papier (INP) und Toner (INI) als auch für Landkarten (FGI) festgestellt. Der Saldo des Fertigungssammelkontos (manufacturing summary account) entspricht den Leerkosten, die in die Gewinn- und Verlustrechnung ausgebucht werden. Der Einsatz eines Fertigungssammelkontos erfordert, die Stückanschaffungs- und -herstellungskosten in einer Nebenrechnung zu bestimmen. Hinweis: Der Einsatz eines Fertigungssammelkontos ist nur in Sonderfällen möglich. Das Manufacturing Summary- Account wird hier vorgestellt, weil es in den Zusatzmaterialien vorkommt. 9.21 F/ S HEUNING Ltd. Mit der Fallstudie HEUNING Ltd. wird die Zuweisung der Gemeinkosten von zwei Fertigungsgemeinkostenkonten (manufacturing overhead) auf vier Fertigungsauftragskonten (work-in-process) für zwei unterschiedliche Fertigerzeugnisse demonstriert. Die HEUNING Ltd. ist ein australischer Hersteller von Gartenwerkzeugen und beschafft Material zu unterschiedlichen Preisen. Unten wird das Datenblatt für die HEUNING Ltd. gezeigt. <?page no="328"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-328 Datenblatt für die HEUNING Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Einteilung: Produktionsunternehmen. Abrechnungsperiode: 20X2. Materialanfangsbestände: Stiele: 3.500 AUD, Klingen: 6.000 AUD. Einkäufe: s.u. Fertigungsaufträge: (1) 500 Schaufeln, (2) 500 Harken, (3) 600 Schaufeln, (4) 400 Schaufeln. Gemeinkosten: Abschreibungen: 27.500 AUD; Lohngemeinkosten: 51.000 AUD Kostenstellen: (A) Montage, (B) Qualitätssicherung und Verpackung; (C) Verwaltung. Verkäufe: 1.245 Schaufeln zu 120 AUD/ Stk.; 450 Harken zu 120 AUD/ Stk. Umsatzsteuer vernachlässigt. Das Produktionsunternehmen HEUNING Ltd. stellt Schaufeln (shovel) und Harken (rake) her. Eine Schaufel besteht aus einem Stiel (shaft) und eine Klinge (blade). Eine Harke wird aus demselben Stiel wie die Schaufel und einer Kralle (claw) hergestellt. Zu Beginn der Abrechnungsperiode 20X2 weist HEUNING Ltd. die folgenden Materialbestände in ihrer Bilanz aus: 700 Stiele zu 5 AUD/ Stk. und 200 Klingen zu 20 AUD/ Stk. In 20X2 beschafft HEUNING Ltd. das folgende Material: (1) Am 1.01.20X2: Einkauf von 900 Krallen zu 25 AUD/ Stk. (2) Am 1.01.20X2: Einkauf von 5.000 Stielen zu 5,50 AUD/ Stk. (3) Am 1.01.20X2: Einkauf von 500 Klingen zu 16 AUD/ Stk. (4) Am 1.01.20X2: Einkauf von 600 Klingen zu 16,25 AUD/ Stk. (5) Am 1.01.20X2: Einkauf von 8.000 Kartons (box) zu 0,95 AUD/ Stk. (6) Am 1.10.20X2: Einkauf von 500 Klingen zu 18,50 AUD/ Stk. HEUNING Ltd. bearbeitet in 20X2 vier Fertigungsaufträge, am 5.01.20X2 für 500 Schaufeln, am 5.04.20X2 für 500 Harken, am 5.07.20X2 für 600 Schaufeln und am 5.10.20X1 für 400 Schaufeln. Die Fertigungsaufträge werden sukzessiv abgearbeitet und dauern jeweils einen Monat. Sie starten in der Montage (assembling department) und gehen anschließend in die Qualitätssicherung und Verpackung (goods inspection and packaging). Es gibt eine dritte Abteilung für Verwaltung (administration department), die keinen Fertigungsbezug hat. HEUNING Ltd. wendet eine Fertigungsauftragskalkulation (job order costing) unter der Berücksichtigung des Verbrauchsfolgefiktionsverfahrens first-infirst-out an. Deshalb wird die erste Lagerentnahme von Klingen für den Fertigungsauftrag (1) mit: 300 × 20 + 200 × 16 = 9 9.200 AUD bewertet. Die Zuordnung von Gemeinkosten auf die Kostenstellen ist vorgegeben: Die Montageabteilung wird mit 20.000 AUD Lohnkosten und 10.000 AUD Abschreibungen belastet. Die Qualitätssicherung und Verpackung tragen 15.000 AUD Lohnkosten und 8.000 AUD Abschreibungen. Die verbleibenden Fertigungsgemeinkosten - Löhne i.H.v. 16.000 AUD und Abschreibungen i.H.v. 9.500 AUD - sind Verwaltungsaufwand. Als Nächstes wird die Gemeinkostenverrechnung behandelt. Für die Montagekostenstelle wird ein Plankostenverrechnungssatz (predetermined overhead allocation rate) von: 30.400 / 1.900 = 1 16 AUD/ Stk. bestimmt. Dieser wurde auf der Grundlage der geplanten Montagekosten von 30.400 AUD und einem Produktionsvolumen von 1.900 Gartenwerkzeugen bestimmt. Als Bezugsgröße <?page no="329"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-329 wird zur Vereinfachung die Anzahl hergestellter Gartenwerkzeuge verwendet (Produktionsmenge). Die Verrechnung von Fertigungsgemeinkosten führt auf die Kostenzuweisungen wie in Abbildung 9.9 gezeigt. Der Fertigungsauftrag (1) wird mit: 500 × 16 = 8 8.000 AUD Gemeinkosten der Montageabteilung belastet. In der Qualitätssicherung und Verpackung werden die Fertigungsgemeinkosten nach der Prüfdauer (inspection time) allokiert. Die Fertigungsaufträge werden gemäß der nachstehenden Bearbeitungsdauern in den Abteilung Qualitätssicherung und Verpackung untersucht bzw. in Kartons verpackt: Fertigungsauftrag (1) zu 17: 50 Stunden = 1 1.050 min, (2) zu 16: 20 Stunden = 9 980 min, (3) zu 19: 30 Stunden = 1 1.170 min und (4) zu 6: 20 Stunden = 3 380 min. Da die Ist-Leistung von 3.580 min nicht wesentlich von der Normalkapazität von 60 Stunden (= 3.600 min) abweicht, werden die Fertigungsgemeinkosten auf Vollkostenbasis und über die aktuelle Produktionsleistung verrechnet. Z.B. muss der Fertigungsauftrag (1) Fertigungsgemeinkosten der Qualitätssicherungs- und Verpackungsabteilung i.H.v.: 1.050 / 3.580 × 23.000 = 6 6.745,81 AUD tragen. Die Abbildung 9.9 zeigt die Zuordnung der Fertigungsgemeinkosten auf die einzelnen Fertigungsaufträge. Nach Abschluss der Fertigungsaufträge werden die Schaufeln und Harken gelagert und dafür dem Konto Fertigerzeugnisbestand (finished goods inventory) belastet. Beim Verkauf werden die Erzeugnisse dem Lager entsprechend des Verbrauchsfolgefiktionsverfahrens firstin-first-out entnommen und als Aufwand im Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) erfasst. Z.B. werden 1.245 verkaufte Schaufeln mit den Herstellungskosten (cost of manufacturing) für die Fertigungsaufträgen (1) und (3) komplett, sowie (4) anteilig und in der Reihenfolge ihrer Produktion (first-infirst-out) bewertet: 26.920,81 + 30.661,76 + 145/ 400 × 18.146,34 = 64.160,62 AUD. Die HEUNING Ltd. erwirtschaftet einen Verkaufsumsatz (sales revenue) von 120 × (1.245 + 450) = 2 203.400 AUD. Schaufeln und Harken werden jeweils zu 120 AUD/ Stk. verkauft (Nettoverkaufspreis). Es wurden 1.245 Schaufeln und 450 Harken verkauft. Die Erfolgsrechnung kann der Abbildung 9.9 entnommen werden, die die wichtigsten Konten für diese Fallstudie zeigt. <?page no="330"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-330 D C D C OV 3.500 W1P 2.500 OV 6.000 W1P 9.200 (2) 27.500 W2P 2.650 (3) 8.000 W3P 9.675 W3P 3.300 (4) 9.750 W4P 6.725 W4P 2.200 (6) 9.250 c/ d 7.400 c/ d 20.350 33.000 33.000 31.000 31.000 b/ d 7.400 b/ d 20.350 D C D C (1) 22.500 W2P 12.500 (5) 7.600 W1P 475 c/ d 10.000 W2P 475 22.500 22.500 W3P 570 b/ d 10.000 W4P 380 c/ d 5.700 7.600 7.600 b/ d 5.700 Inventories Claw INC Inventories Box INX Inventories Shaft INS Inventories Blade INB D C D C INS 2.500 FGS 26.921 INS 2.650 FGR 29.921 INB 9.200 INC 12.500 INX 475 INX 475 MOA 8.000 MOA 8.000 MOI 6.746 MOI 6.296 26.921 26.921 29.921 29.921 D C D C INS 3.300 FGS 30.662 INS 2.200 FGS 18.146 INB 9.675 INB 6.725 INX 570 INX 380 MOA 9.600 MOA 6.400 MOI 7.517 MOI 2.441 30.662 30.662 18.146 18.146 D C D C LAB 20.000 W1P 8.000 LAB 15.000 W1P 6.746 DPR 10.000 W2P 8.000 DPR 8.000 W2P 6.296 W3P 9.600 W3P 7.517 OAO 2.000 W4P 6.400 W4P 2.441 32.000 32.000 23.000 23.000 Work-in-Process (1) W1P Work-in-Process (2) W2P Manufacturing OH Assembling MOA Manufacturing OH GIP MOG Work-in-Process (3) W3P Work-in-Process (4) W4P Abb. 9.9: Konten der HEUNING Ltd. <?page no="331"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-331 D C D C LAB 16.000 P&L 25.500 W1P 26.921 COS 64.161 DPR 9.500 W3P 30.662 25.500 25.500 W4P 18.146 c/ d 11.568 75.729 75.729 b/ d 11.568 D C D C W2P 29.921 COS 26.929 FSI 64.161 P&L 91.090 c/ d 2.992 FRI 26.929 29.921 29.921 91.090 91.090 b/ d 2.992 D C D C P&L 203.400 C/ B 203.400 COS 91.090 REV 203.400 ADM 25.500 OAO 2.000 EBT 88.810 205.400 205.400 b/ d 88.810 Administration-20X2 Finished Shovel Inventories FSI Finished Rake Inventories FRI Cost of goods sold-20X1 COS Revenue-20X1 REV Profit and Loss-20X1 P&L Abb. 9.9: Konten der HEUNING Ltd. - Fortsetzung Hinweis: Es wird empfohlen, die Fallstudie HEUNING Ltd. in Aufgabe A9.49b zu bearbeiten, die der obigen Fallstudie ähnelt, aber nach dem Verbrauchsfolgefiktionsverfahrens gewichtete Durchschnittsmethode (weighted average method) zu rechnen ist. 90 9.22 Forderungen Forderungen (receivables) sind Umlaufvermögen in der Bilanz und stellen Ansprüche auf zukünftige Zahlungen dar. Forderungen an Kunden, die ihre Zahlungsverpflichtungen noch nicht erfüllt haben, enthalten i.d.R. Umsatz- 90 Die Aufgabe HEUNING Ltd. ist in dem Zusatzmaterial enthalten. steuern, welcher für den Wertberichtigungsaufwand von Forderungen (bad debts recognition) zu berücksichtigen sind. Neben Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (trade receivables), bestehen Vorsteuerforderungen an das Finanzamt und Forderungen aus Ausleihungen an Andere, z.B. an verbundene Unternehmen. Typischerweise enthalten letztere keine Umsatzsteueranteile. Forderungen stellen Finanzinstrumente dar und werden in IAS 32.11 geregelt. Bilanzierende Unternehmen müssen das Kreditausfallrisiko nach IFRS 7.9 bewerten. Das Risiko eines <?page no="332"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-332 Ausfalls von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen besteht darin, dass die Schuldnerin oder der Schuldner nicht ihren oder seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt, z.B. bei Insolvenz (bankruptcy). Der IFRS 9.3.1.2 fordert eine Bewertung nach zu vereinnahmenden Werten (recoverable values) für alle Finanzinstrumente, deren Wertanpassung in der Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstige Erträge/ Aufwendungen erfasst werden. 9.23 F/ S CHELMSFORD Ltd. Nachfolgend wird eine Fallstudie zur Forderungsbewertung eines australischen Autohändlers behandelt. Datenblatt für die CHELMSFORD Ltd. Standort: Australien (Sydney). Berichtswährung: AUD. Klassifizierung: Handelsunternehmen. Abrechnungsperioden: 20X3 / 20X4. Fahrzeugverkauf: 65.000 AUD (netto) am 5.04.20X3 - zahlbar am 4.04.20X4 Zinsen: 3.000 AUD (netto) Umsatzsteuersatz: 20 %. Die CHELMSFORD Ltd. bucht Forderungen aus dem Verkauf eines VW T-ROC i.H.v. 81.600 AUD. Sie ist ein Verkaufsgeschäft eingegangen, bei dem der Kunde ein Fahrzeug am 5.04.20X3 erwirbt und den vollständigen Kaufpreis ein Jahr später am 4.04.20X4 zahlt. Der Erfüllungsbetrag (settlement value) enthält einen Zinsanteil von 3.000 AUD (netto). Die Vereinbarung zwischen der CHELMSFORD Ltd. und dem Käufer beinhaltet die sofortige Fahrzeuglieferung und die spätere Zahlung von: (65.000 + 3.000) × 120% = 8 81.600 AUD in 20X4. 65.000 AUD stellen den regulären Nettoverkaufspreis für das Fahrzeug dar. Der Buchungssatz (1) zeigt das Erfassen der Forderung in der Buchhaltung bei der CHELMSFORD Ltd. Auf der Kundenseite wird eine kurzfristige Schuld (shortterm liabilities) ausgewiesen. Bei der CHELMSFORD Ltd. muss der noch nicht realisierte Zinsertrag (deferred income) mit Bezug auf die nächste Abrechnungsperiode abgegrenzt werden. Der Zinsertrag fällt in dem Zeitraum April/ 20X3 bis März/ 20X4 an. Obwohl die Zahlung erst im April 20X4 geleistet wird, zählt sie zu einem Anteil von neun Monaten für die Abrechnungsperiode 20X3. Der realisierte Zinsertrag ist: 3.000 × 9/ 12 = 2.250 AUD in 20X3. Der Rest stellt eine abgegrenzte Einnahme in Höhe von: 3.000 - 2.250 = 7 750 AUD dar. Am 5.04.20X3: DR Accounts Receivables A/ R..... 81.600 AUD CR Interest Income-20X3 I3I..... 2.250 AUD CR Deferred Interest Income DIT. 750 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 13.600 AUD CR Revenue-20X3 REV............. 65.000 AUD Die Bewertung von kurzfristigen Forderungen orientiert sich am Erfüllungsbetrag. Aus ihrer Erfahrung ermittelt die CHELMSFORD Ltd. ein durchschnittliches Adressenausfallrisiko (credit risk) von 10 % des Wertes aller Forderungen. <?page no="333"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-333 Es werden durchschnittlich 10 % der Forderungen als uneinbringlich wertgemindert. Die CHELMSFORD Ltd. bemisst den Forderungsanteil aufgrund einer Schätzung des Forderungsausfallrisikos. Der Anteil uneinbringlicher Forderungen aus dem Fahrzeugverkauf beträgt: 10% × 81.600 = 8 8.160 AUD. Zum Jahresende 20X3 erfasst die CHELMSFORD Ltd. das Ausfallrisiko über den Buchungssatz (2). Das Buchen von uneinbringlichen Forderungen stellt eine Vorsichtsmaßnahme dar und wird bei Vereinnahmung der ausstehenden 81.600 AUD rückgängig gemacht. Wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, muss der Aufwand für uneinbringliche Forderungen auf den vollen Betrag ausgeweitet werden. Am 6.04.20X3: DR Bad Debts-20X3 BDA ........... 6.800 AUD DR Value Added Tax VAT .......... 1.360 AUD CR Accounts Receivables A/ R ..... 8.160 AUD Das Erfassen von Aufwand für uneinbringliche Forderungen aus Lieferungen und Leistungen enthält eine Vorsteuerbuchung zur Verminderung der Umsatzsteuerschuld aus dem Verkaufsgeschäft. Die Umsatzbuchung beim Verkaufsgeschäft war am 5.04.20X3 von der CHELMSFORD Ltd. vollständig erfasst worden - unabhängig von den Zahlungsvereinbarungen. Der Zinsertrag und der Aufwand für uneinbringliche Forderungen (bad debts) werden in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto für 20X3 gebucht (nicht gezeigt). Am 5.04.20X4 zahlt der Fahrzeugkäufer den vereinbarten Preis von 81.600 AUD. Die Zahlung verändert die Forderungsbewertung, weil der Zahlungseingang die vorgenommene Buchung für das Ausfallrisiko obsolet macht. Deshalb wird der Zahlungseingang beim Empfänger in zwei Schritten gebucht, der erste ist für eine Wertaufholung (reversal of impairment loss) der Forderungen und der zweite für die Forderungserfüllung. Siehe die Buchungssätze (a) und (b). Am 5.04.20X4: DR Accounts Receivables A/ R ..... 8.160 AUD CR Value Added Tax VAT .......... 1.360 AUD CR Bad Debts-20X4 BDA ........... 6.800 AUD DR Cash/ Bank C/ B ................ 81.600 AUD CR Accounts Receivables A/ R ..... 81.600 AUD Zur korrekten Erfassung der Zinserträge bucht die CHELMSFORD Ltd. am Jahresende den in 20X3 nicht realisierten Ertrag (deferred income) in ihrem Zinsertragskonto (interest income), siehe Buchungssatz (c). <?page no="334"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-334 Am 31.12.20X4: DR Deferred Income DIA.......... 750 AUD CR Interest Income-20X4 I4I..... 750 AUD Accounting-Prozess-Schritte (Forderungsbewertung (debts valuation)): (1) Bestimmen Sie den Erfüllungsbetrag (settlement value) SMV, normalerweise der Bruttowert, wenn die Forderung auf Lieferungen und Leistungen bezogen ist. Wenn Forderungen auf eine Ausleihung bezogen sind, wird keine Umsatzsteuer berücksichtigt. (2) Wenn der Erfüllungsbetrag einen Zinsanteil enthält, ist er in die Forderungsbewertung einzubeziehen. (3) Bestimmen Sie das Adressenausfallrisiko (credit risks) der Schuldnerin oder des Schuldners, vorzugsweise als Prozentwert (risk rate rr). (4) Bestimmen Sie den Erwartungswert für die einbringlichen Forderungen unter Berücksichtigung des Adressenausfallrisikos durch Multiplikation des Erfüllungsbetrags mit dem Faktor: (1 - rr). (5) Erfassen Sie uneinbringliche Forderungen als Wertminderungsaufwand, nehmen Sie dazu eine Sollbuchung im Konto Wertminderungsaufwand für Forderungen (bad debts account) im Umfang des Nettowertes des Erfüllungsbetrags multipliziert mit der Risikowahrscheinlichkeit vor: (1/ 120%) × SMV × rr. Buchen Sie im Soll des Umsatzsteuerkontos den Umsatzsteueranteil für den Forderungsausfall aufgrund des Risikos im Umfang: (20%/ 120%) × SMV × rr und nehmen Sie die Sollbuchung unter Forderungen i.H.v.: SMV × rr vor. (6) Überwachen Sie die Zahlungsfähigkeit der Schuldnerin oder des Schuldners. (7a) Wenn die Schuldnerin oder der Schuldner insolvent ist, schreiben Sie den Restbetrag der Forderungen ab. Buchen Sie im Soll des Wertminderungsaufwandskontos (bad debts) und Umsatzsteuerkonto (VAT account) und lösen Sie die verbleibenden Forderungen im Umfang von SMV × (1 - rr) im Forderungskonto (receivables) auf der Habenseite auf. Buchen Sie das Wertminderungsaufwandskonto in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto aus. (7b) Wenn die Schuldnerin oder der Schuldner die ausstehenden Forderungen begleicht und die Forderungen wurden zuvor zur Berücksichtigung eines Ausfallrisikos wertgemindert, erfassen Sie eine Sollbuchung unter Forderungen im Umfang von: SMV × rr und im Umsatzsteuerkonto (VAT account) i.H.v.: (20%/ 120%) × SMV × rr. Neh- <?page no="335"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-335 men Sie im Wertminderungsaufwandskonto (bad debts account) eine Habenbuchung i.H.v.: (1/ 120%) × SMV × rr vor. (8b) Buchen Sie den vollständigen Zahlungseingang im Soll des Kasse-/ Bank-Kontos und im Haben des Forderungskontos. 9.24 Wertpapiere im Umlaufvermögen Wertpapiere im Umlaufvermögen (securities) sind Finanzinstrumente und werden nach IFRS 9 behandelt. Sie können Aktien, Anleihen etc. sein. Es wird hier der englischsprachige Fachausdruck „securities“ verwendet, weil Wertpapiere im Umlaufvermögen leicht liquidierbar sind. Securities sollten Zinserträge und Kursgewinne erwirtschaften. In schlechten Zeiten kann sie die Inhaberin oder der Inhaber kurzfristig liquiditätswirksam veräußern. Weil ihr Nutzen in der Möglichkeit zur kurzfristigen Liquidierbarkeit besteht, werden Wertpapiere im Umlaufvermögen ausgewiesen und erfordern nach IFRS 9 eine Bewertung zu beizulegenden Werten (fair market value). Die Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9.4.1.2 berücksichtigt das Geschäftsmodell der Wertpapierinhaberin oder des Wertpapierinhabers. Somit werden verkaufsbereite Wertpapiere entweder zu Marktpreisen mit Anpassung durch die Gewinn- und Verlustrechnung (FVTPL = fair value through profit or loss) oder mit Anpassung durch sonstige betriebliche Erträge/ Aufwände (FVTOCI = fair value through other comprehensive income) bilanziert. Hinweis: Finanzinstrumente, deren Zweck die Vereinnahmung von vertraglichen Zahlungseingänge ist, werden dagegen zu fortgeführten Anschaffungskosten nach IFRS 9.4.1.2 geführt und wurden in Kapitel (7) besprochen. Aktien werden grundsätzlich zu Marktwerten (FVTPL/ FVTOCI) gehalten, weil sie keine Fälligkeit besitzen. In Einklang mit IFRS 9.5.1.1 werden Wertpapiere erstmalig zu Anschaffungskosten und nachfolgend zu Marktwerten (fair market values) bewertet (IFRS 9.5.7). Der Marktwert von öffentlich gehandelten Wertpapieren ist der Börsenkurs. Es folgen drei Fallstudien zu Wertpapieren im Umlaufvermögen. 9.25 F/ S NOKOX (Pty) Ltd. Zuerst wird die Fallstudie NOKOX (Pty) Ltd. mit Bezug auf Aktienbesitz und Dividendenerträge besprochen: Datenblatt für die NOKOX (Pty) Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: nicht relevant. Abrechnungsperiode: 20X8. Erwerb von 30.000 Aktien von MCD zu 150 AUD/ Aktie am 30.04.20X8. Dividende: 1 USD/ Aktie. Währungsumrechnungskurs 1 USD : 1,50 AUD / 1 USD : 1,40 AUD. Aktienpreis an der NYSE: 105 USD/ Aktie am 31.12.20X8. Umsatzsteuer vernachlässigt. <?page no="336"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-336 * Kaufoption: 2.700.000 USD zu 4.000.000 AUD am 31.12.20X8. Optionserwerb am 4.04.20X8. Bankgebühren: 25.000 AUD. Währungsumrechnungskurs 1 USD : 1,48 AUD. Die NOKOX (Pty) Ltd. erwirbt am 30.04.20X8 30.000 Aktien der McDonald’s Corporation zu jeweils 150 AUD/ Aktie. Die Aktien werden zu 100 USD/ Aktie gehandelt. Zum Erwerbszeitpunkt beträgt der Umrechnungskurs: 1 USD : 1,50 AUD. Die Anschaffungskosten betragen: 30.000 × 150 = 4 4.500.000 AUD. Transaktionskosten sollen hier ignoriert werden. Die NOKOX (Pty) Ltd. plant die Aktien in 20X9 zu verkaufen. Sie ordnet sie den Wertpapieren im Umlaufvermögen zu. Die NOKOX (Pty) Ltd. erhält 42.000 AUD Dividendenerträge in 20X8. Die Dividende beträgt 1 USD/ Aktie. Zu diesem Zeitpunkt hat der australische Dollar gegenüber dem US- Dollar an Wert verloren und wird zu 1,40 AUD/ USD gehandelt. Deshalb beträgt der Dividendenertrag (dividend income) in australischen Dollar bewertet: 30.000 × 1,40 = 4 42.000 AUD. Dieser wird als sonstiger betrieblicher Ertrag (gain) erfasst, weil für die NOKOX (Pty) Ltd. Erträge aus Aktienbesitz nicht dem Geschäftsmodell entsprechen. Zur gleichen Zeit werden die McDonald’s Corporation Aktien an der New Yorker Börse zu 105 USD/ Aktie gehandelt. Der Aktienwert in australischen Dollar ist: 30.000 × 105 × 1,40 = 4 4.410.000 AUD. Der schwache australische Dollar bewirkt für die NOKOX (Pty) Ltd. einen Verlust i.H.v.: 4.500.000 - 4.410.000 = 90.000 AUD. Der Währungsverlust übersteigt den Dividendenertrag. Der Währungsverlust wird von dem Dividendenertrag abgezogen und führt auf einen Verlust i.H.v.: 90.000 - 42.000 = 4 48.000 AUD. Die NOKOX (Pty) Ltd. bucht die Dividendenerträge und den Währungsverlust nach IFRS 9.4.1.2A. Dieser stellt sonstigen Aufwand dar (other expenses (OTH)). Am 31.12.20X8: DR Cash/ Bank C/ B................ 42.000 AUD CR Dividend Income-20X8 OCI..... 42.000 AUD DR Loss in Valuation-20X8 OTH... 90.000 AUD CR Securities SEC............... 90.000 AUS Die Fallstudie NOKOX (Pty) Ltd. wird später unter Berücksichtigung von Hedging-Aspekten fortgeführt. Hedging besteht hier in dem Kompensieren einer Währungskursänderung durch Investition in eine gegensätzliche Finanzposition. Bevor der Fall NOKOX (Pty) Ltd. fortgesetzt wird, werden Anleihen und Optionen behandelt. Die Fallstudie NOKOX (Pty) Ltd. wird bei dem * fortgesetzt. Dort wird gezeigt, wie Währungsverluste auf die ausländischen Aktien durch Hedging mit einer Kaufoption auf USD abgesichert werden. <?page no="337"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-337 Unten werden Anleihen besprochen. In der Fallstudie TRAGER GmbH erwirbt das Unternehmen Anleihen und weist diese unter Wertpapieren im Umlaufvermögen aus. Die Fallstudie TRAGER GmbH kann über den Link 9.B heruntergeladen werden. Link 9.B: TRAGER GmbH Termingeschäfte (future contracts) werden ebenfalls unter Wertpapieren im Umlaufvermögen ausgewiesen. Siehe dazu den Fall der GRENVILLE AG: Die Fallstudie GRENVILLE AG, die regelmäßig Waren an einen in den USA ansässigen Kunden verkauft, geht mit der Deutschen Bank ein Devisentermingeschäft ein, bei dem sie in der Zukunft, am 31.12.20X5, 10.000 USD gegen 9.000 EUR tauscht. Die Fallstudie kann über den Link 9.C heruntergeladen werden. Link 9.C: GRENVILLE AG Wie die Fallstudie GRENVILLE AG zeigt, lassen sich kurzfristige Finanzinstrumente zum Risikoausgleich von aus Währungskursänderungen drohenden Verlusten verwenden. Dieses zählt zu Hedging. Hedging darf nach IFRS 9.5.7.1 (a) auch vereinfacht dargestellt werden, siehe unten. Man nennt das Devisentermingeschäft in der vorherigen Fallstudie das absichernde Instrument (hedging instrument) und die Forderungen, die gegenüber dem ausländischen Kunden bestehen, die zu sichernde Position (hedged item). IFRS 9.6 erlaubt, dass Verluste und Gewinne beider Positionen zusammen ausgewiesen werden dürfen; dieses wird als das Zuordnungsprinzip (matching principle) bezeichnet. Statt beide Positionen getrennt zu buchen, erlaubt der IFRS 9.6 den zusammengefassten Ausweis. Technisch stellt dieses ein Saldieren dar, weshalb ein gesonderter Standard (s.o.) das Vorgehen legalisiert. * 9.26 F/ S NOKOX (Pty) Ltd. - Fortsetzung Nachdem Hedging eingeführt wurde, wird die Fallstudie NOKOX (Pty) Ltd. fortgesetzt, welches der australische Investor ist, der 30.000 MCD-Aktien in 20X8 erworben hat. Die Situation wird jetzt verändert, indem die <?page no="338"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-338 NOKOX (Pty) Ltd. ihren Gewinn in USD mit eine Kaufoption auf USD absichert. Der Gewinn in USD ist der Kursgewinn der Aktien von 100 USD/ Aktie zu 105 USD/ Aktie plus Dividendenerträge. Somit erwirtschaftet die NOKOX (Pty) Ltd.: 30.000 × (105 - 100) + 30.000 × 1 = 180.000 USD. Ohne Währungsverlust wären der Kursgewinn und der Dividendenertrag in AUD: 180.000 × 1,50 = 270.000 AUD. Aufgrund des Nachgebens des AUD gegenüber dem USD verliert die NOKOX (Pty) Ltd.: (3.000.000 + 180.000) × (1,50 - 1,40) = 3 318.000 AUD. Die Differenz führt auf einen Verlust i.H.v.: 270.000 - 318.000 = ( (48.000 AUD), sobald diese in die Berichtswährung AUD umgerechnet werden. Um das Risiko aus Währungskursverlust abzusichern, erwirbt die NOKOX (Pty) Ltd. am 4.04.20X8 gegen Zahlung einer Optionsprämie von 25.000 AUD eine Kaufoption auf 2.700.000 USD am 31.12.20X8 zu 4.000.000 AUD. Der Währungskurs beträgt am 4.04.20X8: 1 USD : 1,48 AUD. Zuerst wird die Kaufoption getrennt von den MCD-Aktien ausgewiesen. Dieser Ausweis wird als Fall (i) beschrieben. Anschließend wird die kombinierte Darstellung als Fall (ii) besprochen. Die letztere steht in Übereinstimmung mit IFRS 9.6. Fall (i): getrennter Ausweis Die Kaufoption wurde zu 25.000 AUD erworben und wird zu Anschaffungskosten gebucht. Zum Zeitpunkt des Erwerbs der MCD- Aktien, hat die Kaufoption keinen Nutzen, weil der Umrechnungskurs 1 AUD : 1,50 USD beträgt. Die Optionsausübung würde sogar einen Verlust bewirken: 2.700.000 × 1,50 - 4.000.000 = 5 50.000 AUD ohne Berücksichtigung der Optionsprämie. Am 31.12.20X8 ist der Wert der Kaufoption höher. Gemäß des Währungsumrechnungskurses haben 2.700.000 USD einen Wert von: 2.700.000 × 1,40 = 3.780.000 AUD. Der Wert der Kaufoption beträgt: 4.000.000 - 3.780.000 = 220.000 AUD. Es muss die Optionsprämie abgezogen werden. Dies ergibt einen Wert für die Kaufoption i.H.v.: 220.000 - 25.000 = 1 195.000 AUD. Nach Abzug des Verlustes aus Währungsumrechnung von dem Wert der Kaufoption verbleibt ein Ertrag i.H.v.: 195.000 - 48.000 = 1 147.000 AUD. Siehe die untenstehenden Buchungssätze für die Erst- und Folgebewertung der Kaufoption. Am 4.04.20X8: DR Securities (Call Option) SEC. 25.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 25.000 AUD Am 31.12.20X8 DR Securities (Call Option) SEC. 195.000 AUD CR Gain on Valuation-20X8 OCI... 195.000 AUD Die NOKOX (Pty) Ltd. bucht den Ertrag aus der Kaufoption und den Verlust aus den Aktien als sonstigen, betrieblichen Ertrag (other comprehensive income). Sie übt am 31.12.20X8 ihre Kaufoption <?page no="339"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-339 aus und tauscht 2.700.000 USD mit einem Wert von: 2.700.000 × 1,40 = 3.780.000 AUD in 4.000.000 AUD. Die letzte Transaktion wird als Buchungssatz (i3) erfasst. Siehe die Konten in Abbildung 9.9. Am 31.12.20X8 (i3): DR Cash/ Bank C/ B (in AUD)....... 4.000.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B (in USD)....... 3.780.000 AUD CR Securities SEC ............... 220.000 AUD D C D C (3) 90.000 (2) 42.000 (1) 4.500.000 (3) 90.000 c/ d 147.000 (i2) 195.000 c/ d 4.410.000 237.000 237.000 4.500.000 4.500.000 b/ d 147.000 b/ d 4.410.000 Other comprehensive income-20X8 OCI Securities SEC D C D C (i1) 25.000 (i3) 220.000 (2) 42.000 (1) 4.500.000 (i2) 195.000 (i3) 4.000.000 (i1) 25.000 220.000 220.000 c/ d 4.263.000 (i3) 3.780.000 8.305.000 8.305.000 b/ d 4.263.000 Option FA Cash/ Bank C/ B Abb. 9.10: Konten der NOKOX (Pty) Ltd. Fall (ii): Hedging Nach IFRS 9.6.1.2 kann die NOKOX (Pty) Ltd. ihre abgesicherte Position (Aktien) mit dem Hedging-Instrument (Kaufoption) gemeinsam ausweisen. In der Bilanz zeigt die NOKOX (Pty) Ltd. im Umlaufvermögen eine Position, die beide Finanzinstrumente verknüpft. Ihre erstmalige Bewertung erfolgt auf Anschaffungskostenbasis der MCD-Aktien und der Kaufoption: 30.000 × 100 × 1,50 + 25.000 = 4 4.525.000 AUD. Am 31.12.20X8 steigt der Aktienwert auf: 30.000 × 105 × 1,40 = 4 4.410.000 AUD. Die Bewertung für die Kaufoption wird von der bestehenden Bewertung zu Anschaffungskosten und dem Wertanstieg abgeleitet: 25.000 + 195.000 = 2 220.000 AUD. Die Summe der Hedging-Position beträgt: 4.410.000 + 220.000 = 4.630.000 AUD. Der resultierende Bewertungsanstieg ist: 4.630.000 - 4.525.000 = 1 105.000 AUD. Dieser Betrag wird zu dem Dividendenertrag i.H.v.: 30.000 × 1 × 1,40 = 42.000 AUD addiert, welches Ertrag außerhalb der Hedging-Position ist. Somit ist der Ertrag aus der Hedging-Position und der Dividende: 105.000 + 42.000 = 147.000 AUD. <?page no="340"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-340 Im Unterschied zu Fall (i) werden Ertrag aus der Hedging-Position i.H.v. 105.000 AUD und 42.000 AUD Dividendenertrag ausgewiesen. Accounting-Prozess-Schritte (Ausweisen von Wertpapieren im Umlaufvermögen (accounting for securities)): (1) Prüfen Sie das Geschäftsmodell der Anlegerin oder des Anlegers und die Absicht für das Halten von Wertpapieren. Wenn Sie unter das Umlaufvermögen fallen, fahren Sie mit Schritt (2) fort, ansonsten berücksichtigen Sie Finanzinstrumente wie in Kapitel (7) beschrieben. (2) Aktivieren Sie die Wertpapiere zu Anschaffungskosten. (3) Überwachen Sie den Marktwert der Wertpapiere; dieses ist z.B. der Kurs an einer Wertpapierbörse (bond market). Wenn sich der Wert der Wertpapiere verändert, buchen Sie die Änderungen entweder durch die Gewinn- und Verlustrechnung oder als sonstige Erträge / sonstigen Aufwand. Nehmen Sie die Gegenbuchungen im Wertpapierkonto vor. (4) Für den Verkauf von Wertpapieren nehmen Sie Buchungen über das Realisationskonto (realisation account) vor. Beim Verwenden eines Wertpapiers, z.B. das Ausüben einer Kaufoption, buchen Sie einen Aufwand in der Höhe des Wertpapiers und nehmen Sie eine Gegenbuchung in dem Wertpapierkonto vor. 9.27 Vorauszahlungen Vorauszahlungen (prepaid expenses) sind Zahlungen, z.B. für Löhne, Mieten, Versicherungsbeiträge etc., die einer bestimmten zukünftigen Periode zugeordnet sind und bereits bezahlt wurden. Die Eigenschaften von Vorauszahlungen sind mit Forderungen vergleichbar. Der Unterschied besteht darin, dass Vorauszahlungen durch Leistungserbringung getilgt werden und Forderungen über Zahlungen. Im Unterschied zum deutschen HGB werden nach IFRSs Vorauszahlungen im Umlaufvermögen gebucht. Sie erfüllen die Ansatzvorschriften für Vermögenswerte. Hinweis: Eine Bilanz nach dem deutschen HGB weist eine eigene Position außerhalb des Umlaufvermögens aus, die als Rechnungsabgrenzungsposten bezeichnet wird. 9.28 Cash und Cash-Äquivalente Kassenbestand (cash) und seine Äquivalente (cash equivalents) werden im Kasse-/ Bank-Konto geführt. Kassenbestand sind Münzen oder Banknoten und Geldvermögen auf Bankkonten. Finanzinvestitionen und Beteiligungen mit einer ähnlichen Liquidität wie Kassenbestand, die sich in einen festen und bekannten Betrag umwandeln lassen, bezeichnet man als Cash-Äquivalente (IAS 7.6) und führt sie ebenfalls unter Bankguthaben. <?page no="341"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-341 Die Bewertung von Kasse/ Bank ändert sich nicht außer bei Kassenbeständen in Fremdwährungen. In solchen Fällen ist die Erstbewertung vom Transaktionsdatum und die Folgebewertung vom Währungsumrechnungskurs am Bilanzstichtag abhängig. Differenzen müssen erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung bzw. als sonstige Erträge/ Auswendungen erfasst werden. 9.29 F/ S BAKENSKOP PLC Siehe unten die Fallstudie BAKENSKOP PLC. Datenblatt für die BAKENSKOP PLC Standort: Botswana (Gaborone). Berichtswährung: BWP. Klassifikation: Handelsunternehmen. Abrechnungszeitraum: 20X5. Anfangswert: 500.000 BWP. Erhöhung um: 20.000 EUR. Währungsumrechnungskurse 1 BWP : 0,09 EUR / 1 BWP : 0,07 EUR. Umsatzsteuer: nicht relevant. Die BAKENSKOP PLC ist ein botswanisches Handelsunternehmen. Es erstellt ihre Bilanz in Botswanan Pula BWP. Für den Import von Waren aus Europa führt die BAKENSKOP PLC ein eigenes Bankkonto in Euro. Für den Bilanzausweis muss die BAKENSKOP PLC den Saldo in ihre Berichtswährung übertragen. Die Fallstudie kann über den Link 9.D heruntergeladen werden. Link 9.D: BAKENSKOP PLC 9.30 Zusammenfassung Im Umlaufvermögen werden Vorräte, Forderungen, Wertpapiere, Vorauszahlungen und Kasse-/ Bank-Bestand ausgewiesen. Die Vorratsbewertung erfolgt zu dem niedrigeren Wertansatz aus Anschaffungskosten und Nettoveräußerungswerten. Für die Bewertung von selbsterstellten Erzeugnissen in Produktionsunternehmen ist eine Kalkulation vorzunehmen. Forderungen werden zu Erfüllungsbeträgen, jedoch unter Berücksichtigung von möglichen Ausfallrisiken bewertet. Diese Anpassungen sowie Abschreibungen bei vollständiger Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin oder des Schuldners werden als Wertminderungsaufwand für uneinbringliche Forderungen abgeschrieben (bad debts). Wertpapiere im Umlaufvermögen werden zu Marktwerten mit Anpassung durch die Gewinn- und Verlustrechnung bzw. sonstige Erträge/ Aufwand bewertet. Der IFRS 9 regelt deren Bewertung. Im Gegensatz zum deutschen HGB werden Vorauszahlungen im Umlaufvermögen erfasst. 9.31 Arbeitsdefinitionen Uneinbringliche Schulden (bad debts): Wertminderungsaufwand für das Erfassen von uneinbringlichen Schulden. <?page no="342"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-342 Hedging (hedging): Das Halten von zwei Finanzinstrumenten mit gegensätzlichem Risiko, z.B. Forderungen in USD und ein Kaufoption in USD. Leerkosten (idle costs): Aufwand für nicht genutzte Produktionskapazitäten. Vorratsvermögen (inventories): Vermögenswerte, die zum Verkauf gehalten werden oder der Erzeugnisherstellung oder Dienstleistungserbringung dienen. Fertigungsauftragskonto (work-inprocess account): Konto im Rahmen der Fertigungsauftragskalkulation, das den Fertigungsauftrag (job order) repräsentiert. Das Work-in-Process Account ist das Abstimmkonto für Fertigungsauftragskonten, siehe die Konventionen in Kapitel (1). Kalkulation (manufacturing accounting): Bereich der Buchhaltung, der die Erzeugniskalkulation in Produktionsunternehmen abbildet. Die Kalkulation verwendet Fertigungsauftrags- und Fertigungsgemeinkostenkonten (work-in-process; manufacturing overheads). Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads account): Konto für die Erfassung von Gemeinkosten, die mit der Fertigung in Verbindung stehen und i.d.R. einer Kostenstelle oder einem Fertigungsbereich zugeordnet werden. Nettoverkaufswert (net realisable value): Betrag zur Bewertung nach beizulegenden Werten (fair value), bei der ein Vermögenswert zu einem Betrag bestimmt wird, der unter kundigen, verkaufswilligen und unabhängigen Parteien im Rahmen eines normalen Geschäftsvorfalls (orderly transaction) vereinbart werden würde. Gemeinkostenverrechnung (overhead application): Verrechnung von Fertigungsgemeinkosten auf Fertigungsaufträge durch einen Buchungssatz: DR Work-in-Process - CR Manufacturing Overheads. Wertpapiere im Umlaufvermögen (securities): kurzfristige Finanzinstrumente. 9.32 Kontrollfragen (1) Ein Unternehmen bucht unter fertigungsbezogenen Gemeinkosten: Abschreibungen 30.000 EUR, Lohngemeinkosten (indirect labour) 55.000 EUR und Versicherungsaufwand auf das Fabrikgebäude 6.000 EUR. Das geplante Produktionsvolumen beträgt 100.000 kg. Der Plankostenverrechnungssatz (predetermined overhead allocation rate) beträgt 0,86 EUR/ kg. Die Ist-Leistung beträgt nur 60.000 kg. Wie hoch sind die nach IAS 2.13 zu verrechnenden Plangemeinkosten, wenn nach IAS 2.13 die Normalkapazität anzusetzen ist und Leerkosten (idle costs) auszuweisen sind? 1. 51.600 EUR . 2. 54.600 EUR . 3. 86.000 EUR . 4. 91.000 EUR . (2) Ein Unternehmen bucht die folgenden Lagerzugänge: 100 zu 34 EUR/ Stk., 200 zu 33 EUR/ Stk., 150 zu 35 EUR/ Stk. Wie hoch ist der Aufwand für eine Lagerentnahme von 25 Stk. gemäß der Durchschnittsmethode (weighted average cost formula)? 1. 842 EUR . 2. 850 EUR . <?page no="343"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 9-343 3. 847 EUR . 4. 875 EUR . (3) Ein Produktionsunternehmen bestimmt einen Plankostenverrechnungssatz (predetermined overhead allocation rate) auf der Grundlage seiner geplanten herstellungsbezogenen Gemeinkosten von 60.000 EUR und einem Planproduktionsvolumen von 400 Maschinenstunden. Während der aktuellen Abrechnungsperiode entstehen Istkosten (actual costs) von 61.000 EUR und es werden 390 Maschinenstunden im Fertigungsbereich (manufacturing department) erfasst. Bestimmen Sie die unterverrechneten (under-applied) Fertigungsgemeinkosten! 1. 1.500 EUR . 2. 2.500 EUR . 3. 1.538 EUR. 4. Null . (4) Ein Unternehmen hält eine Forderung (note receivable) aus Warenverkauf in Höhe von 1.500 EUR. Der Kunde ist wahrscheinlich (80 % Wahrscheinlichkeit) zahlungsunfähig. Wie hoch sind die abzuschreibenden Forderungen (bad debts)? 1. 0 EUR . 2. 1.000 EUR . 3. 1.250 EUR . 4. 1.500 EUR . (5) Ein Unternehmen erwirbt am 4.05.20X5 50 Anleihen (bonds) die in der nächsten Abrechnungsperiode fällig werden (maturity) - am 30.06.20X6. Die Anschaffungskosten betragen 246 EUR/ Anleihe und der Nennwert ist 250 EUR/ Anleihe. Der Coupon in Höhe von 5,4 %/ Jahr wird am 31.12.20X5 ausgezahlt. Mit welchem Wertansatz werden die Anleihen im Jahresabschluss zum 31.12.20X5 ausgewiesen? 1. 12.964 EUR . 2. 12.171 EUR . 3. 12.500 EUR . 4. 12.300 EUR . 9.33 Lösungen 1-1, 2-3, 3-2, 4-2, 5-4. <?page no="344"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-344 10 Kapitalflussrechnung 10.1 Inhalt dieses Kapitels Dieses Kapitel beschreibt, wie eine Kapitalflussrechnung (statement of cash flows) nach IFRSs aufgestellt wird. Der Kapitalfluss (cash flow) ist die Veränderung des Bestands von Kasse/ Bank über einen Zeitraum, i.d.R. während eines Geschäftsjahres. Er zeigt, ob Zahlungsmittel dem bilanzierenden Unternehmen zufließen oder ob sie sich vermindert. Es bestehen für das Aufstellen der Kapitalflussrechnung drei Methoden: die direkte Methode, wie sie für KENILWORTH METERED TAXI Service Ltd. in Kapitel (3) angewendet wurde, die Überleitungsrechnung mit Herleitung der operativen Zahlungsmittelströme aus der Erfolgsrechnung, wie sie für die Kapitalflussrechnung der BATHURST Ltd. in Kapitel (6) angewendet wurde, und die derivative Methode 91 , bei der Zahlungsströme aus Differenzenbilanzen abgeleitet werden. Standardmäßig wird in der Praxis die Überleitungsrechnung angewendet. Weil die Überleitungsrechnung vom Erfolg ausgeht, wird zuerst eine Gewinnermittlung durchgeführt. Zusätzlich wird ein Kasse-/ Bank-Konto erstellt und die direkte Methode zur Erstellung der Kapitalflussrechnung vorgestellt. Anschließend wird für den gleichen Sachverhalt die Überleitungsrechnung zur Bestimmung des operativen Zahlungsstroms demonstriert. 91 Die derivative Methode ist in den Zusatzmaterialien enthalten. Der Aufbau dieses Kapitels orientiert sich an dem Vorgehen für die Überleitungsrechnung aus dem Gewinn auf die Zahlungsmittelströme aus operativen Unternehmenstätigkeiten. Es werden alle Schritte im Detail beschrieben, bevor sie auf die Fallstudie EIMKE Ltd. angewendet werden. 10.2 Lernziele Nach Studium der Kapitalflüsse in diesem Kapitel verstehen Sie den Sinn, Zahlungsmittelströme (cash flow) in den Kategorien operativ, investitionsbezogen und finanzorientiert getrennt darzustellen. Sie können die direkte Methode auf eine komplette Kapitalflussrechnung sowie die Überleitungsrechnung auf operative Zahlungsmittelströme anwenden. Sie verstehen die Überleitungsschritte vom Ergebnis auf den operative Kapitalfluss (cash flow). 10.3 Verpflichtung zum Aufstellen einer Kapitalflussrechnung Zahlungsmittelströme verändern den Kasse-/ Bank-Bestand während einer Abrechnungsperiode. In IAS 1.10 wird die Kapitalflussrechnung als Bestandteile eines vollständigen Jahresabschlusses verlangt. Die Bilanzadressatinnen oder Bilanzadressaten können die Liquiditätssituation eines Unternehmens über die Analyse des Kasse-/ Bank-Bestands im Zusammenhang mit der Kapitalflussrechnung beurteilen. Sie können daraus die <?page no="345"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-345 zukünftige Liquidität und die Zahlungsmittelstromentwicklung für das bilanzierende Unternehmen antizipieren, um ihre wirtschaftlichen Entscheidungen zu untermauern. Strukturell ähnelt die Kapitalflussrechnung (cash flow statement) einem Liquiditätsplan (cash budget) 92 . Bei einer Liquiditätsrechnung wird der verfügbare Zahlungsmittelbestand bestimmt, indem Zahlungseingänge zum Kasse- / Bank-Bestand addiert und alle Auszahlungen subtrahiert werden. Räumen die Kreditgeberinnen oder Kreditgeber zusätzliche Darlehn oder Kontoüberziehungen ein, müssen diese dem Schlussbestand des Kasse- / Bank-Kontos zugerechnet werden, um die Liquidität zu bestimmen. Eine Kapitalflussrechnung unterscheidet sich in vier Punkten von einem Liquiditätsplan: (1) Ein Liquiditätsplan geht von dem Anfangswert des Kasse- / Bank-Bestands aus und endet mit dem Schlussbestand (Liquidität) während eine Kapitalflussrechnung nur die Veränderungen der Zahlungsmittel darstellt. (2) Für eine Kapitalflussrechnung werden die Zahlungsmittelströme in Klassen unterteilt, um zukünftige Zahlungsein- und -ausgänge abschätzen zu können. Zahlungsmittelströme, die von operativen Tätigkeiten ausgehen, sind typischerweise repetitiv, während Kapitalflüsse aus Finanz- oder Investitionstätigkeiten i.d.R. singuläre Transaktionen sind. (3) Eine Kapitalflussrechnung ist auf die Vergangenheit bezogen, während ein Liquiditätsplan Planungszwecken 92 Siehe im Lehrbuch Management Accounting Kapitel (6). dient. (4) Im Unterschied zur Kapitalflussrechnung wird die berechnete Liquidität um ergänzende Kreditangebote und Überziehungsmöglichkeiten ergänzt. Hinweis: Das Thema der Liquiditätsplanung dient hier dem Vergleich und soll nicht weiterverfolgt werden; es wird auf das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (6) verwiesen. Alle berichtspflichtigen Unternehmen, die nach IFRSs bilanzieren, müssen eine Kapitalflussrechnung aufstellen. Der gesamte Kapitalfluss (total cash flow) lässt sich bereits als Differenz der Bilanzposition Kasse/ Bank von zwei aufeinander folgenden Bilanzen ablesen. Bei einer Kapitalflussrechnung werden die Zahlungsmittelströme in die folgenden drei Kategorien unterteilt: - Zahlungsströme aus operativen Tätigkeiten (operating cash flow). - Zahlungsströme aus Investitionen (investing cash flow). - Zahlungsströme aus Finanzierungen (financial cash flow). Die Hauptaufgabe beim Aufstellen einer Kapitalflussrechnung besteht in der Klassifizierung der Zahlungsmittelströme nach den oben genannten Kategorien. 10.4 F/ S EIMKE Ltd. Für EIMKE Ltd. in Melbourne werden zuerst eine Gewinn- und Verlustrechnung und das Kasse-/ Bank- Konto vorbereitet. Anschließend wird <?page no="346"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-346 die Kapitalflussrechnung nach der direkten und der Überleitungsrechnung erstellt. Datenblatt für die EIMKE Ltd. Standort: Australien (Melbourne). Berichtswährung: AUD. Klassifizierung: Produktionsunternehmen. Abrechnungsperiode: 20X8. Anfangswerte: siehe Bilanz zum 31.12.20X7. Tätigkeiten in 20X8: Zahlung der Ertragsteuern: 30.000 AUD, Wareneinkauf: 60.000 AUD (brutto), Abschreibungen: 20.000 AUD, Vereinnahmung von Forderungen: 2.500 AUD, Kapitaldienst: 3.000 AUD, Umsatz: 120.000 AUD, Materialverbrauch: 60.000 AUD. Umsatzsteuersatz: 20 %. EIMKE Ltd. ist ein Produktionsunternehmen in Australien. Ihre Bilanz zum Ende der vorherigen Abrechnungsperiode wird in Abbildung 10.1 gezeigt. A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 75.000 Share capital 30.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 70.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 20.000 Long-term liab. 18.000 Accounts receivables 5.000 Short-term liab. A/ P 2.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 50.000 Income tax liab. 30.000 Total assets 150.000 Total equity and liab. 150.000 Eimke Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X7 Abb. 10.1: Bilanz von EIMKE Ltd. (20X7) Für die Kapitalflussrechnung relevante Bilanzpositionen werden unten erläutert: EIMKE Ltd. weist einen Bankkredit mit einem Wert von 20.000 AUD aus. Nach IAS 1.60 wird der darin enthaltene Tilgungsanteil von 2.000 AUD, der im nächsten Jahr zu zahlen ist, als kurzfristige Verbindlichkeit eingeordnet und unter der Position kurzfristige Verbindlichkeiten (short-term liability) ausgewiesen. Die Tilgung des Bankdarlehns bei EIMKE Ltd. ist konstant und für diese Fallstudie vorgegeben. Der Bilanzgewinn (retained earnings) von 70.000 AUD stammt aus dem Ergebnis des letzten Jahres und enthält keine Gewinn- oder Verlustvorträge. Die Ertragsteuern sind auf den Gewinn, der in 20X7 erwirtschaftet wurde, bezogen und in 20X8 fällig. Die Forderungen (accounts receivables) spiegeln zukünftige Zahlungseingänge von Kunden für in der Vergangenheit erfolgte Warenverkäufe wider. EIMKE Ltd. zeichnet die untenstehenden Geschäftsvorfälle in 20X8 auf: <?page no="347"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-347 (1) Zahlung der Ertragsteuern im Umfang von 30.000 AUD. (2) Erwerb von und Zahlung für Material zu Anschaffungskosten von 50.000 AUD (brutto: 60.000 AUD). (3) Abschreibungen in Höhe von 20.000 AUD. (4) Vereinnahmung der Hälfte der in der Bilanz in Abbildung 10.1 ausgewiesenen Forderungen (receivables). (5) Zahlung von 1.000 AUD Zinsen und 2.000 AUD Tilgung für das Bankdarlehn, letztere sind von dem Konto kurzfristige Schulden (payables) abzuziehen (IAS 1.60). Die Tilgung für 20X9 ist in die kurzfristigen Verbindlichkeiten umzubuchen. (6) Erwirtschaften eines Umsatzes von 120.000 AUD aus Warenverkäufen. Von den Proceeds (Bruttowert) zahlen die Kunden nur 90 %, der Rest wird in der nächsten Abrechnungsperiode vereinnahmt. (7) Materialverbrauch in Höhe von 60.000 AUD durch den Produktionsprozess. Die Buchungssätze (1) - (7) werden nachfolgend gezeigt. Zur Vereinfachung werden Umsatzbuchungen und Lagerentnahmen am 1.07.20X8 und die Vereinnahmung von Forderungen und die Materialverbräuche am 30.06.20X8 als jeweils ein Buchungssatz erfasst. Die Buchungen für das Bankdarlehn werden in drei einzelne Buchungssätze (5a) - (5c) unterteilt, die am Jahresende gebucht werden. Am 1.01.20X8 (1): DR Income Tax Liabilities ITL... 30.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 30.000 AUD Am 30.06.20X8 (2): DR Inventories INV .............. 50.000 AUD DR Value Added Tax VAT .......... 10.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 60.000 AUD Am 31.12.20X8 (3): DR Depreciation-20X8 DPR ........ 20.000 AUD CR Accumulated Depreciation ACC . 20.000 AUD Am 30.06.20X8 (4): DR Cash/ Bank C/ B ................ 2.500 AUD CR Accounts Receivables A/ R ..... 2.500 AUD Am 31.12.20X8 (5): DR Interest-20X8 INT ............ 1.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 1.000 AUD DR Accounts Payables A/ P ........ 2.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B ................ 2.000 AUD <?page no="348"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-348 DR Interest Bearing Liab. IBL... 2.000 AUD CR Accounts Payables A/ P........ 2.000 AUD Am 1.07.20X8 (6): DR Cash/ Bank C/ B................ 129.600 AUD DR Accounts Receivables A/ R..... 14.400 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 24.000 AUD CR Revenue-20X8 REV............. 120.000 AUD Am 30.06.20X8 (7): DR Material Expenses-20X8 MAT... 60.000 AUD CR Inventories INV.............. 60.000 AUD Von den oben dargestellten Geschäftsvorfällen sind (1), (2), (4), (5a), (5b) und (6) zahlungsrelevant. Das Gewinn- und Verlustrechnungskonto wird in Abbildung 10.2. gezeigt. Die Bilanz zum 31.12.20X8 steht in Abbildung 10.5. D C DPR 20.000 REV 120.000 INT 1.000 MAT 60.000 EBT 39.000 120.000 120.000 ITL 11.700 b/ d 39.000 R/ E 27.300 Profit and Loss-20X8 P8L Abb. 10.2: Gewinn- und Verlustrechnungskonto der EIMKE Ltd. (20X8) Der Kasse/ Bank-Vergleich zeigt, dass EIMKE Ltd.'s Liquidität zugenommen hat. Die Position Kasse/ Bank in der Bilanz zum 31.12.20X7 war 50.000 AUD (Abbildung 10.1), und ein Jahr später beträgt sie 89.100 AUD. Siehe Abbildung 10.5. Somit ist der gesamte Kapitalfluss bei der EIMKE Ltd.: 89.100 - 50.000 = 39.100 AUD. Als Nächstes wird die Kapitalflussrechnung nach der direkten Methode erstellt. Dafür werden die im Bankkonto aufgezeichneten Zahlungen kategorisiert in: operative Cash-Flows, Cash- Flows aus Investitionstätigkeit und Cash-Flows aus Finanzierung. Die Einteilungskriterien werden unten gezeigt. Operative Tätigkeiten bei EIMKE Ltd. sind die Ertragsteuerzahlung (1), Materialeinkäufe (2), die Vereinnahmung der Forderungen (4) und die Zahlungseingänge aus Warenumsatz (6). Zahlungen aus Finanzierungen enthalten die Zinsen (5a) und die Tilgung (5b) für das Bankdarlehn. Bei EIMKE Ltd. haben in 20X8 keine Investitionen stattgefunden. Siehe die Zahlungsstromkennungen (o/ i/ f) im Kasse-/ Bank Konto in Abbildung 10.4. <?page no="349"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-349 Siehe unten die Kapitalflussrechnung in Abbildung 10.3. Cash flow from operating acitivities [AUD] [AUD] Proceeds 129.600 Purchase payment (60.000) Collection of receivables 2.500 Tax payment (30.000) 42.100 Cash flow from investing activities Investments 0 0 Cash flow from financing activities Interest payment (1.000) Pay-off payment (2.000) (3.000) Total cash flow 39.100 Eimke Ltd. STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X8 Abb. 10.3: Kapitalflussrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) Accounting-Prozess-Schritte (Kapitalflussrechnung - direkte Methode (cash flow statement - direct method)): (1) Bestimmen Sie alle relevanten Aus- und Einzahlungen der Abrechnungsperiode aus dem Kasse-/ Bank-Konto. (2) Klassifizieren Sie Zahlungsströme in die Kategorien: operativ, aus Investitionen und aus Finanzierung resultierende Kapitalflüsse. (o) Operative Zahlungsströme stammen von gewöhnlicher betrieblicher Tätigkeit eines Unternehmens, z.B., Zahlungen für Einkäufe, Lohnzahlungen, Mietzahlungen, Zahlungen für Ertragsteuern, Einzahlungen aus Warenverkäufen etc. (i) Investitionsbezogene Zahlungsströme werden durch Einkauf und Abgang von Anlagevermögen, z.B. durch Anschaffungen und Veräußerungen von Maschinen verursacht. (f) Finanzzahlungsströme beziehen sich auf die Unternehmensfinanzierung und ändern die Eigen- und Fremdkapitalpositionen in der Bilanz oder sind Zinsaufwands- oder -ertragspositionen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Beispiele sind Kreditaufnahmen, die Ausgabe von Aktien oder Anleihen, Auszahlen oder Vereinnahmen von Dividenden, Zahlungen für Zinsaufwand oder -erträge, <?page no="350"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-350 Coupon- und Tilgungszahlungen. Es gelten die Vereinfachungen aus Kapitel (1). (3) Berechnen Sie den operative, investitionsbezogenen und finanzierungsbezogenen Kapitalfluss durch Addition von einzelnen Zahlungseingängen und Subtraktion von Zahlungsausgängen. (4) Addieren Sie alle drei Kapitalflusskategorien für die Berechnung des gesamten Cash-Flows. Eine Kapitalflussrechnung kann den drei Methoden folgend erstellt werden: - Direkte Methode. - Indirekte Methode (Überleitungsrechnung für die Bestimmung des operativen Cash-Flows aus dem Gewinn und Berechnung des Investitions- und Finanzierungs-Cash-Flows nach der direkten Methode). - Derivative Methode. (Bei dieser Methode werden Cash-Flows über zwei Bilanzen, die Gewinn- und Verlustrechnung, den Anlagespiegel und die Darstellung der Gewinnverwendung abgeleitet. Dieses erlaubt das Erstellen einer Kapitalflussrechnung “von Außen”). Für EIMKE Ltd. wurde oben bereits die Kapitalflussrechnung nach der direkten Methode erstellt und in Abbildung 10.3 gezeigt. Hinweis: Für die Benennung der Methoden ist Folgendes zu beachten: Der IAS 7.18 fokussiert auf den operativen Cash- Flow. Er bezieht sich auf die direkte Methode, die auf Zahlungsein- und -ausgängen aufbaut. Im Gegensatz dazu leitet man bei der indirekten Methode den Kapitalfluss per Überleitungsrechnung zwischen dem operativen Cash-Flow und dem Ergebnis ab. Der Investitions- und Finanz-Cash-Flow müssen dabei immer direkt bestimmt werden und werden in IAS 7.18 nicht behandelt. Die derivative Methode kommt in IAS 7 nicht vor. 10.5 Direkte Methode Die direkte Methode analysiert die Einträge im Kasse-/ Bank-Konto und klassifiziert sie in the Kategorien operative, investitionsbezogene und finanzierungsbezogene Ein- und Auszahlungen. Die Kategorien von Kapitalflüssen werden in IAS 7.6 definiert. Operative Tätigkeiten eines Unternehmens zielen darauf ab, Umsätze aus Leistungserstellung zu erwirtschaften, und sind nicht mit Investitionen oder Finanzierungen verknüpft. Beispiele für operative Kapitalflüsse finden sich in IAS 7.14. Investitionen sind Anschaffung und der Abgang von Anlagevermögenswerten. Beispiele werden in IAS 7.16 erwähnt. Finanztätigkeiten ändern das Eigenkapital oder langfristige Verbindlichkeiten. Beispiele hierzu gibt IAS 7.17. Ebenso zählen alle Zahlungen und Erträge, die mit letzteren in Verbindung stehen, z.B. Zinszahlungen und Darlehnsrückzahlungen, zu Finanztätigkeiten. Zinsaufwand und -erträge sowie Dividendenzahlungen sind den Konventionen in Kapitel (1) folgend Finanz-Cash-Flows. IAS 7.33 erlaubt alternativ auch deren Klassifizierung als operativen Cash-Flow. Hinweis: In diesem Lehrbuch wird von der alternativen Klassifizierung nach IAS <?page no="351"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-351 7.33 abgesehen, damit Berechnungen eindeutig sind. Die direkte Methode ist methodisch wenig anspruchsvoll. Bei einer hohen Anzahl von Buchungen im Kasse- / Bank-Konto wird der Aufwand für die Erstellung einer Kapitalflussrechnung jedoch umfangreich, weil auf Transaktionsebene klassifiziert und zugeordnet wird. 10.6 F/ S EIMKE Ltd. - Direkte Methode Das Kasse-/ Bank- und Forderungskonto (accounts receivables account) der EIMKE Ltd. für 20X8 sind in Abbildung 10.4 dargestellt. Das Kasse-/ Bank-Konto enthält zusätzlich Angaben zur Klassifizierung der Ein- und Auszahlungen. D C D C OV 50.000 (1) 30.000 o OV 5.000 (4) 2.500 o (4) 2.500 (2) 60.000 o (6) 14.400 c/ d 16.900 o (6) 129.600 (5) 3.000 f 19.400 19.400 c/ d 89.100 16.900 182.100 182.100 b/ d 89.100 Cash/ Bank C/ B Accounts receivables A/ R Abb. 10.4: Konten bei EIMKE Ltd. (20X8) Die Zahlungsvorgänge (1), (2), (4) und (6) sind operative Cash-Flows; (5a) und (5b) sind finanzierungsbezogene Kapitalflüsse. 10.7 Überleitung von Gewinnen zu operativen Cash-Flows Bei der indirekten Methode wird das Nachsteuerergebnis in operative Zahlungsströme überführt. Dies stellt eine Vereinfachung zur direkten Methode dar: Bei einer Gewinnermittlung werden Geschäftstätigkeiten auf Basis von Erfolgsgrößen (Ertrag und Aufwand) erfasst. Eine Kapitalflussrechnung für operative Cash-Flows würde das erneute Erfassen derselben Geschäftstätigkeiten erfordern, jedoch auf der Grundlage von Zahlungsgrößen. Zur Effizienzsteigerung sieht man von einer Doppelerfassung der Geschäftsvorfälle ab und passt stattdessen den Gewinn um Tätigkeiten, die (1) erfolgswirksam sind, aber keine Auswirkungen auf Zahlungen haben, und (2) auf Zahlungen ohne Ergebnisrelevanz an. Geschäftsvorfälle, die unter (1) fallen, sind z.B. Abschreibungen, Rücklagenzuführungen etc. Geschäftsvorfälle, die unter (2) fallen, sind z.B. Einkäufe und Zahlungen für Material, das nicht verbraucht wurden und zu Lagerbestandserhöhungen führt, Zahlungen in Verbindung mit Forderungen und Verbindlichkeiten, Vorauszahlungen, Umsatzsteuerzahlungen etc. Mit den Anpassungen nach (1) und (2) überführt man den Gewinn in den operativen Cash-Flow. Die Arbeitserleichterung bei der Überleitungsrech- <?page no="352"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-352 nung besteht darin, dass Berechnungen nicht mehr auf Transaktionsebene vorgenommen werden, sondern Anpassungen und Ergänzungen auf der Grundlage von Bilanzpositionen erfolgen. Der nachfolgende Absatz zum praktischen Vorgehen führt die Schritte bei einer Überleitungsrechnung auf. Die Grundlage stellen Informationen aus der Gewinn- und Verlustrechnung und Veränderungen von bestimmten Bilanzpositionen dar. Der Absatz dient als Orientierungshilfe für die nachfolgende Methodenbeschreibung. Accounting-Prozess-Schritte (Überleitungsrechnung (reconciliation of profits with operating cash flows): (1) Bestimmen Sie das Periodenergebnis als Nachsteuergewinn. (2) Addieren Sie Aufwand ohne Zahlungswirkung zum Nachsteuerergebnis, z.B. Abschreibungen, Zuführungen zu den Rücklagen, Zinszahlungen etc. (Der Zinsaufwand wird addieren, weil er Finanz-Cash-Flows ist.) (3) Subtrahieren Sie Zins- und Dividendenertrag, weil sie Finanzierungs-Cash-Flows sind. (4) Addieren Sie Einzahlungen aus der Vereinnahmung von Forderungen und ziehen Sie Forderungserhöhungen ab. (5) Addieren Sie Verminderungen von Vorauszahlungen und ziehen Sie Erhöhungen ab. (6) Addieren Sie Bestandsverminderungen von Vorräten und ziehen Sie Erhöhungen ab. (7) Addieren Sie Erhöhungen von kurzfristigen Schulden und ziehen Sie Verminderungen ab. Das Auflösen von Aufwandsrückstellungen führt zu negativen Zahlungsströmen aus operativen Tätigkeiten. (8) Addieren Sie einen Anstieg von Ertragsteuerschulden, ziehen Sie Verminderungen ab. (9) Addieren Sie einen Anstieg der Vorsteuerforderungen (input-VAT) und ziehen Sie Erhöhungen ab (erfolgte Vorsteuerzahlung an Lieferantinnen oder Lieferanten). (10) Addieren Sie einen Anstieg der Umsatzsteuerschulden (output-VAT), ziehen Sie Verminderungen ab. (11) Addieren Sie das Nachsteuerergebnis und alle Anpassungen gemäß den Schritten (2) bis (10). Die Summe ist der Kapitalfluss (cash flow) aus betrieblicher Tätigkeit. (12) Bestimmen Sie den Investitions- und Finanzierungs- Cash-Flow auf der Grundlage einzelner Ein- und Auszahlungen, d.h. nach der direkten Methode. (13) Addieren Sie alle Kapitalflüsse. <?page no="353"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-353 Es folgt eine detaillierte Erläuterung für die oben erwähnten Schritte. Das Ziel ist die Bestimmung des operativen Kapitalflusses über das Nachsteuerergebnis, indem dieses um bestimmte Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung und um Veränderungen von Bilanzpositionen während des Bilanzierungszeitraums korrigiert wird. Bei der Überleitung des operativen Cash-Flows aus dem Ergebnis wird entweder eine Ergebniskorrektur in der Kapitalflussrechnung vorgenommen oder die Berechnungen erfolgen außerhalb in einer gesonderten Überleitungsrechnung. 10.8 Schritt (1) Das Jahresergebnis wird aus der Gewinn- und Verlustrechnung, d.h. auf der Grundlage von Erfolgsgrößen, errechnet. Das Nachsteuerergebnis stellt den Ausgangspunkt für die Überleitungsrechnung zur Ermittlung des operativen Cash-Flows dar. Hinweis: Alternativ kann das Vorsteuerergebnis als Ausgangspunkt gewählt werden, es muss allerdings sichergestellt werden, dass die Erhöhung der Ertragsteuerschulden in Schritt (8) dann unberücksichtigt bleibt. 93 10.9 Schritt (2) Aufwand ohne Zahlungsbezug in derselben Abrechnungsperiode haben keinen Einfluss auf den Kasse-/ Bank- Bestand. Solche Aufwendungen dürfen für die Kapitalflussrechnung nicht berücksichtigt werden, sie sind jedoch 93 Es wird empfohlen, die Überleitungsrechnung immer mit dem Nachsteuerergebnis zu beginnen, weil Ertragsteuerschulden sich durch Vorauszahlungen oder Zahlungen für vergangene ergebnisrelevant und werden bei der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt. Durch das Ableiten der Kapitalflussrechnung aus dem Nachsteuerergebnis muss der Einfluss nichtzahlungswirksamer Aufwendungen nachträglich eliminiert werden. Weil Aufwand vom Umsatz abgezogen wird, bedeutet eine Annullierung, dass Aufwand dem Ergebnis wieder hinzugerechnet werden muss. Z.B. sind Abschreibungen nicht zahlungswirksam, weil die Gegenbuchung zum Abschreibungsaufwand im Konto kumulierte Abschreibungen (accumulated depreciation) erfolgt. Um die Abschreibungen zu eliminieren, müssen sie für die Kapitalflussrechnung zum Ergebnis addiert werden. Ein anderes Beispiel sind Aufwendungen, die für eine Zuführung zu Rückstellungen gebucht werden. Solche Aufwendungen sind in der aktuellen Periode ergebnisrelevant, die Zahlungen erfolgen jedoch in der Zukunft. Deshalb muss Aufwand in Zusammenhang mit dem Bilden von Aufwandsrückstellungen herausgerechnet werden, d.h. sie werden ebenfalls zum Ergebnis addiert. 94 Zinsaufwand führt zwar zu Zahlungen, diese stellen jedoch Finanzierungs-Cash-Flows dar. Somit muss Zinsaufwand zum Ergebnis addiert werden, um ein doppeltes Berücksichtigen bei der Kapitalflussrechnung zu verhindern. Abrechnungsperioden ändern können und somit Berechnungen, die von dem Vorsteuerergebnis ausgehen, fehleranfällig sind. 94 Siehe auch Schritt (7). <?page no="354"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-354 10.10 Schritt (3) Zinsertrag oder Einkünfte aus Aktienbesitz sind Finanzierungs-Cash-Flows. Der Zahlungseingang wird aus dem operativen Cash-Flow gelöscht und im Schritt (12) dem Finanzierungs-Cash- Flow zugeordnet. Der Schritt (3) widmet Zahlungen aus Zinserträgen und Dividendenerträge vom operativen zum Finanz-Cash-Flow um. 10.11 Schritt (4) Schritt (4) erfolgt buchungssatzunabhängig, d.h. nicht auf Transaktionsebene. Jede Forderungsverminderung wird als Zahlungseingang aus der Vereinnahmung von Forderungen interpretiert. Im umgekehrten Fall eines Forderungsanstiegs wird eine Zahlung an eine Schuldnerin oder einen Schuldner unterstellt, die diese oder dieser verpflichtet ist, in der Zukunft zurückzuzahlen. Hinweis: Bei einem Wertminderungsaufwand, der Forderung reduziert (bad debts), wird ebenso ein Zahlungseingang unterstellt. Dieser kompensiert die Aufwandsberücksichtigung in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die einzige Zahlung, die durch einen Wertminderungsaufwand auf Forderungen entstehen kann, ist die Rückzahlung der in der Forderung enthaltenen Umsatzsteuerschuld durch die Finanzbehörden. 10.12 Schritt (5) Technisch besteht bei einer Kapitalflussrechnung kein Unterschied zwischen Forderungen (receivables) und Vorauszahlungen (prepaid expenses). Eine Forderung ist eine Auszahlung, die in der Zukunft zurückgezahlt wird; Vorauszahlungen sind zahlungswirksamer Aufwand, der nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst wird. Daher müssen sie vom Nachsteuerergebnis abgezogen werden. Vorauszahlungen wirken wie zahlungswirksame Forderung, die zum Empfangen einer Leistung in späteren Perioden führen, z.B. Mieten, Versicherungen, Arbeitsleistung etc. Vorauszahlungen werden nur zum Zeitpunkt der Zahlung für die Kapitalflussrechnung berücksichtigt: Ein Bilden oder Anstieg von Vorauszahlungen und von Forderungen sind Auszahlungen, deren Minderungen bedeuten Zahlungseingänge. Bleibt die Höhe der Vorauszahlungen konstant, erfolgt keine Ergebnisanpassung bei der Überleitungsrechnung. Zahlt ein Unternehmen konstante Mieten im Voraus, entsteht in der Vorauszahlungsperiode ein negativer Cash-Flow, weil die vorausgezahlte Miete nicht ergebniswirksam ist. Zahlt ein Unternehmen danach zwölf Monatsmieten, von denen die letzte wieder eine Vorauszahlung darstellt, entspricht der Mietaufwand des Jahres den geleisteten Zahlungen und es wird keine Anpassung des Nachsteuerergebnisses in der Überleitungsrechnung erforderlich. 10.13 Schritt (6) Vorräte sind Umlaufvermögen, für das Zahlungen bereits erfolgt sind. Es ist nicht wichtig, ob Vorräte Rohmaterial, Hilfsgüter oder Fertigerzeugnisse sind. Eine Zunahmen von Vorratsvermögen bedeutet immer Zahlungsausgänge. Eine Bestandsabnahme von Vorräten wirkt wie ein Zahlungsein- <?page no="355"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-355 gang im Gegenzug zu einem Wareneingang. Alle Bestandsveränderungen von Vorräten werden auf Anschaffungs- und Herstellungskostenbasis bewertet. Die zugehörigen Umsatzsteuern werden in Schritt (9) gesondert berücksichtigt. 10.14 Schritt (7) Veränderungen von kurzfristigen Schulden und Rückstellungen sind nicht Finanzierungs-Cash-Flows. Sie stellen keine Finanzierungen dar. Wenn Lieferantenverbindlichkeiten gebucht werden, sind die Aufwendungen bereits in der Gewinn- und Verlustrechnung oder durch andere Cash- Flows berücksichtigt worden. Wenn z.B. Material beschafft wird, ist der Zuwachs and Vorratsbestand als negativer Cash-Flow in Schritt (6) berücksichtigt. Wenn das Unternehmen für die Warenlieferung noch nicht bezahlt, wird der operative Zahlungsausgang durch einen Zahlungseingang für das Erhöhen von kurzfristigen Verbindlichkeiten kompensiert, der beim Gewähren des kurzfristigen Lieferantenkredits entstehen. In Summe entsteht somit keine Zahlung. Ein Einkauf auf Ziel wird durch einen bezahlten Einkauf und das Erhalten eines Lieferantenkredits berücksichtigt. Ein bilanzierendes Unternehmen, das eine kurzfristige Schuld zurückzahlt, erfasst die Rückzahlung nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, weil Tilgungen nicht erfolgswirksam sind. Bei der Überleitungsrechnung wird ein negativer Zahlungsstrom dargestellt, der aus dem Vermindern kurzfristiger Verbindlichkeiten resultiert. Im Gegensatz dazu werden alle Veränderungen von langfristigen Verbindlichkeiten als Finanzierungstätigkeiten eingestuft. Der IAS 1.60 fordert für den getrennten Ausweis von lang- und kurzfristigen Schulden das Erhöhen von kurzfristigen Schulden und eine Verringerung von zinspflichtigen, langfristigen Schulden. Wenn die Schuldnerin oder der Schuldner den Kapitaldienst leistet, wird der Zinsanteil davon in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Dem IAS 1.60 folgend wird der Tilgungsanteil eines Darlehns ein Jahr vor der Zahlung als kurzfristige Schuld ausgewiesen. Die Zahlung der kurzfristigen Schulden für eine Darlehnsrückzahlung wird zu einem Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeiten. Im Gegensatz dazu stellt der vorherige Zuwachs von kurzfristigen Schulden keinen Cash-Flow dar, sondern einen Verbindlichkeitstausch zwischen kurz- und langfristigen Schulden ohne Kapitalflussrelevanz. Die Erstellung einer Kapitalflussrechnung per Überleitungsrechnung erfordert deshalb eine sorgfältige Detailanalyse von kurzfristigen Schulden. Das Auflösen von Aufwandsrückstellungen führt zu einem Ausgleich von Aufwand, der bei der Bildung der Rückstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst wurde. Wenn eine Rückstellung aufgelöst wird, muss das Konto Rückstellungen im Soll bebucht und eine Habenbuchung im Aufwandskonto vorgenommen werden. Somit führt das Auflösen von Rückstellungen nicht zu Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Dennoch finden beim Auflösen von Rück- <?page no="356"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-356 stellungen Zahlungen statt und müssen in der Kapitalflussrechnung berücksichtigt werden. Ein bilanzierendes Unternehmen, das in 20X1 eine Aufwandsrückstellung gebucht hat, hat zum Zeitpunkt der Rückstellungsbildung Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Der Buchungssatz (1) zeigt, dass der Aufwand in die Periode der Rückstellungsbildung fällt. Dieses entspricht einer erfolgsmäßigen Vorwegnahme des Aufwands in der Gewinn- und Verlustrechnung. Eine Zahlung findet nicht statt. Mit dem Erfassen des Aufwands wird die Rückstellung erfolgsrelevant. (2) DR Rework-20X1 REW.............. CR Provisions PRO............... In der Abrechnungsperiode des Auflösens der Rückstellung (20X2), wird ein zahlungsrelevanter Buchungssatz für die durchgeführte Nacharbeit (A) gebucht. Dieser Buchungssatz allein ändert (noch) nicht die Aufwandsrückstellung. Der Aufwand wurde bereits in der Vorperiode in der Gewinn- und Verlustrechnung über Buchungssatz (2) erfasst. Der Nacharbeitungsaufwand wird deshalb über Buchungssatz (B) kompensiert und führt im Rückstellungskonto (provisions) zum Auflösen der Rückstellung. 95 Dieses wird als Buchungssatz (B) umgesetzt. Wegen der gegensätzlichen Buchung des Nacharbeitungsaufwands ist im Jahr der Rückstellungsauflösung gebuchter Nacharbeitungsaufwand ergebnisneutral. Die Zahlung wird aber für die Kapitalflussrechnung berücksichtigt, weil die Auflösung der Rückstellung ein negativer Zahlungsmittelstrom ist. (A) DR Rework-20X2 REW.............. CR Cash/ Bank C/ B................ (B) DR Provisions PRO............... CR Rework-20X2 REW.............. Hinweis: Für die Überleitungsrechnung gilt hinsichtlich Rückstellungen: Das Bilden einer Rückstellung wird durch Schritt (1) und (2) berücksichtigt; ihre Auflösung durch Schritt (7). Der Grund für die Ungleichbehandlung ist, das berücksichtigt wird, was im Jahresabschluss sichtbar wird: Das Buchen einer Rückstellung wird 95 In Kapitel 14 wird ein Beispiel besprochen, bei dem der Umfang der Rückstellung vom tatsächlichen Aufwand abweicht, siehe Kapitel (14). als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Im Gegensatz dazu wird die Auflösung einer Rückstellung in der Bilanz gezeigt. Das Auflösen von Aufwandsrückstellungen führt zu negativen Zahlungsmittelströmen. Der negative Cash- <?page no="357"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-357 Flow ist vom Nachsteuerergebnis abzuziehen. 10.15 Schritt (8) Erhöhung von Ertragsteuern ohne Zahlung bewirkt das Bilden von kurzfristigen Schulden, die in der nachfolgenden Abrechnungsperiode fällig werden. Sie werden deshalb in der Überleitungsrechnung als Zahlungseingänge behandelt. Sie neutralisieren den Abzug von Ertragsteueraufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn ein bilanzierendes Unternehmen Ertragsteuerzahlungen leistet oder seine Ertragsteuerschulden aus dem Vorjahr begleicht, vermindert sich der Betrag der Ertragsteuerschulden in der Bilanz aufgrund der geleisteten Zahlung an die Finanzbehörden. Für die Überleitungsrechnung bedeutet die Minderung der Ertragsteuerschulden einen negativen Cash-Flow. 10.16 Schritt (9) Dieser Schritt kann mit Schritt (4) verbunden werden, weil Vorsteuerforderungen Forderungen sind. Ein Unternehmen erfasst Vorsteuerforderungen für Einkäufe und Anschaffungen in einem einzigen Konto, so dass es später schwierig ist, Vorsteuerforderungen für Investitionen von operativem Cash-Flow zu unterscheiden. Vorsteuerforderungen für Investitionen sollten als Cash-Flows aus Investitionstätigkeiten berücksichtigt werden. Wenn ein Unternehmen nur ein Umsatzsteuerkonto führt, kann es später nicht unterscheiden, wofür die Vorsteuer gezahlt wird. Entsprechend werden alle Investitionen netto in der Kapitalflussrechnung erfasst. Wenn dagegen Cash-Flows auf der Grundlage von Bruttowerten erfasst werden sollen, müssen deren Vorsteuerforderungen im Umsatzsteuerkonto (einzeln) ignoriert werden. Vorsteuerforderungserstattungen werden immer als operativer Cash-Flow erfasst; unabhängig davon, ob sich die Erstattung auf Investitionen oder operative Tätigkeiten bezieht. Zuordnungen zu Cash-Flow-Kategorien lassen sich aus dem Umsatzsteuerbescheid nicht vornehmen. 10.17 Schritt (10) Umsatzsteuerschulden sind Vorsteuern, die von den Kunden im Namen der Finanzbehörden vereinnahmt werden und deshalb zu Einzahlungen führen. Daher führen Umsatzsteuerschulden zum Zeitpunkt der Vereinnahmung zu positiven Cash-Flows und zu negativen, wenn die Zahlung an das Finanzamt erfolgt. Aus der Sicht der Gewinn- und Verlustrechnung sind Umsatzsteuern ergebnisneutral. Für die Kapitalflussrechnung ist der Unterschied zwischen Umsatzsteuervereinnahmung und -zahlung zu berücksichtigen. Beim Abgang von Sachanlagevermögen führt die von der Käuferin oder vom Käufer vereinnahmte Umsatzsteuer auf einen Zahlungseingang. Führt das bilanzierende Unternehmen nur ein Umsatzsteuerkonto, ist eine Unterscheidung zwischen Umsatzsteuervereinnahmung aufgrund des Abgangs von Sachanlagevermögen und dem Verkauf von Fertigerzeugnis- <?page no="358"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-358 sen oder Dienstleistungen nicht möglich. Deshalb ist die Vereinnahmung der Umsatzsteuer grundsätzlich als operativer Zahlungseingang zu interpretieren. Entsprechend werden Verkaufserlöse aus dem Abgang von Sachanlagevermögen netto in der Kapitalflussrechnung dargestellt. Werden dagegen zwei Umsatzsteuerkonten geführt, kann die erhaltene Umsatzsteuer als Cash-Flow aus Investitionstätigkeit berücksichtigt werden, d.h. der Verkauf von Sachanlagen wird brutto in der Kapitalflussrechnung berücksichtigt. Hinweis: In den Zusatzmaterialien findet sich bei einigen Aufgaben ein entsprechender Hinweis auf das Umsatzsteuerkonto (VAT account). 10.18 Schritt (11) Bei der Überleitungsrechnung wird das Nachsteuerergebnis um positive Cash-Flows erhöht und bei negativen reduziert. Dieses führt auf den Kapitalfluss aus operativen Tätigkeiten. 10.19 Schritt (12) Die Berechnung des Investitions- und Finanzierungs-Cash-Flow erfolgt nach der direkten Methode. Typischerweise wird der Investitions-Cash-Flow auf der Grundlage von Bruttowerten berechnet, siehe oben. Die Umsatzsteuerwirkung aus Anschaffungen und Abgängen von Sachanlagevermögen müssen entsprechend bei der Bestimmung der operativen Kapitalflüsse in Schritt (9) und (10) ignoriert werden. 10.20 Schritt (13) Der gesamte Kapitalfluss ist die Summe der einzelnen Cash-Flows, bezogen auf operative, investitions- und finanzierungsbezogene Kapitalflüsse. 10.21 F/ S EIMKE Ltd. - Überleitungsrechnung Nachfolgend wird die Überleitungsrechnung auf die Fallstudie EIMKE Ltd. angewendet. Die Überleitungsrechnungen werden in die Kapitalflussrechnung in Abbildung 10.7 integriert. Die Berechnungen beziehen sich auf die Werte, wie sie in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden und können mit den Abbildung 10.5 und Abbildung 10.6 verglichen werden. <?page no="359"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-359 A C, L Non-current assets [AUD] Equity [AUD] P, P, E 55.000 Share capital 30.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 97.300 Current assets Liabilities (liab.) Inventory 10.000 Long-term liab. 16.000 Accounts receivables 16.900 Short-term liab. A/ P 16.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 89.100 Income tax liab. 11.700 Total assets 171.000 Total equity and liab. 171.000 Eimke Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X8 Abb. 10.5: Bilanz der EIMKE Ltd. (20X8) [AUD] Revenue 120.000 Other income 0 120.000 Materials (60.000) Labour 0 Depreciation (20.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 40.000 Interest (1.000) Earnings before taxes (EBT) 39.000 Income tax expenses (11.700) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 27.300 Eimke Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and other COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X8 Abb. 10.6: Gewinn- und Verlustrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) Die Ausgangsbasis für die Überleitungsrechnung zur Bestimmung des operativen Cash-Flows stellt das Nachsteuerergebnis dar, welches 27.300 AUD beträgt (1). <?page no="360"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-360 Zu Beginn (2) werden die Zinsen addiert, weil sie Kapitalfluss aus Finanzierungstätigkeit sind. Der Zahlungsmittelstrom aus operativer Tätigkeit beträgt so weit: 27.300 + 1.000 = 2 28.300 AUD. Die Korrekturen für Tätigkeiten, die erfolgsaber nicht zahlungsrelevant sind, beschränken sich hier auf die Abschreibungen. EIMKE Ltd. erwirtschaftet keine Zins- oder Dividendenerträge. Durch das Berücksichtigen von Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung, müssen sie bei der Überleitungsrechnung addiert werden. Der Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit nach der Korrektur für Abschreibungen beträgt: 28.300 + 20.000 = 4 48.300 AUD. Dieses schließt den Schritt (2) in der Reihenfolge des Absatzes über das Vorgehen ab. Die nächsten Anpassungen auf den Kapitalfluss erfolgen für Tätigkeiten mit Zahlungsrelevanz, die nicht erfolgswirksam erfasst werden. Die erste Position stellen Forderungsänderungen dar. Sie können über einen Bilanzvergleich bestimmt werden. Die Forderungen erhöhen sich um: 16.900 - 5.000 = 1 11.900 AUD. Eine Forderungserhöhung wird als Auszahlung mit späterem Rückzahlungsanspruch interpretiert. Die Berücksichtigung von Forderungserhöhungen für die Überleitungsrechnung beinhaltet sowohl eine Forderungsreduktion durch Vereinnahmung und einen Forderungsanstieg durch das Erzielen von Verkaufsumsätzen, auf die Umsatzsteuer erhoben und vereinnahmt wird. Bis hierher ist der Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit: 48.300 - 11.900 = 36.400 AUD. Schritt (4) ist abgeschlossen. Bei EIMKE Ltd. vermindern sich die Vorratsbestände um: 10.000 - 20.000 = - 10.000 AUD. Eine Bestandsminderung des Vorratsvermögens wird für die Überleitungsrechnung als Einzahlung berücksichtigt, hier i.H.v. 10.000 AUD. Die Berechnung des Cash-Flows aus operativer Tätigkeit ergibt soweit: 36.400 + 10.000 = 446.400 AUD. Schritt (6) ist beendet. Als Nächstes werden die Veränderungen von Verbindlichkeiten überprüft. Es gibt nur Änderungen hinsichtlich der Ertragsteuerschulden und der Umsatzsteuerschulden, welche in den Schritten (8) und (9) behandelt werden. Ertragsteuerverbindlichkeiten werden nach IFRSs als Schulden (income tax liabilities) ausgewiesen. Die Veränderung der Ertragsteuerverbindlichkeiten ist: 11.700 - 30.000 = - -18.300 AUD. Da die Zahlung für Ertragsteuern aus der letzten Periode die aktuellen Ertragsteuerverbindlichkeiten übersteigt, sinken die Ertragsteuerverbindlichkeiten in der Bilanz. Das Vermindern eine Verbindlichkeit stellt für die Überleitungsrechnung eine Auszahlung dar und wird für die Kapitalflussrechnungserstellung Cash-Flow-reduzierend berücksichtigt: 46.400 - 18.300 = 2 28.100 AUD. Der Schritt (8) ist abgeschlossen. Bei EIMKE Ltd. erhöhen sich die Umsatzsteuerverbindlichkeiten um: 24.000 - 10.000 = 1 14.000 AUD. Der Betrag ist die Summe von Schulden und Forderungen aus Umsatzsteuern, wie sie in der Bilanz ausgewiesen wird. Zur Transparenz werden dennoch Vorsteuerforderungen und Umsatzsteuerverbindlichkeiten getrennt für die Überleitungsrechnung behandelt. Jeder Anstieg von Verbindlichkeiten stellt aus der Sicht der Überleitungsrechnung einen Zahlungseingang dar. Entsprechend <?page no="361"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-361 sind Verminderungen von Umsatzsteuerverbindlichkeiten Auszahlungen. Bis hier beträgt entsprechend der Überleitungsrechnung der operative Cash flow: 28.100 + 14.000 = 4 42.100 AUD. Die Schritte (9) und (10) sind abgeschlossen. Der Finanzierungs-Cash-Flow lässt sich aus den Veränderungen des Kontos für langfristige, zinspflichtige Schulden (interest bearing liabilities account) ableiten. Die Veränderungen der langfristigen, zinspflichtigen Schulden sind: 18.000 - 16.000 = 2 2.000 AUD. Die Verringerung von Verbindlichkeiten wird als eine Auszahlung interpretiert und stellt einen negativen Zahlungsmittelstrom dar. Ebenso wird der komplette Zinsaufwand als Finanz-Cash-Flow abgezogen. Der gesamte Kapitalfluss (total cash flow) bei EIMKE Ltd. beträgt: 42.100 - 2.000 - 1.000 = 3 39.100 AUD. Schritt (12) ist abgeschlossen. Siehe die Kapitalflussrechnung nach der indirekten Methode (Überleitungsrechnung für Cash-Flows aus operativen Tätigkeiten) in Abbildung 10.7. [AUD] [AUD] Cash flow from operating acitivities Earnings after taxes EAT 27.300 add Interest 1.000 add Depreciation 20.000 48.300 changes in working capital changes in inventory 10.000 changes in A/ R (11.900) changes in prepaid expenses 0 changes in A/ P, not ITL 0 changes in income tax liabilities ITL (18.300) changes in VAT/ r only materials (10.000) changes in VAT/ p 24.000 42.100 Cash flow from investing activities Investments 0 0 Cash flow from financing activities Interest (1.000) Pay-off (2.000) (3.000) Total cash flow 39.100 Eimke Ltd. STATEMENT of CASH FLOWS for the period ended 31.12.20X8 Abb. 10.7: Kapitalflussrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) <?page no="362"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-362 Um die Anwendung der indirekten Methode zur Kapitalflussrechnung für die RYNEVELD Ltd. Fallstudie aus Kapitel (4) nachzuvollziehen, kann man den Link 10.A. downloaden. Link 10.A: RYNEVELD Ltd. Hinweis: Es wird empfohlen die Fallstudie KATERNBERG (Pty) Ltd. in Aufgabe A10.23 zu bearbeiten. 96 Die Aufgabe enthält zusätzlich die Lösung nach der derivativen Methode zur Kapitalflussrechnung. 10.22 Derivative Methode Eine methodisch anspruchsvolle Methode zur Kapitalflussrechnung ist die derivative Methode, die anzuwenden ist, wenn kein Zugriff auf die Buchhaltung besteht. Laden Sie die Erläuterungen und Berechnungen des Kapitalflusses nach der derivativen Methode für den Fall EIMKE Ltd. über den Link 10.B herunter. Die derivative Methode ist durch die Verpflichtung zum Aufstellen und Ausweisen einer Kapitalflussrechnung nach IAS 1.10 für internationale Bilanzierung weniger bedeutsam, jedoch für nach HGB bilanzierende Unternehmen wichtig. 96 Die Aufgabe ist in den Zusatzmaterialien enthalten. Link 10.B: EIMKE Ltd. 10.23 Zusammenfassung Eine Kapitalflussrechnung zählt zum Jahresabschluss. Sie zeigt Änderungen des Bestandes für die Bilanzposition Kasse/ Bank und kategorisiert den gesamten Cash-Flow in Zahlungsmittelströme aus operativer Tätigkeit, aus Investitionen und aus Finanzierungen. Für die Erstellung einer Kapitalflussrechnung können die direkte und die indirekte Methode angewendet werden. Letztere wird empfohlen, weil sie keine Analyse auf Transaktionsebene erfordert, sondern sich über Zahlen ableiten lässt, die den Positionen von zwei aufeinanderfolgenden Bilanzen und der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen werden können. 10.24 Arbeitsdefinitionen Kapitalfluss (cash flow): Veränderungen des Kasse-/ Bank-Bestands (Cash/ Bank account). Überleitungsrechnung (reconciliation method): Die Überleitungsrechnung zur Berechnung von Kapitalflüssen aus operativen Tätigkeiten überführt das Nachsteuerergebnis in den Cash-Flow aus operativer Tätigkeit, indem sie Anpassungen für nicht zah- <?page no="363"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-363 lungswirksamen Aufwand/ Ertrag vornimmt sowie Ein- und Auszahlungen ohne Erfolgswirksamkeit einbezieht. 10.25 Kontrollfragen (1) Ein Unternehmen erwirbt eine Maschine zu 102.000 EUR brutto. Später, noch in der gleichen Abrechnungsperiode, bietet der Verkäufer einen Preisnachlass von 10 % an und zahlt diesen vollständig aus. Die Zahlung für die Maschine erfolgt zur Hälfte in der aktuellen Abrechnungsperiode und für die andere Hälfte in der nächsten. Wie hoch ist der Investitionskapitalfluss (cash flow from investments), wenn Bruttowerte anzusetzen sind. 1. 51.000 EUR . 2. 40.800 EUR. 3. 34.000 EUR . 4. 10.200 EUR . (2) Eine Gesellschaft gibt 100.000 Stammaktien zu jeweils 1,30 EUR/ Aktie aus. Der Nennwert (face value) beträgt 1 EUR/ Aktie. Die Eigentümerinnen oder Eigentümer beschließen auf der Hauptversammlung im nächsten Jahr eine Dividende in Höhe von 0,20 EUR/ Aktie, die in der nächsten Abrechnungsperiode auszuzahlen ist. Der Jahresabschluss wird unter Ergebnisverwendung (under the appropriation of profits) aufgestellt. Wie hoch ist der Finanz-Cash flow? 1. 100.000 EUR . 2. 130.000 EUR. 3. 80.000 EUR . 4. 110.000 EUR . (3) Ein Unternehmen nimmt am 1.07.20X4 ein Bankdarlehn i.H.v. 100.000 EUR auf. Der Zinssatz beträgt 4,5 %/ Jahr. Die jährliche Tilgung ist 10.000 EUR/ Jahr und wird ratierlich (per rate) bestimmt. Die Ausgabegebühr für den Kredit beträgt 1.500 EUR und wird vom Darlehnsauszahlungsbetrag (loan issue) abgezogen. Wie hoch ist der Zahlungsmittelstrom (cash flow) aus Finanztätigkeit? 1. 100.000 EUR . 2. 91.250 EUR . 3. 85.500 EUR . 4. 8.750 EUR . (4) Ein Unternehmen erwirtschaftet ein Nachsteuerergebnis i.H.v. 381.500 AUD. Die Abschreibungen betragen 60.000 AUD. Die Zinseinkünfte sind 45.000 AUD. Wie hoch ist der Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit (cash flow from operating activities)? 1. 510.950 AUD . 2. 560.000 AUD . 3. 530.000 AUD . 4. 396.500 AUD . (5) Ein Unternehmen erwirtschaftet ein Nachsteuerergebnis von 500.000 EUR. Die Ergebnisrechnung enthält eine Abschreibung i.H.v. 100.000 EUR und Zinserträge i.H.v. 50.000 EUR. Wie hoch ist der Kapitalfluss aus operativer Tätigkeit? 1. 650.000 EUR . 2. 764.286 EUR . 3. 550.000 EUR . 4. 564.286 EUR . <?page no="364"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 10-364 10.26 Lösungen 1-2, 2-2, 3-2, 4-2, 5-2. <?page no="365"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-365 11 Eigenkapital in der Bilanz 11.1 Inhalt Eigenkapital besteht aus Mitteln (funds), die von den Eigentümerinnen oder Eigentümern bereitgestellt werden. Es enthält nicht nur das gezeichnete Kapital, sondern ebenfalls Rücklagen (reserves) und nicht verwendete Gewinnbestandteilen die international als Bilanzgewinn (retained earnings) ausgewiesen werden. Die wesentlichen Aspekte des Eigenkapitals werden an der Fallstudie YARRA Ltd. erklärt. Das Kapitel behandeln die Eigenkapitalpositionen in der Reihenfolge, wie sie in der Bilanz erscheinen. (1) Gezeichnetes Kapital (issued capital). (2) Rücklagen (reserves). (3) Bilanzgewinn (retained earnings). Hinweis: Da die Positionen miteinander zusammenhängen, ist eine strikte Trennung bei der Behandlung nicht möglich. Die Fallstudie YARRA Ltd. behandelt Veränderungen des Eigenkapitals über einen Zeitraum von drei Jahren: die Ausgabe von Stamm- und Vorzugsaktien, die Gewinnverwendung, die Ausgabe von Stammaktien auf Basis von Bezugsrechten aus Sicht des Unternehmens und einer Aktionärin - und den Einzug von Aktien. Für Aktienrückkäufe wird das Konto für eigene Anteile (treasury stock) eingeführt und dessen Ausweis in der Bilanz gezeigt. 97 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (33). 11.2 Lernziele Nach Studium dieses Kapitels sind Sie mit dem Eigenkapitalbereich der Bilanz vertraut und können Eigenkapitalpositionen bewerten und in einer Bilanz, die nach IFRSs aufgestellt wird, korrekt ausweisen. Sie verstehen, wie Transaktionen mit den Eigentümerinnen oder Eigentümern funktionieren. Sie können Gewinnverwendungen buchen und den Buchwert eines Unternehmens bestimmen. 11.3 Eigenkapital Der Eigenkapitalausweis ist zu einem hohen Anteil über nationales Gesellschaftsrecht (company’s act) weniger in den IFRSs geregelt. Das Eigenkapital wird entsprechend der Rechtsform des bilanzierenden Unternehmens ausgewiesen. 97 Hinweis: In diesem Lehrbuch wird sich auf landesspezifisch geltende Rechtsformen in den Fallstudien bezogen. 11.4 Gezeichnetes Kapital Wegen der Bedeutung der Rechtsform, beginnen die Darstellungen für das Eigenkapital mit einer kurzen Darstellung von Rechtsformen aus der Sicht der Bilanzierung. Die Ausführungen zu internationalen Unternehmen ergänzen die Darstellungen zu Rechtsformen in Deutschland aus Kapitel (2). <?page no="366"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-366 Es wird zwischen privatwirtschaftlichen Kapitalgesellschaften, z.B. Limited Liability Companies Ltd. (in den USA), Limited Liability Corporation Ltd. (in UK), Gesellschaften mit beschränkter Haftung GmbH (in Deutschland), Proprietary Limited Companies (Pty) Ltd. (im Commenwealth und in Südafrika) und öffentlichen Kapitalgesellschaften auf Aktienbasis unterschieden. Für letztere können Anteile öffentlich gehandelt werden, nachdem sie einen Börsengang über einen Initial Public Offer IPO eingeleitet haben und an einer Börse (stock exchange) gelistet werden. Rechtsformen für Aktiengesellschaften sind Corporations Inc. (in den USA), Public Limited Companies PLC, Ltd. (in UK), Aktiengesellschaften AG (in Deutschland) und Public Companies Ltd. (im Commonwealth und Südafrika). Bei der Ausgabe von Unternehmensanteilen (share issue) erhält das emittierende Unternehmen Kapital von seinen Eigentümerinnen oder Eigentümern, welche es typischerweise in das Kasse-/ Bank-Konto und das gezeichnete Kapital (issued capital account) bucht. Wenn bei Ausgabe von jungen Aktien (fresh share) der Bezugskurs (issue price) den Nennwert übersteigt, wird die Differenz (premium) in der Kapitalrücklage (capital reserves) erfasst. Die Ausgabe wird dann als über pari bezeichnet. Durch die Ausgabe von Aktien bzw. Unternehmensanteilen wird der anteilige Besitz an der Kapitalgesellschaft auf die Investorinnen oder Investoren übertragen. Das Handeln von Aktien, z.B. an einer Börse, beeinflusst nicht das Eigenkapital von Unternehmen, deren Aktien gehandelt werden. Aktien können Stamm- (ordinary shares) oder Vorzugsaktien (preference shares) sein. Bei Stammaktien erhält die Aktionärin oder der Aktionär die allgemeinen Eigentumsrechte, z.B. einen Dividendenanspruch (claim on dividends) und Stimmrechte (voting rights). Im Gegensatz dazu bieten Vorzugsaktien ihren Aktionärinnen oder Aktionären den Vorteil einer Vorzugsdividende, enthalten ihnen aber das Stimmrecht vor. Eine Vorzugsdividende ist i.d.R. von dem Nennwert der Aktie und nicht vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängig und gilt deshalb als risikoarm (low at risk). Die Eigentümerinnen oder Eigentümer einer Aktiengesellschaft können keinen Dividendenbeschluss für Stammaktien fassen, ohne Vorzugsdividenden zu beschließen. Sie können jedoch entscheiden, dass überhaupt keine Dividenden gezahlt werden. Bei kumulativen Vorzugsaktien (cumulative preference shares), muss die Hauptversammlung noch ausstehende Vorzugsdividenden beschließen, bevor eine Entscheidung über Dividenden an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre für das aktuelle Geschäftsjahr getroffen werden kann, d.h. nicht beschlossene Vorzugsdividenden müssen nachgeholt werden. Für einer Aktienausgabe verwendet das emittierende Unternehmen ein <?page no="367"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-367 Zuteilungskonto (allotment account). 98 Um die Fallstudie YARRA Ltd. zu vereinfachen, wird die Buchung der Aktienausgabe vereinfacht dargestellt. Es wird unterstellt, dass Aktien nicht über- oder unterzeichnet sind, und Aktienausgaben im Soll des Kasse-/ Bank-Kontos und im Haben des gezeichneten Kapitals (issued capital) und der Kapitalrücklagen (capital reserves) gebucht werden. Der Nennbetrag wird in das gezeichnete Kapital gebucht und das Emissionsagio in die Kapitalrücklage. 11.5 F/ S YARRA Ltd. - 20X0 Die YARRA Ltd. ist eine Kapitalgesellschaft mit Sitz in Durban, Südafrika. Diese Fallstudie behandelt Eigenkapitalveränderungen über einen Zeitraum von drei Jahren. Es ist beabsichtigt, möglichst viele Eigenkapitaltransaktionen vorzustellen. Hinweis: Das folgende Kapitel (13) behandelt die Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) und enthält ebenso Eigenkapitalbuchungen. Neubewertungen, werden nur in Kapitel (13) behandelt, um Redundanz des Lernstoffs zu vermeiden. Datenblatt für die YARRA Ltd. Standort: Südafrika (Durban). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Stammaktien: 1.000.000 Aktien zum Nennwert von 1 ZAR/ Aktie. Berücksichtigte Abrechnungsperioden: 20X0 / 20X1 / 20X2. Vorsteuerergebnisse: 200.000 ZAR / Null / 275.000 ZAR. Investitionen in Sachanlagevermögen: 500.000 ZAR (nicht abschreibungsfähig). Gezeichnetes Kapital für Vorzugsaktien: 500.000 ZAR; kumulative Vorzugsaktien; Dividendenanspruch: 5 %/ Jahr; Ausgabe am 30.06.20X0. Vorzugsdividenden: 12.500 ZAR / Null / (2 × 25.000 ZAR). Aktionärin A. Visserhok: 90.000 Stammaktien. Aktienausgabe: 500.000 Stammaktien am 1.07.20X1 zu 1,24 ZAR/ Aktie. Aktienkurs am 1.07.20X1: 1,60 ZAR/ Aktie. Aktienkurs am 1.10.20X1: 1,03 ZAR/ Aktie. Aktieneinzug: 200.000 Stammaktien. Aktienkurs am 1.11.20X1: 1 ZAR/ Aktie. Aktienrückkauf: 100.000 Stammaktien. Gewinnverwendung (20X2): 200.000 ZAR Gewinnrücklagen, Dividende an Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre: 0,04 ZAR/ Aktie, Vorzugsdividende 2 × 25.000 ZAR. Umsatzsteuer ignoriert. Bei der Gründung (establishment) gibt YARRA Ltd. am 2.01.20X0 1.000.000 Stammaktien mit einem Nennbetrag von jeweils 1 ZAR/ Aktie aus. Die Ausgabe der Aktien ist pari, d.h. zu Nennwerten (par value issue). Der Buchungssatz wird unten dargestellt: 98 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (33) für die Details beim Buchen von Aktienemissionen. <?page no="368"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-368 Am 2.01.20X0: DR Cash/ Bank C/ B................ 1.000.000 ZAR CR Issued Capital Ord. ISO...... 1.000.000 ZAR YARRA Ltd. gibt sechs Monate später, am 30.06.20X0, 500.000 Vorzugsaktien mit einem Wert von 1 ZAR/ Aktie ebenfalls zum Nennbetrag aus. Die Vorzugsaktien haben einen Dividendenanspruch von 5 %/ Jahr bezogen auf den Nennwert, der von der Zeit abhängt, die sie im Umlauf sind. Weil die YARRA Ltd. ihre Vorzugsaktien in der Jahresmitte ausgibt, sind 50 % des jährlichen Dividendenanspruchs in 20X0 fällig. Die Vorzugsaktionärinnen oder Vorzugsaktionäre erhalten eine Dividende i.H.v.: 50% × 500.000 × 1 × 5% = 1 12.500 ZAR. Die Vorzugsaktien der YARRA Ltd. sind kumulativ. Sie werden getrennt von den Stammaktien in das Konto gezeichnetes Kapital für Vorzugsaktien (issued capital pref. account) gebucht. Am 30.06.20X0: DR Cash/ Bank C/ B................ 500.000 ZAR CR Issued Capital Pref. ISP..... 500.000 ZAR 11.6 Rücklagen Das Aufbauen von Rücklagen funktioniert in Unternehmen vergleichbar zu einem privaten Haushalt, wenn Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt wird. Die Rücklagen in der Bilanz sind nach ihrer Herkunft bezeichnet. (1) Kapitalrücklagen (capital reserves). (2) Gewinnrücklagen (earnings reserves). (3) Neubewertungsrücklagen (revaluation reserves). Kapitalrücklagen stammen aus Aktienausgaben über pari, d.h. sie entsprechen dem Emissionsagio (premium). Gewinnrücklagen resultieren aus Gewinnverwendungen und Neubewertungsrücklagen sind zu bilden, wenn das bilanzierende Unternehmen Positionen im Sachanlagevermögen nach IAS 16.31 neubewertet. 99 99 Siehe die Fallstudie GELLENDORFF Ltd. in Kapitel (7) des Lehrbuchs Bilanzen oder Financial Statements. 11.7 F/ S YARRA Ltd. - 20X0 - Fortsetzung Die YARRA Ltd. erwirbt in 20X0 Anlagevermögen zu 500.000 ZAR und erwirtschaftet einen Gewinn nach Ertragsteuern von: 200.000 × (1 - 30%) = 1 140.000 ZAR. YARRA Ltd. stellt eine Bilanz wie in Abbildung 11.1 dargestellt auf. Hinweis: In dieser Fallstudie unterliegt das Anlagevermögen keiner Abschreibung. Somit entspricht der Vorsteuergewinn dem Cash-Flow. Der Gewinn kann vereinfacht als DR Cash/ Bank 200.000 ZAR - CR Retained Earnings 140.000 ZAR - CR Income Tax Liabilities 60.000 ZAR gebucht werden. Auf ihrer Hauptversammlung beschließen die Aktionärinnen oder Aktionäre eine Vorzugsdividende i.H.v. 12.500 ZAR. YARRA Ltd. bucht diese als: DR Retained <?page no="369"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-369 Earnings - CR Accounts Payables. Es werden keine Dividenden an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre beschlossen. Der Rest des Ergebnisses wird in das nächste Geschäftsjahr 20X1 vorgetragen. Für Gewinn- oder Verlustvorträge ist keine Buchung erforderlich. Die Bilanz wird unter der Berücksichtigung der Ergebnisverwendung aufgestellt, so dass der Bilanzgewinn (retained earnings) um die Vorzugsdividende vermindert ausgewiesen wird: 140.000 - 12.500 = 1 127.500 ZAR. Die Vorzugsdividenden werden unter kurzfristigen Verbindlichkeiten gezeigt; siehe unten die Abbildung 11.1. Hinweis: Am Ende des Kapitels werden in Abbildung 11.6 alle Konten für die Abrechnungsperioden 20X0 bis 20X2 zusammengefasst. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 500.000 Share capital 1.500.000 Intangibles Reserves Financial assets Retained earnings 127.500 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. 12.500 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 1.200.000 Income tax liab. 60.000 Total assets 1.700.000 Total equity and liab. 1.700.000 Yarra Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X0 Abb. 11.1: Bilanz der YARRA Ltd. (20X0) Aus der Bilanz kann der Buchwert der YARRA Ltd. zum 31.12.20X0 ableitet werden: 1.700.000 - 60.000 - 12.500 = 1.627.500 ZAR. Für die Fallstudie wird vorgegeben, dass Stamm- und Vorzugsaktien zu gleichen Börsenkursen gehandelt werden. Eigenkapitalkennzahlen und Berechnungen erfolgen hier ohne Differenzierung zwischen den Aktiengattungen. Hinweis: Typischerweise werden unterschiedliche Aktiengattungen getrennt bewertet, gehandelt und ausgewiesen. Es wird für die Fallstudie YARRA Ltd. eine Vereinfachung vorgenommen. Der Buchwert pro Stamm- oder Vorzugsaktie ist: 1.627.500 / 1.500.000 = 1 1,09 ZAR/ Aktie. Ein Buchwert wird aus der Buchhaltung abgeleitet und gibt nicht den Aktienkurs wieder, zu dem die Aktien gehandelt werden. Letzteres wäre der Börsenkurs (fair market value). Hier wird der Wert für das Eigenkapital durch die Anzahl der am 31.12.20X0 im Umlauf befindlichen Aktien dividiert. <?page no="370"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-370 11.8 F/ S YARRA Ltd. - 20X1 Die Aktionärinnen oder Aktionäre der YARRA Ltd. beschließen am 2.05.20X1 auf der Hauptversammlung die Ausgabe weiterer 500.000 Stammaktien. Die Ausgabe der Aktien findet am 1.07.20X1 zu einem Bezugskurs (issue price) i.H.v. 1,24 ZAR/ Aktie statt. Der Nennwert ist erneut 1 ZAR/ Aktie. Daher beträgt das Emissionsagio: 1,24 - 1 = 00,24 ZAR/ Aktie. Hinweis: Man legt einen angemessenen Bezugskurs unter Berücksichtigung des Buchwertes und des Börsenkurses fest. Wenn ein Unternehmen Gewinne dem Eigenkapital zuführt, übersteigt sein Buchwert den Nennwert seiner Unternehmensanteile. Dieser kann bei einem Verlust ebenfalls sinken. Wenn z.B. eine deutsche GmbH, die mit einem Eigenkapital i.H.v. 25.000 EUR gegründet wurde, einen Verlust i.H.v. 3.000 EUR in ihrem ersten Geschäftsjahr erleidet, beträgt ihr Buchwert nur noch: 25.000 - 3.000 = 22.000 EUR. Wenn Aktien öffentlich gehandelt werden, richtet sich der Börsenkurs an Angebot und Nachfrage aus. Dieses führt auf einen fairen Marktpreis (fair market value). Insgesamt gibt es drei Aktienbewertungen: den Nennwert, den Buchwert und den Börsenkurs. Der Bezugskurs bei einer Ausgabe junger Aktien sollte ihren Buchwert pro Aktie übersteigen, muss aber unterhalb des Börsenkurses bleiben, um die Ausgabe der Aktien nicht zu gefährden. Bei einer Ausgabe über dem Börsenkurs sind die alten Aktien günstiger als die jungen und die Ausgabe scheitert. Die Altaktionärinnen oder -aktionäre erleiden bei einem Bezugskurs unterhalb des Börsenkurses einen Vermögensverlust, weil die jungen Aktien den Mischkurs (average share valuation) reduzieren, der sich als gewichteter Mittelwert aus den alten und jungen Aktien ergibt. Dies soll am Fall der YARRA Ltd. erläutert werden. Die Aktien der YARRA Ltd. werden am 1.07.20X1 zu einem Börsenkurs von 1,60 ZAR/ Aktie gehandelt. Der Bezugskurs von 1,24 ZAR/ Aktie liegt unterhalb des Börsenkurses und oberhalb des Buchwertes von 1,09 ZAR/ Aktie (zum 31.12.20X0). Der sich einstellende mittlere gewichtete Börsenkurs für alle Aktien direkt nach der Aktienemission beträgt: (1.500.000 × 1,60 + 500.000 × 1,24) / 2.000.000 = 1 1,51 ZAR/ Aktie. Eine Altaktionärin oder ein Altaktionär verliert: 1,60 - 1,51 = 0 0,09 ZAR/ Aktie während die Jungaktionärin oder der Jungaktionär direkt nach Aktienausgabe einen Kursgewinn von: 1,51 - 1.24 = 0 0,27 ZAR/ Aktie erzielt. Um Kursverluste durch Aktienemissionen für ihre Altaktionärinnen oder Altaktionäre zu vermeiden, nimmt die YARRA Ltd. ihre Aktienausgabe auf der Grundlage von Bezugsrechten (rights issue) vor. Bei einer Ausgabe auf Basis von Bezugsrechten erhalten alle Altaktionärinnen oder -aktionäre ein Bezugsrecht, das sie handeln dürfen und sie für den Verlust entschädigt, der durch die Mischkursbildung entsteht. Der Erhalt von Bezugsrechten bewegt die Altaktionärinnen oder Altaktionäre einer Entscheidung über eine Aktienausgabe auf der Hauptversammlung zuzustimmen und unterstützt zugleich eine Vorauswahl von zukünftigen Anlegerinnen oder Anlegern. Ein Bezugsrecht berechtigt zum Erwerb einer jungen Aktie. <?page no="371"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-371 Die YARRA Ltd. gibt am 1.07.20X1 500.000 junge Aktien in einem Mengenverhältnis von 1: 3 aus; dieses bedeutet, dass auf drei bestehende Aktien eine junge kommt. Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Börsenkurs und dem Mischkurs, der sich nach Emission einstellt, beträgt: 1,60 - 1,51 = 0 0,09 ZAR/ Aktie. Die YARRA Ltd. entschädigt die Altaktionärinnen oder Altaktionäre durch Ausgabe eines Bezugsrechts pro Besitz von drei Altaktien. Somit ist der Marktwert eines Bezugsrechts 0,27 ZAR/ Bezugsrecht. Es wird nachfolgend die Altaktionärin Anna Visserhok betrachtet, die 90.000 Aktien der YARRA Ltd. hält. Sie bekommt 30.000 Bezugsrechte zu jeweils: 3 × 0,09 = 00,27 ZAR/ Bezugsrecht. Anschließend hat Ms Visserhok zwei Optionen: (1) Weiterverkauf der Bezugsrechte führt auf einen sonstigen Ertrag von: 30.000 × 0,27 = 8 8.100 ZAR. Ihr Vermögen beträgt danach: 8.100 + 90.000 × 1,51 = 1144.000 ZAR. - Investition in junge Aktien erfordert von ihr diese zu einem Bezugskurs von 1,24 ZAR/ Aktie zu kaufen und ihre Bezugsrechte einzusetzen. Anschließend ist das Vermögen von Ms Visserhok ebenfalls: 120.000 × 1,51 - 30.000 × 1,24 = 1 144.000 ZAR. Es soll zur Kontrolle überprüft werden, wie hoch das Aktienvermögen von Ms Visserhok vor der Ausgabe war: 90.000 × 1,60 = 1 144.000 ZAR. Es werden die Buchungssätze für die Aktienausgabe mit Emissionsagio bei der YARRA Ltd betrachtet. Die Aktionärinnen oder Aktionäre der YARRA Ltd. haben alle 500.000 auszugebenden Aktien aufgenommen, d.h. es kommt nicht zu einer Über- oder Unterzeichnung von Aktien. Die Ausgabe der Aktien erfolgt zu dem Bezugskurs von 1,24 ZAR/ Aktie, der den Aktiennennwert i.H.v. 1 ZAR/ Aktie um 0,24 ZAR/ Aktie übersteigt. Der Nennwertanteil des Bezugskurse multipliziert mit der Anzahl der Aktien wird dem gezeichneten Kapital zugeführt: 500.000 × 1 = 5500.000 ZAR. Das Emissionsagio (premium) beträgt: (1,24 - 1) × 500.000 = 1120.000 ZAR und wird in die Kapitalrücklagen gebucht. Am 1.07.20X1: DR Cash/ Bank C/ B ................ 620.000 ZAR CR Issued Capital Ord. ISO ...... 500.000 ZAR CR Capital Reserves C-R ......... 120.000 ZAR Accounting-Prozess-Schritte (Aktienausgabe (share issue)): (1) Bestimmen Sie den Nennwert pro Aktie. (2) Multiplizieren Sie die Anzahl der ausgegebenen Aktien mit dem Nennwert. Buchen Sie den Nennwert der jungen Aktien in das gezeichnete Kapital. (3) Prüfen Sie den Bezugskurs. Wenn der Bezugskurs den Nennwert der Aktien übersteigt, buchen Sie das Emissionsagio für die jungen Aktien in die Kapitalrücklage. <?page no="372"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-372 (4) Erfassen Sie die Aktienausgabe im Soll des Kasse- / Bank-Kontos i.H.v. Bezugskurs multipliziert mit der Anzahl der ausgegebenen Aktien. Als Nächstes werden Aktienrückkäufe (share buy back) und Aktieneinzüge (share redemption) behandelt. Dieses sind unterschiedliche Transaktionen, die i.d.R. getrennt zu buchen sind. Um die Unterschiede zu erläutern, werden zwei Vorgänge bei YARRA Ltd. betrachtet: (1) Die YARRA Ltd. kauft eigene Aktien zurück und zieht diese ein. (2) Die YARRA Ltd. kauft (später) weitere eigene Aktien zurück und behält sie als eigene Anteile (treasury stock). (ad 1) Das Eigenkapital der YARRA Ltd. beträgt am 1.10.20X1: gezeichnetes Kapital (share capital): 1.500.000 + 500.000 = 2 2.000.000 ZAR; Kapitalrücklagen: 120.000 ZAR aus der vorherigen Aktienausgabe und Bilanzgewinn (retained earnings): 127.500 ZAR. Der Börsenkurs (fair market value) beträgt am 1.10.20X1 nur noch 1,03 ZAR/ Aktie (vorgegeben). YARRA Ltd. kauft 200.000 ihrer eigenen Aktien zurück. Nach IAS 32.33 werden diese als eigene Anteile (treasury stock) bezeichnet. Sie werden im Soll des Kontos für eigene Anteile (treasury stock) gebucht. Die Bewertung erfolgt zu Anschaffungskosten, d.h. entspricht dem gezahlten Aktienpreis beim Rückkauf: 200.000 × 1.03 = 206.000 ZAR. Hinweis: Die Buchung von Treasury Stock erfolgt im Soll, weil es eine Eigenkapitalminderung darstellt und nach IFRSs nicht als Eigentum auf der Aktivseite ausgewiesen werden darf. YARRA Ltd. plant, die eigenen Anteile einzuziehen. Für die Bewertung sind die Anschaffungskosten zu berücksichtigen, d.h. der Aktienkurs beim Rückkauf: 200.000 × 1,03 = 2 206.000 ZAR. Der IAS 32.33 schreibt vor, dass der Aktieneinzug im Eigenkapital zu buchen ist und nicht erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden darf. Es wird eine Sollbuchung im gezeichneten Kapital und in den Kapitalrücklagen vorgenommen. Siehe die beiden Buchungssätze (D) und (E). (D) ist der Aktienrückkauf zu Marktpreisen am 1.10.20X1 und (E) der Einzug der rückgekauften Aktien. Am 1.10.20X1 (D), (E): DR Treasury Stock Account TSA... 206.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B................ 206.000 ZAR DR Issued Capital Ord. ISO...... 200.000 ZAR DR Capital Reserves C-R......... 6.000 ZAR CR Treasury Stock Account TSA... 206.000 ZAR (ad 2) Der Kurs für die Aktien der YARRA Ltd. sinkt weiter und beträgt am 1.11.20X1 nur noch 1,00 ZAR/ Aktie. Die YARRA Ltd. kauft weitere 100.000 eigene Anteile zurück. Sie zieht diese jedoch nicht ein, weder plant sie es. <?page no="373"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-373 Am 1.11.20X1 (F): DR Treasury Stock Account TSA ... 100.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 100.000 ZAR Die YARRA Ltd. erwirtschaftet in 20X1 keinen Gewinn und beschließt keine Dividenden. Die Situation des Eigenkapitals bei der YARRA Ltd. nach der Aktienausgabe, den Aktienrückkäufen und dem Aktieneinzug wird in Abbildung 11.2 dargestellt. In der Abbildung 11.4 am Ende des Kapitels wird eine detailliertere Darstellung des Eigenkapitalbereichs gezeigt. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 500.000 Share capital 1.700.000 Intangibles Reserves 114.000 Financial assets Retained earnings 127.500 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 1.441.500 Income tax liab. Total assets 1.941.500 Total equity and liab. 1.941.500 Yarra Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X1 Abb. 11.2: Bilanz der YARRA Ltd. (20X1) Accounting-Prozess-Schritte (Aktieneinzug (share redemption)): (1) Bestimmen Sie die Anzahl der einzuziehenden Aktien. (2) Buchen Sie einen Aktienrückkauf (share buy-back) zum Börsenkurs. (3) Buchen Sie eigene Anteile (treasury stock) im Soll und machen Sie eine Habenbuchung im Kasse-/ Bank-Konto. (4) Ziehen Sie die Aktien über eine Sollbuchung im gezeichneten Kapital ein. Lösen Sie Kapitalrücklagen in dem Umfang auf, wie die Anschaffungskosten beim Erwerb der eigenen Anteile den Nennwert der Aktien übersteigen. (5) Erfassen Sie eine Habenbuchung im Konto für eigene Anteile (treasury stock). (6) Kombinieren Sie die Buchungsätze (3) bis (5) bei einem sofortigen Einzug. <?page no="374"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-374 (7) Beachten Sie etwaige Vorschriften nach nationalem Aktiengesetz (company’s act). Prüfen Sie diese zuvor. 11.9 C/ S YARRA Ltd. - 20X2 Nachfolgend werden die Buchungen von Gewinnrücklagen besprochen, die bei der Verwendung des Ergebnisses bei YARRA Ltd. im Geschäftsjahr 20X2 erfolgen. Eine Zuführung zu den Gewinnrücklagen kann aus dem Gewinn, der während der Abrechnungsperiode erwirtschaftet wurde, und aus Gewinnvorträgen vorheriger Jahre erfolgen. Eine Kapitalgesellschaft entscheidet auf ihrer Hauptversammlung über die Verwendung des Ergebnisses, die aus einer Zuführung zu den Gewinnrücklagen, einem Dividendenbeschluss und/ oder aus dem Vortragen von Gewinn- oder Verlust in das nächste Jahr bestehen kann. Hinweis: Es können über das nationale Aktiengesetz spezielle Regelungen für die Gewinnverwendung und die Zuführung und Auflösung von Rücklagen gelten. Die YARRA Ltd. erwirtschaftet in 20X2 ein zahlungsgleiches Ergebnis nach Ertragsteuern (profit after taxation) von 192.500 ZAR. Es wird in das Bilanzgewinnkonto (retained earnings) und in die Ertragsteuerschulden (income tax liabilities) gebucht. Der Ertragsteueraufwand ist: 30% × 192.500 / (1 - 30%) = 882.500 ZAR. die Position Kasse/ Bank ist somit: 1.441.500 + 192.500 / (1 - 30%) = 1.716.500 ZAR. Der Bilanzgewinn (retained earnings) beträgt: 127.500 + 192.500 = 3 320.000 ZAR und enthält den Gewinnvortrag aus dem Geschäftsjahr 20X0. Hinweis, der Saldo des Bilanzgewinnkontos (retained earnings) wird als ausschüttungsfähiger Betrag bezeichnet, weil er an die Eigentümerinnen oder Eigentümer als Dividende ausgeschüttet werden kann. Wenn ein bilanzierendes Unternehmen den Gewinn oder Teile davon den Rücklagen zuführt, bucht es: DR Retained Earnings - CR Earnings Reserves. Nachdem Gewinnrücklagen (earnings reserves) gebildet wurden, können sie nur über einen Hauptversammlungsbeschluss wieder aufgelöst werden. Spezielle nationale Vorschriften können gelten. YARRA Ltd. beschließt auf der Hauptversammlung (annual general meeting) am 4.04.20X3 Gewinnrücklagen und eine Dividende. Für den Dividendenbeschluss an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre muss die YARRA Ltd. zuvor die nicht erfolgte Vorzugsdividende aus 20X1 nachholen. Die Aktionärinnen oder Aktionäre beschießen daher eine Vorzugsdividende für das Geschäftsjahr 20X2. Sie muss bei kumulativen Vorzugsaktien den Anspruch aus 20X1 enthalten und beträgt deshalb: 2 × 500.000 × 5% = 50.000 ZAR. Die Aktionärinnen oder Aktionäre der YARRA Ltd. beschließen weiter eine Dividende an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre i.H.v. 0,04 ZAR/ Aktie. Diese beträgt: 0,04 × 1.200.000 = 48.000 ZAR. Eigene Anteile partizipieren nicht an Gewinnausschüttungen. Der Rest des ausschüttungsfähigen Betrags wird in die Abrechnungsperiode <?page no="375"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-375 20X3 vorgetragen. Für einen Gewinnvortrag wird keine Buchung vorgenommen, weil dieser im Bilanzgewinnkonto (retained earnings) verbleibt. Die Dividenden i.H.v.: 48.000 + 50.000 = 98.000 ZAR werden in die kurzfristigen Verbindlichkeiten gebucht, weil sie in 20X3 ausgezahlt werden. Siehe unten die Buchungssätze für die Gewinnverwendung, die am 31.12.20X2 erfasst werden. Sie erfolgen im Rahmen der Abschlussarbeiten und nehmen die Entscheidung auf der Hauptversammlung vorweg, weil die Verteilung vom Vorstand der YARRA Ltd. nur vorgeschlagen wird. Sie erfordert zur Umsetzung eine Feststellung des Jahresabschlusses auf der Hauptversammlung, nachdem dieser geprüft wurde. Am 31.12.20X2: DR Profit and Loss-20X2 P2L..... 192.500 ZAR CR Retained Earnings R/ E ........ 192.500 ZAR DR Profit and Loss-20X2 P2L..... 82.500 ZAR CR Income Tax Liabilities ITL... 82.500 ZAR DR Retained Earnings R/ E ........ 98.000 ZAR CR Shareholders for Div. A/ P .... 98.000 ZAR DR Retained Earnings R/ E ........ 200.000 ZAR CR Earnings Reserves E-R ........ 200.000 ZAR Nach Erfassen der oben dargestellten Buchungssätze erstellt die YARRA Ltd. ihre Bilanz unter Berücksichtigung der Ergebnisverwendung wie in Abbildung 11.3 gezeigt wird A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 500.000 Share capital 1.700.000 Intangibles Reserves 314.000 Financial assets Retained earnings 22.000 Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. 98.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 1.716.500 Income tax liab. 82.500 Total assets 2.216.500 Total equity and liab. 2.216.500 Yarra Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X2 Abb. 11.3: Bilanz der YARRA Ltd. (20X2) <?page no="376"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-376 In der Bilanz betragen die vollständigen Rücklagen 314.000 ZAR, welche zu einem Anteil von 114.000 ZAR Kapitalrücklagen und zu 200.000 ZAR Gewinnrücklagen sind. 11.10 Bilanzgewinn Der Bilanzgewinnausweis ist bei Anwendung der IFRSs einfacher als nach deutschen Handelsgesetzbuch HGB. Ein positives Nachsteuerergebnis wird in das Konto Bilanzgewinn (retained earnings) auf der Habenseite gebucht. Alle Gewinnverwendungstransaktionen führen auf Sollbuchen. Der Saldo des Bilanzgewinnkontos ist der Gewinnvortrag und wird in der nächsten Periode als Eröffnungswert (opening value) gezeigt. Für die YARRA Ltd. zeigt die Abbildung 11.6 das Bilanzgewinnkonto. Darin sind die Buchungen (3) und (a) die Nachsteuerergebnisse aus den Geschäftsjahren 20X0 und 20X2. Die Buchungen (4), (b) und (c) folgen auf Dividendenbeschlüsse und die Buchung (d) ist die Rücklagenzuführung in 20X2. Es wurde ein Gewinn von 20X0 nach 20X1 und anschließend nach 20X2 i.H.v. 127.500 ZAR vorgetragen. Der Gewinnvortrag von 20X2 in das Geschäftsjahr 20X3 beträgt 22.000 ZAR. Hinweis: Im Geschäftsjahr 20X1 wurde das Bilanzgewinnkonto gar nicht bebucht, weil kein Gewinn erwirtschaftet wurde und keine Gewinnverwendung erfolgt ist. Wenn ein bilanzierendes Unternehmen einen Dividendenbeschluss fasst, verringert es sein Eigenkapital, weil Sollbuchungen im Bilanzgewinnkonto (retained earnings account) erfolgen. Ein Vortragen von Gewinnen im Bilanzgewinnkonto erfordert keine Buchung und bedeutet das zeitliche Verschieben der Gewinnverwendungsentscheidung. Das Eigenkapital verändert sich dadurch nicht. Ein Verlustvortrag ist eine Alternative zum Auflösen von Gewinnrücklagen. Dieser hat steuerliche und rücklagentechnische Auswirkungen, die ein Unternehmen für seine Gewinnverwendungsentscheidung berücksichtigen muss. Der Eigenkapitalausweis kann entweder zu einem detaillierten Darstellen des Eigenkapitalbereichs in der Bilanz oder in den Erläuterungen (notes) führen. Unten wird der erweiterte Eigenkapitalausweis in der Bilanz für die YARRA Ltd. zum 31.12.20X1 dargestellt. <?page no="377"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-377 20X1 20X0 C, L [ZAR] Equity [ZAR] [ZAR] . . . Share capital ordinary shares R1 1.300.000 1.000.000 ordinary treasury stock R1 (100.000) preference shares R1 500.000 500.000 Reserves Capital reserves 114.000 Earnings reserves 0 Retained earnings 127.500 127.500 Yarra Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X1 Abb. 11.4: Erweiterter Eigenkapitalausweis der YARRA Ltd. (20X1) 20X2 20X1 C, L [ZAR] Equity [ZAR] [ZAR] . . . Share capital ordinary shares R1 1.300.000 1.300.000 ordinary treasury stock R1 (100.000) (100.000) preference shares R1 500.000 500.000 Reserves Capital reserves 114.000 114.000 Earnings reserves 200.000 0 Retained earnings 22.000 127.500 Yarra Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 31.12.20X2 Abb. 11.5: Erweiterter Eigenkapitalausweis der YARRA Ltd. (20X2) In Abbildung 11.6 werden die Konten der YARRA Ltd. zusammenfassend gezeigt. Die Buchungssätze in 20X0 werden durch Zahlen, in 20X1 durch Großbuchstaben und in 20X2 durch kleine Buchstaben gekennzeichnet. <?page no="378"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-378 D C D C (1) 1.000.000 (5) 500.000 c/ d 1.000.000 (1) 1.000.000 (2) 500.000 1.000.000 1.000.000 (3) 200.000 c/ d 1.200.000 (E) 200.000 b/ d 1.000.000 1.700.000 1.700.000 c/ d 1.300.000 (C) 500.000 b/ d 1.200.000 (A) 60.000 1.500.000 1.500.000 (C) 620.000 (B) 12.500 b/ d 1.300.000 (D) 206.000 (F) 100.000 c/ d 1.441.500 1.820.000 1.820.000 b/ d 1.441.500 (a) 275.000 c/ d 1.716.500 1.716.500 1.716.500 b/ d 1.716.500 Cash/ Bank C/ B Issued capital ordinary shares ISO D C D C c/ d 500.000 (2) 500.000 c/ d 60.000 (3) 60.000 500.000 500.000 (A) 60.000 b/ d 60.000 b/ d 500.000 c/ d 82.500 (a) 82.500 b/ d 82.500 Issued capital preference shares ISP Income tax liabilities ITL D C D C c/ d 12.500 (4) 12.500 (4) 12.500 (3) 140.000 (B) 12.500 b/ d 12.500 c/ d 127.500 (b) 48.000 140.000 140.000 c/ d 98.000 (c) 50.000 (b) 48.000 b/ d 127.500 98.000 98.000 (c) 50.000 (a) 192.500 b/ d 98.000 (d) 200.000 c/ d 22.000 298.000 320.000 b/ d 22.000 Shareholders for Dividend A/ P Retained earnings R/ E D C D C (5) 500.000 c/ d 500.000 c/ d 60.000 (3) 60.000 b/ d 500.000 (B) 60.000 b/ d 60.000 c/ d 82.500 (a) 82.500 b/ d 82.500 Property, plant, equipment P, P, E Income tax liabilities ITL Abb. 11.6: Konten der YARRA Ltd. <?page no="379"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-379 D C D C (D) 206.000 (E) 206.000 (E) 6.000 (C) 120.000 (F) 100.000 c/ d 100.000 c/ d 114.000 306.000 306.000 120.000 120.000 b/ d 100.000 b/ d 114.000 D C c/ d 200.000 (d) 200.000 b/ d 200.000 Treasury stock account TSA Capital Reserves C-R Earnings reserves E-R Abb. 11.6: Konten der YARRA Ltd. - Fortsetzung 11.11 Zusammenfassung Das Eigenkapital ist der Buchwert eines Unternehmens. In einer Bilanz nach IFRSs lässt sich das Eigenkapital berechnen, indem alle Schulden von dem Gesamtvermögen subtrahiert werden. Das Eigenkapital ändert sich ebenfalls über Transaktionen mit den Eigentümerinnen oder Eigentümern, z.B. Aktienausgaben, Aktieneinzüge oder Dividendenbeschlüsse. Es verändert sich weiter durch das Ergebnis und Neubewertungen. Nationale Gesetze, z.B. das Aktiengesetz enthalten spezielle Vorschriften für die Eigenkapitalpositionen in der Bilanz. 11.12 Arbeitsdefinitionen Eigenkapital (equity): Unterschiedsbetrag zwischen Vermögen und Schulden. Es wird auch als Buchwert eines Unternehmens bezeichnet. Unternehmensanteile (shares): Anteiliger Besitz an einem Unternehmen. Sie werden in Summe mit ihren Nennwerten im Eigenkapitalbereich unter gezeichnetem Kapitel und in Höhe des Emissionsagios in den Kapitalrücklagen ausgewiesen. Vorzugsaktien (preference shares): Aktien ohne Stimmrecht aber mit einem privilegierten Anspruch auf Dividenden (dividend income) und Liquidationserlös (liquidation proceeds). Rücklagen (reserves): Eigenkapitalanteil, der aus der Gewinnverwendung, aus Aktienemission mit Emissionsagio oder aus Neubewertungen stammt. Gewinn pro Aktie (earnings per share ratio): Nachsteuergewinn, bereinigt um Vorzugsdividenden und dividiert durch die Anzahl in Umlauf befindlicher Stammaktien. Es ist der IAS 33 zu berücksichtigen. Aktieneinzug (redemption of shares): Rückkauf von eigenen Anteilen mit dem Zweck diese aufzulösen. Emissionsagio (share premium): Positiver Unterschiedsbetrag zwischen dem Bezugskurs und dem Nennwert eine Aktie. Ein Agio wird in die Kapitalrücklagen gebucht. Eigene Anteile (treasury stock): Zurückgekaufte, eigene Aktien. Eigene Anteile werden als negatives Eigenkapital ausgewiesen. Eigene Anteile sind nicht dividendenberechtigt und können keine Liquidationserlöse beziehen. <?page no="380"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-380 11.13 Kontrollfragen (1) Ein Unternehmen wird durch Ausgabe von 100.000 Stammaktien zu jeweils 8,50 EUR/ Aktie gegründet. Der Nennwert pro Aktie beträgt 5 EUR/ Aktie. Das Unternehmen weist einen Verlustvortrag (loss carried forward) aus der vorherigen Abrechnungsperiode i.H.v. 6.000 EUR aus. Das Vorsteuerergebnis (pretax profit) beträgt 80.000 EUR. Die Eigentümerinnen oder Eigentümer beschließen eine Dividende in Höher der Hälfte des ausschüttungsfähigen Betrages (half of the distributable amount); der Rest wird den Gewinnrücklagen (earnings reserves) zugeführt. Weisen Sie die Positionen für das gezeichnete Kapital, die Rücklagen und den Bilanzgewinn (retained earnings) in der Bilanz aus, die unter Gewinnverwendung aufgestellt wird. (issued capital / reserves / retained earnings) 1. 500.000 EUR/ 350.000 EUR/ 25.000 EUR . 2. 850.000 EUR/ 25.000 EUR/ 0 EUR . 3. 500.000 EUR/ 375.000 EUR/ 0 EUR . 4. 500.000 EUR/ 25.000 EUR/ 350.000 EUR . (2) Eine Aktiengesellschaft gibt am 1.10.20X3 50.000 Vorzugsaktien zu einem Bezugskurs von 1,30 EUR/ Aktie aus. Das Agio (premium) beträgt 0,30 EUR/ Aktie. Die Vorzugsdividende beträgt 4,5 %/ Jahr und bezieht sich auf den Aktiennennwert (nominal share value). Die Aktiengesellschaft hat 100.000 Stammaktien zu jeweils EUR/ Aktie Nennwert im Umlauf. Das Vorsteuerergebnis beträgt 25.000 EUR. Es wurde eine vollständige Dividende beschlossen. Wie hoch ist die Dividende an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre abgerundet auf den nächsten EUR-Cent? 1. 0,22 EUR/ Aktie . 2. 0,15 EUR/ Aktie . 3. 0,14 EUR/ Aktie . 4. 0,16 EUR/ Aktie . (3) Eine Aktiengesellschaft hat 200.000 Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre. Der Börsenkurs beträgt 3,45 EUR/ Aktie. Das Unternehmen beschließt die Ausgabe von 50.000 Stammaktien zu 3 EUR/ Aktie über Bezugsrechte. Wie hoch ist der Wert eines Bezugsrechts (für eine junge Aktie (per fresh share)? 1. 0,09 EUR/ Bezugsrecht . 2. 0,36 EUR/ Bezugsrecht . 3. 0,45 EUR/ Bezugsrecht . 4. 0,23 EUR/ Bezugsrecht . (4) Ein Unternehmen erwirtschaftet ein Vorsteuerergebnis von 100.000 EUR. Die Vorzugsdividende (preference dividend) beträgt 6.000 EUR und wurde während der Abrechnungsperiode beschlossen. Im Bilanzgewinn ist ein Gewinnvortrag (profit carried forward) im Umfang von 50.000 EUR enthalten. Die Dividende an die Stammaktionäre (ordinary dividend) beträgt 50 % des ausschüttungsfähigen Betrags und der Rest soll den Rücklagen zugeführt werden. Das gezeichnete Kapital beträgt 500.000 EUR. Wie hoch ist der Buchwert des Unternehmens? <?page no="381"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 11-381 1. 557.000 EUR . 2. 57.000 EUR . 3. 560.000 EUR . 4. 644.000 EUR . (5) Eine Kapitalgesellschaft trägt einen Verlust von 26.000 EUR vor. In der aktuellen Abrechnungsperiode erwirtschaftet sie einen Gewinn nach Ertragsteuern von 75.000 EUR. Am 30.06.20XX hat die Gesellschaft 50.000 Vorzugsaktien zu jeweils 5,50 EUR/ Aktie ausgegeben. Der Bezugskurs liegt 0,50 EUR/ Aktie über dem Nennwert. Die Vorzugsdividende beträgt 4 %/ Jahr bezogen auf den Aktiennennwert. Wie hoch ist der ausschüttungsfähige Betrag für alle Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre (ordinary shareholders)? 1. 43.500 EUR . 2. 39.000 EUR . 3. 44.000 EUR . 4. 49.000 EUR . 11.14 Lösungen 1-3, 2-4, 3-2, 4-1, 5-3. <?page no="382"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-382 12 Gewinn- und Verlustrechnung 12.1 Inhalt Gewinn ist die Differenz aus Umsatzerlösen, sonstigen Erträgen und Aufwand. Einkommen, das nicht dem Geschäftsmodell entspricht und somit als außerordentlich zählt, wird englischsprachig mit Gain bezeichnet und in der Gewinn- und Verlustrechnung als Other Comprehensive Income ausgewiesen; im Deutschen spricht man von sonstigen Erträgen. Ein Unternehmen kann in Übereinstimmung mit IAS 1.99 die Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income) entweder nach dem Gesamtkostenverfahren (nature of expense method) oder nach dem Umsatzkostenformat (cost of sales format) aufstellen. Sie kann durch eine getrennte Erfolgsrechnung für sonstige Erträge (statement of other comprehensive income (OCI)) ergänzt werden, oder sonstige Erträge werden zusammen in die Gewinn- und Verlustrechnung integriert (statement of profit or loss and other comprehensive income). In diesem Lehrbuch wird das kombinierte Statement mit Integration der sonstigen Erträge verwendet. Dem Abgrenzungsgrundsatz folgend werden in einer Gewinn- und Verlustrechnung Umsätze, sonstige Erträge und Aufwand der Periode unabhängig vom Zeitpunkt der zugehörigen Zahlungen zugewiesen. In diesem Kapitel wird das Erstellen einer Gewinn- und Verlustrechnung für einen Dienstleister und ein Produktionsunternehmen demonstriert. Es werden beide Formate, das Gesamtkostenverfahren und das Umsatzkostenverfahren (nature of expense format; cost of sales format) auf beide Fallstudien angewendet. Als ein Beispiel für einen Dienstleister wird die Fallstudie ABINGTON Ltd. behandelt, die ein australisches Notariat (law firm) ist. Ihre Gewinnermittlung ist einfach, weil keine Erzeugniskalkulation erforderlich ist. Dienstleister können ihre Leistungen nicht als Vorratsbestand lagern. Somit entstehen keine Bestandsveränderungen von Fertigerzeugnissen. Dennoch findet eine Dienstleistungskalkulation statt - jedoch ohne Berücksichtigung von Materialflüssen. Stellvertretend für Produktionsunternehmen wird die SUDHUIZEN PLC als Hersteller von Espressomaschinen behandelt. Die Fallstudie berücksichtigt Materialflüsse und eine Erzeugniskalkulation (manufacturing accounting) zur Bestimmung der Herstellungskosten. Für die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren setzt SUDHUIZEN PLC ein periodisches Lagerhaltungssystem ein. Im Gegensatz dazu baut die Fertigungsauftragskalkulation für das Umsatzkostenverfahren auf einer fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual inventory system) auf. 12.2 Lernziele Nach dem Lesen dieses Kapitels können Sie eine Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen und Erfolgsrechnungen von Anderen nachvollziehen. Sie können das Gesamtkostenverfahren <?page no="383"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-383 und das Umsatzkostenverfahren anwenden und verstehen die Unterschiede dazwischen. Sie kennen die Zusatzinformationen, die im Anhang (notes) beim Anwenden des Umsatzkostenformats anzugeben sind. Sie entwickeln ein Verständnis für die Unterscheidung von Gewinnen und sonstigen Erträgen und für Aufwandsarten. 12.3 Gewinn- und Verlustrechnung Mit einer Gewinn- und Verlustrechnung vergleicht das bilanzierende Unternehmen seine Erträge mit Aufwand, siehe IAS 1.88. Die Fachausdrücke dazu werden im Rahmenwerk festgeschrieben. Gewinne (profit) und sonstige Erträge (gains) werden als Erträge (income) zusammengefasst. Umsatzerlöse entstehen aus gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten (ordinary business), d.h. sie entsprechend dem Geschäftsmodell und sind z.B., Verkauf/ Herstellung von Erzeugnissen oder eine Dienstleistungserstellung (service rendering); ein sonstiger Ertrag ist z.B. Gewinn aus dem Ausbuchen von Sachanlagevermögen (disposal of non-current assets) oder Zinserträge (interest income), die von Unternehmen erwirtschaftet werden, die keine Banken sind. Banken dagegen würden Zinsertrag unter Umsatz (revenue) darstellen, weil er ihrem Geschäftsmodell entspricht. Siehe die Beispiele in F 4.31. Ein Aufwand ist nach F 4.33, die Aufgabe oder der Verbrauch von Ressourcen durch gewöhnliche Geschäftstätigkeit, z.B. Arbeits- und Lohnauf- 100 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (28). wand, Materialverbrauch etc. Außergewöhnlicher Aufwand wird für z.B. Wasserschäden gebucht, außer bei Versicherungsunternehmen, die Elementarschäden versichern. Der ausgewiesene Gewinn- und Verlust ist der Unterschiedsbetrag zwischen allen Erträgen und allen Aufwendungen. Der IAS 1.81 legt die Ausweisvorschriften dazu fest. Die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung ist entweder an den Aufwandsarten oder an ihrem Zweck ausgerichtet. 100 - Einer Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenformat weist Aufwandsarten nach ihren Eigenschaften, z.B. Lohnaufwand, Abschreibungen, Materialaufwand etc. aus. Sie werden nicht auf Kalkulationsobjekte, wie Produkte oder Dienstleistungen allokiert. Beispiele für Gewinn- und Verlustrechnungen nach dem Gesamtkostenformat werden in IAS 1.102 gegeben. - Wenn die Gewinn- und Verlustrechnung dem Aufwandszweck folgt, finden Zuordnung von Kosten auf Kalkulationsobjekte statt. Kalkulationsobjekte stellen entweder die produzierten Erzeugnisse oder Dienstleistungen dar. Der IAS 1.103 behandelt das Umsatzkostenformat. In den unteren Zeilen stellt Gewinn- und Verlustrechnung die Ertragsbesteuerung dar und zeigt auf der letzten Zeile den Jahresüberschuss/ -fehlbetrag (EAT). <?page no="384"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-384 Hinweis: In den vorherigen Kapiteln wurde vorzugsweise das Gesamtkostenverfahren angewendet, weil es weniger Buchungsaufwand erfordert und leichter zu verstehen ist. Der Vorteil einer Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren ist dagegen, dass die Erzeugniskalkulation in den Konten erfolgt und die Kosteninformationen nach Erzeugnissen/ Dienstleistungen strukturiert sind. Damit kann ein Unternehmen Verkaufsmargen (sales margin) oder Deckungsbeiträge (contribution margin) berechnen und sie für Produktionsprogrammentscheidungen (product mix decisions) nutzen. Der IAS 1.99 bestimmt, dass das bilanzierende Unternehmen dasjenige Format wählen muss, das die zuverlässigsten und aussagekräftigsten Informationen liefert. Die Formalvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung orientieren sich an IAS 1.81. Hinweis: In diesem Lehrbuch wird ein Standardformat eingesetzt, wie in Abbildung 12.3 für das Gesamtkostenverfahren (NoE) und in Abbildung 12.9 für das Umsatzkostenverfahren (COS) gezeigt wird. Eine verlängerte Gewinn- und Verlustrechnung wie nach § 158 Company’s act (AktG) gibt es bei internationaler Bilanzierung nicht. Gewinnverwendungen werden in der Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) gezeigt. Unten werden die beiden Formate für die Gewinn- und Verlustrechnung: (a) Gesamtkostenverfahren (nature of expense method (NoE)) und (b) Umsatzkostenverfahren (cost of sales format (COS)) an zwei Fallstudien dargestellt: (A) ABINGTON Ltd., ein australisches Notariat und (B) SUDHUIZEN PLC, ein britischer Espressomaschinenhersteller. 12.4 F/ S ABINGTON Ltd. - Gesamtkostenverfahren (ad a.A) ABINGTON Ltd. ist ein in Adelaide ansässiges Notariat, das auf das Übertragen von Immobilienbesitz spezialisiert ist. Sie erstellt die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren. Die Struktur des Gesamtkostenverfahrens ist unten dargestellt. Umsatzerlöse (revenue) +/ - Bestandsveränderungen des Fertigerzeugnisbestands (changes in inventories of finished goods ./ . Aufwand (expense) = Kapitalgewinn (earnings before interest and taxation (EBIT) ./ . Zinsaufwand (interest) = Vorsteuerergebnis (earnings before taxation (EBT)) ./ . Ertragsteueraufwand (income tax) = Jahresüberschuss (annual surplus (EAT)) Hinweis: Bei dem Gesamtkostenverfahren werden Bestandsveränderungen berücksichtigt. Diese kommen bei einem Dienstleistungsunternehmen jedoch nicht vor und werden deshalb erst bei der nachfolgenden Fallstudie SUDHUIZEN PLC behandelt. Datenblatt für die ABINGTON Ltd. Standort: Australien (Adelaide). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: Dienstleistungsunternehmen. Mitarbeiter: sechs Anwältinnen oder Anwälte, 20 Notargehilfinnen oder -gehilfen. <?page no="385"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-385 Löhne: Anwältinnen oder Anwälte jeweils 85.000 AUD/ Jahr; Notargehilfinnen oder -gehilfen jeweils 38.000 AUD/ Jahr. Lohneinzelkosten per Immobilientransfer: 680 AUD/ Mandat Anwalts-Lohnkosten (nur relevant für das Umsatzkostenformat). Betriebsaufwand: 160.500 AUD/ Jahr umsatzsteuerrelevant. Mieten: 5.000 AUD/ Monat einen Monat im Voraus fällig; nicht-umsatzsteuerrelevant. Fertigungsgemeinkosten: Löhne für die Notargehilfinnen oder -gehilfen und Betriebsaufwand. Nichtfertigungsbezogene Gemeinkosten: Verwaltungsaufwand (Beitrag der Anwältinnen oder Anwälte zur Selbstverwaltung) und Mieten. Abrechnungsperiode: 20X4. Umsatzerlöse: für 700 Immobilienübertragungen zu jeweils 3.600 AUD/ Mandat, Umsatzsteuerpflicht besteht. Sonstige Erträge: Zinseinkünfte aus Anleihenbesitz: 20.000 AUD/ Jahr. Plankostenverrechnungssatz (predetermined overhead allocation rate): 1.300 AUD/ Mandat. Umsatzsteuersatz: 20 % Hinweis: In diesem Kapitel ist die Berücksichtigung von Umsatzsteuer nicht entscheidend, weil sich auf die Gewinnermittlung konzentriert wird und keine Bilanz aufgestellt wird. In einer Vorlesung kann die Fallstudie ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer behandelt werden. Die ABINGTON Ltd. hat ihren Sitz in einem gemieteten Büro in Adelaide und beschäftigt sechs Anwältinnen oder Anwälte und 20 Notargehilfinnen oder Notargehilfen. Die ABINGTON Ltd. überträgt in 20X4 700 Immobilienbesitzverhältnisse und erwirtschaftet einen Umsatzerlös von 3.600 AUD/ Mandat. Der Umsatz beträgt: 700 × 3.600 = 2.520.000 AUD. Jede Anwältin oder jeder Anwalt verdient bei der ABINGTON Ltd. ein Jahresgehalt von 85.000 AUD/ Jahr. Die Notargehilfinnen oder Notargehilfen verdienen jeweils 38.000 AUD/ Jahr. Der sonstige Betriebsaufwand für die Immobilienübertragung beträgt 160.500 AUD/ Jahr; er besteht aus Leasingraten für Computersysteme, aus Büromaterial, aus Internetzugangskosten etc. Der Betriebsaufwand ist umsatzsteuerrelevant. Die Büromiete beträgt 5.000 AUD/ Monat und wird einen Monat im Voraus bezahlt. Zu Beginn der Abrechnungsperiode 20X4 weist das Vorauszahlungskonto (prepaid expense) einen Saldovortrag von 5.000 AUD aus. Für Mietaufwand wird keine Umsatzsteuer berücksichtigt. Aus Anleihenbesitz erwirtschaftet ABINGTON Ltd. Zinserträge i.H.v. 20.000 AUD/ Jahr. Die Coupons zählen als sonstiger Ertrag, weil das Geschäftsmodell von ABINGTON Ltd. sich auf Rechtsgeschäfte bezieht. Die Zinserträge sind umsatzsteuerfrei. Vor der Behandlung der Gewinnermittlung für ABINGTON Ltd. werden die Buchungssätze ihrer Geschäftsvorfälle besprochen: (1) Zuordnung von vorausgezahltem Mietaufwand (allocation of prepaid rent). (2) Umsatzsteuerfreier Mietaufwand (Rental payment, non-VATable). (3) Gehaltsaufwand für Anwältinnen oder Anwälte (salary for attorneys). (4) Gehaltsaufwand für Notargehilfinnen oder Notargehilfen (labour for paralegals). (5) Umsatzsteuerrelevanter Betriebsaufwand (operational expenses, VATable). <?page no="386"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-386 (6) Umsatzsteuerrelevante Umsatzerlöserfassung (revenue recognition, VATable). (7) Zinsertrag aus Anleihenbesitz (interest income from bonds). Am 2.01.20X4 (1): DR Rent-20X4 RNT................ 5.000 AUD CR Prepaid Expenses............. 5.000 AUD Am 30.06.20X4 (2), (3), (4), (5): DR Rent-20X4 RNT................ 60.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 60.000 AUD DR Labour-20X4 LAA.............. 510.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 510.000 AUD DR Labour-20X4 Paralegals....... 760.000 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 760.000 AUD DR Operational Expenses OEX..... 160.500 AUD DR Value Added Tax VAT.......... 32.500 AUD CR Cash/ Bank C/ B................ 192.600 AUD Am 1.07.20X4 (6), (7): DR Cash/ Bank C/ B................ 3.024.000 AUD CR Value Added Tax VAT.......... 504.000 AUD CR Revenue-20X4 REV............. 2.520.000 AUD DR Cash/ Bank C/ B................ 20.000 AUD CR Interest Income-20X4 I4I..... 20.000 AUD Die Abbildung 12.1 zeigt die Konten mit den darin gebuchten Geschäftsvorfällen. Die Nummerierung der Geschäftsvorfallsliste dient zur Buchungssatzidentifikation. D C D C . . . (2) 60.000 OV 5.000 (1) 5.000 (6) 3.024.000 (3) 510.000 RNT 5.000 (7) 20.000 (4) 760.000 (5) 192.600 c/ d 1.521.400 3.044.000 3.044.000 b/ d 1.521.400 Cash/ Bank C/ B Prepaid expenses PRE Abb. 12.1: Konten der ABINGTON Ltd. (GKV) <?page no="387"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-387 D C D C (1) 5.000 (3) 510.000 c/ d 510.000 (2) 60.000 c/ d 65.000 b/ d 510.000 65.000 65.000 b/ d 65.000 PRE 5.000 c/ d 60.000 65.000 65.000 b/ d 60.000 Rent-20X4 RNT Labour Attorneys-20X4 LAA D C D C (4) 760.000 c/ d 760.000 (5) 160.500 c/ d 160.500 b/ d 760.000 b/ d 160.500 Labour Paralegals-20X4 LAP Operational expenses-20X4 OEX D C D C c/ d 2.520.000 (6) 2.520.000 (5) 32.100 (6) 504.000 b/ d 2.520.000 c/ d 471.900 504.000 504.000 b/ d 471.900 Revenue-20X4 REV Value added taxes VAT D C c/ d 20.000 (7) 20.000 b/ d 20.000 Interest income-20X4 I/ I Abb. 12.1: Konten der ABINGTON Ltd. (GKV) - Fortsetzung Im Rahmen der Abschlussarbeiten werden Vorauszahlungen gebucht. Siehe die Buchungssätze unten mit der Kennzeichnung der Konten über die Kennung (three letter code) des Gegenkontos: PRE für Vorauszahlungskonto (prepaid expense account) und RNT für den Mietaufwand (rent). Die Buchungssätze für die Abschlussarbeiten wurden in der Abbildung 12.1 bereits berücksichtigt. Am 31.12.20X4: DR Prepaid Expenses PRE ......... 5.000 AUD CR Rent-20X4 RNT................ 5.000 AUD Das Gewinn- und Verlustrechnungskonto zeigt den Gewinn für die ABINGTON Ltd. i.H.v. 734.650 AUD nach Ertragsteuern. Siehe das Gewinn- und Verlustrechnungskonto (profit and loss), das dem Gesamtkostenverfahren folgt, in Abbildung 12.2. <?page no="388"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-388 D C D C RNT 60.000 REV 2.520.000 c/ d 314.850 P&L 314.850 LAA 510.000 I/ I 20.000 b/ d 314.850 LAP 760.000 OEX 160.500 EBT 1.049.500 2.540.000 2.540.000 D C ITL 314.850 b/ d 1.049.500 c/ d 734.650 P&L 734.650 R/ E 734.650 b/ d 734.650 1.049.500 1.049.500 Profit and Loss-20X4 P&L Income tax liabilities ITL Retained earnings R/ E Abb. 12.2: Gewinnermittlung der ABINGTON Ltd. (GKV) Die ABINGTON Ltd. erstellt ihre Gewinn- und Verlustrechnung (income statement) und fasst dafür Buchungen für die Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung zusammen, z.B. einzelne Lohnkostenarten, Miet- und Betriebsaufwand, welche unter sonstigem Aufwand (other expenses) dargestellt werden. Die Zinserträge aus den Anleihen sind als sonstiger Ertrag dargestellt. Siehe die Gewinn- und Verlustrechnung, die nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt wurde, in Abbildung 12.3. [AUD] Revenue 2.520.000 Other income 20.000 2.540.000 Materials 0 Labour (1.270.000) Depreciation 0 Other expenses (220.500) Earnings before int. & taxes (EBIT) 1.049.500 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 1.049.500 Income tax expenses (314.850) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 734.650 Abington Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 12.3: Gewinn- und Verlustrechnung der ABINGTON Ltd. (GKV) <?page no="389"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-389 Die Fallstudie ABINGTON Ltd. wird unten für die Erklärung des Umsatzkostenverfahrens fortgesetzt, nachdem die zweite Gewinn- und Verlustrechnung für das Produktionsunternehmen SUIDHUIZEN PLC. dem Gesamtkostenverfahren folgend behandelt wurde. Hinweis: Im Hörsaal hat es sich bewährt, zuerst beide Verfahren für eine Fallstudie zu behandeln, weil die Zahlen noch im Gedächtnis sind. Es wird aber im Lehrbuch an der Verfahrensorientierung festgehalten, um Unterschiede zwischen Dienstleistungsunternehmen und Produktionsunternehmen zu zeigen. 12.5 F/ S SUDHUIZEN PLC - Gesamtkostenverfahren (ad a.B) Die Fallstudie zur Fertigungsauftragskalkulation behandelt das Produktionsunternehmen (manufacturer) SUDHUIZEN PLC in York. Bei der SUDHUIZEN PLC kommen Bestandsveränderungen von Fertigerzeugnissen vor. Ebenso ergeben sich Änderungen im Materialvorratsvermögen. Die Bestandsveränderungen des Rohmaterials werden über den Materialaufwand bereits berücksichtigt. Die Bestandsveränderungen von Fertigerzeugnissen erfordern eine Ergebniskorrektur in der Gewinn- und Verlustrechnung für nicht realisierten Gewinn (unrealised profit). Erhöhen sich Fertigerzeugnisbestände, werden die Herstellungskosten für die eingelagerten Erzeugnisse von den Gesamtkosten abgezogen. Die Fertigerzeugnisse werden zu ihren Anschaffungs- und Herstellungskosten bewertet (at costs) dem Vorratsvermögen im Umlaufvermögen zugeordnet. Werden Erzeugnisse dem Fertigerzeugnislager wieder entnommen, werden sie als Aufwand mit den Anschaffungs- und Herstellungskosten erfasst, zu denen sie in vorherigen Perioden hergestellt wurden. Dabei können Verbrauchsfolgefiktionsverfahren zum Einsatz gelangen. Datenblatt für die SUDHUIZEN PLC Standort: Groß Britannien (York). Berichtswährung: GBP. Klassifikation: Produktionsunternehmen. Erzeugnis: Espressomaschinen. Stückliste (bill of materials): eine Wasserpumpe, eine Kaffeekapselausgießeinheit (coffee capsule dispense unit CCDU), ein Karton für den Versand einer Espressomaschine. Materialbeschaffung: siehe Abbildung 12.5; Anfangswerte des Vorratsvermögens: 45.000 GBP, welches Material und Fertigerzeugnisse enthält. Produktionsmenge (volume) (20X4): 30.000 Stück. Verkaufsmenge (20X4): 28.500 Stück; Nettoverkaufspreis: 60 GBP/ Stk. Abschreibungen: 28.000 GBP/ Jahr in der Montage (assembling); 1.000 GBP/ Jahr in dem Reinigungsbereich (cleaning); 2.000 GBP/ Jahr in der Verpackungsabteilung (packaging). Löhne: 40.000 GBP/ Jahr in der Montage; 30.000 GBP/ Jahr in dem Reinigungsbereich; 25.000 GBP/ Jahr in der Verpackungsabteilung; 55.000 GBP/ Jahr in der Verwaltung (administration). Umsatzsteuersatz: 20 % Für die Gewinn- und Verlustrechnung in Produktionsunternehmen entsteht zusätzlicher Allokationsaufwand für die Produktkalkulation. Wenn Fertigerzeugnisse eingelagert werden, müssen die Fertigerzeugnisbestände in der <?page no="390"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-390 Bilanz als Vorratsvermögen berücksichtigt und der Aufwand für ihre Herstellung von den Gesamtkosten subtrahiert werden. Dieses bedingt eine Habenbuchung für Bestandsveränderungen. Somit wird sichergestellt, dass keine Herstellungskosten für Erzeugnisse erfasst werden, die produziert wurden, aber noch nicht verkauft worden sind. Es besteht für diese keine Gewinnrealisierung. Beim späteren Verkauf der Fertigerzeugnisse wird das Vorratsvermögen vermindert und ihre Herstellungskosten als Aufwand erfolgswirksam erfasst. Für das Verständnis, wie auf Lager produzierte Fertigerzeugnisse gebucht werden und wie Herstellungsaufwand dabei auf fremde Perioden verlagert wird, siehe die Fallstudie ANKYO Ltd. Die Fallstudie ist über den Link 12.A erreichbar. Link 12.A: ANKYO Ltd. Unten wird die Gewinn- und Verlustrechnung für SUDHUIZEN PLC besprochen. Das Produktionsunternehmen hat zum Ende von 20X4 fertiggestellte, aber noch nicht verkaufte Espressomaschinen im Fertigwarenbestand. Die SUDHUIZEN PLC weist am Anfang von 20X4 einen Anfangsbestand von Espressomaschinen i.H.v. 3.000 GBP als Vorratsvermögen fertiger Erzeugnisse aus. Dieser entspricht 100 in der Vergangenheit zu Stück-Herstellungskosten von: 3.000 / 100 = 3 30 GBP/ Stk. produzierten Espressomaschinen. Durch das Übersteigen der Produktionsmenge von Espressomaschinen im Vergleich zur ihrer Verkaufsmenge in 20X3 hält die SUDHUIZEN PLC 100 nicht verkaufte Espressomaschinen im Vorratsvermögen der Fertigerzeugnisse. Sie sind von gleicher Bauart wie diejenigen, die im Geschäftsjahr 20X4 hergestellt werden. Die SUDHUIZEN PLC wendet das Verbrauchsfolgefiktionsverfahren (cost formula) gewichtete Durchschnittsmethode (weighted average cost formula) für alle Lagerbewegungen an. Jede Espressomaschine enthält eine Wasserpumpe und eine Kaffeekapselausgießeinheit (coffee-capsule-dispense-unit CCDU). Zur Handhabung werden die Espressomaschinen in einem Karton verpackt. Der Karton stellt einen Teil des Fertigerzeugnisses dar, obwohl er nicht in der Stückliste (bill of material) enthalten ist: einer verpackten Espressomaschine. SUDHUIZEN PLC hat zu Beginn von 20X4 3.000 CCDUs zu jeweils 14 GBP/ Stk. im Vorratsvermögensbestand. Siehe den Ausweis des Vorratsvermögens in der Bilanz der SUDHUIZEN PLC in Abbildung 12.4. Es besteht aus 100 verpackten Espresso Maschinen und 3.000 CCDUs, die zu Anschaffungs- und Herstellungskosten bewertet sind (measured at cost). <?page no="391"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-391 A C, L Non-current assets [GBP] Equity [GBP] P, P, E 100.000 Share capital 50.000 Intangibles Reserves 100.000 Financial assets Retained earnings Current assets Liabilities (liab.) Inventory 45.000 Long-term liab. Accounts receivables Short-term liab. A/ P Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 5.000 Income tax liab. Total assets 150.000 Total equity and liab. 150.000 Sudhuizen PLC. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X4 Abb. 12.4: Bilanz der SUDHUIZEN PLC (20X3) Die Produktionsmanagement für die Herstellung von Espressomaschinen basiert auf einer Fertigungsauftragskalkulation. 101 Zuerst werden die Espressomaschinen in der Montageabteilung zusammengebaut. Der nächste Schritt ist ein Reinigungsprozess, dem das Verpacken folgt. Alle Espressomaschinen werden verpackt, auch wenn sie noch nicht verkauft werden. Die SUDHUIZEN PLC betreibt drei Fertigungsabteilungen: Montage (assembling), Reinigung (cleaning) und Verpackung (packaging). In der Abrechnungsperiode 20X4 beschafft SUDHUIZEN PLC die untenstehenden Materialien: Item Date of purchase Amount Unit costs Cost of purchase [GBP] [GBP] CCDU 2.01.20X4 30.000 14,00 420.000 Water pump 3.01.20X4 20.000 9,50 190.000 Box 6.01.20X4 30.000 1,00 30.000 Water pump 14.01.20X4 20.000 10,50 210.000 Cleaning soap for 100 machines 15.01.20X4 300 10,00 3.000 SUDHUIZEN PLC PURCHASE JOURNAL for the period ended 31.12.20X4 Abb. 12.5: Einkaufs-Ledger der SUDHUIZEN PLC 101 Siehe das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (18). <?page no="392"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-392 Der Einkauf von Reinigungsseife (cleaning soap) erfolgt auf Ziel (on credit). Die SUDHUIZEN PLC stellt während der Abrechnungsperiode 20X4 30.000 Espressomaschinen her. Sie erfasst Abschreibungen i.H.v. 28.000 GBP/ Jahr in der Montageabteilung, 1.000 GBP/ Jahr in der Reinigungsabteilung und 2.000 GBP/ Jahr in der Verpackungsabteilung. Die Löhne betragen 40.000 GBP/ Jahr in der Montage, 30.000 GBP/ Jahr in der Reinigungsabteilung und 25.000 GBP/ Jahr in der Verpackung. Darüber hinaus erfasst SUDHUIZEN PLC Gehälter i.H.v. 55.000 GBP/ Jahr in der Verwaltung, die keinen Produktionsbezug hat. Löhne und Gehälter werden in dem Lohn- und Gehaltsaufwandskonto (labour) erfasst. Die SUDHUIZEN PLC verkauft in 20X4 28.500 Espressomaschinen zu jeweils 60 GBP/ Stk.; dieses ist der Nettoverkaufspreis (net selling price). Weil die Produktionsmenge die Anzahl der verkauften Espresso Maschinen um: 100 + 30.000 - 28.500 = 1 1.600 Espressomaschinen übersteigt, erhöht sich das Vorratsvermögen an fertigen Erzeugnissen um 1.500 Stk. Es werden die untenstehenden Buchungssätze erfasst, die auf einem periodischen Lagerhaltungssystem und dem Anwenden der gewichteten Durchschnittsmethode basieren. Das periodische Lagerhaltungssystem verringert den Bewertungsaufwand, weil nur das Material und der Endbestand der Fertigerzeugnisse am Ende von 20X4 zu bewerten sind. Er besteht aus 3.000 CCDUs (ICC), 10.000 Wasserpumpen (IWP) und 1.600 Espressomaschinen. Die Kennung (three letter code) in den Kontendarstellungen beziehen sich auf die Namen der jeweiligen Vorratsvermögenskonten. Bei Anwendung einer periodischen Lagerhaltung muss nur Vorratsvermögen für Fertigerzeugnisse (finished goods) (FGI), Kaffeekapselausgießeinheiten (coffeecapsule-dispense-units) (ICC) und Wasserpumpen (water pumps) (IWP) berücksichtigt werden. Es werden nur die Salden der Vorratsvermögenskonten zum Ende von 20X4 berücksichtigt; dafür müssen die Stückherstellungskosten (unit costs of manufacturing) für die Espressomaschinen zuvor in einer Nebenrechnung (working) kalkuliert werden. Die gebuchten Geschäftsvorfälle sind: (1) Einkauf der CCDUs (purchase of CCDUs). (2) Einkauf von Wasserpumpen (purchase of water pumps). (3) Einkauf der Kartons (purchase of boxes). (4) Zweiter Einkauf von Wasserpumpen (2nd purchase of water pumps). (5) Einkauf des Reinigungsmittels (purchase of soap). (6) Abschreibungen in der Montage (depreciation on Assembling). (7) Abschreibungen in der Reinigungsabteilung (depreciation on Cleaning). (8) Abschreibungen in der Verpackungsabteilung (depreciation on Packaging). (9) Lohne in der Montage (wages in Assembling). (10) Löhne in der Reinigungsabteilung (wages in Cleaning). (11) Löhne in der Verpackung (wages in Packaging). (12) Gehälter in der Verwaltung (salary in Administration). <?page no="393"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-393 (13) Erfassen des Umsatzerlöses (revenue recognition). Am 2.01.20X4 (1): DR Purchase-20X4 PUR ............ 420.000 GBP DR Value Added Tax VAT .......... 84.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 504.000 GBP Am 3.01.20X4 (2): DR Purchase-20X4 PUR ............ 190.000 GBP DR Value Added Tax VAT .......... 38.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 228.000 GBP Am 6.01.20X4 (3): DR Purchase-20X4 PUR ............ 30.000 GBP DR Value Added Tax VAT .......... 6.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 36.000 GBP Am 14.01.20X4 (4): DR Purchase-20X4 PUR ............ 210.000 GBP DR Value Added Tax VAT .......... 42.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 252.000 GBP Am 15.01.20X4 (5): DR Purchase-20X4 PUR ............ 420.000 GBP DR Value Added Tax VAT .......... 84.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 504.000 GBP Am 31.12.20X4 (6), (7), (8): DR Depreciation-20X4 DPR ........ 28.000 GBP CR Accumulated Depr. ACC ........ 28.000 GBP DR Depreciation-20X4 DPR ........ 1.000 GBP CR Accumulated Depr. ACC ........ 1.000 GBP DR Depreciation-20X4 DPR ........ 2.000 GBP CR Accumulated Depr. ACC ........ 2.000 GBP Am 30.06.20X4 (9), (10), (11), (12): DR Labour-20X4 LAB .............. 40.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 40.000 GBP DR Labour-20X4 LAB .............. 30.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B ................ 30.000 GBP <?page no="394"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-394 DR Labour-20X4 LAB.............. 25.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B................ 25.000 GBP DR Labour-20X4 LAB.............. 55.000 GBP CR Cash/ Bank C/ B................ 55.000 GBP Am 1.07.20X4 (13): DR Cash/ Bank C/ B................ 2.052.000 GBP CR Value Added Tax VAT.......... 342.000 GBP CR Revenue-20X4 REV............. 1.710.000 GBP Für die Erstellung des Warenerfolgskontos (trading account) bewertet SUDHUIZEN PLC die Schlussbestände ihres Vorratsvermögens. Sie weist die untenstehenden Werte dem Vorratsvermögen zu und erfasst drei Habenbuchungen für die Schlussbestände (closing stock) der Vorratsvermögenskonten in ihrem Warenerfolgskonto: für die CCDUs: 3.000 × 14 = 4 42.000 GBP. für die Wasserpumpen: 10.000 × (20.000 × 9,50 + 20.000 × 10,50) / 40.000 = 1100.000 GBP. für die Fertigerzeugnisbestände entsprechend einer Produktkalkulation. Die SUDHUIZEN PLC führt die verbliebenen Espressomaschinen mit zu Durchschnittskosten bewerteten Anschaffungskosten für das Material und addiert den Aufwand für Abschreibungen und Löhne. Weiter wird der Anfangsbestand der 100 Espresso Maschinen in die Durchschnittskostenbewertung einbezogen. Die Stückherstellungskosten (unit cost of manufacturing) werden in einer Nebenrechnung kalkuliert. Sie basieren auf den Kosten für CCDUs, den durchschnittlichen Kosten für Wasserpumpen, den Kosten für Kartons und den Fertigungsgemeinkosten bestehend aus Abschreibungen und Löhnen: 14 + (20.000 × 9,50 + 20.000 × 10,50) / 40.000 + 1 + 0,10 + (31.000 + 95.000) / 30.000 = 14 + 10 + 1 + 0,1 + 4,2 = 2 29,30 GBP/ u. Der Schlussbestand von 1.600 Espresso Maschinen wird nach dem gewichteten Durchschnitt über die Menge des Anfangsbestands und der Produktionsmenge berechnet: 1.600 × (100 × 30 + 29,30 × 30.000) / 30.100 = 446.883,72 GBP. Siehe unten die Konten der SUDHUIZEN PLC und ihre Gewinn- und Verlustrechnung in Abbildung 12.6 und Abbildung 12.7. Die Bestandsveränderungen im Vorratsvermögen für Fertigerzeugnisse ergeben sich aus dem Zugang abzüglich der Lagerentnahme (stock release) von 100 Espressomaschinen aus dem Vorjahr: 46.883,72 - 3.000 = 4 43.883,72 GBP. <?page no="395"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-395 D C D C OV 100.000 c/ d 100.000 (1) 420.000 P&L 853.000 b/ d 100.000 (2) 190.000 (3) 30.000 (4) 210.000 (5) 3.000 853.000 853.000 Property, Plant, Equipment PPE Purchase-20X4 PUR D C D C c/ d 3.600 (5) 3.600 OV 42.000 P&L 42.000 b/ d 3.600 P&L 42.000 c/ d 42.000 84.000 84.000 b/ d 42.000 Accounts payables A/ P Inventory CCDU ICC D C D C P&L 100.000 c/ d 100.000 OV 3.000 P&L 3.000 b/ d 100.000 P&L 46.884 c/ d 46.884 49.884 49.884 b/ d 46.884 Inventory water pump IWP Finished goods inventory FGI D C D C (1) 84.000 (13) 342.000 OV 5.000 (1) 504.000 (2) 38.000 (13) 2.052.000 (2) 228.000 (3) 6.000 (3) 36.000 (4) 42.000 (4) 252.000 (5) 600 (9) 40.000 c/ d 171.400 (10) 30.000 342.000 342.000 (11) 25.000 b/ d 171.400 (12) 55.000 c/ d 887.000 2.057.000 2.057.000 b/ d 887.000 Value added tax VAT Cash/ Bank C/ B D C D C c/ d 50.000 OV 50.000 c/ d 100.000 OV 100.000 b/ d 50.000 b/ d 100.000 Share capital ISS Reserves RES Abb. 12.6: Konten der SUDHUIZEN PLC (GKV) <?page no="396"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-396 D C D C P&L 1.710.000 (13) 1.710.000 (12) 55.000 P&L 55.000 1.710.000 1.710.000 Sales revenue-20X4 REV Administration-20X4 ADM D C D C (6) 28.000 P&L 31.000 (6) 28.000 (7) 1.000 (7) 1.000 (8) 2.000 c/ d 31.000 (8) 2.000 31.000 31.000 31.000 31.000 b/ d 31.000 Depreciation-20X4 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C (9) 40.000 P&L 95.000 c/ d 245.965 P&L 245.965 (10) 30.000 b/ d 245.965 (11) 25.000 95.000 95.000 Labour-20X4 LAB Income tax liabilities ITL D C D C FGI 3.000 Rev 1.710.000 c/ d 573.919 R/ E 573.919 ICC 42.000 FGI 46.884 b/ d 573.919 PUR 853.000 ICC 42.000 M/ A 55.000 IWP 100.000 LAB 95.000 DPR 31.000 EBT 819.884 1.898.884 1.898.884 ITL 245.965 b/ d 819.884 R/ E 573.919 819.884 819.884 Profit and Loss-20X4 P&L Retained earnings R/ E Abb. 12.6: Konten der SUDHUIZEN PLC (GKV) - Fortsetzung <?page no="397"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-397 [GBP] Revenue 1.710.000 Changes in inventory 43.884 1.753.884 Materials (753.000) Labour (150.000) Depreciation (31.000) Other expenses 0 Earnings before int. & taxes (EBIT) 819.884 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 819.884 Income tax expenses (245.965) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 573.919 Sudhuizen PLC STATEMENT of PROFIT and LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 12.7: Gewinn- und Verlustrechnung der SUDHUIZEN PLC (GKV) In der Gewinn- und Verlustrechnung für SUDHUIZEN PLC werden Erträge und zusammengefasste Kosten dargestellt, z.B., Löhne und Gehälter für die Produktion und Verwaltung zusammen und Abschreibungen für alle Abteilungen. Die Bestandserhöhung des Vorratsvermögens für fertige Erzeugnisse basiert auf der Stückkostenkalkulation und berücksichtigt die Lagerentnahme von Fertigerzeugnissen und die Produktionsmenge der Espressomaschinen nach der gewichteten Durchschnittsmethode. Als Nächstes wird das Umsatzkostenverfahren besprochen. Es wird wieder zuerst die Fallstudie ABINGTON Ltd. behandelt. 12.6 F/ S ABINGTON Ltd. - Umsatzkostenverfahren (ad b.A) Die Gewinnermittlung für die ABINGTON Ltd. wird wiederholt, jedoch wird die Gewinn- und Verlustrechnung jetzt nach dem Umsatzkostenverfahren (cost of sales COSformat) aufgestellt. Das Umsatzkostenverfahren erfordert, dass Aufwand auf Kalkulationsobjekte, wie Erzeugnisse oder Dienstleistungen, verrechnet wird. Beim Umsatzkostenverfahren wird Aufwand mehrfach und unterschiedlichen Objekten zugeordnet, bis er schließlich die Anschaffungs- und Herstellungskosten der verkaufsfähigen Produkte darstellt. Produktionsunternehmen (manufacturer) verwenden als Zwischenkalkulationsobjekte Fertigungsaufträge und Kostenstellen. Die Zuordnungsreihenfolge bei Einzelkosten ist von Fertigungsaufträgen <?page no="398"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-398 auf Erzeugnisse und bei fertigungsbezogenen Gemeinkosten von Kostenstellen auf Fertigungsaufträge und anschließend auf die Erzeugnisse. Nicht fertigungsbezogene Gemeinkosten werden direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand gebucht. Am Ende kennt das Unternehmen nur die Herstellungskosten (cost of manufacturing) für seine Erzeugnisse, weist jedoch keine Aufwandsarten, z.B. keine Abschreibungen oder keinen Materialaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung einzeln aus, weil diese bereits bei der Berechnung der Herstellungskosten einbezogen worden sind. Hinweis: Die Betriebswirtschaftslehre und insbesondere das Rechnungswesen haben ihre Ursprünge in der Industriebetriebslehre, daher sind viele fachsprachlichen Ausdrücke fertigungsbezogen. Eine Anwaltskanzlei würde statt von einem Fertigungsauftrag eher von einem Mandat sprechen, wendet aber die Konten mit Bezeichnungen wie Work-in-Process Account als Abstimmkonto für Mandate an. Eine Gewinn- und Verlustrechnung für ein Ein-Produkt-Unternehmen ist einfacher als für einen Hersteller verschiedener Erzeugnisarten, die in mehreren Fertigungsaufträgen produziert werden. Für das Umsatzkostenverfahren wird im Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) nur der Aufwand für die verkauften Erzeugnisse berücksichtigt und von den Umsatzerlösen abgezogen, um den Periodengewinn vor Steuern 102 Siehe zu den englischen Fachbegriffen in der Kostenrechnung das Lehrbuch Management Accounting, Kapitel (5). zu bestimmen. Siehe unten das Berechnungsschema für eine Gewinn- und Verlustrechnung, die dem Umsatzkostenverfahren folgt: Umsatzerlöse (revenue) + sonstige Erträge (other Income) = Summe der Einkünfte (total income) ./ . Wareneinsatz (cost of goods sold) ./ . Sonstiger Aufwand (other expenses) = Gewinn vor Zinsen und Ertragsteuern (earnings before interest and tax (EBIT)) ./ . Zinsaufwand (interest) = Vorsteuerergebnis (pretax profit (EBT)) ./ . Ertragsteuern (income tax) = Jahresüberschuss (annual surplus (EAT)) ABINGTON Ltd. erbringt nur eine Leistungsart: Das rechtliche Übertragen von Immobilien. Ihre Kosten beziehen sich entweder auf den Immobilientransfer oder sind allgemeine Aufwendungen, die einzeln und als nicht leistungsbezogene (non-manufacturing) Gemeinkosten in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden. Der Aufwand für das Gehalt der Anwältinnen oder Anwälte wird bei der ABINGTON Ltd. in Einzelkosten (direct costs) für die Immobilienübertragung und Gemeinkosten (overheads) für Selbstverwaltungsarbeit der Anwältinnen oder Anwälte aufgeteilt. Hinweis: Das Gegenteil von Einzelkosten (direct costs) sind Gemeinkosten (overheads). 102 <?page no="399"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-399 Die Einzelkosten werden mit 680 AUD/ Mandat in der Fallstudie vorgegeben. Der Gehaltsaufwand für alle Mandate beträgt: 700 × 680 = 4 476.000 AUD. Die Gehälter der Anwältinnen oder Anwälte sind Einzelkosten, weil eine Anwältin oder ein Anwalt die Immobilienkäuferin oder den Immobilienkäufer vor Gericht vertritt, so dass eine n : 1 Beziehung zwischen Anwältin oder Anwalt und dem Mandat entsteht. Eine Anwältin oder ein Anwalt vertritt n Mandanten, aber eine Mandantin oder ein Mandant wird durch eine Anwältin oder einen Anwalt vertreten. Der Rest der Gehälter für die Anwältinnen oder Anwälte i.H.v.: 510.000 - 476.000 = 3 34.000 AUD sind interner Verwaltungsarbeit gewidmet, z.B., für das Vorbereiten von Einstellungsverträgen für zukünftige Kolleginnen oder Kollegen. Sie wird hier als Selbstverwaltung bezeichnet. Anders als die Anwältinnen oder Anwälte arbeiten Notargehilfinnen oder Notargehilfen als Spezialistinnen oder Spezialisten funktionsorientiert, z.B. für das Vorbereiten von Dokumenten, Kontakthalten mit dem Katasteramt (deed’s office) etc. Deshalb werden die Gehälter für die Notargehilfinnen oder Notargehilfen als Fertigungsgemeinkosten (manufacturing overheads) klassifiziert. Die Arbeit der Notargehilfinnen oder Notargehilfen begründet eine n : m Beziehung zwischen Mandantinnen oder Mandanten und Notargehilfinnen oder Notargehilfen. Deshalb gelten ihre Gehälter als Gemeinkosten. Die Buchungen werden hier nicht vollständig wiederholt, sondern beginnen bei den Allokationen, wie in Abbildung 12.1 gezeigt. Dieses ist der Zustand vor der Gewinnermittlung. Das Umsatzkostenverfahren bedingt eine Erzeugniskalkulation bzw. Dienstleistungskalkulation, hier die Berechnung des Aufwands für die Übertragung von Immobilienbesitz (conveyance). Die Einheit für die Übertragungen sind die Mandate. Das Fertigungsauftragskonto (work-in-process) und das Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads) werden verwendet und auch so bezeichnet. Alle Einzelkosten werden in das Abstimmkonto für Fertigungsaufträge (besser: Mandate) gebucht, welche Gehälter der Anwältinnen oder Anwälte i.H.v.: 680 × 700 = 4 476,000 AUD sind. Der Beitrag der Anwältinnen oder Anwälte zur Selbstverwaltung im Umfang von 34.000 AUD wird dem Verwaltungsaufwandskonto (administration) zugeordnet. Siehe unten die Buchungssätze. Am 31.12.20X2: DR Work-in-Process-20X4 WIP ..... 476.000 AUD CR Labour Attorney-20X4 LAA ..... 476.000 AUD DR Administration-20X4 ADM ...... 34.000 AUD CR Labour Attorney-20X4 LAA ..... 34.000 AUD Die Gehälter für die Notargehilfinnen oder Notargehilfen sind vollständig dienstleistungsbezogen. Das gleiche gilt für den Betriebsaufwand (operational expenses). Beide werden in das Fertigungsgemeinkostenkonto übertragen. <?page no="400"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-400 Am 31.12.20X4 DR Manuf. Overheads-20X4 MOH.... 760.000 AUD CR Labour Paralegals-20X4 LAP... 760.000 AUD DR Manuf. Overheads-20X4 MOH.... 160.500 AUD CR Operational Exp.-20X4 OEX.... 160.500 AUD Die Verrechnung der Gemeinkosten von dem Fertigungsgemeinkostenkonto (manufacturing overheads) auf das Abstimmkonto für Fertigungsaufträge (work-in-process) folgt einem Verrechnungssatz von 1.300 AUD/ Mandat. Die ABINGTON Ltd. hat zuvor nur 150.000 AUD Betriebsaufwand (operational costs) geplant und einen Plankostenverrechnungssatz unter Berücksichtigung von 700 Mandaten bestimmt: (760.000 + 150.000) / 700 = 1 1.300 AUD/ Mandat (vorgegeben). Somit werden: 700 × 1.300 = 9 910.000 AUD Gemeinkosten auf das Abstimmkonto für Fertigungsaufträge (work-in-process) verrechnet. Es entsteht deshalb eine Unterverrechnung von Gemeinkosten, die erfordert, nicht verrechnete Gemeinkosten als Leerkosten in die Gewinn- und Verlustrechnung auszubuchen: 920.500 - 910.000 = 10.500 AUD. Das Abstimmkonto für Fertigungsaufträge (work-in-process) wird zuerst in das Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) ausgebucht und dann in das Gewinn- und Verlustrechnungskonto abgeschlossen. Hinweis: Da Dienstleistungsunternehmen ihre Leistungen nicht lagern, kann hier das Wareneinsatzkonto (Cost of Goods Sold account) übersprungen werden. Siehe unten die Dienstleistungskalkulation im Abstimmkonto für Fertigungsaufträge (work-in-process) und die Gewinn- und Verlustrechnung in Abbildung 12.8 und Abbildung 12.9. D C D C . . . (2) 60.000 OV 5.000 (1) 5.000 (6) 3.024.000 (3) 510.000 RNT 5.000 (7) 20.000 (4) 760.000 (5) 192.600 c/ d 1.521.400 3.044.000 3.044.000 b/ d 1.521.400 Cash/ Bank C/ B Prepaid expenses PRE Abb. 12.8: Konten der ABINGTON Ltd. (UKV) <?page no="401"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-401 D C D C (1) 5.000 (3) 510.000 c/ d 510.000 (2) 60.000 c/ d 65.000 b/ d 510.000 WIP 476.000 65.000 65.000 ADM 34.000 b/ d 65.000 PRE 5.000 510.000 510.000 c/ d 60.000 65.000 65.000 b/ d 60.000 P&L 60.000 Rent-20X4 RNT Labour Attorneys-20X4 LAA D C D C (4) 760.000 c/ d 760.000 (5) 160.500 c/ d 160.500 b/ d 760.000 MOH 760.000 b/ d 160.500 MOH 160.500 Labour Paralegals-20X4 LAP Operational expenses-20X4 OEX D C D C c/ d 2.520.000 (6) 2.520.000 (5) 32.100 (6) 504.000 P&L 2.520.000 b/ d 2.520.000 c/ d 471.900 504.000 504.000 b/ d 471.900 Revenue-20X4 REV Value added tax VAT D C D C LAA 476.000 COS 1.386.000 LAP 760.000 WIP 910.000 MOH 910.000 OEX 160.500 P&L 10.500 1.386.000 1.386.000 920.500 920.500 Work-in-Process-20X4 WIP Manufacturing overheads-20X4 MOH D C D C LAA 34.000 P&L 34.000 WIP 1.386.000 P&L 1.386.000 Administration-20X4 ADM Cost of Sales-20X4 COS D C D C COS 1.386.000 REV 2.520.000 c/ d 314.850 P&L 314.850 ADM 34.000 I/ I 20.000 b/ d 314.850 MOH 10.500 RNT 60.000 EBT 1.049.500 2.540.000 2.540.000 ITL 314.850 b/ d 1.049.500 R/ E 734.650 1.049.500 1.049.500 Profit and Loss-20X4 P&L Income tax liabilities ITL Abb. 12.8: Konten der ABINGTON Ltd. (UKV) - Fortsetzung <?page no="402"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-402 D C D C c/ d 20.000 (7) 20.000 c/ d 734.650 P&L 734.650 P&L 20.000 b/ d 20.000 b/ d 734.650 Interest income-20X4 I/ I Income tax liabilities ITL Abb. 12.8: Konten der ABINGTON Ltd. (UKV) - Fortsetzung [AUD] Revenue 2.520.000 Other income 20.000 2.540.000 COS and UAO (1.396.500) Other expenses (94.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 1.049.500 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 1.049.500 Income tax expenses (314.850) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 734.650 Abington Ltd. STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 12.9: Gewinn- und Verlustrechnung der ABINGTON Ltd. (UKV) Die Gewinn- und Verlustrechnung weist den kompletten Aufwand, der der Immobilienübertragung zuzuordnen ist und weiteren Aufwand für die Verwaltung und für Mieten aus. Die ABINGTON Ltd. zeigt den Zinsertrag aus ihrem Anleihenbesitz unter sonstigem Ertrag (other income). Der Aufwand für die Immobilienübertragungen wurden mit den nichtverrechneten Gemeinkosten zur Position COS und UAO (cost of sales; underapplied overheads) zusammengefasst, weil die Erhöhung der Gemeinkosten mit der Dienstleistungserstellung in Zusammenhang steht. 12.7 F/ S SUDHUIZEN PLC - Umsatzkostenverfahren (ad b.B) Für die SUDHUIZEN PLC wird ebenfalls das Umsatzkostenverfahren betrachtet: Für das Umsatzkostenverfahren wird das Lagerhaltungssystem in eine fortlaufende Lagerbuchhaltung (perpetual system) geändert. Deshalb müssen Beschaffungen von CCDUs, Wasserpumpen, Kartons und Reinigungsmittel jetzt direkt in die Vorratsvermögenskonten gebucht werden. Die SUDHUIZEN PLC erstellt eine Ergebnisrechnung auf Grundlage eines Fertigungsauftragskontos (work-in-process) <?page no="403"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-403 und drei Fertigungsgemeinkostenkonten (manufacturing overheads) - jeweils ein Konto pro Abteilung. Die Buchungssätze (1) bis (13) sind ähnlich denen bei der Anwendung des Gesamtkostenverfahrens. Wegen der fortlaufenden Lagerbuchhaltung (perpetual system) werden Einkäufe jetzt direkt in das Vorratsvermögen gebucht. Hinweis: Die Konten werden hier zur Vereinfachung aus der Fallstudie zum Gesamtkostenverfahren übernommen. Daher wird das Einkaufskonto (Purchase account) mit aufgeführt. Es wird Material somit zuerst in das Einkaufkonto (purchase account) und anschließend in die Vorratsvermögenskonten gebucht. Es wird nur exemplarisch der Buchungssatz für den Einkauf der CCDUs gezeigt. Die Buchung der CCDUs in das Fertigungsauftragskonto wird mit einem Betrag von: 30.000 × 14 = 4 420.000 GBP vorgenommen. Siehe unten die beiden Buchungssätze für die CCDUs. Am 2.01.20X4: DR Inventories CCDUs ICC ........ 420.000 GBP CR Purchase-20X4 PUR ............ 420.000 GBP Am 30.06.20X4: DR Work-in-Process-20X4 WIP ..... 420.000 GBP CR Inventories CCDUs ICC ........ 420.000 GBP Die anderen Materialarten werden gleichsam gebucht. Die Gemeinkosten, Löhne und Abschreibungen, werden in die Fertigungsgemeinkostenkonten (manufacturing overheads) gebucht, weil sie produktionsbezogen sind. Eine Ausnahme stellen die Gehälter in der Verwaltung dar, die in das Verwaltungsaufwandskonto (administration) gebucht werden. Siehe unten die Buchungssätze für die Montageabteilung. Am 30.06.20X4: DR Manufacturing OH Assbl. MOA .. 40.000 GBP CR Labour-20X4 LAB .............. 40.000 GBP DR Manufacturing OH Assbl. MOA .. 28.000 GBP CR Depreciation-20X4 DPR ........ 28.000 GBP Löhne und Abschreibungen werden gleichsam in den Abteilungen Reinigung und Verpackung gebucht. Hinweis: Ein Fertigungsgemeinkostenkonto repräsentiert eine Kostenstelle oder eine Abteilung; das Fertigungsauftragskonto den Auftrag bzw. das Erzeugnis, das damit hergestellt wird. Hier führt die Verrechnung von Fertigungsgemeinkosten nicht zu Über- oder <?page no="404"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-404 Unterverrechnungen. Siehe die Buchungssätze für die Verrechnung von Fertigungsgemeinkosten aus der Montage in den Fertigungsauftrag: Am 30.06.20X4: DR Work-in-Process-20X4 WIP..... 68.000 GBP CR Manufacturing OH Assbl. MOA.. 68.000 GBP Die Verrechnung der fertigungsbezogenen Gemeinkosten aus den anderen Abteilungen erfolgt gleichsam. Bei einer Fertigungsauftragskalkulation (job order costing) werden die Herstellungskosten von Fertigungsauftragskonten (work-in-process) in das Vorratsvermögenskonto für Fertigerzeugnisse (finished goods inventory) übertragen, sobald die Herstellung abgeschlossen worden ist und die Erzeugnisse auf das Lager gebracht worden sind. Siehe das Fertigungsauftragskonto (work-in-process) in Abbildung 12.10 für die Bewertung der Espressomaschinen. Unten wird das Einlagern von 30.000 Espressomaschinen gebucht. Am 30.06.20X4: DR Finished Goods Inventories FGI 879.000 GBP CR Work-in-Process-20X4 WIP..... 879.000 GBP Bei einer fortlaufenden Lagerbuchhaltung werden für jeden Verkauf zwei Buchungssätze erfasst. Einer ist für den Zahlungseingang (cash receipt) und der andere für die Lagerentnahme (stock release). Die Lagerbestandsbewegung ordnet den Wert für 28.500 Espressomaschinen dem Wareneinsatzkonto (cost of goods sold) zu, die mit ihren Stückherstellungskosten bewertet werden. Man berechnet die Stückkosten über eine Division der Herstellungskosten pro Auftrag (batch cost of manufacturing) durch die Losgröße: 879.000 / 30.000 = 2 29,30 GBP/ Stk. Unter Berücksichtigung des Anfangsbestands für Erzeugnisse ist die Lagerentnahme für den Verkauf die Verkaufsmenge multipliziert mit den über die Stückzahlen gewichteten Durchschnittskosten: 28.500 × (100 × 30 + 30.000 × 29,30) / 30.100 = 835.116,28 GBP. Bei der SUDHUIZEN PLC wird zur Vereinfachung vorgegeben, dass es nur einen einzigen Verkauf von 28.500 Espressomaschinen gibt. Das Verkaufen findet statt, nachdem die Produktion abgeschlossen wurde. Siehe unten den Buchungssatz für den Verkauf: Am 1.07.20X4: DR Cash/ Bank C/ B................ 2.052.000 GBP CR Value Added Tax VAT.......... 342.000 GBP CR Revenue-20X4 REV............. 1.710.000 GBP <?page no="405"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-405 DR Cost of Goods Sold-20X4 COS .. 835.116 GBP CR Finished Goods Inventories FGI 835.116 GBP DR Profit and Loss-20X4 P&L..... 835.116 GBP CR Cost of Goods Sold-20X4 COS .. 835.116 GBP Nach dem Verkauf wird die Ergebnisrechnung in den Konten der SUDHUIZEN PLC vorbereitet. Der Gewinn ist gleichhoch wie bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens. Siehe die Ergebnisrechnung in den Konten, die in Abbildung 12.10 dargestellt werden. D C D C OV 100.000 c/ d 100.000 (1) 420.000 ICC 420.000 b/ d 100.000 (2) 190.000 IWP 400.000 (3) 30.000 IBX 30.000 (4) 210.000 ISP 3.000 (5) 3.000 853.000 853.000 Property, Plant, Equipment PPE Purchase-20X4 PUR D C D C c/ d 3.600 (5) 3.600 OV 42.000 WIP 420.000 b/ d 3.600 PUR 420.000 c/ d 42.000 462.000 462.000 b/ d 42.000 Accounts payables A/ P Inventory CCDU ICC D C D C PUR 400.000 WIP 300.000 PUR 30.000 WIP 30.000 c/ d 100.000 400.000 400.000 b/ d 100.000 Inventory water pump IWP Inventory box IBX D C D C PUR 3.000 WIP 3.000 OV 3.000 COS 835.116 WIP 879.000 c/ d 46.884 882.000 882.000 b/ d 46.884 Inventory soap ISP Finished goods inventory FGI Abb. 12.10: Konten der SUIDHUIZEN PLC (UKV) <?page no="406"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-406 D C D C (1) 84.000 (13) 342.000 OV 5.000 (1) 504.000 (2) 38.000 (13) 2.052.000 (2) 228.000 (3) 6.000 (3) 36.000 (4) 42.000 (4) 252.000 (5) 600 (9) 40.000 c/ d 171.400 (10) 30.000 342.000 342.000 (11) 25.000 b/ d 171.400 (12) 55.000 c/ d 887.000 2.057.000 2.057.000 b/ d 887.000 Cash/ Bank C/ B Value added tax VAT D C D C c/ d 50.000 OV 50.000 c/ d 100.000 OV 100.000 b/ d 50.000 b/ d 100.000 Share capital ISS Reserves RES D C D C P&L 1.710.000 (13) 1.710.000 (12) 55.000 P&L 55.000 1.710.000 1.710.000 Revenue-20X4 REV Administration-20X4 ADM D C D C (6) 28.000 MOA 28.000 (6) 28.000 (7) 1.000 MOC 1.000 (7) 1.000 (8) 2.000 MOS 2.000 c/ d 31.000 (8) 2.000 31.000 31.000 31.000 31.000 b/ d 31.000 Depreciation-20X4 DPR Accumulated depreciation ACC D C D C (9) 40.000 MOA 40.000 FGI 835.116 P&L 835.116 (10) 30.000 MOC 30.000 (11) 25.000 MOS 25.000 95.000 95.000 Labour-20X4 LAB Cost of goods sold-20X4 COS Abb. 12.10: Konten der SUDHUIZEN PLC (UKV) - Fortsetzung <?page no="407"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-407 D C D C ICC 420.000 FGI 879.000 LAB 40.000 WIP 68.000 IWP 300.000 DPR 28.000 MOA 68.000 68.000 68.000 ISP 3.000 MOC 31.000 IBX 30.000 MOS 27.000 879.000 879.000 Work-in-process-20X4 WIP MOH Assembling MOA D C D C LAB 30.000 WIP 31.000 LAB 25.000 WIP 27.000 DPR 1.000 DPR 2.000 31.000 31.000 27.000 27.000 MOH Cleaning MOC MOH Shipping MOS D C D C COS 835.116 REV 1.710.000 c/ d 573.919 P&L 573.919 M/ A 55.000 b/ d 573.919 EBT 819.884 1.710.000 1.710.000 ITL 245.965 b/ d 819.884 R/ E 573.919 D C 819.884 819.884 c/ d 245.965 P&L 245.965 b/ d 245.965 Profit and Loss-20X4 P&L Retained earnings R/ E Income tax liabilities Abb. 12.10: Konten der SUDHUIZEN PLC (UKV) - Fortsetzung Auf die Konten für eine mehrstufige Divisionskalkulation (process costing) für den Fall SUDHUIZEN PLC kann über den Link 12.B zugegriffen werden. Link 12.B: SUDHUIZEN PLC Unten wird die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren gezeigt. Weil das Umsatzkostenverfahren keine Informationen über Aufwandsarten unterstützt, sondern stattdessen Aufwandsallokationen auf Kalkulationsobjekte vornimmt, muss ein bilanzierendes Unternehmen zusätzliche Informationen über Aufwandsarten in Übereinstimmung mit IAS 1.105 bereitstellen. <?page no="408"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-408 In dem Fall der SUDHUIZEN PLC. würde die in Abbildung 12.11 dargestellte Gewinn- und Verlustrechnung erfordern, dass weitere Angaben zu Löhnen und Abschreibungen in den Erläuterungen (notes) erfolgen. [GBP] Revenue 1.710.000 Cost of goods sold (835.116) Other expenses (55.000) Earnings before int. & taxes (EBIT) 819.884 Interest 0 Earnings before taxes (EBT) 819.884 Income tax expenses (245.965) Deferred taxes 0 Earnings after taxes (EAT) 573.919 Sudhuizen PLC STATEMENT of PROFIT & LOSS and OTHER COMPREHENSIVE INCOME for the year ended 31.12.20X4 Abb. 12.11: Gewinn- und Verlustrechnung der SUDHUIZEN PLC (UKV) 12.8 Zusammenfassung Der IAS 1.82 bestimmt den Inhalt einer Gewinn- und Verlustrechnung (statement of profit or loss and other comprehensive income). Der IAS 1.99 fordert von dem bilanzierenden Unternehmen, dass es eine Aufstellung der erfassten Aufwendungen entweder nach dem Gesamtkostenverfahren (nature of expenses method) oder nach dem Umsatzkostenverfahren (cost of sales format) vornimmt. Eine Gliederung für das Gesamtkostenverfahren wird in IAS 1.102 gezeigt, eine weitere für das Umsatzkostenverfahren (cost of sales) in IAS 1.103. Beide Strukturen für die Gewinn- und Verlustrechnung führen auf den gleichen Betrag für das Ergebnis und für sonstige Erträge. 12.9 Arbeitsdefinitionen Abgrenzungsgrundsatz (accrual basis of accounting): Prinzip im Rechnungswesen, nach dem Aufwand und Ertrag immer der Periode zugewiesen werden, für die sie sind unabhängig von ihren Zahlungszeitpunkten. Umsatzkostenverfahren (cost of sales format): Format für die Gewinn- und Verlustrechnung, bei dem den Umsatzerlösen der Wareneinsatz gegenübergestellt wird. Dazu wird Aufwand auf Kalkulationsobjekte allokiert. Sonstiger Ertrag (gain): Ertrag, der nicht dem Geschäftsmodell entspricht. Ertrag (income): Anstieg von wirtschaftlichem Nutzenpotential in einer Abrechnungsperiode. Ertrag kann aus <?page no="409"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-409 Umsatzerlösen oder sonstigem Ertrag bestehen. Gewinn- und Verlustrechnung (income statement): Jahresabschlusselement, das den Erfolg nach Ertragsbesteuerung ermittelt und sonstige Erträge einbezieht. Gesamtkostenverfahren (nature of expense method): Format für die Darstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung das den Umsatzerlösen Aufwand differenziert nach Aufwandsarten gegenüberstellt. Sonstige Erträge (other comprehensive income): Aggregierte Darstellung von sonstigen Erträgen in der Gewinn- und Verlustrechnung, z.B. Einkommen aus dem Abgang von Sachanlagevermögenswerten. Erzeugnis (product): hergestelltes Produkt. Umsatzerlös (revenue): Nettowert für die Proceeds, der im Austausch beim Verkauf von Erzeugnissen oder Dienstleistungen erzielt wird. 12.10 Kontrollfragen (1) Ein Unternehmen hat einen Fertigerzeugnisanfangsbestand von 350 EUR und einen Schlussbestand von 120 EUR. Der Umsatz beträgt 1.000 EUR. Der Betriebsaufwand ist 200 EUR. Wie hoch ist das Ergebnis vor Ertragsteuern? 1. 1.030 EUR . 2. 680 EUR . 3. 570 EUR . 4. 1.150 EUR . (2) Ein Unternehmen stellt seine Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren (cost of sales format) auf. Der Umsatz aus dem Verkauf seiner Produkte A und B beträgt 100.000 EUR bzw. 350.000 EUR. Die Kosten der verkauften Erzeugnisse (cost of sales) sind 80.000 EUR bzw. 200.000 EUR. Wie hoch sind die Verkaufsmargen für die Produkte A und B? 1. Null. 2. -20.000 EUR und -150.000 EUR. 3. 150.000 EUR und 20.000 EUR. 4. 20.000 EUR und 150.000 EUR . (3) Ein Unternehmen erstellt die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren (nature of expense format). Es wendet das Verbrauchsfolgefiktionsverfahren (cost formula) firstin-first-out an. Der Anfangsbestand der Fertigerzeugnisse beträgt 2.750 EUR und resultiert aus 200 Erzeugnissen mit Stückherstellungskosten von jeweils 11 EUR/ Stk. In der aktuellen Abrechnungsperiode stellt das Unternehmen die gleichen Erzeugnisse in zwei Fertigungsaufträgen her: 1.000 × 11,50 EUR/ Stk. und 1.000 × 12,00 EUR/ Stk. Das Verkaufsvolumen beträgt 1.900 Stk. Wie hoch sind die Bestandsveränderungen an Fertigerzeugnissen, die in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen sind? 1. 1.450 EUR . 2. 4.200 EUR . 3. 3.950 EUR . 4. 3.000 EUR . (4) Ein Unternehmen hat einen Materialaufwand i.H.v. 50.000 EUR und Lohneinzelkosten von <?page no="410"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 12-410 70.000 EUR. Die verrechneten Gemeinkosten betragen 40.000 EUR. Dieses bedeutet eine zu hohe Verrechnung von Gemeinkosten (overapplication of overheads) im Umfang von 10 % bezogen auf den verrechneten Wert. Während der Abrechnungsperiode werden 800 Erzeugnisse hergestellt. Davon sind 100 fehlerhaft und werden entsorgt, nachdem sie eingelagert worden sind. Das Unternehmen verkauft 622 der Erzeugnisse. Wie hoch sind die Kosten der verkauften Erzeugnisse, wenn die zu viel verrechneten Gemeinkosten von den Kosten der verkauften Erzeugnisse (cost of sales) abgezogen werden und zu wenig verrechnete Gemeinkosten addiert werden? 1. 124.400 EUR . 2. 125.975 EUR . 3. 128.400 EUR . 4. 120.400 EUR . (5) Ein Produktionsunternehmen weist einen Anfangsbestand in seiner Bilanz in Höhe von: 400 × 10 = 4.000 EUR aus. Während der Abrechnungsperiode betragen die Stückherstellungskosten konstant 11,00 EUR/ Stk. Das Produktionsvolumen beträgt 10.000 Stk., von denen 9.500 Stk. verkauft werden. Wie hoch sind die Bestandsveränderungen an Fertigerzeugnissen, wenn das Verbrauchsfolgefiktionsverfahren first-in-first-out anzuwenden ist? 1. 5.500 EUR . 2. 9.900 EUR . 3. 4.400 EUR . 4. 9.500 EUR . 12.11 Lösungen 1-3, 2-4, 3-1, 4-4, 5-2. <?page no="411"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-411 13 Eigenkapitalveränderungsrechnung 13.1 Inhalt Eine Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) dokumentiert die Änderungen des Unternehmensbuchwertes während einer Abrechnungsperiode. Das Eigenkapital ist die Summe der Vermögenswerte abzüglich der Schulden und repräsentiert den Buchwert eines Unternehmens. Ereignisse, die das Eigenkapital verändern sind: die Ausgabe, der Rückkauf und der Einzug von Aktien, das Erzielen und die Verwendung von Gewinnen einschließlich sonstiger Erträge, Neubewertungen von Sachanlagevermögenswerten und Transaktionen mit Eigentümerinnen oder Eigentümern, z.B. Aktienemissionen. In diesem Kapitel wird das Erstellen einer Eigenkapitalveränderungsrechnung an der Fallstudie BELMONT Ltd. behandelt, einem Fitness-Studio (gym) in Südafrika. 103 Es werden Geschäftsvorfälle besprochen, die das Eigenkapital beeinflussen: Aktienausgabe, Aktieneinzug nach Rückkauf von Stammaktien, Dividendenertrag aus Beteiligungsunternehmen (associated company), Gewinneinkünfte und verwendung und Neubewertung von Sachanlagevermögen. Dieses Kapitel bezieht sich auf die wichtigsten IFRS-Standards und deren Paragrafen für die Erstellung und Darstellung der Eigenkapitalveränderungsrechnung und die Informationspflicht zum Eigenkapital in den Erläuterungen (notes). 103 Die Fallstudie wurde erweitert und in dem Artikel: Berkau, C.: Ausweis von Umsatzerlösen und sonstigen Erträgen/ Aufwendungen. In: KOR 23(2023)7, S. 325-337 beschrieben. 13.2 Lernziele Nach dem Lesen dieses Kapitels können Sie die Eigenkapitalveränderungsrechnung von anderen Unternehmen verstehen und eine eigene erstellen. Sie kennen die Berichtsanforderungen für den Eigenkapitalausweis und können bewerten, wie unterschiedliche Geschäftsvorfälle den Unternehmensbuchwert beeinflussen. Sie sind mit den wichtigsten IFRS-Vorschriften zur Eigenkapitalveränderungsrechnung und dem Eigenkapitalausweis vertraut. 13.3 IFRS-Vorschriften Es gibt keinen speziellen IFRS- Standard für die Eigenkapitalveränderungsrechnung. Die wichtigsten Vorschriften stehen in IAS 1.106 -1.110. Das IASB schreibt vor, dass ein bilanzierendes Unternehmen eine Eigenkapitalveränderungsrechnung als Bestandteil des vollständigen Jahresabschlusses erstellen muss. Der IAS 1.106 fordert den Ausweis von Informationen über Veränderungen des Eigenkapitals, z.B. sonstige Erträge, Einfluss von Veränderungen von Bilanzierungsrichtlinien und Methodenparametern in Verbindung mit IAS 8 104 , Gewinn/ Verlust aus Geschäftstätigkeit und Transaktionen mit den Eigentümerinnen oder Eigentümern. In Übereinstimmung mit IAS 1.106A und IAS 1.107 muss ein Unternehmen eine detaillierte Darstellung 104 IAS 8 regelt Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehlern. <?page no="412"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-412 über sonstige Erträge und über Dividenden zur Verfügung stellen - entweder in den Erläuterungen (notes) oder über die Eigenkapitalveränderungsrechnung. Es wird die Fallstudie BELMONT Ltd. bei der Erstellung ihrer Eigenkapitalveränderungsrechnung Schritt für Schritt beobachtet. Ihre Eigenkapitalveränderungsrechnung weist Zeilen aus für: (1) Aktienausgabe und eigene Anteile (share issue/ treasury stock). (2) Gewinn und Verlust (profit or loss). (3) Sonstige Erträge (other comprehensive income). (4) Neubewertungen von Sachanlagevermögenswerten (revaluation of non-current assets). (5) Gewinnverwendung (appropriation of profit). Die Eigenkapitalpositionen in der Bilanz werden als Spalten in der Eigenkapitalveränderungsrechnung dargestellt. Hinweis: Beim Studium wird empfohlen, eine Eigenkapitalveränderungsrechnung mit MS-Excel zu erstellen und die Spalten zu gruppieren. So können in die Eigenkapitalveränderungsrechnung Summenspalten eingefügt werden, wie für die Summe aus Kapital-, Neubewertungs- und Gewinnrücklagen, welche auf- und zugeklappt werden können. Nach Einführung in die Fallstudie BELMONT Ltd. werden zuerst die Anfangswerte für das Eigenkapital eingetragen und anschließend Zeilen für die Eigenkapitalveränderungen hinzugefügt. Nach jedem Hinzufügen einer Zeile wird die Eigenkapitalveränderungsrechnung als Zwischenergebnis in Abbildung 13.2 bis Abbildung 13.7. gezeigt, so dass sich ihre Entwicklung nachvollziehen lässt. Für die Fallstudie BELLMONT Ltd. besteht eine Eigenkapitalveränderungsrechnung, die detaillierter erstellt wurde, als sie im Lehrbuch abgedruckt ist. Der Link 13.A führt zu der originären Exceldatei, aus der die Abbildungen im Lehrbuch durch Ausblenden entstanden sind. Link 13.A: BELMONT Ltd. 13.4 F/ S BELMONT Ltd. Es folgt die Beschreibung der BELMONT Ltd. als Datenblatt. Datenblatt für die BELMONT Ltd. Standort: Südafrika (Gqeberha). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: Dienstleistungsunternehmen. Abrechnungsperiode: 20X7. Gezeichnetes Kapital: 1.000.000 Stammaktien zu 1 ZAR/ Aktie. Ausgabe von 500.000 Vorzugsaktien zu 1 ZAR/ Aktie am 31.03.20X7, Bezugskurs: 1,50 ZAR/ Aktie; Dividendenanspruch: 7 %/ Jahr bezogen auf den Nennwert. Aktienrückkauf am 1.10.20X7: 200.000 Stammaktien zu 2,05 ZAR/ Aktie. Ergebnis nach Ertragsteuern (20X7): 490.000 ZAR. <?page no="413"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-413 Sonstige Erträge (20X7): Verkaufsgewinn durch Abgang von Laufbändern vor Ertragsteuern: 100.000 ZAR. Dividendenerträge aus einer 40 %-Beteiligung an einer Cafeteria (20X7): 32.000 ZAR. Neubewertung von Sachanlagevermögen; Werterhöhung von Bikes: 15.000 ZAR. Gewinnverwendung: Vorzugsdividenden; Dividenden an Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre: 0,05 ZAR/ Aktie; Zuführung zu den Gewinnrücklagen: 100.000 ZAR. Umsatzsteuer ignoriert. Die BELMONT Ltd. ist ein Fitness-Studio in Gqeberha. The Aktiengesellschaft hat ein Grundkapital von 1.000.000 × 1 = 1.000.000 ZAR. Die BELMONT Ltd. weist zum 1.01.20X7 die Bilanz wie in Abbildung 13.1 gezeigt aus. A C, L Non-current assets [ZAR] Equity [ZAR] P, P, E 800.000 Share capital 1.000.000 Intangibles Reserves 400.000 Investment 400.000 Retained earnings (150.000) Current assets Liabilities (liab.) Inventory Long-term liab. Accounts receivables 200.000 Short-term liab. A/ P 250.000 Prepaid expenses Provisions Cash/ Bank 100.000 Income tax liab. Total assets 1.500.000 Total equity and liab. 1.500.000 Belmont Ltd. STATEMENT of FINANCIAL POSITION as at 1.01.20X7 Abb. 13.1: Bilanz der BELMONT Ltd. (20X6) Der Eigenkapitalbereich in der Bilanz zeigt die Anfangswerte für die Eigenkapitalveränderungsrechnung. Die Eigenkapitalsumme beträgt: 1.000.000 + 400.000 - 150.000 = 1 1.250.000 ZAR. Der Wert enthält das gezeichnete Kapital (issued capital) zu Nennwerten, die Gewinnrücklagen (earnings reserves) und einen Verlustvortrag (loss carried forward). 105 Siehe unten in der Abbildung 13.2 die erste Zeile der Eigenkapitalveränderungsrechnung. Der Berichtskopf weist 105 BELMONT Ltd. hätte auch Gewinnrücklagen auflösen können, um den Verlust in vorherigen darauf hin, dass das Jahresabschlusselement zum 31.12.20X7 veröffentlicht werden soll, obwohl bislang darin nur die Anfangswerte zum 1.01.20X7 eingetragen sind. Die Vorbereitung der Eigenkapitalveränderungsrechnung wird über die Abrechnungsperiode hinweg verfolgt; deshalb wird das Enddatum beibehalten. Die Zahlen in Klammern am Ende der Bildunterschrift markieren den Bearbeitungsfortschritt. Unten ist die Eigenkapitalveränderungsrechnung dargestellt, nachdem Schritt (1) - Übertragen Jahren auszugleichen; sie ist aber dazu nicht verpflichtet. <?page no="414"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-414 der Anfangswerte aus der Bilanz abgeschlossen wurde. Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 . . . Abb. 13.2: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (1) 13.5 F/ S BELMONT Ltd. - Ausgabe und Einzug von Aktien Die BELMONT Ltd. gibt am 31.03.20X7 500.000 Vorzugsaktien (preference shares) zu jeweils 1 ZAR/ Aktie aus. Die Vorzugsaktien haben einen Dividendenanspruch von 7 %/ Jahr bezogen auf ihren Nennwert. Wegen der Ausgabe am 31.03.20X7 stehen den Vorzugsaktionärinnen oder Vorzugsaktionären nur (9/ 12) der jahresbezogenen Vorzugsdividende zu - falls die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre auf der Hauptversammlung eine Vorzugsdividende beschließen. Die BELMONT Ltd. gibt die Vorzugsaktien zu einem Bezugskurs von 1,50 ZAR/ Aktie aus. 106 Weil der Bezugskurs für die Vorzugsaktien ihren Nennwert übersteigt, ist ein Emissionsagio: 1,50 - 1 = 0 0,50 ZAR/ Vorzugsaktie den Kapitalrücklagen zuzuführen. Dieses hat einen Betrag von: 500.000 × 0,50 = 250.000 ZAR. Der vereinfachte Buchungssatz für die Ausgabe der Vorzugsaktien wird unten gezeigt. 107 Am 31.03.20X7: DR Cash/ Bank C/ B................ 750.000 ZAR CR Issued Capital Pref ISP...... 500.000 ZAR CR Capital Reserves C-R......... 250.000 ZAR Als Nächstes wird ein Aktienrückkauf behandelt. Das Zurückkaufen von Aktien bewirkt, dass Aktien vom Kapitalmarkt genommen werden, und schließt sie von Dividendeneinkünften (dividend income) und Liquidationserlösen (liquidation proceeds) aus. Zurückgekaufte Aktien stellen kein Vermögen dar, weil das emittierende Unternehmen nicht sein eigener Aktionär 106 Zur Ausgabe von Aktien, siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (14). 107 Eine Ausgabe von Aktien erfordert die Anwendung eines Application and Allotment Account, sein kann. Deshalb werden rückgekaufte Aktien als eigene Anteile (treasury stock) negativ im Eigenkapital ausgewiesen in der Bilanz als auch in der Eigenkapitalveränderungsrechnung. Davon werden ebenfalls Kennzahlenwerte, z.B. der Verschuldungsgrad beeinflusst, siehe Kapitel (5). IAS 32.33 bestimmt den Ausweis und die Bewertung eigener Anteile. Die siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (33). <?page no="415"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-415 Aktien werden vom Eigenkapital nach der Erwerbsmethode (acquisition method) abgezogen, d.h. die Bewertung wird von dem Betrag abgeleitet, der beim Rückkauf bezahlt wurde. Die BELMONT Ltd. kauft am 1.10.20X7, 200.000 ihrer eigenen Stammaktien zurück. Der Aktienkurs beträgt zu diesem Zeitpunkt 2,05 ZAR/ Aktie. Es erfolgen keine Änderungen in den Rücklagen, solange BELMONT Ltd. ihre eigenen Anteile nicht einzieht. Der Aktienrückkauf muss erfolgsneutral gebucht werden. Siehe unten den Buchungssatz: Am 1.10.20X7: DR Treasury Stock TSA ........... 410.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 410.000 ZAR Die Eigenkapitalveränderungsrechnung wird in Abbildung 13.3 gezeigt, nachdem BELMONT Ltd. 500.000 Vorzugsaktien ausgegeben und 200.000 ihrer Stammaktien zurückgekauft hat. Für jeden Transaktionstyp wird eine eigene Zeile in der Eigenkapitalveränderungsrechnung vorgesehen. Würden z.B. mehrere Aktienausgaben stattfinden, wären sie in einer Zeile zusammenzufassen. Aktienausgaben und Rückkäufe sowie Transaktionen bezogen auf unterschiedliche Aktiengattungen werden nicht zusammengefasst. Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Pref. share issue 500.000 250.000 750.000 Treasury shares (410.000) (410.000) Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 . . . Abb. 13.3: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (2) 13.6 F/ S BELMONT Ltd. - Gewinnbestimmung BELMONT Ltd. erwirtschaftet einen operativen Gewinn nach Ertragsteuern i.H.v.: 700.000 × (1 - 30%) = 4 490.000 ZAR. Hinweis: Der operative Gewinn bezieht sich auf das Kerngeschäft eines Unternehmens. Sonstige Erträge, z.B. Dividenden- oder Zinseinkünfte sind darin nicht enthalten. Der Jahresüberschuss wird in den Bilanzgewinn (retained earnings) gebucht. Der Gewinn nach Ertragsteuern (earnings after taxes) übersteigt den Verlustvortrag. Daher entsteht ein positiver, ausschüttungsfähiger Betrag (distributable amount), aus dem Dividenden an die Aktionärinnen oder Aktionäre beschlossen werden können. Siehe unten den verkürzten Buchungssatz. <?page no="416"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-416 Hinweis: Die Ertragssteuerbuchung ist für die Eigenkapitalveränderungsrechnung nicht relevant und wird deshalb hier nicht gezeigt. Am 31.12.20X7: DR Profit and Loss-20X7 P&L..... 490.000 ZAR CR Retained Earnings R/ E........ 490.000 ZAR In Abbildung 13.4 wird die Eigenkapitalveränderungsrechnung nach erfolgter Gewinnermittlung gezeigt. Eine detaillierte Darstellung von Gewinnbestandteilen ist in der Eigenkapitalveränderungsrechnung nicht erforderlich, weil diese in der Gewinn- und Verlustrechnung bereits gezeigt werden. Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Pref. share issue 500.000 250.000 750.000 Ord. share redemption (410.000) (410.000) Profit 20X7 490.000 490.000 Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 . . . Abb. 13.4: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (3) 13.7 F/ S BELMONT Ltd. - Sonstige Erträge Die BELMONT Ltd. verkauft am 1.07.20X7 vier Laufbänder (treatmills) mit einem Gewinn (gain on disposal) i.H.v. 100.000 ZAR vor Ertragsteuern. Der Zahlungseingang dazu (proceeds) enthält keine Umsatzsteueranteile, weil in dieser Fallstudie die Umsatzsteuer ignoriert wird. Der Verkaufsgewinn ist zu versteuerndes Einkommen und bedingt eine Ertragsbesteuerung i.H.v.: 100.000 × 30% = 330.000 ZAR. Der Verkauf von Sachanlagevermögenswerten erhöht das Eigenkapital der BELMONT Ltd. um: 100.000 - 30.000 = 7 70.000 ZAR. Die für die Eigenkapitalveränderung erforderlichen Buchungssätze werden unten aufgeführt. Am 1.07.20X7: DR Cash/ Bank C/ B................ 100.000 ZAR CR Gain on Disposal-20X7 OCI.... 100.000 ZAR <?page no="417"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-417 Am 31.12.20X7: DR Other Compreh. Inc OCI....... 70.000 ZAR CR Retained Earnings R/ E ........ 70.000 ZAR Die BELMONT Ltd. hält eine Beteiligung (investment) an einer Cafeteria, die sich in ihrem Fitnessstudio befindet. Sie ist Eigentümerin von 40 % der BELMONT- DINER (Pty) Ltd. Deren Küchenchef hält den Rest der Unternehmensanteile. Die BELMONT-DINER (Pty) Ltd. zahlt 40 % des Jahresüberschusses als Gewinnbeteiligung an die BELMONT Ltd.: 80.000 × 40% = 3 32.000 ZAR. Die Dividendeneinkünfte (dividend income) zählen zu sonstigen Erträgen aus Beteiligungen. Es fallen darauf keine Ertragsteuern (income tax) an. Kapitalertragsteuern (tax on capital returns) sind für die BELMONT Ltd. ebenfalls nicht zu entrichten, weil sie ein Unternehmen und kein privater Investor ist. Der Beteiligungsertrag (investment income) wird bei der BELMONT Ltd. als sonstiger Ertrag (other income) erfasst: Am 31.12.20X7: DR Cash/ Bank C/ B ................ 32.000 ZAR CR Investment Income-20X7 OCI... 32.000 ZAR DR Other Compreh. Inc.-20X7 OCI. 32.000 ZAR CR Retained Earnings R/ E ........ 32.000 ZAR Siehe in Abbildung 13.5 die Eigenkapitalveränderungsrechnung zu diesem Bearbeitungszeitpunkt (4). Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Pref. share issue 500.000 250.000 750.000 Ord. share redemption (410.000) (410.000) Profit 20X7 490.000 490.000 OCI gain on disposal 70.000 70.000 OCI cafeteria income 32.000 32.000 Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 . . . Abb. 13.5: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (4) 13.8 F/ S BELMONT Ltd. - Revaluations BELMONT Ltd. bucht am 20.12.20X7 eine Neubewertung ihrer Ergometer (stationary bike). Hinweis: Die Neubewertung wird auf das Ende des Geschäftsjahres terminiert, um nachfolgende Abschreibungen nicht behandeln zu müssen. Dieses wird bereits in Kapitel (7) thematisiert. <?page no="418"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-418 Die Ergometer werden am 1.01.20X7 mit einem Buchwert von zusammen 50.000 ZAR geführt. Es wird darauf in der Abrechnungsperiode 20X7 eine planmäßige Abschreibung i.H.v. 10.000 ZAR vorgenommen. Daher haben die Ergometer vor ihrer Neubewertung einen Buchwert i.H.v. 40.000 ZAR. Die BELMONT Ltd. erhöht den Wertansatz für die Ergometer um 15.000 ZAR. Der neue, beizulegende Wert (fair market value) wurde von einem Gutachter bestimmt und beträgt 55.000 ZAR. Der vereinfachte Buchungssatz richtet sich an der Netto-Ersatzbuchungsmethode (net replacement method) aus. Am 20.12.20X7: DR P, P, E @VAL PPV............. 55.000 ZAR DR Accumulated Depr. ACC........ 10.000 ZAR CR P, P, E @COST PPC............ 50.000 ZAR CR Revaluation Reserves R-R..... 10.500 ZAR CR Deferred Tax Liab. DTL....... 4.500 ZAR Die Neubewertung der Ergometer erhöht das Eigenkapital der BELMONT Ltd. um 10.500 ZAR, nachdem der Abzug der Rückstellungen für latente Steuern (deferred tax liabilities) erfolgt ist. Hinweis: Die korrekte Übersetzung ist latente Ertragsteuerverbindlichkeiten. Weil jedoch die Steuerlatenzen vom Grundsatz her Rückstellungen darstellen, wird sich für die deutschen Übersetzung des Lehrbuchs an dem inhaltlichen Begriff orientiert: Rückstellungen für latente Steuern. Siehe in Abbildung 13.6 die Eigenkapitalveränderungsrechnung nach Erfassen der Neubewertung und Abzug der Steuerlatenzen. Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Pref. share issue 500.000 250.000 750.000 Ord. share redemption (410.000) (410.000) Profit 20X7 490.000 490.000 OCI gain on disposal 70.000 70.000 OCI cafeteria income 32.000 32.000 Revaluation 10.500 10.500 Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 . . . Abb. 13.6: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (5) 13.9 F/ S BELMONT Ltd. - Gewinnverwendung Für eine Gewinnverwendung bestehen drei Optionen: (a) ein Beschluss von Dividenden, (b) Zuführung zu den Rücklagen oder (c) Gewinnvortrag. Es sind Kombinationen dieser Optionen möglich, diese können z.B. in Deutschland durch das AktG eingeschränkt werden. <?page no="419"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-419 Hinweis: Die Begriffe Gewinn- oder Ergebnisverwendung sind missverständlich. Es wird nicht das Periodenergebnis verwendet, sondern der ausschüttungsfähige Betrag (distributable amount). Dieser besteht aus dem Gewinn/ Verlust unter Berücksichtigung von Gewinn- oder Verlustvorträgen. Ebenfalls können durch nationale Gesetze, z.B. in Deutschland durch das HGB, Vorschriften zu Rücklagenbildung/ -auflösungen zu beachten sein. Im Fall BELMONT Ltd. beträgt der ausschüttungsfähige Betrag: -150.000 + 490.000 + 70.000 + 32.000 = 4 442.000 ZAR. Die Neubewertungsrücklagen sind nicht ausschüttungsfähig, solange keine Gewinnrealisierung, z.B. bedingt durch Abschreibungen oder Veräußerungen des neubewerteten Sachanlagevermögenswertes, stattgefunden haben. Um ihren Stammaktionärinnen oder Stammaktionären eine Dividende auszahlen zu können, muss die BELMONT Ltd. eine Vorzugsdividende beschließen. Diese vermindert den ausschüttungsfähigen Betrag. Die Vorzugsdividende beträgt: (9/ 12) × 7% × 500.000 = 226.250 ZAR. Wegen der Ausgabe zum Ende März/ 20X7 muss berücksichtigt werden, dass die Vorzugsaktien nur neun Monate im Umlauf sind. Der an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre ausschüttungsfähige Betrag ist: 442.000 - 26.250 = 4 415.750 ZAR. Die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre der BELMONT Ltd. beschießen eine Dividende von 0,05 ZAR/ Stammaktie. Die Summe der Dividenden an die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre ist: 0,05 × 800.000 = 4 40.000 ZAR. Eigene Anteile (treasury stock) werden von Gewinnbeteiligungen ausgeschlossen. Einer Entscheidung der Aktionärinnen oder Aktionäre auf der Hauptversammlung (annual general meeting) entsprechend werden 100.000 ZAR thesauriert, d.h. den Gewinnrücklagen zugeführt. Der Rest des ausschüttungsfähigen Betrags soll vorgetragen werden. Siehe unten den Buchungssatz zur Gewinnverwendung und die finale Fassung der Eigenkapitalveränderungsrechnung in Abbildung 13.7. 108 Die Buchung für die Gewinnverwendung erfolgt am 31.12.20X7. Der Jahresabschluss wird somit unter Antizipation der Entscheidung der Aktionärinnen oder Aktionäre auf der kommenden Hauptversammlung aufgestellt. Am 31.12.20X7: DR Retained Earnings R/ E ........ 166.250 ZAR CR Preference Dividends A/ P ..... 26.250 ZAR CR Ordinary Dividends A/ P ....... 40.000 ZAR CR Earnings Reserves E-R ........ 100.000 ZAR 108 Es wird angenommen, dass die BELMONT Ltd. an ihre Aktionärinnen oder Aktionäre die Bruttodividende auszahlt; somit wird vorausgesetzt, dass alle Investorinnen oder Investoren private Personen sind, die im Ausland residieren. Ein Kapitalertragsteuerabzug mit Zahlung an das südafrikanische Finanzamt (SARS) erfolgt daher nicht. <?page no="420"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-420 Share capital Reserves Retained earnings total [ZAR] [ZAR] [ZAR] [ZAR] as at 1.01.20X7 1.000.000 400.000 (150.000) 1.250.000 Pref. share issue 500.000 250.000 750.000 Ord. share redemption (410.000) (410.000) Profit 20X7 490.000 490.000 OCI gain on disposal 70.000 70.000 OCI cafeteria income 32.000 32.000 Revaluation 10.500 10.500 Pref. dividends (26.250) (26.250) Ord. dividends (40.000) (40.000) Additions to E-Reserves 100.000 (100.000) 0 as at 31.12.20X7 1.090.000 760.500 275.750 2.126.250 Belmont Ltd. STATEMENT of CHANGES in EQUITY as at 31.12.20X7 Abb. 13.7: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (6) Accounting-Prozess-Schritte (Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity)): (1) Erstellen Sie eine Matrix, die Spalten für die Eigenkapitalpositionen in der Bilanz vorsieht. Entscheiden Sie sich für eine Detaildarstellung oder für ergänzende Angaben in den Erläuterungen (notes). (2) Tragen Sie die Anfangswerte für die Eigenkapitalpositionen in die erste Zeile ein. (3) Fügen Sie eine Zeile für die Ausgabe von Aktien ein. Tragen Sie darin die Nennwerte in die Spalte für das gezeichnete Kapital und ggf. den Wert für ein Emissionsagio in die Kapitalrücklagen ein. (4) Fügen Sie eine Zeile für Aktienrückkäufe und Aktieneinzüge ein und nehmen Sie Einträge für das gezeichnete Kapital und Rücklagenauflösungen vor. (5) Fügen Sie eine Zeile für das operative Ergebnis ein. Tragen Sie den Jahresüberschuss in der Spalte Bilanzgewinn (retained earnings) ein. (6) Fügen Sie eine Zeile für sonstige betriebliche Erträge ein. Tragen Sie darin sonstige Erträge nach Ertragsteuern in der Spalte Bilanzgewinn (retained earnings) ein. (7) Fügen Sie eine Zeile für die Gewinnverwendung ein. Ändern Sie den Bilanzgewinn (retained earnings) entsprechend der Ergebnisverwendung und nehmen Sie Einträge in den Gewinnrücklagen, falls erforderlich, vor. Berücksichtigen Sie Rücklagenauflösungen entsprechend. <?page no="421"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-421 (8) Fügen Sie eine Zeile für Vorzugsdividenden ein. Vermindern Sie den Bilanzgewinn (retained earnings) um die Vorzugsdividenden, falls diese beschlossen werden. (9) Bei einer Neubewertung erhöhen Sie die Neubewertungsrücklage. Bei Abschreibung von neubewerteten Sachanlagen weisen Sie eine Verminderung der Neubewertungsrücklage aus und passen den Bilanzgewinn (retained earnings) an. Berücksichtigen Sie latente Steuern als Abzug von der Neubewertungsrücklage. Sie werden in das Fremdkapital gebucht und daher in der Eigenkapitalveränderungsrechnung nicht dargestellt, außer bei Rücklagenverminderung. (10) Summieren Sie alle Zeileneinträge und stellen Sie das Ergebnis in der rechten Summenspalte dar. (11) Addieren Sie alle Spalten und zeigen Sie die Summe in der untersten Zeile. Die Zahlen der Spaltensummen müssen mit den Bilanzpositionen des Eigenkapitals in der Bilanz übereinstimmen. 13.10 Zusammenfassung Die Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) muss nach IAS 1.10 aufgestellt werden. Sie zeigt alle Zuführungen und Verminderungen von Eigenkapitalpositionen in der Bilanz. Die Spalten stellen die Eigenkapitalpositionen und die Zeilen die zusammengefassten Transaktionen, die das Eigenkapital verändern, dar. 13.11 Arbeitsdefinition Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity): Bestandteil des handelsrechtlichen Jahresabschlusses nach IFRSs, der die jährlichen Erhöhungen und Verminderungen von Eigenkapitalpositionen in der Bilanz zusammenfassend darstellt. 13.12 Kontrollfragen (1) Eine Kapitalgesellschaft kauft 20.000 Stück ihrer Stammaktien zu 34 EUR/ Aktie zurück. Der Nennbetrag pro Aktie ist 10 EUR/ Aktie. Wie weist die Gesellschaft zurückgekaufte Aktien (treasury stock) in ihrer Bilanz aus? 1. Als Vermögenswert, der mit 680.000 EUR bewertet wird. 2. Als negatives Eigenkapital i.H.v. 680.000 EUR. 3. Als Vermögenswert, der mit 200.000 EUR bewertet wird. 4. Als negatives Eigenkapital i.H.v. 200.000 EUR. (2) Ein Unternehmen beschließt eine Dividende von 100.000 EUR aus einem ausschüttungsfähigen Betrag von 160.000 EUR. Wie wird die Transaktion in der Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) ausgewiesen? 1. Abzug von 100.000 EUR aus der Summe. 2. Addieren von 60.000 EUR zum Bilanzgewinn (retained earnings). <?page no="422"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 13-422 3. Abzug von 100.000 EUR vom Bilanzgewinn (retained earnings). 4. Abzug von 160.000 EUR vom Bilanzgewinn und Zuführung von 100.000 EUR zu den Gewinnrücklagen (earnings reserves). (3) Eine Aktiengesellschaft weist einen Gewinnvortrag von 25.000 EUR aus. In der aktuellen Berichtsperiode beträgt das Vorsteuerergebnis 100.000 EUR. Auf ihrer Hauptversammlung (annual general meeting) beschließen die Stammaktionärinnen oder Stammaktionäre eine Dividende im Umfang von 50 % des ausschüttungsfähigen Betrags (distributable amount). Es gibt 10.000 Stammaktien. Wie hoch ist die Dividende pro Aktie? 1. 6,25 EUR . 2. 5,00 EUR . 3. 4,75 EUR . 4. 7,00 EUR . (4) Ein Unternehmen bewertet sein Anlagevermögen, das mit 100.000 EUR ausgewiesen wird, um 40 % neu. Wie wird die Neubewertung in der Eigenkapitalveränderungsrechnung ausgewiesen? 1. Erhöhung der Rücklagen um 40.000 EUR und Erhöhung des Bilanzgewinns um 40.000 EUR. 2. Erhöhung der Rücklagen um 28.000 EUR und Erhöhung des Bilanzgewinns um 28.000 EUR. 3. Erhöhung der Rücklagen um 40.000 EUR. 4. Erhöhung der Rücklagen um 28.000 EUR. (5) Eine Kapitalgesellschaft gibt 200.000 Aktien zu jeweils 5,50 EUR/ Aktie aus, welche ein Agio von 0,50 EUR/ Aktie beinhalten. Die Gesellschaft erwirtschaftet ein Vorsteuerergebnis von 100.000 EUR. Sie bewertet ihr Anlagevermögen um 50.000 EUR neu und beschließt eine Dividende von 0,20 EUR/ Aktie. Wie hoch wird insgesamt das Eigenkapital in der Eigenkapitalveränderungsrechnung ausgewiesen? 1. 1.160.000 EUR . 2. 1.060.000 EUR . 3. 1.165.000 EUR . 4. 1.190.000 EUR . 13.13 Lösungen 1-2, 2-3, 3-3, 4-4, 5-3. <?page no="423"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-423 14 Schulden in der Bilanz 14.1 Inhalt In dem letzten Kapitel des Lehrbuchs werden die Bilanzierung und die Bewertung von Schulden besprochen. Allgemein werden Schulden auf der Passivseite der Bilanz der Schuldnerin oder des Schuldners ausgewiesen. Schulden sind Verbindlichkeiten und Rückstellungen. In diesem Kapitel wird ebenso gezeigt, wie Verbindlichkeiten und Rückstellungen gebildet und zurückgezahlt bzw. aufgelöst werden. Im ersten Teil des Kapitels werden fünf Fallstudien für Verbindlichkeiten, z.B. Darlehn und Anleihen, aus der Sicht der Schuldnerin oder des Schuldners bzw. der Emittentin oder des Emittenten von Anleihen vorgestellt. In der zweiten Hälfte des Kapitels werden drei Fallstudien für Rückstellungen behandelt. Der Fokus liegt auf ihren Bewertungen zu beizulegenden Werten, zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zu diskontierten Barkapitalwerten. 14.2 Lernziele Nach dem Studium dieses Kapitels kennen Sie die wichtigsten Typen von Schulden: Verbindlichkeiten, Rückstellungen und ebenso Eventualverbindlichkeiten. Hinweis: In einer Bilanz werden nur Verbindlichkeiten und Rückstellungen gezeigt. Eventualverbindlichkeiten dürfen in der Bilanz nicht ausgewiesen werden. Sie lernen Schulden zu fortgeführten Anschaffungskosten zu bewerten und Bewertungen nach der Effektivzinsmethode vorzunehmen. Sie entwickeln ein Verständnis für Rückstellungen und können sie ausweisen. Sie erlernen die wichtigsten Vorschriften nach IFRS für die Bewertung und das Ausweisen von Verbindlichkeiten und Rückstellungen. 14.3 Schulden Schulden stellen nach IAS 1.15 aktuelle Verpflichtungen dar. Diese beziehen sich auf das Leisten von Zahlungen, das Erbringen von Dienstleistungen oder das Liefern von Waren zur Begleichung der Schuld. Nach IFRS werden aktuelle und zukünftige Verpflichtungen unterschieden, letztere sind keine Schulden, z.B. zukünftige Zinszahlungen. Dagegen besteht die Verpflichtung einen Kredit zurückzuzahlen bereits aufgrund des Kreditvertrags. Deshalb stellen beispielsweise Bankschulden Verbindlichkeiten dar, aber Zinsen sind als Aufwand zu erfassen. Siehe IAS 1.16. Dem IAS 1.46 folgend, werden Schulden auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen. Für Schulden muss ein Ressourcenabfluss aus ihrem Begleichen (settlement) wahrscheinlich und ihre verlässliche Bewertung (reliable measurement) möglich sein. Schulden (liabilities) werden in sicher und unsicher unterteilt. Eine sichere Schuld ist eine Verbindlichkeit, z.B. eine Darlehnsschuld oder eine Leasingverbindlichkeit. Unsichere Schulden sind dagegen Rückstellungen (provisions) und Eventualverbindlichkei- <?page no="424"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-424 ten (contingent liabilities). Unsicherheit bezieht sich darauf, dass mindestens ein Merkmal von Schulden nicht erfüllt wird, z.B. die Zahlungsmodalitäten (Betragshöhe oder Datum), oder ob eine Zahlung überhaupt erfolgt. Eine Rückstellung ist zu bilden, wenn z.B. ein Unternehmen an Kundinnen oder Kunden zuvor ausgelieferte Waren zurückruft, weil es sie nacharbeiten muss. Die Anzahl der Kundinnen oder Kunden, die in der Zukunft Waren zur Nacharbeitung zurückbringen, ist dabei ungewiss. Ebenso ist unsicher, wie hoch der Nacharbeitsaufwand ist. In einem solchen Fall besteht aufgrund eines rechtssicheren Vertrags eine aktuelle Verpflichtung, aber die zukünftigen, zahlungsdeterminierenden Bedingungen sind unsicher. Diese liegen bei der oder dem Begünstigten, z.B. ob sie oder er dem Rückruf folgt und Schadenersatz und/ oder Nacharbeit fordert. Wenn keine gegenwärtige Verpflichtung vorliegt, besteht eine Eventualverbindlichkeit. Sie liegt z.B. vor, wenn ein Mutterunternehmen für ihr Tochterunternehmen bürgt. Für den Zeitraum, in dem das Tochterunternehmen keine finanzielle Not leidet, besteht keine Verpflichtung. Eventualverbindlichkeiten werden nicht im Jahresabschluss ausgewiesen. Für Fremdkapitalinstrumente, z.B. Darlehnsschulden oder Anleihen gelten die Standards IAS 32, IAS 39, IFRS 7, IFRS 9. IFRS 13 legt deren Bewertung fest. Für Rückstellungen gibt es einen gesonderten Standard: IAS 37. Nachfolgend werden der Ansatz, die Bewertung und der Ausweis von Schulden in zwei Kategorien behandelt: (1) Verbindlichkeiten (certain liabilities). (2) Rückstellungen (provisions). 14.4 Verbindlichkeiten Eine Verbindlichkeit ist i.d.R. eine Zahlungsverpflichtung. Sie wird z.B. durch einen Wareneinkauf auf Ziel oder durch eine Kreditfinanzierung begründet. Sie führt zu zukünftigem Zahlungsmittelabfluss oder anderen Transaktionen, z.B. einem Übertrag von Vermögenswerten oder das Erbringen von Dienstleistungen. Dabei fließt zukünftiges Nutzenpotential von der verschuldeten Partei ab. Das IASB behandelt Verbindlichkeiten unter Finanzinstrumenten und bewirkt eine gegenseitige Entsprechung, damit Verbindlichkeiten methodisch vergleichbar bei Schuldnerinnen oder Schuldnern sowie auf der Gläubigerseite behandelt werden. Auf der Seite der Kreditgeberin oder des Kreditgebers (lender) unterscheidet der IFRS 9.5.2.1 Finanzinstrumente die zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs) und solche die zu beizulegenden Zeitwerten (fair value) gehalten werden. Siehe die Kapitel (7) und (9). Eine Bewertung zu beizulegenden Zeitwerten stellt die erste Wahl für Verbindlichkeiten dar. Wenn jedoch die Bewertung schwankt, z.B. weil Anleihen öffentlich gehandelt werden, muss die Anleihenbesitzerin oder Anleihenbesitzer die Bewertung regelmäßig erfolgswirksam anpassen. Bei vorgegebenen Erfüllungsbeträgen würde jede nach beizulegenden Zeitwerten <?page no="425"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-425 vorzunehmende Bewertung am Ende der Laufzeit auf ein Nullsummenspiel führen. Daher werden solche Finanzinstrumente zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten glättet die Schwankungen der beizulegenden Werte (fair market values), siehe unten. Bei der Schuldnerin oder dem Schuldner (borrower) werden Verbindlichkeiten häufig zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Der aktuelle Marktpreis bewirkt dann keine Bewertungsveränderungen. Zu fortgeführten Anschaffungskosten bedeutet: das Aufzinsen mit dem Effektivzinssatz und das Abziehen von geleisteten Zahlungen. Die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten weicht von dem Erfüllungsbetrag (settlement value) ab, wenn z.B. unterjährige Zahlungen vereinbart werden, Bankgebühren in die Berechnung einbezogen werden oder wenn die Rückzahlung mit einem Abschlag (at discount) oder über pari erfolgt. Die Bewertung von Schulden zu fortgeführten Anschaffungskosten bedeutet, dass die Effektivzinsmethode anzuwenden ist. 109 Für die Berechnung des internen Zinsfußes muss eine Endlichkeit der Zahlungsreihe vorliegen. Die Effektivzinsmethode bei der Bewertung von Verbindlichkeiten nähert die aktuelle Schuldenbewertung kontinuierlich dem Erfüllungsbetrag an. Hinweis: Der Effektivzinssatz unterstützt einen Vergleich von unterschiedli- 109 Siehe den Anhang B für IFRS 9: IFRS 9.B4.1.2.9. chen Kreditangeboten. Beim Effektivzinssatz wird eine monatliche Zinseszinsrechnung für die Bestimmung des Darlehnszinssatzes angenommen. Der Effektivzinssatz wird von dem Nominalzinssatz über die folgende Formel abgeleitet: i eff = (1 + i a / 12) 12 - 1. Wenn z.B. der nominale Jahreszinssatz 2,4 %/ Jahr beträgt, ist der Effektivzinssatz bei monatlicher Zinszahlung: (1 + (2,4%/ 12)) 12 - 1 = (1 + 0,2%) 12 - 1 = 2,43%/ Jahr. Der Effektivzinssatz bezieht weitere Zusatzkosten, z.B. Bankgebühren oder Tilgungen zu Beträgen, die höher als der Nennbetrag sind (at premium), mit ein. In diesem Kapitel werden fünf Fallstudien für Verbindlichkeiten behandelt: (1a) F/ S WERWOK Ltd.: Warenkauf auf Ziel (short-term liability case). (1b) Die veränderte Fallstudie BATHURST Ltd. aus Kapitel (6): Bankdarlehn - jetzt unter Berücksichtigung von monatlichen Zahlungen und einer Bankgebühr (zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs)) (1c) F/ S MEUL Ltd.: Darlehnsfinanzierung und Rückzahlung mit einem Aufschlag (at a premium); Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised cost). (1d) F/ S BRIZA: öffentlich gehandelte Anleihen (at amortised costs). (1e) F/ S MEMEL PLC: Annuitätendarlehn mit Sondertilgungen (at amortised costs). <?page no="426"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-426 14.5 F/ S WERWOK Ltd. - Wareneinkauf auf Ziel (ad 1a) Ein Wareneinkauf auf Ziel führt im Allgemeinen auf eine kurzfristige Zahlungsverpflichtung. Der IAS 1.56 weist ein Unternehmen an, Schulden als kurzfristig zu klassifizieren, wenn sie innerhalb eines Jahres, genauer: im nächsten Geschäftsjahr, fällig sind. Kurzfristige Schulden werden nicht abgewertet, sondern zum ursprünglichen Bewertungsansatz, i.d.R. dem Erfüllungsbetrag, geführt. Kurzfristige Schulden werden nicht diskontiert. Datenblatt für die WERWOK Ltd. Standort: Australien (Adelaide). Berichtswährung: AUD. Klassifikation: n/ a. kurzfristige Schulden: 120.000 AUD aus einem Einkauf. Beschaffungszeitpunkt: 3.01.20X5. Rückzahlung: 3.01.20X6. Zinsaufwand: nicht relevant. Umsatzsteuersatz 20 %. Die WERWOK Ltd. kauft von ihrem Lieferanten am 3.01.20X5 Waren und vereinbart, den Einkaufspreis (brutto) i.H.v. 120.000 AUD am 3.01.20X6 zu bezahlen. Es wird der folgende Buchungssatz erfasst: Am 3.01.20X5: DR Purchase-20X5 PUR............ 100.000 AUD DR Value Added Tax VAT.......... 20.000 AUD CR Accounts Payables A/ P........ 120.000 AUD Die WERWOK Ltd. zahlt ihrer Lieferantin in 20X6 120.000 AUD. Die Schuld wurde in der Bilanz zum 31.12.20X5 in Höhe von 120.000 AUD unter kurzfristigen Verbindlichkeiten ausgewiesen. 14.6 F/ S BATHURST Ltd. - Darlehnsfinanzierung (ad 1b) Es wird auf die Fallstudie BATHURST Ltd. aus Kapitel (6) referenziert, um die Effektivzinsmethode zu erklären. In Kapitel (6) hatten der nominale und der Effektivzinssatz übereinstimmend 2,5 % betragen, weil der Zinsaufwand jährlich gezahlt wurde und das Darlehn zum Nennbetrag zurückgezahlt wird. In Vorbereitung auf die Berechnungen bei der Effektivzinsmethode wird das Darlehn als nachschüssiger Zahlungsvektor dargestellt: L(t) = {150.000; 18.750; 18.375; 18.000; 17.625; 17.250; 16.875; 16.500; 16.125; 15.750; 15.325}. Dieses ist richtig, weil die BAHTURST Ltd. Zinsen und Tilgungen zum Jahresende bezahlt. Die BATHURST Ltd. vereinnahmt die Darlehnsauszahlung am 1.01.20X4 - fast ein Jahr bevor die erste Zahlung für Zins und Tilgung fällig ist. Für die Vektordarstellung wird die erste Zahlung geringfügig vorverlegt und auf den 31.12.20X3 um 23: 59 datiert. Dieses erfolgt für die Darstellung als Vektor mit nachschüssigen Zahlungselementen. Wie in der Version in Kapitel (6) berücksichtigt die Effektivzinsmethode eine Erhöhung des Darlehnswertes in 20X4 auf Grundlage des Effektivzinssatzes, die: 150.000 × 2,5% = 3 3.750 AUD beträgt. <?page no="427"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-427 Anschließend werden der gezahlte Zins und die Tilgung abgezogen, so dass ein Schlussbestand von: 150.000 + 3.750 - 3.750 - 15.000 = 1135.000 AUD entsteht, von dem 15.000 AUD kurzfristig sind. In 20X5 ist der Schlussbestand des Darlehns: 135.000 + 3.375 - 3.375 - 15.000 = 1120.000 AUD. Erneut werden davon 15.000 AUD in die kurzfristigen Schulden gebucht. Das Darlehn wird mit: 120.000 - 15.000 = 1 105.000 AUD ausgewiesen, wie man in Abbildung 6.4 sehen kann. Bevor die Zahlungsbedingungen verändert werden, wird das Vorgehen für die Bilanzierung einer Kreditfinanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten in einem Vorgehens-Absatz dargestellt. Accounting-Prozess-Schritte (Buchen einer Kreditfinanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten (recording a loan at amortised costs)): (1) Bestimmen Sie den Effektivzinssatz. (2) Zinsen Sie das Darlehn mit seinem Effektivzinssatz auf wodurch sich der Darlehnsbetrag um den Faktor (1 + i eff ) erhöht. (3) Erfassen Sie das Aufzinsen (2) als Zinsaufwand und machen Sie eine Habenbuchung im Verbindlichkeitskonto für die Kreditfinanzierung. (4) Ziehen Sie alle Zahlungen für den Kapitaldienst (Zins und Tilgung) von dem Darlehnsbetrag ab. (5) Nehmen Sie für (4) Sollbuchungen im Darlehnskonto und/ oder unter kurzfristigen Verbindlichkeiten und eine Habenbuchung im Kasse-/ Bank-Konto vor. Ein getrennter Darlehnsausweis nach IAS 1.60 ist anzuwenden. (6) Der verbleibende Betrag stellt den neuen Wertansatz für das Darlehn dar. Um hier die Bewertung für eine alternative Kreditfinanzierung zu demonstrieren, werden die Zahlungsbedingungen so variiert, dass der Effektivzinssatz vom nominalen Zinssatz abweicht. Zuerst wird berücksichtigt, dass die BATHURST Ltd. die Zinsen monatlich bezahlt. Weil die Tilgung zum Jahresende fällig ist, bezieht sich die Zinsberechnung immer auf den Anfangswert. Der jährliche Zinsaufwand wäre in 20X4: 150.000 × 2,5% = 33.750 AUD; deshalb sind die monatlichen Zinszahlungen jeweils: 3.750 / 12 = 3312,50 AUD/ Monat. Daraus entsteht ein monatlicher Zahlungsvektor für 20X4: B m (t) = {150.000; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 312,50; 150.312,50}. Die Berechnung des internen Zinsfußes (internal rate of return) für B m (t) ergibt 0,20 83 %/ Monat welches einen jährlichen Zinssatz von: 2.52 88 %/ Jahr ergibt, wenn monatliche Aufzinsung erfolgt. Bei Anwendung der oben dargestellten Formel, ergibt sich der gleiche Effektivzinssatz: (1 + 2,5%/ 12) 12 - 1 = 22,52 88 %/ Jahr. Der Einfluss der Umstellung auf monatliche Verzinsung auf den Jahresab- <?page no="428"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-428 schluss ist, dass sie das Darlehn verteuert, welches annähernd 2,06 AUD/ Monat in der Fallstudie BATHURST Ltd. ausmacht. Daher steigt der Zinsaufwand, jedoch nicht die monatlichen Zinszahlungen. Ein weiterer Grund für ein Abweichen des Effektivzinssatzes vom nominellen Zinssatz stellen Darlehen dar, die mit einem Abschlag, d.h. unter pari, ausgezahlt werden. Für die BATHURST Ltd. soll berücksichtigt werden, dass eine Auszahlungsgebühr von 1.000 AUD bei der Kreditbewilligung anfällt. Die Gebühren mindern den ursprünglich von der Bank vereinnahmten Betrag. Die Bank zahlt ihr in diesem Fall nur 149.000 AUD am 1.01.20X4 für das Bankdarlehn aus, das einen Nennwert von 150.000 AUD besitzt. Für den Zahlungsvektor ändert sich nur das erste Element, weil Zinsaufwand und Tilgung auf den Nennbetrag bezogen werden. Durch die Gebühren erhöht sich der interne Zinsfuß für den Vektor auf 2.63 42 %/ Jahr. Der Zinsaufwand für 20X4 beträgt jetzt: 149.000 × 2,63% = 3 3.924,96 AUD. Der Wert für das Bankdarlehn zum 31.12.20X4 ist: 149.000 + 3.924,96 - 3.750 - 15.000 = 1 134.174,96 AUD. Ein Jahr später beträgt er: 134.174,96 + 3.534,48 - 3.375 - 15.000 = 1119.334,44 AUD. Von den Beträgen für den Endbestand wird jeweils ein Anteil i.H.v. 15.000 AUD als kurzfristige Schulden ausgewiesen. 14.7 F/ S MEUL Ltd. - Fortgeführte Anschaffungskosten (ad 1c) In der nächsten Fallstudie werden die Buchungssätze bei einer Kreditfinanzierung, die zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet wird, gezeigt. Die Bank zahlt nicht den vollen Abschlussbetrag aus, sondern zieht davon eine Gebühr und weitere Transaktionskosten ab. 110 Der Effektivzinssatz ist somit höher als der Nominalzinssatz. Die Fallstudie kann über den Link 14.A heruntergeladen werden. Link 14.A: MEUL Ltd. Accounting-Prozess-Schritte (Effektivzinsmethode bei der Bewertung für eine Kreditfinanzierung (effective interest method for loan liabilities)): (1) Stellen Sie sicher, dass die Kreditfinanzierung zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert wird. (2) Stellen Sie alle zahlungsrelevanten Informationen für die Kreditfinanzierung zusammen, z.B. Auszahlungsbetrag, Abschläge, Gebühren, Aufschläge, Zinsen, Tilgungen. 110 Gemäß den Konventionen in Kapitel (1) werden Transaktionskosten in diesem Lehrbuch gewöhnlich ignoriert. Sie werden hier jedoch ausnahmsweise berücksichtigt, weil sie die Darlehnsbewertung bei Anwendung der Effektivzinsmethode beeinflussen. <?page no="429"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-429 (3) Bestimmen Sie den Zahlungsreihenvektor. Berücksichtigen Sie lang- und kurzfristige Schulden. (4) Bestimmen Sie den internen Zinsfuß für den Zahlungsvektor. Verwenden Sie die MS-Excel-Funktion IKV(). (5) Zinsen Sie den Darlehnsstand zu Periodenbeginn im Verbindlichkeitskonto (interest bearing liabilities) auf und nehmen Sie eine Gegenbuchung im Zinsaufwandskonto vor. (6) Buchen Sie die Zins- und Tilgungszahlung im Soll des Verbindlichkeitskontos und im Kasse-/ Bank-Konto auf der Habenseite. (7) Schließen Sie das Zinsaufwandskonto (interest) in die Gewinn- und Verlustrechnung ab. 14.8 Emission von Anleihen Das Ausgeben von Anleihen ist eine Alternative zur Finanzierung über Aktien oder zu einer Kreditfinanzierung. Bei einer Anleihe leiht die Emittentin oder der Emittent (bond issuer) über den Kapitalmarkt von den Anlegerinnen oder Anlegern (bond holder) Kapital und zahlt dafür einen festen Zinssatz, der als Coupon (coupon rate) bezeichnet wird. Anleihen werden vollständig an die Anlegerinnen oder Anleger (bond holder) zurückgezahlt, sobald die vereinbarte Laufzeit (time to maturity) abgelaufen ist. Typischerweise ist die Verzinsung von Anleihen über die gesamte Laufzeit konstant. Weil Die Emittentin oder der Emittent die Anleihen erst bei Fälligkeit zurückzahlt, stellen Zinserträge bei der Anlegerin oder dem Anleger gleichhohe Zahlungen dar. Anleihen weisen in der Regel eine halbjährige Zahlungsweise auf, z.B. erfolgen die Zinszahlungen jeweils am 30.06. und am 31.12. eines jeden Jahres. Alternativ können bei Anleihen jährliche oder quartalsweise Zinszahlungen vereinbart werden. Die Zahlweise wird durch die Emittentin oder den Emittenten bestimmt und von den Anlegerinnen oder Anlegern über ihre Investitionsentscheidung gebilligt. Anleihen werden zu erwarteten Erfüllungswerten (at expected settlement value) bilanziert. Nur wenn die Zahlungen beim Erwerb, die Rückzahlung der Anleihen oder die Zahlungsweisen von einer vollständigen Rückzahlung zum Zeitpunkt des Einzugs (at maturity date) oder eine jährlichen Zahlweise der Coupons abweichen, erfolgt der Ausweis von Anleihen zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs) und führt auf eine abweichende Bewertung. Bei der Ausgabe von Anleihen wird bei der Emittentin oder beim Emittenten eine Schuld bilanziert. Das Konto zinspflichte Schulden (interest bearing liability) wird im Haben bebucht, weil eine gegenwärtige Verpflichtung zur Rückzahlung der Anleihen besteht. Ebenso finden Couponzahlungen statt. Letztere stellen jedoch keine Schulden dar, sondern sind zukünftiger Aufwand. <?page no="430"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-430 14.9 F/ S BRIZA Ltd. - Anleihen (ad 1d) Für den Ausweis und die Bewertung von Anleihen (bond recognition and disclosure) wird die Fallstudie BRIZA Ltd. behandelt, die ein Produktionsunternehmen in Melbourne ist. Um das Anwenden der Effektivzinsmethode zu demonstrieren, soll die Rückzahlung der Anleihen über pari erfolgen (redemption at a premium), d.h. die Rückzahlung der Anleihen (redemption proceeds) übersteigt ihren Nennbetrag. Der Fall kann über den Link 14.B. downgeloaded werden. Link 14.B: BRIZA Ltd. 14.10 F/ S MEMEL PLC - Annuitätendarlehn mit Sondertilgungen (ad 1e) Ein Annuitätendarlehn ist eine Kreditfinanzierung mit konstanten Zahlungen für Zins und Tilgung zusammen. Die Zinsen werden auf den Wert zu Beginn der Periode bezogen. Die Konventionen in Kapitel (1) bestimmen, dass die Zinseszinsrechnung jahresbezogen erfolgt. Zinsen für kleinere Zeiträume, z.B. bei Darlehnsaufnahme innerhalb einer Periode, werden ratierlich (per rate) und monatsgenau berechnet. Es wird ein Annuitätendarlehn der MEMEL PLC in Manchester betrachtet. Der Fall kann über den Link 14.C. downgeloaded werden. Link 14.C: MEMEL Ltd. 14.11 Rückstellungen Nach IFRSs zählen Rückstellungen zu Schulden. IAS 37.10 definiert Rückstellungen (provision) als Schulden mit zeitlicher und/ oder Unsicherheit hinsichtlich der Zahlungserfüllung. Für das Ausweisen von Rückstellungen muss eine gegenwärtige Verpflichtung zum Zeitpunkt der Berichterstattung vorliegen, z.B. eine, die aus einem Vertrag oder einem schwebenden Gerichtsverfahren resultiert. Der IAS 37.13 ist anzuwenden. Hinweis: Eine gegenwärtige Verpflichtung bedingt, dass die Verpflichtung bereits vorliegt und sich nicht erst in der Zukunft ergibt. Daher dürfen z.B. für zu zahlende Zinsen weder Rückstellungen noch Verbindlichkeiten ausgewiesen werden. Die Ausweiskriterien für Rückstellungen sind in IAS 37.14 festgelegt und umfassen: das Bestehen einer gegenwärtigen Verpflichtung, die Wahrscheinlichkeit für den Abfluss von wirtschaftlichem Nutzenpotential (probability of an outflow of economic benefits) und Bewertungsverlässlichkeit für die Rückstellung (reliable measurement). <?page no="431"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-431 14.12 F/ S SEENA Ltd. - Bewertung von Rückstellungen Nach IAS 37.41 muss die Bewertung von Rückstellungen zum Zeitpunkt ihres Ausweises zum bestmöglichen Schätzwert für den Aufwand erfolgen, für den sie gebildet werden; siehe den Fall in IAS 37.39. Hier wird ein vergleichbares Beispiel für ein Produktionsunternehmen behandelt. Datenblatt für die SEENA Ltd. Standort: Niederlande (Enschede). Berichtswährung: EUR. Klassifikation: Herstellungsunternehmen. Produktionsleistung: 500.000 Rucksäcke Kleinere Mängel: 5 EUR/ Stk.; Wahrscheinlichkeit 10 %. Größere Mängel: 37 EUR/ Stk.; Wahrscheinlichkeit 3 %. Umsatzsteuer: ignoriert. Das Produktionsunternehmen SEENA Ltd. stellt Rucksäcke her. Fehlerhafte Erzeugnisse werden zurückgenommen und nachgearbeitet. Der SEENA Ltd. ist aus eigener Erfahrung bekannt, dass bei Bekanntwerden von kleineren Mängeln im nächsten Geschäftsjahr 20X9, wie einem nicht richtig schließenden Reißverschluss, die Nacharbeit 5 EUR/ Stk. kostet. Wenn ein größerer Defekt vorliegt, z.B. das Lösen eines Tragegurts oder ein Riss im Außenstoff, beträgt der Nacharbeitsaufwand 37 EUR/ Stk. Die SEENA Ltd. stellt 500.000 Rucksäcke her und kennt die Wahrscheinlichkeit für kleinere Fehler: 10 % und für größere: 3 %. Zum Bilanzstichtag am 31.12.20X8 berechnet die SEENA Ltd. den ihr bestmöglichen Schätzwert für die Nacharbeit. Dieser beträgt: 500.000 × (10% × 5 + 3% × 37) = 8 805.000 EUR. Die SEENA Ltd. weist eine Rückstellung i.H.v. 805.000 EUR in ihrer Bilanz für 20X8 aus. Der Buchungssatz wird unten gezeigt: Am 31.12.20X8: DR Rework-20X8 REW .............. 805.000 EUR CR Provision for Rework PRO ..... 805.000 EUR Im Geschäftsjahr 20X9 wendet die SEENA Ltd. für Nacharbeit an Rucksäcken 750.000 EUR auf. Weil die zuvor ausgewiesene Aufwandsrückstellung in dem aktuellen Geschäftsjahr 20X9 nicht mehr nötig ist, muss sie aufgelöst werden. Der IAS 37.61 fordert, dass Rückstellungen nur für den Zweck verwendet werden dürfen, für den sie ursprünglich gebildet wurden. Die SEENA Ltd. erfasst den untenstehenden Buchungssatz im Geschäftsjahr 20X9, der die Rückstellung komplett auflöst. Am 31.12.20X9: DR Provision for Rework PRO ..... 805.000 EUR CR Rework-20X9 REW .............. 55.000 EUR CR Cash/ Bank C/ B ................ 750.000 EUR <?page no="432"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-432 Die Habenbuchung im Konto Nacharbeitungsaufwand (rework account) gleicht den Aufwand aus, der zuvor im Zuge des Bildens der Aufwandsrückstellung im Geschäftsjahr 20X8 gebucht wurde. Hinweis: Eine Aufwandsrückstellung zieht den Aufwand in diejenige Periode vor, in der der Bedarf für den Aufwand erkannt wird. Allgemein führen Rückstellungen zu einer Gewinnminderung in der Abrechnungsperiode ihres Ausweisens, weil z.B. Aufwand vorgezogen wird. Daher erlaubt der IAS 37.17 das Bilden von Rückstellungen nur bei Vorliegen einer gegenwärtigen Verpflichtung. Nach IAS 37.19 darf eine Rückstellung nur gebildet werden, wenn sie für das bilanzierende Unternehmen einen unvermeidbaren Aufwand darstellt. Der Standard bezieht sich auf einen Fall, in dem für ein bilanzierendes Unternehmen eine Verpflichtung entsteht, einen Filter für eine bestimmte Produktionsanlage zu installieren, und beurteilt den Aufwand dafür als vermeidbar, weil das Unternehmen ihr Herstellungsverfahren ändern kann. Im Gegensatz dazu rechtfertigt ein bereits durch ein Kraftwerk verursachter Umweltschaden eine Rückstellung, weil der Schaden bereits vorliegt und den Dekontaminierungsaufwand bedingt. 111 Situationen, in denen eine Rückstellung gebildet werden kann, sind z.B.: - Vereinbarung zwischen einem Unternehmen und seinem Mitarbeiter zukünftig eine Pensionszahlung zu leisten. 111 Siehe das Lehrbuch Basics of Accounting, Kapitel (15). - Nacharbeitungsaufwand an Erzeugnissen - selbst ohne Vorliegen eines justiziablen Grundes. - Schwebende Gerichtsverfahren aufgrund von strafbarem oder wahrscheinlich strafbarem Verhalten in der Vergangenheit. - Latente Steuern. - Altsanierungs- oder Abbruchkosten. - Urlaubsanspruch von Mitarbeitern aufgrund von verschobenem Urlaub. - Drohverlustgeschäfte (onerous contract). - Restrukturierungsaufwand, z.B. wenn Prozesse nicht fortgesetzt werden oder geändert werden müssen. - . . . Ein Lehrbuch kann nicht umfänglich alle Fälle für das Bilden von Rückstellungen behandeln. Es werden hier drei Beispiele angeführt, welche die Bewertung und den Ausweis von Rückstellungen demonstrieren. (2a) Pensionsrückstellung bei HADRA (Pty) Ltd. (pension provision). (2b) Rückstellung aufgrund von Nacharbeits- und Rückrufkosten bei DUMMOND (Pty) Ltd. (provision for rework). (2c) Drohverlustrückstellungen bei SALMAN Ltd. (onerous contract). <?page no="433"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-433 14.13 F/ S HADRA (Pty) Ltd. - Pensionsrückstellung (ad 2a) Am 3.01.20X2 nimmt die HADRA (Pty) Ltd. in Stellenbosch eine Leistungsvereinbarung in den Arbeitsvertrag mit ihrer Geschäftsführerin, Mrs Gartner, auf, der dieser zusichert, dass ihr nach Ende ihrer Geschäftsführertätigkeit für vier Jahre eine jährliche Zahlung in Höhe von 1.000.000 ZAR/ Jahr gewährt wird, die jeweils zum Jahresende ausgezahlt wird. Es ist davon auszugehen, dass Mrs Gartner von ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin zum Ende des Geschäftsjahres 20X5 abtritt. Datenblatt für die HADRA (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Stellenbosch). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Pensionszahlungen: 4 × 1.000.000 ZAR/ Jahr. Zahlungsperioden: 20X6, 20X7, 20X8, 20X9. Zum Zeitpunkt, des Vertragsabschlusses sind die Karrierepläne von Mrs Gartner noch unklar. Die vertragliche Vereinbarung ist unsicher hinsichtlich der Zeit. Es liegt eine aktuelle Zahlungsverpflichtung vor, weil der geschlossene Arbeitsvertrag justiziabel ist. Es ist eine Rückstellung im Jahresabschluss zu bilden. IAS 37.45 fordert, dass Rückstellungen zu dem höchstwahrscheinlichen und diskontierten Wert zu bilanzieren sind. Das Barwertkalkül ist anzuwenden, wenn die Barwertrechnung als wesentlich anzunehmen ist. Der IAS 37.47 bestimmt den Abzinsungsprozentsatz (discount rate) als den vorsteuerrelevanten Kapitalmarktwert für Diskontierungen bezogen auf ähnliche Verpflichtungen. Es wird angenommen, dass der Abzinsungsfaktor am Kapitalmarkt 10 %/ Jahr beträgt. Weil der Vertrag zwischen der HADRA (Pty) Ltd. und Mrs Gartner in 20X2 geschlossen wurde, wird eine Pensionsrückstellung im Jahresabschluss für 20X2 gebildet. Die HADRA (Pty) Ltd. weist in ihrer Bilanz eine Pensionsrückstellung i.H.v.: (1 + 10%) -3 × 1.000.000 × ((1 + 10%) 4 - 1) / ((1 + 10%) 4 × 10%) = 2.381.566,83 ZAR aus. Die Rückstellungsbewertung stellt eine gleichmäßige vierjährige Zahlung jeweils zum Ende der Geschäftsjahre 20X6 - 20X9 dar. Die Zahlungen werden über drei Abrechnungsperioden (20X2 bis 20X5) abgezinst, weil der Barwert zunächst auf den Zeitpunkt 31.12.20X5 berechnet wurde. Dieses stellt den Zeitpunkt dar, zu dem der Abtritt als Geschäftsführerin erwartet wird, die Rückstellung muss jedoch bereits drei Jahre zuvor ausgewiesen werden, wenn der Vertrag geschlossen wird, d.h. am 31.12.20X2. Die HADRA (Pty) Ltd. erfasst den folgenden Buchungssatz: Am 31.12.20X2: DR Provision for Pension PRO .... 2.381.557 ZAR CR Labour-20X2 LAB .............. 2.381.557 ZAR Nach IFRSs werden Rückstellungen und Verbindlichkeiten unterschiedlich behandelt. Verbindlichkeiten werden mit beizulegenden Werten bzw. zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Im Gegensatz dazu werden Rückstellungen mit ihren Barkapitalwerten ausgewiesen. Aufgrund von <?page no="434"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-434 Zinseszinsrechnungen (compound interest calculation) werden die Rückstellungen unterhalb ihrer Erfüllungsbeträge ausgewiesen. Nach IAS 37.59 muss ein bilanzierendes Unternehmen Rückstellungen jährlich auf Werthaltigkeiten prüfen. Diese schließt eine evtl. Werterhöhung, z.B. durch Aufzinsen, ein. Wenn sich das angenommene Zeitfenster für Mrs Gartners Ruhestandspläne verschiebt, muss die Pensionsrückstellungen entsprechend umgewertet werden. Würde Mrs Gartner sterben oder eine Verzichtserklärung zugunsten der HADRA (Pty) Ltd. abgeben, ist die Rückstellung erfolgswirksam aufzulösen. Als Nächstes werden Folgebewertungen für Rückstellungen behandelt. 14.14 F/ S DUMMOND (Pty) Ltd. - Nacharbeitsrückstellung (ad 2b) DUMMOND (Pty) Ltd. erwartet, dass sie vier Jahre lang zu jährlichen Zahlungen von 100.000 ZAR/ Jahr verpflichtet sein wird, die aus der Erstattung von geschätztem Nacharbeitsaufwand an bereits ausgelieferten, fehlerhaften Erzeugnissen resultiert. Die jährlichen Zahlungen in Höhe von 100.000 ZAR/ Jahr stellen eine Schätzung für das Entschädigen ihrer Kunden für Nacharbeitskosten dar; daher gelten die Verpflichtungen als unsicher. Es muss eine Rückstellung für Nachbesserungsaufwand an bereits verkauften Produkten gebildet werden. Der bereits erfolgte Verkauf bewirkt eine gegenwärtige Verpflichtung. Datenblatt für die DUMMOND (Pty) Ltd. Standort: Südafrika (Atlantis). Berichtswährung: ZAR. Klassifikation: nicht relevant. Nachbesserungsaufwandsschätzung: 4 × 100.000 ZAR. Rückstellungsausweis im Jahresabschluss von 20X2. Umsatzsteuer vernachlässigt. Am 2.01.20X2 stellt die DUMMOND (Pty) Ltd. in Atlantis fest, dass sie über einen Vierjahreszeitraum 400.000 ZAR nachschüssig in bar zahlen muss, um ihre Nachbesserungsverpflichtungen zu erfüllen. Die DUMMOND (Pty) Ltd. weist im Jahresabschluss mit Bilanzstichtag 31.12.20X2 dafür eine Rückstellung aus. Die DUMMOND (Pty) Ltd. löst jeweils 100.000 ZAR ihrer Nachbesserungsrückstellung in jedem Jahr auf. Es wird ein Tabellenkalkulationsblatt entwickelt, das auf der Vorlage der CH5.xls-Datei basiert, die über die Zusatzmaterialien verfügbar ist. Weil die Rückstellung im Januar/ 20X2 erfasst wird, wird sie am 31.12.20X2 im Jahresabschluss ausgewiesen. Bis zum Ausweis im Jahresabschluss erfolgt keine Abzinsung. Link 14.D: DUMMOND (Pty) Ltd. Siehe unten in Abbildung 14.9 die Bewertung der Rückstellung und die erste Zahlung in 20X2. Die DUMMOND (Pty) Ltd. nimmt die erste Zahlung vor, bevor <?page no="435"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-435 die Rückstellung in der Bilanz ausgewiesen wird. Year Opening amount Pay-off Rest [ZAR] [ZAR] [ZAR] 20X2 400.000 100.000 300.000 20X3 300.000 100.000 200.000 20X4 200.000 100.000 100.000 20X5 100.000 100.000 0 Dummond (Pty) Ltd. PROVISION PLAN (20X2 - 20X5) Abb. 14.1: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (1) Das Auflösen eines Rückstellungsanteils in Höhe von 100.000 ZAR führt auf eine Zahlung. Siehe nachfolgend die Buchungssätze (1) und (2). Am 31.12.20X2: DR Rework-20X2 REW .............. 100.000 ZAR CR Cash/ Bank C/ B ................ 100.000 ZAR DR Rework-20X2 REW .............. 300.000 ZAR CR Provision for Rework PRO ..... 300.000 ZAR Nach der obigen Transaktion hat die DUMMOND (Pty) Ltd. Rückstellungen i.H.v. 300.000 ZAR bilanziert. Accounting-Prozess-Schritte (Buchen einer Nachbesserungsrückstellung (recognition of rework provision)): (1) Bestimmen Sie, ob eine Rückstellung zu buchen ist: Besteht zum Zeitpunkt der Bilanzierung eine gegenwärtige Verpflichtung? Führt diese zum Ressourcenabfluss? Kann man die Nachbesserung verlässlich bewerten? Wenn sich die obigen Fragen mit (3 ×) Ja beantworten lassen, fahren Sie wie folgt fort: (2) Bestimmen Sie den Wert der Verpflichtung auf der Grundlage von bestmöglichen Schätzungen. Leiten Sie die Wahrscheinlichkeiten aus in vergangen Perioden gemachten Erfahrungen ab. Berücksichtigen Sie die aktuelle Zahl der nachzubessernden Erzeugnisse. <?page no="436"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-436 (3) Berechnen Sie den zeitlichen Aufwandsvektor für den erwarteten Nachbesserungsaufwand. (4) Buchen Sie die Nacharbeit im Konto Rework und erfassen Sie eine Habenbuchung im Konto Provisions. (5) Wenn das Barwertkalkül maßgeblich ist, zinsen Sie die Rückstellungen wie nachfolgend dargestellt ab: Die Rückstellungsbewertung muss auf der Grundlage des Barwertkalküls vorgenommen werden, wenn Barwerte für die Bewertung maßgeblich sind. Dies ist der Fall, wenn ein hoher Zinssatz vorliegt und/ oder der Nachbesserungszeitraum lang ist, z.B. sich über mehrere Jahre erstreckt. Unten werden die Barwerte für die Nachbesserungsaufwandsrückstellung bei der DUMMOND (Pty) Ltd. berechnet. Die Rückstellung erstreckt sich auf drei nachfolgende Abrechnungsperioden mit zukünftigen Zahlungen in Höhe von jeweils 100.000 ZAR, die zum 31.12.20X3, 31.12.20X4, und 31.12.20X5 für den geschätzten Nachbesserungsaufwand fällig werden. Um den beizulegenden Wert für die Erfüllung der Nacharbeitsverpflichtung zu berechnen, kann die DUMMOND (Pty) Ltd. nicht einfach Rückstellungen in Höhe von 300.000 ZAR ausweisen. Für das Berücksichtigen des Barwertkalküls muss ein niedriger, abgezinster Betrag passiviert werden. Zur Berechnung der Abzinsung wird der Lehrbuchzinssatz von 10 %/ Jahr angewendet. In einem realen Unternehmen würde man z.B. mit dem Grenzverschuldungszinssatz (incremental borrowing rate) abzinsen. DUMMOND (Pty) Ltd. bewertet die Zahlung in 20X3 mit: 100.000/ (1 + 10%) = 90.909,09 ZAR. In dem Tabellenkalkulationsblatt in Abbildung 14.10 sind die Barwerte für die anderen zwei Zahlungen, die für die Nachbesserung in 20X4 und 20X5 bestimmt sind, vorgenommen worden. Year Opening amount Pay-off Discount Present value [ZAR] [ZAR] 10% [ZAR] 20X2 400.000,00 100.000,00 paid 20X3 300.000,00 100.000,00 1 0,91 90.909,09 20X4 200.000,00 100.000,00 2 0,83 82.644,63 20X5 100.000,00 100.000,00 3 0,75 75.131,48 Dummond (Pty) Ltd. PROVISION PLAN (20X2 - 20X5) Abb. 14.2: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (2) Für die Rückstellungsbewertung muss DUMMOND (Pty) Ltd. diese auf den Zeitpunkt 31.12.20X2 abzinsen. Der beizulegende Wert der Rückstellung ist die Summe der Barwerte: 90.909,09 + 82.644,63 + 75.131,48 = 2 248.685,20 ZAR. <?page no="437"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-437 Es entsteht ein Unterschiedsbetrag zwischen den fälligen Zahlungen zum Erfüllungsbetrag bewertet und dem beizulegenden Wert der Rückstellung in Höhe von: 400.000 - 100.000 - 248.685,20 = 51.314,80 ZAR. Die im Januar gebildete Rückstellung wird um die Differenz gekürzt und der Bewertungsunterschied vorübergehend in das Bilanzgewinnkonto (retained earnings) gebucht. Siehe unten den Buchungssatz (3): Am 31.12.20X2: DR Provisions for Rework PRO .... 51.315 ZAR CR Retained Earnings R/ E ........ 51.315 ZAR Die Bewertungsdifferenz für die Rückstellung ist vorübergehend, weil in der nächsten Abrechnungsperiode die DUMMON (Pty) Ltd. ihre Rückstellung wieder aufzinst. Sie muss ebenso prüfen, ob die Bewertung der Zahlungsverpflichtung und die Verpflichtung zum Rückstellungsausweis weiter bestehen. Letztere könnte sich ändern, wenn z.B. die Kundinnen oder Kunden keine Nachbesserungsentschädigung fordern würden. Es soll angenommen werden, dass die geschätzten Zahlungsverpflichtungen für Nachbesserung von Erzeugnissen bestehen bleibt und sich eine Umwertung der Rückstellung ausschließlich aufgrund des Aufzinsens ergibt. Sie unten in Abbildung 14.11 die Berechnung der aktualisierten Zahlungsbeträge auf der Grundlage der Barwertberechnung zum Stichtag 31.12.20X3. Year Opening amount Pay-off Discount Present value [ZAR] [ZAR] 10% [ZAR] 20X2 400.000 100.000 paid 20X3 300.000 100.000 1 dissolved 20X4 200.000 100.000 1 1 90.909 20X5 100.000 100.000 2 1 82.645 3 Dummond (Pty) Ltd. PROVISION PLAN (20X3 - 20X5) Abb. 14.3: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (3) In 20X3 wird die Zahlungsverpflichtung zum 31.12.20X3 fällig und 100.000 ZAR sind aufzulösen. Der Betrag ist in die kurzfristigen Schulden umzubuchen und anschließend zu zahlen. Zuvor wurden die Rückstellungen (der Anteil für 20X3) aufgezinst: 90.909,09 × (1 + 10%) = 100.000 ZAR. Die Bewertung für die übrige Rückstellung wird angepasst. Die Beträge für 20X4 und 20X5 werden mit dem Faktor (1 + 10%) aufgezinst und führen auf: 82.644,63 × (1 + 10%) = 90.909,09 ZAR und entsprechend: 75.131,48 × (1 + 10%) = 8 82.644,63 ZAR. Die gesamte Wertanpassung erhöht zunächst den Betrag der Rückstellung um: (100.000 - 90.909,09) + (90.909,09 - 82.644,63) + (82.644,63 - 75.131,48) = <?page no="438"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-438 24.868,52 ZAR. Es wird ein Buchungssatz für die komplette Aufzinsung erfasst (a): Am 31.12.20X3: DR Retained Earnings R/ E........ 24.869 ZAR CR Provision for Rework PRO..... 24.869 ZAR Die Buchungssätze (b) und (c) beziehen sich auf das Auflösen des Anteils für 20X3 der Rückstellung und die entsprechende Zahlung. Siehe alle Buchungssätze für die Abrechnungsperioden 20X2 - 20X5 in Abbildung 14.5. Abbildung 14.4 zeigt die Bewertungsanpassung für die Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. in 20X4. Year Opening amount Pay-off Discount Present value [ZAR] [ZAR] 10% [ZAR] 20X2 400.000 100.000 paid 20X3 300.000 100.000 dissolved 20X4 200.000 100.000 1 dissolved 20X5 100.000 100.000 1 1 90.909 3 Dummond (Pty) Ltd. PROVISION PLAN (20X4 - 20X5) Abb. 14.4: Rückstellungen der DUMMOND (Pty) Ltd. (4) Die komplette Nacharbeit wird als Aufwand nur im Geschäftsjahr 20X2 erfolgswirksam erfasst. Dieses ist der Zeitpunkt, wenn die Verpflichtung zur Nacharbeitsverpflichtung aufgefallen ist. Hinweis: Der Nacharbeitungsaufwand fällt für bereits ausgelieferte Erzeugnisse an - nicht für zukünftige. Für zukünftig, anfallende Nacharbeit hätte keine Rückstellung gebildet werden dürfen, weil keine gegenwärtige Verpflichtung besteht. Es wird kein Aufwand in den nachfolgenden Jahren erfasst, weil die Auflösung der Rückstellung ohne Einfluss auf die Gewinn- und Verlustrechnung bleibt. Dieses ist dadurch bedingt, dass die geschätzten Kosten zum Zeitpunkt der Rückstellungsbildung mit den späteren Istkosten übereinstimmen, sonst wären Aufwandsdifferenzen entstanden. In Abbildung 14.5 werden entsprechend keine Gewinn- und Verlustrechnungskonten für die Perioden 20X3 - 20X5 gezeigt. <?page no="439"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-439 D C D C (1) 100.000 P2L 400.000 (c) 100.000 (b) 100.000 (2) 300.000 (C) 100.000 (B) 100.000 400.000 400.000 (III) 100.000 (II) 100.000 Re-work-20X2 REW Short-term liabilitiy A/ P D C D C (3) 51.315 (1) 300.000 . . . (1) 100.000 c/ d 248.685 c/ d 100.000 300.000 300.000 100.000 100.000 (b) 100.000 b/ d 248.685 c/ d 100.000 c/ d 173.554 (a) 24.869 c/ d 200.000 (c) 100.000 273.554 273.554 200.000 200.000 (B) 100.000 b/ d 173.554 b/ d 200.000 c/ d 90.909 (A) 17.355 c/ d 300.000 (C) 100.000 190.909 190.909 300.000 300.000 (II) 100.000 b/ d 90.909 b/ d 300.000 (I) 9.091 c/ d 400.000 (III) 100.000 100.000 100.000 400.000 400.000 Provision PRO Cash/ Bank C/ B D C D C P2L 400.000 (4) 51.315 REW 400.000 R/ E 400.000 c/ d 348.685 400.000 400.000 b/ d 348.685 (a) 24.869 c/ d 373.554 373.554 373.554 b/ d 373.554 (A) 17.355 c/ d 390.909 390.909 390.909 b/ d 390.909 (I) 9.091 c/ d 400.000 400.000 400.000 b/ d 400.000 Retained earnings R/ E Profit and loss-20X2 P2L Abb. 14.5: Konten der DUMMOND (Pty) Ltd. (20X2 - 20X5) Accounting-Prozess-Schritte (Abzinsen von Rückstellungen (discounting provisions)): (1) Berechnen Sie die Elemente des Zahlungs- oder Aufwandsreihenvektors für die Rückstellung auf der Grundlage der bestmöglichen Schätzwerte zum Zeitpunkt der Rückstellungsbildung. <?page no="440"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-440 (2) Beurteilen Sie, ob das Barwertkalkül für die Bewertung der Rückstellung relevant ist. Nur wenn dies zutrifft, fahren Sie mit Schritt (3) fort. Andernfalls bilden Sie die Rückstellung, ohne sie zu diskontieren. (3) Bestimmen Sie den Abzinsungsprozentsatz dr (für discount rate). (4) Multiplizieren Sie jedes Element des Vektors mit dem Faktor (1 + dr) -n . n ist die Anzahl der Perioden zwischen der zukünftigen Zahlungs-/ Aufwandsperiode und dem Berichtszeitpunkt. (5) Addieren Sie alle abgezinsten Elemente des Zahlungs-/ Aufwandsvektors. Die Summe ist die Bewertung für den Rückstellungsausweis in der Bilanz. (6) Wenn die Rückstellung zuvor gebildet worden ist, passen Sie die Bewertung über einen Buchungssatz an: DR Provisions - CR Retained Earnings. In der nächsten Abrechnungsperiode: (A) Lösen Sie die Rückstellung zu dem Anteil auf, wie für die Abrechnungsperiode vorgesehen (Zahlung/ Aufwand). (B) Passen Sie den Wert der verbleibenden Rückstellung an, indem Sie die Vektorelemente mit dem Faktor (1 + dr) aufzinsen. (C) Bestimmen Sie die Differenz zwischen der aktuellen und der vorherigen Rückstellungsbewertung. (D) Buchen Sie eine Bewertungsanpassung für die Rückstellung mit dem Buchungssatz: DR Retained Earnings account - CR Provisions. 14.15 F/ S SALMAN Ltd. - Drohverlustrückstellung (ad 1c) Ein Drohverlustgeschäft (IAS 27.66) erfordert das Bilden einer Rückstellung im Umfang des aktuellen Verlusts, welcher dem aus dem Geschäft resultiert. Ein Drohverlustgeschäft (onerous contract) besteht, wenn beide Parteien an den Vertrag gebunden sind. Der IAS 37.68 definiert einen Vertrag als Drohverlustgeschäft, wenn nicht abzuwendende Kosten aus dem Vertrag resultieren, die seinen wirtschaftlichen Nutzen übersteigen. Es wird der Fall der Fluggesellschaft SALMAN Ltd. behandelt, die einen Flug geplant und die Tickets bereits verkauft hat. Aufgrund der Erhöhung der Landegebühren am Zielflughafen wird der mit den Passagieren geschlossene Vertrag für die SALMAN Ltd. unwirtschaftlich. Datenblatt für die SALMAN Ltd. Standort: Australien (Sydney) Klassifikation: Luftfahrt. Flug SM050 am 10.05.20X5 PER-MEL Planumsatz: 75.000 AUD Aufwand: 400 AUD/ Passagier × 200 Passagiere Aufwandsanstieg: 10.000 AUD Rückstellungsbildung: am 31.12.20X2. Umsatzsteuer vernachlässigt. <?page no="441"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-441 Die SALMAN Ltd. ist eine Fluggesellschaft mit Sitz in Sydney. SALMAN Ltd. bietet ihre Flugtickets ein Jahr vor Durchführen des Flugs an. Für ihren Flug SM050, geplant am 10.05.20X5 mit einem Airbus A321 von Perth nach Melbourne, hat die SALMAN Ltd. einen Ticketpreis von 400 AUD/ Passagier kalkuliert. Das Fluggerät hat eine Sitzkapazität von 200 Sitzen und ist am 31.12.20X4 vollständig ausgebucht. Der Planumsatz beträgt: 400 × 200 = 880.000 AUD. Der Aufwand für die Durchführung des Flugs beinhaltet den Lohn für die Crew, die Landegebühren, die Aufwand für Kerosin und anteilige Abschreibungen auf das Fluggerät. Die Gesamtkosten für den Flug werden mit 75.000 AUD geplant. Aufgrund eines Anstiegs der Landegebühren in Melbourne wird der geplante und ausgebuchte Flug 10.000 AUD teurer. Am 31.12.20X4 bucht die SALMAN Ltd. daher eine Drohverlustrückstellung im Umfang von: 75.000 + 10.000 - 80.000 = 5.000 AUD. Der Flug hat noch nicht stattgefunden, daher besteht kein sicherer Verlust. Der Vertrag zwischen der Fluggesellschaft und den Passagieren des Flugs ist rechtskräftig. Somit kann die SALMAN Ltd. die Landegebühren nicht umgehen, weil der Flug für die Route Perth-Melbourne geplant wurde. Ein Umleiten des Flugs nach Avalon, um die Landegebühren zu umgehen, kommt nicht in Frage, könnte aber unausweichlich werden, falls der Flughafen Melbourne am Tag der Ankunft aufgrund von schlechten Wetterbedingungen geschlossen wird. Hinweis: Avalon ist der erste Alternativflughafen, der im Flugplan angegeben ist. Es findet kein Abzinsen der Rückstellung statt, weil das Barwertkalkül aufgrund der Kurzfristigkeit des Drohverlusts nicht relevant ist. Die SALMAN Ltd. erfasst den Buchungssatz zur Rückstellungsbildung wie unten dargestellt: Am 31.12.20X4: DR Loss on Onerous Contr-20X4 LOO 5.000 AUD CR Provision Onerous Contract PRO 5.000 AUD Die Drohverlustrückstellung erfüllt den Zweck, die Bilanzadressatinnen oder adressaten der SALMAN Ltd. darüber zu informieren, dass ein wahrscheinlicher Verlust aufgrund eines Drohverlustgeschäfts ansteht. Es besteht eine aktuelle Verpflichtung zum Durchführen des Flugs aufgrund der Ticketverkäufe. Die Flugkosten sind nicht sicher, aber beruhen auf der bestmöglichen Planungsgrundlage (bei höchstwahrscheinlicher Landung in Melbourne). Der Aufwand für das Drohverlustgeschäft wird erfolgswirksam in 20X4 erfasst. <?page no="442"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-442 Accounting-Prozess-Schritte (Bilden einer Drohverlustrückstellung (rising provision for onerous contract)): (1) Bestimmen Sie, ob ein Drohverlustgeschäft vorliegt. Ist der Vertrag verbindlich und rechtssicher? Resultiert aus dem Geschäft mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein Verlust? (2) Bewerten Sie den erwarteten Verlust über eine möglichst genaue Kalkulation zum Zeitpunkt der Rückstellungsbildung. (3) Buchen Sie den Verlust aus dem Drohverlustgeschäft als Aufwand und erfassen Sie im Haben eine Drohverlustrückstellung. (4) Prüfen Sie, ob eine Abzinsung der Rückstellung relevant ist. 14.16 Zusammenfassung Schulden sind gegenwärtige Verpflichtungen, die mit einem Abfluss von wirtschaftlichem Nutzenpotential in Zusammenhang stehen, der gewöhnlich auf eine Zahlung führt. Kurzfristige Schulden sind innerhalb eines Jahres fällig und werden unter der Position Accounts Payables A/ P in der Bilanz ausgewiesen. Ihre Bewertung erfolgt zum Erfüllungsbetrag. Die IFRSs unterscheiden drei Kategorien von langfristigen Schulden: Verbindlichkeiten, z.B. Bankschulden oder Anleihen, unsichere Schulden, z.B. Rückstellungen, und Eventualverbindlichkeiten (contingent liabilities) ohne gegenwärtige Verpflichtung, die nicht die Kriterien zum Schuldenausweis in der Bilanz erfüllen. Letztere werden im Jahresabschluss nicht ausgewiesen. Weil Unternehmen Verbindlichkeiten nicht übertragen können, ist ihr Ausweis endlich und sie können zu fortgeführten Anschaffungskosten geführt werden. Im Unterschied werden Rückstellungen zu Barwerten ausgewiesen, wenn das Barwertkalkül (time value of money) anzuwenden ist. Dieses ist regelmäßig bei hohen Zinssätzen und langen Rückstellungszeiträumen erfüllt. Ein bilanzierendes Unternehmen berichtet über die Einzelheiten seine Schulden in den Erläuterungen (notes). 14.17 Arbeitsdefinitionen Annuitätendarlehn (annuity): Bankdarlehn mit einer konstanten Zahlung für die Summe aus Zinsen und Tilgung. Anleihe (bond): Finanzinstrument, das der Anleihenbesitzerin oder dem Anleihenbesitzer regelmäßige Couponzahlungen gewährt und zum Zeitpunkt der Fälligkeit in einer Gesamtsumme zurückgezahlt wird. Eventualverbindlichkeit (contingent liability): Schuld, die unsicher, nicht gegenwärtig ist und/ oder nicht den Ansatzvorschriften entspricht. Schulden (liability): Gegenwärtige Verpflichtung, die zu einem künftigen Abfluss wirtschaftlichen Nutzenpotentials (economic benefit) führt. Drohverlustgeschäft (onerous contract): Ein Vertrag, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem <?page no="443"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 14-443 Verlust führt, weil der Aufwand den Ertrag übersteigt. Gegenwärtige Verpflichtung (present obligation): Eine Verpflichtung, die bereits zum Berichtszeitpunkt besteht (31.12.20XX). Barwert (present value): Bewertung, die mit dem Diskontierungsfaktor abgezinst wurde. Rückstellung (provision): Unsichere Schuld, bei der Unsicherheit hinsichtlich der Zeit, Höhe und/ oder der vertraglichen Erfüllung besteht. 14.18 Kontrollfragen (1) Der Effektivzinssatz für ein Bankdarlehn, das wöchentlich bezahlt wird, beträgt bei einem Nominalzinssatz von 4,5 %/ Jahr: 1. 4,5000 %/ Jahr . 2. 4,6008 %/ Jahr . 3. 4,5940 %/ Jahr . 4. 4,6025 %/ Jahr . (2) Ein Unternehmen löst Nacharbeitungsrückstellungen im Wert von 50.000 EUR auf, aber nimmt dafür eine Habenbuchung i.H.v. 10.000 EUR im Konto für Reparaturaufwand vor. Die gesamte Nacharbeit wird in bar bezahlt. Wie hoch ist die Zahlungssumme? 1. 10.000 EUR . 2. 60.000 EUR . 3. 50.000 EUR . 4. 40.000 EUR . (3) Ein Unternehmen gibt Anleihen im Wert von 1.000.000 EUR mit einem Disagio (discount) von 10 % aus. Der Coupon beträgt 5 %/ Jahr. Der Effektivzinssatz beträgt 6,4 %/ Jahr. Wie hoch ist der Aufwand, der am Ende der ersten Abrechnungsperiode zu erfassen ist, ohne das Disagio? 1. 100.000 EUR . 2. 64.000 EUR . 3. 54.400 EUR . 4. 57.600 EUR . (4) Ein Unternehmen bildet eine Rückstellung (provision) für eine vier-jährige Pension mit jährlich nachschüssigen Zahlungen von 80.000 EUR. Der Zinssatz beträgt 4 %/ Jahr. die erste Zahlung erfolgt in drei Jahren. Wie hoch ist der Rückstellungsbetrag? 1. 320.000 EUR. 2. 258.157 EUR. 3. 290.392 EUR. 4. 268.483 EUR. (5) Ein Unternehmen nimmt am 1.01.20X3 ein Darlehn von der Bank i.H.v. 100.000 EUR und mit einem Disagio (at discount) von 3 % auf. Das Bankdarlehn hat einen Zinssatz von 5 %/ Jahr und eine konstante Tilgung von 25.000 EUR/ Jahr. Wie sieht der Zahlungsvektor B(t) für die Abrechnungsperioden 20X3 - 20X6 aus, wenn Zins und Tilgung am Jahresende fällig sind? 1. {70.000; 28.750; 27.500; 26.260}. 2. {67.000; 28.750; 27.500; 26.250}. 3. {75.000; 25.000; 25.000; 25.000}. 4. {72.850; 28.900; 27.650; 26.400}. 14.19 Lösungen 1-2, 2-4, 3-4, 4-4, 5-2 <?page no="444"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-444 15 Abkürzungen / a per annum, per year A(t) Annuity Vector A4L Asset Held for Lease Account Acc Accounting ACC Accumulated Depreciation Acc Depr Accumulated Depreciation Acc IL Accumulated Impairment Loss Adj, adj Adjustment, adjusted ADM Administration Account ADMACC Administration/ Accounting Afa Absetzung für Abnutzung AGB Australian Government Bond AGM Annual General Meeting Aggr. Aggregated AIL Accumulated Impairment Loss Account A/ P Accounts Payables Apr April A/ R Accounts Receivables Assembl Assembling A/ S Annual Surplus A(t) Annuity Vector AktG Company’s Act in Germany AUD Australian Dollar Aug August / b per Bond Bal Balance BB best before Bear. Bearing BDA Bad Debts Account BHD Berhad, the legal form of a public limited company in Malaysia BL(t) Bank Loan Vector B m (t) Bank Vector for Monthly Payments BND(t) Bond Vector BOM Bill of Materials b/ d Balance brought down B/ S, BS Balance Sheet B(t) Bond Vector, Bank Loan Vector BWP Botswanian Pula C Credit CA Carrying Amount, Carrying Value Cap.Cons. Capital Consolidation C-R Capital Rerserves <?page no="445"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-445 C/ B Cash/ Bank CC Cost Centre CCDU Coffee-Capsule-Dispense-Unit CEO Chief Executive Officer c/ d Balance carried down c1d Balance carried down on 31.12.20X1 c/ f carried forward (Profit) CFO Chief Financial Officer, Accountant CFS Statement of Cash Flows CGT Capital Gain Tax CGG Council Cooperation for the Arab States in the Gulf CH5.xls Excel file linked to Chapter 5 of the textbook Basics of Accounting CIPC Companies and Intellectual Property Commission C, L Capital, Liabilities Cons. Consolidation COO Chief Operating Officer Corp Corporation COS Cost of Sales, Cost of Goods Sold CPN Coupon CR Credit Recorded, Credit Entry C/ S Case Study D Debit D2R Debt to Equity Ratio / d per day DAA Disposal Asset Account D/ A Discount Allowed DATEV German software company DATEV eG. Dec December Dep Department Depr., DPR Depreciation DII Deferred Interest Income DIV Dividend DIS Disposal Account dr Discount rate DR Debit Recorded, Debit Entry DR discount rate (DR)CR Format where debit entries are disclosed as minus DRA Discount Received Account D/ R Discount received DRW Drawing DTE Deferred Tax Expenses DTI Deferred Tax Income DTL Deferred Tax Liabilities EAT Earnings After Taxes Earn. Earnings <?page no="446"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-446 EBIT Earnings Before Interest and Taxes EBK Eröffnungsbilanzkonto EBT Earnings Before Taxes Eff. Effective e.g. Esempli gratia, for example EPS Earnings Per Share ESG Environmental, Social, Governance EStG Einkommensteuergesetz, Income Tax Law in Germany EUR Euro, Europe EVA Economic Value Added EXP Expense F Conceptual Framework of Financial Reporting FA Financial Accounting FAA Financial Assets Account fCF Cash Flow from Financing Activities Feb February FEC Forward Exchange Contract FEE Fees Account FG Finished Goods FGI Finished Goods Inventories Fin Finance FIN Financial Instruments FNA Financial Asset Account FNB First National Bank South Africa F/ S Financial Statements FSA Financial Statement Analysis FV Fair Value FVTPL Fair Value Through Profit or Loss FVTOCI Fair Value Through Other Comprehensive Income GBP British Pound Sterling GKV Gesamtkostenverfahren GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbHG Company’s Act in Germany GOB Grundsätze ordnungsmäßiger Buchhaltung GOD Gain on Disposal GOR Gain on Revaluation GP Gross Profit GST Goods and Service Tax, same as Value Added Tax VAT GuV Gewinn- und Verlustrechnung G/ W Goodwill Account HGB Handelsgesetzbuch IAS International Accounting Standards IASB International Accounting Standards Board IBL Interest Bearing Liabilities IBX Inventory Box Account <?page no="447"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-447 ICC Inventory Coffee-Capsule-Dispense-Unit Account iCF Cash Flow from Investing Activities ID Identifier, Identification Number IFRS International Financial Reporting Standards i.H.v. in Höhe von IKV() Internal Rate of Return Function (German MS-Excel) I/ L Impairment Loss ILD Impairment Loss on Discontinued Operations Account IN4 Inventory Game Console 400 IN5 Inventory Game Console 500 INA Intangible Assets Inc. Incorporation (USA) INI Inventory of Ink INP Inventory of Paper INT Interest Int.bear.Lia. Interest Bearing Liabilities INV Inventory IPO Initial Public Offering IRM Inventory of raw materials IRR() Internal Rate of Return Function (MS-Excel) I/ S, IS Income Statement ISO Issued Capital - Ordinary Shares ISP Issued Capital - Preference Shares ISS Issued Capital IT Income Taxes ITA Intangible Assets Account ITE Income Tax Expenses ITL Income Tax Liabilities IVP Investment Property Account Jan January JL Journal JO Job Order Jul July Jun June JV Joint Venture KaDeWe Kaufhaus des Westens kg Kilogram KMTS Kenilworth Metered Taxi Service Ltd. KRW Korean Won KSU Kite Surfing Unit kWh Kilo Watt Hours L(t) Loan Vector LAA Attorney Labour Account LAB Labour LAP Paralegal Labour Account <?page no="448"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-448 / lb per Pound Lbs Pound l-h Labour Hours Liab Liability, Liabilities LLC Limited Liabilities Company LOD Loss on Disposal Account LOO Loss on Onerous Contract LOS Loss on Sales LSM Loss on settlement Ltd. Limited company LWD Loss on Write-Down Account m Metre / m per Month MA Management Accounting MAT Materials, Material Costs MBR Market Book Ratio McD McDonald's Corporation MG Merchandise Goods MOA Manufacturing Overheads Assembling MOC Manufacturing Overheads Cleaning MOI Memorandum of Incorporation MOH Manufacturing Overheads, also: Manufacturing Overheads Account MOS Manufacturing Overheads Shipping Mrh March MS Mircosoft MSA Manufacturing Summary Account MTN Maintenance MYR Malaysian Ringgit n/ a Not applicable NoE Nature of Expense Method Non-crtl. Non-Controlling NOP Net Operating Profit NOPAT Net Operating Profit After Taxes Nov November NP Net Profit NPAT Net Profit After Taxes NPO Non-Profit Organisation NSP Net Selling Price NYSE New York Stock Exchange oCF Cash Flow from Operating Activities OCI Other Comprehensive Income Oct October OE Owners' Equity OEX Operational expenses OP, ops Operations <?page no="449"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-449 Ord. Ordinary OTH Other Expenses OV Opening Value P Profit / p Payable / p per Piece P&L Profit and Loss P1L Profit and Loss in 20X1 PLC Public Limited Company PLT Profit or Loss for Taxation POD Profit on Disposal POS Profit on Sales PPC Property, Plant and Equimpent @cost PPE Property, Plant and Equipment PPV Property, Plant and Equipment @valuation PRE Prepaid Expenses Pref. Preference PRO Provisions Account PRT Per Rate, Proportional (pro rata temporis) (Pty) Ltd. Proprietary limited company (in Australia, South Africa) PTO Public Tender Offer PUR Purchases PV Present Value / q per Quarter QR Quick Response R, ZAR South African Rand / r Receivable R Rate R(t) RICHTERSVELD (Pty) Ltd. Vector R/ E Retained Earnings REA Realisation Account REP Repair Account RES Reserves REV Revenue, Sales REVAL Revaluation REW Rework Account RFID Radio Frequency Identification R.I. Returns Inwards RM Malaysian Ringgit RNT Rent R.O. Returns Outwards RoA Register of Non-current Assets ROA Return on Assets ROCE Return on Capital Employed ROSF Return on Shareholders' Funds <?page no="450"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-450 RPM Revolutions per Minute RPR Repair rr Risk Rate RRA Rebate Received Account R-R Revaluations Reserves RU Reference Unit RUA Right-of-use-asset / s / Aktie per Share SAICA South African Institute of Chartered Accountants SAL Salary SARS South African Revenue Service SBK Schlussbilanzkonto SCap, ISS Share Capital SCE Statement of Changes in Equity SCF Statement of Cash Flows SCI Statement of Comprehensive Income SEC Securities Sep September Sdn Bhd Sendirian Berhad SFP Statement of Financial Position SHD, S4D Shareholder for Dividend SMV Settlement Value SPL Statement of Profit or Loss SPPI Solely Payments of Principal and Interest Sth. Something s.u. siehe unten SUURENB SUURENBERG Ltd. T/ A Trading Account T/ B, TB Trial Balance TC(t) Vector of Taxi Car Business Payments and Receipts T&Cs Terms and Conditions TEX Travel Expense Account tKRW Thousand Korean Won TS Tax Statement TSA Treasury Stock Account / u per unit UKV Umsatzkostenverfahren USD US-Dollar UStG Umsatzsteuergesetz, VAT law in Germany V Value VAT Value Added Tax, same as Goods and Service Tax GST VATable Subjected to VAT VIU Value in Use / w per week WACC Weighted Average Cost of Capital <?page no="451"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 15-451 WIP Work in Progress, Work-in-Process ZAR South African Rand Standard deviation μ Mean <?page no="452"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 16-452 16 Abbildungsverzeichnis Abb. 1.1: Konten ............................................................................................................1-25 Abb. 2.1: Eröffnungsbilanz für die KIELING TAXI GmbH ...................................................2-35 Abb. 2.2: Journal für die KIELILNG TAXI GmbH (20X1) .....................................................2-38 Abb. 2.3: verkürzte Bilanz der KIELING TAXI GmbH (20X1) ..............................................2-40 Abb. 2.4: Gewinn- und Verlustrechnung der KIELING TAXI GmbH (20X1) .........................2-42 Abb. 2.5: Konten der KIELING TAXI GmbH (1.01.20X2) ....................................................2-43 Abb. 2.6: Konten der KIELING TAXI GmbH (20X2) ............................................................2-46 Abb. 2.7: Verkürzte Bilanz der KIELING TAXI GmbH (20X2) ..............................................2-50 Abb. 3.1: Eröffnungsbilanz für die KMTS Ltd. ..................................................................3-57 Abb. 3.2: Konten der KENILWORTH METERED TAXI SERVICE Ltd......................................3-61 Abb. 3.3: Konten nach den Abschlussarbeiten für die KMTS Ltd. (20X1) ..........................3-63 Abb. 3.4: Konten nach der Gewinnermittlung für die KMTS Ltd. (20X1) ...........................3-65 Abb. 3.5: Gewinn- und Verlustrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) ...................................3-67 Abb. 3.6: Bilanz für die KMTS Ltd. (20X1) ........................................................................3-68 Abb. 3.7: Kapitalflussrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) .................................................3-69 Abb. 3.8: Eigenkapitalveränderungsrechnung für die KMTS Ltd. (20X1) ...........................3-69 Abb. 3.9: Konten der KMTS Ltd. (20X2) ...........................................................................3-71 Abb. 3.10: Konten der KMTS Ltd. nach Gewinnermittlung (20X2) ....................................3-74 Abb. 3.11: Konten der KMTS Ltd. zur Gewinnverwendung (20X2)....................................3-77 Abb. 3.12: Gewinn- und Verlustrechnung der KMTS Ltd. (20X2) ......................................3-78 Abb. 3.13: Bilanz der KMTS Ltd. (20X2) ...........................................................................3-78 Abb. 3.14: Kapitalflussrechnung der KMTS Ltd. (20X2) ....................................................3-79 Abb. 3.15: Eigenkapitalveränderungsrechnung der KMTS Ltd. (20X2) ..............................3-79 Abb. 4.1: Konten der RYNEVELD Ltd. vor den Abschlussarbeiten .....................................4-89 Abb. 4.2: Summen- und Saldenliste der RYNEVELD Ltd. ..................................................4-91 Abb. 4.3: Einträge im Warenerfolgskonto .......................................................................4-93 Abb. 4.4: Konten der RYNEVELD Ltd. nach den Abschlussarbeiten (20X6) ........................4-97 Abb. 4.5: Summen- und Saldenliste nach Abschlussarbeiten bei RYNEVELD Ltd. (20X6) .4-100 Abb. 4.6: Bilanz der RYNEVELD Ltd.’s balance sheet (20X6) ...........................................4-101 Abb. 4.7: Gewinn- und Verlustrechnung der RYNEVELD Ltd. .........................................4-102 Abb. 5.1: Unternehmensdaten .....................................................................................5-111 Abb. 5.2: Bilanz der CAPELIFT (Pty) Ltd. (20X8) .............................................................5-113 Abb. 5.3: Gewinn- und Verlustrechnung der CAPELIFT (Pty) Ltd. (20X8).........................5-114 Abb. 6.1: Bilanz der BATHURST Ltd. (20X4) ...................................................................6-136 Abb. 6.2: Konten der BATHURST Ltd. (20X5) .................................................................6-139 Abb. 6.3: Konten der BATHURST Ltd. (20X6) .................................................................6-142 Abb. 6.4: Bilanz der BATHURST Ltd. (20X6) ...................................................................6-145 Abb. 6.5: Gewinn- und Verlustrechnung für die BATHURST Ltd. (20X6) .........................6-147 Abb. 6.6: Eigenkapitalveränderungsrechnung für die BATHURST Ltd. (20X5/ 20X6) ........6-149 Abb. 6.7: Kapitalflussrechnung für die BATHURST Ltd. (20X6) .......................................6-150 Abb. 7.1: Konten der GELLENDORFF Ltd. (i) ..................................................................7-174 Abb. 7.2: Konten der GELLENDORFF Ltd. (ii)..................................................................7-178 Abb. 7.3: Anlagespiegel der GELLENDORFF Ltd. ............................................................7-180 Abb. 7.4: Überleitungsrechnung für das Sachanlagevermögen bei GELLENDORFF Ltd....7-180 <?page no="453"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 16-453 Abb. 7.5: Konten der TINNEN Ltd. (20X4) ..................................................................... 7-188 Abb. 7.6: Konten der YSTERFONTEIN Ltd. ..................................................................... 7-196 Abb. 7.7: Konten der OVERBERG (Pty) Ltd. ................................................................... 7-202 Abb. 7.8: Konten der KRIGE (Pty) Ltd. (20X3) ................................................................ 7-210 Abb. 7.9: Konten der KRIGE (Pty) Ltd. (20X4) ................................................................ 7-212 Abb. 7.10: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X4)................................................. 7-217 Abb. 7.11: Konten der RICHTERSVELD (Pty) Ltd. (20X5)................................................. 7-218 Abb. 7.12: Konten der BOULOUNGER Ltd. .................................................................... 7-221 Abb. 7.13: Anleihenbewertung nach der Effektivzinsmethode ...................................... 7-227 Abb. 8.1: Bilanz der BRENO Ltd. (1.01.20X5)................................................................. 8-239 Abb. 8.2: Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. (20X5) ................................... 8-240 Abb. 8.3: Bilanz der BRENO Ltd. (separate F/ S) ............................................................. 8-243 Abb. 8.4: Gewinn- und Verlustrechnung der BRENO Ltd. (separate F/ S) ........................ 8-243 Abb. 8.5: Bilanz der GAMKA Ltd. .................................................................................. 8-248 Abb. 8.6: Bilanz der SWARTBERG Ltd............................................................................ 8-248 Abb. 8.7: Bilanz der GAMKA Ltd. nach Erwerb .............................................................. 8-249 Abb. 8.8: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X3.1)........................................ 8-250 Abb. 8.9: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X3.2)........................................ 8-251 Abb. 8.10: Konzernbilanz ............................................................................................. 8-252 Abb. 8.11: Gewinn- und Verlustrechnung der GAMKA Ltd. (20X4) ................................ 8-253 Abb. 8.12: Bilanz der GAMKA Ltd. (20X4) ..................................................................... 8-254 Abb. 8.13: Gewinn- und Verlustrechnung der SWARTBERG Ltd. (20X4) ......................... 8-255 Abb. 8.14: Bilanz der SWARTBERG Ltd. (20X4) .............................................................. 8-255 Abb. 8.15: Konsolidierungsbogen GAMKA Group (20X4.1)............................................ 8-257 Abb. 8.16: Erweiterte Gewinn- und Verlustrechnung für SWARTBERG Ltd. (20X4)......... 8-258 Abb. 8.17: Konsolidierungsbogen der GAMKA Group (20X4.2)...................................... 8-259 Abb. 8.18: Konzernbilanz der GAMKA Group (20X4) ..................................................... 8-259 Abb. 8.19: Konzerngewinn- und Verlustrechnung der GAMKA Group (20X4)................. 8-261 Abb. 8.20: Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung (20X4) ..................................... 8-262 Abb. 8.21: Konzernkapitalflussrechnung für die GAMKA Group (20X4) ......................... 8-262 Abb. 8.22: Bilanz der PORTERSVILLE Ltd. (Mutterunternehmen) ................................... 8-265 Abb. 8.23: Bilanz der HENDERSON Ltd. (Tochterunternehmen) .................................... 8-265 Abb. 8.24: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (1) ............................... 8-266 Abb. 8.25: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (2) ............................... 8-267 Abb. 8.26: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (3) ............................... 8-268 Abb. 8.27: Konsolidierungsbogen für die PORTERSVILLE Group (4) ............................... 8-270 Abb. 8.28: Konzernbilanz für die PORTERSVILLE Group ................................................. 8-270 Abb. 8.29: Bilanz der PATTEN Ltd. nach Erwerb ............................................................ 8-271 Abb. 8.30: Bilanz der SPYKER (Pty) Ltd.......................................................................... 8-272 Abb. 8.31: Bilanz der PATTEN Ltd. (20X0) ..................................................................... 8-273 Abb. 8.32: Gewinn- und Verlustrechnung der PATTEN Ltd. (20X0) ................................ 8-274 Abb. 8.33: Bilanz der SPYKER (Pty) Ltd. (20X0) .............................................................. 8-275 Abb. 8.34: Gewinn- und Verlustrechnung der SPYKER (Pty) Ltd. (20X0) ......................... 8-275 Abb. 8.35: Konsolidierungsbogen für die PATTEN/ SPYKER Group.................................. 8-277 Abb. 8.36: Konsolidierungsbogen für die PATTEN/ SPYKER Group.................................. 8-278 Abb. 8.37: Konzernbilanz für die PATTEN/ SPYKER Group .............................................. 8-279 Abb. 8.38: Konzerngewinn- und Verlustrechnung PATTEN/ SPYKER Group .................... 8-279 <?page no="454"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 16-454 Abb. 8.39: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X6)...............................................................8-282 Abb. 8.40: Gewinn- und Verlustrechnung der QUICKARMS Ltd......................................8-283 Abb. 8.41: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X7)...............................................................8-283 Abb. 8.42: Gewinn- und Verlustrechnung der QUICKARMS Ltd......................................8-284 Abb. 8.43: Bilanz der QUICKARMS Ltd. (20X7)...............................................................8-285 Abb. 8.44: Anfangsbilanz der CLOSE-WATCH (Pty) Ltd...................................................8-286 Abb. 8.45: Gewinn- und Verlustrechnung CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. ...............................8-287 Abb. 8.46: Bilanz der CLOSE-WATCH (Pty) Ltd. (20X7) ...................................................8-287 Abb. 8.47: Bilanz der QUICKARMS/ CLOSE-WATCH (JV)’s (IAS 27)...................................8-288 Abb. 8.48: Bilanz des Joint Ventures QUICKARM/ CLOSE-WATCH...................................8-289 Abb. 9.1: Konten der GREENACRES Ltd. (periodische Lagerhaltung) ..............................9-298 Abb. 9.2: Konten bei GREENACRES Ltd. (fortlaufende Lagerbuchhaltung)......................9-300 Abb. 9.3: Einkaufsjournal der ROSEFIELD Ltd. ...............................................................9-307 Abb. 9.4: Konten der ROSEFIELD Ltd. (i: FIFO) ...............................................................9-309 Abb. 9.5: Konten der ROSEFIELD Ltd. (ii: gew. Durchschnittsmethode) ..........................9-311 Abb. 9.6: Planrechnung bei der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. ........................................9-319 Abb. 9.7: Konten der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. Ist (IAS 2.13)....................................9-323 Abb. 9.8: MSA-Konto der RIEBEECK-KASTEEL (Pty) Ltd. (iii)............................................9-327 Abb. 9.9: Konten der HEUNING Ltd...............................................................................9-330 Abb. 9.10: Konten der NOKOX (Pty) Ltd. .......................................................................9-339 Abb. 10.1: Bilanz von EIMKE Ltd. (20X7) ..................................................................... 10-346 Abb. 10.2: Gewinn- und Verlustrechnungskonto der EIMKE Ltd. (20X8)....................... 10-348 Abb. 10.3: Kapitalflussrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) ............................................... 10-349 Abb. 10.4: Konten bei EIMKE Ltd. (20X8) .................................................................... 10-351 Abb. 10.5: Bilanz der EIMKE Ltd. (20X8) ...................................................................... 10-359 Abb. 10.6: Gewinn- und Verlustrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) ................................. 10-359 Abb. 10.7: Kapitalflussrechnung der EIMKE Ltd. (20X8) ............................................... 10-361 Abb. 11.1: Bilanz der YARRA Ltd. (20X0) ..................................................................... 11-369 Abb. 11.2: Bilanz der YARRA Ltd. (20X1) ..................................................................... 11-373 Abb. 11.3: Bilanz der YARRA Ltd. (20X2) ..................................................................... 11-375 Abb. 11.4: Erweiterter Eigenkapitalausweis der YARRA Ltd. (20X1) ............................. 11-377 Abb. 11.5: Erweiterter Eigenkapitalausweis der YARRA Ltd. (20X2) ............................. 11-377 Abb. 11.6: Konten der YARRA Ltd. .............................................................................. 11-378 Abb. 12.1: Konten der ABINGTON Ltd. (GKV) .............................................................. 12-386 Abb. 12.2: Gewinnermittlung der ABINGTON Ltd. (GKV) ............................................. 12-388 Abb. 12.3: Gewinn- und Verlustrechnung der ABINGTON Ltd. (GKV) ........................... 12-388 Abb. 12.4: Bilanz der SUDHUIZEN PLC (20X3).............................................................. 12-391 Abb. 12.5: Einkaufs-Ledger der SUDHUIZEN PLC ......................................................... 12-391 Abb. 12.6: Konten der SUDHUIZEN PLC (GKV) ............................................................. 12-395 Abb. 12.7: Gewinn- und Verlustrechnung der SUDHUIZEN PLC (GKV) .......................... 12-397 Abb. 12.8: Konten der ABINGTON Ltd. (UKV) .............................................................. 12-400 Abb. 12.9: Gewinn- und Verlustrechnung der ABINGTON Ltd. (UKV) ........................... 12-402 Abb. 12.10: Konten der SUIDHUIZEN PLC (UKV) .......................................................... 12-405 Abb. 12.11: Gewinn- und Verlustrechnung der SUDHUIZEN PLC (UKV) ........................ 12-408 Abb. 13.1: Bilanz der BELMONT Ltd. (20X6) ................................................................ 13-413 Abb. 13.2: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (1) ......................... 13-414 Abb. 13.3: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (2) ......................... 13-415 <?page no="455"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 16-455 Abb. 13.4: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (3) ........................ 13-416 Abb. 13.5: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (4) ........................ 13-417 Abb. 13.6: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (5) ........................ 13-418 Abb. 13.7: Eigenkapitalveränderungsrechnung der BELMONT Ltd. (6) ........................ 13-420 Abb. 14.1: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (1) ................................................ 14-435 Abb. 14.2: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (2) ................................................ 14-436 Abb. 14.3: Rückstellung der DUMMOND (Pty) Ltd. (3) ................................................ 14-437 Abb. 14.4: Rückstellungen der DUMMOND (Pty) Ltd. (4) ............................................ 14-438 Abb. 14.5: Konten der DUMMOND (Pty) Ltd. (20X2 - 20X5) ....................................... 14-439 <?page no="456"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 17-456 17 Links Link 2.A: KIELING TAXI GmbH ........................................................................................2-39 Link 2.B: DATEV-4 Kontenrahmen..................................................................................2-43 Link 2.C: Anhang der Lufthansa AG ................................................................................2-50 Link 3.A: Download der IFRSs für Studierende ...............................................................3-55 Link 4.A: DEMANN GmbH. .............................................................................................4-85 Link 4.B: RYNEVELD Ltd................................................................................................4-102 Link 4.C: TELUK Sdn. Bhd. ............................................................................................4-103 Link 4.D: Worksheet Methode .....................................................................................4-103 Link 4.E: BINNEVELD Ltd. .............................................................................................4-103 Link 5.A: ROSENDAHL Ltd. ...........................................................................................5-108 Link 5.B: EPS-Berechnungen ........................................................................................5-120 Link 5.C: CAPELIFT (Pty) Ltd..........................................................................................5-125 Link 6.A: BATHURST Ltd. ..............................................................................................6-136 Link 7.A: RAVENWOOD GmbH .....................................................................................7-166 Link 7.B: OTZE AG ........................................................................................................7-166 Link 7.C: GROOTVLEI Ltd. .............................................................................................7-181 Link 7.D: TYGERVALLEY Ltd. .........................................................................................7-181 Link 7.E: CORAL Ltd......................................................................................................7-185 Link 7.F: STEENBERG Ltd. .............................................................................................7-194 Link 7.F: JANSSENS Ltd.................................................................................................7-194 Link 7.H: C/ S HAWKINS Ltd. / STEYN GmbH - Cross-Border Beteiligungen....................7-224 Link 7.H: Anleihenbewertung ......................................................................................7-225 Link 7.J: NATBERGEN (Pty) Ltd. ....................................................................................7-227 Link 7.K: DORRINGTON (Pty) Ltd./ ROTTMAN Ltd. - Vorzugsaktien ..............................7-227 Link 9.A: ROSEFIELD Ltd. ..............................................................................................9-312 Link 9.B: TRAGER GmbH ..............................................................................................9-337 Link 9.C: GRENVILLE AG ...............................................................................................9-337 Link 9.D: BAKENSKOP PLC ............................................................................................9-341 Link 10.A: RYNEVELD Ltd............................................................................................ 10-362 Link 10.B: EIMKE Ltd. ................................................................................................. 10-362 Link 12.A: ANKYO Ltd................................................................................................. 12-390 Link 12.B: SUDHUIZEN PLC ......................................................................................... 12-407 Link 13.A: BELMONT Ltd. ........................................................................................... 13-412 Link 14.A: MEUL Ltd................................................................................................... 14-428 Link 14.B: BRIZA Ltd. .................................................................................................. 14-430 Link 14.C: MEMEL Ltd. ............................................................................................... 14-430 Link 14.B: DUMMOND (Pty) Ltd. ................................................................................ 14-434 <?page no="457"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 18-457 18 Literatur Arendse, R. [2019]: Fundamental Accounting. 8 th Edition. Cape Town. Berkau, C. [2021]: Basics of Accounting. 6 th Edition. Munich. Berkau, C. [2021]: Vorratsbewertung von selbsterstellten Erzeugnissen nach IAS 2 (Teil 1), in: KoR 21(2021)12 and [2022]: Vorratsbewertung von selbsterstellten Erzeugnissen nach IAS 2 (Teil 2), in: KOR 22(2022)1. Berkau, C. [2022]: Risikomanagement für einen Flugzeugverleiher, in: KOR 22(2022)3. Berkau, C. [2022]: Neubewertung von Sachanlagen mit anschließender Auflösung von Rücklagen und Steuerlatenzen. In: KOR 22(2022)7-8. Berkau, C. [2022]: Bewertung von selbsterstellten Produkten bei volatilen Einkaufspreisen für Rohstoffe und schwankender Beschäftigung nach IAS 2, in: IRZ 17(2022)5. Berkau, C. [2023]: Earnings per Share und Eigenkapitalausweis in der IFRS- Bilanz, in: KOR 23(2023)3. Berkau, C. [2023]: Management Accounting. 7 th Edition. Munich. Berkau, C. [2023]: Ausweis von Umsatzerlösen und sonstigen Erträgen, in: KOR 23(2023)7. Berkau, C. [2024]: Veränderung von Leasingverträgen durch den Leasingnehmer, in: KOR 24(2024)2 und Berkau, C.; Msiza, N.; Neethling, A. [2024]: Lease Modifications in the Lessor’s Books, in: KOR 24(2024)7-8. Berkau, C. [2024]: Die Bilanzierung und Änderung von Leasingverträgen aus Leasingnehmer und -gebersicht, in: IRZ 19(2024)6. Berkau, C. [2024]: Kapitalisierung von Fremdkapitalkosten für das Errichten einer Vermietungsimmobilie. In: KOR 24(2024)10. Berkau, C. [2025]: Erträge aus Währungsumrechnungen bei Fremdwährungsgeschäften und ausländischen Geschäftsbetrieben (IAS 21). In: IRZ 20(2025)6. Brigham, E.F.; Erhardt, M.C. [2019]: Financial Management - Theory and Practice. 16th Edition. Mason, OH. Brösel, G. [2025]: Grundwissen Konzernrechnungslegung. Ausgabe 2025, München. Buchholz, R. [2023]: Internationale Rechnungslegung. Die wesentlichen Vorschriften nach IFRS und HGB - mit Aufgaben und Lösungen. 16. Aufl., Berlin. Coenenberg, A.G.; Haller, A.; Schultze, W. [2024]: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche und internationale Grundsätze - HGB, IFRS und US- GAAP. 27. Aufl., Stuttgart. Dempsey, A. et al. [2020]: Introduction to Financial Accounting. 10 th Edition. Cape Town. <?page no="458"?> Berkau: Bilanzen 6. Aufl. 18-458 Drury, C. [2017]: Management and Cost Accounting. 10 th Edition, Florence KY. Dusemond, M.; Küting, P.; Wirth, J. [2018]: Küting/ Weber - Der Konzernabschluss. Praxis der Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS. 14. Aufl., Stuttgart. Flood, J.M. [2019]: Wiley GAAP 2019. Interpretation and Application of Generally Accepted Accounting Principles. Hoboken NJ. Flynn, D.; Kornhof, C. [2016]: Fundamental Accounting. 7 th Edition. Cape Town. Garrison, R.H.; Noreen, E.W.; Brewer, P.C. [2018]: Managerial Accounting. 16 th Edition. Boston MA. Hahn, R. [2022]: Sustainability Management. Global Perspectives on Concepts, Instruments, and Stakeholders. Düsseldorf. Heno, R. [2018]: Jahresabschluss nach Handelsrecht, Steuerrecht und internationalen Standards (IFRS). 9. Aufl., Berlin et al. Horngren, W.T. et al. [2018]: Financial Accounting. Global Edition, 11 th Edition. New York, NJ. Kaplan, R.S. [2020]: Fundamentals of Financial Accounting. New York, NJ. Kew, J.; Watson, A. [2017]: Financial Accounting - An Introduction. 5 th Edition, Cape Town. Kimmel, P.D.; Weigandt, J.J.; Kieso, D.E. [2012]: Financial Accounting. 7 th Edition, Hoboken NJ. Kilger, W.; Pampel, J.R.; Vikas, K. [2012]: Flexible Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung. 13. Aufl., Wiesbaden. Lotter, W. et al. [2013]: Introduction to Financial Accounting - Fresh Perspectives. 2 nd Edition, Cape Town. Lubbe, I.; Modack, G.; Herbert, S. [2019]: Financial Accounting: IFRS Principles. 5 th revised Edition, Cape Town. Theile, C.; Dittmar, P. [2024]: IFRS Handbuch Einzel- und Konzernabschluss. 7. 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Auf., München. Schwellnuß, A.-G. [2024]: Grundlagen für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitscontrolling - Gestaltung und Umsetzung nachhaltiger Unternehmenssteuerung, Probleme, Instrumente und Kennzahlen. München. Seppelfricke, P. [2020]: Unternehmensbewertungen. Methoden, Übersichten und Fakten für Praktiker, Stuttgart. Service, C. [2022]: Gripping GAAP, Johannesburg. Laine, M.; Tregidga, H.; Unerman, J. [2021]: Sustainability Accounting and Accountability. Abingdon. Wood, F.; Sangster, A. [2018]: Business Accounting 1. 14 th Edition, Harlow et al. Wood, F.; Sangster, A. [2018]: Business Accounting 2. 14 th Edition. Harlow et al. <?page no="460"?> Das Lehrbuch vermittelt die Grundlagen des Rechnungswesens. Es behandelt den Stoff einer IFRS-Bilanzierungsvorlesung auf Bachelor- und Master-Niveau. Der internationale Jahresabschluss und dessen Positionen werden mit mehr als 60 Fallstudien vermittelt. Die Kapitelstruktur folgt der Reihenfolge von Bilanzpositionen und enthält für alle Elemente von IFRS-Abschlüssen eigene Kapitel. Es werden alle Bilanzpositionen vom Sachanlagevermögen über Nutzungsrechte (right to use asset) bei Leasingverhältnissen bis zu Ertragsteuerschulden besprochen. Weiter wird gezeigt, wie man Gewinn- und Verlustrechnungen, Kapitalflussrechnungen und Eigenkapitalveränderungsrechnungen nach IFRSs aufstellt. Der internationale Anhang (notes) wird an einer Fallstudie demonstriert und enthält ESG-Reporting. Für die Grundlagen der Konzernrechnungslegung und für Joint Venture Accounting gibt es ein eigenes Kapitel. Über die Zusatzmaterialien können mehr als 300 Übungsaufgaben mit Lösungen und zusätzliche Fallstudien heruntergeladen werden. utb+ Das Lehrwerk mit dem digitalen Plus Betriebswirtschaftslehre ISBN 978-3-8252-5877-1 Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem T itel
