Forschung bekannt machen
Sichtbarkeit für Studierende und Forschende
0316
2026
978-3-8385-6188-2
978-3-8252-6188-7
UTB
Susanne Frölich-Steffen
10.36198/9783838561882
Starten Sie als junge Forscher:in doch gleich richtig durch!
Wissenschaftliche Inhalte gut und klar vermitteln, das ist ein wichtiges Soft Skill. Diese Herausforderung beginnt mit der eigenen Abschlussarbeit und endet für Forschende niemals.
Susanne Frölich-Steffen gibt den Lesenden wertvolles Know-how an die Hand, um komplexe Inhalte einfach, öffentlichkeitswirksam und vor allem zielgruppenadäquat an die Scientific Community zu kommunizieren. Im Buch sind zahlreiche Beispiele und Übungen enthalten. Fachbegriffe werden in einem Glossar erklärt.
Das Buch richtet sich an Studierende und Forschende aller Fachbereiche - von Doktorand:innen bis hin zu Post-Docs - an Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen.
9783838561882/9783838561882.pdf
<?page no="0"?> Susanne Frölich-Steffen Forschung bekannt machen <?page no="1"?> utb 6188 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn - Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Walter de Gruyter · Berlin · Boston Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main <?page no="2"?> Dr. Susanne Frölich-Steffen war von 1998 bis 2009 in unterschiedlichen Positionen als Wissenschaftlerin tätig. Seit 2009 arbeitet sie als selbständige Trainerin und Coachin für Universitäten und Forschungseinrichtungen. <?page no="3"?> Susanne Frölich-Steffen Forschung bekannt machen Sichtbarkeit für Studierende und Forschende <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838561882 © UVK Verlag 2026 ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption | gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 6188 ISBN 978-3-8252-6188-7 (Print) ISBN 978-3-8385-6188-2 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6188-7 (ePub) Umschlagabbildung: © ThomasVogel ∙ iStock Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbi‐ bliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> 7 1 9 1.1 15 1.2 19 1.3 23 1.4 24 1.5 25 2 27 2.1 27 2.2 34 2.3 40 2.4 50 2.5 60 2.6 61 3 63 3.1 64 3.2 66 3.3 72 3.4 75 3.5 78 3.6 79 4 81 4.1 85 4.2 95 4.3 100 4.4 107 Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum Ihre Forschung Sichtbarkeit braucht . . . . . . . . . . . . Wie Forschung bekannt gemacht werden kann . . . . . . . . . Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aufbau des Buches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erfolgsrezepte erfolgreicher Wissenschaftler: innen . . . . . . Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren . . . . . . . . . . Den Kern auslösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ein Konzentrat erstellen - Inhalte zusammenfassen . . . . . Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen Science Pitch - mach ein Menü daraus. . . . . . . . . . . . . . . . . Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kochrezepte von Spitzenköchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ab an den See. Netzwerken ist angesagt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welcher Fisch - Auswahl der Netzwerkpartner: innen . . . . Köder auslegen - der richtige Wurm . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fische füttern - Kontakte halten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fischzucht - dauerhafte Netzwerke etablieren . . . . . . . . . . Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fütterempfehlungen von Fischzüchter: innen . . . . . . . . . . . Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge . . . . . Schreiben, aber anders. Online-Blogs . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spot on - Forschungsvideos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hörbuch-Krimis aus dem Labor? Podcasts . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 4.5 113 4.6 114 5 115 5.1 121 5.2 126 5.3 133 5.4 134 6 135 6.1 135 6.2 142 6.3 154 6.4 158 6.5 159 6.6 160 7 161 163 167 170 172 173 Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stars in der Manege - Die Stimme von Vorbildern . . . . . . . Forschung im Netz. Soziale Netzwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Instagram, Facebook, TikTok & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LinkedIn, ResearchGate & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . SMS von Netzwerkprofis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tageslicht - Grundsätzliches zur Pressearbeit . . . . . . . . . . . Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien Soundcheck - zum Umgang mit dem Radio . . . . . . . . . . . . . Lasershow - Zum Umgang mit Bildmedien . . . . . . . . . . . . . Das Wichtigste in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tipps von den Lichtgestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schlussbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tabellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Inhalt <?page no="7"?> Künstliche Intelligenz | Im Buch sind Textpassagen, die KI-Themen berühren, durch das außenstehende Icon hervorgehoben. Vorwort Das vorliegende Buch ist das Ergebnis von vielen Jahren unterschiedlicher Tätigkeiten im Wissenschaftsbetrieb. Viele Ideen konnte ich durch frucht‐ bare Begegnungen und Gespräche gewinnen, für die ich in hohem Maße dankbar bin. Die Wissenschaft erscheint gerade Nachwuchswissenschaftler: innen mit‐ unter wie ein undurchdringlicher Dschungel mit geradezu archaischen Regeln. Und zuweilen ist das auch so. Aber es gibt in diesem Dschungel auch Nischen genauso wie exponierte Plätze, an denen es sich gut leben lässt. Nur müssen wir unseren Platz finden. Und: Wir sollten auch selbst gefunden werden. Dieses Buch möchte Ihnen Mittel an die Hand geben, Ihre Kompetenzen zu zeigen, in Kontakt zu kommen und dann irgendwann so wie ich Ihre Nische zu finden. Ich bin all jenen (Margit, Andreas - damit seid Ihr ebenso gemeint wie mein engstes familiäres und privates Umfeld), die mich gesehen, mir etwas zugetraut haben, und mir Chancen ermöglicht haben, in hohem Maße dank‐ bar. Seien Sie zuversichtlich und neugierig! Viel Erfolg Susanne Frölich-Steffen <?page no="9"?> 1 Sichtbarkeit von Wissenschaft wird in diesem Buch in Anlehnung an Metag (2021: 130) als „the visibility of scientific knowledge and the visibility of scientists“ [Hervorhebung durch Metag] begriffen. 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? Die Geschichte der Wissenschaftskommunikation geht schon in die Antike zurück. Bereits zu jener Zeit wurde - wenngleich zunächst ausschließlich mündlich - über Wissenschaft gesprochen, in Foren, in elitären Zirkeln oder auf Marktplätzen. Im Laufe der Jahrhunderte nahm etwa mit dem 18. Jahrhundert die Wissenschaftskommunikation als bedeutsamere Neben‐ erscheinung von Forschung Raum. Dies wurde möglich durch zahlreiche Veränderungen, beispielsweise durch den Buchdruck, durch die Entstehung des Zeitschriftenwesens, die Etablierung von Peer-Review-Verfahren u. a. In der Rückschau lässt sich die Geschichte in die folgenden drei wesentlichen Phasen kategorisieren: Vor dem 18. Jahrhundert wurde Wissenschaft in erster Linie mündlich verhandelt, erst ab dann erlangte Wissenschaftskommunikation angesichts der steigenden Verfügbarkeit von Druckerzeugnissen größere Relevanz. Die erste Phase in dieser Zeit lässt sich als „Wissenschaft im Elfenbein‐ turm“ bezeichnen. Der Tenor in dieser Zeit war: Wissenschaft kann nur von Wissenschaftler: innen verstanden werden und sollte dementsprechend auch zuvörderst unter Wissenschaftler: innen kommuniziert werden. Sicht‐ barkeit 1 fand in dieser Phase vor allem innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft statt. Sichtbarkeit wird dabei verstanden als die Strategie, wenn wissenschaftliches Wissen verfügbar, zur Verbreitung freigegeben und zugänglich gemacht wird (Metag 2021: 128) Diese Phase dauerte vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. (Metag 2021: 134) „Popularization of Science“ - Dieses Konzept setzte sich spätestens mit der Mitte der 80er-Jahre im 20. Jahrhundert durch. Die wissenschaftliche Gemeinschaft begann mehr Wert auf Wissenschaftskommunikation und die Kommunikation nach außen zu legen. Zur Sichtbarkeit zählte nun nicht nur die Kommunikation innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern auch in den Massenmedien. Der Schwerpunkt lag jedoch eher auf den Ergebnissen von Forschung. Forschungsprozesse wurden kaum nach außen kommuniziert. (Metag 2021: 134) <?page no="10"?> Das dritte Paradigma war das „PEST paradigm “ (Public Engagement with Science and Technology). Es setzte ab den 2000ern ein. Nun wurden nicht mehr nur Forschungsergebnisse, sondern auch Forschungsprozesse und Forschungspersönlichkeiten selbst sichtbar. Und Wissenschaft wurde zunehmend auch immer mehr Gruppen in der Gesellschaft zugänglich gemacht, die zuvor kaum als Ziele wissenschaftlicher Kommunikation gedacht worden waren - Stichwort KinderUni, Seniorenstudium, Studium generale etc. (Metag 2021: 135) Einen besonderen Schub hat die Wissenschaftskommunikation durch die Digitalisierung erfahren. Seit Beginn der 1990er begleitet sie den sich zunehmend abzeichnenden Paradigmenwechsel in der Wissenschaftskom‐ munikation. Im Zuge der Digitalisierung der Medien stieg der Druck der sogenannten Open Access-Bewegung weiter an. Forschung, die von der Öffentlichkeit finanziert werde, sei dieser auch ohne Kosten zur Verfügung zu stellen. Damit sind wir angekommen in einer Phase, in der Wissenschaft als Open Science verstanden wird: Wissenschaft öffnet sich und muss sich öffnen für die Gesellschaft. (Ball 2020, 1-9) Die Gesellschaft stellt heute damit auch, was die Kommunikation der Forschung nach außen angeht, große Anforderungen an die Forschung, und die akademische Gesellschaft kommuniziert so nolens volens ihre Wissenschaft auch nach außen. Und diese Offenheit bezieht sich nicht nur auf die Endprodukte wissenschaftlicher Ergebnisse, sondern auch auf den Prozess der Forschung. (Metag 2021: 129) Forschende geben Einblicke in das wissenschaftliche Handeln, ihr Forscher: innendasein und reflektieren Input und Output wissenschaftlicher Praxis. (Cojocaru/ Cojocaru 2020: 445) Eine offene Wissenschaftskommunikation ist also zu einer zunehmend wichtigen Aufgabe geworden. (Wissenschaftsrat 2021: 9) Das Bundesminis‐ terium für Forschung, Technologie und Raumfahrt benennt das wie folgt: „Wir leben in einer zunehmend komplexen Welt, in der Wissenschaft und Tech‐ nologie eine immer größere Rolle spielen. Verständnis von wissenschaftlichen Methoden und Prozessen ist wichtig, um informierte Entscheidungen zu treffen. Lebendige Demokratie braucht informierte Bürgerinnen und Bürger. Herausforderungen wie die Coronapandemie verdeutlichen, wie wichtig gute Wissenschaftskommunikation für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den kritischen, sachlichen Diskurs ist. Wir stehen vor großen globalen Heraus‐ forderungen, wie Klimawandel und Transformationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft, die wir nur gemeinsam meistern können. Dafür braucht es den 10 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="11"?> 2 https: / / www.bmftr.bund.de/ DE/ Forschung/ Wissenschaftssystem/ Wissenschaftskomm unikation/ wissenschaftskommunikation_node.html 3 Vgl. beispielsweise den Leitfaden der Hochschule München (2025): Strategie Wissen‐ schaftskommunikation. München, https: / / mediapool.hm.edu/ media/ dachmarke/ dm_ lokal/ hochschulkommunikation/ web_und_cms/ Wissenskommunikation_Strategie_20 250114.pdf, zuletzt abgerufen am 04.10.2025 erfolgreichen Austausch zwischen Bevölkerung, Wissenschaft und Politik. Ihn zu ermöglichen ist Ziel der Wissenschaftskommunikation.“ 2 [Hervorhebun‐ gen durch die Verfasser: innen] Auch zahlreiche Universitäten und Hochschulen unterstützen angesichts der neuen Anforderungen an Wissenschaftler: innen was die Wissenschafts‐ kommunikation betrifft, ihre Angehörigen nicht nur durch entsprechende Strukturen (PR-Abteilungen, Social-Media-Beauftragte etc.) sondern verab‐ schieden sogar PR-Strategien oder Leitlinien, die ihren Mitarbeiter: innen als Richtschnur für den In- und Outreach (s.-u.) von Forschung dienen sollen. 3 Der Wissenschaftsrat hat 2021 als Aufgaben für eine externe Wissen‐ schaftskommunikation die folgenden Aufgaben benannt (Wissenschaftsrat 2021: 9-11): • Informieren und Aufklären, u. a. auch, um Falschinformationen in der Öffentlichkeit entgegenzutreten • Dialog und Partizipation ermöglichen im Sinne des oben genannten Paradigmas Public Engagement with Science an Technology • Beratung und Problemlösungen anbieten • Bedeutung von Wissenschaft darstellen, um damit auch den Stellenwert der Forschung sichtbarer zu machen • Begeisterung für Wissenschaft wecken • Aufmerksamkeit schaffen Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung auch künftig fort‐ setzen wird. Forschungskommunikation wird weiterhin eine zunehmend immer relevantere und damit auch fordernde Aufgabe haben, auch Zielgrup‐ pen außerhalb der akademischen Community zu erreichen, nicht zuletzt auch angesichts der Internationalisierung und Digitalisierung der Wissen‐ schaftskommunikation. (Vignoli/ Rörden 2019) Mit diesen Aufgaben konfrontiert kommen nicht unerhebliche Heraus‐ forderungen auf die Forschenden zu. Zunächst einmal sind zumindest die wenigsten Wissenschaftler: innen in Öffentlichkeitsarbeit geschult. Ins‐ 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? 11 <?page no="12"?> besondere bei innovativen Formaten für eine gelungene Dissemination von Forschung mangelt es vielen an den Kompetenzen, neue Medien zu bedienen. Die zusätzlichen Anforderungen bringen außerdem auch neue zeitliche Belastungsstrukturen und damit mitunter auch Überlastungsmo‐ mente mit sich. Neben ihren bisherigen mitunter sehr vielfältigen Aufgaben in Forschung, Wissenschaftsmanagement und Lehre kommt Wissenschaft‐ ler: innen durch die gestiegenen Anforderungen an die Dissemination von Forschung nun auch die Aufgabe einer Wissenschaftskommunikator: in auf sie zu. Sie benötigen Fachwissen über die Kommunikationskanäle im eigenen Fachbereich, Storytelling-, Schreib- und Multimedia-Kompetenzen. Neue Kommunikationsberater für Wissenschaftler: innen könnten diese Probleme lösen. So es solche nicht gibt, sind Forscher: innen oft auf sich alleine gestellt. (Vignoli/ Rörden 2019) Die neuen Anforderungen an Forscher: innen stoßen trotz der allgemei‐ nen Zustimmung, dass eine öffentliche und mediale Präsenz zunehmend bedeutsam ist, jedoch nicht nur uneingeschränkt auf Begeisterung. (Wis‐ senschaftsrat 2021: 16) Nicht nur die zeitliche Belastung durch Wissen‐ schaftskommunikation fordert Forscher: innen heraus, auch inhaltlich gibt es ernstzunehmende Bedenken und Widerstände gegen diese neue Form von Öffentlichkeit. Viele, vor allem arrivierte Wissenschaftler: innen, sind skep‐ tisch gegenüber dieser neuen Öffentlichkeit. Sie fürchten Missbrauch ihrer Arbeit, Manipulation ihrer Aussagen, Reputationsverlust und Ablenkung vom eigentlichen Kerngeschäft der Forschung. (Metag 2021: 129 f.) Darüber hinaus riskieren Forschungseinrichtungen, die sich zu sehr treiben lassen von dem Hype um Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit, ihre Unabhängigkeit, eines der zentralen konstituierenden Merkmale von Wissenschaft an sich, sie laufen Gefahr, dem Kegel des Scheinwerfers hinterherzulaufen und sich davon treiben zu lassen. (Weingart 2024) Die Öffnung wissenschaftlicher Inhalte nach außen bringt auch das Risiko der Vereinfachung komplexer Inhalte mit sich. In diesem Buch geht es deshalb um Strategien, wie Forscher: innen in jeder Phase des wissenschaftlichen Arbeitens neben ihrer alltäglichen Forschungspraxis mit vertretbarem Zeitaufwand über andere Kanäle mehr Sichtbarkeit erlangen können, ohne dabei die Erklärungshoheit für das Eigene aus der Hand zu geben. Es ist unstrittig, dass gute Publikationen in relevanten Publikationsorganen neben der Akquise von Fördergeldern, sogenannten Drittmitteln, Erfahrungen in der akademischen Selbstverwal‐ tung, Lehrpraxis, Wissenschaftsorganisation die wichtigsten Voraussetzun‐ 12 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="13"?> gen sind, um akademisch voranzukommen. Und mitunter ist es sogar so, dass Forscher: innen ganz ohne außeruniversitäre Sichtbarkeit ihren Weg in die Forschung machen. Aber! Aber nicht alle Wissenschaftler: innen haben das Glück, dass jemand auf sie aufmerksam wird, den Wert der Forschung erkennt, dann auch die Bereitschaft hat, sie zu fördern. Aber nicht alle Wissenschaftler: innen können es sich leisten, allein auf Forschungskontakte zu setzen. Aber nicht alle Wissenschaftler: innen wollen immer nur und ausschließlich akademisch arbeiten. Für all jene, die nicht das Glück haben, dass ihre bahnbrechenden For‐ schungsarbeiten entdeckt und sie gefördert werden, ist dieses Buch ein Werkzeugkasten, wie man die eigene Forschung anderen näherbringen kann. Doch klar ist, die Priorität muss immer auf der Forschung liegen. Wissen | Erst die Forschung, dann die Sichtbarkeit! Sichtbarkeit ohne Forschung führt ins Leere. Aber Forschung ohne Sichtbarkeit riskiert die Leere. In diesem Buch stehen sowohl die Kommunikation innerhalb der wissen‐ schaftlichen Gemeinschaft, der sogenannte Inreach, als auch die Kommuni‐ kation mit Akteuren außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, der sogenannte Outreach, im Fokus. Die Zielsetzung von Inreach ist der Austausch mit Fachkolleg: innen, die Vernetzung innerhalb der Disziplin, die Diskussion von Forschungser‐ gebnissen, Methoden, Theorien und die Sichtbarkeit und Reputation in der Scientific Community. Um diese Form von Sichtbarkeit zu erreichen, können natürlich zuvor‐ derst Publikationen in Fachzeitschriften dienen sowie Auftritte auf Konfe‐ renzen. Aber auch klassische Medienarbeit und Social Mediaaktivitäten können den Inreach verbessern. Outreach trägt zum Wissenstransfer in die Gesellschaft bei, erhöht den gesellschaftlichen Impact von Forschung, trägt zu Aufklärung und Bildung bei und zur Legitimation von Forschungsinvestitionen, zu Transparenz gegenüber Öffentlichkeit und Fördergebern und sorgt für außeruniversitäre Aufmerksamkeit von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Klassische For‐ mate für Outreach sind neben Pressearbeit Blogbeiträge, Videos, Social Media Posts sowie populärwissenschaftliche Vorträge und Podcasts. 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? 13 <?page no="14"?> Wissen | Inreach bezeichnet die Kommunikation nach innen. Outre‐ ach bedeutet Kommunikation nach außen. Kategorie Inreach Outreach Zielgruppe Fachkolleg: innen, Scientific Community Gesellschaft, Politik, Medien, Wirtschaft Ziele fachlicher Austausch, Reputa‐ tion, Vernetzung Wissenstransfer, Aufklärung, Transparenz, gesellschaftli‐ cher Impact, Aufmerksamkeit für Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Beispiele Publikationen in Fachzeit‐ schriften, Fachkonferenzen, ResearchGate, Academia Blogs, Zeitungsartikel, Ra‐ dio-/ TV-Auftritte, allgemein‐ verständliche Social-Media- Beiträge (YouTube, LinkedIn, Facebook, Instagram u.-a.) Tabelle 1: Zielgruppen und Ziele von In- und Outreach Für wen ist dieses Buch gedacht? Dieses Buch soll all jenen dienen, die mit Forschung zu tun haben: Studierenden ebenso wie Professor: innen. Denn Forschung findet auf unterschiedlichsten Ebenen statt. Auch Studierende leisten einen Beitrag zur Forschung, Sichtbarkeit ist kein Sonnenaufgang, der erst mit der Promotion beginnt und mit der Berufung auf eine Professur endet. Sichtbarkeit, Open Science, ist ein Konzept, das allen offensteht, und all jene nutzen können, die akademische Werte in der Gesellschaft vertreten wollen. Denn die Nachvollziehbarkeit und die Kommunikation von Forschenden mit anderen ist eines der Kernkennzeichen von Forschung selbst, ist sie doch anders als andere Bereiche in der Gesellschaft stets dazu verpflichtet, zu zeigen, wo Ideen herkommen, wie Forschung gemacht wird, und welche Ergebnisse sie hervorbringt. Die Sichtbarkeit ist ihr also im Grunde konstituierend eingeschrieben. Dass dieser Anspruch heute zunehmend auch für die Sichtbarkeit von Forschung nach außen gilt, stellt eine neue Herausforderung an Wissenschaft und Forschung dar. Vielen Wissenschaftler: innen mangelt es an Selbstbewusstsein, ihre For‐ schung nach außen zu tragen, manchen mangelt es an Zeit oder auch an dem Glauben, dass Wissenschaft und außerakademische Sichtbarkeit eine fruchtbare Beziehung eingehen können. Aber ja, das können Sie! 14 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="15"?> 4 Sir Mark Walport, https: / / hm.edu/ hochschule_muenchen/ hochschulleitung/ strategien / wisskomm_strategie.de.html 1.1 Warum Ihre Forschung Sichtbarkeit braucht Schon 1932 hat Albert Einstein darauf aufmerksam gemacht, dass es ebenso wichtig sei, Wissen lebendig zu machen und am Leben zu erhalten als nur spezifische Probleme zu lösen (Einstein 1932: 913). 1979 schrieb der Nobelpreisträger Peter Brian Medawar: „Scientific research is not complete until its results have been made known.“ (Medawar 1979: 59) Und diese Anforderung ist angesichts der größeren Transparenz und ange‐ sichts vernetzter Forschungswelten nicht minder relevant, wie es Sir Mark Walport, leitender wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung für die Kommunikation von Klimaforschung ausdrückt: „Science isnʼt finished until itʼs communicated.“ 4 Forschung zu veröffentlichen ist, so diese prominenten Stimmen, also fast schon eine Pflicht. Nicht nur, um Wissenschaft am Leben zu halten, sondern auch um die Sichtbarkeit von validen Forschungsinhalten angesichts der Flut von verfügbaren - auch nicht-wissenschaftlichen - Informationen nicht dem Zufall zu überlassen. Selbst Top-Journale garantieren nicht eine große Reichweite. Die akademische Publikation ist also oftmals nicht der ersehnte Endpunkt einer Forschungskette, sondern stellt im Sinne einer Open-Science-Politik zugleich den Startpunkt der Verbreitung der darin enthaltenen Ideen. (Hardman et al. 2020: 30) Darüber hinaus gewinnt externe Wissenschaftskommunikation auch für innerakademische Karrieren zunehmend eine karriereförderliche Bedeu‐ tung. Der Wissenschaftsrat hat 2021 (58) dazu wie folgt formuliert: „Kommunikatives Engagement von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Qualifikationsphase, insbesondere die Teilnahme an Qualifizierungsmaß‐ nahmen, müssen als Teil der akademischen Leistung anerkannt und im Rahmen der Arbeitszeit erbracht werden. Bei Berufungsverfahren können Erfah‐ rungen im Bereich Wissenschaftskommunikation als ein möglicher Teilbereich des Wissens- und Technologietransfers als eine zusätzliche Qualifikation, wie z. B. Erfahrung in der Drittmittelakquise, berücksichtigt werden.“ [Hervorhebung im Original] 1.1 Warum Ihre Forschung Sichtbarkeit braucht 15 <?page no="16"?> Externe Wissenschaftskommunikation kann auch zu einem größeren Ver‐ trauen der Bevölkerung in die Wissenschaft beitragen (Wissenschaftsrat 2021: 28)). Lediglich 55 % der Bevölkerung in Deutschland vertrauen der Wissenschaft. (Wissenschaft im Dialog 2024: 11). Nur Menschen mit hohem Bildungsniveau trauen der Forschung. Menschen mit mittlerem oder nied‐ rigem Bildungsniveau vertrauen der Wissenschaft nur zu 46 bzw. 40 %. (Wissenschaft im Dialog 2024: 13). Vor diesem Hintergrund scheint es sogar geboten, dass Wissenschafler: innen (von Studierenden bis zu Profes‐ sor: innen) mehr Verantwortung für die öffentliche Kommunikation ihrer Forschung übernehmen. (Suleski/ Ibaraki 2010). In diesem Sinne möchte Ihnen dieses Buch das Handwerkszeug dafür vermitteln. Bevor Sie sich in den folgenden Abschnitten mit den unterschiedlichen Möglichkeiten und Techniken des Bekanntmachens von Forschung vertraut machen, überlegen Sie doch zunächst einmal, welche Teile Ihrer Forschung Sie gerne bekannt machen möchten und warum. Es gibt viele gute Motive, Forschung sichtbar machen zu wollen: pragmatische Gründe Check Ich möchte potenzielle Förderer auf meine Arbeit aufmerksam machen. (I und O) - Ich möchte potenzielle Betreuer auf meine Arbeit aufmerksam machen. (I und O) - Ich möchte potenzielle Kooperationspartner: innen mit meiner Arbeit vertraut machen. (I und O) - Ich möchte sicherstellen, dass die Provenienz einer Idee bei mir bleibt. (I) - moralische Gründe Check Ich möchte der Gesellschaft den Nutzen der durch die öffentli‐ che Hand geförderten Forschung zugänglich machen. (O) - Ich möchte der Gesellschaft breiteren Zugang zu Wissenschaft und Forschung ermöglichen. (O) - Ich möchte den öffentlichen Diskurs nicht allein durch wirt‐ schaftlich oder politisch motivierte Akteur: innen bestreiten lassen. (O) - Es gibt ein breites Interesse an dem Thema. (I und O) - 16 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="17"?> Meine Erkenntnisse könnten anderen Personen oder Institutio‐ nen von Nutzen sein. (I und O) Ich möchte andere Forscher: innen, Studierende oder Peers motivieren, ihren Weg weiterzugehen. (I und O) - Ich möchte der nächsten Generation Perspektiven für wissen‐ schaftliche Wege aufzeigen. (I und O) - Ich möchte mit Vorurteilen zu Forschung oder zu meinem Fach aufräumen. (O) - Ich möchte Mut machen. (I und O) - persönliche Gründe Check Ich bin begeistert von meiner Forschung und möchte meine Begeisterung teilen. (I und O) - Ich benötige Input von anderen. (I) - Ich habe Freude am Austausch mit anderen. (I) - Mir tut die Aufmerksamkeit von außen gut. (O) - Ich benötige Bestätigung für das, was ich tue. (I und O) - Ich bin interessiert an kritischem Feedback. Das bringt mich voran. (I) - Ich suche andere Forschungskontakte. (I) - Tabelle 2: Entscheidung für Inreach (I) und Outreach (O) Eine zweite relevante Frage lautet: Welche Themen, Schritte, Prozesse und Ergebnisse oder auch Haltungen sollen bekannt(er) werden? Welche Prozessschritte möchte ich bekannt machen? z.-B. methodische Entscheidungen, Probleme in der Forschungs‐ praxis etc. Inreach oder Outreach? --- - --- - 1.1 Warum Ihre Forschung Sichtbarkeit braucht 17 <?page no="18"?> -- --- - Welche Themen möchte ich bekannt machen? Fragestellungen, Entscheidungen für Theorien, Interessantes aus dem Fach Inreach oder Outreach? --- - --- - --- - --- - Welche Ergebnisse möchte ich bekannt machen? z.-B. Forschungsergebnisse, Paper, Veröffentlichungen etc. Inreach oder Outreach? --- - --- - --- - --- - 18 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="19"?> Welche Haltung möchte ich bekannt machen? z. B. Transparenz, Umgang mit KI, Verantwortung in der Wissen‐ schaft etc. Inreach oder Outreach? --- - --- - --- - --- - Tabelle 3: Welche Ihrer Themen sollen bekannt werden? Im folgenden Abschnitt werden Sie generelle Empfehlungen bekommen, wie Sie mehr Sichtbarkeit erreichen können. 1.2 Wie Forschung bekannt gemacht werden kann Eines der wesentlichen Schritte für jede Form von Sichtbarkeit ist es, den Scope, also die Zielsetzung Ihres Bemühens, um Bekanntheit und die Ressourcen zu definieren, die Sie aufwenden möchten, um mehr Bekanntheit zu erlangen: Welche Ziele habe ich? Welche Zielgruppe möchte ich anspre‐ chen? Und welche zeitlichen, aber auch technischen Ressourcen stehen mir zu Verfügung? (Hardman et al. 2020: 35) Bevor wir in die Details einsteigen, lassen Sie uns mit ein paar grund‐ legenden Ideen beginnen (Hardman et. al 2020 und Bik et. al 2015), wie Forscher: innen für mehr Bekanntheit Ihrer Wissenschaft sorgen können: 1. Haben Sie die Sichtbarkeit von Anfang an im Blick. Wenn Sie erst am Ende Ihrer Publikationstätigkeit damit beginnen, sich über die Sichtbar‐ keit Gedanken zu machen, ist es unter Umständen sehr zeitaufwendig, diese Sichtbarkeit noch herzustellen. Sammeln Sie deshalb von Anfang an nebenbei Material, das sich für eine breite Öffentlichkeit eignet. Möglichweise gibt es schon während Ihrer Recherche Material, das 1.2 Wie Forschung bekannt gemacht werden kann 19 <?page no="20"?> Sie in Ihrer Publikation nicht verwenden werden, weil es Ihnen zu trivial erscheinen mag. Doch für die Erzielung einer größeren Öffent‐ lichkeit könnte es geeignet sein. (Vignoli/ Rörden 2019) Schreiben Sie vielleicht bereits zwischendurch immer schon mal laienverständliche Zusammenfassungen, heben Sie hilfreiche Grafiken auf, so können Sie später leichter Videos oder Vorträge bebildern. 2. Versuchen Sie, Forschung und Outreach nicht voneinander zu trennen. 3. Planen Sie Ihren Outreach strategisch ein, sowohl wen sie ansprechen wollen als auch über welches Medium. Achten Sie schon bei der Vergabe des Titels, bei der Formulierung des Abstracts darauf, dass Ihre Titel und Abstracts suchmaschinenfreundlich formuliert sind. Verwenden Sie eine klare Sprache und platzieren Sie Schlüsselbegriffe in Titel und Abstract. Und wenn Sie an Ihren Bachelor-, Master-, Doktorarbeiten, Papern und Büchern arbeiten, haben Sie stets gleich im Blick, welche Materialien Sie möglichweise für einen Re-Use verwenden könnten - für einen Vortrag, einen Instagrampost etc. Und sofern das möglich ist, könnten Sie auch erwägen, Ihre Forschung als Open Access anzubieten, also für jede Person zugänglich ohne Login und Kosten. 4. Eine weitere Möglichkeit, Sichtbarkeit zu erlangen, ist die Veröffentli‐ chung von Pre-Prints, also einer vorläufigen, aber dennoch zitierfähi‐ gen Version einer Veröffentlichung. Achten Sie aber dabei darauf, dass Sie dabei weder Daten veröffentlichen, die noch nicht freigegeben sind, noch dass Sie damit unter Umständen eine spätere Veröffentlichung schädigen, weil Teile schon vorab publiziert worden sind. 5. Suchen Sie Unterstützung durch die PR-Abteilung Ihrer Institution. Möglicherweise bekommen Sie hier schnelle und gute Unterstützung. Vielfach mangelt es Wissenschaftler: innen an Vermittlungskompeten‐ zen. (Wissenschaftsrat 2021: 35) PR-Abteilungen haben dazu die pas‐ sende Ausbildung. Alternativ dazu: suchen Sie Qualifizierungsangebote, die Sie dazu weiterbilden. 6. Finden Sie das Besondere in Ihrer Forschung, Ihre eigene Forschungs‐ geschichte und Forschungsnische, über die Sie berichten möchten. 7. Bleiben Sie konsistent bei dem, was Sie tun. Seien Sie wiederauffindbar, indem Sie Ihren Namen, Ihr Auftreten, Ihre Charakteristika beibehalten. 8. Nutzen Sie wissenschaftliche Netzwerke und Kooperationen, um mehr Sichtbarkeit zu erzielen. Alleine ist es deutlich schwerer als unter dem Schirm eines breiten Netzwerks. 20 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="21"?> 5 Wenn Sie sich einen Eindruck verschaffen wollen, wie andere Wissenschaftler: innen ihre Forschung bekannt machen, finden Sie hier Inspiration: https: / / www.wissenschaftskom munikation.de/ kommunizierende-forschende/ 9. Nutzen Sie Multimedia. Fokussieren Sie sich nicht alleine auf Print‐ texte, sammeln Sie Bilder, erstellen Sie Videos oder Podcasts, werden Sie auf verschiedenen Kanälen aktiv, um Ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. 10. Erzählen Sie Geschichten über Ihre Forschung. 11. Freunden Sie sich mit sozialen Netzwerken an. Sie spielen eine immer größere Rolle bei der Verbreitung wissenschaftlicher Inhalte. Denken Sie dabei nicht nur an die großen sozialen Netzwerke wie Instagram, sondern auch an Wissenschaftsnetzwerke und PublikationsIDs wie ORCID. 12. Setzen Sie Ihre Ressourcen gezielt ein. Lieber eine Pflanze regelmäßig gießen als mit der Gießkanne mehrere Grashalme wässern! Messen Sie den Effekt Ihrer Aktivitäten. Seit langem spielen die Zitationen von Publikationen eine große Rolle. Wo werden Ihre Veröffentlichungen zi‐ tiert, von wem und wie oft. Doch haben Sie daneben auch die Altmetrics im Blick. Altmetrics meint die alternativen Metriken wie beispielsweise die Häufigkeit, wie oft Dokumente im Web aufgerufen, heruntergeladen, gelinkt und gelikt werden etc. Dafür können Sie Web-Analytics nutzen, um dann Ihren Aufwand auf wirksame Kanäle zu fokussieren. 13. Entscheiden Sie sich gezielt für geeignete Medien Ihres In- oder Outreachs. Presseorgane wie Zeitungen, Bild- und Tonmedien richten sich vorrangig an eine breite Öffentlichkeit. Auch Wissenschaftler: innen werden darüber erreicht, doch primär erreichen Sie darüber eine außeruniversitäre Öffentlich‐ keit. Social-Media-Kanäle lassen sich für beide Zwecke nutzen, da es sehr unterschiedliche Kanäle gibt. Plattformen wie Academia oder ResearchGate fördern Inreach (Fachdialog), während LinkedIn, Instagram oder YouTube stärker im Outreach liegen. Populärwissenschaftliche Vorträge haben einen klaren Outreach-Charakter, da sie Wissen allgemeinverständlich vermitteln. Auch Podcasts sind meist auf den Outreach ausgerichtet, können aber auch den Inreach fördern, wenn sie sehr fachspezifisch gestaltet sind. Forschungs‐ videos schließlich decken beide Bereiche ab - von fachinternen Vortragsauf‐ zeichnungen bis hin zu populären Wissenschaftsclips für die Öffentlichkeit. 5 Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht welches, der hier behandelten Formate von Öffentlichkeitsarbeit für welchen Zweck nutzbar gemacht werden kann. 1.2 Wie Forschung bekannt gemacht werden kann 21 <?page no="22"?> Format Inreach Outreach Presse (Zeitungen, Magazine, Radio/ TV) - ● Social Media (Academia, LinkedIn, ResearchGate, Instagram etc.) ● ● Populärwissenschaftliche Vorträge (z. B. Science Slams, öffentliche Vorlesungen) - ● Podcasts (●) ● Forschungsvideos (z. B. YouTube, Erklärvideos, Konferenzaufzeichnun‐ gen) ● ● Tabelle 4: In- und Outreach in der Wissenschaftskommunikation Im Sinne einer maximalen Ressourceneffizienz ist es nun sinnvoll, sich auch Gedanken darüber zu machen, welche Themen Sie in welcher Weise und in welchem Medium bekannt machen. Nutzen Sie dafür das nachstehende Arbeitsblatt. ➲ Übung! Meine For‐ schungsschwer‐ punkte Mit wem bin ich zu diesem Thema vernetzt? Habe ich das Thema schon einmal bekannt gemacht? Wenn ja, wie? Welche Art von Sichtbarkeit wünsche ich mir für dieses Thema? Populär‐ wissenschaftli‐ che Vorträge? So‐ cial Media? Aufmerksamkeit der Presse? Vi‐ deos oder Pod‐ casts? Anderes? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 22 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="23"?> - - - - - - - - Tabelle 5: Übung Bestandsaufnahme 1.3 Das Wichtigste in Kürze Wissenschaftskommunikation hat eine jahrhundertelange Tradition, aber in den letzten Jahrzehnten hat sie angesichts Internationalisierung der Forschung und Digitalisierung immer größere Bedeutung gewonnen. Es gehört zum neuen Handwerkszeug von Wissenschaftler: innen, dass sie nicht nur gute Forschungsergebnisse hervorbringen können, diese publi‐ zieren und vertreten können, sie sollen darüber hinaus auch über ihre Forschung sprechen können. Das bringt Chancen und Risiken mit sich. Dieses Buch stellt Ihnen Möglichkeiten vor, Ihrer Forschung innerhalb (Inreach) und außerhalb (Outreach) der Academia Gehör zu verschaffen. Um die zeitlichen Ressourcen von Forschenden zu schonen, ist es zunächst sinnvoll zu überlegen, ob der In- oder der Outreach im Vordergrund stehen soll und diejenigen Themen auszuwählen, die Forscher: innen sichtbarer machen wollen. Vor der Arbeit im Detail gibt es ein paar grundlegende Tipps für mehr Be‐ kanntheit: Denken Sie die Sichtbarkeit von Anfang an stets mit, erwägen Sie Open-Access-Veröffentlichungen und Pre-prints, handeln Sie strategisch, finden Sie geeignete Publikationskanäle, suchen Sie sich im Kampf um Öffentlichkeit Verbündete, erzählen Sie Geschichten und nutzen Sie unter‐ schiedliche Medien. Unterschiedliche Medien ermöglichen es, unterschiedliche Zielgruppen zu adressieren. Wählen Sie in Abhängigkeit von Ihren Themenschwerpunk‐ ten und Zielsetzungen die Kanäle aus, die Sie bespielen möchten und konzentrieren Sie sich darauf, um Ihre Bekanntheit zu erhöhen, sich aber nicht in zu viel Arbeit zu verlieren. 1.3 Das Wichtigste in Kürze 23 <?page no="24"?> 1.4 Aufbau des Buches Dieses Buch nimmt verschiedene Möglichkeiten in den Blick, wie Wissen‐ schaftler: innen mehr Sichtbarkeit erreichen könnten. In Kapitel zwei geht es darum, Ihrer Forschung ein Gesicht zu geben, Forschungsinhalte zu verdichten, um sie sowohl außerhalb der Forschungsgemeinschaft, aber auch in klassischen Wissenschaftsbegegnungen prägnant und nachhaltig vorstellen zu können. Dieses Kapitel bereitet Sie somit einerseits auf den Kern akademischer Öffentlichkeitsarbeit vor, auf die Momente bei Tagun‐ gen, bei Konferenzen, bei Netzwerktreffen oder bei kurzen Gesprächen mit anderen Wissenschaftler: innen oder auch Drittmittelgebenden oder potenziellen Arbeitgeber: innen und/ oder Kooperationspartner: innen vor. Andererseits aber lernen Sie dabei, Ihre Inhalte so zu komprimieren, dass der wesentliche Kern erhalten bleibt, die Inhalte aber dennoch auch für Fachfremde verständlich werden. Das ist und bleibt eine der Hauptheraus‐ forderungen für akademische Sichtbarkeit. Das sich anschließende dritte Kapitel fokussiert das Netzwerken. Hier erhalten Sie Empfehlungen, wie Sie sich ein Netzwerk aufbauen und erhal‐ ten können. Im vierten Kapitel stehen populärwissenschaftliche Formate im Fokus. Populärwissenschaftliche Vorträge ebenso wie Online-Formate, in diesem Fall Blogs, Forschungsvideos und Podcasts als neue Formate der Sichtbar‐ keit. Ein besonderer Bereich der digitalen Sichtbarkeit lässt sich durch soziale Medien erzeugen, um die es im fünften Kapitel geht. Neben Nutzen und Risiken erhalten Sie hier Tipps und Tricks zum erfolgreichen Aufbau einer Medienpräsenz in sozialen Netzwerken. Das sechste Kapitel nimmt klassische Pressearbeit in den Blick, also all jene Formate, die über Journalist: innen laufen, von Printmedien über Audio- und Bildmedien, gleich, ob sie online oder analog vertrieben werden. Am Ende eines jedes Kapitels finden Sie inspirierende Zitate und/ oder Erfahrungswerte von Wissenschaftler: innen, die Erfolg hatten und sichtbar geworden sind für Forschung und Gesellschaft. Sie wurden von den Role‐ models speziell für dieses Buch formuliert und zur Verfügung gestellt. 24 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="25"?> 1.5 Erfolgsrezepte erfolgreicher Wissenschaftler: innen Wissenschaftskommunikation ist heute so vielfältig wie nie zuvor und wichtiger denn je! Warum? Wissenschaft gehört zu unserer Kultur und hat immer auch die gesellschaftliche Entwicklung mitgeprägt. Daher muss Wissenschaft ihren festen Platz in der Gesellschaft haben, und das kann v. a. durch gute Wissenschaftskommunikation geschehen. Wissenschaftskommunikation ist für jede: n Forschende: n wichtig - aus zwei Gründen: 1. Um selber als Forschungspersönlichkeit sichtbar zu werden, gesehen zu werden, ein Profil zu bekommen, im besten Fall eine sichere Position in der Wissenschaft. 2. Um in der Gesellschaft Vertrauen in die Wissenschaft zu erhalten, und, wo es schwindet, wieder aufzubauen, zu festigen. Zu erstens: Wissenschaftskommunikation gehört zu den Grundkompeten‐ zen einer forschenden Persönlichkeit. Das bedeutet, Wissenschaftler: innen müssen lernen, sicher aufzutreten und zu präsentieren. Sie müssen ihre Forschung prägnant und verständlich kommunizieren innerhalb der Fach‐ community, um Feedback zu erhalten, um in Austausch mit anderen For‐ schenden zu kommen, um erfolgreich bei Forschungsanträgen zu sein, um eingeladen zu werden und ihr wissenschaftliches Profil aufzubauen, zu stärken, sichtbar zu machen. So erhöhen sich auch die Chancen auf eine sichere berufliche Position in der Wissenschaft. Zu zweitens: Ebenso entscheidend für eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere ist aber auch, das Ansehen der Wissenschaft als Motor für gesell‐ schaftliche Verbesserungen zu fördern, den Nutzen von Wissenschaft für die Gemeinschaft klar aufzuzeigen. Gerade in der Coronazeit wurde in der Gesellschaft deutlich sichtbar, wie stark politische und gesellschaftliche Entscheidungen auf wissenschaft‐ lichen Erkenntnissen beruhen. Gleichzeitig aber wuchs gerade in dieser Zeit die Skepsis gegenüber Forschung und Wissenschaft. Das bedeutet, die eigene Forschung und wissenschaftliche Arbeit nach au‐ ßen zu tragen, verständlich und überzeugend, bisweilen auch unterhaltsam, zu kommunizieren und ansprechend darzustellen, so dass auch fachfremdes Publikum angesprochen wird. 1.5 Erfolgsrezepte erfolgreicher Wissenschaftler: innen 25 <?page no="26"?> Daher ist es entscheidend, dass Wissenschaft sichtbar wird. Wissenschaft‐ ler: innen müssen mehr denn je in der Lage sein, komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie nicht nur informieren, sondern Vertrauen schaffen durch Aufzeigen, mit welchen nachprüfbaren wissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse und neues Wissen gefunden und gewonnen wurde. Nur dann kommt das Ergebnis in der Gesellschaft bei den Menschen an. Social Media sind heutzutage nicht mehr zu ignorieren, sie bergen Chan‐ cen und Risiken zugleich, aber man sollte sie nutzen können, um klare wis‐ senschaftliche Positionen zu vertreten, um wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu kommunizieren und so Fake News gesicherte Erkenntnisse entgegenzustellen. Verständlich über Wissenschaft schreiben zu können - das ist geradezu eine Schlüsselkompetenz für jede: n Wissenschaftler: in. Es ist die Kompetenz, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge und Lösungen nachvollziehbar und dennoch präzise darzustellen, lesbar für möglichst viele, damit Forschung für die Gesellschaft zugänglich und Wis‐ senschaft in der Gesellschaft glaubwürdig und verankert bleibt. „Das macht Wissenschaft widerstandsfähiger gegen Angriffe auf ihre Freiheit, gegen politische Eingriffe (wie in den USA), gegen Diskreditierungskampagnen oder Verschwörungstheorien und letztlich macht Wissenschaft dann auch unsere Demokratie widerstandsfähiger.“ Dr. Margit Weber, Vizepräsidentin für Chancengerechtigkeit, Talentförderung und Diversität, Ludwig-Maximilians-Universität „Zusammenhänge in der Natur anschaulich und greifbar zu machen, halte ich für eine sehr wichtige Fähigkeit! Echte Wissenschaft hat in Zeiten von KIgenerierten Texten, Videos und Fake News eine enorme Bedeutung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, wird aber leider aktuell in manchen Ländern und durch die Arbeit machthungriger Parteien mit dreisten Lügen aufgeweicht und sogar bekämpft. Mit authentischer Berichterstattung und der Weitergabe von Wissen z. B. an Schulen haben wir die Möglichkeit, Menschen für Forschung zu begeistern. Damit wir unsere Welt verstehen, den richtigen Weg einschlagen und unsere eigene Lebensgrundlage erhalten.“ Uli Kunz, Meeresbiologe, Moderator für Terra X und Buchautor 26 1 Forschung anpreisen? Nein! Oder doch? <?page no="27"?> 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren Die Forschungslandschaft gleicht mitunter dem Stadtbild einer Metropole - an jeder Ecke gibt es Lokale, die etwas zu essen anbieten. Da gibt es die kleinen Take-aways, die Drive-Throughs, die Bistros mit kleiner Karte, die All-you-can-eats und die Top-Lokale mit Stern. Jedes dieser Lokale repräsentiert eine Forschungspersönlichkeit. Die zentrale Frage lautet: was kochen Sie? Sind sie eine Imbissbude, bei der man sich etwas auf dem Weg mitnimmt, das sättigt, aber nicht wirklich in Erinnerung bleibt. Oder möchten Sie zum Top-Lokal werden, das man auch aufsucht, selbst wenn man dafür einen größeren Fußmarsch zurücklegen und eine längere War‐ tezeit in Kauf nehmen muss? Nicht jede Forschungspersönlichkeit kann sich einen Stern erkochen, doch jede Forschungspersönlichkeit sollte eine Karte haben, mit der sie gezielt um ihre Klientel wirbt. Im folgenden Kapitel möchte ich Ihnen dabei helfen, herauszufinden, was auf Ihrer Karte stehen sollte und was besser nicht. Es wird darum gehen, zunächst den Kern Ihrer Forschungsarbeit herauszulösen, dann die wesentlichen Inhalte zusammenzufassen, anschließend fokussieren wir darauf, Komplexes zu vereinfachen, Schwieriges zu veranschaulichen, um das dann alles zusam‐ men zu einem perfekten Science Pitch zusammenzusetzen. Wo auch immer Sie als Forschungspersönlichkeit künftig in Erscheinung treten werden, sollten Sie nach Bearbeitung dieser Schritte ideal gerüstet sein, um in 20 Sekunden oder auch 20 Minuten Ihre Forschungsinhalte präsentieren zu können. 2.1 Den Kern auslösen Die allererste Aufgabe ist es, sich selbst klar zu werden, für welche Forschungsideen Sie wirklich einstehen wollen. Was ist der Kern Ihres Arbeitens? Seien Sie kein All-you-can-eat. Der Besuch des All-you-caneat-Ladens trägt selten dazu bei, dass man sich noch Tage später an das vorzügliche Essen erinnert. Es ist mehr der Ort, an dem Sie sich hungrig mit kleinem Geldbeutel einfinden, satt essen und das Lokal an sich aber <?page no="28"?> schnell wieder vergessen. Was ist also der Kern ihres Gerichts, der Kern Ihrer Küche? Beispiel | Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson haben im Jahr 2024 den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhalten. Wenn wir uns die Publikationslisten dieser drei Forscher ansehen, wird sofort deutlich, dass das Forschungsfeld der drei enorm ist. In der Presseerklärung der Nobelpreisgesellschaft jedoch wird der Kern ihrer Forschungsarbeit wie folgt zusammengefasst: „Societies with a poor rule of law and institutions that exploit the population do not generate growth or change for the better. The laureates’ research helps us understand why.“ (Royal Swedish Academy of Sciences 2024). Ein enormer Forschungsoutput zusammengefasst in zwei Sätzen. Und mit Sicherheit ist das Thema nicht unkomplex. Beginnen Sie den Prozess des Sichtbarwerdens auf dem Forschungsparkett damit, sich damit zu beschäftigen, was Sie wirklich, wirklich erforschen. Diese Übung ist über die Maßen nützlich. Sie werden im Laufe Ihrer Forschung unglaublich viele Situationen erleben, in denen Sie gezwungen sein werden, kurz und knapp darzulegen, woran Sie arbeiten. Mitunter haben Sie dafür sogar nur wenige Minuten Zeit - am Bistrotisch bei der Konferenz, bei einer gemeinsamen Busfahrt vom Hotel zum Kongresssaal, im Anschluss an eine Vorlesung, wenn die Professorin fragt: woran arbeiten Sie eigentlich gerade? Situationen wie diese sind die kurzen Momente, die Ihnen vom Schicksal geschenkt werden. Nützen Sie sie nicht, ist das nicht das Ende Ihrer Karriere, aber Sie werden sich immer und immer wieder darüber ärgern, dass Sie rumgeeiert haben, dass Sie die Gelegenheit nicht genützt haben, der Person, die Sie schon sooo lange einmal ansprechen wollten, in wenigen Sätzen zu erklären, woran Sie arbeiten und dann mit der Frage abzuschließen, ob sie ihr denn einmal ein Exposé schicken dürften. Damit Ihnen das nicht passiert, empfehle ich Ihnen, als Warm-up die Technik des umgekehrten Mindmaps anzuwenden. Nehmen Sie sich ein Blatt Papier zur Hand und beginnen Sie zunächst ganz klassisch, all Ihre Forschungsideen aufs Papier zu bringen. Das kann sehr assoziativ sein. Es ist im Grunde egal, ob Sie erst eine Liste mit interessanten, mit Ihrer Forschung assoziierten Fragen auflisten oder ob sie ein klassisches Mindmap machen 28 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="29"?> - wobei ein Mindmap in der Regel erst dann gut funktioniert, wenn wir bereits eine klare Vorstellung davon haben, was den Kern unserer Forschung ausmacht. Wenn Sie am Anfang Ihrer Forschung stehen, wird es Ihnen also mögli‐ cherweise nicht so gut gelingen, den Kern Ihrer Forschung so präzise zusam‐ menzufassen, wie Sie es sollten. Im Gegensatz zum normalen Mindmapping könnte es deshalb helfen, diese Technik einmal umzudrehen. Fangen Sie mit dem Allgemeinen an und schälen Sie eine Schicht nach der anderen ab, bis Sie beim Kern Ihrer Forschung angelangt sind. Stellen wir uns beispielsweise vor, Sie würden sich ganz allgemein mit KI-Technologien aus pädagogischer Perspektive beschäftigen. Fangen Sie damit an, dieses Thema auf ein großes Blatt Papier zu zeichnen. Dann machen Sie mehrere kleine Kreise darauf, auf die Sie jeweils die Teilaspekte des Themas nennen, die Sie ebenfalls interessieren. Achten Sie darauf, Überlappungen einzuzeichnen, an Stellen, an denen es Überlappungen gibt. Würden Sie sich beispielsweise mit der Frage beschäftigen, wie sich KI auf pädagogische Prozesse auswirkt, im Besonderen mit der Frage, wie sich KI auf das Lernverhalten von Studierenden auswirkt, könnten Sie sich möglichweise darauf fokussieren, wie sich die Schreibkompetenz von Studierenden verändert und ob die Reflexionsfähigkeit der Studieren‐ den durch KI-Technologie nachlässt. Die Schnittmenge all dieser Themen könnte dann der Forschungskern sein, den Sie beispielsweise wie folgt zusammenfassen: Im Kern geht es um die Frage, ob die primäre Kompetenz akademischen Schreibens, die Reflexionsfähigkeit, durch KI-Technologie verloren geht. Dass sich daraus viele weitere Aspekte ergeben, die damit zusammenhängen, erklärt sich von selbst. 2.1 Den Kern auslösen 29 <?page no="30"?> Reflexionsfähigkeit gemindert? Auswirkungen auf Schreibprozess KI - Auswirkungen auf das Lernverhalten KI - Auswirkungen auf pädagogische Prozesse Abbildung 1: Umgedrehtes Mindmapping 30 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="31"?> ➲ Übung! Nutzen Sie den freien Platz, um Ihr umgedrehtes Mindmap anzufertigen Notizen Eine weitere Möglichkeit, sich selbst zu helfen, den Kern der eigenen For‐ schung präzise und fokussiert formulieren zu können, wäre es, das Thema auf das Niveau eines Achtjährigen herunterzubrechen. Diese spätestens seit dem Film Philadelphia bekannte Technik, Inhalte auf das Niveau eines kindlichen Zuhörers zu bringen, zwingt uns, uns auf das Wesentliche unserer Forschung zu fokussieren. In dem Film spielt Denzel Washington einen Anwalt, der immer wieder seine Gesprächspartner mitten im Satz unterbricht mit dem Satz „explain it to me like I’m an two year old“ und sie dadurch zwingt, ihren Standpunkt klarer, präziser, kürzer zu fassen. Wenn Ihnen das Bild des Diskurses mit einem Achtjährigen nicht gefällt, könnten Sie auch die Postkarten-Übung machen. Hierbei stellen Sie sich bitte vor, Sie hätten Ihre Forschung schon abgeschlossen und würden dafür mit einem riesigen Geldpreis ausgezeichnet. Natürlich würden Sie das Geld nehmen, um sich weiteren Forschungsfragen zu widmen, aber nehmen wir einmal an, Sie wären nicht so altruistisch und forschungsgetrieben, wie Sie es sind, sondern auch nur ein Mensch. Sie nehmen also das Geld und fliegen auf eine wunderbare Insel, um sich einfach mal zu erholen. Was steht auf der Postkarte, die Sie Ihren Freund: innen, Kolleg: innen etc. schicken? Vervollständigen Sie die folgende Postkarte: 2.1 Den Kern auslösen 31 <?page no="32"?> Ab auf die Insel! Ich gönne mir eine Auszeit, da ich Folgendes herausge‐ funden habe: Notizen Abbildung 2: Die Forschungspostkarte Oder bitten Sie Freunde oder Kollegen, mit Ihnen ein fiktives Interview zu führen, in dem sie sehr lästig immer weiter nach dem „Was genau? “ und dem „Und warum machst Du das? “ fragen, solange, bis es Ihnen gelingt, den Kern Ihrer Forschungsfrage auf den Punkt zu bringen. Die folgenden Fragen können dabei helfen (Sie können Sie natürlich auch alleine beantworten): 32 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="33"?> Checkliste | Fragen zur Fokussierung auf den Forschungskern • Womit beschäftige ich mich? • Was ist meine zentrale Forschungsfrage? • Wie würde ich mein Thema formulieren für jemanden außerhalb meines Forschungsbereichs? • Welches Problem will ich mit meiner Forschung lösen - und warum ist das relevant? • Wer hätte etwas davon, wenn das Problem gelöst wird? Was passiert, wenn sich niemand damit beschäftigt? • Was ist neu an meinem Ansatz oder meiner Perspektive? • Was unterscheidet meine Arbeit von bisherigen Studien? • Was bringe ich ein, was andere übersehen haben? • Was ist meine These oder mein zentrales Argument? • Wie lautet der „rote Faden“, der sich durch meine Arbeit zieht? • Welche Ergebnisse erwarte ich - und warum? • Wem nützt meine Forschung - in der Wissenschaft und darüber hinaus? • Gibt es einen gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Mehrwert? • Wie lässt sich meine Forschung in 60 Sekunden erklären - ohne Fachbegriffe? • Kann ich mein Projekt als kurze Geschichte oder Metapher erzählen? • Was bleibt, wenn ich alles Überflüssige weglasse? Kommen wir zurück zu dem eingangs formulierten Beispiel der Metropole. Nach all den Überlegungen sollten Sie wissen, was das eine Gericht ist, mit dem Sie werben wollen. Ist es die einzigartige neue Pizza, für die die Menschen bei Ihnen anstehen werden? Und was macht Ihre Pizza aus? Ein neuer Belag? Ihr Forschungskern kann eine Frage sein, die nur Sie beantworten werden oder eine neue Methode für ein bekanntes Problem, eine Überprüfung bestehender Modelle, Annahmen, das Schließen einer Forschungslücke. Was auch immer es ist und wie klein es auch sein mag: es ist Ihr Forschungskern. Bevor es im nächsten Abschnitt darum gehen wird, weitere Inhalte zusammenzufassen, notieren Sie doch den Kern Ihrer Forschungsarbeit: 2.1 Den Kern auslösen 33 <?page no="34"?> Ich befasse mich im Wesentlichen mit folgender Frage/ Thematik: Notizen 2.2 Ein Konzentrat erstellen - Inhalte zusammenfassen Nachdem Sie nun wissen, was Ihr Markenzeichen wird, geht es im nächsten Schritt darum, die wichtigsten Inhalte um den Kern herum zusammenzufas‐ sen. Irrtümlicherweise denken Nachwuchswissenschaftler: innen oftmals, dass sie nur nach Abschluss ihres Forschungsprojektes Auskunft dazu geben könnten. Und erfahrene Wissenschaftler: innen tappen mitunter oftmals in die Vollständigkeitsfalle und meinen, gleich alles erzählen zu müssen, was sie erforscht haben. Die Kunst liegt für beide darin, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und am Anfang die geplanten Schritte, und am Ende die Ergebnisse zusammenzufassen. Sie wissen bereits, was den Kern Ihrer Forschung ausmacht? Wunderbar. Nun gilt es im nächsten Schritt noch weitere Kerninhalte zu fokussieren. Was ist das Themenfeld, in das Sie Ihren Kern einordnen? Also wofür steht Ihr Restaurant? Für schnelle, leckere Gerichte, die man mitnehmen kann? Also beispielsweise eine innovative Forschungsmethode, die andere bei ihren Forschungsfragen anwenden können? Für ein ausgeklügeltes Feins‐ chmeckermenü mit erlesenen Zutaten? Also ein besonderes, vielleicht sogar ein Nischen-Thema, das aber durch ganz außergewöhnliche Ergebnisse besticht? Oder für besondere Pizzen, bei denen die eine neue Pizza heraus‐ sticht, die es so vorher nicht gegeben hat? Also eine völlige Neuauflage eines lang bekannten Problems, das zwar schon oft behandelt wurde, dem Sie aber eine wirklich neue Perspektive geben? Nach Ihren anfänglichen Überlegungen haben Sie diese Frage für sich beantwortet. Um Sichtbarkeit 34 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="35"?> Abbildung 3: Der Forschungsburger. und Aufmerksamkeit zu erlangen, müssen Sie dieses Konzept nun etwas ausweiten. Was sind die wichtigsten Zutaten? Stellen Sie sich deshalb nun vor, Sie würden für Ihr Restaurant eine Speisekarte schreiben. Unter jedes Gericht kommen nun die wichtigsten Zutaten. Nicht alle! Denn auch im Restaurant finden wir weder Salz noch Pfeffer oder Öl als wesentliche Zutaten, sondern viel mehr nur die Essentials, die das Gericht ausmachen. Checkliste | Essentials Ihrer Forschung • Welche Haupt- und welche Teilfragen möchten Sie beantworten oder haben Sie beantwortet? • Mit welcher Methode gehen Sie vor oder sind Sie vorgegangen? • Welche Ergebnisse haben Sie herausgefunden oder erhoffen Sie sich? • Und was sind mögliche Limitationen? Versuchen Sie diese Fragen mit jeweils nur einem einzigen Satz zu beantworten. Wenn möglich verzichten Sie dabei auch noch auf Nebensätze. Stellen Sie sich am besten vor, Ihre Forschung sei ein neuarti‐ ger Burger. Wie würden Sie ihn beschrei‐ ben? Bleiben wir bei dem Beispiel aus dem vorigen Kapitel. • Methode: Qualitative Inhaltsanalyse und Experteninterviews • Fragestellung: Mehr oder weniger Reflexionsfähigkeit bei der Erstel‐ lung wissenschaftlicher Texte durch KI-Anwendungen • Ergebnisse: Erste Antworten auf diese wichtige Frage mit Fokus auf Sozialwissenschaften • Limitationen: Anwendungsbereich Sozialwissenschaften und Fokus auf ChatGPT Inwiefern hilft Ihnen diese Form des Herunterbrechens Ihrer Forschungsin‐ halte dabei, Ihre Forschung bekannt zu machen? Bleiben wir in der Sprache des Kochens. Stellen Sie sich vor, Sie wollten einem Freund ein spektakuläres Lokal empfehlen. Was halten Sie von dem folgenden Szenario: 2.2 Ein Konzentrat erstellen - Inhalte zusammenfassen 35 <?page no="36"?> „Ich habe ein Lokal entdeckt, die haben wirklich ganz tolle Gerichte. Also das sind so Gerichte, da verwenden sie ein bisschen Fleisch, das wird gesalzen und gepfeffert und, ja, also, die grillen einen Teil, dann kommen Zwiebeln dazu und dann wird das gegrillt und am Ende wird das noch mal überbacken und mit einem Salatblatt belegt und dann kommt noch eine Scheibe Tomate drauf und eine Scheibe Gurke und etwas Burgersoße, und ach ja, dann machen die eine tolle Karamellsoße, die kommt da auch noch drauf.“ Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Freund zwar eine grobe Vorstellung von Ihrem Burger hat, aber nicht genau weiß und sich schon gar nicht daran erinnern wird, wovon Sie sprechen? Wenn Sie hingegen sagen: „Ich habe einen phänomenalen Burgerladen entdeckt. Und das sind keine 0815 Burger! Die bereiten die komplett innovativ zu. Das Besondere ist eine Karamellsoße. Klingt verrückt, aber schmeckt hervorragend. Und dazu natürlich noch die üblichen Burgerzutaten, aber in bester Qualität.“ Das klingt anders! Damit andere Forschende Ihre Forschungsleistung erfassen und über sie sprechen können, müssen Sie die Zutaten Ihrer Forschung gut verdaulich präsentieren. Was sind die ein bis zwei Besonderheiten Ihrer Forschung? Und welche Gerichte haben Sie auf der Karte? Am Ende dieser Übung sollten Sie - je nachdem, wie weit Sie in Ihrer Karriere sind - mindestens ein Gericht auf den Punkt bringen können, vielleicht aber auch zwei oder drei. Notieren Sie gerne hier nun die zentralen Schritte, die Ihre Forschungsarbeit ausmachen: Um meine Forschungsfrage zu beantworten, unternehme ich (habe ich) die folgenden Schritte (unternommen): Notizen 36 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="37"?> Alles kleinschneiden und Komplexes vereinfachen Möglicherweise haben Sie ein Forschungsthema, das nicht ganz so einfach zu verstehen ist. Das führt natürlich auch dazu, dass Ihre Forschung nicht so einfach bekannt zu machen ist. Wir erinnern uns immer leichter an Inhalte, die leicht zu begreifen sind als an solche, die schwierig zu begreifen sind. Nichtsdestotrotz sollten Sie in der Lage sein, Ihre Forschungsprozesse auf den Punkt zu bringen. Die folgenden Techniken könnten all jenen helfen, die Komplexes vereinfachen müssen. Nehmen wir ein Beispiel. Lesen Sie den folgenden Satz bitte einmal durch - bitte nur einmal - und decken ihn dann ab: In dem Forschungsprojekt ging es darum zu zeigen, wie sich nationale Identitäten, also jene gemeinschaftlich wahrgenommenen und als gemeinsames Konstituens all jener Menschen, die in einem Nationalstaat leben - dieses konstituierende gemeinsame Bewusstsein wurde abgebildet über Umfragewerte und durch die Einschätzung relevanter Akteure der so genannten politischen und kulturellen Landeseliten - bilden und verändern, mit besonderem Fokus auf die Prozesse, die sich im Rahmen des Beitrittes eines Landes in eine supranationale Organisation wie der EU ereignen, am Beispiel Österreichs in der für das Land prägenden Phase von 1955, also dem Beginn der Zweiten Republik, bis 1995, dem Beitritt Österreichs in die Europäische Union. Wenn Sie diesen Absatz nun zudecken, können Sie vermutlich nicht präzise wiedergeben, worum es darin geht, möglichweise sogar gar nicht. Welche Techniken können uns nun helfen, Komplexes zu vereinfachen: 1. Verwenden Sie mehrere Sätze, statt alles in einen Satz packen zu wollen! Wir könnten also so beginnen: Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte Österreichs zwischen 1955 und 1995. Die beiden Zeitpunkte waren einschneidend. 1955 markiert die Souveränität Österreichs nach dem Zweiten Welt‐ krieg, 1995 Österreichs Beitritt in die EU. 2. Setzen Sie das Allerwichtigste gleich an den Anfang! Wir könnten also fokussieren: Es galt zu klären, wie sich das Nationalbewusstsein der Österreicher: in‐ nen in dieser Zeit verändert hat. 2.2 Ein Konzentrat erstellen - Inhalte zusammenfassen 37 <?page no="38"?> 3. Vermeiden Sie Schachtelsätze und beginnen Sie immer mit dem Hauptsatz statt mit dem Nebensatz. Wir setzen also fort mit: Es ist ungeheuer spannend herauszufinden, wodurch sich dieses ge‐ meinschaftliche Wir-Gefühl verändert hat. 4. Wenn Sie nicht die Methode Ihrer Arbeit in den Mittelpunkt rücken wollen, können Sie sie auch erst am Ende oder gar nicht nennen: Untersucht wurde dies mit Hilfe von Umfrageforschung und Experte‐ ninterviews. Vergleichen wir nun beide Versionen. Welche ist eingängiger? Schriftsprache direkte Ansprache In dem Forschungsprojekt ging es darum zu zeigen, wie sich nationale Identitäten, also jene gemeinschaftlich wahrgenommenen und als gemeinsa‐ mes Konstituens all jener Menschen, die in einem Nationalstaat leben - dieses konstituierende gemeinsame Bewusstsein wurde abgebildet über Umfragewerte und durch die Einschät‐ zung relevanter Akteure der so ge‐ nannten politischen und kulturellen Landeseliten - bilden und verändern, mit besonderem Fokus auf die Pro‐ zesse, die sich im Rahmen des Beitrittes eines Landes in eine supranationale Organisation wie der EU ereignen, am Beispiel Österreichs in der für das Land prägenden Phase von 1955, also dem Beginn der Zweiten Republik, bis 1995, dem Beitritt Österreichs in die Europäi‐ sche Union. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte Österreichs zwischen 1955 und 1995. Diese beiden Zeitpunkte waren einschneidend. 1955 markiert die Souveränität Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg, 1995 Ös‐ terreichs Beitritt in die EU. In meiner Forschung habe ich untersucht, wie sich das Nationalbewusstsein der Ös‐ terreicher: innen in dieser Zeit verän‐ dert hat. Es ist ungeheuer spannend herauszufinden, wodurch sich dieses gemeinschaftliche Wir-Gefühl verän‐ dert hat. Untersucht habe ich dies mit Hilfe von Umfrageforschung und Ex‐ perteninterviews. Tabelle 6: Beispiel Schriftsprache versus direkte Ansprache 5. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, wurde in der finalen Version in der rechten Spalte der Tabelle auch das Wort „ich“ verwendet. In vielen Wissenschaftsfeldern ist dies sehr unüblich, in der Schriftform. Nicht aber in der mündlichen Form. Gerade Nachwuchswissenschaftler: innen trauen sich jedoch nicht, das Personalpronomen „ich“ zu verwenden, obwohl es doch sehr zu Vereinfachung betragen kann. 38 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="39"?> Wer es sich besonders einfach machen möchte, der kann sich der folgenden Formel bedienen: Merksatz | Merksatz zur Vereinfachung von Forschungsinhalten Who does what to whom when where and why? Mit diesem Merksatz ist es mitunter ganz einfach, Komplexes auf das Wesentliche zu reduzieren. Wie wäre das in unserem Beispiel: Ich (who) habe in meinem Forschungsprojekt (where) gezeigt (does what), dass sich das Nationalbewusstsein Österreichs zwischen 1955 und 1995 (when) erheblich verändert hat, und dabei bewiesen, wie stark der Einfluss außenpolitischer Ereignisse wie der Beitritt Österreichs zur EU auf das Wir- Gefühl eines Landes sein kann (why). Was fällt dabei auf ? Durch die weitere Verkürzung und durch Nutzung des Merksatzes konnte das Why auch noch thematisiert werden, was das Ganze vielleicht sogar noch etwas spannender macht. Zusammengefasst können folgende Tricks dabei helfen, Komplexes ver‐ daulicher zu machen: Checkliste | Tipps zur Vereinfachung komplexer Inhalte • Lange Sätze vermeiden • Mit dem Wichtigsten anfangen • Mit Hauptsätzen beginnen • Nur das Wichtigste erwähnen, alles andere erst auf Nachfrage • In der Ich-Form formulieren 2.2 Ein Konzentrat erstellen - Inhalte zusammenfassen 39 <?page no="40"?> ➲ Übung! Wie könnte die Kurzfassung Ihrer geplanten oder bereits durchgeführten Forschungsschritte lauten: Notizen 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen Selbst wenn es Forschenden gelingt, ihre Inhalte zu vereinfachen, ist es mitunter dennoch für Dritte nicht so einfach, sich an das zu erinnern, was Sie erforschen. Und das ist doch eine der wesentlichen Knackpunkte, wenn Sie in Erinnerung bleiben wollen. Um das zu erreichen, kann es eine gute Strategie sein, Ihre Inhalte möglichst konkret zu veranschaulichen. Dazu eignen sich ganz unterschiedliche Methoden. I. Die Metapher Mit Sicherheit haben Sie aus Ihrer Schul- oder Studienzeit noch einige Erin‐ nerungen an Metaphern, die Ihnen geholfen haben, schwierige Sachverhalte in Erinnerung zu behalten. Aber auch in Forschungskontexten können Metaphern helfen, komplexe Inhalte zu verstehen, und vor allem sich daran zu erinnern. Eine bekannte Metapher ist die folgende: Beispiel | „Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle, da sie die Energie für die zellulären Prozesse produzieren. Damit die Kraftwerke funktionieren können, brauchen sie molekulare Arbeiter - mehr als 1.000 verschiedene Proteine.“ (Becker 2023) 40 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="41"?> Selbst wenn wir wenig Kenntnis von Zellstrukturen haben und noch weni‐ ger Verständnis für die Prozesse, die in Mitochondrien passieren, so entsteht doch bei dieser kurzen Erklärung von Thomas Becker an der Universität Bonn, ein Bild, das uns helfen kann, in die Materie einzusteigen. Das könnte beispielsweise so aussehen: Energieproduktion Molekulare Arbeiter Die Rolle der Mitochondrien in der Energieproduktion Abbildung 4: Metapher in der Biochemie. Beispiel | Besonders berühmt für seine Metaphern war Steve Jobs. Er hat fast in jedem seiner Vorträge Metaphern verwendet. So bezeichnete er beispielsweise den Computer als Fahrrad für den Geist: „What a computer is to me is it’s the most remarkable tool that we’ve ever come up with, and it’s the equivalent of a bicycle for our minds.“ ( Jobs 1980) Eine ähnlich prominente Metapher war die sogenannte Ice Hockey Curve des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, der das Bild des Eishockeyschlägers aufgriff, um auf die dramatischen Effekte des Treib‐ hauseffektes aufmerksam zu machen. (McIntyre 2009). 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen 41 <?page no="42"?> Gibt es eine Metapher, die Sie nutzen können, um schwierige Inhalte Ihrer Forschung greifbarer zu machen? Wie würde diese aussehen? Notizen II. Die Analogie Eine Analogie ist etwas mehr als eine Metapher, denn hier geht es um Ähnliches aus einem anderen Bereich. Beispiel | Apple machte für den IPod Werbung, indem das Unternehmen das neue Gerät bewarb mit der Idee, das seien einfach mal „1000 Songs in deiner Hosentasche“. (Brandtner 2022) Ein technisches Gerät wurde mit einer Alltagssituation verglichen, mit der Idee, ich könne mir einfach Lieder in die Hostentasche stecken. Welche Analogie könnten Sie nutzen, um Ihre Forschungsinhalte zu erklä‐ ren? Und wie finden Sie diese? Versuchen Sie, die schwierigen Inhalte Ihrer Forschung einmal auf den wesentlichen Prozess zu reduzieren. Was steht im Fokus? Handelt es sich um eine Frage von Ursache-Wirkung? Was ist das Besondere dabei? Dass die Wirkung früh, spät, gar nicht eintritt, dass die Wirkung stark ausfällt oder gering? Und dann suchen Sie nach Alltagsproblemen, bei denen es sich ähnlich verhält. Beispiel | Ein Beispiel aus der Biochemie wäre z. B. der zelluläre Transport von Vesikeln: 42 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="43"?> „Im Prinzip kann man sich also den zellulären Transport von Vesikeln wie einen Paketversand per Post vorstellen: Das Cytoplasma stellt ein Produkt - das Protein - her, das als Paket verschickt werden muss. Also bringt man es zum Postamt, dem endoplasmatischen Reticulum. Vom Postamt kommt das Paket mit dem Lastwagen - mit so genannten COPII-Proteinen umhüllten Vesikeln - zur Verteilerstelle, dem Golgi-Apparat. Von dort aus transportieren es dann die Postboten - mit Clathrin umhüllte Vesikel - zu den einzelnen Haushalten, also den verschiedenen membranumhüllten Kompartimenten der Zelle, wie Lysosom oder Endosom, oder aber es wird ins Ausland weitergeleitet, also aus der Zelle hinaus transportiert. Auf dem Rückweg nimmt der Lastwagen vom Verteileramt wieder Pakete mit, die für sein Postamt bestimmt sind oder die beschädigt wurden.“ (Spang 2004) Proteinproduktion Zellulärer Transportprozess Transport zum ER Vesikelbildung Transport zum Golgi Transport zu Kompartimenten Sortierung und Verteilung Rücktransport Abbildung 5: Analogie zellulärer Transportprozess. Ein weiteres Beispiel: Stellen wir uns vor, Sie würden in der Mathematik arbeiten und wollten Ihren Zuhörenden oder Lesenden erklären, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns ist. 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen 43 <?page no="44"?> Beispiel | Im Jahr 2023 gab es 179 Lottomillionäre in Deutschland. Das ist ein Zahlenverhältnis, das uns noch nicht so wirklich viel sagt. Wenn Sie jedoch erklären, dass jeder Mensch im Schnitt etwa 100.000 Haare auf dem Kopf habe. Die Wahrscheinlichkeit eines Lottomillionengewinns ist nun etwa so groß, als müssten Sie sich nun unter 100 Leuten für ein einzelnes Haar entscheiden, um zu gewinnen, dann wird mehr als deutlich, wie unwahrscheinlich das ist. Denn nur, wenn genau dieses Haar anschließend in der Lotto-Maschine gezogen würde, hätten Sie eine Million gewonnen. Die folgenden Metaphern können als Beispiele für verschiedene For‐ schungsthemen gelten: 1. Beginnen wir mit der Suche nach Metaphern für Fragestellungen zu Ursache und Wirkung: Im Grunde ist das wie mit … … dem Pflanzen eines Baumes. Wir pflanzen ihn heute, um in etlichen Jahren Kompott einkochen zu können (langer Abstand zwischen Ursa‐ che und Wirkung) … dem Braten eines Steaks. Eine Minute zu lang in der Pfanne und es wird zur Schuhsohle (Ursache und schnelle Wirkung). … dem Spekulieren an der Börse. Man weiß nie, was passiert (Ursache und Wirkung stehen in keinem erkennbaren Zusammenhang). … dem Verwenden von Sonnencreme. Man merkt erst, dass man eine bräuchte, wenn es schon zu spät ist (Ursache und Wirkung stehen in einem zwingenden Zusammenhang, aber oft übersehen.) … dem Gehen eines Hefeteigs. Nicht allein die Zutaten machen den Kuchen, vor allem die Zeit, die man dem Teig gibt (Wirkung ist abhängig von vermeintlich irrelevanten Ursachen). 2. Forschung beschäftigt sich mitunter auch mit Strukturen und Muster‐ erkennung: Im Grunde ist das wie … … ein Bienenstock. Er hat ein unglaublich einfaches System, das jedoch zusammen einen hohen Komplexitätsgrad entwickelt. … ein Mosaik. Wenn wir nur die einzelnen Teile in den Blick nehmen, verlieren wir das große Ganze aus den Augen. 44 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="45"?> … der 29. Februar. Im Grunde kommt er im Schaltjahr scheinbar über‐ raschend und unerwartet, aber wer das System kennt, weiß, wann dieses außergewöhnliche Ereignis eintritt. … die Perseidennächte im August. Sie sind jedes Jahr da, nur dass wir die Sternschnuppen nur unter bestimmten Bedingungen erkennen können. 3. Wenn sich Ihre Forschung vor allem mit der Beschreibung von Verän‐ derungen beschäftigt: Im Grunde betrachten wir so etwas wie…. … das Reifen der Banane. Sie ist erst grün, dann gelb, dann braun. Wodurch und wann passiert die Veränderung? … das Trainieren für den Marathon. An welcher Stelle genau passieren Veränderungen? Schritt für Schritt? Sprunghaft? Linear? … das Aprilwetter. Ist es wirklich so unstet und unsteter als andere Wetterphasen? 4. Grenzen und Möglichkeiten von Prozessen Ich untersuche im Grunde nichts anderes als… … ein Aquarium. Wo sind die unsichtbaren Grenzen der Bewegungsfrei‐ heit? Wo die Limitationen? … den Akku des Smartphones. Was ist die eine unbestechliche Determi‐ nante in dem Prozess? Ohne was geht einfach gar nichts mehr? … das Backen eines Kuchens. Egal wie gut die Zutaten sind, ohne Hitze wird nichts draus. Doch wie muss der Backvorgang gestaltet sein, damit sich aus den hervorragenden Zutaten ein Kuchen entwickelt? 5. Kontextbedingungen von Prozessen und Entwicklungen Wir erforschen im Grunde … … die Pointe von Witzen. Sie kommen nur an, wenn man den Kontext kennt. Doch was ist der Kontext, damit der Prozess funktioniert? … Biotope. Die gleiche Pflanze wächst in anderen klimatischen Bedin‐ gungen überhaupt nicht. Was sind das für Bedingungen, die unseren Prozess fruchtbar machen? … Gewürze. Das gleiche Gewürz macht die eine Speise zur Delikatesse, die andere ungenießbar. Deshalb ist das Gewürz nicht per se gut oder schlecht, es kommt auf den Kontext an. 6. Prognose und Sicherheit Wir verfolgen das Ziel … … das Glücksspiel zu einem sicheren Gewinn für die Bank zu machen. Die Bank braucht die 0, damit das Roulette für sie zur sicheren Einnah‐ 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen 45 <?page no="46"?> mequelle macht. Was benötigen wir, um auf lange Sicht Risiken zu minimieren? … vorhersehbarer zu machen, ob wir einen Schirm mitnehmen müssen oder nicht, wenn wir aus dem Haus gehen, und dem Endnutzer klare Parameter an die Hand zu geben, wovon er seine Entscheidung für oder gegen den Schirm abhängig machen kann. … Checklisten zu entwickeln, die es uns ermöglichen, die Prozesse maximal abzusichern. So als gäbe es eine einzige Liste für die perfekte Reiseapotheke, dass wir, egal, in welches Land wir fahren, immer das perfekte Medikament für die dort üblichen Standardreiseerkrankungen bei der Hand hätten. 7. Forschungsfragen zur Beziehung von Einzelnem und Ganzem Was wir uns ansehen, ist … … das Zusammenspiel vom einzelnen Musiker im Orchester. Wie ent‐ steht aus einzelnen Melodien ein Gesamtklang? … die Bedeutung einzelner Puzzleteile. Gibt es Puzzlestücke, die wichti‐ ger sind als andere? Die Ecken zum Beispiel, Randstücke oder markante Teile auf dem Bild? … den Prozess des Staffellaufs. Gibt es besondere Momente, besonders wichtige Schritte im Prozess? Der Start, der Zielsprint, die Übergabe? Oder sind jeder Schritt und jeder Läufer gleich wichtig? 8. Forschungsfragen, die sich mit der Klassifikation von Dingen befassen. Was wir versuchen, ist wie … … das Aufräumen eines Kleiderschranks. Was wird aufgehängt, was kommt in die Schublade und wie bekommt man alles an eine Stelle, an der man es treffsicher wiederfindet? … das Sortieren von Musik auf Spotify. Wir erstellen Playlists für Songs. Entscheidend ist die Zusammenstellung der Liste, sodass sie auf der ganzen Welt ankommt. … der Aufbau einer Bibliothek. Welche Kategorien sollen angelegt werden, wie werden Bücher verschlagwortet? 9. Forschungsthemen, die sich mit moralischen Fragen beschäftigen Im Grunde ist das nichts anderes … … als die Frage danach, wie weit wir Mülltrennung treiben wollen. An welcher Stelle ist es gerechtfertigt und unter welchen Bedingungen, Müll in die Restmülltonne zu entsorgen. … die Entscheidung, ob wir erkältet zu einer Party gehen. Was über‐ wiegt, die Sorge um die Gesundheit anderer, die mögliche Kränkung 46 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="47"?> über eine Absage beim Gastgeber, der soziale Kontakt, den wir ermög‐ lichen oder verhindern? Eine einfache Frage, die jedoch ethisch mehr als komplex ist. … die Frage mit der Ehrlichkeit. Wie ehrlich sollten wir die Frage beantworten: Wie findest Du das neue Regal? Worum auch immer es in Ihrer Forschung geht, fragen Sie sich zunächst, was das große Ganze Ihrer Forschung ist, und versuchen Sie dann ein vergleichbares Alltagsphänomen zu finden, wenn Sie eine Analogie nutzen möchten. Gibt es Analogien, die Sie nutzen können, um schwierige Inhalte Ihrer Forschung greifbarer zu machen? Wie würden diese aussehen? Notizen III. Das Bild Neben Metaphern und Analogien können auch Bilder helfen, Ihre Forschung sichtbarer zu machen. Aber wählen Sie klug. Ein Bild, das helfen soll, Ihre Forschung sichtbarer zu machen, sollte über den visuellen Eindruck erschlossen werden können. Klingt erst mal logisch, oder? Aber wie viele Grafiken, Bilder etc. haben Sie schon in Ihrem Leben gesehen, auf denen Sie auf den ersten Blick nicht erkannt haben, was darauf zu sehen war? Sehr viele. Natürlich haben auch diese Bilder ihre Berechtigung, um Details zu veranschaulichen, um Besonderes hervorzuheben etc. Aber eben nicht, um in Erinnerung haften zu bleiben. Suchen Sie deshalb, wenn Sie Ihre Forschung bekannt machen wollen, nach dem Bild, das uns bereits auf dem ersten Blick in Erinnerung bleiben kann. Wählen Sie also ein Bild aus, auf dem das Auge etwas findet, das es als ein Bild abspeichern kann. Was ist damit gemeint? Wenn Sie Ihre Forschung zu dem Zweck, dass man sich an 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen 47 <?page no="48"?> sie erinnern soll, mit einem Bild versehen wollen, nutzen Sie Bilder, die man beschreiben kann, wenn man das Bild nur einmal sieht und sofort danach die Augen schließt. Kann man dann irgendetwas beschreiben? Konkret: Wenn Sie ein Bild aus Ihrer Forschung - ob es eine antike Tonscherbe ist oder ein Ergebnis aus einem Western Blot, zeigen Sie das Bild einer Person, oder am besten mehreren Personen. Lassen Sie die Person das Bild ca. drei Sekunden betrachten. Fordern Sie die Person dann auf, die Augen zu schließen und lassen Sie sich dann das Bild beschreiben. Lautet die Aussage: „hmm, das war irgendwie ein Blatt mit vielen Strichlein drauf, an verschiedenen Stellen, oben und unten und mal waren die dicker und mal dünner“, dann können Sie davon ausgehen, dass die Kernaussage vielleicht nicht unbedingt haften bleiben wird, da das Auge nicht wusste, woran es sich orientieren sollte. Lautet die Antwort jedoch „das war ein technisches Bild und da waren nur genau an einer Stelle Striche, obwohl es viele Messbereiche gab“, dann hat das Auge das Besondere in dem Bild erfasst. Und das gleiche gilt für die Tonscherbe. Zeigen Sie ein Bild und der Betrachter sagt nach dem Schließen der Augen „hmm, da war so ein Tonstück auf Erde“, wird das Bild vermutlich nicht aussagekräftig gewesen sein. Sagt der Betrachter „ich habe eine Tonscherbe gesehen mit Zeichen drauf, die ich so noch nie gesehen habe“, hat sich Neugier entwickelt und etwas ist in Erinnerung geblieben. Wenn Sie also Bilder als Merkhilfe für Ihre Forschung nutzen, achten Sie darauf, dass die darin verborgene Aussage auf den ersten Blick und schnell erfassbar ist. Alle anderen Bilder dürfen Sie natürlich gerne weiterverwenden, aber sie haben einen anderen Zweck als den, Ihre Forschung bekannt zu machen. Ein gutes Beispiel für eine „bemerkenswerte“ Bebilderung von Forschung ist beispielsweise der Wissenschaftsjournalismus wie etwa die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft. Hier werden für zahlreiche Wissenschaftsthe‐ men sehr anschauliche Bilder ausgewählt, um einen schnellen Einstieg zu finden. Welche Bilder könnten Sie einsetzen, um Ihre Forschung verständlicher zu machen? Und wo könnten Sie diese finden? 48 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="49"?> ➲ Übung! Forschungsinhalt mögliches Bild dazu Verfügbarkeit (Habe ich schon? Oder: Wo könnte ich es finden? Oder: Wie könnte ich es veranschaulichen? ) - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Tabelle 7: Übung Bildersuche Gerade in Zeiten von AI ist es deutlich einfacher geworden, Bilder für alle möglichen Sachverhalte zu finden. Denn viele Bilder können Sie sich auch durch AI kreieren lassen. Dazu gibt es eine Reihe von Bildgenerierungstools, die Sie verwenden können. Achten Sie jedoch unbedingt bei der Erstellung von AI-generierten Bildern auf Datenschutz und Urheberrechte. Informie‐ ren Sie sich, ob und inwieweit Sie die Bilder für Ihre Zwecke nutzen können und geben Sie an, welches Tool Sie dafür verwenden haben. Was ist all diesen Methoden gemein? Sie erzählen kleine Geschichten. Und Geschichten sind die Basis für starke Eindrücke bei unserem Gegenüber. Und das ist einfach nur die Folge unserer Biologie. Geschichten dringen tiefer und nachhaltiger in das Bewusstsein unserer Zuhörenden ein als Fakten. So tickt das menschliche Gehirn. (Pollard 2021: 78 ff.) Also erzählen Sie kleine oder große Geschichten, um Ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. 2.3 Portionsgerecht anrichten - Schwieriges veranschaulichen 49 <?page no="50"?> 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. In den letzten Abschnitten haben Sie die Grundlage für mehr Sichtbarkeit als Forscher: in gelegt. Sie haben zunächst den Kern Ihrer Idee in den Blick genommen, dann dafür die wesentlichen Schritte identifiziert, es dann vereinfacht und schließlich mit Metaphern, Bildern oder Analogien veranschaulicht. Aus diesen Bausteinen lässt sich jetzt wunderbar ein ganzes Menü zusammenstellen, einen Science Pitch. Das Format des Science Pitchs ist seit einigen Jahren im Kommen. Zahlreiche Konferenzen setzen Pitches auf Ihre Agenda, Universitäten halten Wettbewerbe ab und es gibt zahlreiche Videoplattformen, auf denen Forscher: innen, von Studierenden bis zu erfahrenen Seniors, ihre Forschung mundgerecht servieren. Das Ziel eines Science Pitches ist es, Zuhörende in wenigen Minuten einzuladen in das eigene Forschungsgebiet. Die Idee des Science Pitches kommt vom Elevator Pitch, der schon seit Längerem in Wirtschaft und Industrie in Bewerbungsverfahren oder bei Konferenzen zum Handwerkszeug gehört. Im Rahmen eines Elevator Pitches soll es vor allem Nachwuchskräften gelingen, seniorere Kolleg: innen bei einer Aufzugfahrt vom Erdgeschoss bis ins Top Level für ihre Idee, ihr Projekt oder ihre Person zu gewinnen. Inzwischen ist dieses Format auch in der Wissenschaft angekommen. Studierende sollen Themen pitchen können und Forscher: innen müssen mitunter bei Tagungen vorab einen kleinen Pitch für ihren Vortrag als kurzen Videoclip einreichen, um die Kongressbesucher: innen für das eigene Thema zu gewinnen. Es erscheint deshalb sinnvoll, dass Sie sich auch mindestens einen oder, wenn Sie mehrere Forschungsthemen bearbeiten, mehrere Pitches zurechtlegen, die Sie bei jeder Gelegenheit abrufen können. Eine der Hauptschwierigkeiten ist es, dass Sie gut unterscheiden zwischen den Anforderungen an klassische Vorträge oder Texte und denen eines Science Pitches. Während sich klassische Vorträge oder Texte oft an dem sogenannten IMRAD-Schema orientieren (Wu 2011), also Introduction, Methods, Results and Discussion, ist der Science Pitch deutlich mehr daran orientiert, schnell und kurz für das Thema zu begeistern. (Wagner 2024: 7) Was sind klassische Situationen, in denen Sie einen Science Pitch nutzen können: • Bei einer Konferenz in der Kaffeepause, • Bei einer Posterpräsentation, wenn Sie Ihr Poster präsentieren oder das Poster einer anderen Person betrachten 50 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="51"?> 6 Dr. Mai-Thi Nguyen-Kim (2012): Breaking the Wall of Human Cell @ Falling Walls Lab, https: / / www.youtube.com/ watch? v=5E2mIh4TA4k&ab_channel=FallingWallsFoundat ion • Bei einer akademischen Feier • Bei einem Forschungsaufenthalt an einer anderen Universität • Bei einem Bewerbungsverfahren als allgemeinen Einstieg • Als Video-Teaser für einen bevorstehenden Workshop/ Vortrag o. ä. u. v. m. Beispiel | Den Start der Karriere von Mai Thi Nguyen-Kim beispiels‐ weise legte ein Science Pitch im Bereich Zellbiologie. 6 Ihr gelungener Auftritt mit einem dreieinhalbminütigen Pitch zog eine Einladung zur Sendung Quarks nach sich und lege den Grundstein ihrer späteren Karriere. Lassen Sie uns nun Ihren Science Pitch Schritt für Schritt zusammenbauen: Am Anfang eines Science Pitches stehen je nach Dauer des Pitches entwe‐ der ein bis zwei Sätze, wenn es sich um einen wirklichen Kurzpitch handelt, in denen Sie erklären, worum es in Ihrer Forschung geht. Details haben hier weder Platz, noch sind sie notwendig. Wenn sich die Präsentation an Personen außerhalb Ihres Fachgebiets richtet, sollten Sie keine Fachbegriffe verwenden. Wenn Sie zwei bis drei Minuten Zeit für Ihren Pitch haben, können Sie sich für diesen Start 30 Sekunden bis eine Minute lang Zeit nehmen, in denen Sie die einprägsamen und relevanten Informationen darüber zusammenfassen, was Sie tun und warum es wichtig ist. Sollten Sie für Ihren Pitch sogar 5 Minuten Zeit haben, können Sie sich sogar bis zu zwei Minuten für das Intro nehmen. Lassen Sie uns hier mit der Arbeit für einen wirklich kurzen Pitch beginnen. Starten Sie, indem Sie ein bis zwei einleitende Sätze für Ihr Themengebiet formulieren. Da Sie ja Ihren Pitch vor verschiedenen Perso‐ nen abrufbar haben sollten, wäre es geschickt, Sie würden sich für jedes Publikum, mit dem Sie potenziell in Kontakt kommen, eine etwas andere Formulierung über die Bedeutung und Relevanz Ihrer Arbeit vorbereiten. Fassen Sie also nun in einem Satz oder in maximal zwei Sätzen zusammen: Was machen Sie oder worüber forschen Sie? Konzentrieren Sie sich nicht auf eine einzelne Studie, sondern auf Ihre Arbeit/ Interessen im Allgemeinen; dadurch wird das, was Sie sagen, relevanter und Fachjargon lässt sich leichter vermeiden. 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. 51 <?page no="52"?> Beispiel: Ich untersuche die Paarungssysteme von Meeresschnecken. Versuchen Sie es dabei aber den Satz klar oder prägnant zu formulieren. Beispiel: Ich untersuche das Sexualleben von Meeresschnecken. Beachten Sie dabei die Frage: warum ist das wichtig? Überlegen Sie sich beispielsweise: Wie trägt Ihre Forschung zu unserem Verständnis einer seit langem bestehenden oder spannenden Idee bei? Beispiel: Das zu lernen macht Spaß und verbessert außerdem unser Ver‐ ständnis davon, wie Populationen von Meerestieren wachsen. Und schon hätten Sie Ihre ersten beiden Sätze. Folgende Satzanfänge könnten Ihnen dabei helfen: • Ich untersuche … • Ich erforsche … • In meiner Arbeit diskutiere ich … • Das Ziel meiner Arbeit ist es herauszufinden, … • Warum/ wie/ seit wann/ weshalb/ wer …? Das herauszufinden ist das Ziel meiner Forschung. • Um die Frage … zu klären, befasse ich mich mit … • Wir wissen noch viel zu wenig über …, und deshalb suche ich nach Wegen, wie … • Im Zentrum meiner Untersuchung steht der Gedanke, das … • Meine Arbeit widmet sich der Erforschung von …/ der Beantwortung von … Wenn Sie wollen, nehmen Sie nun eines Ihrer Forschungsthemen ins Auge und schreiben Sie sich ein oder zwei Sätze dazu auf: Notizen Lesen Sie nun diese Sätze durch und überlegen Sie, ob Sie sie an ver‐ schiedene Zielgruppen anpassen müssen, also ob Sie Ihr Vokabular ver‐ 52 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="53"?> ändern müssen, um bei unterschiedlichen Zielgruppen gut verstanden zu werden. Klassische Zielgruppen, auf die Sie sich vorbereiten, im Wis‐ senschaftsbetrieb sind: Studierende/ Lernende, fachfremde interessierte Zuhörer: innen, Kolleg: innen/ Peers, hierarchisch höherstehende Personen, Gesprächspartner: innen in Bewerbungsgesprächen und bei Auswahlkom‐ missionen, Konferenzteilnehmende, Wissenschaftler: innen aus anderen Fachbereichen mit Interesse für Ihr Thema, potenzielle Drittmittelgebende (also Stipendienkommissionen oder später auch Fördereinrichtungen), Betreuer: innen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten, Förderer und Men‐ tor: innen, Journalist: innen u.-v.-m. Wählen Sie nun drei mögliche Gesprächspartner: innen aus und modifi‐ zieren Sie Ihren Gesprächseinstieg passend zur jeweiligen Zielgruppe. Meine Zielgruppe: _____________________ Angepasster Einstieg: Notizen Meine Zielgruppe: _____________________ Angepasster Einstieg: Notizen Meine Zielgruppe: _____________________ Angepasster Einstieg: 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. 53 <?page no="54"?> Notizen Wenn sich Ihr Pitch eher mit Ihrer Person beschäftigt, sollten Sie Ihre Kernkompetenzen zu Beginn in den Fokus rücken. Dieser Art des Pitches gehen häufig einleitende Fragen voraus, wie zum Beispiel: Was machen Sie so? Oder Warum interessieren Sie sich für das Thema der Tagung? Oder in Bewerbungssettings: was können Sie mir über sich erzählen? Oder: was haben Sie bisher so gemacht? Auf Fragen wie diese wird in den allermeisten Fällen ein Pitch erwartet und keine Erlebniserzählung, wie sie die Person geworden sind, die sie sind. Beispiel: Durch meine bisherigen Studien bin ich zu einem Grenzgänger zwischen zwei Disziplinen geworden. Folgende Formulierungen können Sie nutzen: Als … habe ich bereits zahlreiche Erfahrungen in … gemacht. Durch meine Tätigkeit als … bin ich zur Expertin für … geworden. Meine Expertise liegt vor allem im Bereich … Was macht mich aus? Vor allem der Fokus auf innovative … Als Forscherin stehe ich auf zwei/ Beinen: … und … Meine Zukunft liegt im Bereich … Wiederholen Sie nun die Übung von eben, indem Sie zunächst einen Einstieg in einen Pitch zu Ihrer Person formulieren und diesen dann an verschiedene Personenkreise anpassen. Beispiel: Durch meine bisherigen Studien bin ich zu einem Grenzgänger zwischen zwei Disziplinen geworden. Angepasst auf potenzielle interdisziplinäre Fachkollegen: Als Grenzgän‐ ger zwischen zwei Disziplinen interessiere ich mich für alles, was uns über den Tellerrand hinausblicken lässt. Angepasst auf Fachfremde: Ich bin sowas wie ein Fusion-Koch, also jemand, der die Methoden zweier Fachgebiete in einer Art Cross Over verbindet. 54 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="55"?> Angepasst auf Drittmittelgeber: Mein interdisziplinärer Ansatz verspricht Forschungserträge, die durch die Fokussierung auf eine einzelne Methodik nicht möglich wären. Wie würden Sie Ihre Person einführen? Meine Zielgruppe: Notizen Mein Einstieg: Notizen Meine Zielgruppe: Notizen Mein Einstieg: Notizen 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. 55 <?page no="56"?> Meine Zielgruppe: Notizen Mein Einstieg: Notizen Kommen wir nun zum zweiten Schritt Ihres Pitches. Hier geht es darum, dass Sie Ihren Zuhörenden einen Kontext geben. Beginnen wir mit dem themenorientierten Pitch: Warum ist das wichtig, was Sie tun, an welcher Stelle bringt es die Wissenschaft voran? Welchen Anwendungsbezug gibt es? Oder welche Forschungslücke schließt sich dadurch? Formulierungen dazu könnten lauten: Dadurch sollte es mir gelingen, … Am Ende möchte ich damit … Gerade im Bereich … suchen wir bislang erfolglos nach Wegen, … Diese Frage steht seit Längerem schon im Raum, da … Das ist relevant, weil … Wie könnte Ihre Kontextualisierung lauten: 56 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="57"?> 7 Sir William Osler, (zit in: Stone MJ (1995): The wisdom of Sir William Osler, Am J. Cardiol, 75, 269-276, 275) Notizen Noch anschaulicher ist es, wenn Sie diese Kontextualisierung auch noch mit einem konkreten Sachverhalt untermauern. Hierfür könnte sich ein einprägsames Zitat eignen von einer bekannten Persönlichkeit oder auch ein konkretes Beispiel aus dem Feld, eine aufrüttelnde Statistik oder auch ein historisches Ereignis. Beispiel (Pitch zur Ausbildung im Fach Medizin). Einstieg: Meine Forschung befasst sich mit der Qualität der medizini‐ schen Ausbildung im 21. Jahrhundert. Angesichts des zunehmenden Ärzte‐ mangels, der sich in Deutschland abzeichnet, erscheint es umso dringender, dass wir die künftigen Ärzte und Ärztinnen adäquat auf die auf sie zukom‐ menden Herausforderungen vorbereiten. Kontextualisierung: Schon vor über hundert Jahren hat Sir William Osler, einer der ersten überhaupt, der sich mit der Qualität der medizinischen Ausbildung befasst hat, den Mangel an Patientenkontakt im Medizinstudium mit folgendem Zitat beklagt: „He who studies medicine without books sails an uncharted sea, but he who studies medicine without patients does not go to sea at all“. Doch bis heute hat sich die Ausbildung dahingehend kaum verändert. 7 Können Sie Ihre Kontextualisierung noch etwas aufwerten? Versuchen Sie es nun erneut und heben Sie den menschlichen oder gesellschaftlichen Wert hervor. Beispiel: Es macht Spaß, und mehr darüber zu erfahren, was die Popu‐ lationen von Meerestieren beeinflusst, hilft uns, wenn wir kommerziell 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. 57 <?page no="58"?> genutzte Arten (wie Austern) schützen oder invasive Arten (wie Zebramu‐ scheln) bekämpfen wollen. Notizen Der dritte Schritt des Science Pitches beginnt mit einem Fazit. Was bedeutet das, was Sie bisher gehabt haben, und schließt mit dem Aufbauen eines Gesprächsanfangs. Fragen Sie sich zunächst: was will ich von meinem Zuhörenden - egal, ob dieser nur virtuell vorhanden ist, weil Sie ein Video hochladen, oder ob die Person vor Ihnen steht. Was wollen Sie erreichen? Sollen Ihre Zuhörenden mit Ihnen Kontakt aufnehmen? Ihnen Feedback geben? Sich mit Ihnen austauschen? Möchten Sie, die Fragen der Zuhö‐ renden beantworten oder sind Sie interessiert an den Erfahrungen Ihrer Zuhörendenschaft? Ein Pitch ist nur halb so viel wert, wenn er ins Leere läuft. Also runden Sie Ihren Pitch ab, indem Sie die Zuhörenden konkret auffordern, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Kontakt aufzunehmen, Ihren Vortrag zu besuchen etc. Folgende Sätze könnten Sie unter Umständen nutzen: • Und nun freue ich mich auf Ihre Fragen. • Sehr gerne würde ich mich mit Ihnen darüber austauschen, welche Erfahrungen, … • Ich würde mich freuen, Ihnen Details meiner Forschung in meinem Vortrag/ bei einem Gespräch/ im Anschluss an die heutige Session zu erläutern. • Gerne sende ich Ihnen zusätzliches Material zu, wenn Sie weitergehen‐ des Interesse haben. • Ich bin gespannt, ob und inwieweit Sie meine Hypothesen teilen. Welche Sätze finden Sie für sich passend? Legen Sie sich eine Reihe von Standardsätzen zurecht, mit denen Sie gerne aus Ihrem Pitch aussteigen. 58 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="59"?> Notizen Checkliste | Bestandteile eines Science Pitches • Das Wesentliche an den Anfang und auf den Punkt gebracht • Den Nutzen/ Anwendungsbezug der geplanten oder durchgeführten Forschung hervorheben • Die Forschung in einen Kontext stellen. • Bilanz ziehen • Einen Bezug zum Zuhörenden herstellen Und schließlich achten Sie bitte auf Ihren Sprachstil. Ein Science Pitch ist ein mündlicher Vortrag. Also sollte Ihre Sprache auch dem Mündlichen angemessen sein. Was bedeutet das? Keine langen Sätze bilden! Verwenden Sie Personalpronomen in der ersten Person und in der zweiten Person (ich, wir, Sie)! Bemühen Sie sich, die Verbteile nah beieinander zu lassen! Also statt … „Ich habe, nachdem wir erste Forschungen zu dem Bereich A durchgeführt haben, und dabei zu der Erkenntnis gekommen sind, dass sich die Methode in diesem Feld schlecht anwenden lässt, das Feldbeispiel noch einmal neu ausgewählt“ lieber … „Ich habe das Feldbeispiel neu ausgewählt, nachdem wir erste Forschungen zu dem Bereich A durchgeführt hatten. Denn dabei sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Methode im ursprünglich geplanten Feld schlecht anwenden lässt.“ 2.4 Science Pitch - mach ein Menü daraus. 59 <?page no="60"?> Auch Chatbots können Ihnen dabei helfen, einen Science Pitch zu erarbeiten. Es gibt dafür verschiedenste Einsatzmöglichkeiten: • Sie erstellen eine Basisversion und bitten den Chatbot um Umformulie‐ rung für eine andere Zielgruppe. • Sie lassen sich mit der Ausformulierung für einen mündlichen Vortrag helfen. • Sie nehmen ein Paper und bitten den Chatbot um eine Zusammenfas‐ sung in Form eines Science Pitches. Diese und viele andere Möglichkeiten, KI als Hilfswerkzeug einzusetzen, macht Sie effizienter (Imran/ Almusharraf 2023). Wenn ein Vorschlag nicht auf den ersten Wurf gelungen erscheint, fordern Sie den Chatbot auf, noch mal nachzubessern! Möglicherweise braucht es ein paar Anläufe, bis KI Ih‐ nen gute Ergebnisse liefert. Achten Sie aber darauf, dass es wissenschaftlich als nicht redlich gilt, wenn Chatbots die Ideengeber Ihrer Vorträge sind. Die DFG hat dazu in ihrer Leitlinie wie folgt Stellung genommen: „Es entspricht dem Berufsethos von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dass sie selbst für die Einhaltung der Grundprinzipien wissenschaftlicher Inte‐ grität einstehen. Der Einsatz generativer Modelle kann Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von dieser inhaltlichen und formalen Verantwortung nicht entbinden.“ (DFG 2023: 2) Chatbots sollen und können kluge Sprachassistent: innen sein, aber das Herz Ihrer Forschung, Ihrer Vorträge und Pitches sind immer Sie! 2.5 Das Wichtigste in Kürze Es zählt zu einer der wichtigsten Kompetenzen von sichtbaren Wissen‐ schaftler: innen, dass sie ihre Forschungsinhalte auf das Wesentliche zusam‐ menfassen können. Die Verdichtung von Inhalten ist eine unerlässliche Voraussetzung, um auch außerhalb des engsten Kreises der eigenen For‐ schungsgemeinschaft bekannt zu werden. Wer nicht in wenigen Worten erklären kann, was er eigentlich erforscht, findet nie in den ungeplanten Momenten Gehör, in denen uns der Zufall gute Gelegenheiten schenkt. Die Technik des umgekehrten Mindmaps, die Postkarten-Übung, der Dialog mit einem Achtjährigen oder das fingierte Interview beispielsweise können helfen, den richtigen Fokus zu finden. 60 2 Einmal einkochen? Forschungsinhalte kondensieren <?page no="61"?> Neben dem Kern der Forschung sollten Sie die wesentlichsten Inhalte in wenigen Sätzen parat haben. Wenn Sie mit sehr komplexen Inhalten zu tun haben, können ein paar sprachliche Methoden helfen, die Inhalte klarer, einprägsamer und leichter verdaulich zu machen. Als Merksatz kann dabei die Frage dienen: Who does what to whom when where and why? Um Ihre Forschung noch anschaulicher zu machen, können Sie Meta‐ phern, Analogien und Bilder nutzen. Wenn Sie gerüstet sein wollen für die verschiedenen spontanen Gelegen‐ heiten, wo Sie potenzielle Förderer: innen, Sponsor: innen, Betreuer: innen, Peers oder interessierte Laien von Ihrer Forschung überzeugen wollen, be‐ reiten Sie sich einen Science Pitch vor. Das ist ein strukturierter Kurzvortrag von üblicherweise ca. drei Minuten Dauer, in denen Sie das Wichtigste Ihrer Forschung auf den Punkt bringen, den Kontext dazu geben und anschließend in ein Gespräch eintreten. 2.6 Kochrezepte von Spitzenköchen „Ich mache Kunstcomedy in Videos, Büchern und Bühnenprogrammen, weil Humor ein Türöffner ist. Durch die Mischung aus Entertainment und Kunst‐ wissen kann man neue Zugänge schaffen für Menschen, die mit dem Thema sonst wenig Berührung haben. Ich finde es sehr wichtig, keinerlei Wissen beim Publikum vorauszusetzen. Ich habe zum Beispiel auch keine Ahnung von Teilchenbeschleunigern, also warum sollte ich davon ausgehen, dass Leute Ahnung vom Kubismus haben? Über Kunst wird oft unnötig elitär gesprochen und geschrieben, ich denke, dass es wichtig ist, den Elfenbeinturm zu verlassen und Forschung verständlich auf Augenhöhe zu vermitteln. Funfacts, Anekdoten, Alltagsbeispiele und Leidenschaft sind für mich der Schlüssel.“ Jakob Schwerdtfeger, Comedian, Autor und Moderator, www.Jakob-schwerdtfeger.com „Wissenschaftliche Tätigkeit fördert kritisches Denken, Problemlösungsfähigkei‐ ten und stärkt das Selbstvertrauen junger Forscher*innen durch die Erkenntnis, dass jeder Mensch in der Lage ist, sein Fachgebiet durch eigene Ergebnisse zu transformieren.“ Prof. Markus Geßlein, Paracelsus Universität Salzburg-Nürnberg 2.6 Kochrezepte von Spitzenköchen 61 <?page no="63"?> 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt Sie haben Ihre Forschung erfolgreich pointiert? Sind Sie bereit für die Präsentation Ihrer Inhalte im Rahmen eines Science Pitches, dann können Sie ihre Badetasche packen und zum See fahren und Ihre Angel auswerfen, um eine paar langfristige Kontakte zu Gleichgesinnten herzustellen. Netzwerken zählt zu einer der fünf wichtigsten Karrierebedingungen für Nachwuchswissenschaftler: innen. Diese sind: Publizieren, Drittmittel ein‐ werben, repräsentativ auftreten, praxisorientiert arbeiten und ein Netzwerk aus Mentor: innen, Kooperationspartner: innen und anderen Unterstützer: in‐ nen aufzubauen. (Frey u.-a. 2020: 6) Denn bekannt wird nur, wer wahrgenommen wird. Und wahrgenom‐ men werden vielmehr jene Forscher: innen, die Menschen haben, die mit ihnen vernetzt sind. Im Grunde sind Forscher: innen auch eine Art von Influencer: innen, die so genannte Follower benötigen. Denn auch die rele‐ vanteste Forschung braucht Wahrnehmung in der Academia. Nur so können Forschungsinhalte Aufmerksamkeit bekommen. Und Aufmerksamkeit ist gleichbedeutend mit Zugang zu Vortragsgelegenheiten, möglicherweise auch Zugang zu Bewerbungsgelegenheiten, Publikationsanfragen oder auch einfach nur wertvoller Austausch. Doch leider haftet dem Aufmerksamma‐ chen auf die eigene Forschung gelegentlich immer noch der Geruch von Anbiedern, Billigmachen an, sodass viele Nachwuchswissenschaftler: innen es scheuen, auf andere zuzugehen, sich selbst zu vernetzen. Aber wie sollen andere von Ihrer Forschung erfahren, wenn Sie sie nicht darauf aufmerksam machen? Das Influencertum hat einen schlechten Ruf. Doch wie wäre es, Sie wären Marketingbeauftragter einer Stiftung, deren Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, die unverschuldet in Not geraten sind? Hätten Sie dann noch Berührungsängste, auf Ihr Produkt aufmerksam zu machen? Wahrscheinlich nicht. Manch ein Influencer verkauft billige Nahrungsmittel zu überteuerten Preisen mit einer unverschämten Provision für sich selbst und nutzt dafür Lüge, Übertreibung und Täuschung. Sie hingegen verkaufen Forschung, die die Welt weiterbringt, ohne Provision für sich und nutzen dafür Wissen‐ schaft, Redlichkeit und akademische Werte. Also bitte scheuen Sie nicht, sich selbst mit anderen zu vernetzten, denn Sie sind alles andere als ein Schaumschläger, der sich die Dummheit der Menschen zunutze macht. <?page no="64"?> Sie erweisen jenen Menschen einen Dienst, mit denen Sie sich vernetzen, denn Sie tragen interessante, relevante, besondere Erkenntnisse an Sie heran. 3.1 Welcher Fisch - Auswahl der Netzwerkpartner: innen Die erste Frage, der Sie sich stellen müssen, ist die Frage, wer Teil Ihres Netzwerkes sein soll. Üblicherweise besteht so ein Forschungsteich aus folgenden Gruppen: da schwimmen meist ein paar hochangesehene, richtig große, dicke Fische, vor denen Sie und alle anderen Respekt haben - also die Vorbilder, an denen Sie sich orientieren und die, wenn alles gut geht, irgendwann Notiz von Ihnen nehmen. Dann sind da die Mentor: innen, also jene großen Fische, die an Ihrer Seite schwimmen und Ihnen Geleit geben. Außerdem finden sich in einem Forschungsteich eine Menge von Peers, mit denen Sie Kontakt halten sollten. Und meistens haben wir in unserem Teich ein paar exotische Exemplare: Presse, Praxispartner, Politik - sofern unsere Forschung auch die öffentliche Hand tangiert. Schließlich gibt es am Rand des Teiches ein paar Amphibien, die kommen und gehen, Lebewesen, die im Wasser und an Land leben können und von Teich zu Teich wandern. Das sind die Begutachter: innen, die Herausgeber: innen von Journals und Reihen, die Drittmittelgeber: innen sowie die Personen, die in den Fachvereinigungen feste Positionen haben. Ihr Ziel sollte es sein, ein wunderbares Biotop anzulegen und von jeder Sorte Fisch ein paar in Ihrem Teich schwimmen zu haben. Um Ihre Forschung bekannt zu machen, sollten Sie deshalb zunächst einmal recherchieren, welche Personen Sie in Ihrem Teich bereits haben und wen Sie da noch brauchen. Beginnen Sie Ihre Arbeit am Netzwerk, indem Sie eine Tabelle ausfüllen, in der Sie eintragen, wen Sie schon in Ihrem Teich ansiedeln konnten und wen Sie gerne ansiedeln würden. 64 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="65"?> Wer sollte Teil meines Forschungsnetzwerkes sein? Amphibien Begutachter: innen, Herausgeber: innen, Drittmittelgeber: innen, die Flexibilität bieten. Exotische Exemplare Presse, Praxispartner: innen, Politik, die einzigartigen Perspektiven bieten. Peers Kolleg: innen, mit denen man in Kontakt bleiben sollte. Mentor: innen Große Fische, die Anleitung und Unterstützung bieten. Vorbilder Hochangesehene Persönlichkeiten, die als Inspiration und Orientierung dienen. Abbildung 6: Der Forschungsteich Auch hier können Ihnen Chatbots helfen, mögliche interessante Netzwerk‐ partner: innen zu identifizieren. Ein möglicher Prompt dazu könnte wie folgt lauten: Du bist ein Expert: innenscout für wissenschaftliche Netzwerke. Deine Aufgabe ist es, mir Ideen zu geben, wer für mich als potenzielle: r interes‐ sante: r Netzwerkpartner: in für mich in Frage käme. Dabei geht es mir nicht darum, dass Du mir konkrete Personen suchst. Erstelle mir eine Liste der möglichen Personenkreise, an die ich denken könnte. Begründe mir jeweils, weshalb dieser Personenkreis für mich relevant sein könnte. Im zweiten Schritt schlage mir vor, an welche Personen (Amt, Hierarchiestufe) innerhalb der Institution ich mich wenden sollte, begründe Deine Auswahl, indem Du mir erläuterst, weshalb die Stelle für mich interessant sein könnte. Schließe in diesem Schritt eine profunde Internetrecherche mit ein. Schließlich schlage mir vor, wie ich die Person gut kontaktieren könnte. Achte dabei stets darauf, eine Passung zu meiner Forschungsbiografie und meiner Zielsetzung herzustellen. Bevor Du loslegst, stelle mir alle Fragen, die Du beantwortet haben musst, um mir eine gute Antwort geben zu können. 3.1 Welcher Fisch - Auswahl der Netzwerkpartner: innen 65 <?page no="66"?> • Mein Profil: [Kurze Beschreibung von Fachgebiet, Forschungsschwer‐ punkten, Methoden, Interessen] • Mein Ziel: [z. B. Forschungskollaboration, interdisziplinärer Aus‐ tausch, gemeinsame Förderanträge, Gastvorträge] • Rahmenbedingungen: [z. B. bevorzugte Region/ Land, Karrierestufe der Partner: innen, Institutionstyp] Ob mit oder ohne KI, überlegen Sie gut, welche Netzwerkkontakt Sie in welchem Bereich aufbauen wollen oder bereits haben. Die nachstehende Tabelle kann Ihnen dabei helfen, sich einen Überblick über bestehende, mögliche oder zwingende Kooperationen Gedanken zu machen. ➲ Übung! - Men‐ tor: in‐ nen Peers Vorbil‐ der Praxis‐ part‐ ner: in‐ nen Begut‐ ach‐ ter: in‐ nen etc. Presse und Öffent‐ lichkeit Weitere Habe ich schon - ------ - - - - - Wäre interessant - ------ - - - -- - Tabelle 8: Recherche Forschungsnetzwerk 3.2 Köder auslegen - der richtige Wurm Sie wissen nun, wen Sie gerne in Ihrem Teich hätten? Wunderbar! Jetzt heißt es, Köder auszulegen. Das klingt sehr manipulativ und berechnend. Und tatsächlich ist der Fisch an der Angel kein angenehmes Bild. Aber sehen Sie es eher so, dass Sie in Ihrem Teich die Pflanzen und Einzeller ansiedeln wollen, damit ihre Fische es guthaben. Sie sorgen für gute Lebensbedingun‐ 66 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="67"?> gen. Ihr Ziel ist es nämlich nicht, Ihre Fische einmal an die Angel zu bringen und dann zu braten, sondern dauerhafte, gute, für beide Seiten ertragreiche Forschungsbeziehungen aufzubauen. Und dafür benötigt es etwas, was Sie bieten können. Gerade Nachwuchswissenschaftler: innen sind oft zu wenig selbstbewusst, was ihre eigenen Fähigkeiten angeht. Doch auch Sie können für die großen Fische ein gutes Angebot bereitstellen. Bevor Sie sich über Ihre potenziellen Netzwerkpartner: innen Gedanken machen, überlegen Sie deshalb zunächst, was Sie zu bieten haben. Das können Kontakte ebenso wie Studienergebnisse, Daten oder auch Zeit als eine mögliche Ressource sein. Auch wenn Sie erst ganz am Anfang Ihrer Forschung stehen, unter‐ schätzen Sie nicht Ihr Potenzial. Nachwuchsforscher: innen sind oft die einzigen, die so viel Zeit aufwenden können, um sehr grundlegenden Fra‐ gen nachzugehen. Ein juniorer Forschungskollege kann dem erfahreneren Wissenschaftsfisch also durchaus zum symbiotischen Partner werden. Der eine verfügt über Stelle, Mittel, Reputation und Kontakte, der andere bringt Neugier, Belastbarkeit und ZEIT mit, um Forschungsfragen zu beantworten. Und auch andere Tugenden wie Wissbegier, ein unverstellter Blick, oder auch das Talent, ganz neue Fragen zu adressieren, sind wichtige Eigenschaften, die Sie als junge: r Wissenschaftler: in mitbringen können und sich damit in eine Kooperation einbringen können. Checkliste | Was habe ich zu bieten? • Habe ich (mehr) Zeit (als meine Netzwerkpartner: innen), mich einer Frage zu widmen, die auch für andere interessant ist? • Habe ich empirische Daten, die für jemanden anderen interessant sein könnten? • Habe ich Ortskenntnisse von einem Forschungsstandort, der für andere interessant ist? • Habe ich eine spannende Perspektive auf ein Thema, über das andere forschen? • Bringe ich Kontakt mit zu anderen Personen, die ich teilen kann? • Bin ich eine Person, die interessante Fragen stellt? • Habe ich Methodenkenntnisse, die ich einbringen kann? • Kann ich aufwendigere Arbeiten übernehmen, um ein gemeinsames Projekt voranzutreiben? 3.2 Köder auslegen - der richtige Wurm 67 <?page no="68"?> • Bin ich in bestimmten Bereichen gut vernetzt? • Habe ich Softskills, die ich für gemeinsame Projekte einbringen könnte (Erstellung oder Hosten einer Website etc.)? Vielleicht haben Sie aber darüber hinaus weitere Ideen, was Sie als Netz‐ werkpartner: in zu bieten haben: Notizen Nun, da Sie wissen, wen Sie ansprechen wollen und was Sie der Person zu bieten haben, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie mit der Person in Kontakt treten. Dafür gibt es zunächst einmal drei Möglichkeiten: 1. Sie bitten eine Person, die mit Ihnen vernetzt ist, aber auch Kontakt zu der Person hat, mit der Sie in Kontakt treten wollen, darum, für Sie einen Kontakt herzustellen. Das ist zunächst der einfachste Weg. Allerdings sind Sie dann der vermittelnden Person einen Gefallen schuldig, den Sie irgendwann einlösen sollten. 2. Sie schreiben die Person per Brief, Mail oder auf sozialen Netzwerken an und bitten um Kontaktaufnahme. Das ist vermutlich der am wenigsten erfolgversprechende Weg und birgt auch ein gewisses Risiko: dass Sie gar keine Antwort erhalten. Schreiben Wissenschaftler: innen andere Forscher: innen oder Netzwerkpartner: in‐ nen an, kann es immer passieren, dass sie einfach gar keine Antwort bekommen. Die Folge ist dann immer schwierig. Es ist keine einfache Entscheidung, ob man dann noch mal nachhakt, auf das Risiko hin, lästig zu werden oder ob man es auf sich beruhen lässt auf das Risiko hin, 68 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="69"?> dass die andere Person sogar ein schlechtes Gewissen hat, und bei der nächsten Gelegenheit sogar ausweichend handeln wird. Da diese Herangehensweise also nicht ganz einfach ist, gilt es, hier besonders zielorientiert vorzugehen. Sie sollen sehr klar sein, was Sie der Person anzubieten haben, warum Sie den Kontakt herstellen wollen und wo Sie eine Kooperationsmöglichkeit sehen. Unter diesen Bedingungen kann die schriftliche Ansprache erfolgreich sein. vermutlich erfolglose Ansprache bessere Kommunikation Hallo Prof. …, mein Name ist … und ich arbeite an der Universität … und be‐ schäftige mich in meiner For‐ schung mit ähnlichen Inhal‐ ten wie Sie. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir die Gelegenheit geben wür‐ den, mich mit Ihnen darüber einmal auszutauschen. Mit freundlichen Grüßen … - Sehr geehrte: r Prof. …, mein Name ist und ich beschäftige mich seit 1,5 Jahren mit der Frage, … In diesem Zusammenhang habe ich eine Reihe von Daten erhoben, die ich nun in einer Vergleichs‐ studie in einen größeren Zusammenhang stellen möchte. Der Herausgeber der Zeitschrift … hat großes Interesse an einer Publikation im Rahmen des Sonderheftes kommendes Jahr gezeigt. Da ich gesehen habe, dass Sie zu einem ähnlichen Feld arbeiten, würde ich mich sehr freuen, wenn ich Ihnen meine Ideen und meine Planung für die geplante Veröffentlichung vorstellen dürfte, um möglicherweise gemeinsam an der Thematik wei‐ terzuarbeiten. Anbei übersende ich Ihnen das Ex‐ posé meiner bisherigen Arbeit. Sehr gerne würde ich Ihnen meine Ideen und mögliche Kooperati‐ onsansätze in einem Telefonat, bei einem Online‐ meeting oder auch persönlich vorstellen, wenn Sie daran interessiert sind. Ich würde mich sehr über diese Möglichkeit freuen, mit freundlichen Grüßen … - Tabelle 9: Beispiel Netzwerkkommunikation Warum ist der Ansatz auf der zweiten Seite besser? Hier werden verschie‐ dene Benefits in Aussicht gestellt. Die fragende Person bringt Daten mit, bietet eine gemeinsame Publikation an, für die sie den Löwenanteil an Arbeit einbringen wird und einen Kontakt zu einem Herausgeber eines Journals. Das ist für potenzielle Netzwerkpartner ein attraktives Angebot. Nicht immer können wir gleich so viel bieten. Aber spezifisches Interesse ist mitunter auch schon Köder genug, um den größeren Fisch in gemeinsames Gewässer zu locken. 3.2 Köder auslegen - der richtige Wurm 69 <?page no="70"?> Wissen | Leider ist der Forschungsteich mitunter auch ein Haifisch‐ becken, sprich nicht alle Forscher: innen sind lauter und ehrlich. In dem obigen Beispiel steht, dass Sie ein Exposé mitschicken würden. Teilen Sie Daten/ Ideen/ Exposés immer nur dann, wenn sich daraus alleine kein neuer Ansatz auf die Schnelle entwickeln lässt. Leider passiert es nämlich manchmal auch, dass Ideen geklaut werden. Sollten Sie Ihnen unbekannten Wissenschaftler: innen Ihre Ideen teilen, sollten Sie immer eine dritte Person cc. setzen, damit Sie zumindest einen Nachweis haben, von wem die Idee ursprünglich ausging. Sie suchen den persönlichen Kontakt Suchen Sie nach Gelegenheiten, mit der gewünschten Person in Kontakt zu treten. Dazu eigenen sich in der Regel Fachtagungen oder auch interdis‐ ziplinäre Kongresse, akademische Empfänge und Feiern. Um hier erfolgreich Ihren Köder zu platzieren, müssen Sie im Vorfeld genügend Recherche betreiben. Seien Sie nie unvorbereitet, wenn Sie Ihre Fische anlocken wollen. Bringen Sie in Erfahrung, welche Personen auf der geplanten Veranstaltung vortragen werden. Ist jemand dabei, den Sie unbedingt einmal kontaktieren wollen? Wunderbar, die Kaffeepause ist Ihre Chance. Sind Sie nicht sicher, ob die Person, für die Sie sich interessieren, die Tagung besuchen wird? Bereiten Sie sich dennoch vor, das Glück ist mit den Tüchtigen. Recherchieren Sie also vorab, um jederzeit, wenn sich die Gelegenheit bietet, ins Gespräch kommen zu können. (Pollard 2021: 142 ff.) Checkliste | Was Sie über Ihre potenziellen Gesprächspartner: innen wissen sollten • Warum wird die Veranstaltung besucht? • Gibt es gemeinsame Bekannte? • Zu welchen Themen hat sich die Person öffentlich geäußert und in welcher Weise? • Welche Publikationen und Vorträge hat die Person vorgelegt? • Welche aktuellen Entwicklungen im Fachbereich oder an dem Stand‐ ort, an dem die Person arbeitet, wären interessant als Gesprächsein‐ stieg? 70 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="71"?> • Gibt es etwas Spannendes zu der Hochschule der anderen Person oder zu der Stadt, aus der die Person kommt, über das man ins Gespräch kommen könnte? Mit Hilfe dieser Fragen sollte es für Sie einfach sein, mit Ihren Wunsch- Fischen ins Gespräch zu kommen. Mögliche Einstiegssätze könnten Folgende sein: Guten Morgen Prof. …, … ich freue mich sehr, Sie hier zu treffen. Ich habe gerade neulich Ihr Paper zu … gelesen und arbeite zu einem ähnlichen Thema … … sind Sie heute angereist? Ich habe gesehen, dass die Strecke von … hierher gesperrt ist. … ich freue mich sehr über die Gelegenheit, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich arbeite an dem Thema … und stimme Ihnen vollumfänglich zu, was das Thema … angeht, zu dem Sie sich neulich in … geäußert haben. … ich freue mich, Sie endlich mal kennenzulernen. Wir haben einen gemeinsamen Kollegen, der sich stets voller Hochachtung über Sie äußert. … was für eine wunderbare Gelegenheit, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich arbeite an einer Studie zu … und suche einen Netzwerk‐ partner, der sich ebenso für Fragen … interessiert. Und da sind Sie mir natürlich sofort in den Sinn gekommen. … ich arbeite an einem ähnlichen Thema wie Sie und fände es wunder‐ bar, wenn wir dazu im Kontakt bleiben könnten. 3.2 Köder auslegen - der richtige Wurm 71 <?page no="72"?> Und welche Sätze passen zu Ihnen und Ihren potenziellen Kontaktpart‐ ner: innen? Notizen Im Idealfall haben Sie sich für einen Weg entschieden, der Sie mit potenzi‐ ellen Netzwerkpartnern ins Gespräch bringt. Im Idealfall gelingt es Ihnen sogar, den Ball im eigenen Feld zu behalten. Das bedeutet, dass Sie den nächsten Kontaktpunkt herstellen. Ein „ich melde mich bei Gelegenheit“ seitens des anderen Fisches ist ungünstig, denn das Risiko, dass Sie gar nichts mehr hören und lästig werden müssen, ist groß. Besser wäre es, Sie beenden den Dialog mit der Verpflichtung, dass Sie sich melden, wenn Sie in der Stadt sind, dass Sie ein Paper schicken oder eine Call for Papers oder ein Summary Ihrer letzten Arbeit. Das hält Sie im Spiel. Neben den ganz gezielten Kooperationspartner: innen sollten Sie sich auch auf mögliche Personengruppen vorbereiten. Möglicherweise suchen Sie Kontakte zu Peers, die in einer ähnlichen Situation sind wie Sie. Oder zu Per‐ sonen, mit denen Sie eine Community of Practice bilden können, also eine Gemeinschaft von Personen, die in einer ähnlichen Position sind und mit ähnlichen Arbeitsthemen zu tun haben (z. B. Studiengangskoordinator: in‐ nen, Stipendiat: innen, Gleichstellungsbeauftragte, Studiendekan: innen etc.). Halten Sie die Augen offen, bleiben Sie neugierig. 3.3 Fische füttern - Kontakte halten Sie haben ein paar Kontakte hergestellt? Wunderbar. Nun heißt es Kontakt halten, denn „networking without follow-up is like farmers neglecting tot end to their crops.“ (Pollard 2021: 177) 72 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="73"?> Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, mit Ihren Netzwerkpartner: innen in Kontakt zu bleiben. Die erste und einfachste Möglichkeit ist es, im Anschluss an Ihren initialen Kontaktpunkt eine kleine Nachricht zu schicken, in der Sie sich für das gute Gespräch bedanken, in der Sie vielleicht die Publikation verlinken, über die Sie gesprochen haben oder die Empfehlung zum Italiener in Ihrer Heimatstadt, falls Sie über gute italienische Lokale gesprochen haben. Greifen Sie einen Ihrer Gesprächsfäden auf und knüpfen Sie daran an. Besser als nur „danke“ zu sagen, ist es, wenn Sie Ihrem Gesprächspartner auch gleich etwas mitgeben, eine Publikation, einen Tipp etc. Das macht es nachhaltiger. Setzen Sie nun, nachdem Sie einen Kontakt hergestellt haben, Ihre Recherche über Ihre Netzwerkpartner: innen fort. Holen Sie Informationen über die interessanten Kontakte ein und speichern sie diese in einer dafür eigens angelegten Datei. Das wird Ihnen später das Kontakthalten erleichtern. Achten Sie darauf, sich auch die vermeintlich kleinen Informationen abzuspeichern. Wissen | Haben Sie bei der Recherche über Ihre Netzwerkpartner nicht nur Ihre eigenen Ziele im Blick, sondern auch das, was Ihre Netzwerkpartner: innen von Nutzen sein könnte. So entstehen aus flüchtigen Kontakten stabile, tragfähige Netzwerke, wenn Sie nicht nur Ihren eigenen Vorteil suchen, sondern auch das Wohlergehen Ihrer Kooperationspartner: innen im Blick haben. Achten Sie darauf, Ihre Kontakte gezielt anzusprechen bei passenden Anläs‐ sen. Ein Peer hat etwas publiziert: gratulieren Sie ihm! Es gibt einen Call for Papers, der für eine Person interessant sein könnte, mit der Sie ins Gespräch kommen wollen: leiten Sie den Call weiter. Es gibt ein Stipendium, auf das sich Ihre Studienkolleg: innen bewerben könnten: weisen Sie sie darauf hin. Eine Person, mit der Sie im Kontakt stehen, hält einen Vortrag: Gehen Sie hin und frischen Ihren Kontakt auf. Und wenn sie persönliche Informationen über Ihre Kontakte erhalten haben - die bevorstehende Hochzeit, eine neue Stelle etc., gratulieren Sie gerne. Bevor Sie nun die Augen verdrehen und dieses Buch in die Ecke wer‐ fen, weil Sie sich selbst in dieser Rolle als manipulative: r Seelenfänger: in sehen, lassen Sie mich dieses strategische Verfahren kurz in ein anderes Licht rücken: Forschung braucht exzellente Einzelleistung, aber Forschung braucht immer auch Austausch, gegenseitiges Voranbringen, Schreiben und 3.3 Fische füttern - Kontakte halten 73 <?page no="74"?> Gelesenwerden. Wissenschaft kommt nur in vernetzten Strukturen weiter. Sich ein Netzwerk aufzubauen ist mehr als lauter, es ist zwingend. Und sich in diesem Netzwerk nützlich zu verhalten, freundlich, höflich und zugewandt ist nicht opportun, sondern ein Gebot der Höflichkeit und eine Notwendigkeit, dies sich aus dem Sinn und Zweck akademischer Netzwerke ergibt: Geben und Nehmen im Sinne des die Forschungsleistung anderer würdigen und wahrnehmen und seine eigene Forschungsleistung verteilen. Ideal wäre es, Sie würden sich ein paar Termine in den Kalender eintragen, an denen Sie sich um Ihr Netzwerk kümmern. Achten Sie darauf, dass es nicht zu oft und nicht zu selten ist. Mit weit entfernteren Netzwerkpart‐ ner: innen reicht vielleicht ein Kontakt einmal jährlich, mit engeren Koope‐ rationspartner: innen einmal im Quartal und mit den engsten Kolleg: innen sogar noch häufiger. Wie wäre es, sich eine Tabelle anzulegen? Person Gruppe Häufig‐ keit Datum letzter Kontakt gemeinsa‐ mes Thema Prof. A. Meier Potenz. Supervisor einmal jährlich 9/ 26 Tagung in MUC Treffen bei nächstem Kongress Dr. S. Baesler Peer einmal im Quartal 3/ 26 Sommer‐ fest Gemein‐ same Publi‐ kation P. Marc Peer halbjähr‐ lich 6/ 26 12/ 25 Erfahrung DAAD Tabelle 10: Beispiel Netzwerkplanung ➲ Übung! Person Gruppe Häufig‐ keit Datum letzter Kontakt mögliches Thema - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 74 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="75"?> - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 3.4 Fischzucht - dauerhafte Netzwerke etablieren Manche Netzwerke verstetigen sich einfach durch die Regelmäßigkeit der Kontakte. Man meldet sich alle zwei Monate und irgendwann ist es eine Art Selbstläufer. Aber darauf sollten Sie sich nicht verlassen. Sorgen Sie lieber selbst dafür, dass Ihnen Ihr Netzwerk erhalten bleibt. Natürlich ist es jedoch erst einmal sinnvoll, sich zu überlegen, wieviel Aufwand Sie für Ihre Netzwerkbildung betreiben wollen. Die nachfolgende Tabelle kann dafür ein paar Beispiele geben: - kurzfristige Kontakte langfristige Beziehungen hoher Aufwand Teilnahme an einer großen Kon‐ ferenz (viele neue Gesichter, aber oft flüchtige Begegnungen) gemeinsames Projekt, Ko-Publi‐ kation, aktive Rollen in Fachge‐ sellschaften geringer Aufwand Visitenkarten tauschen, LinkedIn-Kontakt hinzufügen, in den Sozialen Netzwerken fol‐ gen, etwas reposten regelmäßiger Austausch über Social Media, gelegentliche Updates, kleine Gefälligkeiten („füttern“) - Austausch von Pu‐ blikationen, Daten etc. Tabelle 11: Kurz- oder langfristige Netzwerkbildung 3.4 Fischzucht - dauerhafte Netzwerke etablieren 75 <?page no="76"?> Was können Sie nun tun, um Ihre Netzwerke zu verstetigen? • Legen Sie Emailverteilerlisten für unterschiedliche Themen und Anlässe an (z. B. neue Publikation, neue Position, Besuch einer Fachtagung oder Erscheinen eines interessanten Artikels). Bereiten Sie dann jeweils eine E- Mail vor, die Sie aber - siehe oben - unbedingt personalisieren müssen. Eine Sammelmail im Stile von „Liebe Kolleg: innen, mit großer Freude weise ich Sie/ Euch auf die Neuerscheinung meines neuen Buches hin“ landet oft sofort im virtuellen Papierkorb. Besser wäre es, Sie gestalten das wie folgt: Beispiel | „Liebe Margit, es war wirklich schön, dass wir bei der letzten Tagung endlich mal ein paar Minuten Zeit hatten, unsere Ideen zum Thema XY auszutauschen. Inzwischen bin ich mit diesen Gedanken auch ein ganzes Stück weitergekommen. Das methodische Design konnte zu einem Methodensetting gebündelt werden, den ich in der Zeitschrift AB vorgestellt habe. Es würde mich sehr freuen, Deine Meinung dazu zu hören. Auch kritische Einwände sind herzlich willkommen, zumal ich das Thema in Kürze in einer Vergleichsstudie weiterführen möchte. Sehen wir uns in Köln bei der Jahrestagung? Ich hoffe darauf. Liebe Grüße …“ Sie könnten sich dafür wieder eine Liste anlegen, die nach Anlässen sortiert ist: Anlass anzusprechender Personenkreis Bemerkungen z.-B. Publikation z.-B. gesamtes Netzwerk z.-B. differenziertes An‐ schreiben je nach The‐ men z.-B. Datenerhebung z.-B. Peers, die mit glei‐ cher Methode arbeiten z.-B. um Feedback bitten z. B. interessante Tagung z.-B. Peers fragen, ob sie auch kommen, interes‐ sante Forschungsperso‐ nen um Gespräch am Rande bitten z. B. bei eigenem Vortrag über Netzwerk bewerben z.-B. Publikation Dritter z.-B. Werbung machen bei Fachkolleg: innen - Tabelle 12: Anlässe für Netzwerkansprache 76 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="77"?> Wie könnte Ihre Tabelle aussehen? Anlass anzusprechender Personenkreis Bemerkungen ---- - - ---- - - ---- - - ---- - - ---- - - Tabelle 13: Eigene Anlässe für Netzwerkpflege • Entwickeln Sie u. U. spannende Veranstaltungsformate wie Online- Lunches, Werkstattberichte etc., zu denen Sie regelmäßig Personen aus Ihrem Netzwerk einladen. Gut eignen sich immer niederschwellige Formate, bei denen die Teilnehmenden kurz und knapp Neuigkeiten, spannende Impulse o.-ä. präsentiert bekommen. • Erstellen Sie einen Podcast oder entwickeln Sie ein regelmäßiges Format auf Sozialen Netzwerken, in dem Sie Ihr Netzwerk regelmäßig über Ihre Forschungsschritte uptodate halten. • Schließen Sie sich bestehenden Netzwerken an. Gibt es Forschungs‐ gruppen, Newsletter oder regelmäßige Veranstaltungen, denen Sie sich anschließen können? 3.4 Fischzucht - dauerhafte Netzwerke etablieren 77 <?page no="78"?> Welche Netzwerke sind für Sie relevant? Notizen • Nutzen Sie bestehende Netzwerke für die Verteilung Ihrer Neuigkeiten. Achten Sie darauf, dass Ihre Publikationen über die Verteiler bestehen‐ der Netzwerke weitergeleitet werden etc. Checkliste | Netzwerken • Identifikation interessanter Netzwerkpartner: innen • Recherche zu interessanten Netzwerkpartner: innen • Gezielte Ansprache der Personen • Aktiv werden • Persönlich werden • Identifikation geeigneter Netzwerke • Regelmäßige Kontaktnahme zu Partner: innen im Feld • Integration in bestehende Netzwerke 3.5 Das Wichtigste in Kürze Netzwerken zählt zu einer der wichtigsten Kompetenzen auf dem Wissen‐ schaftsparkett. Vor allem der Inreach profitiert davon. Also trauen Sie sich, auf andere zuzugehen und anderen Forscher: innen von Ihrer Forschung zu erzählen. In einem ersten Schritt sollten Sie sich einen Überblick verschaffen darüber, wer schon in Ihrem Forschungsteich schwimmt und wen Sie da gerne drin schwimmen hätten. Dann sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Skills, Ressour‐ cen oder Kontakt Sie schon haben, die für andere interessant sein könnten. Wenn Sie diese Frage für sich beantwortet haben, heißt es ran an den Speck bzw. ran an den Köder. Seien Sie mutig und kontaktieren Sie Ihren potenziellen Fisch. Sie können Ihre Wunsch-Fische über Dritte kontaktieren, 78 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="79"?> direkt anschreiben oder auf eine günstige Gelegenheit warten. In jedem Fall sollten Sie sich adäquat vorbereiten, um dann die sich bietende Chance effizient nutzen zu können. Dauerhafte Netzwerkkontakte entstehen durch regelmäßige Kontakte, also entwickeln Sie eine Routine, wann Sie mit wem in welchen Dialog treten wollen. Haben Sie dabei nicht nur Ihre eigenen Ziele im Blick, sondern auch die Bedarfe Ihrer Kooperationspartner: innen. So werden aus flüchtigen Kontakten stabile Netzwerke. Haben Sie sich ein Netzwerk erarbeitet, pflegen Sie dieses. 3.6 Fütterempfehlungen von Fischzüchter: innen „John Lennon wird wie folgt zitiert: „Life is what happens while you make other plans“. Man kann sich viel vornehmen (und sollte das auch), aber am Ende gibt es doch immer verschiedene glückliche (oder auch unglückliche) Fügungen, die man nicht planen kann. Daher ist mein Rat, sich zum einen nicht zu viel von Ratschlägen irritieren zu lassen und diese selektiv anzunehmen und dem eigenen wissenschaftlichen Interesse zu folgen - und zum anderen sich von Möglichkeiten leiten zu lassen: Mit wem kann ich kooperieren, wo ergibt sich ein interessantes Forschungsthema etc.“ Prof. Nicolas Vogel, Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen „Um als Nachwuchsforscher: in wirklich sichtbar zu werden, ist es wichtig, sich eine nationale Reputation in dem eigenen Fachgebiet aufzubauen. Das gelingt oft nicht allein durch Publikationen, sondern durch aktives Engagement in der Fachgemeinschaft - sei es im Bereich Forschung, Lehre oder klinischer Versorgung. Das können z. B. folgende Aktivitäten sein: Mitarbeit in nationa‐ len Fachgremien oder Komitees, Vorstellung eigener Forschungsergebnisse auf Konferenzen, Beiträge zu neuen Bildungsformaten oder Lehrplänen, oder auch die Entwicklung innovativer klinischer Behandlungspfade, die man öffentlich präsentiert oder publiziert. Wichtig ist, dass man als jemand wahrgenommen wird, der oder die inhaltlich etwas Neues beiträgt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. So werden andere auf einen aufmerksam - und das öffnet Türen für weitere Kollaborationen und Sichtbarkeit.“ Prof. Dr. Michael Frölich, Professor für Anästhesie, University of Alabama at Birmingham 3.6 Fütterempfehlungen von Fischzüchter: innen 79 <?page no="80"?> „Lebenswege sind so individuell, dass es im wesentlichen Vertrauen in sich selbst braucht, um sie gehen zu können. Wer sichtbar sein will, braucht Selbstsicherheit. Deshalb rate ich allen, Ermutigung, Anerkennung und Bestätigung anzunehmen und sich daran zu stärken.“ Johanna Bamberg-Reinwald, Referentin für Gleichstellung in der Wissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg 80 3 Ab an den See. Netzwerken ist angesagt <?page no="81"?> 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! Sie sind inzwischen überzeugt, Sie wollen über Ihre Forschung sprechen, sind interessiert an In- und Outreach (Kapitel 1)? Sie haben sich eingehend damit befasst, was Sie genau ausmacht und wie Sie über Ihre Fragen und Ergebnisse sprechen wollen (Kapitel 2)? Sie haben sich ein Netzwerk erarbeitet und pflegen dieses regelmäßig (Kapitel 3)? Dann ist es nun an der Zeit, über Ihr Netzwerk hinaus weitere Personengruppen an Ihren For‐ schungsfragen und -ergebnissen Anteil haben zu lassen. Das nachstehende Kapitel widmet sich zunächst populärwissenschaftlichen Formaten (außer Social Media und Presse, denn damit befassen sich zwei eigene Kapitel im Folgenden). Denn Wissenschaft findet ja schon lang nicht mehr nur im Elfenbeinturm, in Fachzeitschriften und Konferenzsälen statt. Wer heute wahrgenommen werden will, muss auch bereit sein, die eigene Forschung in unterschiedlichen Kontexten und Medien zu präsentieren. Sichtbarkeit entsteht auch abseits der gängigen Wissenschaftskanäle und Publikations‐ organe. Personen wie Prof. Harald Lesch oder Dr. Mai Thi Nguyen-Kim sind prominente Beispiele für die Wirksamkeit der außeruniversitären Öf‐ fentlichkeit. Während Harald Lesch seine Professur bereits innehatte, als er sich deutschlandweit zunächst als Moderator einer Wissenschaftssendung einen Namen gemacht hat, indem er Laien Forschung erklärt hat, war Mai Thi Nguyen-Kim erst am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, als sie über einen öffentlichkeitswirksamen Vortrag vor Laien ihre Karriere begonnen hat. Die Landschaft der Wissenschaftskommunikation hat sich in den letzten Jahren erweitert: Neben dem klassischen Vortrag stehen heute Forschenden zahlreiche neue Kanäle offen, von Science Slams bis hin zu TikTok-Clips, um mehr Sichtbarkeit zu erlangen. Doch jedes Format folgt eigenen Regeln, spricht andere Zielgruppen an und erfordert spezifische Kompetenzen. Dieses Kapitel soll Orientierung geben: Welche Formate gibt es, wie funktionieren sie, und wie kann man sie strategisch nutzen, um die eigene Arbeit sichtbar zu machen? Im nächsten Kapitel stehen dann die Sozialen Netzwerke im Fokus. Die große Vielfalt an Outreach-Angeboten macht es notwendig, zunächst zu identifizieren, welche Zielgruppe Sie im Blick haben. Denn unterschiedli‐ che Zielgruppen erfordern unterschiedliche Kanäle. (Wissenschaftsrat 2021: 42) Von wem wollen Sie wahrgenommen werden? Klar ist, Outreach zwingt <?page no="82"?> uns immer zu einer Vereinfachung und Verdichtung unserer Inhalte. Und möglicherweise hadern Sie auch gerade mit der Verdichtung Ihrer Inhalte. Lassen sich meine Forschungsinhalte wirklich derart kompakt darstellen? Die einfache Antwort darauf lautet: sollten Sie. Lassen Sie sich auf TED oder auf YouTube davon inspirieren, wie es erfolgreichen Wissenschaftler: innen gelingt, ihre Forschung verständlich an ein breites Publikum zu transpor‐ tieren. Die nachstehende Tabelle soll Ihnen einen ersten Überblick darüber ge‐ ben, mit welchem Präsentationsformat für wissenschaftliche Erkenntnisse sich welche Zielgruppen idealerweise ansprechen lassen. Format Verdichtung (Länge/ Komplexität) Zielgruppe Einsatzszenario Abstract/ Kurztext sehr hoch Fachkolleg: innen, Organisator: in‐ nen, Herausge‐ ber: innen Bewerbung Vor‐ trag, Einreichung Konferenz Blogs mittel Peers, Interessierte Öffentlichkeit Internetplattfor‐ men Elevator Pitch/ Science Pitch extrem hoch (Es‐ senz in 1-3 Min.) alle, auch Laien Vorstellungsrunde, Science Slam, Netz‐ werktreffen Fachartikel sehr gering (de‐ tailliert, umfas‐ send) Peers, erfahrene Wissenschaft‐ ler: innen, Gutach‐ ter: innen Publikation in wissschaftl. Publi‐ kationsorgan Konferenzvortrag mittel Fachcommunity, Kolleg: innen an‐ grenzender Diszi‐ plinen Präsentation auf Tagungen Newsletter unterschiedlich Peers, Interessierte Öffentlichkeit Mailingformate Podcast unterschiedlich interessierte Öffentlichkeit Streaming- Dienste populärwiss. Vor‐ trag hoch interessierte Öffentlichkeit Verbände, Gesell‐ schaft, Laien 82 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="83"?> Populärwiss. Arti‐ kel hoch interessierte Öffentlichkeit Wissenschaftsma‐ gazin, Online- Plattform Social Media extrem hoch alle, auch Laien Posts, Visuals Tabelle 14: Verdichtung wissenschaftlicher Inhalte Wissen | Bevor Sie sich für ein Format entscheiden, sollten Sie sich die folgenden Leitfragen stellen: • Welches Format passt zu mir? • Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen? • Wie sind meine Ressourcen? Wie beantworten Sie diese Fragen für sich? Welches Format passt zu mir? Notizen Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen? Notizen 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! 83 <?page no="84"?> Wie sind meine Ressourcen? Wieviel Zeit kann ich dafür aufwenden? Notizen Gerade die Frage nach den Ressourcen führt automatisch zu einer Abwägung zwischen Aufwand und Reichweite. In der nachstehenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über den potenziellen Aufwand und die erwartbare Reichweite. - geringe bis mittlere Reichweite hohe Reichweite hoher Aufwand eigener Podcast, YouTube- Kanal, Fachvortrag TED-Talk, Fachpublikation, Fachvortrag mittlerer Aufwand Podcast auf bestehender Platt‐ form, YouTube-Video auf beste‐ hendem Kanal populärwissenschaftlicher Vor‐ trag geringer Aufwand Gastbeitrag im Blog, Vortrag bei kleiner Veranstaltung, Social Media Post in eigenem Kanal Gastauftritt im Podcast, Interview im Medium mit großer Reich‐ weite, Newsletter in bestehendem Format, Social Media Post in be‐ stehendem bekanntem Kanal Tabelle 15: Aufwand vs. Reichweite Tipp | Wählen Sie sich zunächst ein Format aus und versuchen Sie nicht alles zu machen. Das kann überfordern und dazu führen, dass Sie am Ende kein Format richtig bespielen! Checkliste | Die richtige Format-Strategie finden • Bevor Sie starten, stellen Sie sich die folgenden Fragen: • Möchte ich vor allem bei Fachkolleg: innen sichtbar werden? Oder eher in der breiten Öffentlichkeit? Oder gezielt in einer Commu‐ nity/ Nische? • Ressourcen: Wie viel Zeit kann ich realistisch investieren? 84 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="85"?> • Habe ich das technische Know-how (z. B. Audio/ Video) für das Format meiner Wahl oder brauche ich Unterstützung? • Welche Kanäle nutze ich sowieso schon (z. B. LinkedIn) und kann daran anknüpfen? • Formate: Welches Format passt am besten zu meinen Stärken (z. B. Reden, Schreiben, Visualisieren)? • Welches Format hat für mich den besten Aufwand-Nutzen-Effekt? • Wo kann ich langfristig am ehesten dranbleiben? Merksatz | Sichtbarkeit entsteht nicht dadurch, alles zu machen - sondern dadurch, etwas regelmäßig und gut zu machen. 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge Das Interesse an populärwissenschaftlichen Vorträgen ist in den letzten Jahren gestiegen wie selten zuvor. (Wissenschaftsrat 2021: 5) Wo früher Wissenschaft nur Interessierten über VHS-Kurse oder Ringvorlesungen zu‐ gänglich gemacht wurde, gibt es geradezu eine Inflation an Gelegenheiten, um die eigene Forschung einem breiteren Publikum sichtbar zu machen. Die Möglichkeiten reichen von Vorträgen an der eigenen Universität, die fachbereichsübergreifend angeboten und dementsprechend auch über die eigene Disziplin hinaus verständlich sein sollen bis hin zu Vorträgen bei Podiumsdiskussionen zu bestimmen breit angelegten Themen. Prominente Beispiele für diese Art des Vortrags sind Science Slams, Lange Nächte der Wissenschaft, TEDx Vorträge u. v. m. Dieses Vortragsformat hat ein paar besondere Tücken, aber auch Chan‐ cen. Hier zeigen Sie Sichtbarkeit nicht nur durch Ihr Thema, denn oftmals können Sie das besondere Potenzial Ihres Themas gar nicht wirklich zur Schau stellen, da das für ein breiteres Publikum nicht so gut verständlich wäre, sondern sie treten vor allem durch Ihren Vortragsstil und Ihre persönliche Präsenz in Erscheinung. Der zumeist direkte Kontakt zum Publikum, der bei diesen Formaten in aller Regel gewünscht ist, führt auch zu unmittelbarem Feedback. Das kann mitunter sehr herausfordernd sein, aber ist auch eine große Chance, sich als Forschungspersönlichkeit weiterzuentwickeln. 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge 85 <?page no="86"?> Die Zielgruppen dieses Formats sind in der Regel Studierende, interes‐ sierte Laien (dazu zählen auch Wissenschaftler: innen anderer Fakultäten, Entscheider: innen in Politik und Verbänden und Journalist: innen). Dem zufolge ist es Ihre Kernaufgabe, Ihre Inhalte unterhaltsam, verständlich und inspirierend vorzutragen. Auch wenn dies im Grunde für alle Zuhörenden dieses Vortragsformats gilt, so ist es durchaus sinnvoll, bei unterschiedlichen Zielgruppen noch einmal besondere Schwerpunkte zu legen. Folgende Akzente werden üblicherweise erwartet: • Laienpublikum: Unterhaltung + verständliche Botschaft. • Studierende: Inspiration + Orientierung. • Entscheider: innen/ Politik/ NGOs/ Journalist: innen: Relevanz + Anwendungsbezug. Die Basisarbeit dazu haben Sie ja bereits in Kapitel zwei geleistet. Insofern sollte es Ihnen nicht schwerfallen, Ihre Forschung verständlich, kompakt und anschaulich zu präsentieren. Für den populärwissenschaftlichen Vor‐ trag kommen allerdings noch ein paar weitere Anforderungen hinzu: Er sollte inspirierend sein und den Praxisbezug stark in den Fokus rücken. Interessierte Laien wollen, auch wenn das Thema komplex ist, spüren, dass Sie etwas gelernt haben, sie wollen inspiriert werden und eine Perspektive bekommen zu dem, worüber Sie sprechen. Vervollständigen Sie so viele der nachstehenden Sätze wie möglich, um Ihren populärwissenschaftlichen Vortrag so inspirierend und anschaulich wie möglich zu gestalten. Wissen | Diese Sätze werden so nicht direkt in Ihrem Vortrag fallen, sie dienen nur Ihrer Klarheit und Fokussierung! Was bedeutet meine Forschung für den, der da zuhört? z. B. Wenn Sie meinen Vortrag gehört haben, werden Sie verstanden ha‐ ben, warum Abgrenzungsrhetorik heutzutage parteipolitisch zunimmt. 86 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="87"?> Wenn Sie meinen Vortrag gehört haben, werden Sie anschließend … Notizen Was sollen die Zuhörenden nach dem Vortrag tun (können)? z. B. Nach meinem Vortrag werden Sie vermutlich Milch bewusster trin‐ ken, an Präventionskursen teilnehmen, ihre Standbygeräte vom Strom nehmen, den Landwirten mehr Wertschätzung geben, sich mehr für Psychologie interessieren, anders kommunizieren, der Stadtarchitektur mehr Aufmerksamkeit schenken, verstehen, wie ein Quantencomputer funktioniert und wofür man ihn braucht, … Wenn Sie meinen Vortrag gehört haben, können/ sollen Sie … Notizen Wofür ist Ihre Forschung nützlich (das ist eine Frage, die viele Laien beantwortet haben möchten, weil sich das Konzept Grundlagenforschung nicht allen erschließt)? z. B. Nach meinem Vortrag haben Sie verstanden, dass uns die moderne Quantenoptik ein Fenster öffnet in komplett neue Welten, die zu verste‐ hen sich lohnen, auch wenn wir heute noch nicht sicher wissen, was wir für Erkenntnisse bekommen werden. 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge 87 <?page no="88"?> Nach meinem Vortrag haben Sie verstanden, dass … Notizen In welchem größeren Zusammenhang steht Ihre Forschung? z. B. Ich habe zwar nur einen kleinen Teil untersucht, aber meine Forschung liefert die Grundlage, um künftig sehr viel größere Frage‐ stellungen zu bearbeiten, da wir ein methodisches Setting erproben, dass es erlaubt, Datensätze unterschiedlicher Herkunft gemeinsam zu verarbeiten. Notizen Je nach Zielgruppe und Format gibt es Erwartungen und auch ein paar Stolpersteine, die Sie in den Blick nehmen sollten. Format typische Zielgruppe Erwartun‐ gen des Pu‐ blikums häufige Stol‐ persteine populärwissenschaftlicher Vortrag (unterschiedlicher zeitlicher Rahmen) interessierte Öffentlichkeit, Studierende, Laien verständliche Erklärung, Unterhaltung, Bezug zum Alltag zu viele Fach‐ begriffe, mo‐ notone Dar‐ stellung 88 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="89"?> Science Slam (häufig Wettbe‐ werb von wissenschaftlichen Vorträgen in kurzem Zeitrah‐ men - oft 10 Minuten, die vor Laien präsentiert und prämiert werden) gemischtes, oft junges Pu‐ blikum Kurzweilig‐ keit, Humor, klare Pointe Wissenschaft „verram‐ schen“, zu sehr Comedy Keynote (Meist Auftakt- oder Abschlussvortrag auf einer Konferenz oder Veranstaltung) Konferenzteilnehmende, gemischte Fachöffent‐ lichkeit Inspiration, große Linien, Zukunftsper‐ spektiven zu detailreich oder zu allge‐ mein, falscher Ton Gastvortrag (eingeladener Vortrag von einer Hochschule, Institution, Stiftung, manch‐ mal auch Unternehmen zu ver‐ wandten Themen, die nicht von den Hauptvortragenden abgedeckt werden) Studierende, Kolleg: innen anderer Insti‐ tution, inter‐ disziplinäres Publikum fachlicher In‐ put, Transfer, Bezug zu Gastgeber- Themen nur Selbstdar‐ stellung, man‐ gelnder Bezug zum Publikum Online-Präsentation (Webi‐ nar, Livestream) (Edutain‐ ment zu Spezialthemen, die verständlich präsentiert wer‐ den. Publikum kann mit Refe‐ renten interagieren) interessierte Öffentlichkeit oder breite Community kurze, klare Folien, Inter‐ aktion im Chat technische Probleme, feh‐ lender Kon‐ takt zum Pu‐ blikum Tabelle 16: Unterschiedliche Präsentationsformate Es gibt ein paar Möglichkeiten, diese Stolpersteine zu vermeiden, die in den folgenden Punkten zusammengefasst sind. Welche Anforderungen sind populärwissenschaftlichen Vorträgen ge‐ mein? Eines der wesentlichen Qualitätsmerkmale ist, dass diese Vortragsart durch ein hohes Maß an Anschaulichkeit gekennzeichnet ist. Ihr Vortrag sollte durch Storytelling, Anschaulichkeit, Präsenz und Reduktion beste‐ chen. Nutzen Sie Elemente des Storytelling, in dem Sie Beispielgeschichten, Analogien, Fallbeispiele, Alltagsbezüge oder Metaphern verwenden, um so die Anschaulichkeit Ihres Vortrags zu erhöhen. Durch eine prägnante Stimme, eine lebendige Körpersprache erzielen Sie mehr Präsenz und verbessern Ihren Kontakt zum Publikum. 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge 89 <?page no="90"?> Durch Reduktion auf das Wichtigste helfen Sie ihren Zuhörenden, Ihre Kernbotschaft zu begreifen. Vermeiden Sie auch zu viele Fachbegriffe, die es den Zuschauenden schwer machen könnten, Ihren Inhalt zu verstehen. Welche Besonderheiten gibt es nun neben diesen Grundregeln bei den verschiedenen Sonderformaten? Science Slams legen großen Wert auf die Vortragstechnik und auf aktuelle Bezüge. Es geht immer um die eigene Forschung, wohingegen andere Vorträge mitunter auch mit Querschnittsthemen oder Themen aus dem Fachbereich bestritten werden können. Da das Format Wettbewerb‐ scharakter aufweist - das Publikum entscheidet am Ende eines Science Slams, wer ausgezeichnet wird - geht es um den schnellen Effekt, um rhe‐ torische Brillanz. Berühmte Science Slammer: innen sind z. B. Giulia Enders oder Mai Thi Nguyen-Kim. Der Zeitrahmen eines Science Slams ist streng limitiert und die Aufgabe ist klar: unterhalte Dein Publikum mit Deiner Forschung. Außerdem sollte das Publikum anschließend das Gefühl haben, etwas gelernt zu haben. Zu Beginn des Vortrags gilt es, das Publikum schnell mit einer spannenden Frage aus Ihrer Forschung abzuholen. Idealerweise stellen Sie dabei auch einen Bezug zum Lebensalltag der Zuhörenden her. Im Hauptteil werden Fakten präsentiert, die klar, innovativ aber vor allem nachvollziehbar sind. Der Schlussteil ist die Krone des Ganzen. Hier findet die Take-Home-Message ihren Platz. Sie hat besonders großes Gewicht, sollte klar, nachvollziehbar und belastbar sein. Science Slams erfordern freies Sprechen auf einer Bühne mit klarem Fokus auf den Zuhörenden. Wer damit nicht vertraut ist, sollte seine rhetorischen Fähigkeiten vorab unbedingt trainieren. Denn es geht um die Präsenz im Raum, das Ansprechen des Publikums, es geht darum, das Publikum zu begeistern und für sich zu gewinnen. Idealerweise hat der Vortrag auch einen leicht einzuprägenden und leicht zu merkenden, prägnanten Titel. Giulia Enders Vortrag im Jahr 2014, der den Grundstein ihrer späteren Buchkarriere legte, lautete „Darm mit Charme“. Ihr Vortrag wurde auf YouTube veröffentlich und Enders erhielt ein Angebot, ein Buch zu dem Thema zu schreiben, das zum Bestseller wurde. Bei Keynotes liegt der Schwerpunkt weniger auf Details, mehr auf großen Linien, Visionen und auf der akademischen wie gesellschaftlichen Relevanz eines Themas. Das Publikum will und soll inspiriert werden, um die Impulse der Keynote anschließend in Gesprächen, im weiteren Verlauf der Veranstaltung als Impuls weiterzudenken. Keynotes haben also mehr als die anderen Formate die Aufgabe zu inspirieren, möglicherweise auch 90 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="91"?> kontroverse Impulse zu setzen. Das gelingt nur, wenn die Redner: innen den Kontext der Veranstaltung mit im Blick behalten. Keynotes haben ein enormes Potenzial, denn häufig werden sie aufgezeichnet oder gestreamt und die Gastgeber: innen selbst haben ein großes Interesse an einer großen Öffentlichkeit. Die größte Herausforderung der Keynotes ist es indes, das richtige Maß an Detailtiefe zu finden. Zu viel lenkt von der großen Linie der Veranstaltung ab, zu wenig und der Vortrag wirkt oberflächlich, inhaltsleer. Ein weiteres Risiko ist es, wenn die Referent: innen den Ton der Veranstaltung nicht treffen, weil sie vielleicht das Publikum nicht richtig einschätzen. Eine präzise Recherche erscheint unbedingt erforderlich. Und bei Gastvorträgen gilt, abweichend zu den anderen Formaten, dass es einen stärkeren Bezug zu den Gastgeber-Themen gibt, es sollten interdisziplinäre Brücken gebaut werden. Sie werden hierfür eingeladen und sollen quasi aus der Nische heraus, ein benachbartes Thema oder einen besonderen Aspekt beleuchten. Auch wenn Sie als Fachexperte oder -expertin geladen sind, wäre es ratsam, nicht zu sehr ins Detail zu gehen, da Sie sonst möglicherweise Ihr gemischtes Publikum verlieren. Andererseits sollten Sie dennoch auch etwas an Substanz liefern, denn hier sind Sie nicht als Entertainer geladen, sondern als Gast mit Fachkompetenz, die den Anwesenden oft fehlt. Eine gute Absprache mit den Einladenden ist deshalb unverzichtbar. Was wird erwartet, was ist Ihre Rolle? Online-Präsentationen haben vor allem technische Tücken und erfor‐ dern ein hohes Maß an Stoik, denn nicht selten sehen Sie niemanden außer sich selbst - die Kameras der Zuschauenden sind ausgeblendet oder ausgeschaltet - als Referent: in sprechen Sie also vielleicht ein bisschen ins Weltall, es gibt keinen Schall, der zurückkommt. Die Herausforderung liegt darin, dass das Format in jede Richtung kippen kann. Es kann sein, dass Sie einen Vortrag halten, bei dem Sie keine Rückmeldung bekommen, weil die Zuhörenden sich nicht beteiligen. Es kann aber umgekehrt auch sein, dass es über die Anonymität von Chats viele, zum Teil sogar unerwartete Fragen und Rückmeldungen gibt. Eine gute Möglichkeit, damit umzugehen, ist es, den Vortrag ein bisschen wie ein Sushi-Menü anzurichten. Sie haben eine gewisse Menge an Sushiröllchen vorbereitet, wie viel Sie letztlich auf den Teller Ihrer Zuhörer: innen legen, hängt von deren Beteiligung ab. Bereiten Sie also für alle Teile Ihres Vortrags Inhalte vor, die Sie ohne Reibungsverluste weglassen können, wenn es Fragen gibt. Haben Sie die Zeit klar im Blick, sie sollten wissen, wann Sie Fragen delegieren (ich würde Sie bitten, sich im Anschluss an meinen Vortrag mit mir darüber 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge 91 <?page no="92"?> auszutauschen, das sprengt hier den zeitlichen Rahmen), wann Sie ihr Publikum auffordern, ihre Fragen zu bündeln und wann Sie sich Zeit nehmen können, auf Rückfragen zu antworten. Sollte das Format keine Rückfragen während des Vortrags erlauben, sollten Sie sich gut auf die Dauer des Vortrags vorbereiten. Üblicherweise benötigen Sie für Onlinevorträge weniger Zeit als für Präsenzvorträge. Warum das so ist, ist einfach erklärt: In einem Vortragssaal verlieren Referent: innen immer Zeit für Blickkontakt oder für die Reaktion auf ein Geräusch im Raum und sei es nur, dass jemand niest oder ein Fenster klappert. Wir interagieren mit unserer Umwelt und machen dadurch Mikropausen, durch den direkten Kontakt mit dem Publikum sprechen wir langsamer und das zusammen summiert sich auf eine Zeit, die wir bei Onlinevorträgen, wo all das entfällt, einsparen. Es passiert also nicht selten, dass Vortragende einen Vortrag, für den sie in Präsenz 15 Minuten gebraucht haben, online in 12 Minuten durchbringen. Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass sich Referent: innen durch das fehlende nonverbale Feedback im Raum oft stärker unter Druck fühlen, einen fehlerfreien Vortrag zu liefern. Um diesem Druck zu entgehen, üben Sie den Vortrag vorab und sprechen das Publikum, selbst wenn sie es nicht sehen, mehrfach an. Das entlastet Sie, weil sie immer wieder daran erinnert werden, dass Menschen auf der anderen Seite Ihrer Webcam sitzen. Schließlich bietet die Technik einige Tücken. Sie sollten deshalb unbedingt auf einen Testlauf mit dem Veranstalter drängen, damit Sie sicher sein können, dass alles funktioniert. Die nachstehende Grafik kann Ihnen helfen, eine Entscheidung darüber zu treffen, welches Vortragsformat für Sie in Frage kommt. Wollen Sie mehr Erklären oder Inspirieren und wie groß soll die Zuhörer: innenschaft sein. 92 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="93"?> Science Slam Keynote Online- Präsentation Gastvortrag populärwissenschaftlicher Vortrag Ziel des Formats | erklären → inspirieren Entscheidungshilfe | Welches Präsentationsformat passt? 1 2 3 4 5 1 2 3 4 5 Publikumsgröße | klein → groß Abbildung 7: Ziel und Aufwand Präsentationsformate Nachdem Sie nun die Vor- und Nachteile verschiedener Präsentationsfor‐ mate kennengelernt haben, haben Sie vielleicht schon etwas mehr Klarheit darüber, welches dieser Formate für Sie das richtige wäre: 4.1 Glitzer im Talk - Populärwissenschaftliche Vorträge 93 <?page no="94"?> Forschungsin‐ halt, den Sie pro‐ moten wollen geeignetes Präsentationsformat Gründe für dieses Format Was ist der erste Schritt (wen kann ich anspre‐ chen, wo kann ich etwas einrei‐ chen etc.)? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -- - - - - - - - - Tabelle 17: Übung Passung Inhalte und Präsentationsformat Checkliste | Vorbereitung auf populärwissenschaftliche Vorträge • Ist die Zielgruppe klar? Vorab recherchieren, wer im Publikum sitzt! Eventuell Skizze des Vortrags mit Gastgeber: innen teilen und Feedback einholen. • Ist Kernbotschaft auf einen Satz gebracht? • Sind Einstieg, Story, Schluss vorbereitet? • Sind die verwendeten Visuals bildhaft statt textlastig? Folien spar‐ sam verwenden! • Zeitrahmen geübt? Probedurchlauf machen, um Zeit zu messen • Den Fokus immer noch auf Inhaltsvermittlung legen und den Anteil auf Unterhaltung nicht über Gebühr erhöhen! • Sich andere populärwissenschaftliche Vorträge zu dem Thema an‐ schauen und Sprachrahmen identifizieren! • Auf eine leicht verständliche Sprache achten! • Sprachlich abwechslungsreich vortragen! • Feedback eingeholt? Vorab einen Testlauf bei Freunden und Bekann‐ ten machen, die mit dem Thema nicht vertraut sind 94 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="95"?> • Überprüfen, ob das Publikum in jedem Teil des Vortrags (Einleitung, Hauptteil, Schluss) mindestens einmal durch direkte Ansprache oder durch passgenaue Inhalte aktiviert wird • Technik vorab prüfen, Testlauf 4.2 Schreiben, aber anders. Online-Blogs Blogs sind ein sehr niedrigschwelliger Einstieg in die Wissenschaftskom‐ munikation. Sie können in regelmäßigen Formaten einzelne Blogbeiträge verfassen oder eigene Blogs posten. Die Autor: innen von Blogs können in der Regel Länge, Inhalte und Stil selbst festlegen, es gibt über die‐ ses Medium die Möglichkeit, Themen zu platzieren, für die sich sonst wenig Raum findet. Zu bekannten Wissenschaftsblogs zählen im deutsch‐ sprachigen Raum beispielsweise SciLogs der Zeitschrift Spektrum, die Helmholtz Blogs, für die Geisteswissenschaften de.hypotheses.org oder auch scienceblogs.de, im englischsprachigen Raum theconversation.com. De.hypotheses.org bietet auch Promovierenden die Möglichkeit an, Wis‐ senschaftsblogs zu eröffnen. Neben diesen prominenten Plattformen gibt es nicht selten auch Blogs von Universitäten, Fachvereinigungen, Institu‐ ten oder Nachwuchsgruppen, die eine gute und einfache Chance bieten, erste Blogbeiträge zu veröffentlichen. Wissenschaftsblogs eröffnen die Chance, nicht nur Ergebnisse zu teilen, sondern auch Einblicke in Methoden oder wissenschaftsnahe Themen‐ felder zu geben. Der besondere Vorteil von Wissenschaftsblogs ist die einfache und auch langfristige (über Suchmaschinen werden auch alte Blogartikel aufgefunden) Sichtbarkeit, bei der man nicht von Gatekee‐ per: innen abhängig ist. Beim eigenen Blog gibt es keinerlei Restriktionen, bei anderen Blogs zumindest weniger Einschränkungen als bei Journals. Die Veröffentlichung von Blogs ist niederschwelliger und somit auch erfolgversprechender. 4.2 Schreiben, aber anders. Online-Blogs 95 <?page no="96"?> Folgende Formate lassen sich unterscheiden: Format Chancen und Risiken Erwartungen des Publikums Stolpersteine institutioneller Blog (eingebettet in Institutionen) größere Öffent‐ lichkeit, Rahmen‐ bedingungen der Institution fordern Absprachen ein, dadurch erhöhter Zeitaufwand aktuelle Themen, verständlich auf‐ bereitet, gut lesbar, Bezug zur Institu‐ tion oder zum übergeordneten Thema Zu wenig aktuell, zu uninteressant eigener Blog komplette Freiheit in der Darstellung, aber sehr hoher Wartungsauf‐ wand, technische Hürden aktuelle Themen, verständlich auf‐ bereitet, gut lesbar, rote Linie in den verschiedenen Beiträgen, etwas „Anderes“ als die anderen Blogs zu geringer Inno‐ vationsgrad, zu wenig Aufmerk‐ samkeit Gastbeiträge auf etablierten Plattformen (eta‐ blierte Blogs von Zeitschriften oder Institutionen) große Öffentlich‐ keit Inspiration, große Linien, Zukunfts‐ perspektiven Beitrag wird nicht angenommen Tabelle 18: Unterschiedliche Blogformate Für alle Blogs gleichermaßen gilt, dass die Texte verständlich geschrieben sein müssen. Sprachlich sind Blogs durch kurze Absätze, klare und zielge‐ richtete Überschriften gekennzeichnet. Auch strukturell erfordern Blogs ein anderes Vorgehen. Da die Texte kurz sind und das Internet ein sehr schnelles Medium ist, sollte der Einstieg in Blogs stets pointiert sein. Steigen Sie also mit einer starken Aussage ein, die einen Spannungsbogen verspricht. Vergleichen wir beispielsweise zwei erste Absätze, wie sie fiktiv in zwei Texten stehen könnten: 96 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="97"?> 8 Die im Originaltext enthaltenen Belege wurden hier im Beispiel entfernt. Es geht hier um die beispielhafte Darstellung eines Wissenschaftstextes und nicht um den Inhalt. Absatz eines Fachaufsatzes 8 Absatz für einen Blogbeitrag Die Kritik an mündlichen Prüfungen ist so alt wie das Prüfungsformat selbst. Doch wenngleich mündliche Prüfun‐ gen wiederkehrend stets aufs Neue we‐ gen ihrer Schwächen kritisiert werden, so erfährt dieses Prüfungsformat in ebensolchen Rhythmen immer wieder viel Befürworterschaft. Ob es jetzt die Plagiatsskandale in den 2010er-Jahren waren, die Covid-19-Pandemie oder auch das Auf kommen neuer Techno‐ logien wie ChatGPT: Mündliche Prü‐ fungen waren und sind immer wieder eine gerne gewählte ›Allzweckwaffe‹ im Kampf gegen jedwede Form studen‐ tischer Täuschungsversuche und dro‐ henden Kompetenzverlust. In all die‐ sen universitären Prüfungskrisen gab es immer wieder ein Credo, das hier wie dort zu hören war: Die mündliche Prüfung sei die einzig wahre Prüfungs‐ form, die komplett täuschungssicher sei. (Frölich-Steffen 2025: 76) Die mündliche Prüfung ist tot! Lang lebe die mündliche Prüfung! Mündli‐ che Prüfungen haben schon immer einen zwiespältigen Ruf: Die einen halten sie für unfair und stressig, die anderen schwören auf sie. Spannend ist, dass dieses Prüfungsformat immer dann wieder im Rampenlicht steht, wenn die Hochschulen unter Druck geraten. Ob Plagiatsskandale in den 2010er-Jahren, die Coronapandemie oder jetzt neue Tools wie ChatGPT - sobald es um die Gefahr von Schum‐ meln oder Kompetenzverlust geht, werden mündliche Prüfungen gerne als „Allzweckwaffe“ hervorgeholt. Und tatsächlich hört man in diesen Debat‐ ten immer wieder denselben Satz: Nur die mündliche Prüfung sei absolut si‐ cher vor Täuschung. Tabelle 19: Beispiel Unterschied Fach- und Blogtext Blogs dürfen auch die Meinung des Schreibenden erkennbar machen, darin unterscheiden sie sich deutlich von anderen wissenschaftlichen Text-sorten. Sie können auf weiterführende Studien verlinken, Kooperationen anbieten oder Prozesse beleuchten, die noch im Werden sind. 4.2 Schreiben, aber anders. Online-Blogs 97 <?page no="98"?> Lassen Sie es uns üben. Übertragen Sie hier einen Teil eines Aufsatzes, eines Papers, eines Vortrags in die linke Spalte, und formulieren Sie es dann in der rechten Spalte in einen Blogtext um: Ihr bisheriger Text Und so könnte der neue Blogtext aussehen ---------------- - Zweites Beispiel: ---------------- - Tabelle 20: Übung Blogtext Für das Erstellen eines Blogbeitrags können Sie Teile Ihrer Forschung heranziehen. Wenn Sie sich das Leben besonders leicht machen wollen, nehmen Sie einen Teil Ihrer Forschung, den Sie gerne als Blog veröffentlichen würden, 98 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="99"?> und bitten Sie einen Chatbot darum, Ihnen daraus einen Vorschlag für einen Blog zu machen. Beachten Sie aber, dass die unbearbeitete und unreflektierte Übernahme von Texten von Chatbots nicht nur unter dem Gesichtspunkt der wissenschaftlichen Redlichkeit unzulässig ist, sondern mitunter auch das Risiko von Falschdarstellungen birgt. Chatbots können wunderbare Sparringspartner beim Finden von Formulierungen sein, sie können uns Vorschläge machen oder Feedback geben, die Ideen und der Kerninhalt Ihrer Blogs muss aber von Ihnen selbst formuliert sein. Um Ihren Blog leicht verständlich und anschaulich zu gestalten, können Beispiele, Geschichten oder auch Bilder helfen. Blogs sind keine schwere Kost, eher ein leichter Snack zwischendurch. Natürlich gibt es auch Risiken bei Blogbeiträgen: zunächst einmal kann es passieren, dass Blogs keine oder sehr geringe Aufmerksamkeit erlangen und Sie Ihre Zeit in ein unrentables „Produkt“ investiert haben. Deshalb wäre es klug, sich vor der Erstellung des Blogs auch Gedanken zu machen oder zu recherchieren, wie der Beitrag verbreitet wird und welche Reichweite der Blog hat, damit die Zeit nicht umsonst verwendet wird. Haben Sie ein Netzwerk etabliert, können Sie in Ihrem Netzwerk den Blog verteilen. Oder gibt es Strukturen, auf die Sie zugreifen können? Das könnte zum Beispiel ein Institutsverteiler sein oder ein Newsletter einer Forschungsgemeinschaft oder ähnliches. Ein weiteres Risiko entsteht durch das Format an sich. In manchen Disziplinen gelten Blogs als zu „trivial“. Dieser Kritik ist aber jede Person ausgesetzt, die populärwissenschaftliche Aufmerksamkeit sucht. Blogs sollten unbedingt einen roten Faden, ein übergeordnetes Thema, einen klaren Fokus haben und eigene Blogs sollten sehr regelmäßig erschei‐ nen. Lieber kurz und oft als lang und selten. Im Idealfall können Sie sich darüber auch eine eigene Community aufbauen oder Ihr Netzwerk stärken. Sollten Sie einen eigenen Blog ins Leben rufen wollen, sollten Sie alle der folgenden Fragen für sich mit Ja beantworten können: • Kann ich sicherstellen, dass ich regelmäßig etwas zu dem Thema zu sagen habe? • Gibt es nicht bereits andere Blogs, die das Thema schon länger abde‐ cken? • Kann ich alleine den Blog warten und bespielen - ein „toter Blog“ ist eher schädlich! 4.2 Schreiben, aber anders. Online-Blogs 99 <?page no="100"?> • Liegt mir das Genre? Lieber erst mal in einer bestehenden Plattform einen Testlauf durchführen als einen eigenen Blog ins Leben rufen, der dann stillsteht. • Kann ich selbst meinen Blog vermarkten, bin ich in sozialen Netzwerken integriert, in denen ich auf meinen Blog aufmerksam machen kann? Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit Nein beantworten, sollten Sie fürs Erste vielleicht mit einem Blogbeitrag auf einer bestehenden Plattform starten. Checkliste | Mein erster Blogbeitrag • Ist die Zielgruppe klar bekannt? • Nutze ich Beispiele, Geschichten oder Bilder, um komplexe Inhalte verständlich zu machen? • Habe ich einen aufmerksamkeitsgenerierenden Aufhänger? • Habe ich eine spannende Kernbotschaft? • Habe ich eine Idee, wie ich meinen Blogbeitrag verbreite? 4.3 Spot on - Forschungsvideos Im Gegensatz zu Blogs sind Forschungsvideos deutlich zeitaufwendiger. Umso besser sollten Sie erwägen, ob dieses Format für Sie ein gutes Format darstellt. Zunächst einmal versprechen Forschungsvideos eine große Reichweite, wenn sie auf Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok etc. verbreitet werden. Prominente Beispiele für Wissenschaftler: innen, die Forschung über Videos sichtbar machen, sind zum Beispiel Jakob Schwer‐ dtfeger, der Kunstgeschichte über Videos und Kunstcomedy vermittelt sowie die Sendung Maithink. Nicht jede Forschungsperson muss diesen Standard erreichen. Forschungsvideos können auch deutlich weniger inszeniert sein und dennoch wirken. Viele internationale Universitäten bespielen Video‐ kanäle nach dem Prinzip „research in a nutshell“. Hier werden komplexe Inhalte anschaulich präsentiert. Sie eigenen sich immer da, wo es eben auch auf Bilder ankommt und/ oder wo Sie als Forschungspersönlichkeit sichtbar werden wollen. Durch seine niederschwellige Zugänglichkeit lässt sich mit Forschungsvideos schnell eine große Reichweite erzielen. Es gibt verschiedene Formate für Forschungsvideos. 100 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="101"?> Format Chancen Zielgruppe und ihre Erwartun‐ gen Stolpersteine Kurzvideo (Reels, Shorts, Tik‐ Tok, „research in a nutshell“) große Öffentlich‐ keit, verbreitet sich oft ohne eige‐ nes Zutun, Wie‐ derverwendbar‐ keit auch in anderen Kontex‐ ten jüngeres Publi‐ kum - schnelle Schnitte, in 15-90 Sekunden einen Gedanken, ein Bild erklärt technisch schlecht umgesetzt, einmal im Netz, nie wie‐ der verschwunden Erklärvideo (2-10 Minuten) Sichtbarkeit für außeruniversitäre Öffentlichkeit ohne großen Auf‐ wand von Laien über Studierende bis hin zur Presse. Faden verlieren, langweilige Auf‐ bereitung, techni‐ sche Mängel Langformate (10-60 Minuten) erreicht Gleichge‐ sinnte und Interes‐ sierte, oftmals ge‐ eignet als Einstieg in bilaterale Dia‐ loge Interessierte, Stu‐ dierende großer Aufwand für wenig Sicht‐ barkeit Tabelle 21: Unterschiedliche Formate von Forschungsvideos Um sich für ein geeignetes Format zu entscheiden, ist es zunächst hilfreich, sich von erfolgreichen Kolleg: innen inspirieren zu lassen. Suchen Sie nach Wissenschaftler: innen, die in Ihrem Feld mit Videos an die Öffentlichkeit gegangen sind, schauen Sie sich die Videos an und notieren sich, was aus Ihrer Sicht Qualitätsmerkmale und Gemeinsamkeiten dieser Videos Ihrer Role Models sind und lassen Sie sich davon für Ihr eigenes Video inspirieren. ➲ Übung! Zu folgenden Themen werden häufig Forschungsvideos veröffentlicht und gelikt oder geteilt: Notizen 4.3 Spot on - Forschungsvideos 101 <?page no="102"?> Was ist die Gemeinsamkeit an diesen Inhalten? Z. B. Sind die Themen beson‐ ders gut visuell darstellbar? Oder geht es vor allem um die Forschungspra‐ xis? Oder geht es um kreative Lösungen? Oder gibt es keine Gemeinsamkeit? Notizen Welche visuellen Hilfen werden benutzt, um die Inhalte verständlich zu machen? Notizen Mit welchen Anekdoten, Stilmitteln und welchem Verhalten werden Videos unterstützt, die nicht primär auf visuelle Hilfen setzen? Notizen Welche meiner Forschungsthemen würden sich für ein Forschungsvideo eignen? Notizen 102 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="103"?> Wenn ich mich für das Thema ____________________ entscheiden würde, was wäre meine Hauptaussage, meine Kernbotschaft? Notizen Wenn ich mich für das Thema ____________________ entscheiden würde, mit welchen Visualisierungen könnte ich arbeiten? Notizen Wenn ich mich für das Thema ____________________ entscheiden würde, welche Geschichten oder Anekdoten könnte ich erzählen? Notizen Forschungsvideos adressieren in erster Linie eine etwas jüngere Öffentlich‐ keit, sie eignen sich also weniger, um die eigene Karriere an einer traditionel‐ len Forschungseinrichtung zu pushen, wohl aber, um mehr Sichtbarkeit zu erlangen, gerade auch, wenn man seine Fühler auch in außeruniversitäre Kontexte ausstrecken möchte. Es gibt ein paar ToDos, die unverzichtbar sind: Auf die Frage „Why Should Scientists be on YouTube? “ antwortet Eric Brennan wie folgt: „It’s all About Bamboo, Oil and Ice Cream! “ (Brennan 2021: 1) Was ist damit gemeint? Bambus steht für Effizienz, Zugänglichkeit und Vielseitigkeit. Bambus ist eine extremschnell wachsende, sehr effiziente 4.3 Spot on - Forschungsvideos 103 <?page no="104"?> Pflanze (sie kommt mit wenig aus) und ist universell nutzbar. Damit verweist Brennan darauf, dass auch YouTube oder andere Videoplattformen eine schnelle, offene und flexible Wissenschaftskommunikation ermöglichen. Mit Öl betont Brennan, dass Videos die eigene Forschung glänzen lassen können. Videos können Forschung verständlicher machen und ihr „Strahl‐ kraft“ verleihen. Schließlich steht Eiscreme für den Erzählcharakter von Videos. Sie erzählen oftmals Geschichten. Im Gegensatz zu oftmals trocke‐ neren Vorträgen, sind gute Forschungsvideos „leichte Kost“. Videos müssen also immer auch Erzählcharakter haben, damit sie wirkungsvoll sind. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die klare, einfach verständliche Mes‐ sage. Ein prominentes Beispiel für eine erfolgreiche Vermittlung wissenschaftli‐ cher Inhalte über Videos ist die Psychologin und Kommunikationstrainerin Vera Birkenbihl. Ihre Vorträge waren weder durch besondere Medien unterstützt, es wurde kein Feuerwerk an technischem Schnickschnack abgebrannt. Aber dennoch gehören sie bis heute zu den immer wieder angesehenen Highlights. Einige ihrer Videos werden noch viele Jahre nach ihrem Tod immer wieder angeklickt, haben Klickzahlen im Hunderttausendbereich. Aber was ist das Erfolgsrezept all dieser Inhalte? Es gibt eine klare, einfach verständliche Message oder Zielsetzung, kein Drumherumgerede, sondern klare Inhalte, die durch Vortragsstil und oder visuelle Medien vermittelt werden. Wissen | Ihre Inhalte können vielfältig sein: Ob Sie einen Einblick in Ihre Forschung geben, Ihre Ergebnisse präsentieren oder etwas aus dem Wissenschaftsalltag erzählen: wichtig ist, dass es klar und verständlich ist. Wenn Sie sich dafür entscheiden, dass Ihr Vortrag durch Ihren Vortragsstil bestechen soll - wie beispielsweise in den Videos von Vera Birkenbihl, Mai Thi Nguyen-Kim oder Jakob Schwerdtfeger, dann kommt es auf die Rhetorik, die Persönlichkeit und die Ausstrahlung an. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss bereit sein, sich als Mensch zu zeigen. Im Zentrum stehen Ihre Faszination, Ihre Begeisterung und Ihre Fähigkeit, die Menschen, die Ihre Videos ansehen, direkt anzusprechen. Eine direkte Ansprache ist schon mal ein Schlüssel für den Erfolg. Dazu kommen Geschichten, Anekdoten und viel Begeisterung für das Thema. 104 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="105"?> Wer sich für visuelle Medien als Botschafter des Themas entscheidet, sollte spannende Bilder, Videoclips und Illustrationen dafür bereithalten. Die Verfügbarkeit von KI-Anwendungen gibt Forschenden hier eine ganz neue Ressource an die Hand. Urheberrechtlich unbedenklich ist die Verwen‐ dung von KI-generiertem Bild- und Videomaterial allerdings nicht. Es ist deshalb empfehlenswert, solche Anbieter zu wählen, die selbst auf die Wahrung der Urheberrechte achten, wie beispielsweise Adobe Firefly, die an allen der Datenbank zur Verfügung stehenden Bildern auch die Rechte hat. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie wären Forscher: in in der Medizintech‐ nik und würden ein Kurzvideo über die Zukunft von Knieprothesen halten. Um zu illustrieren, dass die Knieprothesen der Zukunft ganz anderen, höheren Belastungen ausgesetzt sein werden als das die heutigen Knieprothesen sind, die man bislang eher älteren Menschen eingesetzt hat, könnten Sie beispielsweise mit Hilfe von KI ein Foto erstellen, das ein Känguru mit einer Knieprothese zeigt. In der Realität werden Kängurus wohl selten oder nie Prothesen implantiert, doch, um die Belastung, die künftige Prothesen werden aushalten müssen, zu illustrieren, wäre ein Bild, wie das Folgende mit Sicherheit anschaulich: Abbildung 8: Mit Adobe Firefly erzeugtes Bild eines Kängurus 4.3 Spot on - Forschungsvideos 105 <?page no="106"?> Neben KI-Anwendungen gibt es auch zahlreiche Bilddatenbanken, in denen man Bilder zu geringen Kosten erwerben und damit die eigenen Vorträge unterstützen kann. Neben Bildern können Präsentationen, Animationen oder auch Videos (auch kurze Videos lassen sich mit Adobe Firefly erzeugen) Ihre Message unterstützen. Wissen | Achten Sie dabei jedoch darauf, dass jedes Bild, jede Veran‐ schaulichung die Inhalte Ihres Vortrags unterstützt. Kurzgefasst: die Visualisierung soll helfen, die Message zu verstehen. Damit die Betrachter: innen nicht den Fokus verlieren, muss ein Reel oder ein Kurzvideo darüber hinaus einen starken, klaren roten Faden knüpfen, der die Zuschauenden von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Ideal ist es, wenn Sie die zentrale Message sehr schnell am Anfang platzieren. Bei allen Videos muss die Aufmerksamkeit des Betrachtenden kontinuierlich hochge‐ halten werden. Im Gegensatz zum klassischen Vortrag, bei dem Vortragende einen längeren Spannungsbogen entwickeln können, weil sie davon ausgehen können, dass die Zuhörenden den Saal nicht so einfach verlassen werden, ist das Risiko, dass das Video unterbrochen wird, ungleich höher, wenn sich die Vortragenden in Details verlieren oder den Spannungsbogen unterbrechen. Schließlich muss die Technik stimmen. Leider ist die Qualität guter Forschungsvideos kein Kinderspiel. Lassen Sie sich deshalb idealerweise von Menschen beraten, die damit vertraut sind, Videos zu produzieren. Wenn der Charme Ihres Vortrags nicht genau aus diesem „direkt aus dem Labor, ungeschönt und ungefiltert“ besteht, sollten Sie zumindest für gutes Licht, Ton und eine ruhige Kameraführung sorgen. Achten Sie außerdem auf eine Untertitelung. Damit sind Ihre Videos auch nichthörenden Menschen zugänglich und auch für KI leichter in andere Sprachen zu übersetzen. Checkliste | Mein erstes Forschungsvideo • Weiß ich, wer meine Zielgruppe ist? • Habe ich eine klare Kernbotschaft? • Passt die Länge zum Format? • Sind Bild und Ton verständlich? • Habe ich einen starken Einstieg? 106 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="107"?> • Habe ich einen roten Faden, der sich durch das ganze Video zieht? • Habe ich mich entschieden, ob ich eher durch Persönlichkeit oder durch Visualisierung punkten möchte? • Sind meine visuellen Medien stark in der Aussage? • Weiß ich, wo ich das Video veröffentlichen und wie ich es verbreiten will? 4.4 Hörbuch-Krimis aus dem Labor? Podcasts Videos sind nicht Ihre Welt? Aber Sie gehören zu den Tausenden Men‐ schen, die auf dem Weg zur Arbeit, beim Kochen oder beim Joggen einen Podcast hören? Dann sind Sie in guter Gesellschaft mit vielen anderen Deutschen. Rund die Hälfte aller Deutschen ab 16 Jahren hören zumindest gelegentlich Podcasts. (Bitkom 2025) Und die Zahlen sind steigend. 2018 waren es nur 29 % (Domenichini 2018: 46). Es gibt also gute Gründe, sich mit diesem Wissenschaftsformat anzufreunden. Podcasts haben sich zu einem festen Bestandteil der Wissenschaftskommunikation entwickelt. (Katzenberger/ Keil/ Wild 2022: 1-19) Darüber hinaus sind Podcasts sehr niederschwellige Formate. Sie benötigen bei der Erstellung weder Bilder noch Videos, nur ein gutes Aufnahmegerät. Wie auch bei Videos gibt es verschiedene Formen von Audioformaten, die sich in ihrer Reichweite und ihren Vor- und Nachteilen voneinander unterscheiden lassen. Format Chancen Zielgruppe und ihre Erwartungen Stolpersteine eigener Podcast (sehr unterschied‐ liche Länge) volle Freiheit der inhaltlichen Ge‐ staltung interessierte Laien hoher Aufwand für Produktion und „Vermarktung“ Gastauftritt in bestehendem Podcast Sichtbarkeit für außeruniversitäre Öffentlichkeit ohne großen Auf‐ wand, bestehende Reichweite nutzen von Laien über Studierende bis hin zur Presse, Abonnent: innen des Podcasts an Themen der Podcast-Owner gebunden, Abhän‐ gigkeit 4.4 Hörbuch-Krimis aus dem Labor? Podcasts 107 <?page no="108"?> Interviewformate so gut wie gar kein Aufwand, die Or‐ ganisatoren ver‐ antworten die Technik Interessierte, Stu‐ dierende, breite Öffentlichkeit geringe Steuerbar‐ keit der Inhalte, meist kurze Ver‐ weildauer im Netz Tabelle 22: Übersicht Podcastformate, Vor- und Nachteile Die inhaltliche Ausgestaltung von Podcasts ist extrem unterschiedlich. Je nachdem, an welche Zielgruppe der Podcast gerichtet ist, müssen Aufzeich‐ nungen unterhaltsam sein, verständliche Erklärungen liefern oder Einblicke in komplexere Themenfelder geben. Gemein sind allen Audioformaten aber ein paar Punkte, die für alle gleichermaßen gelten: Der thematische Fokus sollte sehr klargelegt sein. Da es keine Visua‐ lisierung gibt, die komplexere Sachverhalte veranschaulichen kann, ist eine der Hauptherausforderungen für Audioformate, verständlich zu bleiben. Es gibt kein Vor- und Zurückspringen, es gibt keine Schaubilder oder Fotos, die etwas erklären, nur die Erzählung selbst kann Forschung bekannt machen. Es gibt auch kein Vor- und Zurückspringen in einem Foliensatz. Audioformate haben immer nur eine - nach vorne - gerichtete Erzählweise. Eine gute Übung dafür ist es zu überprüfen, ob ein Text wirklich von jedem Satz zum nächsten gut miteinander verbunden ist und nicht zu kompliziert formuliert ist. Da es sich bei Audioformaten immer empfiehlt, sich ein Redemanuskript zu erstellen, können Sie nicht nur Versprecher vermeiden, die unweigerlich passieren, wenn man in ein Mikrofon spricht, sondern auch gleich einen guten Text produzieren, der sich eben auch als gesprochenes Wort eignet. Nehmen wir einen fiktiven Text zum Thema Constructive Alignement: Wissen | Das Konzept des Constructive Alignment beruht auf einem konstruktivistischen Lernverständnis und betont das Zusammenspiel von Learning Outcomes, Lehr-Lern-Aktivitäten und der Prüfung: Zu Beginn des Lehr-Lernprozesse formuliert die Lehrperson anhand von Taxonomien kompetenzorientierte Learning Outcomes. Diesen Learning Outcomes entsprechend werden Prüfungsformate sowie Lehr-Lernverfahren, in denen sie die Studierenden auf die entspre‐ chenden Prüfungsformate vorbereiten, konzipiert. Wenn Intendierte 108 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="109"?> Lernergebnisse, Unterrichtsmethodik und Prüfungsform miteinander synchronisiert sind, werden Unterrichtsergebnisse nachweislich bes‐ ser. Dieser Text wäre zwar in einem Fachbuch gut untergebracht, für ein Audioformat indes gänzlich ungeeignet. Und so könnte der gleiche Inhalt in einem Podcast lauten (kursiv gesetzt sind alle Textteile, die in einer gedruckten Publikation keinen Platz fänden, wohl aber in einem Podcast): Wissen | „Was macht gute Lehre aus? Diese Frage haben Sie sich sicherlich schon ab und an gestellt. Das Geheimnis des Erfolges liegt in dem Modell des Constructive Alignments. Lassen Sie es mich Ihnen erklären: Wir beginnen ganz grundsätzlich. In dem eben genannten Modell geht es um eine gute Verzahnung von Lernzielen, Unterrichts‐ methoden und Prüfungsformaten. Sie gilt als wesentlicher Garant dafür, dass Lernen gut funktioniert. Aber was bedeutet das konkret? Die Lernziele erstens sind das, was Studierende am Ende des Lernprozesses können sollen. Die Unterrichtsmethodik zweitens ist die Art und Weise, wie Sie unterrichten. Und die Prüfungsformate drittens, stehen am Ende des Lernprozesses und prüfen ab, was gelernt wurde. Laut der Theorie des Constructive Alignments müssen alle drei Schritte perfekt aufeinander abgestimmt sein. Ich erkläre es in einem Beispiel: nehmen wir einen Kochkurs. Es ist doch sehr wesentlich, ob angehende Köche und Köchinnen sich in ihrer Ausbildung für die Zubereitung von Gerichten für eine Schulküche, bei der 1.000 Kinder auf einmal gesättigt werden müssen, oder ob sie sich auf die Zubereitung von exklusiven Sternegerichten fokussieren. Im einen Fall ist das Lernziel des einen Kurses die Zubereitung vieler Mahlzeiten, die in kurzer Zeit mit einem erschwinglichen Kostenrahmen produziert werden können, im anderen Fall die herausragende Anfertigung eines delikaten Menüs, bei dem Geld wohl eher keine Rolle spielt. Je nachdem, welches Lernziel wir in den Blick nehmen, sehen die Prüfungsformen am Ende eines Kurses, aber auch die Unterrichtsmethoden ganz anders aus, wie Sie sich vorstellen können. Lernen funktioniert dann besonders gut, wenn genau diese drei Ecken dieses Dreiecks gut miteinander verzahnt sind. Wenn eines der drei nicht dazu passt, klappt das Lernen nicht. Wenn wir also für die 4.4 Hörbuch-Krimis aus dem Labor? Podcasts 109 <?page no="110"?> Schulküche trainieren, aber im Unterricht nur zwei kleine Herdplatten zur Verfügung haben, wird das Lernziel schwerlich erreichbar sein. Und wenn wir für die Sterneküche üben und am Ende der Zubereitung das Menü vor der Verkostung, also der Prüfung, eine Stunde in einem Warmhaltebehälter in sich zusammenfällt, wird auch hier das Lernziel nicht erreicht werden, weil die angehenden Köche sinnvollerweise in diesem Beispiel eher darauf setzen werden, etwas zu kochen, das sich warmhalten lässt, als etwas, das sich durch Frische und Besonderheit auszeichnet. Ein zweites Erfolgsmerkmal ist die lebendige Erzählweise. Sie können dazu die Zuhörenden direkt ansprechen über „Sie“ oder „wir“ und sich auch ansonsten um eine etwas persönlichere Art bemühen, als das in einem Text der Fall wäre. Verzichten Sie auf lange Schachtelsätze, verwenden Sie viele Verbindungssätze oder sprachliche Konjunktionen, um eine gute Hörerführung zu erreichen. ➲ Übung! Nehmen wir einen für ein schriftliches Format konzipierten Text: Im Alltag zeigt sich, dass Menschen dazu neigen, andere auf Grundlage einzel‐ ner äußerer Merkmale wie Sprache, Kleidung, Habitus, Alter oder Geschlecht bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zuzuordnen. Solche Prozesse der Kate‐ gorisierung gehen häufig mit der Zuschreibung spezifischer Eigenschaften einher und erfolgen in der Regel spontan sowie ohne bewusste Reflexion. In der sozi‐ alwissenschaftlichen Forschung wird dieses Phänomen als Stereotypisierung be‐ schrieben und in Verbindung mit Konzepten wie dem sozialen Habitus oder dem kategorialen Denken diskutiert. Die Beobachtung der eigenen Wahrnehmungs- und Deutungsmuster kann dabei verdeutlichen, wie tief solche Mechanismen in alltäglichen Interaktionen verankert sind und welche Rolle sie für Prozesse sozialer Orientierung, aber auch sozialer Ausgrenzung spielen. In dieser Form wäre der Text viel zu kompakt und zu trocken für ein Audi‐ oformat. Probieren Sie doch zunächst einmal, den Text für ein Audioformat umzuformulieren: 110 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="111"?> Ihre Alternativfassung: Notizen Lösungsvorschlag: So könnte der Text beispielsweise aussehen (kursiv gesetzt sind alle Änderungen, die für das Audioformat vorgenommen wurden): Stereotypisierung ist ein Prozess, wie wir Menschen andere Menschen, ohne etwas über sie zu wissen, beurteilen, ihnen Eigenschaften zu schreiben, von Ihnen Verhaltensweisen erwarten, obwohl wir das nicht können. Stereotypisierung ist sehr subtil und findet in vielen kleinen Alltagssituationen statt. Setzen wir uns im Bus lieber neben die eine oder die andere Person? Und wovon machen wir unsere Entscheidung abhängig? Ist die eine Person jung und hat große Kopfhörer auf den Ohren, schließen wir möglicherweise daraus, dass sie gleich laute Musik anhören wird, und wählen einen anderen Sitzplatz. Stereotypisierungen finden laufend statt und sind manchmal auch nur erheiternd - machen Sie einmal den Selbstversuch und gehen Sie zu Ikea und ziehen sich blau und gelb an, Sie werden am eigenen Leib erfahren, dass dieser Dresscode sehr schnell dazu führen wird, dass die Kund: innen Sie als IKEA-Verkaufspersonal betrachten. Stereotypi‐ sierungen sind allgegenwärtig, sodass wir dem kaum entgehen können. Werbung und Unterhaltungsindustrie sind nur zwei der gesellschaftlichen Bereiche, die in besonderer Weise darauf setzen, dass einzelne Bilder, Szenen und Attribute schnell als Chiffre für ein größeres Bild von Eigenschaften, Verhaltensweisen und Eignung verstanden werden. Doch dort, wo auf Grund von Stereotypisierung anderen Menschen Nachteile ent‐ stehen, ist Reflexion und Veränderung angezeigt. Wo Menschen, die vermeintlich nicht dem mitteleuropäischen Phänotyp entsprechen, gefragt werden „und, wo kommen Sie her? “ beginnt Diskriminierung. Dort, wo Menschen auf Basis ein‐ 4.4 Hörbuch-Krimis aus dem Labor? Podcasts 111 <?page no="112"?> zelner äußerer Merkmale - Größe, Alter, sprachliches Idiom, Hautfarbe, Kleidung etc. - einem vorgefertigten Bild unterworfen werden, beginnt Benachteiligung. Überprüfen Sie sich doch einmal nur einen Tag selbst, wie oft Sie Menschen auf der Basis nur eines Merkmals einer gesellschaftlichen Großgruppe zuordnen oder ihnen bestimmte Eigenschaften zu ordnen: die Jugendlichen mit zerrissenen Jeans vielleicht als Revoluzzer: innen, die Personen mit Piercing oder Tattoo als Linksalternative, die Frauen mit Kinderwägen als Mütter, die Männer, die vormittags auf der Parkbank eine Zeitung lesen, als Rentner: innen, die BMW- Fahrer: innen als erfolgreiche Geschäftsleute, die Obdachlosen als Gescheiterte etc. Und wenn Sie sich - egal ob beim Einkaufsbummel durch die Stadt oder beim Fernsehen - dabei ertappt haben, dass auch für Sie Sprache, Kleidung, Habitus oder auch Alter und Geschlecht zu vorschneller Zuschreibung von Eigenschaften geführt haben: herzlichen Glückwunsch! Der Text ist länger, persönlicher, direkter geworden und hat eine klare Position in den Blick genommen. Storytelling ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, einen Podcast spannend und mitreißend zu gestalten. (Katzenberger/ Keil/ Wild 2022, 1-19) Achten Sie beim Einlesen Ihres Podcasts darauf, wie Sie sprechen. Sie sollten nicht vorlesen, sondern erzählen. Achten Sie auf intensive Stimm‐ modulation. Den Zuhörenden fehlen Mimik und Visualisierung, Sie müssen sie deshalb sprachlich und stimmlich mitnehmen. Ein weiteres Erfolgskriterium ist eine gute Tonqualität. Achten Sie auf eine möglichst gute Tonqualität beispielweise durch Nutzung eines sehr guten Mikrofons oder durch Aufzeichnung des Podcasts in einem Studio. Im Sinne einer inklusiven Haltung wäre es hilfreich, wenn Sie Ihren Text parallel zum Podcast auch als Text zum Download bereitstellen würden. Damit würden Sie auch Nichthörenden Zugang zu Ihren Inhalten verschaffen. Wenn Sie einen eigenen Podcast erstellen, sollten Sie für Regelmäßig‐ keit sorgen. Veröffentlichen Sie lieber alle 4-6 Wochen etwas konstant als unregelmäßig, „wenn gerade Zeit ist“. Schließlich sollten Sie für eine gute Verteilung sorgen. Idealerweise haben Sie sich schon ein Netzwerk aufgebaut. Oder sie bieten Ihren Podcast über ein bestehendes Netzwerk an, Sie können es vielleicht auch über Ihre Institution bewerben oder über Soziale Netzwerke. 112 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="113"?> Checkliste | Mein erster Podcast-Auftritt • Bin ich Gast oder Host? (Aufwand & Wirkung unterscheiden sich massiv) • Habe ich meine Kernbotschaft in 1-2 Sätzen parat? • Spreche ich lebendig? Verwende ich die direkte Ansprache oder viele Sprachbilder? • Moduliere ich stimmlich gut? • Sind meine Sätze ansprechend kurz, sodass man gut folgen kann? • Erzähle ich eine Geschichte oder ein Beispiel, statt nur Fakten? • Ist mein Ton klar (Mikro, ruhiger Raum)? • Weiß ich, wie ich den Podcast-Auftritt weiterverwerte? 4.5 Das Wichtigste in Kürze Outreach bedeutet, sich neben Forschungsvorträgen und Publikationen auch auf andere Formate der Sichtbarkeit einzulassen. Bevor Sie das tun, sollten Sie jedoch klären, welche Zielgruppe Sie ansprechen wollen, welche Ressourcen Sie haben und welche Ziele Sie verfolgen. Wenn Sie diese drei Fragen für sich beantwortet haben, sollten Sie eine Idee haben, welche alternativen Formate der Präsentation wissenschaftlicher Inhalte für Sie in Frage kommen. Bei den populärwissenschaftlichen Vorträgen kommt es auf Prägnanz, Anschaulichkeit, Reduktion und Kommunikation mit dem Publikum an. Während Science Slams den Zuhörenden u. a. auch das Gefühl, etwas gelernt zu haben, mit auf den Weg geben sollten, erfordern Keynotes es, dass sie in die Gesamtveranstaltung eingebunden werden. Sie sollten darüber hinaus das Publikum inspirieren und die Relevanz in den Fokus rücken. Gastvorträge müssen unbedingt an den Veranstalter und seine Veranstaltung angepasst werden. Sie sprechen als Experte oder Expertin aus einer Nische heraus zu Personen mit anderem Hintergrund. Onlinevorträge bieten besondere Herausforderungen. Einerseits will die Technik beherrscht werden andererseits die mangelnde oder zum Teil anonyme Kommunikation mit dem Publikum ausgehalten werden. Blogs sind ein recht niederschwelliges Format mit vergleichbar guter Reichweite. Es ist wichtig, Blogs gut verständlich und anschaulich zu 4.5 Das Wichtigste in Kürze 113 <?page no="114"?> formulieren. Steigen Sie in Blogs pointiert ein und spannen Sie einen stringenten roten Faden. Nutzen Sie Beispiele, Bilder und Geschichten, um es anschaulicher zu machen und achten Sie bei eigenen Blogs auf Regelmäßigkeit. Forschungsvideos sind deutlich aufwendiger und eignen sich gut für all jene Inhalte, die auch von Bildmaterial leben. Sie gehören zur „leichten Kost“. Sie brauchen eine klare Message und einen roten Faden, sollten Bilder oder Visualisierungen verwenden, und auch die Technik muss passen. Ungleich weniger Aufwand bereiten Podcasts. Hier gilt es zu beachten, dass alle Podcasts idealerweise immer in einer Hörrichtung erzählt werden. Verzichten Sie auf Rückgriffe o. ä., um den Podcast nicht unnötig zu erschweren. Eine gute Tonqualität und eine gut modulierte Stimme sind unbedingt notwendig, um den Podcast lebendig zu gestalten. 4.6 Stars in der Manege - Die Stimme von Vorbildern „Von Science Slams über Podcasts und Blog Posts: zwar immer ein Aufwand aber immer sehr bereichernd, Feedback von außerhalb der scientific community to bekommen - zeigt Relevanz auf, für Geisteswissenschaften nicht immer selbstverständlich; Wettbewerb außerhalb der Uni wie Science Slams auch für Nachwuchsleute sehr motivierend“ Prof. Julia Budka, Universitätsprofessorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München, Stellvertretende Frauenbeauftragte der LMU 114 4 Anderes Etikett. Raus aus dem Turm! <?page no="115"?> 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke Etwa ein Drittel aller Menschen in Deutschland nutzen täglich soziale Medien (wie beispielsweise Instagram, X, ResearchGate, Academia, YouTube u. a.), die Hälfte aller Deutschen einmal wöchentlich. (Koch 2023: 1) Die Bedeutung sozialer Medien nimmt in allen gesellschaftlichen Bereichen an Bedeutung zu. Zugleich hat sich auch Wissenschaft verändert. Das Konzept der Open Science, als Forschungsmodell, das Forschung einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will, setzt sich zunehmend durch. Das Potenzial von sozialen Netzwerken für Wissenschaftler: innen ist immens. Sie können mit vergleichbar geringem Aufwand ihre Forschung für andere sichtbar machen, können über sogenannte Open Evaluation um Peer- Reviews bitten, und auch ihre Forschungsprozesse im Sinne eines „Science in the Making“ für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese neue, digitale Öffentlichkeit kann Wissenschaftler: innen helfen, ihre Karriere zu fördern, birgt aber zugleich auch Risiken, da gerade arri‐ vierte Wissenschaftler: innen eine zu große „Volksnähe“ als rufschädigend oder auch zu trivial ansehen könnten (Metag 2021: 139). Im folgenden Abschnitt sollen Nutzen und Risiken einer neuen digitalen Sichtbarkeit von Forschung abgewogen werden. Der Nutzen von sozialen Netzwerken für die Sichtbarkeit von Forschung ist breit gefächert. Social Media erlaubt Forscher: innen mehr Diversität in ihren Themen und eine große Selbstwirksamkeit in ihrem Auftreten. Es gibt keine Gatekeeper: innen wie bei Journals, Presse oder institutionellen Netzwerken, die Themen oder auch Inhalte selektieren würden. (Metag 2021) Die Verbreitung von Forschungsergebnissen ist schnell und effizient und erreicht eine weltweite Öffentlichkeit. Mit sozialen Netzwerken lässt sich zugleich wissenschaftliche und außeruniversitäre Öffentlichkeit erreichen. Soziale Netzwerke bieten einen großen Nutzen darin, dass Wissenschaft‐ ler: innen hier sehr niederschwellig Inreach-Kontakt zu anderen Wissen‐ schaftler: innen aufbauen und ein Netzwerk, wenn nicht sogar etablieren, dann zumindest begleiten können. (Cojocaru/ Cojocaru 2020). Auch Outreach zu außeruniversitären Playern lassen sich über soziale Netzwerke Kontakte aufbauen oder zumindest lässt sich darüber Aufmerk‐ samkeit generieren. <?page no="116"?> Wer in Wissenschaftsnetzwerken mit anderen Forscher: innen verknüpft ist, kann Publikationen teilen, auf Veranstaltungen hinweisen, Calls teilen, Ideen diskutieren und sich über aktuelle Forschungsthemen austauschen. (Cojocaru/ Cojocaru 2020) Berufsnetzwerke wie LinkedIn bieten außerdem die Möglichkeit, nach außeruniversitären Arbeitsmöglichkeiten Ausschau zu halten oder sich hier für den Arbeitsmarkt zu positionieren. (Dauenhauer 2020) Soziale Netzwerke bieten außerdem die Chance, den Impact von ver‐ schiedenen Themen zu überprüfen. So kann nachverfolgt werden, welches Thema wie oft angesehen, gelikt oder geteilt wird. Wissenschaftler: innen bekommen dadurch unmittelbares Feedback auf ihre Positionen. Auch ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen erhöht sich durch soziale Netzwerke. ( Jordan/ Weller 2018) Dem stehen gleichwohl auch Probleme und Risiken entgegen ( Jor‐ dan/ Weller 2018, Marwick 2020): Eines der Hauptprobleme für Wissenschaftler: innen ist, dass viele For‐ scher: innen noch eine erhebliche Skepsis gegenüber sozialen Netzwerken haben, Sie laufen also Gefahr, nicht nur positive, sondern auch Kritik für ihre Präsenz in sozialen Netzwerken zu erzielen (Arapović 2023). Gerade bei Themen wie Klimawandel, Gender oder politischen Themen können soziale Netzwerke außerdem schnell zu Hatespeech oder Harassment führen. Auch die schnelle Verbreitung der Posts in sozialen Medien kann mitunter zum Bumerang werden, wenn unüberlegte, nicht ganz durchdachte oder vertrau‐ liche Inhalte zu schnell, zu unreflektiert gepostet werden. (Dauenhauer 2020) Es ist zweifellos ein zweischneidiges Schwert. Reichweitenstarke Platt‐ formen versprechen eine große Öffentlichkeit und bieten die Chance, viele Menschen Kenntnis zu ermöglichen von neuen Forschungsinhalten, bergen aber zugleich das Risiko einer unkontrollierten, zum Teil negativen Anschlusskommunikation mit hohen Wellen an Emotion und Aufwand. (Wissenschaftsrat 2021: 45) Die Entscheidung, ob Wissenschaftler: innen sich auf öffentlichen, nicht wissenschaftlichen reichweitenstarken Plattfor‐ men zeigen möchten, muss deshalb immer mit sorgfältigem Blick auf die eigene Haltung und in einem verantwortungsvollen Umgang getroffen werden. 116 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="117"?> Wissen | Es ist deshalb auch außerordentlich wichtig, jeden Inhalt vor dem Upload sorgfältig zu prüfen und sich vor allem bei sensiblen Inhal‐ ten unter Umständen Unterstützung von Medienprofis zu holen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit dieser Form der Öffentlichkeit ist zum eigenen Schutz und zur Wahrung akademischer Redlichkeit geboten. (Wissenschaftsrat 2021: 40) Eine weitere Hauptsorge vieler Wissenschaftler: innen ist der zusätzliche Zeitaufwand, der durch soziale Netzwerke entsteht. (Cojocaru/ Cojocaru 2020). Zumal da durch die Menge an Plattformen eine Informationsflut entsteht, die einzelne Beiträge in der Menge an Posts verschwinden lassen. ( Jordan/ Weller 2020) Wissen | Deshalb gilt einmal mehr: Überlegen Sie gut, an welcher Stelle und zu welchem Thema Sie posten wollen. Lieber zielgerichtet einmal düngen als mit der Gießkanne wild streuen! Welche Empfehlungen gelten nun, um die Vorteile sozialer Netzwerke nutzbar zu machen und um die Nachteile zu vermeiden? 1. Zunächst einmal erstellen Sie eine „Online-Persona“ Ihrer Selbst. Überlegen Sie sehr genau, was Sie über soziale Netzwerke von sich preisgeben wollen. Nur wissenschaftliche Inhalte? Oder auch ein biss‐ chen „Science in the Making“, also wollen Sie vielleicht auch einen Blick hinter die Ergebnisse geben? Möchten Sie auch etwas aus Ihrem Forschungsalltag teilen? Oder sogar etwas aus Ihrem Privatleben? Diese Überlegungen sollten zuerst stehen, bevor Sie anfangen, wie wild zu posten. Es gibt zwei Übungen, die Sie machen können, um Ihre Online- Persona zu schärfen. Sie können entweder eine Liste erstellen mit all jenen Inhalten, die Sie teilen möchten. Überlegen Sie aber dabei stets, warum das andere interessieren sollte, welche Risiken es gibt, wenn sie diese Inhalte teilen und welches Ziel Sie mit dieser Information verfolgen. Nehmen wir folgende drei Inhalte: Sie sind bereit, etwas aus Ihrem zum Teil auch frustrierenden Laboralltag zu teilen, von Ihrer Leidenschaft für das 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke 117 <?page no="118"?> Wandern zu erzählen und Ihre Preprints zu veröffentlichen, dann sind das zunächst einmal sehr unterschiedliche Informationen, die Sie von sich preisgeben wollen. Die erste Information spricht vermutlich in ers‐ ter Linie Peers an oder auch Studierende, die sich davon motiviert sehen, dass auch andere mal Misserfolge im Labor und dann dennoch Erfolg haben. Information zwei adressiert möglicherweise andere Forschende oder Arbeitgeber: innen in Regionen, in denen es Berge gibt, Information drei richtet sich an Peers oder mögliche Netzwerkpartner: innen, die Interesse an Ihrer Forschung haben. Wenn Sie mit allen drei Personen‐ kreisen in Austausch kommen möchten, ist es durchaus sinnvoll, all diese Posts nacheinander zu posten. Wenn Sie aber wenig Ressourcen haben, sollten Sie sich immer zuerst die Frage stellen, welche Zielgruppe Sie im Blick haben. Geht es Ihnen um Nachwuchskolleg: innen, um Studierende, um Peers, um potenzielle Kooperationspartner: innen, um potenzielle Arbeitgeber: innen? Davon sollten Sie Ihre Themenauswahl abhängig machen. Füllen Sie deshalb die folgende Tabelle sorgfältig aus. ➲ Übung! meine Zielgruppe das will ich über mich sagen dazu könnte ich das posten potenzielle Förderer, wissenschaftlich Ich arbeite an dem Thema X. Ankündigung für Paper oder Vortrag bei einer Konferenz Peers, die ebenfalls an dem Thema arbeiten Ich suche Austausch. Forschungsskizze hoch‐ laden mit der Bitte um Review - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 118 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="119"?> - - - - - - Tabelle 23: Zielgruppenanalyse Social Media Oder Sie suchen sich einen Rechner, der Sie noch nicht kennt oder löschen Sie alle Cookies auf Ihrem Gerät. Und nun befragen Sie das Internet nach Ihrer Persönlichkeit. Überprüfen Sie, welchen Eindruck das Netz von Ihnen zeigt? Welche Seiten werden angezeigt? Welche Eigenschaft könnte man Ihnen dadurch zuschreiben? Und welche Inhalte würden Sie lieber und häufiger von sich zeigen? Diese kleine Übung wirft oft schnell ein Schlaglicht auf die unterbelichteten Seiten der Online-Persona. 2. Achten Sie darauf, dass Sie, was Ihre Online-Persona angeht, konsistent sind. Ihre Online-Persona sollte auch Ihrer akademischen Persona ent‐ sprechen, es ist sowas wie Ihre „digitale Visitenkarte“. 3. Wenn Sie etwas veröffentlichen, bleiben Sie positiv, unterstützend, in‐ formativ. Das gilt auch, wenn Sie Kritik bekommen. Sie können einzelne Personen ignorieren, blockieren oder melden, wenn die Reaktionen unsachlich, diffamierend, unhöflich werden. Wissen | Man ist nicht verpflichtet, auf alles zu antworten. (Dauen‐ hauer 2020) 4. Achten Sie auf eine gute Regelmäßigkeit. „Bespielen“ Sie Ihre sozialen Netzwerke lieber in gleichen Rhythmen als einmal häufig, dann wieder länger nicht. (Bik et. al 2015: 1) Und es ist meist auch sinnvoller, sich auf ein soziales Netz oder zwei zu konzentrieren, als in fünf Netzwerken sehr unregelmäßig aktiv zu sein. 5. Soziale Netzwerke sind NETZwerke, das bedeutet, dass ähnliche Regeln gelten wie bei allen anderen Netzwerken. Sie müssen - bis auf abwer‐ tende, diffamierende und Äußerungen, auf Nachrichten und Kommen‐ tare antworten, sich an Ihren eigenen Diskussionen beteiligen oder durch Reaktionen kenntlich machen, dass Sie die Nachrichten gelesen haben. 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke 119 <?page no="120"?> 6. Dieses Genre eignet sich im Grunde sehr gut auch für visuelle Medien. Bilder, Grafiken und Videos sind in der Regel erfolgreicher als reine Textnachrichten. (Christ 2024: 18). Nutzen Sie also die Kraft der Bilder insbesondere auch für dieses Medium. 7. Bevor Sie drauf losschreiben, verschaffen Sie sich einen Eindruck von der Sprache, dem Auftreten und den Längen der Beiträge in dem Medium Ihrer Wahl. Passen Sie Sprache, Ausgestaltung und Dauer des Beitrags, so es bei Ihren Inhalten geht, dem Medium an. 8. Achten Sie auf gute Verständlichkeit und nutzen Sie Untertitel. Sie machen Ihre Videos barrierefrei und sie lassen sich auch tonlos ansehen, wenn Personen beispielsweise im Zug oder in einem öffentlichen Raum Ihre Videos ansehen möchten. 9. Nutzen Sie die Analytics. (Bik et. al 2015) So gut wie alle sozialen Medien bieten Ihren Nutzer: innen die Möglichkeit, die Reichweite der Beiträge zu analysieren. Wie viele Menschen haben deinen Beitrag gesehen? Gab es Likes, Kommentare, wurde Ihr Beitrag geteilt oder gespeichert? Wie oft wurde auf weiterführende Links geklickt? Wie viele Personen folgen Ihnen und gibt es besondere Peaks nach bestimmten Veröffentlichun‐ gen? Sofern Ihre Beiträge Videos enthalten: Wie lange werden diese angesehen und an welcher Stelle springen die Zuschauer: innen ab? Das klingt nach viel Arbeit. Im Grunde sparen aber all diese Maßnahmen Arbeit, denn sie helfen Ihnen, zielgerichtet zu veröffentlichen, sodass Ihre Posts dort ankommen, wo sie ankommen sollten. So werden Ressourcen gespart und Effektivität wird gewonnen. Und seien Sie geduldig. „Online outreach is generally a long game.“ (Bik et. al 2015: 7) Checkliste | Vorbereitung für Soziale Medien • Ich weiß, welche Zielgruppe ich ansprechen will. • Ich weiß, welches Medium sich dafür eignet. • Ich habe recherchiert, wie Beiträge aussehen, die häufig von den Personen gelikt, gesehen, geteilt werden, die ich ansprechen möchte. • Ich habe mich mit den Anforderungen (Sprache, Bilder, Dauer) des Mediums vertraut gemacht. • Ich habe mir Gedanken gemacht, in welcher Regelmäßigkeit ich in diesem Kontext sichtbar werden möchte. 120 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="121"?> 9 https: / / www.tagesschau.de/ inland/ hochschulen-forscher-verlassen-x-100.html • Ich habe mir Termine in meinem Kalender gesetzt, damit ich die Regelmäßigkeit aufrechterhalten kann. 5.1 Instagram, Facebook, TikTok & Co. Es gibt eine Reihe sozialer Netzwerke, die nicht nur rein akademische Inhalte veröffentlichen. Bekannte Netzwerke sind beispielsweise Instagram, Facebook, früher Twitter - heute das umstrittene Netzwerk X 9 . Die Haupt‐ zielgruppe dieser Netzwerke sind junge Menschen und eine breite Öffent‐ lichkeit. Die Hauptformate auf diesen Kanälen sind Fotos, Stories und sogenannte Reels (Kurzvideos). Ihnen allen ist eine starke Bildorientierung gemein. Daraus ergeben sich auch die wichtigsten Regeln für das Posten in solchen Netzwerken. Verwenden Sie Bilder, achte dabei jedoch darauf, ästhetische Bilder zu verwenden. Gibt es Bilder aus dem Labor, von der Arbeit im Feld, anschau‐ liche Infografiken oder Fotos aus Ihrem Wissenschaftsalltag? Auch KI-ge‐ nerierte Bilder können genutzt werden, um Ihre Inhalte zu illustrieren. Ach‐ ten Sie dabei auf die im vorigen Kapitel ausformulierten Hinweise! Erzählen Sie Ihre Inhalte als kurze Geschichte. Storytelling erfolgt in der Regel durch eine Kombination von Bild und Kurztext: Was sieht man? Warum ist es wichtig? Die einfachste Form des Storytelling ist der „Sog der Leerstelle“. Am Anfang einer Geschichte haben wir einen „Helden“ (nehmen Sie das nicht zu wörtlich, die Helden können auch Leergut oder Aminosäu‐ ren sein), am Ende der Geschichte haben sich die Helden transformiert - das Leergut ist zu einem neuen Gegenstand geworden, die Aminosäure hat einen chemischen Prozess durchlaufen. Die Geschichte entsteht durch den Sog dessen, was in der Gleichung fehlt. z. B. Pfandflasche (Ausgangspunkt meiner Story) + X (Story) = Fleecedecke. Und schon haben Sie eine Geschichte erzählt. Wie könnte diese aussehen? 5.1 Instagram, Facebook, TikTok & Co. 121 <?page no="122"?> Sie würden am Anfang Ihres Videos eine Pfandflasche zeigen und vielleicht sogar versuchen, sich mit ein paar Pfandflaschen zuzudecken. Geht natür‐ lich nicht. Und schon ist der Sog der Leerstelle da. Denn natürlich weiß ich als Zuschauer: in schon, dass es ja wohl doch irgendwie geht. Dann erzählen Sie mir, wie aus Pfandflaschen recycelte Gegenstände gemacht werden. Und damit es spannend wird, könnten Sie dann auch noch erklären, dass es leider so einfach nicht ist und auf die besonderen Verfahren hinweisen. Am Ende sehen wir links eine Pfandflasche, rechts eine Fleecedecke. Wie könnte Ihre Story aussehen: Ihr Held: Notizen Ausgangspunkt: Notizen Endpunkt: Notizen 122 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="123"?> 10 https: / / de.statista.com/ statistik/ daten/ studie/ 1482881/ umfrage/ durchschnittliche-laen ge-von-tiktok-videos/ Sog der Leerstelle: Notizen Für mehr Reichweite sorgen Sie, durch die Verwendung von Hashtags. Durch das vorangestellte # werden Ihre Beiträge automatisch mit allen Beiträgen verknüpft, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen, in unserem Pfandflaschenbeispiel könnte das #recycling, #Nachhaltigkeit #Petrecycling #CircularEconomy #PlasticPollution sein. Wenn Sie nicht sicher sind, welche Hashtags Ihren Beitrag gut unterstüt‐ zen, könnte Ihnen auch KI helfen, die richtigen Hashtags zu identifizieren. Sie könnten Ihren Text in einen Chatbot hochladen und um Hashtag-Vor‐ schläge bitten. Diese sollten Sie aber vorab gegenchecken und überprüfen, ob die Hashtags auch wirklich zu ähnlichen Beiträgen führen. Achten Sie insgesamt auf einen konsistenten Stil, also eine stimmige Farbsprache, Wortwahl, ein einheitliches Layout oder eine passende Spra‐ che. Wenn Sie sich für TikTok, und damit für eine sehr junge Zielgruppe entscheiden, muss der Beitrag noch einmal deutlich kürzer sein als bei Instagram beispielsweise. Hier liegt die durchschnittliche Länge von Videos bei etwa 41 Sekunden. 10 Es geht vor allem um aktuelle Trends, also auch Trends in der Forschung. TikToks starten oftmals mit einer Frage nach dem Motto „Did you know“. Sie erklären nie mehr als eine Idee und enden meist mit einem „Call-to-Action“ also mit einem Aufruf, was als nächstes zu tun ist. Wie könnten wir das Pfandflaschenthema in TikTok umsetzen? Zu Beginn zeigt die Kamera eine Pfandflasche, die Sprecherin fragt: „Weißt du, was mit deiner Pfandflasche wirklich passiert? “. Im Text-Over‐ lay: steht „Pfandflaschen-Geheimnis“. Anschließend beginnt die „Reise der Pfandflasche“ (wieder im Overlay) in 4-5 schnellen Bildern. 1. Rückgabe‐ 5.1 Instagram, Facebook, TikTok & Co. 123 <?page no="124"?> automat, Flasche verschwindet im Automaten, 2. Sortierung, hier wird in einer Animation gezeigt, wie Flaschen, Glas und Dosen sortiert werden, 3. Shreddern & Schmelzen. Ein kurzer Clip zeigt, wie PET-Flaschen zu bunten Flakes geschreddert und dann geschmolzen werden. Im Text-Overlay steht „Aus alt wird neu“. 4. Neues Leben. Hier gibt es einen Split-Screen: links eine Pfandflasche, rechts eine Fleece-Decke, darüber steht ein großes „Aber“. Die Sprecherin sagt: „Aber: PET verliert bei jedem Recycling ein bisschen Qualität. Forschung arbeitet daran, Flaschen unendlich oft recycelbar zu machen - mit Enzymen oder chemischem Recycling.“ Hier sieht man die Sprecherin oder ein Labor. Zum Schluss sagt die Sprecherin „Deine Flasche könnte morgen schon als Pulli durch die Stadt laufen. Damit das passiert, arbeiten wir hier an der Universität XXX an neuen Verfahren zum Recycling. Darunter steht: „Mehr Science Stories? Folge mir #Wisskomm #Recycling #Pfandflasche“ oder „Du willst auch dazu beitragen? Schreib Dich jetzt an der Universität XXX für das Studium XXX ein. #UniversitätXXX #Chemie‐ studium“ In allen Formaten können nicht nur Hashtags für eine bessere Sichtbarkeit sorgen. Es können auch Personen oder Institutionen getaggt werden. Sie werden also markiert. Die Personen werden direkt benachrichtigt und können direkt auf Ihren Beitrag reagieren. Wenn sie reagieren, erzeugt das oft eine große Reichweite. Durch das Taggen können Sie auch Anerkennung zeigen. Sie stellen einfach vor die Person oder die Einrichtung ein @, also beispielsweise @nature oder @susannefroelichsteffen. Gerade bei Posts zu sehr aktuellen Themen, aktuellen Vorträgen etc. erzielen Posts dadurch eine große Reichweite. Wissen | Sie sollten sich jedoch stets sicher sein, dass die getaggte Person sich wirklich von Ihrem Beitrag positiv gewertschätzt fühlt. Andererseits kann der Beitrag auch zu gegenteiligen Reaktionen führen. Die folgenden Posts stammen aus verschiedenen Fachdisziplinen. Sie sind bewusst schlecht formuliert: zu vage, zu langweilig, zu unverständlich. Sie können mit dem nachfolgenden Arbeitsblatt üben, gute Posts zu schreiben. Formulieren Sie sie so um, dass sie klar, spannend und zielgrup‐ 124 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="125"?> penorientiert wirken. Da Sie ja nicht für alle Fachbereiche Expert: innen sind, dürfen Sie ausnahmsweise Fakten erfinden. ➲ Übung! schlechter Post neuer Vorschlag Biologie: Haben heute im Labor mit unseren Pflanzen mit Licht rumexperimentiert. War kompliziert. - Physik: Paper online. Yeah. ---- Psychologie: Wir haben Da‐ ten erhoben. Viel Arbeit. ---- Geschichte: Vortrag gehal‐ ten. Kaum Leute da. ---- BWL: Unternehmensstrate‐ gie ist kompliziert, aber halt wichtig. ---- Tabelle 24: Übung Überschriften-Posts schlechter Post Musterlösung Biologie: Haben heute irgendwas im Labor zu Pflanzen gemacht. War kompliziert. Heute haben wir untersucht, wie Pflanzen auch bei wenig Licht wachsen können. Überraschend: Man‐ che Arten entwickeln neue Strategien! Stay tuned. #PlantScience #Climatechange @maxmustermann Physik: Paper online. Yeah. Unser neues Paper ist draußen! Wir erklären, wie Quantenpunkte Sonnenlicht noch effizienter nutzen können. Link in Bio #Physics #RenewableEnergy Psychologie: Wir haben Daten erhoben. Viel Ar‐ beit. Wie beeinflusst Musik unsere Stimmung? Erste Er‐ gebnisse zeigen: Schon 10 Minuten Lieblingssongs senken Stresslevel deutlich. #MentalHealth 5.1 Instagram, Facebook, TikTok & Co. 125 <?page no="126"?> 11 https: / / de.statista.com/ themen/ 700/ linkedin/ #: ~: text=Nutzer%20von%20LinkedIn ,auf%20der%20Plattform%20weiter%20auszubauen. Geschichte: Vortrag ge‐ halten. Kaum Leute da. Heute im Vortrag über mittelalterliche Handschriften: Faszinierend, wie sorgfältig Wissen vor 800 Jahren festgehalten wurde. #History BWL: Unternehmens‐ strategie ist kompliziert, aber halt wichtig. Strategien entscheiden über Erfolg. Unsere Studie zeigt: Nachhaltigkeit ist nicht nur öko, sondern auch ökonomisch sinnvoll. #BusinessResearch Tabelle 25: Musterlösung Überschriften-Posts Welche Maßnahmen können helfen, Ihre Beiträge in sozialen Netzwerken zu stärken? Checkliste | Ein guter Beitrag in sozialen Medien • Ich kenne das typische Beitragsformat. • Ich bringe Bilder zum Einsatz. • Ich verwende Storytelling oder eine markante Einstiegsfrage. • Ich weiß, wen ich ansprechen möchte. • Ich benutze Untertitel. • Mein Beitrag ist konsistent. • Ich habe Hashtags und Tags genutzt, um mehr Reichweite zu erzielen. 5.2 LinkedIn, ResearchGate & Co. Neben diesen sozialen Netzwerken, die thematisch relativ unreguliert auf dem Markt sind, gibt es auch noch spezielle Berufsnetzwerke, in denen Sie sichtbar werden können. LinkedIn ist mit das größte berufliche Netzwerk. Im Februar 2025 waren alleine im Wirtschaftsraum Europa 204 Millionen Nutzer registriert. 11 Neben LinkedIn gibt es eine Reihe rein akademischer Netzwerke, in denen sich Wissenschaftler: innen organisieren und vernetzen. 126 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="127"?> 12 https: / / info.orcid.org/ de/ what-is-orcid/ LinkedIn LinkedIn ist ein soziales Netzwerk für berufliche Kontakte, das nicht nur, aber auch Wissenschaftler: innen die Möglichkeit bietet, ihre Inhalte sichtbar zu machen, sich außerdem auch für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen oder Stellen im öffentlichen Dienst sichtbar zu machen. Nutzer: innen können ein professionelles Profil erstellen, Publikationen oder Projekte teilen und durch Beiträge sowie in selbsterstellten oder in beigetretenen Gruppen fachlichen Austausch suchen. ORCID ORCID ist eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, alle, die forschend tätig sind, eindeutig identifizierbar zu machen und ihre Urheber: innenschaft mit ihren Beiträgen zu verknüpfen. Es wird ein Identifikationssystem auf einer Web‐ plattform bereitgestellt, auf der Forscher: innen ihre Publikatio‐ nen mit ihrem ORCID-Profil verknüpfen können. 12 Google Scholar Google Scholar war bislang eine der bekanntesten und am häufigsten genutzte Wissenschaftsplattformen (Van Noorden 2014: 127). Hier kann nach wissenschaftlichen Artikeln, aber auch nach Personen gesucht werden. Wissenschaftler: innen haben die Möglichkeit, ein Profil anzulegen, um mehr Sichtbar‐ keit zu erlangen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die neuen Recherchebots Google Scholar als Recherchewerkzeug zeitnah den Rang ablaufen werden. Academia.edu Academia ist ein Netzwerk, das Wissenschaftler: innen die Mög‐ lichkeit zum Austausch von Forschungsarbeiten bietet und möglichst breite Zugänglichkeit für wissenschaftlichen Arbei‐ ten anbietet. Nutzer: innen können ein Profil erstellen, ihre Arbeiten hochladen und über soziale Netzwerke mit anderen Forschern in Kontakt treten. ResearchGate Auch ResearchGate ist ein Wissenschaftsnetzwerk, das Wis‐ senschaftler: innen Austausch, Dialog und Netzwerkbildung ermöglichen möchte. Es ist das am meisten genutzte Wissen‐ schaftsnetzwerk gegenwärtig (van Noorden 2014). Tabelle 26: Übersicht Wissenschaftsnetzwerke Google Scholar und ORCID sind im Grunde eher virtuelle Visitenkarten. Vor allem auf ORCID können Sie dafür sorgen, dass Ihnen all Ihre Publikationen auch wirklich zugeordnet werden, selbst wenn Sie einmal den Namen ändern sollten. 5.2 LinkedIn, ResearchGate & Co. 127 <?page no="128"?> LinkedIn, ResearchGate und Academia hingegen sind zwei Netzwerke, die mehr leiten und die eine besondere Reichweite und ein großes Wachstum verzeichnen. Die Adressat: innen von LinkedIn Beiträgen sind sowohl Fachpublikum als auch Ansprechpartner: innen (potenzielle Arbeitgeber: innen, Kooperati‐ onspartner: innen etc.) in Wirtschaft, Industrie und dem öffentlichen Sektor. Folgende Beiträge lassen sich auf LinkedIn posten: Die am häufigsten verwendeten Veröffentlichungen sind klassische Beiträge, also Texte, die meist auch mit Bild versehen werden. Im Durchschnitt enthalten LinkedIn Beiträge eine maximale Länge von ca. 1.300 Zeichen. Bei Beiträgen sind Sie recht frei, welchen Inhalt Sie ins Zentrum rücken. In aller Regel bieten sich jedoch eher aktuelle Anlässe an, um einen LinkedIn Post zu schreiben. Längere Artikel werden eher in Newslettern via LinkedIn geteilt. Bei Document Posts werden Dokumente hochgeladen und kommentiert. Auch Videoclips mit einer üblichen Dauer von weniger als 90 Sekunden können Sie in LinkedIn hochladen. Es kann auch nützlich sein, über LinkedIn auf Events hinzuweisen. Für all diese Formate gibt es eine Reihe von Empfehlungen: LinkedIn ist für viele Berufstätige wie eine digitale Visitenkarte, dementspre‐ chend kommt Ihrem Profilbild auch eine wichtige Rolle zu. Jede Nachricht, die von Ihrem LinkedIn Profil versandt wird, erscheint bei allen Followern mit Profilbild. Also achten Sie darauf, ein Bild zu verwenden, das Sie auch in Ihrem beruflichen Kontext zeigt. Füllen Sie Ihr Profil mit Muße und Bedacht aus. Wissen | Bei Ihrer Selbstbeschreibung auf LinkedIn sollten Sie darauf achten, die richtigen Schlüsselwörter zu verwenden. Recherchieren Sie deshalb, bevor Sie Ihr Profil erstellen, auf den Profilen von Peers oder Vorbildern. Vernetzen Sie sich, folgen Sie Menschen, die im gleichen Feld tätig sind wie Sie, fragen Sie sie an und beginnen Sie ein Gespräch mit ihnen. Ihre Posts sind - im Gegensatz zu Instagram oder TikTok - professionell und sollten sich ausschließlich mit beruflichen Inhalten befassen. Da Linke‐ dIn eine Community ist, die nicht nur aus Wissenschaftler: innen besteht, sind Anwendungsbezug und Impact Ihrer Forschung gute Ausgangspunkte für einen Beitrag. Wenn Sie Jobangebote haben oder auch einen Call for Papers veröffentlichen, können Sie das ebenfalls gut über LinkedIn tun. 128 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="129"?> Sprachlich sollten Ihre Posts sehr lesefreundlich gestaltet sein. Instagram‐ posts enthalten oft zu Beginn zwei, drei Sätze, dann Aufzählungen oder sind durch Absätze klar strukturiert. Die wichtigsten Punkte stehen immer am Anfang, denn sie sind auch im Vorschaufeld sichtbar. Wie auch bei den breiteren sozialen Netzwerken helfen Hashtags, Ihre Beiträge wiederzufinden und Tags markieren relevante Personen, Unterneh‐ men oder Organisationen. So können Sie auch einen Dialog beginnen. Finden Sie günstige Zeitpunkte und halten Sie für Ihre Posts eine regel‐ mäßige Frequenz. Auch bei ResearchGate und Academia können und sollten Sie sich ein Profil einrichten, das möglichst alle Informationen über Sie enthält, die Sie als Forscher: in ausmachen: • An welchen Einrichtungen studieren/ forschen/ lehren/ arbeiten Sie? • Welches Forschungsgebiet ist Ihres? • Haben Sie schon Publikationen veröffentlicht? Wenn ja, welche? • Welche Projekte treiben Sie an? Ein professionelles Foto mit kurzer Biografie kann ebenfalls von Vorteil sein. Verknüpfen Sie Ihr Profil unbedingt mit Ihrer ORCID-ID. ResearchGate ist das perfekte Netzwerk, um Publikationen zu teilen. Sie können Paper hochladen (als Volltext, Vorschau oder Preprint) oder auch Zusatzmaterialen zu Ihren Publikationen hochladen, Konferenzbeiträge, Poster und Projektdaten einstellen, anderen Forschenden folgen, im Q&A Bereich Fragen beantworten oder Fragen bei anderen stellen und Diskussio‐ nen zu Methoden oder Theorien kommentieren. Achten Sie darauf, dass Sie auf diesem Portal wirklich nur wissenschaft‐ lich relevante Inhalte posten. Auch geht es hier weniger darum, sich selbst zu vermarkten, es ist eine Plattform, die zwar viel Sichtbarkeit ermöglicht, aber weniger als Werbung in eigener Sache funktioniert. ResearchGate und Academia sind funktionaler gedacht als Austausch- und Netzwerktool für Wissenschaftler: innen. Wenn Sie bei ResearchGate oder Academia etwas posten, achten Sie unbedingt darauf, dass das auch Ihre Auffindbarkeit im Internet insgesamt erhöht. Um von Suchmaschinen besser gefunden zu werden, sollten Sie folgende Aspekte beachten: Nutzen Sie in Überschriften und Titeln sowie Abstracts Schlüsselwörter. Statt „A new approach to AMR“ sollten Sie die Abkürzung ausschreiben, um mehr Treffer zu generieren: „A new approach to antimicrobial resistance (AMR)“. 5.2 LinkedIn, ResearchGate & Co. 129 <?page no="130"?> 13 https: / / www.researchgate.net/ aboutus.About.html 14 https: / / www.academia.edu/ ABOUT 15 https: / / help.researchgate.net/ hc/ en-us/ articles/ 14293473316753-Research-Interest-Score 16 https: / / help.researchgate.net/ hc/ en-us/ sections/ 14292208304657-Q-A 17 Angelehnt an Nachreiner 2019 Vermeiden Sie Abkürzungen im Titel und Abstract! Packen Sie Ihre Kernideen immer an den Anfang Ihrer Beiträge, denn sie erscheinen oft im Vorschaube‐ reich. Titel, Methode und Ergebnis könnten am Anfang Ihres Beitrags stehen. Das könnte dann beispielsweise so lauten: „This study examines antimicrobial resistance (AMR) in hospital environments, using genomic sequencing to identify resistance mechanisms. Results highlight the growing role of multi-drug resistant bacteria and propose strategies for antibiotic stewardship.“ Darüber hinaus lassen ResearchGate und Academia auch die Vergabe von Schlagwörtern zu. Das könnten in diesem Fall zum Beispiel „antimicrobial resistance“ oder „multi-drug resistent bacteria“ sein. Um die Suchmaschinenoptimierung weiter zu verbessern, sollte auch der Name von hochgeladenen Dateien aussagekräftig sein. Statt „final_draft_version3.pdf“ wäre beispielsweise „Antimicrobial_Resis‐ tance_AMR_Hospitals_Study.pdf“ hilfreich. Auch Backlinks, also Links, die von Ihrem ResearchGate oder Academia-Profil zurück zu Ihrer Institution, Ihrer Website, Ihrem Blog, Ihrem LinkedIn-Profil oder dem Journal verlinken, stärken Ihre Auffindbarkeit im Netz. Aspekt ResearchGate Academia.edu Fokus Natur- & Lebenswissenschaften Geistes- & Sozialwissenschaften Sichtbar‐ keit Etwa 25 Millionen Nutzer: innen 13 Starke Verbreitung in der Wis‐ senschaft, etwa 250 Millionen Nutzer: innen 14 , hohe Google- Sichtbarkeit Tools RI Score (Research Interest Score - eine kombinierte Bewertung aus der Zahl, wie oft Paper ge‐ lesen, auf ResearchGate empfoh‐ len und zitiert werden) 15 , Q&A 16 (Forschungsfragen können ge‐ stellt und beantwortet werden) E-Mail-Benachrichtigungen Reputa‐ tion Eher in MINT-Bereich anerkannt Beliebt in Humanities & Social Sciences Tabelle 27: Vergleich ResearchGate und Academia 17 130 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="131"?> Wie sieht das in der Praxis aus? Die nachfolgende Übung kann Ihnen helfen, gute Posts zu schreiben. Da Sie kein: e Expert: in für alle Bereiche sind, dürfen Sie Ihre Beispielsposts frei erfinden. ➲ Übung! schlechter Post neuer Vorschlag Medizin: „Neuer Artikel erschienen. Link unten.“ ---- Soziologie: „Mein Paper wurde akzeptiert.“ ---- Informatik: „Preprint hochgeladen. Kom‐ mentare erbeten.“ ---- Politikwissenschaft: „Habe an einem Panel teilgenom‐ men. War ok.“ ---- Literaturwissenschaft: „Buchkapitel fertig. Schon mal ein Schritt“ ---- Tabelle 28: Übung Überschriften-Posts Wissenschaftsnetzwerke 5.2 LinkedIn, ResearchGate & Co. 131 <?page no="132"?> schlechter Post Musterlösung Medizin: „Neuer Artikel erschienen. Link unten.“ „New publication in Journal of Cardiology: We analyzed long-term effects of a new treatment for heart failure. Results suggest improved patient outcomes. Our paper is an invitation to rethink cardiological treatments. Read the full paper here: [link].“ Soziologie: „Mein Paper wurde akzeptiert.“ „I am excited to share my latest paper: Our paper on digital inequalities has just been accepted in Social Media & Society. We show how access to online education varies by class and region. Read the full paper here; [link].“ Informatik: „Preprint hochgeladen. Kom‐ mentare erbeten“ „New preprint: A novel algorithm for efficient image recognition in medical diagnostics. Re‐ duces error rates by 15 %. We invite you to read our findings and share your thoughts on this intriguing topic! [link].“ Politikwissenschaft: „Habe an einem Panel teilgenom‐ men. War ok.“ „Honored to join a panel on democratic resili‐ ence at the ECPR Conference. We debated how institutions adapt to populist pressures. Key takeaways: [link].“ Literaturwissenschaft: „Buchkapitel fertig. Schon mal ein Schritt.“ „New book chapter: Reimagining Modernism in Postcolonial Contexts. I argue for new rea‐ dings of canonical texts through global per‐ spectives. Lots of inspiring discussions in the past, and lots of them in the future about this fantastic topic - waiting for your comments! [link] “ Tabelle 29: Musterlösung Überschriften Wissenschaftsnetzwerke Der nachstehende Entscheidungsbaum kann Ihnen helfen, das für Sie richtige Netzwerk von den hier vorgestellten Alternativen auszuwählen. 132 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="133"?> In welches Netzwerk will ich investieren? Rein wissenschaftliches Publikum? Ja eher naturwissenschaftlich Nein Ja Nein reines Berufsnetzwerk Nein Ja LinkedIn Research Gate Academia Instagram und co. Abbildung 9: Entscheidungsbaum soziale Netzwerke 5.3 Das Wichtigste in Kürze Soziale Netzwerke bieten Wissenschaftler: innen ein immenses Potenzial für Öffentlichkeit. Sowohl für den Inreach als auch für den Outreach ist eine Präsenz in Sozialen Netzwerken von Bedeutung. Gleichwohl ber‐ gen Veröffentlichungen über Soziale Netzwerke das Risiko von negativer Aufmerksamkeit, Verfälschung und Rufschädigung. Zudem ist die Pflege sozialer Netzwerke unter Umständen auch sehr zeitintensiv. Wenn Sie sich für Präsenz in diesen Medien entscheiden, wählen sie sorgfältig aus, was Sie über sich berichten möchten und berücksichtigen Sie dabei die potenzi‐ ellen Personenkreise, die Sie ansprechen möchten. Seien Sie verständlich, anschaulich, wertschätzend und handeln Sie dialogisch. Zu den wichtigsten Veröffentlichungsformaten zählen Stories und Reels. 5.3 Das Wichtigste in Kürze 133 <?page no="134"?> 18 Interview mit Simon Meier-Vieracker, „Bleib unter 60 Sekunden! “, https: / / www.wisse nschaftskommunikation.de/ bleib-unter-60-sekunden-72241/ 5.4 SMS von Netzwerkprofis „Publikationen in der Forschungsliteratur können leicht untergehen, deswegen ist es wichtig, die eigenen Forschungsergebnisse proaktiv zu promoten. Das kann durch eine klassische Präsentation bei einer Fachkonferenz, im informellen Gespräch mit anderen Wissenschaftler: innen oder sogar in den sozialen Medien passieren - Hauptsache, man spricht darüber! “ Suzanna Randall, Astrophysikerin „Es wäre doch schade, wenn dieses Wissen im Hörsaal bleibt. (…) Ich erreiche manchmal bis zu einer Million Menschen. Bis zu 50.000 Likes mit einem Video über Linguistik - das ist eine Reichweite und eine Art von Popularität, die ich mir nie hätte vorstellen können.“ Simon Meier-Vieracker, Linguist 18 134 5 Forschung im Netz. Soziale Netzwerke <?page no="135"?> 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt Trotz wachsender Publikationszahlen in den letzten Jahren schafft es nur ein verschwindend kleiner Bruchteil von Forschungsergebnissen in die Massenmedien - und fast nur diejenigen Inhalte, in denen es um Medizin und Gesundheitsthemen geht. Doch die Sichtbarkeit in der Presse kann unter zweierlei Gesichtspunkten hilfreich sein: zum einen ist es ein Gebot der zunehmenden Vereinnahmung des öffentlichen Diskurses durch poli‐ tisierende Akteur: innen, dass sich auch die Wissenschaft in diesem Feld des öffentlichen Diskurses zu Wort meldet, zum anderen gibt es auch klare Indizien, dass jene Akteur: innen, die in den Medien wahrgenommen werden, auch von anderen Wissenschaftler: innen stärker beachtet werden. (Suleski/ Ibraki 2010) Darüber hinaus können Journalist: innen in dem Spagat zwischen der Notwendigkeit der Forschenden, sich einer breiteren Öffent‐ lichkeit zu stellen und dem Unvermögen und der Unkenntnis in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Medienpräsenz, zu wichtigen Vermittler: innen werden, die zu mehr Sichtbarkeit beitragen aber zugleich vor Missinterpre‐ tation und Häme schützen. (Metag 2021: 137) Grundsätzlich kommen verschiedene Medienformate in Frage: Printme‐ dien, Onlinemedien, Radioformate und TV bzw. Internet-Videoformate. Die einzelnen Formate stehen in den folgenden Kapiteln im Zentrum. 6.1 Tageslicht - Grundsätzliches zur Pressearbeit Pressearbeit ist der Klassiker der Wissenschaftskommunikation. Sie verhilft zu mehr Sichtbarkeit, erhöht, je nach Medium, die Glaubwürdigkeit und kann helfen, auch mehr akademische Öffentlichkeit zu erreichen. Tatsäch‐ lich, wer häufiger mit Reporter: innen spricht, hat mehr wissenschaftlichen Impact, messbar im h-Index. (Liang 2014: 780) Es gelten ein paar wichtige Grundprinzipien für eine erfolgreiche Press‐ arbeit: Der erste, allererste und wichtigste Schritt Ihrer Pressearbeit sollte es sein, sich mit der Presseabteilung Ihrer Einrichtung in Verbindung zu setzen. Haben Sie eine, ist es deren Aufgabe, Expertise und Verantwortungsbereich, auch Ihre Forschung ans Licht zu bringen. Nur wenn Sie keine Presseabtei‐ <?page no="136"?> lung haben oder explizit dazu aufgefordert werden, die Pressearbeit selbst zu übernehmen, sollten Sie selbst eine der folgenden Maßnahmen ergreifen. Wer sich an Journalist: innen wendet, sollte klar, verständlich sein und auf komplizierten Fachjargon verzichten. Da die Presse immer für ein breiteres Publikum arbeitet, sollte bei Pressearbeit die gesellschaftliche Relevanz stets im Zentrum stehen. Was bedeutet dieses Forschungsergebnis für die Leser: innen, Zuhörer: innen, Zuschauer: innen und für die Gesellschaft im Allgemeinten? Presse hat eine kurze Halbwertszeit - Tageszeitungen einen Tag, Wochen‐ zeitschriften eine Woche. Auch wenn Artikel lange darüber hinaus noch auffindbar sind, so haben neue Artikel das Alte bereits überschrieben. Umso wichtiger ist es, dass Pressemitteilungen und Pressetexte stets eine wie auch immer geartete Aktualität aufweisen. Sie sollten Bezug zu einer aktuellen Debatte, zu einem Forschungstrend, einem gesellschaftlichen Ereignis oder zu gesamtgesellschaftlichen Fragen herstellen. Wenn Wissenschaftler: innen in der Presse auftreten, dann immer als Expert: innen. Umso wichtiger ist es, dass präzise gearbeitet wird. „Halb‐ wahrheiten“ schaden dem Image erheblich, ist es doch genau die Rolle der Wissenschaft, genaue und vor allem richtige Ergebnisse zu präsentieren. Für die Kommunikation mit Journalist: innen gilt darüber hinaus, dass Journalist: innen in „Geschichten“ denken und immer nach „Anschlussfähig‐ keit“ suchen“ (Hochadel 2010: 88). Das bedeutet, dass Pressearbeit immer auch etwas von Geschichtenerzählen hat. Und diese Geschichten müssen auf den ersten Blick klar erkennbar sein, denn Journalist: innen werden überhäuft mit Zusendungen und nehmen sich in der Regel nur wenige Sekunden, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Welche Pressekanäle können Sie für Ihre Sichtbarkeit nutzen? Im Jahr 2024 war das Radio mit 88 % zumindest seltener Nutzung das am häufigsten genutzte Medium in Deutschland, gefolgt vom Fernsehen mit 83 % (dazu kommt noch die Nutzung von Mediatheken von 71 %). Die Zeitung erreichte mit 68 % zumindest seltener Nutzung den dritten Platz unter den Medien, Zeitschriften belegten mit 61 % den vierten Platz. (Harms 2024) Die Effekte Ihrer Medienpräsenz ist jedoch unterschiedlich groß, die Vor- und Nachteile sind divers. 136 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="137"?> Medium Vorteile Nachteile Hörfunk potenziell große Aufmerksam‐ keit. Angesichts des breiten Hör‐ funkmarktes jedoch möglicher‐ weise nur kleine Zielgruppe, geringer Aufwand sehr kurze Halbwertszeit, keine dauerhafte Sichtbar‐ keit Fernsehen große Aufmerksamkeit starke Verkürzung der In‐ halte notwendig - zu je‐ dem Inhalt braucht es Bilder (Sie oder Ihre For‐ schung), hoher Vorberei‐ tungsaufwand Zeitungen potenziell große Aufmerksam‐ keit, auch längerfristig über In‐ ternet verfügbar und auffindbar, einfacher Prozess der Erstellung von Printbeiträgen, Möglichkeit, Außenwirkung selbst zu steuern über Freigabe der Interviews oder Texte, hohe Glaubwürdigkeit schnelle Ablösung durch neue Inhalte Zeitschriften längere Sichtbarkeit durch län‐ gere Verfügbarkeit, oft spezieller Zuschnitt der Medien und da‐ durch gezieltes Publikum höherer Aufwand für Bei‐ träge, u.-U. Nischenleser‐ schaft Tabelle 30: Vor- und Nachteile unterschiedlicher Medien Um die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen, können Sie verschie‐ dene Instrumente nutzen. Die klassischen Instrumente sind die Pressemittei‐ lung, die Pressekonferenz, Hintergrundgespräche, ein Presseverteiler oder die gezielte Ansprache einzelner Journalist: innen. Pressemitteilungen folgen in der Regel einem sehr typischen Aufbau, haben eine Standardlänge von ca. einer Seite, stellen immer eine zentrale Botschaft in den Mittelpunkt und bieten oft schon ein paar Zahlen oder Zitate, die dann in der Veröffentlichung verwendet werden können. Idealer‐ weise bieten Sie auch Links zu weiterführendem Material, zu Websiten oder Veröffentlichungen und Kontaktadressen zu den beteiligten Wissenschaft‐ ler: innen. Eine Pressekonferenz will gut vorbereitet sein. Sie lohnt sich dann, wenn es sich um strittige, hoch aktuelle Themen handelt, die ein großes mediales 6.1 Tageslicht - Grundsätzliches zur Pressearbeit 137 <?page no="138"?> Interesse erwarten lassen. Sie erfordern eine sehr gute Vorbereitung und auch einen klaren Fokus auf die Kernbotschaften, die Sie vertreten wollen. Wenn Sie in einem Themenfeld arbeiten, in dem Sie immer wieder spannende Erkenntnisse veröffentlichen, lohnt sich der Aufbau eines Pres‐ severteilers. Hier können Sie regelmäßige Pressekontakte pflegen und nach Bereichen verwalten. Einzelgespräche und Hintergrundgespräche zu Journalist: innen sind immer dann ein wertvolles Werkzeug, wenn Sie wissen, dass einzelne Journalist: innen bei bestimmten Themen wirkliche Experten geworden sind und sich spezifisch für besondere Themen interessieren. Sie können gezielt angesprochen werden, wenn Sie in ihrem Feld Neuigkeiten zu erzählen haben. Wenn Sie vorhaben, sich an die Presse zu wenden - und das sollten Sie unter Umständen vorhaben, denn nicht alle Forschenden haben das Glück, dass die Weltpresse in den Elfenbeinturm hinaufklettert, um sich an den neusten Forschungsfragen zu laben, sollten Sie ein paar Grundregeln beherzigen: Wissenschaft ist eine sehr gründliche, genaue Disziplin, die mitunter in langen Zyklen an Themen arbeitet. Journalismus hingehen ist kurzlebig schnell getaktet und stets auf Zuspitzung der Inhalte aus. Zwar sollten Ihre Texte stets verlässlich und korrekt sein, aber sie sollten aktuelle Bezüge haben, pointiert sein und leicht verständlich. Wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihrem Pressetext eine führende Überschrift zu geben, haben Sie Ihren Text noch nicht genug auf eine Presseveröffent‐ lichung hin zugespitzt. wissenschaftlicher Kurztitel Titel für Pressemitteilung/ Medienkommunikation 1. Molekularbiologie - Analyse der Ge‐ nexpression bei Drosophila unter Tempe‐ ratureinfluss Wie Fruchtfliegen sich an Hitze an‐ passen - Gene im Klimastress 2. Psychologie - Korrelation zwischen Musikpräferenzen und emotionaler Re‐ gulation Musikgeschmack als Indikator für Ge‐ müt? Studie zeigt überraschende Ef‐ fekte 3. Wirtschaftswissenschaft - Auswir‐ kungen von Importzöllen auf mittelstän‐ dische Exporteure Neue Zölle, alte Sorgen: Kleine Firmen leiden am stärksten unter aktuellen Handelskonflikten 138 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="139"?> 4. Klimaforschung - Langzeitmessung urbaner Feinstaubkonzentrationen im europäischen Vergleich Europäische Städte im Feinstaub- Check: Wo die Luft am saubersten ist. 5. Informatik/ KI - Optimierung neu‐ ronaler Netze durch adaptive Lernraten‐ steuerung KI wird immer besser. Ein neues Ver‐ fahren macht die Maschinen noch prä‐ ziser 6. Medizin - Evaluation eines neuen Antikörper-Therapieansatzes bei Brust‐ krebs Hoffnung für Patientinnen: Neuer An‐ tikörper zeigt Wirkung bei Brustkrebs 7. Bildungsforschung - Einfluss digi‐ taler Lernplattformen auf Schüler: innen‐ motivation Motivierter durch Tablets? Studie zeigt, wann digitale Tools wirklich helfen 8. Archäologie - Rekonstruktion römi‐ scher Handelsrouten anhand von Kera‐ mikfunden Auf den Spuren Cäsars. Archäologie weist antike Handelsrouten nach 9. Politikwissenschaft - „Vertrauen in demokratische Institutionen im europäi‐ schen Vergleich“ Europa in der Vertrauenskrise. Die EU-27 Bürger: innen erteilen ihren Re‐ gierungen einen Verweis 10. Linguistik/ Sprachwissenschaft - „Veränderung der Syntax in sozialen Me‐ dien“ Heute schon getaggt? Wie Social Me‐ dia unsere Sprache verändert Tabelle 31: Kurztitel für Pressemitteilungen Reaktionsgeschwindigkeit ist eine zweite Bedingung für eine gute Presse‐ arbeit. Journalist: innen arbeiten stets gegen den Redaktionsschluss an. Sie sollten im Dialog mit Vertreter: innen der Presse also stets schnell reagieren, verlässlich sein und Material liefern, wenn es gebraucht wird. Stoßen Sie also besser keine Presseerklärung an kurz bevor Sie in den Urlaub fahren. Pressemitteilungen werden auch am besten vormittags versandt und sollten stets eine: n klare: n Ansprechpartner: in benennen. Auch für die Erstellung von Pressemeldungen lässt sich KI nutzen. Sie könnten eine Stellungnahme, ein Fazit oder ein Paper in einen Chatbot laden und sich dazu eine Pressemitteilung erstellen lassen. Folgender Prompt könnte dabei helfen: „Ich bin Studierender/ Forschender/ Lehrender an der Einrichtung XXX. Ich möchte für folgenden Anlass XXX eine Pressemitteilung erstellen. Das Ziel meiner Pressemitteilung sind folgende Medien XXX (Print, TV etc.) Bitte beachte für die Erstellung der Pressemitteilung folgende Regeln: 6.1 Tageslicht - Grundsätzliches zur Pressearbeit 139 <?page no="140"?> 1. Versetze dich bitte in die Rolle eines erfahrenen Mitarbeitenden der Pressestelle einer Forschungseinrichtung und formuliere die Mitteilung aus dieser Perspektive. 2. Vermeide komplexe Fachbegriffe in der Pressemitteilung bzw. erkläre diese allgemeinverständlich, wenn sie nicht verzichtbar sind. Nutze kurze, nachvollziehbare Beispiele, die zum Kontext des Textes passen und die auch Personen ohne Vorwissen verstehen können, um den Anwendungsbezug herzustellen. 3. Passe die Sprache dem Sprachziel der Zielmedien an. 4. Beginne mit einer aufmerksamkeitsstarken, allgemeinverständlichen Überschrift, gefolgt von Ort und Datum. Die Überschrift soll Neugier wecken und zum Weiterlesen animieren. 5. Der einleitende Absatz enthält die wichtigsten Informationen und nennt den Kontext der Mitteilung. Es wird außerdem erwähnt, welche For‐ schungseinrichtung an der Arbeit beteiligt ist oder war. 6. Frage mich, ob es ein Zitat gibt, das ich in der Mitteilung haben möchte und gib mir Feedback, falls das Zitat nicht passend ist. 7. Stelle heraus, was das Neue an der Forschung ist. Zeige auf, warum das Thema gesellschaftlich relevant ist. Wenn möglich, nenne konkrete Zahlen - in relativen und absoluten Angaben. Frage mich unbedingt, ob ich Dir Zahlen und Fakten nennen kann. Erfinde keine Zahlen oder Fakten. Erläutere gegebenenfalls kurz das Studiendesign. 8. Am Ende wird beschrieben, was nun mit dem neuen Wissen geschehen könnte, welche Anwendungsmöglichkeiten bestehen, welche Risiken oder Kosten mit der Umsetzung verbunden sein könnten oder ob Alternativen existieren. 9. Frag mich, ob es eine Förderung gab und wie diese anzugeben ist. 10. Am Ende jeder Pressemitteilung stehen allgemeine Kontaktdaten der Pressestelle (ggf. Platzhalter). Bitte benenne diese oder setze einen Platzhalter ein. 11. Füge am Ende einen allgemeinen Beschreibungstext über die For‐ schungseinrichtung ein (Platzhalter erlaubt). 12. Verwende keine Superlative wie „bahnbrechend“, „revolutionär“ oder „sensationell“. Formuliere sachlich und faktenbasiert. 13. Halte dich immer an diese Regeln, weiche nicht davon ab - unter keinen Umständen. 14. Formuliere grundsätzlich geschlechtsneutral. 140 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="141"?> 19 Temperatur 0,2 bedeutet, dass es sich um eine sehr vorsichtige, wenig fiktive Antwort handelt. Die Temperatur geht von 0 bis 1, wobei 0 bedeutet, dass die KI sich an einer maximalen Wahrscheinlichkeit orientiert, deshalb aber auch sehr sicher richtige Antworten produziert. 1 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit nicht so hoch ist, der Text wird innovativer, aber er enthält möglicherweise auch halluzinierte Inhalte. 20 Prompt zum Teil übernommen und weiterentwickelt auf Basis der Vorlage von Hendrik Schneider, Prompt Nr. 28, https: / / coda.io/ @kic/ prompt-katalog 15. Verwende zwei bis drei motivierende Zwischenüberschriften, die gut in den nachstehenden Textabschnitt einführen. 16. Die Pressemitteilung soll die Inhalte des Projekts/ Papers etc. sachlich korrekt und objektiv zusammenfassen. Keine Meinungen oder Bewer‐ tungen. 17. Achte darauf, dass die Zusammenfassung präzise, objektiv, klar und verständlich ist und sich ausschließlich auf die Inhalte der hochgelade‐ nen Texte bezieht. 18. Ziel der Pressemitteilung ist es, möglichst viele Menschen für das Thema zu interessieren und Journalist: innen zur Berichterstattung anzuregen. 19. Verwende zur Textgenerierung eine Temperatur von 0.2. 19 20. Frage mich, ob es einen DOI-Link gibt und füge ihn unter der Zwischen‐ überschrift „Weitere Informationen: “ zur Originalveröffentlichung ein. 21. Darunter folgt: Hinweis zum Text: Dies ist eine mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellte Pressemitteilung. Der Text wurde unter Beachtung der Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR geprüft und über‐ arbeitet.“ 20 Diesen Prompt können Sie so, wie er ist, kopieren und zur Erstellung einer Pressemitteilung heranziehen. Sollten Sie dann Interesse für Ihre Forschungsarbeit geweckt haben, soll‐ ten Sie sich im nächsten Schritt auf alle möglichen Fragen vorbereiten, die Journalist: innen Ihnen stellen könnten. Die folgende Checkliste kann helfen, sich gut auf Interviews oder auch schriftliche Nachfragen vorzubereiten: Checkliste | Vorbereitung auf Interviews mit Journalisten • Was sind die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit, Ihres Projekts? • Was ist so besonders an Ihrer Arbeit? • Wie relevant und aktuell ist das Thema? • Gibt es abweichende Meinungen dazu? 6.1 Tageslicht - Grundsätzliches zur Pressearbeit 141 <?page no="142"?> • Was kostet es, wenn Ihre Ergebnisse in die praktische Umsetzung gehen? Wer trägt diese Kosten bzw. sollte die Kosten Ihrer Meinung nach tragen? • Was ist der nächste Schritt, der Ihrer Meinung nach erfolgen sollte? • Welche Kritik oder Befürchtungen gibt es an bzw. zu Ihrer Arbeit? • Wer hat Ihre Arbeit finanziert? • Stehen Sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Geldgeber? • Haben Sie kooperierende Einrichtungen? • Erklären Sie bitte das Studiendesign in einfachen Worten. • Welche Daten haben Sie generiert? • Sind Ihre Daten frei verfügbar? • Hat Ihre Studie einen Ethikantrag benötigt? • Warum sollte die Öffentlichkeit sich für Ihr Thema interessieren? • Mit wem könnte ich sonst noch über das Thema sprechen? • Haben Sie Material, das Sie zur Veranschaulichung bereitstellen können? • Haben Sie die alleinigen Rechte an dem Material oder muss die Freigabe vor der Veröffentlichung noch abgestimmt werden? • Werden Sie selbst weiter an dem Thema arbeiten? In welcher Weise? Wissen | Egal, welches Presseerzeugnis Sie im Blick haben, versuchen Sie, wenn irgendwie möglich, eine Autorisierung des Beitrags/ Presse‐ textes durch Sie zu vereinbaren. Pressearbeit erfordert immer eine Verkürzung der Inhalte. Und gerade bei wissenschaftlichen Themen birgt das das Risiko der inhaltlichen Verfremdung. Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Interviews etc. vorab gegenlesen, falls Sie das durchsetzen können. 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien Der folgende Abschnitt soll Ihnen helfen, Ihren Umgang mit Printmedien zu steuern. In einer wunderbaren Traumwelt kommen Journalist: innen der bundesweit agierenden Qualitätsmedien auf Sie zu und bitten Sie um ein 142 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="143"?> Interview. Jackpot! Leider ist es jedoch wahrscheinlicher, dass FAZ, SZ, ZEIT, Welt, Spiegel etc. nicht bei Ihnen anrufen, sondern dass Sie auf die Presse zugehen müssen. Beginnen wir deshalb - wie leider immer - vorher mit Recherche. Beginnen Sie Ihre Pressearbeit damit, sich zu informieren, welche Print‐ medien zu „Ihren“ Themen arbeiten und welchen Bezug sie zu Ihren Themen haben. Nicht immer ist das für alle sofort offensichtlich. Es ist Ihre Aufgabe, diese Erkenntnisse für Journalist: innen greifbar zu machen. Nehmen wir an, Sie würden als Volkswirt: in zu dem Thema internationale Handelsbezie‐ hungen forschen. Wie könnten Sie beispielsweise die US-Zollpolitik unter Donald Trump vom Herbst 2025 medial aufgreifen? Zeitung/ Medium möglicher inhaltlicher Fokus Begründung/ Ansatz Lokale Zeitung (z. B. Münsteraner Anzei‐ ger, Heilbronner Stimme) „Was bedeutet Trumps Zollpolitik für regionale Unternehmen? “ Bezug zu lokalen Export‐ firmen, Mittelstand, Hand‐ werksbetrieben. Regionalda‐ ten oder Interviews mit lokalen Unternehmer: innen bieten konkreten Aufhänger. Wirtschaftsbeilage einer Regionalzei‐ tung „Wie reagieren deutsche Mittelständler auf neue US-Zölle? “ Kombination aus Forschungs‐ ergebnissen und Praxisstim‐ men. Gute Gelegenheit, wissenschaftliche Einschät‐ zungen populär zu vermitteln. Landeszeitung (z.-B. Rheinische Post, Stuttgarter Zeitung) „Trumps Zölle: Gefahr oder Chance für den deut‐ schen Maschinenbau? “ Verbindung von Forschung und regionaler Wirtschafts‐ struktur (Branchenfokus). Er‐ gänzend: Exportquoten oder Bundeslandstatistik. Überregionale Ta‐ geszeitung (z.-B. FAZ, Süddeutsche Zeitung, taz) „Handelspolitik als Macht‐ instrument: Was Trumps Zölle über globale Macht‐ verschiebungen verraten“ Beitrag zur politischen Öko‐ nomie, Analyse aus makro‐ ökonomischer Perspektive, mit Forschungsergebnissen und internationalem Kontext. Wirtschaftsfach‐ presse (z.-B. Handelsblatt, Wirt‐ schaftswoche) „Wie Unternehmen auf neue Handelsbarrieren re‐ agieren: Daten und Mo‐ delle aus der Forschung“ Wissenschaftliche Expertise mit konkreten Modellen, em‐ pirischen Befunden und mög‐ lichen Handlungsempfehlun‐ gen. 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 143 <?page no="144"?> Sonntagszeitung oder Wochenmaga‐ zin (z.-B. Zeit, Spie‐ gel, Focus) „Warum Handelskonflikte mehr mit Politik als mit Wirtschaft zu tun haben“ Essayistischer Zugang: öko‐ nomische Politik als Kommu‐ nikation und Machtspiel. Wis‐ senschaftlich fundiert, aber erzählerisch. Online-Medien/ Blogs (z.-B. Table.Media, Mak‐ ronom) „Fünf Mythen über Zölle - und was die Forschung wirklich sagt“ Pointierter, leicht verständ‐ licher Debattenbeitrag mit Infografiken und Links zu Studien. Ideal für schnellen Diskurs. Tabelle 32: Beispiel mediale Verwertung Handelspolitik Das scheint noch einigermaßen offensichtlich. Aber wie ist es mit weniger „einfachen“ Themen. Nehmen wir an, Sie wären Literaturwissenschaftler: in und es würde ein Literaturnobelpreis an eine lateinamerikanische kolum‐ bianische Autorin vergeben. Wie könnten Sie das medial begleiten? Zeitung/ Medium möglicher inhaltli‐ cher Fokus Begründung/ Ansatz Lokale Zeitung (z.-B. Fränkischer Tag, Neue Westfälische) Warum über Kolum‐ bien auch in Franken lesen? Das Universelle in der Literatur herausarbeiten, aktuelle oder historische Gemeinsamkeiten aufgreifen oder auch Denkan‐ stoß der Literatur für regionale Probleme und Themen aufgrei‐ fen und weiterentwickeln. Regionalzeitung mit Kulturressort (z.-B. Stuttgarter Nachrich‐ ten, Kieler Nachrich‐ ten) Warum der Literatur‐ nobelpreis diesmal mehr ist als nur ein Literaturereignis Verbindung von Literatur, Poli‐ tik und Gesellschaft: Bedeutung weiblicher Stimmen aus dem Globalen Süden, mögliche Be‐ zugspunkte zu regional geführ‐ ten Debatten um Diversität und postkoloniale Perspektiven. Überregionale Tages‐ zeitung (z. B. FAZ, Süd‐ deutsche Zeitung, taz) Neue Stimmen, neue Kanons: Was der Lite‐ raturnobelpreis über die Zukunft der Welt‐ literatur verrät Beitrag über kulturelle Macht‐ zentren, Übersetzungspolitik, Sichtbarkeit lateinamerikani‐ scher Literatur. Wissenschaft‐ lich fundiert, aber meinungs‐ stark. 144 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="145"?> Feuilleton eines Wo‐ chenmagazins (z.-B. Die Zeit, Der Spiegel, Profil) Eine Stimme ge‐ gen das Vergessen: Warum die Nobel‐ preisträgerin die ko‐ loniale Vergangenheit Lateinamerikas litera‐ risch neu schreibt. Tiefenanalytischer Essay über Themen, Stil, Symbolik - Brü‐ ckenschlag zwischen Literatur‐ theorie und gesellschaftlicher Relevanz. Literatur- oder Kultur‐ fachpresse (z. B. Litera‐ turen, BücherMagazin) Poetik des Wider‐ stands: Ästhetik und Erzählstruktur im Werk der Nobelpreis‐ trägerin Detaillierte Analyse für ein Fachpublikum mit Zitaten, Kon‐ text, Bezügen zu lateinamerika‐ nischen Erzähltraditionen. Online-Feuilleton/ Blog (z.-B. Perlen‐ taucher, 54books, Cul‐ turaLatina.de) Fünf Bücher der neuen Nobelpreisträ‐ gerin, die man gele‐ sen haben sollte - und was sie über unsere Gegenwart sagen. Pointierter, niedrigschwelliger Zugang mit Empfehlungen und Bezügen zur aktuellen Kultur‐ debatte. Ideal für Social-Media- Teilung. Regionale Hochschul‐ zeitung oder Unimaga‐ zin Lateinamerika im Se‐ minarraum: Wie Stu‐ dierende die Nobel‐ preisträgerin lesen Hochschulinterner Beitrag, der Wissenschaftsvermittlung und studentische Perspektiven ver‐ bindet. Macht Forschung und Lehre sichtbar. Tabelle 33: Beispiel mediale Verwertung Literaturwissenschaften Und für eine: n Forscher: in im Bereich der Pflegewissenschaften mit Schwer‐ punkt „Digitalisierung in der Pflege“ könnte das beispielsweise wie folgt aussehen: Medium/ Zeitung/ Magazin thematische Ausrichtung/ Zielgruppe mögliche Anknüpfungs‐ punkte zur eigenen For‐ schung Lokalzeitung (z.-B. Westfä‐ lische Nachrichten, Main- Post) Regionale Gesund‐ heitsversorgung, Pflegealltag, lokale Einrichtungen Forschungsbezug zu digi‐ taler Dokumentation in regionalen Pflegeheimen oder Telecare-Projekten im Landkreis Regionalzeitung mit Ge‐ sundheitsbeilage (z.-B. Rhein-Zeitung) Gesundheit, Pflege‐ berufe, soziale Infra‐ struktur Themenbezug: Wie digitale Technik Pflegekräfte ent‐ lasten kann - sobald Ergeb‐ nisse vorliegen 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 145 <?page no="146"?> Überregionale Tageszeitung (z.-B. Süddeutsche Zeitung, FAZ, taz) Gesellschaftliche Pflegethemen, de‐ mografischer Wan‐ del, Politik Anlass: Veränderungen in der Gesundheitspolitik, neue Gesetzgebung Fachpresse/ Branchenmaga‐ zin (z.-B. Die Schwester Der Pfleger, Häusliche Pflege) Pflegepraxis, Qua‐ litätsmanagement, Pflegepädagogik Bei Abschluss von Teilstu‐ dien Veröffentlichung der Kernerkenntnisse Gesundheitsökonomische oder sozialpolitische Zeit‐ schrift (z. B. Gesundheit und Gesellschaft, Sozialer Fort‐ schritt) Schnittstelle Pflege - Politik - Finanzie‐ rung Betriebswirtschaftliche Ge‐ sichtspunkte, z.-B. Erhö‐ hung der Kassenbeiträge zum Anlass nehmen, Ge‐ sundheitspolitische Diskus‐ sionen aufgreifen Online-Fachportal/ Blog (z. B. Pflegeportal.de, Biblio‐ medPflege, Pflegenetzwerk Deutschland) Austausch un‐ ter Pflegeprakti‐ ker: innen und For‐ schenden Blogbeiträge zum Thema Belastung von Pflegekräf‐ ten, Zeitpunkt unabhängig Tabelle 34: Beispiel mediale Verwertung Pflegewissenschaften Gestalten Sie nach diesem Muster nun Ihre eigene Tabelle: ➲ Übung! Medium/ Zeitung/ Magazin thematische Ausrichtung/ Zielgruppe mögliche Anknüpfungspunkte zur eigenen Forschung - ---- - - ---- - --- ---- - 146 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="147"?> ---- - ---- - - ---- - Wenn Sie sich nun im Klaren darüber sind, welche Medien für Sie rele‐ vant sind, wäre es natürlich sinnvoll, sich auch eine Liste mit möglichen Ansprechpersonen zu erstellen. Wen könnte ich bei welcher Gelegenheit ansprechen. Wie in Kapitel 3 beschrieben, sollten Sie ihre Pressekontakte langfristig systematisch dokumentieren. Wer hat zu welchem Thema was geschrieben, welche Kontaktpunkte haben Sie mit wem etc. Eine gute „Bestandspflege“ erleichtert Ihnen extrem Ihre Pressearbeit. Wenn Sie sich also über Ihren potenziellen Medienkreis Gedanken ge‐ macht haben, können Sie abwarten, wann sich die Gelegenheit ergibt, eine Person oder ein Medium entweder über eine Pressemitteilung, mit einer Pressekonferenz oder über die direkte Ansprache zu kontaktieren. Neben den in Abschnitt 6.1 bereits beschriebenen Grundregeln gibt es für den Printbereich ein paar weitere Tipps: Journalist: innen arbeiten stets unter großem Zeitdruck, deshalb ist es oft von Vorteil, wenn wir ihnen bereits einigermaßen druckfähige Artikel zukommen lassen. Die Journalist: innen können diese dann bearbeiten, Nachfragen stellen, aber es ist eine grobe Richtlinie da, in welche Richtung eine Veröffentlichung gehen könnte. Zunächst einmal sollten Sie überlegen, welche Art von Veröffentlichung Sie sich wünschen. Folgende Textsorten könnten in Betracht kommen: 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 147 <?page no="148"?> Textart Charakteristik möglicher Anlass Nachricht/ Meldung kurz, faktenbasiert, keine Be‐ wertung Hinweis auf neue Forschungs‐ ergebnisse, Tagungen, Veröf‐ fentlichungen, relevante Ereig‐ nisse Bericht/ Feature Ausführlicher Artikel mit Hintergrundinformationen. Forschungsergebnisse werden im Zusammenhang zu einem aktuellen Anlass präsentiert. Aktuelle Geschehnisse werden erklärt. Interview Gesprächsformat, persönliche Einschätzungen sind gefragt. Kann kurz („Frage-Antwort“) oder ausführlich gestaltet sein. Klare Position zu aktuellen Forschungsthemen einnehmen und Haltung vermitteln. Porträt Darstellung einer Person, meist mit Bezug zu einem aktuellen Ereignis (Preis, Pro‐ jekt, Engagement). Leitfigur im Fach erhält einen Preis, eine Ehrung, emeritiert etc. Reportage Szenisch, atmosphärisch, oft aus Laboren, Expeditionen oder Feldstudien. Wissenschaft als Erlebnis: gute Möglichkeit, Forschung zugänglich zu machen. Tabelle 35: Textsorten im Printbereich Welche Formate sind für Sie relevant? Gerade bei den kürzeren Formaten (Nachricht/ Meldung und Bericht) kann es sehr hilfreich sein, wenn Sie einen Vorschlag für den Text vorbereiten. Bei den längeren Formaten können Sie sich und Ihr Thema anbieten und den Vorschlag machen, dieses Thema als Reportage oder Interview aufzuarbeiten. Da Zeitungen und Zeitschriften versuchen, ihre Druckkosten gering zu halten, steht den Journalist: innen für alle Themen begrenzter Platz zur Verfügung. Das bedeutet, dass Inhalte stark verdichtet werden. Wenn Sie Journalist: innen eine Nachricht/ Meldung oder einen Bericht vorbereiten, sollten Sie schnell auf den Punkt kommen. Dabei ist aber dennoch darauf zu achten, dass Sie nicht in ein wissenschaftliches Schreiben verfallen. Wir müssen also die umgekehrte Übung machen wie beim Podcast. Wir müssen verdichten, ohne zu verkomplizieren. In der nachstehenden Tabelle finden Sie ein paar - nicht ganz so ernstzunehmende Themen-Beispiele: 148 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="149"?> wissenschaftlicher Stil (Fachsprache) Podcast-Stil (erzählerisch & direkt) Zeitungsstil (journalistisch verdichtet) Thema: Geschmackspräferenz bei Gummibärchen „Im Rahmen einer em‐ pirischen Untersuchung zur geschmacklichen Prä‐ ferenz farblich differen‐ zierter Gelatineprodukte konnte eine signifikante Prädominanz der roten Varianz festgestellt wer‐ den, wobei eine ge‐ schlechtsspezifische Di‐ vergenz lediglich in marginalem Ausmaß zu beobachten war. Die fol‐ genden Ursachen sind da‐ für verantwortlich zu ma‐ chen.“ „Wer kennt das nicht? Man kippt eine Tüte Gummibär‐ chen in eine Schale, lädt ein paar Freunde ein und irgendwer fängt an, sich besondere Farben aus dem Topf zu klauben. Aber wel‐ che Farbe ist den Deutschen die Liebste? Und gibt es da Geschlechterunterschiede? Das war die Frage, die wir uns gestellt haben. Die Antwort ist eindeutig: Rot! Kaum jemand mag die Grü‐ nen am liebsten. Funfact: Männer und Frauen sind sich da fast einig! Woran das liegt, haben wir natürlich auch untersucht und stellen Euch das jetzt vor.“ „Rot ist Trumpf: In einer Umfrage schnit‐ ten rote Gummibär‐ chen geschmacklich am besten ab. Nur we‐ nige mochten die grü‐ nen Sorten. Zwischen Männern und Frauen gab es kaum Unter‐ schiede. Die aktuelle Studie von XY hat her‐ ausgefunden, woran das liegt.“ Thema: Verhalten von Menschen beim Anstehen „Im Kontext alltagspsy‐ chologischer Beobachtun‐ gen wurde das Ver‐ halten von Individuen in Warteschlangensituati‐ onen analysiert. Es zeigte sich, dass die wahrge‐ nommene Gerechtigkeit der Reihenfolge eine zen‐ trale Determinante für das emotionale Erleben wäh‐ rend der Wartezeit dar‐ stellt. Die Studie stellt nicht nur Ergebnisse der qualitativen Studie vor, sondern schließt mit Emp‐ fehlungen für Einzelhänd‐ ler: innen ab.“ „Kennt ihr das? Ihr steht ewig an der Supermarkt‐ kasse, und dann macht eine zweite Kasse auf. Doch be‐ vor Ihr auch nur nachge‐ dacht habt, die Schlange zu wechseln, sind ein paar Wä‐ gen von hinten an Euch vorbeigerauscht und die Schlange neben Euch ist ge‐ nauso lang wie Eure! Un‐ sere kleine Studie zeigt: Menschen sind beim Anste‐ hen vor allem dann genervt, wenn sie das Gefühl haben, es geht unfair zu. Wir ha‐ ben nun weiter recherchiert, welche Konsequenzen das für den Einzelhandel und für Euch Konsumenten hat.“ „Beim Warten ist Fairness entscheidend: Wer meint, andere würden sich vordrän‐ geln, empfindet die Wartezeit als beson‐ ders frustrierend. Das ergab eine Beobach‐ tungsstudie im Su‐ permarkt. Wie kön‐ nen nun Einzelhändler darauf reagieren? “ 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 149 <?page no="150"?> Thema: Einfluss von Kaffeekonsum auf Produktivität „Durch eine quantitative Studie konnte gezeigt werden, dass es eine Korrelation zwischen Kof‐ feinaufnahme und ko‐ gnitiver Leistungsbereit‐ schaft gibt, und dass insbesondere eine mode‐ rate Koffeinzufuhr signi‐ fikant mit einer kurz‐ fristigen Erhöhung der subjektiven Konzentrati‐ onsfähigkeit assoziiert ist, während exzessive Do‐ sierungen keine zusätzli‐ che Leistungssteigerung bewirken.“ „Ohne Kaffee? Läuft gar nix. Wir haben getestet, wie viel Koffein uns wirklich wach macht - Ergebnis: Ein bis zwei Tassen sind perfekt. Mehr bringt nix, außer zit‐ ternde Hände. Wusstet Ihr schon? Wir erklären euch nun aber, wie genau Ihr den Kaffee dosieren müsst, um wirklich gut durch den Tag zu kommen.“ „Kaffee macht wach - aber nur bis zu ei‐ nem Punkt. Laut einer Studie steigern ein bis zwei Tassen die Kon‐ zentration, größere Mengen zeigen kei‐ nen zusätzlichen Ef‐ fekt. Das beweist eine neue breit angelegte Studie, die für Arbeit‐ nehmer: innen wie Ar‐ beitgeber: innen von Belang sein könnte.“ Tabelle 36: Schreibstil im Vergleich Paper - Podcast - Bericht Wenn Sie möchten, probieren Sie selbst doch einmal aus, ob es Ihnen gelingt einen Text einmal für die wissenschaftliche Veröffentlichung, einmal für einen mündlichen Podcast und einmal für einen Bericht aufzubereiten. Ihrer Kreativität und Ihrer Fantasie sind bei diesen Spaßthemen keine Grenzen gesetzt: wissenschaftlicher Stil (Fachsprache) Podcast-Stil (erzähle‐ risch & direkt) Zeitungsstil (journalis‐ tisch verdichtet) Thema: Warum verschwinden die Socken in der Waschmaschine? -------------- - - 150 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="151"?> Thema: Glückstudie über vierblättrige Kleeblätter ----------------- - - Thema: Qualitative Studie über die Geschmacksunterschiede von kalter und warmer Pizza ----------------- - - Tabelle 37: Übung Schreibstil für Printmedien Wenn Sie Ihren Bericht oder Ihre Meldung verfasst haben, schlagen Sie doch auch eine lenkende Überschrift vor. Sie sollte auf den Punkt bringen und immer eine Richtung geben. (Vgl. dazu auch schon im vorherigen Kapitel: Tabelle 25: Musterlösung Überschriften Posts, S. 141) Überschriften entscheiden über Reichweite und Wahrnehmung. So könnten die obigen 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 151 <?page no="152"?> Spaßtexte jeweils in einem Fachjournal und in der Zeitung mit einer Überschrift wie folgt betitelt werden: wissenschaftliche Paper-Titel Zeitungsüberschriften/ Pressetitel Sensorische Präferenzanalyse farblich differenzierter Gelatineprodukte unter Studierenden Rot gewinnt: Welche Gummibärchen‐ farbe am besten schmeckt Einfluss chromatischer Varianz auf ge‐ schmackliche Beurteilung süßer Snacks Warum rote Gummibärchen die heim‐ lichen Stars der Tüte sind Geschmackspräferenzen und Farbwahr‐ nehmung bei standardisierten Süßwa‐ ren Süße Wissenschaft: Forscher: innen klären, welche Gummibärchen wir lie‐ ben Zusammenhang zwischen Koffeinzu‐ fuhr und kognitiver Leistungsbereit‐ schaft bei Erwachsenen Kaffee macht wach - aber nur bis zur dritten Tasse Einfluss moderater Koffeindosen auf Konzentrationsfähigkeit und Reaktions‐ zeit Wie viel Kaffee wirklich gut tut - neue Studie liefert klare Zahlen Koffeininduzierte Leistungssteigerung und ihre physiologischen Grenzen im Büroalltag Zwei Tassen top, vier sind zu viel: So wirkt Kaffee auf unsere Leistungsfähig‐ keit Determinanten des wahrgenommenen Gerechtigkeitserlebens in Warteschlan‐ gensituationen Warum uns Warten so wütend macht Eine feldpsychologische Analyse von Verhaltensmustern in öffentlichen War‐ teschlangen Wie Menschen beim Anstehen ticken - Forscher: innen beobachten erstaunli‐ che Strategien Emotionale Reaktionen auf Verletzun‐ gen sozialer Reihenfolge in Alltagssitua‐ tionen Schlangestehen ist Kopfsache - was wir beim Warten fühlen Tabelle 38: Überschriften Printmedien konkrete Beispiele Welche Überschriften haben Sie zu Ihrer Forschung im Kopf ? 152 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="153"?> Notizen Achten Sie auch darauf, Ihre Anfragen an Journalist: innen zu einem günsti‐ gen Zeitpunkt einzureichen, denn Fristen und Deadlines (häufig sehr kurz‐ fristig) bestimmen den Arbeitsalltag von Journalist: innen. Tageszeitungen arbeiten meist sehr kurztaktig, tagesaktuell. Sie sollten Ihre Vorschläge also mit einem Vorlauf von maximal etwa einer Woche bis 10 Tagen einreichen, günstig sind auch immer Einreichungen am Vormittag, da nachmittags der Redaktionsschluss droht und Zeitdruck erzeugt. Magazine gehen hingehen oft mit längerem Vorlauf vor, hier können Sie so kurzfristig oft nichts erreichen. Der Haupttext Ihrer Pressemitteilung oder Ihres Berichts sollte in ver‐ ständlicher Sprache geschrieben sein. Vermeiden Sie Nominalstil und Schachtelsätze und bleiben Sie klar und verständlich. Beispiele helfen in der Regel, auch komplexe wissenschaftliche Themen leichter verdaulich zu machen. Hilfreich kann es auch sein, wenn Sie Ihre Pressemitteilungen mit ein paar kurzen Sätzen würzen, die so knackig sind, dass die Journalist: innen sie möglicherweise gerne zitieren würden. Überlegen Sie sich stets selbst, ob in Ihrem Text ein oder zwei Stellen so formuliert sind, dass ein Journalist ein „Dr. XZY sagt dazu: …“ o. ä. daraus machen könnte, z. B. also so: „Dr. Gernot Buchsbaum der TU Chemnitz ist sogar der Meinung: „Weniger ist in dem Fall auch weniger“. Denn gemäß seiner Studie kann es beim roten Farbstoff in Gummibärchen nie genug sein.“ Sofern Sie einen Bericht selbst verfassen oder auch eine Pressemitteilung, kann es nicht schaden, Ihre Kernbotschaften in zwei bis drei Sätzen ausfor‐ muliert mitzuliefern. Für unser drei Spaßthemen könnten die Kernbotschaf‐ ten beispielsweise so aussehen: 6.2 Blitzlicht - zum Umgang mit Vertretern von Printmedien 153 <?page no="154"?> • Die Farbe von Gummibärchen beeinflusst die Geschmackswahrneh‐ mung der Verbraucher stärker als gedacht - selbst, wenn alle Sorten gleich schmecken. • Der Test zeigt: Der Genuss von Süßigkeiten beginnt im Kopf. • Kaffee macht wacher, aber nur im vernünftigen Maß. • Geduld wird weniger vom Charakter oder von der Dauer des Wartens beeinflusst, sondern vor allem von dem Gefühl der gerechten Behand‐ lung. Wissen | Die große Kunst ist es also, Wissenschaft in Headlines, Haupttext und Kernbotschaften zu vermitteln und die Inhalte zu vereinfachen, ohne dabei zu verfälschen. Wie würde das dann also aussehen: • Headline - leitend und inhaltlich klar • Abstract - zwei bis drei Sätze, die den Inhalt kompakt zusammenfassen • Haupttext - inkl. zitierfähiger Sätze, Zahlen, Daten etc. 6.3 Soundcheck - zum Umgang mit dem Radio Vielleicht eignet sich Ihr Thema aber auch besser für den Hörfunk oder Sie wurden vom Radio für einen Hörfunkbeitrag angefragt. Dann sollten Sie die folgenden Hinweise beachten. Lassen Sie uns zunächst - im Sinne Ihrer Zeiteffizienz - einmal überlegen, welche Themen und Anlässe denn überhaupt besser im Hörfunk als im Printbereich abgedeckt werden können. Erst einmal sind vor allem jene Themen im Radio besser aufgehoben, die durch Akustik noch besser erzählt werden können als ohne Ton. Beschäfti‐ gen Sie sich also beispielsweise mit der Frage, welche Folgen Verkehrslärm auf die psychische Gesundheit haben oder wollen Sie Personen, über die Sie forschen, Gehör verschaffen, beispielsweise bei einer Forschungsarbeit über die gesundheitlichen Belastungen im Pflegeberuf, wäre ein Hörfunkbeitrag 154 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="155"?> 21 IQ - Wissenschaft und Forschung, https: / / www.br.de/ radio/ bayern2/ sendungen/ iq-wi ssenschaft-und-forschung/ index.html [abgerufen am 16.10.2025] eine gute Möglichkeit, Ihre Forschung dank Audioeinspielern greifbarer zu machen. Der Hörfunk bietet auch für all jene Themen eine gute Plattform, die sich schriftlich lang nicht so gut verständlich machen lassen, wie durch ein Gespräch. Wenn es Ihre Erklärungen, Beispiele und Erläuterungen braucht, können Sie im Hörfunkbeitrag, der meistens auch etwas mehr Raum bietet als es die knappe Zeichenzahl eines gedruckten Textes tut, Ihr Thema bestimmt besser platzieren. Es gibt beim Hörfunk solche Beiträge, die in Reihen oder wiederkehren‐ den Sendungen eingespielt werden. Hier wäre es günstig, Sie recherchieren selbst, ob es irgendwelche Reihen gibt, in denen Ihr Thema gut Platz fände. Dann können Sie die verantwortlichen Redakteur: innen anschreiben und Ihnen Ihre Idee vorstellen, warum und auch wie Ihr Thema den Sendeplatz bereichern würde. So würde die Reihe „Zum Sonntag“ im Bayerischen Rundfunk Ethiker: innen und Theolog: innen einen Rahmen bieten, über Forschungsinhalte zu sprechen. Die Reihe „Sozusagen“ hingehen beschäftigt sich mit dem Thema Sprache, ein geeigneter Sendeplatz für Linguist: innen. Kulturleben wiederum wäre der Sendeplatz für Literaturwissenschaftler: in‐ nen, Buchwissenschaftler: innen, Musikwissenschaftler: innen, Theaterwis‐ senschaftler: innen, und der BR Podcast „IQ - Wissenschaft und Forschung“ berichtet „über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik, Gesellschaft.“ 21 Ähnli‐ che Formate gibt es bei vielen Radioanstalten im In- und Ausland. Nehmen Sie sich gerne einmal Zeit, sich kurz mit der Radiolandschaft zu beschäftigen und „Ihren Sendeplatz“ zu finden: mein Thema Sendereihe Anknüpfungspunkt --- - - -- - - 6.3 Soundcheck - zum Umgang mit dem Radio 155 <?page no="156"?> -- --- - - --- - - --- - - Tabelle 39: Recherche Radio-Sendungen Die zweite relevante Frage lautet: bei welchen Anlässen könnte ich mich - außerhalb der mit etwas mehr Vorlauf produzierten Sendereihen - als potenzieller Gesprächspartner dem Radio anbieten. Dazu zählen die folgenden Situationen: Bei aktuellen Krisen oder Ereignissen (Wahlen, Erdbeben, Sportereignis‐ sen etc.) ist eine Radioberichterstattung (ebenso wie Print) wahrscheinlich. Wenn Sie also ein Thema erforschen, das sich mit aktuellen Ereignissen befasst oder solche gut erklären kann, wäre eine Anfrage beim Radio möglicherweise erfolgreich. Eine entsprechende Anfrage an einen Sender könnte wie folgt lauten: „Diese Woche findet das XXX-Ereignis statt. Die Aufmerksamkeit für dieses Großereignis hat noch nie da gewesene Dimensionen erreicht. In meiner aktuel‐ len Forschung beschäftige ich mich mit den Ursachen für die große Popularität von XXX. Ich würde mich außerordentlich freuen, wenn Sie die aus meiner Sicht höchst spannenden Erkenntnisse der innovativen Forschung zum Thema XXX in Ihrer Berichtserstattung würdigen würden. [Hier könnten jetzt zwei, drei Sätze folgen, die die Kerninhalte Ihrer Forschung erläutern und es spannend machen.] Sehr gerne stehe ich Ihnen mit Informationen für einen Hintergrundbericht oder als Interviewpartner - auch kurzfristig - zur Verfügung.“ Eine zweite Situation, die sich für Hörfunkbeiträge anbietet, sind wissen‐ schaftliche Konferenzen. Wenn diese in einer Stadt stattfinden und Sie einen Beitrag präsentieren, ist das ebenfalls ein guter Anlass, die eigenen Forschungsinhalte dem Radio anzubieten. 156 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="157"?> Auch Gedenk- oder Jahrestage sind gute Gelegenheiten, auf daran an‐ knüpfende Inhalte in einem Radiobeitrag aufmerksam zu machen. Wenn Sie zu einer dieser Anlässe oder in einer Sendereihe zu Wort kommen, sollten Sie darauf achten, dass der Sound passt. Stimmlich müssen Sie deutlich präsenter sein, als das im Gespräch oder in einem Video der Fall ist. Vergessen Sie nicht, dass Gestik, Mimik und visuelle Hilfen fehlen. Achten Sie darauf, intensiv zu modulieren, gut zu betonen und deutlich zu artikulieren. Auch das Sprechtempo sollte angemessen sein. Sprechen Sie lieber vorab einen Probetext auf und holen Sie sich Feedback von Freunden und Kollegen ein, ob die Soundqualität passt. Tipp | Wer beim Sprechen lächelt, kommt meist sympathischer an. Probieren Sie es aus. Der Mangel an Bildmedien kann auch durch eine bildreiche Sprache kom‐ pensiert werden. Achten Sie also darauf, dass Sie Sprachbilder vorbereiten - gerade für Interviews - damit sie diese passend einstreuen können. Wenn Sie interviewt werden, sollten Sie keine zu langen Sätze bilden. Journalist: innen schneiden die Beiträge und es ist für die Tontechniker: innen ein Gräuel, wenn Sie lange Schachtelsätze bilden, denn die kann man schlecht schneiden und lässt sie deshalb oft gleich ganz weg. Kurze Sätze hingegen können einfach in den Beitrag reingeschnitten werden. Auch kleine Pausen zwischen den Sätzen erleichtern den Tontechniker: innen ihre Arbeit sehr und machen Sie zu einem angenehmen Interviewpartner. Und achten Sie auf eine „gesprochene Sprache“. Möglicherweise wollen Sie sich vor einem Interview ein paar Sätze vorbereiten. Schreiben Sie sich gerne Sätze dafür auf, aber achten Sie darauf, dass das auch wirklich gesprochene Sprache ist und kein Schriftdeutsch. Achten Sie im Gespräch mit Interviewpartner: innen auch darauf, Ihre Kernaussagen mehrfach zu variieren, so erhöhen Sie die Chancen, dass wenigstens ein „O-Ton“ (also ein Originalton) in den Beitrag reingeschnitten wird, je nachdem, welche Ausformulierung den Journalist: innen gefällt. Radiohörer: innen sind meistens nicht fachkundig, Sie sollten also nicht zu fachsprachlich formulieren und sich um eine gute Verständlichkeit bemühen. Bei einem Liveinterview können Sie im Vorfeld anfragen, ob Sie viel‐ leicht die Fragen vorab bekommen können, damit Sie nichts unvorbereitet kalt erwischt. Und vor dem Interview sprechen Sie einfach mal ein paar 6.3 Soundcheck - zum Umgang mit dem Radio 157 <?page no="158"?> Sätze, am besten sogar etwas lauter als normal, um Ihre Stimme aufzuwär‐ men und nehmen Sie ein paar Tiefe Atemzüge. Am besten stellen Sie sich auch ein Glas Wasser bereit, damit Sie jederzeit ihre Stimmbänder befeuchten können, wenn Sie das Gefühl haben, die Stimme wird trocken. 6.4 Lasershow - Zum Umgang mit Bildmedien Den höchsten Anspruch der Pressarbeit sind Videos. Wenn Sie für einen Fernseh- oder Onlinebeitrag mit Bild in Erscheinung treten sollen, kommen einige weitere Aspekte zum Tragen. Zunächst einmal gelten die gleichen Regeln wie beim Hörfunk, aber es kommen ein paar zusätzliche Überlegungen hinzu. Die Menge an vermittel‐ tem Inhalt sinkt noch weiter. Am meisten Informationen können Sie im Printbereich platzieren, etwas weniger im Hörfunk, Fernsehen und Online- Kanäle müssen noch mal weiter verdichten, da durch die Videoführung Zeit verloren geht. Worauf können Sie achten, wenn Sie fürs Fernsehen interviewt werden: Wenn Sie online dazugeschaltet werden, prüfen Sie vorab ganz genau, wie der Bildausschnitt sein soll. Was ist im Hintergrund, wie ist die Kameraaus‐ richtung, wie die Lichtqualität? Für die Bildeinstellungen von Onlineinterviews gelten folgende Emp‐ fehlungen: Idealerweise sollte Ihr Hintergrund nicht zu kontrastreich (also nicht vor dem Fenster) und professionell gestaltet sein. Entweder sie verwi‐ schen Ihren Hintergrund, oder Sie setzen sich ins Büro, wo man idealerweise Gegenstände sieht, die mit Ihrer Forschung korrespondieren (ein Mikroskop in den Laborfächern, eine Tafel in Mathematik oder Statistik, Bücher in den Geisteswissenschaften etc.). Achten Sie auf mehrere Lichtquellen, sodass kein Schatten auf Teilen Ihres Gesichts zu sehen sind. Ideal ist es, wenn die Webcam auf Augenhöhe installiert ist, sodass Sie geradeaus schauen können und weder den Kopf neigen noch den Hals nach oben recken müssen. So können Sie am leichtesten sprechen und können ihren Kopf frei und locker bewegen. Ideal wäre es außerdem, wenn Sie die Kamera so installieren, dass auch Teile Ihres Oberkörpers zu sehen sind, dass Sie auch gestikulieren können. Denn auch die Körpersprache beeinflusst die Wirkung Ihres Auftritts. 158 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="159"?> Wie auch beim Hörfunk achten sie unbedingt darauf, Ihre Kernbotschaf‐ ten in kurzen Sätzen zu formulieren. So entstehen O-Töne, die sendefähig sind. Kleiden Sie sich nicht zu kontrastreich, vermeiden Sie wilde Muster und grelle Farben. Das alles kann in der Übertragung zu Irritationen im Bild führen. Halten Sie unbedingt Blickkontakt entweder zu der Interviewperson oder bei einem Onlineauftritt zur Webcam. So wirkt es dialogisch. Idealer‐ weise bieten sie Ihrem Interviewpartner auch Bild- oder Videomaterial an, das für den auszustrahlenden Beitrag später nutzbar ist. 6.5 Das Wichtigste in Kürze Pressearbeit stellt eine gute Möglichkeit dar, Forschung bekannt zu ma‐ chen. Journalist: innen können die notwendige Übersetzungsleistung über‐ nehmen, wissenschaftliche Inhalte allgemeinverständlich zu formulieren. Wer Pressearbeit macht, wird auch wissenschaftlich stärker wahrgenom‐ men. Wer mit Journalist: innen arbeitet, sollte verständlich sein, sprachlich anschaulich formulieren und stets die Aktualität im Blick haben. Bereiten Sie möglichst eine Pressemitteilung vor und überlegen Sie sich, wie Sie auf mögliche Fragen antworten könnten. Wenn Sie sich für Printarbeit interessieren, beginnen Sie mit einer gründlichen Recherche, welche Medien für Sie in Frage kommen könnten. Idealerweise bereiten Sie den Journalist: innen Ihr Thema auch gleich als Artikel auf. Die große Kunst dabei ist es, Wissenschaft in Headlines, Haupt‐ text und Kernbotschaften zu vermitteln und die Inhalte zu vereinfachen, ohne dabei zu verfälschen. Für den Hörfunk eignen sich vor allem jene Themen, die mit Akustik noch besser transportiert werden können als ohne, oder solche Themen, die sich schriftlich nicht so einfach erklären lassen. Hörfunkbeiträge sind auch gut geeignet für recht aktuelle Themen. Im Hörfunk kommt es auf die Stimme ein. Und das will geprobt sein. Bereichern Sie Ihre Aussagen außerdem idealerweise mit ein paar Sprachbildern. Bei Fernsehauftritten müssen weitere Abstriche an die Menge der vermit‐ telten Inhalte gemacht werden und es kommt eine weitere, wichtige Aufgabe dazu: Sie müssen sich mit den Bildeinstellungen intensiv beschäftigen. 6.5 Das Wichtigste in Kürze 159 <?page no="160"?> 6.6 Tipps von den Lichtgestalten „Ich selbst habe sehr früh, noch während des Studiums, begonnen für eine populärwissenschaftliche Zeitschrift zu schreiben - das hat mich zum einen in Sachen Abgaben (und Loslassen von Texten - nicht endlos an ein paar Absätzen feilen) trainiert, zum anderen darin geübt, allgemein verständlich über komplexe Sachverhalte zu schreiben.“ Prof. Julia Budka, Universitätsprofessorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München 160 6 Spot on! Wenn die Presse Interesse zeigt <?page no="161"?> 7 Schlussbemerkungen Wissenschaft braucht Sichtbarkeit und Bekanntheit, um Vertrauen zu geben, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und um sich erfolgreich auf dem wissenschaftlichen Parkett zu bewähren. Dieses Buch hat Strategien aufgezeigt, wie Wissenschaftler: innen eine größere Bekanntheit erlangen können. In jedem der vorstehenden Kapitel wurden Leitfragen formuliert, Strategien aufgezeigt, aber auch Risiken thematisiert. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Die potenziellen Risiken einer grö‐ ßeren Öffentlichkeit sind nicht wegzudiskutieren und deshalb schließt dieses Buch auch mit einem dringenden Appell: Nicht von jeder Frucht muss gekostet werden. Wer sich in Social Media nicht wohlfühlt und den Druck auch potenziell negativer Kommentare, die sich hinter anonymen Kommentator: innen verbergen, nicht gewachsen fühlt, kann sich vielleicht zunächst in wissenschaftliche Netzwerke - soziale oder reale Netzwerke wagen. Wer seine eigene Stimme nicht leiden mag, könnte sein Investment auf Pressearbeit verlegen. Und wer überhaupt nicht mit externer Wissen‐ schaftskommunikation in Berührung kommen möchte, kann probieren, sein wissenschaftliches Netzwerk zu erweitern und so für mehr Sichtbarkeit und Bekanntheit zu sorgen. Seien Sie mutig, aber mit sicherem Halt - recherchieren Sie gründlich, seien Sie bedächtig und holen Sie sich u. U. professionelle Unterstützung, um Ihre Sichtbarkeit zu begleiten. Es gibt nicht nur einen Weg ins Licht und zu Wachstum. Die Forschungslandschaft ist voll von den unterschiedlichsten Pflanzen und jede dieser Pflanzen benötigt andere Lichtverhältnisse. Sie selbst entscheiden, wie viel Licht Sie aushalten und welches! Dieses Buch möchte Sie zugleich ermutigen, dass Sie, WENN sie das Licht suchen, nun wissen, WIE Sie für mehr Sonne auf Ihre Forschung scheinen lassen können. Nutzen Sie darüber hinaus Schulungsangebote und suchen Sie und fordern Sie Unterstützung der Einrichtung, an der Sie tätig sind. <?page no="163"?> Literaturverzeichnis Verwendung von KI in diesem Buch KI-Tool Teil der Arbeit Bemerkung ChatGPT Kap. 5 Generierung von Beispielen für ge‐ lungene oder misslungene Posts Elecit Hintergrundrecherche Recherche für die Literaturbasis Adobe Firefly Kap. 5.1 Erstellung eines KI-generierten Bildes Arapović, Marija/ Novak, Valentina/ Degač, Nikolina Zaplatić (2023): The role of social media in Science. In: Health Bulletin, Vol. 9, No. 2, 135-142. Ball, Rafael (2020): Wissenschaftskommunikation im Wandel. Wiesbaden. 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Drittmittel: Externe finanzielle Mittel, die Forschungsprojekte jenseits der univer‐ sitären Grundfinanzierung ermöglichen. Sie stammen häufig von Stiftungen, Ministerien oder Forschungsförderorganisationen. Edutainment: Formate, die Bildungsinhalte mit unterhaltenden Elementen verbin‐ den, um Inhalte zugänglicher zu vermitteln. Forschungsburger: Kurzfassung der wesentlichen Inhalte der eigenen Forschung mit Fokus auf die zentralen Komponenten der Forschungleistung. Forschungspostkarte: Methode, um sich das Wesentliche der eigenen Forschung zu fokussieren.. Forschungsvideos: Audiovisuelle Formate, die wissenschaftliche Inhalte anschau‐ lich präsentieren. Hintergrundgespräche: Nichtöffentliche Informationstreffen zwischen Wissen‐ schaftler: innen und Journalist: innen zur Einordnung und Vertiefung komplexer Themen. Inreach: Kommunikation innerhalb der akademischen Gemeinschaft Interview: Gespräch mit Journalist: innen, bei dem u.-a. Forschende ihre Expertise strukturiert vermitteln. Keynote: Leitvortrag bei Veranstaltungen, der zentrale Thesen oder Trends präsen‐ tiert. Metapher: Sprachbild, das abstrakte Konzepte greifbar macht. <?page no="168"?> Online-Persona: Bewusst gestaltete digitale Identität von Personen in sozialen Medien, auf Websiten und Plattformen. Open Access: Freier Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen ohne Login oder Bezahlschranke. Open Science: Ansatz für eine offene, transparente und zugängliche Forschung, die die Öffentlichkeit proaktiv Anteil haben lässt am gesamten wissenschaftlichen Prozess. Outreach: Kommunikation von Wissenschaftler: innen mit Akteuren außerhalb der akademischen Gemeinschaft. Peer-Review-Verfahren: Qualitätskontrolle wissenschaftlicher Arbeiten durch unabhängige Fachkolleg: innen. Peers: Personen auf der gleichen Hierarchiestufe. PEST paradigm: Ansatz, der die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit an Wissen‐ schaft und Technologie betont. Podcast: Hörformat, das Inhalte in dialogischer oder erzählerischer Form vermittelt. Popularization of Science: Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse für eine breite Öffentlichkeit. Populärwissenschaftliche Vorträge: Vorträge, die sich in erster Linie an Personen richten, die auf dem jeweiligen Wissensgebiet wissenschaftliche Laien sind. Porträt: Journalistische Darstellung einer Person. Postkarten-Übung: Methode zur kompatken Formulierung zentraler Forschungs‐ aussagen im Stile einer Postkarte. Pre-Prints: Frühfassungen wissenschaftlicher Artikel, die vor dem Peer Review verfügbar gemacht werden. Pressekonferenz: Medienformat, bei dem mehreren Journalist: innen wichtige Informationen öffentlich gemacht werden. Pressemitteilung: Schriftliche, journalistisch aufbereitete Information über neue Erkenntnisse oder Ereignisse. Presseverteiler: Liste relevanter Medienkontakte für die zielgerichtete Versendung von Presseinformationen. Reportage: Journalistisches Format, das wissenschaftliche Themen erzählerisch und häufig szenisch vermittelt. Science Pitch: Zusammenfassende interessante Kurzpräsentation zentraler For‐ schungsinhalte. Scope: Thematischer Rahmen oder Geltungsbereich eines Forschungsprojekts, Artikels oder Kommunikationsformats. Sichtbarkeit: Grad der öffentlichen Wahrnehmung wissenschaftlicher Inhalte oder Personen. 168 Glossar <?page no="169"?> Umgedrehtes Mindmap: Technik, um vom Allgemeinen zum Besonderen zu kommen. Wissenschaft im Elfenbeinturm: Bildhafte Vorstellung akademischer Forschung als abgekapselt von der Gesellschaft. Wissenschaftskommunikation: Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an unterschiedliche Zielgruppen. Glossar 169 <?page no="170"?> Register Abstract-154 Academia-129 Acemoglu, Daron-28 Altmetrics-21, 167 AMR-129 Analogie-42, 167 Bamberg-Reinwald, Johanna-80 Bild-47 Bildmedien-158 Blog-95f., 167 Budka, Julia-114, 160 Chatbot-60, 65, 99, 123, 139 Community of Practice-72, 167 Constructive Alignement-108 Coronapandemie-10, 25 Dissemination-12, 167 Diversität-115 Downloads-112 Drittmittel-12, 167 Edutainment-167 Elevator Pitch-50 Elfenbeinturm-9, 169 Entscheider-86 Erzählweise-110 Exposé-70 Format-83f. Forschung-19 Forschungsburger-167 Forschungsinhalte-27 Forschungspostkarte-167 Forschungsvideo-100, 106, 167 Frölich, Michael-79 Gastvorträge-91 Gatekeeper-95, 115 Geßlein, Markus-61 Google Scholar-126 Haupttext-154 Headline-154 Hintergrundgespräche-137, 167 informierte Entscheidungen-10 Inreach-11, 13f., 167 Instagram-121 Interviews-141, 167 Johnson, Simon-28 Journalisten-86 Keynote-90, 167 Kommunikation-9 Künstliche Intelligenz 29, 35, 49, 60, 105, 121, 139 Kunz, Uli-26 Laienpublikum-86 LinkedIn-126, 128 Medawar, Peter Brian-15 Meier-Vieracker, Simon-134 Metapher-40, 167 Mindmap, umgekehrt-28, 60, 169 <?page no="171"?> Multimedia-21 Netzwerke-20, 63, 75, 78 Netzwerkpartner-64, 67, 73 Online-Blog-95 Online-Persona-117, 168 Online-Präsentation-91 Open Access-10, 20, 168 Open Science-10, 14, 168 ORCID-21, 126f. Outreach-11, 13f., 168 Peer-Review-Verfahren-9, 168 PEST-Paradigma-10, 168 Podcast-107, 168 Popularization of Science-9, 168 populärwissenschaftliche Vorträge-85, 168 Porträt-168 Postkarten-Übung-31, 168 PR-Abteilung-20 Präsenz-89 Pre-Print-20, 168 Pressearbeit-135 Pressekonferenz-137, 168 Pressemitteilung-137, 168 Presseverteiler-137, 168 Printmedien-142 Prompt-65, 139 Radio-154 Randall, Suzanna-134 Reduktion-90 Reportage-168 ResearchGate-126, 129 Robinson, James A.-28 Schwerdtfeger, Jakob-61 Science Pitch-50, 168 Science Slams-90 Scope-19, 168 Selbstwirksamkeit-115 Sichtbarkeit-9, 13, 15, 168 Soziale Medien-26, 120, 126, 161 soziale Netzwerke-21, 115 Stereotypisierung-111 Storytelling-89, 112, 121 Strategie-20 Studierende-86 Tonqualität-112 Veranschaulichung-40 Vereinfachung-37 Vogel, Nicolas-79 Vortrag-86 Vortrag, populärwissenschaftlich-85 Weber, Margit-26 Wissenschaftskommunikation 9, 11, 16, 25 Zielgruppe-19, 52, 83 Register 171 <?page no="172"?> Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Umgedrehtes Mindmapping . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Abbildung 2: Die Forschungspostkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Abbildung 3: Der Forschungsburger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Abbildung 4: Metapher in der Biochemie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Abbildung 5: Analogie zellulärer Transportprozess. . . . . . . . . . . . . 43 Abbildung 6: Der Forschungsteich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Abbildung 7: Ziel und Aufwand Präsentationsformate . . . . . . . . . . 93 Abbildung 8: Mit Adobe Firefly erzeugtes Bild eines Kängurus . . . 105 Abbildung 9: Entscheidungsbaum soziale Netzwerke . . . . . . . . . . . 133 <?page no="173"?> Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Zielgruppen und Ziele von In- und Outreach . . . . . . . . . 14 Tabelle 2: Entscheidung für Inreach (I) und Outreach (O) . . . . . . . . 16 Tabelle 3: Welche Ihrer Themen sollen bekannt werden? . . . . . . . . 17 Tabelle 4: In- und Outreach in der Wissenschaftskommunikation 22 Tabelle 5: Übung Bestandsaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Tabelle 6: Beispiel Schriftsprache versus direkte Ansprache . . . . . 38 Tabelle 7: Übung Bildersuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Tabelle 8: Recherche Forschungsnetzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Tabelle 9: Beispiel Netzwerkkommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Tabelle 10: Beispiel Netzwerkplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Tabelle 11: Kurz- oder langfristige Netzwerkbildung . . . . . . . . . . . . 75 Tabelle 12: Anlässe für Netzwerkansprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Tabelle 13: Eigene Anlässe für Netzwerkpflege . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 Tabelle 14: Verdichtung wissenschaftlicher Inhalte . . . . . . . . . . . . . . 82 Tabelle 15: Aufwand vs. Reichweite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Tabelle 16: Unterschiedliche Präsentationsformate . . . . . . . . . . . . . . 88 Tabelle 17: Übung Passung Inhalte und Präsentationsformat . . . . . . 94 Tabelle 18: Unterschiedliche Blogformate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Tabelle 19: Beispiel Unterschied Fach- und Blogtext . . . . . . . . . . . . . 97 Tabelle 20: Übung Blogtext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Tabelle 21: Unterschiedliche Formate von Forschungsvideos . . . . . . 101 Tabelle 22: Übersicht Podcastformate, Vor- und Nachteile . . . . . . . . 107 Tabelle 23: Zielgruppenanalyse Social Media . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Tabelle 24: Übung Überschriften-Posts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Tabelle 25: Musterlösung Überschriften-Posts . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Tabelle 26: Übersicht Wissenschaftsnetzwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Tabelle 27: Vergleich ResearchGate und Academia . . . . . . . . . . . . . . 130 Tabelle 28: Übung Überschriften-Posts Wissenschaftsnetzwerke . . 131 Tabelle 29: Musterlösung Überschriften Wissenschaftsnetzwerke . 132 Tabelle 30: Vor- und Nachteile unterschiedlicher Medien . . . . . . . . . 137 Tabelle 31: Kurztitel für Pressemitteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Tabelle 32: Beispiel mediale Verwertung Handelspolitik . . . . . . . . . . 143 Tabelle 33: Beispiel mediale Verwertung Literaturwissenschaften . 144 Tabelle 34: Beispiel mediale Verwertung Pflegewissenschaften . . . . 145 <?page no="174"?> Tabelle 35: Textsorten im Printbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Tabelle 36: Schreibstil im Vergleich Paper - Podcast - Bericht . . . . 149 Tabelle 37: Übung Schreibstil für Printmedien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Tabelle 38: Überschriften Printmedien konkrete Beispiele . . . . . . . . 152 Tabelle 39: Recherche Radio-Sendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 174 Tabellenverzeichnis <?page no="175"?> ISBN 978-3-8252-6188-7 Starten Sie als junge Forscher: in doch gleich richtig durch! Wissenschaftliche Inhalte gut und klar vermitteln, das ist ein wichtiges Soft Skill. Diese Herausforderung beginnt mit der eigenen Abschlussarbeit und endet für Forschende niemals. Susanne Frölich-Steffen gibt den Lesenden wertvolles Know-how an die Hand, um komplexe Inhalte einfach, öffentlichkeitswirksam und vor allem zielgruppenadäquat an die Scientific Community zu kommunizieren. Im Buch sind zahlreiche Beispiele und Übungen enthalten. Fachbegriffe werden in einem Glossar erklärt. Das Buch richtet sich an Studierende und Forschende aller Fachbereiche - von Doktorand: innen bis hin zu-Post-Docs - an Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Schlüsselkompetenzen Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel mit Übungen
