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Herausforderungen des Internationalen Managements

0714
2025
978-3-8385-6343-5
978-3-8252-6343-0
UTB 
Gerhard Puhlmann
Irene E. Rath
10.36198/9783838563435

Spätestens die COVID-19-Pandemie hat den Blick auf eine Situation geschärft, die ohnehin anfällig und leicht aus dem Tritt zu bringen war: Lieferketten über die gesamte Welt wurden unterbrochen, Produktionen standen still, offene Grenzen wurden zeitweise geschlossen, Rohstoffe und Bauteile standen nicht mehr oder verspätet und zu deutlich höheren Preisen zur Verfügung. Aber auch die Klimakrise und geopolitische Interessen einzelner Länder halten die Welt in Atem, wie die Einhaltung von Menschenrechten, Migrationsprozesse, eine nachhaltige Nutzung von begrenzt vorhandenen Ressourcen oder die Digitalisierung von Prozessen und die Versorgung von Unternehmen mit Fachkräften. Anfang des Jahres 2025 hat die 2. Präsidentschaft von Donald J. Trump gerade erst begonnen, seine ersten Entscheidungen führen zu erheblicher Unruhe weltweit. Welche Auswirkungen seine Zollpolitik oder seine geopolitischen Ambitionen haben, muss genauso im eigenen Handeln berücksichtigt werden, wie all die bekannten und auch neuen Herausforderungen in unserer globalisierten Welt. Einen neuen Schwerpunkt in der zweiten Auflage bildet die besondere wirtschaftliche Situation in Deutschland mit all ihren Herausforderungen.

9783838563435/9783838563435.pdf
<?page no="0"?> Gerhard Puhlmann Irene E. Rath Herausforderungen des Internationalen Managements 2. Auflage <?page no="1"?> utb 5879 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn Brill | Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main <?page no="2"?> Gerhard Puhlmann (MBA) ist langjähriger Tutor und Dozent an der Euro-FH Hamburg sowie Geschäftsführer der S-Servicepartner Berlin GmbH, mit rund 600 Mitarbeitenden das größte Unternehmen für Marktfolgedienstleistungen in der Sparkassen-Finanzgruppe. Prof. Dr. Irene E. Rath ist Studiengangs-Dekanin für die Studiengänge International Business Administration (B.A), BWL und Customer Experience (B.A.), Wirtschaftswissenschaften (B.Sc.) und International Management (M.A.) sowie Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Internationales Management an der Euro-FH Hamburg. <?page no="3"?> Gerhard Puhlmann / Irene E. Rath Herausforderungen des Internationalen Managements 2., überarbeitete und erweiterte Auflage <?page no="4"?> Umschlagabbildung: © iStockphoto · Nastco Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. 1. Auflage 2022 https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838563435 © UVK Verlag 2025 - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption l gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 5879 ISBN 978-3-8252-6343-0 (Print) ISBN 978-3-8385-6343-5 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6343-0 (ePub) <?page no="5"?> Vorwort Bei der Erstauflage dieses Buchs im Jahr 2022 war die Welt bereits in einem gravierenden Wandel. Die Corona-Pandemie hatte deutliche Spuren hinterlassen. Über Jahre waren kostenoptimierte Lieferketten über die gesamte Welt unterbrochen, Produktionen standen still, Rohstoffe und Bauteile standen teils nicht mehr, teils nur mit zeitlicher Verzögerung und/ oder zu deutlich höheren Preisen zur Verfügung. Auch die Versorgung mit Medikamenten war nicht mehr sichergestellt, da diese auch heute noch hauptsächlich in Indien hergestellt werden. Weiterhin musste erst Greta Thunberg - als weltweit gehörte Stimme der nachwachsenden Generationen - aufstehen, um die Welt in Bezug auf den Klimawandel und in Bezug auf die Verantwortung für kommende Generationen wieder aufzurütteln. Donald J. Trump hatte in seiner ersten Präsidentschaft als 45. Präsident der Vereinigten Staaten (USA) mit seinen Entscheidungen für Verwerfungen gesorgt, im Umgang mit Rivalen genauso wie mit befreundeten Ländern und Verbündeten. Sein Nachfolger Joseph Biden als 46. US-Präsident fuhr dann wieder einen vertrauteren Kurs. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte gerade begonnen, der erste Krieg in Europa seit über 30 Jahren, nach dem Krieg im Süden Europas in Jugoslawien ab 1991 mit über 200 000 Toten. Der Konflikt im Südchinesischen Meer zwischen der Volksrepublik China (VR China) und Taiwan war bereits damals in vollem Gang. Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands verursachte schon damals einige Sorgenfalten bei gleichzeitig steigenden Ansprüchen beispielsweise aus der Eindämmung des Klimawandels oder der Übernahme von Verantwortung durch Unternehmen für die eigenen, weltweit verteilten Lieferketten. Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft, und eine Marktwirtschaft verlangt, dass ein Wandel auch erkannt, zugelassen und aktiv gesteuert werden muss. Das ist in der Vergangenheit nicht immer so geschehen. Wir leben auch in einer Demokratie und in einer freien Gesellschaft, um die wir vielfach beneidet werden und die es von uns allen zu schützen gilt. Manchmal erscheint es einfacher, so weiterzumachen wie bisher - frei nach dem Motto: Es wird schon schiefgehen. Doch allein seit der Erstauflage dieses Buchs im Jahr 2022 hat die Geschwindigkeit von Veränderungen erneut zugenommen, zum Zeitpunkt <?page no="6"?> 6 Vorwort der Überarbeitung bis März 2025 gab es nahezu täglich relevante neue Nachrichten insbesondere aus den USA. Donald J. Trump wurde erneut zum (jetzt 47.) Präsidenten der USA gewählt und setzt nahezu nahtlos seine erste Präsidentschaft mit gravierenden Entscheidungen fort. Dazu gehören nicht nur die in seiner ersten Präsidentschaft bereits exzessiv genutzten Zölle auf Importe in die USA. Diesmal drohte er bereits vor Beginn seiner Amtszeit aus (geo-)politischen Ambitionen heraus Ländern wie Dänemark (wegen Grönland), Panama (wegen des Panama-Kanals) oder Kanada (um Kanada zu annektieren und als Bundesstaat in die USA zu integrieren). Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist auch drei Jahre nach seinem Beginn nicht beendet, der Konflikt zwischen der VR China und Taiwan hat sich weiter zugespitzt und der Nahost-Konflikt ist mit dem Terroranschlag der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wieder aufgeflammt. Diese und viele andere Themen gilt es, als Management von Unternehmen in einem internationalen Umfeld zu berücksichtigen, um weiterhin erfolgreich zu sein oder zumindest bereits erworbene Marktanteile zu verteidigen. Bereits vor drei Jahren hatten wir geschrieben, dass es nicht mehr so weiter geht wie bisher und wir uns in vielen Bereichen verändern müssen. Tatsächlich geschehen ist allerdings (zu) wenig, die Herausforderungen sind vielfach größer als kleiner geworden und gerade die Positionierung Deutschlands in der Welt hat sich weiter verschlechtert. Es wird nun viel von der neuen Bundesregierung abhängen, das Ruder schnell und erfolgreich herumzureißen und wieder Fahrt aufzunehmen. Parteipolitische Interessen sollten dabei hinter den Interessen eines erfolgreichen Deutschlands zurückstehen ‒ nur gemeinsam können die vielseitigen Herausforderungen auch tatsächlich gemeistert werden. Denn bei allen Moll-Tönen gibt es für Deutschland viele aus vorhandenen Stärken resultierende Chancen, die es konsequent zu nutzen gilt. Welche wesentlichen Herausforderungen sind es denn nun in 2025, die es für Unternehmen im internationalen Kontext und damit für deren Management zu berücksichtigen und zu bewältigen gilt? In diesem Buch finden Sie Antworten auf die aus Sicht der Autoren wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft. Wir starten (nach einer kurzen Einführung zu der Frage, was ein internationales Management eigentlich ist) mit einem Blick auf die aktuellen Herausforderungen in und Chancen für Deutschland, werfen dann einen Blick auf die wesentlichen Länder dieser Welt und anschließend auf einzelne wesentliche weltweite Herausforderungen. <?page no="7"?> Abschließen wirft dieses Buch ein Blick auf die „Industrie 4.0“ und auf wesentliche technische Entwicklungen wie beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI). Also seien Sie neugierig, nehmen Sie Veränderungen auch als Chance und Aufgabe an. Starten Sie jetzt! „Es liegt an uns, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern sie als Aufgabe anzunehmen.“ (Joachim Gauck, 2016) Viel Erfolg! Ihre Gerhard Puhlmann und Irene Rath Hinweis Die Inhalte dieses Buchs basieren auf von den Autoren unter gleichem Titel erstellten Studienheft der Europäischen Fernhochschule Hamburg GmbH, University of Applied Sciences. Vorwort 7 <?page no="9"?> Inhaltsübersicht Vorwort.....................................................................................................................5 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Management ..............15 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland ..............19 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung.......39 4 Aktuelle Herausforderungen - von Korruption über Klimawandel bis hin zu Migration.......................................................................................79 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) ............................ 111 Anhang................................................................................................................. 127 Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text.................................. 129 Abkürzungsverzeichnis .............................................................................. 137 Literaturverzeichnis .................................................................................... 140 Abbildungsverzeichnis ............................................................................... 153 Tabellenverzeichnis ..................................................................................... 154 Sachwortverzeichnis ................................................................................... 155 <?page no="11"?> Inhaltsverzeichnis Vorwort.....................................................................................................................5 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Management .......15 Zusammenfassung................................................................................................18 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland .......... 19 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland ...............................20 2.1.1 Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel Deutschlands...................20 2.1.2 World Competitiveness Ranking 2024..................................................24 2.1.3 Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (ADI) nach beziehungsweise aus Deutschland.........................................................25 2.1.4 Entwicklung von Insolvenzen und Unternehmensgründungen in Deutschland ............................................................................................27 2.2 Prognosen für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft ....27 2.2.1 Kurzfrist-Prognose für das Jahr 2025 ....................................................28 2.2.2 Langfrist-Prognose ....................................................................................29 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland und seine Wirtschaft.............................................................................................30 2.3.1 Demografischer Wandel und Fachkräftemangel in Deutschland ..34 2.3.2 Investitionsrückstände in Deutschland ................................................34 2.3.3 Regulierung und Bürokratie in Deutschland.......................................34 2.3.4 Zu langsame Digitalisierung in Deutschland und technologischer Rückstand..........................................................................................35 2.3.5 Weltweiter Klimawandel und Nachhaltigkeit in Deutschland .......35 2.3.6 Energiekosten - Energieversorgung und Energiewende in Deutschland .................................................................................................35 2.3.7 Soziale Ungleichheit in Deutschland.....................................................36 2.3.8 Abhängigkeit Deutschlands von globalen Lieferketten....................36 2.3.9 Wettbewerb auf globaler Ebene .............................................................36 2.3.10 (Geo-)Politische Unsicherheiten für Deutschland ............................37 Zusammenfassung................................................................................................38 <?page no="12"?> 12 Inhaltsverzeichnis 3 „Wer regiert die Welt“ ‒ Globalisierung und De-Globalisierung ... 39 3.1 Vereinigte Staaten von Amerika (USA)................................................... 41 3.1.1 Wesentliche Kennzahlen der USA......................................................... 42 3.1.2 Politisches System der USA..................................................................... 42 3.1.3 Bevölkerung in den USA.......................................................................... 43 3.1.4 Wirtschaft der USA ...................................................................................43 3.1.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung der USA................................ 44 3.2 Volksrepublik China (VR China) .............................................................. 47 3.2.1 Wesentliche Kennzahlen der VR China ............................................... 48 3.2.2 Politisches System der VR China ........................................................... 48 3.2.3 Bevölkerung der VR China...................................................................... 48 3.2.4 Wirtschaft der VR China.......................................................................... 49 3.2.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung der VR China ...................... 50 3.3 Die Neue Chinesische Seidenstraße („One Belt, One Road“) ............. 55 3.4 „Made in China 2025“ ..................................................................................57 3.5 Russische Föderation (Russland)............................................................... 59 3.5.1 Wesentliche Kennzahlen Russlands ...................................................... 59 3.5.2 Politisches System Russlands.................................................................. 60 3.5.3 Bevölkerung Russlands ............................................................................ 60 3.5.4 Wirtschaft Russlands ................................................................................ 61 3.5.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung Russlands............................. 62 3.5.6 „Nord Stream 2“ .........................................................................................65 3.6 Europäische Union (EU).............................................................................. 66 3.6.1 Die Europäische Union (EU) im (kurzen) Überblick ......................... 66 3.6.2 Wirtschaft der Europäischen Union (EU) ............................................ 68 3.6.3 Wesentliche Herausforderungen für die Europäische Union ......... 69 3.7 Afrika ...............................................................................................................70 3.8 Weitere ausgewählte Länder ..................................................................... 72 3.8.1 Türkei ...........................................................................................................72 3.8.2 Nordkorea ....................................................................................................73 3.8.3 Iran ................................................................................................................73 3.8.4 Israel und Palästina ...................................................................................74 3.8.5 Exkurs: North Atlantic Treaty Organisation (NATO), der „Bündnisfall“...........................................................................................................75 Zusammenfassung ...............................................................................................76 <?page no="13"?> 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Managemen Inhaltsverzeichnis t 13 4 Aktuelle Herausforderungen - von Korruption über Klimawandel bis hin zu Migration ............................................................................... 79 4.1 Klimawandel...................................................................................................79 4.1.1 Entwicklung des Weltklimas...................................................................80 4.1.2 Pariser Klimaabkommen und folgende UN-Klimakonferenzen......83 4.2 Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen ............................85 4.3 Land Grabbing: Der Kampf um Land und Ressourcen ........................87 4.4 Weltweite Konflikte: Krisen und Kriege .................................................88 4.5 Migration - Chancen und Herausforderungen oder: Wie gelingt Zuwanderung? ...............................................................................................90 4.6 Terrorismus und Extremismus ..................................................................91 4.7 Wie korrupt ist die Welt? Korruption - lokal, national und international ............................................................................................................93 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) ................96 4.8.1 Nachhaltigkeit.............................................................................................97 4.8.2 Corporate Social Responsibility (CSR) ............................................... 100 4.8.3 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz .................................................. 102 4.8.4 Fragilität der Lieferketten von Unternehmen .................................. 104 4.8.5 Greenwashing .......................................................................................... 107 Zusammenfassung............................................................................................. 107 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) ........................ 111 5.1 Industrie 4.0 ................................................................................................. 112 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 ........................................................................................................... 114 5.2.1 Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise Artifizielle Intelligenz (AI) .................................................................................................... 114 5.2.2 Distributed-Ledger-Technologien (DLT), zum Beispiel Blockchain ........................................................................................................... 119 5.2.3 Exkurs: Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdfarming.......................................................................................... 121 Zusammenfassung............................................................................................. 123 Schlussbetrachtung................................................................................... 125 13 <?page no="14"?> 14 Inhaltsverzeichnis Anhang ........................................................................................................ 127 Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text ........................................129 Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................137 Literaturverzeichnis...........................................................................................140 Abbildungsverzeichnis......................................................................................153 Tabellenverzeichnis ...........................................................................................154 Sachwortverzeichnis..........................................................................................155 <?page no="15"?> 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Management Zu Beginn dieses Buchs wird der Begriff des „internationalen Managements“ kurz eingeordnet, bevor wir dann im weiteren Verlauf auf die wesentlichen Herausforderungen für ein solches international agierendes Management eingehen. Nach Abschluss dieses Kapitels können Sie Globalisierung inklusive der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Facetten einordnen, wissen Sie, wann von einem internationalen Unternehmen und einem internationalen Management gesprochen wird, können Sie die Bedeutung eines international agierenden Managements einordnen, können Sie die Dimensionen erklären, die ein international agierendes Management in seinem Handeln zusätzlich berücksichtigen sollte beziehungsweise muss. Das folgende Kapitel erhebt nicht den Anspruch, Globalisierung und deren Entwicklung, internationale Unternehmen in all ihren Ausprägungsformen oder jede einzelne der Herausforderungen und Chancen innerhalb solcher international agierenden Unternehmen vorzustellen. Vielmehr soll ein Gefühl dafür vermittelt werden, warum es international agierende Unternehmen und international agierende Managerinnen und Manager überhaupt gibt und wo die Unterschiede zu einer rein nationalen Ausrichtung liegen - als kurze Grundlage für die dann folgenden Kapitel. Möchte man sich dem Begriff, den Aufgaben und den Herausforderungen eines internationalen Managements nähern, bietet sich als Einstieg ein Blick auf die eigentliche Ursache für Internationalisierung an: die nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondere mit dem Abkommen von Bretton Woods aus dem Jahr 1944 sowie dem Zerfall der Sowjetunion und des „Ostblocks“ ab 1985 rasant voranschreitende moderne Globalisierung. Aus der folgenden Definition wird deutlich, dass es sich bei „Globalisierung“ nicht nur um eine wirtschaftliche Sicht handelt, sondern auch um politische und soziale Aspekte. <?page no="16"?> 16 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Management „Globalisierung ist ein dynamischer Prozess, der die wirtschaftliche Vernetzung der Welt durch den zunehmenden Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften vorantreibt, die wirtschaftliche Bedeutung nationaler Grenzen verringert und den internationalen Wettbewerb immer weiter intensiviert, sodass durch das Zusammenwachsen aller wichtigen (Teil-)Märkte die Möglichkeiten internationaler Arbeitsteilung immer intensiver genutzt werden, sich der weltweite Einsatz der Ressourcen laufend ‒ wirtschaftlich ‒ verbessert, ständig vielfältige neue Chancen aber auch Risiken entstehen und die (nationalen und internationalen) politischen Akteure gezwungen sind, laufend Entscheidungen zur Gestaltung der Globalisierung zu treffen ‒ ein Prozess, der von intensiven interkulturellen Interaktionen und einem Wissensaustausch zwischen den Kulturen begleitet wird.“ (Koch, 2022, S.11) Aus der Definition wird auch deutlich, dass die Anforderungen an ein Management in international ausgerichteten Unternehmen ungleich höher sein müssen als bei ausschließlich national agierenden Unternehmen. Denn in international agierenden Unternehmen müssen Strategie, Organisationsstruktur, Personal-, Technologie-, Produktions-, Logistik-, Beschaffungs-, Marketing- und Finanzmanagement international ausgerichtet und die daraus resultierenden Besonderheiten berücksichtigt werden. Internationale Managerinnen und Manager müssen sich beispielsweise an unterschiedliche wirtschaftliche, politische, rechtliche und kulturelle Rahmenbedingungen anpassen beziehungsweise diese in ihrem Handeln berücksichtigen (Sure, 2017, S. 81ff). Zusammengefasst kann ein Unternehmen sein heimisches Führungsmodell nicht unverändert beibehalten, sobald es sich nennenswert im Ausland engagiert. Ein internationales Management hat für den Unternehmenserfolg eine gravierende Bedeutung. Multinationale Unternehmen (Multinational Corporations, MNCs) - also Unternehmen mit Aktivitäten in mehreren Ländern - dominieren große Teile der Weltwirtschaft und sind Auslöser von zwei Drittel der weltweiten Warenströme. Sie stehen für einen erheblichen Anteil der weltweiten Produktion, der Beschäftigung, der Investitionen, des Handels und der Forschung & Entwicklung, sind zentrale Akteure der globalen Wertschöpfungsketten und verbinden verschiedene Volkswirtschaften. Während es Anfang der 90er Jahre weltweit etwa 7 000 solcher Unternehmen gab, zählen heute rund 65 000 Muttergesellschaften und 850 000 Tochtergesellschaften dazu (Wirtschaftsvision, 2024). Auslandsvermögen, Auslandsumsatz und Auslandsbeschäftigung gelten als wesentliche Indikatoren für den Globalisierungs- und den Internationalisierungsgrad von Unternehmen. Abb. 1.1 zeigt die Anteile von Vermögen, Umsatz und Beschäftigten im Ausland in den Jahren 2017 bis 2023 der 100 größten multinationalen Unternehmen weltweit. <?page no="17"?> 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland 17 Abb. 1.1: Anteil von Vermögen, Umsatz und Beschäftigten im Ausland in den Jahren 2017 bis 2023 (UNCTAD, 2024a) Im internationalen Umfeld müssen Managerinnen und Manager aber auch zusätzliche Dimensionen außerhalb des eigenen Unternehmens berücksichtigen, die mit vielfältigen Chancen aber auch mit höheren Risiken sowie mit einer (deutlich) höheren Komplexität verbunden sind. Beispielsweise seien zum Abschluss dieses Kapitels genannt:  Kulturelle Vielfalt und kulturelle Unterschiede, denn Werte, Normen und Geschäftsgepflogenheiten variieren zwischen unterschiedlichen Ländern.  Politisch-rechtliche Unterschiede, denn jedes Land hat unterschiedliche Rechtssysteme, eigene Gesetze, Regulierungen und politische Risiken.  Ökonomische Rahmenbedingungen, denn Wechselkurse, Inflationsraten, Steuern Wirtschaftszyklen und Entwicklungsstände unterscheiden sich global.  Technologische und infrastrukturelle Bedingungen, denn Digitalisierungsgrad, Internetzugang oder Logistikinfrastruktur variieren. <?page no="18"?> 18 1 Eine (kurze) Einführung in das internationale Management  Ethik und Corporate Social Responsibility (CSR), denn in verschiedenen Ländern gelten unterschiedliche Erwartungen an die Verantwortung von Unternehmen (etwa Umweltstandards oder Arbeitsbedingungen). International tätige Firmen stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit und müssen globale CSR-Standards sowie lokale Erwartungen erfüllen. Zusammenfassung Die nach dem zweiten Weltkrieg gravierend zunehmende moderne Globalisierung ist der Auslöser dafür, dass auch die Anzahl von international agierenden Unternehmen gravierend zugenommen hat. Für solche Unternehmen bedarf es eines international denkenden und handelnden Managements, das alle Elemente des eigenen Unternehmens im internationalen Kontext genauso berücksichtigt, wie die Besonderheiten in anderen Ländern. Wichtige Einflussfaktoren im internationalen Management sind kulturelle, politische, rechtliche und ökonomische Unterschiede zwischen Ländern. Managerinnen und Manager sind gefordert, globale Integrationschancen gegen lokale Anpassungserfordernisse abzuwägen. Die Globalisierung hat enorme Chancen geschaffen, aber auch die Komplexität deutlich erhöht. Ein erfolgreiches internationales Management setzt proaktives Handeln, Flexibilität und vor Allem interkulturelle Kompetenz voraus. Übung 1.1 Was ist unter einem „multinationalen Unternehmen“ (MNC, Multinational Corporations) über die „Aktivitäten in mehreren Ländern“ hinaus zu verstehen? Übung 1.2 Recherchieren Sie die weltweit größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung. <?page no="19"?> 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Nach Abschluss dieses Kapitels können Sie aktuelle wirtschaftliche Situation Deutschlands einschätzen und kennen die für die deutsche Wirtschaft prognostizierte Entwicklung, kennen Sie die wesentlichen Herausforderungen für die Wirtschaft in Deutschland und können diese aus Ihrem Blickwinkel heraus bewerten, wissen Sie, dass Herausforderungen vielfach auch Chancen bieten, die es konsequent zu nutzen gilt, können Sie einschätzen, wie diese Herausforderungen und Chancen die Entscheidungen eines international agierenden Managements für oder gegen den Standort Deutschland beeinflussen, haben Sie erkannt, dass es wesentlicher Anstrengungen aller Beteiligten bedarf, damit Deutschland bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet wird. Eine Einordnung aus der Sicht der Autoren vorneweg: Deutschland ist eine der erfolgreichsten Exportnationen der Welt und steht seit rund 50 Jahren durchgängig und bis einschließlich heute in internationalen Ranglisten auf guten bis sehr guten Rängen. Für die Zukunft werden nicht immer gleichbleibende Top-Positionierungen im weltweiten Vergleich prognostiziert, aber nahezu durchgängig werden weiterhin gute bis sehr gute Platzierungen erwartet. Darüber hinaus ist Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht nur die größte Volkswirtschaft in und der wesentliche Treiber der Europäischen Union (EU), sondern mit knapp 30 Milliarden Euro im Jahr 2023 auch der größte Beitragszahler in den EU-Haushalt (Europäische Kommission, 2024a). Wenn wir im Folgenden über relevante Herausforderungen sprechen, geschieht dies daher auf der Basis eines soliden Fundaments, das zahlreiche Chancen für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft bietet. Wenn man „typische Deutsche“ im Allgemeinen fragt, wie es ihnen geht, erhält man zumeist eine negative Antwort, durchaus zu Recht geprägt von Wohlstands-, Inflations- und / oder Krisen-/ Kriegssorgen. Wird die Frage im Speziellen nach der eigenen persönlichen Situation auch im Vergleich zu der Bevölkerung anderer Länder gestellt, lautet die Antwort sehr häufig „eigentlich geht es mir beziehungsweise uns sehr gut“. <?page no="20"?> 20 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Dies vorausgeschickt steht Deutschland heute tatsächlich vor einigen Herausforderungen, die - ohne wirksame Gegenmaßnahmen seine Wettbewerbsfähigkeit in der Welt und den Wohlstand der deutschen Bevölkerung beeinträchtigen könnten. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Chancen, die es konsequent zu nutzen gilt. Dabei geht auch darum, dass ein zielgerichteter Einsatz der im März 2025 beschlossenen rund einen Billion Euro zusätzlicher Schulden für Investitionen und den Ausbau der Verteidigung die Weichen neu stellen kann und auch neu stellen wird. Damit verbunden sind auch Entscheidungen von international agierenden Unternehmen für oder gegen den Standort Deutschland - unabhängig davon, ob es sich um international agierende deutsche Unternehmen oder um Unternehmen aus dem Ausland mit Überlegungen zu Deutschland handelt. Beispielhaft seien hier Standort- oder andere Investitionsentscheidungen für oder gegen Deutschland genannt. Das ist auch der Grund für den Überblick über die aktuelle Situation in Deutschland. Dabei geht es im Folgenden nicht darum, alle Facetten lükkenlos und bis ins letzte Detail darzustellen oder zu analysieren. Auch wollen wir weniger den Blick auf die Vergangenheit richten. Vielmehr soll ein Überblick über die Ist-Situation in Deutschland, die prognostizierte weitere Entwicklung sowie die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für den Standort sowie für ein internationales Management gegeben werden. 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland Zu Beginn wird anhand ausgewählter Kriterien die Ist-Situation in Deutschland vorgestellt. 2.1.1 Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel Deutschlands Deutschland war auch im Jahr 2024 die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt (gemessen am Bruttoinlandsprodukt BIP, Stand 2024), trotz des seit der Corona-Pandemie niedrigsten BIP-Wachstums unter den Industrieländern. Folgende Abb. 2.1 zeigt als Ausgangspunkt das Ranking der größten Volkswirtschaften für das Jahr 2024, auch im Vergleich zu 2023. Der Abstand Deutschlands zu den USA und der VR China ist beträchtlich, bei umgekehrt vergleichsweise überschaubarem Vorsprung gegenüber den im Ranking folgenden Ländern. <?page no="21"?> 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland 21 Abb. 2.1: Die 20 Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2024 (International Monetary Fund, IMF, 2024) Dabei ist Deutschland traditionell als Exportnation einzustufen. Das heißt, die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes und der Wohlstand der deutschen Bevölkerung ist maßgeblich abhängig von den Exporten deutscher Unternehmen in die Welt. Abb. 2.2 zeigt die Entwicklung des deutschen Leistungsbilanzsaldos und <?page no="22"?> 22 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland hier vor allem den Überschuss im Warenhandel. Auch für die Jahre 2023 und 2024 wird dieser Handelsbilanzüberschuss deutlich - nach Rückgängen durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022. Deutschland ist damit auch der wesentliche Treiber in der Europäischen Union und im Euro-Raum: Im Euro-Raum lag der Überschuss des Leistungsbilanzsaldos im Jahr 2024 saldiert bei 419 Milliarden Euro, nach einem Überschuss von 241 Milliarden Euro im Jahr 2023 (Europäische Zentralbank, 2025). Abb. 2.2: Deutscher Leistungsbilanzsaldo und seine Komponenten 2000 bis 2024 (Deutsche Bundesbank, 2025) Bei der Bewertung muss berücksichtigt werden, dass es sich bei der obigen Darstellung um den Saldo zwischen Exporten und Importen handelt. Tatsächlich sind sowohl die deutschen Importe als auch die deutschen Exporte im Jahr 2024 gegenüber 2023 gesunken die Importe stärker als die Exporte, was zu dem gestiegenen Außenhandelsüberschuss geführt hat. Anders ausgedrückt war der deutsche Außenhandel im Jahr 2024, trotz einem gestiegenen Außenhandelsüberschuss, rückläufig. <?page no="23"?> 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland 23 „Insgesamt wurden im Jahr 2024 von Deutschland Waren im Wert von 1 556,0 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 1 316,9 Milliarden Euro importiert. Damit sanken die Exporte um 1,2 % und die Importe um 3,0 % gegenüber dem Jahr 2023. Die Außenhandelsbilanz schloss im Jahr 2024 damit mit einem Überschuss von 239,1 Milliarden Euro ab. Im Jahr 2023 betrug der Saldo 217,7 Milliarden Euro.“ (Statistisches Bundesamt Deutschland, Destatis, 2025) Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands im Jahr 2024 nach Exporten und Importen zeigt Tabelle 2.1. Wichtigste Zielländer deutscher Exporte im Jahr 2024 (in Euro) Wichtigste Herkunftsländer deutscher Importe im Jahr 2024 (in Euro) USA 161,4 Mrd. Frankreich 116,2 Mrd. Niederlande 110,5 Mrd. VR China 156,3 Mrd. Niederlande 95,2 Mrd. USA 91,4 Mrd. Tab. 2.1: Wichtigste Handelspartner Deutschlands im Jahr 2024 (eigene Darstellung, Daten aus Statistisches Bundesamt Deutschland, Destatis, 2025) Eine besondere Bedeutung hat für Deutschland der zollbefreite Handel mit allen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU), auch über Frankreich und die Niederlande hinaus (Intra-EU-Handel). So lag im Jahr 2023 der Anteil der deutschen Exporte in andere Länder der EU am gesamten deutschen Exporthandel bei rund 54 Prozent (875 Milliarden Euro), der Anteil der deutschen Importe aus Ländern der EU am gesamten deutschen Importhandel lag bei rund 53 Prozent (893 Milliarden Euro). Der Anteil Deutschlands am gesamten Intra-EU-Handel lag sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten bei rund 20 Prozent (Rudnicka, 2024). Die wichtigsten Export- und Importgüter Deutschlands im Jahr 2024 zeigt Tabelle 2.2. Wichtigste Exportgüter Deutschlands im Jahr 2024 (in Euro) Wichtigste Importgüter Deutschlands im Jahr 2024 (in Euro) Kraftfahrzeuge und 262,0 Mrd. Kraftfahrzeugteile Maschinen 216,5 Mrd. Chemische Erzeugnisse 138,6 Mrd. Kraftwagen und 142,1 Mrd. Kraftwagenteile Datenverarbeitungsgeräte 134,3 Mrd. Elektrische Ausrüstungen 104,0 Mrd. Tab. 2.2: Wichtigste Export- und Importgüter Deutschlands im Jahr 2024 (eigene Darstellung, Daten aus Statistisches Bundesamt Deutschland, Destatis, 2025) <?page no="24"?> 24 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland 2.1.2 World Competitiveness Ranking 2024 Das World Competitiveness Ranking ist ein jährlich vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne, Schweiz, veröffentlichtes Ranking. Es bewertet die Wettbewerbsfähigkeit von 67 Volkswirtschaften weltweit anhand einer Kombination aus harten statistischen Daten (zum Beispiel BIP, Inflationsraten) und Umfrage-Ergebnissen aus der Befragung von Führungskräften und bietet detaillierte Einblicke in die Stärken und Schwächen der jeweiligen Volkswirtschaften. Das Ranking berücksichtigt etwa 340 Kriterien, die verschiedene Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit abdecken, unter anderem:  wirtschaftliche Leistung: BIP-Wachstum, Produktivität.  Infrastruktur: Qualität der Infrastruktur, Technologie  Institutionen: Effizienz der Regierung, Rechtssicherheit  soziale und kulturelle Faktoren: Lebensqualität, Bildungsniveau Es dient als Benchmark für Länder, um ihre eigene wirtschaftliche Leistung zu bewerten und Bereiche zur Verbesserung zu identifizieren. Es hilft auch Unternehmen und Investoren, fundierte Entscheidungen für oder gegen die Investitionen in einzelnen Ländern zu treffen, auf die wir für Deutschland im weiteren Verlauf dieses Kapitels zurückkommen werden (International Institute for Management Development, IMD, 2025). Während Deutschland in den Jahren 2011 bis 2015 unter den besten zehn Ländern zu finden war, war es im Jahr 2024 nur noch Rang 24 (-2 Plätze gegenüber 2023). Hierbei ist Rang 13 bei der Wirtschaftsleistung noch als relativ gut einzustufen, die Kategorien Infrastruktur (Rang 20), Effizienz der öffentlichen Hand (32) und wirtschaftliche Effizienz (35) jedoch deutlich schlechter. Eine schlechtere Wettbewerbsfähigkeit wurde bislang nur im Jahr 2006 mit dem 25. Platz erreicht. Während die Spitzenplätze des Rankings die eher kleinen und damit wenig vergleichbaren Volkswirtschaften Singapur, Schweiz und Dänemark belegten, lagen die ersten großen Volkswirtschaften USA auf Rang 12 und VR China auf Rang 14. Die in Europa noch am ehesten vergleichbaren Länder Großbritannien und Frankreich lagen mit Rang 28 beziehungsweise Rang 31 hinter Deutschland (Brandt, 2024). <?page no="25"?> 2.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland 25 Abb. 2.3: World Competitiveness Ranking 2024 (International Institute for Management Development, IMD, 2024) 2.1.3 Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (ADI) nach beziehungsweise aus Deutschland Art und Umfang von ausländische Direktinvestitionen (ADI) sind auch ein Indikator für die Attraktivität von Standorten. Ein international agierendes Management ‒ egal ob aus Deutschland oder aus dem Ausland ‒ wird in Deutschland investieren, wenn eine solche Investition auch erfolgsversprechender, aber auch sicherer gegenüber anderen Standorten erscheint. Umgekehrt finden sich Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland, beispielsweise zum Aufbau oder dem Kauf von Produktionsanlagen vor Ort, als Mittelabfluss in den ADI wieder. Abb. 2.4 zeigt das Nettoergebnis von ADI für Deutschland im Jahr 2023, also den Saldo zwischen Mittelzuflüssen aus dem Ausland nach Deutschland und Mittelabflüssen aus Deutschland in andere Länder. Nahezu durchgängig ist ein negativer Saldo zu erkennen, ADI aus dem Ausland in Deutschland sind niedriger als ADI aus Deutschland im Ausland. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln) stuft den Trend der letzten Jahre als Zeichen für eine nachlassende Attraktivität des Standorts Deutschland und als erste Symptome einer drohenden De- <?page no="26"?> 26 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland industrialisierung ein. Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland, bis hin zu Produktions- und Unternehmensverlagerungen, nehmen zu. Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland sind dagegen auf einem zu niedrigen Niveau, um die Kapitalabgänge auszugleichen (Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln, 2024). Allerdings zeigt die Abbildung auch, dass der Saldo seit 2013 mit nur einer Ausnahme negativ war und die absolute Höhe stark schwankt. Abb. 2.4: Differenz von ausländischen Direktinvestitionen in den Standort Deutschland und Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland von 2013 bis 2023 (Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln, 2024) Während Deutschland im Jahr 2023 den fünften Rang der wichtigsten ADI-Herkunftsländer belegte (World Bank, 2024), war es der achte Rang der wichtigsten ADI-Zielländer (UNCTAD, 2024b). Zu den ADI von deutschen Unternehmen im Ausland gehört auch die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland bei einem meist gleichzeitigen Personalabbau in Deutschland. Laut einer Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY GmbH & Co. KG aus dem Herbst 2024 <?page no="27"?> 2.2 Prognosen für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft 27  wollen 45 Prozent der Unternehmen neue Standorte im Ausland eröffnen,  demgegenüber nur 13 Prozent in Deutschland und  63 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Stellenabbau des eigenen Unternehmens in Deutschland (EY GmbH & Co. KG, 2024). Bekannte Namen für vollzogene beziehungsweise geplante Verlagerungen sind beispielsweise der weltweit führende Anbieter von Premium- Hausgeräten Miele KG, der Weltmarktführer für Motorsägen Stihl Holding AG & Co. KG oder der Solarhersteller Meyer Burger GmbH. 2.1.4 Entwicklung von Insolvenzen und Unternehmensgründungen in Deutschland Auch die Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen und auf der anderen Seite von Unternehmensgründungen zeigt keine positive Tendenz. Im Jahr 2024 hatten knapp 22 000 Unternehmen Insolvenz angemeldet, ein Anstieg von rund 23 Prozent gegenüber 2023. Das ist der höchste absolute Wert seit 2015 und der höchste prozentuale Anstieg seit der Einführung der aktuellen Insolvenzordnung im Jahr 1999 (Handelsblatt, 2025a). Umgekehrt lag das Interesse an Unternehmensgründungen im Jahr 2024 auf einem Rekordtief und der Gründungsstandort Deutschland wurde durch Jungunternehmerinnen und -unternehmer in einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) aus dem Jahr 2024 nur noch als ausreichend bewertet (Deutsche Industrie- und Handelskammer, DIHK, 2024). Insbesondere die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Gründung von Start-Up-Unternehmen kann hier ein Hebel für eine Trendumkehr sein. Und bei den Unternehmensinsolvenzen bleibt zu berücksichtigen, dass finanzielle Unterstützungen während der Corona-Pandemie wirtschaftlich berechtigte Insolvenzen nur verzögert haben, so daß in den aktuellen Zahlen auch Nachholeffekte enthalten sind. 2.2 Prognosen für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft Neben den Entwicklungen der vergangenen Jahre hin zu der heutigen IST-Situation zeigen Prognosen, dass  Deutschland im internationalen Vergleich ohne wirksame Gegenmaßnahmen an Boden verlieren könnte, auch wenn gute bis sehr gute <?page no="28"?> 28 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Plätze im internationalen Vergleich weiterhin wahrscheinlich sind.  viele Unternehmen den Standort Deutschland bei eigenen Investitionsentscheidungen deutlicher hinterfragen als noch vor einigen Jahren. Die im Unterkapitel 2.3 folgenden Herausforderungen sind dabei eine wesentliche Grundlage für die Entscheidungen eines international agierenden Managements für oder gegen Investitionen in Deutschland - egal ob es sich um das Management deutscher Unternehmen oder um das Management von Unternehmen aus dem Ausland handelt. 2.2.1 Kurzfrist-Prognose für das Jahr 2025 Während der International Monetary Fund (IMF) für die Weltwirtschaft im Jahr 2025 mit einem Wachstum von 3,3 Prozent rechnet, wurde die Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im Rahmen des World Economic Outlook (WEO) gegenüber der Prognose aus dem Herbst 2024 erneut auf nunmehr 0,3 Prozent für 2025 gesenkt. Der Rückstand der deutschen Wirtschaft auf die übrigen Industrieländer beim Wirtschaftswachstum wird damit noch einmal größer, wenn auch von einer guten Ausgangsbasis aus betrachtet. Abb. 2.5: IWF-Prognose: Deutschland bleibt Konjunktur-Schlusslicht (International Monetary Fund, IMF, 2025) <?page no="29"?> 2.2 Prognosen für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft 29 Als wesentliche Gründe nennt der IMF, dass Deutschland als Exportnation stärker unter dem insgesamt schwachen Welthandel als andere Länder leidet, hohe Energiepreise die deutsche Industrie weiterhin ausbremsen und eine neue Regierung voraussichtlich erst ab März 2025 die Konjunktur durch geeignete Maßnahmen positiv beeinflussen könnte. Dass die Ende März noch nicht gebildete Regierung trotzdem schon die ersten Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellt, zeigt der intensiv diskutierte Beschluss zu einer Neuverschuldung von rund einer Billion Euro für Investitionen, Umweltschutz und Verteidigung. Die höchsten Wachstumsraten werden für Indien, gefolgt von der VR China prognostiziert, wie die vorangegangene Abb. 2.5 zeigt. 2.2.2 Langfrist-Prognose Prognosen zu der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Länder und Regionen fallen sehr unterschiedlich aus und sind von vielen Parametern abhängig. Allen ist jedoch gemein, dass Deutschland - wie andere heutige Industrienationen in Europa auch mit weiterhin nur moderaten Zuwächsen gegenüber anderen Ländern auffällt, Länder in Asien und Afrika zunehmend an Bedeutung gewinnen und heutige Schwellenländer sich im Ranking deutlich verbessern werden. Abb. 2.6 zeigt beispielsweise eine Prognose für das BIP-Ranking des USamerikanischen Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmens Goldman Sachs Group, Inc. für die Jahre 2050 und 2075 aus dem Jahr 2023. Abb. 2.6: Prognose Ranking Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2050 und 2075 (Goldman Sachs Group Inc., 2023) <?page no="30"?> 30 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Treten die Prognosen ein, wird sich im Verlauf der kommenden fünfzig Jahre eine deutlich veränderte Weltwirtschaftsordnung herausbilden. Neben Ländern wie der VR China und Indien, deren schon heute vorhandene Bedeutung weiter zunehmen wird, würden Schwellenländer wie Nigeria, Pakistan und Ägypten zwischen den Jahren 2050 und 2075 zu den zehn größten Volkswirtschaften weltweit aufsteigen und die G7-Staaten Deutschland, Großbritannien, Japan und Frankreich hinter sich lassen (Goldman Sachs Group Inc., 2023). Gleichzeitig ist allerdings auch festzuhalten, dass Deutschland in den Prognosen der Jahre 2050 mit dem 5. Rang und 2075 mit dem 9. Rang weltweit auch weiterhin eine wesentliche Rolle spielen wird. 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland und seine Wirtschaft Ob die im vorherigen beiden Abschnitten prognostizierten Entwicklungen tatsächlich eintreten, hängt maßgeblich von dem Umgang Deutschlands mit seinen wesentlichsten Herausforderungen und den ebenso vorhandenen Chancen ab, die sich teilweise über Jahre hinweg bis zu dem heutigen Stand entwickelt haben. Diese Herausforderungen werden hier erst im Überblick dargestellt und in den dann folgenden Abschnitten etwas ausführlicher. Dabei sind die genutzten Quellen, unter anderem  Boston Consulting Group (BCG) und Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), beauftragt durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) (Boston Consulting Group, BCG, und Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln, 2024),  Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), aus der Sicht von Gründerinnen und Gründern (2024),  EY GmbH & Co. KG (2024),  Deutsche Bundesbank (Nagel, 2024),  OpenAI (2025, inhaltlich überprüft und angepasst durch die Autoren), nahezu nebensächlich, da mit nur geringen Unterschieden nahezu durchgängig die gleichen Schwerpunkte gesetzt und erläutert werden. Gleiches gilt für zahllose Presseveröffentlichungen und Artikel. Folgende Abb. 2.7 zeigt die Einschätzung für alle Standortindikatoren für die deutsche Industrie durch die Boston Consulting Group (BCG) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) in deren Studie aus dem Jahr 2024 im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). <?page no="31"?> 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland 31 <?page no="32"?> 32 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Die gute Nachricht ist zuerst, dass sich aus einigen der (roten und gelben) Herausforderungen sowie aus allen (grünen) Stärken auch Chancen für Deutschland ergeben, um gestärkt aus der aktuellen Phase hervorzugehen:  Die Förderung von Forschung und Entwicklung (F & E), insbesondere in Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), erneuerbaren Energien und Biotechnologie, kann neue Wachstumsfelder erschließen.  Eine verstärkte Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kann Innovationsprozesse beschleunigen.  Und ein anfangs kostenintensiver, aber unverzichtbarer Umstieg auf erneuerbare Energien kann Deutschland gegenüber anderen Ländern, die diesen Umstieg niedrig(er) priorisieren, einen mittelbis langfristigen Wettbewerbsvorteil sichern. Die rot markierten (geringe Standortattraktivität Deutschlands) und die gelb markierten (mittlere Standortattraktivität) Indikatoren stellen die wesentlichen Ansatzpunkte für die neue Bundesregierung dar, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu festigen beziehungsweise weiter auszubauen. Mit der im März 2025 beschlossenen zusätzlichen Schuldenaufnahme von rund einer Billion Euro (500 Millionen Euro für Investitionen, davon 100 Millionen Euro für den Klimaschutz zuzüglich Erleichterungen bei der Schuldenaufnahme für Investitionen in die Verteidigung) wurden dafür die ersten Weichen gestellt. Beispielsweise sei hier der gelb eingestufte Schwerpunkt „Infrastruktur - Straße, Schiene, Wasserstraße“ aus der Abb. 2.7 genannt. Aber auch der zweite Schwerpunkt der zusätzlichen Schuldenaufnahme „Verteidigung“ wird sehr wahrscheinlich zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung führen - nicht nur direkt bei Rüstungsunternehmen, sondern auch bei Zulieferern bis hin zu der Automobilbranche, die hier ein großes Interesse an einer Mitwirkung angemeldet hat (siehe Abschnitt 2.3.9). Diese Chancen müssen allerdings auch konsequent und zielgerichtet genutzt werden. Die gute Ausgangslage durch die aktuelle Positionierung Deutschlands in attraktiven globalen Wachstumsmärkten zeigt folgende Abb. 2.8. Wesentliche Chancen liegen zunehmend in neuen Marktsegmenten, gegenüber den heute noch wichtigsten deutschen Industriezweigen. Die Grundlage für einen erfolgreichen Wandel sind mit der positiven Bewertung des Feldes „Innovation“ in Abb. 2.7 gegeben. Eine weitere Grundlage ist die Flexibilität traditioneller deutscher Wirtschaftszweige wie die der Automobilindustrie - auf die Kooperation mit Rüstungsunternehmen wurde bereits hingewiesen, ebenso auf den noch folgenden Abschnitt 3.9 zu den Ausgestaltungsmöglichkeiten solcher Kooperationen. <?page no="33"?> Abb. 2.8: Wachstumsmärkte nach globaler Marktattraktivität und deutscher Wettbewerbsfähigkeit (Boston Consulting Group, BCG, und Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln, 2024, S. 2) Die Gesamtbewertung (die von den Autoren ausdrücklich unterstützt wird) ist positiv und lautet, dass Deutschland sich als Industrienation neu erfinden muss, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Dabei muss der Prozess deutlich stärker und proaktiver politisch unterstützt werden (Boston Consulting Group, BCG, und Institut der deutschen Wirtschaft, IW Köln, 2024, S. 5). Wesentliche (gelbe/ rote) Herausforderungen aus Abb. 2.7 werden in den folgenden Abschnitten jeweils kurz vorgestellt (OpenAI, 2025, inhaltlich überprüft und angepasst durch die Autoren). Dabei werden bewusst keine Werte in Euro genannt oder Vergleiche mit anderen Ländern gezogen, da beispielsweise für die Behebung des Investitionsstaus in Infrastruktur, Verkehr, Bildung aber auch Verteidigung je nach Blickwinkel sehr unterschiedliche Werte genannt werden. Im weiteren Verlauf dieses Buchs werden uns dann einzelne Herausforderungen aus dem Blickwinkel eines international agierenden Managements erneut begegnen und dann auch mit Zahlen, Daten, Fakten im internationalen Kontext vertieft. 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland 33 <?page no="34"?> 34 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland 2.3.1 Demografischer Wandel und Fachkräftemangel in Deutschland Die deutsche Bevölkerung altert, die Geburtenrate bleibt seit Jahren niedrig. Bis 2030 werden Millionen von Arbeitskräften in Rente gehen, was den heute bereits vorhandenen Mangel an qualifizierten Fachkräften in Deutschland (und in vielen weiteren Industrieländern) erheblich verschärfen wird. Gelingt es Unternehmen,  attraktive Arbeitsbedingungen für deutsche und internationale Talente zu schaffen und  technische Möglichkeiten, wie beispielsweise den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), zu nutzen, hat Deutschland gute Aussichten, diesen Mangel auszugleichen. 2.3.2 Investitionsrückstände in Deutschland Viele Bereiche der deutschen Infrastruktur sind veraltet ‒ Straßennetze weisen erheblichen Sanierungsbedarf auf, der öffentliche Nahverkehr inklusive des Schienennetzes benötigt Modernisierung und der Ausbau des 5G-Netzes schreitet vergleichsweise langsam voran. Verzögerungen bei wichtigen Projekten in Deutschland, oft bedingt durch bürokratische Hürden und langwierige Genehmigungsverfahren, behindern wirtschaftliches Wachstum und zu Lasten einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit genauso wie im internationalen Vergleich zu lange Realisierungszeiten. Ein erheblicher Investitions-/ Modernisierungsstau und Mittelbedarf existieren darüber hinaus beispielsweise auch an Schulen und Universitäten sowie bei der deutschen Bundeswehr. Die im März 2025 beschlossene zusätzliche Schuldenaufnahme von rund einer Billion Euro für Investitionen, Umwelt und Verteidigung ist hier ein erheblicher Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sollten parallel auch Hemmnisse für zielgerichtete und zeitnahe, qualitativ hochwertige und auf der Kostenseite angemessene Investitionen beseitigt werden (Stichwort ‚Bürokratieabbau‘). 2.3.3 Regulierung und Bürokratie in Deutschland Komplexe gesetzliche Vorgaben und Verwaltungsprozesse belasten Unternehmen in Deutschland vergleichsweise stärker als in anderen Industrieländern und verlangsamen Innovationsprozesse. Besonders für Start-ups und kleine bis mittelständische (Familien-)Unternehmen stellt Bürokratie oft eine Hürde dar. <?page no="35"?> Obwohl Deutschland eine starke industrielle Basis hat, gibt es Defizite bei der digitalen Transformation. Der Ausbau von Breitbandnetzen, digitale Bildung und die Integration von digitalen Technologien in mittelständischen Unternehmen hinken im internationalen Vergleich hinterher. Dies führt zu Produktivitätsverlusten und hemmt die Innovationskraft. Auch hier sind Investitionen und der Abbau von Investitionshemmnissen ein Schlüssel, auf den nicht erneut eingegangen werden soll. 2.3.5 Weltweiter Klimawandel und Nachhaltigkeit in Deutschland Die Einhaltung internationaler Klimaziele erfordert auch in Deutschland tiefgreifende Veränderungen in Produktion, Energieerzeugung und Konsumverhalten. Unternehmen müssen auch weiterhin in umweltfreundliche Technologien investieren, was zunächst hohe Kosten verursacht. Kurzfristig verschaffen dagegen Länder mit einer anhaltenden Fokussierung auf fossile Energieträger (Erdöl, Gas, Kohle) ihren Unternehmen Wettbewerbsvorteile. Mittelbis langfristig bietet die grüne Transformation auch deutschen Unternehmen Chancen für innovative Geschäftsmodelle und neue Märkte auch im Bereich erneuerbarer Energien und Nachhaltigkeit wie Abb. 2.8 gezeigt hat. Aus Sicht der Autoren ist Deutschland hier auf einem guten, wenn auch anstrengenden Weg, während der Umgang beispielsweise der USA unter ihrem 47. Präsidenten Donald J. Trump mit dem Klimawandel nicht der richtige ist - nicht nur wegen der zwingenden Notwendigkeit den Klimawandel abzubremsen. 2.3.6 Energiekosten - Energieversorgung und Energiewende in Deutschland Der Ausstieg aus der Kernenergie und die Reduzierung von Gaslieferungen aus Russland aufgrund des Einmarschs Russlands in die Ukraine im Februar 2022 haben Deutschlands Energieversorgung vor große Aufgaben gestellt. Die Notwendigkeit, erneuerbare Energien auszubauen und gleichzeitig Versorgungssicherheit zu gewährleisten, führt auch im internationalen Vergleich zu hohen Energiekosten für Verbraucher und Industrie. 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland und sei n35 Wirtschaft 35 Effizientere Prozesse und Deregulierung sind ein wesentlicher Ansatz für eine steigende wirtschaftliche Dynamik in Deutschland. 2.3.4 Zu langsame Digitalisierung in Deutschland und technologischer Rückstand <?page no="36"?> 36 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Dies beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen und erfordert die geplanten massiven Investitionen in Infrastruktur und Technologien. 2.3.7 Soziale Ungleichheit in Deutschland Trotz hoher allgemeiner Wohlstandsniveaus besteht in Deutschland eine zunehmende Kluft zwischen unterschiedlichen Einkommensgruppen. Regional gibt es Unterschiede in wirtschaftlicher Stärke und Beschäftigungsmöglichkeiten, während die Kostensteigerungen aus den vorherigen Abschnitten die gesamte Bevölkerung vergleichbar treffen. Soziale Ungleichheit kann zu Spannungen führen und das gesellschaftliche Klima beeinflussen. Dass auch das politische Klima maßgeblich beeinträchtigt wird, zeigen die regional sehr unterschiedlich ausgeprägten Wahlergebnisse 2025. 2.3.8 Abhängigkeit Deutschlands von globalen Lieferketten Die Corona-Pandemie, aber auch die zunehmenden geopolitischen Spannungen haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt. Als exportorientierte Nation ist Deutschland stark von internationalen Märkten und Zulieferern abhängig. Störungen können zu Produktionsausfällen und wirtschaftlichen Verlusten führen. Eine Diversifizierung und Regionalisierung der Lieferketten sollten nicht nur diskutiert werden, um Risiken auch tatsächlich zu optimieren. 2.3.9 Wettbewerb auf globaler Ebene Die zunehmende Konkurrenz aus Ländern wie der VR China und den USA in den deutschen Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Maschinenbau und Technologie setzt deutsche Unternehmen zusätzlich unter Druck. Subventionen und Handelshemmnisse - oder anders ausgedrückt die Bevorzugung der im eigenen Land ansässigen Unternehmen - beeinträchtigen nicht nur die Globalisierung. Sie führen auch zu Verlagerungen von Produktionskapazitäten aus Deutschland, um finanzielle Vorteile auch für das eigene Unternehmen zu sichern beziehungsweise Standortnachteilen in Deutschland aus dem Weg zu gehen. Aber auch der Zugriff auf nicht weltweit verfügbare wesentliche Ressourcen wie beispielsweise auf seltene Erden spielt eine Rolle. Wird dieser durch Länder mit solchen Vorkommen eingeschränkt, stoßen Innovationskraft oder eine eigentlich wettbewerbsfähige Produktion an ihre Grenzen. Eine wesentliche Chance ist hier die Flexibilität deutscher Unternehmen. So gibt es beispielsweise seit Anfang 2025 in der Automobilbranche konkrete Bestrebungen, <?page no="37"?>  für das bisherige Kerngeschäft nicht benötigte Produktionskapazitäten für die eigene Herstellung von Rüstungsgütern zu nutzen - in Kooperation mit Rüstungsunternehmen wie beispielsweise der Rheinmetall AG,  zur Schließung vorgesehene Werke an Rüstungsunternehmen zu verkaufen,  den geplanten Personalabbau gemeinsam mit Rüstungsunternehmen zu bewältigen, indem Mitarbeitende aus der Automobilbranche Übernahmeangebote von Rüstungsunternehmen erhalten, um den dortigen Personalbedarf zu decken (Focus Online, 2025). Denn in der E-Automotive-Branche werden zudem auch weniger Arbeitskräfte benötigt als bei den klassischen Verbrennern. 2.3.10 (Geo-)Politische Unsicherheiten für Deutschland Bereits der Austritt Großbritanniens aus der EU hat Handelsbeziehungen verändert und Unsicherheiten geschaffen. Ebenso können politische Entwicklungen in anderen Ländern und Regionen Handelshemmnisse oder neue Regulierungen mit sich bringen und im Extremfall sogar zu Konflikten bis hin zu Kriegen führen. Die Entwicklungen im Südchinesischen Meer, der Konflikt zwischen der VR China und Taiwan, der von Russland im Februar 2022 begonnene Krieg gegen die Ukraine, die Eskalation des Nahost-Konfliktes seit dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und nicht zuletzt die Neuausrichtung der USA unter Donald J. Trump inklusive einer Abkehr von jeglicher Verlässlichkeit sind einige Beispiele für diese Extremfälle. Allerdings bietet die (Rück-)Besinnung auf die Stärken Europas und insbesondere auf die Stärken der EU eine herausragende Chance für eine wiedererstarkende Unabhängigkeit in vielen Bereichen auch für Deutschland. Dieses Kapitel abschließend verdeutlicht das folgende Video noch einmal die aktuelle Situation und die Herausforderungen in Deutschland. https: / / www.youtube.com/ watch? v=tmI1yZbhFmQ (ZDFheute Nachrichten, 2024) Hinweis Ein international agierendes Management muss die Entwicklungen in Deutschland jederzeit bei den eigenen Entscheidungen berücksichtigen, beispielsweise bei Standort- und Investitionsentscheidungen. 2.3 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland 37 <?page no="38"?> 38 2 Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Deutschland Die aktuell in vielen Feldern vorhandenen Risiken und Nachteile sind dabei genauso zu berücksichtigen wie die vielfältigen Stärken Deutschlands und die aus diesen Stärken resultierenden mittelbis langfristigen Chancen. Zusammenfassung Deutschland steht - trotz einer auch weiterhin guten Ausgangslage - vor vielfältigen Herausforderungen. Das gilt sowohl für Unternehmen, die aus den vorhandenen Rahmenvorgaben das Beste machen müssen, als auch für die neue deutsche Bundesregierung ab 2025. Einige der in diesem Kapitel kurz vorgestellten Herausforderungen sind auch in anderen Ländern bis hin zu weltweit vorhanden, der Umgang damit ist aber sehr unterschiedlich. Andere Herausforderungen sind in der vorhandenen Ausprägung ein Nachteil für Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. Es gilt, ebenso vorhandene Chancen konsequent zu nutzen und Hemmnisse da wo irgend möglich abzubauen beziehungsweise zu optimieren. Dann kann und wird die Zukunft Deutschlands auch eine weiterhin positive sein. Oder, um es mit den Worten des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Siegfried Russwurm zu sagen: „Die Zeiten für kleinteilige Regulierung, politische Feinsteuerung und vage Absichtserklärungen sind vorbei. Um Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder nach vorn zu bringen und die Transformationsziele zu erreichen, braucht es jetzt den großen Wurf: Wir müssen alle Innovations- und Wachstumskräfte dieses Landes entfesseln und dringend mehr Tempo machen. Dann ist der Standort der schleichenden De-Industrialisierung nicht hilflos ausgeliefert.“ (Russwurm, 2024). Übung 2.1 Wie zu Beginn dieses Kapitels geschrieben, gibt es die unterschiedlichsten Indikatoren und Indices, um die Stellung einzelner Länder auch im direkten Vergleich zueinander beurteilen zu können. Hierzu zählt auch das bislang nicht vorgestellte „Best Countries Ranking“. Was sagt dieses Ranking aus und wie ist hier die Positionierung Deutschlands im Ranking des Jahres 2024? <?page no="39"?> 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De- Globalisierung Nach Bearbeitung dieses Kapitels haben Sie einen Überblick über die Länder, Regionen und Staatengemeinschaften mit aktuell erheblichem Einfluss auf die Entwicklungen in der Welt, kennen Sie die in den ausgewählten Ländern, Regionen und Staatengemeinschaften wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse, können Sie deren Einfluss auf die Welt wie auch auf die Globalisierung, die auch für ein international agierendes Management große Bedeutung haben und die zu berücksichtigen sind, bewerten. Während es in Kapitel 2 um die Situation in Deutschland ging und in Kapitel 4 um ausgewählte weltweite Herausforderungen gehen wird, stehen im Folgenden einzelne Länder, Regionen oder Staatengemeinschaften im Vordergrund. Diese haben den größten Einfluss auf die Entwicklungen in der Welt und auch auf die Globalisierung, beziehungsweise sind für diese gefährlich oder können dieser gefährlich werden. Dabei ist es hier nicht der Anspruch, die geschichtlichen Entwicklungen jeweils lückenlos darzustellen, es geht vorrangig um die jeweils aktuelle Situation inklusive länderübergreifender Auswirkungen. Jede Region der Welt hat ihre Besonderheiten, jedes Land seine eigenen Chancen und Herausforderungen. Daher ist es für das international agierendes Management von Unternehmen auch von wesentlicher Bedeutung, diese Entwicklungen nicht nur im Blick zu behalten, sondern auch im eigenen Handeln und in den eigenen Strategien angemessen zu berücksichtigen. Kriterien, Kennzahlen für die Klassifizierung von Ländern gibt es viele - ob über aktuelle Werte oder über deren Entwicklung im Zeitverlauf. Neben rein wirtschaftlichen Daten, wie beispielsweise dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), kann auch die im weiteren Verlauf des Kapitels näher beschriebene Innovationskraft ein Grund für ein Unternehmen sein, ein Land für einen Standort zu nutzen oder dieses zu meiden. Auch gänzlich andere Merkmale können entscheidend dafür sein, ob ein Land oder eine Regierung eine Bereicherung oder aber eine Gefahr für die Welt, die eigene Region oder gar für die eigene Bevölkerung darstellt. Es seien hier nur das Machtbestreben einzelner Länder (friedlich oder ag- <?page no="40"?> 40 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung gressiv) oder der Umgang mit der eigenen Bevölkerung (mit einzelnen Volksgruppen oder mit Oppositionen) genannt. Unabhängig davon sei hier auf Abb. 2.1 „Die 20 Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2024“ sowie auf Abb. 2.6 „Prognose Ranking Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2050 und 2075“ verwiesen. Auffällig sind hierbei insbesondere die bemerkenswerten Entwicklungen in Asien, wie die der VR China, aber auch die Entwicklungen Indiens und Indonesiens. Umgekehrt gilt dies aber auch für die tendenziell rückläufigen Rangstellen der USA, Japans und mehrerer zur EU gehörenden Länder wie Deutschland, Italien oder Frankreich. Neben dem BIP lohnt sich ein Blick auf die regionale Entwicklung der Weltbevölkerung mit insgesamt rund 8,2 Milliarden Menschen. Aus den Tendenzen können etwa auch Herausforderungen in Hinblick auf (qualifizierte) Beschäftigte bei rückläufigen Entwicklungen oder für die Sicherstellung einer angemessenen Versorgung bei (stark) steigenden Zahlen für die jeweiligen Länder entstehen. Abb. 3.1: Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt (Brandt, 2024) <?page no="41"?> 3.1 Vereinigte Staaten von Amerika (USA) 41 Abb. 3.1 zeigt die Entwicklungen über die Jahre 1950, 2024 und 2100 (erwartet) - und hier die starken Zuwächse insbesondere in afrikanischen Ländern und die starken Rückgänge in Europa, aber auch in der VR China. Im Folgenden wird immer auch auf die jeweiligen Konflikte kurz eingegangen, innenwie außenpolitisch. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf die Entwicklungen in den einzelnen Ländern und Regionen sind unter anderem zu beachten, wie sich die unterschiedlichen Regionen entwickeln, wer an Macht und Einfluss gewinnt und wer im Gegenzug Macht und Einfluss verliert. Zudem ist zu klären, wie ein weltweit fairer Handel vorangetrieben werden kann, von dem dann möglichst viele profitieren können. 3.1 Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Die USA sind flächenmäßig das drittgrößte Land der Erde, das durch seine Einwanderinnen und Einwanderer seit Gründung und bis heute eine bunte Vielfalt unterschiedlichster ethnischer Gruppen und Kulturen abbildet. Auch in den Sprachen spiegelt sich diese Vielfalt neben der offiziellen Sprache Englisch in gängigen Sprachen wie zum Beispiel Spanisch, Chinesisch, Französisch, aber auch Navajo wider. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Rolle und der Status der USA in der Welt deutlich verändert. Während die USA früher nach den meisten Kriterien (politisch, wirtschaftlich, militärisch) eine unangefochtene und respektierte Macht waren, hat gerade die erste Regierungszeit des 45. Präsidenten Donald J. Trump zu Veränderungen im Außenauftritt und weltweiten Engagement der USA geführt, deren Ziele allein schon mit dem Motto „America First“ deutlich umrissen wurden. Ähnliche, vielleicht sogar noch weitergehende Entwicklungen sind unter dem als 47. US-Präsidenten erneut gewählten Trump bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit zu beobachten. Heute stehen die USA wirtschaftlich, politisch, aber auch militärisch vor vielen Herausforderungen. Diese resultieren nicht nur aus den Entwicklungen in der VR China, in Russland oder in anderen Ländern, sondern vielfach aus dem eigenen Handeln heraus. <?page no="42"?> 42 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 3.1.1 Wesentliche Kennzahlen der USA Die Kennzahlen in Tab. 3.1, mit Daten überwiegend aus dem Jahr 2023, geben einen ersten Überblick über die USA und zeigen gleichzeitig deren weltweit auch weiterhin sehr hohe Bedeutung. Stand: 2023, sofern nicht anders angegeben USA Platz weltweit Bevölkerung/ Anteil an der Weltbevölkerung ~345 Mio. / 4,3 % 3. BIP in jeweiligen Preisen (2024) ~29 200 Mrd. US-$ 1. Anteil am globalen BIP (kaufkraftbereinigt) ~15 % fallend 2. Importe ~3 170 Mrd. US-$ 1. Exporte ~2 020 Mrd. US-$ 1. Handelsbilanzdefizit ~1 150 Mrd. US-$ ohne Platz globales Innovationsranking (2024) 3. Militärausgaben ~916 Mrd. US-$ 1. Militärausgaben in % BIP 3,4 % ohne Tab. 3.1: Kennzahlen USA (Daten aus Statista, 2024a sowie WIPO et al., 2024a) 3.1.2 Politisches System der USA Staats- und Regierungschef der föderalen und präsidentiellen Republik mit fünfzig Bundesstaaten ist der jeweilige Präsident (zukünftig sicherlich auch Präsidentinnen), der alle vier Jahre indirekt über das zwischengeschaltete sogenannte „Electoral College“ von der Bevölkerung gewählt wird. Wesentliche politische Parteien sind die „Demokratische Partei“ und die „Republikanische Partei“. Der US-Kongress besteht aus zwei Kammern und ist gesetzgebend:  „Repräsentantenhaus“: Alle Bundesstaaten sind entsprechend ihrer Bevölkerungsanzahl vertreten.  „Senat“: Jeder Bundesstaat hat - unabhängig von der Bevölkerungsanzahl - zwei Stimmen. Der Oberste Gerichtshof wacht über die Einhaltung der Verfassung der USA und gewährleistet so die gegenseitige Kontrolle der Staatsorgane. In den meisten Bundesstaaten werden die dortigen Gouverneurinnen und Gouverneure direkt gewählt (Auswärtiges Amt, 2024a). <?page no="43"?> 3.1 Vereinigte Staaten von Amerika (USA) 43 3.1.3 Bevölkerung in den USA Das Wachstum der Bevölkerung von rund 344 Millionen im Jahr 2023 hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt und lag im Jahr 2023 bei 0,58 Prozent. Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung wohnt in Metropolregionen wie etwa New York (19,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner 2023), Los Angeles (12,8 Millionen) oder Chicago (9,3 Millionen). In den rund 58,4 Prozent Weißen, 19,5 Prozent Hispanics, 12,6 Prozent Schwarzen, 6,2 Prozent Asiaten und 0,7 Prozent Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern spiegelt sich die Vielfalt der Bevölkerung wider, die seit der Entdeckung Amerikas durch Einwanderungen entstanden ist (Statista, 2024a). 3.1.4 Wirtschaft der USA Traditionell importieren die USA als Volkswirtschaft mit dem größten BIP im Jahr 2023 deutlich mehr als sie exportieren und erwirtschaften so ein Handelsbilanzdefizit. Mit rund 1 150 Milliarden US-Dollar ist dieses Defizit das mit deutlichem Abstand größte in der Welt auch im Jahr 2023.  Bei den Exporten waren Kanada, Mexiko und die VR China auch im Jahr 2023 die für die USA wichtigsten Länder. Exportiert wurden vor allem „Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren“, „elektrische Maschinen, Apparate, Geräte und Einrichtungen“ sowie „Straßenfahrzeuge“.  Bei den Importen sind es die gleichen Länder wie bei den Exporten, hier in der Reihenfolge Mexiko, VR China und Kanada. Auch die wichtigsten importierten Güter waren dieselben, hier in der Reihenfolge „Straßenfahrzeuge“, „elektrische Maschinen, Apparate, Geräte und Einrichtungen“ sowie „Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren“. Bemerkenswert bei den zuvor genannten Rangfolgen für Ex- und Importe ist, dass die Zölle auf Importe aus Kanada, der VR China und Mexiko die ersten waren, die Donald J. Trump bereits vor Beginn seiner zweiten Amtszeit als 47. Präsident der USA angedroht und dann auch umgesetzt hat - mit der Einführung von Zöllen dieser drei Haupthandelspartner auf deren Importe aus den USA als Rektion. Mit einer ständig wachsenden Staatsverschuldung (36,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2023, rund 119 Prozent des BIP) entstehen für die USA auch Abhängigkeiten von den Gläubigern wie etwa von der VR China, die über hohe US-Dollar-Bestände verfügt. Darüber hinaus resultieren daraus <?page no="44"?> 44 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung immer wieder Diskussionen über den eigenen Haushalt bis hin zu Ausgabestopps („Shutdowns“) (Statista, 2024a). Auch heute noch gelten die USA als eines der innovationsstärksten Länder der Welt, festgemacht an dem „Global Innovation Index 2024“, und belegen dort den 3. Platz. Der Index bildet die Rahmenbedingungen für Innovationen in den jeweiligen Ländern ab und kann damit auch ein Anreiz für innovative Unternehmen sein, um sich in einem gut platzierten Land anzusiedeln (WIPO et al. 2024a). 3.1.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung der USA Die Vielzahl an Konflikten, an denen die USA als weltweit größte Militärmacht beteiligt ist, macht eine Einteilung in „innerhalb des Landes“, „in der Region“ sowie „weltweit“ sinnvoll und auch notwendig. Darüber hinaus ist immer auch die wesentliche Rolle der USA in der North Atlantic Treaty Organisation (NATO) zu berücksichtigen, die mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 eine wieder sprunghaft gestiegene Bedeutung erhalten hat. Konflikte innerhalb der USA Bereits während der ersten Präsidentschaft von Donald J. Trump als 45. Präsident der USA wurde die Zerrissenheit der amerikanischen Bevölkerung, und hier insbesondere zwischen den Anhängerinnen und Anhängern der Republikanischen und der Demokratischen Partei, besonders deutlich. Diese Zerrissenheit wurde besonders deutlich anlässlich der Proteste im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in den USA im Jahr 2020, die in der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar 2021 mit mehreren Toten mündeten. Bereits die ersten Monate seiner zweiten Präsidentschaft als 47. US-Präsident lassen befürchten, dass diese innere Zerrissenheit noch deutlich zunehmen wird. Eine Herausforderung für die USA sind aber auch illegal Eingewanderte. Allein im Jahr 2023 wurden rund 2,5 Millionen illegal Eingewanderte im Rahmen von Grenzkontrollen und Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden festgenommen. Der überwiegende Teil der illegal Eingewanderten stammt dabei aus Südamerika und Mittelamerika, vor allem aus dem direkten Nachbarland Mexiko (Statista, 2024a). Konflikte in der Region mit Beteiligung der USA Resultierend aus den zuvor genannten Herausforderungen mit illegal Eingewanderten sind hier die Streitigkeiten der USA mit dem Nachbarland Mexiko zu nennen. Mit dem von Donald J. Trump während seiner ersten Amtszeit beauftragten, aber nur teilweise umgesetzten Bau einer Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko hatten diese Streitigkeiten <?page no="45"?> 3.1 Vereinigte Staaten von Amerika (USA) 45 ihren Höhepunkt erreicht. Nach der ersten Regierungszeit von Donald J. Trump hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko wieder entspannt, die Herausforderungen im Umgang mit illegalen Grenzübertritten wurden aber auch weiterhin nicht gelöst. Seit dem Beginn seiner zweiten Präsidentschaft hat Trump einen erneuten Schwerpunkt auf Migration, insbesondere auf illegale Migration gelegt. Dabei hat er Forderungen an Mexikos Staatsführung, die Migration einzudämmen, mit der Androhung von Zöllen auf Importe aus Mexiko verknüpft. Zur Erinnerung: Mexiko ist das Land, aus dem die USA die meisten Waren importieren. Ähnlich verhält es sich mit den Beziehungen zwischen den USA und Kuba: Während sich unter Präsident Barack Obama die Beziehungen der USA zu dem kommunistischen Land nach Jahrzehnten deutlich entspannt hatten und die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen angestrebt wurde, stufte Donald J. Trump Kuba während seiner Präsidentschaft wieder als Terrorstaat ein. Die Entscheidung des 46. US-Präsidenten der USA Joseph Biden, Kuba nicht mehr als Terrorstaat einzustufen wurde in einer seiner ersten Entscheidungen in seiner zweiten Amtszeit von Trump rückgängig gemacht. Bereits vor dem Start seiner zweiten Präsidentschaft wurden von Trump (geo)politische Ambitionen im Zusammenhang mit Kanada, Grönland und dem Panamakanal geäußert. Konflikte weltweit mit Beteiligung der USA Hier können Nennungen und Beschreibungen nicht lückenlos sein, nicht zuletzt wegen der traditionellen Rolle der USA als „Schutzmacht“ der Welt. Neben der aktiven Beteiligung und der führenden Rolle der USA an den Kriegen unter anderem im Irak, in Afghanistan, dem Jemen, in Somalia und Syrien sind vor allem die folgenden drei jüngeren Ereignisse von besonderer Bedeutung: Unter seinem Wahlkampfslogan „America First“ hat Donald J. Trump bereits während seiner ersten Amtszeit die Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik und die Rolle der USA in der Welt gravierend verändert. Handelspolitisch getrieben von der traditionell negativen Handelsbilanz der USA wurden zahlreiche Handlungen aller Handelspartner, aber auch existierende Abkommen als nicht fair gegenüber den USA eingestuft. Vor allem gegen die VR China, aber auch gegenüber Verbündeten wie der EU oder Japan wurden Zölle, Einfuhrbeschränkungen und andere handelspolitische Barrieren eingeführt. Vielfach wurden die Maßnahmen zusätzlich mit der „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ begründet. <?page no="46"?> 46 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Fast durchgängig wurden diese Maßnahmen durch Gegenmaßnahmen erwidert, mit insgesamt negativen Auswirkungen für den Welthandel, für alle Beteiligten und insbesondere auch für die USA. Der Start in seine zweite Amtszeit Anfang 2025 verlief nicht anders, denn auch hier kündigte Trump bereits Ende 2024 Zölle gegen Kanada, Mexiko und die VR China an, gefolgt von Drohungen auch gegenüber der EU und anderen Ländern. Aber auch der Austritt der USA zum Beispiel aus dem Pariser Klimaabkommen und anderen Verträgen, die Infragestellung der NATO oder die Negierung der Einmischung Russlands in die US-Wahlen (entgegen allen Einschätzungen der US-Geheimdienste) durch Trump hatten das Vertrauen in den ehemals verlässlichen Partner USA bereits während seiner ersten Amtszeit beschädigt. Anfang 2025 folgte unter Trump unter anderem der erneute Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, der Ausritt aus der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) und die erneute Infragestellung der NATO. Auch der Rückzug der USA aus Afghanistan im Jahr 2021 bedeutete eine Abkehr von der besonderen Stellung der USA in der Welt. Unter dem zwischenzeitlichen 46. US-Präsident Joseph Biden wurden die Maßnahmen Trumps nicht vollumfänglich zurückgenommen, denn der Abzug der US-Armee aus Afghanistan wurde unter Joseph Biden im Jahr 2021 vollzogen. Allerdings hatte sich Bidens Regierung eine „Handelspolitische Agenda“ mit neun Schwerpunkten gegeben, die auf der einen Seite den „Wiederaufbau von Partnerschaften und Allianzen zur Rückkehr zu multilateraler Handelspolitik unter US-Führung“ vorsieht, auf der anderen Seite die Interessen der amerikanischen Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und zum Beispiel auch des Agrarsektors in den Vordergrund stellt. Die sogenannten „unfairen Handelspraktiken Chinas“ sollten jedoch auch weiterhin im Fokus stehen, genauso wie die USA gemeinsam mit ihren Verbündeten „marktbezogene und regulatorische klimapolitische Initiativen entwickeln“ wollten (Bundesverband der deutschen Industrie, BDI, 2021). Zuletzt zeigt der Präsidentenwechsel von Biden auf Trump im Januar 2025 einen erneuten radikalen Richtungswechsel bei der Positionierung der USA in Bezug auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022. Während die Ukraine von Bidens Regierung unterstützt wurde, sind die Signale Trumps in Richtung von Russland, der Ukraine und der europäischen Verbündeten der USA andere. Das eigentlich positive Ziel den Krieg <?page no="47"?> 3.2 Volksrepublik China (VR China) 47 zu beenden, wird verbunden mit deutlichen Zugeständnissen gegenüber Russland, Forderungen an die Ukraine in Bezug auf deren Rohstoffvorkommen sowie Forderungen an die europäischen Länder, einen vielleicht zustande kommenden Waffenstillstand, ohne die Unterstützung der USA abzusichern. Letztendlich bleibt hier abzuwarten, wie die weiteren Verhandlungen tatsächlich verlaufen. Auf die NATO und auf den NATO-Bündnisfall wird noch eingegangen; maßgeblich wird es um die Frage gehen, ob die USA tatsächlich eingreifen würden, wenn Russland ein NATO-Mitgliedsland wie beispielsweise eines der baltischen Länder oder Polen angreifen würde. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf die USA sind unter anderem festzustellen, ob die USA tatsächlich noch die letzte verbliebene Supermacht oder Schutzmacht sind und ob sie diese Rolle auch weiterhin ausüben möchten. - Sind die USA gewillt, die Weltherrschaft zu behalten oder zu übernehmen, zumindest der westlichen Welt? - Welche Folgen wird der Einmarsch Russlands in die Ukraine in der Ukraine selbst, in Europa und der Welt langfristig haben? - Was bedeuten unterschiedliche Szenarien für Deutschland und für Europa? - Die USA sind und bleiben einer der wichtigsten Handelspartner für Europa und Deutschland, daran werden auch Zölle oder eine (geo-)politisch neue Ausrichtung kaum etwas ändern. Wie können gute Beziehungen in diesem veränderten Umfeld weiterhin sichergestellt werden? 3.2 Volksrepublik China (VR China) Die Volksrepublik China hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem Agrarstaat voller Missmanagement zu einem Land entwickelt, das politisch, wirtschaftlich und militärisch zu den wichtigsten Ländern der Welt gehört. An der VR China führt kein Weg vorbei, wenn es um die Entwicklungen in der Welt geht. „China übt auf sämtliche Kernfragen unserer Weltordnung einen entscheidenden Einfluss aus.“ (Auswärtiges Amt, 2023) Die VR China steht weltweit allerdings in der Kritik, insbesondere wegen ihres Umgangs mit Menschenrechten im eigenen Land sowie wegen der Einflussnahme auf andere Länder und der Konflikte mit anderen Ländern. <?page no="48"?> 48 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 3.2.1 Wesentliche Kennzahlen der VR China Auch für die VR China soll über die Kennzahlen der Tab. 3.2, mit Daten überwiegend aus dem Jahr 2023, ein erster Überblick gegeben werden. Anhand der Rangstellen wird die über die vergangenen Jahre gewachsene weltweite Bedeutung deutlich. Stand: 2023, sofern nicht anders angegeben VR China Platz weltweit Bevölkerung/ Anteil an der Weltbevölkerung ~1 422 Mio. / 17,9 % 2. BIP in jeweiligen Preisen (2024) ~18 273 Mrd. US-$ 2. Anteil am globalen BIP (kaufkraftbereinigt) 18,8 % steigend 1. Importe 2 557 Mrd. US-$ 2. Exporte ~3 380 Mrd. US-$ 1. Handelsbilanzüberschuss ~823 Mrd. US-$ ohne Platz globales Innovationsranking (2024) 11. Militärausgaben ~296 Mrd. US-$ 2. Militärausgaben in % BIP 1,7 % ohne Tab. 3.2: Kennzahlen VR China (Daten aus Statista, 2024b sowie WIPO et al., 2024a) 3.2.2 Politisches System der VR China Mit dem in der Verfassung verankerten Führungsanspruch der Kommunistischen Partei Chinas ist die VR China eines von weltweit fünf verbliebenen kommunistischen Einparteiensystemen (neben Vietnam, Laos, Kuba und Nordkorea). Das Zentralkomitee steht an der Spitze der Partei. Der vom Zentralkomitee gewählte Ständige Ausschuss ist das ranghöchste Parteiorgan und gibt unter Führung des Generalsekretärs (2025: Xi Jinping) die Leitlinien der Politik vor. Diesen Leitlinien müssen sich andere politische Organisationen, Medien, die Zivilgesellschaft und religiöse Aktivitäten unterordnen und werden streng reguliert (Auswärtiges Amt, 2024b). 3.2.3 Bevölkerung der VR China Die VR China ist mit rund 1,42 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt nach Indien. Dabei ist ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zu verzeichnen: Während immer neue Millionenstädte entstehen und die weltweit größten Metropolen wie etwa Shanghai (rund 22 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner), Peking <?page no="49"?> 3.2 Volksrepublik China (VR China) 49 (rund 19 Millionen) und Shenzen (rund 17,5 Millionen) immer weiterwachsen, sind die ländlichen Gebiete nur dünn besiedelt. Die wirtschaftlichen Entwicklungen in der VR China führen auch dazu, dass die Bevölkerung zunehmend wohlhabender und älter wird. Während im Jahr 2023 das Durchschnittsalter noch bei etwas über 37 Jahren lag, werden rund 51 Jahre als Durchschnitt für das Jahr 2050 erwartet. Die Bevölkerung der VR China besteht zwar überwiegend aus der ethnischen Gruppe der Han-Chinesen, es gibt aber viele ethnische Minderheiten, die historisch in als Minderheitsgebiete ausgewiesenen Regionen leben. Hier seien nur die Gruppen der Uiguren und der Tibeter genannt, auf die noch weiter eingegangen wird (Statista, 2024b). 3.2.4 Wirtschaft der VR China Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat sich die VR China von einem Entwicklungsland zu einer Weltmacht entwickelt und verfolgt dabei eine Mischung aus Marktwirtschaft und staatlicher Kontrolle. Dabei wandelt sich die Wirtschaftsstruktur weg von der Industrie und dem Agrarsektor hin zu erheblich an Bedeutung gewinnenden Dienstleistungen.  Bei den Exporten sind die USA, gefolgt von den regionalen Nachbarn die für die VR China wichtigsten Länder. Exportiert werden vor allem Elektroartikel, Autos, Büro- und Datenverarbeitungsmaschinen.  Bei den Importen sind die wichtigsten Partner Taiwan, die USA, Südkorea, und an achter Stelle Deutschland. Importiert werden vor allem Elektroartikel und die unterschiedlichsten Rohstoffe (unter anderem Öl, Gas, Eisenerz, Gold).  Insgesamt erwirtschaftet die VR China den weltweit größten Handelsbilanzüberschuss und hat Deutschland in dieser Kategorie in den letzten Jahren hinter sich gelassen (Statista, 2024b). Die Konzerne Alibaba und Tencent Holdings gehören mittlerweile zu den weltweit größten Unternehmen, gemessen an deren Marktwert. Neue Konzerne wie TEMU treten erfolgreich als Wettbewerber beispielsweise von Amazon auf. International wird insbesondere die ausgeprägte Staatsnähe der Unternehmen kritisiert, diese Kritik wird von der chinesischen Regierung aber zurückgewiesen. Während unstrittig ist, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in der VR China hatte, wurde der eigentliche Ursprung nicht zweifelsfrei nachgewiesen. <?page no="50"?> 50 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Trotz aller bemerkenswerten Erfolge wird die Regierung der VR China wegen der dafür eingesetzten Mittel von vielen Ländern kritisiert, unter anderem  wird noch in Unterkapitel 4.1 beschrieben, dass die VR China auf der einen Seite in den eigenen Zusagen zum Klimaschutz generell sehr vage bleibt und gleichzeitig mit Energie aus klimaschädlicher Kohle chinesischen Unternehmen Wettbewerbsvorteile gegenüber Unternehmen aus Ländern mit konsequenterem Energiewandel verschafft. Andererseits ist die VR China mittlerweile weltweiter Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien und den dazugehörigen Industriezweigen;  werden die Fragilität der weltweiten Lieferketten von Unternehmen, die daraus resultierenden Abhängigkeiten von der VR China sowie die Bevorteilung von chinesischen Unternehmen zum Beispiel in den Zeiten der Knappheit von Halbleitern und Magnesium noch in Abschnitt 4.8.4 beschrieben;  führt auch die Neue Chinesische Seidenstraße „One Belt, One Road“ zu Abhängigkeiten von der VR China;  ist die VR China an einer Vielzahl von Konflikten beteiligt, auf die im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird. Während die chinesische Wirtschaft über Jahre der Motor der weltweiten Wirtschaftsentwicklung war, haben die Handelsstreitigkeiten vor allem mit den USA unter Donald J. Trump (aber auch mit anderen Ländern) zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt. Darüber hinaus hat die Corona-Pandemie das Wachstum derart abgebremst, dass in einzelnen Quartalen während der Krise erstmals ein BIP- Rückgang eingetreten war. 3.2.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung der VR China Auch die Vielzahl von Konflikten, an denen die VR China als weltweit zweitgrößte Militärmacht beteiligt ist, macht deren Einteilung in „innerhalb des Landes“, „in der Region“ sowie „weltweit“ sinnvoll und auch notwendig. Konflikte innerhalb der VR China Wie bereits in Abschnitt 3.2.2 beschrieben, müssen sich andere politische Organisationen, Medien, die Zivilgesellschaft und religiöse Aktivitäten den Leitlinien der Kommunistischen Partei Chinas unterordnen und werden streng reguliert. <?page no="51"?> 3.2 Volksrepublik China (VR China) 51 Das hat unter anderem auch gravierende Auswirkungen auf ethnische Minderheiten, wie zum Beispiel die muslimischen Uiguren in deren autonomer Region oder die Tibeter. So werden beispielsweise in dem World- Report 2025 von Human Rights Watch systematische Verfolgungen, massenhafte Inhaftierungen in Lagern, Misshandlungen von Uigurinnen und Uiguren und anderen muslimischen Minderheiten beschrieben und insgesamt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Menschenrechte eingestuft (Human Rights Watch, 2025). Ebenso wird dadurch die Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch die Arbeit zum Beispiel von Menschenrechtsorganisationen in der VR China einschließlich der Sonderverwaltungszone Hongkong wesentlich beeinträchtigt. Die Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“ stuft die VR China in ihrer Rangliste der Pressefreiheit für das Jahr 2024 als 172. von 180 bewerteten Ländern ein und kritisiert Zensur, zentrale Steuerung, umfassende Kontrolle mit modernster Technologie, Inhaftierung von Reporterinnen und Reportern unter teils lebensbedrohlichen Bedingungen sowie die umfassende Zensur und Überwachung des Internets insbesondere bei Themen wie Menschenrechtsverletzungen und politischen Protesten (Renzenbrink, 2025). In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong führen von der Regierung eingeführte neue Gesetze wie die „Safeguarding National Security Ordinance“ dazu, dass friedliche Aktivitäten kriminalisiert, die Befugnisse der Polizei erweitert und die Rechte auf ordnungsgemäße (Gerichts-)Verfahren geschwächt werden (Human Rights, 2025). Konflikte in der Region mit Beteiligung der VR China Bei den Konflikten in der Region geht es insbesondere um die Erweiterung des eigenen Territoriums, um die Sicherung von Ressourcen, die die VR China benötigt, und damit auch um Land/ Water Grabbing (siehe Unterkapitel 4.3). Hier sind aktuell insbesondere der sich verschärfende Konflikt mit Taiwan sowie die Gebietsansprüche der VR China im südchinesischen Meer zu nennen. Der Konflikt zwischen der VR China und dem durch eine 150 Kilometer breite Meeresstraße auch geografisch getrennten Taiwan (auch „Republik China“ genannt) schwelt seit 1945, als mit der Kapitulation Japans Taiwan der VR China zufiel. Nach dem Chinesischen Bürgerkrieg wurde Taiwan Rückzugsgebiet für die Anhängerinnen und Anhänger des unterlegenen Chiang Kai-shek, alle Eroberungsversuche durch die VR China scheiterten. Taiwan verwaltet sich seit 1949 selbst, seit 1954 existiert ein Verteidigungspakt zwischen Taiwan und den USA. 1971 wurde der Sitz in <?page no="52"?> 52 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung der UNO der VR China zugesprochen, Taiwan musste die UN und alle Unterorganisationen verlassen. Nur wenige Länder unterhalten diplomatische Beziehungen zu Taiwan. Die kommunistische VR China beansprucht das mittlerweile demokratische Taiwan als ihr Hoheitsgebiet und strebt eine Wiedervereinigung an, notfalls mit gewaltsamen Mitteln. Der überwiegende Teil der Bevölkerung Taiwans lehnt dies ab (Derichs & Heberer, 2013, S. 505 ff.). Seit dem Jahr 2021 hat sich der Konflikt deutlich verschärft. Während die VR China von einer vollständigen Wiedervereinigung spricht, lehnt Taiwan dies auch weiterhin strikt ab. Es sind die schwersten Spannungen seit 30 Jahren zu verzeichnen. Sich wiederholende Verletzungen des taiwanesischen Luftraums durch Militärflugzeuge der VR China, die Stationierung von Soldaten der USA auf Taiwan sowie militärische Unterstützungszusagen der USA im Falle eines Krieges zeigen, dass die beteiligten Länder am Rande eines Krieges stehen (Schmidt & Steimer, 2024). Nicht viel anders ist die Situation in Hinblick auf den Konflikt im Südchinesischen Meer einzustufen. Allerdings sind hier neben der VR China nahezu alle Anrainerstaaten (unter anderem die Philippinen, Malaysia, Vietnam, Laos, Brunei) sowie Länder, die sich für die freie Passierbarkeit der Gewässer einsetzen, wie etwa die USA, Großbritannien und Australien. Es geht insbesondere um Gebietsansprüche, um die Nutzung der dortigen bekannten oder vermuteten Ressourcen (Erdöl, Gas, Erze, Phosphor, Seltene Erden, aber auch Speisefischvorkommen) sowie um die Vormachtstellung über die bedeutende Schifffahrtsstraße an sich. Die gesamte Region mit diversen kleinen Inselgruppen (unter anderem die Paracel- und Spratly-Inseln) wird als zweiter Persischer Golf bezeichnet. Auch als Handelsroute ist die Region stark frequentiert - gerade asiatische Staaten, aber auch der freie Handel der ganzen Welt sind auf die freie Passierbarkeit dieser Route angewiesen (Michel, 2020). Einen Überblick über die Region und die umstrittenen, sich überlappenden Seegrenzen gibt folgende Abb. 3.2. <?page no="53"?> 3.2 Volksrepublik China (VR China) 53 Abb. 3.2: Umstrittene Seegrenzen im Südchinesischen Meer (dpa-infografik GmbH / Picture Alliance, 2022) Gerade mit der Umsetzung der Neuen Chinesischen Seidenstraße wird diese Route noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnen (siehe Unterkapitel 2.3). In den letzten Jahren und Jahrzehnten kam es in der Region immer wieder zu Konflikten, die vielfach von der VR China ausgingen - zum Beispiel illegale Bohrungen, Errichtung von Förderplattformen, Errichtung von militärischen Stützpunkten, Behinderungen von passierenden Schiffen und vieles mehr (Michel, 2020). Auch dieser Konflikt hat sich seit dem Jahr 2021 deutlich verschärft und war auch ein Grund für ein Bündnis der USA, Großbritanniens und Australiens („AUKUS“). Mit dem Bündnis soll aus Sicht der drei Länder <?page no="54"?> 54 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Frieden und Stabilität im Indopazifik erreicht werden, vor allem ein freier und offener Zugang. Unter anderem stellen die USA Australien die Technologie für atomgetriebene U-Boote zur Verfügung, auch wird eine enge Zusammenarbeit bei der künstlichen Intelligenz, der Quantentechnologie und bei Cyberthemen angestrebt. Die VR China hat dieses Bündnis verurteilt und sieht darin die Einmischung von Dritten in der eigenen Region (Zeit, 2021). Konflikte weltweit mit Beteiligung der VR China Auch die Handelsstreitigkeiten vor allem mit den USA sind als (Handels-)Konflikte einzustufen, auf die in Unterkapitel 2.1 bereits eingegangen wurde. Ähnliche Handelskonflikte hat die VR China weltweit, unter anderem auch mit der EU. In dem Krieg Russlands gegen die Ukraine war die von Russland und der VR China gegenseitig hervorgehobene Nähe und die Nichtbeteiligung der VR China an den Sanktionen gegenüber Russland von Beginn an auffällig. Gleichzeitig spielen neue, langlaufende und kostengünstige Gasbelieferungsverträge für die VR China eine wesentliche wirtschaftliche Rolle. Wie sich die VR China bei bevorstehenden Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen positionieren wird, kann heute noch nicht abschließend eingeschätzt werden. Eine besondere Erwähnung haben darüber hinaus die Vorwürfe anderer Länder in Bezug auf eine weltweite Überwachung durch die VR China verdient: Hier geht es beispielsweise um das bereits 1998 beschlossene Projekt „Golden Shield“, das im Jahr 2003 erstmalig in Betrieb genommen wurde. Hierbei handelt es sich um eine Art Firewall, mit der nicht erwünschte Inhalte von chinesischen Nutzern ferngehalten werden. Während man positiv zum Beispiel von der Blockade schädlicher Viren sprechen kann, wird negativ die Blockade von weltweiten, unerwünschten Inhalten bis hin zur Blockade der Presse- und Informationsfreiheit genannt. Letztendlich steuert „Golden Shield“ die Informationsversorgung in der VR China und soll ein weltweit führendes Internet nach den Vorstellungen der Kommunistischen Partei Chinas werden (Hübenthal & Schultz, 2021). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der von anderen Ländern kritisierten Überwachung durch die VR China, unter anderem  via Apps wie beispielsweise der chinesischen Überwachungs-App „WeChat“, die Daten und Bewegungen aufzeigt, Gesichtserkennungen ermöglicht und in immer mehr Ländern außerhalb der VR China (auch <?page no="55"?> 3.3 Die Neue Chinesische Seidenstraße („One Belt, One Road“) 55 an Flughäfen in Deutschland) im Einsatz ist - mit (vermuteter beziehungsweise befürchteter) Zugriffsmöglichkeit der chinesischen Regierung  oder mittels chinesischer „Hardware“, hier Handys von Marken wie Xiaomi, Oneplus, Huawei und den darauf vorhandenen Programmen. Nicht zuletzt wegen der engen Verbindungen von chinesischen Unternehmen zur chinesischen Regierung und den befürchteten Sicherheitsrisiken wurde Deutschland unter anderem von den USA kritisiert, als es zum Auf- / Ausbau des deutschen „5G-Netzes“ den Konzern Huawei präferiert hatte. Andere Länder wie Australien, Neuseeland, Japan, Taiwan, das Baltikum, Frankreich und Großbritannien verzichten generell auf Huawei-Technologie oder entfernen sogar bereits vorhandene Komponenten aus ihren 3G- und 4G-Netzen. Die USA selbst haben Huawei im Jahr 2019 unter Donald J. Trump auf deren Liste von unerwünschten Unternehmen gesetzt. Durch ein in Deutschland im Jahr 2024 verabschiedetes IT-Sicherheitsgesetz dürfen Huawei-Bauteile beim Auf-/ Ausbau des deutschen „5G-Netzes nicht mehr verbaut, beziehungsweise müssen bereits verbaute Bauteile nun auch in Deutschland ausgetauscht werden“ (Tagesschau, 2024). In diesen Kontext fallen auch die Vorwürfe anderer Länder an die VR China, beispielsweise über Beiträge von deutschsprachigen Staatsmedien, um die Stimmung in Deutschland zu beeinflussen. 3.3 Die Neue Chinesische Seidenstraße („One Belt, One Road“) Die Umsetzung der erstmals im Jahr 2013 durch die chinesische Regierung vorgestellten Pläne für eine neue Seidenstraße soll - als größtes Infrastrukturprojekt der Welt - die VR China bis 2049 zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht entwickeln. Investiert wird dafür in Verkehrs- und Handelswege (Straßen, Zugtrassen, Flug- und Seehäfen). In Zusammenarbeit mit rund 100 eingebundenen asiatischen, afrikanischen und europäischen Ländern sollen sukzessive neue Freihandelsabkommen abgeschlossen werden. Insgesamt kann die Neue Seidenstraße daher auch nicht als „ein Projekt“ bezeichnet werden, sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl unterschiedlichster und voneinander nicht zwingend abhängiger Projekte. Geplant sind vor allem zwei Schwerpunkte: ein Landweg mit den Schwerpunktregionen Russland und Zentralasien („Belt“) und ein Seeweg, der die VR China mit Afrika und Europa, aber auch mit Ländern Südostasiens sowie des Mittleren Ostens noch besser verbinden soll („Road“). <?page no="56"?> 56 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Bekannt ist die Neue Chinesische Seidenstraße unter den Namen  One Belt, One Road (OBOR), aber auch  Belt and Road Initiative (BRI). Auch Deutschland ist in das Projekt involviert: Unter anderem bieten bereits bestehende Bahnverbindungen über die Hafenstädte Duisburg und Hamburg in die VR China deutliche Zeitvorteile gegenüber der Schifffahrt und sollen ausgebaut werden. Darüber hinaus ist Deutschland größter Anteilseigner der viele Projekte finanzierenden „Asian Infrastructure Investmentbank“ mit Sitz in Peking. Die VR China stellt sich als Partner der beteiligten Nationen für Wachstum und Wohlstand dar und stellt dabei den Ausbau von Infrastruktur, die Stärkung des freien Handels, die Förderung eines freien Kapitalflusses und ein friedliches Zusammenleben in den Vordergrund. Umgekehrt kritisieren viele Beobachtende, dass die VR China vor allem eigene Interessen verfolgt, und bemängeln mangelnde Transparenz bei den Ausschreibungsverfahren, unklare Spielregeln und die einseitige Bevorzugung chinesischer Unternehmen. Vor allem steht aber der wachsende Einfluss der VR China in der Welt, bis hin zu der finanziellen Abhängigkeit der beigetretenen Seidenstraßen- Länder - insbesondere der Entwicklungsländer - in der Kritik. Wirtschaftliche und territoriale Ansprüche der VR China werden miteinander kombiniert. Dabei gibt es Länder wie etwa Pakistan, die ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen bereits nicht mehr nachkommen können und denen die Übernahme der Sicherheiten für Kredite beispielsweise von Häfen droht. Die von der VR China angebotene Hilfe kann die Länder in die Abhängigkeit treiben (Gutting et al., 2021, S. 153 ff.). Diese Gefahr für und die Sorgen von einzelnen Ländern und Regionen ist gleichzeitig eine Chance für die EU, um zu helfen, selbst dort zu investieren und langfristige Handelsabkommen zu schließen. Hier sei auch auf das Unterkapitel 4.3 verwiesen, denn auch aus den einzelnen Projekten der Neuen Seidenstraße kann Land- oder Water Grabbing entstehen - durch die hier beschriebenen Abhängigkeiten, aber auch durch Direktinvestitionen der VR China in ressourcenreiche Entwicklungsländer. Auch in Deutschland kauft sich die VR China im Zusammenhang mit der Neuen Seidenstraße ein, zum Beispiel durch den Kauf von Anteilen am Hamburger Hafenterminal Tollerort durch eine staatliche chinesische Reederei. Während die Verantwortlichen des Hafens und der Stadt Hamburg die Pläne als Chance verteidigt haben, wird vor allem der Zugang chinesischer Unternehmen zu kritischer Infrastruktur kritisiert (Preuß, 2021). In Abb. 3.3 werden die zwei geplanten Schwerpunkte der Neuen Seidenstraße dargestellt. <?page no="57"?> 3.4 „Made in China 2025“ 57 Abb. 3.3: Neue Chinesische Seidenstraße (Crolly, 2018) 3.4 „Made in China 2025“ Als Pendant zu dem in Kapitel 5 noch folgenden Schwerpunkt „Industrie 4.0“ ist die Großstrategie der chinesischen Regierung „Made in China 2025“ einzustufen. Dabei gehen die Ziele der chinesischen Regierung deutlich über die der deutschen Regierung hinaus: Neben dem übergeordneten Ziel, die VR China zur führenden Industrie- und Technologie-Nation aufsteigen zu lassen, gibt es zusätzlich klare und detaillierte Ziele für globale Marktanteile chinesischer Unternehmen. Zehn Schlüsselindustrien stehen im Vordergrund, von der nächsten IT-Generation mittels Robotik über fortgeschrittene Transportwege bis hin zu Biotechnology (Gutting et al., 2021, S. 182 f.). Im Jahr 2025 wurde diese Großstrategie durch die VR China nicht mehr so deutlich in den Vordergrund gestellt oder über eine Fortschreibung über 2025 hinaus berichtet. Die Fortschritte der VR China sind aber in vielen Industrie- und Technologiesparten deutlich erkennbar und für andere Länder spürbar. Trotzdem lastet der VR China auch weiterhin der Ruf an, Innovationen nicht selbst genug voranzutreiben. Während sich der Vorwurf früher auf Plagiate bezog, geht es heute immer mehr in Richtung Innovationen und Patentanmeldungen aus den zahlreichen westlichen Unternehmen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten übernommen wurden. Auch diese Übernahmen haben die VR China in dem Ranking der innovativsten Länder seit 2013 immer weiter nach vorne geführt, wie Abb. 3.4 zeigt. <?page no="58"?> 58 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Abb. 3.4: Innovationskraft der VR China im Zeitverlauf 2013 bis 2024 (WIPO et al., 2024b) Hier schließt sich der Kreis zu der Kritik an der VR China in Bezug auf Direktinvestitionen weltweit, unter anderem auch in Deutschland. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf die VR China sind unter anderem, herauszuarbeiten, ob die VR China die Macht, das Geld und auch das Durchhaltevermögen hat, die Weltherrschaft ganz oder teilweise zu übernehmen und auch zu halten, und wie sich ein solches Szenario auf die westliche Welt auswirken würde. - Dabei ist auch relevant, wie sich die VR China in Bezug auf die bereits vorhandenen weltweiten Konflikte positionieren wird und wie sich die Situation im südchinesischen Meer und um Taiwan weiterentwickeln wird. - Für Deutschland und Europa ist interessant, inwieweit der Handel mit China weiter ausgebaut werden kann. <?page no="59"?> 3.5 Russische Föderation (Russland) 59 - Embargovorgaben sind strikt einzuhalten, der Schutz der eigenen Beschäftigten sollte einen hohen Stellenwert haben und vorhandene Risiken sollten ständig überprüft und diversifiziert werden. 3.5 Russische Föderation (Russland) Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich die Situation für die heutige Russische Föderation (im Folgenden „Russland“) deutlich verändert. Ehemalige Wirtschaftspartner haben sich von Russland ab- und beispielsweise der EU zugewandt. Gleiches gilt für ehemalige Bündnispartner aus den Zeiten des Warschauer Paktes und deren Schwenk in Richtung der NATO. Heute wird Russland als flächenmäßig größtes und auf Europa und Asien verteiltes Land vor allem wegen seiner militärischen Aktionen kritisiert. Auffällig ist hierbei die Vielzahl von Konflikten, bei denen Russland von anderen Staaten eine direkte oder indirekte Beteiligung vorgeworfen, diese von Russland selbst jedoch häufig vehement bestritten wurde. Nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 und dem Konflikt in der Ost-Ukraine, ist hier der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 als militärische Aktion besonders hervorzuheben. Gleiches gilt aber auch für die Russland vorgeworfene Beeinflussung der Präsidentschaftswahlen in den USA oder der Bundestagswahlen in Deutschland sowie den Versuch der gezielten Destabilisierung unter anderem der EU. Der Umgang mit Systemkritikerinnen und Systemkritikern oder vermutete Wahlfälschungen in Russland selbst führen immer wieder zu Demonstrationen. 3.5.1 Wesentliche Kennzahlen Russlands Die Kennzahlen der folgenden Tab. 3.3 mit Daten überwiegend aus dem Jahr 2023, zeigen die Bedeutung Russlands insbesondere im militärischen Bereich. Stand: 2023, sofern nicht anders angegeben Russland Platz weltweit Bevölkerung/ Anteil an der Weltbevölkerung ~145 Mio./ 1,8 % 9. BIP in jeweiligen Preisen (2024) ~2 184 Mrd. US-$ 11. Anteil am globalen BIP (kaufkraftbereinigt) ~3,5 % steigend 6. <?page no="60"?> 60 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Stand: 2023, sofern nicht anders angegeben Russland Platz weltweit Importe ~304 Mrd. US-$ >20. Exporte ~424 Mrd. US-$ 18. Handelsbilanzüberschuss ~120 Mrd. US-$ ohne Platz globales Innovationsranking (2024) 59. Militärausgaben ~109 Mrd. US-$ 3. Militärausgaben in % BIP ~5,9 % ohne Tab. 3.3: Kennzahlen Russland (Daten aus Statista, 2024c sowie WIPO et al., 2024a) 3.5.2 Politisches System Russlands Russland besteht aus 83 „Föderationssubjekten“. Darin sind die 2014 annektierte ukrainische Krim und die Stadt Sewastopol nicht enthalten, da diese international nicht anerkannt werden. Föderationssubjekte sind teilweise politisch und administrativ autonom, letztendlich sind sie aber in weiten Teilen von der russischen Regierung abhängig. Die Föderationsversammlung besteht aus einem Föderationsrat und der Staatsduma. Bei den Wahlen der Abgeordneten zur Staatsduma haben Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mehrfach Unregelmäßigkeiten bestätigt. Trotz der in der Verfassung vorgesehenen Gewaltenteilung hat der seit Mai 2000 amtierende Staatspräsident Wladimir Putin eine dominierende und zentrale Rolle. Er kann nicht nur die Regierung entlassen, auch in der Außen- und Sicherheitspolitik hat er weitreichende Vollmachten (Auswärtiges Amt, 2024c). 3.5.3 Bevölkerung Russlands Die Bevölkerung in Russland ist rückläufig, trotz erheblicher Einwanderungen insbesondere aus den ärmeren Staaten der ehemaligen Sowjetunion Zentralasiens und des Kaukasus. Dabei verteilt sich die Bevölkerung zu rund 85 Prozent auf den flächenmäßig deutlich kleineren europäischen Teil (rund ein Viertel der Fläche Russlands) und zu rund 15 Prozent auf den asiatischen Teil Russlands (etwa drei Viertel der Fläche Russlands). Die größten Städte sind Moskau mit etwa 13 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand: 2023) und St. Petersburg (etwa 5,6 Millionen). <?page no="61"?> 3.5 Russische Föderation (Russland) 61 Wichtigste ethnische Volksgruppe Russlands sind die Russen selbst (rund 78 Prozent), die danach folgenden Tataren haben einen Anteil von knapp 4 Prozent (Statista, 2024c). Der Trend der rückläufigen Bevölkerung verstärkt sich seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022, da auf der einen Seite viele junge, vielfach gut ausgebildete Russinnen und Russen ihre Heimat verlassen haben. Auf der anderen Seite spielen auch die Verluste an Soldaten in dem von Russland begonnnen Krieg eine nicht unerhebliche Rolle. 3.5.4 Wirtschaft Russlands Wirtschaftlich steht Russland vor vielen Herausforderungen - nicht nur wegen der auch langfristigen Auswirkungen des Zusammenbruchs der Sowjetunion, sondern auch aufgrund vielfältigster Sanktionen anderer Länder aus den unterschiedlichsten Gründen. Bei den  Exporten waren die VR China, die Niederlande, die Türkei und Deutschland die für Russland wichtigsten Länder im Jahr 2023. Exportiert wurden vor allem Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Steinkohle, aber auch Eisen und Stahl.  Importen waren die wichtigsten Partner die VR China, Weissrussland, Deutschland und die Türkei. Importiert wurden vor allem Autos/ Autoteile, Maschinen und Medikamente (Statista, 2024c). Von besonderer Bedeutung und nahezu überlebensnotwendig sind für Russland die Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Beim Erdöl ist Russland drittgrößtes Förder- und zweitgrößtes Exportland, beim Erdgas ist Russland zweitgrößtes Förder- und das weltgrößte Exportland. Insgesamt machten diese beiden Güter im Jahr 2023 etwa 50 Prozent der russischen Exporte aus. Eine Besonderheit gerade in diesem Segment ist die Bündelung von Macht und Reichtum bei sogenannten Oligarchen - einflussreichen Unternehmenslenkern mit Milliardenvermögen und engen Verbindungen zur russischen Regierung. Auch andere Rohstoffe sind für Russland wichtige Exportgüter, wie etwa Steinkohle, Silber und Diamanten. Bei den Sanktionen gegenüber Russland vor dem Einmarsch in der Ukraine im Februar 2022 sind insbesondere die Beschränkung von Kapitaltransaktionen, aber auch ein Waffenembargo durch die EU zu nennen. Russland hat darauf mit Gegenmaßnahmen, unter anderem für europäische Lebensmittel, reagiert. Die aus dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 resultierenden Sanktionen beinhalten unter anderem persönliche Sanktionen <?page no="62"?> 62 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung für das Vermögen von Wladimir Putin, seinen Außenminister und die Mitglieder des russischen Parlaments, weitere Einschränkungen von Exporten nach Russland unter anderem für hochtechnologische Güter und den Ausschluss und damit die Abkoppelung vieler russischer Banken vom weltweiten Zahlungsverkehrssystem SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication). Weitere Sanktionsschritte werden fortwährend diskutiert (Rat der Europäischen Union, 2025a). Festzustellen ist, dass sich die Schwerpunkte des russischen Handels sukzessive verlagern. Durch den Entfall wesentlicher Abnehmer in Europa strebt Russland eine noch engere Beziehung zu den Partnerstaaten der BRICS beziehungsweise BRICS+ an. Bestandteil dieser Neuausrichtung sind Verhandlungen zu langlaufenden Gasverträgen unter anderem mit der VR China und Indien, allerdings mit für Russland nachteiligen Konditionen bis hin zu „Dumpingpreisen“. Wie sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA unter Donald J. Trump weiter entwickeln werden, bleibt abzuwarten. 3.5.5 Wesentliche Konflikte mit Beteiligung Russlands Auch die Vielzahl von Konflikten, an denen Russland beteiligt ist, macht eine Kategorisierung (wie schon bei den USA und der VR China) sinnvoll. Aufgrund der vielen Vorwürfe von anderen Ländern hinsichtlich der verdeckten Beteiligung Russlands und den dazu abgegebenen Dementis aus Russland selbst werden solche Beispiele hier allerdings nur kurz angerissen. Die Vielzahl zeigt aber auch, dass offensichtlich die Grenzen des Zumutbaren und des von der Gegenseite gerade noch Akzeptierten schrittweise ausgetestet werden, mit einer offenen Eskalation durch den Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Konflikte innerhalb Russlands Russland steht unter anderem in der Kritik für seinen Umgang mit Systemkritikern und der Opposition. Wie vergänglich selbst die Stellung eines Oligarchen sein kann, wenn die russische Regierung kritisiert und die Opposition unterstützt wird, zeigt der Fall von Michael Chordowski aus dem Jahr 2003: Der ehemals weltweit bekannte Ölmilliardär wurde wegen der ihm vorgeworfenen Steuerhinterziehung zu einer mehrjährigen Haftstrafe in Sibirien verurteilt und lebt heute nicht mehr in Russland. Auch die Vergiftung des regierungskritischen Alexei Nawalny Ende 2020 wurde der russischen Regierung vorgeworfen, von dieser jedoch bestritten. Nach seiner medizinischen Behandlung in Berlin kehrte Nawalny nach Russland zurück und wurde dort zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Februar 2024 wurde sein Tod mitgeteilt. <?page no="63"?> 3.5 Russische Föderation (Russland) 63 Gleiches gilt für die in Abschnitt 3.5.2 erwähnten Wahlmanipulationen, die durch Wahlbeobachtende der OSZE zwar immer wieder bestätigt, von russischer Seite aber bestritten wurden. Konflikte in der Region mit Beteiligung Russlands In der benachbarten Ukraine trat Russland bis Februar 2022 sowohl offen als auch mutmaßlich verdeckt auf (Deutsche Bundesregierung, 2021a):  Offen im Fall der militärischen Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014, die international nicht anerkannt und von der Bundesregierung als Bruch des Völkerrechts eingestuft wird. Diese Annexion hat bis heute Auswirkungen über die Frage des Völkerrechts hinaus, denn durch die Hoheit der Ukraine über den die Krim mit Wasser versorgenden Nord-Krim-Kanal und die nicht mehr vollumfänglich freie Durchfahrt der internationalen (auch militärischen) Schifffahrt durch das Asowsche Meer können jederzeit militärische Aktionen ausgelöst werden.  Verdeckt im Fall der Russland vorgeworfenen Unterstützung von prorussischen Separatisten in der Ost-Ukraine, die von Russland aber abgestritten wird. Ende 2021 wurde - aufgrund eines massiven Aufmarschs von russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine - eine Invasion der Ukraine durch Russland befürchtet. Diese Befürchtung hat sich mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, direkt im Anschluss an die Anerkennung der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk in der Ost-Ukraine Ende Februar 2022 bestätigt, der Krieg dauert mittlerweile seit drei Jahren an. Wie der Krieg letztendlich beendet wird, kann auch Anfang 2025 noch nicht abschließend abgeschätzt werden. Die im Februar begonnenen Gespräche zwischen Donald J. Trump kurz nach Antritt seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident und Wladimir Putin lassen allerdings befürchten, dass wirtschaftliche und (geo-)politische Interessen die Gespräche beherrschen werden. Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die Ordnung in Europa sowie die globale Ordnung sind bereits jetzt genauso zu befürchten wie eine veränderte Rolle der USA in Europa und voraussichtlich auch in der Welt. Bei allen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen dürfen die menschlichen Aspekte nicht vergessen werden: Wie in jedem Krieg führt der Angriff Russlands auf die Ukraine zu unzähligen Toten und Verletzten, zu Vertreibungen und zu Flucht - das erste Mal seit über 30 Jahren, nach dem Krieg im Süden Europas in Jugoslawien ab 1991 mit dort über <?page no="64"?> 64 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 200 000 Toten. Die in Unterkapitel 4.5 noch folgenden Aspekte zu Migration und Flucht gelten daher auch hier. Die Situation im Baltikum zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sowohl Russland, aber auch die NATO regelmäßige Manöver in der Region durchführen und angespannte Perioden immer häufiger werden. Der Krieg in direkter Nachbarschaft hat seit Februar 2022 zu einer Verstärkung der Truppen an der Ostgrenze der NATO geführt. Seit Ende 2021 wird Russland auch mit der Unterstützung der illegalen Migration von Weißrussland in die EU in Verbindung gebracht - als Reaktion auf die von der EU verhängten Sanktionen gegen Weißrussland im Zusammenhang mit der Verletzung von Menschenrechten und der erzwungenen Landung eines Flugzeugs im Jahr 2021, um einen systemkritischen Journalisten inhaftieren zu können. Darüber hinaus ist auch von Weißrussland aus der russische Einmarsch in die Ukraine erfolgt. Sowohl für die Entwicklungen im Baltikum als auch für eine sich zuspitzende Situation an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen wird auf Abschnitt 3.8.5 und dort auf den „Bündnisfall“ innerhalb der NATO verwiesen, der aus einem regionalen Konflikt in einen überregionalen Krieg führen kann. Die NATO und damit auch der Schutz Europas scheint für die USA unter Trump eine deutlich geringere Bedeutung zu haben als für alle anderen US-Präsidenten nach dem zweiten Weltkrieg. Konflikte weltweit mit Beteiligung Russlands In Syrien unterstützte Russland den ehemaligen syrischen Präsidenten Assad jahrelang offiziell und war wegen der Beteiligung an Militäreinsätzen und Angriffen zum Beispiel auf Schulen oder Krankenhäuser weltweit in der Kritik. Auch die „Wagner Group“, offiziell ein „Sicherheitsunternehmen“, wird als Söldnerarmee immer wieder mit Russland in Verbindung gebracht. Auch wenn die Bedeutung der Gruppe nachgelassen hat, tritt sie verdeckt in den unterschiedlichsten Ländern der Welt auch weiterhin auf. Bereits zu Beginn des Abschnitts wurde auf die Russland vorgeworfene Beeinflussung von Wahlen in anderen Staaten, beispielsweise der Präsidentschaftswahlen in den USA und der Bundestagswahlen in Deutschland, hingewiesen. Mittel zum Zweck sollen dabei der illegale Zugang zu offiziellen Kommunikationskanälen, die Verbreitung von falschen Informationen und Meinungsbeeinflussung durch millionenfache Beiträge von Robotern zugunsten etwa von Trump auf Facebook, Twitter, Instagram, YouTube gewesen sein. Vermehrt wird Russland auch mit Sabotageaktionen in Verbindung gebracht, wie der wiederholten Beschädigung von Versorgungsleitungen (unter anderem Stromkabel, und Datenleitungen) in der Ostsee. Die EU- <?page no="65"?> 3.5 Russische Föderation (Russland) 65 Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, diese Versuche seien "Teil eines Musters von absichtlichen und koordinierten Aktionen, um unsere Digital- und Energieinfrastruktur zu beschädigen" (Kallas, 2024). Auch auf den Umgang mit Systemkritikern und Oppositionellen wurde bereits unter „Konflikte innerhalb Russlands“ eingegangen. In diesem Zusammenhang wird Russland vorgeworfen (und von Russland dementiert), auch auf Hoheitsgebieten anderer Staaten tätig zu sein, wie bei dem sogenannten „Tiergartenmord“ in Berlin im August 2019. 3.5.6 „Nord Stream 2“ In Abschnitt 3.5.4 wurde bereits auf die Bedeutung der Rohstoffexporte für Russland hingewiesen. Von besonderer Bedeutung war dabei - bis zu deren Zerstörung die Gas-Pipeline „Nord Stream 2“ als zweiter Strang der Ostsee-Pipeline. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 hat nach jahrelangen Debatten und Kritik aus unterschiedlichsten Richtungen auch dazu geführt, dass das Genehmigungsverfahren für „Nord Stream 2“ von Deutschland eingefroren wurde. Auch wenn Kritiker der Pipeline wie die USA oder die EU diesen Schritt ausdrücklich begrüßt haben, wurde der Umgang mit der Pipeline in der Zukunft dadurch noch nicht abschließend entschieden. Auch die Rolle der Bundespolitik, der Regierung Mecklenburg-Vorpommerns sowie einzelner Politikerinnen und Politiker im Zusammenhang mit allen Entwicklungen rund um „Nord Stream 2“ sind weiterhin zu hinterfragen. Seit der Zerstörung von drei der vier Stränge der beiden Nord Stream Pipelines bleibt die Zukunft dieser Pipelines abzuwarten. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Russland sind unter anderem sich regelmäßig über die Entwicklungen in Russland und den Regionen mit Beziehungen / Konflikten zu Russland zu informieren und die eigene Strategie inklusive Standorten, Lieferketten und Importen / Exporten immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls neuen Entwicklungen anzupassen, - Embargovorgaben strikt einzuhalten (Meinung der Autoren), den Schutz der eigenen Beschäftigten sicherzustellen und vorhandene Risiken ständig zu überprüfen und zu diversifizieren, die Energieversorgung des eigenen Unternehmens zu angemessenen Preisen sicherzustellen. <?page no="66"?> 66 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 3.6 Europäische Union (EU) Es ist nicht Sinn und Zweck dieses Unterkapitels, die Europäische Union bis in das kleinste Detail oder deren Entstehung auf der Zeitachse vorzustellen. Vielmehr geht es um die wesentlichen Herausforderungen, vor denen die EU und ihre Mitgliedsländer stehen. Auf einige dieser Herausforderungen für die Europäische Union (EU) wird in anderen Kapiteln und Abschnitten eingegangen, zum Beispiel auf den Klimawandel oder auf Migration, aber auch auf Konflikte, die direkt oder indirekt Auswirkungen auf die EU insgesamt oder einzelne Länder der EU haben. 3.6.1 Die Europäische Union (EU) im (kurzen) Überblick Das Europäische Parlament beschreibt die Europäische Union sehr zutreffend wie folgt: „Die Europäische Union (EU) ist eine in der Welt einmalige Konstruktion: Sie ist ein Zusammenschluss demokratischer europäischer Staaten, die sich die Wahrung des Friedens und das Streben nach Wohlstand als oberstes Ziel gesetzt haben. Sie ist kein Staat, der an die Stelle bestehender Staaten tritt. Sie ist aber auch mehr als andere internationale Organisationen. Die Union ist ein bewegliches Gebilde, ihre Geschichte ist von Prozessen der Vertiefung und Erweiterung gekennzeichnet. Seit der Gründung der ersten europäischen Gemeinschaft 1951 haben sich Strukturen, Aufgaben und Mitgliederzahl kontinuierlich verändert.“ (Europäisches Parlament, n. d.) Folgende Abbildung 3.5 zeigt, dass  von den heute 27 Mitgliedsländern 20 mit dem Euro eine gemeinsame Währung haben,  in der EU rund 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger leben,  es in der EU 24 unterschiedliche (Amts-)Sprachen gibt. Abb. 3.6 gibt einen Überblick über die Organe der EU. Bereits hier werden die Komplexität der Europäischen Union und die vielfältigen Schnittstellen deutlich. <?page no="67"?> 3.6 Europäische Union (EU) 67 Abb. 3.5: Die Entwicklung der EU-Mitgliedsländer im Zeitverlauf bis 2023 (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2025a) Abb. 3.6: Die EU im Überblick (dpa Infografik GmbH, 2021) <?page no="68"?> 68 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 3.6.2 Wirtschaft der Europäischen Union (EU) Der EU-Binnenmarkt ist einer der größten gemeinsamen Wirtschaftsräume der Welt und steht für ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2023 von 16,9 Billionen Euro in den heute 27 Mitgliedsländern (EU27). 4,1 Billionen Euro davon entfallen auf Deutschland, Frankreich folgt auf Platz 2 mit 2,8 Billionen Euro (Eurostat, 2024a). Kurz zusammengefasst gibt folgende Tabelle 3.4 einen Überblick über  den Intra-EU- und Extra-EU-Handel, aus dem die Bedeutung des Handels zwischen den EU-Mitgliedsländern deutlich wird,  die wichtigsten Produktgruppen bei den Exporten und den Importen der EU, sowie  die wichtigsten Handelspartner nach Exporten und Importen der EU mit den USA, der VR China und Großbritannien als wichtigste Handelspartner außerhalb der EU (Extra-EU-Handel). für das Jahr 2023 sowie im Vergleich für das Jahr 2022. Tab. 3.4: Handel der EU ‒ 2023 im Vergleich zu 2022 (Eurostat, 2024b) <?page no="69"?> 3.6 Europäische Union (EU) 69 3.6.3 Wesentliche Herausforderungen für die Europäische Union In einer jährlichen Befragung der EU in ihren Mitgliedsländern wurden folgende Herausforderungen als die wesentlichen für die EU im Zeitverlauf bis Herbst 2024 genannt (Mehrfachnennungen waren zulässig): Tab. 3.5: Umfrage in der EU zu den wichtigsten Problemen für die Europäische Union 2014 bis Herbst 2024 (eigene Darstellung in Anlehnung an Europäische Kommission, 2024b) Die EU hat darüber hinaus seit Jahren mit einer wachsenden Unzufriedenheit der Mitgliedsländer und deren Bevölkerungen zu kämpfen. Aktuell wird sie unter anderem kritisiert für den noch immer fehlenden einheitlichen Umgang bei der Migration. Auch der Schutz der Grundwerte in der EU, etwa in Hinblick auf die Entwicklungen der Rechtsstaatlichkeit insbesondere in Ungarn führt zwischen den Mitgliedsländern zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten. Insgesamt wird die EU in den unterschiedlichsten Themen und Herausforderungen als überreguliert und zu bürokratisch wahrgenommen. Eine in sich geschlossene Einheit, die in der Globalisierung auch als Gegengewicht zu den USA, der VR China und Russland wichtig wäre, ist nicht ausreichend gegeben. Nationale Interessen sind einzelnen Mitgliedsländern zunehmend wichtiger als die EU als Ganzes, die Nähe Ungarns zu Russland ist hierfür nur ein Beispiel. Unabhängig davon sind für die EU folgende weitere Themen besonders relevant:  Wie sieht eine friedliche Zukunft in Europa aus, in der Russland aufgrund seiner Lage und seiner (geo-)politischen Ansprüche immer eine wesentliche Rolle spielen wird?  Wie geht die EU mit der Neupositionierung der USA unter Trump um, insbesondere was die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Beendi- <?page no="70"?> 70 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung gung des von Russland begonnenen Krieges mit der Ukraine betrifft?  Welche Chancen ergeben sich aus einer vertieften Zusammenarbeit mit anderen Regionen, wie beispielsweise mit dem Mercado Común del Sur („Gemeinsamer Markt des Südens“, MERCOSUR)?  Wie können die Wettbewerbsfähigkeit der EU in der Welt wieder verbessert und die Bürokratie in der EU abgebaut werden?  Welche langfristigen Auswirkungen hat der Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) auch auf internationale Unternehmen?  Welche langfristigen Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Ausrichtung globaler Lieferketten?  Wie positioniert sich die EU in den Streitigkeiten zwischen der VR China und den USA?  Wie stellt die EU die eigene Verteidigung gegebenenfalls auch ohne die USA sicher und welche Kosten sind damit verbunden? Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf die EU sind unter anderem die Entwicklungen innerhalb der EU und in der Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Auge zu behalten und im eigenen Handeln zu berücksichtigen, die Stärkung der EU als Handelsraum, ein geschlossenes und entschlossenes Auftreten der EU in der internationalen Staatengemeinschaft, der Umbau zu digitalen Unternehmen mit dem dazugehörigen Kompetenzumbau, die Verrentung der Babyboomer und der damit verbundene Wissensverlust. 3.7 Afrika Insgesamt betrachtet ist Afrika ein ausgesprochen heterogener Kontinent. Viele Länder Afrikas entwickeln sich gut und verzeichnen neben einer wachsenden Wirtschaft auch eine stabile Sicherheit. Andere Länder und Regionen leiden unter Mangel, Krankheiten und Konflikten. Die Folgen sind dort vor allem Instabilität, Kriege, unkontrollierte Migration, Menschenhandel und soziale Unruhen. Die wesentlichen Herausforderungen für den Kontinent Afrika beschreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent- <?page no="71"?> 3.7 Afrika 71 wicklung in dem „Strategiepapier Entwicklungspolitik 2030“ wie folgt: „Bevölkerungswachstum: Bis 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Armutsbekämpfung: 22 der 25 ärmsten Länder nach dem Human Development Index von UNDP liegen in Afrika. Hunger und Mangelernährung: Noch immer hungern mehr als 200 Millionen Menschen in Afrika. Fehlende Energieversorgung: 2/ 3 aller Afrikaner haben keinen Zugang zu Strom. Ressourcenschutz und Klimawandel: Bis zum Jahr 2050 wird mit bis zu 85 Millionen Klimaflüchtlingen in Afrika gerechnet. Bildung: Mehr als 20 % aller Kinder und mehr als ein Drittel aller Jugendlichen gehen nicht zur Schule. Berufliche Bildung und Beschäftigung: Jedes Jahr kommen 20 Millionen Jugendliche neu auf den Arbeitsmarkt. Korruptionsbekämpfung: Jedes Jahr fließen 50 Milliarden US-Dollar illegal aus Afrika ab.“ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2018, S. 11) Über diese Herausforderungen hinaus  wird noch in Unterkapitel 4.4 beschrieben, dass ein Großteil von Konflikten beziehungsweise Kriegen in Afrika stattfindet,  werden in Unterkapitel 4.5 die Chancen und Herausforderungen von Migration erläutert, und  zeigen die Unterkapitel 3.3 und 4.3, dass andere Länder wie etwa die VR China die Situation nutzen, um Abhängigkeiten zu schaffen beziehungsweise Land- und Water-Grabbing zu betreiben. Häufigstes Ziel sind dabei Ressourcen in Form von Rohstoffen in vielen afrikanischen Ländern. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Afrika sind unter anderem, herauszuarbeiten, inwieweit Afrika als Kontinent mit zahlreichen Entwicklungsländern und Krisengebieten ein Aufstieg gelingen und somit zu mehr Wohlstand kommen könnte. Denn nur durch mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätze wird die junge Bevölkerung im Land bleiben und sich nicht auf den Weg zum Beispiel nach Europa machen. <?page no="72"?> 72 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung 3.8 Weitere ausgewählte Länder Über die bislang beschriebenen Länder hinaus gibt es viele weitere Länder, deren Agieren für die Welt entscheidend ist beziehungsweise die die weiteren Entwicklungen in der Welt beeinflussen können. Im Folgenden wird beispielhaft auf die Türkei, den Iran, Nordkorea und Israel eingegangen. 3.8.1 Türkei Die Türkei ist ein Land, das einerseits mit der EU Beitrittsverhandlungen führt und Mitglied der NATO ist, andererseits aber mit Vorwürfen zu Menschenrechtsverletzungen gerade im Umgang mit Kritikern der Regierung und zu Korruption konfrontiert wird. Gleichzeitig hat die Türkei eine aktive Rolle bei einigen Konflikten vor Ort sowie in der Migrationspolitik gemeinsam mit der EU. Seit 1963 bestehen zwar vertragliche Beziehungen zwischen der EU und der Türkei, 1995 wurde eine Zollunion errichtet und im Jahr 2005 wurden Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union aufgenommen. Die Entwicklungen nach dem - auch von Deutschland verurteilten - Putschversuch gegen die türkische Regierung im Jahr 2016 sehen die EU und Deutschland allerdings mit Sorge. Dazu gehören die in der Türkei diskutierte hypothetische Wiedereinführung der Todesstrafe genauso wie die negativen Entwicklungen bei der Rechtsstaatlichkeit und bei der Achtung der Grundfreiheiten in der Türkei. Faktisch liegen die EU-Beitrittsverhandlungen derzeit auf Eis (Auswärtiges Amt, 2024d). Das türkische Außenministerium weist die Vorwürfe der EU als „unfaire Kritik“ und „grundlose Behauptungen“ immer wieder zurück. Seit 2016 gibt es die EU-Türkei-Erklärung, und die EU unterstützt die Türkei finanziell bei der Bewältigung von illegalen Flüchtlingsbewegungen in die EU. Dabei hat sich die Türkei auch zur Rücknahme von irregulär auf den griechischen Inseln ankommenden Migranten bereit erklärt und wird von der EU bei einem verstärkten Vorgehen gegen Schleuser unterstützt (Deutsche Bundesregierung, 2021b). In den letzten Jahren hat sich auch die Beteiligung der Türkei an Konflikten in der Region deutlich intensiviert. Sei es im türkisch-griechisch-zypriotischen Gasstreit, bei dem Bürgerkrieg in Libyen, dem Vorgehen gegen Kurden in Syrien und im Irak oder dem Konflikt im Kaukasus an der Seite Aserbaidschans im Kampf gegen Armenien. Von besonderer Bedeutung ist dabei die NATO-Mitgliedschaft der Türkei. Im Zusammenhang mit Luftangriffen Syriens und getöteten türkischen Soldaten hatte die Türkei im Jahr 2020 eine Unterstützung der NATO eingefordert und <?page no="73"?> 3.8 Weitere ausgewählte Länder 73 gleichzeitig damit gedroht, ihre Grenzen für Flüchtlinge in Richtung der EU zu öffnen. Durch die Unterstützung des syrischen Regimes durch Russland gewann der Konflikt so eine weltweite Dimension. Der „NATO- Bündnisfall“ wird noch näher erläutert. Nicht zuletzt leben Millionen von türkischstämmigen Menschen in Europa und in Deutschland, die sehr enge und meist auch familiäre Beziehungen in die Türkei haben und durch die Politik in der Türkei sowie durch die Kommunikation der türkischen Regierung beeinflusst werden. 3.8.2 Nordkorea Nordkorea ist heute weitestgehend isoliert in der Welt, erhält aber Unterstützung vor allem durch die wichtigsten Handelspartner VR China und Russland. Umgekehrt unterstützt Nordkorea Russland in dem von Russland begonnenen Krieg gegen die Ukraine mit Waffen und Soldaten. Die wenigen Informationen aus dem kommunistischen Nordkorea beschäftigen sich mit der Armut der Bevölkerung bis hin zu Lebensmittelknappheit / Hungersnöten sowie mit vielfältigen und regelmäßigen Berichten über Waffentests. Insbesondere diese Waffentests, mit dem Ziel auch von nuklearen Langstreckenraketen, sind Grund zur Besorgnis in der Welt, insbesondere in den von Nordkorea immer wieder bedrohten USA und dem direkten Nachbarn auf der koreanischen Halbinsel Südkorea. Ob diese Waffen tatsächlich einmal einsatzbereit sein werden und dann auch von Nordkorea tatsächlich eingesetzt werden, kann heute nicht abschließend beurteilt werden. Allerdings bieten die Drohungen, in Kombination mit den in Nordkorea handelnden Personen, durchaus Grund zur Besorgnis - nicht nur für die USA und Südkorea, sondern für die ganze Welt. Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, der EU und einzelner Länder für Importe und Exporte sind intensiv im Einsatz und einer der Gründe für Versorgungsengpässe in Nordkorea. Aber auch ein Eingreifen der USA vor der Einsatzbereitschaft dieser Waffen ist ein denkbares Szenario, mit nicht absehbaren Reaktionen aus Russland und der VR China. 3.8.3 Iran Wie bei Nordkorea steht auch beim Iran das militärische Konfliktpotenzial im Vordergrund, hier die Spannungen rund um die Urananreicherungsanlagen und die befürchtete Entwicklung von kernwaffenfähigem Plutonium. Besonders bedroht ist hier neben den USA auch Israel. Mit dem Wiener Nuklearabkommen aus den Jahr 2015 wurde der Grundstein gelegt, das Atomprogramm des Iran zu kontrollieren und im Gegenzug Sanktionen zu lockern. Die Vertragsparteien und hier ins- <?page no="74"?> 74 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung besondere die USA und der Iran warfen der Gegenseite allerdings schnell vor, sich nicht an den Vertrag zu halten. Dem Iran wurden Behinderungen von Kontrollen und fehlende Transparenz vorgeworfen, der Iran warf wiederum der Gegenseite vor, Sanktionen nicht ausreichend aufzuheben. Unter Donald J. Trump sind die USA im Jahr 2018 aus dem Vertrag ausgeschieden und auch unter Joseph Biden nicht in den Vertrag zurückgekehrt. Seit 2019 hat der Iran seine Verpflichtungen schrittweise ausgesetzt. Deutschland, Frankreich und Großbritannien versuchen, in der Situation zu vermitteln, und haben mittlerweile den im Vertrag vorgesehenen Streitschlichtungsmechanismus in Gang gesetzt (Auswärtiges Amt, 2024e). Die Möglichkeit, dass der Iran zukünftig über kernwaffenfähiges Plutonium verfügen könnte, in Kombination mit dem iranischen Regime, sind Grund zur Besorgnis - nicht nur für die USA und Israel, sondern für die ganze Welt. Auch hier ist ein militärisches Eingreifen der USA oder auch Israels vor der Einsatzbereitschaft dieser Waffen denkbar, mit nicht abschätzbaren Reaktionen aus anderen islamischen Ländern und aus Russland. 3.8.4 Israel und Palästina Mit Israel und Palästina steht eine weitere Region mit erheblichem Konfliktpotenzial im Fokus. Neben territorialen Streitigkeiten stehen sich hier auch der Islam und das Judentum als Religionen gegenüber. Dabei geht es nicht nur um Konflikte bis hin zu diversen militärischen Aktionen in der Region Palästina selbst (Israel, Gazastreifen, Westjordanland, Teile Syriens, des Libanon und Jordaniens) - sei es durch Angriffe auf den Staat Israel, sei es durch von Israel selbst ausgehende militärische Aktionen. Vielmehr geht der Konflikt deutlich über die Region hinaus. Als Beispiel seien die zuvor erläuterte auch nukleare Bedrohung Israels durch den Iran sowie die Unterstützung Israels gerade durch die Militärmacht USA genannt, um das Ausmaß der weltweiten Sorgen greifbar zu machen. Am 7. Oktober 2023 ist der Nah-Ost-Konflikt erneut eskaliert, mit dem Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel und der militärischen Reaktion Israels darauf. Friedenspläne oder Nahostinitiativen bieten immer wieder Grund zur Hoffnung. Letztendlich waren aber alle bisherigen Initiativen nicht von Dauer und wurden selten von allen Beteiligten akzeptiert. Nicht unerwähnt soll im wirtschaftlichen Bereich die Innovationskraft Israels bleiben. Im „Global Innovation Index“ belegt Israel 2024 den 15. Platz weltweit (WIPO et al., 2024a). <?page no="75"?> 3.8 Weitere ausgewählte Länder 75 Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf weitere ausgewählte Länder sind unter anderem sich regelmäßig über die Entwicklungen in den Regionen mit Strahlkraft auf das eigene Unternehmen zu informieren, die eigene Strategie bei Standorten, Lieferketten und Exporten immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls neuen Entwicklungen anzupassen, die strikte Einhaltung von Embargovorgaben und der Schutz der Beschäftigten, sofern diese in gefährdeten Ländern/ Regionen arbeiten. 3.8.5 Exkurs: North Atlantic Treaty Organisation (NATO), der „Bündnisfall“ An einigen Stellen dieses Buchs werden unterschiedliche Konflikte beschrieben, die die Welt an den Rand von Kriegen beziehungsweise in Kriege führen können. Viele dieser Konflikte scheinen ausschließlich regionale Ausmaße zu haben. Mit einem Blick auf die NATO - hier vor allem auf die der NATO angehörenden Länder und den „Bündnisfall“ - wird aber deutlich, dass sich regionale Konflikte schnell zu weltweiten Kriegen ausweiten können. Heute gehören der NATO folgende Länder an: Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Montenegro, die Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, die Türkei, Ungarn, Großbritannien und die USA. Kernaufgaben der NATO sind eine kollektive Verteidigung, ein Krisenmanagement und kooperative Sicherheit. Dabei steht bei der „kollektiven Verteidigung“ zwar die Abschreckung im Vordergrund, nach dem Terroranschlag in den USA vom 11. September 2001 wurde ein Bündnisfall allerdings ausgerufen (Auswärtiges Amt, 2024f). Im Nordatlantikvertrag von 1949 (zuletzt aktualisiert im Jahr 2019) wird in Artikel 5 der Bündnisfall wie folgt definiert: „Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen wer- <?page no="76"?> 76 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung den, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.“ (Nordatlantikvertrag, 1949, Artikel 5) Ähnliche Konstellationen würden eintreten, wenn sich beispielsweise die Situation zwischen den baltischen Staaten und / oder Polen und Russland oder Weißrussland zuspitzen würde. Ein „Bündnisfall“ gilt jedoch nicht für den Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022, da die Ukraine zwar eine NATO-Mitgliedschaft angestrebt hatte, jedoch kein NATO-Mitgliedsland geworden ist. Diese Situation führte auch zu dem Beitritt von Finnland und Schweden, die dem Bündnis vorher nicht angehörten. Insgesamt sieht Russland den Beitritt Finnlands und Schwedens als Fortsetzung der NATO-Osterweiterung zulasten der eigenen Sicherheit. Wie sich die NATO unter Donald J. Trump während seiner zweiten Präsidentschaft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Bereits während seiner ersten Präsidentschaft äußerte Trump deutliche Kritik an einigen anderen Mitgliedsländern und hier insbesondere an den nicht ausreichenden Militärausgaben zur Stärkung der NATO. Zu Beginn seiner zweiten Präsidentschaft kommt diese Kritik erneut, kombiniert mit höheren Forderungen zu den Militärausgaben und dem angedrohten, mindestens teilweisen Rückzug der USA aus Europa. Ergänzt wird diese Kritik mit Gebietsansprüchen der USA gegenüber Grönland, bei denen Trump auch von einer Annexion Grönlands spricht. Grönland ist ein weitestgehend autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark, mit einer eigenen Regierung und einem eigenen Parlament. Neben dem eigenen Wunsch der Grönländer, unabhängig zu sein, ist Dänemark wie die USA Mitglied der NATO. All das wirft Fragen auf, wie sich die USA in einem NATO-Bündnisfall tatsächlich verhalten würden und stärkt die Notwendigkeit einer abgestimmten und ausgebauten militärischen Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer beziehungsweise aller europäischen Länder. Zusammenfassung Durch die Corona-Pandemie wurde deutlich, dass weltweite Lieferketten mit dem überwiegenden Ziel der Kostenoptimierung zu noch mehr Verletzlichkeit im weltweiten Handel geführt haben. Weltweit geriet der Verkehr von Waren und Menschen aus den Fugen, in einigen Medien wurde bereits vom Ende der Globalisierung gesprochen. <?page no="77"?> Zusammenfassung 77 In der jüngeren Vergangenheit gab es allerdings viele weitere Ereignisse, die in Kapitel 3 beschrieben wurden, wie etwa die zweimalige Präsidentschaft Donald J. Trumps und seiner Leitmaxime auch in der Handelspolitik „America First“ oder die expansive Ausrichtung der Handels- und Außenpolitik der VR China, die zu gravierenden Veränderungen in der weltweiten Zusammenarbeit geführt haben und im Zusammenhang mit der Neuen Chinesischen Seidenstraße in den nächsten Jahren führen werden. Auch die weltweiten Konflikte, in die vielfach auch die USA, die VR China oder Russland involviert sind, führen zu Veränderungen und Anpassungsnotwendigkeiten in der internationalen Zusammenarbeit auch für Unternehmen. Gerade der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 hat durch die räumliche Nähe zu NATO-Mitgliedsstaaten das „Potenzial“, sich zu einem weltweiten Konflikt auszuweiten. Einige dieser Veränderungen scheinen aus heutiger Sicht dauerhaft zu sein, andere könnten nur temporärer Natur sein. In jedem Fall haben alle diese Veränderungen Auswirkungen auf die weltweite Zusammenarbeit, auf die Globalisierung. Von wesentlicher Bedeutung für die westliche Welt ist die (Neu-)Positionierung der USA während der zweiten Präsidentschaft von Donald J. Trump. Seine ersten Handlungen lassen befürchten, dass die von den USA geprägte Ordnung nach dem zweiten Weltkrieg der Vergangenheit angehören könnte - mindestens bis zum Ende seiner Präsidentschaft. Dabei von einem „Ende der Globalisierung“ zu sprechen, ist trotzdem überzogen, deutliche „Dellen in der Globalisierung“ sind aber durchaus bereits heute vorhanden. Übung 3.1 Warum ist das BIP als Wachstumsindikator nur begrenzt aussagefähig? Übung 3.2 Welche ähnlichen Kennzahlen neben dem BIP kennen Sie? Übung 3.3 Definieren Sie den Begriff „Außenhandelsdefizit“. Übung 3.4 Was wird unter einem „außenwirtschaftlichen Gleichgewicht“ verstanden? <?page no="78"?> 78 3 „Wer regiert die Welt“ - Globalisierung und De-Globalisierung Übung 3.5 Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile der Neuen Chinesischen Seidenstraße. Übung 3.6 Recherchieren Sie die wichtigsten Handelsabkommen der EU. Übung 3.7 Definieren Sie die Aufgaben der NATO. <?page no="79"?> 4 Aktuelle Herausforderungen - von Korruption über Klimawandel bis hin zu Migration Nach Bearbeitung dieses Kapitels haben Sie einen Überblick über die wesentlichen aktuellen und weltweiten Herausforderungen für Staatengemeinschaften, einzelne Staaten, Unternehmen und einzelne Individuen - und damit auch für das in einem internationalen Umfeld agierende Management, kennen Sie die Eckpunkte von Korruption, Menschenrechten und Menschenrechtsverletzungen, von Klimawandel, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR), von internationalen Konflikten, Migration und Extremismus / Terrorismus, die für international agierende Unternehmen und damit im internationalen Management große Bedeutung haben. Während in Kapitel 3 vorrangig die Entwicklungen einzelner Länder beziehungsweise einzelner Regionen der Welt im Vordergrund standen, geht es in dem ersten Teil dieses Kapitels um ausgewählte weltweite Herausforderungen auch für Unternehmen und deren Management im Allgemeinen - wie Klimawandel, Menschenrechte / Menschenrechtsverletzungen, weltweite Konflikte, Migration, Extremismus / Terrorismus oder auch Korruption. Auch der Umgang mit einigen dieser Herausforderungen, beispielsweise durch  eine deutliche Fokussierung auf eine weltweit nachhaltige Entwicklung,  die Corporate Social Responsibility (CSR) sowie  das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wird im zweiten Teil dieses Kapitels tiefergehend betrachtet. 4.1 Klimawandel Begriffe wie „Erderwärmung“, „Treibhauseffekt“ oder „menschenverursachter Klimawandel“ sind in aller Munde. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), auch Weltklimarat genannt, berichtet regelmäßig in seinen Sachstandsberichten über die Veränderungen des Klimas, über wesentliche Ursachen und über Lösungsansätze. Das IPCC definiert Klimawandel dabei wie folgt: <?page no="80"?> 80 4 Aktuelle Herausforderungen „Klimawandel liegt dann vor, wenn sich die Durchschnittswerte und die Schwankungsbreite von Temperatur, Niederschlag und Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern.“ (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, 2025) Demgegenüber erfüllt „Wetter“ diese Attribute nicht. Ein kälterer Winter ist daher auch kein Nachweis, dass es keinen menschenverursachten Klimawandel gibt. 4.1.1 Entwicklung des Weltklimas In den vergangenen Jahrzehnten ist ein deutlicher Anstieg der globalen Lufttemperatur zu verzeichnen. Dieser Anstieg korrespondiert von seiner zeitlichen Einordnung und von seinen Dimensionen her mit der fortschreitenden Industrialisierung in der Welt. Abb. 4.1 zeigt den Anstieg der weltweiten Lufttemperatur im Vergleich zum Durchschnitt aus den Jahren 1850 bis 1900. Abb. 4.1: Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900 (Umweltbundesamt, 2024) Wesentlicher Treiber für die Erderwärmung ist die jährliche Nettozunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre, umgangssprachlich auch „Treibhauseffekt“ genannt. Das heißt, die von Menschen verursachten CO 2 -Emissionen sind um ein Vielfaches höher als die auf natürlichem Weg stattfindende Reduzierung an Land und in den Ozeanen (Wittpahl, 2020, S. 34 ff.). <?page no="81"?> 4.1 Klimawandel 81 Abb. 4.2 zeigt den Anteil der CO 2 -Emissionen nach Ländern im Jahr 2023 und auch die Entwicklung im Vergleich zu dem Stand im Jahr 1990. Auffällig ist dabei nicht nur der aktuelle Anteil der VR China und der USA, sondern auch der drastische Anstieg in der VR China und in Indien in den drei Jahrzehnten. Für Deutschland sieht man - gegenüber dem weltweiten Trend - einen deutlichen Rückgang der CO 2 -Emissionen, was auch auf die Bemühungen im Bereich der erneuerbaren Energien zurückzuführen ist. Abb. 4.2: Anteil der CO 2 -Emissionen nach Ländern im Vergleich 2023 zu 1990 (Global Carbon Project, 2024) <?page no="82"?> 82 4 Aktuelle Herausforderungen Dass die Folgen der Erderwärmung vielschichtig sind - von zunehmenden Extremwetterereignissen (beispielsweise Hochwasser, Stürme) bis hin zum endgültigen Verlust von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, zeigt Abb. 4.3. Abb. 4.3: Gegenüberstellung ausgewählter Klimafolgen bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur (Wittpahl, 2020, S. 59) Von besonderer Bedeutung sind die sogenannten „Kipppunkte“. Diese bezeichnen Entwicklungen, die sich danach nicht mehr stoppen oder umkehren lassen und die die Anpassungsmöglichkeiten der menschlichen Gesellschaft übersteigen könnten. Beispielhaft seien hier eine Austrock- <?page no="83"?> 4.1 Klimawandel 83 nung des Amazonas-Regenwaldes, das Auftauen des Permafrostbodens unter Freisetzung von Methan und Kohlendioxid sowie das Abschmelzen der Gletscher weltweit genannt (Wittpahl, 2020, S. 63). Letztendlich ist entscheidend, den Klimawandel zu stoppen beziehungsweise diesen zu verlangsamen. Dabei kommt es auf die Verantwortung ganzer Nationen genauso an wie auf die Verantwortung von Unternehmen und die jedes einzelnen Menschen. Während auf die Verantwortung ganzer Nationen genauso weiter eingegangen wird (vgl. Abschnitt 4.1.2) wie auf die von Unternehmen (vgl. Unterkapitel 4.8), geht es bei einzelnen Menschen vor allem um den verantwortungsbewussten Umgang mit Gütern und Energie in allen Bereichen des Lebens. 4.1.2 Pariser Klimaabkommen und folgende UN-Klimakonferenzen Ausgehend von der 1994 in Kraft getretenen UN-Klimakonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) wurde im Dezember 2015 auf der 21. UN-Klimakonferenz in Paris (21 th Conference of the Parties, COP21) die erste umfassende und rechtsverbindliche weltweite Klimaschutzvereinbarung von rund 190 Vertragsparteien unterzeichnet, das „Pariser Klimaabkommen“. Das Pariser Klimaabkommen gibt einen globalen Rahmen zur Bekämpfung des Klimawandels vor und definiert die folgenden, für die Vertragsparteien völkerrechtlich verbindlichen Ziele: „Mit dem Pariser Abkommen verpflichten sich alle Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer darauf, einen angemessenen Beitrag zum internationalen Klimaschutz zu leisten. Die Erderwärmung soll - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter - auf deutlich unter 2 Grad Celsius, idealerweise auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Die Fähigkeit der Anpassung an den Klimawandel soll, insbesondere im Hinblick auf Nahrungsmittelerzeugung, verbessert werden. Globale Finanzflüsse sollen so gestaltet werden, dass das Klima geschützt wird und die Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels steigt. Ärmere Länder werden finanziell, mit Wissen und mittels Technologie dabei unterstützt, ihre Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.“ (Deutsche Bundesregierung, 2025) Wesentliche Voraussetzung für eine Zielerreichung waren und sind umfassende nationale Aktionspläne der einzelnen Länder für die Reduzierung ihrer Emissionen und eine gemeinsame Bewertung der Fortschritte alle fünf Jahre (aktuell alle drei Jahre). Darüber hinaus wurde die besondere Rolle der Städte, Regionen und lokalen Behörden bei der Bekämp- <?page no="84"?> 84 4 Aktuelle Herausforderungen fung des Klimawandels hervorgehoben. Industrieländer sollten bis 2025 zusammen 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr zur Verfügung stellen, auch für die Unterstützung von Entwicklungsländern. Seitdem folgten jährliche weitere Klimakonferenzen, die auf den Ergebnissen der COP21 in Paris aufbauten. Gerade der VR China und Indien wird immer wieder vorgeworfen, sich Wettbewerbsvorteile gegenüber Ländern zu verschaffen, die beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen konsequenter vorgehen. Umgekehrt ist die VR China heute Vorreiter bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien und den dazugehörigen Industriezweigen. Von Entwicklungsländern wird beispielsweise trotz einzelner Fortschritte kritisiert, dass von Industrieländern zu wenig Hilfe für bereits entstandene Umweltschäden zugesagt beziehungsweise tatsächlich bereitgestellt wurden. Die USA waren im Jahr 2017 unter ihrem damaligen 45. Präsidenten Trump von dem Abkommen zurückgetreten, im Jahr 2021 unter dem 46. Präsidenten Joseph Biden wieder beigetreten und im Jahr 2025 erneut unter Trump als nunmehr 47. Präsidenten zurückgetreten. Mit diesem Ausstieg der USA und der deutlichen Priorisierung von fossilen Brennstoffen durch Trump gegenüber erneuerbaren Energien droht der aus der Abb. 4.2 erkennbare Rückgang der CO 2 -Emissionen in den USA zu einem temporären Effekt zu werden. Während die an den Klimakonferenzen teilnehmenden Länder nahezu alle Konferenzen als (großen) Erfolg bezeichnen, sind Umweltbewegungen wie „Fridays for Future“ oder „Greenpeace“ in Hinblick auf die gesetzten Ziele deutlich kritischer und bezeichnen diese genauso als ambitionslos wie das zwischenzeitlich Erreichte. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben ihr ursprüngliches Zwischenziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent netto im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, auf 55 Prozent angehoben (Rat der Europäischen Union, 2025b). Deutschland hat in seinem „Klimaschutzplan 2050“ insbesondere dieses 2030er-EU-Zwischenziel mit mindestens 55 Prozent Minderung der Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 1990 festgeschrieben und auch Ziele für unterschiedliche Sektoren definiert (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, BMWK, 2025b). Es ist davon auszugehen, dass die im Jahr 2025 neu gewählte Bundesregierung die Forcierung einer (klimafreundlichen) Selbstversorgung über erneuerbare Energien fortsetzen, dabei aber angemessene Energiepreise im internationalen Vergleich anstreben wird, um die deutsche Wirtschaft in diesem Teilbereich wieder wettbewerbsfähiger aufzustellen. <?page no="85"?> 4.2 Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen 85 Es ist auch davon auszugehen, dass der Umgang mit anderen Energieträgern wie beispielsweise eine Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken überprüft werden wird. Ein Wiedereinstieg in die Atomkraft wird jedoch als zu teuer und zu zukunftsfern bezeichnet. Der folgende Erklärfilm zum Deutschen Klimaschutzplan 2050 erläutert dessen Entstehung sowie den Entstehungsprozess von 97 gemeinsam von Bundesländern, Kommunen, Verbänden sowie Bürgerinnen, Bürgern und dem Bundesministerium vorgelegten Maßnahmen. https: / / www.youtube.com/ watch? v=WkNm5ZFzPhM (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, 2016) Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf den Klimawandel sind unter anderem eine ganzheitliche, ethische, ökologische und nachhaltige Unternehmensführung (auf die wir im Unterkapitel 4.8 zurückkommen werden). die zwingende Berücksichtigung der nationalen und internationalen Vorgaben bei der mittelbis langfristigen Ausrichtung des eigenen Unternehmens sowie eine fristgerechte Umsetzung dieser Vorgaben. „Garantiert lange haltbar“ - auch ein jeweils klein erscheinender Beitrag zählt. 4.2 Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen Menschenrechte werden nicht nur sehr unterschiedlich definiert, sondern auch sehr unterschiedlich interpretiert. Maßgeblich ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, die 1948 durch die Vereinten Nationen beschlossen wurde (Resolution 217 A, III) und die den größtmöglichen Schutz aller Menschen auf der Welt gewährleisten soll. Dort werden Menschenrechte wie folgt definiert: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“ (Vereinte Nationen, 1948, Artikel 1) Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ mit ihren 30 Artikeln stellt das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal dar und verpflichtet diese zu deren Einhaltung. In den 30 Artikeln werden bürgerliche und politische Freiheits- und Beteiligungsrechte genannt, unter anderem das Recht auf Leben, das Verbot der Folter, die Religions-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit oder die Gleichheit vor <?page no="86"?> 86 4 Aktuelle Herausforderungen dem Gesetz. Ebenso gibt es dort wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte, beispielsweise das Recht auf Arbeit, Wohnen, Gesundheit oder Bildung (Vereinte Nationen, 1948). Im Jahr 2010 wurde auch das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung als Menschenrecht anerkannt, weil weltweit Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Ende 2021 folgte das Recht auf eine saubere Umwelt. In der EU konzentriert sich die Einhaltung der Menschenrechte nicht nur auf den Schutz der Grundrechte der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, sondern auch auf die Förderung der Menschenrechte weltweit. Menschenrechtsverletzungen sind - trotz der oben vorgestellten „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ - immer noch an der Tagesordnung und haben laut OXFAM, Amnesty International und anderen in den letzten Jahren eher noch zugenommen. Als wesentliche Verletzungen der Menschenrechte führt OXFAM beispielsweise in den Lieferketten und damit auch in der Verantwortung deutscher Unternehmen auf (OXFAM Deutschland, 2025):  Mangelnde Sicherheitsstandards / mangelnder Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz,  Kinderarbeit,  Verhaftungen und Entlassungen von Gewerkschaftsmitgliedern,  Löhne unterhalb des Existenzminimums und weitere Arbeitsrechtsverletzungen zum Beispiel bei der Herstellung von Kleidung,  Folter,  Landgrabbing inklusive Zwangsumsiedlungen,  Einsatz von Pestiziden und anderen Giften inklusive Verschmutzung unter anderem von Gewässern,  Diskriminierung von und Gewalt gegen Frauen,  gewaltsame Niederschlagung von Protesten,  Finanzierung von Bürgerkriegen durch den Verkauf von Rohstoffen auch an deutsche Unternehmen,  Einschränkungen / Behinderungen in der (freien) Pressearbeit und vieles mehr. Einer nachhaltigen Entwicklung, der Corporate Social Responsibilty (CSR) und dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wird für die weitere Entwicklung gerade in Deutschland eine wesentliche Bedeutung zugeordnet (vgl. Unterkapitel 4.8). <?page no="87"?> 4.3 Land Grabbing: Der Kampf um Land und Ressourcen 87 Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Menschenrechte sind unter anderem die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben im eigenen Unternehmen und den eigenen Lieferketten, faire Löhne, Sicherheit am Arbeitsplatz, Gesundheitsversorgung, Gleichstellung, Diversity, Sicherstellung der Kinderbetreuung. 4.3 Land Grabbing: Der Kampf um Land und Ressourcen Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung definiert Land Grabbing, auch „Landraub“ oder „Landnahme“ genannt, wie folgt: „Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern sichern sich internationale, aber auch einheimische Investoren mittels langfristiger Kauf- oder Pachtverträge große Ländereien. Dies geschieht meist, um dort Nahrungsmittel oder Energiepflanzen vor allem für den Export anzubauen. In Erwartung steigender Agrar- und Bodenpreise wird Land aber auch zunehmend zu einem Spekulationsobjekt für Anleger.“ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2012, S. 5) Dabei war schon 2012 festzustellen, dass diese Transaktionen erhebliche Nachteile für die ortsansässige Bevölkerung mit sich bringen: „ Sie gehen teilweise mit Vertreibungen einher, belasten die Umwelt und gefährden die lokale und nationale Ernährungssicherheit“ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2012, S. 5). Die meisten Landnahmen finden in Schwellen- und Entwicklungsländern mit schwächeren Institutionen, schlechter Regierungsführung und hoher Korruption statt, zuletzt aber auch in Ost- und Westeuropa und durchaus auch in Deutschland. Große Agrarflächen, die für die Welternährung relevant sind, sind auch weiterhin die häufigste Form des Land Grabbing. Mittlerweile geht es aber immer mehr auch um Rohstoffe, über die der Landnehmende nicht oder nicht ausreichend verfügt. Vermehrt werden Flächen auch vollständig umgewidmet, um beispielsweise Ferienanlagen für den Tourismus zu errichten. Ein zunehmendes Phänomen ist die Variante „Water Grabbing“, wobei es um die knapper werdende Ressource Wasser geht. Die Landnahme findet durch langfristige Pachtverträge zu niedrigen Konditionen, endgültigen Erwerb, aber auch durch Kriege statt. Auch die Forcierung von Abhängigkeiten durch Vergabe von Krediten des Landneh- <?page no="88"?> 88 4 Aktuelle Herausforderungen menden an das Zielland, gerade in dortigen Notlagen oder durch Direktinvestitionen, gehören dazu. Akteure sind im innerstaatlichen Bereich einflussreiche Personen (Eliten) und lokale Unternehmen, international sind es internationale Unternehmen, aber auch andere Staaten. - Als innerstaatliches Beispiel sei die Rodung des brasilianischen Regenwaldes für die Nutzholzgewinnung sowie die Brandrodung von Regenwaldflächen für die Nutzung als Soja-Anbauflächen oder für die Zucht von Rindern genannt, bei der die Rechte und Bedürfnisse der indigenen Bevölkerung missachtet werden. Beides geschieht durch einheimische Unternehmen mit Wissen und Billigung der brasilianischen Regierung. - Als internationales Beispiel seien die Landkäufe und Direktinvestitionen in Unternehmen in diversen afrikanischen Ländern durch die VR China sowie der Einmarsch Russlands in der für die weltweite Versorgung mit Weizen wichtigen Ukraine (die auch über erhebliche Rohstoffvorkommen verfügt) genannt. Aber auch die geopolitischen Aussagen Donald J. Trumps Anfang 2025 zu Kanada, Grönland, dem Panamakanal oder dem Gaza-Streifen weisen die Merkmale von Land Grabbing auf. Auf weltweite Konflikte, zu deren Gründen auch die Gewinnung von Ressourcen zählt, wird im folgenden Unterkapitel 4.4 eingegangen. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Land Grabbing und Water Grabbing sind unter anderem eine ganzheitliche, ethische, ökologische und nachhaltige Unternehmensführung, der Verzicht auf Ressourcenausbeutung, und ein fairer Umgang mit Boden und Wasser. 4.4 Weltweite Konflikte: Krisen und Kriege Weltweit gibt es unzählige Konflikte zwischen Staaten wie auch innerhalb einzelner Staaten. Während Konflikte mit Meinungsverschiedenheiten beginnen, bedeuten Kriege die Anwendung massiver physischer Gewalt zwischen mindestens zwei Staaten oder mindestens zwei ethnischen/ sozialen Gruppen innerhalb eines Staates. Dabei geht es immer darum, die eigenen Interessen durchzusetzen. <?page no="89"?> 4.4 Weltweite Konflikte: Krisen und Kriege 89 Die Gründe für Konflikte und Kriege sind nach dem Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung vielfältig: Ideologie/ System: Veränderung der ideologischen, religiösen, sozio-ökonomischen oder rechtlichen Ausrichtung des politischen Systems oder Änderung des Regimetyps. Nationale Macht: Herrschaftsgewalt in einem Staat. Autonomie: Erlangung oder Ausweitung der politischen Selbstbestimmung einer Bevölkerung in einem Staat oder eines abhängigen Gebiets ohne Unabhängigkeitsbestrebungen. Sezession: Trennung eines Teils eines Staatsgebiets mit dem Ziel der Errichtung eines neuen Staates oder des Anschlusses an einen bestehenden Staat. Dekolonisierung: Unabhängigkeit eines abhängigen Gebiets. Subnationale Vorherrschaft: De-facto-Kontrolle einer Regierung, einer nicht-staatlichen Organisation oder einer Bevölkerung über ein Gebiet oder eine Bevölkerung. Ressourcen: Besitz natürlicher Ressourcen oder Rohstoffe beziehungsweise der hieraus erzielte Profit. Territorium: Veränderung des Verlaufs einer zwischenstaatlichen Grenze. Internationale Macht: Veränderung der Machtkonstellation im internationalen System oder in einem seiner Regionalsysteme u. a. (Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung, HIIK, 2025) Die Anzahl von Konflikten und Kriegen lag im Jahr 2023 bei 369, davon 252 innerhalb eines Landes. Ein Schwerpunkt lag wie in den Vorjahren in Ländern von Subsahara-Afrika (49 der 54 afrikanischen Staaten, die südlich der Sahara liegen) (Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung, 2024). Abb. 4.4 zeigt den umgekehrten Blick auf den weltweiten Friedensindex, mit letztendlich gleicher Ausprägung. Auf Konflikte und Kriege in besonders relevanten Ländern wurde bereits in Kapitel 2 vertieft eingegangen. Dort werden auch Beispiele für zunehmend „hybrid geführte Kriege“ gegeben, bei denen Angreifende herkömmliche Militäreinsätze mit Computerangriffen, wirtschaftlichem Druck, Sabotage an Versorgungsleitungen aber auch Propaganda beispielsweise in sozialen Netzwerken kombinieren. Kriege sind ein Grund für Migration, auf die in Unterkapitel 4.5 eingegangen wird. <?page no="90"?> 90 4 Aktuelle Herausforderungen Abb. 4.4: Globaler Friedensindex 2023 (Institute for Economics and Peace, IEP, 2025) Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Krisen und Kriege sind unter anderem ein Notfallmanagement zur Bewältigung von bevorstehenden Krisen und Kriegen, der Aufbau von globalen, funktionsfähigen Handelsbeziehungen und Lieferketten und deren regelmäßige Überprüfung, eine Risikostreuung und -absicherung der bestmögliche Schutz der Beschäftigten. 4.5 Migration - Chancen und Herausforderungen oder: Wie gelingt Zuwanderung? Die UNO-Flüchtlingshilfe Deutschland nennt Kriege und Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, Hunger sowie Klima und Umwelt - und damit die Inhalte der vorherigen Abschnitte - als Gründe, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen (UNO-Flüchtlingshilfe Deutschland, 2025a). Mit 122,6 Millionen Flüchtlingen (in andere Länder sowie Binnenflüchtlinge beispielsweise innerhalb der Ukraine) wurde Mitte 2024 ein Höchststand erreicht, der in etwa der Gesamtbevölkerung Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und den Niederlanden zusammen entspricht. Seit 2011 <?page no="91"?> 4.6 Terrorismus und Extremismus 91 stieg diese Zahl bereits an. Die größten Herkunftsländer von Flüchtlingen sind Afghanistan (6,4 Millionen Menschen), Syrien (6,3 Millionen), Venezuela (6,1 Millionen), die Ukraine (6 Millionen) und der Sudan (1,5 Millionen). Neben Kriegen und Gewalt ist auch das Wohlstands- und Sozialgefälle zum Beispiel zwischen Europa und Afrika ein wesentlicher Grund für häufig auch unkontrollierte und irreguläre Migration (UNO-Flüchtlingshilfe Deutschland, 2025b). Die Aufnahme von Migrantinnen und Migranten beinhaltet für die aufnehmenden Länder und für die Migrantinnen und Migranten Chancen, aber auch Herausforderungen. Für die Migrantinnen und Migranten selbst steht der Neuanfang in einem neuen Land, verbunden mit einem dauerhaften Aufenthalt, einem Eintritt ins Arbeitsleben und gegebenenfalls einem späteren Erwerb der Staatsbürgerschaft des Aufnahmelandes im Vordergrund. Dafür bedarf es auf der einen Seite bei den Migrantinnen und Migranten der Bereitschaft, sich auf fremde Kulturen, Religionen und Werte genauso einzulassen und diese zu akzeptieren wie auf unbekannte Abläufe und Verhaltensweisen. In dem Aufnahmeland auf der anderen Seite ist die Stimmung und Haltung der Bevölkerung gegenüber den Migrantinnen und Migranten entscheidend. Vielfach gibt es Ängste und Sorgen, die ernst genommen werden müssen (UNO Flüchtlingshilfe Deutschland, 2025c). Gelingt eine Integration, stehen Arbeitskräfte zur Verfügung, die teilweise bereits in ihrem Herkunftsland eine gute oder gar sehr gute Ausbildung erhalten haben und die zum Beispiel bei der zunehmenden Überalterung der deutschen Bevölkerung und dem bereits heute vorhandenen Fachkräftemangel wichtig für die Zukunft des Standortes Deutschland sind. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Migration sind unter anderem Sicherung von Fachkräften weltweit, Diversity Management, Empowerment, Abbau von Hemmnissen für und im Umgang mit Migrantinnen und Migranten, Integration. 4.6 Terrorismus und Extremismus Terrorismus und Extremismus gefährden in unterschiedlicher Art und Weise das friedliche Zusammenleben in Demokratien und demokratische Strukturen. Gerade in Demokratien sind Proteste ein anerkanntes und gelebtes Menschenrecht, um Meinungen auch öffentlich zu äußern. Schaut man aller- <?page no="92"?> 92 4 Aktuelle Herausforderungen dings auf Proteste und Protestbewegungen in einigen demokratischen Ländern, so ist dort in den letzten Jahren eine zunehmende Tendenz zu Gewalt feststellbar, die  mit dem Menschenrecht der freien Meinungsäußerung nichts zu tun hat,  Demokratien und ein friedliches Zusammenleben gefährdet, und  auch nach der folgenden Definition des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat als Extremismus einzustufen ist. „Bestrebungen, die den demokratischen Verfassungsstaat und seine fundamentalen Werte, seine Normen und Regeln ablehnen, werden als Extremismus bezeichnet. Extremisten wollen die freiheitlich demokratische Grundordnung abschaffen und sie durch eine ihren jeweiligen Vorstellungen entsprechende Ordnung ersetzen. Häufig heißen sie Gewalt als ein geeignetes Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele gut, propagieren dieses oder setzen sie sogar ein.“ (Bundesministerium des Innern und für Heimat, 2025) Hierbei geht es nicht um Protestbewegungen wie etwa „Fridays for Future“. Es geht auch nicht um friedlich ausgerichtete Proteste in Ländern, in denen Menschen gegen Korruption, fehlende Pressefreiheit, fehlende Unabhängigkeit der Justiz, den Umgang der jeweiligen Regierungen mit Oppositionen und vieles mehr auf die Straße gehen. Vielmehr geht es um Proteste in Demokratien, bei denen Ausschreitungen und Gesetzesüberschreitungen billigend in Kauf genommen und Menschen mindestens gefährdet werden. Beispielsweise seien genannt  die Proteste anlässlich der Präsidentschaftswahlen in den USA im Jahr 2020, die in der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar 2021 mit mehreren Toten mündeten,  die Proteste der Querdenker-Bewegung, von Reichsbürgerinnen und Reichsbürgern und Corona-Leugnerinnen und -Leugnern, die fast zur Erstürmung des Reichstagsgebäudes am 29. August 2020 geführt hätten,  die Proteste gegen die Räumungen von linksalternativen Hausbesetzungen oder Wagenplätzen in Berlin 2021 („Liebig34“ oder „Köpi“). Bei diesen nur beispielhaft genannten Protesten kann die oben genannte Definition von Extremismus zu Recht angewandt werden. Gleiches gilt für extremistische Straf- und Gewalttaten von Rechtsextremisten, Linksextremisten und Islamisten. In der Steigerung von „Extremismus“ definiert das Bundesamt für Verfassungsschutz „Terrorismus“ wie folgt: <?page no="93"?> 4.7 Wie korrupt ist die Welt? Korruption - lokal, national und international 93 „Terrorismus ist der nachhaltig geführte Kampf für politische Ziele, die mit Hilfe von Anschlägen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in § 129 a Abs. 1 StGB genannt sind, oder durch andere Straftaten, die zur Vorbereitung solcher Straftaten dienen.“ (Bundesamt für Verfassungsschutz, 2025) Eine fundierte Aufarbeitung von allen terroristischen Anschlägen beispielsweise von Islamisten, Rechtsextremisten oder Linksextremisten der letzten Jahre und Jahrzehnte sowie der unterschiedlichen (politischen, moralischen, religiösen) Motive würde hier den Rahmen sprengen. Gleiches gilt für die unterschiedlichsten terroristischen Gruppierungen, von denen die Taliban, der Islamische Staat, Al-Qaida oder Boko Haram die weltweit bekanntesten sind. Hinweis Die wesentlichen Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Extremismus und Terrorismus sind unter anderem der bestmögliche Schutz der Beschäftigten, auf Krisen vorbereitet sein (Krisenmanagement), das Vertrauen in den Rechtsstaat aufrechterhalten. 4.7 Wie korrupt ist die Welt? Korruption - lokal, national und international Korruption hat durchgängig das Ziel, eigene Vorteile zu erlangen, und kommt in den unterschiedlichsten Ausprägungen vor (Bundeskriminalamt, 2025):  lokal, national oder international,  in Politik, öffentlichen Ämtern oder der Wirtschaft,  als Bestechung / Bestechlichkeit und Käuflichkeit,  situativ (spontaner Willensentschluss ohne gezielte Planung / Vorbereitung) oder strukturell (bewusst geplant auf der Grundlage längerfristig angelegter Beziehungen, keine spontane Handlung). Definitionsversuche für Korruption gibt es viele, zum Beispiel die folgende des Bundeskriminalamtes: „Missbrauch eines öffentlichen Amtes, einer Funktion in der Wirtschaft oder eines politischen Mandats zugunsten eines Anderen, auf dessen Veranlassung oder in Eigeninitiative, zur Erlangung eines Vorteils für sich oder einen Dritten, mit Eintritt oder in Erwartung des Eintritts eines Schadens oder Nachteils für die Allgemeinheit <?page no="94"?> 94 4 Aktuelle Herausforderungen (Täter in amtlicher oder politischer Funktion) oder für ein Unternehmen (betreffend Täter als Funktionsträger in der Wirtschaft).“ (Bundeskriminalamt, 2025) Weltweit wird der Grad von Korruption in Politik und Verwaltung über den Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) der Transparency International dargestellt. Er umfasst den öffentlichen Sektor, nicht jedoch Aktivitäten wie Steuerbetrug, Geldwäsche, illegale Finanzströme oder andere Formen der Korruption im privaten Sektor. Länder wie Dänemark, Neuseeland, Finnland, Singapur, Schweden und die Schweiz belegen immer wieder die vorderen Plätze (geringe Korruption). Deutschland gehörte regelmäßig zu den ersten zehn Ländern im Ranking von insgesamt 180 Staaten, belegte im Jahr 2024 aber nur den 15. und damit den bislang schlechtesten Rang seit 2012. Demgegenüber finden sich auf den letzten Plätzen vor allem fragile und / oder autoritär regierte Staaten und Konfliktregionen wie beispielsweise Syrien, Südsudan, Somalia, Venezuela, der Jemen. Russland liegt auf Platz 154 von 180 untersuchten Staaten, die Ukraine auf Platz 105 (Transparency International Deutschland e. V., 2025). Abb. 4.5 zeigt die Ausprägung von Korruption weltweit. Gelb dokumentiert als ein Pol eine sehr geringe, dunkelrot als entgegengesetzter Pol eine sehr hohe Ausprägung von Korruption. Abb. 4.5: Korruptionswahrnehmungsindex 2024 (Transparency International Deutschland e. V., 2025) <?page no="95"?> 4.7 Wie korrupt ist die Welt? Korruption - lokal, national und international 95 Weltweit kann der durch Korruption angerichtete Schaden nur schwer in Zahlen ausgedrückt werden. Allein für das im Index als 15. immer noch relativ gut platzierte Deutschland zeigt das Bundeskriminalamt für das Jahr 2023 folgendes Lagebild, inklusive der Entwicklung gegenüber 2023. Abb. 4.6: Korruption in Deutschland im Jahr 2023 (Bundeskriminalamt, 2024). Prominente deutsche Beispiele im Zusammenhang mit Korruption sind  die Siemens-„Schmiergeldaffäre“ im Zusammenhang mit der Sicherung eines Milliardenauftrags (1998 bis 2003),  der Skandal um Zahlungen des Deutschen Fußball-Bundes im Zusam- <?page no="96"?> 96 4 Aktuelle Herausforderungen menhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland, sowie  die VW-Abgasaffäre im Herbst 2015, in der VW mittels einer Manipulationssoftware niedrige Abgaswerte vortäuschte. International seien genannt  die Affäre um den ehemaligen österreichischen Ministerpräsidenten Sebastian Kurz im Jahr 2021 im Zusammenhang mit der Bestellung positiver, mit Steuergeldern bezahlter Zeitungsartikel und manipulierter Wahlumfragen, die seinen Wahlerfolg begünstigt haben sollen, sowie  die Vergabe der Weltmeisterschaften durch die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.  die unterschiedlichen Beschaffungsverträge in der Corona-Pandemie und die dazu fehlende Transparenz, mit allen daraus resultierenden Fragen. Die Sicht auf Korruption ist sehr unterschiedlich. Nach dem Politikwissenschaftler Michael Johnston ist Korruption „ein Ausdruck der jeweiligen Probleme, den Einsatz von Macht und Reichtum rechenschaftspflichtig zu machen“ (Johnston, 2010). Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Korruption sind unter anderem - Transparenz schaffen, - Compliance-Regeln aufstellen und deren Einhaltung strikt überwachen, - Korruption und Korruptionsversuche kompromisslos ahnden. 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) Mit verantwortungsbewusstem Handeln im Allgemeinen und in der Wirtschaft im Speziellen beschäftigen sich vielfältige Ansätze - von der Antike bis in die Moderne. Schaut man auf wirtschaftsethische Ansätze, stehen beispielsweise Begriffe wie „Gesinnung“ (Immanuel Kant), „Verantwortung“ (Max Weber oder Hans Jonas), „Glück für möglichst Viele“ (zum Beispiel Utilitarismus nach John Stuart Mill und Jeremy Benthams), „Gerechtigkeit“ (John Rawls) „Tugenden“ / „Werte“ (beginnend mit Aristoteles) oder „Wertemanagement“ (nach Josef Wieland) im Vordergrund. <?page no="97"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 97 Diese Ansätze werden hier nicht weiter vertieft, im Folgenden sollen vielmehr die Ansätze „Nachhaltigkeit“ und „Corporate Social Responsibilty (CSR)“ näher betrachtet werden. Beide sind geeignet, die in den vorherigen Abschnitten beschriebenen Herausforderungen positiv zu beeinflussen, wenn auch nicht immer vollumfänglich zu lösen. 4.8.1 Nachhaltigkeit „Nachhaltigkeit“ ist ein Begriff, der nicht erst in den letzten Jahren neu entstanden ist. Vielmehr gibt es ihn schon seit 1713 in der Forstwirtschaft. Für Hans Carl von Carlowitz (von Carlowitz, 1713) bedeutete eine beständige und nachhaltige Nutzung des Forstes, dass zur Sicherung eines dauerhaften Ertrags dem Wald nicht mehr an Holz entnommen werden sollte, als dann auch wieder nachwächst. Während für von Carlowitz nur das Holz im Vordergrund stand, wurde gerade in Zeiten des Klimawandels die Bedeutung des Waldes auch in diesem Zusammenhang erkannt. Die Bedeutung des Waldes in seiner ursprünglichen Nutzung hat nach und nach abgenommen, heute ist vielmehr die gesamte Nachhaltigkeitswirkung des Waldes von hoher Bedeutung für diverse Personengruppen und Nutzerinnen und Nutzer (ökologische Funktion, Klimawirksamkeit und CO 2 -Bindung, Biodiversität, soziale Funktion, Erholungsraum). Durchgängig steht der Wald aber auch in Konkurrenz mit der Nutzung der Flächen für andere Zwecke wie der Rodung und Brandrodung des brasilianischen Regenwaldes zum Anbau von Soja oder der Zucht von Rindern. Im Laufe der Zeit haben die Konsequenzen des eigenen Handelns und die eigene Verantwortung für zukünftige Generationen an Bedeutung gewonnen, auch ausgelöst durch eine zunehmende Nutzung von endlichen Ressourcen, zum Beispiel durch eine zunehmende Industrialisierung (Holzbaur, 2020, S. 47 f.). In der Neuzeit ist der wesentliche Ausgangspunkt für Nachhaltigkeit der Brundtlandt-Bericht, der 1987 durch die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (World Commission on Environment and Development, WCED), unter der Leitung der Kommissionsvorsitzenden Gro Harlem Brundtland, entwickelt wurde (Our common future). Wesentlicher Bestandteil des Berichts ist ein Leitbild zur nachhaltigen Entwicklung nach heute üblichem Verständnis (Holzbaur, 2020, S. 51 ff.). Der Brundtland-Bericht definiert „nachhaltige Entwicklung“ wie folgt: Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ (World Commission on Environment and Development, 1987) <?page no="98"?> 98 4 Aktuelle Herausforderungen In der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 wurde für den Brundtland-Bericht beschlossen, dass er in internationales Handeln umgesetzt werden sollte. Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015 dann 17 Ziele für eine „sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung“ gesetzt. Jedes Land muss - unabhängig von seiner Größe - seinen Beitrag dafür leisten. Letztendlich ist Nachhaltigkeit aber eine gemeinsame internationale Aufgabe. Zur Umsetzung der Agenda 2030 hat die deutsche Bundesregierung daher im Jahr 2016 die „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“ beschlossen (Deutsche Bundesregierung, 2023). Wie Abb. 4.7 zeigt, stehen einige der dort genannten Ziele in direktem Zusammenhang mit den in den vorherigen Abschnitten erläuterten internationalen Herausforderungen. Beispielsweise seien hier die weltweiten Ziele „1 Keine Armut“, „2 Kein Hunger“, „3 Gesundheit und Wohlergehen“, „4 Hochwertige Bildung“ oder „16 Frieden…“ genannt, bei denen eine deutliche Verbesserung beispielsweise in Entwicklungsländern mit Unterstützung auch durch Deutschland dazu führen würde, dass weniger Menschen ihre Heimat verlassen würden. Abb. 4.7: UN-Aktionsplan „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ (Deutsche Bundesregierung, 2023) Die Ergebnisse der Bemühungen werden jährlich von den Vereinten Nationen in einem Bericht veröffentlicht (Vereinte Nationen, 2023). Für eine erfolgreiche nachhaltige Ausrichtung ist das Zusammenspiel zwischen den drei Dimensionen Umwelt (Ökologie), Wirtschaft (Ökonomie) und Mensch (Gesellschaft, Soziales) erforderlich, wie Abb. 4.8 zeigt. <?page no="99"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 99 Abb. 4.8: Die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit (Bezirksamt Mitte von Berlin, n. d.) Abb. 4.9: Durchschnittlicher CO 2 -Fußabdruck im Jahr 2024 pro Person in Deutschland (Umweltbundesamt, 2025) <?page no="100"?> 100 4 Aktuelle Herausforderungen In Bezug auf die Dimension „Mensch“ wird dabei immer wieder von einem „ökologischen Fußabdruck“ gesprochen. Die Verteilung der CO 2 - Emissionen auf die gängigen Bereiche des Lebens pro Kopf in Deutschland, und damit den „Fußabdruck“, zeigt Abb. 4.9 - auch im Vergleich zu dem Klimaziel. In Hocheinkommensländern wie Deutschland ist der Fußabdruck pro Kopf zehnmal höher als Niedrigeinkommensländern (Vereinte Nationen, 2023, S. 69). Der folgende Kurzfilm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit erklärt den Begriff „Nachhaltigkeit“. https: / / www. bmu.de/ media/ erklaerfilm-zur-nachhaltigkeit (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, BMUV, 2021) In dem folgenden Abschnitt 4.8.2 wird die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft und damit auch von Unternehmen - auch „Corporate Social Responsibility“ (CSR) genannt - unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit näher betrachtet. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Nachhaltigkeit sind unter anderem die Sicherstellung einer Generationengerechtigkeit / Enkeltauglichkeit; auch die südliche Hälfte der Welt muss überleben können. 4.8.2 Corporate Social Responsibility (CSR) Einige der 17 Ziele aus Abschnitt 4.8.1 und dort der Abbildung 4.7 sind nur erreichbar, wenn auch die Wirtschaft im Allgemeinen und Unternehmen im Speziellen weltweit ihren Beitrag leisten. Die Corporate Social Responsibility (CSR) greift diese notwendigen Beiträge auf; sie wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales wie folgt definiert: „Unter "Corporate Social Responsibility" oder kurz CSR ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Teil des nachhaltigen Wirtschaftens zu verstehen. CSR ist der Beitrag, den Unternehmen zur Nachhaltigkeit leisten können. Der Begriff bezeichnet die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. […] Wirtschaftliches Handeln findet in global verflochtenen Strukturen und damit oftmals außerhalb des Einflusses rein nationaler Gesetzgebung statt. Internationale Organisationen haben Leitlinien entwickelt, die global <?page no="101"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 101 agierenden Unternehmen dafür Orientierung bieten und die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Verantwortung sicherstellen sollen.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, n. d.a) Die in der Definition genannten Leitlinien sind insbesondere die Grundsatzerklärung der International Labour Organization (ILO) über Unternehmen und Sozialpolitik, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie das UN Global Compact oder die ISO 26000 der International Organization for Standardization. Konkret geht es um faire Geschäftspraktiken, mitarbeiterorientierte Personalpolitik, den sparsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen, Schutz von Klima und Umwelt, ernstgemeintes Engagement vor Ort und Verantwortung auch in den gesamten Lieferketten (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BMAS, n. d.a). Damit geht es in erster Linie um die moralische und ethische Verpflichtung von Unternehmen im Rahmen ihrer Geschäftspraktiken. Grundlage dafür sind CSR-Strategien im engen Zusammenhang mit dem eigentlichen Kerngeschäft des jeweiligen Unternehmens und die aus der tatsächlichen Geschäftstätigkeit heraus entstehenden jährlichen CSR-Berichte. 2014 wurde vom Europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten der EU die CSR-Richtlinie beschlossen, die regelmäßig aktualisiert wird. Demnach sind Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten und Sitz in der EU verpflichtet, jährlich über Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten. Deutschland hat die Richtlinie 2017 in nationales Recht umgesetzt. Schwerpunkte der Berichtspflicht sind unter anderem Anti-Korruptions- Aspekte, Einhaltung von Menschenrechten sowie Kontrolle der Auswirkungen auf Umwelt-, Sozial- und Beschäftigtenbelange in der Lieferkette. Sofern Unternehmen unterhalb der Grenze zur Berichtspflicht über Wertschöpfungsketten mit größeren Unternehmen verbunden sind, werden sie indirekt von der Berichtspflicht berührt. Die meisten Nachhaltigkeitsberichte, auch in Deutschland, beziehen sich auf die Multi-Stakeholder-Initiative und die Global Reporting Initiative (GRI). Kleinere Unternehmen oder Unternehmen mit einer kurzen Wertschöpfungskette oder sehr kleinem Budget wählen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex, unter anderem wegen weniger komplexer Kennzahlen. Durch die Nutzung dieser Standards werden die Unternehmen in ihrem Umgang mit Nachhaltigkeit für alle interessierten Stakeholdergruppen vergleichbar, was Wettbewerbsvorteile bei einer konsequenten und erfolgreichen Ausrichtung begründen kann, umgekehrt aber auch Wettbewerbsnachteile beispielsweise bei Versäumnissen (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BMAS, n. d.b). Die bisherige Selbstverpflichtung für die Einhaltung der oben genannten Aspekte - nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch in den um- <?page no="102"?> 102 4 Aktuelle Herausforderungen fassenden Lieferketten - wurde in Deutschland im Jahr 2021 gesetzlich in dem „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“ geregelt. Auf dieses Gesetz wird im folgenden Abschnitt 4.8.3 näher eingegangen. 4.8.3 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz unterstützt die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in Deutschland. Es soll vor allem dafür sorgen, dass die in Unterkapitel 4.2 aufgeführten Menschenrechtsverletzungen in der gesamten Lieferkette von Unternehmen - vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt - auch tatsächlich nicht vorkommen. Unternehmen werden durch das Gesetz über eine reine Selbstverpflichtung hinaus noch stärker in die Verantwortung genommen. Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  gibt es erstmals klare Anforderungen für unternehmerische Sorgfaltspflichten,  haben Unternehmen die Verantwortung für die gesamte Lieferkette (abgestuft nach dem Einflussvermögen auf den Verursacher der Menschenrechtsverletzung sowie nach den unterschiedlichen Stufen in der Lieferkette),  gibt es erstmals eine externe Überprüfung der Einhaltung des Gesetzes durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle,  werden Menschenrechte besser geschützt. Betroffene können ihre Rechte vor deutschen Gerichten geltend machen und nun auch Beschwerde beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einreichen. Das Gesetz ist am 01.01.2023 für Unternehmen mit mindestens 3 000 Beschäftigten und ab 01.01.2024 für Unternehmen mit mindestens 1 000 Beschäftigten in Kraft getreten (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BMAS, n. d.c). Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wird die Selbstverpflichtung von Unternehmen im Rahmen der gesellschaftlichen Verantwortung aus der Corporate Social Responsibility (CSR) gesetzlich geregelt. Der folgende Film erklärt das „Gesetz für faire Lieferketten“: https: / / www.bmas.de/ SharedDocs/ Videos/ DE/ Artikel/ Europa-und-die-Welt/ lieferketten-teddybaer.html#linkicon (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BMAS, n. d.d) <?page no="103"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 103 In dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz geht es auch darum, wie „schmutzig“ Rohstoffe gewonnen werden. Beispielsweise seien genannt: der Kobaltabbau im Kongo für die Batterien von E-Autos, der Lithiumabbau in Bolivien für E-Autos, die Chip-Produktion in der VR China, - (welt-)weite Transportwege und der dafür notwendige Energieaufwand und vieles mehr. Folgende elementare Frage muss sich die Automobilbranche unter anderem stellen: - Welches sind die Antriebe der Zukunft ‒ sind Verbrennermotoren, Elektro- oder Wasserstoffantriebe die Lösung oder sind diese auch nur einzelne Lösungsansätze unter vielen? Aus Sicht der Autoren gibt es kein „entweder-oder“, gut wäre ein Mix. Aber besser wäre es aus dem ökologischen Blickwinkel heraus, wenn die Anzahl von Autos weltweit abnehmen würde. Also: weniger oder am besten gar keine Autos. Hierbei könnte ein Ausbau der Nahverkehrsnetze (beispielsweise der Deutschen Bahn) und von Fahrradautobahnen genauso helfen wie zum Beispiel Sharing-Konzepte für Autos oder die Verteuerung der privaten Autonutzung (beispielsweise über Parkgebühren oder Benzinkosten). Deutschland ist mit seinem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz weiter als die EU, denn dort wurde Ende Februar 2025 angekündigt, dass die Anwendung der europäischen Lieferkettenrichtlinie von 2027 auf 2028 verschoben werden soll und auch weitere Nachhaltigkeitsgesetze gelockert werden sollen. Als Grund wurden die Annäherung zwischen den USA und Russland unter Donald J. Trump genannt. Wie die neue Bundesregierung ab 2025 auf diese Lockerungen der EU reagieren wird, bleibt abzuwarten. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sind unter anderem die regelmäßige Überprüfung jeder einzelnen Station der eigenen Lieferketten, eine konsequente Ahndung von Verstößen bis hin zum Ausschluss von Zulieferern aus der Lieferkette. Zusätzlich zu dem neuen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wird in Abschnitt 4.8.4 aufgezeigt, wie fragil die über Jahre kostenoptimierten, weltweit ausgerichteten Lieferketten sind. <?page no="104"?> 104 4 Aktuelle Herausforderungen 4.8.4 Fragilität der Lieferketten von Unternehmen Unabhängig von der Corporate Social Responsibility (CSR) von Unternehmen und dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz haben sich auch die Anforderungen an die Ausrichtung und an das Management von Lieferketten (Supply Chain Management) aufgrund von globalen Ereignissen gravierend verändert. In Zeiten vor der Corona-Pandemie standen Aspekte wie Make or buy (Eigenfertigung oder Fremdbezug von Fertigungsteilen) oder Just in time (möglichst geringe eigene Lagerhaltung, Lieferung von benötigten Fertigungsteilen erst zum Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs) und damit die Optimierung der Kostenstruktur von Unternehmen im Vordergrund. Die fortschreitende Globalisierung unterstützte diese Ausrichtung in nahezu allen Branchen wie, um nur einige zu nennen, der Textil-, Bau-, Elektronik-, Automobil- oder Arzneimittelbranche. Lange Transportwege wurden billigend in Kauf genommen, solange dadurch insgesamt die Kosten reduziert werden konnten. Die damit schon immer verbundenen Risiken (unter anderem Verzögerung, Verlust, Reputation) wurden toleriert, aus heutiger Sicht sogar vernachlässigt beziehungsweise unterschätzt. Dabei gab es schon vor der Corona-Pandemie Lieferengpässe bei Fertigungsteilen oder fertigen Waren, beispielsweise bei importierten Arzneimitteln (unter anderem Schmerzmittel oder Antibiotika). Diese Engpässe wurden durch die Corona-Pandemie drastisch verstärkt und bis Ende 2021 nicht behoben. Dabei war vor allem der Transport an sich problematisch: Die weltweite Nutzung von Containern war aus dem Gleichgewicht geraten, vielfach waren Container noch nicht wieder in ausreichender Anzahl an den richtigen Orten oder konnten nicht wie gewohnt entladen werden. Aber auch  die Blockade des Suezkanals durch die Havarie der „Ever Given“ im März 2021,  die Lieferengpässe bei russischem Gas nach Deutschland und Europa bereits Ende 2021,  die Angriffe der Huthi-Miliz 2024 auf Schiffe im Roten Meer, einer wichtigen Schifffahrtsroute auch für Handelsschiffe,  oder die Auswirkungen des Einmarsches Russlands in die Ukraine im Februar 2022 beispielsweise auf Kohle-, Öl- und Gasimporte aus Russland, Getreideexporte aus der Ukraine auch nach Afrika und in arabische Staaten sowie auf in der Ukraine und Russland ansässige Unternehmen haben gezeigt, wie fragil bis ins letzte Detail optimierte Lieferketten sind und welche Risiken diese bergen. <?page no="105"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 105 Die Auswirkungen waren und sind vielfältig, beispielsweise  kam es zu Lieferengpässen und Preissteigerungen bei importierten Fertigwaren,  konnten Waren nicht oder nicht fristgerecht fertiggestellt werden, weil Rohstoffe oder Fertigungsteile nicht oder nur mit langen Lieferzeiten verfügbar sind,  zogen die Preise für den Bezug von Rohstoffen oder Fertigungsteilen und damit auch für die eigenen Produkte teilweise deutlich an,  verloren Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit, wenn Unternehmen in anderen Ländern diese Nachteile nicht oder nicht in vergleichbarem Ausmaß hatten,  waren Reputationsschäden und ein verändertes Käuferverhalten zu befürchten. Am Beispiel der deutschen Automobilbranche wurden die Risiken im Jahr 2021 besonders deutlich aufgezeigt: Neben gravierenden Lieferengpässen bei der für die Produktion benötigten Halbleitern kam es Ende 2021 zusätzlich zu Lieferengpässen bei Magnesium, einem für die Legierung von Aluminium zwingend notwendigen Rohstoff in der Branche. Beide Komponenten werden vorrangig aus der VR China bezogen, in der EU wurde die eigene Magnesiumproduktion wegen jahrelanger Dumpingpreise in der VR China nahezu vollständig heruntergefahren. Mindestens Verzögerungen in der Produktion und Auslieferung und damit auch Umsatzrückgänge sind die Folge dieser Lieferengpässe (Spinnler, 2021). Letztendlich spielen aber auch wirtschaftliche und politische (Eigen-)Interessen der beteiligten Länder für Lieferketten eine wesentliche Rolle, die Handlungen des US-Präsidenten Donald J. Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 sind dafür ein Beispiel. Ein weiteres Beispiel ist die Regulierung des Abbaus und die Beschränkungen bei dem Export seltener Erden durch die VR China (mit rund 70 Prozent der weltweiten Produktion der weltweit größte Produzent), bis hin zu einem Exportstopp in die USA seit Ende 2024 (Handelsblatt, 2025b). Die chinesische Regierung räumt so eigenen Unternehmen, nicht nur aus der Automobilbranche, Vorteile bei knappen Ressourcen ein und generiert Vorteile in der Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen beim weltweiten Absatz. Krisen wie die Corona-Pandemie, insbesondere in den Jahren 2020/ 2021, werden als „Brennglas“ bezeichnet: Krisen wie diese machen ohnehin schon vorhandene Missstände und Risiken besonders sichtbar. <?page no="106"?> 106 4 Aktuelle Herausforderungen Resultierend aus diesen Problemen im Zusammenhang mit globalen Lieferketten haben Unternehmen mit Produktion im Inland oder im angrenzenden Ausland einen zumindest temporären Wettbewerbsvorteil dazugewonnen. Für deutsche Unternehmen mit Produktion ausschließlich in Deutschland gingen diese Vorteile über das bekannte „Made in Germany“ hinaus. Tatsächlich scheinen die offen zutage getretenen Risiken in den eigenen Lieferketten fast schon wieder vergessen zu sein. Engpässe existieren weiterhin und der Kostendruck in vielen Unternehmen lässt höhere Risiken wieder akzeptabel erscheinen. Ein besonders anschauliches Beispiel, auch für kaum wirksame regulatorische Maßnahmen, ist (wie vor der Corona-Pandemie) die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit auch lebensnotwendigen Arzneimitteln: „460 Arzneimittel auf der Liste - Lieferengpässe: 2025 startet mit etlichen Ausfällen Berlin - Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zählt die Liste der von Lieferengpässen betroffenen Arzneimittel zu Jahresbeginn 460 Präparate. Es fehlen Antibiotika, Blutdruckmittel und wichtige Schmerz- und Beruhigungsmittel. Apotheken müssen derzeit für mehr als drei Millionen Versicherte Alternativen finden. Das Ergebnis einer Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die Jahre 2022 bis 2024, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) veröffentlicht hat, zeigt deutlich: Massive Lieferengpässe bleiben auch in diesem Jahr weiterhin ein Dauerthema, das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) konnte keine Abhilfe schaffen. Laut BfArM zählt die aktuelle Liste der von Engpässen betroffenen Arzneimittel 460 Präparate.“ (Piontek, 2025). Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Lieferketten sind unter anderem die Kontrolle und ein Überblick über die einzelnen Stationen der eigenen Lieferketten und daraus entstehende Abhängigkeiten, eine Risikostreuung und Absicherung von Risiken, ein Notfallmanagement für den Krisenfall, die kritische Überprüfung von Make or buy und Just in time, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wie beispielsweise die des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes. <?page no="107"?> 4.8 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) 107 4.8.5 Greenwashing Parallel zu den Entwicklungen in der Nachhaltigkeit und der Corporate Social Responsibility hat sich auch das Marketing von Unternehmen entwickelt. Stand in den 1950er-Jahren noch die Produktion im Vordergrund, folgte in den 1960ern eine Ausrichtung auf den Vertrieb, auf den Markt in den 1970ern, auf den Wettbewerb in den 1980ern, auf das Umfeld in den 1990ern , auf einen Dialog mit Kunden ab 2000 und auf Netzwerke ab 2010. Spätestens seit der Ausrichtung auf das Umfeld spielen ökologische und gesellschaftliche Veränderungen eine wesentliche Rolle im Marketing, um die eigenen Produkte gegenüber denen der Wettbewerber besonders hervorzuheben (Bruhn, 2014, S. 6 ff.). Dabei gibt es allerdings auch Unternehmen, die mit ihrer Werbung oder über einzelne Aktivitäten eine umweltbewusste und umweltfreundliche Ausrichtung nur vortäuschen, obwohl die eigentliche Firmenpolitik oder die Produkte teilweise sogar das Gegenteil bewirken. Ein solches Verhalten wird als „Greenwashing“ („sich grün waschen“) bezeichnet. Von Verpackungen in grünen Farben bis hin zu Spenden für ökologische Projekte hat Greenwashing die vielfältigsten Ausprägungen. Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Greenwashing sind unter anderem die Schaffung von Transparenz, faire Umwelt-Label, - Glaubwürdigkeit im eigenen Handeln ‒ auch um Reputationsschäden zu vermeiden und um beispielsweise beim „War for Talents“ (Kampf um die besten Fachkräfte) nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zusammenfassung In diesem Kapitel wurden die aktuellen Herausforderungen für Staatengemeinschaften, einzelne Staaten, Unternehmen und einzelne Individuen aufgezeigt. Auf die Fragilität von Lieferketten wurde genauso eingegangen wie auf die weltweiten Phänomene Klimawandel und dessen Auswirkungen, Einhaltung von Menschenrechten / Menschenrechtsverletzungen, internationale Konflikte und Kriege, Migration und Extremismus / Terrorismus, Korruption Nachhaltigkeit sowie die Verantwortung von Unternehmen. Sie haben erkannt, dass eine internationale Sicht der Unternehmen und <?page no="108"?> 108 4 Aktuelle Herausforderungen die Berücksichtigung vielfältiger Risiken essenziell für Unternehmen sind. Dabei sollten eine Corporate Social Responsibility oder ein Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz als Chance gesehen werden - nicht nur, um Gesetze, Vorgaben und Empfehlungen einzuhalten, sondern um diese in positiver Abgrenzung von den Wettbewerbern aktiv zu nutzen. Übung 4.1 Recherchieren Sie im Internet, in welchem Ausmaß das Klima durch ein Tempolimit in Deutschland geschützt werden würde. Übung 4.2 Verkehr ist ein Sektor, um die Ziele des deutschen Klimaschutzplans 2050 im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Recherchieren Sie im Internet, welche wesentlichen Veränderungen es in der Automobilindustrie in den vergangenen Jahren gegeben hat, und heben Sie die Veränderungen hervor, die aus Ihrer Sicht die Reduzierung von CO 2 -Emissionen unterstützen. Übung 4.3 Machen Sie sich über die im Literaturverzeichnis angegebene Quelle „Vereinte Nationen (1948)“ mit den 30 Artikeln der „Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte“ vertraut. Was sind die wesentlichen Kernpunkte? Übung 4.4 Recherchieren Sie, wo und in welchem Umfang es Water Grabbing in der Vergangenheit gab und auch noch heute gibt. Übung 4.5 Gibt es auch in Deutschland Fälle von Land Grabbing? Recherchieren Sie im Internet. Übung 4.6 Wie wird „Flucht“ und „Migration“ voneinander abgegrenzt? Recherchieren Sie die Unterschiede im Internet. Übung 4.7 Recherchieren Sie, welche Schäden neben den materiellen Schäden durch Korruption entstehen und welche Folgen Korruption üblicherweise hat. <?page no="109"?> Übungen 109 Übung 4.8 Recherchieren Sie, welche wirksamen Gegenmittel es gegen Korruption gibt. Übung 4.9 Recherchieren Sie im Internet, welches die „sieben Sünden des Greenwashings“ sind. Übung 4.10 Suchen Sie auf den Seiten der Deutschen Umwelthilfe, welche Unternehmen im Jahr 2024 für den Preis „Goldener Geier“ im Zusammenhang mit Greenwashing nominiert wurden. Worin bestand deren Greenwashing? <?page no="111"?> 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) In diesem Kapitel lernen Sie die wesentlichen Grundlagen der Digitalisierung kennen, die im internationalen Kontext von besonderer Wichtigkeit insbesondere für ein international ausgerichtetes Management sind. Sie erhalten Einführungen in Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Blockchain und schließen das Kapitel mit einem Exkurs zu Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdfarming ab. „Künstliche Intelligenz“, das „Internet der Dinge“, die „vierte industrielle Revolution“ beziehungsweise „Industrie 4.0“, „Blockchain“, „Bitcoin“, „Kryptowährungen“, „Crowdsourcing, Crowdfunding und Crowdinvesting“ sind in der Wirtschaft immer häufiger anzutreffende Begriffe. Ausgehend von der Industrie 4.0 wird in diesem Kapitel ein Überblick über wesentliche Entwicklungen gegeben. Abb. 5.1: Vier Stufen der Industriellen Revolution (Robert Bosch GmbH, 2018) <?page no="112"?> 112 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) 5.1 Industrie 4.0 Mit dem Begriff Industrie 4.0 wird die Vision einer vierten industriellen Revolution beschrieben - nach den vorangegangenen drei Revolutionen der „Mechanisierung“, der „Automatisierung“ und der „Digitalisierung“ (Obermaier, 2025, S. 3). Die Entwicklung von der Dampfmaschine (Industrie 1.0) über das Fließband (Industrie 2.0) und den Computer (Industrie 3.0) bis hin zur vierten Stufe zeigt Abb. 5.1 im Zeitverlauf. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beschreibt die Industrie 4.0 wie folgt: „In der Fabrik der Industrie 4.0 koordinieren intelligente Maschinen selbstständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter unterstützen Menschen in der Montage bei schweren Arbeiten. Vernetzung findet aber nicht nur innerhalb von "intelligenten Fabriken" statt, sondern über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Zudem bringt der Einsatz digitaler Technologien in der Industrie eine Vielzahl an neuen Produktionsverfahren, Geschäftsmodellen und Produkten hervor. Industrie 4.0 bestimmt dabei die gesamte Lebensphase eines Produktes: Von der Idee über die Entwicklung, Fertigung, Nutzung und Wartung bis hin zum Recycling.“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, BMWK, 2025c) Bei der Industrie 4.0 handelt es sich weniger um eine Revolution, sondern eher um eine Evolution. Auch die früheren Revolutionen sind erst langsam gestartet und haben dann mit einem Mal eine Dynamik erlangt, die etablierte Produktionsweisen, Produkte, Lieferketten und ganze Geschäftsmodelle nachhaltig verändert hat - manche sind neu entstanden, manche wurden ausgelöscht. Schaut man sich jüngeren technologischen Errungenschaften im Rahmen der Digitalisierung an, findet man Unternehmen wie Quelle, Kodak oder Agfa heute nicht mehr, während Unternehmen wie Microsoft (Microsoft Corporation), Apple (Apple Inc.), Facebook (als Teil der Meta Platforms Ireland Limited), Google (Google LLC als Teil des Alphabet-Konzerns) oder Amazon (Amazon.com, Inc.) zu Beginn der Digitalisierung noch nicht vorstellbar waren. Geschäftsprozesse wurden standardisiert und automatisiert, die Entwicklung des Internets und die fortscheitende Globalisierung haben global integrierte Lieferketten und Absatzkanäle erst möglich gemacht. Darauf aufbauend sind neue Geschäftsmodelle entstanden. Ganze Branchen wie beispielsweise die von Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen haben vollständige Veränderungen durchlebt - von fast ausschließlichen Printhin zu überwiegend digitalen Ausgaben. <?page no="113"?> 5.1 Industrie 4.0 113 Auch für die industrielle Produktion stehen mittlerweile eine Reihe neuartiger Technologien zur Verfügung, die gut ausgereift sind (zum Beispiel Sensorik, eingebettete Systeme oder Mensch-Maschine-Schnittstellen) und in Kombination miteinander eine Reihe von neuartigen Funktionen im Bereich der industriellen Produktion ermöglichen (Obermaier, 2025, S. 3 f.). Die Entwicklung im Rahmen der Industrie 4.0 wird insbesondere durch das Internet und die zunehmende Globalisierung getrieben. Aus der zwischen einer realen Welt (unter anderem Produkte, Material, Menschen) und einer virtuellen Welt (virtuelle Prozesse wie etwa intelligente Monitoring- und Entscheidungsprozesse, miteinander direkt kommunizierende Maschinen, Blockchain-Technologie) vernetzten Produktion über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ist der Begriff „Internet der Dinge“ entstanden. Industrie 4.0 hatte seinen Ursprung im Jahr 2011 im Rahmen eines Zukunftsprojekts der deutschen Bundesregierung und ist heute ein zentraler Bestandteil der „Digitalen Agenda“. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) hat im Jahr 2013 - auf Betreiben des Bundesforschungsministeriums - eine Forschungsagenda und Umsetzungsempfehlungen vorgestellt. Diese baute auf der „Nationalen Roadmap Embedded Systems“ (nationaler Fahrplan für eingebettete Systeme) auf und sollte die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech 2025). Mit Förderprogrammen werden Forschung und Entwicklung für wichtige Innovationen unterstützt. Bundesweit vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Kompetenzzentren mittelständischen Unternehmen umfangreiche Sensibilisierungs-, Informations-, Erprobungs- und Schulungsangebote zu Industrie-4.0-Anwendungen an. In untereinander vernetzten Schwerpunkten in deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden in Testumgebungen komplexe Produktions- und Logistikanlagen unter realistischen Bedingungen erprobt und weiterentwickelt. Produktions- und Anwendungsprozesse können so in mehreren Testumgebungen realitätsnah nachgebildet werden. Mit der „Plattform Industrie 4.0“ wurde eines der größten Industrie-4.0- Netzwerke weltweit gemeinsam mit Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft, Gewerkschaften und Politik geschaffen, um die gesammelten Erfahrungen untereinander zu verzahnen. Zusätzlich wurden zahlreiche nationale und internationale Kooperationen mit dem gleichen, international ausgerichteten Ziel geschlossen (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz BMWK 2025c). In den letzten Jahren gab es viele Entwicklungen von deutschen Unternehmen im Rahmen der Industrie 4.0, zum Beispiel in der Siemens AG, <?page no="114"?> 114 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) der Bosch AG oder der Volkswagen AG. In dem Hauptwerk der Volkswagen AG in Wolfsburg können schon seit Jahren weit automatisierte Fertigungsprozesse besichtigt werden. In der Fertigungsstraße arbeiten kaum noch Menschen. Deren Hauptaufgabe ist in erster Linie die Überwachung und der reibungslose Ablauf der automatisierten Prozesse. Mit dem Werk in Zwickau ist Volkswagen ab 2018 noch einen Schritt weitergegangen und baute das Werk nach eigenen Angaben sukzessive zur leistungsfähigsten E-Auto-Fabrik Europas auf. Direkt nach dem Werk in Zwickau folgten ähnliche Werke der Volkswagen AG in der VR China und den USA. Und auch wenn die aktuell kritische Situation des Volkswagen Konzerns dazu führt, dass alle Pläne immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden, wird an den Ansätzen der Industrie 4.0 und deren Umsetzung auch weiterhin kein Weg vorbeiführen. Zu den Möglichkeiten einer Fabrik der Zukunft im Zusammenhang mit Industrie 4.0, auch unter Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gibt der folgende Film einen guten Einblick. https: / / www.youtube.com/ watch? v=bmevgncbbw0 (AutoMotoTV Deutsch, 2019) Auf einzelne Teilthemen der Industrie 4.0 wird im Folgenden weiter eingegangen. 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 Im Zusammenhang mit Industrie 4.0 gibt es einige IT-Lösungen und Methoden, deren vollständige Darstellung und vollumfängliche Erklärung den Rahmen sprengen würden. An den Beispielen „Künstliche Intelligenz“, „Blockchain-Technologie“ sowie „Crowdsourcing / Crowdfunding / Crowdinvesting / Crowdfarming“ wird ein Überblick über drei gängige und wesentliche IT-Lösungen und Methoden gegeben. 5.2.1 Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise Artifizielle Intelligenz (AI) In dem Video 5.1 wurde bereits ein Beispiel für eine „Fabrik der Zukunft“ im Zusammenhang mit Industrie 4.0, auch unter Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), vorgestellt. Das Potenzial von KI wird mittlerweile für nahezu alle Unternehmenszweige (und auch im Privatleben) als exorbitant hoch eingeschätzt. <?page no="115"?> 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 115 Künstliche Intelligenz (KI, auch „artifizielle Intelligenz“, artificial intelligence, AI) wird sehr unterschiedlich definiert. Als KI bezeichnet beispielsweise das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation … „… IT-Lösungen und Methoden, die selbstständig Aufgaben erledigen, wobei die der Verarbeitung zugrundeliegenden Regeln nicht explizit durch den Menschen vorgegeben sind. Bisher erforderten diese Aufgaben menschliche Intelligenz und dynamische Entscheidungen. Jetzt übernimmt dies KI und lernt anhand von Daten, Aufträge und Arbeitsabläufe besser zu erledigen.“ (Dukino, 2019, S. 7) Gleichzeitig beschreibt das Institut, was KI nicht ist (Dukino, 2019, S. 8): 1. KI ist keine Magie (sondern klar definierte, mathematische Algorithmen, deren Ergebnisse durch die Eingabedaten eindeutig bestimmt sind). 2. KI muss kein Verständnis der Aufgaben, die sie erledigt, in sich selbst haben (KI kommt vielleicht nie zu dem Punkt, ein anderes als das ihr einprogrammierte Vorgehen vorzuschlagen). 3. KI hat kein Bewusstsein (KI ist nicht mit menschlichem Leben und Denken vergleichbar und hat auch keine Gefühle. Sie wird die Arbeit nicht verweigern oder eigene Ziele verfolgen). 4. KI kann nicht schlauer sein als ihre Datenbasis (ist die Datenbasis einer KI unzureichend oder gar fehlerhaft, werden diese Fehler reproduziert oder sogar noch verschärft; „Garbage in - Garbage out“). 5. KI entwickelt sich nicht selbstständig weiter (kann aber aus den Daten, mit denen man sie füttert, lernen). Dabei sind KI beziehungsweise AI als Überbegriff für andere Formen von IT-Lösungen und Methoden zu verstehen, wie die folgende Abb. 5.2 der SAP Deutschland zeigt.  Maschinelles Lernen ist dabei eine Untermenge der künstlichen Intelligenz und legt den Schwerpunkt auf das Trainieren von Computern. Daten und Erfahrungen führen zu Lernergebnissen und Verbesserungen - ohne dass dafür explizit eine Programmierung erforderlich ist.  Deep Learning als eine Untermenge des maschinellen Lernens umfasst viele Schichten eines neuronalen Netzes und riesige Mengen komplexer und unterschiedlicher Daten. Im Deep Learning arbeitet das System mit mehreren Schichten im Netz zusammen und extrahiert zunehmend höherwertige Ausgaben. <?page no="116"?> 116 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI)  Ein neuronales Netzwerk, als Teilmenge des Deep Learning, ist den Neuronen in einem biologischen Gehirn nachempfunden. Vergleichbar mit einem menschlichen Gehirn führt die neuronale Verstärkung zu einer verbesserten Mustererkennung, Fachkenntnis und allgemeinem Lernen. (SAP Deutschland SE & Co. KG, n. d.) Abb. 5.2: Einordnung von Begriffen im Kontext von KI (SAP Deutschland SE & Co. KG, n. d.) Die weltweit bei KI führenden Unternehmen nach ihren Marktanteilen waren im Jahr 2024 Open AI (39 Prozent Marktanteil weltweit), Microsoft (30 Prozent), Amazon Web Services (8 Prozent) und Google (7 Prozent) (Bundesverband Deutsche Startups, 2024). Dass sich der Markt gerade mittelbis langfristig aber noch verändern kann und auch wird, zeigt das im Jahr 2023 gegründete chinesische Unternehmen DeepSeek, das mit einem Bruchteil der von Open AI oder Google benötigten Ressourcen auskommt, die gleiche Leistungsfähigkeit haben soll und (zumindest bei Einführung) kostenlos genutzt werden kann (Hiltscher, 2025). Künstliche Intelligenz (KI) besitzt enorme Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft … „Beispielsweise können KI-Anwendungen bestimmte Aufgaben in Unternehmen übernehmen, sodass Effizienzpotenziale gehoben, Kosten eingespart und unter Umständen perspektivisch auch dem steigenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann. <?page no="117"?> 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 117 KI ist in der Lage, Text, Sprache, Bilder und Daten automatisiert erkennen, analysieren sowie autonom generieren zu können. Beispielsweise können KI-Anwendungen per Bildverarbeitung Kontrollschritte in der Produktion übernehmen oder große Datenmengen analysieren, was manuell nur mit hohem Aufwand und daher hohen Kosten durchführbar wäre.“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, BMWK, 2023, S. 5) …und wird bereits heute in vielen Unternehmen in unterschiedlicher Art und Weise genutzt, wie folgende Abb. 5.3 zeigt. Abb. 5.3: Einsatz von generativer KI in deutschen Unternehmen 2024 (Bitkom, 2024) Trotzdem ist der Einsatz von KI erst am Anfang, was den Nutzungsgrad in der Tiefe von Unternehmen sowie die Hebung der mit KI verbundenen Potenziale betrifft. In Deutschland wurde die Strategie „Künstliche Intelligenz“ Ende 2018 verabschiedet und im Jahr 2023 mittels eines KI-Aktionsplans fortgeschrieben. In den Jahren 2024 und 2025 wollte der Bund insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro für die Umsetzung des Aktionsplans mit folgenden Zielen zur Verfügung stellen: <?page no="118"?> 118 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) - Die exzellente Basis Deutschlands bei Forschung und Kompetenzen im Bereich KI weiter zu stärken und in sicht- und messbare Erfolge umzusetzen. Bei der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen gehöre Deutschland im internationalen Vergleich bereits jetzt zur Spitzengruppe. Die weitere Förderung der Forschung sei die Basis für die „KI-Revolution“. - Weiteres wichtiges Ziel ist der Ausbau der KI-Infrastruktur und der Rechnerkapazitäten. Das beinhalte, den Zugang zu Daten zu verbessern, mit denen KI-Systeme trainiert werden müssen. Hier müssten auch die Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups verbessert werden. - Der KI-Aktionsplan nimmt in besonderem Maße das Bildungssystem in den Blick. KI biete enorme Chancen für die individuelle Förderung und sei eine große Unterstützung für Lehrkräfte und Ausbildungspersonal. Der Ausbau der entsprechenden Kompetenzen werde verstärkt gefördert. Es gelte beispielsweise auch, KI-unterstützte Prüfungsformate zu beachten. Geplant ist, die KI-Kompetenzzentren mit den Kompetenzzentren für digitales und digital unterstütztes Unterrichten zu vernetzen. Zudem werde die Bildungsforschung deutlich intensiviert. - Darüber hinaus stärkt der Aktionsplan den KI-Transfer von der Forschung in die Anwendung. Es gebe schon jetzt mehr als 1.000 Anwendungsbeispiele in Deutschland. Ziel ist, weitere Programme und Projekte zu installieren oder zu fördern. (Deutsche Bundesregierung, 2024) Das übergeordnete Ziel ist, Deutschland an der Spitze der Forschung in Europa und als klares europäisches Zugpferd zu etablieren. Dabei soll mit europäischen Partnern, aber beispielsweise auch mit Kanada eng zusammengearbeitet werden (Deutsche Bundesregierung, 2024). Dass die Basis dafür vorhanden ist, hat bereits in Kapitel 1 die Abb. 1.8 gezeigt. Allerdings schlafen andere Länder nicht, nur beispielsweise sei hier auf die Ankündigung von Donald J. Trump zu dem US-KI-Projekt "Stargate" verwiesen, in dem US-Tech-Riesen (unter anderem OpenAI) 500 Milliarden Dollar in den Ausbau von KI investieren wollen. Flankiert wurde die Ankündigung Trumps mit der Abschaffung von diversen KI-Regeln (Tagesschau, 2025). Diese Deregulierung durch Trump in den USA führt zu der Frage, welche Risiken mit KI verbunden sind und ob KI ohne Regularien der richtige Weg sein kann. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI, 2025) weist folgende Risiken für KI aus: <?page no="119"?> 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 119  Risiken im Rahmen der ordnungsgemäßen Nutzung von generativen KI- Modellen, unter anderem Abhängigkeit vom entwickelnden / betreibenden Unternehmen, fehlende Vertraulichkeit eingegebener Daten, fehlerhafte Reaktion auf Eingaben, fehlende Ausgabequalität, fehlende Reproduzierbarkeit und Erklärbarkeit der Daten.  Risiken durch eine missbräuchliche Nutzung von generativen KI-Modellen, unter anderem Erzeugung ver- und gefälschter Inhalte, Vortäuschen einer (medialen) Identität, Wissenssammlung und -aufbereitung im Kontext krimineller Aktivitäten, Re-Identifizierung von Personen aus anonymisierten Daten, Generierung / Verbesserung / Platzierung von Malware.  Risiken infolge von Angriffen auf generative KI-Modelle , unter anderem „Poisoning Attacks“ (beispielsweise Vergiftung von Trainings- oder hinterlegten Wissensdaten), „Privacy Attacks“ (beispielsweise Modelldiebstahl), „Evasions Attacks“ (beispielsweise Störung der automatisierten Verarbeitung von Inhalten oder andere Manipulationen) Der Blick auf diese Risiken löst den Reflex nach einer möglichst umfassenden Absicherung aus und führt direkt zu dem seit Februar 2025 geltenden KI-Gesetz der EU (AI Act), mit dem die EU einen anderen Weg beschreitet als beispielsweise die USA. Am Ende gilt es eine Balance zu schaffen zwischen einer angemessenen Absicherung von mit KI verbundenen Risiken und einer möglichst geringen Beeinträchtigung der mit KI verbundenen Chancen. Gelingt diese Balance nicht, wird Forschung und Entwicklung von KI eher in anderen Ländern stattfinden. Machen Sie sich mit dem folgenden Video selbst ein Bild, ob die EU mit ihrem AI Act diese notwendige Balance erreichen kann. https: / / www.ardmediathek.de/ video/ mehr-wert/ a-i-act-der-eu-was-taugtdas-ki-gesetz/ br/ Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNjaG- VkdWxlU2xvdC80MDM3MTA4NDY4MTNfRjIwMjNXTzAx- NzY5NkEwL3NlY3Rpb24vNjU0ZmYwNGYtMTU1MS00NzdlLWI0ODEtOTQ0YzhmMWJjMWE2 (Bayerischer Rundfunk, 2024) 5.2.2 Distributed-Ledger-Technologien (DLT), zum Beispiel Blockchain Kryptowährungen sind digitale Währungen, das heißt, es gibt keine Münzen oder Scheine, es handelt sich um reines Buchgeld. Bitcoin, Ethereum, Dogecoin, Binance Coin, Libra oder andere der aktuell rund 9 000 Sorten sind in aller Munde. <?page no="120"?> 120 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) Aber auch die zugrunde liegende Technologie, die Distributed-Ledger- Technologie (verteiltes Kontenbuch) und die Blockchain-Technologie als eine Form der DLT, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Blockchain ist erstmals als die Basistechnologie der Kryptowährung Bitcoin nach der Finanzkrise Ende 2008 bekannt geworden. Ein anonymer Autor unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichte ein Forschungspapier, in dem eine reine Peer-to-Peer-Anwendung (hier: Rechner zu Rechner) für Onlinezahlungen mit dem Namen Bitcoin vorgestellt wurde. Geld sollte danach direkt von einem Nutzer an einen anderen online und digital übermittelt werden können, ohne dass ein Finanzinstitut eingeschaltet wird. Digitale Signaturen ermöglichen den Wegfall einer vertrauenswürdigen dritten Partei wie etwa Banken. Bitcoin wird von keinem Staat und keiner Bank kontrolliert und kann international grenzenlos gehandelt werden. Blockchain gewinnt immer mehr an strategischer Bedeutung bei Wirtschaftsunternehmen und politischen Organisationen, die Blockchain als wichtigen Wettbewerbsfaktor für die eigene Nation einstufen (Urban, 2020, S. 1 ff.). Blockchain-Technik ist eine Datenbank, die nicht zentral auf einem Rechner, sondern dezentral verteilt auf den jeweils beteiligten Knotenpunkten beziehungsweise Rechnern liegt. Innerhalb dieser Datenbank werden mit Daten gefüllte Blöcke sicher und additiv zueinander aneinandergekettet. Es ist nicht möglich, einen Block oder eine Transaktion nachträglich in die bestehende Kette einzufügen - der Versuch würde aufgrund der Datenkettenstruktur fehlschlagen. Eine Aktualisierung erfolgt blockweise auf sämtlichen beteiligten Rechnern, alle anderen Teilnehmenden des Netzwerks führen damit automatisch Buch über die getätigten Transaktionen und bestätigen, dass die Transaktionen tatsächlich stattgefunden haben. Die Saldostände sind öffentlich einsehbar. Beispiele für solche Blöcke sind internationale Finanztransaktionen, aber auch die dazugehörigen oder davon losgelösten Grundgeschäfte wie Bestellungen, Auftragserteilung, Bestätigungen der Echtheit oder sonstige Zertifikate wie Identitätsmanagement und Ansprüche (Adam, 2022, S. 4 ff.). Wenn Rechenleistung zur Transaktionsverarbeitung, Absicherung und Synchronisierung aller Nutzerinnen und Nutzer im Netzwerk zur Verfügung gestellt wird, handelt es sich um das sogenannte „Mining“, bei dem es für die zur Verfügung gestellte Rechenkapazität eine Belohnung etwa in Form von neu geschaffenen Bitcoin-Anteilen gibt. Durch den daraus resultierenden Strom- und Wasserverbrauch gilt das „Mining“ beispielsweise über Mining-Farmen in Russland aber als Klimasünder (Handelszeitung, 2023). <?page no="121"?> 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 121 Der folgende Film der Bosch Global erklärt Blockchain anschaulich (englisch): https: / / www.youtube.com/ watch? v=NKAanYdic9Q&t=120s (Robert Bosch GmbH, 2019) Die Europäische Kommission hat im Februar 2018 eine Blockchain-Beobachtungsstelle und ein Blockchain-Forum mit folgendem Ziel gegründet. „Das Ziel des EU-Blockchain-Observatoriums und des Forums ist es, eine Gemeinschaft zu schaffen, um wichtige Entwicklungen der Blockchain-Technologie zu diskutieren und hervorzuheben und Partnerschaften in Europa und darüber hinaus zu stärken. Es ist bestrebt, das Verständnis der Blockchain-Technologie, ihrer Anwendungen und der größeren ökonomischen Ökosysteme zu verbessern, in denen es eine wichtige Rolle spielen kann.“ (Europäische Kommission, 2024c) Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Industrie 4.0 sind unter anderem die Chancen beispielsweise von KI nutzen, - Digitalisierung und globale Vernetzung, „agile Organisation“, die Zukunftsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich sicherstellen. 5.2.3 Exkurs: Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdfarming Seit den 2000er-Jahren werden neue Akteure mithilfe von digitalen Prozessen und Finanzierungsinstrumenten immer mehr zu Konkurrierenden oder zu Partnerinnen und Partnern von klassischen Anbietern wie Banken. Es entstehen seither immer mehr Geschäftsmodelle in einer sich digitalisierenden Finanzwelt. Die Kapitalnehmenden sind dabei an alternativen Finanzierungsformen interessiert, mit möglichst geringeren Transaktionskosten, schnelleren, transparenten und optimierten Prozessen sowie einer größeren Auswahl an direkt zugänglichen digitalen Finanzierungsformen (möglichst ohne den Einbezug von Banken über eine direkte Transaktionsbeziehung zwischen Kapitalgebenden und -nehmenden). Crowdfunding ist dabei Teil des umfassenderen Crowdsourcing-Konzepts (Crowd- und Outsourcing). Beim Crowdsourcing bringt die „Crowd“ <?page no="122"?> 122 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) (die Menge an Mitwirkenden) Ideen, Lösungen und andere Ressourcen von außen in das Unternehmen ein, um Unternehmensaktivitäten zu entwickeln. Hierbei geht es für das Unternehmen um Meinungen oder Ideen zu Produkten und Dienstleistungen, um diese nach den Wünschen der Kunden weiterzuentwickeln. Für die Crowd steht die Entwicklung von Produkten nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen im Vordergrund (Günther & Riethmüller, 2020, S. 1 ff.). Beispielhaft sei hier die seit 2016 existierende „Tchibo-Community“, unter anderem für Produkttests durch Teilnehmende genannt (Tchibo, 2025). Crowdfunding ist der monetäre Teilbereich des Crowdsourcings. Hier geht es um die Gewinnung von Kapital von einer unbestimmten Zahl an Investoren (der Crowd). Dabei finden sich hier Ansätze aus dem Bereich „Micro Finance“ wieder. Ebenso wie Micro Finance wurde Crowdfunding entwickelt, um Vorhaben zu finanzieren, die keine Finanzierung auf Basis konventioneller Finanzierungsinstrumente (zum Beispiel durch Kreditinstitute) erhalten hätten. In Abgrenzung zum Crowdfunding (der Suche nach Kapital) beschreibt Crowdinvesting die andere Seite, die Bereitstellung von Kapital über Spenden, Beteiligungen oder Kredite (Günther & Riethmüller, 2020, S. 1 ff.). Vielfach geht es bei Crowdfunding um die Finanzierung von Projekten, insbesondere von Start-ups. Mittlerweile nutzen aber auch viele etablierte Unternehmen wie zum Beispiel Sony, Coca-Cola, Lego, Bose oder Gilette Crowdfunding. Im deutschsprachigen Raum gibt es rund 150 Plattformen für die unterschiedlichsten Schwerpunkte, jedes Jahr werden aber auch Plattformen wieder geschlossen (Crowdfunding.de, 2025a). Die Tätigkeiten von Crowdfunding-Plattformen und auch kapitalsuchenden Unternehmen können erlaubnispflichtig sein und gesetzlichen Vorschriften unterliegen. Dabei hängt von der konkreten Ausgestaltung des Einzelfalls ab, welche aufsichtsrechtlichen Vorschriften zu beachten sind (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2023). Insgesamt entwickelt sich der Markt sehr dynamisch, wie der Blick auf das Crowdinvesting in Deutschland in der folgenden Abb. 5.4 zeigt. Dabei werden ausschließlich erfolgreich finanzierte Crowdfunding-Projekte in dem offenen Datenportal crowdinvest.de erfasst. Hier nur am Rande erwähnt sei noch das Crowdfarming, wo Interessentinnen und Interessenten direkt bei den Erzeugerinnen und Erzeugern Patenschaften für etwa Oliven- oder Orangenbäume, ganze Kühe oder Bienenvölker übernehmen - ohne Mitspracherechte und dem gesamten wirtschaftlichen Risiko bei den Erzeugerinnen und Erzeugern, aber mit einer vereinbarten Liefermenge. Schwerpunkte sind hier Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung. <?page no="123"?> 5.2 Ausgewählte IT-Lösungen und Methoden innerhalb der Industrie 4.0 123 Abb. 5.4: Entwicklung Crowdinvestments in Deutschland 2011 - 2020 (crowdfunding, 2025) Hinweis Die Herausforderungen für ein international agierendes Management in Bezug auf Crowdsourcing, Crowdfunding und Crowdinvesting sind unter anderem die Entwicklungen zu alternativen Finanzierungs- und Investitionsformen im Auge zu behalten und gegebenenfalls für das eigene Unternehmen zu nutzen, die interessierte Community bei der Weiterentwicklung von eigenen Produkten aktiv mit einzubinden. Zusammenfassung In diesem Kapitel standen die Grundlagen der Digitalisierung, die für das internationale Management von besonderer Wichtigkeit sind, im Vordergrund. Wir starteten mit einer Einführung in Industrie 4.0, gingen über KI (Künstliche Intelligenz) zur Blockchain und beendeten das Kapitel mit den Grundlagen zu Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdfarming. <?page no="124"?> 124 5 Industrie 4.0 inklusive Künstlicher Intelligenz (KI) Chancen, die insbesondere mit Industrie 4.0 inklusive der Nutzung von KI verbunden sind, steht eine in der EU vergleichsweise intensive Regulierung gegenüber. Selbstverständlich sind Risiken aus dem Einsatz neuer Technologien angemessen zu berücksichtigen. Ob der von der EU eingeschlagene Weg im weltweiten Wettbewerb dafür der richtige ist oder der beispielsweise der USA oder der VR China, wird die Zukunft zeigen. Letztendlich muss ein international tätiges Management kein Spezialistentum in den vorgestellten Entwicklungen erwerben und jederzeit aktuell halten - vielmehr geht es darum, einen Überblick über wesentliche Entwicklungen und auch Themen zu haben, um die Relevanz für das eigene Unternehmen einschätzen zu können. Auch der Blick auf die Wettbewerber und deren Aktivitäten lohnt, um nicht den Anschluss zu verlieren oder um die eigenen Wettbewerbsvorteile weiter ausbauen zu können. Übung 5.1 Recherchieren Sie die Kernpunkte der „Digitalen Agenda“ der Bundesregierung. Übung 5.2 Recherchieren Sie den Begriff „Disruption“ und finden Sie ein Beispiel für eine Disruption. Übung 5.3 Welche Kritikpunkte werden mit der Blockchain in Verbindung gebracht? Übung 5.4 Recherchieren Sie die Kursentwicklung des Bitcoins in den letzten Jahren. Wie wurde die Kursentwicklung vor und während seiner zweiten Präsidentschaft durch Donald J. Trump beeinflusst? <?page no="125"?> Schlussbetrachtung Die Herausforderungen an ein international agierendes Management sind vielfältig, sehr verzweigt und befinden sich in einem stetigen Wandel. Allein seit der Erstauflage dieses Buchs im Jahr 2022 hat die Geschwindigkeit dieses Wandels erneut zugenommen, zum Zeitpunkt der Überarbeitung bis März 2025 gab es nahezu täglich relevante neue Nachrichten insbesondere aus den USA. Gestartet sind wir - nach einem kurzen Überblick über internationale Unternehmen und ein internationales Management an sich mit einem Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland, die bereits national einige Herausforderungen aber auch vielfältige Chancen mit sich bringt. Diese Situation hat sich über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte hinweg entwikkelt und bringt (deutsche und ausländische) Unternehmen dazu, ihre vorhandenen und geplanten Investitionen in Deutschland zu hinterfragen. Einige der Herausforderungen sind dabei ein spezifisches Merkmal von Deutschland, andere gelten in vielen Ländern, wenn nicht sogar weltweit. Für viele Herausforderungen gibt es Lösungsansätze, vielfach auch Chancen. Wichtig ist ein zügiges und konsequentes Handeln einer neuen deutschen Bundesregierung ab 2025 auch unter zielgerichtetem Einsatz der im März 2025 bewilligten zusätzlichen Schulden von rund einer Billion Euro. Beobachtet wurde weiterhin, wie sich Machtverhältnisse in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschoben haben und weiterhin verschieben werden - zwischen Ost und West genauso wie generell in der Welt. Die Frage „Wer handelt mit wem und warum“ wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen und hat während der Anfang 2025 gestarteten zweiten Präsidentschaft von Donald J. Trump noch einmal eine andere Dimension bekommen, die alle nach dem zweiten Weltkrieg in der westlichen Welt geltenden Werte wie nur beispielsweise Vertrauen und Verlässlichkeit massiv in Frage stellt. Deutschland und Europa müssen ihren Platz finden und sich behaupten. Von besonderer Dramatik ist dabei auch weiterhin der von Russland im Februar 2022 begonnene Krieg gegen die Ukraine - mit noch nicht abschätzbaren Auswirkungen auf die globale und europäische Ordnung, die Weltwirtschaft, aber ganz besonders auf die direkt betroffenen Menschen in der Ukraine. Im vierten Kapitel haben wir uns mit weltweiten Herausforderungen wie der Einhaltung von Menschenrechten / den Menschenrechtsverletzungen, dem Klimawandel und Nachhaltigkeit sowie weltweiten Konflikten, <?page no="126"?> 126 Schlussbetrachtung Migration, Terrorismus / Extremismus und Korruption (auch Deutschland ist nicht korruptionsfrei) im Allgemeinen beschäftigt. Themen wie Korruption, Menschenrechtsverletzungen, unethisches, umweltfeindliches Verhalten werden auch für international tätige Unternehmen immer wichtiger, denn Mitarbeitende des Unternehmens sowie Konsumentinnen und Konsumenten strafen ein solches Verhalten ab. Unternehmen wollen heute der „Best Place to Work“ werden, um im Kampf um die besten Talente zu bestehen. Aber auch Konsumentinnen und Konsumenten möchten „saubere, ethisch korrekte“ Produkte für ihr mühsam verdientes Geld. Somit müssen sich Unternehmen entsprechend verhalten. „Nur so tun, als ob“ reicht heute nicht mehr aus und wird schnell als „Greenwashing“ enttarnt. Die ständige Anpassung an eine sich ständig im Wandel befindliche Umwelt muss gelingen, die sich daraus ergebenden Chancen müssen konsequent genutzt werden. Auch aus diesem Grund endet das Heft mit einem Überblick über die „Industrie 4.0“ und dabei einem Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz (KI). „Wir erleben gerade den perfekten Sturm auf die deutsche Volkswirtschaft: Die Anzahl der Erwerbspersonen schrumpft aus demographischen Gründen, die Globalisierung trifft uns besonders hart und wir haben Schwierigkeiten, die Transformation zur Klimaneutralität gut zu organisieren.“ Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, IW Köln (Hüther, 2025) Nutzen Sie Ihre Chancen, die sich aus Veränderungen heraus ergeben. Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg! Passen Sie in diesen Tagen des seit 2022 andauernden Krieges mitten in Europa auch immer auf sich und auf Ihr Umfeld auf. Ihre Gerhard Puhlmann & Irene Rath <?page no="127"?> Anhang <?page no="129"?> Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text 1.1 Der Begriff „Multi“ bedeutet erst einmal nur, dass solche Unternehmen in vielen Ländern bis hin zu weltweit tätig sind. Ausländische Tochtergesellschaften haben bei MNCs ein gewisses Maß an Autonomie im Hinblick auf ihre jeweilige Produkt-, Beschaffungs-, Produktions- und Absatzpolitik und können damit in einem vorgegebenen Rahmen Anpassungen an lokale Märkte vornehmen. MNCs haben dennoch ein zentrales Verwaltungssystem. Sie steuern ihre ausländischen Aktivitäten und ausländischen Tochtergesellschaften insbesondere bei strategischen Fragen und bei wesentlichen Entscheidungen zentral vom Hauptsitz des Unternehmens aus (Grulich, 2016, S. 13 - in Anlehnung an Bartlett & Ghoshal, 2002). 1.2 Für die Recherche nach den größten Unternehmen weltweit gibt es viele Kategorien, wie beispielsweise nach Marktkapitalisierung, Umsatz, Gewinn oder Anzahl der Beschäftigten. Nach Marktkapitalisierung bietet Statista (CompaniesMarketCap.com, 2025) einen guten Überblick mit Apple, NVIDIA, Microsoft, Amazon, Alphabet (Google), Saudi Aramco und Meta Platforms (Facebook) auf den ersten Plätzen an. 2.1 Das Best Countries Ranking ist eine jährliche globale Umfrage des USamerikanischen Nachrichtenmagazins U.S. News über 89 ausgewählte Länder, mit rund 17.000 Teilnehmenden, die die Wahrnehmung einzelner Länder anhand von 73 Merkmalen bewerten, die mit einer modernen Nation in Verbindung stehen. Die Ergebnisse werden in zehn verschiedene Unterkategorien mit unterschiedlicher Gewichtung zusammengefasst und decken Bereiche wie Politik, Wirtschaft und Kultur ab. Die Befragten repräsentieren eine breite Mischung der Bevölkerung aus 36 Ländern aus Nord- und Südamerika, Asien, Europa und Afrika. Deutschland hat im Jahr 2024 den 5. Rang belegt, nach den USA, der VR China, Russland und Grossbritannien. Diese Rangstelle ist über die Jahre relativ konstant, im Jahr 2016 lag Deutschland allerdings auf dem ersten Rang (U.S. News & World Report, 2024) <?page no="130"?> 130 Anhang 3.1 Das BIP ist als Wohlstandsindikator nur bedingt aussagefähig, weil das „BIP nur den Wohlstand insgesamt wiedergibt, jedoch nichts zu dessen Verteilung sagt, weswegen es kein Indikator für die Wohlfahrt einer Gesellschaft sein kann“ (Straubhaar, 2018). 3.2 Kennzahlen neben dem BIP sind beispielsweise:  Human Development Index (HDI); misst den Stand der menschlichen Entwicklung.  Gross National Happiness Index. „Bruttoglücksprodukt“, das das Glück der Bevölkerung eines Landes einschätzen soll, um die Politik auch auf eine Verbesserung dieses Glücks auszurichten.  ökologischer Fußabdruck.  Genuine Progress Indicator, der den Entwicklungsfortschritt eines Landes misst und das BIP ersetzen soll(te).  Nationaler Wohlfahrtsindex, mit diversen ökonomischen, ökologischen und sozialen Komponenten, die in Geldeinheiten bewertet und zusammengerechnet werden. 3.3 Bei einem Außenhandelsdefizit überwiegen die Importe wertmäßig die Exporte; ein Beispiel für ein Land mit „traditionellem“ Außenhandelsdefizit sind die USA. Ein Außenhandelsdefizit hat ausschließlich eine rechnerische Bedeutung und lässt keine Aussagen über eine gute oder schlechte Wirtschaftsleistung eines Landes zu. Beispielsweise kann ein Anstieg der Binnennachfrage nach Konsum- und / oder Produktionsgütern zu rückläufigen Exporten zu Lasten der Außenhandelsbilanz führen. Auch ist ein Defizit oder ein Überschuss nur ein Saldo, der keine Aussagekraft für die Höhe der Importe / Exporte und damit für die eigentliche Entwicklung des Außenhandels hat (Europäische Kommission, n. d.). 3.4 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht wird folgendermaßen definiert: Befindet sich eine Volkswirtschaft im außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, besteht zwischen dem Import und dem Export von Waren und Dienstleistungen kein Unterschied. Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht ist eines von vier Zielen, die durch das magische Viereck festgelegt wurden. Die Vorgaben des magischen Vierecks sollen die Erreichung der wirtschafts- <?page no="131"?> Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text 131 politischen Ziele eines Staates unterstützen. Der entscheidende Indikator für das außenwirtschaftliche Gleichgewicht ist die Zahlungsbilanz. (BWL-Lexikon, n. d.) 3.5 Vorteile  Erschließung neuer Verkehrs- und Handelsgebiete und -wege  Zufällige Chancen für Regionen, die „auf dem Weg“ liegen  Die VR China finanziert erforderliche Infrastruktur links und rechts der Seidenstraße Nachteile  Zu große Macht für die VR China  Verkauf von Tafelsilber an die VR China, zum Beispiel Häfen, Flughäfen, Firmen etc.  Eventuelle Abhängigkeiten ganzer Regionen von der VR China  und vieles mehr Weitere Argumente finden Sie zum Beispiel unter Gutting et al., 2021, S. 153 ff. 3.6 Bitte informieren Sie sich zum Beispiel über den folgenden Link des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie: https: / / www.bmwi.de/ Redaktion/ DE/ Artikel/ Aussenwirtschaft/ freihandelsabkommen-der-eu.html 3.7 Die Kernaufgaben der NATO sind eine kollektive Verteidigung, ein Krisenmanagement und kooperative Sicherheit. Dabei geht es auch um Abschreckung (NATO, n. d.). 4.1 Hierzu sagt Markus Dettenkofer (Umweltmediziner und Hygieniker, außerplanmäßiger Professor an der Universität Freiburg) in einem Interview: „Der Spritverbrauch steigt mit der Geschwindigkeit überproportional an, und überhöhte Geschwindigkeit ist definitiv klimaschädlich. Mit einem moderaten Tempolimit 130 auf Autobahnen und zum Beispiel Tempo 90 auf Landstraßen und Tempo 40 innerorts würden jährlich gut zwei Millionen Tonnen CO 2 gespart.“ (Wille, 2021) <?page no="132"?> 132 Anhang 4.2 Wesentlich sind beispielsweise folgende Aspekte:  Deutliche Verschärfung der Abgasvorgaben weltweit und in Deutschland, autofreie Innenstädte.  Öffentlicher Druck über Umweltbewegungen wie „Fridays for Future“.  Entwicklung von Antrieben der Zukunft, um Abgasvorgaben zu erfüllen. ̶ Trends gerade bei den Antrieben der Zukunft sind noch nicht klar einschätzbar (E-Antrieb, Wasserstoffbrennzellen, doch noch lange Verbrenner / Diesel u. v. m.). ̶ Bei E-Autos spielen die VR China und die USA die wesentliche Rolle. ̶ Neue Wettbewerber, unter anderem „BYD“ als weltweit führender Hersteller von E-Autos aus der VR China (dort Nummer 1) mit eigener Batterieproduktion. Alle übrigen (auch deutsche) Autokonzerne kaufen die Batteriezellen meist als Pakete oder in Einzelteilen ein und sind daher abhängig von meist asiatischen Zulieferern. ̶ E-Mobilität-Konkurrenz deutlich vor deutschen Konzernen (etwa Tesla, aber auch asiatische Automobilkonzerne wie Toyota, Hyundai …). Deutsche Konzerne haben jahrelang auf „Bewährtes“ gesetzt / abgewartet und dadurch Trends verschlafen (holen jetzt aber immer mehr auf). ̶ Auch bei autonomem Fahren und Digitalisierung sind deutsche Konzerne nicht mehr Vorreiter und bekommen auch hier erhebliche Konkurrenz (zum Beispiel Google). Aber: erste Kooperationen bei Forschung und Entwicklung zwischen VW und Ford. ̶ Strategie der deutschen Konzerne unterschiedlich und mit Schwankungen (voll auf E-Mobilität oder technologieoffen). ̶ Deutschland hat auch bei der Ladeinfrastruktur deutlichen Nachholbedarf.  Regulatorik: Quotenvorgaben für Neuzulassungen mit alternativen Antrieben in immer mehr Ländern (etwa in der VR China) sowie Entscheidung/ Ankündigung von Ländern, aber auch von Automobilkonzernen, ab einem bestimmten Zeitpunkt keine herkömmlichen Antriebe mehr in Neufahrzeugen zuzulassen beziehungsweise zu produzieren (in Skandinavien, Volvo).  Sharing-Trend auch bei PKW (und Transportern): beispielsweise Share Now (car2go und DriveNow), Flinkster oder Stadtmobil. <?page no="133"?> Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text 133  „Dieselskandal“ ab 2015 (Manipulation der Abgastests; alle deutschen Konzerne) führte zu erheblichem Reputationsverlust weltweit und in Deutschland. 4.3 Die 30 Artikel finden sich unter der im Literaturverzeichnis angegebenen URL. 4.4 Der Nestlé-Fall wird häufig als Water Grabbing bezeichnet: „Water Grabbing: Nestlés Griff nach dem Wasser Wasser ist ein überlebensnotwendiges Gut. Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig. Dies nutzen die dritten und machen daraus ein riesiges Geschäft, allen voran Nestlé. Dieser Konzern baut sein Wasser-Business stetig aus. Er kauft Land auf, füllt das Quellwasser meist nach einem Entmineralisierungsprozess gratis oder für einen symbolischen Betrag in Flaschen ab und verkauft es teuer auf der ganzen Welt. Dieses Vorgehen verkauft der Konzern erfolgreich als die Lösung der weltweiten Wasserkrise und schafft es, Regierungsorganisationen für sogenannte Public-Private-Partnerships ins Boot zu holen. Der Widerstand gegen diese Wasserprivatisierung nimmt angesichts der sozialen und ökologischen Kosten stetig zu. Mit der aktuellen Kampagne wehrt sich MultiWatch gegen die Wasserprivatisierung durch multinationale Konzerne und setzt sich für die Durchsetzung des Wassers als Menschenrecht ein.“ (Multiwatch, n. d.) Zusätzlich sei noch als Beispiel das neue Tesla-Werk in Grünheide in Brandenburg genannt. Hier wird befürchtet, dass der Wasserbedarf des Werkes zu einer Knappheit des Grundwassers und zu Versorgungsengpässen der Bevölkerung führt. 4.5 Land Grabbing gibt es seit Jahren auch in Deutschland, zum Beispiel an der Ostsee, in großen Metropolregionen wie Hamburg und natürlich in der Landwirtschaft. Ein Beispiel ist der Ankauf von großen, vorher landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Konzerne und die Installation von großflächigen Photovoltaik-Anlagen (Brunner et al., 2024). 4.6 Migration: Verlassen der Heimat, um die eigene Lebenssituation zu verbessern, zum Beispiel wegen Perspektivlosigkeit. <?page no="134"?> 134 Anhang Flucht: Form der Migration, bei der Menschen vor Kriegen und Gewalt ihre Heimat verlassen oder sie vertrieben werden. 4.7 Neben materiellen Schäden zerstört Korruption das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihren Staat. Zudem verhindert Korruption häufig Karrieren und wirtschaftlichen Fortschritt. Das Gesundheits- und Bildungssystem wird geschwächt. Korruption mindert den Wohlstand, die Freiheit (es kann zu mafiaähnlichen Strukturen kommen) und zerstört somit Lebensqualität und die Zukunft. Korruption kann sogar Leben, Gesundheit und Freiheit kosten. Korruption ist auf politischer Ebene das Haupthindernis für die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit (Transparency International Austria, 2021). 4.8 Ein wirksames Gegenmittel gegen Korruption ist Transparenz. Diese kann durch Regelungen, Prozesse, Pläne und Handlungen hergestellt werden (Transparency International Austria, 2021). 4.9 Greenwashing dient Unternehmen, sich in ein positives, „grünes“ Licht zu rücken - aber ohne ausreichend Schritte zu setzen, die dieses grüne Image auch tatsächlich rechtfertigen würden. Dabei gibt es eine Reihe verschiedener Strategien: „Versteckte Kompromisse: Bei dieser Greenwashing-Strategie werden Produkte mit umweltfreundlichen Aspekten beworben. Andere, weniger „grüne“ Produkteigenschaften werden geflissentlich verschwiegen oder negiert. Fehlende Beweise: Etiketten wie „grün“ oder „nachhaltig“ sagen ohne Zertifizierungen (von unabhängigen Stellen! ) nichts über die tatsächlichen Produktionsbedingungen beziehungsweise Gegebenheiten aus. Vage Aussagen: Unklare und oft missverständliche Aussagen wie „nachhaltigere Baumwolle“ klingen zwar gut, sind aber nicht automatisch gleichbedeutend mit ökologisch produzierter Ware. Irrelevanz: Angaben, die zwar wahr sind, aber keine Aussagekraft haben. Was haben Verbraucher davon, wenn ein Produkt damit beworben wird, dass eine ohnehin verbotene Substanz nicht enthalten ist (z. B. „FCKW-frei“)? Das kleinere Übel: Konsumentinnen und Konsumenten werden von schwerwiegenden Auswirkungen eines Produktes abgelenkt, indem diese überspielt werden. Oft wird ein Produkt mit einem anderen, noch weniger umweltfreundlichen verglichen, damit ersteres in einem besseren Licht erscheint. <?page no="135"?> Bearbeitungshinweise zu den Übungen im Text 135 Lügen: Sachlich falsche Aussagen, die Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt in die Irre führen. Irrelevante bzw. Fake Labels: Sich im Gütesiegel-Dschungel zurechtzufinden, ist für Konsumierende eine Herausforderung geworden. Es gibt seriöse Zertifizierungen, aber auch solche, die im Grunde keine Relevanz haben und solche, die schlichtweg erfunden sind.“ (Verein für Konsumenten, 2025) 4.10 Auf der Internetseite der Deutschen Umwelthilfe (2025) werden die Unternehmen Nestlé/ Nespresso, DHL, Capri Sun GmbH und der Ölkonzern AVIA als Gewinner des „Goldenen Geiers“ 2024 genannt. Die jeweilige Form des Greenwashings wird dort beschrieben. 5.1 Die „Digitale Agenda“ Deutschlands enthält die folgenden Kernpunkte:  digitale Infrastrukturen  digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten  innovativer Staat  digitale Lebenswelten in der Gesellschaft  Bildung, Forschung, Wissenschaft, Kultur und Medien  Sicherheit, Schutz und Vertrauen für Gesellschaft und Wirtschaft  europäische und internationale Dimension der Digitalen Agenda (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2025d) 5.2 „Das Wort ‚Disruption‘ leitet sich vom Englischen ‚to disrupt‘ ab, was übersetzt ins Deutsche so viel bedeutet wie stören, unterbrechen, spalten, zersprengen, zerreißen, zerstören oder aufbrechen. Ein disruptives Produkt sorgt dafür, dass bestehende Strukturen und Prozesse aufgebrochen und unter Umständen zerstört werden. Eine neue, einfache, bequemere, kostengünstigere oder schnellere Innovation löst dann eine alte, etablierte Lösung ab. Als disruptiv gilt eine Erfindung oder ein Produkt, die/ das [sic] das Potential hat, einen Markt aufzubrechen und sinnbildlich auf den Kopf zu stellen. Wichtig: Eine disruptive Innovation ist nicht eine simple Weiterentwicklung eines Produktes! Stattdessen stellt sie eine komplette Neuentwicklung mit neuen Ansätzen dar. Revolution statt Evolution lautet das Motto.“ (startupwissen.biz, n. d.) <?page no="136"?> 136 Anhang Als Beispiele für Disruption gelten Digitalfotografie, Streaming-Dienste oder der 3D-Druck. 5.3 Aktuelle Nachteile der Blockchain sind:  hoher Speicheraufwand,  hoher Energieaufwand,  unter Umständen zeitintensive Prozesse aufgrund des Mining neuer Blöcke,  keine totale Manipulationssicherheit,  notwendiges spezielles Wissen kann die Implementierung und Verwaltung erschweren,  regulatorische Unsicherheiten aufgrund von uneinheitlichen Rahmenbedingungen oder mangelnder Regulierung,  langsame Abwicklung (unter anderem Technikum Wien GmbH, 2024) 5.4 Für die Kursentwicklung des Bitcoin bietet sich ein Blick beispielsweise auf finanzen.net unter https: / / www.finanzen.net/ devisen/ bitcoin-eurokurs an (Sicht auf „max“ erweitern). Man erkennt einen Höchstkurs von knapp 106 000 US-Dollar und einen langfristigen Kursanstieg, allerdings mit gravierenden Schwankungen, unter anderem einem Kurseinbruch Ende Februar 2025 von rund 20 Prozent gefolgt wenige Tage später von einem Kursanstieg von ebenfalls 20 Prozent (Stand 03.2025). Der bisherige Höchstkurs wurde maßgeblich getrieben durch die Annahme, dass Donald J. Trump während seiner zweiten Präsidentschaft die Regulatorik zu Kryptowährungen locken würde. Die Kursverluste Ende Februar 2025 resultieren aus geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, maßgeblich getrieben durch Trumps aggressive Handelspolitik sowie seine Neuausrichtung der USA in dem von Russland begonnenen Krieg mit der Ukraine. Bitcoins wurden dadurch wieder wie ein Hochrisiko-Asset behandelt mit entsprechenden Verkäufen. Zuletzt führten Aussagen Trumps zu Kryptowährungen als mögliche Reserveeinheiten für die USA Anfang März wieder zu einem Kursanstieg an nur einem Tag von rund 20 Prozent (unter anderem Grunow, 2025). <?page no="137"?> Abkürzungsverzeichnis acatech Deutsche Akademie der Technikwissenschaften AG Aktiengesellschaft (Gesellschaftsform deutscher Unternehmen) AI artifizielle Intelligenz (siehe auch „KI“) ALBVVG Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz AUKUS Bündnis von Australien, Großbritannien (United Kingdom) und den USA im Indopazifik BCG Boston Consulting Group BDI Bundesverband der Deutschen Industrie BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BIP Bruttoinlandsprodukt BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMI Bundesministerium des Innern und für Heimat BMWK Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz BMUV Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BRI Belt and Road Initiative (Neue Chinesische Seidenstraße, siehe auch OBOR) BRICS Vereinigung der Staaten Brasilien, Russland, Indien, VR China, Südafrika BRICS+ BRICS zuzüglich Erweiterungsrunde zum 1.1.2024 (Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten, Äthiopien) sowie Januar 2025 (Indonesien) BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie COP Conference of the Parties (UN-Klimakonferenzen) CPI Corruption Perceptions Index (Korruptionswahrnehmungsindex) CSR Corporate Social Responsibility (gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen) <?page no="138"?> 138 Anhang Destatis Statistisches Bundesamt Deutschland DIHK Deutsche Industrie- und Handelskammer DLT Distributed-Ledger-Technologie EU Europäische Union EU27 Europäische Union mit der Anzahl der jeweiligen, aktuell 27 Mitgliedsstaaten EY Ernst & Young F+E Forschung und Entwicklung FIFA Fédération Internationale de Football Association (Internationaler Fußball-Verband) G7 Gruppe der Sieben (zum Zeitpunkt der Gründung der Gruppe weltweit wichtigsten Industrienationen) GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Gesellschaftsform deutscher Unternehmen) GRI Global Reporting Initiative HDI Human Development Index HIIK Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung IEP Institute for Economics and Peace ILO International Labour Organization (Internationale Arbeitsorganisation) IMD International Institute for Management Development IMF International Monetary Fund (siehe auch IWF Internationaler Währungsfonds) Inc Incorporated (Gesellschaftsform US-amerikanischer Unternehmen) IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change (Weltklimarat) ISO International Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung) IW Köln Institut der deutschen Wirtschaft IWF Internationaler Währungsfonds (siehe auch IMF International Monetary Fund) KG Kommanditgesellschaft (Gesellschaftsform deutscher Unternehmen) <?page no="139"?> Abkürzungsverzeichnis 139 KI Künstliche Intelligenz (siehe auch „AI“) LLC Limited Liability Company Structure (US-amerikanische Unternehmensform) MER- COSUR Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt des Südens) MNCs Multinational Corporations (Multinationale Unternehmen) Mrd Milliarden NATO North Atlantic Treaty Organization (Nordatlantische Allianz) OBOR One Belt one Road (Neue Chinesische Seidenstraße, siehe auch „BRI“) OECD Organization for Economic Co-operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa SWIFT Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication UN / UNO United Nations beziehungsweise United Nations Organization (Vereinte Nationen) UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development (Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen) UNFCCC United Nations Framework Convention on Climate Change (UN-Klimakonvention) USA United States of America (Vereinigte Staaten von Amerika) US-$ US-Dollar, Währungseinheit der Vereinigten Staaten von Amerika VR China Volksrepublik China WCED World Commission on Environment and Development WHO World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation) WWF Word Wide Fund for Nature ZDF Zweites Deutsches Fernsehen <?page no="140"?> Literaturverzeichnis Adam, K. 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Durchschnittlicher CO₂-Fußabdruck pro Kopf in Deutschland. https: / / www.umweltbundesamt.de/ bild/ durchschnittlicher-co2-fussabdruck-pro-kopf-in <?page no="150"?> 150 Anhang UNCTAD. (2024a). Die 100 größten multinationalen Unternehmen weltweit: Anteil von Vermögen, Umsatz und Beschäftigten im Ausland in den Jahren 2017 bis 2023 . Statista. https: / / de.statista.com/ statistik/ daten/ studie/ 1225476/ umfrage/ internationalisierung-der-groessten-multinationalen-unternehmen/ UNCTAD. (2024b). Die zehn wichtigsten Zielländer von ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2023 (FDI inflows in Milliarden US-Dollar). Statista. https: / / de.statista.com/ statistik/ daten/ studie/ 982113/ umfrage/ wichtigste-empfaenger-von-direktinvestitionen-weltweit/ UNO-Flüchtlingshilfe Deutschland (2025a). Fluchtursachen - Niemand flieht freiwillig. https: / / www.uno-fluechtlingshilfe.de/ informieren/ fluchtursachen UNO-Flüchtlingshilfe Deutschland (2025b). 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.........................................26 Abb. 2.5 IWF-Prognose: Deutschland bleibt Konjunktur-Schlusslicht ..28 Abb. 2.6 Prognose Ranking Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2050 und 2075 ........................................................................................................29 Abb. 2.7 Übersicht der wesentlichen Standortindikatoren für die deutsche Industrie ..............................................................................31 Abb. 2.8 Wachstumsmärkte nach globaler Marktattraktivität und deutscher Wettbewerbsfähigkeit ....................................................33 Abb. 3.1 Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt ...............................40 Abb. 3.2 Umstrittene Seegrenzen im Südchinesischen Meer ...................53 Abb. 3.3 Neue Chinesische Seidenstraße ......................................................57 Abb. 3.4 Innovationskraft der VR China im Zeitverlauf 2013 bis 2024 ....58 Abb. 3.5 Die Entwicklung der EU-Mitgliedsländer im Zeitverlauf bis 2023 ........................................................................................................67 Abb. 3.6 Die EU im Überblick ..........................................................................67 Abb. 4.1 Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900 ......................................................................80 Abb. 4.2 Anteil der CO 2 -Emissionen nach Ländern im Vergleich 2023 zu 1990...................................................................................................81 Abb. 4.3 Gegenüberstellung ausgewählter Klimafolgen bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur..........................82 Abb. 4.4 Globaler Friedensindex 2023............................................................90 Abb. 4.5 Korruptionswahrnehmungsindex 2024.........................................94 Abb. 4.6 Korruption in Deutschland im Jahr 2023......................................95 Abb. 4.7 UN-Aktionsplan „Transformation unserer Welt die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“................................................98 Abb. 4.8 Die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit...................................99 <?page no="154"?> 154 Anhang Abb. 4.9 Durchschnittlicher CO 2 -Fußabdruck im Jahr 2024 pro Person in Deutschland ............................................................................ 99 Abb. 5.1 Vier Stufen der Industriellen Revolution ...................................111 Abb. 5.2 Einordnung von Begriffen im Kontext von KI ............................116 Abb. 5.3 Einsatz von generativer KI in deutschen Unternehmen 2024......................................................................................................117 Abb. 5.4 Entwicklung Crowdinvestments in Deutschland 2011-2020 ..123 Tabellenverzeichnis Tab. 2.1 Wichtigste Handelspartner Deutschlands im Jahr 2024 ........... 23 Tab. 2.2 Wichtigste Export- und Importgüter Deutschlands im Jahr 2024........................................................................................................23 Tab. 3.1 Kennzahlen USA ................................................................................ 42 Tab. 3.2 Kennzahlen VR China ....................................................................... 48 Tab. 3.3 Kennzahlen Russland ........................................................................ 60 Tab. 3.4 Handel der EU ‒ 2023 im Vergleich zu 2022................................68 Tab. 3.5 Umfrage in der EU zu den wichtigsten Problemen für die Europäische Union 2014 bis Herbst 2024 ..................................... 69 <?page no="155"?> Sachwortverzeichnis Afrika 70 Artifizielle Intelligenz 115 ausländische Direktinvestitionen 25 Bitcoin 119 Blockchain-Technologie 120 Bretton Woods 15 Brexit 70 Brundtlandt-Bericht 97 Bündnisfall 75 CO 2 -Emissionen 80 Corona-Pandemie 106 Corporate Social Responsibility 100, 104, 107 COVID-19 104 Crowdfarming 122 Crowdfunding 121 Crowdinvesting 122 Crowdsourcing 121 CSR-Richtlinie 101 Deep Learning 115 Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 98 Digitale Agenda 113 Distributed-Ledger-Technologie 120 Dogecoin 119 Erderwärmung 79 Ethereum 119 Europäische Union 66 Extremismus 91 Flüchtlinge 90 Fußabdruck, ökologischer 100 Golden Shield 54 Greenwashing 107 Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung 89 Industrie 4.0 112 Intergovernmental Panel on Climate Change 79 Internet der Dinge 113 Iran 73 Israel 74 Just in time 104 Kipppunkte 82 Klassifizierung von Ländern 39 Klimaschutzplan 2050 84 Klimawandel 66, 79 Konflikte 88 Korruption 93, 94, 95 Korruptionswahrnehmungsindex 94 Kriege 88 hybrid geführte 89 Kryptowährungen 119 Künstliche Intelligenz 115 Land Grabbing 87 Landnahme 87 Landraub 87 <?page no="156"?> 156 Anhang Leistungsbilanzsaldo 22, 143 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz 86, 102 Made in China 2025 57 Make or buy 104 Maschinelles Lernen 115 Menschenrechte 85 Menschenrechtsverletzungen 86 Micro Finance 122 Migration 66, 91 Multinationale Unternehmen 16, 139, 151 Nachhaltigkeit 97 NATO 75 Netzwerk, neuronales 116 Neue Chinesische Seidenstraße 55 Nord Stream 2 65 Nordatlantikvertrag 75 Nordkorea 73 One Belt, One Road 55 Palästina 74 Pariser Klimakonferenz 83 Russische Föderation 59 Russland 59 SARS-CoV-2 104 Standortindikatoren 30, 31 Supply Chain Management 104 Terrorismus 91 Treibhauseffekt 79 Türkei 72 USA 41 Volksrepublik China 47 Water Grabbing 87 Weltbevölkerung 40 Weltklimarat 79 Wiener Nuklearabkommen 73 World Competitiveness Ranking 24, 25, 141, 146, 147 <?page no="157"?> ISBN 978-3-8252-6343-0 Spätestens die COVID-19-Pandemie hat den Blick auf eine ohnehin anfällige Situation geschärft: Lieferketten weltweit wurden unterbrochen, Produktionen standen still, offene Grenzen wurden zeitweise geschlossen, Rohstoffe und Bauteile standen nicht mehr oder verspätet und zu höheren Preisen zur Verfügung. Auch die Klimakrise und geopolitische Interessen einzelner Länder halten die Welt in Atem, ebenso wie die Themen Einhaltung von Menschenrechten, Migrationsprozesse, eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen oder die Digitalisierung von Prozessen und die Versorgung von Unternehmen mit Fachkräften. Anfang 2025 hat die 2. Präsidentschaft von Donald J. Trump begonnen, seine ersten Entscheidungen führen zu erheblicher Unruhe weltweit. Welche Auswirkungen seine Zollpolitik oder seine geopolitischen Ambitionen haben, muss genauso im eigenen Handeln berücksichtigt werden, wie all die bekannten und neuen Herausforderungen in unserer globalisierten Welt. Einen neuen Schwerpunkt bildet die besondere wirtschaftliche Situation in Deutschland. Management Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel