eBooks

Kommunikationsethik

Grundlagen - Debatten - Lösungsansätze

0616
2025
978-3-8385-6469-2
978-3-8252-6469-7
UTB 
Christian Schicha
10.36198/9783838564692

In den Grundlagen dieses Bandes werden Kommunikationsmodelle skizziert sowie ethische Anforderungen an Kommunikationsprozesse wie Öffentlichkeit, Demokratie, Freiheit und Wahrheit aufgezeigt. Es folgen Hinweise auf Normverletzungen in Form von Propaganda, Populismus, Desinformation und Antisemitismus. Im Abschnitt über Kontroversen geht es um die Reflexion von Meinungsverschiedenheiten u.a. anhand der Debatten über Cancel Culture, Kulturelle Aneignung und das Gendern. Zudem werden Debattenräume in Form von Talkshows und Boulevardformaten am Beispiel der BILD-Zeitung thematisiert, in denen diese Kontroversen diskutiert werden. In dem letzten Teil über Lösungsansätze werden Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur ausgezeigt und Initiativen vorgestellt, die darüber berichten und Menschen unterstützen, die durch menschenfeindliche Handlungen betroffen sind. Das Buch richtet sich an Studierende der Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Sozialwissenschaften.

9783838564692/9783838564692.pdf
<?page no="0"?> ISBN 978-3-8252-6469-7 Christian Schicha Kommunikationsethik Grundlagen - Debatten - Lösungsansätze In den Grundlagen dieses Bandes werden Kommunikationsmodelle skizziert sowie ethische Anforderungen an Kommunikationsprozesse wie Öffentlichkeit, Demokratie, Freiheit und Wahrheit aufgezeigt. Es folgen Hinweise auf Normverletzungen in Form von Propaganda, Populismus, Desinformation und Antisemitismus. Im Abschnitt über Kontroversen geht es um die Reflexion von Meinungsverschiedenheiten u. a. anhand der Debatten über Cancel Culture und kulturelle Aneignung. Zudem werden Debattenräume in Form von Talkshows und Boulevardformaten thematisiert, in denen diese Kontroversen diskutiert werden. Im letzten Teil werden Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur ausgezeigt und Initiativen vorgestellt, die darüber berichten und Menschen unterstützen, die durch menschenfeindliche Handlungen betroffen sind. Medien- und Kommunikationswissenschaft Kommunikationsethik Schicha Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel 2025-05-13_6469-7_Schicha_M_6469_PRINT.indd Alle Seiten 2025-05-13_6469-7_Schicha_M_6469_PRINT.indd Alle Seiten 13.05.25 13: 00 13.05.25 13: 00 <?page no="1"?> utb 6469 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn Brill | Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main <?page no="2"?> Dr. Christian Schicha ist Professor für Medienethik am Institut für Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. <?page no="3"?> Christian Schicha Kommunikationsethik Grundlagen - Debatten - Lösungsansätze <?page no="4"?> Umschlagabbildung: © simarik · iStockphoto Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838564692 © UVK Verlag 2025 ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption ⅼ gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 6469 ISBN 978-3-8252-6469-7 (Print) ISBN 978-3-8385-6469-2 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6469-7 (ePub) <?page no="5"?> Inhalt 1 Einleitung ............................................................................................................... 9 1.1 Aktuelle Publikationen und Studien ....................................................... 10 1.2 Zum Aufbau des Bandes ............................................................................ 16 I Grundlagen............................................................................................................21 2 Kommunikationsethik ....................................................................................... 23 2.1 Kommunikation ........................................................................................... 25 2.2 Ethik ............................................................................................................... 38 3 Normen ................................................................................................................. 43 3.1 Demokratie ................................................................................................. 44 3.2 Kommunikationsfreiheit.......................................................................... 47 3.3 Öffentlichkeit ............................................................................................. 50 3.4 Argumentationsfähigkeit......................................................................... 62 3.5 Wahrheit ..................................................................................................... 71 3.6 Streitkultur.................................................................................................. 73 3.7 Misstrauen .................................................................................................. 78 3.8 Widerspruch ............................................................................................... 80 3.9 Haltung ........................................................................................................ 82 3.10 Authentizität............................................................................................... 86 3.11 Respekt......................................................................................................... 90 3.12 Sensibilität................................................................................................... 91 4 Normverletzungen .............................................................................................. 93 4.1 Sexismus ........................................................................................................ 95 4.2 Ableismus ...................................................................................................... 96 4.3 Antiziganismus ............................................................................................ 97 4.4 Rassismus ...................................................................................................... 97 4.5 Klassismus..................................................................................................... 98 <?page no="6"?> 6 Inhalt 4.6 Digitale Gewalt .......................................................................................... 99 4.7 Täuschende Sprachverwendung .......................................................... 105 4.8 Hassrede .................................................................................................... 107 4.9 Scheinargumentation.............................................................................. 115 4.10 Stereotypisierung .................................................................................... 117 4.11 Inszenierung ............................................................................................. 119 4.12 Desinformation ........................................................................................ 123 4.13 Propaganda ............................................................................................... 136 4.14 Populismus................................................................................................ 138 4.15 Antisemitismus ........................................................................................ 146 4.16 Verschwörungserzählung...................................................................... 151 4.17 Zensur ........................................................................................................ 155 II Kontroversen ..................................................................................................... 165 5 Meinungsverschiedenheiten........................................................................... 167 5.1 Wokeness .................................................................................................... 167 5.2 Cancel Culture ........................................................................................... 170 5.3 Kulturelle Aneignung ............................................................................... 176 5.4 Gendern ....................................................................................................... 178 5.5 Satire............................................................................................................. 182 III Debattenräume ............................................................................................... 191 6 Talkshows........................................................................................................... 193 6.1 Typen ........................................................................................................... 195 6.2 Sendungen................................................................................................... 202 6.3 Skandale....................................................................................................... 206 6.4 Kritik ............................................................................................................ 210 6.5 Podcast-Formate ........................................................................................ 212 7 Bildzeitung.......................................................................................................... 215 7.1 Merkmale..................................................................................................... 216 7.2 Studien ......................................................................................................... 222 7.3 Kritik ............................................................................................................ 225 <?page no="7"?> Inhalt IV Lösungsansätze .............................................................................................. 229 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur............................................ 231 9 Initiativen............................................................................................................ 241 Anhang ................................................................................................................... 257 Kommentierte Auswahlbibliografie.............................................................. 259 Kommentierte Filmauswahl............................................................................ 266 Verwendete Literatur ....................................................................................... 273 Weiterführende Literatur ................................................................................ 320 Abbildungsverzeichnis..................................................................................... 338 Zum Autor .......................................................................................................... 340 7 <?page no="9"?> 1 Einleitung „Algorithmisch geformte Filterblasen erzeugen einseitige Diskussionsforen und fördern die Segmentierung von gesellschaftlichen Milieus und politischen Denkhorizonten. Phänomene wie Trolle, Shitstorms, strategische Manipulation und Hassbotschaften können die Kultur einer demokratischen Meinungsbildung unterlaufen. Polarisierung, Diffamierungen, Anfeindungen, Verleumdungen und Entgleisungen von Minderheiten prägen zusätzlich den öffentlichen Diskurs. Auch Politiker: innen nutzen eigene Social-Media-Accounts, um politische Gegner zu diskreditieren. Die von Habermas formulierten Geltungsansprüche auf Wahrheit, Richtigkeit und Wahrhaftigkeit scheinen an Relevanz zu verlieren, gut begründete und vernünftige wissenschaftliche Erkenntnisse werden in Frage gestellt. Viele akzeptieren Kirchen, Medien und Politik, die lange Zeit maßgeblich Orientierung geboten haben, nicht mehr als Autoritäten.“ (Gürtler/ Prinzing/ Zeilinger 2022, S. 12) Dieses Zitat fasst die Problematik zusammen, die aktuell vor allem digitale Kommunikationsformen umfasst. Zu den Aufregerthemen gehören u.a. Diskussionen über eine inklusive Sprache, Cancel Culture, Zensurmaßnahmen und kulturelle Aneignungen, die auch in diesem Band erörtert werden. Kontroversen entstehen weiterhin im Zusammenhang um die Aufrüstung, ein Tempolimit beim Autofahren, bei Argumenten für oder gegen eine vegetarische oder vegane Ernährung, über den Umgang mit Geflüchteten oder hinsichtlich einer nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung. Debatten werden über flugschamloses Reiseverhalten ebenso geführt wie über fair gehandelte Produkte, den Umgang mit Straßennamen und Denkmälern politisch belasteter Persönlichkeiten und das richtige Impfverhalten (vgl. Neuhäuser/ Seidel 2022). Während der Corona-Pandemie fanden sich sogenannte Querdenker: innen 1 zum Protest zusammen. Auf Demonstrationen trafen sich u.a. Impfgegner: innen, Esoteriker: innen, Reichsbürger: innen, AfD-Anhänger: innen und Verschwörungserzähler: innen, um gegen die politischen Gesundheitsmaßnahmen des Staates zu demonstrieren. Rechtsextreme Agitator: innen nutzen die Ängste der Bürger: innen, um gegen staatliche Maßnahmen zu protestieren. Auch Hass und Aufruhr prägten die aufgeheizte Atmosphäre, in der auch Gewaltaufrufe artikuliert worden sind (vgl. Benz 2022). 1 In diesem Band sind Pluralformen mit dem Doppelpunkt (Leser: innen) gewählt worden. Es wäre auch möglich gewesen, immer beide Geschlechter auszuschreiben (Leserinnen und Leser), die im Duden erwähnte Variante mit dem Gendersternchen zu nehmen (Leser*innen), den Unterstrich (Leser_innen), einen Punkt (Leser.innen) oder eine Lücke (Leser innen) oder das Binnen-I zu verwenden. Es hätte im Text auch ein Wechsel zwischen der männlichen und weiblichen Form vorgenommen werden können. Die gegenderten und nicht gegenderten Zitate aus anderen Quellen sind unverändert übernommen worden. <?page no="10"?> 10 1 Einleitung An Universitäten werden Vorträge abgesagt und Wissenschaftler: innen ausgeladen, weil sie angeblich eine problematische politische Haltung vertreten. Aus angeblichen Sicherheitsbedenken können sie nicht sprechen, weil sie zu pro-israelisch seien. Andere Hochschullehrer: innen dürfen nicht sprechen, weil sie vermeintlich zu israelkritisch sind. Diese Entwicklung wird von Ronen Steinke (2025, S. 41) kritisiert: „Ein freier Austausch, eine offene Debatte in einem Forum: für diese Tageslichtkultur ist die Pressefreiheit erfunden worden. Ebenso wie die Wissenschafts- und die Kunstfreiheit. Eine Zeitung hat im Idealfall keine Meinung. Sie hat Meinungen. Eine Uni genauso. Was man hier sucht, suchen sollte, um daran zu wachsen, ist die Konfrontation, die Reibung. Und sei sie nur, um zu begreifen, wie Menschen zu ihrer Gegenmeinung kommen.“ Derartige Entwicklungen sorgen für ein belastendes Klima, das sich von den Regeln eines angemessenen Diskurses auf der Basis von rationaler Argumentation verabschiedet hat. Emotionalisierung, Ideologisierung und Moralisierung prägen den konfrontativen Austausch zulasten einer lösungsorientierten Entscheidungsfindung (vgl. Mennillo 2024). Derartige Diskussionsräume und kommunikative Konflikte sowie konstruktive Modelle und Initiationen werden in diesem Buch aus einer kommunikationsethischen Perspektive vorgestellt und reflektiert. 1.1 Aktuelle Publikationen und Studien In einer pluralisierten und differenzierten Gesellschaft mit der Auflösung traditioneller Bindungen an Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Vereine sind Orientierungen abhanden gekommen. Weder die Tradition noch die Religion oder Politik liefern allgemein akzeptierte Vorgaben hinsichtlich konkreter Wertvorstellungen und Lebensstile. Die dadurch gewonnene Mündigkeit und Freiheit hinsichtlich eigener Entscheidungsspielräume sind zwar gestiegen. Die gesellschaftlichen Probleme, Konfliktlagen und daraus resultierenden Sorgen und Ängste von Bürger: innen sind aber gleichermaßen vorhanden. „Die Liste der angehäuften Krisenindikatoren aus den vergangenen Jahren ist lang: die Corona-Pandemie und ihre Folgen für das Gesundheitswie Bildungssystem, damit einhergehend hohe soziale Belastungen, auch die neue Einsamkeit, die viele Menschen erlebt haben und noch immer erleben. Dazu gehören ferner Teuerungen und die Inflation, der Klimawandel mit den Klimaprotesten (hauptsächlich, aber nicht nur) junger Menschen. Schließlich: Rechtsextremer Terror, rechtsextreme Agitation, […] Aktionen des Rechtsextremismus, Hasstaten, eine wachsende Zahl von Reichsbürgern, menschenverachtender Rechtspopulismus und Angriffe auf die Demokratie durch sogenannte ‚Querdenker‘ dürfen als Krisenindikatoren genannt werden. Und angeführt wird die Krisenliste aktuell durch den Krieg Russlands in der Ukraine. Er geht in Deutschland mit Protesten und überraschenden Allianzen zwischen <?page no="11"?> 1 Einleitung 11 Rechten und Linken, Menschen der Mitte sowie neuen ‚besorgten Bürgern‘ einher.“ (Zick 2023, S. 19) Diese Einschätzung in der von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie Die distanzierte Mitte , die rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland von 2022 bis 2023 untersucht hat, fasst zentrale Krisenphänomene zusammen. Beim Blick in die Bücher von Philosoph: innen, Soziolog: innen, Internetexpert: innen und Kommunikationswissenschaftler: innen entsteht der Eindruck, dass viele Bürger: innen ebenfalls das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen verloren haben. Ihnen wird nicht mehr zugetraut, Probleme zu lösen. Neben einer Parteien-, Politik- und Politiker: innenverdrossenheit zweifeln viele an der Glaubwürdigkeit der Justiz, der Wissenschaft, der Kirchen und den Medien (vgl. Lessenich 2019). Aufgrund des Klimawandels, sich verändernden Arbeitswelten durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und dem Zerfall von demokratischen Ordnungen verschwinden Gewissheiten und Orientierungen, die zu Verlusterfahrungen und Verlustängsten führen können (vgl. Reckwitz 2024). Zudem werden Konfliktlinien identifiziert, die angeblich für eine Spaltung der Gesellschaft stehen. Diese und weitere Aspekte werden in folgenden Büchern aufgegriffen: Philipp Hübl weist in seiner Monografie Moralspektakel. Wie die richtige Haltung zum Statussymbol wurde und warum das die Welt nicht besser macht, darauf hin, dass Krisen und Kriege Herausforderungen für die Gesellschaft sind und eine Verständigung erforderlich ist, wie damit umzugehen ist. Es geht dabei zentral auch um normative Aspekte. „In solchen Diskussionen in Talkshows, Zeitungen, Radiosendungen, in den sozialen Medien und dem Privatleben geht es nicht nur um Fakten, sondern vor allem um Moral im weitesten Sinne: um unsere Werte und Normen, um das, was wir für richtig oder falsch halten, und um die Frage, was wir tun sollten, um eine gerechte Gesellschaft und Weltordnung zu erschaffen und dann ein erfülltes Leben zu führen.“ (Hübl 2024, S. 9) Das Spektrum der Themen und die Qualität des Diskussionsniveaus sind vielfältig. Es wird debattiert, ob rassistische Begriffe in Büchern gelöscht werden sollten, ob Menschen mit bestimmten politischen Auffassungen nicht mehr öffentlich auftreten dürfen und Verdachtsfälle krimineller Handlungen bereits ausreichen, um Personen mit einem Arbeitsverbot zu versehen. Derartige Debatten können zum Spektakel geraten, wenn es nicht darum geht, Probleme zu lösen und Missstände zu beseitigen oder gar für Gerechtigkeit zu sorgen. Dann geht es beim sogenannten Moralspektakel nicht um die Sache, sondern um die Selbstdarstellung. Der Status und die Gruppenzugehörigkeit werden dabei eingesetzt, um Macht und Einfluss auszuüben und andere zu diskreditieren (vgl. Hübl 2024). <?page no="12"?> 12 1 Einleitung Die große Gereiztheit. Wege aus einer kollektiven Erregung ist der Titel der Monografie von Bernhard Pörksen (2018). Er konstatiert eine Verschlechterung des Kommunikationsklimas und einen Wandel von einer Mediendemokratie zu einer Empörungsdemokratie. Die Wahrheitskrise erzeugt ihm zufolge Angst vor dem postfaktischen Zeitalter. Pörksen sieht neben den klassischen drei Gewalten der Exekutive, der Judikative und der Legislative, die für eine Demokratie konstituiered sind, zunächst die vierte Gewalt des traditionellen Journalismus, der die Mächtigen kontrollieren sollte. Im Internetzeitalter hat sich eine weitere Gewalt herausgebildet. „Diese fünfte Gewalt der vernetzten Vielen ist schön und hässlich, sensibel und grausam; manchmal agiert sie äußerst brutal und manchmal zeigt sie sich auf eine berührende Weise moralisch engagiert. Sie initiiert Kampagnen und schafft Gegenöffentlichkeiten. Sie orientiert sich nicht an einer einzigen Ideologie, sie hat kein verbindendes Großthema, wohl aber gemeinsam genutzte Plattformen und Instrumente sozialer Netzwerke, Wikis, Websites, Smartphones, leistungsstarke Computer, eben das gesamte Spektrum digitaler Medien.“ (Pörksen 2018, S. 83f.) Durch die digitalen Veränderungen ist die klassische Gatekeeping-Funktion der traditionellen Medien mit auf eine redaktionelle Gesellschaft übergegangen. Publizität und Meinungsartikulation findet nun auch durch die Bürger: innen in der Zivilgesellschaft statt, sofern sie sich z.B. über soziale Netzwerke an öffentlichen Debatten beteiligen. Daraus ergeben sich auch neue Herausforderungen aus einer normativen Perspektive. Die Maximen einer redaktionellen Gesellschaft „müssen lediglich aus ihrer allzu engen Bindung an eine einzige Profession gelöst und als Elemente einer allgemeinen Kommunikationsethik vorstellbar gemacht werden. Sie dienen dann nicht mehr nur der Orientierung von Journalistinnen und Journalisten, sondern einem größeren, übergeordneten Ziel: sie sollen es der Gesellschaft erlauben, sich auf eine möglichst direkte, schonungslose und wahrheitsorientierte Art und Weise selber zu beschreiben, ihre vielschichtigen und verstreuten Interessen zu sortieren und auszudrücken und auch ohnmächtigen und marginalisierten Stimmen Sichtbarkeit verschaffen, deren Einsichten und Ansichten sonst öffentlich nicht verfügbar wären. In diesem Sinne sind sie für eine lebendige Demokratie unverzichtbar.“ (Pörksen 2018, S. 190) Richard David Precht und Harald Welzer kritisieren (2022) in ihrem Buch Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist Teile der Berichterstattung in den Leitmedien. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie bei Krisen und Konflikten eine eher einheitliche Sichtweise vermitteln, die wenig Spielraum für alternative Positionen zulässt. Es wird darauf hingewiesen, dass Menschen in Umfragen angeben, dass sie ihre Meinung nicht mehr frei äußern könnten. Die Autoren konstatieren: <?page no="13"?> 1 Einleitung 13 „Für die Demokratie ist es gefährlich, Pluralismus zu verhindern, Meinungen zu monopolisieren und Einwände zu diskreditieren. Nicht nur schießen politische Journalisten weit über ihre Aufgabe und Legitimation hinaus, sie unterspülen damit auch […] das Vertrauen in die Leitmedien. Ungezügelter Aktivismus durch die amtierenden Massenmedien ist nicht nur Treibmittel für ihren eigenen mittelfristigen Untergang. Er ist auch die Erosion einer funktionierenden Öffentlichkeit in Deutschland. Und ohne diese bröckelt […] die Demokratie.“ (Precht/ Welzer 2022, S. 37f.) Teilen der Berichterstatter: innen wird vorgeworfen, Polarisierung und Diffamierung zu betreiben sowie konträre Meinungen auszublenden, die von Minderheiten artikuliert werden. Exemplarisch wird in diesem Zusammenhang auf gleichlautende Meldungen über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verwiesen: „Wenn, wie beim Ukrainekrieg, sogar sämtliche Leitmedien die gleiche weltanschaulich-ethische Haltung einnehmen […] geschieht eine kollektive Pluralitätsverengung. Gegenteilige Überzeugungen finden nur noch als abständige Randpositionen ihren Platz, wenn überhaupt. Und Appelle an die Geschlossenheit der Bevölkerung widersprechen zutiefst dem Integrationsauftrag. Denn Integration im liberalen Staat bedeutet nicht Anpassung und auf Linie bringen, sondern im Gegenteil: die Aufnahme des Widerspruchs in das Gesamtbild.“ (Precht/ Welzer 2022, S. 65f.) Nun stellt sich die Frage, ob die skizzierten Einschätzungen und Befürchtungen begründet sind. Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser (2023, S. 7) vertreten in ihrem Buch Triggerpunkte , das Konsense und Konflikte in der Gegenwartsgesellschaft analysiert, aus einer soziologischen Perspektive folgende Auffassung: „Spaltungsdiagnosen sind in den letzten Jahren zu einem Masternarrativ geworden, mit dem sich die Gesellschaft ihren Wandel erklärt. Mit Besorgnis registriert man soziale und politische Fliehkräfte, die das Zentrum in entgegengesetzte Richtungen zerren, hin zu den wachsenden Rändern. Wo man sich früher einig war oder Differenzen sachlich austrug und friedlich weiterlebte, so die Wahrnehmung, herrschen heute nur noch Streit und Hysterie, Rechthaberei und Abgrenzung. Der allgemeine Begriff der Polarisierung wird zur Chiffre einer Erosion des Zusammenhalts und einer Bedrohung der Demokratie.“ Beim Blick auf aktuelle Studien kommen die Autoren jedoch zu der Erkenntnis, dass sich derartige Entwicklungen empirisch nicht belegen lassen. Es sei weder eine Lagerbindung zu beobachten noch eine zunehmende Polarisierung oder gar Spaltung der Gesellschaft. Sie räumen aber ein, dass Konflikte gesellschaftlich hergestellt werden können, indem sie angeheizt werden. Dabei spielen politische und mediale Dynamiken eine zentrale Rolle. Sofern Kontroversen und Auseinandersetzungen in der Berichterstattung auftauchen, werden sie auf die öffentliche Debatte übertragen. <?page no="14"?> 14 1 Einleitung „Ob und wie wir die Gesellschaft als konfliktreich erleben, hat auch damit zu tun, wie Meinungsverschiedenheiten aufbereitet und kommuniziert werden. Themen, Konjunkturen, Mobilisierungsressourcen und neue Deutungshorizonte können einen Streit ‚groß‘ machen.“ (Mau/ Lux/ Westheuser 2023, S. 23) Insgesamt spielen sich den Autoren zufolge die meisten Auseinandersetzungen nicht zwischen zwei unversöhnlichen Lagern mit unvereinbaren Zielvorstellungen ab. Konflikte sind nicht automatisch desintegrativ. Sie können den Zusammenhalt einer Gesellschaft stärken, sofern von beiden Seiten eine Kooperationsbereitschaft vorhanden ist, um Kompromisse auszuhandeln. Gleichwohl gibt es bestimmte Themen, die zu Aufregung und destruktivem Streit führen können, wenn sie einen sogenannten Triggereffekt besitzen. „Trigger sind Sollbruchstellen der Debatte, an denen sich Empörung und Widerspruch, aber auch empathische Zustimmung artikuliert und die durch eine besondere Emotionalität gezeichnet sind. Sie finden sich vor allem dort, wo ungerechte Ungleichbehandlungen als Bruch des Gleichheitsgebotes wahrgenommen werden, wo bestimmte Erwartungen von ‚Normalität‘ herausgefordert oder unterlaufen werden, wo Menschen Entgrenzung und Kontrollverlust fürchten und wo sie politische Maßnahmen als übergriffige Zumutungen empfinden.“ (Mau/ Lux/ Westheuser 2023, S. 387f) Gleichwohl können Befriedungsmöglichkeiten gefunden werden. Die Voraussetzung hierfür liegt darin, dass die Konfliktparteien bereit sind, sich zu verständigen, indem sie konträre Positionen respektieren und auf der Basis begründeter Argumente agieren, um sich wechselseitig zu überzeugen. Sascha Lobo (2023) gibt seinem Band den Titel Die große Vertrauenskrise. Nach der Corona-Pandemie ist die Welt durch Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten dem Autor zufolge instabiler geworden. Die Klimakrise bedroht die Existenz der Menschheit. Angesichts dieser Entwicklungen ist es nicht überraschend, dass die Ängste der Menschen gestiegen sind. Populistische Parteien agitieren provokativ, statt zu argumentieren. Sie versprechen einfache Lösungen bei komplexen Problemen und erhalten hohe Zustimmungswerte, obwohl sie keine konstruktive Politik betreiben. Insofern ist es wichtig, Behauptungen gründlich zu prüfen sowie seriöse Belege und Quellen zu suchen. Gerüchte, Meinungen, Gefühle und Argumente sind bei der Bewertung von Aussagen zu trennen, um eine angemessene Orientierung und Vertrauen generieren zu können. Lobo fordert Eigeninitiative und eine positive Einstellung: „Denn trotz des Anspruchs, eine harte und ungeschönte Analyse der Gegenwart zu liefern, ist mir aktive Zuversicht mindestens ebenso wichtig. Es gibt viel mehr als die etwas passiv daherkommende Hoffnung.“ (Lobo 2023, S. 15) Der Autor plädiert dafür, dass die Bürger: innen selbst engagiert an einer positiven Gestaltung der Zukunft mitwirken, um die Vertrauenskrise zu bekämpfen. Kritische Reflexion sowie konstruktives Handeln werden neben der <?page no="15"?> 1 Einleitung 15 Berücksichtigung von relevanten Normen und Werten dabei als notwendige Voraussetzungen angesehen, um Probleme bewältigen zu können. Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey (2022) beschäftigen sich in ihrem Buch Gekränkte Freiheit mit Aspekten des libertären Autoritarismus. Sie identifizieren verschiedene Typen wie Corona-Kritiker: innen, die mit Blumenketten demonstrieren, Künstler: innen, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Frage stellen und Journalist: innen, die sich gegen angebliche Sprachverbote aussprechen. Diese Gruppen treten in einer komplexen Welt mit Krisen und Bedrohungen lautstark für individuelle Freiheiten ohne gesellschaftliche Zwänge ein. In diesen Gemeinschaften finden sich demokratiefeindliche Tendenzen, die zur Unterstützung populistischer Parteien führen können. „Oft handelt es sich bei den entsprechenden Personen um Menschen, die sich selbst als aufgeklärt und liberal beschreiben und die nicht selten über eine umfassende Bildung verfügen. Ihre Sorge gilt nicht autoritären Populisten, weder Donald Trump noch Wladimir Putin und auch nicht den rechtspopulistischen Parteien wie der AfD. Sie wähnen sich eingeschnürt von einer Vielzahl von Regeln, Vorschriften und Verboten.“ (Amlinger/ Nachtwey 2022, S. 9f.) Im Rahmen der Analyse der Soziolog: innen sind 45 Interviews mit Personen aus der Querdenker-Szene sowie zivilgesellschaftlich aktiven AfD-Anhänger: innen geführt worden. Es wurden Demonstrationen beobachtet und Telegram-Kanäle analysiert. Weiterhin wurde eine Online-Umfrage mit 1150 Querdenker: innen durchgeführt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass zwar faktisch eine Reihe von gesellschaftlichen Freiheiten und Formen der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen inzwischen in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft umgesetzt worden sind. Gleichwohl nehmen viele Menschen ein Gefühl der Ohnmacht wahr, das als gekränkte Freiheit klassifiziert wird. „Ob sie gegen eine imaginäre Diktatur auf die Straße gehen, ob sie ihren Hang zum Verschwörungsdenken ausleben oder ihre Ressentiments gegen Minderheiten, immer sind sie es, die die Zumutung der Spätmoderne durchschaut haben, ihre Energie erschöpft sich praktisch nie, sie sehen sich als Freiheitskämpfer: innen oder als Avantgarde eines neuen Grundsatzkonfliktes.“ (Amlinger/ Nachtwey 2022, S. 15) Eine Unterwürfigkeit ist dieser Gruppe der libertären Autoritären fremd. Sie rebellieren gegen staatliche Autoritäten und gegen jede Form der Einschränkung individueller Freiheiten. Dabei verfolgen sie ihre Interessen ohne die Bereitschaft zum Dialog: „Für diese libertären Autoritären kann es keine räsonierende Aushandlung geben, schließlich folgen die anderen stets finsteren Absichten und geheimen Plänen.“ (Amlinger/ Nachtwey 2022, S. 17). Ein Teil dieser Gruppe folgt sogenannten Verschwörungstheorien. Es gibt Verbindungen zu Rechtspopulist: innen und Rechtsextremen, die fremdenfeindliche Positionen vertreten. <?page no="16"?> 16 1 Einleitung „Ihre Neigung zum Extremen, Exzessiven, Subversiven ist in jüngster Vergangenheit in ein destruktives Fahrwasser geraten. Sie wettern gegen Geflüchtete, Muslim: innen oder Jüd: innen und steigern sich bisweilen in Gewaltfantasien hinein. Die meisten haben in ihrem Leben existenzielle Brüche oder Krisen erfahren, für die sie ein korrumpiertes System verantwortlich machen, das sie in ihren Freiheiten einschränkt und ‚Fremde‘ bevorteilt.“ (Amlinger/ Nachtwey 2022, S. 24f.) Die klassischen Medien wie die ARD-Tagesschau oder überregionale Tageszeitungen stehen für die libertären Autoritären unter dem Generalverdacht einer verzerrten Berichterstattung, vor allem über die AfD und in migrationspolitischen Fragen. „Statt am Diskurs als kritische Stimme zu partizipieren, verweigern sie ihn und wenden sich einer alternativen Öffentlichkeit zu: sie sind in sozialen Medien aktiv oder schauen YouTube-Videos. Ähnlich wie bei den Querdenker: innen spielt bei den Rebellen die Berufung auf Gegenwissen und klandestine Wissensbestände eine zentrale Rolle.“ (Amlinger/ Nachtwey 2022, S. 329) Es werden vermeintliche Geheimnisse auf Seiten der Eliten vermutet, die der Bevölkerung angeblich vorenthalten werden. Darüber hinaus werden der Staat und wissenschaftliche Expert: innen als Autoritäten weniger akzeptiert. Die Demokratie als Staatsform wird teilweise infrage gestellt. Der Glaube an Gerüchte, „Fake News“ und die eigene Gefühlslage prägt die Haltung der libertären Autoritaristen: innen. Amlinger und Nachtwey fordern, dass die Politik auf diese Entwicklungen reagiert, indem den Bürger: innen Entscheidungen erläutert werden, statt Sachzwänge zu behaupten. Zudem könnte Selbstreflexion und Selbstkritik einen konstruktiven Beitrag dazu leisten, dass die Verständigung sich auf beiden Seiten verbessert. Bürger: innen sollten frühzeitig in Planungen und alternative Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden, wenn politische, soziale und ökonomische Gestaltungsprozesse anstehen. Dafür ist aber eine wechselseitige Anerkennung erforderlich, die dann Freiheiten zur Entfaltung bringen kann. 1.2 Zum Aufbau des Bandes I Grundlagen In dem zweiten Kapitel zur Kommunikationsethik werden als Rahmung zunächst allgemeine Kommunikationsmodelle aus verschiedenen Fachperspektiven vorgestellt und eingeordnet. Das Spektrum reicht von psychologischen Ansätzen bei Paul Watzlawick, Janet H. Beavin und Don D. Jackson (1971) sowie Carl Rogers (1991) über soziologische Positionierungen bei George Herbert Mead (1991) bis hin zu philosophischen Konzeptionen von Paul Grice (1989) und Jürgen Habermas (1985), die normative Implikationen in ihre Konzeptionen mit einbeziehen. <?page no="17"?> 1 Einleitung 17 Im Anschluss daran werden grundlegende Ansprüche und Probleme in Bezug auf die digitale Kommunikation erörtert. Es folgen grundlegende Anmerkungen und Hinweise zur Aufgabe und zum Spektrum der angewandten Ethik. Kapitel 3 setzt sich mit Normen auseinander, die aus einer kommunikationsethischen Perspektive relevant sind. Dabei wird auf das Konzept einer freiheitlich demokratischen Grundordnung vom Typ der Bundesrepublik Deutschland hingewiesen, die die Voraussetzung für eine funktionierende Debattenkultur darstellt. Die Demokratie bildet die Basis, in der die verfassungsrechtlich verankerten Kommunikationsfreiheiten im Grundgesetz verankert worden sind. Darüber hinaus können sich freie und unabhängige Kommunikationsprozesse nur in funktionierenden Öffentlichkeiten herausbilden. Unter diesen Rahmenbedingungen können Diskurse entwickelt werden, die auf der Basis gut begründeter Argumente mit dem Ziel einer Verständigung vonstatten gehen. Die Orientierung an der Wahrheit ist dabei eine notwendige Voraussetzung. Streit, Misstrauen und Widerspruch sind nicht automatisch kontraproduktiv, sofern die Debatten auf der Basis eines wechselseitigen Respektes vollzogen werden. Ob dafür eine Haltung erforderlich ist, wird diskutiert. Weiterhin wird reflektiert, inwiefern Authentizität ein normatives Leitbild sein kann und warum Sensibilität für kommunikationsethische Austauschprozesse unverzichtbar ist. Im vierten Kapitel werden Normverletzungen problematisiert, um das Problemfeld darzulegen, das kommunikationsethischen Maximen widerspricht. Dabei geht es um Faktoren einer grundlegenden Menschenfeindlichkeit, die vom Sexismus über den Ableismus bis hin zum Rassismus und Klassizismus reichen kann. Es werden Formen digitaler Gewalt problematisiert. Darunter fallen menschenverachtende Handlungen, die u.a. unter den Überschriften Doxing, Happy Slapping und Cybermobbing klassifiziert werden. Es schließen sich Ausführungen zur täuschenden Sprachverwendung an, die sowohl Beschönigungen als auch Verharmlosungen reflektieren. Daran anknüpfend geht es um den Themenkomplex der sogenannten Hassrede, bei der gewalttätige Sprechakte, Minderheitenbeschimpfungen und diskriminierende Botschaften angeführt werden, bevor die Differenz zwischen dem Gebrauch und dem Erwähnen problematischer Begriffe dargelegt wird. Es folgen Hinweise auf Formen und Ausprägungen sogenannter Scheinargumentationen. Weiterhin wird auf die Problematik der Stereotypisierung hingewiesen, bevor der aus der Theaterwissenschaft stammende Begriff der Inszenierung behandelt und bewertet wird. Hierbei wird erörtert, ob z.B. politische Inszenierungen aus einer normativen Perspektive problematisch sein können. Das sich anschließende Teilkapitel widmet sich der Desinformation. Dabei werden verschiedene Ausprägungen von der Lüge über die Postfaktizität bis <?page no="18"?> 18 1 Einleitung hin zu den „Fake News“ problematisiert. Es folgen Ausführungen zur Propaganda, zum Populismus, zum Antisemitismus und zu Verschwörungserzählungen, die als demokratiefeindlich klassifiziert werden können. Anmerkungen zur Zensur in der Kunst am Beispiel von Filmen und Büchern runden dieses Kapitel ab. II Kontroversen Im fünften Kapitel werden kontroverse Auseinandersetzungen erörtert. Es wird reflektiert, über welche Themen, auf welchen Ebenen und mit welchen Inhalten Debatten um die sogenannte Wokeness (Wachheit) geführt werden. Die eine Position vertritt einerseits die Auffassung, dass es erforderlich ist, Minderheiten besonders intensiv zu schützen, um Unterdrückung und Diskriminierung zu verhindern. Konträre Haltungen sehen andererseits in diesem Aufruf eine unbegründete Überempfindlichkeit, die mit Denk- und Sprachverboten einhergeht. Beim Themenkomplex Cancel Culture wird diskutiert, ob es moralisch angemessen sein kann, bestimmten Personen oder Gruppen öffentliche Auftritte und Publikationsmöglichkeiten zu verbieten, sofern sie menschenfeindliche Auffassungen artikulieren oder verdächtigt werden, Straftaten begangen zu haben. Dabei wird auf die juristische Relevanz der Unschuldsvermutung ebenso hingewiesen wie auf die Bedeutung der grundgesetzlich geschützten Kunst- und Meinungsfreiheit. Es wird weiterhin erörtert, ob es Formen und Ausprägungen einer kulturellen Aneignung gibt, die verboten oder eingeschränkt werden sollten. Dabei reicht das Spektrum von äußerlichen Merkmalen in Form von Frisuren bis hin zu bestimmten Musikstilen, die über eine lange kulturelle Tradition verfügen und z.T. übernommen worden sind. Die Debatte um das sogenannte Gendern stellt ein weiteres Thema dar, das kontrovers diskutiert. Es werden Argumente für und gegen den Gebrauch einer geschlechtersensiblen Sprache benannt und eingeordnet. Abschließend werden die Aufgaben und Grenzen der Satire aufgegriffen und analysiert. Dabei geht es auch darum, welche Beiträge problematisch sein können und welche Kriterien hierfür ausschlaggebend sind. III Debattenräume Im sechsten Kapitel werden ausgewählte Diskursräume in der Medienberichterstattung problematisiert. Es werden Formen und Beispiele von Typen deutscher Fernseh-Talkshows sowie weiterer Gesprächsformate über Politik und Unterhaltung vorgestellt. Dabei wird diskutiert, welche Möglichkeiten und Probleme sich im Rahmen dieser Sendungen ergeben, wo Skandale aufgetreten sind und welche Kritikpunkte und normative Ansprüche an die Formate aus einer kommunikationsethischen Perspektive gerichtet werden. Kapitel 7 setzt sich mit dem Boulevardblatt Bild auseinander. Die Zeitung gehört zu den umstrittensten Formaten der Presselandschaft in Deutschland. <?page no="19"?> 1 Einleitung 19 Um eine Beurteilung vornehmen zu können, werden Merkmale, Inhalte, Kritikpunkte sowie vorliegende Studien mit Verweis auf konkrete Beispiele zur Berichterstattung der Zeitung eingeordnet und reflektiert. IV Lösungsansätze Das achte Kapitel diskutiert Wege für eine konstruktive Diskurskultur. Es werden kommunikationsethische Herausforderungen skizziert, die auch das Recht betreffen und Maßnahmen des Fakten-Checks bei der Prüfung von Medieninhalten aufgezeigt. Kapitel 9 stellt ausgewählte Initiativen vor, bei denen Hilfe für Menschen angeboten wird, die durch menschenfeindliche Angriffe betroffen sind. Dabei wird u.a. auf Maßnahmen der Politik, der Berichterstattung und der Zivilgesellschaft sowie der Bildung und Wissenschaft eingegangen. Zudem werden Impulse von Verlagen vorgestellt, die sich für eine aufklärende Diskurskultur einsetzen. Abschließende Empfehlungen erfolgen durch Hinweise auf eine kommentierte Auswahlbibliografie und Filmauswahl zu kommunikationsethischen Themenfeldern, bevor Angaben zum Autor gemacht werden. Zielgruppe Der Band richtet sich u.a. an Studierende und Lehrende der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik, Politikwissenschaft, Medienpsychologie, Medienpädagogik, Soziologie, Philosophie und Kulturwissenschaft. Dabei werden Inhalte vermittelt, die auch für Journalist: innen relevant sein können, um die Reflexion und Sensibilität im Umgang mit kontroversen Debatten im Rahmen der Berichterstattung zu fördern. Danksagung Nachdem ich 2019 in der utb-Reihe bereits die Monografien Medienethik Grundlagen - Anwendungen - Ressourcen sowie 2021 die Publikation Bildethik. Grundlagen - Anwendungen - Bewertungen veröffentlichen durfte, möchte ich mich bei Dr. Jürgen Schechler vom UVK-Verlag für die gewohnt gute Zusammenarbeit bei dem vorliegenden Band bedanken. Wertvolle inhaltliche Anregungen zum Manuskript habe ich von Madlen Geidel (M.A.), Prof. Dr. Florian Höhne, Prof. Dr. Olga Moskatova, Prof. Dr. Thomas Zeilinger und Prof. Dr. Oliver Zöllner erhalten. Ich bedanke mich auch bei meinen Kolleg: innen PD Dr. Sven Grampp, Prof. Dr. Florian Mundhenke, Prof. Dr. Lars Nowak und Dr. Nicole Wiedenmann vom Institut für Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg für ihre konstruktive Kritik an dem Text. Mein besonderer Dank für die Korrekturen und Unterstützung gilt meiner lieben Frau Lisa Glagow-Schicha. Erlangen, im April 2025 Christian Schicha <?page no="21"?> I Grundlagen <?page no="23"?> 2 Kommunikationsethik „Kommunikationsethik (ist, C.S.) diejenige Ethik […], die sich mit moralischen Phänomenen der humanen Kommunikation befasst. Der ethisch zu reflektierende Bereich, nämlich ‚Kommunikation‘, umfasst alle Formen des Kommunikationshandels, vor allem in Form von bild- und verbalsprachlichen Äußerungen und bewertet deren Ziele, Wirkungen und Umstände. Ferner beschreibt Kommunikationsethik Tugenden und Haltungen, die sich im Kommunikationshandeln zeigen, wie Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit, und beschreibt schließlich Voraussetzungen für gelingende Kommunikation, zum Beispiel Sprachkompetenz, Achtung des Kommunikationspartners oder Fähigkeit zur Selbstkritik.“ (Wunden 2006, S. 128) Im Gegensatz zu den normativen Leitlinien einer Kommunikationsethik in dem Zitat von Wolfgang Wunden beobachten Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun (2021) in öffentlichen Debatten eine große Gereiztheit sowie Hass und Wut, die das Kommunikationsklima ruinieren können. Aufgrund der Gefährdung der Kommunikationskultur fordern die Autoren dem Titel ihres Buches zufolge Die Kunst des öffentlichen Miteinander-Redens . Es geht darum, auf unterschiedlichen Ebenen konstruktiv zu diskutieren, um folgende Entwicklungen zu vermeiden: „Mal unterstellt man einer einzelnen skrupellosen Person (z.B. Donald Trump), mal einem einzelnen polarisierungsanfälligen Medium (z.B. dem Netz), mal einem einzelnen spektakelaffinen Genre oder Format (z.B. der Talkshow) die Kraft der Diskurszerstörung und kritisiert und attackiert entsprechend heftig.“ (Pörksen/ Schulz von Thun 2021, S. 10) Um eine umfassende Analyse und Bewertung des Diskursklimas vornehmen zu können, müssen Personen, Medienangebote und spezifische Genres in einem übergreifenden gesellschaftlichen und politischen Rahmen analysiert werden. Es geht hierbei um ein Wechselspiel zwischen dem Verhalten der Individuen und Gruppen unter den spezifischen Bedingungen in konkreten Situationen bei Beachtung der entsprechenden Rahmenbedingungen, in denen Debatten geführt werden. Öffentliche Kommunikation ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Recht, das sich erst mit der Aufklärung durchgesetzt hat. Sie sollte frei von öffentlichen Zwängen sein und die Möglichkeit umfassen, sich ohne Störungen artikulieren zu können und dabei auf die Vernunft und Argumentation zu setzen, statt einem traditionellen Regelwerk aus Gehorsam und Glauben folgen zu müssen. Nur durch diesen Fortschritt können Kommunikationsprozesse in den verschiedenen Teilöffentlichkeiten ohne Zwang auf der Basis diskursiver Verfahren vonstatten gehen (vgl. Klaus 2017). Dabei sollten hierbei weder politische Willkür noch religiöser Fundamentalismus eine Rolle spielen (vgl. Hartmann 2008). <?page no="24"?> 24 2 Kommunikationsethik Grundsätzlich vertritt die Kommunikationsethik als Teilbereich der angewandten Ethik den Anspruch auf Allgemeingültigkeit (Universalisierung). Politische oder religiöse Autoritäten sind dabei kein Maßstab für die Beurteilung ethischer Begründungen. Dafür gibt es gute Gründe: „In allen Bereichen gibt es jedoch auch falsche Autoritäten, die Fähigkeiten oder Befugnisse vorgaukeln, die sie tatsächlich nicht haben. Im politischen Bereich spricht man dann von einem ‚Demagogen‘, im Alltag von einem ‚Blender‘ und in moralischen Kontexten von einem ‚Scharlatan‘. […] Insgesamt sind Autoritätsargumente jedoch eher mit Vorsicht zu genießen, weil aus der Tatsache, dass sich eine Person oder Instanz als Autorität behauptet, noch lange nicht folgt, dass man ihr tatsächlich alles glauben sollte oder dass man gar tun sollte, was sie sagt.“ (Raters 2020, S. 112f.) Vielmehr geht es darum, auf der Basis fundierter Argumente und Begründungen Regeln zu entwickeln, die das zwischenmenschliche Zusammenleben positiv verändern. Dabei sind eine Reihe von Normen und Werten erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen. Es geht u.a. um die Beachtung der Menschenwürde und des Persönlichkeitsschutzes unter Einschluss der informationellen Selbstbestimmung im Verständnis einer digitalen Souveränität sowie einer Orientierung an der Wahrheit (vgl. Geier/ Rosengrün 2023). Kommunikationsethische Debatten sollten besonnen und präzise geführt werden sowie reflektiert und selbstkritisch vonstatten gehen. Begründete Zweifel und Widersprüche sollten in allen Phasen der Diskurse zugelassen werden (vgl. Brosda/ Schicha 2010, Horster 2013, Schicha 2019a, Menasse 2023, Frenzel 2024). In der Kommunikationsethik geht es primär um strittige Fragen, die im Rahmen kontroverser Diskurse thematisiert werden. Dabei werden Verantwortungshorizonte diskutiert und Kriterien erarbeitet, die Orientierung bieten sollen (vgl. Schicha 2022e, Kirchschläger 2024). Verantwortung dient der Selbstverpflichtung und wird mit Sensibilität und Engagement in Verbindung gebracht. Es gibt zugeschriebene und übernommene Verantwortung, die mit der jeweiligen Zuständigkeit verbunden wird (vgl. Funiok 2024). Dennoch gibt es Grenzen der Verantwortung. „Prinzipiell sind Menschen dann verantwortlich, wenn wir sie als Urheber von folgenreichen Handlungen auffassen. Jedoch konstituiert nicht jede Urheberschaft eine Verantwortlichkeit. Wir kennen zahlreiche Fälle, in denen wir wohl sehen, dass Menschen etwas tun, es uns aber nicht in den Sinn käme, diese für die Folgen ihrer Taten zur Verantwortung zu ziehen - etwa bei Unmündigen, Unzurechnungsfähigen und Beeinträchtigten, bei Handlungen, die einem Zufall entspringen, bei Notlagen oder Unglücksfällen.“ (Liessmann 2023b, S. 13f.) <?page no="25"?> 2.1 Kommunikation 25 In der Regel ist es aber möglich, Individuen, Gruppen oder Organisationen für bestimmte Handlungen oder Unterlassungen zur Verantwortung zu ziehen, sofern es eine klare Urheberschaft gibt, die entsprechend zugeordnet werden kann (vgl. Schicha 2011b). 2.1 Kommunikation „Im allgemeinen Verständnis geht es bei der Kommunikation um eine Mitteilung, eine Verbindung oder einen Austausch über Sprache, Texte oder Bilder. Es geht dabei um Informationen, Inhalte, Botschaften, Gedanken, Gefühle, Bedeutungen oder Aussagen […].“ (Beck 2007, S. 15) Kommunikation verfügt in seiner fach- und alltagssprachlichen Begrifflichkeit über zahlreiche Bedeutungen. Obwohl Kommunikation und Interaktion gelegentlich synonym verwendet werden, ist eine Differenzierung erforderlich. Kommunikation bezieht sich eher auf Verständigung, während die Interaktion sich primär auf den Charakter und Handlungsablauf sozialer Beziehungen ausrichtet. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um wechselseitige Austauschprozesse (vgl. Pürer 2003). Das Wort Communicatio besitzt eine lateinische Herkunft und umfasst Bedeutungen, die mit Begriffen wie „Mitteilung, Gewährung, Verbindung, Austausch, Verkehr, Umgang, Gemeinschaft“ (Baecker 2005, S. 7) assoziiert werden. Ursprünglich wurde Kommunikation als Prozess der Zeichenübertragung angesehen. Eine Botschaft wird von einem Sender über einen Kanal auf einen Sender übertragen. Hierbei wird ein technischer Vorgang unabhängig vom Inhalt beschrieben. Dieser Ansatz enthält keine normativen Implikationen, sondern konzentriert sich auf technische Vorgänge. Unter Kommunikation kann hierbei nahezu jeder beliebige Austausch von Daten und Mitteilungen verstanden werden (vgl. Merten 1999, Burkhart/ Hömberg 2007). Kommunikation zwischen Menschen findet auf unterschiedlichen Kanälen statt. Das Spektrum reicht von der unmittelbaren persönlichen Kommunikation zwischen zwei Personen bis hin zu globalen Austauschprozessen großer Gruppen auf sozialen Netzwerken (vgl. Beck 2007). Es handelt sich bei der Kommunikation um einen flüchtigen Vorgang, der abhängig von den technischen Möglichkeiten dauerhaft gespeichert werden kann. So kann davon ausgegangen werden, dass die Inhalte, die ins Internet gestellt werden, permanent verfügbar und abrufbar sind. Gelöschte Inhalte können wieder eingestellt werden. Kommunikation kann als ein verhältnismäßiges Ereignis klassifiziert werden. Es handelt sich um eine Relationalität, die im Idealfall einen symmetrischen Austausch von Informationen zwischen mindestens zwei Menschen erlaubt (vgl. Faßler 1997). Dabei geht es um eine reflexive, auf Gegenseitigkeit <?page no="26"?> 26 2 Kommunikationsethik beruhende Wahrnehmung, die im Rahmen des Kommunikationsverlaufs spezifische Erwartungen generiert. Kommunikation, die über Sprache, Bilder oder Texte erzeugt wird, verfügt über eine Sach- und Sozialdimension. Es geht um Inhalte und Themen sowie um die Beziehung der Diskutant: innen. Die Qualität dieser Beziehungen ist wichtig in Bezug auf das Vertrauensverhältnis und die Glaubwürdigkeit der beteiligen Protagonist: innen (vgl. Schmidt/ Zurstiege 2007). Kommunikation kann zwischen zwei oder mehreren Personen als flüchtige Begegnung oder als spontane oder geplante Versammlung vonstatten gehen. Sie kann verbal oder nonverbal in Erscheinung treten und tritt in öffentlichen, privaten und intimen Situationen in Erscheinung. Haarkötter (2024) spricht in seiner Publikation Küssen in diesem Kontext von einer berührenden Kommunikationsform, die als öffentliches Begrüßungsritual ebenso erfolgen kann wie in einer intimen Paarbeziehung. Das Küssen kann die liebevolle Verbindung zwischen zwei Menschen kennzeichnen, aber auch als Unterwerfungsgeste fungieren, wenn z.B. der Ring eines kirchlichen Würdenträgers geküsst wird. Wer kommuniziert, teilt anderen etwas mit. Insofern handelt es sich um ein Verhalten, das zugleich eine zwischenmenschliche Partizipation impliziert und unterschiedlichen Zielen folgen kann. „Manche wollen sich nur informieren, andere wollen zusätzlich am eigenen Interesse orientierte Wissensbestände aufbauen und pflegen, so wie andere sich informieren und überzeugen möchten.“ (Winter 2010, S. 90) Wenn Menschen miteinander kommunizieren, handelt es sich um eine Gemeinschaftsbildung, die im optimalen Fall Verständigung herstellt. Kommunikation kann weiterhin als Auseinandersetzung agieren. Dann geht es um unterschiedliche Auffassungen bis hin zum Streit. So können Konflikte in der Partnerschaft, im Beruf, in der Politik, in der Wirtschaft und in der Wissenschaft auftreten. Wechselseitige Vorwürfe prägen dann zwischenmenschliche Auseinandersetzungen bis hin zur aggressiven Boshaftigkeit (vgl. Schmidt/ Zurstiege 2000). In derartigen Fällen wird eine gewaltfreie Kommunikation als Möglichkeit angesehen, um Konflikte zu lösen. Die Grundlage hierfür besteht aber zunächst darin, die Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen und ihm mit Respekt, Wertschätzung und Empathie zu begegnen. Es sollte der Versuch unternommen werden, die andere Person zu verstehen, indem ihre Perspektive übernommen wird. Dies schließt aber nicht aus, dass eine respektvolle Konfrontation mit der Position des anderen vorgenommen wird. Der Kommunikationsabbruch sollte vermieden werden. Eine persönliche Ächtung und Hetze sind untersagt. Das Ziel der Debatte sollte darin liegen, über das Verstehen eine Verständigung zu erzielen. Als Basis für einen konstruktiven Dialog sollte ein prinzipielles Einverständnis zumindest als regulative Idee vor- <?page no="27"?> 2.1 Kommunikation 27 handen sein. Dabei ist es legitim, die Position der oder des anderen zu kritisieren, ohne ihn oder sie als Person abzuwerten (vgl. Rosenberg 2007, Pörksen 2025). Die Einflussfaktoren derartiger Kommunikationsprozesse hängen von der jeweiligen Umgebung ab. Neben den spezifischen Merkmalen der Situation in Form des Gesprächsanlasses und möglichen weiteren Teilnehmer: innen geht es auch um Persönlichkeitseigenschaften, Kompetenzen und Befindlichkeiten (vgl. Röhner/ Schütz 2012). Hierzu ist eine Reihe von Ansätzen entwickelt worden, die nachfolgend skizziert werden. Konzepte „Die Kommunikationsethik gründet auf der Informations- und Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland) und dem damit verbundenen Wertekatalog hinsichtlich Öffentlichkeit, demokratischer Willensbildung und individueller Selbstverwirklichung. Weitere wichtige Aspekte dieses Grundrechts, die mit dem Aufkommen des Internets ins Zentrum rücken, sind freie Informationsbeschaffung, Zugangsfreiheit und das Recht zu kommunizieren.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 233) Im Artikel 19 der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1948 wird in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte darauf verwiesen, dass jede Person in die Lage versetzt werden sollte, über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf irgendwelche Grenzen Informationen suchen sollte, die dann empfangen und verbreitet werden dürfen. Neben diesen verfassungsrechtlichen Voraussetzungen gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Ansätzen und Modellen, die Kommunikationsprozesse beschreiben und bewerten. Psychologische Konzepte richten den Blick auf zwischenmenschliche Kommunikationsprozesse. Dabei wird davon ausgegangen, dass jedes Verhalten Kommunikation bedeutet. „Wenn man also akzeptiert, dass alles Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situationen Mitteilungscharakter hat, das heißt Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann. Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle einen Mitteilungscharakter: sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.“ (Watzlawick/ Beavin/ Jackson 1971, S. 51) Dieser verhaltenspsychologische Ansatz fasst Kommunikation sehr weit (vgl. Burkhart 2002). Um zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe angemessen beurteilen zu können, ist es zentral, sich auf intentional angelegte Mitteilungsprozesse zu konzentrieren. Des Weiteren sind die Kontexte zu berücksichtigen, in denen Kommunikationsprozesse vonstatten gehen (vgl. Stöber 2008). Wichtig ist weiterhin die Einsicht, dass der Beziehungsaspekt wichtiger ist als der Inhaltsaspekt. Zwischenmenschlicher Austausch kann nur dann angemessen funktionieren, wenn wechselseitiges Vertrauen und <?page no="28"?> 28 2 Kommunikationsethik Erfahrungssicherheit dazu beitragen, dass eine konstruktive Kommunikationskultur entstehen kann (vgl. Watzlawick/ Beavin/ Jackson 1971). Friedemann Schulz von Thun (2000) differenziert bei der Beschreibung und Beurteilung von Kommunikationsverläufen in seinem Kommunikationsmodell zwischen vier unterschiedlichen Perspektiven:  Eine Nachricht enthält Sachinformationen, die die sendende Person an die Empfänger: innen vermitteln möchte.  Darüber hinaus gibt es eine Selbstoffenbarung, bei der neben der Selbstdarstellung eine Selbstenthüllung persönlicher Eigenschaften preisgegeben wird.  Die Beziehungsaussage richtet sich auf das Verhältnis zwischen dem Sendenden und dem Empfangenden.  Der Appell kann eine Handlungsaufforderung für den Rezipierenden beinhalten, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen. Als Bild lässt sich dieses Modell wie folgt darstellen: Abbildung 1: Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun Dabei sind diese vier verschiedenen Perspektiven bei der Bewertung von Kommunikationsprozessen voneinander zu trennen. Soziologische Ansätze des symbolischen Interaktionismus wie bei George Herbert Mead (1991) gehen davon aus, dass zwischenmenschliche Kommunikation eng mit der Reflexionsfähigkeit gegenüber den Bedürfnissen und Wissensbeständen anderer Menschen verbunden sind. Es kommt zentral auf die Kategorie der Rollenübernahme (role taking) an. Sie ist gegeben, wenn <?page no="29"?> 2.1 Kommunikation 29 die Sprecher: innen sich in die Lage der Hörer: innen hineinversetzen können. Nur dann kann eine angemessene Form des Austausches erfolgen. Schließlich ist es zentral, dass die gemachte Aussage auch verstanden wird. Dabei sind Empathie und Sensibilität gegenüber anderen Menschen eine notwendige Voraussetzung, um ein Verständnis für die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Gegenübers entwickeln zu können. Die Maximen der Kommunikation nach Paul Grice (1989) stellen ein normatives Konzept dar, das einem Kommunikationsideal folgt, das auf der Basis gemeinsamer Interessen basiert und den Maximen der Quantität, Qualität, Relevanz und Klarheit folgt. So sollen Informationen vermittelt und ausschließlich wahre Informationen dargelegt werden. Es sollen diesem Idealtyp zufolge nur relevante Aussagen gemacht werden. Auf unklare, vage und mehrdeutige Ausdrücke sollte der Modellvorstellung zufolge verzichtet werden. Carl Rogers (1991) hat Regeln für eine gelingende Kommunikation entwickelt, die für die klientenzentrierte Gesprächsführung und -therapie entwickelt worden sind, sich aber auch auf andere soziale Beziehungsformen übertragen lassen. Diese Basismerkmale werden als einfühlendes Verstehen (Empathie), Echtheit (Kongruenz) und emotionale positive Wertschätzung klassifiziert. Dabei kommt es ebenfalls darauf an, die Perspektive anderer zu übernehmen. Einer der bedeutendsten Vertreter der Diskursethik ist der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas. Seine normativen Leitlinien für Kommunikationsverfahren umfassen:  die Verständlichkeit der Äußerungen,  die Glaubwürdigkeit der Aussagen,  den wechselseitigen Respekt (Verbot der Beleidigung und Degradierung),  die Wahl rationaler und begründeter Argumentationsverfahren sowie  die Ausschöpfung aller Argumente, um Entscheidungen zu legitimieren (vgl. Habermas 1984). Habermas nimmt eine Unterscheidung zwischen einer verständigungsorientierten und einer strategischen Kommunikation vor. Während die verständigungsorientierte Kommunikation als normatives Leitbild auf der Basis gemeinsamer Überzeugungen ein rational motiviertes Einverständnis erreichen sollte, kann die strategische Kommunikation mit Drohungen, Täuschungen, und Manipulationen arbeiten. Das Ziel der Debatte liegt in einer Kommunikations- und Verständigungsfähigkeit, die als kommunikative Kompetenz klassifiziert wird. Als Ergebnis sollte eine zwanglos erzielte Einigung auf der Basis konsensstiftender Argumente erreicht werden. <?page no="30"?> 30 2 Kommunikationsethik „In Diskursen suchen wir ein problematisiertes Einverständnis, das im kommunikativen Handeln bestanden hat, durch Begründung wiederherzustellen: in diesem Sinne spreche ich fortan von diskursiver Verständigung.“ (Habermas 1971b, S. 115) Beim Blick auf die regulative Idee einer vernunftbasierten Kommunikation in Diskursen gilt ideal typischerweise: „Die Logik der Argumentation erfordert einen begrifflichen Rahmen, der dem Phänomen des eigentümlich zwanglosen Zwangs des besseren Arguments Rechnung zu tragen erlaubt.“ (Habermas 1985, S. 52f.). Im Diskurs erfolgt die Begründung problematisierter Geltungsansprüche von Meinungen und Normen. „Um sinnvoll miteinander sprechen zu können, so seine (Habermas, C.S.) weitreichende Erkenntnis, müssen wir wie kontrafaktisch auch immer, davon ausgehen, dass Verständigung - und alles das, was mit ihr zusammenhängt, nämlich Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit - mit sprachlichen Mitteln prinzipiell erklärt werden kann. Wir müssen, zumindest, wenn wir aus unseren alltäglichen Interaktionen in eine klärende Argumentation eintreten, so tun, als hätten wir es mit ebenbürtigen, ernsthaften, vernünftigen […] Gesprächspartnern zu tun, die ihre Positionen und Präferenzen jederzeit begründen können und ebenso bereit sind, auf unsere Gründe zu hören.“ (Felsch 2024, S. 70) Dieser sogenannte herrschaftsfreie Diskurs proklamiert eine ideale Sprechsituation als regulative Idee. In der Praxis geht es hingegen um Kompromisse und Mehrheitsentscheidungen, wobei die Machtverhältnisse zentral dazu beitragen können, welche Ergebnisse erzielt werden. Druck und Gewalt können dabei eine Rolle spielen. Grundsätzlich verfolgt das diskursethische Konzept des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas keine normativen Theoriekonzeptionen, die sich an Pflichten wie bei Immanuel Kant (Deontologie), den Gerechtigkeitsidealen von John Rawls (Gerechtigkeitsethik) oder den Nutzenidealen bei John Stuart Mill (Utilitarismus) orientieren. Es gibt nur die Regel, sich an gut begründete Argumente mit fundierten Begründungen innerhalb von Debatten zu halten, um einen Konsens oder Kompromiss unter Einbeziehung der Positionen aller Betroffenen oder deren Stellvertreter: innen zu erreichen (vgl. Schicha 2019a). Nachdem bislang ausgewählte Kommunikationsmodelle skizziert worden sind, die sich zunächst an direkte zwischenmenschliche Austauschprozesse bei persönlichen Begegnungen gerichtet haben, geht es im Folgenden um Formen und Ausprägungen einer internetbasierten Kommunikation und den daraus resultierenden kommunikationsethischen Implikationen. Online-Kommunikation „Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können, ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft. Wir <?page no="31"?> 2.1 Kommunikation 31 erschaffen eine Welt, in der jeder einzelne an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen.“ (Barlow 1995, S. 138) Diese Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace postuliert eine aktive kommunikative Beteiligung im Internet mit utopischen Hoffnungen auf eine Demokratisierung des öffentlichen Diskurses in hierarchiefreien Räumen mit direkten Partizipationsmöglichkeiten. „Die Hoffnung war, dass im Internet das rationale, herrschaftsemanzipierte Ressentiment gefördert und die Demokratie gestärkt würde.“ (Eisenegger/ Udris 2019, S. 75). Diese Euphorie hinsichtlich der Neustrukturierung digitaler Öffentlichkeiten hat sich aufgrund der Entwicklungen und Ausprägungen in digitalen Diskursräumen jedoch nicht bestätigt. „Schlagworte wie Filterblasen, Echokammern und Fake News dominieren mittlerweile die Debatten über den Einfluss von Intermediären. Die Bandbreite der Kritik reicht von der Verrohung des öffentlichen Diskurses über die Begünstigung des Aufstiegs populistischer Parteien bis hin zur unmittelbaren Bedrohung für die liberale Demokratie.“ (Gahntz u.a. 2021, S. 6) Dabei wurde die ethisch-normative Debatte in Bezug auf die digitale Kommunikation in den Kommunikations- und Medienwissenschaften primär durch das Aufkommen der sozialen Medien in Gang gesetzt. Die Krise des Journalismus steht hier die Emanzipation des Publikums gegenüber, das sich aktiv an öffentlichen Debatten über digitale Kanäle beteiligt. Der Berichterstattung wird darüber hinaus von neuen Anbieter: innen bestimmt, die ein primär kommerzielles Interesse verfolgen (vgl. Thomaß u.a. 2024a). Als Intermediäre werden Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Instant-Messaging-Dienste klassifiziert, die online als wesentliche Elemente des Kommunikations- und Informationsverhaltens in Erscheinung treten. Sie fungieren als Intermediäre, da sie den Rezipient: innen die Inhalte aus zahlreichen verschiedenen Quellen erschließen und filtern sowie daraus personalisierte Angebote an die einzelnen Nutzer: innen liefern. Sie „sehen sich selbst aber in der Regel in der Rolle eines neutralen Vermittlers ohne Verantwortung für Inhalte. Diese Position ist umstritten, weil Dienstanbieter (wie Facebook, TikTok oder X) selbst dann, wenn sie keine eigenen Inhalte produzieren, öffentliche Kommunikation formen. Sie entscheiden, zumeist mit der Unterstützung automatisierte algorithmischer Systeme, welche Inhalte wie weitergegeben und präsentiert werden.“ (Heesen 2024, S. 165) Bei den Intermediären stehen die Geschäftsmodelle im Mittelpunkt des Interesses. Hinsichtlich der Empfehlung und Sortierung von Inhalten werden dort Algorithmen verwendet, um Muster zur Vorhersage des Verhaltens der Nutzer: innen erkennen zu können. Dabei werden zuvor vollzogene Interaktionen mit Hilfe der Methoden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz <?page no="32"?> 32 2 Kommunikationsethik beobachtet und ausgewertet. Das Ziel besteht darin, das Publikum möglichst lange auf den Plattformen zu halten (vgl. Schicha 2018b). Die Algorithmen strukturieren Öffentlichkeiten, da sie die Sichtbarkeit von Inhalten zentral beeinflussen. „Um die Interaktion der Nutzer: innen zu messen, haben Plattformen den kommunikativen Austausch quantifiziert: mittels Metriken wie der Zahl der Follower, Klicks, Shares oder Likes wird (politische und gesellschaftliche) Relevanz gemessen.“ (Rademacher/ Kokoschka 2024, S. 461) Kommerzielle Plattformen übernehmen keine öffentlichen Aufgaben. Sie werden auf keine Auswahlsowie Bereitstellungsregeln verpflichtet und streben keine allgemeine Öffentlichkeit an. Plattformen verfügen im Gegensatz zu journalistischen Formaten über keine Reaktion und haben keinen festen Kreis von Abonent: innen. „Sie behaupten zwar Dienstleister ihrer Nutzer: innen zu sein, denen sie Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten gewähren, verwerten aber deren Inhalte und die erhobenen Nutzungsdatum für ihre ökonomischen Ziele. Tatsächlich agieren sie als Dienstleister für jene (webetreibenden) Akteure, die sie bezahlen. Deshalb nehmen Plattformen Zufälligkeit und Beliebigkeit von Meinungen und oder Mitteilungen nicht nur in Kauf, sondern fördern diese, weil es für Traffic (Klicks) besorgt und sich ökonomisch auszahlt.“ ( Jarren/ Fischer 2023, S. 16) Um eine möglichst große Reichweite zu erreichen, werden vor allem die Inhalte ins Netz gestellt, die provozieren und negative Meldungen in den Vordergrund rücken. Rationale Diskurse mit guten Begründungen, die auf fundierten Argumenten basieren, spielen eine untergeordnete Rolle. „Dabei belohnen Algorithmen nicht nur jene, die ständig interagieren, sondern insbesondere jene Beiträge, die skandalisieren, emotionalisieren und provozieren. Damit sind diese Logiken vor allem populistischen, radikalen und extremistischen Kräften zuträglich. (Reuschenbach/ Frenzel 2024, S. 193) Plattformen werden insgesamt für eine Reihe von Problemen der digitalen Öffentlichkeit verantwortlich gemacht, u.a.  „für die Verrohung des öffentlichen Diskurses und die Polarisierung des Streits,  für Mängel in der Informationsqualität wie Falschinformationen, die oft absichtlich in die Welt gesetzt werden, um anderen zu schaden („Fake News“),  für Verstöße gegen den Datenschutz und die Verletzung der Privatsphäre,  für die algorithmische Manipulation der Meinungsbildung und  für das Auseinanderfallen der Öffentlichkeit (in Echokammern und Filterblasen.“ (Neuberger/ Thiel 2022, S. 33) <?page no="33"?> 2.1 Kommunikation 33 Es wird im digitalen Zeitalter immer einfacher, Informationen zu verbreiten und zu nutzen. Dabei gilt zu prüfen, inwiefern derartige Diskurse den normativen Anforderungen eines respektvollen Miteinanders genügen, wo Grenzverletzungen der sogenannten guten Sitten zu beobachten sind, inwiefern Akteur: innen sich auf Medienforen öffentlich artikulieren und welche Folgen dies aus einer kommunikationsethischen Perspektive haben kann. Die Online-Kommunikation liefert potenziell bessere Möglichkeiten zur wechselseitigen Interaktion. Durch die diskursive Dialogstruktur ist ein Austausch von Argumenten und Positionen möglich. Die technische Infrastruktur ermöglicht eine Feedbackorientierung, die ein zielgruppenorientiertes Beziehungsmanagement ermöglicht. Insgesamt werden an die Online-Kommunikation die gleichen normativen Ansprüche gestellt, die auch über die klassischen Medienkanäle vermittelt werden sollten. Allerdings steht bei den Kommunikationsprozessen in den sogenannten neuen Medien die kommerzielle Verwertung im Mittelpunkt. Während traditionelle Qualitätsmedien im Rundfunk und Printbereich sich der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet sehen und eine Kontroll- und Kritikfunktion gegenüber den Mächtigen wahrnehmen sollten, stehen ökonomische Ziele im Mittelpunkt sozialer Onlinemedien. Journalistische Formate werden reguliert und bei Verfehlungen von Medienselbstkontrollinstanzen wie dem Deutschen Presserat sanktioniert. Die Maßnahmen zur Regulierung der Netzkommunikation sind hingegen noch ausbaufähig. Beck (2024b, S. 535) befürchtet, dass die kommerziellen Interessen der Internetanbieter nicht dazu beitragen, normative Kriterien zu beachten. „Aus plattformökonomischer Sicht sind die ethisch eher problematischen Kommunikationsepisoden sogar die ertragreichen, weil sie Häufigkeit, Dauer und Gesamtumfang der Kommunikation auf der Plattform besonders stark wachsen lassen. Plattformen verhalten sich rational, wenn sie gegenüber Inhalt und Form der Kommunikation indifferent bleiben.“ Im Web 2.0 existiert zwar eine diskursive Dialogstruktur, die den Austausch von Interaktionen und Argumenten und daraus resultierend die öffentliche Meinungs- und Willensbildung ideal typischerweise fördern kann, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufzubauen (vgl. Zerfaß/ Pleil 2012, Prinzing 2021). Häufig geht es aber bei derartigen Onlineangeboten primär um Unterhaltung und Selbstdarstellung. Sogenannte YouTube-Berühmtheiten präsentieren im Internet im Rahmen einer „narzisstischen Selbstdarstellung“ (Habermas 2022, S. 58) selbst produzierte Videos und suchen Anerkennung durch eine möglichst hohe Klickrate und positive Kommentare. „Die zu Autoren ermächtigten Nutzer provozieren mit ihren Botschaften Aufmerksamkeit, weil die unstrukturierte Öffentlichkeit durch die Kommentare <?page no="34"?> 34 2 Kommunikationsethik der Leser und die ‚Likes‘ der Follower erst hergestellt wird. Soweit sich daraus selbsttragende Echoräume bilden, teilen diese Blasen mit der klassischen Gestalt der Öffentlichkeit den porösen Charakter der Offenheit für weitere Vernetzungen.“ (Habermas 2022, S. 62f.) Aufgrund der kommerziellen Ausrichtung digitaler Angebote erzielen unterhaltende und triviale Inhalte im Netz eine hohe Resonanz. Kaum etwas wird in den sozialen Medien so regelmäßig angeklickt wie niedliche Katzenbilder. „Catcontent gibt es für jeden Geschmack, ob witzig, gefährlich, rührend oder süß. Die Tiere sind facettenreich und legen häufig ein für den Menschen unerklärliches Verhalten an den Tag, das eine niedliche Seltsamkeit (cute weirdo) suggeriert und dafür prädestiniert ist, in Internetblogs und Sozialen Medien geteilt zu werden.“ (Korowin 2024, S. 8f.) Die Kommunikation im Internet „in vernetzten Welten“ (Grimm/ Keber/ Zöllner 2019) ist mit erheblichen Risiken verbunden. Sie stellt eine ideale Plattform für Verschwörungserzählungen, Gerüchte, Lügen, falsche Anschuldigungen und Skandalisierungen dar (vgl. Schicha 2019a, Schicha/ Stapf/ Sell 2021). Dort besteht die Möglichkeit, anonyme Einträge einzustellen. Es werden negative Bewertungen vorgenommen, die auch dann kaum zu entfernen sind, wenn sie sich als haltlos herausstellen. Vertreter: innen neuer sozialer Bewegungen, wie ‚normale‘ Bürger: innen können ihrem Ärger über Blogs im Internet Raum geben, sich mit Gleichgesinnten via X vernetzen und damit eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit erreichen, die dazu führen kann, dass der Reputation von fälschlicherweise Beschuldigtem ungerechtfertigtem Schaden zugeführt werden kann. Im Gegensatz zu den klassischen Medien zeichnet sich die Online-Kommunikation durch einen höheren Beschleunigungsgrad aus. Es ist technisch kein Problem, Mitteilungen in Echtzeit an ein breites Publikum kostenlos zu verschicken, welches direkt darauf reagieren kann. Somit ist ein rasches Feedback möglich. Statusmeldungen werden bei Facebook gepostet. Die Selbstdarstellung findet sich bei Xing wieder. Wikipedia-Einträge dienen der Wissensvermittlung und Eigenwerbung. Online-Communities bieten als Beziehungsnetzwerke einen Raum für Diskussionen, können aber aus kommerziellen Gründen zur Datenverwertung genutzt werden (vgl. Deutschlandradio 2013). Zwar lassen sich konstruktive Merkmale aufzeigen, die unter dem Stichwort Schwarmintelligenz subsumiert werden können. Gleichwohl lassen sich destruktive Entwicklungen benennen, die Personen oder Gruppen massiv schaden können. Dies hängt damit zusammen, dass sich durch die Neuen Medien die Geschwindigkeit der Informationsübertragung rasant erhöht hat, was oftmals dazu führt, dass die Maxime Schnelligkeit vor Gründlichkeit im Online-Journalismus eine höhere Priorität erlangt. In diesem Fall werden dann Informationen ohne ausreichende Recherche weitergegeben. <?page no="35"?> 2.1 Kommunikation 35 Die Anzahl der Beschimpfungen gegenüber Personen, Organisationen und Institutionen nimmt schon aufgrund des quantitativ wachsenden Anteils an Diskursteilnehmer: innen stetig zu. Daraus ergeben sich eine Reihe von Problemen, die auch auf internationaler Ebene zu beobachten sind. „Fake News, Filterblasen, Hetz- und Hasskommunikation, Mobbing auf der einen Seite und die Formierung eines historisch erstmalig perfekten totalitären Überwachungsstaates im Falle Chinas zeigen an, dass die Universalisierung von Kriterien der redaktionellen Prüfung von Fakten und Tatbeständen qualifizierter Berichterstattung, von einer Balancewirkung der vierten Gewalt, von demokratischer Partizipation an eine Grenze gekommen ist, jenseits derer sie sich erst mal nicht weiter ausbreiten wird.“ (Welzer 2020, S. 24) Infrastrukturen wie Blogs, Videoportale und Online-Diskussionsgruppen haben zu großen Veränderungen der Kommunikation geführt. Durch derartige Onlinetechnologien haben sich Verschiebungen im Öffentlichkeitsgefüge ergeben, indem weitere Teilöffentlichkeiten entstanden sind, die sich in einem ständigen diskursiven Austausch befinden und dabei Kontrollfunktionen übernehmen, wie das Beispiel des computerunterstützten Plagiatfinders im Falle des ehemaligen CSU-Ministers Karl Theodor zu Guttenberg und anderen Politiker: innen zeigt (vgl. Schicha 2011a, Schrape 2015). Faktisch haben sich soziale Netzwerke zu lukrativen Geschäftsmodellen entwickelt. Aufgrund der Reichweite und der Folgen derartiger Aktivitäten hat die öffentliche Debatte um die Veränderung von Privatheit durch die auf Werbeeinnahmen angewiesenen sozialen Netzwerke wie Facebook in den letzten Jahren rasant zugenommen. Einstmals geschützte Kommunikationsräume werden geöffnet. Daten können somit weltweit abgerufen und verbreitet werden. Grundsätzlich sind Daten im Internet weltweit für jeden und jede abrufbar und dauerhaft verfügbar. Theoretisch kann jede Person beobachtet werden und wird ggf. selbst zum Objekt eines Skandals (vgl. Pörksen/ Detel 2012). Es werden enorme Datenmengen mit skandalösem Inhalt durch Organisationen wie Wikileaks in Kooperation mit internationalen Qualitätsmedien ins Netz gestellt, die Skandale und Missstände deutlich machen und so für die breite Öffentlichkeit sichtbar sind. Insofern werden hier auch wichtige Aufgaben der Kontrolle und Kritik übernommen (vgl. Burkhardt 2011 und 2019, Schicha 2012). „Aufzeichnungsmedien wie Handys, Digitalkameras, leistungsstarke Computer, Verbreitungsmedien im Social Web, also Netzwerk- und Multimediaplattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, persönliche Websites und Wikis sind die neuartigen Instrumente solcher Skandalisierungsprozesse. Sie liegen heute potenziell in den Händen aller.“ (Detel 2013, S. 57) <?page no="36"?> 36 2 Kommunikationsethik Private Daten sind gegen Missbrauch zu schützen. Faktisch nutzen kommerzielle Anbieter die Möglichkeit, Kund: innendaten zu sammeln, um Kaufprofile zu erstellen. Doch es gibt auch Formen der freiwilligen Offenbarung, wenn Personen private Informationen ins Netz stellen. Sie artikulieren ihre politische Meinung, berichten über ihre Krankengeschichte und haben keine Hemmungen, sich online zu präsentieren. Offensichtlich ist in solchen Fällen die Hemmschwelle gesunken, Privates und Intimes mit anderen zu teilen. Dabei setzen sich diese Personen dem Risiko aus, persönlich bewertet und angegriffen zu werden. Zu viel Transparenz kann demzufolge auch negative Konsequenzen haben. Die Kommunikation über digitale Kanäle verändert massiv die öffentliche Diskurskultur. Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass verbesserte Beteiligungsmöglichkeiten an gesellschaftlichen Diskursen sowie an der politischen Willens- und Meinungsbildung für weite Teile der Öffentlichkeit dadurch möglich sind. Dies zeigt sich unter anderem im Umgang mit Nutzer: innenkommentaren zu Veröffentlichungen im Internet. Dabei stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Prüfung und Freischaltung von Kommentaren zu bewerkstelligen ist, die einerseits das Recht auf eine freie Meinungsäußerung beachtet, gleichzeitig aber Falschmeldungen und Hetze unterbindet. „Zugleich birgt diese Debattenkultur auch Risiken für die demokratische Diskursrationalität, wenn destruktive oder emotionsgeladene Kommunikationspraktiken in den Vordergrund treten.“ (Kramp/ Weichert 2020, S. 537). Neben der professionellen journalistischen Berichterstattung hat sich im Internetzeitalter der Kreis der Akteur: innen erweitert, die sich an öffentlichen Diskursen beteiligen. Personen aus der Zivilgesellschaft posten ihre Beiträge auf diversen sozialen Netzwerken, die keiner redaktionellen Kontrolle unterworfen sind. Somit erweitert sich das Diskurspektrum, das einerseits neue Debattenräume eröffnet und größere Partizipationsmöglichkeiten schafft. Während professionelle Journalist: innen lange die Inszenierungsdominanz bei der Auswahl, Vermittlung und Einordnung von Themen und Meldungen innehatten, beteiligen sich durch die neuen Medien an derartigen Debatten nun auch Bürger: innen ohne einen journalistischen Hintergrund. So hat es der YouTuber Rezo mit seinem am 18. Mai 2019 publizierten Video Die Zerstörung der CDU geschafft, innerhalb einer Woche fünf Millionen Aufrufe zu generieren. In dem fast einstündigen Film wurde die Politik der Union massiv angegriffen. Hier wurden aber nicht nur Meinungen geäußert, sondern Zahlen, Daten und Fakten präsentiert, die die vorgebrachte Kritik stützten. Es gab Reaktionen der damaligen Parteivorsitzenden und des Generalsekretärs der CDU sowie mediale Anschlussdiskurse (vgl. Wegener/ Heider 2019). <?page no="37"?> 2.1 Kommunikation 37 Individuelle wie kollektive Akteur: innen können ohne Umweg über journalistische Formate Inhalte veröffentlichen oder mit ihren Bezugsgruppen (Politiker: innen, Verbände etc.) direkt interagieren. Über soziale Netzwerke werden Informationen und Fotos z.T. anonym geschaltet. Ein Impressum ist oftmals nicht mehr vorhanden. Jeder und jede, der oder die über die technische Infrastruktur und ein entsprechendes Wissen verfügt, kann sich an öffentlichen Debatten beteiligen (Pentzold/ Katzenbach/ Fraas 2014). Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, an Diskursen über das Internet zu partizipieren und dabei z.B. Memes als kommunikative Praktik in alternativen Öffentlichkeiten einzusetzen (Hammer 2019; Osterroth 2019; von Gehlen 2020). Insgesamt ergeben sich also zahlreiche Veränderungen durch den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit. „In mediatisierten Lebenswelten wird ein Großteil der Kommunikation strategisch. Die Kommunikationswelten einer digitalen Gesellschaft verstärken die Notwendigkeit der Identifikation von Strategien zur Gewinnung von Aufmerksamkeit und Medienmacht. Anders als eine redaktionell moderierte öffentliche Meinungsbildung durch Rundfunk/ Fernsehen und etablierte Presse zeichnet sich die neue Kommunikation durch einen Wettstreit der Partikularinteressen aus.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 248) Es ist eine größere und leichter zugängliche Medienvielfalt auch durch soziale Netzwerke entstanden. Dadurch wird die Aufmerksamkeit breiter gestreut. Klassische Medienangebote verlieren an Reichweite. Dadurch kann die Qualität leiden. Die Fokussierung auf populäre Angebote, die dem Marktmodell folgen, kann dazu führen, dass relevante Themen, die für die öffentliche Meinungs- und Willensbildung bedeutsam sind und einen Wissensgewinn versprechen, in den Hintergrund treten. „Und der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit droht generell, die für die liberale Demokratie vitalen Funktionen der Öffentlichkeit zu beeinträchtigen. Bedrohlich sind auch durch jenen Strukturwandel zusätzlich begünstigte hybride Angriffe, die die prinzipielle Zugangsoffenheit und Freiheit der demokratischen Öffentlichkeit in strategisch antidemokratischer Absicht ausbeuten, etwa durch die Verbreitung von Desinformationen, Propaganda und Hetze.“ (Stulpe 2024, S. 9) Das Beziehungs-, Identitäts-, und Informationsmanagement konzentriert sich zunehmend auf intermediäre Plattformanbieter wie Facebook und Google. Die Medienrezeption richtet sich dort stärker auf Berichte, die auf Polarisierung, Emotionalisierung und negative Formen der Meinungsbildung setzen (v gl. Lischka/ Müller-Eiselt 2017). Eine große Gefahr geht von radikalen Gruppierungen aus, die mit Unterstützung digitaler Techniken Desinformationskampagnen und Wahlmanipulationen verbreiten (vgl. Ebner 2019). „Die Filter der sozialen Medien sind so eingestellt, dass antisoziale Typen sich austoben können, Trittbrettfahrer schwer zu enttarnen sind und Online- <?page no="38"?> 38 2 Kommunikationsethik Mobs dazu angestachelt werden, Einschüchterungskampagnen zu fahren.“ (Hübl 2024, S. 192) Um derartige Entwicklungen angemessen einordnen und beurteilen zu können, ist ein normatives Fundament auf der Basis ethischer Kriterien erforderlich. 2.2 Ethik Wenn von Ethik und Moral die Rede ist, gibt es Assoziationen, die mit Arroganz in Form von moralischer Überlegenheit oder Besserwisserei bis hin zur Bevormundung reichen. Es fallen Begriffe wie Prinzipienreiterei, Rigorismus und Oberlehrertum. Derartige Ausprägungen können aber eher als Moralismus klassifiziert werden, der eine moralische Überreaktion darstellt (vgl. Neuhäuser/ Seidel 2022). Bei der Ethik oder Moralphilosophie geht es nicht darum, Menschen zu bevormunden, zu überwachen oder gar auszuspähen, sondern um eine gut begründete Form der Handreichung von normativen Kriterien, um das zwischenmenschliche Zusammenleben besser zu machen. Die Ethik ist relevant für das Leben von Menschen, da sie Hilfestellung und Orientierung gibt und als wissenschaftliche Disziplin eine Reflexionstheorie der Moral darstellt, um das Verhalten in eine wünschenswerte Richtung zu steuern. Sie formuliert Werte in Form von Vorstellungen, Ideen und Idealen. Dabei werden wünschenswerte Handlungen und Einstellungen erarbeitet, die einen Beitrag dazu leisten sollen, dass das Zusammenleben in der Gesellschaft besser gelingen kann. Werte „steuern unsere Handlungen, beeinflussen unsere Wahrnehmung und Wirklichkeitskonstruktion und sie stellen Motive für unser Handeln dar.“ (Grimm/ Keber/ Zöllner 2019, S. 20) Hierbei kann die Einordnung von Werten und Normen wie folgt getroffen werden: „Während Werte und Wertvorstellungen als erstrebenswerte, wertvolle Eigenschaften oder Qualitäten definieren können, die Ideen, Objekten, Sachverhalten, aber auch Handlungsmustern oder Charaktereigenschaften zugeordnet werden, lassen sich (soziale) Normen eher als Vorschriften, als Handlungsmaximen oder Verhaltensregeln verstehen. Viele Phänomene, von denen wir auch in der öffentlichen Kommunikation sprechen, wie z.B. Wahrheit, Fairness, Objektivität, Transparenz, Offenheit etc. können sowohl als Normen, wie auch als Werte fungieren.“ (Bentele 2021, S. 63f.) Ethik gilt als der wissenschaftliche Terminus für das moralische und sittliche Handeln, wobei Ethik und Moralphilosophie synonym gebraucht werden. Es lassen sich unterschiedliche Bereiche und Reichweiten innerhalb der normativen Konzeptionen aufzeigen (vgl. Heise 2013, Schicha/ Brosda 2010, Schicha 2019a).  Die Metaethik beschäftigt sich mit der abstrakten Bedeutung und Begründung von Ethik. <?page no="39"?> 2.2 Ethik 39  Ethische Theorien verfolgen unterschiedliche Zugänge und setzen sich mit Begründungen auseinander, die z.B. den Nutzen (Utilitarismus), die Pflicht (Deontologie), Debattenverfahren (Diskursethik), Gerechtigkeitsaspekte (Gerechtigkeitsethik) oder Gemeinschaftsbildung (Kommunitarismus) präferieren.  Ethische Prinzipien setzen auf generelle Normen wie Menschenwürde, Vertrauen, Handlungsautonomie, Selbstbestimmung und Wahrhaftigkeit.  Ethische Richtlinien und Regeln orientieren sich an Standards, die zum Beispiel Grundsätze eines guten wissenschaftlichen Arbeitens umfassen.  Die Alltagsmoral greift auf erlernte Vorstellungen und Kompetenzen zurück, um moralische Urteile anhand konkreter Einzelfälle vornehmen zu können. Das ethische Instrumentarium auf Basis philosophischer Theoriemodelle wird eingesetzt, wenn ein moralisches Dilemma auftritt und normative Fragen des richtigen Tuns oder Unterlassens zu entscheiden sind. Moralische Ansprüche können eine Einschränkung menschlicher Bedürfnisse zur Folge haben, da Respekt und Rücksicht gegenüber den Mitmenschen einen Verzicht bedeuten können, egoistische Motive auszuleben. Die Ethik reflektiert ihre Formen und Prinzipien ohne Berufung auf politische und religiöse Aussagen oder in Bezug auf althergebrachte Gewohnheiten. Moralische Aussagen sind begründungsbedürftig. Dabei sollte die Bildung und Begründung eines Urteils in einem emotionslosen Zustand erfolgen, um rationale Entscheidungen treffen zu können. Es muss begrifflich klar formuliert werden und es sollte Kenntnis über alle relevanten Umstände für die Bildung des Urteils vorhanden sein. Grundsätzlich gilt für ethische Urteile das Prinzip der Unabhängigkeit. Sie sind kategorisch und bewerten Handlungen unabhängig davon, inwiefern diese den Zwecken oder Interessen der Akteur: innen entsprechen (vgl. Schicha 2010a). Insgesamt lassen sich Birnbacher (2003) zufolge vier gesellschaftliche Funktionen der Moral voneinander unterscheiden.  Verhaltensorientierung und Erwartungssicherheit: Moralische Selbstverständlichkeiten sorgen dafür, dass der einzelne Mensch sich im Alltag gewohnheitsmäßig an bestimmten Normen orientiert und andere dies in ihre Verhaltenserwartungen aufnehmen.  Soziales Vertrauen und Angstminderung: Moralische Normen setzen Übergriffen Anderer Grenzen und mindern die Angst vor Aggressivität und Übervorteilung.  Ermöglichung gewaltloser Konfliktbewältigung: Moralische Normen erlauben es, Interessen und Normkonflikte nach Regeln statt nach dem Gesetz des Stärkeren zu lösen. <?page no="40"?> 40 2 Kommunikationsethik Schaffung von Kooperationen: Moralische Normen schaffen Vertrauen in die Verlässlichkeit von Versprechen und Verträgen. Sie bilden die Grundlage für eine längerfristige Zusammenarbeit zum wechselseitigen Vorteil. Im Rahmen ethischer Kriterien lassen sich u.a. folgende Analysedimensionen aufzeigen, die als normative Leitlinien Bewertungsmaßstäbe anbieten (vgl. Altmeppen u.a. 2019).  Freiheit (Einsatz für Selbstbestimmung und Handlungsautonomie),  Gerechtigkeit (Herausbildung von Chancengleichheit),  Integration (Stärkung des Zusammenhalts),  Wahrheit (Aufzeigen möglicher Manipulation),  Verantwortung (Prüfung der Zuständigkeiten),  Gemeinwohl (Partizipation aller Betroffenen),  Transparenz (Verdeutlichung von Entscheidungsprozessen),  Vielfalt (Berücksichtigung zahlreicher Gruppen und derer Interessen) Auf Basis dieser und weiterer Leitlinien reflektiert die angewandte Ethik oder Bereichsethik konkrete Kriterien in ihren Praxis- und Anwendungsfeldern. Normativen Maximen zu folgen, bedeutet eine Orientierung an moralischen Grundsätzen, die sich im Verlauf der Zeit aufgrund neuer Erkenntnisse oder sich ändernden Wertvorstellungen wandeln können. Sie werden dann modifiziert oder durch andere Inhalte ausgetauscht, erheben aber zum jeweiligen Zeitpunkt einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit (vgl. Thurnherr 2000). Eine universalistische Moralkonzeption sieht vor, dass eine Gleichbehandlung aller Menschen verlangt wird. Dies ist in der Erklärung der Grund- und Menschenrechte manifestiert worden. „Menschenrechte sind keine bloß zufälligen Konventionen, die - wie das Autofahren auf der rechten oder linken Straßenseite - gegen andere Verhaltensregeln austauschbar wären […]. Menschenrechte sind vielmehr absolute und unveräußerlicher Rechte, die jedem Menschen alleine aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Gattung Homo Sapiens zukommen.“ (Hübl 2024, S. 79) Dazu gehören Amnesty International (2018) als weltweit größte Bewegung, die für Menschenrechte eintritt, zufolge unter anderem  die Freiheits- und Gleichheitsrechte,  das Verbot der Diskriminierung,  das Recht auf Leben und Freiheit,  das Verbot der Folter,  die Anerkennung als Rechtsperson,  die Gleichheit vor dem Gesetz, <?page no="41"?> 2.2 Ethik 41  der Anspruch auf Rechtsschutz,  der Schutz vor Verhaftung und Ausweisung,  der Anspruch auf ein faires Gerichtsverfahren,  die Unschuldsvermutung,  die Freiheitssphäre des Einzelnen,  die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit,  die Meinungs- und Informationsfreiheit und  die Versammlungsfreiheit sowie das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Die Ethik oder Moralphilosophie stellt dabei ein Set von kulturunabhängigen Konventionen, tradierten Wertvorstellungen sowie geschichtlich gewachsenen Geboten und allgemeinen Normen zur Verfügung, die das Verhalten einer einzelnen Person oder in einer Gruppe ordnen und koordinieren sollen. Sie ist eine argumentativ agierende Disziplin, die allgemeine Begründungen für das richtige und gute Handeln auf der Basis von Werten und Normen erarbeitet (vgl. Bauer 2022). „Den Gegenstand ethischer Untersuchungen und Erörterungen bilden diejenigen menschlichen Verhaltensweisen oder Haltungen, von denen behauptet wird, sie wären unverzichtbare Formen eines gelungenen oder guten Lebens. Ethik beschäftigt sich also unmittelbar mit Urteilen, Grundsätzen oder Regeln, in denen etwas über gutes menschliches Handeln ausgesagt oder festgeschrieben wird.“ (Thunherr 2000, S. 7) Die Ethik besteht aus zahlreichen Teildisziplinen von der Medizinethik über die Technikethik bis hin zur politischen Ethik. Die Medienethik gilt als Überbegriff für zahlreiche Formen und Ausprägungen im Zusammenhang mit massenmedialen Inhalten. Dabei wird auf einen Wertekanon zurückgegriffen, der unter anderem die Medienfreiheit, den Schutz der Privatsphäre sowie die Wahrheit und Pluralität der Berichterstattung umfasst. Hierbei werden Grenzüberschreitungen problematisiert, bei denen Journalist: innen sich nicht an den Regeln einer ethisch angemessenen Berichterstattung orientiert haben, sondern aufgrund kommerzieller Interessen und mangelnder Recherche Falschmeldungen publizierten, Persönlichkeitsrechte von Opfern verletzten oder die Unschuldsvermutung missachteten. Das Spektrum reicht von der voyeuristischen Berichterstattung über Amokläufe wie dem in Winnenden über Selbsttötungen eines Germanwings-Piloten bis hin zu falschen Verdächtigungen im Fall des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (vgl. Jackob 2018). Auch innerhalb der Medienethik haben sich weitere Teildisziplinen von der Roboterethik (vgl. Decker 2016), über die Informationsethik (vgl. Bendel 2016) bis hin zur Bildethik (vgl. Schicha 2021b) entwickelt. Dabei gibt es Über- <?page no="42"?> 42 schneidungen verschiedener Teilsysteme, die sich mit normativen Fragen auseinandersetzen. So korrespondiert die Kommunikationsethik mit der Wirtschaftsethik, der Technikethik, der Medienethik und der Wissenschaftsethik. Bei der Beurteilung öffentlichen Kommunikationsprozesse kann weiterhin auf Elemente der politischen Ethik und Werbeethik zurückgegriffen werden (vgl. Thurnherr 2000, Horster 2013, Reichelt 2018, Schicha 2019). Als Minimalforderung für den angemessenen Umgang von Menschen sollte das von den Medizinethikern Beauchamp und Childress (1989) formulierte Prinzip der Nichtschädigung gelten. Der postulierte Respekt vor der Autonomie des Menschen und seiner Privatsphäre richtet sich gegen Zwänge oder manipulierte Einflussnahmen auf Personen. Als Voraussetzung für diese ethischen Ansprüche sind verschiedene Freiheiten unverzichtbar. „Religionsfreiheit, Freiheit des Denkens und Redens, Vereinigungsfreiheit, sexuelle und reproduktive Freiheit, Schutz der Privatsphäre, Verbot von Folter und grausamer Bestrafung werden allesamt von einem unmittelbaren Gefühl dafür getragen und teils identifiziert, wie Menschen behandelt und nicht behandelt werden sollten, ein Zwang, der Kosten-Nutzen-Kalkülen vorausgeht.“ (Nagel 2025, S. 13) Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit liefern hierfür ebenso notwendige Voraussetzungen wie die Wertschätzung für und die Unverletzlichkeit von Menschen. Eine weitere Forderung liegt in der Verfolgung des Gerechtigkeitsprinzips auf der Basis einer Orientierung am Gleichheitsprinzip. Das anspruchsvollste Prinzip des Wohltuns fordert nicht nur die Abwendung von Schaden, sondern vertritt die Auffassung, dass das Wohl anderer Menschen aktiv gefördert werden sollte. Dieser Anspruch kann zu Überforderungen führen. Diese vier Prinzipien von Beauchamp und Childress lassen sich vom medizinischen Kontext auch auf soziale Zusammenhänge übertragen. Als Basis hierfür ist eine offene Debattenkultur unter demokratischen Verhältnissen erforderlich, die eine angstfreie Kommunikation möglich macht. 2 Kommunikationsethik <?page no="43"?> 3 Normen Normen werden auf der Basis von Werten wie den Menschenrechten auch rechtlich manifestiert. Das Grundgesetz (GG) für die Bundesrepublik Deutschland ist bereits seit mehr als 75 Jahren in Kraft. Nach der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 wurde in Westdeutschland im Jahr 1949 dieses bedeutende Regelwerk durch den parlamentarischen Rat manifestiert, der zentrale Regeln festgelegt hat. Neben der im Artikel 1 des GG festgeschriebenen Achtung der Menschenwürde, den im Artikel 2 formulierten Absatz zu den persönlichen Freiheitsrechten und der im Artikel 5 postulierten Einhaltung der Kommunikationsfreiheiten besagt der Artikel 3 der Verfassung, dass alle Menschen gleich sind und dass jegliche Diskriminierung abzulehnen ist. Dort heißt es: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2022) Die Anforderungen an offene Diskurse im Verständnis eines kommunikationsethischen Leitbildes bestehen darin, dass gemeinsame Ausgangspunkte innerhalb kontroverser Debatten möglichst von allen Teilnehmer: innen respektiert werden sollten. Die Plausibilität der Argumente sollte durch gute Begründungen untermauert werden. Dabei sollte eine redliche Bezugnahme auf das Gesagte ebenso vorhanden sein wie die Orientierung an der Maxime der Wahrheit als regulative Idee, um einen Konsens oder zumindest einen Kompromiss erreichen zu können. Derartige Diskurse sollten auf der Basis der formalen und sachlichen Richtigkeit, der Kooperationsbereitschaft und argumentativen Rationalität aufrichtig, ernsthaft, verständlich und respektvoll geführt werden. Grundsätzlich sollte über alle Themen offen gesprochen werden dürfen (vgl. Meyer/ Schicha/ Brosda 2001). Römmele konstatiert (2019, S. 130): „Kein Thema darf mit einem Tabu behaftet sein. Klammern wir bestimmte Aspekte aus unserem Diskurs aus, eröffnen wir Dunkelkammern, in denen sich Gegendiskurse entwickeln können, auf die ein demokratischer Diskurs keinen Zugriff hat.“ Damit konstruktiv miteinander gestritten werden kann, müssen Grundregeln beachtet werden. Gewaltlosigkeit, Vernunft, Diskretion, Vertraulichkeit, Respekt, Toleranz und Kompromissbereitschaft sind grundlegende Voraussetzungen, um lösungsorientiert zu agieren (vgl. Reese-Schäfer/ Mönter <?page no="44"?> 44 3 Normen 2013). Polemik, Diskreditierung und Schmähkritik sollten hingegen verhindert werden (vgl. Pöttker 2022). Ein sachorientierter und faktenbasierter Diskurs sollte Phasen des Zuhörens, Fragens und Zweifels enthalten, um Verständnis füreinander entwickeln zu können. Roberts und Filipovic (2022) verweisen auf weitere Kriterien für einen angemessenen Diskurs aus einer normativen Perspektive. Dazu gehören Verständigungsbereitschaft, Sensibilität sowie die Bereitschaft zur argumentativen Begründung von Meinungen und Werthaltungen im Rahmen der öffentlichen Kommunikation. Eine ethisch angemessene gesellschaftliche Kommunikation setzt weiterhin voraus, dass soziale Beziehungen wechselseitiger Anerkennung auf der Basis der formulierten Geltungsansprüche auf Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit im Diskurs geprüft und diskutiert werden. „Das aber gelingt nur, wenn man die Argumente wägt und Stellung bezieht, um gegebenenfalls im weiteren Diskurs etwaige Unklarheiten auszuräumen.“ (Brosda 2019, S. 31) Dabei sollten Erkenntnisse, die sich aufgrund neuer Zahlen, Daten und Fakten ändern können, als vernünftige Grundlage in Debatten akzeptiert werden. Die Gestaltung einer konstruktiven Kommunikationsordnung kann einen produktiven Beitrag für die Redefreiheit leisten, die sich aber nur unter demokratischen Gegebenheiten umsetzen lässt, die entsprechende Freiheitsspielräume ermöglicht. Ohne Freiheit kann es keine Verantwortung geben. „Im allgemeinen Verständnis ist Freiheit also die Fähigkeit, selbstbestimmt zu agieren, eine grundlegende Voraussetzung für die Zurechnung und von Verantwortung. Menschen, die sich im Zustand der Unfreiheit und Unmündigkeit befinden, können keine oder nur eine abgestufte Form der Verantwortung übernehmen.“ (Liessmann 2023, S. 14f.) Eine freiheitlich-demokratische Grundordnung stellt dabei die notwenigen Voraussetzungen zur Verfügung, um Verantwortungshorizonte zu ermöglichen. 3.1 Demokratie „Das liberale Demokratieverständnis stellt […] hohe Anforderungen an die öffentliche Kommunikation. Inklusivität, Responsivität, Zivilität sowie die Bedingung der argumentativen öffentlichen Begründung stellen die normativen Grundannahmen auch der medienvermittelten öffentlichen Kommunikation dar.“ (Roberts/ Filipovic 2022, S. 137) Die Demokratie gilt als Selbstregierung der Bürger: innen. Sie fungiert als politische Ordnung, die legitimiert ist und in der die Gesetze, nach denen regiert wird, von den Bürger: innen selbst hervorgebracht sein müssen. Sie sollte fürsorglich agieren und auch das Gemeinwohl hin ausgerichtet sein. Dabei geht es um Teilhabe durch Partizipation. Die freiheitlich demokratische Grundordnung vom Typ der Bundesrepublik Deutschland ist von der Zustimmung <?page no="45"?> 3.1 Demokratie 45 ebenso abhängig wie durch das Vertrauen in dieser Ordnung. Demokratische Prozesse sollten Grund- und Minderheitenrechte ebenso in den Fokus nehmen wie faire Verfahren durch Wahlen und parlamentarischer Abläufe. Freiheit, Gleichheit sowie eine plurale und gesellschaftliche Inklusion gelten als normative Maßstäbe demokratischen Handelns. Dabei bezieht sich die Freiheit zunächst auf die liberale Dimension der Demokratie in Form von Grund- und Bürgerrechten. Sie ist zugleich mit der aktiven Partizipation der Bürger: innen verknüpft, die auf Pluralität und Toleranz basiert und ein gesellschaftliches Leben ermöglichen sollte, zudem alle Bürger: innen in einem gleichen Maße Zugang haben sollten. Die Gleichheit setzt voraus, dass alle Menschen in der Demokratie die Möglichkeit erhalten sollten, aktiv am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren. Die Toleranz und Anerkennung gegenüber anderen Auffassungen gehören zum konstitutiven Bestandteil einer funktionierenden Demokratie (vgl. Neuberger/ Thiel 2022). Lessenich (2019, S. 7) vertritt die Auffassung, dass die Demokratie „möglicherweise der Hochwertbegriff der westlichen Moderne schlechthin ist“. In dieser Staatsform gelten Grundwerte wie Gleichheit und Freiheit als Menschenrechte (vgl. Sen 2004). Dabei ist die Meinungsfreiheit eine zentrale Voraussetzung. „Die Meinungsfreiheit ist eines der grundlegenden Menschenrechte in modernen Demokratien. Einerseits ermöglicht sie die individuelle Persönlichkeitsentfaltung und Meinungsbildung. Andererseits ist sie zentral für das Funktionieren demokratischer Prozesse, weil sie gewährt, divergierende Ansichten öffentlich zum Ausdruck zu bringen, sich gegenüber der Politik zu artikulieren und in freien, diskursiven Aushandlungsprozessen zu konsensfähigen Lösungen politischer Fragen zu kommen.“ (Rothut u.a. 2023, S. 50) Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gibt den Bürger: innen nicht nur die Möglichkeit, sich an öffentlichen Diskussionen zu beteiligen, sondern es fördert die persönliche und öffentliche Meinungsbildung, sofern eine aktive Teilnahme an Diskussionen zu gesellschaftlich relevanten Themen in einem geschützten Rahmen möglich ist, die einen gewaltfreien kommunikativen Ausgleich von Interessen ermöglicht. Dafür muss die Demokratie verteidigt und geschützt werden. In einer Demokratie zu leben bedeutet, dass Menschen in die Lage versetzt werden, selbst über ihr eigenes Leben zu verfügen. Die Voraussetzung hierfür sind Rahmenbedingungen, in denen Solidarität und Empathie die Grundlage jedes gerechten Gemeinwesens bilden (vgl. Süß/ Torp 2021). Hierbei sind faire Verhältnisse erforderlich, die durch freie Wahlen und konstruktive Debatten zum Ausdruck kommen. Die Orientierung am Allgemeinwohl und der Abbau von Ungleichheiten sind wichtig für die demokratische Staatsform. Die Verfolgung von Prinzipien der Menschenwürde ist ebenso unverzichtbar wie die Gewaltenteilung durch eine unabhängige Justiz und die Kontrolle der Regierung durch das Parlament. Für eine funk- <?page no="46"?> 46 3 Normen tionierende Mediendemokratie sind Kommunikations- und Medienfreiheiten zentral, die ebenfalls eine Kontrolle und Kritik gegenüber den Mächtigen durch eine kritische Berichterstattung ausüben sollten (vgl. Haller 2014, Görlach 2021). „Journalismus beeinflusst die Voraussetzung von Demokratie - die politische Kultur; die Sachlichkeit der Debatte und Qualität der Meinungsbildung; die entsprechende Lernbereitschaft der Bürger: innen und Bürger; ihren mehr oder minder ausgeprägten Gemeinsinn; und den Zusammenhalt des Gemeinwesens - kurz um die Kraft der Demokratie.“ (de Weck 2024, S. 12) Die Demokratie kann als besondere Form der Selbstbestimmung klassifiziert werden, die als normative Grundprinzipien dem Anspruch von Freiheit und Gleichheit aller Menschen genügt (vgl. Gerhardt 2018). Nur unter diesen Rahmenbedingungen, die auch den Schutz der Privatsphäre umfasst, kann eine offene Diskurskultur vollzogen werden, die auf der Basis vernünftiger Argumente mit guten Gründen diskursiv vollzogen wird. Einschüchterungen und Ausgrenzungen sind hingegen kontraproduktiv (vgl. Nida-Rümelin 2023). Gleichwohl ist konstruktiver Streit nach den Regeln der Fairness ein Wesensmerkmal demokratischer Debatten. „Streiten und die freien Meinungsäußerungen sind der Sauerstoff der Demokratie. Demokratie eröffnet Diskursräume, schützt öffentliche Räume, in denen die unterschiedlichsten Perspektiven, Meinungen, Argumente angstfrei ausgetauscht werden können. Demokratie bedeutet Streiten. Opposition. Widerspruch. Im Gegensatz zur Diktatur, in der jegliche Kritik gegenüber den Mächtigen brutal unterdrückt wird - wie in Russland, China, Belarus, immer noch in großen Teilen der Weltist es in der Demokratie möglich, dass selbst diejenigen, die diese Demokratie zerstören wollen, ihre Meinung öffentlich kundtun können.“ (Friedmann 2021, S. 26) Insofern sind die Rahmenbedingungen in Demokratien vom Typ der Bundesrepublik in Bezug auf die Meinungsäußerungsfreiheit deutlich gehaltvoller. Daraus folgt, dass auch konträre Positionen ohne eine sachliche Fundierung ertragen werden müssen. „Tatsächlich darf man in offenen, freien Gesellschaften sehr viel sagen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man auch sehr viel aushalten muss. Meinungsfreiheit schließt die Meinung des anderen ein, wie dumm und beschränkt, wie überheblich oder engstirnig, wie verrückt oder gar wahnsinnig sie einem auch erscheinen mag.“ (Roßbach 2018, S. 12) Unterschiedliche Interessen und Positionen sollten politisch zur Geltung kommen und wechselseitig ausgehandelt werden, um die Meinungsbildung transparent zu machen und Entscheidungsprozesse zu generieren. Dass dies aufwändig, anstrengend und teilweise langsam vonstatten geht, ist zwar mühsam, aber auf längere Sicht durchaus zielführend und demokratisch legitimiert (vgl. Thierse 2019). Dass aber eine Diskrepanz zwischen den hohen <?page no="47"?> 3.2 Kommunikationsfreiheit 47 normativen Ansprüchen an demokratischen Willensbildungsprozessen und Debatten im Internet stattfinden, macht Lobo deutlich. „Wenn man jeden Tag mit hunderten Informationsbröckchen konfrontiert wird, zu denen man sich irgendwie glaubt verhalten zu müssen, dann ist fast die einzige Möglichkeit, dem Bauchgefühl zu folgen. Das Bauchgefühl kommt anhand von wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärten Anhaltspunkten in sagenhaften 50 Millisekunden zu einem Urteil. Like, Dislike, Wut, Mitleid, Freude, Zusammengehörigkeit, Hass, Neid - das sind alles emotionale Dropse, die der Bauch beziehungsweise das Gehirn nach weniger als einer Sekunde bereits zu Ende gelutscht hat.“ (Lobo 2016, S. 23) Insofern ist ein reflektierter Umgang mit den bisweilen problematischen Inhalten im Netz erforderlich, um eine substanzielle Meinungs- und Willensbildung zu bewerkstelligen. Dabei ist die Kommunikationsfreiheit, zu der die Wahl der Inhalte und technische Nutzung der Plattformen gehört, substanziell für die analoge und digitale Souveränität der Bürger: innen. 3.2 Kommunikationsfreiheit „Freiheit als politisch philosophischer Begriff ist einerseits grundlegend für ein demokratisches Gesellschaftsverständnis und andererseits Ausgangspunkt für die anthropologische Verortung des Menschen als selbstbestimmte Existenz. […] Freiheit zur Meinungsäußerung ermöglicht die Teilhabe des oder der Einzelnen an Prozessen der öffentlichen Meinungsbildung. Meinungsäußerungsfreiheit ist somit eine Bedingung für die Vereinigung individueller und kollektiver Interessen im Prozess der gesellschaftlichen Selbstregulierung.“ (Heesen 2016, S. 52) Heesen (2016) zufolge kann die Freiheit als der zentrale Kern der Kommunikations- und Medienethik klassifiziert werden, in der Prozesse eines normativ angemessenen Meinungsaustausches überhaupt möglich sind. Ohne eine individuelle Freiheit ist dies nicht möglich. Darüber hinaus muss eine Gesellschaft demokratisch so aufgebaut sein, dass eine freie Rede ohne Reglementierung überhaupt möglich ist. Daran anknüpfend hat Ash (2016) zehn Prinzipien zur Redefreiheit vorgestellt, die auf der Internetplattform freespeechdebate.com abgelegt worden sind. Sie lauten wie folgt:  Alle Menschen müssen in der Lage und befähigt sein, frei ihre Meinung zu äußern und ohne Rücksicht auf Grenzen, Informationen und Ideen zu suchen, zu empfangen und mitzuteilen.  Weder drohen wir mit Gewalt, noch akzeptieren wir gewaltsame Einschüchterung.  Wir nutzen jede Chance, Wissen zu verbreiten und tolerieren hierbei keine Tabus. <?page no="48"?> 48 3 Normen  Wir benötigen unzensierte, vielfältige und vertrauenswürdige Medien, um gut informiert Entscheidungen zu treffen und vollständig am öffentlichen Leben teilzuhaben.  Wir sprechen offen und mit robuster Zivilität über alle Arten von Unterschieden zwischen Menschen.  Wir respektieren alle Gläubigen, aber nicht unbedingt alle Glaubensinhalte.  Wir sollten unsere Privatsphäre schützen und Rufschädigungen entgegentreten. Jedoch sollten wir auch die Einschränkung der Privatsphäre akzeptieren, sofern dies im öffentlichen Interesse ist.  Wir sollten ermächtigt werden, Einschränkung der Informationsfreiheit zu hinterfragen, die etwa mit dem Schutz der nationalen Sicherheit begründet werden.  Wir verteidigen das Internet und andere Kommunikationsmittel gegen illegitime Eingriffe durch öffentliche und private Mächte.  Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen und tragen dafür die Konsequenzen. Als normative Grundlage der Kommunikationsethik fungiert das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Es ist im bundesdeutschen Grundgesetz, der UN-Menschenrechtscharta und in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Dazu gehören das Recht der freien Informationsbeschaffung ohne Zugangsbeschränkungen und das Recht, offen zu kommunizieren. Es werden Ideale an öffentliche Kommunikationsprozesse formuliert, die Gerechtigkeit und Gleichheitsgrundsätze postulieren. Während im traditionellen Rundfunk die Freiheit als gemeinschaftliche Aufgabe angesehen wurde, geht es in der Internetkommunikation um eine Freiheit im individualisierten Verständnis jeder einzelnen Person (vgl. Heesen 2016). Die Kommunikationsfreiheit fungiert als Grundrecht in demokratischen Gesellschaften und bietet die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung. Sie soll den offenen Austausch von Informationen und Argumenten sicherstellen. Derartige Freiheitsrechte sind auch mit einer Verantwortung verbunden. Wer sich äußert, sollte das Recht nicht zum Nachteil oder Schaden anderer missbrauchen. Insofern sind Desinformationen und Hassrede nicht durch das Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Schmähungen und Hetze verstoßen gegen die in Artikel 1 des Grundgesetzes geschützte Menschenwürde. Dennoch ermöglicht die Kommunikationsfreiheit erhebliche Spielräume, um die Grenzen auszureizen. <?page no="49"?> 3.2 Kommunikationsfreiheit 49 „Ist also die Meinungsfreiheit in Gefahr? Nein das ist sie nicht. Ich kann in Deutschland provokante, populistische, politisch inkorrekte und sogar rechtsextreme Positionen vertreten. […] Beunruhigend ist einzig die wachsende Bereitschaft, Menschen nicht mehr für ihre manchmal abstrusen Meinungen oder Positionen zu stellen, sondern sie gleich hängen zu wollen. Rausschmeißen, absetzen, stilllegen! Dieser Wunsch nach Vernichtung der ganzen Person, was der unerbittliche Wunsch nach lebenslanger Haft, nach dem sozialen Tod, der sofortigen roten Karte ohne Verwarnung hilft nur der Selbstbestätigung des eigenen vermeintlichen Gutseins. Ihre Kehrseite ist die versteinerte Härte, die nicht einordnen und nicht verzeihen kann und es vielleicht auch gar nicht möchte, basierend auf nichts weiter als dem Gefühl, im Besitz des einzig richtigen Denkens und der höheren Wahrheit zu sein.“ (Schröder 2021, S. 79f.) Durch die grundgesetzlich geschützte Meinungs- und Kommunikationsfreiheit resultiert aber kein Bekenntniszwang. Niemand ist verpflichtet sich zu artikulieren. Wer aber nicht schweigt, sondern sich öffentlich äußert, muss sich der Überprüfung seiner Aussagen stellen und Gegenargumenten begegnen. Durch die freie Wahl des Handelns oder Nichthandelns resultiert eine Verantwortung. Wer bewusst falsche Aussagen macht, kann dafür belangt werden. Dazu gehört unter anderem die strafbewehrte Holocaustleugnung. Für die juristische Bewertung ist relevant, ob eine falsche Tatsachenbehauptung als Irrtum klassifiziert werden kann, ob es sich um ein ungeprüft übernommenes Gerücht handelt oder eine bewusst verbreitete Falschmeldung, um anderen zu schaden. Vorsicht ist auch bei der Weitergabe von privaten Inhalten in sozialen Netzwerken angebracht. Wenn Menschen bereit sind, im Internet Informationen über sich weiterzugeben und diese zur moralischen Selbstdarstellung für ein positives Reputationsmanagement nutzen, ermöglichen sie es den Onlineplattformen, daraus Kapital zu schlagen, indem sie die Daten erfassen und auswerten (vgl. Hübl 2024). „Unsere Mediennutzung und unser Onlinekommunikation verraten viel über unseren Geschmack, unsere Einstellung, Stimmungen, politischen oder weltanschaulichen Überzeugungen, Interessen und Neigungen, bis hin zu unserer sexuellen Orientierung und den Beziehungskonstellationen. Unser Einkauf und Buchungsverhalten gibt Auskunft über unsere Vorlieben, Ernährung, Alkohol und Tabaksucht, unsere Reisen. Die Nutzung von Job-, Wohnungs- und Datingportalen offenbart noch weitaus mehr. Ergänzt um die Mobilitätsdaten aus dem Navi sowie die Gesundheits- und Körperdaten aus vermeintlichen Fitness Apps kann man sagen: es gibt kaum einen Lebensbereich, der sich auf diese Weise nicht detailgetreu erfassen kann.“ (Beck 2024a, S. 34) Obwohl die daraus resultieren Gefahren vielfach bekannt sind, kann in diesem Zusammenhang von einem Privacy-Paradox gesprochen werden, da viele Menschen bereit sind, eine Vielzahl von privaten bis hin zu intimen Daten und Informationen weiterzugeben. Aufgrund dieses Verhaltens kann neben einer personalisierten Onlinewerbung (targeting) eine Kontrolle und <?page no="50"?> 50 3 Normen Überwachung resultieren (vgl. Sofsky 2007). Darüber hinaus kann die eigene Darstellung im Netz z.B. durch die Verwendung von Symbolen in Form einer Regenbogenfahne oder einer Deutschlandfahne im Social-Media-Profil einer Person Rückschlüsse auf die politische Position der Absender: innen liefern (vgl. Hübl 2024). Eine notwendige Bedingung, derartige Meinungsäußerungen offen und ohne Androhung von Sanktionen artikulieren zu können, besteht darin, dass eine demokratisch verfasste Öffentlichkeit den Raum bietet, dies gefahrlos zu tun. 3.3 Öffentlichkeit „Das vielfältig gebrauchte Wort ‚Öffentlichkeit‘ wird zunächst rein deskriptiv als offene, allen zugängliche Sphäre der wechselseitigen Beobachtung und Beeinflussung mit spezifischen Strukturen (Rollen, Normen, Ebenen, Themen usw.) und Prozessen (Themenkarrieren, Meinungsbildung usw.) verstanden. Prozesse des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden in starkem Maße von unterschiedlichen, teils gegenläufigen Vorstellungen über Zusammenhalt und Gemeinwohl bestimmt.“ (Altmeppen u.a. 2019, S. 69) Sofern es sich um eine funktionierende Öffentlichkeit handelt, stellt sie eine Prüfinstanz dar, in der Aussagen und Argumente auf ihren Wahrheitsgehalt oder Ihre moralische Richtigkeit hin überprüft werden. Sie steht für eine Selbstbeschreibung demokratischer Gesellschaften. In ihr findet die Begegnung zwischen Bürger: innen statt. Sie können dort miteinander diskutieren und sich eine Meinung bilden. Dazu ist die Bereitschaft erforderlich,  „respektvoll miteinander umzugehen,  aufeinander zu hören,  die eigene Meinung durch gute Argumente zu stützen,  Kritik der Gegenseite auszuhalten und  alle Argumente sorgfältig abzuwägen.“ (Neuberger/ Thiel 2022, S. 15) Insgesamt dienen politische Diskussionen in Demokratien vom Typ der Bundesrepublik Deutschland der Koordinierung von relevanten Angelegenheiten des allgemeinen Interesses (vgl. Kruse 2023, S. 171). Die Öffentlichkeit ist ein „gesellschaftlicher Kommunikations- Diskurs- und Handlungszusammenhang, in dem ein Publikum Probleme, Sachen und Themen zur Kenntnis nimmt, kommentiert und diskutiert.“ (Roßler 2023, S. 92). Da wo gesellschaftliche Kontroversen und Streitpunkte aufkommen, bildet sich Öffentlichkeit. „Öffentlichkeit ist der Raum des Diskurses, in dem sich alle jene generell einmischen können, die verbunden über den konkret ausgreifenden Nexus kommunikativen Handelns, von strittigen oder zumindest streitbaren Geltungsan- <?page no="51"?> 3.3 Öffentlichkeit 51 sprüchen angesprochen sind, wobei alleine dieses kommunikative Angesprochensein sie bereits als potenzielle Diskurspartner: innen figuriert.“ (Kempf 2023, S. 202f.) Öffentlichkeit ist eine elementare Bedingung der menschlichen Zivilisation (vgl. Gerhardt 2014). Dazu gehört eine Struktur, zu der vier Bestandteile gehören:  „das Publikum, das etwas zur Kenntnis nimmt und diskutiert,  eine Sache, die für das Publikum interessant oder problematisch ist, als Gegenstand des Interesses und der Diskussion,  die Instanz Öffentlichkeit, auf die sich implizit bezieht oder explizit beruft, wer sich öffentlich äußert,  das Medium, das durch das diese Äußerung artikuliert, übermittelt und rezipiert wird.“ (Roßler 2023, S. 92f.) Da Kommunikation als Austauschprozess und Verständigungsmittel über Bedeutungen definiert werden kann, ist die Öffentlichkeit das Forum, die Plattform oder der Resonanzboden, in dem öffentliche Kommunikation stattfindet (vgl. Stöber 2008). Die Herstellung von Öffentlichkeit setzt Offenheit und Transparenz voraus. Sie bildet damit den Gegenpol zur Privatheit und zum Geheimnis. „Öffentlich nennen wir Veranstaltungen, wenn sie im Gegensatz zu geschlossenen Gesellschaften, allen zugänglich sind - so wie wir von öffentlichen Plätzen sprechen oder von öffentlichen Häusern.“ (Habermas 1990, S. 217). Öffentlichkeit fungiert als eine Sphäre kommunikativen Handelns unter der Beteiligung mehrerer Akteur: innen (vgl. Wallner/ Adolf 2011). Sie kann als Bereich klassifiziert werden, in dem sich Meinungen zu Interessen verdichten können. Durch öffentliche Austauschprozesse können sich Initiativen formieren, die sich z.B. als soziale Bewegungen zusammenschließen können. Meinungen und Interessen werden im öffentlichen Raum auf diesem Wege gebündelt und organisiert (vgl. Faßler 1997). Dabei besitzt die hergestellte Öffentlichkeit eine zentrale Bedeutung. „Öffentlichkeit ist ein wertvolles Gemeingut. Geht sie verloren, ist sie durch nichts Anderes zu ersetzen. […] Sie ist die einzig uns bekannte Produktionsform von selbstbewusster gesellschaftlicher Erfahrung. Ohne Öffentlichkeit gibt es auch keine konsistente private Erfahrung.“ (Negt/ Kluge 2001, S. 333) Öffentlichkeit ist nach Habermas ein normativ gehaltvoller Begriff. Ihm zufolge werden in demokratischen Gesellschaften kollektive Probleme dort definiert und nach Relevanz und Lösbarkeit geordnet. Öffentlichkeit wird als der zentrale Raum klassifiziert, in dem die Menschen „Werte, Themen, Beiträge und Argumente“ (Habermas 1992, S. 624) austauschen. Dort kann über divergierende Auffassungen gestritten werden, um schlussendlich ein gemeinsames Einverständnis zu erzielen. Da derartige Austauschprozesse über <?page no="52"?> 52 3 Normen strittige Fragen nicht immer in unmittelbaren Gesprächen zwischen mindestens zwei Personen vollzogen werden können, sind administrative Apparate erforderlich, um über demokratische Wahlentscheidungen Akteur: innen zu legitimieren, entsprechende Beschlüsse zu fassen (vgl. Baum/ Seeliger 2021). Insgesamt sollen die Interessen aller Bürger: innen eines Gemeinwesens in die öffentliche Willens- und Meinungsbildung einbezogen oder zumindest advokatorisch - etwa in Hinblick auf zukünftige Generationen oder Unmündige - durch Interessenvertreter: innen zur Geltung gebracht werden (vgl. Birnbacher 1988). „Eine fruchtbare gesellschaftliche Auseinandersetzung über das politische Zusammenleben erfordert, dass Menschen mit relevanten Informationen und vielfältigen Ansichten in Berührung kommen und jede Interessengruppe am Diskurs teilhaben kann.“ (Gahntz u.a. 2021, S. 13) Dabei wird das Prinzip der Gerechtigkeit verfolgt, das aus einer kommunikationsethischen Perspektive eine mehrfache Bedeutung umfasst. Die Partizipation soll gewährleisten, dass alle Betroffenen sowohl das Recht als auch die Möglichkeit besitzen sollten, an Diskursen teilzunehmen. Nur so kann eine dadurch gewährleistete Emanzipation dazu beitragen, dass kommunikative und gesellschaftliche Verhältnisse erreicht werden können, in denen Gerechtigkeit angestrebt wird. Die Advokation macht es möglich, dass alle Vertreter: innen der Betroffenen an Debatten teilnehmen, um dem Anspruch auf partizipative Kommunikation gerecht zu werden (vgl. Thomas 2024). Im Forum der Öffentlichkeit sollen Meinungen und Argumente artikuliert werden, Standpunkte ausgetauscht und durch Diskussion und gegenseitige Überzeugung sowie durch Abwägung von Pro und Kontra zu einer Konsens-, Kompromiss- oder Mehrheitsentscheidung gelangen. Dort steht der kommunikative Austausch im Mittelpunkt des Interesses. Diese Vorstellung fordert, dass Akteur: innen ihre Interessen in einem Argumentationsverfahren mit Begründungen abstützen. Die Öffentlichkeit manifestiert sich als Kreis mündiger und aufgeklärter Bürger: innen einer Gesellschaft, in der die aggregierten Meinungen in rationalen und freien Diskussionen zusammengetragen werden (vgl. Gerhards/ Neidhardt/ Rucht 1998). Dabei besitzt die Öffentlichkeit verschiedene Funktionen.  Ihr wird die Funktion der Herstellung von Allgemeinheit zugeschrieben. Dabei steht der Bezug auf geteilte Interessen, Werte und Normen im Mittelpunkt. Die Voraussetzung dafür bildet die Option der allgemeinen Teilnahme aller Betroffenen an Diskursen über gesellschaftlich relevante Sachverhalte.  Die Transparenzfunktion betrifft die Offenheit des Forums für verschiedene Akteur: innen, Gruppen, Themen und Meinungen. Hierbei kann untersucht werden, welche gesellschaftlich relevanten Gruppen an politischen Debatten in welchem Ausmaß beteiligt sind. <?page no="53"?> 3.3 Öffentlichkeit 53  Die Orientierungsfunktion bezieht sich darauf, ob sich aus dem Austausch von Argumenten verdichtende Meinungen herausbilden können (vgl. Neidhardt 1994).  Die Validierungsfunktion richtet sich auf die Art und Weise des Umgangs mit Äußerungen. Dabei kann untersucht werden, ob Verlautbarungen artikuliert werden, ob die eigene Meinung agitatorisch und polarisierend vertreten wird oder ob es rationale und argumentative Formen der Auseinandersetzungen gibt (vgl. Neidhardt 1994, Marschall 1998, Seeliger/ Sevignani 2021, Möller 2022a). Eine funktionierende Öffentlichkeit wird in der Vorstellung mit ethischen „Orientierungen an Gewaltfreiheit, Zivilität, Zugangsfreiheit und Rationalität der Kommunikationspraktiken“ (Höhne 2019, S. 9) in Verbindung gebracht. Ein aus dieser normativen Perspektive wünschenswertes Verhalten sollte dabei nicht strategisch, sondern kommunikativ ausgerichtet sein. Kommunikatives Handeln Dies liegt Habermas (1981, S. 385) zufolge vor, „wenn die Handlungspläne der beteiligten Aktoren nicht über egozentrische Erfolgskalküle, sondern über Akte der Verständigung koordiniert werden. Im kommunikativen Handeln sind die Beteiligten nicht primär am eigenen Erfolg orientiert; sie verfolgen ihre individuellen Ziele unter der Bedingung, dass sie ihre Handlungspläne auf der Grundlage gemeinsamer Situationsdefinitionen aufeinander abstimmen können.“ Der Begriff des kommunikativen Handelns setzt auf die Rationalitätspotenziale sprachlicher Verständigung, die aber nur initiiert werden können, wenn alle Betroffenen oder ihre Vertreter: innen Habermas (1990, S. 156) zufolge am Diskurs partizipieren können. „Eine Öffentlichkeit steht und fällt mit dem Prinzip des allgemeinen Zugangs. Eine Öffentlichkeit, von der angebbare Gruppen eo ipso ausgeschlossen wären, ist nicht nur unvollständig, sie ist vielmehr gar keine Öffentlichkeit.“ Sie fungiert in diesem Verständnis sowohl als Verfahrens- und Ordnungsprinzip bei Entscheidungsprozessen des politisch-administrativen Systems wie auch als zeitliches und räumliches Zugänglichkeitsprinzip (vgl. Franz 2000, S. 8). Öffentlichkeit gilt für einen offenen Kreis von Akteur: innen als prinzipielle Option der Partizipation an spezifischen Diskussionsprozessen, aus denen sich die öffentliche Meinung herausbilden kann. Die Betroffenen sollen in diesem idealtypischen Verständnis einen Einblick in den Stand der Meinungs- und Willensbildung erhalten, um mit Hilfe der dadurch erworbenen Kenntnisse ihre Interessen adäquat wahrnehmen zu können (vgl. Gerhards 1998). Habermas (1990) zufolge stellt das Prinzip der Öffentlichkeit eine kritische Publizität dar, in der herrschaftsemanzipierte, verständigungsorientierte und <?page no="54"?> 54 3 Normen kontinuierlich demokratische Prozesse der auf ein Gemeinwohl gerichteten Meinungsbildung verfolgt werden. Er verlangt, dass politische Entscheidungen generell an einen permanenten Prozess öffentlicher demokratischer Meinungsbildung zurückgebunden sein müssen und vertritt ein normatives Leitbild, in dem die Öffentlichkeit durch rational abwägende Kommunikation die Partizipation verstärken und zu einer besser legitimierten und qualitativ verbesserten Entscheidungsfindung beitragen kann. Öffentliche Diskurse behandeln praktische Fragen des kollektiven Zusammenlebens, aber auch normative Ansprüche des Ausgleichs von Interessen. Von einer Rationalität der öffentlichen Meinung ist auszugehen, sofern sie das Ergebnis freier, für alle zugängliche und vor allem diskursiver Beratungen ist. Eine Äußerung ist dann rational, wenn sie begründungsfähig ist und einen Tatsachenbezug hat, der einer objektiven Beurteilung zugänglich ist. Er entwickelt ein normatives Idealmodell von Öffentlichkeit als kommunikativem Bereich, in dem alle Bürger: innen mit begründeten Argumenten öffentliche Belange diskutieren sollen. Das Ergebnis dieser vernünftigen Meinungsbildung fungiert in diesem Idealmodell als Grundlage politischer Entscheidungen. Er setzt auf die „Produktivkraft Kommunikation“ (Habermas 1990, S. 36). Für ihn ist die politische Öffentlichkeit ein Inbegriff von Kommunikationsbedingungen, aus denen die öffentliche Meinungs- und Willensbildung eines Publikums resultieren soll. Öffentlichkeit avanciert somit zu einer Grundkategorie einer normativ angelegten Demokratietheorie. Die politische Öffentlichkeit bezieht sich auf politische Entscheidungen und dient der Artikulation von Ansprüchen, der Definition von Themen und Streitfragen, bei denen ein öffentliches Interesse vorausgesetzt wird, sowie der Findung allgemein akzeptierter Problemlösungen (vgl. Gerhards/ Neidhardt 2001). Öffentlichkeit in dieser diskursiven Variante soll nicht nur die vorhandene Pluralität der Partikularinteressen spiegeln, sondern wird mit dem Ziel reflektiert, kommunikative Verständigungen zu erreichen, die das politische System beeinflussen. Habermas (1990) differenziert zwischen autonomer und vermachteter Öffentlichkeit. Die autonome Öffentlichkeit wird durch das Muster kommunikativer Verständigung im Sinne eines Diskurses geprägt, während die vermachtete Öffentlichkeit primär strategische Interessen verfolgt. „Eine ‚vermachtete Öffentlichkeit‘ lässt den fairen Austausch von Argumenten unmöglich werden. Die ökonomische Macht von Verlagen, reichen Einzelpersonen oder Lobbygruppen kann durch gezielte Kampagnen Debatten lenken. Die politische Macht kann durch das Strafrecht oder die Verwaltung unliebsame Meinungen unterdrücken. In all diesen Fällen wird der Kampf um Deutungsmacht unfair ausgekämpft. Keine Öffentlichkeit ist machtfrei, aber Öffentlichkeiten können mehr oder weniger vermachtet sein.“ (Heidenreich 2024, S. 7) Ein aktuelles Beispiel für eine Form der vermachteten Öffentlichkeit ist US- Milliardär und Unternehmer Elon Musk, der Donald Trump während seines Wahlkampfes 2024 finanziell unterstützt hat und nach dessen Wahlsieg auch <?page no="55"?> 3.3 Öffentlichkeit 55 als dessen Berater agiert. Er versuchte, auch Einfluss auf den deutschen Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 zu nehmen, indem er Kanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beleidigte und ein Gespräch mit AfD-Chefin Alice Weidel über seine Plattform X führte. Dort wurden zahlreiche Falschaussagen von beiden Diskutant: innen über die Migration und den Nationalsozialismus artikuliert. Dies hat der Fakten-Check der ARD-Tagesschau nachgewiesen (vgl. Reveland/ Siggelkow 2025). Milliardäre wie der ehemalige PayPal-Gründer Peter Thiel und Elon Musk scheinen die Auffassung zu vertreten, dass Firmen über Staaten stehen sollten. Die Demokratie, die auf Gewaltenteilung und Kontrolle der Macht basiert, scheint Thiel und Musk eher lästig zu sein. Durch den Kauf von Twitter durch Musk hat sich die Plattform in ein toxisches Instrument verwandelt, auf dem rassistische und antisemitische Äußerungen ebenso verbreitet werden wie Angriffe auf Transmenschen und Verschwörungserzählungen (vgl. von Gottberg 2024a). Aus den unterschiedlichen Formen, in denen sich Öffentlichkeiten herausbilden können, können öffentliche Meinungsbildungsprozesse in Form von Anschlussdiskursen entstehen, sofern die gesellschaftlichen Kommunikations-, Informations- und Partizipationsverhältnisse diesen Schritt zulassen. Dafür ist aber eine freie und demokratische Kommunikationskultur erforderlich. Neben der raumzeitlichen Bestimmung als Ort des Diskurses fungiert Öffentlichkeit als Prozess. Sie wird als Diskussions- und Aushandlungsprozess manifestiert und ist niemals abgeschlossen (vgl. Rosa 2021). In diesem Verständnis ist sie offen für neue Einflüsse und Akteur: innen. Insgesamt kann von einer gesamtgesellschaftlichen Öffentlichkeit in modernen demokratischen Gesellschaften nicht mehr ausgegangen werden. Sie wird vielmehr durch eine Vielzahl von Gruppen- und Spezialöffentlichkeiten ersetzt, die sich über die unterschiedlichsten Kanäle artikulieren. Es kann also die eine Öffentlichkeit in einer komplexen und ausdifferenzierten Gesellschaft nicht geben. Sie bildet sich vielmehr auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen medialen Formaten heraus (vgl. Schicha 2019a). Als ethisches Kriterium fungiert die Chancengleichheit zur freien Meinungsäußerung. Publizität avanciert selbst zur Norm. Denn gerade unter den Bedingungen demokratischer Herrschaftslegitimation avanciert Öffentlichkeit zum ethischen Gebot (vgl. Rehberg 1995, Schicha 2025a). Gerhards (1997) hat die zentralen Anforderungen an öffentliche Kommunikation wie folgt zusammengefasst. Hinsichtlich der Verteilung von Sprecher: innenrollen in der öffentlichen Arena sollen möglichst alle Positionen und Interessenlagen widergespiegelt werden. Jede Stimme in der Arena hat die gleiche Berechtigung und darf nicht von anderen am Sprechen gehindert werden. Nicht das Argument oder die Begründung der Position ist relevant, sondern der Zugang zum Diskurs. Die <?page no="56"?> 56 3 Normen zentrale normative Anforderung an Öffentlichkeit ist ihre prinzipielle Zugangsoffenheit. „Öffentlichkeit ist grundsätzlich ein Kommunikationssystem, in dem Informationen und Meinungen ausgetauscht werden und zu dem prinzipiell jeder rechtlich sowie faktisch Zugang haben muss.“ (vgl. Gerhards/ Neidhardt 2001, S. 45f.) Wünschenswert ist eine argumentativ ausgerichtete Form einer normativ präferierten Öffentlichkeit, die Habermas (1992) den Bürger: innen selbst zurechnet. Deliberation Eine daraus resultierende Öffentlichkeit im Sinne eines deliberativen Verständigungsmodells umfasst auch zivilgesellschaftliche Gruppen, die an die Interessen und Erfahrungen der Menschen anknüpfen (vgl. Jarren/ Fischer 2021). Für Habermas stellt die Deliberation einen bedeutenden Bestandteil demokratischer Öffentlichkeit dar. Dabei kommt es darauf an, „daß demokratische Verfahren Diskurse und Verhandlungen mit Hilfe von Kommunikationsforen institutionalisiert werden, die für alle verfahrenskonform erzielten Ergebnisse die Vermutung der Vernünftigkeit begründen sollen. […] Die deliberative Politik gewinnt ihre legitimierende Kraft aus der diskursiven Struktur einer Meinungs- und Willensbildung, die ihre sozialintegrative Funktion nur dank der Erwartung einer vernünftigen Qualität ihrer Ergebnisse erfüllen kann. Deshalb bietet das diskursive Niveau der öffentlichen Debatte die wichtigste Variable.“ (Habermas 1992, S. 368f.) Nach dieser Konzeption werden Positionen und Themen mit Argumenten begründet, die durch den geregelten Austausch von Informationen zwischen Parteien und Gruppen entsprechende Vorschläge einbringen. Kontroverse Diskurse, speziell im Internet, orientieren sich aber auch an anderen Formen der Debatte. „Deliberation wird möglicherweise nicht mit dem aggressiven politischen Streit gleichgesetzt, sondern als rationale und sachliche Auseinandersetzung um Sachprobleme begriffen. Der Sache nach hat sich die Deliberation seit dem Zeitalter der Aufklärung fest in das heutige Bild liberaler Demokratien eingeschrieben. Demokratie kann grundlegend als Verständigung und damit als Kommunikationsprozess interpretiert werden. Die Präsenz von Hass, Streit und Konflikte sind im Zeitalter von Social Media aber ein Dauerzustand und für Bürger: innen zwangsläufig allgegenwärtig.“ (Roberts/ Filipovic 2022, S. 133) Das deliberative Öffentlichkeitsmodell setzt normative Standards, die sich auf Form und Inhalt der in der Öffentlichkeit kommunizierten Stellungnahmen beziehen. Öffentlichkeit ist hier nicht nur der Repräsentanz der Meinungen und Stellungnahmen, sondern auch der reflektierten kommunikativen Vermittlung zwischen diesen Positionen verpflichtet. Durch eine angemessene <?page no="57"?> 3.3 Öffentlichkeit 57 Form der kommunikativen Interaktion können einem deliberativen Verständnis zufolge Interessens- oder Wertkonflikte in der Öffentlichkeit zu einem Konsens, mindestens aber zu einem rationalen Kompromiss gebracht werden. In diesem Modell öffentlicher Meinungsbildung wird davon ausgegangen, dass Öffentlichkeit nicht nur die vorhandene Pluralität von Partikularinteressen widerspiegelt, sondern dass darüber hinaus argumentative Diskurse mit dem Ziel verbunden werden, kommunikative Verständigungsprozesse voranzutreiben. Der Diskurs soll in diesem Kontext als eine offengelegte politische Auseinandersetzung über relevante Themen, die das Gemeinwohl tangieren, verstanden werden. Es sollte aber nicht übersehen werden, dass Öffentlichkeiten sich immer auch in einem Machtgefüge mit strukturellen Zwängen befinden. Gegenöffentlichkeiten der Zivilgesellschaft formieren sich in einem Raum, in dem unterschiedliche Interessen strategisch durchgesetzt werden. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer bringt diesen Aspekt am Beispiel der fossilen Energiegewinnung auf den Punkt. Sie kritisiert Entscheidungen, die sich gegen nachhaltige Energieprojekte aussprechen und am Abbau der Kohle festhalten, obwohl dies nicht nachhaltig ist. „Es sind Blitzlichter einer Welt, und einer Gesellschaft, bei der man meinen könnte, sie habe den Verstand verloren, so etwas lässt sich nicht argumentativ oder rational, ökonomisch oder parteipolitisch erklären, hier reicht es auch nicht mehr, auf fossile Desinformation oder fossiles Marketing zu verweisen. Die Erklärung dafür liefert nur eins: Macht. Genaugenommen: fossile Macht.“ (Neubauer 2023, S. 25) Um dieser Macht entgegenzutreten und Öffentlichkeit für die eigenen Anliegen zu generieren, artikulieren sich Bewegungen wie Fridays for Future bei Protesten auf der Straße bis hin zu Internetkampagnen, um gegen den menschengemachten Klimawandel zu protestieren. Diese Aktionsformen werden auch in der Medienberichterstattung aufgegriffen. Dabei werden grundlegende Fragen einer Klimaethik diskutiert, die die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen reflektieren (vgl. Gesang 2011, Müller-Salo 2020). Medien „Wir alle bewegen uns in der Öffentlichkeit. Wir informieren uns, lassen uns auf neue Ideen bringen, ärgern uns, sind gelangweilt oder regen uns schrecklich auf. Die Öffentlichkeit ist der zentrale Ort unserer Gesellschaft, auch wenn niemand genau zu bestimmen weiß, wo sie sich befindet. Öffentlichkeit steckt im Smartphone in jeder Hosentasche und sie steht als Gebäude in unseren Städten. Der Bildschirm verheißt den virtuellen Zugang zur ganzen Welt, während Parlamente, Theater, Marktplätze und Schulen zu Stein gewordene Formen von Öffentlichkeit sind. In beiden Arten von Öffentlichkeit spielt sich unser Leben ab, und nicht selten droht die Orientierung dabei verloren zu gehen.“ (Stegemann 2021, S. 27) <?page no="58"?> 58 3 Normen Öffentlichkeitstheorien sind übergreifend und verweisen nicht auf konkrete Medienkontexte mit ihren spezifischen Erscheinungsformen und strukturellen Zwängen. Gleichwohl werden konkrete Defizite im Rahmen der Medienberichterstattung benannt, die dazu führen können, dass sich keine kritische Öffentlichkeit herausbildet. Dazu gehören neben der Zensur mangelnde Recherche und eine bisweilen systematische Vernachlässigung von gesellschaftlich relevanten Themen und Meldungen. Die Herstellung von Öffentlichkeit über gesellschaftlich relevante Sachverhalte in Demokratien wie der Bundesrepublik Deutschland gehört zu den zentralen Aufgaben von Medien, die öffentlichkeitskonstituierend agieren. Die Öffentlichkeit wird als Kommunikationssystem interpretiert, in dem Informationen und Meinungen artikuliert und ausgetauscht werden. Zentral ist dabei der offene Zugang zu Informationen ohne Blockaden. „Eine demokratisch legitimierte Öffentlichkeitssphäre erfordert einen Zugang, der thematisch offen ist, sowie von einer Gleichheit der Beteiligten und einem prinzipiell nicht abgeschlossenen Publikum ausgeht.“ (Winter 2010, S. 89). Öffentlichkeit im Verständnis einer Kontroll- und Kritikfunktion über die Medien dient der Transparenz gesellschaftlich relevanter Entscheidungen und Entwicklungen, informiert über die Ziele von Interessensgemeinschaften und ist grundgesetzlich durch die Meinungs-, Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit geschützt. Insofern ist der Begriff der Öffentlichkeit normativ angelegt (vgl. Hauser/ Opilowski/ Wyss 2019). Es geht um die Frage, wie eine Öffentlichkeit ausgerichtet sein sollte, um den Kriterien einer funktionierenden Demokratie zu entsprechen. Durch Massenmedien sind plurale Öffentlichkeiten entstanden, die sich aus unterschiedlichen Zugängen (Print, Rundfunk, Internet) sowie öffentlichrechtlichen und privat-kommerziellen Organisationsformen und Trägern zusammensetzen. Ihre Inhalte werden durch spezifische Medienstrategien aufgrund einer Orientierung an Auswahlkriterien der Neuigkeit, Verkürzung, Vereinfachung, Personalisierung und Unterhaltungszentrierung im Rahmen der konkreten Programmausgestaltung geprägt, um Interesse und Aufmerksamkeit beim Publikum zu erzeugen. Sie informieren über Entwicklungen, die über den individuellen Erfahrungshorizont hinausgehen und bilden ein frei zugängliches Podium, das Wissen verfügbar macht und einordnet. Verständigung, Urteilsvermögen, Sachkenntnis und Integrationsfähigkeit sollen nach diesem idealtypischen Verständnis eines professionellen Journalismus durch die Berichterstattung über die Kanäle bedient werden. Massenmedien verfügen einerseits über einen sozial integrierenden und festigenden Charakter, sofern alle informiert werden, andererseits kommt ihnen eine innovative Funktion zu, indem sie über Ereignisse, Neuigkeiten und Tendenzen zu Veränderungen berichten und damit Wertewandlungsprozesse dokumentieren. Es findet zumindest über die klassischen Massen- <?page no="59"?> 3.3 Öffentlichkeit 59 medien keine symmetrische Dialogorientierung statt, bei der die rationale Prüfung von Geltungsansprüchen im Mittelpunkt steht. Die uneingeschränkte Information und Chancengleichheit ist ebenso wenig vorhanden wie die Möglichkeit zur Interaktion, sofern etwa von Leser: innenbriefen einmal abgesehen wird. Es handelt sich primär um Prozesse der einseitigen Informationsaufnahme, die jedoch Anschlussdiskurse zulassen. Von der Medienberichterstattung in der Demokratie wird insgesamt erwartet, eine freie und umfassende Meinungsbildung der Öffentlichkeit möglich zu machen. Dabei soll über gesellschaftlich relevante Sachverhalte so berichtet werden, dass das Publikum einen fundierten Überblick über Ereignisse erhält, die glaubwürdig eingeordnet werden. Die Nachrichten, Kommentare und Meldungen sollten eine Meinungsvielfalt abbilden und sich am ethischen Leitwert der Wahrheitsfindung orientieren. Medien sollten durch die Qualität der Berichterstattung dazu beitragen, die gesellschaftliche Integration zu fördern. Das Publikum soll in die Lage versetzt werden, sich aufgrund der angebotenen Informationen ein eigenes Bild über Ereignisse machen zu können (vgl. Lischka/ Müller-Eiselt 2017). Digitale Zugänge „Das Internet stellt den Alleinvertretungsanspruch der alten analogen Medien infrage und löste vor allem seit den 2000er Jahren Deutungskämpfe um die richtige Form der Öffentlichkeit aus. Zwischen Euphorie und Skepsis standen sich zwei Positionen gegenüber: Während die einen die neuen Medien als Bedrohung für den Status der Öffentlichkeit erfuhren und eine Verflachung des Journalismus sowie eine Entfremdung und Fragmentierung des Sozialen befürchteten, entwarfen die anderen eine utopische Version von Öffentlichkeit, die Partizipation und ein egalitäres, hierarchiefreies Miteinander verspricht.“ ( Jung 2023, S. 45) Dabei sind die Technologien hinter den Benutzeroberflächen der sozialen Netzwerke nicht primär auf rationale Diskurse oder Deliberation ausgerichtet. Vielmehr sind sie strategisch motiviert, um zielgerichtet und maßgeschneidert möglichst viel Werbung an die Nutzer: innen zu verkaufen. „Digitalität verweist dabei auf eine Logik, in der jedwede Handlung und Kommunikation erfasst, operationalisiert und immer neu rekursiv zum Gegenstand von Anschlusshandeln werden kann. Digitale Öffentlichkeit ist geprägt durch Algorithmizität, Many-to-Many-Kommunikation, Datensammlung und vieles mehr […].“ (Staab/ Thiel 2021, S. 283) Habermas hat sich in seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit im Jahr 1962 mit Formen einer idealtypischen bürgerlichen Öffentlichkeit auf Basis der Aufklärung und der Entwicklung der modernen bürgerlichen Gesellschaft mit Bezug auf das Privateigentum und die Ökonomie beschäftigt. Dabei nimmt er Bezug auf die Funktionslogik spezifischer Medien <?page no="60"?> 60 3 Normen u.a. in Form der literarischen Kritik, den Konflikt um die öffentliche Meinung und das massenmediale Entertainment. Nachdem von ihm zunächst eine schädliche Wirkung von Massenmedien auf die Öffentlichkeit aufgrund einer unreflektierten und unkritischen Berichterstattung konstatiert worden ist, wird im Vorwort der Neuauflage von 1990 das kritische Potenzial der Rezipient: innen betont, Medieninhalte eigenständig einzuordnen und angemessen zu bewerten. Aktuell geht Habermas auf den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit als qualitative Veränderung ein. Er verweist auf digitale Plattformen, die den Nutzer: innen die Möglichkeit geben, sich unabhängig von linearen Medienangeboten zu informieren und zu unterhalten. „Sie verändern auf radikale Weise das bisher in der Öffentlichkeit vorherrschende Kommunikationsmuster. Denn sie ermächtigen alle potenziellen Nutzer prinzipiell zu selbstständigen und gleichberechtigten Autoren. Die ‚neuen‘ unterscheiden sich von den traditionellen Medien dadurch, dass sich digitale Unternehmen diese Technologie zunutze machen, um den potenziellen Nutzern die unbegrenzten digitalen Vernetzungsmöglichkeiten wie leere Schrifttafeln für eigene kommunikative Inhalte anzubieten.“ (Habermas 2022, S. 44) Die angebotenen Inhalte der Plattformen werden von den Rezipient: innen ausgewählt und zu einer selbst bestimmten Zeit konsumiert. Dies gilt auch für lineare Programme, die über Mediatheken abgerufen werden können. Sie bieten […] eine vielseitig vernetzungsoffene kommunikative Verbindung für den spontanen Austausch möglicher Inhalte zwischen potenziell vielen Nutzern. Diese unterscheiden sich nicht schon aufgrund des Mediums in ihren Rollen voneinander; sie begegnen sich vielmehr als prinzipiell gleiche und selbst verantwortliche Teilnehmer am kommunikativen Austausch von spontan gewählten Themen. (Habermas 2022, S. 45) Insofern entsteht eine größere Handlungsautonomie auf Seiten der Rezipient: innen, die selbstbestimmt entscheiden können, wann sie an welchem Ort über welche digitalen Kanäle Inhalte konsumieren oder interaktiv mit anderen teilen möchten. Damit erweitern sich die Kommunikationsmöglichkeiten, die alternative Optionen der Partizipation bereitstellen. „Durch die sozialen Medien […] hat sich die Zahl der Teilnehmer: innen vergrößert. Es werden mehr Positionen sichtbar und hörbar; unterschwellige Konflikte werden präsenter, unterschiedliche Perspektiven erscheinen gleichzeitiger und versammeln sich zu Allianzen.“ ( Jung/ Kempf 2023, S. 11) Somit bilden sich neue Teil- und Gegenöffentlichkeiten, die öffentliche Debatten neu organisieren und strukturieren. Es entstehen neue Formen der Vernetzung und Artikulation von Interessen, die auch marginalisierten Gruppen die Möglichkeit bieten, sich an Diskursen publikumswirksam zu beteiligen. Dies gilt aber auch für weitere Bereiche. <?page no="61"?> 3.3 Öffentlichkeit 61 „Der Begriff der automatisierten Öffentlichkeiten bringt zum Ausdruck, dass technische bzw. automatisierte Akteure wie z. B. Sprachassistenten, Softbots oder Suchmaschinenalgorithmen eine wachsende Rolle für die mediale Kommunikation spielen. Sie beeinflussen die demokratische Meinungsbildung durch Selektionsprozesse (Gatekeeping), aber auch durch aktive Manipulationen der Meinungsbildung in den sozialen Medien mithilfe von Social Bots.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 250) Rechtspopulistische, antifeministische und rassistische Bewegungen gewinnen ebenfalls an Deutungsmacht. Das Spektrum der sozialen Situationen, Kontexte und Praktiken, in denen unterschiedliche Öffentlichkeiten verortet werden, hat sich erweitert (vgl. Jung/ Kempf 2023). Auch ohne klassische Instanzen wie Verlage, Redaktionen und Medieninstitutionen ist es nun möglich, eigene Beiträge zu verfassen und aktiv in öffentliche Debatten einzugreifen. Durch die Nutzung u.a. von X, Facebook und Instagram ist es möglich, sich zu artikulieren und zu reagieren. Aussagen über die Qualität der digitalen Austauschprozesse lassen sich aber erst nach Prüfung der Inhalte treffen. Habermas (2022, S. 45) vertritt hier eine kritische Position, indem er anmerkt: „Dieses große emanzipatorische Versprechen wird heute zumindest partiell von den wüsten Geräuschen in fragmentierten, in sich selbst kreisenden Echokammern übertönt.“ Eine professionelle Auswahl und diskursive Prüfung der Qualität von Medieninhalten findet nicht flächendeckend statt und obliegt den Mediennutzer: innen selbst. Diese „Plattformisierung der Öffentlichkeit“ (Habermas 2022, S. 56) verdrängt zunehmend klassische Medienformate. „Die Funktionsweise von Öffentlichkeiten, die Dynamik von Informationsflüssen und Diskursen hat sich fundamental gewandelt. Die einstigen Gatekeeper - Redaktionen, Verlage, Multiplikatoren - verlieren massiv an Bedeutung. Zugleich nimmt der Einfluss von Technologien auf Meinungsbildungsprozesse, Informiertheit und Diskurse enorm zu. Soziale Medien, Suchmaschinen und Online-Portale sind keineswegs unkuratierte Umgebungen, sondern maßgeblich von Algorithmen geprägt, die auswählen, welche Inhalte welche Nutzer: innen und Nutzer sehen oder auch nicht sehen.“ (Klinger 2020, S. 50f.) Es gibt also eine veränderte Kommunikationspraxis, in der Positionen verbreitet werden, die durch eine abnehmende Qualität des politischen Diskurses und einer Polarisierung der Gesellschaft geprägt sind. „Während das Ziel eines normativ ausgelegten Öffentlichkeitsbegriffs gesellschaftliche Verständigung und Integration durch Kommunikation sind, ist das Ziel der Plattformbetreiber die Optimierung ihrer Geschäftsinteressen durch die Bereitstellung von Kommunikationsmitteln. Dieser Zielkonflikt spiegelt sich zum Beispiel wider in dem Bestreben der Plattformbetreiber, ihre Nutzer: innen und Nutzer durch möglichst viele Anreize in ihren Diensten zu hal- <?page no="62"?> 62 3 Normen ten und zur Kommunikation anzuregen. Im Vordergrund stehen also nicht Qualität und Relevanz der Kommunikation, sondern die Generierung von Kommunikation als solcher.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 239) Dabei spielen die sozialen Medien eine zentrale Rolle. Habermas (2022, S. 52) konstatiert einen „dramatischen Bedeutungsverlust der Printmedien“, ein „sinkendes Anspruchsniveau“ öffentlicher Diskurse und sieht eine Gefahr der Demokratie durch soziale Netzwerke. Er sieht durch die Angebote sozialer Medien - ganz in der Tradition der Kritischen Medientheorie - einen Trend zur Entpolitisierung, da sich politische Programme auch an Unterhaltungs- und Konsumangeboten orientierten. Weitere negative Entwicklungen werden von der Autorin Eva Menasse (2023, S. 31) dargelegt: „Die sozialen Medien haben die Fähigkeit, wie eine Impfung in die andere Richtung zu wirken; sie verbreiten die Stoffe Aberglauben, Wissenschaftsskepsis, Anbetung der Individualität, aggressiven Egoismus, Selbstliebe, Kompromisslosigkeit.“ Insofern ist es zentral, Diskurse über die verschiedenen Medien so zu organisieren, dass ein öffentlicher Austausch über relevante Sachverhalte gewährleistet ist. „Es ist deshalb keine politische Richtungsentscheidung, sondern ein verfassungsrechtliches Gebot, eine Medienstruktur aufrechtzuerhalten, die den inklusiven Charakter der Öffentlichkeit und einen deliberativen Charakter der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung ermöglicht.“ (Habermas 2022, S. 67). Dabei sind grundlegende Rahmenbedingungen und Regeln erforderlich, die zum Teil missachtet werden. Es geht um konstruktive Argumentationsverfahren, die Angemessenheitsbedingungen für diskursive Verfahren im analogen und digitalen Raum aufzeigen. 3.4 Argumentationsfähigkeit „Vernünftige Meinungsbildung bedeutet auch, Ideologie und Propaganda als solche zu erkennen, eine politische Debatte argumentativ aufzuschlüsseln, gute von schlechten Argumenten zu unterscheiden und sich an den guten Argumenten zu orientieren.“ (Brun/ Kuenzle 2023, S. 18) Formallogische Argumentationen lassen sich nach Toulmin (1958) aufgrund bestimmter Gesetzmäßigkeiten schlussfolgern. Das Prüfen von Annahmen und Satzäußerungen geschieht durch Folgerungen. Insgesamt werden verschiedene Typen von Argumenten unterschieden:  Fakten (beobachtbare Ursachen, angebbare Motive, angenommene Gründe),  Grundsätze (Maßstäbe, Gesetze, Normen) und  Stützen (Gültigkeit, anerkannte Bestimmungen). <?page no="63"?> 3.4 Argumentationsfähigkeit 63 Es werden Argumente für oder gegen eine Behauptung vorgebracht. Prinzipiell gilt, dass eine Argumentation nicht abgeschlossen werden kann. Argumentationshandlungen lassen sich klassifizieren in die Bereiche Behauptung, Begründung, Rechtfertigung und Schlussfolgerung. Bei der Erklärung von Ereignissen besitzen sie einen theoretischen Charakter; den Rechtfertigungen von Handlungen wird ein praktischer Charakter zugeordnet. Es ist zu differenzieren zwischen Bewertungen, in denen Handlungsgründe, Normen und Empfehlungen analysiert werden und der direkten Kommunikation, in der diese Handlungen z.B. durch eine Entschuldigung oder Aufforderung zum Ausdruck kommen können. Toulmin differenziert auf der Einstellungsebene der Argumentation zwischen der Sachzugewandtheit und der Publikumsgewandtheit. In Anlehnung an Watzlawick, Beavin und Jackson (1971) kann hier zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekten unterschieden werden. Als Techniken der Argumentation lassen sich u.a. folgende Merkmale nennen (vgl. Hofmeister 1999, Herzlieb 2000, Meyer/ Schicha/ Brosda 2001):  Verweis auf Topoi wie das Grundgesetz,  Bezugnahme auf anerkannte Autoritäten wie z.B. Friedensnobelpreisträger: innen,  Anführen von Beispielen zur Stützung der eigenen Meinung,  Formulieren von Mitgefühl,  Vorwegnahme von Protest durch die Darlegung möglicher Gegenargumente. Unvollständige Argumentationen, die in der Alltagskommunikation die Regel sind, werden als elliptische Formen klassifiziert. Hierbei werden Prämissen oder Konklusion ausgelassen, da sie selbstverständlich vorausgesetzt werden oder aus strategischen Gründen nicht genannt werden (vgl. Edmüller/ Wilhelm 2005). Rhetorik Die Rhetorik gilt als Redekunst. Sie fungiert als sprachliches Mittel bei Reden und Diskussionen. Sie basiert nicht nur auf rationalen Argumentationsverfahren, sondern schließt Inszenierungselemente mit ein, die dramaturgischen Gesetzen folgen. Insofern sind auch emotionale, psychologische und ästhetische Affekte und Wirkungen ein Bestandteil von öffentlichen Präsentationen. Die Rhetorik hat bei Aristoteles (1980) drei Komponenten. Neben einem glaubwürdigen Charakter (Ethos) sind Kenntnisse der rhetorischen Rede (Logos) sowie der menschlichen Leidenschaften (Pathos) erforderlich, um das Publikum angemessen anzusprechen. „Ein zentrales Thema ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Logos und Pathos. Zum Logos gehören alle Techniken und Strategien, die die Ratio ansprechen. Es geht im Wesentlichen um die Frage, wie man die richtigen Ar- <?page no="64"?> 64 3 Normen gumente findet, die das eigene Anliegen unterstützen. Beim Pathos hingegen geht es um das Erwecken von Emotionen und Leidenschaften, also darum, Gefühle anzusprechen. Schließlich gehören auch ethische Aspekte zu den wichtigen Inhalten der Rhetorik.“ (Oechsner 2021, S. 208) Rhetorische Ansprachen stehen für historische Abschnitte und epochale Ereignisse. Dies gilt sowohl für die Bürgerrechts-, Friedens- und Umweltbewegung als auch für Propagandareden in totalitären Regimen. Die Rhetorik kann in verschiedener Hinsicht als gut klassifiziert werden. Dabei können die Redetechnik, die Publikumswirkung, aber auch der moralische Gehalt gemeint sein, sofern ein glaubwürdiger Appell zur Mitmenschlichkeit auf der Basis einer klaren Verantwortungszuschreibung sachlich und gut begründet formuliert wird (vgl. Dänzer 2022). Aus der Perspektive der Diskursethik steht die Rhetorik für einen Überzeugungsvorgang, der in Form eines kommunikativen Aktes die rationale Vermittlungsleistung auf der Basis gut begründeter Argumente voranbringt (vgl. Perelman 1994). Dabei sollten positive Werte wie Gemeinschaft, Solidarität und soziale Rücksicht im Mittelpunkt der Debatte stehen (vgl. Möller 2022b). Jegliches Argumentieren umfasst Merkmale von Begründen und Kritisieren. Dabei werden Wörter verwendet, die Argumentationen anzeigen, Thesen stützen oder kritisieren und Geltungsansprüche formulieren (vgl. Franzen/ Burkard/ Löwenstein 2022). Diskurse „Öffentlichkeit ist der schwer zu identifizierende und niemals stillstehende Raum des Diskurses, dem sich kommunikativ Handelnde exponieren, um über ihre Geltungsansprüche Rechenschaft abzulegen. Dieser Raum konkretisiert sich in Form ineinander verschränkte oder miteinander verwobener Einzeldiskurse.“ (Kempf 2023, S. 211) Die Argumentation stellt für Habermas einen Bestandteil des Diskurses dar. Das zentrale Merkmal für das Zustandekommen einer Argumentation liegt in dem Tatbestand einer Kontroverse oder Meinungsverschiedenheit, bei der zunächst nicht kompatible Interessen aufzulösen sind. Kopperschmidt (1985) geht davon aus, dass Argumentationen durch vernünftige Überlegungen mit Beweiskraft auftreten, um durch kommunikative Verständigung Überzeugungsarbeit für Geltungsansprüche zu leisten. Zentrale Merkmale dieser Argumentation im Diskurs liegen in der Begründung und Kritik. „Diskurs bezieht sich hier auf Typen oder Elemente von Kommunikationen, in denen argumentative Anstrengungen im Zuge von Rechtfertigungen oder Kritiken eine zentrale Rolle spielen; in denen eine erkennbare Übernahme von Begründungs-, Beweis-, oder Plausibilitätslasten erfolgt und Geltungsansprüche problematisiert, in Zweifel gezogen oder in Antizipation oder Reaktion auf (mögliche) Einwände verteidigt werden.“ (Schultz 2006, S. 17) <?page no="65"?> 3.4 Argumentationsfähigkeit 65 Alle Argumentationsteilnehmer: innen sind Apel (1988) zufolge gleichberechtigt und zur Wahrheit verpflichtet. Ansprüche und Behauptungen sind argumentativ zu rechtfertigen. Als Argumentationsvoraussetzungen bezeichnet Gebauer (1993) die Thematisierung eines Geltungsanspruchs, zu dem eine Einstellung vorgebracht wird. Die Grundlage dieses Verfahrens liegt in der Zurechnungsfähigkeit und Aufrichtigkeit der Diskursteilnehmer. Darüber hinaus sind Kompetenz- und Relevanzregeln für die Themen und Beiträge ebenso unverzichtbar, wie die Klärung hinsichtlich der Verteilung der Argumentationslasten. Das Gelingen einer Argumentation hängt von der Plausibilität der Argumente und der Schlüssigkeit (Relevanz) der Argumentation ab.Im Gegensatz zur rein sprachlogischen Variante der Argumentation stellt die diskurstheoretische Version nicht die Frage, welche Argumentation grundsätzlich möglich ist, sondern beobachtet vorkommende Argumentationen und analysiert sie hinsichtlich ihrer möglichen Wirkung. Die Argumentationstheorie gilt nach Perelman (1980) als gesprächslogische diskursive Technik, um Zustimmungsbereitschaft zu erreichen. Eine Redefigur wird als argumentativ erfolgreich bezeichnet, sofern es gelingt, den Perspektivenwechsel eines Opponenten bei seiner Einstellung aufgrund überzeugender Thesen zu gewährleisten. Argumentation will Einstellungen beim Gesprächspartner ohne Zwang verändern (vgl. Habermas 1985). Bühler (1992) führt an, dass in Argumentationsverfahren Annahmen geprüft werden, die als Beweismittel für eine Aussage dienen sollen. Dabei werden Geltungsansprüche durch die konsensstiftende Kraft überzeugender Rede mit rationalen Begründungen eingelöst und gleichzeitig praktische Fragen der Annahme oder Ablehnung von Standards entschieden. Auf Basis spezifischer Normen bewerten die Argumentationsteilnehmer die Aussagen der anderen. Die Grundlagen dafür liegen in der Wahrheit der Propositionen, der Richtigkeit von Handlungsnormen, der Angemessenheit des Wertstandards, der Wahrhaftigkeit von Expressionen sowie der Verständlichkeit bzw. Wohlgeformtheit von symbolischen Konstrukten. Regeln „Kenntlich hinhören, auch wenn man die Argumente längst kennt; vorgebrachte Argumente richtigstellen, auch wenn man das gegenüber anderen Gesprächspartnern schon viele Male getan hat; für richtig gehaltene Positionen erläutern, auch wenn deutlich ist, dass der Gesprächspartner nicht folgen will.“ (Patzelt 2016, S. 20) Die Körber-Stiftung hat eine empirische Untersuchung zur Diskussionskultur in der Kommunalpolitik durchgeführt. Dabei wurden 30 leitfadengestützte Tiefeninterviews von Ratsmitgliedern verschiedener Parteien und Gemeindegrößen in Ost- und Westdeutschland geführt und analysiert. Es hat <?page no="66"?> 66 3 Normen sich gezeigt, dass die Grenzen des fairen Miteinanders häufig missachtet worden sind. Politische Auseinandersetzungen haben die Sachebene verlassen und sind zu persönlichen Angriffen geworden. „Darunter fällt etwa das Streuen von Gerüchten, Beleidigungen und Drohungen oder ein aggressiver, angreifender Tonfall.“ (Körber-Stiftung 2024, S. 4). Die befragten Frauen berichteten von sexistischen Grenzüberschreitungen und einer dominierenden männlichen Debattenkultur. Insofern ist es erforderlich, die Diskussionskultur auch auf der kommunalen Ebene zu verbessern und hierfür konkrete Lösungsansätze zu formulieren. Dadurch wird das politische Ehrenamt zur Belastung, wodurch die Bereitschaft sinkt, sich in diesem Bereich zu engagieren. Eine konstruktive Diskussionskultur wurde im Rahmen von fünf Dimensionen herausgearbeitet:  Abwesenheit von Grenzüberschreitungen (keine persönlichen Anfeindungen, Beleidigungen, ironische Anspielungen auf Eigenarten oder Schwächen weiterer Diskussionsteilnehmer: innen oder sonstige Ehrverletzungen)  Gegenseitiger Respekt (zuhören, ausreden lassen, höflicher Umgangston)  Fachlichkeit und Sachlichkeit (Austausch von sachlichen Argumenten und Haltungen, zielführende und effektive Debatte ohne Verzögerungen, keine Verdrehung von Aussagen, die auch nicht aus dem Kontext gerissen werden dürfen)  Offenheit und Kompromissbereitschaft (Bereitschaft, Positionen nach Diskussionen zu revidieren und tolerant zu agieren)  Parität (gleichberechtigte Verteilung der Wortbeiträge aller Diskutant: innen) (vgl. Körber-Stiftung 2024) Diese Regeln wurden auf der Vorstellung der Deliberation getroffen, die den gleichberechtigten Austausch von Argumenten mit dem Ziel verfolgt, die besten Entscheidungen zu treffen. Als notwendige Voraussetzungen wurde die Partizipation aller beteiligten Diskutant: innen ebenso postuliert, wie die sachlich korrekte Argumentation und Wahrheitsorientierung, die auf der Basis von Begründungen vollzogen werden sollte. Hinzu kamen die Gemeinwohlorientierung und die Konstruktivität des Diskurses auf der Basis des wechselseitigen Respekts. Darüber hinaus wurde die Bereitschaft zum Kompromiss ebenso postuliert wie die Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Auffassungen. Persönliche Angriffe, Abwertungen oder Unterstellungen wurden ebenso untersagt wie die Verwendung von Schimpfwörtern oder Beleidigungen. Ein rauer Ton wird dann akzeptiert, wenn die Debatte sachlich und insgesamt versöhnlich bleibt. Durch die Beachtung dieser Regeln lässt sich die Debattenqualität auch in der Kommunalpolitik positiv beeinflussen. Als unterstützende Maßnahmen können Mediationsverfahren und Konfliktberatung zur Beachtung von Grenzen ebenso helfen, wie Weiterbildungen <?page no="67"?> 3.4 Argumentationsfähigkeit 67 zur Förderung der Sachlichkeit. Soft-Skills-Schulungen können den gegenseitigen Respekt sowie die Offenheit und Kompromissbereitschaft unterstützen. Redelisten und -zeiten könne die Parität bei der Verteilung der Wortbeiträge verstärken. Im Gespräch mit anderen Personen sind grundlegende Basisregeln erforderlich, um konstruktive Gespräche führen zu können (vgl. Janka 2000). Es geht darum Gemeinsamkeiten zu finden, Problemfelder zu strukturieren, Personen und Probleme zu trennen, Perspektivenwechsel vorzunehmen und Teileinigungen zu erzielen. Es ist notwendig, kontroverse Debatten öffentlich zu führen. Dabei ist es notwendig, „Zusammenhänge zu erklären“ (Künast (2017, S. 177) und unfaire Diskussionsstile zu problematisieren. Fairness gilt als ethische Maxime. Dabei geht es um „wohlausgewogene Erklärungen und Handlungen, die den artikulierten wie auch den vermuteten Ansprüchen einzelner oder ganzer Gruppen gerecht werden. Oft bezeichnen wir Kompromisse und ihre Vorstufen als fair: Friedensschlüsse, Verhandlungsergebnisse, Angebote oder Verhandlungsschritte.“ (Studer 2005, S. 9) Wer fair agiert, handelt anständig und hält sich an die gemeinsamen Spielregeln. Es geht dabei um Verfahrensgerechtigkeit und Unparteilichkeit (vgl. Günther 1999). Brosda (2019, S. 15) plädiert dafür, „radikal verständigungsbereit“ und „leidenschaftlich vernünftig“ zu sein. Er setzt auf folgende Kriterien, um angemessene Diskurse zu bewerkstelligen:  Kritische Debatte: Probleme benennen, Fehler ansprechen, Zuhören, Argumentieren,  Klarheit: keine Verwendung strategischer oder verschleiernder Begriffe oder Metaphern,  Konsistenz: Sprechen und Handeln in Einklang bringen,  Kontinuität: Grundbotschaften entwickeln und ausdauernd wiederholen,  Kohärenz: grundlegende Werteframes entwickeln und kommunizieren,  Kooperation: öffentlicher und kommunikativer Schulterschluss mit Partner: innen, die Werte und Ziele teilen,  Kampagne: Aktions- und kampagnenorientierte Kommunikationsformen entwickeln. Weitere grundlegenden Regeln vernünftigen Diskutierens fasst Kienpointer (1996) wie folgt zusammen:  Redefreiheit (Argumentierende dürfen sich einander nicht daran hindern, Standpunkte vorzubringen oder zu bezweifeln).  Begründungspflicht (wer einen Standpunkt vorbringt, ist verpflichtet, ihn auf Nachfrage zu verteidigen). <?page no="68"?> 68 3 Normen  Redliche Bezugnahme auf das Gesagte (ein möglicher Widerlegungsversuch muss sich auf den Standpunkt beziehen, der tatsächlich von der Gegenpartei in der Diskussion artikuliert worden ist).  Sachlichkeitsgebot (der eigene Standpunkt darf nur dadurch verteidigt werden, dass begründete Argumente für ihn genannt werden).  Redliche Bezugnahme auf implizite Voraussetzungen (es sollte nur auf die Prämissen eingegangen werden, die tatsächlich geäußert worden sind).  Gemeinsame Ausgangspunkte respektieren (es dürfen nur die Prämissen berücksichtigt werden, die von beiden Seiten akzeptiert worden sind).  Verwendung plausibler Argumentationsmuster (hierbei darf nur auf gute Begründungen zurückgegriffen werden).  Logische Gültigkeit (Argumentationsmuster und Schlussfolgerungen müssen logisch gültig sein oder durch logisch gültige Schlussfolgerungen ergänzt werden. Dabei können indirekt unterstellte Prämissen explizit gemacht werden).  Annahme des Ergebnisses der Diskussion (sofern alle Standpunkte im Rahmen allgemein anerkannter Begründungen korrekt dargelegt worden sind, ist der Debatte erzielte Kompromiss oder Konsens von allen Diskutierenden zu akzeptieren).  Klarheit des Ausdrucks und korrektes Verstehen (die getroffenen Formulierungen innerhalb der Debatte dürfen weder ungenau noch mehrdeutig sein). Um die Ziele des vernünftigen Diskutierens zu erreichen, ist auf einige Techniken zu achten. So ist auf angemessene Formulierungen zu achten, die gleichermaßen auf das Thema der Diskussion (Inhaltsebene), die Bedürfnisse der Diskutierenden (Beziehungsebene) und den Anlass der Diskussion (Gesprächssituation) eingehen. Die Debattenbeiträge sollten der Maxime einer umfassenden Klarheit und Verständlichkeit folgen. Dabei ist eine Fokussierung auf sachliche Begrifflichkeiten hilfreich. Die Verwendung von Ausdrükken, die negative Bewertungen oder gar Beschimpfungen enthalten, sind kontraproduktiv für die Debatte. Insofern sollten neutrale oder überparteiliche Ausdrucksweisen verwendet werden. Persönliche Angriffe sind hingegen unfair. Frick (2017) entwickelt weitere Regeln. Meinungen sollten so gebildet werden, dass sie wieder revidiert werden können (Prinzip des Meinungsfallibilismus). Dies schließt den Glauben an absolute Wahrheiten aus, die sich mit einer demokratischen Gesinnung nicht vereinbaren lassen. Das blinde Vertrauen in Autoritäten ist ebenfalls abzulehnen. Weiterhin ist zu überprüfen, unter welchen Voraussetzungen die Meinung gegebenenfalls unter Einbeziehung neuer Informationen geändert werden kann. Meinungen sollten weitgehend selbstständig gebildet und nicht bloß übernommen wer- <?page no="69"?> 3.4 Argumentationsfähigkeit 69 den (Prinzip der Meinungsautonomie). Hierbei kommt es darauf an, sich nicht in die Abhängigkeit von anderen zu begeben, eigene Ansichten zu entwickeln und sich im Verständnis von Kant dem eigenen Verstand zu bedienen, statt andere für sich denken und entscheiden zu lassen. Dazu gehört es, eine Sensibilität für Strukturen zu entwickeln, die eine Gängelung oder Manipulation von Meinungen ermöglichen. Dies gilt unter anderem für populistische Gruppierungen, die simple Antworten auf komplexe Probleme geben, Feindbilder erzeugen oder Ängste schüren. Meinungen sollten auf der Grundlage der Kenntnis möglichst aller anderen Positionen gebildet werden (Prinzip des Meinungspluralismus). Hierbei ist ein Vergleich mit anderen, gegebenenfalls konträren Standpunkten vorurteilsfrei zu prüfen. Diese müssen im Rahmen einer freien Rede verbreitet werden können. Meinungen sollten so vertreten werden, dass sie die gleiche Souveränität möglichst aller achten (demokratisches Prinzip). Dabei wird vorausgesetzt, dass die politische Position der Diskutant: innen akzeptiert wird, die von der eigenen Meinung abweicht. Meinungen sollten so vertreten werden, dass sie das geteilte Menschsein aller achten (Menschenrechtsprinzip). Dies sieht vor, dass eine dehumanisierende Rede untersagt wird, da sie die Menschenwürde und den Gleichheitsgrundsatz verletzen würde. Wolf (2017, S. 8f.) formuliert daran anknüpfend weiterhin acht Regeln gegen politische Engstirnigkeit:  „Erstens müssen Sachargumente ernstgenommen und geprüft werden, auch wenn sie von der ‚falschen‘ Seite kommen. […]  Zweitens sollten Demokraten sich abweichenden Meinungen und Argumenten bewusst und regelmäßig ‚aussetzen‘. […]  Drittens sollten Freunde, Kolleg: innen und Bekannte, die abweichende Meinung vertreten, dazu herausgefordert werden, diese auch ausführlich zu äußern und zu begründen, statt sie zu entmutigen oder gar auszugrenzen. […]  Viertens ist eine kritische Haltung gerade auch gegenüber der eigenen Position einzunehmen. […]  Fünftens sollte echte Lernbereitschaft ein wesentliches Element der Identität eines aufgeklärten Demokraten sein. […]  Sechstens darf sich jemand, der im Diskurs nachdrücklich politische Veränderungen fordert, nicht auf normative Begründungen beschränken, sondern muss gleichermaßen die Realisierungsbedingungen mitdenken. […]  Siebtens müssen anerkannte wissenschaftliche Befunde auch dann akzeptiert werden, wenn sie den eigenen politischen Einstellungen widersprechen. […]  Achtens sollten Teilnehmer an einer Debatte einander respektvoll begegnen und bewusst die Identität des Gegenübers achten.“ <?page no="70"?> 70 3 Normen Abbildung 2: Konfliktmoderation im Gruppenchat Naess (1975) fordert Eindeutigkeit und Widerspruchsfreiheit beim Argumentieren. Kontexte, die nicht mit dem Thema zu tun haben, sollen beim Argumentieren unberücksichtigt bleiben. Ansprüche und Behauptungen müssen argumentativ gerechtfertigt werden. Eine zentrale Forderung liegt in der Norm der Sachlichkeit. Er plädiert dafür, sich in Diskussionen grundsätzlich auf den Gegenstand der Debatte zu konzentrieren und tendenziöse Mehrdeutigkeiten in Hinblick auf die Diskutant: innen zu unterlassen. Es ist untersagt, dem Opponierenden Standpunkte zu unterstellen, die er oder sie gar nicht <?page no="71"?> 3.5 Wahrheit 71 einnimmt. Kontexte, die nichts mit dem konkreten Sachverhalt zu tun haben, dürfen innerhalb dieses Bezugsrahmens nicht thematisiert werden. Argumentationsregeln postulieren u.a.  Plausibilität,  Schlüssigkeit (Relevanz) der Argumentation,  eine situationsunabhängige Sprachverwendung,  eine Begründungspflicht,  eine logische Gültigkeit und  Verständlichkeit. In Bezug auf dialogische Argumentationen wird eine redliche Bezugnahme auf das Gesagte ebenso vorausgesetzt, wie die Respektierung gemeinsamer Ausgangspunkte. Weiterhin existieren konkrete Hinweise für den Umgang mit Konflikten in digitalen Chatrooms, die von der Initiative Love-Storm erstellt worden sind. Diese und weitere Techniken können einen konstruktiven Beitrag dazu leisten, dass Argumentation glaubwürdig bewerkstelligt werden. Wahrhaftige Aussagen sind die Basis für Diskurse, die auf Verständigung hin ausgerichtet sind und Vertrauen generieren. 3.5 Wahrheit „Wahrheit ist eine Eigenschaft von Aussagen, die sich auf Tatsachen und Sachverhalte richtet und einen Anspruch, den wir mit Behauptungen über Tatsachen und Sachverhalte erheben. Entscheidend ist dabei, dass es nicht in unserem individuellen Belieben steht, welche Aussagen über Tatsachen und Sachverhalte wahr sind und welche nicht. Die Feststellung der Wahrheit von Aussagen ist das Ergebnis einer methodischen Prüfung nach rationalen Kriterien - wobei wir immer mit Irrtümern rechnen müssen und niemand für sich die Deutungshoheit beanspruchen kann, letztgültig darüber zu befinden, welche Aussage wahr ist.“ (Dietz 2021, S. 46f.) Dieses Zitat macht deutlich, dass es im Rahmen der sozialen Kommunikation nicht so einfach ist, wahre Aussagen zu definieren. Sprachliche Wahrheiten wie die Aussage ‚Alle Junggesellen sind unverheiratet‘ oder mathematische Wahrheiten können zwar als solche definiert und festgelegt werden. Bei Wahrheitsansprüchen in sozialen Debatten ist dies nicht so einfach. Gleichwohl sollten Menschen die Wahrheit sagen, indem sie aufrichtig und ehrlich sind und nicht lügen sollten. Dies sind Handlungsregeln der Kommunikation, die einer vertrauenswürdigen Verständigung dienen (vgl. Filipovic 2024). Wahrheitsorientiert zu agieren bedeutet aus einer diskursethischen Perspektive, die Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen zu sagen, gleichzeitig <?page no="72"?> 72 3 Normen aber für die Wahrheitsansprüche anderer offen zu sein und das gemeinsame Ziel einer geteilten Wahrheit zu verfolgen. Die Kommunikationsethik besitzt demnach die Aufgabe, diese Ansprüche zu untersuchen und zu beurteilen (vgl. Thomaß u.a. 2024a). Der Begriff der Wahrheit taucht mit anderen benachbarten Begriffen auf. Dazu gehören neben der Ehrlichkeit die Richtigkeit und Wahrhaftigkeit, die voneinander zu unterscheiden sind. Die Richtigkeit bezieht sich auf konkrete Angaben wie die Zahl und das Gewicht. Dabei geht es um korrekte Angaben in Form einer Messung. Die Wahrhaftigkeit richtet sich auf ein handelndes Subjekt. Hier kommt es darauf an, möglichst wahrheitsgemäß zu kommunizieren. Dabei werden die subjektiven Absichten der Personen berücksichtigt, die sich auf seine Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit beziehen. Wahrhaftige Aussagen können falsch sein, sofern ein Irrtum vorliegt, der auf falschen Annahmen, Behauptungen oder Glaubensvorstellungen basiert (vgl. Bentele 2021). Die Wahrhaftigkeit stellt Habermas (1995) zufolge im Gegensatz zur Wahrheit und Richtigkeit ein Versprechen dar, das in konkreten Handlungszusammenhängen im Rahmen von Kommunikationssituationen gegeben wird. „Ohne die Anerkennung der regulativen Idee der Wahrheit kann es keine sinnvollen öffentlichen Debatten und damit auch keine liberale Demokratie geben. Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn der Entscheidungsprozess und die nachträgliche Bewertung getroffener Entscheidungen vor dem Hintergrund einer regulativen Idee der Wahrheit erfolgen.“ (Zürn 2022, S. 17f.) Insofern ist die Glaubwürdigkeit von Personen eine zentrale Maxime, um Vertrauen zu generieren. Die gilt auch für die Medienberichterstattung. Hier ist nur die Weitergabe von geprüften Informationen zulässig, die auf der Basis von mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellen basieren. „Denn Fakten sind der Fels, auf dem unsere Entscheidungen gründen. […] Verlässliche Informationen versetzen uns in die Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wen wir wählen, was uns besorgt, was wir getrost ignorieren können, wofür wir uns engagieren. Sie erlauben uns nach dem Streit die Einigung, den Kompromiss, sie bilden den Dreiklang einer jeden guten Diskussion: wissen, denken, meinen. In dieser Reihenfolge. Nur sie erlauben uns die schönsten Momente einer jeden Diskussion: sich auch einmal vom Gegenteil überzeugen zu lassen, bezwungen von der Kraft des besseren Arguments. Skepsis ist eine gute Eigenschaft, auch die Dinge in Frage zu stellen und misstrauisch zu sein, aber auch offen und wissbegierig zu sein.“ (Mascolo 2017, S. 18) Auf der Basis dieser Voraussetzung sind eine konstruktive Auseinandersetzung und das Ringen um richtige Entscheidungen auf einem guten Weg. Dabei kann es zu Streitigkeiten kommen, die aber gar nicht so negativ konnotiert sind, wie häufig behauptet wird, sofern sie konstruktiv ausgetragen werden. <?page no="73"?> 3.6 Streitkultur 73 3.6 Streitkultur „Eins ist unstrittig: Streit gibt es immer. Kein Lebensbereich ist davon ausgenommen. Streit gehört zum menschlichen Miteinander wie die Luft zum Atmen. Er ist nicht nur unvermeidlich. Streit ist auch nötig, um Meinungsverschiedenheiten auszutragen und um Gegensätze zu überbrücken. Streit ist die Voraussetzung für die Lösung von Konflikten. Er hat eine konstruktive, bisweilen eine konstitutive Seite. Im Wettbewerb der Ideen entstehen innovative Konzepte und Lösungen.“ (Müller-Bahlke 2023, S. 7) Eine offene Streitkultur in Demokratien benötigt Kontoversen und Konflikte, die zu den Merkmalen liberaler und pluralistischer Gesellschaften gehören, um gemeinsame Lösungen auf der Basis von Argumenten erreichen zu können. Eine Meinungsvielfalt und Dissenskultur ist dabei für die politische Bildung ebenso relevant wie für persönliche Debatten in privaten Kontexten. Die Vielfalt, unterschiedlicher Interessen, Meinungen und Positionen ist dabei zu berücksichtigen, um Kompromisse erreichen zu können, mit denen alle Betroffenen einverstanden sind (vgl. Frech/ Geyer/ Oberle 2023). Der Streit, der auch als Auseinandersetzung, Zank oder Zwist bezeichnet werden kann, bezeichnet das offene Austragen einer Meinungsverschiedenheit zwischen zwei oder mehreren Akteur: innen, Personen, Gruppen oder Parteien, wobei es sich hierbei auch um eine politische Partei, die Partei in einem Rechtsstreit oder eine Kriegspartei handeln kann. Im Rahmen einer Typologie des Streits erweitert Simmel (1908) den makrosoziologischen Untersuchungsgegenstand der Organisationen in Form von Parteien, Staaten, Familien und Zünfte um die mikrosoziologischen Sozialformen der Interaktion zwischen Individuen und beschäftigt sich mit ihren jeweiligen sozialen Wechselwirkungen. Der Streit wird von Simmel als Herstellung einer Einheit aus Differenzen verstanden. Es geht dabei auch um sozialschädliche Absichten der Akteur: innen, die irrational sind. Destruktive Entwicklungen lassen sich aufzeigen, wenn sich aus dem Streit ein Kampf entwickelt, der gewalttätig sein kann. Hass und Neid können Auslöser sein, um Streit zu generieren. Gleichwohl kann der Streit auch konstruktive Formen und Ausprägungen beinhalten. Neben der Rivalität und Konkurrenz, die durchaus dazu führen können, produktiven Ehrgeiz zu generieren, bietet der regelbasierte Rechtsstreit durch seine Fokussierung auf ein sachliches Verfahren die Möglichkeit einer konstruktiven Streitkultur. Es geht dort um einen Sieg oder Niederlage, aber auch um Kompromisse und Vergleiche. Der Streit zwischen Konkurrent: innen kann dazu führen, dass sich bessere Leistungen, Konzepte und Preise durchsetzen. Kontroversen und Konflikte gehören zu den Merkmalen demokratischer Gesellschaften, und die konstruktive Austragung von Konflikten dient der gesellschaftlichen Integration pluraler Gemeinschaften (vgl. Pohl/ Buchstein 2020). In Diktaturen und totalitären Systemen gibt es zumindest offiziell keinen Streit und keine Skandale, die aufgedeckt werden. Meinungen, die dort z.B. <?page no="74"?> 74 3 Normen die offizielle Regierungspolitik in Frage stellen, werden unterdrückt. Menschen, die eine oppositionelle Haltung einnehmen, werden bedroht, misshandelt, inhaftiert oder sogar umgebracht. Häufig wird Streit mit negativen Konnotationen verbunden. Der Begriff wird zumeist abwertend benutzt. Die Streitvermeidung suggeriert hingegen, dass es keine Probleme gibt, über die es sich zu streiten lohnt. Faktisch existieren aber eine Reihe notwendiger Formen von Auseinandersetzungen auf verschiedenen politischen Ebenen. „Demokratie lebt aber vom Streitpotential: alle politischen Akteure stehen mit ihren Ideen, Vorhaben und Visionen in direkter Konkurrenz zueinander. Sie müssen den Wählern glaubhaft machen, dass ihre Vorschläge die besseren sind. Im Idealfall geschieht dies mit argumentativer und leidenschaftlicher Überzeugungsarbeit. Dann liegen die dissonanten Positionen im inhaltlichen Clinch. Das ist konstruktiver Streit in der Sache.“ (Römmele 2019, S. 12f.) Neben dem Expert: innenstreit über das Vorgehen in unterschiedlichen Politikfeldern wie der Gesundheits- und Verteidigungspolitik gibt es Flügelstreitigkeiten in demokratischen Parteien, die in die Kategorie des Richtungsstreites eingeordnet werden können. Dieses Vorgehen ist erforderlich, um Lösungswege aufzuzeigen und konkurrierende Positionen transparent zu machen. Schließlich gilt: „Streit heißt, politische Meinungen und Überzeugungen ungehindert aufeinander treffen zu lassen, damit sich politische Urteile bilden können.“ (Leggewie 1990, S. 61) Die Entfaltungsfreiheit für Alternativen erfordert die Auseinandersetzung mit konträren Positionen. Eine strittige Auseinandersetzung kann als Element politischer Kultur fungieren. Schließlich gehört es zum Wesen des Staates, dass plurale und heterogene Auffassungen diskutiert werden. In diesem Verständnis ist Streit keine destruktive Form, bei der politische Gegner: innen beschimpft und diskreditiert werden, sondern eine Notwendigkeit, um die eigene Persönlichkeit und Selbstentfaltung zu entwickeln, unterschiedliche Positionen transparent zu machen und einen Fortschritt zu ermöglichen. Produktive Veränderungen für die Verbesserung der Menschenrechte wurden ebenfalls durch Proteste und Streit erreicht (vgl. Amnesty International 2018, Nussberger 2021). Insofern sind auch der Humanismus und die Aufklärung mit strittigen Auseinandersetzungen verbunden, da Lebens- und Gesellschaftsentwürfe miteinander verhandelt werden müssen. Der Publizist Michel Friedmann (2021, S. 6) fasst die zahlreichen Facetten des Streits wie folgt zusammen: „Streit ist wunderbar, herausfordernd, schmerzhaft, anstrengend, hoffnungsvoll, kränkend, sinnlich, leidenschaftlich, still und leise, laut und brüllend, kognitiv und emotional - er hört nie auf, seit es den Menschen gibt. Der Mensch und der Streit sind existenzielle Zwillingserscheinungen. Wir suchen, wir ringen nach Antworten, finden dabei wieder neue Fragen. Solange wir streiten, verzweifeln wir nicht an diesem Prozess. Wer nicht mehr streitet, gibt auf.“ <?page no="75"?> 3.6 Streitkultur 75 Dabei sind bestimmte Regeln zivilisierter Umgangsformen in Form von Sachlichkeit ebenso erforderlich wie die Einhaltung ethischer Prinzipien, die den Respekt und die Tolerierung der Position des anderen ebenso umfassen wie die Einhaltung von Fairnessregeln und den Verzicht auf Zwang im Rahmen kontroverser Debatten. Grundsätzlich ist die verfassungsrechtlich formulierte Achtung der Menschenwürde unverzichtbar. Dies gilt auch für die Beachtung demokratischer Spielregeln in Form des Mehrheitsprinzips sowie die Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols und die daraus resultierende Bereitschaft zum Gewaltverzicht (vgl. Sarcinelli 1990, Wetz 2011, Detjen 2012). „Ethische Aspekte demokratischer Streitkultur“ (Sutor 1990, S. 157) sind erforderlich, damit eine kultivierte Auseinandersetzung vonstatten gehen kann, die sich an Regeln hält. Dabei sollten der Gerechtigkeitswille und das Prinzip der Gegenseitigkeit Beachtung finden, wobei auch die Wahrung individueller Freiheit miteingeschlossen werden sollte (vgl. Kelsen 2016). Politik „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine.“ (Helmut Schmidt, zitiert nach Flaßpöhler 2024, S. 11) Mit diesem Spruch bewirbt die Wochenzeitung Die Zeit ihr Ressort ‚Streit‘ mit einer Äußerung des ehemaligen Bundeskanzlers. Auseinandersetzungen gehören schließlich zum politischen Geschäft. Sofern sie auf der Basis konstruktiver Argumente und dem Aufzeigen kreativer Alternativen fungieren, ist dies positiv zu bewerten. Sogenannte Schlammschlachten, die sich als negative campaigning gegen die politischen Gegner: innen richten, sind hingegen kontraproduktiv, obwohl harte Auseinandersetzungen in der Sache in Wahlkämpfen, Parlamentsdebatten und Gesprächsrunden wichtig sind, um die unterschiedlichen Positionen deutlich zu machen (vgl. Schicha 2003c). „Damit der Streit nicht eskaliert und die Parteien unwiederbringlich auseinandertreibt, müssen die Bindungskräfte mächtiger sein als der Vernichtungsdrang. Nur wenn die Anziehung stärker ist als die Abstoßung, kann das Streiten eine konstruktive Richtung nehmen.“ (Flaßpöhler 2024, S. 22) Strittige Debatten werden auf unterschiedlichen Ebenen in der Politik, in den Medien und in der Öffentlichkeit ausgetragen (vgl. Weischenberg 1990). Hierbei sind wechselseitige Abhängigkeiten zu beobachten. So benötigt die Politik die Medien, damit ihre Botschaften verbreitet werden. Es geht um den Austausch zwischen Information und Publizität. Medien benötigen Informationen von Politiker: innen, um darüber berichten zu können. Gleichwohl können über die neuen Medien Informationen ohne die Einbeziehung traditioneller journalistischer Kanäle direkt an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Römmele (2019, S. 123) weist zu Recht darauf hin, dass die Demokratie ohne Streit nicht überlebensfähig ist. <?page no="76"?> 76 3 Normen „Der Begriff Streitkultur besagt, dass wir es mit etwas zu tun haben, das nicht einfach da ist, sondern das sich entwickelt und das auch bewusst gelebt werden muss. So wie die Demokratie auch erst durch Beteiligung mit Leben gefüllt wird. Sie kann nicht in Form von Regelungen und Geboten, quasi von oben herab, vorgegeben werden, sondern muss sich situativ in den Debatten entwickeln. Wer den Streit zu sehr formalisieren möchte, ihn in ein Regelwerk zwängen will, der unterdrückt ihn. Der Streit braucht aber Freiheiten.“ Eine Auseinandersetzung ist notwendig, um die öffentliche Meinungsbildung durch den Austausch von Argumenten in Debatten zu ermöglichen. Dabei sollte es darauf ankommen, sachlich und gut begründet vorzugehen, um Verständigung zu erreichen. Es sollte vermieden werden, den Streit als Instrument der Selbstdarstellung zu missbrauchen, persönlich zu werden und Andersdenkende zu diskreditieren (vgl. Meyer/ Schicha/ Brosda 2001). Es ist zwar einfach, „Menschen mit anderen Grundeinstellungen oder Anhängern anderer Weltanschauungen als Spinner, Eiferer, Unmenschen oder Extremisten zu bezeichnen. […] Dies stärkt den Zusammenhalt innerhalb der eigenen Gruppe. […] Der Gegner ist dann nicht mehr einer, gegen den man sich im öffentlichen Diskurs durchzusetzen hat, sondern ein Feind, den man mit allen Mitteln zum Schweigen bringen muss.“ (Römmele 2019, S. 14) Wenn moralisiert wird, steht nicht die rationale Begründung, sondern die Empörung im Mittel, des Interesses. Ein konstruktiver Streit hingegen kann als Innovationstreiber agieren und neue Ideen hervorrufen. Er liefert dann positive Fortschrittsimpulse, kann Meinungen transparent machen und alternative Positionen aufzeigen. Deshalb werden konstruktive Auseinandersetzungen in autoritären Regimen durch Drohungen und Repressalien unterdrückt, damit die totalitären Machthaber keine Konkurrenz bekommen. Insofern ist kritisch zu prüfen, ob es bei politischen Debatten um den Machterhalt oder um Inhalte geht. Debattenräume sind dabei unverzichtbar. „Die Gesellschaft braucht mehr kontroverse, unbequeme Meinungen und robuste und freie Kommunikationsräume. Und wir wollen dabei nicht die überempfindlichen und oft auch sehr elitären Sensoren übernehmen, die in den Echokammern gehegt und gepflegt werden. Diese verengen den Diskurs und steigern die Gereiztheit im Land.“ (Buhrow 2021, S. 15) Es wird von der Politik gefordert, dass die politischen Entscheidungsträger: innen in der Lage sein sollten, sich zu einigen. Dabei ist es keineswegs problematisch, die Existenz von Konflikten und unterschiedlichen Konzepten anzuerkennen, sofern sie nicht destruktiv, sondern konstruktiv bearbeitet werden. Schließlich fungiert die ungehinderte Konfliktausstrahlung als zentrale Säule freiheitlich demokratischer Ordnungen. Der Streit kann sich durch Beschimpfungen und Drohungen negativ auszeichnen. Dabei können Emotionen und Affekte durchaus das Agieren der <?page no="77"?> 3.6 Streitkultur 77 beteiligten Akteur: innen im Rahmen von politischen Debatten begleiten. Es ist wichtig, dass aus dem politischen Streit kein persönlicher Streit wird, obwohl es Spannungen und Interessensgegensätze gibt. Insofern ist zentral, dass aus der Streitkultur keine Einschüchterungskultur wird. Dafür sind Menschen anfällig, die folgende Persönlichkeitseigenschaften haben: „Wenig gehemmt sind Leute, die dominant, extrovertiert, emotional robust und streitlustig sind, die einen hohen Status haben oder ihn auf Teufel komm raus erreichen wollen. Kritik oder Angriffe nehmen sie sich weniger zu Herzen, sondern sehen darin eher eine Bestätigung ihrer eigenen Bedeutsamkeit.“ (Hübl 2024, S. 191) Menschen, die eher fürsorglich und introvertiert agieren, auf einen harmonischen Austausch mit Anderen Wert legen und ihren Status für nicht so wichtig halten, sind weniger anfällig dafür, Andere einzuschüchtern. Sie agieren eher reflektiert und selbstkritisch (vgl. Hübl 2024). Ansprüche Grundsätzlich sind Empathie und Kompromissbereitschaft erforderlich, um Konflikte zu lösen (vgl. Menasse 2020). Gegebenenfalls können Streitschlichter: innen bei derartigen Verfahren hilfreich sein. „Verhandeln ist die Form der Auseinandersetzung, ohne Anwendung von Gewalt Lösungen für gegensätzliche Interessen zu finden. Sie ist die der demokratischen Kultur angemessene Form der Streitauseinandersetzung.“ (Pfetsch 2006, S. 11) Schließlich liegen den Verhandlungen unterschiedlich gelagerte Interessen zugrunde, die ohne Gewalt, Druck oder Drohung lösungsorientiert miteinander verbunden werden müssen. Friedmann (2021, S. 59f.) fasst die zentralen Bedingungen für eine funktionierende Streitkultur wie folgt zusammen:  „Die Menschenwürde, die Menschenrechte sind unstreitig.  Die Menschen, die am Streit teilnehmen, müssen als solche anerkannt und respektiert werden.  Der respektvolle Umgang der handelnden Personen miteinander ist unabdingbar. Das lässt emotionale Anteile im Streitgespräch zu, schließt aber persönliche Angriffe aus.  Tatsache, Realität und Faktizität müssen als solche anerkannt werden.  Das Argument muss als Instrument des Diskurses dienen.  Verhandelte Regeln der Rede- und Gegenrede, der Argumentation und Gegenargumentation müssen zu jeder Zeit gelten.  Der Zweifel ist unverzichtbarer Teil und Antrieb eines jeden Streits.“ <?page no="78"?> 78 3 Normen Insofern ist es wichtig, das konstruktive Streiten über kontroverse Themen in allen familiären und außerfamiliären Sozialisationsträgern zu lernen. So wird z.B. für die Schule postuliert: „In der Debatte zu diesen Problemvorgaben geht es im Kern um die Fragen, wie begründet entschieden werden kann, welche politisch und gesellschaftlich relevanten Themen von Lehrkräften kontrovers, d.h. mit offenem Ausgang und mit Bezugnahme auf ein Spektrum von gleichermaßen angemessenen und legitimen Sichtweisen unterrichtet und diskutiert werden sollen, und welche nicht, und was in unterrichtspraktischer Hinsicht folgt.“ (Drerup 2021, S. 10) Neben dem Streit gehört auch das Misstrauen in die Kategorie von negativ bewerteten Kommunikationsvorgängen. Dass diese Einschätzung pauschal so nicht zutrifft, wird nachfolgend dargelegt. 3.7 Misstrauen Vertrauen ist die Basis für gelingende Beziehungen im beruflichen und privaten Zusammenhang. Nur wenn dies der Fall ist, können zwischenmenschliche Partnerschaften funktionieren. Misstrauen hat hingegen einen schlechten Ruf (vgl. Mühlfeld 2019). Diese Annahme basiert auf der Vorstellung, dass Menschen als Nörgler: innen agieren, einigen Institutionen womöglich ohne Grund das Vertrauen entzogen haben. Dabei ist ein grundlegendes Misstrauen gegenüber Personen und Organisationen durchaus sinnvoll. Vorsichtig zu agieren, ist hilfreich, um Enttäuschungen zu vermeiden. Der Satz ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ beruht auf der Vorstellung, dass Kommunikationsangebote geprüft werden sollten, um z.B. falsche Versprechen identifizieren zu können. Dies gilt insbesondere für die Aussagen, die auf Basis künstlicher Intelligenz entstanden sind. Grundsätzlich gilt: „Dabei besitzt die Vermittlung von Skepsis und Misstrauen gegenüber Inhalten, die von Personen oder Gruppen stammen, deren Seriosität man nicht einschätzen und denen man daher auch nicht vertrauen kann, gegenwärtig als oberste Priorität.“ (von Gottberg 2024a, S. 7) Ein grundlegendes Misstrauen, das religiösen und politische Autoritäten sowie Wirtschaftsunternehmen und Geheimdienste ebenso in Frage stellt, wie die Medienberichterstattung und Expert: innen ist grundsätzlich berechtigt. Schließlich hat jede Person und Institution strategische Interessen, die zwar legitim sind, aber transparent gemacht werden sollten. Ob Einschätzungen und Meinungsäußerungen gemeinwohlorientiert, egoistisch oder manipulativ sind, ist im jeweiligen Einzelfall zu prüfen. Blinder Gehorsam und unreflektierte Gefolgschaft widerspricht einer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, die einen emanzipatorischen Anspruch besitzt. „Auch Gewaltenteilung, Pressefreiheit und zivilgesellschaftliche checks and balances (Überprüfung und Ausgleich) dienen dazu, den Staat kritisch zu be- <?page no="79"?> 3.7 Misstrauen 79 äugen. Misstrauen schließt also gesellschaftliches Engagement nicht aus, sondern geht diesem meist voraus. Nicht nur ohne Vertrauen, auch ohne Misstrauen kann Demokratie nicht bestehen.“ (Mühlfeld 2019, S. 15) Misstrauen ist für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften konstitutiv. Es reguliert die Herrschaftsformen und fördert politische Partizipation. Wer Misstrauen artikuliert, macht sich ggf. aber auch bei den Machthaber: innen unbeliebt. Totalitäre Systeme unterdrücken oppositionelle Haltungen. Misstrauen zeigt sich in demokratischen Gesellschaften auch in gesellschaftlichem Engagement durch die Zivilgesellschaft. Neue soziale Bewegungen wie Greenpeace oder Einrichtungen wie der Bund der Steuerzahler prüfen kritisch die politischen Aktivitäten und legen Protest ein, wenn gegen Regeln verstoßen wird. „Der Bund der deutschen Steuerzahler hinterfragt die Fiskalpolitik der Regierung. Greenpeace überwacht u.a. die Einhaltung von Strahlenschutzbestimmungen, und Sea-Watch verteidigt die Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention warum gegen staatspolitische Interessen. Andere Organisationen dokumentieren Verstöße gegen Menschenrechte in Flüchtlingslagern und Gefängnissen (z.B. Amnesty International) oder entwickeln Verfahren, um staatliche Überwachung im Internet öffentlich zu machen und zu erschweren (z.B. Chaos Computer Club)“ (Mühlfeld 2019, S. 33) Der Zweifel ist also grundsätzlich angebracht, um die Glaubwürdigkeit von Behauptungen kritisch zu prüfen. Das Ziel besteht darin, Misstrauen zu überwinden, um Vertrauen zu generieren, aus dem Kooperation und Zusammenhalt resultieren können. Von der journalistischen Berichterstattung wird erwartet, dass sie Kontrolle und Kritik gegenüber dem Untersuchungsgegenstand walten ist. Dabei geht es um eine Distanz, um sich nicht von der anderen Seite instrumentalisieren zu lassen und dann womöglich zu positiv zu berichten. Misstrauen ist also auch im Verständnis einer Schutzfunktion angebracht. Sie wird dann als „notwendige, sinnvolle und wertvolle Kulturtechnik“ (Mühlfeld 2019, S. 80) angesehen. Wenn aber ein grundsätzliches Misstrauen etwa gegenüber allem Fremden artikuliert wird, ist dies kontraproduktiv. Durch Ausgrenzung und Diskriminierung können dann feindselige und menschenfeindliche Äußerungen und Handlungen bis hin zum Rassismus resultieren. Insofern sollte das Misstrauen nicht dazu führen, dass eine destruktive Ablehnung gegenüber allen möglichen Personen und Institutionen die Konsequenz bedeutet, dass eine grundlegende Ablehnung ohne gute Gründe vollzogen wird. Dies gilt auch für den Widerspruch, der auf der Basis fundierter Argumente vollzogen werden kann, aber auch als unbegründete Nörgelei in Erscheinung treten kann. <?page no="80"?> 80 3 Normen 3.8 Widerspruch „Widerspruch verweist auf […] gesellschaftliche Konflikte und Aushandlungen und bildet diese ab. Er ist integraler Bestandteil gesellschaftlicher Prozesse und dabei immer wieder auch Ausdruck von Machtverhältnissen. Sein gleichermaßen produktives wie auch destruktives Potential kann sich in individuellen wie auch kollektiven Meinungsäußerungen, Positionierungen oder Protesten ausdrücken und deutlich machen, dass jegliche Form des sozialen Miteinanders immer auch von Widerspruch im Sinne des Opponierens lebt.“ (Füllenbach/ Münnich/ Spanke 2023, S. 8) Widersprüche können in unterschiedlichen Formen und Zusammenhängen im realen und virtuellen Raum auftauchen. Das Spektrum reicht von Kunstaktionen durch Graffitis und Karikaturen über Demonstrationen und Proteste bis hin zu Onlinekampagnen, die sich gegen Missstände richten (vgl. Schicha 2021b). Durch soziale Medien sind die Hürden gesenkt, Informationen, Ansichten oder Erfahrungen zu teilen. Schmidt (2023) verweist auf die Möglichkeiten des Widersprechens in und mit sozialen Medien wie Facebook, YouTube, Instagram oder X, die in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Austauschmittel des Kommunikationsverhaltens geworden sind. Es besteht die Möglichkeit, Informationen aller Art mit anderen zu teilen und somit soziale Beziehungen zu pflegen. Individuelle Praktiken der Lebensführung werden über soziale Kanäle geteilt. Somit besteht die Option, an politischen und privaten Prozessen zu partizipieren und Widerspruch zu artikulieren. Inhalte können in sachlicher oder neutraler Form positiv oder negativ bewertet werden. Destruktive Reaktionen bis hin zum Hass sind dabei ebenfalls verbreitet (vgl. Thomas u.a. 2024a). „Soziale Medien bringen aber auch Formen des Widersprechens hervor, die Diskurse (zer)stören und abbrechen lassen, etwa die Hassrede (Hatespeech) oder das Trolling. Ihnen ist gemeinsam, dass sie das Gegenüber als gleichberechtigte: n Kommunikationspartner: in negieren; im Fall von Hassrede geschieht dies durch Verletzungen des Persönlichkeitsrechts wie Beleidigungen, Verunglimpfungen oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, im Fall von Trolling durch das Unterlaufen kommunikativer Erwartungen und Konventionen, das Ablenken und Abschweifen.“ (Schmidt 2023, S. 62) Neben individuellen Möglichkeiten des Widersprechens gibt es für Gruppen Optionen, sich zu neuartigen sozialen Bewegungen zu verbinden, um Protest zu artikulieren. So können Widersprüche in Form von Kritik gegenüber Personen oder Institutionen artikuliert werden. Diese Empörungswellen richten sich auf konkrete Verhaltensweisen, die kritisiert werden (vgl. Gaderer/ Grömmke 2024). Langfristigere Protestformen, die zum Beispiel Widerstand gegen die Umwelt- und Klimapolitik äußern, können sich zu kollektiven Organisationsformen wie Fridays for Future zusammenschließen. Dabei werden die Protestformen maßgeblich über soziale Netzwerke koordiniert. Sie finden <?page no="81"?> 3.8 Widerspruch 81 auch im öffentlichen Raum auf Demonstrationen statt. Somit werden verschiedene Standpunkte und Meinungen sichtbar, die Widerspruch artikulieren. Wie dem Streit wird auch dem Widerspruch zunächst eine negative Bedeutung zugeschrieben. Wer streitet oder widerspricht kann destruktiv agieren. Kritik ist aber erforderlich. Notwendigkeit „Demokratie ohne Kritik wäre keine Demokratie. Journalismus ist der institutionelle Störenfried, der für steten Nachschub an Einwänden, Bedenken und Tadel sorgt: laut oder manchmal nur lärmend, relevant oder bloß reflexhaft kritisch, kompetent oder ungerecht, großartig oder kleinlich, manchmal fair, nicht selten tendenziös, humorvoll oder plump.“ (de Weck 2024, S. 93) Eine konstruktive Streitkultur kann durch eine kritische Berichterstattung angestoßen werden. Sie ist ebenso bedeutsam für Debatten wie ein gut begründeter Widerspruch. Sofern dieser berechtigt ist, sollte er zur Geltung kommen. Dann handelt es sich um einen fundierten Einwand oder eine Entgegensetzung, die im politischen Bereich durch die Opposition legitimiert ist. Das aktive Widersprechen im Rahmen produktiver Diskurse stellt eine Verständigung über Werte und Normen in einer offenen Gesellschaft dar. Es kann dazu beitragen, den Zusammenhalt zu festigen und Fortschritt zu ermöglichen. Widersprüche sind auch in wissenschaftlichen Debatten unverzichtbar. „Perspektiven und Argumente sind für den Prozess der Wissensproduktion unerlässlich, Erkenntnisgewinn bedeutet immer Austausch, Diskurs, Beweis und Gegenbeweis.“ (Füllenbach/ Münnich/ Spanke 2023, S. 9). Insofern sind gesellschaftliche Aushandlungen von Widersprüchen konstituierend für eine funktionierende Demokratie und relevante öffentliche Austauschprozesse (vgl. Thomas u.a. 2024). „Demokratien setzen die Fähigkeit von Bürger: innen voraus, als gleich souveräne Mitglieder der politischen Demos gemeinsam zu handeln und dieses Handeln kommunikativ vorzubereiten, konkret durch den Austausch von Argumenten, Sichtweisen und Interessen sowie das Einfordern und Einreichen von Begründungen. Diskursengagement, das heißt das Einbringen von Ansichten, Gründen und auch Widerspruch in öffentliche Debatten, ist daher grundsätzlich eine demokratische Tugend.“ (Frick 2023, S. 25) Es gehören dabei auch Mut und Zivilcourage dazu, um sich öffentlich einzumischen und zu widersprechen (vgl. Frohloff 2001). Diskurstapferkeit Frick spricht in diesem Zusammenhang von Diskurstapferkeit. Sie plädiert für das mutige Wagnis, sich aktiv in Debatten zu exponieren, um Widerspruch und Kritik zu artikulieren. Derartige Prozesse sind zwar mühevoll und gegebenenfalls schmerzhaft. Gleichwohl ist es wichtig, sich mit den Positionen Andersdenkender auseinander zu setzen und zu opponieren, sofern es <?page no="82"?> 82 3 Normen dafür gute Gründe gibt. Dies sollte aber auf der Basis sachlicher Argumente ohne Drohungen und Einschüchterungen vonstatten gehen. Der Widerspruch resultiert aus der Erkenntnis, dass Menschen mit bestimmten Entwicklungen nicht einverstanden sind. Insofern ist es legitim, dagegen zu protestieren. Zugleich muss aber die konträre Position des anderen respektiert werden. Widersprüchliche Auffassungen sind immer auch ein Zeichen der Meinungspluralität. Diskursives Engagement setzt weiterhin den gleichen Zugang aller Betroffenen oder ihrer Vertreter: innen an öffentlichen Debatten voraus. Die Diskurstapferkeit kann als demokratische Tugend gelten, die als wünschenswerte Eigenschaft oder Fähigkeit von Mitgliedern eines demokratischen Gemeinwesens geleistet werden kann. Es ist erforderlich, sich im Diskurs zu artikulieren und die eigene Position zu offenbaren. Dabei ist damit zu rechnen, dass die konträre Position einen Widerspruch auf der anderen Seite auslöst. Eine Diskurstapferkeit ist zentral, um einen produktiven Widerspruch auf der Basis der Meinungsfreiheit zu generieren. Unterdrückung, Zensur und Ausschluss sind hingegen kontraproduktiv. Kontroverse politische Debatten vom Nachbarschaftsstreit, über lokale Entscheidungsprozesse von Bauvorhaben bis hin zu globalen Friedensverhandlungen sollten auf der Basis offener Diskurse geführt werden (vgl. Dienel 2002). Derartige Aushandlungsprozesse konfligierender Ansprüche können aufgrund des Konfrontationspotentials emotionale Verletzungen, Zumutungen und Überforderungen bedeuten. Insofern kann es Grenzen der postulierten Diskurstapferkeit geben. Daher gilt: „Wer mir mit Hass begegnet, mit dem brauche ich nicht tapfer weiter zu kommunizieren, wenn es offenbar nur darum geht, mich herabzusetzen.“ (Frick 2023, S. 30). Konstruktive Debatten können nur dann geführt werden, wenn beide Seiten bereits sind, die Position des anderen zu akzeptieren und auf persönliche Angriffe zu verzichten. Sie sind nur dann möglich, wenn das Meinungsklima eine wechselseitige Anerkennung der Diskutant: innen auf der Basis der Achtung der Menschenwürde, des Respekts und der Höflichkeit im Umgang mit Andersdenkenden akzeptiert. Nur unter diesen Rahmenbedingungen kann sich die demokratische Tugend einer reflektierten Diskurstapferkeit entfalten. Ob dazu eine spezifische Haltung erforderlich ist, um aus einer kommunikationsethischen Perspektive angemessen agieren zu können, wird nachfolgend erörtert. 3.9 Haltung „Die Gleichberechtigung, die Toleranz gegenüber Homosexuellen, gegenüber anderen Religionen, anderen Hautfarben. All das sehe ich als ein Erbe an, für das sich Einsatz lohnt. Und das zu verteidigen und auszubauen ist Aufgabe genug. Haltung zu haben ist dafür eine gute Tugend.“ (Reschke 2018, S. 10) <?page no="83"?> 3.9 Haltung 83 Es wurde durch den Berliner Kultursenator Joe Chialo darüber diskutiert, ob nur noch die Künstler: innen staatlich gefördert werden sollen, die eine schriftliche Erklärung abgeben, dass sie gegen Antisemitismus sind. Nach Protesten aus der Kunstszene gegen einen derartigen Bekenntniszwang wurde das Vorhaben nicht umgesetzt. Einen entsprechenden Aufruf mit dem Titel Für die Wahrung von Kunst und Meinungsfreiheit haben mehr als 3000 Künstler: innen unterzeichnet (vgl. Schmidt 2024b). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verlangt bei der Einreichung von Forschungsanträgen eine Erklärung, die auf die Relevanz der Geschlechtergerechtigkeit und Vielfältigkeit eingeht. Auch diese Vorgabe ist nicht ohne Kritik geblieben. „Warum sollen sich Forschungsprojekte speziell zu Geschlecht/ Vielfältigkeit erklären? Warum nicht beispielsweise zur ‚Relevanz von Weltfrieden/ Demokratie/ Toleranz‘? Und wie soll eine Wissenschaftlerin, die den Urknall erforscht, zur Frage verhalten, welche Relevanz ihr Thema für Geschlecht und/ oder Vielfältigkeit hat? Es tut der Wissenschaft nicht gut, wenn man probiert, sie auf politische Ziele festzulegen, selbst wenn diese weithin gesellschaftlich akzeptiert sind.“ (Schröder 2024, S. 37) Somit stellt sich die Frage, ob eine Haltung schriftlich postuliert werden darf und ob bei einer Ablehnung dieser Forderung Sanktionen z.B. in Bezug auf die Verweigerung von Fördergeldern gerechtfertigt sein können. Es ist zu klären, ob es gerechtfertigt ist, eine Haltung und daraus resultierendes Engagement einzufordern oder nicht. So wird behauptet, dass speziell Jugendliche unpolitisch und egoistisch sind. Angeblich interessieren sie sich nicht für gesellschaftlich relevante Zusammenhänge, sondern verfolgen primär eigene Interessen. Diese Vorurteile widersprechen jedoch empirischen Untersuchungen. Faktisch informiert und engagiert sich diese Gruppe u.a. in Bewegungen wie Fridays for Future oder lokalen Initiativen. Engagement und Interesse setzt jedoch eine Haltung voraus, die „auf Einstellungen, Überzeugungen und persönlichen Werten basiert, den persönlichen Bezug zu sich selbst, zu anderen Personen oder zur Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt und sich im Handeln ausdrücken kann.“ (Eggert 2022, S. 7) Jugendliche artikulieren ihre Meinung. Sie engagieren sich, indem sie sich gegen den Klimawandel, den Krieg und den Rechtsradikalismus aussprechen. Sie verbinden sich im Internet über soziale Netzwerke und schaffen damit partizipative Diskurse in öffentlichen Räumen durch aktives Medienhandeln auf der Basis gemeinsamer Haltungen und Überzeugungen, um Gemeinschaften des Protestes zu generieren. Die Monografie der ARD-Journalistin Anja Reschke (2018) trägt den Titel Haltung zeigen . Sie postuliert, dass sich Journalist: innen für die Gleichberech- <?page no="84"?> 84 3 Normen tigung und Toleranz gegenüber Minderheiten ohne Vorurteile einsetzen. In ihrem Verständnis lässt sich Haltung mit Stärke und zivilgesellschaftlichem Engagement verbinden, das Schwache schützt. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich Berichterstatter: innen im Rahmen ihres Berufes engagieren sollten. So ist zu diskutieren, ob die Aufgabe des Journalismus primär darin besteht, über Sachverhalte zu berichten und diese für das Publikum angemessen einzuordnen oder ob eigene Werthaltungen, Positionen und Meinungen mit in die Arbeit einfließen sollten. Schließlich wird vom Journalismus erwartet, dass er eine gewisse Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung hält. So wird dem ehemaligen Moderator der ARD-Tagesthemen Hanns-Joachim Friedrichs der Satz zugeschrieben: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer Guten.“ (zitiert nach Reschke 2018, S. 71). Es war damit vermutlich nicht gemeint, dass eine neutrale oder gar objektive Berichterstattung überhaupt möglich ist. Gleichwohl sollte eine einseitige Parteinahme im Journalismus vermieden werden. Die eigene Betroffenheit sollte hierbei keine Rolle spielen. Tatsächlich kommt es eher darauf an, eine faktenbasierte Darlegung von Ereignissen im Rahmen der Berichterstattung möglichst unabhängig einzunehmen. In einem Interview mit dem Spiegel , das auch in der Biografie von Friedrichs (1996, S. 264) abgedruckt worden ist, sagt er: „Es ist nicht die Aufgabe des Moderators, die Leute zur Betroffenheit zu animieren. Die sollen selbst entscheiden, ob sie betroffen sein wollen oder nicht.“ Im Gespräch präzisiert er auch seine Position: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit seiner Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, dass die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“ (Friedrichs 1996, S. 264) Insofern kommt es eher darauf an, sachlich zu berichten. Die eigene Haltung ist nach diesem Verständnis zumindest im Rahmen der Nachrichtenberichterstattung nicht relevant. Zunächst bezieht sich der Begriff der Haltung auf einen körperlichen Vorgang. Wenn jemand Haltung annimmt, steht er oder sie gerade und aufrecht. Insofern wird Haltung mit Festigkeit, Standhaftigkeit und Stärke in Verbindung gebracht. So sollten Soldat: innen strammstehen, wenn sie einer vorgesetzten Person begegnen und sich erst dann rühren, wenn sie eine entsprechende Aufforderung erhalten haben. Beim Militär handelt es sich um eine Disziplinierungsmaßnahme, die Respekt bezeugt. Gleichwohl verfügt die Person über ein Rückgrat, wenn sie geradesteht. Haltungen bilden sich auch im Zusammenhang mit politischen, weltanschaulichen und religiösen Einstellungen heraus. Dann handelt es sich um gewonnene Einsichten, die sich aufgrund der Beschäftigung mit speziellen Themen ergeben haben. Das Ver- <?page no="85"?> 3.9 Haltung 85 halten von Menschen wird im sozialen Kontext durch Haltungen geprägt, die Einstellungen ausdrücken. „Bei Einstellungen handelt es sich um die Summe von Erfahrungen, die als prädiskursive Vorannahmen einerseits Werte, Normen und Verhaltenseinschätzung transportieren, andererseits auch Hinweise geben, auf eine spezifische Art und Weise, die Welt wahrzunehmen.“ (Röll 2022, S. 11) Sofern diese Einstellungen wiederholt werden, bilden sich Haltungen heraus. Sie sind nicht statisch, sondern können sich wie Meinungen aufgrund neuer Erfahrungen und Einsichten ändern. Eine Haltung zu besitzen bedeutet, nicht neutral zu sein, sondern sich nach reflektierter Überlegung im optimalen Fall für möglichst positive Charaktereigenschaften zu entscheiden. „Wer also Haltung annimmt, will nach außen und innen Stärke demonstrieren. Das ist nicht so entfernt vom Haltung zeigen: der mutigsten Variante der Haltung. Denn wer Haltung zeigt, tritt mit seinen inneren Grundwerten an die Öffentlichkeit und muss sich gefallen lassen, massiven Gegenwind zu spüren. Haltung zeigen bedeutet gemeinhin, sich für etwas stark zu machen, das für die Gemeinschaft von Wert ist.“ (Reschke 2018, S. 19) In diesem Zusammenhang wird auch von Zivilcourage gesprochen. Die überwiegend vorhandene positive Konnotation des Begriffes Haltung ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Eine religiöse Haltung kann mit Unterdrükkungsvorstellungen gegenüber den Mitgliedern anderer Religionen verbunden sein. Neben einer liberalen, toleranten und fortschrittlichen Haltung sind auch menschenfeindliche Haltungen zu beobachten. Insofern hat der Begriff der Haltung im Gegensatz zur Gerechtigkeit und Verantwortung von vornherein keine ausschließlich positive Bedeutung. Eine Haltung zu besitzen, ist zunächst kein menschliches Qualitätsmerkmal. Dies ist erst dann der Fall, wenn eine Haltung mit positiven menschlichen Eigenschaften wie dem Mitgefühl verbunden wird. Die richtige Haltung ist dabei allerdings nur die Voraussetzung, um korrekte Entscheidungen zu treffen: „Weil oft die Haltung wichtiger ist als die Lösung eines Problems, befindet sich die öffentliche Diskussion in einer gesinnungsethischen Schieflage, wenn es um politische Fragen geht, die fast immer Abwägungsfragen sind. Wer zum Beispiel mit großzügigem Gestus sagt ‚Wir sollten alle Flüchtlinge aufnehmen‘ wirkt auf viele sympathischer und sogar attraktiver als jemand, der ein durchdachtes Migrationsmodell vorschlägt, mit dem man die Ärmsten und Schwächsten unter den Asylberechtigten rettet - Frauen, Kinder und Alte, die sich aus eigener Kraft gar nicht auf die beschwerliche Reise machen können - doch dafür männliche Wirtschaftsmigranten ablehnt, die keine Aussicht auf Asyl haben.“ (Hübl 2024, S. 281f.) Es geht im Zusammenhang mit der Haltung um eine Ethik auf der Basis fundierter und gut begründeter Argumente, um Lösungen bei strittigen Verteilungsfragen zu erreichen. Empathie und Menschlichkeit sind hierfür zwar notwendige, aber keine hinreichenden Bedingungen. Um konstruktive Ent- <?page no="86"?> 86 3 Normen scheidungen treffen zu können, ist es zwar wichtig, für Werte und Normen einzutreten und eine menschenfreundliche Haltung zu besitzen. Um aber angemessene Urteile treffen zu können, ist es weiterhin erforderlich, sich umfassend mit den komplexen Zusammenhängen und Sachzwängen auseinander zu setzen, die eigene Meinung aufgrund von neuen Fakten gegebenenfalls zu revidieren und sich ergebnisoffen auf konträre Argumente von anderen Personen einzulassen. Dabei stellt der offene Austausch von Argumenten die beste Lösung für gesellschaftliche Probleme dar. Der Moralinstinkt suggeriert vielleicht eine Urteilssicherheit, die aber nicht ausreicht, um fundierte und angemessene Entscheidungen treffen zu können. Schließlich liegen Menschen mit ihren Einschätzungen vielfach falsch. Denkfehler, Vorurteile, Eitelkeiten, Egoismus, Neid und der Drang zur Selbstdarstellung tragen vielfach nicht dazu bei, dass rationale und ethisch angemessene Entscheidungen getroffen werden. Auch Moralismus ist in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. Wer sich über andere Menschen erhebt, seine eigene moralische Überheblichkeit in arroganter Form propagiert und meint, dass nur er oder sie die richtigen Tugenden begriffen hat, agiert wenig hilfreich. Dann geht es nicht um eine Problemlösungskompetenz, sondern um eine moralische Selbstdarstellung, die die Absicht verfolgt, die eigene Eitelkeit zu pflegen. Bescheidenheit und Selbstkritik, sowie die Bereitschaft, sich auf die konträren Positionen von anderen Menschen ergebnisoffen einzulassen, leistet hierfür einen wichtigen Beitrag, um Diskursverfahren zielführend voranzubringen. Die verschiedenen Positionen müssen dabei gründlich geprüft und abgewogen werden, um einen Konsens oder zumindest einen Kompromiss zu erreichen (vgl. Hübl 2024). 3.10 Authentizität Im Gegensatz zum Streit und zum Widerspruch wird Authentizität ebenso wie die Haltung mit positiven Assoziationen in Verbindung gebracht. Eine Authentizität wird nicht entdeckt, sondern im Rahmen einer diskursiven Konstruktion hergestellt (vgl. Wentz 2005). Der Authentizität mit ihren Komponenten Echtheit, Wahrhaftigkeit, Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit und Eigentlichkeit werden zahlreiche Bedeutungsfacetten zugesprochen. Neben der ästhetischen Kategorie, bei der die Originalität oder Einmaligkeit eines Kunstwerkes und der Autor: innenschaft erörtert werden, geht es um normative Aspekte der Glaubwürdigkeit. Dann wird Authentizität als Ideal im Verständnis eines positiv wertenden Begriffes gebraucht, der davon ausgeht, dass eine Person seine Position wahrhaftig vertritt (vgl. Knaller/ Müller 2006). Es wird von einem Menschenbild ausgegangen, das nicht durch äußere Einflüsse fremdbestimmt ist, sondern eigenständig und unabhängig agieren kann (vgl. Funiok/ Dittrich 2013). <?page no="87"?> 3.10 Authentizität 87 Der Begriff der Authentizität umfasst unterschiedliche Bedeutungszusammenhänge und Reichweiten sowie Lebensvollzüge und Handlungszusammenhänge.  „Behauptungen werden als authentisch bezeichnet, wenn sie in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit stehen, wenn sie in diesem Sinne wahr sind.  Ein Sprecher ist authentisch, wenn seine Aussagen in Übereinstimmung mit dem Kriterium der Wahrheit stehen, wenn er in diesem Sinne ehrlich und wahrhaftig ist.  Eine Person ist schließlich authentisch, wenn sie in Übereinstimmung mit ihrem eigentlichen Selbst handelt und kommuniziert, wenn sie in diesem Sinne echt und eigentlich ist.“ (Emmer u.a. 2013, S. 9) Authentizität postuliert einen Wirklichkeits- und Wahrheitsbezug. Wer sich in der Welt verhält - so die Forderung - sollte sich möglichst authentisch verhalten. „Authentische Personen zeigen in ihrem Kommunikationsverhalten […] den wahren Ausdruck ihres Charakters, während das Kommunikationsverhalten bei inauthentischen Personen lediglich Ausdruck instrumenteller Rationalität ist. In diesem Begriffsverständnis sind sie also Ausdruck eines ursprünglichen, nicht intendierten Verhaltens, das Charaktereigenschaften wie Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen, Sensibilität etc. einschließt. Inauthentizität dagegen haftet der Charakter des kalkulierten, abschätzigen, Absichtsvollen an. Das Kommunikationsverhalten wird als unglaubwürdig und unehrlich verstanden.“ (Wentz 2005, S. 18f.) Wenn Personen sich authentisch verhalten, sagen sie angeblich die Wahrheit. Wer authentisch ist, so die Idealvorstellung, verstellt sich nicht. Selbstdarstellung Zugleich spielen Menschen aber Rollen, die in unterschiedlichen Kontexten differieren. Wir alle spielen Theater ist der Titel eines Buches des Soziologen Erving Goffman (1985), der darauf hinweist, dass Menschen in unterschiedlichen Alltagssituationen auf verschiedene Art und Weise agieren. „Unsere tägliche Selbstdarstellung beschreibt er als Rollenspiel, bei dem wir auf der Bühne stehen, um den Zuschauern ein möglichst gutes Bild von uns zu bieten.“ (Hübl 2024, S. 113). Eltern verhalten sich gegenüber ihren Kindern anders als im Beruf, beim Gespräch mit Kolleg: innen oder Kund: innen. Derselbe Fußballfan agiert während eines Stadionbesuches auf eine unterschiedliche Art und Weise als beim Kirchenbesuch. Akademiker: innen handeln in der Disco anders als in ihrer Funktion als Hochschullehrer: innen während einer Vorlesung. Menschen übernehmen im sozialen und beruflichen Alltag verschiedene Rollen und <?page no="88"?> 88 3 Normen Funktionen, denen sie sich entsprechend anpassen. Dies ist erforderlich, um den Erwartungen gerecht zu werden und das Leben konfliktarm gestalten zu können. Insofern kann es vollkommende Authentizität kaum geben. Es ist wichtig und legitim, sich strategisch und rollenkonform zu verhalten, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Aus einem Verhalten folgt aber nicht zwingend, dass unehrlich agiert werden muss. Wer vollkommen authentisch ist, sagt immer die Wahrheit. Wer hingegen Komplimente macht, die vielleicht gar nicht so gemeint sind, ist deshalb noch kein schlechter Mensch. Es ist Goffman (1985) zufolge zu differenzieren zwischen einer Vorderbühne und einer Hinterbühne. Während auf der Vorderbühne das menschliche Verhalten ins Schaufenster gestellt wird und die Akteur: innen sich große Mühe geben, gegenüber dem Publikum positiv zu erscheinen, werden auf der Hinterbühne, zum Beispiel in der Politik in nichtöffentlichen Debatten Entscheidungen getroffen, die nicht direkt auf der öffentlichen Bühne präsentiert werden. So gibt es Koalitionsverhandlungen, die vertraulich und geheim sind, bevor die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dies ist unbedingt erforderlich, damit sachliche Diskurse mit guten Argumenten zu Entscheidungen führen, bevor der Druck der öffentlichen Selbstdarstellung entsteht. Es gibt Selbstdarsteller: innen, die die Vorderbühne suchen, um sich möglichst positiv zu präsentieren. Hübl (2024, S. 107) vertritt in diesem Zusammenhang die Auffassung, dass Menschen „Moraltheater“ spielen. Dabei kommt es nicht darauf an moralisch zu agieren, sondern moralisch zu erscheinen. Diese Personen bemühen sich dann, auf der vermeintlich richtigen Seite zu stehen und dies öffentlichkeitswirksam zu artikulieren, um einen besseren Status und ein höheres Prestige zu erreichen. Praktisch kann dies auf unterschiedlichen Wegen erzielt werden. Neben materiellen Besitztümern können Fähigkeiten in Form von Wissen und Können dazu beitragen, Prestige zu erreichen. Hilfreich sind auch Beziehungen in Form eines beeindruckenden Freund: innenkreises und einflussreicher Jobkontakte. Nicht zu unterschätzen sind Formen der Attraktivität, die neben der äußeren Schönheit auch Charme, Geschmack und ein souveränes Auftreten implizieren. Beim Blick auf die verschiedenen Prestigekategorien kann zwischen verschiedenen Formen von Kapital differenziert werden. Es ist zu unterscheiden zwischen  dem Besitz (ökonomisches Kapital),  Wissen und Fähigkeiten (Humankapital),  sozialen Beziehungen (soziales Kapital) und  Attraktivität (erotisches Kapital). Obwohl ein ansprechendes Äußeres keine eigene Leistung erfordert und einfach nur Glück darstellt, ergeben sich dadurch durchaus Vorteile, die aber <?page no="89"?> 3.10 Authentizität 89 ungerecht sind. „Schöne Menschen werden insgesamt für intelligenter gehalten, bekommen bessere Schulnoten als der Durchschnitt und sogar mildere Strafen, wenn sie vor Gericht stehen.“ (Hübl 2024, S. 126). Selbstüberschätzung und Neid gehören zu den Formen negativer menschlicher Eigenschaften. Ständige Vergleiche mit anderen Menschen können hierbei unangenehme Konsequenzen haben. Dabei spielt der Einsatz von Social Media eine zentrale Rolle. „Während die sozialen Medien den Nährboden für das Statusspiel bilden, ist das Zahlensystem von Klicks, Likes, Shares, Views, Mentions und Followern das ideale Düngemittel.“ (Hübl 2024, S. 151). Menschen, die eine hohe öffentliche Resonanz erziehen, wirken automatisch interessanter und relevanter. Die Zahl der Follower bestimmt das Prestige der entsprechenden Personen. Politik Auch im Zusammenhang mit politischen Entscheidungsträger: innen werden Forderungen nach Authentizität erhoben. Obwohl politische Kommunikation immer auch ein Ort strategischer Kommunikation ist und neben substanziellen Entscheidungsprozessen auch auf der Hinterbühne im nichtöffentlichen Raum agiert, ist eine positive Selbstdarstellung auf der Vorderbühne zentral, um politische Gefolgschaft zu generieren. Dabei steht die Authentizität für eine Grundvoraussetzung der Legitimation des politischen Handelns insgesamt (vgl. Wentz 2005). „Politiker, die sich nicht hinter Fassaden und Masken verbergen, werden in ihrer Persönlichkeit dem Bürger transparent. […] Die Bürger können so eher erfahren, mit welcher Person sie es zu tun haben. Sie können Politikern, die ihre Person nicht verbergen, eher vertrauen. […| Politiker, die freier von Fassaden werden, brauchen nicht über andere zu reden, sie bewerten, beschimpfen, abzulehnen, sondern sie sagen und diskutieren das, was sie fühlen, was sie wünschen, was sie tun möchten.“ (Tausch/ Tausch 1990, S. 277f.) Hierbei ist das positive Image für die politischen Akteur: innen zentral. Nur wer eigenständig, glaubwürdig, unverfälscht und echt wirkt, kann dem Idealbild zufolge Erfolg haben. Widersprüche und inkonsistentes Verhalten sorgen für Ablehnung und den Verlust von Wähler: innenstimmen. Gleichwohl können auch populistische Politiker: innen, die lügen, Wahlerfolge feiern, wenn es ihnen gelingt, ihr eigenes Fehlverhalten zu kaschieren und die politischen Gegner: innen zu diskreditieren. Es wird in der Politik, aber auch in Wirtschaftsunternehmen sowie im familiären, beruflichen und freundschaftlichen Kontext erwartet, dass Menschen Verantwortung übernehmen, andere fair behandeln und nicht manipulieren. Die Grundlage dafür besteht in einer Handlungsautonomie auf der Basis einer freien Willensbildung, die neben einem ehrlichen Persönlichkeitskern keinen äußeren oder inneren Zwängen <?page no="90"?> 90 3 Normen oder sozialen Konventionen ausgesetzt ist. Nur so kann sich authentisches Verhalten entfalten. Die Partizipation an den Aktivitäten sozialer Gemeinschaften im Internet wird dann als authentisch klassifiziert, wenn transparent gemacht wird, wer tatsächlich agiert. Wer dort anonym unterwegs ist oder in die Rolle eines Avatars schlüpft, erfüllt diesen Anspruch nicht. Gleichwohl kann es aus einer normativen Perspektive geboten sein, seine Identität nicht zu offenbaren. Dies gilt zum Beispiel bei Whistleblower: innen, die Missstände aufdecken. Wer ohne vernünftigen Grund mit Fake Accounts arbeitet, Cybermobbing oder Trolling betreibt, verhält sich hingegen nicht authentisch, sondern strafbar (vgl. Emmer u.a. 2013). Der normative Anspruch an eine absolute Authentizität lässt sich kaum verwirklichen. Menschen agieren in sozialen Kontexten strategisch und rollenkonform. Dennoch sollten die Ansprüche an Echtheit, Aufrichtigkeit Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit als regulative Idee eines angemessenen Miteinanders Bestand haben. Nur so kann ein wechselseitiges Vertrauen zwischen den beteiligten Individuen entstehen. Dabei ist die Präsentation einer unverfälschten Persönlichkeit in Form einer Darstellung der eigenen Position und Gefühle aufgrund von strukturellen Zwängen, Erwartungshaltungen und Rollenerwartungen nicht immer möglich. Gleichwohl ist das moralische Handeln nach einem erkennbaren Wertesystem unverzichtbar, um das soziale Miteinander so zu gestalten, dass Vertrauen, Respekt und wechselseitige Wertschätzung sich dabei herausbilden können (vgl. Schicha 2013b). 3.11 Respekt „Mein Leitbild ist eine Gesellschaft des Respekts. In einer Gesellschaft des Respekts ist eine Politik des Respekts erforderlich. Sie spielt Identitätsfragen, eine Antidiskriminierungspolitik und die soziale Frage nicht gegeneinander aus. Sie ist liberal und sozial. Sie ist konsequent gegen Rassismus und Sexismus. Und sie wendet sich gegen den Klassismus in unserer Gesellschaft, die teils subtile, teils offen verhöhnende Verachtung vieler hart arbeitender Bürger: innen und Bürger. […] Dabei daher geht es für mich um Respekt und Anerkennung auf allen Ebenen.“ (Scholz 2021, S. 5f.) Diese Auffassung des damaligen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz wird durch die These ergänzt, dass der Austausch über Kontakte und Gespräche das Fundament einer liberalen und öffnenden Gesellschaft bildet. Er plädiert für eine Gleichberechtigung von gesellschaftlichen Gruppen, unabhängig von der Herkunft, der Religionsgemeinschaft oder der sexuellen Orientierung. Respektsbezeugungen sollten Strasser (2021) zufolge nicht nur gegenüber Autoritäten in Form von Respektpersonen gezeigt werden, sondern gegenüber allen Menschen, die Würde besitzen und Wertschätzung verdienen. <?page no="91"?> 3.12 Sensibilität 91 Abbildung 3: Wahlplakat ‚Respekt für Dich‘ der SPD zur Bundestagswahl 2021 „Es geht einerseits darum, das Mindestmaß an Achtung vor dem anderen im öffentlichen Diskurs gegen die Verbreiter von Hassmails, rechter Hetze und Verschwörungstheorien zu verteidigen und sicherzustellen, dass jeder und jede angstfrei und mit der Chance, Gehör zu finden, an der demokratischen Deliberation teilnehmen kann.“ (Strasser 2021, S. 11) Insofern beinhaltet der Aufruf zum Respekt die Vorstellung einer gerechten Gleichbehandlung gegenüber allen Menschen. Dies erfordert eine Empathie und sensible Reflexion gegenüber den Lebensumständen der Personen aus dem eigenen persönlichen Umfeld und darüber hinaus. Dabei ist ein genaues Beobachten von Problemen der Mitmenschen eine notwendige Voraussetzung für ethischen Handeln. Dabei geht es auch um die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen und den benachteiligten Menschen in der sogenannten Dritten Welt (vgl. Birnbacher 1988). Es kommt also neben einer grundsätzlichen Reflexion und Empathie auch auf eine Sensibilität gegenüber den Mitmenschen an. 3.12 Sensibilität „Sind Empfindungen reine Privatsache? Ab wann ist eine Berührung eine Belästigung? Wieviel Nähe ist angenehm und mithin erlaubt? Und wo liegt die Grenze des Sagbaren? Welches Sprechen tangiert die Würde von Menschen? - Und welches bewahrt sie? Gehört das generische Maskulinum abgeschafft? Ist das ‚N-Wort‘ auch als Zitat eine Zumutung? Wer entscheidet das im Zweifelsfall? Sind Betroffene näher an der Wahrheit als nicht Betroffene, weil sie Gewalt - ob verbal oder physisch - am eigenen Leibe erfahren haben? (Flaßpöhler 2021, S. 15) Diese und weitere Fragen erörtert Svenja Flaßpöhler in ihrem Buch Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren . Anhand der Debatten über die gendergerechte Sprache und die Meinungsfreiheit, aufgrund von Triggerwarnungen oder im Kampf um die Anerkennung benachteiligter Gruppen geht die Philosophin davon aus, dass die Grenzen des Zumutbaren neu justiert werden müssen. Sensible Menschen verfügen über ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, wobei dies zunächst positiv bewertet wird. „Die Sensibilisierung der Gesellschaft ist, unbestreitbar, ein wesentlicher Faktor zivilisatorischen Fortschritts. Plurale, hoch komplexe, ausdifferenzierte <?page no="92"?> 92 3 Normen Gesellschaften sind, auch aufgrund ihrer räumlichen Verdichtung, fundamental angewiesen auf Individuen, die eigene, wie fremde Belange sensibel wahrzunehmen vermögen.“ (Flaßpöhler 2021, S. 23) Übersensible Personen reagieren hingegen empfindlich und gelten als weinerlich sowie leicht reizbar. Hübl (2024, S. 157) spricht in diesem Zusammenhang von einer „Hypersensibilisierung“. Insgesamt wird zwischen vier Dimensionen der Sensibilität unterschieden:  Die leibliche Sensibilität richtet den Blick auf den möglichen Schmerz von anderen. So hat sich in den USA die MeToo-Bewegung gegründet, die sich gegen sexuelle Übergriffe auf Menschen engagiert.  Die psychische Sensibilität fokussiert sich auf eine möglicherweise verletzende Sprache und Bilder. Es werden Triggerwarnungen gezeigt, damit sich Menschen bei problematischen Inhalten diesen entziehen können.  Die ethische Sensibilität beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen wie den Menschenrechten. Dabei wird großer Wert auf einen respektvollen und toleranten Umgang gegenüber Minderheiten wie der Transgender- Community gelegt.  Die ästhetische Sensibilität befasst sich mit der Empfindsamkeit für das Schöne und das Hässliche. Hierbei handelt es sich aber nicht um Werturteile, sondern um Geschmacksurteile, die individuell unterschiedlich ausfallen können und somit keine allgemeine Gültigkeit besitzen müssen. Dann gibt es noch die unsensiblen Akteur: innen, die keine Rücksicht auf andere nehmen und mit Hassreden bis hin zur Gewalt agieren. Sensibilität ist wichtig, um Unterstützung für vulnerable Gruppen leisten zu können. Der Begriff der Vulnerabilität ist spätestens durch die Corona- Pandemie in die öffentliche Debatte getreten. Er wurde aber auch schon in akademischen Diskussionen der Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Medizin und Psychologie reflektiert. Als vulnerabel werden unter anderem Sexarbeiter: innen, Opfer sexualisierter Gewalt, Geflüchtete und Transgender-Personen klassifiziert. Es geht nach dieser Einordnung um die Stärkung der Rechte sozial marginalisierter Menschen und Gruppen, die eine besondere Unterstützung benötigen. Da diese besonders verletzlich sind, ist zunächst ein sensibler Blick auf die Probleme dieses Personenkreises zentral, um in einem zweiten Schritt Hilfe leisten zu können. Dabei kommt es darauf an, sie so zu stärken, damit sie selbstbestimmt handeln können (vgl. Rostalski 2024). Schließlich lässt sich die Qualität einer funktionierenden Gesellschaft, die sich der Menschenwürde jeder einzelnen Person gegenüber verpflichtet sieht, am Umgang mit den Schwächsten messen. Nachdem bislang Leitbilder auf der Idealebene einer normativen Reflexion vorgestellt worden sind, richtet sich der Fokus nun auf die aus einer kommunikationsethischen Perspektive problematischen Normverletzungen. <?page no="93"?> 4 Normverletzungen „Wer nicht will, dass andere Menschen bestimmte Ansichten äußern, dem stehen zwei Strategien zur Verfügung. Er kann sie mit Argumenten überzeugen, ihre Meinung zu ändern - das ist der rationale Weg in einer Demokratie, der, wie die Erfahrung lehrt, Fähigkeit im Argumentieren, Wissen über Fakten und ethische Prinzipien sowie Zeit und Mühe erfordert und zu selten funktioniert. Die andere Strategie besteht darin, die Kosten für eine Meinungsäußerung zu erhöhen. Das ist die Methode des Aktivismus, der weniger aufwendig ist und die vielen Formen annehmen kann, von leichtem Konformitätsdruck, der es anderen erschwert, eine Norm zu ignorieren, über sozialen Ausschluss und Mobbing bis hin zum Einsatz von Gewalt.“ (Hübl 2024, S. 185) Das Zitat macht das Spannungsfeld zwischen den normativen Maßstäben einer ethisch angemessenen Kommunikationskultur und den konkreten Ausprägungen in der Praxis deutlich, die sich oftmals nicht an den ethischen Leitlinien orientiert. Dies ist zumindest das Ergebnis von Befragungen. In einer aktuellen Basisuntersuchung zum Medienumgang der zwölf bis 19-jährigen werden Fragen rund um problematische Inhalte und negative Erfahrungen im Netz aufgegriffen. Im Rahmen der JIM-Studie gaben 61% der Jugendlichen an, im Verlauf des letzten Monats falschen oder irreführenden Informationen im Internet begegnet zu sein. Beleidigende Kommentare im Netz haben 57% der Befragten wahrgenommen. Mehr als 50% haben über negative Erfahrung mit extremen politischen Ansichten berichtet. 43% der Jugendlichen sind auf Verschwörungsideologien gestoßen. 40% der Befragten berichten von Hate Speech. Dazu gehören öffentliche Äußerungen, die Hass gegenüber bestimmten Personen und Gruppen zum Ausdruck bringen oder zur Gewalt gegen bestimmte Menschen aufrufen. Ein Viertel der Befragten berichtet von Erfahrungen von ungewolltem Kontakt zu pornographischen Inhalten, während 11% online auch persönlich beleidigt worden sind (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest 2024). Es geht es im folgenden Kapitel um destruktive Formen und Ausprägungen der Artikulation, die die Absicht verfolgen, anderen Menschen zu schaden. Menschenfeindlichkeit „Diskriminierung und Benachteiligung werden aus der Perspektive der Medien und Kommunikationsethik kritisch beobachtet, zumal sie sowohl Verstöße gegen die Grund- und Freiheitsrechte als auch gegen normativ-ethische Grundvorstellungen (Gleichheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde etc.) darstellen.“ (Krainer 2024, S. 303) Menschenfeindliches Verhalten liegt vor, wenn Personen oder Gruppen durch andere beschimpft, bedroht, belästigt, oder verängstigt werden. Gmür (2007) hat hierzu ein Kategoriensystem zur Einordnung von Medienopfern <?page no="94"?> 94 4 Normverletzungen entwickelt, das sich auf zwischenmenschliche Kommunikationsprozesse im unmittelbaren persönlichen Austausch sowie auf Onlinedebatten übertragen lässt. Das Medienopfersyndrom kann im Verständnis einer pragmatischen Einteilung in folgende Kategorien aufgeteilt werden:  Paparazzi-Opfer: Dabei werden prominente Personen von Boulevard-Journalist: innen verfolgt, um private Situationen ohne Einverständnis der Betroffenen zu fotografieren oder zu filmen. Diese Normverletzung lässt sich im sozialen Umgang mit dem sogenannten Stalking in Verbindung bringen. Um dies zu verhindern, sollte eine Rücksichtnahme in Bezug auf die Privatsphäre gewährleistet werden.  Outing-Opfer: Wenn die sexuelle Orientierung ohne Einverständnis der Betroffenen öffentlich gemacht wird, handelt es sich um eine gravierende Missachtung der Persönlichkeitsrechte. Die gebotene Wahrung der Intimsphäre wird missachtet. Ein Outing sollte nur durch die Betroffenen selbst freiwillig und ohne Druck von außen erfolgen.  Lügen- oder Falschdarstellungsopfer : Sofern Unwahrheiten oder Teilwahrheiten verbreitet werden, unzutreffende Attribuierungen erfolgen oder fehlerhafte, beziehungsweise verzerrte Interpretationen von Fakten und Vorgängen bis hin zu Verleumdungskampagnen stattfinden, tritt diese Kategorie in Kraft. Hier sind Möglichkeiten gefordert, eine Prüfung der angebotenen Informationen zu gewährleisten und falsche Behauptungen richtig zu stellen sowie die Täter: innen juristisch zur Rechenschaft zu ziehen.  Tribunalisierungsopfer: Hier geht es um falsche Verdächtigungen, die einer Person massiv schaden können. Dabei stellt sich heraus, dass die erhobenen Vorwürfe falsch sind. Dennoch kann dies für die Opfer einen massiven Reputationsverlust bedeuten. Um dies zu verhindern, sollten die Beschuldigten die Möglichkeit bekommen, die Vorwürfe zu entkräften. Falsche Behauptungen sollten öffentlich korrigiert werden.  Verhöhnungsopfer: In diese Kategorie fallen Personen, die mit Beleidigungen und Beschimpfungen belästigt werden und Spott und Hohn ertragen müssen. Durch derartige Äußerungen kann die Schadenfreude des Publikums angeregt werden. Die Opfer werden isoliert und diskriminiert. Ihre Würde wird massiv verletzt. Es sollten Menschen gefunden werden, die sich für diese Gruppe einsetzen, damit derartige Vorkommnisse unterbleiben.  Instrumentalisierungsopfer: Dabei werden mögliche Schwächen wie Labilität, Unerfahrenheit, Geltungsstreben oder ein übersteigertes Mitteilungsbedürfnis ausgenutzt, um die Personen vorzuführen und lächerlich zu machen. Um diese Entwicklung zu vermeiden, sollten Möglichkeiten geschaffen werden, die Handlungsautonomie der Betroffenen zu steigern und Kontrollinstanzen einzurichten, die derartige Entwicklungen eindämmen. <?page no="95"?> 4.1 Sexismus 95  Stigmatisierungsopfer: Personen und Gruppen werden stigmatisiert, wenn sie durch angeborene Merkmale, Krankheit oder durch die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ausgegrenzt werden. Es werden Gerüchte in die Welt gesetzt, um andere zu diskreditieren. Hier kann eine differenzierte und ausgewogene Sichtweise helfen, die Opfer als individuelle Persönlichkeiten wahrzunehmen und ohne Vorurteile zu beurteilen.  Desorientierungsopfer: Dazu gehören Menschen, die durch falsche, halbwahre oder unvollständige Informationen irritiert werden. Durch diese Fehlinformationen wird das Handeln nach falschen Vorgaben und Annahmen ausgerichtet. Insofern kommt es darauf an, Prüfoptionen einzurichten, die es ermöglichen, falsche von richtigen Informationen zu unterscheiden.  Stalking-Opfer: Hier verfolgen Täter: innen die betroffenen Personen, lauern ihnen auf und belästigen sie im analogen und/ oder digitalen Raum. Auch hier kommt es darauf an, die Opfer zu schützen und Täter: innen zu verfolgen.  Mobbing-Opfer: Sie leiden unter fortgesetzten verbalen Anfeindungen, Schikanierungen oder Diskriminierungen von Menschen im privaten oder beruflichen Kontext. Opferschutz und Bestrafung der Täter: innen sind ebenfalls wichtig. Diskriminierungen umfassen eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Diese bezeichnet ausgrenzende Einstellungen gegenüber Menschen, denen die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe zugeschrieben wird. Die Basis der gruppenbezeichneten Menschlichkeit liefert die Abgrenzung (othering). Wenn Menschen nicht der eigenen Gruppe zugehörig sind, also z.B. nicht deutsch, weiß und heterosexuell sind, werden sie ausgegrenzt. Wer von der eigenen Gruppe abweicht, kann leichter diskriminiert werden, da Menschen für andere, die nicht zur eigenen Gruppe gehören, weniger Empathie aufbringen (vgl. Eich u.a. 2022). Folgende Ausprägungen menschenfeindlicher Handlungen lassen sich u.a. voneinander abgrenzen. 4.1 Sexismus Sexismus tritt durch folgende Merkmale in Erscheinung: „Dazu gehören degradierende Sprüche und sexuell explizite Beleidigungen, die Androhung oder Befürwortung sexualisierter Gewalt bis hin zur Veröffentlichung von echten oder auch digital manipulierten Nacktaufnahmen im Netz. Meist geben sexistische Wertungen von Menschen die Wahrnehmung darüber wieder, was vermeintlich männlich oder weiblich ist. Menschen werden so beispielsweise nicht einfach entlang ihrer Talente, Interessen oder Charaktereigenschaften gesehen, sondern werden auf ihr gelesenes Geschlecht reduziert.“ (Beutler u.a. 2024, S. 7) <?page no="96"?> 96 4 Normverletzungen Menschen werden zu Opfern, weil sie bestimme Eigenschaften haben. Sexismus umfasst u.a. folgende Kennzeichen:  „Sexismus ist die persönliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Das kann sich gegen jedes Geschlecht richten. Es sind überwiegend Frauen betroffen.  Sexismus heißt, dass traditionelle Rollenbilder, Umgangsformen und ungleiche gesellschaftliche Bedingungen als gegeben angesehen werden.  Sichtbar wird Sexismus zum Beispiel in Witzen, abwertenden Sprüchen begriffen, in körperlichen Übergriffen, in ungerechten Arbeitsbedingungen und traditionellen Normen zur Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern.  Sexismus heißt auch, dass Personen, die das traditionelle Geschlechterbild nicht erfüllen, von anderen negativ beurteilt werden. Derartige Abwertungen sind weit verbreitet.  Verbunden damit ist die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Menschen, die nicht der Norm der zwei Geschlechter entsprechen.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2024c) Sexismus unter der Verwendung von Stereotypen findet sich auch in der Werbung. Dort werden primär Frauen auf ihren Körper reduziert und zum Objekt degradiert. Die Abbildungen leicht bekleideter Personen sollen Kaufanreize schaffen. Dadurch werden Menschen zu Objekten degradiert. Derartige Fälle werden regelmäßig in der Spruchpraxis der Medienselbstkontrollinstanz des deutschen Werberates (www.werberat.de) dokumentiert und sanktioniert, die sich gegen die Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen richten (vgl. Schicha 2005e). Personen werden also aufgrund spezifischer äußerer Eigenschaften benachteiligt. Herrschaftsstrukturen wie das Patriarchat tragen dazu bei, dass diese menschenfeindliche Haltung zum Ausdruck kommt. 4.2 Ableismus Diskriminierung, Empathielosigkeit und aggressives Verhalten zeigt sich auch im Zusammenhang mit Inklusion und Exklusion. Bestimmte Akteure werden in die Gemeinschaft integriert, weil sie die gleichen Merkmale gehören. Gruppen werden ausgeschlossen, weil sie diese Merkmale nicht besitzen und als störend wahrgenommen werden (vgl. Kämper 2024). Zu leichten Opfern von Menschenfeinden werden Personen, die bestimmte physische oder psychische Defizite haben und abgewertet werden. In diesem Fall handelt es sich um Ableismus (englisch für able). Er steht für „die Abwertung von Menschen aufgrund körperlicher oder geistiger Behinderungen - orientiert an medizinisch festgelegten Kriterien. Betroffene werden <?page no="97"?> 4.4 Rassismus 97 97 aufgrund ihrer Gesundheit oder Leistungsfähigkeit als abweichend von einer bestimmten Norm betrachtet. Eine ableistische Einstellung spricht Menschen mit Behinderungen gemeinhin ihr Mitspracherecht in gesellschaftlichen Diskursen und Debatten ab. Auch die Notwendigkeit von Barrierefreiheit beziehungsweise Inklusion wird grundsätzlich bestritten. In seiner stärksten Ausformung kann Ableismus Menschen mit Behinderung ihre Daseinsberechtigung absprechen.“ (Beutler u.a. 2024, S. 8) Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der nationalsozialistischen Verbrechen hat sich neben den Jüd: innen gegen behinderte und homosexuelle Menschen gerichtet, die ermordet worden sind. 4.3 Antiziganismus Der Begriff Antiziganismus (französisch von Zigeuner) wird in Analogie zum Antisemitismus als Feindseligkeit, Abwertung und Benachteiligung von Menschen klassifiziert, die als sogenannte Zigeuner: innen wahrgenommen werden. Mit dieser Fremdbezeichnung werden Sinti und Roma bezeichnet, die dies als Beleidigung ansehen und wahrnehmen. „Sinti und Roma sind traditionell in besonderem Maße Opfer von Vorurteilen und Feindbildern. Ressentiments gegen ‚Zigeuner‘ haben eine lange Geschichte, ähnlich den Vorbehalten gegen Juden. Der nationalsozialistische Völkermord an Sinti und Roma hat aber bis zum heutigen Tag nicht vergleichbare Reaktionen des Bedauerns, des Schams, der Reue und schuldbewusster Zuwendung in der Mehrheitsgesellschaft ausgelöst wie der Holocaust. Der Opfergemeinschaft der Sinti und Roma wurde auch nach der Katastrophe keine Empathie entgegengebracht, die rassistischen und sozialen Vorbehalte blieben lebendig.“ (Benz 2020, S. 34f.) Es handelt sich um eine spezifische Form des Rassismus, der durch Abneigung und die Verwendung von negativen Stereotypen geprägt ist. Verfolgung, Vertreibung, Internierung, Zwangssterilisierung und Mord während des zweiten Weltkrieges durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft gehören zu den prägenden Merkmalen der Antiziganismus . 4.4 Rassismus Rassismus stellt eine weitere Art der Diskriminierung dar. Betroffen sind vor allem Black People of Colour (BPoC). Es handelt sich um eine Ungleichbehandlung. Der Ursprung liegt im Kolonialismus und Imperialismus des 15. Jahrhunderts. Die sogenannten Weißen eroberten Kontinente und versklavten Menschen in weiten Teilen der Welt (vgl. Guth 2024). Der Begriff Rassismus ist von der sogenannten Rasse abgeleitet. Er beruht auf der falschen Behauptung, dass Menschen in voneinander abgrenzbare Rassen unterteilt werden können. Diese sogenannten Menschenrassen sind <?page no="98"?> 98 4 Normverletzungen angeblich durch unterschiedliche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Wertigkeiten klassifiziert. Der Rassismus macht eine Unterscheidung zwischen der eigenen Gruppe und der der anderen, um Distanz herzustellen. Durch derartige Aussagen wird versucht, den Stellenwert der eigenen Gruppe zu erhöhen und Privilegien zu fordern. Andere Gruppen werden abgewertet. Rassismus ist in der Programmatik rechtsextremer Parteien ebenso zu finden wie in Alltagserfahrungen. Neben rassistischen Witzen existieren auch Beschimpfungen, die zum Beispiel bei Fangesängen im Fußball zu beobachten sind (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung o.J.b). Es geht um eine Weltanschauung, nach der Menschen durch negative Fremdzuschreibungen kategorisiert und ausgegrenzt werden. Sie werden aufgrund ihres Namens, ihrer Hautfarbe und Sprache sowie weiterer Merkmale diskriminiert. „Rassismus beschreibt die Abwertung von Menschen aufgrund einer vermeintlichen biologischen Herkunft oder Zugehörigkeit und ist in seiner Konsequenz als biologistische Wertung von Menschen zu verstehen. Rassismus kategorisiert Menschen entlang äußerer Merkmale, wie etwa Haut- oder Haarfarbe, die vermeintlich auf innere Wesens- oder Charaktereigenschaften schließen lassen.“ (Beutler u.a. 2024, S. 7) Dabei herrscht die menschenfeindliche Überzeugung vor, dass die eigene Rasse anderen Rassen angeblich überlegen sei und somit eine Bekämpfung der angeblich fremden Rasse gerechtfertigt wäre. Es lassen sich unterschiedliche Rassismusformen voneinander abgrenzen. Dazu gehören der Antisemitismus, der antimuslimische Rassismus und der antiasiatische Rassismus. Der Rassenwahn gegen die Jüd: innen prägte die Gewaltherrschaft der Nationalsozialist: innen. Aber auch in den USA, in Südafrika und anderen Ländern wurden und werden Menschen mit dunkler Hautfarbe diskriminiert. Zudem gibt es Unterschiede bei der Beurteilung von Menschen, die aus bestimmten Ländern kommen. Türk: innen, die eine muslimischen Hintergrund haben, werden in Deutschland z.T. negativer bewertet als Italiener: innen, die zu einer römisch-katholischen Glaubensrichtung gehören. Hier führt die fehlende kulturelle und religiöse Nähe zu einer Abwertung, die auf Vorurteilen beruhen kann. 4.5 Klassismus Eine weitere Form der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Menschen, die dadurch in eine Opferrolle geraten können, erfolgt aufgrund ihrer sozialen Position oder Herkunft. Diese wird als Klassismus bezeichnet. Dieser Personenkreis wird mit „Bezug auf Bildungsabschlüsse, Berufe oder Vermögensverhältnisse einer vermeintlich vorhandenen Schicht zugeordnet. Auf Basis dieser zugeschriebenen Klassenzugehörigkeit oder Herkunft werden dann gewisse Eigenschaften zu- <?page no="99"?> 4.6 Digitale Gewalt 99 gesprochen oder Fähigkeiten aberkannt. Allgemein kann klassistische Hassrede dort auftauchen, wo Wohnverhältnisse zum Beispiel Wohngegend, Eigentum, Miete […] oder Geschmacksfragen wie zum Beispiel Kleidung und Musik diskutiert oder bewertet werden. Soziale Ungleichheiten werden mit Ressentiments oder Vorurteilen aufgeladen. Sie sind häufig verbunden mit der Grundhaltung, Menschen seien an ihrer Situation selbst schuld.“ (Beutler u.a. 2024, S. 7) Menschenfeindliche Aktionen sind immer mit physischer oder psychischer Gewalt gegen andere Personen und Gruppen verbunden. Sie können bei persönlichen Treffen ausgeübt werden oder im Rahmen der Onlinekommunikation. Derartige Verstöße, die Verbrechen darstellen, werden als digitale Gewalt klassifiziert. 4.6 Digitale Gewalt „Digitale Gewalt beschreibt herabwürdigende, verletzende und hetzende Handlungen, die in virtuellen Räumen oder mit Hilfe von digitalen Medien stattfinden.“ (Eich 2022, S. 13) An Stammtischen werden traditionell unzutreffende und pauschale Vorurteile gegenüber Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn, Politiker: innen oder Minderheiten artikuliert (vgl. Hufer 2014). Sofern unrichtige Behauptungen, Beleidigungen oder Hassreden geäußert werden, ist dies nicht nur moralisch fragwürdig, sondern darüber hinaus strafrechtlich relevant (vgl. Pöttker 2016). Im Schutz der Anonymität des Internets werden Personen und Institutionen häufig zu Unrecht pauschal und unbegründet angegriffen. Die Einträge in den sogenannten sozialen Medien werden dann unsozial, wenn in Kommentarspalten, Blogs, bei Facebook oder X ein Shitstorm entfacht wird, der nicht auf Argumente, sondern auf persönliche Angriffe, Diskreditierungen und Beleidigungen setzt. Der Sturm der Entrüstung zielt darauf ab, eine Person, ein Unternehmen oder eine Institution über die Onlinekanäle zu diskreditieren, der sich dann viral verbreitet (vgl. Haarkötter 2016). Die zunächst positiv zu bewertende Partizipationsoption von Bürger: innen, an öffentlichen Debatten im Netz konstruktiv teilzunehmen, verkommt in diesen Fällen zu einer niveaulosen und verletzenden Form der Beschimpfung und Beleidigung. Trolling „Trolle sind Internetnutzer*: innen, die die Kommunikation im Netz beeinträchtigen oder zerstören wollen - indem sie andere provozieren. Hinzu benutzen sie Taktiken wie die Unterwanderung von Diskussionen und Verbreiten negativer Inhalte. […] Trolle wollen Spaß - insbesondere solchen, der auf Kosten anderer geht. […] Sogenannte Troll-Armeen machen Stimmung in den Kommentarbereichen von Nachrichten-Webseiten (Hasskommentare) und <?page no="100"?> 100 4 Normverletzungen versuchen, mit Hilfe von Fake Accounts politische Debatten in den sozialen Medien zu beeinflussen.“ (Arns 2019, S. 117) Der Begriff des Trollens stammt ursprünglich aus der Netzfischerei. Es geht im übertragenen Sinn darum, mit einem Schleppnetz zu fischen, bei dem Provokationen als Köder verwendet werden, um andere in Gespräche zu verwikkeln und so lange zu reizen, bis sie emotional reagieren (vgl. Hogger 2024). Beim Trolling wird auf einen Post reagiert, indem Provokationen und Beschimpfungen publiziert werden. Die wertschätzende, faire, höfliche und respektvolle Form findet hier keinen Platz. Stattdessen werden Sticheleien und Beleidigungen bis hin zu Gewaltandrohung verbreitet. Es geht um destruktive Provokation und Störungen gegenüber Personen, die willkürlich oder gezielt ausgewählt werden. „Das Ziel vieler Hasskommentare ist eine Verschiebung der Grenze des Sagbaren. Kommentare, die zunächst Empörung hervorrufen, werden so oft und von verschiedenem Akteur*: innen wiederholt, bis eine Abstumpfung unter den Lesenden eintritt.“ (Eich u.a. 2022, S. 23) Hierbei kommen sexistische und rassistische Äußerungen zum Einsatz. Da es im Internet möglich ist, anonym zu bleiben, sinkt die Hemmschwelle, sich destruktiv zu äußern. Die Motivation für das Trolling ist unterschiedlich. Neben Langeweile können die Suche nach Aufmerksamkeit, die Rache oder das Bedürfnis der Schädigung anderer als Beweggrund für das Trolling gesehen werden (vgl. Rieger/ Dippold/ Appel 2020). „Trolle sind auch deswegen so fies, weil sie oft den Eindruck erwecken, als wollten sie ernsthaft mitdiskutieren, während es ihnen tatsächlich nur um die Provokation geht. Das sorgt für Streit innerhalb der Community, und es wird diskutiert, ob man den Störenfried sperren soll oder ob das ungerecht wäre. Trolle sind Hacker unserer Gefühle. Sie versuchen, die Mechanismen des menschlichen Miteinanders zu durchschauen und greifen dort an, wo sie Schwachstellen finden.“ (Brodnik 2013, S. 93f.) Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Aktivitäten der Trolle zu ignorieren. Dies kann dazu führen, dass diese Unruhestifter: innen ihre Arbeit einstellen und sich ein anderes Opfer suchen. Grundsätzlich ist es aber empfehlenswert, derartige Aktivitäten anzuzeigen und die Täter: innen zur Rechenschaft zu ziehen. Doxing Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit andersdenkenden Haltungen oder Positionen umzugehen. Neben dem Austausch von Argumenten besteht die Möglichkeit, diese Personen unter Druck zu setzen, um sie dadurch zu verängstigen. Es werden Feindeslisten von politischen Gegner: innen erstellt, die dann veröffentlicht werden. Sie dienen der Taktik der Einschüchterung. Eine <?page no="101"?> 4.6 Digitale Gewalt 101 entsprechend perfide Form, dass Menschen zu Opfern werden, ist die Strategie des sogenannten Doxing . Hier werden personenbezogene Daten zusammengetragen und im Internet veröffentlicht. Dadurch soll den betroffenen Personen und ihren Angehörigen Angst eingejagt werden. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass Täter: innen gegen die Betroffenen mit Gewalt vorgehen. So stand der CDU-Politiker Walter Lübcke, der im Juni 2019 von einem Rechtsextremen ermordet worden ist, über mehrere Jahre auf einer Liste der rechten Terrorgruppe NSU (vgl. Beutler 2024). Happy Slapping „Happy Slapping bewegt sich schon jenseits von Cybermobbing, weil reale Gewalt ausgeübt wird, die dann online über Videos eingestellt wird.“ (Weigand 2024, S. 349) Es handelt sich dabei um eine brutale Variante der Erniedrigung. Dieser Angriff auf unbekannte Personen, aber auch auf Lehrer: innen, Mitschüler: innen sowie auf Rettungskräfte stellt ein Körperverletzungsdelikt dar. Opfer werden verprügelt, unter Wasser gehalten, sexuell bedrängt oder vergewaltigt. Diese kriminellen Handlungen werden mit dem Handy aufgenommen. Filme und Bilder von körperlicher Erniedrigung und Gewalt werden mit dem Mobiltelefon gefilmt und im Internet publiziert. Dies führt dazu, dass Betroffene nach den eigentlichen Attacken ein weiteres Mal gedemütigt werden (vgl. Eich u.a. 2022). Es handelt sich um Tatbestände der Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung. Daher ist es notwendig, diese Straftaten konsequent zu verfolgen und anzuzeigen. Cybermobbing „Häufig übt eine Gruppe Mobbing gegen eine Einzelperson aus, wobei ein Täter den Anfang machen kann, weitere Personen sich nach und nach anschließen und das Opfer in die Enge treiben. Als typische Mobbinghandlungen gelten herabsetzende Kommentare, Spott, Beleidigungen, Demütigungen oder das Verbreiten falscher Behauptungen. Sie können offline oder online stattfinden.“ (Weigand 2024, S. 348) Zahlreiche Straftaten haben sich vom analogen in den digitalen Raum übertragen. Während das direkte Mobbing von Personen etwa auf dem Schulhof gegenüber Mitschüler: innen ausgeübt wurde, verlagern sich derartige Angriffe zunehmend ins Netz mit teilweise dramatischen Folgen. „Wird jemand kontinuierlich von einer oder mehreren Personen niedergemacht, nennt man das Mobbing. Das Internet ermöglicht es den Mobbenden rund um die Uhr solche kränkenden Kommentare an ihre Opfer zu senden. Diese Sticheleien und Angriffe über eine längere Zeit hinweg können Menschen zermürben, sie sogar in den Suizid treiben. (Brodnig 2016, S. 225f.) Laut einer aktuellen Studie vom Bündnis gegen Cybermobbing, die in Kooperation mit der Barmer Ersatzkasse entstanden ist, sind fast ein Fünftel aller <?page no="102"?> 102 4 Normverletzungen Schüler: innen in Deutschland vom Cybermobbing betroffen. Dies entspricht mehr als zwei Millionen Kindern und Jugendlichen. Hierzu wurden zwischen Mai und Juni 2024 insgesamt 4213 Schüler: innen, 637 Lehrer: innen und 1061 Erziehungsberechtigte befragt. Besonders betroffen waren Teenager im Alter zwischen 14-17 Jahren. Im Vergleich zu den Studien der vergangenen Jahre hat es hierbei eine deutliche Zunahme gegeben (vgl. Beitzinger/ Leest 2024). Cybermobbing gilt als Verletzung und Belästigung von Personen durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationsmedien, u.a. in Form von Emails, SMS oder verleumderischen Webseiten. Hierbei wird die gezielte Konfrontation mit einem Opfer über einen längeren Zeitraum vollzogen. Dabei kann es sich um Klatsch, Gerüchte oder Beleidigungen handeln, die eine oder mehrere Personen über Dritte in einem Internetforum austauschen. Anwendungen wie Social Communities, Videoplattformen oder Weblogs werden dazu benutzt, Personen zu schikanieren, bloßzustellen oder zu bedrohen. So werden in Chatrooms Mitschüler: innen, Nachbarn, Familienangehörige oder Minderheiten verspottet und beleidigt. In Internetforen werden falsche Behauptungen verbreitet. Auf YouTube und weiteren Kanälen werden Übergriffe und Misshandlungen gezeigt. Für die Opfer dieser virtuell dokumentierten Angriffe kann dieses Verhalten dramatische psychische Konsequenzen haben, wenn die beabsichtigte Blamage und Rufschädigung Erfolg hat. „Wie bei einem analogen Mobbing werden die Betroffenen wiederholt und systematisch direkten seelischen Schikanen, herabwürdigenden Demütigungen usw. ausgesetzt. Dies geschieht mittels beleidigenden Textnachrichten, mit gefälschten Informationen oder unerlaubt aufgenommenen Fotos und Videos. Ziel ist es, die betroffenen Personen persönlich zu erniedrigen.“ (Eich u.a. 2022, S. 18) Zumeist gehören Mobbende und Betroffene zu der gleichen Gruppe und kennen sich persönlich. Im Gegensatz zum Mobbing in der analogen Welt, das zumeist zeitlich und räumlich begrenzt ist, kann die demütige Schikane durch das Cybermobbing rund um die Uhr im Internet stattfinden (vgl. Wampfler 2019). Durch die Anonymität das Internets gelingt es den Angreifenden sich einer Strafverfolgung zu entziehen. Gegenmaßnahmen gestalten sich daher schwierig. Daher ist das besonders wichtig, Aufklärung zu betreiben und Zivilcourage zu fördern, um dagegen vorzugehen. Da die Angriffe möglicherweise öffentlich stattfinden, erreichen sie einen breiten Adressat: innenkreis. Die Löschung der Inhalte ist schwierig oder gar nicht möglich. Findet Mobbing online statt, sollten die Opfer diese Übergriffe in Hinblick auf ein potenzielles Gerichtsverfahren dokumentieren (vgl. Brodnig 2016). Catcalling Als Catcalling werden sexuelle Aufdringlichkeiten ohne Körperkontakt in Form von Wörtern, Gesten, Fotos oder Videos klassifiziert. Hierbei handelt es <?page no="103"?> 4.6 Digitale Gewalt 103 sich um eine verbale und nonverbale sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum. Es handelt sich um Belästigungen, bei der auch schon ein Wort ausreichen kann. Zumeist gehen derartige Übergriffe von Männern aus, die sich auf das Aussehen und den Körper von Frauen beziehen. Im Gegensatz zum Happy Slapping sind hierbei keine körperlichen Übergriffe vorhanden. Gleichwohl können sie von den Betroffenen bereits als Vorstufe dazu empfunden werden. Somit wird die Angst erzeugt, dass nach verbalen Attacken auch körperliche Angriffe erfolgen können. Durch derartige Aktionen können das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit der zumeist weiblichen Betroffenen erheblich geschwächt werden. Menschen trauen sich dann gegebenenfalls abends nicht mehr auf die Straße. Aufgrund der möglichen Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden und Verhalten sollten sich Betroffene Hilfe suchen und keineswegs die Schuld bei sich selbst suchen (vgl. Nowak 2022). Deepfakes „Bei Deepfakes wird sogenannte generative, also erschaffene künstliche Intelligenz eingesetzt. Sie kann Textmaterial, Bildmaterial und in Zukunft immer besser auch Videos […] generieren.“ (von Gottberg 2024b, S. 19) Als sogenannte Deepfakes werden manipulierte oder synthetisch aufbereitete visuelle Medien bezeichnet, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in unterschiedlichen Kontexten Anwendung finden können. Dies betrifft Bereiche von der Politik über die Kunst bis hin zur Bildung (vgl. Pawelec/ Bieß 2021). Pornografische Formen machen 98% alle kursierenden Deepfakes im Netz aus. Diese Form der digitalen Gewalt betrifft zumeist prominente Schauspieler: innen. Die menschenverachtenden Inhalte können schwerwiegende psychische und soziale Folgen für die Betroffenen haben. Es werden Gesichter und Stimmen in Videos manipuliert. Dadurch wird der Eindruck suggeriert, dass Personen Handlungen vollführen, die faktisch nie stattgefunden haben. Es werden täuschend echte pornografische Inhalte erschaffen, die ohne Zustimmung der abgebildeten Personen entstanden sind. In der Regel werden die Gesichter der tatsächlichen Darsteller: innen durch die von anderen Personen ersetzt. Die Veröffentlichung von pornografischen Deepfakes treten auch in Verbindung mit dem Doxing auf. Dadurch werden die Betroffenen neben der Schädigung durch die manipulierten Filme einer zusätzlichen Bedrohung ausgesetzt, sofern sie bedrohliche und herabwürdigende Nachrichten bekommen oder durch das Stalking betroffen sein können (vgl. Oehmig 2024). Der Einsatz von Deep Fakes durch die Manipulation von Politiker: innenvideos kann auch als Angriff auf die Demokratie angesehen werden. So gab es im März 2022 ein Deepfake-Video des ukrainischen Präsidenten Selenskyi, indem er angeblich zur Kapitulation gegenüber Russland aufgerufen haben soll. Inzwischen existieren im Internet eine ganze Reihe von Videos, bei denen Politiker: innen Worte in den Mund gelegt werden, die sie nie gesagt haben (von Gottberg 2024b). <?page no="104"?> 104 4 Normverletzungen Shitstorm Öffentlich geäußerte Kritik im Internet auf der Basis von gut begründeten Argumenten ist zwar ein legitimes Mittel der Willens- und Meinungsbildung. Wenn aber Menschen ohne eine sachliche Basis persönlich attackiert und damit diskreditiert werden, ist dies auch über das Instrument des Shitstorms möglich. „So wird ein Sturm der Entrüstung genannt, bei dem sich etliche Internetnutzer über eine Person, ein Unternehmen oder eine Institution online aufregen. Bei Shitstorms wollen User meist etwas ankreiden, das in ihren Augen ein Fehlverhalten ist. Es gibt keine quantitative Definition, ab wie vielen wütenden Postings etwas bereits ein richtiger Shitstorm ist. Oft wird deswegen auch sehr inflationär mit diesem Begriff umgegangen. Ein richtiger Shitstorm besteht aber aus mehr als nur ein paar wütenden Kommentaren. Es handelt sich hier um ein Aufregerthema, das ‚viral‘ wird und eine erschütternde Menge an Empörung hervorruft.“ (Brodnig 2016, S. 228) Ein Shitstorm stellt ein Phänomen dar, das sich in einem bestimmten Zeitraum innerhalb weniger Tage oder Wochen abspielt. Er folgt auf einen speziellen Anlass oder ein spezifisches Ereignis. Die Äußerung oder Handlung einer Person oder Institution kann dazu führen, dass sich Widerstand im Internet artikuliert, der dann geteilt und unterstützt wird (vgl. Weigand 2024). Friedmann (2021, S. 58) bezeichnet den Shitstorm als „pure Gewalt“, weil es seiner Auffassung zufolge primär um emotionale Ausbrüche geht, die auf organisierte Affekte setzten, um Angst zu erzeugen und Streit zu generieren. Eine kritische Haltung hierzu nimmt auch Hübl (2024, S. 189) ein. „Die Gruppendynamik von Shitstorms verführt Menschen dazu, sicherheitsstrenge Moralpolizisten zu präsentieren, anstatt ruhig und ausgewogen zu argumentieren. Nicht Anonymität verleiht also Personen dazu, Teil des Online- Mobs zu werden, sondern im Gegenteil der Drang nach Anerkennung.“ Sofern aber eine konstruktive Kritik z.B. an einem Wirtschaftsunternehmen in einem sachlichen Ton dazu führt, dass positive Veränderungen vorgenommen werden, kann der Shitstorm als ein angemessenes kommunikationsethisches Instrument fungieren, um Aufklärung zu betreiben. „Shitstorms können auch durch gezielte Kampagnen koordinierter Akteure ausgelöst werden, indem einige Accounts mit hoher Reichwerte sich gezielt gegenseitig unterstützen und dadurch die Aufmerksamkeit weiterer Nutzer: innen erhaschen. Solch gezielte Skandalisierung muss nicht Hass und Gewalt als Ziel haben, sondern kann zum Beispiel auch genutzt werden, um gegen umweltschädliche Konzernpraktiken zu protestieren.“ (Eich u.a. 2022, S. 17) Daher kann ein gut begründeter der Shitstorm als Beleg für die „Funktionsfähigkeit einer Publikumsethik im Digitalen“ (Wiedel/ Dietrich/ Knieper 2022, S. 151) interpretiert werden. Ein Shitstorm kann zwar auch als destruktiver <?page no="105"?> 4.7 Täuschende Sprachverwendung 105 Angriff auf Personen, Gruppen oder Unternehmen vollzogen werden, sofern falsche Vorwürfe artikuliert werden. Er kann aber auch berechtigte Kritikpunkte publizieren, um dadurch die Öffentlichkeit auf Fehler und Missstände hinzuweisen. Insofern können entsprechende Aktivitäten eine zielgerichtete Kritik- und Kontrollfunktion übernehmen. Nicht nur der Shitstorm tritt durch sprachliche Äußerungen in Erscheinung. Neben den skizzierten menschenfeindlichen Beschimpfungen können Beschönigungen und Verharmlosungen dazu führen, Menschen zu irritieren und zu manipulieren. Sie dienen auch der Täuschung und Propaganda. 4.7 Täuschende Sprachverwendung Sprache wird genutzt, um miteinander zu kommunizieren, Reden zu halten und persönliche, politische oder wissenschaftliche Debatten zu führen. Sie kann in Schriftform mit Quellenangabe oder anonym über Onlinekanäle zum Ausdruck kommen. Durch Sprache kann informiert, argumentiert und diskreditiert werden. Sie kann weiterhin Dinge beschönigen. Als Euphemismen werden Sprachschöpfungen bezeichnet, die die wahren Bedeutungen verschleiern. Hierfür lassen sich zahlreiche Beispiele benennen (vgl. Nowak 2022).  So wird aus dem Altersheim eine Seniorenresidenz.  Eine Mülldeponie avanciert zum Entsorgungspark.  Eine entlassene Person wird freigesetzt.  Eine strafbare Bilanzfälschung wird als kreative Buchhaltung klassifiziert.  Die Missachtung der Regeln der Straßenverkehrsordnung gilt als kreatives Parken.  Die Berliner Mauer mit Selbstschussanlage und Stacheldraht wurde von der DDR-Regierung als antifaschistischer Schutzwall klassifiziert.  Die ethnische Säuberung ist eine Vertreibung bis hin zum Völkermord.  Der Tod wird durch den Begriff Ableben beschönigt.  Die Euthanasie verharmlost das gezielte Töten kranker und behinderter Menschen.  Die Abschiebung wird als aufenthaltsbeendende Maßnahme deklariert.  Gotteskrieger: innen sind tatsächlich religiöse Fanatiker: innen.  Das Töten von Tieren erhält die Bezeichnung Einschläfern.  Das Entnehmen von Wild bedeutet, dass es getötet wird.  Eine Kündigung wird als Entmietung bezeichnet.  Eine Gewinnwarnung ist faktisch eine Verlustwarnung. <?page no="106"?> 106 4 Normverletzungen  Ein Sondervermögen bedeutet, dass zweckgebundene Schulden gemacht werden.  Der sozialverträgliche Stellenabbau kann auch eine Massenentlassung beinhalten. Schließlich sind auch die sogenannten sozialen Netzwerke, die auch in diesem Text thematisiert werden, weniger sozial als es der Namen verspricht. Faktisch handelt es sich bei Facebook, Instagram, WhatsApp, TikTok, You- Tube, X u.a. um digitale Geschäftsmodelle kommerzieller Anbieter, bei denen es in erster Linie um eine Gewinnerzielung der Unternehmen und weniger um soziale Verantwortung gegenüber den Nutzer: innen geht. Neben sprachlichen Beschönigungen von negativen Zuständen oder Ereignissen, besteht bei der Verharmlosung von grausamen Kriegshandlungen die Intention, ein brutales Vorgehen mit Begriffen zu verharmlosen. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wurde vom russischen Präsidenten Putin als militärische Spezialoperationen bezeichnet (vgl. Reuschenbach/ Frenzel 2024). Eine gezielte Tötung gilt als Liquidierung. Die Inkaufnahme von zivilen Kriegstoten durch Angriffe erhält die Bezeichnung Kollateralschaden. Ein gefallener Mensch ist ein getötetes Kriegsopfer und nicht nur gestürzt. Die chirurgische Kriegsführung suggeriert, dass durch den Angriff auf ausschließlich militärische Ziele keine zivilen Opfer zu beklagen wären. Eine Frontbegradigung ist nichts Anderes als ein vom Gegner erzwungener Rückzug von einer Kriegsfront (vgl. Nowak 2022). Beim Hinweis auf den Verlust von Flugzeugen wird verschwiegen, dass dabei Pilot: innen ums Leben gekommen sind (vgl. Schicha 2008). Die Verwendung von Naturmetaphern verzerrt ebenfalls die Realität von Kriegshandlungen. Wenn von Blitzkrieg, Angriffswelle oder von einem Wüstensturm wie im Irakkrieg gesprochen wird, wird der Eindruck suggeriert, dass der Krieg einem Naturphänomen gleicht, das als natürliches Schicksal hingenommen werden muss. Verantwortlichkeiten werden durch eine derartige Sprachverwendung ausgeblendet (vgl. Schicha 2001b). Der Verweis auf militärische Schachzüge, die Assoziationen mit einem harmlosen Brettspiel herstellen, verschleiert ebenfalls die Brutalität des Krieges, der immer einen Zivilisationsbruch darstellt und das Versagen von diplomatischen Konfliktlösungsstrategien dokumentiert, wenn Nationen zu Feinden werden, die sich attackieren. Es gibt immer Opfer, die aber nicht konsequent als solche durch einen eindeutigen Sprachgebrauch bezeichnet werden (vgl. Schicha 2022b). Nicht nur im Krieg werden Auseinandersetzungen durch Hassreden geprägt, auf die nachfolgend eingegangen wird. <?page no="107"?> 4.8 Hassrede 107 4.8 Hassrede Die Hassrede richtet sich in der Regel gegen Personen mit einer anderen Gruppenzugehörigkeit, die durch Beleidigungen verbal angegriffen werden. Sie ist häufig mit Diskriminierungen verbunden. Dabei sind das Geschlecht, sexuelle Präferenzen, die Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit Kriterien, die entsprechende Beschimpfungen auslösen können (vgl. Weigand 2024). Bei der Analyse von Hassrede ist es zentral, zwischen der Verwendung und dem Erwähnen von diskriminierenden Begriffen zu unterscheiden (vgl. Sauer 2024). „Wer jemandem mit einem Schimpfwort beleidigt, gebraucht das Wort; wer über ein Wort spricht, erwähnt es lediglich. Daher ist der Satz: ‚Du bist ein Idiot! ‘ eine Beleidigung, der Satz: ‚Das Wort Idiot hat fünf Buchstaben‘ jedoch nicht. Andernfalls könnte man niemals Schimpfwörter zitieren, ohne damit jemanden zu beleidigen.“ (Hübl 2024, S. 194) So hat es sich durchgesetzt, die diffamierende Bezeichnung ‚Neger‘ nicht mehr zu nennen. Es ist vielmehr vom N-Wort die Rede. Hübl (2024, S. 194) spricht in diesem Zusammenhang von „Sprachmagie“. Es wird der Eindruck suggeriert, dass der Klang dieser Wörter eine besondere Macht hätte. Natürlich sind Beschimpfungen und rassistische Ausdrücke nicht akzeptabel, wenn sie sich gegen andere richten. Das bloße Aussprechen eines rassistischen Ausdrucks muss aber nicht den Tatbestand des Rassismus enthalten, sondern kann auch einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Bezeichnung dienen. Es werden also folgende Fragen diskutiert: „Ist es problematisch, diskriminierende Wörter auch nur auszusprechen, ohne sie zu verwenden? Bricht die Unterscheidung von Gebrauch und Erwähnung manchmal zusammen? “ (Sauer 2024, S. 291). Faktisch gilt, dass nicht die Wörter per se rassistisch sind, sondern nur Menschen können diese Eigenschaften besitzen und sich entsprechend sprachlich artikulieren. Menasse (2020, S. 23) konstatiert: „Es ist aber falsch und gefährlich, Begriffe grundsätzlich aus der Sprache tilgen zu wollen, etwa, weil sie abwertendes Potential in sich tragen. Vollends absurd wird es, wenn sogar die Diskussion, ob und warum ein Begriff abwertend und verletzend gemeint oder geworden ist, ohne Erwähnung dieses Begriffs auskommen soll.“ Wenn Schauspieler: innen in Rollen Kolleg: innen auf der Theaterbühne beschimpfen, gehört dies zur Aufführung und kann nicht auf die reale Lebenswelt übertragen werden. Gleichwohl ist es grundsätzlich wichtig, sprachsensibel zu agieren und dies zu propagieren. Der Kontext der der jeweiligen Begriffsverwendung ist entscheidend für die Bewertung der Aussage. Beim Blick auf die Konzeption von Jürgen Habermas besitzt Sprache zunächst den Zweck der Verständigung und nicht den der Manipulation oder der Gewalt. Schließlich versuchen die dem normativen Leitbild folgenden im <?page no="108"?> 108 4 Normverletzungen verständigungsorientierten Handeln erhobenen Geltungsansprüche zu überzeugen und nicht zu überreden oder gar zu verletzen. Sie zielen auf eine vernünftige Einsicht ohne Zwang. Die Kapitulation vor der rhetorischen Übermacht eines Gegners oder einer Gegnerin ist nicht vorgesehen. Dennoch räumt Habermas ein, dass Gewalt in der Praxis mit der Sprache verübt werden kann. „Sprache ist auch ein Medium von Herrschaft und sozialer Macht. Sie dient der Legitimation von Beziehungen organisierter Gewalt. Soweit die Legitimationen das Gewaltverhältnis, dessen Institutionalisierung sie ermöglicht, nicht aussprechen, soweit dieses in der Legitimation sich nur ausdrückt, ist Sprache auch ideologisch.“ (Habermas 1971a, S. 52) Dann handelt es sich um strategisches Handeln und systematisch verzerrte Kommunikation, die gegebenenfalls Manipulationsabsichten verfolgt (vgl. Celikates 2010). Problematisch ist auch die Verwendung von Begriffen wie Asyltourismus, den der bayrische Innenminister Joachim Herrmann bereits 2014 verwendete und vom Bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder 2028 wiederholt wurde. In den 1990er Jahren war Asyltourismus bereits ein Kampfbegriff rechter Parteien wie der NPD. So wird der Eindruck erzeugt, als ob es sich bei Geflüchteten um Erholungssuchende handelt. Dabei stellen sich die Fakten wie folgt dar: „Menschen fliehen aus zerbombten Landstrichen und vor Hungersnöten, Epidemien und Diktatur. Sie geben ihr letztes Geld an dubiöse Schmuggler, durchwandern tausende Kilometer die Wüste, setzen sich in überfüllte Boote, um in waghalsigen Überfahrten nach Europa zu kommen. Dann versuchen sie, in ein EU-Land ihrer Wahl zu kommen.“ (Röhling 2018) Insofern ist der Begriff sehr problematisch, wie die Journalistin Sandra Maischberger (2024, S. 15) zu Recht anmerkt. „Asyltourismus etwa ist einer dieser Begriffe, der einmal ausgesprochen und dann wieder zurückgenommen wurde - weil derjenige, der ihn verwendet hatte, das Wort dann doch nicht mehr akkurat fand. Aber inzwischen hat es sich derart verfestigt, dass es in bestimmten Sendungen und Kommunikationsmedien ganz selbstverständlich gebraucht wird. Ich würde so einen Begriff nie verwenden, weil er einen Teil hetzerischer Unterstellung enthält, der so nicht stehenbleiben darf.“ Neben dieser pauschalen und abstrakten Beschimpfung von bestimmten Gruppen durch derartige Begriffe gibt es auch die unmittelbaren verbalen Angriffe auf konkrete Personen, die nachfolgend problematisiert werden. Gewalttätige Sprechakte Es lassen sich unterschiedliche Formen und Ausprägungen von Sprechakten klassifizieren, die über ein Gewaltpotenzial verfügen (vgl. Kubizka 2014). <?page no="109"?> 4.8 Hassrede 109 Dazu gehören Beschimpfungen. Hierbei werden Menschen zum Beispiel als faul bezeichnet oder als Schlampe diskreditiert. Darüber hinaus werden Personen mit Schimpfworten aus dem Tierreich wie Schwein, Huhn, Esel oder Gans abwertend entmenschlicht. Derartige Vergleiche von Politiker: innen gegenüber den Berichterstatter: innen verfügen auch in der bundesdeutschen Politik über eine lange Tradition. „Wenn Politiker der Nachkriegszeit Journalisten beschimpfen, musste die halbe Tierwelt herhalten. Strauß sah ‚jubeljaulende Hofhunde‘, der spätere Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt ‚Geschmeiß‘, Helmut Kohl ‚Schmierfinken‘. Oskar Lafontaine zürnte gegenüber dem ‚Schweinejournalismus.“ (de Weck 2024, S. 94) Auch durch das Auslachen findet eine verbale Verletzung statt, indem die Opfer verspottet, gehänselt oder nachgeäfft werden. Dies bringt zum Ausdruck, dass respektlos agiert wird und die Menschenwürde missachtet wird. Aggressives Kritisieren stellt eine Form des destruktiven Handelns dar. Es versucht die Kompetenz einer anderen Person infrage zu stellen, um sie zu erniedrigen. Beim aggressiven Auffordern geht es um Kränkung und Provokation. Dabei werden andere aufgefordert, den Mund zu halten oder einen Ort zu verlassen. Beim Drohen wird zum Beispiel körperliche Gewalt angekündigt. Eine diskriminierende und abwertende Sprachverwendung kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen. Hierzu finden sich folgende Typen und negative Beispiele (vgl. Kramp/ Weichert 2020, Beutler u.a. 2024).  Bewusste Verbreitung falscher Aussagen (z.B: „Die Flüchtlinge müssen im Supermarkt nicht bezahlen.“).  Tarnung der Fremdenfeindlichkeit als Humor oder Ironie (z.B. „Dann werde ich im nächsten Leben halt Asylant.“).  Verwendung herabwürdigender und verunglimpfende Begriffe (z.B. „Kanacke“, „Schwuchtel“).  Sexistische Beleidigungen (z.B. „Transe“, „Schlampe“).  Bedienen von Stereotypen und Vorurteilen durch bestimmte Begriffe und Sprachmuster (z.B. „Asylantenflut“, „Islamisierung“).  Ausüben von Drohungen (z.B. „Ausländer raus“).  Verwendung von unzutreffenden Verallgemeinerungen (z.B. „Alle Griechen sind faul.“, „Alle Juden sind reich.“).  Nutzung von Verschwörungserzählungen (z.B. „Die Medien sind von der Regierung gelenkt.“, „Bill Gates hat den Corona-Virus verbreitet“).  Androhung sexualisierter Gewalt (z.B. „Die müsste mal vergewaltigt werden“).  Befürwortung von oder Aufruf zu Gewalttaten (z.B. „Die sollte man alle vergasen“). <?page no="110"?> 110 4 Normverletzungen  Verwendung einer rassistischen Bildsprache (z.B. durch die Darstellung schwarzer Menschen mit Baströckchen).  Gleichsetzung von sexueller Orientierung mit Straftaten (z.B. durch die Verbindung von Homosexualität mit pädophiler Kriminalität). Ein weiteres Mittel einer unzulässigen Abwertung von Menschen, die körperlich angegriffen worden sind, liegt in der sogenannten Schuldumkehr . Sie tritt in Erscheinung, wenn Opfern von Gewalt suggeriert wird, sie seien an der Gewalt gegenüber ihrer Person durch ihr eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Dann wird z.B. behauptet, dass eine Frau vergewaltigt worden sei, weil sie einen zu kurzen Rock getragen habe (vgl. Eich u.a. 2022). Minderheitenbeschimpfungen Die Hassrede richtet sich überwiegend gegen Personen, die einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden können. Es werden abwertende Äußerungen aufgrund der äußeren Erscheinung, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung, oder politischen Positionierung gemacht. Dabei werden Macht und Diskriminierungsverhältnisse aufgegriffen, die in der Gesellschaft verbreitet sind. Neben allgemeine Beschimpfungen kann der Aufruf zu Gewalttaten gegen Menschen oder Menschengruppen erfolgen. Die Hassrede richtet sich auch an Personen, die marginalisierten Gruppen wie LGBTQIA+ (lesbian, gay, bisexuell, transgender/ transsexuell, queer, intersex, asexual und weitere Geschlechteridentitäten) angehören oder zur Gruppe der BIPoC (Black, Indigenous and People of Colour) zugeordnet werden und Rassismuserfahrungen gemacht haben (vgl. Eich 2022). Homophobie Die Homophobie bezeichnet eine Menschenfeindlichkeit gegenüber nicht heterosexuellen Personen. Sie stellt eine Ablehnung gegenüber nicht heterosexuellen Menschen, Lesben und Schwulen dar. Dadurch wird die Angst vor dem vermeintlich Anderen und Fremden geschürt. Die Homophobie basiert auf der Vorstellung, dass alle Menschen heterosexuell sein sollen. Schwule und Lesben werden zu Unrecht pauschal mit Krankheiten wie Aids und Straftaten in Form von sexuellem Missbrauch gegenüber Kindern oder Kinderpornographie in Verbindung gebracht. Homophobie drückt sich auch in diskriminierenden Witzen, abwertenden Sprüchen und einer grundsätzlichen Abwehrhaltung gegenüber diesem Personenkreis aus. Obwohl Homosexualität ein legitimer Bestandteil der eigenen persönlichen Identität ist und in keinem Zusammenhang mit Pädophilie steht, werden falsche Vorurteile und Beschuldigung mit dieser sexuellen Orientierung in Verbindung gebracht. Bei den Gegner: innen dieser sexuellen Orientierung zeigt sich das Bedürfnis nach einer angeblichen moralischen Reinheit und vermeintlichen Natürlichkeit: <?page no="111"?> 4.8 Hassrede 111 „Sie sind normalerweise besonders im traditionalistischen Denken geprägt: den Religionen, bei stramm Konservativen und Rechtsradikalen. Menschen, die großen Wert auf Reinheit legen, finden Abtreibung unnatürlich, Homosexualität abstoßend und Fremde auf dem eigenen Territorium bedrohlich.“ (Hübl 2024, S. 160) Abwertende Begriffe wie ‚Kampflesbe‘ und ‚schwule Sau‘ runden die negative Konnotation im Zusammenhang mit Menschen ab, die nicht heterosexuell sind. Derartige Vorurteile und Anfeindungen können zu Misstrauen und verbalen sowie physischen Übergriffen führen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung o.J.a). Die Motivation besteht häufig darin, den Betroffenen zu schaden und aus einer Absicht der Selbstjustiz heraus homosexuelle Menschen öffentlich bloßzustellen. Darüber hinaus sollen weitere Personen motiviert werden, diese Menschen zusätzlich anzugreifen (vgl. Eich u.a. 2022). Bedrohungsmetaphern Die verwendete Sprache kann dazu dienen, ganze Gruppen pauschal zu diskreditieren. Dabei wird ein Szenario eröffnet, das Ängste schürt. Ein Beispiel hierfür ist der sprachliche Umgang mit geflüchteten Menschen. So wird von einer Flüchtlingswelle, einer Flüchtlingsschwemme, einer Flüchtlingsflut oder einem Flüchtlingstsunami gesprochen (vgl. Schicha 2021). „,Das Boot ist voll‘ ist eine Metapher, in der das Boot für die Nation, das Land, den Staat steht. Wir kennen das Bild bereits aus der verwandten Metapher ‚Das Land wieder auf den richtigen Kurs bringen‘. Politiker*: innen werden als Steuerleute, die Nation wird als Schiff/ Gefährt gesehen, d.h., das Fassungsvermögen‘ einer Nation ist begrenzt, sonst droht sie unterzugehen.“ (Nowak 2022, S. 92) Durch derartige Sprachschöpfungen wird ein Horrorszenario entworfen, das nicht nur die Ängste der Bevölkerung schürt, sondern gegebenenfalls Aggressionen gegenüber den geflüchteten Menschen erzeugen kann (vgl. Schicha 2016b). „Den Flüchtlingen wird die semantische Rolle der Bedrohung zugeschrieben. Sie sind die Wassermasse, die ohne Sinn und Verstand - vor allem ohne Ziel und Zweck - das Land überrollt. Sie überschwemmen unser Land, hinterlassen verwüstete Landschaften, großen wirtschaftlichen Schaden und eine traumatisierte Bevölkerung.“ (Wehling 2017, S. 175) Grundsätzlich ist es verantwortungslos, Menschen in Not, die Hilfe benötigen, als eine Naturkatastrophe zu klassifizieren, da diese Opfer dadurch einer zusätzlichen Bedrohung ausgesetzt sind, Gewalt zu erfahren. Das von der CDU/ CSU eingebrachte sogenannte Zustrombegrenzungsgesetz, das am 31. Januar 2025 mit knapper Mehrheit im Bundestag abgelehnt wurde, fällt eben- <?page no="112"?> 112 4 Normverletzungen falls in die Kategorie der Wortschöpfungen, das Geflüchtete mit Naturphänomenen in Verbindung bringt (vgl. Amnesty International 2025). Problematisch ist auch die Verwendung von Ungeziefer- oder Krankheitserregermetaphern, die u.a. im Zusammenhang mit Straftäter: innen verwendet werden. „Menschen mit Parasiten gleichzusetzen […] kann zu nachhaltiger Verrohung nicht nur des politischen Diskurses, sondern einer ganzen Gesellschaft führen. Um dies deutlich zu machen, genügt es sich zu fragen, was man denn üblicherweise gegen Parasiten und Schadtiere unternimmt. Die Antwort ist leicht: Man vernichtet sie rücksichtslos.“ (Frick 2017, S. 73) Insofern können verbale Übergriffe auch physische Angriffe bis hin zum Mord nach sich ziehen. „Andere aber reagieren auf die Herausforderungen nur noch mit Hass und Aggression, wenden sich gegen Toleranz und Offenheit, gegen demokratische Strukturen und Prinzipien. Finden wir also erst einmal heraus, wer eine manifeste rechtsextreme Einstellung hat und wer einfach nur verunsichert ist, sich von der Komplexität globaler und internationaler Zusammenhänge überfordert fühlt, sich Sorgen um sein Leben macht. Letztlich läuft alles auf eine einzige Forderung hinaus: wir müssen reden. Wer das ernsthaft tut, muss offen sein und die Bereitschaft aufbringen, tatsächlich etwas herauszufinden. Er muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen, möglicherweise sogar zu verändern.“ (Künast 2017, S. 176) Derartige Reflexions- und daraus resultierenden positiven Veränderungsprozesse sind im Rahmen der Onlinekommunikation aber häufig nicht vorhanden. Bernhard Debatin (2012) weist darauf hin, dass im Internet Sachverhalte geäußert werden, die im realen Dialog so nicht artikuliert werden. Die Hemmschwelle scheint geringer zu sein, dort weniger überlegte Statements zu artikulieren. Es darf aber nicht übersehen werden, dass derartige Bemerkungen in sozialen Netzwerken theoretisch die ganze Internetgemeinschaft erreichen können. Übergriffe und Pöbeleien durch diffamierende Texte und Bilder verstoßen gegen die Menschenwürde und sind justiziabel. Diese können durch Schmähkritik in sozialen Netzwerken sowie über Blogs und Kommentare auf Internetseiten erfolgen. Durch Handy-Videos, Twitter-Botschaften und SMS- Nachrichten können Informationen und Dokumente schnell an eine Vielzahl von Nutzer: innen verschickt werden, die andere Menschen beleidigen und diskreditieren. Privatpersonen und Prominente sind regelmäßig Hassbotschaften im Internet ausgesetzt. Gewaltfantasien, Beleidigungen, Erniedrigungen und sexuelle Anfeindungen prägen diese Angriffe. Davon sind besonders Frauen betroffen. Das deutsche Strafgesetzbuch verbietet Beleidigungen, Volksverhetzung, sowie Nötigung und Bedrohung. Weiterhin gilt: „Wenn Themen stark emotionalisieren und polarisieren, können Medien, insbesondere die neuen sozialen Medien, diese Tendenzen verstärken - mit <?page no="113"?> 4.8 Hassrede 113 teils handfesten Folgen. Aufwiegelnde Informationen im digitalen Raum wie Desinformation und Hassrede werden oft nicht direkt als Anstiftung gewertet. Dennoch können sie sich in der Masse so sehr verdichten, dass sich die Wahrscheinlichkeit körperlicher Gewalt drastisch erhöht.“ (Ellis 2023, S. 25) Insofern ist es sinnvoll, bei derartigen Übergriffen gegen die Täter: innen juristisch vorzugehen. Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat die Beleidigungen an sie auf Facebook öffentlich gemacht und darauf reagiert (s. Abb. 4). Hayali beklagt, dass es in Deutschland weder eine Streitnoch eine Fehlerkultur gibt. Sie sieht in den öffentlichen Debatten vielmehr eine Lagerkultur, bei der am Ende jeder und jede im Recht sein will. Sie plädiert für ein Kommunikationsverhalten, das folgende Forderungen zum Inhalt hat:  „Wir werden nie alle einer Meinung sein oder das Gleiche wollen. Müssen wir auch nicht. Wir sollten aber lernen, Unterschiede, Unsicherheiten und Ambiguitäten auszuhalten.  Wir sollten verstehen, dass eine Person meist nicht für eine gesamte Gruppe spricht, sondern oftmals nur für sich selbst. […]  Wir sollten erfassen, dass es oftmals nicht um einzelne Veränderungen, sondern um Strukturen geht.  Wir sollten darüber nachdenken, dass Verzicht nicht immer negativ ist und sich am Ende auszahlen kann.  Wir sollten auch mal Fünfe gerade sein lassen, denn nur weil sich jemand nicht perfekt ausdrücken kann, ist das kein Anlass, ihn mit einem Didaktikkurs zu überziehen.  Wir sollten akzeptieren, dass nicht jeder zu allem seinen Senf dazugeben muss, nur um auch mal was gesagt zu haben. […]  Wir sollten den Unterschied zwischen Eigenerfahrung und kompetentem Wissen erkennen und dies bei Diskussionen berücksichtigen.“ (Hayali 2024, S. 33f). Die Journalistin vertritt die Auffassung, dass jeder und jeder eine eigene Meinung haben kann, aber keine eigenen Fakten. Sie plädiert aber auch für ein Kommunikationsabbruch, „wenn jemand ausschließlich Stuss erzählt.“ (Hayali 2024, S. 33). Die grüne Politikerin Renate Künast (2017) hat einen Ansatz gefunden, um auf beleidigende Onlineangriffe zu reagieren. Sie besuchte die Menschen, die sie im Internet angepöbelt haben, und suchte das Gespräch mit ihnen. <?page no="114"?> 114 4 Normverletzungen Abbildung 4: Facebook-Eintrag von Dunja Hayali vom 28. August 2015 <?page no="115"?> 4.9 Scheinargumentation 115 „Die Online-Hetzer waren sichtlich überrascht als plötzlich eine Prominente vor ihrer Tür stand. Einige entschuldigten sich kleinlaut, andere sagten zu ihrer Verteidigung, sie hätten das gar nicht so gemeint. Offenbar hatten sie sich nie vergegenwärtigt, dass auf der Empfängerseite ein Mensch sitzt. Dasselbe Muster kann man bei Tätern beobachten, die für Online-Beleidigungen vor Gericht stehen. Digitale Kommunikation begünstigt schlechtes Benehmen, denn wer seinem Opfer nicht ins Gesicht schaut, hat eine niedrigere Hemmschwelle.“ (Hübl 2024, S. 167) Künast hat auch gegen Beleidigungen geklagt und in der zweiten Instanz Recht bekommen, da das Gericht zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ehrherabsetzender Beschimpfungen nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind (vgl. Schröder 2021, Haman 2022). Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli (2023) war Berliner Staatssekretärin und ebenfalls Ziel von Hassangriffen. „Diese beziehen sich überschneidend auf ihren Migrationshintergrund (sie ist Tochter einer palästinensischen Familie) und den Umstand, dass sie als Frau gelesen wird. So werden in vielen Hasskommentaren Rassismus, antimuslimischer Hass und Sexismus miteinander verknüpft.“ (Eich 2022, S. 16) Chebli ist bereits selbst körperlich angegriffen worden. Sie ruft dazu auf, sich aktiv auf digitalen Kanälen zu beteiligen, relevanten Menschen, Initiativen und Nachrichtenportalen zu folgen und darauf zu reagieren. Auf Hassnachrichten gegenüber anderen Personen sollte regiert werden. Es ist wichtig, diese Personen zu unterstützen. Sie plädiert dafür, auch positive Geschichten zu verbreiten. Im Falle von Angriffen auf die eigene Person sollten Hilfsnetzwerke genutzt und juristische Unterstützung angefordert werden. Digitaler Hass sollte öffentlich gemacht und mit den Mitteln des Rechtsstaates bekämpft werden. Wichtig bleiben aber zwischenmenschliche Kontakte wie die Nachbarschaftshilfe. Es kann weiterhin sinnvoll sein, sich von der Nutzung digitaler Kanäle zu verabschieden, um sich keinen weiteren Beschimpfungen auszusetzen. Weniger drastisch als Formen der Hassrede sind Formen der Scheinargumentation, die zwar keine unmittelbaren menschenfeindlichen Äußerungen zum Gegenstand haben. Dennoch geht es dabei auch um sprachliche Ausprägungen, die täuschen und manipulieren können. 4.9 Scheinargumentation „Da die Rhetorik als Kunst der Überzeugung und des Überredens nicht notwendigerweise an ein moralisches Kriterium gebunden ist, kann sie missbraucht und zur Manipulation eingesetzt werden.“ (Dänzer 2022, S. 19) Zumeist wird Rhetorik mit einer Redekunst assoziiert, die überzeugen und nicht überreden will. Es gibt aber auch negative Bedeutungszuschreibungen: <?page no="116"?> 116 4 Normverletzungen „Das Wort ‚rhetorisch‘ tauchte nur noch in abwertender Bedeutung auf: man sprach von ‚rhetorischen Fragen‘ und meinte Fragen, die keine echten sind. Man sagte etwas von ‚reiner Rhetorik‘ und meinte hohles Pathos, leeres Gerede, Schönrederei, sprachliche Spiegelfechtereien.“ (Schlüter 1997, S. 9) Es handelt sich dann um Scheinargumente. Sie werden mit negativen Bedeutungszusammenhängen assoziiert und treten entweder taktisch, strategisch, erfolgsorientiert oder manipulativ auf. Um ein adäquates Argumentationsverfahren zu unterbinden, werden eine Reihe von Taktiken angewandt, die die Gesprächspartner: innen verunsichern sollen. In diesem Zusammenhang geht es weniger um rationale Argumente mit guten Begründungen, sondern um emotionelle Ansprachen, die überreden statt zu überzeugen. „Durch eindrucksvoll gewählte Worte, durch das Erregen von Mitleid, Begeisterung oder Bewunderung, durch das Appellieren an Autoritäten und hohen Werten kann man einen anderen Menschen dazu bewegen, den eigenen Standpunkt zu übernehmen. Das Abwägen der Argumente und Prüfen der Überlegungen sind dazu nicht erforderlich, ja für den Effekt […] eher hinderlich.“ (Weimer 2005, S. 13) Um den Zusammenhalt und die eigene Position innerhalb einer Gruppe zu stärken, wird bei der Scheinargumentation auf Techniken zurückgegriffen, die mit Feindbildern, Gerüchten, unberechtigten Beschuldigungen und Lügen arbeiten (vgl. Beck 2010). Als Formen der Scheinargumentation gelten in Diskursen u.a. Strategien  der Unterbrechung,  der Übertreibung,  des Ausweichens,  des Antwortaufschubes,  der Ablenkung,  des fehlerhaften Begründens,  der Verknüpfungsfehler,  der Schmeichelei,  der Demonstration von Konformität,  der Selbstaufwertung,  der Unaufrichtigkeit sowie  der Entstellung von Tatsachen (vgl. Meyer/ Schicha/ Brosda 2001). Schultz (2006) verweist auf weitere Formen unzulässiger Techniken der Argumentation. Dazu zählen unsachliche Beiträge, ein dominierendes Redeverhalten, das die Gesprächsordnung missachtet, die Begründungsverweigerung sowie die Moralisierung und Skandalisierung. Auch Verhandlungen werden dazu missbraucht, um fragwürdige Techniken anzuwenden (vgl. Fricke 1985). Dazu gehören u.a. folgende Strategien: <?page no="117"?> 4.10 Stereotypisierung 117 117  vom Konkreten auf das Allgemeine abwälzen,  Randprobleme aufgreifen,  lange und ausschweifend reden,  falsche Autoritäten zitieren sowie  persönlich werden und drohen. Eine verbreitete Scheinargumentation ist auch die Strategie des sogenannten Whataboutism . Diese ins Deutsche übersetze Redewendung trägt die Bedeutung „Aber was ist mit …? “. Sie kommt zum Einsatz, wenn auf den eigentlichen Kontext nicht eingegangen wird, sondern auf ein anderes Thema ausgewichen wird. Dieses Vorgehen wird häufig als Strategie benutzt, um entweder den Raum mit eigenen Themen zu füllen oder um von Kritik abzulenken. So reagieren z.B. Rechtsextreme auf eine Meldung über rassistische Gewalt mit einer Bemerkung über angebliche Ausländer: innenkriminalität (vgl. Eich u.a. 2022). Dabei wird auf stereotype Vorurteile mit negativen Konnotationen zurückgegriffen, auf die im nachfolgenden Teil eingegangen wird. 4.10 Stereotypisierung „Stereotypen sind in erster Linie definiert als ungerechtfertigt verallgemeinerte, vorurteilshafte, diskriminierende und starre Attributionen.“ (Nazarkiewicz 1996, S. 2) Sie werden entwickelt und verwendet, um Personen und Gruppen abzuwerten. Stereotype werden auch im Zusammenhang mit Diskriminierung häufig in Verbindung gebracht. Darüber hinaus gibt es Bezüge zu Klischees und Vorurteilen (vgl. Krainer 2024). Es handelt sich um gesellschaftliche Vorstellungen in der Gesellschaft, die dazu dienen, soziale und ethnische Gruppen zu stigmatisieren. Sie können im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft verankert sein und über familiäre und politische Sozialisationsinstanzen an die nächste Generation weitergegeben werden (vgl. Nowak 2022). Wenn komplexe Sachverhalte vereinfacht dargestellt werden, wird auf verbale und visuelle Stereotype zurückgegriffen, die Diskriminierungen beinhalten können. Dabei wird auf eine Generalisierung über bestimmte Personen, Gruppen oder Nationen verwiesen. Es werden Urteile gefällt, die in einer generalisierenden Weise Bewertungen nach sich ziehen sowie pauschal bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen behaupten. So werden Vorurteile und Klischees formuliert, die mit negativen Konnotationen verbunden werden. Dabei werden eine unzulässige Vereinfachung und Verallgemeinerung vorgenommen, die mit Vorurteilen behaftet ist. Hierbei geht es darum, Feindbilder zu generieren und eine Abgrenzung zur eigenen Person und Gruppe vorzunehmen. Dann gilt: „Stereotype beruhen auf einer verzerrten, falschen, inadäquaten Wahrnehmung von Realität.“ (Thiele 2015, S. 57). Es <?page no="118"?> 118 4 Normverletzungen liegen verschiedene Formen und Ausprägungen von Stereotypen vor, die sich in unterschiedliche Kategorien wie Alter, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnie, Nation und Staatsbürgerschaft, Beruf, Klasse und Schicht, formale Bildung und weiteren Ausprägungen einteilen lassen. Dabei werden abwertende Attribute verwendet, die mit negativen Konnotationen verbunden werden können. „Das Stereotyp erhält seine Brisanz als Vehikel für erstarrte Einstellungen und Wertungen, die […] zum Transport von positiven Selbst- und negativen Fremdbildern benutzt werden.“ (Heinemann 1998, S. 9). Islamfeindliche Stereotype behaupten pauschal, dass diese Religionsgemeinschaft gewalttätig, grausam und zerstörerisch sowie frauenfeindlich ist. Die Gleichsetzung des Islams mit islamistischen Straftaten diskriminiert jedoch die große Mehrheit der Menschen, die ihren Glauben friedlich ausleben. Die Verwendung von Geschlechterstereotypen ist auch in der Werbung eine gängige Praxis. Diese fungiert als eine Form der strategischen Kommunikation in Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, politischen Parteien und Initiativen. Der Zweck liegt im Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, der Förderung einer Spendenbereitschaft und bei der Gewinnung von Unterstützer: innen durch Wahlentscheidungen oder der Teilnahme an Demonstrationen. Die Werbung dient der Orientierung von Wert- und Normvorstellungen und liefert Verhaltensvorbilder, die eine Sozialisations- und Vorbildfunktion besitzen. Es werden Hoffnungen, Wünsche und Träume angepriesen, die sich angeblich durch die Wahl der vorgestellten Angebote erfüllen lassen. Geschlechterbilder zeichnen in der Werbung oftmals ein eindimensionales Bild. Während Männer häufig als starke Protagonisten und Macher dargestellt werden, werden Frauen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter beschränkt. Zusätzlich spielen die äußeren Attribute eine zentrale Rolle. Frauen werden auf Ihren Körper reduziert und sexualisiert. Dabei sind Herabwürdigungen und Diskriminierungen zu beobachten, die u.a. auch durch die Medienselbstkontrollinstanz des deutschen Werberates kritisiert werden (vgl. Schicha 2005e, Holtz-Bacha 2011). Die Verwendung von Stereotypen ist aus einer kommunikationsethischen Perspektive abzulehnen, da eine pauschale Abwertung von Personen oder Personengruppen erfolgt. Sie ist eine einfache Möglichkeit, um soziale Orientierung herzustellen. Ein grobkörniges Erklärmuster vermittelt den Eindruck, sachgerechte Bewertungen äußern zu können, ohne eine weitergehende Analyse vornehmen zu müssen. Insofern findet hier eine unzulässige Komplexitätsreduktion mit falschen Behauptungen statt. Der Gebrauch von Stereotypen wird zelebriert und inszeniert. Ob die Inszenierung aus einer kommunikationsethischen Perspektive problematisch ist, wird nachfolgend diskutiert. <?page no="119"?> 4.11 Inszenierung 119 119 4.11 Inszenierung Auf den ersten Blick haben Inszenierung und Ethik wenig miteinander zu tun, da die klassische Bühneninszenierung als ästhetisches Ereignis in einem künstlerischen Rahmen fungiert, der aus einer normativen Perspektive als unproblematisch gilt. Moralisch relevant sind hingegen die Inszenierungen, die nicht als solche in Erscheinung treten, sondern in realen sozialen Zusammenhängen vorgeführt werden. In diesem Kontext wird Inszenierung mit negativen Konnotationen wie Täuschung, Schauspiel, Lüge oder Manipulation in Verbindung gebracht. Es geht um die Frage, in welcher Form und Intensität beispielsweise Politiker: innen Theater spielen dürfen, und ob die Form der Inszenierung aus einer kommunikationsethischen Perspektive von vornherein negativ zu bewerten ist (vgl. Schicha 2008). Im Theater stellen inszenierte Stücke eine Konvention dar, nach der das Publikum eine künstlerische Darbietung im fiktiven Kontext rezipiert. Neben diesen Inszenierungen auf der Bühne existieren Inszenierungsformen, die ihrer suggerierten Absicht zufolge, als etwas nicht Inszeniertes charakterisiert werden, da es sich um Darstellungsformen in der realen Lebenswelt ohne Skript handelt. Diese Entwicklung wird von Erving Goffman (1985) thematisiert, der aus einer soziologischen Perspektive die Selbstdarstellungsmöglichkeiten von Personen in zwischenmenschlichen Interaktionen untersucht hat. Goffman geht unter Verwendung der Theatermetapher davon aus, dass die agierenden Akteur: innen verschiedene Rollen in unterschiedlichen sozialen Situationen auf der Vorderbühne im öffentlichen Raum spielen. Diese Rollen werden zunächst auf der nichtöffentlichen Hinterbühne eingeübt und dann in sozialen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit präsentiert. Inszenierungen finden in zahlreichen sozialen Kontexten statt. Das Spektrum reicht von Persönlichkeiten aus der Kunst über die Politik bis hin zur Wirtschaft (vgl. Schicha 2007, Biehl 2007). Theatralität Der aus dem semantischen Feld des Theaters gebildete Terminus der Inszenierung wird u.a. durch Begriffe wie Aufführung, Schauspieler, Leiblichkeit, Rolle, Maske, (Schau)spiel, Bühne, Szene und Publikum gebildet. Die Inszenierung stellt dabei eine von vier Elementen des klassischen Theatralitätskonzepts dar, das folgende weitere Komponenten enthält:  Korporalität als Verkörperung oder Personalisierung,  Performance im Verständnis einer Aufführung im unmittelbar zwischenmenschlichen oder medialen Raum sowie die  Wahrnehmung im Verständnis der Publikumsrezeption als Reaktion auf die Aufführung (vgl. Fischer-Lichte 2005). <?page no="120"?> 120 4 Normverletzungen Sie beschreibt einen Vorgang im Verständnis einer schöpferischen Tätigkeit, der überall da gegeben ist, wo eine Aufführung bzw. Darbietung mit Personen stattfindet, die einstudiert worden ist. Inszenierung meint das In-Szene- Setzen eines Werkes, die künstlerische Vorbereitung der Aufnahme eines Films und eines Bildes sowie einer Theateraufführung oder eines Events. Inszenieren bedeutet, dass öffentliche Handlungen auf eine Effektdramaturgie hin konzipiert werden. Grundsätzlich sind Inszenierungen mehr als eine pure Darstellung von etwas. Inszenierungsprozesse setzen willentlich gesteuerte Kommunikationsvorgänge voraus, die mit einer spezifischen Absicht heraus zielgerichtet und strategisch entwickelt werden, um die Zuschauer: innen zu beeindrucken (vgl. Schicha 2009). Wenn derartige Inszenierungsprozesse in realen sozialen Prozessen außerhalb eines kunstspezifischen Zusammenhangs durchgeführt werden, wird daran, beispielsweise in politischen Kontexten, Kritik geübt. Politik „Politik kommt ohne Inszenierung, ohne Personalisierung nicht mehr aus. Wer wirkungsvoll Politik gestalten möchte, muss das Spiel mitspielen, selbst wenn er es kritisiert. Politiker befinden sich im Spannungsfeld zwischen Glorifizierung und Glaubwürdigkeit. Sie versuchen möglichst überzeugend zu erscheinen, sich keine Schwäche anmerken zu lassen, sich perfekt zu inszenieren. Dabei müssten sie glaubwürdig bleiben.“ (Laux/ Schütz 1996, S. 1) Da politische Machtausübung neben der Sach- und Inhaltsorientierung immer eine Darstellungskomponente zur Legitimation politischen Handelns einschließt, spielt das theatralische Element eine zentrale Rolle. Politik wird mit Begriffen wie Staatsschauspiel und Staatstheater assoziiert und pflegt eine Politik der Symbole mit den bekannten Accessoires der Repräsentation in Form von Hymnen, Fahnen u.v.m. Innerhalb der politischen Theatralitätsdebatte werden Begriffe aus der Kunstform des Theaters gewählt, um reale Ausprägungen des Verhaltens von Politiker: innen zu beschreiben. Sie spielen eine Rolle und geben eine Vorstellung ab. Der Rahmen von Debatten oder Parteitagen avanciert zum Bühnenbild, und auch hier wird zwischen einer Vorderbühne differenziert, auf der öffentliche Verlautbarungen auf den Ebenen der Politikdarstellung durch die Politik bzw. über die Medien kundgetan werden und einer Hinterbühne des nichtöffentlichen Politikvollzuges, auf der die Dinge erörtert werden, die aus strategischen Erwägungen ggf. nicht mitgeteilt werden. Faktisch existieren verschiedene Typen von Politiker: innen, die sich im Rahmen ihrer Auftritte höchst unterschiedlich in Szene setzen. Während der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, u.a. aufgrund seiner Präsenz in Unterhaltungsformaten als Medienkanzler charakterisiert worden ist, wird seiner Amtsnachfolgerin Angela Merkel die Strategie einer „Inszenierung der Nicht-Inszenierung“ (vgl. Rosumek 2014, S. 268) attestiert, da sie sich primär auf der politischen (Medien-)Bühne eher zurückhaltend <?page no="121"?> 4.11 Inszenierung 121 121 und sachlich präsentiert. Dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde hingegen das Etikett „Inszenierung als Beruf“ (vgl. Lepsius/ Meyer-Kalkus 2011) zugeschrieben, weil er sich durch zahleiche Auftritte in ganz unterschiedlichen privaten und politischen Rollen abwechslungsreich und medienaffin präsentierte. Auf dem Parteitag der amerikanischen Demokraten im August 2024 in Chicago hatte die Partei Kamala Harris als Präsidentschaftskandidatin und Tim Walz für das Amt des Vizepräsidenten nominiert. Es handelte sich um eine professionell ausgerichtete Choreografie, die neben den Reden ehemaliger amerikanischer Präsidenten wie Bill Clinton und Barack Obama auch prominente Unterstützung aus dem Showgeschäft erhielt. Die Talkshow- Legende Oprah Winfrey gab dort ihre Wahlempfehlung bekannt. Es gab Auftritte der Oscar- und Grammy-Gewinner John Legend und Stevie Wonder. Die Sängerin Pink trat gemeinsam mit ihrer Tochter auf die Bühne. Neben Popmusik und Luftballons spielten auch weitere Familienmitglieder beim Nominierungsparteitag eine wichtige Rolle. Der Ehemann von Kamala Harris sprach ebenso vor den Delegierten wie Michelle Obama. Es wurden positive Botschaften vermittelt und tränenreiche Emotionen gezeigt. Insgesamt handelte es sich bei dem Event um keine inhaltliche Debatte, sondern um eine professionelle Inszenierung, die die Geschlossenheit der Demokrat: innen und die Unterstützung für das Team Harris und Walz dokumentierte. Es ging primär darum, Optimismus und Zuversicht zu verbreiten, um eine positive Stimmung zu erreichen. Das Ziel lag darin, möglichst viele Wähler: innen zu gewinnen, die im November 2024 der demokratischen Partei ihre Stimme geben sollten (vgl. Schmidt 2024). Es stellt sich die Frage, wie politische Inszenierungen aus einer normativen Perspektive zu bewerten sind. Vor allem in populärwissenschaftlichen Debatten und in journalistischen Texten ist der Inszenierungsbegriff zumeist mit negativen Zuschreibungen konnotiert. Positiv besetzte Begriffe wie „Wahrheit“, „Sein“, und „Authentizität“ (vgl. Schicha 2013b) stehen in der öffentlichen Bewertung negativ besetzten Begriffen wie „Schein“ oder „Täuschung“ gegenüber. Außerhalb des Theaters verfügt der Begriff Inszenierung über einen pejorativen Beiklang. Zumeist wird eine theatralische Darstellung unterstellt, die in manipulativer Absicht als Täuschungsmanöver in die Irre führen will, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Inhaltliche Anliegen und Inszenierung werden in der öffentlichen Debatte ebenfalls als Gegensätze interpretiert. Die Inszenierung wird mit Inhaltsleere und Lüge assoziiert, die den sachlichen Inhalten angeblich konträr gegenübersteht. Zunächst meint der Begriff der Inszenierung rein deskriptiv ein Ensemble von Techniken und Praktiken, mit denen etwas absichtsvoll zur Erscheinung gebracht wird. Insofern ist Inszenierung im Rahmen der Politikvermittlung nicht a priori illegitim, wenn die Inhalte stimmen. Bei der Darstellung von <?page no="122"?> 122 4 Normverletzungen Sachthemen ist die Vorbereitung und Gestaltung durch Inszenierungsmechanismen unverzichtbar, um Themen, Prozesse und Linien nachzuzeichnen. Verfahrensgesteuerte öffentliche Diskurse erfordern eine Reduktion von Komplexität in Form von selektiver Zuspitzung auf einfache Formen. Die Inszenierung in diesem Verständnis fungiert zunächst als eine analytische und wertfreie Beschreibung von Techniken, die angewandt werden, um ein Ereignis für ein Publikum zur Erscheinung zu bringen. Um politische Prozesse erfolgreich zu erklären, muss aus Sicht der Politik Akzeptanz geschaffen werden, die durch die Strategie des Einsatzes von politischen Inszenierungen erfolgen kann. Durch den Dramatisierungs- und Verkürzungseffekt lassen sich politische Sachverhalte zwar nicht vollständig vermitteln und in einer aus wissenschaftlicher Perspektive vollständigen und korrekten Weise darstellen; zentral ist jedoch die angemessene Form der ästhetischen Transformation, in der über Politik berichtet wird. Insgesamt ist nicht die Form der Inszenierung der zentrale Bewertungsmaßstab für die Qualität der Politikvermittlung. Vielmehr geht es um die inhaltlichen Positionen, deren Vermittlung durch aktionsreiche und emotional ansprechende sowie visuell reizvolle Inszenierungsstrategien vonstatten gehen kann. Entscheidend ist hierbei, dass die Rezipient: innen die angebotenen Inszenierungen als solche erkennen und entschlüsseln können. Insgesamt können Inszenierungen sowohl aufklärerische als auch manipulative Wirkungen entfalten. Die Inszenierung selbst übernimmt im Zusammenspiel mit weiteren Theatralitätsselementen den Rahmen, in dem die politischen Inhalte artikuliert werden. Insofern sollte nicht der Rahmen, sondern der Inhalt der Aussagen im Mittelpunkt der normativen Bewertung stehen. Eine zentrale und legitime Strategie bei der Vermittlung politischer Aussagen liegt in der Erzeugung von Aufmerksamkeit. Daher kann ihre Vermittlung mit Hilfe von Inszenierungselementen geleistet werden, sofern dadurch das Interesse der Öffentlichkeit für politische Zusammenhänge geweckt wird. Weiterhin sind Medienbedingungen und Rezeptionsgewohnheiten der Zuschauer: innen, Leser: innen und Nutzer: innen bei der Bewertung zu berücksichtigen. Elemente des Theatralischen in der Politik müssen nicht von vornherein eine manipulative Tendenz aufweisen, sondern sie sind Bestandteil eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses über politische Zusammenhänge und ihrer Vermittlungsstrategien. Die Art und Weise der Darstellung sagt nicht zwingend etwas über die Angemessenheit des Inhalts aus. Manipulation, Verschleierung und Täuschung können ebenso wie das Maß an Argumentativität und Informativität nur im Kontext der inhaltsanalytischen Interpretation von Selbstdarstellungstechniken und Präsentationsformen erschlossen werden. Dadurch können Maßstäbe für eine politische Ethik der Theatralität entwickelt werden, die Kriterien einer angemessenen Form der Politikvermittlung beinhalten. Es hat sich gezeigt, dass neben der Haltung auch die Inszenierung von vornherein keinen eindeutigen Bewertungsmaßstab umfassen. Ein Mensch <?page no="123"?> 4.12 Desinformation 123 mit Haltung kann sich für Menschenrechte einsetzen oder etwa eine pauschale Verachtung gegen andere Religionsgemeinschaften zum Ausdruck bringen. Eine Inszenierung kann Lug und Trug bedeuten, wenn Menschen sich im Rahmen einer aufwändigen Dramaturgie eindrucksvoll in Szene setzen, aber die Unwahrheit sagen. Politische Inszenierungen können aber auch glaubwürdig über die Bühne gehen, wenn die Inhalte stimmen. Es ist für Politiker: innen legitim, bei Auftritten auf ganz unterschiedlichen Medienbühnen die eigenen Vorstellungen, Ziele und Argumente vor einem Publikum eindrucksvoll und leidenschaftlich in Szene zu setzen. Solange die Inhalte der Wahrheit entsprechen, können neben rhetorischen auch dramaturgische Mittel genutzt werden, um eine positive Wirkung zu erzielen. Wann aber die Inszenierung als Rahmen dazu genutzt wird, um Fakten zu verschleiern oder gar zu lügen, sind Medien als kritische Beobachter gefordert, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und entsprechende Aufklärung für die Öffentlichkeit zu leisten. Insgesamt ist die Inszenierung nicht a priori mit Manipulation, Lüge und Desinformation verbunden. Dabei handelt es sich um eine Täuschungsabsicht, die nachfolgend problematisiert wird. 4.12 Desinformation „In einer Zeit des überwältigenden Vormarschs von Fake News, von der Möglichkeit umfassender digitaler Fälschungen, von der von Lügen erfüllten Propaganda in der Politik, von einer Welt, aus der jede Manifestation von Wahrheit verschwunden zu sein scheint, wie können wir da noch die Orientierung behalten? (Herzog 2024, S. 10) Der Filmregisseur Werner Herzog bringt die Probleme auf den Punkt. Das Fälschen von Bildern und Texten wird aufgrund des Einsatzes künstlicher Intelligenz immer professioneller bewerkstelligt. Desinformationen nehmen zu. Dabei wird folgende Definition zugrunde gelegt: „Das Wort Desinformation wird als Oberbegriff für verschiedene Phänomene verwendet, die eine gezielte Verbreitung falscher und potenziell irreführender Informationen mit Täuschungsabsicht umfasst.“ (Stapf 2024, S. 316). Inzwischen haben sich eine ganze Reihe von neuen Wortschöpfungen herausgebildet. Aus der klassischen Lüge werden sogenannte Fake News. Es geht um Falschmeldungen, Fehlinformationen und sogenannte alternative Fakten (vgl. Theisen 2019). Dieser Begriff ist durch die damalige Sprecherin des Weißen Hauses Sean Spicer geprägt worden. Sie hatte 2017 behauptet, dass noch nie so viele Menschen bei einer Amtseinführung in Washington vor Ort gewesen seien wie bei der von Donald Trump. Aufgrund von Fotoaufnahmen konnte diese Aussage widerlegt werden. Trumps Beraterin Kellyanne Conway verteidigte Spicer, die diese Behauptung als „alternative Fakten“ dargestellt hat. Später wurde dieser Begriff zum Unwort des Jahres 2017 gewählt (vgl. Geyer 2020). <?page no="124"?> 124 4 Normverletzungen Äußerungen, die sich auf Sachverhalte beziehen, sind entweder wahr oder falsch. Eine alternative Behauptung, die eine wahre Aussage bestreitet, ist schlussendlich eine falsche Behauptung. Intendierte Falschaussagen mit einer Täuschungsabsicht werden hingegen als Lügen klassifiziert. Lügen „Lügen gelten als verwerflich und werden doch täglich im privaten wie im Politischen benutzt. Unwahrheiten, die verziehen, übergangen oder sogar erwartet werden, betreffen meist nicht objektive Tatsachen, sondern Absichten oder subjektive Befindlichkeiten. […] Im Privaten bedankt man sich für den unterhaltsamen Abend, auch wenn man sich gelangweilt hat, im Politischen lobt man dem Gastgeber gegenüber die offene Atmosphäre des Staatsbesuchs, auch wenn man sich fürchterlich gestritten hat.“ (Reese-Schäfer/ Mönter 2013, S. 23) Verleugnen, vertuschen, verdrehen ist der Titel eines Sammelbandes von Robert Hettlage (2003), der den Untertitel Leben in der Lügengesellschaft trägt. Der Herausgeber ist der Auffassung, dass die Lüge nicht nur eine gelebte Praxis ist, sondern als zentrales Merkmal des gesellschaftlichen Umgangs klassifiziert werden kann. Wer lügt, verfolgt eine Täuschungsabsicht, vertuscht oder fälscht und möchte anderen schaden. „Wer lügt, streitet nicht. Ist nicht am Diskurs interessiert. Nicht an der Wahrheit. Nicht am Austausch. Wer lügt, lügt.“ (Friedmann 2021, S. 38). Daher ist die Lüge eine Kategorie, die mit Empörung und Geringschätzung verbunden ist (vgl. Lotter 2017). Die Lüge ist in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu beobachten. Es gibt zahlreiche Gründe zu lügen. „Zu verbergen, dass man etwas Falsches getan hat, um jemand anderem zu helfen, der Schwierigkeiten bekäme, würde man die Wahrheit sagen, um die Gefühle anderer zu schonen, um anderen zu schaden, indem man beispielsweise falsche Gerüchte in Umlauf bringt, um besser zu erscheinen als man es ist, um Vorteile zu erlangen.“ (Svendsen 2022, S. 59) Auch in der Politik werden Lügen verwendet, um das eigene Fehlverhalten zu vertuschen. Dazu werden nun einige prominente Beispiele skizziert. Politik Propagandalügen im Krieg sind weit verbreitet. Nicht ohne Grund heißt es, dass das erste Opfer des Krieges immer die Wahrheit ist.  So hat Adolf Hitler am 1. September 1939 in einer Rede vor dem Reichstag verkündet, dass seit 5.45 Uhr auf Polen zurückgeschossen werde, obwohl es sich um einen Angriffskrieg der Deutschen auf ihre Nachbarn gehandelt hat.  Die Invasion der USA im Irakkrieg wurde mit dort angeblich untergebrachten Massenvernichtungswaffen begründet, die es aber nie gegeben hat. <?page no="125"?> 4.12 Desinformation 125  Der Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine wurde euphemistisch als militärische Spezialoperationen klassifiziert. Zudem wurde die falsche Behauptung verbreitet, dass dieser Einsatz sich gegen Nazis richten würde. Auch in Friedenszeiten wird gelogen.  Der damalige Staatsratsvorsitzender der DDR, Walter Ulbricht, hatte den Plan eines Mauerbaus in Berlin bestritten, der kurze Zeit später verwirklicht wurde.  Der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton hatte eine Affäre mit seiner Praktikantin bestritten, bevor er diese Falschaussage aufgrund vorliegender Beweise zurücknehmen musste.  Der Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Uwe Barschel (CDU) hat mit einem Ehrenwort behauptet, dass die im Spiegel gegen ihn erhobenen Vorwürfe haltlos seinen, obwohl sie zutrafen. Er hatte versucht, den Ruf seines politischen Konkurrenten Björn Engholm (SPD) mit falschen Behauptungen zu beschädigen (vgl. Schicha 2022d).  Die Brexit-Bewegung, die den EU-Austritt Großbritanniens forderte, setzte in ihrer Kampagne auf Lügen und Übertreibungen (vgl. Hendricks/ Westergaard 2018, Gensing 2020).  Der amerikanische Präsident Donald Trump hat nach Recherchen der Washington Post insgesamt 30.573 falsche oder irreführende Aussagen in den vier Jahren seiner ersten Amtszeit geäußert (vgl. Werner 2023). Allein im Juni und Juli 2018 wurde von der Zeitung im Durchschnitt rund 16 Lügen pro Tag identifiziert (vgl. Mühlfried 2019). Medien besitzen die Aufgabe, Lügen aufzudecken. Sie sind aber auch berechtigten oder unberechtigten Anschuldigungen ausgesetzt, nicht wahrheitsgemäß zu berichten. Entsprechende Vorwürfe werden mit dem Begriff der Lügenpresse in Verbindung gebracht. Lügenpresse „Wer ‚Lügenpresse‘ schreibt, möchte nicht nur seine Interpretation der Realität auch abgebildet sehen, sondern ausschließlich seine. Dabei hilft die Unterteilung der gesamten Welt in richtig (wir) und falsch (alle anderen), weil man dann von ‚richtig’ sprechen kann, wenn man sich selbst meint.“ (Lobo 2016, S. 18) Nicht nur die Medien sollten ihrer Kontroll- und Kritikfunktion nachkommen, sondern auch die Kritik an der Berichterstattung in den Medien selbst gehört zu den wichtigen Aufgaben, die in einer demokratischen Gesellschaft erforderlich ist. Dabei sollte es aber um eine konstruktive Form gehen, die auf der Basis guter Gründe im Rahmen einer sachlichen Argumentation mögliche Defizite aufzeigt. Natürlich ist jede Berichterstattung limitiert und es <?page no="126"?> 126 4 Normverletzungen sollte gut begründet werden, warum über bestimmte Themen nur wenige oder gar keine Meldungen verbreitet werden. Die pauschale Diskreditierung von Medien als Lügenpresse oder Lückenpresse hat hingegen wenig Substanz. Ähnlich verhält es sich mit dem Vorwurf der Mainstreammedien, der auftaucht, wenn die Mehrheit der Medien zur gleichen Zeit das gleiche Thema in ähnlicher Weise präsentiert. Dies hängt daran, wenn Nachrichtenagenturen als einzige Quelle genutzt werden und knappe Personalressourcen sowie der Aktualitätsdruck, die Orientierung an Nachrichtenfaktoren, die reduzierte Recherchezeit in den Redaktionen und die Konkurrenz Synchronisierungseffekte erzeugen (vgl. Beyer 2020). Bei gründlicher Betrachtung verschiedener Medienangebote stellt sich allerdings heraus, dass es relevante Unterschiede bei der Aufbereitung von Nachrichten und Meldungen gibt. Der Vorwurf der Lügenpresse stellt einen historischen Kampfbegriff dar, mit dem Medien auf polemische Weise herabgewürdigt werden sollen. Dahinter verbirgt sich der Vorwurf, dass Berichterstatter: innen gesteuert sind und nicht über Tatsachen berichten. „Der Begriff wurde schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts verwendet, unter anderem auch im Ersten Weltkrieg von der Obersten Heeresleitung des Deutschen Reiches eingesetzt, um die Propaganda der Feindmächte zu stigmatisieren.“ (Geyer 2020, S. 17) Die Bezeichnung Lügenpresse ist durch die Verwendung der Nationalsozialisten vorbelastet und im Zuge der Montagsdemonstrationen der Pegida-Bewegung in Dresden im Herbst 2014 erneut verwendet worden. Durch diese Bezeichnung wird ein pauschales Misstrauen gegenüber der Medienberichterstattung artikuliert. Faktisch herrscht in Deutschland jedoch eine Medienfreiheit, die verfassungsrechtlich geschützt ist. Es gibt ein großes Angebot an Medieninhalten, die unterschiedliche Positionen darstellen und dem Postulat der Staatsferne Folge leisten. Gleichwohl hat es immer Falschmeldungen in Wort und Bild gegeben. Gefälschte Interviews und Reportagen sind in Qualitätszeitungen publiziert worden. Boulevardzeitungen verfügen ohnehin über einen schlechten Ruf. Sie verbreiten vom Wahrheitsgehalt losgelöste Gerüchte und falsche Behauptungen über Prominente, um eine hohe Aufmerksamkeit der Rezipienten zu erhalten (vgl. Schicha 2019a). Insofern ist der Reputationsverlust des Journalismus nachvollziehbar, wenngleich der Pauschalverwurf der Lügenpresse für alle Medien ungerechtfertigt ist. Schließlich kommen die Qualitätsmedien ihrer Verantwortung für eine angemessene Informationsvermittlung über gesellschaftlich relevante Sachverhalte nach. Sie haben die Aufgabe, die Mächtigen zu kontrollieren und tun dies in der Regel auch (vgl. Lilienthal/ Neverla 2017). Dafür sind jedoch einige Voraussetzungen erforderlich. „Ich glaube, es gibt ein großartiges Mittel, um mit Fake News umzugehen: es heißt Journalismus. Seine Bedeutung ist heute grösser denn je, er muss unab- <?page no="127"?> 4.12 Desinformation 127 hängig sein, kritisch, vertrauenswürdig, produziert von Kolleg: innen und Kollegen, die einen Sinn für Fairness haben, ein gutes Gespür für Ungerechtigkeit.“ (Mascolo 2017, S. 37) Bei Beachtung dieser Leitlinien ist eine angemessene Berichterstattung gewährleistet, die dem Wahrheitsgebot folgt. Dann sind auch die „Fake News“- Vorwürfe nicht berechtigt, auf die nachfolgend eingegangen wird. „Fake News“ „Die Lüge fliegt, die Wahrheit humpelt ihr hinterher.“ (Swift, zitiert nach Großekathöfer 2024, S. 98) Dieser Satz des 1667 geborenen irischen Schriftstellers Jonathan Swift bringt die Problematik auf den Punkt. Wenn eine Falschnachricht einmal in der Welt ist, bleibt sie länger hängen, selbst wenn sie korrigiert wird. „Fake News“ sind Desinformationen. Dabei handelt es sich um die gezielte Verbreitung von falschen oder irreführenden Nachrichten, um anderen zu schaden. „Fake News werden zum Werkzeug einer durch Emotionen angetriebenen Maschinerie der Meinungsmache, die darauf abzielt, die Masse durch Hass, Panik und Lügen zu beeinflussen.“ (Bendheim/ Pavlik 2022, S. 10f.). Dazu gehört die Kontextualisierung oder bewusst falsche Interpretation wahrer Meldungen sowie die Manipulation von Fakten in Form von Bildern. Darüber hinaus handelt es sich um völlig frei erfundene Inhalte, die als Bullshit klassifiziert werden (vgl. Frankfurt 2014). Dies sind „Äußerungen, um der Äußerungen willen, beziehungsweise um Aufmerksamkeit zu erzielen und den Affordanzen der Plattform gerecht zu werden, aber ohne Rücksicht auf den Wahrheits- oder Wahrhaftigkeitsgehalt der Aussage.“ (Beck 2024, S. 535f.) Wer Bullshit betreibt, hat also von vornherein kein Interesse an der Wahrheit (vgl. de Weck 2014). „Fake News“ lassen sich als zweidimensionales Phänomen begreifen Und unterteilen. Als Genre handelt es sich um eine bewusst täuschende, pseudojournalistische Desinformation, während es als Label ein politisches Instrument umfasst, das zur Delegitimierung von Medien genutzt wird (vgl. Egelhofer 2022). Die Bezeichnung wird als politischer Kampfbegriff gegen etablierte klassische Medienangebote u.a. von Donald Trump verwendet. Dabei handelt es sich aber nicht um tatsächliche Falschmeldungen, sondern um die pauschale Diskreditierung von Journalist: innen, die aus Sicht der politischen Akteur: innen als Gegner: innen wahrgenommen werden. Nicht intendierte Falschinformation, die aufgrund journalistischer Fehler durch mangelnde Recherche entstanden sind und korrigiert werden, sind keine „Fake News“, sondern Falschmeldungen, die als Presseenten bezeichnet werden. „Fake News“ können im journalistischen Kontext wie folgt definiert werden: <?page no="128"?> 128 4 Normverletzungen „Es ist die Verbreitung unzutreffender Informationen, sie muss nicht nur objektiv falsch sein, der Absender muss dies auch wissen. Eine bewusste Lüge also, Irrtümer, falsche Einschätzung oder Fehler gehören nicht dazu. Gebrauchen wir die Formulierung nicht sparsam und trennscharf, wird die Debatte über den Umgang mit diesem Phänomen erschwert, wenn nicht gleich unmöglich.“ (Mascolo 2017, S. 22) Die Satire als Überspitzung von politischen Inhalten als Gesellschaftskritik gehört ebenfalls nicht zur Kategorie der „Fake News“, zumal sie ja als solche zu erkennen ist (vgl. Sängerlaub 2018). Abbildung 5: Was „Fake News“ sind und was nicht Es ist kein neues Phänomen, dass gefälschte Nachrichten in den Umlauf gebracht werden, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Durch das Internet wird vor allem über die sozialen Medien die Möglichkeit geschaffen, Falschmeldungen rasant und mit hoher Reichweite zu verbreiten (vgl. Geyer 2020). Sogenannte „Fake News“ können als gezielte Falschinformation mit einer Täuschungsabsicht klassifiziert werden. Sie ahmen bewusst den Stil echter Nachrichten nach und gaukeln eine seriöse Berichterstattung vor. Es handelt sich nicht um Irrtümer, sondern um frei erfundene Nachrichten über manipulierte Inhalte, bei denen wahre Informationen, Bilder, Filme oder Tonelemente absichtsvoll verändert werden (vgl. Pfister 2020). Weiterhin können Fakten aus einem Zusammenhang gerissen werden und in einen anderen Kontext gestellt werden. Die Veröffentlichung von gezielten Falschinformationen erfolgt häufig auch aus politischen Gründen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Die Verbreitung erfolgt in erster Linie über soziale <?page no="129"?> 4.12 Desinformation 129 Netzwerke, Blogs und Videoplattformen. Sie erzeugen Unsicherheit und haben die Absicht, die Gesellschaft zu spalten und die Demokratie zu destabilisieren (vgl. Grimm/ Keber/ Zöllner 2019). „Bürger sind sich einig: Falsche Informationen, denen eine bewusste Täuschungsabsicht zugrunde liegt, sind ein großes gesellschaftliches Problem- und das nicht nur im abstrakten Sinne: In fast jeder dritten privaten Beziehung in Deutschland führen Falschinformationen sogar zum Streit. Damit steht fest: Fake News sind ein Stresstest für die Demokratie und für das gesellschaftliche Zusammenleben gleichermaßen.“ (Biro 2024, S. 8) In einer Studie, die vom Nuernberg Institute für Market Decisions in Kooperation mit dem BR24#Faktenfuchs des Bayrischen Rundfunks gemacht worden ist, sind Bürger: innen im Alter von 18 bis 74 Jahren in einer repräsentativen Umfrage im März 2024 zum Thema „Fake News“ befragt worden (vgl. Biro 2024). Es wurde herausgefunden, dass eine deutliche Mehrheit der Befragten in Falsch- und Desinformationen ein großes gesellschaftliches Problem sieht, die vorwiegend in den sozialen Medien verortet werden. Etwa Zweidrittel der Befragten gaben an, dass die Informationen auf sogenannten Alternativmedien wie TikTok, Facebook oder YouTube ebenso problematisch sind, wie Nachrichten von Privatpersonen die als Influencer oder Content Creatoren auf diesen Kanälen Beiträge veröffentlichen. Etwa ein Viertel der Befragten hielt Privatpersonen, den privat-kommerziellen und den öffentlichen Rundfunk sowie überregionalen Tages- und Wochenzeitungen für wenig glaubwürdig. Regionalen und lokalen Tages- und Wochenzeitungen ist neben Zeitschriften wie dem Spiegel, dem Stern und Focus die höchste Glaubwürdigkeit zugeschrieben worden. 73% der Befragten haben schon einmal genauer überprüft, ob eine Nachricht tatsächlich wahr ist. Dabei wurde primär auf die Recherche mit Suchmaschinen gesetzt. Neben einer genauen individuellen Überprüfung resultiert aus dieser Entwicklung aber auch ein allgemeiner Vertrauensverlust. Nur wenige der Befragten gehen selbst aktiv gegen Falsch- und Desinformationen vor. Es wird aber von einer breiten Mehrheit ein stärkeres Vorgehen dagegen gewünscht. Erfundene Berichte und Interviews sowie manipulierte Bilder in Medien sind hingegen kein neues Phänomen. Die gefälschten Hitler-Tagebücher im Stern von 1983 und die frei erfundenen Interviews von Tom Kummer mit Prominenten, die in der Beilage der Süddeutschen Zeitung erschienen sind und 2000 aufgedeckt wurden, die bis 1996 ausgedachten Reportagen des Filmfälschers Michael Born über Drogenkröten, Katzenjäger und den Ku-Klux-Klan in Deutschland, die unter anderem bei Stern-TV auf RTL ausgestrahlt wurden sowie die erfundenen Reportagen bis 2018 von Claas Relotius im Spiegel sind nur vier Beispiele für sogenannte Fake News, die in den klassischen Medien publiziert worden sind und die Reputation dieser Qualitätsmedien zumindest temporär beschädigt haben (vgl. Born 1997, Schicha 2019a). <?page no="130"?> 130 4 Normverletzungen Täuschen durch Bildbearbeitung Das Misstrauen gegenüber dem Wahrheitsgehalt der Fotografie hat eine lange Tradition. Neben der Fundamentalkritik an der Bilderflut im Allgemeinen steht die Bildbearbeitung im Besonderen im Zentrum der Kritik. Unter einer Manipulation wird eine Form verstanden, bei der der Beeinflussende andere Personen zu seinem eigenen Vorteil verändert und Einflussmethoden wählt, die für andere nicht durchschaubar sind. Sie ist also eine Verhaltensbeeinflussung zu fremdem Nutzen. Die Manipulation von Bildmaterial bedeutet die mit einer Täuschungsabsicht verbundene intentionale Veränderung von Informationen durch Auswahl, Zusätze oder Auslassungen (vgl. Metten/ Liebert 2007). Das Spektrum und die Motive der Bildmanipulation sind vielfältig. So haben totalitäre Machthaber politische Gegner aus Bildern entfernen lassen (vgl. Jaubert 1989, King 1997). Protestplakate bei politischen Versammlungen wurden wegretuschiert (vgl. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1998). Im Bereich der Werbung und der Modefotografie werden die abgebildeten Fotomodelle durch Programme wie Photoshop so bearbeitet, dass Falten, Narben und Muttermale nicht mehr zu sehen sind. Aus einer journalistischen Perspektive lassen sich kommerzielle Interessen, persönliche Profilierung, die Erfüllung von (scheinbaren) Rezeptionsbedürfnissen sowie die mangelnde oder oberflächliche Recherche aus Aktualitätsdruck benennen, die dazu führen können, Bilder zu bearbeiten. Insgesamt lassen sich hierbei u.a. folgende Techniken aufzeigen (vgl. Deussen 2007, Schicha 2024):  Löschen bzw. Einfügen von Bildelementen,  strategische Wahl der Perspektive des Aufnahmestandpunktes,  „Optimierung“ durch Helligkeit, Schärfe, Kontrast,  Fotoverwendung aus anderen Kontexten,  falsche Beschriftung,  Ästhetisierung,  Fotokombinationen,  Fotomontage,  gestellte Aufnahmen,  Retusche,  digitale Bearbeitung. Kombinationen dieser Punkte sind möglich. Fotos werden schließlich ebenso wie Texte redigiert. Häufig gilt, dass Bildbearbeitungen nur durch eine Gegenüberstellung von Original und Kopie erkennbar sind (vgl. Schreitmüller 2005). <?page no="131"?> 4.12 Desinformation 131 Im digitalen Zeitalter hat der Einsatz von Filtern die Möglichkeit erleichtert, Bilder zu verändern. Dafür ist weder ein besonders großer technischer Aufwand erforderlich, noch sind damit hohe Kosten verbunden. Durch die einfache Bedienung der Endgeräte ist auch kein besonders großer technischer Sachverstand notwendig, um Bilder mit dem Smartphone zu bearbeiten. Die zunehmende Rechenkapazität von Computern ermöglicht weiterhin eine digitale Farbbearbeitung großer Filmdateien. Inzwischen sind keine Filteraufsätze vor den Kameralinsen mehr erforderlich, die einstmals anspruchsvolle Bearbeitungsmethoden im analogen Labor umgesetzt haben. Technische Laien sind in der Lage, Veränderungen von Farben, Kontrasten, das Einfärben von Bildflächen und die Anpassung von Licht- und Schattenverteilung bei den Bildern vorzunehmen. So ist der Instagram-Filter in der Lage, die Aufnahmen von Mahlzeiten so zu verändern, so dass sie appetitlicher aussehen. Weitere Anwendungsfelder finden sich bei Selfies sowie in der Reise- und Modefotografie. Personen und Orte gewinnen somit eine größere Attraktivität, die faktisch nicht vorhanden ist. Menschen und Landschaften werden ins rechte Licht gerückt. Inzwischen hat sich aber auch eine Kritik an diesem Verfahren herauskristallisiert. Die Gegenbewegung plädiert zum Beispiel mit dem #NoFilter für authentische Aufnahmen. Sie sprechen sich gegen arrangierte Bilder aus, die dunkle, unangenehmer und hässliche Motive aus den Bildern herausnehmen. Augmented-Reality-Filter können z.B. Katzenohren und Hundenasen kreieren und dadurch humoristische Effekte erzeugen (vgl. Glantz 2023). Beim sogenannten Zitrus-Selfie, bei dem sich Politiker und eine Politikerin von der FDP und den Grünen abgelichtet haben, wurden zahlreiche Veränderungen durch Filter vorgenommen. Bei den Modifikationen wurde das Ursprungsbild mit lustigen Kopfbedeckungen und Sprechblasen versehen. Es wurden weitere Politiker hineinretuschiert. Die Akteure sind künstlich gealtert oder verjüngt worden und es gab auch Morphing-Aufnahmen, bei denen die Politiker mit Schauspielern gekreuzt worden sind (vgl. Schicha 2025). Sogenannte Beauty-Filter können Narben, Falten und Hautunreinheiten entfernen. Durch die AI-Filter-Apps werden Mundbewegungen in Standbilder von Prominenten eingefügt. Mit Hilfe der Wombo-App singt z.B. Arthur Schopenhauer Lieder von James Brown. Es wird der Eindruck suggeriert, dass historische Figuren in Gemälden plötzlich durch Bewegungen zum Leben erweckt werden. Filter bieten die Möglichkeit, dass Europäer einen afrikanischen oder asiatischen Look bekommen. Daher ist die Kritik entstanden, dass durch entsprechende Anwendungen auf rassistische Stereotype zurückgegriffen wird. Auf Instagram wird das Hautbild durch die Verwendung von Filtern stark verändert. Falten und Unebenheiten werden wegretuschiert. Kiefer werden durch den Einsatz von Filtern schmaler, die Augen grösser und die Lippen voller. Derartige Bilder motivieren die Betrachter: innen und Betrachter ggf. <?page no="132"?> 132 4 Normverletzungen dazu, Schönheitsoperationen durchzuführen, um sich dem gezeigten Schönheitsideal anzunähern. Studien zufolge kann das Selbstwertgefühl besonders von jungen Mädchen leiden, wenn sie derartige Aufnahmen rezipieren. Make-up-Verschönerungsfilter und Verjüngungsfilter produzieren Personenbilder, die real so nicht existieren (vgl. Glantz 2023). Insofern ist die Nutzung der Filtertechnologie in den sozialen Medien aus einer normativen Perspektive auf mehreren Ebenen relevant. Zum einen geht es darum, den Einsatz transparent zu machen. Weiterhin sind mögliche Folgen zu berücksichtigen. Und schließlich stellt sich die Frage, in welcher Form die vorgenommenen Veränderungen durch Filter gekennzeichnet werden sollten. Eine grundlegende Überprüfung von ethischen und sozialen Prämissen, auf den Filterfunktionen beruhen sind daher erforderlich. Das Verfahren der digitalen Bildbearbeitung kommt auch bei bewegten Bildern zum Einsatz. In dem Spielfilm Forrest Gump aus dem Jahr 1994, in dem der Schauspieler Tom Hanks in seiner Rolle dem in der Realität längst verstorbenen Präsidenten John F. Kennedy mit Hilfe eines Blue-Box-Verfahrens die Hand schüttelt, zeigt, welche Möglichkeiten der Bildmanipulation sich für Filme bieten (vgl. Deussen 2007). Inzwischen ist es technisch mit einem digitalen Verfahren kein Problem mehr, Mundbewegungen in andere Gesichter live zu transportieren. So hat ein Team von Marc Stamminger (2016) ein Verfahren entwickelt, bei dem die Lippenbewegungen von anderen Menschen in das Gesicht von Spitzenpolitikern in Echtzeit transportiert werden. Die Mundbewegungen einer Person werden in die Aufnahmen einer anderen Person hineinmontiert. So können Äußerungen gezeigt werden, die tatsächlich zu keinem Zeitpunkt etwa von Donald Trump oder Vladimir Putin artikuliert worden sind. In Kombination mit einer durch künstlichen Intelligenz erzeugten Stimme oder einer gelungenen Stimmimitation kann der Eindruck erzeugt werden, dass es sich bei den Worten und den Lippenbewegungen um authentische Botschaften handelt. Mit Hilfe neuronaler Netzwerke können also falsche, aber täuschend echte Bilder oder Videos erzeugt werden. Diese als Deepfake klassifizierten Möglichkeiten können nicht nur Politiker: innen und Politiker auf Videoportalen falsch darstellen. Es wurden auch Köpfe von Prominenten in Pornovideos im Internet unter Verwendung künstlicher Intelligenz in die Filme hineinmontiert (vgl. Kühl 2018). Es finden sich auch KI-generierte Bilder, auf denen der Papst in einer Designerjacke oder mit der Pop-Sängerin Madonna abgebildet ist. Digitale Bildfälschungen von Trump zeigen ihn bei einer Verhaftung auf offener Straße oder in Sträflingskleidung im Gefängnis (vgl. Katholische Nachrichtenagentur-Mediendienst 2024). Neben diesen lustigen Motiven, die leicht als Fälschung erkannt werden können, werden aber auch digitale Strategien eingesetzt, die politische Propaganda in der Kombination von visueller und verbaler Form betreiben. Das <?page no="133"?> 4.12 Desinformation 133 Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (2024) und das Auswärtige Amt (2024) warnen vor der pro-russischen Desinformationskampagne „Doppelgänger“. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 werden Narrative verbreitet, die die deutsche Außenpolitik und die Unterstützung der Ukraine diskreditieren. Dafür werden real existiere Nachrichtenseiten so manipuliert, dass der Eindruck entsteht, dass die gefälschten Inhalte auch in Qualitätsmedien zu finden sind. Es werden Hunderttausende nicht authentische Accounts in sozialen Medien eingesetzt und Dutzende gefälschter Webseiten von Leitmedien ebenso publiziert wie Fake-Nachrichten-Portale und gefälschte Kurzvideos. Diese „Doppelgänger“ operieren in mehreren Sprachen und werden in mehreren Zielländern in Europa und der Welt verbreitet. Weiterhin werden Desinformation durch eine Reihe von unterschiedlichen Techniken auf verschiedenen digitalen Kanälen in Wort und Bild publiziert. Dabei werden folgende Verfahren eingesetzt:  Gefälschte Zitate und manipulierte Screenshots von deutschen Politiker: innen und Politikern sollen deren Glaubwürdigkeit untergraben. So existieren z.B. mehrere gefälschte Accounts der ehemaligen grünen Außenministerin Annalena Baerbock.  Animierte Videos und manipulierte Interviews mit vermeintlichen Expert: innen und Experten werden als authentische Berichterstattung dargestellt. Häufig werden diese Videos maschinell vertont.  Bezahlte Werbeanzeigen auf Facebook und weiteren Kanälen erreichen täglich hunderttausende Nutzer: innen und Nutzer. Dort werden gezielt falsche Informationen verbreitet. Diese Anzeigen enthalten Cartoons und Karikaturen, die u.a. die Ukraine und den Westen kritisieren.  Manipulierte Screenshots angeblicher Tweets deutscher Politiker: innen und Politiker werden verbreitet. Sie sind bearbeitet worden, um falsche Aussagen zu publizieren (vgl. Wannenmacher 2024). Auf dem sozialen Netzwerk X finden sich nicht authentische Accounts, die echte Nutzer: innen und Nutzer imitieren, die Posts der Bundesregierung kritisieren und ein Ende der Unterstützung für die Ukraine fordern. Es werden Links zu gefälschten Nachrichtenartikeln von imitierten Medienwebseiten verbreitet. Weiterhin sind dort auch erfundene Fake-Nachrichten-Portale vorhanden. Die „Doppelgänger“-Inhalte werden auch auf Facebook, YouTube und TikTok verbreitet. Es werden geklonte Webseiten von Leitmedien wie dem Spiegel , der Süddeutschen Zeitung oder Bild entwickelt, die den Eindruck vermitteln, authentisch zu sein (vgl. Auswärtiges Amt 2024). Postfaktizität „Eine Demokratie befindet sich in einem postfaktischen Zustand, wenn politisch opportune, aber faktisch irreführende Narrative statt Fakten als Grund- <?page no="134"?> 134 4 Normverletzungen lage für die politische Debatte, Meinungsbildung und Gesetzgebung dienen.“ (Hendricks/ Vestergaard 2018, S. 135f.) Der Begriff Postfaktisch (post-truth) wurde vom Oxford Dictionaries zum Wort des Jahres 2016 erklärt (vgl. van Dyk 2021). Er wird dort definiert als „Umstände, bei denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben als Appelle an Gefühle und persönliche Vermutungen.“ (zit. nach Hendricks/ Vestergaard 2018, S. 157). „Gemeint ist damit die Tendenz von Teilen der Öffentlichkeit, in politischen Debatten weniger mit beweisbaren Fakten zu argumentieren und lieber subjektive Erfahrungen, Gefühle und den eigenen Glauben als Grundlage der Argumentation zu betrachten. Verzerrungen und Lügen werden von politischen Protagonisten bewusst eingesetzt, um die Vorurteile ihrer Anhänger zu bedienen.“ (Geyer 2020, S. 17) Das sogenannte postfaktische Zeitalter zeichnet sich also dadurch aus, dass Teile der Öffentlichkeit bei politischen Debatten weniger belegte Fakten auf der Ebene guter Argumente darlegen, sondern sich mit subjektiven Erfahrungen und Gefühlen artikulieren und diese als Wahrheit deklarieren. „Erzählt wird eine Verfallsgeschichte, in der die großen Errungenschaften der Aufklärung und Moderne - unter anderem Rationalität, Objektivität, Wissenschaftlichkeit, Faktenbezug, Demokratie, verdrängt werden von Emotionalität, Irrationalität und neuen autoritären politischen Strukturen.“ (Schaal/ Fleuß/ Dumm 2017, S. 31) Es wird mit Verzerrungen und Lügen gearbeitet, um Vorurteile zu schüren und Ausgrenzung zu betreiben (vgl. Geyer 2020). Insofern handelt es sich um einen bewussten Verstoß gegen die Wahrheitsnorm (vgl. Hoffjann/ Seeber 2020). Für die Demokratie ist es unverzichtbar, einen Zugang zu seriösen Informationen für alle Bürger: innen zu erhalten, um offene und faire Debatten führen zu können (vgl. Eleftheriadi-Zacharaki u.a. 2022). Faktisch werden ausgerechnet die Beiträge am meisten im Internet geteilt, die sich am wenigsten an die Wahrheit halten. Sie sind zwar falsch, aber besonders interessant und erhalten somit eine breite öffentliche Aufmerksamkeit, die sich in ‚Likes‘ und ‚Shares‘ messen lassen. Somit sind Medienlügen oft populärer als seriöse Nachrichten. Die hohe Resonanz führt zu Anschlussdiskursen und dadurch zu einer zusätzlichen Verbreitung. Diese Entwicklung kommt den kommerziellen Interessen sozialer Netzwerke entgegen, da jeder Klick den Erfolg des Unternehmens positiv verstärkt. Daher wird auch mit unlauteren Methoden wie dem Clickbaiting gearbeitet. Clickbaiting „Je reißerischer die Überschrift, je lauter das Foto, je spannender der Teaser, umso mehr Klicks und Einnahmen. Das ist für viele Verlage angesichts der Print-Krise nicht unwichtig. Doch die Sucht nach Klicks birgt die Gefahr, die <?page no="135"?> 4.12 Desinformation 135 Leser enttäuscht zurückzulassen. Zu häufig werden ihre Erwartungen enttäuscht.“ (Kuhla 2017, S. 41) Um Aufmerksamkeit zu erreichen, werden im Internet Überschriften gewählt, die sich als besonders überraschend oder interessant darstellen. Die Headline soll für Spannung und Aufsehen sorgen, um viele Klicks und dadurch resultierende Werbeeinnahmen zu generieren (vgl. Mayer 2020). Dabei werden vermeintlich unglaubliche Botschaften versprochen, um Leser: innen anzusprechen. Die Neugierde ist dabei die psychologische Grundlage des Clickbaiting als Ködertechnik. Es wird suggeriert, dass angebliche Informationslücken nur durch die Lektüre des Artikels geschlossen werden können, der reißerisch angepriesen wird (vgl. Waldschmidt 2019). Mit dem Clickbaiting können sowohl kommerzielle als auch politische Ziele verfolgt werden. Das Spektrum reicht von Sonderangeboten bis hin zu angeblichen Affären von Prominenten. Dabei werden starke Worte verwendet, um Ereignisse aufzuwerten, die sonst wenig Beachtung finden. Es wird mit Superlativen und Übertreibungen gearbeitet, die Emotionen auslösend sollen (vgl. Simm 2018). Hierbei kommt es darauf an, nichts zu verpassen, die angeblich schockierende Nachricht zu erfassen und auf Cliffhanger zu reagieren. Dabei erfolgen Ankündigungen, was angeblich Unglaubliches oder Schockierendes passiert ist. Schlussendlich geht es um den Aufbau von Spannung. Vermeintliche Geheimnisse werden gelüftet und Peinlichkeiten aufgedeckt. „Je mehr Klicks man auf einer Internetseite mit Werbung hat, desto mehr Geld bekommt man für diese Klicks von Google und anderen Unternehmen. Mit Meldungen, die Aufsehen erregen, gelangt man zu mehr Klicks. Also liegt es nahe, sich entsprechende Meldungen einfach auszudenken, ohne sich darum zu kümmern, ob sie irgendwas mit der Wahrheit zu tun haben.“ (Pfister 2020, 92) Clickbaiting ist keine klassische Lüge, sondern eine Strategie, um bei den Rezipient: innen falsche Erwartungen zu generieren, die dazu führen, dass eine reißerische Überschrift im Internet angeklickt wird. Dabei stellt sich jedoch heraus, dass die Überschrift gar nichts oder nur wenig mit dem eigentlichen Inhalt des Beitrages zu tun hat. Schnell wird deutlich, dass die Aufmachung des Artikels nur ein Köder ist. Somit wird das Vertrauen in das entsprechende Medium reduziert, was dazu führen kann, dass es kein weiteres Mal genutzt wird. „Bald merken Nutzer: innen und Nutzer, dass aufgemotzte Beiträge nicht einlösen, was sie verheißen. Seit Jahren steigt die Anzahl der ‚Nachrichtenvermeider‘, Nachrichtenmüdigkeit breitet sich aus.“ (de Weck 2024, S. 89). Desinformation und Propaganda hängen ebenfalls mit dem Clickbaiting zusammen, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen. <?page no="136"?> 136 4 Normverletzungen 4.13 Propaganda „Legenden sind oft attraktiver als die Wirklichkeit, Vorurteile bequemer als rationale Weltsicht, und historische Lügen dienen als Waffen in der politischen Auseinandersetzung, wenn Argumente fehlen. Politische und historische Legenden, Lügen und Vorurteile bilden den Nährboden für Spekulationen und darauf gegründete einseitige oder falsche Geschichtsbilder und Propagandathesen.“ (Benz 1998, S. 5) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff Propaganda synonym mit dem der Reklame verwendet. Propaganda galt im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als legitimes Mittel der strategischen Kommunikation, um Zustimmung zu generieren. Inzwischen ist der Propagandabegriff ausschließlich mit negativen Konnotationen versehen. In demokratischen Staaten sollten politische Entscheidungen auf dem normativen Fundament einer gemeinwohlorientierten Ausrichtung getroffen werden (vgl. Altmeppen u.a. 2019). Sie sind argumentativ zu begründen und zu erklären. Diese Aushandlungsprozesse sind mühsam und zeitaufwendig (vgl. Rosa 2021). Die Propaganda ist hingegen eine massenpsychologische Technik, bei der eine autoritätsgebundenen Persönlichkeit die Regeln bestimmt (vgl. Adorno 1967/ 2024). Sie verfolgt die Absicht, Argumente und Fakten auszublenden, um mit agitatorischen Mitteln Ziele zu verfolgen, die den eigenen Interessen entsprechen. Die Wirklichkeit wird verzerrt, indem Informationen entweder falsch vermittelt oder ganz unterschlagen werden. Dies gilt insbesondere in Kriegszeiten, in denen die Feindpropaganda verbreitet wird. Es handelt sich dann um sogenannte loyale Lügen (vgl. Starkulla 2015). „Sind Stammesdenken oder Tribalismus (sich massiv mit der eigenen Gruppe identifiziert) ausreichend kräftig ausgeprägt, reduziert sich Politik auf ein Freund-Feind-Verhältnis, bei dem die Wahrheit und oft die Substanz in den Hintergrund gedrängt werden. Dann geht es nur noch um den Sieg. Im Krieg sind alle Tricks erlaubt, auch Lügen, Irreführung und bewusste Desinformation.“ (Hendricks/ Vestergaard 2018, S. 132) Es geht nicht um Kooperation, sondern um Konfrontation. Dabei wird mit Feindbildern, Gerüchten, Falschmeldungen, Verschwörungserzählungen, Vorurteilen, Stereotypen und Diskreditierungen gearbeitet, um zu manipulieren und den politischen Gegner zu diskreditieren (vgl. Bussemer 2008). „Die eigene bzw. die Kommunikation, der man positiv gegenübersteht, wird dabei kaum als Propaganda bezeichnet; Propaganda ist immer das, was der andere, der Gegner macht. In diesem pejorativen Gebrauch ist Propaganda etwas Unmoralisches und mit Manipulationen und Lügen verbundenes.“ (Arnold 2003, S. 63) Fremdenfeindliche Haltungen sind auch in der Bundesrepublik Deutschland aktuell weit verbreitet. Die AfD spricht im Zusammenhang mit geflüchteten <?page no="137"?> 4.13 Propaganda 137 137 Menschen von einem Wasserrohrbruch. Flüchtlingswellen und Flüchtlingsströme sind weitere Metaphern, die Bedrohungen suggerieren sollen. Es finden Formen der Entmenschlichung statt, die mit negativen Assoziationen arbeiten. Dabei geht es nicht um eine sachliche Aufklärung, die eine Einordnung von Zusammenhängen und Wissensbeständen vornimmt. Vielmehr sollen Ängste und Abwehrreaktionen erzeugt werden (vgl. Bleyer 2020). Beim Kampf von Gut gegen Böse als Grundmuster der Propaganda wird der politische Gegner mit negativen Stereotypisierungen in Verbindung gebracht und als Bestie oder Teufel klassifiziert. Die Propaganda lehnt demokratische Verfahren und argumentative Diskurse ab. Ihr Ziel liegt im Machtaufbau und Machterhalt. Dies galt auch für die Propaganda im Nationalsozialismus, die menschenfeindliche Ziele und Interessen verfolgt hat. Wenn von Propaganda die Rede ist, sind damit also primär negative Assoziationen verbunden. Die Verantwortlichen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zwischen 1933 und 1945 haben einen Angriffskrieg begonnen und Millionen von jüdischen Menschen sowie Sinti und Roma getötet. Zudem wurde systematisch die Medienfreiheit verhindert. Bücher von jüdischen Schriftsteller: innen wurden verbrannt. Jüdische Intellektuelle haben Deutschland verlassen, um nicht in Konzentrationslagern ermordet zu werden. Die sogenannte entartete Kunst, die nicht dem völkischen Schönheitsideal der diktatorischen NS-Machthaber entsprach, wurde verboten. Die Künstler: innen wurden verfolgt und sind zum Teil ins Ausland emigriert, um einer Verhaftung und Misshandlung zu entgehen. Durch die sogenannte Gleichschaltung der Medien wurden nur noch staatliche Rundfunk- und Printorgane zugelassen. Es wurden Filme gedreht, die einen Führerkult propagierten. Eine Opposition und freie Medien waren verboten. Schulen, Universitäten und alle anderen Bildungsträger wurden staatlich kontrolliert und reglementiert. In den aggressiven Reden von Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels wurden Feindbilder geschaffen. Hass, Verachtung, Diffamierung, Diskriminierung, Bedrohung und aggressive Polemiken gegen jüdischen Menschen prägten die Reden, Berichte und Schriften der menschenverachtenden Politik in der Diktatur des Nationalsozialismus (vgl. Loiperdinger/ Herz/ Pohlmann 1995, Kuchler 2014, Bussemer 2002, Schicha 2002a). Ein typisches Merkmal propagandistischer Aussagen besteht darin, Feindbilder durch sprachliche Diskreditierungen zu erzeugen. Die Nationalsozialisten haben jüdische Menschen mit Ratten und Seuchen in Verbindung gebracht, um Ängste und Abwehrhaltungen zu erzeugen, die zur Gewalt führten. Es geht im Nationalsozialismus darum, ein bestimmtes ideologisches System zu verbreiten, das unabhängig vom Wahrheitsgehalt Anhänger: innen generieren soll. Abweichende Meinungen werden sanktioniert. Dies gilt auch für Formen und Ausprägungen des Populismus, auf den nachfolgend eingegangen wird. <?page no="138"?> 138 4 Normverletzungen 4.14 Populismus „Feindschaft und Misstrauen führen zum Abbruch verständigungsorientierter Kommunikation. An ihre Stelle treten Anklage, Anprangern und verschiedene Formen der Verdächtigung. Im Hinblick auf den Populismus als Methode werden übereinstimmend zwei Kennzeichen in den Mittelpunkt gerückt: erstens geht es immer um die Verschärfung vorhandener populärer Vorurteile und ihrer Instrumentalisierung. Insofern ist Populismus durch einen antiaufklärerischen Zug gekennzeichnet. Zweitens verficht und nutzt der Populismus die reine Lehre von Gut und Böse und verdächtigt alle komplexen Lösungen und Kompromisse als korrupt.“ (Meyer 2006, S. 82) Die Ausdrücke Populismus und populistisch werden primär mit negativen Konnotationen verbunden. Sie werden benutzt, „um normativ fragwürdige politische Prozesse oder Akteur: innen zu bezeichnen und abzuwerten.“ (Jörke/ Selk 2017, S. 10). Die Einsatzmittel der Populist: innen liegen in einer größtmöglichen Polarisierung und Provokation (vgl. Holtmann/ Krappidel/ Rehse 2006). Sie gelten als bösartige Verführer: innen der Bevölkerung, die ihren Fokus auf Feindbilder richten und demagogisch agieren. Der Populismus ist keine umfangreiche Ideologie wie der Sozialismus, Liberalismus oder Konservatismus. Er agiert antipluralistisch. Es wird eine Fundamentalkritik gegenüber demokratischen Institutionen verbreitet und die Behauptung aufgestellt, dass nur die Populist: innen das Volk angemessen vertreten. Alle anderen Parteien werden diskreditiert. Populist: innen betreiben Volksverhetzung oder rufen gar zur Gewalt auf (vgl. Müller 2016). Entwicklungen Populismus ist kein neues Phänomen. Er lässt sich in der Geschichte in verschiedenen Epochen, Ländern und Herrschaftsformen finden. Im klassischen Athen, in frühneuzeitlichen Monarchien, aber auch in der demokratischen Gegenwart sind populistische Tendenzen in der Politik verbreitet (vgl. Beigel/ Eckert 2017). In Deutschland werden Populismus und Propaganda mit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zwischen 1933 und 1945 in Verbindung gebracht. Gleichwohl ist hier eine Differenzierung erforderlich. Beim Faschismus steht eine einheitliche Nation im Mittelpunkt, die interne und externe Gefahren abwehren soll. Zudem spielt das sogenannte Führerprinzip dort eine zentrale Rolle. Er stellt eine politische Ideologie dar, in der ein Führer einen autoritären Staat errichten will und dies mit kriegerischen Mitteln durchsetzt. Im Gegensatz dazu fungiert der Populismus als eine politische Ideologie, die nicht zwingend dem Führerprinzip folgt. Dennoch interessieren sich Faschist: innen, Fanatiker: innen, Extremist: innen und Populist: innen nicht für andere Meinungen, sondern nur für die eigene. Widersprüche der Opposition werden von diesem Gruppen durch verbale oder körperliche Angriffe bekämpft (vgl. Friedmann 2021). <?page no="139"?> 4.14 Populismus 139 139 Merkmale Als zentrale Merkmale des Populismus können die Komplexitätsreduktion durch Simplifizierung, die Polarisierung, die Emotionalisierung und die Institutionenfeindlichkeit benannt werden (vgl. Diehl 2012). Hinzu kommt auch eine Abwehrhaltung gegenüber traditionellen Nachrichtenmedien (vgl. Reinemann 2017). Die Kritik an den sogenannten Eliten wird als typisches Merkmal des Populismus interpretiert. Gleichwohl kann es gerechtfertigt sein, Eliten zu kritisieren, wenn sie korrupt sind oder ihre Macht missbrauchen. Elitenkritik kann also eine legitime Protestform sein (vgl. Müller 2017). Populismus ist das Gegenteil einer bürgerlichen Öffentlichkeit, die Werte wie Vielfalt, Partizipation, Gewaltenteilung, Toleranz, Respekt und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt. Dieser politischen Richtung wird vorgeworfen, dass sie keine lösungsorientierten Konzepte enthält, einfache und damit unseriöse Antworten auf komplexe Probleme anbietet. Dabei wird mit Ausgrenzung und Feindbildern operiert und somit kein konstruktiver Beitrag für die politische Willens- und Meinungsbildung in einer Demokratie geleistet (vgl. Pappenberger 2017). Es darf aber nicht übersehen werden darf, dass der Populismus eine Reaktion auf Probleme in der Demokratie ist. Dazu gehören:  „die Verselbständigung, Abschottung, Selbstbegünstigung oder gar Korruption der politischen Klasse; der Eindruck eines übermäßigen Einflusses der Eliten auf Politik: Repräsentationslücken, wenn die Repräsentation gesellschaftlicher Identitäten, Interessen, Ideen, Ansprüche und Konflikte nur lückenhaft erfolgt, beziehungsweise wenn Gruppen von Bürger: innen und Bürgern diesen Eindruck haben;  das Fehlen von Akzeptanz für weitreichende politische Entscheidungen und Probleme der Umsetzung von politischen Reformprojekten; das Bestehen oder der Eindruck von Politikversagen mit Blick aufdrängende öffentliche Probleme.“ (Selk 2020, S. 25). Ob diese Kritikpunkte berechtigt sind, ist zu prüfen. Zumindest gelingt es Populist: innen im Falle derartiger Defizitwahrnehmungen Anhänger: innen zu generieren. Dabei arbeiten sie mit unseriösen Mitteln. Es handelt sich um „demagogische Kampagnen; eine übermäßige Symbolpolitik und aufstachelnde Verdammungsrhetorik (‚Sündenbock-Politik“); die Personalisierung struktureller Probleme; die Überzeichnung von Problemen und der vermeintlichen ‚Schwäche‘ der Staatsgewalt; eine aggressive Freund-Feind-Rhetorik.“ (Selk 2020, S. 27) Es geht beim Populismus Bleyer (2020, S. 69) zufolge primär um eine Abgrenzung. „Populismus ist seiner Tendenz nach antidemokratisch und antipluralistisch, da er einen moralischen Alleinvertretungsanspruch erhebt (‚Wir und nur wir sind das Volk‘) und politischen Konkurrenten die Rechtsmäßigkeit abspricht.“ <?page no="140"?> 140 4 Normverletzungen Der Aufstieg populistischer Parteien und Bewegungen stellt eine ernste Herausforderung für Demokratien auf der ganzen Welt dar (vgl. Rosanvallon 2021). Abgrenzungen „Populismus ist keine spezifische politische Ideologie. Populismus ist eher eine Strategie, in deren Zentrum das Motto ‚Wir gegen die anderen‘ steht. Er lebt von polarisierenden und explodierenden Erzählungen über Freunde und Feinde.“ (vgl. Hendricks/ Vestergaard 2018, S. 135f.) Es geht beim Populismus darum, politische Gegner: innen pauschal zu diskreditieren. Dabei steht auch die Ausgrenzung von Minderheiten oder Religionsgemeinschaften im Mittelpunkt, die nicht der Position oder Stellung in der eigenen Bevölkerung entsprechen. Insofern wird Populismus auch als Gefahr für die Demokratie klassifiziert. Die Denkart von Populist: innen ist einfach. Es gibt zwei Gruppen: die In-Gruppe ist das ‚Wir‘, während die Out- Gruppe die ‚Anderen‘ sind. Insofern gibt es ein klares Freund-Feind-Schema. Es geht nicht um Verbindungen und Verständigung zwischen den Gruppen, sondern um Konfrontation und Konflikte. Innerhalb dieser Vorstellung sind die anderen eine Gefahr, von denen eine Bedrohung ausgeht und gegen die das eigene Land sich wehren und schützen muss (vgl. Hendricks/ Vestergaard 2018). Dabei gibt es eine Reihe von Akteur: innen und Gruppen, denen Macht zugesprochen wird. Dazu gehören Politiker: innen, insbesondere der sogenannten Altparteien, die angebliche Elite, die Medien, denen Lügen unterstellt werden, sowie spezielle Wissenschaftler: innen, Literat: innen, Künstler: innen und Journalist: innen. Diese Akteur: innen und Gruppen werden beschimpft und diskreditiert. Obwohl Populist: innen nicht zimperlich mit ihren politischen Gegner: innen umgehen, findet ein ständiger Wechsel in die eigene Opferrolle statt. Sie fühlen sich ausgegrenzt und falsch verstanden, haben aber keine Hemmungen, andere zu diskriminieren. Pauschal werden Ausländer: innen diskreditiert. Sie sind angeblich kriminell, nehmen den Einheimischen die Arbeit und die Wohnung weg und profitieren unverhältnismäßig deutlich vom Sozialsystem. Somit entstehen „Emotionen wie Ablehnung, Angst, Ärger, Neid, Ekel, Widerwillen, Hass, Aggression, Wut. All die hässlichen Gemütsbewegungen, die in jedem Menschen stecken“. (Ötsch/ Horaczek 2017, S. 50). Bei der Wir-Gruppe dominieren hingegen Zugehörigkeit und Stolz. Populistische Parteien und Politiker: innen gibt es auch in demokratischen Ländern. Während in Deutschland die AfD als rechtspopulistisch klassifiziert wird, gibt es u.a. in den Niederlanden, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Österreich, der Schweiz, Skandinavien und Osteuropa entsprechende Parteien (vgl. Wielenga / Hartleb 2011). Populistische Parteien hat es in Deutschland seit Mitte der 1980 immer wieder gegeben. Neben den Republikanern (REP), die aus dem Umfeld der CSU hervorgingen, hat sich die National- <?page no="141"?> 4.14 Populismus 141 141 demokratische Partei Deutschlands (NPD) in Teilen der Bundesrepublik jahrelang etablieren können. Populist: innen vereinfachen komplexe Sachverhalte, arbeiten mit unfairen Schuldzuweisungen, Verachtung und Hass. Sie arbeiten mit rhetorischen Tabuüberschreitungen, Beschimpfungen und einer Dauerempörung (vgl. Thierse 2019). Dabei werden keine Argumente ausgetauscht, sondern Parolen verbreitet, die auf Realitätsverzerrung und Desinformation beruhen. Populist: innen haben in der Regel keine Antworten auf komplexe und umfassende politische Fragen moderner Gesellschaften. Sie konzentrieren sich auf wenige Themen und arbeiten mit Feindbildern. Nebel der politischen Konkurrenz richtet sich die Kritik auf die Medien. Es wird ein Gegensatz konstruiert zwischen dem anständigen Volk und der angeblich korrupten Elite. Dadurch sollen Gruppen mobilisiert werden, die sich vom politischen Establishment nicht angemessen repräsentiert fühlen (vgl. Mudde/ Kaltwasser 2019). Einfache Lösungen für komplexe Probleme stehen im Mittelpunkt (vgl. Lewandowsky 2020). Demokratien werden ohne einen faktischen Bezug als Diktaturen klassifiziert (vgl. Decker 2006a und b). Ein typisches Merkmal populistischer Bewegungen und Parteien ist ein charismatischer Politikertyp, der in der Lage ist, sich professionell zu vernetzen, seine Macht zu bündeln und der einen unmittelbaren Draht zu den Wähler: innen hat. Dabei steht ein volksnaher Politikstil im Mittelpunkt, wobei das Ziel darin besteht, die Massen zu mobilisieren. „Provokateure folgen häufig dem Muster, zunächst für Empörung zu sorgen und ihre Aussage angesichts des (durchaus einkalkulierten) Sturm der Entrüstung - das Ziel größter Aufmerksamkeit ist erreicht - zu relativieren oder zurückzunehmen. Zu guter Letzt inszenieren sie sich gar als Opfer, das von seinen politischen Gegnern absichtlich falsch verstanden worden sei.“ (Bleyer 2020, S. 47) Derartige Opfergeschichten können ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen und die Gruppe auf den gemeinsamen Kampf gegen die angeblich bösen Gegner: innen oder das vermeintlich böse System einschwören (vgl. Hübl 2024). Beschimpfungen gehören zum Programm. AfD Aktuell ist die Alternative für Deutschland (AfD) im Bundestag und in allen Länderparlamenten bis auf Schleswig-Holstein und Bremen vertreten (vgl. Decker u.a. 2022). Bei der Landtagswahl in Thüringen im September 2024 hat die AfD die meisten Wählerstimmen gewonnen. In Sachsen und Brandenburg lag sie nur knapp hinter der CDU bzw. der SPD. Sie ist ursprünglich als euroskeptische Partei angetreten, nutzte die Einwanderungsfeindlichkeit in der sogenannten Flüchtlingskrise und zog 2017 in den Deutschen Bundestag ein. <?page no="142"?> 142 4 Normverletzungen Die Sprache der AfD polarisiert, provoziert, dramatisiert, verzerrt Sachverhalte und sät Zwietracht. Es geht um Abgrenzung sowie Hohn und Spott für die politischen Gegner: innen. Pöbeleien und Beleidigungen prägen ebenso die Debatte wie pauschale Diskreditierungen und die Verwendung von Feindbildern, die die ausländerfeindliche und antieuropäische Partei pflegt (vgl. Crome 2015, Häusler 2016). Sie hat sich von einer „randständigen kleinbürgerlichen Anti-Euro-skeptischen Neupartei in eine einflussreiche radikal rechte populistische Partei verwandelt. […] Diese neue AfD schwamm auf der Welle der Einwanderungsfeindlichkeit nach der sogenannten Flüchtlingskrise des Jahres 2015 und sorgte für einen Schock, als sie 2017 mit 12,6% der Stimmen in den Bundestag einzog.“ (Mudde/ Kaltwasser 2019, S. 13f.) Alexander Gauland hat Adolf Hitler und den Nationalsozialismus bei einer Veranstaltung der Jungen Alternative 2018 als „Vogelschiss“ in einer angeblich über eintausendjährigen erfolgreichen deutschen Geschichte bezeichnet. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel sprach in einer Rede im deutschen Bundestag im selben Jahr von ‚Kopftuchmädchen‘, ‚Taugenichtsen‘ und ‚Messermännern‘. Sie wurde daraufhin aufgrund der Diskriminierungen durch den Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble gerügt. Die Provokationen haben für Empörung und eine hohe öffentliche Resonanz gesorgt. Gleichwohl sind viele Äußerungen durch die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit zulässig. „‚Vogelschiss‘, ‚Entsorgung‘ und ‚Messermänner‘ sind Beispiele für eine Verhexung des politischen Diskurses durch Wörter, genauer durch Schlagwörter und kann Vokabeln, kalkulierte provozierende Verstöße gegen Höflichkeitsregeln und Taktempfinden, die sich die Verstoßenen als Trophäen ihres vorgeblichen Kampfes gegen Denkschablonen und Sprachverbote einer allgegenwärtigen Political Correctness ans Revers heften. Wer den Kampf unter diesen Vorgaben aufnimmt, hatte ihn schon verloren. Es geht seinem Verursacher nicht um argumentative Überlegenheit, sondern um die Erschließung und Besetzung diskursiver Felder. Um das Abstecken von Claims geht es um den Ehrgeiz, mit Reizvokabeln die Grenzen des Sagbaren auszuweiten (Alexander Gauland, Anm. d. Verf.), um die Steuerung der öffentlichen Aufmerksamkeit.“ (Detering 2019, S. 7) So hat der AfD-Politiker Alexander Gauland 2017 weiterhin gesagt, dass die SPD-Politikerin Aydan Kuss Özugus in Anatolien zu „entsorgen“ (zitiert nach Niehr/ Reissen-Kosch 2019, S. 83) sei. Diese Äußerung zeigt eine Orientierung am Sprachgebrauch der Nationalsozialisten. In diesen Themenbereich passen Ausdrücke wie ‚Bevölkerungsaustausch‘, ‚Remigration‘ und ‚Umvolkung‘. Das Kennzeichen derartiger Sprachschöpfungen liegt darin, dass mit Bedrohungen, Verleumdungen, Übertreibungen und Untergangsszenarien gearbeitet wird. „Ethnische Vielfalt wird als sogenannte ‚Überfremdung‘ dramatisiert.“ (Kämper 2024, S. 18). Im Wahlprogramm der AfD finden sich Begriffe <?page no="143"?> 4.14 Populismus 143 143 wie ‚Genderwahn‘ und ‚Klimahysterie‘. Eine angeblich demografische Katastrophe wird dort ebenso angeprangert wie der Zusammenbruch der kulturellen Identität (vgl. Kämper 2024). Es geht nicht um Argumente, sondern um Alarmismus. Der frühere Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag Gauland prognostizierte ein Absterben als Volk und Nation und beschwört damit ein homogenes Volk, das es so allerdings nie gegeben hat. Durch die Verwendung derartiger Begriffe können Ängste geschürt werden. Sie treffen den Nerv der Menschen, die durch die Modernisierung der Gesellschaft verunsichert werden und Orientierung vermissen. „Tatsächlich führt die Individualisierung der modernen Lebensverhältnisse zur Aufsplitterung der Gesellschaft in stetig kleinere Gruppen. Milieus lösen sich auf. Es ist schwieriger geworden, Bindungen herzustellen, ein Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen, sich Entscheidungen einer Mehrheit zu beugen, die immer weniger greifbar ist. Und somit die Frage zu beantworten, wer eigentlich das Volk sei. Viele Menschen vertragen diese Zumutung einer freien, offenen Gesellschaft nicht. Man muss sie jedoch aushalten können. Populisten indes spalten mit ihrem Verständnis vom Volk dieses einmal mehr.“ (Bewerunge 2024, S. E1) Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch sah in einer von ihr formulierten Mitteilung „barbarische, muslimische, gruppenvergewaltigende Männerhorden“ (zitiert nach Detering 2019, S. 15), die angeblich in Deutschland ihr Unwesen treiben. Ihr Parteifreund Björn Höcke, der nach einem rechtsgültigen Urteil als „Faschist“ bezeichnet werden darf, verwendet nationalradikale Begriffe in seiner Rhetorik. In einer Rede im Jahr 2021 verwendete Höcke die SS-Losung ‚Alles für Deutschland‘, wofür er anschließend juristisch verurteilt wurde. „Dass es verboten ist, diese Formel zu verwenden, dass Höcke hierfür strafrechtlich belangt und später rückfällig wurde - auch das gehört zum Kalkül: Die Aufmerksamkeit der Medien ist ihm in jedem Fall ebenso sicher wie der Beifall seiner Anhänger.“ (Kämper 2024, S. 25) Höcke provoziert mit Begrifflichkeiten aus dem NS-Vokabular. Es geht um Abwertungen, Beleidigungen und Diskriminierungen, die die Menschenwürde verletzten. Parallelen zu Hitler-Reden lassen sich nachweisen. Derartige Äußerungen von Politiker: innen der AfD sind verfassungswidrig. „Die Akteure kündigen den gesellschaftlichen Konsens auf, auch sprachlich und üben damit sprachliche Gewalt aus. Diese drückt sich in Formulierungen aus, die Gleichheits- und Gerechtigkeitsprinzipien des Grundgesetzes missachten, mit denen Menschen in Kategorien von gut und schlecht einsortiert werden, den rassistischen Denkmustern zugrunde liegen.“ (Kämper 2024, S. 35) Am 17. Januar 2017 hielt Höcke eine Rede, in der er das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ (zitiert nach Kämper 2024, S. 23) bezeichnete. Damit meinte er offensichtlich nicht die Verbrecher der Nazis, son- <?page no="144"?> 144 4 Normverletzungen dern den Gedenkort, der an die Verbrechen erinnert. Der AfD-Politiker Thomas Goebel hat folgende Botschaft verfasst: „Unsere deutsche Volksgemeinschaft ist krank. Sie leidet an Altparteien, Diarrhö, Gutmenscheritis, links-grün-versifften 68ern, und durch Merkel versiffte, aufgelöste Außenhaut. Unser Deutschland leidet unter einem Befall von Schmarotzern und Parasiten, welche dem deutschen Volk das Fleisch von den Knochen fressen will.“ (Goebel, zitiert nach Kämper 2024, S. 38) Diese Sprachbilder der AfD haben direkte Bezüge zu Bezeichnungen der Nationalsozialist: innen. Sie schwärmten von dem Ideal eines rein arischen Volkes und haben Jüd: innen als ‚Schmarotzer‘ und ‚Parasiten‘ bezeichnet, um die brutale Vernichtung dieser Menschengruppe zu legitimieren, die angeblich die ethnische Homogenität der Deutschen stören. Kämper (2024, S. 94) konstatiert: „Es zeigt sich zuerst und vor allem sprachlich, dass die AfD eine Gefahr für die Demokratie ist. Ihre Sprache lässt das sie prägende Menschenbild erkennen, sie negiert die in unserem Grundgesetz verbürgte Gleichheit der Menschen, spiegelt Aggression und Gewalttätigkeiten in ihrem Denken - und ist zu großen Teilen dem Nationalsozialismus sehr nah.“ In parlamentarischen Debatten kommt es der AfD nicht darauf an, konstruktive Beiträge und Lösungsstrategien zu entwickeln. Es geht ihnen vielmehr darum, die öffentliche Aufmerksamkeit durch Störungen, Proteste, Denunzierungen, polemische Äußerungen und Beleidigungen zu gewinnen (vgl. Kämper 2024). Auf ‚das-ist-afd.de‘ hat Nathan Mattes (2024) weitere menschenfeindliche Äußerungen von AfD-Politiker: innen zusammengetragen. Wer derartige Sprachbilder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit benutzt, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Beleidigungen, nationalsozialistische Propaganda, Holocaustleugnung und andere Arten der Volksverhetzung sind in Deutschland dem Strafgesetzbuch zufolge zu Recht verboten. Umso wichtiger ist es, dass das sprachliche Handeln als gesellschaftliches Handeln verstanden wird und eine diskriminierende Sprachpraxis transparent gemacht und juristisch verfolgt sowie sanktioniert wird. Donald Trump Populisten verstoßen gegen den sprachlichen Anstand, generieren sich als mutige Führungspersönlichkeiten und beschimpfen politische Gegner: innen auf unflätige Art und Weise. Donald Trump ist hierfür ein gutes Beispiel. „Der Selfmademan, der unaufhaltsam von unten nach oben aufsteigt, zugleich abstoßend in seiner Rücksichtslosigkeit, faszinierend darin, wie er sich Menschen gefügig macht. Ein brutaler Machtmensch, gewiss, aber immer auch ein Verführer, der Mensch, der indes vielleicht, gerade weil er auch Phasen der Entbehrungen und Demütigungen durchlebte - nie genug bekommen kann <?page no="145"?> 4.14 Populismus 145 145 von Macht und Reichtum, und der dann konsequent den Schritt vom Unternehmer zum Politiker machen musste und genauso konsequent den Schritt vom Faszinierenden zum Gefährlichen.“ (Seeßlen 2017, S. 31) Trump agiert als Provokateur und Sprachrohr minderheitenfeindlicher und rassistischer Positionen. Er macht sich über behinderte Menschen lustig und bezeichnet politische Konkurrent: innen als dumm und verrückt. Der 2024 erneut gewählte amerikanische Präsident beschimpfte und bedroht seine politischen Gegner: innen Hillary Clinton, Liz Cheny und Kamela Harris. Weiterhin äußerte er frauenfeindliche Behauptungen und ist ein verurteilter Straftäter. Er präsentierte sich in seinen Wahlkampfreden als Outsider, der sich für das amerikanische Volk einsetzt, während er Hillary Clinton als Insiderin bezeichnete, die sich angeblich nur für die Elite engagiert (vgl. Mudde/ Kaltwasser 2019, Petersen 2022). Die Elitenkritik von Donald Trump ist schon deshalb befremdlich, weil er selbst zur Elite gehört, sich aber als Stimme des Volkes inszeniert und dabei keine Hemmung hat, zu lügen und zu betrügen. „Seit dem Beginn seiner Präsidentschaft hat Donald Trump viele Grenzen des Machbaren und Sagbaren in der US-amerikanischen Politik überschritten. Seine Attacken auf die Medien, seine Lügen und seine aggressive Rhetorik sowie seine Inszenierung als jemand, der sich nicht um die Politik schert, sind bekannt. Sie sind antipolitisch und sie sind unterhaltsam.“ (Diehl 2017, S. 25) Bei Trump handelte es sich um einen Milliardär ohne politische Erfahrung und Kompetenz. Er trat als Geschäftsmann und Entertainer in US-Fernsehshows auf (vgl. Maeder 2020). Dort bekam er die gewünschte öffentliche Aufmerksamkeit und die Fernsehmacher: innen konnten sich auf seine provokativen Auftritte verlassen, die Quoten generierten. Somit ergab sich eine Symbiose zwischen den Medien und dem Politiker, von denen beide Seiten profitierten. „Aggressivität gegen Publizität, Pöbelei gegen Plattform, Schmutz gegen Sendezeit - das sind die Tauschformeln, die hier wirksam werden und das miteinander Reden zu einem Brüllen eskalieren lassen, längst nicht nur in den USA, längst nicht nur im Format der Talkshows.“ (Pörksen/ Schulz von Thun 2021, S. 14f.) Lügen und Halbwahrheiten scheinen ihm aber nicht zu schaden, sondern werden als strategisches Mittel eingesetzt, um zu provozieren und um Aufmerksamkeit zu erhalten. „Sie dienen Trump im Skandaldiskurs nicht nur der Verteidigung gegen den Vorwurf der eigenen Verfehlung, sondern in der Verleumdung seiner Ankläger, vor allem aber der Medien mittels des sprichwörtlich gefordert gewordenen Fake-News-Vorwurfs als erfolgreiche Strategie der Diskreditierung seiner (medialen) Ankläger.“ (Petersen 2022, S. 44f.) Seine Stammtischparolen, die Verwendung sexistischer Stereotype und frauenfeindlicher Kommentare haben die Amerikaner: innen nicht davon abgehal- <?page no="146"?> 146 4 Normverletzungen ten, ihn 2016 mehrheitlich zum Präsidenten zu wählen, bevor er nach einer Amtszeit wieder abgewählt wurde und 2024 erneut gewählt wurde. Politiker: innen wie Trump nutzen die Kanäle wie X (vormals Twitter) und TikTok, die besonders dazu geeignet sind, auf rationale Diskurse zu verzichten (vgl. Otto 2023). Für die entsprechende Mitteilung auf derartigen Kanälen gilt: „Sie darf nicht nur, sie muss verkürzen, zuspitzen, personalisieren. Im Tweet gibt es kein Programm und keinen Diskurs, es ist immer die Provokation eines radikalen Subjekts, das nach Folgen oder nach Zustimmung verlangt, ja aber auch nach den Reaktionen und Gegen-Tweets, auf die die Follower nur gewartet haben können. Die Kurzmitteilung ist wie ein Köder im Meer der Unaufmerksamkeit. […] Man diskutiert nicht im Twitter-Format.“ (Seeßlen 2017, S. 73f.) Trumps populistischer Politikstil kam durch die Verachtung und Beleidigung seiner politischen Gegner: innen und kritischer Medien zum Ausdruck. Gerade dieser notorische Lügner warf den Berichterstatter: innen immer wieder sogenannte Fake News vor und beschimpfte Andersdenkende mit polemischen und diskriminierenden Aussagen. „Die Liste der Grenzüberschreitungen ist lang und lässt sich etwa durch seine Imitation eines behinderten Reporters der New York Times , die Vorballhornung des nordkoreanischen Staatsoberhauptes Kim Jong Un als ‚Little Rocket Man‘, die Relativierung rechten Terrorismus (‚There are some very fine people on both sides‘) oder die Umwidmung von dem Corona-Virus und Covid 19 in ‚The China Virus‘ oder ‚Kung Flu‘ exemplifizieren.“ (Baum/ Seeliger 2021, S. 355f.) Trump behauptete weiterhin, dass man ihn um den Wahlsieg betrogen habe, als er die Präsidentschaftswahl in den USA gegen Jo Biden verlor. „Diese Erzählung ist haltlos, entbehrt jedweder Fakten und hat dennoch dazu geführt, dass Menschen aufeinander losgingen, Symbole der amerikanischen Demokratie - wie das Kongressgebäude - angegriffen wurden. Zur Debatte fähig ist an dieser Stelle niemand mehr.“ (Reuschenbach/ Frenzel 2024, S. 44) Insofern können derartige Lügen auch zur Gewalt führen. Wie der Populismus arbeitet auch der Antisemitismus mit Ausgrenzung und Feindbildern. Diese menschenfeindliche Ideologie wird nachfolgend behandelt. 4.15 Antisemitismus „Antisemitismus ist eine feindselige, ressentimentgeleitete Einstellung gegenüber Juden und dem Judentum sowie seit der Staatsgründung auch Israel gegenüber, der als jüdischer Staat im besonderen Fokus aller antisemitischen Aktivitäten steht.“ (Schwarz-Friesel 2020, S. 33) In einer aktuellen repräsentativen Antisemitismus-Studie wurden 1.300 Personen ab 16 Jahren befragt. Die quantitative face-to-face-Erhebung vom Institut für Demoskopie Allensbach wurde im Zeitraum vom 8. März bis 13. <?page no="147"?> 4.15 Antisemitismus 147 April 2024 durchgeführt. Die Studie untersucht die antisemitischen Vorurteile in Nordrhein-Westfalen (NRW) seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die Auswirkungen auf das Leben der Jüd: innen in NRW. In der Studie wurde geprüft, inwiefern bestimmte Gruppen besonders hohe Antisemitismuswerte aufweisen. Bis zu 24% der Befragten haben in unterschiedlicher Form antisemitische Einstellungen. Beim holocaustbezogenen Antisemitismus gab fast die Hälfte aller Befragten an, einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen zu wollen, und über 40% können nachempfinden, dass der Holocaust viele Menschen kalt lässt. Je nach Fragestellung wiesen acht bis 24% der Befragten gefestigte antisemitische Einstellungen auf. Die Studie zeigt, dass 8% der Befragten religiös geprägte antisemitische Einstellungen vertreten. Mit 24% glaubt fast ein Viertel der Befragten modernen antisemitischen Erzählungen, wie beispielsweise an eine sogenannte jüdische Weltverschwörung. Einer Relativierung oder sogar Leugnung des Holocaust stimmen 19% der Befragten zu, während ein israelbezogener Antisemitismus bei 14% der Befragten auf Zustimmung stößt. Aufgrund der Ergebnisse kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Bekämpfung des Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibt und eng verknüpft ist mit dem Schutz der freiheitlichen Demokratie. Es wird ein neuer gesellschaftlicher Umgang mit dem grassierenden, teils Gewalt glorifizierenden Antisemitismus und der Desinformation auf sozialen Medien wie TikTok gefordert. (Beyer u.a. 2024). Der Antisemitismus diffamiert alles, was mit dem Judentum assoziiert wird. Dabei richten sich die Ressentiments nicht nur gegenüber einzelnen Menschen, sondern auch durch eine antiisraelische Haltung. Es werden volksverhetzende Relativierungen der NS-Verbrechen vorgenommen. Der Holocaust wird bestritten (vgl. Beutler u.a. 2024). Geschichte „Dreh- und Angelpunkt war damals das Deutsche Reich und der Nationalsozialismus als völkisch antisemitische Bewegung, dessen primäres Ziel in der Massenvernichtung der europäischen Juden bestand.“ (Salzborn 2018, S. 45) Beim Antisemitismus werden Jüd: innen pauschal als geld- und machtgierig, feindselig sowie rachsüchtig diskreditiert. Obwohl es sich bei derartigen Behauptungen um reine Fantasiekonstrukte handelt, prägen diese Vorstellungen überzeugte Antisemit: innen. Alle möglichen Übel in der Welt werden den Jüd: innen angedichtet. Das Spektrum der falschen Vorurteile reicht von Krankheiten über betrügerische Geschäfte bis hin zu verlorenen Kriegen. Bei derartigen Falschbehauptungen wird auf die klassische Sündenbockerzählung zurückgegriffen (vgl. Schwarz-Friesel 2020). Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich demokratische Strukturen in Westdeutschland etabliert. Das Grundgesetz hat hierbei die Menschenrechte und Menschenwürde besonders herausgestellt (vgl. Metz 2011). Dennoch exis- <?page no="148"?> 148 4 Normverletzungen tiert heute ein sogenannter Post-Holocaust-Antisemitismus. Dabei wird die Behauptung aufgestellt, dass Jüd: innen den Holocaust ausnutzen, um finanzielle Forderungen gegen den deutschen Staat zu erheben (vgl. Nowak 2022). Jüd: innenfeindlichkeit Antisemitismus ist das Gegenteil von Mitgefühl. Es geht um Ausgrenzung und Abschottung. Menschen werden bedroht. „Die Diskriminierung - also Unterdrückung, Exklusion oder Benachteiligung -, die verhindert werden soll, bezieht sich explizit auf ‚Rasse‘ bzw. race, auch auf Abstammung, Hautfarbe, nationale und ethnische Zugehörigkeit.“ (Kimmich/ Lavorano/ Bergmann 2016, S. 13f.) Nicht das Miteinander, sondern das Gegeneinander dominiert die Debatte. Es werden Stereotype und Vorurteile artikuliert und Feindbilder geschaffen. Auch wenn der offene Judenhass in Deutschland tabuisiert sein sollte, gibt es nach wie vor antisemitische Ressentiments. Historische Verbrechen werden relativiert: „Es reicht von offener Leugnung der Shoah oder der Relativierung der NS- Verbrechen beziehungsweise der Aufwertung angeblicher Leistungen des NS- Regimes, der Schändung von Gedenkorten, gewalttätigen Übergriffen auf (eigentliche oder tatsächliche) Jüd: innen und Juden, geht über die Infragestellung von (historischen) Zahlungen an Israel, des jüdischen Staates oder jüdischen Lebens im jeweiligen Nationalstaat, bis zur Erinnerung und Verantwortungsabwehr und der Täter-Opfer-Umkehr.“ (Salzborn 2018, S. 65f.) Offener Antisemitismus zeigt sich in Form wiederkehrender Schändungen jüdischer Friedhöfe (vgl. Jaschke 2001). Nach wie vor gibt es Anschläge gegen jüdische Glaubenseinrichtungen. So hat am 9. Oktober 2019, am Tag des jüdischen Versöhnungsfestes, ein schwerbewaffneter Täter versucht, sich gewaltsam Zugang zu einem von etwa 80 Personen besuchten Gotteshauses in der Synagoge von Halle zu verschaffen. Als ihm dies nicht gelang, hat der Antisemit und Rechtsextremist zwei Menschen ermordet (vgl. Schuller 2020, Longerich 2021, Kraske 2023). Seine Tat verbreitete der Verbrecher per Videokamera auf einem Portal für Computerspiel-Videos. Damit ahmte er das Muster der sogenannten Egoshooter nach. Dies machte auch ein Rechtsextremist, der in Neuseeland zuvor seine Tötung von 51 Menschen live im Internet übertragen hatte (vgl. Baeck/ Speit 2020). Menschen, die einen jüdischen Davidstern als Kettenanhänger zeigen und Männer, die die jüdische Kopfbedeckung Kippa tragen, werden heute in Deutschland beschimpft, bedroht und körperlich angegriffen. Da die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland steigt und der Antisemitismus in allen Bevölkerungsgruppen zu verorten ist, stellt sich die Frage, welche Rolle die Sprache in diesem Kontext spielt. So ist zu prüfen, ob tatsächlich nur die eindeutigen antisemitischen Beleidigungen, Beschimp- <?page no="149"?> 4.15 Antisemitismus 149 fungen und Bedrohungen relevant sind oder ob weitere Begriffe antisemitische Haltungen verstärken (vgl. Steinke 2022). Sprache und Bilder Nach wie vor wird das Wort ‚Jude‘ als Schimpfwort u.a. an Schulen verwendet. Verbrechen werden durch sprachliche Abwertungen vorbereitet, um jüdische Menschen als Feindbild zu diskreditieren. Dabei werden folgende Varianten eingesetzt (vgl. Nowak 2022):  denunzierende Berufsbezeichnungen (z.B. Rechtsverdreher),  rassistische Bezeichnungen aus der Biologie (z.B. Parasit),  Tierbezeichnungen als Beleidigung (z.B. Judensau),  stereotype Klassifikationen (z.B. Geldschacherer),  Beschwörungsfloskeln (z.B. die Juden sind unser Unglück) Es gibt eine Reihe von Begrifflichkeiten aus dem Jüdischen, die sachlich und wertneutral sind, aber einen negativen Beiklang haben. So bedeutet der Begriff Ische im jüdischen Sprachgebrauch eigentlich nur Frau. Im Deutschen werden damit aber negative Bezüge in Form abwertenden Frauenbezeichnungen wie Braut, Perle oder Mädel hergestellt. Der jüdische Begriff Mischpoke bezeichnet wertneutral die Familie oder eine Gruppe. In der Umgangssprache handelt es sich aber ja um die ungeliebte Verwandtschaft oder eine verschworene Gruppe, die etwas Böses im Schilde führt. Geschacher ist eigentlich ein Begriff für ein wertneutrales Wort, das den Handel beschreibt. Aufgrund der jüdischen Herkunft liegt hier ein abwertender Unterton vor: Geschacher gilt als üble Geschäftemacherei (vgl. Steinke 2022). Diese Menschenfeindlichkeit wird auch über Online-Kanäle verbreitet. Aufgrund der Anonymität und großen Reichweite des Internets bietet sich hier ein optimaler Resonanzboden, um antisemitische Stereotype ungefiltert zu verbreiten. Im Web 2.0 werden antisemitische Texte, Bilder, Audios und Videos gezeigt, die Hassbotschaften, Drohungen und Beschimpfungen beinhalten. Auch in der Kunst tauschen antisemitische Botschaften immer wieder auf, wie das nachfolgende Beispiel aus dem Jahr 2022 zeigt: „Auf der Kunstausstellung documenta fifteen in Kassel ist ein Banner mit antisemitischer Symbolik ausgestellt, nach der öffentlichen Skandalisierung verdeckt und schließlich deinstalliert worden. Dass das mit Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft verbundene Ächtungsideal mit der Zurschaustellung dieses Kunstwerkes konterkariert worden ist, ist Anlass einer breit gefächerten Empörung gewesen, die die Entfernung des Exponates zur Folge hatte. Die Reaktionen auf die Darstellung einer mit Davidstern am Halstuch gekennzeichneten und als Schwein entmenschlichen Figur eines Mossad-Agenten und eines in schwarz gekleideten Juden mit blutunterlaufenen Augen, Hai- <?page no="150"?> 150 4 Normverletzungen fischzähnen, Zigarre im Mund, angedeuteter Kippa und einem von chassisdischen Juden häufig getragenen Hut auf dem Kopf, das auf dem Logo der SS prangt, haben gezeigt, dass durchaus weite Teile der Öffentlichkeit den Antisemitismus in einer bildlichen Ausdrucksform erkennen.“ (Bernstein/ Diddens 2023, S. 5) Dieses Bild auf der Ausstellung in Kassel zeigte typische Ressentiment gegenüber dem Judentum in Form von bösartigen Stereotypisierungen. Grundsätzlich besteht aber auch hier ein Spannungsfeld zwischen der Kunstfreiheit und einer ggf. erforderlichen Zensur derartiger Werke aufgrund von menschenfeindlichen Darstellungen. Beim Antisemitismus im digitalen Zeitalter fungiert das Internet als Multiplikator und Katalysator entsprechender Feindbilder. Derartige Narrative finden sich in den sozialen Medien u.a. auf Facebook, YouTube, TikTok, Telegram und X (vgl. Hübscher/ von Mehring 2024). Die Identität der Absender: innen von antisemitischen Botschaften bleibt zum Teil auch verborgen. „Wie bei anderen Reizthemen auch, hat die Möglichkeit, sich anonym und ‚an alle‘ zu Wort zu melden, eine enthemmende Wirkung auf diejenigen, die schon immer mal zum Ausdruck bringen wollten, was sie von Juden halten. Zudem führen die schnelle Verbreitung, große Reichweite sowie die Vernetzung […] Gleichgesinnter zu einer Potenzierung antisemitischen Gedankenguts. Andererseits sind sanktionsbewährte Kontrollen (Löschen von Beiträgen, Schließen von Accounts) schwierig und aufwändig.“ (Longerich 2021, S. 440) In der empirischen Antisemitismusforschung kam eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Langzeitstudie zur Artikulation, Tradierung, Verbreitung und Manifestation von Judenhass im World Wide Web zu dem Ergebnis, „dass die Verbreitung von judenfeindlichen Inhalten nicht nur exorbitant zugenommen, sondern sich auch zunehmend radikalisiert hat.“ (Schwarz-Friesel 2020, S. 15). Dies liegt an der spezifischen Ausprägung der Internetkommunikation, die durch eine aktive und wechselseitige Netzpartizipation, die Beschleunigung und freie Zugänglichkeit, durch die Multimodalität, Anonymität und globale Verknüpfung sowie die steigende Relevanz der sozialen Medien als meinungsbildende Informationsquelle fungiert. Eine ungefilterte und nahezu grenzenlose Verbreitung menschenverachtenden Gedankengutes hat ein Ausmaß erreicht hat, das es in der Geschichte bislang nicht gab. Der Antisemitismus 2.0 verbreitet sich rasant über unterschiedliche Textsorten wie Kommentare, Artikel, Blockeinträge, Tweets und Postings auf multimedialen Kanälen in Form von Texten, Bildern, Audiobeiträgen und Videofilmen. Muslim: innenfeindlichkeit Neben dem Antisemitismus, der sich gegen Jüd: innen richtet, gibt es auch Aktionen gegen andere Religionsgemeinschaften wie dem Islam. Die Muslim: innenfeindlichkeit positioniert sich gegen Einwander: innen aus den Ländern <?page no="151"?> 4.16 Verschwörungserzählung 151 mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit und ihren Nachkommen. Dann ist von antimuslimischem Rassismus die Rede. Muslimfeindliche Personen sehen in dieser Gruppe negative Eigenschaften. Muslimfeindliche Ressentiments sind nicht nur in Deutschland verbreitet, sondern werden in ganz Europa vor allem durch rechtspopulistische Parteien vertreten. Sie warnen vor einer sogenannten Islamisierung des Abendlandes, lehnen die verfassungsrechtlich geschützte Religionsausübung in Moscheen ab und sprechen sich gegen das Tragen des Kopftuches aus. Rechtspopulistische Bewegungen wie PEGIDA schüren Ängste in der Bevölkerung gegenüber dem Islam. Angeblich sei ein Schutz vor anderen Kulturen erforderlich, um die Kriminalität einzudämmen. Dabei wird übersehen, dass Deutschland und Europa immer schon von zahlreichen Kulturen und Religionsgemeinschaften geprägt waren und dies auch in Zukunft so sein wird. Zudem sind weder die Ethnie noch die Hautfarbe oder Religionsgemeinschaft als Erklärungsansatz für Verbrechen geeignet. Hierzu ist eine Analyse sozialer Faktoren wie die Sozialstruktur des Milieus erforderlich, um Ursachenforschung betreiben zu können (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2024b). Das Internet, aber auch soziale Begegnungen im analogen Raum bieten die Möglichkeit, falsche Behauptungen und Gerüchte nicht nur über Glaubensgemeinschaften zu verbreiten. Dazu gehören auch Verschwörungserzählungen, auf die nachfolgend eingegangen wird. 4.16 Verschwörungserzählung „Aus einer oft paranoiden Weltsicht heraus wollen ihre Anhänger die gesellschaftliche Realität durch angebliche Verschwörungen erklären: die konspirative Zusammenwirkung elitärer Gruppen, die ihre bösartigen Ziele verfolgen und die Mehrheit knechten wollen. Besonders in Krisenzeiten haben Verschwörungstheorien Konjunktur, weil sie komplexe Zusammenhänge simpel erklären, Feindbilder bedienen und Sündenböcke finden.“ (Geyer 2020, S. 17) Erzählungen über geheime Mächte, die im Hintergrund die Strippen ziehen, haben nicht nur in Krisenzeiten Hochkonjunktur. Unsicherheiten und Ängste, die durch Kriege und Katastrophen entstehen, stellen einen Katalysator für Verschwörungserzählungen da. Wer diese verbreitet, lässt keine Gegenargumente zu, verzichtet auf den Verweis von seriösen Quellen und ist nicht auf einen Erkenntnisgewinn durch die rationale Prüfung von Argumenten und Fakten ausgerichtet, sondern zielt auf die Bestätigung des eigenen geschlossenen Weltbildes. Es wird ein Kampf von Gut gegen Böse ausgerufen. Die Debatten sind aufgeheizt und stark emotionalisiert. Verschwörungserzählungen korrespondieren häufig mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, Sexismus und Homophobie. Sie richten sich gegen demokratische Prozesse und fordern die Bekämpfung der Gegner: innen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2024a und 2024b). <?page no="152"?> 152 4 Normverletzungen „Bestimmte Formen des Aberglaubens sind zu sogenannten Verschwörungstheorien ausgebaut worden. Als Verschwörungstheorie bezeichnet man allgemein eine Auffassung, die ein Ereignis damit erklärt, das es das Ereignis des heimlichen Wirkens einer Gruppe ist. Diese Menschen haben sich angeblich miteinander verschworen, um ihre Interessen heimlich im Verborgenen umzusetzen.“ (Pfister 2020, S. 77) Um eine sogenannte Verschwörungstheorie zu erschaffen, werden verschiedene Zutaten gebraucht. Es wird davon ausgegangen, dass es mächtige Kräfte gibt, die ein böses Ziel verfolgen. Wissenschaftliche Erklärungsmodelle für bestimmte Phänomene werden bestritten. „Eine Verschwörungstheorie ist ein nicht von wissenschaftlichen Fakten untermauerter Welterklärungsansatz, bei dem die Ansicht vertreten wird, dass die Menschheit von einem oder mehreren Akteuren hinters Licht geführt wird. Verschwörungstheorien können sich um äußerst unterschiedliche Themen drehen und auf unterschiedlichen Weltbildern aufbauen.“ (Brodnig 2016, S. 229) Etwas als Theorie zu bezeichnen, das offensichtlich genau das Gegenteil bedeutet, ist problematisch. Theorien sollten auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse einen Ordnungsrahmen liefern, mit dem seriös gearbeitet werden kann. Dies ist bei Verschwörungen offensichtlich nicht der Fall. Es wird dann von pseudowissenschaftlichen Ideologien oder Mythen gesprochen (vgl. Drerop 2021). Insofern bietet es sich an, mit dem Begriff ‚Verschwörungserzählungen‘ zu arbeiten, da eine Erzählung zunächst ein neutraler Begriff ist, der keine normativen Ansprüche an redliche Verfahren der Wissensvermittlung enthält. „Aus einer oft paranoiden Weltsicht heraus wollen ihre Anhänger die gesellschaftliche Realität durch angebliche Verschwörungen erklären: konspirative Zusammenwirken elitärer Gruppen, die ihre bösartigen Ziele verfolgen und die Mehrheit knechten wollen.“ (Geyer 2020, S. 17) Es wird die Auffassung vertreten, dass nichts so ist wie es scheint. Offizielle Verlautbarungen und Nachrichten werden infrage gestellt. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass es keine Zufälle gibt. Angeblich ist alles, was passiert, durch einen Plan vorherbestimmt. Zudem hängt angeblich alles miteinander zusammen. Verschiedene Ereignisse, die zunächst nicht zusammengehören, werden zusammengeführt, weil - so die verschwörungserzählende Annahme - der Plan, die entsprechenden Zusammenhänge herzustellen, entdeckt worden ist. Verschwörungserzählungen sind in gesamtgesellschaftlichen Krisen deutlich sichtbarer. Es wird versucht, in Krisen einen Sinn zu finden; zugleich werden aber auch Feindbilder gesucht, die angeblich für die Krisen verantwortlich sind. Insofern herrscht ein sogenanntes Sündenbockdenken vor. Durch gesamtgesellschaftliche Krisen können Ängste resultieren. Insofern können Gefühle der Hilflosigkeit oder des Kontrollverlustes <?page no="153"?> 4.16 Verschwörungserzählung 153 entstehen. Umso wichtiger ist es, sich stark auf die eigene Gruppe zu konzentrieren. Insofern können Verschwörungserzählungen auch eine Identifikationsfunktion verstärken. Dies kann aber dazu führen, dass eine Ab- und Ausgrenzung gegenüber der Gruppe erfolgt, die nicht zur Eigenen gehört (vgl. Stainer-Hämmerle/ Ingruber/ Marsching 2023). Es werden gerade in Krisenzeiten negative Ereignisse damit erklärt, dass sie angeblich das Ergebnis des heimlichen Wirkens einer Gruppe von Menschen sind, die sich miteinander verschworen haben, um ihre heimlichen Interessen im Verborgenen umzusetzen. Verschwörungsbehauptungen meinen „ein Ereignis oder eine Praxis durch den Verweis auf die Machenschaften mächtiger Personen zu erklären, die es außerdem geschafft haben, ihre Rolle zu verbergen.“ (Drerup 2021, S. 131). Behauptungen von Verschwörungserzählungen missachten rationale Formen der Intentionalität, Autorenschaft und Planung. Sie blenden komplexe historische und gesellschaftliche Prozesse aus und verzichten auf die Berücksichtigung von Zufällen, unerwünschten Nebeneffekten und Zufälligkeiten (vgl. Drerup 2021). Die kann zu folgenden Effekten führen: „Die ständige Konfrontation mit vielen Unerklärbarkeiten der Welt provoziert, dass man sich selbst verzweifelt Erzählungen und Suberzählungen sucht, die Klarheit schaffen. Mit denen sich endlich ein umfassendes Verständnis dieser nervigen, komplizierten, Milliarden Grautöne beinhaltenden Welt erreichen lässt.“ (Lobo 2016, S. 27) Es gibt eine Reihe von klassischen Verschwörungserzählungen (vgl. Schicha/ Brosda 2002, Mascolo 2017, Benz 2020, Lewandowsky/ Cook 2020, Pfister 2020, Lano 2023, Stainer-Hämmerle/ Ingruber/ Marsching 2023). So wird behauptet, dass  Präsident Kennedy durch den amerikanischen Geheimdienst ermordet worden ist,  die Mondlandung eine Inszenierung in einem Filmstudio gewesen ist,  Lady Diana durch den britischen Geheimdienst ermordet worden ist,  die Attentate am 11. September 2001 von einem Kreis der US-Führung verübt worden sind,  Hillary Clinton mit einem Kinderporno-Ring in Verbindung steht,  Elvis Presley und Michael Jackson immer noch am Leben sind, und  Bill Gates das Coronavirus in die Welt gebracht hat. Derartige Verschwörungsfantasien tauchen auch dann auf, wenn Schuldige für Epidemien und Naturkatastrophen ausgerufen werden (vgl. Benz 2020). Diese Falschbehauptungen tragen auch dazu bei, dass Menschen mit tragischen Ereignissen besser umgehen können. So scheint es ein Verlangen zu geben, dass Katastrophen auch eine besonders dramatische Ursache haben. <?page no="154"?> 154 4 Normverletzungen Dass z.B. der Tod von Lady Diana und weiterer Insassen des Fahrzeugs in einem Pariser Tunnel primär auf die überhöhte Geschwindigkeit des alkoholisierten Fahrers vom Unfallauto zurückgeführt werden kann, scheint nicht akzeptabel zu sein (vgl. Lewandowsky/ Cook 2020). In der Geschichte finden sich auch antisemitische Verschwörungserzählungen, die davon ausgehen, dass die Jüd: innen die Weltherrschaft anstreben. Hitler „machte den Kampf gegen die Juden und schließlich ihre Vernichtung zu seinem politischen Hauptziel.“ (Pfister 2020, S. 77). Überhaupt lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen Verschwörungsmythen und antisemitischen Erzählungen finden. „Diese Ideologie ist wesentlich ein Ausdruck des Bedürfnisses, eine komplexe Welt in ein simples Schema zu pressen, Gut und Böse klar voneinander zu trennen und Widersprüche durch das Handeln ‚verborgener Mächte‘ erklärbar zu machen. Aus diesem Grund existiert eine starke Affinität zwischen antisemitischen Ressentiments und Verschwörungsmythen, die jeweils aktuelle soziale und politische Probleme auf eine grotesk vereinfachende, personalisierende Weise erklären.“ (Pilarek 2020, S. 3) Verschwörungserzählungen werden in der Regel nicht durch Belege in Form seriöser Quellen gestützt, was aber nicht verhindert, dass sie sich rasant, besonders über die sozialen Medien im Internet, ausbreiten. Dann liegt ein konspiratives Denken vor, das Personen oder Gruppen gegen Beweise immun macht (vgl. Lewandowsky/ Cook 2020). Es ist schwer, Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, vom Gegenteil zu überzeugen. Interne Widersprüche und Begründungsschwächen sowie wissenschaftliche Evidenzen können hier nicht überzeugen. Kritik an den Verschwörungserzählungen kann bei den Anhänger: innen vielmehr zu einem entgegengesetzten Effekt führen. Sie können dadurch zusätzlich in ihrer Auffassung bestärkt werden. Dann tritt der sogenannte Blackfire-Effekt ein, der eine Abwehrhaltung gegenüber anderslautenden Positionen einnimmt (vgl. Drerup 2021). Bei derartigen Falschmeldungen ist auch der Wissenschaftsjournalismus gefragt, Fakten zu liefern, die derartigen Unsinn auf der Basis gehaltvoller Überprüfungen widerlegen (vgl. Kienzlen/ Lublinsli/ Stollorz 2007). Dass Falschmeldungen richtiggestellt werden müssen, ist evident. Schließlich muss die Öffentlichkeit vor Verschwörungserzählungen geschützt und darüber aufgeklärt werden. So ist zu grundsätzlich überprüfen, ob die Quellen, die umstrittene Meldungen verbreiten, seriös sind. Die Glaubwürdigkeit derartiger Nachrichten ist durch weitere Quellenrecherche zu überprüfen. Zudem ist zu untersuchen, ob ein ggf. reißerischer Sprachstil Hinweise auf unseriöse Berichte liefert und ob vielleicht politische Motive eine Rolle spielen könnten, um Botschaften zu manipulieren. Es geht also um faktenbasierte Widerlegungen von Verschwörungserzählungen auf der Basis einer seriösen Quellenprüfung. Dann können derartige Falschmeldungen faktenbasiert überprüft werden. <?page no="155"?> 4.17 Zensur 155 Faktenprüfer: innen sollten als vertrauensvolle Vermittler: innen genutzt werden, um wahre von falschen Informationen unterscheiden zu können. Grundsätzlich sollte aber auch das eigene kritische Denken gefördert werden (vgl. Lewandowsky/ Cook 2020). Nachfolgend stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien Medieninhalte zensiert werden dürfen, die aus dem fiktionalen Kontext stammen. Dazu gehören Theater- und Filmwerke ebenso wie die Bildende Kunst oder die Literatur. 4.17 Zensur „Zensur ist [...] eine umfassende, strukturell und institutionell verankerte Kontrolle, Beschränkung oder Verhinderung von zur Veröffentlichung bestimmter oder veröffentlichter Meinungsäußerung.“ (Roßbach 2018, S. 19) Durch die Anwendung der Zensur wird versucht, den Zugang und die Verbreitung zu bestimmten Informationen im Bereich der Produktion, Distribution und dem Konsum zu verhindern. In diesem Zusammenhang werden individuelle Handlungs- und Verfügungsrechte eingeschränkt. Es geht um Verbote auf der Basis von negativ bewerteten Inhalten. Dabei wird zwischen Vor-, Nach- und Selbstzensur unterschieden (vgl. Hosp 2005). Zensurmaßnahmen stehen im Spannungsfeld zwischen dem im Grundgesetz im Artikel 5 festgelegten Recht auf freie Meinungsäußerung und der Kunstfreiheit sowie möglichen Gründen, die ein Verbot von Schriften über Bilder bis hin zu Parteien legitimieren. Dabei können politische Gründe, die die Verletzung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wahrnehmen, hierfür ausschlaggebend sein. So hat die damalige Bundes: innenministerin Nancy Faeser im Juli 2024 die COMPACT- Magazin GmbH mit dem rechtsextremen Magazin Compact verbieten lassen, das rassistische und antisemitische Inhalte publizierte. Weiterhin verboten wurden auch die Ableger CONSPECT-FILM GmbH mit 15 Webseiten, Online-Kanälen und Messenger-Konten. Der Verband der Zeitschriftenverleger distanzierte sich zwar von den Inhalten des Magazins, bemängelte aber einen schwerwiegenden Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit (vgl. Baumgärtner/ Mulert/ Müller 2024, de Weck 2024, Weissbrod 2024). Ob dieses Verbot berechtigt ist, wird juristisch überprüft. Diskutiert wird auch, ob Straßen, die die Namen von Nationalsozialist: innen tragen, eine neue Bezeichnung erhalten sollten oder ob andere Wege gefunden werden sollten, um auf Verbrechen der Täter: innen hinzuweisen. Schließlich ist es aus der Perspektive der Opfer unerträglich, dass menschenfeindliche Handlungen nicht transparent gemacht werden und stattdessen die Täter: innen durch die Namensnennung an den Straßenschildern sogar geehrt werden (vgl. Jäger 2024). <?page no="156"?> 156 4 Normverletzungen Bücher (vgl. Schäfer 2007), Comics (vgl. Schnurrer u.a. 1996), Filme (vgl. Habel 2003), Fernsehserien (vgl. Ritzer 2011), Plattencover (vgl. Burger 2017) und weitere Kunstwerke können zensiert werden, wenn dort pornografische, gewalttätige oder verfassungsfeindliche Inhalte zu finden sind. Zensureingriffe unterliegen dem gesellschaftlichen Wandel. Sie haben sich vor allem in Beziehung auf die Darstellung von Sexualität in den letzten Jahrzehnten zunehmend liberalisiert. Die Zensur verfügt über drei Gegenstandsbereiche, die sich überschneiden können. Ihre Ausübung ist entweder religiös, politisch oder moralisch motiviert. Sie tritt in Kraft, wenn das Leben, die Würde eines Menschen oder die Sicherheit eines Staates bedroht sind. Die Selbstzensur, die als ‚Schere im Kopf‘ bezeichnet wird, kann ebenfalls dazu führen, dass Bücher, Bilder, Manuskripte, Blogbeiträge nicht veröffentlicht und Reden nicht gehalten werden. Sie tritt dann auf, wenn Menschen ihre Meinungen aufgrund des empfundenen oder tatsächlichen Drucks von außen nicht äußern wollen und im Falle einer Veröffentlichung wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Nachteile befürchten. Zensurankündigungen können Empörung und Widerstand erzeugen (vgl. Schäfer 2007). Grundsätzlich werden Zensurbemühungen damit begründet, das Gute zu wollen und die Ruhe, die Ordnung und den Frieden zu erhalten sowie Bestehendes zu schützen (vgl. Roßbach 2018). Ob eine Zensur berechtigt ist oder nicht, hängt unter anderem von folgenden Kriterien ab. Werke können verboten werden,  wenn sie den politischen oder religiösen Machthaber: innen nicht passen,  wenn sie aufgrund von pornografischen oder gewalttägigen Inhalten den Jugendschutz missachten,  wenn sie die Persönlichkeitsrechte anderer verletzen oder  verfassungsfeindliche Inhalte präsentieren. Auf den ersten Blick erscheint die Zensur als typischer Machtmechanismus für Diktaturen zur Unterdrückung freier Meinungen oder für längst vergangene Epochen (vgl. Seim 1997). Insofern ist es ein Fortschritt, dass in einer Demokratie wie der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Freiheitsrechte und das Zensurverbot grundgesetzlich verankert sind, wobei es hierbei die skizzierten Einschränkungen gibt. Rechtsgrundlagen „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2022) <?page no="157"?> 4.17 Zensur 157 Diese im Artikel 5, Absatz 1 festgeschriebene Regel im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland formuliert die regulative Idee im Umgang mit kontroversen Inhalten. Dies hat Gründe, die mit der Geschichte in Deutschland bis zum Ende des zweiten Weltkrieges verbunden sind. Vor allem hat die sogenannte Gleichschaltung der Medien durch die Nationalsozialist: innen von 1933 bis 1945 dafür gesorgt, dass die Kommunikationsfreiheiten und das Zensurverbot in der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland einen hohen Stellenwert einnehmen. Nie wieder sollte eine kritische Berichterstattung und Kunst verboten werden, die nicht der Ideologie der Machthaber: innen entspricht. „Den historischen Erfahrungen in der Weimarer Republik und in der Nazi- Diktatur wird damit Rechnung getragen, denn neben der Garantie der Meinungsfreiheit wendet sich die Verfassung ausdrücklich gegen deren antidemokratischen Missbrauch, um Normen wie Menschenwürde, Sittengesetz und Freiheitsrechte, die als konstitutiv für eine demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung definiert werden, aktiv zu verteidigen.“ (Plachta 2006, S. 202) Letztendlich ist eine Einzelprüfung erforderlich, ob es gute Gründe geben kann, bestimmte Angebote zu zensieren. In Deutschland darf nach dem bereits zitierten Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungs-, Publikations- und Kunstfreiheit garantiert, unter bestimmten Bedingungen eingeschränkt werden: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2022) So werden der Jugendschutz und der Persönlichkeitsschutz im Artikel 5, Absatz 2 des Grundgesetztes als mögliche Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit benannt. Der Aufruf zu Straftaten ist ebenso untersagt, wie Anleitungen zum Selbstmord, rassistische, volksverhetzende oder verfassungsfeindliche Äußerungen. Dies gilt auch für die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener (vgl. Roßbach 2018). „Es geht dementsprechend um Inhalte wie Pornografie, Gewaltverherrlichung, Drogenverharmlosung, Verletzung von Persönlichkeitsrechten oder der Menschenwürde sowie den Markenschutz oder eine mögliche Gefährdung der Sicherheit.“ (Kliesch 2017, S. 27) In derartigen Fällen kann Zensur durchaus berechtigt sein. Grundsätzlich sollten öffentliche Diskurse auf der Basis von vernünftigen Regeln ohne Zensur auskommen, sofern andere Menschen nicht geschädigt werden. „Öffentlichkeit - das ist, wenn viele frei über das Gleiche reden, einen gemeinsamen Debattenraum schaffen und dabei ungestraft von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen können. Diese Öffentlichkeit kennt keine Zensur und keine Notwendigkeit zur Selbstzensur, sofern die artikulierten Meinungen den <?page no="158"?> 158 4 Normverletzungen anderen nicht diffamieren und die Grundwerte unserer Verfassung grob verletzen.“ (Precht/ Welzer 2022, S. 39) Faktisch gibt es keine moderne demokratische Verfassung, die Zensur ausdrücklich zulässt oder gar vorschreibt. Trotzdem kann es gute Gründe geben, bestimmte Äußerungen zu verbieten. „Man durfte nie alles sagen. Die absolute freie, völlig uneingeschränkte Rede kann es nicht geben. Rechtlich nicht, weil es in allen Rechtssystemen Schranken gibt.“ (Schaible 2022, S. 51). Strafrechtlich relevante Inhalte sind von der Bundesprüfstelle den zuständigen Strafverfolgungsbehörden mitzuteilen. Dazu gehören:  „Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen,  Medien, die den Holocaust leugnen oder die in sonstiger Weise volksverhetzend sind,  Medien, die zu schweren Straftaten anleiten,  Medien, die Gewalt verherrlichen oder verharmlosen oder Gewalt in einer der Menschenwürde verletzenden Weise darstellen,  Medien, die pornografisch sind und Gewalttätigkeiten, den sexuellen Missbrauch von Kindern oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben.“ (Lorenz 2009, S. 73) Weitere freiheitsbegrenzende Bestimmungen nach dem Strafgesetzbuch umfassen die Komponenten Gotteslästerung und Beleidigung. Ein absolutes Verbreitungsverbot ergeht für solche Medien erst dann, wenn sie durch eine rechtskräftige Entscheidung eines Gerichtes angeordnet werden. Medienselbstkontrolle Neben juristischen Vorgaben sind Medienselbstkontrollinstanzen wie der deutsche Presserat, der Werberat und die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen mit der Prüfung von Programminhalten befasst (vgl. Baum u.a. 2005). Dabei können sie in den Fällen von Verfehlungen Rügen aussprechen. Zentralstellen zur Bekämpfung jugendgefährdender Schriften beziehungsweise Medieninhalten sind bei den Generalstaatsanwaltschaften der Länder angesiedelt. Jugendbehörden kümmern sich um den Kinder- und Jugendschutz (vgl. Lorenz 2009). Jugendgefährdungstatbestände meinen u.a. „Unsittlichkeit, verrohende Wirkung, Anreize zur Gewalttätigkeit, Verbrechen, Rassenhass, selbstzweckhafter Gewaltdarstellung und Nahlegung der Selbstjustiz.“ (Roßbach 2018, S. 41). Hinzu kommen Bedrohungen durch Cybermobbing, Grooming in Form einer gezielten Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen aufgrund einer Missbrauchsabsicht und Hate Speech. Obwohl es also gute Gründe gibt, Zensur auszuüben, kann sie Gewalt, Tyrannei, Freiheitsbeschränkung und Vernichtung bedeuten. Menschen, die gegen die staatliche Zensur und für die Meinungsfreiheit kämpfen, müssen mit Sanktionen rechnen. In Diktaturen und Autokratien drohen ihnen Gefängnisstrafen oder sogar der Tod (vgl. Roßbach 2018). <?page no="159"?> 4.17 Zensur 159 Grundsätzlich sind immer Einzelfallprüfungen erforderlich, um beurteilen zu können, welche Äußerungen und Veröffentlichungen unter das Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit fallen und in welchen Fällen gesetzliche Grenzen überschritten werden, die Altersbeschränkungen bis hin zu Verboten erforderlich machen. Neben Filmen wird auch bei der Literatur über Zensurmaßnahmen diskutiert. Literatur „Literatur, die sich gegen die herrschende Auffassung von Staat, Religion oder Moral richtete, war von Zensur, Verbot oder Verbrennung bedroht, die Verfasser hatten mit Gefängnis, Folter und Tod zu rechnen. Die Geschichte der verbrannten Bücher ist die Geschichte der Intoleranz, die ebenso blutig verlief wie die Weltgeschichte.“ (Schütz 1990, S. 13) Die Literatur ist ein Konsum- und Kunstgut. Sie ist durch ästhetische wie durch ökonomische Logiken bestimmt. Sie wird geschrieben, verlegt, gekauft, gesammelt und gelesen. In jedem dieser Schritte wirken bestimmte Selektionskriterien. Literatur ist auf Vermittlung angewiesen und nimmt Einfluss auf öffentliche Diskurse, vor allem in „denjenigen Formen der Öffentlichkeit, die von der Literatur selbst gefordert und mitgeformt werden, vom Feuilleton bis zur Akademie, von der populären Sprachkritik bis zur Nobelpreisjury, von der Erstleseerfahrung bis zur Lektoratsarbeit“. (Detering 2016, S. 8) Es gibt zahlreiche Formen der Literatur, vom Roman über die Dichtung bis hin zum Comic und der Graphic Novel. Märchen, Fabeln und Dramen haben nicht den Anspruch, faktenbasierte Erzählungen zu sein (vgl. Strässle 2019). Wenn Texte provozieren und Anstoß erregen, wird nach Verboten gerufen. Bücher wurden und werden verbrannt, zensiert und indiziert (vgl. Schütz 1990, Lorenz 2009). Kritisiert werden gewalttätige und pornografische Darstellungen ebenso wie radikale oder kontroverse politische Stellungnahmen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und Medieninhalte (BjS) kann ein Verbot von Büchern verhängen. Daraus können sich Vertriebsbeschränkungen ergeben. Aufgrund einer gerichtlichen Beschlagnahmung von Schriften kann ein bundesweites Totalverbot bewirkt werden. Zudem können zivilrechtliche Instrumente in Form von Unterlassungsverfügungen, dem Einfordern von Schmerzensgeld oder Schadensersatz erhoben werden (vgl. Kliesch 2017). Der Roman Esra von Maxim Biller Künstler: innen, Literat: innen und Poet: innen schöpfen ihre Inspiration aus den Erlebnissen des eigenen Lebens. Sie greifen auf selbst gemachte Erfahrungen und Konflikte zurück, die sie in literarischer Form im Roman verarbeiteten. Dieser gilt im Gegensatz zur Autobiografie zunächst als rein fiktio- <?page no="160"?> 160 4 Normverletzungen nales Werk, das als Erzählung von Ereignissen klassifiziert wird, die keinen realen Hintergrund haben. Sofern sich eine reale Person in dem Kunstwerk wiedererkennt, kann dies problematisch werden (vgl. Groß 2017). Genau dies geschah in dem Roman Esra von Maxim Biller. Die ehemalige Freundin des Autors hat sich ebenso in dem literarischen Werk erkannt wie ihre Mutter. Beide wurden mit anderem Namen als Kunstfiguren im Text primär negativ beschrieben. Zudem gab es in dem Roman eine Reihe von Szenen, die intime Details und Dialoge der Beziehung offenlegten. Schäfer beurteilt dieses Vorgehen wie folgt: „Biller treibt ein ziemlich billiges Spiel mit der Indiskretion.“ (Schäfer 2007, S. 372) In diesem Fall standen zwei Grundrechte miteinander in Konflikt. Auf der einen Seite ging es um das verfassungsrechtlich postulierte Recht auf Kunstfreiheit. Auf der anderen Seite wurde das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Personen in Form ihrer Privat- und Intimsphäre tangiert. Über den Fall wurde vielfach in der Presse berichtet. Er wurde als Skandal klassifiziert und führte zwischen 2003 bis 2009 in mehreren Instanzen zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Nach der Veröffentlichung des Romans Esra im Jahr 2003 im Kiepenheuer & Witsch-Verlag in Köln kam es zu einem öffentlichen Protest der Ex-Freundin des Autors und ihrer Mutter gegen Darstellungen, die sich in zahlreichen Szenen der Handlung des Buches wiederfanden. Inhaltlich ging es in dem Text um die Liebesgeschichte des jüdischstämmigen Adam mit der Türkin Esra. Unmittelbar nach dem Erscheinen des Buches wurde am Münchener Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Roman durch die Schauspielerin Ayse Romey und ihre Mutter Birsel Lemke eingereicht, da sie sich in den Figuren Esra und Lale wiedererkannten. Das Gericht hat der Forderung auf eine einstweilige Verfügung nachgegeben. In der Klageschrift wurden sowohl ehrverletzende als auch beleidigende Schilderungen der Romanfiguren kritisiert. Daraufhin schlug der Verlag die Veröffentlichung einer überarbeiteten Version vor, in der kritische Textstellen gestrichen werden sollten. Diesem Vorschlag wurde in zweiter Instanz entsprochen, später aber revidiert, so dass der Roman in keiner Version mehr vertrieben werden durfte. Die Richter: innen haben die Auffassung vertreten, dass die Kläger: innen nach der öffentlichen Debatte über den Fall im Roman trotz der Änderungen nach wie vor identifiziert werden können. Eine schwerwiegende Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte sei durch die Darstellungen der Figuren im Buch zu konstatieren. Es erfolgte eine Berufung gegen das Urteil durch den Verlag am 12. November 2003 beim Oberlandesgericht München, der eine Herabwürdigung der künstlerischen Freiheit in einem belletristischen Werk sah. Dieses Argument hatte aber keinen juristischen Erfolg. Das bisherige Urteil wurde am Bundesgerichtshof bestätigt. Daraufhin legte Kiepenheuer & Witsch am 19. August 2005 eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein. Das Gericht <?page no="161"?> 4.17 Zensur 161 kam zu dem Ergebnis, dass im Fall von Esra (Ayse Romey) eine Persönlichkeitsrechtsverletzung stattgefunden habe. Der Forderung der Klägerin nach Schmerzensgeld wurde nicht entsprochen. Die Auseinandersetzung über das Romanverbot von Esra als Präzedenzfall verfügte über einen hohen Nachrichtenwert und generierte eine Reihe von öffentlichen und wissenschaftlichen Anschlussdiskursen, in denen das Spannungsfeld zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsschutz weiter debattiert wurde (vgl. Ladeur 2007, Hielscher 2009, Jagow 2009, Müllender 2014, Malchow 2017, Schicha 2025b). Der Fall ist insofern interessant, weil hier keine - sonst oft üblichen - anstößigen Inhalte verboten wurden, die sich auf politische, gewalttätige oder pornografische Inhalte beziehen. Aus diesen Gründen werden Filmwerke zensiert, auf die nachfolgend eingegangen wird. Film In Filmen und Fernsehserien werden im Rahmen der Spielhandlung Szenen gezeigt, die Tabubrüche beinhalten können. Grenzüberschreitungen in den Werken führen zu kontroversen Debatten bis hin zu Verboten (vgl. Ritzer 2011). So durften Propagandafilme der Nationalsozialisten wie Triumph des Willens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht gezeigt werden. Die amerikanischen Produktionen Basic Instinct und Natural Born Killers wurden aufgrund der Sexszenen und Gewaltdarstellung zumindest teilweise zensiert (vgl. Hoeren/ Meyer 2007). Eine Zensur wurde auch aufgrund von politischen Aussagen vorgenommen. Das 1942 in den USA gedrehte Melodram Casablanca erhielt 1944 drei Oscars und gilt bis heute als Kultfilm. Die marokkanische Stadt diente Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes als letzter Fluchtort nach Übersee. Zahlreiche Schauspieler wie Peter Lorre, die während des Faschismus verfolgt worden sind, haben Rollen in der Spielhandlung übernommen. Als der Film 1952 in die Kinos der Bundesrepublik Deutschland kam, wurde er durch die deutsche Bearbeitung vollkommen entstellt: „Aus dem Anti-Nazi-Film wurde eine flache Agentengeschichte. […] Ganze 21 Minuten wurden herausgeschnitten. […] Einer der Höhepunkte des Films, als die Deutschen die ‚Wacht am Rhein‘ anstimmten und von französischen Patrioten mit der ‚Marseillaise‘ niedergesungen wurden, fehlte. Erst 1975 wurde von der ARD eine authentische deutsche Fassung von ‚Casablanca‘ produziert. (Habel 2003, S. 25) Richtlinien für die Freigabe von Filmwerken werden von der Medienregulierung festgelegt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist eine Einrichtung der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft zur Prüfung der Altersfreigabe von Medien. Alle Filme, die in Deutschland zur Veröffentlichung vorgesehen sind, werden vor ihrer Aufführung von der FSK geprüft. Dabei können Schnittauflagen verfügt und Altersfreigaben vergeben werden (vgl. Kliesch 2017). In Deutschland werden Filme ohne Altersbeschränkung <?page no="162"?> 162 4 Normverletzungen freigegeben. Ansonsten sind die Grenzen von sechs und zwölf Jahren über 16 Jahre bis nach der Volljährigkeit freigegeben. Dabei spielt der Jugendschutz eine zentrale Rolle. „Gemäß ihrem Status richtete sich die FSK vornehmlich gegen jene Filme, die geeignet waren, das sittliche oder religiöse Empfinden zu verletzen, entsittlichend oder verrohend zu wirken; antidemokratische (nationalsozialistische, bolschewistische u.a.), militaristische, imperialistische, nationalistische oder rassenhetzerische Tendenzen zu fördern; die Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten zu gefährden oder das Ansehen Deutschlands herabzuwürdigen; die verfassungsmäßigen und rechtsstaatlichen Grundlagen des deutschen Volkes zu gefährden oder herabzuwürdigen; durch ausgesprochen propagandistische oder tendenziöse Beleuchtung geschichtliche Tatsachen zu verfälschen.“ (Habel 2003, S. 45) Immer wieder wurden Filme aufgrund von Nacktszenen zensiert. Proteste gab es häufig von Seiten der katholischen Kirche. Selbstmorde und Vergewaltigungen durften nicht gezeigt werden, und Filme aus der Zeit des Nationalsozialismus sind in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR so verändert worden, dass faschistische Hoheitszeichen nicht mehr zu sehen waren. Im Laufe der Jahre hat sich eine Liberalisierung bei der Bewertung von Filmwerken entwickelt. So hat der Kinofilm Die Sünderin von 1951 damals erhebliches Aufsehen erregt. Aufgrund einer kurzen unscharfen Nacktszene wollte die katholische Kirche den Film - ohne Erfolg - verbieten lassen. Die Zuschauerresonanz war enorm. Aktuell ist der Film in Deutschland ab 12 Jahren zugelassen (vgl. Hoeren/ Meyer 2007). Dieses Beispiel zeigt, dass es Wertewandelprozesse gibt. „Über Freiheit und ihre Grenzen zu debattieren, gehört zur Demokratie. Tagtäglich wird diskursiv ausgehandelt, was machbar und sagbar ist, was diskriminierend ist, was nicht. Gesetze und ethische Übereinkünfte sollen Orientierung geben, zugleich sind sie nichts Statisches, für die Ewigkeit gemachtes, sondern unterliegen - wie auch die Sprache - gesellschaftlichem Wandel. Was vor Jahrzehnten noch üblich, gang und gäbe, und nicht strafwürdig war, wird heute geächtet und per Gesetz sanktioniert, und was vor Jahrzehnten mit schlimmsten Strafen belegt war, stellt heute keinen Straftatbestand dar.“ (Thiele 2021, S. 76) Sofern sich aber herausstellt, dass ein Film aufgrund gewalttätiger oder sexueller Spielszenen eine Altersfreigabe erst ab 16 oder 18 Jahren vorsieht, werden kontroverse Szenen herausgeschnitten, damit der Film für eine jüngere Zielgruppe zugänglich ist, wodurch sich eine höhere Reichweite und ein größerer Profit erzielen lassen. Es ist bei Forderungen nach Zensur zu prüfen, welche Aussagen und Werke durch die Kunst- und Meinungsfreiheit verfassungsrechtlich geschützt sind und ab welchem Punkt - wie im Fall Esra - ein Verbot zulässig ist, um die Persönlichkeitsrechte von Personen und Personengruppen zu schützen. Die Debatte um diesen Roman hat dokumentiert, <?page no="163"?> 4.17 Zensur 163 dass es gute Gründe geben kann, fiktionale Texte kritisch zu hinterfragen und ggf. zu zensieren. Juristische Verfahren und Auslieferungsverbote von literarischen Werken, Filmen und weiteren Kunstwerken sollten jedoch nur dann als letztes Mittel zum Einsatz kommen, wenn es tatsächlich stichhaltige Argumente gibt, derartige Einschränkungen bis hin zu Verboten vorzunehmen. Eine potenzielle Erklärung für derartige Maßnahmen kann darin liegen, dass das Persönlichkeitsrecht möglicher Opfer der Werke einen höheren Stellenwert hat als die Kunstfreiheit. Gleichwohl besteht die Problematik, dass durch Verbote und Zensur von Büchern und Filmen die Form eines Skandalmarketings resultieren kann, die dazu führt, dass die Popularität umstrittener Autor: innen steigen kann (vgl. Friedrich 2009, Neuhaus/ Holzner 2009, Bartl/ Kraus 2014). Eine langjährige kontroverse juristische und öffentlich-feuilletonistisch begleitete Debatte über strittige Inhalte kann also erreichen, dass provokative Inhalte den Effekt erzielen können, den Verkauf dieser oder anderer Werke zu steigern. Zudem kann die Privat- und Intimsphäre der Betroffenen durch die Aufmerksamkeit auf die öffentliche Debatte und die daraus resultierenden Anschlussdiskurse ein zweites Mal berührt werden. Nachdem in diesem Kapitel ausgewählte Normverletzungen auf verschiedenen Ebenen skizziert worden sind, richtet sich der folgende Teil des Buches auf ausgewählte Debattenräume, in denen kontroverse Themenfelder wie Wokeness, Cancel Culture, kulturelle Aneignung, Genderdebatten und die Grenzen der Satire diskutiert werden, bevor mit ausgewählten Gesprächssendungen und der Bildzeitung Formate herausgegriffen werden, in denen u.a. derartige und weitere Inhalte diskutiert werden. <?page no="165"?> II Kontroversen <?page no="167"?> 5 Meinungsverschiedenheiten „Medienethik und Kommunikationsethik sind (...) zwei sich einander überlappende Begriffe, die häufig synonym oder in ähnlichen Zusammenhängen genutzt werden. Während die Medienethik den Fokus auf die mediale Dimension legt und sich in die verschiedenen Mediengattungen und Medienangebote aufschlüsseln lässt, bezieht sich die Kommunikationsethik auf jedwede kommunikativen Prozesse und stellt somit den funktionalen Aspekt der Kommunikation in den Mittelpunkt.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 1f.) Dieser Differenzierung folgend geht es in diesem Kapitel um eine Ethik der öffentlichen Kommunikation, die sich auf spezifische Debatten, unabhängig von den einzelnen Medienkanälen konzentriert. Dabei können sechs Ebenen voneinander abgegrenzt werden.  „Auf der metaethischen Ebene werden die Prinzipien einer Kommunikationsethik entwickelt und begründet.  Auf der gesellschaftlichen Ebene werden diese Prinzipien vor dem Hintergrund ihrer historischen und gesellschaftlichen Entstehung diskutiert.  Auf der medienpolitischen Ebene ist nach dem Rahmen zu fragen, innerhalb dessen sich Mediensystem und Medienunternehmen, die öffentliche Kommunikation prägen, organisieren.  Auf der Organisationsebene steht das Handeln der einzelnen Unternehmen als Subjekte der Kommunikationsfreiheit im Mittelpunkt.  Auf der berufsbezogenen Ebene sind die normativen Ansprüche an journalistisches Handeln, das Handeln der PR-Akteur*innen und der Werber* innen und ihre Umsetzung zu diskutieren; es ist diese Ebene, die in der Onlinekommunikation der Prosumer*innen nicht existent ist.  Auf der Personalebene geht es um die Gestaltungsmöglichkeiten, die sowohl der einzelne Kommunikator wie die einzelnen Rezipienten bei der Teilhabe an Medienkommunikation haben. Die Forschung und die Anstrengungen, ihre Bedeutung zu erfassen und Voraussetzung dafür zu entwickeln, stehen erst am Anfang.“ (Thomaß u.a. 2024a, S. 12f.) Kommunikationsethische Debatten finden also auf unterschiedlichen personalen oder medialen Ebenen zu verschiedenen Themenfedern statt. Exemplarisch werden hierzu nachfolgend kontroverse Positionen über Wokeness, Cancel Culture, Kulturelle Aneignung, Gendern und Satire dargelegt. 5.1 Wokeness „Weniger woke, weniger gendern, wenige*r divers, sondern vielmehr Fleiß, Leistung und Pünktlichkeit, also Dinge, die eigentlich schon deutsche Tugenden sind.“ (Markus Söder, zitiert nach Stauber 2024) <?page no="168"?> 168 5 Meinungsverschiedenheiten Diese Worte sprach der bayrische Ministerpräsident bei seiner ersten Rede im deutschen Bundestag am 14. November 2024. Damit positionierte er sich gegen eine Haltung, die eine besondere Sensibilität und Rücksichtnahme gegenüber marginalisierten Gruppen einnimmt. Die Wachheit gegenüber sozialen Ungerechtigkeiten wird in der Debatte auch als Wokeness bezeichnet, die zu einem Handeln motivieren soll, diese Zustände zu verbessern. Dazu gehörten gerechte Zugangschancen zur Bildung, der Abbau von unterschiedlichen Löhnen und Gehältern zwischen den Geschlechtern und die Diskriminierung aufgrund der nationalen Herkunft und Hautfarbe. So sind Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland im Durchschnitt nur halb so vermögend. Frauen verdienen hier rund 20% weniger als Männer bei gleicher Arbeit, und auch in den USA verfügen weiße Amerikaner: innen trotz der formalen Gleichstellung und politischen Gleichberechtigung immer noch über ein deutlich höheres Einkommen als die schwarze Bevölkerung (vgl. Sauer 2024). Obwohl Rassismus und Sexismus strafrechtlich verfolgt und benachteiligte Menschen inzwischen besser geschützt werden, gibt es nach wie vor menschenfeindliche Äußerungen und Handlungen, die bekämpft werden müssen. Insofern besitzt der Slogan Stay Woke eine wichtige Bedeutung, um die Mechanismen der Unterdrückung und Diskriminierung deutlich zu machen. Insofern dient Wokeness als notwendige Reaktion auf ungerechte und ausgrenzende Zustände in der Gesellschaft. Andere sehen in diesem Aufruf eine Überempfindlichkeit, die mit Denk- und Sprachverboten einhergeht. „Im Phänomen der Wokeness kommt alles zusammen, was die moralische Matrix der Spätmoderne charakterisiert: die Forderungen nach Gerechtigkeit und Freiheit; die Frage nach der Bedeutung von Identität und Gruppenzugehörigkeit; das Problem der Verteilung von Macht, Eigentum und Privilegien; der Kampf um die symbolische Infrastruktur unserer Gesellschaft; die Grenzen des Sagbaren.“ (Sauer 2024, S. 277) Susanne Schröter (2024) gibt ihrem Buch den Titel Der neue Kulturkampf und vertritt im Untertitel die Auffassung, dass eine woke Linke die Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht. Sie kritisiert das Umschreiben von Kinderbüchern aufgrund angeblicher kultureller Aneignungen und die Absetzung von wissenschaftlichen Veranstaltungen aufgrund der Teilnahme von umstrittenen Diskutant: innen. „Verantwortlich für diesen Irrsinn sind woke Aktivisten, die mit äußerster Aggressivität gegen alle vorgehen, die ihren eigenen politischen Ideologien widersprechen. Der Begriff ‚woke‘ ist eine Selbstbezeichnung aus dem amerikanischen Raum und bedeutet wach oder erwacht. Das klingt nach einer Religion, und in der Tat ähneln Rhetorik und Aktivitäten der woken Linken denen von Erweckungspredigern. Sie werden sie von einer Mission getrieben, die auf eine vollkommene Umgestaltung der Gesellschaft abzielt.“ (Schröter 2024, S. 9) <?page no="169"?> 5.1 Wokeness 169 Sie behauptet, dass auch die „Universitäten im Griff woker Ideologien“ (Schröter 2024, S. 13) verortet sind und dass dort auch der Ursprung liegt. „Diese geben vor, im Namen der Gerechtigkeit, Humanität und Weltoffenheit zu agieren und sich dem Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus verpflichtet zu fühlen. Tatsächlich geht es um die Durchsetzung einer totalitären Ideologie, die weder gerecht noch human ist. Wer widerspricht, muss mit Störungen von Veranstaltungen, Rufmordkampagnen oder tätlichen Angriffen rechnen. Das schüchtert viele Wissenschaftler ein und führt zu einer Kultur des Schweigens sowie zu einer signifikanten Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit. Doch es geht nicht nur um Freiheitsrechte, sondern letztendlich um einen Angriff auf die Wissenschaft selbst, da woke Akteure eine eigenständige Eliminierung von Themen und Positionen anstreben, die ihrer eigenen Weltauffassung widersprechen.“ (Schröter 2024, S. 13) Durch diese Entwicklungen befürchtet sie eine starke Frustration und zunehmende Politikverdrossenheit in breiten Teilen der Bevölkerung. Schröter (2024, S. 12) fordert eine Verteidigung der Demokratie „gegen systematischen Gesinnungsterror und den schleichenden Aufbau eines neuen Überwachungsstaates“. Sie kritisiert auch die Medienberichterstattung. „Medienvertreter bekennen, dass sie weniger an einer ausgewogenen Berichterstattung interessiert sind als daran, Haltung zu zeigen und eine als richtig empfundene Botschaft zu vermitteln. Die vierte Gewalt ist selbst zum politischen Akteur geworden und verwischt die Grenze zwischen Journalismus und Propaganda.“ (Schröter 2024, S. 9) Es werden also Warnungen vor dem „Woken“ artikuliert. Damit werden Denk- und Sprechverbote in Verbindung gebracht. Dennoch gilt: „Es wäre zu einfach, überall eine ‚woke‘ Machtergreifung zu vermuten, wo es um die Frage geht, wie ein wertschätzendes Miteinander in einer Gesellschaft aussehen müsste, dass die Existenz einer größeren Diversität anerkennt.“ (Reuschenbach/ Frenzel 2024, S. 135) Angeblich unterdrückt eine moralisierende Minderheit die breite Mehrheit. Ob diese pauschale Kritik berechtigt ist, ist zu prüfen. Vom Grundsatz her ist „wokeness“ aus einer normativen Perspektive zunächst ein tragfähiger Ansatz. Es geht um eine Wachheit für gesellschaftliche Diskriminierungen, um bestehende Ungerechtigkeiten zu analysieren und zu korrigieren. „Wer ‚woke‘ ist, der ist somit besonders achtsam dafür, dass der Anspruch der liberalen Demokratie auf gleichberechtigte Teilhabe aller tatsächlich eingelöst wird und dass Menschen, die bisher an öffentlichen Diskursen aus welchen Gründen auch immer nicht gleichberechtigt teilnehmen konnten, mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit erhalten.“ (Balzer 2024a, S. 31f.) Insgesamt stellt sich die Frage, was Menschen dürfen und was nicht, wo moralische Grenzen eingehalten oder überschritten werden und welche Maß- <?page no="170"?> 170 5 Meinungsverschiedenheiten stäbe zur Beurteilung derartiger Fälle dienen können. Dazu gehört auch die Debatte um die Auftrittsverbote von Personen, die unter der Bezeichnung Cancel Culture öffentlich kritisiert werden. 5.2 Cancel Culture „Kampagnen, um Auftritte zu verhindern oder Kündigungen zu erzwingen, sind eher ungeeignet, Benachteiligte zu schützen oder Täter ‚zur Verantwortung‘ zu ziehen, wie manchmal behauptet wird. Tatsächlich ist Cancel Culture Ausdruck von autoritärem Verhalten unter dem Deckmantel der Moral.“ (Hübl 2024, S. 190f.) Natürlich kann es gute Gründe geben, künstlerische Werke zu verbieten und Sanktionen gegen menschenfeindliche Personen zu verhängen. Es kann aber auch eine Einschüchterung von Andersdenkenden erfolgen, die nicht zulässig ist. So existieren Formen und Ausprägungen von Selbstzensur, sofern Menschen aufgrund eines empfundenen oder tatsächlichen Drucks auf die Veröffentlichung eigener Beiträge oder Äußerungen verzichten, um wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Misserfolge zu vermeiden (vgl. Roßbach 2018). In der Regel kommt der Druck aber von außen. „Cancel Culture ist ein uraltes Phänomen, das sich durch die Kulturgeschichte der Menschheit zieht: Praktiken, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, deren Auffassungen von den eigenen in störender Weise abweichen.“ (Nida- Rümelin 2023, S. 13) Beim Blick auf das Phänomen Cancel Culture handelt es sich um eine kulturelle Praxis, bei der Meinungen erschwert oder unterbunden werden, bei der Personen zum Schweigen gebracht oder sogar bedroht werden. Derartige Vorgänge werden als Silencing bezeichnet. Diese Strategie verfolgt die Absicht, unbequeme Meinungen zum Schweigen zu bringen. Andersdenkende sollen aus der Diskussion aussteigen, die Foren im Internet verlassen oder sich ganz daraus zurückziehen. Diese Forderungen werden mittels der Androhung von Gewalt und Beleidigungen vollzogen (vgl. Eich u.a. 2022). Es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen künstlerische Werke nicht weiterverbreitet werden sollten. So finden sich in der Literatur längst überholte ethnische Stereotype und belastete Begriffe, die heute als rassistisch gelten. Problematisch sind sexistische, kolonialistische, homophobe und weitere Narrative, die sich zum Beispiel in Romanen finden lassen. Grundsätzlich ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Cancelns erforderlich. Neben einer genauen und sensiblen Lektüre der jeweiligen Werke sollten die historischen und politischen Zusammenhänge berücksichtigt werden (vgl. Domainko u.a. 2023). Dies ist aber nicht immer der Fall. „Der Diskurs um Cancel Culture zeichnet sich weniger durch klare Definitionen und genaue Beschreibungen gesellschaftlicher Dynamiken aus, sondern weitaus mehr durch ein generelles Gefühl der Bedrohung.“ (Daub 2022, S. 26). Daub <?page no="171"?> 5.2 Cancel Culture 171 171 klassifiziert diese Entwicklung im Untertitel seines Buches als „moralische Panik“. Ihm zufolge liegt hinter der These einer sich ausbreitenden Kultur des Cancelns eine vorschnelle Diagnose zugrunde. Hübl (2024, S. 13) spricht gar von einer „Einschüchterungskultur“, die er als Spielart eines Moralspektakels identifiziert. Sie liegt vor, wenn „man Leute, deren Wertvorstellungen einem missfallen, nicht einfach ignoriert oder mit Argumenten widerlegt, sondern sie stattdessen öffentlich oder privat unter Druck setzt oder gar versucht, ihre berufliche Lebensgrundlage zu zerstören.“ (Hübl 2024, S. 13) Beim Blick auf abgesagte kulturelle, politische und wissenschaftliche Veranstaltungen und die Löschung von Meinungsbeiträgen ist also von Cancel Culture die Rede. Die Unterdrückung unpopulärer Meinungen wird auf der einen Seite als Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit wahrgenommen. Auf der anderen Seite wird bei kontroversen Auffassungen darauf hingewiesen, dass problematischen Einstellungen kein Forum geboten werden sollte, um entsprechende Positionen zu verbreiten. Gleichwohl geht es darum, kontroverse Auffassungen öffentlich zu diskutieren (vgl. Ash 2017, Schicha 2019a, Schröder 2021). Wenn Auseinandersetzungen medial aufgegriffen, zugespitzt und personalisiert werden, ist das für die beteiligten Diskutant: innen wenig erfreulich. Dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler wurden in dem Blog Münkler-Watch „rassistische, sexistische und militaristische Annahmen und Aussagen in seiner Vorlesung zur politischen Theorie und Ideengeschichte unterstellt“ (Jaeger 2015). Seine Lehrveranstaltungen wurden von Protestierenden gestört (vgl. Scholz 2023). Die Vorlesung ‚Politische Theorie und Mediengeschichte‘ wurde jede Woche von anonymen Blogger: innen begleitet. Er wurde von ihnen als „Kriegstreiber“ beschimpft und der „Propaganda“ bezichtigt. (Goddar 2015, S. 13). Der Satiriker Dieter Nuhr (2020) hat zur Aktion #fürdasWissen anlässlich des 100sten Geburtstages der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) folgende Botschaft formuliert: „Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: Nein, nein! Das ist normal! Wissenschaft ist gerade, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft ‚Folgt der Wissenschaft! ‘, der hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.“ Die DFG (2020) hat dieses Statement von Dieter Nuhr nach Protesten an sa- <?page no="172"?> 172 5 Meinungsverschiedenheiten tirischen Beiträgen des Künstlers von der Kampagne-Website heruntergenommen. In einem Shitstorm wurde Nuhr u.a. vorgeworfen, dass er den Klimawandel leugne, was nicht der Fall ist (vgl. Schröder 2021). Später hat die DFG ihre Entscheidung korrigiert und den Beitrag mit folgender Begründung und dem Einverständnis des Künstlers wiedereingestellt: „Die DFG bedauert es ausdrücklich, das Statement von Dieter Nuhr vorschnell von der Internetseite der Online-Aktion #fürdasWissen heruntergenommen zu haben. Herr Nuhr ist eine Person, die mitten in unserer Gesellschaft steht und sich zur Wissenschaft und rationalem Diskurs bekennt. Auch wenn seine Pointiertheit als Satiriker für manchen irritierend sein mag, so ist gerade eine Institution wie die DFG der Freiheit des Denkens auf Basis der Aufklärung verpflichtet. Wir haben den Beitrag daher wiederaufgenommen. Die Diskussion um den Beitrag verdeutlicht exemplarisch die Entwicklungen, die aktuell viele öffentliche Diskussionen um die Wissenschaft kennzeichnen. In verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich eine Debattenkultur entwickelt, in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, in der weniger zugehört und nachgefragt, sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird. An die Stelle des gemeinsamen Dialogs treten zunehmend polarisierte und polarisierende Auseinandersetzungen. Gerade bei zentralen Fragen wie dem Klimawandel oder der Coronavirus-Pandemie werden damit die wirklich notwendige Diskussion um wissenschaftliche Themen und der konstruktive Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft behindert. Wissenschaftler: innen und Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse öffentlich machen und politische Handlungsoptionen beschreiben, sind immer häufiger ein Ziel unsachlicher Attacken und persönlicher Diffamierungen. Dies gilt auch für gesellschaftliche Bewegungen, die für die Wissenschaft eintreten und öffentlich dazu aufrufen, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker zur Basis von Entscheidungen und Handlungen zu machen. Diese Entwicklungen sind der Gesellschaft nicht zuträglich und umso bedenklicher, als die Wissenschaft bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen eine zentrale Rolle spielt, mit der sie derzeit in der Gesellschaft stark wahrgenommen und geschätzt wird. Dabei ist sie ihrerseits auf eine kritische, offene und konstruktive Kommunikationskultur angewiesen. Die DFG möchte diese Beobachtungen zum Anlass nehmen, eine intensive Auseinandersetzung mit der aktuellen Debattenkultur rund um die Wissenschaft anzustoßen. Die DFG steht für Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sowie für eine differenzierte Diskussionskultur. Hierfür wird sie sich auch in Zukunft weiter mit aller Kraft einsetzen - gemeinsam mit anderen Akteuren aus Wissenschaft, Medien, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft im In- und Ausland.“ Insofern verfolgt die Korrektur der Löschung des Beitrages mit diesem Statement der DFG einen konstruktiven Ansatz, der kontroverse Debatten zulässt und ein Plädoyer für die Meinungsvielfalt liefert (vgl. Scholz 2023). Nachfolgend finden sich weitere Beispiele, die in die Kategorie Cancel Culture passen, auch wenn nicht alle Veranstaltungen abgesagt worden sind. <?page no="173"?> 5.2 Cancel Culture 173 173 Gegen die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, die Ethnologin Susanne Schröder, hatte es im Vorfeld einer im Jahr 2019 stattfindenden Konferenz an der Universität Frankfurt mit dem Titel ‚Das islamische Kopftuch - Symbol der Würde oder der Unterdrückung? ‘ in sozialen Netzwerken Beschimpfungen und Drohungen gegeben. Abbildung 6: Ankündigung der Tagung: Das islamische Kopftuch Die Konferenz ist dennoch durchgeführt worden (vgl. Staib 2019, Freyn 2020, Schröder 2021, Schröter 2024). Der umstrittene Autor und ehemaliger SPD-Politiker Thilo Sarrazin wurde im November 2018 zu einem Vortrag über Meinungsfreiheit in einem Seminar an die Universität Siegen eingeladen. Die Hochschule distanzierte sich von der Veranstaltung und die Fakultät hat die Mittel dafür gestrichen. Dennoch konnte der Vortrag stattfinden (vgl. Schröder 2021). Als der AfD-Gründer und Hochschullehrer Bernd Lucke nach längerer Pause im Wintersemester 2020 und nach seinem Rückzug aus der Politik an der Hamburger Universität eine VWL-Vorlesung abhalten wollte, haben Studierende ihn beschimpft und dies verhindert. Er ist unter Polizeischutz vom Campus geführt worden (vgl. Schröder 2021). 2017 versuchten Studierende, einen Auftritt von FDP-Chef Christian Lindner an der Universität Bochum zu stören (vgl. Becker u.a. 2019). Im WDR-Talkformat Die letzte Instanz haben die Diskutant: innen Janine Kunze, Thomas Gottschalk, Jürgen Milski, Mickey Beisenherz unter der Moderation von Steffen Hallaschka wenig reflektiert über die Verwendung des Begriffes ‚Zigeunerschnitzel‘ diskutiert (vgl. Struch 2024). Die Debatte löste einen Shitstorm aus. Einige beteiligte Protagonist: innen haben sich daraufhin entschuldigt (vgl. Haller 2020). In einem Pippi Langstrumpf -Buch von Astrid Lindgren ist das Wort ‚Negerkönig‘ vom Friedrich-Oettinger-Verlag aufgrund seiner rassistischen Bedeutung bereits 2009 in allen Neuauflagen durch den Begriff ‚Südseekönig‘ ersetzt worden (vgl. Martenstein 2013, Schneider 2023). Der Stuttgarter Thienemann-Verlag hat in einer Neuauflage des Kinderbuches von Michael Ende mit dem Titel Jim Knopf und die Wilde 13 eine große Anzahl stereotyper Beschreibungen verändert und das N-Wort gestrichen (vgl. Bartels 2024). <?page no="174"?> 174 5 Meinungsverschiedenheiten Bei der Frankfurter Buchmesse 2017 haben rechtsextreme Verlage ihre Stände aufgebaut. Lesungen mussten aufgrund von lautstarken Protesten abgebrochen werden (vgl. Roßbach 2018). Der S. Fischer-Verlag hat sich 2020 von der Schriftstellerin Monika Maron getrennt, „weil einer ihrer Texte in einem Verlag erschienen ist, dessen Leiterin eine zu große Nähe zum neurechten Verlag Antaios nachgesagt wurde“ (Hübl 2024, S. 159). Die Kabarettistin und Schriftstellerin Lisa Eckhart arbeitet mit Pointen, die davon leben, gezielt gegen politische Korrektheit zu verstoßen. Ihr wurde vorgeworfen, antisemitische Witze gemacht zu haben. Sie wurde bei einem Literaturfestival in Hamburg ausgeladen (vgl. Mangold 2023). Der Regisseur Woody Allen wird seit Jahren mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Obwohl es hierzu keine juristische Erhärtung gibt, wird sein Werk in den USA geächtet. Ein Buchvertrag über seine Memoiren wurde dort aufgelöst. In Deutschland konnten seine Erinnerungen hingegen erscheinen (vgl. Mangold 2023). Der ehemalige deutsche Minister Thomas de Maiziere wollte beim Göttinger Literaturherbst sein Buch Regieren. Innenansichten der Politik vorstellen und wurde von Demonstrierenden daran gehindert, Textteile zu lesen. Die Veranstaltung musste abgebrochen werden (vgl. Becker u.a. 2019). Boykottaufrufe gab es gegenüber Filmen des Regisseurs Roman Polanski, der strafrechtlich verurteilt worden ist, weil er ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt hat (vgl. Dederer 2023). In literarischen Werken des Kinderbuchautors Roald Dahl sind Textpassagen in Neuauflagen verändert worden, die als rassistisch identifiziert worden sind (vgl. Kämmerling 2023). Kritisch diskutiert wird der Roman Tauben im Gras von Wolfgang Koeppen von 1951, der rassistische Spracheelemente in der Erzählung aufweist. Somit wurden Forderungen laut, den Roman aus dem Kanon der Schullektüre zu entfernen (vgl. Klute 2023). Wegen sexistischer und rassistischer Inhalte erhalten James-Bond-Filme aus den 1960er Jahren in England Warnhinweise. Es wird darauf hingewiesen, dass dort überholte rassistische Stereotypen verwendet worden sind (vgl. Weyerer 2024). Wiederholungen der Harald Schmidt-Show und Sendungen von Otto Waalkes werden zwar gezeigt, aber zuvor mit einem Warnhinweis versehen, da in den Formaten der beiden Komiker u.a. frauenfeindliche Witze gemacht worden sind. Vor der Ausstrahlung der Formate wurde folgender Hinweis eingeblendet: <?page no="175"?> 5.2 Cancel Culture 175 175 Abbildung 7: WDR- Warnhinweis vor der Ausstrahlung einer Wiederholung der Harald Schmidt-Show Inzwischen lassen einige Verlage eingereichte Manuskripte überprüfen. Es handelt sich dabei um sogenannte Moral-Lektoren. Die Texte werden daraufhin untersucht, ob Menschen sich vom Inhalt gegebenenfalls angegriffen fühlen könnten. Diese Prüfer: innen gehören teilweise selbst Gruppen von Minderheiten an oder hatten nach eigenen Angaben traumatische Erlebnisse (vgl. Hübl 2024). Hinsichtlich der Übersetzung von Amanda Gormans Gedicht The Hill We Climb (2021) wurde darüber diskutiert, ob eine weiße Person das Werk der dunkelhäutigen Autorin in andere Sprachen übersetzen darf. So wurde die These vertreten, dass die professionelle Qualifikation für diese Tätigkeit wichtiger sei als die ethnische Herkunft, das Geschlecht oder die Hautfarbe (vgl. Liessmann 2023a). Die Debatte stellte sich wie folgt dar: „Eine unbekannt schwarze holländische Modeaktivistin hat einen Shitstorm gestartet, weil die erfolgreiche nicht-binäre Schriftstellerin Marieke Rijneveld (heute Lucas Rijneveld) angeblich nicht übersetzen könne, weil sie eine weiße Hautfarbe hat, obwohl Gorman selbst das nicht als Problem ansah. Rijneveld trat von dem Auftrag zurück. Für die deutsche Übersetzung hat der Verlag Hoffmann und Campe daraufhin, um auf Nummer sicher zu gehen, drei Frauen engagiert. Neben einer etablierten Übersetzerin waren noch eine schwarze Politologin und eine deutsch-türkische Journalistin im Team, die sich bisher nicht durch Übersetzungstätigkeiten hervorgetan hatten. Das Gedicht selbst besteht aus 709 Wörtern.“ (Hübl 2024, S. 229) Am Ende wurde also ein Team mit der Übersetzung beauftragt (vgl. Strigl 2023). Die Liste derartiger Debatten um Cancel-Culture-Aktivitäten lässt sich fortsetzen. So gab es Missbrauchsvorwürfe gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann, der davon juristisch freigesprochen wurde. Michael Jackson wurde Kindesmissbrauch vorgeworfen. Auch er wurde nicht verurteilt. Und dann gibt es noch das Feld der Künstler: innen mit problematischen politischen Ansätzen und der damit verbundenen Frage, wie mit ihnen umgegangen werden sollte. Der Rapper Kayne West hat sich positiv über Hitler geäußert, und der Pink-Floyd-Musiker Roger Waters rechtfertigte den Hamas-An- <?page no="176"?> 176 5 Meinungsverschiedenheiten griff auf Israel (vgl. Bos 2023). Manche Stars sind verurteilte Missbrauchstäter oder inszenieren sich als frauenverachtende Stalker (vgl. Obertreis 2024). Aufgrund des Verhaltens der umstrittenen Künstler: innen werden Auftrittsverbote und der Boykott der Produkte gefordert. Derartige Debatten stellen eine Positionsbestimmung dar. Es geht um Fragen der sozialen Zugehörigkeit, um Identifikation oder Abgrenzung gegenüber spezifischen Personen und ihren Auffassungen (vgl. Jung/ Kempf 2023). Der Untertitel des Buches von Claire Dederer (2023) Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen bringt die Problematik auf den Punkt. Es stellt sich die Frage, ob Kunstwerke verdächtigter oder verurteilter Straftäter: innen boykottiert oder gar verboten werden sollten oder ob damit ein unzulässiger Eingriff in die Kunstfreiheit vollzogen wird. Es soll verhindert werden, einer unliebsamen Person eine Plattform für das kritisierte Werk zu geben. Die Kritik am Canceln ist ausgeprägt. So vertritt Strigl (2023, S. 86) die Auffassung: „Als verletzend, traumatisierend, unsensibel, incorrect, strukturell sexistisch und rassistisch gebrandmarkte Texte sollen eben nicht zur Diskussion gestellt und einer öffentlichen Kritik unterzogen werden: man will sie weghaben, sie sollen gar nicht publik werden, sie sollen schlicht verschwinden - als gäbe es ein Konsumzwang für umstrittene Kunstereignisse.“ Insofern sollte das Publikum selbst entscheiden, ob es die Angebote von umstrittenen Persönlichkeiten konsumiert oder lieber darauf verzichtet. Gleichwohl kann es schon aufgrund des Jugendschutzes gute Gründe geben, bestimmte Medieninhalte den Kindern und Jugendlichen nicht zur Verfügung zu stellen und mit einer Altersfreigabe zu versehen. Unter welchen Voraussetzungen künstlerische Produkte öffentlich präsentiert werden dürfen, wird auch im Rahmen der Debatte um die kulturelle Aneignung diskutiert, auf die nachfolgend eingegangen wird. 5.3 Kulturelle Aneignung „Kulturelle Aneignung […] basiert auf durch Rassismus geschaffenen Strukturen von Ungleichheit und einer damit einhergehenden hierarchischen Machtverteilung zwischen Dominanzgesellschaft und ratifizierten Personen. Dadurch stärkt sie strukturelle und institutionelle Formen des Rassismus und macht sich diese Strukturen gleichzeitig zunutze, um Zugriff auf sämtliche kulturelle Elemente in ihrer Reichweite zu beanspruchen und diese nach eigenem Ermessen zu benutzen und zu vernutzen.“ (Distelhorst 2021, S. 181f.) Kulturelle Aneignung gilt als Diebstahl des kulturellen Eigentums anderer Gruppen. Dabei kann es sich um Frisuren oder um Kunstwerke handeln. Europäische und amerikanische Träger: innen von Dreadlocks, die mit einer karibisch-jamaikanischen Kulturtradition in Verbindung gebracht werden, werden bei Veranstaltungen wegen ihrer Frisur ausgeladen (vgl. Distelhorst 2021, Schneider 2021). Kritiker: innen dieser Maßnahmen weisen darauf hin, <?page no="177"?> 5.3 Kulturelle Aneignung 177 dass kreative Schöpfungen und Entwicklungen in einer globalisierten Welt ohne kulturelle Aneignungen auf vorausgegangene kulturelle Formen überhaupt nicht denkbar seien und nicht a priori diskriminierend sind. Wer kulturelle Aneignung betreibt - so der Vorwurf - macht sich also des Vergehens schuldig, Angehöriger anderer Kulturen respektlos auszubeuten, um sich damit zu schmücken und zu bereichern. Dabei geht es um „Verzerrung, Entmündigung, Respektlosigkeit und Stereotypenbildung […]“ (Distelhorst 2021, S. 21). So wird die unreflektierte Verwendung des Begriffs ‚Indianer‘ kritisiert. Dies „sei eine diskriminierende, koloniale Fremdbezeichnung […]“ (Balzer 2022a, S. 9). Der Ravensburger Verlag hat Begleitbücher zum Kinofilm Der junge Häuptling Winnetou vom Markt genommen, nachdem Vorwürfe laut geworden sind, dass in der Schrift stereotype Darstellungen von Indianer: innen vorgenommen worden seien (vgl. Jungkunz 2022, Karl-May-Verlag 2022). Diese Debatte hat auch die Politik erreicht. Die grüne Politikerin Bettina Jarasch wurde auf einen Parteitag in einem Interview nach ihren biografischen Prägungen befragt und antwortete, dass sie als Kind gerne Indianerhäuptling geworden wäre. Es folgte ein Shitstorm aufgrund von Rassismusvorwürfen. Nach dem Protest der Delegierten entschuldigte sich Jarasch für den Gebrauch des Wortes. In der YouTube-Aufzeichnung der Veranstaltung war der Satz von Jarasch nicht mehr zu hören. Es wurde vielmehr eine Schrifttafel eingeblendet, auf der darauf hingewiesen wurde, dass „diskriminierende Denkmuster zu hinterfragen“ (zit. nach Balzer 2022a, S. 10) sind. Im Anschluss an dieses Ereignis gab es Stimmen, die diese Korrektur und Entschuldigung angemessen fanden. In anderen Positionen wurde die Auffassung vertreten, dass der Umgang mit der Äußerung der Politikerin als hysterisch und dogmatisch zu beurteilen ist. Unlängst wurde diskutiert, ob der Begriff ‚Oberindianer‘ (gemeint war Erich Honecker), der im Liedtext ‚Sonderzug nach Pankow‘ von Udo Lindenberg aus dem Jahr 1983 auftaucht, heute noch von Chören gesungen werden darf. „Die Empörung kennt keine Grenzen. Die Bildzeitung, die zuerst darüber berichtete, sieht ‚Sprachpolizei‘ und ‚Zensur am Werk‘. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) findet das Nichtsingen des Indianerwortes ‚kulturlos‘ […] Nur Udo Lindenberg schweigt beharrlich.“ (Balzer 2024b, S. 55) Im Bereich der Popmusik wird weiterhin der Vorwurf geäußert, dass eine finanzielle Ausbeutung durch kulturelle Aneignung erfolgt ist. So hätten weiße Künstler: innen z.B. den schwarzen Blues ausgebeutet. „Sie nehmen damit den ursprünglichen Urhebern die Möglichkeit, selber angemessen von ihrer Kunst in ökonomischer Hinsicht zu profitieren; so verwandelt sich die Aneignung in eine Enteignung, die Appropriation in eine Expropriation; und im schlimmsten Fall bleiben die Expropriateure dabei trotzdem Rassisten.“ (Balzer 2022a, S. 30f.) Die weiße Popkultur u.a. beim Blues und HipHop habe gezeigt, dass Sounds <?page no="178"?> 178 5 Meinungsverschiedenheiten und Stile der afroamerikanischen Tradition als eigene Werke ausgegeben worden sind, während die wahren Schöpfer: innen nicht sichtbar seien. Insofern wird für einen sensiblen und zurückhaltenden Umgang mit den Zeichen und Leistungen anderer Kulturen plädiert. Sofern auf das kulturelle Erbe zurückgegriffen wird, sollten die Urheber: innen angemessen gewürdigt werden. Gelungene Formen der kulturellen Aneignung treten dann in Erscheinung, wenn aus unterschiedlichen Einflüssen etwas Neues entsteht, bei dem die alten Elemente sichtbar bleiben und reflektiert werden (vgl. Balzer 2022a). Gleichwohl ist darauf zu achten, dass Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Merkmale „nicht abgewertet und von sozialen Interaktions- und Kommunikationsprozessen ausgeschlossen werden“ (Distelhorst 2021, S. 109f.). Dabei lässt sich folgende Entwicklung aufzeigen. „Die einst so homogen wirkende Public Sphere ist vielfältiger und dissonanter geworden, mehr Menschen können und wollen mitreden. Deren mediale Präsenz irritiert diejenigen, die bislang den gesellschaftlichen Diskurs bestimmt haben und gewohnt waren, hofiert statt kritisiert zu werden. Dass sie, um ihre Macht und Privilegien fürchtend, nun Intoleranz, Cancel Culture und Political Correctness beklagen, ist nachvollziehbar.“ (Thiele 2021, S. 77) Insofern ist es wichtig, derartige Debatten nicht nur anhand von kontroversen Einzelfällen zu analysieren, sondern auch die strukturellen Rahmenbedingungen und Machtverhältnisse bei der Bewertung zu berücksichtigen. Das Konzept der kulturellen Aneignung kann problematisch sein, wenn es zu rigide ausfällt. „Demzufolge sind nicht alle Sprecher gleich, sondern manche geeigneter, andere dagegen gänzlich ungeeignet, oder noch schlimmer: schon der Versuch eines Ungeeigneten, sich zu bestimmten Themen zu äußern, wird mindestens als Übergriff aufgefasst. Demgemäß dürfen sich Männer nicht über die Lage und Benachteiligung von Frauen, weiße gebildete gutverdienende Frauen nicht über die Lage von dunkelhäutigen ausgebeuteten Frauen in schlecht bezahlten Berufen, Bio-Inländer nicht über die Lage von Zugewanderten, Heterosexuelle nicht über die Lage von Homosexuellen äußern, und so fort.“ (Menasse 2020, S. 24f.) Neben den Kontroversen um die kulturelle Aneignung sorgt auch die sogenannte Gender-Debatte, auf die nachfolgend eingegangen wird, für heftige Auseinandersetzungen. 5.4 Gendern Reimann (2020) hat unterschiedliche Formen des Genderns bei der sprachlichen Darstellung zusammengefasst. Dazu gehören  die Paarform (liebe Leserinnen und Leser),  das Binnen-I (liebe Leser: innen), <?page no="179"?> 5.4 Gendern 179  die geschlechtsneutrale Formulierung (liebe Lesende),  abwechselnde Rollenverteilung (Die Zuhörerin sagt dem Vorleser, er möge doch lieber mehr über Held: innen lesen als über Zauberer),  das Gender Gap mithilfe des Sternchens (liebe Leser*innen),  der Unterstrich (liebe Leser_innen),  der Doppelpunkt (liebe Leser: innen),  der eine Punkt (liebe Leser.innen) und  eine Lücke (liebe Leser innen). Über das Gendern in der Sprache wurde in Deutschland in den letzten Jahren kontrovers diskutiert. So hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung im Dezember 2023 angekündigt, dass es kein verpflichtendes Gendern geben wird und dies in Schulen und Verwaltungen untersagt wird. Diese Ankündigung ist inzwischen umgesetzt worden. Im September 2021 hatte er via Facebook eine konträre Position vertreten. „Jeder und jede darf Sprache verwenden, wie er oder sie will, aber alle sollten darauf achten, Sensibilität und Respekt in der Sprache zu zeigen. Es geht aber nicht, dass Sprache am Ende verordnet wird. Es kann nicht sein, dass wir eine Art Gendergesetz oder Genderstrafzettel bekommen. Bayern ist ein Freistaat und kein Belehrungsstaat.“ (Söder, zitiert nach Reuschenbach/ Frenzel 2024, S. 146) Im hessischen Koalitionsvertrag haben die CDU und SPD festgelegt, dass in der öffentlichen Verwaltung und in staatlichen Institutionen auf das Gendern mit Sonderzeichen verzichtet wird (vgl. Riethmüller/ Zehnter 2024). Die konträren Positionen stellen sich wie folgt dar: „Aktivisten am linken Rand wollen das Gendern zur Pflicht machen, Aktivisten am rechten Rand es verbieten. Und die tolerante, aber schweigende Mehrheit der Deutschen, die der Ansicht ist, dass jeder so sprechen darf, wie er will, man das Gendern also weder autoritär erzwingen noch untersagen sollte, schauen diesem Konflikt mit großen Augen zu, einige fasziniert, andere ratlos und viele leiden an Empörungserschöpfung: Sie sind so überfordert damit, dass sich andere ständig über irgendwas aufregen, dass sie mit ihrer eigenen Empörung gar nicht mehr hinterherkommen.“ (Hübl 2024, S. 17f.) Reimann (2020) plädiert für den Einsatz einer geschlechtergerechten Sprache. Das Gendern habe dazu beigetragen, eine größere Zielgruppe anzusprechen. Das generische Maskulinum hingegen - so der Vorwurf - verengt den Blick auf das männliche Geschlecht und grenzt damit andere Geschlechter aus. Dieser Auffassung schließt sich Elsen (2023, S. 21 f.) an. Dabei führt sie folgende Argumente an:  „Vorstellungen werden durch Erfahrung, Stereotype und Sprache beein- <?page no="180"?> 180 5 Meinungsverschiedenheiten flusst. Erwachsene tragen ihren Teil dazu bei, Geschlechtsunterschiede zu stärken und die Kinder auf stereotypkonformen Bahnen zu halten. Die verschiedenen Faktoren greifen ineinander und sind daher nicht ganz sauber zu trennen.  Unabhängig von sprachsystematischer Regularität gibt es eine enge assoziative Verbindung zwischen Genus (grammatisches Geschlecht) und Geschlecht. a) Die Sprache behandelt die Geschlechter nicht gleich. b) Sprachlich agieren die Geschlechter nicht gleich.  Der Sprachgebrauch beeinflusst Denken und Wahrnehmung und damit Handeln. […]  Sprache und Stereotype führen zu Unterschieden im Denken über und im Umgang mit Frauen und Männern. Dies ist nicht zu beanstanden, solange damit eine faire, gleichberechtigte Behandlung nicht gefährdet wird. Geschlechtsstereotype und geschlechterungerechte Sprache lösen jedoch einen voreingenommenen Umgang mit Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männern aus. Das führt zu ungleichen Chancen im täglichen Miteinander, bei Identitätsfindung und Lebensentwurf.  Über Sprache lernen wir gesellschaftliche Positionen, Normen und Rollen. Mit Sprache dokumentieren wir sie und geben sie weiter. Damit manifestieren und reproduzieren wir auch Ungleichheit. […]  Ein gendersensibler Umgang miteinander kann auch in der Ausbildungssituation erreicht werden (Kita, Schule, Universität, Integration von Geflüchteten), indem er durch Lehrkräfte erkannt und umgesetzt und bei Kindern und Jugendlichen gefördert wird. Daher sind die Verantwortlichen über die verschiedenen Zusammenhänge aufzuklären und für die Auswirkungen zu sensibilisieren.  Kinder, die genderbewusst aufwachsen, haben gerechtere Chancen im Privaten und im Beruf. Sie können diese wieder an Andere weitergeben und als Vorbilder fungieren. Somit sind im Endeffekt gesellschaftspolitische Auswirkungen erwartbar. Ziel ist es nicht, Frauen und Männer gleich zu machen, sondern die Anerkennung ihrer faktischen Gleichwertigkeit und entsprechend mehr Chancengleichheit zu erreichen.“ Dörte Stein (2021, S. 14) vertritt hingegen die Auffassung, dass das Gendersternchen „neue Hürden“ schafft und diejenigen ausschließt, die „wenig oder nicht lesen können“. Sie kommt zu dem Fazit, dass Sprache nicht „unnötig verkompliziert werden“ sollte, um „Hürden“ zu vermeiden, „die anderen Menschen die Teilhabe erschweren.“ Die unterschiedlichen Positionen lassen sich wie folgt darstellen: „Die Genderfront klagt: Ihr Ewiggestrigen habt immer noch nicht verstanden, dass Sprache Denken formt. Männliche Formen werden nun einmal nicht ge- <?page no="181"?> 5.4 Gendern 181 schlechtsneutral formuliert. Frauen werden eben nicht automatisch ‚mit gemeint‘ wahrgenommen, geschweige denn andere sexuelle Orientierungen. Geschlechtergerechtigkeit muss sich auch in der Sprache zeigen. Die Sprachkonservativen entgegnen: Ihr hypersensiblen Moralapostel wollt uns das Wort verbieten, wollt unsere gute alte deutsche Sprache verbiegen: Sprachzensur! Gesinnungsdiktatur! Zensur! “ (Roßbach 2018, S. 177) Kontrovers verlaufen Diskurse um die sogenannte Gender-Debatte bei der Wahl eines angemessenen Sprachgebrauchs im Umgang der Geschlechter auch in der Politik. Die Diskursräume stellen sich wie folgt dar: „Die Debatte über gendersensible Sprache eskaliert zum Krieg ums Sternchen. Dabei geht es doch darum, eine gemeinsame Sprache zu finden, um buchstäbliche Schönheit und um Höflichkeit. Wir müssen reden! “ (Laarz 2021, S. 31). Dies tut die feministische Sprachkritik bereits seit vielen Jahrzehnten. Sie ist in Deutschland seit den 1970er Jahren wissenschaftlich etabliert. Deutschsprachige Feminist: innen und feministische Linguist: innen engagieren sich seither für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch (vgl. Pusch 2021). Die sogenannte Gender-Debatte berührt schließlich geschlechtersensible Aspekte. Es geht dabei u.a. um Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Respekt und die Sichtbarkeit aller Geschlechter. Die DGPuK-Debatte Nachdem der Kommunikationswissenschaftler Rudolf Stöber (2021) in der ersten Ausgabe der Fachzeitschrift Publizistik im Jahr 2021 einen Beitrag mit dem Titel ‚Genderstern und Binnen-I. Zur falschen Symbolpolitik in Zeiten eines zunehmenden Illiberalismus‘ veröffentlicht hat, in dem er das Gendersternchen und das Binnen-I für „sprachnormwidrig“ hält, folgte in der sich anschließenden Ausgabe eine Replik von Thomas Hanitzsch (2021), in der er sich kritisch mit den Thesen seines Kollegen auseinandergesetzt hat. Er wirft Stöber vor, „Verwender*innen von Genderstern und Binnen-I in die Nähe des Nationalsozialismus und SED-Regimes zu rücken“. Eine weitere Reaktion auf den Artikel von Stöber erfolgte durch einen offenen Brief zahlreicher Wissenschaftler: innen (o.V. 2021) an den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), in dem ein „Versagen wissenschaftlicher Qualitätssicherung und redaktioneller Verantwortung in der Publizistik“ beklagt wird. Die Unterzeichner: innen äußern den Vorwurf, dass Stöber „die Ebene der sachlichen Argumentation“ verlassen habe. Weiter heißt es dort: Der Text „[…] ist über weite Strecken unwissenschaftlich, polemisierend und diffamierend geschrieben. Dies stellt eine grobe Missachtung der Regeln wissenschaftlichen Diskurses und wissenschaftlicher Qualitätsstandards in einer Fachzeitschrift dar. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass dieser Beitrag in der Publizistik veröffentlicht wurde. Ein solcher Text beschädigt die Zeitschrift und das Fach Kommunikationswissenschaft.“ <?page no="182"?> 182 5 Meinungsverschiedenheiten Der Brief wurde auf der Homepage der DGPuK veröffentlicht und bis zum 9. Februar 2021 von mehr als 350 Wissenschaftler: innen unterzeichnet (vgl. Casper/ Schirmer 2021). Die Herausgeber: innen der „Publizistik“ (2021) haben daraufhin in einer Stellungnahme auf den Offenen Brief reagiert und den Beitrag Stöbers in der Rubrik „Forum“ als „legitime Meinungsäußerung zu einer aktuellen und fachlich relevanten Frage“ bezeichnet sowie die Debatte innerhalb der DGPuK, u.a. in der Fachgruppe „Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht“, aufgegriffen. Einschränkungen der Meinungsfreiheit betreffen nicht nur Künstler: innen und Wissenschaftler: innen, sondern auch ganze Kunstgenres. Nachfolgend werden die Grenzen des zulässigen Humors am Beispiel der Satire diskutiert. 5.5 Satire „Was darf Satire? Alles.“ (Tucholsky 1975, S. 44) Dieses Statement wurde von Kurt Tucholsky in einem 1919 veröffentlichten Essay im Berliner Tagblatt publiziert. Tatsächlich gibt es aber auch gut begründete Grenzen der Satire und weiterer humoristischer Formen, die im Rahmen der juristischen Rechtsprechung ebenso festgelegt worden sind wie durch die Richtlinien und Bewertungen der Medienselbstkontrolle. Sofern Komik sich in Äußerungen, Texten oder Aufführungen manifestiert, werden kommunikative Gattungen des Komischen wie in der Komödie sichtbar. Scherz und Ironie können eine Aussage durchaus ins Gegenteil umwandeln, wodurch eine Veränderung des Geltungsanspruchs der ursprünglichen Äußerungen erfolgen kann. Dabei können Missverständnisse und Fehldeutungen entstehen (vgl. Dörner/ Voigt 2017). Als Hoax wurde ursprünglich ein Jux oder Scherz klassifiziert, der die Absicht verfolgt, jemanden hinters Licht zu führen. Im Internet-Zeitalter werden hierfür Falschmeldungen verwendet, die u.a. per Email, Whatsapp oder andere Messenger-Dienste verbreitet werden. „Sie geben vor, von vertrauenswürdigen Absendern zu kommen, und fordern ihre Empfänger auf, die Nachrichten an möglichst viele Freunde weiterzuleiten. In der Anfangszeit des World Wide Web ging es dabei oft um Warnungen vor Computerviren. Heute ist beispielsweise auch eine wahre Flut von Hoax im Umlauf, die Fehlinformationen und unsinnige Tipps […] unters Volk bringen.“ (Geyer 2020, S. 17) Humor stellt eine Form der Belustigung dar, die Freude macht und unproblematisch ist. Es werden Witze erzählt und Missgeschicke gezeigt. Menschen machen sich auch über sich selbst lustig. Wer witzig ist, ist unterhaltsam und beliebt. Gleichwohl lassen sich aus einer kommunikationsethischen Perspektive problematische Entwicklungen aufzeigen. So wird mit Vorurteilen, Stereotypen und Ressentiments gearbeitet. Blondinenwitze zeichnen ein einseitiges Bild von dümmlichen Frauen. Sogenannte Polenwitze vermitteln das Bild eines Landes, in dem Betrug und Diebstahl flächendeckend verbreitet <?page no="183"?> 5.5 Satire 183 sind. Witze über Jüd: innen enthalten antisemitische Aussagen. Insofern können durch vermeintlich lustige Formulierungen negative Pauschalurteile über Geschlechter, Nationen und Religionsgruppen getroffen werden. Es handelt sich um abwertenden Humor. „Durch Witze und Memes werden gewaltvolle und öffentliche und vertretbare Inhalte getarnt und verbreitet. Zudem können provokante Aussagen, wenn sie kritisiert werden, nachträglich als scherzhaft dargestellt werden. Damit wird den Kritiker*innen eine vermeintliche Humorlosigkeit und überzogene politische Korrektheit unterstellt. Das führt dazu, dass die Kritik nicht mehr im Fokus steht, sondern die Kritiker*innen selbst angegriffen werden.“ (Eich u.a. 2022, S. 25) Die Kunstfreiheit ist im Artikel 5 des Deutschen Grundgesetzes ebenso festgelegt wie die Meinungs- und Pressefreiheit sowie das Zensurverbot. Dennoch gibt es hier rechtliche Grenzen. Im Falle der Verwendung nationalsozialistischer Symbole, der Holocaust-Leugnung, der Schmähkritik, der Blasphemie und bei Gewaltaufrufen können der Kunstfreiheit Grenzen gesetzt werden. Formate Es gibt verschiedene Formen und Ausprägungen, Humor zum Ausdruck zu bringen. Es wird zwischen unterschiedlichen Genres differenziert. So steht die Comedy als Oberbegriff für verschiedene Programmformen, in denen lustige Geschichten über Alltagserfahrungen und Sketche erzählt werden. Die Satire ist eine spezifische Kunstgattung, die durch Übertreibung, Ironie und Spott Kritik an Personen und Institutionen übt. Das Kabarett ist eine Kunstform, bei der Sketche und Lieder politische Zustände oder aktuelle Ereignisse kritisieren (vgl. Schicha 2021). Insofern können bestimmte Formen des Humors als Widerspruchs-Kulturen (Füllenbach/ Münnich/ Spanke 2023) klassifiziert werden. „So bringen Satiriker: innen mittels satirischer Kritik spezifische (politische) Positionen und ethisch-moralische Werthaltungen in öffentliche Diskurse ein, die dann wiederum medial aufgegriffen und diskutiert werden können.“ (Wagner/ Nitsch/ Lichtenstein 2001, S. 10) Das politische Kabarett hat sich in humorvoller Form mit Politiker: innen auseinandergesetzt, sie parodiert, aber vor allem kritisiert. Dieter Hildebrandt (1994) prägte über Jahrzehnte auf der Bühne und im Fernsehen dieses Genre. Ralf Kabelka schlüpfte in die Rolle von einem Bundestagsabgeordneten unter dem Pseudonym Dr. Udo Brömme (2009) und machte sich über den Politikbetrieb lustig. Dies tut auch die Satirezeitschrift Titanic (vgl. Knorr u.a. 2016), die mit skurrilen Geschichten, Karikaturen und manipulierten Titelbildern arbeitet. Der ehemalige Titanic- Chefredakteur Martin Sonneborn (2009) hat 2004 die Spaßpartei DIE PARTEI gegründet und ist für sie ins EU-Parlament <?page no="184"?> 184 5 Meinungsverschiedenheiten eingezogen. Der Postillion ist das beliebteste deutsche Satiremagazin im Internet und verfügt über einen erfolgreichen Blog. Bei Liveauftritten und in Buchform werden dort Falschmeldungen präsentiert, die das Tagesgeschehen kommentieren und sich über Politiker: innen und Prominente lustig machen (vgl. Sichermann 2020). Satire kommt auch in Form von Karikaturen und Cartoons zum Ausdruck. So erzählen Miriam Holstein und Heiko Sakurai (2009) u.a. lustige Geschichten über Angela Merkel im Comic. Dieses Format wählt auch Walter Moers (1998), der Hitler als Adolf, die Nazi-Sau zeichnete. Humor bewiesen das Erzbistum Bamberg und die Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreise Bayreuth und Nürnberg, die Karikaturen zu Ökonomie und Kirche publizierten (vgl. Keim/ Seitz 2014). Der Graphiker Klaus Staeck (1992) hat seine Kunst, die sich kritisch mit der deutschen Politik auseinandergesetzt hat, auf Plakaten an Litfaßsäulen platziert. Er nutzte diese öffentlichen Räume neben Postkarten, Aufklebern, Flugblättern und weiteren Aktionen, um Missstände anzuprangern. Somit hat er auf Hungersnöte, Kriegsgefahren und Umweltprobleme ebenso hingewiesen wie auf unternehmerisches Handeln, das Ausbeutung betreibt. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie frei die Satire sein sollte. Keel (2018, S. 106) formuliert hierzu folgende Richtlinie. Als gezeichnete Satire sollte sie „ein Ziel oder eine Botschaft haben, einen echten Missstand anprangern, intelligent sein und […] nie gegen unten, sondern nur gegen oben gerichtet sein.“ Während in Deutschland die Kunstfreiheit die Rahmenbedingungen schafft, zeichnerische Satire zu publizieren, ist dies in Ländern wie der Türkei wesentlich schwieriger. Dort werden kritische Journalist: innen und Cartoonist: innen verfolgt und können ihren Beruf teilweise nicht oder nur eingeschränkt ausüben. Umso wichtiger ist es, ihre Arbeiten auch in Deutschland zu veröffentlichen (vgl. Küper-Busch 2017). Aufgrund der hohen Nachfrage sind Satireformate im Fernsehen zu einem wichtigen Element der Medienöffentlichkeit in Deutschland geworden (vgl. Porzelt 2017). Sie sind populär und erreichen auch ein jüngeres Publikum, dass die klassischen Nachrichtenformate weniger rezipiert. Im ZDF laufen gleich drei Sendungen mit dieser Ausrichtung, die gute Quoten und breite Anschlussdiskurse generieren. Die Anstalt, Die Heute-Show und das Neomagazin Royale erreichen eine große Resonanz. Gesellschaftlich relevante Themen werden dort aufgegriffen und humorvoll eingeordnet. Die Formate verfügen über eigene Rechercheabteilungen, die politische Fakten prüfen, bevor sie zum Thema der Sendungen werden. Kritik und Unterhaltung werden dort miteinander verbunden. Die klassische Aufgabe des Journalismus, die auch darin besteht, die Mächtigen zu kontrollieren, wird teilweise von den Satireformaten mit übernommen. Politische und gesellschaftliche Missstände werden in einer humoristischen Weise angesprochen, eingeordnet und kritisiert. Gleichwohl gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Formaten. Während die Heute-Show als Nachrichtennachlese eine <?page no="185"?> 5.5 Satire 185 Vielzahl von Themen erörtert, mit O-Tönen arbeitet, Einspielfilme und Sketche zeigt, agiert Die Anstalt nahezu monothematisch in Form eines geschlossenen Bühnenprogramms und ist deutlich ernster. „Sie will zwar auch verblüffen, Widersprüche aufzeigen und mit vergessenen Fakten überzeugen, aber sie nimmt das Leben nicht leicht, sondern hat eine Mission. […] Die Anstalt liefert Reflexionen zu Grundthemen der Gesellschaft an. Sie lässt sich Zeit. Sie strahlt aus, dass sie sich von der Oberfläche nicht täuschen lassen will, sondern Hintergründe ergründen und Verborgenes enthüllen möchte. Nicht Amüsement und Stilkritik sind ihr Ziel, sondern moralische Urteile.“ (Gäbler 2016, S. 57) Beim Neomagazin Royale wird ebenfalls ein Thema ausführlich dargestellt und eingeordnet. Dabei kommt es darauf an, Missstände wie Korruption transparent zu machen und anzuprangern. Insofern gibt es unterschiedliche Formen und Zugänge, Humor und Satire zu präsentieren. Selbstverständnis Im Rahmen einer empirischen Studie wurden Satiriker: innen nach ihrem Rollenverständnis befragt. Sie gaben an, eine Eliten- und Medienkritik artikulieren zu wollen. Sie beabsichtigen, das Publikum zum kritischen Denken aufzurufen, Missstände sowie gebrochene Versprechungen und Heuchelei anzuprangern, um die Demokratie zu stützen. Aufgrund ihrer Prominenz sehen sie ihre eigene gesellschaftspolitische Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und möchten hierbei eine positive Haltung einnehmen. Insofern folgen die Befragten einem normativen Verständnis von Satire, indem sie spezifische Positionen und ethisch moralische Wertvorstellungen in ihre Arbeit einbringen und Orientierung leisten wollen (vgl. Wagner/ Nitsch/ Lichtenstein 2021). Satiriker: innen mischen sich auch außerhalb ihrer Bühnenprogramme in politische Debatten ein. So hat Florian Schröder (2021) mit Vertreter: innen der sogenannten Querdenker-Bewegung diskutiert. Till Reiners (2016) hat Streitgespräche mit AfD-Politiker: innen und Pegida-Spaziergänger: innen geführt, um die Sichtweisen dieser Menschen zu verstehen und einordnen zu können. Sarah Bosetti (2020 und 2023) hat kontroverse Politiker: innenstatements und persönliche Angriffe auf sie mit dem Instrument der sogenannten Liebeslyrik beantwortet. Sie setzt dabei auf das erfolgreiche Konzept Poesie gegen Populismus. Zudem spricht sie in ihrer Talkshow im Fernsehen mit Politiker: innen, Wissenschaftler: innen und Künstler: innen über kontroverse Themen. Insofern nehmen diese Bühnenkünstler: innen nicht nur eine öffentliche Rolle als Diskursvermittler: innen wahr, sondern agieren auch als Diskursteilnehmer: innen. Es wird diskutiert, ob Satire als moralische Instanz fungieren kann. Da sie Missstände anprangert und Kritik äußert und sich damit auf gesellschaftlich relevante Werte und Normen bezieht, werden <?page no="186"?> 186 5 Meinungsverschiedenheiten ethische Merkmale artikuliert, die moralische Vorstellungen und Ideale propagieren. „Satire hat eine Normrückbindung, weil sie sich - explizit oder implizit - immer auf ein vorhandenes oder utopisches Ideal bezieht und existierende - oder drohende - Zustände und Exzesse anprangert. Häufig ist der satirische Angriff (verdeckt) moralisch. Ziel ist es, den Rezipienten zu kritischer Reflexion und induktiver Erkenntnis zu bringen.“ (Behrmann 2002, S. 9) Insofern übernehmen Satiriker: innen auch die klassische Informations-, Kritik- und Orientierungsfunktion des Journalismus. Dabei fließen eigene politische Positionen, Werthaltungen und normative Vorstellungen mit in die Programme ein. Es wird auf Provokationen zurückgegriffen. So hat Jan Böhmermann mit seiner Schmähkritik gegen den türkischen Präsidenten Erdogan die Grenzen der Satire eindrucksvoll geprüft (vgl. Schicha 2019a). Aktuell wird diskutiert, ob Satiresendungen eine ansprechende Alternative zum klassischen Journalismus darstellen, da sie unterhaltsamer sind und ein jüngeres Publikum ansprechen. Faktisch geht die journalistische Meldung der Satire voraus. Die Satire übernimmt die journalistischen Anteile in Form einer Zweitverwertung, indem sie das verarbeitet, was journalistisch bereits aufbereitet ist. „Dennoch ist Satire mehr als eine unabhängige Variabel des Journalismus. Sie kann ihn ergänzen, aber auch herausfordern. Sie kann zuspitzen, die Perspektive wechseln, harsche moralische Urteile sprechen, über die Welt lachen oder an ihr verzweifeln. Manchmal lässt Satire vor allem das entdeckte Material sprechen, meist aber braucht es gutes Handwerk und vor allem eine zündende Idee, um das Material neu zu sortieren, in einen ungeahnten Zusammenhang zu stellen oder zu dechiffrieren. Demgegenüber wirkt der Journalismus oft mutlos, als bloßes Abfragen oder stille Begleitung der politischen Akteure.“ (Gäbler 2016, S. 79) Insofern bietet die Satire eine relevante Ergänzung und eine Herausforderung für den Journalismus. Sie stellt Öffentlichkeit her und leistet ihren Beitrag zum Meinungspluralismus bei der politischen Bildung. Um die Satire verstehen zu können, ist es erforderlich, sich vorab in den Nachrichten informiert zu haben. Gleichwohl bietet die Satire eine alternative Sichtweise auf politische Zusammenhänge. Sie ersetzt die politische Berichterstattung nicht, sondern liefert Witze und Pointen, die für das Publikum mit unterschiedlicher politischer Bildung anschlussfähig sind. Dies gilt auch für die Heute-Show. „Es gibt Kalauer, simple Schenkelklopfer, aber auch viele prägnante Bemerkungen zur aktuellen Politik, zugespitzte Urteile, verblüffende Zusammenhänge, und ins Absurde gesteigerte Ironie.“ (Gäbler 2016, S. 83). Satire richtet sich gegen die Mächtigen aus der Politik und Wirtschaft. Kirchliche Institutionen sind aufgrund von hierarchischen Strukturen, Missbrauchsskandalen, einer umstrittenen Sexualmoral und der Benachteiligung <?page no="187"?> 5.5 Satire 187 von Frauen in den Fokus der Kritik geraten. Diese Themen werden auch in diversen Satireformaten bearbeitet. Religionskritik „Allein das Faktum, dass es in manchen Kontexten kaum möglich ist, religionsbezogene Themen angstfrei zu artikulieren, ist als Skandal zu werten und kennzeichnet Zustände, die in liberalen Demokratien nicht zu tolerieren sind.“ (Drerup 2021, S. 135) Da die Meinungs- und die Kunstfreiheit verfassungsrechtlich zu schützen ist, ist auch Religionskritik erlaubt, sofern sie im Modus rationaler Argumentation und gewaltlos ausgetragen wird. Dadurch werden keine persönlichen Glaubensüberzeugungen tangiert, da diese Privatsache sind. Insofern ist die freie Religionsausübung zu tolerieren. Dies bedeutet aber nicht, dass religiöse Institutionen nicht kritisiert werden dürfen, sofern sie menschenfeindliche Handlungen fordern oder durchführen. Eine offene Diskussion über religiöse Praktiken auf der Basis rationaler Argumente gehört zu den Merkmalen einer demokratischen Streitkultur, ohne dass damit der persönliche Glauben in Frage gestellt wird. Auf religiös konnotierte Sensibilitäten sollte zwar Rücksicht genommen werden. Gleichwohl ist es legitim, Kontroversen und Kritik über religiöse Institutionen transparent zu machen. Eine pauschale Zensur ist nicht gerechtfertigt, auch wenn die Befindlichkeiten von Gläubigen gestört werden. „Die Möglichkeiten, sich beleidigt zu fühlen sind schier unbegrenzt und genauso unbegrenzt sind die Möglichkeiten, reale oder konstruierte Kränkungen zur Durchsetzung von illiberalen Positionen in ideologiepolitischen Kulturkämpfen zu instrumentalisieren.“ (Drerup 2021, S. 139) Während die Kritik an Personen und Institutionen durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt ist, werden Religionsbeschimpfungen unter Strafe gestellt, sofern sie einen beleidigenden und blasphemischen Charakter für die Gläubigen annehmen und den öffentlichen Frieden gefährden (vgl. Bohrmann 2021). Es liegen eine Vielzahl von Beispielen für religiöse Satire vor, die u.a. in Karikaturen, Zeitschriften, Spielfilmen, Musikvideos und Fernsehshows zu finden sind.  Die sogenannten Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung lösten in Teilen der islamischen Welt Empörung und Gewalttätigkeiten aus, da die Zeichnungen gegen das Bilderverbot im Islam verstoßen und als direkten Angriff auf den Propheten Mohammed verstanden wurden (vgl. Debatin 2007, Paulitsch 2024).  In der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo wurden Karikaturen veröffentlicht, die sich kritisch mit dem Islam und dem Christentum auseinandergesetzt haben. Nach Drohungen auf die Mitarbeiter: innen fand im <?page no="188"?> 188 5 Meinungsverschiedenheiten Januar 2015 ein islamistischer Terroranschlag statt, bei dem zwölf Beschäftige während einer Redaktionssitzung erschossen wurden (vgl. o.V. 2015, Bohrmann 2021).  Auf der Titelseite des deutschen Satiremagazins Titanic war in der Ausgabe vom Juli 2012 ein bearbeitetes Foto vom damaligen Papst Benedikt XVI mit gelb gefleckter Soutane und der Schlagzeile ‚Halleluja im Vatikan - die undichte Stelle ist gefunden‘ publiziert worden. Damit wurde auf die sogenannte Vatileaks-Affäre angespielt, bei der es um die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente aus dem Vatikan ging. Es gingen beim Deutschen Presserat 182 Beschwerden ein. Daraufhin wurden von der Medienselbstkontrollinstanz eine Rüge gegen die Titanic ausgesprochen, da die satirische Abbildung der abgebildeten Person ihre Ehre verletzt (vgl. Schicha 2021, Paulitsch 2024),  Die Komikerin Carolin Kebekus hat in einem 2013 produzierten Musikvideo die katholische Kirche kritisiert. Sie zeigt sich als verkleidete Nonne, die einen Rap Song aufführt und ein Kruzifix ableckt. Dieses Video wurde nicht in der ARD ausgestrahlt, da der verantwortliche WDR in der Machart eine Verletzung der Programmgrundsätze sah. Kebekus veröffentlichte das Video daraufhin auf ihrem eigenen YouTube-Kanal (vgl. Bohrmann 2021). Bei der Beurteilung für den Umgang mit religiöser Satire schlägt Thomas Bohrmann (2021) mehrere Leitlinien vor. Er plädiert für die Kunst- und Meinungsfreiheit, spricht sich für Regeln des guten Anstands und des respektvollen Umgangs aus, indem er auf kommunikative Grenzen verweist. So hält er die Veröffentlichung das Titanic-Covers mit dem angeblich inkontinenten Papst für nicht zulässig, da es sich um eine bewusste Verletzung der persönlichen Ehre des Oberhauptes der katholischen Kirche gehandelt habe. Grundsätzlich plädiert er für die Reflexion möglicher Folgen einer Veröffentlichung von Satire. Diese Fälle dokumentieren das Spannungsfeld zwischen berechtigter Religionsfreiheit und der Verletzung religiöser Gefühle. Dabei stellt sich die Frage, wie dies zu beurteilen ist. Einordnung Einigen Satiriker: innen wird vorgeworfen, „im Namen der Kunstfreiheit Rassismus, Antisemitismus, rechte Ideen und Sexismus zu verbreiten“ (Hemmelmann 2021, S. 7). Diese Vorwürfe wurden unter anderem an Lisa Eckhardt und Serdar Somunclu gerichtet. Entsprechende Shitstorms ließen nicht lange auf sich warten. Häufig wird allerdings übersehen, dass Satiriker: innen wie Schauspieler: innen in amoralische Rollen schlüpfen, um dort negative Eigenschaften zum Ausdruck bringen. Diese Kunstfiguren sollten aber nicht mit den realen Persönlichkeiten verwechselt werden, die diese Rollen verkörpern. <?page no="189"?> 5.5 Satire 189 „Tatsächlich will Satire Missstände aufdecken, indem Sie diesen ins Rampenlicht rückt. Ein Instrument dazu: die überspitzte Darstellung und damit Karikierung der gegnerischen Position. Vorurteile gegen Minderheiten werden demnach nur artikuliert, um diese zu entlarven und das Publikum zur Reflexion und Reaktionen anzuregen.“ (Hemmelmann 2021, S. 8) Dabei stellt sich die Frage, ob dieses Kalkül aufgeht und die Intention der Künstler: innen verstanden wird. Weiterhin ist zu klären, ob die Reproduktion und Etablierung rassistischer Stereotype hierbei gerechtfertigt ist oder nicht. Aus der Perspektive der Medienselbstkontrolle ist der Diskriminierungsschutz bei der Beurteilung von Satire relevant. Darauf weist der Artikel 12 des Pressekodex hin, der auf den Schutz von ethnischen Minderheiten verweist. Die Diskriminierung oder Missachtung der Menschenwürde ist ethisch nicht vertretbar. Gleichwohl sind bei der Beurteilung immer Einzelfallprüfungen erforderlich, die sich auf den gesamten Auftritt beziehen und nicht nur auf einzelne Ausschnitte. Nur durch eine Prüfung des Gesamtkontextes kann eine angemessene Bewertung erfolgen. Einzelne Worte oder Sätze sollten bei der Beurteilung nicht aus dem Gesamtzusammenhang gerissen werden (vgl. Volkmann-Schluck/ Portack 2021). Dass Humor und Komik in der politischen Kommunikation durchaus eine relevante Funktion besitzen, zeigt Dörner (2021) auf. Die politische Satire macht sich über Autoritäten lustig und verweist damit auf Missstände und Defizite. Das Lachen kann Spannungsabbau und Entlastung produzieren. Thomas Kronenberg (2021) fordert, sich ernsthaft mit Komik zu beschäftigen. Der Kurator des Karikaturenmuseums in Frankfurt am Main vertritt die Meinung, dass Ausstellungsorte dieser Kunstform einen angemessenen Rahmen ermöglichen, um die Werke zu reflektieren. Dies sei auch die Aufgabe der wissenschaftlichen Forschung, u.a. in der Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Raimund Meisenberger (2021) vertritt die Auffassung, dass sich die Satire gegen die Mächtigen richten sollte, und Minderheiten nicht durch vermeintlich lustige Sprachschöpfungen stigmatisiert und verletzt werden. Ihnen müsste viel mehr ein besonderer Schutz zugutekommen. Es ist auch wichtig, bei der satirischen Bearbeitung dramatischer Themen wie der Flutkatastrophe oder der sogenannten Flüchtlingskrise nicht zynisch zu werden. Es kommt bei jeder Darstellungsform darauf an, einen sensiblen und reflektierten Umgang mit Humor zu beachten. Im Bereich der Satire geht es auch darum zu provozieren, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Dabei wird mit Zuspitzungen ebenso gearbeitet wie mit Verfremdungen, Verzerrungen und Übertreibungen. Es können auch sarkastische und zynische Bemerkungen dargeboten werden. Bei der Bewertung derartiger Äußerungen ist zu prüfen, ob wahrheitsgemäß und sorgfältig gearbeitet wird, der Persönlichkeitsschutz sowie die Pri- <?page no="190"?> 190 5 Meinungsverschiedenheiten vats- und Intimsphäre beachtet werden, Diskriminierungen und Herabwürdigungen vermieden werden und ob das religiöse Empfinden verletzt wird. Die Beachtung der Menschenwürde sollte ebenso befolgt werden wie der Schutz der Ehre. Ungerechte Anschuldigungen sollten nicht erhoben werden. Auch hier gilt die Unschuldsvermutung. Stereotype Merkmale dürfen nur dann verwendet werden, wenn ein konkreter Sachbezug erkennbar ist. Besonders schutzbedürftig sind ethnische und sexuelle Minderheiten. Auf Vorurteile, Schmähungen und gezielte Beleidigungen sollte verzichtet werden. Grundsätzlich sollte sich Satire gegen die Mächtigen richten. Opfer sollten nicht ein zweites Mal zu opfern werden. Darüber hinaus sollte Satire als solche erkennbar sein. Sofern dies nicht der Fall ist, ist eine Kennzeichnungspflicht erforderlich. Im Gegensatz zum Journalismus geht es hierbei nicht um eine faktische Darstellung realer Sachverhalte, sondern um ein Zerrbild der Wirklichkeit. Dabei muss die journalistische Sorgfaltspflicht also nicht beachtet werden. Dies gilt aber für Gesprächssendungen, auf die nachfolgend eingegangen wird. <?page no="191"?> III Debattenräume <?page no="193"?> 6 Talkshows Das Spektrum der Repräsentationsformen in der Demokratie reicht von formalen Orten wie der Parlamentsdebatte über die direkte Ansprache der Rede bis hin zur massenmedial vermittelten öffentlichen Sphäre durch Interviews, Meinungsbeiträge und Talkshows (vgl. Neuberger/ Thiel 2022). „Es (das Gespräch im Fernsehen, C.S.) soll, seinem Ideal nach, Kenntnisse mehren, Anschauung liefern, erfahrbar machen, Empathie fördern, Urteilsbildung unterstützen, Handlungen leiten, unterhalten und - ja - nützen. In der Fernsehrealität scheitert dieses Ideal immer wieder an der Angst der Fragenden, der Mutlosigkeit der Befragten, dem Kollaps unter Images und Vorstellungen vom Schicklichen, dem Pseudo der Unabhängigkeit aufseiten der Fragenden oder ihrer zur Schau gestellten Indifferenz. All dies macht das Beobachten des Redens im Fernsehen zu einer ermüdenden Sache.“ (Willemsen 2012, S. 42) Roger Willemsen stellt in dem Zitat den Anspruch und die faktische Ausprägung von Gesprächssendungen gegenüber. Er verweist auf Mängel in der Medienpraxis, die im weiteren Verlauf dieses Kapitels aufgegriffen werden. Talkshows gehören in den USA seit Jahrzehnten zu den prägenden Formaten der amerikanischen Fernsehunterhaltung. Prominente Künstler: innen und Politiker: innen nutzen das Format zur Selbstvermarkung ihrer Person und Produkte. Talkshowgastgeber: innen wie David Letterman, Ellen DeGeneres, Oprah Winfrey und Jimmy Fallon sind selbst zu Stars geworden und werden für ihre Arbeit sehr gut bezahlt. Dennoch gehören Gesprächssendungen zu den vergleichbar günstigen Formaten, da die Produktionskosten überschaubar sind. In den USA haben Talkformate Einfluss auf die politische Willens- und Meinungsbildung. Moderator: innen wie John Stewart und Trevor Noah kommentieren das politische Geschehen in der Daily Show mit satirischen Kommentaren und komödiantischen Showeinlagen. Dieses Muster haben Formate wie die Harald-Schmidt-Show und die Heute-Show in Deutschland teilweise übernommen. Gesprächssendungen verfügen auch im westdeutschen Fernsehen über eine lange Tradition. Bereits seit den frühen 1950er Jahren wurden Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt, die sich mit politischen Themen beschäftigten. Am Anfang stand der von Werner Höfer seit 1953 am Sonntag moderierte Internationale Frühschoppen in der ARD. Fünf Journalist: innen aus unterschiedlichen Ländern diskutierten über politische Entwicklungen. Im ZDF wurde ab 1963 die Sendung Journalisten fragen - Politiker antworten gesendet. Als erste nicht politische Talkshow wurde die Sendung Je später der Abend seit 1973 zunächst im WDR und später im Ersten Programm gesendet. In den dritten Programmen folgten Formate wie III nach 9 im NRD und der Kölner Treff im WDR. Dort fanden sich Prominente aus der Unterhaltung und der Politik ein, die in lockerer Atmosphäre miteinander <?page no="194"?> 194 6 Talkshows plauderten. Für die Gäste hatten diese Formate Vorteile. Politiker: innen mussten sich keine kritischen Fragen über ihre Tätigkeit gefallen lassen. Es ging primär um private Dinge, bei denen Unterhaltungskompetenz und Schlagfertigkeit gefragt war. Die eingeladenen Künstler: innen bekamen die Möglichkeit, in den Sendungen wahlweise ihr neues Buch, ihre neuen Tonträger oder ihren neuen Film zu bewerben. Moderatoren wie Alfred Biolek ist es gelungen, Spitzenpolitiker wie z.B. Helmut Kohl zu Boulevard Bio (ARD) einzuladen, die dort ihre Lieblingsspeisen vorstellten. Wladimir Putin und Gerhard Schröder konnten ihre Männerfreundschaft vor laufender Kamera präsentieren. Kritische Fragen mussten sie nicht befürchten (vgl. Vornbäumen 1996). Das galt auch für die Fragerunden von Johannes B. Kerner, der den damaligen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg nach Afghanistan begleitete und dort vor Ort in Kerner (ZDF) freundlich befragte. In der Talkshow Beckmann (ARD) war u.a. Gerhard Schröder zum lockeren Plausch eingeladen. In derartigen Formaten war von der Distanz gegenüber den politischen Protagonisten wenig zu spüren. In der Sendung Vorsicht Friedmann! (ARD) war der Name hingegen Programm. Hier wurde von Michel Friedmann kritisch nachgefragt und die Gäste wurden regelmäßig unterbrochen. Dabei trat der Moderator bisweilen recht offensiv gegenüber den eingeladenen Politiker: innen auf, die dann teilweise das Studio aus Protest verlassen haben (vgl. Bittermann 2000). Als wesentliche Elemente für Gesprächssendungen können unabhängig von der thematischen Ausrichtung die periodische Ausstrahlung, die immer gleiche Moderationsleitung und die Personenbezogenheit klassifiziert werden (vgl. Barlowen/ Brandenburg 1975, Scheidt 2000, Tenscher/ Schicha 2002). Grundsätzlich lassen sich unterschiedliche Funktionen von Talkshows beim Publikum aufzeigen (vgl. Krotz 2002, Kaschura 2005):  Die Informationsfunktion umfasst die Kategorien der Wissenserweiterung, der Orientierung und der Ratsuche. Es können Lernprozesse initiiert werden.  Die Unterhaltungsfunktion setzt auf Erholung, Ablenkung, Entspannung, Zeitvertreib und Spannungssuche.  Bei der Identitätsfunktion können Werthaltungen bestärkt oder widerrufen werden. Verhaltensmodelle der Diskutierenden können als Vorbild oder Abschreckung dienen. Gegebenenfalls dienen die Gesprächssendungen der eigenen Selbstfindung.  In Bezug auf die Integrationsfunktion kann die Talkshow Gesprächsstoff und Anschlussdiskurse generieren, Zugehörigkeits- oder Abgrenzungsgefühle erzeugen sowie für Empathie und Identifikation sorgen. Es gibt unterschiedliche Talkshowformate, die verschiedene Ziele verfolgen (vgl. Dörner/ Vogt 2015). Das Krisengespräch bietet die Möglichkeit, private <?page no="195"?> 6.1 Typen 195 Probleme zu thematisieren. So können persönliche Schicksalsschläge angesprochen werden, die beim Publikum Verständnis, Mitgefühl und Sympathie erzeugen können. Die Castingshow ermöglicht es Künstler: innen, eigene Produkte anzupreisen. Politiker: innen können durch ein positives Auftreten Sympathien erreichen, und dadurch potenzielle Wähler: innen gewinnen. Die Coming-of-Age-Erzählung schafft die Option, einem breiten Publikum biografische Erfahrungen und Geschichten zu schildern. Nachfolgend werden einige Talkshow-Typen vorgestellt, voneinander abgegrenzt und bewertet. 6.1 Typen Daily Talk „Mit dem Ideal der bürgerlichen Öffentlichkeit wie es Habermas […] beschrieben hat, haben die täglichen Talkshows wenig gemein. Weder Moderatoren noch Teilnehmer zeigen eine ‚kommunikative Kompetenz‘, die sich dieser Öffentlichkeitsform des herrschaftsfreien Diskurses verpflichtet fühlt. […] Möglicherweise sind es aber […] andere Kompetenzen, die in den täglichen Talkshows verhandelt werden - weniger über die klassische Variante des rationalen, sprachlichen Diskurses, sondern über den quasi therapeutischen Diskurs der Betroffenheit, die Inszenierung der Talkshow-Situation und die Selbstdarstellung der Gäste.“ (Mikos 1999, S. 13) Die tägliche Talkshow in Deutschland hat ihre einschlägigen Vorbilder in den USA (vgl. Semeria 1999). Sie verfolgt den Anspruch, Einblicke in individuelle Lebensformen und Lebensbereiche bürgerlicher Menschen zu geben, deren Stimme in Medienformaten ansonsten nicht zu hören ist. Im Mittelpunkt stehen Lebenszusammenhänge von Menschen, die in den Formaten ausführlich ausgebreitet werden (vgl. Schicha 1996). Dabei handelt es sich selten um Normalbiografien. Faktisch kommen Personen zu Wort, die besonders ungewöhnliche, skurrile und tabubehaftete Erfahrungen schildern. Der Drang zur Selbstdarstellung und die Inszenierung von Privatheit stehen im Mittelpunkt des Interesses. Die Schilderung von Normabweichungen kann beabsichtigt sein, um die gewünschte öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen (vgl. Mikos 1999). Der Dailytalk, der auch als Bekenntnis-Talk klassifiziert wird, richtet sich auf private und intime Themen. Es geht unter anderem um Krankheiten, Behinderungen, Todesfälle sowie private Zerwürfnisse oder Versöhnungen. Dinge, die sonst im persönlichen oder familiären Rahmen diskutiert werden, finden ein öffentliches Forum. Die ungeschützte Preisgabe derartiger Gefühle kann beim Publikum Verständnis und Empathie bewirken. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob derartige Bekenntnisse über die Medien negative Konsequenzen für die Erzählenden im privaten oder beruflichen Umfeld haben können (vgl. Plake 1999). Die Gesprächssendungen sind im Unterhaltungsbereich <?page no="196"?> 196 6 Talkshows angesiedelt. Ihnen wird wenig Substanz und Informativität zugeschrieben. Es geht primär um die Inszenierung von Privatheit sowie um die Personalisierung und Emotionalisierung, die diese Gesprächsrunden ausmachen (vgl. Semeria 1999). „Akteure der Daily Talks müssen nur reden, wie sie können. Die Gäste der prominenten Schwafeltafel reden nur, was sie müssen. Die einen, die entwürdigten Amateure, sollen gefälligst was erzählen; die anderen, die professionell Würdelosen, haben gefällig zu erzählen. So verwandelt der Moloch alle, die sich ihm ausgeliefert haben, die Stars sowie die Nobodys in Verkäufer ihrer Seelen. […] Meinungen, Empfindungen und Stimmungen zu einer Ware auf dem globalen Markt zu machen wie irgendein Gemüse - so heißt die historische Mission des großen Rhabarberns. Eine Lösung ist nicht in Sicht, aber gut, dass wir darüber geredet haben.“ (Sokolowsky 2002, S. 20) Das bereits im Zitat erwähnte große Rhabarbern (vgl. Bittermann/ Roth 2002) ist an diese Bewertung angelehnt der Titel eines Sammelbandes, in denen 42 Fallstudien über die Talkshow erstellt wurden sind. Es werden überwiegend von nicht prominenten Personen private Erlebnisse vor der Kamera erzählt, die z.T. die voyeuristischen Interessen des Publikums bedienen. Sie können Schadenfreude und das sogenannte Fremdschämen generieren, sofern die Menschen sich in den Sendungen durch ihre Äußerungen blamieren. Derartige Formate hatten in den 1980er Jahren im kommerziellen Fernsehen in Deutschland ihren Höhepunkt. Sie wurden kostengünstig produziert und in der Mittagszeit ausgestrahlt. Bärbel Schäfer, Arabella Kiesbauer, Jürgen Fliege, Hans Meiser , Johannes B. Kerner und andere moderierten diese Sendungen, die sich mit mehr oder weniger dramatischen privaten Schicksalsschlägen ihrer Gäste auseinandersetzten (vgl. Henkel 1998, Mikos 1999, Bittermann/ Roth 2000). Derartige Formate werden in das Genre des Affektfernsehens eingeordnet, da die persönlichen Themen in den emotionalisierenden Gespräche Gefühle beim Publikum erzeugen sollen. (Bente/ Fromm 1997, Scheidt 2000). Konfrontations-Talk „Es ist genau dieser hämische, lustvolle Voyeurismus, welcher Streitsituationen auf dem Bildschirm so unterhaltsam macht. Dieser Voyeurismus lebt von dem Versprechen, dass man auf dem Bildschirm vermeintlich ‚echte‘ Emotion sieht. Über die Bildschirme wird eine distanzierte Teilnahme an verbalen, moralischen und zuweilen körperlichen Grenzüberschreitungen ermöglicht, die im privaten alltäglichen Wohnraum konsumiert werden können.“ (Hansen/ Heller 2023, S. 141) Der Konfrontations-Talk verfolgt die Absicht, Konfliktlinien über ein kontroverses Thema deutlich zu machen und ein emotionales Streitgespräch vor einem aufgeheizten Publikum zu generieren. Zwischen 1989 und 1994 strahlten RTL und Sat 1 die Formate Explosiv - der heiße Stuhl und Einspruch! aus, die aufgrund abnehmender Zuschauerresonanz und den daraus resultierenden <?page no="197"?> 6.1 Typen 197 sinkenden Werbeeinnahmen und negativer Kritiken wieder eingestellt wurden. Hier ging es nicht um Konfliktlösungsstrategien, sondern um eine wechselseitige Beschimpfung, die durch Provokationen und Vorwürfe zum reinen Selbstzweck geprägt war, um eine Eskalation zu erreichen (vgl. Holly/ Schwitalla 1995, Scheidt 2000). Portrait-Talk Beim Portrait-Talk steht eine Person im Mittelpunkt, die von ein oder zwei Journalist: innen befragt wird. Bei der unterhaltenden Variante kommen nur die Inhalte in Frage, die unmittelbar mit der Biografie des Gastes verknüpft sind. Günter Gaus moderierte von 1963-1966 die in der ARD ausgestrahlte Sendereihe Zur Person. Er hatte prominente Gäste aus der Politik und Kultur eingeladen. Dazu gehörten unter anderem Ludwig Erhard, Gustav Gründgens, Franz Josef Strauß, Willy Brandt, Hannah Arendt, Günter Grass, Konrad Adenauer und Helmut Schmidt. Die legendäre Reihe hat Fernsehgeschichte geschrieben. Die aufschlussreichen Interviews mit den Personen der Zeitgeschichte zeichneten sich durch eine gut vorbereitete und präzise Interviewtechnik des Moderators aus. Sie gelten als Meilenstein einer professionellen Gesprächsführung (vgl. Haller 1991). „Was fehlt in der deutschen Fernsehlandschaft, ist eine unaufgeregte, aber harte, interessant gestaltete reine Interviewsendung, eine modernere Variante der Günter-Gaus-Interviews.“ (Deppendorf 2013, S. 25). Der Politiker Gregor Gysi (Die Linke) gehört aufgrund seiner Schlagfertigkeit und seines Witzes zu den gefragtesten Gästen politischer Talkshows, obwohl seine Partei nur über einen überschaubaren politischen Einfluss verfügt. Er hat nun einen Rollentausch vorgenommen und interviewt selbst Gäste in dem Talk-Format Missverstehen Sie mich richtig , das auf YouTube zu sehen ist. Es handelt sich um biografische Gespräche, die den Lebenslauf der Gäste in den Mittelpunkt stellen und teilweise mehr als zwei Stunden lang sind. Er hatte dort Personen aus der Politik (u.a. Gerhard Schröder, Armin Laschet, Wolfgang Kubicki) ebenso zu Gast wie Journalist: innen (u.a. Sandra Maischberger, Markus Lanz, Jakob Augstein) und Kulturschaffende (u.a. Kurt Krömer, Oliver Welke, Helge Schneider). Die wohlwollenden und respektvollen Gespräche finden in einer lockeren Atmosphäre statt. Weitere Beispiele für diesen Typ mit unterhaltendem Schwerpunkt sind die NDR-Talkshow oder die Gesprächssendung 3 nach 9 (vgl. Steinbrecher/ Weske 1996). Hier sind auch Politiker: innen zu Gast, die die Medienbühne nutzen, um private und persönliche Einblicke in ihr Leben zu vermitteln. Diese Gäste müssen nicht befürchten, ihre politischen Haltungen und Konzepte verteidigen zu müssen. Vielmehr können sie die Chance nutzen, sich als sympathische Protagonist: innen vor dem Publikum zu beweisen. Ein positives Auftreten der politischen Persönlichkeiten kann gegebenenfalls dazu <?page no="198"?> 198 6 Talkshows beitragen, dass die Zuschauer: innen dies bei ihrer Wahlentscheidung berücksichtigen. Als grundlegende Defizite dieser Gesprächssendungen werden z.T. entpolitisierte und inhaltsleere Formate sowie Gefälligkeitsinterviews angeführt (vgl. Netzwerk Recherche 2009). Insofern sind neben einer guten Vorbereitung eine kritische Distanz gegenüber den Gesprächspartner: innen erforderlich, um den Qualitätsansprüchen an diese Formate gerecht zu werden (vgl. Friedrichs/ Schwingers 2015). Journalist: innen-Talk Der Journalist: innen-Talk schafft ein Forum für Medienberichterstatter: innen, die ihre jeweilige Expertise zu einem aktuellen politischen Thema darlegen und diskutieren. Am 29. August 1953 wurde der Internationale Frühschoppen erstmals live im Fernsehen ausgestrahlt. Mit sechs Journalist: innen aus fünf Ländern wurden jeden Sonntag Gespräche über das Weltgeschehen geführt. Das Format wurde Ende 1987 eingestellt (vgl. Keller 2009). Der aktuell wöchentlich ausgestrahlte Nachfolger Presseclub in der ARD am Sonntag stellt ein entsprechendes Format dar. Der Reiz der Sendung besteht darin, dass die beteiligten Protagonist: innen aus Deutschland aufgrund ihrer unterschiedlichen Einschätzungen kontroverse Auffassungen bei der Bewertung politischer Sachverhalte vornehmen. Im Gegensatz zu politischen Talkshows geht es hier nicht um die Werbung für die eigene Person, sondern um eine sachliche Einordnung von Themen aus einer journalistischen Perspektive. Prominent: innen-Talk Der Prominent: innen-Talk führt personenzentrierte Einzelgespräche mit bekannten Persönlichkeiten. Hier wird bekannten Protagonist: innen die Möglichkeit gegeben, sich positiv darzustellen (vgl. Plake 1999, Scheidt 2000). Aktuell bietet Magenta-TV der Deutschen Telekom die Sendung Bestbesetzung an, die von Johannes B. Kerner moderiert wird. Aufgrund seiner unkritischen Fragestellung sind bekannte Prominente wie Thomas Gottschalk, Iris Berben, Julian Nagelsmann und Ina Müller dort gerne zu Gast. Themen-Talk „Talkshows sind Politik, weil sie der politischen Auseinandersetzung ein gut besuchtes Forum bieten, weil sie den politischen Akteuren Raum zur nötigen Selbstdarstellung geben und weil sie zu einer Instanz geworden sind, vor der Politiker Glaubwürdigkeit gewinnen oder verspielen können.“ (Blome 2009, S. 31) Diese Gesprächsendungen sind in das Zentrum der televisionären Politikdarstellung und Politikvermittlung gerückt. Dort haben die Gäste die Möglichkeit, eigene Positionen deutlich zu machen und damit Werbung für die eigene Person und politischen Konzepte zu machen. Sie müssen sich dabei neben der <?page no="199"?> 6.1 Typen 199 reinen Selbstdarstellung mit kritischen Fragen der Moderator: innen ebenso auseinandersetzen wie mit konträren Positionen politischer Gegner: innen. „Auf der politisch-instrumentellen Ebene dienen Talkshows vor allem dazu, Themen, Konfliktlinien und Personen im öffentlichen Diskurs sichtbar zu machen und Anknüpfungspunkte für Legitimations- und Loyalitätsentscheidungen zu bieten. Dabei folgen sie als genuine Bestandteile der politisch expressiven Ebene der Darstellungspolitik allerdings rhetorischen Mustern, die kaum von kommunikativen oder diskursiven Interaktionen, sondern vom strategisch dramaturgischen Gehalt vorgezeigter Expressivität geprägt sind. Sie bieten ihren Zuschauern daher eher schlaglichtartige, vielfach emotional besetzte Projektierungen im Rahmen eines inszenierten Gesprächs, welches das Publikum vorwiegend unterhalten soll.“ (Brosda 2002, S. 371) In den öffentlich-rechtlichen Programmen finden sich fast täglich politische Gesprächsformate mit den immer gleichen Protagonist: innen in wechselnden Konstellationen. Daraus ergeben sich folgende Probleme: „Gespräche werden dadurch erwartbar, weil Positionen und Haltungen bekannt sind. Es ist eine Casting-Show, die Überraschungen vermeiden soll, weil die Protagonisten gleichsam entlang von Rollenmustern besetzt werden.“ (Reuschenberg/ Frenzel 2024, S. 255) Am Montag moderiert Louis Klamroth in der ARD die Talkshow Hart, aber fair , die nicht den Namen des Gesprächsleiters trägt. Den Namen der Moderatorin Sandra Maischberger besitzt das Format, das Dienstag und Mittwoch im Ersten ausgestrahlt wird. Weitere Talk-Runden gibt es in den dritten Programmen und bei Phoenix. Die Gespräche finden dort in der Phoenix-Runde und in der Sendung Unter den Linden statt. Dort sind aufgrund der geringeren Reichweite weniger prominente Politiker: innen zu Gast. Es finden dort aber Gespräche mit kenntnisreichen Expert: innen statt. Hier ist die Kompetenz wichtiger als die Prominenz. Im ZDF dominiert Markus Lanz die Gesprächssendungen. Er moderiert von Dienstag bis Donnerstag. Am Donnerstag tritt dort zusätzlich Maybrit Illner als Gastgeberin in Erscheinung, die die Sendung bis 2007 zuvor unter dem Titel Berlin Mitte geleitet hat. Die Moderatorin ist mehrfach mit Fernsehpreisen ausgezeichnet worden. Ihr wird im Gegensatz zu anderen Kolleg: innen eine stärkere Durchsetzungsfähigkeit nachgesagt (vgl. Tenscher/ Schicha 2002). In dem ZDF-Format Was nun? werden Spitzenpolitiker: innen nach ihren Einschätzungen und Konzepten befragt. Es handelt sich um eine moderate Gesprächssendung, die sachorientiert abläuft. Die Qualität der Sendungen ist davon abhängig, ob kritische Fragen und Nachfragen gestellt werden (vgl. Scheidt 2000). Dabei geht es in erste Linie um politische Inhalte und weniger um persönliche Aspekte aus der eigenen Biografie. Beim Themen-Talk mit politischer Ausrichtung wird ein spezifisches Er- <?page no="200"?> 200 6 Talkshows eignis erörtert, das dann Inhalt in der Gesprächssendung wird. Dabei sollten folgende Regeln beachtet werden. „Die Gästeauswahl erfolgt vor allem nach Kriterien der Themenkompetenz und Medientauglichkeit, erst dann sollte der Grad der Prominenz folgen. Im Idealfall ergibt sich, wie bei der Diskussionsrunde durch eine sorgfältig zusammengestellte Gästekonstellation eine Eigendynamik des Themen-Talks, in dem die Gesprächspartner selbst neue Themenaspekte aufzeigen. Der Moderator sollte eher die Rolle eines passiven Gesprächsleiters einnehmen, der jedoch darauf achten muss, dass die Gäste nicht vom Thema abschweifen.“ (Scheidt 2000, S. 61) Es geht bei der Moderation eher um eine Mäßigung auf Seiten der Gastgeber: innen. Das Gespräch sollte angemessen strukturiert werden. Die Teilnehmer: innen sollte gerechte Redeanhalte bekommen. Kritische Fragen sollten gestellt werden. Nicht beantwortete Fragen sollten mit dem Hinweis wiederholt werden, dass noch keine Antwort vorliegt. 2023 war der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert 18-mal in den fünf großen Talkshows des Ersten und des ZDF zu Gast: dreimal bei Anne Will , einmal bei Hart aber fair , zweimal bei Maischberger, sechsmal bei Maybrit Illner und sechsmal bei Markus Lanz . Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat seine Talkshow-Präsenz nach Corona reduziert. 2022 hatte er die Wertung mit 40 Auftritten angeführt. Ohne die Pandemie sind die Gesundheitsexpert: innen und Virolog: innen nicht mehr so häufig in den Gesprächssendungen. Stattdessen sitzen in den Shows in Zeiten der Kriege, Krisen und Konflikte Sicherheitspolitik-Expert: innen wie Carlo Masala, Florence Gaub und Nicole Deitelhoff. Diese drei Personen waren die meisteingeladenen Gäste abseits von Politik und Journalismus. Die Nummer 2 des Rankings nimmt 2023 Robin Alexander ein. Der Welt -Journalist kam auf 16 Auftritte und liegt damit knapp vor dem CDU-Politiker Jens Spahn und dem ehemaligen FDP-Fraktionsvorsitzenden Christian Dürr. Die damalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang komplettiert als erste Frau die Top 5 des Jahres-Rankings. Während auf den ersten Plätzen klar Männer dominieren, sieht es dahinter etwas ausgeglichener aus. Unter den 30 Personen mit mindestens acht Auftritten finden sich 17 Männer und 13 Frauen. Die Top 25 der Personen mit den meisten Auftritten in den öffentlich-rechtlichen Talkformaten stellt sich 2023 wie folgt dar: Platz Person Auftritte 2023 1 Kevin Kühnert (SPD) 18 2 Robin Alexander (Journalist, Die Welt) 16 3 Jens Spahn (CDU) 15 3 Christian Dürr (FDP) 15 5 Ricarda Lang (Bündnis 90/ Die Grünen) 14 <?page no="201"?> 6.1 Typen 201 6 Lars Klingbeil (SPD) 13 6 Carlo Masala (Politikwissenschaftler) 13 6 Roderich Kiesewetter (CDU) 13 9 Omid Nouripour (Bündnis 90/ Die Grünen) 12 9 Michael Bröcker (Journalist, TABLE MEDIA) 12 9 Helene Bubrowski (Journalistin, TABLE MEDIA) 12 12 Norbert Röttgen (CDU) 11 12 Saskia Esken (SPD) 11 12 Kristina Dunz (Journalistin, RND) 11 12 Eva Quadbeck (Journalistin, RND) 11 16 Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/ Die Grünen) 10 16 Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) 10 16 Melanie Amann (Journalistin, DER SPIEGEL) 10 16 Elmar Theveßen (Journalist, ZDF) 10 16 Florence Gaub (Politikwissenschaftlerin) 10 21 Ralf Stegner (SPD) 9 21 Carsten Linnemann (CDU) 9 21 Johannes Vogel (FDP) 9 21 Ulrike Herrmann (Journalistin, TAZ) 9 21 Michael Roth (SPD) 9 Abbildung 8: Die Talkshow-Gäste mit den meisten Auftritten 2023 (Anne Will, Maischberger, Hart aber fair, Maybrit Illner, Markus Lanz) Gespräche mit Politiker: innen und Expert: innen sind wichtig, um politische Prozesse und die Positionen der Gesprächspartner: innen transparent zu machen. Für die Politiker: innen sind Talk-Runden zentral, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Das Ziel dieser Formate besteht darin, politische Zusammenhänge verständlich zu erläutern und einzuordnen, aber auch Widersprüche und Schwächen in der Argumentation offenzulegen. Dabei werden aus einer normativen Perspektive faire und ausgewogen Formen der Debatte erwartet. Die Formate erinnern in der Praxis teilweise eher einem Verhör durch die Moderation oder einem verbalen Duell zwischen mehreren Gesprächspartner: innen (vgl. Oechsner 2021). Talkshows folgen den klassischen Mechanismen des Theatralitätkonzeptes mit seinen Kategorien der Inszenierung, Korporalität, Performance und Wahrnehmung. Sie folgen einer spezifischen Dramaturgie, die durch das Setting, den Ablauf und die spezifischen immer wiederkehrenden Merkmale inszeniert werden. Es geht um Personen, die fragen und befragt werden und die entsprechende Medienbühne, auf der die Aufführung zu beobachten ist. Schlussendlich sind die Wahrnehmung und Wirkung der Sendungen bei den Rezipient: innen relevant, da sie Auswirkungen auf Wahlentscheidungen haben können (vgl. Schicha 2007). <?page no="202"?> 202 6 Talkshows Politiker: innen sind auch zu Gast in Comedy-Formaten. Dort geht es weniger um politische Zusammenhänge, sondern primär um Schlagfertigkeit und Witz für eine optimale Selbstdarstellung. Comedy-Talk Andreas Dörner (2001) hat den Begriff Politainment geprägt. Er unterscheidet zwischen politischen Formaten, in denen Unterhaltungselemente in Formen von Satire oder Glossen auftauchen, die zum Beispiel am Ende der ZDF-Sendungen Frontal und Berlin direkt eingespielt werden, und Politiker: innenauftritten in Unterhaltungsformaten (vgl. Schicha 2004a). So waren in der ZDF- Satiresendung Heute-Show unter anderem die Politiker Peter Altmeier (CDU), Rainer Brüderle (FDP), Anton Hofreiter (Bündnis90/ Die Grünen) und Gregor Gysi (Linke) zu Gast. In diesen Gesprächen ging es weniger um politische Inhalte, sondern um eine hohe Gag-Dichte. Die Harald Schmidt Show hatte kurz vor der Bundestagswahl 2005 prominente Spitzenpolitiker wie Guido Westerwelle (FDP) und Joschka Fischer (Bündnis90/ Die Grünen) zu Gast. Auch hier ging es weniger um politische Konzepte, sondern um ein lockeres und unkritisches Gespräch, bei dem die Wahlkämpfer Sympathiepunkte sammeln konnten. Zynische und frauenfeindliche Bemerkungen des Moderators fanden in der Comedyshow mit Interviews immer wieder statt. Sogenannte Polenwitze arbeiteten mit Stereotypen und Vorurteilen. So wurden die Bewohner: innen des Landes in den Gags immer wieder mit Autodiebstählen in Verbindung gebracht. Ein negativer Höhepunkt war der geschmacklose Gag von Schmidt, als er die feministische Frauenzeitschrift Emma mit einer Flasche Eierlikör, einer Kloschüssel und einem Foto von der Moderatorin Bettina Böttinger zeigte. Er richtete sich mit der Frage ans Publikum, was diese vier Dinge gemeinsam hätten, und gab selbst die Antwort, dass kein Mann diese Dinge freiwillig anfassen würde. In den kommenden Wochen der Show folgten Anspielungen auf Böttingers sexuelle Orientierung. Daraufhin hat sie die Harald Schmidt Show besucht und sich gegen die Diskriminierung gewehrt. Sie hat die Sendung dann vor dem Ablauf der verabredeten Gesprächszeit wieder verlassen (vgl. Brunst 2005). 6.2 Sendungen Talkshows gehören im Vergleich zu anderen Formaten zu den kostengünstigen Produktionen. „Man braucht ein Studio, Kameras, Gäste, die Moderatorin oder den Moderator mit einer überschaubaren Redaktion. Also bringen die ARD-Anstalten bis zu 30 Talks pro Woche. Kommt ein Gast gut, wird er wie ein Wanderpokal herumgereicht.“ Die Honorare der Teilnehmer: innen sind ebenfalls überschaubar. Während in den Personality-Formaten die Gäste die Möglichkeit bekommen, auf ihr <?page no="203"?> 6.2 Sendungen 203 203 neues Produkt z.B. in Form einer Filmproduktion, einer Musikaufnahme oder eines Buches hinzuweisen, geht es den Politiker: innen darum, einen positiven Eindruck bei den Wähler: innen zu hinterlassen. Talk-Runden nach dem ARD-Tatort Dass der hohe Einfluss auf die öffentliche Willens- und Meinungsbildung den Politiker: innen durchaus bewusst ist, zeigt das nachfolgende Zitat: „Mir liegt es zunächst am Herzen. Sie haben ja heute ihre 250. Sendung. Ich finde, wir sollten Ihnen erst mal gratulieren zu dieser Sendung. Diese Sendung bestimmt die politische Agenda in Deutschland mittlerweile mehr als der Deutsche Bundestag. Das betrübt mich, aber das ist ein großer Erfolg.“ (Friedrich Merz bei Sabine Christiansen am 29. Juni 2003, zitiert nach van Rossum 2004, S. 15) Mit diesen Worten gratulierte der CDU-Politiker der Moderatorin zum Jubiläum ihrer Talkshow im Ersten, die jeden Sonntag nach der Tagesschau und dem Tatort ausgestrahlt wurde (vgl. Tenscher 1999). Der beliebteste und begehrteste Sendeplatz für eine politische Talkshow ist nach wie vor der Sonntagabend in der ARD um 21.45 Uhr. Nach dem quotenstarken Tatort bleiben viele Zuschauer: innen an den Geräten und verfolgen die Gesprächssendung. Nachdem Sabine Christiansen die Sendung von 1998 bis 2007 moderiert hat, übernahm Anne Will das Format bis 2023 mit einer Unterbrechung durch Günther Jauch , der von 2011 bis 2015 den Polittalk im Ersten geleitet hat. Im Januar 2024 hat Caren Miosga die Sendung übernommen. Aufgrund der hohen Einschaltquoten verfügt diese Talkshow über eine starke politische Prominenz, wobei auch Journalist: innen eingeladen werden. Trotz der sehr guten Zuschauer: innenresonanz ist die politische Talkshow am Sonntag im Ersten von Anfang an kritisiert worden. Dies hing mit den alarmistischen Titeln der Sendung zusammen, die häufig den Eindruck vermittelten, dass Deutschland und die Welt am Abgrund stehen. Bemängelt wurde, dass die immer gleichen Akteur: innen ihre Argumente auf der Fernsehbühne austauschen und somit ähnliche Rituale mit sich wiederholenden Statements die Debatte bestimmen. Die Gesprächsführung der Moderatorin wurde ebenfalls kritisiert. „Sabine Christiansen hatte eine unnachahmliche Art, Themen in Fragen zu kleiden, die garantiert nicht beantwortbar sind. So kommt niemand hinterher auf die Idee zu prüfen, ob man durch das Gespräch einer Einsicht nähergekommen ist (van Rossum 2004, S. 125) Bemängelt wurde weiterhin, dass kaum kritische Fragen an die Gäste gerichtet werden und somit die Kontroll- und Kritikfunktion von Medien zumindest in diesem Format ihre Wirkung verfehlt hat. Weber (2019) schließt sich dieser Auffassung an. Ihm zufolge befindet sich die politische Debattenkultur in einer Sackgasse, da sich die Talk-Formate in einer endlosen Dauerschleife um <?page no="204"?> 204 6 Talkshows die immer gleichen Protagonist: innen und Themen drehen. Durch diese Entwicklung kann die Politikverdrossenheit forciert werden. „Die Diskussionen selbst unterliegen einer steifen Rollenlogik und unabänderlichen Kommunikationsprinzipien, die jede offene, wirklich demokratische Diskussion unmöglich machen. Talkshows vermitteln ein Bild des Politischen, dass nicht nur zynisch, verengt und erstarrt ist, sondern auch erschreckend lustlos, überraschungsarm und langweilig. Wenn aus einer derart schiefen Darstellung von Politik Ressentiments entstehen, die viele Zuschauer zu misstrauischer Distanz zum politischen Betrieb bewegen, ist dies kaum verwunderlich. Wenn exakt dieselben Ressentiments einige Jahre später, in Gestalt von Vertretern einer rechtspopulistischen Partei, selbst in den Diskussionsrunden Platz nehmen, um von dort die Art und Weise der Diskussion weiter zu sabotieren, ist das zwar eine feine Ironie der Debattenkultur, aber nicht wirklich überraschend.“ (Weber 2019, S. 13) Hart, aber fair Am Montagabend strahlt die ARD die Gesprächssendung Hart aber fair aus. Seit 2022 moderiert Louis Klamroth das Format. Davor war Frank Plasberg fast 22 Jahre lang der Gastgeber (vgl. Könning 2009). Auch diese Talkshow wurde immer wieder kritisiert. 2018 wurde bemängelt, dass das Thema ‚Flüchtlinge und Kriminalität‘ im Anschluss an eine Dokumentation zu diesem Schwerpunkt diskutiert wurde. „Nicht selten greifen Talkshows einfach den Gegenstand wieder auf, mit dem die Zuschauer direkt zuvor in einem Spielfilm oder in einer Dokumentation konfrontiert wurden.“ (Weber 2019, S. 54). Der Vorwurf richtete sich darauf, dass nur die negativen Konsequenzen der Flucht geschildert worden sind. Risiken und Probleme standen im Mittelpunkt der Diskussion. Kulturelle, ökonomische und soziale Chancen einer gelungenen Integration z.B. in den deutschen Arbeitsmarkt wurden hingegen nicht erörtert. So entsteht der Eindruck, dass die Erzählung von Negativbotschaften für die Programmmacher: innen wichtiger zu sein scheint als eine ausgewogene Bearbeitung des Themas, das auch positive Entwicklungen aufgreift. Insofern scheint hier der Quotendruck bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern eine wesentliche Rolle zu spielen. Da aber dort im Gegensatz zu den privat-kommerziellen Anbietern die Finanzierung nicht primär durch Werbung, sondern überwiegend durch Rundfunkgebühren bewerkstelligt wird, ist die Quote bei der ARD und im ZDF nicht so entscheidend. Insofern sollte nicht nur über Krisen und Katastrophen berichtet werden, sondern es sollten ebenso positive Entwicklungen aufgezeigt werden, die im Verständnis eines konstruktiven Journalismus Lösungsansätze erörtern. Dabei sollten folgende Kernaufgaben im Rahmen der seriösen Berichterstattung trotz des Zeitdrucks und der Konkurrenz beachtet werden, wie de Weck (2024, S. 63) anmerkt: „Journalismus ist zunächst nichts Anderes als Informationen suchen, prüfen, <?page no="205"?> 6.2 Sendungen 205 205 überprüfen, analysieren, einordnen, gewichten, auslesen, darstellen, erklären, eventuell kommentieren und bei Bedarf aktualisieren oder berichtigen.“ Die Fokussierung auf nur wenige Themen führt zu einer Verengung auf ähnliche Debattenschwerpunkte mit den immer gleichen Diskutant: innen. Eine Reihe von gesellschaftlich relevanten Gruppen hat hingegen nur wenig Chancen, in einer Talkshow zu Wort zu kommen. „Betroffene, Bürgerinitiativen, Nichtregierungsorganisationen, Bürgermeister, Landespolitiker: innen, Intellektuelle, Student: innen, Künstler, Wissenschaftler: innen, EU-Abgeordnete, Diplomat: innen, Berater: innen und so weiter und sofort.“ (Weber 2019, S. 75) Die Ausrichtung auf wenige Spitzenpolitiker: innen engt das Spektrum der Argumente und Positionen innerhalb der Debatten erheblich ein. Eine größere Vielfalt bei den Talkshow-Teilnehmer: innen böte hingegen die Möglichkeit, das Diskussionsfeld zu erweitern und die Erstarrung mit den immer wiederkehrenden Themen und Positionen zu vermeiden. Dass die Auswahl der Gäste nicht besonders innovativ ist, scheint aber beabsichtigt zu sein: „Einer der Gründe hat damit zu tun, dass die Talkshow-Redaktionen eigentlich gar keine Personen suchen, die für ein Gespräch interessant und geeignet sind. Sie suchen Rollen.“ (vgl. Weber 2019, S. 83). Maischberger Eine Person, die eine fundierte Expertise besaß und die Qualität der Talkshows verbesserte, war der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, der u.a. bei Sandra Maischberger die Weltlage aus seiner Perspektive erläuterte. Die Moderatorin präsentiert inzwischen an zwei Tagen in der Woche eine Gesprächssendung. Dabei erfolgt ein Wechsel zwischen Einzel- oder Doppelinterviews mit Politiker: innen und drei Expert: innen, die aus dem Journalismus, dem Schauspiel und dem Kabarett stammen. Insofern erfolgt hier ein regelmäßiger Wechsel zwischen unterschiedlichen Diskutant: innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Positiv zu bewerten ist weiterhin, dass bei Maischberger ehemalige Politiker: innen sich äußern, deren aktive Karriere bereits zurückliegt. Somit sind sie in der Lage, offener zu sprechen, da sie jetzt weniger Rücksicht auf eigene strategische Ambitionen und die eigene Partei nehmen müssen. Online-Formate An ein jüngeres Publikum richtet sich das ZDF-Debattenformat 13 Fragen, das von Salwa Houmsi und Jo Schück auf dem Online-Kanal unbubble moderiert wird (www.zdf.de/ kultur/ 13-fragen). Es geht um gesellschaftspolitische Themen, die diskutiert werden. Die Teilnehmer: innen stehen auf einem Spielfeld, dass eine bestimmte Position zu einem Thema symbolisiert. Das Ziel besteht darin, die kontrovers positionierten Teilnehmer: innen mit dem <?page no="206"?> 206 6 Talkshows Ziel in das Mittelfeld zu führen, um Kompromisse zu schließen. Es geht dort um eine respektvolle Debattenkultur, die auf der Basis gut begründeter Argumente vollzogen wird, um eine differenzierte Meinungsbildung zu erreichen. Folgende Themen wurden u.a. in den Sendungen behandelt:  Killt KI die Popkultur?  Wie schädlich ist TikTok wirklich?  Müssen wir alle Autokratien zukünftig boykottieren?  Muss Deutschland militärisch aufrüsten?  Twitter, Insta & Facebook: Zerstört Social Media unsere Demokratie?  Unerfüllter Kinderwunsch: Müssen wir die Eizellenspende legalisieren?  Ist das Verbannen von Partyschlagern wie ‚Layla‘ übertrieben? Das ARD-Online-Format Karakaya Talk auf Funk moderiert Esra Karakaya. (https: / / play.funk.net/ channel/ karakaya-talk-12084). Hier geht es um Themen der Politik und Popkultur, die aus der Perspektiven der People of Color diskutiert werden. Die Themen waren u.a.  Dating und Glaube: Hat Liebe eine Religion?  Fridays for future: Zu weiss?  Blackfishing: Bist Du schwarz oder tust Du nur so?  Kopftuch: Abnehmen oder nicht? Beim NDR- und FUNK-Format deep und deutlich für junge Menschen moderieren Aminata Belli und Aurel Mertz die Runde mit mehreren Gästen. (www.youtube.com/ deepunddeutlich). Es geht auch hier um eine offene und respektvolle Kommunikationskultur. Zu den Gästen zählen neben Politiker: innen und Journalist: innen auch Stars aus der Pop-, Kunst- und Kulturszene und erfolgreiche Influencer: innen. So waren u.a. SPD-Chef Lars Klingbeil, Bild-Kriegsreporter Paul Ronzheimer und die Unterhaltungskünstler: innen Ilka Bessin, Tim Mälzer und Guido Maria Kretschmer zu Gast. Es werden u.a. die Themen Feminismus, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, Mobbing, Body Positivity oder Leben mit Einschränkungen angesprochen Zudem werden private Erlebnisse geschildert, die u.a. negative Kindheitserfahrungen und gesundheitliche Probleme ansprechen. 6.3 Skandale Skandale sorgen für öffentliche Empörung und Anschlussdiskurse. Sofern darüber berichtet wird, ist das öffentliche Interesse groß. Meldungen über Skandale erreichen ein breites Publikum auf analogen und digitalen Kanälen. Dies gilt vor allen dann, wenn prominente Personen mit Skandalen in Ver- <?page no="207"?> 6.3 Skandale 207 bindung gebracht werden. Insofern eignen sich Gesprächssendungen mit bekannten Persönlichkeiten aus der Politik besonders dann für eine hohe Resonanz, sofern etwas Skandalträchtiges passiert (vgl. Schicha 2010a, 2013c, 2015b, 2017b). Eine besondere Herausforderung für Talkshow-Moderator: innen besteht im Umgang mit Parteivertreter: innen der AfD. Diese nutzen die öffentliche Bühne, um zu provozieren. Dieses Ziel wird häufig erreicht. Ein Beispiel hierfür ist der Auftritt des Politikers Björn Höcke bei Günther Jauch im Oktober 2015. Neben ihm waren der SPD-Politiker Heiko Maas, der CDU- Politiker Klaus Bouillon und die Journalistin Anja Reschke zu Gast. Die Diskutant: innen und der Moderator hatten offensichtlich die Absicht, den AfD- Politiker in die Enge zu treiben und seine menschenfeindlichen Positionen zu entlarven. Das hat aber nicht funktioniert, wie die Zusammenfassung des Gesprächsverlaufs zeigt. „Maas reagierte während der gesamten Diskussion mit süffisanten Kurzinterventionen (‚Das haben Sie schon zum zweiten Mal erwähnt! ‘), Bouillon mit stilloser Empörung (‚Wollen Sie mich verarschen? ‘) und Reschke stellte kritische Fragen, ohne auf deren Beantwortung zu pochen. Jauch hielt sich selbst fast gänzlich aus der Diskussion heraus und übergab die Leitung damit de facto an Höcke. Der nahm dieses Konfrontationsangebot dankend an, hisste kurzerhand die Nationalflagge über seine Armlehne und inszenierte sich als ehrlicher Anwalt des Volkes, der von den anwesenden Eliten für vermeintliche Kleinigkeiten angegriffen werde. Höcke sprach von einem ‚Spiel eins gegen vier‘ und warnte vor ‚grundsätzlichen sozialen Unruhen.‘ Dann erfolgte der unvermeidbare Ausruf ‚Dieses Volk hat Angst‘.“ (Weber 2019, S. 103) Die Mitdiskutantin Anja Reschke (2018, S. 85) fasst den Diskussionsverlauf wie folgt zusammen: „Der Fraktionsvorsitzende der AfD im thüringischen Landtag, Björn Höcke, war auch da. Mitten im Gespräch zog er plötzlich eine Deutschlandfahne aus seinem Jackett, um sie dann demonstrativ über seine Stuhllehne zu legen. Er eiferte über die ansteigende Kriminalität, die vielen Fremden, die Flüchtlinge, die Mord und Vergewaltigung nach Deutschland bringen würden. Ich will dagegen sagen, dass Ausländer per se nicht krimineller sind als deutsche. Ich meinte damit, dass man Kriminalität nicht der Herkunft eines Menschen zuschreiben kann, sondern meist den Lebensumständen. Wer das verstehen wollte, verstand es genauso, für die anderen war der Satz wie ein rotes Tuch.“ Rechtspopulistischen Politiker: innen ist es immer wieder gelungen, die Talkshow-Bühne zu nutzen, um sich volksnah und harmlos zu inszenieren. 1992 hat Thomas Gottschalk den Vorsitzenden der rechtsradikalen Republikaner Franz Schönhuber in seine Late-Night-Show eingeladen, um ihn zu seiner Haltung zur Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt zu befragen. Dieser gab sich als bodenständiger Politiker aus, der angeblich für die Interessen der <?page no="208"?> 208 6 Talkshows einfachen Menschen eintritt. Gottschalk war nicht in der Lage, energisch und kritisch nachzufragen (vgl. Weber 2019). „Mit der Eingangsfrage bietet er Schönhuber die perfekte Vorlage, sich gegenüber seinen Anhängern als Lawand Order-Mann zu positionieren. Gottschalks gewundene Formulierungen machen es seinem Gegenüber leicht, der Beantwortung kritischer Fragen aus dem Weg zu gehen.“ (Brunst 2005, S. 76) Es gibt weitere Beispiele, wo Rechtspopulist: innen die Medienbühne genutzt haben, um sich dort zu präsentieren. Der Moderator Erich Böhme ist 2000 mit der Absicht in die Gesprächssendung Talk im Turm (Sat. 1) gegangen, den Mythos um den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider zu entzaubern. Auch dies hat nicht funktioniert. Seine schlechte Recherche und daraus resultierende unprofessionelle Fragen führten dazu, dass der damalige rechtsradikale FPÖ-Vorsitzende als Sieger der Debatte klassifiziert wurde (vgl. Brunst 2005). Die AfD-Politikerin Alice Weidel nutzt Talkshow-Auftritte, um die Politiker: innen der anderen Parteien zu beschimpfen oder die Gesprächssendung unter Protest zu verlassen. Provokationen, Polemik und das Generieren von populistischen Feindbildern gehören zum üblichen Repertoire von Vertreter: innen der AfD. „Die rhetorische Strategie der AfD ist im Kern undemokratisch, die andere Sichtweisen, Widersprüche und Einwände nicht nur ausschließt, sondern auch zu gesetzeswidrigen, volksverräterischen, ideologisch verblendeten feindlichen Akten stilisiert. Sie will nicht Recht bekommen, sondern das Recht von seinen angeblichen Verächtern zurückgewinnen; sie will nicht zur Bildung des Volkswillens beitragen, sie setzt sich mit ihm in eins. (Weber 2019, S. 131f.) Insofern stellt sich die Frage, ob rechtsextreme Politiker: innen in Gesprächssendungen eine Medienbühne bekommen sollen, um ihre menschenfeindlichen Positionen zu propagieren. Gleichwohl ist es problematisch, gewährte Volksvertreter: innen nicht in die Sendungen einzuladen, da ein derartiges Vorgehen den Vorwurf der Ausgrenzung zur Folge hätte. Auch bei Lanz waren immer wieder Parteimitglieder der AfD zu Gast. Er präsentiert an drei Abenden pro Woche seine Talkrunde im ZDF. Lanz Im Zweiten Deutschen Fernsehen dominiert Markus Lanz die Gespräche mit Politiker: innen, Journalist: innen und Wissenschaftler: innen. Das Format läuft seit dem 3. Juni 2008 und wird von Dienstag bis Donnerstag ausgestrahlt. Inzwischen sind mehr als 2000 Folgen in 16 Jahren ausgestrahlt worden (vgl. Rathcke 2024). Es sind Tausende von Interviews geführt worden, unter anderem mit Barack Obama und Bill Gates. Während der Corona-Pandemie war der spätere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ständiger Gast der Sendung. Es gibt durchaus positive Kritik am Lanz-Talk. <?page no="209"?> 6.3 Skandale 209 „Im verwirrenden Dauerfeuer und der Verlautbarungen und Verordnungen des Coronajahres 2020/ 21 sorgten die abendlichen Gesprächsrunden mit Markus Lanz und seinen Gesprächspartner: innen für Aufklärung, Einordnung und Orientierung, ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs, vor allem in Zeiten des Lockdowns.“ ( Jury des Deutsches Fernsehpreises 2021, zit. nach Haider 2022, S. 11) Neben diesem Lob wird das Talk-Format im ZDF aber auch kritisch gesehen. Eine Sendung im Januar 2014 hat für besondere Empörung gesorgt. Die damalige Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Stern-Journalist Hans Ulrich Jörges waren zu Gast. Lanz und Jörges fielen Wagenknecht ständig ins Wort und haben sich mit polemischen Sprüchen gegen die ehemalige Politikerin der Linken verbündet. Das Gespräch nahm den Charakter eines Verhörs an, das durch ständiges Nachhaken und Unterbrechen geprägt war. Insofern hatte Wagenknecht keine Chance, ihre Position angemessen vorzustellen. Sie hatte dies selbst nach der Ausstrahlung der Sendung kritisiert. Es gab daraufhin auch Protest der Zuschauer: innen (vgl. Rathcke 2024). Bei der Online-Plattform Open Petition startete Maren Müller eine Unterschriftenaktion unter der Überschrift ‚Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr! ‘ Das ZDF wurde aufgefordert, sich von Markus Lanz zu trennen. Sie wurde in 14 Tagen von rund 235.000 Menschen unterschrieben. Der Text lautete wie folgt: „Die Sendung ‚Markus Lanz‘ zeigte zum wiederholten Mal, dass Herr Lanz weder fähig noch willens ist, seinen Gästen gleichberechtigt Wohlwollen, Rederecht und Anstand entgegenzubringen. Ein Moderator, der offenbar große Probleme damit hat, dem politischen Spektrum links von der Mitte mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen, passt nicht in ein öffentlichrechtliches Format. Der im expliziten Fall miserable Stil im Umgang mit Sahra Wagenknecht spiegelt in drastischem Maße wider, dass politische Neutralität für Lanz ein Fremdwort ist. Der Bildungsauftrag sowie die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit wird durch die von Lanz demonstrierte tendenziöse Diskussionskultur grob vernachlässigt. Unzählige empörte Tweets zeigten bereits während der Sendung, dass viele Zuschauer es leid sind, von einem notorisch peinlichen Moderator durch diverse Sendeformate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (in diesem Falle ZDF) geführt zu werden. Ein Moderator, der nicht fähig ist, ohne Entgleisungen zu moderieren, den Offenheit und der Umgang mit abweichenden Meinungen offenbar überfordern, der Fragen stellt und die Antworten nicht hören will und der seine eigene Meinung stets über die seiner Gäste stellt, sollte nicht vom Beitragszahler alimentiert werden. Ich fordere das ZDF daher auf sich von Markus Lanz zu trennen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.“ (zitiert nach Haider 2022, S. 35f.) <?page no="210"?> 210 6 Talkshows Abbildung 9: Petition ‚Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag‘ Die Petition hatte für Lanz aber keine negativen Auswirkungen und Wagenknecht ist bis heute häufiger Gast in seiner Sendung (vgl. Pörksen 2018). Die Kritik hat jedoch deutlich gemacht, dass eine gute politische Talkshow von einer Moderation geleitet werden sollte, die zwar gezielt und gut vorbereitet die Diskussion leiten sollte, sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Kritische Nachfragen sind sinnvoll. Den Gesprächspartner: innen sollte die Möglichkeit gegeben werden, darauf ohne Unterbrechungen antworten zu dürfen. Persönliche Angriffe sind zu unterlassen (vgl. Wendschlag 2012). Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass ein hohes Maß an Aggressivität die Qualität politischer Talkshows stärkt. „Wer seinen Gesprächspartner am schnellsten unterbricht, ob als weiterer Gast oder als Journalist, glaubt besonders progressiv oder schlagfertig zu sein.“ (Deppendorf 2013, S. 25). Ein derartiges Vorgehen mag zwar Aufmerksamkeit generieren und den Nachrichtenwert ‚Konflikt‘ nutzen. Es sollte aber davon ausgegangen werden, dass politische Debatten im Fernsehen in erster Linie die Aufgabe haben, über gesellschaftlich relevante Sachverhalte konstruktiv zu streiten, dies aber auf der Basis von Sachargumenten bewerkstelligen. Die Fokussierung auf persönliche Angriffe kann eher dazu führen, dass die Parteien-, Politik- und Politiker: innenverdrossenheit steigt. 6.4 Kritik „Talkshows vermitteln ein Bild des Politischen, das nicht nur zynisch, verengt und erstarrt ist, sondern auch erschreckend lustlos, überraschungsarm und langweilig. Das ist eine derart schiefe Darstellung von Politik. Dass Ressentiments entstehen, die viele Zuschauer zur misstrauischen Distanz zum politischen Betrieb bewegen, ist kaum verwunderlich.“ (Weber 2019, S. 12f.) So wird kritisiert, dass die Gesprächsrunden häufig einen alarmistischen <?page no="211"?> 6.4 Kritik 211 Blick auf die Themen der Sendungen richten. Es werden Krisendiagnosen erstellt und Zuspitzungen vorgenommen, die der Komplexität des Themengegenstandes nicht annähernd entsprechen. Die Debatten laufen häufig wenig lösungsorientiert, sondern eher konfrontativ. Zusammenhänge werden nicht ansatzweise angemessen diskutiert. „Die Redezeiten in den Sendereihen erlauben dem Teilnehmer kaum eine ausholende Analyse und Argumentation, die kurzen Redezeiten zwingen die Sprecher dazu, ihre Beiträge stark zu verdichten und argumentationslogisch so weit abzukürzen, dass vor allem die zentrale Schlussfolgerung herausgestrichen […] wird.“ (Schultz 2006, S. 21) Es geht speziell in den politischen Gesprächsrunden im Fernsehen weniger um einen vernünftigen Austausch auf der Basis fundierter und gut begründeter Argumente, sondern um den Schlagabtausch zwischen Konkurrent: innen. Die Möglichkeiten für eine bessere Diskurskultur sind jedoch gegeben. Politiktalks können „einen vernünftigen Beitrag zur politischen Kommunikation leisten. Indem sie unterschiedliche Akteure mit ihren voneinander abweichenden, teils sich ergänzenden, teils sich widersprechenden Perspektiven und Argumentationen zusammenbringen und eine Zusammenschau organisieren, dienen sie noch unabhängig von jeweiligen weiterreichenden Lerneffekten der Orientierung und Information des Publikums.[…] Im Falle der Fernsehrunden ist die Informationsfunktion, anders als bei Nachrichten, eng an die argumentative Substanz und die dialogischen Momente der Gespräche gekoppelt.“ (Schultz 2006, S. 316f.) Insofern können Fernsehgespräche einen Beitrag zur konstruktiven Rationalität öffentlicher Debatten leisten. „Dass in den Polit-Talks Unterhaltungselemente, Muster politischen Werbens und Strategien der Selbstdarstellung eine Rolle spielen, muss ihre meinungsbildende Funktion nicht entwerten. Wenn das Publikum die Erwartungen ganz aufgibt, auch substanzielle Sachaussagen zu hören, werden nicht diskursive Show-Elemente natürlich zum Problem.“ (Schultz 2006, S. 320f.) Gleichwohl wird den großen politischen Talkshows vorgeworfen, dass sie eher einen verengten Blick auf das politische Geschehen werfen und weniger die Fachexpertise, sondern eher die Prominenz im Mittelpunkt bei der Auswahl der Gäste steht. „Um die Dramaturgie des Geschehens nicht zu gefährden, haben sich die Diskutanten einer primitiven Rollenlogik unterzuordnen, die mit den Prinzipien einer offenen Diskussion nichts mehr zu tun hat. Die Art und Weise, wie diskutiert wird, ist hochgradig instrumentell. Politiker versuchen, kurze, zitierbare Parolen durchzugeben, in dem Irrglauben, die bloße Wiederholung einer Meinung mache sie glaubwürdiger. (Weber 2019, S. 149f.) <?page no="212"?> 212 6 Talkshows Die Qualität der Gesprächssendungen leidet auch dann, wenn die Moderation nicht darum bemüht ist, gerechte Redeanteile zu ermöglichen und während der Sendung keine mäßigende Rolle einnimmt, sondern die Position von einem oder mehreren Diskutierenden übernimmt und damit alternative Auffassungen ablehnt. „Man besetzt Streitrunden nicht selten so, dass eine Position allein dasteht und also bereits qua Setting als randständig markiert wird. Und der Moderator, der eigentlich für eine spannende Diskussion sorgen soll, indem er alle Positionen kritisch hinterfragt, herausfordert und miteinander ins Gespräch bringt, verbündet sich mit der Mehrheitsmeinung in seiner Runde, um den Einzelkämpfer zu demontieren.“ (Flaßpöhler 2024, S. 92) Fernsehdebatten sprechen in der Regel nicht nur die Vernunft an. Sie werden weniger auf der Basis eines rationalen Diskurses mit gut begründeten Argumenten vollzogen. Vielmehr geht es neben der Sachebene, um die Darstellungs- und Beziehungsebene, bei der sich Emotionen und persönliche Angriffe zwischen den Gesprächspartner: innen finden lassen. Darüber hinaus ist der Unterhaltungsgehalt relevant, um Aufmerksamkeit und die damit verbundenen Einschaltquoten zu erhalten. Schlagfertige Diskutant: innen, die eine hohe Medientauglichkeit besitzen, machen den verbalen Austausch interessanter. Gleichwohl sind aus einer ethischen Perspektive normative Ansprüche wie Fairness, Respekt und Sachlichkeit zentrale Kategorien, die für die Qualität der Formate relevant sind. Es wird weiterhin erwartet, dass zuverlässige und glaubwürdige Informationen vermittelt werden, die den Erkenntniswert der Rezipient: innen steigern (vgl. Oechsner 2021). Neben einer guten Vorbereitung kann auch eine gut strukturierte Gesprächsleitung dazu beitragen, gerechte Redeanteile zu ermöglichen. (Steinbrecher/ Weiske 1996). Ob diese Ansprüche erfüllt werden, ist anhand der Analysen von einzelnen Sendungen zu prüfen. 6.5 Podcast-Formate Im Gegensatz zu den klassischen Talk-Formaten im Fernsehen gibt es eine Reihe von Interview-Podcasts, die auch auf YouTube zu finden sind. Dabei handelt es sich u.a. um Einzelinterviews mit einem Gast, die biografische und politische Themen behandeln.  Hotel Matze wird von Matze Hilscher seit 2026 moderiert. Dort werden prominente Schauspieler: innen (z.B. Hape Kerkeling), Politiker: innen (z.B. Angela Merkel) und Talkshowmoderator: innen (z.B. Markus Lanz) befragt. (https: / / hotelmatze. podigee.io/ ).  Politik mit Anne Will ist der Titel der ehemaligen ARD-Talkmasterin Anne Will, die Politiker: innen (z.B. Olaf Scholz) ebenso befragt wie Journalist: innen (z.B. Melanie Ammann). (https: / / politik-mit-annewill.podigee.io). <?page no="213"?> 6.5 Podcast-Formate 213  Das Format Jung & Naiv wird vom Journalisten Thilo Jung moderiert, der Politiker: innen (z.B. Sahra Wagenknecht) genauso begrüßt hat wie Wissenschaftler: innen (z.B. Christian Drosten). (https: / / jung-naiv.podigee.io).  Der Podcast Alles gesagt? wird von den ZEIT-Journalisten Christoph Amend und Jochen Wegner geleitet. Hier werden Künstler: innen (z.B. Herbert Grönemeyer) ebenso befragt wie Literat: innen (z.B. Eva Menasse), Moderator: innen (z.B. Günther Jauch) und Politiker: innen (z.B. Jens Spahn). (https: / / www.zeit.de/ serie/ alles-gesagt).  Freiheit Deluxe ist der Titel des Podcast von Jagoda Marinic. Die Autorin und Moderatorin spricht alle 14 Tage mit Personen aus der Politik (z.B. Robert Habeck), der Wissenschaft (z.B. Steffen Mau), den Medien (z.B. Jan Böhmermann), dem Journalismus (z.B. Katrin Eigendorf), dem Schauspiel (z.B. Maren Kroymann), der Satire (z.B. Josef Hader) und der Musik (z.B. Igor Levit). (https: / / www.hr2.de/ podcasts/ freiheit_deluxe/ index.html).  Debatten über politische Themen werden auch zwischen dem Moderator Markus Lanz und dem Philosophen Richard David Precht auf dem Podcast lanz & precht geführt. (https: / / lanz-precht.podigee.io/ episodes). Diese hörenswerten Formate bieten Gespräche, die auf einem hohen Diskursniveau persönliche Erfahrungen und politische Einschätzungen schildern. Hier werden ohne Zeitdruck relevante Informationen vermittelt. Nach diesem Blick auf unterschiedliche Beispiele und Typen von Gesprächsformaten im deutschen Fernsehen und darüber hinaus richtet sich der Fokus nun auf die umstrittene Boulevardzeitung Bild , die aus einer kommunikationsethischen Perspektive einer Reihe von berechtigten Kritikpunkten ausgesetzt ist. Hierzu werden Merkmale des Blattes vorgestellt, bevor auf konkrete Inhalte verwiesen wird, die negative Bewertungen erhalten haben. <?page no="215"?> 215 7 Bildzeitung „Die Massenmedien sollen sich als Mandatar eines aufgeklärten Publikums verstehen, dessen Lernbereitschaft und Kritikfähigkeit sie zugleich voraussetzen, beanspruchen und bestärken; sie sollen, ähnlich wie die Justiz, ihre Unabhängigkeit von politischen und gesellschaftlichen Faktoren bewahren; sie sollen sich unparteilich der Anliegen und Anregungen des Publikums annehmen und den politischen Prozess im Lichte dieser Themen und Beiträge einer verstärkten Kritik aussetzen.“ (Habermas 1992, S. 457) Diese Ansprüche werden nicht in allem Medienformaten erfüllt. In Deutschland existiert aber eine breite Medienvielfalt. Im Bereich der Printmedien gibt es mehrere überregionale Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung , die über eine hohe Qualität in der Berichterstattung verfügen. Die wöchentlich erscheinende Zeit entspricht ebenfalls den hohen Qualitätskriterien, die an einen kritischen Journalismus gestellt werden. Dies gilt auch für das investigative Nachrichtenmagazin Der Spiegel . Diese Formate setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander. Sie zeichnen sich durch ein hohes Maß an Recherche, Information und Hintergrundberichterstattung aus. Dennoch hat es in Qualitätsmedien immer wieder Falschmeldungen gegeben. Erfundene Berichte gab es im Spiegel, und im Magazin der Süddeutschen Zeitung wurden frei erfundene Interviews abgedruckt. Die gefälschten Hitler-Tagebücher haben die Reputation des Sterns nachhaltig beschädigt (vgl. Schicha 2019a). Neben den Qualitätsmedien existieren eine Reihe von Medienformaten, die den normativen Ansprüchen an eine angemessene Berichterstattung über relevante Themen nicht nachkommen. Sie rücken das Schicksal von Prominenten in den Mittelpunkt der Meldungen und Nachrichten. Der sogenannte Boulevardjournalismus hat einen schlechten Ruf, da er teilweise mit unsachlichen Meldungen die Sensationslust der Leser: innen bedient. Viele Schlagzeilen und Berichte sind frei erfunden. Die Veröffentlichungen über Stars, Prominente und Königshäuser sind weder relevant noch basieren sie auf sauber recherchierten Fakten. Der Moderator und Sänger Florian Silbereisen hat über diese Blätter folgendes gesagt: „An Tankstellen oder Supermarktkassen wird mir manchmal schwindelig, wenn ich auf den Titelseiten sehe, welche Seelenqualen ich nun mal wieder durchlebt haben soll. Jede Woche erscheinen Dutzende Klatschblätter mit neuen Dramen über mich, meist ist es Gott sei Dank aber so, dass meine Trennung in dem einen Blatt durch meine Hochzeit in dem anderen Blatt wieder aufgehoben wird.“ (zitiert nach Mascolo 2017, S. 31f.) Es wird mit Falschmeldungen, Gerüchten, Skandalisierungen, Spekulationen und manipulierten Bildern gearbeitet, die als solche nicht kenntlich gemacht werden. Neben Klatsch und Tratsch über Prominente finden sich dort Mode-, Diät- und Reisetipps, wobei teilweise die Grenze zur Schleichwerbung überschritten wird (vgl. Schicha 2019a). <?page no="216"?> 216 7 Bildzeitung 7.1 Merkmale Bild sieht sich selbst als eine kostengünstige Volkszeitung, die von der gesamten Breite der Bevölkerung verstanden wird. Das Blatt geriert sich als Anwalt der sogenannten Kleinen Leute. Im Rahmen von Werbekooperationen werden Artikel wie die sogenannte Volksbibel vertrieben. Aktionen wie ‚Bild hilft‘ oder ‚Bild kämpft um sie‘ betonen den anwaltlichen Journalismus und Gebrauchswert des Blattes. Dem Titel der Zeitung angepasst stehen Bilder im Mittelpunkt des Boulevardblattes. In erster Linie werden Personen gezeigt, wobei prominente Protagonist: innen im Vordergrund stehen. Auf Grafiken und Hintergrundberichte, die komplexe Sachverhalte erläutern, wird weitestgehend verzichtet. Es geht um die Grundidee einer Reizmaximierung, bei der auch Opferbilder gezeigt werden, die Persönlichkeitsrechte verletzen. Die Sprache von Bild zeichnet sich durch einen einfachen Aufbau, kurze Sätze und verständliche Begriffe aus. Es werden Wortkombinationen kreiert, die eindeutige Bewertungen enthalten. Schlagzeilen wie ‚Wir sind Papst‘ bringen Freude und Stolz über die Ernennung eines deutschen Oberhauptes der katholischen Kirche zum Ausdruck. Die Bezeichnung ‚Pleite-Griechen‘ diskreditiert pauschal die Bewohner eines ganzen Landes. Alliterationen wie ‚Klinsi killt King Kahn‘ dramatisieren den Sachverhalt, dass ein deutscher Bundestrainer einen Torhüter auf die Ersatzbank schickt. Abbildung 10: Titel der Bildzeitung vom 7. April 2006 Abbildung 11: Titel der Bildzeitung vom 31. Mai 2022 Aggressive Begriffe wie ‚Wut‘ und ‚Zoff‘ prägen den Wortschatz ebenso wie Formulierungen, die auf Ängste verweisen oder kriminelle Menschen als ‚Bestie‘ oder ‚Monster‘ bezeichnen. Durch eine derartige Wortwahl wird eine Entmenschlichung von Personen vorgenommen (vgl. Arlt/ Storz 2011, Schicha 2019a). Neben einer problematischen Sprache agiert das Blatt auch mit negativen Vorurteilen auf der Basis von Vermutungen. So kamen die verantwortlichen <?page no="217"?> 7.1 Merkmale 217 Redakteur: innen der Zeitung auf die Idee, eine Fernsehkritik bereits vor der Ausstrahlung der Sendung zu drucken: „Als im Jahr 1973 zum ersten Mal eine Frau das ‚Sportstudio‘ moderieren durfte, glaubte sich die Redaktion so im Einklang mit der Mehrheit der männlichen Fans, dass sie bereits eine vorauseilende vernichtende Kritik in Auftrag gegeben hatte, bevor die Sendung überhaupt ausgestrahlt war. Da die Moderatorin Carmen Thomas vor der Sendung bereits ein druckfrisches Exemplar zugespielt bekam, präsentierte sie den vorauseilenden Verriss in ihrer Sendung - und zwar gegen den Rat der Redaktion.“ (Metz/ Seeßlen 2012, S. 429) Wirre Meldungen prägen immer wieder die Titelbilder des Boulevardblattes. So wurde behauptet, dass Adolf Hitler ein Ufo bauen ließ. Auf einem Titelbild wurde ein Foto des Diktators mit der Zeichnung eines unbekannten Flugobjektes gezeigt, auf dem ein Nazisymbol zu sehen ist. Abbildung 12: Titel der Bildzeitung vom 6. Dezember 2004 In der Bild werden identifizierbare Opferbilder ohne Genehmigung von Angehörigen gezeigt. Neben Aufnahmen von Unglücken und Katastrophen finden sich auch Bilder aus den sozialen Netzwerken auf dem Titel der Tageszeitung. Die Unschuldsvermutung gehört nicht immer zu den journalistischen Richtlinien von Bild. Die einer Vergewaltigung beschuldigten Moderatoren Andreas Türck und Jörg Kachelmann wurden noch vor der Urteilsverkündung als schuldig bezeichnet, obwohl später die juristische Prüfung in beiden Fällen einen Freispruch ergab. Die Reputation beider Journalisten war nachhaltig beschädigt (vgl. Sasse 2007, Schicha 2019a). Abbildung 13: Titel der Bildzeitung vom 3. März 2004 Im Jahr 2002 waren in der Zeitung über den angeblichen Täter Türck folgende Schlagzeilen abgedruckt:  „Protokoll der Sex-Nacht“ (4.8.), <?page no="218"?> 218 7 Bildzeitung  „Sex im Drogenrausch? Sensationeller erster Tag im Prozess“ (10.8.),  „Die Sex-Akte Türck. Er braucht 6 Minuten, um eine Frau aufzureißen“ (11.8.),  „Heute wird sie gefragt, ob sie Unterwäsche trug“ (16.8.),  „Katharina (29) weinte gestern vor Gericht. So hat Türck mich vergewaltigt“ (17.8.), Dann zeigte sich während der Verhandlung, dass die Vorwürfe gegen den Moderator falsch waren. Im Boulevardblatt waren nun folgende Überschriften zu lesen:  „Neuer Zeuge belastet das angebliche Opfer. Wollte SIE Türck aufreißen? “ (24.8.)  „Neue Sex-Enthüllung. Wenige Tage nach Türck hatte sie schon wieder Sex“ (26. 8.)  „Hat sie sich alles nur eingebildet? “ (31.8.)  „Gutachter glauben angeblichem Opfer nicht“ (2.9.)  „Sieger Türck. Aber wird er jemals wieder glücklich? “ (7.9.) Diese Beispiele dokumentiert die Gier nach einer interessanten und lukrativen Geschichte unter Missachtung journalistischer Standards. Dies ist besonders verwerflich, wenn Unschuldige zu Unrecht skandalisiert werden und die Medien als Plattform genutzt werden, um falsche Verdächtigungen und Lügen zu verbreiten. Aufgrund einer fehlenden Recherche führte ein Todesfall zu einer falschen Berichterstattung in der Bildzeitung. Ein sechsjähriger Junge, dessen Vater Iraker war, kam 1997 in einem Schwimmbad in Sebnitz ums Leben. Die Mutter ging von einem rechtsradikal motivierten Verbrechen aus. Zahlreiche Medien berichteten über diese vermeintliche Straftat. Die Schlagzeilen lauteten ‚Neo-Nazis ertränken Kind‘ ( Bild ), ‚Badeunfall erweist sich als rassistischer Mord‘ ( taz ) und ‚Ein Kind ertränkt wie eine Katze‘ ( Süddeutsche Zeitung ). Es stellte sich bei näherer Prüfung heraus, dass es sich faktisch um einen Badeunfall ohne Fremdeinwirkung handelte. Offensichtlich haben hier Medien voneinander abgeschrieben, ohne den Sachverhalt selbst weiter zu recherchieren (vgl. Schicha 2019b). Abbildung 14: Titel der Bildzeitung vom 23. November 2000 <?page no="219"?> 7.1 Merkmale 219 Die Chronik der Ereignisse und die Berichterstattung über den Fall in Sebnitz sind in einer von der Sächsischen Staatskanzlei herausgegebenen Studie publiziert worden. Dabei sind fast 500 Artikel aus deutschen Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen und Illustrierten untersucht sowie einer Medienkritik unterzogen worden. Hier richtet sich der Fokus u.a. auf die Verwendung emotionaler Stilmittel in Form von Übertreibungen sowie symbolhafter und affekthaltiger Begriffe. Es wurde auf ausgewählte negative Formulierungen zur Stadt hingewiesen, die als Nazihochburg klassifiziert worden ist. Derartige Vorurteile und Stereotypisierungen in der Medienberichterstattung haben das Image der Stadt Sebnitz und des Freistaates Sachsen nachhaltig beschädigt. Dabei haben die Bild, die Bild am Sonntag und weitere Zeitungen einen Anteil gehabt, der den negativen Gesamteindruck des Ortes und seinen Bewohner: innen verstärkt hat. Es wurde der Eindruck einer ausländerfeindlichen Region vermittelt, die angeblich ihr Problem mit dem Rechtsextremismus verleugnet. Das Klischee des rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Ostens wurde somit verbreitet (vgl. Willkommen 2001). Es lassen sich weitere Verstöße gegen journalistische Qualitätsstandards in dem Blatt aufzeigen. Angehörige von Prominenten und Opfer von Amokläufen werden von den Boulevardreporter: innen der Zeitung genötigt, Stellungnahmen abzugeben. „Das sogenannte ‚Witwenschütteln‘ ist eine Strategie, sensationelle und katastrophale Ereignisse in nachhaltige Fortsetzungsgeschichten zu verwandeln, bei denen die Opfer in allen intimen Einzelheiten noch einmal ‚vorgeführt‘ werden - ein journalistisches Plündern und Schänden, an dem sich der Leser nur zu gern beteiligt.“ (Metz/ Seeßlen 2012, S. 430) Das Leid von Menschen und ihren Angehörigen wird von der Boulevardzeitung skrupellos ausgebeutet und instrumentalisiert. So haben Bild -Reporter: innen keine Skrupel, Angehörige nach einem Todesfall in der Familie mit Fragen zu belästigen. Die ausdrückliche Bitte, die Privatsphäre zu achten, hält das Blatt nicht davon ab, ausführlich über das Leben des Verstorbenen zu berichten (vgl. Schönauer/ Tschermak 2021). Bild trägt auch dazu bei, dass Karrieren von Menschen zerstört werden, obwohl es keine triftigen Beweise dafür gibt, dass die angebliche Schuld eine Entlassung tatsächlich rechtfertigt. Exemplarisch lässt sich folgender Fall darlegen: „So wurde Matondo Castlo, der afrodeutsche Moderator des öffentlichrechtlichen Kinderkanals KiKa geschasst, nachdem er im Westjordanland an einem Jugendfestival und einer Demonstration gegen die Erweiterung einer israelischen Siedlung in der Westbank teilgenommen hatte. Die Bildzeitung berichtete unter der Schlagzeile ‚KiKa-Moderator demonstriert mit Israelhassern‘ und stellte ihn als gewaltbereiten Antisemiten dar. Aufgrund dieser Berichterstattung forderten Politiker der CDU, der FDP und der Grünen Konsequenzen. Obwohl Castro erklärte, dass seine Reise nicht politisch motiviert war und er <?page no="220"?> 220 7 Bildzeitung seine Teilnahme an der Demonstration als Fehler bezeichnete, hat der KiKa seinen Arbeitsvertrag nicht erneuert. Man kann davon ausgehen, dass die Verantwortlichen nicht von einer schweren Schuld ausgegangen sind, sondern vor allem moralische Reinheit demonstrieren wollten, um sich gegen weitere Kritik zu schützen.“ (Hübl 2024, S. 163) Die Bild hat mit Abstand die meisten Rügen des deutschen Presserates erhalten. Sie polarisiert und provoziert und fährt regelmäßig Kampagnen gegen politische Gegner: innen. Aufgrund von zahlreichen Falschmeldungen hat die Glaubwürdigkeit der Zeitung nachhaltig gelitten. So wurde 2017 in der Frankfurter Ausgabe der Zeitung über sexuelle Übergriffe von Männern mit Migrationshintergrund auf Besucher: innen einer prominenten Ausgehmeile berichtet. Ohne Prüfung wurde den Falschaussagen angeblicher Zeugen geglaubt. „Die Frankfurter Neue Presse berichtet außerdem, dass die Frau, die Bild als zweite Kronzeugen zitiert hatte, in der fraglichen Nacht noch nicht einmal in Frankfurt gewesen sei, sondern im Ausland. Die Polizei habe ihre Flugtickets sichergestellt.“ (Schönauer/ Tschermak 2021, S. 118) Bild musste einen Widerruf publizieren (vgl. Lilienthal 2023). Eine Entschuldigung in eigener Sache war erforderlich, nachdem das Blatt am 29. Januar 2001 in der Zeitung behauptet hat, dass der Grünen-Politiker Jürgen Trittin an einer Demonstration im Jahr 1994 in Göttingen teilgenommen habe, bei dem vermummte Chaoten mit Waffen dabei gewesen wären. Der angebliche Bildbeweis war jedoch unzutreffend. So stellte sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Schlagstock um ein Absperrseil der Demonstration handelte. Ein zunächst als angeblicher Bolzenschneider identifizierter Gegenstand war hingegen der Dachgepäckhalter eines PKW. Die Vergrößerung des Bildausschnittes ergab hierfür den Beleg. Rückblickend hat der damalige Chefredakteur Kai Diekmann (2023, S. 11) dieses Ereignis wie folgt eingeschätzt: „Vom Pech zum Desaster war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Wir alle - vom Schlussredakteur bis hin zu mir, dem Chefredakteur, der die finale Seite vorgelegt bekommt, um sie abzunehmen - erkannten Bolzenschneider und Schlagstock nicht als blind getexteten Quatsch, sondern nahmen die zwei Wörter für bare Münze. Jeder verließ sich darauf, dass der andere genau hinguckt und die behaupteten Fakten verifiziert waren. Dabei bin ich eigentlich ein Kontrollfreak, der alles dreimal prüft und viermal hinterfragt. Ich übersah den blinden Fleck im System.“ Kai Diekmann musste sich bei Jürgen Trittin entschuldigen (vgl. Bartels 2016). Die folgende Schwarzweiß-Abbildung zeigt zunächst das mit den Begriffen „Bolzenschneider“ und „Schlagstock“ ergänzte Foto in der Bild , während das Farbfoto daneben eine Vergrößerung zeigt, aus der hervorgeht, dass dort keine Waffen vorhanden waren. <?page no="221"?> 7.1 Merkmale 221 Abbildung 15: Verschiedene Bildausschnitte mit Jürgen Trittin auf einer Demonstration Keine Entschuldigung gab es aufgrund der Verbreitung von unbewiesenen Annahmen, die die Privat- und Intimsphäre einer Unionsabgeordneten betraf. So gab es bei der CDU-Politikerin Schavan Gerüchte um eine angeblich gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung. Auch darüber berichtete Bild , obwohl es hierfür keine Belege gab. Am 24. November 2004 wurde dort über „üble Lesben-Gerüchte“ geschrieben. Schavan hat dies bestritten. Weitere Zeitungen haben ebenfalls darüber spekuliert, ob die Politikerin mit einer Frau liiert ist. Dazu gehörten u.a. die taz und der Focus ( vgl. o.V. 2005). Grundsätzlich sollten Personen des öffentlichen Lebens selbst entscheiden, ob sie Informationen über ihr Privatleben publik machen oder darauf verzichten. Das sogenannte öffentliche Interesse, das als Begründung für derartige Spekulationen vorgeschoben wird, rechtfertigt keinesfalls eine derartige Berichterstattung (vgl. Schicha 2019a). Dies gilt auch für Meldungen der Bild , die in die Kategorie Rufmord passen. Schließlich ist die Unschuldsvermutung eine zentrale Errungenschaft der Rechtsprechung in demokratischen Gesellschaften wie der Bundesrepublik Deutschland. Menschen dürfen erst dann als Straftäter: innen bezeichnet werden, wenn ein juristisches Urteil vorliegt, das die Schuld bestätigt. Diese Regel hält das Boulevardblatt aber nicht davon ab, durch gezielt gestreute Gerüchte oder falsche Verdächtigungen wie bei Andreas Türck und Jörg Kachelmann andere Personen zu diffamieren oder zu diskreditieren. Somit kann das Ansehen und die Reputation unschuldiger Menschen nachhaltig beschädigt oder zerstört werden. „Rufmord ist geächtet. Rufmord ist kein legales Mittel in der publizistischen Auseinandersetzung - und dennoch ist er medialer Alltag. Das Ergebnis: Angegriffene fühlen sich hilflos. Jedes Dementi wird benutzt, um Gerüchte erneut <?page no="222"?> 222 7 Bildzeitung zu publizieren. Betroffene leiden oft jahrelang, sie fühlen sich verfolgt, ohnmächtig. Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit agieren, werden ins Rampenlicht gezerrt und vorgeführt. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, werden als Freiwild betrachtet. Journalisten tun so, als ob es völlig normal sei, dass Prominente über jede Facette ihres Lebens eine öffentliche Beichte ablegen müssten.“ (Schertz/ Schuler 2007, S. 10f.) Jeder Mensch hat das Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Die Wahrung der Privat- und Intimsphäre ist ein hohes Gut. Daran müssen sich auch Medien halten. Ansonsten werden Geschädigten zu Recht Schadensersatz und Schmerzensgeld zugesprochen (vgl. Schertz/ Schuler 2007). Zur Berichterstattung über Karl-Theodor zu Guttenberg Bei der Bewertung des CSU-Politikers hielt die Begeisterung für den Verteidigungsminister trotz der belegten Plagiatsvorwürfe in Bezug auf seine Doktorarbeit bei dem Boulevardblatt bis zu seinem Rücktritt und darüber hinaus an (vgl. Schönauer/ Tschermak 2021). Abbildung 16: Titel der Bildzeitung vom 24. November 2011 Bild arbeitet mit Kampagnen für und gegen bestimmte Personen. Dabei geht es weniger um sachliche Berichte auf der Basis fundierter Wertmaßstäbe, sondern um Urteile, die auf der Basis von Stimmungen, Emotionen und Sympathien basieren. Inzwischen liegen mehrere wissenschaftliche Analysen vor, die sich systematisch mit den Praktiken von Bild auch anhand von Fallstudien beschäftigen. 7.2 Studien Volker Lilienthal hat im Jahr 2020 Leitfadeninterviews mit 43 Redakteur: innen und Reporter: innen führen können und nahm an Redaktionskonferenzen teil. Im Anschluss daran gelangte er zu folgendem Befund: „Die Redaktionskultur und eine von Angst gehemmte Kommunikation zwischen unten und oben sorgen dafür, dass ethische Entscheidungsmomente bei BILD regelmäßig verpasst werden. Obwohl es bei BILD intelligente Journalist: innen gibt, viele davon mit persönlicher Moral und feinem Sensorium, wird zu oft zu spät erkannt, dass man eine bestimmte Bildauswahl oder eine Schlagzeile besser gelassen hätte.“ (Lilienthal 2023, S. 42) Alexander Bulk hat 450 Beiträge in der Bild analysiert, die sich mit der sogenannten Flüchtlingskrise beschäftigt haben. Er kommt zu dem Ergebnis, dass <?page no="223"?> 7.2 Studien 223 dort über Geflüchtete in einer Form geschrieben wird, die als Hetze klassifiziert werden kann. „Umso besorgniserregender ist die Erkenntnis, dass Bild noch immer wesentlich zur Durchsetzung entsprechender Diskurse mit nationalistischen, rechtspopulistischen und rassistischen Elementen beiträgt und damit Herrschaftsstrukturen wie die Diskriminierung von als nichtweißdeutsch beschriebenen Individuen zementiert und weiter ausbaut.“ (Bulk 2019, S. 109) Die in der Zeitung vorgestellten Narrative und Darstellungsmodi der Berichte über Flucht und Migration bezeichnet er als rassistisch. Geflüchtete werden mit Strömen und Wellen in Verbindung gebracht. Dabei wird mit einer Kollektivsymbolik der Naturgewalt gearbeitet, die Ängste vor Bedrohungen erzeugen können. Flucht und Migration werden als Belastung klassifiziert. So wird immer wieder die Frage gestellt, wie Deutschland den Zustrom von sogenannten Flüchtlingen stemmen soll. Geflüchtete werden in der Berichterstattung als Konkurrenz um Ressourcen beim Wohnraum bezeichnet. Es wird über ein angebliches Flüchtlingschaos und Sicherheitsrisiko berichtet. Die Berichterstattung über Griechenland Die Otto-Brenner-Stiftung hat zwei Studien über Bild herausgegeben, die von Arlt und Storz geschrieben worden sind. Die erste Studie setzt sich mit der Berichterstattung über die Griechenland- und Euro-Krise 2010 auseinander. Nach Auffassung der Autoren ist der Informationsgehalt der ausgewerteten Zeitungsberichte gering. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Kommentare und Berichte über dieses Thema praktisch nicht zu unterscheiden sind. Vielmehr würde es sich um Meinungen und Werturteile handeln. Im Rahmen der Berichterstattung wurde eine Kampagne gegen die deutsche und europäische Hilfe für Griechenland vorgenommen. Dem Land wurde eine großflächige Korruption nachgesagt. Bild sah seine Aufgabe darin, die deutschen Steuerzahler: innen zu schützen, indem Forderungen erhoben wurden, dass Zahlungen nach Griechenland verweigert werden. Es wurde mit Vorurteilen und Stereotypen gearbeitet. Einerseits wurde das Bild der fleißigen sparsamen Deutschen geprägt. Andererseits ging es um die angebliche Bedrohung dieser Mittel durch die angeblich faulen Griech: innen, die durch derartige Behauptungen pauschal diskreditiert worden sind (vgl. Schönauer/ Tschermak 2021). „Die realen Ereignisse werden in eine Erzählung über die faulen und korrupten Griechen verwandelt, und gleichzeitig wird der moralische Knüppel des Fleißes und der Sparsamkeit geschwungen.“ (Arlt/ Storz 2011, S. 54). Es wurden in den Artikeln dramatische Gefahren für die deutschen Steuerzahler: innen heraufbeschworen. Das Sprachniveau war eher gering: „einfacher Satzbau, kurze Sätze, vereinfachend, perspektivenarm, kontextfrei, eindeutig, verständlich etc. - den Grenzverkehr zwischen Schriftsprache und bespro- <?page no="224"?> 224 7 Bildzeitung chener Alltagssprache praktizierend.“ (Arlt/ Storz 2011, S. 33f.). Diese Merkmale sind typisch für die Artikel in der Bild. Zur Berichterstattung über Christian Wulff Das Boulevardblatt hat zahlreiche falsche Vorwürfe gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff im Zusammenhang mit einem Hauskauf und Urlaubsreisen erhoben. „Ist jemand erst einmal angeschossen, weckt das auch den Jagdinstinkt der anderen, die nach weiteren Verstößen recherchieren - wie zum Beispiel bei der Attacke gegen den Bundespräsidenten Christian Wulff im Winter 2011, die zu seinem Rücktritt geführt hat, nachdem einige Journalisten ihn zum medialen Abschuss freigegeben haben. […] Wie im Wilden Westen kann man sich selbst einen Namen machen, wenn man eine Berühmtheit zu Fall bringt. […] Je höher der Status, desto wahrscheinlicher die Attacke.“ (Hübl 2024, S. 218) Wulff musste zurücktreten und wurde am Ende vor Gericht freigesprochen. (Deppendorf 2013, Jackob 2018). Seine Reputation war dennoch beschädigt. Die zweite Studie von Art und Storz setzt sich mit der Bild-Berichterstattung über Wulff über einen Zeitraum von insgesamt sechs Jahren von 2006 bis 2012 auseinander. Insgesamt wurden 1528 Meldungen berücksichtigt. Die Qualität der Berichte des Boulevardblattes fällt eindeutig aus: „Wer ‚Bild‘ im Fall Wulff für guten Journalismus lobt, muss Stalker für ihre Treue, Schwarzfahrer für umweltfreundliches Verkehrsverhalten und Schmuggler für das Überwinden von Grenzen auszeichnen.“ (Arlt/ Storz 2012, S. 5) Zu Beginn finden sich überaus wohlwollende Artikel über den CDU-Politiker. Er galt als erfolgreich, beliebt und umsichtig. Nach einem Täuschungsverdacht im Zusammenhang mit einem Privatkredit änderte sich die Tonlage der Berichterstattung. Es folgten Berichte über einen Vertuschungsverdacht im Zusammenhang mit der Finanzierung eines Urlaubs. Die Studie zeigt den Reputationsverlust von Wulff auf. Bei der Demontage des CDU-Politikers spielte Bild eine zentrale Rolle. „Wir erlebten Medien, die kein Lager mehr kannten, sondern nur noch ein Ziel: den Mann, der sich selbst demontiert hatte, zu demaskieren. Der tiefe Fall des Christian Wulff zeigte vieles: er demonstrierte beispielsweise, wie sich die Medienzyklen immer mehr beschleunigen. Oft gibt das Internet den Takt vor und rund um die Uhr wurden Wahrheiten, Spekulationen und Gerüchte unter die Leute gebracht. Die Fehler hatte der Bundespräsident a.D. gemacht. Medien spiegelten die Fehler wider und stellten dabei selbst Zerrspiegel auf. Und sie traten noch auf ihn, als er schon am Boden war: Bild trat ganz besonders fest zu.“ (Leyendecker 2012, S. 16) Dieses Verhalten von Bild sorgte aufgrund der Schärfe des Angriffs in der Anfrage ebenfalls für Kritik (vgl. Schönauer/ Tschermak 2021). Oft werden in <?page no="225"?> 7.3 Kritik 225 der Zeitung keine Kontroversen dokumentiert und unterschiedliche Positionen diskutiert, sondern einseitige Bedeutungszuschreibungen vorgenommen. Dabei geht es nicht um Debatten und das Aushandeln alternativer Lösungsvorschläge, sondern um eine Berichterstattung, die die öffentliche Meinungsbildung einseitig beeinflussen soll. Insofern lassen sich hier Elemente feststellen, die mit Vorurteilen und Feindbildern arbeiten. Dramatisierungen und einseitige Schuldzuweisungen prägen die Berichterstattung. Dabei lassen sich folgende Stilmittel aufzeigen, die populistische Tendenzen als Teil des Markenkerns vorweisen: „der Dramatisierung vorhandener Zustände und der Mobilisierung von Vorurteilen und Vorbehalten; auf der Bandbreite zwischen notwendiger Problemvereinfachung und gezielter Irreführung gerne zum letzteren greifend, dem kampagnenartigen Behandeln von Themen; der Forderung nach einem entschlossenen Durchgreifen, dem Hauruck, dem klaren Schnitt, den großen Schritt, nach letztlich radikalen Lösungen und der Ablehnung von sogenannten faulen Kompromissen; dem Denken in Feindbildern und klaren Fronten: hier das Volk, dort der innere oder äußere Feind; hier die schuldige Gruppe, dort das Volk, das auch ‚Opfer‘ oder Leidtragender der Lage sein kann; der Herstellung und Definition von ‚Sündenböcken‘; der Zuspitzung, dem auf den Nenner bringen und in Begriffe fassen sowie dem Radikalisieren dessen, was der ‚kleine Mann‘ fühlt, denkt und will, den Griff zur gezielten Provokation und zum Tabubruch und damit um der eigenen Glaubwürdigkeit willen dem sich offenkundigen Absetzen von der Macht und Einfluss habender Eliten, dem guten Volk und den gewissenlosen Eliten, dem Einsatz einer drastischen Sprache, versetzt mit Metaphern der Gewalt, welche die Gefährlichkeit des ‚Feindes‘ und die ‚Bedrohtheit‘ des guten Volkes übertreibt.“ (Arlt/ Storz 2011, S. 55f.). Insofern werden in den Studien bereits einige Kritikpunkte geäußert, auf die nachfolgend weitergehend eingegangen wird. 7.3 Kritik „ Bild wird gelesen, nicht obwohl, sondern weil das Blatt von nichts handelt, jeden Inhalt liquidiert, weder Vergangenheit noch Zukunft kennt, alle historischen, moralischen, politischen Kategorien zertrümmert; nicht obwohl, sondern weil es droht, quatscht, ängstigt, schweinigelt, hetzt, leeres Stroh drischt, geifert, tröstet, manipuliert, verklärt, lügt, blödelt, vernichtet.“ (Enzensberger, zitiert nach Leyendecker 2012, S. 17) Dass die Bildzeitung manipuliert und lügt, Persönlichkeitsrechte verletzt und Kampagnen gegenüber unschuldigen Menschen führt, hat der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger bereits 1983 in seinem Aufsatz über den Triumph der Bildzeitung oder die Katastrophe der Pressefreiheit aufgezeigt. <?page no="226"?> 226 7 Bildzeitung Die 1952 gegründete Tageszeitung ist ein Boulevardblatt, das Feindbilder generiert, eine aggressive Sprache verwendet, wenig Respekt vor der Privatsphäre von Menschen hat, über die es berichtet und insofern zu Recht im Zentrum der Kritik steht. Das Blatt basiert auf einer Ausrichtung, die mit „Intimisierung, Sensationalisierung, Vereinfachung und Visualisierung“ (Metz/ Seeßlen 2012, S. 423) arbeitet. Es wird polarisiert und skandalisiert. „Das Geschäftsmodell der Bild ist es, mit Indiskretionen, ohne jede gesellschaftliche Relevanz Geld zu verdienen. Auch mit Vorverurteilungen, Häme, Bloßstellung. Zuweilen auch damit, dass Bild auf Leute eintritt, die schon am Boden liegen.“ (Leyendecker 2012, S. 19f.) Wenn die Zeitung erfährt, dass ein prominenter Mensch eine Affäre hat, versucht es daraus Kapital zu schlagen. So gibt es Angebote der Bildreporter: innen darüber nicht zu berichten, wenn stattdessen ein Exklusivinterview oder eine Homestory mit den Betroffenen gemacht werden kann. Durch derartige Machenschaften wird Druck ausgeübt, die als Nötigung oder Erpressung klassifiziert werden können. Im Privatleben von Prominenten zu wühlen, gehört zu den typischen Praktiken von Bild (vgl. Leyendecker 2012). Eine ehemalige Boulevardredakteurin, die in der Lokalredaktion der Bild gearbeitet hat, skizziert ihre damalige Tätigkeit wie folgt: „In dieser Zeit habe ich mich in eine Sex-Sekte eingeschlichen, Prinz Charles verfolgt und mir damit eine ganze Polizeieinheit auf den Hals gehetzt. Ich habe an den Türen der Eltern geklingelt, deren Kinder gerade ermordet worden waren, mich im Krankenhaus als Angehörige eines Unfallopfers ausgegeben. Ich habe all das, was in diesem Geschäft verlangt wird, gemacht, meist ohne darüber nachzudenken. Dabei halte ich mich für einen netten und sensiblen Menschen - auch wenn man das von einer Boulevardredakteurin vielleicht anders erwarten würde.“ (Dombrowski 2008, S. 17f.) Inzwischen hat sich die Journalistin von ihrem ehemaligen Arbeitgeber distanziert. Auch prominente Künstler: innen sind nicht bereit, mit Bild zu kooperieren und begründen dies wie folgt: „Die ‚Bild‘-Zeitung ist ein gefährliches politisches Instrument - nicht nur ein stark vergrößertes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.“ (Legrand/ Rödel 2011, S. 1) Mit diesem Statement begründet die Sängerin der Band Wir sind Helden Judith Holofernes in einem Absagebrief an die Werbeagentur Jung von Matt, warum sie sich nicht an einer großangelegten Imagekampagne für die Bildzeitung beteiligen wird. Der Widerstand gegenüber der Bild ist nach wie vor verbreitet. Initiativen wie Bildblog , die von Prominenten wie Charlotte Roche, Anke Engelke und Christoph Maria Herbst unterstützt werden, verweisen regelmäßig auf falsche Berichte in dem Blatt. <?page no="227"?> 7.3 Kritik 227 Günter Wallraff hat bereits in den 1970er-Jahren die problematischen Methoden der Zeitung aufgedeckt, indem er sich unter falschem Namen als Reporter dort einstellen ließ. Er übt nach wie vor Kritik an der Zeitung (vgl. Wallraff 2002, Schicha 2019a). Der ehemalige Bild-Chefredakteur Peter Bartels (2016) hat sich inzwischen von der Machart seines damaligen Arbeitgebers und Nachfolgers Kai Diekmann distanziert. Er wirft dem Blatt Lügen und Manipulationen vor. Von Bild unter Druck gesetzt wurde auch der Virologe Christian Drosten, der während der Corona-Pandemie die Bundesregierung beraten hat und einen eigenen NDR-Podcast präsentierte, auf dem er kompetente gesundheitliche Aufklärung betrieben hat (www.ndr.de/ nachrichten/ info/ podcast4684. html#items). Drosten veröffentlichte den folgenden Screenshot einer E-Mail des Bildautors auf Twitter. Abbildung 17: Schriftverkehr zwischen Christian Drosten und dem BILD-Redakteur Filipp Piatov Drosten wies in einem Statement darauf hin, dass Bild eine tendenziöse Berichterstattung über seine Vorpublikation zu Viruslasten plane und Zitatfetzen von Wissenschaftler: innen ohne Zusammenhang veröffentlichen wolle. Die Tageszeitung publizierte am 4. Juni 2020 einen Artikel mit folgender Überschrift: <?page no="228"?> 228 7 Bildzeitung Abbildung 18: Titel der Bildzeitung vom 4. November 2020 Angebliche Kronzeugen aus der Wissenschaft gegen die Studie distanzierten sich hingegen von der Berichterstattung in der Boulevardzeitung und betonten ihren Respekt gegenüber dem Virologen (vgl. Meyer 2020). Bild betreibt keinen unabhängigen Journalismus. Die Berichterstattung ist durch Dramatisierung und Moralisierung geprägt. Daraus können negative Konsequenzen resultieren. „Populismus und der raumgreifende ‚Boulevardismus‘ bilden eine Art objektive Allianz, die per Provokation und Bewirtschaftung von Ängsten und Aufgeregtheiten die Wählerschaft bzw. Nutzerschaft maximiert. Journalismus kann sehr wohl die Feinde der Pressefreiheit stärken.“ (de Weck 2024, S. 13) Die Stilmittel, auf die der Populismus und Boulevardismus setzen, sind durchaus vergleichbar. „Personen statt Ideen, Emotion statt Sachlichkeit, Verknappung statt Kompromiss, Tempo statt Vertiefung, Konflikt statt Kompromiss.“ (de Weck 2024, S. 125). Zudem wird mit Feindbildern und Ausgrenzung gearbeitet. Insofern kann die boulevardistische Form des Journalismus durch die skizzierten Mechanismen die Demokratie belasten, da nicht die sauber recherchierte Information und Einordnung die Inhalte der Boulevardmedien bestimmt, sondern die Emotionalisierung im Mittelpunkt der Berichterstattung steht, die Affekte anspricht und konstruktive Debatten ausblendet. Nachfolgend wird diskutiert, welche Möglichkeiten bestehen, konstruktive Debatten zu führen, die auf einem kommunikationsethisch angemessenen Diskursniveau vonstatten gehen. Es werden Maßnahmen gegen die Hassrede und Lüge vorgestellt, Verantwortungshorizonte in Bezug auf die journalistische Medienberichterstattung sowie fiktionale Formate und das Recht aufgezeigt. <?page no="229"?> IV Lösungsansätze <?page no="231"?> 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur Insgesamt kommt es darauf an, Kommunikationsräume zu schaffen, die eine angstfreie und respektvolle Form der Austragung von Konflikten und Kontroversen ermöglichen. Dass Machtverhältnisse, die sich gegen eine offene Debattenkultur richten dazu beitragen, dies zu verhindern, darf nicht übersehen werden. Insofern ist es zentral, eine sensible und emphatische Diskurskultur zu fördern, die sich gegen Propaganda, Populismus, Lügen und Ausgrenzung richtet. Zur Förderung einer konstruktiven Streitkultur ist zivilgesellschaftliches Engagement ebenso wichtig wie politische Rahmenbedingungen, die demokratische Verständigungsprozesse fördern und diskriminierende Handlungen strafrechtlich verfolgen. Insofern hinaus sollten auch menschenfeindliche Medieninhalte in analogen und digitalen Medienkanäle konsequent bekämpft werden. Hierbei ist es erforderlich, auch die Medienanbieter: innen für die Inhalte auf ihren Kanälen zur Verantwortung zu ziehen. Zudem ist eine medienpädagogische Aufklärung über die strukturellen Rahmenbedingungen erforderlich, die die Erstellung und Verbreitung von Inhalten in einer primär kommerziell ausgerichteten Medienlandschaft kritisch reflektieren und einordnen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, zentrale Normen und Werte zu vermitteln, die für einen angemessenen Medienumgang aus einer normativen Perspektive erforderlich sind. Dazu gehören Kenntnisse über die Bedeutung der Demokratie und den daraus resultierenden Kommunikationsfreiheiten in einer offenen Gesellschaft ebenso wie die Vermittlung von Haltungen, die ein berechtigtes Misstrauen und eine gut begründete Widerspruchsfähigkeit gegenüber Autoritäten ermöglichen. Schließlich ist es notwendig, auch die demokratisch legitimierte Macht in Frage in Frage zu stellen und Verbesserungsvorschläge zu artikulieren, die einen gesellschaftlichen Fortschritt auf der Basis kommunikationsethischer Leitbilder ermöglichen, die u.a. Gerechtigkeit, Respekt und Verständigungsbereitschaft postulieren. Gleichwohl gehören der Streit, die Widerrede, die Kontroverse und der Konflikt zur politischen und gesellschaftlichen Debatte. Eine Demokratie lebt von der Konkurrenz unterschiedlicher Konzepte und Ideen auf der Suche nach tragfähigen Lösungen bei gesellschaftlich relevanten Problemen, die mehrheitsfähig werden sollen. Dabei ist darauf zu achten, dass Regeln eingehalten werden, die einen angemessenen Umgang im gemeinsamen Miteinander ermöglichen. Übergriffe und Pöbeleien durch diffamierende Texte und Bilder verstoßen gegen die Menschenwürde. Derartige Verbreitungen können in Form von persönlicher Schmähkritik auch in sozialen Netzwerken, über Blogs und Kommentare auf Internetseiten erfolgen. Durch Handy-Videos, Twitter-Botschaften, SMS-Nachrichten können so Informationen und Dokumente schnell an eine Vielzahl von Nutzern verbreitet werden. <?page no="232"?> 232 IV Lösungsansätze Es ist zu differenzieren zwischen gerechtfertigter Kritik an Personen oder Institutionen und Statements, die nur das Ziel haben, destruktiv zu agieren, um Einzelnen oder Gruppen zu schaden. Vorwürfe sind dann gerechtfertigt, wenn die entsprechenden Anschuldigungen den Tatsachen entsprechen. Die Orientierung an der Wahrheit ist eine notwendige Bedingung, um Vertrauen zu erlangen und zu erhalten. Desinformationen und Lügen sind hingegen kontraproduktiv. Dies gilt für zwischenmenschliche Austauschprozesse ebenso wie für staatliche Propaganda, die mit falschen Behauptungen, Feindbildern und Ängsten arbeitet. Die Demokratie als Staatsform mit Kommunikationsfreiheiten und Gewaltenteilung liefert gute Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, um öffentliche Verständigungsprozesse zu generieren, die auf der Basis gut begründeter Argumente konstruktiv agieren. Kontroverse Debatten, etwa über das Gendern, Cancel Culture oder die kulturelle Aneignung sollten mit der notwendigen Sensibilität und dem Respekt gegenüber der Position des oder der anderen vollzogen werden. Dabei kommt es darauf an, die Auseinandersetzung sachlich zu führen und nicht persönlich zu werden. Populistische Entwicklungen können hingegen negative Konsequenzen für die freiheitlich demokratische Grundordnung haben. Wenn die Regeln von Diskurs und Wahl sowie Rechtstaatlichkeit und Humanismus nicht mehr gelten, die Klärung der Fakten durch die Provokation von Affekten ersetzt wird, Demokratie als Volksverrat klassifiziert wird und mediale Kunstfiguren wie Trump die Macht übernehmen, kann dies zerstörerische Folgen für eine freie Gesellschaft haben (vgl. Seeßlen 2017). Weiterhin ist es wichtig, dass sich Bürger: innen in Projekten und Initiativen engagieren, um die Gesellschaft in eine positive Richtung hin mitzugestalten. Derartige Initiativen einer konstruktiven „Bürgermacht“ (Roth 2011) können einen Beitrag für die Demokratie und gegen die Menschenfeindlichkeit leisten. Eine Unterstützung der Politik für das Ehrenamt kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, um Partizipation und Solidarität zu fördern. Maßnahmen gegen den Hass „Hass begegnen lässt sich nur, indem man seine Einladung, sich ihm anverwandeln, ausschlägt. Wer dem Hass mit Hass begegnet, hat sich schon verformen lassen. […]. Dem Hass begegnen lässt sich nur durch das, was dem Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Zweifel.“ (Emcke 2016, S. 17f.) Normverletzungen in Form von menschenfeindlichen Handlungen, die u.a. durch Sexismus, Ableismus, Antiziagismus, Rassismus und Klassismus sind ebenso abzulehnen wie analoge und digitale Form von Doxing, und (Cyber-) Mobbing. Dies gilt auch für gewalttätige Sprachverwendungen, bei denen Minderheiten beschimpft und bedroht werden. Hier gibt es alternative Vor- <?page no="233"?> 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur 233 schläge, wie damit umgegangen werden kann. Zunächst besteht die Möglichkeit, juristische Maßnahmen in Form einer Bestrafung zu ergreifen. Darüber hinaus kann eine Gegenrede Argumente gegen die Hassrede entwickeln. Sie kann im Internet auch komplett blockiert werden. Der Aufmerksamkeitsentzug besteht darin, überhaupt nicht darauf zu reagieren. In Bezug auf den Umgang mit Hasskommentaren lassen sich weitere Optionen aufzeigen.  Hassrede ironisieren und mit Humor begegnen,  Hintergründe von Hassrede ermitteln,  vermittelnden Dialog zwischen Gegenpositionen vornehmen,  Solidarität mit konstruktiven Gegenredner: innen, und eine  zielgerichtete Verstärkung von konstruktiv kommentierenden Akteur: innen bewerkstelligen (vgl. Kramp/ Weichert 2020). Es stellt sich die Frage, wie derartige Entwicklungen aus einer kommunikationsethischen Perspektive zu bewerten sind und welche konkreten Maßnahmen erforderlich sind, um Falschmeldungen und Hasskommentare im Internet zu verhindern. So geht Kosak (2024) der Frage nach, welcher richtige Umgang im Zusammenhang mit Online-Hate-Speech erforderlich ist. Es wird auf eine Strategie der Gegenrede als relevante Alternative gesetzt. So bietet es sich an, durch direkte Reaktionen auf problematische Äußerungen zu reagieren. Weiterhin besteht die Möglichkeit für staatliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie für die Plattformbetreiber: innen gegen die Verbreitung von Hassbotschaften im Internet vorzugehen. Kommunikationsethische Herausforderungen „Wir benötigen einen Diskurs, einen niveauvollen, also fair und mit Sachargumenten geführten Streit um gemeinsame Belange, Werte und Normen des Zusammenlebens.“ (Stapf/ Prinzing/ Filipovic 2017, S. 11) Es ist zu prüfen, inwiefern öffentliche Debatten den normativen Anforderungen eines respektvollen Miteinanders genügen, an welchen Stellen Überschreitungen und Grenzverletzungen der sogenannten guten Sitten zu beobachten sind, welche Akteur: innen sich auf welchen Foren in welcher Weise öffentlich artikulieren und welche Folgen dies aus einer kommunikationsethischen Perspektive haben kann. Grundsätzlich herrscht in vielen Fällen ein Spannungsfeld zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und den damit eingehenden negativen Konsequenzen für die Betroffenen vor, wenn mit Klischees, Vorurteilen, Stereotypen und unzulässigen Verallgemeinerungen im Rahmen von Debatten gearbeitet wird. Polarisierende Diskurse, die Desinformationen verbreiten, können hierbei auftreten. Provokationen, Polemiken und Tabubrüche prägen neben Beschimpfungen auch öffentliche Debatten. <?page no="234"?> 234 IV Lösungsansätze Dabei stellt sich die Frage, wie eine vernünftige, verständigungsorientierte, ernsthafte, respektvolle, tolerante und demokratische Form der Kommunikation auch unter veränderten digitalen Bedingungen aus einer normativen Perspektive bewerkstelligt werden sollte, um Konflikte zu bewältigen. Die Aufgabe besteht darin, angemessen mit der wachsenden Vielfalt von widersprüchlichen Meinungen umzugehen. Wechselseitige kommunikative Bezüge sind hierbei unverzichtbar, um eine produktive Streitkultur zu bewerkstelligen. Die Qualität einer konstruktiven Streit- und Debattenkultur hängt auch zentral davon ab, dass sich eine Vielzahl von qualifizierten Expert: innen zu ihren Fachgebieten äußern. Insofern sollte die Maxime ‚mehr Diskurs wagen‘ für alle öffentlichen Debatten gelten. Gleichwohl kann es gute Gründe geben, Diskurse einzuschränken, wenn moralische und juristische Grenzen der Meinungs- und Kunstfreiheit überschritten werden. Beleidigungen, Schmähkritiken und Diskreditierungen von Personen und Institutionen können dazu führen, dass Meinungsäußerungen eingeschränkt, zensiert oder verboten werden müssen. Hierbei sind konkrete Einzelfallabwägungen und gründliche Überprüfungen strittiger Fälle erforderlich, die derartige Schritte rechtfertigen. Eine pauschale Forderung, umstrittene Beiträge zu canceln oder aufgrund einer vermeintlichen kulturellen Aneignung zu verbieten, ist hingegen nicht angemessen. Medien Grundsätzlich sind Kontrollmaßnahmen erforderlich, um die skizzierten negativen Entwicklungen (z.B. Shitstorm, Cybermobbing, Fake News) abzuwenden. Zunächst sollte vor jeder Veröffentlichung eine seriöse Quellenprüfung vollzogen werden, bevor Nachrichten und Meldungen publiziert werden. Die Maxime Gründlichkeit vor Schnelligkeit sollte beachtet werden. Schließlich ist zu überlegen, ob das Recht auf Gegendarstellung nicht nur für die klassischen Medien, sondern für soziale Netzwerke im Internet gelten sollte. Hier könnten ggf. Medienselbstkontrollinstanzen wie die Landesmedienanstalten auf die Betreiber: innen einwirken. Plattformen wie Facebook tragen eine Verantwortung für die Inhalte, die dort vorhanden sind. Sie sollten dafür Sorge tragen, dass Beleidigungen und „Fake News“ möglichst schnell gelöscht bzw. korrigiert werden. Hierzu gab es bereits erste Initiativen u.a. beim Recherche-Büro Correctiv , das mit Facebook zusammenarbeitete, um absichtliche Falschmeldungen zu prüfen und zu melden. Der Meta-Vorstandsvorsitzende Marc Zuckerberg hat nach der Wiederwahl von Donald Trump aber angekündigt, zukünftig auf den Fakten-Check durch professionelle Prüfer: innen zu verzichten. Elon Musk unterstützt die AfD und hat den ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz und den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier via X beleidigt. Durch die große Reichweite dieses Netzwerkes trifft er durch seine Kommentare auf eine große öffentliche Resonanz. In einem Gespräch mit Musk auf der Plattform X hat Alice Weidel die absurde <?page no="235"?> 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur 235 Behauptung aufgestellt, dass Adolf Hitler ein Kommunist gewesen sein. Er hat der AfD-Politikerin somit eine Bühne gegeben, um diese Lüge zu verbreiten (vgl. Salem 2025). Grundsätzlich sind kommunikationsethische Standards im Rahmen der Berichterstattung zu gewährleisten. Hierbei sind u.a. folgende Regeln zu beachten:  Die Privat- und Intimsphäre von Personen ist auch dann zu respektieren, wenn ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung besteht.  Die Aufklärung von Missständen ist positiv zu bewerten. Gleichwohl sollte darauf geachtet werden, dass Informant: innen und Unbeteiligte dadurch nicht zu Schaden kommen.  Eine sauber recherchierte Netzkritik kann nur dann moralisch angemessen sein, wenn die Verfasser: innen ihre eigenen Identitäten preisgeben und haftbar gemacht werden können, falls gegen Regeln verstoßen wird. Grundlegende ethische Standards wie die Wahrheitspflicht und die Beachtung der Menschenwürde sind einzuhalten.  Die möglichen negativen Folgen der Berichterstattung sollten vor der Veröffentlichung reflektiert werden und ggf. dazu führen, dass entsprechende Meldungen unterlassen werden, sofern ein unkalkulierbarer Schaden zu erwarten ist, der nicht verantwortet werden kann. Bei Beachtung dieser Leitlinien kann es gelingen, die Öffentlichkeit angemessen aufzuklären, ohne Unschuldige zu diskreditieren. Eine unzulässige Anschuldigung beschädigt nicht nur die Reputation des Opfers, sondern auch die desjenigen, der dafür verantwortlich ist (vgl. Schicha 2015a). Durch diese Maßnahmen können Schritte vollzogen werden, um die Qualität und Glaubwürdigkeit von Medien zu erhöhen. Aus einer journalistischen Perspektive hat Jeff Jarvis (vgl. Ellers 2020, Brosda 2022) weitere Empfehlungen vorgestellt, um Polarisierungen in öffentlichen Debatten im digitalen Zeitalter zu verringern. Dazu gehören bessere Möglichkeiten, einander zuzuhören, vertrauenswürdige und verlässliche Quellen zu stärken, eine bessere Vernetzung zwischen Journalismus und Wissenschaft zu fördern, sowie „Fake News“, Verschwörungserzählungen und alternative Fakten zu widerlegen, um produktive Formen der Auseinandersetzung zu fördern (vgl. Schicha/ Stapf/ Sell 2021, Pörksen 2025). Stereotype Darstellungen können soziale Ungleichheiten verstärken. Insofern ist es erforderlich, die Vielfalt nicht nur sichtbar zu machen, sondern sie auch wertzuschätzen. Durch Trainings, Netzwerke und Lobbyarbeit kann ein positiver Beitrag geleistet werden, Stereotype abzubauen und die Medienlandschaft inklusive zu gestalten (vgl. Balci/ Pevec-Zimmer/ Juang 2024). <?page no="236"?> 236 IV Lösungsansätze Fakten-Checker: innen Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt von Meldungen zu prüfen. Unter Debunking wird das Aufdecken oder Entlarven falscher Informationen verstanden (vgl. Geyer 2020). So können unseriöse Quellen identifiziert werden, die bereits durch das Verbreiten falscher Informationen aufgefallen sind (vgl. Rühl 2017). Es haben sich Fakten-Check-Teams gebildet, die Desinformationen in Form von Lügen, Gerüchten oder Halbwahrheiten widerlegen und einordnen. Das Verfahren der Verifikation greift im Voraus auf die Unterstützung spezifischer Techniken zurück, um die Glaubwürdigkeit des Ursprungs einer Aussage zu überprüfen. So werden die Quelle, das Datum und der Ort genauer untersucht, um den Wahrheitsgehalt zu verifizieren. Das Fakten-Checking analysiert nachträglich die Logik, Kohärenz und den Kontext von Behauptungen. Das Faktenfuchs-Format des Bayerischen Rundfunks arbeitet etwa als externe Faktenprüfung wie folgt: „Er nimmt sich falscher Informationen an, die bereits veröffentlicht wurden und von Nutzer: innen auf Facebook, Twitter oder YouTube herumgereicht werden. […] Über die Website und den Social Media Account von BR24 werden die Online-Artikel häufig ergänzt und durch Webvideos ausgespielt. Eine Sammlung der Fakten-Checks und weiterer Hintergründe [erfolgt, C.S.] zum Beispiel zur Debatte um die Seenotrettung oder den Beitrag des Menschen am Klimawandel.“ (Stern 2020, S. 124) Neben dem Bayerischen Rundfunk suchen neben dem ARD-Faktenfinder der Tagesschau, das ZDF und die Deutsche Presse-Agentur nach falschen und irreführenden Meldungen. Die ARD-Talk-Formate Hart, aber fair und Maischberger verfügen ebenfalls über eigene Fakten-Check-Abteilungen (vgl. Stern 2020). Aufgrund der Fülle der Nachrichten und Meldungen kann jedoch nur ein kleiner Teil von Falschinformationen aufgedeckt werden. Das gemeinwohlorientierte Medienhaus Correctiv verfügt über ein Faktenforum (www.faktenforum.org). Desinformation zur Bundestagswahl 2025 wurde dort ebenfalls analysiert (www.correctiv.org/ faktencheck/ bundestagswahl-2025/ ). Es gab auch eine Zusammenarbeit mit Facebook. Der Meta-Chef Marc Zuckerberg hat allerdings im Januar 2025 ankündigen lassen, dass die externe professionelle Faktenprüfung bei Facebook beendet wird (vgl. Jakob 2025). Es bleibt abzuwarten, ob das Factchecking auch in der Europäischen Union abgeschafft wird. Ansonsten ist zu erwarten, dass Facebook, Instagram und weitere Anbieter noch mehr Hassrede und Desinformation verbreiten (vgl. Drosdowski 2025). Schließlich „fußt die Erfolgsstory der sozialen Netzwerke schlicht auf Hass. Die Mechanismen von Facebook und Co. belohnen seit jeher steile Thesen und schrille Botschaften, befeuern Hass und Spaltung - zulasten einer ausgewogenen Information.“ (Husarek 2025a). Neben schriftlichen Meldungen lassen sich auch Bilder auf den Wahrheitsgehalt untersuchen. Eine Bilderrückwärtssuche im Internet kann prüfen, ob <?page no="237"?> 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur 237 Fo-tos oder Videos von einem Anschlag oder einer Naturkatastrophe tatsächlich zur Meldung passen oder in einem ganz anderen Zusammenhang entstanden sind (vgl. Stern 2020). Wenn hingegen gefälschtes Bildmaterial als Deepfake, das mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz produziert worden ist, verbreitet wird, nützt die Rückwärtssuche nichts (vgl. Pawelec/ Bieß, 2021, Schicha 2021b). Fiktionale Formate In Spielfilmen und weiteren kulturellen Formaten werden auch normative Aspekte der angewandten Ethik thematisiert. Das Spektrum reicht von der Medizin- und Bioethik über die Wirtschafts- und Unternehmensethik bis zur Familien- und Geschlechterethik (vgl. Bohrmann/ Reichelt/ Veith 2018). Hierbei wird die Erzählung genutzt, um öffentliche Werte und Normen im Rahmen von Spielhandlungen zu erörtern. Dabei handelt es sich aber um Formen der Kunst, die nicht den Ansprüchen an Richtigkeit im Rahmen der journalistischen Berichterstattung entsprechen müssen. Die verfassungsrechtlich verankerte Kunstfreiheit ermöglicht hierbei entsprechende Spielräume. Problematisch wird die Entwicklung hingegen an dem Punkt, wenn derartige Beiträge missbraucht werden, um Personen und Gruppen zu diskriminieren. In der Film- und Fernsehgeschichte spielen auch rassistische und diffamierende Darstellungsformen eine zentrale Rolle. Neben der Verwendung von problematischen N-Worten und Nazi-Symbolen wird auch mit Stereotypen und klischeehaften Rollenbildern gearbeitet. Grundsätzlich sind Rassismus, Diskriminierung und Diffamierung in der medialen Darstellung ein grundsätzliches Problem für den Kinder- und Jugendmedienschutz, da hier menschenfeindliche Leitbilder vermittelt werden (vgl. Salzmann 2024). Auch hierbei sind Aufklärung und Einordnung neben einer grundlegenden Reflexion und Sensibilisierung erforderlich, um ein Problembewusstsein über derartige Darstellungsformen zu erreichen (vgl. Struch 2024). So ist eine differenzierte Auseinandersetzung u.a. mit Rassismus in audiovisuellen Medienkulturen erforderlich. Dabei ist zu differenzieren zwischen dem Rassismus, der durch Propagandafilme zum Ausdruck kommt und dem Rassismus im Film, der entsprechende Stereotype darstellt, wenn z.B. eine entmenschlichte Figur eines Arabers in amerikanischen Actionfilmen zu sehen ist. So werden vor der Ausstrahlung bestimmter Filme, in der die Darstellung von rassistischer Gewalt gezeigt wird, Trigger-Hinweise gezeigt, die darauf hinweisen und die Nummer der Telefonseelsorge angeben, falls die Zuschauer: innen Hilfe benötigen (vgl. Alkin 2024). Weiterhin ist auch die Erarbeitung ethischer Kriterien des Filmemachens u.a. beim Thema ‚Sinti und Roma‘ erforderlich. So wird der Antiziganismus im Film erst seit kurzem systematisch untersucht. Hierbei ist es erforderlich, Mechanismen und Rechtfertigungen aufzuzeigen, um die Selbstreflexivität <?page no="238"?> 238 IV Lösungsansätze der Filmschaffenden in diesem Kontext herauszufordern (vgl. Mladenova/ Heuß 2024). Gleichwohl liegt eine Reihe von positiv zu bewertenden Spielfilmen und Fernsehserien vor, in denen z.B. die Verletzung der Menschenwürde kritisch reflektiert wird (vgl. Schicha 2004b). Recht Gegen Beleidigungen, Bedrohungen, Herabsetzungen und dem Verspotten, Verhöhnen, Diffamieren und Beleidigen von Menschen helfen nicht nur Appelle an die Einsicht. Derartige Handlungen verbaler Gewalt müssen auch juristisch verfolgt werden (vgl. Kämper 2024). Die einschlägigen Paragrafen des Strafgesetzbuches, die sprachliche Gewalt sanktionieren, sind u.a.  § 130 StGB (Volksverhetzung),  § 185 StGB (Beleidigung),  § 187 StBG (Verleumdung),  § 240 StGB (Nötigung) und  § 241 StGB (Bedrohung) Diese Paragrafen sind auch relevant, wenn es um Fremden- und Frauenfeindlichkeit, Hass gegen Menschen jüdischer und muslimischer Glaubensgemeinschaften sowie auf homo- und transsexuelle Menschen geht. Die sprachliche Gewalt wird auch über soziale Medien wie Facebook, X oder Instagram z.T. anonym verbreitet. 2017 trat das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken als Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Kraft. Dadurch sollen die Anbieter: innen sozialer Netzwerke zu einer zügigen und umfassenden Bearbeitung von Beschwerden über Hasskriminalität und weiterer strafbarer Inhalte angehalten werden. Nachdem mehrere Versuche gescheitert sind, mit Vertreter: innen von Facebook, Google und Twitter Lösungen zu erarbeiten, um sie zu Selbstverpflichtungen gegen strafbare Inhalte, Falschmeldungen und Hate Speech zu motivieren, entwickelte der damalige SPD-Justizminister Heiko Maas das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das vom Bundestag und Bundesrat im Sommer 2017 verabschiedet worden ist. Dieses Gesetz verpflichtete die großen Internet-Unternehmen, die von Nutzer: innen gemeldeten Beiträge mit rechtswidrigem Inhalt innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Bei Beiträgen, wo dies nicht direkt erkennbar ist, hatten die Unternehmen dafür sieben Tage Zeit. Bei Missachtung drohten den Betreiber: innen hohe Geldstrafen (vgl. Kuhla 2017). Als problematisch wird erachtet, dass das Gesetz die Macht privater Provider: innen stärkt. So stellt sich die Frage, ob rechtsstaatliche Institutionen wie die Polizei, die Staatsanwaltschaft und Gerichte die Rechtsdurchsetzung an private Unternehmen übertragen dürfen. Weiterhin besteht die Problematik, dass nicht nur das Löschen von rechts- <?page no="239"?> 8 Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur 239 widriger Hetze durchgeführt wird, sondern auch legale Inhalte entfernt werden. Dies kann zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit führen (vgl. Roßbach 2018). Im Jahr 2024 wird das NetzDG von dem EU-weit geltendem Digital Service Act (DSA) abgelöst (vgl. Thomaß u.a. 2024a). Es verpflichtet digitale Vermittlungsdienste zu verbesserten Maßnahmen zur Bekämpfung von illegalen Inhalten sowie zu einem stärkeren Schutz von Minderjährigen. Darüber hinaus werden ihnen gegenüber mehr Sorgfaltspflichten gegenüber Nutzer: innen auferlegt. Der europaweit geltende DSA nimmt neben den großen Tech-Unternehmen auch kleine Anbieter: innen in die Pflicht. Bei Verletzungen gegen die Regeln drohen Bußgelder. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt dabei ein Kernanliegen des Gesetzes über digitale Dienste. „Die europäische Plattformregulierung […] versucht in diesem Sinne Elemente der Medienselbststeuerung mit den Ansprüchen einer demokratischen Öffentlichkeit zu vereinbaren. Danach können Plattformbetreiber weiterhin ihre eigenen Moderationsregeln definieren, diese müssen aber transparent sein und einer Förderung der Meinungsfreiheit, der Unterbindung von Falschinformationen, dem fairen Wahlkampf sowie der Verhinderung von Diskriminierung dienen.“ (Heesen 2024, S. 171) Zudem hat die Bundesnetzagentur sogenannte Trusted Flagger als vertrauenswürdige Hinweisgeber: innen im Rahmen des DSA zugelassen, die in den sozialen Netzwerken Inhalte melden sollen, die möglicherweise illegal sind. Das Ziel besteht darin, die Verbreitung von Desinformationen und Hassbotschaften zu verringern (vgl. Hoppenstedt 2024, Weisbrod 2024). Grundsätzlich ist es erforderlich, dass die Betreiber von Plattformen, die über eine enorme Markt- und Meinungsmacht verfügen, ihre gesellschaftliche Verantwortung für die Gemeinschaft leisten. Verstöße müssen sowohl juristisch verfolgt als auch durch die Medienselbstkontrolle reguliert werden. In der digitalen Öffentlichkeit ist der Journalismus weiterhin gefordert, seiner Kritik- und Kontrollfunktion nachzukommen. Politische Bildung, die Teilhabe ermöglicht und Wissen vermittelt ist ebenso unverzichtbar, wie die politische Partizipation und Repräsentation der Bürger: innen (vgl. Neuberger/ Thiel 2022). Grundsätzlich sind neben juristischen Vorgaben auch kommunikationsethische Standards zur Orientierung erforderlich, um den Ansprüchen an eine konstruktive Debattenkultur gerecht zu werden. Es haben sich eine Reihe von praktischen Organisationen entwickelt, die menschenfeindliche Formen und Ausprägungen transparent machen und Gegenmaßnahmen sowie Unterstützung anbieten. <?page no="241"?> 9 Initiativen In der Politik, dem Journalismus, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und Bildung sowie in den Verlagen haben sich eine Reihe von Aktionsformen gebildet, die einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung des Diskursniveaus für öffentliche Debatten leisten. Politik Neben wissenschaftlichen Materialien zu verschiedenen Politikfeldern führen die überparteiliche Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung Tagungen und Workshops durch. Es werden Arbeitshilfen in Form von Textsammlungen und Bausteinen für Lehrende in der politischen Bildung zur Verfügung gestellt, die Argumente gegen den Hass darlegen (Bundeszentrale für politische Bildung 1999 a und b). Die Zentralen veröffentlichen neben wissenschaftlichen Publikationen Handreichungen, die Hilfestellungen für den Alltag, im Privat- oder Berufsleben, Unternehmen oder Verein bieten, um Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Verschwörungsideologien und Homophobie entgegenzutreten sowie die Demokratieförderung und Zivilcourage zu unterstützen. (www.bpb.de). Journalismus Die durch Spenden finanzierte Journalismusplattform Correctiv recherchiert „Fake News“ und deckt Falschinformationen, Gerüchte und Halbwahrheiten auf. Darüber hinaus wird über politisch relevante Themen berichtet. Sie verfolgt die Aufgabe die Demokratie zu stärken, Teilhabe und Bildung zu stärken sowie faktenbasierte Diskurse zu unterstützen. Correctiv steht für einen investigativen Journalismus, der Debatten auslöst. Von dort sind investigative Recherchen zum CumEx-Steuerskandal, der AfD-Spendenaffäre und steigende Mieten auf dem Wohnungsmarkt vorgelegt worden. Die Plattform verfügt über eine eigenständige Faktencheck-Redaktion. Darüber hinaus werden Schulungen zur Recherche und dem Entdecken von „Fake News“ in der sogenannten Reporterfabrik und dem Programm Reporter4you für Schüler: innen und Lehrkräfte durchgeführt. Das Ziel der Initiative besteht darin, die Medienkompetenz der Teilnehmer: innen zu stärken und gegen Desinformationen, Verschwörungsdenken, Propaganda und Desinformation vorzugehen. Die Denkfabrik des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios hat ein Forum geschaffen, um über gesellschaftlich relevante Fragen zu diskutieren. (www.denkfabrik.deutschland-radio.de). Im Programm und auf Veranstaltungen geht es um den Austausch mit Expert: innen, Kulturschaffenden und Wissenschaftler: innen sowie den Dialog mit den Hörer: innen der drei Programme des Rundfunks. Konkret werden Themen der Partizipation und Zu- <?page no="242"?> 242 IV Lösungsansätze kunftsgestaltung ebenso diskutiert wie Fragen des Umweltschutzes und Klimawandels sowie die Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter und alternative Wirtschaftssysteme. Es werden Inhalte, Normen und Werte des Grundgesetzes erklärt und demokratische Aufgaben und Funktionen von Massenmedien reflektiert (vgl. Deutschlandradio 2019). Es geht weiterhin um Menschenrechte, die Kolonialgeschichte, den Kampf gegen den Rassismus und die Verteidigung einer wehrhaften Demokratie (vgl. Deutschlandradio 2020 und 2024). Zivilgesellschaft Die aktive Zivilgesellschaft ist eine relevante Akteurin im Rahmen polirischer Prozesse. Dabei handelt es sich um eine Vielfalt gesellschaftlicher Gruppen, Initiativen und Bewegungen, die weitgehend unabhängig von staatlichen, parteipolitischen oder privatwirtschaftlichen Institutionen agieren. „Die Zugehörigkeit zu diesen gesellschaftlichen Gruppen ist freiwillig, die Organisationsstruktur demokratisch. Allgemeine Menschenrechte, Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Wertvorstellungen, Anerkennungen der Grundsätze des bürgerlich demokratischen Gesellschaftsmodells und des demokratischen Rechtsstaats gehören ebenfalls zu den zivilgesellschaftlichen Prinzipien.“ (Weiß 2013, S. 23) Insofern sind in der Zivilgesellschaft Menschen versammelt, die sich reflektiert mit den Normen und Werten beschäftigen, die für das soziale Zusammenleben bedeutend sind. Im Bürgerrat Demokratie werden Gruppengespräche mit Bürger: innenbeteiligung organisiert, bei dem alle Bildungsschichten partizipieren. Von der Vorbereitung bis zur Ergebnisumsetzung werden mehrere Stufen durchlaufen. In der Vorbereitungsphase wird ein Thema bestimmt, über das die beteiligten Menschen aus der Bevölkerung diskutieren, die hierfür ausgelost werden. Nach Gesprächen mit Expert: innen entwickeln die Mitglieder des Bürger: innenrates gemeinsame Handlungsempfehlungen, die an den Gemeinderat oder das Parlament übergeben werden. Dort wird über die Annahme, die veränderte Übernahme oder die Ablehnung der Bürger: innenratsvorschläge entschieden. Die Initiative wird vom Verein Mehr Demokratie und der Schöpflin-Stiftung veranstaltet und von der Stiftung Mercator unterstützt. (www. buergerrat.de). Der Journalist Milosz Matuschek und der Philosoph Gunnar Kaiser (2020) haben eine Petition für freie Debatten räume initiiert. (https: / / mitdenkenblog.de/ 2020/ 09/ 22/ petition-freie-debattenkultur/ ). Sie gehen davon aus, dass in Deutschland die Meinungsfreiheit aufgrund von abgesagten Kulturveranstaltungen, gestörten Seminaren und Vorlesungen sowie verbotener Demonstrationen gefährdet sei. Dort heißt es u.a.: „Absagen, löschen, zensieren: seit einigen Jahren macht sich ein Ungeist breit, <?page no="243"?> Initiativen 243 der das freie Denken und Sprechen in den Würgegriff nimmt und die Grundlage des freien Austauschs von Ideen und Argumenten untergräbt. Der Meinungskorridor wird verengt, Informationsinseln versinken. Personen des öffentlichen und kulturellen Lebens werden stummgeschaltet und stigmatisiert. […] Die gezielte Verunglimpfung von Intellektuellen, Künstlern, Autoren und jedem, der von der aktuell herrschenden öffentlichen Meinung abweicht, ist eine inakzeptable Anmaßung. Freie Rede und Informationsgewinnung sowie freie wissenschaftliche oder künstlerische Betätigung sind Rechte und nicht Privilegien, die von dominierenden Gesinnungsgemeinschaften an Gesinnungsgleiche verliehen und missliebigen Personen entzogen werden können. Es ist dabei unerheblich, auf welcher politischen Seite die Gruppierung steht, ob sie religiös, weltanschaulich oder moralisch motiviert ist - ein Angriff auf die Demokratie bleibt ein Angriff auf die Demokratie.“ Unterzeichnet wurde der Aufruf u.a. von dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der Schriftstellerin Monika Maron, dem Satiriker Dieter Nuhr, dem Historiker Götz Aly, dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz und den Journalisten Harald Martenstein und Günter Wallraff (vgl. Krischke 2020). Wissenschaft und Bildung Grundsätzlich ist die im Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes festgeschriebene Wissenschaftsfreiheit die verfassungsrechtliche Voraussetzung dafür, dass die Forschung und Lehre ohne Restriktionen möglich sind. Eine Kritik an der Wissenschaft ist dann unproblematisch, wenn diese auf einer sachlichen Basis auf der Basis guter Argumente erfolgt. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Walter Rosenthal (2024, S. 43) verweist auf mögliche Grenzüberschreitungen. „Was aber nicht zu tolerieren ist, sind Anfeindung, Diffamierung und Ausgrenzung. Dies geschieht etwa, wenn Wissenschaftler: innen und Wissenschaftler unsachlicher und persönlicher Kritik ausgesetzt, in sozialen Medien diffamiert oder gar bedroht werden.“ Er fordert, dass Forscher: innen ihre fachliche Expertise selbstbewusst vertreten. Zugleich müssen Wissenschaftler: innen von Institutionen und Kolleg: innen gegen Hatespeech und Shitstorms geschützt werden. Dazu gehört die individuelle Gegenrede ebenso wie die Meldung und juristische Verfolgung von Hasskommentaren. Das von der Europäischen Union seit dem 1. Juni 2023 geförderte Forschungsprojekt DIACOMET (Dialogic Communication Ethics and Accountability) konstatiert, dass sich die Kommunikation durch die Digitalisierung weiterentwickelt, erweitert und verändert hat. Es verweist auf die Konflikte, Hassreden und Desinformationen, die im Internet in Form destruktiver Kommunikationshandlungen verbreitet werden. Das Projekt wird ethische und verantwortungsbewusste Kommunikation fördern, indem es den Aufbau von <?page no="244"?> 244 IV Lösungsansätze Kapazitäten für zivilgesellschaftliche Resilienz gegen Desinformation unterstützt. Dabei wird ein Konzept der dialogischen Kommunikationsethik entwickelt, das den Rahmen für ein integratives Modell von Mechanismen anbietet, welches eine Rechenschaftspflicht beinhaltet (www.diacomet.eu). Das Team dieses EU-Projektes hat eine durchsuchbare Online-Datenbank für Ethikkodizes eingerichtet. Diese enthält 400 Dokumente aus allen Partner: innenländern von DIACOMET. Sie umfasst Leitlinien für gutes Kommunikationsverhalten, das den Grundsätzen der freiwilligen Selbstkontrolle entspricht. Die nationalen und internationalen Ethikkodizes werden interessierten Gruppen der öffentlichen Kommunikation zur Verfügung gestellt. Dazu gehören Fachleute aus dem Journalismus, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Werbung sowie Betreibende digitaler Plattformen und Mediennutzer: innen (vgl. Europäische Kommunikation 2022). Das 2020 gegründete Netzwerk Wissenschaftsfreiheit ist ein Verein von Wissenschaftler: innen. Es hat sich das Ziel gesetzt, die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit zu verteidigen. Dabei wird die Bedeutung der freien und kontroversen Debatte betont. Eine von Argumenten getragene Streitkultur soll in allen Wissenschaftsbereichen ebenso gestärkt werden, wie das im Grundgesetz festgeschriebene Recht auf freie Forschung und Lehre. Das Netzwerk führt Veranstaltungen durch und veröffentlicht Stellungnahmen zu Vorgängern, bei denen die Wissenschaftsfreiheit gefährdet ist. Es vertritt u.a. die Position, dass es keine verpflichtenden Vorgaben beim Gendern geben dürfte. (www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de). Die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) (2024) hat einen Aufruf zum diskriminierungsfreien Diskurs vorgelegt. Hier plädieren der Vorstand und die Mittelbauvertretung dafür, dass Hochschulen Orte sein müssen, an denen sich alle Mitglieder im rechtlich legitimen Rahmen politisch äußern dürfen, ohne Diffamierungen oder Bedrohungen befürchten zu müssen. Anfeindungen innerhalb und außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft werden abgelehnt. Die DGPuK plädiert für freie und kritische Meinungsäußerungen auf der Basis rationaler Argumente in kontrovers geführten Diskursen. Dafür sind die Toleranz und die Anerkennung gegenüber konträren Positionen und Meinungen unverzichtbar. Das Papier postuliert einen offenen Diskurs und steht gegen Anfeindungen von außen (vgl. Schlütz 2024). Auf der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU) im März 2025 ging es um Öffentlichkeit(en) und ihre Werte. Im Programm der Tagung wurde die Relevanz dieses Themas wie folgt begründet: „Weltpolitische Ereignisse der letzten Zeit wie Kriege in Europa und Nahost, die Corona-Pandemie oder die globale Klimakrise, aber auch ein politischer Rechtsruck, Debatten um Migration und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zeigen, wie dringlich es ist, sich über Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, <?page no="245"?> Initiativen 245 Gleichheit, Sicherheit, Solidarität und Wahrheit zu verständigen. Öffentlichkeit und Medien spielen dabei eine doppelte Rolle: Sie sind Ort der Aushandlung von Werten und zugleich Ort ihrer Verwirklichung.“ (Freie Universität Berlin/ Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 2025) Die FU hat auch ein Diversity-Konzept und eine Antidiskriminierungssatzung vorgelegt, die sich einer Kultur der Wertschätzung, der gegenseitigen Anerkennung, der Offenheit gegenüber anderen Positionen und Haltungen sowie des wechselseitigen Respekts verpflichtet sieht. Im Herbst 2023 hat die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eine Kampagne mit dem Titel #FAUrespekt: Grenzen respektieren- Verstöße melden. Gegen sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Machtmissbrauch gestartet, um sichere und angstfreie Arbeits- und Studienbedingungen zu gewährleisten. (www.gender-und-diversity.fau.de/ respekt). Das Büro für Gender und Diversity beschäftigt sich mit den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Antidiskriminierung. Mehrere Mitarbeiter: innen sind für den Bereich Diversity-Management zuständig und Ansprechpersonen gegen Diskriminierung und Belästigung. Veranstaltungen und Workshops bieten Sensibilisierungsangebote und Beratungstrainings an. Die Studierenden sind ebenfalls eingebunden und haben eigene Formate entwickelt, um zu partizipieren. Sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Machtmissbrauch werden nicht toleriert. Vielmehr kommt es darauf an, dass alle Hochschulmitglieder für einen respektvollen Umgang sensibilisiert werden und dafür verantwortlich sind. Das Ziel besteht darin, ein angst- und diskriminierungsfreies sowie wertschätzendes Lern- und Arbeitsumfeld zu schaffen, um einen relevanten Beitrag zur freien Entfaltung individueller Potentiale zu ermöglichen. Abbildung 19: Initiative gegen respektloses Handeln der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Die Initiative Scicommsupport unterstützt und berät Wissenschaftler: innen bei analogen und digitalen Bedrohungen sowie Verunglimpfungen und Konflikten in der Wissenschaftskommunikation. Sie vermittelt weiterführende Informationen, aktuelle Studien und Hintergründe zu den Themen digitale Gewalt und Hassrede. Ein Leitfaden vermittelt Tipps und Strategien zum richtigen Umgang mit Angriffen. Darüber hinaus werden neben einer telefonischen Beratung juristische Hinweise sowie Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen angeboten (www.scicomm-support.de). Der Beutelsbacher Konsens ist in den 1970er Jahren formuliert worden. Dort sind für die politische Bildung drei zentrale didaktische Leitgedanken <?page no="246"?> 246 IV Lösungsansätze formuliert worden, an denen sich auch die Bundeszentrale für politische Bildung orientiert. Die drei Elemente beziehen sich auf das sogenannte Überwältigungsverbot. Dies verbietet es, Schüler: innen mit erwünschten Meinungen zu überrumpeln. Dadurch soll verhindert werden, dass diese an der Gewinnung eines selbstständigen Urteils gehindert werden. Eine Indoktrination ist schließlich unvereinbar mit der Rolle von Lehrer: innen in einer demokratischen Gesellschaft. Eine weitere Forderung dieses Konsenses besteht darin, dass das, was in der Wissenschaft und der Politik kontrovers diskutiert wird, auch im Unterricht kontrovers erörtert wird. Unterschiedliche Standpunkte und alternative Positionen sollten aufgezeigt und reflektiert werden. Schließlich sollten auch die Schüler: innen in die Lage versetzt werden, die eigene politische Situation und die eigene Interessenlage zu analysieren und zu artikulieren. Dabei kommt es auch darauf an, Mittel und Wege zu suchen, um die eigenen Bedürfnisse positiv zur Geltung zu bringen (vgl. Wehling 1977, Martena 2025). Verlage Im Herbert von Halem Verlag ist eine Schriftenreihe erschienen, die einen konstruktiven Beitrag zur Rettung des öffentlichen Diskurses leisten möchte. Diese Bücher sollen die Streitkunst und den gesellschaftlichen Diskurs fördern, um in der Tradition der Aufklärung nach tragfähigen Kompromissen und Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu suchen. In dem von Stephan Russ-Mohl (2020) herausgegebenen Sammelband Streitlust und Streitkunst mit dem Untertitel Diskurs als Essenz der Demokratie wird auf dem Buchrükken konstatiert, dass sich die öffentliche Kommunikation angesichts der Corona-Pandemie, Migrationskrise und Klimakatastrophe zunehmend polarisiert. Weiter heißt es dort: „Sie wird schriller und der Umgangston rauer, ja oft unerträglich. Auf der Strecke bleibt nicht die Streitlust, wohl aber die Streitkunst, die in der Tradition der Aufklärung nach tragfähigen politischen Kompromissen in unseren Demokratien sucht.“ Es wird die These vertreten, dass der „übergreifende öffentlich-demokratische Diskurs gefährdet“ sei. Ihm zufolge ist der „öffentliche Wettbewerb auf dem Marktplatz der Ideen ins Stocken geraten“. Insofern gibt es dort und in weiteren Publikationen der Schriftenreihe Debattenräume, die den Anspruch erheben, kontroverse Diskurse auf der Basis gut begründeter Argumente zu führen. (https: / / www.halem-verlag.de/ ? post_types=&s=rettung+des+%C3% B6ffentlichen+diskurses). Der Transkript-Verlag widmet sich in der interdisziplinär ausgerichteten Reihe Debattenkulturen den Bedingungen, Möglichkeitsräumen und Diskursen in den Medien und Populärkulturen, in der Wissenschaft und Politik sowie der Kunst vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dabei werden soziologische, philosophische, politikwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche <?page no="247"?> Initiativen 247 Perspektiven ebenso berücksichtigt wie medien- und kulturwissenschaftliche Zugänge. Die Untersuchungen setzen sich mit empirischen und theoretischen Ansätzen ebenso auseinander wie mit historischen und aktuellen Transformationsprozessen bei den Praktiken und Kritiken von Debattenkulturen. Zudem werden normativ-ethische Perspektiven berücksichtigt, die den Rechtsextremismus ebenso problematisieren wie aktuelle Kulturkämpfe. (www.transcript-verlag.de/ reihen/ soziologie/ debattenkulturen/ ? f=123 20). Im Wagenbach-Verlag sind zahleiche Monografien in der Reihe Bildkulturen erschienen, die von Annkathrin Kohout und Wolfgang Ullrich herausgegeben wird und sich auch mit normativen Dimensionen von visuellen Darstellungen beschäftigen. Dabei werden Hassbilder (Hornuff 2020) ebenso behandelt wie Selfies (Ullrich 2019) und Body-Bilder (Scheller 2021). Darüber hinaus werden Bildbearbeitungen durch Filter (Glanz 2023) ebenso problematisiert wie Meme (von Gehlen 2020), Emojis (Rebane 2021) und triviale Bilder des sogenannten Cat Content (Korowin 2024). Schließlich geht es auch um Ausprägungen der digitalen Gesichtserkennung (Meyer 2021), der Bildzensur (Müller-Helle) sowie um Formen des Widerstandes durch den Netz- Feminismus (Kohout 2019) und Bildproteste (Schankweiler 2019). (www.digitale-bildkulturen.de). In der Ausgabe der Wochenzeitschrift Die Zeit in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck vom 5. September 2019 wurde das Ressort Streit eingeführt (vgl. Daub 2022). Seither gibt es im Blatt in diesem Bereich eine sogenannte Anklage und Verteidigung. Gewünscht ist eine kontroverse, aber respektvolle Auseinandersetzung über gesellschaftlich relevante Themen wie Migration, Feminismus und Religion, die sachliche Argumente umfasst und unterschiedliche Positionen deutlich macht. Weiterhin hat die Onlineredaktion der Zeit ein Dialogformat für das politische Streitgespräch mit dem Titel Deutschland spricht entwickelt (vgl. Römmele 2019, Brosda 2022). Hier treffen sich Menschen, die unterschiedliche politische Auffassungen haben, um miteinander zu diskutieren. Nach Angaben der Redaktion haben sich bis zur Bundestagswahl 2021 mehr als 90.000 Menschen für solch ein Vieraugengespräch angemeldet. (www.zeit.de/ streit/ index und www.zeit.de/ serie/ deutschlandspricht). Um analoge und digitale Gewalt einzudämmen, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, um die Opfer zu schützen. Auf den großen Internet-Plattformen wie Facebook und YouTube existiert die Möglichkeit, menschenverachtende Inhalte zu melden, die dann geprüft und gegebenenfalls gelöscht werden. Es bleibt zu hoffen, dass dies langfristig nicht nur für Europa, sondern auch für die USA gilt. Weitere Initiativen, die sich gegen Menschenfeindlichkeit richten, Medienaufklärung betreiben und Hilfe für Betroffene anbieten, werden nachfolgend vorgestellt. <?page no="248"?> 248 IV Lösungsansätze Amadeu Antonio Stiftung Die im Jahr 1998 gegründete Stiftung, die nach dem ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland benannt ist, arbeitet an einer Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft und wendet sich gegen jede Form des Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Es werden Initiativen und Projekte unterstützt, die sich konsequent für eine demokratische Kultur stark machen und für den Schutz von Minderheiten eintreten. Aktuell werden über 1000 lokale Initiativen und Projekte in Bereich der Jugendkultur, in Schulen und beim Opferschutz unterstützt. Weiterhin unterstützt die Stiftung Hilfsangebote für Aussteiger: innen aus der Neonazi- Szene (www.amadeu-antonio-stiftung.de). Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) Die Beratungsstelle kümmert sich um Schüler: innen, Eltern, Sorgeberechtigte, Lehrkräfte, Schulbeschäftigte und Vertrauenspersonen des Schulumfeldes aller Berliner Bezirke, die an einer Schule diskriminiert wurden oder dagegen vorgehen möchten. Die ADAS unterstützt bei allen Diskriminierungsdimensionen aufgrund der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, der Sprache, der sexuellen und geschlechtlichen Identität, bei Behinderung und chronischen Erkrankungen, dem Lebensalter sowie der sozialen Herkunft und des sozialen Status. Zudem werden Fortbildungen, Publikationen und Workshops für Schulen, Eltern und die interessierte Fachöffentlichkeit angeboten (www.adas-berlin.de). Anstand Digital Hierbei handelt es sich um ein Projekt der Katholischen Akademie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und stellt Unterrichtsmaterialien für die Fächer Ethik, Philosophie und Religion ab der 10. Klasse zur Verfügung. Jugendliche sollen über die Gefahren einer Eskalation und Polarisierung bei Umgangsformen im Netz sensibilisiert werden. Ein Podcast diskutiert über Manieren im Internet. Elf Gebote zur Haltung und zum Respekt im Internet reflektieren notwendige Veränderungen gegen sogenannte Empörungsüberhitzungen im Internet (www.anstanddigital.de). Antidiskriminierungsstelle des Bundes Hier wird über Rechte bei Diskriminierung informiert. Die Stelle arbeitet auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), das 2006 in Deutschland in Kraft trat. Hier geht es um den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters <?page no="249"?> Initiativen 249 oder der sexuellen Identität. Es werden Möglichkeiten des rechtlichen Vorgehens im Rahmen gesetzlicher Regelungen zum Schutz vor Benachteiligungen aufgezeigt und Beratungen durch andere Stellen vermittelt, die eine gütliche Einigung zwischen den Beteiligten anstreben. Die zentralen Aufgaben der Antidiskriminierungsstelle bestehen darüber hinaus in der Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen sowie der Vorlage von Berichten an den Deutschen Bundestag. Diese Berichte sollen Empfehlungen beinhalten, wie Diskriminierungen zu vermeiden und zu beseitigen sind (www.antidiskriminierungsstelle.de). AULA AULA steht für Ausdiskutieren und live abstimmen . Es handelt sich um ein Konzept, das sich auf die politische und digitale Bildung an Schulen konzentriert. Dabei werden demokratische Praktiken und Kompetenzen gefördert, um mehr Partizipation zu erreichen. Die Initiative stellt den Bildungsträger: innen hierfür die Software und das didaktische Begleitmaterial als offene Bildungsressource kostenlos zur Verfügung. Mit der Unterstützung durch die eigene Lernplattform kann AULA selbstständig an den Schulen eingeführt werden. Die Leiterin der 2014 gegründeten Initiative ist die Psychologin Marina Weisband. Unterstützer: innen sind u.a. die Bundeszentrale für politische Bildung und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Bildung. Die Beteiligungsmöglichkeiten und Demokratiebildung an Schulen skizziert Weisband (2024) in einem Interview mit Till Schmidt in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschi chte (www.aula.de). Bildungsstätte Anne Frank Der eingetragene Verein, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und dem Kompetenznetzwerk Antisemitismus unterstützt wird, stärkt Jugendliche und Erwachsene für eine aktive Partizipation an einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Er setzt sich mit Ausstellungen, Workshops, Fortbildungen, Tagungen und Publikationen gegen Antisemitismus und Rassismus ein, der sich gegen Jüd: innen und Muslime richtet. Neben Schüler: innen und Lehrkräften arbeitet die Initiative mit Kulturinstitution, staatlichen Einrichtungen und Unternehmen zusammen (vgl. Bildungsstätte Anne Frank (Hrsg.) o.J.a und b) (www.bs-anne-frank.de). Campact Bei der Stiftung handelt es sich um eine gemeinnützige Kampagnenorganisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit und eine starke Zivilgesellschaft auf der Straße und auf digitalen Kanälen engagiert. Zu Campact gehört die Petitionsplattform WeAct ebenso wie die gemeinnützige Demokratie-Stiftung. Die Organisation will die Menschenrechte verteidigen, sich gegen autoritäre <?page no="250"?> 250 IV Lösungsansätze Kräfte stellen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken sowie die Umwelt und das Klima schützen. Sie richtet sich gegen marktradikales Wirtschaften und soziale Kälte. Der Verein setzt sich weiterhin für mehr Transparenz in der Politik ein (www.campact.de). CLAIM - Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit Die Initiative vernetzt und unterstützt Organisationen, die sich gegen antimuslimischen Rassismus engagieren. Sie schafft effektive Strukturen für fachlichen Austausch und Kooperation in Deutschland und in Europa. Die Anliegen der Zivilgesellschaft und von Betroffenen vertritt sie gegenüber politischen Entscheidungsträger: innen. CLAIM dokumentiert antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen. Es werden Organisationen unterstützt, um notwendige Kompetenzen im Monitoring und in der Beratung auszubauen. Dabei geht es um eine bundesweite Sichtbarkeit für antimuslimische und rassistische Tendenzen durch gemeinsame Kampagnen. Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus leisten eine Qualifizierung und Sensibilisierung für Akteur: innen aus der Politik und Verwaltung (www.claim-allianz.de). Diskutier mit mir! Die digitale Plattform ermöglicht Schutzräume innerhalb einer polarisierten Öffentlichkeit, in dem eine konstruktive und deeskalierende Gesprächssituation frei von Vorurteilen geschaffen wird. Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte Projekt entwickelt digitale Plattformen und Kampagnen, um junge Erwachsene für die Auseinandersetzung mit politischen Themen zu motivieren. Dabei geht es um das Einüben und Ausprobieren von Argumenten im Umgang mit konträren Positionen, um den Austausch zu stärken und dem Vertrauensverlust gegenüber der Politik und der Demokratie entgegenzutreten. Zudem werden Veranstaltungen in der Kommune, im Betrieb und in der Nachbarschaft sowie bei Festen und Firmentreffen organisiert (diskutiermitmir.net). Each one teach one (EOTO) Anti-Schwarzer Rassismus ereignet sich u.a. in Form einer Diskriminierung von Menschen bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, bei Kontrollen durch das Sicherheitspersonal, in der Schule oder in Behörden sowie durch Beleidigungen und Angriffe auf der Straße. Betroffene oder Zeug: innen können diese Fälle bei EOTO melden. Diese werden dokumentiert und in Berichten zusammengefasst. Die Initiative bietet Beratung für schwarze und afrikanische Menschen in Berlin in allen Fällen von Diskriminierung an. Darüber hinaus besteht EACH ONE aus einem Monitoringprojekt, das Anti-Schwarzen Rassismus dokumentiert sowie einem Intersektionalen Archiv, in dem Berichte und vertiefende Fachliteratur gesammelt werden. Veranstaltungen und Workshops für Eltern informieren über Rassismus und Mobbing an Schulen (www.each-one.de). <?page no="251"?> Initiativen 251 Forum gegen Fakes Die Bertelsmann Stiftung (2024) hat ein Bürgergutachten zum Umgang mit Desinformationen in Auftrag gegeben. Es wurde in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat, der Michael Otto Foundation for Sustainability und der Stiftung Mercator initiiert und durchgeführt. Bürger: innen aus ganz Deutschland haben 2024 im Rahmen einer Online-Beteiligung und der Beteiligung eines Bürgerrates Empfehlungen erteilt, wie mit Desinformationen umgegangen werden sollte. In drei Online-Beteiligungen haben 423.992 Bürger: innen mitgewirkt. Es gab 3.314 Vorschläge und Kommentare und 1.509.720 Abstimmungen. Der Bürgerrat mit mehr als 120 Personen hat 15 Empfehlungen entwickelt, um die Verbreitung von Desinformationen durch Bildung, Regulierung, Technologie und internationale Zusammenarbeit effektiv einzudämmen (vgl. Jain 2025). Neben dem Ausbau von Medienkompetenz werden Gütesiegel für einen qualitativ hochwertigen Journalismus ebenso empfohlen wie Leitlinien zum Umgang mit und der Entwicklung von Techniken zum Umgang mit Desinformation. Darüber hinaus soll eine zentrale Stelle geschaffen werden, die die Prüfung einer strafrechtlichen Verfolgung im Falle der Verbreitung von Desinformation vornimmt (www.forum-gegen-fakes.de). FragZebra Die Frage-Antwort-Plattform der Landesanstalt für Medien NRW hilft bei Themen rund um digitale Medien. Dort findet sich eine ausführliche Datenbank. Weiterhin bieten die Expert: innen den Nutzer: innen die Option, eine kostenlose und individuelle Beantwortung ihrer Fragen auf verschiedenen Kanälen zu bekommen. Die Initiative bietet die Möglichkeit an, Cybergrooming zu melden. Diese Manipulationstechnik tritt auf, wenn Kinder und Jugendliche über soziale Kanäle aufgefordert werden, Nacktaufnahmen zu verschicken, sich live vor einer Kamera zu zeigen oder sich mit Straftätern zu treffen (www.fragzebra.de). Gemeinsam gegen Rassismus Dies ist der Titel einer Aktion der schweizerischen Fußballmannschaft Young Boys Bern . So fand sich auf den Trikots der Spieler dieser Aufdruck, um zu dokumentieren, dass der Verein sich gegen Rassismus einsetzt. In Fußballstadien gibt es regelmäßig rassistische Übergriffe und antisemitische Äußerungen. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, wurde die Aktion Gemeinsam gegen Rassismus mit der Unterstützung von Sponsoren u.a. vom FC St. Pauli in die Stadien und in die Medien getragen (www.bscyb.ch/ news? nID=14054). Hate Aid Diese gemeinnützige Organisation gegen Hassrede im Internet setzt sich für Menschenrechte im digitalen Raum ein und engagiert sich auf gesellschaftli- <?page no="252"?> 252 IV Lösungsansätze cher und politischer Ebene gegen digitale Gewalt und ihre Folgen. Sie bietet Betroffenen persönliche Beratung und rechtliche Unterstützung an. Der Kontakt ist telefonisch, per Chat oder über ein Meldeformular möglich. Die Initiative finanziert sich über private und öffentliche Förderungen sowie Spenden (www.hateaid.org). Initiative Nachrichtenaufklärung Der Verein, in dem ich als Jurymitglied mitarbeite, ist eine medienkritische Nichtregierungsorganisation, die regelmäßig auf relevante Themen und Nachrichten aufmerksam macht, die von den deutschen Massenmedien vernachlässigt worden sind. Jedes Jahr wird eine entsprechende TOP 10 publiziert. Die Initiative arbeitet mit dem Kölner Forum für Journalismuskritik zusammen, das beim Deutschlandfunk ausgerichtet wird. Dort wird auch der Günter-Wallraff-Preis an Friedensinitiativen, Bürgerrechtler: innen und investigative Journalist: innen vergeben. Das Preisgeld wird von RTL, der Otto- Brenner-Stiftung und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg finanziert. Preisträger waren u.a. Julian Assange und Alexej Nawalny (www.derblindefleck.de). jugendschutz.net Diese bundesweite Stelle wird von den obersten Landesjugendbehörden, den Landesmedienanstalten und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Hier können unzulässige Online-Inhalte gemeldet werden (www.jugendschutz.net). Juuuport Dabei handelt es sich um eine bundesweite Onlineplattform für junge Menschen, die Probleme im Internet haben. Ehrenamtlich aktive Jugendliche und junge Erwachsene geben Gleichaltrigen Hilfe bei Problemen wie Cybermobbing, Cybergrooming oder Mediensucht. Zudem gibt es auf der Website umfassende Ratgeber und News zur aktuellen Onlinethemen und Gefahren. Es werden Aufklärungskampagnen auf diversen sozialen Medienkanälen angeboten, um einen selbstbewussten, reflektierten und kritischen Umgang mit digitalen Medien zu fördern. Die Initiative wird von den Landesmedienanstalten unterstützt (www.juuuport.de). Klicksafe Konstruktive Hinweise zur Bekämpfung von Cybermobbing bietet die EU- Initiative klicksafe.de für mehr Sicherheit im Netz (vgl. Hilt u.a. 2021). Diese Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer: innen hat Materialien über problematische Inhalte im Netz erstellt, gibt Tipps zur Internetsicherheit bei Computerspielen und zeigt Maßnahmen gegen die Abzocke im Netz auf (www.klicksafe.de). <?page no="253"?> Initiativen 253 Kompetenznetzwerk Hass im Netz Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von fünf Organisationen, die sich gegen Hassrede und Gewalt im digitalen Raum engagieren. Dazu gehören das Nettz , die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur , HateAid , jugendschutz.net und die Neuen deutschen MedienmacherI: innen . Die Initiativen setzen sich für eine konstruktive und diskriminierungsfreie Diskurskultur ein. Neben Hilfen und Beratungsangeboten werden dort Handlungsempfehlungen zu Maßnahmen gegen Hass im Netz angeboten (www. kompetenznetzwerk-hass-im-netz.de). Kompetenznetzwerk Medien-Ethik-Bildung Die bayrische Initiative, an der ich mitwirken darf, organisiert Weiterbildungsmaßnahmen für Journalist: innen und Publizist: innen u.a. zur Ethik der digitalen Kommunikation. Es geht darum, auf die ethischen Herausforderungen und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Diskursoptionen im Rahmen digitaler Kurse in Kooperation mit der Virtuellen Hochschule Bayern aufmerksam zu machen (www. meb-kompetenznetz.de). Lie Detectors Die von der Wyss-Stiftung finanzierte Initiative arbeitet mit professionellen Journalist: innen zusammen, die in Schulen über verschiedene Arten von Falschmeldungen berichten, Methoden zum Testen auf „Fake News“ vorstellen und politische Hintergründe erläutern. Durch diese Maßnahmen soll erreicht werden, dass Schüler: innen ein vertieftes Verständnis für Quellenprüfungen und einseitige Berichterstattung entwickeln (www.lie-detectors.org). LOVE-Storm Die 2017 entstandene und unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierten Initiative stellt Tipps und Materialien bereit, um Hass im Netz besser zu verstehen und darauf angemessen reagieren zu können (vgl. Eich u.a. 2022). In dem Trainingshandbuch gegen Hass und Netz werden Strategien, Übungen und Anleitungen skizziert, um sich gegen Shitstorm, Cybermobbing und Hatespeech zu schützen. Dabei geht es um Möglichkeiten einer konstruktiven Konfliktaustragung im digitalen Raum. Es werden Tipps für den alltäglichen Umgang mit übergriffigen Botschaften gegeben und Schutzkonzepte für Schulen und Social Media Teams skizziert (www.love-storm.de). Meldestelle Respect Da der Hass gegen andere einen Gesetzesverstoß darstellt, ist es erforderlich, eine juristische Verfolgung zu initiieren, wenn z.B. das Recht am eigenen Bild verletzt wird und Beleidigungen, Drohungen, Volksverhetzung oder Aufrufe zur Gewalt verbreitet werden. Verstöße können weiterhin bei der Polizei und Staatsanwaltschaft angezeigt werden (www.meldestelle-respect.de). <?page no="254"?> 254 IV Lösungsansätze No Hate Speech Die internationale Kampagne gegen Hassrede im Netz in mehr als 40 Ländern wurde 2013 durch den Europarat initiiert. Neben europäischen Staaten gibt es u.a. in Marokko, Mexiko und Kanada nationale Ableger. Seit 2016 koordiniert der Verein Neue deutsche Medienmacher die Bewegung in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend unter Beteiligung weiterer staatlicher Stellen und Nichtregierungsorganisationen. Inhaltlich geht es darum, die Perspektive der von Hassrede Betroffenen aufzuzeigen, diese zu bestärken und sich mit ihnen zu solidarisieren. Es werden Informationen zu den Themen Hassrede, Gesetzgebung, Gegenrede und Präventionen gegen Hate Speech vermittelt. Hierbei sind Argumentationshilfen und Initiativen entstanden, die einen konstruktiven Beitrag leisten, um die Diskussionskultur im Netz durch sachliche Auseinandersetzungen zu verbessern (www.no-hate-speech.de). Omas gegen Rechts Der eingetragene Verein ist eine zivilgesellschaftliche und parteiunabhängige Initiative. Er wurde 2018 gegründet und setzt sich für den Abbau von Angst vor allem Fremden ein. Die Initiative will einen Beitrag für den Schutz der Demokratie leisten und auf die Zunahme von Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit reagieren. Sie steht für demokratische Werte, für die Vielfalt aller Kulturen und Nationalitäten sowie für Toleranz und ein respektvolles Miteinander auf der Basis der verfassungsrechtlich geschützten Menschenwürde. Der Verein engagiert sich gegen rechtspopulistische Strömungen, gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund, gegen Stigmatisierung und alle Formen von Gewalt (www.omasgegen-rechts.org). Otto Brenner Stiftung Die gemeinnützige Wissenschaftsstiftung ist nach dem ersten Vorsitzenden der IG Metall benannt worden. Sie ist als Forum für gesellschaftliche Diskurse und Einrichtung der Forschungsförderung dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet und initiiert den gesellschaftlichen Dialog durch Veranstaltungen, Workshops und Kooperationen. Die Stiftung fördert wissenschaftliche Untersuchungen und veröffentlicht Studien über politische und medienspezifische Themen. So haben Fabian Virchow, Tanja Thomas und Elke Grittmann (2015) eine Studie über die Berichterstattung zu den NSU-Morden veröffentlicht. Hektor Haarkötter und Filiz Kalmuk (2021) zeigen Leistungen und blinde Flecken beim Medienjournalismus in Deutschland auf. Henning Eichler (2022) beschäftigen sich mit dem öffentlich-rechtlichen Journalismus in sozialen Netzwerken. Bernd Gäbler (2015) erörtert den Anspruch und die Wirklichkeit von TV-Politikmagazinen, während Fritz Wolf (2013) das Selbstverständnis der Rundfunkgremien sowie die politische Praxis und Reformvorschläge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reflektiert. Die Radikalisierung und Etablierung der AfD wird von Wolfgang Schroeder und Bernhard <?page no="255"?> Initiativen 255 Weßels (2023) analysiert. Die Gefahren des Antisemitismus werden von Michael Kraske (2023) dargelegt. Darüber hinaus finden sich in den Papieren Untersuchungen über Talkshows (vgl. Gäbler 2011), Satire (vgl. Gäbler 2015) und die Bildzeitung (vgl. Arlt/ Storz 2011 und 2012), die auch in diesem Buch berücksichtigt worden sind (www.otto-brenner-stiftung.de) Respekt und Mut Die Düsseldorfer Beiträge zur interkulturellen Verständigung wurden 2000 ins Leben gerufen. Aufgrund von rechtsextremen Gewalttaten haben sich Einrichtungen und städtische Ämter mit Wohlfahrtsverbänden, Kulturinstitutionen und Migrant: innenvereinen zusammengetan, um ein Programm zu erstellen, das das friedliche und respektvolle Miteinander der Kulturen in Düsseldorf stärkt. Es umfasst Kulturevents, Lesungen und Exkursionen sowie Informations- und Bildungsveranstaltungen. Zu den Unterstützer: innen der Initiative gehören unter anderem die Diakonie , die IG-Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund , die Polizei , die Stadtbücherei , die Rheinbahn AG sowie die VHS Düsseldorf (www.respekt-und-mut.de). Save Social Der Initiative kommt es darauf an, soziale Netzwerke als demokratische Kraft zu retten. Es wird konstatiert, dass das Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit sowie die Presse- und Rundfreiheit in Gefahr sind. Der große Einfluss der Big-Tech-Monopole und die daraus resultierende Dominanz der Plattformkonzerne wird kritisiert. Dabei werden digitale Alternativen mit gemeinwohlorientieren Angeboten ebenso angeboten wie eine bessere Medienbildung. Grundsätzlich wird gefordert, dass diejenigen Akteure und Unternehmen, die mit digitalen Inhalten Geld verdienen auch Verantwortung übernehmen müssen. Der Aufruf wird u.a. vom Deutschen Journalistenverband , Greenpeace sowie zahlreichen Künstler: innen und Wisssenschaftler: innen unterstützt (www.savesocial.eu) Unwort des Jahres Die Reflexion und Kritik von sogenannten Unwörtern stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Initiative. Dabei geht es um die Sensibilisierung für diskriminierende, stigmatisierende, euphemistische, irreführende und menschenunwürdige Sprachgebräuche sowie die daraus resultierenden Verantwortlichkeiten. Die ehrenamtlich und institutionell unabhängige Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftler: innen und einer Journalistin. Ein weiteres Mitglied aus dem Kultur- und Medienbetrieb kommt im jährlichen Wechsel hinzu. Folgende Wörter wurden in den letzten Jahren u.a. „ausgezeichnet“: Remigration, Sozialtourismus, Gutmensch, Volksverräter, Corona-Diktatur, Klimahysterie, Umvolkung, Anti-Abschiebe-Industrie, Alternative Fakten, Genderwahn, Verschwulung, Lügenpresse und Pleite-Griechen. Für das Jahr 2024 ist der Begriff Biodeutsch zum Unwort des Jahres ausgerufen worden. Der Begriff wurde zunächst in einem satirischen Rahmen verwendet und taucht in- <?page no="256"?> 256 IV Lösungsansätze zwischen in rassistischen Zusammenhängen auf (vgl. Husarek 2025b, Schultze 2025) (www.unwortdesjahres.net). Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt Der eingetragene Verein bietet Betroffenen kostenlose Beratung und Unterstützung in allen Bundesländern. Die professionelle Unterstützung der Stellen richtet sich an direkt und indirekt Betroffene, ihre Angehörigen sowie an Zeug: innen eines Angriffs. Bei Bedarf wird die Beratung durch Übersetzer: innen unterstützt. Ohne Einverständnis werden keine Informationen an Dritte weitergegeben. Auf Wunsch wird auch anonym beraten. Die Unterstützung richtet sich nach den Wünschen, Perspektiven und Bedürfnissen der Betroffenen und ist nicht an die Erstattung einer Anzeige geknüpft. Zu den Angeboten zählen die Hilfe bei der emotionalen Verarbeitung des Angriffs, Hinweise zu juristischen Möglichkeiten, Unterstützung bei der Suche nach Rechtsanwält: innen, die Begleitung zu Behörden, der Polizei, Rechtsanwält: innen, Ärzt: innen, die Beratung über finanzielle Unterstützung und Hilfe bei Anträgen. In Anspruch genommen werden können darüber hinaus eine psychosoziale Beratung, die Vermittlung von therapeutischen und ärztlichen Angeboten, eine Öffentlichkeitsarbeit, die für das Problem rechter Gewalt sensibilisiert sowie die Unterstützung bei der Verbesserung der Lebenssituation, um die Sicherheit der Betroffenen (wieder) herzustellen (www.verband-brg.de). Verbrannte Orte Der eingetragene Verein widmet sich der Erinnerungskultur und organisiert Ausstellungen und Vorträge zu den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen von 1933. Er geht der Frage nach, wie diese Orte heute nach über neunzig Jahren aussehen, welchen Zweck sie aktuell angesichts des Wissens um das historische Geschehen erfüllen und ob Zeichen der Erinnerung dort erkennbar sind. Auf der Internetseite der Initiative entsteht ein Atlas, der die vergessenen Orte der Bücherverbrennungen sichtbar macht. Darüber hinaus werden Hintergrundtexte und historische Materialien über die betroffenen Autor: innen für die Projektarbeit zur Verfügung gestellt (www.verbrannte-orte.de). Verfolgen statt löschen Bei den Initiativen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben sich Medienaufsichten und Medienhäuser zusammengeschlossen, damit Hasskommentare nicht nur gelöscht, sondern auch strafrechtlich geprüft und im Falle einer Rechtsverletzung verfolgt werden. (www.medienanstalt-nrw.de/ themen/ hass/ verfolgen-stattt-nur-loeschenrechtsdurchsetzung-im-netz) und (www.medienanstalt-rip.de/ themen/ hassrede-bekaempfen) Neben den ausgewählten Initiativen gibt es wissenschaftliche Publikationen mit kommunikationsethischem Bezug, die nachfolgend vorgestellt werden. <?page no="257"?> Anhang <?page no="259"?> Kommentierte Auswahlbibliografie 259 Kommentierte Auswahlbibliografie Die Buchempfehlungen konzentrieren sich auf Bücher zur Kommunikationsethik. Kommentierte Literaturempfehlungen zur Medienethik finden sich in dem Sammelband Handbuch Medienethik von Christian Schicha und Carsten Brosda (2010) sowie in der Monografie Medienethik. Grundlagen - Anwendungen - Ressourcen von Schicha (2019). Buchtipps zu Bildethik sind in dem gleichnamigen Buch von Schicha (2021b) aufgeführt. Appel, Markus (Hrsg.) (2020): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin. In dem Sammelband werden Phänomene der Kommunikation im digitalen Zeitalter reflektiert. Die Publikation widmet sich den sogenannten Fake News und diskutiert den Vorwurf an eine angebliche Lügenpresse. Es werden Aufmerksamkeitsstrategien zum Phänomen des Clickbaiting erörtert, Mechanismen von Verschwörungstheorien, Social Bots und Gerüchten skizziert, Möglichkeiten der Bildmanipulation aufgezeigt und Optionen dargelegt, wie sich das Postfaktische eindämmen lässt. Domainko, Annika u.a. (Hrsg.) (2023): Canceln. Ein notwendiger Streit. München. Das Buch setzt sich mit Formen und Ausprägungen von Cancel Culture auseinander. Am Beispiel von literarischen Werken wird diskutiert, ob diese aufgrund rassistischer Begriffe verboten oder verändert werden sollten. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob umstrittene Autor: innen ihre Texte öffentlich präsentieren dürfen oder ob es gute Gründe geben kann, dies zu verhindern. Es wird diskutiert, ob in der Literatur eine neue Form der Zensur entstanden ist oder ob eine Sensibilisierung für Diskriminierungen es erforderlich macht, Werke nicht mehr öffentlich zu präsentieren. Flaßpöhler, Svenja (2024): Streiten. Berlin. Die Philosophin erörtert in einem persönlichen Essay die Bedeutung des Streites. Sie berichtet über eigene Kindheitserfahrungen und vertritt die These, dass der Streit kein herrschaftsfreier Diskurs im Verständnis von Jürgen Habermas ist, sondern auch Machtaspekte berührt. Dabei besteht immer auch die Gefahr, dass der Streit in physische Gewalt umschlägt, die auf Vernichtung ausgerichtet ist. Die Autorin reflektiert bei der Analyse des Streits interdisziplinäre Positionen von Georg Simmel (Soziologe) über Siegmund Freud (Psychologie) bis hin zu Immanuel Kant (Philosophie). Darüber hinaus greift sie auch destruktive Entwicklungen des Rechtspopulismus auf und schildet eigene Erfahrungen beim Streit mit den anderen Diskutant: innen als Gast in der ARD-Talkshow Hart, aber fair. <?page no="260"?> 260 Anhang Gäbler, Bernd (2011): „… und unseren täglichen Talk gib uns heute! “ Inszenierungsstrategien, redaktionelle Dramaturgien und Rolle der TV-Politik Talkshows. Frankfurt am Main. Die Studie der Otto-Brenner-Stiftung skizziert die historische Entwicklung der Fernseh-Talkshows in Deutschland. Es wird auf Auswahlkriterien für die Talkshowgäste ebenso eingegangen wie auf Formen der Selbstdarstellung von Politiker: innen. Weiterhin werden redaktionelle Dramaturgien im Spannungsfeld zwischen Konfrontation und Konsens aufgezeigt. In mehreren Einzelanalysen der Formate unter der Moderation von Maybrit Illner, Anne Will, Sandra Maischberger und Frank Plasberg werden typische Muster und Mechanismen der Talkshows darlegt, bevor Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Qualität formuliert werden. Im Anhang finden sich Interviews mit Vertreter: innen aus der Politik, der Produktion, der Redaktion, der Moderation und dem Kommunikationsmanagement. https: / / www.otto-brenner-stiftung.de/ wissenschaftsportal/ publikationen/ titel/ und-unseren-taeglichen-talk-gib-uns-heute/ aktion/ show/ Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2024): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden. Der Sammelband, in dem ich einen Text über Bilder schreiben durfte, vermittelt einen fundierten Überblick über die Herausforderungen und besonderen Eigenschaften der Ethik im digitalen Raum. In den theoretischen Zugängen werden unter anderem Ansätze der Deontologie, der Tugendethik und des Utilitarismus vorgestellt. Bei den Werten geht es u.a. um Wahrheit, Autonomie, Freiheit, Verantwortung, Privatheit und Nachhaltigkeit. In den Diskursen über digitale Ethik werden die Themen Menschenbild, Überwachung, Datenschutz, Diskriminierung, Desinformation, Cybermobbing und digitale Pornografie angesprochen. Bei den Systemen und Technologien geht es um Geschäftsmodelle, künstliche Moral und Maschinenethik, digitale Öffentlichkeit sowie Robotik. In den Praxisfeldern werden Grundlagen zur Digitalkompetenz, zum Journalismus, zur Gesundheit, zur Selbstoptimierung sowie zur Kulturökologie und Bildung vorgestellt. Gürtler, Christian / Prinzing, Marlies / Zeilinger, Thomas (Hrsg.) (2022): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden. Der Band dokumentiert die Ergebnisse bei der Jahrestagung der DGPuK- Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik mit dem Netzwerk Medienethik aus dem Jahr 2021, die an der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt wurde. Aus historischer Perspektive wird der Frage nachgegangen, welche Gründe, Ziele und Stile mit öffentlichen Streitgesprächen verbunden sind. Es werden aktuelle Diskurse über Auseinandersetzungen im Zusam- <?page no="261"?> 261 Kommentierte Auswahlbibliografie menhang mit Religionen und Cancel Culture reflektiert sowie Ansätze der Deliberationstheorie in digitalen Zeiten diskutiert. Publikumsethische Aspekte beschäftigen sich mit dem konstruktiven Moment des Shitstorms, während sich Ordnungs- und Regulierungsaspekte mit der Bedeutung des Journalismus und publizistischen Medien für die Konstitution einer demokratischen Öffentlichkeit auseinandersetzen. Jackob, Nikolaus (2018): Die Mediengesellschaft und ihre Opfer. Grenzfälle journalistischer Ethik im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert. Berlin. In der Monografie werden eine Reihe ethischer Grenzüberschreitungen problematisiert, bei denen Journalist: innen sich nicht an die Regeln einer angemessenen Berichterstattung orientiert haben, sondern aufgrund kommerzieller Interessen und mangelnder Recherche Falschmeldungen publizierten, Persönlichkeitsrechte von Opfern verletzten und die Unschuldsvermutung missachteten. Das Spektrum der Beiträge reicht von der Berichterstattung über Amokläufe bis hin zu Selbsttötungen. Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.) (2023): Entgrenzte Öffentlichkeiten. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld. In dem Sammelband geht es um die Themenkomplexe Medien, Politik sowie Wissenschaft und Öffentlichkeit. Es werden u.a. Debattenkulturen zwischen dem klassischen Feuilleton und Twitter erörtert, Demokratisierungsprozesse durch Filter-Bubbles aufgezeigt, Islamdebatten um die kulturelle Differenz zwischen demokratischer Aushandlung und kulturellem Rassismus besprochen sowie sprechakttheoretische Überlegungen zur öffentlichen Dimension verbaler Äußerungen reflektiert. Kämper, Heidrun Deborah (2024): Die Sprache der Rechten. Wie sie reden und was sie sagen. Stuttgart. Die Autorin setzt sich mit dem Sprachgebrauch rechtsradikaler Parteien am Beispiel der AfD auseinander. Sie weist Parallelen zwischen der Sprache der Nationalsozialist: innen und der von AfD-Politiker: innen nach. Die Parteifunktionär: innen arbeiten mit Falschinformationen, Verleumdungen und Verschwörungserzählungen. Ethnische Vielfalt wird als Überfremdung diskreditiert. Beleidigungen, Verleumdungen, Drohungen, Diskriminierungen, Provokationen und Übertreibungen prägen die Aussagen von AfD-Repräsentant: innen. Gleichheits- und Gerechtigkeitsgrundsätze des Grundgesetzes werden missachtet. Ängste vor dem Fremden werden geschürt. Am Beispiel von AfD-Debattenbeiträgen im Landtag von Baden-Württemberg weist Kämper die menschenfeindliche Rhetorik der Partei nach. <?page no="262"?> 262 Anhang Kirchschläger, Peter G. (2024): Digitale Transformation und Ethik. Ethische Überlegungen zur Robotisierung und Automatisierung von Gesellschaft und Wirtschaft und zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Baden-Baden. Die Monografie setzt sich mit dem Verhältnis zwischen Ethik und Technologie auseinander. Dabei werden ethische Prinzipien und Referenzpunkte für Technologien vermittelt. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, inwiefern technisches Urteilsvermögen an Technologien delegiert werden kann. Hierbei werden die Kategorien Verletzbarkeit, Gewissen, Freiheit, und Autonomie behandelt. Zudem werden Instrumente für die ethische Bewertung erörtert. Neben den Prinzipien der Verantwortung und der Gerechtigkeit werden Menschenrechte als ethische Referenzpunkte aufgezeigt. Anhand konkreter Politikfelder werden Chancen und Herausforderungen aus einer ethischen Perspektive reflektiert. Konkret geht es u.a. um die Medizin, das Finanzwesen und die Automatisierung der Mobilität. Die rassistische Hassrede im Internet wird ebenso problematisiert wie der Abbau des Datenschutzes und der Privatsphäre sowie die globale Ungerechtigkeit. Es werden ethische und rechtliche Normen für datenbasierte Systeme vorgestellt, um eine gleichberechtigte Teilhabe an digitaler Transformation und datenbasierten Systemen auf der Basis einer nachhaltigen Entwicklung zu ermöglichen. Köhler, Tanja (Hrsg.) (2020): Fake News, Framing, Fact-Checking. Nachrichten im digitalen Zeitalter. Ein Handbuch. Bielefeld. In dem Sammelband richtet sich der Fokus auf den Nachrichtenjournalismus im Wandel. Es werden Herausforderungen beim Fakten-Check und der Verifikation angesichts von „Fake News“ diskutiert und Konsequenzen der künstlichen Intelligenz für die mediale Berichterstattung aufgezeigt. Zudem werden Formen der Teilhabe und Chancengleichheit in der digitalen Gesellschaft erörtert und die Notwendigkeit einer geschlechtergerechten Sprache im Journalismus dargelegt. Zudem werden der Vertrauensverlust gegenüber der Medienberichterstattung thematisiert und Strategien im Umgang mit Nutzer: innenkommentaren beim Hass im Netz skizziert. Meine Buchbesprechung findet sich unter: https: / / mediarep.org/ server/ api/ core/ bitstreams/ 12dc6ab8-cd49-4d88-968b- 956b7f9b3c3f/ content Kokoschka, Vanessa u.a. (Hrsg.) (2025): Nachhaltigkeit in der Medienkommunikation. Ethische Anforderungen und praktische Lösungsansätze. Baden-Baden. Der Band 23 der im Nomos-Verlag erscheinenden Schriftenreihe widmet sich der Nachhaltigkeit, das auch als ethisches Prinzip der Medienwelt verstanden wird. Hierbei werden Verantwortungsdimensionen der strategischen Kom- <?page no="263"?> 263 Kommentierte Auswahlbibliografie munikation ebenso reflektiert wie medienökologische Ansätze. Es werden Grundwerte einer nachhaltigen Berufsethik für die Berichterstattung skizziert und Qualitätskriterien eines subjektviven Journalismus dargelegt. Darüber hinaus werden der Klimajournalismus auf Social-Media-Plattformen ebenso reflektiert wie medienethische Perspektiven in Bezug auf eine generative künstliche Intelligenz. Maeder, Dominik u.a. (Hrsg.) (2020): Trump und das Fernsehen. Medien, Realität, Affekt, Politik. Köln. In dem Sammelband wird beim Blick auf die amerikanische Unterhaltungskultur eine Charakterisierung des Politikers Donald Trump vorgenommen, der durch Lügen, sexistische Äußerungen und aggressive Beschimpfungen in Erscheinung getreten ist. Trumps Sprüche und Gesten dienen dabei der Ausgrenzung des politischen Gegners und kritischer Medien. Affekte und Emotionen sind für ihn wichtiger als Argumente und Fakten. Konträre Positionen und kritische Äußerungen werden von dem Politiker als sogenannte Fake News abqualifiziert, während falsche Behauptungen als alternative Fakten glorifiziert werden. Einfache Feindbilder tragen dazu bei, eine Differenz zwischen den eigenen Anhänger: innen und politischen Gegner: innen vorzunehmen. Meine Rezension zum Buch findet sich unter: https: / / mediarep.org/ server/ api/ core/ bitstreams/ 34b428d5-b1bc-491b-a967-f973f8aa8265/ content Reuschenbach, Julia / Frenzel, Korbinian (2024): Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen. Berlin. Das Buch der Politikwissenschaftlerin und des Journalisten vom Deutschlandfunk beschäftigt sich mit kontroversen politischen Diskursen. Die Autor: innen vertreten die These, dass sich die Debattenkultur in Deutschland in einem desolaten Zustand befindet. Eine Ursache hierfür liegt in einer Polykrise, die zu Frust, Wut, Unmut sowie Hass und Hetze führen können. Am Beispiel diverser Debatten vom Bürgergeld über das Heizungsgesetz bis hin zur Kindergrundsicherung werden die unterschiedlichen Standpunkte herausgearbeitet und mit dem Verweis auf wissenschaftliche Studien eingeordnet. Reuschenbach und Frenzel plädieren für eine lösungsorientierte Streitkultur, die Selbstreflexion und Selbstkritik zulässt. Dabei machen sie konkrete Vorschläge, um einen gesellschaftlichen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Sie plädieren für die Einführung eines Schulfaches Demokratie, Medien und Information , die Durchführung von Debattentagen und mehr Bürger: innenbeteiligung. Röhner, Jessica / Schütz, Astrid (2012): Psychologie der Kommunikation. Wiesbaden. Die Monografie vermittelt ein Basiswissen über die Abläufe, Phänomene und Besonderheiten zwischenmenschlicher Kommunikationsprozesse und den daraus resultierenden Anwendungsgebieten. Neben allgemeinen Begriffsbestim- <?page no="264"?> 264 Anhang mungen werden klassische Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick über Friedemann Schulz von Thun bis hin zu Paul Grice diskutiert und Mittel verbaler sowie nonverbaler Kommunikation erörtert. Abschließend wird ein Überblick über die Vielfalt menschlicher Kommunikationsformen gegeben. Roßbach, Nikola (2018): Achtung Zensur. Über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen. Berlin Die Professorin für neuere deutsche Literatur geht in ihrer Monografie der Frage nach, wo die Rede- und Meinungsfreiheit endet und an welchem Punkt die Zensur anfängt. Anhand zahlreicher historischer und aktueller Beispiele reflektiert sie die Schlüssigkeit der vorgelegten Argumente im Rahmen kontrovers geführter Debatten aus dem Bereich der Kunst und Literatur. Die Autorin verweist auf Formen und Ausprägungen der Selbstzensur und Zensurpraktiken als Skandalisierungsstrategie. Schicha, Christian / Stapf, Ingrid / Sell, Saskia (Hrsg.) (2021): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Baden-Baden. Der Sammelband beschäftigt sich mit dem Phänomen der Wahrheit im Zeitalter der Digitalisierung aus einer philosophisch-ethischen Perspektive. Es werden theoretische Einordnungen zu den Schwerpunkten „Fake News“ und Desinformation vorgenommen. Empirische Untersuchungen und gesellschaftliche Fallanalysen über Fälschungen und Manipulationen werden aufgezeigt und eingeordnet. Zudem werden ethische Problemfelder und praktische Lösungen beim Kampf gegen Desinformation im Journalismus erörtert und ethische Herausforderungen für die Online-Kommunikation diskutiert. Schönauer, Mats / Tschermak, Moritz (2021): Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet. Köln. Die Monografie der beiden Bildblogger und des Regenbogenpresse-Watchblogs Topfvollgold setzt sich kritisch mit brutalen, menschenverachtenden und populistischen Ausprägungen bei Bild auseinander. Die Journalisten richten einen exemplarischen Blick auf die mit Feindbildern aufgeladene Griechenlandberichterstattung des Boulevardblattes und problematisieren die voyeuristischen Leserpaparazzi-Aktionen sowie frauenfeindlichen Angebote der Zeitung. Es wird u.a. auf gravierende Missstände im Rahmen der Opferberichterstattung am Beispiel des Amoklaufs von Winnenden verwiesen, bei der Persönlichkeitsrechte verletzt worden sind. Schwaiger, Lisa (2023): Gegen die Öffentlichkeit: Alternative Nachrichtenmedien im deutschsprachigen Raum. Bielefeld. Die Dissertation untersucht aus einer phänomenologischen Perspektive sogenannte Alternativmedien im deutschsprachigen Raum. Dabei geht die Autorin der Frage nach, wie sich Gegenöffentlichkeiten in alternativen Online- <?page no="265"?> 265 Kommentierte Auswahlbibliografie Medien im Nachrichtenkontext einordnen lassen und welchen Stellenwert sie in der öffentlichen Kommunikation auf digitalen Plattformen einnehmen. Darüber hinaus werden eine Reihe von theoretischen Öffentlichkeitskonzeptionen analysiert. Meine Rezension der Monografie findet sich unter: https: / / mediarep.org/ server/ api/ core/ bitstreams/ 05dfc94d-c657-4375-9786-12a3af003c6e/ content Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.) (2021): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden. Der interdisziplinär ausgerichtete Band setzt sich u.a. aus politikwissenschaftlicher, soziologischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive 60 Jahre nach dem Erscheinen der Habilitationsschrift von Jürgen Habermas zum Strukturwandel der Öffentlichkeit mit dem Verhältnis von Demokratie und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter auseinander. Dabei werden „Fake News“, Technokratie und Überwachungskapitalismus ebenso problematisiert wie Filterblasen und die Plattformisierung der Öffentlichkeit. Es wird diskutiert, welche Folgen sich durch den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit für Hochschulen und die Wissenschaft ergeben. Die Publikation endet mit Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit von Habermas. Steinebach, Martin u.a. (2020): Desinformationen aufdecken und bekämpfen. Interdisziplinäre Ansätze gegen Desinformationskampagnen und für Meinungsfreiheit. Baden-Baden. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Sammelband beschäftigt sich mit der Aufdeckung, Wirkung und Bekämpfung digitaler Desinformationen aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen. So werden deutschsprachige „Fake News“ aus der Sicht der Journalistik analysiert und Desinformationen aus einer medienpsychologischen Richtung problematisiert. Es geht um Techniken, die es ermöglichen, Bildmanipulationen und Deepfake-Videos zu erkennen. Zudem werden Desinformationen aus einer juristischen Perspektive erörtert, bevor Handlungsempfehlungen an Bürger: innen, Medienunternehmen, die Politik und Gesetzgebung sowie für die Forschungsförderung gegeben werden. https: / / www.researchgate.net/ publication/ 338740911_Desinformation_aufdecken_und_bekampfen_Interdisziplinare_Ansatze_gegen_Desinformationskampagnen_und_fur_Meinungspluralitat Thiele, Martina (2015): Medien und Stereotype: Konturen eines Forschungsfeldes. Köln. Die Habilitationsschrift liefert einen Überblick zur Geschichte, den Theorien und Methoden der kommunikationswissenschaftlichen Stereotypen- und <?page no="266"?> 266 Anhang Vorurteilsforschung. Dabei werden Begriffe, Funktionen und Arten von Stereotypen gegenübergestellt. Weiterhin werden historische Ansätze von Walter Lippmann bis hin zu Theodor W. Adorno skizziert. Der Band liefert Überblicksdarstellungen aus einer sozialpsychologischen Perspektive, bevor Metaanalysen sich mit Studien zu nationalen, ethnischen, religiösen und geschlechtlichen sowie beruflichen Stereotypen auseinandersetzen. Der Band geht der Frage nach, wie u.a. über Nationen, Ethnien, Religionen, Männer und Frauen sowie alte und junge Menschen berichtet werden kann, ohne selbst zu klassifizieren und zu stereotypisieren. Dabei wird auch auf Vorurteile und Klischees eingegangen. Meine Rezension zum Buch findet sich unter: https: / / mediarep.org/ server/ api/ core/ bitstreams/ 52d69043-d657-49dd-abcb-97ade94222ae/ content Thomas, Barbara u.a. (2024): Ethik der öffentlichen Kommunikation. Eine kommunikationsethische Einführung. Wiesbaden. In dem Lehrbuch werden kommunikationswissenschaftliche Grundlagen in die Theorie, Methodik und das Leistungsvermögen einer Ethik der öffentlichen Kommunikation eingeführt. Es werden ethische Reflexionen auf relevante Berufsfelder der öffentlichen Kommunikation im analogen und digitalen Kontext vorgenommen. Beate Dernsbach skizziert die Dimensionen einer Ethik im Journalismus und greift dabei diskursethische und konstruktivistische Ansätze auf. Günter Bentele beschäftigt sich mit den Aufgaben und Funktionen einer Ethik der Public Relations, während sich Nils S. Borchers mit einer Ethik der Werbekommunikation auseinandersetzt, in der rechtliche Grundlagen ebenso aufgezeigt werden wie Problemfelder der Berufspraxis. Jessica Heesen widmet sich einer Ethik der öffentlichen digitalen Kommunikation und skizziert dabei Institutionen der Selbstregulierung auf der Basis bestehender Normen und Kodizes. Neben den vorgestellten Büchern gibt es interessante Dokumentationen, Gesprächssendungen und Aufzeichnungen von Veranstaltungen, die aus einer kommunikationsethischen Perspektive relevant sind. Filmtipps zur Bildethik finden sich in der gleichnamigen Monografie von Schicha (2021b). Kommentierte Filmauswahl Alarmstufe Chaos. Was uns heute noch retten kann. Neo Magazin Royale (ZDF) vom 8. November 2024 Die Sendung beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, Rückgrat gegenüber menschenverachtenden Positionen zu zeigen. Dabei geht es darum, eine Haltung gegen Unwahrheiten, Zensurmaßnahmen und Diskriminierungen einzunehmen. Am Beispiel von Populisten wie Donald Trump, Unternehmern wie Jeff Bezos und dem kontrovers diskutierten Verbot von Medienbeiträgen im WDR wird deutlich gemacht, dass öffentlicher Widerstand gegen falsche Ent- <?page no="267"?> 267 Kommentierte Filmauswahl wicklungen, die die Demokratie gefährden, erforderlich ist. Dabei wird auf die Kategorie der Überzeugungssimulation im Verständnis einer Doppelmoral verwiesen, die dann auftritt, wenn Menschen Haltungen vorgeben, die sie gar nicht besitzen. So verweist Trump zum Beispiel immer wieder auf seinen Glauben und die Bedeutung der Bibel. Faktisch lässt sich sein Verhalten durch Lügen, Drohungen, die Ausgrenzung von Minderheiten und die Beschimpfung von politischen Gegner: innen jedoch nicht mit einem christlichen Menschenbild vereinbaren. www.youtube.com/ watch? v=hR6MLH3vp80 Bad News are good news? Dr. Manfred Fuchs-Kolloquium bei Technoseum in Mannheim vom 27. Januar 2023 In der Podiumsdiskussion, die ich moderieren durfte, wurde der Frage nachgegangen, wie Nachrichten über Kriege, Umweltkatastrophen, Unfälle und Hungersnöte vermittelt werden sollten. An der Diskussion waren die Journalistin, Buchautorin und Filmemacherin Ronja von Wurmb-Seibel sowie der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Kai Gniffke beteiligt. Es wurde erörtert, warum negative Nachrichten die Berichterstattung dominieren und welche möglichen Wirkungen sich dabei für Rezipient: innen ergeben. Dabei wurde reflektiert, ob Haltungen von Journalist: innen relevant sein sollten und wie diese in die Informationsvermittlung eingebracht werden könnten. Schlussendlich wurde diskutiert, ob der sogenannte konstruktive Journalismus eine Möglichkeit bietet, die Qualität der Berichterstattung zu verbessern. www.youtube.com/ watch? v=L6dvtMjnIMw Cancel Culture und Meinungsfreiheit: Was geht noch? Markus Lanz (ZDF) vom 30. Juni 2021 Laut einer Allensbach-Umfrage haben immer mehr Deutsche das Gefühl, weniger Meinungsfreiheit zu besitzen. Der Journalist Giovanni di Lorenzo sieht einen Grund dafür in der aktuellen Debattenkultur. Er vertritt die Auffassung, dass die Menschen mittlerweile weniger Einschränkungen von staatlichen Institutionen oder der Kirche mehr bekommen, um die eigene Meinung frei zu äußern, sondern der Druck von der Gesellschaft selbst kommt. Der Blogger Sascha Lobo richtet seinen Fokus auf die Diskurse in den sozialen Medien. Zwar sei es positiv zu bewerten, dass jeder und jede die Meinung mit Millionen Menschen weltweit teilen kann. Die sozialen Medien würden die Möglichkeit bieten, dass sich auch Randgruppen, Betroffeneninitiativen und Menschen mit Spezialinteressen in Foren vernetzen. Faktisch lassen sich aber auch rassistische Äußerungen in den sozialen Medien finden, meint die Politologin Emilia Roig. Die Autorin Thea Dorn sorgt sich um die Meinungsvielfalt und befürchtet, dass sich auch Journalist: innen sich nicht mehr trauen, das zu schreiben, was sie denken, weil sie Anfeindungen im Netz ausgesetzt sind. www.youtube.com/ watch? v=tYkX7XjNf7U <?page no="268"?> 268 Anhang Cultural Appropriation: Ist kulturelle Aneignung diskriminierend? 13 Fragen (ZDF) vom 29. Dezember 2021 Kim Kardashian, Ariana Grande und Shirin David setzten sich dem Vorwurf der kulturellen Aneignung aus. Sie benutzen dunkles Make-up oder haben Dreadlocks und deshalb wird ihnen vorgeworfen, sich unreflektiert an den Merkmalen marginalisierter Kulturen zu bedienen, um damit Profit zu erwirtschaften. Für die Einen ist das eine unangebrachte Übernahme und Bereicherung an Elementen, die zu Unterdrückung und Rassismus geführt haben. Für die Anderen führt das zu weit. Bei diesem Standpunkt geht es um Wertschätzung und den kulturellen Austausch sowie einen modernen Lebensstil. Als Gäste diskutieren u.a. der Life-Coach Shanon Bobinger, die Referentin Hami Nguyen, die Aktivistin Alex Barbian und der Journalist Jan Fleischhauer. www.youtube.com/ watch? v=rfRB6AFiBi8 Die Lust an der Sensation SWR-Nachtcafe vom 22. September 2023 In der Talkshow, die von Michael Steinbrecher moderiert wurde, durfte ich mit dem Notfallsanitäter Christian Manshen, dem ehemaligen BILD-Chef Kai Diekmann, dem Künstler Niko Nikolaidis sowie der Psychologin und Kriminologin Ursula Gasch diskutieren. Zu Gast waren auch Judith Machacek, die Mutter einer tödlich verunglückten Tochter, deren Bilder direkt nach einem Unfall im Internet zu finden waren und Jeannette Hennerici, die selbst zum Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal wurde und die Katastrophentourist: innen ebenso ertragen musste wie aufdringliche Medienberichterstatter: innen. Es wurde über die Entwicklung diskutiert, dass Gaffer: innen die Polizei und die Rettungsdienste behindern und schaulustige Menschen fotografieren, die ums Überleben kämpfen. Weiterhin wurde besprochen, wo die Grenzen der Berichterstattung im Spannungsfeld zwischen Informationsauftrag und Voyeurismus liegen. www.youtube.com/ watch? v=kc6u-I1TlR0 Gegenrede: Wozu braucht es Streitkultur? Körber-Stiftung vom 31. Januar 2022 In dem Gespräch wurde der Frage nachgegangen, wie es dazu kommen konnte, dass Debatten im öffentlichen Raum zunehmend eskalieren, dass Konflikte, durch die sozialen Medien befeuert werden und kaum noch argumentativ abgewogen wird. Der Publizist Michel Friedman und die Philosophin Marie-Luisa Frick gehen diesem Phänomen nach und diskutieren, was Streit so wichtig für die Gesellschaft macht. www.youtube.com/ watch? v=HGsMsrUutuQ Kulturelle Aneignung: Verzerrung oder reale Gefahr? Sternstunde Philosophie/ SRF Kultur vom 17. Oktober 2022 In der Diskussionsrunde wurde der Frage nachgegangen, ob es kolonialistisch ist, Karl Mays Winnetou-Romane zu lesen oder es rassistisch ist, als <?page no="269"?> 269 Kommentierte Filmauswahl Schweizerin Dreadlocks zu tragen. Progressive Positionen verweisen auf eine Bewusstwerdung der kolonialen, oft offen rassistischen Aneignungsmuster. Konträre Haltungen vertreten die Auffassung, dass eine Offenheit für Fremdes im künstlerischen Kontext legitim ist und somit übernommen werden darf. Insgesamt stellt sich die Frage, ob kulturelle Eigenheiten wie Marken vor dem Zugriff Fremder geschützt werden müssen oder ob dies nicht erforderlich ist. Im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal und dem Autor Jens Balzer tauschen Barbara Bleisch und Wolfram Eilenberger am philosophischen Stammtisch die kontroversen Auffassungen zur kulturellen Aneignung aus. www.youtube.com/ watch? v=yOPOZR93MkI Kulturelle Aneignung - Wo fängt Diskriminierung an? Y-Kollektiv/ Funk vom 14. März 2019 Im Karneval ist die Diskussion über die kulturelle Aneignung in Deutschland lauter geworden. Es wird diskutiert, ob Menschen sich das Gesicht schwarz anmalen oder Indianerkostüme tragen dürfen. Teilweise wird befürchtet, dass diese klischeehaften Verkleidungen diskriminierend seien. Andere Positionen vertreten nicht die Auffassung, dass diese stereotypischen Verkleidungen beleidigend sein können. Dabei wird auch auf die Tradition verwiesen. Eine Herausforderung liegt darin, Kriterien für ethisch angemessenes Handeln zu finden. Dabei stellt sich die Frage, wo Diskriminierung anfängt und welche Einschätzungen betroffene Minderheiten hierzu einnehmen. www.youtube.com/ watch? v=sB4cUlPWZhg Lanz ZDF-Talk vom 23. Januar 2014 In der Gesprächssendung hatte der Moderator Markus Lanz u.a. die Politikerin Sahra Wagenknecht und den Stern-Journalisten Hans Ulrich Jörges zu Gast. Beide fielen Wagenknecht ständig ins Wort und griffen ihre politische Position hämisch an. Bei der Online-Plattform Open Petition wurde eine Unterschriftenaktion unter der Überschrift ‚Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr! ‘ gestartet. Dort wurde das ZDF aufgefordert, sich von Lanz zu trennen. Die Petition wurde in 14 Tagen von rund 235.000 Menschen unterschrieben. www.youtube.com/ watch? v=PRqJlUNO1Gg Jörges hat den gemeinsamen Auftritt mit Wagenknecht bei Lanz unter dem Motto Die Methode Wagenknecht wie folgt kommentiert: www.youtube.com/ watch? v=bMZIZikvl74 Meinungsfreiheit und Bekenntniszwang Sternstunde Philosophie (3sat) vom 31. März 2024 Die Schriftstellerin Eva Menasse diskutiert mit der Moderatorin Barbara Bleisch über die zentrale Bedeutung der Redefreiheit sowie der Rolle sozialer <?page no="270"?> 270 Anhang Medien. Sie wendet sich gegen Kulturboykotte, warnt vor der Fragmentierung des öffentlichen Raums in einer Digitalmoderne, die von einer „Brachialvereinfachung“ und einer „Hetzmeute“ dominiert wird. Als eine Sprecherin des PEN-Berlin betont sie die fundamentale Bedeutung der Kunst- und Meinungsfreiheit. Aberkannte Preise, abgesagte Ausstellungen und ausgeladene Gäste aufgrund umstrittener Positionen von Referent: innen hält die Autorin hingegen für kontraproduktiv. www.youtube.com/ watch? v=pCin0Uw5aLw Moral als Selbstinszenierung Sternstunde Philosophie (3sat) vom 16. September 2024 Barbara Bleisch spricht mit dem Philosophen Philipp Hübl über die Inhalte seines Buches Moralspektakel , in dem er die Tugendprotzerei kritisiert und universelle Werte verteidigt. Grundsätzlich steht die Moral für Werte und Normen und dafür, was zu tun ist, um eine gerechtere Gesellschaft und Weltordnung zu erschaffen sowie friedlich zusammenzuleben. Moraldebatten setzen sich aber auch mit kultureller Aneignung und Cancel Culture auseinander. Viele dieser Aspekte sind Hübl zufolge längst zur Symbolpolitik geworden. Die Wurzeln von Unrecht werden bei solchen Debatten nicht berücksichtigt. Die Moral werde vielmehr zu einem Spektakel degradiert, bei dem es mehr um das eigene Image statt um die Sache geht. www.youtube.com/ watch? v=Q7pk957ihQc Reality-TV und Reality-Alptraum: Idole, Sternchen, Hassfiguren Konrad-Adenauer-Stiftung vom 30. März 2023 Bei einer Veranstaltung in Greifswald durfte ich mit der Influencerin Lijana Kaggwa, dem Entertainer Julian F. M. Stoeckel sowie dem Juristen und Experten für Cybersicherheit Ferdinand Gehringer diskutieren. Inhaltlich ging es um die seit 2006 auf Pro7 ausgestrahlte Castingshow Germany’s Next Top Model (GNTM). Die Ex-Finalistin Lijana Kaggwa trat 2022 mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit, dass sie während der Ausstrahlung des Formats in ein schlechtes Licht gerückt und gezielt unsympathisch dargestellt worden sei. Sie erhielt Morddrohungen und musste sich gegen hasserfülltes Mobbing wehren. In der Debatte wurde der Frage nachgegangen, wie derartige Formate funktionieren und zu bewerten sind, inwiefern die Teilnehmer: innen vor drohendem Schaden durch Hasskampagnen und Mobbing bewahrt werden können und wer letztendlich für die Inhalte verantwortlich ist. www.youtube.com/ watch? v=w5OH0L0AJZA Sex, Alkohol, Manipulation? Reality TV-Stars packen aus. SWR-Vollbild vom 30. April 2024 Reality-TV feiert große Erfolge. Shows wie Temptation Island , der Bachelor, das Sommerhaus der Stars oder Prominent getrennt , generieren Dramen und Skandale. In der Sendung, bei der ich ein Statement abgeben durfte, geht es <?page no="271"?> 271 Kommentierte Filmauswahl um Strategien dieser Formate, in denen die Unterhaltung und Emotionen im Mittelpunkt stehen. Dabei werden die Machart der Sendungen und die Debatten, die dort geführt werden, problematisiert. Zu Wort kommen Teilnehmer: innen, Manager: innen, Produzent: innen und Psycholog: innen. Auf der Suche nach der Medienaufmerksamkeit geht es um Provokationen und Beleidigungen. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Handlungen und Äußerungen in den Formaten akzeptabel sind und welche Grenzüberschreitungen des Skandalmarketings in Form von Mobbing, Hass, Pöbeleien, Krawall und Gewalt problematisch sind. In diesem Kontext werden auch Compliance-Richtlinien der Formate diskutiert. https: / / www.ardmediathek.de/ video/ vollbild-recherchen-die-mehr-zeigen/ sex-alkohol-manipulation-reality-tv-stars-packenaus/ swr/ Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwNDI2MTQ Wann Streiten konstruktiv ist WDR 5 Das philosophische Radio vom 30. September 2024 Die Philosophin Svenja Flaßpöhler diskutiert mit Jürgen Wiebicke darüber, unter welchen Bedingungen Streiten die Gesellschaft voranbringt und wo sich destruktive Tendenzen abzeichnen. Die Chefredakteurin des Philosophie-Magazins vertritt die Auffassung, dass konstruktives Streiten im privaten und gesellschaftlichen sowie politischen Rahmen wichtig ist. Der Streit hat ihr zufolge zu Unrecht einen schlechten Ruf. Unter Verweis auf das Diskursmodell von Habermas wird die These vertreten, dass ein sachlicher Austausch von Argumenten ohne Affekte zwar wünschenswert, aber unrealistisch ist. Sie plädiert für einen Streit in Gegnerschaft statt in Feindschaft, um dabei leidenschaftlich zu kämpfen, ohne das Gegenüber vernichten zu wollen. Dabei ist es erforderlich, eigene Fehler kritisch zu reflektieren und sich bei Irrtümern zu entschuldigen. www1.wdr.de/ mediathek/ audio/ wdr5/ wdr5-das-philosophische-radio/ index.html Was darf Satire heute? Radioeins Talk vom 12. Februar 2021 Der Moderator Marco Seifert hatte die Kabarettist: innen Sarah Bosetti, Dieter Nuhr, Anna Dushime, Christian Ehring, Anny Hartmann, Florian Schroeder und den Kolumnisten Harald Martenstein zu Gast. Es wurde über die Freiheit und möglichen Grenzen der Satire sowie die Angemessenheit von Cancel Culture gesprochen und darüber diskutiert, ob Witze über behinderte Menschen gemacht werden dürfen. Insgesamt wurde die These vertreten, dass Satire Denkprozesse anstoßen und Störungen generieren soll. Künstler: innen können auf der Bühne amoralische Rollen übernehmen, die aber aufzulösen sind, um Missverständnisse zu vermeiden. Es wurde weiterhin die Auffassung geäußert, dass die Verbreitung von vielfältigen Positionen eine Aufgabe <?page no="272"?> 272 Anhang der Satire sein sollte. Dabei sollte sensibel, aber nicht empfindlich vorgegangen werden. www.youtube.com/ watch? v=3SHXG-S1HVM Wenn Satire den Journalismus ersetzt Kulturzeit auf 3sat vom 29. Mai 2015 In dem Fernsehbeitrag, zu dem ich ein Statement abgeben durfte, wird die Rolle der Satire am Beispiel der öffentlich-rechtlichen TV-Formate Die Anstalt, Heute-Show und Neo Magazin Royal im ZDF thematisiert. Hier wurde reflektiert, ob Satireformate auch einen Beitrag zur politischen Bildung leisten und inwiefern sie damit ggf. auch Aufgaben der Nachrichtenberichterstattung übernehmen. In der Sendung wird auch auf die Debatte um die angebliche Bildmanipulation einer Handbewegung des griechischen Politikers Varufakis eingegangen. Böhmermann hatte in einem satirischen Beitrag behauptet, dass es sich um eine Fälschung handelte. Faktisch stellte sich jedoch heraus, dass Varufakis die Geste tatsächlich gezeigt hat. www.youtube.com/ watch? v=onIBrPEKTVY Wie geht konstruktiver Diskurs? - Gespräch über Streitkultur Sternstunde Philosophie/ SRF Kultur vom 9. Januar 2019 Yves Bossart führt ein Gespräch mit der Autorin Laura de Weck und der Philosophin Romy Jaster. In der Sendung wird diskutiert, wie ein gutes Gespräch mit Andersdenkenden geführt werden kann und warum dies überhaupt sinnvoll ist. Jaster plädiert für eine ergebnisoffene Haltung, einen freundlichen Ton und das Aushalten von Komplexität und Nichtwissen. Aus Sicht von de Weck hängt die Zukunft der Demokratie von einer guten Kommunikationskultur ab, die nicht auf Glauben und Gefühle setzt, sondern auf gut begründete Argumente im Dialog mit unterschiedlichen Positionen. Faktisch sei die Politikvermittlung aber vielfach zum effektvollen Theater geworden. www.youtube.com/ watch? v=DMFtxSvZK2w Wie spricht man richtig mit der AfD? Podcast-Interview des BILD-Vize Paul Ronzheimer mit der ARD-Talkshow- Moderatorin Sandra Maischberger. In dem Gespräch geht es neben dem journalistischen Werdegang von Maischberger auch um weitere Talkshow-Formate im Fernsehen und die Debattenkultur im Internet. Es wird der Frage nachgegangen, ob Politiker: innen der AfD in politische Talkshows eingeladen werden sollten und welche Fragetechniken sich speziell im Umgang mit populistischen Politiker: innen anbieten. Die Moderatorin plädiert für einen zurückhaltenden Stil bei der Befragung und verzichtet auf bewertende Statements in ihrer Sendung. https: / / www.youtube.com/ watch? v=KibGbn_iEuQ <?page no="273"?> 273 Verwendete Literatur Verwendete Literatur (Alle Links wurden am 30. März 2025 zuletzt abgerufen) Adorno, Theodor W. (1967/ 2024): Aspekte eines neuen Rechtsradikalismus. Frankfurt am Main. AJS Landesstelle NRW/ LfM NRW (Hrsg.) (2019): Hate Speech. Hass im Netz. Informationen für Fachkräfte und Eltern. https: / / ajs.nrw/ wp-content/ uploads/ 2024/ 04/ K153_ HateSpreech_ Broschu__re_NHD_INHALT_08_AN- SICHT.pdf Alkin, Ömer (2024): Rassismus im Film und in der Medienkultur. In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 36-41. Altmeppen, Dieter u.a. (2019): Öffentlichkeit, Verantwortung und Gemeinwohl im digitalen Zeitalter. Zur Erforschung ethischer Aspekte des Medien- und Öffentlichkeitswandels. In: Publizistik 1/ 2019, S. 59-78. Amlinger, Carolin / Nachtwey, Oliver (2022): Gekränkte Freiheit. Aspekte des Libertären Autoritarismus. Berlin. (2. Auflage). Amnesty International Deutschland (2018): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Berlin. Amnesty International (2025): Deutschland. Zustrombegrenzungsgesetz ist Angriff auf die Menschenrechte. https: / / www.amnesty.de/ pressemitteilung/ deutschland-zustrombegrenzungsgesetz-menschenrechte-asylmigration Apel, Karl-Otto (1988): Transformation der Philosophie. Bd. 2. Das Apriori der Kommunikationsgemeinschaft. Frankfurt am Main. Appel, Markus (2020): Die Psychologie des Postfaktischen. Einleitung und Überblick. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 1-8. Appel, Markus (2020): Wie lässt sich das Postfaktische eindämmen? In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 205-210. Appel, Markus (Hrsg.) (2020): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin. Appel, Markus / Doser, Nicole (2020): Fake News. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 9-20. Appel, Markus / Mehretab, Sarah (2020): Verschwörungstheorien. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 117-126. Aristoteles (1980): Rhetorik. München. <?page no="274"?> 274 Anhang Arlt, Hans-Jürgen / Storz, Wolfgang (2011): Drucksache „Bild“ - Eine Marke und ihre Mägde. Die „Bild“-Darstellung der Griechenland- und Eurokrise 2010. Frankfurt am Main. Arlt, Hans-Jürgen / Storz, Wolfgang (2012): „Bild“ und Wulff - Ziemlich beste Partner. Fallstudie über eine einseitig aufgelöste Geschäftsbeziehung. Frankfurt am Main. https: / / www.otto-brenner-stiftung.de/ bild-und-wulffziemlich-beste-partner/ Arnold, Klaus (2003): Propaganda als ideologische Kommunikation. In: Publizistik 1/ 2003, S. 63-82. Arns, Inke (Hrsg.) (2019): Der Alt-Right Komplex. Über Rechtspopulismus im Netz. Dortmund. Ash, Timothy Garton (2016): Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. München. Austin, John L. (1979): Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart. Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2024): Deutschland im Fokus der pro-russischen Desinformationskampagne ‚Doppelgänger‘. Technischer Bericht zur Analyse des Auswärtigen Amtes vom 5. Juni 2024. Berlin 2024. https: / / www.auswaertiges-amt.de/ resource/ blob/ 2660362/ 73bcc0184167b438173e554ba2be2636/ technischer-bericht-desinformationskampagne-doppelgaenger-data.pdf Baeck, Jean-Philipp / Speit, Andreas (Hrsg.) (2020): Rechte Egoshooter. Von der virtuellen Hitze zum Livestream Attentat. Berlin. Baecker, Dirk (2005): Kommunikation. Stuttgart. Balci, Oktay / Pevec-Zimmer, Sharleen / Juang, Linda (2024): Zwischen Bildschirm und Selbstbild. Rassismus in den Medien und seine Wirkung auf die Identität und psychische Gesundheit von rassistisch markierten Kindern und Jugendlichen. In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 20-25. Balzer, Jens (2022a): Ethik der Appropriation. Berlin. Balzer, Jens (2022b): Ist das alles nur geklaut? In: DIE ZEIT vom 4.8.2022, S. 49. Balzer, Jens (2024a): After Woke. Berlin. Balzer, Jens (2024b): „Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow? Ich muss mal eben dahin. Mal eben nach Ost-Berlin. Ich muss da was klär‘n mit eurem Oberindianer.“ In: DIE ZEIT vom 7.11.2024, S. 55. Barloewen, Constantin von / Brandenberg, Hans (1975): Die Entwicklung der Talk-Show in Deutschland. In: Barloewen, Constantin von / Brandenberg, Hans (Hrsg.): Talk-Show, Unterhaltung im Fernsehen = Fernsehunterhaltung? München. Wien, S. 17-26. Barlow, John Perry (1995): Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. In: Bruns, Karin / Reichert, Ramon (Hrsg.): Reader neue Medien. Texte zur <?page no="275"?> 275 Verwendete Literatur digitalen Kultur und Kommunikation. Bielefeld, S. 138-140. Bartels, Peter (2016): BILD. Ex-Chefredakteur enthüllt den Niedergang einer einst großen Zeitung. Rottenburg. Bartels, Gerrit (2024): Michel Endes Jim-Knopf-Bücher-Verlag streicht N- Wort. In: Tagesspiegel vom 24.2.2024, S. 22-23. Bartl, Andrea / Kraus, Martin (Hrsg.) (2014): Skandalautoren Zu repräsentativen Mustern literarischer Provokation und Aufsehen erregender Autorinszenierung. Würzburg. Bauer, Christian (2022): Ethik für Designer. Stuttgart. Bauer, Thomas (2018): Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. Stuttgart. Baum, Achim u.a. (Hrsg.) (2005): Handbuch Medienselbstkontrolle. Wiesbaden. Baum, Markus / Seeliger, Martin (2021): Donald Trumps Twitter-Sperre. Die Paradoxie, Ambivalenz und Dialektik digitalisierter Öffentlichkeit. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 342-364. Baumgärtner, Maik / Mulert, Carl / Müller, Ann-Katrin (2024): Nationales Proteinpulver. In: DER SPIEGEL 33 vom 10.8.2024, S. 30-32. Bayrisches Landesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.) (2024): ‚Doppelgänger‘ Interne Details zu russischer Desinformationskampagne. München. 2024 https: / / www.verfassungsschutz.bayern.de/ mam/ anlagen/ baylfv_vollanalyse_doppelgaenger.pdf Beauchamp, Tom L. / Childress, James F. (1989): Principles of Biomedical Ethics. Oxford. Beck, Gloria (2010): Verbotene Rhetorik. Die Kunst der skrupellosen Manipulation. München. (9. Auflage). Beck, Klaus (2007): Kommunikationswissenschaft. München. Beck, Klaus (2024a): Kommunikationsfreiheit in einer vernetzten Gesellschaft. In: Mediendiskurs 108. 2/ 2024. https: / / mediendiskurs.online/ beitrag/ kommunikationsfreiheit-in-einer-vernetzten-gesellschaft-beitrag-1190/ Beck, Klaus (2024b): Kommunikation. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 529-540. Becker, Tobias u.a. (2019): Grenzöffnungen. In: DER SPIEGEL vom 2.11.2019, S. 10-19. Behrmann, Sven (2002): Politische Satire im deutschen und französischen Rundfunk. Stuttgart. Beigel, Thorsten / Eckert, Georg (Hrsg.) (2017): Populismus. Varianten von Volksherrschaft in Geschichte und Gegenwart. Münster. <?page no="276"?> 276 Anhang Beitzinger, Franz / Leest, Uwe (2024): Cyberlife V. Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr. Cybermobbing bei Schüler: innen und Schülern. Karlsruhe. https: / / buendnis-gegen-cybermobbing.de/ wp-content/ uploads / 2024/ 10/ Cyberlife_Studie_2024_Endversion.pdf Bendel, Oliver (2012): Die Rache der Nerds: Ein Plädoyer für die Informationsethik. Konstanz. Bendel, Oliver (2016): 33 Keywords Informationsethik. Grundwissen aus Computer-, Netz- und Neue-Medien-Ethik sowie Maschinenethik. Berlin. Bendel, Oliver (2021): Cancel Culture. In: Gablers Wirtschaftslexikon. https: / / wirtschaftslexikon.gabler.de/ definition/ cancel-culture-123135 Bendheim, Amelie / Pavlik, Jennifer (2022): Von Fakten und Fiktionen in Literatur und Medien. Bielefeld. In: Bendheim, Amelie / Pavlik, Jennifer (Hrsg.): „Fake News“ in Literatur und Medien. Fakten und Fiktionen im interdisziplinären Diskurs, Bielefeld, S. 7-18. Bendheim, Amelie / Pavlik, Jennifer (Hrsg.) (2022): „Fake News“ in Literatur und Medien. Fakten und Fiktionen im interdisziplinären Diskurs, Bielefeld. Bente, Gary / Fromm, Bettina (1997): Affektfernsehen. Motive, Angebotsweisen und Wirkungen. Opladen. Bentele, Günter (2021): Der Wahrheitsanspruch in einer Ethik der öffentlichen Kommunikation. In: Schicha, Christian / Stapf, Ingrid / Sell, Saskia (Hrsg.): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Baden-Baden, S. 59-78. Benz, Wolfgang (Hrsg.) (1998): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte. München. (9. Auflage). Benz, Wolfgang (2020): Vom Vorurteil zur Gewalt. Politische und soziale Feindbilder in Geschichte und Gegenwart. Freiburg im Breisgau. Benz, Wolfgang (Hrsg.) (2022): Querdenken. Protestbewegung zwischen Demokratieverachtung, Hass und Aufruhr. Berlin. Bergmann, Jens / Bernhard Pörksen (Hrsg.) (2007): Medienmenschen - Wie man Wirklichkeit inszeniert. Gespräche mit Joschka Fischer, Verona Pooth, Peter Sloterdijk, Hans-Olaf Henkel, Roger Willemsen u.a. Münster. Bernstein, Julia / Diddens, Florian (2023): Antisemitische Kontinuitäten in Bildern. Frankfurt am Main. Bertelsmann Stiftung (2024): Forum gegen Fakes. Bürgergutachten zum Umgang mit Desinformation. Gütersloh. https: / / forum-gegen-fakes.de/ fileadmin/ files/ FGF/ Buergergutachten_Forum_gegen_Fakes.pdf Beutler, Klaus u.a. (2024): Hassrede im Netz. Von den Grenzen der Meinungsfreiheit. Düsseldorf. <?page no="277"?> 277 Verwendete Literatur Bewerunge, Martin (2024): Wer ist das Volk? In: RHEINISCHE POST vom 29.6.2024, S. E1. Beyer, Heiko u.a. (2024): Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024. Düsseldorf. https: / / www.antisemitismusbeauftragte.nrw/ sites/ default/ files/ 2024-09/ Abschlussbericht_Antisemitismus_in_NRW_2024.pdf Biehl, Brigitte (2007): Business is Business. Wie Topmanager sich vor Publikum inszenieren. Frankfurt am Main. Bildungsstätte Anne Frank (Hrsg.) (o.J.a): Antisemitismus im Netz. Eine Argumentationshilfe. Frankfurt am Main. Bildungsstätte Anne Frank (Hrsg.) (o.J.b): Gibt es doch! Warum es wichtig ist, von antimuslimischem Rassismus zu sprechen. Frankfurt am Main. Biller, Maxim (2003): Esra. Köln. Birnbacher, Dieter (1988): Verantwortung für zukünftige Generationen. Stuttgart. Birnbacher, Dieter (2003): Analytische Einführung in die Ethik. Berlin. Biro, Tobias (2024): Zwischen Wahrheit und Lüge. Wie die Gesellschaft Fake News wahrnimmt und wie sie damit umgeht. Nürnberg. Biskamp, Floris (2023): Wofür sind Islamdebatten gut? In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 141-160. Bittermann, Klaus (2000): Das Ringen um Antworten „Vorsicht! Friedman“ In: Bittermann, Klaus / Roth, Jürgen (Hrsg.): Das große Rhabarbern. 42 Fallstudien über die Talkshow. München, S. 50-53. Bittermann, Klaus / Roth, Jürgen (Hrsg.) (2000): Das große Rhabarbern. Neununddreißig Fallstudien über die Talkshow, Berlin. Bleyer, Alexandra (2020): Propaganda. Ditzingen. Blome, Nikolaus (2009): Talkshows sind Politik. In: Michel, Sascha / Girnth, Heike (Hrsg.): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Über Sinn, Bedeutung und Kritik von und an politischen Talkshows, Bonn, S. 23-32. Bluhm, Lothar u.a. (Hrsg.) (2023): Fakt und Fake. Kultur- und sozialgeschichtliche Perspektive auf Wahrheit und Lüge. Baden-Baden. Böke, Karin (2002): Wenn ein Strom zur Flut wird. Diskurslinguistische Metapheranalyse am Beispiel der Gastarbeiter- und Asyldiskussion in Deutschland und Österreich. In: Panagl, Oswald / Stürmer, Horst (Hrsg.): Politische Konzepte und verbale Strategien. Brisante Wörter - Begriffsfelder - Sprachbilder. Frankfurt am Main, S. 265-286. <?page no="278"?> 278 Anhang Bohrmann, Thomas (2021): Religiöse Satire. Kunstfreiheit oder Blasphemie? In: Communicatio Socialis 1/ 2021, S. 33-44. Bohrmann, Thomas / Reichelt, Matthias / Veith, Werner (Hrsg.) (2018): Angewandte Ethik und Film. Wiesbaden. Bork, Siegfried (1970): Mißbrauch der Sprache. Tendenzen nationalsozialistischer Sprachregelung. Bern. München. Born, Michael (1997): Wer einmal fälscht. Die Geschichte eines Fernsehjournalisten. Köln. Bos, Christian (2023): Keine Show für Täter? In: KÖLNER STADTANZEIGER vom 10.7.2023, S. 24. Bosetti, Sarah (2020): „Ich habe nichts gegen Frauen, du Schlampe“. Mit Liebe gegen Hasskommentare. Hamburg. Bosetti, Sarah (2023): „Wer Angst hat, soll zuhause bleiben! “. Poesie gegen Populismus. Hamburg. Brodnik, Ingrid (2013): Der unsichtbare Mensch. Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert. Wien. Brodnig, Ingrid (2016): Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Wien. Brömme, Udo (2009): Zukunft ist gut für alle! Geheimrezepte eines Premium- Politikers. Berlin. Brosda, Carsten (2002): Emotionen und Expressivität in Politik-Talks. Die emotionale Dimension von Politiker-Diskussionen im Fernsehen. In: Tenscher, Jens / Schicha, Christian (Hrsg.): Talk auf allen Kanälen? Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächen. Wiesbaden, S. 371-386. Brosda, Carsten (2019): Die Zerstörung. Warum wir für den gesellschaftlichen Zusammenhalt streiten müssen. Hamburg. Brosda, Carsten (2022): Die Vielfalt der Vernunft. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 247-257. Brun, Georg / Kuenzle, Dominique (2023): Kritische Selbstreflexion, vernünftige Meinungsbildung und argumentative Kompetenzen. In: Löwenstein, David / Romizi, Donata / Pfister, Jonas (Hrsg.): Argumentieren im Philosophie- und Ethikunterricht, S. 19-38. Brunst, Klaudia (2003): Leben und leben lassen. Die Realität im Unterhaltungsfernsehen. Konstanz. Bühler, Axel (1992): Einführung in die Logik. Argumentation und Folgerung. München. Buhrow, Tom (2021): Wir brauchen mehr unbequeme Haltungen! In: DIE ZEIT vom 14.10.2021, S. 15. <?page no="279"?> 279 Verwendete Literatur Bulk, Alexander (2019): Bild dir deinen Hass. Wie die Bildzeitung gegen Geflüchtete und People of Colour schreibt. Münster. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (1999a): Argumente gegen den Hass. Band 1: Bausteine für Lehrende in der politischen Bildung. Bonn. (4. Auflage). Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (1999b): Argumente gegen den Hass. Band 2: Textsammlung. Bonn. (4. Auflage). Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2020): Was tun gegen Verschwörungsideologien? Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2022): Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (o.J.a): Homophobie begegnen. Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (o.J.b): Rassismus begegnen. Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (2024a): Antiziganismus begegnen. Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (2024b): Muslimfeindlichkeit begegnen. Bonn. Bundeszentrale für politische Bildung (2024c): Sexismus begegnen. Bonn. Burger, Martin u.a. (2017): Special: Zensierte Plattencover. Sex, Blut und Politik. In: MINT - Magazin für Vinylkultur 10/ 2017, S. 46-68. Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. Wien. Köln. Weimar. (4. Auflage). Burkhardt, Steffen (2019): Die Skandalspirale. Zur Typologie öffentlicher Empörung im digitalen Zeitalter. In: tv diskurs 87, S. 28-31. Burkhardt, Steffen (2011): Skandal, mediatisierter Skandal, Medienskandal: Eine Typologie öffentlicher Empörung. In: Bulkow, Kristin / Petersen, Christer (Hrsg.): Skandale. Strukturen und Strategien öffentlicher Aufmerksamkeitserzeugung. Wiesbaden, S. 131-156. Burkhart, Roland / Hömberg, Walter (2007): Kommunikationstheorien. Ein Textbuch zur Einführung. Wien. (4. Auflage). Bussemer, Thymian (2002): „Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer ging man zum gemütlichen Teil über.“ Propaganda und Unterhaltung im Nationalsozialismus. Zu den historischen Wurzeln eines nur vermeintlich neuen Phänomens. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Münster, S. 73-87. Bussemer, Thymian (2008): Propaganda. Konzepte und Theorien. Wiesbaden. (2. Auflage). <?page no="280"?> 280 Anhang Casper, Jan Alexander / Schirmer, Stefan (2021): Freiheit oder Denkverbote? (Interview mit Martin Lüthe und Sandra Kostner). In: DIE ZEIT vom 4.11.2021, S. 16. Celikates, Robin (2010): Habermas - Sprache, Verständigung und sprachliche Gewalt. In: Kuch, Hannes / Kitty Steffen, Herrmann (Hrsg.): Philosophen sprachlicher Gewalt. Velbrück, S. 272-285. Chebli, Sawsan (2023): Laut. Warum Hate Speech echte Gewalt ist und wie wir sie stoppen können. München. Crome, Erhard (2015): AfD. Eine Alternative? Berlin. Dänzer, Tobias (2022): Rhetorik-Kurs mit Cicero. Stuttgart. Daub, Adrian (2022): Cancel Culture Transfer. Wie eine moralische Panik die Welt erfasst. Frankfurt am Main. Debatin, Bernhard (Hrsg.) (2007): Der Karikaturenstreit und die Pressefreiheit. Wert- und Normenkonflikte in der globalen Medienkultur / The Cartoon Debate and the Freedom of the Press. Conflicting Norms and Values in the Global Media Culture. Berlin u.a. Debatin, Bernhard (2012): Soziale Online-Netzwerke aus medienethischer Perspektive. In: Grimm, Petra / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Schöne neue Kommunikationswelt oder Ende der Privatheit? Die Veröffentlichung des Privaten in Social Media und populären Medienformaten. Stuttgart, S. 83-96. Decker, Frank (Hrsg.) (2006a): Populismus in Europa. Bonn Decker, Frank (Hrsg.) (2006b): Populismus. Gefahr für die Demokratie oder nützliches Korrektiv? Wiesbaden. Decker, Frank u.a. (2022): Aufstand der Außenseiter. Die Herausforderung der europäischen Politik durch den neuen Populismus. Baden-Baden. Decker, Michael (2016): Roboterethik. In: Heesen, Jessica (Hrsg.): Handbuch Medien- und Informationsethik. Stuttgart, S. 351-356. Dederer, Claire (2023): Genie oder Monster. Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk voneinander zu trennen. München. Denes, Benjamin (2008): Fälschungen im Journalismus. Geschichte, Theorie und Typologie von redaktionellen Fakes und Faction. Saarbrücken. Deppendorf, Ulrich (2013): Die gnadenlose Republik. Das Verhältnis von Journalismus und Politik. Tübingen. Detel, Hanne (2013): Das Ende der Kontrolle? Über die Zukunft der Reputation in der Ära von Smartphone und Internet. In: Das Archiv 3/ 2013, S. 54- 61. Detering, Heinrich (2016): Die Öffentlichkeit der Literatur: Reden und Randnotizen. Stuttgart. <?page no="281"?> 281 Verwendete Literatur Detering, Heinrich (2019): Was heißt hier „wir“? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten. Stuttgart. Detjen, Joachim (2012): Streitkultur. Konfliktursachen, Konfliktarten und Konfliktbewältigung in der Demokratie. Schwalbach/ Ts. Deussen, Oliver (2017): Bildmanipulation: Wie Computer unsere Wirklichkeit verzerren. Heidelberg. Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg.) (2020 ): Beitrag von Dieter Nuhr wieder online. https: / / dfg2020.de/ beitrag-von-dieter-nuhr-wieder-online/ #fürdasWissen Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. (DGPuK) (2024): Aufruf zum diskriminierungsfreien Diskurs https: / / www.dgpuk.de/ de/ dgpuk-positionspapier-062024-aufruf-zum-diskriminierungsfreien-diskurs-auch-und-gerade-krisenzeiten Deutschlandradio (Hrsg.) (2013): Der Ort des Politischen. Politik, Medien und Öffentlichkeit in Zeiten der Digitalisierung. Berlin. Deutschlandradio (Hrsg.) (2019): Denkfabrik. Grosse Themen, faire Debatte. Köln. Deutschlandradio (Hrsg.) (2020): Eine Welt 2.0. Dekolonisiert Euch! Köln. Deutschlandradio (Hrsg.) (2024): Die wehrhafte Demokratie. Köln. de Weck, Roger (2024): Das Prinzip Trotzdem. Warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen. Berlin. Diehl, Paula (2012): Populismus und Massenmedien. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 5-6/ 2012, S. 16-22. Diekmann, Kai (2023): Ich war BILD. Ein Leben zwischen Schlagzeilen, Staatsaffären und Skandalen. München. Dienel, Peter C. (2002): Die Planungszelle. Der Bürger als Chance. Wiesbaden. (5. Auflage). Diesener, Gerald / Gries, Rainer (Hrsg.) (1996): Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20. Jahrhundert. Darmstadt. Dietz, Simone (2021): Wahrheit in der digitalen Kulturindustrie. In: Schicha, Christian / Stapf, Ingrid / Sell, Saskia (Hrsg.): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Baden-Baden, S. 43-58. Distelhorst, Lars (2021): Kulturelle Aneignung. Hamburg. Domainko, Annika u.a. (Hrsg.) (2023): Canceln. Ein notwendiger Streit. München. Dombrowski, Kerstin (2008): Titten, Tiere, Tränen, Tote. Eine Boulevard- Journalistin auf der Jagd. Reinbek bei Hamburg. <?page no="282"?> 282 Anhang Dörner, Andreas (2001): Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft, Frankfurt am Main. Dörner, Andreas (2017): Komik, Humor und Lachen als Dimensionen der politischen Kommunikation. Grundsätzliche Aspekte und strategische Perspektiven der Akteure. In: Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (Hrsg.): Wahlkampf mit Humor und Komik. Selbst- und Fremdinszenierung politischer Akteure in Satiretalks des deutschen Fernsehens. Wiesbaden, S. 17-42. Dörner, Andreas (2021): Humor und Komik in der politischen Kommunikation. Funktionen und Perspektiven. In: Communicatio Soziales 1/ 2021, S. 22-32. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2002): Die Sichtbarkeit der Mächtigen. Entertainment, Talkshows und Politikvermittlung im Fernsehen. In: Sozialwissenschaftliche Informationen 3/ 2002, S. 25-35. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2004): Entertainment, Talkshows und Politikvermittlung in Deutschland. In: Nieland, Jörg-Uwe / Kamps, Klaus (Hrsg.): Politikdarstellung und Unterhaltungskultur. Zum Wandel der politischen Kommunikation. Köln, S. 38-53. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2016): Politiker im Satireformat: Aspekte der Selbst- und Fremdinszenierung politscher Akteure in der „Heute- Show“. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen. 1/ 2016, S. 195-211. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (Hrsg.) (2017): Wahlkampf mit Humor und Komik. Selbst- und Fremdinszenierung Politischer Akteure in Satiretalks des deutschen Fernsehens. Wiesbaden. Dörner, Andreas u.a. (2015): Riskante Bühnen. Inszenierung und Kontingenz - Politikerauftritte in deutschen Personality-Talkshows. Wiesbaden. Drerup, Johannes (2020): Wir können, müssen aber nicht alles diskutieren. Über Grenzen des politischen Streits und die Kontroverse über Kontroversitätsgebote. In: Journal für politische Bildung 4/ 2020, S. 18-23. Drerup, Johannes (2021): Kontroverse Themen im Unterricht. Konstruktiv streiten lernen. Ditzingen. Drosdowski, Johannes (2025): Nicht mit uns. In: DIE TAGESZEITUNG vom 9.1.2025, S. 13. Ebner, Julia (2019): Radikalisierungsmaschinen. Extremisten, die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren. Berlin. Edmüller, Andreas / Wilhelm, Thomas (2005): Argumentieren. Sicher - treffend überzeugend. Planegg. Egelhofer, Jana Laura (2022): Fake News - zwischen Desinformation und Medienkritik. In: Bendheim, Amelie / Pavlik, Jennifer (Hrsg.): „Fake News“ in Literatur und Medien. Fakten und Fiktionen im interdisziplinären Diskurs, Bielefeld, S. 18-34. <?page no="283"?> 283 Verwendete Literatur Eggert, Sabine (2022): Dazu stehe ich! Haltungen Jugendlicher in einer herausfordernden Zeit. In: Medienconcret 1/ 2022, S. 6-10. Eich, Margaretha u.a. (2022): LOVE-Storm. Das Trainingshandbuch gegen Hass im Netz. Frankfurt am Main. Eichler, Henning (2022): Journalismus in sozialen Netzwerken. ARD und ZDF im Bann der Algorithmen? Frankfurt am Main. Eisenegger, Mark / Linards, Udris (2019): Demokratie und Öffentlichkeit. In: Daellenbach, Ruth / Ringger, Beat / Zwicky, Pascal (Hrsg.): Reclaim Democracy: die Demokratie stärken und weiterentwickeln. Zürich. Elefhtheriadi-Zacharaki, Sofia u.a. (Hrsg.) (2022): Vom Umgang mit Fake News, Lüge und Verschwörung. Interdisziplinäre Perspektiven. Baden-Baden. Ellis, Susannah (2023): Gute Presse. In Deutschland stößt Desinformation auf Gegenwehr. In: WZB-Mitteilungen. Quartalsheft für Sozialforschung. Heft 182. Dezember 2023, S. 22-25. Elsen, Hilke (2023): Gender-Sprache-Stereotype. Geschlechtersensibilität in Alltag und Unterricht. München. (2. Auflage). Emcke, Carolin (2016): Gegen den Hass. Frankfurt am Main. (3. Auflage). Emmer, Martin u.a. (2013): Einleitung. In: Emmer, Martin u.a. (Hrsg.): Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Authentizität in der Online-Kommunikation. Weinheim und Basel, S. 9-15. Enzensberger, Hans Magnus (1983): Der Triumph der Bildzeitung oder die Katastrophe der Pressefreiheit. In: Merkur. Juni 1983, S. 651-659. Europäische Kommission (Hrsg.) (2022): Den Kodex für ethische Kommunikation erschaffen. https: / / cordis.europa.eu/ article/ id/ 456230-providingthe-code-to-ethical-communication/ de Faßler, Manfred (1997): Was ist Kommunikation? München. Felsch, Philip (2024): Der Philosoph Habermas und wir. Berlin. Filipovic, Alexander (2024): Wahrheit. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 141-150. Fischer-Lichte, Erika u.a. (Hrsg.) (2001): Wahrnehmung und Medialität. Tübingen. Flaßpöhler, Svenja (2021): Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren. Stuttgart. Flaßpöhler, Svenja (2024): Streiten. Berlin. Frankfurt, Harry G. (2014): Bullshit. Frankfurt am Main. Franz, Barbara (2000): Rhetorik und massenkommunikative Meinungsbildung. In: Brosius, Hans-Bernd (Hrsg.): Kommunikation über Grenzen und Kulturen. Konstanz, S. 43-58. <?page no="284"?> 284 Anhang Franzen, Henning / Burkard, Anne / Löwenstein, David (2022): Argumentieren lernen. Aufgaben für den Philosophie- und Ethikunterricht. Jena. https: / / www.philovernetzt.de/ wp-content/ uploads/ 2022/ 12/ Argumentieren-lernen-20221219-03-Farbe.pdf Frech, Siegfried / Geyer, Robby / Oberle, Monika (Hrsg.) (2023): Kontroversität in der politischen Bildung. Frankfurt am Main. Freie Universität Berlin / Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (Hrsg.) (2025): Öffentlichkeiten und ihre Werte. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Berlin. Frenzel, Korbinian (2024): Wir müssen reden! In: FOCUS 24/ 2024 vom 30.8. 2024, S. 24-28. Freyn, Jan (2020): Meinungsfreiheit. Ich mag verdammen, was du sagst, ABER. In: ZEIT ONLINE vom 11.10.2020. https: / / www.zeit.de/ kultur/ 2020- 10/ meinungsfreiheit-cancel-culture-harpers-letter-liberalismus? utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F Frick, Marie-Luisa (2017): Zivilisiert streiten. Zur Ethik der politischen Gegnerschaft. Stuttgart. Frick, Marie-Luisa (2023): Diskurstapferkeit als demokratische Tugend. In: Füllenbach, Magdalena Tonia / Münnich, Michael / Spanke, Johanna (Hrsg.): Widerspruchs-Kulturen. Medien, Praktiken und Räume des Widersprechens. Berlin, S. 25-36. Fricke, Wolfgang (1985): Erfolgreich verhandeln. Köln. Friedman, Michel (2002): „Deutschland erstickt am Opportunismus“. Interview von Felix Schmidt mit Michel Friedman. In: Frankfurter Rundschau Magazin vom 16.2.2002, S. 18-19. Friedmann, Michel (2021): Streiten? Unbedingt! Ein persönliches Plädoyer. Berlin Friedrich, Hans-Edwin (2009): Literaturskandale. Frankfurt am Main. Friedrichs, Hanns-Joachim (1996): Journalistenleben. München. Friedrichs, Jürgen / Schwingers, Ulrich (2015): Das journalistische Interview. Wiesbaden. (4. Auflage). Friedrichsen, Mike / Gertler, Martin (2011): Medien zwischen Ökonomie und Qualität. Medienethik als Instrument der Medienwirtschaft. Baden-Baden. Frohloff, Stefan (Red.) (2001): Gesicht zeigen. Handbuch für Zivilcourage. Frankfurt am Main. Füllenbach, Magdalena Tonia / Münnich, Michael / Spanke, Johanna (Hrsg.) (2023): Widerspruchs-Kulturen. Medien, Praktiken und Räume des Widersprechens. Berlin. <?page no="285"?> 285 Verwendete Literatur Funiok, Rüdiger (Hrsg.) (1996): Grundfragen der Kommunikationsethik. Konstanz. Funiok, Rüdiger / Dittrich, Maria (2013): Authentizität und Wahrhaftigkeit - zwei Tugenden im öffentlichen Raum. In: Emmer, Martin u.a. (Hrsg.): Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Authentizität in der Online-Kommunikation. Weinheim und Basel, S. 40-50. Funiok, Rüdiger (2022): Warum wir streiten. Ziel und Stil öffentlicher Streitgespräche und ihre mediale Vermittlung. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 25-38. Funiok, Rüdiger (2024): Verantwortung. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 175-186. Gaderer, Rupert / Grömmke, Vanessa (Hrsg.) (2024): Hass teilen. Tribunale und Affekte virtueller Streitwelten. Bielefeld. Gäbler, Bernd (2011): „…und unseren täglichen Talk gib uns heute! “ Inszenierungsstrategien, redaktionelle Dramaturgien und Rolle der TV Politik Talkshows. Frankfurt am Main. https: / / www.otto-brenner-stiftung.de/ fileadmin/ user_data/ stiftung/ 02_Wissenschaftsportal/ 03_Publikationen/ 2013_Die_Talk_Republik30.1.pdf Gäbler, Bernd (2015): „… den Mächtigen unbequem sein“. Anspruch und Wirklichkeit der TV-Politikmagazine. Frankfurt am Main. Gäbler, Bernd (2016): Quatsch oder Aufklärung? Witz und Politik in Heute- Show und Co. Frankfurt am Main. https: / / www.otto-brenner-stiftung.de/ fileadmin/ user_data/ stiftung/ 02_Wissenschaftsportal/ 03_Publikationen/ AH88_Satire_Gaebler_2016_09_26.pdf Gahntz, Maximilian u.a. (2021): Breaking the News? Politische Öffentlichkeit und die Regulierung von Medienintermediären. Bonn. Gebauer, Richard (1993): Letzte Begründung. Eine Kritik an der Diskursethik von Jürgen Habermas. München Gehlen, Dirk von (2020): Meme. Muster digitaler Kommunikation. Berlin. Geier, Fabian / Rosengrün, Sebastian (2023): Die 101 wichtigsten Fragen. Digitalisierung. München. Gensing, Patrick (2020): Fakten gegen Fake News oder der Kampf um die Demokratie. Bonn. Gerhards, Jürgen (1997): Diskursive versus liberale Öffentlichkeit. Eine empirische Auseinandersetzung mit Jürgen Habermas. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Jg. 49, S. 1-34. Gerhards, Jürgen (1998): Konzeptionen von Öffentlichkeit unter heutigen Medienbedingungen. In: Jarren, Otfried / Krotz, Friedrich (Hrsg.): Öffentlichkeit unter Vielkanal-Bedingungen. Baden-Baden, S. 25-48. <?page no="286"?> 286 Anhang Gerhards, Jürgen / Neidhardt, Friedhelm / Rucht, Dieter (1998): Zwischen Palaver und Diskurs. Strukturen öffentlicher Meinungsbildung am Beispiel der Deutschen Diskussion zur Abtreibung. Opladen. Gerhardt, Volker (2014): Licht und Schatten in der Öffentlichkeit. Voraussetzungen und Folgen der digitalen Innovation. Wien. Gerhardt, Volker (2018): Selbstbestimmung. Das Prinzip der Individualität. Stuttgart. (2. Auflage). Gesang, Bernward (2011): Klimaethik. Frankfurt am Main. Geyer, Oliver (2020): Wort! In: Fluter 77, S. 17. Glanz, Berit (2023): Filter. Alltag in der erweiterten Realität. Berlin. Gmür, Mario (2007): Das Medienopfersyndrom. München. Goddar, Jeanette (2015): Streitkultur gesucht. In: duz 10/ 2015, 12-14. Görgen, Benjamin u.a. (Hrsg.) (2017): Populismus. Münster. Görlach, Alexander (2021): Demokratie. Stuttgart. Goffman, Erving (1985): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München. (5. Auflage). Gorman, Amanda (2021): The Hill we climb. Den Hügel hinauf. Zweisprachige Ausgabe. Hamburg. (4. Auflage). Gottberg, Joachim von (2024a): Hatespeech in sozialen Netzwerken, Fakenews und Deepfakes. Wir brauchen mehr Medienbildung und Nachrichtenkompetenz. In: Jugend Medien Schutz-Report 6/ 2024, S. 3-7 Gottberg, Joachim von (2024b): Deepfakes. Fiktive und alternative Wahrheiten. In: Jugend Medien Schutz-Report 6/ 2024, S. 20-30. Grice, Paul (1989): Bedeutung. Stuttgart. Grimm, Petra / Keber, Tobias O. / Zöllner, Oliver (2019) (Hrsg.): Digitale Ethik. Leben in vernetzten Welten. Stuttgart. Grimm, Petra (2024): Menschenbild. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 253-268. Groß, Anja (2017): Die vermeintliche Empörung im (Skandal-)Fall Esra. In: Kuhn, Axel / Rühr, Sandra (Hrsg.): Kommunikative Funktionen des Buches: Moral, Tabus und Skandale in der Buchkommunikation. Erlangen- Nürnberg, S. 37-65. Großekathöfer, Maik (2024): Im Labyrinth der Lügen. In: DER SPIEGEL 22 vom 25.5.2024, S. 96-100. Günther, Klaus (1999): Fairneß in den Medien. Münster. Günthner, Susanne (1993): „Kannst du auch über andere Leute lästern.“ - Vorwürfe als Formen moralischer Kommunikation. Konstanz. <?page no="287"?> 287 Verwendete Literatur Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (2022): Einleitung: Streitkultur in Zeiten großer Veränderungen. Welche medienethischen Perspektiven lassen sich für Diskurse nutzbar machen? In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 11-21. Guth, Birgit (2024): Rassismus in den Medien. Warum es sich lohnt, die andere Perspektive einzunehmen. In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 14-19. Haarkötter, Hektor (Hrsg.) (2016): Shitstorms und andere Nettigkeiten. Über die Grenzen der Kommunikation in Social Media. Baden-Baden. Haarkötter, Hektor / Kalmuk, Filiz (2021): Medienjournalismus in Deutschland. Seine Leistungen und blinde Flecken. Frankfurt am Main. Haarkötter, Hektor (2024): Küssen - Eine berührende Kommunikationsart. Frankfurt am Main. Habel, Frank-Burkhard (2003): Zerschnittene Filme. Zensur im Kino. Leipzig. Habermas, Jürgen (1971a): Zu Gadamers "Wahrheit und Methode". In: Apel, Karl-Otto Apel u.a. (Hrsg.): Hermeneutik und Ideologiekritik, Frankfurt am Main, S. 45-56. Habermas, Jürgen (1971b): Vorbereitende Bemerkungen zu einer Theorie der kommunikativen Kompetenz. In: Habermas, Jürgen / Luhmann, Niklas: Theorie-Diskussion. Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie- Was leistet die Systemforschung? Frankfurt am Main, S. 101-141. Habermas, Jürgen (1981): Theorie des kommunikativen Handelns. Band 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1984): Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1985): Zur Logik der Sozialwissenschaften. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurt am Main. (2. Auflage). Habermas, Jürgen (1992): Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (2021): Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 470-500. <?page no="288"?> 288 Anhang Habermas, Jürgen (2022): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik. Frankfurt am Main. Häusler, Alexander (Hrsg.) (2016): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Wiesbaden. Haider, Lars (2022): Das Phänomen Markus Lanz. Auf jede Antwort eine Frage. Essen. Haller, Andre (2014): Dissens als kommunikatives Instrument. Theorie der intendieren Selbstskandalisierung in der politischen Kommunikation. Bamberg. Haller, Michael (1991): Das Interview. Ein Handbuch für Journalisten. München. Haller, Michael (2020): Die zerstrittene Mediengesellschaft und die „Grenzen des Sagbaren“. In: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 6/ 2020, S. 34-38. Hamann, Götz (2022): Was kostet der Hass? In: DIE ZEIT vom 28. Juli 2022, S. 51-52. Hammer, Francoise (2019): Formen der Partizipation online. In: Hauser, Stefan / Opilowski, Roman / Wyss, Eva L. (Hrsg.): Alternative Öffentlichkeiten. Soziale Medien zwischen Partizipation, Sharing und Vergemeinschaftung. Bielefeld, S. 219-236. Hammerschmidt, Peter u.a. (Hrsg.) (2018): Big Data, Facebook, Twitter & Co. und soziale Arbeit. Weinheim und Basel, S. 95-117. Hanitzsch, Thomas (2021): Genderstern und BinnenI: Es ist Zeit, die Realität zu akzeptieren. Publizistik, Heft 1. 2021. file: / / / C: / Users/ Christian/ Downloads/ s11616-021-00645-4.pdf Hansen, Leef / Heller, Franziska (2023): Streitarena Screen. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. Screens als mediale Arena, Streit als Spektakel und die Positionierung der Zuschauer: innen. In: Weiß, Claudia / Zaunstöck, Holger (Hrsg.): Streit, Menschen, Medien. Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute. Calbe, 134-151. Hartmann, Frank (2008): Medien und Kommunikation. Wien. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1998): Bilder, die lügen. Bonn. Hauser, Stefan / Opilowski, Roman / Wyss, Eva L. (2019): Alternative Öffentlichkeiten in sozialen Medien - einleitende Anmerkungen. In: Hauser, Stefan / Opilowski, Roman / Wyss, Eva L. (Hrsg.): Alternative Öffentlichkeiten. Soziale Medien zwischen Partizipation, Sharing und Vergemeinschaftung. Bielefeld, S. 7-18. Hayali, Dunja (2024): Wenn der Dialog endet, können wir alle einpacken. Tübingen. <?page no="289"?> 289 Verwendete Literatur Heesen, Jessica (2016): Freiheit. In: Heesen, Jessica (Hrsg.): Handbuch Medien- und Informationsethik. Stuttgart, S. 52-58. Heesen, Jessica (2024): Freiheit. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 163-174. Heidenreich, Felix (2024): Demokratie - ein umstrittener Begriff. In: Informationen zur politischen Bildung 361. 4/ 2024, S. 6-11. Heinemann, Margot (Hrsg.) (1998): Sprachliche und soziale Stereotypen. Frankfurt am Main. Heise, Nele (2013): ‚Doing it for real‘ - Authentizität als eine kommunikationsethische Grundlage onlinebasierter Forschung. In: Emmer, Martin u.a. (Hrsg.): Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Authentizität in der Online-Kommunikation. Weinheim/ Basel, S. 88-109. Hemmelmann, Petra (2021): Ausgelacht? Die alte und neue Frage nach den Grenzen des Humors. In: Communicatio Soziales 1/ 2021, S. 7-9. Hendricks, Vincent F. / Vestergaard, Mads (2018): Postfaktisch. Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien. München. Henkel, Martin (1998): Seele auf Sendung. Die Tricks der Talkshow-Tröster Hans Meiser, Ilona Christen und Jürgen Fliege. Berlin. Herausgeber: innen und Herausgeber der Publizistik (2021): Stellungnahme der Publizistik zum Offenen Brief. https: / / www.dgpuk.de/ sites/ default/ files/ Stellungnahme_Publizistik_zum_Offenen%20Brief.pdf Herzlieb, Heinz-Jürgen Herzlieb (2000): Erfolgreich verhandeln und argumentieren. Berlin. Herzog, Werner (2024): Die Zukunft der Wahrheit. München. Hettlage, Robert (2003): Verleugnen, Vertuschen, Verdrehen. Leben in der Lügengesellschaft. Konstanz. Hielscher, Martin (2009): Bilse, Biller und ich. Der radikale Roman und das Persönlichkeitsrecht. In: Neuhaus, Stefan / Holzner, Johann (Hrsg.): Literatur als Skandal. Fälle-Funktionen-Folgen. Göttingen, S. 686-694. Hildebrandt, Dieter (1994): Denkzettel. München. Hilt, Franz u.a. (2021). Was tun bei (Cyber)Mobbing? Systemische Intervention und Prävention in der Schule. Ludwigshafen. (4. Auflage). https: / / www.klicksafe.de/ materialien/ was-tun-bei-cybermobbing Höhne, Florian (2019): „Öffentlichkeit“ als Imagination und Ensembles sozialer Praktiken. Zur Relevanz einer Schlüsselkategorie öffentlicher Theologie in digitalen Kontexten. In: Ethik und Gesellschaft. Ökonomische Zeitschrift für Sozialethik 1/ 2019. https: / / dx.doi.org/ 10.18156/ eug-1-2019-art-1. <?page no="290"?> 290 Anhang Hogger, Martin (2024): Mein bester Feind. In: Fluter 91, S. 28-30. Holly, Werner / Schwitalla, Johannes (1995): Explosiv - Der heiße Stuhl - Streitkultur im Deutschen Fernsehen. In: Müller-Doohm, Stefan / Neumann-Braun, Klaus (Hrsg.): Kulturinszenierungen. Frankfurt am Main, S. 59-88. Hoppenstedt, Max (2024): Bundesnetzagentur weist Berichte über Onlinezensur zurück. In: DER SPIEGEL vom 11.10.224. https: / / www.spiegel.de/ netzwelt/ bundesnetzagentur-weist-berichte-ueber-online-zensur-zurueck-a- 36ad6c31-f798-4e2d-9ce1-cf9910d8cc54 Hoeren, Thomas / Meyer, Lena (2007): Verbotene Filme. Berlin. Hörnlein, Katrin (2023): „Zensur ist vernichtend“ Interview mit Laurie Halse Anderson. In: DIE ZEIT vom 2.11.2023, S. 63. Hoffjann, Olaf / Seeber, Lucas (2021): Auf dem Weg in die postfaktische Politik? In: Medien- und Kommunikationswissenschaft 4/ 2021, S. 483-504. Hoffmann, Werner (1994): Confrontainment als Schaukampf im Fernsehen. In: Bosshart, Louis / Hoffmann-Riem, Wolfgang (Hrsg.): Medienlust und Mediennutz. München, S. 422-434. Hofmeister, Roman (1999): Das neue Handbuch Rhetorik. München. Hollstein, Miriam / Sakurei, Heiko (2009): Miss Tschörmanie. Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde. Frankfurt am Main. (3. Auflage). Holtmann, Everhard / Krappidel, Adrienne / Rehse, Sebastian (2006): Die Droge Populismus. Zur Kritik des politischen Vorurteils. Wiesbaden. Holtz-Bacha, Christiana (Hrsg.) (2011): Stereotype? Frauen und Männer in der Werbung. Wiesbaden. (2. Auflage). Hoppenstedt, Max (2024): Aufregung über ‚Trusted Flagger‘. Bundesagentur weist Berichte über Onlinezensur zurück. In: SPIEGEL-ONLINE vom 11.10.2024. https: / / www.spiegel.de/ netzwelt/ bundesnetzagentur-weistberichte-ueber-online-zensur-zurueck-a-36ad6c31-f798-4e2d-9ce1cf9910d8cc54 Hornuff, Daniel (2020): Hassbilder. Gewalt posten, Erniedrigung liken, Feindschaft teilen. Berlin. Horster, Detlev (2013): Angewandte Ethik. Stuttgart. Hosp, Gerald (2005): Medienökonomik. Medienkonzentration, Zensur und soziale Kosten des Journalismus. Konzentration. Hübl, Philipp (2020): Die aufgeregte Gesellschaft. Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken. Bonn. Hübl, Philipp (2024): Moralspektakel. Wie die richtige Haltung zum Statussymbol wurde und warum das die Welt nicht besser macht. München. <?page no="291"?> 291 Verwendete Literatur Hübscher, Monika / von Mering, Sabine (Hrsg.) (2024): Antisemitismus in den Sozialen Medien. Opladen. Hufer, Klaus-Peter (2014): Argumente am Stammtisch. Erfolgreich gegen Parolen, Palaver, Populismus. Schwalbach/ Taunus. (6. Auflage). Husarek, Michael (2025a): Der Kampf um die Wahrheit. In: ERLANGER NACHRICHTEN vom 16.1.2025, S. 2. Husarek, Michael (2025b): Sprache ist verräterisch. In: ERLANGER NACH- RICHTEN vom 14.1.2025, S. 2. Jackob, Nikolaus (2018): Die Mediengesellschaft und ihre Opfer. Grenzfälle journalistischer Ethik im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert. Berlin. Jäger, Armin (2024): Nazis bei Olympia. In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 14.9.2024, S. 36. Jaeger, Mona (2015): Kritik an Herfried Münkler. Asymetrische Kriegsführung im Hörsaal. FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 26.5.2015. https: / / www.faz.net/ aktuell/ politik/ inland/ studenten-kritisierenherfried-muenkler-anonym-13611258.html Jagow, Bettina von (2009): Biller und ich. Der radikale Roman und das Persönlichkeitsrecht. In: Neuhaus, Stefan / Holzner, Johann (Hrsg.): Literatur als Skandal. Fälle-Funktionen-Folgen. Göttingen, S. 678-685. Jain, Angela (2025): Das Forum gegen Fakes. Eine partizipative Debatte über das Spannungsfeld von Desinformation und Meinungsfreiheit. In: Communicatio Socialis 1/ 2025, S. 73-81. https: / / www.nomos-elibrary.de/ de/ 10.5771/ 0010-3497-2025-1-73/ das-forum-gegen-fakes-eine-partizipativedebatte-ueber-das-spannungsfeld-von-desinformation-und-meinungsfreiheit-jahrgang-58-2025-heft-1? page=1 Jakob, Christian (2025): Bald mehr Fake News und Hassrede. In: DIE TAGES- ZEITUNG vom 9.1.2025, S. 3. Janka, Franz (2000): Verhandlungsstrategien. Niedernhausen. Jarren Otfried (2022): Öffentlichkeitsgestaltung durch Medieninstitutionalisierung. Zur Bedeutung von Journalismus und publizistischen Medien für die Konstitution der demokratischen Öffentlichkeit. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 223-245. Jarren, Otfried / Fischer, Renate (2021): Die Plattformisierung von Öffentlichkeit und der Relevanzverlauf des Journalismus als demokratische Herausforderung. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 365-384. <?page no="292"?> 292 Anhang Jarren, Otfried / Fischer, Renate (2023): Demokratische Öffentlichkeit - eine medienpolitische Gestaltungsaufgabe. In: Legrand, Jupp / Linden, Benedikt / Arlt, Hans-Jürgen (Hrsg.): Welche Öffentlichkeit brauchen wir? Zur Zukunft des Journalismus und demokratischer Medien. Wiesbaden, S. 9-20. Jarren, Otfried / Sarcinelli, Ulrich / Saxer, Ulrich (Hrsg.) (1998): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch. Opladen/ Wiesbaden. Jaschke, Hans-Gerd (2001): Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Begriffe-Positionen-Praxisfelder. Wiesbaden. (2. Auflage). Jaster, Romy / Lanius, David (2017): Zehn Regeln für eine gute Debatte. In: DIE ZEIT vom 22.5.2017. Jaster, Romy / Lanius, David (2019): Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen. Stuttgart. Jaubert, Alain (1989): Fotos, die lügen. Politik mit gefälschten Bildern. Frankfurt am Main. Jörke, Dirk / Selk, Veith (2017): Theorien des Populismus zur Einführung. Hamburg. Jung, Simone (2023): Hybride Öffentlichkeiten. Debattenkulturen zwischen klassischem Feuilleton und Twitter. In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 45-68. Jung, Simone / Kempf, Victor (2023): Entgrenzte Öffentlichkeit- Eine interdisziplinäre Einführung. In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 7-26. Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.) (2023): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld. Jungkunz, Alexander (2022): Wie man eine Wutwelle entfacht. Winnetou: Ein Blick auf eine Sommer-Erregung, die vor allem ein Boulevardblatt zum Kochen gebracht hat. In: NÜRNBERGER NACHRICHTEN vom 5.9.2022, S. 3. Kämmerling, Richard (2023): Bereinigte Vergangenheit. In: WELT AM SONNTAG 11 vom 12.3.2023, S. 40-41. Kämper, Heidrun Deborah (2024): Die Sprache der Rechten. Wie sie reden und was sie sagen. Stuttgart. Karl May-Verlag (Hrsg.) (2022): Der junge Häuptling Winnetou. Bamberg. Kaschura, Kathrin (2005): Politiker als Prominente. Wie nehmen Fernsehzuschauer Politikerauftritte in Personality Talks wahr? Eine qualitative Analyse. Münster. <?page no="293"?> 293 Verwendete Literatur Katholische Nachrichtenagentur-Mediendienst (2024): Auch die KI muss den Pressekodex einhalten. http: / / meedia.de/ news/ beitrag/ 17700-auch-die-kimuss-den-pressekodex-einhalten.html Keel, Guido (2018): Grenzen der Satire in der täglichen Arbeit von Karikaturisten. In: Czepek, Andrea u.a. (Hrsg.): Freiheit und Journalismus. Baden- Baden, S. 97-108. Keim, Walter (2014): „Ach du lieber Gott“. Karikaturen zu Ökomene und Kirche. Bamberg. Keller, Harald (2009): Die Geschichte der Talkshows in Deutschland. Frankfurt am Main. Kelsen, Hans (2016): Was ist Gerechtigkeit? Stuttgart. Kempf, Victor (2023): Die Öffentlichkeit im Modus systematisch verzerrter Kommunikation. Mit Habermas über ihn hinaus. In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 195-226. Kienpointer, Manfred (1996): Vernünftig argumentieren. Regeln und Techniken der Diskussion. Reinbek bei Hamburg. Kienzlen, Grit / Lublinski, Jan / Stollorz, Volker (Hrsg.) (2007): Fakt, Fiktion, Fälschung. Trends im Wissenschaftsjournalismus. Konstanz. Kimmich, Dorothee / Lavorano, Stephanie / Bergmann, Franziska (Hrsg.) (2016): Was ist Rassismus? Kritische Texte. Stuttgart. King, David (1997): Stalins Retuschen. Foto- und Kunstmanipulationen in der Sowjetunion. Hamburg. Kirchschläger, Peter G. (2024): Digitale Transformation und Ethik. Ethische Überlegungen zur Robotisierung und Automatisierung von Gesellschaft und Wirtschaft und zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Baden-Baden. Klaus, Elisabeth (2017): Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Selbstverständigungsprozess. In: Klaus, Elisabeth / Drüeke (Hrsg.): Öffentlichkeiten und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. Theoretische Perspektiven und empirische Befunde. Bielefeld, S. 17-38. Kliesch, Marion (2017): Ästhetik der Zensur. Berlin. Klinger, Ulrike (2020): Diskurskiller Digitalisierung? Warum das Internet nicht an allem schuld, aber trotzdem ein Problem ist. In: Russ-Mohl, Stephan (Hrsg.): Streitlust und Streitkunst. Diskurs als Essenz der Demokratie. Köln, S. 48-65. Klute, Hilmar (2023): Wer hier verroht ist. In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 1.4.2023, S. 15. <?page no="294"?> 294 Anhang Knaller, Susanne / Müller, Harro (Hrsg.) (2006): Authentizität. Diskussion eines ästhetischen Begriffs. München. Knorr, Peter u.a. (2016): Titanic. Das endgültige Satirebuch. Das Erstbeste aus 30 Jahren. Berlin. Köhler, Tanja (Hrsg.) (2020): Fake News, Framing, Fact-Checking. Nachrichten im digitalen Zeitalter. Ein Handbuch . Bielefeld. Könning, Tobias (2009): Alles bloß Geschwätz? Diskurspotenziale der politischen Talkshow „Hart, aber fair“. Saarbrücken. Körber-Stiftung (Hrsg.) (2024): Mehr Respekt bitte! Diskussionskultur in der deutschen Kommunalpolitik. Hamburg. Kohout, Annekathrin (2019): Netz-Feminismus. Strategien weiblicher Bildpolitik. Berlin. Kokoschka, Vanessa u.a. (Hrsg.) (2025): Nachhaltigkeit in der Medienkommunikation. Ethische Anforderungen und praktische Lösungsansätze. Baden- Baden. Kopperschmidt, Josef (1985): Rhetorica. Hildesheim u.a. Korowin, Elena (2024): Cat Content. Die Geschichte des digitalen Katzenkults. Berlin. Kosak, Stefan (2024): Medienethische Überlegungen zum Umgang mit Online-Hatespeech. In: Litschka, Michael / Paganini, Claudia / Rademacher, Lars (Hrsg.): Digitale Massenkommunikation und Verantwortung. Politik, Ökonomik und Ethik von Plattformen. Baden-Baden, S. 141-156. Krainer, Larissa (2024a): Autonomie. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 151-162. Krainer, Larissa (2024b): Diskriminierung. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 303- 314. Kramp, Leif / Weichert, Stephan (2020): Hass im Netz. Strategien im Umgang mit Nutzerkommentaren. In: Köhler, Tanja (Hrsg.): Fake News, Framing, Fact-Checking. Nachrichten im digitalen Zeitalter. Ein Handbuch . Bielefeld, S. 537-554. Kraske, Michael (2023): Antisemitismus. Alte Gefahr mit neuen Gesichtern. Frankfurt am Main. Krischke, Ben (2020): Warum ich den „Appell für freie Debattenräume“ unterzeichne. In: MEEDIA vom 16.9.2020. Kronenberg, Thomas (2021): Satire im Museum: Ernsthaft mit Comic beschäftigen. In: Communicatio Socialis 1/ 2021, S. 56-63. <?page no="295"?> 295 Verwendete Literatur Krotz, Friedrich (2002): Unterhaltung, die der Unterhaltung dient? Talkshow zwischen Trash und Geschäft. Unterhaltung und Diskursangebot. In: Tenscher, Jens / Schicha, Christian (Hrsg.): Talk auf allen Kanälen? Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächen. Wiesbaden, S. 39-54. Kruse, Jan-Philipp (2023): Von der Öffentlichkeit zur Urteilsumwelt? Zur Aktualität einer Theorie der Öffentlichkeit und ihrer Probleme. In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 173-194. Kubitza, Kathrin Nicole (2014): Cybermobbing. Eine Analyse sprachlicher Gewalt anhand ausgewählter Facebook-Accounts. Master-Thesis an der TU-Darmstadt. https: / / www.linglit.tu-darmstadt.de/ media/ linglit/ mitarbeitende/ janich/ abschlussarbeiten/ Kubitza_MasterofEducation.pdf Kuchler, Christian (Hrsg.) (2014): NS-Propaganda im 21. Jahrhundert. Zwischen Verbot und öffentlicher Auseinandersetzung. Wien u.a. Kühl, Eike (2018): Künstliche Intelligenz. Auf Fake News folgt Fake Porn. In: Zeit online vom 26.1.2018. https: / / www.zeit.de/ digital/ internet/ 2018-01/ kuenstliche-intelligenz-deepfakes-porno-face-swap Künast, Renate (2017): Hass ist keine Meinung. Was die Wut in unserem Land anrichtet. München. Küper-Busch, Sabine (Hrsg.) (2017): Schluss mit lustig. Aktuelle Satire aus der Türkei. Berlin. Kuhla, Karoline (Hrsg.) (2017): Fake News. Hamburg. Laarz, Diana (2021): Auf ein Wort. In: GEO 9/ 2001, S. 30-40. Ladeur, Karl-Heinz (2007): Das Medienrecht und die Ökonomie der Aufmerksamkeit. In Sachen Dieter Bohlen, Maxim Biller, Caroline von Monaco u.a. Köln. Langer, Antje / Nonhoff, Martin / Reisigl, Martin (Hrsg.) (2019): Diskursanalyse und Kritik. Wiesbaden. Lano, Carolin (2023): Verdachtsmomente: Medien und Medienereignisse im Spiegel der Medienrhetorik von Verschwörungstheorien. Würzburg. Laux, Lothar / Schütz, Astrid (1996): „Wir, die wir gut sind”. Die Selbstdarstellung von Politikern zwischen Glorifizierung und Glaubwürdigkeit. München. Leggewie, Claus (1990): Bloß kein Streit! Über deutsche Sehnsucht nach Harmonie und die anhaltenden Schwierigkeiten demokratischer Streitkultur. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Demokratische Streitkultur. Theoretische Grundpositionen und Handlungsalternativen in Politikfeldern. Opladen und Wiesbaden, S. 52-62. <?page no="296"?> 296 Anhang Legrand, Jupp / Röder, Wolf Jürgen (2011): Vorwort. In: Arlt, Hans-Jürgen / Storz, Wolfgang: Drucksache „Bild“ - Eine Marke und ihre Mägde. Die „Bild“-Darstellung der Griechenland- und Euro-Krise 2010. Frankfurt am Main, S. 1-2. Lepsius, Oliver / Meyer-Kalkus, Reinhart (Hrsg.) (2011): Inszenierung als Beruf. Der Fall Guttenberg. Frankfurt am Main. Lessenich, Stephan (2019): Grenzen der Demokratie. Teilhabe als Verteilungsproblem. Stuttgart. Lewandowsky, Marcel (2022): Populismus. Eine Einführung. Wiesbaden. Lewandowsky, Stephan / Cook, John (2020): Das Handbuch über Verschwörungsmythen. Bristol u.a. https: / / skepticalscience.com/ docs/ Conspiracy- TheoryHandbook_German.pdf Leyendecker, Hans (2012): Die Zukunft der Enthüllung. Wut, Macht, Medienwo bleibt die Aufklärung? Düsseldorf. Liessmann, Konrad Paul (2023a): Der befleckte Geist. Cancel Culture und die Moralisierung des Gedankens. In: Domainko, Annika u.a. (Hrsg.): Canceln. Ein notwendiger Streit. München, S. 127-146. Liessmann, Konrad Paul (2023b): Gedankenspiele über Verantwortung. Wien. Lilienthal, Volker (2023): Medienethik bei BILD. Eine Befragung, eine Inhaltsanalyse und eine Bibliografie der Forschung zu BILD (1967-2022). München und Eichstätt. https: / / edoc.ku.de/ id/ eprint/ 31813/ 1/ Lilienthal_Volker_Medienethik_bei_Bild_2023.pdf Lilienthal, Volker / Neverla, Irene (Hrsg.) (2017): Lügenpresse. Anatomie eines politischen Kampfbegriffes. Köln. Linnartz, Maren (2023): Sind politische Talkshows noch relevant? In: SÜD- DEUTSCHE ZEITUNG vom 26.11.2023, S. 48. Lischka, Konrad / Müller-Eiselt, Ralph (2017): Digitale Öffentlichkeit. Wie algorithmische Prozesse den gesellschaftlichen Diskurs beeinflussen. Gütersloh. Litschka, Michael / Paganini, Claudia / Rademacher, Lars (Hrsg.) (2024): Digitale Massenkommunikation und Verantwortung. Politik, Ökonomik und Ethik von Plattformen. Baden-Baden. Lobo, Sascha (2016): Das Ende der Gesellschaft. Von den Folgen der Vernetzung. Tübingen. Lobo, Sascha (2023): Die große Vertrauenskrise. Ein Bewältigungskompass. Köln. Loiperdinger, Martin (1987): Der Parteitagsfilm „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl. Opladen. <?page no="297"?> 297 Verwendete Literatur Loiperdinger, Martin / Herz, Rudolf / Pohlmann, Ulrich (Hrsg.) (1995): Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film. München. Longerich, Peter (2021): Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte. Von der Aufklärung bis heute. München. Lorenz, Matthias N. (2009): Literatur und Zensur in der Demokratie. Göttingen. Lotter, Maria Sibylla (2018): Wer darf hier was sagen? In: DIE ZEIT vom 13. 12.2018, S. 66. Lotter, Maria-Sibylla (2017): Die Lüge. Texte von der Antike bis in die Gegenwart. Ditzingen. Maeder, Dominik u.a. (2020) (Hrsg.): Trump und das Fernsehen. Medien, Realität, Affekt, Politik. Köln. Maischberger, Sandra (2024): „Wie tickt der Mensch? Das ist immer meine Leitfrage.“ Patrick Wildermann interviewt Sandra Maischberger. In: Galore 11/ 2024, S. 8-17. Malchow, Helge. 2017. Zehn Jahre Veröffentlichungsverbot von Maxim Billers Roman „Esra“. https: / / www.kiwi-verlag.de/ magazin/ news/ zehnjahre-veroeffentlichungsverbot-von-maxim-billers-roman-esra Mangold, Ijoma (2023): An ihren Worten sollt ihr sie erkennen! In: Domainko, Annika u.a. (Hrsg.): Canceln. Ein notwendiger Streit. München, S. 9-16. Marschall, Stefan (1998): Netzöffentlichkeit - eine demokratische Alternative? In: Gellner, Winand / Korff, Fritz von (Hrsg.): Demokratie und Internet. Baden-Baden, S. 43-54. Martena, Laura (2025): Kontroversität im Klassenzimmer. In: Akademie-Report 1/ 2025, S. 4-8. Martenstein, H. (2013): Rassismus in Kinderbüchern. Achtung Zensur. In: TAGESSPIEGEL vom 20.1.2013. Mascolo, Georg (2017): Krieg der Worte. Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge. Tübingen. Mattes, Nathan (2024): Wir sind AfD. Wir sind eine rechtsextreme, rassistische, menschenverachtende Partei und wir sitzen unter anderem im Deutschen Bundestag. https: / / das-ist-afd.de Matuschek, Milosz / Kaiser, Gunnar (2020): Petition für freie Debattenkultur vom 22.9.2020. https: / / mitdenken-blog.de/ 2020/ 09/ 22/ petition-freie-debattenkultur/ Mau, Steffen / Lux, Thomas / Westheuser, Linus (2023): Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Frankfurt am Main. <?page no="298"?> 298 Anhang Mayer, Fabian (2020): Wieviel wissen sie wirklich über Clickbait? 7 überraschende Fakten, von denen Sie noch nie gehört haben! In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 67-80. Mead, George Herbert (1991): Geist, Identität und Gesellschaft. Frankfurt am Main. (8. Auflage). Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2024): JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Stuttgart. Meisenberger, Raimund (2021): Satire ist ein Privileg der freien Gesellschaft. Wie Journalismus, Satiriker: innen und Museen das Lachen des Publikums planen und bewerten. In: Communicatio Soziales 1/ 2021, S. 45-55. Menasse, Eva (2020): Gedankenspiele über den Kompromiss. Wien. Menasse, Eva (2023): Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne. Köln. Mennillo, Giulia (2024): Wie wir miteinander reden - Gemeinsinn und gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Demokratie. In: Akademie Report 2/ 2024, S. 5-9. Merten, Klaus (1999): Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Bd. 1/ 1. Grundlagen der Kommunikationswissenschaft. Münster. Metten, Thomas / Liebert, Wolf A. (Hrsg.) (2007): Mit Bildern lügen. Köln. Metz, Markus / Seeßlen, Georg (2012): Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität. Frankfurt am Main. (6. Auflage). Meyer, Robert D. (2020): Drosten blamiert die „Bild“ mit nur einem Tweet. In: NEUES DEUTSCHLAND vom 25.5.2020, S. 4. Meyer, Roland (2021): Gesichts-Erkennung. Vernetzte Bilder, körperlose Masken. Berlin. Meyer, Thomas (2006): Populismus und Medien. In: Decker, Frank (Hrsg. (2006b): Populismus in Europa. Bonn, S. 81-98. Meyer, Thomas / Ontrup, Rüdiger / Schicha, Christian (2000): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen. Wiesbaden. Meyer, Thomas / Schicha, Christian / Brosda, Carsten (2001): Diskurs-Inszenierungen. Zur Struktur politischer Vermittlungsprozesse am Beispiel der Debatte zur ökologischen Steuerreform. Wiesbaden. Mikos, Lothar (1988): Hauptsache, es wird etwas gesagt. Anmerkungen zum populären Genre Talk-Show. In: Medium 1/ 1988, S. 51-54. Mikos, Lothar (1999): Einführung: die täglichen Talkshows als Ausdruck des Wandels von Gesellschaft und Fernsehsystem in der Bundesrepublik Deutschland. In: Semeria, Stefano (Hrsg.): Talk als Show - Show als Talk. <?page no="299"?> 299 Verwendete Literatur Deutsche und US-amerikanische Daytime Talkshows im Vergleich, Opladen und Wiesbaden, S. 11-21. Mladenova, Radmila / Heuß, Herbert (2024): Antiziganismus im Film. In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 42-48. Möller, Kolja (2022a): Der Populismus als Forschungsgegenstand in Politik und Sozialwissenschaft. In: Möller, Kolja (Hrsg.): Populismus. Ein Reader. Frankfurt am Main, S. 7-52. Möller, Melanie (2022b): Rhetorik zur Einführung. Hamburg. Möning, Julia Maria (2024): Privatheit. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 213-224. Moers, Walter (1998): Adolf. Frankfurt am Main. (4. Auflage). Mudde, Cas / Kaltwasser, Christobal Rovira (2019): Populismus. Eine sehr kurze Einführung. Bonn. Mühlfeld, Florian (2019): Misstrauen. Vom Wert des Unwertes. Stuttgart. Müllender, Yannick (2014): Schreiben gegen eine deutsch-jüdische Symbiose. Subversive Erzählverfahren bei Maxim Biller. In: Bartl, Andrea / Kraus, Martin (Hrsg.): Skandalautoren Zu repräsentativen Mustern literarischer Provokation und Aufsehen erregender Autorinszenierung. Würzburg, S. 279-296. Müller, Jan-Werner (2016): Was ist Populismus? Frankfurt am Main. Müller-Bahlke, Thomas (2023): Geleitwort. In: Weiß, Claudia / Zaunstöck, Holger (Hrsg.): Streit, Menschen, Medien, Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute. Calbe, S. 7-8. Müller-Helle, Katja (2022): Bildzensur. Infrastrukturen der Löschung. Berlin. Müller-Salo, Johannes (2020): Klima, Sprache und Moral. Eine philosophische Kritik. Stuttgart. Naess, Arne (1975): Kommunikation und Argumentation. Kronberg/ Ts. Nagel, Thomas (2025): Moralische Gefühle, moralische Wirklichkeit, moralischer Fortschritt. Frankfurt am Main. Nazarkiewicz, Kirsten (1996): Ethnische Stereotypisierungen als reflexive Form moralischer Kommunikation. Konstanz. Negt, Oskar / Kluge, Alexander (2001): Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit. In: Negt, Oskar / Kluge, Alexander: Der unterschätzte Mensch. Band I. Frankfurt am Main, S. 333-500. Neidhardt, Friedhelm (1994): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. In: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.): Öffentlichkeit, öffentliche <?page no="300"?> 300 Anhang Meinungen, soziale Bewegungen. Sonderheft 34 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen, S. 7-41. Neis, Martina / Mara, Martina (2020): Social Bots-Meinungsroboter im Netz. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 189-204. Netzwerk Recherche (Hrsg.) (2009): Interview-Kulturen. Professionelle Interviews als journalistische Qualitätstreiber. Wiesbaden. Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e.V. (Hrsg.) (2021): Manifest. https: / / www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de/ ueber-uns/ manifest/ Neubauer, Luisa (2023): Sagen, was ist. Die Klimakrise im Diskurs. Tübingen. Neuberger, Christoph / Thiel, Thorsten (2022): Demokratie und Digitalisierung. Berlin. Neuhaus, Stefan / Holzner, Johann (2009): Literatur als Skandal. Fälle - Funktionen - Folgen. Göttingen. Neuhäuser, Christian / Seidel, Christian (2022): Was ist Moralismus? Über Zeigefinger und den Ort der Moral. Stuttgart. Nida-Rümelin. Julian (2023): „Cancel Culture“ Das Ende der Aufklärung? Ein Plädoyer für eigenständiges Denken. München. Niehr, Thomas / Reissen-Kosch, Jana (2019): Volkes Stimme? Zur Sprache des Rechtspopulismus. Bonn. Nowak, Jürgen (2022): Sprache als Macht im digitalen Zeitalter. Frankfurt am Main. Nuhr, Dieter (2020): Statement für die Internetseite der Online-Aktion #für das Wissen. https: / / www.youtube.com/ watch? v=ZYU7qxPKW7w Nussberger, Angelika (2021): Die Menschenrechte. Geschichte, Philosophie, Konflikte. München. Obertreis, Sarah (2024): Darf ich das noch hören? In: FRANKFURTER ALL- GEMEINE MAGAZIN. September 2024, S. 78-79. Oehmig, Leonie (2024): Pornografische Deepfakes als Form der digitalen Gewalt. https: / / www.das-nettz.de/ pornografische-deepfakes-als-form-derdigitalen-gewalt o.V. (2005): Die Chronik einer Kampagne. In: EMMA vom 1.1.2005. https: / / www.emma.de/ artikel/ annette-schavan-die-chronik-einer-kampagne-263126 o.V. (2006): Freiheit, die wir meinen. Ein Aufruf von Schriftstellern für Billers „Esra “ . In SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 24.7.2006. http: / / www.sueddeutsche.de/ kultur/ ein-aufruf-von-schriftstellern-fuer-billers-esra-freiheit-die-wir-meinen-1.416073 <?page no="301"?> 301 Verwendete Literatur o.V. (2015): Je Suis Charlie. Ein Buch für die Meinungsfreiheit. München. o.V. (2021): Offener Brief an den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Versagen wissenschaftlicher Qualitätssicherung und redaktioneller Verantwortung - Beitrag von Rudolf Stöber in der Publizistik vom Januar 2021. https: / / www.dgpuk.de/ sites/ default/ files/ Offener-Brief-an-DGPuK-Vorstand.pdf Oechsner, Hans (2022): Politische Interviews im Fernsehen. Medienethische Probleme von Inszenierungen. München und Eichstätt. Ötsch, Walter / Horaczek, Nina (2017): Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung. Frankfurt am Main. Osterroth, Andreas (2019): Sprache-Bild-Kommunikation in Imageboards. Das Internet-Meme als multimodaler Kommunikationsakt in alternativen Öffentlichkeiten. In: Hauser, Stefan / Opilowski, Roman / Wyss, Eva L.: (Hrsg.): Alternative Öffentlichkeiten. Soziale Medien zwischen Partizipation, Sharing und Vergemeinschaftung. Bielefeld, S. 269-286. Osterroth, Andreas (2023): Clickbait. Eine liminale Textsorte zwischen Fakt und Fake, In: Bluhm, Lothar u.a. (Hrsg.) (2023): Fakt und Fake. Kultur- und sozialgeschichtliche Perspektive auf Wahrheit und Lüge. Baden-Baden, S. 55-76. Ottawa, Clemens (2019): Skandal! Die provokanten Bücher der Literaturgeschichte. Springe. Otto, Isabell (2023): TikTok. Ästhetik, Ökonomie und Mikropolitik überraschender Transformationen. Berlin. Pappenberger, Manfred (2017): Falschmeldungen, Hasskommentare, Social Bots. Die Rolle von Staat und Medien. In: Journal für politische Bildung 4/ 2017, S. 34-41. Patzelt, Werner J. (2016): Kein Kneifen vor Populisten! In: bpb-Magazin vom 10.10.2016, S. 18-20. Paulitsch, Luis (2024): „Satire darf ‚alles‘ - aber nicht alles.“ Zur Spruchpraxis der Presseräte im deutschsprachigen Raum. In: Medien- und Kommunikationswissenschaft 4/ 2024, S. 377-395. Pawelec, Maria / Bieß, Cora (2021): Deepfakes. Technikfolgen und Regulierungsfragen aus ethischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Baden-Baden. Pentzold, Christian / Katzenbach, Christian / Fraas, Claudia (2014): Digitale Plattformen und Öffentlichkeiten mediatisierter politischer Kommunikation. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 22-23/ 2014, S. 28-34. <?page no="302"?> 302 Anhang Perelman, Claim (1980): Das Reich der Rhetorik: Rhetorik und Argumentation. München. Perelmann, Chaim (1994): Logik und Argumentation. Weinheim. (2. Auflage). Perthen, Andrea (2021): Korruption kritisieren. Die Genese politischer Korruptionsskandale in der früheren Bundesrepublik Deutschland. Köln. Peters, Bernhard (1994): Der Sinn von Öffentlichkeit. In: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Opladen, S. 42-76. Peters, Bernhard (2001): Deliberative Öffentlichkeit. In: Wingert, Lutz / Günther, Klaus (Hrsg.): Die Öffentlichkeit der Vernunft und die Vernunft der Öffentlichkeit. Frankfurt am Main, S. 655-677. Petersen, Christer (2022): Kunst der Provokation. Eine Einführung in die Skandalforschung. Wiesbaden. Pilarek, Patrick (2020): Was ist Antisemitismus? In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Antisemitismus. Themenblätter im Unterricht 123, S. 3. Pfetsch, Frank R. (2006): Verhandeln in Konflikten. Grundlagen - Theorie - Praxis. Wiesbaden. Pfister, Jonas (2020): Kritisches Denken. Stuttgart. Plachta, Boda (2006): Zensur. Stuttgart. Plake, Klaus (1999): Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt. Plake, Klaus / Jansen, Daniel / Schuhmacher, Birgit (2001): Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit im Internet. Politische Potenziale der Medienentwicklung. Wiesbaden. Pörksen, Bernhard (2018): Die grosse Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung. München. Pörksen, Bernhard (2025): Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen. München. Pörksen, Bernhard / Detel, Hanne (2012): Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im Digitalen Zeitalter. Köln. Pörksen, Bernhard / Schulz von Thun, Friedemann (2021): Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik. München. Pohl, Kerstin / Buchstein, Hubertus (2020): Die Kontroverse als Konsens? Kontroversität in der Demokratie und in der Bildung. In: Politische Bildung 4/ 2020, S. 10-16. Porzelt, Benedikt u.a. (2017): Politische Akteure im Satire- und Comedy-Talk: Fallanalysen. In: Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (Hrsg.): Wahlkampf mit Humor und Komik. Wiesbaden, S. 149-294. <?page no="303"?> 303 Verwendete Literatur Pöttker, Horst (2016): Kommunikationsfreiheit im digitalen Zeitalter. In: Communicatio Socialis. 49. Jg. 2016. H. 4., S. 347-353. Pöttker, Horst (2022): Streit, Kampf, Konflikt in (medien-) ethischer Perspektive: Georg Simmel revisted. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 69-92. Precht, Richard David / Welzer, Harald (2022): Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist. Frankfurt am Main. Prinzing, Marlis (2021): Ethik als Schlüssel für Vertrauen und Empowerment. Bonn. Prinzing, Marlis / Debatin, Bernhard / Köberer, Nina (Hrsg.) (2020): Kommunikations- und Medienethik reloaded. Wegmarken für eine Orientierungssuche im Digitalen. Baden-Baden. Publizistik (Hrsg.) (2021): Stellungnahme zum offenen Brief. https: / / www.dgpuk.de/ sites/ default/ files/ Stellungnahme_Publizistik_zum_Offenen%20Brief.pdf Pürer, Heinz (2003): Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Konstanz. Pusch, Luise F. (2021): „Liebe Kolleg*: innen in der Stadtverwaltung“. Genderstern, Unterstrich oder BinnenI, queer oder nicht queer? Eine ganz kurze Geschichte der feministischen Sprachkritik. In: DIE ZEIT 7 vom 11.2.2021, S. 48. Rademacher, Lars / Kokoschka, Vanessa (2024): Digitale Öffentlichkeit. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 453-465. Raters, Marie-Luise (2020): Ethisches Argumentieren. Ein Arbeitsbuch. Berlin. Rathcke, Julia (2024): Erfolgreiche Nervensäge. In: RHEINISCHE POST vom 25.10.2024, S. A8. Rebane, Gala (2021): Emojis. Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer digitalen Bilderschrift. Berlin. Reckwitz, Andreas (2024): Verlust. Ein Grundproblem der Moderne. Frankfurt am Main. Reese-Schäfer, Walter / Mönter, Christian (2013): Politische Ethik. Philosophie, Theorie, Regeln. Wiesbaden. Rehberg, Karl Siegbert (1995): Die „Öffentlichkeit“ der Institutionen. Grundbegriffliche Überlegungen im Rahmen der Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen. In: Göhler, Gerhard (Hrsg.): Macht der Öffentlichkeit - Öffentlichkeit der Macht. Baden-Baden, S. 181-211. <?page no="304"?> 304 Anhang Reichelt, Matthias (2018): Angewandte Ethik im Kontext gegenwärtiger moralischer Probleme. In: Bormann, Thomas / Reichelt, Matthias / Veit, Werner (Hrsg.): Angewandte Ethik und Film. Wiesbaden. Reimann, Marieke (2020): Zur Notwendigkeit geschlechtergerechter Sprache im Journalismus. In: Köhler, Tanja (Hrsg.): Nachrichten im digitalen Zeitalter. Ein Handbuch . Bielefeld, S. 283-296. Reinemann, Carsten (2017): Populismus, Kommunikation, Medien. Ein Überblick über die Forschung zu populistischer politischer Kommunikation. In: Zeitschrift für Politik 2/ 2017, S. 167-190. Reiners, Till (2016): Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen. Begegnungen mit besorgten Bürgern. Reinbek bei Hamburg. Reschke, Anja (2018): Haltung zeigen. Reinbek bei Hamburg. Reuschenbach, Julia / Frenzel, Korbinian (2024): Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen. Berlin. Reveland, Carla / Siggelkow, Pascal (2025): Gespräch von Musk und Weidel. Falschaussagen von Migration bis Nationalsozialismus. https: / / www.tagesschau.de/ faktenfinder/ musk-weidel-102.html Rieger, Diana / Dippold, Jessica / Appel, Markus (2020): Trolle gibt es nicht nur im Märchen - Das Phänomen Trolling im Internet. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 45-58. Riethmüller, Felicia / Zehnter, Lisa (2024): Die Kunst der Ansprache. Geschlechtergerechte Sprache in deutschen Wahlprogrammen. In: WZB-Mitteilungen. Heft 183. März 2024, S. 38-42. Ritzer, Ivo (2011): Fernsehen wider die Tabus. Sex, Gewalt, Zensur und die neuen US-Serien. Berlin. Roberts, Cindy Ricarda / Filipovic, Alexander (2022): Deliberation als Streitkultur? (Un-) Möglichkeiten der Deliberationstheorie in digitalen Zeiten. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 133-168. Röhlig, Marc (2018): Woher Söders Begriff „Asyltourismus‘ kommt. In: DER SPIEGEL vom 20.6.2018. https: / / www.spiegel.de/ politik/ asyltourismuswoher-markus-soeder-das-wort-wirklich-hat-a-00000000-0003-0001- 0000-000002519539 Röhner, Jessica / Schütz, Astrid (2012): Psychologie der Kommunikation. Wiesbaden. Röll, Franz-Josef (2022): Eine Haltung ist eine Haltung - eine Einstellung. Zwei Begriffe zwischen Philosophie und Medienpädagogik. In: Medienconcret 1/ 2022, S. 11-15. <?page no="305"?> 305 Verwendete Literatur Römmele, Andrea (2019): Zur Sache. Für eine neue Streitkultur in Politik und Gesellschaft. Berlin. Rogers, Carl (1991): Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie. Frankfurt am Main. Rosa, Hartmut (2021): Demokratischer Begegnungsraum oder lebensweltliche Filterblase? Resonanztheoretische Überlegungen zum Strukturwandel der Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 252-276. Rosanvallon, Pierre (2021): Das Jahrhundert des Populismus. Geschichte - Theorie - Kritik. Bonn. Rosenberg, Marshall B. (2007): Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation. Freiburg im Breisgau. (9. Auflage). Rosenthal, Walter (2024): Die Position: Helft Forschern, Gegenwind auszuhalten. In: DIE ZEIT 49 vom 21.11.2024, S. 43. Roßbach, Nikola (2018): Achtung Zensur! Über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen. Berlin. Roßbach, Nikola (2021): Freiheit in Atemnot. Zensur hat viele Gesichter - auch Demokratien müssen sie bekämpfen. In: ZEIT Geschichte 2/ 2021, S. 14-19. Roßbach, Regina (2020): Der Literaturskandal. Akteure, Verläufe und Gegenstände eines Kommunikationsphänomens. Berlin. Roßler, Gustav (2023): Strukturmomente instrumentierter Öffentlichkeit. Eine soziologische Perspektive. In: Jung, Simone / Kempf, Victor (Hrsg.): Entgrenzte Öffentlichkeit. Debattenkulturen im politischen und medialen Wandel. Bielefeld, S. 91-110. Rossum, Walter van (2004): Meine Sonntage mit „Sabine Christiansen“. Wie das Palaver uns regiert. Köln. Rostalski, Frauke (2024): Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit. München. Rosumek, Lars (2014): Die Kanzler und die Medien. Acht Porträts von Adenauer bis Merkel. Frankfurt am Main. Roth, Roland (2011): Bürgermacht. Eine Streitschrift für mehr Partizipation. Bonn. Rothut, Sophia u.a. (2023): Meinungsfreiheit in Gefahr? Wie politische Einstellungen und individuelle Erfahrungen die Wahrnehmung der Meinungsfreiheit in Deutschland prägen. In: Studies in Communication and Media. 12. Jg. 1/ 2023, S. 48-86. <?page no="306"?> 306 Anhang Rühl, Wolf-Dieter (2017): Measuring Fake News - Die Methode. Berlin. https: / / www.interface-eu.org/ storage/ archive/ files/ fake_news_methodenpapier_deutsch.pdf Russ-Mohl, Stephan (Hrsg.) (2020): Streitlust und Streitkunst. Diskurs als Essenz der Demokratie. Köln. Sängerlaub, Alexander (2018): Feuerwehr ohne Wasser? Möglichkeiten und Grenzen des Fact-Checkings als Mittel der Desinformation. Berlin. Sängerlaub, Alexander/ Meier, Miriam/ Rühl, Wolf-Dieter (2018): Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017. Berlin. Salem, Saladin (2025): Wie weit die Einflussnahme reicht. In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 11.2.2025, S. 7. Salzborn, Samuel (2018): Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne. Weinheim und Basel. Salzmann, Thomas (2024): Tendenzschutz in der Indizierungspraxis. In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 31-35. Sarcinelli, Ulrich (1990): Auf dem Weg in eine kommunikative Demokratie? Demokratische Streitkultur als Element politischer Kultur. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Demokratische Streitkultur. Theoretische Grundpositionen und Handlungsalternativen in Politikfeldern. Opladen und Wiesbaden, S. 29-51. Sasse, Sabine (2007): Die Justiz und die Medien. Die Berichterstattung im Prozess gegen den TV-Moderator Andreas Türck. In: Schertz, Christian / Schuler, Thomas (Hrsg.): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin, S. 69-80. Sauer, Hanno (2024): Moral. Die Erfindung von Gut und Böse. München. (6. Auflage). Schaal, Gary S. / Fleuß, Dannica / Dumm, Sebastian (2017): Die Wahrheit über Postfaktizität. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 44-45/ 2017, S. 31-38. Schäfer, Frank (2007): Zensierte Bücher. Verbotene Literatur von Fanny Hill bin American Psycho. Erftstadt. Schaffar, Birgit (2002): „Aktuelle Themen, interessante Gäste, kontroverse Diskussionen“? Eine tiefenhermeneutische Inhaltsanalyse der Talkshow „Sabine Christiansen“. Marburg. Schaible, Jonas (2022): Das Märchen von der Cancel Culture. In: DER SPIE- GEL SPEZIAL 1 vom 31.8.2022, S. 50-52. Schankweiler, Kerstin (2019): Bildproteste. Widerstand im Netz. Berlin. Scheidt, Wolfgang (2000): Affekt-Talks. Rezeptionsmotive und affektive Bewertung eines TV-Genres. Berlin. <?page no="307"?> 307 Verwendete Literatur Scheller, Jörg (2021): Body-Bilder. Körperkultur, Digitalisierung und Soziale Netzwerke. Berlin. Schertz, Christian (2007): Persönlichkeitsrechte und Medien. Theorie und Praxis. In: Schertz, Christian / Schuler, Thomas (Hrsg.): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin, S. 22-30. Schertz, Christian / Schuler, Thomas (Hrsg.) (2007): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin. Schicha, Christian (1996): Lebenszusammenhänge kinderreicher Mütter. Individualisierungsprozesse in Partnerschaftsverläufen kinderreicher Familien. Frankfurt am Main. Schicha, Christian (2000a): „Leb wie du dich fühlst? “. Fiktion von Authentizität beim Sendeformat Big Brother. In: Weber, Frank (Red.): Big Brother. Inszenierte Banalität zur Prime Time. Münster, S. 77-94. Schicha, Christian (2000b): Öffentlichkeit unter Medienbedingungen. Zur Diskrepanz zwischen normativen Konzepten und der Praxis der Politikberichterstattung. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Medienethik zwischen Theorie und Praxis. Münster, S. 173-194. Schicha, Christian (2001a): Zum Wandel der Öffentlichkeit. Inszenierte Politik in den Massenmedien. In: Zeitschrift für Kommunikationsökologie 4/ 2000, S. 12-18. Schicha, Christian (2001b): Die Rhetorik des Krieges. In: Journalistik Journal. Jg. 4/ 1, S. 17. Schicha, Christian (2002a): Das „Ereignismanagement“ des nationalsozialistischen Regimes. Zur Theatralität des Führerkultes. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Medieninszenierungen zwischen Popularität und Populismus. Münster u.a., S. 88-110. Schicha, Christian (2002b): Die Inszenierung politischer Diskurse. Beobachtungen zu Politikerauftritten in Fernseh-Talkshows. In: Tenscher, Jens / Schicha, Christian (Hrsg.): Talk auf allen Kanälen. Angebote, Akteure und Nutzen von Fernsehgesprächen. Wiesbaden, S. 213-232. Schicha, Christian (2002c): Medienethische Aspekte am Beispiel politischer Talkshows im Fernsehen. Zur Diskrepanz zwischen den Postulaten an argumentative Diskurse und den Praktiken medialen Handelns. In: Debatin, Bernhard / Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Grundlagen - Ansätze - Anwendungen. Konstanz, S. 183-202. Schicha, Christian (2002d): Inszenierte Berichterstattung und politische Bildung. In: Medienimpulse 39. März 2002, S. 14-24. Schicha, Christian (2003a): Medien, Migrant: innen und Migranten. Konse- <?page no="308"?> 308 Anhang quenzen für die Integration durch die Berichterstattung und das Rezeptionsverhalten. In: Schweer, Martin K.W. (Hrsg.): Die Neue Rechte. Eine Herausforderung für Forschung und Praxis. Frankfurt am Main, S. 35-57. Schicha, Christian (2003b): Medienethik und politische Talk-Shows. Zur Diskrepanz zwischen Diskurspostulaten und medialen Handlungspraktiken. In: Debatin, Bernhard / Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz, S. 183-203. Schicha, Christian (2003c): Die Theatralität der politischen Kommunikation. Medieninszenierungen am Beispiel des Bundestagswahlkampfes 2002. Münster u.a. Schicha, Christian (2004a): Politainment. Neue Light-Kultur mit Tücken. In: Politik & Kommunikation. Ausgabe 21. November 2004, S. 48-49. Schicha, Christian (2004b): Populärkultur. Medienkritische Theorieentwürfe und ethische Implikationen. In: Ethik und Unterricht 1/ 2004, S. 4-7. Schicha, Christian (2005a): „Europa“ in politischen Fernsehgesprächssendungen. Eine exemplarische Betrachtung von „Sabine Christiansen“ und „Berlin Mitte“. In: Tenscher, Jens (Hrsg.): Wahl-Kampf um Europa. Analysen aus Anlass der Wahlen zum Europäischen Parlament 2004. Wiesbaden, S. 177-194. Schicha, Christian (2005b): Informationen zwischen Fakten und Firlefanz. Politikvermittlung in der Mediendemokratie am Beispiel politischer Gesprächssendungen. In: Forum Politikunterricht 3/ 2005, S. 14-17. Schicha, Christian (2005c): Geschlechtergerechte Konferenzleitung. In: Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen und das Landesinstitutes für Schule Soest. Soest, S. 106-110. https: / / www.schulentwicklung.nrw.de/ q/ upload/ Gender/ Schule_im_Gender_Mainstream.pdf Schicha, Christian (2005d): Blick über den Tellerrand. Wissenschaft sollte Stellung beziehen. In: Aviso 38, S. 11-12. www.dgpuk.de/ sites/ default/ files/ aviso38.pdf Schicha, Christian (2005e): Wirtschaftswerbung zwischen Information, Provokation und Manipulation. Konsequenzen für die Selbstkontrolle des deutschen Werberates. In: Baum, Achim u.a. (Hrsg.): Handbuch Medienselbstkontrolle. Wiesbaden. Schicha, Christian (2005f): Umfassende Berichterstattung oder öffentliches Verschweigen. In: Medienimpulse 51. März 2005, S. 17-24. Schicha, Christian (2006a): Legitimes Theater? Die Zuwanderungsdebatte im Bundesrat als Bühnenstück für die Medienöffentlichkeit. In: Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik 1/ 2006, S. 120-128. <?page no="309"?> 309 Verwendete Literatur Schicha, Christian (2006b): Bush zu Gast bei Freunden oder symbolische Politikvermittlung durch Personalisierung in der Mediendemokratie. In: Medienimpulse 58. Dezember 2006, S. 19-24. Schicha, Christian (2007): Legitimes Theater? Inszenierte Politikvermittlung für die Medienöffentlichkeit am Beispiel der ‚Zuwanderungsdebatte‘. Berlin. Schicha, Christian (2008): Medienethik. In: Batinic, Bernad / Appel, Markus (Hrsg.): Medienpsychologie. Heidelberg, S. 533-554. Schicha, Christian (2009): Was heißt hier Politik? Politische Sozialisation in medialen Zusammenhängen. In: Medienconcret. August 2009, S. 6-11. Schicha, Christian (2010a): Öffentlichkeit und Journalismus in der Mediendemokratie. In: Eberwein, Tobias / Müller, Daniel (Hrsg.): Journalismus und Öffentlichkeit. Eine Profession und ihr gesellschaftlicher Auftrag. Wiesbaden, S. 23-42. Schicha, Christian (2010b): Medienskandale. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Handbuch Medienethik. Wiesbaden, S. 369-386. Schicha, Christian (2011a): Vom Politikstar zum Plagiator - Der Aufstieg und Absturz von Karl Theodor zu Guttenberg im öffentlichen Diskurs. In: Rommel, Thomas (Hrsg.): Plagiate - Gefahr für die Wissenschaft? Eine internationale Bestandsaufnahme. Berlin, S. 141-168. Schicha, Christian (2011b): Ethische Grundlagen der Verantwortungskommunikation. In: Raupp, Juliana / Jarolimek, Stefan / Schultz, Friederike (Hrsg.): Handbuch CSR. Kommunikationswissenschaftliche Grundlagen, disziplinäre Zugänge und methodische Herausforderungen. Wiesbaden, S. 115-127. Schicha, Christian (2012): Öffentlichkeit, Transparenz und Informantenschutz. In: Filipović, Alexander / Jäckel, Michael / Schicha, Christian (Hrsg.): Medien- und Zivilgesellschaft, Weinheim, S. 123-136. Schicha, Christian (2013a): 60 Jahre BILD. Eine kritische Würdigung. in: Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik 1/ 2013, S. 25-28 Schicha, Christian (2013b): Alles echt? Bewertungsmaßstäbe der Authentizität als normative Kategorie direkter, visueller und virtueller Kommunikation. In: Emmer, Martin / Filipovic, Alexander / Schmidt, Jan-Hinrik / Stapf, Ingrid (Hrsg.): Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Authentizität in der Online-Kommunikation. Weinheim und Basel, S. 28-39. Schicha, Christian (2013c): Skandal! - Private und politische Verfehlungen in den Medien. In: Robertson von Trotta, Caroline Y. (Hrsg.): Celebrity Culture. Stars in der Mediengesellschaft. Baden-Baden, S. 51-72. <?page no="310"?> 310 Anhang Schicha, Christian (2015a): Medienöffentlichkeit und Medienethik - Herausforderungen durch Neue Medien und Medienakteure. In: Prinzing, Marlies u.a. (Hrsg.): Neuvermessung der Medienethik. Bilanz, Themen und Herausforderungen seit 2000. Weinheim und Basel 2015, S. 140-161. Schicha, Christian (2015b): Skandale in den Medien. In: Bentele, Günter / Piwinger, Manfred / Schönborn, Gregor (Hrsg.): Kommunikationsmanagement. Köln, S. 5.42-5.81. Schicha, Christian (2016a): Öffentlichkeiten im Web 2.0. Normative Herausforderungen durch neue Diskursteilnehmer im Internet. In: Ethik und Unterricht 3/ 2016, S. 7-10. Schicha, Christian (2016b): Flüchtlingsfrage, Flüchtlingswelle, Flüchtlingskrise. Beobachtungen zur visuellen und verbalen Mediendebatte über flüchtende Menschen. In: Medienconcret 1/ 2016, S. 36-40. Schicha, Christian (2017a): Inszenierung. Grundbegriffe der Kommunikations- und Medienethik (Teil 9). In: Communicatio Socialis 3/ 2017, S. 375- 380. https: / / www.nomos-elibrary.de/ de/ 10.5771/ 0010-3497-2017-3-375/ inszenierung-teil-9-jahrgang-50-2017-heft-3? page=1 Schicha, Christian (2017b): Medienskandale in der Medienkritik von Medienexperten - Journalistische Normverletzungen als Thema im NDR-Medienmagazin ZAPP. In: Stapf, Ingrid / Prinzing, Marlis / Filipovic, Alexander (Hrsg.): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden, S. 181-198. Schicha, Christian (2018a): Analoge und digitale Ausprägungen von ‚Fake News‘ in Wort und Bild. Identifikationsmöglichkeiten und Vorschläge für einen konstruktiven Umgang mit falschen Fakten. In: Vierteljahreszeitschrift für wissenschaftliche Pädagogik 94, S. 22-39. Schicha, Christian (2018b): Informationsethische Herausforderungen durch Algorithmen. In: Hammerschmidt, Peter u.a. (Hrsg.): Big Data, Facebook, Twitter & Co. und soziale Arbeit. Weinheim und Basel, S. 95-117. Schicha, Christian (2019a): Medienethik. Grundlagen - Anwendungen - Ressourcen, München. Schicha, Christian (Hrsg.) (2019b): Wahlwerbespots zur Bundestagswahl 2017. Analysen und Anschlussdiskurse über parteipolitische Kurzfilme in Deutschland. Wiesbaden. Schicha, Christian (2021a): Streitkulturen - Anmerkungen über Stellungnahmen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei kontroversen Debatten. In: Publizistik vom 8.12.2021. https: / / link.springer.com/ content/ pdf/ 10.1007/ s11616-021-00702-y.pdf <?page no="311"?> 311 Verwendete Literatur Schicha, Christian (2021b): Bildethik. Grundlagen - Anwendungen - Bewertungen. München. Schicha, Christian (2021c): Die visuelle Darstellung toter Flüchtlinge in den Medien: Instrumentalisierung von Leid oder notwendige Aufklärung. In: Lubkoll, Christine / Forester, Eva / Sestu, Timo (Hrsg.): Fremdheit, Integration, Vielfalt? Interdisziplinäre Perspektiven auf Migration und Gesellschaft. Stuttgart, S. 63-78. Schicha, Christian (2021d): Inszenierung. In: Prinzing, Marlis / Blum, Roger (Hrsg.): Handbuch Politischer Journalismus. Köln, S. 264-268. Schicha, Christian (2022a): Streitkultur statt Cancel Culture - Ein Plädoyer für eine offene Diskurskultur bei kontroversen Debatten. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 113-132. Schicha, Christian (2022b): Zur Haltung im Krieg. Journalistische Herausforderungen der Berichterstattung über Krisen. In: Medienconcret 1/ 2022, S. 6-10. Schicha, Christian (2022c): Zuordnungen und Abgrenzungen für die Analyse von Handlungs- und Reflexionsfeldern der Medienethik. In: Endres, Susanne / Guertler, Christian / Pavlovic, Irena (Hrsg.): Das verborgene Sehen: Sinnsuche zwischen Medien, Religion und Ethik. Erlangen, S. 422- 436. Schicha, Christian (2022d): Politikerskandale in der Medienberichterstattung. In: Korte, Karl-Rudolf / Florack, Martin (Hrsg.): Handbuch Regierungsforschung. Wiesbaden. Schicha, Christian (2022e): Macht, Provokation, Polemik statt Verständigung. Es geht darum, kontroverse Auffassungen öffentlich zu diskutieren. In: Academia 1/ 2022, S. 52-53. Schicha, Christian (2023): Streitkultur, Cancel Culture und kulturelle Aneignung. Normen und Perspektiven für konstruktive Auseinandersetzungen. In: Weiterbildung 4/ 2023, S. 10-13. Schicha, Christian (2024): Bilder. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver: Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden 2024, S. 327-346. Schicha, Christian (2025a): Medienöffentlichkeiten im Wandel. Entwicklungen vom Analogen zum Digitalen. In: Bentele, Günter / Piwinger, Manfred / Schönborn, Gregor (Hrsg.): Kommunikationsmanagement. Strategien, Wissen, Lösungen. München, S. 1-24. Schicha, Christian (2025b): Öffentlichkeiten im Wandel. Normative Überlegungen und die Kontroverse um Maxim Billers Roman Esra. In: Bosch, <?page no="312"?> 312 Anhang Aida / Kley, Antje (Hrsg.): Literatur und Medienöffentlichkeiten: orientierende Fallstudien. Stuttgart, S. 189-201. Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.) (2000): Medienethik zwischen Theorie und Praxis. Normen für die Kommunikationsgesellschaft. Münster. Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.) (2002a): Medien und Terrorismus. Reaktionen auf den 11. September 2001. Münster. Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.) (2002b): Politikvermittlung in Unterhaltungskontexten. Medieninszenierungen zwischen Popularität und Populismus. Münster. Schicha, Christian / Tenscher, Jens (2002): Talk auf allen Kanälen. Eine Einführung. In: Tenscher, Jens / Schicha, Christian (Hrsg.): Talk auf allen Kanälen. Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächssendungen. Opladen, S. 9-38. Schicha, Christian / Stapf, Ingrid / Sell, Saskia (Hrsg.) (2021): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Baden-Baden. Schlüter, Hermann (1997): Grundkurs der Rhetorik. München. (14. Auflage). Schlütz, Daniela (2024): Aufruf zum diskriminierungsfreien Diskurs. In: AVISO 79, S. 15. Schmidt, Jan-Hinrik (2017): Filterblasen und Echokammern. Das Gefüge digitaler Kommunikation. In: Polar 22. Politik - Theorie - Alltag. Halbjahresschrift. Frühjahr 2017. Frankfurt am Main, S. 82-85. Schmidt, Jan-Hinrik (2023): Widersprechen in und mit sozialen Medien. In: Füllenbach, Magdalena Tonia / Münnich, Michael / Spanke, Johanna (Hrsg.): Widerspruchs-Kulturen. Medien, Praktiken und Räume des Widersprechens. Berlin, S. 57-68. Schmidt, Sarah (2024): Prominenz, Party und eine neue Hoffnung. Tagesschau.de vom 22.8.2024. https: / / www.tagesschau.de/ ausland/ uswahl/ walz-demokraten-harris-parteitag-100.html Schmidt, Siegfried J. / Zurstiege, Guido (2000): Orientierung Kommunikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will. Reinbek bei Hamburg. Schmidt, Siegfried J. / Zurstiege, Guido (2007): Kommunikationswissenschaft. Systematik und Ziele. Reinbek bei Hamburg. Schmidt, Thomas E. (2024): Das Gift des Grundsätzlichen. In: DIE ZEIT vom 11.1.2024, S. 43. Schneider, Anna (2021): Es kann jeden treffen. In: WELT AM SONNTAG vom 11.7.2021, S. 40-41. <?page no="313"?> 313 Verwendete Literatur Schneider, Johannes (2023): Von Pippi bis Puffmutter. Ich, komplett gecancelt. In: Domainko, Annika u.a. (Hrsg.): Canceln. Ein notwendiger Streit. München, S. 211-222. Schnurrer, Achim u.a. (1996): Comic: Zensiert. Sonneberg. Schönauer, Mats / Tschermak, Moritz (2021): Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet. Köln. Scholz, Anna-Lena (2023): Cancel Culture: Eine hermeneutische Figur. Der Streit um die Freiheit der Wissenschaft. In: Domainko, Annika u.a. (Hrsg.): Canceln. Ein notwendiger Streit. München, S. 89-104. Scholz, Olaf (2021): Plädoyer für eine Gesellschaft des Respekts. In: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 6/ 2021, S. 4-7. Schrape, Jan-Felix (2015): Medien und Öffentlichkeit - einige Basiskonzepte. https: / / gedankenstrich.org/ wp-content/ uploads/ 2015/ 01/ Medien-und- %C3%96ffentlichkeit.pdf Schreitmüller, Andreas (2005): Alle Bilder lügen. Foto - Film - Fernsehen - Fälschung. Konstanz. Schröder, Florian (2021): Schluss mit der Meinungsfreiheit! München. Schröder, Martin (2024): Die Position: Wissenschaftler dürfen keine Aktivisten sein. In: DIE ZEIT vom 21.3.2024, S. 37. Schroeder, Wolfgang / Weßels, Bernhard (2023): Radikalisiert und etabliert. Die AfD vor dem Superwahljahr 2024. Frankfurt am Main. Schröter, Susanne (2024): Der neue Kulturkampf. Wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht. Freiburg im Breisgau. Schütz, Hans J. (1990): Verbotener Bücher. Eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller. München. Schuller, Peter (2020): Die Holztüre von Halle (Saale). In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Antisemitismus. Themenblätter im Unterricht 123, S. 2. Schultz, Tanjev (2006): Geschwätz oder Diskurs? Die Rationalität politischer Talkshows im Fernsehen. Köln. Schultze, Christine (2025): Erst Satire, dann Rassismus. In: ERLANGER NACHRICHTEN vom 14.1.2025, S. 2. Schulz von Thun, Friedemann (2000): Miteinander reden. Menschliche Kommunikation. Bern. Schwaiger, Lisa (2022): Gegen die Öffentlichkeit: Alternative Nachrichtenmedien im deutschsprachigen Raum. Bielefeld. Schwartz-Friesel, Monika (2020): Judenhass im Internet. Antisemitismus als kulturelle Konstante und kollektives Gefühl. Bonn. <?page no="314"?> 314 Anhang Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.) (2021): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden. Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (2021): Zum Verhältnis von Öffentlichkeit und Demokratie. Ein neuer Strukturwandel? In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 9-42. Seeßlen, Georg (2017): Trump! Populismus als Politik. Berlin. Seim, Roland (1997): Medienfreiheit und Zensureingriffen. Eine Medien- und rechtssoziologische Untersuchungen zensorischer Einflussnahmen auf bundesdeutsche Popkultur. Münster. Selk, Veith (2020): Warum Populismus? In: Fleck, Marina / Hirschmüller, Tobias/ Hoffmann, Thomas (Hrsg.): Populismus-Kontroversen und Perspektiven. Ein wissenschaftliches Gesprächsangebot. München, S. 21-38. Semeria, Stefano (1999): Talk als Show - Show als Talk. Deutsche und USamerikanische Daytime Talkshows im Vergleich. Opladen, Wiesbaden. Sen, Amartya (2004): Elemente einer Theorie der Menschenrechte. Stuttgart. Sichermann, Stefan (2020): Der Postillon. Nichts als die Wahrheit. München. Simm, Michael (2019): Clickbaits - Köder für unsere Aufmerksamkeit. In: Science Blog vom 24.1.2919. https: / / scienceblog.at/ clickbaits-%E2%80%93k%C3%B6der-f%C3%BCr-unsere-aufmerksamkeit Simmel, Georg (1908): Der Streit. In: Simmel, Georg: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, S. 186-255. Sina, Kai (2023): Maxim. Literatur und Wirklichkeit verwickeln sich in Maxim Billers schillernden Roma ‚Esra‘ leider auf besondere Weise. In: DIE ZEIT vom 25.11.2023, S. 33. Sofsky, Wolfgang (2007): Verteidigung des Privaten. Eine Streitschrift. Bonn. Sokolowsky, Kay (2000): Das große Rhabarbern. Vorwort. In: Bittermann, Klaus / Roth, Jürgen (Hrsg.): Das große Rhabarbern. Neununddreißig Fallstudien über die Talkshow. Berlin, S. 9-20. Sonneborn, Martin (2009): Das PARTEI-Buch. Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt. Köln. Staab, Philipp / Thiel, Thorsten (2021): Privatisierung ohne Privatismus. Soziale Medien im digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 277-297. Staeck, Klaus (1992): Plakate. Göttingen. Staib, Julian (2019): Konferenz zum Kopftuch. „Höchste Zeit für das Ende der Sprechverbote“. In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 8.5. <?page no="315"?> 315 Verwendete Literatur 2019. https: / / www.faz.net/ aktuell/ politik/ inland/ kopftuch-debatte-angoethe-uni-frankfurt-sorgt-fuer-aufsehen-16176862.html Stainer-Hämmerle / Ingruber, Daniela / Marschnig, Georg (Hrsg.) (2023): Verschwörungserzählungen und Faktenorientierung in der Politischen Bildung. Frankfurt am Main. Stamminger, Marc (2016): Demo of Face2Face: Real-time Face Capture and Reenactment of RGB Videos. http: / / lgdv.cs.fau.de/ publications/ publication/ Pub.2016.tech.IMMD.IMMD9.demoof/ Stapf, Ingrid / Prinzing, Marlis / Filipovic, Alexander (2017): Einleitung: Der Journalist und die Qualität des gesellschaftlichen Diskurses. In: Stapf, Ingrid / Prinzing, Marlis / Filipovic, Alexander (Hrsg.): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden, S. 11-16. Stapf, Ingrid (2024): Desinformation. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 315-326. Starkulla, Heinz (2015): Propaganda. Begriffe, Typen, Phänomene. Baden-Baden. Stauber, Birgitta (2024): War es das mit der Wokeness? In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 24.12.2024. Stegemann, Bernd (2021): Die Öffentlichkeit und ihre Feinde. Stuttgart. Stein, Dörte (2021): Ziemlich unsensibel. Gendersternchen schaffen neue Hürden und schließen jene, die wenig oder nicht lesen können, aus. Sprache sollte nicht unnötig verkompliziert werden. In: TAGESZEITUNG vom 23.11.2021, S. 14. https: / / taz.de/ Geschlechtergerechte-Sprache/ ! 5798203/ Steinbrecher, Michael / Weiske, Martin (1992): Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. Tipps und Hintergründe. München. Steinebach, Martin u.a. (2020): Desinformation aufdecken und bekämpfen. Interdisziplinäre Ansätze gegen Desinformationskampagnen und für Meinungspluralität. Baden-Baden. Steininger, Christian (2000): Öffentlichkeit aus politikökonomischer Perspektive. In: Faulstich, Werner / Hickethier, Knut (Hrsg.): Öffentlichkeit im Wandel. Neue Beiträge zur Begriffsklärung. Bardowick, S. 326-336. Steinke, Ronen (2022): Antisemitismus in der Sprache. Warum es auf die Wortwahl ankommt. Berlin. Steinke, Roman (2025): Wo bleibt die Freiheit? In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 11. Januar 2025, S. 41. Stern Jenny: Checking und Verifikation. Neue Formen des Faktenprüfens im Nachrichtenjournalismus. In: Köhler, Tanja (Hrsg.): Nachrichten im digitalen Zeitalter. Ein Handbuch . Bielefeld, S. 119-149. <?page no="316"?> 316 Anhang Stöber, Rudolf (2008): Kommunikations- und Medienwissenschaften. Eine Einführung. München. Stöber, Rudolf (2020): Genderstern und BinnenI. Zu falscher Symbolpolitik in Zeiten eines zunehmenden Illiberalismus. In: Publizistik 66. https: / / www.dgpuk.de/ sites/ default/ files/ fg_attachments/ 1612425932- Sto%CC%88ber2020_Article_GendersternUndBinnen-I.pdf Strässle, Thomas (2019): Fake und Fiktion. Über die Erfindung der Wahrheit. München. Strasser, Johano (2021): Was ist eigentlich Respekt? In: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 6/ 2021, S. 8-11. Strigl, Daniela (2023): Ein jeder übersetzt nur noch sich selbst? Die Debatte um die Übersetzungen von Amanda Gormans The Hill We Climb. In: Domainko, Annika u.a. (Hrsg.): Canceln. Ein notwendiger Streit. München, S. 71-88. Struch, Matthias (2024): Möchte sich noch jemand positionieren? In: Mediendiskurs 110. 4/ 2024, S. 26-30. Studer, Peter (2005): Fairness - Leerformel oder durchsetzbare Forderung? Das Wertwort Fairness in ausgewählten Bereichen der ethischen und juristischen Praxis. Konstanz. Stulpe, Alexander (2024): Nachhaltigkeitspolitik und Demokratie. In: Einsichten und Perspektiven 2/ 2024, S. 4-15. Süß, Dietmar / Torp, Cornelius (2021): Solidarität. Vom 19. Jahrhundert bis zur Corona-Krise. Bonn. Sutor, Bernhard (1990): Ethische Aspekte demokratischer Streitkultur. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Demokratische Streitkultur. Theoretische Grundpositionen und Handlungsalternativen in Politikfeldern. Opladen und Wiesbaden, S. 157-176. Svendsen, Lars (2022): Philosophie der Lüge. Wiesbaden. Szyska, Peter (Hrsg.) (1999): Öffentlichkeit. Diskurs zu einem Schlüsselbegriff der Organisationskommunikation. Opladen. Tausch, Reinhard / Tausch, Anne-Marie (1990): Wege zu uns und zu anderen. Hamburg. Tenscher, Jens (1999): „Sabine Christiansen“ und „Talk im Turm“. Eine Fallanalyse politischer Fernseh-Talkshows. In: Publizistik. Heft 3/ 1999. 44. Jg., S. 317-333. Tenscher, Jens / Schicha, Christian (Hrsg.) (2002): Talk auf allen Kanälen. Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächssendungen. Wiesbaden. Theisen, Manfred (2019): Nachgefragt: Medienkompetenz in Zeiten von Fake News. Bindlach. <?page no="317"?> 317 Verwendete Literatur Thiele, Martina (2015): Medien und Stereotype. Konturen eines Forschungsfeldes. Bielefeld. Thiele, Martina (2021): Political Correctness und Cancel Culture - eine Frage der Macht! Plädoyer für einen Perspektivenwechsel. In: Journalistik 1/ 2021, S. 72-79. https: / / journalistik.online/ wp-content/ uploads/ 2021/ 03/ journalistik-01-2021-Macht_de.pdf Thierse, Wolfgang (2019): Vorwort. In: Niehr, Thomas / Reissen-Kosch, Jana: Volkes Stimme? Zur Sprache des Rechtspopulismus. Bonn, S. 6-7. Thomas, Barbara u.a. (2024a): Ethik der öffentlichen Kommunikation. Eine kommunikationsethische Einführung. Wiesbaden. Thomas, Tanja u.a. (2024b): Praktiken des Widersprechens in vernetzten Öffentlichkeiten: Theorieentwurf und Forschungsheuristik. In: Medien- und Kommunikationswissenschaft 72. 2/ 2024, S. 141-158. Thurnherr, Urs (2000): Angewandte Ethik zur Einführung. Hamburg. Toulmin, Stephen E. (1958): The Uses of Argument. Cambridge. Tucholsky, Kurt (1975): Gesammelte Werke in 10 Bänden. Band 2: 1919 bis 1920. Reinbek bei Hamburg. Ullrich, Wolfgang (2019): Selfies. Die Rückkehr des öffentlichen Lebens. Berlin. van Dyk, Silke (2021): Die Krise der Faktizität und die Zukunft der Demokratie. Strukturwandel der Öffentlichkeit in Zeiten von Fake News, Technokratie und Wahrheitskritik. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 68-90. van Rossum, Walter (2004): Meine Sonntage mit „Sabine Christiansen“ - Wie das Palaver uns regiert. Köln. Virchow, Fabian / Thomas, Tanja / Grittmann, Elke (2015): „Das Unwort erklärt die Untat“. Die Berichterstattung über die NSU-Morde - eine Medienkritik. Frankfurt am Main. Volkmann-Schluck Sonja / Portack, Roman (2021): Kritische Reflektion muss im Kern erkennbar sein. In: Communicatio Socialis 1/ 2021, S. 75-81. Volmert, Johann (1989): Politische Rhetorik des Nationalsozialismus. In: Ehlich, Konrad (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt am Main. Vornbäumen, Axel (1996): Hofschranze Biolek - Boulevard Bio (ARD). In: FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 3.9.1996. Wagner, Anna / Nitsch, Cordula / Lichtenstein, Dennis (2021): Stimmen der Moral oder reine Entertainer? In: Communicatio Socialis 1/ 2021, S. 10-21. <?page no="318"?> 318 Anhang Waldschmidt, Viktor (2019): Clickbait, der ganz große Wurf? Eine Studie über die Verwendung von Clickbaits durch Online-Nachrichtenportale und deren Konsequenzen. Pforzheim. https: / / www.hs-pforzheim.de/ fileadmin/ user_upload/ uploads_redakteur/ Die_Hochschule/ Oeffentlichkeit/ 05.Publikationen/ Beitraege/ Nr172.pdf Wallner, Cornelia / Adorf, Marian (2011): Wie die Öffentlich fassen? Öffentlichkeit als normatives, als empirisches und unvollständiges Konstrukt. Friedrichshafen. Wallraff, Günter (2002): Ich - der andere. Reportagen aus vier Jahrzehnten. Köln. Wampfler, Philippe (2019): Macht im Netz. Vom Cybermobbing bis zum Überwachungsstaat. Stuttgart. Wannemacher, Tom (2024): Die perfide pro-russische Desinformationskampagne „Doppelgänger“. Eine gezielte Manipulation des öffentlichen Diskurses. https: / / www.mimikama.org/ doppelgaenger-strategie-desinformations-kampagne/ Watzlawick, Paul / Beavin, Janet H. / Jackson, Don D. (1971): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, Stuttgart und Wien. Weber, Oliver (2019): Talkshows Hassen. Ein letztes Krisengespräch. Stuttgart. Wegener, Claudia / Heider, Matthias (2019): Wie politische YouTuber arbeiten. In: TELEVIZION 32/ 2019/ 1, S. 16-18. Wehling, Elisabeth (2017): Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht. Köln. Wehling, Hans-Georg (1977): Konsens à la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespräch. In: Schiele, Siegfried / Schneider, Herbert (Hrsg.): Das Konsensproblem in der politischen Bildung. Stuttgart, S. 173-184. Wehrli, Reto (2012): Verteufelter Heavy Metal. Skandale und Zensur in der neueren Musikgeschichte. Münster. Weigand, Verena (2024): Cybermobbing. In: Grimm, Petra / Trost, Kai Erik / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Baden-Baden, S. 347-346. Weimer, Wolfgang (2005): Logisches Argumentieren. Stuttgart. Weinrich, Lotte (1992): Verbale und nonverbale Strategien in Fernsehgesprächen. Tübingen. Weisband, Marina (2024): „Einstiegsdroge in die Demokratie“. Interview mit Till Schmidt. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 42/ 2024 vom 12.10.2024, S. 4-7. <?page no="319"?> 319 Verwendete Literatur Weisbrod, Lars (2024): Bröckelt die Freiheit? In: Die ZEIT vom 17.10.2024, S. 61. Weiß, Norman (2013): Bedeutung und Funktion von Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit im demokratischen Rechtsstaat am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland. In: Jahrbuch des Öffentlichen Rechts der Gegenwart: Neue Folge 61, S. 15-60. Welzer, Harald (2020): Strukturwandel von Öffentlichkeiten. In: Gross, Raphael / Lyon, Melanie / Welzer, Harald (Hrsg.): Von Luther zu Twitter. Medien und politische Öffentlichkeit. Frankfurt am Main, S. 11-26. Wendschlag, Benjamin (2012): Die perfekte Talkshow- Konzept-Bausteine für eine bessere Politikvermittlung. In: Otto-Brenner-Stiftung (Hrsg.): Die Talk-Republik. Köpfe - Konzepte - Kritiker. Frankfurt am Main, S. 250-253. Wentz, Daniela (2005): Authentizität als Darstellungsproblem in der Politik. Eine Untersuchung der Legitimation politischer Inszenierung. Stuttgart. Werber, Niels (2021): Popularität und Populismus. In: Dubbels, Elke / Fohrmann, Jürgen / Schütte, Andrea (Hrsg.): Polemische Öffentlichkeiten. Zur Geschichte und Gegenwart von Meinungskämpfen in Literatur, Medien und Politik. Bielefeld, S. 185-203. Werner, Timo S. (2023): „Niemand hat die Absicht…“ ein Essay zur Lüge in der Politik. In: Bluhm, Lothar u.a. (Hrsg.): Fakt und Fake. Kultur- und sozialgeschichtliche Perspektive auf Wahrheit und Lüge. Baden-Baden, S. 17-30. Wetz, Franz Josef (2011): Texte zur Menschenwürde. Stuttgart. Wetzel, Juliane (2017): Verschwörungstheorien als Ersatzreligion? Eine historische Herleitung. In: Journal für politische Bildung 4/ 2017, S. 22-25. Weyerer, Marlene (2024): Keine Lizenz mehr zum Belästigen. In: ERLANGER NACHRICHTEN vom 8.1.2024, S. 19. Wiedel, Fabian / Dietrich, Philipp / Knieper, Thomas (2022): Der konstruktive Moment des Shitstorms - Wie Prosument: innen eine Publikumsethik befördern. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 151-168. Wiegerling, Klaus: (1998): Medienethik. Stuttgart, Weimar. Wielenga, Friso / Hartleb, Florian (Hrsg.) (2011): Populismus in der modernen Demokratie. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich. Münster. Willemsen, Roger (2012): Das blinde Medium. Rede zur Lage des Fernsehens. Düsseldorf. Willkommen, Anja (2001): Joseph, Sebnitz und die Presse. Ein bemerkenswerter Fall. Dresden. <?page no="320"?> 320 Anhang Winter, Rainer (2010): Widerstand im Netz. Zur Herausbildung einer transnationalen Öffentlichkeit durch netzbasierte Kommunikation. Bielefeld. Wolf, Fritz (2013): Im öffentlichen Auftrag. Selbstverständnis der Rundfunkgremien, politische Praxis und Reformvorschläge. Frankfurt am Main. Wolf, Reinhard (2017): Die Selbstgefälligkeit der Intelligenz im Zeitalter des Populismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 44-45/ 2017, S. 4-10. Wunden, Wolfgang (Hrsg.) (1994): Öffentlichkeit und Kommunikationskultur. Beiträge zur Medienethik. Band 2. Hamburg und Stuttgart. Wunden, Wolfgang (2006): Kommunikationsethik. In: Bentele, Günter / Brosius, Hans-Bernd / Jarren, Otfried (Hrsg.): Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden, S. 128-129. Zerfaß, Ansgar / Pleil, Thomas (Hrsg.) (2012): Handbuch Online-PR: Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Konstanz. Zick, Andreas (2023): Die distanzierte Mitte - eine Annäherung an das Verhältnis der Mitte zur Demokratie in Krisenzeiten. In: Zick, Andreas / Küpper, Beate / Mokros, Nico (Hrsg.): Die distanzierte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/ 23. Bonn, S. 19-34. Zürn, Michael (2022): Zweifel, Lügen, falsche Expertise. Der autoritäre Populismus unterläuft die Regulative Idee von Wahrheit. In: WZB-Mitteilungen. Quartalsheft für Sozialforschung. 4/ 2022, S. 15-18. Weiterführende Literatur (Alle Links wurden am 30. März 2025 zuletzt abgerufen) Adorno, Theodor W. (1972): Meinungsforschung und Öffentlichkeit. In: Soziologische Schriften II. Frankfurt am Main, S. 532-537. Ahlers, Christoph Joseph (2001): Zur Kultur der politischen Rede-Paradigmenwechsel der öffentlichen Kommunikation. In: Depenheuer, Otto (Hrsg.): Öffentlichkeit und Vertraulichkeit. Wiesbaden, S. 159-184. Ahlheim, Klaus / Heger, Bardo (1999): Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Handreichungen für die politische Bildung. Schwalbach. Ahlheim, Klaus / Heger, Bardo (2001): Der unbequeme Fremde. Fremdenfeindlichkeit in Deutschland-empirische Befunde. Schwalbach/ Ts. Alexander, Edgar (1937): Der Mythos Hitler. Zürich. Andree, Martin / Peifer, Karl-Nikolaus (2024): Befreit das Netz. In: SÜD- DEUTSCHE ZEITUNG vom 9.2.2024, S. 11. Arens, Edmund (1996): Die Bedeutung der Diskursethik für die Kommunikations- und Medienethik. In: Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Grundfragen der Kommunikationsethik. Konstanz, S. 73-96. <?page no="321"?> 321 Weiterführende Literatur Arnswald, Ulrich / Geißler, Heiner / Leutheusser-Schnarrenberger, Sabine / Thierse, Wolfgang (Hrsg.) (2000): Sind die Deutschen ausländerfeindlich? 49 Stellungnahmen zu einem aktuellen Thema. Zürich. Arnu, Titur (2024): Mehr Hirn bitte. In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 10.2.2024, S. 41. Assmann, David-Christopher (2021): Öffentlich verfahren. Die Fälle Biller und Herbst revisited. In: Büttner, Urs / Michaelis, Sarah (Hrsg.): Öffentlichkeiten. Theorie und Geschichte ästhetisch-politischer Praxen, Frankfurt am Main, S. 281-300. Bärsch, Claus Ekkehard (1998): Die politische Religion des Nationalsozialismus: die religiöse Dimension der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler. München. Baldauf, Johannes / Rathje, Jan (2017): Antisemitismus und Verschwörungserzählungen heute. Zur Aktualität des Mythos der „jüdischen Weltverschwörung“. In: Journal für politische Bildung 4/ 2017, S. 26-33. Bartens, Werner (2024): Sollte Social Media für Minderjährige verboten werden? In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 10.2.2024, S. 44. Becker, Bernhard von (2007): Schlüsselroman und Schlüsselprozess. Der Fall „Esra“. In: Schertz, Christian / Schuler, Thomas (Hrsg.): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin, S. 186-201. Bedford-Strohm, Jonas / Höhne, Florian / Zeyher-Quattlender, Julian (Hrsg.) (2019): Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit. Interdisziplinäre Perspektiven. Baden-Baden. Beer, Joshua (2023): Lob der Experten. In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 26.11.2023, S. 45. Behrenbeck, Sabine (1996): „Der Führer“. Die Einführung eines politischen Markenartikels. In: Diesener, Gerald / Gries, Rainer (Hrsg.): Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20. Jahrhundert. Darmstadt, S. 51-78. Bender, Wolfgang (1988): Ethische Urteilsbildung. Stuttgart. Bentele, Günter / Brosius, Hans Bernd / Jarren, Otfried (Hrsg.) (2003): Öffentliche Kommunikation. Handbuch Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden. Bentele, Günter / Haller, Michael (Hrsg.) (1997): Aktuelle Entstehung von Öffentlichkeit. Akteure - Strukturen - Veränderungen. Konstanz. Bentele, Günter / Rühl, Manfred (Hrsg.) (1993): Theorien öffentlicher Kommunikation. Problemfelder, Positionen, Perspektiven. München. <?page no="322"?> 322 Anhang Bergmann, Jens/ Bernhard Pörksen (Hrsg.) (2007): Medienmenschen - Wie man Wirklichkeit inszeniert, Münster. Bergsdorf, Harald (2010): Fakten statt Fälschungen. Argumente gegen rechtsextreme Parolen. München. Bernard, Andreas (2022): Verblasster Mythos: die Debatte. In: SÜDDEUT- SCHE ZEITUNG vom 16.7.2022, S. 17. Biolek, Alfred (2001): „Eine Wand und zwei Stühle davor, mehr brauch ich nicht“ - Alfred Biolek antwortet auf Fragen von Maybrit Illner. In: Heinz, Klaus Michael (Hrsg.): Boulevard Bio. Die ersten zehn Jahre. Köln, S. 17- 25. Blazekovic, Aurelie von (2023): Voll ins Blaue. In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 14.10.2023, S. 40. Blazekovic, Aurelie von / Pollmer, Cornelius (2024): Finden Sie diesen Artikel super? In: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 3.2.2024, S. 40. Blöbaum, Bernd (2000): Strukturwandel des Journalismus - Strukturwandel von Öffentlichkeit. In: Jarren, Otfried / Imhof, Kurt / Blum, Roger (Hrsg.): Zerfall der Öffentlichkeit. Wiesbaden, S. 135-147. Bluhm, Lothar u.a. (Hrsg.) (2023): Fakt und Fake. Kultur- und sozialgeschichtliche Perspektive auf Wahrheit und Lüge. Baden-Baden. Borucki, Isabelle u.a. (Hrsg.) (2022): Handbuch Politische Kommunikation. Wiesbaden. Brock, Alexander (2023): Kunstfreiheit oder Verleumdung? In: ERLANGER NACHRICHTEN vom 23. 1.2023, S. 11. Brosda, Carsten (2019): Die Zerstörung. Warum wir für den gesellschaftlichen Zusammenhalt streiten müssen. Hamburg. Brosda, Carsten (2020): Ausnahme / Zustand. Notwendige Debatten nach Corona. Hamburg, S. 3. Brosda, Carsten / Schicha, Christian (2000): Medienethik im Spannungsfeld zwischen Ideal- und Praxisnormen - Eine Einführung. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Medienethik zwischen Theorie und Praxis. Normen für die Kommunikationsgesellschaft. Münster, S. 7-32. Brosius, Hans Bernd / Esser, Frank (1995): Eskalation durch Berichterstattung. Massenmedien und fremdenfeindliche Gewalt. Opladen. Brosius, Hans-Bernd (1995): Alltagsrationalität in der Nachrichtenrezeption: Ein Modell zur Wahrnehmung und Verarbeitung von Nachrichteninhalten. Opladen. Brosius, Hans-Bernd (1998). Visualisierung von Fernsehnachrichten. Text- Bild-Beziehungen und ihre Bedeutung für die Informationsleistung. In: <?page no="323"?> 323 Weiterführende Literatur Kamps, Klaus / Meckel, Miriam (Hrsg.), Fernsehnachrichten. Prozesse, Strukturen, Funktionen. Opladen, S. 213-224. Brosius, Hans-Bernd (Hrsg.): (2000): Kommunikation über Grenzen und Kulturen. Konstanz. Bühler, Sylvia (2021): Gesundheitsbeschäftigte verschaffen sich Respekt. In: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 6/ 2021, S. 15-19. Büsch, Andreas / Prinzing, Marlis (2022): Wissen, was (nicht) geht. „Digitale Kompetenzen“ als unverzichtbare Grundlage von Diskurs- und Streitkultur. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 183-200. Büschlen, Daniela u.a. (Red.) (2022): Gemeinsam gegen Rassismus. Über ein Vierteljahrhundert antirassistisches Engagement. Bern. Bußkamp, Heike (2002): Politiker im Fernseh-Talk. Strategien der medialen Darstellung des Privatlebens von Politikprominenz. Wiesbaden. Cammann, Alexander (2020): Das Debakel. In: DIE ZEIT vom 13.8.2020, S. 47. Capurro, Rafael (2003): Ethik im Netz. Stuttgart. Capurro, Rafael (1978): Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. München u.a. Casdorf, Claus Hinrich (2002): Fernsehen, nutze Deinen Chancen! In: DIE ZEIT vom 18.07.2002, S. 47. Chor, Sabine u.a. (Hrsg.) (2022): Verschwörungserzählungen. Wochenschau Vertiefungsheft. Sekundarstufe II. Frankfurt am Main. Daele, Wolfgang von den / Neidthardt, Friedhelm (1996): „Regierung durch Diskussion“ - Über Versuche, mit Argumenten Politik zu machen. In: Von den Daele, Wolfgang / Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.): Kommunikation und Entscheidung: Politische Funktionen öffentlicher Meinungsbildung und diskursiver Verfahren. Berlin, S. 9-52. Debatin, Bernhard (1989): Kritik und Konsens. Vom herrschaftsfreien Diskurs zur kommunikativen Rationalität. In: Hirschfeld, Dieter / Debatin, Bernhard (Hrsg.): Antinomien der Öffentlichkeit. Texte zum Streit über die Selbstthematisierung der Gesellschaft. Hamburg, S. 16-80. Debatin, Bernhard (2012): Soziale Online-Netzwerke aus medienethischer Perspektive. In: Grimm, Petra / Zöllner, Oliver (Hrsg.): Schöne neue Kommunikationswelt oder Ende der Privatheit? Die Veröffentlichung des Privaten in Social Media und populären Medienformaten. Stuttgart, S. 83-96. Denes, Benjamin (2008): Fälschungen im Journalismus. Geschichte, Theorie und Typologie von redaktionellen Fakes und Faction. Saarbrücken. Dewey, John (2001): Die Öffentlichkeit und ihre Probleme. Berlin und Wien. <?page no="324"?> 324 Anhang Dichanz, Horst u.a. (Hrsg.) (1997): Antisemitismus in Medien. Bonn. Dienel, Peter C. (1990): Alte und neue Arenen politischen Streitens. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Demokratische Streitkultur. Theoretische Grundpositionen und Handlungsalternativen in Politikfeldern. Opladen und Wiesbaden, S. 121-143. Diesener, Gerald / Gries, Rainer (Hrsg.) (1996): Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20. Jahrhundert. Darmstadt. Dietz, Simone (1995): Die Legitimationsmacht der Öffentlichkeit: Die öffentliche Meinung der Mediendemokratie. In: Göhler, Gerhard (Hrsg.): Macht der Öffentlichkeit - Öffentlichkeit der Macht. Baden-Baden, S. 115-132. Dietz, Simone (2003): Die Kunst des Lügens. Eine sprachliche Fähigkeit und ihr moralischer Wert. Reinbek bei Hamburg. Domarus, Max (1973): Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band I: Triumph. Wiesbaden. Donner, Wolf (1995): Propaganda und Film im „Dritten Reich“, Berlin. Dorn, Thea (2019): Warum Streit gut ist. In: DIE ZEIT vom 5.9.2019, S. 12. Dorn, Thea (2023): Geste weg! Symbolpolitik kann die Welt verändern. Manchmal ist sie aber sogar schädlich. In: DIE ZEIT vom 19.1.2023, S. 11. Dörner, Andreas (1999): Politik im Unterhaltungsformat. Zur Inszenierung des Politischen in den Bilderwelten von Film und Fernsehen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B41/ 1999, S. 17-25 Dörner, Andreas (2000): Politische Kultur und Medienunterhaltung. Zur Inszenierung politischer Identitäten in der amerikanischen Film- und Fernsehwelt. Konstanz. Dörner, Andreas (2020): Gemeinsamer Gesprächsraum. Wie der öffentlichrechtliche Rundfunk den Diskurs fördert. Bonn. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2002): Die Sichtbarkeit der Mächtigen. Entertainment, Talkshows und Politikvermittlung im Fernsehen. In: Sozialwissenschaftliche Informationen 3/ 2002, S. 25-35. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2004): Entertainment, Talkshows und Politikvermittlung in Deutschland. In: Nieland, Jörg-Uwe / Kamps, Klaus (Hrsg.): Politikdarstellung und Unterhaltungskultur. Zum Wandel der politischen Kommunikation. Köln, S. 38-53. Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (2016): Politiker im Satireformat: Aspekte der Selbst- und Fremdinszenierung politscher Akteure in der „Heute- Show“. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen. 1/ 2016, S. 195-211. <?page no="325"?> 325 Weiterführende Literatur Dörner, Andreas / Vogt, Ludgera (Hrsg.) (2017): Wahlkampf mit Humor und Komik. Selbst- und Fremdinszenierung Politischer Akteure in Satiretalks des deutschen Fernsehens. Wiesbaden. Driessen, Christoph (2022): Die woke Bedrohung? In: ERLANGER NACH- RICHTEN vom 8.11.2022, S. 4. Drosten, Christian (2020): Corona-Update. Folge 24. Wir müssen weiter geduldig sei (NDR-Info). Ein Gespräch mit Anka Martini. https: / / www.ndr.de/ nachrichten/ info/ 24-Coronavirus-Update-Wir-muessen-weiter-geduldig-sein,podcastcoronavirus166.html Dubiel, Helmut (Hrsg.) (1986): Populismus und Aufklärung. Frankfurt am Main. Falter, Jürgen W. (2009): Meine Abende bei Sabine Christiansen - Einige durchaus persönliche Reminiszenzen. In: Michel, Sascha / Girnth, Heiko (Hrsg.): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Über Sinn, Bedeutung und Kritik von und an politischen Talkshows. Bonn. Florack, Martin / Korte, Karl-Rudolf / Schwanholz, Julia (Hrsg.) (2021): Coronakratie. Demokratisches Regieren in Ausnahmezeiten. Frankfurt am Main. Mönchengladbach. (2. Auflage). Foltin, Hans-Friederich (1991): Confrontainment in deutschen Talkshows: Streit als Unterhaltung in amerikanischen und deutschen Produktionen. In: Kreuzer, Helmut / Schanze, Helmut (Hrsg.): „Bausteine II“. Siegen, S. 51-54. Frindke, Wolfgang (2001): Einführung in die Kommunikationspsychologie. Weinheim und Basel. Fuchs, Christian (2022): Verschwörungstheorien in der Pandemie. Wie über COVID-19 im Internet kommuniziert wird. München. Fuld, Werner (1999): Lexikon der Fälschungen: Fälschungen, Lügen und Verschwörungen aus Kunst, Historie, Wissenschaft und Literatur. Frankfurt am Main. Gaschke, Susanne (2003): Die Ich-AG der ARD. In: DIE ZEIT vom 20.03.2003, S. 24-25. Geißler, Heiner (1989): „Politiker im Fernsehen“. In: Holly, Werner / Kühn, Peter / Püschel, Ulrich (Hrsg.): Redeshows. Fernsehdiskussionen in der Diskussion. Tübingen, S. 147-154. Gerhards, Jürgen (2002): Das Öffentlichkeitsdefizit der EU im Horizont normativer Öffentlichkeitstheorien. In: Kaeble, Hartmut / Kirsch, Martin / Schmidt-Gernig, Alexander (Hrsg.): Transnationale Öffentlichkeiten und Identitäten im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main, S. 135-158. <?page no="326"?> 326 Anhang Gerhards, Jürgen / Neidhardt, Friedhelm (2001): Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. In: Müller-Doom, Stefan / Neumann-Braun, Klaus (Hrsg.): Öffentlichkeit, Kultur und Massenkommunikation, S. 31-90. Goffman, Erving (1974): Das Individuum im öffentlichen Austausch. Frankfurt am Main Goffman, Erving (1999): Interaktionsrituale. Über das Verhalten in direkter Kommunikation. Frankfurt am Main. (5. Auflage). Göttert, Karl-Heinz (1978): Argumentation. Tübingen. Gottberg, Joachim von (2024): Verdachtsjournalismus. Die Abwägung zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz. In: Mediendiskurs 108. 2/ 2024. https: / / mediendiskurs.online/ beitrag/ verdachtsjournalismus-beitrag-772/ Gottberg, Joachim von / Prommer, Elisabeth (Hrsg.) (2008): Verlorene Werte? Medien und die Entwicklung von Ethik und Moral. Konstanz. Gourd, Andrea (2002): Öffentlichkeit und digitales Fernsehen. Wiesbaden. Grampp, Sven (2016): Medienwissenschaft. Konstanz und München. Grethlein, Jona (2024): Moralische Lektüren. In: FRANKFURTER ALLGE- MEINE ZEITUNG vom 3.1.2024, S. N4. Grimm, Petra / Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2012): Schöne neue Kommunikationswelt oder Ende der Privatheit? Die Veröffentlichung des Privaten in Social Media und populären Medienformaten. Stuttgart. Groeben, Norbert / Schreier, Margrit / Christmann, Ursula (1993): Fairneß beim Argumentieren: Argumentationsintegrität als Wertkonzept einer Ethik der Kommunikation. In: Linguistische Berichte 147, S. 355-382. Habermas, Jürgen (1973a): Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt am Main, S. 148. Habermas, Jürgen (1973b): Öffentlichkeit (ein Lexikonartikel) 1964. In: Habermas, Jürgen: Kultur und Kritik. Verstreute Aufsätze. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1981a): Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1981b): Werden wir richtig informiert - Antworten auf vier Fragen (1968). In: Habermas, Jürgen: Kleine politische Schriften. Frankfurt am Main, S. 245-248. Habermas, Jürgen (1983): Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln. Frankfurt am Main. Habermas, Jürgen (1994): Die Moderne - Ein unvollendetes Projekt. Leipzig. <?page no="327"?> 327 Weiterführende Literatur Habermas, Jürgen (1995): Wahrheitstheorien. In: Habermas, Jürgen: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main, S. 127-183. Habermas, Jürgen (2001a): Kommunikatives Handeln und transzendentalisierte Vernunft. Stuttgart. Habermas, Jürgen (2001b): Es gibt doch Alternativen. In: Zeit der Übergänge. Frankfurt am Main, S. 11-24. Habermas, Jürgen (2021c): Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 470-500. Habermas, Jürgen / Bovenschen, Silvia u.a. (1978): Gespräche mit Herbert Marcuse. Frankfurt am Main. Haffner, Sebastian (1988): Anmerkungen zu Hitler. Frankfurt am Main 1988. Hagen, Martin (2022): Muss man das ertragen? Ja. Die Kunstfreiheit gilt auch dann, wenn sie für mich unbequem wird. In: Die ZEIT vom 1.12.2022, S. 16. Harder, Bernd (2010): Elvis lebt! Lexikon der unterdrückten Wahrheiten. Freiburg im Breisgau. Harting, Matthias (1997): Erfolgsorientierte Kommunikation. Tübingen und Basel. Hautkamp, Dirk (2022): Oh Ye, Oh Ye. Star-Rapper und Turnschuh-Millionär Kaye West fliegt wegen antisemitischer Kommentare aus Instagram und Twitter. In: WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG vom 14.10.2022, o.S. Heming, Ralf (1997): Öffentlichkeit, Diskurs und Gesellschaft. Zum analytischen Potential und zur Kritik des Begriffs Öffentlichkeit bei Habermas. Wiesbaden. Herles, Wolfgang (2009): Exempel Talkshow. In: Michel, Sascha / Girnth, Heiko (Hrsg.): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Über Sinn, Bedeutung und Kritik von und an politischen Talkshows, Bonn. Hipp, Dietmar (2002): Unentschieden in Karlsruhe. In: DER SPIEGEL 14/ 2002 vom 30.03.2002, S. 20-25. Hofmann, Michael (1988): Uncommon sense. Zur Kritik von Öffentlichkeit als demokratischem Idol. Mainz. Hohendahl, Peter Uwe (Hrsg.) (2000): Öffentlichkeit. Geschichte eines öffentlichen Begriffs. Stuttgart. Weimar. <?page no="328"?> 328 Anhang Hohlfeld, Ralf u.a. (2020): Fake News und Desinformation. Herausforderungen für die vernetzte Gesellschaft und die empirische Forschung. Baden- Baden. Hoinle, Marcus (2003): Ernst ist das Leben, heiter die Politik. Lachen und Karneval als Wesensmerkmale des Politischen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 53/ 2003, S. 3-11. Holland-Cunz, Barbara (1994): Öffentlichkeit und Intimität. Demokratietheoretische Überlegungen. In: Das Argument 206, S. 659-674. Holly, Werner (1993): Confrontainment? Tendenzen in politischen Fernsehinterviews. In: Medium Spezial 93, S. 37-41. Holly, Werner / Kühn, Peter / Püschel, Ulrich (1985): Nur Bilder von Fernsehdiskussionen? Zur visuellen Inszenierung politischer Werbung als Fernsehdiskussion. In: Bentele, Günter / Hess-Lüttich, Ernest W.B. (Hrsg.): Zeichengebrauch von Massenmedien. Zum Verhältnis von sprachlicher und nichtsprachlicher Information in Hörfunk, Film und Fernsehen. Tübingen, S. 240-264. Holly, Werner / Kühn, Peter / Püschel, Ulrich (1986): Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion. Tübingen. Hölscher, Lucian (1979): Öffentlichkeit und Geheimnis. Eine begriffsgeschichtliche Untersuchung zur Entstehung der Öffentlichkeit in der frühen Neuzeit. Stuttgart. Hund, Wulf D. (1970): Kommunikation in der Gesellschaft. Frankfurt am Main. Hürter, Tobias / Vasek, Thomas (2017): Du sollst nicht lügen. Aber warum eigentlich nicht? In: Hohe Luft kompakt 2/ 2017, S. 5-13. Hüting, Andreas (2003): Konventionen und Deliberationen. Die Diskursethik und die massenmediale Öffentlichkeit. In: Debatin, Bernhard / Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz, S. 111-126. Hutchinson, Leona / Appel, Markus (2020): Die Psychologie des Gerüchts. In: Appel, Markus (Hrsg.): Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait und Co. Berlin, S. 157-166. Imhof, Kurt (2003): Öffentlichkeitstheorien. In: Bentele, Günter / Brosius, Hans Bernd / Jarren, Otfried (Hrsg.): Öffentliche Kommunikation. Handbuch Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden, S. 193-209. Imhof, Kurt / Eisenegger, Mark (1999): Politische Öffentlichkeit als Inszenierung. Resonanz von „Events“ in den Medien. In: Szyszka, Peter (Hrsg.): Öffentlichkeit. Diskurs zu einem Schlüsselbegriff der Organisationskommunikation. Opladen. Wiesbaden, S. 195-218. <?page no="329"?> 329 Weiterführende Literatur Imhof, Kurt / Schulz, Peter (1998): Einleitung: Die Veröffentlichung des Privaten - Die Privatisierung des Öffentlichen. In: Imhof, Kurt / Schulz, Peter (Hrsg.): Die Veröffentlichung des Privaten - die Privatisierung des Öffentlichen. Opladen, S. 9-14. Imhoff, Kurt (2003): Öffentlichkeitstheorien. In: Bentele, Günter / Brosius, Hans Bernd / Jarren, Otfried (Hrsg.): Öffentliche Kommunikation. Handbuch Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden, S. 193-209. Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Abteilung Verfassungsschutz (Hrsg.): (2001): Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen. Bestandsaufnahme, Hintergründe und Gegenstrategien. Düsseldorf. Jarren Otfried (2022): Öffentlichkeitsgestaltung durch Medieninstitutionalisierung. Zur Bedeutung von Journalismus und publizistischen Medien für die Konstitution der demokratischen Öffentlichkeit. In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 223-245. Jarren Otfried / Sarcinelli, Ulrich (1998): Politische Kommunikation als Forschungs- und als politisches Handlungsfeld: Einleitende Bemerkungen zum Versuch der systematischen Erschließung. In: Jarren, Otfried / Sarcinelli, Ulrich / Saxer, Ulrich (Hrsg.): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch. Opladen. Wiesbaden, S. 13-20. Jarren, Otfried / Imhof, Kurt / Blum, Roger (2000): Zerfall der Öffentlichkeit? In: Jarren, Otfried / Imhof, Kurt / Blum, Roger (Hrsg.): Zerfall der Öffentlichkeit. Wiesbaden, S. 9-15. Jarren, Otfried / Krotz, Friedrich (Hrsg.) (1998): Öffentlichkeit unter Viel-Kanal-Bedingungen. Baden-Baden. Jarren, Otfried / Sarcinelli, Ulrich / Saxer, Ulrich (Hrsg.) (1998): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch. Opladen/ Wiesbaden. Keil, Geert / Jaster, Romy (2021): Wer an der Uni sprechen darf - und wie. In: DIE ZEIT vom 11.2.2021, S. 34. Kemmerer, Alexandra (2014): Wer schreit hat unrecht. Berliner Szene: Abbruch einer Veranstaltung. In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 10.2.204, S. 11. Keppler, Angela (2002): Begrenzung und Entgrenzung. Zur Dialektik medialer Kommunikation. In: Fohrmann, Jürgen / Orzessek, Arno (Hrsg.): Zerstreute Öffentlichkeiten. Zur Programmierung des Gemeinsinns. München, S. 53-64. Kesting, Hanno (1995): Öffentlichkeit und Propaganda. Zur Theorie der öffentlichen Meinung. Bruchsal. <?page no="330"?> 330 Anhang Kettler, Eva (2022): Mehr als bloß Worte. Sensibilisierung. Ausländer- und Integrationsbeirat bittet die Stadt, die Verwendung des „N-Wortes“ als rassistisch anzuerkennen. In: ERLANGER NACHRICHTEN vom 21.9.2022, S. 31. Kettner, Matthias (2000): Die Rolle des Arguments in der politischen Kommunikation, In: Siller, Peter / Pitz, Gerhard (Hrsg.): Politik als Inszenierung. Zur Ästhetik des Politischen im Medienzeitalter. Baden-Baden, S. 97- 100. Kirchschläger, Peter G. (2023) Ethisches Entscheiden. Baden-Baden. Klärner, Andreas (2000): Aufstand der Ressentiments. Köln. Klaus, Elisabeth (2001): Das Öffentliche im Privaten - Das Private im Öffentlichen - Ein kommunikationstheoretischer Ansatz. In: Herrmann, Friederike / Lünenborg, Margret (Hrsg.): Tabubruch als Programm. Privates und Intimes in den Medien. Opladen, S. 15-36. Kleinsteuber, Hans J. (2000): Öffentlichkeit und öffentlicher Raum. In: Faulstich, Werner / Hickethier, Knut (Hrsg.): Öffentlichkeit im Wandel. Neue Beiträge zur Begriffsklärung. Bardowick, S. 34-47. Kleinsteuber, Hans J. (2004): Strukturwandel der europäischen Öffentlichkeit? Der Öffentlichkeitsbegriff von Jürgen Habermas und die European Public Sphere. In: Hagen, Lutz (Hrsg.): Europäische Union und mediale Öffentlichkeit. Theoretische Perspektiven und empirische Befunde zur Rolle der Medien im europäischen Einigungsprozess. Köln, S. 29-46. Klier, Peter (1990): Im Dreieck von Demokratie, Öffentlichkeit und Massenmedien. Berlin. Knieper, Thomas (2002): Die politische Karikatur. Eine journalistische Darstellungsform und deren Produzenten, Köln. Knieper, Thomas (2020): Dieter Hanitzsch, seine Netanjahu-Karikatur und die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Die Geschichte einer Antisemitismus-Unterstellung. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Streitfall Antisemitismus. Anspruch auf Deutungsmacht und politische Interessen. Berlin, S. 182-212. Kopperschmidt, Josef (1995): Zwischen politischer Rhetorik und rhetorischer Politik. Thematisch einleitende Bemerkungen. In: Kopperschmidt, Josef (Hrsg.): Politik und Rhetorik. Funktionsmodelle politischer Rede. Opladen, S. 7-18. Korte, Karl-Rudolf (2009): Darstellungs- und Entscheidungspolitik, in: Michel, Sascha / Girnth, Heiko (Hrsg.): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Über Sinn, Bedeutung und Kritik von und an politischen Talkshows, Bonn. Koziol, Klaus (2000): Die Tyrannei der mediengerechten Lösung. Zur Weltaneignung durch Massenmedien. München. <?page no="331"?> 331 Weiterführende Literatur Koziol, Klaus (2003): Öffentlichkeit als hermeneutisches Prinzip medienethischer Reflexion. In: Greis, Andreas / Hunold, Gerfried W. / Koziol, Klaus (Hrsg.): Medienethik. Tübingen und Basel, S. 18-35. Krämer, Carmen (2020): Menschenwürde und Reality TV. Baden-Baden. Kriesi, Hanspeter (2001): Die Rolle der Öffentlichkeit im politischen Entscheidungsprozess. Berlin. Kron, Caroline (2024): Rechtsextreme ködern Jugendliche. In: KÖLNER STADTANZEIGER vom 3.2.2024, S. 14. Krotz, Friedrich (1998): Öffentlichkeit aus der Sicht des Publikums. In: Jarren, Otfried / Krotz, Friedrich (Hrsg.): Öffentlichkeit unter Vielkanal-Bedingungen. Baden-Baden, S. 95-117. Kuhlen, Rainer (2004): Informationsethik. Umgang mit Wissen und Informationen in elektronischen Räumen. Konstanz. Kuhlmann, Christoph (1999): Die öffentliche Begründung politischen Handelns. Zur Argumentationsrationalität in der politischen Massenkommunikation. Opladen und Wiesbaden. Kümmel, Peter (2020): „Schaun Sie mal“. Der Mann für diese schweren Stunden: Wie Markus Lanz den Salon der Republik führt. In: DIE ZEIT vom 19.2.2020, S. 47. Kümpel, Anna Sophie / Rieger, Diana (2019): Wandel der Sprach- und Debattenkultur in sozialen Onlinemedien. Ein Literaturüberblick zu Ursachen und Wirkungen von inziviler Kommunikation. Berlin. https: / / www.kas.de/ de/ einzeltitel/ -/ content/ wandel-der-sprach-und-debattenkultur-in-sozialen-online-medien Laux, Lothar / Spielhagen, Caroline / Renner, Karl-Heinz (2003): Persönlichkeitseigenschaften als Selbstdarstellungsprodukte: Vom Ereignis zur Eigenschaft. In: Fischer Lichte, Erika / Horn, Christian / Umathum, Sandra / Warstat, Matthias (Hrsg.): Performativität und Ereignis, Tübingen und Basel, S. 243-258. Leder, Dietrich (1996): Paradigmenwechsel. Von Hildebrandt zu Harald Schmidt. In: Abarbanell, Stephan / Cippitelli, Claudia / Schwanebeck, Axel (Hrsg.): Fernsehzeit. 21 Einblicke ins Programm. München, S. 89-94. Lethen, Helmut (1996): Versionen des Authentischen: sechs Gemeinplätze. In: Böhme, Hartmut / Scherpe, Klaus R. (Hrsg.): Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Reinbek bei Hamburg, S. 205-231. Liesem, Kerstin / Rademacher, Lars (Hrsg.) (2018): Die Macht der Strategischen Kommunikation. Medienethische Perspektiven der Digitalisierung. Baden-Baden. <?page no="332"?> 332 Anhang Lotz, Christian (2024): Die Katastrophe ist, dass es so weitergeht. In: FRANK- FURTER RUNDSCHAU vom 17.1.2024, S. 26-27. Lucas, Joachim (1992): Strategische Kommunikation am Beispiel politischer Fernsehdiskussionen. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung. Heidelberg (Dissertation). Luhmann, Niklas (1979): Öffentliche Meinung. In: Langenbucher, Wolfgang B. (Hrsg.): Politik und Kommunikation. Über die öffentliche Meinungsbildung. München. Zürich, S. 29-61. Marchart, Oliver (2017): Liberaler Antipopulismus. Ein Ausdruck von Postpolitik. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 44-45/ 2017, S. 11-16. Markefka, Manfred (1995): Vorurteile, Minderheiten, Diskriminierung. Neuwied u.a. Maschewski, Felix / Nosthoff, Anna-Verena (2021): Der plattformökonomische Infrastrukturwandel der Öffentlichkeit: Facebook und Cambridge Analytica revisted. In: Seeliger, Martin / Sevignani, Sebastian (Hrsg.): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit? Leviathan Sonderband 37. Baden-Baden, S. 320-341. Meckel, Miriam (2015): Der berechenbare Mensch. Was die digitale Evolution mit unserer Individualität und Freiheit macht. Tübingen. Meier, Albert (2009): Kunstfreiheit vs. Persönlichkeitsschutz. Maxim Billers Esra zwischen Poesie und Justiz. In: Friedrich, Hans-Edwin: Literaturskandale. Frankfurt am Main, S. 217-230. Meyer, Thomas (2021): Ein neuer Stern am Grundwertehimmel? In: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 6/ 2021, 12-14. Michel, Sascha / Girnth, Heiko (Hrsg.) (2009): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Über Sinn, Bedeutung und Kritik von und an politischen Talkshows, Bonn. Mukerji, Nikil / Mannini, Adriano (2020): Covid-19: Was in der Krise zählt. Über Philosophie in Echtzeit. Stuttgart. Müller, Jan-Werner (2017): Populismus gegen Demokratie. In: Beigel, Thorsten / Eckert, Georg (Hrsg.): Populismus. Varianten von Volksherrschaft in Geschichte und Gegenwart. Münster, S. 257-266. Müller-Doohm, Stefan (1998): Öffentlichkeit und die Ausdifferenzierung des Systems der Kommunikationsmedien. In: Jarren, Otfried / Krotz, Friedrich (Hrsg.): Öffentlichkeit unter Vielkanal-Bedingungen. Baden-Baden, S. 49- 61. Müller-Doohm, Stefan / Neumann Braun, Klaus (Hrsg.) (1991): Öffentlichkeit - Kultur - Massenkommunikation. Beiträge zur Medien- und Kommunikationssoziologie. Oldenburg. <?page no="333"?> 333 Weiterführende Literatur Negt, Oskar / Kluge, Alexander (2002): Entfremdete Öffentlichkeit. Öffentlichkeit und Erfahrung. In: Helmes, Günter / Köster, Werner (Hrsg.): Texte zur Medientheorie. Stuttgart, S. 285-288. Neidthardt, Friedhelm (1998): Öffentlichkeit. In: Schäfers, Bernhard / Zapf, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschland. Opladen, S. 487-495. Neidthardt, Friedhelm (2004): Kommentarthemen - die mediale Policy- Agenda. In: Eilders, Christiane / Neidthardt, Friedhelm / Pfetsch, Barbara (Hrsg.): Die Stimme der Medien. Pressekommentare und politische Öffentlichkeit in der Bundesrepublik. Wiesbaden, S. 106-128. Nieland, Jörg-Uwe / Tenscher, Jens (2002): Talkshowisierung des Wahlkampfes? Eine Analyse von Politikerauftritten im Fernsehen. In: Sarcinelli, Ulrich / Schatz, Heribert (Hrsg.): Mediendemokratie im Medienland. Inszenierungen und Themensetzungsstrategien im Spannungsfeld von Medien und Parteieliten am Beispiel der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2000. Opladen, S. 319-394. Nill, Ulrich (1997): Sprache der Gegenaufklärung. Zu Funktion und Wirkung der Rhetorik im Nationalsozialismus. In: Rhetorik 16: Rhetorik im Nationalsozialismus, S. 1-8. Noetzel, Thomas (1999): Authentizität als politisches Problem. Ein Beitrag zur Theoriegeschichte der Legitimation politischer Ordnung. Berlin. o.V. (2022): „Cancel Culture“ - Was ist das eigentlich. In: NDR Kultur vom 29.8.2022. https: / / www.ndr.de/ kultur/ kulturdebatte/ Cancel-Culture-Wasist-das-eigentlich,cancelculture108.html Otto, Philipp / Graf, Eike (Hrsg.) (2017): 3Thics. Die Ethik der digitalen Zeit. Berlin. Paganini, Claudia u.a. (2023) (Hrsg.): Wissen kommunizieren. Ethische Anforderungen an die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Baden-Baden. Pappert, Steffen / Roth, Kersten Sven (2019): Diskurspragmatische Perspektiven auf neue Öffentlichkeiten in Webforen. In: Hauser, Stefan / Opilowski, Roman / Wyss, Eva L. (Hrsg.): Alternative Öffentlichkeiten. Soziale Medien zwischen Partizipation, Sharing und Vergemeinschaftung. Bielefeld, S. 19-52. Paul, Gerhard (1990): Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933. Bonn. Paul, Ingwer (1990): Rituelle Kommunikation. Sprachliche Verfahren zur Konstitution ritueller Bedeutung und zur Organisation des Rituals. Tübingen. <?page no="334"?> 334 Anhang Pauli-Balleis, Gabriele (1987): Polit-PR. Strategische Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien. Zur PR-Praxis der CSU. Zirndorf. Paulitsch, Luis (2024): Antisemitismus und Medienethik. In: Juridicum vom 2.7.2024, S. 192-200. Peters, Bernhard (1994): Der Sinn von Öffentlichkeit. In: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Opladen, S. 42-76. Peters, Bernhard (2001): Deliberative Öffentlichkeit. In: Wingert, Lutz / Günther, Klaus (Hrsg.): Die Öffentlichkeit der Vernunft und die Vernunft der Öffentlichkeit. Frankfurt am Main, S. 655-677. Peters, Bernhard (2002): Die Leistungsfähigkeit heutiger Öffentlichkeiten - einige theoretische Kontroversen. In: Imhof, Kurt / Jarren, Otfried / Blum, Roger (Hrsg.): Integration und Medien. Wiesbaden, S. 23-35. Petter-Zimmer, Yvonne (1990): Politische Fernsehdiskussionen und ihre Adressaten. Tübingen. Plett, Heinrich F. (1996): Von deutscher Rhetorik. In: Plett, Heinrich (Hrsg.): Die Aktualität der Rhetorik. München, S. 9-20. Plett, Heinrich F. (Hrsg.) (1996): Die Aktualität der Rhetorik. München. Pomerant, Peter (2020): Das ist keine Propaganda. Wie unsere Wirklichkeit zertrümmert wird. Bonn. Pöttker, Horst (1998): Öffentlichkeit durch Journalismus. Zum Programm der Journalistik. In: Publizistik, 43. Jahrgang, Heft 3, S. 229-249. Pöttker, Horst (1999): Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Auftrag. Zum Verhältnis von Berufsethos und universaler Moral im Journalismus. In: Funiok, Rüdiger / Schmälzle, Udo F. / Werth, Christoph H. (Hrsg.): Medienethik - die Frage der Verantwortung. Bonn, S. 215-232. Pöttker, Horst (2002): Öffentlichkeit - Aufklärung - Integration. Drei Schlüsselbegriffe gesellschaftlicher Kommunikation in historischer Perspektive. In: Eurich, Claus (Hrsg.): Gesellschaftstheorie und Mediensystem. Interdisziplinäre Zugänge zur Beziehung von Medien, Journalismus und Gesellschaft. Münster, S. 12-30. Prantl, Heribert (2021): Not und Gebot. Grundrechte in Quarantäne. München. Prinzing, Marlis / Debatin, Bernhard / Köberer, Nina (Hrsg.) (2020): Kommunikations- und Medienethik reloaded. Wegmarken für eine Orientierungssuche im Digitalen. Baden-Baden. Prittwitz, Volker von (Hrsg.) (1996): Verhandeln und Argumentieren. Dialog, Interessen und Macht in der Umweltpolitik. Opladen. Raab, Erving (2008): Erving Goffman. Konstanz. <?page no="335"?> 335 Weiterführende Literatur Rath, Christian (2023): Satire ohne Logo der Regierung. Gericht verbietet Protest-Video auf YouTube zur Flüchtlingspolitik. In: KÖLNER STADTAN- ZEIGER vom 3.3.2023, S. 4. Rauch, Jonathan (2021): Zerstörung der Wahrheit. In: DER SPIEGEL 40 vom 2.10.2021, S. 42-49. Rautenberg, Hanno (2021): Zensur als Aufstand. Kunst war stets umstritten. Doch nun kommen die Sittenwächter auch von links. In: ZEIT Geschichte 2/ 2021, S. 96-103. Reuter, Markus (2020): Die Zerstörung der Presse. In: Netzpolitik.org vom 1.6.2020. https: / / netzpolitik.org/ 2020/ die-zerstoerung-der-presse/ Rötzer, Florian (1999): Aufmerksamkeit als Medium der Öffentlichkeit. In: Maresch, Rudolf / Werber, Niels (Hrsg.): Kommunikation - Medien - Macht. Frankfurt am Main, S. 35-58. Rucht, Dieter (1994): Politische Öffentlichkeit und Massenkommunikation. In: Jarren, Otfried (Hrsg.): Medienwandel - Gesellschaftswandel? 10 Jahre dualer Rundfunk in Deutschland. Berlin, S. 161-177. Ruppert, Wolfgang (2022): Pluralismus und intermediärer Sektor: (k)ein Platz für die Sozialen Medien? In: Gürtler, Christian / Prinzing, Marlis / Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Baden-Baden, S. 201-221. Sängerlaub, Alexander/ Meier, Miriam/ Rühl, Wolf-Dieter (2018): Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017. Berlin. Sarcinelli, Ulrich (1987a): Entwicklungstendenzen zur Politikvermittlung in der Informationsgesellschaft. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland. Opladen, S. 303-328. Sarcinelli, Ulrich (1987b): Politikvermittlung und demokratische Kommunikationskultur. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland. Opladen, S. 19-45. Schmidt, Ursula (2001): Einführung in die Argumentationsanalyse. In: Hug, Theo (Hrsg.): Einführung in die Forschungsmethodik und Forschungspraxis. Band 2. Hohengehren, S. 120-133. Schmoll, Heike (2024): Abbruch der Diskussion. In: FRANKFURTER ALLGE- MEINE ZEITUNG vom 10.2.2024, S. 4. Scholl, Armin (2001): Methoden der Kommunikationswissenschaft. In: Hug, Theo (Hrsg.): Einführung in die Forschungsmethodik und Forschungspraxis. Band 2. Hohengehren, S. 212-228. <?page no="336"?> 336 Anhang Scholl, Armin / Weischenberg, Siegfried (1998): Journalismus in der Gesellschaft. Theorie, Methodologie und Empirie. Opladen. Wiesbaden. Schultheiß Christoph (2007): Nachwirkungen der „Bild“-Berichterstattung. Wie eine große deutsche Boulevardzeitung wirkt. In: Schertz, Christian / Schuler, Thomas (Hrsg.): Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin, S. 31-42. Schultz, Tanjev (2002): Menschelnde Unterhaltung mit Politikern. Daten und Überlegungen zu Auftritten in Promi-Talkshows. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Münster, S. 183-195. Schultz, Tanjev (2003): Authentizität im Zeitalter ihrer medialen Inszenierbarkeit. Überlegungen zur Ambivalenz des Ansatzes von Jürgen Habermas. In: Debatin, Bernhard / Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz, S. 127-142. Schulz, Wolfgang (2000): Strukturen des Begriffs „Öffentlichkeit“ in der Rechtswissenschaft. In: Faulstich, Werner / Hickethier, Knut (Hrsg.): Öffentlichkeit im Wandel. Neue Beiträge zur Begriffsklärung. Bardowick, S. 110-117. Seidl, Claudius (2024): Die Deutschen und ihr Knacks. In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 9.2.2024, S. 11. Seim, Roland / Spiegel, Josef (Hrsg.) (2001): Der kommentierte Bildband zu „Ab 18“. Zensiert, diskutiert, unterschlagen. Münster. Seim, Roland / Spiegel, Josef (Hrsg.) (2004): Nur für Erwachsene. Rock und Popmusik: zensiert, diskutiert, unterschlagen. Münster. Skudlarek, Jan (2021); Wahrheit und Verschwörung. Stuttgart. Sludzalek, Ralf (1987): Die Funktion der Rede im Faschismus. Oldenburg. Spiekermann, Sarah (2019): Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert. München. Spielhagen, Caroline u.a. (2001): Theater erkennen! In: Fischer-Lichte, Erika u.a. (Hrsg.): Wahrnehmung und Medialität. Tübingen, S. 357-383. Spieß, Elina / Frieß, Dennis / Schulz, Anne (2020): Populismus auf Facebook. Ein explorativer Vergleich der Parteien- und Anschlusskommunikation von AfD, CDU und SPD. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft 30, S. 219- 240. Sussebach, Henning (2021): Dreckswetter. In: DIE ZEIT vom 29.4.2021, S. 15- 17. Thierse, Wolfgang (2021): Grabenkämpfe gegen Gemeinsinn. Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft? In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEI- TUNG vom 22.2.2021. https: / / www.faz.net/ aktuell/ feuilleton/ debatten/ <?page no="337"?> 337 Weiterführende Literatur wolfgang-thierse-wie-viel-identitaet-vertraegt-die-gesellschaft-17209407. html#void Thomas, Tanja (2002): Talkshows als „Wir“-Diskurs: Nationales „Wir“ und die „Anderen“ im Kontext der doppelten Staatsbürgerschaft. Tübingen. (Dissertation). Vogelmann, Frieder (2017): Demokratische Wahrheit statt postfaktischer Politik. In: Journal für politische Bildung 4/ 2017, S. 16-21. Wandt, Julia (2023): „Niemand muss sich solche Angriffe gefallen lassen! “ In: DIE ZEIT vom 23.11.2023, S. 37. Werber, Niels (2021): Popularität und Populismus. In: Dubbels, Elke / Fohrmann, Jürgen / Schütte, Andrea (Hrsg.): Polemische Öffentlichkeiten. Zur Geschichte und Gegenwart von Meinungskämpfen in Literatur, Medien und Politik. Bielefeld, S. 185-203. Werner, Petra u.a. (Hrsg.) (2016): Verantwortung - Gerechtigkeit - Öffentlichkeit. Normative Perspektiven auf Kommunikation. Konstanz und München. Weßler, Hartmut (2002): Reden über Streit: Theoretische Überlegungen zur politischen Konfliktkommunikation in der Mediengesellschaft. In: Schatz, Heribert / Rössler, Patrik / Nieland Jörg, Uwe (Hrsg.): Politische Akteure in der Mediendemokratie. Politiker in den Fesseln der Medien? Wiesbaden, S. 189-202. Westphalen, Joseph von (2000): Ein Abgrund namens Langeweile. Sabine Christiansen. In: Bittermann, Klaus / Roth, Jürgen (Hrsg.): Das große Rhabarbern. 42 Fallstudien über die Talkshow. München, S. 44-46. Wittstock, Uwe (2005): Literatur vor Gericht. In: DIE WELT vom 18.6.2005. Wittstock, Uwe (2011): Der Fall Esra. Ein Roman vor Gericht. Über die neuen Grenzen der Literaturfreiheit. Köln. Wunden, Wolfgang (Hrsg.) (1994): Öffentlichkeit und Kommunikationskultur. Beiträge zur Medienethik. Band 2. Hamburg. Stuttgart. <?page no="338"?> 338 Anhang Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Kommunikationsquadrat von Schulz-Thun. https: / / www.acquisa.de/ magazin/ kommunikationsquadrat Abb. 2 Konfliktmoderation im Gruppenchat. https: / / love-storm.de/ moderate-no-hate-was-tun-bei-konflikten-im-gruppenchat/ Abb. 3 Wahlplakat ‚Respekt für Dich‘ der SPD zur Bundestagswahl 2021 https: / / www.designtagebuch.de/ die-plakate-zur-bundestagswahl- 2021/ olafscholz_plakat_respekt/ Abb. 4 Facebookeintrag von Dunja Hayali vom 28. August 2015. https: / / www. facebook.com/ DunjaHayali/ posts/ 878149822239519 Abb. 5 Was „Fakenews“ sind und was nicht. https: / / www.reframetech.de/ 2018/ 03/ 29/ entwarnung-zu-Fake News-neue-studiezeigt-falschnachrichten-hatten-im-bundestagswahlkampf-einegeringere-reichweite-als-befuerchtet/ Abb. 6 Ankündigung der Tagung: Das islamische Kopftuch. https: / / www.uni-muenster.de/ ZIT/ Aktuelles/ 2019/ dasislamischekopftuch___symbolderwuerdeoderderunterdrueckung/ index.html Abb. 7 Warnhinweis vor der Ausstrahlung einer Wiederholung der Harald Schmidt-Show. https: / / www.alexander-wallasch.de/ kultur/ alte-harald-schmidt-sendungen-werden-vom-wdr-mit-warnhinweis-versehen Abb. 8 Die Talkshow-Gäste mit den meisten Auftritten 2023 (Anne Will, Maischberger, Hart aber fair, Maybrit Illner, Markus Lanz). https: / / www.meedia.de/ marktdaten-medien/ meedia-analyse- 2023-kevin-kuehnert-ist-der-neue-talkshowkoenig- 6ae37ceb16a4d0e7595b2d64a77313ea Abb. 9 Petition ‚Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag‘. https: / / www.faz.net/ aktuell/ feuilleton/ medien/ anti-lanz-petitioner-soll-alle-gleich-behandeln-12780212.html Abb. 10 Titel der Bildzeitung vom 7. April 2006 Abb. 11 Titel der Bildzeitung vom 31. Mai 2022 Abb. 12 Titel der Bildzeitung vom 6. Dezember 2004 Abb. 13 Titel der Bildzeitung vom 3. März 2004 Abb. 14 Titel der Bildzeitung vom 23. November 2000 Abb. 15 Verschiedene Bildausschnitte mit Jürgen Trittin auf einer Demonstration. https: / / www.fluter.de/ ein-schlagstock-machtschlagzeilen <?page no="339"?> 339 Abbildungsverzeichnis Abb. 16 Titel der Bildzeitung vom 24. November 2011 Abb. 17 Schriftverkehr zwischen Christian Drosten und dem BILD-Redakteur Filipp Piatov. https: / / x.com/ c_drosten/ status/ 1264934434756755456 Abb. 18 Titel der Bildzeitung vom 4. November 2020 Abb. 19 Initiative gegen respektloses Handeln der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen. https: / / www.gender-und-diversity.fau.de/ 2023/ 10/ 09/ faurespekt_kampagne-gegen-sexuellebelaestigung-diskriminierung-und-machtmissbrauch/ <?page no="340"?> 340 Anhang Zum Autor Prof. Dr. Christian Schicha studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik/ Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Essen, an der er auch promovierte. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Essen (Soziologie), Dortmund (Philosophie und Politikwissenschaft), Düsseldorf (Philosophie) und Marburg (Medienwissenschaft) sowie Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Nach seiner Habilitation am Institut für Medienwissenschaft an der Universität Marburg wurde er 2008 zum Professor für Medienmanagement an die Mediadesign Hochschule in Düsseldorf berufen. Dort war Schicha auch als Akademischer Leiter, Dekan, Mitglied der Hochschulleitung und standortübergreifender Pressesprecher tätig. Seit 2015 ist er Professor für Medienethik am Institut für Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er arbeitet dort auch in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkolleg Literatur und Öffentlichkeit in differenten Gegenwartskulturen. Ehrenamtliche Tätigkeiten Christian Schicha ist Mitherausgeber der Schriftenreihe Kommunikations- und Medienethik im Nomos-Verlag Baden-Baden, Mitarbeiter beim Bayrischen Kompetenznetzwerk Medien-Ethik-Bildung und hat die Online-Kurse Medienethik. Themen und Diskurse, Werbung ethisch betrachtet sowie Anstand im Netz. Digitale Kommunikation ethisch betrachtet an der Virtuellen Hochschule Bayern mitgestaltet. Er kooperiert mit dem Kompetenznetzwerk Medien-Ethik-Bildung , das Weiterbildungsmaßnahmen für Journalist: innen und Publizist: innen u.a. zur Ethik der digitalen Kommunikation organisiert. Der Hochschullehrer arbeitet als Jurymitglied der Initiative Nachrichtenaufklärung e.V . mit Sitz in Köln, im Beraterkreis der vom Hans-Bredow-Institut Hamburg herausgegebenen Fachzeitschrift Medien & Kommunikationswissenschaft im Nomos Verlag Baden-Baden und beim Netzwerk-Medienethik in München mit. Er ist Mitglied der Fachgruppen Kommunikations- und Medienethik sowie Visuelle Kommunikation in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Dort war er mehrfach Mitglied in Jurys für Zeitschriftenpreise und den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie in Auswahlgremien bei Peer-Review-Verfahren für Fachtagungen und Publikationen. Schicha ist weiterhin als Gutachter bei Anträgen für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und für Agenturen in Akkreditierungsverfahren bei Studiengängen von Universitäten tätig. <?page no="341"?> 341 Zum Autor Referententätigkeit (Auswahl)  Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Hannover  Akademie für politische Bildung Tutzing  Akademietage Bietigheim-Bissingen  Bayrische Landeszentrale für neuen Medien München  Bayrische Landesmedienanstalt München  Bildungszentrum Nürnberg  Bonhoeffer-Gesellschaft Eisenach  Bundesverband Kinderhospiz  Bundeszentrale für politische Bildung Bonn  Clausewitz-Gesellschaft Berlin  Deutsche Atlantische Gesellschaft Würzburg  Deutscher Evangelischer Frauenbund  Evangelische Akademie Tutzing  Evangelische Akademie Nürnberg  Evangelische Kirche Worms  Evangelischer Medienkongress Köln  Fachhochschulen (u.a. Ansbach, Düsseldorf, Fulda, Köln, München, Nürnberg, St. Pölten, Stuttgart)  Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen Berlin  Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen  Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg  Hamburg Media School  Haus Eckstein Nürnberg  Initiative Qualität im Journalismus Nürnberg  Institut für Medienverantwortung Berlin  Journalistenverband NRW Köln  K-Camp Düsseldorf  Kölner Journalistenschule  Konrad-Adenauer-Stiftung Wesseling und Greifswald  Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim  Landeszentrale für neue Medien München  Leibniz-Institut Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt  Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern Rostock  Medienzentrum München  Münchener Medienherbst  Museum für Kommunikation Nürnberg <?page no="342"?> 342 Anhang  Nemetschek-Stiftung München  Netzwerk Medienethik München  Neuland & Gestalten München  NRW School of Governance Duisburg  Schauspiel Frankfurt  Social Community Day Köln  Stadtbücherei Würzburg  Staatstheater Nürnberg  Südwestdeutsche Medientage Neustadt  Technoseum Mannheim  Theodor-Heuss-Akademie Gummersbach  Theologisches Studienseminar Pullach  Universitäten (u.a. Aachen, Basel, Berlin, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Erlangen, Essen, Greifswald, Heidelberg, Kassel, Ludwigsburg, Marburg, München, Passau, Siegen, Trier, Tübingen, Wien)  Volkshochschulen (u.a. Borken, Duisburg, Erlangen)  Webkongress Erlangen  Wirtschaftsforum Walldürn  Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe  Zukunftsmuseum Nürnberg Fernsehinterviews (Auswahl)  17.30 SAT1 Bayern  Frankenfernsehen  Kulturzeit (3sat)  Medienmagazin ZAPP (NDR)  Nachtcafe (SWR)  Nachtjournal (RTL)  Rundschau und Frankenschau Aktuell (BR)  Vollbild (SWR)  Walulis-Story (SWR) Radiointerviews (Auswahl)  Breitband (DLF)  Echo der Zeit (Schweizer Fernsehen und Radio)  Irgendwas mit Medien (Deutschlandradio)  Kulturradio (SR) <?page no="343"?> 343 Zum Autor  Kultur (NDR)  Mediares (DLF)  Radioeins-Medienmagazin (RBB)  Radio FM4 (ORF, Österreich)  Resonanzen (WDR3)  Scala (WDR5)  Schweizer Fernsehen und Radio (SRF)  Töne, Texte, Bilder (WDR5)  Unser Leben (RBB) Printgespräche (Auswahl)  Augsburger Allgemeine Zeitung  Deutsche Presseagentur  Die Debatte  Evangelischer Pressedienst  Frankfurter Allgemeine Zeitung  Frankfurter Rundschau  Fränkischer Tag  Friedrich - Forschungsmagazin der FAU  GEO  Journalist  Katholische Nachrichtenagentur  Kölner Rundschau  Kronenzeitung (Österreich)  Nürnberger Nachrichten  Politik und Kommunikation  Sonntagsblatt  Standard (Österreich)  Süddeutsche Zeitung  Weißer Ring-Magazin  Werben & Verkaufen  Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online-Gespräche (Auswahl)  Deutscher Sparkassen- und Giroverband  die-debatte.org  ethik-lexikon.de <?page no="344"?> 344 Anhang Publikationen Monografien (Auswahl)  Bildethik  Die Inszenierung des Politischen (mit Thomas Meyer und Rüdiger Ontrup)  Die Theatralität der politischen Kommunikation  Diskurs-Inszenierungen (mit Thomas Meyer und Carsten Brosda)  Legitimes Theater?  Medienethik Sammelbände (Auswahl)  Das Private in der öffentlichen Kommunikation (mit Martin K.W. Schweer und Jörg-Uwe Nieland)  Handbuch Medienethik (mit Carsten Brosda)  Handbuch Medienselbstkontrolle (mit Achim Baum, Wolfgang R. Langenbucher und Horst Pöttker)  Medien und Terrorismus (mit Carsten Brosda)  Evangelische Zeitung  focus.de  hamburgmediaschool.com  journalist.de  katholisch.de  meedia.de  mittelhessen.de  ntv.de  rp-online.de  sonntagsblatt.de  spiegel.de  stern.de  sueddeutsche.de  tageschau.de  telepolis.de  watson.de  welt.de  white-lab.de  zdfheute.de  zeit-online.de <?page no="345"?> 345 Zum Autor  Medien und Wahrheit (mit Ingrid Stapf und Saskia Sell)  Medienethik zwischen Theorie und Praxis (mit Carsten Brosda)  Medienethik (mit Carsten Brosda)  Medieninszenierungen im Wandel (mit Rüdiger Ontrup)  Neuvermessung der Medienethik (mit Alexander Filipovic und Ingrid Stapf)  Politik im Spot-Format (mit Andreas Dörner)  Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten (mit Carsten Brosda)  Talk auf allen Kanälen (mit Jens Tenscher)  Wahlwerbespots zur Bundestagswahl 2007 Aufsätze in Fachzeitschriften (Auswahl)  365 Tage fürs Leben  Baugerüst  Berliner Journalisten  Communicatio Socialis  epd-Medien  Ethik-Lexikon  Ethik und Unterricht  Forum Medienethik  Journal für Politische Bildung  Journalistik Journal  Journalistikon  Medien Journal  Medienconcret  Medienimpulse  Politik und Medien  Politik und Kommunikation  Praxis Politik  Psychosozial  The European  TV Diskurs  Vierteljahreszeitschrift für wissenschaftliche Pädagogik  Vorgänge  Weiterbildung  Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik <?page no="346"?> 346 Anhang Handbücher (Auswahl)  Corporate Social Responsibility  Digitale Ethik  Kommunikationsmanagement  Medienethik  Medienmanagement  Medienpädagogik  Medienpsychologie  Medienselbstkontrolle  Politischer Journalismus  Politisches Marketing  Regierungsforschung  Unternehmenskommunikation Buchbesprechungen (Auswahl)  H/ SOZ/ KULT - Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften  Medien- und Kommunikationswissenschaft  Medienwissenschaft Rezensionen  Rezension: Kommunikation: Medien  Publizistik Ausgewählte Publikationen von 2019-2025 Bildethik - Normative Ansprüche an visuelle Diskurse im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis. In: Schwender, Clemens u.a. (Hrsg.): Zeigen, Andeuten, Verstecken. Bilder zwischen Verantwortung und Provokation. Herbert von Halem: Köln 2019, S. 231-239. Medienethik. Grundlagen - Anwendungen - Ressourcen. UVK: München 2019. Rekonstruktion und Analyse von Wahlwerbespots der CDU, CSU, SPD, LINKE, FDP, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und AfD zur Bundestagswahl 2017. In: Schicha, Christian (Hrsg.): Wahlwerbespots zur Bundestagswahl 2017. Analysen und Anschlussdiskurse über parteipolitische Kurzfilme in Deutschland, Springer VS: Wiesbaden 2019, S. 43-84. (mit Miriam Skroblies). Die „kleinen“ Parteien - Ein Überblick zu den Wahlwerbespots bei der Bundestagswahl 2017. In: Schicha, Christian (Hrsg.): Wahlwerbespots zur Bundestagswahl 2017. Analysen und Anschlussdiskurse über parteipolitische Kurzfilme in Deutschland, Springer VS: Wiesbaden 2019, S. 85-158. <?page no="347"?> 347 Zum Autor Bildethik. Grundlagen - Anwendungen - Bewertungen. UVK: München 2021. Einleitung: Zwischen Desinformation, Zeugenschaft und Glaubwürdigkeit: Medienethische Perspektiven auf Wahrheit im Kontext der Digitalisierung. In: Schicha, Christian/ Stapf, Ingrid/ Sell, Saskia (Hrsg.): Medien und Wahrheit - Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Nomos: Baden-Baden 2021, S. 9-26. (mit Ingrid Stapf und Saskia Sell). Bearbeitete Bilder - Techniken und Bewertungen visueller Veränderungen am Beispiel politischer Motive. In: Schicha, Christian/ Stapf, Ingrid/ Sell, Saskia (Hrsg.): Medien und Wahrheit - Medienethische Perspektiven auf Desinformationen, Lügen und „Fake News“. Nomos: Baden-Baden 2021, S. 173-204. Streitkulturen - Anmerkungen über Stellungnahmen von Wissenschaftler: innen und Wissenschaftlern bei kontroversen Debatten. In: Publizistik vom 8.12.2021. https: / / link.springer.com/ content/ pdf/ 10.1007/ s11616-021- 00702-y.pdf Die visuelle Darstellung toter Flüchtlinge in den Medien: Instrumentalisierung von Leid oder notwendige Aufklärung. In: Lubkoll, Christine/ Forrester, Eva/ Sestu, Timo (Hrsg.): Fremdheit, Integration, Vielfalt? Interdisziplinäre Perspektiven auf Migration und Gesellschaft, Fink: Paderborn 2021, S. 63-78. Macht, Provokation, Polemik statt Verständigung. Es geht darum, kontroverse Auffassungen öffentlich zu diskutieren. In: Academia 1/ 2022, S. 52- 53. Politikerskandale in der Medienberichterstattung. In: Korte, Karl-Rudolf/ Florack, Martin (Hrsg.): Handbuch Regierungsforschung. Springer: Wiesbaden 2022. Streitkultur statt Cancel Culture - Ein Plädoyer für eine offene Diskurskultur bei kontroversen Debatten. In: Gürtler, Christian/ Prinzing, Marlis/ Zeilinger, Thomas (Hrsg.): Streitkulturen. Medienethische Perspektiven auf gesellschaftliche Diskurse. Nomos: Baden-Baden 2022, S. 113-132. Zuordnungen und Abgrenzungen für die Analyse von Handlungs- und Reflektionsfeldern der Medienethik. In: Endres, Susanne/ Gürtler, Christian/ Pavlovic, Irena (Hrsg.): Das verborgene Sehen: Sinnsuche zwischen Medien, Religion und Ethik. Verlag der evangelischen Publizistik: Erlangen 2022, S. 422-436. Zur Haltung im Krieg. Journalistische Herausforderungen der Berichterstattung über Krisen. In: Medienconcret 1/ 2022, S. 6-10. <?page no="348"?> 348 Anhang Bildbearbeitung im Wandel. Techniken und Bewertungen von historischen und aktuellen Veränderungen politischer Motive. In: Grampp, Sven/ Podrez, Peter/ Wiedenmann, Nicole (Hrsg.): Medien. Zeiten. Interdependenzen. Springer VS: Wiesbaden 2023, S. 377-408. Streitkultur, Cancel Culture und kulturelle Aneignung. Normen und Perspektiven für konstruktive Auseinandersetzungen. In: Weiterbildung 4/ 2023, S. 10-13. Bilder. In: Grimm, Petra/ Trost, Kai Erik/ Zöllner, Oliver (Hrsg.): Handbuch Digitale Ethik. Nomos: Baden-Baden 2024, S. 327-346. Ein Überblick zur Bildethik im digitalen Zeitalter. (Interview mit Petra Hemmelmann). In: Communicatio Socialis 4/ 2024, S. 456-464. Medienöffentlichkeiten im Wandel. Entwicklungen vom Analogen zum Digitalen. In: Bentele, Günter/ Piwinger, Manfred (Hrsg.): Kommunikationsmanagement. Strategien, Wissen, Lösungen. Luchterhand: München 2024, S. 1-24. Öffentlichkeiten im Wandel. Normative Überlegungen und die Kontroverse um Maxim Billers Roman Esra. In: Bosch, Aida/ Kley, Antje (Hrsg.): Literatur und Medienöffentlichkeiten: orientierende Fallstudien. Metzler: Stuttgart 2025, S. 189-201. Publikationen im Erscheinen Bilder im Krieg - Zur visuellen Berichterstattung im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Grenzüberschreitung. In: Kähler, Jürgen/ Kirchmann, Kay (Hrsg.): Der Krieg gegen die Ukraine. Berichte, Positionen, Perspektiven. FAU-Press: Erlangen. 2025. Inszenierung. In: Filipovic, Alexander/ Endres, Susanna/ Franzetti, Annika (Hrsg.): Grundbegriffe der Medienethik. UVK/ UTB: München. 2025. Gewalttaten und ihre mediale Darstellung in Wort und Bild. In: Dossier Medienpolitik der Bundeszentrale für politische Bildung: Bonn. 2025. Bilder und Bildbearbeitungen im Wandel - Eine bildethische Reflexion am Beispiel politischer Motive. In: Grebe, Matthias u.a. (Hrsg.): Kirche und Wahrheit, Band 1. Studien der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft (StIBG): Leipzig 2025. Wahlplakate in Deutschland - Eine historische und normative Einordnung. In: Communicatio Socialis 2/ 2025. Literaturskandale zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsschutz - Eine Analyse am Beispiel des Romans Esra von Maxim Biller. In: Niefanger, Dirk/ Schicha, Christian (Hrsg.): Literatur und Öffentlichkeiten. Metzler: Stuttgart 2025. <?page no="349"?> 349 Zum Autor Publikationen in Vorbereitung Visuals and Ethics. Erscheint in: Schutz, Tanjev/ Jackob, Nikolaus (Hrsg.): Handbook on Media Ethics Research. Edward Elgar Publishing: Cheltenham UK. 2026. Kommunikationsfreiheit und Öffentlichkeit als Basis verständigungsorientierter Diskurse in der Demokratie. Erscheint in: Stapf, Ingrid/ Heesen, Jessica/ Martena, Laura (Hrsg.): Medien und Sprache aus ethischer Perspektive: Zwischen Hassrede, Framing und generativer Künstlicher Intelligenz. Nomos: Baden-Baden 2026. Links (Alle Links wurden zuletzt am 30. März 2025 abgerufen) www.schicha.net (private Homepage) www.apb-tutzing.de (Akademie für politische Bildung Tutzing) www.archiv.ub.uni-marburg.de/ ep/ 0002/ index (Fachzeitschrift Medienwissenschaft Rezensionen) www.blm.de (Bayrische Landeszentrale für neue Medien) www.bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung) www.derblindefleck.de (Initiative Nachrichtenaufklärung e.V.) www.dgpuk.de (Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft) www.imz.uni-erlangen.de (Interdisziplinäres Medienwissenschaftliches Zentrum an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) www.izdigital.fau.de (Interdisziplinäre Zentrum für Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg) www.literaturundoeffentlichkeit.de (Graduiertenkolleg Literatur & Öffentlichkeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) www.meb-kompetenznetz.de (Bayrisches Kompetenznetzwerk Medien- Ethik-Bildung) www.m-und-k.nomos.de (Fachzeitschrift Medien- & Kommunikationswissenschaft) www.netzwerk-medienethik.de (Netzwerk Medienethik) www.theater-medien.phil.fau.de (Institut für Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) www.vhb.org (Virtuelle Hochschule Bayern) www.ziwis.fau.de (Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) <?page no="351"?> BUCHTIPP Die rasch voranschreitende Digitalisierung und der damit verbundene tiefgreifende Kulturwandel erfordern dringend ethische Re exionen und mehr gesellschaftliche Gestaltung. In dieser Einführung werden wichtige Grundbegriffe und normative Leitideen geklärt. Im ersten Teil Digitale Medienethik geht es um Probleme wie Fake News, Emotionalisierung und Hassrede in Online-Medien. Dies führt zur Frage, ob das Internet die Demokratie eher fördert oder gefährdet. Der zweite Teil KI-Ethik re ektiert die Gefahren von Data zierung und Big-Data-Analysen, z. B. Diskriminierung oder Verlust von Freiheit. Zudem wird beleuchtet, wie der vermehrte Einsatz von Robotern unser Leben und unser Menschenbild verändert. Gegeben wird ein kritisch abwägender Überblick über das hochkomplexe aktuelle Themenfeld mit klarer Struktur und vielen Übersichten. Dagmar Fenner Digitale Ethik Eine Einführung 1. Au age 2025, 588 Seiten €[D] 32,00 ISBN 978-3-8252-6281-5 eISBN 978-3-8385-6281-0 Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de <?page no="353"?> BUCHTIPP In den letzten Dekaden erlangte rechtsradikale Politik zunehmende Salonfähigkeit in der Mitte des gesellschaftspolitischen Mainstreams. Beispiele aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen oder Ungarn weisen auf einen europaübergreifenden Charakter dieses Phänomens hin und werden in diesem Buch aufgezeigt. Das Buch umfasst nicht nur die klassischen Schwerpunkte wie Begriffsdiskussionen und Erklärungsansätze rechtsradikaler Wahlerfolge, sondern auch weitere Entwicklungen wie rechtsradikale Normalisierungsstrategien sowie Interaktionen rechtsradikaler Politik mit dem Mainstream. Darüber hinaus zeigt der Autor die Konsequenzen dieser Entwicklungen für europäische Gesellschaften und liberale Demokratien auf. Bartek Pytlas Rechtsradikale Politik in Europa Vom Rand in den Mainstream 1. Au age 2024, 192 Seiten €[D] 26,90 ISBN 978-3-8252-5995-2 eISBN 978-3-8385-5995-7 Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de <?page no="355"?> ISBN 978-3-8252-6469-7 Christian Schicha Kommunikationsethik Grundlagen - Debatten - Lösungsansätze In den Grundlagen dieses Bandes werden Kommunikationsmodelle skizziert sowie ethische Anforderungen an Kommunikationsprozesse wie Öffentlichkeit, Demokratie, Freiheit und Wahrheit aufgezeigt. Es folgen Hinweise auf Normverletzungen in Form von Propaganda, Populismus, Desinformation und Antisemitismus. Im Abschnitt über Kontroversen geht es um die Reflexion von Meinungsverschiedenheiten u. a. anhand der Debatten über Cancel Culture und kulturelle Aneignung. Zudem werden Debattenräume in Form von Talkshows und Boulevardformaten thematisiert, in denen diese Kontroversen diskutiert werden. Im letzten Teil werden Wege zu einer konstruktiven Debattenkultur ausgezeigt und Initiativen vorgestellt, die darüber berichten und Menschen unterstützen, die durch menschenfeindliche Handlungen betroffen sind. Medien- und Kommunikationswissenschaft Kommunikationsethik Schicha Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel 2025-05-13_6469-7_Schicha_M_6469_PRINT.indd Alle Seiten 2025-05-13_6469-7_Schicha_M_6469_PRINT.indd Alle Seiten 13.05.25 13: 00 13.05.25 13: 00