Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Frag doch einfach!
Klare Antworten aus erster Hand
0119
2026
978-3-8385-6471-5
978-3-8252-6471-0
UTB
Stephan Wassong
Ansgar Molzberger
Daniel Quanz
Philipp Waeffler
10.36198/9783838564715
Als globales Ereignis faszinieren die Olympischen Spiele Athlet:innen wie Zuschauer:innen.
Dieser Band befasst sich zunächst mit den antiken Ursprüngen des heutigen Weltsportfestes und zeigt, wie die Entwicklung der modernen Olympischen Spiele seit ihrer Entstehung verlief. Die Autor:innen erklären die Organisation und Funktion des Internationalen Olympischen Komitees und gehen auch auf die Rolle der Athlet:innen sowie die Paralympics und die Youth Olympic Games ein. Ein Kapitel zu aktuellen Herausforderungen für die Olympische Bewegung rundet den Band ab.
Ein Must-have für alle Sportstudierenden und olympisch Interessierten!
Frag doch einfach! Die utb-Reihe geht zahlreichen spannenden Themen im Frage-Antwort-Stil auf den Grund. Ein Must-have für alle, die mehr wissen und verstehen wollen.
9783838564715/9783838564715.pdf
<?page no="0"?> Wassong | Molzberger | Quanz | Waeffler (Hg.) Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Klare Antworten aus erster Hand Frag doch einfach! <?page no="1"?> utb 6471 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn - Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Walter de Gruyter · Berlin · Boston Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main UTB (M) Impressum_09_25_4c.indd 1 UTB (M) Impressum_09_25_4c.indd 1 17.09.2025 16: 06: 23 17.09.2025 16: 06: 23 <?page no="2"?> Univ.-Prof. Dr. Stephan Wassong ist Leiter des Instituts für Sportgeschichte und Direktor des Zentrums für Olympische Studien der Deutschen Sport‐ hochschule Köln. Seine Forschungsschwerpunkte beziehen sich auf histori‐ sche und aktuelle Dimensionen der Olympischen Bewegung. Er ist Mitglied der Olympic Education Commission im Internationalen Olympischen Komi‐ tee und Direktor des Studienganges M.A. Olympic Studies. Dr. Ansgar Molzberger lehrt und forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sportgeschichte/ Zentrum für Olympische Studien der Deut‐ schen Sporthochschule Köln, insbesondere zu den Themen Olympische Bewegung, Skandinavische Sportgeschichte sowie Sportarchive und -mu‐ seen. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Carl und Liselott Diem-Archivs. Daniel Quanz ist am Institut für Sportgeschichte/ Zentrum für Olympische Studien der Deutschen Sporthochschule Köln für die Durchführung des internationalen Masterstudiengangs M.A. Olympic Studies verantwortlich. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Sportethik/ Olympismus sowie die Governance der Olympischen Bewegung. Philipp Waeffler ist Dozent an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen EHSM, Ressort Trainerbildung. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind Sport Coaching, Ethik und Olympismus. Er nahm als Athlet und Trainer im Modernen Fünfkampf an den Olympischen Spielen teil. #fragdocheinfach Alle Bände der Reihe finden Sie am Ende des Buches. <?page no="3"?> Stephan Wassong / Ansgar Molzberger / Daniel Quanz / Philipp Waeffler (Hg.) Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand Unter Mitarbeit von Marloes Ekkelboom, Janka Deszatnik, Annett Chojnacki-Bennemann und Thierry Zintz <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838564715 © UVK Verlag 2026 ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption | gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 6471 ISBN 978-3-8252-6471-0 (Print) ISBN 978-3-8385-6471-5 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6471-0 (ePub) Umschlagabbildung: © bgblue - iStock Icons im Innenteil: Figur, Lupe, Glühbirne: © Die Illustrationsagentur Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbi‐ bliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> 13 17 18 20 22 25 26 28 29 31 33 35 37 39 41 42 Alle Fragen im Überblick Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was die verwendeten Symbole bedeuten . . . . . . . . . . . . . . . . Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zahlen und Fakten zu den Olympischen Spielen und zur Olympischen Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Olympischen Spiele und Olympischen Winterspiele im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Olympischen Spiele der Antike . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welchen Sinngehalt wies das Wettkampfwesen der griechischen Antike auf ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die Kranzagone und der panhellenische Wettkampfkalender? Wie sind die antiken Olympischen Spiele entstanden? . . . . . . . . . . . . . . Was bezeichnet der Begriff „Altis“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Wettbewerbe gab es in Olympia und wie wurden sie ausgetragen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie war der Programmablauf der antiken Olympischen Spiele? . . . . . . Welche Wettkampf- und Trainingsstätten gab es im antiken Olympia? Wer waren die olympischen Athleten und Offiziellen bei den Olympischen Spielen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was war die Ekecheiria und welche Bedeutung hatte sie? . . . . . . . . . . . . Warum und wann wurde das Kultfest in Olympia beendet? . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 45 46 48 49 51 53 54 56 59 60 61 64 66 68 70 72 73 75 77 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele . . . . . . . Was war in der Neuzeit über die antiken Olympischen Spiele bekannt und wie wurde der Ort Olympia wiederentdeckt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die vorolympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wer war Baron Pierre de Coubertin? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Erziehungsgedanken waren grundlegend für Coubertin bei der Einführung der Olympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was wird vom Internationalen Olympischen Komitee als Le Manifeste Olympique bezeichnet? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? Wann und wo fanden die ersten modernen Olympischen Spiele statt? Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen . . In welcher Beziehung stand die frühe Olympische Bewegung zu den Weltausstellungen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Sportarten gehören traditionell zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie haben sich die Olympischen Spiele und das olympische Wettkampfprogramm entwickelt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist das Olympische Dorf ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was waren die Olympischen Kunstwettbewerbe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie sind die Olympischen Winterspiele entstanden? . . . . . . . . . . . . . . . Wie haben sich die Olympischen Winterspiele weiterentwickelt? . . . . . Wer organisiert Olympische Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist das Unternehmen Olympic Broadcasting Services? . . . . . . . . . . . . Was ist das Main Press Centre? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Alle Fragen im Überblick <?page no="7"?> 79 80 81 83 85 86 88 90 92 95 96 97 99 101 102 104 106 107 110 111 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie lautet das olympische Motto und welche Bedeutung hat es für die Olympische Bewegung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Bedeutung haben die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Bedeutung haben die olympischen Ringe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seit wann gibt es die olympische Hymne? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wann wurde erstmals ein olympischer Eid bei der Eröffnungsfeier gesprochen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seit wann gibt es das olympische Feuer und welche Bedeutung hat es? Wie ist der olympische Fackellauf entstanden und welche Bedeutung hat er? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie sind die olympischen Medaillen gestaltet und warum stehen die Athlet: innen bei der Verleihung auf einem Podest? . . . . . . . . . . . . . . . . . Olympismus und Olympische Erziehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was bedeutete das Konzept des Olympismus für Pierre de Coubertin? Was prägt das Verständnis des Olympismus heute? . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum kann eine Erziehung olympisch sein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wo befindet sich das Olympische Museum und welchen Auftrag hat es? Welche Aufgaben haben die Zentren für Olympische Studien? . . . . . . . Was ist das zentrale IOC-Erziehungsprogramm? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum gibt es den Olympic Day? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist der Zweck der Internationalen Olympischen Akademie und der Nationalen Olympischen Akademien? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kann die Olympische Bewegung ein Studienfach werden? . . . . . . . . . . . Was sind die Aufgaben des Internationalen Pierre de Coubertin Komitees? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alle Fragen im Überblick 7 <?page no="8"?> 115 116 117 119 121 123 124 125 129 130 131 133 135 136 139 143 144 146 148 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum ist Lausanne die „Olympische Hauptstadt“? . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die Kernelemente der „Olympic Charter“? . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie wird man Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees? . . Was sind die wichtigsten Organe des Internationalen Olympischen Komitees? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wozu dienen Olympische Kongresse? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Aufgaben hat die Verwaltung des Internationalen Olympischen Komitees? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie hat sich die Bewerbungssituation um die Ausrichtung Olympischer Spiele entwickelt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Finanzen der Olympischen Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . Wie finanziert sich die Olympische Bewegung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie hat sich der Verkauf der Fernsehrechte für die Olympischen Spiele entwickelt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum wurde The Olympic Partner (TOP) programme für Sponsoren gegründet? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die Olympic Properties? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie werden die Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees verteilt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wozu dient das Olympic Solidarity-Programm? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik Weshalb sind die modernen Olympischen Spiele bereits mehrmals ausgefallen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unter welchen Umständen fanden die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland statt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was war die Querelle d’allemand? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Alle Fragen im Überblick <?page no="9"?> 150 152 153 155 157 160 162 165 166 167 168 169 171 172 174 175 179 180 182 Welche Folgen hatte die Apartheidspolitik für Südafrika in der Olympischen Bewegung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum wurden Olympische Spiele mehrfach umfassend boykottiert? Was geschah am 5. September 1972 in München? . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie prägten bislang autokratisch regierte Staaten die Olympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welchen Folgen haben Verstöße gegen die „Olympic Charter“? . . . . . . . Was sind die Friedensresolutionen der Vereinten Nationen und des Internationalen Olympischen Komitees? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie wurden die Olympischen Spiele Paris 2024 von der Weltpolitik geprägt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Paralympische Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie sind die Paralympics entstanden und welche Rolle spielte dabei Ludwig Guttmann? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was bedeutet der Begriff „Paralympics“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wann wurde das Internationale Paralympische Komitee gegründet? . . Wo wurden die Paralympics bisher ausgetragen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welches Logo hat die Paralympische Bewegung gewählt? . . . . . . . . . . . Was bedeutet „Klassifizierung“ im Zusammenhang mit den Paralympics? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie ist das Verhältnis zwischen dem Internationalen Paralympischen Komitee und dem Internationalen Olympischen Komitee? . . . . . . . . . . . Welchen Einfluss haben die Paralympics auf die Gesellschaft? . . . . . . . Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System . . . . . . Warum war das Prinzip des Amateurismus ein Problem für olympische Athlet: innen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Haben aktive Athlet: innen eine Stimme im Internationalen Olympischen Komitee? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alle Fragen im Überblick 9 <?page no="10"?> 184 186 188 190 193 195 197 198 200 201 203 204 206 209 210 212 Welche Ziele verfolgt das Internationale Olympische Komitee mit dem Projekt Athlete365? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Möglichkeiten besitzen Athlet: innen, um bei Olympischen Spielen ihre Meinung frei zu äußern? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Haben Athlet: innen die Möglichkeit, die olympischen Wettkämpfe für individuelles Sponsoring zu nutzen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind Individual Neutral Athletes und warum wird ihnen die Teilnahme an Olympischen Spielen ermöglicht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seit wann gibt es das Refugee Olympic Team und wie werden Athlet: innen dafür nominiert? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an Olympischen Spielen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Youth Olympic Games . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Ideen, Initiativen und Überlegungen führten zur Entstehung der Olympischen Jugendspiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die Erwartungen an das Kultur- und Erziehungsprogramm der Youth Olympic Games? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Bedeutung kommt den Youth Olympic Games für neue Sportarten und Wettbewerbe zu? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Rolle spielt die Teilnahme an den Youth Olympic Games für Athlet: innen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an den Youth Olympic Games? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie hat sich das Wettkampfprogramm der Youth Olympic Games über die Jahre entwickelt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie hat sich die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert reformiert? Welche Herausforderungen ergeben sich im Bereich der Nachhaltigkeit für die Olympische Bewegung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Alle Fragen im Überblick <?page no="11"?> 214 217 220 222 227 235 235 236 237 239 269 272 Welche aktuellen Entwicklungen im Doping bedrohen die Integrität der Olympischen Spiele? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie hat sich der Umgang des Internationalen Olympische Komitees mit Transgender- und intersexuellen Athlet: innen verändert? . . . . . . . . . . . . Welchen Platz hat E-Sport in der Olympischen Bewegung? . . . . . . . . . . Welche Chancen und Herausforderungen eröffnet Künstliche Intelligenz für den olympischen Sport und die Olympischen Spiele? . . Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anzahl der teilnehmenden Athlet: innen an Olympischen Spielen seit 1896 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anzahl der teilnehmenden Athlet: innen an Olympischen Winterspielen seit 1924 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anzahl der durch das IOC anerkannten NOCs seit 1896 . . . . . . . . . . . . . Verwendete Quellen und Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sachindex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Personenindex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alle Fragen im Überblick 11 <?page no="13"?> Vorwort Die Olympischen Spiele waren in der Antike ein Kultfest, das mehr als eintausend Jahre Bestand hatte. Sie waren im klassischen und hellenistischen Zeitalter nahezu professionell organisiert und stellten von Anbeginn an immer eine Verbindung zwischen Wettkämpfen, Zeremonien und Verehrung des Gottes Zeus her. Die Athleten zeichneten sich durch Spitzenleistungen aus und schrieben einem Sieg bei den Spielen in Olympia die höchste Bedeutung zu. Die akademische Rezeption der Olympischen Spiele in der Antike und die Ausgrabung des Heiligtums von 1875 bis 1881 ließ die Motivation aufkommen, Olympische Spiele wieder neu zu begründen; ob als Kopie des antiken Festivals in Olympia oder eher als zeitgenössische Variante. Welche Facetten die antiken Olympischen Spiele prägen, wird in Lehrbüchern, Vorträgen, Presseberichten und Dokumentationen gerne aufgegriffen. Daraus ergeben sich immer wieder interessante Fragen, deren Beantwortung zu einem Überblickswissen über die Spiele in der Antike an sich, aber auch über deren Verbindung zu den modernen Olympischen Spielen führen kann. Letztlich ist dies dann auch die Legitimation dafür, den Band „Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand“ mit Fragen zu den Themenkom‐ plexen Die Olympischen Spiele in der Antike und Die Gründungsidee für die Wiedereinführung der modernen Olympischen Spiele beginnen zu lassen. Die Olympischen Spiele der Moderne mit ihren alle vier Jahren stattfin‐ denden Sommer- und Winterausgaben stehen im Mittelpunkt des Buches. Sie haben sich über Jahrzehnte hinweg zu einer einzigartigen internationa‐ len Sportveranstaltung und zu einem globalen gesellschaftlichen Faszino‐ sum entwickelt. Zur Verdeutlichung einige Daten: Bei den Olympischen Spielen Paris 2024 traten 10.500 Athlet: innen von 206 Nationalen Olym‐ pischen Komitees (NOCs) in 32 Sportarten mit 48 Disziplinen zu 329 Medaillenentscheidungen an. Zwölf Millionen Eintrittskarten wurden ver‐ kauft, und rund fünf Milliarden Sportbegeisterte folgten den olympischen Wettkämpfen in den analogen und digitalen Medien; eingeschlossen allein eine Milliarde Zuschauer: innen bei der Eröffnungsfeier. Dieses Buch gibt die Möglichkeit, viele Fragen zu den Olympischen Spielen zu beantworten. Aber es wäre zu eng und oberflächlich, sich nur auf das 16-tägige Sportfest zu beschränken. Die Olympischen Spiele prägten sich dank einer dynamischen Entwicklung zu einer Olympischen Bewegung aus. <?page no="14"?> Nur über die Beantwortung von Fragen zu dieser Bezugsebene gelingt es, historische Entwicklungslinien des olympischen Sports, seine erzieherische und ethische Sinngebung, seinen Bezug zur Gesellschaft, seine politische Indienstnahme, seine finanziellen Aspekte, seine Schattenseiten, sein Pro‐ tokoll und seine Zeremonien sowie seine Ausrichtung auf eine tragfähige Zukunft zu analysieren. Die Abdeckung der aufzuzeigenden thematischen Vielfalt hat zu der Zusammenstellung eines interessanten Fragenkatalogs geführt. In zwölf Kapiteln werden Fragen beantwortet, sodass eine breite thematische Ab‐ deckung mit multidisziplinärer Ausrichtung möglich ist. Die Herausforde‐ rung war dabei, die Beantwortung der Fragen knapp zu halten und dabei gleichzeitig nicht auf inhaltlichen Tiefgang verzichten zu müssen. Ziel dieser Leitlinie soll es sein, ein umfangreiches Orientierungswissen über die vielfältigen Bereiche der Olympischen Spiele und der Olympischen Bewe‐ gung bereitzustellen, wodurch Einschätzungen des olympischen Sports mit all seinen Facetten objektiv und vorurteilsfrei vermittelt werden können. Auf diese Weise wird ein differenziertes Transferwissen aufgebaut, das für unterschiedliche Zielgruppen relevant ist, die sich aus verschiedenen Gründen für olympische Themenfelder interessieren. Das vorliegende Buch ist als Herausgeberwerk entstanden: Neben unse‐ ren Funktionen als Herausgeber und Verfasser von Einzelbeiträgen sind wir durch Thierry Zintz [TZ], Marloes Ekkelboom [ME], Annett Chojnacki- Bennemann [ACB] und Janka Deszatnik [ JD] unterstützt worden, die viele Fragen zur Ausrichtung der modernen Olympischen Spiele und Olympi‐ schen Bewegung zielgenau beantwortet haben. Barbara Rickert hat uns bei der Recherche unterstützt und das umfassende Literaturverzeichnis editiert. Wir sprechen allen an der Publikation beteiligten Personen unseren ganz herzlichen Dank aus und würdigen die Expertise unserer Kolleg: innen damit, dass wir am Ende jedes Einzelbeitrages die Namen der Autor: innen mit ihren Namensinitialen nennen. Vor dem Hintergrund der multiplen Autorenschaft werden dem/ der Le‐ ser: in kleinere Abweichungen in Schreibstilen auffallen. Eine größtmögliche Glättung ist durch unseren Lektor Stephan Klemm erzielt worden, dem wir ganz herzlich danken. Als sehr erfahrener Sportjournalist und Buchautor mit großer Sachkompetenz über historische und zeitgenössische Themenfelder zum Fußball, Radsport und den Olympischen Spielen hat er zur stilistischen und inhaltlichen Optimierung des Bandes beigetragen. Auch ihm gebührt unser Dank. 14 Vorwort <?page no="15"?> Noch eine Information an die Leserschaft zur Terminologie: Wir sind uns bewusst, dass die Schreibweise von Begrifflichkeiten im Kontext der Olympi‐ schen Bewegung mitunter uneinheitlich erscheinen mag. Grundsätzlich haben wir uns hierbei am „IOC Style Guide“ orientiert. Dies betrifft unter anderem die Schreibweise und Benennung von Olympischen Spielen und Olympischen Winterspielen und die Abkürzungen von Sportorganisationen mit Akronymen auf English, auch dann, wenn der ausgeschriebene Name der Organisation in der Erstnennung auf Deutsch erfolgt. Bei Begriffspaarungen, die eher als Eigenname verstanden werden können, wird das Wort „olympisch“ großge‐ schrieben („Olympisches Dorf“, „Olympische Idee“), wohingegen in anderen Fällen „olympisch“ eher als Adjektiv genutzt und daher kleingeschrieben wird („olympisches Feuer“, „olympische Hymne“). Die Anwendung dieser Richtlinie basiert keineswegs auf einer statischen und verbindlichen Festlegung, sondern nimmt eher Bezug auf historisch gewachsene Überlegungen. Wir hoffen, dass durch das Buch das Interesse der Lesenden an den Olym‐ pischen Spielen und der Olympischen Bewegung initiiert und weiter vertieft wird. Eine geplante Reise nach Griechenland könnte dazu motivieren, die antiken Wettkampfstätten in Olympia zu besichtigen oder in Seminararbei‐ ten die Bedeutung der antiken Olympischen Spiele für die Entstehung der modernen Olympischen Bewegung zu thematisieren. Die im Buch ver‐ mittelten Inhalte über die Entwicklung, Festigung und zukunftsorientierte Perspektive des modernen olympischen Zeitgeistes mit seinen vielfältigen Dimensionen und Visionen kann gewiss zur Bereicherung von Diskussionen über die Olympischen Spiele und die Aktivitäten und Leitlinien des Inter‐ nationalen Olympischen Komitees (IOC) beitragen, das als Weltregierung des Sports gilt. Das Buch bietet eine große Informationsfülle an, um die Begriffe „Wettkampf - Werte - Weltereignis“ im olympischen Kontext zu analysieren und in Fachdiskussionen und -beiträgen zu benutzen. Abschließend verweisen wir darauf, dass unser Redaktionsschluss für alle Beiträge der 1. Juli 2025 war; dennoch haben wir uns bemüht, die Beantwortung sämtlicher Fragen möglichst aktuell zu gestalten. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen des Buches. Stephan Wassong [SW] Ansgar Molzberger [AM] Daniel Quanz [DQ] Philipp Waeffler [PW] Vorwort 15 <?page no="17"?> Was die verwendeten Symbole bedeuten Toni verrät spannende Literaturtipps, Videos und Blogs im World Wide Web. Die Glühbirne zeigt eine Schlüsselfrage an, deren Antwort unbedingt lesenswert ist. Die Lupe weist auf eine Expert: innenfrage hin. Hier geht die Antwort ziemlich in die Tiefe. Sie richtet sich an alle, die es ganz genau wissen wollen. - → -Wichtige Begriffe sind mit einem Pfeil gekennzeichnet und werden im Glossar erklärt. - ↠ --Der Pfeil mit der doppelten Spitze verweist auf weiterführende Fragen zu diesem Thema. <?page no="18"?> Abkürzungsverzeichnis Bei Erstnennung im Buch werden Institutionen ausgeschrieben; ab der Zweitnennung wird - abgesehen von einigen Ausnahmen - die Abkürzung verwendet. AIN Athlètes Individuels Neutres (Individuelle Neutrale Athlet: innen) AIOWF Association of International Olympic Winter Sports Federations (Vereinigung der Olympischen Wintersport-Verbände); seit Ende 2023: Winter Olympic Federations (WOF) ANOC Association of National Olympic Committees (Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees) ASOIF Association of Summer Olympic International Federations (Verei‐ nigung Olympischer Sommer-Sportverbände) CAS Court of Arbitration for Sport (Internationaler Sportgerichtshof) CEP Culture and Education Programme DOSB Deutscher Olympischer Sportbund GAISF Global Association of International Sports Federations IAAF International Amateur Athletics Federation; heute: World Athle‐ tics (Internationaler Leichtathletik-Verband) IF International Federation (Internationaler Sport(fach-)verband) INA Individual Neutral Athlete IOA International Olympic Academy (Internationale Olympische Aka‐ demie) IOC International Olympic Committee (Internationales Olympisches Komitee) IPC International Paralympic Committee (Internationales Paralympi‐ sches Komitee) <?page no="19"?> IPCC International Pierre de Coubertin Committee (Internationales Pi‐ erre de Coubertin Komitee) ITA International Testing Agency NADA Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland NOA Nationale Olympische Akademie NF National Federation (Nationaler Sport(fach-)verband) NOC National Olympic Committee (Nationales Olympisches Komitee) NPCC National Pierre de Coubertin Committee (Nationales Pierre de Coubertin Komitee) OBS Olympic Broadcasting Services OCOG Organising Committee for the Olympic Games (Organisationsko‐ mitee für die Olympischen Spiele) OFCH Olympic Foundation for Culture and Heritage OWL Olympic World Library OVEP Olympic Values Education Programme QSP Qualification System Principles ROT Refugee Olympic Team SDGs Sustainable Development Goals TOP The Olympic Partner (TOP) programme UN United Nations (Vereinte Nationen) UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization WADA World Anti-Doping Agency (Welt-Anti-Doping-Agentur) WADC World Anti-Doping Code YOGs Youth Olympic Games Abkürzungsverzeichnis 19 <?page no="20"?> 1 Die Dauer der Legislaturperioden war früher oftmals sehr unterschiedlich. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine zunehmende Vereinheitlichung ein. Die erste Amtszeit wurde auf acht Jahre festgesetzt, alle dann folgenden Legislaturperioden umfassten vier Jahre. Seit der Amtszeit von Jacques Rogge ist nur noch eine einmalige Wiederwahl als IOC-Präsident: in möglich. Zahlen und Fakten zu den Olympischen Spielen und zur Olympischen Bewegung IOC-Präsident: innen Name Amtszeit Legislaturperioden 1 Demetrius Vikelas (*1835 - † 1908), Griechenland 1894-1896 1894-1896 Pierre de Coubertin (*1863 - † 1937), Frankreich 1896-1925 1896-1901, 1901-1907, 1907-1917, 1917-1925 Henri de Baillet-Latour (*1876 - † 1942), Belgien 1925-1942 1925-1933, 1933-1942 J. Sigfrid Edström (*1870 - † 1964), Schweden 1942-1946 ---1946-1952 Interimspräsident nach Tod von Baillet-Latour; keine Wahlen während des Zwei‐ ten Weltkriegs 1946-1952 Avery Brundage (*1887 - † 1975), USA 1952-1972 1952-1960, 1960-1964, 1964-1968, 1968-1972 Michael Morris Killanin (*1914 - † 1999), Irland 1972-1980 1972-1976, 1976-1980 Juan Antonio Samaranch (*1920 - † 2010), Spanien 1980-2001 1980-1989, 1989-1993, 1993-1997, 1997-2001 Jacques Rogge (*1942 - † 2021), Belgien 2001-2013 2001-2009, 2009-2013 Thomas Bach (*1953), Deutschland 2013-2025 2013-2021, 2021-2025 Kirsty Coventry (*1983), Simbabwe 2025 2025-2033 <?page no="21"?> 2 IOC-Factsheet (2024f; 2024g) Teilnehmende NOCs an Olympischen Spielen 2 [SW/ AM/ DQ/ PW] Zahlen und Fakten zu den Olympischen Spielen und zur Olympischen Bewegung 21 <?page no="22"?> Die Olympischen Spiele und Olympischen Winterspiele im Überblick Jahr Olympische Spiele Jahr Olympische Winterspiele 1896 Athen - - 1900 Paris - - 1904 St. Louis - - 1908 London - - 1912 Stockholm - - 1916 ausgefallen - - 1920 Antwerpen - - 1924 Paris 1924 Chamonix* 1928 Amsterdam 1928 St. Moritz 1932 Los Angeles 1932 Lake Placid 1936 Berlin 1936 Garmisch-Partenkirchen 1940 ausgefallen 1940 ausgefallen 1944 ausgefallen 1944 ausgefallen 1948 London 1948 St. Moritz 1952 Helsinki 1952 Oslo 1956 Melbourne 1956 Cortina d’Ampezzo 1960 Rom 1960 Squaw Valley 1964 Tokio 1964 Innsbruck 1968 Mexico City 1968 Grenoble 1972 München 1972 Sapporo 1976 Montreal 1976 Innsbruck 1980 Moskau 1980 Lake Placid 1984 Los Angeles 1984 Sarajewo <?page no="23"?> 1988 Seoul 1988 Calgary 1992 Barcelona 1992 Albertville - - 1994 Lillehammer** 1996 Atlanta 1998 Nagano 2000 Sydney 2002 Salt Lake City 2004 Athen 2006 Turin 2008 Peking 2010 Vancouver 2012 London 2014 Sotchi 2016 Rio de Janeiro 2018 Pyeongchang 2020/ 21 Tokio*** 2022 Peking 2024 Paris 2026 Mailand-Cortina d’Ampezzo 2028 Los Angeles 2030 French Alps 2032 Brisbane 2034 Salt Lake City *Das IOC hatte auf seiner Session in Paris 1922 zunächst eine internatio‐ nale Wintersportwoche geplant. Nach dem großen Erfolg der Veranstaltung in Chamonix wurde diese 1926 rückwirkend zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt. **Bis 1992 wurden Olympische Spiele und Olympische Winterspiele im ersten Jahr einer Olympiade ausgetragen. Auf der IOC-Session 1986 wurde beschlos‐ sen, den olympischen Zyklus zu ändern und die Olympischen Winterspiele im dritten Jahr der Olympiade abzuhalten. Zum einen zeigt dies, dass die Olym‐ pischen Winterspiele an Bedeutung und Eigenständigkeit gewonnen hatten, zum anderen ist dies aber auch den Strategien geschuldet, die auf eine bessere Absicherung des Erwerbs der Übertragungsrechte und eine Optimierung des Sponsorings abzielten; die Beibehaltung von zwei olympischen Großveranstal‐ tungen in einem Jahr wäre für diese Überlegungen kontraproduktiv gewesen. Die Olympischen Winterspiele Lillehammer 1994 waren die ersten, die im neuen Veranstaltungsrhythmus ausgetragen wurden. Auf die Nummerierung der Olympischen Winterspiele hatte dies keinen Einfluss. ***Aufgrund der Covid-19-Pandemie mussten die Olympischen Spiele um ein Jahr verlegt werden. [SW/ AM/ DQ/ PW] Die Olympischen Spiele und Olympischen Winterspiele im Überblick 23 <?page no="25"?> Die Olympischen Spiele der Antike Der Sinngehalt von Leibesübungen und Wettkämpfen in der griechi‐ schen Antike, die Entwicklung der Olympischen Spiele zum wichtigsten panhellenischen Kultfest und das Ende der Spiele nach mehr als tau‐ schend Jahren ununterbrochener Existenz - darum und um die Planung, Durchführung und das Wettkampfprogramm der antiken Olympischen Spiele geht es im folgenden Kapitel. <?page no="26"?> Welchen Sinngehalt wies das Wettkampfwesen der griechischen Antike auf? Der heute weltweit verwendete Begriff „Sport“, laut Duden (o.D.) „[eine] nach bestimmten Regeln (im Wettkampf) aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung“ hat erst seit dem frühen 20. Jh. zunehmende internationale Verbreitung erfahren. Etymologisch herleiten lässt sich „Sport“ vom spätlateinischen deportare (sich vergnügen), das über das mittelfranzösische desporter ins Englische gelangte: to disport (sich die Zeit vertreiben, sich vergnügen) (Röthig et al. 2003: 493). In der griechischen Antike war das Wort Sport hingegen unbekannt, für den Wettkampf wird in zeitgenössischen Quellen der Begriff „Agon“ verwendet. Agon bezeichnete zunächst die Versammlung der wehrfähigen Männer. Später verstand man darunter sowohl die Sphäre des Kriegs als auch der athletischen Wettkämpfe. Das Wettkampfwesen der griechischen Antike weist somit neben kultischen und anderen Faktoren einen militärisch geprägten Ursprung auf (Weiler 1988: 80ff.; Lämmer 2021: 34f.). Darüber hinaus umfasste das Wort Gymnastik das Betätigungsfeld, das wir heute als Training bezeichnen (Decker 2012: 11). Vor dem Hintergrund des heutigen Sprachgebrauchs wird der Begriff „Sport“ in der modernen Li‐ teratur zur Antike gleichwohl umfassend verwendet, auch im vorliegenden Buch. Der Status einer weltweiten „Premiere“ kann dem Wettkampfwesen der griechischen Antike nicht zugeschrieben werden. Vielmehr können in der „Weltgeschichte des Sports und der Leibeserziehung“ - so auch der Titel des 1960 erschienenen Standardwerks von Carl Diem - vielfältige und jahrtausendealte Spuren in verschiedenen Kulturkreisen zu diversen Wettkampfformen zurückverfolgt werden, unter anderem zu frühen Hoch‐ kulturen in Ägypten und Vorderasien (Weiler 1988: 53ff.). Die Agone der griechischen Antike stellen aber gerade im Kontext der modernen Olympi‐ schen Bewegung eine besonders wichtige historische Wurzel des heutigen Sports dar. Für die frühe Antike (Archaische Zeit, ab dem 8. Jh. v. Chr.), in der sich auch das die griechische Antike prägende Gemeinwesen der einzelnen Stadtstaaten (Polis, Pl. Poleis) herausbildete, liefern vor allem die Homer - es ist umstritten, ob Homer eine historische Figur war - zugeschriebenen Epen „Ilias“ und „Odyssee“ reichhaltige Informationen zu Agonen und ihrer Bedeutung für die damalige Gesellschaftsordnung; insbesondere sind hier 26 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="27"?> der 23. Gesang der „Ilias“ und der 8. Gesang der „Odyssee“ zu nennen. Demnach wurde in dieser Zeit von den Vertretern der Aristokratie, in deren Händen die politische und wirtschaftliche Macht lag, erwartet, sich im Agon miteinander zu messen und zu bewähren, um der Nachwelt durch die erzielten Leistungen in Erinnerung zu bleiben (Willimczik 1969: 22f.; Läm‐ mer 2021: 34): Wagen- und Pferderennen, Zweikämpfe, Lauf-, Sprung- und Wurfwettbewerbe im Rahmen eines Totenagons zu Ehren eines gefallenen Kriegers, eines Herausforderungsagons, der im Falle des Siegs Renommee und gesellschaftlichen Aufstieg versprach, oder eines Brautagons, dessen Teilnehmer um eine Frau wetteiferten - all dies schildern die „Ilias“ und die „Odyssee“ ausführlich. Und die „Ilias“ liefert im 6. Gesang (Zeile 208) den in der sporthistorischen Forschung bis heute immer wieder zitierten Satz als Antwort auf die Frage nach dem zentralen Sinngehalt des Wettkampfwesens im antiken Griechenland: „Immer der Beste sein und überlegen den anderen.“ Auffällig ist die außerordentlich hohe Wertschätzung athletischer Leistungen in der Archaischen Zeit - die vortreffliche Ausbildung von Körper und Geist (Kalokagathia) wurde erst in der Klassischen Zeit (ab dem 5. Jh. v. Chr.) als Ideal propagiert. Im Verlauf der griechischen Antike kamen zu den bedeutsamsten Kult‐ festen in Olympia, Delphi, Nemea und am Isthmos von Korinth stetig neue, periodisch ausgetragene Wettkampffeste hinzu. Heutigen Profisportlern ähnlich zogen die antiken Athleten von Ort zu Ort, um sich miteinander zu messen. Während dabei der militärisch geprägte Charakter des Wettkampf‐ wesens durch die zunehmende Professionalisierung und Spezialisierung der Athleten mehr und mehr in den Hintergrund geriet, blieb der zentrale Sinngehalt des Kräftemessens über den Zeitraum von mehr als tausend Jahren gleich: Nur der Sieg zählte. Ein den heutigen internationalen Sport prägendes Element wie das Siegerpodest für die drei Erstplatzierten oder gar das Sprechen von einem „ehrenwerten vierten Platz“ wäre in der griechischen Antike bei den Aktiven und Offiziellen sowie beim Publikum auf völliges Unverständnis gestoßen. [AM] Die Olympischen Spiele der Antike 27 <?page no="28"?> Was sind die Kranzagone und der panhellenische Wettkampfkalender? In der Antike veranstaltete nahezu jeder Stadtstaat (Polis) in Griechenland ein Wettkampffest (Agon) mit einem dazugehörigen religiösen Charakter und einer kulturellen Verankerung. Aus dem dichten Veranstaltungsnetz an lokalen Sportfesten, die in ihrer Anzahl Hunderte umfassten, kommt den überregional organisierten Wettbewerben eine besondere Bedeutung zu. Es handelt sich dabei um die vier panhellenischen (gesamtgriechischen) Wettbewerbe: Die Olympischen Spiele in Olympia (Olympien), die Pythi‐ schen Spiele in Delphi (Pythien), die Isthmischen Spiele am Isthmos von Korinth (Isthmien) und die Nemeischen Spiele in Nemea (Nemeen). Wäh‐ rend in Olympia und Nemea Zeus verehrt wurde, war das Wettkampffest in Delphi Apollon gewidmet, die Isthmien Poseidon. Mit der - laut antiker Geschichtsschreibung - Gründung im Jahr 776 v. Chr. waren die Olympien die ältesten der panhellenischen Wettbewerbe, gefolgt von den Pythien 586 v. Chr., den Isthmien 580 v. Chr. und den Nemeen 573 v. Chr. (Decker 2012: 32f.). Während die Spiele in Olympia und Delphi - um zwei Jahre versetzt - alle vier Jahre ausgetragen wurden, fanden die Feierlichkeiten in Nemea und Delphi alle zwei Jahre statt. Diese zeitliche Aufteilung ermöglichte es Athleten, Zuschauern und Festgesandten, alle panhellenischen Sportwett‐ bewerbe zu besuchen. Jahreszahl Frühjahr Sommer 480 v. Chr. Isthmien Olympien 479 v. Chr. Nemeen - 478 v. Chr. Isthmien Pythien 477 v. Chr. Nemeen - 476 v. Chr. Isthmien Olympien Tabelle 1: Beispiel für einen Wettkampfzyklus bei den panhellenischen Spielen (Decker 2008: 11), die genaue Terminierung der Isthmien und Nemeen wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Die Tatsache, dass die panhellenischen Sportfeste auch als „Kranzagone“ bezeichnet werden, ist auf die Ehrung der siegreichen Athleten mit Krän‐ zen zurückzuführen. Während bei den Olympischen Spielen Kränze aus 28 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="29"?> Ölbaumzweigen geflochten wurden, erhielten die Sieger bei den Pythien Lorbeerkränze, bei den Isthmien Kränze aus Fichte und bei den Nemeen Kränze aus Eppich (Sellerie). Es handelte sich aber lediglich um symbolische Auszeichnungen, da die Athleten bei der Rückkehr in ihre Heimatorte sowohl geehrt als auch mit materiellen, finanziellen und sozialen Privilegien belohnt wurden (Hübner 2022: 284f.). Aus dem Kreis der panhellenischen Kranzagone erfuhren die Spiele in Olympia die höchste öffentliche Aufmerk‐ samkeit, das Fest wurde von bis zu 40.000 Zuschauern besucht (Decker 2012: 35). Für die Athleten war ein Sieg in Olympia die höchste Auszeichnung. Wenn ein Athlet in seiner Disziplin sogar bei allen vier panhellenischen Kranzagonen innerhalb eines Wettkampfzyklus siegreich war, wurde ihm der Ehrentitel Periodonike verliehen (Decker 2014: 50f.). Aus heutiger Sicht kann dies in etwa mit einem Grand-Slam-Sieg im Tennis verglichen werden; also mit dem Sieg bei den vier wichtigsten Turnieren (Australien Open, French Open, Wimbledon Championships und US Open) eines Tennisjahrs. [SW] Wie sind die antiken Olympischen Spiele entstanden? Während der Ursprung der antiken Olympischen Spiele bis heute nicht eindeutig ermittelt werden konnte - und auch in der Antike verschiedene Ursprungstheorien kursierten -, liefern Archäolog: innen seit dem Beginn der umfassenden Ausgrabungen 1875 immer wieder neue Erkenntnisse über die Geschichte des Kultorts Olympia. Neben den steinernen Zeugnissen sind es insbesondere die ans Tageslicht gebrachten Votivgaben (Weihege‐ schenke), die wertvolle Informationen enthalten. Bekannt ist, dass Olympia, im fruchtbaren Alpheiostal gelegen, schon ein Kultort war, bevor im Rahmen der Zeus-Verehrung alle vier Jahre athletische und hippische (hippos: Pferd) Wettkämpfe ausgetragen wurden. Kulthandlungen lassen sich bis ins 11. Jh. v. Chr. zurückverfolgen, verehrt wurde insbesondere die Erdmutter Gaia. Ihr auf einem Hügel platzierter Altar (Gaion) befand sich am Fuß des → Kronos-Hügels. Darüber hinaus gab es Kultstätten für die Vegetationsgottheiten Artemis, Aphrodite und Demeter. Etwa hundert Jahre später erhielt auch Zeus einen ersten Altar - gleichzeitig Sitz eines Orakels - am Fuß des Kronos-Hügels (Sinn 2002: 19). Die Olympischen Spiele der Antike 29 <?page no="30"?> Im Rahmen früher Kultfeste sind wohl auch erste, noch nicht fest re‐ glementierte Wettkämpfe (Agone) veranstaltet worden. Als Kultort erfuhr Olympia im 8./ 7. Jh. v. Chr. eine starke Aufwertung, um 700 v. Chr. wurde das Areal aufwändig umgebaut, um den stetig gewachsenen Besucherzustrom bewältigen zu können (Sinn 2002: 33). Durch die Umleitung des Gebirgsflus‐ ses Kladeos, der im Südwesten der Stätte in den Alpheios mündet, wurde neues Gelände erschlossen. Die Vergrößerung des Areals ließ nun im Osten die Anlage eines Stadions und einer Pferderennbahn zu (Sinn 2002: 19). Damit verfügte das Zeus-Heiligtum von Olympia von diesem Zeitpunkt an über „professionelle“ Wettkampfstätten, die Olympischen Spiele - der Begriff „Spiele“ geht auf einen Übersetzungsfehler der Römer zurück, die aus den im Original als „Agone“ bezeichneten Wettkämpfen „ludi“ (Spiele) machten - konnten zum wichtigsten Kultfest der griechischen Antike aufsteigen, das alle vier Jahre etwa 50.000 Menschen anzog (Sinn 2004: 101). Als die Olympischen Spiele bereits länger als zentrales panhellenisches Ereignis etabliert waren, bezeichnete der von den Eleern um 400 v. Chr. be‐ auftragte Geschichtsschreiber Hippias nach Abschluss pseudohistorischer Studien das Jahr 776 v. Chr. als Beginn der Olympischen Spiele (Weiler 1988: 105) - eine Jahreszahl, die sich, auch in Kombination mit den Daten zur Entwicklung des Wettkampfprogramms, bis heute immer wieder in der Literatur zur Geschichte der Olympischen Spiele findet, die historisch aber nicht gesichert ist. Vielmehr ordnet die Forschung die Geschichtsschreibung des Hippias in den Kontext des Hegemonialstrebens der für das Zeus-Hei‐ ligtums verantwortlichen Polis Elis ein und sieht die antike Darstellung der Wettkampfprogramm-Entwicklung erst ab dem 6. Jh. v. Chr. als historisch gesichert an (Decker 2012: 36f.). Mit der Errichtung des Zeustempels in der frühen Klassischen Zeit wur‐ den zwei Ursprungsmythen des Kultfests künstlerisch illustriert. Im Ostgie‐ bel des Tempels fanden sich eine figürliche Darstellung des mythologischen Wagenrennens zwischen Oinomaos, dem König von Pisa - und damit auch von Olympia - und Pelops, dem Namensgeber der Halbinsel Peloponnes. Voller Siegesgewissheit ob seiner pfeilschnellen Pferde hatte der König seinem Gegner für den Fall von dessen Sieg seine Tochter Hippodameia als Preis versprochen. Durch eine List, in deren Folge Oinomaos zu Tode kam, konnte Pelops wider Erwarten gewinnen. Als Sühne für seine Missetat habe er dann die Olympischen Spiele gestiftet, heißt es in der entsprechenden mythologischen Ursprungslegende. 30 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="31"?> Eine andere Darstellung am Zeustempel nahm hingegen Bezug auf Herakles als Gründer der Olympischen Spiele. Zudem fanden sich Mythen, die Endymion, den ewig jugendlichen Liebhaber der Mondgöttin Selene, oder Zeus selbst für die Gründung des Kultfests verantwortlich machten (Weiler 1988: 105). Die Vielfalt der Mythen zur Gründung der Olympischen Spiele mag aus heutiger Sicht verwirrend oder gar inkonsequent erscheinen. In der Antike trug sie jedoch zur Steigerung der Bedeutung des Kultfests bei. Denn dessen Ursprung war für die Menschen nicht zu fassen, es musste sich um ein „göttliches“ Ereignis handeln. [AM] Was bezeichnet der Begriff „Altis“? Gymnasion und Palästra als Trainingsstätten der Athleten sowie Stadion und Pferdelaufbahn (Hippodrom) als Wettkampfstätten und zudem diverse Repräsentations-, Nutz- und Verwaltungsbauten umschlossen das Zeus- Heiligtum von Olympia von verschiedenen Himmelsrichtungen. Den durch Mauern abgetrennten, mittels Einlasstoren zugänglichen Kernbereich der Anlage mit seinen Tempel- und Kultstätten (Temenos) bildete hingegen der Heilige Hain von Olympia, die sogenannte Altis. In der Altis sind im Verlauf der Jahrhunderte, in denen Olympia als Heiligtum diente, nicht nur verschiedene Tempel errichtet worden. Der hier aus der Asche der verbrannten Opfertiere aufgeschichtete Zeusaltar stellte außerdem den zentralen Ort der Kulthandlungen für Zeus dar. Darüber hinaus kamen im Lauf der Zeit zahlreiche Altäre für weitere Götter hinzu, der antike Reiseschriftsteller Pausanias (Buch V, 14.4ff.) sprach im 2. Jh. n. Chr. von 69 verschiedenen Opfertischen in der Altis von Olympia. Zentrale Tempel- und Kultstätten, die das Zeus-Heiligtum in der Zeit der antiken Olympischen Spiele prägten, sind insbesondere das Heraion (Tempel der Hera, in der griechischen Mythologie die Göttin der Ehe, der Frauen und der Familie sowie die Gattin des Göttervaters Zeus) und der Zeustempel. Interessanterweise stellt jedoch nicht der Zeustempel, sondern das Heraion den ältesten der drei Ringhallentempel im Zeus-Heiligtum von Olympia dar. Erbaut um 600 v. Chr., wies der am Stylobat (oberste Stufe des Stufenunterbaus eines Tempels) 18,76 x 50,01 Meter umfassende Bau eine Ringhalle von sechs auf 16 Säulen dorischer Ordnung auf (Mallwitz 1972: 137ff.). Nach Pausanias (Buch V, 17.1) gab es zwei Götterbilder im Die Olympischen Spiele der Antike 31 <?page no="32"?> Heraion: eine sitzende Hera und einen stehenden Zeus; der Tempel sei aber ausschließlich der Hera geweiht gewesen. Neuere archäologische Forschungsergebnisse ließen Zweifel an dieser Beschreibung aufkommen. Demnach wird vermutet, dass der Tempel ursprünglich dem Zeus geweiht war und erst nach der Errichtung des klassischen Zeustempels im 5. Jh. v. Chr. umgewidmet und mit einem Kultbild der Hera ausgestattet wurde (Kyrieleis 2011: 28). Im 4. Jh. n. Chr. wurde der Tempel durch ein Erdbeben zerstört. Dank der 1875 aufgenommenen systematischen archäologischen Ausgrabungen konnten Teile des Heraions und der weiteren Bauten des Zeus-Heiligtums von Olympia unter Verwendung der originalen Bauteile aber rekonstruiert werden (Anastilosis). Heutigen Sportfans sind die Ruinen des Heratempels auch anderweitig bekannt: Seit der Einführung des olympischen Fackelstaf‐ fellaufs im Jahr 1936 ( ↠ Wie ist der olympische Fackellauf entstanden und welche Bedeutung hat er? ) wird im Vorfeld der modernen Olympischen Spiele an der östlichen Seite des Heratempels mit Hilfe des Sonnenlichts und eines Hohlspiegels das olympische Feuer entzündet und anschließend per Staffellauf in die Ausrichterstadt gebracht. Der Zeustempel wurde zeitgleich mit der politischen Neuordnung des Stadtstaats Elis, der für das Zeus-Heiligtum von Olympia verantwortlichen Polis, in einer Rekordzeit von nur 15 Jahren in der ersten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. erbaut. Mit seinen sechs auf 13 Säulen dorischer Ordnung maß der Tempel am Stylobat 27,68 x 64,12 Meter, der Dachfirst wies eine Höhe von etwa 20 Metern auf (Mallwitz 1972: 211ff.). Nicht nur der Tempelbau war imposant, äußerst beeindruckend war zudem die im Innern des Tempels (Cella) platzierte, von Phidias zwischen 438 und 430 v. Chr. aus Gold und Elfenbein geschaffene Kolossalstatue des Zeus. Diese zählt zu den sieben Weltwundern der Antike und maß etwa zwölf Meter in der Höhe. Auch Pausanias, der die Statue im 2. Jh. n. Chr. sah, zeigte sich beeindruckt: „Obwohl ich weiß, dass die Maße des Zeus in Olympia nach Höhe und Breite aufgezeichnet sind, möchte ich diejenigen doch nicht loben, die sie gemessen haben, da auch die von ihnen angegebenen Maße weit zurückbleiben hinter dem Eindruck, den das Kultbild auf den Besucher macht, wo man ja doch erzählt, dass der Gott selbst Zeuge für die Kunst des Pheidias [sic! ] geworden sei“ (Pausanias, Buch V, 11.9). Die Statue existiert nicht mehr, ihre Spur verliert sich im 4./ 5. Jh. n. Chr. Das Schicksal des Zeustempels ist hingegen genau rekonstruierbar: Im 6. Jh. n. Chr. zerstörten zwei Erdbeben den bereits baufälligen Tempel, die etwa 10,55 Meter hohen Säulen fielen zusammen und 32 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="33"?> liegen größtenteils bis heute in dieser Position. Anlässlich der Olympischen Spiele Athen 2004, in deren Rahmen, gegen den Willen zahlreicher Archä‐ olog: innen, die Kugelstoßwettbewerbe - eine in der Antike unbekannte Disziplin - in der Ausgrabungsstätte von Olympia ausgetragen wurden, wurde eine Säule des Zeustempels wiederaufgerichtet, um einen Eindruck von der antiken Dimension des Bauwerks zu vermitteln. Heutige Besucher: innen der Ausgrabungsstätte können zudem VR-Bril‐ len nutzen. Auf diese Weise soll man beim Rundgang durch die Anlage die antike Perspektive wie damals erleben können. [AM] Welche Wettbewerbe gab es in Olympia und wie wurden sie ausgetragen? Bei den Spielen in Olympia lassen sich die einzelnen Sportdisziplinen in athletische und hippische Wettbewerbe unterteilen. Dies entspricht auch den drei anderen panhellenischen Kranzagonen, bei denen allerdings noch musische Disziplinen mit zum Wettkampfprogamm gehörten (Crowther 2024: 7f.). Die Wettbewerbe im Sprint (Stadionlaufbahn in Olympia = 192,25 Meter), Doppellauf (Diaulos) und Langstreckenlauf (Dolichos = 20 Stadionlängen) fallen in die Kategorie der athletischen Wettbewerbe. Hinzu kam noch der Waffenlauf, der über zwei Stadien ausgetragen wurde. Als Simulation für das Training eines Soldaten traten die Läufer zunächst mit Lanzen, Schild, Helm und Rüstung an, ehe die Disziplin „versportlicht“ wurde und nicht mehr in voller Rüstung gelaufen werden musste. Bei allen Läufen wurde aus dem Stand heraus gestartet, die Startplätze wurden per Los zugeteilt. Zum Abdruck beim Start konnten die Athleten ihre Zehen in Startrillen (Balbides) krallen. Da es keine Rundbahnen gab, waren alle Läufe über mehr als eine Stadionlänge als Pendelläufe organisiert, bei denen die Läufer ein Wendemal umrunden mussten. Die Kampfsportarten mit den Disziplinen Faustkampf, Ringen und Pankration sind ebenfalls den athletischen Wettbewerben zuzu‐ ordnen. Zum Sieg im Ringen war es notwendig, den Konkurrenten dreimal zu Boden zu werfen; das knappste Ergebnis war dementsprechend 3: 2. Die Ringer rieben sich vor dem Kampf mit Öl ein. Einerseits, um sich gegen die Sommersonne zu schützen, andererseits, um Haltgriffe der Gegner zu erschweren. Zum Ausgleich dieser Taktik rauten sich die Ringer ihre Hände Die Olympischen Spiele der Antike 33 <?page no="34"?> mit Sand auf. Nach dem Kampf kratzten sich die Athleten die Schicht aus Sand und Öl mit einem Schabeisen (Strigilis) vom Körper ab. Beim Faustkampf, der aus dem Stand heraus durchgeführt wurde, gab es keine Runden- und Zeitbegrenzungen. Sobald ein Kämpfer k.o. ging, aufgab oder die Kampfrichter feststellten, dass dieser verteidigungsunfähig war, war der Kampf zu Ende. Die Faustkämpfer umwickelten die Unterarme und Hände mit Lederriemen, die Finger blieben frei, um eine Faust ballen zu können. Seit 400 v. Chr. wurde ein gehärteter Lederballen über die Knöchel gezogen, um die Schlaghärte zu erhöhen. Die Kämpfe zeichneten sich durch eine große Brutalität aus, die nur noch im Pankration gesteigert wurde. Bei dieser Form des Ringens, bei der bis auf Kratzen und Beißen alles erlaubt war, kam es zu schlimmen Verletzungen bis hin zu Todesfällen. Im Gegensatz zu den Läufern waren die Kampfsportler Schwerathleten, deren Körpergewicht mit dem zu erzeugenden Kraftmomentum korrelierte. Als letzte Disziplin in der Kategorie der athletischen Wettbewerbe ist der Fünfkampf (Pentathlon) mit seinen Disziplinen Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen, Laufen und Ringen zu nennen. Die drei ersten Disziplinen wurden nur im Fünfkampf ausgetragen, während Laufen und Ringen zu‐ sätzlich auch als Einzelwettbewerbe durchgeführt wurden. Das Gewicht des Diskus war in der Antike noch nicht genormt, bei den verschiedenen Wettkämpfen wurden unterschiedlich schwere Disken verwendet, die mitunter mehr als sechs Kilogramm wogen (in der modernen Leichtathletik ist der Männerdiskus zwei, der Frauendiskus ein Kilogramm schwer). Spitzenathleten warfen den Diskus bis zu 28 Meter weit. Beim Weitsprung handelte es sich um einen wahrscheinlich fünffach hinterein‐ ander durchgeführten beidbeinigen Sprung aus dem Stand. Die Athleten hielten hierbei Sprunggewichte (Halteren) in den Händen, deren genauer Zweck bis heute diskutiert wird. Es wird vermutet, dass der durch das Schwingen mit den Halteren erzeugte Vorwärtsschub und die Stabilisierung bei der Landung ausschlaggebend für die Verwendung waren. Überliefert sind Gesamtweiten von über 15 Metern. Es folgte der Speerwurf. Hierbei griffen die Werfer beim Abwurf in eine Schlaufe (Ankyle), die durch zuvor erfolgtes Eindrehen des Speers in einen Lederriemen entstand; auf diese Weise wurde eine Schleuderwirkung für das Wurfgerät erzielt. Laut Überlieferung wurde ein Athlet bereits zum Fünfkampfsieger erklärt, wenn er die ersten drei Disziplinen gewonnen hatte. 34 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="35"?> Hieraus abgeleitet entstand in der Wissenschaft die bis heute populäre Theorie des sogenannten „dreifach relativen Sieges“ zur Ermittlung des Siegers im Fünfkampf: Demnach schieden ab dem Abschluss der dritten Disziplin alle Teilnehmer aus, die ein und demselben Athleten dreimal hintereinander unterlegen waren - ein Teilnehmer, der den Diskuswurf, Weitsprung und Speerwurf als Erstplatzierter abgeschlossen hatte, stand demnach frühzeitig als Sieger fest. Waren nach Abschluss der drei ersten Disziplinen noch mehrere Athleten im Teilnehmerfeld, konnte hingegen durch die Abschlussdisziplinen Lauf und - falls noch notwendig - Ring‐ kampf der Gesamtsieger ermittelt werden (Decker 2008: 77ff.). In die Kategorie der hippischen Wettbewerbe fielen Pferderennen über 1.100 Meter und 2.300 Meter sowie Rennen mit Vier- und Zweigespannen, die als Rundenrennen über Distanzen zwischen 9.200 Meter und 13.800 Meter ausgetragen wurden. Da die Zucht der Rennpferde sowie deren Transport zu den Orten der panhellenischen Kranzagone kostspielig war, blieben die Pferde- und Wagenrennen dem Adel vorbehalten. Die Adligen mussten nicht zwangsläufig selbst lenken und reiten, aber als Pferdebesitzer wurde ihnen der Sieg zugeschrieben (Kyle 2014: 30). Bedingt durch dieses Protokoll konnten dann auch Frauen zur Olympiasiegerin gekürt werden. Bei den ersten Olympien soll es laut antiker Überlieferung nur einen Stadionlauf als einzigen Wettkampf gegeben haben. Über die Jahrhunderte wurde das Wettkampfprogramm bis zum Jahr 200 v. Chr. dann stetig erweitert, letztlich umfasste es 23 Disziplinen. [SW] Wie war der Programmablauf der antiken Olympischen Spiele? Die antiken Olympischen Spiele wurden stets im Hochsommer ( Juli oder August) ausgetragen. Mit dem ersten Vollmond nach der Sommersonnen‐ wende begann ein „olympischer Monat“, in dem bereits der zuvor von Boten verkündete olympische Festfrieden, die sogenannte Ekecheiria, galt. Zur Zeit des nächsten Vollmonds fanden dann die Spiele statt, die mit einer Prozession der Festgemeinschaft von Elis nach Olympia eröffnet wurden (Weiler 1988: 111f.). Vor dem Hintergrund des über einen langen Zeitraum weiterentwickelten Wettkampfprogramms kann keine pauschal gültige Aussage zum Ablauf der antiken Olympischen Spiele getroffen werden. Anfangs handelte es sich Die Olympischen Spiele der Antike 35 <?page no="36"?> wohl nur ein eintägiges Fest, das 472 v. Chr. auf fünf Tage ausgedehnt wurde (Sinn 2004: 130). Nach Decker (1995: 46f.) verliefen die Olympischen Spiele im 5. Jh. v. Chr. (Klassische Zeit) wie folgt: Am ersten Tag hatten die Athleten und Trainer vor der im Buleuterion, dem Sitz des Olympischen Rats, platzierten Statue des Zeus Horkios einen Eid zu leisten - der Beiname Horkios steht für „Schützer der Eide“, die Statue ist nicht zu verwechseln mit der Kolossalstatue im Zeustempel. Sie mussten schwören, dass sie die Vorgaben für die Teilnahme am Kultfest erfüllen und sämtliche Regeln befolgen würden. Ein Verstoß gegen den Eid hatte zur Folge, dass überführte Missetäter kleine Zeusstatuen (Zanes) stiften mussten, die als sichtbares „Schandmal“ am Übergang von der Altis ins Stadion platziert wurden - die heute noch existierenden steinernen Basen dieser Statuen zeigen, dass „Fouls“ kein Exklusivphänomen des modernen Sports sind. Nach Ableistung des Eids folgten die Prüfung der Athleten und Pferde sowie die anschließende Einteilung in Altersklassen ( Jugendliche/ Erwach‐ sene bzw. Fohlen/ Stute oder Hengst). Frauen waren von den athletischen Wettkämpfen vollständig ausgeschlossen. Lediglich bei den hippischen Agonen konnten sie als Besitzerinnen Pferde oder Gespanne an den Start schicken und von männlichen „Jockeys“ reiten lassen. Möglich war auf diese Weise sogar ein Olympiasieg, weil bei den Pferdewettbewerben nicht die Reiter, sondern die Besitzer bzw. Besitzerinnen den Sieg zugesprochen bekamen. Der 396 v. Chr. hinzugekommene Agon der Trompeter und Herolde, klassifiziert als athletischer Wettkampf, da man die Lungenkraft als ent‐ scheidendes Kriterium für den Erfolg sah, beschloss den ersten Tag. An Tag zwei folgten die Agone der Jugendlichen, ehe der dritte Tag des Kultfests mit den im Hippodrom ausgetragenen Pferderennen begann. Danach stand der Fünfkampf (Pentathlon) auf dem Programm, am Abend wurden Riten für Pelops abgehalten. Das in der Altis gelegene Pelopion diente der kultischen Verehrung des mythologischen Namensgebers der Halbinsel Peloponnes. Am vierten Tag fanden eine Prozession und das große Opfer am Aschen‐ altar für Zeus statt. Dort wurden die Schenkel der zu Füßen des Altars geopferten Tiere verbrannt, die Asche wurde mit Wasser aus dem Alpheios gebunden und zu einem stetig wachsenden Kegel geformt (Sinn 2002: 52). Nach Pausanias (Buch V, 13.9) wies der Zeusaltar im 2. Jh. n. Chr. bei einer Höhe von etwa sieben Metern einen Sockelumfang von rund 40 Metern 36 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="37"?> auf. Ein Festmahl im Prytaneion, dem im Nordwesten der Altis errichteten „Rathaus“ der Eleer, bildete den Abschluss des Tags. Tag fünf war wiederum von Agonen geprägt. Auf dem Programm standen die Laufwettbewerbe und die schwerathletischen Disziplinen (Faust- und Ringkampf, Pankration) sowie der Waffenlauf. Mit der Siegerehrung vor dem Zeustempel und einer anschließenden Bewirtung der Sieger im Prytaneion wurde das Kultfest am sechsten Tag abgeschlossen. Neuere Forschungsergebnisse (Lee 2001: 101ff.) zeigen spätere Verände‐ rungen des Festablaufs auf, zudem wird für die Zeit ab dem 2. Jh. v. Chr. statt einer zentralen Siegerehrung zum Abschluss des Kultfests die Durchführung einzelner Siegerehrungen sogleich nach jedem Wettkampf angenommen (Decker 2012: 39). Unabhängig von den Veränderungen bei der Durchführung der Festver‐ anstaltung kann aber mit Blick auf den Programmablauf insgesamt festge‐ halten werden, dass es sich bei den antiken Olympischen Spielen um ein Kultfest zu Ehren des Zeus handelte - nicht um ein profanes Weltsportfest wie die heutigen Olympischen Spiele. [AM] Welche Wettkampf- und Trainingsstätten gab es im antiken Olympia? Östlich der Altis lag das Stadion, in dem die athletischen Wettbewerbe stattfanden. Es war durch einen Tunnel (Krypta) mit der Altis verbunden. Ursprünglich bezeichnete der Begriff „Stadion“ das Längenmaß von 600 Fuß, später dann auch die Wettkampfanlage insgesamt. Da das Fußmaß in den verschiedenen griechischen Stadtstaaten nicht einheitlich definiert war, erstrecken sich die Laufbahnen in den antiken Stadien zwar alle über 600 Fuß, sind aber dennoch unterschiedlich lang: In Olympia 192,25 Meter, in Delphi hingegen 177,35 Meter und in Nemea 181,44 Meter (Decker 2012: 134f.). Die Laufstrecke im Stadion war ein langgezogenes Rechteck und nicht als Rundkurs konzipiert. Somit fanden alle Läufe mit mehr als einer Stadion‐ länge als Pendelläufe statt. An beiden Enden des Stadions waren Startrillen (Balbides) in den Boden eingelassen, weil der Ziellauf immer nach Westen mit Blick auf die Altis erfolgen musste. Demnach startete der Lauf über eine Stadionlänge im Osten und der Diaulos (Lauf über zwei Stadien) im Die Olympischen Spiele der Antike 37 <?page no="38"?> Westen des Stadions. Boxen, Ringen und Pankration fanden meistens in der Mitte des 33 Meter breiten Stadions statt, während die Wurfdisziplinen und der Weitsprung im Pentathlon eher im Umfeld der Startrillen begonnen wurden. Anders als zum Beispiel bei den Pythien in Delphi hatte das Stadion in Olympia keine steinernen Sitzumläufe und wurde trotz der voranschreitenden Baugeschichte in einer archaisch schmucklosen Form belassen. Als Sitzgelegenheiten ergaben sich für die Zuschauer nur die aufgeschütteten Grasflächen beidseits des Stadions. Die Pferde- und Wagenrennen wurden im Hippodrom durchgeführt, das - im Gegensatz zum Stadion - keine permanente Wettkampfstätte war. Es verlief parallel zum Stadion und musste alle vier Jahre neu abgesteckt werden. Nach einer Startstrecke von 320 Metern, die Reiter und Wagenlen‐ ker zur Geschwindigkeitsaufnahme und Positionierung für den weiteren Rennverlauf nutzten, begann die eigentliche Rennstrecke, die als Rundkurs angelegt war. Die als Wendepunkte in den Boden eingelassenen Stelen waren im Abstand von 575 Metern aufgestellt. Trennvorrichtungen zur Ver‐ meidung von entgegenkommenden Reitern und Wagengespannen waren nicht vorhanden, wodurch sich oftmals Unfälle mit schlimmen Verletzungen und sogar mit Todesfolge ereigneten (Decker 2008: 22f.). Die Athleten der athletischen Wettbewerbe hatten Trainingsmöglichkei‐ ten im Gymnasion, das außerhalb der Altis lag. Es kann auch als eine große Mehrzwecksportanlage bezeichnet werden, die ausreichend Länge für die Wurf- und Laufdisziplinen aufwies und an die auch Gebäude für die Kampfsportarten angegliedert waren. Die Nutzung des Gymnasions erfolgte nur alle vier Jahre, da Olympia als Kultort keine permanent dort lebende Bevölkerung aufwies. Bis zum Ende des 4. Jh. v. Chr. entstanden in unmittelbarer Nähe zum Gymnasion Thermen, die durch die beiden Flüsse Alpheios und Kladeos mit Wasser versorgt werden konnten. Eine wohltuende Temperierung des Wassers konnte durch eine ausgefeilte bauliche Infrastruktur erzielt werden. An die Thermen waren auch Pflege- und Ruheräume angeschlossen, die die Athleten zur Erholung, Massage und Behandlung von Verletzungen nutzen konnten (Wegner 2004: 170f.). [SW] 38 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="39"?> Wer waren die olympischen Athleten und Offiziellen bei den Olympischen Spielen? Die bei den Olympischen Spielen und auch den drei anderen panhelle‐ nischen Kultfesten wettkämpfenden Athleten mussten freie Bürger aus Griechenland und seinen Kolonien sein, die sich ab Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. über die Küstenbereiche des Mittelmeers und Kleinasiens bis hin zum Schwarzen Meer erstreckten. Frauen blieben von den Wettkämpfen ausgeschlossen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen war durch soziale Herkunft geprägt, da vor allem Athleten aus der oberen Gesellschaftsklasse an den Wettkämpfen teilnahmen. Sie waren finanziell unabhängig und mussten zum Erwerb ihres Lebensunterhaltes keiner geregelten Arbeit nachgehen. Damit verfügten sie über das flexible Zeitbudget, um in ihrem Alltag hohe Trainingsumfänge absolvieren und über das Jahr hinweg aufwendige Reisen zu unterschiedlichen Wettkampfstätten durchführen zu können (Decker 2014: 50f.). Der intensive zeitliche Aufwand des Trainings, das oftmals auch schon durch Trainer angeleitet wurde, war zum einen notwendig, um die ge‐ forderten Spitzenleistungen beim Wettkampf zu erbringen. Nachweislich waren die Athleten hochtrainiert und verfügten über enorme Kraft und Ausdauerfähigkeiten. Zum anderen mussten die zukünftigen Teilnehmer bei den olympischen Wettkämpfen aufzeigen, dass sie eine zehnmonatige Trainingsphase durchlaufen hatten. Die Bestätigung dafür erfolgte durch einen Schwur, den die Athleten vor dem Altar des Zeus Horkios - also Zeus in seiner Ausgestaltung als Schwurgott - im Heiligtum von Olympia verbindlich ablegen mussten (Bertling/ Wassong 2016: 435). Zu einem spezifischen Markenzeichen der Olympischen Spiele zählte, dass die Athleten 30 Tage vor den eigentlichen Wettkämpfen ein Gemein‐ schaftstraining in Elis - 40 Kilometer nord-westlich von Olympia gelegen - absolvieren mussten. Es ging darum, die sportliche Leistungsfähigkeit zu zeigen und in Qualifikationswettbewerben die Teilnahme an den Olympi‐ schen Spielen zu sichern. Die obligatorische Trainingszeit in Elis stand unter der Verantwortung von zehn Offiziellen in der Funktion von Kampfrichtern (Hellanodiken) (Sinn 2004: 126f.). Sie entschieden über die Zulassung von Athleten in Olympia und deren Einteilung in Leistungsklassen (Crowther 2024: 5). Die Olympischen Spiele der Antike 39 <?page no="40"?> Bei den Olympischen Spielen selbst übernahmen die Hellanodiken die Funktion von Hauptoffiziellen. Sie hatten die Verantwortung für die Durch‐ führung der Wettbewerbe und die Festlegung der Sieger. Da sie damit eine große Verantwortung trugen, wurden sie über Monate hinweg in Re‐ gelkunde und Bewertung von Leistungsentscheidungen geschult. Darüber hinaus mussten sie zusammen mit den Athleten vor Zeus Horkios schwören, dass sie unbestechlich seien und die Regeln beachten würden. Im Gegensatz zu den Athleten, die nackt wettkämpften, trugen die Kampfrichter zum Ausdruck ihres hohen gesellschaftlichen Ansehens ein Purpurgewand (De‐ cker 2012: 100). Ein Sieg bei den Olympischen Spielen war für die Athleten die höchste zu erreichende sportliche Auszeichnung. Neben dem symbolträchtigen Sie‐ geskranz aus Olivenzweigen war es den Siegern gestattet, eine lebensgroße Bronzestatue von sich mit Inschrift des Namens, der Nummerierung der → Olympiade und des Wettbewerbs im Hain von Olympia aufstellen zu lassen. Den Beschreibungen von Pausanias zufolge müssen Hunderte von solchen Siegerstatuen in der Altis errichtet worden sein. Meistens finanzierten die Heimatstädte die Statuen für ihre siegreichen Athleten und statteten sie darüber hinaus noch mit gesellschaftlichen Ehrenämtern, materiellen und finanziellen Zuwendungen aus. Poetische Ehrungen in Form von Siegesliedern (Epinikien) wurden in der Klassischen Zeit ab dem 5. Jh. v. Chr. populär und wurden vor allem von Pindar meisterhaft verfasst. Da einem Sieg bei den Olympischen Spielen eine so hohe gesellschaftli‐ che und persönliche Bedeutung zugeschrieben wurde, lagen Bemühungen von Athleten nicht fern, Siege auch durch Bestechungen und Manipulati‐ onsversuche zu erlangen. Als Folge des Aufdeckens des Fehlverhaltens veranlassten die Hellanodiken das Auspeitschen des betrügerischen Athleten und seinen direkten Ausschluss von den Wettbewerben. Er musste zusätz‐ lich ein hohes Bußgeld zahlen, das für die Errichtung von Schandstatuen (Zanes) genutzt wurde; damit wurden die Athleten für die Verfehlung des geschworenen Eides dauerhaft in der Öffentlichkeit diskreditiert (Kyle 2014: 27). Die Schandstatuen wurden bewusst vor dem Eingang des Stadions aufgestellt, sodass die vorbeiziehenden Athleten daran erinnert wurden, die Regeln des Wettbewerbes zu achten. Wie bei den Siegerstatuen sind auch von den Schandstatuen nur noch die steinernen Sockel erhalten. [SW] 40 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="41"?> Was war die Ekecheiria und welche Bedeutung hatte sie? Traditionell wurde der Beginn eines griechischen Agons durch Boten (The‐ oren/ Spondophoren) in der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Vor allem bei den panhellenischen Spielen reisten die Boten nicht nur in die Zentren der Peloponnes, sondern auch in die entfernteren griechischen Kolonien wie nach Unteritalien, Sizilien und Kleinasien. Zum Ausweis ihres Amtes, mit dem wohl ein bedeutendes gesellschaftliches Ansehen und ein großes Verantwortungsbewusstsein verbunden war, trugen die Boten einen Kranz und führten einen Hirtenstab mit sich (Sinn 2004: 104). Die wichtige Information über die Ausrufung des Agons und dessen Datum führte zur Einleitung des Festfriedens, der in Olympia auch als Ekecheiria bezeichnet wurde. Ekecheiria bedeutet wörtlich, „die (eigenen) Hände (fest an sich) halten“ (Decker 2012: 96). Der inhaltliche Kern des ausgerufenen Festfriedens bezog sich auf die Aufforderung, den Schutz des Territoriums der Polis zu respektieren, die für die Durchführung des Agons verantwortlich war; für die Spiele in Olympia war dies Elis. Es handelte sich nicht um die Ausrufung eines Waf‐ fenstillstands in kriegerischen Auseinandersetzungen in der griechischen Ökumene, sondern um einen Wegfrieden (Crowther 2024: 6). Durch diesen sollte Athleten, Zuschauern, Wettkampfrichtern und Festgesandten der sichere Weg von ihren Heimatstädten nach Olympia und wieder zurück gewährleistet werden. Es war zudem untersagt, das Gebiet von Elis mit Waffen zu durchreisen. Demnach setzten zumindest Kriegshandlungen auf dem Territorium von Elis aus. Offensichtliche Zuwiderhandlungen wurden mit Strafen in Form von Geldbußen und materiellen Abgaben geahndet (Kyle 2014: 23f.). Wolfgang Decker wies darauf hin, dass über den Zeitraum der Durchführung der Olympischen Spiele der Wegfrieden im Allgemeinen beachtet worden ist: „Anderenfalls hätten die Olympien nicht mehr als ein Jahrtausend Bestand haben können, ohne daß [sic! ] das Fest einmal ausfiel“ (Decker 2012: 96f.). Bezüglich der Dauer der Ekecheiria ist in Olympia von maximal vier Monaten auszugehen; zwei Monate für die Reise nach Olympia und die dann verbleibenden Monate für die Rückreise. (Decker 2012: 96f.). Scheinbar wurden die Vereinbarungen des Wegfriedens in Olympia auf einem Bronzediskus eingraviert, der gemäß den Ausführungen von Pausa‐ nias eine von vielen Kostbarkeiten war, die im Tempel der Hera im Heiligtum von Olympia aufbewahrt wurden. Die Initiative dazu soll vom spartanischen Die Olympischen Spiele der Antike 41 <?page no="42"?> Gesetzesgelehrten Lykurg ausgegangen sein, der es im Jahr 776 v. Chr. als einziger Spartaner gewagt hatte, die aufwendige, aber auch gefahrvolle Reise nach Olympia anzutreten. In Absprache mit dem König Iphitos von Elis soll Lykurg die Gravur auf dem Diskus initiiert haben, um darüber die Verbindlichkeit des Wegfriedens als Sakralnorm zu stärken (Sinn 2004: 176). Abschließend kann an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen werden, dass sich seit den 1990er Jahren das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Kooperation mit den Vereinten Nationen (UN) um eine moderne Auslegung der Ekecheiria bemüht ( ↠ Was sind die Friedensresolutionen der Vereinten Nationen und des Internationalen Olympischen Komitees? ). [SW] Warum und wann wurde das Kultfest in Olympia beendet? Mehr als 500 Jahre in der über tausendjährigen Geschichte der Olympischen Spiele fielen in die Zeit, in der Griechenland Teil des Römischen Reiches war. Seit 146 v. Chr. beherrschte Rom Griechenland und weitete seinen politischen Einfluss und seine militärische Macht auf die noch nicht unter römischer Herrschaft stehenden griechischen Kolonien aus. Es wäre allerdings zu pauschal zu behaupten, dass die römischen Kaiser dem Olympiakult trotz der Popularität der römischen Spektakel bei den Gladiatorenwettkämpfen und Wagenrennen im Circus Maximus zunächst nicht wohlwollend gegenübergestanden hätten. So entstanden im Laufe des 2. Jh. in Olympia neue Funktionsbauten wie die Unterbodenbeheizung der Thermen oder die monumentale Brunnenanlage (Nymphäum) in der Altis (Sinn 2013: 55f.). In der Forschung wird das genaue Ende der Olympischen Spiele ebenso offen diskutiert wie das Gründungsdatum des Festes. Darüber hinaus wer‐ den auch mehrere Ursachen dafür beschrieben, aus welchen Gründen die langwährende Festtradition beendet wurde. Als 380 das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich erhoben worden war, erließ Kaiser Theodosius I. ein Edikt, demzufolge alle heidni‐ schen Kulte verboten werden sollten. Diese kaiserliche Verfügung schien aber erst dann einen Einfluss auf die Olympischen Spiele zu haben, als Kaiser Theodosius II. im Jahr 426 das Edikt seines Vorgängers erneuerte und zusätzlich die Zerstörung aller griechischen Heiligtümer anordnete, inklu‐ sive derer in Olympia (Crowther 2024: 9). Darüber hinaus zerstörten in der 42 Die Olympischen Spiele der Antike <?page no="43"?> Mitte des 6. Jh. Erdbeben, Erdrutsche und Überflutungen des Alpheios und Kladeos Olympia und begruben die Heiligtümer sowie das Siedlungsgebiet unter meterhohen Schlamm- und Lehmschichten. Für mehr als tausend Jahre war Olympia visuell nicht mehr vorhanden, aber die Erinnerung und die Glorifizierung des Festes blieben. So merkt Ulrich Sinn in seinem Werk „Das Antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst“ folgendes an: „Über Olympia ist während all der Jahrhunderte seiner Existenz viel geschrieben worden. Über kein anderes Heiligtum der antiken Welt sind wir so gut informiert. Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, daß [sic! ] uns die antiken Texte noch heute zur Verfügung stehen“ (Sinn 2004: 14). [SW] Die Olympischen Spiele der Antike 43 <?page no="45"?> Die Einführung der modernen Olympischen Spiele Im folgenden Kapitel steht der französische Baron Pierre de Couber‐ tin im Mittelpunkt. Wer war er und warum rief er die modernen Olympischen Spiele ins Leben? Wie ist das IOC entstanden und unter welchen Umständen fand 1896 die Premiere der Olympischen Spiele in Athen statt? Zunächst aber wird dargestellt, wie der antike Kultort Olympia durch archäologische Ausgrabungen stärker ins Bewusstsein der Menschen rückte und welche olympischen Initiativen bereits vor Coubertin entstanden waren. <?page no="46"?> Was war in der Neuzeit über die antiken Olympischen Spiele bekannt und wie wurde der Ort Olympia wiederentdeckt? Nach dem Ende der antiken Olympischen Spiele - auch nach dem Verbot heidnischer Kulte durch den christlichen Kaiser Theodosius I. im Jahr 393 wurden wohl noch Wettkämpfe in kleinerem Rahmen durchgeführt - war das Zeus-Heiligtum im 6. Jh. durch ein Erdbeben, eventuell auch durch mehrere Tsunamis (Vött 2011) endgültig zerstört worden. Im 7. Jh. wurde der Ort aufgegeben und in der Folgezeit durch eine mehrere Meter hohe Schlamm- und Sandschicht bedeckt. Er geriet zunächst in Vergessenheit. Erst im Zeitalter der Renaissance stießen die Schriften der antiken Autoren wieder auf großes Interesse, auch das Zeus-Kultfest von Olympia wurde - zunächst literarisch - wiederentdeckt. Lennartz (1974: 22) nennt als älteste bislang bekannte Quelle das Werk „Libro della vita civile/ Dialoghi II“ des italienischen Humanisten Matteo Palmieri, in dem Diagoras von Rhodos, der legendäre Faustkampf-Olympiasieger aus dem 5. Jh. v. Chr., und seine ebenfalls in Olympia siegreichen Söhne erwähnt wurden. Auch im 1569 erstmals publizierten, 1577 dann mit zusätzlichen Illustrationen versehenen Standardwerk „De arte gymnastica“ des italienischen Arztes Hieronymus Mercurialis fanden die Olympischen Spiele Erwähnung. Die Vorstellungen über den Ablauf des antiken Kultfests waren allerdings noch diffus, auch wenn die aus dem 2. Jh. vorliegenden Schilderungen des Pausanias zu Beginn des 16. Jh. neu aufgelegt worden waren (Decker 2008: 41f.). Auf „sportpraktischer“ Ebene findet sich mit der 1612 erfolgten Premiere der englischen Cotswold Olimpick Games von Robert Dover --die Spiele werden auch heute noch ausgetragen - das älteste Beispiel für eine „Wiederentdeckung“ Olympias. Trotz der zunehmenden Auseinandersetzung mit den Olympischen Spie‐ len blieb die genaue Lage des antiken Kultorts noch lange Zeit unbekannt. Nach gescheiterten Versuchen durch den französischen Gelehrten Bernard de Montfaucon und den deutschen Archäologen Johann Joachim Winckel‐ mann gelang es erst 1766 dem englischen Archäologen Richard Chandler mithilfe antiker Quellen, die von meterdicken Erdmassen bedeckten Ruinen Olympias zu orten. Zu umfassenderen Ausgrabungsarbeiten kam es jedoch noch nicht. Die eigentliche archäologische Wiederentdeckung Olympias begann im Kontext des von 1821 bis 1829 andauernden griechischen Unabhängigkeits‐ 46 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="47"?> kriegs gegen die Herrschaft der Osmanen. Im Gefolge militärischer Unter‐ stützung aus Frankreich befand sich auch eine Forschungsexpedition. Diese Expédition Scientifique de Morée unternahm 1829 erste größere Grabungen, legte große Teile des Zeustempels frei und nahm viele Fundstücke mit nach Paris, wo sie im Louvre zu sehen sind (Kyrieleis 2011: 12). Für die (Wieder-)Aufnahme wissenschaftlicher Grabungsarbeiten machte sich dann am 10. Januar 1852 der deutsche Archäologe Ernst Curtius mit seinem berühmt gewordenen Vortrag über das antike Olympia in der Berliner Sing-Akademie stark; gut zwanzig Jahre später war er am Ziel: Am 25. April 1874 wurde in Athen ein deutsch-griechischer Grabungsvertrag unterzeichnet - noch heute die vertragliche Basis für die unter deutscher Leitung stattfindenden Grabungen in Olympia. Als Novum für die damalige Zeit beinhaltet der Vertrag einen Passus, der besagt, dass sämtliche Funde als nationales Kulturerbe in Griechenland verbleiben müssen. Bei der deutschen Seite liegt bis heute das Recht zur wissenschaftlichen Auswertung und Veröffentlichung der Forschungsergebnisse (Kyrieleis 2011: 13). Die unter Curtius’ Leitung von 1875 bis 1881 durchgeführte „Alte Grabung“ ist aufgrund ihrer Systematik und strengen Methodik in die Geschichte der Archäologie eingegangen (Decker 2008: 45). Allerdings beschränkte sich das Interesse der Archäologen auf die Freilegung des Heiligen Hains - die Bedeutung Olympias für den Sport genoss keine Priorität. Die Initiative zur Freilegung und Rekonstruktion des heute für Besu‐ cher: innen zugänglichen Stadions ging von Carl Diem aus, dem führenden deutschen Sportgestalter und -funktionär in der ersten Hälfte des 20. Jh. Als Generalsekretär des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele Berlin 1936 ( ↠ Unter welchen Umständen fanden die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland statt? ) gelang es ihm, die Freilegung des Stadions von Olympia durch das Deutsche Archäologische Institut zu veranlassen. Nach einer durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Unterbrechung wurden die Arbeiten 1952 unter der Leitung Emil Kunzes erneut aufgenommen. 1961 konnte das Stadion im Beisein Diems im Rahmen eines Festakts an die Öffentlichkeit übergeben werden, gleichzeitig wurde am antiken Ort die Internationale Olympische Akademie als olympischer Lehr- und Lernort eröffnet - auch hierfür hatte sich Diem Zeit seines Lebens stark gemacht. [AM] Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 47 <?page no="48"?> Was sind die vorolympischen Spiele? Auch als die Heiligtümer und Sportstätten von Olympia noch verschollen waren, lebten Glanz und Ruhm des antiken Sportfestes in Texten, Kunst und Musik stets weiter (Segrave 2024: 3f.). Im 17. und 18. Jahrhundert, aber vor allem in nahezu allen Dekaden des 19. Jahrhunderts lassen sich in Europa Volks- und Sportfeste dokumentieren, die in ihrem Namen oder in Programmpunkten das Wort „olympisch“ nutzten. Der Bezug zu den ruhmreichen Olympien in der Antike sollte das Ansehen der Veranstaltung in der Öffentlichkeit steigern. Ernsthafte Bemühungen, die Olympischen Spiele neu aufleben zu lassen, wurden vor allem in Griechenland und England unternommen (Chojnacki-Bennemann 2023: 30.). Evangelis Zappas, der nach seiner aktiven Teilnahme am griechischen Freiheitskampf ein großes Vermögen in Rumänien erworben hatte, organi‐ sierte 1859 ein Sportfest in Athen, das möglichst alle vier Jahre - und damit in Analogie zum Rhythmus der antiken Olympischen Spiele - ausge‐ tragen werden sollte. Die Sportdisziplinen waren nicht als reine Kopien der antiken Wettbewerbe geplant, sondern sollten sich zeitgemäßeren Durchführungsbestimmungen und Formaten anpassen. Dennoch wurde auf ein Zeremoniell in Anlehnung an das antike Fest in Olympia nicht völlig verzichtet. Die „Olympischen Spiele des Zappas“ waren als Nationalfest geplant, durch das der Glanz der antiken Olympischen Spiele in die Moderne übertragen werden sollte. Sie sollten einen Beitrag zur nationalen Identität Griechenlands bilden, das sich nach dem Befreiungskrieg gegen die Türken als junger Nationalstaat erst finden musste. Zappas selbst erlebte nur die erste Auflage des Sportfests. Nach seinem Tod wurde sein Vermögen in die Hände einer Stiftung gegeben, die das von Zappas initiierte Sportfest nur noch in den Jahren 1870, 1875 und 1888/ 89 durchführte (Decker 2013: 165f.). In der Forschung über die vorolympischen Spiele in England wird detail‐ liert Bezug genommen auf die Aktivitäten des Landarztes William P. Broo‐ kes. Ab den 1850er Jahren organisierte Brookes in der englischen Grafschaft Shropshire jährlich Olympian Games mit modernen und volkstümlichen Sportarten, Siegerehrungen und Festumzügen. Die über mehrere Tage organisierte Veranstaltung sollte vornehmlich den Stellenwert des Sports als Element der Gesundheitsförderung in der Öffentlichkeit herausstellen. Brookes bemühte sich sogar, die regionale Popularität der Much Wenlock Olympian Games auf die nationale Ebene zu heben. So gründetet er 1865 die National Olympian Association, die dann unter seiner Leitung und bis 1885 48 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="49"?> sechs Sportfeste in verschiedenen Städten Englands organisierte. Brookes hatte auch Kenntnisse über die Initiative von Zappas und stiftete bereits für die erste Auflage der vorolympischen Spiele 1859 in Athen einen Geldpreis für den Sieger im Tilting (Ringleinstechen) (Decker 2008: 53f.). Die Initiativen von Zappas und Brookes werden in der olympischen Geschichtsforschung oftmals als bedeutende Wegbereiter für die Gründung der heutigen Olympischen Spiele gesehen. Dies muss mit Zurückhaltung betrachtet werden, da den „Olympischen Spielen des Zappas“ und den Much Wenlock Olympian Games ein wesentliches konstitutives Element fehlte, das die Olympische Bewegung auszeichnet und das deren Tradition seit den ersten Olympischen Spielen Athen 1896 gesichert hat: die Internationalität der Athlet: innen und Zuschauer: innen sowie die kontinentale Verbreitung der Austragungsorte. [SW] Wer war Baron Pierre de Coubertin? Pierre de Coubertin wurde am 1. Januar 1863 in Paris geboren. Er wuchs in der Dritten Französischen Republik auf, zu deren politischen Leitideen er sich trotz seines adeligen Elternhauses bekannte. Von seiner Kindheit bis in die 1920er Jahre hinein hatte Coubertin seine Lebensmittelpunkte in seinem Pariser Stadthaus und auf dem Familiensitz Château de Mirville in der Normandie. Gemäß der sehr konservativen Haltung seines Elternhauses legte Coubertin 1880 das Abitur an der Jesuitenschule Saint-Ignace in Paris ab und begann eine Ausbildung an der Offiziersakademie Saint-Cyr. Coubertin brach die Militärlaufbahn bereits nach einigen Wochen ab, da er die Akademie als Sammelbecken für Monarchisten und Traditionalisten brandmarkte. Parallel zu seinen universitären Studien in Rechtwissenschaft, die er 1885 mit dem Examen abschloss, belegte er zahlreiche gesellschafts‐ wissenschaftliche Kurse an der renommierten École libre des Sciences Politiques, die seine republikanische Einstellung manifestierte. Entgegen der katholischen Tradition des Elternhauses heiratete Coubertin die Protestan‐ tin Marie Rothan. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor (Durry o.D.). In die Geschichte ist Coubertin als Begründer der modernen Olympi‐ schen Spiele eingegangen, durch deren Wiedereinführung die erzieherische Bedeutung des Sports weltweit gefördert werden sollte. Wichtige biogra‐ phische Informationen zeigen aber nicht nur das Bild eines olympischen Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 49 <?page no="50"?> Sportpädagogen auf, sondern auch das eines Wissenschaftsautors und Journalisten, der sich umfassend mit Erziehungsansätzen, Schulreformen, den politischen Entwicklungen in der Dritten Französischen Republik, der Geschichte Europas und der USA sowie mit den Ideen der aufkommenden Friedensbewegung beschäftigte. Es ist bemerkenswert, wie umfangreich Coubertin zu all diesen Themen publiziert hat. Die vollständige Zusam‐ menstellung seines Werks umfasst etwa 16.000 Druckseiten, darunter 34 Bücher, 57 Broschüren, 1.224 Artikel sowie 46 Flugblätter und Plakate. Knapp 45 Prozent seiner Publikationen lassen sich den Themenfeldern Sporterziehung, Sportarten und Olympische Bewegung zuordnen (Schantz 2023: 124; Schantz 2024: 1f.). Coubertin fungierte von 1896 bis 1925 als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) (Barney 2024: 5). Mit Beginn des Ersten Welt‐ kriegs hielt er sich immer wieder über längere Zeiträume in Lausanne auf, von wo er dann auch die Amtsgeschäfte des IOC organisierte. Im Jahr 1922 übergab die Stadtverwaltung von Lausanne Coubertin Räumlichkeiten in der Villa Mon-Repos, die zur offiziellen Hauptgeschäftsstelle des IOC wurde. Coubertin machte Mon-Repos zu seinem offiziellen Wohnsitz, den er 1922 in Paris verlassen hatte. Seine Familie zog erst 1929 in eine Wohnung der Villa ein. Zu dieser Zeit war Coubertin nicht mehr IOC-Präsident, unterstützte die Olympische Bewegung aber noch weiterhin durch Publikationen und Initiativen zur Gründung eines Olympischen Museums. Bereits ab Mitte der 1920er Jahre hatte Coubertin erhebliche finanzielle Probleme. Einen Großteil seines Vermögens hatte er im Ersten Weltkrieg verloren; hinzu kamen finanzielle Engpässe, die durch Familienstreitigkei‐ ten ausgelöst worden waren, und die Folgen des Börsenkrachs 1929. Ab 1933 lebte er getrennt von seiner Familie und zog 1934 nach Genf in ein kleines Gästehaus, das der Young Men’s Christian Association (YMCA) gehörte. Mit der YMCA hatte Coubertin langjährige institutionelle Beziehungen gepflegt; nicht zuletzt durch seine Reisen in die USA in den Jahren 1889 und 1893. Coubertin starb am 2. September 1937 in Genf an einem Herzinfarkt. Die Stadt hatte ihm zwei Monate zuvor die Ehrenbürgerschaft verliehen. Seine Beerdigung und Beisetzung fanden in Lausanne statt. Testamentarisch hatte Coubertin verfügt, dass sein Herz in einer Coubertin-Stele im antiken Olympia begraben werden sollte. Die Stele war bereits 1927 am Eingang der archäologischen Ausgrabungen errichtet worden; 1938 erfolgte dann die Umsetzung von Coubertins testamentarischem Willen. An der Zeremonie in Olympia nahmen zahlreiche Mitglieder des IOC teil. Heute befindet 50 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="51"?> sich die Coubertin-Stele auf dem Gelände der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) in Olympia (Chappelet 2023b: 126). [SW] Literaturtipp | Das Internationale Pierre de Coubertin Komitee hat in Kooperation mit dem französischen Pierre de Coubertin Komitee und dem Olympischen Studienzentrum des IOC eine Publikation über Cou‐ bertin und dessen vielfältiges Wirken herausgegeben. In 60 Kurzbeiträ‐ gen von 40 Autor: innen wird das Profil von Coubertin als Begründer und Förderer der Olympischen Bewegung, Präsident des IOC, Erzie‐ hungsreformer, Sportpädagoge, Historiker, Wissenschaftsjournalist und Politiker analysiert. Die Publikation liegt online in der Olympic World Library (library.olympics.com/ ) in englischer und französischer Sprache vor: Pierre de Coubertin: Life, vision, influences and achievements of the founder of the modern Olympic Games/ The Olympic Studies Centre. Pierre de Coubertin: Vie, vision, influences et réalisation du fondateur des Jeux Olympiques modernes/ Le Centre d’Etudes Olympiques. Welche Erziehungsgedanken waren grundlegend für Coubertin bei der Einführung der Olympischen Spiele? Bereits während seiner schulischen und universitären Ausbildung beklagte Pierre de Coubertin die geringe Wertschätzung einer sportlichen Erziehung an Bildungsinstituten in Frankreich. Auf seinen Studienfahrten nach Eng‐ land und in die USA in den 1880er und 1890er Jahren hatte er Kenntnisse darüber erworben, wie der Sport im anglo-amerikanischen Bildungswesen zur Gesundheits- und Persönlichkeitsschulung genutzt wurde (Wassong 2023d: 12f.). Seine Reformideen, den Sport als ein Erziehungsmedium für die Ausbildung von moralischen und sozialen Charaktereigenschaften insbe‐ sondere für Schüler und Studenten in Frankreich nutzbar zu machen, wurde von Schul- und Universitätsbehörden abgelehnt. Gymnastische Übungen schienen mehr für die Erziehung der Jugend zu leisten als wettkampforien‐ tierte Lauf- und Mannschaftsspiele. Obwohl Coubertin nur von wenigen Bildungspolitikern unterstützt wurde, organisierte er bereits ab den 1880er Jahren kleinere Schulsportwettkämpfe in Frankreich und gelangte zur Über‐ zeugung, dass nur durch die Durchführung von internationalen Sportfesten die retardierte Sportentwicklung in Frankreich gefördert werden könne. Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 51 <?page no="52"?> Damit war ein Impuls geschaffen, um über die Wiedereinführung der Olympischen Spiele als internationale Wettkampfplattform nachzudenken (Schantz 2024: 1). Es wäre allerdings eine Verkürzung, den frühen Startimpuls für Couber‐ tins olympisches Projekt lediglich auf die Förderung der Sporterziehung in Frankreich zu begrenzen. Bedeutsam für die Gründungsgeschichte der Olympischen Spiele sind auch Coubertins Gedanken, die Internationalität der neu zu organisierenden Olympischen Spiele als pragmatische Mög‐ lichkeit einer transnationalen Verständigungsbereitschaft zu nutzen. Der olympische Wettkampf sollte Athleten Gelegenheit bieten, sich gegenseitig kennenzulernen, um auf diese Weise Kenntnisse über die Besonderheiten anderer Nationen zu erwerben. Laut Coubertin könnten durch diesen Pro‐ zess der internationalen Verständigungsbereitschaft Vorurteile gegenüber anderen Nationen abgebaut werden, die oftmals Ausgangspunkt für Span‐ nungen zwischen Nationen seien. Unmittelbar nach der Durchführung der ersten Olympischen Spiele Athen 1896 hob Coubertin folgendes hervor: „Should the institution [Olympic Games] prosper, - as I am persuaded, all civilized nations aiding, that it will - it may be a potent, if indirect, factor in securing universal peace. Wars break out because nations misunderstand each other. We shall not have peace until the prejudices which now separated the different races have been outlived. To attain this end, what better means than to bring the youth of all countries periodically together for amicable trials of muscular strength and agility? “ (Coubertin 1896: 53). Coubertin hatte diesen Gedanken letztlich von Überlegungen abgeleitet, die auf den ersten Weltfriedenskongressen in Paris 1889 und Rom 1891 diskutiert worden waren. Dort wurden unter anderem Ideen über internatio‐ nale Studententreffen zur Förderung von interkulturellen Verständigungs‐ plattformen besprochen. Für Coubertin schien der Sport dafür ein ideales Vehikel zu sein, da er sich weltweit einer zunehmenden Beliebtheit erfreute, wodurch sich eine Grundvoraussetzung für die steigenden Wertschätzungen von internationalen Sportfesten ergab. Darüber hinaus zeichneten sich für Coubertin Sportwettkämpfe per se durch eine gelöste und ungezwungene Atmosphäre aus, was ihm für die Einleitung von Erziehungsprozessen wichtig erschien. Nachweislich hatte Coubertin persönliche Verbindungen zu wichtigen Repräsentanten der internationalen Friedensbewegung, die ab Mitte der 1880er Jahre ihr Zentrum in Paris hatte. Die personalen Kontaktstellen 52 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="53"?> ergaben sich vor allem während der → Weltausstellung 1889 in Paris, auf der Coubertin einen internationalen Kongress zu Fragen der Leibeserziehung organisierte. Im unmittelbaren Anschluss an diese Zusammenkunft fand der 1. Weltfriedenskongress statt, den Coubertin ebenfalls besuchte und über den er in seinem Aufsatz mit dem vielsagenden Titel „L’éducation de la paix“ in der Zeitschrift „La Réforme Sociale“ (September 1889) wohlwollend publizierte (Wassong 2023b: 30). [SW] Was wird vom Internationalen Olympischen Komitee als Le Manifeste Olympique bezeichnet? Auf seiner ersten Studienfahrt in den USA hatte Pierre de Coubertin im Ok‐ tober 1889 Andrew D. White kennengelernt, der dort eine beeindruckende Laufbahn als Diplomat, Historiker und Rektor der Cornell-Universität im Staat New York vorweisen konnte. Coubertin und White tauschten im We‐ sentlichen Gedanken über die erzieherische Wertigkeit des Sports aus. Die Idee, Olympische Spiele neu zu begründen, wurde noch nicht thematisiert. Knapp drei Jahre später - am 21. Juli 1892 - sandte Coubertin dann einen Brief an White, in dem die Intention zur Wiedereinführung der Olympischen Spiele aufgegriffen wird (Wassong 2023d: 13). Die entscheidenden Zeilen lauten: „I have lately studied very carefully the question of international athletics & the way of making international meetings as easy & useful as possible. […]. I have come to the conclusion that if the Olympian Games will start anew & held every four years as in the old times, it would be a great benefit to modern athleticism. […]. I am sure the question of the reestablishment of the Olympian Games […] would be discussed with great sympathy by both the athlete & the learned man […]“ (Coubertin 1892a). Damit kann eine der frühesten Primärquellen aufgezeigt werden, in denen Coubertin sich zu seinem olympischen Vorhaben äußert; allerdings nur auf persönlicher und vertraulicher Ebene. Dies änderte sich nur wenige Monate später. Am 25. November 1892 wurden die Abschlussreden auf einem Kongress vorgetragen, den Coubertin anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Union des Sociétés Françaises de Sports Athlétiques (USFSA) in Paris organsiert hatte. Coubertin hatte die USFSA als nationalen Dachverband für die zentrale Organisation des Sports gegründet. Die Teilnehmer, die überwiegend Sport‐ Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 53 <?page no="54"?> organisationen, die Regierung und die Stadtverwaltung von Paris vertraten, waren begeistert von der festlichen Atmosphäre der Abschlussveranstal‐ tung und den Reden, die sich auf den Sport in der Antike, im Mittelalter und in der Gegenwart bezogen. Die Sportentwicklung in der zuletzt genannten Zeitepoche wurde von Coubertin selbst analysiert. Zentrale Themen in seinem 14-seitigen Redemanuskript beschäftigten sich mit der Bedeutung, die dem Sport in der Erziehung zum modernen Staatsbürger zugeschrieben werden muss. Zum einen betont er, dass der Sport einen Beitrag zur Formung von gesellschaftlich wertvollen Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Leistungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn leistet. Zum anderen hebt er hervor, dass gerade durch internationale Sportveranstaltungen Prozesse des gegenseitigen Kennen- und Sich-Achtenlernens eingeleitet werden, wodurch die transnationale Verständigungsbereitschaft geschult würde. Zur Unterstützung dieser Annahme schlug er vor, eine besondere Plattform für den internationalen Sportaustausch zu schaffen. Er ließ seine Rede mit den Worten über sein Vorhaben enden, die Olympischen Spiele unter den Bedingungen der modernen Zeit wieder einzuführen (Coubertin 1892: 44). Die Bedeutung dieser Rede liegt zum einen in dem Geschick Coubertins, sein olympisches Projekt pointiert am Ende der Rede vorzubringen und die Olympischen Spiele als Stimulus für die Verfestigung des Wirkungszu‐ sammenhanges zwischen Sport und Erziehung zu verstehen. Zum anderen muss die Rede historische Wertschätzung erfahren, da Coubertin darin die Idee der Wiedereinführung der Olympischen Spiele zum ersten Mal in der Öffentlichkeit vorstellte. Die Zuhörer reagierten auf Coubertins Idee mit Zurückhaltung, aber nicht mit Zurückweisung. Coubertins Gedanken mussten erst einmal reflektiert werden. Eine gezielte Vorbereitung musste angestoßen werden, um das olympische Vorhaben zu realisieren. Die Grundlagen dafür hatte Coubertin der Öffentlichkeit in seiner Rede am 25. November präsentiert. Daher wird das Redemanuskript vom IOC auch als „Le Manifeste Olympique“ ausgelegt. [SW] Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? 1894 organisierte Pierre de Coubertin gemeinsam mit der Union des Sociétés Françaises de Sports Athlétiques (USFSA) eine weitere wichtige Zusammen‐ 54 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="55"?> kunft, den Congrès International de Paris pour le Rétablissement des Jeux Olympiques. Diese Versammlung gilt als Ausgangspunkt für die Gründung der Olympischen Bewegung. In seinen Bemühungen um die internationale Ausrichtung des Kongresses wurde Coubertin von William Milligan Sloane, Professor an der Princeton-Universität in den USA, und Charles Herbert von der Amateur Athletic Association in England unterstützt. Von Anfang an wurde hervorgehoben, dass die neu eingeführten Olympischen Spiele keine bloße Kopie des antiken Vorbilds sein sollten. Lediglich der Verweis auf die Aura des glorreichen antiken Sportfestes sollte zur Unterstützung des modernen olympischen Projekts beitragen (Quanz/ Wassong 2023: 40). Der Kongress fand vom 16. bis zum 24. Juni 1894 an der Pariser Sorbonne statt. Die weltberühmte Universität wurde bewusst gewählt, um dem Thema des Kongresses eine akademische Aura zu verleihen. Der Teilnehmerkreis umfasste etwa 2.000 sportaffine Personen, die die Bereiche Kultur, Bildung, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Diplomatie abdeckten. Die Mehrheit der Gäste war aus Frankreich und Europa angereist; nur wenige Gäste aus Übersee waren vertreten (Müller 1994: 29). Thematische Schwerpunkte umfassten Überlegungen zur Wiedereinfüh‐ rung der Olympischen Spiele und Regelungen für die Zulassung von Ama‐ teuren zu den Wettbewerben. Am 23. Juni, dem vorletzten Kongresstag, wurde schließlich wegweisend beschlossen, die Olympischen Spiele wieder einzuführen und die erste Ausgabe der Spiele 1896 in Athen zu feiern. Darüber hinaus wurde das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit 15 Mitgliedern aus zwölf verschiedenen Nationen gegründet: Argentinien, Australien, Belgien, Böhmen, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Ungarn, Italien, Neuseeland, Russland, Schweden und die USA. Weitere wichtige Beschlüsse betrafen die Ernennung des griechischen Schriftstellers Demetrius Vikelas zum ersten IOC-Präsidenten und die Verabschiedung einer Reihe von Amateurregeln. Letztere mussten festgelegt werden, um Coubertins Ziel umzusetzen, dass durch den olympischen Sport ein Beitrag zur integren Persönlichkeitsentwicklung geleistet werden könne. Der rein auf den finanziellen Gewinn ausgerichtete Profisport führte nach Coubertin zu einer übertriebenen Wettkampfhärte und zur Aushöhlung des Fair Play- Gedankens. Profisport untergrub nach Ansicht der Kongressdelegierten die Erwartung, dass sich durch den sportlichen Wettkampf noble moralische und soziale Charakterwerte ausbilden würden. Eigenschaften, die auch über Sportkontexte hinaus in privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen erfahrbar werden würden. Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 55 <?page no="56"?> In Festansprachen zur Kongresseröffnung wurde aber nicht nur auf die moral- und sozialerzieherische Wirkung des Sports verwiesen, sondern auch auf Coubertins Vorstellung, die Olympischen Spiele als Plattform für den interkulturellen Erfahrungsaustausch zwischen Athleten und Zu‐ schauer: innen zu verstehen. Durch Prozesse des gegenseitigen Kennen- und Sich-Achtenlernens sollten Vorurteile über die Besonderheiten anderer Nationen abgebaut werden, um auf diese Weise transnationale Verstän‐ digungsprozesse einleiten zu können. Damit wurde Coubertins früherer Ansatz noch einmal vertieft, denn er hatte sich bereits Ende der 1880er Jahre Gedanken über eine sportliche Erziehung gemacht. Diese Überlegungen beschrieb er als einen zentralen Gründungsgedanken für seine Pläne zur Wiederbegründung der Olympischen Spiele. Wie geschickt Coubertin diese Thematik auf dem Gründungskongress hervorhob, lässt sich auch an der Liste der Ehrenmitglieder erkennen: zwölf der auf dieser Liste nominierten 50 Namen waren aktive Mitglieder der aufkommenden Friedensbewegung, deren Zentrum in den 1880er Jahren in Paris lag und zu deren Akteuren Coubertin persönliche Kontakte pflegte. Das Rahmenprogramm trug mit einer Vielzahl von Veranstaltungen zum erfolgreichen Verlauf des Kongresses bei. Dazu gehörten Feuerwerke, Fa‐ ckelläufe, Bankette, sportliche Wettkämpfe und Vorführungen von Sportdis‐ ziplinen. Coubertin hielt es für sehr passend, dass bei der Eröffnungszeremo‐ nie die berühmte „Hymne an Apollo“ in der Neuzeit uraufgeführt wurde. Die Hymne selbst war erst 1893 bei Ausgrabungen in Delphi entdeckt worden. Die Aufführung mit zwölf Opernsängern war der glorreiche Höhepunkt der Eröffnungsfeier und regte die Delegierten dazu an, die Wiedereinführung der Olympischen Spiele positiv zu begleiten (Quanz/ Wassong 2023: 41). [SW] Wann und wo fanden die ersten modernen Olympischen Spiele statt? Bei der Schlusssitzung des Congrès International de Paris pour le Rétab‐ lissement des Jeux Olympiques hatten die Delegierten am 23. Juni 1894 entschieden, die Olympischen Spiele in moderner Form wieder aufleben zu lassen. Die ersten Spiele sollten in Athen stattfinden, dort wurde am 6. April 1896 durch den griechischen König Georg I. erstmals das Fest eröffnet, das heute das weltweit größte Sportereignis darstellt. Bis zum Abschluss 56 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="57"?> der Veranstaltung am 15. April 1896 maßen sich etwa 250 Athleten - Frauen waren nicht zugelassen - in den Sportarten Fechten, Gewichtheben, Leichtathletik, Radsport, Ringen, Schießen, Schwimmen, Tennis und Turnen (Kluge 1997: 22ff.). Rudern war 1896 ebenfalls vorgesehen, die Wettbewerbe konnten wegen schlechter Witterung jedoch nicht ausgetragen werden. Auch knapp zwei Dutzend deutsche Athleten waren in Athen dabei, dar‐ unter „wilde“ Turner, die gegen den Willen ihres Verbands, der Deutschen Turnerschaft (DT), nach Griechenland gereist waren. Die strikte Ablehnung des englisch geprägten Wettkampfsports, wie er bei den Olympischen Spielen unter dem Motto „Citius, Altius, Fortius“ von Beginn an praktiziert wurde, bestimmte in dieser Zeit noch die Haltung der sich auf Friedrich Ludwig Jahn berufenden Turn-Traditionalisten. Diese bevorzugten ein lei‐ beserzieherisches Ideal der vielseitigen körperlichen Ausbildung und des Miteinanders im vaterländischen Geiste abseits eines individualisierten Wettkampfgedankens. Nachdrücklich für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen hatte sich hingegen der Berliner Chemiker Willibald Gebhardt ausgesprochen, der im Zuge der Athener Spiele als erster Deutscher ins Internationale Olympische Komitee (IOC) berufen wurde (Naul 1999: 38). Bei den Wettkämpfen 1896 in der griechischen Hauptstadt zeigten sich dann ausgerechnet jene „wilden“ Turner besonders erfolgreich, die offen waren für die Idee des olympischen (Leistungs-)Sports. Unter ihnen war der Berliner Carl Schuhmann, der zum deutschen Star der Spiele avancierte, indem er nicht nur drei Turnwettbewerbe gewann, sondern auch die Kon‐ kurrenz im Ringen. Mit Goldmedaillen wurde er für seine Olympiasiege indes nicht belohnt: Aus Kostengründen erhielten die Gewinner bei den Athener Spielen nur silberne Medaillen, ein Diplom und - in Anlehnung an die antiken Olympischen Spiele - einen Ölbaum-Zweig. Die Zweitplatzier‐ ten erhielten eine kupferne Medaille, ein Diplom und einen Lorbeerzweig, die Drittplatzierten gingen leer aus. Den Höhepunkt der Athener Veranstaltung stellte der Marathonlauf dar. Ein Wettbewerb, der in Anlehnung an die antike Legende des Botenlaufs von Marathon nach Athen für das olympische Fest ins Leben gerufen worden war und zum Publikumsmagneten wurde. Zur Begeisterung der Ausrichter siegte mit Spiridon Louis ein Grieche. Für die nicht asphaltierte (Querfeld‐ ein-)Strecke von etwa 40 Kilometern - erst 1921 legte der Internationale Leichtathletikverband (World Athletics, vormals: IAAF) die bis heute gültige Distanz von 42,195 Kilometern fest - benötigte er knapp drei Stunden. Die Einführung der modernen Olympischen Spiele 57 <?page no="58"?> Als zentraler Austragungsort für die Wettkämpfe diente 1896 das ur‐ sprünglich im 4. Jh. v. Chr. erbaute → Panathenäische Stadion, das mit Hilfe einer großzügigen Spende des griechischen Geschäftsmanns Georgios Averoff für die ersten modernen Olympischen Spiele rekonstruiert worden war. Die endgültige Fertigstellung des Stadions erfolgte allerdings erst einige Jahre später, als die Griechen für 1906 die Sportwelt zur Zehnjahresfeier der olympischen Premiere erneut nach Athen einluden - der Erfolg von 1896 hatte sie ermutigt, die Olympischen Spiele dauerhaft zu beanspruchen (Kluge 1997: 170). Dies stand aber im Gegensatz zu Coubertins Idee von wechselnden Austragungsorten. Gegen seinen Willen und in der Mitte der III. Olympiade (1904-1908), jedoch im Einvernehmen mit der Mehrheit der damaligen IOC-Mitglieder, fanden in der griechischen Hauptstadt daraufhin die „2. Internationalen Olympischen Spiele Athen 1906“, so der offizielle Titel, statt. Die Veranstaltung war zwar ein großer Erfolg, solche „Zwischen‐ spiele“ wurden danach aber nie wieder ausgetragen. Filmaufnahmen von den ersten modernen Olympischen Spielen gibt es nicht, die im Internet kursierenden Clips, die fälschlicherweise das Jahr 1896 als Ursprung angeben, stammen von den sogenannten „Zwischenspielen“ des Jahres 1906. Lediglich Fotos wurden 1896 angefertigt, viele davon vom sächsischen Fotografen Albert Meyer. Nach Abschluss der Veranstaltung von 1896 und mit Blick auf die 1900 in Paris anstehenden nächsten Olympischen Spiele übernahm Pierre de Coubertin das Amt des IOC-Präsidenten. Gemäß der ursprünglichen Ver‐ einbarung, dass der amtierende Präsident aus dem Heimatland der nächsten Olympiastadt kommen sollte, hatte von 1894 bis 1986 der griechische Literat Demetrius Vikelas als Präsident fungiert. [AM] 58 Die Einführung der modernen Olympischen Spiele <?page no="59"?> Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen Heute sind die Olympischen Spiele und die Olympischen Winterspiele sportliche und mediale Weltereignisse. Wie es dazu kam und wie die Bewerbungen um die Austragung ablaufen, klärt dieses Kapitel zum olympischen Wettkampfprogramm. <?page no="60"?> In welcher Beziehung stand die frühe Olympische Bewegung zu den Weltausstellungen? Als Königin Victoria am 1. Mai 1851 im Londoner Hyde Park die Great Exhibition of the Works of Industry of All Nations - die Anregung zur Großveranstaltung mit dem eigens errichteten, mehr als 90.000 m 2 großen Crystal Palace als zentralem Ausstellungsort ging auf ihren Ehemann Prinz Albert zurück - eröffnete, begann nicht nur die bis heute andauernde Geschichte der → Weltausstellungen. Die internationalen, von technischen Innovationen und interkulturellem Austausch geprägten Leistungsschauen im Zeitalter der Industrialisierung stellten auch eine zentrale Inspiration für die Entstehung der modernen Olympischen Bewegung dar. So war die Entwicklung der Olympischen Spiele zunächst eng mit den Weltausstellun‐ gen verbunden - so eng, dass sich das Weltsportfest in seiner Frühzeit erst einmal von den großen Messen emanzipieren musste. Die internationale Verbreitung des auf einheitlichen und respektierten Regeln und Normen basierenden Wettkampfsports im 19. Jh. fand parallel - und mitunter gemeinsam - mit Phänomenen wie dem Aufkommen von internationalen Kongressen in Wissenschaft, Technik und Handel statt. Gleichzeitig entwickelten sich der weltweite Schutz der Urheberrechte, das Rote Kreuz und eine internationale Friedensbewegung (Borgers 2000: 87f.). Gedanken dieser neuen Strömungen hatten durchaus einen Bezug zu den Weltausstellungen, die eine Art friedlichen Wettstreit der Nationen darstell‐ ten. Dort erbrachte besondere Leistungen wurden ausgezeichnet und mit einem Diplom offiziell bestätigt - wie es auch seit 1896 bei den Olympischen Spielen praktiziert wird. Bei der Weltausstellung 1867 in Paris gehörten erstmals auch Sport und Turnen/ Gymnastik zum Programm, Napoleon III. bezeichnete bei der Preisverteilung am 1. Juli 1867 die Veranstaltung als „olympische [sic! ] Spiele der ganzen Welt“ (Borgers/ Quanz 1996: 80). Zum Programm der Weltausstellung von 1889, die erneut in der franzö‐ sischen Hauptstadt ausgerichtet wurde und die als besondere Sehenswür‐ digkeit den neu errichteten Eiffelturm aufbot, gehörte auch ein Kongress für Leibesübungen. Hierbei wurden nicht nur leibeserzieherische Fragen diskutiert, sondern auch Schulwettbewerbe in der Leichtathletik und im Fechten ausgetragen sowie Gymnastik unter der Leitung des Schweden Viktor Balck, dem späteren Gründungsmitglied des Internationalen Olym‐ pischen Komitees (IOC), präsentiert. Darüber hinaus waren im Vorfeld der Veranstaltung per Fragebogen Informationen zur Situation der Leibeserzie‐ 60 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="61"?> hung in verschiedenen Ländern eingeholt worden, unter anderem in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien. Die zahlreich eingegangenen Rückmeldungen wurden im Kongressbericht veröffentlicht (Wassong 2023a: 28f.). Organisator des Kongresses zur internationalen Leibeserziehung im Juni 1889 war der französische Baron Pierre de Coubertin, der im Zuge der Weltausstellung 1889 zudem mit Vertretern der internationalen Frie‐ densbewegung in Kontakt kam (Wassong 2013: 176). Aus diesen Treffen entwickelten sich zentrale Ideen und Ideale der Olympischen Bewegung. Auch nach dem IOC-Gründungskongress 1894 und der gelungenen Pre‐ miere der Olympischen Spiele 1896 Athen blieb die Beziehung zwischen der Olympischen Bewegung und den Weltausstellungen - nicht ganz freiwillig - eng: Da die Olympischen Spiele als alleinige Veranstaltung (noch) nicht stark genug erschienen, ging das IOC mit Coubertin an der Spitze Kompromisse ein, um das eigene Fest am Leben zu halten. So wurde es in den folgenden Jahren in das Programm der (Welt-)Ausstellungen integriert, die fehlende Eigenständigkeit der Olympischen Spiele wurde hierfür billigend in Kauf genommen. Insbesondere die Spiele von Paris (1900) und St. Louis (1904) erlebten viele Zeitgenossen lediglich als einen Programmpunkt der dortigen Weltausstellungen. Auch die Olympischen Spiele London 1908 waren noch eingebunden in eine Schau, die internationale Franco-British Exhibition. Erst mit den Olympischen Spielen Stockholm 1912 als eigenständige und kompakt arrangierte Festveranstaltung gelang die Emanzipation von den (Welt-)Ausstellungen, die Spiele in der schwedischen Hauptstadt gelten daher als Durchbruch für die Olympische Bewegung (Molzberger 2016a: 16f.). [AM] Welche Sportarten gehören traditionell zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele? Knapp zwei Jahre nach der am 23. Juni 1894 erfolgten IOC-Gründung wurde am 6. April 1896 in Athen erstmals das Fest eröffnet, das heute das weltweit größte Sportereignis darstellt. Bis zum Abschluss der Olympischen Spiele am 15. April 1896 maßen sich knapp 250 Athleten - Frauen waren nicht zugelassen - in den Sportarten Fechten, Gewichtheben, Leichtathletik, Radsport, Ringen, Schießen, Schwimmen, Tennis und Turnen. Rudern war 1896 ebenfalls olympische Sportart. Die Wettbewerbe, die auf dem Meer Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 61 <?page no="62"?> ausgetragen werden sollten, konnten wegen schlechter Witterung jedoch nicht stattfinden. Nach der Premiere in Athen waren die Olympischen Spiele in den folgenden Jahren davon geprägt, dass neben „klassischen“ immer wieder auch einzelne „exotische“ Sportarten kurzzeitig ihren Weg ins Wettkampf‐ programm fanden. So zum Beispiel Auto- und Lastwagenrennen (1900), Motorbootrennen (1900, 1908), Boule (1900), Jeu de Paume (1900, 1908), Lacrosse (1900, 1904, 1908) und Ballonfahren (1900) - als Reminiszenz an die Gebrüder Montgolfier wurden bei den Olympischen Spielen Paris 1900 Ziel- und Distanzfahrten durchgeführt (Lennartz 2008: 33). 2024 stand in der französischen Hauptstadt erneut eine Montgolfière im Zentrum des Interesses, als man am Ort des olympischen Feuers im Jardin des Tuileries täglich einen Gasballon in die Luft aufsteigen ließ. Die Gründe für die starke Abwechslung im olympischen Wettkampf‐ programm der frühen Jahre liegen in der Begeisterung für technische Neuerungen wie der Motorisierung, vor allem aber darin, dass das IOC in der Frühzeit der Olympischen Bewegung einen deutlich geringeren Einfluss hatte als heute. Zudem war die Sportwelt noch wenig organisiert, insbesondere fehlte es mit Ausnahme einzelner Fachverbände wie dem 1892 gegründeten Welt-Ruderverband oder dem Welt-Radsportverband und Welt-Schwimmverband (gegründet 1900 bzw. 1908) an Internationalen Sport(fach-)verbänden (IFs). Vor diesem Hintergrund mussten sich die einzelnen Gastgeberstädte immer wieder um das Erstellen von Reglements für die olympischen Wettkämpfe kümmern und diese zudem größtenteils in Eigenregie durchführen. Gleichzeitig eröffneten sich hiermit den Ausrich‐ tern Möglichkeiten, das Wettkampfprogramm „ihrer“ Olympischen Spiele auch nach eigenem Geschmack zu gestalten. Als mit den erfolgreichen Olympischen Spielen Stockholm 1912 das Potenzial der Olympischen Bewegung deutlich geworden war, sich gleich‐ zeitig aber auch gezeigt hatte, dass das IOC die Handhabung der Spiele als Weltereignis aufgrund unzureichender Regularien zukünftig kaum noch würde bewerkstelligen können, leitete man umfassende Reformprozesse ein (Molzberger 2012: 220ff.). So einigte man sich im Rahmen der IOC-Session 1912 darauf, dem Wettkampfprogramm zukünftiger Olympischer Spiele eine gewisse Grundordnung zu geben, indem man eine Kategorisierung der verschiedenen Sportarten vornahm und drei Gruppierungen schuf: Indispensables, Désirables und Admissibles (unverzichtbar, wünschenswert, zulässig/ akzeptabel) (Sitzungsprotokoll der IOC-Session 1912: 18ff.). Von 62 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="63"?> der schwedischen Seite kam zudem der entscheidende Impuls für die Weiterentwicklung der olympischen Kernsportart Leichtathletik, als man in Stockholm die 1913 vollzogene Gründung des Welt-Leichtathletikverbands (IAAF, heute: World Athletics) initiierte. Beim VI. und VII. Olympischen Kongress 1914 in Paris und 1921 in Lausanne wurden erneut Fragen nach der zukünftigen Regelung des olym‐ pischen Wettkampfprogramms diskutiert. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Wettkampfprogramm zunehmend standardisiert, das IOC ließ nur noch Sportarten zu, die von einem IF vertreten waren (Lennartz 2008: 31). Ein solcher ist für die Durchführung der Wettbewerbe bei den Olympi‐ schen Spielen verantwortlich. Derzeit werden vom IOC 27 IFs als olympische Sportverbände anerkannt, dies sind: World Aquatics (Schwimmen und weitere Wassersportarten), World Athletics, World Rowing, Badminton World Federation, International Basketball Federation, International Canoe Federation, Union Cycliste Interna‐ tionale, International Equestrian Federation, International Fencing Federation, Fédération Internationale de Football Association, International Golf Federa‐ tion, International Gymnastics Federation, International Weightlifting Fede‐ ration, International Handball Federation, International Hockey Federation, International Judo Federation, United World Wrestling, International Modern Pentathlon Union, World Rugby, World Taekwondo, International Tennis Fe‐ deration, International Table Tennis Federation, International Shooting Sport Federation, World Archery Federation, World Triathlon, World Sailing und die International Volleyball Federation (Olympic Charter 2025: 86). Einen Sonderfall stellte in den letzten Jahren das Boxen dar, das - mit Ausnahme der Olympischen Spiele Stockholm 1912 - seit 1904 zum olympischen Wettkampfprogramm gehört. Nachdem man über mehrere Jahre sportpolitische Reformprozesse im Welt-Boxverband eingefordert hatte, entzog das IOC der International Boxing Association (IBA) 2023 die Anerkennung. Bei den Olympischen Spielen Paris 2024 durften zwar noch Boxer: innen um Medaillen kämpfen, für die Austragung des Boxturniers zeichnete jedoch eine vom IOC eingesetzte Task Force verantwortlich. Die Zukunft des olympischen Boxsports wird derzeit diskutiert. [AM] Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 63 <?page no="64"?> Wie haben sich die Olympischen Spiele und das olympische Wettkampfprogramm entwickelt? Auch wenn das olympische Wettkampfprogramm nach dem Ersten Welt‐ krieg zunehmend standardisiert worden war, wurden im Laufe der Jahre immer wieder einzelne Sportarten, die zunehmende internationale Verbrei‐ tung erfahren hatten, ins olympische Programm aufgenommen. Das galt 1936 für den Kanusport, 1964 für Volleyball, 1988 für Tischtennis und Tennis - das zuvor bereits von 1896 bis 1924 eine olympische Sportart war - sowie 2000 für Triathlon und Taekwondo (Lennartz 2008: 33). Zusätzlich trug die zunehmende Zulassung von Frauen zur Ausweitung des Wettkampfpro‐ gramms bei: 2012 war mit dem Boxen die letzte olympische „Männerbastion“ gefallen und nach jahrzehntelangem Ringen um Gleichberechtigung waren die Wettkämpfe bei den Olympischen Spiele Paris 2024 zum ersten Mal nahezu paritätisch besetzt. Nach der beim XI. Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden disku‐ tierten IOC-Entscheidung, fortan Profisportler: innen bei den Olympischen Spielen zuzulassen und zur finanziellen Unterstützung der Olympischen Bewegung Sponsoren hinzuzuziehen, lassen sich darüber hinaus seit den 1990er Jahren - insbesondere auf Ebene der Disziplinen einer olympischen Sportart - Tendenzen feststellen, neu aufgekommenen Trendbeziehungs‐ weise Lifestylesport ins olympische Wettkampfprogramm aufzunehmen. Versprechen doch Beachvolleyball (1996) oder BMX-Rennen (2008) sowie - im Rahmen der Olympischen Winterspiele - Snowboard (1998) und Slopestyle (2014) telegene Wettbewerbe, die noch dazu jugendaffin sind und die Werbepartner ansprechen sollen. Einen entscheidenden Impuls für die aktuelle Modernisierung des olym‐ pischen Wettkampfprogramms stellt darüber hinaus das 2014 mit der →-„Olympic Agenda 2020“ initiierte IOC-Reformwerk dar ( ↠ Wie hat sich die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert reformiert? ). Vierzig (20+20) Empfehlungen eines Expert: innengremiums sollten der Olympischen Be‐ wegung mit dem 2013 zum IOC-Präsidenten gewählten Thomas Bach an der Spitze helfen, sich für künftige Olympische Spiele neu aufzustellen. Empfehlung 10 der Agenda lautete, man solle sich mit dem olympischen Wettkampfprogramm fortan eher an einzelnen Wettbewerben (events) als an den übergeordneten olympischen Sportarten orientieren (IOC 2014: 14). Will heißen: Mehr Staffel-, Team- und Mixed-Wettbewerbe, die sich attraktiv inszenieren lassen und leichter neu ins Programm genommen 64 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="65"?> werden können, da sich am Status der jeweiligen olympischen Sportart nichts ändert. Folgerichtig wurde dann auch der entsprechende Text in der „Olympic Charter“, dem IOC-Regelwerk, geändert: Regel 45, die das Wettkampfpro‐ gramm der Olympischen Spiele zum Inhalt hat, führte 2013 noch den „klas‐ sischen“ Dreiklang von olympischer Sportart, Disziplinen dieser Sportart sowie den einzelnen Wettbewerben im Rahmen der Disziplin auf (Olympic Charter 2013: 82f.). In der Ausgabe des Jahres 2015 hieß es nun, das Wettkampfprogramm setze sich aus den olympischen Sportarten und den dazugehörigen einzelnen Wettbewerben zusammen (Olympic Charter 2015: 84f.). Disziplinen nennt Regel 45 der Charta seitdem nicht mehr. Diese größere Flexibilität bei der Gestaltung beziehungsweise Verän‐ derung des olympischen Wettkampfprogramms wurde seitens des IOC 2015 sogar noch erweitert: Neuerdings darf ein nach der Vergabe von Olympischen Spielen gegründetes lokales Organisationskomitee (Organis‐ ing Committee for the Olympic Games, OCOG) dem IOC im Vorfeld der auszurichtenden Olympischen Spiele Vorschläge unterbreiten, welche ein‐ zelnen Medaillenwettbewerbe man bei „seinen“ Spielen hinzufügen möchte (Olympic Charter 2015: 87). Die japanischen Gastgeber der Olympischen Spiele 2020 - wegen der Corona-Pandemie erst 2021 ausgetragen - machten den Anfang. In Tokio wurden zusätzliche Wettbewerbe in den in Japan sehr populären Sportarten Baseball/ Softball, Karate sowie im Skateboarding, Sportklettern und Surfen (Wellenreiten) ausgetragen. In Paris 2024 gab es einen olympischen Wettkampf im Breaking (Breakdance), 2028 in Los An‐ geles sind unter anderem Extra-Wettbewerbe im Cricket, Baseball/ Softball und Lacrosse - zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon einmal olympisch - sowie erstmals im Flag Football und Squash geplant. Die Genehmigung eines OCOG-Antrags auf Hinzunahme einzelner neuer Wettbewerbe bei den im eigenen Land anstehenden Olympischen Spielen durch das IOC stellt jedoch keine Anerkennung einer Sportart als fest verankerte olympische Sportart dar. Vielmehr soll die Flexibilität zur fort‐ währenden Attraktivität der Olympischen Spiele beitragen. Gleichwohl erhoffen sich viele der neu hinzugenommen Sportarten eine dauerhafte olympische Zukunft. Um das internationale Mega-Event - die Olympischen Spiele Paris 2024 haben neben den Besucher: innen vor Ort weltweit fünf Milliarden Menschen im Fernsehen oder online verfolgt (IOC 2024u: 3f.) - weiterhin durchführen zu können, gilt trotz aller Reformbestrebungen und kurzfristi‐ Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 65 <?page no="66"?> gen Änderungen im Wettkampfprogramm, dass die Gesamtzahl von 10.500 Athlet: innen (Olympische Winterspiele: 2.900) sowie von 310 Medaillenent‐ scheidungen (Olympische Winterspiele: 100) nicht überschritten werden soll (Olympic Charter 2025: 88). [AM] Was ist das Olympische Dorf? Das Olympische Dorf (Olympic Village) ist ein Wohnareal, das den teilneh‐ menden Delegationen vorbehalten ist. Es dient als (Rückzugs-)Ort für die Athlet: innen, um sich optimal auf ihre sportlichen Einsätze vorbereiten zu können. Darüber hinaus ist das Olympische Dorf gelebte Praxis des wichti‐ gen olympischen Ideals der Völkerverständigung: Auf einem begrenzten, für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Terrain leben Teams unterschied‐ lichster Kulturen friedlich zusammen. Innerhalb des Dorfes gibt es nicht nur Wohn-, Verpflegungs-, Trainings- und Erholungsmöglichkeiten, sondern praktisch alles, was für das tägliche Leben benötigt wird. Seit den Olympischen Spielen Los Angeles 1984 besitzt jede Delegation eine für sie reservierte Wohnzone, in der das gesamte Team untergebracht ist. Bis 1980 waren Frauen und Männer getrennt untergebracht, nutzten aber Teile des Dorfes wie die Kantine gemeinsam. Diese Mensa für die Verpfle‐ gung aller Bewohner: innen stellt bis heute das eigentliche „Herzstück“ des Olympischen Dorfes dar. Sie ist ein allgemeiner Treffpunkt und erfüllt den Zweck einer internationalen, multikulturellen Begegnungsstätte. Ein Olympisches Dorf wurde erstmals für die Olympischen Spiele Paris 1924 errichtet. Damals dienten einzelne Holzhütten mit Restaurant und Postbüro in unmittelbarer Nähe der Wettkampfstätten den Athleten als Unterkunft (Ketley 2023: 40f.). Das Olympische Dorf als zentrales Element der Olympischen Spiele und einzigartiger Erlebnisort für die Teilnehmen‐ den entwickelte sich stetig weiter, um den gestiegenen Ansprüchen und neuen Herausforderungen gerecht zu werden. 100 Jahre später, bei den Spielen von Paris 2024, lebten während der Olympischen Spiele und der Paralympics insgesamt etwa 200 Delegationen und 15.000 Personen im Olympischen Dorf, das für sich ein Areal von 50 Hektar beanspruchte. Die Beherbergung einer solch großen Anzahl von Menschen ist heute nur dank eines Rotationsprinzips innerhalb der Delegationen möglich. So ist der Aufenthalt im Dorf auf einzelne Tage rund um den jeweiligen Einsatz im olympischen Wettkampf limitiert. Mit einer baulichen Begrenzung wird 66 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="67"?> dem Nachhaltigkeitsgedanken bei Olympischen Spielen Rechnung getragen, gleichzeitig wird aber auch die Möglichkeit zum Austausch zwischen allen Teilnehmenden reduziert. Das olympische Ideal der Völkerverständigung und des friedlichen Zu‐ sammenlebens im Olympischen Dorf wurde jedoch auch schon attackiert. Nach dem Attentat 1972 in München, bei dem elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft durch ein palästinensisches Terrorkommando getötet worden waren ( ↠ Was geschah am 5. September 1972 in München? ), wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht, um die Bewohner: innen des Olympischen Dorfes zu schützen. Während das Olympische Dorf mit Ausnahme von 1948 (London) - damals verhinderte wirtschaftliche Not die Errichtung einer zentralen Be‐ herbergungsstätte - seit vielen Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Spiele der Olympiade ist, gehört eine solche gemeinsame Beherbergungsstätte bei den Olympischen Winterspielen - von einem Einzelfall 1952 in Oslo abgesehen - erst seit Squaw Valley 1960 zum Standard (OSC 2022: 5f.). Im Gegensatz zu den ersten Olympischen Dörfern, die temporärer Natur waren, sind die heutigen Athlet: innen-Wohnorte stets integraler Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung mit urbanen Lebensräumen, die nach den Spielen als Vermächtnis zur Nutzung für die Gesellschaft weiterbestehen. In Zukunft wird es wohl noch vermehrt dezentrale Standorte geben, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Die einzigartige Atmosphäre im Olympischen Dorf ist trotz aller Heraus‐ forderungen bis heute gegenwärtig. Die Athlet: innen machen neben ihrer Teilnahme am sportlichen Wettkampf eine zusätzliche Lebenserfahrung. Henri Specht, der Direktor des Projektes „Olympic and Paralympic Village Paris 2024“ drückte das Erlebnis Olympisches Dorf einmal wie folgt aus: „It’s probably the only place and the only time on the planet when you have so many countries coming together at the same location. I think that every nation is very attached to the Village and the athletes who have lived in it have come out with a unique life experience” (Ketley 2023: 40f.). [PW] Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 67 <?page no="68"?> Was waren die Olympischen Kunstwettbewerbe? Bereits von Beginn seines Wirkens an hatte Pierre de Coubertin, dessen Vater Charles de Coubertin Maler gewesen war, die Idee verfolgt, „seinen“ Olympischen Spielen Kunstwettbewerbe hinzuzufügen. War es doch stets sein Bestreben, die Olympischen Spiele mit einem Sinngehalt zu versehen, der sie zu mehr als einer bloßen internationalen Sportmeisterschaft machen sollte. Die „Hochzeit von Muskel und Geist“, wie Coubertin es in seinen Memoiren nannte (Coubertin 1931: 77), sollte das olympische Weltfest mit der Wissenschaft und der Kunst verbinden (Molzberger 2012: 112ff.). 1906 lud Coubertin die IOC-Mitglieder und diverse Kunstvertreter zu einer beratenden Konferenz nach Paris ein. Diese endete zu Coubertins Zufriedenheit mit dem Vorschlag der Kunstgemeinde an das IOC, ab sofort einen aus den fünf separaten Kategorien Architektur, Bildhauerkunst, Li‐ teratur, Malerei und Musik bestehenden Concours d’art für neue, direkt durch die sportliche Idee beeinflusste Werke in das Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele aufzunehmen. Ein von Coubertin selbst formulier‐ ter Vorschlag hätte womöglich zu plump gewirkt. Die Medaillenvergabe bei dem den athletischen Wettkämpfen gleichgestellten Kunstwettbewerb sollte auf dem Urteil einer internationalen Jury basieren, zudem sollten die eingereichten Arbeiten während der Olympischen Spiele ausgestellt beziehungsweise aufgeführt werden (Müller 1981: 55ff.). 1908 in London konnten die Olympischen Kunstwettbewerbe aus orga‐ nisatorischen Gründen allerdings noch nicht umgesetzt werden. Bei den Olympischen Spielen Stockholm 1912 sollte es nach Coubertins Willen dann aber soweit sein. Nachdem sich jedoch die schwedischen Organisatoren mit einheimischen Künstlern ausgetauscht hatten, kamen sie mehrheitlich zu der Überzeugung, ein „sportlicher“ Vergleich von Kunstwerken ergebe keinen Sinn. Der daraus resultierende Widerstand gegen Coubertins Forderung nach Olympischen Kunstwettbewerben war schließlich so stark, dass der IOC- Präsident dem Stockholmer Organisationskomitee zwischenzeitlich wort‐ wörtlich mit „Krieg“ drohte und die Premiere des neuen Wettbewerbs letzt‐ lich nur dadurch rettete, dass er ihn in kompletter Eigenregie durchführte. Immerhin stellten die Schweden Coubertin hierfür 5.000 französische Francs zur Verfügung (Molzberger 2012: 125). Viele Arbeiten wurden zu den ersten Olympischen Kunstwettbewerben trotz der Bemühungen Coubertins, der allein die Jury bildete, zwar nicht eingereicht, er konnte aber in allen fünf 68 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="69"?> Wettkampfklassen einen Sieger küren. Die Olympischen Spiele waren um einen außergewöhnlichen Wettstreit reicher. Zum Unikum in der olympischen Geschichte wurde der in Großbritan‐ nien lebende US-Amerikaner Walter Winans, als er nach seinem 1908 erzielten Olympiasieg im Schießen 1912 auch mit seiner zum Wettbewerb eingereichten Bronzeskulptur An American Trotter reüssierte und damit der einzige Mensch ist, der als Athlet und als Künstler eine olympische Goldmedaille gewonnen hat. Einen Olympiasieg holte 1912 auch Pierre de Coubertin: Die von dem Autorenduo Hohrod/ Eschbach eingereichte „Ode an den Sport“ gewann die Goldmedaille in der Kategorie Literatur. Nach dem Ersten Weltkrieg gab Coubertin freimütig zu, selbst Verfasser der unter Pseudonym eingereichten Ode gewesen zu sein - er hatte auch einmal Olympiasieger werden wollen. Das Pseudonym hatte Coubertin „familiär“ gewählt: Hohrod und Eschbach-au-Val sind Ortschaften im Elsass, aus dieser Gegend stammte seine Ehefrau Marie Rothan de Coubertin. In den 1920er Jahren erlebten die Olympischen Kunstwettbewerbe ihre Blütezeit. Immer mehr Künstler: innen beteiligten sich am Concours d’art, darüber hinaus stellten sich zunehmend Geistes- und Kunstgrößen für die Jury zur Verfügung. Zudem wurden diverse Unterkategorien geschaffen, so dass 1928 in Amsterdam die Wettbewerbsklassen „Städtebauliche Entwürfe“ und „Architektonische Entwürfe“ (Architektur), „Rundplastiken“ sowie „Reliefs und Medaillen“ (Bildhauerkunst), „Lyrische Werke“, „Dramatische Werke“ und „Epische Werke“ (Literatur), „Solo- und Chorgesang“, „Instru‐ mentalmusik“ und „Orchestermusik“ (Musik) sowie „Gemälde“, „Zeichnun‐ gen und Aquarelle“ und „Grafik“ (Malerei) ausgeschrieben wurden. Bei den Olympischen Spielen London 1948 erreichten die Olympischen Kunstwettbewerbe mit etwa 400 eingereichten Arbeiten aus 27 Ländern den Höhepunkt ihrer Internationalität - und ihr Ende. Denn 1949 entschied das IOC, Coubertins favorisierten Wettbewerb für die 1952 in Helsinki anstehenden Olympischen Spiele aus dem olympischen Programm zu streichen. Der organisatorische Aufwand für die Durchfüh‐ rung der bei vielen Sportfunktionären unbeliebten Olympischen Kunstwett‐ bewerbe hatte nie in Relation zur erzielten Außenwirkung gestanden. Zudem waren Juryentscheidungen immer wieder strittig ausgefallen. Vor allem aber existierte das fortwährende Problem, die Teilnahme professio‐ neller Künstler: innen mit dem olympischen Amateurideal zu vereinbaren (Lennartz 2008a: 110). Proteste gegen diese Entscheidung führten zwar Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 69 <?page no="70"?> zu länger anhaltenden Diskussionen, die Olympischen Kunstwettbewerbe kehrten dennoch nicht ins Wettkampfprogramm zurück. Künstlerische Elemente sowie ein Kulturprogramm prägen zwar auch heute noch die Olympischen Spiele, die gleichen Gold-, Silber- und Bronze‐ medaillen wie die Athlet: innen können Künstler: innen jedoch nicht mehr gewinnen. [AM] Wie sind die Olympischen Winterspiele entstanden? Im Vorfeld der an Paris vergebenen Olympischen Spiele 1924 traten die Organisatoren mit dem Präsidenten des französischen NOCs, Justinien de Clary, an der Spitze mit dem Wunsch an das IOC heran, im Rahmen der Olympischen Spiele zu Beginn des Jahres 1924 eine „Internationale Winter‐ sportwoche“ zu veranstalten. Nachdem das IOC dieser Idee zugestimmt hatte, wählte das Pariser Organisationskomitee das am Mont Blanc gelegene Chamonix als Austragungsort für die Wintersportwoche. Diese fand vom 25. Januar bis zum 5. Februar 1924 statt, knapp 300 Athleten waren dabei und 13 Athletinnen, die im Eiskunstlaufen an den Start gehen durften. Darunter war die damals noch nicht einmal zwölfjährige Norwegerin Sonja Henie, die in Chamonix den letzten Platz belegte. Von 1928 bis 1936 gelangen ihr allerdings drei Olympiasiege in Serie. Die Athlet: innen aus 16 Nationen maßen sich 1924 im Bobfahren, Eisho‐ ckey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und dem Nordischen Skisport. Weiterhin fanden ein Curlingturnier und als Vorläufer des heutigen Biathlons ein Mannschafts-Militärpatrouillenlauf statt (Kluge 1994: 22ff.). Ob die letztge‐ nannten Sportarten zum offiziellen Wettkampfprogramm gehörten oder einen Demonstrationswettbewerb darstellten, war in der Forschung lange umstritten. Heute führt das IOC die beiden Wettbewerbe als olympisch auf (IOC o.D.-d). Unstrittig war von Beginn an, dass die „Internationale Wintersportwo‐ che“ in Chamonix einen großen Erfolg darstellte. Im Rahmen der IOC- Session 1926 in Lissabon wurde die Veranstaltung in den französischen Al‐ pen daher nicht nur rückwirkend zu den ersten Olympischen Winterspielen ernannt, das IOC wählte mit Sankt Moritz auch die Ausrichterstadt für die zweiten Olympischen Winterspiele, die im Februar 1928 ausgetragen wurden (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1926: 24). Fortan gab es alle vier Jahre einen olympischen „Doppelschlag“: Zu Beginn eines Olympiajahres 70 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="71"?> zunächst Winterspiele, im Sommer (oder Herbst) dann die Olympischen Spiele. Dass die Olympischen Winterspiele erst knapp dreißig Jahre nach den Olympischen Spielen ins Leben gerufen worden sind, hängt vor allem mit dem zuvor anhaltenden Widerstand der damals in der Olympischen Bewe‐ gung einflussreichen Schweden zusammen. Diese hatten 1901 in Stockholm „Nordische Spiele“ (Nordiska Spelen) ins Leben gerufen, die das große inter‐ nationale Wintersportfest der damaligen Zeit darstellten. Die Nordischen Spiele waren nicht nur ein großes Wettkampffest auf leistungssportlichem Niveau, zum Programm gehörte zudem eine Vielzahl von breitensportlichen Aktivitäten und Kulturveranstaltungen. Nach der Premiere 1901 fanden die Spiele 1903, noch zu Zeiten der schwedisch-norwegischen Union, in Kristiania statt, dem heutigen Oslo. 1905 war dann erneut Stockholm Gastgeber der Veranstaltung. Dies entsprach dem ursprünglichen Plan, die Spiele alle zwei Jahre im Wechsel in der schwedischen und norwegischen Hauptstadt auszutragen. Als Folge der einseitigen Unionsauflösung durch die Norweger im Jahr 1905 fanden die Nordischen Spiele dann aber nur noch in Stockholm statt - und in größeren Zeitabständen: 1909, 1913, 1917, 1922 und 1926 (Molzberger 2012: 34). Mit dem IOC-Beschluss von 1926, alle vier Jahre Olympische Winterspiele auszutragen, hatten die Nordischen Spiele schließlich ausgedient. 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde mit der „alpinen Kombination“ (Abfahrtslauf und Slalom, die Ergebnisse wurden in Summe gewertet) erst‐ mals auch ein alpiner Skiwettbewerb bei den Olympischen Winterspielen durchgeführt, Christl Cranz und Franz Pfnür sorgten dabei für deutsche Heimsiege. In den folgenden Jahrzehnten gehörten die Olympischen Winterspiele untrennbar zu einem Olympiajahr, die Tradition endete erst 1992 mit den Olympischen Winterspielen im französischen Albertville: 1986 hatte das IOC auf seiner 91. Session in Lausanne entschieden, die Olympischen Winterspiele zukünftig zwei Jahre versetzt zu den Olympischen Spielen auszutragen, um den olympischen Wettkampfkalender zu entzerren (Sit‐ zungsprotokoll IOC-Session 1986: 88ff.). Die Olympischen Winterspiele Lillehammer 1994 stellten die Premiere für den neuen Austragungszyklus dar, der bis heute beibehalten wurde. [AM] Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 71 <?page no="72"?> Wie haben sich die Olympischen Winterspiele weiterentwickelt? Die Olympischen Winterspiele sind mittlerweile ein globales Sportereignis, das Menschen auf der ganzen Welt begeistert, und fester Bestandteil der Olympischen Bewegung. Seit ihrer Premiere durchliefen die Olympischen Winterspiele eine vielfältige Entwicklung, die auch durch Änderungen des Regelwerks begleitet wurde. Mit der Entscheidung des IOC von 1986, wonach die Winterspiele ab 1992 im zweiten Kalenderjahr nach den Spielen der jeweiligen Olympiade stattfinden sollten, ging einher, dass Winter‐ sportarten grundsätzlich auf Schnee oder Eis praktiziert werden müssen (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1987: 7). Die Zählweise der Olympischen Winterspiele unterscheidet sich von der der Olympischen Spiele - die an → Olympiaden gebunden sind - dahingehend, dass die Winterspiele fortlaufend durchnummeriert werden, wobei die kriegsbedingt ausgefallenen Spiele in den Jahren 1940 und 1944 in der offiziellen Zählung nicht berücksichtigt werden (Wassong 2022: 380). Diese Regelung ergibt sich auch aus der aktuellen „Olympic Charter“, in der es in Absatz 3 der Bye-law zu Regel 6 ausdrücklich heißt, dass die Olympischen Winterspiele in der Reihenfolge nummeriert werden, in der sie stattfinden (Olympic Charter 2025: 18). Demzufolge wurden bislang 24 Olympische Winterspiele ausgetragen. Zuletzt 2022 in Peking, wo insgesamt 2.834 Athlet: innen (1.267 Frauen, 1.567 Männer) aus 91 Nationen in 109 Wettbewerben in sieben Sportarten teilgenommen haben (IOC 2024g: 10). Die 25. Olympischen Winterspiele werden vom 6. bis zum 22. Februar 2026 in Mailand-Cortina d’Ampezzo stattfinden. Der Anstieg der Zahlen hinsichtlich der Athlet: innen, der teilnehmenden Nationalen Olympischen Komitees (NOCs) und auch der Wettbewerbe geht einher mit einer größeren Wahrnehmung der Winterspiele in der weltweiten Öffentlichkeit und einem gesteigerten Interesse, das ihnen von Politik, Medien und Wirtschaft entgegengebracht wird. Neben der Tatsache, dass der Wintersport allgemein zugänglicher und damit auch populärer geworden ist, trägt dazu auch die zeitliche Trennung der Durchführung von Olympischen Spielen und Olympischen Winterspielen bei. Nach dem Willen des IOC soll die Zahl der Teilnehmer: innen an den Olympischen Winterspielen 2.900 und die Anzahl der Wettbewerbe 100 nicht überschreiten. Als olympische Wintersportverbände erkennt das IOC derzeit an: International Biathlon Union, International Bobsleigh and Skeleton 72 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="73"?> Federation, World Curling Federation, International Ice Hockey Federation, In‐ ternational Luge Federation, International Skating Union und die International Ski Federation (Olympic Charter 2025: 87f.). Während die durch diese sieben IFs vertretenen Wintersportarten seit langem das Wettkampfprogramm der Olympischen Winterspiele prägen, sind - wie zuvor in diesem Kapitel dargestellt - im Zuge anhaltender Re‐ formprozesse auf Ebene der Disziplinen und einzelnen Wettkämpfe immer wieder Neuerungen aufgetreten. [ACB] Wer organisiert Olympische Spiele? Für jede Neuausgabe Olympischer Spiele wird einem eigens gegründe‐ ten Organisationskomitee (Organising Committee for the Olympic Games, OCOG) durch das IOC die Organisation und Ausrichtung der jeweiligen Spiele anvertraut. Den Auftrag zur Gründung des OCOG erhält das NOC des Landes, in dem die Spiele stattfinden, sobald das IOC den Austragungsort bestimmt hat. Dies war lange Zeit in der Regel sieben Jahre vor der Eröffnung der jeweiligen Spiele der Fall; die Vergabe Olympischer Spiele gestaltet sich heutzutage jedoch zeitlich flexibler. Oftmals werden bereits bestehende Bewerbungskomitees in ein OCOG transformiert. Den OCOGs kommt im olympischen System (Chappelet 2016: 740) eine zentrale Rolle zu, da sie mit den wichtigsten → Stakeholdern - IOC, NOC und den IFs - zusammenarbeiten müssen. Um dies zu gewährleisten, setzt das IOC jeweils eine eigene Coordination Commission ein (Olympic Charter 2024: 77f.). Dies gilt für Olympische Spiele und Olympische Winterspiele wie auch für Summer Youth Olympic Games und Winter Youth Olympic Games. Ein OCOG besteht aus Sportexpert: innen, weiterhin aus Vertreter: innen der öffentlichen Verwaltung sowie nationalen und lokalen Entscheidungs‐ träger: innen. Zum Exekutivkomitee eines OCOGs müssen stets die IOC- Mitglieder sowie der/ die NOC-Präsident: in und -Generalsekretär: in aus dem Land des Austragungsortes gehören, weiterhin mindestens ein/ e Re‐ präsentant: in des Gastgebers der Spiele (host) (Olympic Charter 2024: 75f.). Üblicherweise wächst ein OCOG von der Gründung bis zum Beginn der Olympischen Spiele auf eine Größe von hunderten Mitarbeitenden. Das OCOG akquiriert für die Spiele noch zusätzlich Tausende von Freiwilligen (Volunteers), die die Durchführung der Spiele maßgeblich unterstützen. Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 73 <?page no="74"?> Der Auftrag für das Organisationskomitee besteht in der erfolgreichen Ausrichtung der Olympischen Spiele. Dies bedeutet konkret, die Finanzie‐ rung und Organisation sicherzustellen und beinhaltet sämtliche Schritte von der Planungsphase über den Höhepunkt der Durchführung der Spiele (Games Time) bis hin zum Abschluss und der Auflösung des OCOG im Nachgang. Die Rechte an den Olympischen Spielen verbleiben jedoch stets beim IOC. Allein kann ein OCOG ein solches Mega-Projekt wie die Ausrichtung Olympischer Spiele nicht stemmen, daher ist es auf die Unterstützung vie‐ ler unterschiedlicher Stakeholder angewiesen. Deshalb werden zahlreiche externe Partner eingebunden und für diverse Aufgaben in verschiedensten Bereichen verpflichtet. In den Jahren vor den Spielen ist die Erstellung der nötigen Infrastruktur, Sportstätten und Transportkapazitäten von größter Bedeutung. Dies geschieht in enger Absprache mit den IFs, um deren spezifische Anforderungen für die Durchführung der Wettkämpfe, aber auch die baurechtlichen Bedingungen vor Ort zu erfüllen (Parent 2013: 15ff.). Die OCOG-Arbeit richtet sich komplett auf die erfolgreiche Durchfüh‐ rung der Olympischen Spiele aus. In der Games Time sind neben der Durch‐ führung der Wettbewerbe die Beherbergung aller Teilnehmenden sowie die Infrastruktur für Medienschaffende, Zuschauer: innen und Sponsoren Kernaufgaben eines OCOGs. Zudem muss die Sicherheit der Olympischen (Winter-)Spiele gewährleistet werden, was immer aufwändiger und komple‐ xer wird. Für Paris 2024 beliefen sich die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen auf rund eineinhalb Milliarden Euro (bei Gesamtkosten von etwa zehn Milliarden Euros) (franceinfo 2024). Alle Verpflichtungen zwischen dem OCOG, NOC und IOC sind durch einen Vertrag (Olympic Host Contract) geregelt, die Einhaltung der Olympischen Charta ist Voraussetzung für die Vertragsunterzeichnung (Olympic Charter 2024: 76). Für die Austragungsorte ist die Durchführung Olympischer Spiele mit viel Prestige verbunden, angestrebt wird ein weltweit positives Image. Die Gastgeberrolle stellt aber auch eine gewaltige Herausforderung dar, vor allem auf finanzieller Ebene. Als „Gesicht“ der Spiele spielt ein OCOG zudem eine entscheidende Rolle, das Projekt „Olympische Spiele“ bei der heimischen Bevölkerung im und rund um den Austragungsort ideell zu ver‐ ankern. Ein wirksames Management sowie eine transparente, glaubwürdige und nachhaltige Organisation sind hierfür Voraussetzung. Wegen der gro‐ ßen Verantwortung, Olympische Spiele erfolgreich durchzuführen, kommt 74 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="75"?> einem OCOG zudem eine überaus wichtige Rolle in der internationalen Olympischen Bewegung zu. Immer wichtiger wurden in den vergangenen Jahren der Aspekt der Nachhaltigkeit ( ↠ Welche Herausforderungen ergeben sich im Bereich der Nachhaltigkeit für die Olympische Bewegung? ) und die Frage, welches Erbe die Olympischen Spiele hinterlassen. Das IOC spricht hier von → Legacy (IOC o.D.-n), welche den längerfristigen Nutzen für den Austragungsort, die dort lebenden Menschen sowie die Olympische Bewegung miteinschließt. Die für die Spiele geschaffene Infrastruktur und das kulturelle Vermächtnis der Veranstaltung werden durch das OCOG der nacholympischen Nutzung übergeben - ein zunehmend bedeutsamer Aspekt der Ausrichtung Olympi‐ scher Spiele. Ebenso Bestandteil der OCOG-Arbeit ist der Wissenstransfer für künftige Organisatoren. So wird zum Abschluss der eigenen Arbeit ein Report verfasst, der an das IOC übergeben wird. Spätestens zwei Jahre nach der Austragung Olympischer (Winter-)Spiele wird das jeweilige OCOG aufgelöst. [PW] Was ist das Unternehmen Olympic Broadcasting Services? Das Unternehmen Olympic Broadcasting Services (OBS) wurde 2001 vom IOC gegründet und hat seinen Sitz im spanischen Madrid. Rund 160 Mitar‐ beiter: innen aus mehr als 30 Ländern sind bei OBS beschäftigt. In Artikel 48 der „Olympic Charter“ steht, dass das IOC alle notwendigen Schritte unternimmt, um eine möglichst umfassende Berichterstattung durch die verschiedenen Medien und ein möglichst breites Publikum in der Welt für die Olympischen Spiele zu gewährleisten (Olympic Charter 2025: 93). Das zeigt, welchen Stellenwert das Thema Medien innerhalb der Olympischen Bewegung besitzt. Seit dem Anfang der Geschichte der modernen Olympischen Spiele im Jahr 1896 nimmt die Bedeutung von Medien und Berichterstattung konstant zu und geht einher mit der rasanten Entwicklung neuer technischer Möglichkeiten. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin stellten einen Meilenstein dieser Entwicklung dar, weil es erstmals Liveübertragungen im Fernsehen gab und Filme entwickelt und übertragen wurden (Downing 1996: 27). Lange Zeit war es allein Sache der Ausrichterstädte, die Berichterstattung und Übertragung der Spiele zu organisieren und entsprechende Verträge zu Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 75 <?page no="76"?> schließen. Das IOC hatte zunächst keinen Einfluss und wurde nicht an den Einnahmen beteiligt. Daraus ergaben sich viele Diskussionen und Konflikte, mit dem Ergebnis, dass Regelungen zur Verteilung der Einnahmen zwischen Ausrichter, IOC und Sportverbänden geschaffen wurden. Im weiteren Verlauf folgten Anpassungen und Ergänzungen der „Olympic Charter“ und der Host City-Verträge mit dem Ziel, dass das IOC die alleinige Verantwortung für die Verhandlung der TV-Rechte und die Verteilung der Einnahmen erlangen sollte. Daraus ergab sich der Umstand, dass das IOC immer höhere Erlöse durch die Vergabe der TV-Rechte erzielte. Im Laufe der Zeit wurde jedoch deutlich, dass auch das IOC selbst Einfluss auf die Herstellung und Nutzung des Materials nehmen wollte, um dem Sport, den Partnern und der Olympischen Bewegung zu helfen. Und vor allem um seine Sicht auf die Dinge zu publizieren. Der zunehmende Erfolg der Broadcaster und der Wunsch, Einfluss auf die Produktion selbst zu nehmen, führten 2001 schließlich zur Gründung von OBS. Als Standort wurde Madrid ausgewählt - ein Ort innerhalb der EU versprach einfachere Möglichkeiten zur Gewinnung von Fachkräften, als es der IOC-Sitz in Lausanne gewährleistet hätte (Pound 2023: 41). Durch die Gründung von OBS wurde das IOC selbst zu einem international tätigen Medienunternehmen. OBS ist als Host Broadcaster verantwortlich für alle Spiele der Olympiade, Olympische Winterspiele sowie die Jugendspiele. Des Weiteren für die Produktion und Übertragung der Live-Radio- und Fernsehberichterstattung von allen Sportveranstaltungen und Zeremonien der genannten Veranstal‐ tungen. OBS leitet die produzierten Bilder und Töne als Signal an die internationalen Medienrechteinhaber weiter, die die exklusiven Rechte zur Verbreitung der Berichterstattung erworben haben. OBS ist auch verant‐ wortlich für die Koordinierung zwischen allen relevanten Stakeholdern, das heißt: IOC, OCOG, Medienrechteinhaber sowie IFs. Während es zu Beginn der Berichterstattung von den Olympischen Spielen hauptsächlich um die sportlichen Wettbewerbe und die Leistungen der Athlet: innen ging, ist die Berichterstattung mittlerweile zunehmend auch ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es beispielsweise 3.500 Stunden Wettbewerbszeit, OBS produzierte aber rund 11.000 Stunden Programm. Ziel ist es, vor allem junge Menschen über Streamingangebote und Social Media-Netzwerke zu erreichen. Es geht zunehmend um Storytelling, weshalb der Fokus nicht mehr allein auf dem Wettbewerb liegt, sondern auf 76 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="77"?> den Athlet: innen, ihrer Vorbereitung und ihren persönlichen Geschichten. Überall, wo bewegte Bilder laufen, soll es passgenauen Content für die Konsument: innen geben. Das Unternehmen OBS hat sich darauf eingestellt, indem es sein Team um entsprechende Mitarbeiter: innen für Social Media, Storytelling und ähnliches erweitert hat. Bei der Arbeit setzt OBS sehr auf die Nutzung neuester Technologie, um für die Berichterstattung die höchsten Standards zu gewährleisten und Übertragungstechniken kontinuierlich weiterzuentwickeln. Hierzu ge‐ hören unter anderem der Einsatz von Cloud-Lösungen, cinematischen Linsen, Drohnen und KI-gestützten Tools im Bereich Datenverknüpfung und -analyse. OBS strebt nach eigener Darstellung auch einen nachhaltigen Ansatz an, zum Beispiel in Bezug auf die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks, sowie der sozialen Verantwortung, beispielsweise hinsichtlich konkreter Maßnahmen zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit. Für den Erfolg der Arbeit von OBS sprechen vor allem aktuelle Zahlen: rund fünf Milliarden Menschen haben die Olympischen Spiele Paris 2024 verfolgt, die weltweit konsumierte Berichterstattung belief sich auf 28,7 Milliarden Stunden (ein Zuwachs von 25 Prozent im Vergleich zu Tokio 2020/ 21) und die digitalen Plattformen und sozialen Kanäle des IOC gene‐ rierten 16,7 Milliarden Interaktionen (Desch 2024). [ACB] Was ist das Main Press Centre? Das Main Press Centre (MPC) ist das zentrale Medienzentrum für schreibende Journalist: innen und Fotograf: innen aus aller Welt während der Olympi‐ schen und Paralympischen Spiele. Zugang haben sämtliche für die Spiele akkreditierten Medienvertreter: innen. Um optimale Arbeits- und Kommu‐ nikationsbedingungen zu gewährleisten, ist es mit modernster Technik ausgestattet und bietet neben Arbeitsflächen und -räumen auch Einrich‐ tungen für Pressekonferenzen, Interviewräume und spezielle Bereiche für die Berichterstattung. Die Infrastruktur vor Ort bietet alle notwendigen technischen Voraussetzungen, um den Anforderungen modernster Presse‐ arbeit gerecht zu werden, darunter insbesondere Internetzugang, Druck- und Kopiertechnik sowie Verpflegungsmöglichkeiten. Während der Spiele ist das MPC rund um die Uhr geöffnet, um optimale Arbeitsbedingungen für alle Journalist: innen aus allen Zeitzonen zu gewährleisten. Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen 77 <?page no="78"?> Die Anfänge der modernen Olympischen Spiele fielen in eine Zeit der ra‐ santen Entwicklung technischer Neuerungen, insbesondere auch im Medien- und Pressebereich. Die grundsätzliche Bedeutung der Presse wurde bei den Organisatoren der Olympischen Spiele und den Verantwortlichen des IOC früh erkannt. Aus diesem Grund finden sich bereits in der „Olympic Charter“ des Jahres 1930 Regelungen zur Sicherstellung, dass Fotografien und bewegte Bilder der Olympische Spiele hergestellt werden und es bei der Eröffnungs- und Schlussfeier reservierte Plätze für die Presse gibt (Adi 2013: 49; Olympic Charter 1930: 30). Im Laufe der Zeit hat sich das MPC hinsichtlich der Größe und techni‐ schen Ausstattung enorm weiterentwickelt, um den steigenden Anforde‐ rungen der internationalen Presse- und Kommunikationsarbeit sowie dem immer größeren Interesse an Olympischen Spielen gerecht zu werden. Die Einrichtung eines MPC ist in dem Host City-Vertrag zwischen dem IOC und dem jeweiligen Ausrichter ausgestaltet (IOC 2017a: 24). Die konkreten Anforderungen hinsichtlich Größe, Lage, Ausstattung und Öffnungszeiten finden sich in den Operational Requirements (IOC 2018b: 97f.), auf die in dem Host City-Vertrag verwiesen wird. Das MPC der Olympischen Spiele Paris 2024 befand sich im Palais de Congrès an der Porte Maillot. Im Vorfeld hatte das Pariser OCOG angekündigt, auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern ein MPC mit modernster Technik und Platz für 600 Personen anzubieten, das zugleich 300 Arbeitsplätze, zwei Räume für Pressekonferenzen, Interviewräume, Aufnah‐ mestudios sowie Entspannungs- und Verpflegungsbereiche aufweisen sollte (Mackay 2023). Die Entwicklung zeigt, dass sich das MPC von einem einfachen Arbeits‐ raum für Journalist: innen zu einer komplexen Einrichtung entwickelt hat, die den digitalen und technischen Anforderungen der heutigen, modernen Medienarbeit entspricht, um umfassend und rasant über die Olympischen und Paralympischen Spiele berichten zu können. [ACB] 78 Die Entwicklung zu den heutigen Olympischen Spielen <?page no="79"?> Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll Mehr als nur ein Sportereignis - Olympische Spiele sind geprägt von Ritualen und einem Zeremoniell, das sich historisch entwickelt hat: Welche Bedeutung haben die Eröffnungs- und Schlussfeiern Olympi‐ scher Spiele? Wofür steht die Flagge mit den olympischen Ringen und seit wann gibt es den olympischen Fackelstaffellauf? Das folgende Ka‐ pitel setzt sich mit der olympischen Symbolik auseinander. <?page no="80"?> Wie lautet das olympische Motto und welche Bedeutung hat es für die Olympische Bewegung? Das olympische Motto Citius, Altius, Fortius wird seit der Gründung der modernen Olympischen Bewegung verwendet. Es erscheint bereits auf den Erinnerungsdiplomen, die die Delegierten des Gründungskongresses 1894 erhielten (Meier/ Ramini 2024: 75). Schöpfer des Mottos war der Dominikanerpater Henri Didon, der als Autor und progressiver Prediger in Frankreich sehr bekannt war. 1890 übernahm Didon die Leitung der Kollegschule → Albert-le-Grand in Arcueil. Er begann, die schulische Ausbildung zu reformieren, dazu gehörte auch die Einführung von Schulsport. Auf Vorschlag Pierre de Coubertins grün‐ dete Didon darüber hinaus einen Schulsportverein. Auf dem Sportfest zur Vereinsgründung war Coubertin als Wettkampfleiter zugegen. Didon gab in seiner Rede den Vereinsmitgliedern als Fundament und Grundlage des Sporttreibens den Leitspruch Citius, Altius, Fortius mit auf den Weg - und Coubertin muss sich diesen Slogan selbst zu Herzen genommen haben. Er zitierte Didon - der in den Folgejahren sein väterlicher Freund werden sollte - in seinem Bericht zum Wettkampf und nutzte dessen Motto später für die Olympische Bewegung (Müller 2008: 1f.). Das Motto - bis 1920 teilweise auch noch in der Reihenfolge Citius, Fortius, Altius verwendet - bedeutet wörtlich übersetzt „schneller, höher, stärker“, wird im deutschen Sprachgebrauch aber meist als „schneller, höher, weiter“ ausgedrückt (Müller 2008: 1). Einige Autor: innen (z.B. Meier/ Ramini 2024: 75f.) interpretieren das Stre‐ ben nach Bestleistung, das sich im olympischen Motto ausdrückt, als einen umfassenden Anspruch, der nicht nur das Streben nach einem perfekten Ergebnis oder physischer Exzellenz umfasst, sondern auch den Wunsch nach intellektueller und moralischer Vollkommenheit. Nach der Interpretation des Coubertin-Forschers Norbert Müller war dies auch Didons Intention, der gegenüber er bei Coubertin - trotz dessen Betonung der Bedeutung des gegenseitigen Respekts im Sport - einen zu starken Bezug auf eine reine Exzellenz der sportlichen Leistung sieht (Müller 2008: 6ff.). In Deutschland ist neben dem offiziellen Motto auch der Ausspruch „Dabeisein ist Alles“ bekannt. Dieser geht zurück auf Ethelbert Talbot, den amerikanisch-anglikanischen Bischof von Zentral-Pennsylvania, der ihn sinngemäß bei einem Athlet: innen-Gottesdienst anlässlich der Olympischen Spiele London 1908 tätigte. Coubertin nahm Talbots Gedanken in seiner 80 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="81"?> Rede auf einem Empfang der britischen Regierung einige Tage später auf und gab sie folgendermaßen wieder: „In these Olympiads, the important thing is not winning, but taking part“ (Coubertin 1908: 589). Obwohl „Dabeisein ist Alles“ nie offiziellen Status erlangte, steht es doch neben Citius, Altius, Fortius für ein weiteres Ideal des olympischen Sporttreibens: Als Höhepunkt der sportlichen Laufbahn einmal bei Olympischen Spielen an den Start gehen und die weltweite Gemeinschaft der Athlet: innen erleben zu dürfen. Auch andere Forscher: innen sehen das ursprüngliche olympische Motto als zu stark auf physische Rekordleistungen bezogen. Der deutsche Philo‐ soph Hans Lenk, mit dem Deutschland-Achter 1960 Olympiasieger in Rom, schlug eine Erweiterung des olympischen Mottos auf Citius, Altius, Fortius, Pulchrius, Humanius (schneller, höher, stärker, schöner, menschlicher) vor (Lenk 1984: 187f.), um die soziale und ästhetische Dimension des Sports einzubeziehen (vgl. auch Digel 2022). Das IOC hebt seit 2007 neben dem olympischen Motto auch verstärkt die Bedeutung der olympischen Werte ( ↠ Was prägt das Verständnis des Olympismus heute? ) hervor, die - auch in Bezug auf Coubertin - die soziale Dimension des Sports deutlich betonen. Am 20. Juli 2021 stimmte die IOC-Session für eine Erweiterung des olympischen Mottos, welches nun Citius, Altius, Fortius - Communiter (schneller, höher, weiter - gemeinsam) lautet (IOC o.D.-o). IOC-Präsident Thomas Bach erläuterte die Ergänzung folgendermaßen: „Solidarity fuels our mission to make the world a better place through sport. We can only go faster, we can only aim higher, we can only become stronger by standing together — in solidarity” (IOC o.D.-o). Das neue, erweiterte olympische Motto verweist auf den Anspruch des IOC und der Olympischen Bewegung, die soziale Dimension des Sports zu betonen und sich stärker im Bereich Sport für Entwicklung und Frieden zu engagieren. [DQ] Welche Bedeutung haben die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele? Die olympischen Eröffnungs- und Schlussfeiern sind öffentliche Veranstal‐ tungen, bei denen sich traditionelle Rituale mit moderner Unterhaltung ver‐ mischen, um die olympische Idee zu fördern und eine festliche Atmosphäre Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 81 <?page no="82"?> zu schaffen (Lattipongpun 2010: 1). Die Zeremonien vereinen Athlet: innen und Zuschauer: innen aus der ganzen Welt und betonen die globale Einheit, das kulturelle Erbe und die sportlichen Spitzenleistungen, die die Olympi‐ sche Bewegung prägen (IOC 2024h: 1). Mit der Eröffnungsfeier beginnen die Olympischen Spiele, während bei der Schlussfeier die Leistungen der Ath‐ let: innen - und der Organisator: innen - sowie das Ende der Veranstaltung bei gleichzeitigem Ausblick auf die nächsten Olympischen Spiele gefeiert werden (Brownell 2024: 5). In der Antike waren die Olympischen Spiele mit religiösen Ritualen, Diplomatie und dem Aufbau einer gemeinsamen hellenischen Identität verwoben (Brownell 2024: 5). Die modernen Olympischen Spiele waren von Beginn an durch das Bestreben Pierre de Coubertins geprägt, Kunst und Kultur einzubeziehen, um ein Gleichgewicht zwischen der sportlichen Leistung der Athlet: innen und der kulturellen Dimension der Spiele her‐ zustellen (IOC 2000: 613ff.). Rituelle Elemente wie die olympische Flagge oder das olympische Feuer gehören seit ihrer Einführung zum olympischen Zeremoniell. Der „Protocol Guide“ (IOC 2001) und der „Host City Contract“ (2017a) des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) regeln den Ablauf der olympischen Eröffnungs- und Schlussfeiern im Detail (Olympic Charter 2025: 99). Die Eröffnungszeremonie beginnt mit dem Erscheinen des Staatsober‐ hauptes des Heimatlands der Gastgeberstadt/ -region und des/ der IOC-Prä‐ sident: in. Mit dem Einzug der Nationen folgt danach einer der Höhepunkte des olympischen Zeremoniells. Das Ritual geht zurück auf die „2. Interna‐ tionalen Olympischen Spiele Athen 1906“ ( ↠ Wann und wo fanden die ersten modernen Olympischen Spiele statt? ), als die Mannschaften der teil‐ nehmenden Nationen erstmals hinter ihren jeweiligen Flaggen ins Stadion einliefen. Als Reminiszenz an die Antike beginnt der Einzug traditionell mit der griechischen Mannschaft, während das Team des Gastgebers die Parade abschließt (Molzberger 2016a: 20). Bereits bei den Olympischen Spielen Athen 1896 gehörten Tauben als in‐ ternationales Friedenssymbol zum Eröffnungszeremoniell (Höfer 1994: 119). 1992 wurde der Aufstieg echter Tauben durch ein symbolisches Erscheinen von Friedenstauben ersetzt (IOC 2024h: 2; Molzberger 2016a: 18). Nachdem das Staatsoberhaupt des Heimatlands der Gastgeberstadt/ -region die Olym‐ pischen Spiele eröffnet hat, folgen als weitere Elemente der von einem künstlerischen Programm geprägten Eröffnungsfeier das Hissen der olympi‐ schen Flagge, während die olympische Hymne gespielt wird. Anschließend 82 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="83"?> sprechen Repräsentant: innen der Teilnehmer: innen den olympischen Eid. Das Zeremoniell endet mit dem Entzünden des olympischen Feuers (IOC 2024h: 3ff.). Bei der Abschlussfeier kommen die Teilnehmer: innen der Olympischen Spiele im Sinne der Völkerverständigung gemeinsam ins Stadion. Die olym‐ pische Flagge wird an den kommenden Gastgeber überreicht und der/ die IOC-Präsident: in erklärt die Spiele für beendet (IOC 2024e: 2). Anschließend erlischt das olympische Feuer. Das künstlerische Programm der Eröffnungs- und Schlussfeier bietet dem Organisationskomitee für die Olympischen Spiele (OCOG) die Möglichkeit, spezifische kulturelle Referenzen mit Unterhaltung und technologischen Innovationen zu verbinden (IOC 2024h: 4). Die Feiern haben sich über die Jahrzehnte zu professionell choreografierten globalen Spektakeln ent‐ wickelt. Bei den Olympischen Winterspielen Squaw Valley 1960 wurden die Eröffnungs- und Schlussfeier erstmals von einem Medienunternehmen (Walt Disney Company) produziert, was dem Zeremoniell eine neue Di‐ mension in Form von Unterhaltung mit popkulturellen Elementen verlieh (Lattipongpun 2010: 112). Bei den Olympischen Spielen Paris 2024 fand die Eröffnungsfeier nicht in einem Stadion, sondern größtenteils auf der Seine statt - ein Novum in der olympischen Geschichte. Besonders eindrucksvoll hierbei war die Inszenierung des animierten Metallpferds „Zeus“, das ver‐ meintlich über den Fluss galoppierte. [ JD] Welche Bedeutung haben die olympischen Ringe? Die Einführung einer Flagge für die Olympische Bewegung wurde erstmals bei der 12. Session des IOC 1910 in Luxemburg diskutiert (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1910: 9). Der Brite Theodore Cook, der 1920 in Antwerpen eine Silbermedaille in den Olympischen Kunstwettbewerben (Literatur) ( ↠ -Was waren die Olympischen Kunstwettbewerbe? ) gewinnen sollte (IOC o.D.-u), präsentierte einen Entwurf, der von der IOC-Vollversammlung jedoch nicht akzeptiert wurde. Schließlich gestaltete Pierre de Coubertin im Jahr 1913 selbst ein Motiv für ein olympisches Emblem (Lennartz 2013: 69ff.). Das Emblem wurde zunächst in der → „Revue Olympique“ präsentiert: Ein nicht unterzeichneter und im Namen des gesamten IOC verfasster Artikel, der aber Coubertin zugeschrieben wird (Coubertin 1913b: 594), beschreibt erstmals das bekannte Logo mit den fünf ineinander verschlungenen Ringen Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 83 <?page no="84"?> in blau, gelb, schwarz, grün und rot vor weißem Hintergrund. Dessen Bedeutung wird detailliert ausgeführt: „Ces cinq anneaux représentent les cinq parties du monde désormais acquises à l’Olympisme et prêtes à en accepter les fécondes rivalités. De plus les six couleurs ainsi combinées reproduisent celles de toutes les nations sans exception. Le bleu et jaune de Suède, le bleu et blanc de Grèce, les tricolores français, anglais, américain, allemand, belge, italien, hongrois, le jaune et rouge d’Espagne voisinent avec les innovations brésilienne ou australienne, avec le vieux Japon et la jeune Chine. Voilà vraiment un emblème international“ (Coubertin 1913a: 119). Sein Motiv präsentierte Coubertin beim Olympischen Kongress 1914. Er er‐ klärte, die Flagge solle zu feierlichen olympischen Anlässen gehisst werden (Coubertin 1913b: 594). Damit sollte die Flagge als internationales Symbol neben den Nationalflaggen fungieren, im Rahmen der Olympischen Spiele sollte die Premiere 1916 in Berlin erfolgen. Diese Spiele fielen jedoch dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Möglicherweise waren sich Coubertin und das IOC aufgrund der politi‐ schen Spannungen in Europa bei der Gestaltung der olympischen Ringe bereits der Gefahr des Krieges und einer damit verbundenen Spaltung der Olympischen Bewegung bewusst. Denn die Ringe sind nicht ohne Grund ineinander verschlungen dargestellt - das soll Resilienz und Zusammenhalt der Olympischen Bewegung symbolisieren: „Sont-ils solidement rivés l’un à l’autre, ces cinq anneaux? La guerre ne risque-t-elle pas quelque jour de briser l’armature olympique? […] L’Olympisme n’a pas reparu au sein de la civilisation moderne pour y jouer un rôle local ou passager” (Coubertin 1913a: 119). Auch ein möglicher Ausfall der nächsten oder sogar mehrerer Olympischer Spiele, so wird weiter ausgeführt, könne die Zukunft der Olympischen Bewegung nicht langfristig negativ beeinflussen. Sobald wieder Frieden eingekehrt sei, werde das IOC seine weltweite Arbeit fortsetzen (Coubertin 1913a: 120). Tatsächlich wurde die olympische Flagge bei Olympischen Spielen erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1920 in Antwerpen erstmals gehisst (Meier/ Ramini 2024: 75). Heutzutage ist das Motiv der Ringe fester Bestand‐ teil der olympischen Symbolik und als Olympic Property geschützt. [DQ] 84 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="85"?> Seit wann gibt es die olympische Hymne? Die olympische Hymne gehört zum immateriellen Eigentum des IOC ( ↠ Was sind die Olympic Properties? ), sie stellt ein wichtiges Element des Protokolls bei Veranstaltungen der Olympischen Bewegung dar. So wird die olympische Hymne nicht nur bei der Eröffnungs- und Schlussfeier Olympischer Spiele gespielt, sondern auch zu anderen Anlässen wie der Eröffnung einer IOC-Session (Barker 2004: 52). Ihre Premiere feierte die olympische Hymne bei den ersten modernen Olympischen Spielen Athen 1896, als sie von einem Chor in Begleitung eines Orchesters gesungen wurde. Die Hymne war vom ersten IOC-Präsidenten Demetrius Vikelas in Auftrag gegeben worden (IOC o.D.-k). Die Musik stammt vom griechischen Opernkomponisten Spyros Samaras, der Text vom Literaten Kostís Palamás. Trotz der Begeisterung, die das Werk hervorrief, konnte sich die Hymne in der Olympischen Bewegung zunächst nicht durchsetzen. Vielmehr wurden in der Frühzeit der modernen Olympischen Spiele verschiedene Komposi‐ tionen aufgeführt, eine offizielle olympische Hymne gab es jedoch nicht (Leckie Schlüssel 2001: 150ff.). Für die Olympischen Spiele Los Angeles 1932 entstand im Rahmen eines Wettbewerbs eine anglo-amerikanische Hymne - Musik: Walter Bradley- Keeler; Text: Louis F. Benson - die sich durch ihren choralen Stil auszeich‐ nete und an ein Kirchenlied erinnerte (Leckie Schlüssel 2001: 239ff.). Das Werk sollte laut IOC-Beschluss von 1933 auch bei den Olympischen Spielen Berlin 1936 als offizielle Hymne gespielt werden (Sitzungsprotokoll IOC- Session 1933: 2f.), gleichwohl setzten sich bei der gleichen Session Stimmen im IOC durch, die für 1936 einen erneuten Komponistenwettbewerb für eine olympische Hymne forderten (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1933: 19) - laut Schlüssel (2008: 3) ist der Grund hierfür vor allem im Text des Werks von 1932 zu finden, denn darin wurden die Athlet: innen aufgerufen, sich gegen Tyrannei zu erheben. Die deutschen Gastgeber der nächsten Olympischen Spiele gaben darauf‐ hin eine neue Hymne in Auftrag, es entstand eine Komposition von Richard Strauss, zu der Robert Lubahn den Text lieferte - die Hymne verknüpfte Themen der sportlichen und nationalen Größe miteinander (Schlüssel 2008: 3). Das IOC zeigte sich von diesem Werk so beeindruckt, dass man es noch 1936 zur immerwährenden olympischen Hymne erhob (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1936: 10). Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 85 <?page no="86"?> Für die Olympischen Spiele London 1948 wurde der Beschluss jedoch wieder aufgehoben, daher erklang in der britischen Hauptstadt das von Roger Quilter komponierte Werk „Non Nobis Domine“ (Barker 2004: 48). Bei den folgenden Olympischen (Winter-)Spielen wurden erneut verschiedene Werke gespielt (Molzberger 2016a: 15). Erst 1958, bei der IOC-Session in Tokio, wurde auf Vorschlag von Prinz Axel von Dänemark beschlossen, das Werk von Spyros Samaras und Kostís Palamás zur fortan immerwährenden offiziellen olympischen Hymne zu erklären (Brownell 2024: 9ff.; IOC o.D.-j). Die Hymne von 1896 wurde daraufhin ins Englische übersetzt und bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele Squaw Valley 1960 sowie - nach der Übersetzung ins Italieni‐ sche - bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Rom 1960 gespielt (Barker 2004: 50ff.). Seitdem prägt die Samaras-Komposition das olympische Protokoll. Bis zu den Olympischen Winterspielen Pyeongchang 2018 wurde die olympische Hymne auch bei Siegerehrungen für Goldmedaillengewin‐ ner: innen gespielt, die aufgrund politischer Hintergründe als neutrale Ath‐ let: innen antraten ( ↠ Was sind Individual Neutral Athletes und warum wird ihnen die Teilnahme an Olympischen Spielen ermöglicht? ). Dies wurde für die Olympischen Spiele Paris 2024 geändert, als bei Siegerehrungen für die Medaillengewinner: innen aus Belarus und Russland ein eigenes, vom IOC zur Verfügung gestelltes Musikstück gespielt wurde (IOC 2023d: 4f.; IOC 2024b). [ JD] Wann wurde erstmals ein olympischer Eid bei der Eröffnungsfeier gesprochen? Das von Pierre de Coubertin postulierte Amateurideal - eine Säule seiner dem olympischen Sporttreiben zugeschriebenen Sinngebung - bereitete bereits in der Frühzeit der Olympischen Spiele mitunter Probleme. Denn es gab immer wieder Gerüchte über die verbotene Annahme von Geldzah‐ lungen durch einzelne Athlet: innen. Wie rigoros das IOC in solchen Fällen vorging, zeigt der Fall des US-Amerikaners Jim Thorpe. Thorpe, ein Vertreter des First Nation-Volks der Sauk-Meskwaki, hatte bei den Olympischen Spie‐ len Stockholm 1912 dank überragender Leistungen die Goldmedaillen im leichtathletischen Fünf- und Zehnkampf gewonnen. Im Folgejahr wurden in den USA jedoch Vorwürfe laut, Thorpe habe in früheren Jahren beim 86 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="87"?> Baseball einzelne - wenn auch geringe - Geldbeträge erhalten. Thorpe wurde daraufhin nachträglich disqualifiziert und musste seine in Stockholm gewonnenen Goldmedaillen zurückgeben. Erst 1983, 30 Jahre nach seinem Tod, wurde er posthum endgültig rehabilitiert. Seine Familie erhielt vom IOC Replika der Medaillen von 1912 (Kluge 1997: 365). Um zukünftige Verstöße gegen den Amateurparagrafen zu erschweren, führte das IOC beim VI. Olympischen Kongress 1914 in Paris einen von Coubertin verfassten olympischen Eid als Appell an das Ehrgefühl der Athlet: innen ein (Sitzungsptotokoll IOC-Session 1914: 6). Fortan sollte ein Athlet aus dem Heimatland der gastgebenden Stadt stellvertretend für alle Teilnehmer: innen im Rahmen der Eröffnungsfeier Olympischer Spiele schwören, die (Amateur-)Regeln zu achten und fair im Wettkampf aufzutreten. Aufgrund des kriegsbedingten Ausfalls der Spiele von 1916 war der Premierenauftritt dem belgischen Fechter Victor Boin vorbehalten, der bei den Olympischen Spielen Antwerpen 1920 folgende Eidesformel sprach: „Nous jurons de prendre part aux Jeux olympiques on compétiteurs loyaux, d’obser‐ ver scrupuleusement les règlements et de faire prouve d’un esprit chevaleresque pour l’honneur de nos pays et pour la gloire du Sport“ (Comité Olympique Belge 1957: 59). Bis 1980 hatte der Athlet beziehungsweise die Athletin beim Sprechen der Formel die Staatsflagge des Heimatlandes zu ergreifen, erst 1984 wurde das Ritual zu Gunsten der olympischen Flagge verändert. In den 1960er Jahren erhielt der Olympic Oath durch eine Textänderung eher den Charakter eines Versprechens als den eines Eids, da die vortragenden Athlet: innen nun nicht länger einen Schwur leisteten, sondern im Namen aller Teilnehmer: innen versprachen, die olympischen Regeln und Werte zu achten. Bei den Olympischen Spielen München 1972 kam ein Gelöbnis der Kampfrichter: innen zum Zeremoniell hinzu: „In the name of all judges and officials, I promise that we will officiate in these Olympic Games with complete impartiality, respecting and abiding by the rules which govern them, in the true spirit of sportsmanship“ (IOC 1972: 43). Der deutsche Reitsport-Kampfrichter und zweifache Dressur-Olympiasieger von 1936 Heinz Pollay war der Erste, der dieses Versprechen vortrug (Kluge 2000: 373). Zu den Olympischen Spielen Sydney 2000 wurde das Gelöbnis der Ath‐ let: innen um eine Anti-Doping-Klausel erweitert, 2012 kam darüber hinaus Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 87 <?page no="88"?> ein Olympic Oath der Trainer: innen hinzu (IOC o.D.-f). Bei den Olympischen Spielen Tokio 2020/ 21 trugen insgesamt sechs Repräsent: innen (jeweils zwei Athlet: innen, Kampfrichter: innen und Trainer: innen) das Versprechen vor. Für die Olympischen Spiele Paris 2024 wurde festgelegt, dass vier Personen - zwei Frauen und zwei Männer, davon eine Athletin und ein Athlet sowie ein Trainer oder Kampfrichter und eine Trainerin oder Kampfrichterin - den Olympic Oath leisten sollen. Im Englischen lautet das Versprechen, das von den Repräsentant: innen stets in ihrer Muttersprache vorgetragen wird, derzeit: „In the name of the athletes, …“, „In the name of all judges, …“, „In the name of all coaches and officials, …“ […] „… we promise to take part in these Olympic Games, respecting and abiding by the rules and in the spirit of fair play, inclusion and equality. Together we stand in solidarity and commit ourselves to sport without doping, without cheating, without any form of discrimination. We do this for the honour of our teams, in respect for the Fundamental Principles of Olympism, and to make the world a better place through sport“ (IOC 2024h: 3). [AM] Seit wann gibt es das olympische Feuer und welche Bedeutung hat es? Die „Olympic Charter“, das Regelwerk der Olympischen Bewegung, erklärt genau, wie der Fackellauf im Vorfeld von Olympischen Spielen zu organi‐ sieren ist und wann bei der Eröffnungsfeier das olympische Feuer entzündet wird (Olympic Charter 2025: 98f.). Doch weder den Fackellauf noch das olympische Feuer gab es von Beginn der modernen Olympischen Spiele an. Sie kamen außerdem nicht gleichzeitig ins Programm. Der Fackellauf kam erst 1936 hinzu, ein olympisches Feuer hingegen brannte bereits bei den Olympischen Spielen Amsterdam 1928. Zuvor hatte man schon bei den Olympischen Spielen Stockholm 1912 die Symbolik des Feuers in die Inszenierung integriert, indem man während der Spiele zu besonderen Anlässen Flammen auf beiden Stadiontürmen entzündete (Molzberger 2012: 67f.). Als „olympisches Feuer“ wurde diese Illumination jedoch noch nicht bezeichnet. In Amsterdam hatte dann der niederländische Architekt Jan Wils vor der Osttribüne des Olympiastadions einen markanten Marathonturm, der in 88 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="89"?> Anlehnung an die Laufdistanz eine Bauhöhe von 42,195 Metern aufweisen sollte, errichten lassen. Auf diesem Turm brannte während der Olympischen Spiele, die im Kern vom 28. Juli bis zum 12. August 1928 stattfanden, nachts ein Feuer. Um die Flammenschale zu befestigen, musste der Turm allerdings noch um drei Meter aufgestockt werden, sodass er schließlich die ursprünglich angedachte Höhe übertraf. Woher genau die Idee für dieses Feuer stammte, ist nicht bekannt. Sporthistoriker nennen unter anderem architektonisch-ästhetische Gründe (Lennartz et al. 2000: 195) sowie das Freimaurertum Wils’ als mögliche Inspiration (Barney/ Bijkerk 2005: 13f.). Gleichwohl fand die Idee schnell Anklang in der Olympischen Bewegung, stand doch schon in der griechischen Mythologie das von Prometheus an die Menschheit übergebene Feuer für Vernunft, Erleuchtung und Freiheit sowie die schöpferische Fähigkeit der Menschheit (Borgers 1996: 8). Entsprechend brannte auch bei den Olympischen Spielen Los Angeles 1932 ein Feuer auf dem Turm des zentralen Austragungsorts der Wettkämpfe, dem Los Angeles Memorial Coliseum. Das Feuer war im Rahmen der Eröffnungsfeier entzündet worden und brannte während der gesamten Spiele, die vom 30. Juli bis zum 12. August 1932 ausgetragen wurden, bis zur Schlussfeier. So wird es bis heute bei Olympischen Spielen praktiziert (Lennartz et al. 2000: 215). Bei Olympischen Winterspielen wurde erstmals 1936 ein solches Feuer entzündet: Beim olympischen Fest, das unter dem Schatten des national‐ sozialistischen Regimes stand und vom 6. bis zum 16. Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen wurde, stand neben den am Gudiberg errichteten beiden Skisprungschanzen, deren Auslaufbereich den Innen‐ raum des Olympia-Skistadions bildete, ein hölzernes Gerüst mit einer Flammenschale auf der Spitze. Weithin sichtbar brannte hier ein Feuer während der Olympischen Winterspiele (Lennartz et al. 2000: 230). Als mit dem Fackelstaffellauf zu den Olympischen Spielen Berlin 1936 eine weitere Neuerung zum olympischen Zeremoniell hinzukam, war das auf der Symbolik des Feuers basierende Ritual komplett. Während der folgenden Jahrzehnte dienten individuell gestaltete Flam‐ menschalen im Olympiastadion beziehungsweise - bei den Olympischen Winterspielen - an einer zentralen Stätte als Ort des olympischen Feuers. Zuletzt wurden die Flammenschalen zu immer ausgefalleneren Konstruk‐ tionen. So zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 2012 in London, als sich 204 Einzelflammen - für jedes an den Spielen teilnehmende NOC eine - symbolträchtig zum olympischen Feuer vereinigten. [AM] Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 89 <?page no="90"?> Wie ist der olympische Fackellauf entstanden und welche Bedeutung hat er? Am 30. Mai 1934 kündigte Carl Diem, Generalsekretär des Organisationsko‐ mitees für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, im „Olympia-Pressedienst“ die Premiere des olympischen Fackelstaffellaufs als Sinnbild der Verknüp‐ fung von Altem und Neuem an (Diem 1934: 2). Bereits 1933 hatte Diem seine Idee Pierre de Coubertin zu dessen Begeis‐ terung präsentiert. Bei einem anschließenden Treffen hatte sich auch der amtierende IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour angetan gezeigt. Schließ‐ lich erhielt der Fackellauf-Plan bei der IOC-Session in Athen am 18. Mai 1934 die volle Zustimmung des IOC - auch wenn Fackelläufe (lampadedromia) im antiken Griechenland zwar zu verschiedenen Anlässen durchgeführt worden waren, nicht aber im Rahmen der antiken Olympischen Spiele (Borgers 1996: 8). Nach umfassenden Vorbereitungsarbeiten des Berliner Organisations‐ komitees und der Produktion der stählernen Halter - eine Stiftung der Essener Friedrich Krupp AG - für die von den Läufern zu nutzenden Magnesiumfackeln wurde am 20. Juli 1936 im antiken Hain von Olympia ( ↠ Was bezeichnet der Begriff „Altis“? ) erstmals das olympische Feuer mit Hilfe eines Zeiss-Hohlspiegels durch Sonnenstrahlen entzündet. Von Olympia wurde es dann per Staffellauf über insgesamt 3.187 Kilometer nach Berlin gebracht, begleitet von Festveranstaltungen in größeren Städten der beteiligten Länder. Als letzter Läufer entzündete Fritz Schilgen - ein Leichtathlet, der in einem eigens veranstalteten Sichtungswettbewerb we‐ gen seines eleganten Laufstils hierfür ausgewählt worden war - im Rahmen der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am 1. August 1936 im Berliner Olympiastadion das olympische Feuer (Borgers 1996: 43ff.). Auch wenn die Nationalsozialisten die Olympischen Spiele Berlin 1936 mit ihrer Inszenierung und der sehr professionellen, die Sportwelt beein‐ druckenden Organisationsarbeit als eine Art Fassade genutzt hatten, um das wahre Gesicht ihrer Diktatur zu verbergen, stand das neue olympische Ritual des Fackellaufs nach der Premiere nicht zur Debatte. So war für die nächsten Olympischen Spiele ebenfalls ein Fackellauf geplant, diese konnten wegen des Zweiten Weltkriegs jedoch nicht stattfinden. Nach dem kriegsbedingten Ausfall der Spiele 1940 und 1944 wurde 1948 in London der Fackellauf erneut aufgenommen. Er ist bis heute ein fest etablierter Bestandteil des olympischen Zeremoniells. 90 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="91"?> Bei den Olympischen Winterspielen fand der erste Fackellauf 1952 im Vorfeld der Spiele in Oslo statt. Das olympische Feuer wurde damals jedoch nicht im antiken Olympia entzündet, sondern im norwegischen Dorf Morgedal in der Region Telemark - dem Geburtsort des norwegischen Skipioniers Sondre Norheim. Im antiken Olympia wurde das olympische Feuer zum ersten Mal für die Olympischen Winterspiele von Innsbruck 1964 entzündet (Borgers 1996: 157ff.). Für die Zeremonie in Olympia zeichnet stets das Hellenische Olympische Komitee (HOC) verantwortlich, eine griechische Schauspielerin nimmt hierbei die Rolle der Hohepriesterin der Göttin Hera ein. Nach der Entzün‐ dung wird das olympische Feuer in einer Prozession zum antiken Stadion gebracht, anschließend erfolgt ein Staffellauf - die Laufstrecke für die einzelnen Fackelträger: innen beträgt etwa ein bis zwei Kilometer - zum → Panathenäischen Stadion in Athen. Hier wird das olympische Feuer an das OCOG der kommenden Olympischen (Winter-)Spiele übergeben. Im Vorfeld der Olympischen Spiele Athen 2004 machten die Gastgeber: in‐ nen den früher eher „bilateral“ zwischen Griechenland und dem Land der nächsten olympischen Gastgeberstadt ausgetragenen olympischen Fackel‐ lauf zu einem internationalen Ereignis der Superlative, als das olympische Feuer zum ersten Mal auf alle Kontinente gebracht wurde. Dabei wurden sämtliche Gastgeberstädte früherer Spiele der → Olympiade einbezogen (Molzberger 2024: 10f.). Vier Jahre später kam es dann aber zu Problemen beim erneut global ver‐ anstalteten olympischen Fackellauf: Unter dem Motto Journey of Harmony führte das Pekinger OCOG einen Fackellauf durch, der noch größer und spektakulärer war als der von 2004. So wurden auf dem Weg von Olympia bis Peking 137.000 Kilometer zurückgelegt, am 8. Mai 2008 wurde das olympi‐ sche Feuer sogar auf den Gipfel des Mount Everest gebracht. Während der internationalen Reise des Fackellaufs kam es jedoch zu Demonstrationen gegen die chinesische Führung und ihre Tibet-Politik. Das olympische Feuer wurde bei teilweise tumultartigen Zwischenfällen mehrfach gelöscht, der Fackellauf konnte nur mit Hilfe der stets mitgeführten Ersatzflamme fortgesetzt werden. Als Reaktion darauf beschloss das IOC, dass der olympische Fackellauf künftig wieder vorrangig in nur zwei Ländern stattfinden soll: In Griechen‐ land, wenn das Feuer nach der Entzündungszeremonie in Olympia nach Athen gebracht und an das OCOG der kommenden Olympischen Spiele übergeben wird, und anschließend im Land des Gastgebers der Spiele Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 91 <?page no="92"?> (Molzberger 2024: 11). Die olympischen Fackelläufe der letzten Jahre sind vor diesem Hintergrund wieder kleiner ausgefallen. Immer noch aber stellen sie einen Brückenschlag zwischen dem antiken Olympia und dem jeweiligen Austragungsort der modernen Olympischen Spiele dar. [AM] Wie sind die olympischen Medaillen gestaltet und warum stehen die Athlet: innen bei der Verleihung auf einem Podest? Bereits bei den ersten modernen Olympischen Spielen Athen 1896 wurden die Sieger mit Medaillen ausgezeichnet. Jedoch nicht wie heute im Anschluss an ihren Wettkampf, sondern erst am Schlusstag der Spiele im Rahmen einer für alle Athleten gemeinsamen Zeremonie im → Panathenäischen Stadion. Die Übergabe erfolgte durch den griechischen König Georg I. Allerdings gab es 1896 für die Olympiasieger noch keine Gold-, sondern nur Silbermedaillen - und kupferne für die Zweitplatzierten -, da das Athener Organisationskomitee aufgrund der wirtschaftlichen Situation im damaligen Griechenland einen strikten Sparkurs verfolgte. Bei den Olympischen Spielen Paris 1900, die in die damalige Weltaus‐ stellung eingebettet waren, gab es keine einheitliche Regelung für die Medaillenvergabe. Die heute üblichen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für die drei Erstplatzierten wurden erstmals bei den Olympischen Spielen St. Louis 1904 vergeben. Seitdem gehören die Medaillen mit dieser Färbung fest zum olympischen Zeremoniell. Ihre Gestaltung war zunächst allerdings noch nicht reglementiert, das jeweilige OCOG schuf bei seinen Olympischen Spielen Siegermedaillen nach eigenem Gusto (Molzberger 2016a: 17). Erst ein vom IOC Mitte der 1920er Jahre ausgeschriebener Wettbewerb zur Gestaltung eines ständigen Siegermedaillenmotivs bereitete der olym‐ pischen Design-Vielfalt ein Ende: Bei der IOC-Session 1927 in Monte Carlo entschied man sich für den eingereichten Entwurf des italienischen Designers Giuseppe Cassioli (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1927: 17). Die Medaille zeigt auf der Vorderseite eine sitzende Siegesgöttin mit einem Lorbeerkranz in der erhobenen rechten Hand, im Hintergrund ist das Kolosseum von Rom zu erkennen. Auf der Rückseite ist der legendäre antike Faustkämpfer Diagoras von Rhodos, Olympiasieger von 464 v.Chr. und Periodonike ( ↠ Was sind die Kranzagone und der panhellenische Wettkampfkalender? ), inmitten eines Siegeszugs abgebildet. Die Cassioli- 92 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="93"?> Medaille wurde von 1928 bis 1968 mit gleichbleibender Vorder- und Rück‐ seite in Gold-, Silber- und Bronzeausfertigung vergeben, lediglich die sich auf spezifische Olympische Spiele beziehende Inschrift auf der Vorderseite wurde alle vier Jahre geändert. Ausgenommen von dieser Regelung waren seit jeher die Medaillen der Olympischen Winterspiele, die frei gestaltet werden konnten (Molzberger 2016a: 17). Ab 1972 war es den OCOGs der jeweiligen Olympischen Spiele gestattet, für die Rückseite der Cassioli-Medaille ein alternatives Motiv zu entwerfen. Bei den Olympischen Spielen München 1972 zierte daraufhin das von Ger‐ hard Marcks geschaffene Bildnis „Castor und Pollux“ - antike Schutzpatrone der Kampfspiele und der Freundschaft - die Medaillenrückseite, die fortan alle vier Jahre neu gestaltet wurde. 2004 wurde nach fast 80 Jahren dann auch das Motiv der Vorderseite geändert: Die griechische Siegesgöttin Nike fliegt nun in das Athener Panathenäische Stadion, in dem 1896 die ersten modernen Olympischen Spiele stattfanden, und bringt den besten Athlet: innen den Sieg. 2024 fügten die französischen Organisator: innen der Pariser Spiele der im Hintergrund des Stadions abgebildeten Athener Akropolis auch noch einen Eiffelturm hinzu - und arbeiteten kleinste Mengen von echtem Eiffelturmeisen, das bei Restaurierungsarbeiten am Pariser Wahrzeichen angefallen war, in die Rückseite der Medaillen ein. Bei der Übergabe der Medaillen an die Olympiasieger: innen spiegelte sich von 1896 bis 1928 die Gesellschaftsordnung der damaligen Zeit wider: Die Athlet: innen standen bei der Entgegennahme der Medaillen tiefer als die Staatsoberhäupter und führenden Persönlichkeiten eines Landes, die die Siegerehrung bei den Spielen durchführten. Vor den Olympischen Winterspielen Lake Placid 1932 hatten die Organisatoren dann aber zu ihrer Überraschung ein Schreiben vom IOC erhalten, das die Ehrung der Olympiasieger: innen nachhaltig veränderte. So forderte das IOC, die sieg‐ reichen Athlet: innen bei der Medaillenübergabe fortan auf einem aus drei Sockeln bestehenden Podium zu platzieren: Sieger: in in der Mitte, mit Zweitplatzierter: m zur Rechten und Drittplatzierter: m zur Linken (Barney 2000: 196.). Als erster Athlet der olympischen Geschichte nahm daraufhin der US- Amerikaner Jack Shea am 4. Februar 1932 die Goldmedaille für seinen Sieg im 500-Meter-Eisschnelllauf auf dem bis heute üblichen „Treppchen“ entgegen. Gleichzeitig wurde die Neuerung eingeführt, die Siegerehrung im Anschluss an den jeweiligen Wettkampf vorzunehmen - bis 1928 waren Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll 93 <?page no="94"?> die Medaillen im Rahmen der Schlussfeier bei einer für alle siegreichen Athlet: innen gemeinsamen Zeremonie übergeben worden. [AM] 94 Olympische Symbolik, Zeremoniell und olympisches Protokoll <?page no="95"?> Olympismus und Olympische Erziehung Die Olympischen Spiele und die Olympische Bewegung basieren in ihrer Sinngebung auf dem Olympismus und der Olympischen Erziehung. In dem Kapitel werden beide Konzepte aus historischer und gegenwärtiger Perspektive erklärt und ihre Anwendungsfelder in der Praxis beschrie‐ ben. <?page no="96"?> Was bedeutete das Konzept des Olympismus für Pierre de Coubertin? Die Olympischen Spiele waren für ihren Gründer, Pierre Coubertin, mehr als ein bloßes internationales Sportfest, das alle vier Jahre ausgetragen wird. Die globale Visibilität der Olympischen Spiele sollte den institutionellen Rahmen für eine kontinuierliche Ausbreitung der erzieherischen Werte des Sports schaffen. Anfänglich bezeichnete Coubertin diese Zielsetzung als „Olympische Idee“, nach 1910 schließlich als „Olympismus“ (IOC 2024a: 6.). Der Grundgedanke von Coubertins Olympismus-Konzept besteht in der Überzeugung, dass im und durch den Sport Werte wie individuelles Leistungsstreben, Fairness, gegenseitiger Respekt, Solidarität und Gemein‐ schaftssinn entwickelt werden. Demnach unterstützt der Olympismus die Ausbildung und Verfestigung von Persönlichkeitseigenschaften, die - folgt man den Gedanken von Coubertin - das Profil eines Staatsbürgers bestim‐ men, durch den moderne Gesellschaften mit demokratischen Strukturen und Offenheit gegenüber transnationalem Gedankengut geprägt werden (Schantz 2024: 10ff.). Coubertin war davon überzeugt, dass die im Olympismus verankerte erzieherische Wirkung des Sports nur dann umgesetzt werden kann, wenn die Akteure des Wettkampfes reine Amateure sind. Dem Profisport schreibt er keine erzieherische Wertigkeit zu, da dessen Zielsetzung im Gelderwerb angelegt sei. Durch diese extrinsische Motivation werden für Coubertin Fehentwicklungen im Sport manifestiert, die sich unter anderem in einem übertriebenen Konkurrenzverhalten, Unfairness und sogar in der Manipu‐ lation von Entscheidungen manifestieren können. In seinen Ausführungen zum Olympismus spricht Coubertin allein dem Amateursport eine erziehe‐ rische Wirkung zu. Um die Idee des Olympismus zu verbreiten und das Verständnis seiner Funktionsweise zu vertiefen, entwickelte Coubertin eine Vielzahl von Initia‐ tiven. Wirkungsvolle Plattformen waren die → Olympischen Kongresse, die er zwischen 1894 und 1925 organisierte, und sein umfassendes literarisches Schaffen. In dem Artikel „Les Assises philosophiques de l’Olympisme moderne“ analysiert Coubertin wohl am übersichtlichsten die Kernelemente des Olym‐ pismus (Coubertin 1935: 435ff.). Er geht dabei nicht nur auf die Möglichkeit der Wertevermittlung des olympischen Sports ein, sondern schreibt den bei den Spielen vertretenen Athleten auch die Aufgabe zu, durch ihre Leistun‐ gen möglichst viele Bürger zu eigenen sportlichen Aktivitäten zu motivieren 96 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="97"?> (Coubertin bezieht sich explizit nur auf Männer). Die erzieherische Wirkung des Sports sollte auf diese Weise alle Bevölkerungsschichten erreichen. Über diese Vorbildfunktion der Athleten, die nur Amateure sein sollten, ist die Förderung des Sports for All-Gedankens in Coubertins Konzept des Olympismus mit angelegt. Die im Olympismus verankerten Werte waren für Coubertin universell ausgerichtet, aber sollten stets an die sich kontinuierlich verändernden Zeitumstände und gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden. Dazu schreibt er folgendes in seinem „Lettre olympique IV“, der am 22. November 1918 in „La Gazette Lausanne“ publiziert worden ist: „L’olympisme n’est point un système, c’est un état d’esprit. Les formules les plus diverses peuvent s’en pénétrer et il n’appartient ni à une race ni à une époque de s’en attribuer le monopole exclusive” (Coubertin 1918: 385). [SW] Was prägt das Verständnis des Olympismus heute? Das von Pierre de Coubertin geprägte Verständnis vom Olympismus hat sich auch heute nicht grundsätzlich verändert; es geht noch immer um die Ver‐ mittlung von individuellen, gesellschaftlichen und völkerbindenden Werten durch den Sport. Der im Olympismus verankerte Wertekanon an sich ist allerdings nicht dauerhaft festgeschrieben und erfährt Differenzierungen, die unter anderem durch die jeweils gegenwärtigen Prozesse im Sport, in der Gesellschaft und in internationalen Zusammenhängen geprägt werden (Parry 2024: 1ff.). So erfahren die in der „Olympic Charter“ abgedruckten „Fundamental Principles of Olympism“ Revisionen, die vom Executive Board des IOC vorgeschlagen und dann in der IOC-Session beschlossen werden können. In der 2025 verabschiedeten Version der „Olympic Charter“, die in englischer und französischer Sprache vorliegt, wird in Absatz 1 der Olympismus wie folgt definiert: „Olympism is a philosophy of life, exalting and combining in a balanced whole the qualities of body, will and mind. Blending sport with culture and education, Olympism seeks to create a way of life based on the joy of effort, the educational value of good example, social responsibility and respect for internationally recognised human rights and universal fundamental ethical principles within the remit of the Olympic Movement” (Olympic Charter 2025: 8). Olympismus und Olympische Erziehung 97 <?page no="98"?> In den Absätzen zwei bis sieben werden die in der Definition soeben zitierten Werte dann weiter ausgeführt, um das Verständnis des Olympismus in seiner Positionierung unter anderem zum Leistungssport, zur Erziehung und Kultur, zu Menschenrechtsfragen sowie zur politischen Neutralität und Gesellschaft zu erklären (Olympic Charter 2025: 8f.). Zweifelsohne sind die Erklärungen zum Olympismus komplex und selbst für eine olympiaaffine Öffentlichkeit mitunter schwierig zu deuten. Um die Werteausrichtung des Olympismus in ihrer Vielzahl zu betonen und das Verständnis des Olympismus als Leitrichtung des olympischen Sports übersichtlicher und greifbarer zu machen, hat das IOC im Jahr 2007 folgende übergeordnete Werte für den Olympismus beschrieben: Excellence - Friend‐ ship - Respect (IOC 2024a: 5ff.). In diesen drei Grundwerte lassen sich alle Werte zuordnen, die in den „Fundamental Principles“ der „Olympic Char‐ ter“ beschrieben werden. Darüber hinaus wird durch die Wertetrias auch zusammenfassend sichtbar, wie sich das olympische Motto Citius, Altius, Fortius - Communiter im Olympismus wiederfinden kann ( ↠ Wie lautet das olympische Motto und welche Bedeutung hat es für die Olympische Bewegung? ). Im IOC ist man sich der Tatsache bewusst, dass die Umsetzung des Olympismus kein Selbstläufer ist. Institutionen wie die Internationale Olympische Akademie (IOA), Nationale Olympische Akademien (NOAs), Nationale Olympische Komitees (NOCs), Olympische Museen, Olympische Studienzentren und Schulen müssen in ihren Initiativen unterstützt werden, um die Wertigkeit des Sports als Anwendungsfeld des Olympismus zu erklären und zu betonen. Das IOC selbst hat eine Vielzahl von Projekten zur Förderung und praxisnahen Umsetzung des Olympismus entwickelt. Es handelt sich dabei nicht um einmalige Aktionstage, sondern um Lern- und Vermittlungseinheiten, die langfristig durchgeführt werden. So kann unter anderem auf das Programm Olympism365 (IOC o.D.-q) und auf das Olympic Values Education Programme (OVEP) verwiesen werden. [SW] Literaturtipp | Das Olympische Studienzentrum des IOC hat in seiner Publikationsreihe “OSC Reference Collection“ (https: / / library.olympics.c om/ Default/ osc-reference-collection.aspx) das Studienheft „Olympism - From Coubertin to the present day” herausgegeben. Es wird darin ein guter Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Olympismus gegeben und erläutert, welche unterschiedlichen wissenschaftlichen 98 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="99"?> Ansätze es zur Erklärung des Olympismus gibt. Darüber hinaus wird dargelegt wie, wann und warum der Olympismus eine Verankerung in der „Olympic Charter“ gefunden hat: https: / / library.olympics.com/ Defau lt/ doc/ SYRACUSE/ 2582360/ olympism-from-coubertin-to-the-present-d ay-the-olympic-studies-centre. Warum kann eine Erziehung olympisch sein? Pierre de Coubertin prägte den Begriff „Olympische Pädagogik“, den er wohl zum ersten Mal in seinem „Lettre Olympique IV“ verwandte, der in der „Gazette de Lausanne“ im November 1918 abgedruckt worden war (Coubertin 1918: 1). Zuvor sprach Coubertin immer von einer „éducation sportive“. Letztlich sind beide von ihm benutzten Begriffe als Synonyme zu verwenden. Die Ziele einer „Olympischen Pädagogik“ leitet Coubertin von seinem Konzept des Olympismus ab. Es geht demnach um das Streben nach individueller sportlicher Leistung, durch die im Training und beim Wett‐ kampf eine Charakterschulung zum modernen Staatsbürger erfolgt. Nach seiner Auffassung wird der Olympismus demnach durch die „Olympische Pädagogik“ in die Praxis umgesetzt, die sich in schul- und vereinsbezogenen Sportkontexten etablieren soll (Todt 2023: 101f.). 1975 führte der Olympiahistoriker und Coubertin-Forscher Norbert Mül‐ ler den Begriff „Olympische Erziehung“ in die olympische Fachdiskussion ein, um Coubertins eher theoriegeleiteten Erklärungen ein stärkeres praxis‐ bezogenes Bewusstsein zu verleihen. Es dauerte weitere zwölf Jahre bis die neue Terminologie im IOC diskutiert und für die Aufnahme in die „Olympic Charter“ vorbereitet wurde (Nikolaus 2019: 6ff.). Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Olympischen Erzie‐ hung ist sehr facettenreich und bereichert die Diskussionen in der inter‐ national besetzten Kommission, die das IOC zur Olympischen Erziehung eingerichtet hat (IOC o.D.-l). In den Sitzungen wird oftmals der Diskurs dar‐ über geführt, was einen Erziehungsprozess zu einem „olympischen“ macht. Im Ergebnis wird sich dann darauf bezogen, dass das Erfahrbarmachen der Kernwerte des Olympismus Excellence - Friendship - Respect durch kontinuierliches individuelles Leistungsstreben im Training und Wettkampf erfolgt. Die in der olympischen Sportpraxis prioritär gesetzte Leistung muss allerdings eine Einbettung in theoretische Kontexte erfahren, in der Olympismus und Olympische Erziehung 99 <?page no="100"?> kritische Reflektionen über soziale, ethische, gesundheitliche und kulturell verbindende Dimensionen des Leistungsphänomens und dessen Relevanz für erzieherisches Wirken aufgenommen werden müssen. Hauptzielgruppen in olympischen Erziehungsprogrammen sind Schü‐ ler: innen und Jugendliche im Vereinssport sowie in vereinsungebundenen Sportprojekten von Städten, Gemeinden und Sozialeinrichtungen. Die Durchführung von Lehr- und Lerneinheiten in der Olympischen Erziehung erfordert eine Fachexpertise, um das Verständnis der im Olympismus ange‐ legten Wertetrias zu vermitteln. Lehrkräfte, Trainer: innen und Projektmit‐ arbeiter: innen können zur Verfestigung und Ausweitung ihrer olympischen Fachexpertise auf Handreichungen, Unterrichts- und Projektbeispiele zu‐ rückgreifen. Seit den Olympischen Spielen Montreal 1976 werden diese didaktischen Materialen von den jeweiligen Organisationskomitees der Austragungsstädte von Olympischen Spielen vorbereitet. Das vom IOC entwickelte OVEP ist eine weitere Fortbildungsmöglichkeit, um Olympische Erziehung für Jugendliche in- und außerhalb von Schulkontexten erfahrbar zu machen. Über die Verfügbarkeit von Lehrliteratur hinaus werden Fortbildungsver‐ anstaltungen zur Umsetzung von Olympischer Erziehung im Schulalltag, in Sportvereinen und in der sportbezogenen Projektarbeit außerhalb der traditionellen Sportvereinskultur angeboten. Als Anbieter von entsprechen‐ den Seminaren und Workshops lassen sich die IOA, die NOAs und die NOCs nennen. Die Zentren für Olympische Studien auf universitärer Ebene und die etablierten olympischen Masterstudiengänge sind auch wichtige Voraussetzungen für die Vermittlung eines tiefgestaffelten Verständnisses von olympischer Erziehung in Theorie und Praxis, um Studierende der Sportwissenschaft und des Lehramtsfachs Sport als Multiplikatoren für Olympische Erziehung zu gewinnen. Gerade durch diese akademische Annäherung muss dargelegt werden, dass Olympische Erziehung einer von vielen Wegen ist, um die Vermittlun‐ gen von verantwortbaren individuellen, gesellschaftlichen und interkultu‐ rellen Werten im und durch den Sport anzustoßen. Die im Olympismus verankerte Wertetrias Excellence - Friendship - Respect bietet für diesen Erziehungsoptimismus wichtige Rahmenvorgaben für die Zielsetzung einer Olympischen Erziehung. [SW] 100 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="101"?> Wo befindet sich das Olympische Museum und welchen Auftrag hat es? Ab 1922 wurde die Villa Mon-Repos in Lausanne Sitz des IOC, und Pierre de Coubertin begann mit der Einrichtung eines ersten Museums sowie einer Bibliothek. Die Idee und die ersten Ausstellungsstücke stammten von Coubertin selbst (Adair 2004: 94f.), der 1925 vom Amt des IOC-Präsidenten zurückgetreten war; allerdings blieb er Ehrenpräsident des IOC. Er nutzte die Villa auch als Wohnsitz und betreute zudem das 1934 offiziell eröffnete Museum. Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung stetig erweitert und die Räumlichkeiten in den 1960er Jahren um ein weiteres Stockwerk ergänzt. Nachdem das IOC 1968 seinen Sitz innerhalb Lausannes in das Château de Vidy verlegt hatte, blieb das Museum vorerst in der zunehmend baufälligen Villa. Mon-Repos wurde schließlich 1970 geschlossen und das Museum erst 1982 unter IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch in einem Provisorium im Stadtzentrum Lausannes wiedereröffnet. Am 23. Juni 1993, dem Olympic Day, wurde das neue Olympische Museum an seinem jetzigen Standort oberhalb des Quai d’Ouchy eingeweiht. Sama‐ ranch, von 1980 bis 2001 IOC-Präsident, machte das Museum zu einem seiner wichtigsten Kulturprojekte und sicherte die Finanzierung für den Bau und Betrieb durch Sponsoren (Adair 2004: 52f.). Ziel des Museums ist die Vermittlung von Wissen über die Olympische Bewegung und die Kernelemente des Olympismus. Mehr als 300.000 Besu‐ cher: innen pro Jahr besuchen die auf 3.000m² gestaltete Ausstellung, die 2012 grundlegend renoviert wurde (Chevalley 2021: 68). Die Dauerausstellung von den antiken Wettkämpfen hin zu den Olympischen Spielen der Neuzeit gilt als umfangreichste Sportsammlung der Welt. Zu sehen sind unter ande‐ rem die Gründungsdokumente der Olympischen Bewegung, die erste Fahne mit den olympischen Ringen, alle Fackeln der Olympischen Spiele, viele Medaillen, sowie Sportkleidung und -ausrüstung herausragender Athleten. Zudem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen, Konzerte oder Konferen‐ zen, die insbesondere die Verbindung zwischen Sport, Kultur und Kunst herstellen (Adair 2004: 56ff.). Audiovisuelle und mechanische Erlebnissta‐ tionen, digitale Inhalte und eine passende atmosphärische Inszenierung sorgen für ein aktives und spielerisches Erleben der olympischen Idee. Für Kinder und Jugendliche gibt es Lernstationen, an denen die olympischen Werte Excellence - Friendship - Respect im Mittelpunkt stehen und wo die Olympismus und Olympische Erziehung 101 <?page no="102"?> Besucher: innen mit den Kernwerten des Olympismus vertraut gemacht werden (Chevalley 2021: 73ff.). Ergänzt wird das museale Angebot durch umfangreiches digitales Bil‐ dungsmaterial, das zusammen mit Lehrkräften entwickelt wird und zur Nutzung im Unterricht zur Verfügung steht (Chevalley 2021: 77f.). Auch virtuelle Sammlungen können eingesehen werden und die Möglichkeit eines digitalen Museumsbesuchs wird zunehmend ausgebaut. Um einen geregelten Austausch mit anderen Sport- und Olympiamuseen zu gewährleisten, wurden 1985 und 1989 die ersten weltweiten Kongresse der Sportmuseen in Lausanne abgehalten (Adair 2004: 52). Auf Initiative des Olympischen Museums in Lausanne wurde 2006 das Olympic Museums Network gegründet. Es verbindet Museen weltweit und soll helfen, Syner‐ gien zu nutzen und gemeinsame Projekte voranzutreiben (Chevalley 2021: 8). Aktuell gibt es 32 anerkannte Olympische Museen. Das Olympische Museum in Lausanne ist eine wichtige und öffent‐ lichkeitswirksame Funktionseinheit der vom IOC aufgebauten Olympic Foundation for Culture and Heritage (OFCH). Neben dem Olympischen Mu‐ seum fallen auch das Zentrum für Olympische Studien und internationale Programme für Kultur und Bildung in die Aufgabenbereiche der OFCH (Chevalley 2021: 69; Wacker 2024: 11). [TZ] Welche Aufgaben haben die Zentren für Olympische Studien? Neben dem Olympischen Museum ist das Zentrum für Olympische Studien eine weitere Einheit der OFCH des IOC. Bereits im zweiten Jahr seiner Amts‐ zeit als IOC-Präsident hatte Juan Antonio Samaranch 1982 die Gründung des Zentrums für Olympische Studien mit der Zielsetzung angestoßen, Wissen über die Olympische Bewegung und den Olympismus zu archivieren, zu dokumentieren und zu verbreiten (IOC o.D.-s). Die ersten Studien- und Archivräume waren zunächst in dem provisorisch eingerichteten Olympischen Museum eröffnet worden. Mit dem Neubau des Olympischen Museums 1993 erhielt das Zentrum mehr Platz für Stu‐ dienplätze, Archivmaterialien und Sekundärliteratur über die vielfältigen Facetten der Olympischen Bewegung und der Olympischen Spiele. Heute ist das Zentrum in der Villa du Centenaire zu finden, die direkt neben dem Olympischen Museum liegt. 102 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="103"?> Gemäß der Zielsetzung von Samaranch wurde das Zentrum systematisch ausgebaut, um Orientierungswissen über die Olympische Bewegung bereit zu stellen und um olympische Forschungsprojekte zu initiieren und zu unterstützen. Die dafür zu nutzenden Primär- und Sekundärquellen können über die Olympic World Library (OWL) recherchiert, teilweise online herun‐ tergeladen oder in den Studienräumen des Zentrums bestellt werden. Insge‐ samt sind in der OWL 40.000 Monographien und Herausgeberwerke gelistet, von denen mehr als 15.000 bereits digitalisiert sind. Hinzu kommen 15.000 Veröffentlichungen des IOC, 450 Zeitschriften, die nahezu das gesamte Spektrum der Sportwissenschaft abdecken, und die beeindruckende Zahl von 1.500 Regalmetern an Archivmaterial, dessen digitale Verfügbarkeit zunehmend ausgebaut wird (The Olympic Studies Centre o.D.). Das Studienzentrum in Lausanne wird oftmals von etablierten wie auch von jungen Wissenschaftler: innen in Präsenz genutzt, wodurch interessante Dialogplattformen und Austauschprozesse entstehen. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat das Zentrum für Olympische Studien Förderlinien entwickelt, die jährlich ausgeschrieben werden. Das Zentrum selbst veröffentlicht elektronische Publikationen zu unterschiedlichen his‐ torischen und aktuellen Themenfeldern der Olympischen Bewegung und des Olympismus (The Olympic Studies Centre o.D.). Neben dem Lausanner Zentrum für Olympische Studien haben sich 72 Universitätszentren für Olympische Studien etabliert, die sich auf 26 Länder in fünf Kontinenten verteilen. Diese Zentren haben unterschiedliche Schwerpunkte in der olympischen Forschung und Lehre, bauen aber oftmals Kooperationen auf, um die Interdisziplinarität der Olympischen Studien zu betonen und wissenschaftlich zu nutzen (IOC o.D.-a). Zur Förderung dieses Anliegens werden seit 2012 Netzwerktreffen der olympischen Universitäts‐ zentren organisiert, die alle vier Jahre und im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld der Olympischen Spiele durchgeführt werden. Veranstalter ist immer ein Olympisches Studienzentrum aus dem Land der olympischen Gastgeberstadt. Durch die Zentren erfahren Olympische Studien eine wissenschaftliche Verankerung in Forschung und Lehre, wodurch profundes Wissen generiert wird. Auf diese Weise kann die Olympische Bewegung in ihrer Entstehung und gegenwärtigen Entwicklung objektiv bewertet werden. Für die Aus‐ bildung von verschiedenen Berufsgruppen im Umfeld des Sports ist dies bedeutsam. [SW] Olympismus und Olympische Erziehung 103 <?page no="104"?> Literaturtipps | Sehr informativ ist die vom Olympischen Studienzen‐ trum der OFCH herausgegebene und kontinuierlich aktualisierte „OSC Reference Collection“. In dieser digital verfügbaren Publikationsreihe werden u.a. historische, erzieherische, politische, organisationsstruktu‐ relle, infrastrukturelle und protokollarische Facetten der Olympischen Bewegung und der Olympischen Spiele beschrieben: https: / / library.oly mpics.com/ default/ osc-reference-collection.aspx? _lg=en-GB Vertiefendes Wissen in diesen Themenbereichen kann u.a. durch die Artikel abgerufen werden, die in dem digitalen Veröffentlichungspro‐ jekt „Olympic Knowledge - Essential Readings Series“ zur Verfügung stehen: https: / / library.olympics.com/ Default/ essential-readings.aspx Was ist das zentrale IOC-Erziehungsprogramm? Das 2005 vom IOC entwickelte Olympic Values and Education Programme (OVEP) ist eine Initiative, um die Grundwerte des Olympismus Excellence - Friendship - Respect in sportpraktischen und -theoretischen Erziehungs‐ kontexten zu vermitteln. Es basiert auf der traditionellen Annahme, dass das Erfahren des olympischen Wertekanons im Sport die ganzheitliche Entwicklung des Einzelnen und auch die Förderung von verantwortbaren gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen unterstützen kann (IOC 2023a: 9ff.; Binder 2012: 275ff.). Das IOC nennt als Hauptziele von OVEP ■ die Verbreitung der Grundwerte des Olympismus im Sportunterricht und in außerschulischen Sportkontexten, ■ die Unterstützung der persönlichen Entwicklung durch individuel‐ les Leistungsstreben, Teamfähigkeit, Fairness und Verantwortungsbe‐ wusstsein, ■ Respekt für Diversität mit dem Ziel der Förderung einer friedlicheren und integrativeren Gesellschaft, ■ die Vermittlung eines aktiven und gesunden Lebensstiles im Sportun‐ terricht und außerschulischem Sport sowie ■ die Sensibilisierung für die Bedeutsamkeit eines Sporttreibens mit öko‐ logischem Verantwortungsbewusstsein (IOC 2023a: 16ff.). 104 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="105"?> Die Hauptzielgruppe von OVEP sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 18 Jahren. Vor dem Hintergrund dieser Altersspanne können die Zielsetzungen von OVEP vor allem an Schulen - im Sportun‐ terricht, aber auch mit einer fachübergreifenden Unterstützung - und in Sportvereinen erreicht werden. Für die Umsetzung der OVEP-Zielperspekti‐ ven hat das IOC in digitalen Formaten Handreichungen, Aktionsprogramme und Videomaterial zur Verfügung gestellt. Seit der Gründung von OVEP wurde das Programm bereits in mehr als 100 Ländern weltweit eingeführt, wobei die Regionen Afrika, Asien und Lateinamerika besonders stark vertreten sind. Das IOC unterstützt mit seiner Fachexpertise die Anpassung des Programms an die besonderen kulturellen Bedürfnisse und Besonderheiten der verschiedenen Länder, wodurch OVEP das Profil eines flexiblen und dynamisch ausgerichteten Erziehungsprogramms erhält. Eine wichtige Säule im OVEP-Konzept ist die Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonal zur Umsetzung der Programme. Die digital zur Verfügung gestellten Informations- und Anschauungsmaterialien, die in vielen Spra‐ chen erhältlich sind, bieten zwar verlässliche theoretische Informationen, können aber durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Trainer: innen noch praxisnäher vermittelt werden. Aus diesem Grund werden OVEP-Workshops von Nationalen Olympischen Komitees (NOCs), Nationalen Olympischen Akademien (NOAs), Nationalen Pierre de Couber‐ tin Komitees (NPCCs) und Sportstiftungen angeboten. Das IOC bietet mit OVEP ein Programm für Schulen und Sportvereine an, um die Werte des Olympismus authentisch zu vermitteln. Die Anwendungs‐ realitäten sind allerdings oftmals herausfordernd, weil das Schulfach Sport nicht zum Kerncurriculum zählt, der Zugang zu Bildungsressourcen oftmals umständlich ist und vor allem in Entwicklungsländern eine öffentliche Sportinfrastruktur häufig entweder gar nicht vorhanden ist oder deren Nutzung durch finanzielle Möglichkeiten bestimmt wird. Die limitierenden Faktoren können vom IOC nicht vollständig kompensiert werden; am Ehesten ist dies noch durch die finanzielle Unterstützung zum Auf- und Ausbau einer sportiven Infrastruktur möglich, die für den Schulwie auch für den Vereinssport nutzbar sein kann. Das IOC verfolgt diese Zielsetzung unter anderem in Kooperation mit dem UN-Habitat. Von den vier in der Projektkooperation festgelegten Handlungsleitlinien lautet eine explizit: „Investment in urban sports infrastructure refurbishment and programming“ (IOC 2023g). [TZ] Olympismus und Olympische Erziehung 105 <?page no="106"?> Linktipp | Auf der IOC-Website zu OVEP werden wichtige weiter‐ führende Informationen über das Erziehungsprogramm zu den Olym‐ pischen Werten beschrieben und didaktisch aufgearbeitete Arbeits- und Anwendungsmaterialien zum Herunterladen zur Verfügung gestellt: https: / / olympics.com/ ioc/ education/ olympic-values-educatio n-programme/ ovep-toolkit Warum gibt es den Olympic Day? Am 23. Juni 1894 wurde das IOC an der Sorbonne in Paris gegründet. Dieser Tag wird als Gründungstag der gesamten modernen Olympischen Bewegung angesehen ( ↠ Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? ). Seit 1948 feiert das IOC am 23. Juni den Olympic Day. Ideengeber war IOC-Mitglied Josef Gruss aus der Tschechoslowakei, der bei der IOC-Session 1947 in Stockholm die Ausrichtung eines World Olympic Day zur Förderung der olympischen Idee vorgeschlagen hatte. In der „Olympic Charter“ wurde 1978 die Aufforderung an alle NOCs gerichtet, den Olympic Day möglichst jährlich durchzuführen (IOC 2023b). Diese Aufforderung an die NOCs war aber keine spontane Entscheidung des IOC, sondern der Tatsache geschuldet, dass im IOC Executive Board vermehrt Vorschläge über die olympische Förderung des Freizeit- und Breitensports aufkamen. Juan Antonio Samaranch, der 1980 ins Amt des IOC-Präsidenten gewählt worden war, ging auf die zunehmende öffentliche Kritik ein, die sich daran entzündete, dass sich das IOC vornehmlich nur um die Belange des Spitzensports kümmere. Damit einher ging für Samaranch die Vernachlässigung eines zentralen Merkmals des Olympismus. Gemäß Pierre de Coubertin sollten die olympischen Wettkämpfe breite Kreise in der Bevölkerung zum Sporttreiben motivieren. Aus diesem Grund gründete Samaranch 1983 zunächst einmal die Arbeitsgruppe Sport for the Masses, die 1985 in eine offizielle IOC-Kommission überführt wurde und ein Jahr später unter dem Kommissionsnamen Sport for All firmierte. Samaranch führte den Vorsitz in dieser Kommission bis 1990. Die Tatsache, dass diese Aufgabe vom IOC-Präsidenten übernommen wurde, unterstreicht die Bedeutung der Kommission. 2015 wurde im Rahmen der Olympic Agenda 2020 die Kommission Sport for All in Sport and Active Society Commission umbenannt (Wassong 2024: 56ff.). 106 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="107"?> Der Olympic Day baute ursprünglich auf den drei Säulen Bewegen, Lernen und Entdecken auf. Am Tag selbst soll der Spaß an der Bewegung und am gemeinsamen Sporttreiben im Vordergrund stehen. Darüber hinaus soll die Motivation geschaffen werden, sich möglichst langfristig im vereinsge‐ bundenen und vereinsungebundenen Sport zu betätigen, um darüber die erzieherische Wirksamkeit des Sporttreibens zu erfahren. Zur weiteren För‐ derung dieser Zielsetzung führte die Sport for All Commission den Olympic Day Run ein, der meistens von NOCs organisiert wird und Möglichkeiten bietet, an Läufen mit verschiedenen Streckenlängen teilzunehmen (IOC 2023b). Die Leitideen des Olympic Day wurden 2022 um die vierte Säule „Zusam‐ men für eine bessere Welt“ ergänzt. So sollen aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse wie → Inklusion, Nachhaltigkeit, Solidarität und Gemeinschaft mit in die Vielzahl an Sport-, Kultur- und Bildungsangeboten für alle Altersklas‐ sen integriert werden. Seit einigen Jahren findet der Tag zunehmend auch digital statt und wird durch interaktive Angebote und Öffentlichkeitsarbeit über die Sozialen Medien ergänzt (IOC 2023b). Die IOC-Kommission Sport and Active Society wurde 2022 in die Kommis‐ sion Olympism365 überführt. Dies unterstreicht die Position des IOC, dass die Förderung der Leitidee „Sport für alle“ im Freizeit- und Breitensport als ein wichtiges Ziel im Konzept des Olympismus anerkannt wird und auch eine entsprechende Unterstützung erfährt (Wassong 2024: 56ff.). [TZ] Was ist der Zweck der Internationalen Olympischen Akademie und der Nationalen Olympischen Akademien? Gemäß der „Olympic Charter“ fördert das IOC die Internationale Olympi‐ sche Akademie (IOA) in ihrer Funktion als außeruniversitäre akademische Institution für die Wissensvermittlung über den Olympismus und dessen Anwendbarkeit durch das Konzept der Olympischen Erziehung: „The mission of the IOC is to promote Olympism throughout the world and to lead the Olympic Movement. The IOC’s role is: […] to encourage and support the activities of the International Olympic Academy and other institutions which dedicate themselves to Olympic education” (Olympic Charter 2025: 14). Die IOA wurde 1961 gegründet und hat ihren Sitz in Olympia, Griechenland, in der Nähe der Ausgrabungsstätten der antiken Olympischen Spiele. Seit Olympismus und Olympische Erziehung 107 <?page no="108"?> 1967 ist das Gelände für die IOA offiziell festgelegt. Die Teilnehmer: innen der Lehrgänge von 1961 bis 1966 waren in Zelten unterbracht und die Seminare wurde überwiegend im Freien abgehalten (Wassong/ Molzberger 2018: 21ff.). Mit der festen Zuweisung eines permanenten Grundstücks war es möglich, dass die 1938 in Olympia örtlich neu zugewiesene Pierre-de-Coubertin- Stele nun auf dem Gelände der IOA zusammen mit einem 1965 errichteten Gedenkstein für den deutschen Sportfunktionär und Olympiaforscher Carl Diem und das griechische IOC-Mitglied Ioannis Ketseas errichtet werden konnte, die die Idee zur Einrichtung der IOA hatten. Bis in die 1990er Jahre wurde die Infrastruktur der IOA mit Unterkünften, Seminarräumen, Hörsälen, einer Bibliothek, einer Mensa und zahlreichen Sportanlagen ausgebaut. 2021 wurde die IOA mit Unterstützung des IOC aufwendig renoviert (Georgiadis 2021: 21ff.). Die originären Aufgaben der IOA bestehen darin, das kulturelle und historische Erbe der Olympischen Spiele zu bewahren, die Kernwerte des Olympismus zu vermitteln sowie diese für unterschiedliche Zielgruppen und institutionelle Anwendungsbereiche nutzbar zu machen. Dabei werden historische und gegenwärtige Themengebiete der Olympischen Bewegung und des olympischen Sports diskutiert und analysiert. Laut Thomas Bach, der das Amt des IOC-Präsidenten von 2013 bis 2025 ausübte, legt die IOA „the intellectual foundation for preserving our heritage and the Olympic Spirit to inspire the next generation of leaders in sport & society” (International Olympic Academy o.D.-b). Um die aufgeführten Zielsetzungen zu erreichen, organisiert die IOA eine Vielzahl von Kursen und Bildungsprogrammen. Die bekanntesten von ihnen sind ■ die Session for Young Olympic Ambassadors, in der Studierende aus der ganzen Welt Themen rund um die Geschichte der Olympischen Spiele, die Werte des Olympismus und die Rolle des Sports in der Gesellschaft bearbeiten, ■ Seminare für Lehrkräfte an Universitäten, Schulen und Sportvereinen, in denen es um die Einbindung der olympischen Werte im Bildungssektor geht, ■ Programme für Doktorand: innen und Forscher: innen, die sich mit der Forschung über den Olympismus und der Umsetzung in schulischen und außerschulischen Kontexten beschäftigen und 108 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="109"?> ■ Seminare für Zielgruppen wie Journalist: innen, Sportmanager: innen, Trainer: innen, Verbandsfunktionär: innen und Athlet: innen, die an Olympischen Spielen teilgenommen haben. Die Vermittlung von Kenntnissen über die Olympische Bewegung und die Auslegung der Kernwerte des Olympismus in beruflichen und leistungssportlichen Kontexten stehen dabei im Mittelpunkt der Lern- und Lehrinhalte (International Olympic Academy o.D.-a). Mit den ersten Kursen der IOA in den 1960er Jahren reiften in NOCs auch Überlegungen, NOAs aufzubauen. Nicht als institutionelle Konkurrenz zur IOA, sondern als Einrichtung mit der Kernaufgabe, die an der IOA erforsch‐ ten und vermittelten Kenntnisse über den Olympismus auf nationaler Ebene aufzuarbeiten und an Schulen und in Sportvereinen zu verbreiten. Die erste Gründung einer NOA erfolgte in Spanien 1968 und wurde durch das spanische NOC gefördert. Während seiner IOC-Präsidentschaft von 1980 bis 2001 rief Juan Antonio Samaranch alle NOCs auf, die Gründung von NOAs zu unterstützen. In der „Olympic Charter“ wurde dies erstmals 1991 als Empfehlung an die NOCs festgeschrieben; in der derzeit gültigen Fassung der „Olympic Charter“ vom 30. Januar 2025 heißt es wie folgt: „The NOCs’ role is: […] to promote the fundamental principles and values of Olympism in their countries, in particular, in the fields of sport and education, by promoting Olympic educational programmes at all levels of schools, sports and physical education institutions and universities, as well as by encouraging the creation of institutions dedicated to Olympic education, such as National Olympic Academies […]” (Olympic Charter 2025: 60). Derzeit gibt es rund 150 NOAs, die mit der IOA eng kooperieren. Eine effektive Austauschplattform sind die Lehrgänge, die die IOA jährlich für Mitarbeiter: innen von NOAs anbietet. Zur effektiveren Zusammenarbeit haben sich NOAs verschiedener Länder zu Dachorganisationen zusammen‐ geschlossen. Zu nennen sind die Association of National Olympic Academies of Africa, die Ibero-American Association, die Association of French Speaking NOAs und die Association of European NOAs (Georgiadis 2023: 106). [TZ/ SW] Olympismus und Olympische Erziehung 109 <?page no="110"?> Kann die Olympische Bewegung ein Studienfach werden? Die sportwissenschaftliche Universitätslandschaft ist durch ein sehr aus‐ differenziertes Lehrprofil in den Gesellschafts- und Lebenswissenschaften geprägt. Lehrveranstaltungen zur Olympischen Bewegung sind in konse‐ kutiv organisierten Bachelor- und Masterstudiengängen als Einzelthemen in übergeordneten Themenbereichen zur Sportgeschichte, -pädagogik und -didaktik angelegt. Einzelne eigenständige Module über die Olympische Bewegung, die über ein Semester und in Ausnahmefällen semesterübergrei‐ fend gelehrt werden, sind mitunter in Bachelor- und Masterprogrammen zu finden, die die Studiengangstitel Sportmanagement, -politik und -ent‐ wicklung führen. Zum sportwissenschaftlichen Kerncurriculum gehört das Thema auf nationaler und internationaler Ebene zumeist nicht, obwohl doch durch die akademische Auseinandersetzung mit den Olympischen Spielen und den Stakeholdern der Bewegung Brücken zu facettenreichen Berufsperspektiven geschlagen werden können. Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahren zunehmend eigene Studiengänge entwickelt, die sich die multi- und interdisziplinäre Wissensvermittlung über die Olympische Bewegung zum Ziel setzen. Hier‐ über soll zur reflektierten Auseinandersetzung mit dem olympischen Sport in seinen Strukturen, institutionellen Netzwerken und seinen Prozessen von Kontinuität und Transformation sowie mit den Handlungsleitlinien zum Thema → Good Governance, den Anti-Doping-Richtlinien, den Konzepten zur Olympischen Erziehung etc. befähigt werden. Zielgruppen für die olympischen Studien, die auch berufsbegleitend durchgeführt werden, sind neben Studierenden Journalist: innen, Sportfunktionär: innen, Trainer: innen; Lehrer: innen, Athlet: innen und Mitarbeiter: innen von Medien- und Sport‐ marketingagenturen. Das IOC unterstützt über das Zentrum für Olympische Studien der OFCH die Einrichtung und Organisation der Studiengänge. Neben finanziellen Subventionen werden Stipendien vergeben, deren Zuweisung und Anzahl sich nach der Bewerberlage von Mitarbeiter: innen richten, die bei NOCs angestellt sind. Im IOC wird betont, dass das Zentrum keinen Einfluss auf den akademischen Hoheitsbereich der Lehrplanung und der Lehrinhalte nimmt. Die Entstehung solcher Studiengänge resultiert zumeist nicht aus bil‐ dungspolitischen Strategieentscheidungen von Universitätsleitungen, viel‐ 110 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="111"?> mehr sind sie durch akademische Vertreter: innen im olympischen Netzwerk entstanden. Auf Führungsebene der Universitäten wird lediglich über die Akkreditierung des jeweiligen Studiengangs und dessen Unabhängigkeit vom zentralen Universitätsbudget entschieden. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum die olympischen Studiengänge durch die interins‐ titutionelle Kooperation zwischen a) Fachbereichen von sportwissenschaft‐ lichen Fakultäten, b) Universitätszentren für Olympische Studien und c) Fachbereichen von sportwissenschaftlichen Fakultäten und der Internatio‐ nalen Olympischen Akademie auf- und ausgebaut worden sind. [SW, TZ] Linktipp | Die olympischen Studiengänge unterscheiden sich hinsicht‐ lich ihrer thematischen Schwerpunktsetzung in der Lehre, dem Studi‐ enprofil als Teil- und Vollzeitstudiengang und ihrer Zielgruppen. Ex‐ emplarisch kann auf drei olympische Masterstudiengänge verweisen werden, die einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad haben: https: / / memos.degree; https: / / www.ioa.org.gr/ list-of-activities/ masters -degree-olympic-studies-olympic-education-organisation-and-manage ment-of-olympic-events; https: / / www.dshs-koeln.de/ olympicstudies. Was sind die Aufgaben des Internationalen Pierre de Coubertin Komitees? Das Internationale Pierre de Coubertin Komitee (IPCC) wurde am 19. Januar 1975 in Lausanne gegründet. Wichtige Initiatoren des privat organisierten Komitees waren Paul Martin und Jacques Guhl; beide kannten Coubertin noch persönlich. Martin war Mediziner und startete als Schweizer im 800-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen, 1924 in Paris, 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1936 in Berlin. Guhl war passionierter Pädagoge und Schriftsteller und hatte in Sion eine Fußballschule gegründet. In Kooperation mit dem französischen Pierre de Coubertin Komitee verfolgten die beiden Schweizer die Idee, die Sichtbarkeit von Pierre de Coubertin als Gründer der Olympischen Bewegung, aber auch als Pädagoge und Erziehungsreformer, zu erhöhen und sein Werk systematisch aufzuarbeiten und international zu verbreiten. 1984 wurde das IPCC vom IOC als IOC recognized organisation anerkannt. Das IPCC Olympismus und Olympische Erziehung 111 <?page no="112"?> darf unter Auflagen die olympischen Ringe im Logo des Komitees und bei Projektaktivitäten nutzen (IPCC o.D.-b). Derzeit besteht das IPCC aus 132 individuellen Mitgliedern, 36 Nationalen Pierre de Coubertin Komitees (NPCCs) und 36 Pierre de Coubertin Schulen. Die NPCCs in Afrika und Lateinamerika haben sich zu den Kontinentalver‐ bänden Centro Latinoamericano de Estudios Coubertinianos und Association of National Pierre de Coubertin Committees of Africa zusammengeschlos‐ sen. Die persönlichen und institutionellen Mitgliedschaften zeigen eine kontinentale Ausdifferenzierung auf, durch die das Wirken des IPCC eine internationale Öffentlichkeitsrichtung erfährt. Dies ist für die Verbreitung der folgenden Hauptziele des Komitees von Bedeutung: 1. Biographische Dokumentation von Coubertin und Beschreibung seines vielfältigen Profils als Historiker, Erziehungsreformer, Wissenschafts‐ journalist, Gründer der Olympischen Bewegung und Präsident des IOC von 1896 bis 1925 2. Detaillierte Analyse seiner Leitideen des Olympismus und deren Rele‐ vanz für die heutige Olympische Bewegung 3. Verbreitung und Anwendung der Werte des Olympismus in sporterzie‐ herischen Kontexten im Schul- und Vereinssport auf nationaler sowie internationaler Ebene Die ersten beiden Ziele werden auf wissenschaftlicher Ebene mit Publika‐ tionen, Vorträgen, Vorlesungen und Konferenzen verfolgt, durch die Cou‐ bertins Wirken in Erziehungskontexten, bei der Gründung der Olympischen Spiele und bei der Ausgestaltung des Olympismus in seinen historischen, gesellschaftlichen, friedenserzieherischen und philosophischen Bezügen aufgearbeitet und analysiert werden soll. Zu diesen Themenfeldern lassen sich auf der Internetseite des IPCC zahlreiche Publikationen finden, die als digitale Volltexte öffentlich zugänglich sind und die heruntergeladen werden können. Wichtige Monographien und Herausgeberwerke sind in mehrere Sprachen übersetzt worden, um die Forschungsergebnisse interna‐ tional verfügbar zu machen (IPCC o.D.-a). Das dritte Ziel wird vorrangig durch die Internationalen Pierre de Cou‐ bertin Jugendforen realisiert, die seit 1997 nahezu alle zwei Jahre und jeweils in einem anderen Land ausgetragen werden. Die Hauptzielgruppe sind Schüler: innen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, die von Lehrkräften der Pierre de Coubertin Schulen betreut bzw. unterrichtet werden. Die NPCCs der jeweiligen Gastgeberländer wie Frankreich, Großbritannien, Schweiz, 112 Olympismus und Olympische Erziehung <?page no="113"?> Italien, Österreich, Tschechien, Griechenland, China, Norwegen, Slowakei, Estland und Deutschland unterstützen das IPCC in der Vorbereitung und Durchführung der fünfbis siebentägigen Veranstaltung. In Workshops, sportpraktischen Trainingseinheiten und Wettkämpfen sollen den Schü‐ ler: innen beim Sporttreiben und in ihrer Übertragung auf den Alltag die Kernwerte des Olympismus Excellence - Friendship - Respect vermittelt werden. Seit dem ersten Jugendforum in Le Havre 1997 haben mehr als 1.200 Schüler: innen von etwa 25 Coubertin-Schulen an der Bildungsveranstaltung teilgenommen. Das IPCC weist mit seinem wissenschaftlichen Profil und den praxisbe‐ zogenen Projekten zum Olympismus einen interessanten Weg auf, um das Wirken von Coubertin nicht nur in der Vergangenheit zu verorten, sondern es auch in der Gegenwart zu verstehen und anzuwenden. Gerade aus diesem Grund heraus genießt das IPCC eine hohe Wertschätzung seitens des IOC (Camps Y Wilant et al. 2022). [SW] Olympismus und Olympische Erziehung 113 <?page no="115"?> Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System Warum nennt sich Lausanne die „Olympische Hauptstadt“? Und wie wird man eigentlich IOC-Mitglied? In diesem Kapitel werden die wich‐ tigsten Organe und Strukturen des IOC dargestellt. Zudem wird das Verhältnis des IOC zu anderen Akteuren der Olympischen Bewegung anhand der „Olympic Charter“ erläutert. <?page no="116"?> Warum ist Lausanne die „Olympische Hauptstadt“? Das schweizerische Lausanne trägt seit 1994 den Titel „Olympische Haupt‐ stadt“. Die Stadt ist der Sitz des IOC, dessen Hauptquartier sich heute im Olympic House am Genfer See befindet. Der Titel wurde Lausanne 1994 anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des IOC verliehen. IOC- Präsident Juan Antonio Samaranch betonte in seiner Festrede die Bedeutung der Stadt als Heimat der Olympischen Bewegung und ihrer Werte (IOC o.D.-b). Bis 1915 befand sich der Hauptsitz des IOC de facto in Paris, wo Pierre de Coubertin - IOC-Präsident ab 1896 - lebte und arbeitete. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 ergab sich für das IOC und Coubertin das Problem, dass die politische Neutralität des IOC gefährdet war, die essenziell für die von Coubertin entworfene Rolle der Organisation als Fürsprecher für internationale Kooperation und Frieden durch sportliche Begegnung war. Coubertins Arbeitsort Paris war Hauptstadt einer Kriegspartei, und mit Berlin sollte die Hauptstadt des wichtigsten Kriegsgegners Deutschland Austragungsort der nächsten Olympischen Spiele 1916 sein ( ↠ Weshalb sind die modernen Olympischen Spiele bereits mehrmals ausgefallen? ). Deswegen entschied Coubertin, den Sitz des IOC in die Schweiz zu verlegen (Chappelet 2023a: 82). Insbesondere die Neutralität der Schweiz war ausschlaggebend für diese Entscheidung. Die Schweiz war darüber hinaus bereits Sitz zahlreicher internationaler Organisationen, wie beispielsweise des Weltpostvereins und des Zentralamts für internationalen Eisenbahnverkehr, und bot diesen in Konkurrenz mit anderen kleineren europäischen Staaten aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül hervorragende Bedingungen (Herren 2020). Auch das → Internationale Friedensbüro, dem unter anderem IOC-Grün‐ dungsmitglied Ferenc Kemény, ein enger Freund Coubertins, angehörte, und weitere Friedensorganisationen befanden sich in der Schweiz (Quanz 1993: 191ff.). Die Entscheidung für Lausanne als künftigen Sitz des IOC - und nicht für Bern oder Genf als bereits etablierte internationale Standorte - ging unter anderem auf den Einfluss des schweizerischen IOC-Mitglieds Godefroy de Blonay zurück, mit dem Coubertin 1908 die Stadt zum ersten Mal besuchte. 1913 organisierte Coubertin den V. Olympischen Kongress an der Universität Lausanne. Am 10. April 1915 verlegte er - ohne weitere IOC- 116 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="117"?> Mitglieder zu konsultieren - den offiziellen Sitz des IOC nach Lausanne (Chappelet 2023a: 82). Im Jahr 1922 konnte das IOC schließlich sein eigenes Hauptquartier in der Villa Mon-Repos beziehen, die zunächst Coubertins Büro, eine bescheidene Verwaltung und Anfänge eines Olympischen Museums beherbergte. 1968 zog das wachsende IOC in eine neue Hauptgeschäftsstelle neben dem Château de Vidy am Genfer See (Olympic Solidarity 2012). 2019 wurde an selber Stelle das aktuelle Olympic House eröffnet, welches den modernen Anforderungen der IOC-Verwaltung genügt und einen Großteil der IOC- Mitarbeiter beherbergt. Bei der Konstruktion legte das IOC großen Wert darauf, Maßstäbe in Bezug auf die Nachhaltigkeit seines neuen Hauptquar‐ tiers zu setzen (IOC o.D.-m). Bedingt durch die Präsenz des IOC haben sich bis heute in Lausanne zahlreiche weitere Organisationen aus Sport und Olympischer Bewegung angesiedelt. Die Stadt ist Sitz des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS), 1984 auf Initiative von IOC-Präsident Samaranch gegründet und bis 1994 durch das IOC und internationale Sportverbände besetzt. Zudem befinden sich in Lausanne die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), die Vereinigung Olympischer Sommer-Sportverbände (ASOIF), die International Testing Agency (ITA) sowie zahlreiche Internationale Sport‐ fachverbände (IFs) und weitere Sportorganisationen, sodass sich die Stadt heute nicht nur als „Olympische Hauptstadt“, sondern auch als Heimat des internationalen Sports versteht. [DQ] Linktipp | Eine Übersicht über die Geschichte des IOC in Lausanne mit Fotos der historischen Stätten findet sich unter: https: / / www.olympics.c om/ ioc/ history/ lausanne. Was sind die Kernelemente der „Olympic Charter“? Das erste Regelwerk des IOC wurde 1908 im „Annuaire olympique“ als „Reglement du CIO“ in französischer Sprache veröffentlicht. Obwohl Pierre de Coubertin zunächst lange gezögert hatte, die Arbeit des IOC in einen formalen Rahmen zu zwingen, wurde die „Olympic Charter“ für ihn bald zu einem wichtigen Werkzeug, um das Primat von „olympischem Recht“ gegenüber den Gesetzen der Nationalstaaten durchzusetzen (Mestre 2023: Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 117 <?page no="118"?> 66). Den Titel „Olympic Charter“ trägt das zentrale Dokument des IOC seit 1978. Es wurde im Lauf der Jahre immer wieder aktualisiert und an die aktuellen Bedürfnisse und Herausforderungen des IOC angepasst (Latty 2024: 7ff.). Die „Olympic Charter“ dient drei grundlegenden Zielen: Erstens fungiert sie als „basic instrument of constitutional nature“ (Olympic Charter 2025: 6); zweitens ist sie die Satzung des IOC; und drittens regelt sie das Verhältnis und die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen dem IOC und den Mitgliedern der Olympischen Bewegung (Olympic Charter 2025: 6). Einleitend fasst die Charta die grundlegenden Prinzipien des Olympismus als einendes Element der Olympischen Bewegung zusammen. Olympismus wird als eine Lebensphilosophie angesehen, die Körper, Wille und Geist umfasst und durch die Kombination von Sport mit Kultur und Erziehung positive Werte fördern soll (Olympic Charter 2025: 8f.) ( ↠ Was prägt das Verständnis des Olympismus heute? ). Das erste Kapitel beschreibt die generelle Struktur der Olympischen Bewegung, der neben dem IOC, den Internationalen Sportfachverbänden (IFs) und den Nationalen Olympischen Komitees (NOCs) auch die Organising Committees for the Olympic Games (OCOGs) sowie die institutionellen und individuellen Mitglieder der IFs und NOCs und weitere vom IOC anerkannte Organisationen angehören. Als Satzung des IOC beschreibt die „Olympic Charter“ in Kapitel 3 die Mission und Rolle des IOC und legt den legalen Status der Organisation, ihre Regeln für Mitgliedschaft und ihre Organe fest. In den Kapiteln 4 und 5 werden die Rechte und Pflichten der IFs und der NOCs beschrieben. Die IFs (Kapitel 3) verantworten die Sportausübung und -entwickung ihrer jeweiligen Sportart und organisieren ihre Sportarten bei den Olympischen Spielen, die NOCs (Kapitel 4) verantworten den (olympischen) Sport in ihren Ländern und entsenden Athlet: innen zu den Olympischen Spielen. Die nationalen Einzelsportverbände werden von den NOCs anerkannt und müssen sowohl der Olympischen Charta als auch den Regeln ihrer IF folgen (Olympic Charter 2025: 55ff.). Im sechsten Kapitel „The Olympic Games“ werden Regularien zu Vergabe, Organisation und Programm der Olympischen Spiele sowie zur Auswahl der Athlet: innen und den Bedingungen von deren Teilnahme festgelegt ( ↠ Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an Olympischen Spielen? ). Das abschließende siebte Kapitel behandelt Sanktionen für Verstöße gegen die „Olympic Charter“, den „World Anti-Doping Code“ (WADC), den 118 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="119"?> „Olympic Movement Code on the Prevention of Manipulation of Competitions“ und andere IOC-Regularien. Sanktionen können durch die IOC-Session, das IOC Executive Board und die Disziplinarkommission gegen IOC-Mitglieder, IFs, NOCs Athlet: innen und Offizielle verhängt werden. Dabei stehen dem IOC Maßnahmen bis hin zur Aberkennung des Status als Mitglied der Olympischen Bewegung oder dem Ausschluss von Olympischen Spielen zur Verfügung ( ↠ Welchen Folgen haben Verstöße gegen die „Olympic Charter“? ) (Olympic Charter 2025: 104ff.). [DQ] Linktipp | Die Olympic World Library stellt die jeweils aktuelle sowie alle historischen Fassungen der „Olympic Charter“ zur Verfügung: https: / / library.olympics.com/ default/ olympic-charter.aspx? _lg=en-GB. Wie wird man Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees? Bei seiner Gründung am 23. Juni 1894 bestand das IOC aus 15 Männern aus zwölf verschiedenen Ländern (Quanz/ Wassong 2023: 40) - hauptsächlich langjährige Weggefährten Pierre de Coubertins, die ihn auf dem langen Weg der Etablierung der modernen Olympischen Bewegung unterstützt hatten ( ↠ Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? ). Das IOC war von Beginn an als „selbst-rekrutierende“ Organisation angelegt - die IOC-Mitglieder sollten bestimmen, wer neu in die Organisation aufge‐ nommen würde. Dabei legte Coubertin Wert auf politische und finanzielle Unabhängigkeit und sozialen Status potenzieller neuer Mitglieder - weshalb das IOC in seinen ersten zwei Dekaden vor allem aus Personen mit einem eu‐ ropäischen, aristokratischen Hintergrund bestand (Krieger/ Wassong 2021: 203f.). Mit der steigenden Bedeutung der IFs nahm das IOC ab den 1920er Jahren auch vereinzelt deren Vertreter auf - ohne allerdings einen formalisierten Prozess zu etablieren. Die Sportbewegung internationalisierte sich im Ver‐ lauf des 20. Jahrhunderts zunehmend und die NOCs und IFs gewannen weiter an Bedeutung. Der Druck auf das IOC, sich einerseits zu internatio‐ nalisieren und die NOCs und IFs - und auch Frauen - stärker einzubinden, mündete in Reformprozessen, die durch die Olympischen Kongresse in Varna 1973 und Baden-Baden 1981 angestoßen wurden ( ↠ Wozu dienen Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 119 <?page no="120"?> Olympische Kongresse? ). 1981 wurden mit der Finnin Pirjo Haggman und der Venezolanerin Flor Isava-Fonseca die ersten Frauen ins IOC gewählt. Auch die Mitsprache der IFs, NOCs und der Athlet: innen wurde gestärkt (Wassong 2021: 20ff.). Mit der IOC-Reform im Jahr 2000 kam es schließlich zu einer einheitlichen formalen Einbindung der letztgenannten Gruppen in das IOC. Seitdem werden die IOC-Mitglieder in zwei Hauptkategorien unterteilt. Die erste Kategorie bilden individuelle IOC-Mitglieder, deren Mitgliedschaft nicht an eine spezielle Funktion oder ein Amt geknüpft ist. Sie müssen laut der „Olympic Charter“ die Mehrheit der Mitglieder stellen, ihre Gesamtzahl darf 70 nicht überschreiten (Olympic Charter 2025: 30). Die zweite Kategorie umfasst insgesamt 45 Mitglieder, im Einzelnen sind das 15 Athlet: innen, 15 Vertreter: innen der NOCs oder von ANOC und ihren Kontinentalverbänden, sowie 15 Vertreter: innen der IFs, der IF-Dachor‐ ganisationen Vereinigung Olympischer Sommer-Sportverbände (ASOIF) und Vereinigung der Olympischen Wintersport-Verbände (AIOWF) oder anderer vom IOC anerkannter Organisationen (Olympic Charter 2025: 37). Kanditat: innen für beide Kategorien können von IOC-Mitgliedern, IFs und NOCs sowie deren jeweiligen Dachorganisationen und anderen vom IOC anerkannten Organisationen vorgeschlagen werden. Auf Empfehlung der „Olympic Agenda 2020“ hat das IOC einen gezielten Rekrutierungsprozess eingeführt, um geeignete Persönlichkeiten zu finden, die für die Arbeit der Organisation notwendige Kenntnisse und Fähigkeiten aufweisen, und dabei gleichzeitig Geschlechtergleichheit und eine geographische Ausgewogenheit innerhalb des IOC sicherzustellen (IOC o.D.-i). Der Frauenanteil im IOC wurde dadurch weiter erhöht und lag 2024 bei 40,6 Prozent (IOC 2025c: 2). Für den Findungs- und Auswahlprozess ist die IOC Members Election Commission zuständig. Sie geht aktiv auf potenzielle Kandidat: innen für die Kategorie der individuellen IOC-Mitglieder zu, Initiativbewerbungen sind allerdings ebenfalls zulässig. Die Vertreter: innen der NOCs und IFs schlägt der/ die IOC-Präsident: in der Kommission nach Beratung mit ANOC, ASOIF und AIOWF vor. Alle Kandidat: innen benötigen für eine Berücksichtigung die Unterstützung von drei IOC-Mitgliedern. Nach einer ersten Evaluation durch die Kommission erstellt deren Vor‐ sitzende: r in Abstimmung mit dem/ der IOC-Präsident: in eine Shortlist, die durch die Election Commission und im Anschluss durch den IOC-Vorstand nochmals überprüft wird, bevor sie der IOC-Session zur Wahl vorgelegt wird (IOC o.D.-i). Die IOC-Mitglieder werden für eine Amtszeit von acht Jahren 120 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="121"?> gewählt und können für weitere vier Jahre wiedergewählt werden, wobei - mit Ausnahmen - eine Altersgrenze von 70 Jahren zu beachten ist (Olympic Charter 2025: 32f.). Eine Besonderheit bilden die 15 Athlet: innen im IOC. Die zwölf im Rahmen der Olympischen Spiele beziehungsweise der Olympischen Win‐ terspiele von den dort teilnehmenden Athlet: innen gewählten Mitglieder der IOC Athletes Commission sowie bis zu drei weitere Athlet: innen aus der Kommission erhalten einen Sitz im IOC (Wassong 2023c: 151f.) ( ↠ Haben ak‐ tive Athlet: innen eine Stimme im Internationalen Olympischen Komitee? ). Die Mitgliederstruktur des IOC ist mittlerweile deutlich internationaler, diverser und professioneller als je zuvor. Trotz der Repräsentanz von Athlet: innen, NOCs und IFs und des modernisierten Rekrutierungsprozesses bleibt das IOC jedoch eine in Mehrheit „selbst-rekrutierende“ Organisation, wobei dem/ der IOC-Präsidenten: in eine Schlüsselrolle bei der Auswahl neuer Mitglieder zukommt. Dies kann einerseits kritisch gesehen werden, bietet aber andererseits den Vorteil einer größeren politischen Unabhängig‐ keit der Organisation. [DQ] Linktipp | Eine Liste der aktuellen IOC-Mitglieder findet sich auf den Webseiten des IOC: https: / / www.olympics.com/ ioc/ members. Was sind die wichtigsten Organe des Internationalen Olympischen Komitees? Die wichtigsten Organe des IOC sind die IOC-Session als Vollversammlung der IOC-Mitglieder und das IOC Executive Board mit IOC-Präsident: in an der Spitze als ausführendes Organ des IOC. Hinzu kommen die IOC- Kommissionen als beratende Instanzen. Die „Olympic Charter“ führt aus: „The Session is the general meeting of the members of the IOC. It is the IOC’s supreme organ. Its decisions are final. An ordinary Session is held once a year. Extraordinary Sessions may be convened by the President or upon the written request of at least one third of the members” (Olympic Charter 2025: 41). Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 121 <?page no="122"?> Vom 19. bis zum 21. März 2025 hielt das IOC seine 144. Session in Costa Navarino (Griechenland) ab, auf der Kirsty Coventry aus Zimbabwe als erste Frau zur IOC-Präsidentin gewählt wurde. Die Befugnisse der Session sind vielfältig. Die wichtigsten sind die Verabschiedung oder Änderung der „Olympic Charter“, die Wahl des/ der Präsidenten: in, die Wahl des Austragungsortes der Olympischen Spiele, die Genehmigung des Jahresberichts und des Jahresabschlusses des IOC sowie die Entscheidung über die Verleihung oder den Entzug der vollen Anerken‐ nung von NOCs, NOC-Dachverbänden, IFs und deren Dachverbänden sowie anderen Organisationen durch das IOC (Olympic Charter 2025: 41f.). Das IOC Executive Board wird in der Olympischen Charta folgendermaßen beschrieben: „The IOC Executive Board consists of the President, four Vice-Presidents and ten other members. The choice of its members will reflect the composition of the Session. At each election, the Session shall see to it that the above-mentioned principle is respected“ (Olympic Charter 2025: 45). Es werden Bedingungen für die Wahl und die Mitgliedschaft im IOC Executive Board festgelegt, von denen die folgenden beiden kritisch sind: Zum einen müssen Kandidat: innen von der Session in geheimer Wahl mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt werden. Zum anderen werden sie für vier Jahre gewählt und dürfen maximal zwei aufeinander fol‐ gende Amtszeiten im Executive Board absolvieren. Der/ Die IOC-Präsident: in wird für acht Jahre gewählt und kann für eine zweite Amtszeit von vier Jahren wiedergewählt werden. Das IOC Executive Board trägt die allgemeine Gesamtverantwortung für die Verwaltung des IOC und die Führung seiner Geschäfte (Olympic Charter 2025: 45ff.). Die IOC-Kommissionen „may be created for the purpose of advising the Session, the IOC Executive Board or the President as the case may be. The President establishes permanent or other standing or ad hoc commissions and working groups whenever it appears necessary“ (Olympic Charter 2025: 50). Dabei wird jede Kommission von einem IOC-Mitglied geleitet. Als Kom‐ missionsmitglieder werden üblicherweise Expert: innen aus den jeweiligen Arbeitsgebieten der Kommissionen sowie Repräsentant: innen von für den Themenbereich relevanten → Stakeholdern berufen (Olympic Charter 2025: 50). Eine besondere Rolle hinsichtlich ihrer Zusammensetzung nimmt die Athletes’ Commission ein, deren Mitglieder mehrheitlich Athlet: innen sind, 122 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="123"?> die von den Teilnehmer: innen der Olympischen Spiele gewählt werden ( ↠ Haben aktive Athlet: innen eine Stimme im Internationalen Olympischen Komitee? ). Die IOC Ethics Commission hat ihre eigenen Statuten, nach denen die IOC-Session die neun Mitglieder der Kommission auf Vorschlag des IOC Executive Board wählt. Von ihnen sind vier IOC-(Ehren-)Mitglieder, darunter ein: e Repräsentant: in der Athletenkommission, und fünf vom IOC und der Sportbewegung unabhängige Persönlichkeiten, von denen eine den Vorsitz hat (IOC 2024c: 119ff.). Der IOC Member Election Commission gehören je mindestens ein Mitglied der Athletes Commission und der Ethics Commission an. [TZ] Wozu dienen Olympische Kongresse? Im Olympischen Kongress versammeln sich auf Einladung des IOC die Vertreter: innen der Mitglieder der Olympischen Bewegung. Die Rolle des Olympischen Kongresses ist - im Gegensatz zur IOC-Session - rein bera‐ tend. Der Olympische Kongress wird durch den/ die IOC-Präsidenten: in auf Beschluss der Session einberufen und vom IOC an einem von der Session bestimmten Ort und Datum organisiert. Der/ Die IOC-Präsident: in führt den Vorsitz und legt das Verfahren fest. Der Olympische Kongress besteht aus IOC-Mitgliedern und Ehrenmitgliedern sowie Repräsentant: innen der IFs und NOCs. Darüber hinaus können Vertreter: innen der vom IOC aner‐ kannten Organisationen sowie Athlet: innen und wichtige Persönlichkeiten eingeladen werden (Olympic Charter 2025: 16). Der erste Olympische Kongress im Jahr 1894, der von Pierre de Coubertin in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Union der französischen Sport‐ verbände organisiert wurde, trug den Titel „Congrès International de Paris pour le Rétablissement des Jeux Olympiques“. Er gilt als Gründungsmoment der Olympischen Bewegung ( ↠ Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? ). Coubertin nutzte die nachfolgenden Olym‐ pischen Kongresse bis 1925 insbesondere, um die Ideen des Olympismus in der Olympischen Bewegung zu diskutieren und zu verankern sowie das Verhältnis von Sport und Gesellschaft zu diskutieren (Müller 1983: 17ff.). Olympische Kongresse haben auch danach immer wieder dazu gedient, zentrale Inhaltsbereiche der Arbeit des IOC zu diskutieren und wichtige Zukunftsorientierungen zu geben. Besonders hervorzuheben ist der Olym‐ pische Kongress von Baden-Baden im Jahr 1981, der eine entscheidende Wei‐ Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 123 <?page no="124"?> chenstellung für die Entwicklung der modernen Olympischen Bewegung darstellte. Die in Baden-Baden angestoßenen Reformen beinhalteten eine Abkehr vom Prinzip des reinen Amateurismus bei den Olympischen Spielen ( ↠ -Warum war das Prinzip des Amateurismus ein Problem für olympische Athlet: innen? ) und waren Grundstein für ein stärkeres Mitspracherecht von Athlet: innen in der Olympischen Bewegung ( ↠ -Haben aktive Athlet: innen eine Stimme im Internationalen Olympischen Komitee? ). Zudem wurden auf der IOC-Session im Anschluss an den Kongress von Baden-Baden die Finanzierung der Olympischen Bewegung neu ausgerichtet ( ↠ Warum wurde das Sponsorenprogramm The Olympic Partner (TOP) programme gegründet? ), Sanktionen gegen Dopingmissbrauch verschärft sowie der Internationale Sportgerichtshof (CAS) gegründet. Auch die Aufnahme der ersten weiblichen Mitglieder ins IOC wurde dort umgesetzt (Krieger/ Was‐ song 2021: 208ff.). Der bisher letzte XIII. Olympische Kongress mit dem Titel „The Olympic Movement in Society“ fand vom 3. bis 5. Oktober 2009 in Kopenhagen (Dänemark) statt und brachte mehr als 1.000 Teilnehmer: innen zusammen (IOC o.D.-w). [DQ] Linktipp | Das IOC bietet auf seiner Webseite per Zeitschiene eine Übersicht über alle bisherigen olympischen Kongresse. Über Links zu den einzelnen Kongressen sind kurze Zusammenfassungen der wesent‐ lichen Inhalte und zum Teil weitere Dokumente abrufbar: https: / / www .olympics.com/ ioc/ olympic-congress. Welche Aufgaben hat die Verwaltung des Internationalen Olympischen Komitees? Die Verwaltung des IOC hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr professionalisiert und sich von einer bürokratisch geprägten Verwaltung zu einem modernen Management entwickelt (Chappelet 2022). Sie unter‐ steht dem/ der IOC-Generaldirektor: in, der/ die auf Vorschlag des/ der IOC- Präsidenten: in vom IOC Executive Board ernannt wird. Dem/ Der Generaldi‐ rektor: in unterstehen Direktor: innen, die jeweils eine oder mehrere Abtei‐ lungen oder Funktionseinheiten leiten. Insgesamt beschäftigt das IOC etwa 700 Personen (IOC o.D.-v) in diversen Berufsfeldern. 124 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="125"?> Die Verwaltung hat die Aufgabe, die IOC-Sessionen sowie die Sitzungen des Exekutivrats vor- und nachzubereiten sowie deren Entscheidungen und die des/ der IOC-Präsidenten: in umzusetzen. Sie unterstützt zudem die Arbeit aller IOC-Kommissionen. Weiterhin ist die Verwaltung für die Kommunikation mit → Stakeholdern innerhalb und außerhalb der Olym‐ pischen Bewegung zuständig, und koordiniert die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele und alle anderen olympischen Veranstaltungen (IOC o.D.-h). Die Abteilung Olympic Solidarity ist für die weltweite Sportförderung des IOC verantwortlich. Die OFCH ist für die Verbreitung des Olympismus durch Kultur und wertebasierte Erziehung zuständig und betreibt das Olympische Museum und das IOC Olympic Studies Centre in Lausanne. Im Bereich Medien und Marketing hat das IOC neben seiner eigenen Marketing-Abteilung drei Unternehmen gegründet: IOC Television and Mar‐ keting Services mit Sitz in Lausanne vertreibt die Fernsehrechte an den Olym‐ pischen Spielen und ist für das Sponsoring verantwortlich. Olympic Broad‐ casting Services (OBS) mit Sitz in Madrid produziert die Fernsehbilder der Olympischen Spiele, der Olympischen Winterspiele und der Olympischen Jugendspiele ( ↠ Was ist das Unternehmen Olympic Broadcasting Services? ). Olympic Channel Services, ebenfalls in Madrid beheimatet, betreibt den 2016 etablierten → Olympic Channel, der durch die ganzjährige Übertragung von weiteren Olympischen Sportveranstaltungen und Dokumentationen das Interesse an der Olympischen Bewegung steigern soll (Chappelet 2022: 82). [TZ] Linktipp | Auf der Website der IOC-Administration findet sich eine aktualisierte Auflistung aller IOC-Abteilungen. Ebenso werden über ei‐ nen Link die Direktor: innen des IOC vorgestellt: https: / / olympics.com/ i oc/ administration. Wie hat sich die Bewerbungssituation um die Ausrichtung Olympischer Spiele entwickelt? Im Laufe der letzten 100 Jahre haben sich die Bewerberlage und der Pro‐ zess einer Kandidatur zur Ausrichtung Olympischer Spiele kontinuierlich verändert. Stellte eine Olympiabewerbung in den ersten Jahren nach der Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 125 <?page no="126"?> Wiedereinführung der Olympischen Spiele zumeist noch ein kleineres Unterfangen dar, oftmals vorangetrieben durch Interessensbekundungen einzelner IOC-Mitglieder und/ oder politisch Verantwortlicher gegenüber Pierre de Coubertin, wurde für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen - der kriegsbedingten kurzen Vorbereitungszeit zum Trotz - erstmals eine ausführlichere Bewerbung inklusive eines umfangreichen Dossiers eingereicht (Kluge 2019: 50). Lange Zeit war in der Olympischen Bewegung gefordert, dass sich eine einzelne Stadt - nicht ein Land wie beispielsweise bei den Fußball-Welt‐ meisterschaften - für die Ausrichtung Olympischer Spiele bewarb, daher entwickelte sich auch der gebräuchliche Begriff „host city“. Die Ausrichtung einzelner olympischer Wettkämpfe an abweichenden Austragungsorten, beispielsweise für die Durchführung der Segelwettbewerbe oder für das olympische Fußballturnier, war gleichwohl möglich. 1991 wurde die Kandidatur für die Durchführung Olympischer Spiele an verschiedenen Austragungsorten in zwei Ländern erlaubt - zunächst aber ausschließlich für Olympische Winterspiele. Seit 2014 besteht diese Möglichkeit auch für die Spiele der → Olympiade (IOC Olympic Studies Centre 2018). Heute ist der Begriff „host“ für den Austragungsort von Olympischen Spielen fest verankert und schließt eine Stadt, Region und/ oder Land ein. Damals wie heute bewerben sich Orte um die Austragung Olympischer Spiele, weil sie darin eine Chance sehen, sich global zu präsentieren. Wäh‐ rend positive Ausstrahlung und Image wohl bei allen Bewerbungen eine zentrale Motivation darstellen, sehen Städte den Nutzen oft auch darin, in ihre Infrastruktur investieren sowie den Tourismus und andere wirtschaft‐ liche Aspekte fördern zu können. Soziale und kulturelle Initiativen sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls bis hin zu Nationalstolz gehen meist einher mit einer Bewerbung. Länder, beziehungsweise deren NOCs, nutzen die Kampagnen jeweils zur Förderung des Sports mittels zielgerichteter Projekte. Die Bedeutung solcher Bewerbungen wird nicht erst durch das heutige mediale Interesse im Vorfeld belegt, sondern spielt seit jeher eine Rolle. Das gesteigerte Interesse an sportlichen Großanlässen seit den 1920er Jahren sowie wirtschaftliche und geopolitische Interessen sind bis heute Einflussfaktoren. Bewerbungen und Kandidaturen blieben jedoch von unlauterer Einfluss‐ nahme und Korruption nicht verschont. Das in diesem Kontext wohl be‐ kannteste Beispiel ist der aufgedeckte Bestechungsskandal um die Vergabe 126 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="127"?> der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002 (Kidd/ Dichter 2012: 1ff.; MacAloon 2012: 4ff.). Dieses Ereignis führte zu tiefgreifenden Reformen ( ↠ Wie hat sich die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert reformiert? ), unter anderem zur Gründung der Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC Ethics Commission) im Jahr 1999 (IOC o.D.-e; IOC 2024c). Solche Herausforderungen, aber auch die gestiegenen Kosten, bewirkten, dass das IOC den Bewerbungsprozess in zahlreichen Schritten reformierte und bis heute stetig weiterentwickelte. Auch wenn die Hürden und Anforderungen gestiegen sind und teilweise ein Rückgang an Bewer‐ bungen zu beobachten ist, haben weltweit Städte und Länder nach wie vor Interesse, sich um die Austragung Olympischer Spiele zu bewerben: „The history of Olympic applications is, despite all low points, a story of success, of which the fathers of the Olympic Movement could not even dream. Were it different, then 119 cities from 41 countries would not have been moved to apply to hold the Games” (Kluge 2019: 58). Kontinuierliche Reformen haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren Transparenz, → Good Governance, Kostenreduktion, Risikominimierung, →-Sustainability und →-Legacy sowie die Vermittlung Olympischer Werte und Ideale stärker in den Fokus gerückt sind. Erste Verbesserungen hin zu einem strukturierteren Bewerbungsprozess mittels eines Fragebogens wurden hingegen bereits in den 1950er und 1960er Jahren unternommen. Ab 1992 wurden verbindlichere Richtlinien und ab der Jahrtausendwende ein zweistufiges Verfahren eingeführt. Dieses beinhaltete eine Interessens‐ bekundung potenzieller Bewerber über ihr NOC an das IOC und in einem zweiten Schritt die Bewerbung als offiziell vom IOC ausgewählte Kandida‐ ten (candidate host cities). Die Reformschritte wurden vom IOC mit der „Olympic Agenda 2020“ (2014) und in den letzten Jahren mit der „New Norm“ verankert (IOC 2014; IOC 2018a). Heute steht das IOC interessierten Städten, Regionen, Ländern und ihren NOCs permanent für einen informellen Austausch zur Verfügung. Dies wird durch zwei ständige Kommissionen (Future Host Commissions), eine für die Spiele der Olympiade und eine für die Olympischen Winterspiele, gewährleistet (Olympic Charter 2024: 74f.). In einer nächsten Phase können die Parteien in einen Continuous Dialogue treten. Diese Phase beinhaltet noch keine finanziellen Verpflichtungen und verbindliche Zusagen; das IOC führt parallel eine Machbarkeitsstudie durch. Wenn sie positiv ausfällt, kann die Future Host Commission des IOC einen Targeted Dialogue als nächste Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System 127 <?page no="128"?> Phase vorschlagen, was einer Bewerbung den Status Preferred Host für wei‐ tere, sehr detaillierte Abklärungen gibt (IOC o.D.-t). Für die abschließende Wahl eines Austragungsortes lädt das IOC Executive Board schließlich die Preferred Hosts zu einer Präsentation vor allen IOC-Mitgliedern ein, die dann in geheimer Abstimmung eine Wahl treffen (IOC 2024d). Mit den neu eingeführten Prozessen kann insbesondere der Besonderheit von Bewerbungen für Olympische Winterspiele besser Rechnung getragen werden. Die Anzahl möglicher Austragungsorte ist aus geographischen und klimatischen Gründen kleiner und die Infrastruktur oft spezialisierter und teurer. Die „Olympic Agenda 2020“ und seit kurzem auch die „New Norm“ wurden teilweise bereits für die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026 angewendet, vollumfänglich für die Wahl der Olympischen Spiele Brisbane 2032 sowie für die Winterspiele French Alps 2030 und Salt Lake City-Utah 2034. Darüber hinaus wurde mit der Schweiz ein Privileged Dialogue für die Olympischen Winterspiele 2038 eröffnet. Ziel ist es, auf die Gegebenheiten eines möglichen Austragungsortes Rücksicht zu nehmen: „The Games adapt to the host - the host does not adapt to the Games” (IOC 2024d: 2). [PW] 128 Das Internationale Olympische Komitee und das olympische System <?page no="129"?> Die Finanzen der Olympischen Bewegung Wie finanzieren sich das IOC und die Olympische Bewegung? In diesem Kapitel werden die wichtigsten Einnahmequellen - Sponsoring und der Verkauf von Übertragungsrechten - in ihrer historischen Entwicklung beschrieben. Zudem werden die Olympic Properties - die bekannten Marken und Symbole der Olympischen Spiele - aus finanzieller und rechtlicher Perspektive erläutert. Es wird detailliert beschrieben, für welche Zwecke die Einnahmen verwendet werden - mit besonderem Augenmerk auf das Olympic Solidarity-Programm des IOC. <?page no="130"?> Wie finanziert sich die Olympische Bewegung? Als führende Institution der Olympischen Bewegung ist das IOC für die Koordination eines Großteils der Finanzflüsse innerhalb dieser Bewegung verantwortlich (IOC 2024t). Als gemeinnützige Vereinigung und Nichtre‐ gierungsorganisation hat das IOC nicht nur die grundlegende Aufgabe, Einnahmen, die ausschließlich aus privatwirtschaftlichen Quellen stammen, zu generieren, sondern auch, diese Mittel auf verschiedene → Stakeholder innerhalb der Olympischen Bewegung zu verteilen (IOC 2024m; IOC 2024t). Aufgrund seiner Rolle in der Bewegung und seiner rechtlichen Form ist es von Bedeutung, sowohl die Einnahmen und deren Quellen als auch die Umverteilung durch das IOC näher zu betrachten. Zwischen 2021 und 2024 betrugen die kommerziellen Einnahmen des IOC 7,7 Milliarden US-Dollar (IOC 2025f). Den größten Anteil macht der Verkauf von Übertragungsrechten aus, der mit etwa 60 Prozent (alle Anteile hier bezogen auf den Zeitraum 2017-2020/ 21) zu den Einnahmen beiträgt ( ↠ -Wie hat sich der Verkauf der Fernsehrechte für die Olympischen Spiele entwickelt? ). Der zweitgrößte Anteil sind Sponsorengelder aus The Olympic Partner (TOP) programme, das 30 Prozent der Einnahmen generiert. Die ver‐ bleibenden 10 Prozent entfallen auf sogenannte „andere Rechte“ und „andere Einnahmen“. Dazu zählen unter anderem Einnahmen aus Aktivitäten der jeweiligen OCOGs, wie nationale Sponsorenverträge, Ticketverkäufe und der Verkauf von Lizenzen für olympische Marken oder Bilder an Drittun‐ ternehmen, die Merchandise und Produkte für die jeweiligen Olympischen Spiele vertreiben. Zusätzlich betreibt das IOC Lizenzprogramme und Part‐ nerschaften mit weltweiten Unternehmen, was zu weiteren Einnahmen führt, die unabhängig von den Olympischen Spielen erzielt werden (Ferrand et al. 2012: 118f.; IOC 2024t: 6ff.). In Bezug auf die Organisation der Olympischen Spiele liegt die finanzielle Verantwortung beim jeweiligen OCOG. Es kann dabei auf zwei unterschied‐ liche Budgets zurückgreifen, auf den Funktionshaushalt (operational budget) für Aktivitäten, die mit der Organisation der Spiele an sich zu tun haben, und den Investitionshaushalt (capital budget) für die Abdeckung der Infra‐ struktur. Einen Großteil des Funktionsbudgets stellt das IOC aus den zuvor genannten Einnahmequellen, während das OCOG für Investitionen weitere Einnahmequellen akquirieren muss (Parent 2021: 178). Historisch betrachtet waren dies häufig staatliche Zuschüsse, jedoch stellte das lokale OCOG der Spiele 1984 in Los Angeles ein neues Modell vor. 130 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="131"?> Nachdem die Olympischen Spiele Montreal 1976 mit über einer Milliarde US-Dollar Mehrkosten ein finanzielles Debakel waren (Wenn 2023: 8f.), setzte das OCOG in Los Angeles bereits bei der Bewerbung für die Spiele auf ein vollkommen privates Finanzierungsmodell. Nach Montreal hielten sich Städte in der Bewerbungsphase für die Spiele 1984 zurück, sodass Los Angeles als einzige realistische Möglichkeit für das IOC in Frage kam. Dies bot dem OCOG die Möglichkeit, mit dem IOC über das neue Modell zu verhandeln, das die finanzielle Verantwortung weg von der Stadt hin zu dem OCOG und dem United States Olympic Committee (USOC) verlagerte. Die Strategie des privaten Komitees, so viel Geld wie möglich durch Kooperationen mit großen Unternehmen zu erwirtschaften und während‐ dessen die Kosten so gering wie möglich zu halten, beispielsweise durch die Nutzung bereits existierender Infrastruktur oder den Einsatz von Eh‐ renamtlichen anstatt von bezahlten Angestellten, verschaffte den Spielen die Bezeichnung „capitalist Olympics“ (Andranovich et al. 2001: 118ff.). Letztlich ging diese Strategie aus finanzieller Sicht auf, denn die Spiele verzeichneten einen Überschuss von 223 Millionen US-Dollar (IOC 2017e). Die Olympischen Spiele in Paris 2024 verzeichneten mit Einnahmen von 4,48 Milliarden Euro und Ausgaben von 4,454 Milliarden Euro im Vergleich dazu nur einen moderaten finanziellen Überschuss (OCOG Paris 2024 2025: 74). [ME] Linktipp | Eine Übersicht über seine Finanzen sowie Finanzberichte zum Download bietet das IOC unter: https: / / www.olympics.com/ ioc/ fin ance. Wie hat sich der Verkauf der Fernsehrechte für die Olympischen Spiele entwickelt? Die Haupteinnahmequelle des IOC ist mit 60 Prozent der Verkauf der Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele. Während Sponsorenun‐ terstützung bereits seit Beginn der modernen Olympischen Spiele eine finanzielle Ressource war (Fujak et al. 2017: 89), spielte der Verkauf der Broadcasting-Rechte wegen der technischen Entwicklung erst im späteren Verlauf der Olympischen Spiele eine Rolle. Die Finanzen der Olympischen Bewegung 131 <?page no="132"?> Das IOC vergab schon vor der Ära des Fernsehens exklusive Rechte an Film- und Bildschaffende (Billings et al. 2018: 17) und auch via Radio wurde bereits von den Olympischen Spielen berichtet. Erste Fernsehbilder von Olympischen Spielen wurden 1936 aus Berlin übertragen. Während damals auf rein lokaler beziehungsweise regionaler Ebene und ausschließlich an öffentlichen Plätzen 138 Stunden Videomaterial der Wettkämpfe gezeigt wurden, ermöglichte die technische Entwicklung bei den Olympischen Spielen London 1948 erstmals Übertragungen in private Haushalte (home television) (Neirotti 2021: 111; Solberg/ Gratton 2013: 147). Zum ersten Mal spielte auch der Verkauf von Übertragungsrechten eine Rolle: Die British Broadcasting Corporation (BBC) bot für die Bilder der Olym‐ pischen Spiele umgerechnet 3.000 US-Dollar - der Scheck über diesen Betrag wurde allerdings nie eingelöst (Wenn 2024: 4). Nach einem Streit zwischen dem OCOG von Melbourne 1956 und amerikanischen und europäischen Fernsehsendern um Entgelte für die Bewegtbilder sicherte sich das IOC 1958 durch die reformierte Regel 49 der „Olympic Charter“ (Olympic Charter 1958: 29f.) die vollständige Kontrolle über die Übertragungsrechte. Bis zu neun Minuten an Fernsehbildern pro Wettkampftag konnten unentgeltlich für Nachrichtensender weltweit zur Verfügung gestellt werden, für jegliches weiteres Bildmaterial mussten Rechte erworben werden. Für die Verhand‐ lungen und den Verkauf der Rechte waren die OCOGs verantwortlich (Wenn 2024: 5f.). Seitdem sind die Einnahmen durch den Verkauf der Fernsehrechte konti‐ nuierlich gestiegen (Wassong 2018: 11) und erreichten bei den Olympischen Spielen Tokio 2020/ 2021 einen Rekordwert von 3,107 Milliarden US-Dollar (IOC 2024t: 22). Diese Entwicklung des Verkaufs von Übertragungsrechten ging einher mit stetig wachsendem Interesse an den Olympischen Spielen, einer steigenden Anzahl involvierter Akteure im Bereich Broadcasting sowie technologischen Innovationen (Fujak et al. 2017: 90f.; Solberg/ Gratton 2013: 147f.). In Bezug auf Letzteres spielten die Jahre nach 2000 eine Schlüsselrolle. Neben traditionellen Übertragungskanälen wie Fernsehen und Radio baute das IOC insbesondere seine digitalen Übertragungswege massiv aus. Mit der ersten Internetübertragung in die USA und Großbritannien im Jahr 2004 setzte das IOC einen wichtigen Meilenstein (Neirotti 2021: 111ff.). Zudem wurden die Verantwortlichkeiten in Bezug auf die Fernsehübertragungen neu geregelt und der Kreis der verantwortlichen Akteure erweitert. 132 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="133"?> Um seine Broadcasting-Ziele, die in den fundamentalen Prinzipien des Olympischen Marketings festgelegt sind, zu erreichen und die damit ver‐ bundenen Aufgaben effizienter zu bewältigen, gründete das IOC zwei Organisationen: die Olympic Broadcasting Services (OBS) und die Television and Marketing Services SA (TMS) (IOC 2024t: 5). TMS, seit 2005 für die Vorbereitung und Umsetzung der Broadcasting-Strategie sowie für die Verhandlungen über Übertragungsrechte zuständig, führt Gespräche mit Rechteinhabern (z.B. Rundfunkanstalten) über Aspekte wie digitale und lineare Rechtepakete, Übertragungsdauer und frei empfangbares Fernsehen (IOC 2005). OBS, gegründet 2001, fungiert als Produzent und ist für die Er‐ stellung und Bereitstellung von Bild-, Ton- und Filmmaterial verantwortlich (Neirotti 2021: 114; Olympic Broadcasting Services o.D.) ( ↠ Was ist das Unternehmen Olympic Broadcasting Services? ). Ein Beispiel für die weiter steigende Nachfrage nach Übertragungsrech‐ ten ist die Entwicklung der Übertragungsstunden der Olympischen Win‐ terspiele: Von den Olympischen Winterspielen Vancouver 2010 (25.000 Stunden) bis Peking 2022 (120.000 Stunden) hat sich die Zahl der übertrage‐ nen Stunden nahezu verfünffacht, während die Reichweite durch digitale Kanäle in derselben Zeitspanne um das Elffache stieg. Ähnliche Entwick‐ lungen sind bei den Spielen der → Olympiade zu beobachten (IOC 2024t: 20). Die Olympischen Spiele Paris 2024 wurden von etwa fünf Milliarden Zuschauer: innen gesehen und konnten 412 Milliarden Interaktionen auf Social Media verzeichnen (IOC 2025e: 101). [ME] Warum wurde The Olympic Partner (TOP) programme für Sponsoren gegründet? Neben dem Verkauf von Übertragungsrechten bildet das Sponsoring die zweite zentrale Säule der Einnahmequellen des IOC. Während die Verbin‐ dung zwischen der Olympischen Bewegung und Unternehmen bereits seit dem 1894 erfolgten Beschluss zur Einführung der modernen Olympischen Spiele eine Rolle spielte (Chappelet 2023c: 790), wurde The Olympic Partner (TOP) programme, das die Partnerschaften und deren Rahmenbedingungen regelt, erst 1985 eingeführt. Die Partnerschaft zwischen dem IOC und globalen Unternehmen ist geprägt durch einen gegenseitigen Austausch: Das IOC erhält sowohl finanzielle Mittel als auch Sach- und Dienstleistungen, die während der Die Finanzen der Olympischen Bewegung 133 <?page no="134"?> Olympischen Spiele und darüber hinaus bereitgestellt werden. Im Gegenzug erhalten die Partner exklusive Rechte, etwa die Nutzung bestimmter Olym‐ pic Properties wie der Olympischen Ringe. Die Einführung dieses Sponsoring-Konzepts lässt sich auf gesellschaftli‐ che, wirtschaftliche und sportliche Entwicklungen ab den 1960er-Jahren zurückführen. Während Sponsoring in dieser Zeit allgemein an Bedeutung gewann, etablierte sich der Wert des Sportsponsorings insbesondere in den 1980er-Jahren - begünstigt durch die zunehmende Popularität von Sportübertragungen im Fernsehen. Gleichzeitig setzte der damalige IOC- Präsident Juan Antonio Samaranch einen starken Fokus auf die Kommer‐ zialisierung der Olympischen Spiele, was durch den finanziellen Erfolg der erstmals rein privat finanzierten Spiele 1984 in Los Angeles zusätzlich bestärkt wurde (Morgan et al. 2016: 106). Die damalige Marketingstrategie des IOC wies jedoch Schwächen auf. Das Sponsoringmodell, das weitgehend von den OCOGs und den NOCs verwal‐ tet wurde, führte zu erheblichen Konflikten zwischen lokalen, nationalen und internationalen Partnern (Burton 2013: 167). Die IOC-Regeln erschwer‐ ten internationale Werbekampagnen, da die Nutzung olympischer Symbole die Zustimmung der jeweiligen lokalen NOCs erforderte. Daher war ein Sponsoring des IOC für internationale Unternehmen - trotz grundsätzlich vorhandenen Interesses - nicht besonders attraktiv (Ferrand et al. 2012: 114). Das IOC zog selbst kaum finanziellen Nutzen aus dem Sponsoring und war stark auf die Einnahmen aus Übertragungsrechten angewiesen. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, forderte IOC-Präsident Samaranch eine Diversifizierung der Einnahmequellen. Um den Bedürfnissen der interna‐ tionalen Unternehmen besser gerecht zu werden, stellte Horst Dassler, der damalige Vorstandschef des Sportartikelherstellers Adidas, dem IOC ein Konzept zur Internationalisierung des Sponsorings vor, das als Grundlage für die Entwicklung des TOP-Programms gilt (Burton 2013: 167). Es stellte sich heraus, dass eine exklusivere Nutzung der Symbole für Unternehmen weitaus attraktiver war (Ferrand et al. 2012: 114). Dieses Prinzip der Exklu‐ sivität, bei dem Unternehmen in ihren Geschäftskategorien als alleinige Sponsoren auftreten dürfen, führte zu einer gesteigerten Zahlungsbereit‐ schaft (Yazdanparast/ Bayar 2021: 5). Heute umfasst das TOP programme 15 internationale Partner aus Bran‐ chen wie Technologie, Kommunikation, Zahlungsverkehr und Lebensmittel. Die OCOGs können für die Olympischen Spiele weiterhin zusätzliche Part‐ nerschaften eingehen (Olympic Games Domestic Sponsorship Programme), 134 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="135"?> deren Umfang aber auf das jeweilige Gastgeberland beschränkt bleibt (IOC 2024t: 10ff.). [ME] Was sind die Olympic Properties? Inhaber von Rechten an geistigem Eigentum in der Sportbranche sind berechtigt, Dritten Lizenzen für die kommerzielle Nutzung ihrer Urheber‐ rechte, Patente, Marken und anderen relevanten geistigen Eigentums zu erteilen (Ferrand et al. 2012: 35; Barbu et al. 2020: 32). Diese Lizenzen ge‐ währen die Erlaubnis, das geistige Eigentum unter bestimmten Bedingungen zu nutzen, ohne das volle Eigentum an diesen Rechten zu übertragen. Unter Olympic Properties versteht man die exklusiven geistigen Eigen‐ tumsrechte, Symbole und Assets, die eindeutig mit den Olympischen Spielen verbunden sind. Diese Güter sind Eigentum des IOC und werden von diesem verwaltet und geschützt, um die einzigartige Identität, Integrität und den kommerziellen Wert der Spiele zu erhalten. Darüber hinaus werden sie auch genutzt, um die offiziellen Sponsoren vor → Ambush Marketing zu schützen (Ferrand et al. 2012: 34). Die Olympic Properties umfassen eine breite Palette von Elementen, die zusammen das visuelle, kulturelle und kommerzielle Wesen der Olympischen Bewegung definieren. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Schaffung der weltweiten Anerkennung und des Prestiges, das die Olympischen Spiele heute genießen, sowie bei der Generierung von Einnahmen durch Partnerschaften und Sponsoring (Olympic Charter 2025: 18). Das IOC ist Eigentümer aller Rechte an den Olympischen Spielen und den in Artikel 7 der „Olympic Charter“ beschriebenen Olympic Properties, die das Potenzial besitzen, Einnahmen für diese Zwecke zu generieren. Dieses geistige Eigentum umfasst die folgenden visuellen, kulturellen und kommerziellen Aspekte: ■ das olympische Symbol ■ die olympische Flagge ■ das olympische Motto ■ die olympischen Embleme ■ die olympische Hymne ■ das olympische Feuer und olympische Fackeln Die Finanzen der Olympischen Bewegung 135 <?page no="136"?> ■ Olympic designations (alle visuellen oder akustischen Darstellungen im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen oder der Olympischen Bewegung) (Olympic Charter 2025: 20f.) Das olympische Symbol - die fünf ineinandergreifenden Ringe - ist zusätz‐ lich durch einen internationalen Vertrag geschützt: Der „Vertrag von Nairobi über den Schutz des olympischen Symbols“ ist ein internationales Abkom‐ men, das die ausschließliche Verwendung des olympischen Symbols durch das IOC und seine autorisierten Partner sicherstellen und gewährleisten soll (WIPO 1981: 1). Der Vertrag wurde am 26. September 1981 geschlossen und ist bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) registriert. Mit 56 Unterzeichnern im Jahr 2024 ist das IOC die einzige internationale Sportor‐ ganisation, deren rechtlicher Schutz von geistigen Eigentumsrechten durch einen gesonderten multilateralen Vertrag garantiert wird (Iasechko et al. 2022: 6). Eine besondere Konstellation hinsichtlich der Nutzung der Olympic Properties besteht mit dem United States Olympic and Paralympic Committee (USOPC) (Ferrand et al. 2012: 42). Während andere NOCs diese Symbole gemäß der „Olympic Charter“ im Allgemeinen für kommerzielle Zwecke nutzen können, gewährt in den USA der 1978 verabschiedete „Amateur Sports Act“ dem USOPC und nicht dem IOC das ausschließliche Eigentum an den olympischen Ringen und mit diesen verbundenen Marken. Das IOC muss seitdem mit dem USOPC gesonderte Vereinbarungen in Bezug auf deren Nutzung schließen. Das USOPC erhält daher einen festen Anteil an den Einnahmen des IOC aus dem TOP programme und den IOC-Fernseh‐ verträgen (Wenn 2024: 8ff.). Der Bestand dieser Sonderregelung ist darauf zurückzuführen, dass die USA ein wichtiger Markt für das Sponsoring sind, der erhebliche finanzielle Erträge abwirft (Chappelet/ Kübler-Mabbott 2008: 53). [ JD] Wie werden die Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees verteilt? Das IOC nutzt seine Einnahmen, um den globalen Sport zu fördern, die Durchführung der Olympischen Spiele zu unterstützen und die Entwicklung von Athlet: innen weltweit zu ermöglichen. Ein Großteil der Einnahmen wird zu diesem Zweck an weitere Akteure der Olympischen Bewegung verteilt. Das geschieht in Bezug auf die wichtigsten Einnahmequellen mit 136 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="137"?> festgelegten Verteilungsschlüsseln. Die Gewinne aus der Durchführung Olympischer Spiele, inklusive der Erlöse aus den Übertragungsrechten, werden nach Abzug aller Kosten gleichmäßig zwischen den NOCs, den IFs und dem IOC verteilt. Die Verteilung weiterer Erlöse aus dem TOP programme wird zwischen den wichtigsten Akteuren der Olympischen Bewegung entsprechend ausgehandelt (IOC 2025b: 15, 50). Im Folgenden wird die Verteilung anhand des IOC-Finanzberichts 2024 (IOC 2024m; IOC 2025b) exemplarisch dargestellt. Es ist zu beachten, dass durch den Rhythmus der Olympischen Spiele Einnahmen und Ausgaben über vier Jahre schwanken - in Jahren mit Spielen der → Olympiade sind die Einnahmen, aber auch die Ausgaben normalerweise am höchsten. Daher wird stellenweise auch auf Zahlen aus Vierjahreszeiträumen zurückgegrif‐ fen, um die Angaben in Relation zu setzen. Im Vierjahreszeitraum 2021 bis 2024 betrugen die Gesamteinnahmen des IOC 7,7 Milliarden US-Dollar (IOC 2025f). Im Jahr 2024 wurden dabei Einnahmen in Höhe von 4,414 Milliarden US-Dollar erzielt. Davon wurden 3,291 Milliarden (74,5 Prozent) für die Organisation der Olympischen Spiele und zur Unterstützung der Olympischen Bewegung ausgegeben. 4,4 Prozent der Ausgaben entfielen auf Verwaltungskosten des IOC selbst, 21 Prozent (927 Millionen US-Dollar) wurden als Gewinn ausgewiesen. Im Durchschnitt über vier Jahre investiert das IOC nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der Einnahmen in die Olympischen Spiele und die Olympische Bewegung, bei einem Verwaltungsaufwand von zehn Prozent (IOC 2024m: 162). Die wichtigsten Ausgaben und Unterstützungszahlungen des IOC verteil‐ ten sich 2024 wie folgt: ■ Organisationskomitees der Olympischen Spiele (OCOGs) - 1,28 Milliarden US-Dollar: Ein erheblicher Teil der Einnahmen wurde an die OCOGs weitergegeben, um die Durchführung der Olympischen Spiele zu finanzieren. Im Jahr 2024 wurden 1,05 Milliarden US-Dollar an das OCOG Paris 2024 überwiesen, das gestreckt über mehrere Jahre insgesamt mit 1,2 Milliarden US-Dollar unterstützt wurde (Paris Organising Committee for the Olympic and Paralympic Games 2024 2025: 74). Knapp 8 Millionen US-Dollar gingen an das OCOG Mailand- Cortina d’Ampezzo 2026, das OCOG Los Angeles 2028 erhielt bereits 15 Millionen US-Dollar (IOC 2025b: 50). ■ Internationale Sportverbände (IFs) und Nationale Olympische Komitees (NOCs) - 1,45 Milliarden US-Dollar: Die IFs erhielten zur Die Finanzen der Olympischen Bewegung 137 <?page no="138"?> Förderung des Sports und zur Athlet: innenentwicklung Mittel in Höhe von 590 Millionen US-Dollar, den NOCs wurden 536 Millionen US-Dollar überwiesen. An das USOPC wurde wegen seiner Rechte an den Olympic Properties auf dem Gebiet der USA eine gesonderte Zahlung von 321 Millionen US-Dollar abgeführt (IOC 2025b: 50). ■ Olympische Spiele und Youth Olympic Games - 733 Millionen US- Dollar: 708 Millionen US-Dollar wurden für interne Kosten des IOC im Zusammenhang mit der Organisation der Olympischen Spiele aus‐ gegeben. Einen Großteil dieser Kosten machten mit 437 Millionen US- Dollar die Produktionskosten der Fernsehübertragung der Olympischen Spiele aus. 25 Millionen US-Dollar wurden für die Youth Olympic Games verwandt (IOC 2025b: 47f.). ■ Promotion der Olympischen Bewegung - 230 Millionen US-Dol‐ lar: Die Ausgaben des IOC für die Visibilität der Olympischen Bewegung betrugen 230 Millionen US-Dollar (IOC 2025b: 4). Hauptkostenpunkt war hierbei der Betrieb des →-Olympic Channel. ■ Olympic Solidarity - 117 Millionen US-Dollar: Für das Olympic Solidarity-Programm wurden 117 Millionen US-Dollar aufgewendet (IOC 2025b: 4). Für die Jahre 2025 bis 2028 erhält Olympic Solidarity ein Budget von 650 Millionen US-Dollar über vier Jahre. ■ Unterstützung weiterer Organisationen der Olympischen Bewe‐ gung und des Weltsports - über 31,5 Millionen US-Dollar: Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wird zu 50 Prozent vom IOC finan‐ ziert. 2024 belief sich diese Unterstützung auf einen Betrag von 20,4 Mil‐ lionen US-Dollar. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) wurde mit 9,1 Millionen US-Dollar alimentiert, das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mit zwei Millionen US-Dollar. Darüber hinaus wurden weitere vom IOC anerkannte Organisationen unterstützt (Perelman 2025). Die Ausgaben des IOC zeigen die Schlüsselrolle, die die Erträge des IOC und der Olympischen Spiele für die Finanzierung der Olympischen Bewegung und die Sportentwicklung weltweit spielen. Die Finanzmittel sind insbeson‐ dere für die IFs und NOCs wichtig, um eigenverantwortlich ihre Aufgaben bei der Entwicklung von Sport und Athlet: innen zu erfüllen. Mithilfe seiner eigenen Programme - insbesondere Olympic Solidarity - und der Förderung von Organisationen wie der WADA kann das IOC sportpolitische Akzente 138 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="139"?> setzen und die Verbreitung der olympischen Werte sowie von → Good Governance, Gleichstellung und Inklusion aktiv fördern. [DQ] Wozu dient das Olympic Solidarity-Programm? Der Vorläufer von Olympic Solidarity, das Committee for International Olym‐ pic Aid (CIOA), wurde 1962 durch das IOC gegründet. Offizielles Ziel war es, die vielen mit Ende des Kolonialismus neu gegründeten NOCs insbesondere in Afrika zu unterstützen (Miró 2022). Möglicherweise war auch die durch den Kalten Krieg bedingte Konkurrenz zwischen westlichen Staaten und der Sowjetunion um Einfluss im IOC ein Beweggrund für den Aufbau der Organisation (Henry/ Al-Tauqui 2008). Zu Beginn war das CIOA noch mit einem sehr kleinen Budget ausgestattet. Unter IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch erhielt es schließlich 1981 seine heutige Form und überdies mehr finanzielle Mittel. Laut „Olympic Charter“ besteht das Hauptziel von Olympic Solidarity darin, die NOCs bei Programmen zur Entwicklung von Athlet: innen zu un‐ terstützen. Der Schwerpunkt soll hierbei auf der Unterstützung derjenigen NOCs liegen, die diese am dringendsten benötigen (Olympic Charter 2025: 16). Die Programme von Olympic Solidarity sollen dabei zu folgenden Teilzie‐ len beitragen: ■ Förderung der grundlegenden Prinzipien des Olympismus ■ Unterstützung der NOCs bei der Aufgabe, Athlet: innen und Mannschaf‐ ten auf die Olympischen Spiele vorzubereiten ■ Steigerung des technischen Sportwissens von Athlet: innen und Trai‐ ner: innen, auch in Kooperation mit NOCs und IFs unter anderem durch Stipendien ■ Ausbildung von Sportadministrator: innen ■ Zusammenarbeit mit anderen Organisationen insbesondere im Bereich der Olympischen Erziehung und bei Initiativen zur Förderung des Breitensports ■ Schaffung von einfachen und ökonomischen Sportstätten in Koopera‐ tion mit nationalen oder internationalen Institutionen ■ Unterstützung von NOCs bei der Durchführung nationaler, regionaler und kontinentaler Sportwettbewerbe und der Vorbereitung auf diese Wettbewerbe Die Finanzen der Olympischen Bewegung 139 <?page no="140"?> ■ Unterstützung von bi- und multilateralen Kooperationen zwischen NOCs ■ Lobbying für den Einbezug von Sport in staatliche Entwicklungszusam‐ menarbeit ■ Unterstützung von geflüchteten Athlet: innen (Olympic Charter 2025: 17) Die Leitlinien für die Arbeit von Olympic Solidarity werden von der Olym‐ pic Solidarity Commission des IOC festgelegt und vom Olympic Solidarity international office in Lausanne in Zusammenarbeit mit fünf bei den Konti‐ nentalverbänden der NOCs ansässigen Büros sowie der ANOC umgesetzt (IOC Olympic Solidarity 2024: 34f.). 2023 hatte das Olympic Solidarity-Programm ein Budget von etwas über 130 Millionen US-Dollar. Rund die Hälfte des Budgets (67,4 Millionen USD) wurde für die weltweite Förderung der Olympischen Bewegung (World Programmes) ausgegeben, regionale Programme auf allen Kontinenten (Con‐ tinental Programmes) wurden mit 54 Millionen US-Dollar gefördert, auf Verwaltung und technische Services entfielen unter zehn Prozent. Innerhalb der World Programmes von Olympic Solidarity gibt es fünf För‐ derschwerpunkte: Über das Olympic Games Universality Programme wurden insgesamt 20,4 Millionen US-Dollar als Stipendien an Athlet: innen und Mannschaften für die Olympischen Spiele Paris 2024 und die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026 vergeben. Unter anderem kommen Stipendien dem IOC → Refugee Olympic Team ( ↠ Seit wann gibt es das Refugee Olympic Team und wie werden Athlet: innen dafür nominiert? ) zugute. 16,2 Millionen US-Dollar kamen über Sportentwicklungsprogramme Athlet: innen zugute, 7,9 Millionen wurden über Entourage-Programme in Coaching-Fortbildungen und die Unterstützung von Athlet: innenorganisa‐ tionen investiert (IOC 2024m: 47ff.). Mit 15,3 Millionen US-Dollar wurde die Organisationsentwicklung von NOCs gefördert (capacity building) - ein strategischer Schwerpunkt von Olympic Solidarity. Dies beinhaltete die Stärkung der administrativen Prozesse, die Förderung von → Good Gover‐ nance und Gleichstellung, aber auch spezifische Themenschwerpunkte wie zum Beispiel die Einführung von Safe Sport-Beauftragten in NOCs (Olympic Solidarity, NOC Relations and Olympism365 2024: 27ff.). 7,8 Millionen US-Dollar wurden über das Olympic Values-Programm in die Stärkung der Olympischen Werte innerhalb der Olympischen Bewe‐ gung investiert (IOC 2024m: 47ff.). Dies geschah über Programme wie 140 Die Finanzen der Olympischen Bewegung <?page no="141"?> Olympism365 und den Olympic Day, über Fortbildungen an der IOA sowie Stipendien für Fortbildungen und Studienprogramme (Olympic Solidarity, NOC Relations and Olympism365 2024: 34ff.) - wie beispielsweise den von der Deutschen Sporthochschule Köln angebotenen M.A. Olympic Studies (Deutsche Sporthochschule Köln o.D.). Für den Zeitraum von 2025 bis 2028 wurde das Budget von Olympic Solidarity um zehn Prozent auf 650 Millionen US-Dollar für vier Jahre erhöht. Ein besonderes Augenmerk soll in diesem Zeitraum auf die Förderung afri‐ kanischer Athlet: innen im Vorfeld der Summer Youth Olympic Games Dakar 2026 gelegt werden. Außerdem sollen zusätzliche Stipendien für geflüchtete Athlet: innen bereitgestellt werden. Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Organisationsentwicklung von NOCs. Insbesondere über das Programm Olympism365 sollen NOCs weitere Möglichkeiten geboten werden, auf lokaler und regionaler Ebene den Beitrag des Sports zu den → Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN) zu stärken (IOC Olympic Solidarity 2024: 8). Diese Schwerpunkte machen deutlich, dass Olympic Solidarity dem IOC über die Förderung von Athlet: innen hinaus insbesondere durch die Or‐ ganisationsentwicklung von NOCs ein sportpolitisches Instrument bietet, um die in den Reformprogrammen „Olympic Agenda 2020“ und „Olympic Agenda 2020+5“ gesetzten strategischen Ziele auf internationaler Ebene zu verwirklichen und Prinzipien der Good Governance in den NOCs durch langfristige Reformprogramme durchzusetzen ( ↠ Wie hat sich die Olympi‐ sche Bewegung im 21. Jahrhundert reformiert? ). [DQ] Linktipp | Auf der Webseite von Olympic Solidarity finden sich Berichte zu aktuellen Projekten, zur Geschichte des Programms sowie Links zu Berichten und dem „Olympic Solidarity Plan 2025-2028“: https: / / www.ol ympics.com/ ioc/ olympic-solidarity. Die Finanzen der Olympischen Bewegung 141 <?page no="143"?> Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik Olympische Spiele in Zeiten von Kriegen? Wie umgehen mit NOCs, in deren Ländern Menschen diskriminiert und verfolgt werden? Im fol‐ genden Kapitel werden Fragen zur Handlungsfähigkeit der Olympi‐ schen Bewegung erörtert, wenn das olympische Ideal der Völkerver‐ ständigung und des Friedens auf politische Realitäten trifft, die von Spaltung, Gewalt und bewaffneten Konflikten geprägt sind. <?page no="144"?> Weshalb sind die modernen Olympischen Spiele bereits mehrmals ausgefallen? Während in der Antike der olympische Festfriede die Durchführung der Olympischen Spiele auch trotz und während Kriegen sicherte ( ↠ -Was war die Ekecheiria und welche Bedeutung hatte sie? ), sind die modernen Olym‐ pischen Spiele wegen der beiden Weltkriege schon dreimal ausgefallen. Zum ersten Mal 1916: Bei der 1912 erfolgten Wahl des Austragungsorts der nächsten Olympischen Spiele durch das IOC hatte Berlin das Rennen gemacht, erstmals sollte einer deutschen Stadt die olympische Gastgeber‐ rolle zuteilwerden. Der Deutsche Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS) machte sich daraufhin an die Arbeit, als Generalsekretär des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele Berlin 1916 wurde der aufstrebende deutsche Sportgestalter Carl Diem angestellt. Mit dem am 8. Juni 1913 eingeweihten „Deutschen Stadion“ im Berliner Grunewald war nach einer Bauzeit von nur 200 Tagen die zentrale Wettkampfstätte für die Olympischen Spiele Berlin 1916 geschaffen worden. Zudem konzentrierte sich der DRAfOS auf die professionelle Vorbereitung der deutschen Olym‐ piamannschaft, wollte man doch beim „Heimspiel“ möglichst erfolgreich abschneiden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 führte jedoch zum Abbruch der Vorbereitungen auf die anstehenden Olympischen Spiele. Mit fortlaufender Kriegsdauer zerschlugen sich auch die anfangs noch beste‐ henden Hoffnungen, die Spiele nach einem baldigen Friedensschluss doch noch durchführen zu können. Im Januar 1916 wurde der Ausfall der Olym‐ pischen Spiele endgültig zur Gewissheit, offiziell abgesagt wurden sie indes nicht - die Realität des Ersten Weltkriegs machte die Durchführung des Weltsportfests schlicht unmöglich (Molzberger 2016b). Bereits 1915 hatte Pierre de Coubertin aus Sorge vor einer deutschen Inanspruchnahme des Präsidentenamts den Sitz des Internationalen Olympischen Komitees von Paris nach Lausanne und damit in die neutrale Schweiz verlegt ( ↠ -Warum ist Lausanne die „Olympische Hauptstadt“? ). Da er sich zudem für das französische Militär engagierte, beauftragte er mit dem Schweizer Godefroy de Blonay den bisherigen Vizepräsidenten, die IOC-Geschäfte während des Kriegs zu übernehmen (Kluge 1997: 387). Dem Zweiten Weltkrieg fielen die Olympischen Spiele gleich zweimal zum Opfer: Bei der IOC-Session 1936 in Berlin war Tokio zum Gastgeber der nächsten Olympischen Spiele gewählt worden. Wegen des Zweiten 144 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="145"?> Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937-1945) gab das japanische NOC das Austragungsrecht jedoch 1938 an das IOC zurück. Daraufhin beauftragte dieses das finnische Helsinki, das bei der Wahl 1936 unterlegen gewesen war und sich angesichts des Kriegs in Asien bereits als Ersatzkandidat angeboten hatte, mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele 1940 (Kluge 1997: 926f.). Der Zweite Weltkrieg als Folge des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 führte jedoch zum Ausfall der Olympischen Spiele Helsinki 1940. Auch die im Sommer 1939 an London vergebenen Spiele von 1944 konnten nicht ausgetragen werden. Die Ausfälle betrafen zudem die angedachten Olympischen Winterspiele dieser Jahre. So hatten die ursprünglich für 1940 vorgesehenen japanischen Gastgeber nach dem an Tokio erfolgten Zuschlag dem IOC Sapporo als Ausrichterstadt für die Olympischen Winterspiele 1940 vorgeschlagen und waren damit auf Zustimmung gestoßen. Von der kriegsbedingten Rückgabe des Austragungsrechts im Jahr 1938 war neben Tokio dann aber auch das im Norden Japans gelegene Sapporo betroffen. Als Ersatzkandidaten für die Olympischen Winterspiele 1940 bestimmte das IOC daraufhin das schweizerische St. Moritz. Die Frage, ob - wie von den schweizerischen Gastgebern gewünscht - Skilehrer bei den Olympischen Winterspielen an den Start gehen dürfen sollten, führte jedoch zum Streit zwischen dem IOC, das in den Skilehrern Profis sah, und dem Schweizeri‐ schen Olympischen Komitee (SOC) - und zu einem Unikum in der olympi‐ schen Geschichte: Am 9. Juni 1939 entzog das IOC St. Moritz schlichtweg das Austragungsrecht für die Olympischen Winterspiele 1940 (Kluge 1994: 86f.). Gleichzeitig wurde mit Verweis auf die knappe Vorbereitungszeit das sich anbietende Garmisch-Partenkirchen als Gastgeberstadt von 1936 beauftragt, die Olympischen Winterspiele 1940 erneut auszurichten - den antisemiti‐ schen Pogromen 1938 in Deutschland und der aggressiv-expansiven NS- Politik der Vorjahre zum Trotz. Diese Pläne scheiterten jedoch ebenfalls, die Organisatoren im mittlerweile Krieg führenden Deutschland gaben die olympische Gastgeberrolle am 22. November 1939 an das IOC zurück (Kluge 1994: 89f.). Auch die Olympischen Winterspiele von 1940 und 1944 - als Austra‐ gungsort war 1939 das italienische Cortina d’Ampezzo gewählt worden - fanden kriegsbedingt nicht statt. Die Arbeit des IOC konnte während des Zweiten Weltkriegs nur rudimentär stattfinden. [AM] Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 145 <?page no="146"?> Unter welchen Umständen fanden die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland statt? Mit der 1931 erfolgten Wahl Berlins zur Ausrichterstadt der Olympischen Spiele 1936 wähnten sich die deutschen Sportoffiziellen um Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA) und seit 1924 IOC-Mitglied, sowie DRA-Generalsekretär Carl Diem am Ziel: Nach dem kriegsbedingten Ausfall von 1916 sollten die Olympischen Spiele nun erstmals in der deutschen Hauptstadt ausgetragen werden. Die ursprünglichen Pläne für die Ausrichtung des Weltsportfests fielen angesichts der schlechten Wirtschaftslage bescheiden aus. Am 24. Januar 1933 konstituierte sich das Organisations-Komitee für die XI. Olympiade [sic! ] Berlin 1936 mit Lewald als Vorsitzendem und Diem als hauptamtlichem Generalsekretär. Mit der nur wenige Tage später erfolgten Machtübernahme der Nationalsozialisten standen die Berliner Spiele aber erneut in Frage. Denn die neuen Machthaber hatten sich in den Vorjahren als entschiedene Gegner der internationalen Olympischen Bewegung mit ihrem Ideal der Völkerverständigung erwiesen. Als Reichskanzler erkannte Adolf Hitler in den Olympischen Spielen jedoch bereits im März 1933 die große Chance zur Selbstdarstellung des nationalsozialistischen Deutschlands. Planung und Durchführung der Spiele wurden daraufhin zur „nationalen Aufgabe“ erklärt und üppig finanziert. Unter der Leitung von Werner March und Walter March entstand das mehr als 130 Hektar große „Reichssportfeld“ mit dem nach dem Abriss des „Deutschen Stadions“ an gleicher Stelle neu errichteten, für 100.000 Zuschauer konzipierten Olympiastadion im Zentrum (Molzberger et al. 2018: 119). Die Machthaber unterstützten zudem auch das bereits 1932 geäußerte deutsche Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele von 1936. Im Rahmen der IOC-Session 1933 in Wien wurden daraufhin Garmisch und Partenkirchen - 1935 zur Doppelgemeinde vereint - als Austragungs‐ orte gewählt (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1933: 6). In Folge gründete sich das Organisationskomitee für die IV. Olympischen Winterspiele mit dem deutschen IOC-Mitglied Karl Ritter von Halt an der Spitze. Zudem gehörten „Reichssportführer“ Hans von Tschammer und Osten sowie Diem und Lewald zum Vorstand. Wie in Berlin, wo Hitler 1934 die Schirmherrschaft über das Organisationskomitee übernahm, beließen die Nationalsozialisten Lewald - von der NS-Presse zuvor über viele Jahre als „Halbjude“ diffamiert - und den vormals ebenfalls kritisierten Diem aus tak‐ 146 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="147"?> tischen Gründen im Amt, weil man auf ihre Kontakte und Sachkompetenz angewiesen war. Darüber hinaus wollte man gegenüber dem Ausland das Bild eines seriösen (Sport-)Deutschlands erzeugen. Auch für die Errichtung der erforderlichen Wintersportstätten konnten die Organisatoren fortan auf Reichsmittel zurückgreifen. Die aggressiv antisemitische Politik der Nationalsozialisten löste aller‐ dings bereits 1933 eine internationale Boykottdiskussion aus, vor allem in den USA. Die deutschen IOC-Mitglieder Lewald und von Halt garantierten dem IOC jedoch die Einhaltung der olympischen Regeln (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1934: 8ff.). Als nach der Verabschiedung der antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ 1935 der internationale Protest gegen das deutsche Regime nochmals anwuchs, erwirkte IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour ein Treffen mit Hitler, der ihm die Einhaltung der olympischen Regeln zu‐ sicherte. Nach einem knappen Votum in den USA im Dezember 1935 für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 scheiterte die internationale Boykottbewegung. Vor allem der einflussreiche Sportfunktionär und spätere IOC-Präsident Avery Brundage hatte sich für das Entsenden des US-Teams nach Berlin ausgesprochen (Bernett/ Teichler 1999: 137f.). Um die Durchführung der Olympischen (Winter-)Spiele 1936 nicht zu gefährden, untersagten die Machthaber sowohl für Garmisch-Partenkirchen als auch für Berlin antisemitische und rassistische Anfeindungen in der deutschen Presse und im öffentlichen Raum. Mit dem Eishockeyspieler Rudi Ball und der Fecht-Olympiasiegerin (Florett) von 1928, Helene Mayer, wurden zudem bewusst ein Athlet und eine Athletin für das deutsche Olym‐ piateam nominiert, die laut NS-Jargon als „Halbjuden“ galten. Mit diesen Entscheidungen sollte die politische Realität der NS-Diktatur während der Spiele vor ausländischen Beobachter: innen verborgen werden (Molzberger et al. 2018: 119). Große Teile der Sportwelt erlagen 1936 dann auch der Illusion eines die Menschenrechte achtenden, friedliebenden Deutschlands. Vom 6. bis 16. Februar 1936 konnten die Zuschauer: innen in Garmisch-Partenkirchen perfekt organisierte Wettkämpfe erleben, an denen 755 Sportler: innen aus 28 Ländern teilnahmen (Kluge 1994: 68). Bei den Olympischen Spielen, die vom 1. bis zum 16. August 1936 in Berlin stattfanden und in deren Vorfeld erstmals der olympische Fackellauf durchgeführt worden war ( ↠ Wie ist der olym‐ pische Fackellauf entstanden und welche Bedeutung hat er? ), gingen nahezu 4.000 Athletinnen und Athleten aus 49 Ländern an den Start - mehr als jemals zuvor (Kluge 1997: 792). Spitzenleistungen wie die des US-amerikani‐ Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 147 <?page no="148"?> schen, vierfachen Olympiasiegers Jesse Owens und spannende Wettkämpfe begeisterten das Publikum. Zur Freude der heimischen Zuschauer: innen gewann das deutsche Team die meisten Medaillen. Darüber hinaus setzten die perfekte Organisation, hervorragend konzipierte Wettkampfstätten, eine beeindruckende Inszenierung und nicht zuletzt modernster Medieneinsatz - das Fernsehen feierte Premiere bei den Olympischen Spielen - neue Maßstäbe (Molzberger et al. 2018: 119). Dennoch zeigen die internationalen Pressestimmen zu den Berliner Spie‐ len, dass es sehr wohl Menschen gab, die hinter die von der NS-Diktatur bewusst erzeugte Fassade des glanzvollen Weltsportfests blickten und kri‐ tisch über die wahren Zustände im nationalsozialistischen Deutschland berichteten (Bernett/ Teichler 1999: 153f.). [AM] Was war die Querelle d’allemand? Nachdem die Olympischen Spiele von 1940 und 1944 dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen waren, setzten sich der 1946 zum IOC-Präsidenten gewählte Schwede J. Sigfrid Edström - kommissarisch bereits seit 1942 im Amt - und die IOC-Mitglieder für die Wiederbelebung der Olympischen Bewegung ein. Ein Jahr nach Kriegsende erhielten die Bewerberstädte St. Moritz und London den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen (Winter-)Spiele 1948. Eine deutsche Mannschaft war 1948 noch nicht wieder am Start. Für die Sowjetische Besatzungszone galt zu dieser Zeit die politische Linie der UdSSR, wonach die Olympischen Spiele „bourgeois“ seien und daher eine Teilnahme nicht erstrebenswert sei. Für die Sportfunktionäre in den westlichen Besatzungszonen war die Wiederaufnahme in die Olympische Bewegung hingegen erklärtes Ziel. Der 1947 neu gegründete Deutsche Olympische Ausschuss wurde vom IOC jedoch nicht anerkannt. Die „Rück‐ kehr nach Olympia“ wurde erst mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland möglich, nachdem im Rahmen der Bundesfeier in Bonn am 24. September 1949 das deutsche Nationale Olympische Komitee gegründet worden war. Erster Präsident wurde Herzog Adolf Friedrich zu Mecklen‐ burg, 1951 übernahm Karl Ritter von Halt, der wegen seiner Tätigkeiten in der NS-Diktatur von den Sowjets von 1945 bis 1950 inhaftiert worden war, das Amt. Das IOC erkannte das deutsche NOC 1951 an, damit waren 148 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="149"?> die formalen Voraussetzungen für die Teilnahme an den Olympischen (Winter-)Spielen 1952 erfüllt. Als jedoch nach der DDR-Staatsgründung auf Geheiß der Sowjetunion, die ihre „anti-olympische“ Haltung aufgegeben hatte und künftig ebenfalls an den Olympischen Spielen teilnehmen wollte, am 22. April 1951 in Ost- Berlin ein eigenes NOC unter Führung von Kurt Edel ins Leben gerufen wurde, entstand im Zeitalter des Kalten Kriegs eine deutsch-deutsche Gemengelage. Sie sollte in den folgenden Jahren als Querelle d’allemand die Olympische Bewegung prägen (Molzberger et al. 2018: 217). Als politisches Signal hatte man im Vorfeld der Gründung des DDR-NOC die eigene Institution im Westen in „Nationales Olympisches Komitee für Deutschland“ umbenannt, um so - im Einklang mit der Bundespolitik, die die DDR nicht als souveränen Staat anerkannte - den deutschen Alleinver‐ tretungsanspruch zu untermauern. Das IOC mit seinem US-amerikanischen Präsidenten Avery Brundage folgte dieser Linie und verweigerte dem NOC der DDR zunächst die Anerkennung. Das Angebot, unter bundesdeutscher Führung an den Olympischen Spielen Helsinki 1952 teilzunehmen, lehnten die auf dem internationalen sportpolitischen Parkett unerfahrenen DDR- Funktionäre trotz zuvor erfolgter Unterzeichnung der diesbezüglichen Lau‐ sanner Vereinbarung vom 22. Mai 1951 zum Unmut des IOC ab (Spitzer 1999: 191ff.). Erst mit dem diplomatisch geschickteren Heinz Schöbel als neuem NOC- Präsidenten kam die DDR ab 1955 ihrem Ziel einer eigenständigen Olym‐ piateilnahme näher. So durften DDR-Athlet: innen nach der vorläufigen NOC-Anerkennung durch das IOC ab 1956 an den Olympischen Spielen teilnehmen, allerdings nur im Rahmen einer gesamtdeutschen Mannschaft. Dieses bis 1964 existierende olympische Konstrukt - ein Ausdruck des IOC, der politischen Realität zweier deutscher Staaten eine eigene „Sportliche Geographie“ als Friedensinitiative im Kalten Krieg entgegensetzen zu wollen - stellte für die deutsch-deutsche Sportpolitik fortan eine große Herausfor‐ derung dar. Regularien für die Nominierung, Entsendung und offizielle Repräsentation (Chef de Mission und Fahnenträger: in) der gesamtdeutschen Olympiamannschaft mussten der deutschen Teilung zum Trotz gemeinsam erarbeitet werden. Im Vorfeld der Olympischen (Winter-)Spiele 1964 musste zudem der Abbruch der innerdeutschen Sportbeziehungen nach dem 1961 erfolgten Bau der Berliner Mauer überwunden werden (Höfer 1999: 243ff.). Ab 1968 wurde die deutsche Teilung dann auch auf der olympischen Bühne vollzogen: Erstmals gingen getrennte deutsche Teams an den Start, Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 149 <?page no="150"?> als verbindendes Element aus den Vorjahren war allerdings noch die ge‐ meinsame neutrale Fahne (Schwarz-Rot-Gold mit olympischen Ringen) und Hymne (Beethovens „Ode an die Freude“) geblieben. Nach der endgültigen Anerkennung des NOC der DDR durch das IOC nahmen die Olympiamann‐ schaften der beiden deutschen Staaten ab 1972 mit eigener Flagge und Hymne an Olympischen (Winter-)Spielen teil - ein (sport-)politischer Erfolg für die DDR. Erst 1990 wurde mit der Wiedervereinigung die auch olympische Teilung Deutschlands aufgehoben. [AM] Welche Folgen hatte die Apartheidspolitik für Südafrika in der Olympischen Bewegung? Die Auseinandersetzung mit der Apartheidspolitik, die 1948 in Südafrika von der politisch herrschenden weißen Minderheit offiziell eingeführt worden war und bis 1991 andauerte, wirft im Kontext der Olympischen Bewegung einmal mehr die Frage nach der Rolle der Politik im internationalen Sport auf. Als System der Rassentrennung in Südafrika bedeutete die Apartheid (Afrikaans für „Getrenntheit”) strenge Einschränkungen der Rechte nichtweißer Menschen in Bezug auf Aufenthalt, Beschäftigung, Bildung und sogar Heirat. Schwarze Südafrikaner: innen wurden gezwungen, in bestimm‐ ten Gebieten, den so genannten Bantustans - später wurde der Begriff „Homelands“ verwendet -, zu leben, und hatten nur sehr wenige politische Rechte (Ivey 2019: 105f.). Für die Olympische Bewegung war die Apartheidspolitik, die nichtweißen südafrikanischen Athlet: innen die Teilnahme an den Olympischen Spielen verwehrte, unvereinbar mit den eigenen Werten. Vor diesem Hinter‐ grund wurde bei der IOC-Session 1963 in Baden-Baden folgende Resolution verabschiedet: “That the South African Olympic Committee [SANOC] be told that it must make a firm declaration of its acceptance of the spirit of the Olympic Code and in particular of Principle 1 and Rule 24 read together, and must get from its Government by December 31 st 1963 a change in policy regarding racial discrimination in Sports and competitions in its country, failing which the South African National Olympic Committee will be debarred from entering its teams in the Olympic Games” (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1963: 11). 150 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="151"?> Als das SANOC der Forderung nicht nachkam, wurde es zu den Olympischen Spielen Tokio 1964 - und Mexico City 1968 - nicht eingeladen. 1970 entzog das IOC dem SANOC die Anerkennung (Sitzungsprotokoll IOC- Session 1970: 30), Südafrika blieb bis 1988 aus der Olympischen Bewegung ausgeschlossen. Indirekt war Südafrika einige Jahre später dennoch Auslöser für einen größeren olympischen Boykott. So hatte die neuseeländische Rugby-Natio‐ nalmannschaft im Vorfeld der Olympischen Spiele Montreal 1976 Südafrika besucht, das sportliche Aufeinandertreffen stellte einen Bruch des über Südafrika verhängten internationalen Sportbanns dar. Die Organization of African Unity (OAU) - zentrale Ziele der 1963 gegründeten Organisation waren die vollständige Entkolonialisierung Afrikas und das Ende der Apart‐ heidsregime in Südafrika und Rhodesien (seit 1980: Simbabwe), das 1972 ebenfalls nicht zu den Olympischen Spielen eingeladen worden war - for‐ derte daraufhin den Ausschluss Neuseelands von den Olympischen Spielen. Mit Verweis auf den zu dieser Zeit nicht-olympischen Status der Sportart Rugby lehnte das IOC die Forderung jedoch ab. Daraufhin verweigerten mehrere, vor allem afrikanische NOCs die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1976, nur 92 Mannschaften waren in Montreal am Start (Kluge 2000: 450f.). 1992 konnte Südafrika dann in die Olympische Bewegung zurückkehren: 1990 hatte Staatspräsident Frederik de Klerk die zuvor als unrechtmäßig erklärte Organisation African National Congress (ANC) anerkannt. Zudem wurde mit Nelson Mandela deren prominentester Vertreter nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. Daraufhin waren Verhandlungen zur Beendigung der weißen Vorherrschaft aufgenommen und 1991 die Apartheidsgesetzgebung aufgehoben worden. Das Ende der Apartheid gipfelte 1994 in der Wahl Mandelas zum ersten schwarzen Präsidenten der Republik Südafrika. Insbesondere dem Sport schrieb Mandela eine vereinende und versöhnende Wirkung zu: “Sport has the power to change the world […] it has the power to inspire. It has the power to unite people in a way that little else does. It speaks to youth in a language they understand. Sport can create hope where once there was only despair. It is more powerful than government in breaking down racial barriers” (Mandela 2000). [TZ] Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 151 <?page no="152"?> Warum wurden Olympische Spiele mehrfach umfassend boykottiert? Bereits die Olympischen Spiele Melbourne 1956 waren durch den Unga‐ rischen Volksaufstand, die Suezkrise und den Taiwan-Konflikt harten po‐ litischen Belastungsproben ausgesetzt. Zu einer Gefahr für die gesamte Olympische Bewegung wurden dann aber die umfassenden politischen Pres‐ sionen und Boykotte der 1970er und 1980er Jahre. Die Olympischen Spiele drohten in dieser Zeit zum Spielball der Politik zu werden. Zunächst führte die Apartheidspolitik in Südafrika und Rhodesien zu Protestbewegungen in der Olympischen Bewegung und 1976 zu einem ersten größeren Boykott der Olympischen Spiele. Ein noch größeres Fernbleiben von den Olympischen Spielen löste der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan Ende Dezember 1979 aus. Im Rahmen der IOC-Session 1974 war Moskau zur Ausrichterstadt der Olympischen Spiele 1980 gewählt worden (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1974: 8ff.). Erstmals sollte das Weltsportfest in einem sozialistischen Land stattfinden. Aus Protest über das militärische Vorgehen der Sowjetunion entwickelte sich dann aber unter Federführung der USA eine internationale Boykottbewegung gegen die Olympischen Spiele Moskau 1980, vor allem zahlreiche islamisch geprägte Länder und Teile der westlichen Welt entsen‐ deten schließlich kein Team. Nach umfassenden Diskussionen hatte sich auch das Nationale Olympische Komitee für Deutschland per Beschluss vom 15. Mai 1980 für den Teilnahmeverzicht entschieden (Krebs 1999b: 308ff.). An den Moskauer Spielen nahmen nur 80 Mannschaften teil (Kluge 2000: 679). Aus bundesdeutscher Sicht zum tragischen Sinnbild des aus politischen Gründen um seine Medaillenchance gebrachten Athleten wurde ein Foto des Zehnkämpfers Guido Kratschmer auf der Tribüne des Moskauer Olym‐ piastadions. Wegen des bundesdeutschen Boykotts durfte er nur Zuschauer sein, dabei hatte er noch im Juni 1980 mit 8.649 Punkten einen Zehnkampf- Weltrekord aufgestellt. Nun sah er als Tourist dabei zu, wie sein britischer Kontrahent Daley Thompson mit 8.495 Punkten die Goldmedaille gewann - wie die meisten anderen europäischen Länder hatten die Briten sich für eine differenzierte Form des Protests gegen die Politik der sowjetischen Gastgeber entschieden, nicht aber für einen vollständigen Boykott der Olympischen Spiele Moskau 1980 (Kluge 2000: 676f.). 152 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="153"?> Für die vom Kalten Krieg geprägte (Sport-)Welt erfolgte vier Jahre später wenig überraschend die entsprechende Reaktion der Sowjetunion. Ihrem Aufruf zum Boykott der Olympischen Spiele Los Angeles 1984 folgten - mit Ausnahme Rumäniens - die verbündeten Ostblockstaaten und wei‐ tere sozialistische Länder. Gleichwohl konnten die US-Gastgeber auf eine Rekordbeteiligung von Olympiamannschaften aus 140 Ländern verweisen (Kluge 2000: 895). Die Olympischen Winterspiele Lake Placid 1980 und Sarajevo 1984 waren von den großen Boykottbewegungen nicht betroffen. Hier standen sich Athlet: innen aus Ländern, die im Kalten Krieg auf verschiedenen Seiten standen, im sportlichen Wettkampf gegenüber. Die Planungen für die 1981 an Seoul vergebenen Olympischen Spiele von 1988 waren hingegen erneut von Boykottdiskussionen begleitet. Letztlich setzte sich in der Sportwelt jedoch größtenteils die Erkenntnis durch, dass unter einem Boykott stets in erster Linie die (eigenen) Athlet: innen leiden - und staatliche wie privat‐ wirtschaftliche Investitionen in die Leistungssportförderung „ungenutzt“ bleiben, wenn man kein Team zu Olympischen Spielen entsendet. Bei den Olympischen Spielen Seoul 1988 waren schließlich 159 Mannschaften am Start, einzelne Länder, darunter Nordkorea und Kuba, hatten die Einladung jedoch - wie bereits 1984 - ausgeschlagen (Kluge 2001: 30ff.). Erst 1992 fanden wieder Olympische Spiele statt, die frei von weltpoli‐ tischen Einflüssen blieben. Nach dem Ende des Kalten Kriegs und der deutschen Wiedervereinigung nahm darüber hinaus erstmals wieder nur ein deutsches Team teil. [AM] Was geschah am 5. September 1972 in München? Bei der IOC-Session 1965 war auf Antrag der DDR das Konstrukt der gesamtdeutschen Olympiamannschaft aufgelöst und darüber hinaus - wie zuvor in diesem Kapitel thematisiert - beschlossen worden, der DDR zukünftig die eigenständige Teilnahme an Olympischen Spielen zu ermög‐ lichen (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1965: 9f.). Für Willi Daume, Präsident des Deutschen Sportbunds (1950-1970) und des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (1961-1992), stellte diese aus bundesdeutscher Sicht sportpolitische Niederlage den Impuls für eine Olympiabewerbung dar. Mit Unterstützung des Münchner Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel und von Bundeskanzler Ludwig Erhard wurde die bayrische Landeshaupt‐ Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 153 <?page no="154"?> stadt ins Rennen geschickt. Bei der 1966 erfolgten Wahl des Austragungsorts der Olympischen Spiele 1972 durch die IOC-Mitglieder setzte sich München tatsächlich durch (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1966: 8). Als Präsident des Organisationskomitees (OCOG) schwebte Daume für München ein olympisches Gesamtkunstwerk vor, das einen farbenfrohen und heiteren Charakter aufweisen sollte (Schiller/ Young 2012: 139ff.). Zen‐ trale Aufgabenfelder des OCOG waren der Bau neuer, architektonisch mo‐ derner Sportstätten sowie eine von Freundlichkeit und Fröhlichkeit geprägte Durchführung der Olympischen Spiele und ihrer Zeremonien. Auf diese Weise wollten die Gastgeber der Welt ein gänzlich anderes Deutschland als das von 1936 präsentieren. Die erwünschte Wirkung erzeugten vor allem die Arbeit des Architekten Günther Behnisch mit dem als Parklandschaft gestalteten Olympiagelände rund um das von einer Zeltdachkonstruktion geschützte Olympiastadion sowie das Werk des für die visuelle Gestaltung verantwortlichen Designers Otl Aicher. Zum Konzept der „heiteren Spiele“ gehörte darüber hinaus, auf ein zu martialisch anmutendes Auftreten des Ordnungsdienstes zu verzichten, die Beamt: innen trugen keine Schusswaf‐ fen. Am frühen Morgen des 5. September 1972 traten dann jedoch sowohl die bis dahin fabelhafte Leichtigkeit der Olympischen Spiele als auch das Wettkampfgeschehen völlig in den Hintergrund: Acht Mitglieder der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September“ - der Name war abgeleitet vom Jordanischen Bürgerkrieg (1970-1971) - drangen in das nur unzureichend gesicherte Olympische Dorf ein und überfielen die Mannschaft Israels in ihrem Quartier. Der Gewichtheber Yossef Romano und der Ringertrainer Mosche Weinberg, die Gegenwehr leisteten, wurden im Verlauf des Überfalls getötet (Deininger/ Ritzer 2021: 341ff.). Mit den Gewichthebern David Mark Berger und Zeev Friedman, den Ringern Eliezer Halfin und Mark Slavin, den Trainern (Leichtathletik, Schießsport und Fechten) Amitzur Schapira, Kehat Shorr und André Spitzer sowie den Kampfrichtern (Ringen und Gewichtheben) Yossef Gutfreund und Yakov Springer nahmen die Terroristen zudem neun Geiseln. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von in Israel inhaftierten Palästinensern. Der Staat Israel mit Ministerpräsidentin Golda Meir verwei‐ gerte dies jedoch (Deininger/ Ritzer 2021: 347f.). Sämtliche Verhandlungs‐ versuche scheiterten. Auch das Angebot Walther Trögers, Bürgermeister des Olympischen Dorfs, Daumes und weiterer Repräsentanten der deutschen Gastgeber, sich als Ersatzgeiseln in die Hände der Terroristen zu begeben, 154 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="155"?> wurde abgelehnt. Über das Heranrücken deutscher Polizeikräfte wurden die Geiselnehmer informiert, weshalb der unzureichend geplante Versuch einer Befreiungsaktion im Olympischen Dorf abgebrochen werden musste. Am Ende des Tages gingen die Offiziellen scheinbar auf die Forderung der Terroristen ein, zusammen mit den Geiseln nach Kairo ausgeflogen zu werden. Attentäter und Geiseln wurden mit Hubschraubern zum Flie‐ gerhorst Fürstenfeldbruck gebracht, um dort in ein vermeintlich abflugbe‐ reites Flugzeug steigen zu können. In der Dunkelheit versuchten deutsche Polizeikräfte, die Geiseln mit Hilfe von Scharfschützen zu befreien, der herbeigeführte Schusswechsel endete jedoch in einer Katastrophe. Alle israelischen Geiseln wurden getötet, auch der Polizist Anton Fliegerbauer kam zu Tode. Darüber hinaus wurden fünf Geiselnehmer erschossen. Noch während des Einsatzes war fälschlicherweise an die internationale Presse vermeldet worden, man habe sämtliche Geiseln befreien können. Am frühen Morgen des 6. September musste OCOG-Pressechef Hans Klein dann jedoch den Tod aller Geiseln verkünden. Mit dieser blutigen Zäsur lag von nun an ein großer Schatten auf den Münchner Spielen, abgebrochen wurden sie jedoch nicht. Das Wett‐ kampfprogramm wurde für einen Tag unterbrochen, bei der Trauerfeier im Münchner Olympiastadion sagte IOC-Präsident Avery Brundage den berühmten Satz: „The Games must go on! “ In Übereinstimmung mit den vom Attentat betroffenen Staaten wollte man zum Ausdruck bringen, dass sich die Olympische Bewegung nicht dem Terror beugen dürfe - die Idee des Friedens und der Völkerverständigung dürfe nicht der Gewalt weichen (Krebs 1999a: 280). [AM] Wie prägten bislang autokratisch regierte Staaten die Olympischen Spiele? Mehrere Städte in autokratisch regierten Staaten - zum „Nation-Building“ in autokratischen Staaten siehe auch Stewart (2021) - haben in den letzten Jahrzehnten die Olympischen Spiele ausgerichtet. Als Beispiele aus dem 21. Jahrhundert lassen sich die Olympischen Spiele Peking 2008 sowie die Olympischen Winterspiele Sotschi 2014 und Peking 2022 nennen. Für die Wahl dieser Orte gibt es eine Reihe von Gründen. Zunächst sind die Ausgaben für die Organisation der Olympischen Spiele drastisch gestiegen, nicht zuletzt aufgrund der erforderlichen hohen Ausgaben für Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 155 <?page no="156"?> Sicherheitsmaßnahmen, wie die vom IOC sowie von anderen Institutionen vorgelegten Zahlen zeigen. Obwohl das IOC in letzter Zeit umfassende Reformen initiiert hat, um die Kosten für eine Olympiabewerbung und die Durchführung Olympischer Spiele zu senken, sehen autokratische Staa‐ ten in diesem globalen Sportfest oftmals eine Gelegenheit, umfangreiche Infrastrukturarbeiten voranzutreiben - zumal die Kosten hierfür nicht demokratisch legimitiert werden müssen. Gleichzeitig sehen autokratisch regierte Staaten in den Olympischen Spielen auch eine wichtige und willkommene Gelegenheit, ihre politische - und sportliche - Macht nach innen und außen zu demonstrieren, um eine breitere internationale Anerkennung zu erlangen. Auch wenn Kritik an der im Land herrschenden Menschenrechtssituation und der Nutzung der Spiele zu Propagandazwecken weit verbreitet sein kann (sportswashing). Entscheidungen des IOC in der jüngeren Vergangenheit, bei der Vergabe Olympischer Spiele Städte aus autokratischen Staaten wie China und Russ‐ land zu berücksichtigen - bei gleichzeitigem Ausbleiben von Olympiabe‐ werbungen aus demokratischen Ländern -, wurden von verschiedenen Journalist: innen und Wissenschaftler: innen als Widerspruch zu den olym‐ pischen Werten und als Förderung einer negativen Sportdiplomatie angese‐ hen. Mit Blick auf die Olympischen Spiele Peking 2008 und die Olympischen Winterspiele Peking 2022 äußerten Cabula & Pochettino (2023): “While the organisation of the Games in 2008 was driven by the desire to present an open and benevolent face to the rest of the world in a quest for international acceptance, in 2022 the objective was to reaffirm the PRC’s authoritarian governance system and prove its legitimacy and success to the domestic and international audience, amidst the backdrop of the Covid-19 pandemic, diplomatic boycotts and allegations of human rights violations.” Historische Beispiele „autokratischer Gastgeber” wurden in den vorange‐ gangen Beiträgen dieses Kapitels behandelt. An dieser Stelle gesondert ge‐ nannt seien noch die Olympischen Winterspiele Sarajevo 1984: Sarajevo war 1978 im Rahmen der IOC-Session in Athen überraschend zur Ausrichterstadt gewählt worden (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1978: 31) - zu einer Zeit, als die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien noch unter Josip Broz Tito autokratisch regiert wurde. Nach Titos Tod wollte man der Welt mit den Olympischen Winterspielen Sarajevo 1984 ein der ethnischen und religiösen Spannungen zum Trotz geeintes Jugoslawien inmitten des Wandels zeigen. Zugleich sollte mit den Wettkämpfen in der beeindruckenden Bergwelt rund 156 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="157"?> um die Gastgeberstadt für Wintersporttourismus geworben werden (Kluge 1994: 362). Keine zehn Jahre nach den erfolgreich durchgeführten Olympischen Winterspielen wurde Sarajevo jedoch zum Kriegsschauplatz, als im Zuge der Auflösung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien die Balkankriege ausbrachen und die Olympiastadt von 1984 während des Bosnienkriegs (1992 bis 1995) belagert und beschossen wurde. Etwa 11.000 Menschen fielen den Kampfhandlungen zum Opfer. Die aktuellen Olympischen Spiele Paris 2024, Los Angeles 2028 und Bris‐ bane 2032 sowie die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026, French Alps 2030 und Salt Lake City - Utah 2034 stehen hingegen für einen Zyklus Olympischer Spiele im Herzen demokratischer Staaten. Dies ist das Ergebnis des neuen IOC-Verfahrens für die Vergabe der Olympischen Spiele, das mit der Vergabe des Weltsportfests an Paris in Kraft getreten ist. So listet der Anhang des „Future Host Questionnaire“ Garantien auf, die ein potenzieller Ausrichter dem IOC bieten muss. Hierzu gehören rechtliche Verpflichtungen zur Einhaltung des IOC-Ethikkodex, der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, der Pressefreiheit, der internationalen Standards zur Korruptionsbekämpfung und anderen Angelegenheiten (unter anderem Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahmen). Weiterhin die Garantie, Sportwetten und Spielmanipulation bei den olym‐ pischen Wettkämpfen auszuschließen und darüber hinaus die Zusage, relevante Informationen mit dem IOC und den weiteren olympischen Stakeholdern zu teilen (IOC 2021a: 5ff.). Abschließend erwähnt werden muss aber auch, dass die protektionisti‐ sche und restriktive nationale und internationale Politik der US-Exekutive seit dem Amtsantritt des Präsidenten Donald Trump im Februar 2025 Auswirkungen auf die Organisation der Olympischen Spiele Los Angeles 2028 haben könnte - es könnten Boykottinitiativen entstehen. [TZ] Welchen Folgen haben Verstöße gegen die „Olympic Charter“? Die „Olympic Charter“ ist das Regelwerk der Olympischen Bewegung ( ↠ Was sind die Kernelemente der „Olympic Charter“? ), die einleitenden Worte lauten: Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 157 <?page no="158"?> „The Olympic Charter (OC) is the codification of the Fundamental Principles of Olympism, Rules and Bye-laws adopted by the International Olympic Committee (IOC). It governs the organisation, action and operation of the Olympic Movement and sets forth the conditions for the celebration of the Olympic Games. […] In addition, the Olympic Charter defines the main reciprocal rights and obligations of the three main constituents of the Olympic Movement, namely the International Olympic Committee, the International Federations and the National Olympic Committees, as well as the Organising Committees for the Olympic Games, all of which are required to comply with the Olympic Charter“ (Olympic Charter 2025: 6). Verstöße gegen die Charta können von verschiedenen Akteuren begangen werden, beispielsweise von Staaten, die völkerrechtswidrig Krieg führen oder in die politische Unabhängigkeit ihres NOC eingreifen. Weiterhin können IFs, NOCs oder auch Athlet: innen gegen die „Olympic Charter“ verstoßen, wenn sie zum Beispiel irreguläre Wahlen durchführen oder im nicht erlaubten Rahmen innerhalb der Olympischen Bewegung politische Positionen öffentlich verkünden. Als Beispiel für die Sanktionierung eines NOC sei hier die Suspendierung des russischen NOCs im Jahr 2023 genannt, die das IOC wie folgt begründete: „[…] the unilateral decision taken by the Russian National Olympic Committee (NOC) on 5 October 2023 to add, among its members, the regional sports organisa‐ tions under the authority of the NOC of Ukraine (i.e. Donetsk, Kherson, Luhansk and Zaporijia) (which) constitutes a violation of the Olympic Charter as it infringes upon the territorial integrity of the NOC of Ukraine, as recognised by the IOC in accordance with the Olympic Charter“ (IOC 2023e). Als IOC-Mitglied hat sich der kuwaitische Scheich Ahmad Al-Sabah 2018 selbst suspendiert, weil ein Schweizer Gericht Anklage gegen ihn erhoben hatte. Die IOC-Ethikkommission bestätigte 2024 den Ausschluss Al-Sabahs. Hierbei nahm sie Bezug darauf, dass dieser ein Scheinschiedsverfahren zu seinem eigenen Vorteil inszeniert hatte und begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: „Pursuant to the Olympic Charter, an IOC Member may be expelled by the IOC Session if he or she betrayed their oath, neglected or knowingly jeopardised the interests of the IOC, or acted in a manner unworthy of the IOC. Additionally, the Olympic Charter provides that a sanction may be imposed on IOC Members who, by their conduct, jeopardise the interests of the IOC, also regardless of any specific 158 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="159"?> violation of the Olympic Charter or any other regulation“ (IOC Ethics Commission 2024). Auf persönlicher Ebene bekamen die US-Leichtathleten und Goldbezie‐ hungsweise Bronzemedaillengewinner des 200-Meter-Laufs bei den Olym‐ pischen Spielen Mexico City 1968, Tommie Smith und John Carlos, die Folgen ihres politischen → Black Power-Engagements zu spüren, als sie nach ihrem Protest im Rahmen der Siegerehrung die Olympischen Spiele verlassen mussten ( ↠ Welche Möglichkeiten besitzen Athlet: innen, um bei Olympischen Spielen ihre Meinung frei zu äußern? ) - später wurden sie hingegen für ihr Engagement gegen Rassismus geehrt, unter anderem von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven (Katholieke Universiteit Leuven 2022). Krieg steht per se im Widerspruch zu den in der „Olympic Charter“ dargelegten Idealen der Olympischen Bewegung, basiert diese doch auf dem Gedanken von Frieden und Völkerverständigung. Diese Idee hat Pierre de Coubertin 1912 in seiner bei den Olympischen Kunstwettbewerben prä‐ mierten „Ode au Sport“ ( ↠ Was waren die Olympischen Kunstwettbewerbe? ) auch lyrisch ausgedrückt. Die Realität sah und sieht hingegen oftmals anders aus: Wie in den voran‐ gegangenen Beiträgen in diesem Kapitel gezeigt konnten die Olympischen Spiele während der Weltkriege nicht ausgetragen werden. Auch die Nach‐ kriegszeiten waren regelmäßig geprägt von politischen Herausforderungen für die Olympische Bewegung und Brüchen mit ihrer Friedensidee. Für Athlet: innen aus völkerrechtswidrig Krieg führenden Ländern hat das IOC in der jüngeren Vergangenheit wiederholt versucht, Regelungen zu finden, um ihnen - wenn sie nicht in die Kriegshandlungen involviert waren - die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu ermöglichen. So zum Beispiel zu Beginn der Jugoslawienkriege, als das IOC die Teilnahme von Athlet: innen aus den betroffenen Gebieten an den Olympischen Spielen Barcelona 1992 unter der Auflage erlaubte, dass diese keine nationalen Hoheitsabzeichen (Flagge, Hymne) mit sich führen durften (Schubert 2024). Auch für die Olympischen Spiele Paris 2024 wurde nach langwierigen Verhandlungen eine Regelung für die Teilnahme von russischen und weiß‐ russischen Athlet: innen gefunden (IOC 2023f). Gegenwärtig stellen zudem die asymmetrische Kriegsführung und der internationale Terrorismus Bedrohungen für die Olympischen Spiele und Verstöße gegen die „Olympic Charter“ dar. Weiterhin die Missachtung der Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 159 <?page no="160"?> Menschenrechte, aber auch Dopingvergehen und andere Manipulationen von Wettkämpfen. Bei der Sanktionierung von Vergehen ist zu beachten, dass die Olympische Bewegung in den Geltungsbereich des Völkerrechts fällt und daher die darin verankerten Grundsätze einzuhalten sind (Schubert 2024). [TZ] Was sind die Friedensresolutionen der Vereinten Nationen und des Internationalen Olympischen Komitees? Die jüngeren Friedensinitiativen der modernen Olympischen Bewegung basieren nicht nur auf dem Gedankengut, das federführend von Pierre de Coubertin zu Papier gebracht worden ist und Ende des 19. Jahrhunderts zur IOC-Gründung geführt hat. Als historischer Bezugspunkt wird auch der antike olympische Festfriede genannt ( ↠ Was war die Ekecheiria und welche Bedeutung hatte sie? ). Unter dem Eindruck des Irak-Kuwait-Kriegs, der Jugoslawienkriege, der Unabhängigkeitsbewegung in Georgien - es folgten Sezessionskriege - und verschiedener Putschversuche in Süd- und Mittelamerika ergriff das IOC 1992 die Initiative zur Wiederbelebung der Idee des Olympischen Friedens. Und zwar getreu des Auftrags, den sich die Olympische Bewegung von Beginn an gegeben hatte: Nämlich, zum Frieden beizutragen (IOC 1992). Mit der Resolution „Building a peaceful and better world through sport and the Olympic ideal“ fand die Idee im Folgejahr die Unterstützung der Vereinten Nationen (UN) (United Nations 1993). Alle zwei Jahre fordern die UN seitdem ihre Mitgliedstaaten auf, während der Olympischen (Winter-)Spiele einen Olympischen Frieden einzuhalten sowie Frieden, Dialog und Versöhnung zu fördern. Dies stellt vor allem eine symbolische Geste dar, die die gemeinsamen Werte der UN und des IOC wie Universalität, Nichtdiskriminierung und politische Neutralität unterstreichen soll - die Olympischen Spiele werden als Plattform für diese Ideale angesehen. So äußerte sich UN-Generalsekretär António Guterres 2018: „The Olympic spirit allows people to be together, from all over the world, to respect each other, to assert the values of tolerance, of mutual understanding that are the basic elements for peace to be possible“ (UN 2018). 160 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="161"?> Die Idee des Olympischen Friedens ist seit 1992 mit unterschiedlichem Erfolg umgesetzt worden: An den Olympischen Winterspielen Lillehammer 1994 während der Jugoslawienkriege durften Sportler: innen aus den betroffenen Regionen unter der olympischen Flagge teilnehmen. Vier Jahre später, bei den Olympischen Winterspielen Nagano 1998, nutzte der damalige UN- Generalsekretär Kofi Annan die UN-/ IOC-Initiative, um eine diplomatische Lösung der Irak-Krise herbeizuführen: „Observance of the Olympic Truce at the XVIII Olympic Winter Games in Nagano in February 1998 certainly also encouraged dialogue and the search for diplomatic solutions in the Iraq crisis, avoiding a human tragedy. Twenty-four hours after the closing ceremony of the Games, the UN Secretary General, Kofi Annan, signed a memorandum with the Iraqi deputy prime minister, Tarek Aziz, in Baghdad“ (Kidane 2002). Als weiteres positives Beispiel kann die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele Sydney 2000 genannt werden, als die Teams aus Nord- und Südkorea gemeinsam und mit einer neutralen koreanischen Flagge (Umriss des Landes ohne Demarkationslinie in einheitlichem Blau vor weißem Hintergrund) ins Stadion einliefen - eine gesamtkoreanische Olympiamannschaft gab es bei den Wettkämpfen allerdings noch nicht. Bei den Olympischen Winterspie‐ len 2018 im südkoreanischen Pyeongchang trat dann aber eine vereinigte koreanische Mannschaft beim olympischen Eishockeyturnier der Frauen an. Der Aufruf zum Frieden anlässlich der Olympischen Winterspiele Peking 2022 fand die Unterstützung von 173 der insgesamt 193 UN-Mitgliedstaa‐ ten - zu den Nicht-Unterzeichnern gehörten Australien, Großbritannien, Indien, Japan, Kanada, die Türkei und die USA (United Nations 2021). Nur vier Tage nach der Schlussfeier vom 20. Februar 2022 und wenige Tage vor dem Start der Winter Paralympics Peking 2022 - also während der von UN und IOC ausgerufenen Friedensphase - überfiel Russland mit Unterstützung von Belarus jedoch völkerrechtswidrig die Ukraine. Auf olympischer Ebene führte dies zum Ausschluss der Aggressoren. Mit Blick auf Paris riefen UN und IOC erneut zum Frieden auf: „1. Urges Member States to observe the Olympic Truce individually and collectively, within the framework of the Charter of the United Nations, throughout the period from the seventh day before the start of the Games of the XXXIII Olympiad until the seventh day following the end of the XVII Paralympic Games, to be held in Paris in 2024, in particular, to ensure the safe passage, access and participation of Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 161 <?page no="162"?> athletes, officials and all other accredited persons taking part in the Games of the Olympiad and the Paralympic Games, and to contribute through other appropriate measures to the safe organization of the Games; […] 5. Calls upon all Member States to cooperate with the International Olympic Committee and the International Paralympic Committee in their efforts to use sport as a tool to promote peace, dialogue and reconciliation in areas of conflict during and beyond the period of the Olympic and Paralympic Games“ (UN 2023). Kontrovers diskutiert wurden zudem Möglichkeiten, ob und wie man russischen und belarussischen Athlet: innen, die die Kriegshandlungen nicht unterstützten, die Teilnahme an den Olympischen Spielen Paris 2024 er‐ möglichen sollte (IOC 2023e). Dieses Thema wird im nächsten Text dieses Kapitels behandelt. [TZ] Wie wurden die Olympischen Spiele Paris 2024 von der Weltpolitik geprägt? Die Olympischen Spiele Paris 2024 waren mit erheblichen politischen Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene verbunden. So entwickelten die französischen Organisatoren umfassende Sicherheitssys‐ teme einschließlich Überwachungstechnologien, die von künstlicher Intel‐ ligenz (KI) unterstützt wurden. Darüber hinaus waren etwa 45.000 Kräfte im Einsatz, um bestehenden Terrorängsten und Sorgen vor öffentlicher Unruhe zum Trotz die Sicherheit von Athlet: innen, Besucher: innen und Offiziellen gewährleisten zu können. Eine zentrale Rolle bei der Bewältigung dieser Aufgaben spielte die internationale Zusammenarbeit bei der Terrorismus‐ bekämpfung. Innerhalb Frankreichs mussten die Behörden zudem darauf achten, das Gleichgewicht zwischen der Ergreifung von Maßnahmen zur Aufrechter‐ haltung der Ordnung und der Einhaltung des demokratischen Rechts auf Protest zu wahren (Ané 2024). Auf internationaler Ebene prägten insbesondere zwei strittige Fragen die Planung und Durchführung der Olympischen Spiele Paris 2024. Zum einen die Frage nach dem Umgang mit Regel 50 der „Olympic Charter“: Diese besagt, dass jegliche Form von politischer, religiöser oder rassistischer Propaganda in den olympischen Austragungsorten verboten ist (IOC 2024v; Olympic Charter 2025). Mit dieser Vorschrift soll der unpolitische Charakter der Olympischen Spiele gewahrt werden. 162 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="163"?> Gleichwohl hat die Regel mit Blick auf das Recht auf Meinungsfreiheit von Olympiateilnehmer: innen immer wieder zu Diskussionen geführt und wurde daher in den letzten Jahren weiterentwickelt. Regel 50 sieht derzeit begrenzte Einschränkungen der Meinungsfreiheit vor, sowohl in Bezug auf den Raum als auch auf die Zeit. Für die Athlet: innen gilt dieses Statut nur für sehr begrenzte Bereiche wie die Wettkampfstätten und das Siegerpodium ( ↠ Welche Möglichkeiten besitzen Athlet: innen, um bei Olympischen Spie‐ len ihre Meinung frei zu äußern? ). Eine zeitliche Einschränkung gilt nur für bestimmte Momente wie die offiziellen olympischen Zeremonien (IOC 2024v). Das IOC teilt zu all dem Folgendes mit: „It does not seek to restrict freedom of expression outside of this limited space and limited time, bearing in mind that the Olympic Games only take place for 16 days once every four years. Outside of this limited geographical and temporal scope, including during the 16 days of the Olympic Games, athletes can express themselves, freely without any kind of interference from the IOC (e.g. on social media, at press conferences or interview with media)“ (IOC 2024v). Ein weiterer besonders strittiger Punkt war die Frage nach der Teilnahme russischer und belarussischer Athlet: innen an den Pariser Spielen. Den völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine hatte das IOC gleich am 24. Februar 2022, dem ersten Tag des Kriegs, als Bruch des Olympischen Friedens verurteilt. Am 25. Februar 2022 wies die IOC-Exekutive alle interna‐ tionalen Sportverbände an, in Russland oder Weißrussland geplante Sport‐ veranstaltungen abzusagen oder zu verlegen. Drei Tage später empfahl die IOC-Exekutive den internationalen Sportverbänden, keine russischen und belarussischen Athlet: innen einzuladen oder deren Teilnahme zuzulassen. Der Ausschluss betraf auch Mannschaften, Betreuer: innen und politische Vertreter: innen aus den beiden Ländern (IOC 2023e). Im September 2022 teilte der UN-Menschenrechtsrat dem IOC jedoch mit, dass der Ausschluss russischer und belarussischer Athlet: innen einen Verstoß gegen den Grundsatz der Nichtdiskriminierung und Universalität darstelle. Die IOC-Exekutive prüfte deshalb daraufhin die Möglichkeit, besagte Athlet: innen wieder in Sportwettbewerbe zu integrieren. Am 28. März 2023 verkündete das IOC, russische und belarussische Athlet: innen unter neutraler Flagge und als Individuen wieder in die verschiedenen Sportarten integrieren zu wollen, wobei die Entscheidung darüber den einzelnen internationalen Sportverbänden überlassen werden sollte (IOC 2023i). In seiner Entscheidung verwies das IOC auch darauf, Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik 163 <?page no="164"?> dass 70 weitere bewaffnete Konflikte und Kriege in der Welt geführt würden, unter anderem im Nahen Osten, am Horn von Afrika und im Südkaukasus. Im Gegensatz zum russisch-ukrainischen Krieg würden die NOCs der genannten betroffenen Regionen aber nicht den Ausschluss von Athlet: innen der jeweiligen Kriegs- oder Konfliktgegner fordern und ihren eigenen Athlet: innen die uneingeschränkte Teilnahme an internationalen Sportwettkämpfen erlauben (IOC 2023e). Am 4. Mai 2023 forderten die UN (Special Rapporteur in the field of cultural rights) das IOC auf, die Grundsätze der Nichtdiskriminierung und der Uni‐ versalität der Menschenrechte zu respektieren und somit auch russischen und belarussischen Athlet: innen die Teilnahme an den Olympischen Spielen Paris 2024 zu ermöglichen (UN 2023). Diese Erklärung wurde vom IOC am 28. Juli 2023 gebilligt, musste jedoch im Oktober 2023 von der IOC-Exekutive revidiert werden: „The unilateral decision taken by the Russian Olympic Committee on 5 October 2023 to include, as its members, the regional sports organisations which are under the authority of the National Olympic Committee (NOC) of Ukraine (namely Donetsk, Kherson, Luhansk and Zaporizhzhia) constitutes a breach of the Olympic Charter because it violates the territorial integrity of the NOC of Ukraine, as recognised by the International Olympic Committee (IOC) in accordance with the Olympic Charter“ (IOC 2023e). Vor diesem Hintergrund entschied sich die IOC-Exekutive am 12. Oktober 2023, das NOC Russlands mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres zu suspendieren (IOC 2023e). Am 8. Dezember 2023 verkündete das IOC-Leitungsgremium seine end‐ gültige Entscheidung, wonach einzelne neutrale Athlet: innen (AIN) aus Russland und Belarus unter strengen Zulassungsbedingungen und unter neutraler Flagge an den Olympischen Spielen Paris 2024 teilnehmen könn‐ ten (IOC 2023f). Auch von Seiten der UN wurde diese Lösung ohne Gegen‐ stimmen von den Mitgliedsstaaten akzeptiert, nur die Russische Föderation und die Arabische Republik Syrien enthielten sich bei der Abstimmung. 16 AINs aus Russland und 17 AINs aus Belarus gingen in der französischen Hauptstadt schließlich an den Start. Wie aufgezeigt, wurde das IOC im Laufe des Prozesses also von verschie‐ denen Seiten dazu aufgefordert, Stellung zu beziehen und vor dem Hinter‐ grund eines Krieges sportpolitisch zu handeln - eine große Herausforderung für die Olympische Bewegung. [TZ] 164 Die Olympische Bewegung im Spannungsfeld der Politik <?page no="165"?> Die Paralympische Bewegung Die Paralympische Bewegung hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt und besonders die Paralympischen Spiele stehen heute enorm im Fokus der Öffentlichkeit. In diesem Kapitel werden die Ent‐ wicklung, ausgewählte Begrifflichkeiten und Zusammenhänge sowie aktuelle Herausforderungen beschrieben. Darüber hinaus wird die Be‐ deutung der Paralympics für die Gesellschaft analysiert. <?page no="166"?> Wie sind die Paralympics entstanden und welche Rolle spielte dabei Ludwig Guttmann? Die Paralympische Bewegung hat ihren Ursprung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Legg 2018b: 2) und ist stark mit dem deutschen Neurochirurgen Ludwig Guttmann verbunden. Guttmann erkannte die Bedeutung von körperlicher Aktivität für die Rehabilitation von Menschen mit traumatischen Verletzungen und betonte die körperlichen, psychologi‐ schen und sozialen Vorteile von Sport für Menschen mit Behinderungen. Sein ursprüngliches Ziel war es, Kriegsverletzte mit Schädigungen der Wirbelsäule schnell wieder zu selbstständigen, arbeitsfähigen Menschen zu machen. Basierend auf seinen therapeutischen Erfolgen entwickelte er die Idee, Menschen mit Behinderungen mithilfe des Sports in die Mitte der Gesellschaft zu integrieren (Howe 2008: 17ff). Guttmanns Karriere entwickelte sich während des Ersten Weltkrieges. Er trat in jener Zeit sehr rasch in den medizinischen Beruf ein und fand erste Kontakte zu Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen. Guttmann war Jude und er floh 1939 vor der antisemitischen Verfolgung in Deutschland nach Großbritannien. Dort arbeitete er zunächst in der Forschung, denn seine in Deutschland erworbene ärztliche Ausbildung wurde auf der britischen Insel nicht anerkannt (Schültke 2001: 300ff.; Silver 2012: 101f). Der Zweite Weltkrieg führte zu einem Umdenken in Bezug auf die Rehabilitation von Patient: innen mit zentralen Nervenschädigungen in Großbritannien. Eine gesellschaftliche Wiedereingliederung erschien aus‐ sichtslos. Inspiriert von medizinischen Entwicklungen in den USA und Deutschland, wurden in Großbritannien spezialisierte Spinal Cord Units gegründet (Schültke 2001: 302). Ab 1944 leitete Guttmann die Abteilung für Wirbelsäulenverletzungen am Stoke Mandeville Hospital. Dort kombinierte er seine Kenntnisse aus Deutschland mit den neuen internationalen Ideen zur Rehabilitation. Seine Entschlossenheit und umfassende Betreuung der Patient: innen prägten seine Arbeit. Er erkannte die körperlichen und psychologischen Bedürfnisse und ließ sie in die Rehabilitationsprozesse einfließen (Silver 2012: 103). Als erste Sportdisziplin integrierte er Rollstuhl-Polo in sein Konzept des Rehabilitationssports (Howe 2008: 17f.). 1948 organisierte Guttmann die ersten Stoke Mandeville Games mit 16 britischen Ex-Soldaten, die Rückenmarksverletzungen aufwiesen. Damit be‐ gründete er ein neues Modell der Rehabilitation, das sportlichen Wettkampf 166 Die Paralympische Bewegung <?page no="167"?> als therapeutisches und soziales Instrument nutzte. Dieses Konzept fand in den Folgejahren zunehmend auch in anderen medizinischen Einrichtungen Anwendung (Silver 2012: 104). Die Zahl der Teilnehmenden stieg, und ab 1951 nahmen auch internationale Athlet: innen teil. Früh entwickelte sich Guttmanns Vision, die Spiele zu einem olympischen Äquivalent für Menschen mit Behinderungen zu machen (Howe 2008: 19). Mit der Aus‐ tragung der 9th International Stoke Mandeville Games in Rom 1960, dem Austragungsort der Olympischen Spiele, wurde diese Vision Realität (Legg 2018b: 2). [ME] Literatur- und Linktipp | Dieses Video ist ein kurzer Einblick in die Stoke Mandeville Games von 1955 und zeigt unterschiedliche Sportarten wie Bogenschießen oder Basketball: https: / / www.youtube.com/ watch? v =XO_vgbqzZLA . In der vom OSC des IOC editierten Publikationsreihe Olympic Know‐ ledge - Essential Readings Series ist der lesenswerte Artikel „The Paraly‐ mpic Movement and the Paralympic Games“ erschienen: https: / / library.o lympics.com/ Default/ doc/ SYRACUSE/ 3415471/ the-paralympic-movem ent-and-the-paralympic-games-by-ian-brittain? _lg=en-GB. Was bedeutet der Begriff „Paralympics“? Für den Begriff „Paralympics“ gibt es in der Fachliteratur verschiedene Her‐ leitungen. Ursprünglich wurde er als eine Zusammensetzung der Vorsilbe para des englischen Wortes paraplegic (engl. gelähmt) und dem Substantiv Olympics verstanden. Dieser Ansatz ist ein Bezug auf die Wurzeln der Paralympischen Bewegung, die mit Sportveranstaltungen für gelähmte Menschen im Rollstuhl begann (Tiemann 2013: 99). Aus diesem Grund sprach man zu Beginn auch überwiegend von den „Weltspielen der Gelähm‐ ten“. Darüber hinaus bedeutet die lateinische Vorsilbe par „gleichartig“ (Bailey 2008: 7). Schließlich passt auch die griechische Vorsilbe para in diesen Kontext. Das Präfix hat die Bedeutung von neben oder parallel und verweist damit auf den zeitlichen Zusammenhang mit den Olympischen Spielen (Brittain 2010: 16). Auf letztgenannte Herleitung bezieht sich ausdrücklich auch das Internationale Paralympische Komitee (IPC): Die Paralympische Bewegung 167 <?page no="168"?> „The word ‚Paralympic‘ derives from the Greek preposition ‚para‘ (beside or along‐ side) and the word ‚Olympic‘. Its meaning is that Paralympics are the parallel Games to the Olympics and illustrates how the two movements exist side-by-side“ (IPC o.D.-a). Die Bezeichnung „Paralympics“ oder Paralympische Spiele wird offiziell erst seit den Spielen 1988 in Seoul (Südkorea) verwendet. Diese Spiele sind, neben der Einführung des Begriffs „Paralympics“, auch deshalb ein Meilenstein, weil sie nach über 20 Jahren wieder in denselben Sportstätten ausgetragen wurden, in denen kurz zuvor die Wettkämpfe für die Olympischen Spiele stattgefunden hatten. Das IOC hatte sich offiziell dafür ausgesprochen, dass die Paralympics künftig in denselben Sportstätten wie die Olympischen Spiele stattfinden sollten ( Jahnke/ Schüle 2006: 12). Das breite Verständnis des Begriff „Paralympics“, der sich nicht mehr aus‐ schließlich auf Menschen mit Querschnittslähmungen bezieht, entspricht auch der Entwicklung der Paralympischen Spiele und der heutigen Vielfalt des paralympischen Sports. Bereits bei den „Weltspielen der Gelähmten“ 1972 in Heidelberg gab es Demonstrationswettbewerbe, an denen Sport‐ ler: innen mit anderen Arten von Behinderung teilnahmen, zum Beispiel Goalball für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Neben den vielfältigen Formen der körperlichen Behinderungen sowie Sehbehinderungen sind auch Menschen mit geistiger Behinderung grundsätzlich teilnahmeberech‐ tigt an Paralympischen Spielen. Voraussetzung ist, dass die Behinderung innerhalb des paralympischen Regelwerks klassifizierbar ist. [ACB] Wann wurde das Internationale Paralympische Komitee gegründet? Mit dem Erfolg der Arbeit Ludwig Guttmanns und der Stoke Mandeville Games wurde zunehmend auch die Notwendigkeit von organisierten Struk‐ turen für den Behindertensport und seine Veranstaltungen deutlich. Zu‐ nächst wurde 1959 das International Stoke Mandeville Games Committee mit Guttmann als Präsidenten gegründet, das für die Organisation und Durch‐ führung der Stoke Mandeville Games verantwortlich war (Scruton 1998: 88). Dieses Komitee wurde mehrfach umbenannt und im späteren Verlauf mit anderen Organisationen fusioniert. Um die Interessen der Menschen mit verschiedenen Behinderungsarten zu vertreten, wurde im Laufe der Zeit 168 Die Paralympische Bewegung <?page no="169"?> eine Vielzahl weiterer internationaler Organisationen gegründet (Bailey 2008: 7). Im nächsten Schritt wurde 1982 das International Coordinating Commit‐ tee (ICC) gegründet, um die gemeinsamen Interessen auf internationaler Ebene zu vertreten, internationale Sportveranstaltungen zu koordinieren und den Austausch mit dem IOC voranzutreiben (Doll-Tepper 2013: 195). Die Gründungsmitglieder waren Cerebral Palsy International Sport and Recreation Association (CPISRA), International Wheelchair and Amputee Sports Federation (IWAS), International Blind Sports Association (IBSA), In‐ ternational Sports Federation for People with an Intellectual Disability (INAS) sowie Comité International des Sports des Sourds (CISS) (Bailey 2008: 7). Zunehmend wurden Diskussionen über nationale Interessenvertretung und Repräsentation sowie über die künftige Struktur geführt, was schließlich zur Gründung einer neuen internationalen Dachorganisation führte (Brittain 2016: 39). Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wurde am 22. September 1989 in Düsseldorf gegründet und Robert Steadward zum ersten IPC-Präsidenten gewählt. Auf seiner Generalversammlung in Sydney 1997 beschloss das IPC, seinen Hauptsitz nach Bonn zu verlegen. Hintergrund war insbesondere auch die ideelle und finanzielle Unterstützung durch die damalige Bundesregierung (Der Spiegel 1999). Der Einzug erfolgte zeitgleich mit dem zehnjährigen Jubiläum des IPC. Aufgrund der Professionalisierung und des damit einher‐ gehenden Zuwachses von Mitarbeitenden war der Platz nicht mehr dauer‐ haft ausreichend. Fortan wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat, des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) und der Stadt Bonn nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Anfang 2024 erfolgte schließlich der Umzug des IPC in die ehemalige Landesvertretung NRW in Bonn. [ACB] Wo wurden die Paralympics bisher ausgetragen? Die 9th International Stoke Mandeville Games fanden 1960 in Rom statt, im Nachgang zu den Olympischen Spielen. Auch wenn die Begriffe „Para‐ lympische Spiele/ Paralympics“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht verwendet wurden, gelten diese Wettkämpfe als erste Paralympische Spiele. Insgesamt nahmen 400 Sportler: innen aus 21 Ländern teil und traten in acht Sportar‐ ten gegeneinander an. Nach dem Erfolg dieser internationalen Premiere Die Paralympische Bewegung 169 <?page no="170"?> sollten die Internationalen Stoke Mandeville Games fortan alle vier Jahre im Nachgang und am selben Ort wie die Olympischen Spiele veranstaltet werden und in den Jahren dazwischen weiterhin in Stoke Mandeville. Dieser Vorsatz konnte 1964 auch in Tokio weiterhin eingehalten werden, als dort die Paralympischen Spiele nach den Olympischen Spielen stattfanden. Seitens des IOC gab es anfänglich keine intensiveren Bemühungen, die Verantwortlichen der jeweiligen Austragungsorte zur Durchführung der Paralympischen Spiele anzuhalten (Gold/ Gold 2007: 135). „The IOC which handled the bidding process for the Olympics, was only interested in candidate cities ability to meet the needs of elite athletes and made no stipulation that the Olympic city must host parallel games for athletes with disability“ (Gold/ Gold 2007: 135). Daraus folgte, dass einige Austragungsorte der Olympischen Spiele die Aus‐ richtung von Paralympischen Spielen in den Folgejahren verweigerten. Die Olympischen Spiele 1968 fanden in Mexiko statt. Bei den Verantwortlichen gab es jedoch Bedenken, dass „persons with spinal injuries would not survive in high altitudes and there were also no disability sport organizations operating in Mexico that could assist with planning and leadership“ (Legg/ Steadward 2011: 16). Darüber hinaus gab es finanzielle Einschränkungen und Probleme mit der Zugänglichkeit (Brittain 2010: 12). Die Paralympischen Spiele wurden daher in Tel Aviv ausgerichtet. Danach fanden die Paralympischen Spiele 1972 in Heidelberg und nicht, wie die Olympischen Spiele, in München statt. Einer der Gründe für diese Entscheidung bestand in der Absicht der Organisator: innen, das Olympische Dorf unmittelbar nach der Schlussfeier in Wohnungen umzuwandeln und sie zum Verkauf anzubieten (Brittain 2010: 12). 1976 nahmen erstmals auch Sportler: innen mit Sehbehinderungen und Amputationen an offiziellen Wettkämpfen der Paralympischen Spiele teil (Legg/ Steadward 2011: 16). Dieser Zuwachs an Teilnehmer: innen war einer der Gründe für Montreal, die Ausrichtung der Paralympischen Spiele im Anschluss an die Olympischen Spiele abzulehnen (Brittain 2010: 12). Daraufhin richtete Toronto die Paralympischen Spiele aus. Die Organisatoren der Olympischen Spiele Moskau 1980 und Los Angeles 1984 lehnten die Durchführung der Paralympischen Spiele von vornherein ab. Moskau erklärte diesbezüglich, dass es in der damaligen Sowjetunion keine Menschen mit Behinderungen gäbe und Paralympische Spiele daher unnötig seien (Kell et al. 2008: 66). Die Paralympischen Spiele 1980 fanden 170 Die Paralympische Bewegung <?page no="171"?> daher in Arnheim in den Niederlanden statt. Im Jahr 1984 wurden sie geteilt, sodass einige Wettkämpfe in New York und einige in Stoke Mandeville ausgetragen wurden. 1988 kam es schließlich zu der weiterhin geltenden Praxis, Paralympische Spiele im Anschluss an die Olympischen Spiele am selben Ort und sogar in denselben Wettkampfstätten in Seoul auszurichten. Ebenso wurden die Begriffe „Paralympische Spiele“ und „Paralympics“ offiziell eingeführt (Doll- Tepper 1999: 178). Die Spiele waren auch deshalb ein Meilenstein, weil das IOC offiziell verkündete, die künftigen Paralympischen Spiele immer am selben Ort wie die Olympischen Spiele durchzuführen ( Jahnke/ Schüle 2006: 12). Waren 1960 noch 400 Athlet: innen aus 21 Ländern bei den Paralympischen Spielen in Rom gemeldet, nahmen an den Paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4.400 Athlet: innen aus 180 Nationen teil. Seit 1976 werden regelmäßig auch Paralympische Winterspiele ausge‐ richtet, wobei die ersten vier Spiele an unterschiedlichen Orten stattfanden. Die Premiere war 1976 in Örnsköldsvik in Schweden, nicht am Ort der Olympischen Winterspiele in Innsbruck. 1980 fanden die Paralympischen Winterspiele im norwegischen Geilo statt, die Olympischen Winterspiele wiederum waren nach Lake Placid vergeben worden. 1984 und 1988 wurden die Paralympischen Winterspiele in Innsbruck ausgetragen und nicht in den olympischen Wintersportorten Sarajevo (1984) und Calgary (1988). Erst seit den Winterspielen von 1992 in Albertville-Tignes werden die Olympischen und Paralympischen Winterspiele am selben Ort durchgeführt (Tiemann 2013: 101). [ACB] Welches Logo hat die Paralympische Bewegung gewählt? Das erste paralympische Logo wurde für die Paralympischen Spiele 1988 in Seoul entworfen und basierte auf einem traditionellen koreanischen De‐ korationselement namens tae-guk. Die erste paralympische Flagge bestand aus fünf tae-guks, welche die fünf Ozeane und Kontinente darstellen sollten. Sie waren in denselben Farben gestaltet wie die Olympischen Ringe. 1991 forderte das IOC das International Coordinating Committee (ICC) formell dazu auf, das paralympische Logo zu ändern, weil dieses Symbol dem olympischen Emblem sehr ähnlich war und es zu Verwechslungen hätte kommen können (Brittain 2016: 29; Legg 2018a: 153). Die Paralympische Bewegung 171 <?page no="172"?> Nach den Paralympischen Winterspielen von 1994 in Lillehammer wurde ein neues paralympisches Symbol eingeführt, das eine neue, vereinfachte Version mit nur drei tae guks verwendet, die das neue Motto der Paralympics - Körper, Geist und Seele - repräsentieren. Die Flagge besteht nun aus drei Agitos (rot, blau und grün) auf weißem Hintergrund. Agito ist ein lateinisches Wort, es bedeutet: „Ich bewege mich“. Das Agito steht für die Bewegung und Entschlossenheit der paralympischen Athlet: innen. Erst 2004 stellte das IPC eine neue Corporate Identity und eine aufge‐ frischte Version des Agitos-Emblems vor: die drei Halbmonde wurden verändert, um ein prägnanteres visuelles Gleichgewicht mit konsistenten Formen und Ausrichtungen zu schaffen. Die Farben wurden aufgehellt, um sie mit denen der Olympischen Ringe in Einklang zu bringen. Das fiel mit der neuen Markenidentität des IPC und dem Slogan Change Starts with Sport zusammen. [ME] Was bedeutet „Klassifizierung“ im Zusammenhang mit den Paralympics? Bei den Paralympischen Spielen treten Athlet: innen mit unterschiedlichen Formen der Behinderung gegeneinander an. Dazu gehören körperliche Behinderungen, Einschränkungen der Sehfähigkeit oder auch intellektuelle Beeinträchtigungen. Mit dem Ziel, eine Vergleichbarkeit zwischen den Athlet: innen mit ihren individuellen Behinderungen zu gewährleisten und Chancengleichheit im Wettbewerb herzustellen, wurde das System der Klassifizierung eingeführt (Tiemann 2013: 102). Das bedeutet, dass die Athlet: innen auf der Grundlage gemeinsamer Merkmale klassifiziert und systematisch unterschiedlichen Startklassen zugeteilt werden. Zu Beginn der paralympischen Geschichte wurden die Athlet: innen ausschließlich entsprechend ihrer individuellen Behinderung bewertet, um schließlich gegen andere Athlet: innen mit ähnlichen Behinderungen anzu‐ treten. Die funktionalen Auswirkungen der Behinderung wurden dabei nicht berücksichtigt, sondern allein die medizinische Diagnose. Das wurde auch als medizinisches Klassifizierungssystem bezeichnet (Tweedy/ Vanlan‐ dewijck 2011: 262). Dieses System führte zu einer hohen Anzahl von Wett‐ bewerben, die für Zuschauer: innen und Medien nicht besonders attraktiv waren. Aus diesem Grund wurde ein funktionales Klassifizierungssystem 172 Die Paralympische Bewegung <?page no="173"?> entwickelt und bei den Paralympischen Spielen Barcelona 1992 eingeführt (Mataruna 2007: 333). „The functional classification system was designed to categorize or classify indivi‐ dual sporting participants by their ability to undertake certain physical tasks“ ( Jones/ Howe 2005: 137). Die Generalversammlung des IPC hat 2007 erstmals den Klassifizierungs‐ code beschlossen, der Leitlinien und Regeln zur Umsetzung der Klassifizie‐ rung enthält (Tweedy/ Vanlandewijck 2011: 259). Dieses Regelwerk wird regelmäßig überprüft und fortlaufend weiterentwickelt. Das Klassifizierungssystem im paralympischen Sport ist sehr komplex und es gibt für einzelne Sportarten zudem unterschiedliche Regelungen, da die Auswirkungen einer Behinderung in den einzelnen Sportarten unter‐ schiedlich stark sein können. Um an Paralympischen Spielen teilnehmen zu können, müssen die Athlet: innen eine Behinderung haben, die sich einer bestimmten Beeinträchtigungsgruppe zuordnen lässt. Das IPC legt sie wie folgt fest: Beeinträchtigung der Muskelkraft, Be‐ einträchtigung des passiven Bewegungsapparats, Fehlen von Gliedmaßen, Beeinträchtigung durch unterschiedliche Beinlänge, Kleinwuchs, Muskel‐ hypotonie, Ataxie, Athetose, Beeinträchtigung der Sehkraft und intellektu‐ elle Beeinträchtigung (Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2014: 9ff.). Menschen mit Hörbehinderungen nehmen nicht an Paralympischen Spielen teil. Sie sind historisch bedingt in eigenen Strukturen organisiert und können an den Deaflympics, den Weltspielen für Hörgeschädigte, teilnehmen. Verantwortlicher Weltverband ist das Comité International des Sports des Sourds (CISS), das 1995 aus dem IPC ausgetreten ist (Brittain 2016: 37). Durch die unterschiedlichen Beeinträchtigungsgruppen sind die Wettbe‐ werbe in den einzelnen Sportarten stark ausdifferenziert und es gibt bei den Paralympics deutlich mehr Medaillenevents als bei den Olympischen Spielen (Tiemann 2013: 102). 2024 gab es beispielsweise bei den Paralympi‐ schen Spielen in Paris 549 Wettbewerbe in 22 Sportarten, während es bei den Olympischen Spielen 329 Wettbewerbe in 32 Sportarten (28 olympische Kernsportarten sowie vier weitere Sportarten) gab. Das Klassifizierungssystem ist jedoch nicht unumstritten. Die Streichung oder Zusammenlegung von Wettbewerben führt manchmal zu einem Ver‐ lust von Startmöglichkeiten oder verminderten Erfolgsaussichten für ein‐ zelne Athlet: innen. Besonders die Klassifizierung von Athlet: innen mit Die Paralympische Bewegung 173 <?page no="174"?> geistigen Behinderungen kann Schwierigkeiten aufwerfen. Vereinzelt gibt es auch Manipulationsversuche, zum Beispiel, wenn Athlet: innen eine ge‐ ringere Funktionalität vorgeben, um eine Klassifizierung mit einer höheren Aussicht auf Gewinn zu erreichen. Das IPC ist sich dieses Problems bewusst und hat im aktuellen Klassifizierungscode ein eigenes Kapitel mit Regeln und Folgen vorsätzlicher Falschdarstellung festgelegt (IPC 2024). Das Klassifizierungssystem mit einheitlichen Kriterien stellt eine fort‐ währende Herausforderung innerhalb der Paralympischen Bewegung dar. Es braucht zudem gut ausgebildete und erfahrene Klassifizierer: innen, um faire Wettbewerbsbedingungen für die Athlet: innen zu gewährleisten und zugleich die Anzahl der Wettbewerbe so zu gestalten, dass diese attraktiv für Zuschauer: innen, Medien und Sponsoren sind. [ACB] Wie ist das Verhältnis zwischen dem Internationalen Paralympischen Komitee und dem Internationalen Olympischen Komitee? Ludwig Guttmann zog früh Parallelen zur Olympischen Bewegung und ins‐ besondere zum IOC, mit dem er stets eine enge Zusammenarbeit anstrebte. Derzeit beruht die Beziehung zwischen IOC und IPC auf einer Vereinbarung, die bis 2032 in Kraft ist. Sie besagt, dass das Organisationskomitee der Olympischen Spiele auch die Paralympischen Spiele verpflichtend organi‐ sieren muss. Zudem sollen beide Organisationen an der Sichtbarkeit der Paralympischen Spiele und dieser Marke sowie an der Umsetzung der „Olympic Agenda 2020+5“ arbeiten. Für das IPC bedeutet diese Vereinbarung finanzielle Stabilität über einen relativ langfristigen Zeitraum (IPC 2018). Solche Verträge gehen zurück auf das erste offizielle Abkommen aus dem Jahr 2000. Vor der offiziellen Entstehung des IPC 1989 gab es keine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Strukturen im Behindertensport. In den Anfängen von Guttmanns Bewegung ab 1949 akzeptierte das IOC die Bewegung und erkannte Guttmanns Arbeit beispielsweise durch die Verlei‐ hung des → Fearnley Cups an, strebte jedoch keine enge Zusammenarbeit oder gar Integration an (Mason 2002: 113f.). Ab 1976 kamen Guttmann und das IOC in engeren Kontakt, jedoch nicht aufgrund von Kooperationsbestrebungen, sondern wegen Uneinigkeiten über die Verwendung des Begriffs „Paralympics“ sowie über die Symbolik der Veranstaltungen (Brittain 2010: 24-27). In dieser Zeit zeichnete sich das 174 Die Paralympische Bewegung <?page no="175"?> ungleiche Machtverhältnis der beiden Organisationen ab - David Howe beschreibt das IPC als „kleinen Bruder“ des IOC (Howe 2021: 241). In den Gesprächen um die offizielle Anerkennung von Guttmanns Or‐ ganisation stellte das IOC Bedingungen. Dazu gehörten das Verbot der Nutzung des paralympischen Begriffs sowie die vollständige Anpassung der Regeln und Prinzipien an die der Olympischen Bewegung (Brittain 2010: 26f.). Auch in Bezug auf die seit 2000 bestehenden Abkommen werden die Machtverhältnisse der beiden Organisationen deutlich. Zwar ermöglicht finanzielle Unterstützung durch das IOC dem IPC eine fortschreitende Professionalisierung. Die Nutzung der olympischen Sportstätten bietet den Athlet: innen zudem optimale Bedingungen, um ihrem Sport nachzugehen. Gleichzeitig geht damit jedoch eine stärkere Abhängigkeit von externen Strukturen einher, was die eigenständige Entscheidungsfreiheit des IPC in bestimmten Bereichen einschränken kann. Die Verträge legen fest, dass das IOC für das Branding und Marketing der Paralympischen Spiele verantwortlich ist, wodurch die öffentliche Wahrnehmung nicht vom IPC, sondern vom IOC gesteuert wird (Howe 2021: 245ff.; Howe/ Silva 2016: 125f.). Auch das IOC profitierte von der Partnerschaft, insbesondere im Hinblick auf sein öffentliches Ansehen: Nach den Imageverlusten infolge des Salt Lake City-Skandals bot die Zusammenarbeit mit dem IPC die Möglichkeit, sich als fördernde und inklusive Organisation zu präsentieren. Die 2020 erneuerte Vereinbarung zur langfristigen Kooperation unterstreicht das strategische Interesse beider Seiten an einer verstärkten institutionellen Verflechtung (Howe 2021: 244). [ME] Linktipp | Hier die Stimmen des IPC-Präsidenten Andrew Parsons und des IOC-Präsidenten Thomas Bach über die Vereinbarung der beiden Organisationen, welche bis 2032 gilt: https: / / www.paralympic.org/ news / ioc-and-ipc-partner-until-2032. Welchen Einfluss haben die Paralympics auf die Gesellschaft? Die Paralympischen Spiele sind die bedeutendste Sportveranstaltung für Menschen mit Behinderungen. Seit ihren Anfängen 1948 in Stoke Man‐ Die Paralympische Bewegung 175 <?page no="176"?> deville ist die Zahl der teilnehmenden Nationen sowie der Athlet: innen kontinuierlich angestiegen. Einen aktuellen Höhepunkt bilden die Para‐ lympischen Spiele Paris 2024 mit rund 4.400 Athlet: innen aus über 180 Ländern. Der Sport von Menschen mit Behinderungen hat in den letzten Jahrzehnten einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren und begeistert Zuschauer: innen, Medien, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Die Pa‐ ralympischen Spiele mit ihrer Strahlkraft und ihren starken Botschaften stehen für gesellschaftlich relevante Werte und ein überwiegend positives Image. Im Rahmen der Eröffnungsfeier der Pariser Spiele von 2024 wurden die Paralympics auch als „Revolution der Inklusion“ bezeichnet. Die Idee der → Inklusion basiert auf dem Gedanken von Vielfalt und darauf, dass jedes Individuum unterschiedlich ist und jeder für sich ein Wunsch- und Wahlrecht hinsichtlich der aktiven oder passiven Teilhabe am Sport besitzt (Doll-Tepper 2001: 66). Den Gedanken der Inklusion legt auch die UN- Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) zugrunde, die 2006 von der Ge‐ neralversammlung der Vereinten Nationen angenommen wurde und die nach der Ratifizierung des Deutschen Bundestages seit März 2009 auch in Deutschland in Kraft getreten ist. Dabei ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die UN-BRK keine Son‐ derrechte schafft. Sie konkretisiert vielmehr die universellen Rechte für Menschen mit Behinderungen und verpflichtet alle staatlichen Stellen, einen von Diskriminierung freien Zugang und eine umfassende Teilhabe zu ermöglichen (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen 2024). In Artikel 30 Absatz 5 der UN-BRK ist die Teilhabe am Sport ausdrücklich aufgeführt. Die erfolgreiche Entwicklung der Paralympischen Spiele darf nicht dar‐ über hinwegtäuschen, dass es im Bereich des Breitensports von Menschen mit Behinderungen noch massiven Nachholbedarf gibt. Das hat unter ande‐ rem der ehemalige Präsident des IPC, Philip Craven, im Jahr 2010 deutlich gemacht (Craven 2010: 9). Der 3. Teilhabebericht der Bundesregierung zu den Lebenslagen der Menschen mit Behinderungen in Deutschland zeigt, dass es einen signifikanten Unterschied beim Anteil von Menschen mit und ohne Behinderung gibt, die nach eigener Angabe nie Sport treiben (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2021: 221). Sport hat jedoch gerade für Menschen mit Behinderungen viele positive Effekte. Er ist unter anderem ein wesentliches Element für die Gesundheits‐ prävention, ein aktives Leben und hilft dabei, Selbstbewusstsein zu entwi‐ 176 Die Paralympische Bewegung <?page no="177"?> ckeln und Ängste zu überwinden (Espagnac 1986: 136). Darauf basiert auch Guttmanns Vision. Er wollte nicht nur eine erfolgreiche Veranstaltung ins Leben rufen, sondern die Situation von Menschen mit Behinderungen durch Bewegung und Sport nachhaltig verbessern. Um seine Lebensleistung und die Bedeutung seiner Arbeit für den Sport von Menschen mit Behinderungen zu würdigen, wurde er im Mai 2014 als Begründer der Paralympics in die Hall of Fame des Deutschen Sports aufgenommen. Das IPC verfolgt die Vision Ludwig Guttmanns auch heute noch. Es hat daher im August 2021 mit verschiedenen internationalen Partnern, wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder UN Human Rights, eine auf zehn Jahre angelegte Kampagne gestartet, mit der es auf die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen möchte. Die Kampagne #WeThe15 rückt die 1.2 Milliarden Menschen mit Behinderungen und somit 15 Prozent der Weltbevölkerung in den Fokus, um die Gesellschaft inklusiver zu gestalten und mehr Teilhabe zu ermöglichen. Für umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist neben guten Rahmenbedingungen wie barrierefreien Sportstätten, ausreichend Sportangeboten und entsprechenden Trainingssowie Fördermöglichkeiten auch ein Bewusstseinswandel nötig, um Barrieren in den Köpfen der Men‐ schen ohne Behinderung abzubauen. Die Paralympischen Spiele können in dieser Hinsicht ein Katalysator für die gesamte Gesellschaft sein. Dies zeigt sich auch in einer Studie der Organisation Aktion Mensch, der zufolge über 60 Prozent der Befragten der Auffassung sind, dass die Paralympischen Spiele die Inklusion in der Gesellschaft fördern. Mehr als 70 Prozent sehen darin einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen (Aktion Mensch 2025). Die paralympischen Athlet: innen mit ihren persönlichen Geschichten und sportlichen Leistungen sind Vorbilder und Inspiration. Craven formu‐ lierte bereits im Jahr 2014 in einem Audiobeitrag des Journalisten Ronny Blaschke zu den Paralympics: „Die Wahrnehmung in der Gesellschaft lässt sich nicht allein durch schärfere Gesetze verändern, sondern nur durch positive Erfahrungen“ (Blaschke 2014). [ACB] Die Paralympische Bewegung 177 <?page no="179"?> Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System Gemäß den Worten aller Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees und vor allem der 2025 neu gewählten IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sollen die Athlet: innen im Zentrum der Olympischen Spiele stehen. Welche Leitlinien und Initiativen für die Umsetzung dieser Ziel‐ setzung angewandt, reformiert und auch neu entwickelt worden sind, wird in diesem Kapitel analysiert. <?page no="180"?> Warum war das Prinzip des Amateurismus ein Problem für olympische Athlet: innen? Die Grundlage für den erzieherischen Anspruch des Sports, den Pierre de Coubertin mit der Wiedereinführung der Olympischen Spiele verband, beruhte auf der Überzeugung, dass die olympischen Athleten sich dem Amateurstatus verpflichtet fühlen mussten. Nach Ansicht von Coubertin führte der rein auf den finanziellen Gewinn ausgerichtete Profisport zu einer übertriebenen Wettkampfhärte und zur Aushöhlung des Fair Play- Gedankens ( ↠ Wann wurde die moderne Olympische Bewegung offiziell gegründet? ). Die Position von Coubertin wurde von seinen Nachfolgern im Amt des IOC-Präsidenten aufgenommen und als Leitlinie für die Integrität des olym‐ pischen Sports manifestiert. Profisportler: innen wurden als unehrenhaft gebrandmarkt, da sie die erzieherischen Kerngedanken des Olympismus aushöhlen würden. Dementsprechend kompromisslos wurden die olympi‐ schen Zulassungsregeln in der „Olympic Charter“ formuliert. Athlet: innen war es untersagt, gegen Profisportler: innen anzutreten, fi‐ nanzielle Unterstützungsstrategien zu akzeptieren, Startgelder anzunehmen und auswärtige Trainingslager mit einer Dauer von über 21 Tagen zu absolvieren. Diese strikte Auslegung der Amateurregeln widersprach der Realität des modernen Leistungssports mit seinen politischen, sportpoliti‐ schen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und der Lebenssituation der Sportler: innen. Für sie war es nahezu unmöglich, Spitzensport und Beruf/ Berufsausbildung zur Sicherung des Lebensunterhaltes miteinander zu verbinden. Das Aufkommen eines „Schein-Amateurismus“, bei dem Athlet: innen ihren Profi-Status verschleierten, um den olympischen Zulas‐ sungsregeln zu entsprechen, war die logische Konsequenz der unzeitgemä‐ ßen Amateurregelung. Athlet: innen, die offen über die Notwendigkeit sprachen, Start- und Werbegelder angenommen zu haben, wurden vom IOC von den olympi‐ schen Wettkämpfen rigoros ausgeschlossen. Daraus ergab sich folgende paradoxe olympische Realität: Die Amateur: innen waren die eigentlichen unehrenhaften Sportler: innen, da sie die olympischen Zulassungsregeln aushöhlen mussten, um bei den Olympischen Spielen eine Starterlaubnis zu erhalten. Die Ehrlichkeit der Profisportler: innen wurde längst nicht mehr angezweifelt, da sie offen über ihre Einkünfte im Sport sprachen; allerdings wurden diese von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die 180 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="181"?> Verdrehung dieser Tatsache führte ab Mitte der 1970er Jahren zunehmend zu einer negativen Öffentlichkeitswirkung über die Glaubwürdigkeit des olympischen Sports und dessen Hauptakteur: innen: den Spitzenathlet: innen (Wassong 2022: 385). Entscheidende Veränderungen der unzeitgemäßen Amateurregel und die damit einhergehende Anpassung an eine sich kontinuierlich modernisie‐ rende Sportwelt setzten vor allem unter IOC-Präsident Juan Antonio Sama‐ ranch ein. Auf dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden ( ↠ -Wozu dienen Olympische Kongresse? ) und der sich unmittelbar anschließenden IOC-Session wurden wichtige Rahmenbedingungen für eine schrittweise Öffnung der Olympischen Spiele für Profisportler: innen beschlossen. So wurde einer Ausweitung finanzieller Unterstützungsstrategien und der Durchführung von auswärtigen Trainingslagern ohne Zeitbegrenzung zu‐ gestimmt. Athlet: innen, die Verträge mit Profivereinen und -ligen unter‐ schrieben hatten, wurden nach wie vor ausgeschlossen. Diese noch verblei‐ benden Einschränkungen wurden jedoch nach den Olympischen Spielen von Los Angeles 1984 noch aufgelöst, sodass in Seoul 1988 erstmals Profis of‐ fiziell an den Olympischen Spielen teilnehmen konnten (Bertling/ Wassong 2016: 437ff.). Die deutsche Tennis-Spitzenspielerin Stefanie Graf gewann die Goldmedaille im Einzel. Tennis war bei den Olympischen Spielen Los Angeles 1984 noch Demonstrationssportart und daher nicht im offiziellen Programm der Olympischen Spiele vertreten. Ein weiteres sehr deutliches Zeichen für die Zulassung von Profiathlet: innen bei den Olympischen Spielen war die Teilnahme US-amerikanischer Basketballstars der National Basketball Association (NBA) an den Olympischen Spielen Barcelona 1992. Spitzenspieler und -verdiener wie Magic Johnson, Larry Bird, Michael Jordan, Charles Barkley und Scottie Pippen waren die Stars des sogenannten Dream Team, das für die USA die Goldmedaille gewann (Wassong 2022: 385). Mit der Öffnung der Olympischen Spiele für Berufssportler: innen gewan‐ nen Athlet: innen auf der Zulassungsebene ihre Glaubwürdigkeit für eine vorurteilsfreie Teilnahme an den Olympischen Spielen zurück. Darüber hinaus erhielten sie die Möglichkeit, die finanziellen Möglichkeiten für ihre Lebensgestaltung nach der leistungssportlichen Karriere zu sichern bzw. aufzubauen. [SW] Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 181 <?page no="182"?> Haben aktive Athlet: innen eine Stimme im Internationalen Olympischen Komitee? Nur wenige Monate nach dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden entschied das Executive Board des IOC über die Einführung einer Athle‐ tenkommission. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch ernannte sechs Athlet: innen zu Mitgliedern (Wassong 2021: 12ff.). Thomas Bach, der bei den Olympischen Spielen Montreal 1976 die Goldmedaille im Fechten gewonnen hatte und das Amt des IOC-Präsidenten von 2013 bis 2025 ausübte, war eines der Gründungsmitglieder der Kommission. Bis heute kann die Zahl der Kommissionsmitglieder auf maximal 23 ansteigen: Zwölf müssen von Athlet: innen bei den Olympischen Spielen (acht bei den Olympischen Spielen und vier bei den Olympischen Winterspielen) gewählt und bis zu elf können vom IOC-Präsidenten ernannt werden. Alle gewählten und ernannten Mitglieder müssen den Status active athlete haben. Dieser wird in der „Olympic Charter“ definiert und schließt Athlet: innen mit ein, die vier Jahre vor den jeweils aktuell durchgeführten Olympischen Spielen und Olympischen Winterspielen an dem Weltsportereignis teilgenommen haben (Olympic Charter 2025: 37). Bis 2000 waren die Mitglieder der Athletenkommission lediglich in beratender Funktion tätig, hatten keine Repräsentanz im IOC und damit auch keine Möglichkeit, die Entscheidungen der größten Organisation im internationalen Sport mitzubestimmen. Dies änderte sich allerdings durch die Beschlüsse der IOC-Reformkommission 2000, die 1999 von Samaranch gegründet worden war. Anlass dafür war die zunehmende Kritik aus der (Sport-)Politik, Wirtschaft, den Medien und der sportaffinen Öffentlichkeit an intransparenten und ethisch fragwürdigen Entscheidungsleitlinien des IOC. Der 1998 aufgedeckte Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympi‐ schen Winterspiele 2002 nach Salt Lake City war wohl die Hauptursache für das Aufkommen und die Ausbreitung der kritischen Stimmung gegenüber dem IOC. Im Dezember 1999 fand in Lausanne eine außerordentliche IOC-Session statt, auf der ein umfangreiches Reformpaket verabschiedet wurde, um die Zukunftssicherheit der Olympischen Bewegung zu erhalten. Neben Beschlüssen zur Unterstützung der WADA, zur Erhöhung der Transparenz bei finanziellen Entscheidungsprozessen, zur Festlegung des Sportartenpro‐ gramms bei den Olympischen Spielen auf 280 Sportarten und zur Bestim‐ mung von neuen Richtlinien für IOC-Mitglieder bei Bewerbungsverfahren 182 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="183"?> um die Vergabe von Olympischen Spielen wurde auch die Zusammen‐ setzung des IOC reformiert. Die gewählten zwölf Athlet: innen aus der Athletenkommission sollten zukünftig IOC-Mitglieder werden; zusätzlich sollten auf Vorschlag des IOC-Präsidenten drei weitere Athlet: innen aus der Kommission ins IOC gewählt werden. Auf der Grundlage dieser Reform sind nun 15 Athlet: innen Mitglieder im IOC. In ihrer Anzahl sind sie gleichberechtigt mit Präsident: innen von NOCs und IFs vertreten. Die Stimme der Athlet: innen im IOC wird noch zusätzlich dadurch gestärkt, dass der/ die Vorsitzende der Athletenkommission aus den Reihen der gewählten Kommissionsmitglieder per Wahl bestimmt werden muss; sie/ er erhält dann automatisch eine Stimme im Executive Board des IOC (Wassong 2023c: 125ff.). Für die Athlet: innen war dies ein Wendepunkt in der Akzeptanz ihrer Position im olympischen Sport. Als eigentliche Hauptakteure bei den Olympischen Spielen wurde ihre Rolle nicht mehr auf das reine Erbrin‐ gen der athletischen Leistung reduziert. Ihre langjährigen Erfahrungen im olympischen Wettkampf- und Trainingsbetrieb und dessen vielfäl‐ tige Wechselwirkungen mit beruflichen und privaten Alltagskontexten konnten mit in Entscheidungsprozesse des IOC einfließen. Zweifelsohne stiegen damit nicht nur die Rechte der Athletenvertreter: innen in der Kommission, sondern auch deren Verantwortung, die Stimme der olym‐ pischen Sportler: innen authentisch und verantwortungsvoll im IOC zu vertreten. Die Athletenkommission hat sich dieser Aufgabe angenommen und die Deklaration „Athletes’ Righs and Responsibilities“ entwickelt, die nach einem Konsultationsprozess mit 4.292 Athlet: innen von mehr als 120 Sportdisziplinen und aus 190 Ländern entwickelt worden ist. Die Dekla‐ ration wurde auf der IOC-Session in Buenos Aires 2018 verabschiedet und wird seitdem immer wieder aktualisiert. [SW] Literatur- und Linktipp | Interessante Informationen über die vielfäl‐ tigen Initiativen und Handlungsfelder der Athletenkommission im IOC und deren Zusammensetzung sind zu finden unter: https: / / www.olymp ics.com/ ioc/ athletes-commission. Die Entstehung und Entwicklung der Athletenkommission im IOC ist in der Publikation von Stephan Wassong The International Olympic Committee Athletes’ Commission. Its Foundation, Development and Tran‐ sition detailliert beschrieben. Es wird vor allem aufgezeigt, wann und Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 183 <?page no="184"?> durch welche sportpolitischen Entscheidungsprozesse die Mitglieder: in‐ nen der Athletenkommission nicht mehr nur ernannt, sondern von Ath‐ let: innen gewählt wurden, und warum dann ab 2000 Athlet: innen der Kommission zu IOC-Mitgliedern wurden: https: / / library.olympics.com/ Default/ doc/ SYRACUSE/ 1089023/ the-international-olympic-committee -athletes-commission-its-foundation-development-and-transition-19. Welche Ziele verfolgt das Internationale Olympische Komitee mit dem Projekt Athlete365? Im Rahmen der „Olympic Agenda 2020“ möchte das IOC die Athlet: innen stärker in das Zentrum der Spiele rücken und sie innerhalb und außerhalb von Wettkampf und Training besser unterstützen. Dazu heißt es in der Empfehlung 18 der Agenda: „The IOC to put the athletes’ experience at the heart of the Olympic Games. The IOC to further invest in supporting on and off the field of play“ (IOC 2014: 17). Das Projekt Athlete365 hatte die Athletenkommission des IOC entwickelt und anlässlich des 8. Internationalen Athletenforums im November 2017 (IOC 2017c) offiziell eingeführt. Danka Barteková, Mitglied der IOC-Athle‐ tenkommission und Gewinnerin der Bronzemedaille im Skeetschießen bei den Olympischen Spielen London 2012 sowie mehrfache Medaillengewin‐ nerin bei Welt- und Europameisterschaften, sagte dazu: „Athlete365 is a new concept of communication with athletes that will bring it to a higher level. […] We want to support athletes and communicate with them not only during Games-time, but every day - on their journey to the Games, and after the Games are over” (IOC 2017b: 28). Die Einführung von Athlete365 ist ein gutes Beispiel dafür, dass Athlet: innen mehr Mitsprache in der Olympischen Bewegung erreicht haben und sie heute dort eine spürbare Unterstützung erfahren (Chappelet 2020: 801f.). Das Projekt Athlete365 versteht sich als eine zentrale Anlaufstelle für Athlet: innen, um sich international zu vernetzen, Erfahrungen auszutau‐ schen und von Expertenwissen zu profitieren. Dafür werden zeitgemäße Kommunikationswege und -technologien ebenso genutzt wie die digitale Plattform namens Athlete365 Career+. 184 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="185"?> Athlet: innen schätzen diese Plattform, weil sie eine Vielzahl von digitalen Ressourcen bietet, um sich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten und dabei unter anderem von Erfahrungen anderer Athlet: innen zu profitieren. Über dieses sportliche Ziel hinaus lassen sich auch wertvolle Informationen über Gesundheitsthemen, das Umfeldmanagement im Sport, Karriere- und Bildungswege während und nach der aktiven Zeit als Athlet: in abrufen, sowie berufliche und soziale Netzwerke knüpfen. Das IOC entwickelt Athlete365 mit verschiedenen professionellen Part‐ nern kontinuierlich weiter, sodass auf die sich ändernden sportlichen, gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen reagiert werden kann. Dazu gab das IOC im Mai 2020 eine Umfrage in Auftrag, um die Her‐ ausforderungen zu analysieren, mit denen Athlet: innen und ihr Umfeld während der COVID-19-Pandemie konfrontiert worden waren. Ziel war es, die Ergebnisse der Umfrage über Athlete365 gezielt zu verbreiten, um Athlet: innen für die Herausforderungen der Pandemie in sportlichen und außersportlichen Lebensbereichen zu sensibilisieren (IOC 2020). Erfreulicherweise bieten nun auch immer mehr NOCs und IFs Platt‐ formen mit dedizierten Dienstleistungen in den Bereichen Ausbildung, Prävention, Karriereberatung und Umfeldmanagement für Athlet: innen an. Beispiele sind die sogenannten Athlete Hubs vom Canadian Olympic Committee, von Swiss Olympic oder auch vom Deutschen Olympischen Sportbund. Diese Bereitstellung von Informationen ist nicht nur für die Ath‐ let: innen selbst wichtig, sondern sie hilft auch Trainer: innen, Sponsor: innen, Arbeitgeber: innen, Lehrkräften und medizinischem Betreuungspersonal, die alltäglichen Herausforderungen der Athlet: innen im Spitzensport besser zu verstehen und zu koordinieren. Gemäß den statistischen Angaben, die vom IOC 2025 zum Zweck der Projektevaluation von Athlete365 erhoben worden sind, nutzen mehr als 200.000 Teilnehmer: innen an Olympischen und Paralympischen Spielen, Eliteathlet: innen und Personen aus deren Umfeld diese digitale Plattform. Athlete365 Career+ unterstützt durch Programme mehr als 60.000 Athlet: in‐ nen für die Karriere nach dem aktiven Spitzensport (IOC o.D.-c). [PW] Linktipp | Interessante Detailinformationen zur Plattform Athlete365 für Athlet: innen und deren Umfeld finden sich auf der Athlete365-Internet‐ seite: https: / / www.olympics.com/ athlete365/ topics/ career-plus. Gute Bei‐ spiele für sogenannte Athlete Hubs sind die entsprechenden Internetsei‐ Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 185 <?page no="186"?> ten des DOSB: https: / / www.dosb.de/ athletenservice; sowie von Swiss Olympic: https: / / www.swissolympic.ch/ en/ athleten-trainer/ eltern-erzie hungsberechtigte/ familie-soziales-umfeld. Welche Möglichkeiten besitzen Athlet: innen, um bei Olympischen Spielen ihre Meinung frei zu äußern? Bei den Olympischen Spielen Mexico City 1968 kam es während der Me‐ daillenzeremonie für den 200-Meter-Lauf zu einem sportpolitischen Eklat. Akteure waren die beiden schwarzen US-Athleten Tommie Smith und John Carlos, die zuvor die Gold- und die Bronzemedaille gewonnen hatten. Auf dem Siegerpodium senkten sie beim Abspielen der Nationalhymne ihre Köpfe und hoben einen Arm empor, an dessen Hand sie einen schwar‐ zen Handschuh trugen. Das war ein politischer Protest für die → Black Power-Bewegung. Auf diese Weise demonstrierten Smith und Carlos gegen die Rassendiskriminierung in den USA. Das IOC und das NOC der USA schlossen beide Athleten umgehend von den Olympischen Spielen aus und veranlassten deren Ausreise in die USA. In den Folgejahren des Kalten Krieges und der Positionierungen gegen Rassendiskriminierung untersagte das IOC-Protokoll Athlet: innen jegliche Formen der Meinungsäußerung bei Olympischen Spielen. Ab 1975 wurde diese Handlungsleitlinie fortschreitend formalisiert und im Wortlaut modifiziert. Aus Artikel 55 der „Olympic Charter“ wurde die Grundlage für den Artikel 50(3), der 2011 eingeführt wurde und der bis heute unter Artikel 50(2) Demonstrationen, politische, religiöse und rassis‐ tische Propaganda auf den sogenannten Olympic sites und venues verbietet (Olympic Charter 2011: 91; Olympic Charter 2025: 94). 2023 erfolgte seitens des IOC eine Überarbeitung der „Fundamental Principles of Olympism“. Vorrangiges Ziel der Revision war die Stärkung der eigenen Haltung für Menschenrechte im Sport. In Einklang mit den United Nations’ Guiding Principles on Business and Human Rights (UNGPs) wird dabei das Recht der freien Meinungsäußerung nun explizit in Artikel 40(2) der „Olympic Charter“ aufgenommen ( James 2023: 267): 186 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="187"?> „All competitors, team officials or other team personnel in the Olympic Games shall enjoy freedom of expression in keeping with the Olympic values and the Fundamental Principles of Olympism […]“ (Olympic Charter 2023: 79). Die Einführung dieses Artikels führt nach Ansicht des IOC aber nicht zur Aushöhlung des Artikels 50(2). Mit Bezug auf Artikel 19(3) des International Covenant on Civil and Political Rights (ICCPR) und Artikel 10(2) der European Convention on Human Rights (ECHR) wird deutlich, dass das Recht der freien Meinungsäußerung nicht absolut gesetzt werden kann (Modi 2023: 380). Einschränkungen ergeben sich, wenn Formen der freien Meinungsäußerung mit bewussten Störungen von juristisch und protokollarisch geregelten Abläufen, Provokationen, Aggressionen und Manipulationen verbunden werden. Das IOC versucht auf diesem Wege, die gewünschte politische Neutralität des olympischen Sports zu manifestieren ( James 2023: 268). Es sieht darin eine Grundvoraussetzung, die Internationalität der Olympischen Spiele und - wie es in den „Fundamental Principles of Olympism“ der „Olympic Charter“ herausgehoben wird - das friedvolle Miteinander der Athlet: innen zu schützen. Zweifelsohne ist dies eine große Herausforde‐ rung, da bei den Olympischen Spielen rund 10.500 Sportler: innen von mehr als 200 NOCs antreten. Vor dem Hintergrund dieser Handlungsleitlinien werden die Athlet: innen darüber informiert, dass das Recht der freien Meinungsäußerung unter anderem in Interviews außerhalb der Wettkampfstätten, bei Pressekonfe‐ renzen im International Broadcasting Centre (IBC) und Main Media Centre (MMC), vor dem Wettbewerb in den sogenannten Call Rooms der Stadien, in den traditionellen und sozialen Medien möglich ist. Klare Begrenzungen gibt es allerdings in den Wettkampfstätten bei Siegerehrungen, um die Würdigung der sportlichen Leistungen nicht zu stören, und in laufenden Wettbewerben zum Schutz der möglichst optimalen Leistungsausführung. Im Olympischen Dorf sind Diskussionsräume zum kontrollierten Austausch von Meinungen vorhanden. Provozierende Formen der Meinungsäußerun‐ gen in Form von verbalen Beiträgen, Gesten und Kleidungssymbolik mit politischer Ausrichtung sind hingegen nicht gestattet. Es würde die Sicher‐ heit im Olympischen Dorf gefährden und seine Bedeutung als zentrale friedliche Begegnungsstätte für die Sportler: innen der unterschiedlichen Nationen aushöhlen (IOC Athletes’ Commission 2024). Verstöße gegen die vorgegebenen Richtlinien werden vom IOC und den NOCs, deren Athlet: innen betroffen sind, untersucht und besprochen. Die Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 187 <?page no="188"?> Sanktionsmaßnahmen zeigen dabei eine Entscheidungsbreite auf, die die Möglichkeiten einer individuellen Fallbeurteilung zulässt. [SW] Linktipp | Das geradezu ikonisch gewordene Bild von der Siegerehrung kann unter folgendem Link gefunden werden: https: / / www.bbc.com/ cu lture/ article/ 20231011-in-history-how-tommie-smith-and-john-carloss -protest-at-the-1968-mexico-city-olympics-shook-the-world. Haben Athlet: innen die Möglichkeit, die olympischen Wettkämpfe für individuelles Sponsoring zu nutzen? Die Olympischen Spiele mit ihrer globalen Ausstrahlung bieten für Ath‐ let: innen attraktive Möglichkeiten, um über persönliches Sponsoring finan‐ zielle Einnahmen zu erzielen und ihre Karriereverläufe zu optimieren. Das IOC gibt dafür Rahmenbedingungen vor. Vielleicht mag dies nicht überraschend erscheinen, weil die Spiele ab den 1980er Jahren für Profisport‐ ler: innen geöffnet worden sind und das IOC den Sponsorenkreis des TOP programme ( ↠ Warum wurde The Olympic Partner (TOP) programme für Sponsoren gegründet? ) eingeführt hat. Doch zum Schutz der Exklusivrechte der IOC-Sponsoren wurden anfangs generell alle individuellen Sponsorin‐ gaktivitäten als Verstoß gegen die „Olympic Charter“ geahndet und je nach der Schwere des Verstoßes unterschiedlich sanktioniert. Nach den Olympischen Spielen London 2012 wurden liberalere Richtlinien eingeführt, die bis zu den Olympischen Spielen Tokio 2020/ 21 detaillierter formuliert wurden. Diese Entwicklung ist unter anderem auf eine zunehmende Dia‐ logbereitschaft zwischen dem IOC Executive Board und institutionellen Vertretungen von Athlet: innen auf nationaler und internationaler Ebene zurückzuführen (Abeza 2021: 139ff.). In der „Olympic Charter“ aus dem Jahr 2025 heißt es in der Bye-law to Rule 40 (3): „Competitors, team officials and other team personnel who participate in the Olympic Games may allow their person, name, picture or sports performances to be used for advertising purposes during the Olympic Games in accordance with the principles determined by the IOC Executive Board“ (Olympic Charter 2025: 80). Die Richtlinien des IOC Executive Board werden zumeist ein Jahr vor den Olympischen Spielen und den Olympischen Winterspielen in der Handrei‐ 188 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="189"?> chung „Commercial Opportunities for Participants during the Olympic Games“ publiziert. Im Kern erklärt dieses Dokument Key Principles, die den Umgang der Athlet: innen mit werblicher Präsentation ihrer Sponsoren in Interviews, Printmedien, TV, Social-Media-Kanälen und Pressemitteilungen erklären. Diese Richtlinien setzen neun Tage vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele ein und dauern bis zum dritten Tag nach der Schlussfeier an. Ath‐ let: innen sollten zusätzlich beachten, dass die vom IOC ausgearbeiteten Handlungsleitlinien noch spezielle landesspezifische Regelungen enthalten können, die von den NOCs herausgeben werden (IOC 2024l: 1ff.). Die Key Principles sind sehr feinteilig und komplex. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Richtlinien für zwei unterschiedliche Sponso‐ rengruppen definiert werden müssen. Die Gruppe der Olympic Partners umfasst Marken und Firmen, die Verträge mit dem IOC, den akkreditierten NOCs, den IFs, den OCOGs und den Sendern haben, die die Übertragungs‐ rechte erworben haben. Alle anderen Marken und Firmen werden der Gruppe der Non-Olympic Partners zugeordnet (IOC 2024l: 3). Für beide Gruppen gibt es unterschiedliche Anwendungsleitlinien für das individuelle Sponsoring. So dürfen zum Beispiel bei medialen Botschaften von Athlet: in‐ nen an ihre individuellen Unterstützer nur Fotos von den olympischen Wettkampfstätten, Medaillenzeremonien, der offiziellen Teambekleidung und den olympischen Symbolen verwendet werden, wenn die Sponsoren zu den Olympic Partners gehören. Verstöße gegen die Key Principles werden mit wirtschaftlichen Sanktio‐ nen geahndet. Sportbezogene Sanktionen wie ein Ausschluss von den olym‐ pischen Wettkämpfen oder eine Aberkennung und Rückgabe von Medaillen werden nicht verhängt. Zur Orientierung für die rechtssichere Umsetzung des persönlichen Sponsorings stellen die NOCs detaillierte Informationen auf ihren Websites vor. Gleiches gilt für das IOC. Zu finden sind Hinweise dort unter dem Stichwort Athlete365. Obwohl das IOC Athlet: innen die Möglichkeiten des individuellen Spon‐ sorings gestattet, ist dessen Geltungsbereich für die Gruppe der Non-Olym‐ pic Partners begrenzt, um sogenanntes → Ambush Marketing zu verhindern. Kritiker sehen durch die Begrenzung der individuellen Sponsoring-Mög‐ lichkeiten die Rechte und finanziellen Möglichkeiten der Athlet: innen eingeschränkt. Das IOC verweist jedoch darauf, dass die Wahrung der Ex‐ klusivrechte der olympischen Sponsoren der Finanzierung des olympischen Solidaritätsprogramms dient, das alle NOCs und IFs finanziell unterstützt ( ↠ Wozu dient das Olympic Solidarity-Programm? ). Die zugewiesenen Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 189 <?page no="190"?> Finanzmittel fließen unter anderem in die Unterstützung von Athlet: innen für Qualifikationen und Teilnahmen an Olympischen Spielen. Zusätzlich können Athlet: innen über das Olympic Solidarity-Programm individuelle Olympic Scholarships erhalten. Durch diese vom IOC geschaffenen und mit den Sponsorengeldern des TOP programme finanzierten Fördermöglichkeiten wird die Grundlage geschaffen, dass die Olympischen Spiele zu einer Plattform von Athlet: innen aus aller Welt werden können. Ohne das olympische Solidaritätsprogramm wäre eine universelle Repräsentanz kaum möglich, weil nicht alle NOCs über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügen, um die Teilnahme von Athlet: innen an Olympischen Spielen zu garantieren (IOC 2024l: 7). Vor diesem Hintergrund kann die Limitierung des individuellen Sponsorings von Non-Olympic Partners als Beitrag zur Unterstützung aller Athlet: innen gerechtfertigt werden. [PW] Linktipp | Auf den Webseiten des DOSB und des IOC sind die Tiefen der Regelungen des individuellen Sponsorings und die Bemühungen von nationalen und internationalen Sportorganisationen aufgeführt, möglichst eindeutige Handlungsleitlinien für Athlet: innen zu entwi‐ ckeln: https: / / cdn.dosb.de/ user_upload/ Athletenservice/ DOSB_Leitfa den_Rule40_Paris2024.pdf, https: / / img.olympics.com/ images/ image/ p rivate/ w_auto/ primary/ b9q2f09w8ryrq6uslzzg . Was sind Individual Neutral Athletes und warum wird ihnen die Teilnahme an Olympischen Spielen ermöglicht? Der Status eines Individual Neutral Athlete (INA) ermöglicht Sportler: in‐ nen die Teilnahme an den Olympischen Spielen ohne die eigene Nation bzw. deren NOC zu repräsentieren. Teams für Mannschaftssportarten wer‐ den allerdings nicht zugelassen. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Bezeichnungen und Abkürzungen verwendet: Independent Olympic Parti‐ cipants (IOP), Individual/ Independent Olympic Athletes (IOA) und derzeit Individual Neutral Athletes (INA) bzw. Athlète Individuel Neutre (AIN). In der Regel starten die Sportler: innen in neutraler, meist weißer Kleidung, wobei jeglicher Bezug zu Staaten, staatlichen Organisationen, NOCs oder 190 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="191"?> NFs vermieden werden soll. Wappen, Symbole und zeremonielle Vorgaben werden durch neutrale Elemente ersetzt. Ursprünglich wurden dafür die olympische Fahne und die olympische Hymne genutzt. Derzeit wird bei Medaillenzeremonien eine weiße Fahne mit dem Akronym AIN gehisst und eine neutrale Hymne bei Siegerehrungen abgespielt (Del Tedesco Guioti et al. 2016: 1304f.; IOC 2023d: 1ff.) Bei den Olympischen Spielen Barcelona 1992 kam es erstmals zur Teilnahme von neutralen Athlet: innen. Hintergrund war eine Resolution der UN, die als Reaktion auf die sich seit 1990 durch den Bürgerkrieg aufspaltende Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien, Kroatien, Bosnien-Her‐ zegowina, Mazedonien, Slowenien und Montenegro) verfasst worden war. Die von den UN verabschiedeten Sanktionsmaßnahmen betrafen auch den Sport. Vor allem Athlet: innen aus Serbien und Montenegro wurde aus staats- und völkerrechtlichen Gründen die Einreise nach Spanien verwehrt. Das IOC überzeugte den UN-Sicherheitsrat von der Notwendigkeit, die Autono‐ mie und politische Neutralität des Sports als Garant für die kontinuierliche Durchführung von Olympischen Spielen zu betrachten. Darüber hinaus sollten Sportler: innen aus Konflikt- und Kriegsländern nicht pauschal von den olympischen Wettbewerben ausgeschlossen werden. Von der UN wurde diese Argumentation aufgenommen, sodass kurz vor den Olympischen Spielen 51 Athlet: innen aus Serbien und Montenegro in Individualsportarten als IOPs zugelassen wurden (Del Tedesco Guioti et al. 2016: 1308f.). Die vier verbleibenden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken hatten bereits eigene NOCs, deren Delegationen olympisches Startrecht zugesprochen worden war. Mit Beginn der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts hat es größere Diskussionen über die Entsendung von INAs vor allem im Zusammenhang mit den Suspendierungen des russischen NOC gegeben. Dieses wurde 2017 von der IOC-Exekutive von den Olympischen Winterspielen Pyeongchang 2018 ausgeschlossen. Grund dafür war der Nachweis über massives → rus‐ sisches Staatsdoping, das mit Unterstützung des Inlandsgeheimdienstes im Vorfeld und während des Verlaufs der Olympischen Winterspiele Sotchi 2014 betrieben worden war. Russische Athlet: innen, die einen international beglaubigten Nachweis darüber erbringen konnten, dass sie nicht Teil des russischen Dopingsys‐ tems waren, wurde eine Teilnahme auf Einladung des IOC zugesichert. Letztlich starteten 168 Athlet: innen, die als Olympic Athletes from Russia (OAR) unter der olympischen Fahne und unter Verzicht auf das Abspielen Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 191 <?page no="192"?> der Nationalhymne bei Siegerehrungen (Wassong 2022: 394) teilnehmen durften. Unmittelbar nach Pyeongchang wurde das russische NOC vom IOC wieder zugelassen. Durch den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 entstand wiederum ein olympisches Konfliktpotenzial. Nach der Annexion ukraini‐ scher Gebiete wurden deren Sportorganisationen auf Veranlassung von Präsident Wladimir Putin in das russische NOC integriert. Da dadurch die territoriale Integrität des NOCs der Ukraine verletzt und wissentlich gegen die „Olympic Charter“ verstoßen wurde, suspendierte das IOC das russische NOC (IOC 2023e: 1); Belarus als kriegsunterstützendes Land an Russlands Seite wurde mit derselben Sanktion belegt. Die Entscheidung über die Zulassung von russischen und belarussischen Athlet: innen für die Olympischen Spiele Paris 2024 führte zu intensiven politischen und sportpolitischen Diskussionen ( ↠ Wie wurden die Olym‐ pischen Spiele Paris 2024 von der Weltpolitik geprägt? ). Eine wertvolle Entscheidungsrichtlinie war eine Stellungnahme der UN, wonach die Teil‐ nahme am Sport ein international anerkanntes Menschenrecht im Sinne der kulturellen Teilhabe darstelle (Xanthaki 2023: 2ff.). Im IOC wurde diese Position aufgenommen und der „Olympic Charter“ im Rahmen einer Ergänzung der „Fundamental Principals of Olympism“ hinzugefügt. Dort heißt es: „4. The practice of sport is a human right. Every individual must have access to the practice of sport, without discrimination of any kind in respect of internationally recognised human rights within the remit of the Olympic Movement” (Olympic Charter 2023: 8). Das IOC Executive Board entschied daraufhin, Sportler: innen aus Russland und Belarus nicht grundsätzlich wegen ihrer Staatsangehörigkeit von den Olympischen Spielen in Paris auszuschließen, sondern sie als neutrale Athlet: innen teilnehmen zu lassen. Angehörige von Militär und Polizei sowie Kriegsunterstützer erhielten keine Startberechtigung. Zur Prüfung der Startberechtigung wurde das Individual Neutral Athlete Eligibility Review Panel (AINERP) eingerichtet. Insgesamt nahmen 15 russische Sportler: innen und zwölf Sportler: innen aus Belarus in Individualsportarten als INAs in Paris teil. Im Mai 2025 hat das IOC den Ausschluss Russlands und Belarus’ in allen Teamsportarten für die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026 beschlossen; der AINERP wird noch über die Zulassung von Einzelstartern als INAs entscheiden. 192 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="193"?> Mit den getroffenen Entscheidungen stellt das IOC klar, dass Sportler: in‐ nen nicht grundsätzlich für die Handlungen ihrer Regierungen zur Verant‐ wortung gezogen werden dürfen. Gegensätzliche Leitlinien würden vielen Athlet: innen die Chance verwehren, an Olympischen Spielen teilnehmen zu können und die damit verbundenen Erfahrungen als Botschafter: in eines verantwortungsvollen Sports aufzunehmen. Die Anerkennung als INA erfordert allerdings biographische Einzelfallentscheidungen, um die Neutralität der Olympischen Bewegung zu wahren und um politische Spannungsfelder zwischen Athlet: innen zu minimieren, die während der Olympischen Spiele zu Konflikten und Sicherheitsrisiken werden können. [SW] Seit wann gibt es das Refugee Olympic Team und wie werden Athlet: innen dafür nominiert? Das Refugee Olympic Team (ROT), das auch unter der französischen Be‐ zeichnung Équipe olympique des réfugiés (EOR) firmiert, ist als Reaktion auf die anhaltende Flüchtlingskrise 2015 von IOC-Präsident Thomas Bach ins Leben gerufen worden. Die Athlet: innen sind eine eigene Delegation, die bei Eröffnungs- und Schlussfeiern die olympische Fahne und bei Sieger‐ ehrungen die olympische Hymne nutzen. Die Premiere erlebte das ROT bei den Olympischen Spielen Rio de Janeiro 2016. Das Team bestand aus zehn Athlet: innen. In Tokio 2020/ 21 stieg deren Zahl auf 29 und in Paris 2024 dann auf 37 an. Bei den Olympischen Spielen in der französischen Hauptstadt konnte Cindy Ngamba mit Bronze im Boxen zum ersten Mal eine Medaille für das ROT gewinnen. Bei den Olympischen Winterspielen steht die Gründung des ROT noch aus. Erfreulich ist allerdings, dass das ROT bereits bei den Olympischen Jugendspielen Dakar 2026 vertreten sein wird (IOC 2024q: 3ff.). Gemäß der „Olympic Charter“ müssen Teilnehmer: innen an Olympischen Spielen die Staatsangehörigkeit des NOC besitzen, das die Sportler: in meldet. Bei Unklarheiten entscheidet das Executive Board des IOC (Olympic Charter 2025: 80). Flüchtlinge besitzen in der Regel nicht die Staatsbürgerschaft des sie aufnehmenden Landes und können deshalb nicht durch das dortige NOC für die Spiele gemeldet werden. Das ROT ermöglicht nun genau diesen Sportler: innen die Teilnahme. Jedoch ist dies ein komplexer Prozess. Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 193 <?page no="194"?> Initiale Vorschläge für die Zusammensetzung des ROT können von den NOCs gemacht werden, in deren Ländern Athlet: innen nach ihrer Flucht ihre leistungssportlichen Karrieren fortsetzen. Finanziell ist dies meist nur durch das Stipendienprogramm des IOC bzw. durch dessen Olympic Solidarity Department möglich. NOCs überprüfen das Leistungspotenzial der Athlet: innen und deren Rechtsstatus als Flüchtling. Die Anerkennung erfolgt durch das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR). Die von den NOCs gesammelten Nominierungen werden dann vom IOC bzw. von dessen Olympic Solidarity Department in enger Kooperation mit den IFs gesichtet, um die Leistungen der ausgewählten Athlet: innen auf olympische Qualifikationsnormen in den jeweiligen Sportarten zu bewer‐ ten. Als weitere Auswahlkriterien werden die Sportartenzugehörigkeit und das Geschlecht der nominierten Athlet: innen berücksichtigt. Dies ist not‐ wendig, um im ROT unterschiedliche Sportarten repräsentieren zu können und um möglichst dem Ziel der Geschlechterparität im Team zu entsprechen. Nach diesem Prozess erfolgt die endgültige Entscheidung über die Zusam‐ mensetzung des ROT. Die ausgewählten Athlet: innen werden bis zu den Olympischen Spielen und währenddessen von denjenigen NOCs betreut, in deren Ländern die Athlet: innen mit Flüchtlingsstatus leben. Allerdings sind die Athlet: innen des ROT als eigene Delegation im Olympischen Dorf untergebracht. Das IOC möchte mit der Teilnahme der Refugee Athletes ein Zeichen von Inklusion und Zusammenhalt in der Olympischen Bewegung setzen sowie die Akzeptanz für Flüchtlinge in der Gesellschaft fördern (IOC 2024q: 3). Darüber hinaus wirkt das IOC auch darauf hin, möglichst vielen jungen Menschen mit Flüchtlingshintergrund Zugänge zu Sportaktivitäten zu ermöglichen, durch die das Erreichen von integrativen Zielen genauso unterstützt werden kann wie durch fördernde Maßnahmen zur physischen und mentalen Gesundheit. Das Erreichen dieser Ziele, die auch in der „Olympic Agenda 2020+5“ aufgeführt sind, wird durch die Olympic Refugee Foundation (ORF) unter‐ stützt, die 2017 vom IOC gegründet wurde. Mit einem Stiftungsvermögen in Millionenhöhe koordiniert und initiiert die ORF Sportprogramme in unterschiedlichen Ländern (IOC 2024q: 8ff.) und kooperiert dabei mit dem UNHCR als Teil der Sport for Refugees Coalition (IOC 2023c: 93). [SW] 194 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="195"?> Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an Olympischen Spielen? Gemäß der „Olympic Charter“ müssen Athlet: innen für die Startberech‐ tigung bei den Olympischen Spielen eine Staatsangehörigkeit besitzen (Olympic Charter 2025: 80); INAs und Athlet: innen des ROT sind von dieser Grundsatzregel ausgenommen. Eine allgemeine Altersbegrenzung gibt es nicht. Es werden die Regeln der jeweiligen IFs genehmigt und angewendet (Olympic Charter 2025: 81). Neben dem Nachweis, über eine Staatsangehörigkeit zu verfügen, müssen Athlet: innen Qualifikationsrichtlinien erfüllen, die sich im Laufe der Zeit stark verändert haben. Bei den ersten Olympischen Spielen war eine Teil‐ nahme meist nur auf Einladung oder durch persönliche Kontakte möglich. In den 1920er Jahren wurden erste nationale Ausscheidungswettbewerbe organisiert, deren Bestimmungen zwischen den NOCs allerdings noch nicht vereinheitlicht worden waren. Für die Olympischen Spiele Antwerpen 1920 wurden die Teilnahmebedingungen erstmals detaillierter von Seiten des IOC beschrieben (Executive Committee of the VIIth Olympiad 1920: 9ff.). Qualifikationsstandards wurden auch für die Olympischen Winterspiele Chamonix 1924 eingeführt. Im Verlauf der Geschichte wurde der Nominierungsprozess zunehmend reglementiert und modernisiert. Heute wird den NOCs zunächst einmal die Verantwortung zuteil, qualifizierte Athlet: innen für die Olympischen Spiele zu benennen. Das geschieht in enger Absprache mit den jeweiligen NFs (Olympic Charter 2024: 18, 79ff.). Die Entscheidung der NOCs muss sich nach standardisierten Qualifikationskriterien richten, die von den IFs für ihre jeweiligen Sportarten in Kooperation mit dem IOC erstellt werden. Diese Kriterien werden vom IOC in Form von Qualification System Principles (QSP) bis zwei Jahre vor Beginn der Olympischen Spiele festgelegt. In den QSPs werden einheitliche Vorgaben für alle IFs gemacht, sodass unter anderem die Qualifikationswege, Zeiträume, Nominierungsprozesse und die maximale Anzahl von Athlet: innen bestimmt werden (IOC 2021c). Durch die QSPs und die sportartspezifischen Qualifikationssysteme soll die Teilnahme der weltbesten Athlet: innen an den Olympischen Spielen ermöglicht werden. Dies ist keine leichte Aufgabe, da das IOC die Gesamt‐ zahl der teilnehmenden Athlet: innen festlegt, die Umsetzung jedoch den IFs obliegt. Da grundsätzlich nicht alle Athlet: innen teilnehmen können und zudem die Universalität, die Vertretung aller Kontinente und des Gast‐ Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System 195 <?page no="196"?> geberlandes (host country) sichergestellt sein müssen, ist eine Quotierung notwendig. Dies geschieht durch festgelegte Quotenplätze, die für Athlet: in‐ nen bei Weltmeisterschaften, Kontinentalmeisterschaften, über Weltrang‐ listen oder bei speziellen Qualifikationsturnieren vergeben werden. Bei Einzelwettbewerben sind in der Regel maximal drei Athlet: innen pro Land startberechtigt. Eine andere Möglichkeit sich zu qualifizieren, besteht über Wildcards, die sogenannten → Universality Places. Diese Plätze können in den Qualifika‐ tionsrichtlinien speziell für Nationen mit limitierten Budgets und generell eingeschränkten Leistungssportstrukturen vergeben werden. Die Auswahl erfolgt durch die Tripartite Commission, bestehend aus Mitgliedern des IOC, der NOCs, der ASOIF und der AIOWF. Wenn die Athlet: innen für die Olympischen Spiele innerhalb der festge‐ legten Frist (Entry Deadline) nominiert worden sind, müssen sie im Auftrag ihres jeweiligen NOKs das Athlete Agreement unterzeichnen. Dadurch ver‐ pflichten sie sich, die „Olympic Charter“ zu respektieren und die Vorschriften der WADA einzuhalten. Die Akkreditierung vor Ort sichert den Athlet: innen schließlich den Zugang zu den Olympischen Stätten. [PW] 196 Die Rolle der Athlet: innen im olympischen System <?page no="197"?> Youth Olympic Games Wie sind die Youth Olympic Games entstanden und welche Entwicklun‐ gen haben sie seit ihrer Einführung durchlaufen? Welche Ziele verfolgen sie im Spannungsfeld zwischen sportlichem Wettbewerb, Bildung und Innovation - und welche Rolle spielen sie für junge Athlet: innen welt‐ weit? Diese und weitere Fragen zur Idee, Umsetzung und Bedeutung der YOGs werden im folgenden Kapitel beantwortet. <?page no="198"?> Welche Ideen, Initiativen und Überlegungen führten zur Entstehung der Olympischen Jugendspiele? Die Youth Olympic Games (YOGs) wurden am 5. Juli 2007 im Rahmen der 119. Session des IOC in Guatemala offiziell ins Leben gerufen (IOC 2009: 1). Die Idee wurde maßgeblich vom damaligen IOC-Präsidenten Jacques Rogge beeinflusst und vorangetrieben. Rogges Vision hatte ihre Wurzeln in frühe‐ ren Initiativen wie dem European Youth Olympic Festival (EYOF) und dem Australian Youth Olympic Festival (AYOF) (Nordhagen/ Lesjø 2018: 1091ff.). Rogge wollte mit der neuen Veranstaltung dem Rückgang der körperlichen Aktivität und dem Bewegungsmangel bei Jugendlichen entgegenwirken und die junge Generation durch eine neue Plattform für den Sport und die Olympischen Werte begeistern (Parent 2024: 3, 6). Es gab jedoch auch Stimmen, die der Idee der YOGs kritisch gegenüber‐ standen. Verschiedene → Stakeholder - zum Beispiel Organisationskomi‐ tees, Sponsoren - der Olympischen Bewegung waren anfangs skeptisch, da sie eine Konkurrenz zu den Olympischen Spielen befürchteten und gleichzeitig nicht bereit waren, die notwendigen finanziellen Mittel zur Ver‐ fügung zu stellen. Die Medien sahen kein allzu großes Potenzial und nicht zuletzt gab es auch ethische Bedenken, dass das Streben nach sportlicher Leistung in diesem Alter eher negative Auswirkungen wie Priorisierung von kurzfristigen Erfolgen anstelle langfristiger Entwicklung provoziert und unsportliches Verhalten fördert (Parent 2024: 6). Basierend auf der Grundidee der YOGs wurde innerhalb der Olympischen Bewegung gleichwohl ein neues internationales Multisport-Event für 15bis 18-jährige Athlet: innen geschaffen, das nicht nur sportliche Wettkämpfe, sondern auch kulturelle und pädagogische Ziele verfolgt. Dies wird durch ein eigens geschaffenes Culture and Education Programme (CEP) angestrebt. Zur Umsetzung wurden gemäß Milena M. Parent ursprünglich acht Ziele für die YOG formuliert: 1. „Bring together and celebrate the world’s best young athletes; 2. Have the highest international sporting standards for young athletes; 3. Be a unique and powerful arena to introduce young athletes to Olympism; 4. Educate the young athletes on the Olympic values; 5. Have the young athletes share and celebrate the various international cultures; 6. Reach international youth communities to promote the Olympic values; 198 Youth Olympic Games <?page no="199"?> 7. Raise awareness regarding sport; and 8. Act as an Olympic Movement platform for innovation initiatives“ (Parent 2024: 3). Mit diesen Zielsetzungen wird Rogges Anliegen entsprochen, über die YOGs Olympische Werte in der Gesellschaft zu verankern (IOC 2010: 28f). Die ersten Olympischen Jugendspiele fanden 2010 in Singapur statt und umfassten 26 Sportarten mit rund 3.500 Athlet: innen von 204 NOCs. Zwei Jahre später fanden in Innsbruck die ersten Olympischen Jugend- Winterspiele mit sieben Sportarten und rund 1.000 Athlet: innen von 69 NOCs statt (Parent 2024: 4). Der Anteil der Athletinnen lag von Beginn an jeweils bei über 45 Prozent und erreichte ab 2018 Parität. Von der Entstehung der YOGs bis heute gab es viele Entwicklungen, die unter anderem zur Umformulierung der acht Hauptziele führten. Milena M. Parent listet nun folgende vier Hauptziele auf: 1. „Bring together the best young athletes for a high-level international multisport event festival that comprises cultural and educational activities. 2. Promote the Olympic values and cultural exchanges. 3. Engage with young people on their terms using the Olympic Movement’s digital platforms, notably the Olympic Channel and the IOC website. 4. Be a catalyst for innovation and a testing ground for new sports and competition formats, educational activities, sustainable event delivery technologies, and programmes created for digital sharing” (Parent 2024: 10). Diese Ziele werden mit dem Konzept von Compete, Learn & Share umge‐ setzt und durch verschiedenen Rollenprofile wie Young Reporters, Young Change-Makers, Athlete Role Models und YOG Ambassadors in die sportaffine Öffentlichkeit getragen. Die Altersspanne blieb unverändert, aber die Zahl der Teilnehmenden ist mittlerweile gesenkt worden. Die Teilnahme der Athlet: innen wird in zwei Wellen organisiert, sodass die Aufwände für die Infrastruktur, wie zum Beispiel für das Youth Olympic Village, vertretbar blei‐ ben. So werden die teilweise gigantischen Dimensionen der Olympischen Spiele vermieden (IOC 2024k; Parent 2024: 10ff.). Auch wenn vieles in Anlehnung an die Olympischen Spiele geschaf‐ fen wurde, steht jedoch immer die Einzigartigkeit des Anlasses für die jugendlichen Athlet: innen und neben dem Sport auch die Vermittlung von zeitgemäßen Themen der Bildung im Vordergrund. [PW] Youth Olympic Games 199 <?page no="200"?> Linktipp | Weitere Interessante Informationen über die YOGs sind zu finden unter: https: / / www.olympics.com/ ioc/ youth-olympic-games? dis playAsWebView=true%2Ctrue. Was sind die Erwartungen an das Kultur- und Erziehungsprogramm der Youth Olympic Games? Die YOGs sind zwar ein sportliches Großereignis, doch ihr Fokus liegt besonders auf der Förderung junger Menschen auf sportlicher sowie auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene (IOC o.D.-x). Während Pierre de Coubertin mit der Gründung der modernen Olympischen Bewegung stets den Bildungsaspekt des Sports betonen wollte, rückte das pädagogi‐ sche Ziel im Laufe der Zeit zugunsten kommerzieller Interessen in den Hintergrund. In den letzten Jahrzehnten wurde die Verbindung zwischen Sport und Bildung jedoch zunehmend gestärkt. Ein zentrales Instrument des IOC in diesem Bereich sind die YOGs und das dazugehörige Kultur- und Erziehungsprogramm (CEP). Neben der → lokalen Jugend sind es vor allem die Athlet: innen, die von diesem Programm profitieren sollen - sowohl durch die Vermittlung des Bildungsaspekts des Sports als auch durch die Förderung ihrer persönlichen Entwicklung (Krieger/ Kristiansen 2016: 4). Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung der Olympischen Werte Respekt, Freundschaft und Exzellenz. Das CEP soll jungen Athlet: innen Gelegenheiten bieten, kulturelle und bildungsbezogene Erfahrungen zu sammeln, die sie in ihrem persönlichen und beruflichen Leben bereichern. Dazu gehört insbesondere die Förderung des interkulturellen Austauschs, um das Bewusstsein für kulturelle Vielfalt zu stärken. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des CEP fokussiert sich darauf, die Werte des Olympismus ( ↠ -Was prägt das Verständnis des Olympismus heute? ) nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern durch praktische Er‐ lebnisse greifbar zu machen. Internationale Organisationen wie die WADA, die IOA oder UNICEF tragen zur Bildungsarbeit der YOGs bei, indem sie interaktive Elemente und praxisorientierte Ansätze zur Vermittlung von Themen wie Dopingprävention, sichere Sportumfelder und Umwelt‐ schutz nutzen. Die Zusammenarbeit mit Athlet: innen, die als Vorbilder für die Nachwuchssportler: innen dienen, stärkt die Glaubwürdigkeit und Relevanz des Programms (Doll-Tepper 2014: 127). Der direkte Austausch 200 Youth Olympic Games <?page no="201"?> mit diesen Vorbildern - sei es über ihre Karriere oder die Bedeutung von Bildung für Hochleistungssportler: innen - hinterlässt nachhaltige Eindrü‐ cke (Krieger/ Kristiansen 2016: 4). Ziel ist es, dass die jungen Athlet: innen als Botschafter: innen des Sports und der Olympischen Werte dieses Wissen weitertragen (Schnitzer et al. 2014: 1181). Während das CEP ursprünglich auf die YOGs als Event ausgerichtet war, verfolgt es mittlerweile einen langfristigeren Ansatz. Es soll nachhaltige Lern- und Austauschprozesse anstoßen, die über die Dauer der YOGs hinausgehen. Dies geschieht beispielsweise durch Partnerschaften zwischen Schulen aus dem Gastgeberland und den teilnehmenden Nationen. Ein besonderes Merkmal des CEP ist sein innovativer Ansatz, bei dem Lernen in informellen Kontexten sowie auf freiwilliger Basis stattfindet. Diese Freiwilligkeit soll die intrinsische Motivation der Athlet: innen för‐ dern, sich aktiv auf die angebotenen Lernmöglichkeiten einzulassen (Doll- Tepper 2014: 129ff.). Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass die Ange‐ bote weniger wahrgenommen werden. Trotz der starken erzieherischen Orientierung der YOGs legen viele Athlet: innen ihren Schwerpunkt primär auf den sportlichen Wettkampf (Krieger/ Kristiansen 2016: 8). Die Erwartungen an das CEP sind hoch, da das IOC die YOG selbst als „Flaggschiff der Strategie des IOC für junge Menschen“ (IOC 2008) bezeichnet und das CEP als eine zentrale Maßnahme innerhalb der YOG betrachtet. In diesem Zusammenhang hebt das IOC hervor, dass die Spiele dazu dienen sollen, junge Athlet: innen an das Bildungsziel der Olympischen Bewegung und die Olympischen Werte heranzuführen (IOC 2012). [ME] Welche Bedeutung kommt den Youth Olympic Games für neue Sportarten und Wettbewerbe zu? Die YOGs haben zum Ziel, jungen Athlet: innen eine Plattform zu bieten, sich sportlich mit den Besten aus ihrer Altersgruppe zu messen, den kul‐ turellen Austausch zu fördern und die Olympischen Werte zu vermitteln. Gleichzeitig dienen die YOGs aber auch als Experimentierfeld für neue Ideen und Trends im Sport. Sie sind für das IOC und die IFs Katalysator für Innovation und eine Art „Testlabor“ für neue Sportarten und Wettkampf‐ formate, bevor diese möglicherweise bei den Olympischen Spielen ins Wettkampfprogramm aufgenommen werden. Youth Olympic Games 201 <?page no="202"?> Bemerkenswert ist, dass es von den neuen Sportarten und Wettkampf‐ formaten einige in kurzer Zeit in das olympische Wettkampfprogramm geschafft haben. Dies gelang unter anderem 3x3 Basketball (Einführung bei den YOGs Singapur 2010) und Sportklettern (Einführung bei den YOGs Nanjing 2014) für die Olympischen Spiele Tokio 2020/ 21 und Breaking (Ein‐ führung bei den YOGs Buenos Aires 2018) für die Olympischen Spiele Paris 2024. Bei den Wintersportarten feierte Ski Mountaineering (Skibergsteigen) bei den YOGs Lausanne 2020 einen erfolgreichen Einstand und wird in Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026 erstmals im Programm der Olympischen Winterspiele sein. Nebst neuen Sportarten, Wettkämpfen und Disziplinen testen die IFs bei den YOGs zudem neue Formate und Technologien. Die YOGs spielten ebenfalls eine Vorreiterrolle bei der Einführung der Mixed-Wettbewerbe, bei denen jugendliche Athletinnen und Athleten ge‐ meinsam in Staffeln antreten, auch aus verschiedenen NOCs (Krieger 2012: 40). Durch dieses neue Format sollen die Sportarten nicht nur interessanter werden, sondern auch Impulse für interkulturelles Lernen in gemeinsamen Teams und für eine Gleichberechtigung der Geschlechter gesetzt werden. Die Mixed-Staffeln mit Frauen und Männern sind seit den Olympischen Spielen Tokio 2020/ 21 und den Olympischen Winterspielen Peking 2022 im olympischen Wettkampfprogramm. Für die Olympischen Spiele Paris 2024 wurde das Programm erweitert. Die Mixed-Staffeln erfreuten sich enormer Beliebtheit (Nelsen 2024). Die YOGs zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf die Bedürfnisse der Generation von jüngeren Athlet: innen zugeschnitten sind. Sie stellen neben dem traditionellen Wettkampfprogramm auch sportartspezifische Innova‐ tionen und altersgemäße Bildungsziele in den Vordergrund (IOC o.D.-g). Durch das stetige Testen und Weiterentwickeln konnten die Vision und ursprünglichen Ziele verfeinert werden. Mit einem hochklassigen und glo‐ balen Multi-Sportevent sowie starker Digitalisierung sollen auch in Zukunft junge Generationen inspiriert und so die Erwartungen und die Rolle der YOGs gestärkt werden. Zudem wird in Zukunft noch flexibler auf lokale Gegebenheiten Rücksicht genommen (IOC 2024k). Dazu kommt es bereits bei der nächsten Austragung in Dakar 2026. Die YOGs stehen für Fortschritt und Innovation, aber nicht alle Ideen und Neuerungen lassen sich von den YOGs als Testlabor auf die Olympischen Spiele übertragen. [PW] 202 Youth Olympic Games <?page no="203"?> Welche Rolle spielt die Teilnahme an den Youth Olympic Games für Athlet: innen? Die YOGs bieten jungen Athlet: innen eine Plattform für den sportlichen Wettbewerb und sollen sie gleichzeitig durch ein umfassendes Bildungspro‐ gramm in den Olympischen Werten schulen. Der Fokus sollte nicht allein auf der sportlichen Leistung liegen, vielmehr sollte eine Balance zwischen Wettkampf, Bildung und kulturellem Austausch geschaffen werden (IOC 2012). Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass viele der Teilnehmenden die YOGs in erster Linie als sportliches Event wahrnehmen und es als Sprungbrett für die Olympischen Spiele sehen (Kristiansen et al. 2018: 10). Viele Athlet: innen erleben die YOGs als erste große internationale Meis‐ terschaft, die sie auf künftige Wettkämpfe auf höchstem Niveau vorberei‐ tet. Die Freestyle-Skifahrerin Eileen Gu, die 2022 in Peking olympische Geschichte schrieb, indem sie in drei Wettbewerben Medaillen gewann (Big Air, Halfpipe, Slopestyle), betonte, dass die YOGs für sie eine entscheidende Vorbereitung waren: „The Youth Olympics are so different from World Cups, X-Games, World Champi‐ onships or any other contests I’ve been to, because it has athletes from different disciplines, and it has everybody in that same Olympic Village area. It’s just this great melting pot of talent from all over the world, and a great opportunity to learn from each other“ (Binner 2022). Dieses Erlebnis vermittelt jungen Talenten ein Gefühl für den olympisch geprägten Leistungssport. Die Möglichkeit, sich mit Athlet: innen aus an‐ deren Ländern zu messen und Freundschaften über nationale Grenzen hinweg zu schließen, wird von vielen Teilnehmenden als besonders wertvoll beschrieben (Krieger/ Kristiansen 2016: 8). Obwohl der pädagogische Anspruch der YOGs von offizieller Seite betont wird, sehen viele Athlet: innen die Spiele in erster Linie als Wettkampf. Studien zeigen, dass das CEP, das darauf abzielt, Themen wie Dopingprä‐ vention, Sicherheit und Karriereplanung zu vermitteln, von vielen Teilneh‐ menden als nebensächlich betrachtet wird. Aussagen wie „But, all in all, we are not here for the Culture & Education Programme but to win as many medals as possible! “ (Schnitzer et al. 2014: 1187) verdeutlichen diese Priorisierung. Dies steht im Kontrast zur ursprünglichen Intention der YOGs, die neben der sportlichen Leistung auch die persönliche und akademische Entwicklung der Athlet: innen fördern sollte (Krieger/ Kristiansen 2016: 7f.). Youth Olympic Games 203 <?page no="204"?> Ein weiterer wichtiger Aspekt der YOGs ist ihre Rolle in der globalen Sportentwicklung. Durch die Teilnahme von Athlet: innen aus allen - damals - 205 NOCs wird die Universalität des olympischen Gedankens gestärkt (Wong 2011: 1844). Besondere Programme wie die → Universality Places sorgen dafür, dass auch Sportler: innen aus kleineren Nationen eine Chance erhalten, an den Spielen teilzunehmen. Für viele junge Talente sind die YOGs eine entscheidende Erfahrung auf ihrem Weg zu einer Profikarriere. Der Wettkampf bietet eine erste Möglichkeit, sich mit der Elite ihrer Altersklasse zu messen, was die Mo‐ tivation zur Weiterentwicklung erhöht. Athlet: innen berichten, dass der Austausch mit internationalen Konkurrentinnen sie inspiriert hat, noch härter zu trainieren, um sich ihren Traum von den Olympischen Spielen zu erfüllen (Kristiansen et al. 2018: 2). Gleichzeitig erleben sie durch die YOGs eine professionelle Wettkampfatmosphäre, die ihnen hilft, sich auf größere Herausforderungen vorzubereiten. Die YOGs sind somit ein einzigartiges Event, das zwischen Ideologie und Realität schwingt. Während das IOC einen starken Fokus auf Bildung, Wer‐ tevermittlung und internationale Verständigung legt, sehen die Athlet: innen selbst die Spiele in erster Linie als sportliches Sprungbrett. Diese Diskrepanz zeigt, dass der Leistungsgedanke in der modernen Sportwelt eine dominie‐ rende Rolle spielt und selbst bei einer Veranstaltung, die ursprünglich mit einem breiteren Bildungsauftrag gegründet wurde, oft das Streben nach sportlichem Erfolg im Vordergrund steht. Trotzdem bleibt die Erfahrung der YOGs für viele junge Talente ein prägender Moment auf ihrem Weg zur sportlichen und persönlichen Entwicklung. [ME] Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an den Youth Olympic Games? Für die Teilnahme an den YOGs sind die Grundvoraussetzungen ähnlich wie die für die Olympischen Spiele ( ↠ Wie qualifizieren sich Athlet: innen für die Teilnahme an Olympischen Spielen? ). Demnach müssen die jugendlichen Athlet: innen die „Olympic Charter“ (Olympic Charter 2025: 79ff.) und die Regeln der jeweiligen Internationalen Sportverbände (IFs) befolgen. Der wesentliche Unterschied besteht aber darin, dass - im Gegensatz zu den Olympischen Spielen - die Teilnahme an den YOGs auf die Altersspanne zwischen 15 und 18 Jahren festgelegt ist (IOC 2024k). 204 Youth Olympic Games <?page no="205"?> Es gab bei den ersten Austragungen der YOGs außer der Altersspanne keine einheitlichen Regelungen zur Teilnahme. Die IFs spielten von Beginn an eine entscheidende Rolle bei der Festlegung der Qualifikations- und Alterskriterien. Innerhalb der vorgegebenen Altersgruppe von 15 bis 18 Jahren können die IFs bis heute noch enger definierte Zeiträume wählen, sodass die Altersspanne nicht zu groß ist und damit die Vor- und Nachteile des unterschiedlichen → biologischen Alters nicht zu stark ins Gewicht fallen. Hinzu kam, dass die NOCs und NFs oft ebenfalls spezifische und unterschiedliche Kriterien für die Auswahl der Athlet: innen festlegten. (Parent 2024: 7). Die Qualifikationswege für die YOGs haben sich seit ihrer ersten Austra‐ gung weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit wurden die Qualifikationskriterien verfeinert, um eine faire und universelle Teilnahme der besten jungen Ath‐ let: innen zu gewährleisten. Der Prozess wurde den Olympischen Spielen und deren Qualifikationskriterien angeglichen. Die Teilnahme wird vom IOC in Zusammenarbeit mit den IFs und NOCs koordiniert. Die Grundprinzipien der Teilnahme sind in den jeweiligen „Youth Olympic Games Participation Principles“ geregelt. Für Dakar 2026 legte das IOC folgende Leitlinien fest: ■ Universality ■ Continental representation ■ Strong African representation ■ Host country representation ■ Athlete performance ■ Gender equality (IOC 2025g) Es wurden außerdem Key Principles definiert. Demnach ist maximal ein: e Athlet: in aus einem Land pro Einzelwettbewerb startberechtigt, um die Gesamtzahl der Teilnehmenden begrenzt zu halten und die Universalität zu fördern. Die Athlet: innen müssen ihre Teilnahme durch das Erreichen von Leistungsstandards, die in Zusammenarbeit mit den IFs festgelegt werden, sicherstellen. Des Weiteren wurden klare Altersrichtlinien festgelegt, sodass zum Zeitpunkt der YOGs die Athlet: innen nicht älter als 18 Jahre sind. [PW] Youth Olympic Games 205 <?page no="206"?> Wie hat sich das Wettkampfprogramm der Youth Olympic Games über die Jahre entwickelt? Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 haben sich die YOGs in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt, vor allem in Bezug auf neue Sportarten und Wettbewerbs‐ formate. Diese Entwicklung war eine Antwort auf die Bedürfnisse und Interessen der jungen Athlet: innen, während gleichzeitig mit innovativen Ansätzen für die traditionellen Sportveranstaltungen experimentiert wurde. Die ersten YOGs im Jahr 2010 begannen mit 26 Sportarten und 201 Ver‐ anstaltungen, darunter traditionelle Sportarten wie Leichtathletik, Schwim‐ men, Turnen und Bogenschießen sowie neue Wettkämpfe wie 3x3 Basket‐ ball (IOC 2024j: 1). Für die dritten Sommer-YOGs in Buenos Aires 2018 kamen neue, jugendfreundlichere und urbanere Sportarten wie Roll- und Tanzsport, Karate, Sportklettern, Kiteboarding und Beachhandball ins Wett‐ kampfprogramm (IOC 2024j: 3). Diese Neuerungen stellen ein besonderes Merkmal im Vergleich zu den traditionellen Olympischen Spielen dar. Durch die Orientierung an globalen Trends sollen nicht nur die Vorlieben der jun‐ gen Generation für extreme (und) urbane Sportarten erkannt und sich darauf eingestellt werden. Die Aufnahme verschiedener Sportarten in das offizielle Programm der YOGs gilt als Experiment, um diese möglicherweise später in das Programm der Olympischen Spiele oder Olympischen Winterspiele zu integrieren. Im Hinblick auf die nächsten Sommer-YOGs in Dakar 2026 beschloss das IOC einige Programmänderungen. Das IOC-Exekutivkomitee genehmigte ein neues Sportprogramm, das den lokalen und regionalen Kontext betont, und beschloss, zukünftig das Sportprogramm für alle folgenden YOGs individuell zu überarbeiten und anzupassen. Diese Entscheidung bedeutet für Dakar 2026, dass jede Sportart auf eine Disziplin beschränkt wird. Sportarten wie Kanu-Kajak, Golf, Sportklettern, Surfen und Tennis werden nicht mehr Teil des offiziellen Wettkampfprogramms sein (IOC 2024p). Bei den ersten Winter-YOGs in Innsbruck 2012 wurden mehrere neue Wettkampfformate wie Freestyle-Skiing-Halfpipe, Eisschnelllauf-Massen‐ start, Eishockey-Geschicklichkeitswettbewerb, Snowboard-Slopestyle und gemischtgeschlechtliche Formate wie ein Curling-Mannschaftswettbewerb und eine Biathlon-Mannschaftsstaffel eingeführt (IOC o.D.-p). Zu den Änderungen für Gangwon 2024 gehörte die Abschaffung des Eishockey- Geschicklichkeitswettbewerbs zugunsten von Eishockey 3x3 (IOC 2021e) sowie die Ergänzung um weitere gemischte Wettbewerbe in der Nordischen 206 Youth Olympic Games <?page no="207"?> Kombination, im Snowboard-Cross und in der Skilanglauf-Staffel (IOC, 2024j: 5). Zuletzt war ein leichter Rückgang der Zahl der Teilnehmenden zu re‐ gistrieren. Das ist jedoch eine gezielte Entscheidung des IOC, um einen Wettbewerb von hoher Qualität aufrechtzuerhalten und ein effizienteres Programm für die weltbesten jungen Athlet: innen zu gewährleisten (IOC 2024p). Während zunächst ein Anstieg der Teilnehmer: innenzahl von 3.524 bzw. 1.022 (Sommer-YOGs Singapur 2010/ Winter-YOGs in Innsbruck 2012) (IOC 2024j: 1) auf 4.000 bzw. 1.802 (Sommer-YOGs Buenos Aires 2018/ Winter-YOGs Gangwon 2024) (IOC o.D.-y) zu verbuchen war, wird die Zahl der teilnehmenden Athlet: innen bei den Sommer-YOGs Dakar 2026 voraussichtlich auf 2.700 sinken (IOC 2024r). Beibehalten werden soll die Parität der Geschlechter. [ JD] Linktipp | Interessante Informationen über die YOGs in Dakar 2026 sind zu finden unter: https: / / www.olympics.com/ ioc/ dakar-2026? displayAs WebView=true%2Ctrue Youth Olympic Games 207 <?page no="209"?> Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen In den vorangegangenen Kapiteln sind Fragen zu aktuellen Handlungs‐ feldern des IOC bereits thematisiert worden. Gleichwohl sind aber noch Fragen zu derzeitigen ethischen, erzieherischen und gesellschaft‐ lichen Herausforderungen für die Olympische Bewegung offen, die zuvor nicht explizit aufgegriffen worden sind. In diesem Abschlusska‐ pitel wird aus einer übergeordneten Perspektive dargestellt, welche Weichenstellungen das IOC in den letzten Jahren vorgenommen hat, um der Olympischen Bewegung ein tragfähiges Profil für die Zukunft zu geben. Zum Abschluss soll damit ein Impuls gesetzt werden, die aktuelle Entwicklung der Olympischen Bewegung zu reflektieren und zu diskutieren. <?page no="210"?> Wie hat sich die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert reformiert? Nach den in den 1980er Jahren getroffenen Entscheidungen des IOC, Profi‐ sportler: innen zuzulassen und Sponsoren zur finanziellen Unterstützung der Olympischen Bewegung hinzuzuziehen, hatten die Olympischen Spiele zum Ende des 20. Jahrhunderts ein finanzielles und mediales Niveau erreicht, das das „Unternehmen Olympia“ weltweit äußerst attraktiv machte. Allein in Deutschland konkurrierten mit Düsseldorf Rhein-Ruhr, Frankfurt/ Rhein- Main-Gebiet, Hamburg, Leipzig und Stuttgart zu Beginn des neuen Jahrtau‐ sends fünf Städte/ Regionen um den Zuschlag des NOK für Deutschland, sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2012 bewerben zu dürfen. Leipzig, das 2003 das Rennen machte, war auf internationaler Ebene dann allerdings chancenlos, die Spiele wurden im Rahmen der IOC-Session 2005 an London vergeben. Gleichzeitig brachten die milliardenschweren Einnahmen aus Sponsoren‐ geldern und dem Verkauf von Übertragungsrechten ( ↠ -Wie finanziert sich die Olympische Bewegung? ) neue Herausforderungen für die Olympische Bewegung mit sich. Das IOC sah sich mit Vorwürfen des Gigantismus kon‐ frontiert und musste verstärkt Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung ergreifen - 1998 hatten Enthüllungen über einen Bestechungsskandal bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City 2002 die Olympische Bewegung erschüttert. Mehrere Mitglieder wurden aus dem IOC ausgeschlossen oder mussten zurücktreten. Bei der IOC-Session 1999 in Lausanne wurde daraufhin die Einrichtung einer Ethik- (IOC Ethics Commission) und einer Reformkommission (IOC Reform Commission) unter Leitung des damaligen IOC-Präsidenten Juan An‐ tonio Samaranch beschlossen (Sitzungsprotokoll IOC-Session 1999: 13ff.). Letztere wurde mit der Erarbeitung von Reformempfehlungen zu drei Kernbereichen beauftragt: a) Zusammensetzung, Struktur und Organisation des IOC; b) Rolle des IOC in der Olympischen Bewegung sowie c) Wahl von Gastgeberstädten Olympischer Spiele. Die 50 von der Kommission zum Ende des Jahres 1999 vorgelegten Empfehlungen sollten die für die Olympische Bewegung elementaren Grundsätze von Unabhängigkeit und Universalität stärken. Sämtliche Reformvorschläge wurden angenommen und hatten eine Überarbeitung der „Olympic Charter“ zur Folge, insbesondere bezüglich der für die IOC-Mitgliedschaft geltenden Regeln (IOC 2025a: 31f.). IOC- 210 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="211"?> Mitglieder waren nunmehr verpflichtet, sich an den neu erarbeiteten Ethik- Kodex zu halten (Olympic Charter 2000: 26). Diskussionen über Autonomie, Ethik und → Good Governance prägten auch den XIII. Olympischen Kongress, der 2009 in Kopenhagen stattfand (IOC 2025a: 32f.). Darüber hinaus wurde in der dänischen Hauptstadt der Blick auf die 2010 anstehende Premiere der Youth Olympic Games gerichtet. Für die Einführung des neuen olympischen Formats der Jugendspiele hatte sich insbesondere IOC-Präsident Jacques Rogge stark gemacht. Unter Rogges Nachfolger Thomas Bach wurde mit dem → Olympic Summit ein Gipfeltreffen ins Leben gerufen, bei dem seit 2013 die Spitzen der wichtigsten olympischen → Stakeholder jährlich zusammenkommen, um aktuelle Fragen zur Olympischen Bewegung zu erörtern. Diese wurde mit der 2014 initiierten „Olympic Agenda 2020“ nachhaltig reformiert: Unter der Überschrift „Change or be changed“ beinhaltete die Agenda 40 Empfehlungen - hierauf spielte der Titel „2020“ an - zu den Themenbereichen Credibility, Sustainability, Youth. Mit den Reformen zielte man unter anderem auf die Planung und Durchführung Olympischer Spiele ab (Senkung der Kosten und Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens, Durchführung der Spiele unter Priorisierung eines Nachhaltigkeitsgedankens, Flexibilisierung des Wettkampfprogramms). Hinzu kamen das Mitspracherecht der Athlet: in‐ nen, Maßnahmen zur Stärkung von Good Governance und die Förderung eines Solidaritätsgedankens - bei den Olympischen Spielen Rio de Janeiro 2016 ging erstmals ein IOC Refugee Olympic Team an den Start (IOC 2021f: 5ff.). Mit der 2021 veröffentlichten „Olympic Agenda 2020+5“, die erneut Sus‐ tainability und Credibility sowie Digitalisation, Resilience und Solidarity als Inhaltsbereiche nannte, folgten weitere Reformimpulse für die Olympische Bewegung (IOC 2025e: 3). Als Resultat hiervon fanden die urban gestalteten und von temporär erbauten Sportstätten geprägten Olympischen Spiele Paris 2024 als erste „Reformspiele“ des 21. Jahrhunderts statt. Ebenfalls 2021 wurde das olympische Motto um das Wort „gemeinsam“ ergänzt und lautet seitdem Citius, Altius, Fortius - Communiter ( ↠ Wie lautet das olympische Motto und welche Bedeutung hat es für die Olympische Bewegung? ). Vor dem Hintergrund der IOC-Reformen sieht derzeit auch der DOSB eine Chance, nach einer langen olympischen „Durststrecke“ - die Bewerbungen Berchtesgaden 1992 (Olympische Winterspiele), Berlin 2000, Leipzig 2012 (Olympische Spiele) sowie München 2018 (Olympische Winterspiele) blie‐ ben erfolglos und die Bewerbungsinitiativen München 2022 (Olympische Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 211 <?page no="212"?> Winterspiele) und Hamburg 2024 (Olympische Spiele) scheiterten am Wi‐ derstand der lokalen Bevölkerung - nun doch zu reüssieren: Unter der Überschrift „Deine Ideen. Deine Spiele“ ist man 2023 in den Dialog mit Bürger: innen getreten, vor allem in Berlin, Hamburg, Leipzig, München und Nordrhein-Westfalen, um Möglichkeiten einer deutschen Olympiabe‐ werbung zu erörtern. Für die angestrebte olympische Gastgeberrolle steht derzeit die Zeitspanne 2036 bis 2044 im Raum. Im Erfolgsfall würden mehrere Jahrzehnte nach München 1972 erstmals wieder Olympische Spiele in Deutschland stattfinden. [AM] Linktipp | Den neu erarbeiteten Ethik-Kodex für IOC-Mitglieder findet man hier: https: / / stillmed.olympic.org/ media/ Document%20Library/ Ol ympicOrg/ Olympic-Studies-Centre/ List-of-Resources/ Official-Publicat ions/ Olympic-Charters/ EN-2000-Olympic-Charter.pdf Den Closing Report der Olympic Agenda 2020 kann man hier einsehen: https: / / stillmed.olympics.com/ media/ Document%20Library/ OlympicOr g/ IOC/ What-We-Do/ Olympic-agenda/ Olympic-Agenda-2020-Closing-r eport.pdf Welche Herausforderungen ergeben sich im Bereich der Nachhaltigkeit für die Olympische Bewegung? Die Austragung Olympischer Spiele ist mit zahlreichen planerischen, wirt‐ schaftlichen und organisatorischen Herausforderungen verbunden. Eine aktuelle - und sehr komplexe - Herausforderung, die in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus rückte, ist das Thema Nachhaltigkeit. Einerseits aufgrund des gesellschaftlichen Interesses und der veränderten Wertvorstel‐ lungen, andererseits aufgrund der Klimaveränderungen, die sich direkt auf die Olympische Bewegung auswirken. Das IOC beschäftigt sich daher unter dem Begriff →-„Sustainability“ mit Fragen zur Nachhaltigkeit. Durch die „IOC Sustainability Strategy“ (IOC 2017d) sowie durch die Empfehlungen 2 und 10 in der „Agenda 2020+5“ (IOC 2021b: 6f., 23f.) wurden Nachhaltigkeitsgedanken strategisch verankert und systematisch in die Olympische Bewegung integriert. Nachhaltigkeit umfasst neben Um‐ weltaspekten auch die Themenfelder Gesellschaft und Wirtschaft. In diesen Bereichen stützt sich das IOC auf die → Sustainable Development Goals 212 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="213"?> (SDGs) und die „UN Agenda 2030“, in denen der Sport explizit als wichtiger Faktor für nachhaltige Entwicklung genannt wird. Großveranstaltungen und Mega-Events wie die Olympischen Spiele schneiden in Bezug auf Nachhaltigkeit generell schlecht ab, denn aufwändige Infrastruktur, hohe Kosten und große Mobilität haben kurzfristig negative Folgen. Technischer Fortschritt und gesellschaftspolitischer Druck fördern zwar die Entwicklung von Lösungen, doch diese sind oft mit enormen Kosten verbunden und müssen langfristig wirken, um die Herausforderungen wirklich zu meistern. Diese Herausforderungen betreffen die Olympischen Spiele wie die Olym‐ pischen Winterspiele gleichermaßen. Für letztere stellt der Klimawandel eine enorme Herausforderung dar, weil die veränderten meteorologischen Rahmenbedingungen den Schneesportarten stark zusetzen. Bei den Olym‐ pischen Spielen sind vor allem die Größe und der generell steigende Res‐ sourcenverbrauch problematisch. Im Zuge einer aktuellen Nachhaltigkeitsstudie wurden 16 Olympische Spiele zwischen 1992 und 2020 anhand dreier Themenfelder (ökologischer und materieller Fußabdruck, Stärkung der sozialen Gerechtigkeit, wirt‐ schaftliche Effizienz) auf ihre Nachhaltigkeit hin analysiert (Müller et al. 2021: 340ff.). Es zeigte sich, dass dabei keine Ausgabe der Spiele wirklich gut abschnitt. Zudem gab es beträchtliche Unterschiede in den oben aufge‐ führten Themenfeldern sowie zwischen den verschiedenen Austragungen Olympischer (Winter-)Spiele. In Bezug auf Infrastrukturbauten und Kosten schneiden die Olympischen Spiele in der Regel schlecht ab. Gut hingegen stellt sich die Situation bei der Betrachtung einer längerfristigen Verwen‐ dung der Sportinfrastruktur und der gesellschaftlichen Akzeptanz dar. Bemerkenswerterweise zeigt die Analyse eine Verschlechterung im Zeit‐ verlauf, obwohl das Thema Nachhaltigkeit für das IOC und die Austragungs‐ orte immer wichtiger wurde. Die Olympischen Winterspiele schneiden per se nicht schlechter ab, die Unterschiede zwischen den einzelnen Aus‐ tragungen sind aber größer, was auf die Errichtung neuer Sportstätten zurückzuführen ist. Bei den Spielen der → Olympiade fallen ihre Größe und die Anzahl der Besucher: innen stärker ins Gewicht. Die ständig wachsende Dimension der Olympischen Spiele sehen auch Braun und Haensch als fortwährende Herausforderung (Braun/ Haensch 2023: 119ff.). Die Nachhaltigkeit ist außerdem ein wichtiger Zubringer für die → Le‐ gacy. Damit will das IOC über die Olympischen Spiele hinaus eine positive Wirkung erzielen. Um die Spiele nachhaltiger zu gestalten, schlägt Müller drei Maßnahmen vor: Die Durchsetzung unabhängiger Nachhaltigkeits‐ Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 213 <?page no="214"?> standards; eine Reduzierung der Größe der Spiele sowie eine abwechselnde Ausrichtung durch bereits erprobte Veranstalter (Müller et al. 2021: 346). Letzteres würde laut Braun und Haensch jedoch die Möglichkeit nehmen, dass sich zukünftige Austragungsorte im Zuge der Olympischen Spiele nachhaltig entwickeln und die olympische Idee weiterhin weltweit verbrei‐ tet und erlebbar gemacht werden kann (Braun/ Haensch 2023: 133 ff.). Müller jedoch betont die Möglichkeit für die Olympischen Spiele, eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit einzunehmen: „Their high political priority, and the global attention they attract, give the Olympic Games the potential to alter decision-making at the national and even international levels and to reach people around the world. The large expenditure and exceptional political leverage of the Olympic Games present a chance to pioneer necessary sustainability transformations […]“ (Müller et al. 2021: 340). Der Nachhaltigkeits- und Vermächtnisbericht der Olympischen Spiele Paris 2024 (OCOG Paris 2024 2024) beleuchtet die Bemühungen, die Olympischen und Paralympischen Spiele so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten. Der erste → Olympism365 Summit im Jahr 2025 (IOC o.D.-r) zeigt, welche Bedeutung das IOC der Nachhaltigkeit mittlerweile beimisst. Es fördert eine kontinuierliche Entwicklung auf Basis der Erfahrungen aus dem ver‐ gangenen Event, indem es Erkenntnisse analysiert und die verschiedenen Akteure zusammenbringt. Dies soll zur Erweiterung und zum Transfer von gemeinsamen Erkenntnissen und Wissen für das wegweisende Thema Nachhaltigkeit genutzt werden. [PW] Linktipp | Olympism365 ist die Strategie des IOC zur Stärkung der Rolle des Sports als wichtiger Faktor für die Umsetzung der Ziele der Verein‐ ten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) im Einklang mit der Agenda 2020+5. Zu finden unter: https: / / www.olympics.com/ ioc/ olymp ism365. Welche aktuellen Entwicklungen im Doping bedrohen die Integrität der Olympischen Spiele? Fairness, Respekt und das Streben nach persönlicher Bestleistung ohne Verwendung verbotener Hilfsmittel stellen Grundwerte des Olympismus 214 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="215"?> dar (Olympic Charter 2025: 8f.). Werte, die durch Doping ernsthaft gefährdet werden, da hierbei die Integrität des Wettbewerbs untergraben und die Gesundheit der Athlet: innen aufs Spiel gesetzt werden. Doping, wie es im erstmals 2002 verabschiedeten World Anti-Doping Code (WADC) definiert ist, umfasst unter anderem die Anwendung oder versuchte Anwendung verbotener Substanzen oder Methoden, die Weige‐ rung oder das Versäumnis, eine Urin- oder Blutprobe abzugeben, sowie die Manipulation irgendeines Teils des Dopingkontrollverfahrens (WADA 2021: 19ff.). Der WADC bildet das Fundament zur Harmonisierung von Anti-Doping-Regeln und -Vorschriften über Sportorganisationen und na‐ tionale Behörden hinweg (WADA 2021). Seine Bedeutung wird durch das internationale Übereinkommen der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) gegen Doping im Sport (UNESCO 2005) gestärkt: Das erste globale Engagement von Regierungen für die Anti-Doping-Thematik in Form einer verpflichtenden internationalen Zusammenarbeit. Der Anti-Doping-Kampf stellt jedoch eine vergleichsweise junge Ent‐ wicklung in der langen Geschichte des Sports dar. Lange Zeit wurde Doping weitgehend ignoriert. Leistungssteigernde Methoden erlangten erst im 20. Jahrhundert weltweite Aufmerksamkeit, als große Doping- Skandale die öffentliche Wahrnehmung prägten. Erste Schritte unternahm das IOC in den 1960er-Jahren mit der Einrichtung einer Medizinischen Kommission. Bei den Olympischen Winterspielen Grenoble 1968 wurden schließlich erstmals Dopingtests durchgeführt (Wassong 2022: 392ff.). Als Reaktion auf die zunehmende Dopingproblematik und vor allem auf den sogenannten → Festina-Skandal bei der Tour de France 1998 organisierte das IOC im Februar 1999 die erste → World Conference on Doping in Sport (Wassong 2021: 141ff.) Auf dieser wurde dann die World Anti-Doping Agency (WADA) gegründet, die seitdem den globalen Kampf gegen Doping koordiniert und die Glaubwürdigkeit des Sports sichern soll (WADA o.D.). Die WADA veröffentlicht die Liste verbotener Substanzen und akkreditiert die weltweit existierenden - derzeit 30 - Anti- Doping-Labore (WADA 2023: 1f.); vorher lagen diese Entscheidungen im Verantwortungsbereich des IOC. Für Deutschland ist zudem die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) von Bedeutung, die seit 2002 die Umsetzung der Anti-Doping-Maßnahmen auf nationaler Ebene verantwortet und eng mit der WADA zusammenarbeitet (NADA o.D.). Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 215 <?page no="216"?> Trotz dieser koordinierten Bemühungen bleibt Doping eine ständige Herausforderung. Während Anti-Doping-Tests immer ausgefeilter werden, entwickeln dopende Athlet: innen und ihre Entourage immer raffiniertere Strategien, um bei Kontrollen nicht positiv getestet zu werden. Zum Ein‐ satz kommen zunehmend hochentwickelte Substanzen, Mikro-Dosierungs‐ techniken (Breenfeldt Andersen et al. 2024: 1) und sogar Genmanipulati‐ onstechnologien (Bojarczuk 2024: 1). Öffentlichkeitswirksame Skandale verdeutlichen immer wieder die Anfälligkeit des Sports für Manipulation. Ein besonders prominentes Beispiel ist das durch den „McLaren-Bericht“ (McLaren 2016: 1.) dokumentierte staatlich organisierte Dopingprogramm, das ein systematisches Vorgehen russischer Behörden während der Olym‐ pischen Winterspiele Sotschi 2014 enthüllte. Die Untersuchung deckte auf, wie positive Proben mit Beteiligung der Russischen Anti-Doping-Agentur und des russischen Inlandsgeheimdienstes heimlich manipuliert und ersetzt wurden und führte zu weitreichenden Sanktionen und internationaler Empörung (Wassong 2022: 393f.). Die WADA selbst sieht sich dem Vorwurf mangelnder Transparenz und nicht einheitlichen Umgangs mit positiven Dopingproben ausgesetzt (Henning/ Krieger 2024). Kritiker: innen werfen der Organisation vor, Ent‐ scheidungen über positive Proben chinesischer olympischer Schwimmer: in‐ nen im Vorfeld der Olympischen Spiele Tokio 2020/ 21 verzögert oder unzureichend kommuniziert zu haben, was anhaltendes Misstrauen schürte. Insbesondere, da mehrere der betroffenen Athlet: innen auch bei den Olym‐ pischen Spielen Paris 2024 antraten und der Fall somit weit über Tokio hinaus Relevanz erlangte (USADA 2024). Im Zentrum der Kritik steht unter anderem die Frage nach möglichen Interessenskonflikten innerhalb der WADA, deren Vizepräsidentin derzeit eine chinesische Funktionärin ist. In diesem Kontext äußerten Kritiker: innen die Vermutung, politische Rücksichtnahme zur Vermeidung diplomatischer Spannungen habe vor den Olympischen Spielen eine strengere Aufarbeitung des Falls der chinesischen Schwimmer: innen behindert (Henning/ Krieger 2024). Eine besonders umstrittene aktuelle Entwicklung in der Sportwelt ist die Entstehung einer „gedopten“ Sportliga. Bei den Enhanced Games sind Dopingmittel nicht nur erlaubt, ihre Einnahme wird sogar ausdrücklich gefördert (Enhanced Ltd. o.D.-b). Die Gründer: innen argumentieren, dass Doping im Spitzensport ohnehin weit verbreitet sei und der regulierte Einsatz unter medizinischer Aufsicht zu sichereren und spannenderen Wettkämpfen führen könne (May 2025). Die Enhanced Games sind privat 216 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="217"?> finanziert und bieten finanzielle Anreize für die Teilnahme: es werden Antrittsgelder, Preisgelder und Prämien für Weltrekorde versprochen. Über 1 Million US-Dollar sind jeweils für das Brechen der Rekorde im 100-Meter- Lauf und 50-Meter-Freistil-Schwimmen ausgesetzt (Enhanced Ltd. o.D.-a). Diese Faktoren haben bereits das Interesse einiger Athlet: innen geweckt (Richardson 2024). Die ersten Enhanced Games sollen 2026 stattfinden (Enhanced Ltd. o.D.-b). Die Athletenkommission des IOC sowie die WADA haben in einem gemeinsamen Statement ihre deutliche Ablehnung gegenüber dieser Bewe‐ gung geäußert (IOC Athlete 365 2025), da sie die Grundwerte des fairen und gesunden Wettbewerbs gefährdet sehen. Entsprechend steht die Veranstal‐ tung aus olympischer Perspektive im direkten Widerspruch zu den anfangs erwähnten grundlegenden Prinzipien des Olympismus. Auch wenn beim Anti-Doping-Kampf schon viel erreicht wurde, bleibt für den internationalen Hochleistungssport ein ständiges Ringen darum prägend, wer einen Schritt voraus ist: die Dopenden oder die Anti-Doping- Bewegung. [ JD] Linktipp | Interessante Informationen über die Gründung der WADA und deren Strategien im Anti-Doping-Kampf finden sich hier: https: / / w ww.wada-ama.org/ en/ who-we-are/ governance. Interessant sind auch die Informationen der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland: https: / / www.gemeinsam-gegen-doping.de. Wie hat sich der Umgang des Internationalen Olympische Komitees mit Transgender- und intersexuellen Athlet: innen verändert? Die Trennung von Sportwettkämpfen nach Geschlechtern basiert historisch auf zwei grundlegenden Annahmen: dass es zwei klar unterscheidbare Geschlechter - männlich und weiblich - gibt, und dass körperliche Unter‐ schiede zwischen diesen Gruppen sportlich relevant und leistungsbestim‐ mend sind (Heggie 2014: 339). Die Einteilung wurde dabei häufig mit dem Anspruch begründet, die Fairness im Frauensport zu wahren (Krech 2016: 5). Das → binäre Geschlechtersystem bildet somit bis heute die Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 217 <?page no="218"?> strukturelle Grundlage für die meisten Sportarten auf internationaler Ebene, einschließlich der Olympischen Spiele. Gleichzeitig entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein differen‐ zierteres Verständnis von Geschlecht. Wissenschaftliche Disziplinen wie Genetik, Endokrinologie und Sozialwissenschaften weisen zunehmend dar‐ auf hin, dass Geschlecht keine rein binäre Kategorie ist, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, hormoneller und sozialer Faktoren geprägt wird (Heggie 2014: 339). Diese Perspektive stellt das bisherige sportliche Ordnungssystem vor Herausforderungen - insbesondere im Hinblick auf die Einordnung von → trans* und → inter* Athlet: innen, deren Körper oder Geschlechtsidentität nicht mit den binären Kategorien übereinstimmen. In diesem Zusammenhang ist es wesentlich, zwischen verschiedenen Gruppen zu unterscheiden, die von sportlichen Regelungen zum Thema Geschlecht betroffen sind (Love 2014: 376). Vor diesem Hintergrund wurden in der Vergangenheit eine Reihe von sogenannten Geschlechtstests eingeführt, um die Teilnahmebedingungen an internationalen Wettkämpfen zu regulieren. Die Maßnahmen stießen auf Kritik, da es bis heute kein wissenschaftlich eindeutig definiertes Kriterium gibt, das eine klare geschlechtliche Zuordnung im sportlichen Kontext erlaubt. Darüber hinaus berühren solche Maßnahmen auch ethische, medizinische und gesellschaftliche Fragestellungen (Erikainen 2020: 121; Heggie 2014: 339). Die Geschichte des Sex Testing im internationalen Spitzensport, insbe‐ sondere unter der Aufsicht des IOC, verdeutlicht den Umgang mit die‐ ser Problematik. Ab den 1960er-Jahren führte das IOC verpflichtende Geschlechtsüberprüfungen ein - zunächst durch visuelle und gynäkologi‐ sche Untersuchungen, später durch Chromosomentests (Love 2014: 377). Diese Praxis zielte darauf ab, vermeintliche Männer im Frauensport auszu‐ schließen, traf jedoch vor allem inter* beziehungsweise DSD-Athlet: innen (→ differences in sex development), die dadurch stigmatisiert oder ausge‐ schlossen wurden. Trans* Personen waren in diesem System lange nicht berücksichtigt, obwohl deren sportliche Teilnahme bereits rund um die Olympischen Spiele 1936 medial diskutiert wurde (Moyer 2023: 58f). Ein Wendepunkt war der Stockholmer Konsens von 2003. Er erlaubte erstmals unter Auflagen die Teilnahme von trans* Athlet: innen, etwa nach geschlechtsangleichender Operation und zweijähriger Hormonthera‐ pie (Barras 2024: 32ff; IOC 2004). Im Umgang mit inter* bzw. DSD-Athlet: in‐ nen setzte sich hingegen eine andere Logik durch: Das IOC verzichtet seit 2000 auf ein eigenes System des Sex Testing bei Olympischen Spie‐ 218 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="219"?> len. Die IFs, insbesondere der Internationale Leichtathletikverband (IAAF, heute World Athletics), konzentrierten sich auf den Testosteronspiegel als Teilnahmekriterium. Sportlerinnen mit erhöhtem körpereigenem Testoste‐ ronwert wurden zu medikamentöser oder operativer Senkung gedrängt, um im Frauensport antreten zu dürfen. Während die Anforderungen für trans* Athlet: innen im Laufe der Jahre gelockert wurden - etwa durch den Verzicht auf Operationen, jedoch weiterhin mit Testosteronlimits, insbesondere bei trans* Frauen (Barras 2024: 39f) - verschärfte sich der Umgang mit DSD-Athlet: innen weiter. Diese Entwicklungen verdeutlichen die sehr unterschiedlichen Auswirkungen sportpolitischer Regulierungen auf verschiedene marginalisierte Gruppen. Seit 2015 erlaubt das IOC trans* Männern ohne Einschränkungen die Teilnahme an Männerwettkämpfen, während trans* Frauen einen Testoste‐ ronwert unter 10 Nanomol pro Liter (nmol/ l) über mindestens zwölf Monate nachweisen müssen. Eine operative Geschlechtsangleichung ist nicht mehr notwendig (IOC 2015). Mit dem 2021 veröffentlichten „Framework for Fair‐ ness, Inclusion and Non-Discrimination on the Basis of Gender Identity and Sex Variations“ verfolgt das IOC einen stärker menschenrechtsbasierten Ansatz, der den IFs als Leitlinie dienen sollte. Dieser betont die körperliche Selbst‐ bestimmung und verbietet invasive Untersuchungen. Gleichzeitig überträgt das IOC die konkrete Regelgestaltung an die einzelnen IFs (IOC 2021d). Dadurch entstehen teils sehr unterschiedliche Handhabungen: Während manche Verbände sich stärker an Inklusion orientieren, setzen andere sich stark von der liberalen Linie des IOC-Frameworks ab. World Athletics bei‐ spielsweise erwägt die Wiedereinführung von Gen- und Testosterontests für seine Wettbewerbe (World Athletics 2025: 5). Besonders DSD-Athlet: innen sind dadurch weiterhin von medizinischen Eingriffen betroffen, um teilneh‐ men zu dürfen. Die Trennung nach Geschlecht bleibt damit bestehen, wird jedoch zunehmend uneinheitlich geregelt und unterschiedlich umgesetzt. Die Herausforderung für das IOC besteht heute darin, die sehr unter‐ schiedlichen Perspektiven und Interessen verschiedener Stakeholder zu moderieren und in den olympischen Sport einzubinden. [ME] Linktipps | Offizielle Pressemitteilungen des International Olympi‐ schen Komitees bezüglich Konsultationen (Stockholmer Konsens 2003): https: / / www.olympics.com/ ioc/ news/ ioc-approves-consensus-with-reg ard-to-athletes-who-have-changed-sex-1 und Framework on Fairness, Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 219 <?page no="220"?> Inclusion and Non-discrimination on the basis of gender identity and sex variations 2021: https: / / www.olympics.com/ ioc/ news/ ioc-releases-fram ework-on-fairness-inclusion-and-non-discrimination-on-the-basis-of -gender-identity-and-sex-variations. Welchen Platz hat E-Sport in der Olympischen Bewegung? Seit den frühen 1990er Jahren wurden einige Videospiele zunehmend wett‐ bewerbsorientiert gespielt und vermarktet. Dieser spezielle Bereich, der E- Sport, hat sich seit seinen Anfängen rasch weiterentwickelt. Im Moment gibt es weltweit etwa 3,2 Milliarden Spieler: innen (Buchtala/ Radisch 2024: 48). Das enorme Wachstum zeigt sich auch hinsichtlich der Zuschauer: in‐ nenzahlen, der Unternehmensgewinne sowie der ausgespielten Preisgelder. Trotz dieser Erfolgsgeschichte gibt es keine einheitliche Definition von E- Sport und das Begriffsverständnis ist vielfältig. Der E-Sport-Bund Deutsch‐ land (ESBD), der sich als Ansprechpartner des organisierten E-Sports für Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit in Deutschland sieht, hat 2024 folgende Kerndefinition beschlossen: „E-Sport ist der Wettkampf zwischen Menschen auf der virtuellen Ebene eines Computerspiels“ (ESBD 2024). Das IOC beschäftigte sich erstmals beim → Olympic Summit im Oktober 2017 mit dem Thema „The development of eSports“. Dabei verständigten sich die Teilnehmenden unter anderem darauf, dass E-Sport gerade bei Jugendlichen ein starkes Wachstum verzeichnet und als Plattform Chancen für die Olympische Bewegung bietet sowie dass ein auf Wettbewerb orien‐ tierter E-Sport als sportliche Aktivität betrachten werden kann, wobei die Inhalte nicht gegen die olympischen Werte verstoßen dürfen (IOC 2017d). Es bestand Einigkeit, das Thema weiter zu verfolgen. 2018 veranstalteten das IOC und die Global Association of International Sports Federations (GAISF) ein E-Sport-Forum in Lausanne, an dem über 150 Vertreter: innen aus der E-Sport-Szene, zum Beispiel Spieler: innen, Publisher, Veranstalter: innen, sowie der Olympischen Bewegung, insbeson‐ dere NOCs, Athlet: innen und Sponsoren, teilnahmen. Ziel war es, sich auszutauschen, einen Dialog anzustoßen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Im Ergebnis wurde eine Esports Liaison Group eingerichtet, 220 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="221"?> um den begonnenen Austausch fortzusetzen. Zudem war das Thema fortan regelmäßig Gegenstand der jährlichen Olympic Summits. 2021 wurde dann erstmals die Olympic Virtual Series veranstaltet, die verschiedene virtuelle Sportarten beinhaltete. Dieses Pilotprojekt wurde schließlich weiterentwickelt und 2023 die Olympic Esports Series, ein globaler virtueller Sportwettbewerb sowie die Olympic Esports Week als Plattform für Austausch, Rahmenprogramm und Diskussion, eingeführt. Nach Auffas‐ sung der Vertreter: innen der Olympischen Bewegung waren diese Maßnah‐ men ein großer Erfolg. Viele Vertreter: innen der E-Sport-Szene kritisierten jedoch die Auswahl der Spieltitel, weil es sich dabei nicht um die etablierten und erfolgreichsten Spiele handelte. Innerhalb des IOC wurden derweil die nächsten Schritte umgesetzt. Im selben Jahr wurde die Einrichtung einer IOC-Kommission Esport verkündet, die an die Stelle der bisherigen Esports Liaison Group treten sollte und insbesondere den Auftrag hatte, die Einführung von Olympic Esports Games zu prüfen. Der zu dieser Zeit amtierende IOC-Präsident Thomas Bach äußerte sich dazu wie folgt: „The IOC believes that virtual sports have the potential to complement and enhance the traditional Olympic sports, and that they can provide new opportunities for athletes and fans to participate in the Olympic Movement. We believe that virtual sports can help to promote the values of excellence, friendship and respect that are at the heart of the Olympic Games, and that they can inspire young people around the world to get involved in sports and to lead active and healthy lifestyles“ (IOC 2023h). Darüber hinaus wurde in der „Olympic Agenda 2020+5“ die folgende Emp‐ fehlung aufgenommen: „Encourage the development of virtual sports and further engage with video gaming communities“ (IOC 2021b: 21) und die Notwendigkeit hervorgehoben, zwischen virtuellen Sportarten und gaming zu unterscheiden. Virtuelle Sportarten umfassen sowohl physische (virtuell gestützte sportliche Aktivitäten) als auch nicht-physische virtuelle Sportar‐ ten (virtuelle Abbildung einer realen Sportart). Zum gaming sind einerseits Wettkampfals auch Gelegenheitsspiele zu zählen (IOC 2021b: 22). Der vorläufige Höhepunkt der Entwicklung des E-Sports innerhalb der Olympischen Bewegung folgte im Juli 2024, als das IOC auf seiner 142. Ses‐ sion in Paris die Einführung von Olympic Esports Games und zugleich eine Partnerschaft mit dem NOC von Saudi-Arabien für zwölf Jahre beschloss (IOC 2024o). Thomas Bach begründete dies mit folgenden Worten: Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 221 <?page no="222"?> „With the creation of Olympic Esports Games, the IOC is taking a major step forward and is keeping up with the pace of the digital revolution. We are very excited how enthusiastically the esports community represented in our Esports Commission has engaged with this initiative. This is further proof of the attractivity of the Olympic brand and the values it stands for. With respect to esports, our values are and remain the red line that we will never cross“ (IOC 2024n). Die ersten Olympic Esports Games waren für 2027 in der saudischen Haupt‐ stadt Riad geplant. Gründungspartner der Veranstaltung sollte die Esports World Cup Foundation (EWCF) sein (IOC 2025d). Im Oktober 2025 gab das IOC in einem gemeinsamen Statement mit dem NOC von Saudi-Arabien jedoch das Ende der Kooperation im Bereich E-Sport und die Auflösung entsprechender Verträge im beiderseitigen Einvernehmen bekannt. Das IOC kündigte zudem die Entwicklung eines neuen E-Sport-Konzepts an. Diese Entwicklung zeigt, dass E-Sport mittlerweile eine große Bedeutung für die Olympische Bewegung hat, macht zugleich aber auch die schwierige Umsetzung entsprechender Wettbewerbe deutlich. Neben der komplizierten Auswahl von geeigneten Spieltiteln - einerseits sollen akzeptierte E-Sport- Titel einbezogen werden, andererseits sollen Spiele den Olympischen Wer‐ ten entsprechen - muss die Olympische Bewegung auch damit umgehen, dass der E-Sport anders organisiert ist als der traditionelle Sport. Während dieser demokratisch in Verbänden organisiert ist und es jeweils einen international anerkannten Fachverband gibt, besteht das E-Sport-System aus ganz heterogenen Akteuren mit unterschiedlichen Rollen und Rechten. Beispielsweise sind die Spielehersteller üblicherweise die Rechteinhaber der Spiele, die dann auch über Anpassungen und Inhalte entscheiden. Die ent‐ scheidende Herausforderung für die Olympische Bewegung besteht darin, ihre Werte und Traditionen zu bewahren und gleichzeitig Innovationen und moderne Entwicklungen zuzulassen. [ACB] Welche Chancen und Herausforderungen eröffnet Künstliche Intelligenz für den olympischen Sport und die Olympischen Spiele? Künstliche Intelligenz (KI) - englisch Artificial Intelligence (AI) - beeinflusst mittlerweile sehr intensiv verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, der olympische Spitzensport und die Olympischen Spielen bleiben davon nicht ausgeschlossen. Das IOC ist dieser digitalen Entwicklung 222 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="223"?> gegenüber aufgeschlossen, wie die Vorstellung der „Olympic AI Agenda“ im April 2024 in London demonstrierte. In diesem Reformpaket - dem dritten, das nach der „Olympic Agenda 2020“ (2014) und der „Olympic Agenda 2020+5“ (2021) in der IOC-Präsidentschaft von Thomas Bach initiiert wurde - formuliert das IOC die sich selbst gegebene Verantwortung, eine führende Rolle bei der Nutzung von KI im Sport zu übernehmen. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, wurde 2023 die IOC AI Working Group gegründet, die mit Wissenschaftler: innen, Expert: innen von digitalen Technologiefirmen und Mitgliedern der IOC-Athletenkommission besetzt ist (IOC 2024s: 3ff.). In der „Olympic AI Agenda“ werden zentrale Anwendungsfelder von KI in den Bereichen der Trainingssteuerung und der Talentsichtung be‐ trachtet. Bedingt durch die Nutzung von KI in Trainingsprozessen werden Möglichkeiten aufgegriffen, Leistungssteuerung und -entwicklung auch in Ländern zu fördern, in denen Anwendungswissen aus unter anderem der Trainingswissenschaft noch nicht differenziert vorhanden ist. Letztlich wird dadurch dann auch die Universalität des olympischen Sports verfestigt und dem Fair Play-Gedanken - einem Grundwert des Olympismus - Rechnung getragen. Zweifelsohne trifft dies auch auf den Bereich Mental Health von Athlet: in‐ nen zu, dem die IOC-Athletenkommission in ihrer Agenda eine hohe Bedeu‐ tung beimisst. Persönliche Unterstützungsprogramme und psychologische Therapien zur Prävention und Heilung von Mental Illness sind kostspielig und aufgrund von knappen Personalressourcen nicht für alle Betroffene problemlos zu bekommen. Hinzu kommt, dass Athlet: innen sich oftmals davor scheuen, ihre Probleme in Gesprächen und Therapiesitzungen offen zu legen. Die Nutzung von KI bietet Möglichkeiten, Zugänge zu Mental Health-Programmen für möglichst viele Athlet: innen zu öffnen und eine Anonymität in der Beratung zu gewährleisten. Neben diesen aufgeführten Bereichen sieht das IOC weitere Nutzungs‐ möglichkeiten von KI in der organisatorischen Optimierung von Wett‐ kampfabläufen und der präziseren Entscheidungsfindung von Wettkampf‐ richtern, wodurch dann auch wieder der olympische Fairnessgedanke verfestigt werden kann. Dementsprechend kann der Einsatz von KI für Me‐ daillenentscheidungen zum Beispiel im Boxen, Turnen, Synchronschwim‐ men, Turmspringen, in der Rhythmischen Sportgymnastik oder beim Eis‐ kunstlauf und Freestyle-Skiing von großem Nutzen sein. Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 223 <?page no="224"?> Weitere Felder, in denen KI in der Olympic AI Agenda eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird, beziehen sich auf die Optimierung der Organisation der Olympischen Spiele an sich. Dazu nur einige Beispiele: durch KI gestützte Systeme können präzisere Vorhersagen über Zuschau‐ eraufkommen und -erfahrungen gemacht werden, sodass Besuche der Wettkämpfe und Wettkampfstätte nicht zu sehr von Wartezeiten, Gedränge und Platzmangel beeinflusst werden. Ein KI gesteuertes Ticketing-System kann dazu beitragen, Nachfragen besser zu prognostizieren, um effektiv die Ausgestaltung der Wettkampfstätten mit Zuschauer: innenplätzen, Verpfle‐ gungskonzepten und Notfallstationen zu planen. Hervorzuheben ist aber auch, dass durch KI-Anwendungen noch verläss‐ lichere Sicherheitssysteme und -maßnahmen angewandt werden können, wodurch dem Gefahrenpotenzial von Anschlägen effektiv entgegengewirkt werden kann. Die Olympischen Spiele Paris 2024 sind dafür ein sehr gutes Beispiel. In Paris wurden zudem KI-Systeme dafür genutzt, Nachhaltigkeits‐ konzepte bei den Olympischen Spielen und für künftige olympische Austra‐ gungsorte zu optimieren. Für das IOC ist dieser Punkt besonders wichtig, um essenzielle Empfehlungen umzusetzen, die schon in der „Olympic Agenda 2020“ festgeschrieben wurden. Im IOC ist man sich aber auch der Tatsache bewusst, dass es trotz der zahlreichen Vorteile, die KI für den Sport und die Olympischen Spiele bietet, auch viele Herausforderungen gibt. Diese basieren unter anderem auf der Tatsache, dass KI-Systeme auf großen Mengen personenbezogener Daten wie Leistungskennzahlen, biometrischen Angaben und Social Media- Aktivitäten basieren, um verlässliche Informationen über Anwendungspro‐ zesse zu liefern. Zweifelsohne kann dies zu Risiken für die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien und damit zur Aushöhlung der Privatsphäre von Athlet: innen führen. Bedenken sind auch anzuführen, wenn die von KI-Algorithmen generier‐ ten Informationen zu Verzerrungen führen, weil nicht genügend Daten aus bestimmten Regionen und Sportarten vorliegen. Eine sich daraus ergebende Konsequenz wäre die falsche Zusammenstellung von individualisierten Trainingsplänen, die die sportliche Entwicklung von Athlet: innen negativ beeinflussen könnten. Vor diesem Hintergrund muss betont werden, dass sich Athlet: innen und Trainer: innen selbstredend nicht ausnahmslos auf KI-Systeme verlassen dürfen. Der persönlich ausgewiesenen Fachexpertise muss bei der Entscheidungsfindung weiterhin Vertrauen geschenkt werden, um Trainingssteuerung optimal und im Sinne einer verantwortbaren Leis‐ 224 Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen <?page no="225"?> tungsentwicklung zu gestalten (Liu/ Cui 2024: 120ff.). Dies trifft natürlich auch auf die Mental Health-Thematik zu. Unterstützungsstrategien zum Erhalt und Ausbau einer psychischen Stabilität können zwar durch KI- Nutzung aufgegriffen werden, sind aber in ihrer zielgerichteten Prävention und Therapie noch auf die persönliche Konsultation von psychologischer Fachexpertise angewiesen. Das IOC zeigt mit der „Olympic AI Agenda“, dass es die Anwendungen von KI im olympischen Sport auszubauen gedenkt. Es sieht sich in der Verant‐ wortung, die Herausforderungen zu kontrollieren und Fehlanwendungen zu reduzieren. Die dazu notwendige Etablierung eines Umfeldes für eine vertrauenswürdige Arbeit mit KI erfordert die Schaffung eines ethischen und rechtlichen Rahmens, die Entwicklung von Richtlinien, die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen und die Passung von Erwartungen an KI- Anwendungen an die Olympischen Werte. Der letztgenannte Punkt bezieht sich auf den Fair Play-Gedanken und die Universalität der Olympischen Bewegung. Vor diesem Hintergrund muss für eine verantwortungsvolle und inklusive Anwendung von KI-gestützten Systemen sensibilisiert werden. Dies kann mit einem kollaborativen Ansatz gelingen, in den IFs, NFs, NOCs, Technologiekonzerne und vor allem institutionelle Vertretungen von Athlet: innen mit einbezogen werden (IOC 2024s: 3ff.). [SW] Linktipp | Interessante und anschauliche Informationen über die Im‐ plementierung der Olympic AI Agenda und deren Weiterentwicklung können in Pressemeldungen des IOC und auf YouTube angesehen wer‐ den: https: / / www.olympics.com/ ioc/ olympic-ai-agenda. Die Olympische Bewegung im 21. Jahrhundert - Herausforderungen und Chancen 225 <?page no="227"?> Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt Albert-le-Grand-Kollegschule | Die Albert-le-Grand-Kollegschule im Pa‐ riser Vorort Arcueil im französischen Department Val-de-Marne wurde 1863 vom Dominkanerpater Eugène Captier gegründet. Sie wurde 1906 geschlossen. Ambush Marketing | Ambush Marketing ist eine Marketingstrategie, mit der ein Unternehmen versucht, sich mit einem (Sport-)Event zu assoziieren, ohne selbst Sponsor des Events zu sein. Binäres Geschlechtersystem | Das binäre Geschlechtersystem unterteilt Menschen strikt in „männlich“ oder „weiblich“ - basierend auf körperlichen Merkmalen. Es geht davon aus, dass es nur zwei klar unterscheidbare Ge‐ schlechter gibt, die mit festen Rollenbildern verbunden sind. Diese Annahme wird von vielen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven infrage gestellt, weil sie geschlechtliche Vielfalt ausblendet. Im Sport bildet dieses System oft die Grundlage für geschlechtergetrennte Wettkämpfe, was für inter* und trans* Personen problematisch sein kann. Biologisches Alter | Als Biologisches Alter bezeichnet man das Alter gemäß Entwicklungsstand des Körpers, im Gegensatz zum chronologischen Alter, das die Lebensjahre angibt. Bei unter 18-jährigen Athlet: innen gibt es oft große Unterschiede, was zu unterschiedlichen Voraussetzungen im Leistungssport führen kann. Black Power-Protest (Olympische Spiele Mexico City 1968) | Die Symbolik der Protestaktion von John Carlos und Tommie Smith bei der Siegerehrung nach dem 200-Meter-Lauf beschrieb Olympiasieger Smith gegenüber der Presse wie folgt: „I wore a black right-hand glove and Carlos wore the left-hand glove of the same pair. My raised right hand stood for the power in Black America. Carlos’ left hand stood for the unity of Black America. Together, they formed an arc of unity and power. The black scarf around my neck stood for black pride. The black socks with no shoes stood for black poverty in racist America. The totality of our effort was the regaining of black dignity.“ <?page no="228"?> 2016 würdigte US-Präsident Barack Obama die Protestaktion bei einem Empfang des US-amerikanischen Olympiateams im Weißen Haus: „ […] their powerful silent protest in the 1968 Games was controversial, but it woke folks up and created greater opportunity for those that followed.“ Differences of Sex Development | Athlet: innen mit Differences of Sex Development (DSD) weisen biologische Merkmale auf, die nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. DSD ist ein medizinischer Sammelbegriff für eine Reihe seltener, angebo‐ rener körperlicher Varianten in Bezug auf Chromosomen, Hormone oder Geschlechtsmerkmale. Einige dieser Personen produzieren aufgrund gene‐ tischer Varianten höhere Mengen an körpereigenem Testosteron. Fearnley Cup | Der Fearnley Cup wurde 1950 von dem ehemaligen IOC- Mitglied Sir Thomas Fearnley gesponsert und bis 1963 jährlich, danach nur noch unregelmäßig an Sportvereine und -verbände verliehen, die damit für ihr besonderes Engagement in der Olympischen Bewegung ausgezeichnet wurden. 1974 beschloss das IOC, den Preis nicht länger zu verleihen. Festina-Skandal | Bei der Tour de France 1998 wurde der bis dahin in der in‐ ternationalen Sportwelt größte Dopingskandal aufgedeckt. Die französische Staatsanwaltschaft führte ausgedehnte Razzien in den Mannschaftshotels und -wagen des Radsportteams Festina durch und entdeckte große Mengen unerlaubter Substanzen. Es handelte sich überwiegend um das Hormon Erythropoetin (EPO), durch dessen Einnahme (Injektion) größere Mengen an Sauerstoff im Blut transportiert werden können. Razzien fanden darauf‐ hin auch bei anderen Teams statt. Weiterführende Ermittlungen ergaben, dass beim Festina-Team ein flächendeckendes Doping betrieben wurde. Die Mannschaft wurde von der Tour de France ausgeschlossen; weitere Teams standen unter Verdacht und deren Fahrer wurden in den Folgejahren sanktioniert. Die sich aus dem Festina-Skandal ergebene Konsequenz führte zur Einberufung der 1st World Conference on Doping in Sport (siehe dazu gesonderten Eintrag). Good Governance | Good Governance bezeichnet beim IOC die Grundsätze der Integrität und Transparenz, die dank ethischer Grundsätze und einem entsprechenden Verhaltenskodex das Vertrauen und korrekte Verhalten der Mitglieder und Partner der Olympischen Bewegung sichern sollen. 228 Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="229"?> Good Governance ist in der Olympischen Charta des IOC sowie in den Empfehlungen „Olympic Agenda 2020+5“ und New Approach verankert. Inklusion | Inklusion bedeutet, dass alle Menschen die Möglichkeit haben sollen, umfassend und gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilzu‐ haben und niemand aufgrund von individuellen Eigenschaften, zum Beispiel einer Behinderung, benachteiligt wird. inter* Athlet: innen | Inter* bezeichnet Menschen, deren körperliche Merkmale - etwa Genitalien, Hormone oder Chromosomen - nicht den medizinischen Normen von „männlich“ oder „weiblich“ entsprechen. Inter* ist ein übergreifender Begriff für diese natürliche körperliche Vielfalt, die manche Menschen erst später im Leben bewusst wahrnehmen. Im Sport führt das häufig zu Herausforderungen, weil viele Regelwerke auf einer eindeutigen Geschlechterzuordnung basieren. Internationaler Sportgerichtshof | Der Internationale Sportgerichtshof (Court of Arbitration for Sport, CAS) ist ein unabhängiges internationales Schiedsgericht, das als oberste Gerichtsbarkeit im internationalen Sport‐ recht fungiert. Er wurde 1984 mit der Intention gegründet, Sportorganisa‐ tionen, Offiziellen und Athlet: innen schnellere und besser auf den Sport zugeschnittene Rechtsprechung als staatliche Gerichte bieten zu können. Der CAS hat seinen Sitz im schweizerischen Lausanne. Internationales Friedensbüro | Das Internationale Friedensbüro (Interna‐ tional Peace Bureau, IPB) ist die älteste und größte internationale Friedens‐ organisation der Welt und wurde 1891 in Bern, Schweiz, gegründet. Das IPB hat sich verpflichtet, den Frieden zu fördern, für die weltweite Abrüstung einzutreten und leistet Arbeit in humanitären Fragen. IPC-Präsidenten | Robert Steadward: 1989-2001, Philip Craven: 2001- 2017, Andrew Parsons: 2017-heute Kronos-Hügel | Der Kronos-Hügel, benannt nach dem mytholgischen Vater des Gottes Zeus, ist ein auffälliger Orientierungspunkt in Olympia und liegt oberhalb der antiken Wettkampfstätten und Heiligtümer. Der Hügel war eine kultisch-religiöse Opferstätte für Zeus und Kronos. Am Fuß des mit Fichten dicht bewaldeten Hügels brachten Anwohner, Bauern und Viehzüchter Opfergaben für die Erdmutter Gaia dar. Zu den Votiven gehörten u.a. kleine Widder-, Rinder- und Pferdefiguren aus Bronze und Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt 229 <?page no="230"?> Ton, die dann in Vielzahl bei den Ausgrabungen in den beiden letzten Dekaden des 19. Jh. entdeckt wurden. Legacy | Als Legacy bezeichnet das IOC den langfristigen Nutzen, der durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele für den Austragungsort, die Menschen sowie die Olympische Bewegung vor, während und nach den Spielen erreicht wird. Der Begriff umfasst eine Vielzahl von positiven Auswirkungen und ist in der Olympischen Charta sowie den Empfehlungen 2020+5 verankert. Lokale Jugend | Als lokale Jugend werden Jugendliche bezeichnet, die am Austragungsort vom Kultur- und Erziehungsprogramm rund um die Youth Olympic Games profitieren können. Olympiade | Der Begriff „Olympiade“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet den Zeitraum von vier aufeinanderfolgenden Kalenderjahren, nicht aber - wie umgangssprachlich oft falsch verwendet - das Ereignis Olympische Spiele selbst. Laut „Olympic Charter“ des IOC beginnt eine Olympiade am 1. Januar des ersten Kalenderjahres, in dem die Spiele der Olympiade stattfinden, und endet am 31. Dezember des vierten Kalenderjah‐ res. Olympiaden werden mit römischen Ziffern nummeriert und fortlaufend gezählt, unabhängig davon, ob in einer Olympiade auch wirklich Olympi‐ sche Spiele stattgefunden haben - kriegsbedingt war dies 1916, 1940 und 1944 nicht möglich. Vor diesem Hintergrund werden 2028 in Los Angeles die Spiele der XXXIV. Olympiade stattfinden, gleichzeitig jedoch erst die 31. Olympischen Spiele neuer Zeitrechnung sein. Die Olympischen Winterspiele werden hingegen allein in der Reihenfolge ihrer Austragung gezählt. Zur Nomenklatur: Umgangssprachlich ist meist von „Olympischen Som‐ merspielen“ und „Olympischen Winterspielen“ die Rede. Den Terminus „Olympische Sommerspiele“ nutzt das IOC offiziell jedoch nicht. Vielmehr spricht das IOC von „Olympischen Spielen“, zu denen die „Spiele der Olympiade“ und in Abgrenzung hiervon die „Olympischen Winterspiele“ zählen. Anders bei den Youth Olympic Games: Hier spricht das IOC offiziell von „Summer Youth Olympic Games“ und „Winter Youth Olympic Games“. Olympic Channel | Der Olympic Channel ist der Internetfernsehdienst des IOC, auf dem auch zwischen den Spielen Dokumentarfilme und Sendungen mit Bezug zur Olympischen Bewegung angeboten werden. Neben dem 230 Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="231"?> internationalen Dienst gibt es auch auf lokaler Ebene eine Zusammenarbeit mit nationalen oder kontinentalen Broadcastern. Olympic Summit | Der Olympic Summit findet einmal jährlich statt, führende Vertreter: innen der Olympischen Bewegung nehmen daran teil. Ziel ist es, sich über aktuelle Entwicklungen und relevante Zukunftsfragen auszutauschen. Der Olympic Summit ist ein ständiger Dialog über Themen, die für die Zukunft der Olympischen Bewegung von Bedeutung sind. Die Ergebnisse sind nicht bindend, dienen aber als strategische Empfehlungen und Leitlinien. Olympische Agenda | Die Olympische Agenda ist die sogenannte „Road‐ map“, also der Strategieplan der Olympischen Bewegung. 2014 beschloss das IOC unter dem damals neu gewählten Präsidenten Thomas Bach die „Olym‐ pic Agenda 2020“ mit 40 detaillierten Empfehlungen, um die Rolle des Sports und der Olympischen Werte in der Gesellschaft zu stärken. 2021 wurde eine überarbeitete Version, die „Olympic Agenda 2020+5“ verabschiedet, um auf die gesellschaftlichen Veränderungen wie etwa die Covid-19-Pandemie einzugehen. Olympische Kongresse 1894-1925 | Pierre de Coubertin organisierte acht Olympische Kongresse, die 1894 in Paris, 1897 in Le Havre, 1905 in Brüssel, 1906 in Paris, 1913 und 1921 in Lausanne sowie 1925 in Prag ausgetragen wurden. Die Veranstaltung von 1894 wird auch als Gründungskongress für die Olympische Bewegung bezeichnet. Auf allen Kongressen wurde das Thema Sport und Erziehung kontinuierlich diskutiert und dessen Wert für unterschiedliche Lebensbereiche und Zielgruppen besprochen. Zum heutigen Stellenwert von Olympischen Kongressen siehe auch ↠ Wozu dienen Olympische Kongresse? Olympism365 Summit | Summit bezeichnet eine hochrangige Konferenz, bei der führende Vertreter aus Sport, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen, um über zentrale Themen zu beraten. Ziel eines solchen Gipfels ist es, den Austausch zu fördern, gemeinsame Strategien zu entwi‐ ckeln und wichtige Entscheidungen auf internationaler Ebene zu treffen. Bei der vom IOC organisierten Veranstaltung Olympism365 Summit kommen rund 250 Vertreter zusammen, um die Rolle des Sports bei der Förderung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu stärken. Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt 231 <?page no="232"?> Panathenäisches Stadion | Das Panathenäische Stadion, am Athener Nationalgarten gelegen und im Griechischen auch als Kallimarmaro (das Marmorschöne) bezeichnet, diente als zentraler Austragungsort für die ersten modernen Olympischen Spiele 1896. Die Geschichte des Stadions reicht zurück bis ins 4. Jh. v. Chr. Damals wurde es zur Wettkampfstätte der im Rahmen der Panathenäen - dem größten religiös-politischen Fest im antiken Athen - veranstalteten Agone. Im 2. Jh. n. Chr. wurde das Stadion aufwändig ausgebaut, mit dem Ende der antiken Wettkampfkultur ab dem späten 4. Jh. n. Chr. hatte das Panathenäische Stadion zunächst ausgedient. Im 19. Jh. wurde es provisorisch rekonstruiert und diente ab 1870 als Austragungsort des zu den vorolympischen „Zappas-Spielen“ gehörenden Wettkampfprogramms. Für die Olympischen Spiele Athen 1896 wurde das Stadion dann mit Hilfe einer großzügigen Spende des griechischen Geschäftsmanns Georgios Averoff im größeren Stil restauriert. Die endgültige Fertigstellung des Stadions erfolgte jedoch erst einige Jahre später, als die Griechen für 1906 die Sportwelt zur Zehnjahresfeier der olympischen Premiere erneut nach Athen einluden. Auch heute noch wird das Stadion „olympisch“ genutzt: So wird beim olym‐ pischen Fackelstaffellauf das im antiken Olympia entzündete Feuer stets im Panathenäischen Stadion von den Griechen an die nächste Ausrichterstadt Olympischer Spiele übergeben; bei den Olympischen Spielen Athen 2004 diente es zudem als Zielort des Marathonlaufs sowie als Wettkampfstätte für die Wettbewerbe im Bogenschießen. Revue Olympique | Die „Revue Olympique“ ist die offizielle Zeitschrift des Internationalen Olympischen Komitees. Sie wurde 1894 von Pierre de Cou‐ bertin unter dem Titel „Bulletin du Comité International des Jeux Olympiques“ erstmals veröffentlicht. Heute erscheint sie zweimal jährlich auf Englisch unter dem Titel „Olympic Review“, auf Französisch („Revue Olympique“) und auf Spanisch („Revista Olímpica“): https: / / www.olympics.com/ ioc/ ioc-public ations/ olympic-review. Refugee Olympic Team (ROT) | Für die Zusammensetzung des ROT bei den Olympischen Spiele in Paris 2024 wurden 73 Athlet: innen von NOCs nominiert und dem IOC annonciert. Die Athlet: innen kamen aus 24 Ländern und repräsentierten 14 Sportarten. Vor dem Hintergrund der genannten Kriterien wählte das IOC 37 Athlet: innen aus, die in den folgenden 12 Sportarten in Paris antraten: Leichtathletik, Badminton, Boxen, Breaking, Kanu, Radfahren, Judo, Schießen, Schwimmen, Taekwondo, Gewichtheben 232 Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="233"?> und Ringen. Die Betreuung der 37 Athlet: innen fiel in den Verantwortungs‐ bereich von 15 NOCs: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Israel, Jordanien, Kenia, Mexiko, Niederlande, Österreich, Spanien, Schwe‐ den, Schweiz und USA. Russisches Staatsdoping | Zur umfassenden Aufklärung des Dopingskan‐ dals bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi 2014 setzte das IOC zwei Kommissionen ein, die vom Schweizer IOC-Mitglied Denis Oswald und vom früheren Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid geleitet wurden. In den beiden Kommissionen wurden nachhaltige Beweise darüber ermittelt und vorgelegt, dass Dopingproben von russischen Athlet: innen systematisch manipuliert und positive Testergebnisse durch negative aus‐ getauscht worden waren. Bis Januar 2018 wurden 43 Athlet: innen aus der russischen Mannschaft von Sotchi des Dopings überführt; dies sind 18,5 Prozent des gesamten russischen Olympiateams. Stakeholder | Die Stakeholder-Theorie besagt, dass Unternehmen nicht nur den Interessen ihrer Aktionäre (Shareholder), sondern auch den Interessen aller relevanten Stakeholder verpflichtet sind. Hierzu zählen Gruppen und Personen, die von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind oder das Unternehmen beeinflussen können, wie Mitarbeiter, Kunden, Lieferan‐ ten, die lokale Gemeinschaft, Regierungen und andere Interessengruppen. Die Theorie fordert, dass Unternehmen die Interessen dieser Gruppen ausbalancieren sollen, anstatt nur die Gewinne der Aktionäre zu maximie‐ ren. Im Zuge seiner Ausrichtung nach modernen Management-Prinzipien übernahm das IOC auch die Anwendung der Stakeholder-Theorie, um nicht gewinnorientiert zu arbeiten, sondern weiter seinen Aufgaben als internationale Sportorganisation gerecht zu werden. Sustainable Development Goals | Die Sustainable Development Goals (SDGs) umfassen 17 globale Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhal‐ tige Entwicklung. Sie wurden 2015 von allen Mitgliedstaten verabschiedet und sind ein gemeinsamer Entwurf für Frieden und Wohlstand für die Menschen und den Planeten Erde. Im Mittelpunkt stehen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), zur Verbesserung der ökologischen, ge‐ sellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation in Gegenwart und Zukunft. Sustainability | Sustainability bedeutet auf Deutsch Nachhaltigkeit und bezeichnet den verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen der Erde, um diese für nachfolgende Generationen zu bewahren. Der Begriff hat Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt 233 <?page no="234"?> sich im Laufe der Zeit gewandelt und umfasst heute neben der Umwelt auch die Bereiche Gesellschaft und Wirtschaft. Das IOC verwendet den Begriff „Sustainability“ und fokussiert sich dabei auf die gesamte Olympische Bewegung, die Olympischen Spiele und sich selbst als Organisation. Trans* Athlet: innen | Trans* bezeichnet Menschen, deren Geschlechts‐ identität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein‐ stimmt. Der Begriff umfasst verschiedene Selbstbezeichnungen wie trans* Männer, trans* Frauen oder nicht-binäre Personen. Nicht alle trans* Men‐ schen nehmen medizinische Maßnahmen wie Hormontherapie oder Opera‐ tionen in Anspruch. Trans* wird als inklusiver, nicht-pathologisierender Sammelbegriff verstanden. Im Sport stoßen trans* Athlet: innen häufig auf strukturelle Hürden und Regelungen, die binäre Geschlechterkategorien voraussetzen. Universality Places | Universality Places (Universalitätsplätze) ermögli‐ chen es unterrepräsentierten Nationen, eine bestimmte Anzahl von Ath‐ let: innen zu entsenden, selbst wenn diese sich nicht über die regulären Wege qualifizieren konnten. Dies ist besonders wichtig für Länder mit weniger Ressourcen und Trainingsmöglichkeiten. Weltausstellung | Die erste Weltausstellung, bei der Erkenntnisse auf den unterschiedlichsten Gebieten der Technik, Wissenschaft und Kultur ausgestellt worden waren, wurde 1851 im Londoner Chrystal Palace orga‐ nisiert. Das britische Gesellschaftsmagazin The Spectator bezeichnete die erste Auflage der Weltausstellungen als die Olympic Games of Industry. World Conference on Doping in Sport | Die Ausmaße des Dopings bei der Tour de France 1998 schürten die internationale Kritik über die Ineffizienz eines Kontrollsystems. Obwohl die Dopingvergehen nicht bei den Olympi‐ schen Spielen aufgedeckt worden waren, richteten sich Vorwürfe gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Selbstverständnis als Weltregierung des Sports. Das IOC organisierte daraufhin vom 2. bis zum 4. Februar 1999 die 1 st World Conference on Doping in Sport, um zusammen mit Sportfunktionär: innen, Athlet: innen, Politker: innen und Wissenschaft‐ ler: innen Maßnahmen für ein internationales Vorgehen gegen Doping zu besprechen. Ein Resultat war die 1999 erfolgte Gründung der World Anti- Doping Agency (WADA). [SW/ AM/ DQ/ PW] 234 Glossar - Wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="235"?> Anhang Anzahl der teilnehmenden Athlet: innen an Olympischen Spielen seit 1896 IOC-Factsheet (2024i: 4) <?page no="236"?> Anzahl der teilnehmenden Athlet: innen an Olympischen Winterspielen seit 1924 IOC-Factsheet (2024g) 236 Anhang <?page no="237"?> Anzahl der durch das IOC anerkannten NOCs seit 1896 IOC-Factsheet (o.D.-j). Die Grafik basiert auf den heute anerkannten NOCs, Änderungen ihrer Eigennamen, Zusammenschlüsse und nur temporär existierende NOCs werden nicht separat aufgeführt. [SW/ AM/ DQ/ PW] Anhang 237 <?page no="239"?> Verwendete Quellen und Literatur IOC Historical Archive Olympic Charter (1930-2025) Sitzungsprotokolle der IOC-Sessionen (1910-1999) Für das vorliegende Buch wurden Ausgaben der „Olympic Charter“ aus der Zeit von 1930-2025 sowie Sitzungsprotokolle der IOC-Sessionen aus dem Zeitraum 1910-1999 als Quellen verwendet. Der Einfachheit halber werden an dieser Stelle nicht sämtliche Ausgaben einzeln aufgelistet. Die Einsichtnahme in die verschiedenen Ausgaben der „Olympic Charter“ ist online möglich (https: / / library.olympics.com/ default/ olympic-charter.as px), die Sessionsprotokolle können auf Anfrage im IOC Historical Archive eingesehen werden. IOC Olympic World Library Die folgend aufgeführten Literaturquellen sind allesamt über das Portal der Olympic World Library (https: / / library.olympics.com/ accueil.aspx) abrufbar. Mit Hilfe der Suchfunktion und Angabe des Namens des/ der Autor: in können die einzelnen Titel einfach gefunden weden. Barney, Robert K. (2024): The International Olympic Committee: Its creation and its Presidents. In: Cesar R. Torres, Tracy Taylor & Stephan Wassong (Hrsg.): Olympic Knowledge - Essential Readings Series. IOC Olympic Studies Centre. Brownell, Susan (2024): The Olympic symbols and ceremonies. In: Cesar R. Torres, Tracy Taylor & Stephan Wassong (Hrsg.): Olympic Knowledge - Essential Readings Series. IOC Olympic Studies Centre. Chappelet, Jean-Loup (2023a): Moving the IOC from Paris to Lausanne. In: Stephan Wassong & Gilles Lecocq (Hrsg.): Pierre de Coubertin. Life, vision, influences and achievements of the founder of the modern Olympic Games. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre, 82-83. Chappelet, Jean-Loup (2023b): Paris/ Lausanne/ Geneva. In: Stephan Wassong & Gilles Lecocq (Hrsg.): Pierre de Coubertin. Life, vision, influences and achievements of the founder of the modern Olympic Games. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre, 126-127. <?page no="240"?> Chojnacki-Bennemann, Annett (2023): Coubertin’s Perception of the Pre-modern Olympic Games. In: Stephan Wassong & Gilles Lecocq (Hrsg): Pierre de Coubertin - Life, vision, influences and achievements of the founder of the modern Olympic Games. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre, 35-36. Coubertin, Pierre de (1896): The Olympic Games of 1896. In: The Century Illustrated Monthly Magazine, Bd. 53, New Series Bd. 31, 39-53. Crowther, Nigel B. (2024): The Ancient Olympic Games. In: Cesar R. Torres, Tracy Taylor & Stephan Wassong (Hrsg.): Olympic Knowledge - Essential Readings Series. IOC Olympic Studies Centre. 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Official Publication of the Olympic Movement, October-November-December 2017, Nr. 105. International Olympic Committee (2020): Athlete365 Survey Findings. International Olympic Committee (2021a): The Approach to Olympic Host Elections. International Olympic Committee (2023a): The Fundamentals of Olympic Values Education. A Sport-Based Programme. OVEP Toolkit, Bd. 2, 128. International Olympic Committee (2024a): Olympism - From Coubertin to the present day. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre. International Olympic Committee (2025a): Key milestones in the history of the International Olympic Committee. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre. Latty, Franck (2024): The Olympic Charter - Its function and historical evolution. In: Cesar R. Torres, Tracy Taylor & Stephan Wassong (Hrsg.): Olympic Knowledge - Essential Readings Series. IOC Olympic Studies Centre. 240 Verwendete Quellen und Literatur <?page no="241"?> Meier, Bernard & Ramini, Elvira (2024): The Creation of the Olympic Motto and Flag. In: Stephan Wassong & Gilles Lecocq (Hrsg.): Pierre de Coubertin. Life, vision, influences and achievements of the founder of the modern Olympic Games. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre, 75-76. Mestre, Alexandre M. (2023): Introducing the Olympic Charter. In: Stephan Wassong & Gilles Lecocq (Hrsg.): Pierre de Coubertin. Life, vision, influences and achieve‐ ments of the founder of the modern Olympic Games. Reference Collection of the IOC Olympic Studies Centre, 66-67. Molzberger, Ansgar (2024): The Olympic Torch Relay, its origins and significance. In: Cesar R. Torres, Tracy Taylor & Stephan Wassong (Hrsg.): Olympic Knowledge - Essential Readings Series. IOC Olympic Studies Centre. Olympic Solidarity (2012): The Villa Mon-Repos and the Olympic Movement. A century of Olympic presence in Lausanne. 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Friedensresolution-42, 160 Geschlechtersystem, binäres-217 Good Governance-110, 127, 139ff., 211, 228 Hippodrom-31, 36, 38 Individual Neutral Athletes-86, 190 Inklusion-107, 139, 176f., 194, 219, 229 Internationale Olympische Akademie-47, 51, 98, 107, 111, 141 Internationales Olympisches Komitee-55, 57f., 60-63, 73, 98, 101, 104, 116f., 119, 121, 124, 182 Einnahmen-136 Finanzen-129 Gründungskongress-61, 231 Internationales Paralympisches Komitee-138, 167ff., 174 Internationales Pierre de Coubertin Komitee-51, 111 Klassifizierung (Paralympische Spiele)-173 Korruption-126, 182 Korruptionsbekämpfung-157, 210 Kranzagone, panhellenische-28, 35, 92 Legacy-75, 127, 213, 230 Main Press Centre-77 Medaillen-57, 63, 69, 87, 92ff., 101, 148, 189, 203 Medien-13, 72, 75, 78, 107, 110, 125, 172, 174, 176, 182, 187, 198 Meinungsfreiheit-163 Mental Health von Athlet: innen-223 Nachhaltigkeit-75, 107, 117, 212ff., 233 Nationale Olympische Akademie-98, 105, 107, 109 <?page no="270"?> Nationales Olympisches Komitee-149, 196, 210 Olympiade-230 Olympic Broadcasting Services (OBS)-75ff., 125, 133 Olympic Charter 75, 88, 106f., 117, 120f., 139, 157, 159, 162, 180, 182, 186ff., 192f., 195f., 204, 210, 230 Olympic Day-101, 106f., 141 Olympic Foundation for Culture and Heritage-102, 125 Olympic Oath-88 Olympic Properties-134f. Olympic Refugee Foundation-194 Olympic Solidarity-117, 125, 129, 138- 141, 189, 194 Olympic Values and Education Programme-104 Olympische Erziehung 95, 99f., 107, 110, 139 Olympische Flagge-83 Olympische Hymne-85 Olympische Kunstwettbewerbe 68f., 83, 159 Olympischer Eid-87 Olympischer Fackellauf-90 Olympischer Kongress-123 Olympisches Dorf 15, 66f., 154, 187, 194 Olympisches Feuer-88 Olympisches Motto-80 Olympisches Museum-50, 102, 117 Olympische Spiele- Athen 1896-49, 52, 82, 85, 92, 232 Ausfall-72, 144 Barcelona 1992-159, 173, 181, 191 Berlin 1916-144 Berlin 1936-47, 85, 89f., 146 Brisbane 2032-157 Eröffnungs- und Schlussfeiern-81 Los Angeles 1984-66, 153, 170, 181 Los Angeles 2028-137, 157, 230 Mexico City 1968-151, 159, 186, 227 Montreal 1976-100, 131, 151, 182 Moskau 1980-152, 170 München 1972-87, 93, 153, 212 Organisation-73 Paris 2024 67, 74, 76ff., 83, 86, 88, 131, 133, 137, 140, 157, 159, 162, 164, 171, 173, 176, 192f., 202, 211, 214, 216, 224 Qualifikation-195 Olympische Werte-106, 199, 203 Olympische Winterspiele-70, 72 Albertville 1992-71, 171 Chamonix 1924-70, 195 Lillehammer 1994-23, 71, 161, 172 Mailand-Cortina d’Ampezzo 2026-72, 128, 137, 140, 157, 192, 202 Sotchi 2014-191, 233 Olympism365-107, 141, 231 Olympismus-81, 95-109, 112f., 118, 123, 125, 139, 180, 200, 214, 217, 223 Organising Committee for the Olympic Games-65 Paralympics-66, 161, 165-169, 171-177 Klassifizierung-172 Logo-171 Qualification System Principle-195 Qualifikationsrichtlinien-195 Querelle d’allemand-148f. Refugee Olympic Team-140, 193ff., 211, 232 270 Sachindex <?page no="271"?> Sponsoring-125, 129, 133-136, 188f. Stoke Mandeville Games-166-169 Sustainability- siehe Nachhaltigkeit-127, 211f., 233 Sustainable Development Goals-141, 212, 233 TOP programme-130, 133f., 136f., 188, 190 Welt-Anti-Doping-Agentur-138 Weltausstellung-53, 60, 92, 234 Wettkampfprogramm 25, 30, 35, 59, 61- 66, 68, 70, 73, 155, 201f., 206 Youth Olympic Games-73, 138, 141, 197f., 200f., 203-206, 211, 230 Sachindex 271 <?page no="272"?> Personenindex Aicher, Otl (*1922 - †1991)-154 Annan, Kofi (*1938 - †2018)-161 Averoff, Georgios (*1818 - †1899)-58, 232 Axel, Prinz von Dänemark (*1888 - †1964)-86 Bach, Thomas (*1953)-64, 81, 108, 175, 182, 193, 211, 221, 223, 231 Baillet-Latour, Henri de (*1876 - †1942)-90, 147 Balck, Viktor (*1844 - †1928)-60 Ball, Rudi (*1911 - †1975)-147 Barkley, Charles (*1963)-181 Barteková, Danka (*1984)-184 Behnisch, Günther (*1922 - †2010)-154 Benson, Louis F. (*1855 - †1930)-85 Berger, David Mark (*1944 - †1972) 154 Bird, Larry (*1956)-181 Blonay, Godefroy de (*1869 - †1937)-116, 144 Boin, Victor (*1886 - †1974)-87 Bradley-Keeler, Walter (*1856 - †1932)-85 Brookes, William P. (*1809 - †1895) 48f. Brundage, Avery (*1887 - †1975)-147, 149, 155 Carlos, John (*1945)-159, 186, 227 Cassioli, Giuseppe (*1865 - †1945)-92f. Chandler, Richard (*1738 - †1810)-46 Clary, Justinien de (*1860 - †1933)-70 Cook, Theodore (*1867 - †1928)-83 Coubertin, Charles de (*1821 - †1908)-68 Coubertin, Pierre de (*1863 - †1937)-49-54, 58, 61, 68, 80, 82, 84, 90, 96, 99, 101, 106, 116f., 119, 123, 144, 159f., 180, 200, 231 Coventry, Kirsty (*1983)-122, 179 Cranz, Christl (*1914 - †2004)-71 Craven, Philip (*1950)-176f. Curtius, Ernst (*1814 - †1896)-47 Dassler, Horst (*1936 - †1987)-134 Daume, Willi (*1913 - †1996)-153f. Diagoras von Rhodos (*unbekannt - †um 448 v. Chr.)-46, 92 Didon, Henri (*1840 - †1900)-80 Diem, Carl (*1882 - †1962)-26, 47, 90, 108, 144, 146 Dover, Robert (*1582 - †1652)-46 Edel, Kurt (*1920 - †1987)-149 Edström, J. Sigfrid (*1870 - †1964)-148 Erhard, Ludwig (*1897 - †1977)-153 Fliegerbauer, Anton (*1940 - †1972) 155 Friedman, Zeev (*1944 - †1972)-154 Gebhardt, Willibald (*1861 - †1921)-57 Georg I., König der Hellenen (*1845 - †1913)-56, 92 Graf, Stefanie (*1969)-181 Gruss, Josef (*1884 - †1968)-106 Gu, Eileen (*2003)-203 Guhl, Jacques (*1922 - †2024)-111 Guterres, António (*1949)-160 <?page no="273"?> Gutfreund, Yossef-(*1931 - †1972)-154 Guttmann, Ludwig (*1899 - †1980) 166, 168, 174f., 177 Haggman, Pirjo (*1951)-120 Halfin, Eliezer-(*1948 - †1972)-154 Halt, Karl Ritter von (*1891 - †1964)-146ff. Henie, Sonja (*1912 --†1969)-70 Herbert, Charles (*1846 - †1924)-55 Hitler, Adolf (*1889 - †1945)-146f. Isava-Fonseca, Flor (*1921 - †2020)-120 Jahn, Friedrich Ludwig (*1778 - †1852)-57 Johnson, Earvin „Magic“ Jr. (*1959)-181 Jordan, Michael (*1963)-181 Kemény, Ferenc (*1860 - †1944)-116 Ketseas, Ioannis (*1887 - †1965)-108 Klein, Hans (*1931 - †1996)-155 Klerk, Frederik de (*1936 - †2021)-151 Kratschmer, Guido (*1953)-152 Kunze, Emil (*1901 - †1994)-47 Lenk, Hans (*1935 - †2024)-81 Lewald, Theodor (*1860 - †1947)-146f. Louis, Spiridon (*1873 - †1940)-57 Lubahn, Robert (*1903 - †1974)-85 Mandela, Nelson (*1918 - †2013)-151 March, Walter (*1898 - †1969)-146 March, Werner (*1894 - †1976)-146 Marcks, Gerhard (*1889 - †1981)-93 Martin, Paul (*1901 - †1987)-111 Mayer, Helene (*1910 - †1953)-147 Meir, Golda (*1898 - †1978)-154 Mercurialis, Hieronymus (*1530 - †1606)-46 Meyer, Albert (*1857 - †1924)-58 Montfaucon, Bernard de (*1655 - †1741)-46 Müller, Norbert (*1946 -†2022)-99 Napoleon III., Kaiser der Franzosen (*1808 - †1873)-60 Ngamba, Cindy (*1998)-193 Norheim, Sondre (*1825 - †1895)-91 Owens, Jesse (*1913 - †1980)-148 Palamás, Kostís (*1859 - †1943)-85f. Palmieri, Matteo (*1405 - †1475)-46 Parsons, Andrew (*1977)-175 Pausanias (*um 115 - †um 180) 31f., 36, 40f., 46 Pfnür, Franz (*1908 - †1996)-71 Phidias (*um 500/ 490 - †um 430/ 420 v. Chr.)-32 Pindar (*um 520 - †um 446 v. Chr.)-40 Pippen, Scottie (*1965)-181 Pollay, Heinz (*1908 - †1979)-87 Putin, Wladimir (*1952)-192 Quilter, Roger (*1877 - †1953)-86 Rogge, Jacques (*1942 - †2021)-198f., 211 Romano, Yossef (*1940 - †1972)-154 Rothan Coubertin, Marie de (*1861 - †1963)-49, 69 Samaranch, Juan Antonio (*1920 - †2010)-101ff., 106, 109, 116f., 134, 139, 181f., 210 Personenindex 273 <?page no="274"?> Samaras, Spyros (*1861 - †1917)-85f. Schapira, Amitzur (*1932 - †1972)-154 Schilgen, Fritz (*1906 - †2005)-90 Schöbel, Heinz (*1913 - †1980)-149 Schuhmann, Carl (*1869 - †1946)-57 Shea, Jack (*1910 - †2002)-93 Shorr, Kehat (*1919 - †1972)-154 Slavin, Mark (*1954 - †1972)-154 Sloane, William Milligan (*1850 - †1928)-55 Smith, Tommie (*1944)-159, 186, 227 Spitzer, André (*1945 - †1972)-149, 154 Springer, Yakov (*1921 - †1972)-154 Steadward, Robert (*1946)-169 Strauss, Richard (*1864 - †1949)-85 Talbot, Ethelbert (*1848 - †1928)-80 Theodosius I., Kaiser des Römischen Reichs Rom (*347 - †395)-42, 46 Theodosius II., Kaiser des Oströmischen Reichs (*401 - †450)-42 Thompson, Daily (*1958)-152 Thorpe, Jim (*1887 - †1953)-86 Tito, Josip Broz (*1892 - †1980)-156 Tröger, Walther (*1929 - †2020)-154 Trump, Donald (*1946)-157 Tschammer und Osten, Hans von (*1887 - †1944)-146 Victoria, Königin von Großbritannien und Irland (*1819 - †1901)-60 Vikelas, Demetrius (*1835 - †1908)-55, 58, 85 Vogel, Hans-Jochen (*1926 - †2020) 153 Weinberg, Mosche (*1939 - †1972)-154 White, Andrew D. (*1832 - †1918)-53 Wils, Jan (*1891 - †1972)-88 Winans, Walter (*1852 - †1920)-69 Winckelmann, Johann Joachim (*1717 - †1768)-46 Zappas, Evangelis (*1800 - †1865)-48f., 232 274 Personenindex <?page no="275"?> Bisher sind erschienen: Claudia Ossola-Haring Ein Start-up gründen? Frag doch einfach! 2020, 238 Seiten ISBN 978-3-8252-5436-0 Martin Oppelt Demokratie? Frag doch einfach! 2021, 202 Seiten ISBN 978-3-8252-5446-9 Florian Kunze, Kilian Hampel, Sophia Zimmermann Homeoffice und mobiles Arbeiten? Frag doch einfach! 2021, 190 Seiten ISBN 978-3-8252-5664-7 Gerald Pilz Mobilität im 21. Jahrhundert? Frag doch einfach! 2021, 230 Seiten ISBN 978-3-8252-5662-3 Anke Brinkmann, Gabriele Dreilich, Christian Stadler Virtuelle Teams führen? Frag doch einfach! 2022, 148 Seiten ISBN 978-3-8252-5780-4 Andreas Koch Armut? Frag doch einfach! 2022, 179 Seiten ISBN 978-3-8252-5554-1 Fabian Kaiser, Arie van Bennekum Scrum? Frag doch einfach! 2. Auflage, 2022, 134 Seiten ISBN 978-3-8252-5974-7 Florian Spohr Lobbyismus? Frag doch einfach! 2023, 199 Seiten ISBN 978-3-8252-5688-3 Henrik Bispinck Friedliche Revolution und Wiedervereinigung? Frag doch einfach! 2023, 185 Seiten ISBN 978-3-8252-5445-2 Roman Simschek, Arie van Bennekum Agilität? Frag doch einfach! 3. Auflage, 2023, 197 Seiten ISBN 978-3-8252-6055-2 Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand Die utb-Reihe „Frag doch einfach! “ beantwortet Fragen, die sich nicht nur Studierende stellen. Im Frage-Antwort-Stil geben Expert: innen kundig Auskunft und verraten alles Wissenswerte rund um das Thema. Die wichtigsten Fachbegriffe stellen sie zudem prägnant vor und verraten, welche Websites, YouTube-Videos und Bücher das Wissen vertiefen. So lässt sich leicht in ein Thema einsteigen und über den Tellerrand schauen. <?page no="276"?> Nassim Madjidian, Sara Wissmann Seenotrettung? Frag doch einfach! 2023, 192 Seiten ISBN 978-3-8252-6014-9 Arndt Sinn Organisierte Kriminalität? Frag doch einfach! 2023, 204 Seiten ISBN 978-3-8252-6100-9 Detlev Frick Big Data? Frag doch einfach! 2023, 123 Seiten ISBN 978-3-8252-5442-1 Annegret Braun Glück? Frag doch einfach! 2023, 172 Seiten ISBN 978-3-8252-6092-7 Jenny Amelingmeyer / Thomas B. Berger / Sven Seidenstricker Innovationsmanagement? Frag doch einfach! 2024, 208 Seiten ISBN 978-3-8252-6097-2 Matthias Kaufmann Ethik und Moral? Frag doch einfach! 2024, 199 Seiten ISBN 978-3-8252-5444-5 Seongcheol Kim Populismus? Frag doch einfach! 2024, 139 Seiten ISBN 978-3-8252-6104-7 Anna-Lisa Müller Migration? Frag doch einfach! 2024, 169 Seiten ISBN 978-3-8252-5694-4 Petra Jansen Achtsamkeit? Frag doch einfach! 2024, 158 Seiten ISBN 978-3-8252-6173-3 Michael von Hauff Nachhaltigkeit für Deutschland? Frag doch einfach! 2. Auflage, 2024, 190 Seiten ISBN 978-3-8252-6353-9 Simon Werther / Laura Werther New Work als Normalität? Frag doch einfach! 2024, 190 Seiten ISBN 978-3-8252-5810-8 Barbara Schmidt Angst? Frag doch einfach! 2. Auflage, 2025, 156 Seiten ISBN 978-3-8252-6345-4 Thomas Kessel / Alexander Brandt ChatGPT und Large Language Models? Frag doch einfach! 2024, 179 Seiten ISBN 978-3-8252-6276-1 Rolf J. Daxhammer / Moritz Schüßler ETFs - Börsengehandelte Indexfonds? Frag doch einfach! 2025, 174 Seiten ISBN 978-3-8252-6271-6 Maik Philipp Desinformation? Frag doch einfach! 2025, 159 Seiten ISBN 978-3-8252-6543-4 Steffen Kailitz Extremismus? Frag doch einfach! 2025, 234 Seiten ISBN 978-3-8252-5905-1 <?page no="277"?> Florian Wagner Kolonialismus und Antikolonialismus? Frag doch einfach! 2026, 223 Seiten ISBN 978-3-8252-6105-4 Lisa Bogerts / Wyn Brodersen / Maik Fielitz Digitale Kulturen? Frag doch einfach! 2025, 111 Seiten ISBN 978-3-8252-6480-2 Stephan Wassong / Ansgar Molzberger / Daniel Quanz / Philipp Waeffler Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Frag doch einfach! 2026, 274 Seiten ISBN 978-3-8252-6471-0 <?page no="278"?> ISBN 978-3-8252-6471-0 Als globales Ereignis faszinieren die Olympischen Spiele Athlet: innen wie Zuschauer: innen. Dieser Band befasst sich zunächst mit den antiken Ursprüngen des heutigen Weltsportfestes und zeigt, wie die Entwicklung der modernen Olympischen Spiele seit ihrer Entstehung verlief. Die Autor: innen erklären die Organisation und Funktion des Internationalen Olympischen Komitees und gehen auch auf die Rolle der Athlet: innen sowie die Paralympics und die Youth Olympic Games ein. Ein Kapitel zu aktuellen Herausforderungen für die Olympische Bewegung rundet den Band ab. Ein Must-have für alle Sportstudierenden und olympisch Interessierten! Frag doch einfach! Die utb-Reihe geht zahlreichen spannenden Themen im Frage-Antwort-Stil auf den Grund. Ein Must-have für alle, die mehr wissen und verstehen wollen. Sportwissenschaft Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel
