Wissenschaftliche Arbeiten
zielwirksam verfassen und präsentieren, Ergebnisse publizieren und umsetzen
0518
2026
978-3-8385-6573-6
978-3-8252-6573-1
UTB
Günter Lehmann
10.36198/9783838565736
Wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter sind für Studierende eine besondere Herausforderung. Um sie erfolgreich zu meistern, bedarf es fachlicher Kompetenz und fundierter Kenntnisse über ein systematisches, methodisch begründetes Vorgehen bei der Wahl und Bearbeitung des Themas. Effektive Arbeitsorganisation bei der Anfertigung der Arbeit und eine angemessene Berücksichtigung bestimmter Vorschriften beim Gliedern und Zitieren sind essenziell.
Neben umfangreichen Handlungsorientierungen für das Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit enthält das Buch auch Empfehlungen für das Präsentieren der erreichten Arbeitsergebnisse in den verschiedenen Stadien - von der Erstvorstellung bis hin zur Verteidigung und Weiterverwertung der fertiggestellten Arbeit.
Die neunte Auflage dieses Buches enthält nun auch ein Kapitel über die Probleme und Chancen von KI für wissenschaftliche Arbeiten.
9783838565736/9783838565736.pdf
<?page no="0"?> Günter Lehmann Wissenschaftliche Arbeiten 9. Auflage <?page no="1"?> utb 5872 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn - Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Walter de Gruyter · Berlin · Boston Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main UTB (M) Impressum_09_25.indd 1 UTB (M) Impressum_09_25.indd 1 17.09.2025 15: 20: 24 17.09.2025 15: 20: 24 <?page no="2"?> Prof. Dr. paed. habil. Günter Lehmann studierte Bauwe‐ sen und Berufspädagogik. Als Hochschullehrer und langjäh‐ riger Direktor eines freien Instituts hat er über 30 Jahre Di‐ plomand: innen, Promovierende und Habilitierende betreut. Seit mehr als 20 Jahren bereitet er Teilnehmende an Bache‐ lor-, Master- und Promotionsstudien auf das Anfertigen und Präsentieren wissenschaftlicher Arbeiten vor. <?page no="3"?> Günter Lehmann Wissenschaftliche Arbeiten zielwirksam verfassen und präsentieren, Ergebnisse publizieren und umsetzen 9., überarbeitete und erweiterte Auflage <?page no="4"?> 9., überarbeitete und erweiterte Auflage 2026 8., überarbeitete und erweiterte Auflage 2022 7., überarbeitete und erweiterte Auflage 2019 6., erweiterte Auflage 2017 5., völlig neu bearbeitete Auflage 2015 4., völlig neu bearbeitete Auflage 2012 3., völlig neu bearbeitete Auflage 2011 2., überarbeitete Auflage 2008 1. Auflage 2006 DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838565736 © 2026 expert verlag ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.expertverlag.de eMail: info@verlag.expert Einbandgestaltung: siegel konzeption | gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 5872 ISBN 978-3-8252-6573-1 (Print) ISBN 978-3-8385-6573-6 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6573-1 (ePub) Umschlagabbildung: © sdecoret - stock.adobe.com Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbi‐ bliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> Meiner Frau in Dankbarkeit gewidmet. <?page no="7"?> 15 17 19 1 21 2 25 3 29 3.1 29 3.2 30 3.2.1 30 3.2.2 57 3.2.3 60 3.2.4 63 3.3 68 3.3.1 68 3.3.2 80 3.4 87 3.5 87 4 89 4.1 89 4.2 89 4.2.1 89 4.2.2 91 Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorwort zur 9. Auflage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Geleitwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nicht ernst gemeinte Ratschläge für das wissenschaftliche Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . . . . . . Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Problemformulierung/ Fragestellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Finden der Problemformulierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klären des Problemverständnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Formulieren des Arbeitsthemas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bestimmen und Abgrenzen von Begriffen . . . . . . . . . . . . . . Problembearbeitung/ Fragebearbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . Wissenschaftliche Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vier Schritte der Problembearbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . Problemlösung/ Antwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erhebung von Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Material für die Erhebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Primärmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="8"?> 4.3 107 4.3.1 107 4.3.2 112 4.3.3 114 4.4 118 4.5 122 5 125 5.1 125 5.2 126 5.3 128 5.3.1 128 5.3.2 129 5.3.3 130 5.3.4 131 5.4 132 5.5 133 6 135 6.1 135 6.2 135 6.3 138 6.4 138 6.5 138 6.6 139 6.7 144 6.8 145 6.9 146 7 149 7.1 149 7.1.1 149 7.1.2 151 7.2 152 7.2.1 152 7.2.2 154 Sekundärmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dokumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Etappen der Erkenntnisgewinnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Methodischer Exkurs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Empirischer Forschungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Empirische Forschungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Statistische Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beschreibende Statistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schließende Statistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Längsschnitt- und Querschnittanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . Klinische Studien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeit planen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ressourcen planen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kosten planen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Untersuchungsdesign . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Exposé . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rohfassung schreiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Betreuung nutzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arbeit mit der Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literaturauswahl und -bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Angemessen auswählen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrekt auswerten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lesen und Exzerpieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lesetechniken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Richtiges Exzerpieren und Ordnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Inhalt <?page no="9"?> 7.3 157 7.3.1 157 7.3.2 159 7.4 164 8 165 8.1 165 8.2 165 8.3 166 8.4 168 8.5 169 8.6 169 8.7 170 8.8 171 8.8.1 171 8.8.2 173 8.8.3 174 8.8.4 175 8.8.5 176 8.8.6 177 8.9 177 8.10 178 9 179 9.1 179 9.2 182 9.2.1 182 9.2.2 184 9.2.3 186 9.2.4 188 9.3 188 10 189 10.1 189 10.2 189 10.2.1 189 10.2.2 190 Zitierweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adäquat zitieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrekt zitieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bestandteile der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Übersicht der formalen Bestandteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vortexte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhaltsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Herleitung der Aufgabenstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hauptteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verzeichnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellenverzeichnis (obligatorisch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verzeichnis weiterführender Literatur (optional) . . . . . . . . Fachwortverzeichnis (optional) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abkürzungsverzeichnis (optional) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis (optional) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weitere Verzeichnisse (fakultativ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafische Gestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Darstellungsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diagramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tabellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schaubilder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weitere Darstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stil und Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wortwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fach- und Fremdwörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Modewörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 9 <?page no="10"?> 10.3 192 10.4 193 10.5 196 10.6 198 11 201 11.1 201 11.1.1 201 11.1.2 201 11.1.3 202 11.2 203 11.2.1 203 11.2.2 203 11.2.3 204 11.2.4 204 11.3 205 11.4 205 11.5 205 12 207 12.1 207 12.2 207 12.3 214 12.4 218 12.5 219 13 221 13.1 221 13.2 223 13.3 226 13.3.1 226 13.3.2 228 13.3.3 233 13.3.4 248 13.3.5 258 13.3.6 264 13.3.7 266 Umgangssprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Satzbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textverständlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erstellen des Manuskripts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schreiben der Rohfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Formulieren des Textes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schreiben mit Leserbezug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Strukturieren der einzelnen Kapitel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überarbeiten bis zur Endfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überprüfen der vollständigen Fragebeantwortung . . . . . . . Kontrolle der Wort- und Satzverständlichkeit . . . . . . . . . . . Aufbereiten nach wissenschaftlichen Standards . . . . . . . . . Empfehlungen für das Format . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Layoutvorschläge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korrektur vor der Endfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . . . KI als Ghostwriter? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . KI als Hilfe in der Manuskriptbearbeitung . . . . . . . . . . . . . . ChatGPT - ein Schlüssel für den Einsteiger in die Nutzung Verantwortungsvolles Nutzen von KI . . . . . . . . . . . . . . . . . . KI zukünftig als Ghostwriter wissenschaftlicher Arbeiten? Präsentieren der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ratschläge für ein gelungenes Scheitern der Präsentation . Das Grundmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hauptschritte bei der Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ziele formulieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Analyse der Teilnehmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bearbeitung des Inhalts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Visualisieren von Inhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erstellen des Vortragsmanuskripts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erstellen des Teilnehmermaterials . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beachten des Zeitfaktors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Inhalt <?page no="11"?> 13.4 268 13.4.1 268 13.4.2 269 13.4.3 272 13.4.4 280 13.5 282 13.5.1 282 13.5.2 282 13.5.3 283 13.5.4 284 13.5.5 286 13.6 287 13.6.1 287 13.6.2 291 13.6.3 291 13.7 292 13.7.1 292 13.7.2 292 13.7.3 293 13.7.4 294 13.7.5 295 13.7.6 296 13.8 297 13.9 298 13.9.1 298 13.9.2 299 13.9.3 301 13.9.4 303 13.10 305 13.11 307 14 311 14.1 311 14.1.1 312 14.1.2 312 14.1.3 313 14.1.4 314 Der Vortrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitungsteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hauptteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schlussteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frage- und Diskussionsrunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teilnehmer aktivieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fragen beantworten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einwände behandeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diskussion zusammenfassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nachbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einschätzung vornehmen und einholen . . . . . . . . . . . . . . . . Überarbeitung einleiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nachkontakte planen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rhetorische Mittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verständliche Informationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anschauliche Information . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sprechtechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Körpersprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausdrucksmittel Kleidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Konflikte beherrschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präsentator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teilnehmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien/ Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gestalten des Abstracts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präsentieren von Postern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Publizieren von Ergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arbeitspapiere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagungs- und Konferenzbeiträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeitschriftenartikel/ Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Open-Access-Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 11 <?page no="12"?> 14.2 315 14.2.1 315 14.2.2 319 14.2.3 320 14.2.4 322 14.3 323 14.3.1 323 14.3.2 323 14.3.3 324 14.3.4 325 14.3.5 326 14.3.6 326 14.3.7 328 14.3.8 329 14.3.9 331 15 335 15.1 335 15.2 335 15.3 337 15.3.1 337 15.3.2 338 15.3.3 340 15.4 340 15.4.1 340 15.4.2 341 15.4.3 342 15.4.4 343 15.5 346 15.6 347 16 349 351 352 354 Ausgewählte Textformate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abstracts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Poster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rezension . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagungsbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tipps für den Einsteiger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ablehnungsquote . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fachwissenschaftlicher Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Internet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Konventionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Populärwissenschaftlicher Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Blogartikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Umsetzen von Ergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erfolgsfaktoren für das Umsetzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ansprechpartner in der Organisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gruppenbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aussagen von besonderer Bedeutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gruppendiskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Moderation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verlaufsphasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präsentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bedingungen für den Umsetzungserfolg . . . . . . . . . . . . . . . Schlusswort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Textformulierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Grammatik- und Rechtschreibkorrektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Inhalt <?page no="13"?> 355 356 358 358 359 363 367 375 379 (3) Themenfindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (4) Gliederung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (5) Interview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (6) Literaturrecherche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (7) Textgenerierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang 2: KI-Tools mit Zuordnung der Verwendung und Kennzeichnung der Funktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verzeichnis der weiterführenden Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 13 <?page no="15"?> Vorwort Wissenschaft ist grundsätzlich öffentlich. Ohne das Publizieren, Diskutieren und Lehren der wissenschaftlichen Ergebnisse vollzieht sich keine Wissen‐ schaftsent-wicklung. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört demzufolge neben dem Erkennen sehr wesentlich das Vermitteln des Erkannten. Für Studierende in Bachelor-, Magister- und Masterprogrammen sowie für Promovenden im Graduiertenkolleg oder in der Aspirantur stellt das Verfassen und Präsentieren ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit Prüfungs‐ charakter eine besondere Anforderung dar. Sehr unterschiedlich ist dabei ihr Erfahrungshintergrund. Häufig liegt die letzte größere wissenschaftliche Arbeit einige Zeit zurück, so dass eine Auffrischung hilfreich sein kann. Die Empfehlungen in diesem Buch richten sich besonders auch an Perso‐ nen, die berufsbegleitend im Rahmen einer Fortbildung ihre wissenschaft‐ liche Professionalität erweitern oder erhöhen wollen. Sie sind sich zwar ihrer hohen fachlichen Qualifikation bewusst, trauen aber - zu Unrecht - ihrem Denken nicht die Qualität „wissenschaftlich“ zu und erst recht nicht ihrer Fähigkeit, zu publizieren. Das veranlasst mitunter zu schwülstigen Darstellungen, die sich zum Beispiel durch höchst komplizierte Schachtel‐ sätze und Häufung von wenig gebräuchlichen Fremdwörtern auszeichnen. Aber Öffentlichkeit der Wissenschaft erfordert: Formuliere einfach und klar, nimm Rücksicht auf die Zeit deines Lesers! Der vorliegende Ratgeber behandelt neben der formalen Gestaltung auch die systematische Anlage einer wissenschaftlichen Arbeit, abgeleitet aus den Etappen der Erkenntnisgewinnung (Forschungsfrage - Annahme - Material- und Feldforschung - Erkenntnis - Schlussfolgerung). Dabei stehen Handlungsorientierungen vor Handlungsbegründungen. Sie beziehen sich unter anderem auf: • das Finden der wissenschaftlichen Fragestellung(en) und das Formulie‐ ren einer bearbeitbaren Aufgabenstellung, • das wissenschaftliche Argumentieren und den Einsatz des methodi‐ schen Instrumentariums, • das Erheben von Daten und die Arbeit mit der Literatur, • die formale Gestaltung der Arbeit, • die überzeugende Präsentation in Vortrag und Diskussion sowie • das Publizieren und Umsetzen der Ergebnisse. <?page no="16"?> Der Ablauf der Themenbearbeitung, das methodische Vorgehen und der Stil wissenschaftlicher Arbeiten unterscheiden sich von Fachgebiet zu Fachgebiet und sicher auch zwischen den graduellen Stufen. Dennoch besitzen die Ratschläge übergreifenden Charakter, fokussieren allerdings im methodischen Bereich vornehmlich Arbeiten in den Wirtschafts-, Tech‐ nik-, Sozial- und Erziehungswissenschaften. Die rasche Entwicklung der Textverarbeitungssoftware hat den Autor bewogen, auf dieses Thema hier zu verzichten und dafür die aktuelle Fachliteratur zu empfehlen. Dabei sind Wiederholungen notwendig, die nicht als Redundanz empfun‐ den werden sollen. Das Buch ist so aufgebaut, dass auch der eilige Leser ohne Studium des gesamten Textes anlassbezogen in den einzelnen Teilen, Kapi‐ teln und Abschnitten Rat holen kann. Das sehr detaillierte Inhaltsverzeichnis soll bei auszugweisem Lesebedarf eine schnelle Orientierung ermöglichen. In diesem Buch wird durchweg die männliche Sprachform verwendet. Alle Aussagen gelten selbstverständlich für Frauen und Männer gleicher‐ maßen. Wenn also von Teilnehmern, Verfassern, Autoren oder Lesern die Rede ist, sind stets „Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, „Leserinnen und Leser“ etc. gemeint. An dem Buch hat eine Reihe von Personen tatkräftig mitgewirkt. Mein besonderer Dank gilt den Herren Prof. Dr. Volker Oppitz und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerd-Bodo von Carlsburg für die zahlreichen inhaltlichen Anregungen, Herrn Dr. Peter Schoenball und Frau Ingrid Lehmann für die gründliche Durchsicht des Manuskripts und Frau Antje Albani für die Text-, Bild- und Einbandgestaltung. Dem Autor bleibt zu wünschen, dass die Leser von dem Buch in einer Weise profitieren, die für ihre erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit förder‐ lich ist. Prof Dr. Günter Lehmann 16 Vorwort <?page no="17"?> Vorwort zur 9. Auflage In einer wissenschaftlichen Arbeit kann Künstliche Intelligenz eine unter‐ stützende Rolle in den verschiedenen Phasen des Schreibprozesses überneh‐ men. Mit Bedacht gewählt, bieten KI-Tools dem Nutzer zahlreiche Vorteile an, z. B. beim präzisen Formulieren, dem Erkennen von Rechtschreib- und Stilfehlern, beim Strukturieren oder Recherchieren einschlägiger Literatur. So schafft die Verwendung des KI-Tools ChatGPT entsprechende Möglich‐ keiten für den Autor; er spart Zeit und Kraft und kann dafür inhaltlich in die Tiefe gehen. Aber es gibt auch ethische und methodische Gesichtspunkte, die dabei zu beachten sind. Der neue Teil 12 bietet dazu einen Überblick an. Darauf beziehen sich auch die im Anhang 1 vorgestellten Beispiele für den Einsatz der KI in der wissenschaftlichen Arbeit und in Anhang 2 die Beschreibung ausgewählter KI-Tools. Auch zu einem anderen Aspekt enthält diese Auflage ein neues Kapitel. Im Kreise der Studierenden taucht oft die Frage auf, wozu eigentlich ein Exposé dient. Das ist vielen vor allem dann nicht klar, wenn das Exposé angefordert wird, z. B. von der Hochschule, vom Betreuer der Arbeit oder bei der Beantragung von Stipendien oder Fördermitteln. In einem neuen Kapitel 6 findet der Nutzer Empfehlungen, wie er sich frühzeitig auf das Erstellen eines Exposés vorbereiten kann. Das betrifft nicht nur die externen Anforderungen, sondern auch die eigenen Untersuchungen. Prof Dr. Günter Lehmann <?page no="19"?> Geleitwort Graduierungsstudien an den Universitäten und Hochschulen stellen den Anspruch, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern in Haus-, Projekt-, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen zugleich auch Wissen zu ergänzen, zu erweitern oder gar neues Wissen zu erwerben als auch öffentlich mitzuteilen. Jeder Studierende, der damit befasst ist, weiß es zu schätzen, wenn er in dieser Richtung gezielte Unterstützung erfahren kann. Ein Blick in das Literaturangebot auf dem Gebiet des Anfertigens und Präsentierens wissenschaftlicher Arbeiten erschließt eine größere Anzahl von Leitfäden, Handbüchern, Ratgebern etc. Nahezu allen ist gemeinsam, dass sie stets einzelne Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens besonders hervorheben, wie beispielsweise Arbeitsplanung, Materialerhebung oder Manuskripterstellung. Der Vorzug dieses vorliegenden Elaborats besteht jedoch in der Geschlossenheit der Betrachtung. Ausgehend vom Credo des Verfassers, dass Wissenschaft nur coram publico legitimiert sei, werden alle Aspekte einer wissenschaftlichen Arbeit im Hinblick auf ihre Verständlich‐ keit und Nachvollziehbarkeit diskutiert. Ein weiterer Vorzug dieses Bandes liegt in seiner Orientierung hinsicht‐ lich der wachsenden Anzahl von Fach- und Führungskräften, die in berufs‐ begleitenden Graduierungsstudien ihre wissenschaftliche Professionalität ausbauen bzw. erweitern wollen. Insbesondere wird die Intention des Ver‐ fassers deutlich, für diesen Personenkreis mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten den Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren. So entspringen gerade Innovationen nicht nur durch das Schaffen neuen Wissens, sondern eigens auch durch das Übertragen bestehenden Wissens auf neuartige Zusammenhän-ge sowie das Umsetzen der Ergebnisse in Innovationen. Die angebotenen Handlungsorientierungen für wissenschaftliche Arbei‐ ten belegen die langjährige Praxis des Autors auf dem Gebiet wissenschaft‐ lichen Arbeitens. Das Erscheinen der bereits 7. Auflage unterstreicht die Wertschätzung einer Leserschaft, die durch die Nutzung dieser ratgebenden und anwendungsunterstützenden Lektüre eine große Hilfestellung erfährt. <?page no="20"?> Mit der Ergänzung des Anfertigens und Präsentierens durch das Publizie‐ ren und Umsetzen der Ergebnisse erfährt das Buch eine echte Bereicherung und lässt es zu einem Unikat in der einschlägigen Fachliteratur werden. Heidelberg, im August 2018 Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerd-Bodo von Carlsburg 20 Geleitwort <?page no="21"?> 1 Nicht ernst gemeinte Ratschläge für das wissenschaftliche Arbeiten Wer in der Schule schreiben gelernt hat, kann auch wissenschaftlich arbei‐ ten. Das Leben enthält so viele Episoden, die alle einer wissenschaftlichen Bearbeitung harren. Gehe spontan auf dein Ziel los, belaste dich nicht mit langwierigen Über‐ legungen zu möglichen Hindernissen auf dem Weg dahin und verliere dich nicht in endloser Prüfung, welches dieser Hindernisse schon überwunden ist. Kleingeister, die sich tagelang in Bibliotheken oder im Internet tummeln, verlieren nur kostbare Zeit und lassen sich außerdem durch angeblich schon Erkanntes verunsichern. Wer glaubt, ein Alibi zu benötigen, sollte ein, aber maximal zwei Fachbü‐ cher wählen, die einen gewissen Bezug zum eigenen Thema haben. Dabei sind ältere Auflagen deshalb zu empfehlen, weil die meisten Leser sie nicht mehr kennen. Diese Bücher schlachte gründlich aus. Zitiere möglichst wörtlich längere Passagen; wozu eigene Interpretationen finden, wenn andere bereits etwas treffend gesagt haben, denn das hieße ja, das Fahrrad zum zweiten Mal zu erfinden. Übrigens: Man kann auch zur Abwechslung hier und da mal auf die „Gänsefüßchen“ verzichten, dies merkt sowieso keiner. Besonders nützlich sind diese Fachbücher für den eigenen Literaturnach‐ weis. Übernimm am besten die Quellen- und Literaturverzeichnisse im vollen Wortlaut, denn sie haben offenbar vor der Fachöffentlichkeit bereits bestanden. Ergänze sie lediglich durch die für die eigene Beweisführung verwendete Praktiker- und Unterhaltungsliteratur. Auch Zitate aus der Boulevard-Presse gehören dazu, denn sie widerspiegeln das wahre Leben. Schlage dich nicht mit dem Unterschied zwischen These und Hypothese herum. Wozu erst mühselig Belege für eigene Behauptungen sammeln, wenn man persönlich zutiefst von deren Richtigkeit überzeugt ist. Damit regst du deine Leser zum Sammeln von Beweisen an - dafür oder dagegen ist nebensächlich, denn nur die bringen die Wissenschaft voran, die den Sack voll Kartoffeln ausschütten, nicht die, die die Kartoffeln wieder einsammeln. Vor allem sollte man sich nicht von den üblichen Gliederungsmodellen beeinflussen lassen. Die Arbeit wird abwechslungsreicher, wenn man nu‐ merisch und alpha-numerische miteinander mischt und mindestens fünf <?page no="22"?> Abstufungen in der Gliederung vorsieht. Und fällt dir zu einer Überschrift kein passender Kommentar ein, dann lasse ihn weg. Was nicht dasteht, kann nicht durchfallen. Sollte dies dem Gutachter nicht gefallen, hat er wenigstens einen Kritikpunkt gefunden. Wenn du deine Leser überraschen willst, entwickele Originalität im Aufbau der Arbeit. Mache es ganz anders, als es üblich ist. Beginne mit einer gründlichen Vorstellung deiner Person, deiner bisherigen Leistungen und Referenzen, knüpfe daran eine Würdigung der Hilfe durch deine Großeltern, Eltern, Gattin/ Gatte und deine Kinder und schließe mit einer Laudatio auf den/ die Gutachter ab. Das rührt den Leser an und schließt für die Lektüre deiner Arbeit auf. Verzichte also auf die übliche Einleitung, denn du weißt aus eigener Erfahrung, dass die sowieso keiner liest. Die Leute wollen nicht mit deinen Zielen, Problemstellungen, Vorgehensweisen und Begriffsabgrenzungen gelangweilt werden - sie brennen darauf, deine Behauptungen kennenzu‐ lernen. Diese nun sollten ihrem wissenschaftlichen Wert entsprechend gewichtig formuliert werden. Wo käme man hin, wenn jeder sofort deren Erkennt‐ nisschwere bewältigen könnte. Schreibe also nicht einfach: „Gegenwärtig steigt die Arbeitslosigkeit“, sondern drücke dies „wissenschaftlich“ aus: „Die Akkumulation involontär nicht in Arbeitsrechtsverhältnissen gebundener Erwerbspersonen stellt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein beachtliches Phä‐ nomen dar.“ Gefällig sind auch solche Bekenntnisse wie: „Ich glaube zutiefst an unsere State of the Art-Kernkompetenzen, um den Paradigma/ sic/ wech‐ sel der ausdifferenzierten Motivationsfaktoren zu wagen.“ Entscheidend ist hier nicht, zu verstehen, was du glaubst, sondern, dass du glaubst. Glaubhaft sind auch deine Ankündigungen, die „optimalste Lösung“ zu finden oder eine „absolut sichere Zukunftsprognose“ anzubieten. Und verwende die Begriffe „komplex“ und „kompliziert“ im Zweifelsfall synonym; den Unter‐ schied kennt ohnehin keiner. Also: Formuliere deine Hypothesen kraftvoll, blumig und mit der unverzichtbaren Übertreibung, damit sie anschaulich werden. So begegnest du Zweiflern und Nörglern wirkungsvoll. Sollte der wissenschaftliche Betreuer hartnäckig auf der Definition der in der Arbeit verwendeten Begriffe bestehen, dann gib wenigstens an dieser Stelle nach. Konzentriere Dich dabei auf die Erläuterung von Begriffen, deren Bedeutung unstrittig ist, wie beispielsweise „Analyse“, „Formel“ oder „Matrix“. Dabei schätzt es der Leser einer wissenschaftlichen Arbeit besonders, wenn ihm der Begriff „Matrix“ wie folgt erklärt wird: „Rechteckig 22 1 Nicht ernst gemeinte Ratschläge für das wissenschaftliche Arbeiten <?page no="23"?> angeordnetes System von irgendwie zusammengehörenden Zahlen.“ Sollte jemand gar Rechtschreibefehler kritisieren, verweise auf das Versagen des Rechtschreibeprogramms deines Computers. Dafür kann man dich nun wirklich nicht verantwortlich machen. Lasse keine Zweifel am Erkenntnisfortschritt und der Originalität deiner Arbeit aufkommen. Es ist schon ein Verdienst, Erkenntnisse aus zwei Fachbüchern jetzt in einem eigenen Werk zusammenzuführen. Das Aufwer‐ fen neuer Fragestellungen kann zu erheblichen Verwirrungen führen und Literaturkritik schafft nur böses Blut. Eine eigene Rechtschreibung, die Verwendung weitgehend unbekannter Fremdwörter, eine unkonventionelle Zitierweise und eine originelle Mischung von Gliederungsmodellen machen deine Arbeit zu einem Unikat in der „wissenschaftlichen Literatur“ - und ersparen dir mit großer Sicherheit die Aufnahme in die anstrengende „scientific community“. 1 Nicht ernst gemeinte Ratschläge für das wissenschaftliche Arbeiten 23 <?page no="25"?> 2 Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten Mit der Übernahme einer wissenschaftlichen Prüfungsarbeit in einem Ba‐ chelor-, Master- oder Promotionsstudium hat sich der Teilnehmer zugleich zu dem Auftrag bekannt, einen Beitrag zur Entwicklung der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin zu leisten. Seine wissenschaftliche Arbeit soll zeigen, dass er in der Lage ist, eine Problembzw. Fragestellung selbständig unter Anwendung wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse und Methoden zu bearbeiten und zu präsentieren. Im Mittelpunkt steht dabei der Erkenntnisfortschritt. Natürlich gibt es unterschiedliche Stufen wissenschaftlichen Arbeitens, die sich weniger kategorial, sondern eher graduell voneinander unterschei‐ den. Nach einer „Gemeinsamen Erklärung der europäischen Bildungsminis‐ ter“ 1999 in Bologna und 2001 in Prag hat sich weitgehend die in der Abb. 1 dargestellte Struktur der Abschlüsse im europäischen Hochschulraum eta‐ bliert. Empfehlungen in der gemeinsamen Erklärung Bologna Juni Abb.-1: Struktur der europäischen Hochschulabschlüsse <?page no="26"?> Danach sind folgende wissenschaftliche Prüfungsarbeiten zu unterscheiden: • Bachelor-Arbeit (Bachelor-Thesis), • Master-Arbeit (Master-Thesis), • PhD-Arbeit (Dissertation). Unabhängig von den graduellen Unterschieden sollen alle wissenschaftli‐ chen Arbeiten • eine für andere erkennbare Fragestellung nachvollziehbar behandeln (intersubjektive Nachvollziehbarkeit); • zur Erweiterung des Erkenntnisstandes (neue Aussagen) in Theorie und Praxis mit dem Anspruch der Allgemeingültigkeit beitragen, wobei vor allem vorhandenes Wissen auf neuartige Zusammenhänge zu übertra‐ gen ist; • dem aktuellen Wissensstand entsprechende und dem Forschungsgegen‐ stand adäquate Methoden nachprüfbar anwenden und darstellen; • die genutzten Quellen richtig und vollständig offenlegen und • die Erkenntnisse mit ihren Nutzenaspekten verständlich formulieren und öffentlich mitteilen (N I E D E R HAU S E R , J., 2000, S.-4/ 5). Von jeder wissenschaftlichen Arbeit kann erwartet werden, dass sie einen Beitrag zum Erkenntnisfortschritt leistet und dabei Eigenständigkeit (Ori‐ ginalität) erkennen lässt. Dabei bedeutet Erkenntnisfortschritt nicht au‐ tomatisch das Entwickeln einer neuen Theorie (was ohnehin selten gelingt), sondern auch • das Aufdecken von Zusammenhängen zwischen bereits erkannten Sach‐ verhalten, • das Verifizieren bisher ungesicherter Erkenntnisse bzw. das Falsifizieren bisher als sicher geltender Erkenntnisse, • das Feststellen von Erkenntniswidersprüchen bzw. -lücken, • das Erkennen neuer Fragestellungen oder • die begründete Literaturkritik. P R E I S S N E R , A. (2012, S. 173) macht auf die unterschiedliche Sichtweise von Wissenschaft und Praxis aufmerksam: „Wissenschaft analysiert die Methode, gleich mit welchem Ergebnis.“ Sie zielt auf die Weiterentwicklung und das Testen von Methoden, Modellen, Gesetzen, Konzepten. „Praxis will ein bestimmtes Ergebnis, gleich mit welcher Methode.“ So ist beispielsweise eine Lösung zur Erfüllung von Unternehmenszielen zu finden. 26 2 Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten <?page no="27"?> Eigenständigkeit im Sinne von Originalität der wissenschaftlichen Arbeit bezieht sich auf • eigene Wege bei der Datenerhebung und Belegung der Behauptungen, • das Darstellen des Vorgefundenen, der erzielten Ergebnisse und des methodischen Informationsgewinns und • die Bestimmung der verwendeten Begriffe. Betrachtet man im Lichte dieser Ansprüche die graduellen Stufen wissen‐ schaftlicher Arbeiten, so lassen sich folgende Eingrenzungen vornehmen: • Die Komplexität der behandelten Fragestellung, ihr innovativer und substanzieller Charakter nimmt mit steigender Niveaustufe zu. Dem‐ gegenüber nehmen thematische Einschränkungen eindeutig ab: Ziele, Problem- und Fragestellungen werden zunehmend selbständig gewählt. • Ebenso nimmt der Anspruch an theoretischer Fundierung mit steigen‐ der Niveaustufe zu, die Erwartung an einen erkennbaren Beitrag zur Entwicklung der jeweiligen Wissenschaftsdisziplin wächst mit zuneh‐ mender Niveaustufe. • Mit Blick auf die Besonderheiten von Autoren wissenschaftlicher Ar‐ beiten in berufsbegleitenden Studiengängen spielen Praxisbezug und Problemlösungsanteil nahezu gleichermaßen eine wichtige Rolle. Im Unterschied zu Dissertationen, die einer wissenschaftlichen Karriere dienen, wollen auch Masterarbeiten im betrachteten postgradualen Bereich eher mit ihrer Zielsetzung und Problemstellung die gesellschaft‐ liche Praxis ihres Fachs als ihr Fach selbst erreichen (Winter, W., 2005, S. 7). Bachelorarbeiten sind vor allem auf die Beantwortung praktischer Fragestellungen gerichtet. • Deutliche Unterschiede zwischen den drei Niveaustufen bestehen im Umfang und in der Bearbeitungszeit. Obwohl einrichtungs- und diszip‐ linabhängig gelten die folgenden Orientierungswerte: - Bachelorarbeiten Umfang: 40 Seiten A4 +/ - 10 % Bearbeitungszeit: 3-4 Monate - Masterarbeiten Umfang: 70 Seiten A4 +/ - 10 % Bearbeitungszeit: 6 Monate - PhD-Arbeiten Umfang: 100 Seiten A4 +/ - 10 % Bearbeitungszeit: ab 2 Jahre 2 Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten 27 <?page no="28"?> • Für alle Stufen gemeinsam gelten die Ansprüche an die Eigenständigkeit der Untersuchung, die Nachprüfbarkeit der Methoden, die Offenlegung der Quellen sowie die verständliche Formulierung und öffentliche Mit‐ teilung der Ergebnisse. Der Anspruch an Öffentlichkeit gilt generell für die wissenschaftliche Arbeit. Schon Goethe behauptet in seinen „Maximen und Reflexionen“: „Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften un‐ zugänglich zu machen.“ Genau darin steckt ein häufig feststellbares Problem - nämlich Aussagen über wissenschaftliche Ergebnisse so zu kodieren, dass sie der Fachöffentlichkeit nur mit Mühe oder gar nicht zugänglich sind. Es ist deshalb nicht zutreffend, Wissenschaftlichkeit primär mit Abstraktion und formaler Sprache zu kennzeichnen. Der Psychologe O. K R U S E (2004, S. 72) sagt zu Recht: „Wissenschaft ist primär eine soziale Handlung.“ Und er führt dazu weiter aus, dass die Wissenschaft mit der Veröffentlichung unseres Denkens beginnt. Das aber bedeutet, das Denken nicht mehr als Privatsache anzusehen, sondern als eine gesellschaftliche Aufgabe des Gewinnens von Erkenntnissen. Dazu gehört mit Sicherheit auch Mut. Wissenschaft erfordert sowohl den Mut, selbständig zu denken, als auch den Mut, die Ergebnisse des Denkens öffentlich zu machen, d. h. sich auf die Kommunikation mit der Öffentlichkeit einzulassen. Damit sich eine Öffentlichkeit mit dem Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit - unabhängig auf welcher Stufe - auf eine Kommunikation einlässt, sei diesem ans Herz gelegt: • Angemessene Kürze und Respekt vor der Zeit des Lesers. • Einfaches und eindeutiges Vokabular; komplizierte Ausdrücke nur dort, wo einfache nicht zutreffen. Übrigens: Wer seine Arbeit aus Geheimhaltungsgründen für die Öffentlich‐ keit sperrt (Arbeit mit Sperrvermerk bedeutet Ausschluss von der Biblio‐ theksausleihe), wird von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Dem kann mit einer Verbannung der Geheimnisse in die Anlagen der Arbeit begegnet werden. 28 2 Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten <?page no="29"?> 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit 3.1 Vorbemerkung Die geläufige Grobstruktur eines Textes oder eines Vortrages, also die Einteilung in Einleitungsteil, Hauptteil und Schlussteil, lässt sich auch auf die wissenschaftliche Arbeit übertragen. In der einschlägigen Literatur wird diese Grobstruktur mit Bezug auf die wissenschaftliche Arbeit modifiziert, wobei die Ansichten von B ÄN S CH und S T R OH D E C K E R den Vorschlägen des Autors am nächsten kommen, wie Abb. 2 zeigt. Allge‐ meine Grobstruk‐ tur Strukturvorschläge für die Wissenschaftliche Arbeit Bänsch (1999, S.-1) Strohdecker (2005, S.-68) Lehmann (s. Kapitel 4) Einlei‐ tungsteil Basisabschnitt: Umsetzung des The‐ mas in eine eindeu‐ tige Fragestellung Problemformulie‐ rung: Beschreibung des zu lösenden Problems Problemformulie‐ rung / Fragestel‐ lung: Finden der Problem‐ formulierung und Klären des Problem‐ verständnisses Hauptteil Kernabschnitt: Behandlung der Fra‐ gestellung - Problemlösungs‐ versuche und kri‐ tische Prüfung: Darstellung der für die Lösung vorhande‐ nen und neuen Theo‐ rien und Konzepte Problembearbei‐ tung / Fragebear‐ beitung: Wissenschaftliche Argumentation und Bearbeitung des Pro‐ blems in vier Schrit‐ ten Schlussteil Schlussabschnitt: Präsentation der aus der Behandlung der Fragestellung re‐ sultierenden Ergeb‐ nisse Rückblick / Aus‐ blick: Rückblick auf die Problemstellung und finale Antworten auf die eingangs gestell‐ ten Fragen Problemlösung: Präsentation der Lösungen/ Ant‐ worten, Umsetzungs‐ vorschläge und Aus‐ blick auf noch zu lösende Probleme Abb.-2: Ausgewählte Grundstrukturen wissenschaftlicher Arbeiten <?page no="30"?> Die folgenden Ausführungen in diesem Teil folgen dem Strukturvorschlag in der rechten Spalte (L EHMANN ) der Abb.-2. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 3.2.1 Finden der Problemformulierung Erfahrungsgemäß steht mancher Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit am Anfang vor der Schwierigkeit, das Problem, das er lösen will, die Frage(n), die er beantworten will, die Aufgabe, die er lösen will, präzise zu formulieren. Zwei Fehler werden hierbei begangen: • Man hat ein allgemeines Ziel für die wissenschaftliche Arbeit vor Augen und nun wird versucht, dieses Ziel möglichst vollständig zu erreichen. Bald stellt sich heraus, dass für die Zielerreichung sehr verschiedene Probleme auf sehr unterschiedlichem Wege zu lösen sind. Täglich treten neue Aspekte hinzu, das Untersuchungsfeld weitet sich aus, wird immer unübersichtlicher, den Verfasser verlässt der Mut. • Der Verfasser formuliert relativ rasch ein Problem, das ihm für das Erreichen des allgemeinen Ziels geeignet erscheint. Bald stellt er im Ergebnis der Literaturdurchsicht fest, dass dieses Problem längst gelöst ist. Oder er erkennt im Zuge der Problemlösung dessen geringen Einfluss auf die Zielerreichung. Fazit: Der Verfasser muss neu starten. Der zuletzt genannte Fehler lässt sich mit einem einfachen Beispiel veran‐ schaulichen: Ein Unternehmer möchte den Umsatz seines Unternehmens erhöhen. Was hindert ihn daran? Nehmen wir an, der Kundenkreis stagniert. Rasch kommt er zu der Problemformulierung/ Fragestellung: Wie kommen mehr Kunden zu mir? Dieses Vorgehen entspricht der linken Graphik in Abb.-3. Aber verschenkt sich der Unternehmer hier nicht die Möglichkeit, meh‐ rere Problemformulierungen für das Überspringen des Hindernisses zu finden? Gibt es tatsächlich nur eine Möglichkeit, den Kundenkreis zu erweitern? Sicher nicht, denn weitere Fragestellungen könnten lauten: • Wie komme ich zum Kunden? • Welche neuen Produkte sprechen neue Kunden an? • Wie kann ich durch Qualitätsverbesserung die Anzahl der Remittenten reduzieren? 30 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="31"?> Jetzt eröffnet sich ein Feld für die Zielerreichung, das nach Prüfung des bereits Vorhandenen wirklich neue, für die Überwindung des Hindernisses tragfähige Lösungen verspricht. Dieses Vorgehen entspricht der rechten Graphik in Abb.-3. Ziel Problem als Hindernis Aspekt P1 P2 P3 ... Pn P Ziel Problem als Hindernis Aspekt P1 P2 P3 ... Pn P Ziel Problem als Hindernis P1 P Ziel Problem als Hindernis P1 P Finden der Problemformulierung Abb.-3: Zwei Wege zum Finden der Problemformulierung Häufig besitzen die ersten Themenvorstellungen den Charakter übergrei‐ fender Zielstellungen, zu deren Erfüllung die Arbeit nur einen Einzelbei‐ trag leisten kann. Diesen Beitrag nach dem prinzipiellen Vorgehen nach Abb. 3 schlüssig aus mehreren Möglichkeiten auszuwählen und in eine bearbeitbare Aufgabenbzw. Fragestellung zu überführen, ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Dazu wird die schrittweise Beantwortung der folgenden Fragen empfoh‐ len: Schritt 1: Wozu will ich mit meiner wissenschaftlichen Arbeit einen Beitrag leisten? - Das ist die Frage nach einem übergreifenden Ziel (kei‐ nesfalls mit dem Thema identisch). 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 31 <?page no="32"?> Schritt 2: Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es für das Erreichen des übergreifenden Ziels? - Das führt zu mehreren Fragestellungen (nicht bei einer Fragestellung stehen bleiben). Schritt 3: Welche von diesen Fragestellungen sind bereits (weitgehend) beantwortet? - Das erfahre ich im Ergebnis der Literaturrecherche und der Konsultation von Dozenten und anderen Fachleuten. Schritt 4: Welche der noch weitgehend unbeantworteten Fragen unter‐ suche ich im Ergebnis einer Auswahl? - Wesentliche Auswahlkriterien: Bezug zu einem Fach des Studienganges, eigenes Interesse, Zugangsmöglich‐ keiten zu notwendigen Daten, Neuigkeitsbzw. Schwie‐ rigkeitsgrad, Verwertungsinteressen Dritter (z. B. Pro‐ moter). - Damit bestimme ich eine Aufgabenstellung als Arbeits‐ thema für meinen Beitrag zum Erreichen des übergrei‐ fenden Ziels. Schritt 5: Welche der unbeantworteten Frage untersuche ich im Ergebnis der Auswahl nicht? - Damit verweise ich zugleich auf Themen für künftige wissenschaftliche Arbeiten (Forschungsperspektive). Schritt 6: Wie kann ich die gewählte Aufgabenstellung (Arbeitsthema) so präzisieren, dass sie unter den gegebenen Prüfungsbedin‐ gungen (z. B. wissenschaftlicher Anspruch, verfügbare Bear‐ beitungszeit) als Thema meiner wissenschaftlichen Arbeit bearbeitbar wird oder bleibt? - Prüfkriterien: Begriffliche Eingrenzung, örtliche und/ oder räumliche Einschränkung, institutionelle Eingren‐ zung, zeitliche Begrenzung, methodisches Vorgehen, spezifizierte Aspekte. Abb. 4 illustriert ein Beispiel für das Ableiten einer Aufgabenstellung entsprechend der vorgestellten Schrittfolge. 32 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="33"?> Abb.-4: Beispiel für eine Schrittfolge zur Themenfindung (Hindernisrecherche) Ein Blick auf die im Schritt 6 genannten Prüfkriterien zeigt, dass ihr Ein‐ satz jeweils die stärkere Konkretisierung oder auch Erweiterung des Themas in Abhängigkeit vom Typ der wissenschaftlichen Arbeit (Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit) ermöglicht. Hinter dem im Beispiel formulierten Thema stehen beispielsweise folgende Forschungsfragen: „Was kennzeichnet die nächtliche-…? “ oder „Welche Faktoren bestimmen die nächtliche …? “. In Schritt 5 wurde auf eine Fragestellung hingewiesen, die in der eigenen Arbeit nicht beantwortet, sondern einer späteren Bearbeitung empfohlen wird. Eine wichtige Quelle für Arbeitsthemen ist die persönliche Lebens- und Arbeitswelt des Autors. Darüber hinaus bieten die Themenlisten der Hochschulinstitute und ihrer Forschungscluster zahlreiche Anregungen. In Abb.-5 sind weitere Möglichkeiten in Anlehnung an V O S S , R. (2011, S.-64-f.) dargestellt. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 33 <?page no="34"?> Abb.-5: Themenquellen für wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter Allen auf diesem Weg gefundenen Themen ist in der Regel gemeinsam, dass sie weder dem inhaltlichen Anspruch der jeweiligen Prüfungsarbeit noch den zeitlichen Bedingungen und dem Bearbeitungsumfang entsprechen. Für das Finden eines bearbeitbaren Arbeitsthemas (Problemformulie‐ rung/ Fragestellung) gibt es eine Reihe von Instrumenten, von denen hier die folgenden vorgestellt werden sollen: (1) Wissenschaftliches Tagebuch, (2) Hindernisrecherche, (3) Ideengrafik (Mindmap), (4) Zielbaum, (5) Typisierung, (6) Interpersonelles und literaturbasiertes Vorgehen. (1) Wissenschaftliches Tagebuch Das Wissenschaftliche Tagebuch oder auch Wissenschaftliches Journal (E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H.; S. 36) dient dem Sammeln der verschiedensten Impulse für die wissenschaftliche Arbeit. Es sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt in einem fest gebundenen Heft angelegt werden. Wesentliche Quellen für solche thematischen Impulse sind in Abb.-5 dargestellt. Je nach Zeit und Interesse wird in diesem Tagebuch alles notiert, was man an neuen Erkenntnissen, Erfahrungen und Meinungen aufnimmt und damit Schritt für Schritt zu einer Ideensammlung für die Arbeit führt. So werden in einem wissenschaftlichen Tagebuch beispielsweise dokumen‐ tiert: 34 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="35"?> • Notizen aus Vorträgen, Seminaren, Gesprächen, • Fragen, die noch ohne Antwort sind, • Beispiele, Konfliktsituationen, • Beobachtungen, • Gliederungsansätze, • Zielvorstellungen, • Buchtitel, Bibliographien, Zeitungsausschnitte, • Ideen für Analogien, • Textfragmente, • Hypothesen, • Zitate, Geschichten • u. a. m. Wichtig ist, dass sich der Bearbeiter das Gesammelte zu eigen macht, damit ständig arbeitet, es prüft, kritisiert, verschiedene Aussagen miteinander verknüpft und anwendet (K R U S E , O., 2004, S. 37). Daraus resultieren Impulse für das Generieren von Ideen, unterstützt beispielsweise durch den Per‐ spektivenwechsel, durch das Assoziieren, das Finden von Analogien oder die Bisoziation. Im Folgenden werden diese vier Techniken kurz kurz erläutert. Der Pespektivwechsel Das Wesen des Perspektivwechsels (auch Kopfstand genannt) besteht darin, dass die Ausgangsformulierung einer Aussage unter einem anderen Blick‐ winkel gesehen wird, also beispielsweise auf den Kopf gestellt wird. Daraus entstehen häufig Ansätze für neue Ideen. So war die Umkehrung der Aussage „Wenn Du Menschen führen willst, musst Du ihnen vorangehen.“ in „Wenn Du Menschen führen willst, musst Du hinter ihnen gehen.“ der Anstoß für die Technik des moderierten Problemlösens. Andere Beispiele (Q UI S KI , F.; S KI R L , S.; S P I E S S , G., 1973, S. -125): • Aus dem Handel - Ausgangsformulierung: Wie kommt der Kunde zu mir? - Neue Formulierung: Wie komme ich zum Kunden? - Ergebnis: Etablierung des Versandhandels, Versand von Katalo‐ gen! • Aus dem Marketing - Ausgangsformulierung: Wie kann ich das, was ich produziere, verkaufen? 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 35 <?page no="36"?> - Neue Formulierung: Was muss ich produzieren, um die Wünsche der Kunden zu befriedigen? - Ergebnis: Ausrichten der Produktion nach den Ergebnissen der Marktforschung! • Aus der Erziehung - Ausgangsformulierung: Wie verhindere ich, dass das Kind den Christbaum demoliert? (Traditionelle Lösung: Kind in das Laufgit‐ ter). - Neue Formulierung: Wie kann ich das Kind vor dem Christbaum schützen? - Ergebnis: Den Christbaum in das Laufgitter setzen! • Aus der Technik - Ausgangsformulierung: Wie kann man Walnüsse von außen öff‐ nen, ohne den Inhalt zu beschädgen? - Neue Formulierung: Wie kann man Walnüsse von innen aus öffnen? - Ergebnis: In die Walnuss eingefülltes Gas wird zur Explosion gebracht oder die Walnuss wird in ein Vakuum eingebracht! Das Assoziationsverfahren Die Assoziation wird mitunter auch als die Vorstufe des kreativen Denkens bezeichnet. Ihr Wesen besteht im Verknüpfen von vorhandenen Erfahrun‐ gen und Vorstellungen untereinander. Die Auseinandersetzung mit einem Problem aktiviert Muster, die Einfluss auf die Problemlösung besitzen. Diese Muster entstehen aus der Erfahrung früherer Problemlösungsprozesse sowie aus gesellschaftlichen Normativen und erzieherischer Beeinflussung. Durch die Verknüpfung bisher getrennt gesehener Denkmuster entstehen so genannte Assoziationsketten, die zu einer neuen Kombination, mitunter zu sehr originellen Lösungen des Problems führen können. Auch das Prinzip des Humors, insbesondere des Witzes, stellt nichts an‐ deres als die Verbindung zwischen zwei bisher getrennt gesehenen Mustern dar. Das kommt beispielsweise deutlich in dem folgenden Kalauer zum Ausdruck: Frage: „Warum streuen die Ostfriesen Salz und Pfeffer auf den Fernsehap‐ parat? “ Antwort: „Damit das Bild schärfer wird! “ 36 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="37"?> Hier klicken deutlich zwei völlig unterschiedliche Denkmuster ineinander. Der Begriff „scharf “ hat im Denkmuster „Fernsehen“ einen völlig anderen Begriffsinhalt als im Denkmuster „Gewürze“. Durch die Kombination der beiden Muster entsteht der Lacheffekt. Das Analogieverfahren Die Analogie ist ein weiteres Verfahren zum Verlassen bisheriger Denkmus‐ ter, zum Generieren neuer Ideen, zum Finden origineller Lösungen. Ihr Wesen besteht darin, dass vorhandene Erfahrungen und Vorstellungen mit Bildern aus einem Bereich verknüpft werden, das dem Ausgangsproblem ähnlich ist. Also: Ähnliche Bilder sollen eine vorübergehende Distanzierung vom zu lösenden Problem bewirken. Historische Berühmtheit erlangte das Analogieverfahren durch die Ge‐ schichte des Archimedes, der den Auftrag bekam, die Echtheit einer Gold‐ krone zu prüfen. Das spezifische Gewicht war damals bereits bekannt. Das Problem bestand in der Bestimmung des Volumens des sehr unregelmäßigen Körpers einer Krone. Archimedes beschäftigte sich lange Zeit mit dem Problem, ohne eine Lösung zu finden. Erst, als er eines Tages in die Badewanne stieg, sah er, dass sich der Wasserspiegel hob, als sein eigener unregelmäßiger Körper eintauchte. Jetzt hatte er einen Weg gefunden, das Volumen unregelmäßiger Körper zu bestimmen. Sein Freudenschrei „Heureka“ („Ich hab es“) ist legen‐ där geworden. Die Problemlösung bei Archimedes kam dadurch zustande, dass er Beobachtungen während des Badens im Analogieschluss auf das zu lösende Problem übertrug. Beispiel für den Ablauf des Analogieverfahrens: 1. Schritt: Klarmachen der Problemstellung Ablösung des traditionellen Stöpsels durch einen neuartigen Verschluss für die Thermosflasche. Als Bedingungen für die neue Lösung gelten: • Deckel muss beim Ausgießen nicht mehr entfernt werden. • Bänder, Ketten oder Scharniere sind zu vermeiden. • Verschluss ist leicht zu reinigen. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 37 <?page no="38"?> 2. Schritt: Distanz schaffen zum Ausgangsproblem durch Auswahl und Analyse von Analogien • Auswahl von Verschlüssen in der Natur - Augenlid/ Iris, - Poren, - Blüte, - After, - Mund, - Muschel. • Analyse, beispielsweise der Iris als Teil des Auges - zieht sich zusammen, dehnt sich aus, - besteht aus dehnbarem Stoff, der das Öffnen und Schließen ermög‐ licht, - ist mit der Iris einer Kamera vergleichbar, - vergrößert und verkleinert sich. 3. Schritt: Herstellen der Verbindung zum Ausgangsproblem und Ableiten von Lösungsansätzen Die Iris besteht aus einem dehnbaren Material, das sich öffnet und schließt. Nimmt man einen langen Ballon und dreht ihn in der Mitte, so erhält man zwei klar voneinander getrennte Teile. Dieses Verschlussprinzip wurde auf Thermosflaschen übertragen und erfolgreich auf den Markt gebracht (Q UI S KI , F.; S KI R L , S.; S P I E S S , G.; 1973, S. -64 ). Das Bisoziationsverfahren Die Bisoziation stellt ein Verfahren dar, das zum Finden außergewöhnlicher Ideen und Lösungen anregen soll. Ihr Wesen besteht darin, dass vorhandene Erfahrungen und Vorstellungen im Unterschied zum Analogieverfahren nicht mit ähnlichen Bildern, sondern mit willkürlich gewählten Bildern ver‐ knüpft werden, die zunächst überhaupt nichts mit dem Ausgangsproblem zu tun haben. Die willkürlichen Bilder werden gewählt, um sich dadurch zu neuen Ideen anregen zu lassen. Wohlgemerkt, die Auswahl der Bilder erfolgt völlig willkürlich, beispielsweise ein Ei, aus dem ein Küken schlüpft, ein Flugzeug, eine Giraffe, ein sprudelnder Bach, ein Computer oder eine Messuhr. Wichtige Gesichtspunkte bei der Wahl des Bildes sind: • Das Bild sollte relativ einfach sein. • Das Bild ist für den Bearbeiter interessant, er beschäftigt sich gern damit. 38 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="39"?> • Das Bild ist für den Bearbeiter beschreibbar; er kann es analysieren (Das Bild „Messuhr“, siehe Abb. 64., löst beispielsweise nicht die erwarteten Effekte aus, wenn der Bearbeiter Prinzip, Aufbau und Funktionsweise der Messuhr nicht kennt.). • Das Bild hat mit dem Ausgangsproblem zunächst überhaupt nichts zu tun. Ein historisches Beispiel für die Bisoziation lieferte Kekulé, der die che‐ mischen Strukturen untersuchte. Eines Tages beschäftigte er sich unter Loslösung von seinem Untersuchungsproblem ausführlich mit dem Bild von sechs ineinander verwobenen Schlangen. Dieses Bild verknüpfte er mit seinem Ausgangsproblem und entdeckte schließlich die Formel für die ringförmige Struktur des Benzol-Moleküls. Er war der Erste, der die rein kettenförmige Anordnung chemischer Strukturen erkannte. Es ent‐ stand eine neue Betrachtungsweise, die der Weiterentwicklung der Chemie bedeutsame Impulse gab. Also: Ein willkürlich gewähltes Bild half dem Experten, die gedankliche Blockade zu durchbrechen. Beispiel für den Ablauf des Bisoziationsverfahrens: 1. Schritt: Klarmachen der Problemstellung Wie kann eine Werbeagentur regelmäßig neue Kunden gewinnen? 2. Schritt: Distanz schaffen zum Ausgangsproblem durch Auswahl und Beschreibung eines beliebigen Bildes Auswahl: Beispielsweise das Bild eines verführerischen Mädchens. Beschreibung: Verführerische Mädchen haben etwas Geheimnisvolles. Man erahnt ihre Fähig‐ keiten, ohne Genaueres zu wissen; man ist an ihnen interessiert. Sie sind im Grunde so wie alle anderen, verstehen aber ihre Vorzüge mit Geschick zu ver‐ kaufen. Man fühlt sich wie ein Voyeur, wenn man ihre Bewegungen beobachtet. Ein verführerisches Mädchen schafft Gerüchte. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 39 <?page no="40"?> 3. Schritt: Verknüpfen des Bildes mit dem Ausgangsproblem und Ableiten von Lösungsvorschlägen Statt so: Die Agentur sollte auf alle Kunden wie ein verführerisches Mädchen wirken. Lösungsvorschlag: Alle Frauen in der Agentur sollen auf Kunden verführerisch wirken, stellen persönliche Beziehungen zum Kunden her. - Oberflächlich, wenig originell. Lösungsvorschlag: Regelmäßige kostenlose Veranstaltungen von namhaften Marketing- und Wer‐ bespezialisten als eine ständige Serviceleistung für vorhandene und potentielle Kunden. Zusatztipp: Der Bearbeiter kann den Effekt der Bisoziation vergrößern, wenn er zwei bis drei Personen dazu gewinnt, mit ihm gemeinsam diese drei Schritte zu vollziehen. (2) Hindernisrecherche Ausgangspunkt der Hindernisrecherche ist zunächst die Zielvorstellung des Verfassers einer wissenschaftlichen Arbeit. Aber an der Zielerreichung hindert ihn beispielsweise ein fehlendes Konzept. Das Problem wird als Hindernis auf dem Weg zum Ziel verstanden. Nunmehr gilt es für das Hin‐ dernis, also für das zu lösende Problem, nicht nur eine, sondern möglichst zahlreiche sinnvolle Formulierungen zu finden. Die Abb.-6 macht die Hindernisrecherche an einem Beispiel deutlich. 40 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="41"?> Aufgabenstellung Entwicklung einer neuen Absatzstrategie Ziel: Erreichen eines Betriebsergebnis Ziel: Erreichen eines Betriebsergebnis Ziel: Positives Betriebsergebnis bn P Probleme Probleme Werbekampagne zur Verbesserung des Absatzes P1 Verbesserte Qualitätss kontrolle P2 Kostennn senkung P3 Qualifizierung der Mitarbeiter P4 Pn Abb.-6: Hindernisrecherche „Positives Betriebsergebnis“ Danach umfasst die Recherche folgende Schritte: 1. Schritt: Formulierung des Ziels Erreichen eines positiven Betriebsergebnisses im Unternehmen. 2. Schritt: Finden mehrerer Problemformulierungen • Welche neue Werbekampagne könnte den Absatz verbessern? • Welche Diversifikationsmöglichkeiten gibt es für die Produkte? • Wie kann die Qualitätskontrolle verbessert werden? • An welchen Stellen können die Kosten gesenkt werden? • Welche Mitarbeiter müssen auf welchen Gebieten für welche Aufgaben qualifiziert werden? 3. Schritt: Analyse der formulierten Probleme im Hinblick • auf den Grad ihrer bisherigen Lösung (Feldforschung, Situationsanalyse, Literaturstudium) und • ihrer Zielerreichungspotenz. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 41 <?page no="42"?> 4. Schritt: Entscheidung für das bzw. die zu bearbeitende(n) Pro‐ blem(e) und Formulierung der Aufgabenstellung für die Untersu‐ chung Im Ergebnis der Analyse erweist sich die Werbekampagne als besonders potent für die Zielrealisierung. Als Aufgabenstellung wird formuliert: Entwicklung einer neuen Absatz‐ strategie (Produkte, Preise, Wege) als Beitrag zum Erreichen eines positiven Betriebsergebnisses. Die zwei in Abb. 7 und 8 grafisch dargestellten Beispiele sollen das Vorgehen bei der Hindernisrecherche veranschaulichen. Beispiel 1: Regionale Vernetzung Ziel: Regionale Vermarktung der Stadt x Ziel: Regionale Vernetzung der Stadt xtzu x PPPP Hindernisse Hindernisse Pn Interessen der Entscheidungsträger P3 Wettbewerbsdenken der Unternehmen P2 Regionale Egoismen P1 Pn Interessen der Entscheidungs- -träger hei r P3 Wettbewerbs-denken der Unternehmen P2 Regionalee g Egoismen lee enn P1 Aufgabenstellung Regionale Egoismen und ihr Einfluss auf die Vernetzung der Stadt S Abb.-7: Finden einer Aufgabenstellung als Beitrag zur regionalen Vernetzung 42 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="43"?> Beispiel 2: Portfolio- Orientierung Scoring-Modell zur Bewertung eigengenutzter Immobilienbestände Aufgabenstellung Verwertung nicht betriebsnotwendiger Immobilien? Instandhaltungsstrategien? Gewichtung gegenüber Hard-Facts? Messbarkeit unternehmensinterner Einflüsse? Wirtschaftliche Portfoliostrategie und Unternehmensziele? Probleme Ziel Orientierung des I -Portfolios auf die Strategie der Unternehmen Scoring-Modell zur Bewertung eigengenutzter Immobilienbestände Aufgabenstellung Verwertung nicht betriebsnotwendiger Immobilien? Instandhaltungsstrategien? Gewichtung gegenüber Hard-Facts? Messbarkeit unternehmensinterner Einflüsse? Wirtschaftliche Portfoliostrategie und Unternehmensziele? Probleme Ziel Orientierung des Immobilien-Portfolios auf die Strategie der Unternehmen Abb.-8: Finden einer Aufgabenstellung als Beitrag zur Orientierung des Immobilienportfo‐ lios (3) Ideengrafik (Mindmap) Eine weitere Möglichkeit, um zur Problemformulierung/ Fragestellung vor‐ zudringen, besteht im Anfertigen einer Ideengrafik (auch Clustering ge‐ nannt) mit Hilfe des Mindmaps, das in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von dem Engländer Tony Buzan entwickelt wurde. Dabei werden aus einem zentralen Impuls assoziative Ideen entwickelt (E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H., 2002, S.-38). Das übliche Vorgehen bei der Ideengenerierung wird überwiegend von der linken Gehirnhälfte geleistet, die das rationale, analytische Denken steuert. Damit wird aber im Grunde die andere Hälfte der Leistung des Gehirns unterdrückt. Mit dem Mindmap wird nun zugleich die rechte Gehirnhälfte aktiviert. Sie erfasst das Ganze und verbindet zur Ganzheit, entwickelt das bildhafte, analoge und assoziative Denken. Im Mindmap wird die Leistung des Gehirns dadurch verbessert, dass beide Gehirnhälften zusammenarbeiten. Dadurch tauchen originelle Impulse und ungewohnte Gedankenverbindungen auf. Für das Mindmap werden folgende Regeln empfohlen: 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 43 <?page no="44"?> 1. Schreibe den zentralen Begriff aus der übergreifenden Zielstellung der wissenschaftlichen Arbeit zum Gewinnen neuer Erkenntnisse in die Mitte eines quergelegten Blattes und umgebe den Begriff mit einer Ellipse, einem Kreis oder einer Wolke. 2. Verwende nur Schlüsselwörter und keine vollständigen Sätze. Damit wird der Phantasie mehr Raum für neue Ideen eröffnet. 3. Vom zentralen Begriff ausgehend werden jetzt alle Ideen aufgeschrie‐ ben, die assoziativ dazu einfallen. Verfolge dabei zunächst einen Zweig des Mindmap, belege ihn mit möglichst vielen Einfällen und verbinde diese mit Linien. 4. Zeichne die Äste und Zweige des Mindmap immer nur so lang, wie die verwendeten Schlüsselwörter sind. Die so erzielte Einheit von Zeichnung und Wort ist harmonischer und prägt sich leichter ein. 5. Sobald in einem Zweig des Mindmap die Einfälle ausgehen, wende dich wieder ausgehend vom Zentrum einem nächsten Zweig zu und belege ihn mit Ideen, die dir dazu einfallen. 6. Entwickle die Ideen aus dem Zentralen Begriff heraus ohne Anspruch auf eine logische Ordnung. Gebe dich einer spontanen Ideenproduk‐ tion hin, entfalte deine Gedanken ungehindert und schalte dabei den „inneren Kritiker“ aus. Versuche nichts zu erzwingen, wenn der Gedan‐ kenstrom vorübergehend stocken sollte. 7. Schaue immer wieder auf das Mindmap und warte dabei auf weitere Einfälle. 8. Sind die Einfälle erschöpft, prüfe die einzelnen Zweige und Äste der Ideenentwicklung und wähle jene aus, aus der die Problemformulierung und schließlich die Aufgabenstellung deiner wissenschaftlichen Arbeit entwickelt werden soll. Im nachfolgenden Beispiel sind diese Regeln angewendet worden. Das Vorgehen wird in den Abb.-9 und 10 dargestellt. 44 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="45"?> Übergreifendes Ziel: Förderung von Lernprozessen durch Schreibübungen Legende: WiWi - Wirtschaftswissenschaften TeWi - Technikwissenschaften log - logisch psycho - psychologisch Förderung von Lernprozessen durch Schreibübungen Legende: nde nnde: nde: de: de de de dde: de de de de: nde: nde: de: de: nde: de de de nde dde d nde de: nde ddddddeeee de: : : de ddee: : ddddddeeee: de: : : ddddee: nnddddddeeee: : WiWi WiWi iWi W W W --- Wirt Wirt Wirt Wi schaftswissenschafte TeWi --- Technikwissenschaften log - logisch psycho - psychologisch Abb.-9: Finden der Problemformulierung mit Mindmap (in Anlehnung an K L E I N , R.: 2003, 6.4.1, S.-6) Eine wissenschaftliche Untersuchung will einen Beitrag leisten zur Förde‐ rung von Lernprozessen durch Schreibübungen (Ziel der Untersuchung). Aus der Zielformulierung wird das Wort „Schreibübungen“ als zentraler Be‐ griff in der Mitte des quergelegten Blattes mit Großbuchstaben - SCHREIB‐ ÜBUNGEN - platziert. Vom zentralen Begriff werden nun alle assoziativen Ideen aufgeschrieben. Jeder Zweig wird zunächst einzeln verfolgt und mit Einfällen belegt - beispielsweise Zweig „Arten“ mit den Einfällen „Briefe“, „E-Mail“, „Aufsätze“ usw. Nachdem die Ideenimpulse erschöpft sind, wird die für die Untersuchung besonders geeignete Problemformulierung gesucht. Dafür wird der Zweig „Prozess“ ausgewählt. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 45 <?page no="46"?> Abb.-10: Ableiten der Aufgabenstellung Dem Zweig „Prozess“ wird nun die folgende Problemformulierung zugeord‐ net: „Welche typischen Muster weisen Schreibübungsprozesse auf ? “ Für die Problemlösung ergeben sich der Verästelung in dem Mindmap folgend zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Schreibübungsprozesse nach den ihnen innewohnenden Algorithmen untersucht, wobei wiederum logi‐ sche und psychologische Abläufe zu unterscheiden sind. Oder die Schreib‐ übungsprozesse werden in Projekten, beispielsweise der Wissenschaften (Wirtschaftswissenschaften, Technikwissenschaften, Sozialwissenschaften usw.) untersucht. In dem vorliegenden Beispiel fällt die Entscheidung für das Letztere. Das führt schließlich zur Aufgabenstellung für die wissenschaftli‐ che Arbeit: „Untersuchung von Schreibübungsprozessen in Projekten der Wirtschaftswissenschaften.“ Drei weitere graphisch dargestellte Beispiele sollen in vereinfachter Form das Vorgehen mit dem Mindmap veranschaulichen (Abb.-11, 12 und 13). 46 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="47"?> Abb.-11: Finden einer Aufgabenstellung zur Entwicklung zielorientierter Brandschutzkon‐ zepte Abb.-12: Finden einer Aufgabenstellung im Untersuchungsbereich „Kooperative Füh‐ rung-…“ (in Anlehnung an R O S S I G , W. E. und P R Ä T Z S C H , J. 2006, S.-46) 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 47 <?page no="48"?> Empfehlung: Mindmap im Internet: • Software-Programm Mind Manager X5 von Mindjet → http: / / www.mindjet.de • Freeware-Programm Freemind → http: / / freemind.sourceforge.net/ wiki/ Abb.-13: Finden der Aufgabenstellung zur „Optimierung von Wareneingangsflüssen“ (4) Zielbaum-Technik Eine weitere Möglichkeit für das Entwickeln von Ideen zum Finden der Problemformulierung und Ableitung der Aufgabenstellung für die wissen‐ schaftliche Arbeit bietet die Zielbaumtechnik bzw. der Strukturbaum nach E S S E L B O R N - K R UMBI E G E L (2002, S.-43-ff.). Im Unterschied zum Mindmap werden hier zu einem zentralen Begriff aus der Zielformulierung Kategorien gebildet, die dem Zentrum zugeord‐ net werden können. Die Kategorien liegen in etwa auf gleicher Ebene 48 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="49"?> und beinhalten unterschiedliche Aspekte des zentralen Begriffs. Wenn beispielsweise ein „PROJEKT X“ zu entwickeln ist (s. Abb. 14), könnten als Kategorien die Begriffe „Definition“, „Planung“, „Realisierung“ und „Abschluss“ zugeordnet werden. Im nächsten Schritt ist zu prüfen, welche Subkategorien zu den einzelnen Kategorien gebildet werden können - also beispielsweise zur „Planung“: „Phasen“, „Detailpläne“, „Verantwortlichkei‐ ten“, „Arbeitsgruppen“, „Schnittstellen“, „Lastenheft“, „Risiken“. Schließlich kann man die Subkategorien weiter untergliedern - beispielsweise zum „Detailplan“: „Meilensteine“, „Ressourcen“, „Kosten“. Daraus kann z. B. als Aufgabe bestimmt werden: „Gestalten kommunikativer Situationen in der Projektrealisierung“. Information Präsentation Verhandlung Befragung Moderation Ressourcen Kosten Meilensteine Teilergebnisse Verantwortlichkeiten Schnittstellen Potentiale Zielstellung Risiken Analyse Arbeitsgruppen Inhalte Plankonzept Durchführung Wirtschaftlichkeit Detailplan Lastenheft Phasen Kommunikation Projektablauf Arbeitskomplexe Abweichungen Bericht Reintegration Mitarbeiter Projektauflösung Planpräzisierung Ergebnisdokumentation 1. Definition 3. Realisierung 2. Planung 4. Abschluß Projekt X Abb.-14: Projektskizze mit Zielbaum-Technik in Anlehnung an K O M M E R , I.; R E I N K E , H., 2001, S.-168-ff. Mit einem weiteren Beispiel soll das Herleiten der Aufgabenstellung mittels Zielbaum-Technik demonstriert werden. In diesem Beispiel ist die Zielstel‐ lung wie folgt beschrieben: „Ermittlung von Vorgaben an den Planer zur Sicherung einer optimalen Bewirtschaftungsfähigkeit von Immobilien.“ Aus 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 49 <?page no="50"?> Abb. 14a ist zu entnehmen, dass als zentraler Begriff „Optimale Bewirtschaf‐ tungsfähigkeit“ gewählt wurde. Nunmehr beginnt die Ermittlung der Kategorien. Zur Ermittlung der op‐ timalen Bewirtschaftungsfähigkeit werden Pläne, Verzeichnisse, Beschrei‐ bungen, also Daten über das Projekt benötigt. Sie sind offenbar der Kategorie „Informationen“ zuzuordnen. Dann werden Vorgaben bezüglich des Raumprogramms zur optimalen Flexibilität in der Nutzung der Immobilie benötigt. Dafür wird die Kategorie „Nutzung“ gewählt. Informationen Kosten Funktionen Nutzung Optimale Bewirtschaftungsfähigkeit Informationen Kosten Funktionen Nutzung Optimale Bewirtschaftungsfähigkeit Ziel: Ermittlung von Vorgaben an Planer zur Sicherung einer optimalen Bewirtschaftungsfähigkeit von Immobilien Beispiel für die Herleitung einer Aufgabenstellung Abb.-14a: Beispiel für das Bestimmen der Kategorien (Zielbaum) Weiterhin ist der Bedarf des Nutzers im Funktionsprogramm der Immobilie zu berücksichtigen. Dazu gehört die Kategorie „Funktionen“. Schließlich ist der Einfluss der Investitionen für die Immobilie auf die Bewirtschaftungskosten zu ermitteln. Dies wird der Kategorie „Kosten“ zugeordnet. Zum Ableiten der Aufgabenstellung wird im Beispiel entschieden, welche Kategorie weiter verfolgt und in Subkategorien aufgeteilt wird. Der Abb. 14b ist zu entnehmen, dass die Entscheidung für die Kategorie „Informationen“ fällt. Nunmehr ergeben sich die Subkategorien beispiels‐ weise aus den Fragen: 50 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="51"?> • Wofür werden die Informationen benötigt? • Welche Informationen werden benötigt? • In welcher Qualität müssen die Informationen vorliegen? Die Beantwortung dieser Fragen bündelt sich schließlich in der Aufgaben‐ stellung: „Analyse des Informationsbedarfs für die Bewirtschaftung von Immobilien“. Informationen Kosten Funktionen Nutzung Optimale Bewirtschaftungsfähigkeit Ziel: Ermittlung von Vorgaben an Planer zur Sicherung einer optimalen Bewirtschaftungsfähigkeit von Immobilien Informationen Kosten Funktionen Nutzung Optimale Bewirtschaftungsfähigkeit Informationen Kosten Funktionen Nutzung Optimale Bewirtschaftungsfähigkeit Ziel: Ermittlung von Vorgaben an Planer zur Sicherung einer optimalen Bewirtschaftungsfähigkeit von Immobilien Welche? Qualität? Wofür? Welche? Qualität? Wofür? Aufgabenstellung: Untersuchung zum Info-Bedarf für die Bewirtschaftung von Immobilien Analyse des Informationsbedarfs für die Bewirtschaftung von Immobilien Abb.-14b: Beispiel für das Ableiten einer Aufgabenstellung (5) Typisierung Mit dem Instrument der Typisierung wird die wissenschaftliche Fragestel‐ lung der Arbeit präzisiert und damit die Themenfindung eingeleitet. Bei der Präzisierung ist zu unterscheiden zwischen • Typen von Fragestellungen und • Typen von Vorgehensweisen. Typen von Fragestellungen In Abb. 15 sind 6 Fragetypen aufgeführt, die jeweils auf konkrete Bereiche (Gegenstand, Ursache, Ort oder Zeit) zielen. Bezogen auf die übergreifende 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 51 <?page no="52"?> Zielstellung „Globalisierung der Wirtschaft“ ermöglichen sie das Formulie‐ ren präzisierter Fragestellungen, die dem Verfasser als Entscheidungsgrund‐ lage für die Themenformulierung dienen können (F R ANK , N.: 2004, S. 92 f.; K O R NME I E R , M.: 2009, S.-52-f.): Fragetyp Zielbereich Beispiel für die Präzisie‐ rung Was? Gegenstandsbestimmung Was heißt Globalisierung? Wozu? Warum? Ursache, Grund, Zweck, Ziel Warum werden wozu welche Vorgänge globalisiert? Wie? Art und Weise Wie und in welchen Bereichen vollzieht sich Globalisierung? Wer? Personen, soziale Gruppen Wer sind die Akteure der Glo‐ balisierung? Wo? Ort, Geltungsbereich Welche Regionen werden von der Globalisierung erfasst? Wann? Zeit Wann setzte die Globalisie‐ rung in welchen Bereichen ein? Abb.-15: Finden von präzisierten Fragestellungen mit Hilfe von W-Fragen Typen von Vorgehensweisen In Abb. 16 sind fünf typische Vorgehensweisen (Beschreibung, Erklärung etc.) genannt, die jeweils zu konkreten Fragestellungen führen. Ihr Bezug auf das Beispiel „Arbeitskräftemobilität (AKM) in der Europäischen Union (EU)“ ermöglicht das Formulieren präzisierter Fragestellungen und bietet damit eine weitere Entscheidungsgrundlage für das Formulieren des Themas. Vorgehens‐ weise Konkrete Frage Fragestellung (Forschungs‐ frage) Beschreibung Was ist der Fall? Wie hat sich die AKM in der EU seit 1995 entwickelt? Erklärung Warum ist das der Fall? Welche Einflüsse haben die AKM in der EU befördert? 52 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="53"?> Prognose Welche Veränderungen werden eintreten? Wie wird sich die demografische Entwicklung auf die AKM auswir‐ ken? Gestaltung Welche Maßnahmen sind für das Erreichen des Ziels erforderlich/ ge‐ eignet? Wie kann die Chancengleichheit in der AKM innerhalb der EU verbes‐ sert werden? Kritik/ Bewer‐ tung Wie ist ein bestimmter Zustand im Hinblick auf ausgewählte Kriterien zu bewerten? Wie hat sich die AKM in der EU auf den Beschäftigungsgrad im Land X ausgewirkt? Abb.-16: Finden von präzisierten Fragestellungen mit Hilfe von Vorgehensweise Aus den in der Spalte 3 gewonnenen Fragestellungen lassen sich nun die in Abb. 17 dargestellten jeweiligen Aufgabenstellungen ableiten. Dabei ist der Bedarf an weiterer Präzisierung für wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter nicht zu übersehen (s. dazu Abschnitt 3.2.3). Vorgehens‐ weise Fragestellung (For‐ schungsfrage) Aufgabenstellung (Thema) Beschreibung Wie hat sich die AKM in der EU seit 1995 entwickelt? Darstellung der Entwicklung der AKM seit 1995 in der EU Erklärung Welche Einflüsse haben die AKM in der EU befördert? Einflussfaktoren auf die AKM in der EU Prognose Wie wird sich die demogra‐ fische Entwicklung auf die AKM auswirken? Konsequenzen der demogra‐ fischen Entwicklung für die AKM in der EU Gestaltung Wie kann die Chancengleich‐ heit in der AKM innerhalb der EU verbessert werden? Möglichkeiten und Grenzen für die Verbesserung der Chancengleichheit in der AKM innerhalb der EU Bewertung Wie hat sich die AKM in der EU auf den Beschäftigungs‐ grad im Land X ausgewirkt? Chancen und Risiken der AKM in der EU im Hinblick auf den Beschäftigungsgrad im Land X Abb.-17: Überführung der Fragestellungen in Aufgabenstellungen 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 53 <?page no="54"?> (6) Interpersonelles und literaturbasiertes Vorgehen Beim interpersonellen Vorgehen werden Kontakte zu anderen Personen gesucht, um durch Kommunikation mit ihnen Vorstellungen über Ziele und Problemformulierungen/ Fragestellungen zur wissenschaftlichen Arbeit zu entwickeln und zu präzisieren (E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.; 2003, S. 32). Dahinter steht die dringende Empfehlung an den Bearbeiter, jede nur mögliche Gelegenheit zum Austausch der Gedanken, zum Prüfen erster Vorstellungen, zum Präsentieren der Ergebnisse, zum Diskurs über strittige Behauptungen sowie zur Auseinandersetzung mit anderen Auffassungen zu nutzen. Die eigene Praxis hat vielfältig gezeigt, dass die Reaktion des oder der Partner auf eine wissenschaftliche Behauptung Schwächen in der eigenen Argumentation aufgedeckt hat, die dann Ausgangspunkt für die erfolgreiche Korrektur war. Für den „Praktiker“, der sich einer wissenschaftlichen Arbeit stellt, ist Ansprechpartner in diesem Sinne in erster Linie der wissenschaftliche Betreuer. Von ihm sind nicht nur Impulse aufzunehmen, sondern mit ihm ist auch ein Übereinkommen in den wesentlichen Punkten der Themenwahl, des Aufbaus und der Thesen anzustreben (ohne allerdings alle seine spezi‐ ellen Wünsche erfüllen zu müssen). Zum Kreis der ersten Ansprechpartner gehören auch die Fachdozenten in dem betreffenden Studiengang, in dem die wissenschaftliche Arbeit Prüfungscharakter besitzt. Des Weiteren sind die Möglichkeiten des gemeinsamen Austauschs mit Fachkollegen - im berufsbegleitenden Studium wie im Beruf - zu nutzen. Wissenschaftliche Kolloquien und Seminare, in denen andere ihre Arbeits‐ ergebnisse vorstellen und die der Bearbeiter zur Darstellung der eigenen Ergebnisse nutzen sollte, sind oft sehr nützliche Ideenlieferanten. Ein Brain‐ storming im kleinen Kreis - beispielsweise mit der Bisoziationstechnik - kann rasch zu einem originellen Lösungsansatz führen. Schließlich sind auch von externen Experten nützliche Informationen und Anregungen zu erwarten. Sehr wertvoll ist die Teilnahme an wissenschaftli‐ chen Konferenzen und Tagungen, in denen sowohl neue Forschungsergeb‐ nisse als auch Situationsschilderungen und Lageberichte aus Wirtschaft und Gesellschaft vorgestellt werden. Neben den inhaltlichen Anregungen können Kontakte zu Wissenschaftlern, Politikern oder Führungskräften zum Zwecke einer persönlichen Konsultation hergestellt werden. Das literaturbasierte Vorgehen bezieht sich vor allem auf die Aus‐ wertung der wissenschaftlichen Journale (E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.; 2003, 54 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="55"?> S. 33), sowohl im Selbstgefertigten (vgl. dazu 4.2.1, Punkt 1.) als auch in dem in Artikeln und Rezensionen Enthaltenen. So findet sich häufig in wissenschaftlichen Aufsätzen am Ende ein Verweis auf Fragen, die bisher unbeantwortet sind. Eine wahre Fundgrube sind hier Übersichtsartikel, in denen der Stand der Forschung in der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin wiedergegeben wird, denn die Analysen werden häufig mit Vor‐ schlägen für zukünftig zu bearbeitende Themen verbunden. Der Verfasser dieses Buches fordert in seinen Seminaren zur wissenschaftlichen Arbeit die Teilnehmer explizit auf, in ihrer Arbeit Fragen zu formulieren, die sie selber nicht beantworten, aber als Themen für künftige wissenschaftliche Unter‐ suchungen vorschlagen. Auch damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung ihrer wissenschaftlichen Disziplin. Im Rahmen aller in diesem Abschnitt unter (1) bis (6) vorgestellten Instrumenten ist zu entscheiden, welche der zahlreichen Problemformulie‐ rungen, Fragestellungen, Aufgabenstellungen vom Autor beantwortet wird. Als Auswahlkriterien oder eigenem Interesse bewähren sich • eigene Interessen des Autors, • Möglichkeiten des Zugangs zu Daten und Personen, • Verwertungserwartungen bzw. -möglichkeiten, • Weiterführung der Untersuchungen im Auftrag oder eigenem Interesse. S TIC K E L -W O L F , C H .: , W O L F , J. (2013, S. 109) empfehlen für die Themenwahl die Beantwortung folgender Fragen: • Ist das Thema für den Autor interessant? • Hat das Thema Bezug zu mindestens einem Fach aus dem Fächerkatalog des Studienganges? • Ist das Thema bereits in gleicher Weise bearbeitet worden? • Gibt es einen zugelassenen Fachmann der bereit ist, die Arbeit mit diesem Thema zu betreuen? • Existiert zum Thema angemessene Fachliteratur? • Dient die Arbeit zu diesem Thema dem Erreichen von Karrierezielen? H E I S T E R , W. und W E S S L E R -P A S S B E R G , D. (2011, S. 74/ 75) schlagen eine Auswahl der geeigneten Aufgabenstellung mittels Nutzwertanalyse vor. Auf diese Weise können verschiedene Themenvorstellungen vergleichbar gemacht und Entscheidungen für ein bevorzugtes Thema nach subjektiv gewählten und gewichteten Kriterien getroffen werden. Unter http: / / www 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 55 <?page no="56"?> .lerntechniken.info/ Themenwahl/ wird dazu ein Ablaufschema angeboten, das hier modifiziert in Wort und Abb.-18 als Beispiel dargestellt wird. Schritt 1: Ableiten von Kriterien für die Themenwahl Schritt 2: Gewichten der Kriterien (1 wichtig - 3 besonders wichtig) Schritt 3: Punktbewertung der Themenideen für die jeweiligen Kriterien (1 mind. Punktzahl - 5 max. Punktzahl) Schritt 4: Gewichtung des Kriteriums mit der Punktbewertung der Themenidee multiplizieren Schritt 5: Summe aller Multiplikationen einer Themenidee ergeben das Endergebnis Schritt 6: Die Themenidee mit der höchsten Punktzahl sollte als Aufga‐ benstellung für die Wissenschaftliche Arbeit den Vorrang besit‐ zen. Abb.-18: Beispiel für die Nutzwertanalyse zur Bewertung von möglichen Themen für eine wissenschaftliche Arbeit mit Prüfungscharakter K L E IN , A. verweist auf Software für Ideenfindung (2017, S. 108 f.). Das betrifft u.-a.: eyePlorer - semantische Wissenssuchmaschine. Ermöglicht entdecken von Zusammenhängen für ein gefundenes Dachthema, erlaubt im Rahmen 56 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="57"?> einer Themensammlung mögliche Aspekte und Schwerpunkte zu finden und zugleich thematisch einzuordnen: http: / / www.eyePlorer.com Google Trends - Fundgrube für aktuelle Themen, stellt Informationen darüber bereit, welche Suchbegriffe vom Nutzer der Suchmaschine Google wie oft eingegeben werden. Das lässt Rückschlüsse auf Trends in der Gesellschaft zu. Themenbörsen, z.-B.: • http: / / www.die-bachelorarbeit.de • http: / / www.die-masterarbeit.de • http: / / www.die-thesis.de Foren zum Erschließen neuer Ansätze 3.2.2 Klären des Problemverständnisses Nachdem die Problemstellung/ Fragestellung für die wissenschaftliche Arbeit in einer ersten Formulierung vorliegt, ist zu empfehlen, das Problemverständnis zu prüfen und zu vertiefen. Dazu sind folgende Fragen zu beantworten (s. auch Abb.-19): • Wozu löse ich das Problem? Leistet die Lösung einen Beitrag zum Ziel? • Für wen löse ich das Problem? Wer sind meine Leser? Welche Erwar‐ tungen, Ansprüche und Verständnismöglichkeiten haben Gutachter, Betreuer, Fachkollegen oder auch jener Personenkreis, der die erreichten Ergebnisse praktisch umsetzen soll? • Woran messe ich meine Arbeitsergebnisse? Was sind Erfolgskriterien meiner Arbeit (Plausibilität, Wahlangebote, hoher Verallgemeinerungs‐ grad, theoretische Fundierung usw.)? • Welche Ergebnisse werde ich mit meiner Arbeit vorlegen - eine neue Theorie, ein Modell, einen Leitfaden, einen Literaturbericht? 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 57 <?page no="58"?> Ziel Wozu lösen? Für wen lösen? Problem als Hindernis Woran Ergebnisse messen? Leser Ergebnis Erfolgskriterien Welche Ergebnisse in der verfügbaren Zeit? Abb.-19: Schema zum Klären des Problemverständnisses (in Anlehnung an S P E R L I N G , J .; W A S S E V E L D , J .; 1977, S.-53) Zur Verdeutlichung werden die Beispiele aus Abschnitt 3.2.1 „Regionale Vernetzung“ und „Schreibübung“ Abb. 7 und 8 erneut aufgegriffen. Mit Hilfe des Schemas der Abb. 19 wird in den folgenden Abb. 20 und 21 die Klärung des Problemverständnisses exemplarisch vorgenommen. 58 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="59"?> Regionale Vernetzung Wozu? Problem n Ergebnisse? messen? Woran Plausibilität Varianten … Für wen? Stadtparlament Welche Argumentation pro Netzwerk Regionale Vernetzung Wozu? Regionale Vernetzung Wozu? Problem n Ergebnisse? messen? Woran Plausibilität Varianten … Woran Plausibilität Varianten … Für wen? Stadtparlament Für wen? Stadtparlament Welche Argumentation pro Netzwerk Welche Argumentation pro Netzwerk Regionale Egoismen Abb.-20: Klärung des Verständnisses für das Problem „Regionale Egoismen“ Förderung von Lernprozessen durch Schreibübungen Wozu? Für wen? Typische Muster? Woran messen? Gutachter Fachkollegen Analyse aktueller Schreibprojekte in den Wirtschaftswissenschaften Erkenntnisfortschritt Nachvollziehbar Welche Ergebnisse? Förderung von Lernprozessen durch Schreibübungen Wozu? Für wen? Typische Muster? Woran messen? Gutachter Fachkollegen Analyse aktueller Schreibprojekte in den Wirtschaftswissenschaften Erkenntnisfortschritt Nachvollziehbar Welche Ergebnisse? Abb.-21: Klärung des Problemverständnisses für das Problem „Typische Schreibmuster“ 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 59 <?page no="60"?> 3.2.3 Formulieren des Arbeitsthemas Im Ergebnis der vorgestellten Präzisierungs- und Klärungsvorgänge kann nun das Thema für die wissenschaftliche Arbeit in einer Arbeitsfassung formuliert werden. R O S S IG , W. und P RÄT S CH , J. (2006, S. 27) schlagen dafür folgende Prüfkriterien vor: • Gegenstand der Arbeit, • Geltungsbereich, • Methodische Ausrichtung, • Abhängige und unabhängige Variable, • Einzelwissenschaftliche Zuordnung (optional). Mit Bezug zu den Beispielen in den Abb. 7 und 8 sowie 10 und 11 in 3.2.1 Punkt (3) könnten die Arbeitsthemen demnach wie folgt lauten: „Typische Muster von Schreibprozessen - eine Analyse von Projekten der Wirtschaftswissenschaften.“ oder „Immaterielle Motivationsfaktoren in der Personalführung - eine empirische Untersuchung zu Anforderungen an die kooperative Führung in gewerblichen Unternehmen.“ Zur Darstellung der abhängigen und unabhängigen Variablen lassen sich folgende Beispiele nennen: • Der Einfluss des Preises auf die Absatzmenge. oder • Die Wirkung des Markennamens auf die Absatzmenge. oder • Die Konsequenzen von Verpackungsvarianten auf die Absatzmenge. oder • Die Abhängigkeit der Wiederverkaufswahrscheinlichkeit von der Kun‐ denzufriedenheit. Die Formulierung des Themas steckt den Frageraum ab, in dem sich die Arbeit bewegt. Sie lässt erkennen, dass im verfügbaren Rahmen alles Not‐ wendige abgehandelt wird. Keinesfalls sollte die Themenformulierung einen Absolutheitsanspruch vermitteln, eine Negativvermutung ausdrücken, eine 60 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="61"?> Begriffssammlung darstellen oder gar die Gliederung in einem Satz impli‐ zieren. Der orientierende Charakter der Themenformulierung wird durch den klaren Verweis auf die Ergebnisform der Arbeit verstärkt, Beispiele dafür sind in Abb.-22 genannt. Bewertung/ Beurteilung von … Analyse von … Bemessung von … Checklisten für … Lösungen für … Entwicklung von … Leitfaden für … Anforderungen an … Klassifizierung von … Evaluierung von … Modell einer … / Modell von … Vergleich zwischen … Einfluss des … auf … Nachweis von … Abb.-22: Beispiele für die ergebnisorientierte Formulierung von Themenbzw. Aufgaben‐ stellungen Eine wissenschaftliche Arbeit mit Prüfungscharakter ist stets in einem durch die jeweilige Prüfungsordnung festgelegtem Zeitrahmen zu leisten. Das erfordert eine angemessene Präzisierung der Aufgabenstellung, deren Ergebnis mit dem Betreuer abzustimmen ist. Beim Präzisieren können Antworten auf folgende Fragen hilfreich sein (siehe dazu Abb.-4, Punkt 6): • Kann der Untersuchungsgegenstand auf Örtlichkeiten oder Bereiche eingeschränkt werden? - Ort/ Bereich • Kann der Untersuchungsgegenstand zeitlich eingeschränkt werden? - Zeit • Welche Inhalte oder Begriffe des Arbeitsthemas können weiter präzi‐ siert bzw. genauer definiert werden? - Begriffe • Gibt das Arbeitsthema ausreichend Aufschluss über die verwendeten Untersuchungsmethoden oder die zu untersuchenden Daten? - Metho‐ den/ Daten • Geht aus dem Arbeitsthema das Ziel der wissenschaftlichen Arbeit hervor? - Ziele 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 61 <?page no="62"?> Bezogen auf die in Abb. 17 unter der Vorgehensweise „Erklärung“ formu‐ lierte Aufgabenstellung „Einflussfaktoren auf die Arbeitskräftemobilität in der Europäischen Union“ kann beispielsweise wie folgt präzisiert werden: • Ort: Euroregion Sachsen (SA), Böhmen (BOE), Schlesien (SL) • Zeit: Zeitraum 2005 bis 2010 • Begriffe: qualitative Einflussfaktoren • Methode: Analyse • Ziele: Aufdecken der Einflussfaktoren auf die Arbeitskräftemobilität (AKM) Nunmehr lautet die auf diese Weise präzisierte Aufgabenstellung: „Analyse der qualitativen Einflussfaktoren auf die AKM in der Euroregion SA/ BOE/ SL von 2005 bis 2010“. Wer letzte Gewissheit über die Bearbeitbarkeit des gefundenen Themas erlangen möchte, dem werden die Beantwortung folgender Fragen im Rahmen einer SWOT-Analyse entsprechend Abb. 23 empfohlen (siehe dazu auch V O S S , R.: 2017, S.-74): Strengths (Stärken) Entsprechen meine Fähigkeiten dem Anspruch des Themas? Bin ich für die Bearbeitung ausreichend motiviert? Verfüge ich über die notwendigen Mittel? Besitze ich das erforderliche Praxiswissen? Weaknesses (Schwächen) Ist die Literaturbasis ausreichend? Wo sind Barrieren zu erwarten? Mit welchen Behinderungen muss ich rechnen? Reicht die verfügbare Zeit für die Bearbeitung aus? Opportunities (Chancen) Welche Zukunftschancen eröffnen sich mit der Bearbeitung des Themas? Was kann aus dem Umfeld genutzt werden? Mit wem kann kooperiert werden? Welche Unterstützung kann ich in Anspruch nehmen? Threats (Bedrohungen) Welchen Anspruch stellt der Betreuer? Mit welchen Schwierigkeiten ist bei der Datenerhebung zu rechnen? Welche kritischen Faktoren können auftreten (z.-B. Gewin‐ nen von Probanden)? Welche rechtlichen Probleme können auftreten? Abb.-23: SWOT-Analyse zur Themenwahl 62 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="63"?> 3.2.4 Bestimmen und Abgrenzen von Begriffen (1) Kennzeichnung Begriffe bilden das Fundament einer Fachsprache. Sie sind eine wesentliche Voraussetzung für die Verständigung zwischen den wissenschaftlich Täti‐ gen als auch für den Austausch mit Vertretern der gesellschaftlichen Praxis bei der Umsetzung der wissenschaftlichen Arbeitsergebnisse. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit der Fachterminologie unverzichtbarer Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit und sollte bereits auf der Ebene der Haus- und Seminararbeiten einsetzen. Der Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit befasst sich bereits zu Beginn mit der Beantwortung folgender Fragen (W INT E R , W.: 2005, S.-46): • Welches sind die thementragenden Begrifflichkeiten der Arbeit? • Welche begrifflichen Zusammenhänge und Hierarchien bestehen? • Welche Beziehung gibt es zwischen der Bedeutung des Begriffs und seinem Bearbeitungsumfang in der Arbeit? • An welcher Stelle in der Arbeit sollte die begriffliche Bestimmung und Abgrenzung erfolgen? • Welcher wissenschaftliche „Tiefgang“ ist in der Begriffsbestimmung notwendig? (2) Ermitteln der thementragenden Begriffe und begrifflicher Zusammenhänge Thementragende Begriffe sind alle Fachtermini, die in den formulierten Themen wörtlich vorkommen. Wenn das Thema beispielsweise lautet: „Aggression und Gewalt im schulischen Bereich“ sind zunächst die Begriffe „Aggression“ und „Gewalt“ frühzeitig zu definie‐ ren, beispielsweise wie folgt (L IMA , A.: 2007, S.-20): • Aggression ist eine innere Bereitschaft von Personen, die vorrangig die Schädigung einer Person oder einer Sache ansteuert. • Gewalt ist das Nachgeben dieser Bereitschaft, was in einer Tätigkeit mündet, die Verletzungen an einer Person oder Schädigungen an einer Sache verursacht. Mit diesen Bestimmungen macht der Verfasser dem Leser deutlich, in welchem Verständnis er beide Begriffe in seiner Arbeit verwendet. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 63 <?page no="64"?> Nunmehr sind Abgrenzungen vorzunehmen, begriffliche Zusammen‐ hänge und Hierarchien aufzuzeigen. Jetzt wird auch das Begriffspaar „schu‐ lischer Bereich“ einbezogen. Das soll im Beispiel (Abb. 24a) mit einer Mindmap erfolgen: Aggression und Gewalt im schulischen Bereich Gewalt Schulischer Bereich Aggression Unmutsäußerung Vergeltungsaggression Abwehr-Aggression Erlangungsaggression Lust-Aggression Physische Gewalt Psychische Gewalt Verbale Gewalt Sexuelle Gewalt Frauenfeindliche Gewalt Fremdenfeindliche und Rassistische Gewalt Grundschule Hauptschule Realschule Gymnasium Berufsschule Berufsakademie Hochschule Aggression und Gewalt im schulischen Bereich Gewalt Schulischer Bereich Aggression Unmutsäußerung Vergeltungsaggression Abwehr-Aggression Erlangungsaggression Lust-Aggression Physische Gewalt Psychische Gewalt Verbale Gewalt Sexuelle Gewalt Frauenfeindliche Gewalt Fremdenfeindliche und Rassistische Gewalt Grundschule Hauptschule Realschule Gymnasium Berufsschule Berufsakademie Hochschule Abb.-24a: Aufzeigen begrifflicher Zusammenhänge und Hierarchien - „Aggression und Gewalt im schulischen Bereich“ In diesem Schritt wird die ganze Dimension des gewählten Themas deut‐ lich. Im Interesse einer gründlichen Untersuchung mit vertretbaren wissen‐ schaftlichen Aussagen kann der Verfasser eine begriffliche Abgrenzung vornehmen. Jetzt kann er darlegen, welche Arten der Aggression und For‐ men der Gewalt er in welchem schulischen Bereich untersucht. Eine solche Begriffsanalyse sollte frühzeitig durchgeführt werden, denn sie erleichtert dem Bearbeiter auch die Analyse der Fachliteratur. Im zweiten Beispiel zum Thema „Empowerment als Führungskultur“ (siehe Abb. 24b) verweist der Verfasser bereits in der Einleitung zu seiner Arbeit darauf, dass seine Untersuchung auf die Entwicklung von Eigenver‐ antwortung bei der Mitarbeiterführung als Ausdruck der Unternehmenskul‐ tur fokussiert ist. 64 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="65"?> Identifikation der für die Arbeit zentralen Begriffe empower Selbstorganisation Gruppenarbeit Eigenverantwortung Mitbestimmung .. Management Leadership Mitarbeiterführung Personalführung .. Unternehmenskultur Nationalkultur .. Empowerment als Führungskultur Empowerment Führung Kultur Abb. 24b: Aufzeigen begrifflicher Zusammenhänge und Hierarchien - „Empowerment als Führungskultur“ (3) Platzieren der Begriffe Für das Platzieren der begrifflichen Bestimmung und Abgrenzung bieten sich vor allem die folgenden drei Varianten (W INT E R , W.: 2005, S.-49): Variante 1: In der Einleitung der Arbeit mit eigenem Abschnitt; insbesondere Begriffe, die Bestandteil der Themenformulierung sind. Variante 2: An Ort und Stelle im Fließtext; insbesondere Begriffe, die erst im Laufe der Arbeit eingeführt werden, sind innerhalb des betreffen Kapitels bzw. Abschnitts zu erklären. Variante 3: An Ort und Stelle mit Verweis auf ein Fachwortverzeichnis (Glossar); Begriffe, die lediglich für eine bestimmte Textpassage relevant sind, werden im Fließtext oder in einem Fachwortverzeichnis erklärt. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 65 <?page no="66"?> (4) Wissenschaftlicher Tiefgang in der Begriffsbestimmung Die erste Frage, die hier zu beantworten ist, lautet: Übernehme ich die Definition einer vorherrschenden Meinung, die mir für meine Arbeit als geeignet erscheint oder entwickele ich im Ergebnis der Analyse vorhan‐ dener Definitionen durch Synthese verschiedener Sichtweisen ein neues begriffliches Verständnis. In Abb.-25 sind beide Strategien gekennzeichnet. Die in Abb. 25 unter (2) genannte Strategie kann nochmals differenziert werden in • Veränderung der gebräuchlichen Bedeutung eines existierenden Be‐ griffs, zzgl. des Nachweises, dass der bestehende Begriff nicht alle relevanten Aspekte der Sache benennt. • Neueinführung eines Begriffs, wenn es eine Sache bisher nicht gab oder eine Korrektur bestimmter Sichtweisen erreicht werden soll. Strategien für Begriffsbestimmung (1) Begründete Auswahl Übernahme der Definition begriffliche Neuerung konkurrierende Sichtweise vorherrschende Lehrmeinung Fachautor 3 Fachautor 2 Fachautor 1 Fachlexikon Übernahme der Definition begriffliche Neuerung konkurrierende Sichtweise vorherrschende Lehrmeinung Fachautor 3 Fachautor 2 Fachautor 1 Fachlexikon Entwicklung einer eigenständigen, aus einer Synthese vorhandener Definitionen gewonnene eigene Definition begriffliche Neuerung konkurrierende Sichtweise vorherrschende Lehrmeinung Urquelle Fachautor 3 Fachautor 2 Fachautor 1 Fachlexikon Entwicklung einer eigenständigen, aus einer Synthese vorhandener Definitionen gewonnene eigene Definition begriffliche Neuerung konkurrierende Sichtweise vorherrschende Lehrmeinung Urquelle Fachautor 3 Fachautor 2 Fachautor 1 Fachlexikon (2) Synopse und Synthese Abb.-25: Strategien für Begriffsbestimmung 66 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="67"?> Zweifellos ist die Eigenkreation einer Definition als Beitrag zur Entwicklung der Fachdisziplin hoch einzuschätzen, allerdings muss sie nachvollziehbar und widerspruchsfrei dargelegt werden. Die zweite Frage bezieht sich auf die Tiefgründigkeit und Umfänglichkeit der begrifflichen Definition. Vieles hängt hier von der Form der Arbeit (Hausarbeit oder Dissertation), ihrer dominierenden Ausrichtung (Theorie‐ bildende Arbeit oder Methodische Arbeit) und nicht unwesentlich vom Anspruch des ins Auge gefassten Leserkreises ab. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Definition den Gebrauch des Begriffs in Kontext des jeweiligen Faches bestimmt. Es geht dabei nicht um „wahr“ oder „falsch“. Definitionen sollen • eindeutig und zweckmäßig sein, d. h. den Sachverhalt klar widerspiegeln und von anderen Tatbeständen abgrenzen, • dem üblichen Sprachgebrauch entsprechen, d. h. fachspezifische Ter‐ mini aufweisen, • in der Regel nicht vollständig sein, also durchaus auch Begriffe verwen‐ den, deren Verständnis vorausgesetzt werden kann und • vor allem konsistent sein, also für die gesamte Arbeit gelten (K O R NM E I E R , M.: 2009, S.-108-ff.). Als Beispiel für die fachspezifische Definition der Begriffe in der Wissen‐ schaftssprache und dem daraus resultierenden unterschiedlichem Verständ‐ nis soll der Begriff „Motivation“ dienen: • Die Psychologie versteht darunter eine menschliche Verhaltenseigen‐ schaft, • die Pädagogik die Bereitschaft zum Lernen, • die Betriebswirtschaft die Bereitschaft zur Leistungserbringung und zur Arbeit; • die Philosophie definiert Motivation sehr allgemein, von konkreten Handlungszusammenhängen abstrahiert. (5) Begriffe im Zusammenhänge stellen, Struktur anbieten Eine anerkannte Leistung vollbringt der Verfasser, wenn er im Kontext seines Themas Begriffe in Zusammenhängen darstellt. Abb. 26 liefert dafür ein Beispiel. 3.2 Problemformulierung/ Fragestellung 67 <?page no="68"?> Abb.-26: Beispiel für die Darstellung begrifflicher Zusammenhänge Abschließend soll zum Thema Begrifflichkeiten ein Standpunkt zur ge‐ schlechterspezifischen Schreibweise dargelegt werden. In der deutschen Sprache wird zwischen Genus und Sexus eines Begriffs unterschieden. Während der Sexus das tatsächliche Geschlecht eines einzelnen Individu‐ ums oder eines einzelnen Gegenstandes darstellt, umfasst das Genus die Gesamtheit der Gruppe. So ist es völlig korrekt, wenn beispielsweise in Vertragsunterlagen von „Kunden“ die Rede ist. Die Extranennung von „Kundinnen und Kunden“ oder „KundInnen“ ist unnötig. Spricht man hingegen eine einzelne Person an, dann muss selbstverständlich das richtige Geschlecht verwendet werden (siehe dazu auch Kapitel-10.4). 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 3.3.1 Wissenschaftliche Argumentation Ein Wesenszug wissenschaftlicher Arbeiten besteht in ihrer argumentativen Grundhaltung. Der Autor will in seiner Arbeit die Ergebnisse seiner Unter‐ suchungen in der Regel einer Fachöffentlichkeit mitteilen. Die Verpflichtung zum Argumentieren nimmt dabei in dem Maße zu, je stärker die gewonne‐ 68 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="69"?> nen Untersuchungsergebnisse vom etablierten Erkenntnisstand abweichen, denn der Autor will seine Leser überzeugen und sie veranlassen, seine neuen Erkenntnisse in ihren Wissensbestand zu übernehmen (G RÄF E N , G. in: P E R R IN , D.; u. a., 2003, S. 50). Auch in diesem Zusammenhang wird deutlich, wie wichtig die Klärung des Problemverständnisses für den ins Auge gefassten Leserkreis ist. Je genauer der Autor Vorstellungen zur Qualifikation (insbesondere Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen), zu den Interessen (beispielsweise theoretische Fundierung/ Bereicherung oder praktische Verwertung) und zu den Einstellungen (beispielsweise reale und/ oder erwartbare Einwände) seiner künftigen Leser entwickelt, umso überzeugender ist seine Argumen‐ tation. Hierbei geht es nicht darum, das Gewinnen neuer Erkenntnisse nach den Interessen, Zielen oder Erfahrungen anderer auszurichten, sondern um ihre auf den Leser bezogene Darstellung. So gesehen beruht auch die Überzeugungskraft des wissenschaftlichen Arguments sowohl auf dessen objektiver Richtigkeit als auch auf seiner individuellen Bedeutsamkeit für den Leser. In Abb. 27 sind, etwas zugespitzt, einige Beispiele für diesen Zusammenhang aufgelistet. Richtigkeit Bedeutsamkeit Fakten Was das Interesse des Lesers trifft Daten Was dem Leser entgegenkommt Statistik Was den Zielen des Lesers entspricht Zitate Was dem Image, den Werten des Lesers zusagt Varianten Was dem Leser die Wahlfreiheit erweitert Erfahrungen Was die Erfahrung des Lesers berücksichtigt Abb.-27: Komponenten für die Überzeugungskraft eines Arguments Nunmehr erhebt sich die Frage, was es bedeutet, wissenschaftlich zu ar‐ gumentieren? Welcher Anspruch steht dahinter? Was sind Thesen und Hypothesen, wodurch unterscheiden sich beide? Muss ich jede Hypothese belegen? Wenn ja, in welchem Umfang? Was sind Methoden? Aus welchen Bausteinen besteht eigentlich eine wissenschaftliche Argumentation? Die Fragekette könnte verlängert werden und oft fällt es dem Bearbeiter einer wissenschaftlichen Arbeit schwer, sie alle umfassend zu beantworten. 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 69 <?page no="70"?> Gut verständliche Antworten auf diese Fragen gibt E S S E L B O R N -K R UMBI E ‐ G E L , H., 2002, S. 98-107, die deshalb im Folgenden auszugsweise und ergänzt mit eigenen Hinweisen vorgestellt werden. Zur Veranschaulichung führt die oben genannte Autorin das Modell der Waage ein (siehe Abb. 28), das wesentliche Bausteine der Argumentation in einer wissenschaftlichen Arbeit enthält. Abb.-28: Bausteine der wissenschaftlichen Argumentation (in Anlehnung an E S S E L B O R N - K R U M B I E G E L , H., 2002, S.-99) Die Abb. 27 macht deutlich, dass die wissenschaftliche Argumentation auf Hypothesen basiert, die durch Belege zu beweisen sind. Solange die Behaup‐ tung nicht oder nicht ausreichend belegt ist, spricht man von Hypothese; die Waage bleibt nach links geneigt. Sobald die Behauptung bewiesen ist, spricht man von These. Also durch ausreichende Belegung wird aus der Hypothese eine These. Mit Bezug auf Abb. 27 tritt dieser Zustand ein, wenn sich die Waage im Gleichstand befindet. Die Basis der wissenschaftlichen Argumentation ist das Material, aus dem die Daten für die Untersuchung erhoben werden. Dabei ist zwischen dem Primärmaterial und dem Sekundärmaterial zu unterscheiden. Das Primärmaterial besteht aus Quellen, die noch nicht für wissenschaftliche Zwecke verarbeitet, also auf dem Wege der Feldforschung erschlossen wurden. Dagegen wird das Material, das aus der vorhandenen wissenschaft‐ lichen Literatur, also auf dem Wege der Materialforschung gewonnen wurde, 70 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="71"?> als Sekundärmaterial bezeichnet. In den Kapiteln 4.2 und 4.3 werden das Material und seine Erschließung näher beschrieben. Die Funktion der Methode besteht darin, aus dem Material die aufge‐ stellten Hypothesen zu belegen oder auch neue Hypothesen zu gewinnen. Methoden sind demnach wissenschaftliche Verfahren zur Bearbeitung des Materials für das Aufstellen von Thesen. In Abb. 29 sind gebräuchliche Methoden für das Belegen von Hypothesen genannt. Gewinnen von Hypothesen Beschreiben Zusammentragen Vergleichen Systematisieren Analysieren Induzieren Deduzieren Interpretieren Bewerten Vorschreiben Modellieren Theorie bilden Abb.-29: Methoden zum Gewinnen und Belegen von Hypothesen In Anlehnung an K R U S E (2004, S. 130), werden in Abb. 30 die oben genannten Methoden kurz charakterisiert. Methode Kennzeichnung Textmuster (Bei‐ spiel) Beschreiben (Deskription) Darstellen eines beobachteten Ereig‐ nisses, Sachverhalts, Erlebnisses usw. Protokoll, Bericht Zusammentra‐ gen Sammeln und Zusammenstellen von Informationen, Aussagen, Literatur Dokumentation, Literaturbericht, Sammelreferat 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 71 <?page no="72"?> Methode Kennzeichnung Textmuster (Bei‐ spiel) Vergleichen Gegenüberstellung und Kontrastie‐ ren von Varianten, Ereignissen, Lö‐ sungen und Herausarbeiten von Übereinstimmungen und Unterschie‐ den Modellvergleich, Variantenvergleich, Kostenvergleich Systematisie‐ ren Klassifizieren von Phänomenen, Her‐ stellen von Ordnungen und Systema‐ tiken Klassifikation, Systematik Analysieren Aufteilung eines Gegenstandes (Objekt, Subjekt, Erscheinung, Situation) in Elemente und Herstellen von gegenseitigen Bezügen Analyse, Reflexion, Betrachtung Induzieren Herleiten von allgemeinen Aussagen aus den besonderen und einzelnen Aussagen Abstraktion Deduzieren Herleiten von einzelnen und beson‐ deren Aussagen aus allgemeinen Aussagen Konkretisierung, Einzelfallbeschrei‐ bung Interpretieren Ergründen einer Aussage, einer Be‐ obachtung, eines Befundes oder eines Textes Interpretation, Auslegung Bewerten Einschätzung/ Beurteilung eines Sachverhalts nach bestimmten Wer‐ ten, Vorgaben und festgelegten Krite‐ rien/ Kennziffern Evaluation, Gutachten, Bericht Vorschreiben (Präskription) Aufforderungen zum Handeln und/ oder Verhalten (Hinweise, Regeln, methodische Vorschriften) Handlungs- oder Bedienungsanlei‐ tung, Leitfaden Modellieren Entwickeln von vereinfachten Abbil‐ dern der Realität durch Setzen von Annahmen Erklärungsmodell, Entscheidungsmo‐ dell, Zukunftsmodell Theorie bilden Feststellen allgemeingültiger Zusammenhänge Gesetzmäßigkeit Abb.-30: Kennzeichnung der Methoden 72 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="73"?> Hypothesen kann man als erste, allerdings nicht gesicherte Antworten auf die wissenschaftliche Fragestellung betrachten. Schon zu Beginn der wissenschaftlichen Arbeit werden erste Positionen bezogen und im Verlaufe der Untersuchung entstehen Vorstellungen, die zu Annahmen, Mutmaßun‐ gen und schließlich ersten Behauptungen führen. Auf diese Weise füllt sich schließlich die linke Schale der Waage in Abb. 28. Um als wissenschaftliche Hypothese zu gelten, müssen sie durch wissenschaftliche Untersuchung gewonnen werden (E S S E L B O R N -K R UM BI E G E L , H., 2002, S. 101). Das bloße Auflisten von Fakten oder das Behaupten von Offensichtlichkeiten kann nicht als wissenschaftliche Hypothese gelten. Wissenschaftliche Hypothesen - auch als universelle Hypothesen bezeichnet (T R IMM E L , M., 2009) - sind begründete Annahmen über Zusam‐ menhänge oder Unterschiede und enthalten mindestens zwei Variable. Sie müssen folgende drei Kriterien erfüllen (K A R MA S IN , M., R IBIN G , R., 2014. S. 88): 1. Sie sind allgemeingültig. 2. Sie sind als Konditionalsatz formuliert (z. B. wenn - dann, je - desto, genauso - wie, anders - als). 3. Sie sind falsifizierbar (widerlegbar). Mit Bezug auf das 1.Beispiel in Kapitel 4.4 ist nun zu prüfen, ob die Annahme „Alle Schwäne sind weiß“ eine wissenschaftliche Hypothese ist. 1. Der Satz ist allgemeingültig - alle Schwäne sind weiß. 2. Der Zusammenhang besteht - wenn Schwan, dann weiß. 3. Die Annahme ist falsifizierbar - Alle Schwäne sind nicht weiß. Demgegenüber sind existenzielle Hypothesen Annahmen, die mindes‐ tens für einen Fall gültig sind. So erfüllt die Annahme „Es gibt weiße Schwäne“ nicht die oben genannten Kriterien einer wissenschaftlichen Hypothese, da sie weder allgemeingültig noch falsifizierbar ist. Hypothesen über Anteile beziehen sich auf Annahmen über einen mehr oder weniger eingegrenzten Anteil unter allen möglichen Fällen oder einer definierten Grundgesamtheit. Bezogen auf das gewählte Beispiel könnte sie lauten: „X Prozent der im Gebiet Y über den Zeitraum Z beobachteten Schwäne waren weiß.“ Die Hypothese kann mit statistischen Mitteln ungefähr verifiziert oder falsifiziert werden. Der Bestätigungs- oder Bewährungsgrad (und damit die Anerkennung als wissenschaftliche Hypothese) ist abhängig von der Repräsentativität der Stichprobe (siehe dazu L E HMANN , G., 2015, S.-73f-f.). 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 73 <?page no="74"?> K A R MA S IN , M.; R IBIN G , R. (2015, S.-215) verweisen auf die vor allem in den Sozialwissenschaften häufig anzutreffenden probabilistischen Hypothe‐ sen. Darunter sind Annahmen zu verstehen, bei denen die Wahrscheinlich‐ keit der Abhängigkeit zwischen den Variablen z. B. mehr als 90 % beträgt. Die Hypothese gilt als falsifiziert, wenn die Wahrscheinlichkeit geringer ist. Entgegen mancher Auffassung ist das Falsifizieren einer bisher allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Hypothese, also bisher als verifiziert geltenden Annahme, einer wissenschaftlichen Leistung zu zu‐ rechnen. Hypothesen stehen nicht nur am Anfang einer Untersuchung. Sie können auch zu ihren Ergebnissen gehören (Forschungsperspektive), wobei die Belegung in der Regel Gegenstand einer weiteren Untersuchung ist. Mit den Belegen wird die rechte Schale im Waagemodell (Abb. 28) gefüllt. Belege werden mittels der in Abb. 30 gekennzeichneten Methoden aus dem Primär- und Sekundärmaterial gewonnen. Zum Beleg wird dem‐ nach ein Material erst durch die Bearbeitung mittels der Methoden, also beispielsweise die ausgewertete Befragung, die interpretierte Beobachtung, die klassifizierten Phänomene oder die analysierte Literatur. Das bearbeitete Material ist immer dann als hinreichend für das Stützen der Hypothesen anzusehen, wenn der Leser den Begründungen des Verfassers folgen, wenn er sie nachvollziehen kann, ohne dabei eigene Untersuchungen anstellen zu müssen. Beim Füllen der Waagschale „Belege“ erweist sich letztlich, ob das bis dahin erschlossenes Material für den Beweis der Hypothesen ausreicht oder ob die Materialbasis erweitert werden muss. Damit wird zugleich darauf verwiesen, dass Hypothesen nur im Rahmen der erschlossenen Materialbasis gelten können. Im Zuge des geordneten Beschreibens der Belege entstehen aus der Abfolge in der Regel bereits erste Gliederungsansätze für den Hauptteil der Arbeit. So gliedern sich die einzelnen Belege in Kapitel, Abschnitte und Unterabschnitte. Damit die Schalen Hypothesen und Belege gleichgewichtig sind und bleiben, muss der Verfasser prüfen, • ob er über hinreichend bearbeitetes Material verfügt, um seine Hypo‐ thesen zu stützen und 74 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="75"?> • ob er aus dem bearbeiteten Material genügend Schlüsse gezogen und sie zu Hypothesen verdichtet hat (E S S E L B O R N - K R UMBI E G E L , H., 2002, S.-106). In Abb. 31a (Fertigungstiefe bei Produktion im Ausland) und 31b (Libera‐ lisierung des Strommarktes in Europa) wird das Waagemodell mit zwei Beispielen belegt. Abb.-31a: Beispiel für das Belegen des Waagemodells: Fertigungstiefe bei Produktion im Ausland 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 75 <?page no="76"?> Abb. 31b: Beispiel für das Belegen des Waagemodells: Liberalisierung des Strommarktes in Europa Argumentationsformen sorgfältig prüfen Bei der Verwendung geläufiger Formen der Argumentation ist der begrenzte Gültigkeitsgrad der entsprechenden Aussagen zu prüfen (M Y L ONA S , I. und B RÜNIN G , A. (2013, S.-132-ff.). Beispiele: Statistische Verallgemeinerung „100 von 1000 ausgesandten Fragebögen wurden beantwortet. Deshalb gilt: Die Rücklaufquote von Fragebögen liegt bei 10 %.“ Die Verallgemeinerung geht von der Wahrscheinlichkeit aus, dass die Aussage über einen begrenzten Bereich auf die Gesamtheit übertragbar ist. Sie ist deshalb häufig angreifbar, vor allem wenn die statistischen Daten nicht nachprüfbar und präzise genug sind oder die gezogene Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit ist. Statistischer Syllogismus „90 % der Beschwerdeführenden wollen nicht den Anbieter wechseln. Daher wird Herr Müller, der sich beschwert hat, den Anbieter nicht wechseln.“ 76 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="77"?> Auch diese Aussage besitzt Wahrscheinlichkeitscharakter und kann im Einzelfall nicht zutreffen. Eine Verwertbarkeit kann nur dadurch erreicht werden, dass alle wesentlichen Informationen einfließen, die die Behauptung beeinflussen. Kausaler Zusammenhang „Je weniger sich Kunden beschweren, desto zufriedener sind sie. Deshalb ist die Anzahl der Beschwerden ein Indikator für Kundenzufriedenheit.“ Hier wird davon ausgegangen, dass zwischen zwei Aussagen oder Ereignissen ein Zusammenhang besteht und das Eine die Ursache für das Andere ist. Betrachtet man das obige Beispiel näher und erinnert sich an das Beispiel im Exkurs „Dar‐ stellen der Etappen der Erkenntnisgewinnung“ (Kapitel 4.4), so wird ersichtlich, dass ohne Angabe des Gültigkeitsumfangs eines erkannten Zusammenhangs keine Verallgemeinerung getroffen werden kann. Grobe Fehler treten immer dann auf, wenn aus dem alleinigen Zusammentreffen zweier Ereignisse eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vermutet und gar postuliert wird. „Je höher der Brandschaden, desto größer die Anzahl der eingesetzten Feuerwehr‐ leute.“ Erst wenn ausgeschlossen werden kann, dass der Zusammenhang zwischen dem Brandschaden und der Anzahl der Feuerwehleute nicht durch einen dritten Faktor bedingt wird, ist das Eine Ursache für das Andere. Im Beispiel offenbart sich eine Scheinkorrelation, denn die Ursache für beide Ereignisse ist die Größe des Feuers. Analogieargumente Analogieargumente basieren auf der Annahme, dass alles, was vergleichbar ist, auch gleich zu beurteilen ist. „Der Kreislauf des Wassers ist mit dem Kreislauf des Stroms vergleichbar. Also sind Abläufe und komplizierte Situationen gleich zu beurteilen und zu beherrschen.“ Hier wird deutlich, dass eine unscharfe Beurteilung der Ähnlichkeit beider Phänomene zu Fehlurteilen führen kann. So hat beispielsweise ein Kabelbruch andere Konsequenzen als ein Bruch der Wasserleitung. Gültigkeit einschränken In Anlehnung an das Toulmin-Modell (B O OTH , W. C.; C O L OMB , G. G.; W IL ‐ LIAM S : J. M.: 1995, S. 92) sei auf die wichtige Funktion der Einschränkung in der wissenschaftlichen Argumentation verwiesen. Sie folgt der Weisheit, dass jede Antwort eine neue Frage aufwirft. In dem die Gültigkeit der 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 77 <?page no="78"?> Behauptung eingeschränkt und auf mögliche Gegenargumente eingegangen wird, gewinnt die Argumentation in der wissenschaftlichen Arbeit an Glaubwürdigkeit. Mögliche Formen der Einschränkung sind beispielsweise (E B S T E R , C., S TALZ E R , L.: 2003, S.-100-f.): • Zurückweisungen • Hier werden Gegenargumente zunächst mit in die Argumentation einbezogen, dann aber entkräftet. • Zugeständnisse • Alle Gegenargumente, die nicht entkräftet werden können, werden dargelegt. • Einschränkungen des Geltungsbereichs • Die Behauptung wird auf eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort, eine bestimmte Institution oder eine bestimmte Gruppe eingeschränkt. Das Zusammenwirken der einzelnen Elemente der Argumentation ist in Abb.-32 für Einschränkung des Gestaltungsbereichs dargestellt. Schlussfolgerungen Perspektiven Annahme Methode Beweis Behauptung Einschränkungen Schlussfolgerungen Perspektiven Annahme Methode Beweis Behauptung Einschränkungen Abb.-32: Die Einschränkung in der Argumentation 78 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="79"?> Beispiel: Annahme (Hypothese): Es gibt einen Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Schnelligkeit der Schadensregulierung. Beweis: So zeigt eine Untersuchung von K. M ÜL L E R (2014, S. 25 ff.), dass Kunden einer Autoversicherung, die im Schadensfall länger als zwei Wochen auf die Beglei‐ chung ihres Schadens warten mussten, im folgenden Jahr doppelt so häufig die Versicherung wechselten als Kunden, bei denen die Versicherung schneller reagierte. Behauptung (These): Die Zufriedenheit der Kunden mit ihrer Versicherung ist abhängig von der Schnelligkeit der Schadensregulierung. Einschränkung: Allerdings ist aus der Studie von S. M A U E R (2008, S. 49 f.) in einem anderen Versicherungsbereich ersichtlich, dass die Erreichbarkeit des Ansprechpartners im Unternehmen und die Transparenz der Schadensabwicklung für den Versi‐ cherungskunden annährend gleiche Bedeutung haben wie die Schnelligkeit der Schadensregulierung. Schlussfolgerung: Demzufolge ist die eingangs getroffene Behauptung wie folgt zu präzisieren: Die Zufriedenheit von Kunden mit ihrer Kfz-Versicherung ist neben anderen Faktoren abhängig von der Schnelligkeit der Schadensregulierung. Perspektive: In künftigen Untersuchungen zur Kundenzufriedenheit mit Kfz-Versicherungen sind des Weiteren die Transparenz der Abwicklung und die Erreichbarkeit des Ansprechpartners einzubeziehen. Hinweis: Quellen im Beispiel fiktiv! 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 79 <?page no="80"?> 3.3.2 Vier Schritte der Problembearbeitung 1. Sammeln Im ersten Schritt werden alle Aussagen gesammelt, die im weiteren Sinne der Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung dienlich sein könnten. In Abb.-33 sind unterschiedliche Qualitäten von Aussagen dargestellt. N W W W W W N N N M M M M M M M S S S S S S S N M N W W W W W N N N M M M M M M M S S S S S S S N M S - Sachaussage M - Methodenaussage W - Wertaussage N - Normaussage Abb.-33: Vier Aussagequalitäten Danach wird in Sach-, Methoden-, Wert- und Normaussagen unterschieden. Sachaussagen sind alle qualitativen Beschreibungen und quantitativen Belege. Sie stellen die zentrale Aussagequalität dar. Auf der Schale um die Sachaussagen sind die Methodenaussagen als Verfahren, Techniken und Vorgehensweisen zur Gewinnung der Hypothesen, des Belegens und der Bearbeitung des Materials angeordnet. Auf der Außenschale sind zum einen die Wertaussagen platziert. Dabei wird „Wert“ hier nicht als Marktgröße im Sinne von Geldwert, sondern als individuelle Größe im Sinne von Nutzwert verstanden. Wertaussagen enthalten demnach Kennziffern und Kriterien, die dem Leser die Beurteilung des Nutzens der getroffenen Sach- und Methodenaussagen ermöglichen bzw. erleichtern sollen. So können beispielsweise als Wertaussagen für die Beurteilung eines vorgestellten Projekts folgende Kriterien dienen: • Investitionskosten, • Folgekosten, 80 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="81"?> • Werthaltigkeit, • kommunale/ regionale Aspekte. Zum anderen sind auf der Außenschale die Normaussagen platziert. Dabei handelt es sich erstens um Aussagen, die eine Zuordnung der Sach- und Methodenaussagen zu existierenden Normativen vornehmen. So gelten beispielsweise in der Technik die folgenden Normen: • Stand der Wissenschaft - Technische Spitzenleistungen, die wissenschaftlich gesichert sind. - Wirksamkeit in der technischen und praktischen Umsetzung ist noch nachzuweisen. • Stand der Wissenschaft und Technik - Richtige Ausführung oder Beweise nach neueren wissenschaftli‐ chen und technischen Erkenntnissen, ohne dass bereits die über‐ wiegende Mehrheit der Fachleute in der Praxis diese Meinung als richtig anerkennt. • Stand der Technik - Das „derzeit technisch Machbare“, beispielsweise vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassene neue Baustoffe. - Wirksamkeit fortschrittlicher Verfahrensweisen ist nachgewiesen. - Vielfach noch nicht hinreichend und langjährig erprobt. • Allgemein anerkannte Regeln der Technik - Von der überwiegenden Mehrheit der in der Praxis Tätigen als bewährte und richtige Ausführung oder Bauweise anerkannt. - Bezeichnet das praktisch Bewährte. - Auf die Brauchbarkeit und Qualität der Ausführung kann der Auftraggeber durchweg vertrauen. - Die Regeln stellen für den Sollzustand Minimalforderungen dar. Zweitens können sich Normaussagen auch auf bestimmte Verhaltensorien‐ tierungen beziehen. So empfiehlt beispielsweise der Bearbeiter im Ergebnis seiner Untersuchungen für das Bewältigen bisher unbekannter oder unkla‐ rer Situationen bestimmte Verhaltensweisen. 2. Auswählen Im zweiten Schritt erfolgt die Auswahl der Sach-, Methoden-, Wert- und Normaussagen, die aus der Fülle des im ersten Schritt gesammelten Materi‐ 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 81 <?page no="82"?> als in die Wissenschaftliche Arbeit aufgenommen werden sollen. Für diese Auswahl sind vor allem die in Abb.-34 genannten Kriterien hilfreich. Leser Umfang Ziel M S S S N N N N W W W W M M M M S S S N N N N W W W W M M M S - Sachaussage M - Methodenaussage W - Wertaussage N - Normaussage Abb.-34: Drei Auswahlkriterien Das erste Kriterium ist das Ziel. Es ergibt sich aus der Beantwortung der Frage: Inwieweit sind die Aussagen geeignet, die Fragestellung zu beantworten und damit einen Beitrag zum Ziel zu leisten? Das zweite Kriterium bezieht sich auf den Umfang der wissenschaftli‐ chen Arbeit. Welcher Seitenumfang wird erwartet oder ist vorgeschrieben? Hier gilt als oberstes Prinzip: Respekt vor der Zeit des Lesers! Im Einzelnen sind Erwartungen von Betreuern, Gutachtern, Fakultäten und Universitäten recht unterschiedlich. Als grobe Orientierung kann gelten: die in Teil 2 genannten Umfänge. Das dritte Kriterium für die Auswahl ist der Leser (z. B. Gutachter, Fachkollegen) der wissenschaftlichen Arbeit. Welche Qualifikation besitzt der ins Auge gefasste Leser, welche Interessen spielen eine besondere Rolle, welche Einstellungen zur wissenschaftlichen Fragestellung und ihrer Beantwortung wird er haben? Welche Aussagen müssen folglich erklärt, veranschaulicht, besonders sorgfältig begründet werden, damit der Leser sie versteht und beurteilen kann? Die Verfasser von Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten beschäftigt dabei auch die Frage: Worauf achtet ein Gutachter besonders? Mit den fol‐ 82 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="83"?> genden Hinweisen soll diese Frage aus der eigenen Erfahrung beantwortet werden: • Welche Fragestellung soll beantwortet, welche Aufgabenstellung soll gelöst werden? → Herleitung • Welche inhaltlichen Bestanteile hat die Arbeit, in welcher Abfolge werden sie behandelt? → Inhaltsverzeichnis • Welche Quellen werden genutzt, welche Literatur wurde verarbeitet? → Quellenverzeichnis, Literaturverzeichnis • Werden die Konventionen der wissenschaftlichen Arbeit eingehalten? • → Zitation, Definitionen, Stil und Sprache • Sind die Hauptaussagen/ Thesen fundiert und nachvollziehbar begrün‐ det? → Erkenntnisfortschritt, Originalität 3. Gewichten Das Gewichten zielt auf das Gliedern der Aussagen in inhaltliche Ebenen: Kernaussagen, Hintergrundinformationen, Beispiele, Zusammenfassungen und Nachweise. Kernaussagen sind die Thesen, Erkenntnisse, Annahmen, Argumente, die für das Verständnis der wissenschaftlichen Arbeit unverzichtbar sind. Unter Hintergrundinformationen werden die Belege/ Beweise gefasst, die die Kernaussagen begründen. Beispiele und Nachweise dienen der Plausibilität und Nachvollziehbarkeit der wissenschaftlichen Arbeit. Eine gut lesbare wissenschaftliche Schrift ist durch Wechsel in diesen Inhaltsebenen gekennzeichnet. Das bedeutet: • Entweder beginnt der Verfasser mit der Kernaussage, lässt dann die Beweise folgen, illustriert mit konkreten Beispielen, fasst zum Schluss das Wichtigste zusammen und kommt zur nächsten Kernaussage. • Oder er beginnt mit der Schilderung einer Situation, eines Konflikts, eines Beispiels, leitet daraus Schlussfolgerungen, die Möglichkeiten der Lösung ab und trifft abschließend die Kernaussage. Durch mehrfache Wechsel zwischen der Abstraktionsebene (Kernaussagen) und der Konkretisierungsebene (Hintergrundinformationen und Beispiele) 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 83 <?page no="84"?> wird Monotonie in der Darstellung vermieden und der Leser erhält stets neue Impulse für seine Aufmerksamkeit. Für Dissertationen, mitunter auch für Masterarbeiten, wird als Zusatz‐ leistung die Erstellung eines Thesenpapiers verlangt. Auf dem Wege der wissenschaftlichen Arbeit ist das Thesenpapier Grundlage und Anreiz für die Diskussion zur Richtungsfindung und das Einholen von Expertenmei‐ nungen. Häufig steht es auch im Mittelpunkt der abschließenden Disputa‐ tion der wissenschaftlichen Arbeitsergebnisse. Das Thesenpapier soll dementsprechend die Kernaussagen als Behaup‐ tungen und Erkenntnisse des Verfassers pointiert zum Ausdruck bringen. Deshalb sind Kernaussagen kurz zu halten (halbseitige Ausführungen zu einem Punkt sind zu vermeiden) und in einer übersichtlichen Folge durch‐ nummeriert anzubieten. Häufig wird der Diskussionsanreiz dadurch ver‐ stärkt, dass besonderes Gewicht auf umstrittene und diskussionsbedürftige Aspekte gelegt wird (B ÄN S CH , A., 1999, S. 64). Der Erfolg für den Verfasser liegt auf der Hand: Er bekommt in der Regel ein kritisches, aber für die weitere wissenschaftliche Arbeit äußerst nützliches Feedback der Experten. Als Beispiel wird im Folgenden ein Auszug aus einem Thesenpapier von B ÄHN S CH (1999, S. 64) zum Thema „Wandlungen im Seniorenmarkt - Folgerungen für die Werbung“ angeboten: „1. Senioren repräsentieren ein quantitativ und kaufkraftbezogen wach‐ sendes Segment, das bisher von der Werbung kaum gesondert bearbei‐ tet wird. 2. Senioren haben (gegenüber jüngeren Zielgruppen) abgehobene Wert‐ vorstellungen, wünschen aber nicht als ‚Senioren‘ oder gar ‚Alte‘ angesprochen zu werden. 3. Senioren sind aufgrund eingeschränkter/ fehlender sozialer Kontakte und umfangreicherer Freizeit offener für Werbung als jüngere Ziel‐ gruppen. 4. Werbekonzepte, die sich durch leichte Erfassbarkeit und deutliche Bezugnahme auf Wertevorstellungen/ Einstellungen der Senioren aus‐ zeichnen, versprechen die größte Effizienz. 5. Diese Werbekonzepte dürfen die anzubietenden Produkte nicht als Senioren- oder gar als Altersprodukte etikettieren. 6. Durch Konzepte, die nicht senioren- oder altersetikettiert sind. lässt sich auch der Gefahr begegnen, dass Produkte durch seniorenspezifi‐ sche Werbung das Negativimage ‚alt‘ erhalten.“ 84 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="85"?> Für die Anzahl der Kernaussagen in einem Thesenpapier gibt es keine Begrenzung nach oben oder unten. Nach den Erfahrungen des Autors liegt das Optimum zwischen 10 und 15 Aussagen. Das Thesenpapier sollte außerdem enthalten: • eine Einleitung mit Darstellung des Themas und Erläuterung der Art der Thesen, • ein Verzeichnis des Datenmaterials, das die Kernaussagen belegen soll und • ggf. ein Schlusskommentar als Resümee zu den vorgestellten Aussagen. 4. Reihen Das Gliedern in die drei Inhaltsebenen Kernaussagen, Hintergrundinforma‐ tionen, Beispiele hat nun die Voraussetzung dafür geschaffen, sie in einer bestimmten Reihenfolge im Hauptteil der Arbeit anzuordnen. Dabei soll hier nicht der formale Aufbau der Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit betrachtet werden. Dieser ist Gegenstand in Teil 8. Für das Reihen der inhaltlichen Sequenzen im Hauptteil gibt es in der wissenschaftlichen Arbeit unterschiedliche Modelle. E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L (2004, S. 109-120) bietet dazu einige, in der wissenschaftlichen Arbeit gebräuchliche Gliederungsmodelle an, die im Folgenden kurz referiert werden: • Chronologische Gliederung Soll eine Abfolge verschiedener Phasen oder eine fortlaufende Entwick‐ lung dargestellt werden, bietet sich die Darstellung der Ergebnisse in zeitlicher Reihenfolge an. • Systematische Gliederung Sollen die untersuchten Gesichtspunkte, getroffenen Kernaussagen und gewählten Kategorien gleiche Gewichtung erhalten und in der Darstel‐ lung auch gleichgewichtet werden, ist die systematische Gliederung zu wählen. • Hierarchische Gliederung Sind die gefundenen Antworten, Kernaussagen und Kategorien zum Beispiel unterschiedlich wichtig, werden die Aussagen hierarchisch geordnet. Die Kapitel sind nach ihrer Wichtigkeit in aufsteigender oder in absteigender Folge geordnet. 3.3 Problembearbeitung/ Fragebearbeitung 85 <?page no="86"?> • Deduktive oder induktive Gliederung Sollen die Hypothesen und ihre Belegung die Struktur bestimmen, ist die deduktive oder die induktive Abfolge zu wählen. - Die deduktive Gliederung geht von der Hypothese aus und beweist sie durch entsprechende Belege. - Bei der induktiven Gliederung werden aus dem vorgefundenen Material (Sekundärmaterial) oder dem selbsterstellten Material (Primärmaterial) Folgerungen abgeleitet und Thesen aufgestellt. • Ursache-Wirkung-Gliederung Sollen Untersuchungsergebnisse kausaler Zusammenhänge untersucht werden, bietet sich eine Ursache-Wirkung-Gliederung an. Dafür gibt es zwei Wege: - Von einer Ursache ausgehend werden die Folgen beschrieben. - Von der Beschreibung eines Phänomens ausgehend wird nach verschiedenen Ursachen gefragt. • Relationsgliederung Sollen Quellen zueinander in Beziehung gesetzt, Befunde vergleichend ausgewertet oder Lösungsvarianten verglichen und bewertet werden, bietet sich die Relationsgliederung an. Dabei wird unterschieden: - Blockgliederung - Die gegebenen Gegenstände werden zunächst unabhängig voneinander untersucht und anschließend die Ergeb‐ nisse in einem Vergleich zusammengeführt. - Alternierende Gliederung - Es werden Gegenstände mit großer Ähnlichkeit jeweils unter einem Aspekt miteinander verglichen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede festgestellt. • Naturwissenschaftlich-technische Gliederung Die Darstellung naturwissenschaftlicher und technischer Untersuchun‐ gen erfolgen in der Regel nach einer logischen Abfolge wie etwa in folgender Form: - Wissensstand (Literaturbericht), - Problembzw. Fragestellung, - Untersuchungsmaterial und -methoden, - Ergebnisse (Befunde), - Diskussion der Ergebnisse, - Zusammenfassung. 86 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="87"?> 3.4 Problemlösung/ Antwort Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung müssen deutlich er‐ kennbare Antworten auf die eingangs gestellten Fragen geben. Mitunter weisen Ergebnisdarstellungen folgende Defizite auf: • Sie enthalten so genannte Unterschüsse, das heißt, auf die gestellten Fragen wird unvollständig oder auf einige gar nicht geantwortet. • Sie enthalten so genannte Überschüsse, das heißt, es werden Antworten auf Fragen gegeben, die eingangs gar nicht gestellt wurden. Das bedeutet: Zwischen den aufgeworfenen Fragen und den in den Ergeb‐ nissen dargestellten Antworten ist eine Harmonie herzustellen. Selbstverständlich ist es nicht nur ratsam, sondern ausdrücklich er‐ wünscht, explizit auf Fragen zu verweisen, die einen Beitrag zur Ziel‐ erreichung leisten können, aber in der Arbeit ausgeklammert oder auf Grund ihrer Randlage bewusst nicht vollständig beantwortet wurden. Damit verweist der Verfasser auf wertvolle Ausgangspunkte für nachfolgende wissenschaftliche Untersuchungen und trägt auch auf diese Weise zur Entwicklung der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin bei. 3.5 Checkliste 1. Formuliere das übergeordnete Ziel, zu dem durch Gewinnen neuer wissen‐ schaftlicher Erkenntnisse in der Arbeit ein Beitrag geleistet werden soll. 2. Bestimme die Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ziel. Finde dafür entsprechende Problemformulierungen als Fragestellung. 3. Prüfe, welche der formulierten Probleme/ gestellten Fragen bereits gelöst und welche nicht oder nicht vollständig gelöst sind. 4. Entscheide dich für das (die) Problem(e), das (die) du in der Arbeit lösen willst und formuliere daraus die Aufgabenstellung (Thema). Achte dabei auf eine ergebnisorientierte Formulierung. 5. Kläre das Problemverständnis durch Beantwortung der Fragen: - Ist die formulierte Aufgabenstellung geeignet, zum übergeordne‐ ten Ziel beizutragen? - An welchen Personenkreis wendet sich die Arbeit? Worauf achtet der Gutachter besonders? - Welche Qualitätskriterien sollte die Arbeit erfüllen? - Welche Ergebnisse werden mit der Arbeit vorgelegt? 3.4 Problemlösung/ Antwort 87 <?page no="88"?> 6. Sammle alle zur Aufgabenstellung gehörenden Sach-, Methoden-, Wert- und Normaussagen durch Erhebung aus dem Primär- und Sekundärma‐ terial. 7. Erläutere alle Begriffe, die für das Verständnis der Arbeit bedeutsam sind. Lege besonderen Wert auf die im Thema genannten Begriffe. 8. Wähle die in der Arbeit verwendeten Aussagen nach den Kriterien: - Ziel, - Umfang und - Leser aus. 9. Gewichte die ausgewählten Aussagen nach den inhaltlichen Ebenen - Kernaussagen (Thesen), - Hintergrundinformationen (Belege/ Beweise), - Beispiele und Nachweise. Achte darauf, dass die Thesen ausreichend belegt sind! Prüfe, ob Einschränkungen der Gültigkeit notwendig sind. 10. Verweise ggf. auf Einschränkungen in der Gültigkeit der Thesen und leite daraus Schlussfolgerungen für weitere Untersuchungen ab. 11. Reihe die Kernaussagen entsprechend dem gewählten Gliederungsmodell. 12. Sichere, dass mit den Ergebnissen der Arbeit die eingangs gestellte(n) Frage(n) ausreichend beantwortet werden. 13. Weise auf Fragen hin, deren Beantwortung für weitere wissenschaftliche Arbeiten zu empfehlen ist. 88 3 Grundstrukturierung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="89"?> 4 Erhebung von Daten 4.1 Material für die Erhebung In diesem Kapitel werden wesentliche Quellen und Instrumente für die Datenerhebung zum Gewinnen neuer Erkenntnisse vorgestellt. Die Wahl der geeigneten Quellen und Instrumente ist dabei maßgeblich von der wissenschaftlichen Aufgabenstellung abhängig. Aber unabhängig davon wird bei der Datenerhebung zwischen • Primärmaterial und • Sekundärmaterial unterschieden. Als Primärmaterialien, T H E I S E N nennt sie Quellen, werden solche Ma‐ terialien bezeichnet, „… die - möglicherweise bearbeitet - aber noch nicht für wissenschaftliche Zwecke verarbeitet worden sind, die als ‚Original‘ angesehen werden können.“ (T H E I S E N , 2005, S. 88). Ihre Auswertung führt zu Belegen für wissenschaftliche Aussagen. Dagegen führt jede Interpretation bzw. Auswertung der vorhandenen wissenschaftlichen und anderen Literatur zu abgeleitetem Material. Dieses Material bezeichnet T HE I S E N als Sekundärmaterial. Die Darstellung in Abb. 35 vermittelt zunächst einen Überblick über die Quellen und Instrumente der Datenerhebung. 4.2 Primärmaterial 4.2.1 Quellen 1. Eigenes Material Hierunter werden die eigenen Untersuchungen und Erfahrungen des Bear‐ beiters gefasst. Das Material entsteht im Ergebnis der Befragung (Interview), der Beobachtung, des Experiments, der Inhaltsanalyse. <?page no="90"?> Abb.-35: Quellen und Instrumente der Datenerhebung 90 4 Erhebung von Daten <?page no="91"?> 2. Fremdes Material Zum fremden Material gehören beispielsweise Erhebungen, Analysebe‐ richte, Studien und veröffentlichte Testergebnisse von Wirtschaftsunter‐ nehmen, der Industrie- und Handelskammern, der Architekten- und Inge‐ nieurkammern, der Berufverbände sowie der Institute für Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Eine Fundgrube für entsprechende Adressen ist hier der jährlich erscheinende H O P P E N S T E DT , „Verbände, Behör‐ den, Organisationen der Wirtschaft“, Darmstadt. Zu den Primärquellen gehören auch Patente und Normen in unbearbei‐ teter Form, wie beispielsweise die DIN-Normen. 3. Amtliche Veröffentlichungen Diese Art des Primärmaterials sind vor allem Gerichtsurteile und -be‐ schlüsse, Gesetze, Verordnungen, Vorschriften aber auch Handelregister- oder Vereinsregisterauszüge. Sie werden von der Gesetzgebung, Rechtspre‐ chung und Verwaltung veröffentlicht. Darüber hinaus haben aktuelle Meldungen, Berichte oder sonstige Re‐ cherchen der Körperschaften des Öffentlichen Rechts, wie des Statistischen Bundesamtes, der Bundesagentur für Arbeit oder der Radio- und Fernseh‐ anstalten den Charakter halbamtlicher Veröffentlichung, deren Bezug in der Regel kostenpflichtig ist. 4. Firmenmaterial Hierunter wird das sehr umfängliche gedruckte und elektronische Quellen‐ material der Wirtschaftsunternehmen, Bildungseinrichtungen, Kammern, Verbände und Gewerkschaften gefasst, das von den Jahresberichten bis hin zu Unternehmens- oder Verbandspublikationen führt. In diesem Kontext sind auch der Wirtschaftspresse interessante Anregungen und Informatio‐ nen zu entnehmen. 4.2.2 Instrumente 1. Befragung / Interview Für das Erheben von sozial- und wirtschaftsstatistischen Daten und zur Erforschung von Einstellungen und Meinungen wird häufig die Technik der Befragung angewandt. Neben Beobachtung, Experiment und Inhaltsanalyse 4.2 Primärmaterial 91 <?page no="92"?> ist sie der meistbeschrittene Weg in der Feldforschung zum Gewinnen, Belegen oder Widerlegen von Annahmen (Hypothesen). In Ergänzung der folgenden kurzen Beschreibung findet der interessierte Leser eine ausführliche Handlungsanleitung zur Befragung bei S CHO LL , A.: 2015, Die Befragung und bei L EHMANN , G.: 2015, Die effektive Befragung. Die Befragung ist durch ein systematisches Vorgehen gekennzeichnet, bei dem Personen durch gezielte Fragen zur Abgabe von Informationen veranlasst werden sollen. Eine besondere Art der Befragung ist das Pa‐ nel. Durch wiederholte Befragung ein und desselben Personenkreises in bestimmten Abschnitten über längere Zeiträume werden Aussagen über die Entwicklung von Daten, Einschätzungen und Meinungen gewonnen. In der Befragung stellt der Interviewer (Forscher, Prüfer, Berater, Mana‐ ger) Fragen, deren Beantwortung durch den Befragten (Mitarbeiter, Nutzer, Experten) freiwillig erfolgt und damit durch offenen Ausgang der Antwort gekennzeichnet ist. Dem in Abb. 36 dargestellten Kommunikationsmodell ist zu entnehmen, dass Antworten durch zwei Filter beeinflusst werden: • den Filter der Wahrnehmung bezüglich des Verständnisses der Frage, der Kenntnis des Objektes und des Erfassens der Befragungsziele, • den Filter der Antwortbereitschaft bezüglich der Übereinstimmung von Befragungszielen mit den persönlichen Zielen und Interessen des Befragten, der Art der Befragung und der Person des Interviewers. Abb.-36: Kommunikationsmodell einer Befragung 92 4 Erhebung von Daten <?page no="93"?> Eine Befragung erweckt beim Befragten unterschiedliche Erwartungen. Wenn nicht offengelegt wird, welcher Sinn und Zweck sich dahinter ver‐ birgt, antworten die Befragten taktisch. Empfehlung: Steuere die Antwortbereitschaft durch Offenlegen der Ziele und des Konzepts der Befragung. Die Antwortbereitschaft wird außerdem durch das Vertrauen zum Inter‐ viewer beeinflusst. Dazu gehört die Gewissheit, dass Informationen auf Wunsch vertraulich behandelt werden ebenso wie der Eindruck, dass der Interviewer etwas Neues und Interessantes erfahren will. Empfehlung: Verhalte dich partnerschaftlich und kläre die Verwendung der erhaltenen Antworten (sichere ggf. Anonymität der Antworten zu). Die Beziehungen des Befragten zum Objekt der Befragung kann sehr unterschiedlich sein. Hat er irgendwann etwas darüber gelesen oder gehört, ist er hin und wieder damit praktisch beschäftigt oder ist er tagtäglich damit befasst. Entsprechend unterschiedlich werden seine Antworten ausfallen. Empfehlung: Schätze die Antwortbefähigung real ein. Versuche sie ggf. durch entsprechende Informationen zu erhöhen. Nach der Art der Kommunikation werden unterschieden: Das mündliche Leitfadeninterview • als persönliches oder telefonisches Interview, • vornehmlich zum Einholen von Einschätzungen und Expertenurteilen sowie Gewinnen von Ein- und Überblicken (empfohlen bei weniger als 100 potentiellen Auskunftspersonen). Die schriftliche Befragung (Spezialfall ONLINE-Befragung) • auf der Grundlage eines standardisierten Fragebogens, • vornehmlich zum Erheben und Überprüfen von Daten, Einholen von Erklärungen oder Feststellen von Meinungen (empfohlen bei 100 und mehr potentiellen Auskunftspersonen). Das Leitfaden-Interview Die Vorgehensweise mit dem Leitfaden-Interview im Verlaufe der wissen‐ schaftlichen Arbeit ist in Abb.-37 dargestellt. 4.2 Primärmaterial 93 <?page no="94"?> Vorgehensweise Leitfadeninterview Auswertung Datenerhebung Vereinbaren von Interviewterminen Durchführen von Testinterviews (Pretest) Ausarbeiten des Interviewleitfadens Bilden der Stichprobe Auswahl und Analyse der zu Befragenden Festlegen des Ziels / Forschungsfrage / Annahme Primärfragen Sekundärfragen Mehrstufiges Verfahren nach Mayer Nachfragen Abb.-37: Vorgehensweise Leitfaden-Interview Bei der Stichprobenbildung steht in der quantitativen Forschung die statis‐ tische Repräsentativität im Vordergrund. Demgegenüber ist in der qualita‐ tiven Forschung die Bedeutung der untersuchten Subjekte für das Thema entscheidend, also die inhaltliche Relevanz (M AY E R , H. O., 2008, S.-39). Das problemzentrierte Interview (persönlich oder telefonisch) wird unabhängig davon, ob es strukturiert oder standardisiert verläuft, mit Hilfe eines Interviewleitfaden, gesteuert. Dieser ist in Primär-, Sekundär- und Nachfragen gegliedert. Zur Demonstration wird in Abb. 38 der Auszug aus einem Interviewleitfaden zum Thema „Bedarfsermittlung des Mitarbeiters am Arbeitsplatz“ vorgestellt. Im freien oder nichtstrukturierten Interview (Narratives Interview) regt der Interviewer den Befragten mit wenigen vorbereiteten Fragen zum Erzählen an. Weitere Fragen sollen vor allem den Interviewablauf befördern. 94 4 Erhebung von Daten <?page no="95"?> Primärfragen Welche Ausstattungsmerkmale sind für Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz besonders wichtig? Sekundärfragen Welche sind das? Nachfragen Arbeitsfläche, Ablagefläche, Sitzmöbel, Beleuchtung, akustische Abschirmung, Geräteausstattung Welche Ausstattungsmerkmale Ihres bisherigen Arbeitsplatzes haben Ihren Arbeitserfolg besonders beeinflusst? Welche haben Sie besonders motiviert? PC, Notebook, Drucker, Kopierer, Scanner Würden Sie sich durch eine offene Bürolösung in Ihrer Persönlichkeit eingeschränkt fühlen? Angenommen, das Investitionsbudget würde erweitert: Welche Zusatzeinrichtungen würden Sie sich wünschen? Wäre das schlimm für Sie? Wie wichtig ist diese Zusatzeinrichtung für Sie? Konsequenzen, Alternativen Teeküche, Kaffeebar, Zeitungsecke, Internetecke, Fitnessraum, Relaxbereich Primärfragen Welche Ausstattungsmerkmale sind für Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz besonders wichtig? Sekundärfragen Welche sind das? Nachfragen Arbeitsfläche, Ablagefläche, Sitzmöbel, Beleuchtung, akustische Abschirmung, Geräteausstattung Welche Ausstattungsmerkmale Ihres bisherigen Arbeitsplatzes haben Ihren Arbeitserfolg besonders beeinflusst? Welche haben Sie besonders motiviert? PC, Notebook, Drucker, Kopierer, Scanner Welche Ausstattungsmerkmale Ihres bisherigen Arbeitsplatzes haben Ihren Arbeitserfolg besonders beeinflusst? Welche haben Sie besonders motiviert? PC, Notebook, Drucker, Kopierer, Scanner Würden Sie sich durch eine offene Bürolösung in Ihrer Persönlichkeit eingeschränkt fühlen? Angenommen, das Investitionsbudget würde erweitert: Welche Zusatzeinrichtungen würden Sie sich wünschen? Wäre das schlimm für Sie? Wie wichtig ist diese Zusatzeinrichtung für Sie? Konsequenzen, Alternativen Teeküche, Kaffeebar, Zeitungsecke, Internetecke, Fitnessraum, Relaxbereich Würden Sie sich durch eine offene Bürolösung in Ihrer Persönlichkeit eingeschränkt fühlen? Angenommen, das Investitionsbudget würde erweitert: Welche Zusatzeinrichtungen würden Sie sich wünschen? Wäre das schlimm für Sie? Wie wichtig ist diese Zusatzeinrichtung für Sie? Konsequenzen, Alternativen Teeküche, Kaffeebar, Zeitungsecke, Internetecke, Fitnessraum, Relaxbereich Beispiel: Interviewleitfaden Bedarfsermittlung Arbeitsplatz Situation: Der Facility Manager befragt Mitarbeiter Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Arbeitsplatz in einem Großraumbüro einrichtet wäre? Abb.-38: Beispiel für einen Interviewleitfaden - „Bedarf des Mitarbeiters am Arbeitplatz“ In der Praxis hat es sich bewährt, dem Befragten, im Falle seines Einverständ‐ nisses, zur Vorbereitung auf das Interview die Primärfragen (in Einzelfällen sogar den gesamten Interviewleitfaden) zuzusenden. Abfolge der Fragen im Interviewleitfaden: • Am Anfang steht eine offene Frage. Sie darf dem Befragten keine Schwierigkeiten bereiten und ihm ermöglichen, sich in seiner Rolle zu orientieren. • Im Interviewverlauf ist von allgemeinen zu thematisch eingegrenzten Fragen fortzuschreiten. • Fragen, die affektiv besetzte Inhalte anzielen, etwas problematisch, vermutlich unangenehm für den Befragten sind, gehören in die Mitte oder zweite Hälfte des Themenbereichs, keinesfalls an den Anfang. • Am Ende kann eine in die Zukunft orientierte Frage unter Vorgabe angenommener Bedingungen gestellt werden. 4.2 Primärmaterial 95 <?page no="96"?> • Statistische Fragen zur Person des Befragten gehören, sofern sie über‐ haupt notwendig sind, an das Ende der Befragung. Ablauf des Leitfadeninterviews (Empfehlungen): Zu Beginn des Interviews sollte der Interviewer dem Befragten Ziel und Konzept der Befragung ausführlich erklären sowie die Aufzeichnung und Verwendung seiner Antworten vereinbaren. • Steuere den Gesprächsverlauf aktiv! Grundlage ist der Interviewleitfaden, der einerseits flexibel den Gege‐ benheiten des Befragten angepasst werden kann und andererseits das Erheben vergleichbarer Informationen sichern muss. • Stelle einfache Fragen! Fragen müssen den Verständnismöglichkeiten des Befragten angepasst sein, kurze und möglichst offene Formulierungen aufweisen, eindeutige Begriffe enthalten und überhaupt für den Befragten beantwortbar sein. • Höre aktiv zu! Aktiv zuzuhören bedeutet: Blickkontakt halten, aufmerksam sein, mit‐ schreiben, Antworten wiederholen, Gesagtes zusammenfassen, offene Frage stellen, Gefühle widerspiegeln. • Zeige Verständnis! Erlaubt ist nur zu zeigen, dass man den Befragten verstehen, nicht widerlegen will. Die Grundhaltung lautet: Der Befragte hat immer recht! Antworten nicht in Zweifel ziehen, Verweigerung akzeptieren. • Frage intensiv nach! Intensiv nachzufragen bezweckt, mehr Informationen zu erhalten. Mit‐ unter fragt der Interviewer auch aus Verständnisgründen nach oder es gilt Verallgemeinerungen in der Antwort aufzulösen, in dem nach dem dahinter stehenden Sachverhalt oder Erlebnis gefragt wird. • Sei aktiv und freundlich! Wichtig ist das Signal an den Befragten, dass seine Informationen wich‐ tig und interessant sind. Blickkontakt, freundlicher Gesichtsausdruck gehören ebenso dazu wie das Ausdrücken von positiven Affekten und das Vermeiden des Verhörtones. • Gib die Fragehaltung nicht auf! Natürlich muss man auf Verständnisfragen des Befragten entsprechend reagieren. Wird der Interviewer allerdings nach seiner Meinung gefragt, 96 4 Erhebung von Daten <?page no="97"?> sollte er diese erst nach dem Interview kundtun. Auf jeden Fall muss der Interviewer eine Antwortverweigerung akzeptieren. • Vermeide Suggestiv- und Provokativfragen! „Sind Sie nicht auch der Meinung? “ Solche Fragen bringen in der Regel keine Sachinformationen. Sie verunsichern vielmehr den Befragten und können ihn dazu veranlassen, die Fragen taktisch zu beantworten. • Halte Pausen ein und aus! Der Interviewer sollte es vermeiden zu drängen oder Verlegenheitsfra‐ gen zu stellen. Der Befragte benötigt Zeit, um auskunftsbereit zu sein. Diese muss ihm gewährt werden. • Datenaufbereitung Jedes Interview steht einer Anzahl konkurrierender Deutungen offen. M E Y E R (2008, S.-48-ff.) stellt mit Bezug auf Vorarbeiten anderer Autoren ein sechsstufiges Verfahren zur Auswertung von Texten vor. L E HMANN (2015, S. 117) beschreibt ein quantitatives Verfahren für halbstruktu‐ rierte Interviews. Damit soll eine relativ abgesicherte Darstellung und Interpretation der Ergebnisse erreicht werden. Schriftliche Befragung Die Vorgehensweise der schriftlichen Befragung in der Forschungsarbeit ist in Abb.-39 dargestellt. Am Beispiel des Themas „Auswirkungen der Kundenzufriedenheit auf das Geschäft X“ werden in Abb. 40 die thementragenden Begriffe expliziert und in ihrer Dimension verdeutlicht. Daraus werden exemplarisch für die Dimension „Personal“ Indikatoren bestimmt, entsprechende Fragen formuliert sowie die Antwortformate incl. der Codierung der Antworten festgelegt. 4.2 Primärmaterial 97 <?page no="98"?> Vorgehensweise der schriftlichen Befragung Auswertung (Statistikprogramme) Datenerhebung Durchführen von Testbefragungen (Pretest) Informationen des Personalrates / der Leitungen Ausarbeiten des Fragebogens Ausarbeiten des Messmodells Auswahl der zu Befragenden / Stichprobenbildung Festlegen des Ziels / Forschungsfrage / Annahme Dimensionale Analyse Formulieren der Fragen (Items) Bestimmen der Indikatoren Bestimmen der Antwortformate Codieren der Antworten Excel XLSTAT SPSS Abb.-39: Vorgehensweise schriftliche Befragung Begriff Dimension Indikatoren Fragen Bewertung Alter Geschlecht Typ Angebotsspektrum Personal Produktqualität ... Stammkunden Weiterempfehlung Reklamation ... Wie höflich sind wir? Wie hilfsbereit sind wir? Wie gut wissen wir über das Angebot Bescheid? Wie gut kennen wir die Produkte? ... Kunde Kundenzufriedenheit Auswirkungen auf Geschäft X Zufriedenheit mit Auftreten Zufriedenheit mit Wissen 1 2 3 4 sehr überhaupt nicht Abb.-40: Fragebogenentwicklung am Beispiel „Kundenzufriedenheit …“ (in Anlehnung an M E Y E R , 2008, S.-79) 98 4 Erhebung von Daten <?page no="99"?> Gestaltung des Fragebogens • Stelle klare und verständliche Fragen. - Die Fragen dürfen nicht zum Ausweichen auffordern. Die Einstiegs‐ frage sollte interessant und relativ leicht zu beantworten sein. - Vermeide in der Frage Fremdworte, die in der Zielgruppe nicht gebräuchlich sind. • Setze Antwortformate bewusst ein. - Offenes Antwortformat: Eine verbale Beantwortung sollte in der Regel nur zur Ergänzung oder Begründung vorgegebener Antworten erwartet werden. - Dichotomes Antwortformat: JA/ NEIN/ WEISS NICHT oder FALSCH / RICHTIG / WEISS NICHT - Mehrkategoriales Antwortformat: Bewerten von Qualitäten: SEHR ZUFRIEDEN / ZUFRIEDEN / WENIGER ZUFRIEDEN / NICHT ZUFRIEDEN / LEISTUNG WIRD NICHT GENUTZT Angabe von Quantitäten: Vorgabe eines realistischen Spielraums, beispielsweise 0 bis 10, 11 bis 20 etc. • Vermeide eine doppelte Verneinung in der Fragestellung. Beispiel: „Sind Sie gegen die Aufhebung der Verjährungsfrist für Nazi‐ verbrechen? “ Kann zu Missverständnissen führen! • Verwende wertbesetzte Begriffe (z. B. „Gerechtigkeit“ oder „Freiheit“) möglichst sparsam in der Fragestellung. Sie lenken Antwortreaktionen! • Stelle keine mehrdimensionalen Fragen mit den Antwortkategorien „ja“, „nein“ oder „weiß nicht“ Beispiel: „Kernkraftwerke verringern die Kosten der Stromerzeugung, stellen aber ein Sicherheitsrisiko dar. • Platziere heikle oder sensible Fragen im zweiten Teil des Fragebogens. • Stelle demografische Fragen am Ende des Fragebogens. • Begrenze den Fragebogen auf etwa 10 Primärfragen und ermögliche die Beantwortung in höchstens 20 Minuten. 4.2 Primärmaterial 99 <?page no="100"?> Für die Auswertung der standardisierten Fragebogen eignen sich u. a. folgende Statistikprogramme: • Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL (Analysemethoden einge‐ schränkt), • Statistikprogramm XLSTAT, basiert auf EXCEL, kann unter www.xlsta t.com über Internet bezogen werden, • Statistikprogramm SPSS (Statistical Package for the Social Science), er‐ möglicht umfassende Datenanalyse. Informationen können im Internet unter www.spss.com/ germany abgerufen werden. Bewertung Die Wahl der geeigneten Befragungsform für die wissenschaftliche Arbeit hängt in erster Linie vom Ziel der Befragung, den potentiellen Auskunfts‐ personen und ihrer Erreichbarkeit und nicht zuletzt von der methodischen Befähigung des Interviewers ab. Einer Studie des Arbeitskreises deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute ist zu entnehmen, dass in den Jah‐ ren 2012 bis 2015 unter den Befragungsformen etwa zwei Drittel als mündliches Interview (persönliches und zunehmend telefonisches) und etwa ein Drittel als schriftliche Befragung (zunehmend Online-Befragung) durchgeführt wurden. Eine Durchsicht von 535 wirtschafts-, technik- und regionalwissenschaftlichen Arbeiten von Studierenden in weiterbildenden Studiengängen an Einrichtungen der Technischen Universität Dresden bis zum Jahre 2016 weist bei Einsatz einer der Befragungsformen für das Interview 67 % und für die schriftliche Befragung einen Anteil von 33 % aus. Den einschlägigen Empfehlungen der Fachliteratur und eigenen Erfah‐ rungen folgend lassen sich zu den beiden Hauptformen der Befragung die in Abb.-41 dargestellten Vor- und Nachteile angeben. 100 4 Erhebung von Daten <?page no="101"?> Gefahr der Verzerrung durch Einfluss des Interviewers Tendenz zur sozial erwünschten Antwort Hoher Kosten- und Zeitaufwand Aufwendige Datenaufbereitung (sechsstufiges Verfahren, Mayer) Unsicherheit, ob gewünschte Auskunftsperson antwortet Probleme beim Verständnis der Frage können nicht gelöst werden Wissensfragen können mit externer Hilfe beantwortet werden Geringe Rücklaufquote Nachteile Gewünschte Auskunftsperson wird angesprochen Interviewer kann Befragten individuell ansprechen und Verständnisprobleme klären Ziel und Konzept des Interviews werden ausführlich besprochen Nachfragen ermöglichen tiefgründiges Beantworten Optionen für Nachkontakte sind nutzbar Merkmale und Verhalten des Interviewers bleiben ohne Einfluss Antwort kann vom Befragten besser durchdacht werden Erreicht große Anzahl an Auskunftspersonen Kosten und Zeitaufwand sind vergleichsweise geringer Computergestützte Datenaufbereitung mit Excel/ XLSTAT/ SPSS Vorteile Mündliches Interview Schriftliche Befragung Gefahr der Verzerrung durch Einfluss des Interviewers Tendenz zur sozial erwünschten Antwort Hoher Kosten- und Zeitaufwand Aufwendige Datenaufbereitung (sechsstufiges Verfahren, Mayer) Unsicherheit, ob gewünschte Auskunftsperson antwortet Probleme beim Verständnis der Frage können nicht gelöst werden Wissensfragen können mit externer Hilfe beantwortet werden Geringe Rücklaufquote Nachteile Gewünschte Auskunftsperson wird angesprochen Interviewer kann Befragten individuell ansprechen und Verständnisprobleme klären Ziel und Konzept des Interviews werden ausführlich besprochen Nachfragen ermöglichen tiefgründiges Beantworten Optionen für Nachkontakte sind nutzbar Merkmale und Verhalten des Interviewers bleiben ohne Einfluss Antwort kann vom Befragten besser durchdacht werden Erreicht große Anzahl an Auskunftspersonen Kosten und Zeitaufwand sind vergleichsweise geringer Computergestützte Datenaufbereitung mit Excel/ XLSTAT/ SPSS Vorteile Mündliches Interview Schriftliche Befragung Abb.-41: Vor- und Nachteile der beiden Befragungsformen Ausführliche Informationen zur Befragung (schriftlich und mündlich) findet der interessierte Leser bei S CHO LL , A.: 2015., Die Befragung und L E HMANN , G.: 2017b, Die effektive Befragung. 2. Beobachtung Die Beobachtung ist gekennzeichnet durch das planmäßige direkte Erheben von wahrnehmbaren Gegebenheiten, Verhaltensweisen und Handlungen zum Zeitpunkt ihres Auftretens, die nicht auf Fragen und Antworten beruhen. Gegenstand von Beobachtungen können Eigenschaften und In‐ teraktionen von Personen, Personengruppen sein, aber auch räumliche Gestaltungen, konkrete Situationen wie eine Kundenansprache oder umfas‐ sende, komplexe Vorgänge wie das Fertigkeitstraining einer bestimmten Personengruppe können dazu gehören. Die hier in Rede stehende wissenschaftliche Beobachtung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie systematisch und überprüfbar abläuft. Im Unterschied zur beliebigen und interessengesteuerten Beobachtung sprechen E B S T E R und S TALZ E R (2003, S. 222) dann von einer systematischen Beobachtung, wenn sorgfältig geplant ist: 4.2 Primärmaterial 101 <?page no="102"?> • welche Verhaltensweisen und Handlungen von Personen beobachtet wer‐ den sollen, was dabei wesentlich ist und was vernachlässigt werden kann, • zu welchem Zeitpunkt, in welchem Zeitraum und an welchem Ort die Beobachtung stattfindet, • welche Rolle der Beobachter während der Beobachtung spielt, nimmt er aktiv teil, beobachtet er offen oder verdeckt, • wie das Beobachtete aufgezeichnet wird und in welcher Weise es interpretiert werden kann. Das Ziel, die Personen, das Umfeld und die konkrete Situation der Beobach‐ tung bestimmen sehr wesentlich, in welcher Art und Weise die Beobachtung geplant und durchgeführt wird. Dafür kann eine Übersicht über die gängigen Typen der Beobachtung hilfreich sein. Sie ist in Abb.-42 dargestellt. Aus der Erfahrung kann darauf verwiesen werden, dass vor allem die Beobachtung des Verhaltens von Personen in realen Situationen - beispiels‐ weise der Dienstleistungsmentalität oder des Freizeitverhaltens bestimmter Personengruppen - zu wertvollen Befunden führt. Allerdings wird es immer problematisch, wenn die Rolle des Beobachters offenkundig wird. So wurden die Ergebnisse einer Beobachtung bei der Aufnahme von Wissen erheblich dadurch beeinflusst, dass die betreffenden Personen wussten, ihr Verhalten würde aufgezeichnet. Erst nach einer längeren Zeit des Beobachtens agier‐ ten diese Personen unbeeinflusst. Auf jeden Fall sollte man die Möglichkeiten prüfen, die eigenen Beobach‐ tungen zu stützen, beispielsweise durch selbstgefertigte Protokolle, Zeich‐ nungen und Fotografien, Audiound/ oder Videoaufnahmen, Interviews bzw. Gespräche mit den beobachteten Personen. C H R AB E L hat für die Einordnung der Beobachtung in die wissenschaftliche Arbeit folgende Hinweise gegeben (C H R AB E L , A., 2004, S.-62/ 63): • Vermeide einen ausführlichen Erlebnisbericht in der wissenschaftlichen Arbeit. • Grenze die Beobachtung von anderen Quellen deutlich ab. • Fokussiere die Beobachtung auf das Ziel. Was ist für die Untersuchung von Bedeutung? • Kennzeichne deine Rolle während der Beobachtung - aktiv oder still, offen oder verdeckt. • Beschreibe exakt die Rahmenbedingungen der Beobachtung. Füge über‐ prüfbare Dokumente bei (Protokolle, Fotos, Filme, Gesprächsnotizen usw.). 102 4 Erhebung von Daten <?page no="103"?> Beobachteter weiß, dass er bei seiner Aktion aufgezeichnet wird Beobachteter weiß nicht, dass er bei seiner Aktion aufgezeichnet wird Abb.-42: Typisierung der wissenschaftlichen Beobachtung (in Anlehnung an EBSTER , C.; STALZER, L., 2003, S.-221-228) 4.2 Primärmaterial 103 <?page no="104"?> • Vergleiche mit ähnlichen in der wissenschaftlichen Literatur beschrie‐ benen Beobachtungen. • Stelle die Beobachtung in ein Verhältnis zu vorliegenden einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Weitere methodische Hinweise zum Beobachten findet der interessierte Leser bei: G R E V E , W; W E NTU R A , D.; Wissenschaftliche Beobachtung, 1997; A S T E R , R.; Teilnehmende Beobachtung, 1998; L AMN E K , S., Qualitative Sozial‐ forschung, 1993. 3. Dokumentenanalyse/ Inhaltsanalyse Die Dokumentenanalyse steht meistens am Anfang der Untersuchung, in der Regel, wenn die Forschungsfrage gestellt ist. Mit dieser Erhebungstech‐ nik werden Daten untersucht und ausgewertet, die bereits als Dokumente vorliegen. Das sind unter anderen • Internetauftritte eines Fachbereichs/ -betriebes, • Berichte in Zeitungen und Zeitschriften, • Akten, Statistiken, Protokolle, • Filmaufnahmen und Fotos. Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen und nachvollziehbaren Beschreibung von Texten, die im Ergebnis der Doku‐ mentenanalyse Relevanz für die Untersuchung besitzen. Die Beschreibung erfolgt nach Form und Inhalt. Nach festgelegten Kodes werden in der Analyse Informationen herausgefiltert, die für die Beantwortung der For‐ schungsfrage bedeutsam sind. Die Analyse erfolgt sowohl unter qualitativen als auch quantitativen Aspekten. Dabei zielt die qualitative Analyse auf die subjektive Bewertung der mit der quantitativen Methode ermittelten Text- und Bildmerkmale (E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.; 2003, S. 224). Eine Übersicht zu den Verfahren der Dokumentenanalyse ist in Abb.-43 zusammengestellt. Dem interessierten Leser wird als weiterführende Literatur empfohlen: M AY R IN G , P., Qualitative Inhaltsanalyse, 1995; L AMN E K , S., Qualitative Sozi‐ alforschung, 1993. 104 4 Erhebung von Daten <?page no="105"?> Abb.-43: Verfahren der Dokumentenanalyse (in Anlehnung an EBSTER, C., STALZER, L., 2003, S.-224-228) 4.2 Primärmaterial 105 <?page no="106"?> 4. Experiment Beim Experiment handelt es sich um einen Ansatz für die Datenerhebung, also nicht unmittelbar um eine Methode der Erhebung. Das Experiment schafft in einer der Befragung und/ oder Beobachtung vorgelagerten Phase Tatbestände, über die dann Daten erhoben werden. Ein typischer Vertreter ist die klinische Studie (s. 5.4). Im Experiment wird untersucht, ob die Veränderung der Wirkung einer Größe oder mehrerer Größen (Variablen) Auswirkungen auf die Verände‐ rung anderer Größen hat. So kann man beispielsweise einen Wettbewerb zwischen Entwicklungsträgern (Variable X) in der Region initiieren und dann prüfen (mittels Befragung und/ oder Beobachtung), wie sich das auf die Veränderung der regionalen Kulisse (Variable Y) auswirkt. Oder ein anderes Beispiel: Durch das Einführen von Arbeitszeitkontrollen (Variable X) wird ermittelt, wie sich diese auf die Arbeitsdisziplin der Mitarbeiter (Variable Y) auswirkt. Auf diese Weise können kausale Zusammenhänge festgestellt werden. Ausführliche Hinweise zum Experiment findet man bei: H U B E R , O.: Das psychologische Experiment, 2000; E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.: Wissenschaftli‐ ches Arbeiten …, 2003; C ZI E N S KOW S KI , U.: Wissenschaftliche Experimente, 1996. 5. Anforderung/ genehmigte Selektion Schrifttum der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung kann - soweit es nicht veröffentlicht ist - bei den zuständigen Ministerien, Gerich‐ ten und Behörden angefordert werden. So erhält man beispielsweise vom jeweiligen Gericht auf Anforderung noch nicht veröffentlichte, aber bereits verkündete Urteile, eine kostenpflichtige Kopie (in der Regel 0,50 Euro) - allerdings unter präziser Angabe des Aktenzeichens. Deshalb ist es wichtig, für die benötigten Urteile die verfügbaren Daten zur Fundstelle festzuhalten. Beispiel: BGH-Urteil v. 20. 07. 2005, Az: VIII ZR 347/ 04 Das bedeutet: Urteil des Bundesgerichtshofes, Karlsruhe, verkündet am 20. Juli 2005, rechtskräftig in letzter Instanz entschieden, da keine Berufung bzw. Revision möglich ist, Aktenzeichen: VIII. Senat, ZR 374 (laufende Nummer), 04 (2004 als Jahr der Klageeinrechung beim BGH). 106 4 Erhebung von Daten <?page no="107"?> Die Veröffentlichungen von Körperschaften des öffentlichen Rechts, bei‐ spielsweise Aktuelle Meldungen, Berichte, Studien, sind gegen Gebühren als Manuskript vor allem dann zu erhalten, wenn der damit verbundene wissenschaftliche Zweck begründet wird und die Anforderung schriftlich erfolgt (T H E I S E N , 2005, S.-93). Materialien über Wirtschaftsunternehmen, Verbände, Kammern und Gewerkschaften können dem Bundesanzeiger und der Wirtschaftspresse entnommen werden. Die elektronischen Wirtschaftsdatenbanken halten eine große, allerdings kostenpflichtige Menge an Informationen bereit. Für spezielle und aktuelle Informationen wird die direkte Nachfrage bei einzel‐ nen Unternehmen oder Organisationen empfohlen. Auch hier sollte das wissenschaftliche Anliegen genannt und der erbetene Informationsbedarf exakt formuliert werden. 4.3 Sekundärmaterial 4.3.1 Quellen 1. Nachschlagewerke Nachschlagewerke bieten für wissenschaftliche Zwecke Informationen von unterschiedlichem Wert. So helfen Wörterbücher, allgemeine Lexika (z. B. Brockhaus), Enzyklopädien zwar beim ersten Einstieg in die Arbeit, geben einen ersten Überblick, vermitteln ein erstes Begriffsverständnis - aber Vorsicht: sie sind nicht zitierfähig! Demgegenüber bieten Fachlexika, ver‐ fasst von anerkannten Wissenschaftlern, eine größere Tiefe der Information. Allerdings leiden sie häufig an geringer Aktualität, was die ergänzende Recherche in aktuellen Quellen erfordert (S T R OHD E C K E R , J.; 2005, S.-35). 2. Bibliografien Bibliografien sind Verzeichnisse, die einen Bestand an Literatur nach regionalen, zeitlichen oder fachbezogenen Kriterien enthalten (T H E I S E N , M. R.; 2005, S. 46). Sie sind ein wichtiges Mittel der Literatursuche. Für die wissenschaftliche Arbeit können vor allem die Bibliografien der Hochschulschriften empfohlen werden. Die Deutsche Bibliothek erstellt das Hochschulschriftenverzeichnis, das die Promotions- und Habilitations‐ arbeiten deutscher Hochschulen sowie die deutschsprachigen höheren Gra‐ duierungsarbeiten des Auslands enthält. 4.3 Sekundärmaterial 107 <?page no="108"?> Bibliothekskataloge enthalten die Bestände von Büchern und Zeitschrif‐ ten von Bibliotheken. Die überwiegende Zahl der Bibliotheken ist online verfügbar über ihren „Online Public Access Computer“, den so genannten OPAC. 3. Lehrbücher Lehrbücher stellen den Stand der Wissenschaft bestenfalls im Erscheinungs‐ jahr dar und vermitteln, in der Regel didaktisch aufbereitet, ein Standard‐ wissen. Ihr geringerer Innovationsgehalt, insbesondere seltene Verweise auf neue Forschungsgebiete und die häufig mangelnde Aktualität, machen sie lediglich für den Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit brauchbar. Als recht nützlich erweist sich allerdings ihr in der Regel umfangreiches Literaturverzeichnis. 4. Monografien Wissenschaftliche Monografien sind veröffentlichte Forschungsberichte sowie Dissertationen und Habilitationsschriften. Im Unterschied zu den Lehrbüchern zeichnen sie sich durch eine angemessene Detaillierung und Differenzierung sowie kritische Auseinandersetzung und Problemsicht aus. Besonders wertvoll sind die vorgenommenen begrifflichen Definitio‐ nen und die Literaturverzeichnisse. Leider sind Monografien oft schwer lesbar. 5. Fachzeitschriften und Fachbücher Die Artikel in Fachzeitschriften liefern wertvolle Informationen zum aktuel‐ len Forschungsstand und vermitteln anregende Fragen und Behauptungen. Als Plattform der wissenschaftlichen Diskussion machen sie auf Meinungs‐ führer und deren wissenschaftliches Werk aufmerksam. Zugleich kommt hier der Wissenschaftliche Nachwuchs zu Wort, was für das Verständnis des wissenschaftlichen Bearbeiters vorteilhaft ist (T H E I S E N , M. R.; 2005, S. 60). Obwohl die Artikel einem mehrstufigen Prozess der Begutachtung unterliegen, sind sie meist aktuell. Von ähnlichem Wert für die wissenschaftliche Arbeit sind Fachbücher. Hier, wie auch bei den Artikeln sollte der Bearbeiter prüfen, welche Arbeiten sein Betreuer oder der Dozent im einschlägigen Fach veröffentlicht und welche Literatur er dafür ausgewiesen hat. Hierunter fallen auch die so genannten Herausgeberwerke. S T R OHD E CK E R , J. (2005, S. 37) verweist zurecht darauf, dass in diesen Werken, beispielsweise 108 4 Erhebung von Daten <?page no="109"?> Handbüchern, Festschriften, Konferenz- und Tagungsbänden, das wissen‐ schaftliche Niveau oft schwankt, Einzelmeinungen stark dominieren und deshalb eine kritische Lektüre empfohlen wird. 6. Arbeitspapiere Wer die Möglichkeit hat, an Arbeits- und Diskussionspapiere der Wissen‐ schaft zu gelangen, gewinnt rasch einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Obwohl nicht immer leicht verfügbar, sind sie doch zu‐ nehmend über das Internet online abrufbar. Dem hohen Innovationsgehalt dieser so genannten „Working Papers“ steht gegenüber, dass es sich in vielen Fällen noch um ungeprüfte Behauptungen handelt. Deshalb wird auch hier kritische Auswahl empfohlen. Im Zweifelsfall sollte dem Zeitschriftenartikel zum gleichen Gegenstand der Vorzug gegeben werden. 7. Internetquellen Internetquellen sind ein wertvolles Werkzeug in der wissenschaftlichen Arbeit. Neben Büchern und Fachartikeln gehören digitale Quellen, wie Datenbanken, Online-Archive und wissenschaftliche Artikel, zunehmend zur Grundlage der Recherche. Dabei sind die Qualität und Verlässlichkeit zu sichern, eine sorgfältige Auswahl und kritische Prüfung unerlässlich. In der wissenschaftlichen Arbeit sollten vor allem Quellen genutzt werden, die von etablierten Instituten und anerkannten Wissenschaftlern empfohlen werden. So bieten z. B. JSTOR, Google Scholar oder PubMed geprüfte und zitierfähige Literatur an. Auch die Universitäten, Regierungseinrichtungen und renommierte Forschungsinstitute stellen auf ihrer Website zuverlässige Inhalte zur Verfügung. Zahlreiche fachspezifische Datenbanken bieten gezielt relevante Fachli‐ teratur an. Für technische und naturwissenschaftliche Themen ist z. B. IEEE Xplore geeignet, PsycINFO wird für psychologische Literatur empfohlen. Die Deutsche Nationalbibliothek, BASE (Bielefeld Academic Search Engine) und GEO-LEO e-docs bieten für deutschsprachige wissenschaftliche Arbei‐ ten eine Fülle wissenschaftlicher Veröffentlichung an. Open-Access-Plattformen wie ResarchGate, arXiv und DOAJ (Directory of Open Access Journals) machen wissenschaftliche Texte frei zugänglich und erleichtern spürbar den Zugang zu aktueller Forschungsliteratur. Aller‐ dings ist darauf zu achten, dass die Textsorten das Peer-Review-Verfahren nachweislich mit Erfolg durchlaufen haben. 4.3 Sekundärmaterial 109 <?page no="110"?> Quellen sollten nur dann verwendet werden, wenn sie gesicherte Belege und wissenschaftliche Methoden ausweisen. Auf Gund der Fülle des An‐ gebots sollte die Übernahme in den wissenschaftlichen Text durch den Verfasser nicht ungeprüft erfolgen. Denn die Glaubwürdigkeit der gefun‐ denen Quelle ist nicht durch Expertenurteil gedeckt. Sie muss des halb durch den Verfasser selbst eingeschätzt werden. UHL, 2023, S. 79 ff., nennt vier Kriterien für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit: • Autorenschaft und ihre Autorität (Nachweis der Qualifikation, Zugehö‐ rigkeit zu angesehenen Institutionen), • Kommunikativer Kontext und Ziel der Quelle (Prüfen der Website und der Ziele), • Argumentationsführung und Objektivität, • Formale Gestaltung (Prüfen der technischen Funktionalität und sprach‐ lichen Korrektheit). Durch das Verwenden mehrerer dieser Kriterien für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit kann ein ausgewogenes Urteil getroffen werden. Internetquellen sind in wissenschaftlichen Arbeiten korrekt zu zitieren. Auf ihre dauerhafte Verfügbarkeit ist zu achten, da sich die URLs ändern können. Deshalb ist das Zugriffsdatum anzugeben und es sind permanente Links (verweist auf einen Artikel und ist immer unter der gleichen URL auffindbar) zu verwenden. 8. KI-Quellen KI-basierte Tools bieten dem Nutzer neue Möglichkeiten als Werkzeuge bei der Literaturrecherche, der Datenanalyse oder der Textgenerierung. Ebenso wie bei den Internetquellen ist eine kritische Haltung gegenüber den Ergebnissen erforderlich. Das gilt umso mehr, als die Nutzung von KI die Integrität beeinflussen kann. KI-Tools können große Mengen an Literatur durchsuchen und relevante Artikel, Studien oder Bücher vorschlagen, basierend auf Schlagwörtern und Themenfeldern. Dem Einsteiger bietet ChatGPT eine umfangreiche Recherche in kürzester Zeit. Wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die präzise, klar auf das Rechercheziel gerichtete Anweisung (Eingabe) an den Chatbot. Dazu gehören z. B. der Themenbereich, die Textsorte (Buch, Fachartikel etc.), bibliografische Angaben, Wichtigkeit, Sprache, Anzahl der Angebote, wobei zahlreiche Spezifizierungen möglich sind. Recherchebeispiele werden in Kapitel-12 und im Anhang 1 vorgestellt. 110 4 Erhebung von Daten <?page no="111"?> Die KI-basierten Recherchesysteme Iris.ai und Connected Papers bieten dem Fortgeschrittenen schnelle und gezielte Suche nach Literatur. Diese Tools erkennen thematische Zusammenhänge und bieten Vorschläge für Artikel an, die über die traditionelle Schlagwortsuche hinausgehen. Sie können thematische Übersichten erstellen und Zusammenhänge zwischen Forschungsergebnissen aufzeigen. Der wissenschaftliche Arbeitsprozess kann effizient und zeitsparend gestaltet werden. Die Herausforderung beim Einsatz der KI besteht in der Einhaltung wissenschaftlicher Standards und im Bewusstsein für ethische Fragen. KI-Modelle können Fehler enthalten, wenn sie z. B. auf veralteten oder ungeeigneten Trainingsdaten basieren. Der Einsatz von KI-Tools kann die wissenschaftliche Objektivität beeinträchtigen, u. a. durch die unkritische Übernahme von Daten. Deshalb hat der Nutzer die Herkunft von KI- Ergebnissen zu hinterfragen. Er hat darzulegen, in welcher Weise KI in seine Arbeit eingeflossen ist (siehe dazu Kapitel 12). Schließlich ist die Aktualität der von den KI-Tools angebotenen Ergebnisse zu prüfen. So endet der Wissensstand von ChatGPT gegenwärtig im Jahr 2023. Wer aktuelle Literaturinformationen benötigt, kann mit dem Chatbot im Internet recherchieren. (Quelle: ChatGPT, Abruf: 12.11.2024) 9. Materialerhebung Bei der Erhebung des Sekundärmaterials ist auf ein angemessenes Verhältnis von • Basisliteratur, • spezifischer Literatur und • konkretem Faktenmaterial zu achten. Abb.-44 enthält dazu eine Orientierung (keine Vorschrift! ). 4.3 Sekundärmaterial 111 <?page no="112"?> Abb.-44: Qualitäten des Sekundärmaterials 4.3.2 Instrumente Für das Erschließen von Sekundärmaterial für die wissenschaftliche Arbeit sind als Instrumente gebräuchlich (T H E I S E N , M. R.; 2005, S.-94-99): • die Ausleihe, • die Kopie, • das Download, • der Erwerb. Die Ausleihe des Sekundärmaterials erfolgt in öffentlichen und privaten Bibliotheken und Archiven • vor Ort als Tages-, Wochen- oder Monatsausleihe, • außerhalb des Arbeitsorts als Fernleihe, auf der Basis der jeweiligen Bibliotheksbenutzungsordnung. Einen guten Überblick über Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bietet das „Handbuch der Bibliotheken Bundesrepublik Deutschland, Öster‐ reich, Schweiz“, München u. a. Zur Beachtung: Maßvoll ausleihen, Bestelldauer einkalkulieren, Leihfris‐ ten beachten! 112 4 Erhebung von Daten <?page no="113"?> Die Kopie von Sekundärmaterial ist ein wichtiges Mittel in der wissen‐ schaftlichen Arbeit. Nach § 53 Urheberrechtsgesetz ist die Vervielfältigung bestimmter Artikel oder Kapitel für den eigenen wissenschaftlichen Ge‐ brauch bis zu sieben Stück zulässig. T H E I S E N , M. R. (2005, S. 96) empfiehlt „eine vollständige, alle notwendigen Seiten des Textes umfassende, Kopie.“ Das bedeutet u. a., das zugehörige Deckblatt (einschließlich dessen Rück‐ seite), das Inhaltsverzeichnis, das Abkürzungs- und Symbolverzeichnis so‐ wie das Literaturverzeichnis zu kopieren. Damit werden die Dokumentation sowie nachträgliche Ergänzungen und spätere Nachforschungen erleichtert. Zur Beachtung: Übertriebenes Kopieren kostet nicht nur viel Geld, son‐ dern Zeit und Nerven bei der Bewältigung der unübersehbaren Literatur‐ fülle. Die elektronische Variante der Printkopie ist das Download. Durch kostenpflichtige Nutzung des Internets lassen sich rasch Daten und Informa‐ tionen gewinnen, die kopiert, gesichert und dann netzunabhängig inhaltlich bearbeitet werden können. Selbstverständlich gelten auch hier alle Vor‐ schriften des Urheberrechts, der vollständigen bibliografischen Erfassung und des ordnungsgemäßen Zitierens (vgl. dazu Hinweise in Abschnitt 6.3). Zur Beachtung: Wahlloses Downloaden schafft später Verarbeitungspro‐ bleme. Außerdem unterliegt das elektronische Material der Manipulation und Veränderbarkeit der Texte. Dem Autor einer wissenschaftlichen Arbeit wird der Erwerb eines eigenen Exemplars solcher Bücher empfohlen, die für seine Untersuchungen grundlegend sind und hier häufige Verwendung finden. Solche Werke sind gründlich und im Zusammenhang zu studieren und auszuwerten. Kopierte Auszüge können das in aller Regel nicht leisten. Das bezieht sich auch auf das Abonnement einer Fachzeitschrift mit ausgeprägtem Bezug zum Unter‐ suchungsgegenstand. Im Unterschied zum kopierten Artikel vermittelt das regelmäßige Studium der Fachzeitschrift zugleich Einblicke in angrenzende Themen und in die Entwicklung der wissenschaftlichen Disziplin. 4.3 Sekundärmaterial 113 <?page no="114"?> 4.3.3 Dokumentation 1. Quellenrecherche a) Recherche von vorhandenen Quellen Bei dieser Recherche wird vor allem die Auswertung der Quellenverzeich‐ nisse einschlägiger wissenschaftlicher Arbeiten empfohlen. Besonders ge‐ eignet sind junge und umfassende Werke, insbesondere Dissertationen aber auch Masterbzw. Diplomarbeiten, da man davon ausgehen kann, dass die Verfasser eine umfassende Literaturzusammenstellung angefertigt haben. Des weiteren sind regelmäßig erscheinende Bibliografien auszuwerten, die den Literaturbestand bestimmter Fachgebiete bzw. Länder und Regionen auflisten. b) Recherche in Bibliotheken und online-Katalogen Überblick Bibliotheken haben eigene Kataloge, die sie in Bibliotheksverbünden zusam‐ menschließen. Diese Kataloge sind elektronisch geführt. Sie heißen OPAC (Online Public Access Catalogue). Hier sind die Bücher verzeichnet, die die jeweilige Bibliothek führt. Zu unterscheiden sind: • der nach Verfassern und Titeln geordnete alphabetische Katalog, • der systematisch oder nach Schlagwörtern geordnete Sachkatalog und • der die Buchaufstellung verzeichnende Standortkatalog. In diesen Katalogen sind Vormerkungen bestellter Bücher möglich. Das Rückgabedatum wird angezeigt, ist aber keine Garantie dafür, dass es zu diesem Zeitpunkt kommt. Es wird auch die Rangfolge angezeigt, also wievielter Wartender ist der Besteller. Werden die Details einer Quelle aufgerufen, dann kommt man über „Internetseite/ Link“ zum Server QUCOSA, wo die Inhalte vielmals als PDF bereitstehen. Im Katalog werden auch Zeitschriften gefunden, jedoch ohne die einzelnen vorhandenen Artikel. Bücher Zur Suche der in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Printmedien eignen sich die OPACs, die in drei Kategorien unterteilt werden können: 114 4 Erhebung von Daten <?page no="115"?> • Thematisch geordnete Kataloge (ähnlich auch einigen Internetportalen). Die thematische Gliederung wird von den Bibliotheken sehr feingliedrig vorgenommen. • Schlagwortkataloge OPAC (einfache und verfeinerte Suche, Nutzung der Indizes). • Bibliothekenübergreifende Kataloge: Karlsruher Virtueller Katalog (Zusammenschalten tausender Kata‐ loge aus Bibliotheksverbünden. Suche weltweit möglich). http: / / www.u bka.uni-karlsruhe.de/ kvk.hmtl/ . Deutsche Nationalbibliothek (Frankfurt a. M. und Leipzig): http: / / w ww.dnb.de Library of Congress Online Catalog: http: / / catalog.loc.gov. Zeitschriften • Zeitschriftendatenbank (ZDB): http: / / www.d-nb.de Die ZDB findet vorwiegend gedruckte Zeitschriften, aber auch Mikro‐ fiches und einige elektronische Zeitschriften. Sie gibt an, wo welche Zeitschrift zu finden ist. Man erhält eine Suchmaske mit Erweiterung und kann nach Schlagworten verschiedene Kategorien suchen. Das Suchergebnis weist aus, ob es sich um eine Print- oder elektronische Zeitschrift handelt. Direkt ist zu erfahren, wo diese Zeitschrift eingese‐ hen werden kann und welche Jahrgänge an der angegebenen Bibliothek vorhanden sind. • Elektronischer Zeitschriftenkatalog (EZK): http: / / www.slub-dresden.de/ recherche/ zeitschriften Erfahrungsgemäß bringt die Recherche elektronischer Zeitschriften auf einem Universitätscampus, in einer Universitätsbibliothek oder einem wissenschaftlichen Institut mehr Ergebnisse, als vom heimischen Arbeitsplatz aus. Durch ein Ampelsystem wird unterschieden, ob eine Quelle - grün - frei zugänglich ist, - gelb - campusgebundene Zeitschriften (auf welchem Campus finde ich welche Zeitschrift) oder - rot - nur kommerziell genutzt werden kann. 4.3 Sekundärmaterial 115 <?page no="116"?> c) Recherche in Datenbanken: http: / / rzblx10.uni-regensburg.de/ dbinfo / fachliste.php? lett=1 Im Unterschied zur Recherche von Zeitschriften in der ZDB oder im EZK ist hier eine Recherche einzelner Aufsätze zu finden. Aus der Vielzahl der vorhandenen Fachdatenbanken werden besonders empfohlen: • business source complete (EBSCO), • FACTIVA, • wiso Wirtschaftswissenschaften. Ebenso wie für die elektronischen Zeitschriften gilt, dass über ein Ampelsys‐ tem die Zugangsberechtigung angegeben ist. Am heimischen Arbeitsplatz sind nur wenige grüne und viele rote Symbole zu finden, auf dem Campus werden aus vielen roten gelbe, dort sind diese Datenbanken zugänglich. d) Recherche im freien Internet Neben den Bibliothekskatalogen und Datenbanken lohnt die Recherche in Internetsuchmaschinen. Besonders empfohlen werden: • BASE (Bielefeld Academic Search Engine) - https: / / www.base-search. net/ - einfache und erweiterte Suche, - durchsucht werden wissenschaftliche Web-Dokumente wie Zeit‐ schriften, Repositorien, Digitale Sammlungen etc. • JSTOR - https: / / about.jstor.org/ oa-and-free/ - einfache und erweiterte Suche, - durchsucht werden Fachzeitschriften, wissenschaftliche Bücher, Forschungsberichte sowie Quellensammlungen. • Google Scholar - http/ / www.scholar.google.com/ - einfache und erweiterte Suche, - durchsucht werden wissenschaftliche Zeitschriften und Monogra‐ phien. • MetaGer - http: / / meta.rrzu.uni-hannover.de - einfache Suche, - Meta-Suchmaschine über deutschsprachige Suchmaschinen, - durchsucht werden wissenschaftliche Zeitschriften, Dissertatio‐ nen, Monografien und Webseiten. 116 4 Erhebung von Daten <?page no="117"?> • Oaister - http: / / www.oaister.org/ o/ oaister/ - erweiterte Suche, - Suche nach wissenschaftlichen Volltexten (Zeitschriftenartikeln, Dissertationen), digitalen Ressourcen und mehr. 2. Literaturbeschaffung Fernleihe Sofern ein Werk in der Heimatbibliothek nicht vorhanden ist, kann es per Fernleihe bestellt werden, vorausgesetzt, dass • die Literatur nicht im bibliothekseigenen Bestand ist, • sie auch nicht in anderen Bibliotheken in der eigenen Stadt erhältlich ist, • sie nicht von geringem Wert ist. Die Fernleihe kann über das Online-Formular angemeldet werden, kostet etwa 1,50 Euro je Quelle und dauert etwa ein bis zwei Wochen. Lieferdienste (Subito) Sofern die Zeit knapp und eine Selbstabholung in der Bibliothek nicht möglich ist, kann ein kostenpflichtiger Lieferdienst beauftragt werden - bei‐ spielsweise Subito (http: / / www.subito-doc.de). Er liefert nach Registrierung ausschließlich Printmedien, keine pdf-Dateien, da das Urheberrechtsgesetz dies nicht mehr zulässt. 3. Quellenverwaltung Kartothek Die Kartothek wird mit Blick auf die modernen Programme kaum noch angewandt. Standard-Bürosoftware Word und Excel (Textverarbeitung und Tabellenkalkulation) bieten für die Verwaltung von Literaturdaten zu wenige Filter und Sonderfunktionen. Der Nutzer hat keinen Überblick über die Vollständigkeit der bibliografi‐ schen Angaben. 4.3 Sekundärmaterial 117 <?page no="118"?> Bevorzugt wird eine Datenbank. Wenn mehr als eine Auflistung der bibliografischen Angaben gewünscht wird, muss sie in Beziehung zur Quelle stehen, d. h. relational sein. Im MS Office ist es Access. Citavi-Verwaltungs- und Recherche-Programm Sehr gute Möglichkeiten für die Quellenverwaltung bietet die Citavi-Litera‐ tur-Datenbank. Citavi bietet u. a. folgende Möglichkeiten: • Quellenverwaltung - Anordnung nach zahlreichen Kriterien, wie Autor, Jahrgang, Standort, Stichworten u. v. a. m., - Inhaltsüberblick, - Stichworte hinzufügen, - Erstellen von Literaturverzeichnissen; • Ideen- und Zitatensammlung; • Zitation direkt im doc oder docx-Text; • Erfassung aller bibliografischen Daten über den Picker. 4.4 Etappen der Erkenntnisgewinnung Nach der Kennzeichnung des Primär- und Sekundärmaterials innerhalb der Datenerhebung soll nun ihre Rolle auf dem Wege des Erkennens und Umsetzens von Erkenntnissen in der wissenschaftlichen Arbeit erläutert werden. In Abb.-45 sind die einzelnen Etappen dieses Weges dargestellt. Danach werden aus eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen, aus Studien und Beobachtungen die Forschungsfrage(n) gestellt. Die subjektiv vermu‐ tete(n), also vorläufige(n) Antwort(en) darauf führen zu Annahmen, den Hypothesen. Beispielsweise könnte die Forschungsfrage lauten: Welche Folgerungen ergeben sich aus den Wandlungen im Seniorenmarkt für die Werbung? Eine erste Antwort darauf könnte im Sinne einer Hypothese wie folgt gegeben werden: Die Veränderungen im Seniorenmarkt führen zu Konsequenzen in der Werbung. In der empirischen Forschung wird mit der Hypothese ein Zusammen‐ hang zwischen mindestens zwei Variablen unterstellt, beispielsweise zwi‐ schen Kundenzufriedenheit und Kundentreue. Im Gegensatz zu Spekulatio‐ nen sind Hypothesen widerspruchsfrei, entsprechen dem Alltagswissen und können begründet werden. 118 4 Erhebung von Daten <?page no="119"?> Abb. 45: Etappen auf dem Wege der Erkenntnisgewinnung in der wissenschaftlichen Arbeit Nunmehr wird durch das Studium der einschlägigen Literatur, also durch Materialforschung geprüft, ob diese oder ähnliche Annahmen auch in ande‐ ren Bereichen getroffen und wissenschaftlich untersucht wurden. Bezogen auf den oben genannten Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Kundentreue bietet die Literatur zahlreiche Quellen, die einerseits die weitere Untersuchung für definierte Bedingungen und Bereiche legitimieren und andererseits erste Belege für den vermuteten Zusammenhang liefern. Demgegenüber kann beispielsweise der für eine Region vermutete Zusam‐ menhang zwischen der Anzahl der Störche und der Anzahl der Neugeburten (Scheinkorrelation) durch Materialforschung nicht nachgewiesen werden und erübrigt deshalb weitere Untersuchungen. Die wissenschaftliche Literatur bietet für die folgenden Untersuchungen zahlreiche Theorien, Modelle und Vorgehensweisen an, aus denen der Autor mittels nachvollziehbarer Kriterien eine begründete Auswahl zu treffen hat. So offenbart z. B. eine Literaturrecherche zum Thema „Implementierung einer Unternehmensstrategie“ sieben verschiedene Modelle (Balanced Score‐ card, Vorgehensmodell von K O LK S , Implementierungsmodell nach H U B E R , Modell von P EA R C E und R O BIN S O N , Modell von G AL P IN , Modell von N O B L E , Mo‐ 4.4 Etappen der Erkenntnisgewinnung 119 <?page no="120"?> dell von R A P P ), Welches ist bzw. welche sind für die weitere Untersuchung hilfreich? Eine willkürliche Auswahl ist zu vermeiden. Sinnvoll wäre eine Einschränkung beispielsweise auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Nunmehr lautet die Frage: Welche Ansprüche sind an die Implementierung einer Unternehmensstrategie für KMU zu stellen? Die Antwort erfordert Beurteilungskriterien (z.-B. Einfachheit der Handhabung, Flexibilität in der Gestaltung, Einbeziehung der Mitarbeiter). Eine Prüfung der sieben Modelle mit diesen Kriterien führt im Ergebnis zum Modell von R A P P . Weitere Beispiele zum Einsatz von Beurteilungskriterien enthalten die Abb. 75 und 76 im Abschnitt 13.3.3. In der nächsten Etappe erfolgt mit den Instrumenten der Feldforschung (siehe dazu Abschnitt 4.2.2) die Prüfung der Hypothese im Hinblick auf einen bestimmten Gültigkeitsumfang. Wird sie verifiziert (belegt), kann der Erkenntniszuwachs als These (Behauptung) mit definierter Gültigkeit formuliert werden, z. B. bezogen auf einen bestimmten Gegenstand, ein spezielles Lebewesen, eine eingegrenzte Lokalität oder einen begrenzten Zeitraum. Kann sie für den Untersuchungsbereich nicht bestätigt werden, ist sie falsifiziert (falsch, verfälscht, widerlegt). Graduierungsarbeiten implizieren in der Regel Vorschläge für Maßnah‐ men zur Umsetzung der in der These manifestierten Ergebnisse. Dazu gehören Schlussfolgerungen und Empfehlungen für das Treffen von Ent‐ scheidungen, aber auch Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen. Dazu gehört auch das Generieren neuer Hypothesen. In Ergänzung zu dieser Beschreibung soll der Weg der Erkenntnisgewin‐ nung nach Abb.-41 mit zwei Beispielen erläutert werden. 1. Beispiel: Die Forschungsfrage Projektarbeit lautet: Besitzen alle Schwäne ein weißes Gefieder? Aus Beobachtungen im heimatlichen Seengebiet entsteht die Annahme (universelle Hypothese): Alle Schwäne sind weiß! Das Studium der einschlägige Literatur führt zu dem Ergebnis: Junge Schwäne sind grau. Es gibt außerdem auch erwachsene Schwäne mit grauem und sogar bläulichem Gefieder. Demzufolge ist die universelle Hypothese falsifiziert. Sie wird zunächst in eine existentielle Hypothese umgewandelt: Es gibt weiße Schwäne! Um nun den Anspruch einer universellen Hypothese zu erfüllen, wird eine strukturierte Feldbeobachtung unter bestimmten Bedingungen durch‐ 120 4 Erhebung von Daten <?page no="121"?> geführt. Im Ergebnis wurden im Sommer 2011 (August bis Oktober) an der Mecklenburger Seenplatte ausschließlich weiße Schwäne gesichtet. Nunmehr kann die Behauptung (These) aufgestellt werden: Alle im Zeitraum August bis Oktober 2011 an der Mecklenburger Seenplatte gesichteten Schwäne hatten ein weißes Gefieder. 2. Beispiel: Die Forschungsfrage einer Graduierungsarbeit lautet: Welcher Zusam‐ menhang besteht zwischen der Kundenzufriedenheit und der Anzahl der Beschwerden? Aus einem bestimmten Erfahrungsbereich entsteht als erste Antwort auf die Forschungsfrage die Annahme (universelle Hypothese): Eine geringe Anzahl an Beschwerden heißt: Unsere Kunden sind zufrieden! Die nun folgende Literaturrecherche führt zu unterschiedlichen Aussa‐ gen. - Eine Quelle A weist für einen speziellen Bereich aus: Geringe Anzahl von Beschwerden ist Ausdruck für Kundenzufriedenheit. - In einer Quelle B wird mit Bezug auf einen anderen Bereich festgestellt: Eine geringe Anzahl von Beschwerden ist kein Indikator für Kundenzu‐ friedenheit. Die eingangs aufgestellte Hypothese ist offenbar nicht universell gültig. Jetzt ist zu untersuchen, ob sie unter bestimmten Bedingungen verifiziert oder falsifiziert wird. Zu diesem Zweck werden 4000 Kunden von Gebäudereini‐ gungsunternehmen im Zeitraum 2005-2011 aus der Region X nach ihrer Zufriedenheit mit dem Personal befragt. Ergebnisse: - 38 % der befragten Kunden hatten ein negatives Erlebnis (schlechte Beratung, schlechte Betreuung, Unfreundlichkeit etc.). - Von den Kunden mit negativem Erlebnis beschwerten sich 52 %. Mithin verzichteten 48 % auf eine Beschwerde, aber nahezu alle aus diesem Kreis beabsichtigten, den Anbieter zu wechseln. - Von den Beschwerdeführenden waren 29 % mit der Reaktion des Unter‐ nehmens zufrieden. 71 % waren unzufrieden, aber nur ein sehr geringer Teil (<-20-%) von ihnen äußerte eine Wechselabsicht. Die universelle Hypothese ist für den gewählten Untersuchungsbereich falsifiziert. Die Behauptung (These) lautet: Für Gebäudereinigungsunter‐ 4.4 Etappen der Erkenntnisgewinnung 121 <?page no="122"?> nehmen in der Region X war im Zeitraum 2005-2011 eine geringe Anzahl von Beschwerden kein Indikator für Kundenzufriedenheit. Beschwerdeführende wandern selten ab. Die Schlussfolgerungen für die Unternehmensleitung lauten: - Animiere deine Kunden zur Beschwerde! - Manage die Beschwerde zur Zufriedenheit! Nicht selten wird in Projekt- oder Graduierungsarbeiten versucht, eine Hypothese mit Ergebnissen aus Befragungen oder Beobachtungen, also aus‐ schließlich auf dem Wege der Feldforschung zu belegen. Dabei wurde darauf verzichtet in der einschlägigen Literatur zu prüfen, ob die Hypothese nicht schon in anderen Arbeiten ausreichend belegt ist. Oder in einem anderen Fall hätte der Autor spätestens beim Studium der Literatur festgestellt, das sich der von ihm behauptete Zusammenhang zwischen der Anzahl der eingesetz‐ ten Feuerwehrleute und der Höhe des Brandschadens als Scheinkorrelation erweist und in Wirklichkeit die Größe des Feuers beide Variablen bestimmt. Deshalb ist bei der Datenerhebung auf ein ausgewogenes Verhältnis von Materialforschung (Sekundärmaterial) und Feldforschung (Primärmaterial) zu achten. Gewarnt wird vor der Vernachlässigung der einen oder anderen Materialart. Abschließend sei ein Vorgriff auf den Teil 13 - Präsentieren der Arbeit - gestattet. Folgt man den Etappen der Erkenntnisgewinnung, so ist daraus eine logische Abfolge für die Gliederungspunkte der Präsentation abzulei‐ ten: 1. Anlass der Untersuchung, 2. Forschungsfrage(n), Hypothese(n), 3. Forschungsstand (Materialforschung), 4. Methodisches Vorgehen (Feldforschung), 5. Erkenntnisse, These(n), 6. Schlussfolgerungen, Umsetzungsvorschläge. 4.5 Checkliste 1. Erschließe ausreichend Primärmaterial vor allem durch Feldforschung und Sekundärmaterial durch Literaturstudium. 2. Prüfe, ob der Informationswert der zu gewinnenden Daten dem Niveau der eingesetzten Techniken und Methoden entspricht. 122 4 Erhebung von Daten <?page no="123"?> 3. Wähle ein bestimmtes Erhebungsinstrument (Befragung, Beobachtung, Experiment etc.) in Abhängigkeit von der wissenschaftlichen Fragestel‐ lung der Untersuchung aus. 4. Bedenke bei der Materialerschließung, dass der Weg zur Bibliothek manchmal kürzer ist als bei der Internetrecherche. 5. Sichere frühzeitig die vollständige Dokumentation der Quellen (siehe Abschnitt 8.8.1). 6. Informiere Betreuer, Fachkollegen u. a. über das erschlossene Material und erbitte Ihre Beratung. 7. Arbeite Stand und weiteres Vorgehen bei der Materialerschließung regelmäßig in das Exposé (s. Kapitel 6.6) ein. 8. Erwerbe die für Ihre Untersuchung grundlegenden Bücher selbst und abboniere entsprechende Fachzeitschriften. 4.5 Checkliste 123 <?page no="125"?> 5 Methodischer Exkurs 5.1 Empirischer Forschungsprozess Die Abfolge des empirischen Forschungsprozesses lässt sich mit Bezug auf Abschnitt 4.4 in folgenden groben Schritten beschreiben: 1. Formulieren einer wissenschaftlichen Fragestellung (Forschungsfrage), weil - ein wissenschaftlich relevantes Problem untersucht werden soll, - bereits vorliegende Befunde überprüft bzw. ergänzt werden sollen, - ein konkreter Untersuchungsauftrag vorliegt. 2. Entwickeln und Formulieren der Annahme(n), also Hypothese(n) und deren forschungsbezogene Operationalisierung. 3. Suche nach bereits vorhandenen einschlägigen Theorien, Modellen, Vorgehensweisen etc. in der wissenschaftlichen Literatur für das Prüfen und Belegen der Hypothese(n). 4. Bestimmen der empirischen Forschungsmethoden, insbesondere Zu‐ sammenhangsstudien, experimentelle Untersuchungen (siehe dazu 5.2). 5. Festlegen der spezifischen Auswahlverfahren (Total- oder Stichproben‐ erhebung, Grundgesamtheit und Auswahlbasis, Auswahl der Perso‐ nen/ Elemente aus der Grundgesamtheit, Stichprobengröße usw.) und der Methoden der Datenerhebung (Feldforschung), beispielsweise Be‐ fragung oder Beobachtung. 6. Aufbereitung der Daten mit statistischen Verfahren, insbesondere - beschreibende, - schließende Verfahren (siehe dazu 5.3) und deren Interpretation. 7. Herausarbeiten der Behauptung(en), also These(n), als Antwort auf die wissenschaftliche Fragestellung und deren ausreichende Begründung, mit der die Hypothese bestätigt oder widerlegt wird. A TT E S LAND E R , P. (2000, S. 56) teilt den empirischen Forschungsprozess wie folgt ein: • Erkennungszusammenhang - entspricht den Schritten 1. und 2. • Begründungszusammenhang - entspricht den Schritten 3. bis 6. <?page no="126"?> • Verwertungs- und Wirkungszusammenhang - entspricht dem Schritt-7. In wissenschaftlichen Arbeiten wird oft quantitatives und qualitatives Vorgehen miteinander verknüpft. Auf der einen Seite werden mit qua‐ litativen Analysen Hypothesen in Frage gestellt. Die Verbindung mit dem Gegenstand der Untersuchung und damit auch mit der Nähe zum Alltag wird über die Erhebungsphase hinaus aufrechterhalten. Auf der anderen Seite gewinnen qualitativ orientierte Untersuchungen durch das Hinzuziehen quantitativer Erhebungsschritte an Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse. 5.2 Empirische Forschungsmethoden In der empirischen Forschung finden vor allem Zusammenhangsstudien und experimentelle Untersuchungen Anwendung (F R ITZ , A. et al., 2010, S. 27 ff.) In den Zusammenhangsstudien werden die Beziehungen von mehreren Sachverhalten untereinander untersucht. Dabei soll geklärt werden, ob sich zwei Variable zufällig oder systematisch miteinander verändern. Beispiel (s. Abb.-46): Ein angenommener Zusammenhang in der Bewertung des Warenangebots an Frischgemüse und Molkereiprodukten soll untersucht werden. Dazu wird das entsprechende Angebot von 14 Konsumfilialen in Sachsen bewertet. Jede Filiale hat einen Wert Frischgemüse (A) und einen Wert Molkereiprodukte (B) Die Werte variieren zwischen sechs Punkten (sehr gut) und einem Punkt (sehr schlecht). Hat eine Filiale beispielsweise das Wertepaar 3/ 5 bedeutet das, das Angebot für Frischgemüse erhält 3 Punkte und für Molkereiprodukte 5 Punkte. Trägt man die Wertepaare in ein Koordinatensystem ein, so entsteht die in Abb. 46 dargestellte unsystematische Verteilung. Daraus ist kein Zusammenhang der Variablen im Untersuchungsbereich erkennbar. 126 5 Methodischer Exkurs <?page no="127"?> Abb.-46: Unsystematische Verteilung Abb.-47: Extreme positive Korrelation der Wertepaare Der Zusammenhang der Variablen kann auch rechnerisch mit dem Korre‐ lationskoeffizienten „r“ ermittelt werden. Dieser schwankt zwischen r = 1,00 und r = -1,00. Für die in Abb. 46 dargestellte Verteilung gilt r = 0. Für den in Abb. 47 dargestellten Fall beträgt r = 1. Dieser Extremfall tritt in der Praxis kaum auf. Bei r = 0,4 oder -0,4 liegt ein schwacher Zusammenhang vor, bei r = 0,7 oder -0,7 ein starker Zusammenhang. Der Korrelationskoeffizient sagt allerdings nichts über kausalen Bezie‐ hungen der untersuchten Variablen aus. Mit der experimentellen Un‐ tersuchung wird geprüft, in wieweit eine Variable (abhängige Variable) aus einer oder mehreren anderen (unabhängige Variable) erklärt werden kann. Die unanhängige Variable verursacht die abhängige Variable. Um experimentieren zu können, sind die Variablen exakt zu beschreiben, damit sie beobachtbar und erfassbar werden. Beispiel (s. Abb.-47): In den 14 Konsumfilialen wird untersucht, ob Kundenzufriedenheit (unabhängige Variable) Kundentreue (abhängige Variable) zur Folge hat. In der Kundenbe‐ fragung wird die Kundenzufriedenheit variiert (Zufrieden mit dem Personal, Zufrieden mit der Angebotspalette, Zufrieden mit der Produktqualität etc.) und ihre Auswirkung auf die Kundentreue (Mitgliedschaften, Kundenkarten etc.) festgestellt. Beide Variablen erhalten jeweils eine Bewertung zwischen einem Punkt (sehr niedrig) und sechs Punkten (sehr hoch). Das Ergebnis der experimen‐ tellen Untersuchungen ist in Abb. 47 grafisch dargestellt. Alle Wertepaare liegen 5.2 Empirische Forschungsmethoden 127 <?page no="128"?> deutlich erkennbar auf der Diagonalen. Insgesamt sind nur fünf Wertepaare zu erkennen, da einige (6/ 6, 5/ 5, 4/ 4, 3/ 3) mehrfach belegt sind. Die Abweichung ist gleich Null, der Korrelationskoeffizient r = 1,00; es liegt eine extrem positive Korrelation vor. Mit diesem Resultat der Untersuchung kann die Hypothese „Kundenzufriedenheit ist ursächlich durch Kundentreue bedingt“ unter den definierten Bedingungen (Einschränkungen) kausal interpretiert werden. 5.3 Statistische Analysen 5.3.1 Kennzeichnung Vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten F. R O O S E V E LT stammt der Aus‐ spruch: „Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Schlucker je eine halbe Million.“ Diesem latenten Misstrauen des Lesers gegenüber angebotenen Statistiken kann man nur mit einem begründeten Einsatz von Statistiken und sorgfältiger statistischer Arbeit begegnen. Statistische Analysen erstrecken sich von der Bestimmung des Unter‐ suchungsgegenstandes über die Erhebung und Aufbereitung von Daten bis zur Umsetzung der Untersuchungsergebnisse durch Interpretation in einem Analysebericht (Befund). Dabei werden uni-, bi- und multivariate Verfahren eingesetzt. Ihr jeweiliger Einsatz hängt davon ab, ob eine oder zwei Variable oder die Beziehung zwischen mehreren beteiligten Variablen untersucht werden. Das Ziel statistischer Analysen besteht im Gewinnen von Erkenntnissen und Einsichten über bestimmte Ereignisse bzw. Vorgänge und deren Wechselwirkungen mit anderen Ereignissen bzw. Vorgängen. Die gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten werden in Befunden über eine betrachtete Grund- und Teilgesamtheit ausgewiesen. Das Grundmuster statistischer Analyse lässt sich in folgenden Arbeits‐ etappen darstellen (O P P ITZ , V.: 2007, S.-15): 1. Festlegen des Analyseziels und Definieren der statistischen Berichtsin‐ halte. 2. Datenanalyse der verfügbaren und zu beschaffenden Grund- und Teil‐ gesamtheiten. 3. Bestimmen der Methoden, Festlegen der Verfahrenswege und Software‐ implementierung. 128 5 Methodischer Exkurs <?page no="129"?> 4. Berechnen mit Validieren der Ergebnisse inklusive Vergleichsrech‐ nungen. 5. Textliches Abfassen des statistischen Befundes mit Grafiken, Tabellen und Empfehlungen über das - Verbessern der Steuerung und Regelung der Vorgänge, - Stabilisieren und Optimieren der Zielerreichung, - Vervollkommnen der Planung, Steuerung und Kontrolle von Prozes‐ sen. Statistische Analysen werden eingeteilt in • die beschreibende oder deskriptive Statistik und • die schließende oder analytische, induktive, inferenzielle Statistik. 5.3.2 Beschreibende Statistik Die beschreibende (deskriptive) Statistik stellt Verfahren zur Strukturierung und Erklärung von Grundbzw. Teilgesamtheiten bereit. Eine Grundgesamt‐ heit besteht aus einer sachlich, räumlich und zeitlich genau, d. h. möglichst fehlerlos abgegrenzten Menge an Merkmalswerten aller betrachteten realen oder hypothetischen Merkmale (s. Abb.-48). Name Inhalt Beispiel Gesamtheit Personen oder Objekte Schüler ( Jungen) eines Gymnasiums oder die Unterrichtsräume einer Schule Merkmale Parameter Körpergröße, Gewicht, Leistungsdurchschnitt oder Mietpreis und Nebenkosten je qm, Nutz‐ wert Merkmals‐ werte Zahlen und Noten Numerisch für Größen, Gewichte, Preise, Kos‐ ten, linguistisch für Noten, Ränge etc. Abb.-48: Gegenstand der Datenerhebung (in Anlehnung an O P P I T Z , V.: 2007, S.-2) Die beschreibende Statistik erstreckt sich auf • die methodische Bearbeitung und parametrische Beschreibung des Da‐ tenmaterials, • den statistischen Befund mit Bildern, Diagrammen, Kennzahlen, Listen und Texten. 5.3 Statistische Analysen 129 <?page no="130"?> Einer ihrer theoretischen Grundlagen ist der (direkte) Inklusionsschluss. Voraussetzung ist eine bekannte Verteilung der Merkmalsbzw. Parameter‐ werte in der Grundgesamtheit. Im Ergebnis vermittelt der Befund Aussagen darüber, was an Ereignissen eintreten kann. So ergibt sich beispielsweise aus dem Anteilswert einer zweiwertigen Grundgesamtheit die Wahrscheinlich‐ keit, mit der ein bestimmter Anteil in einer Stichprobe auftritt. 5.3.3 Schließende Statistik Aufgabe der schließenden Statistik ist die Analyse von Stichproben, um die gewonnenen statistischen Befunde auf die dazugehörige endliche oder unendliche Grundgesamtheit zu übertragen. Eine Teilgesamtheit (Stichprobe) enthält eine bewusste (heuristische) oder zufällige (wahrscheinlichkeitstheoretische) Auswahl von Merkmals‐ werten einer betrachteten Grundgesamtheit. Sie soll wichtige Eigenschaf‐ ten der betrachteten Grundgesamtheit durch (Repräsentations-) indirekten Rückschluss erklären, wie beispielsweise die Verteilungscharakteristik der Merkmalswerte, bestimmte Parameter der Grundgesamtheit. Zur schließenden Statistik gehören: • allgemeine Methoden, wie beispielsweise Mittelwerts- und Prognoserechnungen, und konfir‐ matorische Verfahren zum Test auf Zusammenhänge, wie z. B. Korrela‐ tionsanalysen oder auf Abhängigkeiten wie z.-B. Regressionsanalysen. • explorative Verfahren zur Vereinfachung der Datenstrukturen, wie beispielsweise zum Vergleich von Stichproben mittels gleicher Klassenbreiten • Test- und Prüfverfahren, wie die Stichprobenprüfung, die Punkt- und Intervallschätzung (Konfi‐ denzschätzung). • uni-, bi- und multivariate Verfahren, je nachdem, ob eine Variable oder die Beziehung zwischen mehreren beteiligten Variablen untersucht werden. 130 5 Methodischer Exkurs <?page no="131"?> 5.3.4 Längsschnitt- und Querschnittanalyse Statistische Untersuchungen erstrecken sich • auf Längsschnittdaten (Zeitreihen) und werden als Längsschnittanalyse bezeichnet oder • auf Querschnittdaten und heißen Querschnittanalyse. Die Längsschnittanalyse befasst sich mit Zeitreihenwerten aus mehreren Perioden oder von mehreren Zeitpunkten, um die dynamische Veränderung der Merkmalswerte widerzuspiegeln. Die Zerlegung einer Zeitreihe in ihre Komponenten dient dazu, • das bisherige Trendverhalten zu erfassen und ggf. durch Extrapolation des grundlegenden Zeitreihenverlaufs in der Zukunft quantitative Pro‐ gnosen abzuleiten, • saisonale und zufällige Schwankungen der Merkmalswerte um den Trend zu ermitteln, • mögliche Trendkorrelationen festzustellen. Zeitreihendaten betreffen entweder Grundgesamtheiten oder (repräsentativ oder zufällig ausgewählte) Stichproben. Ihre Auswertung erfolgt • entweder durch bloße statistische Methoden, wie beispielsweise der Verwendung gleitender Durchschnitte, • oder bezieht mathematische Modelle mit ein, wenn der Funktionstyp eines Trends zu entwickeln und deren Parameterwerte mit der Methode der kleinsten Quadrate zu bestimmen sind. Bei der Querschnittanalyse geht es um unterschiedlich strukturierte Da‐ ten aus Grundgesamtheiten oder (repräsentativ ausgewählten) Stichproben verschiedener Merkmalsträger in einem Panel. Die Daten beziehen sich auf einen bestimmten Zeitpunkt oder auf eine festgelegte Periode. Die statistische Analyse stützt sich meist auf Daten aus einer Urliste. Diese enthält aus einer Datenerhebung gewonnene qualitative und quan‐ titative Merkmalswerte. Das betrifft insbesondere die Menge der durch Vollerhebung oder Teilerhebung gewonnenen Ursprungsdaten mit den entsprechenden Originalunterlagen wie beispielsweise Befragungsbefunde, Fragebogen, Zählkarten. 5.3 Statistische Analysen 131 <?page no="132"?> 5.4 Klinische Studien Eine weitere Möglichkeit zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragestel‐ lungen - vornehmlich im medizinischen Bereich - bieten Klinische Studien. Sie überprüfen auf experimentellem Wege bestimmte Behandlungsformen, medizinische Interventionen, Medikamente oder Medizinprodukte auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit und werden mit Patienten und anderen Pro‐ banden durchgeführt. Klinischer Studien erfolgen unter definierten Rahmenbedingungen. Um äußerliche Störeinflüsse zu minimieren, verlaufen sie in einem kontrol‐ lierten Umfeld. In den kontrollierten Studien werden mindestens zwei Patienten- oder Probandengruppen miteinander verglichen. So erhält bei‐ spielsweise die Versuchsgruppe die neue Behandlung, die überprüft werden soll, und die Kontrollgruppe eine traditionelle Behandlung. Im Vergleich beider Gruppen lassen sich Ergebnisse über die Wirksamkeit der Neuerung feststellen. Zur Planung einer Klinischen Studie gehören insbesondere • die Ziele, zu überprüfende Annahme, zu beantwortende Fragestellung, • die gesetzten experimentellen Rahmenbedingungen, das Studiendesign, • die Behandlung (Behandlungsform, medizinische Interventionen, Medi‐ kamente, Medizinprodukte, • die Methoden der statistischen Auswertung, • Ein- und Ausschlusskriterien für Patienten bzw. andere Probanden, • die zu erhebenden Messewerte entsprechend der jeweiligen Behand‐ lung, • die Planung der Messwerterhebung, • Abbruchkriterien der Erhebung. Die wissenschaftliche Aussagekraft einer Klinischen Studie wird durch ihr spezifisches Design bestimmt. So erfolgt bei der randomisierten kontrollier‐ ten Studie (RCT) die Überprüfung der Wirksamkeit einer Behandlung mit Probanden, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Doppelblind‐ studien überprüfen die Wirksamkeit, bei der weder der Versuchsleiter noch die Probanden Kenntnis über die Gruppenzugehörigkeit besitzen. Prospek‐ tive Studien kontrollieren eine Hypothese bezüglich der Wirksamkeit eines Verfahrens und die Multi-Center-Studie überprüft diese Wirksamkeit an mehreren Orten. 132 5 Methodischer Exkurs <?page no="133"?> Zur Gewährleistung einer wissenschaftlich gesicherten Aussagekraft müssen die Messungen auch in den Klinischen Studien den Gütekriterien • Objektivität - Messung ist unabhängig vom Untersucher, verschiedene Personen sollen das gleiche messen, • Reliabilität - Messung muss zuverlässig, konsistent und/ oder wieder‐ holbar sein, jeder weitere Versuch führt zum gleichen Ergebnis, • Validität - Messergebnisse müssen gültig sein, eine Hypothese belegen oder widerlegen, entsprechen. Ausführliche Hinweise zur Durchführung Klinischer Studien findet der interessierte Leser bei: S CHUMACH E R , M.; S CHUL G E N , G,: Methodik Klini‐ scher Studien …, 2008; E B E R HA R DT , R.; H E R R LIN G E R , C H .: Monitoring und Management klinischer Studien …, 2010; S CHWA R Z , J. A.: Leitfaden Klinische Prüfungen …, 2011. 5.5 Checkliste 1. Plane den Ablauf der empirischen Untersuchung und führe ihn in den in 5.1 genannten Schritten durch. 2. Entscheide, ob Zusammenhänge oder kausale Beziehungen untersucht werden. 3. Lege die Kontrollmöglichkeiten bei der statistischen Auswertung des Datenmaterials fest. 4. Gewährleiste Objektivität, Reliabilität, Validität der Messungen und ihrer Ergebnisse. 5.5 Checkliste 133 <?page no="135"?> 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés 6.1 Kennzeichnung Jede geistige Arbeit und besonders wissenschaftliche Arbeit erfordert eine Mindestplanung. Für viele geht es dabei keinesfalls um eine Routinearbeit, sondern um eine weitgehend ungewohnte Aufgabe, die sich als ziemlich „großer Brocken“ darstellt. So wie ein großer Brocken nur in Einzelteilen verdaut werden kann, so ist auch die wissenschaftliche Arbeit in kleine Teile zu zerlegen, um sie überschaubar zu machen. Die drei wichtigsten Instrumente für die Planung einer wissenschaftli‐ chen Arbeit sind • die Zeitplanung, • die Ressourcenplanung, • die Kostenplanung. Allerdings werden diese Instrumente in den einzelnen Arten wissenschaft‐ licher Arbeiten (vom Thesenpapier bis zur Dissertationsschrift) in unter‐ schiedlichem Umfang angewendet. 6.2 Zeit planen Insbesondere wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter sind durch einen festgelegten Anfang, ein definiertes Ende und ein konkretes Ziel bestimmt. Deshalb ist die verfügbare Zeit für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses zu planen. Als Beispiel wird die Planung einer Diplombzw. Masterarbeit vorge‐ schlagen. Die Gesamtarbeit wird in überschaubare Schritte eingeteilt, die nacheinander bearbeitet werden. Schritt 1: Vorarbeiten sichern • Regeln und Vorschriften recherchieren, • Übergreifende Zielstellung und Arbeitsrichtung bestimmen, • Einschlägige Literatur durchsehen, • Orientierungsgespräche führen, • Aufgabenstellung herleiten, Arbeitsthema formulieren, <?page no="136"?> • Thementragende Begriffe bestimmen und abgrenzen, • Themenformulierung präzisieren, • Thema und Begriffsbestimmung mit Betreuer abstimmen, • Rahmenbedingungen prüfen. Schritt 2: Planen • Zeit-, Ressourcen- und Kostenplan erstellen, • Untersuchungsdesign festlegen, • Exposé erstellen. Schritt 3: Daten erheben • Sekundärmaterial beschaffen, • Nachschlagewerke, Bibliographien durchsehen, • Fachbücher und Fachzeitschriften ausleihen bzw. erwerben, • Internet durchsuchen, • Literatur lesen, • Literatur exzerpieren und dokumentieren, • Primärmaterial erschließen, • Hypothesen aufstellen, Interviews, Beobachtungen, Experimente, Tests, Inhaltsanalysen durchführen, • Statistische Analysen durchführen. Schritt 4: Strukturieren und Gliedern • Teilthemen bestimmen, • Teilthemen ordnen, • Gliederung erstellen, • Gliederung mit Betreuer abstimmen. Schritt 5: Schreiben • Rohfassung texten, • Abbildungen gestalten, • Verzeichnisse erstellen, • Anhang zusammenstellen, • Text formatieren, • Anlagen prüfen. 136 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="137"?> Schritt 6: Fertigstellen • Rohfassung korrigieren, • Wort- und Satzverständlichkeit überprüfen, • Wissenschaftliche Standards sichern (Zitierweise, Quellennachweis, terminologische Einheitlichkeit), • Dritten um Durchsicht bitten, • Endfassung erstellen, • Binden, • Abgeben. Bezogen auf das Beispiel Diplombzw. Masterarbeit beträgt die durch‐ schnittliche Bearbeitungsdauer 13 Wochen. Für diesen Zeitraum wird in Abb.-49 folgende Aufteilung vorgeschlagen: Schritt Kennzeichnung Ungefähre Zeitdauer 1 Vorarbeiten 2 bis 3 Wochen 2 Planen 3 Daten erheben 4 bis 5 Wochen 4 Strukturieren und Gliedern 1 Woche 5 Schreiben 3 Wochen 6 Fertigstellen 2 Wochen Abb.-49: Zeitplan für eine Diplomarbeit Diese Zeitzuordnungen lassen sich auf wissenschaftliche Arbeiten mit kürzerer oder längerer Bearbeitungsdauer entsprechend übertragen. Die genannte Zeitdauern sind nicht mit der Arbeitsdauer identisch. In der Praxis der wissenschaftlichen Arbeit werden viele Aufgaben völlig oder teilweise parallel durchgeführt. Deshalb liegt die geplante Zeitdauer in der Regel deutlich über der der reinen Arbeitszeit (S T R OHD E CK E R , 2005, S.-26). 6.2 Zeit planen 137 <?page no="138"?> 6.3 Ressourcen planen In der Ressourcenplanung sind solche Fragen zu beantworten: • Wer (Betreuer, Versuchspersonen bzw. -klassen, Konsultanten, Korrek‐ turleser etc.) steht mir zu welchen Fragen, in welchem Umfang und zu welcher Zeit zur Verfügung? • Welche Instrumente (Befragung, Experiment, Beobachtung), Einrich‐ tungen (Labors, Bibliotheken, Copy Shop, Datenbanken etc.) und Hilfs‐ mittel benötige ich zu welchem Zeitpunkt für die Untersuchung? • In welchem Zeitraum und in welchem Umfang stehe ich selbst für die Untersuchung zur Verfügung? Die in 6.2 vorgeschlagene Zeitplanung in sechs Schritten kann als Basis für eine Zuordnung der Ressourcen im oben genannten Sinne dienen. 6.4 Kosten planen Die Kostenplanung spielt besonders bei größeren wissenschaftlichen Arbeiten eine wichtige Rolle. So können die benötigten Finanzmittel schnell das eigene Budget überfordern und deshalb den Fortgang der wissenschaftlichen Arbeit behindern. Eine frühzeitige Planung eröffnet häufig die Chance, Fördermittel oder andere finanzielle bzw. materielle Unterstützung zu akquirieren. 6.5 Untersuchungsdesign In der Literatur (M AY R IN G , PH.: 2000, S. 9; B O R TZ , J.; D ÖR IN G , N.: 2002, S. 274 ff.) werden für die Verfahrensschritte der Untersuchung verschiedene Modelle angeboten: 1. Vorstudienmodell - Hypothesengewinnung durch qualitative Analyseschritte. - Hypothesenüberprüfung mit quantitativer Analyse. 2. Verallgemeinerungsmodell - Durchführung und Auswertung einer qualitativen Studie. - Verallgemeinerung und Absicherung der Aussagen mit quantita‐ tiven Mitteln. 3. Vertiefungsmodell - Durchführung und Auswertung einer quantitativen Analyse. 138 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="139"?> - Weiterführung durch eine qualitative Analyse, besseres Interpre‐ tieren der quantitativen Ergebnisse. 4. Triangulationsmodell - Komplexe Verschränkung qualitativer und quantitativer Analyse‐ schritte in einem Analyseprozess. - Eine Fragestellung wird aus mehreren Blickwinkeln mit unter‐ schiedlichen Methoden angegangen. - Der Schnittpunkt der Einzelresultate stellt die Endergebnisse dar. 6.6 Exposé Wozu benötige ich eigentlich ein Exposé? Nicht wenige Studierende stellen sich diese Frage und zweifeln damit dessen Notwendigkeit an. Aber die Mehrzahl jener, die es so früh wie möglich geschrieben haben, stellten bald fest, dass sie sich damit selbst einen Gefallen getan haben. Sie erkannten, dass ein Exposé mehr ist als ein Schreibplan, dass es die Grundlage für einen gelingenden Start in die erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit ist. Die Verfasser konnten frühzeitig zentrale Inhalte, Ziele, Methoden und Materialien eines Vorhabens klar und strukturiert darlegen. Betreuer sowie potenzielle Leser oder Förderer wurden von der Relevanz und Machbarkeit des wissenschaftlichen Vorhabens überzeugt. Ein Planungsinstrument stand zur Verfügung, in dem alle relevanten Aspekte berücksichtigt und die einzelnen Arbeitsabschnitte festgelegt waren. Das Exposé ermöglichte eine klare Beschrei‐ bung der Untersuchungsidee für Dritte (z. B. Betreuer, Fördermittelgeber, Aufnahme in des Graduiertenprogramm), die das Vorhaben verstehen und unterstützen sollten. Insbesondere galt es, Gutachter oder Förderer von der Bedeutsamkeit, Richtigkeit und Durchführbarkeit des Vorhabens zu überzeu‐ gen. Der Verfasser eines Exposés war veranlasst, sein Vorhaben ständig zu durchdenken, Schwächen und Fehler frühzeitig festzustellen und fortlaufend an der Aktualisierung seiner Gedanken und Notizen zu arbeiten. Diese anerkannt positiven Erfahrungen und Wirkungen eines Exposés lassen sich mit zwei verschiedenen Typen verwirklichen: Typ A - Exposé für den Verfasser persönlich Typ B - Exposé für Dritte, z. B. Betreuer, Gutachter, Förderer Beim Exposé für den Verfasser (Verfasser-Exposé) entsteht mit dem Start der Untersuchung der persönliche Schreibplan, auch geläufig unter dem Begriffen 6.6 Exposé 139 <?page no="140"?> „Literaturverwaltung“ (z. B. End Note, Zotero, Mendeley) oder auch „erweitertes wissenschaftliche Tagebuch“ (siehe Abschnitt 3.2.1, Punkt (1)). Alle Notizen und Quellen, die für die wissenschaftliche Arbeit relevant sind, werden hier in einer Ordnung abgelegt und permanent aktualisiert. Strukturträger dieser Ordnung sind Schlagwörter oder auch Deskriptoren, die für die Kennzeichnung ent‐ sprechender Inhalte geeignet sind. Unter den Deskriptoren werden die Notizen und Quellen systematisch abgelegt und verwaltet. Die folgende Übersicht 1 enthält Vorschläge für mögliche Deskriptoren nach Wahl des Verfassers. Mit zugeordneten Fragestellungen sollen mögliche Inhalte gekennzeichnet werden. Diese Ordnung hat sich vor allem bei Untersuchungen für Graduierungsarbeiten bewährt. Selbstverständlich entscheidet jeder Verfasser darüber, ob er sich daranhält, die Ordnung ergänzt oder reduziert. Ein ständiges Aktualisieren der Notizen und Quellen sichert gut vorbereitete Konsultationen mit dem Betreuer, insbesondere die Identifikation von Fehlern und Fallstricken. Außerdem wird der Beratungsbedarf fortwährend präzisiert. Beim endgültigen Erstellen der wissenschaftlichen Arbeit hat sich ein gut geführtes Exposé als wesentliche Hilfe erwiesen. Idealerweise sollte es während der gesamten Untersuchung griffbereit sein. Nr. Deskriptor Kennzeichnung 1 Anlass der Arbeit Problem-/ Be‐ darfssituation + Wie lautet der Arbeitstitel? + Welche theoretischen, praktischen, empirischen, sozialen und politischen Probleme sind Ausgangs‐ punkt der Arbeit? + Welchen Bedarf gibt es für die Lösung der Pro‐ bleme? 2 Stand der For‐ schung + Welche Erkenntnisse liegen bisher zur Problemlö‐ sung vor? + Wie werden sie in die geplante Arbeit einbezogen? + Wie lautet/ lauten die Forschungsfrage(n) der Ar‐ beit? 3 Fragebzw. Aufga‐ benstellung + Zu welchem Ziel soll die Arbeit einen Beitrag leisten? + Welche Fragestellungen sind dafür zu beantwor‐ ten? + Welche davon sollen beantwortet werden, welche nicht? + Wie kann die gewählte Aufgabenstellung so prä‐ zisiert werden, dass sie unter den gegebenen Bedin‐ gungen bearbeitbar ist? 140 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="141"?> Nr. Deskriptor Kennzeichnung 4 Vorgesehene Er‐ gebnisse + Was soll erreicht, bewiesen, begründet oder wi‐ derlegt werden? + Welche Ergebnisform ist vorgesehen? + Welcher Nutzen soll für wen angeboten werden? 5 Theoriebezug + Auf welche Theorie, welche Modelle, oder Er‐ klärungsansätze wird in der Untersuchung Bezug genommen? 6 Methodisches Vorgehen + Wie erfolgt die Herleitung einer bearbeitbaren Aufgabenstellung? + Welche Arbeitsschritte sollen zur Lösung der Aufgabenstellung führen? + Wie erfolgt die Datenerhebung aus dem Sekundär- und Primärmaterial? 7 Stand der Vorar‐ beiten + Welche bisherigen Untersuchungen, ausgewerte‐ ten Materialien und gewonnen Erfahrungen können verwendet werden? + Inwieweit ist die Untersuchung durch die Vorar‐ beiten vorstrukturiert? 8 Materialerschlie‐ ßung + Welche Quellen (Sekundärmaterial) sind bereits erschlossen, welche müssen noch erschlossen wer‐ den? + Welche Instrumente (Primärmaterial) sollen für die Untersuchung verwendet werden? 9 Arbeitsgliederung + Welches Gliederungsmodell (nach Abschnitt 3.3.2, Punkt 4.) ist im Hauptteil vorgesehen? + Welche Kernaussagen werden in welcher Reihen‐ folge entwickelt? 10 Zeitplan + Wieviel Zeit wird für die sechs Arbeitsschritte (nach Abschnitt 6.2) benötigt? 11 Beratungsbedarf + Wer ist bzw. sind die Betreuungspersonen? + Welcher Bedarf an Beratung besteht? + Wer könnte dafür gewonnen werden? + Welche Veranstaltungen sind zu nutzen? + Welche Hilfe wird aktuell benötigt? 12 Kontakte + Welche bestehenden Kontakte können genutzt werden? + Welche Kontakte werden persönlich aufgebaut? + Welche Kontaktekönnten durch Dritte vermittelt werden? Übersicht 1: Exposé für den Verfasser 6.6 Exposé 141 <?page no="142"?> Soll ein Exposé für den Verfasser physisch oder virtuell, in Handschrift oder Computerschrift angefertigt werden? Die Antwort hängt in erster Linie von den Arbeitsgewohnheiten und den technischen Möglichkeiten des Verfassers ab, in zweiter Linie auch von den speziellen Anforderungen der Institution und nicht zuletzt auch vom Betreuer. Das Exposé auf Papier ist für manchen besser zu überschauen. Notizen können unkompliziert aufgeschrieben werden, ergänzt durch grafische Darstellungen und tabellarische Anordnungen. Gefasst in einen Ringordner vermittelt es mit dem Anwachsen der Notizen und des Umfangs das Gefühl des steten Vorwärtskommens, bereits etwas erreicht zu haben, was für die weitere Arbeit motiviert. In der digitalen Form sind die Notizen schneller durchsuchbar sowie leichter zu versenden und zu empfangen. Da digitale Tools genutzt werden können, sind die Notizen auch leichter zu kommentieren und zu bearbeiten. Multimediale Notizen können angefertigt werden, an die Bilder angehängt oder in die Hyperlinks zu anderen Inhalten eingefügt werden. Außerdem spart die digitale Form Papier und reduziert den ökologischen Fußabdruck (LOHNER, D.: 2023, S. 37). Da das Angebot an Notiz-Software sich sehr schnelllebig entwickelt, sollte der Verfasser selbst entscheiden, mit welcher Software er arbeiten will. Bei KRUSE und RAPP (2021) findet der Leser eine umfangreiche Aufstellung möglicher digitaler Schreibräume. Bei LÖHNER, D.: 2023, S.-39-ff. wird einschlägige Software empfohlen oder genannt. Inzwischen hat auch hier KI, z. B. mit seinem Tool ChatGPT, das Feld längst besetzt (siehe dazu Teil 12 in diesem Buch). Generell kann das „Exposé für den Verfasser“ als die Mutter aller Text‐ sorten des wissenschaftlichen Schreibens bezeichnet werden. Zuallererst ist es Grundlage für alle Graduierungsarbeiten oder Hausarbeiten. Mit dem Exposé für den Verfasser liegen alle Notizen und Quellen vor, die für die wissenschaftliche Arbeit relevant und damit wichtige Quellen für ihre Rohfassung sind. Aber auch das „Exposé für Dritte“ sowie alle Kurzpublikationen zum Thema der Arbeit lassen sich aus diesem Format entwickeln. Das Exposé für Dritte (Bewerbungs-Exposé) ist in Umfang und Gestalt von seinem Zweck bestimmt. Dient es der Genehmigung eines Arbeitsteams, der Bewerbung in ein Graduierungsprogramm, der Aufnahme in ein Betreu‐ ungsverfahren oder Antragstellung für eine Forschungsförderung? In allen Fällen sind bestimmte Standards vorgeschrieben und unbedingt einzuhalten. 142 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="143"?> Bei aller Spezifik tauchen häufig die in Übersicht 2 genannten Deskriptoren mit den entsprechenden Fragestellungen auf. Nr. Deskriptor Kennzeichnung 1 Ziel und Absicht + Arbeitstitel + Zu welchem Zweck wird es geschrieben? + Wem soll es vorgelegt werden, wer sind die Adressaten? + Was soll damit erreicht werden? 2 Stand der Forschung + In welcher Disziplin wird geschrieben? + Welche Ergebnisse und Forschungslücken sind feststellbar? + Welche Definitionen und Fachausdrücke sind Standard? 3 Forschungsfrage, Hy‐ pothesen + Welche Forschungsfrage(n) ist/ sind zu beant‐ worten? + Wie und unter welchen Gesichtspunkten sind Forschungsfragen einzugrenzen? + Welche Annahmen können in einer ersten Beantwortung der Forschungsfrage(n) getroffen werden? 4 Methodisches Vorge‐ hen + Welche Quellen und Instrumente werden für die Datenerhebung genutzt? + In welchen Etappen werden die Erkenntnisse gewonnen? 5 Ergebnisse + Welches persönliches Erkenntnisinteresse hat der Verfasser? + Welchen Gültigkeitsumfang haben die ange‐ strebten Ergebnisse? + Wird eine Forschungsperspektive angeboten? 6 Zeit- und Arbeitsplan + Welche Teile, Kapitel und Abschnitte enthält eine grobe Gliederung der Arbeit? + In welchen Zeitabschnitten werden die Teile/ Kapitel/ Abschnitte vorgelegt? 7 Literatur + Welche Quellen sind für das Forschungsfeld relevant? + Welche Quellen sind bereits konsultiert? + Welche Quellen sind noch zu erschießen? Übersicht 2: Exposé für Dritte 6.6 Exposé 143 <?page no="144"?> Ein Exposé für Dritte muss für den Ansprechpartner die Idee, Leitlinien und den Arbeitsplan der wissenschaftlichen Untersuchung kurz und knapp auf den Punkt bringen. Der Umfang kann je nach Handreichung und Adressat bei 5 bis 20 Seiten liegen (LASKOWSKI, S.: 2023, S. 347). Ein Exposé ist immer eine Visitenkarte, mit der der Verfasser Eindruck auf den Adressaten macht. Beim Blick auf Übersicht 2 erkennt der Verfasser, dass er für einen Text aus unterschiedlichem Anlass (Bewerbung, Förderantrag usw.) stets auf sein persönliches Exposé (Übersicht 1) zurückgreifen kann. Es ist der Rohstoff für ein gelingendes Exposé für Dritte. Seine anlassbezogene Modifizierung wird durch den jeweiligen Ansprechpartner (Person oder Institution) ent‐ schieden. 6.7 Rohfassung schreiben Auf dem Wege vom Exposé zur Rohfassung der wissenschaftlichen Arbeit erweist sich für das Schreiben eine Struktur mit folgenden Schritten als wichtiges Hilfsmittel: 1. Arbeitsthema - Reicht die Formulierung der Forschungsfrage(n) als Leitlinie für die gesamte Arbeit? - Ist das Thema in der verfügbaren Zeit und unter den gegebenen Bedingungen zu bearbeiten? 2. Detaillierter Arbeitsplan - Welche Teilschritte sind erforderlich? - Ist der Zeitplan realistisch? 3. Intensivierte Literaturrecherche - Ist die theoretische Basis gesichert? - Kann die Literatur in einem Literaturverwaltungsprogramm über‐ sichtlich gehalten werden? 4. Strukturierte Gliederung - Gibt die Gliederung die Argumentation und den logischen Aufbau der Arbeit vor? 5. Datensammlung und Methodenauswahl - Ist die Methodik des Vorgehens klar dokumentiert? - Basiert die Forschungsmethode jeweils auf der Forschungsfrage? 144 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="145"?> 6. Datenanalyse - Basieren die Untersuchungsergebnisse auf einer systematischen Analyse? - Sind die Ergebnisse ausreichend dokumentiert? 7. Schreiben der Rohfassung - Sind alle Gedanken und Daten in einen Textfluss untergebracht? Frühzeitiges Feilen an Formulierung und Stil ist zu vermeiden. 8. Korrektur und Überarbeitung - Sind Logik, Kohärenz und der rote Faden der Argumentation nachvollziehbar? - Ist die Zitation einheitlich, sind alle Quellen korrekt ausgewiesen? Im Ergebnis dieses Vorgehens entsteht aus dem Exposé eine erste Version der wissenschaftlichen Arbeit. 6.8 Betreuung nutzen Die Zusammenarbeit mit einem Betreuer (häufig zugleich der Prüfer/ Gut‐ achter) während der wissenschaftlichen Arbeit ist ein wichtiger Erfolgsfak‐ tor. Sie bezieht sich auf alle inhaltlichen, organisatorischen und formalen Fragen. Der Betreuer wird allerdings nur dann wirksam, wenn Betreuung nicht nur einfach erwartet, sondern vom Verfasser aktiv in Anspruch genommen wird. Der Betreuer sollte den nächsthöheren akademischen Grad besitzen (Ausnahmen bestätigen die Regel) und eine Fachkompetenz im Themenbereich der betreuten Arbeit nachweisen können. Der Verfasser ist gut beraten, bei seiner Auswahl und Gewinnung eine aktive Rolle zu spielen. Der Rat des Betreuers ist vor allem dann gefragt, wenn • das Thema der Arbeit zu finden und zu formulieren, • die Gliederung abzustimmen, • die Datenerhebung zu besprechen und • die Präsentation für die Disputation vorzubereiten ist. Neben dem Klären von Formfragen (Untergliederung, Visualisierung, Ver‐ zeichnisse etc.) sollten die Erwartungen des Betreuers hinsichtlich der theoretischen Fundierung, der Wahl der Untersuchungsmethoden, der Hy‐ pothesenbildung und deren Belegung, zum Praxisbezug, zur Literaturaus‐ wahl und zum Umgang mit Internet-Quellen erfragt und geprüft werden. 6.8 Betreuung nutzen 145 <?page no="146"?> Außerdem sind Fragen der Zusammenarbeit frühzeitig zu klären (R O S S IG , W.; P RÄT S CH , J., 2006, S. 8). Das betrifft besonders die Vereinbarung der Kommunikationswege, die der Betreuer in der Zusammenarbeit bevorzugt - beispielsweise persönliches Gespräch innerhalb und/ oder außerhalb seiner Sprechstunden, Telefon, E-Mail. Vorstellungen zur Häufigkeit der Kontakte sollten ebenso besprochen werden wie Termine für die Präsentation von Zwischenergebnissen, evtl. auch auf Veranstaltungen des Betreuers. Für die gesamte Laufzeit der Betreuung bewährt sich ein aktuell geführtes Exposé (siehe Kapitel 6.6) als Gesprächsgrundlage. Bereits am Anfang der Zusammenarbeit sind 2 bis 3 Termine als Fixpunkte zu vereinbaren, die zugleich Meilensteine in der Untersuchung darstellen. Vor Übersendung des Materials sollte klar sein, ob papierlos (E-Mail) oder in Print-Fassung kommuniziert wird. Für die Sitzung mit dem Betreuer ist eine Frageliste vorzubereiten; die Ergebnisse sind zu protokollieren. Im Lichte dieser Erfahrungen wird dem etwas überspitzt formulierten Hinweis von U MB E R TO E C O (zit. bei T H E I S E N , M. R.; 2005, S. 126) zugestimmt: „Benutzt den Betreuer als Versuchskaninchen. Ihr müsst es fertig bringen, dass der Betreuer die ersten Kapitel (und dann nach und nach auch alles andere) lange vor der Ablieferung der Arbeit liest.“ 6.9 Checkliste 1. Teile die Gesamtaufgabe in überschaubare Arbeitsschritte (beispiels‐ weise: Vorarbeiten, Planen, Recherchieren, Strukturieren und Gliedern, Schreiben, Fertigstellen) ein und bringe diese Schritte in eine sachlich begründete Reihenfolge. 2. Lege die ungefähre Zeitdauer sowie den Anfangs- und Endtermin für die einzelnen Schritte fest. 3. Beachte: Die geplante Zeitdauer liegt deutlich über der reinen Bearbei‐ tungszeit. 4. Steuere zielorientiert das Projekt „Wissenschaftliche Arbeit“ durch re‐ gelmäßige Kontrollen. 5. Kläre frühzeitig, welche Personen oder Institutionen kontaktiert werden sollen und welche Hilfsmittel benötigt werden. 6. Diagnostiziere vor allem die kritischen Ressourcen (beispielsweise Be‐ treuer, Datenbank, Farblaserdrucker). 146 6 Planen der Arbeit, Erstellen des Exposés <?page no="147"?> 7. Verschaffe einen Überblick über die voraussichtlichen Kosten und die Möglichkeiten, finanzielle und/ oder materielle Unterstützung zu erhal‐ ten. 8. Lege das Design der wissenschaftlichen Untersuchung fest. Prüfe die Eignung des in Kapitel 6.5 genannten Modells. 9. Lege das Exposé frühzeitig in der Planungsphase an und verwahre es an vorderster Stelle auf dem Schreibtisch. 10. Prüfe den Inhalt des Exposés während der Untersuchung auf Ergänzung und notwendige Veränderung. 11. Nutze das Exposé als Unterlage für Gespräche und Konsultationen sowie für die Präsentation ausgewählter Ergebnisse. 12. Entwickele aus dem Exposé die Rohfassung der wissenschaftlichen Arbeit. 6.9 Checkliste 147 <?page no="149"?> 7 Arbeit mit der Literatur 7.1 Literaturauswahl und -bewertung 7.1.1 Angemessen auswählen Die Literaturrecherche führt rasch zur Ansammlung erheblicher Mengen an Sekundärmaterial. Jetzt sind die Fragen zu klären: Welche Literatur ist angemessen? Welche Literatur sollte als Material in der wissenschaftlichen Arbeit dienen? Bei ihrer Beantwortung ist zu unterscheiden zwischen • inhaltlicher Angemessenheit (qualitativ angemessene Literatur), • umfänglicher Angemessenheit (quantitative Angemessenheit im Sinne der Anzahl von Titeln), • Korrektheit der Auswertung (siehe 7.1.2). 1. Inhaltliche Angemessenheit Die Entscheidung über die inhaltliche Angemessenheit hängt zunächst vom Typ der wissenschaftlichen Arbeit (Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit) ab. So kann das Heranziehen einer „Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre“ in einer technischen oder sozialwissenschaftlichen Arbeit als „angemessen“ gelten, in einer wirtschaftswissenschaftlichen aber „unangemessen“ sein. Aber generell gilt für alle wissenschaftlichen Arbeiten: Die herangezogene Literatur soll ernst zu nehmende, kompetente, verlässliche Aussagen enthalten (B ÄN S CH , A., 1999, S.-4). Für die Auswahl angemessener Literatur sind vor allem zwei Kriterien hilfreich (E B S T E R , C.; S TALT E R , L.; 2003, S.-69): • Zitierwürdigkeit des Sekundärmaterials, • Zitierfähigkeit des Sekundärmaterials. Zitierwürdigkeit: Zitierwürdig sind zunächst wissenschaftliche Arbeits- und Diskussionspa‐ piere, Forschungsberichte, Monografien, Dissertationen, Habilitationen, wis‐ senschaftliche Fachbücher und Fachzeitschriften, Fachlexika und Fachjournale im Internet. Als nicht zitierwürdig gelten dagegen Boulevardblätter und allgemeine Seiten im Internet (beispielsweise Firmenwebsites). Auch die so genannte <?page no="150"?> Praktikerliteratur, die einem unkundigem Leserkreis praktische Handlungs‐ empfehlungen gibt, ist zwar für diesen Kreis nützlich, aber für wissen‐ schaftliche Arbeiten nicht angemessen. Das gilt auch für alle populärwis‐ senschaftlichen Werke. Ebenso sollte auf allgemeine Lexika (beispielsweise Brockhaus) verzichtet werden, wenn fachinterne Lexika oder Handbücher vorhanden sind. Die Zitierwürdigkeit von Lehrbüchern, Diplom- und Masterarbeiten sowie der Qualitätspresse und Firmenschriften ist eingeschränkt. Sofern eine Aufnahme in das Sekundärmaterial und das Zitieren beabsichtigt ist, empfiehlt sich eine Rückfrage beim Betreuer der wissenschaftlichen Arbeit. Zitierfähigkeit: Da wissenschaftliche Untersuchungen stets den Kriterien der Nachvoll‐ ziehbarkeit und Öffentlichkeit genügen müssen, gilt es zu prüfen, ob die verwendete Literatur auch für die Fachöffentlichkeit zugänglich ist. Erste Voraussetzung dafür ist die korrekte Zitation und der Ausweis im Quellenbzw. Literaturverzeichnis. Die zweite Voraussetzung ist an die Möglichkeit gebunden, dass die verwendete Literatur für den interessierten Leser auch zugänglich ist. Hier gibt es Einschränkungen für wissenschaft‐ liche Diskussions- und Arbeitspapiere sowie für Forschungsberichte und nicht zuletzt auch für firmeninternes Material. Auf die Grenzen im Nachweis von Informationen aus dem Internet wurde bereits in Abschnitt 4.3.1 Punkt 7 verwiesen. Die Aufnahme des Ausdrucks der zitierten Internetseiten in den Anhang wird empfohlen. 2. Umfängliche Angemessenheit Auch die Anzahl der Literaturtitel bestimmt sich nach dem Typ der wissen‐ schaftlichen Arbeit und der Art der wissenschaftlichen Aufgabenstellung (Thema der Arbeit). Für alle gilt aber der Grundanspruch: Ausweis der für das Thema wesentlichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Literatur! Beim Nachweis dieser Literatur können zwei verschiedene Verzeich‐ nisse verwendet werden: • Quellenverzeichnis Aufnahme in das Quellenverzeichnis findet die Literatur, die für das Thema wesentlich ist, die der Verfasser studiert und in der wissenschaft‐ lichen Arbeit direkt verwendet hat (beispielsweise direkt oder indirekt zitiert hat). 150 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="151"?> • Als grobe Orientierung für die Anzahl der Titel im Quellenverzeichnis kann gelten: - Bachelorarbeit: 8 bis 15 Titel, - Masterarbeit: 10 bis 30 Titel, - Dissertation/ PhD-Arbeit: 20 bis 60 Titel. • Verzeichnis der weiterführenden Literatur In dieses Verzeichnis werden alle Titel aufgenommen, die zwar das Thema betreffen bzw. tangieren, auf die der Verfasser aber in seiner wissenschaftlichen Arbeit weder unmittelbar noch mittelbar Bezug ge‐ nommen hat. Das Literaturverzeichnis ist eine Serviceleistung für Leser, die in ähnlichen wissenschaftlichen Themengebieten arbeiten. Hier gibt es keine quantitativen Beschränkungen. Aus Übersichtsgründen sollte die Anzahl der Titel 100 nicht überschreiten. 7.1.2 Korrekt auswerten An eine korrekte Literaturauswertung werden mindestens folgende An‐ sprüche gestellt (B ÄN S CH , A., 1999, S.-6): • Den Quellen ist nichts zu entnehmen, was sie nicht hergeben. • In die Quellen ist nichts hineinzulegen, was sie nicht in sich bergen. • Stets mit der neuesten Auflage des Titels arbeiten. Auffassungen in früheren Auflagen können in der neuesten bereits revidiert sein. • Immer zur Primärquelle vorstoßen, da sich bei der Übernahme aus einer Sekundärquelle Fehler eingeschlichen haben können. Zur Korrektheit der Auswertung gehört auch, Aussagen aus der Literatur nicht unkritisch zu übernehmen. Stets muss der Bearbeiter prüfen, ob er mit dem jeweiligen Autor übereinstimmt, inwieweit schlüssig argumentiert wird und die entsprechenden Aussagen für die eigene Arbeit relevant sind. Die kritische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, das Aufdecken von Widersprüchen und Schwachstellen in niveauvoller und begründeter Form stellt eine eigenständige wissenschaftliche Leistung dar, die Anspruch auf entsprechende Anerkennung besitzt. 7.1 Literaturauswahl und -bewertung 151 <?page no="152"?> 7.2 Lesen und Exzerpieren 7.2.1 Lesetechniken Lesetechniken sind wichtige Arbeitstechniken, die bei richtiger Anwendung in der Literaturrecherche Treffsicherheit und Zeitersparnis garantieren. Die Praxis der wissenschaftlichen Arbeit zeigt, dass es wenig bringt, das in die engere Wahl gezogene Werk in einem Zuge von Anfang bis Ende zu studieren. Vielmehr sollte man den Text Schritt für Schritt erschließen. E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H. und E B S T E R , C.; S TALZ E R , L. (hier mit Bezug auf T HOMA S und R O BIN S O N , 1972) stellen jeweils eine bewährte Lesetechnik vor. Die Kennzeichnung dieser Techniken ist Abb.-50 zu entnehmen. Technik nach Ebster/ stalzer 2003, Seite 75 Technik nach Esselborn-Krumbie‐ gel, 2002, Seiten 75-83 1. Schritt: Preview (Vor‐ schau) Überfliegen unter Be‐ achtung des Inhalts‐ verzeichnisses, der Kapitel bzw. Über‐ schriften, Forschungs‐ fragen und Zusammen‐ fassungen. 1. Schritt: Überflie‐ gen Überfliegen unter Beach‐ tung des Inhaltsverzeichnis‐ ses, der Zwischentitel, des Verhältnisses von Haupt- und Unterkapiteln, Umfang der Kapitel und Eye-Catcher (Fett- oder Kursiv-Gedruck‐ tes). 2. Schritt: Question (Fragen) Formulieren von Fra‐ gen an den Text. Ausgangspunkte da‐ für können Kapitel- oder Abschnittsüber‐ schriften sein. - 2. Schritt: Orientie‐ ren Prüfen der Einleitung auf Eignung des Werkes für die eigene Untersuchung. Nach Lesen des jeweils ers‐ ten Satzes eines Abschnitts entscheiden, ob sich dessen Studium lohnt, Studium der Zwischen- und Abschlusszu‐ sammenfassungen zum Er‐ kennen zentraler Aussagen. 3. Schritt: Read (Lesen) Über das Lesen des Textes wird nun eine Antwort auf die ge‐ stellten Fragen ge‐ sucht. 3. Schritt: Fragen Vor Lektüre klären, was be‐ reits persönlich bekannt ist. Danach Fragen stellen, für die eine Antwort in der Lite‐ ratur gesucht wird. 152 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="153"?> Technik nach Ebster/ stalzer 2003, Seite 75 Technik nach Esselborn-Krumbie‐ gel, 2002, Seiten 75-83 4. Schritt: Reflect (Reflek‐ tieren) Das Gelesene wird mit bereits bekann‐ ten Sachverhalten (ei‐ gene Untersuchung, Information aus ande‐ ren Quellen) in Verbin‐ dung gebracht. Außer‐ dem werden Beispiele gesucht. 4. Schritt: Lesen Beim Lesen Leitbegriffe und zentrale Textstellen markie‐ ren, die für Fragestellungen relevant sind. Außerdem sind alle eige‐ nen Einfälle (Übertragun‐ gen, Fragen, Kommentare, Ergänzungen) beim Lesen zu notieren. 5. Schritt: Recite (Wieder‐ geben) Nach jedem Textab‐ schnitt werden die zu‐ vor gestellten Fragen beantwortet. 5. Schritt: Zusam‐ menfassen Gelesenes knapp und präzise mit eigenen Worten zusam‐ menfassen. Antworten auf gestellte Fra‐ gen in wenigen Kernaus‐ sagen konzentrieren (Ziel‐ baum und Clustering sind gut geeignet). Erster Schritt zum Exzerpt! 6. Schritt: Review (Wieder‐ holen) Der ganze Text wird nochmals wiederholt und in einigen Sätzen zusammengefasst. - - Abb.-50: Kennzeichnung bewährter Lesetechniken Treten während des Lesens eines Textes Verständnisschwierigkeiten auf, können die folgenden Tipps von P AE TZ E L (2001, S.-50-f.) helfen: • Kann man den Gedankengängen eines Autors schwer folgen, lohnt sich ein Rückblick auf die Gliederung sowie auf dessen grundlegendes Verständnis der zentralen Begriffe. • Über die unverstandene Stelle sollte man zunächst hinweg lesen. Geht man dann auf den unverstandenen Aussageteil zurück, wird der dahin‐ ter stehende Gedankengang oft im Zusammenhang klarer. • Unbekannte Fach- und Fremdwörter sollten sofort nachgeschlagen wer‐ den. Der erste Blick sollte dabei in das Glossar des vorliegenden Werkes fallen. Dann helfen nur Fachlexika, um ein spezifisches Verständnis zu erlangen. 7.2 Lesen und Exzerpieren 153 <?page no="154"?> 7.2.2 Richtiges Exzerpieren und Ordnen Nach H E R IN G (1966, Merkblatt M-TwA-4) gibt es unterschiedliche Formen der individuellen schriftlichen Auswertung von Büchern, Artikeln und anderen Quellen. Die wichtigsten sind in der Abb.-51 dargestellt. Form Erläuterung Zweck Behaup‐ tung/ Leitsatz Es werden solche Bestanteile des Buches oder des Artikels entnommen, die die Wertung der behandelten Probleme erkennen lassen. Mög‐ licherweise werden unterschiedliche Behaup‐ tungen von verschiedenen Standpunkten her aufgestellt. Klärung des Standpunktes Exzerpt Ein Problem, eine Fragestellung wird durch eine Abhandlung hindurch verfolgt und meist wörtlich (Zitat) herausgezogen (exzerpiert), gelegentlich auch mit eigenen Kommentaren versehen. Das Exzerpieren wird bevorzugt bei der Suche nach Einschlägigem zu einer bestimmten The‐ matik angewandt. Spezieller Aus‐ zug aus einem umfangreichen Material Konspekt Selbstgeschaffene Zusammenschau zu einem bestimmten Werk oder zu einem Problem (Aus‐ wertung verschiedener Quellen. Wörtlich Ent‐ nommenes wird durch eigene Darstellungen ergänzt.) Ein Konspekt ist sowohl Zusammenfassung als auch Beurteilung und wird vor allem bei Lite‐ ratur eingesetzt, die nur kurzzeitig eingesehen werden kann. Zusammenschau von umfangrei‐ chem Material Literaturbericht Teil von wissenschaftlichen Arbeiten, meist erste Stufe von Forschungsarbeiten mit den Schwerpunkten: • genaue Quellenangaben, • Inhaltsangaben, • kritische Stellungnahme, • Vergleich mit anderen Quellen. Information über den Stand des be‐ treffenden Pro‐ blems in der Lite‐ ratur Abb.-51: Formen der individuellen schriftlichen Literaturauswertung Entsprechend seiner hervorgehobenen Bedeutung für die Literaturauswer‐ tung soll im Folgenden näher auf das Exzerpieren, also auf das wörtliche oder zusammenfassende Herausziehen von wichtigen Gedanken aus einem 154 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="155"?> Text eingegangen werden. Mit dem Exzerpieren werden wesentliche Gedan‐ kengänge des Autors nachvollzogen, indem Kernaussagen und Argumenta‐ tionen mit eigenen Worten in der gebotenen Kürze notiert werden. Man prüft, ob man das Gelesene begriffen hat und erfasst Aussagen für die Weiterverwendung in der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu sollte man auch zitierfähige Aussagen notieren, Kritisches anmerken und Besonderheiten vermerken. Das Dokumentieren der Exzerpte erfolgt entweder per Hand - in der Regel auf Karteikarten - oder unmittelbar im Computer. Bei der Anlage dieser Dokumentation sollten je Werk zunächst folgende Angaben erfasst werden (P AE TZ E L , U.; 2001, S.-58): • Bücher - Name, Vorname des Verfassers - Titel, Untertitel (Originaltitel bei übersetzten Werken, Name, Vor‐ name des Übersetzers) - Eventuell Herausgeber: Name, Vorname - Band, Auflage - Verlag: Name, Ort, Erscheinungsjahr • Sammelwerke - Name, Vorname des bzw. der Herausgeber - Titel, Untertitel (Originaltitel bei übersetzten Werken, Name, Vor‐ name des Übersetzers) - Band, Auflage - Verlag: Name, Ort, Erscheinungsjahr • Artikel (Zeitschriften) - Name, Vorname des Verfassers - Titel, Untertitel (Originaltitel bei übersetzten Werken, Name, Vor‐ name des Übersetzers) - Herausgeber: Name, Vorname - Jahrgang ( Jahr), Band/ Heft, Datum, Nummer - Von Seite X bis Seite Y • Auskünfte - Form der Auskunft (schriftlich, mündlich, telefonisch) - Auskunftgeber: Name, Vorname, Titel, Position/ Stellung - Gegenstand der Auskunft - Datum der Auskunft 7.2 Lesen und Exzerpieren 155 <?page no="156"?> • Arbeitspapiere, Gutachten, Stellungnahmen, Geschäftsberichte - Name und Vorname des Autors bzw. o. V. (ohne Verfasserangabe) - Institution - Titel der Papiere - Erscheinungsjahr - Jahrgang/ Jahr - Seite(n) • Gesetze/ Verordnungen - Name des Gesetzes/ der Verordnung - Datum des Gesetzes/ der Verordnung - Name der Fundstelle - Erscheinungsjahr der Fundstelle - Band/ Teil - Seite(n) • Internet-Informationen - Web-Adresse mit Datum des Zugangs - Name und Vornahme des Verfassers - Titel - Angaben der Firma bzw. Körperschaft des Seiteninhabers Für das Dokumentieren der Exzerpte mit Karteikarten eignen sich sowohl die Lektürekarten (E C O , U.; 1988, S. 150 ff.) als auch die Stichwortkarten (K R U S E , O.; 2004, S. 217). Die Lektürekarten geben die gelesene Literatur wieder und können nach Autoren oder nach Themengebieten geordnet werden. Die Stichwortkarte wird zu einem Begriff angelegt, verbunden mit Hinweisen, wo er gefunden wurde, wie er definiert ist und in welchen Titeln er noch anzutreffen ist. E B S T E R , C.; S TALZ E R , L. (2003, S. 77) verweisen auf die weit verbreitete Pra‐ xis, entsprechend der Grobstruktur der wissenschaftlichen Arbeit Ordner anzulegen (siehe dazu auch Kapitel 6.6). Nunmehr werden Kopien von Buch‐ kapiteln, Zeitschriftenartikeln, Inhaltsverzeichnissen und bibliographischen Angaben unter den entsprechenden Rubriken eingeordnet. Ergänzt werden diese Materialien durch Haftnotizen zum Inhalt. Die Kopien werden mit einer Ordnungsnummer versehen, damit sie nach Entnahme wieder richtig eingeordnet werden können. Eine weitere Möglichkeit für das Dokumentieren bietet der Personalcom‐ puter. Hier lassen sich ganze Textpassagen speichern. Allerdings muss man frühzeitig ein klares Schreibkonzept haben, um die Übersicht über die 156 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="157"?> vorhandenen Texte zu behalten (K R U S E , O., 2004, S. 218). In der Arbeit mit dem PC bewähren sich die Literaturverwaltungsprogramme (vgl. 4.3.3), mit deren Hilfe das Material systematisch geordnet und rasch aufgefunden werden kann. Viele dieser Programme ermöglichen das Einbringen von eigenen Notizen, Bewertungen, Zitaten oder Querverweisen. Auch können mit diesen Programmen Daten aus auswärtigen Datenträgern (beispiels‐ weise Bibliotheken) importiert werden. C H R AB E L (2004, S. 73 f.) verweist auf diese Vorzüge und empfiehlt zugleich die folgenden Literaturverwaltungs‐ programme: • Freeware (kostenlos aus dem Internet herunterzuladen) - Literat classic online (www.uni-duesseldorf.de/ literat) - Biliographix Basic (www.bibliographix.de) • Kommerzielle Programme - Biblist - EndNote - Gelit - Liman Literaturmanager - Reference Manager - Procite - Bibliographix Pro (erweiterte Version von Bibliographix Basic) Dringend empfohlen wird das regelmäßige Sichern (möglichst täglich) der Informationen auf dem PC. Darüber hinaus sollten wichtige Materialien aus‐ gelagert werden auf CD-ROMs, ZIP-Datenträger, USB-Sticks oder externe Festplatten. Das bewahrt den Bearbeiter vor dem Alptraum, die Festplatte des eigenen PCs fällt vor dem Abgabetermin der Arbeit aus. 7.3 Zitierweise 7.3.1 Adäquat zitieren Wissenschaftliches Arbeiten baut immer auf vorhandenem Wissen auf und impliziert stets die Auseinandersetzung mit fremdem Gedankengut. Das aber erfordert zugleich die Wiedergabe von Teilen des vorhandenen Wissens. Deshalb erlaubt das Urheberrecht das Zitieren. Danach ist fremdes Gedankengut in der wissenschaftlichen Arbeit so zu kennzeichnen, dass sich der Leser die Originalquelle beschaffen und das Zitat prüfen kann (S T OHD E C K E R , J.; 2005, S.-78). 7.3 Zitierweise 157 <?page no="158"?> Eine erste Frage, die den Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit mit Bezug auf das Zitieren bewegt, lautet: Was und wieviel zitiere ich? Die Antwort richtet sich auch hier nach dem Gegenstand der Arbeit und nach Umfang und Art des verwendeten Materials. Zitate sind immer dann sinnvoll, wenn in ihnen nicht nur bloße Informationen transportiert werden, die der Verfasser im Grunde selber hätte referieren können. In der wissenschaftlichen Arbeit dienen Zitate vor allem als Belege einer For‐ schungsmeinung oder des Materials, das als Beleg für eine Behauptung be‐ arbeitet wird. Damit wird das Zitieren von Allgemeinwissen, einschlägigen Fachausdrücken oder einfachen mathematischen Formeln ausgeschlossen (T H E I S E N , M. R.; 2005, S.-141). Gelegentlich findet man in wissenschaftlichen Arbeiten ein Übermaß an Zitaten; jede Trivialität wird mit einem Zitat belegt. Manche Verfasser wollen damit die Fülle des Studierten dokumentieren, aber der Verdacht entsteht, dass sie sich hinter inhaltlicher Armut ihrer Arbeit verstecken wollen und nicht auf eigenen Beinen stehen können. Überzitiert ist eine Arbeit insbesondere dann, wenn • Unnötiges zitiert wird, beispielsweise die Definition solcher Begriffe wie „Immobilie“ oder „Matrix“, • zu häufig sehr umfänglich wörtlich zitiert wird (wörtliche Zitate bilden die Ausnahme, sinngemäße die Regel), • ununterbrochen oder fast durchgehend zitiert wird (im Grunde bloßes Abschreiben, das die Arbeit zur Zitatsammlung macht). Daraus entsteht eine zweite Frage: Wann sollte wörtlich zitiert werden? Es empfiehlt sich immer dann ganze Textabschnitte wörtlich zu zitieren, wenn • ein Text - beispielsweise ein Forschungsergebnis - der anschließend in der Untersuchung interpretiert wird, • ein spezieller Begriff, der einem unterschiedlichen Verständnis unter‐ liegt, eingeführt wird, • eine Quelle eine bestimmte Kernaussage enthält, die die eigene Argu‐ mentation unterstützt oder • ein Sachverhalt so treffend beschrieben wird, dass eine sinngemäße Wiedergabe schlechter ausfällt (wie das nachfolgende Beispiel zeigt). S CHO P E NHAU E R hat die Antwort auf die zweite Frage so brillant auf den Punkt gebracht, dass man ihn nur zitieren kann: 158 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="159"?> „Durch viele Zitate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermin‐ dert aber den auf Originalität, und was ist Gelehrsamkeit gegen Originalität! Man soll sie also nur gebrauchen, wo man fremder Autorität auch wirklich bedarf. Denn überdies wird, wenn wir unsre Meinung durch einen ähnlichen Anspruch eines früheren großen Schriftstellers belegen, der Neid sogleich vorgeben, wir hätten sie auch nur daher geschöpft. Finden wir also, dass große frühere Autoren mit uns übereinstimmen, so ist dies sehr dienlich, uns in der Zuversicht, dass, was wir sagen, richtig ist, zu bestärken und zu ermutigen. Aber es anzuführen ist nicht dienlich.“ (Zitat entnommen bei R E CH E NB E R G , P.; 2003, S.-133) 7.3.2 Korrekt zitieren Nunmehr wird eine Antwort auf die dritte Frage gesucht: Wie zitiere ich mit welcher Technik? Zitiertechniken beinhalten die Konventionen des Zitierens in Bezug auf die Kennzeichnung der zitierten Aussagen und ihrer Dokumentation im Quellennachweis und im Literaturverzeichnis. S TOHD E CK E R , J., (2005, S.-80), formuliert als Anforderungen an die Zitiertechnik: • Vollständigkeit der Angaben, • Fehlerfreiheit der Angaben, • Einheitlichkeit der Angaben, • Übersichtlichkeit der Angaben. Die Vorschriften im Urhebergesetz Teil 1, Abs. 6, §§ 51 und 63 verlangen einen ordnungsgemäßen Beleg der Quellen. Werden Behauptungen, Mei‐ nungen, Ergebnisse oder Ideen anderer Autoren ohne Kennzeichnung der Quelle übernommen, so liegt ein Plagiat vor. Das trifft auch zu, wenn in einem wörtlich übernommenen Text nur kleine Veränderungen vorgenom‐ men werden und dieser dann als indirektes Zitat ausgegeben wird. Abb.-52 zeigt ein Beispiel für diese Fälle beim indirekten Zitieren. Generell liegen Plagiate dann vor, wenn der Verfasser • Zitate ohne die entsprechende Quellenangabe verwendet, • Aussagen aus dem Internet downloadet und sie anschließend als die eigenen ausgibt, • Arbeiten Dritter (bzw. Teile davon) für die eigene ausgibt, • Fremdsprachige Texte übersetzt und ohne Quellenangabe verwendet, 7.3 Zitierweise 159 <?page no="160"?> • die gleiche Arbeit ohne Kenntlichmachung in verschiedenen Veranstal‐ tungen als Beleg verwendet. Original „Bei der einfachen Zufallsstichprobe hat jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Chance ausgewählt zu werden und damit in die Stichprobe zu gelangen.“ (…) -Plagiat Bei der einfachen Zufallsstichprobe haben alle Elemente der Grundgesamtheit die gleiche Chance ausgewählt zu werden und damit in die Stichprobe zu gelangen. (…) -Korrektes indirektes Zitieren Für alle Untersuchungseinheiten besteht bei der einfachen Zufallsauswahl die gleiche Wahrscheinlichkeit in die Stichprobe aufgenommen zu werden. (…) Abb.-52: Beispiel für falsches und richtiges indirektes Zitieren Bei dem Nachweis von fremdem Gedankengut in der wissenschaftlichen Arbeit sind zunächst zwei Fälle zu unterscheiden: • Fall 1: Die Quelle wird wörtlich unverändert aufgeführt - das heißt: direkt zitiert. Das direkte Zitat wird im Text in Anführungszeichen gesetzt. Nach dem abschließenden Anführungszeichen steht der Zitatvermerk, die Quellenan‐ gabe. Beispiel: „Alles fremde Gedankengut, gleich welcher Art und welchen Ursprungs, ist in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit als solches kenntlich zu machen. Die Kennzeichnung muss derart erfolgen, dass sich der durchschnittlich bemühte Leser die Originalquelle beschaffen und die Korrektheit des Zitats überprüfen kann.“ 1 Fußnote nach Kurzbeleg-Technik: 1 S T OHD E C K E R , J., Techniken und Konventionen, 2005, S.-78 • Fall 2: Die Quelle wird sinngemäß aufgeführt - das heißt: indirekt zitiert Das indirekte Zitat wird im Text durch den Vermerk einer Fußnote gekennzeichnet (Ausnahme: Harvard-Methode). Die Fußnote beginnt 160 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="161"?> mit einem Vgl. (Vergleiche). Werden längere Passagen mit eigenen Worten wiedergegeben, ist einleitend darauf hinzuweisen. Beispiel: Die Übernahme von Texten in die eigene Arbeit ist so zu kennzeichnen, dass sich der Leser die Originalquelle beschaffen und das Zitat prüfen kann. 1 Fußnote nach Kurzbeleg-Technik: 1 Vgl. S T OHD E C K E R , J., Techniken und Konventionen, 2005, S.-78 Beim direkten Zitieren trifft man mitunter auf orthographische und andere Fehler im übernommenen Text - beispielsweise: „Der Algorithmus enthält eine detailierte Schrittfolge …“ Soll man den Fehler korrigieren oder über‐ nehmen? Hierzu wird empfohlen, hinter das fehlerhafte Wort ein / sic/ zu setzen, was signalisiert, der Fehler wurde bemerkt aber nicht korrigiert - also: „Der Algorithmus enthält eine detailierte / sic/ Schrittfolge …“ Das lateinische Wort „sic“ bedeutet: so, auf diese Weise (steht es geschrieben). Analysiert man die wissenschaftlichen Veröffentlichungen und die ein‐ schlägigen Empfehlungen für das Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten - insbesondere T H E I S E N , M.R.; 2005, S. 140-160; S T OHD E C K E R , J., S. 77-100; B ÄN S CH , A.; 1999, S. 44-52; E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.; 2003, S. 129-139 - trifft man auf die folgenden Typen der Zitiertechnik, die in Abb. 53 genannt und durch Beispiele gekennzeichnet werden. In Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten ist heute vor allem die Kurzbe‐ leg-Technik üblich. Ihre Anwendung ist jedoch stets mit einem gesonder‐ ten Literaturnachweis als Quellenverzeichnis und/ oder Literaturverzeichnis mit allen bibliografischen Daten verbunden. Im Unterschied zur Harvard- Methode wird bei der Autor-Titel-Jahr-Methode und bei der Autor-Jahr- Methode mit Fußnoten der Hinweis auf das Verwenden von fremdem Gedankengut kenntlich gemacht. Die Nummerierung der Fußnoten kann sowohl im Rahmen einer Seite als auch über die ganze Arbeit aufsteigen. Die Harvard-Methode verzichtet ganz auf Fußnoten. Um Verwechslung gleichnamiger Autoren auszuschließen, wird zum Namen des Verfassers der Anfangsbuchstabe seines Vornamens hinzugefügt - beispielsweise: Bänsch, A. Der Verzicht auf einen Fußnotenvermerk vereinfacht deutlich das Layout. Dieser Vorteil bleibt allerdings nur erhalten, wenn auch auf Fußnoten für ergänzende Erklärungen, Anmerkungen, ergänzende Hinweise weitgehend oder ganz verzichtet wird. 7.3 Zitierweise 161 <?page no="162"?> ZITIERTECHNIKEN Vollbeleg-Technik Wenn kein Quellen- und Literatur‐ verzeichnis vorgesehen ist Kurzbeleg-Technik Wenn ein gesondertes Quellen- und Literaturverzeichnis vorgesehen ist Methode Beispiel Methode Beispiel a. a. O.-Me‐ thode Nach dem ersten Vollbe‐ leg mit allen bibliogra‐ phischen Daten in der Fußnote findet sich bei wiederholter Zitierung anstelle der Fußnote die Abkürzung “a.a.O.” nach dem Verfasserna‐ men, also: -Vgl. Theisen, a. a. O., S. 143 Autor- Titel- Jahr-Me‐ thode Der Quellenverweis er‐ folgt in der Fußnote unter Angabe des Verfassers, ei‐ ner Kurzfassung des Titels, dem Jahr des Erscheinens und der Seitenangabe, also: -Vgl. Theisen, M. R., Arbei‐ ten, 2005, S.-145 Methode nach Theisen Der Vollbeleg erfolgt mit allen bibliographischen Daten in der Fußnote. Bei wiederholter Zitierung ist der Verfassername, ein Stichwort zum Titel und die Fußnotenziffer des Erstbelegs anzufüh‐ ren: -Vgl. Theisen; M. R., Arbei‐ ten (FN 1), S.-142/ 143 Autor- Jahr-Me‐ thode - Der Quellenverweis er‐ folgt in der Fußnote un‐ ter Angabe des Verfassers, des Jahres, des Erscheinens und der Seitenangabe: -Vgl. Theisen, M. R., 2005, S.-145 Harvard- Methode Der Quellenverweis er‐ folgt direkt nach dem Text (keine Fußnote). Die An‐ gabe des Verfassers, das Erscheinungsjahr und die Seitenangabe sind in runde Klammern eingeschlossen: -(Theisen, M. R., 2005, S.145) Abb.-53: Typen der Zitiertechnik Im Quellenverzeichnis aufgeführte Titel nach der Harvard-Methode erhal‐ ten mit allen bibliografischen Daten folgende Formatierung: Bänsch, Axel. 1999. Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten. 7., verbesserte Auflage. München, Wien: Oldenbourg 162 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="163"?> Dem aufmerksamen Leser ist längst aufgefallen, dass in diesem Buch die Harvard-Methode verwendet wird. So möge es zugleich als Beispiel für die Anwendung dieser Methode dienen. Mit Fußnoten und Anmerkungen möchten Autoren Verweise, Erklä‐ rungen und Ergänzungen vom eigentlichen Text abtrennen. In manchen Werken füllen sie halbe Seiten und mehr. Das aber stört den Lesefluss und verärgert, wenn zu viel Nebensächliches und mitunter Belanglosigkeiten angeboten werden. Deshalb sind persönliche Anmerkungen und zusätzliche Erläuterungen auf das Wesentlichste zu beschränken, sollten möglichst entfallen (R E CH E NB E R G , P., 2003, S. 133). In jedem Fall ist zu prüfen, ob sie in knapper Form in den Text integriert werden können. Wer nicht auf Anmer‐ kungen (Fußnoten) verzichten will, kennzeichnet sie durch hochgestellte Ziffern. Auch hier gilt: Die Nummerierung kann entweder auf jeder Seite neu beginnen oder im Text durchgehend erfolgen. Ergänzende Hinweise zum Zitieren 1. Angabe der Seitenzahlen in der zitierten Quelle - f. (folgende) für die nächste Seite - z. B. Müller, R. (2011) S.-27-f. - ff. (fortfolgende) für die nächsten Seiten - z. B. Müller, R. (2011) S.121-ff. - Seitenzahlen einer größeren Zahl zitierter Seiten - Müller, R. (…) S.-25-46 2. Fremdsprachige Texte - entweder in der Originalsprache zitieren und dann übersetzt mit eigenen Worten kommentieren - oder selbst übersetzen und als indirektes Zitat kennzeichnen. 3. Mehrere Arbeiten eines Autors in einem Erscheinungsjahr - z. B.: Schulze, K. 2005a, Schulze, K. 2005b 4. Mehr als zwei Autoren - Friedrich, S.-et al. (2009) 5. Zitieren aus der neusten Auflage - Bei unzumutbarem Aufwand für Recherche „Blindzitat“ - z. B. Meier, L. (2007), S.-212, zitiert nach … 7.3 Zitierweise 163 <?page no="164"?> 7.4 Checkliste 1. Wähle die für die wissenschaftliche Arbeit angemessene Literatur aus, die sowohl zitierwürdig als auch zitierfähig ist. 2. Unterscheide zwischen Quellen und weiterführender Literatur. Nimm in das Quellenverzeichnis nur solche Titel auf, die direkte Verwendung in der wissenschaftlichen Arbeit finden. 3. Arbeite stets mit der neusten Auflage des Titels und stoße möglichst immer zur Primärquelle vor. 4. Wähle bewusst eine Lesetechnik, die Treffsicherheit und Zeitersparnis garantiert. 5. Dokumentiere Exzerpte durch Herausziehen wichtiger Aussagen aus der Literatur auf Lektüre- oder Stichwortkarten oder mit dem Computer über Literaturverwaltungsprogramme. 6. Zitiere maßvoll, möglichst indirekt, wenig direkt. Aber vergiss nicht, zu zitieren. 7. Zitiere korrekt unter Angabe aller erforderlichen bibliografischen Da‐ ten. 8. Zitiere einheitlich unter Anwendung einer bestimmten Technik - Emp‐ fehlung: Harvard-Methode. 164 7 Arbeit mit der Literatur <?page no="165"?> 8 Bestandteile der Arbeit 8.1 Übersicht der formalen Bestandteile In der Übersicht der formalen Bestandteile kommen der Aufbau und die Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit zum Ausdruck. Insbesondere die wissenschaftlichen Prüfungsarbeiten - wie Bachelor-, Master- und Doktor‐ arbeiten - weisen alle bestimmte Grundbestandteile und Reihenfolgen auf, die durch Forderungen der jeweiligen Universitäten, Hochschulen oder der wissenschaftlichen Betreuer modifiziert werden können. Hier soll folgender Musteraufbau gekennzeichnet werden: • Vortexte • Inhaltsverzeichnis • Einleitung • Herleitung der Aufgabenstellung • Hauptteil • Schluss • Verzeichnisse • Anhang • Anlagen 8.2 Vortexte Zu den Vortexten gehören das Titelblatt, ggf. der Sperrvermerk, die Ehren‐ wörtliche Erklärung und das Vorwort. Auf dem Titelblatt finden sich Aussagen zum Autor, zum Titel der Arbeit, zum Tag der Einreichung, zur Universität/ Hochschule, an der die Arbeit eingereicht wird. In der Regel erlassen die Universitäten und Hochschulen dazu genaue Formvorschriften. Im Sperrvermerk wird erklärt, dass die wissenschaftliche Arbeit vom Autor auf Grund vertraulicher Daten zunächst bis zu einem definierten Zeitpunkt gesperrt ist. Während dieser Zeit darf sie nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors von Dritten eingesehen werden. Sperrvermerke sollten nur in Ausnahmefällen erfolgen. Besser wäre es, die vertraulichen Daten in die Anlagen zu verbannen, so dass die anderen Bestandteile öffentlich zugänglich sind. <?page no="166"?> Die Ehrenwörtliche Erklärungen ist in der Regel vorgeschrieben. Unabhängig von Ergänzungen durch die jeweilige Universität/ Hochschule erklärt der Autor, dass er seine wissenschaftliche Arbeit • selbstständig verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmit‐ tel nicht benutzt und sich auch sonst keiner unerlaubten Hilfen bedient hat, • bisher weder im Innoch im Ausland in irgendeiner Form als Prüfungs‐ arbeit vorgelegt hat. Das Vorwort ist kein integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit und deshalb von der Einleitung zu unterscheiden. Im Vorwort kann der Autor die Umstände, unter denen die Arbeit entstanden ist, sowie seine persönlichen Motive für die Arbeit schildern. Häufig wird es benutzt zur Danksagung an Personen und Institutionen, die zum Gelingen der Untersu‐ chung beigetragen haben. Schließlich kann im Vorwort auf den gewünsch‐ ten Leserkreis hingewiesen werden. Da ein Vorwort auch jederzeit entfallen kann, sollte es keine Informationen enthalten, die für das Verständnis der Arbeit notwendig sind. Unter dem Vorwort sind der Name des Verfassers sowie Ort und Datum vermerkt. Manche Universitäten verlangen in den Vortexten noch ein Abstract (Executive Summary), in der Regel für Prüfungsbeisitzer. 8.3 Inhaltsverzeichnis Eine Analyse der formalen Gliederungsschemata in Diplom- und Masterar‐ beiten sowie in Dissertationen und Habilitationen, aber auch in den meisten Computer-Textprogrammen führt zu zwei Grundordnungen: • der numerischen Ordnung und • der alpha-numerischen Ordnung. Die numerische Ordnung, auch als dezimale Ordnung bezeichnet, wird vorwiegend für naturwissenschaftliche und technische Arbeiten, zuneh‐ mend aber auch in den Wirtschafts-, Sozial- und Erziehungswissenschaften verwendet. Nach dieser Ordnung werden die einzelnen Kapitel in der Arbeit fortlaufend durchnummeriert. Jede nachgeordnete Stufe (Abschnitt, Unterabschnitt) beginnt mit der Ziffer des jeweiligen Teils - also: 166 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="167"?> 1 Teil - 1.1 Kapitel - - - 1.1.1 Abschnitt. - 2 Teil - - - 2.1 Kapitel - - - 2.1.1 Abschnitt. Möglich wäre noch die Einführung von Unterabschnitten und Absätzen, beispielsweise 2.1.1 Abschnitt - - - 2.1.1.1 Unterabschnitt - - - 2.1.1.1.1 Absatz. Das Beispiel zeigt jedoch, dass das Einführen einer 4. und 5. Ordnungszahl die Orientierung erschwert und deshalb die Gliederungstiefe bis zur 3. Ordnungszahl empfohlen wird. Weitere Hinweise Ein Oberpunkt muss mindestens zwei Unterpunkte enthalten: nicht so: 3 sondern so: 3 - 3.1 - 3.1 - 4 - 3.2 - - - 4 Unter einen Oberpunkt ist kein eigenständiger Text zu setzen: nicht so: - sondern so: - 3 Untersuchungsmethoden 3 Untersuchungsmethoden - Bei Untersuchungen kommen mündliche und schriftliche Befragungen in Betracht. 3.1 Kennzeichnung Bei Untersuchungen … 3.1 Fragetechnik 3.2 Fragetechnik Das vorliegende Buch ist nach der numerischen Ordnung gegliedert. Die alpha-numerische Ordnung, auch als gemischte Ordnung bezeich‐ net, ist vornehmlich in geistes- und rechtswissenschaftlichen Arbeiten 8.3 Inhaltsverzeichnis 167 <?page no="168"?> anzutreffen. Hier sind Zahlen und Buchstaben in unterschiedlicher Folge üblich. In der Literatur werden zwei Ordnungsverfahren genannt: • T HE I S E N , M. R. (2005, S.-104) stellt folgendes Bezeichnungssystem vor: A Lateinische Großbuchstaben (Teile) I Römische Zahlen (Kapitel) 1. Arabische Zahlen (Abschnitte) a. Lateinische Kleinbuchstaben b. ... α. Griechische Kleinbuchstaben β. ... 2. Arabische Zahlen (Abschnitte) II Römische Zahlen (Kapitel) B ... • R E CH E NB E R G (2003, S. 113) kennzeichnet ein weiteres Ordnungsverfahren wie folgt: Erstes Kapitel: Überschrift 1. Ordnung 1. Überschrift 2. Ordnung A. Überschrift 3. Ordnung I. Überschrift 4. Ordnung a. Überschrift 5. Ordnung aa. Überschrift 6. Ordnung b. ... II. ... B. ... 2. ... Das Inhaltsverzeichnis wird von der Einleitung bis zum Schluss durchnum‐ meriert. Weitere Bestandteile - in der Regel ohne Einbeziehung in die fortlaufende Nummerierung - sind die Verzeichnisse und der Anhang. 8.4 Einleitung Im Unterschied zum Vorwort ist die Einleitung integraler Bestandteil der Arbeit. Sie soll dem Leser eine Brille aufsetzen, durch die er die weiteren Ausführungen liest. Deshalb sollte die Einleitung mindestens folgende Aussagen enthalten: 168 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="169"?> • kurze Beschreibung des Gegenstandes der Arbeit und des Anlasses für seine Untersuchung (interessanter Aufhänger), • Einordnung des Gegenstandes in die allgemeine Forschungslage (wis‐ senschaftliche und praktische Relevanz der Arbeit), • Hinweise auf die Materialbasis und die eingesetzten Methoden, • Kennzeichnung der thementragenden Begriffe, • kurzer Wegweiser durch die Untersuchung, aber keine bloße Wieder‐ holung der Gliederung. In der Regel werden in der Einleitung auch die unter Abschnitt 8.5 genannten Aussagen aufgeführt. Der Autor hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass für das Verständnis der Aufgabenstellung ihre Herleitung in einem geson‐ derten Abschnitt wichtig und auch deshalb notwendig ist, weil Einleitungen mitunter nur flüchtig oder überhaupt nicht gelesen werden. 8.5 Herleitung der Aufgabenstellung In diesem Teil werden die Antworten auf die im Abschnitt 3.2.1 aufgewor‐ fenen Fragen dargestellt - also: • Zu welchem übergeordneten Ziel soll die Arbeit einen Beitrag leisten? • Welche Probleme sind zu lösen, welche Fragestellungen sind zu beant‐ worten, um dieses Ziel zu erreichen? • Welche Fragestellungen sind in der Literatur schon beantwortet? • Welche Fragestellungen sind noch nicht oder noch nicht vollstän‐ dig/ ausreichend beantwortet? • Welche Fragestellung(en) wird bzw. werden in der Arbeit beantwortet und führen zur Aufgabenstellung? Nützlich sind außerdem Hinweise auf den gewünschten Leserkreis, auf deren Bedingungen und Erwartungen die Arbeit zugeschnitten ist (sofern im Vorwort nicht erwähnt) und auf die beabsichtigte Ergebnisform der Arbeit wie beispielsweise Modell, Leitfaden, Analyse oder Dokumentation. 8.6 Hauptteil Der Hauptteil der wissenschaftlichen Arbeit ist in der Regel reich gegliedert, in mehrere Kapitel aufgeteilt. In Abhängigkeit von der Aufgabenstellung 8.5 Herleitung der Aufgabenstellung 169 <?page no="170"?> folgt die Aufteilung einer der in Abschnitt 3.3.2 Punkt 4 vorgestellten Gliederungsmodelle. Unabhängig vom gewählten Gliederungsmodell sollte der Hauptteil Aussagen zu folgenden Schwerpunkten enthalten: • Erkenntnisstand - Welche Erkenntnisse liegen zu der/ den Fragestellung(en) vor? - Welche Fachbegriffe sind strittig bzw. unstrittig? • Untersuchungsgegenstand - Was soll untersucht werden? - Welches Primär- und Sekundärmaterial wird dafür verwendet? - Welche Gründe gibt es für die Auswahl? • Methodisches Vorgehen - Welche Vorgehensweise wird für die Bearbeitung des Materials gewählt? - Welche Methoden haben sich dabei besonders bewährt? • Ergebnisse - Welche Ergebnisse wurden erreicht, was blieb offen? - Inwieweit harmonieren diese Ergebnisse mit den aufgeworfenen Fragestellungen? Bei der Gestaltung des Hauptteils ist darauf zu achten, dass der Zusammen‐ hang zwischen den einzelnen Kapiteln durch verbindende Überleitungen erhalten bleibt. Für das bessere Verständnis bieten sich je nach Umfang des Kapitels kurze Zwischen-Zusammenfassungen an. Innerhalb des Hauptteils werden mitunter zusätzliche erklärende Infor‐ mationen gegeben, die zwar einen Themenbezug haben, aber nicht zwin‐ gend an dieser Stelle stehen müssen (T H E I S E N , M. R.; 2005, S. 169/ 170). Sie werden als gesonderter Abschnitt oder gesondertes Kapitel in der Gliederung ausgewiesen und mit dem Begriff „Exkurs“ eingeleitet. Damit wird dem Leser signalisiert, dass er die folgenden Ausführungen durchaus auch überspringen kann. 8.7 Schluss Zahlreiche Leser wissenschaftlicher Arbeiten lesen noch vor dem Hauptteil den Schluss, weil sie sich hier in der gebotenen Kürze einen Überblick über die Arbeit erhoffen. Insofern rundet der Schluss die gesamte Arbeit ab. Deshalb sollte er mindestens folgende Schwerpunktaussagen enthalten: 170 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="171"?> • eine bewertende Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse als Fazit, • wesentliche Schlussfolgerungen und Vorschläge für die Umsetzung der Ergebnisse, • Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen, Ausblick auf For‐ schungsperspektiven. Im Sinne des vom Leser erwarteten Überblicks wird die Gesamtwirkung des Schlusswortes verstärkt, wenn zu Beginn noch mal die Kernfrage der Arbeit, ihr Leitgedanke in Kurzform formuliert wird (C HA R B E L , A.; 2004, S.-160). 8.8 Verzeichnisse 8.8.1 Quellenverzeichnis (obligatorisch) In den Quellennachweis sind alle jene Materialien aufzunehmen, die der Verfasser seiner Untersuchung zu Grunde gelegt, die er direkt oder indirekt auch zitiert hat. Der Nachweis erfolgt im bibliografischen Vollbeleg - beispielsweise: T H E I S E N , M. R.; 2005. Wissenschaftliches Arbeiten, 12., neu bearbeitete Auflage. München: Franz Vahlen. In der einschlägigen Literatur wird die Gliederung des Quellenverzeichnis‐ ses empfohlen. Eine entsprechende Übersicht dazu vermittelt die Abb.-54. T HEIS EN , M. R. 2005, S.-188- 205 S TROHDECKER , J. 2005, S. 101-118 C HARBEL , A. 2005, S.-176- 190 E S S ELBORN - K RUMBIEGEL , H. 2002, S. 145/ 146 1. Printmedien • Bücher • Sammel‐ werke/ Fest‐ schriften • Loseblatt- Sammlungen • Zeitschriften- Aufsätze 1. Selbständige Quellen • Bücher • Gesetzestexte • Sammelbände • Geschäftsbe‐ richte 1. Bücher 1. Selbständige Publikationen 8.8 Verzeichnisse 171 <?page no="172"?> T HEIS EN , M. R. 2005, S.-188- 205 S TROHDECKER , J. 2005, S. 101-118 C HARBEL , A. 2005, S.-176- 190 E S S ELBORN - K RUMBIEGEL , H. 2002, S. 145/ 146 2. Elektronische Informationen 2. Unselbständige Quellen • Artikel in Zeitschriften und • Zeitungen • Beiträge in Herausgeber‐ werken 2. Aufsätze und Artikel 2. Aufsätze in Sammelbänden 3. Rechtspre‐ chung 3. Internetquel‐ len 3. Gesetze 3. Aufsätze in Zeitschriften 4. Quellen z. B. Protokolle, Vorträge, Inter‐ views - 4. Internetquel‐ len 4. Internetquel‐ len 5. Werke Schrift eines Au‐ tors - 5. Weitere Quel‐ len • unveröffent‐ lichte Quel‐ len • mündliche Quellen 5. Selbstgeführte Interviews usw. Abb.-54: Ausgewählte Gliederungsmöglichkeiten für das Quellenverzeichnis Im Folgenden werden einige Beispiele für die Formatierung im Quellenver‐ zeichnis genannt: Bücher: Esselborn-Krumbiegel, Helga: 2002. Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Schöningh UTB Sammelband: Klein, Regina: 2003. Wissenschaftliches Schreiben für Studierende (Teil 2). In: Brigitte Berendt, Hans-Peter Voss und Johannes Widt (Hrsg.). Neues Handbuch Hochschullehre. Berlin: RAABE-Losebl.-Ausg. 09/ 03, S.-2-44 172 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="173"?> Gesetze: Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.06.2005, Az: VII ZR 197/ 03. Verrechnung von Ansprüchen aus Werkvertrag, Aufrechnungsverbote. Bundesbaublatt. 54. 11. S.-58/ 59 Artikel aus Wissenschaftlichen Zeitschriften: Rehberg, Karl-Siegbert: 2004. Sichtbarkeit und ‚Unsichtbarkeit‘ von Struk‐ turen als Schlüssel der Wirklichkeit. Wissenschaftliche Zeitschrift der Tech‐ nischen Universität Dresden. 53, Nr. 3-4, S.-15-20 Internetquellen: Webber-Wulff, D.: Schummeln mit dem Internet? Praxistipps aus der Sicht einer Professorin. http: / / www.heise.de/ kiosk/ archiv/ ct/ 02/ 01/ 064 (Zugriff 20.02.2002) Mündliche Quellen: Schmidt, Peter: (Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH Zschortau, Projektleiter) „Auskunft zu Regionalen Entwicklungskonzeptio‐ nen in Polen“ per Telefon am 20.11.2005 Für die Beurteilung der Quellen im Verzeichnis gelten insbesondere folgende Kriterien: • Bezug der Quelle zum Thema der Arbeit, • Anzahl der Quellen, • Alter der Quellen (Erscheinungsjahr), • Anzahl der ausgewiesenen Fachzeitschriften, • Art der Autoren, • Internationalität der Quellen. 8.8.2 Verzeichnis weiterführender Literatur (optional) In dieses Verzeichnis werden alle weiteren Materialien aufgenommen, die zwar einen Bezug zur Untersuchung haben, aber nicht unmittelbar der Arbeit zu Grunde gelegt wurden. Der interessierte Leser erhält einen Überblick zur einschlägigen Literatur. Der Nachweis kann im Vergleich zum bibliografischen Vollbeleg etwas reduziert werden - beispielsweise: 8.8 Verzeichnisse 173 <?page no="174"?> Theisen, M. R.: 2005. Wissenschaftliches Arbeiten, 12. Auflage, München: Franz Vahlen 8.8.3 Fachwortverzeichnis (optional) Im Fachwortverzeichnis oder auch Glossar werden die wichtigsten, in der Arbeit verwendeten Begriffe kurz und verständlich erläutert. Das hilft dem Leser zu erkennen, in welchem Verständnis der Verfasser die entsprechen‐ den Begriffe verwendet. Wichtig ist, dass in der gesamten Arbeit der Begriff widerspruchsfrei in ein und demselben Sinne verwendet wird. Bevorzugt sollte man in das Glossar Begriffe aufnehmen, deren Verständnis bzw. deren Definition in der Fachliteratur noch strittig ist wie beispielsweise: Präsentation: Kommunikative Veranstaltung, die eine Darstellungsphase, eine Austauschphase sowie eine Vor- und eine Nachgeschichte aufweist. Im Unterschied zu einem Vortrag oder einem Text kann der Präsentator sofort feststellen, ob das Kommu‐ nikationsziel erreicht wurde bzw. was noch zu tun ist, um es zu erreichen. Zur Erläuterung: In diesem Verständnis wird Präsentation selten behandelt. Dabei wird nicht der Anspruch auf Allgemeingültigkeit dieser Definition erhoben; es wird lediglich bekannt gegeben, in welchem Verständnis und mit welcher Absicht der Verfasser den Begriff verwendet. Aber auch zu solchen Begriffen, die im jeweiligen Fachgebiet Konjunktur haben und dabei unterschiedlichem Verständnis unterliegen, sollte der Verfasser im Glossar seine Definition vorstellen, ohne damit den Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu verbinden. Typische Beispiele dafür sind die Be‐ griffe „Facility Management“, „Projektmanagement“, „Asset Management“, „Funktionsprogramm“ oder „Objekt-Rating“. Auch erschließen sich solche Betriebsinterna wie beispielsweise „MUP-Staff “ dem Leser nicht ohne Er‐ klärung. Demgegenüber müssen in einer wissenschaftlichen Arbeit solche Begriffe wie „Formel“, „Matrix“, „Analyse“, „Synthese“, „Induktion“ oder „Deduktion“ nicht erklärt werden. Am Ende bleibt ein verwirrter Leser zurück, wenn er beispielsweise zum Begriff „Matrix“ die folgende Definition liest: „Rechteckig angeordnetes Schema von irgendwie zusammengehörenden Zahlen.“ Alle im Glossar enthaltenen Begriffe sind im Verlaufe der Untersuchung jeweils „vor Ort“, also an der Stelle ihrer Erwähnung zu definieren. The‐ 174 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="175"?> mentragende Begriffe verdienen frühzeitige Bestimmung bereits in der Einleitung, spätestens im Hauptteil bei der Analyse des aktuellen Erkennt‐ nisstandes. 8.8.4 Abkürzungsverzeichnis (optional) Bei Verwendung zahlreicher Abkürzungen wird das Erstellen eines Abkür‐ zungsverzeichnisses empfohlen. Dem Leser wird mühseliges Suchen erspart und außerdem wird der aufkommende Ärger vermieden, sich plötzlich im Text mit solchen Kürzeln wie B2B oder B2C ohne Erklärung konfrontiert zu sehen. Es sollte geprüft werden, welche Abkürzungen für Begriffe, Bezeichnungen oder Eigennamen in das Verzeichnis aufgenommen und dem dazugehörenden Begriff gegenübergestellt werden - also beispielsweise: B2C - Business to Costumer (Endkundengeschäft) C HA R B E L (2004, S. 191) empfiehlt, solche Abkürzungen in das Verzeichnis aufzunehmen, die • in der Arbeit mehrfach verwendet werden, • für das Verständnis wesentlich sind und • nicht zum Allgemeinwissen und zum fachlichen Basiswissen gehören. Eine Reihe gängiger Abkürzungen in wissenschaftlichen Arbeiten werden in Anlehnung an N I E D E R HAU S E R (2000, S.-21) nachfolgend vorgestellt: a. a. O. am angegebenen Ort Hg., Hrsg. Herausgeber Abb. Abbildung hg. (auch hrsg.) herausgegeben Anm. Anmerkung Jh. Jahrhundert Aufl. Auflage Jg. Jahrgang Az. Aktenzeichen Kap. Kapitel Bd. Bde. Band, Bände Lit. Literatur bearb. bearbeitet neu bearb. neu bearbeitet Beisp. Beispiel Nr. Nummer BGH Bundesgerichtshof o. J. ohne Jahr 8.8 Verzeichnisse 175 <?page no="176"?> BGB Bundesgesetzbuch o. O. ohne Ort bzw. beziehungsweise o. V. ohne Verfasser ca. circa o. Verl. ohne Verlag d. h. das heißt S. Seiten d. i. das ist s. a. siehe auch Diss. Dissertation sic so, auf diese Weise ed. eds. Editor, editors, edited by Tab. Tabelle e. g. exempli gratia ‚zum Beispiel’ u. a. unter anderem, und andere Einl. Einleitung überarb. überarbeitet ersch. erscheint, erschienen übers. übersetzt erw. erweitert unveränd. unverändert et al. et alii ‚und andere’ usw. und so weiter f. folgende (Seite) verb. verbessert ff. folgende (Seiten) Verl. Verlag Fig. Figur Vgl. vergleiche FN Fußnote z. B. zum Beispiel - - zit. zitiert - - zugl. zugleich Neuerdings ist es üblich, im Verzeichnis auf Abkürzungen zu verzichten, die im Duden benutzt werden. 8.8.5 Abbildungsverzeichnis (optional) Sofern die Arbeit mehr als fünf Abbildungen hat, sollte ein Abbildungsver‐ zeichnis angeboten werden. Das ermöglicht dem Leser, einzelne Abbildun‐ gen gezielt nachzuschlagen. Im Abbildungsverzeichnis sind nachzuweisen: • die Nummer der Abbildung, • die Unterschrift der Abbildung, • der Standort der Abbildung, die Seitenzahl. 176 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="177"?> Beispiel: Abb.-1: Struktur des europäischen Hochschulsystems, Seite 8 8.8.6 Weitere Verzeichnisse (fakultativ) Sofern die Arbeit mehr als fünf Gleichungen enthält, ist die Aufnahme eines Gleichungsverzeichnisses sinnvoll. Das Gleichungsverzeichnis enthält folgende Angaben: • Nummer der Gleichung, • Unterschrift der Gleichung, • Standort der Gleichung. Beispiel: Gleichung 1: Bewegungsgleichung bei reiner Translation, Seite 74 Sofern eine Veröffentlichung der wissenschaftlichen Prüfungsarbeiten vor‐ gesehen ist, sind je nach dem Gegenstand der Arbeit Sach- oder Stichwort‐ verzeichnisse, Namens- und Ortsverzeichnisse aufzunehmen. Sie sollen dem interessierten Leser bei der gezielten Recherche zu einzelnen Fragen helfen. Hier gilt die Empfehlung von B AY N E S (zitiert bei T HE I S E N , M. R.; 2005, S.-208): „Wer ein Buch ohne Register veröffentlicht, gehört zehn Meilen hinter die Hölle verbannt, wo sich nicht einmal der Teufel mehr hintraut.“ 8.9 Anhang Anhänge sind ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit, sol‐ len sie doch vor allem den Hauptteil von einem Übermaß an Daten entlasten. Dabei handelt es sich in der Regel um Daten, die nicht entscheidend für das Verständnis des Textes sind, aber weitere themenbezogene Informationen geben können. Typische Bestandteile eines Anhangs sind beispielsweise: • Datentabellen einer statistischen Auswertung, • Code eines PC-Programms, • Fragebögen (empirische Studie), 8.9 Anhang 177 <?page no="178"?> • Interviewprotokolle und -auswertungen, • Gleichungen eines mathematischen Modells, • Beispielsammlungen, • Gesetzestexte usw. 8.10 Anlagen Im Unterschied zum Anhang werden Anlagen nicht mit in die wissenschaft‐ liche Arbeit eingebunden. Sie existieren als gesondertes Material in einer Einstecktasche, einem gesonderten Band oder im Falle großformatiger Zeichnungen als Rolle und sind mit der wissenschaftlichen Arbeit zur Prüfung einzureichen. Die Entscheidung für Anlagen wird häufig dann getroffen, wenn die unter dem Anhang (siehe 8.9) genannten Materialien sehr umfänglich sind und deshalb die Einrichtung eines gesonderten Bandes geraten erscheint. Des Weiteren können in die Anlagen (auch als spezieller Teil) vertrauliche Daten aufgenommen werden, die die wissenschaftliche Arbeit selbst vor dem Sperrvermerk bewahren. Diese spezielle Anlage ist zwar Gutachtern und Prüfern zugänglich, bleibt aber für die Öffentlichkeit eine gewisse Zeit gesperrt. 178 8 Bestandteile der Arbeit <?page no="179"?> 9 Grafische Gestaltung 9.1 Anforderungen Mit der grafischen Gestaltung soll die Verständlichkeit und Anschaulichkeit des Textes gesteigert und damit die Aufnahmebereitschaft des Lesers erhöht werden. Zugleich ist die Grafik in der Regel ein wichtiges Orientierungs‐ mittel. Sie lockert einen Text auf und verbessert seine Lesbarkeit. Jede grafische Darstellung - im folgenden mit dem Sammelbegriff „Ab‐ bildung“ belegt - ist in den Text einzufügen, in diesem zu erklären und anzukündigen. Achtung: Die Erklärung oder Ankündigung einer Abbildung gehört nicht in die Fußnote! Auch sollte der Bezug zum Text nicht durch Formulierungen wie: „In der folgenden Abbildung …“ oder „Die oben ange‐ führte Abbildung zeigt …“ erfolgen. Rasch können bei technisch bedingten Umstellungen des Textes Verwechslungen aufkommen (T H E I S E N , M. R., 2005, S.-164). Deshalb besser so formulieren: „In der Abb.-4 …“ oder „Die Abb.-4 zeigt …! “ Als Abbildungen können alle Schaubilder, Tabellen, Diagramme und Tech‐ nischen Zeichnungen bezeichnet werden. In manchen wissenschaftlichen Arbeiten wird zwischen Abbildungen und Tabellen unterschieden. Innerhalb der Abbildungen sind alle Symbole und Zeichen zu erklären, beispielsweise in einer Legende. Abkürzungen sind nur dann in der Abbil‐ dung zu erläutern, wenn sie nicht im Abkürzungsverzeichnis enthalten sind. In Abb. 55 ist ein Beispiel für eine misslungene Einordnung und mangelhafte Erläuterung der in Klammern gesetzten Zahlen dargestellt. Solche Oberflächlichkeiten führen nicht nur zu Verständnisschwierigkeiten sondern auch zur Verärgerung der Leser. Die Abbildungen sind in der Arbeit fortlaufend zu nummerieren und mit einem Abbildungstitel zu versehen. Dabei ist sorgfältig zu kennzeichnen, ob die Abbildung • aus einer Quelle vollständig übernommen, • aus einer Quelle weiterentwickelt, • eigenständig entwickelt wurde. (E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.: 2003, S.-112/ 113) <?page no="180"?> Motivation Fähigkeiten Rollenwahrnehmung weitere Persönlichkeitsmerkmale Leistung Zufriedenheit Führungsstil Incentives Aufgabenumfeld des Akquisiteurs (1) (2) (3) (6) (7) (5) (4) (9) (8) Motivation Fähigkeiten Rollenwahrnehmung weitere Persönlichkeitsmerkmale Leistung Zufriedenheit Führungsstil Incentives Aufgabenumfeld des Akquisiteurs (1) (2) (3) (6) (7) (5) (4) (6) (7) (5) (4) (9) (8) Abb.-55: Negativbeispiel für Abbildungen In den Abb. 56 bis 58 sind Beispiele für eine korrekte Kennzeichnung dargestellt. Abb. 56 zeigt ein Beispiel für die Kennzeichnung der direkten Übernahme und Abb. 57 demonstriert die Kennzeichnung der modifizierten Übernahme. Abb.-56: Bausteine der wissenschaftlichen Argumentation (Quelle: E S S E L B O R N - K R U M B I E ‐ G E L , 2002, S.-99) 180 9 Grafische Gestaltung <?page no="181"?> Ziel Wozu lösen? Ziel Wozu lösen? Wozu lösen? Problem als Hindernis Problem als Hindernis Für wen lösen? Leser Für wen lösen? Für wen lösen? Leser Welche Ergebnisse in der verfügbaren Zeit? Ergebnis Welche Ergebnisse in der verfügbaren Zeit? Welche Ergebnisse in der verfügbaren Zeit? Ergebnis Woran Ergebnisse messen? Erfolgskriterien Woran Ergebnisse messen? Woran Ergebnisse messen? Erfolgskriterien Abb.-57: Schema für das Klären des Problemverständnisses (Quelle: In Anlehnung an S P E R L I N G und W A S S E V E D , 1977, S.-53) Abb.-58 zeigt eine eigene Darstellung. Abb.-58: Kennzeichnung der Technik des Mindmap 9.1 Anforderungen 181 <?page no="182"?> 9.2 Darstellungsformen 9.2.1 Diagramme Diagramme sind Zahlenbilder, in denen statistisches Material grafisch auf‐ bereitet angeboten wird. Sie wecken Aufmerksamkeit, zeigen auf einen Blick, worum es geht und wirken überzeugend. Voraussetzung ist allerdings, dass im Diagramm hervorgehoben wird, was ausgesagt werden soll. Für die Entscheidung über die Verwendung von Diagrammen sind min‐ destens zwei Fragen zu beantworten: 1. Welche Aussagen im Text sollen durch Diagramme unterstützt werden? Empfehlungen: 2. Formuliere die Aussage, die durch das Diagramm unterstützt werden soll. 3. Formuliere den Kurztitel des Diagramms. 4. Welches Grundmuster eines Diagramms ist dafür besonders geeignet? Gebräuchlich sind die folgenden Grundmuster, die in Abb. 59 gekenn‐ zeichnet sind: • Verhältnis/ Verteilung → Kreisdiagramm • Rangfolge → Stabdiagramm • Zeitreihe → Liniendiagramm • Häufigkeit → Kurvendiagramm • Korrelation → Balkendiagramm In Abb. 60 ist an einem Beispiel die Vorgehensweise bei der Beantwortung der oben genannten Fragen skizziert. Danach wird zuerst entschieden, welche Aussage durch ein Diagramm veranschaulicht werden soll. Im Beispiel lautet diese: „Im Süden ist der Umsatz des Produktes 1 im Vergleich zu den anderen Regionen am niedrigsten.“ Dann wird der Kurztitel formuliert - also beispielsweise: „Umsatz des Produktes 1 nach Regionen in EUR.“ Daraus ergibt sich, dass eine Bewertung nach Größenordnungen erfolgen soll. Deshalb wird in Abb.-59 das Stabdiagramm gewählt. 182 9 Grafische Gestaltung <?page no="183"?> Zeitreihe: Tendenzen bzw. Veränderungen von Größen über die Zeit Schlüsselbegriffe: Steigen/ Wachsen Fallen/ Abnehmen Schwanken Rangfolge: Bewertung von Objekten oder Tatsachen nach Größe oder Qualität Schlüsselbegriffe: Größer/ kleiner als Besser/ schlechter als Etwa gleich groß/ gleich gut Liegt an 1./ 2./ 3. ... Stelle Verhältnis/ Verteilung: Anteil einzelner Komponenten am Gesamten Schlüsselbegriffe: Anteil Prozentsatz X von Hundert entfallen auf Erläuterung Grundmuster Zeitreihe: Tendenzen bzw. Veränderungen von Größen über die Zeit Schlüsselbegriffe: Steigen/ Wachsen Fallen/ Abnehmen Schwanken Rangfolge: Bewertung von Objekten oder Tatsachen nach Größe oder Qualität Schlüsselbegriffe: Größer/ kleiner als Besser/ schlechter als Etwa gleich groß/ gleich gut Liegt an 1./ 2./ 3. ... Stelle Verhältnis/ Verteilung: Anteil einzelner Komponenten am Gesamten Schlüsselbegriffe: Anteil Prozentsatz X von Hundert entfallen auf Erläuterung Grundmuster Korrelation: Zusammenhang zwischen zwei Größen, z. B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate Schlüsselbegriffe: Steigt (nicht) wie ... In dem Maße wie ... fällt auch ... Verändert sich (nicht) parallel zu ... Häufigkeit: Häufigkeit in Bezug auf eine Maßeinheit, z. B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate Schlüsselbegriffe: Mitarbeiter verteilt auf Altersgruppen Zahl der Aufträge liegt zwischen Auftragswert von ... und ... Korrelation: Zusammenhang zwischen zwei Größen, z. B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate Schlüsselbegriffe: Steigt (nicht) wie ... In dem Maße wie ... fällt auch ... Verändert sich (nicht) parallel zu ... Häufigkeit: Häufigkeit in Bezug auf eine Maßeinheit, z. B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate Schlüsselbegriffe: Mitarbeiter verteilt auf Altersgruppen Zahl der Aufträge liegt zwischen Auftragswert von ... und ... Abb.-59: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen 9.2 Darstellungsformen 183 <?page no="184"?> Nord Süd Ost West 800 850 1000 500 Umsatz in Tsd. € Nord Süd Ost West 800 850 1000 500 Umsatz in Tsd. € Nord Süd Ost West 800 850 1000 500 Umsatz in Tsd. € Umsatz in Tsd. EUR Abb.-60: Beispiel für die Verwendung von Diagrammen Bei R I E DWY L (1987, S. 11) sind beachtenswerte Empfehlungen für die Ver‐ wendung von Diagrammen formuliert: • Gibt der Kurztitel des Diagramms ausreichend Antwort auf die Fragen: Was? Wo? Wann? Sind überflüssige Aussagen eliminiert? • Sind alle Angaben und Zeichen gut zu unterscheiden und durch die Erklärungen unter dem Diagramm (beispielsweise als Legende) ausrei‐ chend verständlich? • Sind die Quellen korrekt gekennzeichnet? • Ist die Schrift gut lesbar? • Sind nicht zu viele, möglicherweise unwesentliche Details enthalten? • Ist der dargestellte Sachverhalt zu trivial? • Ist die Darstellung des Diagramms vollständig, genau und anschaulich? 9.2.2 Tabellen Während Diagramme relativ komplexe Zusammenhänge einfach darstellen und schnell erkennen lassen, gehen Tabellen in die Tiefe und stellen Infor‐ mationen mit hoher Genauigkeit dar. Neben der Darstellung quantitativer Daten (Beispiel s. Abb. 61) geben Tabellen auch Überblicke über qualitative Merkmale (Beispiel s. Abb.-62). 184 9 Grafische Gestaltung <?page no="185"?> 2003 2004 2005 T € Ertrag pro Mitarbeiter 5.922,45 6.733,66 8.909,82 Umsatzrendite 4,72 5,77 6,52 - - - - Umsatz pro Teilnehmer 1.345,26 1.418,19 1.386,35 Umsatz pro Veranstaltungstag 3.412,76 3.706,04 3.260,68 Werbekosten pro Teilnehmer 134,48 127,05 128,30 - - - - Kosten pro Teilnehmer 1.376,90 1.336,39 1.229,83 Kosten pro Veranstaltungstag - - - - Anzahl Teilnehmer 1.614 1.811 2.408 Veranstaltungstage 679 693 995 Abb.-61: Darstellung quantitativer Daten in einer Tabelle: Entwicklung ausgewählter Kennzahlen eines Veranstaltungsunternehmens Typ Grundmuster Schlüsselbegriffe Kreis‐ diagramm Verhältnis/ Verteilung: Anteil einzelner Komponenten am Gesamten • Anteil • Prozentsatz • X von Hundert entfallen auf … Stab‐ diagramm Rangfolge: Bewertung von Objekten oder Tatsachen nach Größe oder Qualität • Größer/ kleiner als … • Besser/ schlechter als … • Etwa gleich groß/ gut … • Liegt an 1./ 2. … Stelle Linien‐ diagramm Zeitreihe: Tendenzen bzw. Veränderungen von Größen über die Zeit • Steigen/ Wachsen • Fallen/ Abnehmen • Schwanken 9.2 Darstellungsformen 185 <?page no="186"?> Typ Grundmuster Schlüsselbegriffe Kurven‐ diagramm Häufigkeit: Häufigkeit in Bezug auf eine Maßeinheit, z. B. Zahl der Auf‐ träge, verteilt auf Monate • Mitarbeiter verteilt auf Altersgruppen • Zahl der Aufträge liegt zwischen einem Auftrag‐ wert von … und … Balken‐ diagramm Korrelation: Zusammenhang zwischen zwei Größen, z. B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate • Steigt bzw. steigt nicht wie … • In dem Maße wie … fällt/ steigt, fällt/ steigt auch … • Verändert sich/ verändert sich nicht parallel zu … Abb.-62: Darstellung qualitativer Merkmale in einer Tabelle: Diagrammtypen In Anlehnung an E B S T E R , C.; S TALZ E R , L. (2003, S. 127) gelten für die Anfertigung von Tabellen die folgenden Empfehlungen: • Vermeide unnötige Komplexität; Reduziere die Zahl der Variablen! • Stelle die Variable, die Merkmalsausprägung beeinflusst, in die Zeile! • Stelle die abhängige Variable in den Spaltenkopf, sie bildet also die Spalte! • Gib bei Tabellen mit quantitativen Werten die Dimension an (Prozente, Euro, Anzahl usw.)! • Schreibe die Zahlen möglichst rechtsbündig! 9.2.3 Schaubilder Schaubilder sollen komplexe Sachverhalte anschaulich erklären. Wichtige Formen sind: • Strukturbilder, • Netzwerke, • Mindmap, • Flussbilder, die vor allem Zusammenhänge und Abläufe veranschaulichen (Beispiel s. Abb.-63). 186 9 Grafische Gestaltung <?page no="187"?> 158 Schaubilder sollen komplexe Sachverhalte anschaulich erklären. Wichtige Formen sind: Strukturbilder, Netzwerke, Mindmap, Flussbilder, die vor allem Zusammenhänge und Abläufe veranschaulichen (Beispiel s. Abb. 63). Abb. 63: Flussbild des Informationsumsatzes beim Menschen Abb.-63: Flussbild des Informationsumsatzes beim Menschen Demgegenüber wollen Schemata die Komplexität und Kompliziertheit realer Objekte und Erscheinungen reduzieren, durch Vereinfachung die Anschaulichkeit verbessern und damit besseres Verständnis ermöglichen - siehe dazu Beispiel in Abb.-64. Reales Objekt 1. Stufe der Vereinfachung 2. Stufe der Vereinfachung Abb.-64: Messuhr - Realität und stufenweise Vereinfachung (in Anlehnung an H E R I N G , 1959, S.-88-f.) 9.2 Darstellungsformen 187 <?page no="188"?> Zum Verständnis des realen Objekts lässt in der 1. Stufe der Vereinfachung das Prinzipbild den Aufbau und die Wirkungsweise einer Messuhr erken‐ nen. Danach wirkt die Messuhr im Wesentlichen durch Zahnstange und Zahnräder. Weitere Teile dienen der speziellen Übersetzung und der Einstel‐ lung der Uhr. Durch die 2. Stufe der Vereinfachung wird es möglich, das Wirkungsprinzip mit einem Blick zu erfassen. Nach H E R IN G (1959, S. 88 f.) bewegt sich die zunehmende Vereinfachung „… von der differenzierten Aussage, die die besonderen Einzelheiten des Gegenstandes erfasst, zur weniger differenzierten, allgemeinen Aussage, die die Ausgangsaussage im richtigen Gültigkeitsumfang erfasst“. 9.2.4 Weitere Darstellungen Vornehmlich in den Ingenieurwissenschaften sind oft großformatige Zeich‐ nungen Bestanteil der wissenschaftlichen Arbeit. Auf Grund ihres Umfangs und Formats werden sie meistens als Anlage beigefügt. Zur Darstellung mathematischer Texte, von Algorithmen und Program‐ men werden dem interessierten Leser die Ausführungen von R E CH E N B E R G (2003, S.-138-142) empfohlen. 9.3 Checkliste 1. Prüfe die Möglichkeit, den Text mit Abbildungen verständlich und anschaulich zu gestalten. 2. Kündige Abbildungen im Text an und kommentiere sie ausreichend. 3. Nummeriere Abbildungen im Text fortlaufend und versieh jede Abbil‐ dung mit einem Titel. 4. Weise die Quellen der verwendeten Abbildungen korrekt aus. 5. Prüfe, welche Aussagen durch Diagramme unterstützt werden können und wähle danach das Grundmuster des jeweiligen Diagramms aus. 6. Entscheide, ob in den Tabellen quantitative Daten oder qualitative Merkmale dargestellt werden sollen. Erkläre alle in den Abbildungen verwendeten Symbole und Zeichen, gege‐ benenfalls in einer Legende. 188 9 Grafische Gestaltung <?page no="189"?> 10 Stil und Sprache 10.1 Vorbemerkungen Die Aussagen in diesem Teil sind als Orientierungsgrundlage zu verstehen, angereichert durch Beispiele und Empfehlungen. Zum tieferen Verständnis wird dem interessierten Leser die Lektüre des Buches von U WE R E E S E zur „Verständlichen Textgestaltung“ empfohlen. Der Autor vorwiegend technikwissenschaftlicher Arbeiten findet außerdem wertvolle Anregungen bei P E T E R R E CH E NB E R G , „Technisches Schreiben“. 10.2 Wortwahl 10.2.1 Fach- und Fremdwörter Jede wissenschaftliche Disziplin hat ihre eigenen Kürzel für fachspezifische Erscheinungsformen und Sichtweisen geschaffen. Die Verwendung dieser Fachwörter ist aus Raum- und Zeitersparnis sinnvoll. Fachwörter gehören zur Sprache der Wissenschaft. Sie sind daher unverzichtbar, sollten aber stets durch bekannte Wörter erklärt werden. Sind viele Fachausdrücke notwendig, ist ein Glossar zu empfehlen (s. dazu Abschnitt 8.8.3 Fachwort‐ verzeichnis). Fachwörter sind oft Fremdwörter. Nicht die Anwendung von Fremdwör‐ tern an sich macht einen Text schwer- oder unverständlich. Es sind ihr falscher Einsatz, ihr geringer Bekanntheitsgrad und nicht zuletzt die über‐ zogene Anhäufung, die das Verständnis entsprechender Texte erschweren und beim sachkundigen Leser Skepsis provozieren - wie beispielsweise beim Lesen des nachfolgenden Satzes: Die Akkumulation involontär nicht in Arbeitsrechtsverhältnissen gebundener Erwerbspersonen stellt temporum fixum ein beachtliches Phänomen dar. Auf Nachfrage stellte sich folgende Bedeutung heraus: Gegenwärtig steigt die Arbeitslosigkeit. Grundsätzlich wird empfohlen, Fremdwörter nur in dem Maße zu verwen‐ den, wie dies notwendig erscheint. Ist es wirklich notwendig, so wie folgt zu formulieren? <?page no="190"?> • Das neue System performte überragend. • Der Mitarbeiter updatete seine Kompetenzabstrahlung. • Das Projekt erhielt eine neue deadline. • Das System ist wegen der side effects permanent zu checken. Des Weiteren ist auf den richtigen Bedeutungsgehalt bei der Anwendung von Fremdwörtern zu achten. R E CH E N B E R G , P. (2003, S. 84) fragt zu Recht: Was versteht man eigentlich unter • bottom-up: aufwärts? induktiv? aufsteigend? • top-down: abwärts? deduktiv? absteigend? Mit der fehlerhaften Verwendung von Fremdwörtern disqualifiziert sich der Verfasser selbst. Damit sind beispielsweise auch solche Fälle angesprochen wie • Die optimalere Situation, die optimalste Lösung Da „optimal“ bereits die höchste Steigerungsform ausdrückt, ist eine weitere Steigerung nicht zulässig. • Die vorprogrammierte Konsequenz Die Vorsilbe „pro“ bedeutet bereits „vor“, also Tautologie (doppeltge‐ moppelt). • Die Zukunftsprognose, die sichere Zukunftsprognose Jede Prognose ist nur auf die Zukunft gerichtet - also wieder Tautologie. Außerdem: Da die Zukunft immer unsicher ist, sind „sichere Zukunfts‐ prognosen“ Hochstapelei. • Das exemplarische Beispiel Das Exempel und das Beispiel bedeuten dasselbe - wieder eine Tauto‐ logie! Unsicherheiten gibt es übrigens auch bei Einsatz solcher geläufigen Begriffe wie „komplex“ und „kompliziert“. Sie werden oft synonym gebraucht. Aber „komplex“ ist ein System, wenn im System viele Wechselwirkungen bestehen und „kompliziert“ ist es, wenn es aus vielen Elementen besteht. 10.2.2 Modewörter Modewörter schleichen sich in die Sprache, ohne dass man immer ihre Herkunft zurückverfolgen kann. Oft gehen sie auf Amerikanismen zurück. Man hört sie im Fernsehen oder im Rundfunk, liest sie in der Zeitung und 190 10 Stil und Sprache <?page no="191"?> schon werden sie meist unbewusst in der Alltagssprache verwendet. Je häufiger sie verwendet werden, desto geringer wird ihr Informationsgehalt. Ein Modewort des täglichen Lebens ist die Wendung „Sinn machen“. Kann man wirklich Sinn „machen“? Entweder eine Sache hat Sinn oder sie hat keinen, aber „machen“ kann man den Sinn nicht! Diese modische Wendung entstand aus der Übersetzung von „to make sense“ (R E CH E N B E R G , 2003, S. 79). Oder ein anderes Beispiel: In der deutschen Sprache bedeutet „ultimativ“ soviel wie „nachdrücklich“ oder „unwiderruflich“. Kürzlich war in einer Rezension über den Autor eines Buches zu lesen, „er war eine ultimative Autorität“. Erst die englische Übersetzung von „ultimate“ in „das Beste“, „das nicht zu Überbietende“ lässt nun erahnen, um welche Autorität es sich dabei handelt. Ein ultimatives Exempel, oh, Entschuldigung, ein treffendes Beispiel für gedankenlose Verwendung von Modewörtern ist das Wort „Quanten‐ sprung“. R E CH E N B E R G (2003, S. 73) verdeutlicht das mit der Kritik einer Theaterinszenierung: „Exemplarisches Beispiel für Witz, kombiniert mit politischer Schärfe: Mit seiner außergewöhnlichen Inszenierung der ‚Blume von Hawaii‘ sorgte der Regisseur im Vorjahr für einen Quantensprung in der Operettengeschichte am Linzer Landestheater.“ Soll man dem Regisseur empfehlen, den Verfasser wegen übler Nachrede zu verklagen. Zu seiner Ehrenrettung sei angenommen, dass er darunter einen besonders großen Sprung verstand. Doch Quantensprünge kommen in der Natur vor, liegen im atomaren Bereich und damit sehr weit unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Gedankenlosigkeit setzt sich fort mit dem „exemplarischen Beispiel“, einer Tautologie! Halten wir es besser mit W. C HU R CHILL : „Die alten Wörter sind die besten und die kürzesten die allerbesten! “ Sagen wir nicht: Der Dateizugriff ist hier mit optimaler Effizienz möglich, sondern am schnellsten bzw. am wirtschaftlichsten möglich. Lassen wir die Dinge nicht zum Tragen kommen, sondern wirken. Und behaupten wir auch nicht, eine Sache habe einen hohen Stellenwert, sondern sagen wir einfach, sie ist wichtig. Die Empfehlung lautet: Gehe sorgsam mit der Wortwahl um, prüfe, ob einfache und bewährte Worte die Sache nicht genauso oder treffender ausdrücken. Zeige Respekt vor der Zeit und der Geduld des Lesers! 10.2 Wortwahl 191 <?page no="192"?> 10.3 Umgangssprache Umgangssprachliche Wendungen stehen oft für unreflektiertes Daherreden. Solche Wendungen neigen zu Unschärfen, Übertreibungen, Simplifizierun‐ gen und haben keinen Platz im Text einer wissenschaftlichen Arbeit. Zu vermeiden sind solche Wendungen wie • wie ja nun ersichtlich …, • irgendwie, • selbstverständlich, • unglaublich hohe Kosten, • himmelschreiende Verhältnisse, • enorme Einsparungen, • einzig und allein, • nie und nimmer, • immer und ewig. Jede Behauptung mit betont subjektiver Begründung wie beispielsweise: • ich glaube, • ich vermute, • ich meine, steht im luftleeren Raum und beraubt sich selbst der Glaubwürdigkeit ihres wissenschaftlichen Charakters. Außerdem ist es in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht üblich, in der „Ich-Form“ oder in der „Wir-Form“ zu schreiben. Allerdings gibt es dazu auch andere Auffassungen. So meint B ALL S TAE DT (1993, S.-29): Mit dem Vermeiden des Personalpronomen „ich“ „… versteckt sich ein Autor oder eine Autorin hinter der Sprache“. Deshalb schlägt er beispielsweise vor, statt: „Die Befunde von X scheinen wenig überzeugend.“ besser zu formulieren: „Die Befunde von X überzeugen mich nicht.“ Überflüssig sind auch solche sprachlichen Wendungen wie Nach meiner ganz persönlichen Einschätzung ist aus der Gesamtheit der bishe‐ rigen Darlegungen zu folgern, dass … Solche Formulierungen können irritieren, wirken aufdringlich und können zu negativen Eindrücken führen. Schließlich hat der Leser beim Studium der Arbeit vorausgesetzt, dass es sich bei den Schlussfolgerungen des Verfassers 192 10 Stil und Sprache <?page no="193"?> um Eigenleistungen handelt, es sei denn, sie sind als Zitat gekennzeichnet. Besser ist stattdessen die folgende Formulierung: Daraus ist zu folgern, dass … Die Empfehlungen für wissenschaftliche Texte lauten: • Gib keine subjektiven Begründungen - beispielsweise: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass …“. • Verwende keine „Ich-Form“ oder „Wir-Form“ - beispielsweise: „Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass …“. • Setze keine Hohlwörter ein - beispielsweise: „Wie ja ersichtlich, ist daraus gewissermaßen zu folgern, dass …“. 10.4 Satzbildung Das Bemühen um eine verständliche Sprache setzt sich in der Satzbildung fort. Ein Satz ist umso schwerer verständlich, je mehr Informationen in ihn hineingepackt sind, wie folgendes Beispiel zeigt: Ein Flächennutzungsplan enthält als vorbereitender Bauleitplan die sich aus der beabsichtigten städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der zukünftigen Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Städte, Gemeinden und ihrer Einwohner für deren gesamtes Gebiet in unverbindlicher Form. Der Leser fragt sich, was ist in diesem Satz unverbindlich in seiner Form? Ist es der Flächennutzungsplan, die zukünftige Bodennutzung, die vorausseh‐ baren Bedürfnisse oder das gesamte Gebiet der Gemeinde? Aus mehreren Aussagen wird eine einzige geformt. Das muss den Leser überfordern, weil der Zusammenhang verloren geht. Das Beispiel zeigt, je länger ein Satz (hier 35 Worte), desto komplexer ist sein syntaktischer Aufbau. Deshalb ist die Satzlänge ein Indikator für schwerverständliche Sätze. Im Deutschen lassen grammatikalische Regeln Konstruktionen zu, die schlecht zu verstehen sind, wie beispielsweise das folgende Satzungeheuer, das in einer wissenschaftlichen Arbeit gefunden wurde: „Die Wirksamkeit der vorliegenden Untersuchungen, vornehmlich vom Autor durchgeführt und durch Diplomarbeiten unterstützt, bezüglich der Inanspruch‐ nahme von erforderlichen Fördermitteln, mit besonderem Blick auf die Potentiale 10.4 Satzbildung 193 <?page no="194"?> der Gemeinden, zur Verwirklichung des Sanierungsprogramms, inklusive der an den Schnittstellen relevanten Spin off-Aktivitäten und unter besonderer Berück‐ sichtigung der endogenen Erfolgsfaktoren und deren immanenter Evaluation, kann insgesamt als positiv eingeschätzt werden.“ Unabhängig davon, was der Autor positiv einschätzt, sein Satzbau ist das ganze Gegenteil. Das betrifft - zwar nicht nur - aber besonders auch die Länge des Satzes - hier 56 Wörter! Ein Satz ist dann gut verständlich, wenn er aus 15, maximal 20 Wörtern besteht. So kommt das meist verkaufte Buch der Welt, die Bibel, mit durchschnittlich 14 Wörtern pro Satz aus. Seine Verfasser wussten damals schon: Das Interesse des Lesers lässt merklich nach, wenn er sich auf allzu viele Einzelheiten konzentrieren, wenn er zu häufig Sätze wiederholt lesen muss, um sie zu verstehen. Untersuchungen von F R ANK (zitiert bei M E L E ZIN E K , A., 1986, S. 53-55) belegen, dass alle Informationen, die vom Menschen bewusst aufgenommen werden, nur in einer bestimmten Menge und für eine bestimmte Zeit bewusstseinsgegenwärtig bleiben. Danach gelangen höchstens 16 bit/ s in den menschlichen Kurzzeitspeicher und verbleiben dort höchstens 10 s, so dass dessen Fassungsvermögen höchstens 160 bit beträgt. Dieser Wert entspricht etwa einer Satzlänge von 15 Wörtern. Allerdings ist die Satzlänge eine zwar notwendige, aber nicht hinrei‐ chende Voraussetzung für die Verständlichkeit, wie das folgende (nicht) ernst zu nehmende, Beispiel zeigt: Das intellektuelle Potential der Landwirte ist reziprok ihrem erwirtschafteten Produktvolumen. Zwar werden nur 10 Wörter gezählt, aber diese „Schaumschlägerei“ kann man einfacher, verständlicher und dazu noch kürzer ausdrücken: Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln. E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H. (2002, S. 159-164) empfiehlt im Interesse der Ge‐ nauigkeit, Eindeutigkeit und Knappheit beim wissenschaftlichen Schreiben einige Regeln, die im folgenden verkürzt wiedergegeben werden. 1. Regel: Stelle eindeutige Satzbezüge her! Wenn in einem Satzgefüge die Bezüge nicht eindeutig sind, dann lässt der Satz mehrere Interpretationen offen, beispielsweise: Der Ober legt den Löffel neben den Teller. Er war schmutzig. Wer war schmutzig? Der Löffel oder der Ober oder der Teller? 194 10 Stil und Sprache <?page no="195"?> Empfehlung: Keinen zu großen Abstand zwischen Proform und Be‐ zugswort zulassen. 2. Regel: Belasse die Hauptaussage im Hauptsatz! Hauptsätze, die kaum verwertbare Informationen enthalten, sollten gestrichen werden, wie beispielsweise: Aus der Sicht des Autors ist dringend erforderlich, wir müssen das Phänomen näher untersuchen! Der inhaltsarme erste Satz kann sofort gestrichen werden, ohne dass dadurch ein Verlust entsteht. Der Leser wird dafür dankbar sein. 3. Regel: Bilde überschaubare Sätze! Damit kein Missverständnis aufkommt: In wissenschaftlichen Arbeiten können die Texte nicht nur aus Hauptsätzen oder sehr einfach gebauten Satzgefügen bestehen. Dennoch müssen sie überschaubar bleiben. Dazu gehört, dass - Subjekt und Prädikat nicht zu weit voneinander entfernt stehen, - zum Hauptsatz nicht mehr als zwei Nebensätze stehen sollten. 4. Regel: Nutze die Wortstellung! Sofern im Text ein Gegensatz ausgedrückt werden soll, sind die gegen‐ sätzlichen Begriffe an den Satzanfang zu stellen, beispielsweise: Die Bedeutung des Verfahrens ist unstrittig, seine Anwendung ist dagegen nicht ausreichend geklärt. Will man etwas besonders betonen, wird das Objekt an den Satzanfang gestellt: Den aktuellen Stand der Forschung hat der Autor völlig ignoriert! In Ergänzung dazu empfiehlt B ALL S TAE DT (1993, S. 23) den sorgsamen Um‐ gang mit Synonymen. Diese sollten nur dann zur stilistischen Abwechs‐ lung verwendet werden, wenn man voraussetzen kann, dass den Adressaten die Bedeutungsähnlichkeit bekannt ist. So kann beispielsweise die Aussage „Die Rassentrennung stellte eine außenpolitische Belastung für Südafrika dar. Die Abschaffung der Apartheit war deshalb ein vordringliches Problem.“ nur verstanden werden, wenn der Leser die ähnliche Bedeutung von Ras‐ sentrennung und Apartheit erkennt. K L E IN (2003, S. 10/ 11) empfiehlt als Stilelemente, die das Lesen einfacher machen, das Schaffen 10.4 Satzbildung 195 <?page no="196"?> • eines inneren Textzusammenhangs (Textkohärenz) durch Überleiten, Anknüpfen, Rück- oder Vorverweisen und • eines äußeren Textzusammenhanges (Textkohäsion) durch den Einsatz solcher steuernder Formulierungen, die - Reihenfolgen deutlich machen, wie zunächst, schließlich, außer‐ dem, weiterhin, - Gewichtung erkennen lassen, wie daher, zudem, weil, deswegen, daneben, darüber hinaus, vor allem, - Abschattierung klärt, wie jedenfalls, ebenfalls, allerdings. Mitunter wird auf das Vermeiden sexistischer Formulierungen hinge‐ wiesen. Weibliche Adressaten könnten sich durch sexistische Wörter und Wendungen ausgeschlossen fühlen und dadurch eine Aversion gegen den Text entwickeln. So wird empfohlen (B ALL S TAE DT , 1993, S.-25), • nicht von Arbeitnehmern, sondern von Arbeitnehmerinnen und Arbeit‐ nehmern oder gar von ArbeitnehmerInnen zu sprechen oder • statt Student besser Studierender oder statt Leser besser Lesende zu verwenden. Unter dem Eindruck dieser und ähnlicher Umständlichkeiten ist T H E I S E N , M. R. (2005, S. 139) zuzustimmen, dass die zwanghafte Neutralisierung, ebenso wie zweigeschlechtliche Begriffe, kein Zeichen für erreichte Gleichberech‐ tigung, wohl aber für einen schlechten Stil sind. 10.5 Textverständlichkeit Die Verständlichkeit eines Textes ist untrennbar mit der Aufnahme und Bewertung seines Inhalts verbunden. Man nimmt mit Interesse einen Text zur Hand, beginnt zu lesen und schon nach kurzer Zeit legt man ihn ermüdet oder gar verärgert aus der Hand. Zu keiner Zeit kommt das Gefühl auf, hier ringt ein Autor um das Interesse seiner Leser. Und schließlich dehnt sich der Verdruss über den Autor auf dessen wissenschaftliche Ergebnisse aus, was besonders schade ist. In einem Lehrbrief für das Fernstudium zum Diplom-Ingenieur kann man beispielsweise zum Thema „Die Klassifizierung der Messfehler“ lesen: „Messfehler sind mehrdimensional klassifizierbar nach mathematischer Korri‐ gierbarkeit als grob, zufällig oder systematisch, in der Bezugsart von Messwert 196 10 Stil und Sprache <?page no="197"?> zu Messgröße als absolut und relativ und dem Zeitverhalten entsprechend als statisch bzw. dynamisch. Die Differenz des wahren zum gemessenen Wert wird relativer Fehler genannt. Nach dem Fehlerverteilungsgesetz von Gauß können zufällige Fehler erfasst und ebenfalls korrigiert werden. Die Veränderlichkeit des Messobjekts in der Zeiteinheit ist die Grundlage für das Entstehen dynamischer Fehler; unveränderliche Messobjekte weisen statische Fehler auf.“ Ein schwerverdaulicher Text aus 95 Wörtern, der nicht nur kaum verständ‐ lich, sondern noch schwerer zu behalten ist. Hier helfen die bewährten Empfehlungen von L AN G E R ; S CHU LZ V . T HUN ; T AU S CH (1990, S. 16 ff.), die vier Dimensionen der Verständlichkeit unterscheiden, nämlich: • Einfachheit Einfachheit als Fundament für den verständlichen Text bezieht sich vor allem auf Wortwahl und Satzbau. Empfehlung: Verwende geläufige Worte und bilde überschaubare Sätze mit angemessener Kürze! • Gliederung - Ordnung Hier wird beurteilt, ob die Sätze beziehungslos nebeneinander stehen oder folgerichtig aufeinander bezogen sind, ob die Informationen im Fließtext oder strukturiert angeboten werden. Empfehlung: Gestalte Handlungsabläufe und Strukturen als innere Ordnung des Textes und mache Abläufe und Strukturen als äußere Gliederung sichtbar! • Kürze - Prägnanz Diese Dimension erfasst den Textaufwand im Verhältnis zum Gewicht der Aussage, die getroffen wird und der damit verbundenen Absicht. Empfehlung: Vermeide eine zu abgekürzte, gedrängte Darstellung ebenso wie zu weitschweifige, mit viel Unwesentlichem belastete Dar‐ stellungen! • Zusätzliche Stimulanz Hiermit sind sprachliche Mittel gemeint, die das Denken anregen, Interesse und Anteilnahme beim Leser auslösen. Empfehlung: Formuliere Fragen im Text und als Überschrift, verwende Metapher (Funktioniert das Gehirn wirklich wie ein Computer? ), Ge‐ genüberstellung widersprüchlicher oder alternativer Aussagen, führe unbeantwortete Fragen oder ungeklärte Phänomene an und lockere mit Anekdoten und Sprachspielen auf. 10.5 Textverständlichkeit 197 <?page no="198"?> Auf der Grundlage dieser vier Dimensionen hat R E E S E (2004, S. 61/ 62) den Text „Klassifizierung der Messfehler“ bearbeitet und das folgende Ergebnis vorgelegt: „Messfehler lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen: 1. Nach dem Verhältnis von gemessenem Wert (Messwert) und der wahren Größe des Messobjektes (Messgröße): - Der absolute Fehler ist die Differenz zwischen Messwert und Mess‐ größe. - Der relative Fehler ist der Quotient aus absolutem Fehler und Mess‐ größe. 2. Nach der mathematischen Korrigierbarkeit des Messfehlers: - Grobe Fehler lassen sich nicht mathematisch korrigieren, Beispiel: Ablesefehler. - Zufällige Fehler lassen sich nach dem Fehlerverteilungsgesetz von Gauß statistisch erfassen und mathematisch korrigieren, Beispiel: Messreihen. - Systematische Fehler können mittels Eichkurven erfasst und korrigiert werden, Beispiel: Instrumentenfehler. 3. Nach dem Zeitverhalten des Messobjektes: - Unveränderliche Messobjekte weisen statische Fehler auf. - Bei Messobjekten, die sich in der Zeiteinheit verändern, treten dyna‐ mische, d. h. zeitlich veränderliche Fehler auf.“ Das sind auch nur 100 Wörter. Der Unterschied in der Verständlichkeit beider Texte ist offensichtlich. Die Wörter sind verständlich, die Sätze sind überschaubar und enthalten maximal 16 Wörter. Der Text ist gut strukturiert, in klar erkennbare Kategorien gegliedert. Die Darstellung ist weder übermäßig gedrängt noch ist sie weitschweifig. Schließlich sind mit den Beispielen in Punkt 2. anregende Zusätze enthalten. 10.6 Checkliste 1. Erkläre Fachwörter, die in der Literatur unterschiedlich definiert wer‐ den, und vermeide möglichst weniger geläufige Wörter. 2. Verwende Fremdwörter in ihrer richtigen Bedeutung, vermeide Mode‐ wörter und umgangssprachliche Wendungen. 3. Bevorzuge aktive Verbformen. 198 10 Stil und Sprache <?page no="199"?> 4. Vermeide bildleere Substantive. 5. Setze Adjektive sparsam ein. 6. Bilde verständliche Sätze. Empfehlung: ca. 20 Wörter, 9 Wörter pro Aussage in einem Satz, Hauptsatz mit maximal zwei Nebensätzen. 7. Sichere die Verständlichkeit des Textes durch - Einfachheit, - Gliederung - Ordnung, - Kürze - Prägnanz, - zusätzliche Stimulanz. 8. Beurteile die Einhaltung der einzelnen Regeln im Text stets nacheinan‐ der, niemals gleichzeitig. 10.6 Checkliste 199 <?page no="201"?> 11 Erstellen des Manuskripts 11.1 Schreiben der Rohfassung 11.1.1 Formulieren des Textes Für das Formulieren des Textes sollte dem Bearbeiter möglichst ein längerer zusammenhängender Zeitraum zur Verfügung stehen. Dadurch erreicht er eine größere Geschlossenheit in der Darstellung und spart insgesamt Zeit ein, da jeder Neubeginn wieder Einarbeitung erfordert. Unter Beachtung der Hinweise zur Bearbeitung des Inhalts in 3.3.2 sind jetzt die ausgewählten, gewichteten und gereihten Aussagen „zusammen‐ zuschreiben“. Dabei zahlt sich eine gute Vorarbeit aus. So liefert ein regel‐ mäßig geführtes Exposé (s. Exkurs in Kapitel 6.6) den roten Faden für das Schreiben. Ausführliche Exzerpte zur durchgesehenen Literatur, mit eigenen Kommentaren versehen, lassen sich in die Rohfassung einordnen und bieten einen guten Grundstock für Zusammenfassungen. Die ordnungsgemäße bibliografische Erfassung der Zitate und Literaturstellen erspart zudem aufwendiges Suchen im Nachhinein. K R U S E , O. (2004, S. 231) ist sehr zuzustimmen, wenn er anmahnt, die zunehmend aufkommende eigene kritische Distanz zum Geschriebenen zu unterdrücken. Keinesfalls darf der Bearbeiter in den Fehler verfallen, aus Sorge um die Qualität seiner Aussagen diese in einer für Dritte unverständ‐ lichen Sprache anzubieten. Beim Abfassen des Textes ist zu empfehlen, im ersten Schritt den Kern der eigenen Aussagen zu formulieren und zunächst auf das Einarbeiten der Literatur zu verzichten. Im zweiten Schritt werden die Belege, indirekten und direkten Zitate usw. hinzugefügt. 11.1.2 Schreiben mit Leserbezug Der Bearbeiter hatte sich bereits beim Klären des Problemverständnisses mit den Fragen beschäftigt: Wer sind meine Leser? Mit welchen Erwartungen, Ansprüchen und Verständnismöglichkeiten muss ich rechnen? Unabhängig von den konkreten Antworten auf diese Fragen gelten die folgenden Empfehlungen für den Leserbezug: <?page no="202"?> • Zeige Respekt vor der Zeit des Lesers. Gib Hilfen für das Orientieren im Text, biete Zusammenfassungen an, platziere Aussagen, die nicht entscheidend für das Verständnis sind, in die Anlagen oder den Anhang oder lasse sie einfach weg. • Bedenke, dass du in deinem Thema der größte Fachmann bist. Setze zwar Fachwissen, aber keine Detailkenntnisse voraus. • Erleichtere dem Leser den Zugang zu deinen Aussagen durch - Veranschaulichung komplexer und komplizierter Sachverhalte, - einfache und bildhafte Sprache, keine Wort- oder Satzungetüme, - nachvollziehbares Begründen deiner Behauptungen. • Stelle deine Eigenleistung gegenüber dem Übernommenen heraus. Sage deutlich, was du erkannt hast und mit der Arbeit erreichen willst. Kennzeichne deinen wissenschaftlichen Beitrag selbstbewusst. 11.1.3 Strukturieren der einzelnen Kapitel Mit der Einführung einer einheitlichen Struktur für jedes Kapitel kann man zunächst in der Rohfassung die inneren Bezüge der Arbeit deutlich machen. Später ist zu entscheiden, ob der damit verbundene Stereotyp und mögliche Redundanzen die Orientierung und Verständlichkeit erleichtern oder ob Veränderungen erforderlich sind. Im Stadium der Rohfassung ist eine einheitliche Struktur der einzelnen Teile/ Kapitel auf jeden Fall hilfreich, weil sie Gedanken ordnen und zeigen, wo es Unklarheiten gibt, welche Verknüpfungen existieren und ob die gewählte Gliederung stimmt. K R U S E , O. (2004, S. 237) schlägt folgende Standard-Struktur für einzelne Kapitel vor: • „Bezug zum vorigen Kapitel. • Bezug des Kapitels zur Fragestellung. • Bedeutung des Kapitels in der Gesamtdarstellung. • Was ist Gegenstand des Kapitels? • Was soll über diesen Gegenstand gesagt werden? Worauf soll der Blick der LeserInnen gelenkt werden? • Welcher methodische Weg in der Darstellung wird dazu eingeschlagen? • Ausführung der einzelnen ‚Szenen‘ des Kapitels. • Zusammenfassung am Ende des Kapitels: Was war wichtig in diesem Kapitel, was sollten die LeserInnen behalten? “ 202 11 Erstellen des Manuskripts <?page no="203"?> 11.2 Überarbeiten bis zur Endfassung 11.2.1 Überprüfen der vollständigen Fragebeantwortung In diesem Schritt ist festzustellen, ob die eingangs gestellte(n) wissenschaft‐ liche(n) Fragestellung(en) ausreichend beantwortet sind. Zu vermeiden sind Antworten auf Fragen, die eingangs nicht gestellt wurden. Gründlich ist dabei zu prüfen, ob alle aufgestellten Behauptungen aus‐ reichend belegt wurden, ob die Methoden, mit denen Behauptungen und Belege gewonnen wurden, nachvollziehbar dargestellt wurden und ob das zugrundeliegende Datenmaterial erkennbar ausgewiesen ist. 11.2.2 Kontrolle der Wort- und Satzverständlichkeit Hierzu wird ein Check der vorliegenden Rohfassung nach • der Wortwahl (Fach-, Fremd- und Modewörter), • umgangssprachlichen Wendungen, • der Satzbildung und • der Textverständlichkeit entsprechend den Ausführungen in Teil 10 empfohlen. Viel Aufmerksamkeit ist dem Klären der verwendeten Begriffe zu schen‐ ken. Begriffe sind in der wissenschaftlichen Arbeit elementare Bestandteile der gedanklichen Tätigkeit. Bei ihrer Anwendung muss eine subjektive Gefühlswertung ausgeschaltet werden. Die eindeutige Verwendung von Begriffen wird häufig erschwert, weil in vielen Fällen unterschiedliche Begriffe an das gleiche sprachliche Zeichen gebunden sind. So kann man bei‐ spielsweise die Begriffe „Nutzwert“ und „Geldwert“ unter dem Wort „Wert“ fassen, aber wenn man vom Wert spricht, muss man schon sagen, welchen Begriff man meint. Ebenso bedeutet das Wort „Arbeit“ in der Alltagssprache etwas anderes, als in der Physik oder in den Wirtschaftswissenschaften. Der Bearbeiter muss also klar ausweisen, welchen Begriff er in seiner Schrift dem verwendeten Wort zuordnet (siehe dazu Abschnitt 3.2.4). 11.2 Überarbeiten bis zur Endfassung 203 <?page no="204"?> 11.2.3 Aufbereiten nach wissenschaftlichen Standards Mit dem Aufbereiten der Rohfassung nach wissenschaftlichen Standards wird nach K R U S E , O. (2004, S. 241 f.) deren editorische Überarbeitung vorgenommen. Sie erfolgt vor allem durch das Überprüfen: • der einheitlichen Zitierweise, sowohl hinsichtlich des adäquaten als auch des korrekten Zitierens (s. dazu Kapitel 7.3), • von vollständigen und nachprüfbaren Quellenangaben beim Belegen der aufgestellten Behauptungen, sowohl an Ort und Stelle (s. dazu Abschnitt 7.3.2) als auch im Quellenverzeichnis (s. dazu Abschnitt 8.8.1), • der terminologischen Einheitlichkeit der verwendeten Begriffe, • der Einbeziehung von Abbildungen in den Text, ihre durchgängige Nummerierung und klare Bezeichnung in Bildunterschriften sowie der Erklärung aller Abkürzungen in Legenden. 11.2.4 Empfehlungen für das Format Sofern die betreffende Universität oder Hochschule keine Vorgaben erlässt, gelten allgemein die folgenden Empfehlungen (in Anlehnung an DUDEN- RATGEBER, 2012, S.-49): • Seitengröße: DIN A4, • Seitenränder: links 4 cm, rechts 3 cm, oben 4 cm, unten 3 cm, • Seitennummerierung: oben, rechts außen, Deckblatt wird nicht mitge‐ zählt, Inhaltsverzeichnis wird mitgezählt, aber nicht nummeriert, • Textschriftgröße: 12 pt, • Zeilenabstand: 1,5-zeilig, • Ausrichtung: Blocksatz mit Silbentrennung, • Kopfzeile: 10 pt, linksbündig Kurztitel, rechtsbündig Seitennummer, • Teilüberschrift: 16 pt, fett, 2 Zeilen Abstand zum folgenden Text, • Kapitelüberschrift: 14 pt, fett, 2 Zeilen Abstand zum folgenden Text, • Abschnittsüberschrift: 12 pt, fett, 1 Zeile Abstand zum folgenden Text, • Kurzes Zitat im Text: wie Textschrift in An- und Ausführungszeichen, • Längeres Zitat: 1 cm Einzug rechts und links, 10 pt, Blocksatz, 1-zeilig, • Eigennamen: Kapitälchen, • Zentraler Begriff: fett bei Erstnennung, • Fußnote: Erster Quellenbeleg - Name, Vorname: Jahr. Titel, Untertitel. Auflage, Ort(e), Verlag, Seite. 204 11 Erstellen des Manuskripts <?page no="205"?> 11.3 Layoutvorschläge Die titelvergebenden Universitäten und Hochschulen unterbreiten in der Regel Vorschläge, erlassen mitunter auch Vorschriften für die Textgestal‐ tung der wissenschaftlichen Arbeit mit Prüfungscharakter. Dem Autor wird empfohlen, diesen Vorschlägen bzw. Vorschriften zu folgen. 11.4 Korrektur vor der Endfassung Der Bearbeiter sollte seinen Text im Verlaufe der Überarbeitung mehrfach lesen. Das gibt Gelegenheit, ständig inhaltliche Präzisierungen und sprach‐ liche Korrekturen vorzunehmen. Auch sind dabei Grammatik, Rechtschrei‐ bung und Zeichensetzung fortlaufend zu prüfen. Gewarnt wird vor dem Glauben an die Unfehlbarkeit des Rechtschreibeprogramms im Computer! Hat der Bearbeiter den Entschluss gefasst, seine Arbeit abzuschließen, sind keine Veränderungen mehr am vorliegenden Text vorzunehmen, dann liegt die Endfassung vor. Die Korrektur der Endfassung sollte nach Möglich‐ keit einem Dritten übertragen werden, weil der Bearbeiter selbst wieder auf den Inhalt seines Textes fixiert ist. So neigt er in aller Regel dazu, den Text weiter zu verändern, ohne die notwendige Aufmerksamkeit der Korrektur von Rechtschreibefehlern, grammatikalischen Fehlern oder Fehlern in der Zeichensetzung zu schenken. 11.5 Checkliste 1. Versuche die Rohfassung in einem Zuge „zusammenzuschreiben“. 2. Verweile zunächst nicht zu lange beim Suchen geeigneter Formulierun‐ gen. Schalte vorübergehend die eigene kritische Instanz aus. 3. Denke beim Schreiben immer an die Leser deiner Arbeit. Sichere Ver‐ ständlichkeit und Nachvollziehbarkeit. 4. Versuche in den einzelnen Teilen/ Kapiteln eine einheitliche Struktur in der Darstellung der Aussagen durchzuhalten. 5. Kontrolliere bei der Rohfassung - die Wortwahl und Satzgestaltung und - die Einhaltung wissenschaftlicher Standards. 6. Lies den Text mehrfach durch und nimm inhaltliche Präzisierungen und sprachliche Korrekturen vor. 11.3 Layoutvorschläge 205 <?page no="206"?> 7. Überlasse die Korrektur vor Fertigstellung der Endfassung möglichst einem Außenstehenden. 206 11 Erstellen des Manuskripts <?page no="207"?> 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit 12.1 KI als Ghostwriter? Der Einsatz von KI als Ghostwriter in der wissenschaftlichen Arbeit wirft erhebliche ethische und akademische Fragen auf. Ebenso sind rechtliche/ ju‐ ristische Aspekte zu beachten. Einerseits eröffnet KI zahlreiche neue Mög‐ lichkeiten, u. a. zur Unterstützung in der Manuskriptbearbeitung. Hier offenbart sich ein großes Potential zur Effizienzsteigerung. KI-Tools können nicht nur stilistische und grammatikalische Verbesserungen vornehmen, sondern auch Gliederungen und Argumentationsstrukturen entwickeln. Das spart spürbar Zeit und Kraft, der Verfasser kann sich stärker auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren. Andererseits führt KI rasch in ein „Graufeld“ zwischen legitimer Hilfe und unethischer Täuschung, Wenn mit KI wesentliche Textabschnitte generiert oder vollständige Arbeiten verfasst werden, geht das Vertrauen in die eigenständige Leistung verloren. Für die Verwendung von KI in studentischen Arbeiten sind die entspre‐ chenden Regelungen der jeweiligen Hochschule oder die Vorgaben von Verlagen verbindlich. Auf jedem Fall gilt das Urheberrecht. Unter Beachtung klarer Richtlinien kann der zulässige Einsatz von KI in der wissenschaftli‐ chen Arbeit definiert werden. Dann und nur dann kann die Verwendung entsprechender Tools das Vertrauen in die vorgelegte wissenschaftliche Arbeit aufrechterhalten. 12.2 KI als Hilfe in der Manuskriptbearbeitung KI bietet Studierenden, Fach- und Führungskräften zahlreiche legitime Hilfen für das Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten - von der Litera‐ turrecherche über das Strukturieren, Textbearbeiten, Zitieren bis hin zur Datenanalyse und Visualisierung. Das Ergebnis wird beispielsweise mit dem KI-Tool ChatGPT nach Eingabe innerhalb weniger Sekunden angeboten. Es stellt sich die Frage: Wie kann KI den Schreibprozess erleichtern, ohne die Eigenleistung der Studierenden zu ersetzen? Wo liegt für den Autor häufig ein Problem beim Schreiben? Während des Formulierens seiner Arbeit findet er sich plötzlich in einer Fülle komplizierter Ausdrücke wieder oder er hat <?page no="208"?> sich an einer kniffligen Textstelle festgebissen. So fühlt er sich beispielsweise nicht wohl bei der folgenden Formulierung: Kommunikationsprozesse schließen immer auch Vorgänge der Interaktion und des Feedbacks ein, wobei man mit Letzterem jede benutzte Form einer Rückmeldung im Bereich der Kommunikationswissenschaften, die einen Hinweis auf die Ange‐ messenheit/ Unangemessenheit oder Wirkung eines Kommunikationsprozesses, eines Interaktionsprozesses oder einer sonstigen Handlung/ eines sonstigen Verhaltens, bezeichnet. Ein bekanntes KI-Tool ist ChatGPT (OpenAI), das Antworten auch in Deutsch generiert. Hier bietet es nach der Eingabe der kniffligen Textstelle einen Ausweg an, der das Unwohlsein verringert: Zunächst die Anweisung: „Entwickele eine allgemeinverständliche Formulierung“ Dazu die Antwort des KI-Tools: „Kommunikationsprozesse beinhalten immer auch Austausch und Rückmeldung. Rückmeldungen geben dabei Hinweise darauf, ob eine Nachricht oder ein Verhalten angemessen war und welche Wirkung es hatte.“ Jetzt versteht es sogar der Autor selbst besser. Aber Vorsicht! Die wissen‐ schaftliche Aussage muss erhalten bleiben und die Form darf nicht verletzt werden. Im Beispiel wurde der Inhalt mit Blick auf das Original etwas verändert. Mit der Aufgabe, das Ergebnis kritisch zu prüfen, bekommt der Nutzer eine Formulierungshilfe für eigenständig erstellte Textstellen in die Hand. Insbesondere wird Verbesserungspotential angeboten und Verständlichkeit erhöht. Allerdings, bitte nicht vergessen: Deklarieren Sie benutzte Formulierungshilfen, z. B. ChatGPT 4.0. Für das Überwinden weiterer Hürden werden im Folgenden einige Emp‐ fehlungen kurz erläutert und teilweise mit Beispielen veranschaulicht. Literaturrecherche optimieren - KI-Tools können große Mengen an Literatur durchsuchen und relevante Artikel, Studien oder Bücher vorschla‐ gen, basierend auf Schlagwörtern und Themenfeldern. Beispiel: Mit dem KI-Tool ChatGPT wird nach der Eingabe „Stelle mir bitte drei wichtige Fachartikel zu Thema E-Learning vor“ aus den folgenden drei Vorschlägen stellvertretend einer hier aufgeführt: 208 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="209"?> „Garrison, D. R., Anderson, T., & Archer, W. (2000). Critical Inquiry in a Text-Based Environment: Computer Conferencing in Higher Education. Journal: The Internet and Higher Education.“ Der Vorschlag wird ergänzt durch eine deutschsprachige Zusammenfas‐ sung, die ChatGPT aus dem Inhalt des englischsprachigen Aufsatzes vorge‐ nommen hat: „Dieser Artikel stellt das „Community of Inquiry“-Modell vor, dass drei wesent‐ liche Elemente für erfolgreiches E-Learning definiert: soziale Präsenz, kognitive Präsenz und Lehrpräsenz. Das Modell erklärt, wie E-Learning-Umgebungen gestaltet werden können, um interaktive Lernerfahrungen zu fördern“. Schließlich wird darauf verwiesen, warum der Artikel wichtig ist: „Das Community of Inquiry-Modell ist eines der am häufigsten zitierte Modelle im Bereich des E-Learnings und bietet eine theoretische Grundlage zur Verbes‐ serung von Online-Lernumgebungen.“ Hinweise: Alle angebotenen Artikel sind englischsprachig und aktuell bis 2021. Die Texte dienen ausschließlich der persönlichen Information und können nicht in eigene Texte übernommen werden. Sofern deutsch‐ sprachige Literatur erwünscht ist (hier mit Stand bis September 2023 im Angebot), muss das ausdrücklich angefordert werden (weiter dazu siehe Anhang 1, Punkt (6) Literaturrecherche). Strukturierung und Gliederung - KI-Tools können Vorschläge für das Strukturieren von Argumentationsfolgen in der wissenschaftlichen Arbeit machen. In einem Beispiel könnte die Anweisung lauten: „Strukturiere eine Argumentation zum Befürworten eines Tempolimits bis 30 km/ h im Stadtzentrum“. ChatGPT bietet ein ausführliches Argumentationsschema mit einer Fülle von Informationen und leider mit einer etwas unübersichtlicher Grafik an. Der Nutzer wünscht daraufhin z. B. eine einfache Übersicht. Deshalb lautet seine präzisierte Anweisung jetzt: „Biete ein einfaches, leicht verständliches Strukturbild an, ohne zusätzliche Grafik“. 12.2 KI als Hilfe in der Manuskriptbearbeitung 209 <?page no="210"?> Antwort von ChatGPT: „1. Erhöhte Verkehrssicherheit - Reduzierte Unfallzahlen - Schutz gefährdeter Verkehrsteilnehmer (z. B. Radfahrer, Fußgänger) 2. Verbesserung der Lebensqualität - Lärmminderung - Bessere Luftqualität 3. Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel - Attraktivität für Fußgänger und Radfahrer - Verringerung des Autoverkehrs 4. Förderung eines flüssigen Verkehrsflusses - Weniger Stop-and-Go-Verkehr - Weniger aggressive Fahrweise 5. Vorbilder in anderen Städten - Erfolgreiche Beispiele - Anpassung an EU-Standards Diese einfache und klare Struktur bietet dem Nutzer eine geeignete Ent‐ scheidungsgrundlage für Interpretationen, Ergänzungen oder auch Strei‐ chungen. Er kann auch begründet festlegen, welches Kriterium aus diesem Vorschlag in der Argumentation nicht verwendet wird. Ein weiteres Beispiel für das Anfordern der Gliederung einer Arbeit wir im Anhang 1 angeboten. Textbearbeitung - Ein KI-Modell wie ChatGPT unterbreitet auch Vor‐ schläge für Einleitungen, Übergänge oder Zusammenfassungen in Artikeln oder Abschnitten bzw. Kapiteln wissenschaftlicher Arbeiten. Der Sprachstil kann verbessert werden, Vorschläge für präzise Wortwahl oder bessere Formulierungen stehen zur Verfügung. Allerding darf der Einsatz eines KI-Tools den wissenschaftlichen Inhalt nicht kompromittieren und muss verantwortungsvoll erfolgen. Im folgenden Beispiel bietet ChatGPT auf An‐ frage einen formelhaften Verbesserungsvorschlag an, der aber offensichtlich die korrekte wissenschaftliche Ausdrucksweise verändert. Der originale wissenschaftliche Satz lautet: „Die molekulare Interaktion zwischen Liganden und Rezeptor wird durch eine allosterische Modulation verstärkt.“ Ein KI-Tool (DeepL Write) schlägt als Verbesserung vor: 210 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="211"?> „Die Wechselwirkung zwischen Molekülen und Rezeptoren wird durch eine alloste‐ rische Änderung verbessert.“ Mit dem allgemeinen Ausdruck „Wechselwirkung zwischen Molekülen“ wird die „modulare Interaktion“ nicht hinreichend genau beschrieben. Außerdem bedeutet „Verstärken“ in diesem Kontext eine Zunahme der Wirkung, „verbessern“ hat hingegen eine wertende Komponente. Hier zeigt sich, dass ein KI-Tool auf Grund fehlender spezieller Fachkenntnisse unpas‐ sende Begriffe vorschlägt, die die wissenschaftliche Bedeutung verändern. Deshalb ist bei jedem Veränderungs- oder Verbesserungsvorschlag kritisch zu überprüfen, ob der wissenschaftliche Inhalt erhalten bleibt. Textgenerierung - Vorsicht, lieber Leser! Rasch ist ein Autor der Ver‐ suchung erlegen, mal rasch zu einer Idee, einem Einfall, eine Anweisung an ChatGPT zu geben. Skeptiker warnen vor den „„Tücken der KI“, besonders bei Anwendung in der wissenschaftlichen Arbeit. Was passiert eigentlich nach der folgenden Anweisung an den Chatbot bei Nutzung von GTP Plus (GPT-4o und Zugriff auf GPT-4)? Anweisung: „Ich möchte eine Bachelorarbeit zum Thema Blendend Learning schreiben, wie könnte das Thema lauten, welche Gliederung ist passend, welche Forschungsfragen sind mit welchen Methoden zu bearbeiten? “ Das Ergebnis wird innerhalb von 15 Sekunden angeboten (siehe dazu analoges Beispiel im Anhang 1, (3) Strukturieren). Der Einsteiger benötigte bisher für diese Aufgaben mehrere Stunden, vielleicht sogar Tage. Es stellt sich die Frage, kann man Studierenden diese Arbeit bei der Anfertigung ihrer wissenschaftlichen Arbeit erlassen, kann man KI wirklich zulassen? Dafür gibt es ebenso viel Ablehnung wie Zustimmung. Befürworter vertreten die Auffassung: Wenn einmal KI eingeführt ist und die Tools für jedermann öf‐ fentlich zugänglich sind, dann darf ihre Anwendung schon gar nicht vor Stu‐ dierenden haltmachen. Sie sollen herausgefordert werden, die Werkzeuge, die KI bietet, auszuprobieren und auch für die wissenschaftliche Arbeit zu nutzen. Sie erfahren dabei Ansprüche an das Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten, lernen wichtige Werkzeuge und ihre Anwendung kennen und sparen Kraft und Zeit, die sie für das eigentliche Ziel wissenschaftlicher Arbeit einsetzen können: Das Gewinnen von neuen Erkenntnissen. Dabei bedeutet Erkenntnisgewinn nicht automatisch das Entwickeln einer neuen Theorie (was ohnehin selten gelingt), sondern immer auch im Lichte neuer Bedingungen 12.2 KI als Hilfe in der Manuskriptbearbeitung 211 <?page no="212"?> • das Aufdecken von Zusammenhängen zwischen bereits erkannten Sach‐ verhalten, • das Bewerten und Kommentieren von Analyseergebnissen, • das Übertragen bekannter Untersuchungsergebnisse auf die neuen Be‐ dingungen bzw. Entwicklungen. • das Verifizieren bisher ungesicherter Erkenntnisse bzw. das Falsifizieren bisher als sicher geltender Erkenntnisse, • das Feststellen von Erkenntniswidersprüchen bzw. -lücken, • das Erkennen neuer Fragestellungen oder • die begründete Literaturkritik. Genau das kann KI nicht leisten, weil sie gegenwärtig alle Texte auf der Basis der bis zu einer Zeitgrenze vorhandenen Datenmenge generiert. Aktuelle Bedingungen sind nicht berücksichtigt. Allerdings: Stets sind die Hinweise zur verantwortungsvollen Nutzung der KI zu beachten (siehe Abschnitt 12.4). Grammatik und Rechtschreibkorrektur - Sprachliche Fehler können mit KI-Tools (z. B. Langua-Tool) rasch erkannt und verbessert werden. Ein fehlerhafter einfacher Satz lautet beispielsweise: „Ich habe heute morgen nicht den Briefkasten gelehrt weil ich vergessen habe die Schlüssel mit zunehmen.“ Anweisung an ChatGPT lautet: „Korrigiere den Satz! “ „Ich habe heute Morgen nicht den Briefkasten geleert, weil ich vergessen habe, den Schlüssel mitzunehmen.“ Das Beispiel zeigt, die Korrekturen umfassen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Allerdings zeigt sich hier eine Schwäche von KI: Im korrigierten Satz müsste streng genommen „nicht“ vor das Verb „geleert“ gesetzt werden. Komplexe und verschachtelte Sätze können vereinfacht oder umstruktu‐ riert werden, um die Lesbarkeit zu verbessern. So hatte z. B. der Autor einer Bachelorarbeit Mühe, den „Knoten“ in der Formulierung seines Textes zu lösen: „Die angestrebten neuen, außergewöhnlichen Ideen finden sich allerdings immer im Zustand unvollständiger Informationen, vor allem im Hinblick auf die praktischen Auswirkungen der möglichen Alternativen für die Problemlösung, aber auch gesell‐ schaftliche Normative und Restriktionen wie Zeit, Kosten, Kapazitäten u. a. m.“ 212 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="213"?> ChatGPT bietet dafür eine verständliche Satzkonstruktion: „Die innovativen Ideen basieren stets auf unvollständigen Informationen, besonders in Bezug auf die praktischen Auswirkungen möglicher Lösungen sowie auf gesell‐ schaftlichen Normen und Einschränkungen wie Zeit, Kosten und Kapazitäten.“ In der Anlage 1, Beispiel (2), wird das Lektorat eines wissenschaftlichen Textes vorgestellt. Zitieren und Quellenverwaltung - KI-gestützte Tools sorgen u. a. dafür, dass Zitate korrekt integriert werden und Quellen automatisch er‐ kannt und gespeichert werden. Ein Autor möchte beispielsweise in seiner Masterarbeit das folgende Zitat in eine indirekte Zitierweise im Harvard- Zitierstil überführen: „So kennen sich die Fachwissenschaftler in ihrer eigenen Fachsprache aus, jedoch haben sie keine Sprach- und Schreibkompetenzen oder didaktischen Konzepte für die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte an ein nichtfachliches Publikum erlernt.“ (WOLFER, S., et al., 2015, S.-111) ChatGPT bietet an: Wolfer et al. (2015, S. 111) betonen, dass Fachwissenschaftler zwar ihre Fachsprache beherrschen, jedoch keine ausreichenden Sprach- und Schreibkompetenzen sowie didaktischen Konzepte erlernt haben, um wissenschaftliche Inhalte einem nicht fachkundigen Publikum zu vermitteln. Die KI-Tools Zotero oder Mendeley erleichtern das korrekte Zitieren und automatisieren die Formatierung der Bibliografie in verschiedenen Zitiers‐ tilen (z. B. HARVARD). Einige KI-Tools bieten Plagiat-Prüfung an (z. B. Plagscan, Scribbr)). Hier wird angezeigt, wenn fremdes Wissen oder fremde Arbeitsergebnisse als eigene angegeben werden, ohne die Quellen zu kenn‐ zeichnen. Datenanalyse - KI-Tools (z. B. Data Robot oder IBM Watson Studio) können große Datenmengen automatisieren. Sie erkennen verborgene Mus‐ ter in komplexen Datensätzen und können präzise Entscheidungen treffen. So werden beispielsweise durch Analyse von Kreditkartentransaktionen mit Machine-Learning-Algorithmen die Anomalien identifiziert. Sobald das Programm ein verdächtiges Muster erkannt hat, wird die Transaktion ent‐ weder markiert oder blockiert, um Schaden zu vermeiden. Auf diese Weise werden Zusammenhänge erkannt, die für den Menschen allein schwer nachvollziehbar wären. 12.2 KI als Hilfe in der Manuskriptbearbeitung 213 <?page no="214"?> Die Text-, Bild- und Videoanalyse sowie Clusteranalyse finden im Mar‐ keting, in Meinungserhebungen und in der Qualitätskontrolle effiziente Anwendung. Datenvisualisierung - KI-gestützte Tools wie z. B. Tableau oder Power BI, erleichtern die Dateninterpretation mit neusten Visualisierungsoptio‐ nen. Insbesondere machen sie visualisierte Informationen für unterschied‐ liche Entscheidungsprozesse nutzbar. Im Übrigen gilt der dringende Appell: Nutzen Sie alle Informationen aus den KI-Tools in eigener Verantwortung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen wird keine Gewähr über‐ nommen. Der Nutzer sollte alle Möglichkeiten der Überprüfung verwenden. Die Beratung mit wissenschaftlichen Begleitern (z. B. Betreuern, Fachkol‐ legen, Kommilitonen) ist unerlässlich. Eine Ergänzung und Bereicherung durch eigene Entwürfe zu Fragestellungen und Strukturen der wissenschaft‐ lichen Arbeit ist ausdrücklich erwünscht. Das mehrfache Erteilen des Prüfauftrages bei der Verwendung von KI- Ergebnissen kann zu der Befürchtung führen, dass mehr Zeit für das Überprüfen benötigt, als am Ende Zeit gespart wird. Denn eins steht fest: Mit KI-Text-Tools können Texte viel schneller erstellt werden, als Menschen in der Lage sind, diese gründlich zu prüfen und die enthaltenen Fakten zu verifizieren. Hier kann nur helfen, die Entwicklung von KI ständig zu verfolgen und mit den für die jeweilige Anwendung neusten Tools zu arbeiten (siehe dazu auch Anlage 2). Außerdem bewährt sich für Stichproben immer wieder das Internet. 12.3 ChatGPT - ein Schlüssel für den Einsteiger in die Nutzung Welche KI-Tools stehen aktuell zur Verfügung? Das wohl bekannteste KI-Tool ChatGPT ist ein vielseitiges Werkzeug, das in verschiedenen Bereichen des wissenschaftlichen Arbeitens nützlich ist. So erstellt es Texte zu verschiedenen Themen, beantwortet Fragen u.a. auch in Wissenschaft und Technologie, übersetzt Texte zwischen verschiedenen Sprachen, kann programmieren und bei der Fehlersuche helfen, simuliert Gespräche, um bei Beratungen in verschiedenen Bereichen zu helfen. Das Chatbot analy‐ siert Texte und identifiziert Schlüsselthemen, erleichtert das Lernen durch Erklären von Konzepten und Themen, hilft beim Erstellen von Plänen oder 214 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="215"?> unterstützt beim Entwerfen von kreativen Konzepten. Allerdings können die erstellten Texte je nach Fach und Textsorte fehlerhaft oder nicht wider‐ spruchsfrei ein. Kritische Prüfung ist angezeigt! Ein Blick auf die wichtigsten Quellen für deutschsprachige Texte verweist auf die Kompetenz des KI-Systems. So gehören zur KI-Datenbasis • Wissenschafts- und Fachtexte aus verschiedenen Disziplinen und Fach‐ gebieten, die deutsche Version von Wikipedia als Grundlage für das Verständnis von Sachverhalten und Fakten, • Foren und Blogs mit Meinungen, Diskussionen und Kommentaren zu verschiedenen aktuellen Themen, • deutsche Nachrichten- und Informationswebsites mit aktuellen Nach‐ richten und Hintergrundinformationen • sowie Übersetzungen von Texten aus anderen Sprachen zum Verständ‐ nis unterschiedlicher Perspektiven und Denkweisen (SPRIESTERBACH, 2023, S.-83f.). Aus dieser Übersicht ist aber auch erkennbar, das ChatGPT keine absolute Wahrheit übermitteln kann. Es ist darauf angewiesen, die aus diesen Quellen zur Verfügung stehenden Informationen und Daten zu analysieren und zu bewerten. Das führt in der Regel zu zuverlässigen Informationen, aber es können auch Fehler und Irrtümer auftreten, die für den Nutzer auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar sind. Deshalb ist jeder durch das Tool erzeugte Text auf seine Richtigkeit zu überprüfen und es ist erforderlichenfalls Beratung einzuholen. Außerdem sind einige Einschränkungen zu beachten. So darf KI keine unangemessenen, illegalen oder ethisch bedenklichen Inhalte generieren. Auch sensible persönliche Daten werden nicht gespeichert. Echtzeitinfor‐ mationen, wie Nachrichten oder aktuelle Ereignisse, sind oft nicht verfügbar. Der Wissensstand von GPT ist auf Daten bis 09/ 2021, bei der Version GPT-4 bis 2023 begrenzt (nachgefragt: November 2024). Außerdem muss hier erwähnt werden, dass die Verwendung dieser Texte für das Training der KI teils gegen deutsches Urheberrecht verstoßen hat bzw. verstößt. Der Einsteiger in die Arbeit mit diesem Tool ist erstaunt darüber, dass der Chatbot auf Fragen in Bruchteilen von Sekunden fundiert wirkende Antworten generieren kann. Das liegt u. a. daran, dass er auf einem effizien‐ ten Lernmodul basiert. GPT wurde mit gigantischen Datensätzen trainiert. Wesentliche Faktoren, die zur Geschwindigkeit bei der Antwortgenerierung beitragen, sind: 12.3 ChatGPT - ein Schlüssel für den Einsteiger in die Nutzung 215 <?page no="216"?> • Das Modell kann auf riesige Mengen an Datensätzen zurückgreifen und muss nicht jedes Mal neu lernen. • Die Antwort kann Wort für Wort generiert werden, wobei sie auf dem vorherigen Kontext aufbaut und damit schnell antwortet. • Der Chatbot greift auf das in seinem Modell gespeicherte Wissen zurück, um Antworten zu erzeugen und vermeidet damit langwierige Echtzeit- Suchen. • Die Transformer-Architektur ermöglicht es, den gesamten Kontext einer Anfrage gleichzeitig zu berücksichtigen, wodurch Antworten schneller generiert werden. Für die Funktionsweise von ChatGPT sind nach RIECK (2023, S. 13f.) drei Charakteristika prägend: G - das System generiert eigene Gedanken, Texte und Antworten („generative“). P - alles was das System speichert, verarbeitet und nutzt, ist antrainiert worden („pro trained“). T - die Technologie basiert auf komplexen Algorithmen, die Muster und Bezie‐ hungen aus einer sehr großen Datenmenge gewinnen („transformer“). Für die Arbeit mit ChatGPT führen Klarheit und Verständigung zum Ziel. Nach SPRIESTERBACH (2023, S. 120ff.) beruht erfolgreiche Kommunikation auf drei fundamentalen Prinzipien: Relevanz, Fokus, Klarheit. Ihre Einhal‐ tung führt zu folgenden Empfehlungen: Relevanz: Vermeiden Sie das Vermischen von Themen, die nicht zusam‐ menhängen, oder auch das Einführen unwichtiger Aspekte. Formulieren Sie die Anweisungen thematisch relevant. Nur so werden inhaltlich relevante Texte generiert. Fokus: Vermeiden Sie zu weit gefasste oder zu offen formulierte Anwei‐ sungen, denn sie können zu unzusammenhängenden oder abschweifenden Antworten führen. Stellen Sie nicht zu viele Aufgaben auf einmal, damit jede Aufgabe präzise bearbeitet wird. Klarheit: Vermeiden Sie sehr komplexe oder gar zweideutige Formu‐ lierungen in den Anweisungen. Versuchen Sie diese stattdessen so kurz und so präzise wie möglich zu formulieren. Nur so entstehen effektive Anweisungen. Missverständnisse werden vermieden. Der Chat mit KI ist einfach zu bedienen und erfolgt in fünf Schritten: 216 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="217"?> Schritt 1: Ziel und Schwerpunkt des Gesprächs sind festzulegen. Wollen Sie Informationen einholen, einen Text prüfen oder eine Frage beantwortet haben? Schritt 2: Einstieg über das Chat-Eingabefenster erfolgt stets mit einem Prompt. Damit wird die jeweils erste Eingabe (Auftrag, Frage) bezeichnet. Sie stimmt auf die gewählte Thematik ein. Dabei ist eine klare und präzise Sprache zu wählen, Mehrdeutigkeiten sind aufzulösen. Bei Anfragen sind allzu offene oder weit gefasste Fragen zu vermeiden (SPRIESTERBACH, 2023, Seite 127). Das Ausgabeformat (z. B. Aufzählpunkte, Tabelle, gender‐ neutrale Sprache) und die Länge der Antworten (z. B. Bitte um drei Vor‐ schläge) ist frühzeitig zu bestimmen. Siehe dazu auch Eingabeformel Prompt im Anhang 1. Schritt 3: Erste Antwort/ Reaktion der KI wird Seed genannt. Als Initialant‐ wort bestimmt sie den weiteren Verlauf des Chats. Schritt 4: Jeder weitere Verlauf des Gesprächs mit der KI erfolgt im Kontext. Er bestimmt Inhalt und Detailierung der angefragten Kommunikation. Schritt 5: Alle Antworten und Reaktionen der KI sind zu prüfen, bezüglich der Übereinstimmung mit der angefragten Sache und Qualität, der Aktuali‐ tät oder der Fokussierung der Antwort. Das KI-Tool kann unter https: / / openal.com/ chatgpt abgerufen werden und existiert bereits seit 2023 als Bezahlversion mit ChatGPT Plus. Für den Nutzer kann es sinnvoll sein, mit anderen Tools zu arbeiten. Im Gegensatz zu ChatGPT bilden manche von ihnen vollständige Workflows ab. Sie helfen beim schrittweisen Erstellen des Textes, also vom Finden des Themas und der Überschrift über eine Agenda der Arbeit bis hin zum Gewinnen von Daten und Informationen über Suchmaschinen. Die erwei‐ terten Text-Editoren machen zudem die Arbeit mit den generierten Texten einfacher und effektiver. Im Anhang 2 sind einige dieser nützlichen Tools für unterschiedliche Verwendungen mit ihren wesentlichen Funktionen aufgeführt. 12.3 ChatGPT - ein Schlüssel für den Einsteiger in die Nutzung 217 <?page no="218"?> 12.4 Verantwortungsvolles Nutzen von KI Um KI verantwortungsvoll beim Erstellen von Bachelor- und Masterarbeiten oder anderen wissenschaftlichen Arbeiten zu verwenden, sollten die Nutzer einige wichtige Prinzipien nach Chatbot Al (2024) beachten: Die Nutzung von KI-Tools ist klar auszuweisen. Stets ist offenzulegen, welche KI-Tools in welchen Bereichen (z. B. Gliederung eines Textes) verwendet wurden. Zitieren Sie die Quelle, auch wenn es sich um einen KI- Text handelt, z. B. ChatGPT, Version 4.0, Abruf: T/ M/ J. KI dient lediglich als Hilfsmittel, z. B um Vorschläge zur Literatur, Struktu‐ rierung oder zur Zitation einzuholen, nicht um eigenständige Texte oder Ideen zu generieren. Der Vollzug kreativer Denkprozesse, die Fähigkeit, neue Hypo‐ thesen zu formulieren, die wissenschaftlichen Ergebnisse zu interpretieren und kreative Forschungsfragen zu stellen, sollte allein dem Menschen vorbehalten bleiben. Alle Vorschläge der Tools sind durch Abgleichen mit verlässlichen Quel‐ len zu untersuchen. Jeder Text und jede Analyse sind kritisch prüfen. Inhaltliche Missverständnisse in komplexen Themen oder Datenanalysen sind zu klären. Der Nutzer stellt sicher, dass er die verwendeten Inhalte aus‐ reichend versteht. Das hilft, sie besser in den eigenen Kontext zu integrieren. Beim Einholen von Literaturvorschlägen über KI ist zu prüfen, ob die Quelle dort korrekt zitiert wurde. Auf jeden Fall ist KI im Literaturverzeichnis auszuweisen, z. B. OpenAI (2024). Titel, https: / / openal.com/ chatgpt. Das Nutzen von KI in der wissenschaftlichen Arbeit verlangt akademische Integrität. Täuschungen sind zu vermeiden. Mit Plagiatsprüfungs-Tools ist zu erreichen, dass die Texte keine Übereinstimmungen mit bestehenden Inhalten aufweisen. Allerdings sind sie nicht absolut zuverlässig und stets nur als Hilfsmittel zu betrachten. Sofern KI-generierte Texte verwendet wer‐ den, sind Analysen, Beispiele oder zusätzliche Informationen hinzuzufügen, um den Text zu individualisieren. Auf jeden Fall ist eine Plagiatserklärung abzugeben: „Ich erkläre, dass ich beim Verfassen dieser Arbeit das KI-Tool (Name) genutzt habe, um Texte umzustrukturieren und zu paraphrasieren. Alle generierten Inhalte wurden überprüft und gegebenenfalls angepasst.“ (ChatGPT-4o, 2024). LIMBURG (2022, S. 102 f.) empfiehlt die folgende Deklaration: „Bei der Erstellung dieser Studienarbeit habe ich durchgehend eigenständig und beim Einsatz IT/ KI-gestützter Schreibwerkzeuge steuernd gearbeitet.“ 218 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="219"?> Beachten Sie die Regeln der Institution. Informieren Sie sich über Vorgaben und Regeln der Universität oder des Instituts für das Nutzen der KI und halten Sie diese ein. Unkritische Übernahme von KI-generierten Texten gilt als Verstoß gegen die akademischen Standards. Nach SOLIS (2023) erlauben mehr als ein Drittel der deutschen Universitäten den Einsatz von ChatGPT und ähnlichen Tools. Mit Stand vom 24.07.2023 haben 50 % von ihnen noch keine oder unklare Richtlinien. Im Hochschulbereich zeichnet sich zunehmend unter Maßgabe bestimmter Regeln eine Offenheit gegenüber dem Einsatz von KI ab. Manches ist einem gewissen Fatalismus der Befürworter geschuldet, wonach man Sprachmodelle wie ChatGPT ohnehin nicht aufhalten kann.. Der Gewinn von Zeit und Kraft beim Einsatz in der wissenschaftlichen Arbeit ist unbestreitbar, allerdings auch das Risiko. Streitbar sind dagegen die Kriterien für die Bewertung der Arbeiten. Die Würdigung gelungener Themenformulie‐ rungen, der Gliederung der Arbeit oder des Literaturverzeichnisses werden mit Sicherheit allein nicht mehr ausreichen. 12.5 KI zukünftig als Ghostwriter wissenschaftlicher Arbeiten? Natürlich werden KI-Modelle immer leistungsfähiger, wird ihre Rolle im akademischen Umfeld zunehmen. KI muss hier als wichtiges Werkzeug an‐ erkannt werden, dessen Anwendung im Schreibprozess Zeit und Kraft spart. So können Tools Quellen durchsuchen, Zusammenfassungen von Fachar‐ tikeln bereitstellen oder Literatur in Zitationsstilen formatieren. KI kann Daten analysieren, aber keine kreativen theoretischen Aussagen treffen oder neue Forschungsfragen stellen. Autoren könnten einen Text verfassen und anschließend KI bitten, diesen zu verbessern, aber die Entscheidung über die Annahme bleibt beim Autor. Der verantwortungsvolle Einsatz von KI sollte in wissenschaftlichen Arbeiten gestattet sein. Allerdings wird die wissenschaftliche Gemeinschaft dafür Standards und Richtlinien entwickeln. Die unkritische Übernahme von KI-generierten Texten wird in Zukunft immer besser feststellbar sein und danach als Verstoß gegen die akademischen Standards gewertet. ChatGPT selbst beschreibt seine Vision als die einer „hybriden Form des wissenschaftlichen Schreibens, in der Mensch und KI miteinander Hand in Hand arbeiten. Der Mensch wird weiterhin für die Forschung, das Verstehen und das kreative Denken verantwortlich sein, während KI als intelligenter Assistent 12.5 KI zukünftig als Ghostwriter wissenschaftlicher Arbeiten? 219 <?page no="220"?> fungiert, der bei der Strukturierung, Datenanalyse und Textverarbeitung hilft“. (Chatbot Al, 2024) Die Zukunft offeriert so weit entwickelte KI-Technologien, dass sie datenbasierte Analysen mit einem Klick bereitstellen, während der Mensch diese Ergebnisse interpretieren und in einen größeren Kontext stellen wird. Eine solche Kooperation macht Kräfte frei für eine höhere Effizienz und Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und schafft Erfüllung für den schöpferischen Geist. Kapitel 12 wurde durchgehend unter Zuhilfenahme der KI-Tools ChatGPT, GPT-4 und GPT-4o verfasst. 220 12 Künstliche Intelligenz in der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="221"?> 13 Präsentieren der Arbeit 13.1 Ratschläge für ein gelungenes Scheitern der Präsentation Der Promovend Pechvogel erhält die Möglichkeit, nach Abschluss der Planungsphase für seine wissenschaftliche Arbeit die bisherigen Arbeits‐ ergebnisse auf einer wissenschaftlichen Veranstaltung vorzutragen. Seine deutliche Absicht besteht darin, die Anwesenden von dem bedeutsamen Fortschritt seiner Untersuchungen und der Originalität der erreichten Er‐ gebnisse zu überzeugen. Zu diesem Zweck formuliert er ein 15-seitiges Manuskript und fixiert wesentliche Textpassagen ungekürzt in einer Power‐ Point-Präsentation mit 25 Bildern. Sein Betreuer hatte ihm zwar vor einiger Zeit Hinweise zum Inhalt und zur Gestaltung der Arbeit gegeben, ihn aber andererseits auf die Eigenständigkeit seiner Untersuchungen hingewiesen. So lässt er die Ratschläge lieber unbeachtet. Am Vorabend der Veranstaltung wirft er einen Blick auf das Tagungspro‐ gramm und stellt zu seiner Überraschung fest, dass er für den Vortrag 15 Mi‐ nuten und für die Diskussion 20 Minuten Zeit hat. Nach kurzer Überlegung ist seine Entscheidung gefallen: Um dem Publikum keine Gelegenheit zum Kritisieren zu geben, werden die insgesamt verfügbaren 35 Minuten für den Vortrag genutzt - und wenn er 10 Minuten länger dauert, wird schon keiner unterbrechen. Damit bleiben für jede Manuskriptseite 3 Minuten. Außerdem kann ja der Zuhörer die wichtigsten Texte in der PowerPoint-Präsentation verfolgen, so dass auch der etwas Langsame alles mitbekommen kann. Zur Reduzierung der Anzahl seiner Bilder kann er sich nicht entschließen, dies würde das Verständnis seiner Ausführungen einschränken. Entgegen der Empfehlung des Tagungsveranstalters verzichtet Pechvogel auf die Herstellung eines Teilnehmermaterials. Die Zuhörer sollten Zuhörer bleiben und keine Leser werden. Sie verlieren nur das Interesse am Vortrag, wenn sie das Material vorher oder begleitend zum Vortrag lesen. Und in der Diskussion pochen sie unnötig auf Textaussagen herum, die im Vortrag ganz anders getroffen wurden. Am Veranstaltungstag erscheint Pechvogel bewusst fünf Minuten später zu seinem Vortrag. Dann, so meint er, fiele dem Tagungsleiter ein Stein vom Herzen und das Publikum würde mit erhöhter Spannung seine Ausführun‐ gen erwarten. Er hat sich ohnehin der modernen deutschen Erkenntnis <?page no="222"?> angeschlossen, wonach Pünktlichkeit die Kunst ist, „richtig abzuschätzen, um wie viel sich der andere verspäten wird“ (P R E S L E R , G., 2002, S.-108). Als erstes Bild erscheint auf der Leinwand sein Portraitfoto, die nächsten vier Bilder vermitteln Informationen zu seiner Biografie, seinem beruflichen Wirken unter Einschluss seiner Lehrzeit sowie zur Fülle seiner erreichten Leistungen. Diese Einführung schließt er mit einer klaren Ansage ab: „Auf der Grundlage dieses praktischen Erfahrungsreichtums möchte ich ihnen einmal zeigen, was bei aller Theorie für Erfolge im Leben und in der freien Wirtschaft wirklich wichtig ist“. Aus Zeitgründen verzichtet Pechvogel auf die Vorstellung einer Gliederung für seinen Vortrag. Sollte er außerdem vielleicht nicht sein gesamtes Pro‐ gramm schaffen, dann merkt das auf diese Weise keiner. Als nächstes Bild zeigt er seine 12 „Thesen“, jede über 2 bis 3 Zeilen formuliert. Ein Teilnehmer aus den hinteren Reihen teilt mit, dass er die winzige Schrift nicht lesen könne. Pechvogel tröstet ihn mit dem Hinweis, dass er den Text jedes Bildes vorlesen werde, so dass nichts verloren gehe. In den folgenden Ausführungen prägt Pechvogel starke Sätze, die die Zuhörer ob seiner Sprachgewalt beeindrucken und den trockenen Wissen‐ schaftlern die Trends einer modernen Sprache vor Augen führen sollen. So führt er beispielsweise aus: „Mit angesagtester Professionalität werden wir unter optimalster Bündelung unserer marginalen Kompetenzen die Strukturen unserer Kommunikationssys‐ teme und Informationsprozesse, unter direkter Ableitung aus ultimativ sicheren Zukunftsprognosen, einer Globalisierung unterwerfen und so das elementare Grundbedürfnis nach prozessorientierter Zukunftsfähigkeit der modernen com‐ munity performen.“ Auf eine Anfrage aus dem Publikum, wie dieser Satz zu verstehen sei, verweist er auf die Möglichkeit, in der anschließenden Diskussion Fragen zu stellen (und lobt sich im Stillen dafür, dass er eine solche ohnehin nicht geplant hat). Munter fährt er in seinen Ausführungen fort. Ein zufälliger Blick auf die Uhr verrät Pechvogel, dass ihm für die restlichen 12 Seiten seines wörtlich ausformulierten Manuskripts nach den Vorgaben der Tagungsleitung noch 5 Minuten bleiben. Nunmehr steigert er die Sprechgeschwindigkeit und die Abfolge seiner Bilder. 222 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="223"?> Der jeweils erste Satz wird vorgelesen und schon folgt das nächste Bild. Dabei orientiert er sich am projizierten Bild und vermeidet es auf diese Weise, sein Publikum mit aufdringlichen Blicken zu belästigen. Langsam leert sich der Tagungsraum und die verbliebenen Teilnehmer beschäftigen sich mit anderen Dingen. Diese Ruhe in seinem Rücken bestärkt den Promovenden, dass gespannte Aufmerksamkeit herrscht und sich offenbar im Plenum kein Widerspruch regt. Erst als der Timer des Tagungsleiters klingelt (noch 2 Minuten Redezeit) hält er kurz inne, um sogleich zu einem furiosen Schnelllauf in Wort und Bild überzugehen. Das zweite Klingelzeichen überhört er geflissentlich und bricht schockiert ab, als der Tagungsleiter seinen Vortrag unterbricht und die verbliebenen Anwesenden um Wortmeldungen zur Diskussion bittet. Beim Blick in den Tagungsraum stellt er erschrocken fest, dass nur noch wenige Teilnehmer anwesend sind und sich keiner von ihnen zu Wort meldet. Pechvogel spürt einen trockenen Hals, sucht etwas zum Trinken und entschließt sich zum Frontalangriff: „Wenn Sie keine Fragen haben, darf ich davon ausgehen, dass Sie meinem theoretischen und methodischen Lösungsansatz zustimmen! “ Das allgemeine Kopfschütteln übersieht er geflissentlich und das Angebot eines Kollegen, mit ihm die Präsentation nochmals durchzusprechen, lehnt er mit Hinweisen auf seine vielfältigen anderen Verpflichtungen ab. Grußlos verlässt er die Tagung. Eine Fülle von Fehlern! Kein Wunder, dass ihm das Publikum schließlich die Aufmerksamkeit verweigerte. Man ahnt, Pechvogel hat sehr schlecht agiert. Die Fehler lagen vor allem im Aufbau und Inhalt der Präsentation, in ihrer dramaturgischen Gestaltung und Zeiteinteilung sowie in der völlig ungenügenden Einbeziehung seiner Zuhörer. Die folgenden Empfehlungen sollen den interessierten Leser vor diesen Fehlern bewahren. 13.2 Das Grundmodell B E R NHA R D S HAW nannte die Präsentation einmal eine seltsame Veranstaltung, bei der bestimmte Weisheiten über die Hand eines Präsentators und seinen Stift auf eine Tafel gelangen und von dort über den Stift in das Notizbuch des Zuhörers - ohne je das Hirn des einen oder des anderen passiert zu haben. Eine 13.2 Das Grundmodell 223 <?page no="224"?> charmante Übertreibung, aber der Auftritt von Pechvogel zeigt, dass sie offenbar der Realität nahe kommt. Wie ist nun eine Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit zu gestalten, damit sie das Denken und Handeln des Publikums anspricht, möglichst in die beabsichtigte Richtung lenkt? Der Darstellung in Abb. 65 folgend kann die wissenschaftliche Arbeit je nach Bearbeitungsstand als • Text, • Rede oder • Präsentation dem Publikum vorgestellt werden. In Abhängigkeit davon nimmt der Bear‐ beiter unterschiedliche Rollen ein: • Verfasser, • Redner oder • Präsentator. Das führt zu einer Modifizierung des Publikums; es wird zum • Leser des vom Verfasser übergebenen Textes, • Zuhörer einer vom Redner vorgetragenen Rede, • Teilnehmer einer vom Präsentator gestalteten Präsentation. Die Präsentation macht das Publikum zu Teilnehmern, aktiviert es zum wissenschaftlichen Diskurs. Präsentator und Teilnehmer sind hier gleicher‐ maßen Akteure. Das befördert Entscheidungen, beispielsweise • auf der Seite der Teilnehmer zur aktiven Mitarbeit in der Diskussion oder zum Ausbau von Kontakten, zum Einräumen von Konsultationen usw. • auf der Seite des Präsentators zu Korrekturen von Untersuchungsrichtun‐ gen, zum Ausbau der Feldforschung oder zur Präzisierung der Aufgaben‐ stellung. 224 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="225"?> Abb.-65: Formen und Rollen beim Vorstellen einer wissenschaftlichen Arbeit Damit erweist sich die Präsentation als lebendige Möglichkeit, die Teil‐ nehmer zu informieren oder zu überzeugen und zugleich unmittelbar zu erfahren, ob das gelungen ist. Hier können Fragen beantwortet, Missver‐ ständnisse aufgeklärt, Probleme erörtert, Meinungen erfahren und Impulse aufgenommen werden. Das vermittelt nicht nur Zuversicht, auf dem richti‐ gen Weg zu sein, sondern verhindert auch, einen falschen Weg zu gehen. In Abb. 66 wird der äußere Rahmen einer Präsentationsveranstaltung vorgestellt. Neben dem Vortrag und der Diskussion der wissenschaftlichen Arbeit gehören dazu die Vorgeschichte und die Nachgeschichte der Präsen‐ tation. Ereignisse im Vorfeld der Präsentation bilden die Vorgeschichte. Das können zeitlich zurückliegende Hinweise des Betreuers oder Empfehlungen von Fachkollegen sein, die heute und hier in der Präsentation erwarten, dass der Präsentator darauf eingeht, sie beachtet hat oder begründet, warum er sie nicht oder noch nicht verwertet hat. 13.2 Das Grundmodell 225 <?page no="226"?> Präsentationsveranstaltung Darstellungsphase Austauschphase Vortrag Diskussion Vorgeschichte zur Präsentation Nachgeschichte zur Präsentation prüfen gestalten Abb.-66: Grobmodell einer Präsentationsveranstaltung Die Nachgeschichte der Präsentation beinhaltet neben einer gründlichen Analyse des Ablaufs und der Bearbeitung der erhaltenen Hinweise die Wahrnehmung der Kontaktangebote aus dem Kreis der Teilnehmer und ihrer Empfehlungen. Angebote zur Erhebung von weiterem Datenmaterial, für Konsultationen oder weitere öffentliche sowie publizistischen Auftritte muss sich der Präsentator während der Veranstaltungen organisieren; er muss vorher überlegen, was er braucht und wie er das erreichen will. In diesem Sinne ist Vorgeschichte als ein Rückgriff auf Ereignisse im Vorfeld der Präsentation und Nachgeschichte als die aktive Gestaltung von Nachkontakten zu verstehen. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 13.3.1 Ziele formulieren Es ist wie beim Zuknöpfen eines Mantels: Fängt man beim ersten Knopf falsch an, wird alles andere auch falsch. Deshalb steht am Anfang der Vorbereitung einer Präsentation die Frage nach dem konkreten Ziel, das der Präsentator verfolgt. Was soll konkret erreicht werden? Wie beschreibt man das Ziel? Mitunter sind Zielbeschreibungen anzutreffen, die etwas über die inhalt‐ lichen Schwerpunkte, das methodische Vorgehen oder die verwendeten 226 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="227"?> Hilfsmittel aussagen. Aber solche Aussagen haben nichts mit dem Ziel zu tun. Sie charakterisieren eher die Mittel, mit denen eine Absicht verwirklicht werden soll. Aber worin besteht diese Absicht? Die Frage nach dem Ziel lautet: Was sollen die Teilnehmer in und nach der Präsentation tun? Was sollen sie kennengelernt oder verstanden haben? Oder wovon sollen sie überzeugt werden, was sollen sie konkret unternehmen oder veranlassen? Wie sollen sie sich künftig verhalten? W E S THO F F (1999, S.-4) nennt solche möglichen Ziele wie • das Thema interessant finden, • das Wesentliche verstehen und behalten können, • eine Betrachtungsweise originell finden, • das methodische Vorgehen verstehen und bewerten können, • die Ergebnisse anderen berichten können, • die Befunde sachkundig diskutieren können. Andere Ziele können sein: • die Vorschläge zur Umsetzung der Ergebnisse unterstützen, • sich für eine der angebotenen Alternativen zu entscheiden, • von der Schlüssigkeit der Argumentation überzeugt sein, • Zustimmung zur Weiterführung der Untersuchung erhalten. Bei der Durchsicht dieser Zielformulierungen lassen sich insbesondere die in Abb. 67 dargestellten drei Grundrichtungen erkennen. Das eine Richtziel besteht im Informieren, das andere im Überzeugen, ein drittes im Veranlassen. Dazwischen liegen eine Fülle von Mischformen. Jedes dieser Richtziele bedarf für seine konkrete Umsetzung spezieller Inhalte, Methoden und Mittel. Eben deshalb ist ihre genaue Bestimmung als erster Schritt in der Vorbereitung so wichtig. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 227 <?page no="228"?> Die Richtziele der Präsentation sind: Informieren Überzeugen Veranlassen Die konkreten Ziele sind: • kennenlernen • verstehen • weiterdenken • diskutieren • verdeutlichen • - • - • - • - • anerkennen • akzeptieren • zustimmen • sich korri‐ gieren • sich für eine Alternative entscheiden • eine be‐ stimmte Mög‐ lichkeit wäh‐ len • ein Produkt kaufen • etwas unter‐ stützen • etwas auswäh‐ len und sich dafür einset‐ zen • für etwas stim‐ men Überprüfe die konkreten Ziele • Wie realistisch sind meine konkreten Ziele? • Werden sich meine Teilnehmer darauf einlassen? • Stellen meine konkreten Ziele positiv formulierte Ver‐ haltensweisen dar? Abb.-67: Richtziele der Präsentation Im Verlaufe der Vorbereitung ist allerdings fortwährend zu prüfen: Wie realistisch sind meine Ziele, reichen die verfügbaren Inhalte, Methoden und Mittel dafür aus? Werden sich die Teilnehmer der Präsentation darauf einlassen? Das erfordert zwingend den zweiten Schritt in der Vorbereitung der Präsentation, die Analyse der Teilnehmer. 13.3.2 Analyse der Teilnehmer Mit dieser Analyse wird ein Grundstein dafür gelegt, dass die Präsentation teilnehmerorientiert verläuft. Nachdem der Präsentator im Ziel seine Inter‐ essen mit Blick auf das Publikum beschrieben hat, soll die Analyse Hinweise darauf geben, wo die Möglichkeiten und Interessen der Teilnehmer liegen, auf die in der Präsentation Bezug zu nehmen ist. Welche Aufschlüsse soll eine solche Analyse bringen? Erstens ist festzustellen, wer die Teilnehmer sind, welches Vorwissen sie mitbringen, wo und in welcher Position sie tätig sind. Das führt zu einem 228 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="229"?> Eindruck über die Situation (S), in der sie sich befinden. Der Präsentator kann folglich auf Informationen verzichten, die bereits bekannt sind. Aus dem festgestellten Vorwissen können der Erklärungsbedarf und das Verständnis von Fach- und Fremdwörtern ermessen werden. Aus den zu erwartenden intellektuellen Fähigkeiten können in etwa das Tempo und der Umfang der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen abgeleitet werden. Schließlich ergeben sich aus dem dominierenden Wirkungs- und Erfahrungsbereich der Teilnehmer Hinweise für die Wahl der Beispiele, das Anknüpfen an Erfahrungen oder für das Formulieren von Appellen. Zweitens erhält man Aufschlüsse darüber, was die Teilnehmer erwarten und welche Interessen (I) sie haben. Somit kann gezielt auf diese Interessen eingegangen werden. Unverzichtbare Argumente, die wahrscheinlich mit diesen Interessen nicht übereinstimmen, sind deshalb besonders sorgfältig vorzubereiten und zu begründen. Die Kenntnis der Interessen ist von großer Bedeutung für die Wirkung der Präsentation, weil sie einen Zugang zum Finden von Nutzenargumenten für die Teilnehmer schaffen. In der Praxis macht mancher Präsentator den Fehler, dass er seinem Publikum die gleichen Interessen unterstellt, die er selbst hat. Aber die Menschen haben unterschiedliche Interessen, beispielsweise • Qualitätsinteressen - neue Erkenntnisse, die hohen Qualitätsansprü‐ chen genügen, werden erwartet, • Gewinninteresse - methodischer Informationsgewinn wird erwartet, • Sicherheitsinteresse - Ratschläge zur Vorsorge gegenüber vielfältigen Gefahren unter Sicherheitsaspekten werden erwartet, • Umweltinteresse - Einschätzungen zur Umweltfreundlichkeit und -ver‐ träglichkeit als Beurteilungs- und Wahlkriterium werden erwartet. Dem Präsentator wird empfohlen, nicht phantasielos Informationen nach eigenem Gutdünken zu vermitteln, sondern seine Aussagen, seine Argu‐ mente in die Bedeutung zu hüllen, die den Interessen seiner Teilnehmer entspricht. Stets muss er im Auge behalten, dass sie Überzeugungskraft seiner Argumentation nicht nur von dessen Richtigkeit, sondern zugleich immer auch von der Bedeutsamkeit des Arguments für die Teilnehmer abhängt. Abb.-68 verdeutlicht an einigen Beispielen den Zusammenhang. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 229 <?page no="230"?> Richtigkeit Bedeutsamkeit Fakten Was das Interesse des Publikums trifft. Daten Was dem Partner entgegenkommt.. Statistik Was den Zielen des Publikums entspricht. Zitate Was dem Image, den Werten des Publikums zusagt. Varianten Was dem Publikum Wahlfreiheit ermöglicht. Erfahrungen Was an die Erfahrungen des Publikums anknüpft. Praxishinweise Was dem Publikum bei der Lösung seiner Probleme hilft. Abb.-68: Faktoren für die Überzeugungskraft eines Arguments Die Beispiele in Abbildung 69a und 69b zeigen, welche unterschiedlichen Aussagen aus ein und demselben Dokument (hier Gutachten für Wert‐ ermittlung und Bauschadensfeststellung) für die einzelnen Zielgruppen entsprechend ihrer speziellen Interessen von Bedeutung sind. Zielgruppe Ziel der Präsentation Aussagen von Bedeutung Eigentümer (Verkauf) Überzeugen von der Ange‐ messenheit des Verkaufs‐ preises Preis bestimmenden Eigenschaften: Lage, Miete, Restnutzungsdauer, Bauschäden Banker (Finanzie‐ rung) Entscheiden für Finanzie‐ rungsempfehlung oder Fi‐ nanzierungsablehnung Risikofaktoren: Vermietungsstand, Miete, Bewirt‐ schaftungskosten, Restnutzungs‐ dauer, Liegenschaftszinssatz, Dritt‐ verwendungsfähigkeit Erwerber (Kauf) Überzeugen von der Wirt‐ schaftlichkeit der Investi‐ tion Wirtschaftlichkeitsfaktoren: Roh- und Reinertragsvervielfältiger (Rohertrag bzw. Reinertrag/ Kaufpreis) Sanierungskosten/ Kauf‐ preis Mieter (Nutzen) Überzeugen von der Ange‐ messenheit der Miete Nutzwert bestimmende Eigenschaf‐ ten: Lage, Miete im Vergleich, Aus‐ stattung Bauzustand, Flexibilität Abb.-69a: Aussagen von besonderer Bedeutung - Beispiel: Wertermittlung für Gewerbe‐ objekt 230 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="231"?> Zielgruppe Ziel der Präsentation Aussagen von Bedeutung Bauherr Informieren über einen Anspruch auf Kürzung des Honorars gegenüber dem Planer Konstruktionsgestaltung und Baus‐ toffwahl in Bezug auf Beanspru‐ chung, Abweichung von den anerkannten Regeln der Technik, Nutzungsausfall oder -einschrän‐ kung Bauträger Informieren über einen Anspruch auf Minderung des Werklohns gegenüber dem Ausführenden Abweichungen vom geschuldeten Erfolg gemäß Vertrag, Abweichung von den anerkannten Regeln der Technik, Instandsetzungstechnologie und Kosten Mieter Informieren über einen Anspruch auf Minderung der Miete Prozess und Einfluss der Beteiligten auf die Entstehung des Schadens, Zeitlicher und finanzieller Beseiti‐ gungsaufwand Gericht Überzeugen von den Ursa‐ chen, dem Verursacher und den Beseitigungskosten des Schadens Schadensbild, Prozess und Einfluss der Beteiligten auf die Schadensent‐ stehung, Vor- und Nachteile von Instandsetzungsvarianten Abb.-69b: Aussagen von besonderer Bedeutung - Beispiel: Bauschadensfeststellung Drittens erhält man im Ergebnis der Analyse ein Bild davon, wie die Teilnehmer zu dem Thema der Arbeit stehen. Erkannt werden die Einstel‐ lungen (E) der Anwesenden zu den Zielen, Inhalten und zum Präsentator. Dieser kann auf das, was die Teilnehmer besonders bewegt, angemessen eingehen. Einstellungen beziehen sich auf erlernte - keinesfalls angeborene - Neigungen, sich zu einem Objekt (Produkt, Konzept, Bildungsstätte) oder zu einer Person/ Personengruppe entweder positiv, indifferent oder negativ zu verhalten. Drei Elemente kennzeichnen Einstellungen: • das Gefühl gegenüber dem Objekt bzw. der Person/ Personengruppe, • das Wissen über das Objekt bzw. die Person/ Personengruppe, • die Bereitschaft zum adäquaten Handeln und Verhalten. Will man eine Einstellung beeinflussen, gegebenenfalls verändern, muss der IST-Zustand bekannt sein. Denn Einstellungen haben eine Tendenz zu Konsistenz. Treten jetzt Widersprüche auf, so erregen sie und lösen Aktivitäten aus, die Konsistenz wieder herzustellen. Dabei werden einstel‐ 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 231 <?page no="232"?> lungskonforme Informationen eher aufgenommen als einstellungskonträre. Deshalb sollte der Teilnehmer zunächst bei seiner vorhandenen Einstellung abgeholt werden, beispielsweise so: „Ich kann verstehen, dass Sie zunächst skeptisch sind …“ oder „Sie werden sich zu Recht die Frage stellen, wie meine Idee unter den gegebenen Bedingungen umsetzbar ist.“ Im Grunde gipfelt vieles in den beiden Fragen: • Was wissen und denken die Teilnehmer aus der Erfahrung über das Thema? • Welche Vorurteile bringen sie mit? Die Grundregel lautet: Zunächst Vorurteile, Misstrauen, Fehlinformationen erkennen und behutsam korrigieren. Falls Fehler der Vergangenheit daran Mitschuld tragen, sind diese offen ansprechen. Ehrlichkeit am Beginn sichert dem Präsentator, dass seine Botschaft als ehrliches Anliegen und nicht als Schönwetter-Gerede aufgenommen wird. Mit der S I E-Teilnehmeranalyse in Abb. 70 kann der Präsentator versu‐ chen festzustellen, wer seine Teilnehmer sind. Der Veranstalter, der Betreuer und die Fachkollegen sind dabei wichtige Auskunftspersonen. In ähnlicher Weise kann der Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit mit Prüfungscharakter vorgehen, wenn er die Präsentation für die Verteidigung bzw. Disputation vorbereitet. Dafür wird die Profilanalyse der Prüfungs‐ kommission empfohlen. Im Ergebnis dieser Analyse erhält der Präsentator Informationen über • das vertretene Lehrfach, • die disziplinäre Herkunft, • aktuelle Veröffentlichungen, • erkennbare Forschungsschwerpunkte. Bei der Recherche helfen neben den persönlichen Erinnerungen auch die Erfahrungen Dritter. Auch ist der Vortragende gut beraten, wenn er sich nicht als „Fertiger“, sondern als „Suchender“ präsentiert. Dazu gehört das Relativieren der eigenen Erkenntnisse mit einem Ausblick auf das, was noch zu leisten ist (siehe Abschnitt 3.3.1, Gültigkeit einschränken). 232 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="233"?> S I E Welche Funktionen haben die Teilnehmer (TN)? Inwieweit sind sie vom Thema berührt? Welches Vorwissen bringen sie mit? Welche Ansprüche an die Präsentation haben sie? An welchen Inhalten sind die TN interessiert? Welche Informationen sind für sie von Bedeutung? Welche Argumente erreichen diese Interessen? Welche Argumente sind besonders zu begründen? Welche Einstellung haben die TN zum Gegenstand? ... zum Präsentator? ... zu den Zielen der Präsentation? Wann würden sich die TN engagieren und wofür? Abb.-70: S I E-Teilnehmeranalyse 13.3.3 Bearbeitung des Inhalts In Analogie zu den in Abschnitt 3.3.2 entwickelten Schritten bei der Bear‐ beitung des Inhalts der wissenschaftlichen Arbeit sollen diese nun auch für die Ausarbeitung des Vortragsinhalts beschritten werden. 1. Sammeln Beim Sammeln des Materials für die Qualitäten Sach-, Methoden-, Wert- und Normaussagen ist davon auszugehen, in welchem Stadium der Bearbeitung die wissenschaftliche Arbeit präsentiert werden soll. Hier sollen drei typi‐ sche Stadien vorgestellt werden: • Stadium 1: Vorstellung der Aufgabenstellung nach Abschluss der Pla‐ nung, • Stadium 2: Vorstellung der Zwischenergebnisse, • Stadium 3: Vorstellung der Arbeit in der Disputation (Prüfung). 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 233 <?page no="234"?> In den Abb. 71 bis 74 werden entsprechend den Besonderheiten dieser Stadien Vorschläge für Gliederungsschwerpunkte im Vortrag und deren Untersetzung in den Kategorien Allgemeines, Besonders und Einzelnes unterbreitet. Sie gelten als Empfehlung für alle wissenschaftlichen Ar‐ beiten mit Prüfungscharakter, wobei lediglich für das Stadium 1 eine Differenzierung nach Bachelor- und Masterarbeiten (s. Abb. 71) und Dissertationen (s. Abb.-72) vorgenommen wurde. Lfd. Nr. Schwerpunkt Allgemeines Besonderes Einzelnes 1 Vorstellung des Kandidaten Personaldaten Beruflicher Werdegang und Berufsab‐ schlüsse Spezielle Erfahrungen 2 Anlass für die Untersuchung Problemsitua‐ tion in der Pra‐ xis Lösungsbedarf für die Situation Bekannte Lösungsversu‐ che 3 Herleiten der Aufgabenstel‐ lung Beitrag zu einem übergeordneten Ziel Auflistung der bestehenden Probleme Benennung des zu lösenden Pro‐ blems: Aufga‐ benstellung 4 Kennzeichnung der Zielstellun‐ gen Arbeitsergebnis (Leitfaden, Nachweisfüh‐ rung, Faktoren‐ bestimmung) Angestrebter Praxisnutzen Persönlicher Karrierenutzen 5 Schlüsselbe‐ griffe in der Ar‐ beit Eigene Bestimmung Fremde Bestimmung Zusammenhang der Begriffe 6 Methodisches Vorgehen Hauptquellen und Instru‐ mente des Se‐ kundärmaterials Vorgesehenes Primärmaterial (Feldforschung) Befragung, Analysen, Beobachtungen 7 Beratungsbe‐ darf Persönliche Wissensdefizite Beratungsbe‐ darf durch Teil‐ nehmer Externer Kon‐ sultationsbedarf Abb.-71: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen in Stadium 1 - vorrangig für Bachelor- und Masterarbeiten 234 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="235"?> Lfd. Nr. Schwerpunkt Allgemeines Besonderes Einzelnes 1 Vorstellung des Kandidaten Personaldaten Beruflicher Werdegang und Berufsab‐ schlüsse Veröffentli‐ chungen, Vor‐ träge, Studien 2 Analyse der Ausgangslage Bedarfssitua‐ tion, Praxis‐ stand des Pro‐ blems Theorienstand des Problems Hemmnislage bei der Berufs‐ ausübung 3 Herleiten der Aufgabenstel‐ lung Beitrag zu ei‐ nem übergeord‐ neten Ziel Auflistung der bestehenden Probleme Benennung des zu lösenden Pro‐ blems: Aufgabenstel‐ lung 4 Benennung der Problemfelder Zuordnung zu Wissenschafts‐ disziplinen Zuordnung zu Unternehmens‐ gebieten Zuordnung zu eigenen Fach‐ kenntnissen 5 Kennzeichnen der Zielstellun‐ gen Wissenschaftli‐ ches Ergebnis (Modell, Leitfa‐ den, Theorie) Angestrebter Praxisnutzen Persönlicher Karrierenutzen 6 Beabsichtigter Erkenntnisfort‐ schritt Beantwortung offener Fragen Inhaltliche Lösungsansätze Methodische Lösungsansätze 7 Erhebung des Materials Hauptquellen und Instru‐ mente des Se‐ kundärmateri‐ als Vorgesehenes Primärmaterial (Feldforschung) Vorgesehene quantitative Methoden 8 Benennen von Bearbeitungs‐ fragen Persönliche Wissensdefizite Beratungsbe‐ darf durch Teil‐ nehmer Externer Kon‐ sultationsbedarf Abb.-72: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 1 - vorrangig für Disserta‐ tionen 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 235 <?page no="236"?> Lfd. Nr. Schwer‐ punkt Allgemeines Besonderes Einzelnes 1 Stand der Bearbeitung Ergebnisse der Datenerhebung Bisheriges Er‐ gebnis der Feld‐ forschung Erkenntnisge‐ winn aus Ta‐ gungen/ Semi‐ naren/ Konsultationen 2 Entwurf der Thesen Hypothesen und deren Be‐ gründung in Kernsätzen Methoden der Gewinnung und Belegung der Hypothesen Abgrenzung von benachbar‐ ten Gebieten und Arbeits‐ richtungen 3 Diskussion der Thesen Begründung der eigenen Posi‐ tion Differenzlage zu anderen Auffas‐ sungen Umstrittene Theseninhalte, Klärungsbedarf 4 Bedarf an Problemklärung Differenzstand‐ punkte zu be‐ reits vorliegen‐ den Arbeiten Dritter Einwände zur Eignung be‐ stimmter wis‐ senschaftlicher Methoden Suchbedarf für anstehende Befragungen und Hilfen 5 Bedarf an Unterstützung Klärung offener Problemfelder Vertiefende In‐ formationen durch Literatur und Lehrveran‐ staltungen Hilfen bei der Anwendung quantitativer Methoden 6 Bearbeitungs‐ fragen Persönliche Wissensdefizite Beratungsbe‐ darf durch Teil‐ nehmer Externer Kon‐ sultationsbedarf Abb.-73: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 2 - vorrangig für Disserta‐ tionen 236 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="237"?> Lfd. Nr. Schwerpunkte Allgemeines Besonderes Einzelnes 1 Präzisierung der Aufgabenstel‐ lung Beitrag zu einer übergeordneten Zielstellung Wesentliche Schritte bei der Präzisierung Probleme bei der Präzisierung 2 Gliederung der Arbeit Struktur, Glie‐ derungsmodell Benennung der Schlüsselbe‐ griffe und theo‐ retischen Grundlagen Meinungen Dritter (Be‐ treuer) zur An‐ lage der Arbeit 3 Darstellung der Ergebnisse Erkenntnisfort‐ schritt und Ori‐ ginalität Thesen und ihre Belegung Ergebnisform (Nachweis, Erfolgsfaktoren, Leitfaden usw.) 4 Nachweis des methodischen Informationsge‐ winns Angewandte wissenschaftli‐ che Methoden Methodischer Erkenntniszu‐ wachs bei der Gewinnung und Belegung der Hypothesen Methodischer Erkenntniszu‐ wachs in der Feldforschung 5 Abgrenzung der Arbeit Offene Pro‐ blemlagen, die weiterführende Untersuchun‐ gen erfordern Offene Lö‐ sungsansätze, die weiterfüh‐ rende Untersu‐ chungen erfor‐ dern Unbewältigte methodische Arbeitshemm‐ nisse 6 Darstellung des Nutzens Für Dritte nutz‐ bare sachliche und methodi‐ sche Ergebnisse Möglichkeiten der Überfüh‐ rung und Wei‐ terentwicklung der Ergebnisse Bei der Über‐ führung zu lö‐ sende Probleme 7 Ausblick Bereits erreich‐ ter und erwarte‐ ter Praxisfort‐ schritt im Allgemeinen und im persönli‐ chen Arbeitsfeld Aufgabenstel‐ lungen für nachfolgende wissenschaftli‐ che Arbeiten Persönliches Engagement in der weiteren wissenschaftli‐ chen Arbeit Abb.-74: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 3 - für alle wissenschaftli‐ chen Prüfungsarbeiten 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 237 <?page no="238"?> Der Leser sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den Abb. 71 bis 74 um Suchfelder für das Sammeln von Aussagen handelt. Sie stellen keine starren Dogmen für den Inhalt und die Gliederung des Vortrages in der Präsentation dar. Die bisherigen Ausführungen bezogen sich vor allem auf das Sammeln von Sach- und Methodenaussagen. Durch den Einbau darauf bezogener Wert- und Normaussagen gewinnt die Präsentation weiter an Überzeu‐ gungskraft. Wie bereits im Abschnitt 3.3.2 ausgeführt, enthalten Wertaussagen Kennziffern und Kriterien, die dem Zuhörer die Beurteilung der Sach- und Methodenaussagen ermöglicht und ihn auf diese Weise zum Teilnehmer der Präsentation macht. In den Abb. 75 und 76 sind Beispiele dargestellt, wie mit einem Angebot geeigneter Beurteilungskriterien (Wertaussagen) aus einer Vielzahl von Lösungsvarianten eine empfohlene Lösung zum Erreichen eines Ziels transparent gemacht werden kann. Wesentlich ist dabei, dass die Kriterien von den Teilnehmern nachvollzogen werden können. 13 Präsentieren der Arbeit Abb. 75: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden einer optimalen technischen Lösung Abb.-75: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden einer optimalen technischen Lösung 238 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="239"?> 13 Präsentieren der Arbeit 201 Abb. 76: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden eines geeigneten theoretischen Modells Ein weiterer Gewinn an Überzeugungskraft einer Präsentation entspringt aus Normaussagen, die auf den jeweiligen wissenschaftlichen Gegenstand bezogen sind und angemessenes Verhalten in der wissenschaftlichen Arbeit demonstrieren. Dazu gehören beispielsweise: das Einschränken des Geltungsbereichs eigener Behauptungen und das Ableiten von Schlussfolgerungen für weitere Untersuchungen (s. dazu Abschnitt 3.3.1), das offene Darlegen von Gegenargumenten, die gegenwärtig nicht entkräftet werden können, der Umgang mit vertraulichen Daten beim Veröffentlichen der wissenschaftlichen Ergebnisse, der verantwortungsvolle Umgang mit der wissenschaftlichen Literatur und den genutzten Internetquellen, die Zuordnung von Sach- und Methodenaussagen zu Normativen, wie beispielsweise „Stand der Wissenschaft und Technik“ oder „Allgemein anerkannte Regeln der Technik“ (s. dazu Abschnitt 3.3.2). Legende: KMU - kleine und mittlere Unternehmen Abb.-76: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden eines geeigneten theoretischen Modells Ein weiterer Gewinn an Überzeugungskraft einer Präsentation entspringt aus Normaussagen, die auf den jeweiligen wissenschaftlichen Gegenstand bezogen sind und angemessenes Verhalten in der wissenschaftlichen Arbeit demonstrieren. Dazu gehören beispielsweise: • das Einschränken des Geltungsbereichs eigener Behauptungen und das Ableiten von Schlussfolgerungen für weitere Untersuchungen (s. dazu Abschnitt 3.3.1), • das offene Darlegen von Gegenargumenten, die gegenwärtig nicht entkräftet werden können, • der Umgang mit vertraulichen Daten beim Veröffentlichen der wissen‐ schaftlichen Ergebnisse, • der verantwortungsvolle Umgang mit der wissenschaftlichen Literatur und den genutzten Internetquellen, • die Zuordnung von Sach- und Methodenaussagen zu Normativen, wie beispielsweise „Stand der Wissenschaft und Technik“ oder „Allgemein anerkannte Regeln der Technik“ (s. dazu Abschnitt 3.3.2). 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 239 <?page no="240"?> 2. Auswählen Ausgangspunkt für die Auswahl des Vortragsinhalts ist das Stadium, in dem sich die wissenschaftliche Arbeit befindet. Hierbei sollen die oben dargestellten Suchfelder Hilfe leisten. Auf dieser Grundlage ist das erste Kriterium für die Auswahl das formu‐ lierte Ziel für die Präsentation. Es ergibt sich aus der Beantwortung der Fragen: Worüber will ich die Teilnehmer informieren? Wovon möchte ich sie überzeugen? Wozu will ich sie veranlassen? Das zweite Kriterium für die Auswahl bezieht sich auf die für die Präsen‐ tation verfügbare Zeit. Hier gilt das Prinzip: Weniger als die Hälfte dieser Zeit sollte für den Vortrag eingeplant werden, damit ausreichend Zeit für die anschließende Frage- und Diskussionsrunde verbleibt. Das dritte Kriterium für die Auswahl sind die Teilnehmer an der Präsentation. Dabei sind zunächst die Vorgaben der Tagungsleitung und die Hinweise des Betreuers maßgebend. Des Weiteren ist zu prüfen, welche Vorkenntnisse, Interessen und Erwartungen die Teilnehmer besitzen. Damit verbunden ist die Beantwortung solcher Fragen: • Welches Potential an inhaltlicher und methodischer Beratung ist zu erwarten? • Welche Kontakte können geknüpft bzw. vermittelt werden? • Welche Anregungen können für das Praxisfeld der Teilnehmer gegeben werden? Als viertes Kriterium stehen Methoden zur Inhaltsauswahl in Sinne einer Beschränkung zur Verfügung. Dabei handelt es sich um die in der Didaktik bekannten Lösungsvarianten für das Stoff-Zeit-Problem (H E R IN G , D.; L ICH ‐ T E N E C K E R , F.; 1966, S.-33) wie beispielsweise • Modellbildung, • Vereinfachung der Aussagen, • Strukturierung durch philosophische Kategorien, • exemplarisches Darstellen, • erkenntnisprozessgerechtes Darstellen. 3. Gewichten Nach den Ausführungen im Abschnitt 3.3.2 Punkt 3. bezieht sich das Gewichten des ausgewählten Inhalts auf das Gliedern der Aussagen in drei 240 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="241"?> inhaltliche Ebenen, die in Abb. 77 dargestellt sind. Danach werden die auf diese Weise gewichteten Inhalte wie folgt gekennzeichnet: A muss unbedingt berücksichtigt werden (Kernaussagen), B sollte berücksichtigt werden (Hintergrundinformationen), C ist empfehlenswert, aber nicht zwingend zu berücksichtigen - (Beispiele, didaktische Maßnahmen). C B A Beispiele, didaktische Maßnahmen Hintergrundinformationen Kernaussagen C B A Beispiele, didaktische Maßnahmen Hintergrundinformationen Kernaussagen Abb.-77: ABC-Struktur für das Gewichten des Vortragsinhalts. Diese Gewichtung hat drei Vorteile: 1. Mit der ABC-Struktur lässt sich der Vortragsinhalt stabil und rasch einprägen. Damit wird die Einhaltung einer Grundforderung erleichtert, nämlich den Vortag in freier Rede darzubieten. Im Präsentationsmanu‐ skript kann man die Informationen zu den drei Ebenen A, B und C auf farbig jeweils unterschiedliche Karten schreiben. 2. Die ABC-Struktur erlaubt dem Präsentator im Verlaufe der Präsentation, beispielsweise bei Eintreten unerwarteter Ereignisse oder bei Zeitdruck, flexibel zu reagieren. So sollte er in solchen Fällen zunächst bei den Beispielen kürzen bevor er Hintergrundinformationen reduziert. Aber die Kernaussagen müssen unter allen Umständen getroffen werden, weil sie für das Verständnis unverzichtbar sind. 3. Die ABC-Struktur bewegt sich innerhalb - des Generellen, des Grundsätzlichen, des relativ Abstrakten - das betrifft hauptsächlich die Kernaussagen, 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 241 <?page no="242"?> - und des Speziellen, des Gegenständlichen, des Belegs, des Exem‐ pels - das betrifft hauptsächlich die Hintergrundinformationen, die Beispiele und didaktischen Maßnahmen (Zwischenzusammen‐ fassungen, Wiederholung wichtiger Begriffe und Sachverhalte). Im Vortrag wird empfohlen, zwischen dem Generellen und Speziellen sinnvoll zu wechseln. Wenn ein Präsentator ausschließlich oder zu lange im Abstrakten bleibt, dann wird er seine Zuhörer rasch ermüden, weil deren Vorstellungen und Erfahrungen nicht ausreichend angesprochen werden. Reiht er andererseits nur Beispiele, Zitate und Anekdoten aneinander, wer‐ den weder seine Botschaft noch die Konturen seiner Aussagen sichtbar. Die aufmerksamkeitsfördernde Wirkung des vorangestellten Beispiels schlägt beim Zuhörer rasch um in Verunsicherung und Unverständnis, weil er nicht erkennen kann, wohin er geführt wird. Für den Wechsel zwischen Abstraktionsebene (AE) und Konkretisie‐ rungsebene (KE) im Vortrag bieten sich zwei Möglichkeiten an: 1. Der Präsentator formuliert zuerst die Kernaussage und belegt sie dann mit Beweisen und konkreten Beispielen, um am Schluss das Wichtigste zusammenzufassen und zur Kernaussage zurückzukehren - siehe dazu Abb.-78. 1 3 2 Abstraktionsebene Konkretisierungsebene Abb.-78: Von der Abstraktion zur Konkretisierung und zurück zur Abstraktion 2. Der Präsentator beginnt mit der Schilderung eines Konflikts, eines konkreten Beispiels und leitet daraus Schlussfolgerungen, Lösungsmög‐ lichkeiten und schließlich eine Kernaussage ab (siehe dazu Abb.-79). Abstraktionsebene Konkretisierungsebene 2 1 Abb.-79: Von der Konkretisierung zur Abstraktion 242 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="243"?> Die Empfehlung lautet: Mehrfach zwischen Abstraktions- und Konkretisie‐ rungsebene wechseln (s. Abb. 80); damit wird Monotonie in der Rede vermieden. Das Publikum erhält auf diese Weise stets neue Aufmerksam‐ keitsimpulse. Abstraktionsebene Konkretisierungsebene Abb.-80: Mehrfacher Wechsel der Darstellungsebenen AE und KE 4. Reihen Für die Bestimmung der Reihenfolge der ausgewählten und gewichteten Aussagen bieten sich zwei Arten an: • Sachlogische Reihenfolge • Darunter fallen Abläufe, die sich aus der Sache, dem Gegenstand, seiner Struktur, seinem Funktionsprinzip „von selbst“ ergeben. Man denke beispielsweise an die Schritte bei der Inbetriebnahme einer Maschine, an das Funktionsprinzip eines Antriebsaggregates oder an die Wachs‐ tumsschritte einer Pflanze. Hier lassen sich Reihenfolgen erkennen, die sich zwingend aus dem Funktionieren der Sache ergeben. Gleiches gilt für historische Abläufe. Die zeitliche Aufeinanderfolge von Ereignissen bildet zugleich die Reihenfolge ihrer Darstellung. • Psychologische Reihenfolge • Diese Art der Reihenfolge ist aus Schule und Studium bekannt, nämlich bei der Behandlung von Lehrstoffen, oder auch in der Werbung als Weg - vom Bekannten/ Vertrauten zum Unbekannten/ Ungewissen, - vom Ungeliebten zum Beliebten, - von den Nachteilen zu den Vorteilen, - vom Einfachen zum Komplizierten, - vom Nahen zum Entfernten. Die psychologische Reihenfolge spricht stärker als die sachlogische Reihen‐ folge die Gefühle, Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmer an. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 243 <?page no="244"?> Ein Beispiel soll das Wesen beider Reihenfolgen verdeutlichen. Der Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit hat den Zusammenhang zwischen strategischem Liefermanagement und Markenerfolg untersucht. Im Ergeb‐ nis wurde ein strategisches Liefermanagement konzipiert. Für die Präsenta‐ tion des Konzepts bieten sich beide Reihenfolgen an, letztlich entscheidend sind das Ziel und die Teilnehmer. Die sachlogische Reihenfolge bietet sich an für die Information von Teil‐ nehmern auf überbetrieblicher Ebene. Sollen hingegen Geschäftsführung und Abteilungsleiter des untersuchten Unternehmens von der Einführung des Konzepts überzeugt werden, hat die psychologische Reihenfolge größere Erfolgschancen. Abb.-81 soll dies belegen. Ziel: Information über das Kon‐ zept Ziel: Entscheidung für Umsetzung des Konzepts Teilnehmer: Interessierte Fachleute aus verschiedenen Bereichen Teilnehmer: Geschäftsführung und Ab‐ teilungsleiter des untersuchten Unter‐ nehmens Sachlogische Reihenfolge Psychologische Reihenfolge 1. Aktuelle Situation auf dem Markt 1. Situation des Unternehmens auf dem Markt und in den bestehenden Lieferbeziehungen 2. Bisherige Praxis des Liefermana‐ gements 2. Resultierende Probleme für das Un‐ ternehmen und einzelne Abteilun‐ gen 3. Veränderte Situation auf dem Markt 3. Leistungen des neuen Konzepts für ein strategisches Liefermanagement zur Lösung der aktuellen Probleme 4. Neues Konzept für ein strategi‐ sches Liefermanagement 4. Perspektiven für die Entwicklung des Unternehmens und der Lieferbe‐ ziehungen 5. Vorteile des neuen Konzepts 5. Daraus resultierende Möglichkeiten für die Leistungsbereiche des Unter‐ nehmens Abb.-81: Exemplarische Kennzeichnung der Reihenfolgen Erfahrene Präsentatoren setzen für das Reihen ihrer Aussagen häufig den Fünfsatz ein. Seine Anwendung hilft beim Erstellen des Redemanuskripts, unterstützt die Konzentration auf die wichtigsten Argumente und beugt 244 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="245"?> dem Ausufern in alle denkbaren Einzelheiten des Gegenstandes vor. F E Y , H. (1996, S. 60 f.) hat Fachvorträge von Angehörigen verschiedener Berufs‐ gruppen analysiert und dabei den Fünfsatz in den in Abb. 82 dargestellten Modifikationen festgestellt. Als weitere Anregung für den Präsentator werden in den Abb. 83 bis 85 drei verbreitete Varianten für den Einsatz des Fünfsatz im Fachvortrag vorgestellt: • die Standpunktdarlegung, • die Problemlösung, • der Kompromissversuch. Stufe Jurist Pädagoge Mediziner Theologe 1 Sachverhalt (bedeutsame Tatbe‐ standsmerk‐ male) Vorbereitung der Hörer (Einstimmung, Hinführung) Anamnese (Aufnahme der Krankenge‐ schichte) Narratio (Schilderung des Sachverhaltes) 2 Problematisie‐ rung (relevante Fra‐ gen) Klarheit (Darbietung der Sache) Ätiologie (Fragen nach den Ursachen der Symptome) Argumentatio (argumentative Folgerungen aus dem Sach‐ verhalt) 3 Lösung (klare Unter‐ scheidung zwi‐ schen Haupt- und hypothetischen Lösungen) Assoziation (Vergleichen, Verknüpfen) Diagnose (Benennen der Sachverhalte) Refutatio (Zurückweisung möglicher Ein‐ wände) 4 dogmatische Absicherung (Grundsatzentscheidungen, Präzedenzfälle usw.) System (Verallgemei‐ nern, Ein‐ ordnen) Therapie (Behandlung) Conclusio (Zusammenfas‐ sung, Schluss‐ folgerungen) 5 Folgerungen für ähnliche Sach‐ verhalte oder ei‐ gene Maßnah‐ men Methode (Anwendung auf andere Fälle) Prognose (Voraussage der Entwicklung) Epilogus (Anwendung auf den Lebens‐ bereich des Hö‐ rers) Abb.-82: Der Fünfsatz im Vortrag verschiedener Berufsgruppen (F E Y , H., 1996, S.-60-f.) 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 245 <?page no="246"?> Variante 1: Standpunktdarlegung Thema ... Darlegen des Standpunktes Begründen durch Thesen und Belegen der Thesen durch Fakten Wiederholen des Standpunktes und Zusammenfassen der Thesen Darlegen des Grundsatzes, von dem aus der Standpunkt gewonnen wurde Formulieren des Handlungsappells 1 2 3 4 5 Abb.-83: Standpunktdarlegung im Fünfsatz 246 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="247"?> Variante 2: Problemlösung Thema ... Beschreiben der aktuellen Situation und deren negativer Auswirkungen Darstellen der eigenen Zielvorstellung (Grundsatz) Alternativen aufbauen Darlegen des Standpunktes und der Thesen Formulieren des Handlungsappells 2 3 4 3a 3b 5 evtl. Belegen der Thesen 1 Abb.-84: Problemlösung im Fünfsatz 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 247 <?page no="248"?> Variante 3: Kompromissversuch Thema ... Behauptung von Behauptung von A B (Widerspruch) Herausarbeiten der Gemeinsamkeiten Lösung in Aussicht stellen Darlegen der Lösungsrichtungen für die weitere Arbeit 1 4 3 2 5 Abb.-85: Kompromissversuch im Fünfsatz 13.3.4 Visualisieren von Inhalten Im Vortrag unterstützen Bilder das gesprochene Wort, geben Orientierung zum Inhalt und Ablauf des Vortrags, veranschaulichen komplizierte Sach‐ verhalte und können Gedanken erweitern und vertiefen. Zugleich über‐ nehmen sinnvoll aneinander gereihte Bilder im Vortrag gedanklich eine Leitfunktion. Sie können dem Präsentator als roter Faden dienen und bieten 248 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="249"?> ihm genügend Redestoff bei einem etwaigen Steckenbleiben (N E UMANN , A., 1995, S.-113). Aus der Erfahrung sollen hier zwei Hinweise folgen: 1. Auch ein „nur“ verbaler Vortrag - also ein Vortrag ohne Folien, Dias, Fotos, Charts - kann anschaulich sein und eine eindrucksvolle Wirkung erzielen. Man muss nicht ständig alles visualisieren. 2. Die Fünf-Minuten-Rede mit zwanzig Bildern als Overheadfolien und Pow‐ erPoint-Präsentation ist gut für das Guinness-Buch der Rekorde, aber nicht für die Teilnehmer. Ein Bild sollte in der Regel zwei Minuten sichtbar bleiben. Bevor sich der Präsentator zur Visualisierung entschließt, sollte er sich mindestens die folgenden Fragen beantworten: • In welchen Passagen des Vortrags verstärkt die Visualisierung das gesprochene Wort, bieten sich Bilder an, sind sie gar für das Verständnis zwingend? • Lassen sich die entsprechenden Aussagen mit vertretbarem Aufwand visualisieren? • Wie kann man die ausgewählten Vortragspassagen teilnehmergerecht visualisieren? • Kommt die Botschaft, die das Bild vermitteln soll, auch ohne oder nur mit kurzer mündlicher Erklärung beim Teilnehmer an? • Welche technischen Mittel stehen während der Präsentation für die Visualisierung zur Verfügung, werden sie vom Präsentator beherrscht, sind sie mit vertretbarem Aufwand bereitzustellen und einsetzbar? Für das Gestalten der Bilder werden im Folgenden drei Empfehlungen gegeben: 1. Orientieren über Inhalt des Vortrags Mit einer übersichtlichen Gliederung des Vortrags erhalten die Teilnehmer eine Orientierung dafür, was sie im Verlaufe der Präsentation erwartet. Hier bildet sich ein erster Eindruck vom Präsentator und seinem Thema, ein Eindruck, der auf die Aufnahme des Folgenden nachwirkt. Deshalb ist viel Wert auf die Übersichtlichkeit dieser Orientierung zu legen. In Abb. 86 ist eine Darstellung der Gliederung gewählt, die leider zur schlechten Praxis der Visualisierung gehört. In der Regel kann kein Teilneh‐ mer ein solches Bild aufnehmen und als Orientierung im Kopf behalten. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 249 <?page no="250"?> Hier entsteht auch ein Eindruck, allerdings ein schlechter, verbunden mit dem begründeten Verdacht, dass jetzt schwere Zeiten auf ihn zukommen. Meist sind solche Bilder Kopien des schriftlichen Materials, die dort sicher berechtigt, im Vortrag aber fehl am Platz sind. Aufgabenstellung: Soziale Erwünschtheit im Interview 1. 1.1 1.2 1.2.1 1.2.2 1.2.3 1.3 1.4 1.5 1.6 2. 2.1 2.1.1 2.1.2 2.1.3 2.1.4 2.2 2.2.1 2.2.2 2.2.3 2.2.4 ... Vorstellung Persönliche Daten Bildung Allgemeinbildung Berufliche Bildung Weiterbildung Berufliche Tätigkeiten Wissenschaftliche Leistungen Mitgliedschaften Auszeichnungen Ausgangslage Praxisstand des Problems Presse/ Funk/ Fernsehen Politik/ Verwaltung Wirtschaft Forschung und Lehre Theorienstand des Problems Verhaltenstheorie Handlungstheorie Orientierungstheorie Entscheidungstheorie Abb.-86: Vortragsgliederung - schlechte Visualisierung In der Abb. 87 ging der Bearbeiter zumindest davon aus, dass die Informa‐ tionsfülle in Abb. 86 eher desorientiert. Aber seine knappe Darstellung im Kreisdiagramm der Abb. 87 regt eher zur gymnastischen Übung an, als dass sie klare Orientierung vermittelt. 250 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="251"?> Soziale Erwünschtheit im Interview Abb.-87: Vortragsgliederung - unglückliche Visualisierung Als Fazit bleibt: Das gute Einfache ist immer noch das Beste. Deshalb wird der im Abb. 88 vorgenommenen klaren aber knappen Darstellung der Vortragsschwerpunkte der Vorzug gegeben. Mit ihr gewinnt der Teil‐ nehmer rasch eine Vorstellung von dem, was ihn erwartet. Dabei kann der Präsentator in Abhängigkeit vom Bearbeitungsstand kennzeichnen, welche Aussagen heute und hier den Vorrang haben. 1. Vorstellung 2. Ausgangslage 3. Aufgabenstellung 4. Problemfelder 5. Zielstellung 6. Erkenntnisfortschritt 7. Datenmaterial 8. Beratungsbedarf Abb.-88: Vortragsgliederung - empfohlene Visualisierung 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 251 <?page no="252"?> 2. Veranschaulichen komplexer Sachverhalte Die Veranschaulichung komplexer und komplizierter Sachverhalte ist eines der Stiefkinder in der Präsentation von Arbeitsergebnissen. Wenn der Leser noch Zeit einräumen kann, um eine solche Darstellung in der schriftlichen Arbeit zu verstehen, der Teilnehmer der Präsentation hat diese Möglichkeit in aller Regel nicht. Die Darstellung erfüllt auf diese Weise nicht ihren Zweck, nämlich einen Sachverhalt zu veranschaulichen. Der Teilnehmer wird sich nicht über sein eigenes Unverständnis ärgern, sondern über das Unverständnis, die Unfähigkeit des Präsentators, den Zugang zu seinen Erkenntnissen zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen. Eine Lösung für das Problem besteht in der Anwendung des didakti‐ schen Prinzips der Vereinfachung. Danach ist der Merkmalsreichtum einer komplexen und/ oder komplizierten Aussage (Abb. 89) in Abhängigkeit vom Anspruch der Teilnehmer zu reduzieren (Abb. 90) und auf das Wesen der Sache zu beschränken (Abb. 91). Allerdings sollte die Vereinfachung anschließend wieder aufgelöst und schrittweise zur Realität geführt werden. Ein Beispiel für die Anwendung des Prinzips zeigte schon die Abb. 64 in 9.2.3. Die Abb. 89 bis 91 zeigen die Vereinfachung für eine Ablaufdarstellung. 3. Empfehlungen zum Erstellen der Bilder Für das Erstellen der Bilder sollte der Präsentator die folgenden Empfehlun‐ gen prüfen: • Einheitliches Layout festlegen (Platzierung von Logo, Farbwahl usw.). • Möglichst Querformat wählen. • Geeignete Schriftart/ -größe wählen (z. B. Times, Arial): - Überschrift etwa 26 Punkt, - Text 20 bis 24 Punkt, - Fußzeile mit Informationen (Foliennummer, Dateiname usw.), - nicht nur Großbuchstaben verwenden, - nur eine Art der Hervorhebung verwenden (entweder kursiv oder fett oder farbig unterlegen), - Abstand zwischen den Textzeilen lassen. • Höchstens drei Farben für Textfolien (Text, Hintergrund, Hervorhebungen). • Für gleiche Sachverhalte gleiche Farbe wählen. • Symbole festlegen (maximal drei Symbole in einem Vortrag). • Nur immer einen Gedanken auf einer Folie darstellen. 252 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="253"?> • Maximal 7 Textzeilen auf einer Folie platzieren. • Längere ausformulierte Sätze vermeiden. • Cliparts sparsam einsetzen (zum Strukturieren, zum Hervorheben oder als Ersatz für einen Text). Abb.-89: Komplexe Aussagen Abb.-90: Vereinfachte Aussagen 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 253 <?page no="254"?> Abb.-91: Stark vereinfachte Aussagen Eine verbreitete Unsitte besteht im Angebot von Bildern mit längeren ausformulierten Textpassagen. So geht von dem Beispiel in Abb. 92 kaum eine Unterstützung des Verständnisses dafür aus, was der Präsentator unter Risiko versteht. Solche Bilder dienen bestenfalls als Lesehilfe für den Vortragenden. Ist ihm wirklich am schnellen Erfassen seiner Botschaft gelegen, dann muss die Textpassage aufgelöst und das Risikoverständnis wie in Abb.-93 in vereinfachter Form abgebildet werden. „Beim Entwickeln eines allgemeinen Risikoverständnisses müssen alle bekannten Parameter, die mehr oder weniger mit einem Risiko behaftet sind, bei der Bewertung des Risikos bekannt sein, wobei der theoretische Begriff des Risikos mathematisch in einer Beispielformel als das Produkt aus der Eintrittswahrscheinlichkeit E für die Entstehung und Ausbreitung eines gefährlichen Brandes bezogen auf eine definierte Fläche und eine bestimmte Zeiteinheit und der hieraus resultierenden Schadenshöhe K, die sich unter anderem aus der Anzahl der Verletzten und Todesopfer sowie den beschädigten Sachgegenständen und absehbaren Folgeschäden ergibt, dargestellt werden kann.“ Abb.-92: Beispiel für überflüssige Visualisierung 254 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="255"?> Risiko = E x K dabei sind: E - Eintrittswahrscheinlichkeit für eine Brandentstehung K - Resultierende Schadenshöhe (Anzahl der Personen- und Sachschäden) Abb.-93: Beispiel für empfohlene Visualisierung Bei jedem der Bilder sollten die Fragen beantwortet werden (B A R E N B E R G , A., 1994, S.-58): • Was will ich verdeutlichen? • Was will ich damit erreichen? • Wen spreche ich damit an? Faustregel für die Anzahl der eingesetzten Bilder im Vortrag: Mindestens zwei Minuten pro Bild für die Kommentierung durch den Präsentator und die visuelle Aufnahme durch die Teilnehmer vorsehen. Bei einer Vortragszeit von 20 Minuten sind das etwa zehn Bilder. Bei der Planung der Visualisierung ist der Präsentator gut beraten, wenn er sich vorher mit dem Veranstalter zu den vorhandenen Medien abstimmt. So ist beispielsweise zu klären, ob • ein Vortrag mit PowerPoint möglich ist, • bei parallelem Einsatz von Overheadfolien eine zweite Bildwand vor‐ handen ist und • gegebenenfalls Wandtafel, Pinnwand oder Flipchart genutzt werden können. Am Tag der Präsentation sollte der Präsentator jedes Medium persönlich vor dem Einsatz auf Funktionstüchtigkeit prüfen (auch die Stifte für Tafel und Folie). 4. Teilnehmerorientierte Ansprache Mit der teilnehmerorientierten Ansprache soll die Beziehung zum Publikum gestärkt werden. Auf einige in der Praxis bewährte Mittel wird im Folgenden verwiesen. 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 255 <?page no="256"?> (1) Positive Ansprache Eine positive Ansprache sollte bereits im Einstieg in den Vortrag erfolgen. Die Empfehlung lautet: Beginne immer positiv, möglichst positiv personen‐ bezogen. Damit wird eine gute und persönliche Stimmung erzeugt. In der Praxis wird bedauerlicherweise das Positive als selbstverständlich und nicht erwähnenswert hingenommen, das Negative dagegen ausführlich angespro‐ chen. Das ist nicht besonders erfreulich und schon gar nicht erfolgreich. Der Präsentator investiert in die aufgebaute Beziehung, wenn er positive Dinge auch positiv anspricht. Aus solchen Formulierungen wie „Das könnte schlechter sein.“ oder „Da kann man nicht meckern“ oder „Ist o.k.“ ist schwer etwas Positives herauszufinden. Beispiel: Also statt: „Das Material ist ganz brauchbar.“ Besser: „Ich finde das Material sehr nützlich.“ (2) Ich-Botschaft Immer dann, wenn der Präsentator seine Meinung über eine Sache oder eine Person mitteilen will, sollte er eine Ich-Botschaft verwenden. Das unterscheidet übrigens die Präsentation von der schriftlichen Arbeit, in der die „Ich-Form“ nicht üblich ist. Mit der Ich-Botschaft wird eine ganz persönliche Sichtweise mitgeteilt. Die Du-Botschaft beurteilt oder bewertet im Gegensatz dazu eine Sache oder eine Person (A R B OD E LA , 2003, S.-103-ff.). Beispiel: Du-Botschaft: „Die Aussage ist falsch! “ Ich-Botschaft: „Ich stimme der Aussage nicht zu.“ Der Unterschied zwischen Du-Botschaft und Ich-Botschaft ist offensichtlich. Mit der Ich-Botschaft spricht der Präsentator über seine ganz persönlich Meinung, die ihm zunächst niemand streitig machen kann. Im Unterschied dazu stellt die Du-Botschaft fest, sie bewertet, beurteilt mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Häufig geht sie auf Konfrontation, bedeutet mit‐ unter Herabsetzung und kann damit Ablehnung und Irritation bewirken. Ich-Botschaften sind in der Regel zurückhaltender, zugleich persönlicher und deshalb in der Präsentation vor allem immer dann zu empfehlen, wenn kritische Dinge oder kontroverse Sachverhalte angesprochen werden. 256 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="257"?> (3) Sie-Standpunkt Für den Präsentator ist es wichtig, sich in die Lage seiner Zuhörer zu versetzen. Ohne die soeben geschilderten Vorzüge der Ich-Botschaft zurück‐ zunehmen, sollte er beim Vorstellen seiner Empfehlungen nicht das Wort „Ich“ in den Vordergrund stellen, sondern vor allem die „anderen“. Es gilt demzufolge vom „Ich“ über das „Wir“ zum „Sie“-Standpunkt zu kommen. Das gelingt dem Präsentator umso besser, je genauer er die Interessen seines Publikums kennt und weiß, womit seine Teilnehmer beschäftigt sind. Beispiele: Statt: „Ich kann Ihnen hierzu Folgendes empfehlen …“ Besser: „Sie können hieraus sicher Folgendes für Ihre Praxis verwenden …“ Statt: „Ich sehe folgende Aspekte …“ Besser: „Für Sie ergeben sich meines Erachtens folgende Aspekte …“ (4) Aktiv Zuhören Besonders in der Frage- und Diskussionsrunde wird dem Präsentator aktives Zuhören empfohlen. Dazu folgende Vorschläge: • Aufmerksam sein Teilnehmer in positiver Art bewusst wahrnehmen, ihn ein Lebenszei‐ chen senden. Auf andere Beschäftigungen verzichten. - Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung, zustimmendes Nicken, Stichworte notieren, verbal: „ja“, „aha“, „und weiter? “ • Wiederholen Mit eigenen Worten das wiederholen, was wahrgenommen und verstanden wurde. Dabei Konzentration auf Aussagekern und Verzicht auf eigene Wertung. - „Sie meinen also, dass …“, „Habe ich Sie so richtig verstanden? “ • Zusammenfassen Gesprochenes wird nach bestimmten Abschnitten geordnet zusammen‐ gefasst. Danach vergewissern, ob man richtig verstanden hat. - „Ist es richtig, dass bei allem Für und Wider der Zwangscharakter der Lehrer-Schülerbeziehungen vom Schüler intensiver erlebt wird, als vom routinierten Lehrer? “ 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 257 <?page no="258"?> • Offene Fragen stellen Teilnehmer mit offenen Fragen um weitere Informationen bitten. Offene Fragen fordern zur Stellungnahme heraus. - „Wie ist es dazu gekommen, dass …? “ - „Woran liegt es, dass …? “ - „Was müsste geschehen, damit …? “ • Gefühle widerspiegeln Beim Teilnehmer Gefühle wahrnehmen und anschließend widerspie‐ geln. Dabei Stimme am Satzende anheben. - „Ich spüre, Sie ärgern sich.“ - „Sie fühlen sich nicht verstanden.“ • Aktives Schweigen Kontrollierten Kontakt aushalten und der Präsentator bekommt weitere Informationen. - ca. 5 Sekunden Schweigen und Blickkontakt halten. 13.3.5 Erstellen des Vortragsmanuskripts In der Regel benötigt der Präsentator für seinen Vortrag ein Manuskript. Damit kann er sichern, dass • sein Vortrag einem roten Faden folgt, den er im Bedarfsfall jederzeit vor Augen hat, • er sich hinsichtlich seiner Inhalte sicher fühlen kann, wenn er diese „schwarz auf weiß“ während des Vortrages dabei hat, • er sich jederzeit mit einem kurzen Blick auf das Manuskript die benö‐ tigten Informationen ins Gedächtnis rufen kann. Mit dieser Aufzählung wird auf die wichtigste Funktion des Vortragsma‐ nuskripts aufmerksam gemacht: Das Manuskript soll unterstützen, es soll den Vortrag im Hintergrund begleiten, seinen reibungslosen Ablauf sichern helfen. Je besser sich der Präsentator vorbereitet hat, desto weniger wird er auf dieses Hilfsmittel zurückgreifen müssen. Er braucht sein Manuskript auch nicht verstecken, denn es ist ein Zeichen dafür, dass er sich gründlich vorbereitet hat. Winston Churchill antwortete einmal auf die Frage, warum er immer ein Manuskript bei sich habe, aber nie darauf schaue: „Ich habe auch eine Feuerversicherung, aber ich brauche sie nicht, solange mein Haus nicht abbrennt.“ Um im Bild zu bleiben: Das Manuskript ist für den Vortragenden 258 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="259"?> eine Versicherungspolice gegen die Launen des Gedächtnisses und die Unwägbarkeiten der aktuellen Situation. Wenn das Unerwartete eintritt, kann er auf die Vorlage zurückgreifen, bis er wieder gefasst ist. Dem Präsentator wird empfohlen, seinen Vortrag zuerst in einem ausführ‐ lichen Manuskript niederzuschreiben, ohne Rücksicht auf rhetorische Erwä‐ gungen. Damit stellt er sicher, dass das Thema so angepackt wird, wie es ihm richtig und wichtig erscheint. Und es wird zugleich ein Material (Handout) geschaffen, das allen oder interessierten Zuhörern nach dem Vortrag übergeben werden kann. Beispiel: „Bei ‚Kieselrot‘ handelt es sich um einen bei der Kupfergewinnung entstandenen Stoff, der bis etwa 1968 unter diesem Produktnamen vertrieben wurde. Durch Messungen wurde festgestellt, dass ‚Kieselrot‘ hoch mit Dioxinen und Furanen belastet ist und zu erheblichen Gesundheitsgefährdungen führen kann. Der Verein zum Schutz der Umwelt hat sich in seiner Bewertung von ‚Kieselrot‘ und den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen vom Vorsorgeprinzip leiten lassen, da sämtliche, auch aus neuester Zeit vorliegende Untersuchungen und Gutachten eine Gefährdung bzw. Belastung von Umwelt und Gesundheit durch diesen Stoff über längere Zeiträume nicht sicher ausschließen können.“ (Der Redenberater, 1998, S.-42) Nunmehr wird aus dem vollständig ausformulierten Manuskript der Vortrag entwickelt, dies kann in drei Schritten erfolgen: Schritt 1: Vortragstext formatieren In diesem Schritt wird der Text formal aufbereitet, damit er optimal hand‐ habbar und zu lesen ist. Dazu wird empfohlen: • Schriftgröße mindestens 18 Punkt, • weder in VERSALIEN noch g e s p e r r t schreiben, • Zeilenabstand 1,5-fach, • A4-Papier, nur obere Hälfte beschreiben, • Blattwechsel nach inhaltlichem Block. Schritt 2: Vortragstext nach Sinnschritten strukturieren Jeder Sinnschritt sollte in einer Zeile stehen. Bei Nebenordnungen und Aufzählungen kann die kleinste Einheit auch das einzelne Wort sein. Auf diese Weise können die einzelnen Sätze bei der Überarbeitung auch „hörge‐ 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 259 <?page no="260"?> recht“ umformuliert werden. So werden Schachtelsätze aus dem Manuskript verbannt, Satzungetüme müssen aufgelöst werden. Als Faustregel gilt: Formuliere um, was nicht in eine Zeile geht. Sofern das nicht möglich ist, sind zwei Zeilen das absolute Maximum! Die Vorteile einer solchen Textgestaltung liegen auf der Hand: • Die Augen können den Anfang jedes neuen Sinnschritts wiederfinden. • Der Präsentator kann im Vortrag den Sinn jedes Schrittes im Zusam‐ menhang erfassen und dadurch leichter sinnvermittelnd sprechen. • Der Präsentator kann sich besser vom Text lösen und Blickkontakt herstel‐ len. Beispiel „Bei der Gewinnung von Kupfer entsteht das so genannte ‚Kieselrot‘. Unter diesem Produktnamen wurde der Stoff bis 1968 vertrieben. Durch Messungen und Gutachten wurde festgestellt: ‚Kieselrot‘ ist hoch mit Dioxinen und Furanen belastet. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass ‚Kieselrot‘ die Umwelt belastet und die Gesundheit gefährdet, jedenfalls langfristig. Der Verein zum Schutz der Umwelt ist deshalb der Auffassung: Wir müssen ‚Kieselrot‘ aus der Umwelt entfernen, und zwar möglichst schnell, aber auch möglichst sicher. (Der Redenberater, 1998, S.-44) Schritt 3: Sinnschritte hierarchisch abstufen Der Sprachwissenschaftler H. G E I S S N E R hat bereits 1974 die so genannte „Abtrepp-Methode“ entwickelt. Nach dieser Methode werden die einzel‐ nen Sinnschritte des Textes hierarchisch abgestuft: • Alle Grundgedanken werden linksbündig festgehalten. • Die jeweils untergeordnete Sinneinheit wird rechts eingeordnet, jede Einheit eine Stufe. 260 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="261"?> • Der Beginn einer neuen Unterordnung ist mit einem Haken ( ⌊ ) - im Windows-Zeichensatz „Symbol“ zu finden - zu markieren. Damit wird der thematische Fluss dargestellt. • Sinnknüpfungselemente bzw. Operatoren, wie „daher“, „und zwar“, „das heißt“, sind möglichst am Anfang einer Zeile zu platzieren und durch Unterstreichung kenntlich zu machen. • Die Hauptgedanken sind durch Fettdruck kenntlich zu machen. • Aufzählungen und andere gleichwertige Sinnschritte stehen unterein‐ ander. • Bei einem neuen Grundgedanken wird nach einer Leerzeile wieder linksbündig begonnen. Der nach Sinnschritten abgestufte Text bringt dem Präsentator zahlreiche Vorteile: • Die vorgegebenen Formulierungen mildern die Redeangst. Der Präsen‐ tator bewegt sich auf schwierigem Parkett sicherer. • Dem Publikum wird das Verständnis erleichtert, denn knappe und klare Formulierungen werden besser aufgenommen. • Während der Textbearbeitung kann festgestellt werden, ob Beispiele oder Sinnverknüpfungen fehlen. Beispiel: „Bei der Gewinnung von Kupfer entsteht das so genannte ‚Kieselrot‘. ⌊ Unter diesem Produktnamen wurde der Stoff bis 1968 vertrieben. Durch Messungen und Gutachten wurde festgestellt: ⌊ ‚Kieselrot‘ ist mit Dioxinen und Furanen belastet. ⌊ Daher kann nicht ausgeschlossen werden, ⌊ dass ‚Kieselrot‘ der Umwelt schadet ⌊ und die Gesundheit gefährdet, ⌊ jedenfalls langfristig. Deshalb ist der Verein zum Schutz der Umwelt der Auffassung: ⌊ Wir müssen ‚Kieselrot‘ aus der Umwelt entfernen, ⌊ und zwar möglichst schnell, ⌊ aber auch möglichst sicher.“ (Der Redenberater, 1998, S.-46) 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 261 <?page no="262"?> Abschließender Hinweis: Ein Manuskript ist noch kein Vortragstext! Es reicht keinesfalls aus, eine mehr oder weniger komplizierte Materie einfach vom Blatt abzulesen. Die Wirkung eines solchen Vortrags wird auch nicht dadurch positiv verstärkt, dass der Präsentator Abbildungen und Tabellen „an die Wand wirft“. Die vorgeschlagene Bearbeitung soll dies verhindern und sichert eine optimale Vorbereitung, wenn der Präsentator dabei stets die Hör- und Lesegewohnheit seines Publikums berücksichtigt. Neben dem ausformulierten Manuskript haben sich auch die so genann‐ ten Argumentationskarten bewährt [P AWL OW S KI , K.; D ITKO , P. H., 2004, S. 49 ff.]. Sie erlauben ein flexibles Agieren, insbesondere bei Fachvorträgen und Präsentationen mit einer dialogischen Ausrichtung. Mit den Argumen‐ tationskarten hat der Redner seine Kernaussagen (Thesen) stets parat und kann sie durch entsprechende Belege „unterfüttern“ sowie durch Beispiele veranschaulichen. Argumentationskarten können in drei Schritten zusammengestellt wer‐ den: Schritt 1: Leitkarte Die Leitkarte enthält neben dem Thema und dem Vortragsziel die Kernaus‐ sagen der Rede. Dafür eignen sich Karten im Format A5 nach dem Schema in Abb.-94. Vortragsziel: ............................................... Thema: ........................................................ Ort: .............................................................. Zeit: ............................................................... Kernaussage 1: - - - Kernaussage 2: - - - Kernaussage 3: - - - Kernaussage 4: - - - Kernaussage 5: - - - Abb.-94: Leitkarte 262 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="263"?> Schritt 2: Kernkarte Nunmehr ist für jede Kernaussage eine Karte im Format A5 auszufertigen. Sie enthält die Belege, Beweise, Begründungen für die Kernaussagen. Dafür eignen sich beispielsweise • die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, • die Auffassungen von Experten und Autoritäten auf dem jeweiligen Gebiet, • die vergleichbaren nationalen und internationalen Erfahrungen oder • verlässliche Statistiken. Zugleich enthalten die Kernkarten nach Abb. 95 einen Vermerk über den Zeitumfang für die Darlegung. Redeziel: ...................................................... Thema: ........................................................ Kernaussage 1: ....................................... .............................................................................Zeit: ............................................................ Belege/ Beweise/ Begründungen - 1. - 2. - 3. - 4. - 5. - Abb.-95: Kernkarte Schritt 3: Kernkarte mit Veranschaulichungsmitteln Jetzt wird für jede Kernaussage geprüft, mit welchen Beispielen, Erlebnissen, Ereignissen oder auch Bildern, Modellen oder Gegenständen die Belege und Beweise veranschaulicht werden können (siehe Abb.-96). 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 263 <?page no="264"?> Redeziel: ...................................................... Thema: ........................................................ Kernaussage 1: ....................................... .............................................................................Zeit: ............................................................ Belege/ Beweise/ Begründungen Mittel für Veranschaulichung - Beispiele - Erlebnisse/ Ereignisse - Bilder - Modelle - Gegenstände Abb.-96: Kernkarte mit Veranschaulichungsebenen 13.3.6 Erstellen des Teilnehmermaterials Für ein schriftliches, vortragsbegleitendes Material, auch als „Hand-out“ bezeichnet, gibt es eine ausgeprägte Erwartung bei den Teilnehmern. Auch die Mitglieder der Prüfungskommission schätzen eine Kurzfassung der Präsentation. Veranstalter von Präsentationsveranstaltungen und wissen‐ schaftlichen Tagungen setzten die Bereitstellung eines Teilnehmermaterials in der Regel voraus. Die Ausgabe an die Teilnehmer erfolgt in der Regel unmittelbar vor der Präsentation. Ein Versenden Tage vor der Präsentation wird nicht empfohlen. Ein solches Material soll den Teilnehmern • einen raschen Überblick über Inhalt und Ablauf der Präsentation geben, auf den man sich jederzeit beziehen kann, • das Verstehen komplizierter Bilder erleichtern, das Notieren von Erläu‐ terungen auf dem Papierausdruck ermöglichen und das Abmalen oder -schreiben von wichtigen Informationen ersparen und • vor allem in der Diskussion den Bezug zu Aussagen im Vortrag gewähr‐ leisten. Für das Erstellen des Teilnehmermaterials bewähren sich die folgenden Empfehlungen: 264 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="265"?> • Das Material für einen 20-minütigen Vortrag sollte 5 bis 6 DIN-A4-Blätter (beidseitig bedruckt) umfassen. Mühevolles Suchen wird damit ausgeschlos‐ sen. • Die erste Seite enthält Thema und Aufbau der Präsentation und ver‐ deutlicht somit den „roten Faden“. Ein Hinweis auf die ausdrücklich erwünschte Diskussion ist wichtig. Kontaktdaten sind zu vermerken. • Kernaussagen sind nicht als Sätze ausformuliert, sondern stichwortartig als Schlagwörter zu visualisieren. • Für das Verständnis wichtige Bilder von hoher Kompliziertheit und Komplexität sind als Kopie beizufügen. Dabei ist ausreichend Platz für eigene Notizen der Teilnehmer einzuräumen. • In einem Glossar werden die wichtigsten Begriffe erläutert. • Die einzelnen Seiten sind zu nummerieren und die einzelnen Blätter sollten gelocht und in geeigneter Weise zusammengehalten werden. Auch damit demonstriert der Präsentator Wertschätzung gegenüber den Teilnehmern. In Abb. 97 sind die wichtigsten Bestandteile des Teilnehmermaterials dar‐ gestellt. In Ergänzung dazu wird der Vermerk der Kontaktadresse des Präsentators empfohlen. Kopie der wichtigsten Folien Erläuterung der wichtigsten Begriffe Gliederung des Vortrages Angebot zur Diskussion Orientierung über den Ablauf Unterstützung des Verständnisses Abb.-97: Bestandteile des Teilnehmermaterials 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 265 <?page no="266"?> 13.3.7 Beachten des Zeitfaktors Der sorgsame Umgang mit der Zeit der Teilnehmer ist ein wichtiger Er‐ folgsfaktor für die Präsentation. Vortragende, die beim Publikum ihre Ziele erreichen wollen, sollten sich daran erinnern, was ein alter Pastor seinen jungen Kollegen über die Länge einer wirksamen Predigt gesagt hat: „Haltet Euch kurz beim Predigen. Nach 15 Minuten wird keine Seele mehr gerettet.“ Langjährige physiologische Untersuchungen bestätigen diese durch um‐ fangreiche praktische Erfahrungen gestützte Weisheit. In Abb. 98 ist das Nachlassen der Konzentration über den Verlauf von 60 Minuten verdeut‐ licht. Danach liegt die optimale Vortragszeit zwischen 10 und 15 Minuten. 0 20 40 60 80 100 120 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 Zeit in Minuten Konzentration in % 0 20 40 60 80 100 120 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 Zeit in Minuten Konzentration in % Konzentrationsfähigkeit im Verlauf von 60 Minuten Abb.-98: Verlauf der Konzentrationsfähigkeit über 60 Minuten Sollte eine längere Vortragszeit erwünscht bzw. vorgegeben sein, muss der Präsentator Verstärkungsmittel einsetzen, um die Aufmerksamkeit zu erhalten. Solche Verstärkungsmittel sind beispielsweise • eine Überraschung (drastische Formulierung, vom Standard abwei‐ chende Informationen), 266 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="267"?> • das Auslösen eines Widerspruchs (Anreizen zu einem gedanklichen Widerspruch), • eine Zuspitzung („Ich will mal übertreiben …“), • eine Pro/ Kontra-Darstellung (kontrastierende Beweisführung: „… nicht so, sondern so …“), • eine Erlebnis-/ Beispielschilderung (Erlebnis, das für die Teilnehmer nachvollziehbar und interessant ist), • eine Delegierung der Entscheidung (Entscheidungsfrage an Teilnehmer stellen: „Welche Variante würden Sie bevorzugen? “), • eine Projektion (aus Zukunftsvorstellungen Wünsche für die Gegenwart ableiten), • eine Deblockierung (eigene Fehler und ihre Überwindung darstellen), • eine Humorisierung (Witz, Anekdote, lustige Begebenheit, Wortspiele). Diese und weitere Verstärkungsmittel sind selbst bei kürzerer Vortrags‐ dauer einzusetzen, wenn die Präsentation zu einer Tageszeit erfolgt, in der tendenziell mit einer verminderten Leistungsbereitschaft des Auditoriums gerechnet werden muss (s. dazu Abb.-99). Physiologische Leistungsbereitschaft 0 20 40 60 80 100 120 140 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 1 2 3 4 5 6 Leistungsbereitschaft in % Uhrzeit 0 20 40 60 80 100 120 140 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 1 2 3 4 5 6 Leistungsbereitschaft in % Uhrzeit Abb.-99: Verlauf der physiologischen Leistungsbereitschaft über 24 Stunden 13.3 Hauptschritte bei der Vorbereitung 267 <?page no="268"?> 13.4 Der Vortrag 13.4.1 Grundstruktur Obwohl seit mehr als 2000 Jahren die Hauptbestandteile eines Vortrags bekannt sind - nämlich Einleitungsteil, Hauptteil, Schlussteil - kommen manche Vortragende aus „Zeitgründen“ lieber gleich zur Sache, also zum Hauptteil und beenden diesen dann mit einem „das war’s, was ich sagen wollte“. Gewiss kann die formale Anwendung dieser Struktur im Aufbau einer Rede Langweile produzieren. Doch es gibt Mittel und Möglichkeiten, einen Vortrag so zu gestalten, dass solche Teilnehmerqualen nicht aufkommen. Das beginnt beim Einstieg, bei der erzielbaren Wirkung der Erscheinung des Präsentators und seiner ersten Sätze. Der Einstieg enthält bereits keimhaft die Botschaft, den Grundgedanken des Vortrags und sollte aufmerksamkeits‐ erregend, interessant, die Teilnehmer in Spannung versetzend, eingeführt werden. Der Präsentator stellt sich damit seinem Publikum vor; es gewinnt einen ersten (oft prägenden) Eindruck von ihm. Zugespitzt ausgedrückt: Mit dem Einstieg hilft der Vortragende den Teilnehmern bei der Entscheidung, ob sie jetzt aufmerksam zuhören und besser abschalten sollten. Oder anders ausgedrückt: Der Vortragende setzt mit seinem Einstieg den Teilnehmern die Brille auf, durch die sie seine weiteren Ausführungen betrachten sollen. Der auf diese Weise eingeführte Hauptgedanke, ausgedrückt in der Aufga‐ benstellung, wird durch die Ausführungen im Hauptteil entfaltet und kulmi‐ niert im Schlussteil. Der ganze Vortrag bildet so vom ersten bis zum letzten Wort eine organische Einheit. Auch der Schlussteil ist dann nicht mehr ein loses, am Hauptteil baumelndes Anhängsel, das mit Verlegenheitsfloskeln ausgefüllt ist. Der Schluss bildet vielmehr den konsequenten Höhepunkt beim Entfalten des Hauptgedankens; die Botschaft tritt in aller Deutlichkeit hervor. Damit schließt sich der Kreis. Ein wichtiger psychologischer Befund lautet: Das zuletzt Gesagte bleibt am längsten in Erinnerung. Deshalb gehört das, was die Teilnehmer unbedingt in Erinnerung behalten sollen, in den Schlussteil. Abb. 100 enthält einen Vorschlag für die Ablaufstruktur des Vortrags. Bewusst sind Einleitungsteil und Schlussteil grafisch hervorgehoben, weil sie eine besondere gestalterische Aufmerksamkeit verlangen. In der Vorbe‐ reitung sollten diese beiden Teile bewusst wortwörtlich schriftlich ausgear‐ beitet und in der Präsentation frei vorgetragen werden. 268 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="269"?> 10 % Zusammenfassung Schlusssatz 1 2 Einleitungsteil Hauptteil Schlussteil 75 % 15 % Start mit Schwung Begrüßung Vorgabe des Rahmens Persönliche Vorstellung Angabe des Ziels 1 2 3 4 5 Rahmeninformationen Abfolge der Argumente Zitate Zahlen 1 2 3 4 Abb.-100: Grundstruktur des Vortrags 13.4.2 Einleitungsteil 1. Start mit Schwung Dahinter steht die Empfehlung, wegzukommen vom Otto-Normalverbrau‐ cher-Einstieg. Zu vermeiden sind am Anfang eine langatmige Begrüßung, unsichere Entschuldigungen oder zu komplizierte Bilder. Die Abb. 101 zeigt, dass auch hier Vereinfachung und Zuspitzung Aufmerksamkeit erregen. 13.4 Der Vortrag 269 <?page no="270"?> Abb. 101: Beispiel für einen aufmerksamkeitserregenden Einstieg (Quelle: G ÖT Z -W I E D E N ‐ R O T H ) Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Vortrag mit Schwung zu starten. Aber alle haben einen gravierenden Nachteil: Sie fallen einem gerade dann nicht ein, wenn man sie dringend braucht. Das einzige Gegenrezept lautet: Nicht auf den spontanen Einfall verlassen, sondern den originellen Start bewusst vorbereiten. In Abb. 102 sind Möglichkeiten für den Vortragsstart genannt. Empfehlungen zum Redeeinstieg Beginnen Sie situationsbezogen! Starten Sie mit einem passenden Zitat oder Gag! Setzen Sie aktuelle Daten und Fakten an den Anfang! Bedienen Sie sich aus der Geschichte (Chroniken/ Kalendarien)! Leiten Sie mit Tonbzw. Bilddokument oder einem Anschauungsobjekt ein! Versuchen Sie den Einstieg mit Humor! Benutzen Sie Märchen oder Anekdoten als Aufhänger! Erläutern Sie die Herkunft eines Namens oder eines Begriffs! Abb.-102: Empfehlungen für den Vortragsstart 270 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="271"?> Das Bemühen um einen Start mit Schwung, also um Entfaltung einer gewissen Originalität darf nicht mit Pseudooriginalität verwechselt werden, wie sie in dem folgen Vortragseinstieg zum Ausdruck kommt: „Meine Damen und Herren, ich will hier keine langen Reden halten. Sie haben sicher gemerkt, ich bin recht geschwätzig, aber ich habe wenig zu sagen.“ Drei Beispiele zum Einstieg: (1) Anlass: Vortrag zum Thema: „Gewaltprävention in der Schule.“ „Im April 2002 erschoss der Schüler R. St. am Erfurter Gutenberg-Gymna‐ sium 13 Lehrer, 2 Schüler und einen Polizisten und anschließend sich selbst. Weitere schreckliche Ereignisse folgen. Eskaliert die Gewalt an deutschen Schulen? Ist Prävention überhaupt möglich? “ (2) Anlass: Vortrag zum Thema: „Kundenzufriedenheit in einem Dienst‐ leistungsunternehmen.“ „Zufriedene Menschen wünschen keine Veränderung. Den Fortschritt verdanken wir den Nörglern. Was wollen wir: Status quo oder Fortschritt? Deshalb müssen wir unsere Kunden zur Beschwerde animieren! “ (3) Anlass: Vortrag zum Thema: „Geschichte der Ingenieurausbildung an der Technischen Universität Dresden.“ „Wenn der Vortragende in Einstieg eine Folie mit der Zahl e = 2,718281828 auflegt, dann könnten Sie vermuten, dass er versehentlich das falsche Manuskript erwischt hat. Aber die Zahl „e“ - bekanntlich die Basis der natürlichen Logarithmen - hat durchaus Bezug zu meinem Thema. Denn mit den Ziffern 2 bis 9 hinter dem Komma wird zweimal das Gründungsjahr der Technischen Universität Dresden abgebildet: 1828 1828.“ Interessante Einstiegsvarianten ermöglichen auch Anekdoten. Der Autor bietet dafür eine Sammlung von Hochschulanekdoten und Kathederblüten an (L E HMANN , 2011). 2. Begrüßung Unbedingt zu vermeiden ist der häufig zu beobachtende Begrüßungsmara‐ thon. Am Ende vergisst der Präsentator eine Person zu begrüßen und die vergibt ihm dieses Versäumnis nicht. Man sollte sich hier sehr kurz fassen, je weniger, desto besser. Mitunter ist ein Dank für die gebotene Möglichkeit, präsentieren zu können, angebrachter. 13.4 Der Vortrag 271 <?page no="272"?> 3. Vorgabe des Themas und des Rahmens Die Teilnehmer werden gemeinsam mit dem Vortragsthema über die inhalt‐ lichen Schwerpunkte des Vortrags in ihrer Abfolge informiert (vgl. 13.3.4). Wenig gebräuchliche thementragende Begriffe sind kurz zu erläutern. Zu‐ gleich wird explizit auf den Wunsch hingewiesen, nach Abschluss des Vortrags Fragen zu beantworten, Meinungen auszutauschen und Beratung zu erhalten. Sofern der Präsentator die Vortragszeit ankündigt, steht er automatisch in der Pflicht, diese auch einzuhalten. 4. Persönliche Vorstellung Wenn die persönliche Vorstellung des Präsentators nicht im Hauptteil vor‐ gesehen ist, sollte den Teilnehmern mindestens mitgeteilt werden, welche Fachkompetenz und welchen Berufs- und Erfahrungshintergrund er hat. 5. Angabe des Ziels der Präsentation Mit der Angabe des konkreten Ziels (vgl. 13.3.1), also der klaren Ansage, was die Teilnehmer nach der Präsentation tun, was sie denken, wie sie handeln oder sich verhalten sollen, wird der Einleitungsteil abgeschlossen. Sicher schafft sich der Präsentator einen kritischen Prüfstein für die folgenden Ausführungen im Hauptteil. Aber was will er eigentlich anderes? Er präsentiert sich damit als offen und fair, signalisiert damit, dass er die Teilnehmer als wertgeschätzte Partner behandeln will. 13.4.3 Hauptteil 1. Rahmeninformationen Mitunter ist es nützlich, vor der Abfolge der Argumente über den Anlass, die Rahmenbedingungen oder den Hintergrund der Präsentation zu sprechen. Das können Ereignisse sein, die die Vorgeschichte der Präsentation betreffen oder auch Ergebnisse und Erfahrungen aus bisherigen persönlichen Unter‐ suchungen im Gegenstandsbereich der wissenschaftlichen Arbeit. 2. Abfolge der Argumente Hier werden die Ankündigungen im Einleitungsteil umgesetzt. Die Argu‐ mentation beginnt beispielsweise mit dem Darstellen von Zielen und Stand‐ 272 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="273"?> punkten, umfasst zugeordnete Lösungsmöglichkeiten und ihre Bewertung, und reicht bis zum Erläutern notwendiger Schritte für das weitere Vorgehen. Im Abschnitt 13.3.3 wurden Argumentationsfolgen: Standpunktdarle‐ gung (Abb. 83), Problemlösung (Abb. 84) und Kompromissversuch (Abb. 85) gekennzeichnet. Hier sollen zwei weitere Abfolgen im Fünfsatz vorgestellt werden (s. Abb.-103 und 104): Variante 4: Kategorien Allgemeines - Besonderes - Einzelnes 1 Allgemein wird die Auffassung vertreten, Öko-Audit sei Geldverschwendung. 2 Natürlich kostet Öko-Audit Geld. Aber die Erfahrung bestätigt, dass eine Reihe von Firmenzielen ohne Öko-Audit nicht erreichbar ist. Das betrifft u. a.: 3.1 Rechtssicherheit 3.2 Risikominimierung 3.3 Ressourceneinsparung 4 Eine 1. Umweltprüfung führt Ihnen die Potentiale Ihres Unternehmens vor Augen. 5 Folglich unterbreiten wir Ihnen folgendes Leistungsangebot: 1 2 4 5 3.1 3.2 3.3 Abb.-103: Kategorien Allgemeines - Besonderes - Einzelnes im Fünfsatz 13.4 Der Vortrag 273 <?page no="274"?> Variante 5: Vergleich 1 Es gibt zwei Systeme für die Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. 2 Die EMAS-Verordnung, ihr Wesen besteht in ... 3 Die ISO 14001, ihr Wesen besteht in ... 4 Vergleicht man beide Systeme, so stellt man fest: 1 ... 2 ... 5 Deshalb mein Vorschlag: Beide Systeme zu kombinieren und zwar wie folgt: ... 2 3 1 4 5 Abb.-104: Vergleich im Fünfsatz Häufig trifft man im Hauptteil auch auf Argumentationsfolgen nach dem Dreisatz. In Abhängigkeit von der vorherrschenden Tendenz im Fachvortrag, beispielsweise • ergebnisorientiert, • rückblickend, bilanzierend, • dialektisch oder • innovativ, 274 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="275"?> sind die drei Schritte unterschiedlich belegt. Entsprechend diesen Tendenzen werden in den Abb. 105 bis 108 Vorschläge für die Ausgestaltung des Dreisatzes unterbreitet. Ergebnisorientierter Fachvortrag 1. Ausgangslage Vor einem Jahr sah die Situation wie folgt aus/ hatten wir zu untersuchen ........... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 2. Vorgehensweise Wir haben daraufhin/ als Erstes ......................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... als Zweites .............................................................................................................................. .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... als Drittes ................................................................................................................................ .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... als Viertes ............................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 3. Ergebnis Das Ergebnis war …/ Die Ergebnisse haben uns alle überrascht. ............................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Abb.-105: Argumentationsabfolge - ergebnisorientiert - im Dreisatz 13.4 Der Vortrag 275 <?page no="276"?> Rückblickender, bilanzierender Fachvortrag 1. Wie war es früher? (Problem) Als ich die Untersuchung aufnahm/ Vor einem Jahr standen wir vor folgender Situation: ................................................................................................................................ .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 2. Wie ist es heute (gelöst) Und wie sehen wir das heute? ........................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 3. Wie haben wir das erreicht? Als Erstes haben wir ............................................................................................................ .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Als Zweites haben wir ......................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Als Drittes haben wir ........................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Und schließlich haben wir als Viertes ............................................................................. .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Abb.-106: Argumentationsabfolge - rückblickend - im Dreisatz 276 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="277"?> Dialektischer Fachvortrag 1. Behauptung Einerseits gilt/ haben wir festgestellt …/ X behauptet, dass ......................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 2. Gegenbehauptung Andererseits gilt/ haben wir festgestellt …/ Y hat aber bewiesen, dass .................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 3. Kompromiss Gibt es einen dritten Weg? …/ Ich mache folgenden Vorschlag für einen Kompro‐ miss: ......................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Abb.-107: Argumentationsabfolge - dialektisch - im Dreisatz 13.4 Der Vortrag 277 <?page no="278"?> Tendenz: innovativ 1. Behauptung Wir stehen heute/ seit vielen Jahren vor dem Problem ................................................ .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 2. Traditionelle Lösung Bisher wurde es wie folgt gelöst/ zu lösen versucht ..................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... 3. Neuer Lösungsvorschlag Wir sollten einen anderen Ansatz wählen./ Weit besser wäre ................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... .................................................................................................................................................... Abb.-108: Argumentationsabfolge - innovativ - im Dreisatz 3. Einsatz von Zitaten Im Kapitel 7.3 war ausführlich die Zitierweise behandelt worden. Für den Vortrag ist jetzt die Frage zu beantworten: Wie kann man das gesprochene Zitat kenntlich machen? Wie kann man den Teilnehmern unmissverständ‐ lich mitteilen: Jetzt folgt ein Zitat? P R E S L E R (2002, S.-55) bietet dafür folgende Möglichkeiten an: • Zitat an- und abkündigen: „Ich zitiere … … Ende des Zitats.“ 278 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="279"?> • Zitat gestisch anzeigen, in dem man die Anführungszeichen in die Luft malt. Tipp: Nur bei kurzen Zitaten geeignet. • Zitat mit stimmlichem Mittel gestalten, beispielsweise: „Ich beziehe mich auf eine Aussage von …“ kurze Pause machen und Höhenlage der Stimme verändern. Nach Ende des Zitats wiederum kurze Pause machen und dann zur normalen Stimmlage zurückkehren. • Zitat bewusst ablesen. Bei Aufgabe des Blickkontakts wird ein authen‐ tisches „Zu-Wort-Kommen“ der zitierten Person signalisiert. Tipp: Besonders bei längeren Zitaten üblich. 4. Verwenden von Zahlen Zahlen sind immanenter Bestanteil der Argumentation. Sie finden oft reichliche Verwendung in der Präsentation. Denn wer die Zahl hat, hat die Macht - so lange, bis diese Zahl widerlegt wird. Wenn der Präsentator Zahlen für seinen Vortrag auswählt, um Behauptungen zu belegen, hat er gegenüber allen einen deutlichen Vorteil: Die Zahlen stehen für den Augenblick ihm ganz exklusiv zur Verfügung. Aber Vorsicht! Skeptische Teilnehmer zweifeln Zahlen gern an und machen vor allem drei typische Einwände geltend: • „Das sind doch nicht die neusten Zahlen! “ Achte immer auf die Aktualität der verwendeten Zahlen. Halte für Zahlen mit Belegcharakter immer die Quellen bereit. • „Da haben Sie sich offensichtlich verrechnet! “ Achte darauf, dass z. B. beim Summieren der Verhältnisgrößen am Ende wirklich 100 % steht. • „Sie interpretieren Ihre Zahlen falsch! “ Achte auf die richtige Interpretation deiner Zahlen. Beispiel: Wenn der Anteil einer Kostengruppe von 40 % auf 36 % sinkt, bedeutet das nicht, dass sie 4 % verloren hat, sondern 10 %. Falsche Zahlen verleiten zum Eindruck, der Präsentator neigte zur Ober‐ flächlichkeit oder gar zur Manipulation. Eine besondere Wirkung entfaltet die bildhafte Veranschaulichung von Zahlenmaterial, weil sie beim Teilnehmer reale Vorstellungen entstehen lässt. Wenn beispielsweise eine Turbinenanlage mit allen ihren technischen Daten wie Größe, Umdrehungen pro Minute oder Durchmesser präsentiert wird, könnte ihre Leistung mit einem Vergleich veranschaulicht werden: 13.4 Der Vortrag 279 <?page no="280"?> „Wie Sie den Zahlen entnehmen können, bewegen sich die Flügelenden mit anderthalbfacher Schallgeschwindigkeit.“ Nunmehr hat auch der technische Laie eine Vorstellung von der Leistung. Oder, statt das Waldsterben mit dürren Zahlen zu belegen, könnte man die Dimension wie folgt veranschaulichen: „Jedes Jahr wird die Erde um ein Waldgebiet ärmer, das der Größe der Nieder‐ lande, Belgiens und Luxemburgs zusammen entspricht.“ Zusammengefasst wird für den Umgang mit Zahlen im Vortrag empfohlen: • So wenig Zahlen wie möglich, so viel wie nötig einsetzen! - Kennzahlen und Kenndaten verwenden. • Aktuelle Zahlen verwenden! - Belege in Reserve halten. • Zahlen auf- oder abgerundet angeben! - Genaue Zahlen kennen. • Auf die richtige Summierung achten! - Bei Verhältniszahlen 100 %. • Zahlen richtig interpretieren! - Veränderungen zur Sicherheit in Prozentpunkten angeben. • Zahlen mit Bildern veranschaulichen! - Bildhafte Vergleiche einsetzen. - Visualisierung vornehmen. • Auf komplizierte mathematische Ableitungen verzichten! - Evtl. Ergebnis darstellen. 13.4.4 Schlussteil Ein guter Vortrag braucht einen guten Schluss. Erfahrene Präsentatoren beginnen deshalb die Vorbereitung ihres Vortrags mit der Ausarbeitung des Schlussteils. Dahinter steckt der psychologische Befund, dass das zuletzt Gesagte besser und länger in Erinnerung bleibt als das vorher Gesprochene. Unter diesem Aspekt muss der folgende, leider oft erlebte Ausstieg, durchfallen: „… ja, das war’s, was ich Ihnen heute eigentlich erzählen wollte. Bestimmt war es Ihnen nicht ausführlich genug und wahrscheinlich habe ich auch das Eine oder Andere vergessen. Aber die Vorbereitungszeit war einfach zu kurz. 280 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="281"?> Jedenfalls vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, und vielleicht können wir ja zusammen ins Gespräch kommen. Sie können sich das ja noch mal überlegen. Also nochmals vielen Dank, dass Sie sich meine Präsentation angetan haben.“ Mit einem solchen Schlusssatz hat der Präsentator den meisten Teilnehmern aus der Seele gesprochen: „Warum haben wir uns diese Präsentation ange‐ tan? “ Ein guter Schluss fasst wenige Kernaussagen zusammen, leitet daraus Konsequenzen ab und endet in der Regel mit einem Appell an die Teilneh‐ mer. Damit wird der Schluss zum Höhepunkt eines Vortrags. Für die Gestaltung des Schlussteils wird empfohlen: • Kündige den Schluss an: „Ich komme jetzt zum Schluss meines Vortrags.“ Damit wird den Teilnehmern signalisiert, dass jetzt keine neue Argu‐ mentation folgt. Tipp: Nach dieser Ankündigung sollte der Präsentator eine kurze Wir‐ kungspause von 2 bis 3 Sekunden einlegen und den Blick schweifen lassen. • Treffe 2 bis 3 Kernaussagen (Thesen) und daraus resultierende Konse‐ quenzen. Nur so ist ihre dauerhafte Platzierung im Gedächtnis der Teilnehmer möglich. Die Gedächtnisleistung ist begrenzt, 8 bis 10 Kernaussagen kann sich in der Regel keiner merken. Formuliere keine neuen Argumente zur Begründung der Kernaussagen. Wurde etwas vergessen, kann das in der abschließenden Diskussion ergänzt werden. Tipp: Bei ruhiger Stimmlage sollte eine normale, eher langsame Sprech‐ geschwindigkeit eingehalten werden. • Formuliere den Beratungsbedarf als Angebot für die Diskussion (max. 2 Fragen). • Fordere zum Handeln auf (gilt nur für Umsetzung siehe Teil 15): „Ich bitte Sie, meine Ausführungen kritisch zu prüfen und bin Ihnen für Fragen, Meinungsäußerungen und Anregungen sehr dankbar.“ Tipp: Beim letzten Satz kann die Stimme gehoben und die Sprechge‐ schwindigkeit etwas beschleunigt werden. • Vermeide zum Abschluss ein Bild mit der Floskel „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“. Danke vielmehr den Teilnehmern so mit dem gespro‐ chenen Wort, dass sie spüren, du fühlst dich zum Dank verpflichtet. Auch im Schlussteil sollte man pseudooriginelle Zuspitzungen vermeiden, wie beispielsweise eine solche Wendung: 13.4 Der Vortrag 281 <?page no="282"?> „Der bekannte Publizist Richard Mayer hat einmal gesagt: ‚Man darf nicht nur keine Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.‘ Ich hoffe, das ist mir mit meinem Vortrag gelungen.“ Da passt schon besser der folgende Schlusssatz: „Vieles von dem, was ich ausgeführt habe, ist sicher fragwürdig. Aber wenn es für Sie, meine Damen und Herren der Frage würdig und der Frage wert ist, dann habe ich heute mein Ziel erreicht.“ 13.5 Frage- und Diskussionsrunde 13.5.1 Grundstruktur In der Frage- und Diskussionsrunde erfährt der Präsentator, ob und inwie‐ weit seine Ziele erreicht wurden. Hier hat er die Möglichkeit, Missverständ‐ nisse auszuräumen, Fragen zu klären und Argumente zu schärfen. Zugleich kann er Hinweise und Impulse für die Weiterführung und Umsetzung seiner Arbeit erwarten. Mit Blick auf die Besonderheiten der Frage- und Diskussionsrunde in der Disputation wissenschaftlicher Arbeiten mit Prüfungscharakter werden die Empfehlungen auf vier Schwerpunkte konzentriert: Teilnehmer aktivieren (gilt nur für Umsetzung, siehe Teil 15), Fragen beantworten, Einwände behandeln, Diskussion zusammenfassen. 13.5.2 Teilnehmer aktivieren Sofern die Gesprächseröffnung die Aktivierung noch nicht erreicht hat, was sehr selten vorkommt, sollte man sich mit direkten Fragen an alle oder einzelne Teilnehmer wenden, beispielsweise: • „Gestern wurde ich gefragt, welche Verwertbarkeit hat meine schriftli‐ che Befragung? Bewegt Sie auch diese Frage? “ • „Herr Müller, darf ich Sie als Psychologen fragen, wie Sie meine Metho‐ denwahl beurteilen? “ 282 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="283"?> 13.5.3 Fragen beantworten Das Publikum einer Präsentation weiß es zu schätzen, wenn der Präsentator die gestellten Fragen ernst nimmt und wertschätzt. Im Einzelnen wird empfohlen: • Positive Einstellung entwickeln Die Frage- und Diskussionsrunde ist eine echte Chance. Du kannst die Kommission weiterhin von deiner wissenschaftlichen Befähigung überzeugen. Auf diese Weise soll dein Erfolg organisiert werden. • Fragen notieren Das Notieren von gestellten Fragen (Stichworte) signalisiert Aufmerk‐ samkeit und Wertschätzung gegenüber dem Fragesteller. Er fühlt sich aufgehoben und kann die Beantwortung seiner Fragen erwarten (keine wird vergessen! ). Die in Stichworten festgehaltenen Fragen erlauben nach der Diskussion mindestens ein Gedächtnisprotokoll. • Fragen wiederholen/ nachfragen Immer dann, wenn die Frage nicht genau verstanden wurde, bitte um Wiederholung der Frage oder formuliere die Frage mit eigenen Worten und stelle fest, ob sie richtig verstanden wurde. • Kurz und prägnant antworten Widerstehe der Versuchung, durch zu ausführliche Beantwortung einer für dich leicht zu beantworteten Frage Zeit zu gewinnen und anderen Fragen auszuweichen. Der Versuch wird registriert und meist harsch unterbunden. • Herablassende Reaktionen vermeiden Vermeide den Hinweis, dass der Fragesteller offensichtlich etwas über‐ hört oder gar nicht verstanden hat. Beharre nicht auf deinem Stand‐ punkt, sondern präsentiere dich als Suchender. • Zufriedenheit feststellen Insbesondere bei der Beantwortung von Fragen, die grundsätzlicher Natur sind oder Zweifel am Erkannten vermuten lassen, sollte zum Ab‐ schluss festgestellt werden, ob der Fragesteller (vorerst) damit zufrieden ist. Das gehört auch zur Diskussionskultur und strahlt Wertschätzung aus. • Nichtwissen zugeben, evtl. Klärung anbieten Antworte nur auf die gestellte Frage, wenn du dafür über das notwen‐ dige Wissen verfügst. Gib Nichtwissen zu, sofern es außerhalb deiner Fachkompetenz liegt. Im Falle von Präsentationen in der Umsetzung 13.5 Frage- und Diskussionsrunde 283 <?page no="284"?> (siehe Teil 15) sollte die Klärung der Frage, also die Beschaffung der erforderlichen Informationen, angeboten werden. 13.5.4 Einwände behandeln Nicht immer werden die Teilnehmer mit dem Präsentator einer Meinung sein. Das ist durchaus normal und sollte ihn nicht irritieren. Ein Einwand ist eine Chance, einen Zweifel zu überwinden, eine Information nachzurei‐ chen, ein Argument zu schärfen oder ein Missverständnis auszuräumen. So gesehen ist der Einwand nicht als Angriff auf den Präsentator, sondern als Zeichen von Interesse am vorgestellten Sachverhalt zu verstehen. Von ihrem Charakter her können Einwände sehr unterschiedlich sein. Das reicht von sachlichen Anmerkungen über hilfreiche Korrekturen bis hin zu gegensätzlichen Behauptungen und entschiedenem Infragestellen der Kernaussagen und ihrer Belegung. In Abb. 109 wird eine Schrittfolge für die Behandlung von Einwänden vorgeschlagen. Danach wird eine bestimmte Reihenfolge empfohlen, in der die Antwort auf den Einwand erst am Schluss steht (T HI E L E , 1991, S.-80-ff.). Erneuter Einwand 3. Nachfrage 4. Antworten 5. Gegenfrage 1. Aktives Zuhören 2. Kurze Denkpause Einwand Abb.-109: Schrittfolge bei der Behandlung von Einwänden 284 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="285"?> Empfehlungen zu den einzelnen Schritten der Einwandbehandlung: Schritt 1: Aktiv zuhören Bleibe ruhig, zeige Aufmerksamkeit durch Blickkontakt, zugewandte Kör‐ perhaltung und zustimmendes Nicken. Schreibe den Einwand in Stichwor‐ ten mit. Lasse den Einwänder ausreden. Vermeide Kopfschütteln, abwehrende Gesten, geringschätziges Grinsen oder abgewandte Körperhaltung. Versuche festzustellen, welche Motive dem Einwand zugrunde liegen könnten - beispielsweise Sachurteil, Informationslücke, taktisches Manö‐ ver, Prestigegehabe, Provokation. Schritt 2: Denkpause einhalten Signalisiere, dass du nicht zu schnellen und damit oft oberflächlichen Ant‐ worten neigst, sondern den Einwand ernst nimmst und um seine gründliche Behandlung bemüht bist. Entscheide in dieser Pause (2-3 Sekunden), ob du sofort antwortest oder erst nachfragst. Schritt 3: Nachfragen Vergewissere dich, ob du den Einwand richtig verstanden hast. Dazu gib das Gesagte kurz mit eigenen Worten wieder. Damit vermeidest du Miss‐ verständnisse, gewinnst Zeit für das Finden einer Antwort und zeigst, dass du eine andere Meinung ernst nimmst. Beispiel: „Ich verstehe, dass Sie als Techniker mit einer Tendenzaussage nicht zufrieden sind. Erlauben Sie bitte eine Nachfrage: Welche Kriterien müsste die Aussage erfüllen, damit sie für Sie akzeptabel ist? “ Jetzt muss der Einwender aktiv werden. Der Präsentator erhält weitere Informationen und gewinnt Zeit für eine Antwort. Oft löst das Ringen um die Nachfrage eine Diskussion im Plenum aus, die dem Präsentator weiteren Informationsgewinn bringt. Schritt 4: Antworten Bedenke bei jeder Antwort, dass der Einwender ein wertvoller Partner in der weiteren wissenschaftlichen Diskussion sein könnte. 13.5 Frage- und Diskussionsrunde 285 <?page no="286"?> Veranschauliche den Einwand an einem Beispiel, erläutere seine Verhält‐ nismäßigkeit und führe Vorteile an, die den Einwand aufwiegen. Lass dich nicht zu unüberlegten Antworten oder negativen Reaktionen verleiten. Vermeide bei schwierigen Fragen zu bluffen. Sofern du eine Frage nicht beantworten kannst, gib das offen zu und sichere zugleich eine rasche Klärung zu. Damit bereitest du Nachkontakte vor. Nachkontakte werden auch vorbereitet, indem du Fragen/ Einwände von Personen, die für dich besonders interessant sind, bewusst nicht bis zu Ende beantwortest. Dein Vorschlag zur endgültigen Klärung und erneuten Kontaktaufnahme wird in der Regel vom Betreffenden gern angenommen. Schritt 5: Gegenfrage stellen Schätze ein, ob es in der gegebenen Situation und mit Blick auf die vertretene Fachkompetenz im Teilnehmerkreis zielführend ist, deine Antwort mit einer Gegenfrage zu koppeln - sowohl an den Einwender, an eine Fachgruppe im Publikum oder an das Plenum. Beispiel: Einwand: „Der von Ihnen verwendete Begriff der Erziehung ist mir zu eng! “ Antwort: „Gut, dass Sie darauf zu sprechen kommen. Ich bin beim Studium der Literatur auf ein hohes Maß an unterschiedlichen Auffassungen gestoßen. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, Erziehung primär als Vorgang der Verhaltensentwicklung zu verstehen.“ Gegenfrage: „Darf ich die Frage an die anwesenden Pädagogen und Psychologen weitergeben? Ihre Meinung wäre für uns wichtig! “ Mit der Gegenfrage eine solche Diskussion auszulösen lohnt nur dann, wenn der Begriff oder der Sachverhalt wirklich wesentlich für die wissenschaft‐ liche Arbeit ist und der entsprechende Sachverstand im Teilnehmerkreis erwartet werden kann. 13.5.5 Diskussion zusammenfassen Wird dem Präsentator nach Ablauf der Frage- und Diskussionsrunde ein Schlusswort angeboten, sollte er Aussagen zu drei Bereichen prüfen: 286 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="287"?> • Welche Ergebnisse der Arbeit wurden anerkannt, in der Diskussion angesprochen und bestätigt? • Welche Anregungen hat der Präsentator in der Diskussion erhalten? Sind Erkenntnisse zu nennen, die über die vorgestellten Aussagen hin‐ ausgehen (Würdigung der mit der Kommission gemeinsam geleisteten Arbeit)? • Welche Fragen konnten nicht oder nicht vollständig beantwortet wer‐ den? Was muss oder kann später geklärt werden? Die Reihenfolge der drei Aussagenbereiche sollte der Präsentator in Abhän‐ gigkeit von der konkreten Situation festlegen. 13.6 Nachbereitung 13.6.1 Einschätzung vornehmen und einholen Auch wenn die Einschätzung der Präsentation in jedem Fall empfehlenswert ist, so gelten die folgenden Aussagen vornehmlich für die Präsentation von Studienarbeiten und von Umsetzungsvorschlägen. Selbst wenn der Präsentator sein Ziel erreicht hat, bedeutet das nicht, dass er sein Präsentationsverhalten nicht noch verbessern könnte. Umgekehrt gilt: Auch wenn er aus seiner Sicht nicht das Beabsichtigte erreicht hat, kann er aus der Sicht der Teilnehmer eine ordentliche Präsentation geboten haben. Also wie war das Verhalten des Präsentators wirklich? Zur Beantwortung dieser Fragen sollte der Präsentator zunächst selbst überlegen, was ihm persönlich gefallen hat. In einer Selbsteinschätzung sind Antworten zu finden auf die folgenden Fragen: • Was hat in der Präsentation gut geklappt? • Habe ich ausreichend Orientierung gegeben? • Welche Inhalte kamen bei den Teilnehmern gut an? • Habe ich frei gesprochen und die Teilnehmer im Blick gehabt? • Konnte ich ausreichend Wertschätzung zeigen? • Wurde meine Visualisierung akzeptiert? • In welchen Phasen der Diskussion habe ich mich wohlgefühlt? Was habe ich da getan? • Wie habe ich die Fragen und Einwände aufgenommen? Wie gut konnte ich auf sie reagieren? • … 13.6 Nachbereitung 287 <?page no="288"?> In einem nächsten Schritt ist anhand dieser Fragen zu prüfen, was künftig zu verbessern ist. Neben dieser Selbstreflexion sollte sich der Präsentator um eine Fremd‐ einschätzung, also Rückmeldungen zu seinem Präsentationsverhalten aus dem Teilnehmerkreis bemühen. Da solche Einschätzungen nur vereinzelt und aspekthaft während der Veranstaltungen erfolgen, wendet sich der Präsentator am besten nach der Veranstaltung an einzelne Teilnehmer, die er gut kennt oder die besonders aktiv in der Diskussion aufgetreten sind. Diesen Kreis kann er gezielt fragen: • Wie ist meine Präsentation bei Ihnen angekommen? • Was sollte ich in der nächsten Präsentation besser machen? • Wie sollte ich dabei vorgehen, damit es Ihrer Meinung nach besser wird? • Wie schätzen Sie den Ablauf der Diskussion ein? • Was sollte ich künftig bei der Beantwortung von Fragen bzw. bei der Behandlung von Einwänden besser machen? In Abstimmung und mit Unterstützung des Veranstalters kann der Präsen‐ tator auch die Teilnehmer bitten, die in Abb. 110 dargestellte schriftliche Kurzeinschätzung vorzunehmen. Einschätzung der Präsentation von …………………………………… zum Thema ………………… am ……………… von ………. bis ………. Uhr Lfd. Nr. Schwerpunkt Sehr gut 1 2 3 4 5 Sehr schlecht 1. Voreinstellung zur Präsentation - - - - - - - 1.1 Wie zutreffend konnten Sie sich etwas unter dem Thema vorstel‐ len? - - - - - - - 1.2 Wie klar wurde Ihnen das Ziel der Präsentation? - - - - - - - 2. Verständlichkeit des Vortrags (Inhalt) - - - - - - - 2.1 Wie gut war der Überblick über den Aufbau im Einstieg? - - - - - - - 2.2 Wie gut konnten Sie sich ori‐ entieren, über welchen Gliede‐ - - - - - - - 288 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="289"?> Einschätzung der Präsentation von …………………………………… zum Thema ………………… am ……………… von ………. bis ………. Uhr rungspunkt gerade vorgetragen wurde? 2.3 Wie gut wurde schrittweise alles zum Verstehen Notwendige ge‐ tan? - - - - - - - 2.4 Wie überzeugend wurden die Ar‐ gumente vorgetragen? - - - - - - - 2.5 Wie gut wurden Behauptungen belegt? - - - - - - - 2.6 Wie gut waren die Beispiele? - - - - - - - 2.7 Wie gut verständlich war die Wortwahl? - - - - - - - 3 Darbietung des Vortrags - - - - - - - 3.1 Wie gut war die verbale Darbie‐ tung hinsichtlich: - - - - - - - 3.1.1 Sprechtempo? - - - - - - - 3.1.2 Lautstärke? - - - - - - - 3.1.3 Ausdruck (Deutlichkeit)? - - - - - - - 3.2 Wie gut war der Kontakt mit den Teilnehmern (Blick)? - - - - - - - 3.3 Wie gut unterstützten Mimik und Gestik den Vortrag? - - - - - - - 3.4 Wie gut war das gesprochene Wort mit der Visualisierung ko‐ ordiniert? - - - - - - - 3.5 Wie gut wurde der zeitliche Rahmen eingehalten? - - - - - - - 4 Einsatz der Hilfsmittel - - - - - - - 4.1 Waren die Bilder gut zu lesen bzw. zu erkennen? - - - - - - - 4.2 Waren die Bilder übersichtlich? - - - - - - - 13.6 Nachbereitung 289 <?page no="290"?> Einschätzung der Präsentation von …………………………………… zum Thema ………………… am ……………… von ………. bis ………. Uhr 4.3 Waren Grafiken und Tabellen klar und vollständig beschriftet? - - - - - - - 4.4 War das Teilnehmermaterial aus‐ reichend und übersichtlich? - - - - - - - 5 Einstellungen des Präsenta‐ tors - - - - - - - 5.1 Wie identifizierte sich der Prä‐ sentator mit seinem Thema? - - - - - - - 5.2 Wie angemessen ging er auf die Teilnehmer ein? - - - - - - - 5.3 Wie gut hat er das Vorwissen der Teilnehmer berücksichtigt? - - - - - - - 5.4 Wie angemessen war er gekleidet? - - - - - - - 6 Gestalten der Frage- und Diskussionsrunde - - - - - - - 6.1 Wie gut wurde die Diskussion eingeführt? - - - - - - - 6.2 Wie gut wurden vom Präsentator die Fragen beantwortet? - - - - - - - 6.3 Wie reagierte er auf die Einwände? - - - - - - - 6.4 Wie hat er die Diskussion abgeschlossen? - - - - - - - 7 Gesamteindruck - - - - - - - 7.1 Wie gut können Sie die Kern‐ aussagen der Präsentation wiedergeben? - - - - - - - 7.2 Wie ist Ihr Gesamteindruck von der Präsentation? - - - - - - - Abb.-110: Vorschlag für die Fremdeinschätzung der Präsentation - in Anlehnung an W E S T H O F F (1999, S.-23-ff.) 290 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="291"?> 13.6.2 Überarbeitung einleiten Unmittelbar nach der Präsentationsveranstaltung sind in einem Ergebnis‐ protokoll die notwendigen Maßnahmen zur Überarbeitung der gegenwär‐ tigen Fassung festzulegen. So sind beispielsweise: • Fragestellung(en) zu präzisieren, • Behauptungen anders zu formulieren oder zurückzunehmen, • Belege zu erweitern, • Argumente zu verbessern, • andere Methoden zu prüfen, • Erhebung von Daten fortzusetzen, • Abbildungen zu verbessern, • Begriffe zu klären, • … Dem Präsentator wird empfohlen, das Protokoll möglichst zeitnah zu erstel‐ len und ein Exemplar dem Betreuer zur Kenntnisnahme zu übergeben. 13.6.3 Nachkontakte planen In das Ergebnisprotokoll gehört zugleich ein Plan, zu welchen der oben genannten Maßnahmen zur Überarbeitung (s. 13.6.2) Kontakte mit Dritten aufgenommen werden sollen. In Abb. 111 ist ein Vorschlag für die wichtigs‐ ten Planungsgrößen dargestellt. Thema Person Form Ort Termin Anwendung quantitativer Methoden Prof. Ohorn Konsultation Dresden Möglichst bis 0X. 0X. 20XX Vorschlag für neue De‐ finition zum Begriff X Dr. Bren‐ ner Schriftform/ E-Mail Hamburg bis 0X. 0X. 20XX Rohfassung der Arbeit Dr. Butz Präsentation auf wis‐ senschaftlicher Ta‐ gung Frankfurt/ M. 0X. 0X. 20XX … - - - - Abb.-111: Planung der Nachkontakte 13.6 Nachbereitung 291 <?page no="292"?> 13.7 Rhetorische Mittel 13.7.1 Übersicht Unter den rhetorischen Mitteln werden alle verbalen und nonverbalen Hilfen zusammengefasst, die die Inhalte der Präsentation zur Wirkung bringen. Das sind die Sprache, die Sprechtechnik und die Körpersprache des Präsentators. Der amerikanische Psychologe M E H R ABIAN (gef. bei G ABAL , 2004, S. 36) hat den Wirkungsanteil dieser drei Ausdrucksmittel im Gespräch untersucht und dabei die folgende Verteilung festgestellt: • gesprochenes Wort - 7 %, • Sprechtechnik - 38 %, • Körpersprache - 55 %. Dieser Befund bedeutet nicht, dass das gesprochene Wort und die dahinter‐ stehende Fachkompetenz unwichtig wäre, sondern dass die inhaltlichen Aussagen durch die nonverbalen Ausdrucksmittel erst zur vollen Wirkung kommen. Die Art, wie der Präsentator redet, ist die Art, wie er von seinem Publikum wahrgenommen wird. Und wie er wahrgenommen wird, so wird er behandelt. Deshalb sind das verbale und nonverbale Ausdrucksverhalten in der Präsentation gleichermaßen zu gestalten. In Abb. 112 ist eine Übersicht über die rhetorischen Mittel in der Präsenta‐ tion zusammengestellt. Dabei wurde die Sprache mit Blick auf die folgenden Handlungsempfehlungen noch einmal untergliedert in verständliche und anschauliche Informationen. 13.7.2 Verständliche Informationen Für das Übermitteln verständlicher Informationen gelten alle Empfehlun‐ gen, die in Teil 10 zu Stil und Sprache gegeben wurden. In der Präsentation ist besonders darauf zu achten, dass keine Fach- und Fremdwörter eingesetzt werden, die den Teilnehmern erst durch längere Erklärung verständlich werden. Das trifft auch für ungebräuchliche Abkürzungen zu. Bei der Formulierung von Sätzen sollte sich deren Länge an der Verweildauer der Information im menschlichen Kurzzeitspeicher orientieren, also etwa 15 Worte über 10 Sekunden. Mehr als zwei Nebensätze sollten einen Hauptsatz, in dem ein aussagekräftiges Verb steht, nicht begleiten. 292 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="293"?> Abb.-112: Überblick über Ausdruckmittel des Präsentators 13.7.3 Anschauliche Information Bei der Behandlung der ABC-Struktur im Abschnitt 13.3.3 Punkt 3 war auf die aufmerksamkeitsfördernde Wirkung von Beispielen verwiesen worden. Dabei sollte vor allem den persönlich erlebten Beispielen der Vorzug gegeben werden. Die Teilnehmer werden sie kaum widerlegen wollen. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie sich mit dem Präsentator identifizieren können, weil sie möglicherweise Ähnliches selbst erlebt haben (G ABAL , 2004, S.-33). Eine ebensolche Wirkung haben Vergleiche in der Präsentation. So kann man beispielsweise unbekannte Begriffe durch einen Vergleich erklären. Das betrifft auch Sachverhalte, die schwer überblickbar sind und auf die besonders aufmerksam gemacht werden soll, beispielsweise so: „Falls Schwarzafrika sein jetziges Entwicklungstempo beibehält, braucht es 1000 Jahre, um den gegenwärtigen Stand Europas zu erreichen.“ Schließlich sei auf die Szenarien, Aphorismen und Zitate verwiesen, die alle Informationen „verdaulicher“ machen. Allerdings müssen sie zum Inhalt passen und sollten sparsam eingesetzt werden. 13.7 Rhetorische Mittel 293 <?page no="294"?> 13.7.4 Sprechtechnik Mancher Präsentator, dem die Zeit beim Vortrag „davonläuft“, versucht sich mit einer Erhöhung des Sprechtempos zu retten. Aber die Grenzen des Verstehens liegen bei etwa 400 Silben in der Minute; das entspricht etwa 125 Wörtern in der Minute. Wer schneller spricht riskiert, nicht mehr verstanden zu werden. Mit einem begründeten Wechsel der Lautstärke kann der Vortragende Spannung erzeugen. Ständiges zu lautes Sprechen wirkt unangenehm und zu leises Sprechen strengt das Publikum über Gebühr an. Eine zu hohe Stimmlage wird häufig als unangenehm empfunden, Deshalb gilt: Besser tiefer als zu hoch, denn mit einer tieferen Stimme wirkt der Vortragende glaubwürdiger. Zu achten ist auf die richtige Satzmelodie: Fragen enden in einer höheren Stimmlage, beispielsweise: „Hätten Sie das gedacht? “ Ausrufesätze werden mit tieferer Stimme vorgetragen, beispiels‐ weise: „Damit hatte keiner gerechnet! “ Die Aussprache sollte deutlich und frei vom Verschlucken der Endungen sein. Damit lässt der Präsentator erkennen, dass ihm viel am Verständnis seiner Ausführungen gelegen ist. Die Verwendung des „äh“ oder des „ahm“ wird vor allem dann problematisch, wenn die Teilnehmer anfangen, sie zu zählen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es zum Dialekt. Dialekt signalisiert Herkunft und die sollte man nicht verleugnen. Das gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man noch verstanden wird. Ein wichtiges Mittel der Sprechtechnik ist das Einhalten und Aushalten von Pausen. Sie gliedern einen Vortrag, geben den Teilnehmern Zeit zum Nach‐ denken über das soeben Gesagte und ermöglichen dem Präsentator darüber nachzudenken, was er als Nächstes sagt. Neben der Einhaltung von Pausen bei der Beantwortung von Fragen und der Behandlung von Einwänden sollten Pausen besonders in drei Vortragsituationen eingebaut werden: • Zum Beginn des Vortrags: Ein längerer freundlicher Blickkontakt mit den Teilnehmern schafft eine erwartungsvolle Spannung. • Vor und nach wichtigen Aussagen: Beispiel: „Die Ergebnisse der Untersuchung haben alle Erwartungen übertroffen.“ - PAUSE - „Alle Versuche verliefen positiv.“ - PAUSE - „Das neue Programm kann jetzt eingeführt werden.“ - PAUSE - … • Zum Redeschluss: Beispiel: „Ich komme jetzt zu Schluss …“ - PAUSE - „Drei Behauptungen hatte ich vorgetragen und belegt.“ - PAUSE - „Zum ersten …“. 294 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="295"?> 13.7.5 Körpersprache Der Blickkontakt mit den Teilnehmern hilft, Botschaften von Person zu Person zu übermitteln. Er baut eine Brücke zu den Teilnehmern und hilft, deren Verhalten während der Präsentation einzuschätzen. Im Vortrag vor mehreren Personen sollte man den Blick langsam wandern lassen, möglichst 2 bis 3 Sekunden bei jedem verweilen, ohne sie zu hypnotisieren. Allerdings darf der Blickkontakt nicht auf einen Teil des Publikums reduziert werden. Blickt der Vortragende die ganze Zeit in sein Manuskript, auf die gezeigten Bilder oder über die Köpfe hinweg, fühlen sich die Teilnehmer nicht ausreichend oder gar nicht angesprochen. Wann wird Blickkontakt besonders empfohlen? • Beim Einstieg, bei der Begrüßung - Worte erhalten Nachdruck. • Bei der Anrede - namentlich oder „Sie“ oder „Wir“. • Bei allen Fragen an die Teilnehmer - wirft gedanklich einen Ball zu. • Am Ende eines wichtigen Satzes - Signal für die Teilnehmer • Am Ende des Vortrages/ der Frage- und Diskussionsrunde - Bedeutung der letzten Worte wird unterstrichen. Angemessenes Lächeln während des Vortrags ist nützlich, denn die Teil‐ nehmer werden den Vortragenden so anschauen, wie er sie anschaut. Lächeln mit den Augen zaubert ein Lächeln in die Augen der Teilnehmer. Allerdings wirkt ein stereotypes „Keep smiling“ auf die Dauer unangenehm, weil es aufgesetzt und unecht ist. Für manchen Vortragenden sind seine Hände ein Problem. Wohin mit ihnen? Erstens nicht in die Taschen, zweitens möglichst nicht zur Faust geballt, drittens nicht zu lange hinter dem Rücken und viertens nicht am Pult festgekrallt. Hände sind Sprechwerkzeuge, die man sehen muss, damit sie mitreden können. Am besten man lässt die Arme zunächst locker an beiden Seiten herabhängen. Dann kann man die Fingerspitzen beider Hände leicht in Bauchhöhe zusammenlegen. Später sollte man sie tun lassen, was sie wollen, allerdings nicht übermäßig herumfuchteln und im vorgenannten Sinne Erstens, Zweitens, Drittens und Viertens vermeiden. Die Körperhaltung spricht während der Präsentation mit. Hier gilt die bewährte Regel: Kopf hoch, Brust raus. Wer die Schultern zurücknimmt und den Kopf leicht nach oben hebt, wirkt nicht nur selbstsicher, er wird auch gelassener vor die Teilnehmer treten. Stets sollte die Körperhaltung dem Publikum zugewandt sein. Niemals ist den Teilnehmern während des 13.7 Rhetorische Mittel 295 <?page no="296"?> Erläuterns von Bildern der Rücken zu zeigen, immer zu den Teilnehmern sprechen, nicht zu den Medien. Die Körperbewegung sollte zwar maßvoll erfolgen, aber nicht durch ängstliches Verharren auf einer Stelle ersetzt werden. Mit Bewegung im Raum werden Aussagen unterstützt. Allerdings muss man für die Teilneh‐ mer sichtbar und hörbar bleiben. Voraussetzung für das Bewegen ist, dass der Präsentator während der gesamten Präsentation steht, auch wenn alle anderen sitzen. Damit kommt seine Körpersprache besser zur Wirkung, entfalten seine Persönlichkeit und seine Argumente mehr Wirkung. Ohne dass es dem Einzelnen bewusst wird, hört er aufmerksamer zu, wenn er zu einem Menschen aufschauen muss. 13.7.6 Ausdrucksmittel Kleidung Obwohl die Kleidung des Präsentators nicht den rhetorischen Mitteln zuge‐ ordnet wird, ist sie wichtiges Ausdrucksmittel. Interessanterweise gründet sich der optische Eindruck von einem Menschen in erheblichem Maße an Textilien. Sie bedecken in der Regel 90 % des Körpers. Eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach hat gezeigt, dass 41 % aller Männer und 39 % aller Frauen bei anderen Menschen am meisten auf die Kleidung achten (siehe dazu Abb.-113). Antworten Frauen Männer Aussehen, Gepflegtheit 43 % 37 % Gestik, Mimik 42 % 33 % Kleidung 39 % 41 % Augen 29 % 20 % Körperhaltung 27 % 29 % Sprache 20 % 31 % Abb.-113: Ergebnis der Befragung; „Worauf achten Sie beim anderen am meisten? “ Ohne diese Ergebnisse über zu bewerten bleibt als Empfehlung an den Präsentator: Richte dich nach der Kleidung deiner Teilnehmer! Bei der Präsentation von wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere in Prüfungs‐ situationen, aber nicht nur in diesen, befördert eine eher konservative, 296 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="297"?> korrekte Kleidung den Erfolg. Also nicht unbedingt im Wollpullover oder gar im „Schlabberlook“ auftreten; auch mit seiner Kleidung drückt der Präsentator Wertschätzung gegenüber seinem Publikum aus. 13.8 Checkliste 1. Nutze die Präsentation zur Diskussion und Beratung durch die Teilnehmer. 2. Prüfe die Vorgeschichte der Präsentation und gestalte die Nachgeschichte. 3. Beantworte am Beginn der Vorbereitung die Fragen: - Worüber will ich die Teilnehmer informieren? - Wovon will ich sie überzeugen? - Worüber sollen sie mit mir diskutieren? - Zu welchen Fragen benötige ich ihren Rat? 4. Besorge Informationen über die Situation, die Interessen und die Ein‐ stellungen der Teilnehmer. 5. Sammele Sach-, Methoden-, Wert- und Normaussagen und ordne sie den Schwerpunkten entsprechend dem Stadium der Arbeit zu. 6. Gewichte die Aussagen nach der A-B-C-Struktur und wähle die Reihen‐ folge der Kernaussagen in Abhängigkeit vom Ziel, vom Gegenstand und von den Erwartungen der Teilnehmer aus. 7. Visualisiere ausgewählte Aussagen, um den Teilnehmern Orientierung über den Ablauf zu geben und komplexe/ komplizierte Sachverhalte verständlich zu machen. Bedenke dabei: Das gute Einfache ist immer noch das Beste! 8. Spreche die Teilnehmer spezifisch an: - positive Ansprache, - Ich-Botschaft, - aktiv zuhören. 9. Erstelle ein Vortragsmanuskript - entweder als schriftliches Manuskript (hierarchisch gestufte Sinn‐ schritte) - oder mit Argumentationskarten (Leit- und Kernkarten). 10. Biete den Teilnehmern ein vortragsbegleitendes Material an, das - Orientierung über den Ablauf vermittelt, - die Kopien der wichtigsten Bilder enthält und - die Schlüsselbegriffe des Vortrags erläutert. 13.8 Checkliste 297 <?page no="298"?> 11. Prüfe vor Beginn der Präsentation die Einsatzbereitschaft der vorgese‐ henen Medien und versuche Einfluss auf gute Rahmenbedingungen für die Präsentation zu nehmen (beispielsweise ausreichende Beleuchtung, angemessenen Raumtemperatur, frische Luft und kein fremder Lärm). 12. Wähle im Einleitungsteil einen aufmerksamkeitserregenden Einstieg, gib ausreichend Orientierung über den Ablauf und nenne explizit das Ziel der Präsentation. 13. Achte im Hauptteil auf eine schlüssige und verständliche Argumentati‐ onsfolge, gehe dabei sorgsam mit Zahlen um und mache Zitate deutlich. 14. Überlade den Schlussteil nicht mit zu vielen Aussagen, sondern formu‐ liere maximal drei Kernaussagen. 15. Biete Schwerpunkte bzw. Fragen für die Diskussion an und signalisiere Beratungsbedarf. 16. Zeige bei der Beantwortung von Fragen und der Behandlung von Einwänden, dass diese für dich hilfreich sind und du um eine sachliche Antwort bemüht bist. Gib zu, wenn du im Moment eine Frage nicht vollständig beantworten kannst. Sichere aber Klärung zu. 17. Versuche zum Abschluss der Präsentation offene Fragen zu benennen und zur Beantwortung Nachkontakte anzubahnen. 18. Reflektiere deine Präsentation und hole Fremdeinschätzungen ein. Leite die Überarbeitung der vorgestellten Fassung der Arbeit ein und plane die gewünschten Nachkontakte. 19. Zeige mit Sprache, Sprechtechnik, Körpersprache und auch mit der Kleidung Wertschätzung gegenüber den Teilnehmern. 13.9 Konflikte beherrschen 13.9.1 Kennzeichnung Konflikte in der Präsentation können von Präsentator selbst oder von den Teilnehmern ausgehen. Sie werden aber nicht selten auch durch die Medien und andere technische Mittel ausgelöst. In Abb. 114 sind ausgewählte Konfliktsituationen diesen drei Quellen zugeordnet. 298 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="299"?> Konfliktsituationen Präsentator Teilnehmer Medien/ Technik Lampenfieber Signalisiertes Desinteresse Technikausfall Versprecher Angriffe Beamer-Laptop-Pro‐ blem Aussetzer/ Steckenbleiben Zwischenrufe Stromausfall - Kritik hält an - Abb.-114: Typische Konfliktfälle 13.9.2 Präsentator Lampenfieber Lampenfieber ist eine normale physiologische Stresssituation. Wie aber wird man mit dieser Stresssituation fertig? Empfehlungen: • Gezielte Bewegung im Raum (Arme, Beine, Rumpf). • Mehrmals durchatmen, kräftig ausatmen (Der vermehrte Sauerstoffvor‐ rat lässt ruhiger werden). • Einige Schlucke Flüssigkeit aufnehmen. • Erster Wortwechsel mit einzelnen Teilnehmern. • Kleines zuversichtliches Lächeln zum Start (löst eigene innere Ver‐ krampfungen) und Blickkontakt aufnehmen. Und wenn das Lampenfieber dennoch unangemessen hoch ist, könnte man so starten: „Mark Twain, meine Damen und Herren, war ein weiser Mensch. So hat er festgestellt: Das Gehirn ist ein Körperorgan, das im Augenblick der Geburt zu arbeiten beginnt und damit aufhört, wenn man aufsteht, um eine Rede zu halten.“ Hinweise für eine Blitzentspannung: Die folgenden drei Übungen beginnen mit einer künstlichen Anspannung und münden nach 15 Sekunden in einem Entspannungsprozess. Übung 1: Arme anwinkeln und die Arme für ca. 15 Sekunden fest an den Körper pressen. Dann plötzlich los- und Arme hängen lassen. 13.9 Konflikte beherrschen 299 <?page no="300"?> Übung 2: Arme waagegerecht nach vorn halten, die Ellebogen weit zurück nehmen und damit die Schulterblätter zusammenschieben. Nach 15 Sekunden wieder lösen und die Arme hängen lassen. Übung 3: Kopf stark zwischen die Schultern einziehen. Nach 15 Sekunden die Schultern fallen lassen. Versprecher Dem Redner kommt beispielsweise statt „Schicksalsschlag“ „Schlicksals- Schag“ über die Lippen. Was tun? Wortreich entschuldigen? Oder einfach weiterreden? Empfehlungen: • Schnelles Entscheiden: Hat der Versprecher den Sinn entstellt, zu Miss‐ verständnissen geführt? • Bei unwichtigen Versprechern (wie im „Beispiel Schlicksals-Schag“) ein‐ fach weiterreden, vielleicht ist er den Teilnehmern gar nicht aufgefallen. • Bei sinnentstellenden Versprechern sofort korrigieren. Hat der Prä‐ sentator beispielsweise „Verbrauchsgüter“ und „Gebrauchsgüter“ oder „Umsatz“ und Umsatzerlös“ verwechselt, sollte er sich sofort verbessern: „Ich meine natürlich Umsatzerlös und nicht Umsatz.“ Stecken bleiben Mitten im Satz bleibt der Präsentator plötzlich stecken, verliert den sprich‐ wörtlichen roten Faden. Was nun? Den Vortrag abbrechen? Empfehlungen: • Vor allen Dingen Ruhe bewahren. Den zuletzt geäußerten Gedanken wiederholen, erst wörtlich, dann mit anderen Worten, beispielsweise so: „Ich möchte noch einmal betonen, Gewaltprävention ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam lösen können! “ • Nunmehr ist ein Übergang zum Anschlussgedanken zu finden. Dabei kann eine Hilfsfrage nützlich sein, wie beispielsweise: „Was bedeutet das nun für uns im einzelnen? “ • Sofern der Präsentator den Anschlussgedanken nicht findet, sollte er ohne Umschweife seine Ausführungen beenden, etwa so: „Soviel wollte ich zunächst zu diesem Problem sagen. Sicher kommen wir in der Diskussion noch auf andere Gesichtspunkte zu sprechen.“ 300 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="301"?> 13.9.3 Teilnehmer Signalisiertes Desinteresse Zuhörer schlafen, unterhalten sich oder verlassen den Raum. Soll der Präsentator sie zur Ordnung rufen? Empfehlungen: • Grundsatz beachten: Nicht jede negativ erscheinende Reaktion muss der Präsentator auf sich beziehen. Er sollte darin keine persönliche Beleidigung sehen, keine Nichtachtung des Vortragsinhalts und schon gar keine Provokation. Viele der so genannten „Undisziplinierten“ haben sehr persönliche Gründe für ihr Verhalten, die nicht die Person des Präsentators betreffen. • Der Präsentator sollte keinesfalls mit spontanen Zurechtweisungen reagieren, auch keine abfälligen Bemerkungen zynischer Art machen. • Vielmehr sollte er aufmerksamkeitserregende Techniken einsetzen, lebendig, einprägsam und situationsbezogen reden, Beispiele nennen, Erlebnisse schildern. • Bei bewussten Störern hilft oft der Hinweise des Präsentators auf die Bedeutung des Themas für alle Anwesenden und auf die Autorität des Publikums, um Abhilfe zu schaffen. Persönliche Angriffe Ein Teilnehmer wirft dem Präsentator Ahnungslosigkeit vor. Was tun? Empfehlungen: Mit Humor reagieren! • Anleihen bei bekannten Persönlichkeiten nehmen, • griffige Zitate im Vorfeld notieren, • Zitat muss in den Zusammenhang passen und belegbar sein. Beispiele: Zum Vorwurf: „So ein dummes Zeug habe ich lange nicht gehört.“ hat sich M A R K T WAIN zitierfähig geäußert: „Das Recht auf Dummheit wird von der Verfassung geschützt. Es gehört zur Garantie auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.“ Zur unfairen Argumentation: „Wenn ich jetzt nicht auf Ihre Ausführun‐ gen eingehe, dann nur, weil ich es mit dem englischen Geistlichen S Y DN E Y S MITH halte: ,Schlechte Argumente bekämpft man am besten dadurch, 13.9 Konflikte beherrschen 301 <?page no="302"?> dass man ihre Darlegung nicht stört.‘ Ich komme jetzt zu meinem Standpunkt zurück-…“ Gewarnt wird allerdings davor, den „Angreifer“ im Publikum in persön‐ lichkeitsverletzender Art bloßzustellen, beispielsweise mit hämischer Her‐ absetzung nach dem Beleidigungskalkül folgender Art: „Sie haben mal einen leichten Tod. Sie brauchen Ihren Geist nicht aufzugeben.“ (ERNST, 1986, S. 80). Selbst wenn der Präsentator mit einer solchen herabsetzenden Formulierung vorübergehend die Lacher auf seiner Seite hat, sollte er nie vergessen: Wer die Lacher auf seiner Seite hat, muss sie noch lange nicht hinter sich haben. Zwischenrufe Erste Empfehlung: Mit einer Gegenfrage antworten! • Schweigepause einlegen und Blickkontakt zum Zwischenrufer halten. • Gegenfrage stellen: - „Darf ich weitersprechen? Gern beantworte ich Ihre Frage am Schluss.“ - „Würden Sie mir bitte Ihre Bemerkung näher erläutern? “ - „Darf ich Sie mit meiner Antwort auf Ihre Frage auf meine weiteren Ausführungen vertrösten? “ - „Gestatten Sie die Frage, was Sie mit Ihrem Zwischenruf bezwe‐ cken? “ • Bezieht sich der Zwischenruf auf Verständnisprobleme zum Vortrag, darf er nicht übergangen, sondern muss sofort geklärt werden. • Löst ein Zuruf Heiterkeit im Publikum aus, ohne die Person des Präsen‐ tators und sein Anliegen zu verletzen, sollte er mitlachen. Keinesfalls Opfer der eigenen Eitelkeit werden und verkrampft reagieren. • Zweite Empfehlung: Killerphrasen parieren! • Killerphrasen sind falsche Wissensansätze gegenüberzustellen, Über‐ steigerung ist dabei nützlich: - Zwischenruf: „Das klappt sowieso nicht, das weiß jeder, der etwas davon versteht.“ - Entgegnung: „Genau! Die Titanic ist unsinkbar, sagte jeder, der etwas davon verstand.“ • Scheinbar zustimmen, um Fortsetzung der Störung zu verhindern: - Zwischenruf: „Mathematiklehrer wie Sie sind Erbsenzähler und sonst nichts.“ 302 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="303"?> - Entgegnung: „Stimmt! Und nach dem Zählen habe ich Vorschläge, was Sie mit den Erbsen anfangen können.“ • Bei aggressiven Gegnern zurückschlagen: - Zwischenruf: „Sie haben doch keine Ahnung.“ - Entgegnung: „Versuchen Sie doch mal einen intelligenten Zwi‐ schenruf.“ Kritik hält an Was ist zu tun, wenn Kritiker nicht verstummen wollen und beginnen sich unsachlich und störend zu verhalten? Empfehlungen: • Eigene Situation wird transparent gemacht, beispielsweise so: „Meine Damen und Herren, es ist mir durch diese Störungen nicht mehr möglich, Sie - wie von Ihnen gewünscht - weiter zu informieren. Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich hier vorn an meiner Stelle. Würden Ihnen solche Reaktionen gefallen? “ • Sachbezogenen Teilnehmer werden einbezogen, zum Beispiel: „Meine Damen und Herren, finden Sie nicht auch, wir sollten endlich wieder zum Thema zurückkehren? “ • Mit einer Anekdote kann der Wind aus den Segeln genommen werden: „Als der Ingenieur Robert Fulton, der Erfinder des Dampfschiffs, sein erstes brauchbares, dampfgetriebenes Boot testete, stand eine Men‐ schenmenge an den Flussufern und sah zu, wie der Techniker noch an der Maschine bastelte. Einige Skeptiker fingen an zu rufen: ‚Das Schiff wird niemals von allein los schwimmen, niemals.‘ Endlich, inmitten von Dampf und sprühenden Funken begann sich das Boot flussaufwärts zu bewegen. Die Menschen an den Ufern waren für kurze Zeit still, dann brüllten einige; ‚Das kriegt ihr nie mehr zum Stehen, nie mehr! ‘“ Jetzt ist fraglich, ob noch jemand nachlegen will. Allerdings ist die Me‐ thode erst dann zu empfehlen, wenn der Vortrag schon fortgeschritten ist. 13.9.4 Medien/ Technik Medienausfall Mitten in der Veranstaltung fallen der Overheadprojektor, der Beamer oder der Projektor aus. Wie sollte der Präsentator reagieren? 13.9 Konflikte beherrschen 303 <?page no="304"?> Empfehlungen: • Bereits vor der Präsentation ist die einwandfreie Funktion der Medien zu überprüfen und zugleich die Bereitstellung von Ersatz im Störfall zu sichern. Es ist gut zu wissen, wo man den Ersatz im Bedarfsfall rasch findet. • Fällt ein Gerät mitten im Vortrag aus, ist eine Pause ratsam, vielleicht eingeleitet mit der Bemerkung: „Das ist offenbar nur ein Kurzschluss, kein Vortragsschluss.“ und den Veranstalter um Hilfe bei der Beseitigung zu bitten. • Fällt das Gerät kurz vor Schluss aus, geht der Präsentator am besten zur freien Rede über und fasst kurz die Hauptgedanken zusammen oder beendet den Vortrag kurzerhand humorvoll frei nach W ILHE LM B U S CH : „Wer sich nicht zu helfen weiß, der ist es nicht wert, in Verlegenheit zu kommen.“ Die Teilnehmer werden es ihm nicht verübeln, wenn die Rede fünf Minuten kürzer wird. • Und fällt das Manuskript zu Boden, dann kann der Präsentator die eintretende Störung wie folgt überbrücken: „Meistens fällt mir etwas ein, manchmal auch etwas runter.“ Oder „Wie Sie sehen, fallen Blätter nicht nur vom Baum.“ PC-Beamer-Problem Eine Präsentation mit Beamer und PC setzt technisches Wissen voraus. Deshalb muss sich der Präsentator mit der Anlage vertraut machen. Was tun, wenn sich PC und Beamer nicht erkennen? Empfehlungen: • Beamer und PC standsicher und nahe beieinander aufbauen. • Zuerst den Beamer einschalten, dann den PC. • Funktionsfähigkeit der Projektionsanlage unbedingt kontrollieren. • Im Bedarfsfall Anlage durch einen Experten einrichten lassen. • Zur Bedienung der Anlage Fernbedienung oder Funkmaus benutzen, Ersatzbatterie für die Fernbedienung oder Funkmaus und Verlänge‐ rungskabel bereithalten. • Zur Sicherheit sollte der Präsentator die wichtigsten Bilder seiner PowerPoint bei Ausfall der Anlage auf Folien bereithalten, um sie ohne längere Zeitverzögerung über den Overheadprojektor anzubieten. 304 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="305"?> Stromausfall Hier bleibt nur eine Reaktionsmöglichkeit für den Präsentator, den Veran‐ stalter zu bitten, Abhilfe zu schaffen: Der Autor hat einmal die gekonnte Reaktion eines Präsentators erlebt, bei dem Mitten im Diavortrag in einem verdunkelten Raum der Strom ausfiel. Ein Teilnehmer rief: „Hier ist es ja finster wie in einem Bärenar …“ Reaktion des Präsentators: „Aber, aber, einige der Herren scheinen ja schon überall gewesen zu sein.“ Er hatte nicht nur die Lacher auf seiner Seite, sondern auch eine Reihe von Teilnehmern, die eilfertig ihre Hilfe zur Beseitigung der Störung anboten. 13.10 Gestalten des Abstracts Unter dem Abstract versteht man die kurze und präzise Beschreibung des Inhalts einer wissenschaftlichen Arbeit. Ebenso wie der Titel hat er eine interessenweckende Funktion und stellt gemeinsam mit diesem eine Informati‐ onseinheit dar. Der Abstract soll den Leser rasch und exakt erkennen lassen, ob die Arbeit, der Artikel, das Buch für die eigene Fragestellung relevant ist. Auch Forschungsberichte können der Fachöffentlichkeit über Abstracts zugänglich gemacht werden, falls der Einblick in das Originaldokument nicht möglich ist. Eine wichtige Rolle spielt der Abstract bei Entscheidungen über die Annahme eines Konferenzbeitrags, eines Zeitschriftenartikels oder Buchmanuskripts (siehe auch 14.2.1). Eine kurze Charakterisierung des Abstracts soll nach den Merkmalen Objektivität, Kürze, Verständlichkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit er‐ folgen Objektivität: Persönliche Wertungen sind ausgeschlossen, deutliche Abgrenzung von der Rezension. Kürze: Bei Postern und Fachartikeln 50 bis 60 Wörter, Bewer‐ bungsabstracts für Konferenzen, Fachartikel oder Bücher 120 bis 180 Wörter, mit Bildern und Literaturangaben möglich. Verständlichkeit: Präzise und einfache Wortwahl, keine Füllwörter, kurze Sätze, überschaubare Struktur. Vollständigkeit: Alle wesentlichen Sachverhalte sind enthalten, allerdings keinesfalls alle Schlussfolgerungen oder eine komplette 13.10 Gestalten des Abstracts 305 <?page no="306"?> Zusammenfassung oder eine detaillierte Diskussion oder Zitate. Genauigkeit: Die Inhalte der Originalarbeit sind genau wiedergege‐ ben. Ein Bewerbungsabstract für Konferenzbeiträge oder Fachveröffentlichun‐ gen umfasst in der Regel folgende inhaltlichen Schwerpunkte: • Motivation des Textes: Was ist der Anlass, worin liegt die Bedeutung der wissenschaftlicher Arbeit, warum sollte die wissenschaftliche Arbeit gelesen werden? • Fragestellung, zu lösendes Problem: Welche Fragestellungen werden in der wissenschaftlichen Arbeit beant‐ wortet, was sind die wesentlichen Annahmen und Argumente? • Methodisches Vorgehen: Welche Methoden nutzt der Verfasser, welche Instrumente der Feldfor‐ schung werden eingesetzt, auf welche empirische Basis stützt sich die Arbeit? • Ergebnisse: Zu welchen Ergebnissen (Thesen) kommt die Untersuchung, worin besteht der Erkenntnisfortschritt, worin bestehen die wichtigsten Schlussfolgerun‐ gen? • Implikationen: Welche Umsetzungsvorschläge ergeben sich aus der Arbeit (Praxis und Forschungsperspektive) Beispiel: Würde man über eine längere Veröffentlichung zum Thema „Abstract“ die entsprechende Kurzübersicht nach den genannten Merkmalen aufbauen, wäre folgender Text denkbar: (Motivation): Der Abstract einer wissenschaftlichen Arbeit soll den Leser kurz über den Inhalt und die Ergebnisse informieren. Viele Artikel haben allerdings einen schlecht strukturierten Abstract. (Fragestellung(en)): Wie kann ein Abstract so gestaltet werden, dass er eine effektive Recherche ermöglicht und den Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit leicht zugänglich 306 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="307"?> macht? Wie sieht die Grundstruktur aus und welche Aussagen sollten in welcher Reihenfolge angeboten werden? (Methodisches Vorgehen): Durch Analyse 150 erfolgreicher Abstracts werden Merkmale und inhaltliche Schwerpunkte ermittelt. (Ergebnisse) Es werden eine allgemeine Grundstruktur angeboten und konkrete Richtlinien aufgeführt, wie diese auszufüllen ist. (Implikation): Autoren können diese Empfehlungen direkt verwenden, um damit dem Leser das rasche Erfassen eines längeren Textes und die Beurteilung seiner Relevanz zu ermöglichen oder sich erfolgreich für einen Konferenzbeitrag zu bewerben. (115 Wörter) 13.11 Präsentieren von Postern In der wissenschaftlichen Diskussion gewinnt die Posterpräsentation an Bedeutung. Mit dem Poster werden die Ergebnisse oder der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Arbeit auf einen Blick präsentiert und die Betrachter zum wissenschaftlichen Diskurs angeregt (L AUMANN , M., 2009, S.-4). Heute führen nahezu alle größeren Tagungen Postersessionen durch. Hier können außerhalb der geschlossenen Vortragsreihen Arbeitsergebnisse mit interessierten Kollegen vor den Postern diskutiert werden. In der Regel bieten sich für den Austausch bessere Möglichkeiten, als in den kurzen Diskussionszeiten nach einem Vortrag. Poster sind kein minderwertiger Ersatz für nicht angenommene Vorträge, sondern eine Chance, wissenschaftlich Akzeptanz und neue Ideen für die eigene Arbeit zu gewinnen. Dazu bedarf es einer wissenschaftlichinhaltlichen und visuell ansprechenden Gestaltung. A S CH E R ON (2007, S. 121) empfiehlt, das Poster „unter einigen hundert anderen konkurrierenden Postern auffallen zu lassen.“ Damit verweist er auf die Bedeutung der optischen Gestaltung (siehe auch 14.2.2). In Abb. 115 ist das Muster einer Posterpräsentation für eine abgeschlos‐ sene Arbeit dargestellt. 13.11 Präsentieren von Postern 307 <?page no="308"?> Eingedenk der Empfehlung von A S CH E R O N sollte der Titel den Besuchern der Postersession sofort in das Auge fallen. Deshalb ist er groß zu drucken sowie kurz und prägnant zu formulieren. Auch als Frage formuliert kann er Interesse wecken. Kontaktdaten ergänzen den ersten Teil. Erweckt der Titel Interesse, wird als nächstes der Abstract gelesen. Er sollte vor allem den Anlass der Untersuchung, die wissenschaftliche Fragestellung und die wichtigsten Ergebnisse benennen. Der Hauptteil sollte mit möglichst wenig Text und zahlreichen Abbildun‐ gen gestaltet werden. In den Abbildungen manifestieren sich die Untersu‐ chungsergebnisse; sie sollten sich selbst erklären. Theorie- und Methoden‐ beschreibung ist zu minimieren. Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind auf wichtige Aspekte zu konzen‐ trieren. Weiterführende Untersuchungen im Kontext des Forschungsthemas sind anzudeuten. Danksagungen Referenzen Forschungsperspektive Schlussfolgerungen / Umsetzung Gesamtergebnis Feldforschung - Kennzeichnung der Methoden und Instrumente - Detailergebnisse Materialforschung - Kennzeichnung der wichtigsten Quellen - Detailergebnisse Einführung / Abstract (Anlass / Fragestellung / Ergebnis) max. 60 Wörter Titel Autor(en) Logo Institution(en) Danksagungen Referenzen Forschungsperspektive Schlussfolgerungen / Umsetzung Gesamtergebnis Feldforschung - Kennzeichnung der Methoden und Instrumente - Detailergebnisse Materialforschung - Kennzeichnung der wichtigsten Quellen - Detailergebnisse Einführung / Abstract (Anlass / Fragestellung / Ergebnis) max. 60 Wörter Titel Autor(en) Logo Institution(en) Abb.-115: Beispiel für ein Poster zur Präsentation der abgeschlossenen Arbeit Im Abschlussteil können Referenzen (Auswahl) und Danksagung an För‐ derer und Kooperationspartner aufgeführt werden (optional). Das übliche 308 13 Präsentieren der Arbeit <?page no="309"?> Posterformat ist 84 x 119 cm und sollte in diesem Format als Gesamtausdruck angeboten werden. In Abb. 116 ist ein Posterbeispiel für die Präsentation des aktuellen Standes in der Anfangsphase der wissenschaftlichen Arbeit abgebildet. Die vorgenannten Gestaltungsempfehlungen sind auch hier gültig. In Abhän‐ gigkeit vom Arbeitsstand kann es vielfältig variiert werden. Ergebnisse Handlungsempfehlungen empirische Analyse Aufgabenstellung (ergebnisorientiert) Forschungsfrage Praxisdefizit Theoriedefizit Ausgangslage und Problemstellung Weitere Vorgehensweise Bewertung Literatur- Review Titel Kontaktadresse Ergebnisse Handlungsempfehlungen empirische Analyse Aufgabenstellung (ergebnisorientiert) Forschungsfrage Praxisdefizit Theoriedefizit Ausgangslage und Problemstellung Weitere Vorgehensweise Bewertung Literatur- Review Titel Kontaktadresse Abb.-116: Beispiel für ein Poster zur Präsentation des aktuellen Arbeitsstandes 13.11 Präsentieren von Postern 309 <?page no="311"?> 14 Publizieren von Ergebnissen 14.1 Kennzeichnung Autoren wissenschaftlicher Arbeiten sind vor die Erwartung gestellt, ihre Ergebnisse zu publizieren. Das betrifft schon immer die Verfasser von Dissertationen, nun zunehmend auch von Diplom- und Masterarbeiten. Noch vor Abgabe der Arbeit sind in Übereinstimmung mit den entspre‐ chenden Prüfungsordnungen der Universitäten und Hochschulen erste Veröffentlichungen vorzuweisen. Das aber stellt den Autor vor die Frage nach möglichen Zugängen für das Publizieren. In Abb. 117 sind mit den Arbeitspapieren, den Konferenzen und Tagungen, den Zeitschriften und Büchern sowie den Open-Access-Publikationen dafür ausgewählte Kanäle dargestellt und im folgenden Text jeweils als Block kurz beschrieben. Der folgende Abschnitt 14.2 enthält eine kurze Charakteristik der Textformate Abstracts, Poster, Rezensionen und Tagungsberichte. Sie sollen dem Einstei‐ ger helfen, die Tür zum Verlag zu öffnen, um anschließend mit größerer Chance einen Fachartikel zu platzieren. Abb.-117: Zugänge zum wissenschaftlichen Publizieren (Auswahl) <?page no="312"?> 14.1.1 Arbeitspapiere Die im ersten Block in Abbildung 118 genannten Arbeitspapiere bieten zahlreiche Publikationsmöglichkeiten. Dabei werden unterschieden: • die internen wissenschaftlichen Veröffentlichungen (Fachartikel, Rezensionen, Veranstaltungs- und Forschungsberichte) in den Publikati‐ onsorganen der Hochschulen, Fakultäten, Institute, wissenschaftlichen Gesellschaften in Print- oder Online-Fassung; • die Berichte über interne wissenschaftliche Veranstaltungen) und Re‐ zensionen von Studien und Fachartikeln; • die vornehmlich populärwissenschaftlichen Darstellungen wissen‐ schaftlicher Ergebnisse in Firmenschriften, Prospekten, aber auch Arti‐ keln in Tageszeitungen und Magazinen Die popularisierte Darstellung wird häufig unterschätzt. Zu Recht betont G E U L E N , C., (2010, S. 97), dass sie sich nicht im bloßen „Herunterbrechen“ von komplex und schwierig zu simpel und einfach erschöpft. Vielmehr ist eine zusätzliche Abstrak‐ tionsleistung gefordert; die schwierige Aufgabe der didaktischen Stoff‐ reduktion ist zu leisten, verbunden mit der Offenlegung des Nutzens der wissenschaftlichen Ergebnisse für einen breiten Leserkreis (siehe dazu Abschnitt 14.3.8.). 14.1.2 Tagungs- und Konferenzbeiträge Im zweiten Block bieten Tagungen und Konferenzen der Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Gesellschaften einen breiten Rahmen, um wissenschaftliche Ergebnisse einer kritischen Fachöffentlichkeit vorzu‐ stellen. Dem Neueinsteiger wird nicht immer bei der Fülle der Bewerber beim ersten Versuch das Vortragsmanuskript für einen eigenen Tagungs‐ beitrag abgenommen. In der Regel bietet die Bewerbung mit einem Abstract (siehe dazu Abschnitt 14.2.1) bessere Chancen für die positive Entscheidung zur Annahme des Vortrags und seine Veröffentlichung im Konferenzband. Poster werden von Tagungsveranstaltern immer dann gern angenom‐ men, wenn sie in ausreichender Zahl (5 bis 10 eingereichte Exemplare) zur Verfügung stehen und im Rahmen einer Ausstellung von den Teilnehmern diskutiert werden können. Eine Aufnahme in den Tagungsband ist allerdings aus Gründen der Lesbarkeit nur dann möglich, wenn dieser im Format A4 gedruckt wird (siehe dazu 14.2.4). 312 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="313"?> Andere Möglichkeiten bestehen • im Mitwirken beim Abfassen und Herstellen des Konferenzbandes (und der damit verbundenen Möglichkeit, einen eigenen Beitrag unter‐ zubringen) im thematischen Bereich der eigenen wissenschaftlichen Arbeit; • im Verfassen eines Berichts über die Tagung/ Konferenz, einzelner ihrer Schwerpunkte oder einzelner Beiträge, die vom Veranstalter gern unterstützt werden. In beiden Fällen wird der Autor in der Fachwelt bekannt und erhält bei Erfolg schneller Zugang zu größeren Beiträgen. 14.1.3 Zeitschriftenartikel/ Bücher Der dritte Block stellt mit den wissenschaftlichen Zeitschriften und Büchern einen wichtigen aber nicht immer einfachen Zugang zur Veröf‐ fentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse dar. Der klassische Weg besteht im Vorstellen eines Artikels bei der Redaktion mittels eines Abstracts (siehe dazu Abschnitt 14.2.1). Bei positiver Reaktion führt das zu teilweise mehrstufigen Projektpräsentationen, in deren Ergebnis im positiven Falle das Manuskript eingereicht werden kann. Die Redaktion prüft das Manuskript auf Publikationsreife (Einhaltung der Vorgaben des Verlags, im Internet abrufbar) und übergibt es zur Prüfung der wissenschaftlichen Güte fachkompetenten Gutachtern (Peer-Review-Verfahren). Bei positiver Beurteilung muss in der Regel mit Auflagen gerechnet werden, die zügig umzusetzen sind. In renommierten Fachzeitschriften ist die Ablehnungs‐ quote relativ hoch, auch auf Grund der Vielzahl eingereichter Manuskripte. Für diesen Fall wird empfohlen: • Korrektur entsprechend den Ablehnungsgründen vornehmen und mit neuem Titel wieder einreichen oder • nach Überarbeitung bei einer nicht so gut positionierten Zeitschrift einreichen. Eine weitere Möglichkeit, um einerseits Erfahrungen beim Publizieren zu sammeln und andererseits sich bei Zeitschriftenredaktionen vorzustellen und bekannt zu machen, besteht im Verfassen von Rezensionen. Beim intensiven Beschäftigen mit der neuesten wissenschaftlichen Literatur im Themenbereich der eigenen Arbeit können rasch Kurztexte mit dem An‐ 14.1 Kennzeichnung 313 <?page no="314"?> spruch einer wissenschaftlichen Buchbesprechung (siehe dazu Abschnitt 14.2.3) verfasst und den entsprechenden Redaktionen angeboten werden. Hilfreich ist hier die Vermittlung durch den Betreuer oder die direkte Kontaktaufnahme mit einem Verlag auf einer thematisch einschlägigen Fachtagung (K L EMM , M., 2010, S.-63). Sofern die Promotion nicht durch Anfertigen einer Monographie erfolgt, kann der Doktorgrad/ PhD auf dem Wege einer kumulativen Promotion erworben werden. Hierbei wird die notwendige wissenschaftliche Befä‐ higung nach der jeweiligen Promotionsordnung durch die Einreichung mehrerer thematisch zusammenhängender und qualitativ anspruchsvoller Fachartikel nachgewiesen (R UHL , K., et al., 2010, S. 256). Allerdings müssen diese Artikel vor der Veröffentlichung in anerkannten Fachzeitschriften ein Peer-Review-Verfahren erfolgreich durchlaufen haben. 14.1.4 Open-Access-Publikationen Der vierte Block umfasst die Open-Access-Publikationen (siehe dazu auch Abschnitt 14.3.5). Sie erfolgen mit der Absicht, die eigenen wissen‐ schaftlichen Arbeitsergebnisse und zugehörige Materialien barrierefrei (kostenlos, ohne technische oder rechtliche Bedingungen) allen Interessier‐ ten zugänglich zu machen. Entsprechend der BERLINER ERKLÄRUNG von 2003 müssen die Open-Access-Publikationen • erstens allen Nutzern das freie Zugangsrecht zu den Veröffentlichungen einräumen und gestatten, diese „zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen da‐ von zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird.“ und • zweitens im Volltext und mit allen ergänzenden Materialien in einem Onlinearchiv erfolgen. Nach Aussagen der ARBEITSGRUPPE OPEN-ACCESS (2009) haben sich zwei Publikationswege herausgebildet (vgl. auch H A R TMANN , B.; J AN S E N , F., 2008, S.-28): • Grüner Weg oder self-archiving Ein wissenschaftlicher Beitrag, der als Artikel oder Buch veröffentlicht ist, wird zusätzlich online publiziert, beispielsweise auf einem Open- Access-Dokumentenserver (Repositorium) oder auf der eigenen Inter‐ 314 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="315"?> netseite. Die Liste der Repositorien kann im Internet im Registery of Open Access Repositories, ROAR (http: / / roar.eprints.org/ ) eingesehen werden. • Goldener Weg oder self-publishing Ein wissenschaftlicher Beitrag wird erstmalig über Open Access veröf‐ fentlicht. Im Falle der Veröffentlichung über ein Open-Access-Journal ist die Qualität durch ein Peer-Review-Verfahren gesichert. Die entspre‐ chenden Journale sind im Internet im Directory of Open Access Journals, DOAJ (http: / / www.doaj.org/ ) zu finden. Im Unterschied zu allen anderen Arten des Publizierens werden die Kosten für die Zeitschriftenproduktion und der Zugang zu den Artikeln nicht mehr vom Nutzer (Leser, Bibliotheken), sondern zu einem erheblichen Anteil von den publizierenden Autoren getragen. Die Deutsche Forschungs‐ gemeinschaft, wissenschaftliche Gesellschaften, Universitäten und andere treten zunehmend als Sponsoren auf. Die wissenschaftlichen Verlage bieten darüber hinaus eine Vielzahl von Online-Produkten an. Dazu gehört das hybride Publizieren. Hier wird • bei Monographien parallel zum Printprodukt eine frei zugängliche Online-Version des Volltextes auf der Verlagsseite bereitgestellt, • bei Fachartikeln, die in einer Zeitschrift erschienen sind, durch Zahlung einer zusätzlichen Gebühr der Artikel Open Access ebenfalls durch den Verlag veröffentlicht. 14.2 Ausgewählte Textformate 14.2.1 Abstracts Abstracts besitzen im Unterschied zu einfachen Kurz- und Zusammenfas‐ sungen wissenschaftlicher Texte eine „in sich logische und motivierte Struktur“ (H U EHM E R , B. et al., 2012, S. 12). Zum raschen Erfassen eines längeren Textes sind sie kurz und prägnant formuliert. Der Leser soll orientiert und zugleich neugierig gemacht werden und auf dieser Grundlage die Relevanz des Textes treffend beurteilen können. In Kapitel 13.10 wurden Hinweise zur Gestaltung von Abstracts gegeben. In Ergänzung dazu werden hier die verschiedenen Formen des Abstracts vorgestellt. So unterscheiden H U EHM E R , B., et al., 2012, S.-11-ff., in: 14.2 Ausgewählte Textformate 315 <?page no="316"?> • Paper Abstract zur Begleitung/ Einführung eines wissenschaftlichen Artikels, • Application Abstract als Bewerbung für die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels, • Conference Abstract für die Einreichung einer Präsentation bzw. eines Vortrags, • Extended Abstract als Antrag auf Manuskriptveröffentlichung oder Forschungsförderung, • Thesis Abstract als Kurz- oder Zusammenfassung der wissenschaftli‐ chen Arbeit mit Prüfungscharakter. Mit Blick auf den Schwerpunkt dieses Buches werden im Folgenden die Formate ausführlicher beschrieben, die für das Einsteigen in das Publizieren besondere Bedeutung besitzen. Paper Abstract Das Format dieses Abstracts, das einen Fachartikel begleitet, wird erst nach dessen Fertigstellung und redaktioneller Annahme verfasst. Ein Paper Abstract steht in der Regel vor dem gesamten Text und wird ergänzt durch Schlüsselwörter (Keywords). Die Redaktionen der Fachzeitschriften machen in den meisten Fällen Vorgaben, beispielsweise • zum Umfang - 100 bis 150 Wörter - und • zu Konventionen - keine Quellen, Abbildungen, Daten, Argumentatio‐ nen, etc. Für den Grundaufbau wird die folgende Struktur empfohlen: • Stand der Forschung in Bezug zum Thema/ Platz im Forschungs‐ feld • Welcher Disziplin ist die Arbeit zuzuordnen, was wurde bisher erkannt, was wurde bisher ausgeklammert? • Forschungslücke/ Forschungsfrage • Worin besteht die Forschungsfrage, was wird dabei besonders beachtet? • Schließen der Lücke/ Forschungsergebnis • Auf welchem Weg konnte die Forschungsfrage beantwortet werden, worin bestehen die wichtigsten Ergebnisse? 316 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="317"?> Beispiel für ein Paper Abstract zum Thema: „Befindlichkeit - eine Determinante im Antwortverhalten? “ Forschungsfeld: Die soziologische Erforschung von Phänomenen im Antwort‐ verhalten von Personen konzentriert sich bei der Suche und Prüfung von Stör‐ quellen vor allem auf Methoden- und Situationsaspekte. Selten geht sie dem Einfluss von Befindlichkeit für das Antwortverhalten nach. Forschungsfrage: Die vorliegende Analyse soll die Frage beantworten, welchen Einfluss die aktuelle Befindlichkeit des Befragten auf seine Antwort hat. Dabei wird das mögliche Antwortverhalten in Abhängigkeit von Zentralität und den Fragetypen analysiert. Forschungsergebnis: Die Prüfung erfolgt anhand einer Sekundäranalyse von drei bis zehn Befragungen, in welcher die Befindlichkeit als Variable erfasst worden ist. Die Ergebnisse zeigen deutliche Effekte auf das Antwortverhalten und zwar in Abhängigkeit von der Ich-Zentralität der Frageformulierung (in Anlehnung H U E M E R , B., et al.: 2012, S.-26). Application Abstract Der Bewerbungsabstract soll vor allem einen Einstieg für Artikel in Fach‐ zeitschriften sowie für Beiträge auf Tagungen und Konferenzen schaffen. In knapper und übersichtlicher Form werden Redaktionen und Veranstalter für die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeit interessiert. Oberste Gebote bei diesem Format sind: • Objektivität - keine persönliche Wertung des Inhalts, • angemessene Kürze - 100 bis 150 Wörter, • keine Quellenangaben, Zitate, Abbildungen, • genaue Wiedergabe des Inhalts der Originalarbeit. In Kapitel 13.10 wird der Grundaufbau dieser Form des Abstracts dargestellt und durch ein Beispiel illustriert. Conference Abstract Ebenso wie die beiden vorgenannten Formate soll der Conference Abstract den Leser mit dem Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit vertraut und auf das Thema neugierig machen. Deshalb besitzt sein Grundaufbau auch eine ähnliche Struktur: Platz im Forschungsgebiet, Forschungsfrage und Hypothese, Methoden der Material- und Feldforschung, Beschreibung der Daten und wichtigsten Ergebnisse. 14.2 Ausgewählte Textformate 317 <?page no="318"?> Im Unterschied zum Paper Abstract bezieht er sich allerdings nicht auf einen bereits fertigen und angenommenen Text. Hier wird Zukünftiges vorweggenommen, denn die Veranstalter von Tagungen und Konferenzen verlangen meist deutlich vor dem Veranstaltungstermin (6 bis 12 Monate) die Einreichung eines Abstracts, der dann die Grundlage für die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des eigenen Beitrages ist. Deshalb emp‐ fehlen H U E ME R , B., et al. (2012, S. 31) „einen erkennbaren Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeit und dem Leitthema bzw. den genauer aufge‐ führten Themenbereichen der jeweiligen Konferenz herauszuarbeiten.“ Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den vorgenannten Formen besteht im größeren Umfang. Veranstalter billigen bis zu 500 Wörter und damit eine detailreichere Darstellung zu. Das erlaubt die Aufnahme von Argumenten, Abbildungen, Zitaten, Daten und Quellen. Extended Abstract Dem Namen entsprechend handelt es sich beim Extended Abstract um die Beschreibung der wesentlichen Aussagen einer wissenschaftlichen Arbeit. Der Umfang beträgt 2 bis 4 DIN-A4-Seiten. In dieser Bestimmung ist er eine Langfassung der vorgenannten Formate, insbesondere des Conference Abstracts. Er dient vor allem als Entscheidungsgrundlage für Forschungs- und Projektanträge. Auch sein Grundaufbau ähnelt den anderen Formaten, also: Grund‐ züge des Forschungsfeldes, Forschungsfragen und wesentliche Annahmen, Forschungsdesign und speziell Methodenwahl, Ergebnisdarstellung oder Ausblick auf Ergebnisse, Behandeln absehbarer Einwände und Risiken, Diskussion von Konsequenzen und Perspektiven, Literatur und Kooperati‐ onspartner. Thesis Abstract Ein Thesis Abstract wird oft von Universitäten und Hochschulen für wis‐ senschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter, also Bachelor-, Master-, Diplom-, Doktor- und PhD-Arbeiten verlangt. Allerdings ist der Bezug zu diesen Arbeiten sehr unterschiedlich. So können Thesis Abstracts Ent‐ scheidungsgrundlage für die Eröffnung des Verfahrens sein. Oder sie sind im Sinne von Thesenpapier eine Auflistung der wichtigsten wissenschaftli‐ chen Ergebnisse, um die wissenschaftliche Diskussion anzuregen. Häufig wird darunter aber auch einfach die Kurzfassung oder Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Arbeit verstanden. Für das Abfassen des Thesis 318 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="319"?> Abstracts sind die Vorgaben der jeweiligen Universität oder Hochschule maßgebend. Als Beispiel wird in Abb.-118 das Thesenpapier einer wissenschaftlichen Diskussion zum Thema „Umgang mit sakraler Bausubstanz“ vorgestellt. Abb.-118: Beispiel für ein Thesenpapier als Diskussionsgrundlage 14.2.2 Poster Poster sind bewährte Mittel zur Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse auf Kolloquien, Tagungen und Konferenzen. Sie vergrößern die Chance für die Aufnahme als Tagungsbeitrag. Die knappe Textvorstellung mit Abbildungsangeboten soll Interesse für die wissenschaftliche Arbeit wecken und bildet die Basis für eine ausführliche Erläuterung im Rahmen einer Posterdiskussion als eigenständiger Programmteil oder in den Konferenz‐ pausen. So gesehen hat der Posterbeitrag manchmal einen Vorteil gegenüber dem Redebeitrag: Für die Diskussion mit wirklich interessierten Fachkolle‐ gen steht mehr Zeit zur Verfügung. Daraus können sich Anregungen für 14.2 Ausgewählte Textformate 319 <?page no="320"?> weiterführende oder andere Untersuchungen ergeben und nicht zuletzt auch neue Kontakte und Kooperationen entwickeln. Solche Effekte ergeben sich seltener in einer Diskussion nach einem Vortrag (A S CHE R ON , K., 2007, S. 121). Damit das eigene Poster unter den anderen wahrgenommen wird, spielt seine optische Gestaltung eine wichtige Rolle. Mit einem kurzen und großgedruckten Titel wird die Aufmerksamkeit der Tagungsteilnehmer geweckt. Der Hauptteil ist übersichtlich zu gliedern. Texte müssen gut lesbar sein, auf das Notwendigste beschränkt werden und gegenüber Abbildungen möglichst zurückstehen. Die Abbildungen sind einfach zu gestalten und sollen sich selbst erklären. Für die Aufnahme in den Tagungsband muss das Poster verkleinert auf DIN A4 noch lesbar sein. In Kapitel 13.11 findet der interessierte Leser weitere Hinweise zur Gestaltung einer Posterpräsentation. 14.2.3 Rezension Die Rezension (recensio: Musterung) oder auch Besprechung ist die schrift‐ lich niedergelegte und veröffentlichte Form einer Kritik. Sie behandelt einen bestimmten Gegenstand innerhalb eines abgegrenzten Themenfeldes. Der Gegenstand eines Buches, aber auch Fachartikels wird dargestellt, analysiert und bewertet, aber nicht nacherzählt. Sie sind in der Regel mit etwa 3 bis 5 Seiten knappgehalten. Als Teil des wissenschaftlichen Diskurses bilden Rezensionen eine un‐ mittelbare Antwort, zum Beispiel auf eine geschlossene Darstellung wis‐ senschaftlicher Ergebnisse innerhalb eines Buches oder auf eine in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Theorie oder These. Buchverlage vergeben mitunter Termine für das Einreichen von Rezen‐ sionen nach Erscheinen des Buches. Hier bieten sich gute Chancen für das Einsteigen in die Publikationstätigkeit. Mit Bezug auf das Werk, dass bestenfalls zum Basiswerk der eigenen wissenschaftlichen Arbeit gehört, empfiehlt sich eine Vorstellung bei der entsprechenden Redaktion, entweder über Empfehlung des wissenschaftlichen Betreuers oder auf einer Fachta‐ gung am Redaktionsstand oder über eine schriftliche Initiativbewerbung mit Angabe des Themas der eigenen wissenschaftlichen Arbeit (L ÜTHE , R.: 2010, S.-63). In der Regel rezensieren gleich mehrere Rezensenten unabhängig vonein‐ ander den Gegenstand der Betrachtung. Selten ist die Bewertung einhellig. 320 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="321"?> Sie reicht mitunter vom totalen Verriss bis zum uneingeschränkten Lob; häufig werden gegensätzliche Auffassungen und Bewertungen vertreten. Die Rezensionen stellen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein wichtiges Feedback dar. Eine spezielle Bibliografie ist seit 1971 unter „Inter‐ nationale Bibliografie der Rezensionen wissenschaftlicher Literatur / IBR/ “ zu finden. In Abb. 119 ist ein Angebot für Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit dargestellt. Ohne diese vollständig auszufüllen sollten aber Antworten auf die meisten zugeordneten Fragen gefunden werden. Abb.-119: Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit Nicht nur zu Übungszwecken empfiehlt sich auch die Rezension der eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Ausgehend von der Vorstellung, die Arbeit sei bereits abgeschlossen, wird sie jetzt einem Fachpublikum vorgestellt. Des‐ halb sollte der Autor aus der Sicht eines Lesenden eine kurze Rezension seiner Arbeit (ca. 2 Seiten) schreiben und einer Redaktion auf den oben genannten Wegen anbieten. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten: • Was ist der Gegenstand der Arbeit? • Unter welchen Fragestellungen wird der Gegenstand untersucht? • Welche Methoden werden eingesetzt? • Zu welchen Ergebnissen kommt die Arbeit? • Wie sind die Ergebnisse im Hinblick auf künftige Forschungen zu bewerten? 14.2 Ausgewählte Textformate 321 <?page no="322"?> In Zeitschriften, Magazinen und auf den Web-Seiten von Publikationsan‐ bietern werden auch Rezensionen in einer Kurzfassung, vornehmlich von Büchern angeboten, die vom jeweiligen Rezensenten bewertet werden. Sie widerspiegeln dessen persönliche Meinung und sind sehr unterschiedlich akzentuiert. 14.2.4 Tagungsbericht Unter Tagungsberichten wird, im Unterschied zu Tagungsbeiträgen (siehe Kapitel 6.1), die schriftliche Dokumentation der von anderen vorgetragenen und diskutierten wissenschaftlichen Ergebnisse in sachlicher und vorur‐ teilfreier Form verstanden. Mit ihrer Hilfe findet der Autor Eintritt in die jeweilige Gemeinschaft der Fachleute und baut sich schrittweise ein eigenes Netzwerk auf. Als Artikel im Umfang von 2 bis 5 DIN-A-4 Seiten wird er Fachzeitschriften oder Organen von wissenschaftlichen Gesellschaften angeboten oder ins Netz gestellt. Es hat sich bewährt, Tagungsberichte zuerst mit den Organisatoren der Veranstaltung und vor der Veröffentlichung mit den Herausgebern oder Redaktionen abzusprechen. In Vorbereitung dieser Absprachen empfiehlt sich aus dem Tagungsprogramm eine Vorauswahl zu treffen und auf dieser Grundlage den inhaltlichen Rahmen des Berichts zu konzipieren. Wird das Angebot angenommen, sollten die Vortragsmanuskripte von den Referenten erbeten werden (möglichst mit Unterstützung des Veranstalters). Als inhaltlicher Rahmen werden folgende Schwerpunkte empfohlen: • Thema und Termin/ Veranstalter/ Ort • Übergreifende Bedeutung der Tagung • Programmübersicht • Eröffnungs-, Haupt- und Fachvorträge (evtl. Herausarbeiten der Ge‐ meinsamkeiten) • Diskussionsschwerpunkte in den Arbeitsgruppen, Sektionen, Work‐ shops (evtl. Darstellen von Konsens und Dissens) • Forschungsperspektiven • Abschließender Gesamteindruck • Verweis auf die Herausgabe eines Tagungsbandes Aus der Darstellung des inhaltlichen Rahmens wird deutlich, dass sich ein Tagungsbericht nicht in der Aufzählung der einzelnen Vortragsthemen erschöpfen kann. K L E MM , M. (2010, S. 67) fordert ein „sorgsames Redigieren, 322 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="323"?> gegebenenfalls auch das Austarieren unterschiedlicher Auffassungen“. Bei der vorurteilsfreien Darstellung der Inhalte und des Ablaufs ist Sachlichkeit gefragt. Bewertung und Kritik sind weitgehend zu vermeiden, höchstens implizit zu verwenden. Das ist nicht ohne eigene Kompetenz möglich, die allerdings bei der Arbeit am Bericht erweitert und vertieft werden kann. Dem Berichterstatter bleibt es selbst überlassen, ob er seinen Text vor der Veröffentlichung dem jeweiligen Referenten zum Gegenlesen übergibt. Erfahrungsgemäß vermeidet das nachträgliche Irritationen und Fehler in der Sache oder in der Interpretation. 14.3 Tipps für den Einsteiger 14.3.1 Vorbemerkung Das Publizieren von Ergebnissen der Bachelor- oder Masterarbeit als Artikel, Referat oder Rezension im Verlag oder auf der Online-Plattform sorgt in der Fachöffentlichkeit für Aufmerksamkeit. Allerdings ist dieser Weg für den Einsteiger in das Publizieren nicht immer einfach. In der akademischen Pra‐ xis wird er selten darauf vorbereitet. Das beschert ihm am Anfang manche Ablehnung seiner Veröffentlichung, weil bei den Verlagen ein Überangebot vorliegt. Mitunter hat er auch vorgeschriebene Regeln oder bestimmte Mechanismen nicht berücksichtigt. Deshalb werden im Folgenden einige Tipps vorgestellt, die zum erfolgreichen Publizieren beitragen können. 14.3.2 Verlage Die Bekanntheit des Autors im Verlag ist oftmals ein „Türöffner“ für eine Annahme seiner Publikation. Neben dem nicht immer einfach zu platzieren‐ den fachwissenschaftlichen Artikel bieten beispielsweise Tagungsberichte, Abstracts, Rezensionen oder Open-Access-Produkte gute Chancen für eine Veröffentlichung. In Abb. 118 wurde dazu eine Auswahl möglicher Textsor‐ ten vorgestellt. Aus aktueller Sicht bieten auch spezielle Textsorten wie Kurzberichte, Interviews oder Kommentare Zugänge zum Publizieren. Zahlreiche Einsteiger in das wissenschaftliche Publizieren haben bei‐ spielsweise mit der Teilnahme an einer Tagung im Themenfeld der eigenen Arbeit die Möglichkeit genutzt, einen Tagungsbericht über eine Arbeits‐ gruppe oder ein Plenarreferat im Umfang 2 bis 5 DIN-A4-Seiten zu schreiben. Im Unterschied zum Tagungsbeitrag wird hier das von anderen vorgetra‐ 14.3 Tipps für den Einsteiger 323 <?page no="324"?> gene und diskutierte wissenschaftliches Ergebnis sachlich und vorurteilsfrei dokumentiert. Die Veröffentlichung kann mit der Tagungsleitung oder mit den dort präsenten Fachverlagen vereinbart werden. Ein Empfehlungs‐ schreiben des Betreuers fördert zudem den Erfolg. Schon ist der Autor im Verlag kein gänzlich Unbekannter mehr. Buchverlage vergeben Termine für das Einreichen von Rezensionen nach Erscheinen eines Buches, das zum Beispiel zum Basiswerk der eigenen wissenschaftlichen Arbeit gehört. Hier eröffnet sich eine weitere Chance für Einsteiger. Tipp: Lasse Dich frühzeitig im Verlag listen. 14.3.3 Ablehnungsquote Der Einsteiger in die wissenschaftliche Publikation muss damit rechnen, dass die Ablehnung seines Fachartikels rein statistisch die häufigste Ent‐ scheidung (> 50 %) eines Verlags bedeutet. Gründe dafür sind oft ein Überangebot an Manuskripten und zumeist weniger eine Absage wegen mangelnder Qualität. Die Chance, um mit dem Verlag im Gespräch zu bleiben, vergrößert sich für den Autor - auch sofern er bereits gelistet ist -, wenn er dem Verlag einen kurzen, schlaglichtartigen Überblick über seinen Beitrag gibt. Ein bewährtes Mittel dafür ist beispielsweise das Vorabversenden eines Applikations Abstracts. In knapper und übersichtlicher Form, im Umfang von 100 bis. 150 Wörtern, wird die Redaktion den Beitrag eher einsehen und ein größeres Interesse an einer Veröffentlichung entwickeln. Für den Aufbau eignet sich die kurze und prägnante Beantwortung folgender Fragen: • Was ist der Anlass der Arbeit, worin liegt ihre Bedeutung, warum soll sie gelesen werden? • Welche Fragestellung wird in der Arbeit beantwortet, welches sind die wesentlichen Annahmen und Argumente? • Welche wissenschaftliche Literatur und welche Instrumente der Feld‐ forschung werden verwendet? • Welche Erkenntnisse liegen vor, worin besteht der Erkenntnisfortschritt und/ oder methodische Informationsgewinn, worin bestehen die wesent‐ lichen Schlussfolgerungen? • Welche Umsetzungsvorschläge werden für die Praxis und Forschungs‐ perspektive unterbreitet? 324 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="325"?> Auch wenn der Beitrag mit erheblichen Auflagen angenommen oder gar abgelehnt wird, sollte der Autor nicht vorschnell resignieren. Klaus von Klitzing hat dafür ein interessantes Beispiel geliefert. Sein Artikel über die Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts wurde von der Zeitschrift „Physical Review Letters“ zurückgewiesen, weil den Gutachtern der gewählte Titel nicht interessant genug erschien, und sie darin nicht die Bedeutung der Entdeckung erkannten. Mit einem bessern Titel gelang die Zusage dann im zweiten Anlauf, was letztlich zum Nobelpreis führte (A S CH E R O N , 2007, S. 187). So schnell geht es sicher nicht immer, aber ein guter Titel öffnet offensichtlich Türen. Übrigens, ein abgelehnter Beitrag kann in einem anderen Verlag durchaus Erfolg haben! Tipp: Kalkuliere die hohe Ablehnungsquote etablierter Verlage ein. 14.3.4 Fachwissenschaftlicher Artikel Der fachwissenschaftliche Artikel, vornehmlich veröffentlicht in einschlägi‐ gen Fachzeitschriften, hat unter den Publikationen einen hohen Stellenwert. Die Veröffentlichung ist im Umfang durch Vorgaben des Verlags begrenzt. Sie muss inhaltlichen und formalen Kriterien entsprechen, deren Einhaltung in einer Gutachterrunde (Peer-Review-Verfahren) geprüft wird. Folgenden Ansprüchen sind an einen fachwissenschaftlichen Artikel gestellt: • Ein aussagekräftiger Titel ist kurz und prägnant zu formulieren (maxi‐ mal 10 Wörter). Ein einleitender Paper Abstract (im Unterschied zum Applications Abstract, siehe Abschnitt 14.2.1) vermittelt einen Überblick über den Inhalt des Artikels (10 bis 15 Zeilen). Titel und Paper Abstract helfen dem Leser bei der Entscheidung, ob und mit welcher „Brille“ er den Artikel liest. • Die Datenlage ist stimmig und nachprüfbar. Die dargestellten wissen‐ schaftlichen Ergebnisse besitzen Substanz und einen erkennbaren Nut‐ zen. Sie sind geeignet, im jeweiligen Fachgebiet die wissenschaftliche Diskussion zu bereichern. • Die Aussagen sind klar strukturiert, komplexe Zusammenhänge und komplizierte Aussagen sind erklärt, unter anderem durch sich selbst‐ erklärende Visualisierungen (Schaubilder, Schemata, Diagramme oder Tabellen). 14.3 Tipps für den Einsteiger 325 <?page no="326"?> • Die einschlägige Fachliteratur wurde im Artikel verarbeitet; sie ist im Literaturverzeichnis vollständig dokumentiert. Tipp: Sichere die Einhaltung des inhaltlichen und formalen An‐ spruchs an einen fachwissenschaftlichen Artikel. 14.3.5 Internet Wissenschaftliche Beiträge können über Open Access rasch platziert und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Ohne einen Verlag stehen sie auf diesem Wege allen Nutzern kostenfrei zur Verfügung. Die Rechte am Beitrag verbleiben im Falle der Erstveröffentlichung beim Autor. Das Publizieren mit Open Access ist in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen unterschiedlich gebräuchlich und akzeptiert; vor allem für Recherchezwecke wird es allgemein geschätzt. Zurückhaltung liegt besonders in der Langverfüg‐ barkeit (Archivierung) und im Anerkennen ihres wissenschaftlichen Gehalts begründet. Deshalb sichert erst die Veröffentlichung über ein Open-Access- Journal die inhaltliche Qualität durch das damit verbundene Verfahren Peer Review. Die entsprechenden Journale sind im Internet im Directory of Open Access Journals, DAOJ (http: / / www.doaj.org/ ) zu finden. Allerdings erfolgt die Bereitstellung im Open-Access-Journal mit Gebühren, die zu einem beträcht‐ lichen Teil vom Autor selbst zu tragen sind. Weitere Online-Produkte sind Online-First-Zeitschriften, in denen von den Redaktionen angenommene Beiträge sofort elektronisch veröffent‐ licht werden, mithin geraume Zeit vor Erscheinen der Printfassung. Im Unterschied dazu drucken, verbreiten und speichern die Online-Only- Zeitschriften die gesamten Informationen des Artikels ausschließlich elektronisch. In virtuellen Zeitschriften sind auf einer Web-Seite die Ar‐ tikel eines bestimmten Forschungsgebiets aus verschiedenen Zeitschriften zusammengestellt. Jooks oder Bournels (Review-Zeitschriften) enthalten Übersichtsartikel unterschiedlicher Thematik oder verschiedener Autoren zu einem Kernthema. Tipp: Prüfe das Veröffentlichen im Internet! 14.3.6 Konventionen Zu den Konventionen gehört neben den Verfahrensweisen beim Verzeich‐ nen, Gliedern, Verweisen, Zitieren und Bibliografieren auch die verständli‐ 326 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="327"?> che Textgestaltung. Redakteure legen eingereichte Artikel schnell beiseite, wenn sie im Artikel z. B. solche unverständlichen Formulierungen finden wie: „Mit angesagter Professionalität gilt es die ganzheitlichen UPSs out‐ zusourcen, um den Mehrwert der strategischen Parameter anzustoßen.“ Der Redakteur oder Gutachter neigt bei solchen Aussagen in einer wis‐ senschaftlichen Schrift zu Recht zu dem Eindruck, dass damit inhaltliche Dürftigkeit überdeckt werden soll. Besser sind eine angemessene Kürze und ein einfaches eindeutiges Vokabular. Komplizierte Ausdrücke sind nur dort einzusetzen, wo einfache nicht zutreffen. Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften verweisen u. a. auf zwei Gestaltungshinweise für alle Textsor‐ ten: • Einfaches und eindeutiges Vokabular, komplizierte Ausdrücke nur dort, wo einfache nicht zutreffen. • Angemessene Kürze und offensichtlicher Respekt vor der Zeit des Lesers. Jede wissenschaftliche Disziplin hat ihre eigene Begrifflichkeit für fach‐ spezifische Erscheinungsformen und Sichtweisen geschaffen. Fachtermini gehören zur Sprache der Wissenschaft. Sie sind oft Fremdwörter. Nicht ihre Anwendung macht einen Text per se schwer- oder unverständlich. Es sind der falsche Einsatz, der geringe Bekanntheitsgrad und nicht zuletzt die überzogene Anhäufung, die das Verständnis eines Textes erschweren und den sachkundigen Leser zur Skepsis provozieren. Irritation entsteht auch, wenn die Begriffe „effektiv“ und „effizient“ synonym gebraucht werden, oder die „optimalste Lösung“ offeriert wird. Schließlich sollte man den Verfasser des Satzes „Das Klimaschutzprogramm ist ein Quantensprung im Umweltschutz“ der üblen Nachrede verklagen, denn Quantensprünge liegen im atomaren Bereich und damit sehr weit unter der Wahrnehmungsschwelle (R E CH E NB E R G , 2003, S.-73). Auch Zahlen unterliegen einer kritischen Prüfung. Das betrifft beispiels‐ weise ihre Aktualität oder die stimmige Summierung von Prozentzahlen auf 100 %. Auch eine falsche Interpretation von Zahlen verärgert den Leser, wie z. B.: „Der Anteil der Kostengruppe A an den Gesamtkosten sinkt von 40 auf 36 %; das entspricht einer Reduzierung um 4 %.“ Natürlich um 10 %! Hier gilt die Empfehlung, Zahlen gründlich zu prüfen, so wenig Zahlen wie möglich, soviel wie notwendig. Tipp: Halte Dich an die Konventionen für das Verfassen! 14.3 Tipps für den Einsteiger 327 <?page no="328"?> 14.3.7 Argumentation Die Begründungen für die aufgestellten Behauptungen sollten immer sach‐ lich richtig und für den Leser bedeutsam sein. So müssen die sachlich richtigen Fakten auch sein Interesse finden, die Statistik seinem reflexiven Auffassungsvermögen entsprechen, die angebotenen Varianten real seine Wahlfreiheit erweitern, und die Praxishinweise dem Leser bei der Lösung seines Problems helfen. Die Überzeugungskraft des Arguments leidet beispielsweise dann, wenn die Validität eines erkannten Zusammenhangs nicht angegeben wird: „Je weniger Kunden sich beschweren, desto zufriedener sind sie. Deshalb ist die Anzahl von Beschwerden ein Indikator für Kundenzufriedenheit.“ Hier wird der Eindruck erweckt, dass diese Aussage immer und überall gilt und dass das Eine die Ursache für das Andere ist. Aber ohne Angabe des Gültigkeitsumfangs kann keine belastbare Verallgemeinerung getroffen werden, denn was in einem Bereich gilt, muss für andere nicht von Relevanz sein. Grobe Fehler treten auch immer dann auf, wenn aus dem alleinigen Zusammentreffen zweier Ereignisse eine Ursache-Wirkungs-Beziehung postuliert wird: „Je höher der Brandschaden, desto größer die Anzahl der eingesetzten Feuerwehrleute.“ Erst wenn ausgeschlossen werden kann, dass der Zusammenhang zwischen dem Brandschaden und der Anzahl der Feuerwehrleute nicht durch einen dritten Faktor bedingt wird, ist das Eine Ursache für das Andere. In selbigem Beispiel offenbart sich eine Scheinkorrelation, denn die Ursache für beide Ereignisse ist die Größe des Feuers. Damit der Leser die Argumentation besser nachvollziehen kann, wer‐ den bei der Darlegung der Gedanken logische Abfolgen empfohlen - beispielsweise in den Kategorien Allgemeines - Besonderes - Einzelnes oder Polarisieren und Finden von Kompromissen oder Variantenbildung und Bewertung (siehe dazu auch Abschnitt 13.4.3). Das unterstützt die Konzentration auf die wesentlichen Aussagen, beugt einem Ausufern in alle denkbaren Einzelheiten des Themas vor und überzeugt von der Gültig‐ keit der resultierenden Schlussfolgerungen. Auf diese Weise entsteht das Grundgerüst der wissenschaftlichen Aussagen einer Publikation. Tipp: Argumentiere überzeugend! 328 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="329"?> 14.3.8 Populärwissenschaftlicher Artikel In der Wissenschaft hängt der populärwissenschaftlichen Veröffentlichung (Buch, Artikel oder Rezension) mitunter das Odeur des Minderwertigen an. Dabei ist es doch ihre Aufgabe, Lebenswelt zu gestalten, zu verbessern, was aber in der Regel nicht das Werk des „inneren Fachzirkels“, sondern einer breiten Öffentlichkeit (Entscheider, Nutzer etc.) ist. Diese muss ange‐ sprochen, überzeugt, befähigt werden. In diesem Sinne generiert ein populärwissenschaftlicher Artikel nicht das Produkt einer Simplifizierung von Wissenschaft, sondern essentiell das redliche Bemühen, wissenschaftliche Ergebnisse in die Lebenswelt einer Öffentlichkeit zu stellen (G E UL E N , 2010, S. 96). Dazu wird im Vollzug einer wohlüberlegten didaktischen Reduktion die Auswahl der Inhalte von folgender Frage abhängig gemacht: Welchen Nutzen bringen meine Ergebnisse anderen Personen, inwieweit helfen sie Problemlagen und reale Situationen zu bewältigen? Die im populärwissenschaftlichen Artikel getroffenen Aussagen leiten sich vor allem aus ihrer Relevanz für den Leserkreis ab. Sie kommen deshalb ohne akademischen Diskurs, Darstellen der Forschungslage oder Verzeichnis- und Fußnotenapparat aus. Didaktische Reduktion erfordert ein hohes Maß an Anschaulichkeit der Inhalte. Anschaulichkeit bezieht sich z. B. auf das Entwickeln von Vorstellungen zu komplexen Sachverhalten, auf einfache Textgestaltung und verständliche Wortwahl. Vorstellungen zu einem komplexen techni‐ schen Gerät oder zu einem komplizierten Zusammenhang lassen sich mit den Mitteln der didaktischen Vereinfachung entwickeln. Darunter ist der widerspruchsfreie Übergang von einer komplexen und komplizierten Aussage zu einer nur das Wesentliche enthaltenen zu verstehen. Als Beispiel sind in Abb. 121 Ergebnisse der Vereinfachung dargestellt. Der Effekt dieser allgemeinverständlichen Bildersprache besteht neben der Bildung von Vorstellungen zugleich in der Langzeitsicherung der mitgeteilten Infor‐ mationen. Einfache Textgestaltung impliziert vor allem • das Verwenden geläufiger Worte und das Bilden überschaubarer Sätze mit angemessener Kürze, • ein strukturiertes Angebot der Informationen in sichtbarer Gliederung, • das Vermeiden einer weitschweifigen, mit viel Unwesentlichem belas‐ teten Darstellung, 14.3 Tipps für den Einsteiger 329 <?page no="330"?> • das Verwenden von anregenden Zusätzen wie Metapher, Beispiele, Polarisierungen etc. In Abb. 120 wird jeweils ein Beispiel für die Vereinfachung von technischen Geräten und unterschiedlichen Zusammenhängen dargestellt. Abb.-120: Ergebnisse didaktischer Vereinfachung Bei der Wortwahl ist sorgfältig zu prüfen, inwieweit Fach- und Fremdwör‐ ter durch bekannte Wörter erklärt oder ersetzt werden können oder sollten. Zu Recht irritiert den Leser beispielsweise nachstehender Satz: „Die Akku‐ mulation der involontär nicht in Arbeitsrechtsverhältnissen gebundenen Erwerbspersonen stellt Temperum Fixum ein beachtliches Phänomen dar.“ Nach Prüfung stellt sich heraus: „Gegenwärtig steigt die Arbeitslosigkeit.“ Auch mit Imponier- und Spreizverben, den so genannten „ieren-Verben“, ist sparsam umzugehen. So sollte es anstatt „Thesen falsifizieren“ besser „An‐ nahmen widerlegen“ heißen oder anstelle von „Plattitüden verbalisieren“ besser „Selbstverständlichkeiten benennen“. Tipp: Habe Mut zur populärwissenschaftlichen Darstellung Deiner Ergebnisse! 330 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="331"?> Weitere Empfehlungen rund um dieses Thema findet der interessierte Leser im Ratgeber: L E HMANN , G.: 2017b. Publizieren - aber wie? , 2. Auflage, Renningen: expert Verlag. 14.3.9 Blogartikel Als Internetpublikationsform bietet ein Blog gute Möglichkeiten für das Veröffentlichen von Inhalten aus Master- und Bachelorarbeiten an. Die erfolgreich verteidigte Graduierungsarbeit ist eine Voraussetzung dafür, dass der Blog der Universität/ Hochschule oder eines Verlages genutzt werden kann. Darüber hinaus kann der Einsteiger einen eigenen Blog auch kostenlos erstellen, z. B. unter der Internetadresse www.deinblog.wordpr ess.com. Nach einem erfolgreichen Start ist für das weitere Bloggen ein Wechsel in die professionelle, gebührenpflichtige Variante www.deinblog.d e zu empfehlen. Wesentlichen Einfluss auf den Abruf haben neben der gewählten Platt‐ form Inhalt und Form des Blogs. Zur Auswahl steht ein reduziertes Abbild der Graduierungsarbeit. Die Palette reicht vom Autorenreferat, über das Abstract bis hin zu einem fokussierten Text. So kann ein Blogartikel den populärwissenschaftlichen Artikel inhaltlich aufnehmen, allerdings in der Form verändert und zugeschnitten auf einen breiteren Leserkreis. Möglich ist auch das Publizieren von Teilen der Arbeit unter einem Thema als Serie. Der Start erfolgt mit einem aufmerksamkeitserregenden Teil, z. B. mit dem überraschenden Befund aus einer Beobachtung, der jetzt im Artikel dargestellt und aufgelöst wird. Dem Überblick über die weiteren Teile der Serie folgen beispielsweise Interviewergebnisse, Schritte der Er‐ kenntnisgewinnung bis hin zu den Ergebnissen der Untersuchungen, ihren Auswirkungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Der Blogartikel umfasst - sowohl als Einzelbeitrag als auch in der Serie - etwa 6000 Zeichen (3 DIN A4-Seiten). M AN S CHWE TU S , U. (2021) empfiehlt eine stärkere Untergliederung als im Papierformat. Alle Abschnitte im Um‐ fang von etwa 300 Wörtern sollen mit einer Zwischenüberschrift versehen werden. Keywords spielen im Blogartikel eine wichtige Rolle, weil über diese in den Suchmaschinen der Artikel gefunden wird. Deshalb sollte jeder Blogbeitrag ein Hauptschlagwort besitzen, das im Titel vorkommt. Dieses Hauptschlagwort muss außerdem häufig im Text verwendet werden, denn daran misst Google, ob der Artikel für das jeweilige Thema bedeutsam ist. 14.3 Tipps für den Einsteiger 331 <?page no="332"?> Allerdings darf darunter nicht die Qualität des Textes leiden. Keywords sind nicht nur einzelne Wörter, sondern können auch aus mehreren Wörtern be‐ stehen, z. B. „Erkenntnisse verwerten“ oder „Wissenschaftliches Arbeiten“. Neben dem Hauptschlagwort sind noch vier bis fünf weitere Keywords festzulegen. Verständliche Wortwahl, einfache Sätze und ein gegliederter Text cha‐ rakterisieren den Blogartikel ebenso wie den populärwissenschaftlichen Artikel. In Ergänzung zu entsprechenden Hinweisen im Abschnitt 14.3.8 sei darauf verwiesen, dass der Einsatz von verständlichen Verben und ein be‐ schränkter Einsatz von Substantivierungen geboten sind. Zur Verwendung von gebräuchlichen Fremdwörtern (keine Imponier-Wörter) wird ebenso geraten wie zum überlegten Umgang mit Fachwörtern. Fachwörter gehören zur Sprache der Wissenschaft und deshalb auch in Blogbeiträge. Allerdings ist ihre fachinterne Verdichtung aufzulösen und eine fachlich vertretbare einfache Erklärung zu liefern. So erklärt sich z. B. der Begriff „Supraleitung“ für Fachleute von selbst. Für den Laien sollte er mit der Erläuterung des fachlichen Gehalts verbunden werden, etwa so: „Supraleitung bezeichnet die Fähigkeit mancher Metalle und Metallverbindungen, elektrischen Strom bei tiefen Temperaturen, ohne jeden Widerstand und damit frei von Ener‐ gieverlusten zu transportieren“. Kurze Sätze (20 Wörter) sind kurz und gut verständlich. Die Aussagen sind logisch anzuordnen, z. B. Ankündigung - Behauptung - Begründung. Jeder Satz enthält nur eine Information. Die Kernbotschaft gehört in den Hauptsatz, immer mit Subjekt, Prädikat und Objekt. L AN G E R , S CHULZ VO N T HUN und T AU S CH (1990, S. 48ff.) haben vier Regeln als zeitlose Verständlich‐ keitsmacher für Texte vorgeschlagen: • Die Einfachheit ist das Fundament für den verständlichen Text (kurze Sätze, erklärte Fachwörter, anschauliche Sprache). • Gliederung und Ordnung sind die tragenden Säulen der Verständlichkeit (folgerichtig, Hervorhebungen, Absätze, Überschriften). • Ausgewogene Kürze und Prägnanz krönen die Bemühungen um Ver‐ ständlichkeit (1-3 DIN A4-Seiten, kurze Formulierungen, keine Füllwör‐ ter). • Anregende Zusätze wecken und erhalten das Interesse des Lesers (Beispiele, Zitate, Leseransprache, Illustrierung). Falls es sinnvoll ist, verlinkt man auf eine Seite im Internet. Links bewertet Google positiv. 332 14 Publizieren von Ergebnissen <?page no="333"?> Auch der richtige Umgang mit Zahlen ist ein Beweis für die Seriosität des Verfassers. Das betrifft beispielsweise ihre Aktualität oder die stimmige Summierung von Prozentzahlen auf 100 %. Auch eine falsche Interpretation von Zahlen verärgert den Leser, wie z. B. „Der Anteil der Kostengruppe A an den Gesamtkosten sinkt von 40 auf 36 %. Das entspricht einer Reduzierung von 4 %“. Korrekt wären in diesem Fall 10 %. Zahlen sind gründlich zu prüfen. Empfehlung: So wenig Zahlen wie möglich, so viel wie notwendig. Die Lesbarkeit des Textes kann mit dem Flesch-Index gemessen werden. Dazu gibt es kostenlose Angebote, wie z. B. http: / / fleschindex.de/ berechne n/ . Spitzenwerte liegen bei einem Index von 60. Dieser Text wurde mit dem Index 50 als gut lesbar bewertet. 14.3 Tipps für den Einsteiger 333 <?page no="335"?> 15 Umsetzen von Ergebnissen 15.1 Kennzeichnung Bachelor-, Master- Promotionsarbeiten enthalten eine Fülle von Ideen. Sie münden in Grundgedanken und sich daraus entwickelten Vorstellungen, Modellen und Theorien. Aber wie viele davon werden umgesetzt? Sicher besteht für den Verfasser das unmittelbare Interesse zunächst darin, seine Befähigung für das wissenschaftliche Arbeiten nachzuweisen und diese auch angemessen bestätigt zu bekommen. Bleibt es aber bei diesem An‐ spruch, so wird ein Großteil der Arbeiten letztlich zum „Ideengrab“. Der Verfasser muss selber erkennen: Die Idee als solche entfaltet noch keine Wirkung. Auf ihre Umsetzung kommt es an. Für einen Weg der Umsetzung, dem Publizieren von Ergebnissen, wurden in Teil 14 einige Vorschläge angeboten. Ein anderer Weg soll jetzt mit der Überführung von Ergebnissen in nutzbringende Lösungen für Unternehmen, Kliniken, Verwaltungen, Vereine oder Verbände - im Folgenden Organisatio‐ nen bezeichnet - beschrieben werden. Dafür stehen vor allem Erfahrungen von Absolventen aus Master- und Bachelorstudiengängen zur Verfügung, die mit ihren umgesetzten Ideen Veränderungen in der jeweiligen Organisation bewirkt haben. Im Folgenden werden wesentliche Erfolgsfaktoren reflektiert, typische Ansprechpartner in der Organisation charakterisiert und deren Resonanz‐ stellen gekennzeichnet. Eine Checkliste soll den Handlungsvollzug unter‐ stützen. Mit der Gruppendiskussion wird ein Instrument für die Umsetzung von Ideen vorgestellt, ergänzt durch spezielle Hinweise zur Präsentation vor den Entscheidern. Abschließend werden maßgebende Bedingungen für den Umsetzungserfolg in der Organisation genannt. 15.2 Erfolgsfaktoren für das Umsetzen Bei der Analyse des erfolgreichen Vorgehens zeigen sich eine Reihe von Faktoren für das Umsetzen wissenschaftlicher Ergebnisse in der Organisa‐ tion: <?page no="336"?> Mut Am Anfang steht die eigene Überzeugung von der Nützlichkeit der erreich‐ ten Ergebnisse, die letztlich in der Disputation der Arbeit ihre Bestätigung durch die Kommission erfahren hat. Das führt zur Entscheidung des Verfas‐ sers, die Umsetzung in der Organisation energisch zu betreiben. Empfehlung: Gib deinem Vorschlag eine Chance! Agilität Ist die Entscheidung gefallen, so ist rasch zu handeln und keine Zeit zu verlieren. Die Chancen auf Umsetzung werden in Zeiten der raschen Verän‐ derung des Bestehenden und der digitalen Transformation mit zunehmender Dauer geringer. Empfehlung: Prüfe zügig die Chancen deines Vorschlags! Fokus Erfahrungsträger warnen davor, die erste Vorstellung der Ergebnisse vor einem größeren, heterogenen Kreis vorzunehmen. Die Präsentation sollte in kleineren Gruppen bis zu vier Personen von Ansprechpartnern in der Organisation vollzogen werden, die auf spezifische Weise zur Umsetzung beitragen können, z. B. eine Empfehlung für die Annahme des Veränder‐ ungsvorschlags geben (siehe dazu Abschnitt 15.3.1). Empfehlung: Konzentriere dich auf homogene oder auch heterogene Kleingruppen! (siehe dazu Abschnitt 15.4.2). Empathie Für die gezielte Ansprache der jeweiligen Gruppe sind deren Resonanz‐ stellen zu ermitteln. Ausgehend von ihren recherchierten Interessen sind jene Aussagen aus der Umsetzungsidee auszuwählen, die für Personen der Gruppe von besonderer Bedeutung sind und deshalb im Mittelpunkt der Präsentation stehen sollten (siehe dazu Abschnitt 15.3.2). Empfehlung: Ermittle die Resonanzstellen der Ansprechpartner! Teamwork Das schrittweise Vorgehen offenbart recht bald, welche Gruppen bzw. Einzelpersonen die Umsetzung unterstützen. Das Verbinden mit den Un‐ terstützern beim weiteren Vorgehen, das Vernetzen innerhalb, aber auch außerhalb, der Organisation bietet zusätzliche Erfolgschancen. 336 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="337"?> Empfehlung: Vernetze dich innenhalb und außerhalb der Organisa‐ tion! Zielstrebigkeit Eine auf Veränderung des Bestehenden gerichtete Umsetzungsidee hat in der Regel stets Hindernisse zu überwinden. Skepsis oder gar Ablehnung bei einigen Ansprechpartnern führen oft zu Rückschlägen. Vor allem durch Einstellungen bedingte Vorbehalte dürften im Verein mit Unterstützern durch geduldiges Überzeugen und dem Verwenden einstellungskonformer Informationen überwunden werden. Empfehlung: Gib deinen Vorschlag nicht frühzeitig auf! Feedback Die Gründe für Zustimmung oder Ablehnung sind sorgfältig zu sammeln, auszuwerten und daraus entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine Ablehnung soll nicht kommentarlos hingenommen, sondern hinterfragt und für das weitere Vorgehen beachtet werden. Empfehlung: Verlange eine Einschätzung deines Vorschlags! (vgl. auch D E P I E R E UX , P., 2017; C O NV E Y , S.-et al., 2017) 15.3 Ansprechpartner in der Organisation 15.3.1 Gruppenbildung Bei dem Versuch, Ansprechpartner in der Organisation in typischen Grup‐ pen zusammenzufassen, stehen ihre potentiellen Möglichkeiten für die Unterstützung des Umsetzungsvorschlags im Vordergrund. Dies führt zu folgenden fünf Zielgruppen für die Ansprache: • Veranlasser Erkennen, dass zur Lösung bestimmter Probleme in der Organisation externe Hilfe benötigt wird. Von ihnen gehen Anstöße für Veränderun‐ gen aus. Sie sind offen für Umsetzungsvorschläge. • Fachkompetente Kennen sich mit dem Umsetzungsvorschlag aus, neigen zur gründlichen fachlichen Prüfung. Von ihnen gehen wesentliche Informationen an die Entscheidungsträger aus. 15.3 Ansprechpartner in der Organisation 337 <?page no="338"?> • Beeinflusser Sind als Aktionäre, Gesellschafter, Berater oder Angehörige spezieller Abteilungen nur indirekt von dem Umsetzungsvorschlag betroffen. Können aber aufgrund ihrer Sonderstellung Einfluss auf den bzw. die Entscheider ausüben. • Entscheider Treffen die Entscheidung über den Umsetzungsvorschlag, gegebenen‐ falls unter dem Einfluss der anderen Zielgruppen. • Nutzer Sind von dem Umsetzungsvorschlag direkt betroffen, müssen ihn reali‐ sieren, mit ihm arbeiten. Für den Fall, dass die Arbeit in der Organisation betreut wird, kann eine besondere Zielgruppe entstehen. Wer hat das Thema befürwortet oder vergeben und wer hat die Arbeit in der Organisation betreut? Das könnte zu einem „Kernteam“ führen, mit dem begonnen wird, die Identifikation der Interessen vorzunehmen und über die Umsetzung in der Organisation zu diskutieren (B AU CH , U., 2018). 15.3.2 Aussagen von besonderer Bedeutung Der mit der Umsetzung seiner Ergebnisse befasste Master oder Bachelor hat jetzt die Möglichkeit, die spezielle Interessenlage jeder einzelnen Zielgruppe zu erkunden und daraus seine Präsentationsstrategie zu entwickeln. Insbe‐ sondere sind jene Aussagen aus dem Umsetzungsvorschlag zu bestimmen, die für die Zielgruppe von besonderer Bedeutung sind und deshalb im Mittelpunkt der Präsentation stehen. Dazu werden in Auswertung zahlrei‐ cher Gespräche mit Absolventen sowie eigenen Erfahrungen die folgenden Vorschläge unterbreitet: • Veranlasser - Das Problem, die Problemursachen und Auswirkungen sind klar erfasst. - Der Umsetzungsvorschlag setzt an der Problemursache an. - Der Umsetzungsvorschlag ist inhaltlich nachvollziehbar und schlüssig. - Die Wirkung des Vorschlags ist effektiv (hoher Grad der Zielerrei‐ chung) und nachhaltig. 338 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="339"?> • Fachkompetenter - Das Problemfeld, die Problemursachen, die Problemauswirkungen und das Handlungsfeld sind vollumfänglich inhaltlich/ thematisch durchdrungen. - Der Umsetzungsvorschlag ist fachlich kompetent, schlüssig struk‐ turiert und gut durchdacht. - Wechselwirkungen mit anderen fachlichen Themen/ Problemen sind angemessen berücksichtigt. - Kritische Umsetzungsdetails werden erfasst und berücksichtigt. - Der operative Umsetzungsplan ist realistisch. • Beeinflusser - Die betroffenen Beeinflusser sind bekannt, und ihre spezifischen Interessen werden gezielt angesprochen. - Der Erfolg, insbesondere der Imagegewinn, der durch den Umset‐ zungsvorschlag erzielt werden kann, ist erkennbar. - Die weiteren Interessen der Beeinflusser werden berücksichtigt, mögliche Interessenkonflikte sind angesprochen. - Der Vorschlag erscheint realisierbar und ökonomisch vertretbar. • Entscheider - Der Umsetzungsvorschlag passt in die Strategie der Organisation und trägt zur Zielerreichung bei. - Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen des Vorschlags ist klar überschaubar und nachweisbar positiv. - Die erforderlichen Umsetzungsschritte/ Meilensteine sind deut‐ lich, die Umsetzungszeit vertretbar. - Die Messkriterien für das Erfolgs-Controlling und das Reporting sind einleuchtend. - Die Risiken des Vorhabens sind erkennbar und können beherrscht werden, es existiert eine strukturierte Exit-Strategie. - Die Umsetzung bedeutet keinen Verlust an Popularität, an öffent‐ licher Wertschätzung. • Nutzer - Die Zustimmung der Leitung zum Umsetzungsvorschlag liegt vor. - Der Inhalt der Änderungen ist transparent, der Aufwand ist eindeutig erkennbar. - Die Vorteile des Vorhabens überwiegen die Nachteile. - Die persönlichen Auswirkungen sind präsent. 15.3 Ansprechpartner in der Organisation 339 <?page no="340"?> 15.3.3 Checkliste Werden die Aussagen in den Abschnitten 15.3.1 und 15.3.2 zusammenge‐ führt, so kann dem Nutzer in Abb. 121 eine Handlungsorientierung angebo‐ ten werden. Sie ist in Abhängigkeit vom konkreten Umsetzungsvorschlag und der spezifischen Situation in der Organisation für das Vorgehen zu modifizieren. An‐ sprech‐ partner Unterstüt‐ zungspotential Aussagen von besonderer Bedeutung Veranlas‐ ser Anstoß für Verän‐ derungen geben Veränderung ist notwendig, Problem ist klar gekennzeichnet, Umsetzungsvorschlag setzt an der Ursache an, ist schlüssig und effektiv. Fachkom‐ petenter Empfehlung an Entscheider geben Umsetzungsvorschlag ist fachlich solide, Wechselwirkung mit anderen Problemen bzw. Themen ist erkennbar, kritische Details bei der Umsetzung sind beachtet. Beeinflus‐ ser Auf Entscheider Einfluss nehmen Imagegewinn ist erkennbar, Vorschlag ist rea‐ lisierbar und ökonomisch zu vertreten, Inter‐ essen der Beeinflusser sind berücksichtigt. Entschei‐ der Über Umsetzungs‐ vorschlag entscheiden Vorschlag passt in die Strategie, Kos‐ ten/ Nutzenverhältnis ist positiv, Umset‐ zungszeit ist vertretbar, Risiko beherrschbar (Exit-Strategie), kein Verlust an Popularität. Nutzer Den Umsetzungs‐ vorschlag realisieren Zustimmung durch die Leitung liegt vor, Inhalt und Aufwand der Veränderung sind erkennbar, Vorteile überwiegen, persönliche Auswirkungen sind erkennbar. Abb.-121: Checkliste für die gezielte Ansprache in der Organisation 15.4 Gruppendiskussion 15.4.1 Anlass Natürlich kann der Umsetzungsvorschlag dem Entscheider unter Betonung der Aussagen, die für ihn von Bedeutung sind (siehe Abb. 122), sofort prä‐ sentiert werden. Allerdings muss man ihm zubilligen, dass er dem Vorschlag in der Regel nicht sofort zustimmen kann, sondern im besten Fall eine 340 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="341"?> Prüfung zusagen wird. Diese Prüfung führt er in der Regel nicht selber durch. Er delegiert sie an einen Dritten - und schon ist der Umsetzungsvorschlag seinem Schöpfer aus der Hand genommen. Wer ist der Prüfer? Ist er vielleicht mit anderen Dingen stark beschäftigt? Ist er skeptisch gegenüber Veränderungen, oder lehnt er sie gar gänzlich ab? Erfahrungsgemäß wehren sich Menschen nicht gegen die Veränderung, sondern dagegen, verändert zu werden. Widerstände und Ängste gibt es bei nahezu allen Veränderungen. Man denke nur an die Angst vor dem Verlust der Verantwortung, an über‐ forderte Führungskräfte, an die Angst vor Substitution von Mitarbeitern oder vor verstärkter Kontrolle und Transparenz. Die Gefahr ist groß, dass der Vorschlag irgendwo versickert. Deshalb sollt eder Autor sein Projekt in der Hand behalten und die Entscheidungsvorbereitung, also die Prüfung in eigener Sache, selbst organisieren. 15.4.2 Kennzeichnung Hierbei bewährt sich das Instrument der Gruppendiskussion (ausführlich dazu bei L O O S , P, et al., 2012; S CHO LL , A., 2003). Die Gruppe, mit der sein Umsetzungsvorschlag diskutiert wird, besteht aus Angehörigen der Organisation und kann folgendermaßen zusammengesetzt sein: • homogen - also beispielsweise 2 bis 4 Sachkompetente oder • heterogen - zum Beispiel 1 Veranlasser, 2 Sachkompetente und 1 Nutzer. Mit der fokussierten Gruppendiskussion zur Umsetzung des Veränder‐ ungsvorschlags werden, allerdings schrittweise, zwei Ziele verfolgt: 1. Erhebung von Meinungen, Orientierungs- und Bedeutungsmustern zum Umsetzungsvorschlag durch Interaktion der Teilnehmer. 2. Im Ergebnis werden die Chancen der Umsetzung unter den konkreten Bedingungen der Organisation erkannt. 3. Modifizierung des Umsetzungsvorschlags im Ergebnis übereinstimmen‐ der Meinungen (Konsens) und Akzentuierung der Präsentation vor dem Entscheider. Im Ergebnis sollen die Chancen für die Umsetzung erhöht werden. Auf diese Weise kann die Gruppendiskussion durch einen auf dem Konsens verschiedener Gruppenmitglieder beruhenden Vorschlag die Entscheidung über die Umsetzung befördern. 15.4 Gruppendiskussion 341 <?page no="342"?> 15.4.3 Moderation Bei der Durchführung der Gruppendiskussion hat sich die Moderations‐ methode bewährt. In einem strukturierten Verfahren stimuliert und nutzt ein Moderator das Ideenpotential der Gruppenmitglieder in Richtung auf die oben genannten Ziele aus und sichert dabei ein faires und konstruktives Zusammenwirken in der Gruppe (ausführlich dazu bei L E HMANN , G., 2017a, Seiten 48 bis 70). Das moderierte Gespräch enthält vor allem folgende Schwerpunkte: • Vorstellen des Umsetzungsvorschlags, • Meinungsaustausch, -bildung, • Ideen zur Modifizierung des Vorschlags, • Bewertung der Ideen, • Konsensfindung, • Dokumentation des modifizierten Vorschlags und der Präsentationsstra‐ tegie. Wer sollte ein solches Gespräch leiten, wer übernimmt die Rolle des Mode‐ rators? Alle Erfahrungen verweisen in diesem Falle auf den Schöpfer des Vorschlags selbst. Allerdings muss er dabei inhaltliche Zurückhaltung üben. Er setzt Impulse für die Diskussion und sorgt für eine Grundordnung in der Diskussion. Der Moderator • legt Beginn, Ablauf und Ende des Gesprächs fest, • stellt den Umsetzungsvorschlag vor (evtl. auch die Teilnehmer) und beantwortet Verständnisfragen, • vereinbart bestimmte Regeln für das Gespräch, z. B. den Anderen ausreden lassen, Killerphrasen vermeiden, jeder bringt sich ein, • steuert die Diskussion in Richtung und/ oder Ausdehnung auf bestimmte Themen oder Bereiche, • wendet dabei Techniken an wie - Feststellen des Meinungsursprungs (Einzel- oder Gruppenmei‐ nung), - Zusammenfassen von Diskussionsabschnitten, - Infrage stellen des Gesagten, provozieren durch Zuspitzen von Aussagen, - Herausstellen verschiedener Meinungen, von Widersprüchen, 342 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="343"?> - Aufzeigen von Konsequenzen als Folge des Gesagten (M AY , G., et al.: 2018, S.-03), • steuert die Bewertung der Ideen durch die Teilnehmer und • sichert die Dokumentation des modifizierten Umsetzungsvorschlags und der Präsentationsstrategie. 15.4.4 Verlaufsphasen Auf das Verhalten des Moderators bezogen verläuft eine Gruppendiskus‐ sion in vier Phasen: Erste Phase: In der Eröffnung bringt der Moderator die Gruppe nach dem Schaffen einer einheitlichen Informationsgrundlage für seinen Umsetzungsvorschlag rasch untereinander ins Gespräch. Insbesondere vermeidet er individuelle Befragungen oder Zwiegespräche mit einzelnen Teilnehmern. Seine Eröff‐ nungsfragen richten sich im thematischen Rahmen stets an alle. Zweite Phase: Im Verlaufe der Diskussion hält der Moderator sich weitgehend inhaltlich zurück. Um Missverständnissen vorzubeugen oder ins Detail zu gehen, stellt er Nachfragen und regt systematisches Vorgehen im inhaltlichen und methodischen Bereich an. Die Vereinbarung bestimmter Regeln für die Diskussion, auch beispielsweise der Verzicht auf Kritik während der Ideenproduktion kann dazu führen, dass einzelne Teilnehmer ihre Unzufrie‐ denheit mit dem Arbeitsfortschritt oder der methodischen Führung des Moderators zwar unterdrücken, aber geistig Abschied von der Zusammen‐ arbeit genommen haben. Um diesem Phänomen vorzubeugen, sollte der Moderator im Verlaufe der Zusammenarbeit etappenweise (siehe Abb.-122) feststellen: • was bis zum jeweiligen Zeitpunkt bereits erreicht wurde (Zusammen‐ fassung) und • zugleich nachfragen, ob es bis hierher Einverständnis mit dem Vorgehen gibt. Sofern es Kritikpunkte gibt, sind diese vor Fortsetzung der inhaltlichen Arbeit zu klären. 15.4 Gruppendiskussion 343 <?page no="344"?> Abb.-122: Konsens feststellen Dritte Phase: Sobald in der Meinungsäußerung eine gewisse Erschöpfung, ein Sätti‐ gungsgrad im Ideenaustausch spürbar wird, setzt der Moderator Impulse. Besonders geeignet dafür sind provozierende Fragen, das Aufzeigen von Widersprüchen, aber auch das Strukturieren der erreichten Ergebnisse mit der Offenbarung von Lücken oder Schwachstellen. Gebräuchlich sind auch instrumentelle Hilfen, um Vollständigkeit zu erzielen - beispielsweise die Empfehlung von Checklisten oder Leitfäden. Im Bedarfsfall regt er auch die Diskussion zu weiteren Aspekten mit Themenbezug an. Dabei kann ein Strukturbild (Mindmap), wie beispielsweise in Abb. 123 zu einem Vorschlag für das Erschließen von Wachstumsressourcen eines Unternehmens, helfen, die notwendigen Ergänzungen vorzunehmen. 344 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="345"?> Abb.-123: Strukturbild: Beispiel - Wachstumsressourcen für ein Unternehmen Vierte Phase: In der letzten Phase ist der Umsetzungsvorschlag ausführlich besprochen worden. Die Meinungsäußerungen der Gruppenmitglieder werden nun ge‐ bündelt. Modifizierungen (Veränderungen und Ergänzungen) werden weit‐ gehend einvernehmlich vorgenommen, die Argumentationslinien konsen‐ sual abgestimmt. Obwohl der Moderator in dieser Phase deutlich direktiver vorgeht, vermeidet er es, in der Bewertung der Ergebnisse zu dominieren. Wertvoll sind für ihn auch die Vorschläge der Gruppenmitglieder für seine Präsentation vor dem Entscheider - aber: Was und wie präsentiert wird, das entscheidet er selbst! Eine gut vorbereitete Gruppendiskussion überschreitet in der Regel nicht die Dauer von drei Stunden. Dabei bewährt es sich, den Gruppenmitgliedern den Umsetzungsvorschlag in kurz gefasster Form vor der Sitzung zuzuschi‐ cken, so dass die Eingangsinformation kürzer ausfallen kann, jedoch nie eingespart werden sollte. Ein kurzer Fragebogen zu Chancen und Risiken des Umsetzungsvorschlags (max. eine Seite) kann diese Vorabsendung begleiten. 15.4 Gruppendiskussion 345 <?page no="346"?> Zwei Empfehlungen schließen die Ausführungen zur moderierten Grup‐ pensitzung ab: • Erstens sollte der Entscheider nicht als Moderator und möglichst auch nicht als Mitglied der Gruppe agieren (Chefs spalten mitunter die Gruppe in Pro und Kontra). Dagegen ist seine Einflussnahme auf die Zusammensetzung der Gruppe erwünscht. • Zweitens ist die Leitung der Organisation über die Durchführung einer Gruppendiskussion zur Vorbereitung der Leitungsentscheidung in Kenntnis zu setzen, möglichst ihre Zustimmung bzw. Genehmigung zu erlangen. 15.5 Präsentation Selbstverständlich darf sich der Autor auch die Präsentation des Umset‐ zungsvorschlags, auch wenn er im Ergebnis der Gruppenarbeit modifiziert wurde, nicht aus der Hand nehmen lassen. Allerdings ist die Begleitung durch ein Mitglied der Gruppe, möglichst mit Zustimmung des Entscheiders, zu empfehlen. Die Präsentation vor den Entscheidern muss anderen Prämissen folgen als die vor der Prüfungskommission. Während es bei der Disputation an der Hochschule vor allem um den Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung ging, wird jetzt die überzeugende Darstellung des Nutzens für die Organisation erwartet. Der Umsetzungsvorschlag ist frei von wissen‐ schaftlichen Konventionen, fokussiert auf die Interessen und Ansprüche der anvisierten Zielgruppe (siehe Abschnitt 15.3.2), neu geordnet, akzentuiert und allgemein verständlich zu präsentieren. Auf wissenschaftliche Termini wird weitgehend verzichtet, der wissenschaftliche Diskurs rückt in den Hintergrund, die Platzierung der Ergebnisse in die Realität der Organisation steht im Vordergrund. Die Fragen sind zu beantworten: Welchen Nutzen bringt der Vorschlag für welchen Preis? Bei der Gestaltung der Präsentation haben sich vor allem folgende Empfehlungen bewährt: • Im Einstieg wird deutlich markiert, dass eine Veränderung notwendig ist. Der Hauptteil erklärt, wie die Veränderung mit welchen Konsequen‐ zen erreicht wird. Der Schluss weist das Ergebnis der Veränderung mit erkennbarem Nutzen für die Organisation aus. 346 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="347"?> • Die zielführende Argumentation folgt weniger einer sachlogischen, son‐ dern einer psychologischen Reihenfolge, beispielsweise in den Schritten: - Konkrete Situation - Resultierende Probleme - Leistungen des Vorschlags zur Lösung - Resultierende Möglichkeiten für innere Leistungsbereiche - Perspektive für Außenbeziehungen der Organisation. (siehe dazu auch Abb.-82). Vorschläge für Argumentationsfolgen sind in den Abschnitten 13.3.3 und 13.4.3 enthalten. • Die Verständlichkeit der vorgetragenen Ergebnisse erfordert - konsequentes Orientieren der Aussagen am Nutzen für die Orga‐ nisation, - Vereinfachen komplizierter Aussagen durch Überführen in eine bildhafte Form (Visualisierung), durch Modellbildung oder exem‐ plarisches Vorgehen, - anschauliche und einfache Sprachgestaltung sowie die Wahl ge‐ läufiger Wörter. In Ergänzung dazu wird auf die Empfehlungen im Teil 13, Präsentieren von Ergebnissen, verwiesen. 15.6 Bedingungen für den Umsetzungserfolg Auch wenn die Präsentation des Autors zu einer positiven Leitungsent‐ scheidung geführt hat, so ist damit der Veränderungsvorschlag noch lange nicht umgesetzt. Mit einem soliden Change-Management sind nun in Abhängigkeit von der Dimension der vorgeschlagenen Veränderung die dafür notwendigen Bedingungen zu schaffen. In Anlehnung an B E C K E R , R., (2012, S.-6-ff.) sind das vor allem die folgenden Maßgaben: 1. Die gesamte Leitung der Organisation steht geschlossen hinter dem Veränderungsvorschlag. 2. Alle Führungskräfte der Organisation akzeptieren den Veränderungs‐ vorschlag und setzen sich glaubwürdig für seine Umsetzung ein. 3. Alle Betroffenen in der Organisation sind über den Veränderungsvor‐ schlag zielgruppenspezifisch informiert und zeigen für die erforderli‐ chen Maßnahmen Verständnis. 15.6 Bedingungen für den Umsetzungserfolg 347 <?page no="348"?> 4. Die Nutzer des Veränderungsvorschlags im jeweiligen Bereich der Organisation sind frühzeitig in die Umsetzung eingebunden und für die Veränderung sowohl motiviert als auch ausreichend befähigt. 5. Die Stakeholder der Organisation sind über die Umsetzung der Verän‐ derung informiert, um Irritationen und Zielkonflikte zu vermeiden. Letztlich ist für den Erfolg der erkennbare Gestaltungswille des Manage‐ ments entscheidend, eine konsequente Umsetzungsorganisation und die intensive Kommunikation mit allen Betroffenen. Darauf hat der Autor sicher nur begrenzten Einfluss, aber er kann deutlich dazu beitragen, die Veränderungserfolge im Alltag der Organisation sichtbar und bekannt zu machen. Vielleicht stellt sich jetzt zum Schluss der eine oder andere die Frage: Wie finde ich die Organisation für die Umsetzung meiner Ergebnisse? Für den Absolventen berufsbegleitender Studiengänge ist es in der Regel das aktuelle Einsatzunternehmen, für den Absolventen des Präsenzstudiums der neue Arbeitgeber. In allen anderen Fällen haben schon zwei Tipps von Erfahrungsträgern geholfen. • Bitte den Betreuer oder Mitglieder der Prüfungskommission um ent‐ sprechende Empfehlungen nach der Bestätigung deiner Ergebnisse in der Disputation. • Besuche Fachtagungen im Themenbereich deiner Arbeit und spreche gezielt Teilnehmer zu deinem Anliegen an. Mit bestätigten Ergebnissen im Gepäck und dem festen Willen zur Umset‐ zung eröffnen sich für den Autor oft neue Karrierechancen. 348 15 Umsetzen von Ergebnissen <?page no="349"?> 16 Schlusswort Das Hauptziel wissenschaftlicher Arbeiten mit Prüfungscharakter ist der Nachweis einer Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Darin ist das Gewinnen neuer Erkenntnisse eingeschlossen. Dieses durch Text und Rede verständlich und nachprüfbar zu machen, vielleicht sogar weiterzuführen oder in eine praktische Nutzung zu über‐ führen, ist das Anliegen des Buches, das dafür Handlungsempfehlungen vorstellt. Handlungsempfehlungen sind hier im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen und eben nicht als starre Vorschriften oder gar als Dogmen. Wer wissenschaftliche Arbeit mit Vorschriften überlastet, schränkt Kreativität ein, bindet unnötig viel Kraft des Bearbeiters und mindert seine Freude an der wissenschaftlichen Arbeit. Allerdings wird dem Forscher angeraten, sobald er sich zum Veröffentli‐ chen seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse in Wort und Schrift entschlos‐ sen hat: • Drücke deine Erkenntnisse verständlich aus und • gewährleiste die Nachprüfbarkeit der Methoden und Quellen. Kurzum: Zeige Respekt vor der Zeit deiner Leser und Zuhörer! In Anlehnung an U MB E R TO E C O : „Schreiben ist die Hölle, geschrieben haben ist der Himmel“, möchte der Autor dieses Buches seine Erfahrung wie folgt zusammenfassen: Schreiben ist harte Arbeit. Geschrieben zu haben schafft persönlich eine gewisse Zufriedenheit. Aber, gelesen, gehört und verstanden zu werden, ist eine Quelle für persönliches Glück in der wissenschaft‐ lichen Arbeit! <?page no="351"?> Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten Den Einsteiger in die wissenschaftliche Arbeit, sowohl im Studium als auch in der beruflichen Tätigkeit, beschäftigen stets eine Reihe von Fragen. Was gehört zur umfassenden Bearbeitung meines Themas? In welchen Schritten sollte sie erfolgen? Wie komme ich von groben inhaltlichen Vorstellungen über meine Arbeit zu einer bearbeitbaren Aufgabenstellung, die den Ansprüchen der gefor‐ derten wissenschaftlichen Arbeit gerecht wird? Wie setze ich Instrumente der Datenerhebung (z. B. Befragungen) effektiv ein? Wie löse ich beim Verfassen der wissenschaftlichen Arbeit Formulierungsblockaden auf? Für die Beantwortung dieser Fragen kann man mit Hilfe von ChatGPT Antworten finden. Sie werden in den folgenden Beispielen vorgestellt: 1. Textformulierung 2. Grammatik- und Rechtschreibungskorrektur 3. Themenfindung 4. Gliederung 5. Interview 6. Literaturrecherche 7. Textgenerierung Zuvor sei darauf verwiesen, dass der Erfolg in all den folgenden Funktionen maßgeblich vom Einstieg in das Gespräch mit dem Chatbot abhängt. Was muss ich eingeben, damit die Ausgabe möglichst brauchbar wird? BERENS und BOLK (2024, S. 84 f.) schlagen eine Formel vor, um möglichst genaue Prompts mit ausreichend Kontext zu schreiben. Sie lautet: T Thema (Fachbereich oder beliebige Spezifizierungen), I Inhalt (z. B. Aspekt, Einschränkungen), L Länge (z. B. Seitenzahl, Spezifizierung der Antwort), F Format (z. B. Tabelle oder Aufzählpunkte), T Tonalität (z. B. informell oder genderneutral), S Stil (z. B. kein Jargon), Z Zielgruppe (Bedürfnisse, Wünsche), A Aufbau (z. B. Liste, Schrittfolge), CTA (z. B. „Nenne wichtigsten Punkt zuerst.“). <?page no="352"?> Allerdings sollte der Prompt nicht überladen werden. Alle weiteren ge‐ wünschten Präzisierungen können dann in Verlaufe des Gesprächs schritt‐ weise im Kontext eingegeben werden. (1) Textformulierung Vielleicht kann es der Leser nachempfinden, dass er sich beim Formulieren plötzlich vor einer Fülle komplizierter Ausdrücke wiederfindet, sich bei einer kniffligen Textstelle festgebissen hat. So fühlt man sich beispielsweise nicht wohl und hat Verständnisprobleme bei der folgenden anspruchsvollen Formulierung: „In einer experimentellen Studie wurden die Auswirkungen von genetischen Muta‐ tionen auf die neuronale Plastizität untersuch. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Varianten das Potenzial für synaptische Veränderungen beeinflussen können.“ Im folgenden Beispiel bietet ChatGPT nach dem Angebot o. g. Textes einen Ausweg an, der das Unwohlsein verringert und das Verständnis erleichtert: „In einem Experiment haben wir erforscht, wie bestimmte Genveränderungen unser Gehirn beeinflussen können. Wir haben herausgefunden, unsere Gehirnzellen sind Bausteine und manche genetischen Varianten können die Art und Weise beeinflussen, wie diese Bausteine miteinander kommunizieren.“ Jetzt versteht es sogar der Verfasser selbst besser. Allerdings, Vorsicht! Die wissenschaftliche Aussage muss erhalten bleiben und die Form darf nicht verletzt werden. ChatGPT hat hier gerade einen Text produziert, der vom Original abweicht. Der Gebrauch eines Subjekts ist im wissenschaftlichen Text in der Regel nicht üblich, also kein „Ich“ oder „Wir“. Dennoch besteht Bedarf an besserer Verständlichkeit. Weitere Eingabe: „Formuliere in populärwissenschaftlicher Sprache“. Seed: „In einem Experiment haben wir untersucht, wie bestimmte Genverän‐ derung unser Gehirn beeinflussen. Dabei haben wir entdeckt, dass un‐ sere Gehirnzellen wie Bausteine funktionieren, die miteinander kommu‐ nizieren. Manche genetischen Varianten können diese Kommunikation verändern und damit möglicherweise die Art und Weise beeinflussen, wie das Gehirn arbeitet […].“ 352 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="353"?> Wie das Beispiel zeigt, werden komplexe Begriffe vereinfacht und alltags‐ nahe Beispiele verwendet. Fachjargon wird vermieden, eine leicht verständ‐ liche Sprache bezieht Leser ein. Im Original und in der populärwissenschaft‐ lichen Variante sind keine möglichen praktischen Anwendungen enthalten. Bei Interesse wird deshalb das Gespräch jetzt weitergeführt: Kontext Eingabe: „Gibt es dafür praktische Anwendungen? “ Seed: „Ja, die Erkenntnisse über genetische Einflüsse auf die Kommunikation von Gehirnzellen könnten in Zukunft bei der Entwicklung neuer The‐ rapien für neurologische Erkrankungen nützlich sein. Wenn wir besser verstehen, wie bestimmte Gene die Funktion des Gehirns beeinflussen, können wir gezielter auf Störungen reagieren. So könnten beispielsweise gezielte Therapien entwickelt werden, um Fehlfunktionen zwischen Gehirnzellen bei Erkrankungen wie Alzheimer, Epilepsie oder anderen neurodegenerativen und genetischen Störungen zu korrigieren.“ Wem die Erläuterung zu lang ist, der kann eine Kürzung anweisen. Kontext Eingabe: „Kann die Aussage sinnvoll gekürzt werden? “ Seed: „Ja, hier die gekürzte Formulierung. Die Erkenntnisse könnten hel‐ fen, neue Therapien für neurologische Erkrankungen zu entwickeln. Wenn wir verstehen, wie Gene die Kommunikation von Gehirnzellen beeinflussen, können wir gezielter auf Störungen wie Alzheimer oder Epilepsie reagieren.“ An dieser Stelle wird das Gespräch beendet. Allerdings handelt es sich hier lediglich um eine methodische Übung. Die Gültigkeit des von ChatGPT produzierten Textes wurde nicht überprüft. Für den folgenden anspruchsvollen Text zum Thema „Der externe Pro‐ duktionsfaktor…“ wird eine Formulierungsunterstützung gesucht: Prompt: „Verbessere bitte die Formulierung folgender Aussage: Die Transfor‐ mation wird einerseits durch bestimmte Rahmenbedingungen, wie die Beschaffenheit der Objekte und relativ komplizierte Kompatibi‐ litätsbedingungen, die Input-Eigenschaftsfähigkeit mit den Output- Eigenschaftsänderungen abgleichen und andererseits durch die Berück‐ sichtigung von Einflussgrößen der Eigenschaftsträger sowie der Para‐ meterwahl (z. B. Intensität der Dienstleistungserstellung) beeinflusst“. (Corsten, M., et al., 2024, S.22). Seed: „Die Transformation wird einerseits durch bestimmte Rahmenbedin‐ gungen beeinflusst, wie die Beschaffenheit der Objekte und die Kom‐ (1) Textformulierung 353 <?page no="354"?> patibilitätsanforderungen, die die Eigenschaften des Inputs mit den Veränderungen des Outputs in Einklang bringen. Andererseits spielen die Einflussfaktoren der Entscheidungsträger sowie die Wahl relevanter Parameter (z.B. die Intensität der Dienstleistungserstellung) eine wich‐ tige Rolle.“ (… ) Kontext (Nachfrage): Kann diese Formulierung weiter verbessert werden? Antwort: „Die Transformation wird einerseits durch Rahmenbedingungen wie die Beschaffenheit der Objekte und die Kompatibilitätsanforderungen bestimmt, die die Input-Eigenschaften mit den Output-Veränderungen abstimmen. Andererseits beeinflussen die Entscheidungen der Akteure sowie die Auswahl zentraler Parameter, etwa die Intensität der Dienst‐ leistungserbringung, den Prozess maßgeblich“. (… ) Die letzte Antwort der KI müsste allerdings genaugenommen einer Über‐ prüfung durch den Autor standhalten. Beim ständigen Einkürzen des Textes könnten nach dessen Bewertung bestimmte Inhalte ungenau wiedergegeben werden. (2) Grammatik- und Rechtschreibkorrektur In wissenschaftlichen Texten unterlaufen mitunter Fehler in Rechtschrei‐ bung und Grammatik. So lautet z. B. der fehlerhafte Text: „Die Auswertung der Daten ergab das es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gibt. Teilnehmer die regelmäßig trainiert haben zeigten eine höhere Konzentration. Ein weiter Faktor der die Ergebnisse beeinflusst hatte war die Tageszeit zu der die Tests durchgeführt worden sind. Jedoch wurden nicht alle relevante Parameter erfasst, was die Aussagenkraft der Studie eingeschränkt hat.“ ChatGPT schlägt den folgenden korrigierten Text vor: „Die Auswertung der Daten ergab, dass es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gibt. Teilnehmer, die regelmäßig trainiert haben, zeigten eine höhere Konzentration. Ein weiterer Faktor, der die Ergebnisse beeinflusst hatte, war die Tageszeit, zu der die Tests durchgeführt wurden. Allerdings wurden nicht alle relevanten Parameter erfasst, was die Aussage der Studie einschränkte.“ Die Korrektur erfolgte in der Grammatik („das“ > „dass“; „weiter“ > „wei‐ terer“; „relevante“ > „relevanten“) und in der Rechtschreibung (mehrfach 354 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="355"?> Kommasetzung). Kritisch sind im Vorschlag die Änderungen der Zeitform zu sehen, z. B. „durchgeführt worden sind“ in „durchgeführt wurden“ oder „eingeschränkt hat“ in „einschränkte“. (3) Themenfindung Wie wichtig sind populärwissenschaftliche Texte in der heutigen Wissens‐ gesellschaft? Auf diese Frage bietet ChatGPT sechs Antworten an, die ausführlich beschrieben werden. Als eine wichtige Funktion wird die „Förderung der Wissenschaftskommunikation“ genannt. So ermöglichen po‐ pulärwissenschaftliche Artikel es den Forschern, ihre Arbeit allgemeinver‐ ständlich zu kommunizieren und wissenschaftliche Entwicklungen besser verständlich zu machen. Mit Bezug zur genannte „Förderung der Wissenschaftskommunikation“ bietet das Tool als mögliches Thema für einen Aufsatz an: „Populärwissen‐ schaftliche Artikel schreiben.“ Für diesen Aufsatz wird eine Struktur entwi‐ ckelt, mit insgesamt acht Strukturträgern, von der Definition bis zu einer Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte eines populärwissenschaftli‐ chen Artikels, die zudem ausführlich beschrieben werden. Auf diese Weise wird ein Überblick darüber vermittelt, was alles zur wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas gehört und welcher Anspruch damit verbunden ist. Jetzt kann beispielsweise auch entschieden werden, welcher Strukturträger oder bzw. welche Aspekte mit welcher Begründung in der Arbeit nicht weiter untersucht werden. In einem weiteren Beispiel sucht der Forschende ein Arbeitsthema zur Steuerung von Lehr-/ Lernprozessen im Hochschulunterricht. ChatGPT bietet dazu verschiedene didaktische Ansätze, Werkzeuge und Methoden an. Im Verlaufe der Themenfindung fällt die Wahl auf das Werkzeug „Blendend Learning“ als Kombination von Präsenzunterricht und digitalen Lernformaten. ChatGPT schlägt z. B. für eine Bachelorarbeit als bearbeitbare Aufgabenstellung das folgende Thema vor: „Die Wirksamkeit von Blendend Learning im Hochschulunterricht Eine empirische Untersuchung zur Förderung des eigenverantwortlichen Lernens.“ Für eine Masterarbeit wird die Aufgabestellung anspruchsvoller und umfas‐ sender vom Chatbot formuliert: (3) Themenfindung 355 <?page no="356"?> „Blendend Learning und selbstreguliertes Lernen im Hochschulkontext. Eine verglei‐ chende Analyse der Effektivität unterschiedlicher didaktischer Designs.“ Wohlgemerkt, es handelt sich um Themenvorschläge. Der Interessent erhält eine Information zum Anspruch an wissenschaftliche Arbeiten auf den unterschiedlichen Qualifizierungsstufen und damit eine Grundlage für seine Entscheidungen. (4) Gliederung KI-Tools können Vorschläge für die Gliederung der wissenschaftlichen Ar‐ beit machen. In Bezug zum oben genannten Beispiel könnte die Anweisung lauten: „Ich möchte eine Bachelorarbeit zum Thema „Blendend Learning in der Hochschul‐ bildung: Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren“ schreiben, welche Gliederung ist passend, welche Forschungsfragen sind zu beantworten? “ Angebot von ChatGPT: „Gliederung: 1. Einleitung - Relevanz des Themas, Zielsetzung Forschungsfragen, Aufbau. 2. Theoretische Grundlagen - Definition, Entwicklung und Konzepte. 3. Blendend Learning in der Hochschulbildung - Einsatzbereiche und Technolo‐ gien, Vorteile und Nachteile, Fallbeispiele, Anforderungen an Studierende und Lehrende. 4. Chancen und Herausforderungen - technologische und organisatorische Her‐ ausforderungen, Erfolgsfaktoren für die Implementierung, Auswirkungen auf Lernerfolg und Lernerfahrungen. 5. Empirische Untersuchungen - Forschungsdesign und Methodik, Stichprobe, Erhebung und Analyse der Daten, Ergebnisse. 6. Diskussion - Interpretation der Ergebnisse im Kontext der Forschungsfragen, Handlungsempfehlungen. 7. Fazit und Ausblick - Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, Grenzen der Arbeit, Vorschläge für weiterführende Forschungen. Mögliche Forschungsfragen: 1. Wie wirkt sich Blendend Learning auf Lernmotivation und Lernerfolg aus? 2. Welche Herausforderungen gibt es bei der Implementierung von Blendend Learning? 356 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="357"?> 3. Welche Rolle spielen technische Fähigkeiten der Lehrenden und Studierenden im Blendend Learning? 4. Inwiefern kann Blendend Learning die Flexibilität und Individualisierung des Lernprozesses fördern? Mögliche Forschungsmethoden: 1. Quantitative Umfragen: Umfragen unter Studierenden und Lehrenden, um de‐ ren Erfahrungen, Zufriedenheit und Herausforderungen mit Blendend Learning zu messen. 2. Qualitative Interviews: Tiefgehende Interviews mit Lehrenden und Studierenden, um deren Meinungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren besser zu verste‐ hen. 3. Fallstudienanalyse: Analyse konkreter Blendend Learning Programme an einer Hochschule, um Erfolgsfaktoren und Best Practices zu identifizieren. 4. Experimentelle Studien: Vergleich von Lernerfolgen zwischen Studierenden, die Blendend Learning nutzen, und solchen, die traditionell unterrichtet werden.“ Das Angebot verdeutlicht den Anspruch an eine umfassende Bearbeitung des Themas, untersucht sowohl theoretische als auch praktische Aspekte von Blendend Learning, erlaubt Ergänzungen und Ausblendungen, auch Veränderungen in der Abfolge. Die Forschungsfragen können ausgewählt und anders formuliert werden. Erlaubt ist das Prüfen von Vorschlägen für eine Gliederung, nicht aber die Übernahme von strukturierten KI-Inhalten ohne Deklaration. Mit diesem Angebot an nützlichen Werkzeugen kann eine fundierte Untersuchung zum Thema „Blendend Learning“ durchgeführt werden. Anmerkung: Der im wissenschaftlichen Arbeiten erfahrene Student wird sich erinnern, dass er sich zuerst stets in ein Thema eingelesen und dann eine Gliederung erstellt hat. In dem oben vorgestellten Beispiel greift der Einsteiger sofort auf die von KI vorgegebene Struktur zurück und muss sich nun in das Thema einlesen, um die Struktur auszufüllen. Pauschal kann nicht beurteilt werden, welcher Weg effektiver ist. Vieles hängt vom Bearbeiter selbst ab. Aber eines kann man nach Erprobung jetzt schon feststellen: Das Einlesen in das Thema erfolgt mit der KI-Gliederung im Hintergrund sofort strukturiert und in der Folge mit Zeitgewinn. Das ist mindestens kein Nachteil. (4) Gliederung 357 <?page no="358"?> (5) Interview Interviews können in der wissenschaftlichen Arbeit eine wichtige Rolle spielen. In einem Fall sucht der Forschende eine Antwort auf die Frage: „Was gehört zur Vorbereitung eines Interviews von Mitarbeitenden zum Thema Arbeitsplatzausstattung? “ ChatGPT schlägt dazu acht Schritte vor, unter anderem die Vorbereitung von Interviewfragen. Aus der Fülle der Vorschläge interessiert den Unter‐ suchenden beispielsweise jetzt: „Welche Interviewfragen helfen, die Verbesserungswünsche der Mitarbeitenden be‐ züglich ihrer Arbeitsplatzausstattung zu ermitteln? “ Auch hierzu hat ChatGPT sehr konkrete Vorschläge. Der Chatbot bietet Frageformulierungen an, vom Feststellen der allgemeinen Zufriedenheit, über die Zufriedenheit mit der technischen Ausstattung, zur Ergonomie, zu Arbeitsmaterialien, zur Beleuchtung und zum Raumklima, zur Lärmbe‐ lästigung, auch zur Homeoffice-Ausstattung, den Kommunikations- und Kollaborationsmöglichkeiten, zu Möglichkeiten, das Wohlbefinden am Ar‐ beitsplatz zu steigern. Mit diesen Fragen werden verschiedene Bereiche der Arbeitsplatzausstattung abgedeckt und den Mitarbeitenden wird die Möglichkeit zu detaillierten Rückmeldungen gegeben. Die Abschlussfrage im Interview könnte lauten: „Wenn Sie eine Sache an der Ausstattung Ihres Arbeitsplatzes sofort ändern könnten, was wäre das? “ Mit den Beispielen in diesem Anhang wird dem Leser mit ChatGPT ein Suchfeld für einige seiner Fragen und Antworten zum wissenschaftlichen Arbeiten eröffnet, Bewertungskriterien werden vorgeschlagen und ein An‐ spruch an die jeweilige Aufgabe wird verdeutlicht. Letztlich erhält der Nutzer die Empfehlung, alles einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen. Der Inhalt dieses Buches kann dafür zu Rate gezogen werden. (6) Literaturrecherche Eine wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich beispielsweise mit dem Zu‐ sammenhang von E-Mobilität und Infrastruktur. Dafür werden Quellen mit Grundlagencharakter gesucht. Der Auftrag lautet: 358 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="359"?> Prompt: „Für die Recherche von Forschungsliteratur werden drei aktuelle, wich‐ tige, deutschsprachige Buchtitel zum Thema „Elektromobilität und Infrastruktur“ gesucht.“ GPTPlus bietet an: 1. „Bickel, P. & Friedrich, M. (2021): Elektromobilität und Ladestruktur: Grundla‐ gen, Technologien und Planungsansätze. 2. Schulze, H. (2023): Infrastruktur und Mobilität von morgen: E-Mobilität, Laden‐ etze und Stadtentwicklung. 3. Karg, G., & Gärtner, S. (2022): Städte der Zukunft: Elektromobilität und nach‐ haltige Infrastruktur in deutschen Großstädten.“ Alle drei Titel enthalten eine kurze Inhaltbeschreibung mit Betonung des Grundlagencharakters und den Bezug zu aktuellen Beispielen. Außerdem wird eine Begründung angefügt, warum diese Werke wichtig sind. Achtung! Inhaltsbeschreibungen nicht in eigene Texte übernehmen (siehe dazu auch Kapitel-12.2, Literaturrecherche optimieren). Der Untersuchende muss allerdings die begrenzte Aktualität beachten. Eine einschlägige Recherche im Internet verweist z. B. auf das von DOPPEL‐ BAUER, M., 2024 erschienene Buch zum Thema „Grundlagen der Elektromo‐ bilität. Vorstellung der Antriebs- und Ladekonzepte von batterieelektrischen und hybridelektrischen Fahrzeugen“, das offenbar noch nicht im Chatbot erfasst war. In Übrigen bleibt der wiederholte Appell: Nutzen Sie alle Informationen aus ChatGPT in eigener Verantwortung. Der Chatbot übernimmt keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Überprüfen Sie alle bereitgestellten Informationen; parti‐ ell kann das Internet dabei helfen. Die Beratung mit wissenschaftlichen Begleitern (z. B. Betreuern, Fachkollegen, Kommilitonen) ist unerlässlich. Ergänzung und Bereicherung durch eigene Entwürfe zu Fragestellungen und Strukturen der wissenschaftlichen Arbeit sind ausdrücklich erwünscht. (7) Textgenerierung Mitunter haben Autoren trotz ergebnisreicher Untersuchungen Probleme bei der Dokumentation ihrer Arbeit - insbesondere beim Verfassen einer interessanten Einleitung und einer präzisen Zusammenfassung. Darf man KI um das Generieren entsprechender Textvorschläge bitten? Immerhin (7) Textgenerierung 359 <?page no="360"?> bedeutet Textgenerierung die automatische Produktion von natürlicher Sprache durch eine Maschine. Wenn man eine Anregung benötigt, dann sollte man es versuchen. Also los: „Schreibe eine Einleitung für einen Aufsatz zum Thema „Populärwissenschaftli‐ chen Artikel schreiben“. Die Einleitung soll kurz, anregend und gut verständlich formuliert sein.“ ChatGPT schlägt vor: „Populärwissenschaftliche Artikel machen komplexe Themen für ein breites Publikum zugänglich und bringen wissenschaftliche Erkenntnisse in den Alltag. Anders als in Fachtexten geht es hier darum, spannende Inhalte klar und verständlich darzustellen - ohne Fachjargon, dafür mit einem guten Gespür für interessante Geschichten und anschauliche Beispiele. Doch wie gelingt es, Fachwissen so zu vermitteln, dass es neugierig macht und zugleich verständlich bleibt? Dieser Aufsatz zeigt, welche Techniken und Herangehensweisen einen populärwissenschaftlichen Artikel besonders lesenswert machen.“ Jetzt hat der Autor eine Vorstellung, welcher Anspruch im reichen Er‐ fahrungspool des Chatbot mit „kurz“, „anregend“ und „gut verständlich“ verbunden ist. Sofern ihm das noch nicht ausreicht, insistiert er: „Formuliere noch aufmerksamkeitserregender.“ Vorschlag von KI: „Populärwissenschaftliche Artikel öffnen Türen zu faszinierenden Welten, die oft hinter komplizierten Fachjargon verborgen bleiben. Sie bringen wissenschaftli‐ che Erkenntnisse ins Rampenlicht und machen sie für alle erlebbar - egal, ob es sich um die Geheimnisse des Universums, die Rätsel des menschlichen Gehirns oder die neusten Fortschritte der Medizin geht. Doch wie schafft man es komplexe Inhalte so lebendig und greifbar zu machen, dass sie Leserinnen und Leser in ihren Bann ziehen? Dieser Aufsatz beleuchtet die Kunst, Wissenschaft verständlich und spannend zu erzählen und zeigt, was einen guten populärwissenschaftlichen Artikel ausmacht.“ Den kritischen Leser irritiert möglicherweise eine solche übertriebene Formulierung, wie „öffnen Türen zu faszinierenden Welten“ Auch muss er feststellen, dass der zweite Satz nicht mit „geht“, sondern mit „handelt“ enden muss. Außerdem sollten wissenschaftliche Erkenntnisse statt ins 360 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="361"?> „Rampenlicht“ besser ins „öffentliche Interesse“ gebracht werden. Also, nicht alle KI-Vorschläge ungeprüft übernehmen. Jetzt zur Zusammenfassung des oben genannten Aufsatzes zum Thema „Populärwissenschaftlichen Artikel schreiben“. ChatGPT unterbreitet nach Aufforderung zwei Vorschläge: „Ein guter populärwissenschaftlicher Artikel macht Wissenschaft greifbar, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Er vermittelt komplexe Inhalte in klaren Worten, nutzt anschauliche Beispiele und weckt durch spannende Erzählweisen das Interesse eines breiten Publikums. Dabei verzichtet er auf Fachjargon und akade‐ mische Distanz, ohne jedoch an Tiefe einzubüßen. Dieser Aufsatz hat gezeigt, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse so aufbereitet, dass sie sowohl informieren als auch begeistern. Mit den richtigen Techniken wird ein Thema nicht nur verständlich, sondern zu einem Erlebnis, das Wissen nachhaltig vermittelt.“ Oder für alle, die eine Zuspitzung bevorzugen: „Populärwissenschaftliche Artikel bringen die Faszination der Wissenschaft in eine Sprache, die jeder verstehen kann. Sie bauen Brücken zwischen Experten‐ wissen und Alltagswelt, indem sie auch komplexe Themen klar und lebendig aufbereiten. Dabei geht es nicht nur um die Reduktion der Fachsprache, sondern um die Kunst des Geschichtenerzählens, die richtige Balance zwischen Informa‐ tion und Unterhaltung und die Fähigkeit, den Leser emotional anzusprechen. Ein erfolgreicher populärwissenschaftliche Artikel begeistert und inspiriert - und zeigt, dass Wissenschaft keineswegs trocken sein muss, sondern voller Wunder steckt.“ Wohlgemerkt: Der Chatbot unterbreitet in allen Beispielen lediglich Vor‐ schlägen. Der Nutzer sollte prüfen: 1. Ist die Grundanlage der Texte für mich Interessant und auch annehm‐ bar? 2. Kann ich den Inhalt des generierten Textes auch mit eigenen Worten wiedergeben? 3. Bieten sich Möglichkeiten, den Textvorschlag mit eigenen Gedanken, Anregungen und Beispielen zu ergänzen? 4. Lassen sich aus dem Textvorschlag neue Ideen, Fragestellungen oder Untersuchungsrichtungen entwickeln oder hat er mich auf einen fal‐ schen Weg geführt? (7) Textgenerierung 361 <?page no="362"?> Nicht vergessen! Bei Verwendung generierter Texte die Quelle angeben, z. B.: ChatGPT - Version 4 (Abruf: 31.12.2024). 362 Anhang 1: Beispiele für KI - Verwendungen in wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="363"?> Anhang 2: KI-Tools mit Zuordnung der Verwendung und Kennzeichnung der Funktion OpenAI hat mit ChatGPT die Möglichkeit geschaffen, mit Sprache zu kommunizieren, Fragen zu beantworten und konkrete Anweisungen zu befolgen. Dennoch kann es für den Nutzer sinnvoll sein, mit anderen Tools zu arbeiten. Im Gegensatz zu ChatGPT bilden manche von ihnen vollstän‐ dige Workflows ab. Sie helfen beim schrittweisen Erstellen des Textes, vom Finden des Themas und der Überschrift über eine Agenda der Arbeit bis hin zum Gewinnen von Daten und Informationen über Suchmaschinen. Die erweiterten Text-Editoren machen zudem die Arbeit mit den generierten Texten einfacher und effektiver. In der folgenden Übersicht sind einige dieser anderen nützlichen Tools für unterschiedliche Verwendungen mit ihren wesentlichen Funktionen aufgeführt. Lfd. NR Verwen‐ dung KI-Tool Kennzeichnung 1 Textverarbei‐ tung, Grammatik- und Recht‐ schreibprü‐ fung DeepL Write Gewährleistet Schreibassistenz zur Verbesse‐ rung von Stil und Ausdruck, bietet grammati‐ kalische Optimierung. Grammarly Bietet Rechtschreib-, Grammatik- und Stil‐ prüfung, Vorschläge für Schreibqualität. Language Tool Bietet Grammatik-, Rechtschreib- und Stil‐ prüfung, besonders in der deutschen Text‐ verarbeitung. 2 Literaturre‐ cherche Zotero - Ermöglicht Speichern und Organisieren von Quellen, generiert automatische Zitation und Literaturverzeichnisse. Dimensions - Bietet umfassende Suche nach wissenschaft‐ lichen Publikationen und entdeckt aktuelle Forschungsarbeiten. Litmaps - Hilft bei der Visualisierung der Entwicklung wissenschaftlicher Themen und zeigt Publika‐ tionen in Echtzeit an. <?page no="364"?> Lfd. NR Verwen‐ dung KI-Tool Kennzeichnung 3 Strukturie‐ rung und Inhaltspla‐ nung Notion - Bietet vielseitige Plattform für Notizen, Projektplanung und Inhaltsstrukturierung. Macht Vorschläge zur besseren Gliederung oder Strukturierung. Scrivener - Bietet Funktionen zum Strukturieren und Organisieren von Texten, Notizen und Re‐ cherchematerial. - - MindMeister Bietet Mind-Mapping und Ideenorganisa‐ tion, hilft beim Strukturieren von Gedanken und Konzepten. 4 Datenana‐ lyse RapidMiner - Bietet Datenanalyse und maschinelle Lernan‐ wendungen mit deutschsprachlicher Benut‐ zeroberfläche und Tutorials. KNIME - Ermöglicht zahlreiche maschinelle Lern- und KI-Integrationen für explorative Analysen. Tableau - Nutzt KI für Datenvisualisierungen und Datenanalysen, Benutzeroberfläche ist auf Deutsch verfügbar. 5 Interview- und Befragungs‐ planung Surveymon‐ key - Erkennt Muster in Antworten und liefert automatisierte Einblicke. Stellt sehr effizi‐ ent Fragen. Typoform Personalisiert Fragen und passt Fragebögen dynamisch auf der Basis der Antworten an. Qualtries Bietet Textanalysen an, die helfen, aus offenen Antworten und Kommentaren Erkenntnisse zu gewinnen. 6 Plagiatsprü‐ fung Turnitin Unterstützt Plagiatsprüfungen auf Deutsch und bietet KI-gestützte Analysen auf der Basis großer Datenbanken. Scribbr Hilft bei Textkorrekturen und bietet speziali‐ sierte Plagiatsprüfung für sprachige Texte. Plagscan Erkennt in deutschen akademischen Texten sehr effektiv Plagiate. Übersicht: Ausgewählte KI-Tools für unterschiedliche Verwendungen (aus ChatGPT 4,0/ ChatGPT Plus, Abruf: 30.12.24) 364 Anhang 2: KI-Tools mit Zuordnung der Verwendung und Kennzeichnung der Funktion <?page no="365"?> Empfehlung: Für deutschsprachige Texte bieten die Tools DeepL Write, Language Tool und Neuroflash hervorragende Unterstützung, von der Textkorrektur über die Übersetzung bis zur Plagiatsprüfung. Kombinieren Sie mehrere Tools, um den gesamten Bearbeitungsprozess abzudecken. Damit lassen sich meh‐ rere Tools einsetzen. Ein typischer Workflow: Kombination aus Grammarly für die Grammatikprüfung, Zotero für das Literaturmanagement und Tur‐ nitin für die Plagiatsprüfung. Anhang 2: KI-Tools mit Zuordnung der Verwendung und Kennzeichnung der Funktion 365 <?page no="367"?> Quellenverzeichnis A R B O L E D A , C L A U D IA ; 2003. Wie Sie Berge versetzen. Praktische Anleitung zur Kom‐ munikation nach der Winterheller-Methode. Graz: Dr. Manfred Winterheller. A S C H E R O N , C L A U S : 2007. Die Kunst des wissenschaftlichen Präsentierens und Pub‐ lizierens. Ein Praxisleitfaden für junge Wissenschaftler. München: Spektrum Akademischer Verlag. A T T E S L A N D E R , P E T E R : 2000. Methoden der empirischen Sozialforschung, 9. Auflage. Berlin: o.-V. B A L L S T A E D T , S T E F F E N - P E T E R : 1993. Richtlinien zur Gestaltung von Lehrtexten. Tü‐ bingen, Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen. B ÄN S C H , A X E L : 1999. Wissenschaftliches Arbeiten. 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Storytelling für Radio und Podcast. 2. Auflage, Wiesbaden: Springer VS R I E C K , C.: 2023. Schreiben (Schummeln) mit ChatGPT, 2. Aktualisierte Auflage, München: R I T S C H L , V A L E N T I N ; W E I G L , R O M A N ; S T AM M , T A N J A : 2016. Wissenschaftliches Ar‐ beiten und Schreiben. Verstehen, Anwenden, Nutzen für die Praxis. Berlin Heidelberg: aqa2aSpringer. Verzeichnis der weiterführenden Literatur 377 <?page no="378"?> R O S S I G , W O L F G A N G ; P R ÄT S C H , J O A C H I M : 2004. Wissenschaftliche Arbeiten - Ein Leitfaden für Haus-, Seminar-, Examens- und Diplomarbeiten und Präsentationen - mit PC und Internetnutzung. 4., erweiterte Auflage. Bremen: Wolfdruck. S E N S I N K , W E R N E R : 2003. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten ohne und mit PC. 6., völlig überarbeitete Auflage. München, Wien: Oldenbourg Verlag. S O L I S , T.: 2023. Die ChatGPT-Richtlinien der 100 größten deutschen Universitäten. h ttps: / / www.scribbr.de/ ki-tools nutzen/ chatgpt universitaere-richtlinien (Zugriff: 01.08.23) S P R I E S T E R S B A C H , K.: 2023. Richtig texten mit KI. ChatGPT, GPT-4, GPT 3 & Co. Texte schreiben mithilfe Künstlicher Intelligenz für Job, Uni und Websites. 5. Auflage, München: mvgverlag. S T A N D O P , E W A L D ; M E Y E R , M A T T H IA S L. G.: 2004. Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. 17., korrigierte und ergänzte Auflage. Heidelberg: Quelle & Meyer. S T A R K E - W U S C H K O , J E N S : 2014. Präsentieren im Studium. Konstanz und München: UVK Verlagsgesellschaft. S T E P A N I K , M.: 2024. ChatGPT auf der Überholspur. Interview mit Bildungstechnolo‐ gieexperten Stefan Oppl. In: upgrade Das Magazin für Wissen und Weiterbildung der Weiterbildungsuniversität Krems, Ausgabe 3/ 4 2023, Seiten 49 bis 51. S T I C K E L - W O L F , C H R I S T I N E ; W O L F , J O A C H I M : 2002. Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken: Erfolgreich studieren - gewusst wie! 2., durchgesehene Auflage. Wiesbaden: Gabler. S T O C K , M E C H T H I L D ; S T O C K , W O L F G A N G G.: 2004. Recherchieren im Internet. Rennin‐ gen: expert verlag. S T O C K , S T E F F E N ; E T A L .: 2009. Erfolgreich promovieren. 2., überarbeitete Auflage, Berlin, Heidelberg: Springer. U H L , F.: 2023. Internetquellen, in: HERFURTH, S.; KAUFHOLZ-SOLDAT, E. (Hrsg.): Wissenschaftliches Schreiben in den MINT-Fächern. Der Schreibratgeber für alle Texte im Studium. Seiten 77 bis 87. Tübingen: expert W E B E R , D A N I E L A : 2015. Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschaftswissenschaftler. Untersuchungen planen, durchführen und auswerten. Weinheim: Wiley. W Y M A N N , C H R I S T IA N : 2021. Der Schreibzeitplan: Zeitmanagement für Schreibende. 2., überarbeitete Auflage, Opladen: Barbara Budrich. 378 Verzeichnis der weiterführenden Literatur <?page no="379"?> Abbildungsverzeichnis Abb.-1: Struktur der europäischen Hochschulabschlüsse . . . 25 Abb.-2: Ausgewählte Grundstrukturen wissenschaftlicher Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Abb.-3: Zwei Wege zum Finden der Problemformulierung . 31 Abb.-4: Beispiel für eine Schrittfolge zur Themenfindung (Hindernisrecherche) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Abb.-5: Themenquellen für wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Abb.-6: Hindernisrecherche „Positives Betriebsergebnis“ . . . 41 Abb.-7: Finden einer Aufgabenstellung als Beitrag zur regionalen Vernetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Abb.-8: Finden einer Aufgabenstellung als Beitrag zur Orientierung des Immobilienportfolios . . . . . . . . . . . . 43 Abb.-9: Finden der Problemformulierung mit Mindmap (in Anlehnung an K L E IN , R.: 2003, 6.4.1, S.-6) . . . . . . . . . . 45 Abb.-10: Ableiten der Aufgabenstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Abb.-11: Finden einer Aufgabenstellung zur Entwicklung zielorientierter Brandschutzkonzepte . . . . . . . . . . . . . 47 Abb.-12: Finden einer Aufgabenstellung im Untersuchungsbereich „Kooperative Führung-…“ (in Anlehnung an R O S S I G , W. E. und P RÄTZ S CH , J. 2006, S.-46) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Abb.-13: Finden der Aufgabenstellung zur „Optimierung von Wareneingangsflüssen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Abb.-14: Projektskizze mit Zielbaum-Technik in Anlehnung an K OMME R , I.; R E INK E , H., 2001, S.-168-ff. . . . . . . . . . . . . 49 Abb.-14a: Beispiel für das Bestimmen der Kategorien (Zielbaum) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Abb.-14b: Beispiel für das Ableiten einer Aufgabenstellung . . . 51 Abb.-15: Finden von präzisierten Fragestellungen mit Hilfe von W-Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Abb.-16: Finden von präzisierten Fragestellungen mit Hilfe von Vorgehensweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 <?page no="380"?> Abb.-17: Überführung der Fragestellungen in Aufgabenstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Abb.-18: Beispiel für die Nutzwertanalyse zur Bewertung von möglichen Themen für eine wissenschaftliche Arbeit mit Prüfungscharakter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Abb.-19: Schema zum Klären des Problemverständnisses (in Anlehnung an S P E R LIN G , J.; W A S S E V E LD , J.; 1977, S. 53) 58 Abb.-20: Klärung des Verständnisses für das Problem „Regionale Egoismen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Abb.-21: Klärung des Problemverständnisses für das Problem „Typische Schreibmuster“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Abb.-22: Beispiele für die ergebnisorientierte Formulierung von Themenbzw. Aufgabenstellungen . . . . . . . . . . . 61 Abb.-23: SWOT-Analyse zur Themenwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Abb.-24a: Aufzeigen begrifflicher Zusammenhänge und Hierarchien - „Aggression und Gewalt im schulischen Bereich“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Abb.-24b: Aufzeigen begrifflicher Zusammenhänge und Hierarchien - „Empowerment als Führungskultur“ . 65 Abb.-25: Strategien für Begriffsbestimmung . . . . . . . . . . . . . . . 66 Abb.-26: Beispiel für die Darstellung begrifflicher Zusammenhänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Abb.-27: Komponenten für die Überzeugungskraft eines Arguments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Abb.-28: Bausteine der wissenschaftlichen Argumentation (in Anlehnung an E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H., 2002, S. 99) 70 Abb.-29: Methoden zum Gewinnen und Belegen von Hypothesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Abb.-30: Kennzeichnung der Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Abb.-31a: Beispiel für das Belegen des Waagemodells: Fertigungstiefe bei Produktion im Ausland . . . . . . . . 75 Abb.-31b: Beispiel für das Belegen des Waagemodells: Liberalisierung des Strommarktes in Europa . . . . . . 76 Abb.-32: Die Einschränkung in der Argumentation . . . . . . . . . 78 Abb.-33: Vier Aussagequalitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Abb.-34: Drei Auswahlkriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Abb.-35: Quellen und Instrumente der Datenerhebung . . . . . . 90 Abb.-36: Kommunikationsmodell einer Befragung . . . . . . . . . . 92 380 Abbildungsverzeichnis <?page no="381"?> Abb.-37: Vorgehensweise Leitfaden-Interview . . . . . . . . . . . . . 94 Abb.-38: Beispiel für einen Interviewleitfaden - „Bedarf des Mitarbeiters am Arbeitplatz“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Abb.-39: Vorgehensweise schriftliche Befragung . . . . . . . . . . . 98 Abb.-40: Fragebogenentwicklung am Beispiel „Kundenzufriedenheit …“ (in Anlehnung an M E Y E R , 2008, S.-79) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Abb.-41: Vor- und Nachteile der beiden Befragungsformen . . 101 Abb.-42: Typisierung der wissenschaftlichen Beobachtung (in Anlehnung an EBSTER , C.; STALZER, L., 2003, S.-221-228) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Abb.-43: Verfahren der Dokumentenanalyse (in Anlehnung an EBSTER, C., STALZER, L., 2003, S.-224-228) . . . . . . . 105 Abb.-44: Qualitäten des Sekundärmaterials . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Abb.-45: Etappen auf dem Wege der Erkenntnisgewinnung in der wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Abb.-46: Unsystematische Verteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Abb.-47: Extreme positive Korrelation der Wertepaare . . . . . . 127 Abb.-48: Gegenstand der Datenerhebung (in Anlehnung an O P P ITZ , V.: 2007, S.-2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Abb.-49: Zeitplan für eine Diplomarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Abb.-50: Kennzeichnung bewährter Lesetechniken . . . . . . . . . 152 Abb.-51: Formen der individuellen schriftlichen Literaturauswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Abb.-52: Beispiel für falsches und richtiges indirektes Zitieren 160 Abb.-53: Typen der Zitiertechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 Abb.-54: Ausgewählte Gliederungsmöglichkeiten für das Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 Abb.-55: Negativbeispiel für Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 180 Abb.-56: Bausteine der wissenschaftlichen Argumentation (Quelle: E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , 2002, S.-99) . . . . . . . . 180 Abb.-57: Schema für das Klären des Problemverständnisses (Quelle: In Anlehnung an S P E R LIN G und W A S S E V E D , 1977, S.-53) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Abb.-58: Kennzeichnung der Technik des Mindmap . . . . . . . . 181 Abb.-59: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen 183 Abb.-60: Beispiel für die Verwendung von Diagrammen . . . . . 184 Abbildungsverzeichnis 381 <?page no="382"?> Abb.-61: Darstellung quantitativer Daten in einer Tabelle: Entwicklung ausgewählter Kennzahlen eines Veranstaltungsunternehmens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Abb.-62: Darstellung qualitativer Merkmale in einer Tabelle: Diagrammtypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Abb.-63: Flussbild des Informationsumsatzes beim Menschen 187 Abb.-64: Messuhr - Realität und stufenweise Vereinfachung (in Anlehnung an H E R IN G , 1959, S.-88-f.) . . . . . . . . . . 187 Abb.-65: Formen und Rollen beim Vorstellen einer wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225 Abb.-66: Grobmodell einer Präsentationsveranstaltung . . . . . . 226 Abb.-67: Richtziele der Präsentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228 Abb.-68: Faktoren für die Überzeugungskraft eines Arguments 230 Abb.-69a: Aussagen von besonderer Bedeutung - Beispiel: Wertermittlung für Gewerbeobjekt . . . . . . . . . . . . . . . 230 Abb.-69b: Aussagen von besonderer Bedeutung - Beispiel: Bauschadensfeststellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 Abb.-70: S I E-Teilnehmeranalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233 Abb.-71: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen in Stadium 1 - vorrangig für Bachelor- und Masterarbeiten . . . 234 Abb.-72: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 1 - vorrangig für Dissertationen . . . . . . . . . . . . . . . . . 235 Abb.-73: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 2 - vorrangig für Dissertationen . . . . . . . . . . . . . . . . . 236 Abb.-74: Suchfeld für das Sammeln von Aussagen im Stadium 3 - für alle wissenschaftlichen Prüfungsarbeiten . . . 237 Abb.-75: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden einer optimalen technischen Lösung . . . 238 Abb.-76: Beispiel für den Einsatz von Beurteilungskriterien zum Finden eines geeigneten theoretischen Modells 239 Abb.-77: ABC-Struktur für das Gewichten des Vortragsinhalts. 241 Abb.-78: Von der Abstraktion zur Konkretisierung und zurück zur Abstraktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242 Abb.-79: Von der Konkretisierung zur Abstraktion . . . . . . . . . 242 Abb.-80: Mehrfacher Wechsel der Darstellungsebenen AE und KE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243 Abb.-81: Exemplarische Kennzeichnung der Reihenfolgen . . . 244 382 Abbildungsverzeichnis <?page no="383"?> Abb.-82: Der Fünfsatz im Vortrag verschiedener Berufsgruppen (F E Y , H., 1996, S.-60-f.) . . . . . . . . . . . . 245 Abb.-83: Standpunktdarlegung im Fünfsatz . . . . . . . . . . . . . . . . 246 Abb.-84: Problemlösung im Fünfsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247 Abb.-85: Kompromissversuch im Fünfsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 Abb.-86: Vortragsgliederung - schlechte Visualisierung . . . . . 250 Abb.-87: Vortragsgliederung - unglückliche Visualisierung . . 251 Abb.-88: Vortragsgliederung - empfohlene Visualisierung . . . 251 Abb.-89: Komplexe Aussagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253 Abb.-90: Vereinfachte Aussagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253 Abb.-91: Stark vereinfachte Aussagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 Abb.-92: Beispiel für überflüssige Visualisierung . . . . . . . . . . . 254 Abb.-93: Beispiel für empfohlene Visualisierung . . . . . . . . . . . 255 Abb.-94: Leitkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262 Abb.-95: Kernkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 Abb.-96: Kernkarte mit Veranschaulichungsebenen . . . . . . . . . 264 Abb.-97: Bestandteile des Teilnehmermaterials . . . . . . . . . . . . . 265 Abb.-98: Verlauf der Konzentrationsfähigkeit über 60 Minuten 266 Abb.-99: Verlauf der physiologischen Leistungsbereitschaft über 24 Stunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Abb.-100: Grundstruktur des Vortrags . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269 Abb.-101: Beispiel für einen aufmerksamkeitserregenden Einstieg (Quelle: G ÖTZ -W I E D E N R O TH ) . . . . . . . . . . . . . 270 Abb.-102: Empfehlungen für den Vortragsstart . . . . . . . . . . . . . . 270 Abb.-103: Kategorien Allgemeines - Besonderes - Einzelnes im Fünfsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273 Abb.-104: Vergleich im Fünfsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274 Abb.-105: Argumentationsabfolge - ergebnisorientiert - im Dreisatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275 Abb.-106: Argumentationsabfolge - rückblickend - im Dreisatz 276 Abb.-107: Argumentationsabfolge - dialektisch - im Dreisatz . 277 Abb.-108: Argumentationsabfolge - innovativ - im Dreisatz . . 278 Abb.-109: Schrittfolge bei der Behandlung von Einwänden . . . 284 Abb.-110: Vorschlag für die Fremdeinschätzung der Präsentation - in Anlehnung an W E S THO F F (1999, S.-23-ff.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 Abb.-111: Planung der Nachkontakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291 Abb.-112: Überblick über Ausdruckmittel des Präsentators . . . . 293 Abbildungsverzeichnis 383 <?page no="384"?> Abb.-113: Ergebnis der Befragung; „Worauf achten Sie beim anderen am meisten? “ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 Abb.-114: Typische Konfliktfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299 Abb.-115: Beispiel für ein Poster zur Präsentation der abgeschlossenen Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308 Abb.-116: Beispiel für ein Poster zur Präsentation des aktuellen Arbeitsstandes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309 Abb.-117: Zugänge zum wissenschaftlichen Publizieren (Auswahl) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311 Abb.-118: Beispiel für ein Thesenpapier als Diskussionsgrundlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319 Abb.-119: Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit 321 Abb.-120: Ergebnisse didaktischer Vereinfachung . . . . . . . . . . . 330 Abb.-121: Checkliste für die gezielte Ansprache in der Organisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340 Abb.-122: Konsens feststellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344 Abb.-123: Strukturbild: Beispiel - Wachstumsressourcen für ein Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345 384 Abbildungsverzeichnis <?page no="385"?> ISBN 978-3-8252-6573-1 Wissenschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter sind für Studierende eine besondere Herausforderung. Um sie erfolgreich zu meistern, bedarf es fachlicher Kompetenz und fundierter Kenntnisse über ein systematisches, methodisch begründetes Vorgehen bei der Wahl und Bearbeitung des Themas. Effektive Arbeitsorganisation bei der Anfertigung der Arbeit und eine angemessene Berücksichtigung bestimmter Vorschriften beim Gliedern und Zitieren sind essenziell. Neben umfangreichen Handlungsorientierungen für das Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit enthält das Buch auch Empfehlungen für das Präsentieren der erreichten Arbeitsergebnisse in den verschiedenen Stadien - von der Erstvorstellung bis hin zur Verteidigung und Weiterverwertung der fertiggestellten Arbeit. Die neunte Auflage dieses Buches enthält nun auch ein Kapitel über die Probleme und Chancen von KI für wissenschaftliche Arbeiten. Schlüsselkompetenzen Dies ist ein utb-Band aus dem expert verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel
