Nachhaltiger Konsum? Frag doch einfach!
Klare Antworten aus erster Hand
0907
2026
978-3-8385-6683-2
978-3-8252-6683-7
UTB
Viola Muster
Imke Schmidt
Maike Gossen
10.36198/9783838566832
Konsum prägt unser Leben - doch welche Rolle spielt er für Umwelt, Klima und soziale Gerechtigkeit? Dieses Buch gibt eine fundierte Einführung in Grundlagen, Herausforderungen und Lösungsansätze nachhaltigen Konsums.
Die Autorinnen erklären, was Konsum ausmacht und welche Verantwortung Politik, Unternehmen und Verbraucher:innen für nachhaltigen Konsum tragen. Praktische Beispiele aus Ernährung, Mobilität, Wohnen und Bekleidung veranschaulichen, wie er im Alltag umgesetzt werden kann.
Mit klaren Definitionen und vertiefenden Analysen u. a. zu Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und digitalem Konsumverhalten zeigt das Buch Wege zu einer ressourcenschonenden Lebensweise auf.
Frag doch einfach! Die utb-Reihe geht zahlreichen spannenden Themen im Frage-Antwort-Stil auf den Grund. Ein Must-have für alle, die mehr wissen und verstehen wollen.
9783838566832/9783838566832.pdf
<?page no="0"?> Viola Muster | Imke Schmidt Maike Gossen Nachhaltiger Konsum? Klare Antworten aus erster Hand Frag doch einfach! <?page no="1"?> utb 6683 Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage Brill | Schöningh - Fink · Paderborn - Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen - Böhlau · Wien · Köln Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto facultas · Wien Walter de Gruyter · Berlin · Boston Haupt Verlag · Bern Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn Mohr Siebeck · Tübingen Narr Francke Attempto Verlag - expert verlag · Tübingen Psychiatrie Verlag · Köln Psychosozial-Verlag · Gießen Ernst Reinhardt Verlag · München transcript Verlag · Bielefeld Verlag Eugen Ulmer · Stuttgart UVK Verlag · München Waxmann · Münster · New York wbv Publikation · Bielefeld Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main <?page no="2"?> Dr. Viola Muster ist Professorin für Sozialwissenschaft der Nachhaltigkeit im nationalen und internationalen Kontext an der Fachhochschule Erfurt. Sie lehrt und forscht seit über 15 Jahren zu nachhaltigem Konsum und Bildung für nachhaltigen Konsum. Dr. Imke Schmidt ist Co-Leiterin des Forschungsbereichs Zirkuläre Ge‐ sellschaft in der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Seit über 15 Jahren forscht sie und begleitet Praxi‐ sprojekte aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik zum nachhaltigen, verantwortlichen und kreislauforientierten Konsum. Dr. Maike Gossen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Ar‐ beitslehre, Ökonomie und nachhaltiger Konsum der Technischen Univer‐ sität Berlin und forscht und lehrt zu nachhaltigen Konsum- und Produkti‐ onspraktiken mit einem Schwerpunkt auf Suffizienz, Digitalisierung und nachhaltige Geschäftsmodelle. #fragdocheinfach Alle Bände der Reihe finden Sie am Ende des Buches. <?page no="3"?> Viola Muster / Imke Schmidt / Maike Gossen Nachhaltiger Konsum? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand Mit Beiträgen von Nicolas Ehrhardt <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838566832 © UVK Verlag 2026 ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Einbandgestaltung: siegel konzeption | gestaltung Druck: Elanders Waiblingen GmbH utb-Nr. 6683 ISBN 978-3-8252-6683-7 (Print) ISBN 978-3-8385-6683-2 (ePDF) ISBN 978-3-8463-6683-7 (ePub) Umschlagabbildung und Kapiteleinstiegsseiten: © bgblue, iStock Abbildungen im Innenteil (Figur, Lupe, Glühbirne): © Die Illustrationsagentur Abbildung 1: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, CC-BY, https: / / www.pik-potsdam. de/ de/ produkte/ infothek/ planetare-grenzen/ bilder Abbildung 3: Azote for Stockholm Resilience Centre, Stockholm University CC BY-ND 3.0 Abbildung 4: Umweltbundesamt, CC-BY, https: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ im age/ uba_infografiken_1545x775.jpg Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> 11 15 16 19 20 21 22 23 26 27 28 29 30 32 33 36 39 40 41 42 Alle Fragen im Überblick Vorwort und Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was die verwendeten Symbole bedeuten . . . . . . . . . . . . . . . . Zahlen und Fakten zum nachhaltigen Konsum . . . . . . . . . . . Verständnis von Konsum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Aktivitäten zählen zum Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum konsumieren wir (so viel)? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was kennzeichnet eine Konsumgesellschaft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Faktoren beeinflussen das Konsumverhalten? . . . . . . . . . . . . . . Wie viel konsumieren Menschen in Deutschland? . . . . . . . . . . . . . . . . . . Macht mehr Konsum glücklicher? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welches Bild haben wir von Konsument*innen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Folgen hat (Über-)Konsum in Deutschland? . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Folgen hat (Über-)Konsum im Globalen Süden? . . . . . . . . . . . . . Welche Folgen hat (Über-)Konsum für die Zukunft? . . . . . . . . . . . . . . . . Was hat Konsum mit sozialer Gerechtigkeit zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . Verständnis von nachhaltigem Konsum . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie definiert man nachhaltigen Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Strategien für nachhaltigen Konsum gibt es? . . . . . . . . . . . . . . . Was ist der Rebound-Effekt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 43 44 45 46 47 48 50 51 53 54 55 57 59 60 61 62 63 64 65 67 68 69 70 72 74 Wie kann weniger Konsum im Globalen Norden gelingen? . . . . . . . . . . Kann nachhaltiger Konsum auch mehr Konsum bedeuten? . . . . . . . . . . Welche Nachhaltigkeitsdimension ist am wichtigsten? . . . . . . . . . . . . . . Ist jede Handlung zur Förderung nachhaltigen Konsums gleich wichtig? Was bedeutet nachhaltiger Konsum für Ernährung, Mobilität, Bekleidung und Wohnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jeder kleine Schritt zählt, oder nicht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie lässt sich nachhaltiger Konsum in Deutschland messen? . . . . . . . . Wie ist der Stand nachhaltigen Konsums in Deutschland? . . . . . . . . . . . Was unterscheidet ethischen, fairen, grünen, klimafreundlichen und suffizienten Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist der ökologische Fußabdruck? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Können sich nur Reiche nachhaltigen Konsum leisten? . . . . . . . . . . . . . . Was bringt nachhaltiger Konsum für jede*n Einzelne*n? . . . . . . . . . . . . Welche Rolle spielt das Umweltbewusstsein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verändert sich das Konsumverhalten junger Generationen? . . . . . . . . . Was hat Zeit mit nachhaltigem Konsum zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie können alle Menschen an nachhaltigem Konsum teilhaben? . . . . . Trägt nachhaltiger Konsum zur gesellschaftlichen Spaltung bei? . . . . . Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen . . . . . . . . . . . . . Sind nachhaltige Produkte die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie können ökologische Auswirkungen eines Produktes gemessen werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist ein faires Produkt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was bedeutet Ökodesign? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gibt es gute Beispiele für Ökodesign? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Alle Fragen im Überblick <?page no="7"?> 75 76 77 79 80 83 84 85 86 87 89 90 91 93 93 95 96 97 98 99 100 102 103 104 105 107 107 109 Welche Rolle spielt Reparierbarkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Rolle spielt Recyclingfähigkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Rolle spielt Haltbarkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Rolle spielen Produktdienstleistungssysteme? . . . . . . . . . . . . . . . Woran erkennt man nachhaltige Produkte? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern . . Was sind nachhaltige Lebensstile? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind wichtige Bedarfsfelder? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was sind die Herausforderungen im Bereich Ernährung? . . . . . . . . . . . . Wie geht nachhaltige Ernährung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie weit sind wir bei nachhaltiger Ernährung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Ernährung im Wege? . . . . . . . Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Ernährung? . . . . . . . . . . Was sind die Herausforderungen im Bereich Mobilität? . . . . . . . . . . . . . Wie geht nachhaltige Mobilität? - . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie weit sind wir bei nachhaltiger Mobilität? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Mobilität im Wege? . . . . . . . . Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Mobilität? . . . . . . . . . . . Was sind die Herausforderungen im Bereich Bauen und Wohnen? . . . . Wie geht nachhaltiges Bauen und Wohnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie weit sind wir beim nachhaltigen Bauen und Wohnen? . . . . . . . . . . Welche Hindernisse stehen nachhaltigem Bauen und Wohnen im Wege? Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiges Bauen und Wohnen? . . Was sind die Herausforderungen im Bereich Bekleidung? . . . . . . . . . . . Wie geht nachhaltige Bekleidung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie weit sind wir bei nachhaltiger Bekleidung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Bekleidung im Wege? . . . . . . . Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Bekleidung? . . . . . . . . . Alle Fragen im Überblick 7 <?page no="8"?> 111 112 113 115 116 117 118 119 121 123 125 125 127 127 131 132 134 136 137 138 140 141 143 144 Verantwortung von Politik und Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . Welche politischen Instrumente fördern nachhaltigen Konsum? . . . . . . Wie fördert die Europäische Union nachhaltigen Konsum? - . . . . . . . . . . Was haben die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit nachhaltigem Konsum zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welches Ministerium ist in Deutschland für nachhaltigen Konsum verantwortlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum? . . . . . . . . . Welche politischen Maßnahmen fördern suffizienten Konsum? . . . . . . . Sollte Politik nicht-nachhaltiges Verhalten verbieten? . . . . . . . . . . . . . . . Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was ist Bildung für nachhaltigen Konsum - und was bringt sie? . . . . . Kann man Menschen unbewusst zu mehr Nachhaltigkeit bewegen? . . . Welche Rolle spielen soziale Normen beim Konsumverhalten? . . . . . . . Wie können Städte und Kommunen nachhaltigen Konsum fördern? . . Wie können öffentliche Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen? Verantwortung von Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gibt es Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem? . . . . . . . . . . . Was ist eine Kreislaufwirtschaft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Verantwortung tragen Unternehmen für nachhaltigen Konsum? Was bedeutet nachhaltige Unternehmensführung? . . . . . . . . . . . . . . . . . Lassen sich Nachhaltigkeit und Gewinnorientierung verbinden? . . . . . Welche Geschäftsmodelle fördern nachhaltigen Konsum - und wie funktionieren sie? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ist die Sharing Economy nachhaltig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum ist Transparenz in Lieferketten wichtig für nachhaltigen Konsum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie beeinflusst Erwerbsarbeit das Konsumverhalten? . . . . . . . . . . . . . . 8 Alle Fragen im Überblick <?page no="9"?> 147 148 149 151 152 154 156 157 158 161 162 162 164 165 166 168 169 170 173 177 Verantwortung von Konsument*innen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum ist Konsumentenverantwortung so schwer zu fassen? . . . . . . . . Warum haben Konsument*innen dennoch Verantwortung? . . . . . . . . . Was bedeutet verantwortungsvolles Konsumieren konkret? . . . . . . . . . Unter welchen Bedingungen können Menschen Verantwortung übernehmen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hängen Konsumentenverantwortung und Unternehmensverantwortung zusammen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie viel Macht haben Konsument*innen wirklich? . . . . . . . . . . . . . . . . Warum gilt nachhaltiger Konsum als individualistisch und neoliberal? Können wir jenseits des Konsumierens etwas bewirken? . . . . . . . . . . . . Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Umwelt und Gesellschaft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beeinflussen digitale Angebote nachhaltiges Konsumverhalten? . . . . . Ist Onlineshopping nachhaltiger als Einkaufen im Laden? . . . . . . . . . . . Machen (KI-basierte) Empfehlungssysteme nachhaltigen Konsum einfacher? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie stärken digitale Tools und soziale Medien zivilgesellschaftliches Engagement? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beeinflussen Influencer*innen das Konsumverhalten von Jugendlichen? Welche Macht haben digitale Plattformen über unser Konsumverhalten? Sind Konsument*innen vor unfairen KI-Praktiken im Onlinehandel geschützt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glossar - wichtige Begriffe kurz erklärt . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verwendete Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alle Fragen im Überblick 9 <?page no="10"?> 209 212 Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Alle Fragen im Überblick <?page no="11"?> Vorwort und Einleitung Die öffentliche Wahrnehmung nachhaltigen Konsums hat sich seit Anfang der 2000er Jahre stark gewandelt. Zunächst war nachhaltiger Konsum ein großes Versprechen für mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Als im Jahr 2001 die erste grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast das Bio-Siegel für Lebensmittel einführte, war das ein großer Erfolg. Erstmalig gab es ein staatliches Kennzeichen, das es Konsument*innen ermöglichte, ökologisch erzeugte Produkte im Supermarkt eindeutig zu identifizieren und bewusste Kaufentscheidungen für umweltverträgliche Produkte zu treffen. In den Folgejahren gewann nachhaltiger Konsum zunehmend an Bekanntheit. Bio-Produkte sind heute ein fester Bestandteil im Warensorti‐ ment sämtlicher Lebensmittelhändler. Ebenso sind pflanzliche Alternativen, Secondhand-Angebote und Sharing-Modelle sichtbarer und zugänglicher geworden. In der Zivilgesellschaft haben sich vielfältige, gemeinschafts‐ orientierte Initiativen und Praktiken verbreitet - ob Urban Gardening, Lebensmittelkooperativen und solidarische Landwirtschaft, Food-Sharing oder Repair-Cafés. Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch viel Kritik am nachhaltigen Konsum. Er sei individualistisch und füge sich in das neoliberale Wirtschaftsdenken ein, heißt es etwa. Der Fokus auf die Verantwortung von Konsument*innen sei ein Ablenkungsmanöver von strukturellen Ursachen nicht-nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster. Auch wird kritisiert, dass nachhaltiger Konsum soziale Ungleichheiten zu wenig berücksichtige und ein Status- und Lifestyle-Phänomen urbaner Eliten sei. Schließlich wird auch die Kenn‐ zeichnung von Produkten als „nachhaltig“ kritisch gesehen. Oft handele es sich um Greenwashing und der Kauf jener Produkte könne kaum zu echten ökologischen oder sozialen Verbesserungen beitragen. Als Konsumforscher*innen erscheint uns die Kritik einerseits berechtigt und nachvollziehbar. Sie treibt uns an, in Forschung und gesellschaftlicher Praxis einen Beitrag zu leisten, geeignete Rahmenbedingungen für nachhal‐ tigen Konsum zu gestalten und ihn wirksamer zu machen. Die Beschreibung von Missständen und strukturellen Herausforderungen motiviert uns nach besseren Lösungen zu suchen. Andererseits erscheint uns die Kritik jedoch auch oft verkürzt. Schließlich ist doch klar, dass nachhaltiger Konsum weder die Welt retten wird, noch ausschließlich in der Verantwortung der <?page no="12"?> Einzelnen liegt. Muss man die Idee deshalb ganz über Bord werfen? Wir meinen Nein. Vielmehr gilt es, nachhaltigen Konsum als eine wichtige Stellschraube neben anderen für die Transformation unseres Wirtschaftens zu betrachten und sein Zusammenspiel mit unternehmensseitigen und politischen Aktivitäten zu verstehen, um die größten Potenziale für diese Transformation zu heben. Das bedeutet: Nachhaltiger Konsum sollte inklusiv, finanzierbar, gerecht und auf alle Menschen übertragbar sein. Nachhaltiger Konsum entschei‐ det sich nicht an einzelnen Produkten, sondern betrachtet Lebensstile als Ganzes. Nachhaltiger Konsum heißt nicht (nur) „grüner kaufen“, sondern umfasst zahlreiche Praktiken, die Bedürfnisbefriedigung ohne Neukauf er‐ möglichen und innerhalb planetarer Grenzen bleiben. Nachhaltiger Konsum findet Antworten auf die Frage, was Menschen für ein „gutes Leben“ benö‐ tigen. Nachhaltiger Konsum sollte nicht vom Geldbeutel oder Geschmack abhängen, sondern zur Standardoption für alle werden. Das geht natürlich nur, wenn die Rahmenbedingungen verändert werden - und klar ist auch, hierfür müssen Politik und Unternehmen einen wesentlichen Beitrag leisten. Doch wie schaffen wir es, dass Politik und Unternehmen nachhaltigen Konsum vorantreiben? Wie entstehen ehrliche Preise, höhere sozial-ökolo‐ gische Mindeststandards oder nachhaltige Infrastrukturen? Wie verändern sich Geschäftsmodelle und Angebote von Unternehmen so, dass sie zu Ressourcenschonung, Biodiversitätserhalt und Klimaschutz beitragen? Wir glauben, dass es ohne die Einzelnen nicht gehen kann - in ihrer Rolle als Konsument*innen und Bürger*innen. Es braucht Marktsignale durch verändertes Nachfrageverhalten und durch sich ändernde Praktiken im Umgang mit Ressourcen. Es braucht das zivilgesellschaftliche, konsumbe‐ zogene Engagement für lokale Lebensmittelproduktion, nachbarschaftliches Carsharing oder besseren öffentlichen Nahverkehr in der Kommune. Und es braucht den Druck auf der Straße, auf dem Wahlzettel und in politischen Initiativen. Die tagtäglichen Entscheidungen der Einzelnen machen einen Unterschied. Darum sind wir überzeugt, dass nachhaltiger Konsum ein transformati‐ ves Potenzial hat. Er kann Einstellungen und Wahrnehmungen wandeln, die Nachfrage verschieben und soziale Praktiken verändern. Er kann zu Produktinnovationen und neuen Marktlogiken führen. Er kann zur Ver‐ änderung von Versorgungsstrukturen beitragen und politisches Handeln auslösen. Beides kann dann wiederum dazu beitragen, nachhaltigen Konsum zu fördern. 12 Vorwort und Einleitung <?page no="13"?> Hinweis | Die Antworten auf die Fragen „Macht mehr Konsum glück‐ licher? “, „Was ist der Rebound-Effekt? “, „Was ist der ökologische Fuß‐ abdruck? “, „Trägt nachhaltiger Konsum zur gesellschaftlichen Spaltung bei? “ sowie das Kapitel „Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen“ wurden von Nicolas Ehrhardt verfasst. Mit dem vorliegenden Buch möchten wir die Vielseitigkeit nachhaltigen Konsums aufzeigen und eine leicht verständliche Einführung zu zentralen Fragen ermöglichen. Unser herzlicher Dank gilt Nicolas Ehrhardt für die wichtigen und fundierten inhaltlichen Beiträge zum Buch, Jens Bergener für die engagierte und kompetente Durchsicht und Korrekturarbeit sowie Nadja Hilbig vom Verlag UVK, die uns über den gesamten Erstellungsprozess mit großer Geduld und Freundlichkeit unterstützt hat. Viola Muster, Imke Schmidt und Maike Gossen Vorwort und Einleitung 13 <?page no="15"?> Was die verwendeten Symbole bedeuten Toni verrät spannende Literaturtipps, Videos und Blogs im World Wide Web. Die Glühbirne zeigt eine Schlüsselfrage an. Das ist eine der Fragen zum Thema, deren Antwort du unbedingt lesen solltest. Die Lupe weist dich auf eine Expert*innenfrage hin. Hier geht die Antwort ziemlich in die Tiefe. Sie richtet sich an alle, die es ganz genau wissen wollen. → Der Pfeil verweist auf weiterführende Fragen zu diesem Thema. <?page no="16"?> Zahlen und Fakten zum nachhaltigen Konsum <?page no="17"?> Zahlen und Fakten zum nachhaltigen Konsum 17 <?page no="19"?> Verständnis von Konsum Konsum ist allgegenwärtig. Die meisten Menschen denken dabei ans Kaufen, dabei umfasst Konsum sehr viel mehr. Dieses Kapitel befasst sich damit, welche Aktivitäten genau zum Konsum zählen und warum dieser sozial geprägt ist. Daneben geht es um die Folgen von Konsum. <?page no="20"?> Was ist Konsum? Der Alltag von Menschen ist von Konsum geprägt. In der Alltagssprache findet das Wort „Konsum“ jedoch gar nicht so häufig Verwendung. Es wird vor allem genutzt, wenn bestimmte Ge- und Verbrauchspraktiken problematisiert werden (z. B. Alkoholkonsum, Medienkonsum). In den Wirtschaftsnachrichten ist von „Konsum“ die Rede, wenn es um die Binnen‐ nachfrage nach Gütern geht (z. B. wird im sogenannten „Konsumbarometer“ die „Konsumlaune“ der Deutschen abgebildet). In den ostdeutschen Bundes‐ ländern ist „Konsum“ zudem eng mit einem Einzelhandelsunternehmen verknüpft, das bereits in der DDR als Kurzform und Marke für Konsumge‐ nossenschaften bestand. Konsum im weitesten Sinne umfasst sämtliche Aktivitäten, die zur indi‐ viduellen Bedürfnisbefriedigung durch den Ge- und Verbrauch von Gütern und Leistungen eingesetzt werden (Hellmann, 2019; Scherhorn, 1977). Während Bedürfnisse meist recht unspezifische Empfindungen eines Mangels sind (Methfessel, 2020), werden diese zu Bedarfen, wenn sie konkretisiert und mit Kaufkraft ausgestattet sind. In Konsumgesellschaften erfolgt Bedürfnisbefriedigung in der Regel über die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf Märkten zur Verfügung gestellt und gekauft werden (→ Was kennzeichnet eine Konsumgesellschaft? ). Dazu gehören beispielsweise Produkte des täglichen Bedarfs, die regelmäßig und routine‐ mäßig gekauft werden (z. B. Lebensmittel, Hygieneartikel oder Kleidung), Investitionsgüter (z. B. Waschmaschine, Auto oder Eigentumswohnung), Luxusgüter (z. B. Designermode und Schmuck) und Dienstleistungen (z. B. Haareschneiden beim Friseur, die Nutzung von Streaming-Angeboten oder Reisen). Bedürfnisbzw. Bedarfsbefriedigung muss aber nicht zwangsläufig durch die Aneignung von Marktprodukten erfolgen, sondern kann auch über den Zugang zu gemeinschaftlichen Ressourcen oder Praktiken jenseits von Märkten erfolgen. So sind auch das Pflücken von Äpfeln auf einer Streuobstwiese, die gemeinsame Nutzung eines Autos mit Freunden, das Nähen einer Tasche aus einer alten Hose oder die Bücherausleihe aus der Bibliothek als Konsum zu verstehen, da diese Aktivitäten ebenfalls zur individuellen Bedürfnisbefriedigung eingesetzt werden . Der Bedürfnisbezug ist zentral, um Konsum von Produktion zu unter‐ scheiden. In beiden Bereichen werden Ressourcen genutzt bzw. verbraucht. Im Bereich der Produktion werden Ressourcen in Anspruch genommen, 20 Verständnis von Konsum <?page no="21"?> um Güter und Dienstleistungen herzustellen. Im Bereich des Konsums werden Ressourcen in Anspruch genommen, um individuelle physische, psychische und soziale Bedürfnisse zu befriedigen (→ Warum konsumieren wir (so viel)? ). Ob und inwieweit es tatsächlich gelingt, Bedürfnisse zu befriedigen oder ob es beim Versuch der Bedürfnisbefriedigung bleibt, ist dabei unerheblich. Welche Aktivitäten zählen zum Konsum? Konsum stellt einen komplexen, mehrstufigen Prozess dar (Wiswede, 2000), der in eine Aneignungsphase, eine Kaufbzw. Nutzungsphase und eine Nachkaufbzw. Nachnutzungsphase unterteilt wird (Fischer & von Hauff, 2019; Foscht et al., 2017; Geiger et al., 2018). Konsum umfasst somit alle Ak‐ tivitäten, die vor, während und nach der Beschaffung von Dingen stattfinden (Hellmann, 2019). Die Aneignungsphase beginnt mit der Entstehung von Bedürfnissen, die in unterschiedliche Arten unterteilt werden können (z. B. Primär- und Sekundärbedürfnisse, subjektive und objektive Bedürfnisse, Grund- und Kulturbedürfnisse) (Fischer & von Hauff, 2019; Wiswede, 2000). Nach einer Bedürfnisreflexion und Bedarfsfeststellung folgen Aktivitäten zur Informationssuche: Wie, wo und welche Produkte und Dienstleistungen (auch außerhalb von Märkten) können beschafft werden? Folgen hierauf tat‐ sächlich Anschaffung bzw. Inanspruchnahme oder Kauf, beginnt die zweite Phase. Nach dem meist recht kurzen Akt der Beschaffung oder des Kaufs, werden Produkte ver- und gebraucht oder genutzt. Die Nutzungsphase kann wenige Minuten kurz sein (z. B. bei einem Coffee-to-go-Becher, der im Mülleimer landet, nachdem der Kaffee getrunken wurde), ein paar Wochen umfassen (z. B. ein Buch, das gelesen und anschließend weitergegeben wird) oder ein Leben lang andauern (z. B. eine Eigentumswohnung, die bis zum Lebensende bewohnt wird). Auch sämtliche weitere Aktivitäten, die sich auf die erworbenen Dinge beziehen, sind als Konsum in der Nutzungsphase zu verstehen (z. B. Verstauen, Ordnen, Zurschaustellen, Pflegen oder Reparieren). Sobald kein Interesse mehr an Nutzung oder Besitz des Produktes besteht, folgt die dritte Phase, die Nachnutzungsphase. Das Produkt wird entsorgt, weiterverkauft oder verschenkt. Jede endende Konsumhandlung stellt dabei zugleich eine Weichenstellung für eine neue Konsumhandlung dar (Wiswede, 2000). Konsum ist also oft pfadabhängig: Der Konsumprozess beginnt nicht „bei null“, sondern auf Basis gesammelter Verständnis von Konsum 21 <?page no="22"?> Erfahrungen und Gewohnheiten. Wer sich für einen bestimmten Kauf entscheidet, legt damit auch den Grundstein für die nächste Entscheidung. Eingeübte Konsummuster sind deshalb oft schwer zu durchbrechen, weil jede Entscheidung die nächste beeinflusst. Warum konsumieren wir (so viel)? Konsum ist in hohem Maße sozial geprägt, d. h., dass Menschen durch Konsumsozialisation von klein auf lernen zu konsumieren. Sie lernen, sich Dinge anzueignen, zu nutzen und zu entsorgen. Es bilden sich Vorlieben, Geschmäcker und Routinen aus, die maßgeblich durch Familienmitglieder und das soziale Umfeld beeinflusst werden. Menschen in Deutschland lernen, dass es „normal“ ist (viel) zu konsumieren. Zudem ist Konsum immer auch sozial ausgerichtet: Durch die Auswahl und Art der Nutzung von Gütern werden Zugehörigkeit und Abgrenzung zu sozialen Gruppen und sozialer Status kommuniziert (Wiswede, 2000). Grund für die soziale Prägung des Konsums sind unterschiedliche soziale Bedürfnisse. Während materielle Grundbedürfnisse durch eine Mindestversorgung mit Gütern befriedigt werden können und damit ihre Antriebsenergie verlieren (hungrig → essen → satt), gibt es zahlreiche weitere Bedürf‐ nisse, die als sogenannte „Wachstumsbedürfnisse“ potenziell unstillbar sind (Methfessel, 2020). Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie - auch wenn sie im Grunde befriedigt sind - auf eine subjektiv noch bessere, höhere, genussvollere Befriedigung drängen (Methfessel, 2020). Nach Hellmann (2019) sind das Bedürfnisse, die sich entweder auf das „Ich“ (Selbstbezug) oder auf „Andere“ bzw. das soziale Umfeld (Fremdbezug) beziehen. Viele dieser ich-bezogenen und fremd-bezogenen Bedürfnisse werden nicht oder nur teilweise durch den Grundnutzen eines Konsumgutes, also seinen funk‐ tional-objektiven Zweck, befriedigt (z. B. eine Jeans wärmt und schützt den Körper). Vielmehr spielt der symbolische Zusatznutzen eines Produkts hier eine zentrale Rolle (z. B. Marke und Schnitt der Jeans verdeutlichen Status und Stil). So schreibt Reisch (2002, S. 233) hierzu: „Je nach Güterkategorie, erfahrener Konsumsozialisation und aktuellem Konsumumfeld kann dieser symbolische Zusatznutzen den Grundnutzen bei weitem übersteigen.” Sym‐ bolischer Zusatznutzen heißt, dass das Konsumgut und seine Eigenschaften Ausdrucksmittel für bestimmte abstrakte Eigenschaften und Werte sind. Symbolische Eigenschaften sind also nicht objektiv vorhanden, sondern 22 Verständnis von Konsum <?page no="23"?> werden durch soziale Prozesse und Werbung zugeschrieben. Wie Hellmann und Schrage (2013) zeigen, geschieht diese symbolische Sinnproduktion und Zuschreibung in einem komplexen, wechselseitigen Prozess zwischen Konsument*innen und der Werbeindustrie. Aufbauend auf Wiswede (2000) unterscheidet Reisch (2002, S.-231) fünf verschiedene symbolische Funktio‐ nen des Konsums: • die Positionsfunktion • die Kompetenzfunktion • die Expressionsfunktion • die Hedonismusfunktion • die Kompensationsfunktion Die Positionsfunktion umfasst den Zweck, durch Konsumgüter Zugehörig‐ keit bzw. Abgrenzung (Distinktion) von anderen sozialen Gruppen zu erreichen (Wiswede, 2000). Die Kompetenzfunktion dient dem Zweck, im Umgang mit Produkten Kennerschaft oder Stilsicherheit zu zeigen, wodurch wiederum Zugehörigkeit und Distinktion verdeutlicht werden können. Mit Expressionsfunktion ist gemeint, dass Konsumgüter genutzt werden, um sich selbst bzw. die eigene Identität auszudrücken. Die Hedonismusfunktion umfasst das Streben nach Lust und die Suche nach der Verwirklichung von Träumen durch Konsumgüter. Schließlich meint die Kompensationsfunktion, dass andere unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse durch Konsumgüter zu stillen versucht werden (Reisch, 2002). Auch der Akt der Aneignung, des sogenannten „Einverleibens” und „Ver‐ fügbarmachens” von Dingen stellt für Menschen eine wesentliche weitere Antriebskraft für Konsum dar (Förster, 2015; Ullrich, 2014). Darüber hinaus ist „Shopping“ eine zentrale Freizeitbeschäftigung geworden. Während es, wie Hellmann (2005) ausführt, beim Einkaufen um die notwendige Beschaf‐ fung von Dingen für den alltäglichen Bedarf geht, steht beim Shopping das reine Vergnügen, die Ablenkung, das Bummeln, Stöbern oder Scrollen durch Warenwelten im Fokus. Diese verschiedenen Funktionen machen deutlich, warum Menschen (teilweise) nicht aufhören können, zu konsumieren. Was kennzeichnet eine Konsumgesellschaft? In Konsumgesellschaften nimmt der Konsum von Produkten und Dienstleis‐ tungen eine zentrale Rolle ein. Konsum gilt häufig als Lösung für die meisten Verständnis von Konsum 23 <?page no="24"?> Probleme (Assadourian, 2025): Wer sich nicht wohl in seinem Körper fühlt, kauft vielleicht Kosmetik oder Diätprodukte. Wer sich einsam fühlt, wird Mitglied auf einer Dating-Plattform oder schafft sich ein Haustier an. Wer einen schlechten Tag hatte, isst am Abend Schokolade. In Konsumgesellschaften hat der Konsum somit eine herausgehobene Bedeutung zur gesellschaftlichen Integration von Individuen. Es gilt das Credo: „Ich konsumiere, also bin ich.“ (B. Bierhoff, 2016, S. 9). Die soziale und persönliche Identität von Menschen wird maßgeblich über Konsum hergestellt. Nach Kleinschmidt (2008) ist eine Konsumgesellschaft u. a. da‐ durch gekennzeichnet, dass Gütererwerb und -verbrauch erfolgen, obwohl grundlegende Bedürfnisse bereits befriedigt sind. Hierfür ist es nötig, dass es überhaupt genügend Angebote und entsprechende Wahlmöglichkeiten für Konsument*innen gibt. Konsumgüter sind in Konsumgesellschaften entsprechend im Überfluss vorhanden. Wie Baudrillard hierzu bereits in den 1970er Jahren zum Wesen der Konsumgesellschaft schreibt: „Um uns herum herrscht heute eine gleichsam fantastische Selbstverständlichkeit des Konsums und des Überflusses; sie wird durch die Vervielfältigung der Dinge, Dienstleistungen und materiellen Güter hervorgerufen, und sie bewirkt eine fundamentale Mutation in der Umwelt der menschlichen Gattung. Die Menschen des Überflusses sind genau genommen weniger von anderen Menschen umgeben, so wie sie es seit jeher waren, als vielmehr von OBJEKTEN [Hervorhebung wie in Quelle]” (Baudrillard, 2015, S.-39). Konsumgesellschaften zeichnen sich durch Massenkonsum aus. Massen‐ konsum ist abhängig von Massenproduktion, die erst durch die Industria‐ lisierung und Automatisierung ermöglicht wurde. Damit Menschen diese Güter jedoch auch kaufen und nutzen können, sind niedrige Preise, gute Einkommensverhältnisse und freie Zeit weitere wichtige Grundvorausset‐ zungen (König, 2013). Auch wenn Vorläufer und Merkmale von Konsumge‐ sellschaften schon in vorindustriellen Zeiten und in der Weimarer Republik ausgemacht werden können, wurden diese genannten Voraussetzungen in Deutschland insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wirt‐ schaftswachstum der 1950er Jahre nach und nach erfüllt. In den folgenden Jahrzehnten bis Anfang der 1980er Jahre konnten immer mehr Menschen auch aus mittleren und unteren Einkommensschichten am Wohlstand durch Massenkonsum teilhaben (Kleinschmidt, 2008). So wurden etwa Fernseher, Autos oder Fernreisen massentauglich; die Haushaltsausstattung und der Freizeitkonsum nahmen deutlich zu. 24 Verständnis von Konsum <?page no="25"?> Die Entstehung einer Konsumgesellschaft markiert damit einen Wech‐ sel vom Verkäuferzum Käufermarkt. Während über die Menschheitsge‐ schichte hinweg eine Knappheit von Ressourcen und Gütern dominierte und damit stets der Fokus auf der Herstellung und Beschaffung von Gütern zur Bedarfsdeckung lag, geht es in einer Konsumgesellschaft vor allem um Absatzförderung und Bedarfsweckung (König, 2013). Die Entstehung des modernen Marketings, d. h. die Ausrichtung und Gestaltung von Produkt, Preis, Kommunikation und Distribution an Kundenbedürfnissen, fällt daher ebenfalls in diese Zeit. Schneider (2000) benennt mit Verweis auf Brewer folgende zentralen Merkmale von Konsumgesellschaften: • Es besteht ein reichhaltiges Warensortiment, das für einen Großteil der Gesellschaft zugänglich ist. • Es gibt eine etablierte Branche, die sich auf die umfassende und ausge‐ klügelte Kommunikation der Waren spezialisiert hat. • Trotz Massenkonsum gibt es eine hohe Ausdifferenzierung der Waren in verschiedene Geschmacks- und Stilgruppen, so dass Distinktion und Individualität ermöglicht werden. • Freizeit und Konsum fungieren als eigene Lebensbereiche, insbesondere in Abgrenzung von Erwerbsarbeit. • Das Agieren als Konsument*in bzw. Kund*in stellt eine zentrale soziale Rolle für Menschen dar. • Schließlich treten auch die Schattenseiten von Konsum zu Tage (z. B. Überschuldung, Kaufsucht, Übergewicht) und werden durch Unterstüt‐ zungs- und Hilfsmaßnahmen adressiert. Die negativen Seiten der Konsumgesellschaft werden häufig auch mit Begriffen wie „Konsumismus” (B. Bierhoff, 2016) und „Wegwerfgesellschaft” (König, 2019) zum Ausdruck gebracht. So erläutert B. Bierhoff (2016) etwa, dass der Konsumismus - als eine Form des übermäßigen Konsums, die den Lebenssinn, die Zufriedenheit und die gesellschaftliche Anerkennung von Menschen in erster Linie auf den Konsum von Waren und Dienstleistungen ausrichtet - eine krankmachende, entmündigende und zur spirituellen Verarmung führende Lebenspraxis sei, bei der ein „Reichtum der Wahl‐ möglichkeiten […] mit einer Armut der immateriellen Bedürfnisse und Bedürfnisbefriedigungen” einhergeht (B. Bierhoff, 2016, S.-12). Verständnis von Konsum 25 <?page no="26"?> Welche Faktoren beeinflussen das Konsumverhalten? Konsum wird durch zahlreiche individuelle, soziale, kulturelle und struktu‐ relle Faktoren beeinflusst. Entsprechend existiert eine Vielzahl an Modellen und Konzepten mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Erklärung von Konsumverhalten ( Jackson, 2005). Auf individueller Ebene sind etwa Fakto‐ ren wie Bedürfnisse, Einstellungen, Wissen, Werte und Normen, Routinen und Praktiken, Emotionen oder Zeit relevant. Darüber hinaus beeinflussen auch typische Ungleichheitsmerkmale wie Einkommen, Bildung, Alter, Religion und (soziales) Geschlecht das Konsumverhalten. Im Alltag beein‐ flussen zudem familiäre Aushandlungsprozesse und die Erwerbsarbeit das Konsumverhalten. Darüber hinaus sind zahlreiche strukturelle Faktoren wirksam, etwa die Verfügbarkeit und Preise von Produkten, materielle und infrastrukturelle Gegebenheiten (z. B. die Haushaltsausstattung mit Geräten oder die Gestaltung des Straßenverkehrs), technologische und gesellschaftliche Trends, öffentliche Diskurse und Medienberichterstattung sowie gesetzliche Rahmenbedingungen. In seinem Kontextmodell macht Brand (2008) deutlich, dass die Entstehung von Konsummustern weder durch eine Aneinanderreihung individueller Konsumentscheidungen noch durch die strukturellen Rahmenbedingungen allein erklärt werden können. Konsummuster entstehen vielmehr in einem komplexen Zusammenspiel all dieser Faktoren unter spezifischen Alltags- und Lebensbedingungen von Menschen. Schaut man spezifischer auf einzelne Konsumhandlungen, wird deutlich, dass neben den genannten Faktoren auch das Produkt selbst und die situa‐ tiven Rahmenbedingungen der konkreten Kaufaktivität eine zentrale Rolle spielen. Beide Aspekte, das Produkt und die Situation, beeinflussen, ob z. B. Informationen auf der Produktverpackung wahrgenommen und verarbeitet werden. Wenn Konsument*innen bspw. wenig Erfahrung im Umgang mit einem Produkt haben und über den Kauf des Produkts nachdenken, kann zwischen extensiven und limitierten Kaufentscheidungen unterschieden werden (Foscht et al., 2017). Konsument*innen suchen bei extensiven Kauf‐ entscheidungen aktiv nach Informationen und wägen sorgsam ab. Typisch sind extensive Entscheidungen, wenn sie investiven Charakter haben, z. B. beim Kauf eines Autos oder einer Waschmaschine. Bei limitierten Kaufent‐ scheidungen können Konsument*innen auf bereits bestehende Erfahrungen zurückgreifen, die dazu führen, dass sie nur noch über eine begrenzte Aus‐ wahl an Produkten entscheiden. Anders agieren Konsument*innen, wenn 26 Verständnis von Konsum <?page no="27"?> sie Produkte erwerben, die bereits Teil von festen Routinen und Praktiken sind, sogenannten habituellen Kaufentscheidungen. In diesem Fall wird häufig gar keine Entscheidung im engeren Sinne mehr getroffen, sondern es wird auf bewährte Entscheidungsmuster zurückgegriffen. Typisch sind habituelle Verhaltensweisen bei Produkten des alltäglichen Bedarfs, z. B. Brot oder Käse. Noch einmal anders verhält es sich, wenn vom Produkt bestimmte Reize rausgehen, die bei Konsument*innen Emotionen hervor‐ rufen. Bei sogenannten impulsiven Entscheidungen erfolgt eine ungeplante, emotionale Reaktion auf einen Reiz. Ein Produkt wird somit gekauft, obwohl zuvor keine Absicht bestand (Foscht et al., 2017). Wie viel konsumieren Menschen in Deutschland? Private Haushalte haben in Deutschland im Jahr 2024 rund 2149,5 Milliar‐ den Euro für Konsum ausgegeben (Umweltbundesamt, 2025 g). Für einen einzelnen Haushalt lagen die durchschnittlichen Konsumausgaben im Jahr 2022 bei rund 2.800 Euro (Behrends et al., 2024). Der größte Anteil der Kon‐ sumausgaben (rund ein Drittel) entfällt auf die Bereiche Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung (Behrends et al., 2024; Umweltbundesamt, 2025 g). Die Konsumquote liegt bei rund 70 Prozent, d. h., deutsche Haushalte geben im Durchschnitt rund 70 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Konsum aus (Behrends et al., 2024). Allein zwischen dem Jahr 2017 und dem Jahr 2022 sind die Ausgaben in den Bereichen Wohnen um 13 Prozent und für Nahrungsmittel, Getränke und Tabak um 20 Prozent angestiegen. Es ist naheliegend, dass die Konsumausgaben mit der Höhe der Nettoeinkommen steigen. Von Bedeutung ist hierbei jedoch, dass bei den unteren Einkommen bereits mehr als 70 Prozent der Konsumausgaben auf die Bereiche Wohnen, Ernährung und Bekleidung entfallen, während es bei den höheren Einkommen nur etwas mehr als 50 Prozent sind (Behrends et al., 2024). Vielfach findet sich die Aussage, dass durchschnittliche Europäer*innen ca. 10.000 Dinge besitzen. Auch wenn empirische Belege für diese Zahl fehlen, ist unbestritten, dass der Besitzstand und die Güterausstattung in Haushalten des Globalen Nordens hoch sind. Eine Studie über Bewohner*in‐ nen einer Londoner Straße zeigt, warum: Es ist die Beziehung zu Dingen, die die materiellen und sozialen Muster unserer Haushalte und Nachbarschaften prägen, Ästhetik im Alltag hervorbringen und dem Leben Ordnung, Sinn, Verständnis von Konsum 27 <?page no="28"?> Trost oder Zuflucht geben (Miller, 2019). Im Bereich Kleidung besitzen deutsche Haushalte etwas mehr als 90 Kleidungsstücke pro Person, also insgesamt knapp 5 Milliarden Kleidungsstücke (Greenpeace, 2022). Mehr als 90 Prozent der Haushalte besitzen einen Kühlschrank, ein Mobiltelefon und einen Fernseher (Umweltbundesamt, 2025b). Auch bei Autos, Laptops oder Geschirrspülern gibt es einen hohen Ausstattungsgrad von über 70 Prozent. Während der Ausstattungsgrad bei bestimmten Gerätegruppen (z. B. Tief‐ kühlgeräten) abnimmt, ist bei anderen Gerätegruppen (z. B. Informations- und Kommunikationstechnik) mit weiterem Anstieg zu rechen. Zudem sorgt die Digitalisierung dafür, dass viele Gegenstände wie Tonträger für Musik, Fotos oder Bücher theoretisch nicht mehr physisch besessen werden müs‐ sen. Praktisch sind Geräte wie Laptops, Fernseher und in kleinerem Umfang auch Autos aber oft mehrfach pro Haushalt vorhanden (Umweltbundesamt, 2025b). Und als letzte Zahl: Im Jahr 2024 fuhren 56 Millionen Deutsche in den Urlaub; insgesamt wurden 68 Millionen Urlaubsreisen unternommen (Statista, 2025). Macht mehr Konsum glücklicher? Jein. Die Forschung zeigt seit den 1970er Jahren, dass steigende Einkommen und damit einhergehend mehr Konsum nicht automatisch zu mehr Lebens‐ zufriedenheit in der Gesellschaft führen. Dieser Zusammenhang zwischen Einkommen und Glücksempfinden wurde von dem Ökonomen Richard Easterlin untersucht und wird auch heute noch als „Easterlin-Paradoxon“ bezeichnet (Easterlin, 1974; Easterlin et al., 2010). Mehr Geld bedeutet für den Einzelnen typischerweise kurzfristig mehr individuelle Freude - aber wenn alle mehr verdienen, macht das nicht alle langfristig glücklicher. Dieser Befund gilt über unterschiedliche Länder und Gesellschaften hinweg (Easterlin et al., 2010). Verantwortlich dafür ist die „hedonistische Tret‐ mühle“: Menschen gewöhnen sich an positive Umstände und einen höheren Lebensstandard - ihre Erwartungen passen sich nach oben an, sodass das neu Erreichte bald wieder als selbstverständlich gilt, jede Zunahme materiellen Wohlstands wird relativiert und keine dauerhafte Zufriedenheit mehr erzeugt. Zudem neigen wir zu sozialen Vergleichen: Wir schielen oft nach oben und bewerten unser Leben danach, was andere besitzen (Sauer, 2025). 28 Verständnis von Konsum <?page no="29"?> Der weltweite Ländervergleich zeigt zudem, dass zusätzlicher Ressour‐ cenverbrauch ab einem gewissen Punkt kaum noch zu mehr Wohlbefinden beiträgt (Cibulka & Giljum, 2020). So gibt es auf der Ebene privater Haushalte in Deutschland tatsächlich keinen messbaren Zusammenhang zwischen der Menge an verbrauchten Ressourcen und dem persönlichen Glück (Buhl et al., 2019). Eine weitere Studie mit Daten aus über 120 Ländern zeigt zusätzlich, dass höheres Einkommen bzw. wachsender Konsum in Gesell‐ schaften nicht langfristig zu mehr Glück oder Gesundheit führen, obwohl kurzfristig häufig ein positiver Zusammenhang beobachtet wird (Fanning & O’Neill, 2019). Insgesamt lässt sich die Frage, ob mehr Konsum glücklicher macht, so zusammenfassen: Wer in materieller Not lebt, profitiert spürbar davon, wenn grundlegende Bedürfnisse erfüllt werden - hier ist mehr Konsum durchaus mit mehr Wohlbefinden verbunden. Für Menschen in wohlhabenden Gesellschaften insgesamt gilt das jedoch kaum noch: Mehr Güter zu besitzen oder zu konsumieren, macht langfristig nicht glücklicher, weil Gewöhnungseffekte jeden Zugewinn aufzehren. Was die Forschung hingegen als belastbare Gründe für Wohlbefinden identifiziert, etwa gute soziale Beziehungen, Gesundheit, Sinnerleben und Autonomie, lässt sich durch mehr Konsum nicht erlangen. Welches Bild haben wir von Konsument*innen? Lange Zeit dominierte das Leitbild des sogenannten „mündigen Verbrau‐ chers“. Der*die mündige Verbraucher*in agiert rational, hat klare Präferen‐ zen, ist stets gut informiert und will seinen*ihren Nutzen - etwa durch Konsum - konsequent maximieren. Diese Vorstellung basiert auf dem mik‐ roökonomischen Leitbild des „homo oeconomicus“, der souverän das Markt‐ geschehen steuert. Verbraucherschützer*innen und Wissenschaftler*innen kritisieren jedoch, dass solch ein Leitbild nicht mit einer Realitätsbeschrei‐ bung verwechselt werden dürfe (Strünck, 2020) (→ Gibt es Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem? ). Den „Otto Normalverbraucher“, so die Kritik, gebe es nicht. Und tatsächlich konsumieren Menschen keineswegs nur rational: Sie handeln oft impulsiv, lassen sich von Emotionen und sozia‐ len Normen leiten oder haben schlichtweg unterschiedliche Ausgangslagen und Wissensasymmetrien, wie zum Beispiel unterschiedliche Fähigkeiten zum Verstehen von (komplexeren) Sachverhalten. Vorgeschlagen werden entsprechend stärkere Differenzierungen zur Beschreibung oder Typologi‐ Verständnis von Konsum 29 <?page no="30"?> sierung von Konsumverhalten (Micklitz et al., 2010; Oehler & Reisch, 2016). Unterteilt wird etwa in verletzliche, vertrauende und verantwortungsvolle Konsument*innen bzw. Verbraucher*innen. • Verletzlich sind Konsument*innen dann, wenn sie auf grundlegende Leistungen der Daseinsvorsorge angewiesen sind und das Risiko be‐ steht, von diesen ausgeschlossen zu werden. Die Verletzlichkeit wird durch technologischen Wandel verstärkt (Helberger et al., 2022). • Vertrauend agieren Konsument*innen, wenn sie sich für Konsument‐ scheidungen nicht viel Zeit nehmen und davon ausgehen, dass ein Produkt oder eine Leistung schon „okay“ sein wird. • Verantwortungsvoll agieren Konsument*innen, wenn sie in der Lage sind, sich Informationen zu beschaffen und kritisch auszuwerten. In den letzten zehn Jahren wurden verstärkt verhaltenswissenschaftliche Ansätze zur Erklärung und politischen Gestaltung von Konsumverhalten herangezogen (Enste et al., 2016). Hierbei steht ein Menschenbild im Mittel‐ punkt, das sich an tatsächlichen Verhaltensweisen orientiert. Entsprechend werden Konsument*innen als wirtschaftliche Akteure verstanden, die zu Fehleinschätzungen neigen, die auf Faustregeln zurückgreifen, sich am Verhalten anderer orientieren und bequem sind. Diese Erkenntnisse werden immer häufiger zur Gestaltung von Verbraucherpolitik eingesetzt (Thorun et al., 2021). Welche Folgen hat (Über-)Konsum in Deutschland? Das bestehende Konsumniveau in Deutschland ermöglicht ein sehr pri‐ vilegiertes und bequemes Leben für die Mehrheit der Bevölkerung. Es gibt jedoch auch zahlreiche negative Folgen von (Über-)Konsum, die in Deutschland zu beobachten sind. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die direkten negativen Folgen für Menschen durch Überschuldung, Sucht, ernährungsbedingte Krankheiten sowie psychische Probleme, Stress und Erschöpfung sowie die indirekten negativen Folgen durch die Überbean‐ spruchung ökologischer Ressourcen. In Deutschland waren im Jahr 2024 rund 8 Prozent und damit rund 5,5 Mil‐ lionen Menschen überschuldet (Creditreform et al., 2024). Überschuldung bedeutet, dass diese Menschen - auch bei Anpassung ihres Lebensstandards - weder gegenwärtig noch absehbar in der Lage sein werden, ihre Schulden 30 Verständnis von Konsum <?page no="31"?> zu begleichen. Überschuldung geht häufig mit zahlreichen sozialen und psy‐ chischen Problemen einher. Millionen von Menschen weisen in Deutschland stoffgebundene (z. B. Alkoholsucht, Nikotinsucht, Medikamentensucht) oder nicht-stoffgebundene Süchte (z. B. Kaufsucht, Esssucht, Glücksspiel- oder Medien- und Computerspielsucht) auf (Bundeszentrale für politische Bildung, 2022). Als kaufsüchtig bzw. kaufsuchtgefährdet gelten rund 5 Pro‐ zent der Deutschen. Ebenfalls weit verbreitet sind ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht bzw. Adipositas, die jedes Jahr hunderttausende Tote zur Folge haben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Annahmen und Hinweise, dass Konsumismus auch negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat (B. Bierhoff, 2016; Förster, 2015). Überfluss geht häufig mit Überforderung und Zeitmangel einher. Es fehlen Resonanz- und Selbstwirksamkeitserfahrungen, die zu Unwohlsein und Erschöpfung beitragen können. Die Überbeanspruchung ökologischer Ressourcen in Deutschland zeigt sich beispielsweise im ökologischen Fußabdruck. Deutschland verbraucht dreimal so viele ökologische Ressourcen, wie dem Land gemessen an seiner Bevölkerung bei einer fairen, globalen Aufteilung der Ressourcen zur Verfü‐ gung stehen würde. Der Earth Overshoot Day, der Tag, an dem Deutschland seine für das laufende Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen theoretisch bereits verbraucht hat, liegt Anfang Mai (Global Footprint Network, 2026). Der Flächenverbrauch für Siedlungsgebiete und Straßen liegt insgesamt bei ca. 50 Hektar pro Tag (Umweltbundesamt, 2026c). Allgemein sind Böden und Gewässer durch Überdüngung in der Landwirtschaft und hohe Tierbestände für die Fleischproduktion stark nitrat- und phosphatbelastet. Durch intensive Landwirtschaft und Flächenverbrauch ist die Biodiversität bei Tieren und Pflanzen in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig. Ein Drittel der bislang in ihrem Bestand untersuchten Arten gelten als gefährdet (Wirth et al., 2024). Neben einem übermäßigen Verbrauch ökologischer Ressourcen sind auch die übermäßige Produktion von klimawirksamen Treibhausgasen und umweltschädlichen Stoffen problematisch. Der durchschnittliche, konsum‐ basierte CO 2 -Fußabdruck (inkl. der Umrechnung anderer Treibhausgase wie Methan in CO 2 -Äquivalente und inkl. des Imports von im Ausland produzierten Gütern) pro Person liegt bei etwa 9,8 Tonnen pro Jahr (Um‐ weltbundesamt, 2026b) (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ). Während zahlreiche Umweltgifte etwa in Form von Pestiziden gezielt in der Landwirt‐ Verständnis von Konsum 31 <?page no="32"?> schaft eingesetzt werden und zum Rückgang der Biodiversität beitragen, gibt es auch zahlreiche Schadstoffe und Rückstände, die aus Arzneimitteln oder chemischen bzw. synthetischen Produkten unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Linktipp | Der Earth Overshoot Day fiel in Deutschland im Jahr 2026 auf den 10. Mai. Bis zum Ende des Jahres leben wir auf Kosten der Zu‐ kunft. Warum ist das so? Wie wird der Tag berechnet? Und warum fällt er in anderen Ländern auf frühere oder spätere Tage im Jahr? In diesem ZDF-Beitrag inkl. Videos gibt es Antworten auf diese Fragen (https: / / w ww.zdfheute.de/ panorama/ erdueberlastungstag-2025-ressourcen-kons um-100.html). Welche Folgen hat (Über-)Konsum im Globalen Süden? Wie Lessenich (2015) es ausdrückt, leben wir in einer „Externalisierungsge‐ sellschaft“, in der die Folgen unseres (Über-)Konsums externalisiert - also ausgelagert - werden. In dieser „leben die Leute nicht über ihre Verhältnisse. Sie leben über die Verhältnisse anderer“ (Lessenich, 2015, S. 24). Und weiter heißt es: „Über die Externalisierung von Zwängen werden die eigenen Freiheiten ge‐ schaffen, mittels Zerstörung fremder Lebenswelten die eigenen Lebenschancen gesichert, durch eine Politik zu Lasten Dritter die eigenen Verhältnisse gelebt.” (Lessenich, 2015, S.-24) Brand und Wissen (2017) bezeichnen dies als „imperiale Lebensweise“, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Konsum- und Produktionsmuster des Globalen Nordens darauf beruhen, dass soziale und ökologische Ressourcen des Globalen Südens ausgebeutet, in einem Übermaß im Globalen Norden verbraucht und die dadurch verursachten sozialen und ökologischen Folge‐ kosten wiederum dem Globalen Süden überlassen werden. Soziale Folgekosten in Ländern des Globalen Südens entstehen vor allem durch Verletzungen von Menschenrechts-, Sicherheits- und Sozialstandards in der Herstellung von Produkten entlang der Lieferkette (Haipeter et al., 2023; M. Müller, 2025), etwa in der Textilindustrie, Landwirtschaft oder beim Abbau von Rohstoffen wie seltenen Erden. Darunter fallen unter an‐ 32 Verständnis von Konsum <?page no="33"?> derem Kinder- und Zwangsarbeit, niedrige, nicht-existenzsichernde Löhne, unbezahlte Überstunden, die Unterdrückung von Gewerkschaften, fehlende soziale Absicherungen oder fehlende Schutzkleidung und gesundheitliche Risiken am Arbeitsplatz. Beispielhaft seien hier etwa die Arbeitsbedingun‐ gen in der Lederindustrie in Bangladesch genannt, in der mehr als die Hälfte der Arbeiter*innen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn verdient und giftigen Chemikalien oft ungeschützt ausgesetzt ist (Eusuf et al., 2022). Auch entstehen negative ökonomische Folgen für Länder des Globalen Südens, wenn Produktionsüberschüsse und Restprodukte als „Billig-Exporte“ lokale Produzenten und Märkte gefährden. Beispiele hierfür sind Geflügelexporte in westafrikanische Länder oder der globale Altkleiderhandel. Da in Europa am meisten das Brustfleisch von Hühnern und Puten konsumiert wird, können Flügel und Schenkel mithilfe von Subventionen zu sehr niedrigen Preisen in Länder des Globalen Südens exportiert werden. Dort stehen diese billig exportierten Produkte mit denen lokaler Geflügelproduzenten in Konkurrenz, welche zu solch niedrigen Marktpreisen nicht kostendeckend wirtschaften können (Pelikan et al., 2023). Darüber hinaus entstehen in den Produktionsländern zahlreiche ökologische Schäden, wenn aus Kosten‐ gründen auf Umweltschutz verzichtet, Abwässer ungefiltert in lokale Flüsse eingeleitet, Wälder abgeholzt, Pestizide eingesetzt, Süßwasserressourcen verbraucht und Böden durch Monokulturen ausgelaugt werden. Welche Folgen hat (Über-)Konsum für die Zukunft? Die Folgen des (Über-)Konsums, insbesondere verursacht durch Länder des Globalen Nordens (wie Deutschland), tragen maßgeblich zur Überschrei‐ tung ökologischer Belastungsgrenzen der Erde bei und gefährden nicht nur ein sicheres Leben in der Gegenwart, sondern auch das menschliche Überleben in der Zukunft. Im Modell der sogenannten planetaren Gren‐ zen (planetary boundaries) wird deutlich, dass die Menschheit bereits gegenwärtig in sieben von neun relevanten Bereichen auf der Erde den sicheren Handlungsraum verlassen hat (Kitzmann et al., 2025; siehe Abb. 1). Das betrifft insbesondere folgende biophysikalische Bereiche: biologische Vielfalt, Stickstoff- und Phosphor-Kreisläufe, Verfügbarkeit von Süßwasser, Landnutzung, Klimawandel, Ozeanversauerung und den Umfang neuartiger Substanzen wie Mikroplastik oder Pestizide. In diesen sieben Bereichen sind die Veränderungen durch menschliches Handeln bereits so deutlich, dass Verständnis von Konsum 33 <?page no="34"?> eine stabile Funktionsweise dieser Systeme und Prozesse nicht mehr sicher ist. Zudem können sich die Veränderungen gegenseitig verstärken. Es kann zu Kipppunkten und irreversiblen Schäden kommen (Kitzmann et al., 2025; Richardson et al., 2023). Nachfolgend zeigen wir beispielhaft, wie übermäßiger Konsum im Glo‐ balen Norden zur Überschreitung dieser planetaren Grenzen beiträgt: • Biologische Vielfalt: Für die Produktion von Lebensmitteln werden natürliche Lebensräume (z. B. Wälder, Moore) in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt (z. B. durch Abholzung oder Trockenlegung von Mooren). Durch den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln werden Insekten und Böden geschädigt. Der Anbau von Monokulturen verrin‐ gert ebenfalls die Fruchtbarkeit der Böden und die Vielfalt der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten. • Verfügbarkeit von Süßwasser: Für die Herstellung vieler Konsumgüter (z. B. Lebensmittel, Kleidung, Elektronikprodukte) werden große Men‐ gen an Wasser benötigt. Oftmals werden diese Produkte in Ländern hergestellt, deren Grundwasservorkommen bereits knapp sind, was zu einer Gefährdung der Trinkwasserversorgung in diesen Ländern beiträgt. Auch die Verschmutzung von Wasser (z. B. mit Nitrat durch die Überdüngung in der Landwirtschaft) gefährdet die Wasserversorgung. • Neuartige Stoffe: Viele Konsumgüter basieren auf neuartigen, also nicht in der Natur vorkommenden, sondern von Menschen geschaffenen Stoffen. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind Kunststoffe und die daraus entstehenden Kleinstpartikel, sogenanntes Mikroplastik bzw. Nanoplas‐ tik (Kraas & Bauske, 2020). Zentrale Ursachen für die Entstehung von Mikroplastik sind etwa Reifenabrieb, die Nutzung von Textilien mit synthetischen Fasern oder der Zerfall von Kunststoffabfällen wie Plastiktüten in der Umwelt (Kraas & Bauske, 2020). Mikroplastik reichert sich in der Natur an und konnte bereits weltweit und vielfach in Tieren, Pflanzen und Menschen nachgewiesen werden. Die Auswirkungen sind noch weitgehend unerforscht. 34 Verständnis von Konsum <?page no="35"?> Abb. 1: Die planetaren Belastungsgrenzen (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 2025) Linktipps | Im Plastik-Atlas der Heinrich-Böll-Stiftung gibt es anschau‐ liche Grafiken, welche die Licht- und Schattenseiten von Plastik be‐ schreiben (https: / / www.boell.de/ de/ plastikatlas). Die Daten und Fakten aus dem Plastik-Atlas sind auch als Podcast-Episode verfügbar (https: / / www.boell.de/ de/ media/ podcast-episode-podigee/ der-plastikatlas-date n-und-fakten-ueber-eine-welt-voller-kunststoff). Für junge Leser*innen ab 12 Jahre findet sich auf der Seite des Plastik-Atlas auch das digitale Sachbuch „Pack aus! Plastik, Müll & ich“. Verständnis von Konsum 35 <?page no="36"?> Was hat Konsum mit sozialer Gerechtigkeit zu tun? Ökologische Fragen sind eng mit sozialen Fragen verbunden. Im Kern ist die Umwelt- und Klimakrise, die durch nicht-nachhaltigen Konsum mitverursacht wurde, eine Gerechtigkeitskrise. Dies zeigt sich in mindestens vier Bereichen. Erstens haben nicht alle Menschen durch (Über-)Konsum zu den bestehen‐ den ökologischen Problemen beigetragen. Im Gegenteil: Weiterhin leben, je nach Berechnung, zwischen einer halben und einer Milliarde Menschen in extremer Armut und sind nicht in der Lage, ihre grundlegenden Bedürf‐ nisse zu befriedigen. In Bezug auf die Treibhausgasemissionen ergibt sich folgendes Bild: Während die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung für etwas mehr als zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verant‐ wortlich sind, verursachen die reichsten zehn Prozent knapp 50 Prozent der Emissionen (Chancel et al., 2023). Allein das reichste Prozent der Weltbevölkerung verursacht bereits knapp 17 Prozent der Emissionen. Wie ist das zu erklären? Mit dem Einkommen steigen die Menge der konsumierten Güter und Dienstleistungen und ent‐ sprechend die Treibhausgasemissionen. Menschen mit hohen Einkommen beanspruchen z. B. deutlich mehr Wohnfläche und fahren häufiger Pkw oder nutzen das Flugzeug. Besonders deutlich sind die Unterschiede beim Fliegen. Während arme Menschen gar nicht fliegen, verbringen die 50 reichsten Menschen im Schnitt mehrere Wochen pro Jahr im Flugzeug (Oxfam, 2024). Zweitens sind nicht alle Menschen gleichermaßen von den ökologischen Auswirkungen des Überkonsums betroffen. Bereits heute leiden - global betrachtet - die Menschen am meisten unter den Folgen des Klimawan‐ dels, die historisch am wenigsten dazu beigetragen haben. So zeigen sich besonders starke Auswirkungen etwa durch eine Zunahme von Hitze- und Dürreperioden oder Überschwemmungen in vielen armen Ländern und Weltregionen wie z. B. Sub-Sahara-Afrika oder Südostasien, die nur für einen Bruchteil der globalen Gesamtemissionen verantwortlich waren und sind. Doch nicht nur global betrachtet, sondern auch innerhalb von (wohlhabenden) Ländern sind die ärmsten Menschen bereits heute am stärksten von ökologischen Schäden und Auswirkungen des Klimawandels betroffen. So wohnen auch in Deutschland vor allem ärmere Menschen an stark befahrenen Straßen in schlecht isolierten Wohnungen in verdichteten Wohngebieten und können sich vor der Luftbelastung durch Autoverkehr oder der Hitze als Folge des Klimawandels schlechter schützen. 36 Verständnis von Konsum <?page no="37"?> Drittens entscheiden nicht alle Menschen gleichermaßen mit darüber, wie Maßnahmen zur Förderung nachhaltigen Konsums ausgestaltet werden. Weniger privilegierte Menschen mit weniger finanziellen Mitteln haben nur wenige und zudem weniger einflussreiche Interessenvertreter*innen, während privilegierte, wohlhabendere Gruppen stärker Einfluss auf die Gestaltung politischer Instrumente nehmen können. Das führt viertens dazu, dass ärmere Menschen durch Kosten für Klima‐ schutz- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Verhältnis betrachtet häufig stärker belastet bzw. weniger entlastet werden als wohlhabendere Men‐ schen. Beispiele hierfür sind etwa die Entlastungsmaßnahmen der Bundes‐ regierung im Zuge der Energiekrise als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Jahr 2022, die nicht verhinderten, dass arme Haushalte am stärksten durch gestiegene Energiepreise belastet wurden (DIW, 2022). Ein weiteres Beispiel ist die anfängliche (mittlerweile reformierte) Kaufprämie für E-Autos, die vor allem von Besserverdienenden in Anspruch genommen wurde. Obwohl die neue Kaufprämie für E-Autos ab 2026 sozial gestaffelt, also vom Haushaltseinkommen abhängig, ausgestaltet wurde, ist dennoch fragwürdig, ob sie ausreichend die Bedarfe von Menschen mit niedrigeren Einkommen berücksichtigt. So werden beispielsweise Elektrogebrauchtwa‐ gen nicht gefördert, obwohl diese für mehr Menschen erschwinglich wären. Verständnis von Konsum 37 <?page no="38"?> Wege zum Ende der Verschwendung Entsorgung, Recycling, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit Die Müllentsorgung ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. In den Fokus rückt mit der zunehmenden Knappheit der Ressourcen auch die Wieder- und Weiterverwertung von Abfallprodukten. Das Buch klärt die wichtigsten Begriffe und befasst • sich auf einer Zeitlinie von der Antike bis zur Gegenwart mit Müll und dessen Entsorgung insbesondere in der neueren • • Geschichte der Bundesrepublik. weiter ... b <?page no="39"?> Verständnis von nachhaltigem Konsum Nachhaltiger Konsum ist mehr als nur Mülltrennung und Strom sparen. Was nachhaltigen Konsum ausmacht und welche Strategien es gibt, beleuchtet das nächste Kapitel. Dabei wird es auch darum gehen, wie nachhaltiger Konsum in verschiedenen Bedarfsfeldern aussehen und wie er gemessen werden kann. <?page no="40"?> Wie definiert man nachhaltigen Konsum? Die Definition nachhaltigen Konsums baut maßgeblich auf der Definition von Nachhaltigkeit (sustainability) auf, wie sie im Bericht der World Com‐ mission on Environment and Development (WCED) vor fast vierzig Jahren veröffentlicht wurde. Darin wurde formuliert, dass eine Entwicklung nach‐ haltig ist, „that […] meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“ (WCED, 1987, S. 15). Es geht in der Definition zwar um Bedürfnisbefriedigung und nicht um Konsum, aber da Konsum auf Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet ist (→ Was ist Konsum? ), kann diese Definition auf Konsum bzw. nachhaltigen Konsum übertragen werden (Belz & Bilharz, 2007; Fischer & von Hauff, 2019). Entsprechend wird nachhaltiger Konsum als ein Konsum verstanden, der zur Bedürfnisbefriedigung aller jetzt lebenden Generationen beiträgt ohne die Möglichkeiten nachkommender Generationen zu beschränken, zukünftig ihre Bedürfnisse ebenfalls zu befriedigen. Mit Bedürfnissen sind dabei insbesondere die Grundbedürfnisse (basic needs) gemeint - dazu zählen neben der Grundversorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Unter‐ kunft, auch Sicherheit, der Zugang zu Natur und Kultur, individuelle Freiheit oder soziale Teilhabe. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei verschiedene Gerechtigkeitsdimensionen: Es geht um Gerechtigkeit zwischen den jetzt lebenden Menschen im Globalen Norden und Süden (intragenerationale Gerechtigkeit) sowie zwischen den jetzt lebenden und zukünftig lebenden Menschen (intergenerationale Gerechtigkeit). Darüber hinaus umfasst nachhaltiger Konsum verschiedene Nachhaltig‐ keitsdimensionen (ökologische, soziale und ökonomische Dimension) und verschiedene Konsumbereiche bzw. sogenannte Bedarfsfelder (insbesondere Bauen und Wohnen, Ernährung, Mobilität, Kleidung, Elektronik) (Geiger et al., 2018) (→ Wie sehen nachhaltige Lebensstile in den Bereichen Ernährung, Mobilität, Bekleidung und Wohnen aus? ). Zusammengefasst definieren Geiger et al. (2018, S. 20) nachhaltigen Konsum als „individual acts of satisfying needs in different areas of life by acquiring, using and disposing goods and services that do not compromise the ecological and socio-economic conditions of all people (currently living or in the future) to satisfy their own needs.“ 40 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="41"?> Welche Strategien für nachhaltigen Konsum gibt es? Um nachhaltigen Konsum zu erreichen, können zwei unterschiedliche Perspektiven unterschieden werden: Einerseits können die Produkte bzw. Konsumgüter nachhaltiger gestaltet werden. Andererseits können die Kon‐ sument*innen ihre Verhaltensweisen bzgl. Anschaffung und Nutzung von Konsumgütern ändern (Fischer & von Hauff, 2019). Für beide Perspektiven sind veränderte Rahmenbedingungen nötig (→ Kapitel „Verantwortung von Politik und Gesellschaft“). Zur nachhaltig(er)en Gestaltung von Produkten sind sogenannte Effizi‐ enz-, Konsistenz- und Permanenzstrategien relevant. Effizienz bemisst als zentrales ökonomisches Prinzip das Verhältnis von Aufwand und Ertrag bzw. Aufwand und Nutzen. Es kann einerseits bedeu‐ ten, den Ressourcenaufwand für ein bestimmtes Produkt zu verringern (z. B. den Energieverbrauch eines Kühlschranks). Es kann andererseits bedeuten, mit einer gleichen Menge an Ressourcen mehr Produkte herzustellen. Konsistenz meint, dass Produkte stärker im Einklang mit ökologischen Stoffkreisläufen produziert werden und z. B. schädliche Stoffe während des Produktionsprozesses oder Abfälle reduziert werden. Permanenz meint das Prinzip, dass Produkte langlebiger produziert, repariert und erhalten werden (Fischer & von Hauff, 2019). Setzt man bei den Konsument*innen und ihren Konsumstilen an (→ Was sind nachhaltige Lebensstile? ), ist die Suffizienzstrategie relevant. Der Begriff der Suffizienz - abgeleitet vom lateinischen sufficere (‚hinreichen‘ oder ‚genug sein‘) - steht für Genügsamkeit oder das rechte Maß (Linz, 2004; Princen, 2005). Im Mittelpunkt steht hierbei die Reduktion des absoluten Konsumniveaus (→ Wie kann weniger Konsum im Globalen Norden gelin‐ gen? ). Das kann auf vier Wegen geschehen (Sandberg, 2021): Erstens durch Reduktionen in der Menge des Konsums (z. B. kleinere Wohnung, kürzere Reisewege). Zweitens sind Verlagerungen auf weniger ressourcenintensive Praktiken relevant (z. B. Bahnstatt Autoreise). Drittens kann die Nut‐ zungsdauer von Konsumgütern verlängert werden (z. B. längere Nutzung des Smartphones). Viertens sind Praktiken des Teilens bzw. gemeinsamen Nutzens ein Beitrag zu Suffizienz (z.-B. Carsharing mit Nachbar*innen). Alle Strategien haben jedoch auch Nachteile bzw. Grenzen (Behrendt et al., 2018). So werden Effizienzmaßnahmen häufig durch Rebound-Effekte abgeschwächt (→ Was ist der Rebound-Effekt? ). Konsistenz ist technisch sehr anspruchsvoll und in vielen Fällen noch nicht realisierbar. Konsistenz Verständnis von nachhaltigem Konsum 41 <?page no="42"?> und Permanenz sind auf funktionierende Ökosysteme und die Bereitstellung ökologischer Ressourcen angewiesen. Suffizienz geht mit fundamentalen Veränderungen in den Lebensgewohnheiten der Menschen in Konsumge‐ sellschaften einher und ist bislang kein mehrheitsfähiges Konzept. Was ist der Rebound-Effekt? Ein Blick in die Geschichte des Autos zeigt ein Paradox: Motoren sind heute technisch viel effizienter als noch vor 30 Jahren und verbrauchen pro PS deutlich weniger Kraftstoff. Doch für die Umwelt- und Klimafreundlichkeit des Verkehrs hat das wenig gebracht. Warum? Die Autos wurden gleichzei‐ tig immer größer, schwerer und mit mehr Komfort und Leistung ausgestattet - man denke an den Trend zu schweren SUVs. Die technische Ersparnis wurde also in mehr Gewicht und Bequemlichkeit investiert, sodass der reale Verbrauch kaum gesunken ist. Genau das beschreibt der Rebound-Effekt (Santarius, 2012). Eine Effizienzsteigerung führt somit häufig dazu, dass wir ein Produkt intensiver nutzen oder es größer und leistungsfähiger dimensionieren, wodurch der eigentliche Spareffekt ganz oder teilweise wieder „aufgefres‐ sen“ wird. Rebound-Effekte können in unterschiedlichen Formen und Va‐ rianten auftreten. Im Alltag von Konsument*innen zeigt er sich etwa im sogenannten Konsum-Akkumulations-Effekt. Wird ein neues, besonders energieeffizientes Gerät angeschafft (z. B. ein Kühlschrank), bleibt das alte Gerät manchmal erhalten und wird weiter genutzt, zum Beispiel im Keller oder in der Garage. Statt Energie zu sparen, steigt der Gesamtverbrauch dann möglicherweise sogar an, weil nun zwei Geräte in Betrieb sind. Ein weiteres Beispiel sind finanzielle Rebound-Effekte, die entstehen, wenn durch eine nachhaltige Entscheidung in einem Bereich Geld gespart wird - dieses Geld aber später für anderen, klimaschädlichen Konsum ausgegeben wird. So zeigen Ottelin et al. (2014) in einer Studie zum Mobilitätsverhalten in Finnland, dass besonders jene Personen, die urban und ohne Auto leben, ihre Emissionsvorteile teilweise durch ein überproportional hohes Flugverhalten wieder kompensieren. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass nachhaltige Handlungen aufgrund von Rebound-Effekten per se keinen ökologischen Nutzen haben. In den meisten Szenarien zu Energie- oder Ressourceneffizienz liegen Rebound-Effekte unter 50 Prozent (Buhl, 2014). Es werden also im Vergleich 42 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="43"?> zur Ausgangssituation weiterhin Einsparungen erzielt, nur eben nicht die angestrebten 100 Prozent der Effizienzgewinne. Besonders wichtig ist daher die Sensibilisierung für solche Rebound-Mechanismen. Eine Studie in Groß‐ britannien zeigt beispielsweise, dass besonders umweltbewusste Menschen dazu neigen, Rebound-Effekte stärker zu vermeiden (Andersson et al., 2019). Wie kann weniger Konsum im Globalen Norden gelingen? Bedürfnisbefriedigung trotz weniger Konsum und Produktion - dafür steht die Suffizienzstrategie (→ Welche Strategien für nachhaltigen Konsum gibt es? ). Es geht darum, (bestimmte) alltägliche Praktiken und individuelle Verhaltensweisen zu verändern und dadurch die Nachfrage nach Energie, Rohstoffen, Wasser oder Land zu reduzieren. Suffizienz hat zum Ziel, Wohlstand und ein gutes Leben für alle zu gewährleisten. Dies geht nicht ohne die Festlegung von Ober- und Untergrenzen für Konsum, sogenannten Konsumkorridoren (Fuchs et al., 2021) (→ Kann nachhaltiger Konsum auch mehr Konsum bedeuten? ). Innerhalb dieser Konsumkorridore ist ein nach‐ haltiges und gutes Leben möglich, ohne dabei die Lebenschancen anderer Menschen einzuschränken oder einen eigenen Mangel zu befürchten. Aus einer Gerechtigkeitsperspektive steht Suffizienz also für den Zustand des „Genug“ in doppelter Hinsicht: genug für jeden und jede Einzelne und genug für alle anderen. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass der übermäßige Konsum im Globalen Norden reduziert werden muss, um einer wachsenden Bevölkerung im Globalen Süden Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern (O’Neill et al., 2018) sowie die Handlungsfähigkeit künftiger Ge‐ nerationen zu garantieren. Gleichzeitig bedeutet Ressourcengerechtigkeit in wohlhabenden Ländern, den umweltschädlichen Konsum der Reichen zu begrenzen, damit Haushalte mit geringeren Einkommen einen angemesse‐ nen Lebensstandard erreichen können (→ Was hat Konsum mit sozialer Gerechtigkeit zu tun? ). Dies würde die Lebenszufriedenheit wohlhabender Bevölkerungsgrup‐ pen nicht beeinträchtigen, weil die Studienlage zeigt, dass sich Wohlstands‐ wachstum (gemessen am BIP) und das subjektive Wohlbefinden von Men‐ schen bereits voneinander entkoppelt haben (Clark, 2018) (→ Macht mehr Konsum glücklicher? ). Verständnis von nachhaltigem Konsum 43 <?page no="44"?> Die Förderung von Suffizienz durch eine konsequente Senkung des Konsum- und Produktionsniveaus kann ohne Änderungen der politischen Rahmenbedingungen nicht gelingen (→ Kapitel „Verantwortung von Politik und Gesellschaft“, → Kapitel „Verantwortung von Unternehmen“). Dabei sollte Mäßigung oder Reduktion nur von denjenigen verlangt werden, die derzeit zu viel konsumieren. Kann nachhaltiger Konsum auch mehr Konsum bedeuten? Ja. In wohlhabenden Ländern des Globalen Nordens dominieren zwar Konsumgesellschaften, die durch Überfluss gekennzeichnet sind. Doch auch in diesen Ländern sind manche Menschen nicht in der Lage ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, weil sie von Armut und Aus‐ grenzung betroffen sind. Menschen, die wohnungslos sind, oder Kinder, die ohne Frühstück zur Schule gehen müssen, benötigen Konsumgüter, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Mangel an Konsum bzw. Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedung besteht jedoch für viele Menschen vor allem in Ländern des Globalen Südens. Dort bedeutet nachhaltiger Kon‐ sum somit ebenfalls, Möglichkeiten zu schaffen, damit diese grundlegenden Bedürfnisse befriedigt werden können. Neben materiellen Grundbedürfnissen sind deshalb auch individuelle und soziale Grundbedürfnisse zu berücksichtigen, damit Menschen ein gutes Leben in Würde leben können. Dazu zählen neben der materiellen Grundversorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft, auch die Gewährleistung einer sicheren Umgebung oder der Zugang zu Natur und Kultur zu den schützenswerten Grundbedürfnissen (Di Giulio et al., 2023). Zu relevanten individuellen Bedürfnissen gehört die Möglichkeit, sich als Person frei entfalten und entwickeln zu können. Als soziale Grundbedürf‐ nisse werden etwa die Teilhabe an und die Mitgestaltung von Gemein‐ schaften und Gesellschaft insgesamt verstanden (Di Giulio et al., 2023). Wenn die bisherigen Ressourcen nicht ausreichen, um diese grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, kann nachhaltiger Konsum also auch bedeuten mehr zu konsumieren. Aufbauend auf dem Konzept der Konsumkorridore entsteht nachhaltiger Konsum somit in einem Bereich, der durch ein Minimum und ein Maximum an Konsum gekennzeichnet ist (Fuchs et al., 2021). Das Minimum sieht eine 44 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="45"?> mindestens verfügbare Anzahl und Qualität an Ressourcen bzw. Gütern vor, die nötig sind, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Das Maximum entspricht Obergrenzen, deren Überschreitung dazu führen würde, dass andere Menschen in ihren Möglichkeiten beschnitten werden, ihre Grund‐ bedürfnisse zu erfüllen. Innerhalb dieser Korridore ist nachhaltiger Konsum individuell gestaltbar (Fuchs et al., 2021). Welche Nachhaltigkeitsdimension ist am wichtigsten? Grundsätzlich umfasst Nachhaltigkeit mehrere Dimensionen - gemeint sind meist die ökologische (Schutz von Umwelt und natürlichen Ressourcen), soziale (Gerechtigkeit, Teilhabe und gute Lebensbedingungen für alle Men‐ schen) und ökonomische (wirtschaftliches Handeln, das langfristig tragfähig bleibt) Dimension (→ Wie definiert man nachhaltigen Konsum? ). Fragt man jedoch nach einer Gewichtung, dann stellt die ökologische Dimension im Sinne „starker Nachhaltigkeit“ die bedeutendste Dimension dar (von Hauff, 2024). Denn klar ist, dass ohne die Sicherung von Ökosystemen und ihren vielfältigen ökologischen Ressourcen und Ökosystemleistungen menschliches Überleben auf dem Planeten Erde nicht möglich ist. Menschen sind als biologische Wesen untrennbar mit der Natur verbunden. Im Sinne von „schwacher Nachhaltigkeit“ - also der Vorstellung, dass Naturgüter und menschengemachte Sachgüter prinzipiell substituierbar sind - wäre Konsum bereits nachhaltig, wenn er z. B. zum Aufbau eines regionalen Wirtschaftszweiges beitragen und damit das wirtschaftliche Wohlergehen der Region fördern würde. „Schwache Nachhaltigkeit“ wäre jedoch nicht intra- und intergenerational verallgemeinerbar, weil davon auszugehen ist, dass ökologische Ressourcen trotz einer Mehrung ökonomi‐ scher Güter irgendwann verbraucht wären und nachkommende Generatio‐ nen entsprechend schlechtere oder keine Lebenschancen mehr hätten. Vor diesem Hintergrund liegt ein wesentlicher Fokus nachhaltigen Konsums auf ökologisch verträglichem und ressourcenschonendem Konsum. Gleichzeitig betonen etablierte Leitdokumente zum Verständnis von Nachhaltigkeit, wie der Brundtland Bericht (WCED, 1987) und die Agenda 2030 (Vereinte Nationen, 2015), die Bedeutung sozialer Gerechtigkeit. Sie ist zugleich eine wesentliche Bedingung für die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in der Bevölkerung. Auch kann Umweltschutz nicht gelingen, wenn Gesellschaften z. B. von Krieg, Armut oder Hunger Verständnis von nachhaltigem Konsum 45 <?page no="46"?> geprägt sind. Die gleichrangige Bedeutung der sozialen und ökologischen Dimension wird besonders im sogenannten Doughnut-Modell deutlich (Raworth, 2017). Darin wird zum Ausdruck gebracht, dass nur dann von einem sicheren und gerechten Handlungsraum für Menschen gesprochen werden kann, wenn soziale Mindeststandards (z. B. Bildung, Gesundheit, Einkommen, Energie- und Trinkwasserversorgung) gewährleistet und zu‐ gleich die planetaren Belastungsgrenzen nicht überschritten werden (→ Welche Folgen hat (Über-)Konsum für die Zukunft? ). Ist jede Handlung zur Förderung nachhaltigen Konsums gleich wichtig? Nein, denn manche Handlungen haben eine viel größere Umweltentlas‐ tungswirkung als andere. Es ist daher sinnvoll, diese für den Umweltschutz besonders hilfreichen Maßnahmen zu priorisieren (→ Jeder kleine Schritt zählt, oder nicht? ). Hierfür können zunächst die übergeordneten Konsum‐ felder mit den größten Einsparpotenzialen identifiziert werden. Das sind die Bedarfsfelder Bauen und Wohnen (inklusive Wärme und Strom) sowie Mo‐ bilität und Ernährung (Umweltbundesamt, 2026b). Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes fallen durchschnittlich von den Gesamt-CO 2 -Emissio‐ nen pro Kopf rund 26 Prozent auf den Bereich Wohnen (und Strom), rund 21 Prozent auf den Bereich Mobilität und weitere 16 Prozent auf den Bereich Ernährung (Umweltbundesamt, 2026b). Diese drei Bedarfsfelder sind somit bereits für mehr als die Hälfte der entstehenden Emissionen verantwortlich. In diesen Feldern liegt folglich eine besondere Handlungs‐ relevanz. Innerhalb dieser Bedarfsfelder gibt es wiederum eine Vielzahl an unterschiedlichen Konsumpraktiken mit unterschiedlichen Umweltauswir‐ kungen. Auch hier ist es wichtig, die Handlungsweisen zu identifizieren, die die größten Umweltentlastungswirkungen haben (sogenannte Big Points). Auch wenn es vernünftig ist, beim Lebensmitteleinkauf auf Plastiktüten zu verzichten, gäbe es eine größere Umweltentlastungswirkung, wenn beim Einkauf selbst keine oder nur sehr wenige tierische Produkte gekauft würden (Umweltbundesamt, 2026b). 46 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="47"?> Linktipps | Ein YouTube-Video des Kompetenzzentrums Nachhaltiger Konsum veranschaulicht die großen Hebel und Big Points für nachhal‐ tigen Konsum im Alltag (https: / / www.youtube.com/ watch? v=wC8103w u5n8). Auf den Internetseiten des Kompetenzzentrums nachhaltiger Konsum finden sich dazu noch weitere anschauliche Informationen und Mate‐ rialien, die auch für Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen ein‐ gesetzt werden können (https: / / nachhaltigerkonsum.info/ aktionsmater ialien/ fussabdruck). Was bedeutet nachhaltiger Konsum für Ernährung, Mobilität, Bekleidung und Wohnen? Ein nachhaltiger Konsumstil in Deutschland, der etwa zur Einhaltung planetarer Grenzen beiträgt, ist vor allem durch weniger Verbrauch gekenn‐ zeichnet, also durch Suffizienz (→ Wie kann weniger Konsum im Globalen Norden gelingen? ). Diese notwendige Verbrauchsreduktion betrifft alle relevanten Bereiche. Darüber hinaus sind folgende Maßnahmen in den einzelnen Bedarfsfeldern von Bedeutung: • Im Bereich Ernährung ist es entscheidend, dass Lebensmittel mit tieri‐ schen Proteinen reduziert (sowie vegetarische und vegane Ernährung gefördert), Abfälle vermindert und insgesamt die durchschnittliche Ge‐ samtkalorienzahl gesenkt wird. Außerdem ist es zentral, dass ökologisch produzierte Lebensmittel konsumiert werden (→ Wie geht nachhaltige Ernährung? ). • Im Bereich Wohnen kommt es auf eine effizientere Nutzung des Be‐ stands, eine Verringerung der Wohnfläche pro Person sowie eine hohe Energieeffizienz beim Wärmeverbrauch an. Gleichzeitig ist es wichtig, Neubau (erst recht auf der grünen Wiese) zu reduzieren, herkömmliche Bauweisen durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen sowie auf eine energetisch optimierte, zirkuläre Bauweise und eine lange Lebensdauer von Gebäuden und Möbeln zu setzen und nachhaltige, also natürliche oder Recycling-Baustoffe zu nutzen (→ Wie geht nachhaltiges Bauen und Wohnen? ). Verständnis von nachhaltigem Konsum 47 <?page no="48"?> • Im Bereich Mobilität gilt es, Pkw- und Flugmobilität so weit wie möglich zu vermeiden und auch nötige Distanzen etwa zwischen Wohn- und Arbeitsort zu reduzieren. Weiterhin geht es darum, nötige Strecken mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen sowie motorisierte Mobilität technisch und organisatorisch zu verbessern. Beispiele sind die Wahl möglichst kleiner und leichter Fahrzeuge mit emissionsarmen oder sogar emissionsfreien Antriebssystemen und eine bessere Verkehrspla‐ nung, um die Effizienz zu steigern (→ Wie geht nachhaltige Mobilität? ). • Im Bereich Bekleidung ist es wichtig, insgesamt die Menge an konsu‐ mierter Kleidung zu reduzieren. Statt Neuware können Konsument*in‐ nen Secondhand-Ware wählen sowie das Reparieren, Tauschen, Teilen oder Leihen von Kleidungsstücken in Betracht ziehen. Generell gilt: Weniger Quantität, dafür mehr Qualität (→ Wie geht nachhaltige Bekleidung? ). • Auch bei sonstigen Produkten/ Konsumgütern ist eine absolute Reduktion des Konsumniveaus wichtig, etwa indem Praktiken des gemeinschaft‐ lichen Konsums (wie Teilen, Tauschen, Leihen) stärker Verbreitung finden. Außerdem ist es wichtig, dass Dinge länger genutzt werden und dafür entsprechend gepflegt und repariert werden. Jeder kleine Schritt zählt, oder nicht? Grundsätzlich ist es niemals falsch, auch bei Kleinigkeiten auf Nachhaltig‐ keit zu achten. Das Licht ausschalten, wenn man den Raum verlässt, auf Plastiktüten beim Einkauf verzichten oder Papier doppelseitig bedrucken - all diese kleinen Aktivitäten im Alltag sind sinnvoll, um Ressourcen zu sparen. Zudem helfen kleine Veränderungen dabei, dass sich Menschen als selbstwirksam erleben können, weil sie niedrigschwellig, überschaubar und direkt umsetzbar sind. Sie gehen meist mit geringen Transaktions- und Opportunitätskosten einher, d. h. die Umsetzung erzeugt wenig Auf‐ wand und kann zudem jederzeit revidiert werden. Hingegen setzen große Veränderungen in Richtung nachhaltiger Konsum, etwa die bewusste Ent‐ scheidung für eine kleinere Wohnung, der Einbau einer Wärmepumpe oder die Abschaffung eines eigenen Autos, möglicherweise Änderungen in bis‐ herigen Verhaltensroutinen voraus und gehen mit hohem Informations- und Organisationsaufwand einher. Zudem haben sie höhere Opportunitätskos‐ 48 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="49"?> ten, weil die Verhaltensänderung schwieriger rückgängig gemacht werden kann. Verbunden mit der Hoffnung, dass jeder kleine Schritt in die richtige Richtung auch dazu motiviert, immer weiter zu gehen, liegt der vielfach verbreitete Ratschlag nahe: „Jeder noch so kleine Schritt zählt.“ Aber ist das wirklich so? Am Ende zählt für nachhaltigen Konsum die Gesamtbilanz, d. h., die Auswirkungen eines Konsumstils auf Umwelt und Gesellschaft insgesamt. Kleine Schritte sind - im Kontext der Gesamtbilanz - eben wirklich nur klein. Kleine Schritte haben oft den Nachteil, dass Menschen sich von ihnen ablenken lassen und sie psychologisch als Rechtfertigung für unterlassene, größere Verhaltensänderungen heranziehen, obwohl diese möglicherweise viel relevanter sind. Aufgrund der Vielzahl an Konsumaktivitäten, die den Alltag der Menschen prägen, können die kleinen Schritte auch zur Überfor‐ derung führen. Soll ich die Bio-Gurke aus Spanien oder die konventionelle Gurke aus Deutschland kaufen? Ist eine Papiertüte nachhaltiger als eine Plastiktüte, die ich mehrmals verwende? All diese kleinen alltäglichen Konsumentscheidungen lenken möglicherweise von den großen Herausfor‐ derungen ab - doch auf die kommt es an, um nachhaltigen Konsum in großem Umfang zu realisieren. Um die ökologischen Auswirkungen effektiv zu reduzieren, kann es deshalb sinnvoll sein, Maßnahmen zu priorisieren, die besonders hohes Umweltentlastungspotenzial haben (sogenannte Big Points) (Antony et al., 2020; Bilharz, 2009). Mit einzelnen Big-Point-Maßnahmen lassen sich damit auf einen Schlag größere Mengen von Treibhausgasemissionen und Ressourcen einsparen. Solche Big-Point-Maßnahmen sind z. B. der Verzicht auf Flugreisen und ein eigenes Auto, die Reduktion tierischer Proteine in der Ernährung durch weniger Konsum von Milch- und Fleischprodukten oder ein Heizungssystem mit erneuerbaren Energien. Um die sozialen und ökologischen Belastungen des Konsums wirksam zu verringern, sind diese Big Points unverzichtbar. Deshalb gilt: Kleine Schritte sind gut und insbesondere dann erfolgreich, wenn man es schafft, andere Menschen mitzunehmen. Die Umsetzung kleiner Maßnahmen darf aber nicht dazu führen, dass man die großen und wirkungsvolleren Schritte aus dem Blick verliert. Verständnis von nachhaltigem Konsum 49 <?page no="50"?> Wie lässt sich nachhaltiger Konsum in Deutschland messen? Seit dem Jahr 2024 gibt es in Deutschland 20 Indikatoren, um die Entwick‐ lung des nachhaltigen Konsums in Deutschland zu messen (Kompetenzzen‐ trum Nachhaltiger Konsum, 2025). Sie wurden im Kontext des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum entwickelt, einem Programm der Bundesregierung zur Förderung nachhaltigen Konsums in verschiedenen Bedarfs- und Handlungsfeldern (→ Was ist das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum? ). Diese konsumspezifischen Indikatoren ergänzen die Indikatoren der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (Kompetenzzentrum Nachhaltiger Kon‐ sum, 2025). Die Indikatoren beziehen sich auf ganz unterschiedliche Daten aus sechs verschiedenen Bedarfsfeldern: Übergreifendes, Wohnen/ Haus‐ halt/ Gebäude, Mobilität, Ernährung, Bekleidung sowie Freizeit/ Tourismus. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Indikatoren sowohl ökologische als auch soziale Aspekte abdecken. Übergreifend werden die globale Umweltinanspruchnahme (in- und aus‐ ländischer Rohstoffeinsatz, Energieverbrauch und Ausstoß an CO 2 -Emis‐ sionen) und das Umweltverhalten der Haushalte gemessen (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ). Im Bedarfsfeld Wohnen/ Haushalt/ Gebäude wird die Entwicklung der Emissionen aus Wärme und Strom der Bundeslie‐ genschaften bewertet, der Endenergieverbrauch privater Haushalte (nach Energieträgern und Anwendungsbereichen), die Marktentwicklung von Wärmeerzeugern (d. h. neu installierte Heizsysteme), die Wohnfläche je Einwohner*in in Deutschland sowie der Marktanteil von Produkten mit staatlichem Umweltzeichen. Im Bedarfsfeld Mobilität werden die Emissionen durch Dienstreisen der Bundesverwaltung, der Anteil umweltfreundlicher Personenverkehr (Bus, Bahn, Fuß- und Fahrradverkehr) an den zurückgelegten Personenkilome‐ tern, der Pkw-Bestand pro 1.000 Einwohner*innen, die Verfügbarkeit von organisierten Carsharing-Angeboten in Städten und Gemeinden ab 10.000 Einwohner*innen sowie der Anteil an E-Autos bei Bestand und Neuzulas‐ sungen gemessen. Im Bereich Ernährung misst ein Indikator den Anteil von Kantinen in Bundesinstitutionen, die mindestens 30 Prozent Bio-Lebensmittel am monetären Gesamtwareneinsatz ausweisen, ein weiterer Indikator den Marktanteil bzw. das Marktvolumen von Bio-Lebensmitteln bei privaten 50 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="51"?> Konsument*innen und zwei weitere den Fleischverzehr und den Verzehr inländischer Körnerleguminosen (Pflanzen mit hohem Eiweißanteil, z. B. Ackerbohnen, Erbsen oder Soja) pro Kopf pro Jahr. Im Bedarfsfeld Bekleidung wird der Anteil von nach Nachhaltigkeitskri‐ terien öffentlich beschaffter Textilien und der Marktanteil nachhaltiger Bekleidung (gemessen an marktrelevanten, glaubwürdigen Nachhaltigkeits‐ siegeln) regelmäßig überprüft. Für das Bedarfsfeld Freizeit/ Tourismus gibt es einen Indikator für Ver‐ kehrsleistungen im Urlaub, der die zurückgelegten Personenkilometer ge‐ trennt nach Verkehrsarten ausweist und einen Indikator für den Anteil der als nachhaltig zertifizierten Unterkünfte in Deutschland. Insgesamt ermöglichen die Indikatoren also einen breiten Überblick über nachhaltigen Konsum in Deutschland (→ Wie ist der Stand nachhaltigen Konsums in Deutschland? ). Wie ist der Stand nachhaltigen Konsums in Deutschland? Die Indikatoren, die im Rahmen des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum entwickelt wurden, verdeutlichen sowohl Fortschritte als auch Stagnation bei der Förderung nachhaltigen Konsums (Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum, 2025): Im übergreifenden Bereich ist festzustellen, dass die globale Umweltinanspruchnahme bezogen auf den CO 2 -Ausstoß (ohne weitere treibhausgasrelevante Emissionen, die sonst als CO 2 -Äquiva‐ lente angegeben werden) durch den Konsum privater Haushalte in den letzten Jahren von rund 8 Tonnen im Jahr 2012 auf 6,5 Tonnen CO 2 im Jahr 2021 gesunken ist. Das Umweltverhalten hat sich seit Beginn der Messung in 2018 kaum verändert (Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum, 2025). Im Bedarfsfeld Wohnen/ Haushalt/ Gebäude zeigt sich eine Reduktion des Endenergieverbrauchs der privaten Haushalte von 728 Terrawattstunden im Jahr 2008 auf 622 Terrawattstunden im Jahr 2023. Bei der Marktentwicklung der Wärmeerzeuger kam es im Jahr 2024 zu einem Einbruch sämtlicher verkaufter Heizungssysteme, daher sind die Zahlen wenig aussagekräftig. Zwischen den Jahren 2010 und 2023 stieg der Anteil der verkauften Wärme‐ pumpen und Biomasse-Heizanlagen zwar von 8,3 Prozent (Wärmepumpen) und 3,1 Prozent (Biomasse) auf 27,2 Prozent (Wärmepumpen) und 3,8 Prozent (Biomasse) an; den größten Anteil an den verkauften Heizungs‐ Verständnis von nachhaltigem Konsum 51 <?page no="52"?> systemen machen jedoch weiterhin Öl-/ Gasbrennwertkessel aus (2010: 64,5 Prozent zu 2023: 61,5 Prozent). Der Absatz der weniger effizienten Niedertemperaturkessel für Öl und Gas sank im gleichen Zeitraum von 24,1 Prozent auf 7,5 Prozent. Der Indikator „Wohnfläche pro Einwohner“ stieg im Zeitraum von 2011 bis 2023 von 46,1 auf 47,5 Quadratmeter pro Person. Der Marktanteil von Produkten mit staatlichem Umweltzeichen stieg im Zeitraum von 2012 bis 2021 von 3,6 auf 13,3 Prozent; sank seither nach einer Hochrechnung bisher bestehender Daten wieder auf 8,7 Prozent im Jahr 2024. Das Ziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 liegt bei 34-Prozent. Im Bedarfsfeld Mobilität zeigt der Indikator für den Anteil umweltfreund‐ licher Verkehrsformen am Gesamtverkehr - neben den Reduktionen in den Covid-19-Pandemie-Jahren 2020 und 2021 - kaum Veränderungen. Der Anteil von Bus, Bahn, Fahrrad und Fußverkehr lag im Jahr 2005 bei 19,6 Prozent und 2022 bei 20,3 Prozent. Der Pkw-Bestand pro 1.000 Einwohner*innen steigt weiter an und lag im Jahr 2024 bei 590 Pkw. Die Verfügbarkeit von organisierten Carsharing-Angeboten in Orten mit mehr als 10.000 Einwohner*innen stieg von 36,4 Prozent der Orte im Jahr 2020 auf 48,3 Prozent der Orte im Jahr 2025. Im Bedarfsfeld Ernährung zeigt der Indikator für den Anteil von Bundeskan‐ tinen mit einem mindestens 30-Prozent-Bio-Anteil einen Anstieg von 6,4 Prozent im Jahr 2021 auf 16,3 Prozent im Jahr 2023. Der Fleischverzehr pro Kopf sank von 60,9 Kilo im Jahr 2018 auf insgesamt 53,2 Kilo im Jahr 2024. Im Bedarfsfeld Bekleidung stieg der Marktanteil an nachhaltiger Beklei‐ dung von unter vier Prozent im Jahr 2017 auf über acht Prozent im Jahr 2022. Die für Freizeit und Tourismus vorliegenden Daten sind aufgrund von Neumodellierungen im Zeitverlauf schwierig zu vergleichen. Deutlich ist jedoch, dass der motorisierte Individualverkehr und Flugreisen bei Urlaubsmobilität deutlich überwiegen. Für den Indikator „Anteil der als nachhaltig zertifizierten Unterkünfte in Deutschland“ liegen bisher noch keine Daten vor. Linktipp | Die Internetseite des Kompetenzzentrums Nachhaltiger Kon‐ sum gibt einen Überblick über das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum und die zwanzig dazugehörigen Indikatoren (https: / / nachhalti gerkonsum.info/ nationales-programm/ indikatoren). Die Indikatoren zeigen, wie sich nachhaltiger Konsum in Deutschland entwickelt. 52 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="53"?> Was unterscheidet ethischen, fairen, grünen, klimafreundlichen und suffizienten Konsum? Nachhaltiger Konsum umfasst viele verschiedene Dimensionen und Aspekte (→ Welche Nachhaltigkeitsdimension ist am wichtigsten? ). Je nachdem, welche Nachhaltigkeitsdimension (ökologisch, sozial oder ökonomisch) bzw. welche Teildimension im Fokus steht (z. B. bei ökologisch: Klimaschutz, Biodiversität, Umweltschutz allgemein), haben sich zahlreiche weitere Begriffe etabliert, die teilweise synonym zu nachhaltigem Konsum verwendet werden. So adressiert grüner oder klimafreundlicher Konsum vor allem die ökologi‐ sche Dimension nachhaltigen Konsums, während fairer Konsum vor allem die soziale Dimension anspricht. Während bei ethischem Konsum vor allem das Bewusstsein von Konsument*innen für die Folgen ihrer Konsumentscheidungen betont wird, steht bei suffizienz-orientiertem bzw. suffizientem Konsum die Reduktion der Ressourcenmenge zur Erreichung von nachhaltigem Konsum im Mittelpunkt. Weitere Begriffe und Beschreibungen, die im Kontext eines nachhaltigen Konsums benutzt werden, sind z. B. regionaler Konsum, saisonaler Konsum, biologischer Konsum, bewusster Konsum, ressourcenschonender bzw. ressourcenleichter Konsum, minimalistischer Konsum oder verantwortungsvol‐ ler Konsum. Fest steht, nachhaltiger Konsum kann all das sein - grün, klimafreundlich, fair, ethisch, suffizient und so weiter. Gleichzeitig steht fest, dass es in vielen Fällen kaum möglich ist, in einzelnen Konsumentscheidungen all diese Dimensionen zu berücksichtigen. Einerseits liegt das daran, dass viele nach‐ haltige Produkte oftmals nur in bestimmten Hinsichten nachhaltig(er) sind, aber nicht alle Dimensionen vollständig abdecken. So sind Bio-Produkte nicht automatisch unter fairen Bedingungen hergestellt. Wiederum ist der Kauf einer unter fairen Bedingungen hergestellten Jeans nicht unbedingt suffizienter Konsum, wenn im Kleiderschrank bereits zahlreiche Hosen liegen. Andererseits kann es Zielkonflikte zwischen den verschiedenen Dimensionen geben. So ist aus Konsument*innensicht beispielsweise nicht zu bemessen, ob der Kauf von Bio-Kartoffeln aus Ägypten oder der Kauf von konventionell angebauten Kartoffeln aus der Region die nachhaltigere Kaufentscheidung ist. Beide Kartoffeln besitzen ökologische Vorteile: die Bio-Kartoffel hat Pestizide eingespart, die regionale Kartoffel Transporte‐ missionen. Doch welches Produkt ist das nachhaltigere? Eine sogenannte Ökobilanzierung, die von Expert*innen berechnet wird und für die viele unterschiedliche Daten benötigt werden, könnte hier Aufschluss geben; Verständnis von nachhaltigem Konsum 53 <?page no="54"?> doch im Alltag ist die Bewertung und Abwägung zwischen den Alternativen kaum möglich. Entsprechend wird deutlich, dass es weniger auf die Nach‐ haltigkeit einzelner Produkte, sondern vielmehr auf nachhaltige Lebensbzw. Konsumstile, also die Gesamtbilanz des sozialen und ökologischen Ressourcenbedarf, ankommt (→ Was sind nachhaltige Lebensstile? ). Was ist der ökologische Fußabdruck? Fußabdrücke beziehen sich auf die negativen ökologischen Auswirkungen von Ländern, Organisationen, Lebensstilen oder auch einzelnen Produkten (Kühnen et al., 2019). Sie sind ein Maß für die ökologische Leistung, die die genannten Einheiten z. B. im Hinblick auf Flächen- und Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen oder Ressourcenverbrauch in Anspruch nehmen (Wackernagel & Rees, 1997). Der Begriff „Fußabdruck“ macht dabei sichtbar, dass jedes Handeln Spuren hinterlässt, auch wenn man sie nicht unmittelbar wahrnimmt. Als vertraute Metapher übersetzt der Begriff die Auswirkungen von Konsum in etwas Persönliches und Greifbares. Während der erste Fußabdruck-Indikator in den 1990er Jahren entwickelt wurde, um die Flächeninanspruchnahme zu bestimmen (Wackernagel & Rees, 1997), gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Fußabdruckindikatoren. Diese beziehen sich auf verschiedenste ökologische Auswirkungen: Treibhausgas‐ emissionen („CO 2 -Fußabdruck“), Wasserverbrauch („Wasser-Fußabdruck“), Ma‐ terialverbrauch („Ressourcen-Fußabdruck“) bis hin zu Auswirkungen auf die Biodiversität (Čuček et al., 2012). Insbesondere Fußabdruckindikatoren, die Input-Kategorien betrachten, können einen richtungssicheren Indikator für Nachhaltigkeit darstellen. Denn je ressourcenleichter ein Produkt oder ein ganzer Lebensstil Bedürfnisse befriedigen kann, desto weniger Rohstoffe müssen der Erde entnommen werden. Das spart nicht nur Energie bei der Verarbeitung, sondern reduziert auch die Menge an Müll und Schadstoffen, die Umwelt und Mensch belasten (Steinmann et al., 2017). Der Material-Fußabdruck, auch bekannt als „ökologischer Rucksack“, zeigt das Gewicht bzw. die Summe aller benötigten Ressourcen auf, die ein bestimmter Konsumstil beansprucht. Mit Tools wie dem Ressourcenrechner des Wuppertal-Instituts kann jede*r Einzelne seinen individuellen ökologi‐ schen Rucksack berechnen. Wenn die Summe aller Güter und Dienstleis‐ tungen des täglichen Lebens zusammengerechnet wird, liegt der aktuelle Materialverbrauch pro Kopf in Deutschland bei über 25 Tonnen pro Jahr 54 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="55"?> (Buhl et al., 2019). Zum Vergleich: Ein nachhaltiger und global gerechter Zielwert für einen langfristigen Material-Fußabdruck liegt bei etwa acht Tonnen pro Kopf (Lettenmeier et al., 2014). Die gute Nachricht ist: Eine radikale Reduktion dieses Verbrauchs bedeutet nicht zwangsläufig einen Verlust an Lebensqualität. So betonen Hickel & Sullivan (2024), dass die Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards für 8,5 Milliarden Menschen nur etwa 30 Prozent des derzeitigen globalen Ressourcen- und En‐ ergieverbrauchs erfordern würde. Ein beträchtlicher Überschuss für sozialen Fortschritt und Investitionen bliebe dabei sogar bestehen. Das bedeutet jedoch auch, dass unsere aktuellen Versorgungssysteme und Konsumstruk‐ turen erhebliche ökologische Ineffizienzen und Leistungslücken aufweisen, die es auf demokratische Weise zu verändern gilt (O’Neill et al., 2018). Allerdings haben Fußabdrücke auch Grenzen - nicht alle Umweltpro‐ bleme lassen sich bisher klar beziffern. Zusätzlich beruhen die Berechnun‐ gen stets auf Durchschnittswerten. Zuletzt kann der Fokus auf den persön‐ lichen Fußabdruck leicht den Blick auf strukturelle Ursachen verstellen. Linktipps | Es gibt verschiedene Tools zur Berechnung des eigenen Fußabdrucks, die auf unterschiedliche Indikatoren, z. B. Ressourcen oder CO 2 -Emissionen fokussieren. Für die Berechnung werden Informatio‐ nen zum Konsumverhalten in verschiedenen Bedarfsfeldern z.-B. Woh‐ nen, Mobilität und Ernährung abgefragt. Dadurch wird verständlich, welche Faktoren einen besonders großen Einfluss auf den Fußabdruck haben und welche Maßnahmen zur Reduktion beitragen können. Drei ausgewählte Fußabdruck-Rechner sind • der Ressourcen-Rechner des Wuppertal Instituts (https: / / ressourcen -rechner.de), • der CO 2 -Rechner des Umweltbundesamtes (https: / / uba.CO2-rechne r.de) und • der Fußabdruck-Rechner vom Global Footprint Network (https: / / w ww.footprintcalculator.org). Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? Das Pendant zum Fußabdruck (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ) ist der Handabdruck. Die sprachliche Analogie ist bewusst gewählt, um Verständnis von nachhaltigem Konsum 55 <?page no="56"?> dem Fußabdruck als Maß für schädliche Wirkungen ein Maß für nützliche Wirkungen zur Seite zu stellen. Während der Fußabdruck fragt „Wie viel Schaden richte ich an? “, fragt der Handabdruck „Wie viel Gutes bewirke ich - auch über mein eigenes Handeln hinaus? “. Diese positive Wirkung kann ökologisch sein, etwa wenn Bäume ge‐ pflanzt oder Pestizide durch den Ausbau von ökologischer Landwirtschaft reduziert werden. Die positive Wirkung des Handabdrucks kann aber auch sozial oder ökonomisch sein und die Schaffung von sozialer Gemeinschaft und ökonomischer Verantwortung stärken (Kühnen et al., 2019). Ein Beispiel hierfür sind die Weiterverwendung und Reparatur von Kleidung, die pro 1.000 Tonnen gesammelter Alttextilien 70 neue Arbeitsstellen vor allem für diejenigen, die einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt versuchen wollen, schaffen können (RREUSE, 2021). Dadurch wird folglich nicht nur die Lebensdauer der Textilien verlängert (Reduktion des Fußabdrucks), sondern es wird in ökonomischer und sozialer Hinsicht ein positiver Wert geschaffen (Kühnen et al., 2019). Der Handabdruck bezieht sich also vor allem auf Handlungen, die zu gemeinschaftlichen Lösungen und strukturellen Veränderungen führen (→ Was bedeutet verantwortungsvolles Konsumieren konkret? ). Ziel ist es, über die individuelle Schadensbegrenzung hinaus systemische Veränderungen in Gang zu bringen, die nicht nur Einzelnen, sondern der Gesellschaft ein nachhaltiges Handeln ermöglichen und als neue Norm etablieren. Hierfür ein paar Beispiele: • Wer sich persönlich vegan ernährt, reduziert den ökologischen Fußab‐ druck der eigenen Ernährung. Wer sich dafür einsetzt, dass in der Schulkantine oder Mensa der Universität verstärkt auf tierische Pro‐ dukte verzichtet wird, vereinfacht die Wahl veganer oder vegetarischer Gerichte für Hunderte. • Repariert eine Person ihre Jeans, um die Lebensdauer zu verlängern, verringert sie den Fußabdruck ihres Textilkonsums. Engagiert sie sich gemeinsam mit anderen für die Einrichtung eines Repaircafés in der Nachbarschaft, ermöglicht sie durch diese neue Struktur auch etlichen anderen es ihr gleichzutun und Reparatur als alltagstaugliche Alterna‐ tive sozial zu etablieren. Letztlich bergen Handabdrücke somit das Potenzial, nicht nur den eigenen Fußabdruck, sondern die Fußabdrücke vieler zu reduzieren. 56 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="57"?> Die ursprüngliche Idee des Handabdrucks stammt übrigens aus dem Jahr 2007 und wurde im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojekts am indischen Centre for Environment Education entwickelt (CEE, 2025). Der Handab‐ druck wurde in Deutschland u. a. von einem Forschungsprojekt methodisch weiterentwickelt (Kühnen et al., 2019) sowie von der Nichtregierungsorga‐ nisation Germanwatch aufgegriffen und verbreitet (Germanwatch, o. J.). Germanwatch geht es darum, auf den begrenzten Handlungsraum Einzelner hinzuweisen und anzuerkennen, dass die Strukturen des Systems einem individuell nachhaltigen Handeln oft im Wege stehen und es daher verstärkt Lösungen auf politisch-systemischer Ebene bedarf. Linktipp | Mit dem Handabdrucktest von Germanwatch und Brot für die Welt lässt sich herausfinden, in welchem Handlungsfeld man am liebsten tätig werden möchte. Zugleich geben die Seiten Ideen, mit wel‐ chen Maßnahmen sich der persönliche Handabdruck vergrößern lässt, wodurch eine sozial und ökologisch gerechtere Zukunft mitgestaltet wird (https: / / www.handabdruck.eu/ ). Können sich nur Reiche nachhaltigen Konsum leisten? Ökologische Kosten, die im Herstellungsprozess von Produkten etwa durch den Ausstoß von Emissionen oder durch den Einsatz von Pestiziden entste‐ hen, sind vielfach nicht in die Produktkosten eingepreist. Konsument*innen zahlen für diese Kosten nicht, sondern sie werden der Allgemeinheit bzw. nachkommenden Generationen (z. B. durch Klimawandelfolgen oder aus‐ gelaugte Böden) aufgebürdet. Umweltfreundliche Produktionsweisen (z. B. durch Nutzung regenerativer Energien oder biologische Landwirtschaft) sind jedoch aufgrund aufwändigerer Prozesse, nötiger Investitionskosten oder geringerer Erträge oft teurer. Diese höheren Kosten müssen bislang von Konsument*innen getragen werden. Deshalb ist es tatsächlich so, dass nachhaltige Produkte in den Anschaffungskosten oft teurer sind als konventionelle, nicht-nachhaltige Produkte. So zeigt sich beispielsweise bei Bio-Produkten ein deutlicher Preisaufschlag gegenüber konventionell hergestellten Produkten, was für Haushalte mit niedrigen Einkommen eine erhebliche finanzielle Hürde darstellt. Auch sind energieeffiziente Geräte, faire Schokolade oder Jeans aus Bio-Baumwolle teurer als vergleichbare, Verständnis von nachhaltigem Konsum 57 <?page no="58"?> konventionelle (also nicht-nachhaltige) Produkte der gleichen Kategorie. Neuwertige nachhaltigere Produkte können sich deshalb nicht alle Men‐ schen in Deutschland leisten. Dennoch ist es nicht korrekt, dass nachhaltiger Konsum nur etwas für Reiche ist. Hierfür sind folgende Argumente wichtig: Erstens sind es gerade Menschen mit hohen Einkommen, die viel konsu‐ mieren und dadurch besonders viele CO 2 -Emissionen verursachen. Das Ein‐ kommen ist wesentlicher Treiber des ökologischen Fußabdrucks. Demnach konsumieren gerade Reiche meist nicht nachhaltig, während Haushalte mit niedrigen Einkommen bzw. arme Menschen einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck haben und damit nachhaltig(er) konsumieren. Es erscheint allerdings ethisch fragwürdig, wenn ein ungewollter Verzicht auf Konsumgüter durch die Betroffenheit von Armut als „nachhaltig“ bezeich‐ net wird. Wie an anderer Stelle ausgeführt, muss mindestens sichergestellt sein, dass Grundbedürfnisse befriedigt werden können. Zweitens ist bei langlebigeren Gütern und Investitionsgütern zu berück‐ sichtigen, dass höhere Anschaffungskosten bei nachhaltigen Produkten mit niedrigeren Nutzungs- und Betriebskosten einhergehen können. So kann es über die gesamte Produktlebensdauer eines Kühlschranks betrachtet deutlich günstiger sein, sich beim Kauf für das teurere, aber besonders ener‐ gieeffiziente Gerät zu entscheiden, weil über die Jahre hinweg Ersparnisse bei den Stromkosten erzielt werden können. Bei Heizungssystemen mag die Gasheizung bei den Anschaffungskosten zwar vergleichsweise günstig sein. Unter Berücksichtigung der prognostizierten Gas- und CO 2 -Preisentwick‐ lungen und der Lebensdauer einer Heizung ist es jedoch wahrscheinlich, dass ein Heizungssystem mit regenerativen Energien langfristig günstiger ist. Gleichzeitig ist hier allerdings zu berücksichtigen, dass von Armut betroffene Menschen vielfach keine Investitionen in die Zukunft machen können und daher diese Langfristperspektive bei der konkreten Kaufent‐ scheidung oft keine Rolle spielt. Drittens stellt der Neukauf von Produkten per se nicht die nachhaltigste Entscheidung dar. Ressourcenschonender (und in den meisten Fällen güns‐ tiger) ist es, zunächst zu prüfen, ob bestehende Bedürfnisse mit vorhandenen Dingen befriedigt werden können oder ob Produkte ausgeliehen, gemietet oder gebraucht erworben werden können. Solche nachhaltigen Praktiken, in deren Mittelpunkt nicht Neukauf und Eigentum, sondern Mitnutzung und kreative Wiederverwendung bestehender Produkte im Umfeld stehen, sind wesentlicher Bestandteil nachhaltigen Konsums und auch für Menschen 58 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="59"?> mit weniger Einkommen möglich. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch und gerade für Menschen, die von Armut betroffen sind, die symbolischen Eigenschaften von Konsumgütern von großer Bedeutung sind, die oftmals nur durch Neukauf und Besitz wahrgenommen werden können (→ Warum konsumieren wir (so viel)? ). Insgesamt wird damit deutlich, dass nachhaltiger Konsum auch heute schon nicht nur etwas für Reiche ist. Dennoch gibt es relevante Ungleich‐ heiten und zentrale Verbesserungsbedarfe, um die Teilhabe an nachhaltigem Konsum zu verbessern (→ Wie können alle Menschen an nachhaltigem Konsum teilhaben? ). Was bringt nachhaltiger Konsum für jede*n Einzelne*n? Konsument*innen konsumieren nicht nur nachhaltig(er), weil sie Umwelt und Gesellschaft etwas Gutes tun wollen. Menschen wollen ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden verbessern, suchen Gemeinschaft und Zugehörigkeit oder wollen Kosten sparen. Zur Förderung nachhaltigen Konsums spielen deshalb sogenannte Motivallianzen bzw. Co-Benefits eine wichtige Rolle. Damit ist gemeint, dass nachhaltige Konsumhandlungen oft gleichzeitig mehrere wünschenswerte Ziele erreichen bzw. unterschiedliche persönliche Bedürfnisse befriedigen können, die über den reinen Umweltnutzen hinausgehen (Alfredsson, 2025; KLUG, 2024). Co-Benefits einer nachhaltigen Ernährung (z. B. mit weniger tierischen Proteinen dafür einem höheren Anteil an Gemüse, Hülsenfrüch‐ ten und Nüssen) sind gesundheitliche Vorteile (z. B. Reduktion von Über‐ gewicht, Senkung der Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmter Krebsarten). Co-Benefits von nachhaltigen Mobilitätsfor‐ men (z. B. Laufen, Fahrradfahren) sind ebenfalls Vorteile für die Gesundheit und das Wohlbefinden (z. B. durch die Reduktion von Übergewicht, Abbau von Stress). Psychosoziale Co-Benefits ergeben sich auch bei zahlreichen suffizienten oder gemeinschaftlich orientierten Konsumpraktiken, wenn z. B. durch weniger Konsum mehr Zeit für soziale Aktivitäten bleibt oder durch gemeinschaftliches Gärtnern und Reparieren mehr Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft erfahren wird. Verständnis von nachhaltigem Konsum 59 <?page no="60"?> Welche Rolle spielt das Umweltbewusstsein? Konsum wird von vielen verschiedenen Einflussfaktoren geprägt (→ Wel‐ che Faktoren beeinflussen das Konsumverhalten? ). Das Umweltbewusstsein bzw. die Einstellung zur Umwelt ist ein Einflussfaktor neben anderen. Insgesamt ist in Deutschland seit vielen Jahren ein (eher) hohes Umweltbe‐ wusstsein festzustellen (BMUV & Umweltbundesamt, 2023a; Umweltbun‐ desamt, 2025j). Auch insgesamt wird den Themen Umwelt und Klimaschutz regelmäßig eine hohe Bedeutung zugemessen, wobei hier jedoch aktuell Prioritätsverschiebungen erkennbar sind und andere Themen wie der Zu‐ stand der Sozialsysteme oder Kriminalität höher gewichtet werden. Ein hohes Umweltbewusstsein spiegelt sich aber nicht zwangsläufig in nachhaltigem Konsum wider. Das zeigt sich zum Beispiel bereits in der Mes‐ sung des Umweltbewusstseins bzw. der Umwelteinstellung, bei der emotio‐ nale (Umweltaffekt), rationale (Umweltkognition) und handlungsbezogene (beabsichtigtes Umweltverhalten) Komponenten unterschieden werden. Hierbei ist festzustellen, dass die emotionale und rationale Bewertung von Umweltproblemen durchweg stärker ausgeprägt sind als das beabsichtigte Umweltverhalten (BMUV & Umweltbundesamt, 2023a; Umweltbundesamt, 2025j). Das nennt man auch Einstellungs-Verhaltens-Lücke. So stimmen etwa mehr als 60 Prozent der Befragten voll und ganz zu, dass jeder Einzelne Verantwortung für die Umwelt und nachkommende Generation trägt (Umweltkognition). Ebenso viele Menschen stimmen zu, dass sie über menschengemachte Umweltprobleme empört sind (Umweltaffekt). Hingegen geben jeweils nur rund ein Fünftel der Befragten an, dass sie nie oder selten Fleisch essen, immer oder sehr oft auf Umweltsiegel achten, immer oder sehr oft ihren Konsum bewusst einschränken (intendiertes Umweltverhalten) (Umweltbundesamt, 2025j). Eine Kluft zwischen Umweltbewusstsein und nachhaltigem Konsumver‐ halten zeigt sich auch, wenn man das selbstberichtete Verhalten anschaut. So zeigen beispielsweise Menschen mit höheren Einkommen ein durch‐ schnittlich höheres Umweltbewusstsein (in allen drei Messkomponenten) als Menschen mit niedrigeren Einkommen (was v. a. mit der Bildung zusammenhängt); gleichzeitig wohnen sie jedoch in größeren Wohnungen, haben häufiger ein Auto oder fliegen häufiger (BMUV & Umweltbundesamt, 2023a). Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass das Einkommen einen größe‐ ren Einfluss auf nachhaltigen Konsum als das Umweltbewusstsein hat. 60 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="61"?> Verändert sich das Konsumverhalten junger Generationen? Kinder und Jugendliche sind die Konsument*innen der Zukunft. Jugend‐ studien liefern deshalb wichtige Hinweise auf gesellschaftliche Wandlungs‐ prozesse. Zugleich sind Veränderungen in politischen und wertbezogenen Einstellungen der jungen Generation bedeutsam, aber auch schnell wandel‐ bar. Es gibt einige Jugendstudien, die regelmäßig wiederholt werden, um diese Veränderungen im Zeitverlauf darstellen zu können (z. B. die Shell-Ju‐ gendstudie, die Sinus-Jugendstudie oder die Studie des Umweltministeriums „Zukunft? Jugend fragen! “). Häufig wird in diesen Studien die Bedeutung globaler Herausforderungen abgefragt. Während Jugendlichen Klimaschutz viele Jahre lang sehr wichtig war, ist seine Relevanz gegenüber anderen Themen wie Migration, Kriege und die wirtschaftliche Lage zuletzt etwas zurückgegangen. Soziodemographisch sind oft Unterschiede zwischen den Bildungshintergründen festzustellen: Je höher die Bildung ist, desto mehr Bedeutung messen Jugendliche dem Klimaschutz als Herausforderung bei (Shell, 2024). Hinsichtlich der Bedeutung des nachhaltigen Konsums geben laut der aktuellsten Jugendstudie der Bertelsmann Stiftung drei Viertel der jungen Menschen an, dass sie sich im Alltag bemühen, ihre Entscheidungen an einer umweltbewussten Lebensweise auszurichten (Schneekloth et al., 2022). Laut einer weiteren Studie sind unaufwändige umweltfreundliche Verhaltens‐ weisen wie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder des Fahrrads, der Kauf von Bio-Lebensmitteln, der Verzicht auf Plastikverpackungen oder das Leihen und Tauschen von Dingen - bewusst oder unbewusst - am weitesten verbreitet (Frick et al., 2023). Viele junge Menschen sind auch bereit, persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen - beispielsweise beim Konsum (tierischer) Lebensmittel. Diese Ergebnisse müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, da Jugendliche in bestimmten Situationen altersbedingt gar keine echten Alternativen haben, etwa, wenn sie statt eines Autos das Fahrrad nutzen müssen. Junge Menschen lernen nachhaltiges Verhalten vor allem im Elternhaus und unter Gleichaltrigen im Freundeskreis. Besonders beliebt sind lokale Mitmachangebote und Projekte mit Freund*innen oder Gleichgesinnten. Die Fridays-for-Future-Proteste haben seit dem Jahr 2018 außerdem viele junge Menschen deutschlandweit und global für den Klimaschutz mobilisiert. Ziel war es, die Politik unter Druck zu setzen, klimapolitische Versprechen Verständnis von nachhaltigem Konsum 61 <?page no="62"?> einzulösen. Der erste „Schulstreik für das Klima“ der jungen Aktivistin Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlament am Freitag, den 20. August 2018, markierte den Startpunkt für die Fridays-for-Future-Bewegung. In den darauffolgenden Jahren hat es die Bewegung erfolgreich geschafft, Klima‐ schutz auf die politische Agenda zu setzen. Damit ist Fridays-for-Future ein positives Beispiel für den Handabdruck (→ Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? ) zur Förderung von Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Verhalten unterstützen. Ansonsten sind politische Beteiligungsformate in ihrer derzeitigen Form aber für junge Leute eher unattraktiv (Schneekloth et al., 2022). Was hat Zeit mit nachhaltigem Konsum zu tun? Nachhaltige Konsumpraktiken sind häufig zeitintensiver als nicht-nachhal‐ tige (Reisch & Bietz, 2014; Wolff, 2020). Im Bereich Mobilität stellen etwa die Fortbewegungsarten mit eigener Körperkraft (Laufen und Fahrradfahren) jeweils die nachhaltigsten und gleichzeitig langsamsten Mobilitätsformen dar, d. h. sie sind häufig zeitaufwändig. Im Bereich Ernährung sind die eigene Erzeugung und Zubereitung von Speisen oft gesünder und ressour‐ cenärmer als der Verzehr von z. B. Fertigprodukten und Fast Food, aber auch zeitintensiver. Im Bereich Wohnen und Haushalt gibt es eine Vielzahl elektronischer Geräte mit spezifischen Funktionen, deren Nutzung und Energieverbrauch vor allem zur Beschleunigung von Aktivitäten eingesetzt wird (z. B. Waschmaschine, Wäschetrockner, Föhn etc.). Wäsche und Haare trocknen selbstverständlich auch ohne Strom, aber eben deutlich langsamer. Darüber hinaus sind Konsumpraktiken zur Selbstherstellung, Pflege, War‐ tung, Reparatur und Neugestaltung zeitintensiv. Die eigene Kleidung selbst zu reparieren und Löcher zu stopfen ist aufwändiger und dauert länger als Kleidung durch neue Fast-Fashion-Produkte zu ersetzen. Nicht zuletzt benötigen auch Praktiken des Teilens, Leihens und Weitergebens deutlich mehr Zeit als der Neukauf von Produkten. Zeit ist bekanntlich ein rares Gut. Sehr viel Zeit verwenden Menschen für Erwerbsarbeit. Je mehr Zeit Menschen für Erwerbsarbeit aufwenden, desto weniger Zeit haben sie für andere Lebensbereiche, so auch den (nach‐ haltigen) Konsum. Lange Erwerbsarbeitszeiten und Anfahrtswege sowie Schichtdienste und Überstunden können somit im Konflikt zu zeitintensi‐ ven, nachhaltigen Konsumpraktiken stehen (Reisch & Bietz, 2014). 62 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="63"?> Meist ist mit einer Steigerung der Erwerbsarbeitszeit zudem auch ein hö‐ heres Einkommen verbunden, das zu umfangreicheren Konsumwünschen und höheren Konsumausgaben führt (→ Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr? ). Zudem kann die Zeitnot zunehmen, was insbesondere Kom‐ pensationskonsum befördert („Ich habe so viel Stress, dafür gönne ich mir jetzt neue Schuhe.“) - also den Kauf von Dingen, der zur Ersatzbefriedigung für ungestillte Bedürfnisse erfolgt (z. B. zu wenig Zeit für Freunde, zu wenig Zeit für Erholung). Die steigenden Ausgaben führen wiederum dazu, dass das Gefühl entsteht, mehr arbeiten zu müssen, um diesen (gestiegenen) Lebensstandard halten zu können (work-and-spend-cycle, Schor, 1993). Allerdings bedeutet weniger Erwerbsarbeitszeit nicht automatisch, dass Menschen nachhaltiger konsumieren. Das gilt erst recht nicht bei vollem Lohnausgleich (→ Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr? ). Mehr frei verfügbare Zeit kann auch zu mehr Konsum führen, etwa wenn ein freier Freitag häufiger für Wochenendreisen mit dem Auto oder andere ressourcenintensive Freizeitbeschäftigungen genutzt wird (Wolff, 2020). Um suffizienten Konsum zu fördern, ist es deshalb wichtig, dass Anreize und Rahmenbedingungen für Aktivitäten und Freizeitbeschäftigungen gefördert werden, die eine nicht-ressourcenintensive Zeitverwendung wahrscheinli‐ cher machen, für ehrenamtliches Engagement, Sport und Bewegung oder gemeinsames Gärtnern (Wolff, 2020). Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr? Je höher das Einkommen, desto höher sind durchschnittlich die Ausgaben für Konsum und die konsumierte Menge an Gütern und Dienstleistungen. Entsprechend steigt der damit einhergehende Energie- und Ressourcen‐ verbrauch und letztlich der Umweltverbrauch. Das Einkommen ist somit der zentrale Einflussfaktor für (nicht-)nachhaltigen Konsum. Entsprechend lässt sich die Nachhaltigkeit von Lebensstilen in Deutschland entlang der Einkommensverteilung unterscheiden. Während Haushalte mit einem mo‐ natlichen Nettoeinkommen von unter 1000 Euro weniger als sieben Tonnen CO 2 -Äquivalente an Emissionen verursachen, sind es bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen zwischen 2000 bis 3000 Euro bereits zwischen acht und neun Tonnen CO 2 -Äquivalente. Haushalte über 4000 Euro Netto‐ einkommen liegen bei mehr als zwölf Tonnen CO 2 -Äquivalente (Umwelt‐ bundesamt, 2020). Besonders deutlich zeigen sich Einkommensunterschiede Verständnis von nachhaltigem Konsum 63 <?page no="64"?> bei der Mobilität und im Flächenverbrauch. Je höher das Einkommen, desto mehr Fahrten im privaten Pkw und desto häufiger wird geflogen. Je mehr Einkommen, desto größer ist auch häufig die Wohnfläche sowie sonstige, indirekte Flächenverbräuche durch beanspruchte Ressourcen für Konsumgüter. Was für Haushalte gilt, lässt sich auch auf Volkswirtschaften übertragen. Je höher das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes, desto höher ist der Energie- und damit einhergehende Umweltverbrauch (Global Change Data Lab, 2025). Entsprechend verbrauchen Länder des Globalen Nordens sehr viel mehr Ressourcen als Länder des Globalen Südens (→ Welche Folgen hat (Über-)Konsum im Globalen Süden? ). Wie können alle Menschen an nachhaltigem Konsum teilhaben? Wenn nachhaltiger Konsum gesamtgesellschaftlich umgesetzt werden soll, darf er kein Privileg Einzelner sein. Vielmehr sollte nachhaltiger Konsum naheliegend, einfach und attraktiv sein - für alle Menschen. Die Teilhabe an nachhaltigem Konsum wird erleichtert, wenn es nicht von den einzelnen Menschen und ihren jeweils unterschiedlichen Ressourcen, Voraussetzungen und Lebensumständen abhängt (z. B. Bildung, Einkom‐ men, Zeit, Anteil an Sorgearbeit, Wohnort, Gesundheitszustand), ob sie nachhaltig konsumieren oder nicht. Vielmehr braucht es Rahmenbedingun‐ gen, die nachhaltigen Konsum zur naheliegenden, weil günstigsten und attraktivsten Handlungsoption für alle machen. Zentrale Grundprinzipien zur Förderung von Teilhabe an Nachhaltigkeit allgemein und nachhaltigem Konsum im Besonderen sind daher Entlastung und Ermöglichung (Knopf et al., 2024). Zur Entlastung tragen Maßnahmen bei, wenn sie den Einsatz nötiger Ressourcen wie Zeit, Kraft und Geld reduzieren. Das ist möglich, wenn nachhaltige Produkte und Praktiken in der Fläche verfügbar, niedrigschwellig erreichbar und günstig sind. So wird der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel wahrscheinlicher, wenn Bus und Bahn überall erreichbar, zuverlässig, sicher, bequem und kos‐ tengünstig sind. Die Reparatur von Geräten wird naheliegender, wenn die Geräte auch tatsächlich reparierbar sind sowie Reparaturdienstleistungen schnell und günstig verfügbar sind. Der Verzehr von mehr pflanzenbasierten Speisen wird naheliegender, wenn es in allen öffentlichen Einrichtungen 64 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="65"?> wie Kantinen, Krankenhäusern oder Kitas leckere, vegetarische und vegane Kost als preisgünstige Standardoption gibt. Zur Ermöglichung tragen Maßnahmen bei, wenn sie erweiterte Hand‐ lungsoptionen und Gestaltungsmöglichkeiten für Menschen schaffen. Das ist etwa der Fall, wenn Möglichkeiten zur Beteiligung an lokaler Energiepro‐ duktion geschaffen werden (z. B. in Energiegenossenschaften, Energie-Sha‐ ring oder Mieterstrom), wenn lokale Fahrgemeinschaften neue Mobilität‐ soptionen schaffen oder durch Gemeinschaftsgärten und nachbarschaftliche Plattformen zum Leihen von Geräten der Zugang zu und die Verfügbarkeit von frischem Gemüse oder Geräten verbessert wird. Trägt nachhaltiger Konsum zur gesellschaftlichen Spaltung bei? Fragt man die Menschen in Deutschland, ob wir ehrgeizigeren Klimaschutz brauchen, ist die Antwort eindeutig: Eine stabile Mehrheit befürwortet ambitionierte Ziele und ist bereit, auch persönlich beizutragen (Umwelt‐ bundesamt, 2025j). Eine grundlegende Spaltung der Gesellschaft in der Klimafrage existiert also nicht. Doch sobald es um den konkreten Alltag und nachhaltigen Konsum geht, entstehen heftige Konflikte. Das liegt vor allem an zwei Fragen: Wer trägt die Lasten und was gilt in der Gesellschaft als „normal“? Wenn Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu höheren Mieten oder steigenden Energiekosten führen, trifft das vor allem jene, die ohnehin finanziell schlechter gestellt sind. Für sie stehen unmittelbar spürbare Kosten einem eher abstrakten Nutzen in der fernen Zukunft gegenüber (Mau et al., 2024). Der Widerstand gegen den Wandel in Richtung Nachhaltigkeit entspringt daher oft weniger einer Skepsis gegenüber der Notwendigkeit für Klimaschutz, sondern vielmehr einer berechtigten Sorge um die soziale Verteilung (Mau et al., 2024). Hinzu kommt eine verbreitete Skepsis gegenüber der Wirksamkeit individueller Lebensstiländerungen. Viele Menschen nehmen ihren eigenen Einfluss als begrenzt wahr. Dies kann in Reaktanz münden, also in einer impulsiven Abwehr, moralische und ökologische Ansprüche an den eigenen Lebensstil zu akzeptieren (Mau et al., 2024). Zugleich diagnostizieren gesellschaftswissenschaftliche Studien eine Veränderungsmüdigkeit insbesondere in Hinblick auf die Geschwindigkeit von Nachhaltigkeitsmaßnahmen (Mau et al., 2024). Ver‐ schiedene Akteure aus Medien und Politik nutzen diese Veränderungsmü‐ Verständnis von nachhaltigem Konsum 65 <?page no="66"?> digkeit relevanter Bevölkerungsteile gezielt, um sie machtpolitisch und teils systemoppositionell zu mobilisieren (Eversberg et al., 2024). Dies erzeugt einen Eindruck von nicht vorhandenen, tiefgreifenden gesellschaftlichen Gegensätzen und Kulturkämpfen. Besonders werden emotional aufgeladene „Triggerpunkte“ wie Tempolimit, Wurstkonsum oder Lastenräder bespielt, an denen sich alltägliche Wahrnehmungs- und Empfindungsdifferenzen entzünden (Eversberg et al., 2024). Verschärft wird die Situation durch eine starke moralische Aufladung der Debatte. Begriffe wie „Flugscham“ oder „Klimaschuld“ erzeugen Druck und individuelle Schuldgefühle (Neckel, 2024). Da niemand gerne allein verantwortlich ist, entsteht ein regelrechtes Verantwortungs-Ping-Pong (→ Kapitel „Verantwortung von Politik und Gesellschaft“, → Kapitel „Verantwortung von Unternehmen“, → Kapitel „Verantwortung von Konsument*innen“). Damit eine demokratische und nachhaltige Transformation gelingt, darf Nachhaltigkeit nicht als reines Verzichtsthema für den*die Einzelnen behandelt werden. Sie muss sozial gerecht gestaltet und fest im Alltag der Menschen in Produkten, Infrastruk‐ turen und Konsumsystemen verankert sein. 66 Verständnis von nachhaltigem Konsum <?page no="67"?> Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen Bei nachhaltigem Konsum helfen nachhaltige Produkte und Dienstleis‐ tungen. Dieses Kapitel erläutert, woran Konsument*innen nachhaltige Angebote erkennen können. Außerdem wird aufgezeigt, welche Be‐ deutung Haltbarkeit, Recyclingfähigkeit und weitere Kriterien für die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen haben. <?page no="68"?> Sind nachhaltige Produkte die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Konsum? Streng genommen gibt es kein Produkt, das völlig nachhaltig ist. Jedes Produkt benötigt Rohstoffe und Energie und verursacht Emissionen - spätestens bei Herstellung, Transport oder Entsorgung - und verursacht über seine Märkte und Lieferketten soziale und ökonomische Effekte. Nach‐ haltigkeit ist daher weniger eine feste Eigenschaft eines Gegenstands als vielmehr eine Frage des Vergleichs, des Kontexts und der Nutzung (→Was sind nachhaltige Lebensstile? ). Statt ein isoliertes Produkt in den Blick zu nehmen, ist es zudem sinnvoller, den Nutzen, den es für Menschen erfüllt sowie die direkten und indirekten Effekte, die es auf Menschen und Umwelt hat, zu betrachten. Ein zentraler Ansatzpunkt dafür ist die Unterscheidung zwischen Pro‐ dukten und Dienstleistungen, oder anders formuliert: zwischen Besitzen und Nutzen (Schmitt et al., 2017). Menschen kaufen Produkte oft nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen ihrer funktionalen und symbolischen Eigenschaften (→ Warum konsumieren wir (so viel)? ): Ein Auto ermöglicht Mobilität, eine Waschmaschine sorgt für saubere Kleidung (Schmidt-Bleek, 1994). Für viele dieser Funktionen (und die dahinterliegenden Bedürfnisse nach Mobilität und Sauberkeit) ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, selbst ein physisches Produkt zu besitzen. Häufig können Dienstleistungen oder nicht-marktbezogene Praktiken denselben Zweck erfüllen - etwa durch Teilen, Leihen oder gemeinschaftliche Nutzung - und dabei deutlich weniger Ressourcen verbrauchen (Schmidt-Bleek, 1994). Natürlich kann es nicht gänzlich ohne Produkte und Materialien gehen. Ein nachhaltiges Produkt sollte daher einen möglichst hohen Nutzen bei möglichst geringem Ressourcen-, Energie- und Flächenverbrauch bieten (Liedtke et al., 2020). Gleichzeitig muss es in kreislauffähige Strukturen eingebettet sein: Materialien sollten ungiftig sein, langlebig genutzt und am Ende ihres Lebenszyklus wieder in technische oder natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden können. Entscheidend ist dabei, dass die größten Umweltwirkungen bereits in der Entwurfsphase festgelegt werden. Design wird damit zu einem zentralen Hebel nachhaltiger Entwicklung (→ Was bedeutet Ökodesign? ). Mindestens ebenso wichtig sind die sozialen As‐ pekte nachhaltiger Produkte. Nachhaltigkeit ist immer auch eine Frage der intragenerationalen Gerechtigkeit: Wer kann sich ein Produkt leisten? Wer profitiert von seiner Funktion? Und wer bleibt ggf. ausgeschlossen? 68 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="69"?> Ein Produkt, das zwar ökologisch optimiert ist, aber nur für eine kleine, wohlhabende Gruppe zugänglich ist, erfüllt die Anforderungen nachhaltiger Entwicklung nur unzureichend. Nachhaltige Produkte sollten daher so gestaltet sein, dass sie Teilhabe ermöglichen, soziale Ungleichheiten nicht verschärfen und nicht zu Überschuldung oder zu Abhängigkeiten führen (Liedtke et al., 2020). In diesem Sinne ist ein nachhaltiges Produkt weniger ein perfekter Gegenstand als vielmehr Teil eines größeren gesellschaftlichen Zusammenhangs. Entscheidend ist, ob es dazu beiträgt, menschliche Bedürf‐ nisse innerhalb ökologischer Grenzen zu erfüllen und dabei fair zugänglich bleibt. Nachhaltigkeit entsteht somit nicht allein im Produktdesign, sondern im Zusammenspiel von Nutzung, Gestaltung und sozialem Kontext. Wie können ökologische Auswirkungen eines Produktes gemessen werden? Um beurteilen zu können, wie nachhaltig ein Produkt oder eine Dienst‐ leistung ist, braucht es Bewertungsansätze, die über den Preis oder die technische Leistungsfähigkeit hinausgehen. Ein etablierter wissenschaftli‐ cher Zugang ist die Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA). Im Unterschied zu Fußabdrücken, die sich oft nur auf einzelne Umweltindika‐ toren beziehen (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ), umfassen Öko‐ bilanzen nicht nur Energie- und Ressourcenverbräuche, sondern auf Basis der Daten werden auch Umweltwirkungen wie Treibhausgasemissionen, Versauerung, Eutrophierung oder Wasserverbrauch abgebildet. Diese Um‐ weltwirkungen werden entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts - von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Transport und Nutzung bis hin zu Entsorgung oder Recycling (→ Was bedeutet Ökodesign? ) erfasst. Sie hängen nicht gegenseitig linear voneinander ab. So kann ein klimafreundliches Produkt trotzdem sehr viel Wasser verbrauchen. Daher ist es in der Praxis bei der Betrachtung bestimmter Produkte nötig abzuwägen, welche Umweltwirkungen man zugunsten anderer priorisieren sollte, um den geringsten Schaden zu verursachen (Kjaer et al., 2016). Im Alltag stößt eine rein produktfokussierte LCA an Grenzen, da ihre Ergebnisse von theoretischen Annahmen zur Nutzung, Lebensdauer oder zum Nutzerverhalten abhängen. Deshalb ist es sinnvoll, den Fokus stärker auf die tatsächliche Funktion eines Produkts zu richten - etwa Mobilität, Kühlung oder Reinigung - statt auf den materiellen Gegenstand selbst. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 69 <?page no="70"?> Angelehnt an den LCA-Ansatz der lebenszyklusweiten Bilanzierung setzt hier das MIPS-Konzept (Material Input pro Serviceeinheit) an (Liedtke et al., 2014). Es misst den Ressourcenaufwand nicht pro Produkt, sondern pro erbrachter Leistung (Schmidt-Bleek, 1994). Das MIPS-Konzept setzt genauso wie der Material-Fußabdruck auf einen input-seitigen Indikator und geht von der Prämisse aus, dass weniger Input weniger nachgelagerte Umweltwirkungen verursacht. In diesem Fall wird aber auf die oben genannte Abwägung der verschiedenen Wirkungen verzichtet. MIPS beschreibt, wie viele natürliche Ressourcen insgesamt bewegt werden müssen, um einen bestimmten Nutzen zu erzeugen, wie etwa ein Kilogramm gewaschener Wäsche. Mit jedem Produkt und jeder Dienstleistung erwerben Konsument*innen damit auch den jeweiligen öko‐ logischen Rucksack - also die gesamte Menge an Rohstoffen, Wasser, Luft und Bodenverbrauch, die für die Herstellung, Nutzung, Wartung, Reparatur, Wiederverwendung und Entsorgung anfällt. Was ist ein faires Produkt? Faire Produkte bzw. Fairtrade-Produkte sind Waren, bei deren Herstellung höhere Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden als bei Produkten aus dem konventionellen Handel. Typische Produkte, die fair hergestellt und gehandelt werden, sind Kaffee, Kakao, Tee, Bananen, Nüsse, Reis, Schokolade, Wein, Blumen, Baumwolle (z.-B. in Kleidung), Sportbälle, Gold oder Kunsthandwerk. Fairtrade-Produkte sind also größtenteils landwirt‐ schaftliche oder Produkte des traditionellen Handwerks, die in den Ländern des Globalen Südens hergestellt werden. Sie werden in Weltläden, die sich auf fairen Handel spezialisiert haben, aber auch in herkömmlichen Handelsgeschäften und Superbzw. Biomärkten angeboten. Das Ziel des fairen Handels ist es, Kleinbauern und Arbeitern in den Produktionsländern bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Konkret geht es um die Einhaltung der Menschenrechte und der Konventionen der In‐ ternationalen Arbeitsorganisation (International Labor Organization, ILO) bezüglich Gewerkschaftsfreiheit, Verbot von Kinderarbeit und Sklaverei in der Produktion. Im Gegenzug wird die Zahlung eines festgelegten fairen Preises garantiert, der die Produktionskosten deckt und die Existenz der Produzenten sichert (BMZ, o.-J.). 70 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="71"?> Die Idee des fairen Handels ist als Solidaritätsbewegung in den USA entstanden. In Europa wurde in den 1980er Jahren das erste Zertifizierungs‐ systems für den Kaffeehandel entwickelt (das niederländische Label für fair gehandelten Kaffee „Max Havelaar“) (van Dam, 2015). In den 1990er Jahren entstanden mit weiteren nationalen Fairtrade-Organisationen neue Label und Produktionsstandards für die Zertifizierung. Diese Gruppen wurden 1997 unter der internationalen Fair Trade Labeling Organization (FLO) zusammengeführt und 2011 in Fairtrade International umbenannt und reorganisiert (Fairtrade International, o. J.). Fairtrade International fungiert heute als globales Netzwerk aus mehr als 25 nationalen Fairtrade-Organi‐ sationen und drei Produzenten-Netzwerken in Asien, Lateinamerika und Afrika (Fairtrade International, o. J.). Die Dachorganisation arbeitet mit Produzenten in 70 Ländern zusammen, die jährlich geprüft werden, um die Einhaltung der von Fairtrade International festgelegten Standards zu bewerten. Die Standards werden vom Vorstand der Organisation entwickelt, dem auch Produzenten mit Stimmrecht angehören (Fairtrade Österreich, 2024). Konsument*innen können fair gehandelte Produkte an anerkannten Siegeln erkennen, etwa von Fairtrade International, Fair for Life oder dem Small Producers Symbol (→ Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Darüber hinaus bieten spezialisierte Unternehmen wie GEPA Produkte an, die den Prinzipien des Fairen Handels entsprechen. Produzenten, die ihre Produkte unter einem dieser Label verkaufen, sind dafür verantwortlich, soziale und ökologische Mindeststandards in ihren Produktionspraktiken einzuhalten. Unabhängige Zertifizierungsstellen entwickeln und überwa‐ chen diese Standards und zertifizieren die Produzenten. Ähnlich wie bei umweltfreundlichen Produkten ist es wichtig, dass der Kauf eines Fairt‐ rade-Produkts nicht gleichbedeutend mit einem nachhaltigen Lebensstil ist. Seit einigen Jahren rücken faire Lieferketten stärker in den Fokus (→ Warum ist Transparenz in Lieferketten so wichtig? ), demzufolge es nicht nur um faire Preise, sondern um Transparenz und faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette geht (Forum Fairer Handel, 2017). Zudem weitet sich die Fairtrade-Idee zunehmend auf neue Bereiche wie den Tourismus unter der Bezeichnung „faires Reisen“ aus. Linktipp | Der Podcast „fairtont“ vom Weltladen-Dachverband e. V. be‐ richtet aus der Perspektive von Fachgeschäften, wie fairer Handel funktio‐ Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 71 <?page no="72"?> niert und was ihn ausmacht (https: / / www.weltladen.de/ fairtont). Der Dach‐ verband existiert seit mehr als 50 Jahren und vertritt die Interessen der Weltläden in Deutschland. Hierzulande gibt es rund 900 Weltläden. Was bedeutet Ökodesign? Ökodesign beschreibt einen Ansatz, bei dem Produkte und Dienstleistungen von Anfang an so gestaltet werden, dass sie Umwelt und Ressourcen möglichst wenig belasten. Entscheidend ist dabei der Blick auf den gesam‐ ten Lebenszyklus eines Produkts, also von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Nutzung bis hin zu Reparatur, Wiederverwendung oder Entsorgung. Ziel ist es, Energieverbrauch, Ressourcenbedarf, Emissionen und Abfälle über alle Phasen hinweg zu minimieren. Wie wichtig die Designphase ist, zeigt sich an folgender Zahl: Rund 80 Prozent der späteren Umweltwirkungen eines Produkts werden bereits in der Designbzw. Entwurfsphase festgelegt, insbesondere beim Material- und Energieeinsatz (Liedtke et al., 2020). Ökodesign setzt daher bewusst früh an - nämlich dann, wenn noch echte Gestaltungsspielräume bestehen. Grundsätzlich lässt sich dieser Ansatz auf nahezu alle Produkte und Dienstleistungen anwenden. Die konkreten Ziele können dabei sehr unterschiedlich sein, etwa geringer Energie- Wasser, oder Flächenverbrauch, keine Toxizität, eine gute Reparierbarkeit, hohe Recyclingfähigkeit oder der Einsatz biologisch abbaubarer Materialien. Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht: Je nach Funktion und Nutzung eines Produkts müssen unterschiedliche Designkri‐ terien priorisiert werden, die teilweise auch im Konflikt miteinander stehen können. Ein zentrales Ordnungssystem im Ökodesign sind die sogenannten R-Strategien (Potting et al., 2018), die auch elementar für eine Kreislauf‐ wirtschaft sind (→ Was ist eine Kreislaufwirtschaft? ). Sie beschreiben verschiedene Wege, wie Produkte und Materialien länger und sinnvoller genutzt werden können, bevor neue Ressourcen eingesetzt werden müssen. Am Anfang stehen Strategien wie Refuse (Überflüssiges vermeiden) und Reduce (weniger Material und Energie einsetzen). Darauf folgen Reuse und Repair, also die Wiederverwendung und Reparatur von Produkten, um ihre Lebensdauer zu verlängern. Weitere Stufen sind Refurbish und Remanufacture, bei denen Produkte überholt oder industriell neu aufbereitet 72 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="73"?> werden, sowie Repurpose, also die Nutzung für einen neuen Zweck. Erst relativ spät in dieser Hierarchie steht das Recycling, bei dem Materialien zwar wiederverwertet, Produkte aber meist zerstört werden. Die letzte Option ist Recover, etwa die energetische Verwertung. Für das Ökodesign bedeutet diese Reihenfolge eine klare Leitlinie: Je früher eine R-Strategie ansetzt, desto größer ist in der Regel der ökologi‐ sche Nutzen, da weniger neue Materialien benötigt und weniger Energie verbraucht werden. Gute Produktgestaltung kann jede der einzelnen R-Stra‐ tegien stärken und forcieren, etwa durch langlebige Materialien, modulare Bauweisen und einfache Reparierbarkeit. In Europa profitieren Verbraucher*innen von der Ökodesign-Richtlinie und der entsprechenden Verordnung der Europäischen Union. Sie legt verbindliche Anforderungen für energieverbrauchsrelevante Produkte fest und stärkt unter anderem die Reparierbarkeit von Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen oder Geschirrspülern - ein wichtiger Schritt hin zu lang‐ lebigeren und ressourcenschonenderen Produkten (Micklitz et al., 2022). Im weiteren Sinne geht Ökodesign jedoch über einzelne Produkte hinaus. Es betrifft die Gestaltung aller materiellen Angebote und Infrastrukturen zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Ziel ist es, hohen individuellen und gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen sowie Lebensqualität, Selbstbestim‐ mung und Entfaltungsmöglichkeiten zu fördern und dabei gleichzeitig die Wohlstandsentwicklung vom Ressourcenverbrauch und der Umweltbelas‐ tung zu entkoppeln (UNEP, 2024). Design für Nachhaltigkeit verfolgt dabei drei zentrale Strategien (Liedtke & Welfens, 2025): Suffizienz, also weniger unnötigen Ballast und einen bewussteren Umgang mit Dingen; Konsistenz, das Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen; und Effizienz, also mehr Nutzen mit weniger Ressourcen (→ Welche Strategien für nachhaltigen Konsum gibt es? ). Linktipp | Das Ecodesign-Kit (https: / / ecodesignkit.de/ ) ist ein vom Um‐ weltbundesamt gefördertes Online-Portal, das sich vor allem an De‐ sign-Studierende und -Lehrende wendet. Auf dem Portal sind einfache Erläuterungen, Checklisten und Anleitungen zur Umsetzung von Öko‐ design erhältlich. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 73 <?page no="74"?> Gibt es gute Beispiele für Ökodesign? Produkte mit gutem Ökodesign werden oft auch als „ökointelligent“ oder „ökoeffizient“ bezeichnet, da sie systematisch Ressourcen schonen und Funktionen optimieren. Wichtig ist jedoch: Die meisten Produkte können nicht alle Umweltbzw. Nachhaltigkeitsprinzipien gleichzeitig abdecken. Ein Gerät kann beispielsweise besonders kreislauffähig und langlebig gestaltet sein, gleichzeitig aber nicht vollständig biologisch abbaubar. Deshalb müssen Ökodesign-Konzepte häufig Schwerpunkte setzen und bestimmte Aspekte wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit oder Ressourcenef‐ fizienz fokussiert umsetzen. Dieser Gestaltungsansatz gilt dabei für alle Arten von Produkten in den unterschiedlichsten Sektoren, von Verbrauchs- und Gebrauchsgütern bis hin zu komplexen Investitionsgütern. Während Verbrauchsgüter durch die Nutzung aufgebraucht werden (können) - sie existieren nach dem Konsum oft nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form (z. B. Lebensmittel, Shampoo, Benzin) -, behalten Gebrauchsgüter ihren Nutzen über mehrere Verwendungen hinaus und haben eine längere Le‐ bensdauer (z. B. Möbel, Kleidung, Smartphones). Investitionsgüter sind besonders kostspielige und langlebige Güter, die von Konsument*innen nur selten gekauft werden (z.-B. Auto, Heizung). Oftmals gehen die physischen Merkmale eines ökologisch gestalteten Produktes Hand in Hand mit inno‐ vativen Geschäftsmodellen, die den Nutzen statt des bloßen Besitzes in den Vordergrund stellen. Ein anschauliches Beispiel für ein Ökodesign, welches möglichst viele Funktionen unter minimalen Ressourceninput nutzt, ist das Drehgerät Vinson von Christoph Tochtrop (Liedtke et al., 2020). Viele Elektrogeräte wie Bohrmaschinen, Akkuschrauber oder Rührstäbe erfüllen eine ähnliche Grundfunktion: eine Drehbewegung. Vinson nutzt diese Erkenntnis und ersetzt die Vielzahl einzelner Geräte durch ein einheitliches Griff- und Steuerungssystem mit unterschiedlichen Aufsätzen, die je nach Bedarf getauscht werden können. So werden Materialeinsatz, Lagerung und unge‐ nutzte Kapazitäten reduziert, während der praktische Nutzen erhalten bleibt (Liedtke et al., 2020). Ein weiteres Beispiel ist das vom Designer Agim Meta gemeinsam mit dem Wuppertal Institut entwickelte Konzept einer mechanischen Teppich‐ bürste. Ziel war es, den Zweck „sauberer Boden“ bei möglichst geringem Ressourceneinsatz zu erreichen. Das Gerät kommt ohne elektrische Energie aus und nutzt stattdessen ein Schwungrad als mechanischen Energiespei‐ 74 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="75"?> cher, wodurch der Stromverbrauch entfällt. Mit ca. vier Kilogramm ist das Gerät mit mechanischer Teppichbürste rund sechs Kilogramm leichter als ein herkömmlicher Staubsauger, besteht aus nur fünf Werkstoffen und benötigt keine Staubbehälter (Ritthoff et al., 2002). Es ist vollständig zerleg‐ bar, reparierbar und recyclebar, wodurch auch der ökologische Rucksack deutlich reduziert wird (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ). Über die gesamte Lebensdauer liefert die Teppichbürste damit einen hohen Nutzen bei minimalem Material- und Energieeinsatz (Ritthoff et al., 2002). Solche Beispiele zeigen, dass Ökodesign nicht nur Energieeffizienz bedeutet, son‐ dern den gesamten Lebenszyklus, die Nutzungsintensität und die Funktion eines Produkts in den Blick nimmt. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass ein bewusst gestalteter Fokus auf bestimmte Nachhaltigkeitsprinzipien oft effektiver ist, als zu versuchen, alle ökologischen, sozialen oder technischen Ziele gleichzeitig zu erfüllen. Welche Rolle spielt Reparierbarkeit? Reparierbarkeit ist weit mehr als nur eine technische Strategie im Ökode‐ sign. Wenn Produkte repariert werden, verlängert dies deren Lebensdauer und reduziert unmittelbar den Bedarf an neuen Rohstoffen sowie die Entstehung von Abfall. Über den ökologischen Nutzen hinaus besitzt das Reparieren eine starke psychologische Komponente, da es die Selbstwirk‐ samkeit fördert (Micklitz et al., 2022). Wer ein defektes Gerät eigenhändig wieder zum Laufen bringt, erlebt ein Gefühl von Kompetenz und festigt die Bindung zum Objekt. Ein besonderes Problem stellen elektronische Kleingeräte dar, die in hohen Mengen produziert und häufig ausgetauscht werden (Compagnoni & Santini, 2025). Klassische elektronische Konsumgüter bestehen oft aus vielen komplexen Komponenten, die häufig verklebt und somit nicht aus‐ tauschbar sind. Solche verklebten Bauteile, proprietäre Schrauben und eingeschränkte Softwarekompatibilität können die Reparatur von Elektron‐ ikgeräten systematisch erschweren (Wuppertal Institut, o. J.). Dies zwingt Konsument*innen dazu, Geräte selbst bei kleinsten Defekten komplett zu ersetzen. Selbst wenn keine bewusst geplante Sollbruchstelle im Sinne einer geplanten Obsoleszenz vorliegt, führen Designentscheidungen und komplexe Lieferketten dazu, dass viele elektrische Geräte praktisch schwer Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 75 <?page no="76"?> reparierbar sind. Dies verkürzt die Lebensdauer und trägt massiv zur Entstehung von Elektroschrott bei (Sonego et al., 2022). Gegenentwürfe zeigen jedoch, dass gelungene Reparierbarkeit auch im Elektroniksektor möglich ist. Unternehmen wie SHIFT und Fairphone für Smartphones oder Framework für Laptops sowie langlebige Haushaltsge‐ räte wie der Vooper-Staubsauger von Miele setzen hier Maßstäbe. Der hessische Hersteller SHIFT beispielsweise nutzt konsequent ein modulares Design, bei dem Komponenten wie Akku oder Display des Smartphones leicht ausgetauscht und direkt bestellt werden können. Ein ergänzendes Pfandsystem stellt sicher, dass Altgeräte am Ende ihrer Lebensdauer in den Kreislauf zurückkehren. Zudem forciert das Unternehmen Nachhaltigkeit und Gemeinwohl entlang der gesamten Lieferkette. Allerdings bleiben zentrale Probleme, wie beispielsweise Software-Obsoleszenz, bei der selbst reparierbare Hardware ihren Wert verliert, wenn Betriebssysteme oder Sicherheitsupdates eingestellt werden. Ein bekanntes und gut funktionierendes Reparatursystem existiert bereits für Fahrräder. Fahrräder gelten seit Jahrzehnten als reparaturfreundliche Produkte, bei denen Verschleißteile standardisiert, verfügbar und oft auch nach Jahrzehnten noch kompatibel sind. Reparierbarkeit ist hier eine ge‐ zielte Design- und Systementscheidung. Dennoch spielen auch bei der Reparatur die Kosten eine entscheidende Rolle: Studien zeigen, dass hohe Reparaturkosten im Vergleich zum Neukauf ein zentrales Hemmnis darstellen (Bienge et al., 2018). Reparierbarkeit allein genügt also nicht - sie muss für Nutzer*innen auch finanziell attraktiv und praktikabel sein, um ihr volles Potenzial für Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit zu entfalten. Auf europäischer Ebene wurde diese Problematik erkannt und mit der 2024 angenommenen Richtlinie „Recht auf Reparatur“ der Anspruch der Verbraucher*innen auf zugängliche und bezahlbare Reparaturmöglichkeiten insbesondere von Elektronikprodukten gestärkt. Mittlerweile gibt es zudem verschiedene Länder und Kommunen, die sogenannte Reparaturgutscheine oder -boni für ihre Bürger*innen be‐ reitstellen. Welche Rolle spielt Recyclingfähigkeit? Recyclingfähigkeit ist ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft (→ Was ist eine Kreislaufwirtschaft? ) und ein entscheidendes Kriterium für 76 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="77"?> nachhaltiges Produktdesign. Sie beschreibt, wie effizient Materialien eines Produkts am Ende seiner Nutzungsdauer zurückgewonnen und erneut in den Produktionskreislauf eingebracht werden können. Eine hohe Recycling‐ fähigkeit reduziert den Verbrauch neuer Rohstoffe, verringert Abfall und schont wertvolle Umweltressourcen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass nicht alle Produkte gleichermaßen gut recycelbar sind und die Grenzen der Wiederverwertung häufig überschätzt werden. Während in Deutschland etwa die Rückführung von Altglas oder das PET-Recycling als erfolgreich wahrgenommen werde, zeigt die globale Bilanz eine deutlich kritischere Entwicklung: Zwischen 1900 und 2015 sank der Anteil von wieder in den Kreislauf zurückgeführten Inputmaterialien von etwa 43 Prozent auf 27 Prozent und der Output-Cycling-Anteil von 46 Prozent auf 40 Prozent (Haas et al., 2020). Mithilfe eines Recycling-Indexes lassen sich bspw. die Wiederverwer‐ tungsquoten transparent darstellen. Allerdings: Selbst bei modularen Ge‐ räten lassen sich nicht alle Materialien vollständig zurückgewinnen, da bestimmte Metalle, Kunststoffe oder Verbundmaterialien physikalische und chemische Grenzen des Recyclings haben (Reuter et al., 2018). Ein schlechtes Beispiel für die Recyclingfähigkeit von Produkten ist der Joghurtbecher aus Kunststoffverbundmaterialien: Deckel, Becher und Etikett bestehen aus unterschiedlichen Kunststoffen, die schwer zu trennen und daher nur teilweise wiederverwertbar sind. Viele Elektronikgeräte stellen ebenfalls eine Herausforderung dar: Auf Platinen finden sich über 100 verschiedene Metalle, von denen nur ein Bruchteil recycelt werden kann (Graedel et al., 2015). Selbst hochwertige Recyclinganlagen erreichen hier nur begrenzte Rückgewinnungsraten, was die Ressourcenbilanz der Produkte stark belastet. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Recyclingfähig‐ keit immer eine Kombination aus Design, Materialwahl und Infrastruktur ist. Welche Rolle spielt Haltbarkeit? Unter Konsument*innen ist die Einschätzung verbreitet, dass viele Produkte (zu) schnell kaputt gehen. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang die „geplante Obsoleszenz“. Der Begriff geht auf Bernard London zurück, der 1932 vorschlug, Produkte mit einem staatlich festgelegten Verfallsdatum zu versehen, um den Konsum künstlich anzukurbeln und die Wirtschafts‐ Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 77 <?page no="78"?> krise zu überwinden ( Jaeger-Erben, 2024). Heute wird darunter meist die absichtliche Verkürzung der Produktlebensdauer durch die Hersteller ver‐ standen. Mediale Aufmerksamkeit erlangte das Thema durch Kampagnen wie „Murks? Nein Danke“. Dennoch ist eine arglistig eingebaute Sollbruch‐ stelle empirisch kaum nachweisbar ( Jaeger-Erben, 2024). Das Spektrum einer möglichen Obsoleszenz ist vielfältig. Produkte wer‐ den oft für spezifische Nutzungsszenarien hergestellt. So ist ein Handmi‐ xer etwa nur für den gelegentlichen Hausgebrauch konzipiert und hält einer Dauerbelastung nicht stand. Die Nutzungsannahmen des Herstellers sind jedoch Verbraucher*innen oft nicht bekannt. Neben der physischen Abnutzung durch verschlissene Teile spielt die funktionale Obsoleszenz eine Rolle, wenn technische Innovationen so schnell voranschreiten, dass ein bestehendes Produkt bald nicht mehr die technischen Erwartungen erfüllt. Ein Beispiel hierfür sind ältere Smartphones, deren Betriebssysteme keine Hersteller-Updates mehr unterstützen. Eine weitere Ausprägung, die symbolische Obsoleszenz, wirkt besonders stark in gesättigten Märkten: Produkte verlieren mit der Zeit ihren sozialen bzw. symbolischen Wert, lange bevor sie technisch defekt sind, etwa weil sie als altmodisch wahrge‐ nommen werden. Ein in diesem Zusammenhang relevantes Phänomen ist die „geplante Affluenz“. Hierbei geht es weniger um den Defekt eines Einzelstücks als vielmehr um die bewusste Erzeugung eines Überangebots. Durch funktio‐ nale Überladung, übermäßige Bevorratung oder das Fluten der Märkte mit Ultra-Fast-Fashion wird eine gesellschaftliche Erwartung permanenter Er‐ neuerung geschaffen ( Jaeger-Erben, 2024). Der Gebrauchswert des aktuellen Gegenstands verblasst so hinter dem Tauschwert des ständig verfügbaren Neuen. Ein interessanter rechtlicher Vorstoß zur Begrenzung dieser Entwicklung findet sich in Frankreich. Dort wurde bereits 2015 ein Straftatbestand geschaffen, der die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer unter Strafe stellt (Keimeyer et al., 2020). Letztlich erfordert eine kritische Einordnung der Produkthaltbarkeit einen Perspektivwechsel. Das Ziel sollte weniger die ewige Haltbarkeit einer starren materiellen Hülle sein, sondern die Maximierung des Nutzens, der aus dem eingesetzten Material gezogen werden kann. Für nachhaltigen Konsum bedeutet dies, Geschäftsmodelle und Produkte zu fördern, die auf zeitlosem Design, schrittweiser Reparatur sowie modu‐ larem Ersatz und Wartung basieren (→ Welche Rolle spielen Nutzungs- 78 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="79"?> oder Dienstleistungsmodelle? ). Wahre Langlebigkeit entsteht dort, wo eine Funktion mit minimalem neuen Ressourceneinsatz dauerhaft gewährleistet wird (Sumter et al., 2018). Welche Rolle spielen Produktdienstleistungssysteme? Produktdienstleistungssysteme tragen maßgeblich zum nachhaltigen Kon‐ sum bei, indem sie den Fokus vom reinen Produktbesitz auf den tatsächli‐ chen Nutzen oder die Dienstleistung verschieben (→ Wie erkennt man nachhaltige Produkte und Dienstleistungen? ). Da Unternehmen ihr Geld in solchen Systemen mit der Serviceleistung und nicht mehr mit dem bloßen Verkauf von Gütern verdienen, entsteht ein direktes wirtschaftliches Interesse daran, die Kosten über den gesamten Lebenszyklus gering zu halten. Dadurch lohnt es sich für Anbieter, Produkte so zu konstruieren, dass sie besonders langlebig, reparaturfreundlich oder gut recycelbar, also ökoeffizient sind (→ Was bedeutet Ökodesign? ) (Lindahl et al., 2014). Übernimmt ein Anbieter zusätzlich die Verantwortung für den Ressour‐ cenverbrauch während der Nutzung, entstehen starke Anreize für maximale Energieeffizienz. Ein Beispiel hierfür sind Energieversorger, die Wärme‐ pumpen kombiniert mit digitalem Energiemonitoring als Servicekonzept anbieten und den Kund*innen so die Sorge um die technische Infrastruktur sowie die Optimierung von Einspareffekten abnehmen. Im Gegensatz zur oft informell organisierten Sharing Economy (→ Wie nachhaltig ist die Sharing Economy? ) können Produktdienstleistungssysteme auf Geschäftsmodellen wie Leasing oder Contracting basieren. Sie entlasten Konsument*innen von zeitaufwendigen Instandhaltungspflichten und wirken durch kollektive Nutzungsformen sowie gebündelte Nachfragemacht sozial inklusiv, da der Zugang zu hochwertigen Gütern nicht mehr von hohen privaten Investi‐ tionen abhängt. Dies zeigt sich deutlich am Beispiel der Wäschepflege unter dem Aspekt der Ressourceneffizienz (→ Wie können ökologische Auswirkungen eines Produktes gemessen werden? ). In Schweden sind gemeinschaftlich genutzte Waschmaschinen in Mehrfamilienhäusern der Standard und werden als Teil eines Servicepakets der Wohnungsbauge‐ sellschaft bereitgestellt. Solche dezentralen Lösungen oder Waschsalons ermöglichen es, ein Kilogramm Wäsche mit dem geringsten Einsatz von Energie und Material zu reinigen, während gleichzeitig die privaten Kosten für eigene Waschmaschinen entfallen (Borg & Högberg, 2014). Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 79 <?page no="80"?> Ein weiteres Beispiel für die Stärkung regionaler Strukturen sind Ge‐ müsekisten, die nachhaltige Erzeugnisse durch ein Serviceangebot leicht zugänglich machen (auch wenn hier die Logistik der Haustürlieferung im Vergleich zu Kooperationen mit dem stationären Handel kontinuierlich auf ihre ökologische Effizienz geprüft werden muss). Indem solche Systeme soziale Praktiken durch bequeme und effiziente Versorgungsstrukturen umgestalten, überführen sie Nachhaltigkeitsprinzipien in belastbare Ge‐ schäftsmodelle. Im Idealfall organisieren solche Systeme den individuellen Alltag ressourcenleichter, ohne die Lebensqualität einzuschränken. Woran erkennt man nachhaltige Produkte? Der erste Schritt zu nachhaltigem Konsum beginnt bereits vor der Kaufent‐ scheidung mit der Überlegung, ob ein Produkt tatsächlich benötigt wird oder ob es Alternativen gibt - etwa die Nutzung einer Dienstleistung (→ Welche Rolle spielen Produktdienstleistungssysteme? ). Darüber hinaus bieten ver‐ trauenswürdige Labels eine gute Möglichkeit die Nachhaltigkeit bestimmter Produktaspekte zu erkennen (→ Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Bei langlebigen Konsumgütern und technischen Geräten lohnt es sich zudem, das Produkt selbst kritisch zu prüfen. Material, Haptik und Verar‐ beitungsqualität geben erste wichtige Hinweise. Auch der Kundenservice liefert entscheidende Details: Wie lange sind Ersatzteile garantiert verfügbar und werden Anleitungen für die Eigenreparatur bereitgestellt? Diese Trans‐ parenz wird künftig beispielsweise durch den digitalen Produktpass deutlich erhöht, weil durch den Pass Informationen über Materialzusammensetzung und Reparierbarkeit direkt zugänglich gemacht werden müssen und so etwa das gesetzliche Recht auf Reparatur der Europäischen Union unterstützt wird (Zhang & Seuring, 2024). Ein wesentliches Merkmal nachhaltigen Designs ist zudem die Modula‐ rität. Produkte, deren einzelne Funktionsgruppen unabhängig voneinander ausgetauscht oder modernisiert werden können, reduzieren Abfall und verlängern die gesamte Nutzungsdauer. Im Gegensatz dazu sind unnötige Zusatzfunktionen, die lediglich den Energieverbrauch erhöhen oder fehler‐ anfällig sind, oft ein Warnsignal für eine begrenzte Haltbarkeit (Tochtrop et al., 2024). 80 Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen <?page no="81"?> Besondere Aufmerksamkeit verdienen bewegliche Teile sowie Akkus. Nachhaltige Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass diese Elemente leicht zugänglich und standardisiert sind, anstatt sie durch Verklebungen oder proprietäre Schrauben unzugänglich zu machen. Darüber hinaus spielen die Materialqualität und der Herstellerort eine wichtige Rolle für die ökolo‐ gische Bilanz. Die Frage, wie langlebig die verwendeten Werkstoffe sind und wie lange ein Produkt unter realen Bedingungen genutzt werden kann, ist zentral. Produkte, die lediglich für eine kurze Betriebsdauer konzipiert wurden, lassen sich selten nachhaltig verwenden ( Jaeger-Erben, 2024; Prakash et al., 2016). Schließlich ist nachhaltiger Konsum auch eine soziale Praxis: Wenn die eigene Nutzung eines Produkts endet, können Möglichkeiten zur Weitergabe, zum Teilen oder zur geordneten Rückgabe die Ressourcennutzung über mehrere Lebenszyklen hinweg optimieren. Wer Faktoren wie Reparierbarkeit, Modularität und Materialgüte bereits bei der Anschaffung berücksichtigt, trifft bewusste Entscheidungen, die Umwelt, Ressourcen und eigene Kosten gleichermaßen schonen. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen 81 <?page no="82"?> Nachhaltigkeit - Paradigma und Pflicht der Völkergemeinschaft Die Bundesregierung hat sich in der nationalen Nachhaltigkeits• strategie ein hohes Ziel gesetzt. Im Rahmen einer Selbsteinschät- • • zung stellt sie jedoch fest, dass das bisherige Handeln bei weitem '� '• nicht ausreicht um einen politisch erwünschten nachhaltigen Entwicklungspfad konsequent zu gehen. Diese Erkenntnis gilt für alle Bereiche des Landes, auch wenn es in Wissenschaft, • Forschung, Bildung, Wirtschaft und der Gesellschaft ermuti• weiter ... b <?page no="83"?> Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Konsumbereichen Er‐ nährung, Mobilität, Bauen und Wohnen sowie Bekleidung. Verhaltens‐ weisen in diesen vier Feldern können große ökologische und soziale Auswirkungen haben. Dazu werden sowohl nachhaltige Konsummög‐ lichkeiten dargestellt als auch Hindernisse aufgezeigt. <?page no="84"?> Was sind nachhaltige Lebensstile? Das Konzept von Lebensstilen geht auf soziologische Studien zu prägenden Merkmalen bestimmter gesellschaftlicher Gruppierungen zurück und be‐ zeichnet „ein relativ stabiles Muster der Organisation des Alltags im Rahmen gegebener Lebenslagen, verfügbarer Ressourcen und getroffener Lebenspla‐ nung“ (Zapf, 1987, S.-14). Lebensstile strukturieren die Gesellschaft anhand von mentalen und materiellen Dimensionen wie Wertehintergrund, Bildung oder Einkommen und prägen dadurch auch den Konsum von Individuen. Sie sind jedoch mehr als die Summe individueller Konsumentscheidungen: Sie geben Konsum vielmehr einen Rahmen und betten ihn in individuelle Vor‐ stellungen der Lebensführung sowie Möglichkeiten zu deren Realisierung ein. Lebensstile umfassen somit sowohl den sozialen Hintergrund eines Individuums als auch Lebensweisen und Konsum- oder Nutzungsformen in den Bereichen Wohnen, Ernährung, Mobilität, Kleidung, Freizeit und Kultur. Nachhaltig können Lebensstile dann sein, wenn sie innerhalb planetarer Ober- und sozialer Untergrenzen verlaufen (→ Kann nachhaltiger Konsum auch mehr Konsum bedeuten? ). Nachhaltiger Konsum im Sinne eines nachhaltigen Lebensstils ist entsprechend nur dann gegeben, wenn er zur Bedürfnisbefriedigung der heute lebenden Menschen beiträgt, ohne die Befriedigungsmöglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden (→ Wie definiert man nachhaltigen Konsum? ). Das Ziel ist die Sicherstellung von Lebensqualität bei möglichst geringen ökologischen Auswirkungen. In den letzten Jahren wurden vor diesem Hintergrund sogenannte 1,5°-Le‐ bensstile als Leitvorstellung herangezogen (Akenji et al., 2021). Das sind Lebensstile, die das Erderwärmungsziel von maximal 1,5° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau nicht gefährden. Auf Basis einer konsumorientier‐ ten Berechnung sollten Lebensstile, die dieser Anforderung entsprechen, bei durchschnittlich 2,5 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Erdenbürger*in bis 2030 und 0,7 Tonnen bis 2050 liegen. Ähnliche Berechnungen gibt es auch für ein nachhaltig verträgliches Maß des individuellen Konsums materieller Ressourcen, der sechs bis acht Tonnen pro Jahr und Kopf bis 2050 nicht übersteigen sollte (Lettenmeier et al., 2014; UNEP, 2011). Sowohl für Treibhausgasemissionen als auch für den Materialverbrauch bestehen also relativ klar definierte Limitationen, wenn ein Lebensstil als nachhaltig gelten soll. Innerhalb dieser Grenzen steht es dem Individuum allerdings frei, wie es seinen*ihren Lebensstil gestaltet. Nachhaltige Lebensstile er‐ fordern somit eine „Subjektorientierung“ anstelle einer Fokussierung auf 84 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="85"?> einzelne Produkte („Objektorientierung“) (Paech, 2011, S. 287). Es geht darum, den Gesamtlebensstil von Konsument*innen zu betrachten. Dies ist entscheidend, da selbst nachhaltigere Produkte in der Summe ein nicht verallgemeinerbares Gesamtmaß an Ressourcenverbrauch pro Person über‐ steigen können (Belz & Bilharz, 2007; Paech, 2011). Was sind wichtige Bedarfsfelder? Bedarfsfelder sind Cluster von Verhaltensweisen und Konsumhandlungen, die sich einem bestimmten Bereich des Lebensstils zuordnen lassen. Typi‐ scherweise werden etwa Ernährung, Mobilität, Bauen und Wohnen oder Bekleidung genannt. Diese Bereiche haben unterschiedlich große ökologi‐ sche und soziale Auswirkungen, wodurch es in manchen wichtiger sein kann etwas an der eigenen Lebensweise zu verändern als in anderen. Allerdings hängt dies auch vom jeweiligen Indikator ab, den man betrachtet (→ Ist jede Handlung zur Förderung nachhaltigen Konsums gleich wich‐ tig? ). Im Hinblick auf die Treibhausgasemissionen sind es in der Regel die Bedarfsfelder Bauen und Wohnen, Mobilität und Ernährung, die eine besonders große Wirkung verursachen und wo somit der größte Handlungs‐ bedarf liegt. Gemeinsam machen sie rund 60 Prozent des individuellen CO 2 -Fußabdrucks der Deutschen aus (Umweltbundesamt, 2026b). Bei der Ernährung ist es vor allem der Konsum tierischer Produkte, der durch Aufzucht und Haltung der Tiere besonders viele Emissionen verursacht. Bei der Mobilität sind Flugreisen und der motorisierte Individualverkehr die klimarelevantesten Konsumbereiche. Im Bedarfsfeld Bauen und Wohnen sind neben Bautätigkeiten und Flächenverbrauch vor allem das Heizen, die Warmwasserbereitung sowie der Stromverbrauch relevant. Verhaltens- und Konsumveränderungen in diesen Bereichen der drei Handlungsfelder haben somit das größte Umweltentlastungspotenzial. Diese Maßnahmen werden daher als Big Points bezeichnet (Bilharz, 2009) (→ Jeder kleine Schritt zählt, oder nicht? ) Betrachtet man eine andere ökologische Dimension, z. B. den Ressourcen- oder Wasserverbrauch, kommen weitere relevante Bedarfsfelder hinzu. Im Rahmen der Bemühungen um eine Kreislaufwirtschaft werden z. B. auch der Elektronik- und der Bekleidungssektor betrachtet (BMUKN, 2024). Beide Bedarfsfelder sind von einer sehr kurzen Lebensdauer der Produkte geprägt. Bei der Elektronik geht die Gewinnung bestimmter Ressourcen Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 85 <?page no="86"?> wie seltener Metalle mit hohen Umweltauswirkungen einher (Umweltbun‐ desamt, 2022), zudem ist Elektroschrott einer der am stärksten wachsenden Abfallströme weltweit (Baldé et al., 2024). Bei Kleidung ist die Herstellung ressourcenintensiv, verbraucht viel Wasser und verursacht Umweltschäden durch die Verwendung von Chemikalien, ganz abgesehen vom Verbleib der Altkleidermassen (Gimkiewicz et al., 2022). In sozialer Hinsicht sind letztlich alle Bedarfsfelder relevant. Von be‐ sonderer Bedeutung sind soziale Probleme in globalen Lieferketten mit (hand-)arbeitsintensiven Wertschöpfungsstufen und die mit dem Abbau von Rohstoffen im Globalen Süden in Verbindung stehen (z. B. Textilindustrie, Bergbau Seltener Erden, Plantagenarbeit, etc.). Was sind die Herausforderungen im Bereich Ernährung? Produktion, Verarbeitung und Konsum von Lebensmitteln zählen zu den wichtigsten Ursachen für die Überschreitung der planetaren Grenzen. Land‐ wirtschaft und Ernährung verursachen ungefähr ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen (Rockström et al., 2025). Dies liegt vor allem an Landnutzungsänderungen und Entwaldung, verstärkt durch die Herstellung tierischer Produkte inkl. des Anbaus von Futtermitteln sowie des Ausstoßes hoch klimawirksamer Treibhausgase wie Methan z. B. bei der Haltung von Wiederkäuern. Mit der industriellen Landwirtschaft, Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden stehen Bodendegradation und Biodiversi‐ tätsverlust in Verbindung. Die industrielle Tierhaltung geht nicht nur mit Tierleid einher, sondern fördert durch den Einsatz von Antibiotika auch entsprechende Resistenzen. Nicht zuletzt sind auch Wasserverbrauch und -verschmutzung ein Problem der intensiven Landwirtschaft. Düngemittel und Pestizide belasten Grundwasser, Flüsse und Meere (Eutrophierung) (Umweltbundesamt, 2024d, 2024a). Ein zusätzlicher Bereich sind Verpackun‐ gen. (Plastik-)Verpackungen der im Supermarkt verkauften Lebensmittel, aber auch Einwegverpackungen im To-go-Bereich verursachen nicht nur riesige Abfallmengen, sondern ihre Herstellung geht zudem mit Treibhaus‐ gasemissionen, Landnutzung und Rohstoffkonsum einher (Prakash et al., 2023; Tauer & Aechtner, 2023). In sozialer Hinsicht ist vor allem die Landwirtschaft des Globalen Südens, z. B. auf Plantagen in Lateinamerika, Afrika und Asien, von unfairen bis 86 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="87"?> menschenrechtsverletztenden Arbeitsbedingungen betroffen. Doch auch die Tatsache, dass mehr als 70 Prozent der ernährungsbezogenen Umwelt‐ auswirkungen auf den Konsum der wohlhabendsten 30 Prozent der Welt‐ bevölkerung zurückzuführen sind (Rockström et al., 2025) und gleichzeitig im Jahr 2024 nach wie vor 8,2 Prozent der Weltbevölkerung unterernährt waren, verdeutlicht die herausfordernde Gerechtigkeitsfrage im globalen Ernährungssystem (FAO et al., 2025; Rockström et al., 2025). Wie geht nachhaltige Ernährung? Ein Blick in diverse wissenschaftliche Studien zum Thema nachhaltige Ernährung, darunter die des Weltklimarats (IPCC, 2019) und der EAT-Lan‐ cet-Kommission (Willett et al., 2019), zeigt erstens: Die zentrale Strategie für eine nachhaltige Ernährungsweise liegt in einem reduzierten Konsum tierischer Lebensmittel und einer Ernährung basierend auf pflanzlichen Produkten, wie es im Konzept der „Planetary Health Diet“ (PHD) vorgesehen ist (PHD, Willett et al., 2019, siehe Abb. 2). Die PHD ist das Ergebnis der Arbeit der EAT-Lancet-Kommission, die sich der Frage gewidmet hat, welche Ernährungsweise die im Jahr 2050 zu erwartenden 10 Milliarden Menschen gesund versorgen kann, ohne die planetaren Grenzen übermäßig zu belasten. Der Vorteil: Eine der PHD entsprechende Ernährung würde nicht nur zu einer erheblichen Verringerung der Umweltbelastungen führen, sondern auch der menschlichen Gesundheit zuträglich sein. Die Empfeh‐ lungen stimmen in vielen Punkten mit denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung überein, die mittlerweile neben Gesundheitsaspekten auch Nachhaltigkeit in ihren Anforderungskatalog aufgenommen hat (Renner et al., 2021). Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 87 <?page no="88"?> Abb. 2: Nachhaltige Ernährung gemäß der Planetary Health Diet (Eigene Darstellung nach Eat-Lancet Commission, 2025, S. 9) Der zweite entscheidende Punkt ist die Reduktion der Lebensmittelver‐ schwendung (Mbow et al., 2019). In Deutschland werden jährlich rund 11 Mio. Tonnen Lebensmittel zu Abfall, mehr als die Hälfte davon entsteht in privaten Haushalten (Statistisches Bundesamt, 2024). Entsprechend groß ist das Potenzial, um die negativen Auswirkungen, die mit dieser unnötigen Produktion in Verbindung stehen, zu reduzieren. Ein dritter Punkt ist der Einkauf ökologisch hergestellter Produkte, der die ökologische Landwirtschaft fördern und Landwirten Anreize geben kann, ihre Betriebe von konventionell auf ökologisch umzustellen (BÖLW, 2025). Orientierung für eine ökologische Produktion geben Siegel wie das EU-Bi‐ osiegel oder Siegel mit anspruchsvolleren Kriterien wie Demeter, Bioland und Naturland. Auch in sozialer Hinsicht können faire Arbeitsbedingungen unterstützt werden, indem Produkte mit dem Fairtrade-Siegel ausgewählt werden (→ Was ist ein faires Produkt? ). Im Bereich der Verpackungen sind die Reduktion von Verpackungen beim Einkauf (z. B. Mitnahme von eigenen Behältnissen), die konsequente Nutzung von Mehrweg statt Einweg vor allem im To-go-Bereich und die richtige Verpackungsentsorgung und -sortierung besonders wirkungsvoll (Tauer & Aechtner, 2023). Seit Anfang 2023 besteht in Deutschland eine Mehrwegangebotspflicht für Gastronomiebetriebe ab einer bestimmten Größe und Mitarbeiterzahl. Seitdem können Konsument*innen gezielt nach 88 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="89"?> Mehrwegbehältnissen fragen, denn nicht immer wird die Mehrweglösung aktiv angeboten. Abgesehen von diesen Strategien auf individueller Ebene bestehen auch für eine nachhaltige Ernährung Möglichkeiten des kollektiven Engagements (→ Was ist der nachhaltige Handabdruck? ). Beispiele sind Gemeinschafts‐ gärten (Ribeiro et al., 2023) oder die Solidarische Landwirtschaft („Solawi“), bei der Landwirt*innen und Konsument*innen sich sowohl die finanziellen Risiken als auch die Arbeit des regionalen Anbaus auf ökologisch betriebe‐ nen Höfen teilen (Zech et al., 2025). Wie weit sind wir bei nachhaltiger Ernährung? Beim Blick auf die Umsetzung einer nachhaltigen Ernährung zeigt sich ein teils widersprüchliches Bild. So ist der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland von ehemals 60 Kilogramm auf 51-53 Kilogramm in den letzten Jahren gesunken (BLE, 2025). Laut Ernährungsreport aus dem Jahr 2025 ernähren sich sieben Prozent der Deutschen vegetarisch und zwei Prozent vegan, während der Absatz mit pflanzlichen Fleischalternativen in den letzten Jahren signifikant gewachsen ist. Ein Großteil derer, die sich für eine fleisch- oder tierproduktfreie Ernährung entscheiden, tun dies aus Umweltschutzgründen (BMLEH, 2025). Dennoch ist der Fleischkonsum damit noch weit entfernt von einem nachhaltigen Niveau. Gemäß „Planetary Health Diet“ müsste der Fleischkonsum bei ca. 15 kg pro Jahr und Person liegen (→ Wie geht nachhaltige Ernährung? ). Ganz ähnlich sieht es auch mit dem Einkauf von Bio- oder Fairtrade-Pro‐ dukten aus. Obwohl eine umwelt- und ressourcenschonende Produktion für 73 Prozent der im Ernährungsreport befragten Personen über 60 Jahre und für 60 Prozent der unter 30-Jährigen eigenen Angaben zufolge ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Einkauf ist (BMLEH, 2025), erfolgt ein Großteil des Einkaufs weiterhin im konventionellen Bereich. Im Jahr 2024 wurden weniger als sieben Prozent des Gesamtlebensmittelumsatzes mit Bioprodukten erzielt (BÖLW, 2025). Hinsichtlich einer gesunden Ernäh‐ rung geben 90 Prozent der im Rahmen des Ernährungsreports Befragten an, dass ihnen eine gesunde Ernährung wichtig sei und sie z. B. auf den Zuckergehalt achteten (64 Prozent) (BMLEH, 2025). Ein Bewusstsein für die Problematik scheint somit vorhanden zu sein. Hinsichtlich der Reduk‐ tion von Verpackungen im Ernährungsbereich ist trotz Maßnahmen wie Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 89 <?page no="90"?> der Mehrwegangebotspflicht noch keine Trendwende erfolgt. Einwegver‐ packungen dominieren den To-go-Bereich weiterhin (Klöpper et al., 2024). Insgesamt ist noch keine signifikante Reduktion der Verpackungsmengen festzustellen (Umweltbundesamt, 2025k). Politisch wird nachhaltige Ernährung in Deutschland neben dem Natio‐ nalen Programm für Nachhaltigen Konsum (→ Was ist das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum? ) vor allem von der Nationalen Initia‐ tive „Gutes Essen für Deutschland“ unterstützt (BMEL, 2024). Dem Thema Lebensmittelverschwendung widmet sich seit 2019 eine eigene Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (BMEL, 2019), in die die bereits 2012 gestartete Initiative „Zu gut für die Tonne“ (BMLEH, o. J.) integriert wurde. Auf europäischer Ebene ist eine nachhaltige Ernährung zentraler Bestandteil des European Green Deal (→ Wie fördert die Europäi‐ sche Union nachhaltigen Konsum? ) und soll vor allem mittels der „Farm to Fork“-Strategie („Vom Hof auf den Tisch“) entlang aller Wertschöpfungs‐ stufen umgesetzt werden. Nicht zuletzt gibt es in Deutschland eine ganze Reihe zivilgesellschaft‐ licher Akteure und Vereine, die sich dem Thema nachhaltige Ernährung widmen. Dazu zählen neben den Nichtregierungsorganisationen wie WWF und Greenpeace auch Organisationen wie Foodwatch, die sich für Verbrau‐ cherschutz sowie gesunde und nachhaltige Lebensmittel einsetzen, das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, das die verschiedenen „Solawis“ unter einem Dach vereint, und die Slow-Food-Bewegung, die sich in vielen Ländern für eine nachhaltige Ernährungswende einsetzt. Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Ernährung im Wege? Es gibt viele Ursachen dafür, warum sich nachhaltigere Ernährungsweisen bisher noch nicht durchsetzen. Dazu gehören zunächst Gewohnheiten und kulturelle Faktoren, denn mit dem hohen Verzehr von tierischen Produkten sind viele Menschen sozialisiert. Tierische Produkte gelten als Zeichen des Wohlstands und der Dazugehörigkeit. Ein weiterer Faktor ist der von vielen als positiv wahrgenommene Geschmack von Fleisch bei gleichzeitiger Abstraktion vom Tier durch den industriellen Aufzucht- und Verarbeitungs‐ prozess: Dass ein Lebewesen mit viel Ressourcenaufwand großgezogen und getötet wurde, ist im Supermarkt kaum präsent (Friedrichsen & Gärtner, 90 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="91"?> 2020). Hinzukommt, dass die Aufforderung zu einem Überdenken der Ess‐ gewohnheiten oftmals als Eingriff in persönliche Freiheiten aufgefasst wird und Abwehrreaktionen hervorrufen kann (WBAE, 2020). Preisstrukturen sind ein weiterer hinderlicher Faktor, denn fair und ökologisch produzierte Lebensmittel sind im Vergleich zu konventionell hergestellten Produkten oft höherpreisig (Neligan & Mertens, 2023), was für einen Großteil der Menschen eine Hürde für den Kauf darstellt (BÖLW, 2025). Zusätzlich ist es angesichts der Flut an Informationen und Kennzeichnungen auf Lebens‐ mittelverpackungen nicht einfach sich zu orientieren und den Durchblick zu behalten, welche Produktvariante nun die nachhaltigere ist (Umweltbun‐ desamt, 2025h), zumal eine eindeutige Aussage nicht immer zu treffen ist. So gelten etwa regional hergestellte Lebensmittel als nachhaltiger, doch gilt das nicht zwingend, wenn sie energieaufwändig im Treibhaus angebaut werden (Mbow et al., 2019). Des Weiteren sind die teils widersprüchlichen Anreizstrukturen der (eu‐ ropäischen) Agrarpolitik ein Hindernis für den Umbau des Ernährungssys‐ tems. Auch wenn die EU und Deutschland eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung als offizielles Ziel definiert haben, fließt ein Großteil der Subventionen in Großbetriebe mit viel Fläche und nicht in die kleineren, divers aufgestellten (Bio-)Betriebe. Nachhaltigkeit ist dabei für den Bezug der Fördergelder nicht in ausreichendem Maße eine Voraussetzung (Um‐ weltbundesamt, 2025 f). Die Lobby der Agrarindustrie ist zudem in Europa und Deutschland politisch einflussreich und setzt sich für konventionelle Praktiken ein (iaw, 2019). Insgesamt bremst dies die Konkurrenzfähigkeit des nachhaltigen Angebots und erschwert eine attraktive Preisgestaltung nachhaltiger Lebensmittel. Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Ernährung? Um zukünftige Entwicklungen vorauszusehen, ist es aufschlussreich, sich das Essverhalten der jüngeren Generationen anzuschauen. Im Jahr 2025 ernährten sich 20 Prozent der im Ernährungsreport befragten Unter-30-Jäh‐ rigen vegetarisch oder vegan, das ist mehr als doppelt so viel wie der deutsche Durchschnitt. Auch sind pflanzliche Alternativen zu Fleischpro‐ dukten vor allem bei Jüngeren unter 30 Jahren beliebt (BMLEH, 2025). Eine Befragung von fast 200 Expert*innen im Rahmen des Trendreports Ernäh‐ Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 91 <?page no="92"?> rung bestätigte diese Entwicklung: Demnach sei ein Aufschwung einer pflanzenbetonten und flexitarischen Ernährung zu erwarten, begleitet von einem prognostizierten Trend zur bewussten (im Sinne von nachhaltigen) Ernährung (Nutrition Hub, 2025). Auch das Selbermachen und der Konsum möglichst naturbelassener Produkte werden von den Expert*innen zu den zehn wichtigsten Ernährungstrends gezählt (Nutrition Hub, 2025). Dem Trendreport Ernährung zufolge stieg in den letzten Jahren die Preissensibilität der Konsument*innen. Vor allem jüngere Menschen greifen seither eher zu günstigen Lebensmitteln. Ursache dafür könnten verschie‐ dene Krisen und insgesamt steigende Preise und Unterhaltskosten sein. Dieser Trend könnte dem Kauf der eher teureren ökologisch oder fair hergestellten Produkte im Wege stehen. Gleichzeitig könnte dadurch eine fleischarme, weil kostengünstigere und dadurch nachhaltigere Ernährung wahrscheinlicher werden (Nutrition Hub, 2025). Auch wenn sich somit positive Entwicklungen in die richtige Richtung andeuten, zeichnet sich eine Transformation des Ernährungssystems bisher nicht ab. Nach wie vor nehmen der Fleischkonsum und die Umweltauswir‐ kungen des Ernährungssystems weltweit zu (Destatis, 2024; Rockström et al., 2025), d. h. die Fortschritte im ökologischen Landbau und bei einem reduzierten Fleischkonsum in manchen Ländern sind zu gering, um die globalen Entwicklungen zu kompensieren. Zudem verschärft sich die Ver‐ sorgungslage vor allem in afrikanischen Ländern eher: Dort macht die Anzahl derer, die mangelernährt sind, aktuell 20 Prozent der Bevölkerung aus, obwohl dieser Anteil im Schnitt weltweit zurückgeht (FAO et al., 2025). D.-h., dass das Ernährungssystem noch weit davon entfernt ist, allen Menschen eine gesunde und sichere Ernährung zu gewährleisten, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten. Linktipps | In vielen Städten gibt es Ernährungsräte (https: / / www.erna ehrungsraete.org), bei denen man sich engagieren kann sowie lokale Lebensmittelkooperativen (https: / / lebensmittelkooperativen.de.fcoop.o rg) und Solidarische Landwirtschaft (https: / / www.solidarische-landwirt schaft.org). In all diesen Initiativen kann sich jede*r für nachhaltige Er‐ nährung einsetzen. Gleichzeitig fördern die Initiativen demokratische Teilhabe, weil Entscheidungen zwischen verschiedenen Personen und Akteursgruppen gemeinschaftlich getroffen werden. Sie fördern regio‐ nale Wertschöpfung und an die Bedarfe der Menschen angepasste Lö‐ 92 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="93"?> sungen. Sie sind damit auch ein wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Was sind die Herausforderungen im Bereich Mobilität? Das Bedarfsfeld Mobilität umfasst die Rohölförderung, die Raffinierung von Treibstoff, die Herstellung, Wartung und Entsorgung von Fahrzeugen sowie den Bau, Unterhalt und Betrieb von Verkehrsinfrastrukturen. Es bezieht sowohl den öffentlichen Personen- und Güterverkehr als auch den Individualverkehr ein (Allekotte et al., 2021). Der Sektor ist in vielen Ländern ein bedeutender Verursacher von Umweltbelastungen: In Deutschland etwa machte der Verkehr 2023 rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen aus (Umweltbundesamt, 2025e). Neben CO₂-Emissionen erzeugt motorisierter Verkehr Luftschadstoffe wie Stickstoffoxide, Feinstaub und Lärm; er führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Verkehrsbelastung und Flächenbean‐ spruchung (Umweltbundesamt, 2025i, 2025e). Laut Statistischem Bundesamt (Destatis, 2025a) wurden im Jahr 2024 5,1 Prozent der Fläche Deutschlands für den Verkehr genutzt, das waren rund 18.000 Quadratkilometer (km 2 ). Die größte Relevanz im Hinblick auf Treibhausgasemissionen hat der motorisierte Individualverkehr, der etwa die Hälfte der Emissionen in diesem Bedarfsfeld verursacht und rund 1,9 Tonnen des durchschnittlichen individuellen CO₂-Fußabdrucks in Deutschland ausmacht. 0,4 Tonnen sind davon herstellungs- und haltungsbedingt, 1,5 Tonnen gehen auf die Nut‐ zung, d. h. Fahrleistung zurück (BMUV & Umweltbundesamt, 2023b). Be‐ trachtet man einzelne Verkehrsmittel, ist das Flugzeug pro zurückgelegtem Personenkilometer das umweltschädlichste Transportmittel und verursacht fast doppelt so viele Treibhausgasemissionen wie das Auto und mehr als das Zehnfache im Vergleich zur Bahn (Fernverkehr) (Umweltbundesamt, 2024c). Im Flugverkehr entstehen etwa 0,5 Tonnen des CO₂-Fußabdrucks eines oder einer Deutschen (BMUV & Umweltbundesamt, 2023a). Wie geht nachhaltige Mobilität? - Grundsätzlich lassen sich drei zentrale Strategien für die Reduktion des individuellen Fußabdrucks im Mobilitätsbereich unterscheiden. Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 93 <?page no="94"?> • Die Vermeidungsstrategie bezieht sich vor allem auf die Vermeidung motorisierter Mobilität, z. B. durch weniger unnötige Wege, Homeoffice, längere Aufenthalte möglichst ortsnah, und digitale Alternativen. Vor allem mit dem Verzicht aufs Fliegen können Individuen einen entschei‐ denden Beitrag zum Klimaschutz leisten. • Bei der Verlagerung von Mobilität geht es darum, Strecken mit um‐ weltfreundlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, also z. B. Fahrrad zu fahren, zu Fuß zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel und Sha‐ ring-Konzepte (Carsharing, Bikesharing) zu nutzen. Das Umweltbun‐ desamt betont im Hinblick auf Vermeidung und Verlagerung: „Vorrangiges Ziel ist es dabei nicht, Verkehr zu unterbinden, sondern die Ver‐ kehrswege durch veränderte Siedlungs- und Produktionsstrukturen zu verkürzen oder die Auslastung der Fahrzeuge zu erhöhen: Es geht also um mehr Mobilität mit weniger Verkehr! “ (Umweltbundesamt, 2024b, o. S.). • Wo motorisierte Mobilität nötig bleibt, sollte sie zudem technisch und organisatorisch verbessert werden, z. B., indem Fahrzeuge mit emissions‐ armen oder sogar emissionsfreien Antriebssystemen gewählt werden und Verkehre besser geplant werden, um die Effizienz des Verkehrs zu steigern. Im Bereich Mobilität stoßen individuelle Bemühungen vielfach an struktu‐ relle Grenzen, etwa wenn der ÖPNV in der Kleinstadt oder auf dem Land nicht ausreichend ausgebaut ist, der Alltag wenig Zeitpuffer für alternative Mobilität zulässt oder die finanziellen Mittel nicht für die Anschaffung eines E-Autos reichen (BMUV & Umweltbundesamt, 2023b). Umso wichtiger ist der Umbau der Mobilitätsstrukturen, so dass ökologisch verträglicheres Handeln zur einfachsten und naheliegendsten Option wird. Konsument*in‐ nen sollten sich deshalb um kollektive Lösungen für eine nachhaltigere Mobilität bemühen, d. h. sich politisch dafür einsetzen, dass die strukturellen Bedingungen sich verändern (→ Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? ). Dazu gehören etwa der Ausbau und die Attraktivitätssteigerung des ÖPNV, die Förderung von Rad- und Fußverkehr durch eine bessere Infrastruktur (z. B. Radwege, sichere Kreuzungen) und auch die Ausweitung des Angebots für Carsharing und Bikesharing. Ein Beispiel für ein bürgerschaftliches Engagement in diese Richtung ist die Bürgerinitiative „Fahrradentscheid Köln“, die zu Demonstrationen und Events wie den Fahrrad-Raves aufruft, 94 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="95"?> um die Verwirklichung des Fahrradwegausbaus in Köln voranzubringen (Fahrradentscheid Köln, o.-J.). Wie weit sind wir bei nachhaltiger Mobilität? In vielen urbanen Zentren gibt es zunehmend mehr Rad- und Fußverkehr und eine verstärkte Nutzung von ÖPNV und Shared-Mobility-Konzepten (z. B. Destatis, 2025d; infas et al., 2025; SINUS, 2023). Lastenräder und E-Bikes verzeichnen aktuell zweistellige Wachstumsraten, ihr Bestand hat sich seit 2014 fast verachtfacht (ZIV, 2025). Gleichzeitig sind Fortschritte bei nachhaltigen Antrieben und technische Innovationen zu verzeichnen, z. B. in den Bereichen E-Mobilität, saubere Energie oder auch der Forschung zu CO₂-neutralen Verkehrslösungen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass die Emissionen pro gefahrenem Pkw-Kilometer kontinuierlich sinken (Umweltbundesamt, 2025e). Der Anteil an Hybrid- und rein elektrischen Antrieben ist zwischen 2017 und 2023 auf vier Prozent gestiegen und hat sich damit verzehnfacht (infas et al., 2025). Darüber hinaus gibt es Fortschritte bei der (Schnell-)Ladeinfrastruktur für E-Autos, die in den letzten Jahren schnell gewachsen ist und mittlerweile meist keinen Engpass mehr darstellt (Schill, 2026). Zusätzlich wachsen die Zulassungen von elektrischen Nutz‐ fahrzeugen, wie mittelschweren elektrischen Lkw, Sattelzugmaschinen und E-Bussen, die in Deutschland lange Zeit überwiegend als Dieselfahrzeuge genutzt wurden (Schill, 2026). Dass die Politik die zentrale Rolle des Verkehrssektors für eine nachhaltige Entwicklung erkannt hat, zeigt sich in den vielen Strategien und gesetzli‐ chen Verankerungen auf deutscher und europäischer Ebene. Verkehr und Mobilität sind im Europäischen Green Deal eines der zentralen Handlungs‐ felder, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Ähnlich verhält es sich mit dem deutschen Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG, 2019 mit letzter Änderung von 2024), in dem der Verkehr eine Schlüsselrolle spielt und für den entsprechende Treibhausgasminderungsziele bis 2030 festgelegt wurden. Im Programm Deutschlandtakt (BMV, 2023) soll der Schienenverkehr für eine nachhaltige Mobilität langfristig optimiert werden, die Einführung des Deutschlandtickets im Jahr 2023 diente der verstärkten Nutzung des ÖPNV. Ein Nationaler Radverkehrsplan 3.0 (BMDV, 2022) soll die Fahr‐ radnutzung durch Infrastrukturmaßnahmen fördern und der Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 (BMV, 2025) dient dem Ausbau des Ladesäulennetzes Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 95 <?page no="96"?> für Elektro-Mobilität. Auch in der kommunalen Stadt- und Verkehrsplanung werden Ansätze nachhaltiger Mobilität diskutiert, z. B. im Zusammenhang mit einer Ausrichtung an kurzen Wegen und guter Erreichbarkeit ohne mo‐ torisierten Verkehr. Dies ist ein Kerngedanke des Konzepts der sogenannten 15-Minute City, die es den in einer Stadt lebenden Bürger*innen ermöglichen soll, die wichtigsten, alltäglichen Anlaufstellen wie Arbeit, Schule, Einkauf, Gesundheitsversorgung innerhalb von 15 Minuten zu erreichen (Moreno et al., 2021). In einem Mapping der bisherigen Umsetzungsbemühungen des Konzepts zeigte sich, dass sich mehr als die Hälfte der knapp einhundert Städte mit 15-Minuten-Ansätzen in Europa befinden, darunter Paris und Hamburg (Büttner et al., 2024). Trotz dieser Verbesserungen und Ansätze wurden die Klimaschutzziele im Verkehrssektor bisher wiederholt verfehlt und der Anteil des Sektors an den deutschen Gesamtemissionen nimmt zu. Der Verkehr bleibt somit ein zentraler Hotspot (Umweltbundesamt, 2025e). Dies zeigt sich u. a. im Anteil des Personenverkehrs, der mit dem eigenen Pkw zurückgelegt wird. Im Hinblick auf die Antriebe ist hier zwischen 2017 und 2023 nur ein leichter Rückgang der Benzin- (von 67 Prozent auf 63 Prozent) und der Dieselantriebe (von 32 Prozent auf 28 Prozent) zu verzeichnen (infas et al., 2025). Insgesamt bleibt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an zurückgelegten Personenkilometern hoch und Verhaltensänderungen kommen nur schwer voran (Nobis & Lell, 2024). Laut Statistischem Bundesamt ist der EU-Flugverkehr im Jahr 2024 ge‐ genüber 2019 gestiegen, in Deutschland allerdings sogar um 15 Prozent gesunken (Destatis, 2025b). Allerdings gilt dieser rückläufige Trend nicht für die Sommerferien 2025: In diesem Zeitraum flogen 4,6 Prozent mehr Personen von deutschen Flughäfen ab als im Vorjahr (Destatis, 2025c). Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Mobilität im Wege? Die Gründe für den nur zögerlichen nachhaltigen Wandel im Verkehr sind vielfältig. Im Verkehrssektor zeigen sich deutlich die Grenzen von technologisch getriebenen Strategien, die versuchen, ohne Vermeidung bzw. Verhaltensänderungen auszukommen: Flächenverbrauch, Infrastrukturbe‐ darf, Produktionsbedingungen und Energieversorgung bleiben auch bei alternativen Antrieben wichtige Herausforderungen, weshalb ein Mix aus 96 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="97"?> technologischen und sozialen Innovationen sowie Verhaltensänderungen notwendig ist. Suffizienzbzw. Vermeidungsmaßnahmen (weniger Wege, weniger Mobilitätsbedarf) sind jedoch gesellschaftlich und politisch immer noch schwer durchsetzbar, viele Mobilitätsgewohnheiten sind im Alltag fest verankert und alternative Mobilitätskonzepte noch nicht überall in dem Maße verfügbar, als dass sie gut in den Alltag integriert werden könnten. Dies gilt besonders im ländlichen Raum oder in Regionen mit geringer Dichte (Nobis & Lell, 2024). Nicht zuletzt ist der Mobilitätssektor besonders anfällig für Rebound-Effekte. So wird das E-Auto häufig z. B. eher als Zweitauto, also zusätzlich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor, angeschafft (infas et al., 2025). Politische Programme zur besseren Taktung des Bahnverkehrs konnten bisher nicht so wie geplant umgesetzt werden. Der Ausbau sicherer Fahrradwege ist noch nicht überall so vorangeschritten wie vorgesehen, auch wenn sich hier leichte Verbesserungen zeigen (ADFC, 2024; Agora Energiewende, 2026). Des Weiteren ist der Verkehrssektor ein wirtschaftlich äußerst bedeuten‐ der Sektor in Deutschland, weshalb eine Konkurrenz zwischen umwelt- und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten zu teils unklaren Zielsetzungen führt. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den Diskussionen um das sogenannte Verbrenner-Aus auf EU-Ebene, bei dem das Ende von Verbrenner-Motoren aufgrund von umweltpolitischen Erwägungen in Aussicht gestellt wurde, aber wirtschaftspolitische Einwände letztlich dazu geführt haben, dass dieser Beschluss modifiziert wurde. Als Folge sollen nur noch 90 Prozent der Emissionen im Vergleich zu 2021 und nicht mehr 100-Prozent reduziert werden müssen. Das lässt wiederum Möglichkeiten für nicht rein elektrische Antriebe und den Einsatz von sogenannten E-Fuels zu, die jedoch einige ökologische Nachteile und Ineffizienzen im Vergleich zum reinen Batterie‐ betrieb von Fahrzeugen aufweisen (Ueckerdt et al., 2021; Wietschel et al., 2023). Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Mobilität? Laut Prognosen wird die Verkehrsleistung insgesamt zunehmen. Die Straße bleibt dabei vermutlich der wichtigste Verkehrsträger, selbst wenn die Bedeutung des Autos zugunsten der Bahn leicht zurückgehen könnte (Intraplan & Trimode, 2023). Aktuell scheint dies noch nicht der Fall zu Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 97 <?page no="98"?> sein, denn einer aktuellen Mobilitätsstudie zufolge wünschen sich auch jüngere Menschen zukünftig ein eigenes Fahrzeug, wobei sie offener sind für eine flexible Nutzung unterschiedlicher Verkehrsträger. Dabei wird aber zunehmend auf E-Mobilität gesetzt. 39 Prozent der befragten Deutschen und sogar 68 Prozent der 25-34-Jährigen halten es für wahrscheinlich, dass das nächste Auto ein E-Auto sein wird. In den USA sind es 45 Prozent in China sogar 87 Prozent - die Entwicklung scheint hier also weltweit ähnlich zu sein (Continental, 2024). Noch umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie Lastenfahrräder bergen zudem das Potenzial, Autos vor allem auf kürzeren Strecken zunehmend zu ersetzen (Arning & Kaths, 2025). Bezüglich der Entwicklung des ÖPNV ist der Trend nicht ganz so eindeu‐ tig. Die Einführung des Deutschlandtickets gab zwar einen Aufschwung für den ÖPNV (Destatis, 2023). Allerdings ist die Bedeutung des öffentli‐ chen Nahverkehrs zukünftig vor allem auch von der Instandhaltung und dem Ausbau der Infrastruktur sowie einer verbesserten Taktung abhängig. Verlässlichkeit und Qualität sind hier entscheidende Faktoren für die Bereit‐ schaft vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen und erfordern entsprechende Investitionen der Branche und der öffentlichen Hand, wenn die Potenziale des ÖPNV für eine nachhaltige Mobilität ausgeschöpft werden sollen (Ram‐ boll Management Consulting et al., 2025). Linktipps | Es gibt vielfältige Möglichkeiten, nachhaltige Mobilität zu fördern. In vielen Städten gibt es zum Beispiel Initiativen für mehr Fahr‐ radmobilität und mehr autofreie öffentliche Räume (https: / / changing-ci ties.org/ ) sowie Aktionsgruppen für sichere Fuß- und Fahrradmobilität von Kindern (https: / / kinderaufsrad.org/ ). Für nachhaltige Mobilität set‐ zen sich auch die Deutsche Umwelthilfe, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ein. Was sind die Herausforderungen im Bereich Bauen und Wohnen? Das Bedarfsfeld Bauen und Wohnen zählt neben Ernährung und Mobilität zu den in ökologischer Hinsicht relevantesten Bedarfsfeldern des nachhaltigen Konsums. Dabei sind zwei Bereiche besonders hervorzuheben: Zum einen ist dies das Bauen selbst. So ist die Bauindustrie eine der ressourceninten‐ 98 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="99"?> sivsten Industrien mit erheblichen Treibhausgasemissionen (UNEP, 2024), verursacht vor allem durch die äußerst energieintensive Gewinnung bzw. Herstellung von Sand, Beton, Stahl und Ziegel. Die Zementindustrie ist allein für ca. 2,7 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich (Schüwer et al., 2024). Bau- und Abbruchabfälle stellen den mengenmäßig größten Abfallstrom in Deutschland dar (Umweltbundesamt, 2025a) und die Flächenversiegelung durch Neubauten verstärkt den Ver‐ lust an Biodiversität und fördert Hochwasserprobleme (Umweltbundesamt, 2025c). Zum anderen entstehen beim Bewohnen der Gebäude ökologische Aus‐ wirkungen, vor allem durch die Energie, die für das Heizen und für die Warmwasserbereitung benötigt wird. Hinzu kommt der Stromverbrauch von Beleuchtung und Elektronik- und Haushaltsgeräten (Umweltbundes‐ amt, 2026a). Insgesamt gilt, dass eine größere Wohnfläche tendenziell zu einem höheren Ressourcen- und Energieverbrauch führt. Die Tatsache, dass die Wohnfläche pro Kopf in den letzten Jahren ebenso zunimmt wie die Anzahl an Single-Haushalten, verstärkt diese Effekte somit (Umweltbundes‐ amt, 2025-l). Auch in sozialer Hinsicht birgt das Feld Bauen und Wohnen einige nach‐ haltigkeitsbezogene Herausforderungen. So führen die in den letzten Jahren steigenden Mieten in vielen Städten dazu, dass bezahlbarer Wohnraum knapper wird. Auch zahlen Haushalte mit geringem Einkommen anteilig am meisten für Heizung und Strom (Herwegen et al., 2024). Wie geht nachhaltiges Bauen und Wohnen? Um den Herausforderungen im Bau- und Wohnbereich zu begegnen, lassen sich einige effektive Strategien anwenden. Dazu gehören: Vermeiden, Ver‐ bessern und Ersetzen bzw. Verlagern. Im Rahmen der Vermeidung liegt der Fokus auf einer effizienteren Nutzung des Bestands und der Verringerung der Wohnfläche pro Person. Dies kann beispielsweise durch Sharing-Mo‐ delle realisiert werden, bei denen Räume wie Gästezimmer, Werkstätten oder Hauswirtschaftsräume gemeinschaftlich genutzt werden. Diese Räume werden in der Regel eher selten oder nur in bestimmten Anwendungsfällen von einzelnen Haushalten benötigt, sodass der alltäglich genutzte, private Wohnraum nicht behelligt wird. Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 99 <?page no="100"?> Ein weiterer kollektiver Ansatz ist der bedarfsgerechte Wohnungstausch beispielsweise von jungen Familien mit steigendem und Senior*innen mit sinkendem Platzbedarf. Digitale Tools oder kommunale Vernetzungsange‐ bote können dabei das Finden geeigneter Tauschpartner*innen unterstützen (Bierwirth et al., 2022, 2023). Doch nicht nur Reduktion, sondern auch Verbesserung bzw. Effizienzan‐ sätze können insbesondere ökologische Auswirkungen im Wohnbereich reduzieren. Hierbei spielen die energetische Sanierung sowie eine emissi‐ onsarme Strom- und Heiztechnik wie Wärmepumpen, Solarthermie oder Photovoltaik eine wichtige Rolle (Thelen et al., 2024). Durch die gemein‐ schaftliche Installation von Anlagen, etwa in Eigentümergemeinschaften, können Kosten geteilt und dieser Ansatz systematisch zum neuen Standard erhoben werden. Auch eine effiziente Haushaltstechnik inklusive einer digital unterstützten, smarten Steuerung kann einen Beitrag leisten, sofern die von den smarten Anwendungen zusätzlich benötigte Energie nicht die Einsparung übersteigt (Quack et al., 2019). Zusätzlich gilt es, herkömmliche Bauweisen durch nachhaltige Alter‐ nativen zu ersetzen. Falls Neubauten unumgänglich sind, kann auf eine energetisch optimierte und zirkuläre Bauweise gesetzt werden: langlebige, modulare Konstruktionen ermöglichen eine lange Nutzung und Wiederver‐ wendung ganzer Gebäude sowie einzelner Komponenten und Materialien (Ossio et al., 2023). Der Einsatz ökologischer Materialien wie Holz, Lehm, Naturdämmstoffe oder recyceltes Material senken die Umweltauswirkun‐ gen gegenüber herkömmlichen Baustoffen. Begrünte Dächer und Fassaden leisten nicht nur einen Beitrag zum Wohnklima im Haus, sondern zum gesamten Stadtklima (Dodman et al., 2022). Insgesamt können digitale Ansätze zur ganzheitlichen Lebenszykluspla‐ nung von Gebäuden inkl. Rückverfolgung und Rücknahme von Stoffen und Materialien, wie es etwa das Building Information Modeling (BIM) vorsieht, einen wichtigen Beitrag zur systematischen Erschließung dieser Potenziale leisten (Butterfly Effect Consulting & Wuppertal Institut, 2025). Wie weit sind wir beim nachhaltigen Bauen und Wohnen? Hinsichtlich des nachhaltigen Konsums im Bau- und Wohnbereich las‐ sen sich einerseits positive Entwicklungen beobachten. Nach jetzigem 100 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="101"?> Wissensstand wird das ab Mitte 2026 geltende Gebäudemodernisierungsge‐ setz (GMG) Regelungen zur schrittweisen und verpflichtenden Nutzung CO 2 -neutraler Brennstoffe enthalten. Auch soll es weiterhin eine umfang‐ reiche Förderung für den Einbau klimafreundlicher Heizungen geben. För‐ derprogramme (z. B. Kf W für den Standard „Effizienzhaus 40“, EH-40) sowie das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude wurden eingeführt, um den energieeffizienten Bau und Sanierung zu unterstützen. EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft im Bausektor sollen eine modulare Bauweise und die Wiederverwendung von Materialien fördern. Diese Vorgaben haben insgesamt dazu geführt, dass beim Neubau verstärkt auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Der Anteil der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in Holzbauweise beispielsweise lag laut Gebäudereport der Deutschen Energieagentur (dena, 2026) in Deutschland 2024 bei 28 Prozent. Auch sei die Wärmepumpe mit einem Anteil von rund 69 Prozent die wichtigste Heiz‐ technologie bei fertiggestellten Wohngebäuden. Weiterhin haben 16 Prozent der Haushalte eine PV-Anlage auf dem Dach installiert, weitere 4 Prozent besitzen ein Balkonkraftwerk (Römer & Rode, 2025). Andererseits bestehen nach wie vor erhebliche Umsetzungsdefizite. Bei‐ spielsweise lag die energetische Sanierungsquote 2024 bei knapp 0,7 Prozent, was deutlich unter dem Zielwert von 2 Prozent liegt, der für Klimaneutralität notwendig wäre (dena, 2025). Auch wenn der Anteil nachhaltigerer Heiz‐ systeme wie Wärmepumpen zunimmt, werden aktuell noch rund 56 Prozent der Wohngebäude mit Gas beheizt (dena, 2026). Durch die nach jetzigem Wissensstand vorgesehene Abschaffung des Gebäudeenergiegesetzes (bzw. dessen Ersatz durch das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz) entfällt voraussichtlich ab Mitte 2026 die Vorgabe, dass beim Einbau einer neuen Anlage, diese mit mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien betrie‐ ben werden muss. Befürchtet wird, dass dadurch der Umstieg auf z. B. Wärmepumpen verlangsamt wird. Im Neubau werden die Potenziale der Verwendung recycelter Baustoffe bei Weitem nicht ausgeschöpft (Butterfly Effect Consulting & Wuppertal In‐ stitut, 2025) und ca. 45 Prozent neu beanspruchter Flächen werden dauerhaft versiegelt (Umweltbundesamt, 2025c). Auch dass die Wohnfläche pro Kopf in Deutschland nach wie vor steigt und gemeinschaftliche Wohnformen eher die Ausnahme darstellen, sind Hinweise darauf, dass nachhaltiges Wohnen weiterhin die Ausnahme statt Regel ist (Umweltbundesamt, 2025-l). Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 101 <?page no="102"?> Welche Hindernisse stehen nachhaltigem Bauen und Wohnen im Wege? In ökonomischer Hinsicht sind die hohen Bau- und Sanierungskosten anzu‐ führen, wodurch häufig die günstigste Bauweise und nicht die nachhaltigste gewählt wird. Steigende Baupreise führen darüber hinaus aktuell dazu, dass sich die Umsetzung vieler Projekte im Privatbau verzögert (Destatis, 2026). Im Hinblick auf die zögerliche Sanierung oder Installation alternativer Heiz- und Energiesysteme besteht ein sogenanntes Split-Incentive-Problem: Während Eigentümer*innen bzw. Vermieter*innen in nachhaltige Heizungs‐ anlagen investieren müssen, sind es die Mieter*innen, die Heizkosten sparen können. Eigentümer*innen haben dadurch kaum Anreize, diese Investition umzusetzen (Singhal et al., 2025). Auch aus regulatorischer Sicht ist die Umsetzung nachhaltigeren Bauens und Wohnens anspruchsvoll. So sind Genehmigungsverfahren für nachhal‐ tige Energie- oder Baumaßnahmen oft aufwändig und langwierig (Blum et al., 2023). Die häufigen Änderungen der politischen Strategie, z. B. beim Gebäudeenergiegesetz/ Gebäudemodernisierungsgesetz oder auch bei Förderbedingungen, führen zudem zu Planungsunsicherheit und einer mög‐ lichen Verschiebung von Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt (Venjakob et al., 2025). Nicht zuletzt ist der Faktor Wohnfläche differenziert zu betrachten. Das Grundproblem ist, dass technische Effizienzgewinne durch die größere Wohnfläche teilweise wieder zunichte gemacht werden (→ Was ist der Re‐ bound-Effekt? ) (Bierwirth & Bunge, 2023). Aufgrund stark gestiegener und weiterhin steigender Mieten bei Neuvermietungen kommt es zu Fehlalloka‐ tionen auf dem Wohnungsmarkt, indem Mieter*innen in ihren Wohnungen bleiben, obwohl diese nach Auszug der Kinder oder verstorbenen Partner*in‐ nen zu groß sind. Zudem ist schwer zu belegen, ob Menschen sich tatsächlich eine größere Wohnfläche wünschen oder ob es nicht eher um Komfort und Rückzugsmöglichkeiten geht. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass es oft die jeweilige Nachbarschaft und umgebende Infrastruktur sind, die keine idealen Wohlfühlbedingungen schaffen, und eine größere Wohnfläche diesen Mangel lediglich kompensieren soll (Lehner et al., 2024). 102 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="103"?> Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiges Bauen und Wohnen? In welche Richtung sich nachhaltiges Bauen und Wohnen in Zukunft ent‐ wickeln wird, lässt sich kaum vorhersagen. Ein paar Entwicklungen lassen durchaus eine vorsichtig positive Prognose zu: Die Deutsche Energieagentur (dena) weist z. B. darauf hin, dass die Investitionen in Sanierungen zwar 2023 einen Tiefstand erreichten, sich aber durch stabilere politische Rahmen- und Förderbedingungen in den nächsten Jahren leicht erholen könnten. Dies zeigt die zunehmende Anzahl an Anträgen auf Energieberatungen im Jahr 2024 (dena, 2026). Zudem deuten aktuelle Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf eine mögliche Trendumkehr bei der Wohnfläche hin: Aufgrund steigender Kosten vor allem für Wohnraum in Städten könnten Wohnungen bis 2050 wieder kleiner werden (Kholodilin & Kohl, 2026). Und auch wenn Wohnformen wie Co-Housing, Wohnungs‐ tausch oder Mehrgenerationenhäuser bisher noch Nischenphänomene dar‐ stellen, könnten ihnen teure Mieten oder Sorgen vor der Rentensicherheit bzw. Altersarmut zu Wachstum verhelfen. Die aktuelle geopolitische Lage inklusive damit einhergehender Versor‐ gungsunsicherheiten könnte zudem dazu führen, dass mehr Menschen sich unabhängiger von Importen und Rohstofflieferungen aus Krisenregionen machen wollen. Das könnte die energetische Sanierung sowie den Ausbau alternativer Heiz- und Stromsysteme attraktiver machen. Die zunehmende Wahrnehmung des Klimawandels vor allem in urbanen Regionen könnte ein Umdenken in den Bereichen Hitzeschutz, z. B. durch Fassadenbegrünung, fördern. Auf der anderen Seite hängt es stark von politischen Strategien ab, ob diese Verlässlichkeit und optimale Förderbedingungen schaffen können, damit notwendige Investitionen getätigt werden. Linktipps | Es gibt viele Kampagnen und Initiativen, die sich für nach‐ haltiges Bauen und Wohnen einsetzen, z. B. die Architects for Future und End Cement (https: / / end-cement.earth/ ). Auf den Webseiten der Landesenergieagenturen und bei CO2online (https: / / www.co2online.de/ ) gibt es weitere Informationen zum Thema nachhaltiges Bauen und Wohnen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale stellt umfangreiche In‐ formationen, Fördermittelhinweise, Veranstaltungstipps und natürlich Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 103 <?page no="104"?> Beratungsangebote zur Verfügung (https: / / verbraucherzentrale-energie beratung.de). Was sind die Herausforderungen im Bereich Bekleidung? Mehr Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen sind im Bedarfsfeld Bekleidung zwar ein vieldiskutiertes Thema, aber die Umsetzung benötigt einen fundamentalen Wandel in den Produktionsstrukturen. Die globale Textilindustrie basiert traditionell auf einem linearen Wachstumsmodell, das auf Geschwindigkeit, hohe Produktionsvolumina und Kosteneffizienz ausgerichtet ist (Fletcher, 2010). Der Aufstieg von sogenannter Fast Fashion und die auf Massenproduktion ausgerichteten Strukturen der Kleidungsin‐ dustrie treiben das Wachstum voran. Fast Fashion zeichnet sich durch häufig wechselnde Kollektionen und niedrige Preise aus (Y. Li et al., 2014) und wird durch Logiken sozialer Medien, Influencer*innen und aggressive Werbung unterstützt. Dieses Modell ermöglicht zwar hohe kurzfristige Gewinne, führt jedoch langfristig zu Überproduktion und übermäßigem Konsum. Neue Anbieter wie das chinesische Unternehmen Shein überschwemmen die Märkte mit Mengen, die den Bedarf um ein Vielfaches übersteigen (Greenpeace, 2025). Auf diesen Plattformen werden viele Kleidungsstücke nur für eine Saison gekauft und qualitativ entsprechend minderwertig pro‐ duziert. Hinzu kommt, dass die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Fast Fashion-Industrie global ungleich verteilt sind. Die Produktion - und damit circa 80 Prozent der Umweltauswirkungen - erfolgt in Ländern des Globalen Südens, während die fertige Kleidung in den Ländern des Globalen Nordens konsumiert wird. Die ökologischen Auswirkungen der Kleidungsindustrie erstrecken sich über den gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks - von der Rohstoff‐ gewinnung bis zur Entsorgung. Die Kleidungsindustrie leistet entsprechend auch einen erheblichen Beitrag zu den globalen Treibhausgasemissionen ( J. Li & Leonas, 2022). Ein Großteil der Emissionen entsteht in der Produk‐ tionsphase, die überwiegend in Ländern erfolgt, in denen fossile Brennstoffe einen hohen Anteil an der Energieversorgung ausmachen. Daneben führt die Kleidungsproduktion zu erheblichem Wasserverbrauch und zu Wasser‐ verschmutzung, etwa durch die Verunreinigung aquatischer Ökosysteme 104 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="105"?> mit Mikroplastik aus synthetischen Fasern. Auch die Landnutzung sowie der intensive Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger schaden der Umwelt und führen zu Artensterben, Auslaugen der Böden sowie Übersäuerung von Gewässern. Zudem entstehen in der Branche jährlich schätzungsweise 40 Millionen Tonnen Textilabfälle, von denen nur ein kleiner Teil recycelt wird. Der Großteil der Kleidung wird entweder verbrannt oder in den Globalen Süden exportiert, wo sie die Textilmärkte überschwemmt, verbrannt oder auf Deponien gelagert wird (Business of Fashion & McKinsey & Company, 2022). In Hinblick auf soziale Nachhaltigkeitsauswirkungen wird die Kleidungs‐ industrie häufig mit prekären Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen und zahlreichen Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsländern in Ver‐ bindung gebracht. Laut der Clean Clothes Campaign (o. J.) erhalten Arbei‐ ter*innen in der Textilindustrie durchschnittlich nur etwa 0,6 Prozent des Preises eines T-Shirts als Lohn. Katastrophen wie der Einsturz der Textilfa‐ brik „Rana Plaza“ in Bangladesch im Jahr 2013 mit über Tausend Toten zei‐ gen, wie gefährlich und unsicher Arbeitsplätze in der Kleidungsproduktion sein können. Auch der systematische Einsatz von Pestiziden sowie anderen gefährlichen und häufig verbotenen Chemikalien wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Arbeiter*innen aus. Die sozialen Missstände betreffen oftmals besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Frauen, die einen großen Teil der Beschäftigten in der Bekleidungsproduktion stellen (Velluti, 2024). Wie geht nachhaltige Bekleidung? Das nachhaltigste Produkt ist immer jenes, das gar nicht erst neu hergestellt werden muss (→ Wie kann weniger Konsum im Globalen Norden gelin‐ gen? ). Gerade im Kleidungsbereich verleiten schnell wechselnde Trends, ag‐ gressive Werbung und günstige Preise dazu, dass Kleidung ohne wirklichen Bedarf gekauft wird, die anschließend kaum getragen wird. Darum sollten Schnäppchenjagden und Ausverkäufe möglichst vermieden und stattdessen sorgfältig geprüft werden, ob ein Kleidungsstück wirklich gefällt und gut passt. Wenn neue Kleidungsstücke benötigt werden, können zunächst Al‐ ternativen zum Neukauf ausprobiert werden, beispielsweise das Reparieren von Kleidung, der Kauf von gebrauchter Kleidung in Secondhand-Läden oder via Online-Plattformen oder das Tauschen, Teilen oder Leihen von Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 105 <?page no="106"?> Kleidungsstücken. Beim Neukauf gilt: Weniger Quantität, dafür mehr Qua‐ lität. Als Gegenbewegung zu Fast Fashion setzt sogenannte Slow Fashion auf ein verantwortungsvolleres Konsumverhalten, indem es den Fokus auf Produktqualität und ein reduziertes Produktions- und Konsumtempo legt ( Jung & Jin, 2016). Beim Neukauf sollte zudem auf hochwertige Materialien, verlässliche Nachhaltigkeitslabel und nachhaltige Marken geachtet werden (→-Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Im Bereich von Kleidung gilt das staatliche Siegel „Der Grüne Knopf “ als empfehlenswert. Als sogenanntes Metasiegel prüft es nicht nur Produkte, sondern auch die Unternehmen selbst - durch unabhängige Stellen wie den TÜV. Geprüft werden vor allem die Produktionsschritte Zuschneiden, Nähen, Bleichen und Färben. Für diese Stufen müssen Unternehmen an‐ erkannte Prüfsiegel wie Fair Wear oder Global Organic Textile Standard (GOTS) vorliegen, die Sozial- und Umweltstandards nachweisen. Mit der Version Grüner Knopf 2.0 werden zusätzlich Anforderungen an die Roh‐ stoffgewinnung sowie den Einsatz von Fasern und Materialien erfasst. Auch bei der Zusammenstellung der Garderobe kann man auf Zeitlosig‐ keit und Qualität achten. Die sogenannte Capsule Wardrobe besteht aus wenigen zeitlosen Basics und Lieblingsteilen in dezenten, gut kombinierba‐ ren Farben, die je nach Saison durch einzelne modische Stücke ergänzt werden können (Veselá et al., 2026). Bei Online-Bestellungen sollten Rücksendungen möglichst vermieden wer‐ den, um die Umweltbelastungen durch Retouren zu reduzieren. Digitale Ver‐ messungstools helfen, die richtige Größe zu finden und Rücksendungen zu vermeiden. Per App können sich Nutzer*innen selbst vermessen, ein digitaler Zwilling zeigt dann virtuell die passende Größe. Am Ende des Produktlebens‐ zyklus sollte Kleidung möglichst an jemand anderen weitergeben (z. B. im Be‐ kanntenkreis, auf dem Flohmarkt oder online verkaufen) oder an gemeinnützige Organisationen gespendet werden. Illegale Kleidersammlungen, die Altkleider auf der Straße einsammeln oder Container ohne Genehmigung aufstellen, sollten vermieden werden. Eine Möglichkeit, aussortierte Kleidung weiterzuverwenden, besteht in Upcycling oder Do-it-yourself-Projekten. Wer nicht selbst näht, kann Änderungsschneidereien für Reparaturen oder Umgestaltungen in Anspruch nehmen. Stark abgetragene Kleidungsstücke lassen sich zudem oft noch teilweise verwerten, beispielsweise durch die Wiederverwendung von Knöpfen oder Reißverschlüssen. 106 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="107"?> Wie weit sind wir bei nachhaltiger Bekleidung? Nachhaltige Kleidungsstücke sind ein Nischenprodukt. Der Marktanteil von Textilien mit Umweltsiegeln lag im Jahr 2022 insgesamt nur bei 1,7 Prozent (Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum, o.-J.). Diese äußerst geringe Markt‐ relevanz wird durch Konsumentenbefragungen bestätigt. So gaben 42 Prozent der Befragten der Umweltbewusstseinsstudie 2022 an, den Grünen Knopf zu kennen aber nur acht Prozent sagten, beim Kauf eines Textils immer oder sehr oft auf das Siegel zu achten (BMUV & Umweltbundesamt, 2023a). Um nachhaltige Mode in den Mainstream zu bringen, zielen politische Aktivitäten auf europäischer und nationaler Ebene darauf ab, sozial-öko‐ logische Mindestkriterien in der Textilproduktion umzusetzen und diese transparent mithilfe von Nachhaltigkeitssiegeln an die Verbraucher*innen zu kommunizieren. Im Jahr 2022 wurde auf EU-Ebene eine Textilstrategie verabschiedet (European Commission, 2022) die bis 2030 erreichen soll, dass Textilien langlebig, reparierfähig und recyclingfähig und frei von gefährlichen Stoffen sind, Textilien größtenteils umwelt- und sozialverträg‐ lich produziert werden und überschüssige Kleidung nicht verbrannt oder weggeworfen wird. Als Instrumente dienen dazu mehrere Regulierungen und Initiativen, die entweder überarbeitet oder neu eingeführt werden, wie der neue Vorschlag zur Ökodesign-Verordnung oder die überarbeiteten Kriterien für das EU-Umweltzeichen für Textilien und Schuhe (BMUKN, o. J.). Ein weiterer wichtiger Baustein hinsichtlich der Einhaltung von sozialen Standards entlang der Wertschöpfungsketten in der Textilindustrie ist das 2023 angenommene Lieferkettengesetz, das Unternehmen ab einer Größe von 1.000 Mitarbeiter*innen dazu verpflichtet die Menschenrechte in ihren globalen Lieferketten zu schützen (→ Warum ist Transparenz in Lieferketten so wichtig? ). Welche Hindernisse stehen nachhaltiger Bekleidung im Wege? Die Barrieren für nachhaltigen Kleidungskonsum entsprechen in vielen Aspekten den allgemeinen Hindernissen für nachhaltigen Konsum (z. B. höhere Kaufpreise, Veränderung von bestehenden Such- und Einkaufsrou‐ tinen, geringere Verfügbarkeit, begrenzte Auswahl, Zweifel an der Glaub‐ würdigkeit der Nachhaltigkeitsangaben und fehlende Kenntnisse über die Bedeutung der Nachhaltigkeitssiegel). Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 107 <?page no="108"?> Grundsätzlich lassen sich Hindernisse im Bereich nachhaltiger Beklei‐ dung in individuelle Barrieren und strukturelle bzw. systemische Barrieren auf Unternehmens- und Branchenebene unterscheiden. Die wichtigste indi‐ viduelle Barriere für nachhaltigen Modekonsum ist der häufig höhere Preis. Entgegen den Aussagen in Umfragen sind nur wenige bereit, tatsächlich einen Aufpreis für nachhaltige Produkte zu zahlen. Hinzu kommt, dass sich Haushalte mit geringen Einkommen oft teurere nachhaltige Produkte wie Fairtrade-Kleidung nicht leisten können, auch wenn sie es wollten. Es ist ein Hindernis für nachhaltige Mode, wenn diese nur Haushalten mit hohen Einkommen zugänglich ist und gleichzeitig moralischen Druck auf jene ausgeübt wird, die kaum eine Wahl haben. Auf struktureller Ebene beeinflusst die starke Präsenz der Fast Fashion-Anbieter das Marktgesche‐ hen und wirkt sich auch auf die Verbreitung alternativer Geschäftsmodelle aus (Harms et al., 2025). Diese Entwicklung ist zu beobachten, obwohl und gerade weil Fast Fashion durch niedrigere Rohstoff-, Transport- und Lohn‐ kosten sowie schlechtere Arbeitsbedingungen und stark umweltbelastende Baumwollanbaumethoden ermöglicht wird. Das bedeutet: Der Markt ist strukturell so aufgestellt, dass Fast Fashion billiger und verfügbarer bleibt als nachhaltigere Alternativen. Außerdem bietet nachhaltige Mode oft weniger Auswahl bei Trends, Größen und Farben (→ Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Bekleidung? ). Hinzu kommt, dass Greenwashing es für Konsument*innen häufig sehr schwer macht, echte Nachhaltigkeit von grüner Fassade zu unterscheiden. Greenwashing bezeichnet dabei die Praxis von Unternehmen, sich nach außen hin als nachhaltig zu präsentieren, ohne dies durch tatsächliche ökologische Maßnahmen zu decken. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wörtern „green“ (grün, im Sinne von ökologisch) und „whitewashing“ (verschleiern, schönreden) zusammen. Um genauer hinzuschauen, ist häufig ein sehr hoher Informationsaufwand auf Seiten der Konsument*innen nötig. Die Folgen sind Vertrauensverlust in Nachhaltig‐ keitsinitiativen der Modebranche und Kaufzurückhaltung auch gegenüber tatsächlich nachhaltigen Marken. Alle diese genannten Hindernisse wirken dabei gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. 108 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="109"?> Welche Trends gibt es im Bereich nachhaltiger Bekleidung? Die Textilbranche war zuletzt von wirtschaftlicher Stagnation, sinkendem Verbrauchervertrauen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt, wodurch Nachhaltigkeitsinitiativen und -ziele der Unternehmen in den Hintergrund getreten sind (McKinsey & Company, 2025). Gleichzeitig lassen sich mehrere (teils gegenläufige) Trends beobachten, die das Transformationspotenzial der Branche unterstreichen. Im Konsumverhalten spielen alternative Nut‐ zungsformen eine immer größere Rolle: Der Secondhand-Markt wächst dy‐ namisch, getragen von digitalen Plattformen wie beispielsweise Vinted und dem allgemeinen Vintage-Trend, die insbesondere bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung gewinnen. Parallel dazu entstehen in der Produktion innova‐ tive Ansätze und modische Slow Fashion-Marken kommen auf den Markt, so dass sich langlebigere Designs, Zero-Waste-Schnittmuster oder Recycling‐ materialien immer mehr verbreiten. Darüber hinaus etablieren sich neue Geschäftsmodelle, die auf Reparatur, Wiederverwendung und Recycling abzielen und damit eine Abkehr vom linearen „Take-Make-Waste“-Prinzip fördern (Brydges, 2021). Auch auf regulatorischer Ebene sind wichtige Entwicklungen zu verzeichnen. Auf EU-Ebene werden im Rahmen der Ökodesign-Verordnung strengere Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Textilien diskutiert bzw. umgesetzt. Dazu gehört unter anderem ein geplantes Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung für größere Un‐ ternehmen (Tagesschau, 2026) sowie der digitale Produktpass, der Trans‐ parenz über Materialzusammensetzung, Herkunft und Umweltwirkungen schaffen soll (→ Woran erkennt man nachhaltige Produkte? ). Gleichzeitig stehen diese Fortschritte in einem Spannungsfeld mit dem anhaltenden Boom der Ultra-Fast-Fashion. Insbesondere chinesische Anbieter wie Shein und Temu erzielen durch aggressive Preismodelle, In-App-Käufe, Gamifi‐ cation-Elemente und kurzfristige Rabattaktionen hohe Reichweiten und Umsätze (Greenpeace, 2025). Ihre Geschäftsmodelle fördern eine hohe Um‐ schlaggeschwindigkeit von Kollektionen und verstärken konsumgetriebene Dynamiken, die nachhaltigen Ansätzen entgegenstehen. Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern 109 <?page no="110"?> Linktipps | Die Kampagne „Saubere Kleidung“ setzt sich bereits seit vielen Jahren in Deutschland (https: / / saubere-kleidung.de) und auch in‐ ternational (https: / / cleanclothes.org) für nachhaltige Kleidung ein. Hin‐ ter der Kampagne stehen zahlreiche zivilgesellschaftliche, kirchliche und gewerkschaftliche Organisationen. Auf der Webseite werden auch zahlreiche Tipps gegeben, wie man selbst aktiv werden kann. Auf der Seite der Fair Wear Foundation (https: / / www.fairwear.org) fin‐ den sich Informationen zu internationalen Standards und Siegeln für nachhaltige Kleidung. 110 Nachhaltiger Konsum in ausgewählten Bedarfsfeldern <?page no="111"?> Verantwortung von Politik und Gesellschaft Politik und Gesellschaft haben viele Möglichkeiten, den Konsum in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Wer sich genau damit beschäftigt und welche Programme und Gesetze es gibt, wird im Folgenden gezeigt. <?page no="112"?> Welche politischen Instrumente fördern nachhaltigen Konsum? Politik zur Förderung nachhaltigen Konsums schließt immer auch Politik zur Förderung einer nachhaltigen Produktion mit ein. Konsum und Produk‐ tion können schließlich nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern bedingen einander. Politikmaßnahmen zur Förderung nachhalti‐ gen Konsums richten sich entsprechend - und hier liegt ein häufiges Missverständnis - nicht ausschließlich an Konsument*innen, sondern im‐ mer auch an Produzent*innen (→ Gibt es Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschafssystem? ). Darüber hinaus wird (nachhaltiger) Konsum von vie‐ len verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren beeinflusst (z. B. Medien, Bildung, Zivilgesellschaft). Entsprechend kann sich Politik zur Förderung nachhaltigen Konsums auch an diese Akteure wenden, um nachhaltigen Konsum zu fördern. Aufbauend auf der sogenannten Nuffield Intervention Ladder, die im Gesundheitskontext entwickelt wurde, können politische Instrumente zur Förderung nachhaltigen Konsums danach unterschieden werden, wie stark sie in die Handlungsfreiheit der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure eingreifen (Nuffield Council on Bioethics, 2007). Die Leiter umfasst viele verschiedene Stufen, die das breite politische Spektrum an möglichen Instrumenten und Maßnahmen zur Förderung nachhaltigen Konsums zeigt. Klar ist, dass es oftmals eine kluge Kombination verschiedener Instrumente und Maßnahmen benötigt, um Veränderungen in einem konkreten Bereich zu erzielen. Die Vielfalt an Instrumenten und Maßnahmen soll im Folgenden am Beispiel Fleischkonsum illustriert werden: Am unteren Ende der Leiter stehen Maßnahmen, die gar nicht oder wenig in die Handlungsfreiheit zur Herstellung bzw. zum Konsum von Fleisch eingreifen. Darunter fallen etwa Maßnahmen zum Monitoring des Fleischkonsums, Maßnahmen zur Förderung von Informationen etwa über die Haltungsbedingungen von Tieren oder die gesundheitlichen Auswir‐ kungen eines hohen Fleischkonsums (→ Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Ebenfalls fallen hierunter sämtliche Bildungsmaßnahmen, die die verschiedenen Informationen rund um Fleisch kontextualisieren und damit einhergehende Urteils-, Entscheidungs- und Handlungskompetenzen (z. B. Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu erkennen oder vegetarisch zu kochen) fördern. Einen etwas stärkeren Einfluss auf die Handlungsfrei‐ heit nehmen Maßnahmen, die an der bestehenden Entscheidungs- und 112 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="113"?> Verhaltensarchitektur ansetzen und bspw. die Auswahl an vegetarischen Alternativen in Betriebskantinen verbessern oder gezielt die Verhaltens‐ infrastruktur so gestalten, dass die Standardoption die nachhaltigere ist (→ Kann man Menschen unbewusst zu mehr Nachhaltigkeit bewegen? ). Ein Beispiel hierfür wäre etwa, wenn in der Gemeinschaftsverpflegung in Schulen oder Krankenhäusern, die standardmäßige Mittagessen-Bestellung - ohne individuelles Zutun - ein vegetarisches Essen umfasst. Hierauf aufbauend fallen politische Maßnahmen, die finanzielle Anreize für reduzierten Fleischkonsum bzw. Fleischalternativen setzen, indem die Steuersätze für pflanzliche Lebensmittel bzw. Gemüse gesenkt werden. Auch finanzielle Negativanreize sind denkbar, indem zusätzliche Steuern für Fleischprodukte eingeführt werden. Noch stärker handlungseinschränkend wirken schließlich politische Maßnahmen, die gesetzlich etwa die Auswahl von Fleischprodukten beschränken, indem die Mindeststandards in der Tierhaltung erhöht werden. Auch ist denkbar, dass bestimmte Praktiken in der Herstellung von Fleisch gänzlich verboten werden, wie etwa die EU-Richtlinie zum Verbot von Stopfleber bei Gänsen. Wie fördert die Europäische Union nachhaltigen Konsum? - Um Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Mitgliedsstaaten der Europäi‐ schen Union (EU) zu fördern, ist der „Green Deal“ das wichtigste Rahmen‐ programm. Ziel ist es, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen und eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft zu fördern. Der Green Deal und seine Unterprogramme sehen die Einführung unterschiedlicher Richtlinien und Verordnungen vor, die nach und nach in den Mitgliedsstaaten in nationales Recht überführt werden müssen. Er umfasst Maßnahmen in den Bereichen Klima, Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft sowie Finanzen, die von zentraler Bedeutung für nachhaltigen Konsum sind. In den Bereich Energie fällt etwa die Ausweitung des Emissionshandels auf die Bereiche Mobilität und Gebäude (EU-ETS 2), was dazu führt, dass die Emissionen fossiler Energieträger auch in diesen Bereichen bepreist werden (sollen). In den Bereich Verkehr fällt etwa das Vorhaben, dass ab dem Jahr 2035 (zumindest überwiegend) nur noch Neuwagen zugelassen werden dürfen, die in der Nutzung emissionsfrei sind. In der Landwirtschaft ist beispielsweise die Farm-to-Fork-Strategie zu nennen, die vorsieht, dass der Verantwortung von Politik und Gesellschaft 113 <?page no="114"?> Pestizideinsatz in der Landwirtschaft gesenkt und die Ökolandbau-Fläche ausgebaut wird. Für die Kreislaufwirtschaft ist der Circular Economy Action Plan als Teilstrategie des Green Deal richtungsweisend. Er sieht Maßnahmen entlang des gesamten Produktlebenszyklus vom Design bis zur Entsorgung vor und hebt auch die Rolle der Konsument*innen hervor. Das 2024 eingeführte Recht auf Reparatur ist ein Beispiel für eine Direktive, die zeigt, wie dieser Anspruch umgesetzt werden soll. Zur Förderung von Kreislaufwirtschaft ist auch die „Sustainable and Circular Textiles Strategy“ relevant, die z. B. vorsieht, dass der Anteil an Recycling-Fasern erhöht, Reparatur erleichtert und die Vernichtung von Neuware unterbunden wird. Auf EU-Ebene sind zudem Verbraucherrechte und Verbraucherinforma‐ tion im Kontext von Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Diese werden kon‐ kret in der Verbraucheragenda 2030 geregelt sowie in verschiedenen „Green Transition“-Regularien. Ein Beispiel hierfür ist die für Verbraucher*innen schwierige Unterscheidung zwischen wahrheitsgemäßen Aussagen und Greenwashing - beispielsweise bei Verwendung von Begriffen wie „nach‐ haltig“, „grün“ oder „ökologisch“ (→ Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Mit der „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richt‐ linie (EmpCo-Richtlinie) sind solche Aussagen nur noch erlaubt, wenn die dahinterstehende Umweltleistung nachgewiesen werden kann (Euro‐ päisches Parlament & Europäischer Rat, 2024a). Darüber hinaus dürfen Produktsiegel nur mit Zertifizierung verwendet werden, d. h. Eigensiegel von Herstellern sind nicht mehr gestattet. Auch ist hier die „Green Claims Directive“ zu nennen, die Verbraucherrechte stärken und zur Vermeidung von Greenwashing beitragen soll. Aufgrund verschiedener Faktoren (u. a. wirtschaftliche Stagnation, geo‐ politischer Instabilitäten, sich verändernde politische Kräfteverhältnisse in der EU) ist jedoch davon auszugehen, dass viele der Green-Deal-Initiativen und -Maßnahmen verzögert und abgeschwächt werden. Dies war bereits im Jahr 2025 in verschiedenen Bereichen zu beobachten: So wurde der Start des erweiterten Emissionshandels für Gebäude und Verkehr zunächst um ein Jahr verschoben, das sogenannte Verbrenner-Aus wurde abgeschwächt und die „Green Claims Directive“ auf Eis gelegt. 114 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="115"?> Was haben die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit nachhaltigem Konsum zu tun? Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen (UN) die Agenda 2030 verab‐ schiedet (Vereinte Nationen, 2015). Diese enthält siebzehn Hauptziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), die die Weltgemeinschaft bis zum Jahr 2030 zu erreichen versucht. Darunter gibt es das Ziel 12 „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“ (Ensure sustainable consumption and production patterns). Dieses Ziel wurde später mit einer Reihe von Unterzielen und Indikatoren konkretisiert. Darunter finden sich viele verschiedene Aspekte, z. B. eine nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen, die welt‐ weite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren, einen umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien zu fördern, das Abfallaufkommen insgesamt zu verringern, eine öffentliche, nachhaltige Beschaffung zu fördern oder etwa Marktver‐ zerrungen durch die Subventionierung fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Die verabschiedete Fassung der Entwicklungsziele enthielt zunächst keine Priorisierung, was von verschiedenen Akteuren, insbesondere im Hinblick auf das Verständnis einer „starken Nachhaltigkeit“, kritisiert wurde. Hier setzt das „Hochzeitstortenmodell“ (wedding cake model) an, das am Stockholm Resilience Centre entwickelt wurde (Stockholm Resilience Centre, 2016, siehe Abb. 3). Wie eine Hochzeitstorte enthält es mehrere Ebenen. Auf der untersten Ebene finden sich alle SDGs mit Umweltbzw. Biosphärenfokus (u. a. zu Leben unter Wasser, Leben an Land, sauberem Wasser und Klimaschutz). Auf der nächsten Ebene finden sich alle SDGs mit sozialem Fokus (u. a. zur Reduktion von Armut und Hunger, Förderung von Bildung, Geschlechtergerechtigkeit). Auf der letzten, obersten Ebene finden sich SDGs mit wirtschaftlichem Fokus. Hier wird u. a. das SDG zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern platziert. Verantwortung von Politik und Gesellschaft 115 <?page no="116"?> Abb. 3: Das Hochzeitstortenmodell der SDGs vom Stockholm Resilience Centre (2016) Welches Ministerium ist in Deutschland für nachhaltigen Konsum verantwortlich? Nachhaltiger Konsum ist ein Querschnittsthema und ist entsprechend Aufgabe vieler verschiedener Ressorts in Deutschland. So ist etwa das Verkehrsministerium für nachhaltige Mobilität oder das Ernährungsminis‐ terium für nachhaltige Ernährung verantwortlich. Bedarfsfeldübergreifend engagieren sich vor allem das Bundesumweltministerium und das Entwick‐ lungsministerium für nachhaltigen Konsum. Da das Umweltministerium Verantwortung für sämtliche ökologische Anliegen innehat, gibt es zahlrei‐ che Schnittstellen mit anderen Ministerien. Einerseits kann es daher in vielen verschiedenen Bereichen nachhaltigen Konsum fördern; andererseits ist es dadurch immer auf ressortübergreifende Abstimmung angewiesen. Hauptverantwortlich ist das Umweltministerium z. B. für die Förderung von Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz, Ökodesign und Energie‐ effizienz oder umweltfreundliche Beschaffung. Dem Umweltministerium 116 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="117"?> nachgeordnet ist das Umweltbundesamt, in dem die Geschäftsstelle des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Konsum verortet ist. Im Kompetenz‐ zentrum für nachhaltigen Konsum arbeiten verschiedene nachgeordnete Behörden zusammen. Ziel ist es, die Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb der Bundesregierung und in der Gesellschaft zu nachhaltigem Konsum zu fördern. Darüber hinaus informiert das Kompetenzzentrum umfassend über nachhaltigen Konsum. Das Entwicklungsministerium hat einen besonderen Fokus auf Wertschöpfungsketten und die Förderung sozial-ökologisch verträglicher Arbeits- und Produktionsbedingungen im Globalen Süden. Es betreibt unter anderem das Portal Siegelklarheit (zu‐ sammen mit der Verbraucherzentrale NRW), das Verbraucher*innen einen Überblick über die Anforderungen verschiedener sozial-ökologischer Siegel geben soll. Das Verbraucherministerium hat einen besonders Fokus auf Verbraucherinteressen und Verbraucherschutz. Es kümmert sich daher beispielsweise um Themen wie Verbraucherbildung (auch für nachhaltigen Konsum) oder gemeinsam mit anderen Ministerien um einen besseren Schutz von Verbraucher*innen z.-B. vor Greenwashing. Was ist das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum? Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) wurde im Jahr 2016 von der Bundesregierung als erstes, ressortübergreifendes Programm zur Förderung nachhaltigen Konsums in Deutschland verabschiedet. Darin wurden in neun übergreifenden Handlungsfeldern und sechs Bedarfsfeldern (Mobilität, Wohnen und Haushalt, Ernährung, Bekleidung, Arbeiten und Büro sowie Freizeit und Tourismus) bestehende und geplante Aktivitäten und Initiativen für nachhaltigen Konsum zusammengetragen. Auch wurde ein interministerielles Koordinierungsgremium und das Kompetenzzentrum für nachhaltigen Konsum, angesiedelt im Umweltbundesamt, geschaffen. Zentrale Stärken des Programms waren die erstmalige ressortübergreifende Zusammenarbeit und die damit einhergehende Bewusstmachung für die Komplexität des Themenfeldes. Wesentliche Schwächen des Programms waren jedoch, dass - über bereits verabschiedete Gesetzesinitiativen hinaus - kaum schlagkräftige Maßnahmen (z. B. finanzielle Anreize oder ordnungs‐ rechtliche Maßnahmen) integriert oder für die Zukunft initiiert wurden. Der Fokus lag vor allem auf sogenannten weichen, individuumszentrier‐ Verantwortung von Politik und Gesellschaft 117 <?page no="118"?> ten Maßnahmen wie verbesserten Informationen oder Bildung. Zudem bestanden von Anfang an Herausforderungen darin, dass dem Programm die Unterstützung von höchster politischer Ebene und nötige Ressourcen fehlten (Muster et al., 2020). Im Jahr 2021 wurde eine neue Fassung des NPNK vom Staatssekretärs‐ ausschuss für nachhaltige Entwicklung mit konkreten Zielen verabschiedet. Darin heißt es unter anderem, dass das NPNK dazu beitragen soll, den „kon‐ sumbezogenen Ausstoß von Treibhausgasen pro Einwohner pro Kopf bis 2030 zu halbieren“ (Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen, 2021, S. 3). Die neu verabschiedete Fassung enthielt darüber hinaus priorisierte Maßnahmen und konkretisierte die Bezüge zu anderen relevanten Programmen und Zielsetzungen außerhalb des NPNK. Während sich das NPNK nur auf nachhaltigen Konsum fokussiert, wird dieser in der 2024 beschlossenen Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) als eines von fünf Querschnittsthemen (Nachhaltiger Konsum und Handel) angesprochen. Indirekt ist er in der NKWS jedoch von fast allen behandelten Handlungsfeldern wie Fahrzeuge, Informations- und Kommu‐ nikationstechnologien und Elektronikgeräte oder Bekleidung betroffen. Ab‐ gesehen von diesen direkt auf den Konsum bezugnehmenden Strategien gibt es noch etliche weitere Programme und Regularien, die den nachhaltigen Konsum direkt oder indirekt beeinflussen. Welche politischen Maßnahmen fördern suffizienten Konsum? Damit Suffizienz (→ Welche Strategien für nachhaltigen Konsum gibt es? ) für breite Bevölkerungsschichten zu einer naheliegenden Handlungsoption wird, ist es Aufgabe der Politik, geeignete Rahmenbedingungen zu schaf‐ fen, durch die ein suffizienter Lebensstil als Gewinn an Lebensqualität erfahrbar wird. Studien belegen, dass reine Informations- und Werbekam‐ pagnen langfristig nur eine geringe Wirksamkeit aufweisen, da ihre Effekte begrenzt sind, im Zeitverlauf nachlassen und von vielen Menschen eher als bevormundend denn als motivierend empfunden werden (Best, 2024). Stattdessen werden Maßnahmen benötigt, die suffizientes Verhalten gezielt unterstützen und dessen Attraktivität erhöhen. Damit Suffizienzpolitik nicht mit Verbotspolitik gleichgesetzt wird, ist eine Politik erforderlich, die auf Anreize und Angebote („Pull“) setzt - etwa durch infrastrukturelle 118 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="119"?> und investive Maßnahmen, wie z. B. einen kostengünstigen und verlässli‐ chen öffentlichen Nahverkehr, den einfachen Zugang zu nachhaltigen und langlebigen Produkten, mehr Reparaturmöglichkeiten, verkehrsberuhigte bzw. autofreie Viertel oder progressive Stromtarife. Erst im zweiten Schritt sollte Suffizienz mit Vorschriften und Einschränkungen („Push“) gefördert werden, z. B. indem Entfernungspauschalen (Pendlerpauschale) für motori‐ sierten Individualverkehr abgeschafft oder der Pkw-Besitz stärker besteuert werden. Darüber hinaus wird ein Verbot von Werbung für fossile Energie (wie es in vielen niederländischen Städten, u. a. seit 2026 in Amsterdam, bereits Realität ist) oder das Verbot von Leuchtreklame immer wieder als wirksame politische Maßnahme diskutiert. Grundsätzlich gilt, dass bei allen Maßnahmen Verteilungswirkungen und Belastungen von Suffizienz mitberücksichtigt werden müssen, damit Kosten und Einschränkungen nicht einseitig nur von einer Personengruppe getragen werden. So sind Belastungen wie ein höherer Zeitaufwand oder höhere Kosten für wohlha‐ bendere Bevölkerungsgruppen leichter zu tragen als für andere Gruppen. Die Relevanz und Umsetzbarkeit von politischen Maßnahmen zur Un‐ terstützung eines suffizienten Lebensstils wird von politischen Akteuren sehr unterschiedlich bewertet, aber von politischen Beratungsinstitutionen immer wieder gefordert, zuletzt u. a. durch Erwähnung im Bericht des Weltklimarats 2022 (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) oder in einem Diskussionspapier des deutschen Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU, 2024). Ein Beispiel, wie Kommunen und Städte Suffizienz-Lebensstile unter‐ stützen können, stammt aus der Schweiz. Dort wurde das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft umgesetzt, bei dem klare Zielvorgaben für den Primärenergieverbrauch und die Treibhausgasemissionen pro Person und pro Jahr gemacht wurden (Stulz et al., 2011). Sollte Politik nicht-nachhaltiges Verhalten verbieten? Konsumbezogene Ordnungspolitik zieht regelmäßig größere öffentliche Diskussionen nach sich. Im Vorfeld der Bundestagswahl im Jahr 2013 gab es beispielsweise eine größere Debatte um den sogenannten Veggie Day. Die Bundestagspartei Bündnis 90/ Die Grünen hatte vorgeschlagen, dass öffentliche Kantinen zum Vorbild für nachhaltige Ernährung werden sollten, indem sie z. B. vegetarisch-vegane Alternativen oder eben „vegetarische Verantwortung von Politik und Gesellschaft 119 <?page no="120"?> Tage“ anbieten. Daraufhin wurde von politischen Gegnern und Medien das Narrativ verbreitet, dass die Grünen den Fleischverzehr verbieten wollten. Das Beispiel zeigt, dass bereits der Anschein von Einschränkungen oder Verboten in Deutschland - selbst, wenn sie gesetzlich gar nicht vorgese‐ hen sind - großes Potenzial für Kontroversen hat. Andere Beispiele sind das (bisher nicht eingeführte) Tempolimit, die (bisher nicht eingeführte) Zuckersteuer, das (auf EU-Ebene wieder abgeschwächte) Verbrenner-Aus und die (wieder abgeschaffte) Pflicht zum Einbau von Heizungstechnik mit mindestens 65-Prozent erneuerbaren Energien. Aus Umweltbzw. Nachhaltigkeitssicht ist festzustellen, dass ein Fokus auf weiche Maßnahmen wie Informationen und Bildung sowie positive Anreize durch Fördermaßnahmen oft nicht ausreichen, um in gebotenem Umfang und in gebotener Schnelligkeit Umwelt- und Klimaschutz voran‐ zutreiben. Entsprechend ist es naheliegend, sogenannte härtere, eingriff‐ sintensivere Maßnahmen zu fordern, um nachhaltigen Konsum wirksam voranzutreiben (z. B. durch Verpflichtungen, zu einem hohen Anteil mit erneuerbaren Energien zu heizen, oder Einschränkungen in der Zulassung von Autos mit Verbrenner-Motor). Dabei sollte jedoch sichergestellt sein, dass Maßnahmen verhältnismäßig sind, dass es also tatsächlich keine effizienteren und ähnlich wirksamen, weniger eingriffsstarken Maßnahmen gibt, die das angestrebte Ziel auf ähn‐ liche Weise erreichen. Zudem sollten folgende Prinzipien zur Einführung von eingriffsintensiven Maßnahmen berücksichtigt werden (Heyen et al., 2021): Im Vorfeld der Einführung einer harten Maßnahme wie einer Pflicht oder eines Verbots sollten das öffentliche Problembewusstsein geschärft, ein breites Akteursbündnis auch jenseits von Nachhaltigkeits- und Um‐ weltschutzorganisationen zur Unterstützung der Maßnahme organisiert, wissenschaftliche Wirkungsabschätzungen und Bevölkerungsbefragungen durchgeführt und nachhaltige Alternativen gefördert werden. Letzteres ist wichtig, da einschränkende Maßnahmen eher akzeptiert werden, wenn Alternativen einfach und preiswert zugänglich sind. Bei der Ausgestaltung der harten Maßnahme selbst sollte sichergestellt werden, dass diese einge‐ bettet ist in ein breiteres Maßnahmenbündel (z. B. zusammen mit produ‐ zentenseitigen Maßnahmen), die Umsetzung zeitlich gestaffelt wird sowie sozial gerechte Ausnahme- und Härtefallregelungen vorgesehen werden. Auch eine vorgeschaltete Pilotphase mit Evaluation könnte hilfreich sein. Schließlich sollten harte Maßnahmen immer auch kommunikativ begleitet werden. Hierfür eigenen sich vorab wissenschaftlich gewonnene, solide 120 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="121"?> Informationen, die zielgruppengerecht aufbereitet werden. Zudem sollte ein Fokus der Kommunikation auf den wünschenswerten Effekten und Co-Benefits liegen. Wichtig ist, nicht zuletzt, die aktive Vorbereitung auf die Argumente möglicher Kritiker*innen (Heyen et al., 2021). Wenn also Verhältnismäßigkeit und Wirksamkeit gegeben sind und Verbote gut vorbereitet, fair ausgestaltet und durch weitere weiche Maß‐ nahmen begleitet werden, sind sie ein wichtiges, unverzichtbares Mittel zur Förderung nachhaltigen Konsums. Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? Informationen werden als ein gering invasives und niedrigschwelliges politisches Instrument zur Förderung nachhaltiger Konsumentscheidungen verstanden. Grundsätzlich gilt: Damit Informationen wirksam werden, müs‐ sen sie zunächst Aufmerksamkeit erzeugen, verarbeitet und kontextualisiert werden (Hamann et al., 2016). Erst dann können aus Nachhaltigkeitsinfor‐ mationen Problemwissen (das Wissen über existierende Nachhaltigkeits‐ probleme) sowie Handlungswissen (das Wissen über umweltschützende und sozial gerechte Verhaltensweisen) entstehen (Ernst et al., 2024). Um im Informationsdickicht durchzudringen, sollten Informationen dabei per‐ sönlich wichtig und bedeutsam sein (bzw. sollte eine persönliche Betrof‐ fenheit vorliegen). Wichtig ist auch die Glaubwürdigkeit der Person oder Institution, die die Information bereitstellt. Eine Quelle muss als kompetent und vertrauenswürdig eingeschätzt werden, damit die Information wirkt. Darüber hinaus müssen Informationen mit den Werten der empfangenden Person übereinstimmen. Andernfalls können Prozesse kognitiver Dissonanz auftreten, die dazu führen, dass Informationen abgewertet, ignoriert oder nicht dauerhaft gespeichert werden. Wenn hingegen eine Information mit den Werten einer Person kongruent ist, dann hat sie eine gute Chance, verhaltensrelevant zu werden (Hamann et al., 2016). Idealerweise sollten Nachhaltigkeitsinformationen so gestaltet sein, dass sie eine direkte Verknüpfung zum Verhalten herstellen und konkrete Handlungsoptionen nahelegen. Diese Anforderung erfüllen zum Beispiel Nachhaltigkeitslabel wie das Bio-Siegel oder das Fairtrade-Label. Als Orien‐ tierungshilfe für nachhaltige Konsumentscheidungen vermitteln sie stark vereinfachte ökologische oder soziale Informationen (Majer et al., 2022), die Konsument*innen dem Produkt nicht ohne Weiteres ansehen können. Verantwortung von Politik und Gesellschaft 121 <?page no="122"?> Das Ziel ist, Transparenz und Sichtbarkeit von Herstellungsbedingungen und deren ökologischen und sozialen Folgen herzustellen. So hilft z. B. das Bio-Segel Konsument*innen, Produkte zu erkennen, die nach biologi‐ schen Standards angebaut wurden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Bio-Siegeln und es ist gar nicht so einfach zu verstehen, welche Information sich hinter den einzelnen Siegeln verbergen. Siegel können zudem leicht falsch verstanden werden (Torma & Thøgersen, 2021). Darum ist Vorwissen notwendig, um seriöse Labels zu erkennen und zu verstehen, was sie bedeuten. Einen Überblick über verlässliche Nachhaltigkeitslabel liefert das staatliche Portal Siegelklarheit, das Siegel nach Glaubwürdigkeit sowie ökologischen und sozialen Kriterien einordnet (siehe Abb.-4). Abb. 4: Die wichtigsten Umweltsiegel für nachhaltigen Konsum in Deutschland (Umwelt‐ bundesamt, 2025d) Ganz grundsätzlich kann hinterfragt werden, ob die reine Informationsver‐ mittlung überhaupt die gewünschte Wirkung erzielt. Bisherige Forschung belegt eher das Gegenteil: Wenn ein Zusammenhang zwischen Wissen und Umweltschutzverhalten vorliegt, ist er meistens vergleichsweise niedrig (Bamberg & Möser, 2007). Auch wenn reine Informationskampagnen selten zu wirklicher Verhaltensänderung führen, ist das Wissen über Nachhaltig‐ keitsprobleme trotzdem eine wichtige Grundlage, um begründen zu können, warum eine Verhaltensänderung nötig ist (→ Was bedeutet verantwor‐ tungsvolles Konsumieren konkret? ) (Hamann et al., 2016). 122 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="123"?> Linktipp | Um bei der Siegelvielfalt besser durchzublicken, hilft das Portal Siegelklarheit, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert und von der Verbraucher‐ zentrale Nordrhein-Westfalen betreut wird (https: / / www.siegelklarheit. de/ ). Dort werden Siegel aus unterschiedlichen Bedarfsfeldern wie Klei‐ dung und Elektronik transparent nach Glaubwürdigkeit, Umwelt‐ freundlichkeit und Sozialverträglichkeit bewertet. Das dahinter liegende Bewertungssystem kann dort auch eingesehen werden. Was ist Bildung für nachhaltigen Konsum - und was bringt sie? In Politik und Gesellschaft wird häufig auf Bildung verwiesen, wenn es um angestrebte Veränderungen für mehr Nachhaltigkeit geht. Bildung für nachhaltigen Konsum (BNK) zielt darauf ab, Menschen dazu zu befähigen, Konsumhandlungen und Konsumrahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. BNK umfasst neben einer Vermittlung von Wissen und Werten immer auch handlungsbezogene Kompetenzen, etwa Kompetenzen zur Reflexion des eigenen Bedarfes, zur Bewertung und Auswahl von Produkten oder zur eigenen Herstellung, Umnutzung und Reparatur von Gütern zur Bedürfnisbefriedigung. BNK adressiert Menschen in ihrer Doppelrolle als Konsument*innen und Bür‐ ger*innen („consumer citizien“) (Fischer & Nemnich, 2012; Schrader & Fischer, 2025): Als Konsument*innen lernen sie nicht nur nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen, sondern grundlegend ihre Bedürfnisse und Bedarfe zu reflektieren, Befriedigungsmöglichkeiten jenseits von Marktgü‐ tern zu entdecken und sich kritisch mit der Rolle des Konsums in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Als Bürger*innen lernen sie Einfluss zu nehmen auf relevante Rahmenbedingungen für nachhaltigen Konsum und engagieren sich in Organisationen, in der Nachbarschaft oder politischen Initiativen. BNK hat Wurzeln in der Verbraucherbildung und in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) (Muster & Schrader, 2021; Schrader & Fischer, 2025). Spätestens seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Verbraucherbildung an Schulen im Jahr 2013 stellt das Themenfeld „nachhaltiger Konsum“ eines von vier zentralen Bereichen der Verbrau‐ Verantwortung von Politik und Gesellschaft 123 <?page no="124"?> cherbildung dar (Kultusministerkonferenz, 2013). Verbraucherbildung wird dabei als ein Instrument der Verbraucherpolitik verstanden, um Menschen insbesondere als nachfragende Marktakteure zu befähigen. In der Tradition der Verbraucherbildung ist BNK somit stärker marktbezogenen ausgerichtet (und weniger fokussiert auf alternative Möglichkeiten zur Bedürfnisbefrie‐ digung). Doch auch Verbraucherbildung zielt darauf ab, Verbraucher*innen als Bürger*innen in Bezug auf ihre (kollektiven) Rechte und ihre Einfluss‐ möglichkeiten auf Politik zu befähigen (Kultusministerkonferenz, 2013). BNE wurde durch verschiedene UN-Programme, spätestens aber durch die UN-Dekade zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, in Deutsch‐ land in der Breite bekannt. Das Bildungskonzept zielt darauf ab, Men‐ schen dazu zu befähigen, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen (BMBFSFJ, o. J.). Es wird als grundlegendes Instrument zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele verstanden. In der praktischen Umsetzung von BNE sind Prinzipien wie Alltagsbezug und Lebensweltorientierung zentral. Deshalb nimmt auch BNK hierbei eine prominente Rolle ein. Über Konsumthemen lassen sich schließlich bestehende sozial-ökologische Herausforderungen und alternative Handlungsoptionen besonders leicht veranschaulichen. Bildung ist ein weiches politisches Instrument. Weich bedeutet, dass die Eingriffstiefe in die Handlungsfreiheit von Menschen durch Bildung sehr gering ist (→ Welche politischen Instrumente fördern nachhaltigen Kon‐ sum? ). Ob und inwieweit Bildung tatsächlich zu einem anderen Verhalten führt, ist somit ungewiss und abhängig von vielen weiteren Faktoren. Im Rahmen des nationalen BNE-Monitorings werden neben Input-Indi‐ katoren (z. B. Verankerung in Curricula, Fortbildungen) und Prozessen (z. B. Qualität der Umsetzung) auch sogenannte Output- und Outcome-In‐ dikatoren gemessen, die Ergebnisse und Wirkungen kenntlich machen. Dabei wird unter anderem deutlich, dass sich nur rund ein Viertel der befragten Schüler*innen in Deutschland in die Lage versetzt fühlt, Nachhal‐ tigkeitsprobleme zu lösen (Grund & Brock, 2022). Auch zeigt die Studie, dass sich sowohl Lehrkräfte als auch Schüler*innen mehr Zeit für BNE im Unterricht wünschen. Dabei wird deutlich, dass die Verankerung in Bildungsplänen und Curricula zwar zugenommen hat, jedoch noch weit von einer strukturellen und breitflächigen Verankerung entfernt ist. Klar ist, Bildung führt selten zu schnellen Effekten für Umwelt und Gesellschaft. In freiheitlichen, demokratischen Gesellschaften werden ver‐ änderte politische Rahmenbedingungen nur möglich sein, wenn aus der 124 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="125"?> Bevölkerung heraus entsprechende Signale deutlich werden und sich zudem in Wahlentscheidungen und politischen Mehrheiten niederschlagen. Kann man Menschen unbewusst zu mehr Nachhaltigkeit bewegen? Viele Konsumentscheidungen sind von Kontext und Rahmenbedingungen geprägt und werden eher unbewusst getroffen. Sogenannte Nudges (auf Deutsch: Anstupser) können daher eingesetzt werden, um den Kontext von Verhalten zu verändern (Thorun et al., 2021). Der Ansatz des Nud‐ ging stammt aus der ökonomischen Verhaltensforschung. Nudges sollen erwünschte Verhaltensweisen unterstützen und ihre Umsetzung im Alltag erleichtern, ohne dass in der konkreten Situation bewusst darüber reflektiert werden muss. Dies schließt natürlich nicht aus, dass der oder die Betroffene sich vorher bewusst dazu entscheidet, den Nudge einzusetzen (Thaler & Sunstein, 2024). Nudges zielen dabei auf eine Umgestaltung der physischen Umwelt, auf Anpassungen der Wahlarchitekturen sowie Entscheidungskon‐ texte ab, mit dem Ziel, den kognitiven Aufwand von Entscheidungen zu reduzieren. Prominente Beispiele sind die Voreinstellung (Default) zum dop‐ pelseitigen Drucken, um Druckerpapier einzusparen, oder Feedbacksysteme zum Energiesparen im Haushalt. Die Beispiele zeigen, dass Nudges relativ kostengünstig und ohne großen Aufwand eingesetzt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Handlungs- und Entscheidungsfreiheit von Konsument*innen dadurch nicht eingeschränkt wird. Kritik an Nudging bezieht sich zum einen auf Zweifel bezüglich ihrer Langzeitwirkungen und zum anderen auf Vorwürfe der Bevormundung sowie die moralische Rechtfertigung dieser Interventionsform. So werden klare ethische Richtlinien und mehr Transparenz beim Einsatz von Nudges zum Schutz der individuellen Autonomie gefordert (A. T. Schmidt & Engelen, 2020). Welche Rolle spielen soziale Normen beim Konsumverhalten? Soziale Normen sind von vielen Menschen geteilte Erwartungen, die das Verhalten von Individuen beeinflussen. Sie geben Hinweise darauf, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll. Psychologische Unter‐ Verantwortung von Politik und Gesellschaft 125 <?page no="126"?> suchungen zeigen, dass soziale Normen das Handeln beeinflussen können und daher auch für nachhaltigen Konsum eine wichtige Rolle spielen. Oft wird angenommen, dass es vor allem Wissen braucht, um ein verän‐ dertes Verhalten zu erzeugen. Zwar bildet Wissen in vielen Fällen eine wich‐ tige Grundlage für Verhaltensänderungen, doch reicht es allein nicht aus, da das menschliche Handeln von einer Vielzahl weiterer Faktoren beeinflusst wird (→ Welche Faktoren beeinflussen das Konsumverhalten? ). Aus diesem Grund nutzt die umweltpsychologische Forschung häufig umfassendere Verhaltensmodelle, die neben der Wissensvermittlung auch zusätzliche Mo‐ tivationsaspekte berücksichtigen (Hamann et al., 2016). Neben persönlichen Normen (z. B. Problembewusstsein, Verantwortungsgefühl, Selbstwirksam‐ keit) spielen auch soziale Normen und gesellschaftliche Leitbilder eine Rolle. Soziale Normen sind ungeschriebene oder formell festgelegte Regeln und Erwartungen, die das Verhalten von Menschen beeinflussen. Sie legen fest, was als „normal“, akzeptabel oder wünschenswert gilt - und was nicht. Aktuelle Forschung zeigt, dass soziale Normen einen großen Einfluss auf nachhaltiges Konsumverhalten haben und dabei stärker wirken als gleichzeitig wahrgenommene Hürden (z. B. hohe Preise oder fehlende Informationen). Beispielsweise stellt sich insbesondere ethischer Konsum demnach am ehesten ein, wenn die Motivation durch sozialen Druck hoch ist (Berberyan et al., 2025). Sozialer Druck kann beispielsweise durch Lob, Anerkennung oder Ausgrenzung, Kritik, Sanktionen und Scham entstehen. Zur Gruppe sozialer Normen zählt unter anderem die subjektive Norm. Sie ergibt sich aus den Vorstellungen darüber, welche Erwartungen Personen haben, die für einzelne Menschen persönlich wichtig sind, wie etwa Fami‐ lienmitglieder oder Freund*innen. Doch es greift zu kurz, nur diese eine Norm heranzuziehen. Schließlich werden Individuen auch von Menschen beeinflusst, zu denen keine enge Beziehung besteht. In der Fachliteratur findet sich daher eine weitere Unterteilung sozialer Normen, nämlich in Soll- und Ist-Normen (Hamann et al., 2016). Soll-Normen beschreiben moralische Regeln, nach denen sich Menschen in bestimmten Situationen der Mei‐ nung anderer nach verhalten sollen, während Ist-Normen das tatsächliche Verhalten von Menschen wiedergeben. Eine Möglichkeit, um nachhaltige Normen sichtbar zu machen, besteht im sozialen Modellverhalten, also der Orientierung an Vorbildern. Solche Vorbilder können dabei sowohl prominente Persönlichkeiten und Influencer*innen als auch ganz normale Menschen aus dem persönlichen Umfeld sein. 126 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="127"?> Wie können Städte und Kommunen nachhaltigen Konsum fördern? Die Förderung nachhaltiger Städte und Kommunen gehört zu den globalen Nachhaltigkeitszielen. Dazu zählen der Zugang zu bezahlbaren und um‐ weltfreundlichen Verkehrssystemen, eine nachhaltige Stadtplanung sowie die Reduktion von Umweltbelastungen, um die Lebensqualität in Städten zu erhöhen. Städte und Kommunen können ihrerseits nachhaltige Lebens‐ stile ihrer Bürger*innen sowohl durch eigene Maßnahmen als auch durch passende Rahmenbedingungen unterstützen (R. Müller et al., 2020). Eine besonders wirkungsvolle kommunale Maßnahme ist die nachhaltige öffent‐ liche Beschaffung. Wenn städtische Einrichtungen und Verwaltungen beim Einkauf von Büromaterial, Fahrzeugen oder Lebensmitteln für Kantinen auf Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedingungen und regionale Herkunft achten, erzeugt das eine starke Nachfragewirkung. Um nachhaltige Alltagsprak‐ tiken zu fördern, können Verwaltungen außerdem Bildungsprogramme und Informationskampagnen anbieten, die Wissen über umweltfreundliche Alternativen vermitteln. Sie können Verkehr und Gebäude so planen, dass sich Menschen leicht und emissionsarm fortbewegen können. Angebote wie Repair-Cafés, Tauschbörsen und Carsharing erleichtern es Bürger*innen zu‐ sätzlich, Ressourcen zu schonen und Dinge gemeinsam zu nutzen. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Verbraucherzentralen und engagierten Bürgergruppen. Da Kommunen die politische Ebene sind, auf der eine nachhaltige Transformation ganz konkret umgesetzt und durch die Bürger*innen in ihrem Alltag wahrgenommen wird, braucht es den engen Austausch mit der Bevölkerung. Mittlerweile existieren zahlreiche erfolgreiche Beispiele für kommunale Nachhaltigkeitsinitiativen wie etwa kostenfreier ÖPNV, kommunale Verpa‐ ckungssteuern, Bauordnungen mit Solaranlagenpflicht, „Bibliotheken der Dinge“ oder Reparaturboni (Bahn-Walkowiak et al., 2025). Ein weiteres Beispiel sind die sogenannten Fairtrade Towns, in denen Kommunen den fairen Handel durch Aktionen und Kampagnen stärken. Wie können öffentliche Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen? Öffentliche Einrichtungen haben eine enorme Marktmacht. In Deutschland fließen jährlich etwa 500 Milliarden Euro in die öffentliche Beschaffung Verantwortung von Politik und Gesellschaft 127 <?page no="128"?> (OECD, 2019). Wenn der Staat, Länder oder Kommunen entscheiden, nach nachhaltigen Kriterien zu kaufen (Sustainable Public Procurement, SPP) (Brammer & Walker, 2011), kann das den gesamten Markt verändern und nicht nur Innovationen anstoßen, sondern auch zu ihrer Diffusion in den Massenmarkt führen (Hermann & Gröger, 2023). Bei der sogenannten kreis‐ lauforientierten Beschaffung (Circular Public Procurement) rücken, neben nachhaltig hergestellten Produkten, auch Produktdienstleistungsmodelle (Product-as-a-Service) und Wiederverwendung durch öffentliche Einrich‐ tungen in den Fokus (Kristensen et al., 2021). Indem der Staat beispiels‐ weise Lichtleistung anstatt Leuchtmittel oder Mobilität anstatt Fahrzeuge einkauft, motiviert er Anbieter*innen, Produkte langlebiger, reparierbarer und recyclingfähiger zu gestalten. Ein Schlüssel zur nachhaltigen Beschaf‐ fung ist die Abkehr vom reinen Anschaffungspreisprinzip: Das Instrument der Lebenszykluskostenrechnung (Life Cycle Costing, LCC) ermöglicht eine ganzheitliche ökonomische Betrachtung, indem einem Produkt neben dem Kaufpreis auch die Kosten des Lebenszyklus (für Energie, Verbrauch, Wartung und Entsorgung) einberechnet werden. Auf Bundesebene wird zudem ein CO 2 -Preis hinzugezogen, um klimabezogene Kosten in die Ge‐ samtrechnung einzukalkulieren (LCC- CO 2 ) (Graulich et al., 2025). Durch die Berücksichtigung der Lebenszyklus-Kosten sowie die CO 2 -Bepreisung sind nachhaltigere Produkte trotz höherer Anschaffungskosten in der Ge‐ samtbilanz nicht selten kostensparender, wodurch öffentliche Einrichtun‐ gen dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, dem sie unterliegen, auch bei einer Wahl nach ökologischen Kriterien entsprechen können. Abgesehen von diesen ökonomischen Betrachtungen erfüllen öffentliche Einrichtungen eine soziale Vorbildfunktion. Wenn sie nachhaltigen Konsum vorleben - sei es durch IT-Leasing, faire Arbeitsbedingungen in der Textilbeschaffung oder vegetarische Angebote in der Kantine - setzen sie neue Standards für gesellschaftliche Normalität und machen nachhaltigen Konsum für Bürger*innen und Mitarbeiter*innen konkret erlebbar (Hermann & Teufel, 2020). In Deutschland bilden das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und das Vergaberechtstransformationsgesetz (VergRTransfG) von 2025 das rechtliche Fundament für eine nachhaltige Beschaffung. Demnach sind öffentliche Auftraggeber explizit dazu ermächtigt, soziale und ökologi‐ sche Aspekte in allen Phasen des Vergabeverfahrens - von der Leistungs‐ beschreibung bis zu den Zuschlagskriterien - zu berücksichtigen. Durch die Novellierung des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG) 2024, die Allge‐ 128 Verantwortung von Politik und Gesellschaft <?page no="129"?> meine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistun‐ gen (AVV Klima) 2021 und die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) 2020 sind staatliche Stellen nunmehr dazu verpflichtet, ökologische Kriterien bei jeder Beschaffungsentscheidung prioritär zu beachten. Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) bietet in Deutschland umfassende Hilfestellungen und Leitfäden für öffentliche Einrichtungen an. Verantwortung von Politik und Gesellschaft 129 <?page no="130"?> Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement Nachhaltige Unternehmensführung ist vom freiwilligen Zusatz zur Erwartung nahezu aller Stakeholder geworden. Nachhaltigkeitsmanagement wird damit zu einem zentralen Instrument nicht nur zur Erfüllung regulatorischer Vorgaben, sondern auch, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Im ersten Teil zeigt das Buch, wie sich Nachhaltigkeit historisch entwickelt hat, welche ökologischen, ökonomischen weiter ... b <?page no="131"?> Verantwortung von Unternehmen Unternehmen spielen eine große Rolle für nachhaltigen Konsum, weil sie das Marktangebot und damit auch die Menge und das Ausmaß (nicht-)nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen bestimmen, die im Markt verfügbar sind. Wie groß die Möglichkeiten für Unternehmen sind, nachhaltig zu handeln und welche Verantwortung sie für nachhal‐ tigen Konsum tragen, beleuchtet das folgende Kapitel. <?page no="132"?> Gibt es Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem? Ja, es gibt sie. Die Debatte um ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ist allerdings kontrovers und umfasst unterschiedliche Ansätze, die sich in ih‐ ren Perspektiven und Ansprüchen erheblich unterscheiden. Die Wirtschaft dient grundsätzlich der Herstellung, Verteilung und Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Dabei stellt sich zunehmend die Frage, wie wirtschaftliches Handeln gestal‐ tet werden kann, ohne ökologische und soziale Grundlagen zu gefährden. Eine nachhaltige Ökonomie ist dadurch gekennzeichnet, dass wirtschaft‐ liche Zielsetzungen nicht mehr allein im Vordergrund stehen, sondern mindestens gleichberechtigt mit ökologischen und sozialen Zielen verfolgt werden (C. Müller, 2015). Der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ an den Club of Rome aus dem Jahr 1972 löste in diesem Zusammenhang eine bis heute andauernde Debatte über die Rolle von Wirtschaftswachstum aus. In der neoklassischen Umweltökonomie wird die Wirtschaft als ein System betrachtet, in dem Ressourcen und ökologische Leistungen als Input dienen, während Emissionen und Abfälle als Output zurückfließen. Ziel ist es, den Nutzen der Natur sowie die Umweltfolgen zu monetarisieren, um einen optimalen Naturverbrauch zu bestimmen. Negative Umweltfolgen sollen mithilfe staatlicher Regulierung als externe Effekte in wirtschaftliche Entscheidungen internalisiert werden. Die neoklassische Umweltökonomie betrachtet Naturkapital als begrenzt, sieht es aber bei technischem Fort‐ schritt als durch menschliches Sachkapital ersetzbar (C. Müller, 2015). Es dominiert zudem das Menschenbild des homo oeconomicus, der sich durch Rationalität und Nutzenmaximierung auszeichnet (von Hauff & Kleine, 2009), → Welches Bild haben wir von Konsument*innen? ). Nachhaltigkeit bedeutet in der neoklassischen Umweltökonomie also, den Konsum heutiger und zukünftiger Generationen zu sichern und den Gesamtwert von Natur- und Sachkapital zu erhalten oder zu steigern. Weil es den Fokus auf den Nutzen für den Menschen, nicht auf den Eigenwert der Natur legt, wird es auch als schwache Nachhaltigkeit bezeichnet (C. Müller, 2015). In der neoklassischen Umweltökonomie werden marktwirtschaftli‐ che Instrumente wie Steuern (z. B. CO₂-Steuer), Zertifikathandels-Systeme und Kosten-Nutzen-Analysen eingesetzt, um Umweltprobleme effizient zu lösen. Ein politisches Konzept für eine nachhaltige Wirtschaft, das auf den Instrumenten und Prinzipien der neoklassischen Umweltökonomie 132 Verantwortung von Unternehmen <?page no="133"?> basiert, ist Green Growth. Es beschreibt einen Entwicklungspfad, bei dem Wirtschaftswachstum durch ökologische Modernisierung gefördert wird, während natürliche Ressourcen und Umweltkapital geschützt werden (Allen & Clouth, 2012). Das Ziel ist die Entkopplung von BIP-Wachstum und ökologischen Auswirkungen. Dabei kommt Investitionen in grüne Techno‐ logien, Innovationen sowie Effizienzsteigerungen eine zentrale Bedeutung zu, da sie nachhaltiges Wachstum fördern und neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Allerdings bezweifeln Kritiker*innen, dass eine absolute Entkopp‐ lung im notwendigen Umfang und Zeitrahmen realistisch ist, und machen dafür unter anderem die sogenannten Rebound-Effekte verantwortlich, die durch Effizienzgewinne erreichte Emissionseinsparungen aufheben (Santarius, 2012). Auch werden die idealtypischen Annahmen über das menschliche Verhalten im Kontext des homo oeconomicus zum Beispiel in der Verhaltensökonomie kritisiert, da empirische Befunde zeigen, dass Menschen von rationalem Nutzenmaximieren abweichen und oft nur über begrenzte Informationen und kognitive Fähigkeiten verfügen. Zudem wer‐ den Bedürfnisse durch soziale Einflüsse geprägt, was im Menschenbild des homo oeconomicus unberücksichtigt bleibt (Becker et al., 2017; Netzwerk Plurale Ökonomik, 2020). Der neoklassisch geprägten Umweltökonomie steht die Ökologische Ökonomie (Ecological Economics) gegenüber, in der die Wirtschaft als Subsystem der Natur verstanden wird und somit von den ökologischen Grenzen abhängig ist. Nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn die Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen bleibt. Thermodynamische Prinzipien zeigen, dass Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung irreversibel sein können, was das materielle Wachstum begrenzt. Vertre‐ ter*innen der Ökologischen Ökonomie betonen, dass Naturkapital nicht einfach durch menschliches Sachkapital ersetzt werden kann. Daher gibt es klare ökologische Wachstumsgrenzen und Wirtschaftswachstum steht in Konkurrenz zur Umweltqualität (C. Müller, 2015). Die Konzepte der Postwachstumsökonomie (Degrowth) stellen eine Weiterentwicklung der Ökologischen Ökonomie dar. Sie plädieren für eine Abkehr vom Wachs‐ tumsparadigma. Degrowth strebt grundlegende Veränderungen des derzei‐ tigen wirtschaftlichen und sozialen Systems an ( Jackson, 2009; Kallis et al., 2018). Das Ziel ist, den aktuellen Wachstumszwang in der Wirtschaft zu überwinden und soziale Gerechtigkeit, Lebensqualität und Wohlstand durch eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Ressourcen zu erreichen. Dies setzt eine tiefgreifende sozioökonomische Transformation Verantwortung von Unternehmen 133 <?page no="134"?> der Gesellschaft voraus und soll etwa durch die Stärkung regionaler Wirt‐ schaftskreisläufe und öffentlicher Güter erreicht werden. Kritiker*innen sehen die negativen Folgen einer schrumpfenden Wirtschaft wie Rezession, steigende Arbeitslosigkeit, Gefährdung sozialer Sicherungssysteme und die mangelnde praktische Umsetzbarkeit als größte Hindernisse für Degrowth (Schmelzer & Vetter, 2023). Auch bei der sogenannten Doughnut-Ökonomie (Doughnut Economics) wird ein neues ökonomisches Denken jenseits des Bruttoinlandsprodukts gefordert. Ziel des von der britischen Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth entwickelten Konzepts ist es, vom Paradigma des Wirtschafts‐ wachstums zu einem Wohlstand für alle innerhalb planetarer Grenzen zu gelangen. Erreicht wird das durch einen sicheren und gerechten Raum für die Menschheit, der sich visualisiert als Donut darstellen lässt: Die äußere Grenze bildet die ökologische Decke, die nicht überschritten werden darf, nach innen sichert ein soziales Fundament den Wohlstand (Raworth, 2017). In eine ähnliche Richtung argumentiert das Konzept der Gemeinwohlöko‐ nomie, das von dem österreichischen Ökonomen Christian Felber entwickelt wurde. Es steht für ein alternatives Wirtschaftsverständnis jenseits rein wachstums- und gewinnorientierter Kennzahlen, bei dem wirtschaftlicher Erfolg daran gemessen wird, inwieweit Unternehmen und Organisationen zum Gemeinwohl beitragen. Mit Gemeinwohl sind Werte wie Menschen‐ würde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung gemeint. Zentrales Instrument ist dabei die Gemeinwohl-Bilanz, mit der Unternehmen ihre gesellschaftlichen und ökologischen Wirkungen systematisch erfassen und bewerten (Felber, 2021). Was ist eine Kreislaufwirtschaft? Als Kreislaufwirtschaft (Circular Economy, CE) wird eine Form des Wirt‐ schaftens bezeichnet, bei der Ressourcenverbrauch und Emissionen redu‐ ziert sowie Produkte, einzelne Komponenten und ihre Materialien möglichst lange im Umlauf gehalten werden (European Commission, 2022). Gleichzei‐ tig wird die Entstehung von Abfällen vermieden. Die CE strebt anstelle des herkömmlichen, linearen Take-Make-Use-Dispose-Systems ein zirkuläres System an, dass sich auf neun bzw. zehn Strategien stützt (Potting et al., 2018). Diese grundlegenden CE-Strategien (siehe Abb. 5) werden als R-Strategien bezeichnet, da sie im Englischen alle mit einem „R“ anfangen. 134 Verantwortung von Unternehmen <?page no="135"?> Die obersten R-Strategien sind die, die das größte ökologische Potenzial haben. Sie reduzieren den Gesamteinsatz von Ressourcen, indem sie grund‐ sätzlich in Frage stellen, was überhaupt in welchem Umfang produziert werden muss. Konkret sind dies Refuse, Rethink und Reduce. Die mittleren Strategien dienen insbesondere der Verlängerung der Produktlebensdauer bzw. ihrer Komponenten. Dazu zählen Reuse, Repair, Refurbish, Remanu‐ facture und Repurpose. Schließlich bleiben mit Recycle und Recover noch die unteren Strategien, bei denen es um Materialrückgewinnung oder um energetische Verwertung geht. Die energetische Verwertung, also das Verbrennen von Abfällen, kann nicht mehr eindeutig zur Kreislaufwirtschaft gezählt werden. Im Kontext des nachhaltigen Konsums ist relevant, dass sich einige der R-Strategien sehr direkt auf Konsum- und Nutzungsmuster beziehen und auf den Beitrag der Konsument*innen angewiesen sind: Die Strategie Refuse funktioniert etwa nur, wenn Menschen ihren Bedarf reflektieren. Die Rethink-Strategie klappt nur, wenn sie bereit sind, alternative Nutzungsfor‐ men wie Sharing auszuprobieren. Auch Reparatur oder Wiederverwendung (Reuse) hängen davon ab, dass Konsument*innen die von ihnen genutzten Geräte reparieren bzw. reparieren lassen und gleichzeitig bereit sind, ge‐ brauchte Produkte zu kaufen. Schließlich funktioniert auch Recycling dann am besten, wenn nicht mehr Gebrauchtes fachgerecht und, nach Material getrennt, entsorgt wird. Der CE und vor allem den höheren R-Strategien werden ein enormes Potenzial für den Klima- und Ressourcenschutz zugesprochen. Laut einer aktuellen Studie könnten durch umfassende CE-Maßnahmen beispielsweise die deutschen Treibhausgasemissionen bis zu 50 Prozent reduziert werden (Prakash et al., 2023). Somit haben Konsument*innen mit den R-Strategien sehr konkrete Ansatzpunkte an der Hand, um einen ökologischen Beitrag zu leisten. Verantwortung von Unternehmen 135 <?page no="136"?> Abb. 5: R-Strategien der Kreislaufwirtschaft, Schmidt (2026, S. 24) basierend auf Kirchherr et al. (2017) und Potting et al. (2018) Welche Verantwortung tragen Unternehmen für nachhaltigen Konsum? Unternehmen tragen eine erhebliche Verantwortung für nachhaltigen Kon‐ sum - nicht nur durch ihre Produktionsweise, sondern auch durch die Gestaltung ihrer Produkte, die Transparenz ihrer Lieferketten (→ Warum ist Transparenz in Lieferketten so wichtig? ) und die Art, wie sie Kaufentschei‐ dungen beeinflussen. Unternehmen sind zentrale Verursacher der gegenwärtigen Nachhaltig‐ keitsprobleme. An der Produktions- und Arbeitsweise der Unternehmen anzusetzen, stellt dabei einen wichtigen Hebel dar, um mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft und im Konsumalltag zu erreichen. Die Verantwortung von Unternehmen ergibt sich darüber hinaus aus dem geteilten Verantwor‐ tungsprinzip für nachhaltigen Konsum (→ Warum haben Konsument*in‐ nen dennoch Verantwortung? ). Geteilte Verantwortung für nachhaltigen Konsum bedeutet, dass alle gesellschaftlichen Akteure (z. B. Politik, Me‐ dien, Konsument*innen und eben Unternehmen) - entsprechend ihres Handlungsspielraums - dazu beitragen können und müssen, nachhaltigen Konsum zu fördern. 136 Verantwortung von Unternehmen <?page no="137"?> Der Beitrag von Unternehmen ist sowohl naheliegend als auch besonders wichtig, weil sie das Marktangebot und damit auch die Menge und das Ausmaß (nicht-)nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen bestimmen, die im Markt verfügbar sind. Zusätzlich beeinflussen sie durch Marketing maßgeblich die Konsumentscheidungen. Andererseits sind Unternehmen von der Zustimmung der Konsument*innen durch Abnahme ihrer Produkte und Dienstleistungen abhängig. Unternehmen und Konsument*innen teilen sich demnach die Marktstruk‐ turen, auch wenn hierbei große Macht- und Informationsasymmetrien zu Gunsten von Unternehmen wirken. Konsum und Produktion müssen daher immer zusammen gedacht werden. Diese integrative Sichtweise spiegelt sich auch in dem betreffenden Nachhaltigkeitsziel 12 in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wider, das den Namen „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“ trägt. Was bedeutet nachhaltige Unternehmensführung? Die Verantwortung von Unternehmen für Nachhaltigkeit wird oft unter den Begriffen Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Res‐ ponsibility (CR) diskutiert. Insbesondere das CSR-Konzept hat eine längere Geschichte, die in den 1950er Jahren in den USA begann, und ist mittlerweile in zahlreichen politischen Regelwerken etwa auf der Ebene der Vereinten Nationen und der Europäischen Union verankert. Beide Konzepte verstehen Unternehmen als Teil der Gesellschaft, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und ökologische Verantwortung für die Auswirkungen ihres Handelns tragen (I. Schmidt, 2021) und diese Aspekte in die strategische und operative Unternehmenssteuerung integrieren. Die Verantwortungsbe‐ reiche umfassen einen inneren (Erfüllung der ökonomischen Pflichten im Rahmen der rechtlichen Vorgaben), mittleren (der eigentliche Wertschöp‐ fungsprozess in der Lieferkette) und äußeren Verantwortungsbereich (phi‐ lanthropisches Engagement) (Hiß, 2006). Konkret umfasst dies unterneh‐ merische Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen und zur Erhöhung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie zur Förderung von Diversität, Chancengleichheit und der Wahrung der Menschenrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Beispiele verantwortungsvoller Unternehmensführung sind darüber hinaus die Korruptionsbekämpfung und ein faires Wettbewerbsverhalten. Verantwortung von Unternehmen 137 <?page no="138"?> Entscheidend ist, dass das Nachhaltigkeitsengagement in der Regel auf Freiwilligkeit beruht. Zugleich stellt genau diese Freiwilligkeit den zentralen Kritikpunkt an den genannten Konzepten dar, da ihre Wirksamkeit dadurch begrenzt bleibt und sie von zahlreichen Unternehmen zu Zwecken des Greenwashings ausgenutzt werden. Ausgehend von Anforderungen des Finanzsektors hat sich neben den freiwilligen Ansätzen wie etwa CSR zu‐ nehmend ein standardisierter, quantitativer Rahmen entwickelt, der sich auf messbare Kriterien bezieht, um die Nachhaltigkeitsleistung von Unterneh‐ men zu bewerten und Finanz- und Investitionsentscheidungen abzusichern. Diese sogenannten Environmental, Social and Corporate Governance -Kri‐ terien (kurz ESG; engl. für Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmens‐ führung) sind auf EU-Ebene durch Gesetzgebung wie die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und die EU-Taxonomie mittlerweile verbindlich. Die Gründe, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver auseinanderzusetzen, variieren natürlich je nach Unternehmen und Bran‐ che. Studien zeigen, dass sowohl altruistische als auch strategische Motive dazu zählen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Freiwillige Maßnahmen zur nachhaltigen Unternehmensführung wie CSR und CR sind wichtig, reichen aber allein nicht aus. Ohne verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen - wie die CSRD auf EU-Ebene - bleibt Unternehmensverantwortung zu oft ein Marketinginstrument und ihre Wirksamkeit begrenzt. Lassen sich Nachhaltigkeit und Gewinnorientierung verbinden? Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus. Ganz im Gegenteil erkennen viele Unternehmen, dass ökologisches und so‐ ziales Handeln auch ökonomische Vorteile bringen kann. Die Outdoor-Mar‐ ken Patagonia und Vaude zeigen beispielsweise, dass konsequente Nachhal‐ tigkeitsstrategien - etwa durch langlebige Produkte, Reparaturservices und transparente Lieferketten - erfolgreich mit einer starken Markenpositionie‐ rung und hoher Kund*innenloyalität verbunden werden können. Ökonomische Vorteile für Unternehmen können beispielsweise durch nachhaltige Innovationen entstehen, wenn dadurch neue Märkte und Kundengruppen erschlossen und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt wer‐ den. Produktionsprozesse, bei denen Energie und Ressourcen effizienter eingesetzt werden, bringen nicht nur finanzielle Einsparungen, sondern 138 Verantwortung von Unternehmen <?page no="139"?> reduzieren auch Abhängigkeiten von knappen Rohstoffen. Entscheidend ist dabei, Nachhaltigkeit nicht als ergänzendes Projekt oder reine Marketing‐ maßnahme zu verstehen, sondern sie fest in der Unternehmensstrategie und im Geschäftsmodell zu verankern. Dann kann Nachhaltigkeit auch ein Stabilitäts- und Resilienzfaktor für Unternehmen sein (Flüter-Hoffmann et al., 2018). Denn Unternehmen, die ökologische und soziale Risiken etwa in ihren Lieferketten frühzeitig erkennen, können Krisen besser vor‐ beugen (→ Warum ist Transparenz in Lieferketten so wichtig? ). Einige Unternehmen gehen bereits gezielte Schritte, um Standortrisiken im Zuge der Klimakrise zu erkennen und darauf zu reagieren. Dabei wird geprüft, in welchem Maße bestehende oder geplante Standorte künftig von Hoch‐ wasser, Stürmen oder langanhaltenden Hitze- und Dürreperioden betroffen sein könnten, um sowohl technische Risiken für den laufenden Betrieb als auch gesundheitliche Risiken für die Beschäftigten abzumildern. In der Praxis werden die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens jedoch häufig noch nicht vollständig erkannt oder umgesetzt. Zwar erhöhen Nachhaltig‐ keitsstandards und Environmental, Social and Corporate Governance - Richtlinien (kurz ESG; engl. für Umwelt, Soziales und nachhaltige Unter‐ nehmensführung) die Transparenz, dienen aber in vielen Fällen lediglich als Mindestanforderung oder als Instrument zur Legitimation nach außen. Ein zentraler Grund dafür liegt darin, dass die Unternehmensstrategie weiterhin dem Wachstumsparadigma folgt (Froese et al., 2023). Kennzahlen wie Bilanzsumme, Marktanteile oder Kapitalrendite gelten weiterhin als wichtigste Steuerungsgrößen. Nachhaltigkeitsziele können mit diesem Leit‐ bild in Konflikt geraten und so Spannungen und Zielkonflikte erzeugen. Im Unternehmensalltag zeigen sich diese Konflikte beispielsweise, wenn ein Unternehmen die Produktionsmenge begrenzt oder seine Kund*innen zu weniger Konsum anregt. Solche Maßnahmen können kurzfristig zu sin‐ kenden Umsätzen und unerfüllten Renditeerwartungen von Aktionär*innen führen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass ein grundlegender Wandel nicht von heute auf morgen geschieht (Loorbach, 2007). Schrittweise Veränderungen in Prozessen, Organisationskulturen und Steuerungsmechanismen können jedoch dazu beitragen, den notwendigen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Unternehmensführung zu erleichtern. Verantwortung von Unternehmen 139 <?page no="140"?> Welche Geschäftsmodelle fördern nachhaltigen Konsum - und wie funktionieren sie? Ein Geschäftsmodell beschreibt, wie ein Unternehmen wirtschaftet. Es umfasst die Aktivitäten, die erforderlich sind, um ein Unternehmen im Wettbewerb zu positionieren und die Wertschöpfung eines Unternehmens zu ermöglichen (Osterwalder, 2004). Dazu gehören insbesondere 1. das Wertangebot (Welches Problem wird gelöst? Welchen Nutzen erhal‐ ten Konsument*innen? ), 2. die Zielgruppen (Für wen wird dieser Wert geschaffen? ), 3. die Wertschöpfung (Wie wird das Produkt oder die Dienstleistung erstellt? Welche Ressourcen, Prozesse und Partner sind daran beteiligt? ), 4. sowie das Erlösmodell (Wie verdient das Unternehmen Geld? ) (Oster‐ walder, 2004). Nachhaltige Geschäftsmodelle zielen darauf, neben langfristigem ökono‐ mischem Wert auch Beiträge für Umwelt und Gesellschaft zu leisten (Schaltegger et al., 2016). Sie richten den Blick auf die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen und nicht nur auf die Erwartungen von Eigentümer*in‐ nen und Aktionär*innen. Nachhaltige Geschäftsmodelle können entweder in etablierten Unternehmen entstehen, die ihr bestehendes Geschäftsmodell schrittweise im Sinne der Nachhaltigkeit transformieren oder als Teil von Start-Ups, die neue Ansätze praktisch erproben. Aber nicht jedes Unterneh‐ men kann nachhaltig(er) gestaltet werden. Geschäftsmodelle, die beispiels‐ weise von der Förderung fossiler Energieträger abhängen, sind daher nicht zukunftsfähig. Hier sind Exnovationen nötig. Auch Geschäftsmodelle, die auf die Herstellung von z. B. ungesunden oder sozial schädlichen Gütern ausgerichtet sind, können nicht nachhaltig werden, auch wenn sie ökolo‐ gisch verträglich sind. Nachhaltiger Konsum kann durch verschiedene Geschäftsmodelle unter‐ stützt werden. Lange haben sich Unternehmen auf Effizienz fokussiert und auf mehr Output bei weniger Ressourcenverbrauch abgezielt. Erreicht wurde dies durch technologische Innovationen, optimierte Prozesse oder neue Materialien. Doch dieser Ansatz greift zu kurz, wenn Effizienzgewinne durch höheren Energieverbrauch oder steigenden Konsum wieder aufgeho‐ ben werden. Eine Lösung ist die Kreislaufwirtschaft (→ Was ist eine Kreislaufwirt‐ schaft? ). Hier geht es darum, Produkte und Materialien möglichst lange 140 Verantwortung von Unternehmen <?page no="141"?> im Umlauf zu halten. Unternehmen können dies durch Wiederverwen‐ dung, Reparatur, Recycling und ein Produktdesign fördern, das Kreisläufe ermöglicht. Geschäftsmodelle der Sharing Economy (→ Ist die Sharing Economy nachhaltig? ), welche die gemeinsame Nutzung statt individuellen Besitzes fördern (Teilen statt Besitzen), gehören ebenfalls zu möglichen Lösungsansätzen. Digitale Plattformen oder Communities können es er‐ möglichen, Autos, Wohnungen oder Werkzeuge zu teilen. So können Res‐ sourcen effizienter genutzt und der Bedarf an Neuprodukten reduziert werden. Ein weiterer Ansatz sind Sozialunternehmen. Sie verfolgen das Ziel, soziale Probleme unternehmerisch zu lösen. Im Mittelpunkt steht die gesellschaftliche Wirkung statt Profitmaximierung. Gewinne werden nicht in erster Linie ausgeschüttet, sondern wieder in das Unternehmen reinves‐ tiert. Ähnliche Ziele verfolgen lokale und solidarische Projekte, die auf gemeinschaftlicher Organisation und direkter Kooperation zwischen Pro‐ duzent*innen und Konsument*innen basieren. Dazu zählt zum Beispiel die sogenannte Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), bei der Verbraucher*in‐ nen die landwirtschaftliche Produktion gemeinschaftlich finanzieren und im Gegenzug wöchentlich einen Anteil der Ernte erhalten. Risiken, Kosten und Erträge werden dabei solidarisch geteilt, wodurch Landwirt*innen mehr Planungssicherheit erhalten und Konsument*innen einen direkten Bezug zu Herkunft und Produktionsbedingungen ihrer Lebensmittel entwickeln (Egli et al., 2023). Bei suffizienzorientierten Geschäftsmodellen wiederum geht es primär darum, Ressourcen zu schonen, wobei der Fokus auf weniger Konsum und Produktion liegt. Unternehmen bieten Reparatur- und War‐ tungsdienste, Secondhand-Angebote oder Rücknahmesysteme an und rufen in ihrer Kommunikation dazu auf, überflüssigen Konsum zu vermeiden. Ist die Sharing Economy nachhaltig? Die Sharing Economy umfasst ein breites Spektrum an Praktiken, Aktivitä‐ ten und Geschäftsmodellen, bei denen Ressourcen ausgeliehen, verliehen, geteilt, getauscht, vermietet oder anderweitig weitergegeben werden - oft auf innovative Weise, die durch digitale Technologien revolutioniert wurde (Behrendt et al., 2018). Im Kern geht es also darum, die Verbindung zwi‐ schen Eigentum und Zugang aufzulösen. Während Menschen schon immer innerhalb von Familien und Gemeinschaften geteilt haben, haben digitale Technologien neue Möglichkeiten in Bezug auf Reichweite und Geschwin‐ Verantwortung von Unternehmen 141 <?page no="142"?> digkeit, Netzwerke und Beziehungen sowie rechtliche Rahmenbedingungen eröffnet. Die heutige Sharing Economy erstreckt sich über verschiedene Bereiche des Konsums: Wohnen/ Übernachten, Transport, Lebensmittel, Fä‐ higkeiten und Räume. Die Angebote unterscheiden sich zumeist hinsichtlich der Frage, ob das Teilen zeitlich begrenzt und gegen Bezahlung erfolgt, ob physische Güter in die Transaktion involviert sind, ob sie im Besitz einer Privatperson sind (Peer-to-Peer-Sharing) oder von einem Unternehmen angeboten werden (Produktdienstleistungssystem, → Welche Rolle spielen Produktdienstleistungssysteme? ). Die allgemein positive Auslegung von Teilen als gemeinschaftliche Aktivität erschwert diese Abgrenzungen, da sich viele kommerzielle Anbieter (vor allem Plattformen) als Teil der Sharing Economy beschreiben, um dadurch Verbrauchervertrauen und Legitimität zu gewinnen. Es gibt aber auch traditionellere Non-Profit-Akteure, die etwa die Weitergabe von überschüssigen Lebensmitteln, Werkzeugbibliotheken oder Bücherschränke anbieten und damit keinen kommerziellen Zweck verfolgen (Ivanova & Makov, 2025). Die geteilte Nutzung von Gütern hat das Potenzial, Umweltbelastungen zu reduzieren. Zunächst werden weniger Ressourcen pro Person benötigt. Aktuelle Studien deuten jedoch darauf hin, dass solche Effizienzgewinne verloren gehen, wenn Sharing-Systeme skaliert werden. Erstens können unterstützende Logistikprozesse zunehmen (z. B. das Umverteilen von Leihrädern am Tagesende oder zusätzliche Leerfahrten bei Uber). Zweitens können zusätzliche Einnahmen für Anbieter*innen auf Peer-to-Peer-Platt‐ formen die Nachfrage nach neuen Produkten steigern. Drittens können Sharing-Angebote noch umweltfreundlichere Alternativen verdrängen, wie im Fall von E-Scootern, die in Konkurrenz zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder Zufußgehen stehen. Auch die sozialen Vorteile der Sharing Economy werden zunehmend in Frage gestellt. Der Aufbau persönlicher Beziehungen zu Fremden und die Freiheit und Autonomie der Arbeitskräfte werden von prekären Arbeitsbedingungen, die durch Einkommensunsicherheit, fehlende Absicherung, Diskriminierung und Ausbeutung geprägt sind, überschattet (Ivanova & Makov, 2025). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Modelle der Sharing Economy kein Garant für nachhaltigen Konsum sind. Sie haben einerseits Potenzial für mehr Nachhaltigkeit (Ressourceneffizienz, weniger Besitz, gemeinschaftli‐ che Nutzung), bergen andererseits aber auch Risiken (durch Mehrkonsum, Plattformkapitalismus und Rebound-Effekte). Entscheidend ist also nicht das Label „Sharing“, sondern die konkreten Geschäftsmodelle und ihre 142 Verantwortung von Unternehmen <?page no="143"?> Nutzung im Alltag (→ Welche Geschäftsmodelle fördern nachhaltigen Konsum - und wie funktionieren sie? ). Warum ist Transparenz in Lieferketten wichtig für nachhaltigen Konsum? Die Lieferkette eines Produktes umfasst sämtliche Akteure und Prozesse, die von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zur Lieferung an die Endkund*innen beteiligt sind. Aufgrund komplexer, globaler Arbeitsteilung bei der Herstellung von Produkten sind Lieferketten häufig intransparent. Entsprechend hat Lieferkettentransparenz zum Ziel, einen umfassenden Überblick über sämtliche Akteure in der gesamten Lieferkette zu schaffen, einschließlich der Zulieferer, zu denen keine direkten Vertragsbeziehungen bestehen (M. Müller & Siakala, 2019). Sie hilft, Risiken in der Lieferkette wie etwa Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Ausbeutung oder Um‐ weltverschmutzung frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Ein besse‐ res Verständnis der beteiligten Akteure innerhalb einer Lieferkette bietet Unternehmen Gelegenheiten für partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie eine effizientere Verteilung von Kosten und Ressourcen. Unternehmen, die nachvollziehbar und glaubwürdig handeln, haben den Vorteil, dass da‐ durch die Kundenbindung gestärkt und ihr Image verbessert werden kann. Für Konsument*innen bedeutet Transparenz, informierte Entscheidungen treffen zu können. Nur wenn klar ist, unter welchen Bedingungen ein Produkt hergestellt wurde, kann bewusst ein fair und nachhaltig produzier‐ tes Angebot gewählt werden. Nachhaltigkeitslabel, digitale Produktpässe oder Rückverfolgungssysteme bieten transparente Informationen über die Lieferkette, die für nachhaltige Konsumentscheidungen wichtig sind (→ Wie hilfreich sind Informationen und Siegel? ). Neben freiwilligen Branchenstandards wie der Business Social Compli‐ ance Initiative (BSCI) verpflichten nationale Gesetze oder entsprechende EU-Richtlinien Unternehmen dazu, Verantwortung für ihre globalen Liefer‐ ketten zu übernehmen. In Deutschland gibt es seit 2023 das Lieferkettensorg‐ faltspflichtengesetz (LkSG), kurz Lieferkettengesetz. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen zur Umsetzung von definierten Sorgfaltspflichten, welche im eigenen Geschäftsbereich, für das Handeln von Vertragspartnern und weiterer Zulieferer gelten. Verantwortung von Unternehmen 143 <?page no="144"?> Neben dem deutschen Lieferkettengesetz ist ein europäisches Lieferket‐ tengesetz (CSDDD) geplant, für das 2024 eine Richtlinie veröffentlicht wurde. Aufgrund von politischen Widerständen gilt es nun voraussichtlich erst ab 2029 für sehr große Unternehmen (über 5.000 Mitarbeiter*innen und 1,5 Mrd. Euro Umsatz). Diese Entwicklung hat auch auf das deutsche Gesetz Auswirkungen: So hat das Bundeskabinett 2025 Änderungen beschlossen, um das deutsche LkSG an die entschärften EU-Regeln anzupassen. Dies bedeutet weniger Berichterstattung und reduzierte Sanktionen. Wie beeinflusst Erwerbsarbeit das Konsumverhalten? Im Unterschied zur Subsistenzarbeit, bei der Menschen für die eigene Versorgung arbeiten und bspw. Gemüse anbauen, ist Erwerbsarbeit dadurch charakterisiert, dass im Tausch gegen Geld Arbeitsleistungen auf Märkten angeboten werden. In den meisten Fällen sind Erwerbstätige in Deutsch‐ land nicht selbstständig als Marktakteure tätig, sondern als „abhängig Beschäftigte“ in Organisationen eingebunden (z. B. in Unternehmen oder Verwaltungen). Die Erwerbsarbeitsorganisationen prägen durch ihre zeitli‐ chen, örtlichen, inhaltlichen, organisatorischen, (infra-)strukturellen und sozialen Rahmenbedingungen maßgeblich den Alltag der Menschen. So hat Erwerbsarbeit einen zentralen Einfluss auf die Gesundheit, die Vereinbar‐ keit mit Sorgearbeit sowie den Konsum. Die Einflüsse von Erwerbsarbeit auf Konsum sind vielfältig. Der Arbeitsort hat etwa direkte Auswirkun‐ gen auf die alltägliche Mobilität. Der organisatorische Rahmen prägt den Kleidungsstil. Die Arbeitsinhalte und -bedingungen beeinflussen, welchen Freizeitbeschäftigungen und Konsumvorlieben Menschen nachgehen. An‐ strengungen und Entbehrungen im Erwerbsarbeitskontext führen zudem häufig zu sogenanntem Kompensationskonsum. Auch lernen Menschen im Erwerbsarbeitskontext soziale Normen und Praktiken kennen, die sich unmittelbar auf ihren Konsum auswirken können. Erwerbsarbeitszeit und Einkommen entscheiden maßgeblich über Zeit und Geld für Konsum (→ Was hat Zeit mit nachhaltigem Konsum zu tun? → Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr? ). Klar ist, die Auswirkungen der Erwerbsarbeit auf nachhaltigen Konsum können positiv oder negativ sein (Muster, 2012). Während es mittlerweile ein gesellschaftliches Bewusstsein für die (Un-)Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Privatleben bzw. Familie gibt (Work-Life-Balance bzw. Work-Family-Balance), trifft das für die Verein‐ 144 Verantwortung von Unternehmen <?page no="145"?> barkeit mit einem nachhaltigen Lebensstil noch längst nicht zu (Green Work-Life-Balance, Muster & Schrader, 2011). Am stärksten werden bislang die Konsumbereiche berücksichtigt, die eng mit Erwerbsarbeit verknüpft sind (Mobilität und Ernährung). Im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätsmanagements streben Arbeitgeber beispielsweise an, die Mobilität ihrer Mitarbeiter*innen möglichst sozial- und umweltverträglich, kostensparend und gesundheitsfördernd zu gestal‐ ten. Darunter fallen etwa Jobtickets mit Ermäßigungen für den ÖPNV, Jobfahrräder, das Pooling von Firmenwagen oder die Förderung von Mit‐ fahrgemeinschaften. Auch die Förderung von gesunder und nachhaltiger Ernährung wird von einer zunehmenden Anzahl von Erwerbsarbeitsorga‐ nisationen berücksichtigt, indem Obst und Gemüse als Pausenverpflegung bereitgestellt werden und in Kantinen ergänzende vegetarische Gerichte und Bio-Produkte angeboten werden. Insgesamt besteht jedoch noch viel Ausbaupotenzial für die Förderung eines nachhaltigen Konsums am Arbeits‐ platz (Muster, 2011). Verantwortung von Unternehmen 145 <?page no="146"?> Handbuch Nachhaltigkeit Ziele, Klimawandel, Politik Nachhaltigkeit ist in aller Munde das Thema umfasst viele Dimensionen. Dieses Handbuch beinhaltet v.a. Ziele, Klimawandel und die Politikebene. Der Autor spannt in diesem Handbuch den Bogen von den begrifflichen Grundlagen über die wichtigsten weltweiten Vereinbarungen, einer entsprechenden Bestandsaufnahme weiter ... b <?page no="147"?> Verantwortung von Konsument*innen Es gibt eine geteilte Verantwortung für nachhaltigen Konsum. Neben anderen Akteur*innen tragen auch Konsument*innen selbst Verant‐ wortung. Wie groß die Macht der Konsument*innen ist und welche Möglichkeiten zur Einflussnahme sie haben, zeigt dieses Kapitel. <?page no="148"?> Warum ist Konsumentenverantwortung so schwer zu fassen? Trotz der offensichtlichen Verbindung von Konsum und Nachhaltigkeit ist die Zuschreibung einer umfassenden Verantwortung an Konsument*innen für eine nachhaltige Entwicklung kontrovers. Die Kritik beruht hauptsäch‐ lich auf drei Argumenten: Erstens scheinen die individuellen Möglichkeiten angesichts der enormen globalen Herausforderungen äußerst begrenzt. Das Handeln einer einzelnen Person, die z. B. Auto fährt, trägt nur in geringem Maße zur Entstehung oder Verhinderung globaler Probleme wie z. B. dem Klimawandel bei. Der Effekt „stellt sich erst auf der aggregierten Ebene ein“ (Bayertz, 1995, S.-54). Zweitens ist das Handeln der Konsument*innen in komplexe Gesell‐ schafts- und Marktstrukturen eingebettet. Individuelle Bemühungen zur Verhaltensänderung können durch Wettbewerbsdruck, Alltagszwänge, Ein‐ kommen, Infrastrukturen oder kulturelle Normen nur begrenzt umgesetzt oder wirksam werden. Drittens sind die negativen externen Effekte des Konsums oft unbeab‐ sichtigte Nebenfolgen und aufgrund räumlicher und zeitlicher Distanzen nur schwer auf einzelne Handlungen zurückzuführen. Ähnlich verhält es sich mit den positiven Effekten eines veränderten Konsumhandelns: Auch diese zeigen sich in der Regel erst mit großer räumlicher und zeitlicher Verzögerung und sind nicht unmittelbar durch das handelnde Individuum beeinflussbar oder erfahrbar. Diese Herausforderungen gelten letztlich für alle individuellen Akteure im globalen Kontext - auch einzelne Politiker*innen oder Unternehmer*in‐ nen stoßen an ihre Grenzen, wenn es um die Veränderung eines globalen Systems geht. Hinzu kommt im Falle von Konsument*innen allerdings noch, dass ihnen zunächst durch die wirtschaftswissenschaftliche Theorie und auch durch die Verbraucherpolitik eine Verantwortungsrolle abgesprochen wurde: Sie wurden entweder als mündige und souveräne Marktakteure be‐ trachtet, deren Präferenzen nicht hinterfragt werden sollten, oder als schutz‐ bedürftige Opfer von Marketingstrategien, die keine moralische Verantwor‐ tung tragen können. Eine differenzierte, vom tatsächlich beobachtbaren Verhalten ausgehende Betrachtung geht jedoch davon aus, dass, auch wenn das moralische Handeln von Konsument*innen von etlichen Faktoren be‐ einflusst und ggf. verhindert wird (Schlaile et al., 2018), sie autonom handeln können und reflexionsfähig sind (Cortina, 2006). Konsument*innen können 148 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="149"?> daher grundsätzlich als moralisch adressierbare Akteure betrachtet werden. Das bedeutet nicht, dass sie automatisch vollumfänglich Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung tragen, sondern begründet zunächst nur die Möglichkeit für eine potenzielle Verantwortungszuschreibung (I. Schmidt, 2016). Warum haben Konsument*innen dennoch Verantwortung? Herausforderungen wie der Klimawandel oder globale Ungerechtigkeit überfordern oft das individuelle Handeln und können weder von Einzelnen allein verursacht noch gelöst werden. Es liegt deshalb nahe, sich selbst aus der persönlichen Verantwortung zu entlassen und die Zuständigkeit anderen zuzuschreiben (z. B. der Politik - nach dem Motto: „Die müssen es richten“). Das Problem: Verantwortung diffundiert dadurch oft ins Leere und Fragen zum politischen Handeln bleiben unbeantwortet: Wer handelt in einem politischen System überhaupt? Wer macht Politik? In freien Marktwirtschaften und Demokratien kann sich jede*r Einzelne beteiligen und mitbestimmen, auch wenn dies je nach Rolle und Funktion auf sehr unterschiedliche Art und Weise geschehen kann. Eine genaue Bestimmung der jeweiligen Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme erscheint da‐ her sinnvoller als die eigene Verantwortung grundsätzlich infrage zu stellen. Dafür stellt die Ethik ein differenziertes, modernes Verantwortungsprinzip zur Verfügung das, nicht dass zwischen einer individuellen und einer kollektiven Dimension unterscheidet (Gerber, 2010). Diese Differenzierung von individueller und kollektiver Verantwortung kann systematisch auf Konsumentenverantwortung übertragen werden (I. Schmidt, 2016). So gilt für die individuelle Dimension im Kontext des Konsums: Ob‐ wohl der Beitrag eines Einzelnen, d. h. der individuelle Fußabdruck des Lebensstils, gering ist, ist er nicht gleich null (Schwartz, 2010) (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ). Das Konsumhandeln trägt vielmehr in einer aggregierten Kausalität zu den Schäden bei. Konsument*innen sind entweder direkt (z. B. CO 2 -Ausstoß beim Autofahren) oder indirekt (durch ihre Nachfrage, die die Produktionsprozesse der Unternehmen beeinflusst) beteiligt. Die kollektive Verantwortungsdimension beruht auf der Position der Konsument*innen im Wirtschaftssystem, welche sich auf verschiedene Verantwortung von Konsument*innen 149 <?page no="150"?> Faktoren stützt (Young, 2013). Konsument*innen beteiligen sich, erstens, als Nachfragende, Nutzer*innen und Verbraucher*innen am marktwirtschaftli‐ chen System und haben gemeinsam einen nicht unerheblichen Einfluss. Angesichts der Berichterstattung über Nachhaltigkeitsherausforderungen wie Klimawandel und problematische Arbeitsbedingungen muss, zweitens, angenommen werden, dass Konsument*innen diese Probleme wahrnehmen und hinnehmen, auch wenn sie sie nicht gezielt verursachen. Drittens profitieren Konsument*innen im Globalen Norden von den bestehenden Strukturen, da sie Güter zu Preisen erwerben, die soziale und ökologische Kosten externalisieren. Auf dieser Basis lässt sich Konsument*innen eine geteilte, kollektive Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung zuschreiben. Konkret bedeutet dies, dass sie ihren individuellen Schadensbeitrag (d. h. ihren Fuß‐ abdruck) möglichst verringern (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ) und ihren kollektiven Einfluss durch ein verändertes Nachfrageverhalten, soziales Vorleben oder die Beteiligung an zivilgesellschaftlichen Initiativen nutzen, um das System zu verändern (→ Was ist ein nachhaltiger Handab‐ druck? ). Aufgrund der Komplexität und der oft unklaren moralischen An‐ forderungen in der Vergangenheit kann Konsument*innen allerdings in der Regel kein pauschaler Vorwurf im Sinne einer moralischen Schuld gemacht werden. Stattdessen geht es darum, welchen Beitrag Konsument*innen zur Veränderung ungerechter Strukturen leisten können und sollen, d. h. um eine gemeinsame Gestaltung eines nachhaltigen Wirtschaftens. Zudem ist zu unterstreichen, dass das Konzept der geteilten Verantwortung nicht nur das Kollektiv der Konsument*innen einschließt, sondern insbesondere auch Unternehmen und die Politik sowie alle weiteren Akteure, die eine Rolle im Wirtschaftssystem haben und es beeinflussen. Diese bekleiden jeweils andere Positionen und sie haben auch einen unterschiedlich großen Einfluss, weshalb auch ihre Verantwortung einen anderen Umfang oder eine andere Form haben kann. Insofern bedarf es für jeden Akteur einer Konkretisierung dessen, was die Verantwortung jeweils in der Umsetzung bedeutet (I. Schmidt, 2016). 150 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="151"?> Was bedeutet verantwortungsvolles Konsumieren konkret? Verantwortlich zu konsumieren bedeutet, sich im Rahmen bestehender Möglichkeiten zu informieren, den eigenen schädlichen Beitrag zu reduzie‐ ren und aktiv an der Transformation ungerechter Marktstrukturen mitzu‐ wirken (I. Schmidt, 2016). Konsumentenverantwortung kann entsprechend in drei Komponenten unterschieden werden: Der erste Handlungsbereich betrifft die aktive Beschaffung von Informa‐ tionen über die sozialen und ökologischen Auswirkungen unseres Konsu‐ mierens und Produzierens, über die Produkte, die wir kaufen und nutzen, sowie ihre Herstellungsbedingungen, mögliche Alternativen und auch mögliche Wiederverwendungs- oder Entsorgungswege (Schwartz, 2010). Dieser Bereich bildet die Grundlage für alle weiteren verantwortlichen Handlungen. Viele der erwähnten Informationen und Inhalte sind komplex und fehleranfällig, insofern muss Bekanntes ggf. auch revidiert werden. Oft reichen jedoch auch bereits „einfache und plausible Grunderkenntnisse“ (Schoenheit, 2009, S. 23), um das Handeln in eine nachhaltigere Richtung zu lenken (z.-B. ökologischer Vorteil eines reduzierten Fleischkonsums). Im zweiten Handlungsbereich geht es um die Reduzierung des eigenen Schadensbeitrags, d. h. des mit dem eigenen Lebensstil verbundenen Fuß‐ abdrucks (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ). Hier ist es das Ziel, den Beitrag zu sozial-ökologischen Schäden und die Beteiligung an problemati‐ schen Systemstrukturen zu verringern oder, wenn möglich, zu unterlassen. Dazu eignen sich vor allem die Strategien, die unter die Big Points in den zentralen Bedarfsfeldern des nachhaltigen Konsums fallen oder die R-Strategien des zirkulären Konsums (→ Was ist eine Kreislaufwirtschaft? ). Der dritte Handlungsbereich zielt schließlich auf die Veränderung der Strukturen und somit auf die Vergrößerung des eigenen Handabdrucks: Um die Systemstrukturen nachhaltig zu verändern, ist vor allem ein gemeinsames Handeln mit anderen Akteuren wirksam (→ Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? ). Konsument*innen können z. B. veränderte Verhaltensweisen vorleben und so soziale Effekte innerhalb der Peer Group oder Nachbarschaft auslösen. Durch die gemeinsame Nutzung (Sharing Eco‐ nomy) von Produkten und Dienstleistungen können die gleichen Bedarfe mit weniger Produkten befriedigt werden. Konsument*innen können sich zudem in genossenschaftlichen Modellen oder in Repaircafés engagieren oder durch ihr Nachfrageverhalten gezielt auf Unternehmen einwirken. Verantwortung von Konsument*innen 151 <?page no="152"?> Über diese drei Handlungsbereiche hinaus haben Konsument*innen eine Doppelrolle als Bürger*innen und Konsument*innen. Auf diese Weise kön‐ nen sie politisch Einfluss nehmen und sich für veränderte Rahmenbedingun‐ gen einsetzen, die nachhaltiges Handeln am Markt erleichtern (z. B. Gesetze politisch unterstützen). Zivilgesellschaftliche Organisationen bieten hierfür Optionen, indem sie Initiativen vorbereiten, Wissen zur Verfügung stellen sowie sonst häufig einzeln agierende Konsument*innen zusammenbringen und ihnen eine Stimme geben. Über die Beteiligung am politischen Dis‐ kurs können zudem Zuschreibungen, Zumutbarkeiten und Bedingungen zwischen den beteiligten Akteuren verhandelt werden. Verantwortliches Konsumieren ist vergleichbar mit der Pflege eines Gemeinschaftsgartens: Jede*r ist für seinen eigenen kleinen Pflanzfleck verantwortlich, indem er*sie sich um gesunde Pflanzen (nachhaltige Produkte) kümmert und Schädlinge (schädliches Handeln) reduziert. Die eigentliche Verantwortung liegt aber in der Organisation des gesamten Gartens: Man muss sich mit den Nachbar*innen (andere Konsument*innen) absprechen, die Gärtnerei (Unternehmen) zur Lieferung von Bio-Saatgut bewegen und sich dafür einsetzen, dass die Stadt die Wasserversorgung (politische Rahmenbedin‐ gungen) nachhaltig regelt. Auch muss gemeinsam festgelegt werden, wer wofür zuständig ist bzw. sein kann und wo Akteure möglicherweise Unter‐ stützung benötigen. Nur wer sich aktiv an allen Prozessen beteiligt, trägt zur dauerhaften Gesundheit und Fruchtbarkeit des gesamten Ökosystems bei. Diese verschiedenen Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme müs‐ sen entsprechend den individuellen Möglichkeiten im Sinne von Ressourcen (Zeit, Geld, Wissen, Kompetenzen), Kontext und Situation wahrgenommen werden. Es besteht insofern keine Pflicht alle Bereiche gleichzeitig umzu‐ setzen. Es besteht allerdings eine Pflicht, sich mit diesem Spielraum ausein‐ anderzusetzen, sich der Rolle im System bewusst zu sein und vorhandene Möglichkeiten wahrzunehmen (I. Schmidt, 2016). Unter welchen Bedingungen können Menschen Verantwortung übernehmen? Grundsätzlich gilt: Die Zuschreibung von Mitverantwortung für die Nach‐ haltigkeitsherausforderungen und eine zukunftsfähige Wirtschaft und Gesellschaft kann erst dann verhaltenswirksam werden, wenn Konsu‐ 152 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="153"?> ment*innen diese Verantwortung auch aktiv übernehmen. Dafür müssen Konsument*innen nicht nur sollen, sondern auch wollen und können. Um diesen Prozess zu starten, müssen bei Konsument*innen drei Voraussetzun‐ gen erfüllt sein: das Verständnis des Problems (z. B. den Klimawandel als Folge menschlicher Treibhausgasemissionen zu erkennen), die Über‐ zeugung, durch eigenes Handeln zur Lösung beitragen zu können, und die Einsicht, dass dieses Handeln eine moralische Verpflichtung darstellt. Erkennt eine Person sich selbst als Teil der Ursache bzw. der Lösung, wird ein moralisches Verpflichtungsgefühl aktiviert (H.-W. Bierhoff, 1995; Stern, 2000). Solange Konsument*innen die Verpflichtung allein extern verorten (z. B. „Die Politik muss das regeln, ich kann nichts tun“), unterbleibt indivi‐ duelles Handeln. Ausgenommen von diesem Prozess ist die Verantwortung für Nachhaltigkeitsprobleme, die Menschen nicht beeinflussen können - beispielsweise, wenn es sich um ein reines Naturphänomen handelt (etwa Treibhausgasemissionen aufgrund eines Vulkanausbruchs). Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme ist eine erste wichtige Grundlage. Nun muss jedoch auch die Umsetzung ins tatsächliche Verhalten erfolgen, sonst bleibt es bei gut gemeinten Vorsätzen. Eine Verhaltensände‐ rung ist dabei umso wahrscheinlicher, je motivierter und kompetenter ein Akteur sich selbst wahrnimmt und je mehr Handlungsoptionen er in einer konkreten Situation vorfindet (Ajzen, 1991; Michie et al., 2011). Die Motivation speist sich zum einen aus der moralischen Überzeugung etwas tun zu müssen, unterliegt jedoch zum anderen einer Kosten-Nut‐ zen-Abwägung (Diekmann & Preisendörfer, 2003). Die Veränderung von Gewohnheiten, höhere Kosten für nachhaltige Produkte, Komfortverzicht beim Umstieg vom Auto auf den ÖPNV oder die Reduktion von Fleisch sind alles Dinge, die den oder die Konsument*in etwas zu kosten schei‐ nen und bei denen er oder sie abwägt, ob diese Kosten akzeptabel sind. Dabei führt der sogenannte Status Quo Bias (Kahnemann et al., 1991) regelmäßig dazu, dass die Kosten, die durch aktuelles Handeln z. B. für die Gesundheit entstehen (Autofahren, hoher Fleischkonsum etc.) tendenziell vernachlässigt werden. Fällt die Abwägung jedoch positiv aus, ist für eine tatsächliche nachhaltige Handlungsabsicht nun die „subjektive Kompetenz- und Selbstwirksamkeitserwartung“ (Auhagen, 1999, S. 195) kritisch. Das bedeutet: Konsument*innen müssen sich selbst befähigt fühlen die Hand‐ lung umsetzen zu können. Gleichzeitig müssen sie davon ausgehen können, dass ihr Handeln wirklich eine Auswirkung hat, d. h. einen Unterschied im Hinblick auf die Zielerreichung macht (Auhagen, 1999). Verantwortung von Konsument*innen 153 <?page no="154"?> Ein gemeinsames Handeln im Kollektiv kann dabei vor allem im Kon‐ text des verantwortlichen Konsums die Wirksamkeitserwartung stärken (Bandura, 2000). Die Umsetzung kann nun immer noch daran scheitern, dass in der konkreten Handlungssituation keine realistisch umsetzbaren, nachhaltigeren Handlungsoptionen gegeben sind. Dort etwa, wo der ÖPNV nicht gut ausgebaut ist, kann es für Arbeitnehmer*innen unmöglich wer‐ den, pünktlich zur Arbeit zu kommen, wenn sie nicht das Auto nehmen. Hier schließt sich letztlich wieder der Kreis zur geteilten Verantwortung, denn es zeigt sich an derartigen Beispielen, dass Konsument*innen nicht alleinverantwortlich sind, sondern dass auch Unternehmen und Politik ihrer jeweiligen Verantwortung nachkommen müssen. Auf diese Weise kön‐ nen gegenseitig Handlungsspielräume erweitert werden: Konsument*innen können die Politik bei alternativen Anreizstrukturen und Rahmenregelun‐ gen unterstützen und sie können nachhaltiger handelnde Unternehmen mit ihrer Nachfrage am Markt stärken. Unternehmen bieten wiederum Konsu‐ ment*innen mit transparenten Informationen und alternativen Angeboten Handlungsalternativen, während die Politik die geeigneten Spielregeln für Produktion und Konsum setzt. Die Übernahme von Verantwortung wird so für alle Akteure wahrscheinlicher. Hängen Konsumentenverantwortung und Unternehmensverantwortung zusammen? Auch wenn Unternehmen und Konsument*innen grundsätzlich eine andere Position und Rolle im marktwirtschaftlichen System besetzen, basiert ihre Verantwortung jeweils auf ähnlichen Grundlagen: Sie verursachen für sich jeweils Schadensanteile und sie sind beteiligt an einem System, das systematisch diese Schäden bedingt. Somit teilen sich beide Akteursgruppen trotz ihrer Unterschiede grundsätzlich die Verantwortung für die Schadens‐ verringerung und für die Veränderung der Strukturen. Hinzu kommt, dass sich ihre Handlungsmöglichkeiten und somit auch Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme in vielen Aspekten gegenseitig bedingen. Unternehmen können Konsument*innen die Übernahme ihrer Verant‐ wortung erleichtern, indem sie transparent über Produktherkunft, Herstel‐ lungsverfahren und die externen Effekte der Produktion aufklären (→ Kapitel Verantwortung von Unternehmen). Sie können nachhaltige Alter‐ nativen schaffen sowie klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen zu 154 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="155"?> fairen Preisen anbieten, um nachhaltiges Handeln zu ermöglichen (→ Ka‐ pitel „Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen“). Durch Marketing und Werbeaktivitäten können sie zudem die Aufmerksamkeit der Kund*innen auf Nachhaltigkeitsaspekte lenken und ihnen eine verantwortliche Wahl erleichtern. Auch können sie ihnen helfen, ihre Handlungsspielräume zu er‐ kennen und wahrzunehmen. Ein Beispiel wäre der Einsatz von intelligenten Stromzählern und Beratung, um Einsparpotenziale beim Stromverbrauch zu realisieren. Konsument*innen haben wiederum verschiedene Möglichkeiten die Un‐ ternehmensverantwortung zu beeinflussen. Sie können durch sogenannte Boykotte (Abwanderung) gegen bestehende Geschäftspraktiken protestie‐ ren oder durch sogenannte Buycotte (Friedman, 1996) verantwortliche Unternehmen unterstützen und belohnen, d. h. bestimmte Produkte und Dienstleistungen aus sozialen, ethischen oder ökologischen Gründen zu konsumieren. Diese Marktsignale bündeln die Konsumentenpräferenzen und geben „den Anbietern Klarheit über ihre verantwortungsrelevanten Präferenzen“ (Neuner, 2001, S. 203). Sie können zudem aktiv am Produktle‐ benszyklus teilnehmen, etwa in genossenschaftlichen Modellen oder bei der Reparatur von Produkten. Während es somit einerseits konfrontative Möglichkeiten der gemeinsa‐ men Verantwortung gibt, die durchaus ein guter Startpunkt sein können, um auf Missstände hinzuweisen, sind andererseits auch kooperative Formen denkbar. In ökologischer Hinsicht ungünstig sind dabei Formen des „grünen Wachstums“, denn in diesem Fall würden konventionelle Produkte einfach durch nachhaltigere ersetzt, was aber die Produktionsmenge und somit sowohl die Ressourceninanspruchnahme als auch den Energieaufwand nicht zwingend schmälert, zumal das Risiko von Rebound-Effekten besteht (→ Was ist der Rebound-Effekt? ). Gewinnbringender erscheint daher die gemeinschaftliche Verantwor‐ tungsübernahme, mit dem Ziel, strukturelle Grenzen nachhaltigen Handelns gemeinsam zu durchbrechen. Hier kommt es zur gegenseitigen Ermögli‐ chung von Handlungsspielräumen, basierend auf Transparenz. Servicestatt Kaufmodelle oder Reparaturansätze und Garantien für langlebige und reparierbare Produkte wären hier ebenso Beispiele wie die gemeinschaft‐ liche Produktion in Betrieben der Solidarischen Landwirtschaft (→ Wie geht nachhaltige Ernährung? ). Die Beispiele zeigen, dass eine umfassende Umstrukturierung der Wirtschaftslogik notwendig wäre, um langfristige Verantwortung von Konsument*innen 155 <?page no="156"?> und nachhaltige Ziele der anstehenden, inkrementellen Transformations‐ prozesse zu erreichen (I. Schmidt, 2016). Wie viel Macht haben Konsument*innen wirklich? Die Macht von Konsument*innen lässt sich in verschiedene Dimensionen unterteilen, dazu gehören die Marktmacht (kollektiv und individuell), die Reflexionsmacht und die politische Macht. Die Marktmacht der Konsument*innen ist vor allem in der kollektiven Dimension relevant und entfaltet sich entsprechend dann, wenn Konsu‐ ment*innen kollektiv handeln. Sie wird hauptsächlich durch Sanktions‐ macht, d. h. durch Ab- oder Zuwanderung (Boykotte und Buycotte) ausgeübt (Friedman, 1996; Hirschman, 1974). Die Kaufkraft dient dabei sozusagen als „Stimmzettel“. Durch das Internet wurde die kollektive Marktmacht einerseits gestärkt, da sich Gleichgesinnte leichter über räumliche Distanzen hinweg organisieren, austauschen und somit eine stärkere Gegenmacht gegenüber den Anbietern bilden können (Rezabakhsh et al., 2006). Anderer‐ seits können Konsument*innen im digitalen Raum - vor allem im Online‐ handel und Sozialen Medien - manipuliert oder irregeführt werden (→ Wel‐ che Macht haben digitale Plattformen über unser Konsumverhalten? ). Hier sind entsprechende Regularien vonnöten, die die verbraucherstärkenden Funktionen der Digitalisierung wahren und die gefährdenden unterbinden (→ Sind wir vor unfairen KI-Praktiken im Onlinehandel geschützt? ). Konsument*innen verfügen zudem über eine Macht, die in ihrer Fähigkeit zur Bedarfsreflexion liegt. Sie sind die „experts on their own preferences“ (Rezabakhsh et al., 2006, S. 6) und können entscheiden, welche Produkte zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Wünsche führen können und ob es überhaupt Produkte sind, die diese Funktion erfüllen sollen. In dieser Hin‐ sicht haben sie folglich einen Informationsvorteil gegenüber Unternehmen oder auch der Politik. Konsument*innen haben schließlich auch eine politische Macht in ihrer Doppelrolle als Konsument*innen und Bürger*innen. Dies ermöglicht ihnen, Einfluss auf die politischen Institutionen zu nehmen, die die verbindlichen Rahmenbedingungen für das Wirtschaftssystem festlegen. Indem Konsu‐ ment*innen sich für veränderte Rahmenbedingungen (z. B. Gesetze, Steuern, Anreizsysteme) einsetzen, können sie es sich selbst und anderen Akteuren erleichtern, nachhaltiger zu handeln, indem sie z. B. die Anreizstruktur um‐ 156 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="157"?> kehren (nachhaltiges Handeln wird günstiger, nicht-nachhaltiges Handeln teurer). Trotz dieser vielfältigen Einflussmöglichkeiten ist die individuelle Macht von Konsument*innen strukturell begrenzt. Der Umfang ihrer Macht hängt maßgeblich davon ab, inwieweit sie als Kollektiv, d. h. z. B. zivilgesellschaft‐ lich organisiert, agieren. Tun sie dies, kann ihr Einfluss ähnlich groß sein wie die von Unternehmen oder der Politik. Beispielsweise hat die Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland (und weltweit) maßgeblich dazu beigetragen, Klimaschutz auf die politische Agenda zu setzen. Warum gilt nachhaltiger Konsum als individualistisch und neoliberal? Das Konzept des nachhaltigen Konsums und insbesondere die Zuschrei‐ bung von Verantwortung an Konsument*innen stehen immer wieder in der Kritik (Grunwald, 2012; Hellmann, 2011; Maniates, 2001). Ein erstes Argument bezieht sich auf die potenzielle Individualisierung struktureller Probleme: Dort, wo die Strukturen eines Systems so angelegt sind, dass es systematisch immer wieder ökologische und soziale Ungerechtigkeiten hervorbringt, könne die Lösung nicht bei einzelnen Akteuren liegen, son‐ dern müsse entsprechend auf systemischer Ebene, d. h. insbesondere in der (internationalen) Politik gefunden werden. Das Augenmerk auf Konsu‐ ment*innen zu legen, so die Kritik, lenke zu sehr von den eigentlichen Verantwortungsträger*innen in Politik und Unternehmen ab. Ein zweiter Argumentationsstrang stellt insgesamt in Frage, ob Konsument*innen als Marktakteure geeignete Verantwortungsadressaten sind. Der Vorwurf lau‐ tet, dass diese Sichtweise auf einer neoliberalen Marktlogik basiere, die den Konsument*innen eine Souveränität und Marktmacht zuschreibe, die so nicht existiere. Damit werde die Notwendigkeit politischer Regulierung im Falle von Marktversagen außer Acht gelassen und es drohe eine Privatisie‐ rung moralischer Fragen, die zum einen nicht in der Marktsphäre verortet sein sollte und zum anderen die Konsument*innen überfordere. Beide Argumentationslinien sind grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen. Sie übersehen allerdings, dass ein modernes Verantwortungskon‐ zept nicht ausschließend, sondern inklusiv ist: Es sind nicht entweder die Po‐ litik oder privatwirtschaftliche Akteure und nicht entweder Unternehmen Verantwortung von Konsument*innen 157 <?page no="158"?> oder Konsument*innen, die Verantwortung tragen, sondern sowohl Politik als auch Wirtschaft und sowohl Unternehmen als auch Konsument*innen. Das Prinzip der geteilten Verantwortung schreibt den verschiedenen Akteuren auf unterschiedlichen Systemebenen in ihren jeweiligen Rollen Verantwortung dort zu, wo sie Einfluss nehmen können und wo sie Möglichkeiten dazu haben (→Warum haben Konsument*innen dennoch Verantwortung? ). Dies entspricht letztlich der komplexen Funktionsweise von Systemen, in denen verschiedene Ebenen im Großen und im Kleinen miteinander interagieren und auch Veränderungen unterschiedlich - z. B. top-down oder bottom-up - initiiert werden können (Geels, 2011). Können wir jenseits des Konsumierens etwas bewirken? Ja - und zwar entscheidend. Nachhaltiger Konsum entsteht nicht nur durch „grüner kaufen“, sondern vor allem durch aktive Gestaltung im Alltag und kollektives Handeln (→ Wie viel Macht haben Konsument*innen wirklich? ). Die Verantwortung Einzelner für nachhaltigen Konsum kann nicht nur auf die Rolle als Konsument*in reduziert werden, da Individuen in vielfäl‐ tige soziale und wirtschaftliche Strukturen eingebunden sind und dadurch unterschiedliche Rollen und Positionen einnehmen. Diese verschiedenen Rollen - wie Konsument*in, Familienmitglied, Sorgearbeiter*in, Bürger*in, Politiker*in, Erwerbstätige*r, Nachbar*in, Freiwillige*r, private*r Unterneh‐ mer*in oder Mitglied weiterer Organisationen - eröffnen jeweils spezifische Handlungsspielräume und Möglichkeiten, um einen nachhaltigen Konsum zu fördern. Hier seien ein paar Beispiele genannt: Als Konsument*innen bzw. Nutzer*innen haben Individuen zum einen Einfluss auf die sozialen und ökologischen Auswirkungen der von ihnen genutzten oder eben nicht ge‐ nutzten Güter und Dienstleistungen. Zum anderen wirkt ihr Verhalten auch auf andere Marktakteure wie Unternehmen oder andere Konsumierende. Setzen sie sich für Reparatur-Boni, Trinkwasserbrunnen oder einen besseren ÖPNV in ihrer Kommune ein, handeln sie z. B. als Bürger*innen oder als Mitglieder zivilgesellschaftlicher Initiativen. Als Nachbar*innen in einer Hausgemeinschaft können sie z. B. Geräte verleihen oder sich gemeinsam für Mieterstrom engagieren. Als Mitarbeitende in Unternehmen können sie dazu beitragen, dass ihre Arbeitgeber nachhaltiger agieren. In ihren jeweiligen Berufen und Positionen können sie (versuchen) z. B. als 158 Verantwortung von Konsument*innen <?page no="159"?> Designer*in das (möglichst nachhaltige) Produktdesign gestalten, als Supply Chain Manager*in die Lieferkette öko-sozial organisieren oder als Marketin‐ gexpert*innen Konsument*innen Product-as-a-Service-Modelle näherbrin‐ gen (→ Welche Geschäftsmodelle fördern nachhaltigen Konsum - und wie funktionieren sie? ). In Forschungseinrichtungen und Universitäten können sie sich an der Entwicklung technologischer oder sozialer Innovationen beteiligen, als Politiker*innen direkt an der Gestaltung der Rahmenbedin‐ gungen für nachhaltiges Handeln. Diese Beispiele sollen zeigen: Es gibt vielfältige Möglichkeiten für Indi‐ viduen, Einfluss auf den eigenen individuellen Fußabdruck zu nehmen (→ Was ist der ökologische Fußabdruck? ), darüber hinaus aber auch im Sinne des Handabdrucks strukturelle und kollektive Veränderungen in Gang zu bringen (→ Was ist ein nachhaltiger Handabdruck? ). Dabei bestehen vielfältige Wechselwirkungen: Als Unternehmensmitarbeiter*in ist eine Person gleichzeitig Konsument*in in der dortigen Kantine und profitiert davon, wenn diese Bio- und vegetarische Gerichte anbietet. Gleichzeitig kann sie z. B. als Nachhaltigkeitsmanager*in Kolleg*innen zu nachhaltigeren Verhaltensweisen inspirieren, was wiederum auf deren privaten Konsum abfärben kann. Auch wenn diese Rollen in der Theorie oft voneinander abgegrenzt sind, ist es in der Praxis ein und derselbe Mensch, der all diese Rollen in sich trägt. Entsprechend können diese Querverbindungen gezielt genutzt werden, um nachhaltigen Konsum in verschiedenen Kontexten und auf verschiedenen Ebenen zu fördern. Verantwortung von Konsument*innen 159 <?page no="161"?> Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt Die Welt verändert sich durch die Digitalisierung. Um die Auswirkungen auf nachhaltigen Konsum soll es im folgenden Kapitel gehen. Ebenso werden Fragen rund um das Konsumverhalten unter Einfluss von KI und Social Media beleuchtet. <?page no="162"?> Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Umwelt und Gesellschaft? Die zunehmende Digitalisierung transformiert den Alltag vieler Konsu‐ ment*innen - die technischen Möglichkeiten wachsen schnell. Gleichzeitig wird digitale Technologie immer stärker in ökonomische, gesellschaftliche und politische Prozesse integriert, das erzeugt neue Herausforderungen, bietet aber auch Potenziale. Beispielsweise haben digitale Technologien das Potenzial, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, den Ressour‐ cenverbrauch zu senken, den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu erleichtern und die Wissensgenerierung sowie soziale Interaktionen zu fördern. Jedoch können sie auch zu einer übermäßigen Nutzung von Ressourcen, steigenden Energie- und Infrastrukturbedarf, CO₂-Emissionen, Entstehung von Elektroschrott ebenso wie zu digitalem Stress, sozialer Isolation und mentaler Überlastung führen. Zudem entstehen ethische und soziale Herausforderungen wie Datenschutzverletzungen, Betrug, abneh‐ mende Empathie und eine wachsende digitale Kluft zwischen Menschen. Diese Probleme resultieren nicht zwingend aus der Digitalisierung selbst, sondern vielmehr aus den Zwecken, für die digitale Technologien entwickelt und genutzt werden (Guillen-Hanson et al., 2025). Beeinflussen digitale Angebote nachhaltiges Konsumverhalten? Die Digitalisierung hat neue Produkte und Dienstleistungen hervorgerufen, die im Alltag von Konsument*innen sehr verbreitet sind. Beispielsweise haben die meisten Menschen heute ein oder mehrere digitale Geräte wie Computer, Tablets oder Smartphones. Zudem werden immer mehr Gegen‐ stände mit digitalen Zusatzfunktionen ausgestattet (z. B. Smartwatches) bzw. entstehen ganz neue Dienstleistungen wie Videostreaming, Gesund‐ heit- und Fitness-Apps, Navigationsdienste, mobile Zahlungsdienste oder Clouddienste. Darüber hinaus dominiert der Onlinehandel zunehmend die Einkaufsgewohnheiten im Alltag von Konsument*innen (→ Ist Onlineshop‐ ping nachhaltiger als Einkaufen im Laden? ). Nicht nur die zunehmende Verbreitung digitaler Produkte und Dienstleistungen, sondern auch die weitergehenden Möglichkeiten zur Sammlung, Analyse und Vernetzung von Daten und Informationen haben das Konsumverhalten grundlegend verändert. Nahezu alle Konsumphasen (→ Welche Aktivitäten zählen zum 162 Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt <?page no="163"?> Konsum? ) von der Bedürfnisentstehung über die Informationsbeschaffung bis zum eigentlichen Kaufvorgang werden über digitale Plattformen und Webseiten abgewickelt. Dabei werden sowohl Verhaltensdaten als auch persönliche Informationen von Konsument*innen gesammelt und diese mit anderen Informationen vernetzt (Gossen et al., 2022). Parallel wächst die Notwendigkeit der Filterung und Bewertung, um aus der Informationsfülle einen Nutzen ziehen zu können. In der Folge haben sich Suchmaschinen, Vergleichsplattformen und digitale Marktplätze zur Schlüsselstelle der Informationsbereitstellung entwickelt. Die digitalen Angebote weiten ihre Funktionen immer mehr aus und bringen neue Verkaufswege und Vertriebskanäle hervor, wie etwa Instant Shopping (Express-Onlinekäufe außerhalb eines Online-Shops), Social Commerce (Shop-Systeme von sozialen Medien), virtuelle Showrooms oder die Dele‐ gation von Konsumentscheidungen an digitale Assistenten. Neben dem Potenzial, Konsum bequemer und unmittelbarer zu gestalten, verstärken digitale Angebote häufig die emotionalen und verhaltensbezogenen Dimen‐ sionen des Konsums. Im Großen und Ganzen spielt nachhaltiger Konsum im digitalen Raum eine untergeordnete Rolle (Münsch et al., 2025). Die genannten digitalen Produkte und Angebote können positive sowie negative Umweltauswirkungen hervorrufen (Lange & Santarius, 2018). Ef‐ fizienzsteigerungen und bessere Steuerungsmöglichkeiten können den Res‐ sourcenverbrauch und CO₂-Ausstoß senken. Andererseits kann die schnell wachsende Zahl von Geräten und die Zunahme an Konsumoptionen zu zusätzlichem Ressourcenverbrauch und steigenden CO₂-Emissionen führen. Ebenso können durch die Digitalisierung veranlasste Verhaltensänderungen wie Dematerialisierung (z. B. virtuelle Veranstaltungen, digitale Archive und Medien) oder Sharing dazu führen, dass materielle Güter intensiver genutzt werden und dadurch die Langlebigkeit von Produkten zunimmt (→ Ist die Sharing Economy nachhaltig? ). Wenn Effizienzsteigerungen aber durch zusätzliche Nachfrage aufgewogen werden (→ Was ist der Rebound-Ef‐ fekt? ) oder wenn erleichterte Zugangsmöglichkeiten, Preissenkungen oder eine Vereinfachung der Transaktionen insgesamt zu einer Steigerung des Konsumniveaus führen, überwiegen die Nachteile für die Umwelt (Gossen, et al., 2022). Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt 163 <?page no="164"?> Ist Onlineshopping nachhaltiger als Einkaufen im Laden? Es kommt darauf an. Ob Onlineshopping oder der stationäre Einkauf unter Nachhaltigkeitsaspekten vorteilhafter ist, wird von sehr vielen Einfluss‐ faktoren gleichzeitig bestimmt. Auf Seiten der Konsument*innen wirken sich die Zusammensetzung und der Umfang der Warenkörbe, die zurück‐ gelegten Lieferdistanzen sowie die Häufigkeit von Rücksendungen auf die Umweltbilanz aus (Verbraucherzentrale Bundesverband, 2025). Auf Seiten des Handels und der Logistik bestimmen vor allem die IT-Infrastruktur von Lager- und Distributionszentren, die Gestaltung logistischer Prozesse, die Auslieferung auf der letzten Meile sowie Art und Umfang der Versand‐ verpackungen die ökologischen Auswirkungen (Zimmermann et al., 2020). Effizient organisierte Zustellmodelle - durch die Bündelung von Sendun‐ gen an Sammelstellen oder den Einsatz emissionsfreier Verkehrsmittel - können die entstehenden Treibhausgasemissionen des Onlinehandels senken. Demgegenüber mindern zeitnahe Einzelzustellungen (Same-Day oder Next-Day-Delivery) und hohe Retourenquoten die potenziellen Um‐ weltvorteile des Onlinehandels deutlich. So zeigt eine Studie, dass etwa ein Viertel aller versendeten Pakete retourniert wird, wobei mehr als 80 Prozent dieser Rücksendungen dem Modesegment zuzurechnen sind (Asdecker, 2025). Die mit Rücksendungen verbundenen zusätzlichen Trans‐ portwege sowie der erhöhte Verpackungsaufwand führen zu einer weiteren Steigerung der Umweltbelastung der betroffenen Produkte. Zudem spielen regionale Rahmenbedingungen für die Emissionen eine zentrale Rolle, da in ländlichen Gebieten der Weg zum stationären Einzelhandel häufig mit längeren Anfahrtswegen verbunden ist, während in Städten der Einkauf in fußläufig erreichbaren Geschäften oftmals klimafreundlicher ist. Aus Nachhaltigkeitsperspektive sind zudem die beim Onlineshopping häufiger beobachtete Fragmentierung von Einkäufen sowie die potenziellen Zeit- und Kosteneinsparungen relevant, da diese zu einem erhöhten Konsumniveau (Rebound-Effekte) führen können (Frick & Matthies, 2020). Insgesamt ist ein pauschaler Vergleich der Umweltwirkungen beider Vertriebskanäle kaum möglich. Gleichwohl zeigt sich, dass der Onlinehan‐ del gegenüber dem stationären Einkauf häufig über effizientere Lager- und Transportstrukturen verfügt und in der Lage ist, größere Sendungs‐ mengen zu bündeln. Dies kann dazu führen, dass die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen pro Paket geringer ausfallen als jene, die durch 164 Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt <?page no="165"?> individuelle Autofahrten zum Ladengeschäft entstehen (Zimmermann et al., 2020). Abschließend ist jedoch zu betonen, dass der überwiegende Teil der Umweltbelastungen bereits in der Produktionsphase eines Produkts sowie während seiner Nutzungsdauer anfällt. Vor diesem Hintergrund ist der gewählte Verkaufskanal für die Gesamtumweltbilanz von nachgeordneter Bedeutung. Ob wir online oder im Geschäft einkaufen, ist also grundsätzlich nicht so entscheidend für unsere Klimabilanz. Die ökologisch sinnvollste Strategie bleibt: weniger kaufen und langlebige Produkte wählen, die um‐ weltfreundlich hergestellt sind (→ Wie erkennt man nachhaltige Produkte und Dienstleistungen? ). Für den Onlinehandel erscheint es daher umso wichtiger, dass insbesondere Informationen zu Umweltwirkungen, Repa‐ rierbarkeit und Lebensdauer von Produkten transparenter und prominenter kommuniziert werden. Machen (KI-basierte) Empfehlungssysteme nachhaltigen Konsum einfacher? Informations- und Empfehlungssysteme für nachhaltigen Konsum sind digi‐ tale und immer häufiger auch KI-basierte Angebote, die Informationen, Ent‐ scheidungshilfen und Empfehlungen zu nachhaltigen Optionen bieten. Die Anwendungen zielen darauf ab, das Problembewusstsein für verschwende‐ rischen und nicht-nachhaltigen Konsum zu erhöhen und gleichzeitig Hand‐ lungsanweisungen für bewusste und informierte Konsumentscheidungen zu geben. Es gibt viele Apps für nachhaltigen Konsum. Auch auf Such‐ maschinen und in Online-Shops können nachhaltige Kaufentscheidungen durch Nachhaltigkeitsfilter, gezielte Produktinformationen oder Chatbots und digitale Assistenten gefördert werden. Jedoch sind insbesondere die KI-gestützten Anwendungen aufgrund ihres hohen Energiebedarfs und CO₂-Ausstoß aus Umweltsicht nicht immer die bessere Wahl. Zudem zeigen Erfahrungen mit Prototypen wie dem Green Consumption Assistant der grünen Suchmaschine Ecosia, dass für nachhaltige Konsumentscheidungen nicht allein unabhängige und verlässliche Informationen entscheidend sind, sondern Entscheidungen von vielen Einflussfaktoren abhängen (Gossen, Hoffmann, et al., 2022). Die Ergebnisse einer Studie zeigen zwar, dass KI-ge‐ stützte Produktempfehlungssoftware nachhaltige Konsumentscheidungen fördern und dadurch indirekt mehr Emissionen einsparen kann als sie selbst verursacht (Hoffmann et al., 2024). Zum Bild gehört aber auch, das Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt 165 <?page no="166"?> Konsument*innen klassische Produkteigenschaften wie Preis und Funktion im direkten Vergleich mit Nachhaltigkeitseigenschaften meistens als wich‐ tiger bewerten ( Jacobs et al., 2025). Schaut man auf die Verlässlichkeit von großen Sprachmodellen wie ChatGPT, zeigt sich ein ambivalentes Bild: Auch wenn Sprachmodelle meist richtige Antworten auf Fragen zu Themen wie Klimawandel und Konsum generieren, birgt ihre Nutzung das Risiko Falschinformationen zu verbreiten und gängigen Missverständnissen über den Klimawandel aufzusitzen (Bergener et al., 2023). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass (KI-basierte) Empfehlungssysteme das theoretische Potenzial haben, nachhaltigen Konsum zu erleichtern. In der Praxis werden sie jedoch bislang überwiegend dafür eingesetzt, mehr Konsum zu erzeugen, nicht nachhaltigeren. Darüber hinaus stellen Empfehlungssysteme eine Art Black-Box dar: Konsument*innen bleiben häufig im Dunkeln darüber, wie genau Empfehlungssysteme eigentlich funktionieren (Pasquale, 2015). Forscher*innen weisen deshalb explizit auf die Potenziale zu Fehlleitung und Überforderung insbesondere durch automatisierte Empfehlungssysteme hin (Dolata, 2019). Linktipps | Apps können den Konsumalltag und Entscheidungen für nachhaltigeren Konsum erleichtern. Mit der App CodeCheck lassen sich Inhaltsstoffe von beispielsweise Kosmetik und vielen weiteren Produk‐ ten überprüfen (https: / / www.codecheck.info/ ). Mit der App TooGood‐ toGo lassen sich Restaurants und Geschäfte in der Nähe finden, die kos‐ tengünstig überschüssige Lebensmittel und vollwertige Mahlzeiten abgeben (https: / / www.toogoodtogo.com/ ). Der Siegel-Check vom NABU hilft dabei, die Vertrauenswürdigkeit von Umweltsiegeln zu ver‐ gleichen (https: / / www.nabu.de/ umwelt-und-ressourcen/ oekologisch-le ben/ essen-und-trinken/ bio-fair-regional/ labels/ 16627.html). Wie stärken digitale Tools und soziale Medien zivilgesellschaftliches Engagement? Digitale Initiativen und Aktionen von zivilgesellschaftlichen Organisatio‐ nen können für nachhaltigen Konsum sensibilisieren, Nachhaltigkeitspro‐ bleme und -skandale offenlegen und gemeinwohlorientierte Alternativen vorstellen (Frick et al., 2019). Digitale Plattformen, Tools und Anwendungen 166 Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt <?page no="167"?> sowie soziale Medien werden genutzt, um aktivistische oder politische Teilhabe zu vereinfachen. Sie ermöglichen Echtzeitkommunikation und haben damit die Dynamik zivilgesellschaftlichen Engagements stark be‐ schleunigt (Baringhorst, 2017). Zum Beispiel organisieren Kampagnen-Or‐ ganisationen wie Campact oder Attac politische Protestaktionen, indem sie Online-Petitionen initiieren und damit niedrigschwellige und digitale Möglichkeiten für politische Partizipation und politisches Engagement er‐ leichtern. Soziale Netzwerke erlauben es den Organisator*innen, potenzielle Unterstützer*innen direkter anzusprechen und kontinuierlich in die Vorbe‐ reitung von Protesten einzubinden. Darüber hinaus können Hilfsappelle und Solidaritätsaufrufe über soziale Medien besonders schnell verbreitet werden (Baringhorst, 2017). Besonders in der Katastrophen- und Flüchtlingshilfe hat sich gezeigt, dass schnell und ohne bürokratische Hürden viel ehrenamtli‐ che Unterstützung mobilisiert werden kann. Auch die Mobilisierung und aktivistische Formen von Konsumkritik, wie etwa die „Who made my clo‐ thes“-Kampagne der Organisation Fashion Revolution (o. J.) werden durch soziale Medien unterstützt, ebenso wie kurzfristig angelegte Aktionen und Wettbewerbe (z. B. der jährliche „Veganuary“), bei denen nachhaltiges Ver‐ halten spielerisch erlernt und belohnt wird. Zivilgesellschaftliche Organisa‐ tionen und nachhaltige Projekte nutzen zudem Crowdfunding-Plattformen, um finanzielle Unterstützung zu erhalten und bereits vor der Umsetzung zu prüfen, ob ein soziales oder ökologisches Projekt wirtschaftlich tragfähig ist. An diesen eher unverbindlichen und kurzzeitigen Formen des Engage‐ ments in sozialen Medien gibt es jedoch auch Kritik. Es wird befürchtet, dass dadurch politische Inhalte abgeschwächt werden und dass bestimmte Perso‐ nen mit viel Einfluss - zum Beispiel Prominente oder Influencer*innen - die öffentliche Unterstützung für eigene Zwecke instrumentalisieren könnten (Schneiker & Ecker-Ehrhardt, 2021). Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die zunehmende Kommerzialisierung im digitalen Raum dazu führen kann, dass zivilgesellschaftliches Engagement zu einem leicht konsumier‐ baren Produkt wird. Dabei geraten die tieferen, strukturellen Ursachen gesellschaftlicher Probleme oft aus dem Blick (Schneiker & Ecker-Ehrhardt, 2021). Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt 167 <?page no="168"?> Beeinflussen Influencer*innen das Konsumverhalten von Jugendlichen? Influencer*innen fungieren in sozialen Medien als Vorbilder und vermitteln indirekt, welche Konsumgewohnheiten und Verhaltensweisen sozial aner‐ kannt sind. Auf diese Weise geben sie, bezahlt oder unbezahlt, Orientierung darüber, welche Produkte bevorzugt werden sollen. Schwierig wird es, wenn Influencer*innen Kaufempfehlungen abgeben, die von Sponsoren beeinflusst und nicht immer klar als Werbung erkennbar sind (Ershov et al., 2025). Solche werblichen Inhalte werden dabei häufig als informelle Kauf‐ empfehlungen auf Basis von persönlichen Erfahrungswerten verpackt und bewegen sich an der Schnittstelle zwischen öffentlicher Meinungsbildung und kommerziellem Interesse. Genau deshalb ist es wichtig, Verbraucher- und Medienkompetenzen sowie ein kritisches Bewusstsein für mögliche Beeinflussung zu stärken (Bala et al., 2024). Jugendliche sind für diese Form der Beeinflussung besonders empfänglich, da sie soziale Medien intensiv nutzen und nur über eingeschränkte Werbekompetenz verfügen. Laut einer aktuellen Studie (Duffner-Korbee et al., 2023) hat etwa die Hälfte von über 1.000 befragten Jugendlichen bereits Produkte gekauft, die Influencer*innen beworben haben. Ein Viertel der Jugendlichen berichtet regelmäßig negative Reaktionen auf Influencer*innen-Marketing, darunter Impulskäufe, zwanghaftes Kaufverhalten oder Kaufreue. Besonders riskant sind Inhalte auf Instagram, TikTok und YouTube. Mädchen orientieren sich stärker an Instagram und TikTok, Jungen eher an YouTube. Viele Jugendli‐ che geben bis zu 50 Euro in sechs Monaten für beworbene Produkte aus; höhere Ausgaben treten häufiger bei Lieblings-Influencer*innen auf. Rund ein Zehntel der befragten Jugendlichen erleben regelmäßige Kaufimpulse oder aufdrängende Gedanken zu Produkten. Weniger anfällig für negative Reaktionen sind Jugendliche, die über eine hohe Werbekompetenz und Selbstkontrolle verfügen und die bereits älter und erfahrener sind. Influencer*innen können sich natürlich auch Nachhaltigkeitsthemen widmen und ihren Einfluss nutzen, um nachhaltigen Konsum zu fördern. Influencer*innen können dabei ihre digitale Reichweite nutzen und für politische Themen mobilisieren (Goodwin et al., 2023). Vor ein paar Jahren hat eine Studie die Inhalte der erfolgreichsten deutschen Influencer*in‐ nen untersucht, mit dem Ergebnis, dass diese in erster Linie Einblicke in Lebensstile geben, die stark materialistisch geprägt sind. Keiner der zehn Instagram-Accounts mit den damals größten Abonnent*innenzahlen 168 Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt <?page no="169"?> in Deutschland hat nachhaltige Inhalte, Ideen oder Produkte beworben (Werg et al., 2020). Vor diesem Hintergrund wird einerseits empfohlen, dass nachhaltige Inhalte stärker in den sozialen Medien des „Mainstreams“ verbreitet werden sollten. Andererseits wird empfohlen, Jugendliche, die sozial-ökologisch aktiv sind, stärker zu motivieren und zu befähigen, in sozialen Medien selbst aktiv(er) zu werden (Werg & Cerny, 2020). Welche Macht haben digitale Plattformen über unser Konsumverhalten? Digitale Plattformen haben sich in den vergangenen Jahren zu zentralen Infrastrukturen des Konsums entwickelt. Sie fungieren nicht nur als Ver‐ mittler zwischen Angebot und Nachfrage, sondern strukturieren aktiv die Bedingungen, unter denen Konsum stattfindet. Digitale Plattformen steuern Angebote, Preise und Informationen und organisieren Vergleichbarkeit und Sichtbarkeit. Damit übernehmen sie Funktionen, die früher auf verschiedene Akteure wie Hersteller, Handel oder Verbraucherorganisationen verteilt waren, und prägen zunehmend, welche Produkte und Dienstleistungen gekauft werden. Diese Veränderungen haben auch Folgen für nachhalti‐ gen Konsum (Frick et al., 2019). Konsumentscheidungen werden immer seltener durch individuelle Informationssuche und zunehmend durch platt‐ formbasierte Auswahlarchitekturen (choice architectures) bestimmt ( J. Li et al., 2025) (→ Kann man Menschen unbewusst zu mehr Nachhaltigkeit bewegen? ). Nutzerdaten werden dabei gezielt eingesetzt, um das Verhalten von Konsument*innen vorauszusagen und zu steuern - meist ohne deren Bewusstsein. Diese Dynamik erzeugt ein Spannungsfeld, in dem sich Kon‐ sument*innen frei fühlen sollen, während zugleich ihre Handlungsoptionen algorithmisch eingeschränkt werden (Ochs, 2019). Dabei setzen digitale Plattformen unter anderem auf Strategien des Deep Targeting, welche weit in die Erfahrungsspielräume von Konsument*innen hineinwirken (Ochs, 2024). Wenn Werbebotschaften, Produktempfehlungen oder Nudges gezielt auf individuelle Bedürfnisse oder Stimmungslagen zugeschnitten werden, kann das zwar Komfort bedeuten, es birgt allerdings auch das Risiko, dass Konsument*innen zu Entscheidungen verleitet werden, die sie ohne diese datengestützten Anstöße nicht getroffen hätten (→ Sind wir vor unfairen KI-Praktiken im Onlinehandel geschützt? ). Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt 169 <?page no="170"?> Nachhaltige Produkte sind nur dann attraktive Optionen, wenn sie innerhalb der Logiken und Algorithmen der Plattformen auffindbar und sichtbar sind. Darüber hinaus müssen Konsument*innen dafür heute wissen, welche Informationen relevant sind („Wissen-was“), wo sie diese finden („Wissen-wo“) und wie sie diese einsetzen („Wissen-wie“) (Hohnsträter, 2017). Gleichzeitig können Plattformen durch den starken Fokus auf Effizi‐ enz, Bequemlichkeit und permanente Verfügbarkeit eine Beschleunigung und Ausweitung von Konsum bewirken (Frick et al., 2021). Die Macht digi‐ taler Plattformen ist eng mit der Rolle großer Tech-Firmen verbunden, die diese Infrastrukturen kontrollieren. Unternehmen wie Amazon, Google oder Meta verfügen aufgrund von Netzwerkeffekten und Skalierungsvorteilen über große ökonomische Macht, was häufig zu hochkonzentrierten Märkten führt, in denen Plattformbetreiber die Spielregeln bestimmen (Frick et al., 2021). So wurde Amazon für die wettbewerbsfeindlichen Praktiken und Preisvorgaben erst kürzlich vom Bundeskartellamt gerügt (Bundeskartell‐ amt, 2025). Ein zentrales Element der Machtverhältnisse ist die Kontrolle über Daten und die daraus resultierenden asymmetrischen Wissensverhält‐ nisse. Digitale Plattformen erfassen in großem Umfang Daten über Suchan‐ fragen, Klicks, Käufe und Nutzungsgewohnheiten und nutzen diese Daten, um das Konsumverhalten zu steuern. Konsument*innen hingegen haben kaum Einblick in die Funktionsweise dieser Systeme oder in die Kriterien, nach denen Produktinformationen priorisiert oder ausgeblendet werden. Im Kontext nachhaltigen Konsums führt diese Asymmetrie dazu, dass Nach‐ haltigkeit zunehmend für Marketingziele genutzt wird. Plattformen können einzelne nachhaltige Merkmale hervorheben, ohne die Gesamtwirkungen von Produktions- und Konsumprozessen transparent zu machen. Sind Konsument*innen vor unfairen KI-Praktiken im Onlinehandel geschützt? Der Onlinehandel unterliegt grundsätzlich den gleichen Verbraucher‐ schutzregularien wie der stationäre Handel. Allerdings sind ein paar As‐ pekte im Hinblick auf den Verbraucherschutz und nachhaltigen Konsum verstärkt zu berücksichtigen, da die Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von KI zusätzlichen Spielraum für bedenkliche Praktiken ermög‐ licht, vor denen Kund*innen geschützt werden sollten. Auf EU-Ebene wur‐ den daher durch Regulierungen wie den EU Artificial Intelligence Act (AI 170 Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt <?page no="171"?> Act) (Europäisches Parlament & Europäischer Rat, 2024b) und den Digital Services Act (DSA) (Europäisches Parlament & Europäischer Rat, 2022) sowie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) (Europäisches Parlament & Europäischer Rat, 2016) entsprechende Schutzmechanismen eingeführt. Die Regularien geben vor, dass Kund*innen wissen müssen, wann sie mit einer KI interagieren (z. B. bei der Integration von Chatbots in den Onlineshop) oder wenn KI-generierte Texte und Bilder genutzt werden. Auch die Verwendung von Kund*innendaten durch eine KI für ihr Training und ihre Optimierung ist nur mit expliziter Zustimmung durch den oder die Betroffene*n möglich. Kund*innen haben zudem das Recht zu erfahren, wie KI-gestützte Entscheidungen zustande kommen, etwa, wenn der Kauf auf Rechnung nicht gestattet wird. Grundsätzlich ist durch KI ein Vielfaches an Manipulation und intransparenter Beeinflussung von Kund*innen möglich - so auch bei Empfehlungsalgorithmen oder flexibler Preisgestaltung nach Wohngegend und ähnlichen Parametern. Problematisch ist des Weiteren die Lenkung von Kaufentscheidungen im Rahmen von sogenannten Dark Patterns, d. h. durch subtil eingesetzte psychologische Tricks. Ein Beispiel ist der Drang zum Kauf durch künstlich erzeugten Zeitdruck. Die Gefahr von Dark Patterns wird übrigens auch im Rahmen des Einsatzes von Nudges und Verhaltensinterventionen zur Vereinfachung einer nachhaltigeren Wahl thematisiert. Hier ist die Grenze zur unfairen Manipulation ebenfalls schnell überschritten (Gastineau, 2022). Eine transparente Kommunikation zur Verwendung von Nudges ist eine Option, mit diesem Problem umzugehen und Kund*innen an der Gestaltung teilhaben zu lassen. Für den nachhaltigen Konsum ist zudem der Aspekt der nachhaltigkeits‐ bezogenen Aussagen zu Produkten oder Unternehmen relevant. Da Ver‐ braucher*innen kaum zwischen wahrheitsgemäßen Aussagen und Green‐ washing unterscheiden können, wurde auch hier auf EU-Ebene reagiert. Mit der „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie (EmpCo-Richtlinie) (Europäisches Parlament & Europäischer Rat, 2024a) sind solche Aussagen nur noch erlaubt, wenn die dahinterstehende Umwelt‐ leistung nachgewiesen werden kann. Siegel dürfen nur mit Zertifizierung verwendet werden, d. h. Eigensiegel von Herstellern sind nicht mehr gestattet. Nachhaltiger Konsum in einer digitalen und vernetzten Welt 171 <?page no="173"?> Glossar - wichtige Begriffe kurz erklärt Akteure | (Markt-)Akteure sind Personen(gruppen) oder Institutionen, die Einfluss auf die Gestaltung von Märkten und damit auf nachhaltigen Konsum haben. Dazu zählen im engeren Sinne insbesondere der Staat bzw. staatliche Organisationen, Unternehmen und Konsument*innen. Darüber hinaus gibt es viele weitere gesellschaftliche Akteure, die Einfluss auf Märkte haben, z. B. zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien oder Bildungseinrichtungen. Bedarfsfelder | Bedarfsfelder beschreiben die verschiedenen Lebensbe‐ reiche, in denen Menschen konsumieren und Bedürfnisse befriedigen. Dazu gehören unter anderem Bauen und Wohnen, Mobilität, Ernährung und Bekleidung. Diese vier Bedarfsfelder werden im Buch genauer beleuchtet. Darüber hinaus gibt es auch noch weitere Bedarfsfelder (z. B. Freizeit und Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnik). Es gibt keine einheitliche Definition zur Benennung und Abgrenzung von Bedarfsfeldern. Oft werden Bedarfsfelder auch Handlungs- oder Bedürfnisfelder genannt. In den Bedarfsfeldern Bauen und Wohnen, Mobilität und Ernährung entste‐ hen die prozentual größten Umwelteffekte, weshalb sie für nachhaltigen Konsum besonders bedeutsam sind. Bedürfnis | Ein Bedürfnis wird oft definiert als Gefühl eines Mangels verbunden mit Antriebsenergie, diesen Mangelzustand zu beseitigen. Der Umgang mit Bedürfnissen hängt von vielen individuellen, sozialen und kulturellen Bedingungen ab. Bedürfnisse werden zu Bedarfen, wenn sie in konkrete Konsumwünsche übersetzt und mit Kaufkraft ausgestattet werden. In Konsumgesellschaften sind (physische) Grundbedürfnisse weitgehend befriedigt, weshalb vor allem soziale Bedürfnisse mit Hilfe symbolischer Eigenschaften von Produkten stimuliert und befriedigt werden (z. B. nach Anerkennung, Status, Abgrenzung). Beim nachhaltigen Konsum geht es nicht nur darum, Bedürfnisse durch nachhaltige(re) Produkte zu befriedigen, sondern auch darum, die wahrgenommenen Bedürfnisse selbst zu hinterfra‐ gen sowie nach alternativen, nicht-materiellen Befriedigungsmöglichkeiten zu suchen. Big Points | „Big Points“ bezeichnen Maßnahmen eines nachhaltigen Konsums, die eine besonders große Umweltentlastungswirkung haben, <?page no="174"?> z. B. die Reduktion tierischer Proteine in der Ernährung, der Umstieg auf Ökostrom oder der Verzicht auf Flugreisen. Sie bilden das Gegenstück zu sogenannten „Peanuts“, also Maßnahmen, deren Umweltentlastungseffekt eher klein ist, z. B. der Verzicht auf eine Plastiktüte beim Einkauf. „Peanuts“ bergen die Gefahr, als Ablenkung und Ausrede zu dienen. Um nachhaltigen Konsum wirksam voranzutreiben, ist daher ein Fokus auf „Big Points“ wichtig. Fußabdruck | Der Fußabdruck ist ein Maß für die Inanspruchnahme ökologischer Leistung, z. B. im Hinblick auf Flächen-, Ressourcen- und Wasserverbrauch oder Treibhausgasemissionen. Der Begriff „Fußabdruck“ macht dabei sichtbar, dass jede Konsumhandlung Spuren hinterlässt. Fuß‐ abdruck-Rechner helfen dabei, ökologische Auswirkungen zu berechnen. Sie werden dadurch anschaulich und vergleichbar. Geteilte Verantwortung | Geteilte Verantwortung für nachhaltigen Kon‐ sum bedeutet, dass alle gesellschaftlichen Akteure - entsprechend ihres Handlungsspielraums - dazu beitragen können und sollen, nachhaltigen Konsum zu fördern. Kein Akteur kann es allein schaffen, nachhaltigen Konsum zu realisieren. Das Prinzip der „geteilten Verantwortung“ führt in der Praxis häufig dazu, dass zunächst das Handeln eines anderen Akteurs eingefordert wird, bevor Akteure selbst handeln. Auch Konsument*innen fordern häufig, dass zunächst der Staat und Unternehmen handeln sollen. Doch wenn alle warten, bis die anderen handeln, passiert gar nichts. Deshalb tragen auch Konsument*innen eine Verantwortung, ihren (kleinen) Teil für mehr nachhaltigen Konsum beizutragen. Globaler Norden/ Globaler Süden | Die Bezeichnungen sind nur bedingt geographisch, sondern vor allem politisch und sozio-ökonomisch zu verste‐ hen. Sie verdeutlichen die strukturelle Ungleichheit, das Machtgefälle und die Abhängigkeiten zwischen privilegierten Ländern (Globaler Norden) und benachteiligten Ländern (Globaler Süden). Es sind vor allem die nicht-nach‐ haltigen Konsumstrukturen im Globalen Norden, die die gegenwärtigen sozialen und ökologischen Herausforderungen herbeiführen. Handabdruck | Der Handabdruck ist das Pendant zum Fußabdruck. Der Handabdruck beschreibt positive Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Er bezieht sich vor allem auf Handlungen, die zu gemeinschaftlichen Lösungen und strukturellen Veränderungen führen. Ziel ist es, über die individuelle Schadensbegrenzung hinaus systemische Veränderungen in 174 Glossar - wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="175"?> Gang zu bringen, die nicht nur Einzelnen, sondern der Gesellschaft ein nachhaltiges Handeln ermöglichen. Indikatoren | Indikatoren sind messbare Größen, mit denen Entwicklun‐ gen und Zustände beschrieben werden können. Mittlerweile gibt es für Deutschland zwanzig Indikatoren, mit denen die Entwicklung nachhaltigen Konsums in Deutschland gemessen wird. Intra- und intergenerationale Gerechtigkeit | Gerechtigkeit ist ein zentrales Nachhaltigkeitsprinzip. Im Kern geht es darum, dass Lebenschan‐ cen zwischen jetzt lebenden Generationen (intragenerational) sowie jetzt lebenden und zukünftigen Generationen (intergenerational) gerecht verteilt werden. Das umfasst insbesondere auch die Verteilung von (ökologischen) Ressourcen, (ökologischen) Schäden und die Lasten zur Bewältigung einer sozial-ökologischen Transformation. Konsumgesellschaft | In Konsumgesellschaften spielt der Konsum von Waren und Dienstleistungen eine zentrale Rolle zur gesellschaftlichen Integration von Menschen. Marktförmiger Konsum ist damit das zentrale, verbindende Element und durchzieht alle Lebensbereiche, auch solche, die typischerweise nicht mit Konsum assoziiert werden wie z. B. Bildung, Liebe oder Gesundheit. In Konsumgesellschaften werden Konsumgüter nicht mehr wegen ihres funktionalen Grundnutzens erworben (z. B. eine Hose wärmt mich), sondern vor allem durch ihren symbolischen Zusatznutzen - etwa um Lust, Genuss, Anerkennung oder Abgrenzung zu erzielen (z. B. eine Hose zeigt meinen feinen Geschmack). Lebensstil | Lebensstile strukturieren Gesellschaft anhand von verschie‐ denen Dimensionen wie Wertehintergrund, Bildung und Einkommen. Sie prägen damit auch konsumspezifische Muster, z. B. wie, wo, was, warum konsumiert wird. Sie sind jedoch mehr als die Summe individueller Kon‐ sumentscheidungen: Sie geben Konsum vielmehr einen Rahmen und betten ihn in individuelle Vorstellungen der Lebensführung sowie Möglichkeiten zu deren Realisierung ein. Lebensstile umfassen somit sowohl den sozialen Hintergrund eines Individuums als auch die Konsumformen in den verschie‐ denen Bedarfsfeldern wie Ernährung, Mobilität oder Bekleidung. Leitbild | Ein Leitbild ist ein normatives Modell zur Orientierung. Beim Konsum dominierte lange Zeit das Leitbild des „mündigen Verbrauchers“, also die Vorstellung, dass Verbraucher*innen souverän agieren, sehr gut Glossar - wichtige Begriffe kurz erklärt 175 <?page no="176"?> informiert sind und rational entscheiden. Es wurde häufig auch als Reali‐ tätsbeschreibung und damit als Vorwand genutzt, um vor allem Bildung und Informationen für nachhaltigen Konsum zu fördern, aber z. B. keine strengeren Vorschriften. Lieferketten | Wertschöpfungs- und Lieferketten umfassen alle Schritte von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt. Dazu gehören Pro‐ duktion, Verarbeitung, Transport und Verkauf. In globalen Lieferketten sind oft viele Länder beteiligt. Je komplexer und globaler eine Lieferkette ist, desto schwieriger ist es, soziale und ökologische Missstände zu identifizieren und zu beseitigen. Suffizienz | Abgeleitet vom lateinischen „sufficere“ (‚hinreichen‘ oder ‚genug sein‘), steht Suffizienz für Genügsamkeit oder das rechte Maß. Im Globalen Norden bedeutet Suffizienz insbesondere die Reduktion des absoluten Konsumniveaus. Suffizienz ist eine zentrale Nachhaltigkeitsdi‐ mension, ohne die Konsum im Globalen Norden nicht nachhaltig werden kann. Überkonsum | Als biologische Wesen müssen Menschen Ressourcen kon‐ sumieren, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Überkonsum geht über die Befriedigung von Grundbedürfnissen hinaus. D. h. Konsum wird dann vor allem eingesetzt, um potenziell unstillbare Bedürfnisse nach Lust, Genuss, Ablenkung, Status oder Zugehörigkeit zu befriedigen. Vielfach werden Dinge nur noch gekauft, ohne diese zu nutzen. Überkonsum ist ein zentrales Merkmal von Konsumgesellschaften im Globalen Norden. Überkonsum geht mit zahlreichen individuellen (z. B. Übergewicht), ökologischen (z. B. Abholzung von Wäldern) und sozialen (z. B. nicht-existenzsichernde Löhne in Produktionsländern des Globalen Südens) Problemen einher. 176 Glossar - wichtige Begriffe kurz erklärt <?page no="177"?> Verwendete Literatur ADFC. (2024). ADFC-Fahrradklima-Test 2024. https: / / fahrradklima-test.adfc.de/ erge bnisse/ fahrradklima-test2024/ ergebnisse-2024 Agora Energiewende. (2026). Die Energiewende in Deutschland - Stand der Dinge 2025. Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2026. h ttps: / / www.agoraenergiewende.de/ publikationen/ die-energiewende-in-deutschl and-stand-der-dinge-2025 Ajzen, I. (1991). The Theory of Planned Behavior. Organizational Behavior and Human Decision Process, 50, 179-211. Akenji, L., Bengtsson, M., Toivio, V., Lettenmeier, M., Fawcett, T., Parag, Y., Saheb, Y., Coote, A., Spangenberg, J. H., Capstick, S., Gore, T., Coscieme, L., Wackernagel, M., & Kenner, D. (2021). 1.5-Degree Lifestyles: Towards A Fair Consumption Space for All. Hot or Cool Institute. https: / / hotorcool.org/ wpcontent/ uploads/ 2021/ 10/ Hot_or_Cool_1_5_lifestyles_FULL_REPORT_AND_ANNEX_B.pdf Alfredsson, E. (2025). Co-Benefits of Climate Policy. In L. Akenji, P. J. Vergragt, H. S. Brown, T. S. J. Smith, & L. M. Wallnöfer (Hrsg.), Vocabulary for Sustainable Consumption and Lifestyles (S. 344-387). Taylor & Francis. Allekotte, M., Althaus, H.-J., Bergk, F., Biemann, K., Knörr, W., & Sutter, D. (2021). Umweltfreundlich mobil! Ein ökologischer Verkehrsartenvergleich für den Personen- und Güterverkehr in Deutschland. Umweltbundesamt. https: / / www.umweltbun desamt.de/ system/ files/ medien/ 5750/ publikationen/ 2021_fb_umweltfreundlich_ mobil_bf.pdf Allen, C., & Clouth, S. (2012). A guidebook to the Green Economy Issue 1: Green Economy, Green Growth, and Low-Carbon Development - history, definitions and a guide to recent publications. United Nations Department of Economic and Social Affairs. https: / / sdgs.un.org/ sites/ default/ files/ publications/ GE%20Guidebo ok.pdf Andersson, D., Linscott, R., & Nässén, J. (2019). Estimating car use rebound effects from Swedish microdata. Energy Efficiency, 12(8), 2215-2225. https: / / doi.org/ 10.1 007/ s12053-019-09823-w Antony, F., Fischer, C., Kenkmann, T., Moch, K., Prakash, S., Quack, D., & Weber, M. (2020). Big Points des ressourcenschonenden Konsums als Thema für die Verbrau‐ cherberatung - mehr als Energieeffizienz und Klimaschutz: Studie im Rahmen des Projekts Verbraucherberatung als Baustein einer erfolgreichen Ressourcenpolitik <?page no="178"?> (Texte 140/ 2020). Umweltbundesamt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ system / files/ medien/ 1410/ publikationen/ 2020-11-04_texte_140-2020_big-points.pdf Arning, L., & Kaths, H. (2025). Further, steeper, greener: Implications from an electric bicycle mode choice model. International Journal of Sustainable Transportation, 19(11), 979-994. https: / / doi.org/ 10.1080/ 15568318.2025.2533307 Asdecker, B. (2025). Neuer Rekord—2025 voraussichtlich 550 Millionen Retourenpakete in Deutschland. Universität Bamberg, Forschungsgruppe Retourenmanagement. https: / / www.retourenforschung.de/ info-neuer-rekord---2025-voraussichtlich-55 0-millionen-retourenpakete-in-deutschland.html Assadourian, E. (2025). Consumerism. In L. Akenji, P. J. Vergragt, H. S. Brown, T. S. J. Smith, & L. M. Wallnöfer, Vocabulary for Sustainable Consumption and Lifestyles (S. 21-24). Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 9781003584056-3 Auhagen, A. E. (1999). Die Realität der Verantwortung. Hogrefe. Bahn-Walkowiak, B., Wagner, O., Schnurr, B., & Hennes, L. (2025). Gute Beispiele für eine gelingende Transformation: Impulse für nachhaltige Lebenswelten. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. https: / / doi.org/ 10.48506/ OPUS-8777 Bala, C., Boden, A., Lamla, J., Stevens, G., & Schuldzinski, W. (2024). Professiona‐ lisierung im Verbraucherschutz. Jahrbuch Konsum & Verbraucherwissenschaften 2023/ 2024. https: / / www.verbraucherforschung.nrw/ sites/ default/ files/ 2024-09/ jb kv-2023-2024-professionalisierung-im-verbraucherschutz-ebook.pdf Baldé, C. P., Kuehr, R., Yamamoto, T., McDonald, R., D’Angelo, E., Althaf, S., Bel, G., Deubzer, O., Fernandez-Cubillo, E., Forti, V., Gray, V., Herat, S., Honda, S., Iattoni, G., Khetriwal, D. S., di Cortemiglia, V. L., Lobuntsova, Y., Nnorom, I., Pralat, N., & Wagner, M. (2024). Global E-waste Monitor 2024. International Telecommunication Union (ITU) and United Nations Institute for Training and Research (UNITAR). https: / / ewastemonitor.info/ wp-content/ uploads/ 2024/ 12/ GEM_2024_EN_11_NO V-web.pdf Bamberg, S., & Möser, G. (2007). Twenty years after Hines, Hungerford, and Tomera: A new meta-analysis of psycho-social determinants of pro-environmental beha‐ viour. Journal of Environmental Psychology, 27(1), 14-25. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jenvp.2006.12.002 Bandura, A. (2000). Exercise of Human Agency through Collective Efficacy. Current Directions in Psychological Science, 9(3), 75-78. Baringhorst, S. (2017). Zivilgesellschaftliches Engagement im Netz - neue Formen der Personalisierung und Mobilisierung | Digitale Zivilgesellschaft. Bundeszen‐ trale für politische Bildung. https: / / www.bpb.de/ lernen/ digitale-bildung/ werksta tt/ 260084/ zivilgesellschaftliches-engagement-im-netz-neue-formen-der-persona lisierung-und-mobilisierung/ 178 Verwendete Literatur <?page no="179"?> Baudrillard, J. (2015). Die Konsumgesellschaft. Springer Fachmedien Wiesbaden. htt ps: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-00541-2 Bayertz, K. (1995). Eine kurze Geschichte der Herkunft der Verantwortung. In K. Bayertz (Hrsg.), Verantwortung - Prinzip oder Problem? (S. 3-71). Wissenschaftli‐ che Buchgesellschaft. Becker, J., Dullien, S., Bachmann, R., Graupe, S., & Heise, A. (2017). Wirtschafts‐ wissenschaften: Zu wenig Pluralität der Methoden und Forschungsrichtungen? Wirtschaftsdienst, 97(12), 835-853. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10273-017-2224-0 Behrends, S., Geisler, S., Kott, K., & Ziebach, M. (2024). Sozialbericht 2024. Konsum‐ ausgaben. Zahlen & Fakten. https: / / www.bpb.de/ kurz-knapp/ zahlen-und-fakten/ sozialbericht-2024/ 553197/ konsumausgaben/ Behrendt, S., Göll, E., & Korte, F. (2018). Effizienz, Konsistenz, Suffizienz: Strategiea‐ nalytische Betrachtung für eine Green Economy (IZT-Text 2018, 1). IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. https: / / www.izt.de/ media/ 2022 / 10/ IZT_Text_1-2018_EKS.pdf Belz, F.-M., & Bilharz, M. (2007). Nachhaltiger Konsum, geteilte Verantwortung und Verbraucherpolitik: Grundlagen. In F.-M. Belz, G. Karg, & D. Witt (Hrsg.), Nachhaltiger Konsum und Verbraucherpolitik im 21. Jahrhundert (S. 21-52). Me‐ tropolis-Verlag. Berberyan, Z., Jastram, S. M., Heuer, M., Schnittka, O., & Rosenkranz, J. (2025). Attitude Without Action-What Really Hinders Ethical Consumption. Journal of Business Ethics. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10551-025-06104-8 Bergener, J., Gossen, M., Hoffmann, M. L., Bießmann, F., Veneny, M., & Korenke, R. (2023). Evaluating the Quality of ChatGPT’s Climate-related Responses. Öko‐ logisches Wirtschaften, 38(3), 46-50. https: / / doi.org/ 10.14512/ OEW380346 Best, B. (2024). 5 Dinge, die du über Suffizienz wissen musst | Heinrich-Böll-Stiftung. Heinrich Böll Stiftung. https: / / www.boell.de/ de/ 2024/ 01/ 12/ 5-dinge-die-du-uebe r-suffizienz-wissen-musst Bienge, K., Kiefer, S., Schaden, M., Teubler, J., & Suski, P. (2018). Modellierungs-Studie Reparaturkosten-Empfehlung. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH. https: / / www.verbraucherzentrale.nrw/ sites/ default/ files/ 2018-09/ Studi e-Reparaturkosten-Empfehlung_WuppertalInstitut_MehrWertNRW.pdf Bierhoff, B. (2016). Konsumismus. Springer Fachmedien Wiesbaden. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-12223-2 Bierhoff, H.-W. (1995). Verantwortungsbereitschaft, Verantwortungsabwehr und Verantwortungszuschreibung. Sozialpsychologische Perspektiven. In K. Bayertz (Hrsg.), Verantwortung - Prinzip oder Problem? (S. 217-240). Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Verwendete Literatur 179 <?page no="180"?> Bierwirth, A., & Bunge, F. (2023). Gebäude: Bestand besser nutzen - Flächenwende ermöglichen. In Wuppertal Institut (Hrsg.), Suffizienzpolitik als Booster zum Erreichen der Klimaschutzziele. (S. 8-14). Wuppertal Institut. https: / / epub.wuppe rinst.org/ frontdoor/ deliver/ index/ docId/ 8475/ file/ ZI27_Suffizienzpolitik.pdf Bierwirth, A., Kindler, H., Kliegel, J., Roelfes, M., Steffen, A., & Steger, S. (2023). Flächennutzung optimieren, Neubaudruck reduzieren: OptiWohn—Quartiersspezi‐ fische Sondierung und Entwicklung innovativer Strategien zur optimierten Nutzung von Wohnflächen. Schlussbericht. Wuppertal Institut. https: / / doi.org/ 10.48506/ op us-8532 Bierwirth, A., Peter, L.-K., Brandemann, V., & Roelfes, M. (2022). Gemeinschaftliches Wohnen für mehr Wohnsuffizienz? Bericht im Rahmen des Forschungsprojekts OptiWohn. Wuppertal Institut. https: / / wupperinst.org/ fa/ redaktion/ downloads/ p rojects/ OptiWohn_Analyse_Gemeinschaftswohnen.pdf Bilharz, M. (2009). „Key Points“ nachhaltigen Konsums: Ein strukturpolitisch fundierter Strategieansatz für die Nachhaltigkeitskommunikation im Kontext aktivierender Verbraucherpolitik. Metropolis-Verlag. BLE. (2025). Versorgungsbilanz Fleisch: Verzehr leicht gestiegen. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. https: / / www.ble.de/ SharedDocs/ Pressemitteilun gen/ DE/ 2025/ 250327_Fleischbilanz.html Blum, S., Lückert, A., & Barth, H.-M. (2023). Studie zu Maßnahmen für kosten‐ günstig-nachhaltigen Wohnraum. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumfor‐ schung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. https: / / www.bbsr.bund. de/ BBSR/ DE/ veroeffentlichungen/ bbsr-online/ 2023/ bbsr-online-14-2023-dl.pdf ? __blob=publicationFile&v=2 BMBFSFJ. (o.-J.). Was ist BNE? (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Hrsg.). https: / / www.bne-portal.de/ bne/ de/ einstieg/ was-ist-b ne/ was-ist-bne_node.html BMDV. (2022). Nationaler Radverkehrsplan 3.0. Fahrradland Deutschland 2030 (Bun‐ desministerium für Digitales und Verkehr, Hrsg.). https: / / www.bmv.de/ SharedD ocs/ DE/ Anlage/ StV/ nationaler-radverkehrsplan-3-0.pdf ? __blob=publicationFile BMEL. (2019). Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hrsg.). https: / / www.bml eh.de/ SharedDocs/ Downloads/ DE/ _Ernaehrung/ Lebensmittelverschwendung/ N ationale_Strategie_Lebensmittelverschwendung_2019.pdf ? __blob=publicationF ile&v=3 BMEL. (2024). Gutes Essen für Deutschland. Ernährungsstrategie der Bundesregierung (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hrsg.). https: / / www.b 180 Verwendete Literatur <?page no="181"?> mleh.de/ SharedDocs/ Downloads/ DE/ _Ernaehrung/ ernaehrungsstrategie-kabine tt.pdf ? __blob=publicationFile&v=8 BMLEH. (o.-J.). Zu gut für die Tonne (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Hrsg.). https: / / www.zugutfuerdietonne.de/ BMLEH. (2025). Deutschland, wie es isst. Der BMLEH-Ernährungsreport 2025 (Bun‐ desministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Hrsg.). https: / / www. bmleh.de/ SharedDocs/ Downloads/ DE/ Broschueren/ ernaehrungsreport-2025.pdf ? __blob=publicationFile&v=4 BMUKN. (o.-J.). Mode und Textilien. Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. https: / / www.bundesumweltministerium.d e/ WS5264 BMUKN. (2024). Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) (Bundesministe‐ rium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Hrsg.). https: / / www.bundesumweltministerium.de/ DL3288 BMUV, & Umweltbundesamt. (2023a). Umweltbewusstsein in Deutschland 2022: Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) & UBA, Hrsg.). https: / / www.bmuv.de/ fileadmin/ Daten_BMU/ Pools/ Broschueren/ u mweltbewusstsein_2022_bf.pdf BMUV & Umweltbundesamt. (2023b). Umweltbewusstsein in Deutschland 2022: Er‐ gebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage (Bundesministerium für Um‐ welt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz & UBA, Hrsg.). htt ps: / / www.bundesumweltministerium.de/ fileadmin/ Daten_BMU/ Pools/ Broschue ren/ umweltbewusstsein_2022_bf.pdf BMV. (2023). Deutschlandtakt. Optimale Anschlüsse beim Ein- und Umsteigen - vom Hochgeschwindigkeitsverkehr bis zur Regionalbahn (Bundesministerium für Verkehr, Hrsg.). https: / / www.bmv.de/ SharedDocs/ DE/ Artikel/ E/ deutschlandtakt .html BMV. (2025). Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 der Bundesregierung (Bundesminis‐ terium für Verkehr, Hrsg.). https: / / www.bmv.de/ SharedDocs/ DE/ Anlage/ K/ mast erplan-ladeinfrastruktur-2030.pdf ? __blob=publicationFile BMZ. (o. J.). Fairer Handel - ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Bundesminis‐ terium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. https: / / www.bmz .de/ de/ themen/ fairer-handel BÖLW. (2025). Branchenreport 25. Bio entlang der Wertschöpfungskette (Bund Ökolo‐ gische Lebensmittelwirtschaft, Hrsg.). https: / / www.boelw.de/ fileadmin/ user_up load/ Dokumente/ Zahlen_und_Fakten/ Brosch%C3%BCre_2025/ B%C3%96ELW_B ranchenreport2025.pdf Verwendete Literatur 181 <?page no="182"?> Borg, L., & Högberg, L. (2014). Organization of Laundry Facility Types and Energy Use in Owner-Occupied Multi-Family Buildings in Sweden. Sustainability, 6(6), 3843-3860. https: / / doi.org/ 10.3390/ su6063843 Brammer, S., & Walker, H. (2011). Sustainable Procurement in the public sector: An international comparative study. International Journal of Operations & Production Management, 31(4), 452-476. https: / / doi.org/ 10.1108/ 01443571111119551 Brand, K. W. (2008). Konsum im Kontext. Der verantwortliche Konsument—Ein Motor nachhaltigen Konsums? In Nachhaltigkeit als radikaler Wandel (S. 71-93). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-531-90956-1‗% 204 Brand, U., & Wissen, M. (2017). Imperiale lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. Transkript. Brydges, T. (2021). Closing the loop on take, make, waste: Investigating circular economy practices in the Swedish fashion industry. Journal of Cleaner Production, 293, 126245. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2021.126245 Buhl, J. (2014). Revisiting Rebound Effects from Material Resource Use. Indications for Germany Considering Social Heterogeneity. Resources, 3(1), 106-122. https: / / doi.org/ 10.3390/ resources3010106 Buhl, J., Liedtke, C., Teubler, J., & Bienge, K. (2019). The Material Footprint of private households in Germany: Linking the natural resource use and socioeconomic characteristics of users from an online footprint calculator in Germany. Sustai‐ nable Production and Consumption, 20, 74-83. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.spc.2019.0 5.001 Bundeskartellamt. (2025). Bundeskartellamt hat Bedenken gegen die Anwendung von sogenannten Preiskontrollmechanismen durch Amazon. https: / / www.bundeskart ellamt.de/ SharedDocs/ Meldung/ DE/ Pressemitteilungen/ 2025/ 06_02_2025_Amaz on.html Bundeszentrale für politische Bildung. (2022). Süchte: Soziale Situation in Deutsch‐ land. Zahlen & Fakten. https: / / www.bpb.de/ kurz-knapp/ zahlen-und-fakten/ sozi ale-situation-in-deutschland/ 61826/ suechte/ Business of Fashion, & McKinsey & Company. (2022). The State of Fashion 2022. htt ps: / / www.mckinsey.com/ ~/ media/ mckinsey/ industries/ retail/ our%20insights/ sta te%20of%20fashion/ 2022/ the-state-of-fashion-2022.pdf Butterfly Effect Consulting & Wuppertal Institut. (2025). Studie „Nachhaltige Baus‐ toffwende“. Holcim Deutschland. https: / / wupperinst.org/ fileadmin/ redaktion/ do wnloads/ projects/ NBW_Nachhaltige_Baustoffwende.pdf Büttner, B., Seisenberger, S., McCormick, B., Silva, C., Teixeira, J. F., Papa, E., & Cao, M. (2024). Mapping of 15-minute City Practices. Overview on strategies, policies 182 Verwendete Literatur <?page no="183"?> and implementation in Europe and beyond. Report from DUT’s 15-minute City Transition Pathway. https: / / dutpartnership.eu/ news/ new-publication-mapping1 5-minute-city-practices CEE. (2025). The Handprint Idea. Centre for Environment Education. Handprint. ht tps: / / www.handprint.in/ the_handprint_idea Chancel, L., Bothe, P., & Voituriez, T. (2023). Climate inequality report 2023: Fair taxes for a sustainable future in the Global South (Lab Study 2023/ 1). World Inequality Lab. https: / / agritrop.cirad.fr/ 611813/ 1/ 611813.pdf Cibulka, S., & Giljum, S. (2020). Towards a Comprehensive Framework of the Relationships between Resource Footprints, Quality of Life, and Economic Deve‐ lopment. Sustainability, 12(11), 4734. https: / / doi.org/ 10.3390/ su12114734 Clark, A. E. (2018). Four Decades of the Economics of Happiness: Where Next? Review of Income and Wealth, 64(2), 245-269. https: / / doi.org/ 10.1111/ roiw.12369 Clean Clothes Campaign. (o.-J.). What are the issues plaguing fashion? https: / / clean clothes.org/ faq/ why Compagnoni, M., & Santini, E. (2025). The evolution of the EU electronics market and its impact on direct material consumption: Lessons from the past. Ecological Economics, 235, 108630. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.ecolecon.2025.108630 Continental. (2024). Mobilitätsstudie 2024. Kernergebnisse. https: / / www.continental .com/ fileadmin/ __imported/ sites/ corporate/ _international/ german/ hubpages/ 10 _20presse/ studien_und_publikationen/ mobiliteatsstudien/ 2024/ 2024_09_24_con tinental_ms2024_kernergebnisse-web.pdf Cortina, A. (2006). Eine Ethik des Konsums. Die Bürgerschaft des Verbrauchers in einer globalen Welt. In P. Koslowski & B. P. Priddat (Hrsg.), Ethik des Konsums (S. 91-103). Wilhelm Fink. Creditreform, Boniversum, & microm. (2024). SchuldnerAtlas Deutschland 2024. Überschuldung von Verbrauchern. https: / / www.boniversum.de/ fileadmin/ user_up load/ aktuelles/ schuldner-atlas/ 2024/ SchuldnerAtlas_Deutschland_2024.pdf Čuček, L., Klemeš, J. J., & Kravanja, Z. (2012). A Review of Footprint analysis tools for monitoring impacts on sustainability. Journal of Cleaner Production, 34, 9-20. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2012.02.036 dena. (2025). Gebäudewende: Daten und Trends. Marktreport 2025 (Deutsche Ener‐ gie-Agentur, Hrsg.). Bündnis Gebäudewende. https: / / www.dena.de/ fileadmin/ Bu endnis_Gebaeudewende/ Dokumente/ BGW_Marktreport_2025_web.pdf dena. (2026). dena-Gebäudereport 2026. Zahlen, Daten, Fakten zum Klimaschutz im Gebäudebestand (Deutsche Energie-Agentur, Hrsg.). https: / / www.dena.de/ PUBL IKATION3434 Verwendete Literatur 183 <?page no="184"?> Destatis. (2023). 10 % mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen im 1. Halbjahr 2023. Pressemitteilung Nr. 375 vom 21. September 2023. https: / / www.destatis.de/ DE/ Pre sse/ Pressemitteilungen/ 2023/ 09/ PD23_375_461.html Destatis. (2024). Globale Tierhaltung, Fleischproduktion und Fleischkonsum. https: / / www.destatis.de/ DE/ Themen/ Laender-Regionen/ Internationales/ Thema/ landw irtschaft-fischerei/ tierhaltung-fleischkonsum/ _inhalt.html Destatis. (2025a). Bodenfläche insgesamt nach Nutzungsarten in Deutschland. htt ps: / / www.destatis.de/ DE/ Themen/ Branchen-Unternehmen/ Landwirtschaft-Fors twirtschaft-Fischerei/ Flaechennutzung/ Tabellen/ bodenflaeche-insgesamt.html Destatis. (2025b). EU-Flugverkehr: Mehr Passagiere als vor der Corona-Pandemie. htt ps: / / www.destatis.de/ Europa/ DE/ Thema/ Verkehr/ flugpassagiere.html Destatis. (2025c). Flugsommer 2025: 4,6 % mehr Reisende ins Ausland als im Vorjahr. h ttps: / / www.destatis.de/ DE/ Presse/ Pressemitteilungen/ 2025/ 12/ PD25_428_464.ht ml Destatis. (2025d). Personenverkehr im 1. Halbjahr 2025: 1 % mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen. https: / / www.destatis.de/ DE/ Presse/ Pressemitteilungen/ 2025/ 09/ PD 25_344_461.html Destatis. (2026). Baupreise für Wohngebäude im November 2025: +3,2 % gegenüber November 2024. Pressemitteilung Nr. 011 vom 9. Januar 2026. https: / / www.destati s.de/ DE/ Presse/ Pressemitteilungen/ 2026/ 01/ PD26_011_61261.html Di Giulio, A., Defila, R., & Ruesch Schweizer, C. (2023). Using the Theory of Protected Needs to conceptualize sustainability as \grqcaring for human wellbeing’: An empirical confirmation of the theory’s potential. Frontiers in Sustainability, 4, 1036666. https: / / doi.org/ 10.3389/ frsus.2023.1036666 Diekmann, A., & Preisendörfer, P. (2003). Green and Greenback: The Behavioral Effects of Environmental Attitudes in Low-Cost and High-Cost Situations. Rati‐ onality and Society, 15(4), 441-472. https: / / doi.org/ 10.1177/ 1043463103154002 DIW. (2022). Hohe Energiepreise: Arme Haushalte trotz Entlastungspaketen am stärks‐ ten belastet. Pressemitteilungen. https: / / www.diw.de/ de/ diw_01.c.840066.de/ hoh e_energiepreise__arme_haushalte_trotz_entlastungspaketen_am_staerksten_be lastet.html Dodman, D., Hayward, B., Pelling, M., Castan Broto, V., Chow, W., Chu, E., Dawson, R., Khirfan, L., McPhearson, T., Prakash, S., Zheng, Y., & Ziervogel, G. (2022). Cities, Settlements and Key Infrastructure. In H.-O. Pörtner, D. C. Roberts, M. Tignor, E. S. Poloczanska, K. Mintenbeck, A. Alegría, M. Craig, S. Langsdorf, S. Löschke, V. Möller, A. Okem, & B. Rama (Hrsg.), Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth 184 Verwendete Literatur <?page no="185"?> Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (S. 907-1040). Cambridge University Press. https: / / doi.org/ 10.1017/ 9781009325844.008 Dolata, U. (2019). Plattform-Regulierung. Koordination von Märkten und Kuratie‐ rung von Sozialität im Internet. Berliner Journal für Soziologie, 29(3-4), 179-206. https: / / doi.org/ 10.1007/ s11609-020-00403-9 Duffner-Korbee, D., Niessen, P., Vogel, T., Heinz, A., Marksteiner, T., & Jahn, J. (2023). FAIR_V. Förderung adoleszenter Influencer: innen-Resilienz. Endbericht. Fraunho‐ fer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. https: / / web.archive.org/ web/ 20240124103254/ https: / / www.isi.fraunhofer.de/ content/ dam/ isi/ dokumente / ccn/ 2024/ FAIR_V__Foerderung_adoleszente_Influencer_Resilienz_Endbericht_ 2023.pdf Easterlin, R. A. (1974). Does Economic Growth Improve the Human Lot? Some Empirical Evidence. In Nations and Households in Economic Growth (S. 89-125). Academic Press. https: / / doi.org/ 10.1016/ B978-0-12-205050-3.50008-7 Easterlin, R. A., McVey, L. A., Switek, M., Sawangfa, O., & Zweig, J. S. (2010). The happiness-income paradox revisited. Proceedings of the National Academy of Sciences, 107(52), 22463-22468. https: / / doi.org/ 10.1073/ pnas.1015962107 Eat-Lancet Commission (2025). Food Planet Health. Healthy Diets from Sustainable Food Systems. Summary Report of the EAT-Lancet Commission. https: / / eatfor um.org/ wp-content/ uploads/ 2025/ 09/ EAT-Lancet_Commission_Summary_Repo rt.pdf Egli, L., Rüschhoff, J., & Priess, J. (2023). A systematic review of the ecological, social and economic sustainability effects of community-supported agriculture. Frontiers in Sustainable Food Systems, 7, 1136866. https: / / doi.org/ 10.3389/ fsufs.20 23.1136866 Enste, D., Ewers, M., Heldman, C., & Schneider, R. (2016). Verbraucherschutz und Verhaltensökonomik: Zur Psychologie von Vertrauen und Kontrolle (IW-Analysen 106, Nummer 106). Institut der deutschen Wirtschaft (IW). https: / / www.econsto r.eu/ handle/ 10419/ 157153 Ernst, A., Reese, G., & Henn, L. (2024). Umweltpsychologie: Mensch-Umwelt-Systeme verstehen. Springer Berlin Heidelberg. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-662-69166-3 Ershov, D., He, Y., & Seiler, S. (2025). Frontiers: How Much Influencer Marketing Is Undisclosed? Evidence from Twitter. Marketing Science, 44(3), 505-515. https: / / d oi.org/ 10.1287/ mksc.2024.0838 Europäisches Parlament & Europäischer Rat. (2016). Verordnung (EU) 2016/ 679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten (Datenschutz-Grundver‐ Verwendete Literatur 185 <?page no="186"?> ordnung) (Verordnungen (EU) Nr. 2016/ 679; Amtsblatt der Europäischen Union). https: / / eur-lex.europa.eu/ legal-content/ DE/ TXT/ PDF/ ? uri=CELEX: 32016R0679 Europäisches Parlament & Europäischer Rat. (2022). Verordnung (EU) 2022/ 2065 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Oktober 2022 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste (Gesetz über digitale Dienste). https: / / eur-lex.eu ropa.eu/ legal-content/ DE/ TXT/ PDF/ ? uri=CELEX: 32022R2065 Europäisches Parlament & Europäischer Rat. (2024a). Richtlinie (EU) 2024/ 825 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Februar 2024 zur Änderung der Richtlinien 2005/ 29/ EG und 2011/ 83/ EU hinsichtlich der Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel. https: / / eur-lex.europa.eu/ legal-content/ DE/ TXT/ P DF/ ? uri=OJ: L_202400825 Europäisches Parlament & Europäischer Rat. (2024b). Verordnung (EU) 2024/ 1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Verordnung über künstliche Intelligenz) (Nr. 2024a). https: / / eur-lex.europa.eu/ legal-content/ DE/ TXT/ PDF/ ? u ri=OJ: L_202401689 European Commission. (2020). Farm to Fork Strategy. For a fair, healthy and environ‐ mentally-friendly food system. https: / / food.ec.europa.eu/ document/ download/ 47 2acca8-7f7b-4171-98b0-ed76720d68d3_en? filename=f2f_action-plan_2020_strate gy-info_en.pdf European Commission. (2022). EU Strategy for Sustainable and Circular Textiles. https : / / environment.ec.europa.eu/ document/ download/ 74126c90-5cbf-46d0-ab6b-608 78644b395_en? filename=COM_2022_141_1_EN_ACT_part1_v8.pdf Eusuf, M. A., Khaleque, A., & Rana, E. A. (2022). Beschäftigungs- und Arbeitsbedin‐ gungen in der Lederindustrie von Bangladesch. Ergebnisse einer Umfrage unter Gerbereiarbeiter*innen. INKOTA-netzwerk e.V. und SÜDWIND. https: / / saubere-k leidung.de/ wp-content/ uploads/ 2022/ 09/ 2022-09_inkota_bangladesch-lederindu strie-arbeitsbedingungen-1.pdf Eversberg, D., Fritz, M., von Faber, L., & Schmelzer, M. (2024). Der neue sozial-ökolo‐ gische Klassenkonflikt: Mentalitäts- und Interessengegensätze im Streit um Trans‐ formation. Campus Verlag. https: / / doi.org/ 10.12907/ 978-3-593-45973-8 Fahrradentscheid Köln. (o.-J.). Fahrradentscheid Köln. https: / / fahrrad-entscheid.koe ln/ Fairtrade International. (o.-J.). About Fairtrade International. https: / / www.fairtrade. net/ en/ about/ about-fairtrade-international.html Fairtrade Österreich. (2024). Fairtrade International wählt neuen Vorstand | pressemit‐ teilungen. https: / / www.fairtrade.net/ at-de/ newsroom/ presse/ pressemitteilungen / fairtrade-international-waehlt-neuen-vorstand.html 186 Verwendete Literatur <?page no="187"?> Fanning, A. L., & O’Neill, D. W. (2019). The Wellbeing-Consumption paradox: Happiness, health, income, and carbon emissions in growing versus non-growing economies. Journal of Cleaner Production, 212, 810-821. https: / / doi.org/ 10.1016/ j. jclepro.2018.11.223 FAO, IFAD, UNICEF, WFP, & WHO. (2025). The State of Food Security and Nutrition in the World 2025. https: / / doi.org/ 10.4060/ cd6008en Fashion Revolution. (o. J.). Fashion Revolution Germany. https: / / www.fashionrevolu tiongermany.de/ fashion-revolution Felber, C. (2021). Gemeinwohl-Ökonomie (Komplett aktualisierte und erweiterte Ausgabe, 6. Auflage). Piper. Fischer, D., & Nemnich, C. (2012). Bildung für nachhaltigen Konsum. Konzeptioneller Ansatz und praktische Beispiele aus dem Projekt BINK. Haushalt in Bildung & Forschung, 1(1), 44-55. https: / / doi.org/ 10.25656/ 01: 18263 Fischer, D., & von Hauff, M. (2019). Nachhaltiger Konsum (2. überarbeitete Auflage). Hessische Landeszentrale für politische Bildung. https: / / hlz.hessen.de/ fileadmi n/ user_upload/ pdf/ publikationsreihen/ schriftenreihe_nachhaltigkeit/ hlz-brosch uere_nachhaltigkeit_band_3_2019.pdf Fletcher, K. (2010). Slow Fashion: An Invitation for Systems Change. Fashion Practice, 2(2), 259-265. https: / / doi.org/ 10.2752/ 175693810X12774625387594 Flüter-Hoffmann, C., Hammermann, A., König, C., Märki, H., Muckel, M., Neuhaus, R., Niepmann, F., Niessen, P., Ottersböck, N., Peck, A., Peschl, A., Sandrock, S., Schüth, N. J., & Stettes, O. (2018). Resilienzkompass: Zur Stärkung der individuellen und organisationalen Resilienz in Unternehmen (ifaa - Institut für angewandte Ar‐ beitswissenschaft e. V., Institut für Arbeitswissenschaft, Technische Universität Darmstadt (IAD), Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. (IW), & Hochschule Fresenius Düsseldorf, Hrsg.). https: / / www.iwkoeln.de/ fileadmin/ user_upload/ St udien/ Gutachten/ PDF/ 2018/ Gutachten_Resilienzkompass.pdf Förster, J. (2015). Was das Haben mit dem Sein macht: Die neue Psychologie von Konsum und Verzicht. Pattloch eBook. Forum Fairer Handel (Hrsg.). (2017). Fairer Handel schafft Perspektiven Hintergrund‐ broschüre zur Fairen Woche 2017. https: / / www.forum-fairer-handel.de/ fileadmin / user_upload/ Dateien/ Publikationen_FFH/ 2017-08-25_hintergrundbroschuere_f aire_woche_2017.pdf Foscht, T., Swoboda, B., & Schramm-Klein, H. (2017). Käuferverhalten. Springer Fachmedien Wiesbaden. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-17465-1 Frick, V., Gossen, M., Lautermann, C., Muster, V., Kettner, S. E., Thorun, C., & Santarius, T. (2019). Digitalisierung von Märkten und Lebensstilen: Neue Heraus‐ Verwendete Literatur 187 <?page no="188"?> forderungen für nachhaltigen Konsum. Umweltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n 76123de Frick, V., Gossen, M., Pentzien, J., Piétron, D., & Tangens, R. (2021). Policies to Trans‐ form the Internet from Marketplace to Public Space. Ökologisches Wirtschaften - Fachzeitschrift, 36(O1), 9-14. https: / / doi.org/ 10.14512/ OEWO36019 Frick, V., Holzhauer, B., Gossen, M., & Winter, F. (2023). Zukunft? Jugend fragen! 2021 (Texte 38/ 2023). Umweltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n102263de Frick, V., & Matthies, E. (2020). Everything is just a click away. Online shopping efficiency and consumption levels in three consumption domains. Sustainable Production and Consumption, 23, 212-223. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.spc.2020.05.0 02 Friedman, M. (1996). A Positive Approach to organized Consumer Action: The „Buycott“ as an Alternative to the Boycott. Journal of Consumer Policy, 19, 439- 451. Friedrichsen, J., & Gärtner, M. (2020). Why Are We Eating so Much Meat? DIW Roundup - Politik im Fokus, 137. DIW Berlin. https: / / www.diw.de/ documents/ pu blikationen/ 73/ diw_01.c.741618.de/ diw_roundup_137_en.pdf Froese, T., Richter, M., Hofmann, F., & Lüdeke-Freund, F. (2023). Degrowth-oriented organisational value creation: A systematic literature review of case studies. Ecological Economics, 207, 107765. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.ecolecon.2023.107765 Fuchs, D., Sahakian, M., Gumbert, T., Di Giulio, A., Maniates, M., Lorek, S., & Graf, A. (2021). Consumption Corridors: Living a good life within Sustainable Limits. Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 9780367748746 Gastineau, N. (2022). Dark Patterns und Nudges - werden wir manipuliert? Philoso‐ phie Magazin. https: / / www.philomag.de/ artikel/ dark-pattern-und-nudges-werd en-wir-manipuliert Geels, F. W. (2011). The multi-level perspective on sustainability transitions: Res‐ ponses to seven criticisms. Environmental Innovation and Societal Transitions, 1, 24-40. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.eist.2011.02.002 Geiger, S. M., Fischer, D., & Schrader, U. (2018). Measuring What Matters in Sustai‐ nable Consumption: An Integrative Framework for the Selection of Relevant Behaviors. Sustainable Development, 26(1), 18-33. https: / / doi.org/ 10.1002/ sd.1688 Gerber, D. (2010). Der Begriff der kollektiven Verantwortung: Ist individuelle Verantwortung das richtige Modell für kollektive Verantwortung? In D. Gerber & V. Zanetti (Hrsg.), Kollektive Verantwortung und internationale Beziehungen (S. 66-93). Suhrkamp. Germanwatch. (o.-J.). Handabdruck. https: / / www.germanwatch.org/ de/ handabdruc k 188 Verwendete Literatur <?page no="189"?> Gimkiewicz, J., Depireux, S., Spengler, L., & Zietlow, B. (2022). Die Rolle der Langle‐ bigkeit und der Nutzungsdauer für einen nachhaltigen Umgang mit Bekleidung. Eine Studie zum aktuellen Forschungsstand (Texte 112/ 2022). Umweltbundesamt. http s: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 1410/ publikationen/ 2022-10 -19_texte_112-2022_langlebigkeit-bekleidung_bf.pdf Global Change Data Lab. (2025). Energy use per person vs. GDP per capita, 2024 [Datensatz]. https: / / ourworldindata.org/ grapher/ energy-use-per-person-vs-gdp -per-capita Global Footprint Network. (2026). Country Overshoot Days 2026. https: / / overshoot .footprintnetwork.org/ newsroom/ country-overshoot-days/ Goodwin, A., Joseff, K., Riedl, M. J., Lukito, J., & Woolley, S. (2023). Political Relational Influencers: The Mobilization of Social Media Influencers in the Political Arena. International Journal of Communication, 17, 21-21. Gossen, M., Frick, V., Lell, O., & Scholl, G. (2022). Politik für nachhaltigen Konsum in der digitalen Welt (Umweltbundesamt, Hrsg.) [Policy Paper]. https: / / www.u mweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 479/ publikationen/ uba_politik_fuer_n achhaltigen_konsum_in_der_digitalen_welt.pdf Gossen, M., Hoffmann, M. L., & Güldenpennig, N. (2022). Glaubwürdige und leicht verfügbare Nachhaltigkeitsinformationen bei der Internetsuche auf Ecosia: Der grüne Konsumassistent als Lösungsansatz für die Informationskomplexität nachhaltiger Konsumentscheidungen. In M. P. Schlaile & L. F. Stöber (Hrsg.), Consumer Social Responsibility im digitalen Raum: Entscheidungsarchitekturen, geteilte Verantwortung und Handlungsspielräume (S. 121-141). Metropolis-Verlag. https: / / www.metropolis-verlag.de/ dl/ OpenAccess/ 1524.pdf Graedel, T. E., Harper, E. M., Nassar, N. T., & Reck, B. K. (2015). On the materials basis of modern society. Proceedings of the National Academy of Sciences, 112(20), 6295-6300. https: / / doi.org/ 10.1073/ pnas.1312752110 Graulich, K., Marken, G., Antony, F., & Hermann, A. (2025). Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft in der öffentlichen Beschaffung. Arbeitshilfe mit rechtlichen Grundlagen, Kriterien und Beispielen für zehn Produktgruppen (Umweltbundesamt, Hrsg.). https: / / www.uba.de/ n119445de Greenpeace. (2022). Nachhaltigkeit ist tragbar: Repräsentative Greenpeace-Umfrage zu Kaufverhalten, Tragedauer und Nutzung der Alternativen zum Neukauf von Mode. https: / / www.greenpeace.de/ publikationen/ 220728-greenpeace-report-nac hhaltigkeit-mode.pdf Greenpeace. (2025). Shein: Greenpeace kritisiert gefährliche Chemikalien in Kleidung. https: / / www.greenpeace.de/ engagieren/ nachhaltiger-leben/ shein Verwendete Literatur 189 <?page no="190"?> Grund, J., & Brock, A. (2022). Formale Bildung in Zeiten von Krisen - die Rolle von Nachhaltigkeit in Schule, Ausbildung & Hochschule. Kurzbericht des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf Basis einer Befra‐ gung von > 3.000 jungen Menschen und Lehrkräften. Institut Futur, Freie Universität Berlin. https: / / doi.org/ 10.17169/ REFUBIUM-36890 Grunwald, A. (2012). Ende einer Illusion: Warum ökologisch korrekter Konsum uns nicht retten wird. Oekom Verlag. Guillen-Hanson, G., Hallikainen, H., Xi, N., & Hamari, J. (2025). Information and Communication Technology. In L. Akenji, P. J. Vergragt, H. S. Brown, T. S. J. Smith, & L. M. Wallnöfer, Vocabulary for Sustainable Consumption and Lifestyles (1. Aufl., S. 370-374). Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 9781003584056-90 Haas, W., Krausmann, F., Wiedenhofer, D., Lauk, C., & Mayer, A. (2020). Spaceship earth’s odyssey to a circular economy—A century long perspective. Resources, Conservation and Recycling, 163, 105076. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.resconrec.2020 .105076 Haipeter, T., Helfen, M., Kirsch, A., & Rosenbohm, S. (Hrsg.). (2023). Soziale Standards in globalen Lieferketten: Internationale Richtlinien, unternehmerische Verantwor‐ tung und die Stimme der Beschäftigten (Bd. 200). transcript Verlag. https: / / library. oapen.org/ bitstream/ id/ dcf00c64-c39c-45f7-b032-1d3fdbd4cd49/ 9783839467701.p df Hamann, K., Baumann, A., & Löschinger, D. (2016). Psychologie im Umweltschutz, Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. Oekom Verlag. https: / / doi.org/ 1 0.14512/ 9783960061182 Harms, C., Heinrich, A., Pentzien, J., Lautermann, C., Rubik, F., Klusch, C., & Oest, O. (2025). Nachhaltigen Konsum in den Massenmarkt bringen: Schlüsselprodukte mit hohem Diffusionspotenzial identifizieren und fördern (Texte 102/ 2025). Umwelt‐ bundesamt. https: / / doi.org/ https: / / doi.org/ 10.60810/ openumwelt-7846 Helberger, N., Sax, M., Strycharz, J., & Micklitz, H.-W. (2022). Choice Architectures in the Digital Economy: Towards a New Understanding of Digital Vulnerability. Journal of Consumer Policy, 45(2), 175-200. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10603-021-09 500-5 Hellmann, K.-U. (2005). Soziologie des Shopping: Zur Einführung. In K.-U. Hellmann & D. Schrage (Hrsg.), Das Management der Kunden (S. 7-36). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-322-80718-2‗%201 Hellmann, K.-U. (2011). Der Eigensinn der Konsumenten - Zur Frage der Verant‐ wortung bei der Zurechnung von Konsumentenverantwortung. In L. Heidbrink, I. Schmidt, & B. Ahaus (Hrsg.), Die Verantwortung des Konsumenten. Über das Verhältnis von Markt, Moral und Konsum (S. 269-283). Campus. 190 Verwendete Literatur <?page no="191"?> Hellmann, K.-U. (2019). Der Konsum der Gesellschaft. Springer Fachmedien Wiesba‐ den. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-22251-2 Hellmann, K.-U., & Schrage, D. (2013). Konsum der Werbung: Zur Produktion und Rezeption von Sinn in der kommerziellen Kultur. Springer-Verlag. Hermann, A., & Gröger, J. (2023). Umweltfreundliche Beschaffung. Schulungsskript 1: Grundlagen der umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung. Umweltbundes‐ amt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 11850/ publikation en/ umweltfreundliche_beschaffung_schulungsskript_1.pdf Hermann, A., & Teufel, J. (2020). Nachhaltige öffentliche Beschaffung - wie kauft die Verwaltung ein? Öko-Institut. https: / / www.oeko.de/ publikation/ nachhaltige-oeff entliche-beschaffung-wie-kauft-die-verwaltung-ein/ Herwegen, S., Flesch, G., & Stelten, R. (2024). Wohnen. Auszug aus dem Sozialbericht 2024. https: / / www.bpb.de/ system/ files/ dokument_pdf/ 6.1.pdf Heyen, D., Degen, S., Braungardt, S., Blanck, R., Jakob, M., Pfeiffer, S., & Fischer, C. (2021). Konsumbezogenes Ordnungsrecht in der Umweltpolitik: Gesellschaftliche Akzeptanz und ihre Einflussfaktoren (Working Paper 2/ 2021). Öko-Institut e.V. ht tps: / / www.oeko.de/ fileadmin/ oekodoc/ WP-Konsumbezogenes-Ordnungsrecht.p df Hickel, J., & Sullivan, D. (2024). How much growth is required to achieve good lives for all? Insights from needs-based analysis. World Development Perspectives, 35, 100612. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.wdp.2024.100612 Hirschman, A. O. (1974). Abwanderung und Widerspruch. Reaktionen auf Leistungs‐ abfall bei Unternehmungen, Organisationen und Staaten. Mohr Siebeck. Hiß, S. (2006). Warum übernehmen Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung? Ein soziologischer Erklärungsversuch. Campus Verlag. Hoffmann, M. L., Nanevski, I., Gossen, M., Bergener, J., Flick, A., Santarius, T., & Biessmann, F. (2024). Can Sustainable Shopping Recommendations in Online Retail Help Reduce Global Warming? : Assessing the Direct and Indirect Climate Impact of Modern Software. Weizenbaum Journal of the Digital Society, 4(1). http s: / / doi.org/ 10.34669/ WI.WJDS/ 4.1.2 Hohnsträter, D. (2017). Wissen-was, Wissen-wo, Wissen-wie: Kulturwissenschaftli‐ che Überlegungen zur Verbraucherkompetenz: Kulturwissenschaftliche Überle‐ gungen zur Verbraucherkompetenz. In C. Bala, C. Kleinschmidt, K. Rick, & W. Schuldzinski (Hrsg.), Beiträge zur Verbraucherforschung (S. 55-70). Verbraucher‐ zentrale Nordrhein-Westfalen e. V. https: / / doi.org/ 10.15501/ 978-3-86336-916-3_4 iaw. (2019). Verflechtungen und Interessen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) (Na‐ turschutzbund Deutschland e. V. (NABU), Hrsg.). Institut Arbeit und Wirtschaft. h Verwendete Literatur 191 <?page no="192"?> ttps: / / www.nabu.de/ imperia/ md/ content/ nabude/ landwirtschaft/ agrarreform/ 19 0429-studie-agrarlobby-iaw.pdf infas, DLR, IVT, & infas 360. (2025). Mobilität in Deutschland - MiD Ergebnisbericht. https: / / www.mobilitaet-in-deutschland.de/ pdf/ MiD2023_Ergebnisbericht.pdf Intraplan & Trimode. (2023). „Prognose 2022“. Gleitende Langfrist-Verkehrsprognose 2021-2022. Bundesministerium für Digitales und Verkehr. https: / / www.bmv.de/ S haredDocs/ DE/ Anlage/ K/ prognose-berichtgleitende-langfrist-verkehrsprognose .pdf ? __blob=publicationFile IPCC. (2019). Climate Change and Land: An IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems (P. R. Shukla, J. Skea, E. Calvo Buendia, V. Masson-Delmotte, H.-O. Pörtner, D. C. Roberts, P. Zhai, R. Slade, S. Connors, R. van Diemen, M. Ferrat, E. Haughey, S. Luz, S. Neogi, M. Pathak, J. Petzold, J. Portugal Pereira, P. Vyas, E. Huntley, … J. Malley, Hrsg.). https: / / www .ipcc.ch/ site/ assets/ uploads/ 2019/ 11/ SRCCL-Full-Report-Compiled-191128.pdf Ivanova, D., & Makov, T. (2025). Sharing Economy. In L. Akenji, P. J. Vergragt, H. S. Brown, T. S. J. Smith, & L. M. Wallnöfer, Vocabulary for Sustainable Consumption and Lifestyles (1. Aufl., S. 222-225). Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 978100358 4056-52 Jackson, T. (2005). Motivating Sustainable Consumption: A Review of Evidence on Con‐ sumer Behaviour and Behavioural Change: A report to the Sustainable Development Research Network. Sustainable Development Research Network. https: / / www.re searchgate.net/ profile/ tim-jackson-2/ publication/ 275638627_motivating_sustain able_consumption_a_review_of_evidence_on_consumer_behaviour_and_behav ioural_change Jackson, T. (2009). Prosperity without growth: Economics for a finite planet (1. Aufl.). Earthscan from Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 9781849774338 Jacobs, K., Bergener, J., & Gossen, M. (2025). The influence of a hypothetical eco-score on purchase decisions: Empirical evidence on consumer preferences and consumer segments for mobile phones. Cleaner and Responsible Consumption, 18, 100289. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.clrc.2025.100289 Jaeger-Erben, M. (2024). Geplante Obsoleszenz - eine umweltsoziologische Dekon‐ struktion. In M. Sonnberger, A. Bleicher, & M. Groß (Hrsg.), Handbuch Umwelt‐ soziologie (S. 641-655). Springer Fachmedien Wiesbaden. https: / / doi.org/ 10.1007 / 978-3-658-37218-7_51 Jaeger-Erben, M., Rückert-John, J., & Schäfer, M. (Hrsg.). (2017). Soziale Innovationen für nachhaltigen Konsum. Springer VS. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-16545-1 192 Verwendete Literatur <?page no="193"?> Jung, S., & Jin, B. (2016). From quantity to quality: Understanding slow fashion consumers for sustainability and consumer education. International Journal of Consumer Studies, 40(4), 410-421. https: / / doi.org/ 10.1111/ ijcs.12276 Kahnemann, D., Knetsch, J. L., & Thaler, S. (1991). Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias. Journal of Economic Perspectives, 5(1), 193-206. Kallis, G., Kostakis, V., Lange, S., Muraca, B., Paulson, S., & Schmelzer, M. (2018). Research On Degrowth. Annual Review of Environment and Resources, 43(1), 291-316. https: / / doi.org/ 10.1146/ annurev-environ-102017-025941 Keimeyer, F., Gailhofer, D. P., Gsell, M., Graulich, K., Prakash, S., & Scherf, C.-S. (2020). Weiterentwicklung von Strategien gegen Obsoleszenz einschließlich rechtli‐ cher Instrumente. Abschlussbericht (Texte 115/ 2020). Umweltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n81259de Kholodilin, K. A., & Kohl, S. (2026). Zeitalter der immer größer werdenden Wohnun‐ gen endet. DIW Wochenbericht, (1+2). https: / / www.diw.de/ documents/ publikatio nen/ 73/ diw_01.c.993897.de/ 26-1-1.pdf Kitzmann, N., Caesar, L., Sakschewski, B., & Rockström, J. (Hrsg.). (2025). Planetary Health Check 2025: A Scientific Assessment of the State of the Planet. https: / / pu blications.pik-potsdam.de/ pubman/ faces/ viewitemfullpage.jsp? itemid=item_325 89_2&view=actions Kjaer, L. L., Pagoropoulos, A., Schmidt, J. H., & McAloone, T. C. (2016). Challenges when evaluating Product/ Service-Systems through Life Cycle Assessment. Jour‐ nal of Cleaner Production, 120, 95-104. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2016.01.0 48 Kleinschmidt, C. (2008). Konsumgesellschaft: Grundkurs Neue Geschichte. Vandenho‐ eck & Ruprecht. Klöpper, L., Nguyen, U., Schüler, K., Wedekind, N., Wilhelm, J., Griestop, L., & Kraas, C. (2024). Mehrweg in der deutschen Gastronomie. Ein Realitätscheck ein Jahr nach Einführung der Mehrwegsangebotspflicht. WWF Deutschland. https: / / www.wwf .de/ fileadmin/ fm-wwf/ Publikationen-PDF/ Plastik/ Mehrweg-in-der-deutschen-G astronomie-1-Jahr-Mehrwegangebotspflicht.pdf KLUG. (2024). Co-Benefits: Gut fürs Klima - doppelt gut für den Menschen. Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. https: / / www.klimawandel-gesundheit.de/ planetary-health/ co-benefits/ Knopf, B., Verspohl, I., Schaffert, A., & Zeller, M.-L. (2024). Eine sozial gerechte und klimaneutrale Zukunft sichern: 11 Thesen für eine Klimasozialpolitik. Zukunft Kli‐ masozial. Institut für Klimasozialpolitik. https: / / zukunft-klimasozial.de/ wp-conte Verwendete Literatur 193 <?page no="194"?> nt/ uploads/ 2024/ 06/ Zukunft-KlimaSozial_11-Thesen-fuer-eine-Klimasozialpoliti k.pdf Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum. (o.-J.). Indikator Nr. 18—Marktanteil nachhaltiger Bekleidung. https: / / nachhaltigerkonsum.info/ indikator-nr-18-markt anteil-nachhaltiger-bekleidung Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum. (2025). Indikatoren zum Nationalen Pro‐ gramm für nachhaltigen Konsum. Umweltbundesamt. https: / / nachhaltigerkonsu m.info/ nationales-programm/ indikatoren König, W. (2013). Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Franz Steiner Verlag. ht tps: / / doi.org/ 10.25162/ 9783515103701 König, W. (2019). Geschichte der Wegwerfgesellschaft: Die Kehrseite des Konsums. Franz Steiner Verlag. https: / / biblioscout.net/ content/ pdf ? p=99.140005&doi=vsw g202104055701 Kraas, C., & Bauske, B. (2020). Mikroplastik in der Umwelt Hintergrundpapier. WWF Deutschland. https: / / www.wwf.de/ fileadmin/ fm-wwf/ Publikationen-PDF/ WWF -Hintergrundpapier-Mikroplastik.pdf Kristensen, H. S., Mosgaard, M. A., & Remmen, A. (2021). Circular public procu‐ rement practices in Danish municipalities. Journal of Cleaner Production, 281, 124962. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2020.124962 KSG. (2019). Bundes-Klimaschutzgesetz vom 12. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2513), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15. Juli 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 235) (Bundes-Klimaschutzgesetz, Hrsg.). https: / / www.gesetze-im-internet.de/ ksg / KSG.pdf Kühnen, M., Samanthi, S., Beckmann, J., Eberle, U., Hahn, R., Hermann, C., Schalt‐ egger, S., & Schmid, M. (2019). Contributions to the sustainable development goals in life cycle sustainability assessment: Insights from the Handprint research project. Sustainability Management Forum, 27, 65-82. https: / / doi.org/ 10.1007/ s00 550-019-00484-y Kultusministerkonferenz. (2013). Empfehlung zur Verbraucherbildung an Schulen. htt ps: / / www.kmk.org/ fileadmin/ Dateien/ veroeffentlichungen_beschluesse/ 2013/ 20 13_09_12-Verbraucherbildung.pdf Lange, S., & Santarius, T. (2018). Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit. oekom Verlag. https: / / doi.org/ 10.1451 2/ 9783962384449 Lehner, M., Richter, J. L., Kreinin, H., Mamut, P., Vadovics, E., Henman, J., Mont, O., & Fuchs, D. (2024). Living smaller: Acceptance, effects and structural factors in the EU. Buildings and Cities, 5(1), 215-230. https: / / doi.org/ 10.5334/ bc.438 194 Verwendete Literatur <?page no="195"?> Lessenich, S. (2015). Die Externalisierungsgesellschaft: Ein Internalisierungsver‐ such. Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, (1), 22-32. Lettenmeier, M., Liedtke, C., & Rohn, H. (2014). Eight tons of material footprint— Suggestion for a resource cap for household consumption in Finland. Resources, 3(3), 488-515. https: / / doi.org/ 10.3390/ resources3030488 Li, J., He, C., & Shi, Z. (2025). Platform search design with heterogeneous consumers. Humanities and Social Sciences Communications, 12(1), 673. https: / / doi.org/ 10.105 7/ s41599-025-04932-7 Li, J., & Leonas, K. K. (2022). Sustainability topic trends in the textile and apparel industry: A text mining-based magazine article analysis. Journal of Fashion Marketing and Management: An International Journal, 26(1), 67-87. https: / / doi.or g/ 10.1108/ JFMM-07-2020-0139 Li, Y., Zhao, X., Shi, D., & Li, X. (2014). Governance of sustainable supply chains in the fast fashion industry. European Management Journal, 32(5), 823-836. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.emj.2014.03.001 Liedtke, C., Bienge, K., Wiesen, K., Teubler, J., Greiff, K., Lettenmeier, M., & Rohn, H. (2014). Resource Use in the Production and Consumption System—The MIPS Approach. Resources, 3(3), 544-574. https: / / doi.org/ 10.3390/ resources3030544 Liedtke, C., Kühlert, M., Huber, K., & Baedeker, C. (2020). Transition Design Guide - Design für Nachhaltigkeit. Gestalten für das Heute und Morgen. Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen, Städten und Quartieren, Forschung und Lehre (2. Aufl.). Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH. Liedtke, C., & Welfens, J. (2025). Wohlstand in Zeiten des Übergangs: Eine Neuvermes‐ sung für eine nachhaltige Zukunft. oekom. Lindahl, M., Sundin, E., & Sakao, T. (2014). Environmental and economic benefits of Integrated Product Service Offerings quantified with real business cases. Journal of Cleaner Production, 64, 288-296. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2013.07.047 Linz, M. (2004). Weder Mangel noch Übermaß: Über Suffizienz und Suffizienzforschung (Wuppertal Papers 145). Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. https: / / epub.wupperinst.org/ frontdoor/ deliver/ index/ docId/ 1915/ file/ WP145.pdf Loorbach, D. A. (2007). Transition management: New mode of governance for sustai‐ nable development [Erasmus Universiteit ; International Books]. WorldCat. Majer, J. M., Henscher, H. A., Reuber, P., Fischer-Kreer, D., & Fischer, D. (2022). The effects of visual sustainability labels on consumer perception and behavior: A systematic review of the empirical literature. Sustainable Production and Consumption, 33, 1-14. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.spc.2022.06.012 Maniates, M. (2001). Individualization: Plant a Tree, Buy a Bike, Save the World? Global Environmental Politics, 1(3), 31-52. Verwendete Literatur 195 <?page no="196"?> Mau, S., Lux, T., & Westheuser, L. (2024). Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft (4. Aufl.). Suhrkamp Verlag. Mbow, C., Rosenzweig, C., Barioni, L. G., Benton, T. G., Herrero, M., Krishnapillai, M., Liwenga, E., Pradhan, P., Rivera-Ferre, M. G., Sapkota, T., Tubiello, F. N., & Xu, Y. (2019). Food Security. In P. R. Shukla, J. Skea, E. Calvo Buendia, V. Masson-Delmotte, H.-O. Pörtner, D. C. Roberts, P. Zhai, R. Slade, S. Connors, R. van Diemen, M. Ferrat, E. Haughey, S. Luz, S. Neogi, M. Pathak, J. Petzold, P. Portugal Pereira, P. Vyas, E. Huntley, … J. Malley (Hrsg.), Climate Change and Land: An IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems. https: / / doi.org/ 10.1017/ 9781009157988.007 McKinsey & Company. (2025). The State of Fashion 2026: When the rules change. htt ps: / / www.mckinsey.com/ industries/ retail/ our-insights/ state-of-fashion#/ Methfessel, B. (2020). Maslows Bedürfnistheorie und ihre Bedeutung für die Fachdi‐ daktik. Haushalt in Bildung & Forschung, 9(1), https: / / doi.org/ 10.25656/ 01: 24232 Michie, S., van Stralen, M. M., & West, R. (2011). The behaviour change wheel: A new method for characterising and designing behaviour change interventions. Implementation Science, 6, 42. https: / / doi.org/ 10.1186/ 1748-5908-6-42 Micklitz, H.-W., Mehnert, V., Specht-Riemenschneider, L., Liedtke, C., & Kenning, P. (2022). Recht auf Reparatur (Veröffentlichungen des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen). Sachverständigenrat für Verbraucherfragen. Micklitz, H.-W., Oehler, A., Piorkowsky, M.-B., Reisch, L. A., & Strünk, C. (2010). Der vertrauende, der verletzliche oder der verantwortungsvolle Verbraucher? Plädoyer für eine differenzierte Strategie in der Verbraucherpolitik. Stellungnahme des Wis‐ senschaftlichen Beirats Verbraucher- und Ernährungspolitik beim BMELV. https: / / www.vzbv.de/ sites/ default/ files/ downloads/ Strategie_verbraucherpolitik_Wiss _BeiratBMELV_2010.pdf Miller, D. (2019). Der Trost der Dinge: Fünfzehn Porträts aus dem London von heute (F. Jakubzik, Übers.; Deutsche Erstausgabe, 5. Auflage). Suhrkamp. Moreno, C., Allam, Z., Cabaud, D., Gall, C., & Pratlong, F. (2021). Introducing the „15-Minute City“: Sustainability, Resilience and Place Identity in Future Post-Pandemic Cities. Smart Cities, 4, 93-111. https: / / doi.org/ 10.3390/ smartcities 4010006 Müller, C. (2015). Nachhaltige Ökonomie: Ziele, Herausforderungen und Lösungswege. De Gruyter. https: / / doi.org/ 10.1515/ 9783110413861 Müller, M. (2025). Die Geopolitik globaler Lieferketten: Band 10998. Bundeszentrale für politische Bildung. 196 Verwendete Literatur <?page no="197"?> Müller, M., & Siakala, S. (2019). Nachhaltiges Lieferkettenmanagement: Von der Strategie zur Umsetzung. De Gruyter. https: / / doi.org/ 10.1515/ 9783110652628 Müller, R., Rubik, F., Salecki, S., Riousset, P., & Syhre, J.-A. (2020). Zusammendenken, was zusammengehört: Kommunaler Klimaschutz und nachhaltiger Konsum. Ideen für Kommunen und Landkreise (Umweltbundesamt, Hrsg.). https: / / www.uba.de/ n82385de Münsch, M., Dasch, S., & Lell, O. (2025). Digitale Verbraucherinformationen zu nachhaltigem Konsum, Produktwahl und Kreislaufwirtschaft im Onlinehandel. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung anhand einer Literaturanalyse und Interviews (Texte 110/ 2025). Umweltbundesamt. https: / / doi.org/ 10.60810/ OPENU MWELT-8012 Muster, V. (2011). Companies Promoting Sustainable Consumption of Employees. Journal of Consumer Policy, 34(1), 161-174. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10603-010-91 43-4 Muster, V. (2012). Negative influences of working life on sustainable consumption. International Journal of Consumer Studies, 36(2), 166-172. https: / / doi.org/ 10.1111 / j.1470-6431.2011.01086.x Muster, V., Fischer, C., & das Projektteam „Nachhaltigen Konsum weiterdenken“. (2020). Nationales Programm für nachhaltigen Konsum weiterentwickeln und umsetzen. Ökologisches Wirtschaften, 33(4), 12-13. Muster, V., & Schrader, U. (2011). Green Work-Life Balance: A New Perspective for Green HRM. German Journal of Human Resource Management: Zeitschrift für Personalforschung, 25(2), 140-156. https: / / doi.org/ 10.1177/ 239700221102500205 Muster, V., & Schrader, U. (2021). Nachhaltiger Konsum und Digitalisierung. Empfeh‐ lungen für die Verbraucherbildung. Haushalt in Bildung & Forschung, 10(2021)(1), 112-126. https: / / doi.org/ 10.25656/ 01: 29243 Neckel, S. (2024). Schuldig im Anthropozän. Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 31(1), 29-40. https: / / doi.org/ 10.1007/ s11613-023-00842-2 Neligan, A., & Mertens, A. (2023). Inflationsdämpfer Bio-Lebensmittel. (IW-Kurzbe‐ richt 80/ 2023). Institut der Deutschen Wirtschaft. https: / / www.iwkoeln.de/ filead min/ user_upload/ Studien/ Kurzberichte/ PDF/ 2023/ IW-Kurzbericht_2023-Biolebe nsmittelpreise.pdf Netzwerk Plurale Ökonomik. (2020). Impulse für eine zukunftsfähige ökonomische Lehre. https: / / www.plurale-oekonomik.de/ wp-content/ uploads/ 2021/ 08/ Impulsp apier2020.pdf Neuner, M. (2001). Verantwortliches Konsumentenverhalten. Individuum und Institu‐ tion. Duncker & Humblot. Verwendete Literatur 197 <?page no="198"?> Nobis, C., & Lell, O. (2024). Mobilität neu denken. Nachhaltige Mobilität durch Verhaltensänderungen (Broschüren). Umweltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n1 08589de Nuffield Council on Bioethics. (2007). Public health: Ethical issues. https: / / cdn.nuffie ldbioethics.org/ wp-content/ uploads/ Public-health-ethical-issues.pdf Nutrition Hub. (2025). Trendreport Ernährung 2025. Die 10 wichtigsten Ernährungst‐ rends. https: / / www.nutritionhub.de/ post/ trendreport-ernaehrung-trends-2025 Ochs, C. (2019). Optionalität und Prediktivität: Privatheit und der Subjektivierungs‐ widerspruch algorithmisch organisierter Überwachungsgesellschaften. In Köbe‐ rer, Nina, Prinzing, Marlis, & Stapf, Ingrid (Hrsg.), Aufwachsen mit Medien: Zur Ethik mediatisierter Kindheit und Jugend (S. 213-226). Nomos. Ochs, C. (2024). Deep Targeting: Zur Steigerung der Eingriffstiefe in die Erfahrungs‐ spielräume des Sozialen. Zeitschrift Für Soziologie, 53(1), 73-88. https: / / doi.org/ 1 0.1515/ zfsoz-2024-2007 OECD. (2019). Öffentliche Vergabe in Deutschland: Strategische Ansatzpunkte zum Wohl der Menschen und für wirtschaftliches Wachstum. OECD Publishing. https: / / doi.org/ 10.1787/ 48df1474-de Oehler, A., & Reisch, L. A. (2016). SVRV Working Paper Nr. 1 April 2016 Verbraucherleit‐ bild: Differenzieren, nicht diskriminieren! (Sachverständigenrat für Verbraucher‐ fragen beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Hrsg.). SVRV Working Paper Nr. 1. https: / / www.svr-verbraucherfragen.de/ wp-content/ uploads/ 2024/ 11/ SVRV_WP01_Verbraucherleitbild.pdf O’Neill, D. W., Fanning, A. L., Lamb, W. F., & Steinberger, J. K. (2018). A good life for all within planetary boundaries. Nature Sustainability, 1(2), 88-95. https: / / doi.or g/ 10.1038/ s41893-018-0021-4 Ossio, F., Salinas, C., & Hernández, H. (2023). Circular economy in the built environ‐ ment: A systematic literature review and definition of the circular construction concept. Journal of Cleaner Production, 414, 137738. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jcle pro.2023.137738 Osterwalder, A. (2004). The business model ontology a proposition in a design science approach. https: / / iris.unil.ch/ handle/ iris/ 237167 Ottelin, J., Heinonen, J., & Junnila, S. (2014). Greenhouse gas emissions from flying can offset the gain from reduced driving in dense urban areas. Journal of Transport Geography, 41, 1-9. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jtrangeo.2014.08.004 Oxfam. (2024). Carbon inequality kills: Why curbing the excessive emissions of an elite few can create a sustainable planet for all. https: / / www.oxfam.de/ system/ files/ do cuments/ carbon_inequality_kills.pdf 198 Verwendete Literatur <?page no="199"?> Paech, N. (2011). Adiós Konsumwohlstand: Vom Desaster der Nachhaltigkeitskom‐ munikation und den Möglichkeiten der Suffizienz. In L. Heidbrink, I. Schmidt, & B. Ahaus (Hrsg.), Die Verantwortung des Konsumenten. Über das Verhältnis von Markt, Moral und Konsum (S. 285-304). Campus. Pasquale, F. (2015). The black box society: The secret algorithms that control money and information. Harvard University Press. Pelikan, J., Deblitz, C., Asante-Addo, C., Almadani, M. I., Behrendt, L., Boimah, M., Chibanda, C., Gunarathne, A., Schott, J., Thobe, P., Weible, D., & Zamani, O. (2023). IMMPEX: Auswirkungen des Exports von Fleisch und Milchprodukten auf Entwicklungsländer (Thünen-Institut für Marktanalyse & Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Hrsg.). https: / / www.thuenen.de/ media/ ti-themenfelder/ Welt ern%C3%A4hrung_und_globale_Ressourcen/ Maerkte_und_Handel/ IMMPEX/ Br oschuere_IMMPEX_2023_DE.pdf Potting, J., Hanemaaijer, A., Delahaye, R., Ganzevles, J., Hoekstra, R., & Lijzen, J. (2018). Circular economy: What we want to know and can measure. Framework and baseline assessment for monitoring the progress of the circular economy in the Netherlands. PBL Netherlands Environmental Assessment Agency. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) (2025). Darstellungen der Plane‐ taren Grenzen. Variante in einfacher Sprache. https: / / www.pik-potsdam.de/ de/ p rodukte/ infothek/ planetare-grenzen/ current_german_simplified.png Prakash, S., Dehoust, G., Gsell, M., & Schleicher, T. (2016). Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“ (Texte 11/ 2016). Umweltbun‐ desamt. https: / / www.uba.de/ n40424de Prakash, S., Löw, C., Antony, F., Dehoust, G., Stuber-Rousselle, K., Liu, R., Gascón Castillero, L., López Hernandez, V., Hurst, K., Köhler, A. R., Schön-Blume, N., Loibl, A., Sievers, L., Besler, M., Schicho, M., Thurid Lotz, M., Eberling, E., Langkau, S., Herbst, A., … Pfaff, M. (2023). Modell Deutschland Circular Economy. Modellierung und Folgenabschätzung einer Circular Economy in 9 Sektoren in Deutschland. WWF Deutschland. https: / / www.wwf.de/ fileadmin/ fm-wwf/ Publi kationen-PDF/ Unternehmen/ WWF-Modell-Deutschland-Circular-Economy-Mo dellierung.pdf Princen, T. (2005). The logic of sufficiency. MIT Press. Quack, D., Liu, R., & Gröger, J. (2019). Smart Home - Energieverbrauch und Einspar‐ potenzial der intelligenten Geräte. Öko-Institut e.V. https: / / www.oeko.de/ publikati on/ smart-home-energieverbrauch-und-einsparpotenzial-der-intelligenten-gerae te/ Verwendete Literatur 199 <?page no="200"?> Ramboll Management Consulting, PwC Deutschland, & Intraplan Consult. (2025). Das Deutschlandangebot. Gutachten über die Finanzierung der Leistungskosten im deutschen ÖPNV 2024-2040 August 2025. Transformationsfahrplan für einen modernen, effizienten und leistungsstarken ÖPNV für alle und überall (Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Hrsg.). https: / / www.vdv.de/ vdv-leistun gskostengutachten-das-deutschlandangebot.pdfx Raworth, K. (2017). Why it’s time for Doughnut Economics. IPPR Progressive Review, 24(3), 216-222. https: / / doi.org/ 10.1111/ newe.12058 Reisch, L. A. (2002). Symbols for Sale: Funktionen des symbolischen Konsums. In Deutschmann (Hrsg.), Die gesellschaftliche Macht des Geldes (S. 226-248). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-322-91614-3‗%20 11 Reisch, L. A., & Bietz, S. (2014). Zeit für Nachhaltigkeit - Zeiten der Transformation: Elemente einer Zeitpolitik für die gesellschaftliche Transformation zu nachhaltige‐ ren Lebensstilen (Texte 68/ 2014). Umweltbundesamt. https: / / www.umweltbund esamt.de/ sites/ default/ files/ medien/ 378/ publikationen/ texte_68_2014_zeit_fuer_ nachhaltigkeit_0.pdf Renner, B., Arens-Azevêdo, U., Watzl, B., Richter, M., Virmani, K., & Linseisen, J. (2021). DGE position statement on a more sustainable diet. Ernahrungs Umschau, 68(7), 144-154. https: / / doi.org/ 10.4455/ eu.2021.030 Reuter, M. A., Van Schaik, A., & Ballester, M. (2018). Limits of the circular economy: Fairphone modular design pushing the limits. World of Metallurgy-ERZMETALL, 71(2), 68-79. Rezabakhsh, B., Bornemann, D., Hansen, U., & Schrader, U. (2006). Consumer Power: A Comparison of the Old Economy and the Internet Economy. Journal of Consumer Policy, 29, 3-36. Ribeiro, A., Madureira, A., & Carvalho, R. (2023). Evidence on how urban gardens help citizens and cities to enhance sustainable development. Review and biblio‐ metric analysis. Landscape and Urban Planning, 236, 104766. https: / / doi.org/ 10.10 16/ j.landurbplan.2023.104766 Richardson, K., Steffen, W., Lucht, W., Bendtsen, J., Cornell, S. E., Donges, J. F., Drüke, M., Fetzer, I., Bala, G., von Bloh, W., Feulner, G., Fiedler, S., Gerten, D., Gleeson, T., Hofmann, M., Huiskamp, W., Kummu, M., Mohan, C., Nogués-Bravo, D., … Rockström, J. (2023). Earth beyond six of nine planetary boundaries. Science advances, 9(37). https: / / doi.org/ 10.1126/ sciadv.adh2458 Ritthoff, M., Rohn, H., & Liedtke, C. (2002). MIPS berechnen: Ressourcenproduktivität von Produkten und Dienstleistungen. Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, En‐ ergie. 200 Verwendete Literatur <?page no="201"?> Rockström, J., Thilsted, S. H., Willett, W. C., Gordon, L. J., Herero, M., Hicks, C. C., Mason-D’Croz, D., Rao, N., Springmann, M., Wright, E. C., Tsuchiya, K., Van Zanten, H. H. E., van Zeist, W. J., Zhao, X., & DeClerck, F. (2025). The EAT-Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems. The Lancet, 406, 1625-1700. https: / / doi.org/ 10.1016/ S0140-6736(25)01201-2 Römer, D., & Rode, J. (2025). Kf W-Energiewendebarometer 2025. Zustimmung stabil - jeder dritte Haushalt nutzt Energiewendetechnologie. Kf W Bankengruppe. https : / / www.kfw.de/ PDF/ Download-Center/ Konzernthemen/ Research/ PDF-Dokume nte-Kf W-Energiewendebarometer/ Kf WEnergiewendebarometer-2025.pdf RREUSE. (2021). Job creation in the re-use sector: Data insights from social enter‐ prises. https: / / www.rreuse.org/ publications/ job-creation-in-the-re-use-sector-da ta-insights-from-social-enterprises Sandberg, M. (2021). Sufficiency transitions: A review of consumption changes for environmental sustainability. Journal of Cleaner Production, 293, 126097. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2021.126097 Santarius, T. (2012). Der Rebound-Effekt: Über die unerwünschten Folgen der er‐ wünschten Energieeffizienz. In Impulse zur WachstumsWende (Nr. 5). Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH. Sauer, H. (2025). Klasse: Die Entstehung von Oben und Unten (3. Aufl.). Piper Verlag. Schaltegger, S., Hansen, E. G., & Lüdeke-Freund, F. (2016). Business Models for Sustainability: Origins, Present Research, and Future Avenues. Organization & Environment, 29(1), 3-10. https: / / doi.org/ 10.1177/ 1086026615599806 Scherhorn, G. (1977). Konsum. In R. König (Hrsg.), Handbuch der empirischen Sozialforschung (S. 193-265). Deutscher Taschenbuchverlag, Ferdinand Enke Verlag. Schill, W.-P. (2026). DIW Wochenbericht (2026 6). https: / / www.diw.de/ documents/ p ublikationen/ 73/ diw_01.c.997711.de/ 26-6-1.pdf Schlaile, M. P., Klein, K., & Böck, W. (2018). From Bounded Morality to Consumer Social Responsibility: A Transdisciplinary Approach to Socially Responsible Consumption and Its Obstacles. Journal of Business Ethics, 149, 561-588. https: / / doi.org/ 10.1007/ s10551-016-3096-8 Schmelzer, M., & Vetter, A. (2023). Degrowth/ Postwachstum zur Einführung. Junius. Schmidt, A. T., & Engelen, B. (2020). The ethics of nudging: An overview. Philosophy Compass, 15(4), e12658. https: / / doi.org/ 10.1111/ phc3.12658 Schmidt, I. (2016). Consumer Social Responsibility. Theoretische Grundlagen und praktische Dimensionen. Springer VS. Schmidt, I. (2021). Corporate und Consumer Social Responsibility. Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Konsumenten. In L. Heidbrink, A. Lorch, Verwendete Literatur 201 <?page no="202"?> & V. Rauen (Hrsg.), Handbuch Wirtschaftsphilosophie III (S. 383-401). Springer Fachmedien Wiesbaden. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-22107-2_27 Schmidt, I. (2026). Vom Ohnmachtsgefühl zur Mitverantwortung, Weiterbildung, 37(2), 22-25. Schmidt-Bleek, F. (1994). Wieviel Umwelt braucht der Mensch? : MIPS das Maß für ökologisches Wirtschaften. Birkhäuser Verlag. Schmitt, M., Bienge, K., Clausen, J., Bowry, J., Howell, E., & Rohn, H. (2017). Nutzen statt Besitzen - eine ressourcenleichte Konsumalternative: Mythos oder Realität? Ergebnisse der Analyse ausgewählter Sharing-Angebote. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Schneekloth, U., Rysina, A., Wolfert, S., Langness, A., & von Görtz, R. (2022). Jugend und Nachhaltigkeit: Was die Next Generation mit Nachhaltigkeit verbindet und wie sie sich engagiert. 38 p. https: / / doi.org/ 10.11586/ 2022133 Schneider, N. (2000). Konsum und Gesellschaft. In D. Rosenkranz & N. F. Schneider (Hrsg.), Konsum (S. 9-18). Springer-Verlag. Schneiker, A., & Ecker-Ehrhardt, M. (2021). Die Rolle sozialer Medien für zivilgesell‐ schaftliche Advocacy: Individualisierung, Vermachtung, Kommerzialisierung? Zeitschrift für Internationale Beziehungen, 28(2), 181-198. https: / / doi.org/ 10.5771 / 0946-7165-2021-2-181 Schoenheit, I. (2009). Nachhaltiger Konsum. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (32-33), 19-26. Schor, J. B. (1993). The overworked American: The unexpected decline of leisure. Basic Books. Schrader, U., & Fischer, D. (2025). Education for Sustainable Consumption. In L. Akenji, P. J. Vergragt, H. S. Brown, T. S. J. Smith, & L. M. Wallnöfer (Hrsg.), Vocabulary for Sustainable Consumption and Lifestyles: A Language for Our Common Future (1. Aufl., S. 257-260). Routledge. https: / / doi.org/ 10.4324/ 9781003 584056 Schüwer, D., Holtz, G., Espert, V., & Warnke, P. (2024). Dekarbonisierung der industriellen Produktion - Teilbericht. Climate Change 07/ 2024. Umweltbundesamt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 11850/ publikationen/ 07 _2024_cc_dekarblnd_tb3.pdf Schwartz, D. T. (2010). Consuming Choices. Ethics in a Global Consumer Age. Rowman & Littlefield. Shell. (2024). Shell Jugendstudie 2024 | Über uns: Shell in Deutschland. https: / / www.s hell.de/ ueber-uns/ initiativen/ shell-jugendstudie-2024.html 202 Verwendete Literatur <?page no="203"?> Singhal, P., Sommer, S., Kaestner, K., & Pahle, M. (2025). Split-incentives in energy efficiency investments? Evidence from rental housing. Resource and Energy Economics, 82, 101488. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.reseneeco.2025.101488 SINUS. (2023). Fahrrad-Monitor 2023. Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befra‐ gung. https: / / www.bmv.de/ SharedDocs/ DE/ Anlage/ StV/ fahrradmonitor-langfas sung.pdf ? __blob=publicationFile Sonego, M., Echeveste, M. E. S., & Debarba, H. G. (2022). Repair of electronic products: Consumer practices and institutional initiatives. Sustainable Production and Consumption, 30, 556-565. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.spc.2021.12.031 SRU. (2024). Suffizienz als „Strategie des Genug“: Eine Einladung zur Diskussion (Sachverständigenrat für Umweltfragen, Hrsg.). Geschäftsstelle des Sachverstän‐ digenrates für Umweltfragen (SRU). Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen. (2021). Nationales Programm für Nachhaltigen Konsum. https: / / nachhaltigerkonsum.info / sites/ default/ files/ medien/ dokumente/ beschluss-sts-ausschuss-5-2021-nachhalt iger-konsum-data.pdf Statista. (2025). Reiseverhalten der Deutschen—Daten & Fakten. https: / / de.statista.co m/ themen/ 1342/ reiseverhalten-der-deutschen/ #topicOverview Statistisches Bundesamt. (2024). Ermittlung der Lebensmittelabfälle in Deutschland im Jahr 2020, Erfüllung der Berichtspflicht gegenüber der EU-Kommission im Jahr 2022 und Ableitung von Handlungsempfehlungen (Texte 144/ 2024). Umweltbun‐ desamt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 11850/ publikati onen/ 144_2024_texte_lebensmittelabfaelle.pdf Steinmann, Z. J. N., Schipper, A. M., Hauck, M., Giljum, S., Wernet, G., & Huijbregts, M. A. J. (2017). Resource Footprints are Good Proxies of Environmental Damage. Environmental science & technology, 51(11), 6360-6366. https: / / doi.org/ 10.1021/ a cs.est.7b00698 Stern, P. C. (2000). New Environmental Theories: Toward a Coherent Theory of Environmentally Significant Behavior. Journal of Social Issues, 56(3), 407-424. ht tps: / / doi.org/ 10.1111/ 0022-4537.00175 Stockholm Resilience Centre. (2016). The SDGs wedding cake. https: / / www.stoc kholmresilience.org/ research/ research-news/ 2016-06-14-the-sdgs-wedding-cake .html Strünck, C. (2020). Der mündige Verbraucher: Ein unverstandenes Leitbild? In K.-U. Hellmann, A. Klein, & B. Baule (Hrsg.), Verbraucherpolitik von unten (S. 19-29). Springer Fachmedien Wiesbaden. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-658-29754-1‗%2 02 Verwendete Literatur 203 <?page no="204"?> Stulz, R., Tanner, S., & Sigg, R. (2011). Swiss 2000-Watt Society. In Energy, Sustaina‐ bility and the Environment (S. 477-496). Elsevier. https: / / doi.org/ 10.1016/ B978-0 -12-385136-9.10016-6 Sumter, D., Bakker, C., & Balkenende, R. (2018). The Role of Product Design in Creating Circular Business Models: A Case Study on the Lease and Refurbishment of Baby Strollers. Sustainability, 10(7), 2415. https: / / doi.org/ 10.3390/ su10072415 Tagesschau. (2026). EU verbietet Firmen Vernichtung unverkaufter Kleidung. tages‐ schau.de. https: / / www.tagesschau.de/ ausland/ europa/ eu-verbot-vernichtung-kl eidung-100.html Tauer, R., & Aechtner, J. (2023). Modell Deutschland Circular Economy. Eine um‐ fassende Circular Economy für Deutschland 2045 zum Schutz von Klima und Biodiversität. WWF Deutschland. https: / / www.wwf.de/ fileadmin/ fm-wwf/ Publik ationen-PDF/ Unternehmen/ WWF-Modell-Deutschland-Circular-EconomyBrosc huere.pdf Thaler, R. H., & Sunstein, C. R. (2024). Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt (S. Gebauer, Übers.; Die endgültige Ausgabe, überarbeitete Neuausgabe). Ullstein. Thelen, C., Nolte, H., Kaiser, M., Jürgens, P., Müller, P., Senkpiel, C., & Kost, C. (2024). Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem: Bundesländer im Transformations‐ prozess. Fraunhofer ISE. https: / / www.ise.fraunhofer.de/ de/ veroeffentlichungen/ s tudien/ wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html Thorun, C., Cerulli-Harms, A., Micklitz, H.-W., & Reisch, L. A. (2021). Nudge 2.0: Neue Anwendungen verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse in der Verbraucherpolitik. Eine Vorstudie im Auftrag des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbrau‐ cherschutz (MLR) Baden-Württemberg (CCMP Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik, Hrsg.; 2. Aufl.). https: / / www.zu.de/ forschung-themen/ forsch ungszentren/ konsum/ assets/ pdf/ Vorstudie_Nudge-2.0_2.-Auflage.pdf Tochtrop, C., Von Geibler, J., Rückschloss, J., & Schlegel, M.-C. (2024). Product Features: Upgraded Functionality or Sustainability Problem? An Environmental Assessment Approach for Additional Product Functions and Its Application in the Case of Fridge-Freezers. 2024 Electronics Goes Green 2024+ (EGG), 1-12. https : / / doi.org/ 10.23919/ EGG62010.2024.10631252 Torma, G., & Thøgersen, J. (2021). A systematic literature review on meta sustaina‐ bility labeling - What do we (not) know? Journal of Cleaner Production, 293, 126194. https: / / doi.org/ 10.1016/ j.jclepro.2021.126194 Ueckerdt, F., Bauer, C., Dirnaichner, A., Everall, J., Sacchi, R., & Luderer, G. (2021). Potential and risks of hydrogen-based e-fuels in climate change mitigation. Nature Climate Change, 11, 384-393. https: / / doi.org/ 10.1038/ s41558-021-01032-7 204 Verwendete Literatur <?page no="205"?> Ullrich, W. (2014). Habenwollen: Wie funktioniert die Konsumkultur? (4. Auflage). S. Fischer Verlag. Umweltbundesamt. (2020). Keine Wende in Sicht. Einkommen & Umweltbelastung gehen weiter Hand in Hand. https: / / www.umweltbundesamt.de/ sites/ default/ files / medien/ 5750/ publikationen/ broschuere_kwis_final.pdf Umweltbundesamt. (2022). Elektroaltgeräte. https: / / www.umweltbundesamt.de/ the men/ abfall-ressourcen/ produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/ elektroalt geraete Umweltbundesamt. (2024a). FAQ: Antibiotika und Antibiotikaresistenzen in der Um‐ welt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ themen/ chemikalien/ arzneimittel/ faq-a ntibiotika-antibiotikaresistenzen-in-der Umweltbundesamt. (2024b). Nachhaltige Mobilität. https: / / www.umweltbundesamt .de/ themen/ verkehr/ nachhaltige-mobilitaet Umweltbundesamt. (2024c). Treibhausgasemissionen von Flugreisen. https: / / www.u mweltbundesamt.de/ galerie/ treibhausgasemissionen-von-flugreisen Umweltbundesamt. (2024d). Umweltbelastungen der Landwirtschaft. https: / / www. umweltbundesamt.de/ themen/ landwirtschaft/ umweltbelastungen-der-landwirts chaft Umweltbundesamt. (2025a). Abfallaufkommen. https: / / www.umweltbundesamt.de/ daten/ ressourcen-abfall/ abfallaufkommen Umweltbundesamt. (2025b). Ausstattung privater Haushalte mit Gebrauchsgü‐ tern. https: / / www.umweltbundesamt.de/ daten/ private-haushalte-konsum/ konsu m-produkte/ ausstattung-privater-haushalte-gebrauchsguetern#gebrauchsguterbestand-wachst Umweltbundesamt. (2025c). Bodenversiegelung. https: / / www.umweltbundesamt.de/ daten/ flaeche-boden-land-oekosysteme/ boden/ bodenversiegelung Umweltbundesamt. (2025d). Einfach nachhaltig: 5 Siegel für Ihren Einkauf. https: / / w ww.umweltbundesamt.de/ system/ files/ image/ uba_infografiken_1545x775.jpg Umweltbundesamt. (2025e). Emissionen des Verkehrs. https: / / www.umweltbundesa mt.de/ daten/ verkehr/ emissionen-des-verkehrs Umweltbundesamt. (2025f). Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union. htt ps: / / www.umweltbundesamt.de/ themen/ landwirtschaft/ landwirtschaft-umweltf reundlich-gestalten/ gemeinsame-agrarpolitik-der-europaeischen-union Umweltbundesamt. (2025g). Konsumausgaben der privaten Haushalte steigen. https: / / www.uba.de/ n44253de Umweltbundesamt. (2025h). Labelratgeber: TOP-Umweltsiegel für den nachhaltigen Konsum. https: / / www.umweltbundesamt.de/ umwelttipps-fuer-den-alltag/ ueber greifende-tipps/ siegel-label Verwendete Literatur 205 <?page no="206"?> Umweltbundesamt. (2025i). Siedlungs- und Verkehrsfläche. https: / / www.umweltb undesamt.de/ daten/ flaeche-boden-land-oekosysteme/ flaeche/ siedlungs-verkehr sflaeche Umweltbundesamt. (2025j). Umweltbewusstsein in Deutschland 2024: Kurzbericht zur Bevölkerungsumfrage. https: / / www.uba.de/ n116857de Umweltbundesamt. (2025k). Verpackungsabfälle. https: / / www.umweltbundesamt.de / daten/ ressourcen-abfall/ verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/ ver packungsabfaelle Umweltbundesamt. (2025l). Wohnfläche. https: / / www.umweltbundesamt.de/ daten/ private-haushalte-konsum/ wohnen/ wohnflaeche Umweltbundesamt. (2026a). Kohlendioxid-Emissionen im Bedarfsfeld „Wohnen“. htt ps: / / www.umweltbundesamt.de/ daten/ umweltzustand-trends/ private-haushalte -konsum/ wohnen/ kohlendioxid-emissionen-im-bedarfsfeld-wohnen Umweltbundesamt. (2026b). Konsum und Umwelt: Zentrale Handlungsfelder. Um‐ weltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n11152de Umweltbundesamt. (2026c). Siedlungs- und Verkehrsfläche. https: / / www.umweltb undesamt.de/ daten/ flaeche-boden-land-oekosysteme/ flaeche/ siedlungs-verkehr sflaeche UNEP. (2011). Decoupling natural resource use and environmental impacts from economic growth. A Report of the Working Group on Decoupling to the International Resource Panel (United Nations Environment Programme, Hrsg.). International Resource Panel. https: / / wedocs.unep.org/ bitstreams/ 88c5648b-2e81-4971-aa03-6 97e84c7c256/ download UNEP. (2024). Global Resources Outlook 2024: Bend the trend: Pathways to a liveable planet as resource use spikes (United Nations Environment Programme, Hrsg.). International Resource Panel. https: / / doi.org/ http: / / wedocs.unep.org/ handle/ 20. 500.11822/ 44901 van Dam, P. (2015). Handel im Tempel? Fair trade und Kirchen in den Niederlanden seit 1945. In W. Damberg, T. Jähnichen, A. Henkelmann, Holzem, A., Kaiser, J.-C., Kuhlemann, F-M., & Loth, W. (Hrsg.), Neue soziale Bewegungen als Herausforde‐ rung sozialkirchlichen Handelns (1. Auflage, S. 279-296). Verlag W. Kohlhammer. https: / / hdl.handle.net/ 11245/ 1.490916 Velluti, S. (2024). Labour standards in global garment supply chains and the proposed EU corporate sustainability due diligence directive. European Labour Law Journal, 15(4), 822-850. https: / / doi.org/ 10.1177/ 20319525241239283 Venjakob, J., Reichmann, A., & Voigt, S. (2025). Umfrageergebnisse zur gesellschaftli‐ chen Akzeptanz der Energiewende. Wuppertal Paper Nr. 205. Wuppertal Institut. h ttps: / / epub.wupperinst.org/ frontdoor/ deliver/ index/ docId/ 8794/ file/ WP205.pdf 206 Verwendete Literatur <?page no="207"?> Verbraucherzentrale Bundesverband. (2025). Umweltfreundlich im Internet einkau‐ fen—Geht das? Verbraucherzentrale.de. https: / / www.verbraucherzentrale.de/ w issen/ umwelt-haushalt/ nachhaltigkeit/ umweltfreundlich-im-internet-einkaufen -geht-das-26661 Vereinte Nationen. (2015). Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nach‐ haltige Entwicklung. (Resolution der Generalversammlung A/ RES/ 70/ 1). Veselá, L., Harantová, L., Králiková, A., Baláková, I., & Vaverková, M. D. (2026). From fast fashion to capsule wardrobes: Segmenting sustainable fashion consumption behavior. Journal of Fashion Marketing and Management: An International Journal, 1-25. https: / / doi.org/ 10.1108/ JFMM-04-2025-0209 von Hauff, M. (2024). Nachhaltigkeit für Deutschland? Frag doch einfach! (2. Auflage). utb GmbH. https: / / doi.org/ 10.36198/ 9783838554358 von Hauff, M., & Kleine, A. (2009). Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung. OLDENBOURG WISSENSCHAFTSVERLAG. https: / / doi.org/ 10.1524 / 9783486850949 Wackernagel, M., & Rees, W. (1997). Unser ökologischer Fußabdruck. Birkhäuser Basel. https: / / doi.org/ 10.1007/ 978-3-0348-6107-6 WBAE. (2020). Politik für eine nachhaltigere Ernährung. Eine integrierte Ernäh‐ rungspolitik entwickeln und faire Ernährungsumgebungen gestalten. Gutachten (Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz, Hrsg.). https: / / www.bmleh.de/ SharedDocs/ Archiv/ Downloa ds/ wbae-gutachten-nachhaltige-ernaehrung.pdf ? __blob=publicationFile&v=3 WCED. (1987). Our Common Future: Report of the World Commission on Environment and Development. http: / / www.un-documents.net/ our-common-future.pdf Werg, J., & Cerny, L. (2020). Der Einfluss von sozialen Medien und Influencer/ innen am Beispiel einer Wettbewerbskonzeption. Ökologisches Wirtschaften, 33(2), 25. h ttps: / / doi.org/ 10.14512/ OEW350225 Werg, J., Scheffler, D., & Hilscher, M. (2020). Jugend und Konsum: Entwicklung von Aktivierungsstrategien für nachhaltigen Konsum mit Hilfe des Design Thinking Ansatzes. Abschlussbericht (Texte 42/ 2021). Umweltbundesamt. https: / / www.uba. de/ n86447de Wietschel, M., Plötz, P., Dütschke, E., Neuner, F., Tröger, J., & Gnann, T. (2023). Diskussionsbeitrag—Eine kritische Diskussion der beschlossenen Maßnahmen zur E-Fuel-Förderung im Modernisierungspaket für Klimaschutz und Planungsbeschleu‐ nigung der Bundesregierung vom 28.3.2023. Fraunhofer ISI. Willett, W., Rockström, J., Loken, B., Springmann, M., Lang, T., Vermeulen, S., Garnett, T., Tilman, D., DeClerck, F., Wood, A., Jonell, M., Clark, M., Gordon, L. J., Fanzo, J., Hawkes, C., Zurayk, R., Rivera, J. A., De Vries, W., Majele Sibanda, L., … Verwendete Literatur 207 <?page no="208"?> Murray, C. J. L. (2019). Food in the Anthropocene: The EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. The Lancet, 393(10170), 447-492. https: / / doi.org/ 10.1016/ S0140-6736(18)31788-4 Wirth, C., Bruelheide, H., Farwig, N., Marx, J. M., & Settele, J. (Hrsg.). (2024). Faktencheck Artenvielfalt: Bestandsaufnahme und Perspektiven für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland: Zusammenfassung für die gesellschaftliche Entscheidungsfindung. oekom verlag. Wiswede, G. (2000). Konsumsoziologie—Eine vergessene Disziplin. In D. Rosenkranz & N. F. Schneider (Hrsg.), Konsum (S. 24-61). Springer-Verlag. Wolff, F. (2020). Die Rolle von Zeit für Umweltpolitik und Nachhaltigkeitstransforma‐ tionen (Texte 89/ 2020). Umweltbundesamt. https: / / www.umweltbundesamt.de/ system/ files/ medien/ 479/ publikationen/ texte_89-2020_die_rolle_von_zeit_fuer_ umweltpolitik_und_nachhaltigkeitstransformationen.pdf Wuppertal Institut. (o.-J.). Remix Circular Economy - Remanufacture Hand Blender. https: / / wupperinst.org/ p/ wi/ p/ s/ pd/ 2392/ Young, I. M. (2013). Responsibility for Justice. Oxford University Press. Zapf, W. (1987). Individualisierung und Sicherheit. Untersuchungen zur Lebensqualität in der Bundesrepublik Deutschland. C.H. Beck. Zech, M., Paech, N., Schmidt, J., Palliwoda, J., & Rommel, M. (2025). Innovation barriers in the transition to Community-Supported Agriculture. The role of innovation service providers. GAIA, 34(1), 10-16. https: / / doi.org/ 10.14512/ gaia.3 4.1.6 Zhang, A., & Seuring, S. (2024). Digital product passport for sustainable and circular supply chain management: A structured review of use cases. International Journal of Logistics Research and Applications, 27(12), 2513-2540. https: / / doi.org/ 10.1080/ 13675567.2024.2374256 Zimmermann, T., Memelink, R., Rödig, L., Reitz, A., Pelke, N., John, R., & Eberle, U. (2020). Teilbericht I: Die Ökologisierung des Onlinehandels. Neue Herausforderungen für die umweltpolitische Förderung eines nachhaltigen Konsums (Texte 227/ 2020). Umweltbundesamt. https: / / www.uba.de/ n84728de ZIV. (2025). Marktdaten Fahrräder und E-Bikes 2024 (ZIV - Die Fahrradindustrie, Hrsg.). https: / / www.ziv-zweirad.de/ wp-content/ uploads/ 2025/ 03/ ZIV-Marktdate npraesentation-2025-fuer-GJ-2024.pdf 208 Verwendete Literatur <?page no="209"?> Register Affluenz-78 Agrarpolitik-91 Altkleiderhandel-33 Arbeitsbedingungen-33, 70f., 87f., 105, 108, 128, 142, 150 Armut-36, 44f., 58 Bauen-46, 85, 98 nachhaltiges-99f., 102f. Bauindustrie-98, 100 Bedarfsfelder-40, 47, 85, 151, 173 Bedürfnisse-20ff., 40, 45, 84, 173 Big Points-46, 49, 85, 151, 173 Bildung für nachhaltigen Konsum-123 Biodiversität-31, 54, 86 Bodendegradation-86 Boykott-155f. Bruttoinlandsprodukt-64 Buycott-155f. Carsharing-12, 41, 50, 52, 94, 127 CO₂-Emissionen-36, 46, 54, 58, 69, 84ff., 93, 119, 135, 137, 153, 162ff. Co-Benefits-59 Digitalisierung-28, 162 Distinktion-23, 25 Doughnut-Modell-46, 134 Earth Overshoot Day-31 Easterlin-Paradoxon-28 EAT-Lancet-Kommission-87 Effizienz-41, 73 Effizienzstrategie-42 Einkommen-63 Einstellungs-Verhaltens-Lücke-60 Emissionshandel-113f. Emotionen-27, 29 Endenergieverbrauch-51 Energieeffizienz-47, 75, 79, 116 Entwaldung-86 Erderwärmung-84 Ernährung-52, 85ff., 89 nachhaltige-90f. Erwerbsarbeit-144 EU-Biosiegel-88 Eutrophierung-69, 86 Fairtrade-70f., 89, 108 Fairtrade-Siegel-88, 121 Fast Fashion-104, 106, 108f. Flächenverbrauch-31, 64, 68, 72, 85, 96 Flugverkehr-36, 60, 93f., 96 Fridays-for-Future-Bewegung-61 Fußabdruck, ökologischer-31, 54ff., 58, 69, 85, 93, 150f., 159, 174 Gebäudemodernisierungsgesetz-101 Gebrauchsgüter-74 Gerechtigkeit-36, 43, 45 intergenerationale-40, 45, 175 intragenerationale-40, 45 Geschäftsmodelle, nachhaltige-140 Gesundheit-29, 31, 33, 59, 87, 96, 105, 112, 139, 152f. Gewöhnungseffekte-29 Globaler Norden-32ff., 43f., 64, 174 Globaler Süden 32f., 43f., 64, 86, 104, 174 <?page no="210"?> Glück-28f. Greenwashing 11, 108, 114, 117, 138, 171 Handabdruck, nachhaltiger-55ff., 62, 150f., 159, 174 Heizsysteme-50f., 58 Heizsysteme, nachhaltige-49, 101 Indikatoren-50f., 54, 69 Industrialisierung-24 Kaufentscheidung-26, 53, 58, 80, 123, 136, 165, 171 Kleidung-28, 40, 44, 48, 56, 62, 68, 85f., 104 nachhaltige-48, 51f., 105ff., 109 Klimaschutz-37, 45, 53, 60f., 65, 94ff., 115, 120, 157 Klimawandel-33, 36, 57, 103, 148ff., 153, 166 Kompensationsfunktion-23 Konsistenz-41, 73 Konsistenzstrategie-41 Konsum-20f., 29 Funktionen-23 Kompensations--63 nachhaltiger-40f., 59ff., 79f., 165 suffizienter-118 (Über-)-30, 32f., 36, 176 Konsumausgaben-27 Konsumentscheidung-26, 49, 53, 121, 125, 137, 143, 163, 165, 169 Konsumgesellschaft-24f., 175 Konsumgüter-34, 44, 48 Konsumismus-25, 31 Konsumkorridore-43f. Konsummuster-22, 26 Konsumniveau-41 Konsumsozialisation-22 Konsumstile-41, 47, 54 Konsumverhalten-26, 30 Kreislaufwirtschaft 72, 76, 85, 101, 113f., 116, 134, 140 Lebensdauer von Gütern-75 Lebensmittel-47 Lebensmittelverschwendung-88, 90 Lebensstandard-30 Lebensstil-71, 84f., 175 suffizienter-118 Lieferkette-32, 143, 159, 176 Lieferkettengesetz-143 Massenkonsum-24 Mikroplastik-33f. Mobilität-48, 50, 52, 59, 62, 64, 85, 93 nachhaltige-94ff., 98 Nachhaltigkeit, schwache-45, 132 Nachhaltigkeit, starke-45 Nachhaltigkeitsdimensionen-40 Nachhaltigkeitsprinzipien-74, 80 Nachhaltigkeitsstrategie-50 Nachhaltigkeitsziele-115 Nationales Programm für nachhaltigen Konsum-117 Normen, soziale-125 Nudging-125 Obsoleszenz, geplante-75, 77f. Öffentlicher Personennahverkehr-94f., 98, 127, 145, 153f., 158 Ökobilanzierung-53, 69 Ökodesign-72ff., 79 Ökodesign-Richtlinie-73 Ökologische Ökonomie-133 210 Register <?page no="211"?> Onlinehandel-170 Onlineshopping-164 Ozeanversauerung-33 Permanenzstrategie-41 Pestizide-31, 33, 53, 56f., 86, 105, 114 Planetare Grenzen-33, 133 Planetary Health Diet-87 Plattformen, digitale 141, 163, 166, 169f. Produktdienstleistungssysteme-79 Produktlebensdauer-78, 135 Rebound-Effekt-41f., 97, 133, 155 Recyclingfähigkeit-76 Reparaturkosten-76 Reparierbarkeit-75 Ressourcen-31 Ressourceneffizienz-79 Ressourcengerechtigkeit-43 Ressourcenverbrauch-29 R-Strategien-72, 135, 151 Schienenverkehr-41, 50, 64, 93, 95, 97 Sharing Economy-79, 141f. Solidarische Landwirtschaft-89 Sozialer Status-22 Soziale Ungleichheiten-69 Stoffkreislauf-41 Subsistenzarbeit-144 Sucht-31 Suffizienz-47, 53, 63, 73, 97, 118f., 176 Suffizienzstrategie-41, 43f. Süßwasser-33f. Teilhabe-64, 69 Tempolimit-66, 120 Überdüngung-31, 34 Überforderung-49 Überkonsum-30, 32f., 36, 176 Überschuldung-30 Umweltaffekt-60 Umweltbewusstsein-60 Umweltentlastungspotenzial 46, 85, 173 Umweltkognition-60 Umweltökonomie, neoklassische-132 Umweltschutz-33 Unternehmensführung, nachhaltige-137 Veggie Day-119 Veränderungsmüdigkeit-66 Verantwortung-60, 79, 116, 136f., 148f., 151f., 154, 174 Verbraucher*in, mündige*r-29 Verbraucherpolitik-30 Verbraucherschutz-170 Verbrauchsgüter-74 Verkehrsmittel-48 Verkehrsplanung-96 Wachstumsbedürfnisse-22 Wärmepumpe-48 Wärmeverbrauch-47 Wasserverbrauch-54 Wegwerfgesellschaft-25 Weltklimarat-87 Wirtschaftssystem, nachhaltiges-132 Zufriedenheit-28 Register 211 <?page no="212"?> Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Die planetaren Belastungsgrenzen (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 2025) . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Abb. 2: Nachhaltige Ernährung gemäß der Planetary Health Diet (Eigene Darstellung nach Eat-Lancet Commission, 2025, S. 9) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 Abb. 3: Das Hochzeitstortenmodell der SDGs vom Stockholm Resilience Centre (2016) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Abb. 4: Die wichtigsten Umweltsiegel für nachhaltigen Konsum in Deutschland (Umweltbundesamt, 2025d) 122 Abb. 5: R-Strategien der Kreislaufwirtschaft, Schmidt (2026, S. 24) basierend auf Kirchherr et al. (2017) und Potting et al. (2018) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 <?page no="213"?> ISBN 978-3-8252-6683-7 Konsum prägt unser Leben - doch welche Rolle spielt er für Umwelt, Klima und soziale Gerechtigkeit? Dieses Buch gibt eine fundierte Einführung in Grundlagen, Herausforderungen und Lösungsansätze nachhaltigen Konsums. Die Autorinnen erklären, was Konsum ausmacht und welche Verantwortung Politik, Unternehmen und Verbraucher: innen für nachhaltigen Konsum tragen. Praktische Beispiele aus Ernährung, Mobilität, Wohnen und Bekleidung veranschaulichen, wie er im Alltag umgesetzt werden kann. Mit klaren Definitionen und vertiefenden Analysen u. a. zu Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und digitalem Konsumverhalten zeigt das Buch Wege zu einer ressourcenschonenden Lebensweise auf. Frag doch einfach! Die utb-Reihe geht zahlreichen spannenden Themen im Frage-Antwort-Stil auf den Grund. Ein Must-have für alle, die mehr wissen und verstehen wollen. Volkswirtschaftslehre Politikwissenschaft | Soziologie Dies ist ein utb-Band aus dem UVK Verlag. utb ist eine Kooperation von Verlagen mit einem gemeinsamen Ziel: Lehr- und Lernmedien für das erfolgreiche Studium zu veröffentlichen. utb.de QR-Code für mehr Infos und Bewertungen zu diesem Titel
