Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik
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0171-5410
2941-0762
Narr Verlag Tübingen
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2011
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KettemannFrank Erik Pointner, Miller’s Tales
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2011
Hugo Keiper
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& --- 5 1 D > / = , ( & % ! ? ! / @ , - # 5 # E? , 4 % #) A , E, # 3 + Frank Erik Pointners Millers’ Tales verfolgt eine - im Prinzip begrüßenswerte - zweifache Zielsetzung: Zum einen wird hier der Versuch unternommen, die ‘diskursive Konstruktion' des Müllers als eines zentralen vorindustriellen Berufs und seiner Rolle im England des späten Mittelalters und vor allem der Frühen Neuzeit nachzuzeichnen, d.h. von Chaucers notorischen Müllergestalten der Canterbury Tales - des polternden Trunkenbolds Robyn der Prologe sowie des betrogenen Betrügers Symkyn der “Reeve’s Tale” - bis zu jenem Punkt, wo mit der Wende zum 19. Jahrhundert europaweit romantische Zuschreibungen und Projektionen das Bild des Müllers und seiner Mühle in entscheidender Weise umzugestalten, ja geradezu ins Gegenteil zu verkehren begannen. Zum anderen stellt der Band eine laut Verfasser ‘kritisch edierte’ Anthologie vor allem kürzerer narrativer Verstexte des nämlichen Zeitraums bereit, in erster Linie von (folk) songs und (street) ballads - dies ein Aspekt, auf den merkwürdigerweise jedoch weder im Titel noch im Untertitel hingewiesen wird, ein bedauerliches Versäumnis im Hinblick auf die Verbreitung des Buchs insgesamt. Der expositorisch-analytische Teil des Bandes widmet sich auf gut 140 Seiten der detaillierten Untersuchung der stereotypen Rolle des Müllers, wie sie sich in kürzeren narrativen Verstexten im Laufe der Frühen Neuzeit herausgebildet hat (genuin mittelalterliche Texte spielen de facto keine Rolle), wobei der Schwerpunkt der Betrachtung - methodisch nachvollziehbar - vorwiegend auf den abgedruckten Texten liegt, darüber hinaus aber auch anderes Material einbezogen wird, u.a. auch zwei einschlägig relevante Dramen. Zunächst jedoch wird in einem Einleitungskapitel in zwar kritischer, zugleich aber doch ein wenig überehrfürchtiger Auseinandersetzung mit Stuart Hall, Clifford Geertz und anderen themenrelevanten ‘Klassikern’ ein methodisch-theoretischer Rahmen skizziert, der emphatisch die diskursive Dialektik und Konstruiertheit derartiger Rollenbilder herausarbeitet, wobei man ein wenig den Eindruck gewinnt, dass hier - angesichts des heutigen Standes der Diskussion - mit engagierter Vehemenz offene Türen eingerannt werden. Dem entspricht auch in der Folge eine nachgerade aufreibend explizite, letztlich redundante Insistenz auf dem konstruktiven Charakter einzelner Diskurse, den Verf. nicht müde wird, bei jeder sich nur entfernt bietenden Gelegenheit hervorzuheben. Als weiteres Kapitel folgt eine Fortführung der einführenden Überlegungen mit Blick vor allem auf die Verbreitung der einschlägigen (literarischen) Diskurse zum man of flour, speziell im Kontext der Balladen- und Songtradition, womit einerseits zwar eine sinnvolle Basis für die folgenden Analysen gelegt ist, in sachlicher Hinsicht aber doch auch Fragen aufgeworfen werden (vgl. dazu weiter unten). Demgegenüber wird die Darstellung der historischen Fakten und Hintergründe, nicht zuletzt auch auf & Basis außerliterarischer Diskurse, zwar nicht gänzlich ausgespart, gerät aber doch merklich ins Hintertreffen, zumal diesbezügliche Informationen in diesen Belangen nicht einführend umrissen, sondern - sofern überhaupt - erst im späteren Verlauf der Arbeit ins Spiel gebracht werden, und dies überwiegend en passant. Dies erscheint wenig günstig: Dem Rezensenten jedenfalls, der sich zwar für die Thematik interessiert, für sich selbst aber kein spezielles, geschweige denn historisches Detailwissen im Bereich des Müllerei- und Mühlenwesens in Anspruch nehmen kann, ist eine systematische, grundlegende Einführung in die realweltliche Dimension der Thematik abgegangen und hätte vermutlich auch den meisten anderen Rezipienten ein besseres Verständnis der Textanalysen bzw. bestimmter textlicher Details und Bezüge ermöglicht. Denn wer weiß heutzutage schon Bescheid über die Anlage von Mühlen, die Wohnverhältnisse ihrer Betreiber, maschinell-technische Aspekte und die dazugehörigen Termini wie hopper etc., die allenfalls à propos, manchmal irritierenderweise auch erst nachträglich erklärt werden, vielfach aber ganz dem guesswork bzw. der Eigeninitiative der Leser überlassen bleiben. Hier möchte man doch auf einer Bringschuld des Autors insistieren. Eine - vielleicht glossarartig angelegte - Erörterung des Grundlegenden, eventuell auch illustrative Skizzen, hätte man hier als hilfreich empfunden. Denn selbst wenn man weiß oder leicht herausfinden kann, dass etwa der vielzitierte hopper der Müllerdiskurse der Mühltrichter ist und (hierzulande wohl aus Max und Moritz) eine vage Vorstellung des Teils haben kann, erklärt dies noch lange nicht dessen spezifische Funktionsweise, vor allem aber Bewegungen, welche die wahre Grundlage etwa der sexuellen Metaphorik bzw. Symbolik vieler Müllerslieder ist. Auch methodisch scheint es nicht ganz unproblematisch, so entschieden wie Pointner auf die recht eigenständige Konstruiertheit der literarischen Diskurse zu bestehen, ohne den Lesern zugleich auch die realweltlichen Zusammenhänge entsprechend nahezubringen. Den Abschnitten zur Konstruktion ‘des Müllers’ als eines literarischen Rollenstereotyps folgt die - den größten Teil der Arbeit beanspruchende - Analyse ausgewählter Texte. Hier wird der Müller zunächst in seiner (seit Chaucer fest etablierten) Rolle als “miscreant” abgehandelt (Kap. II.1), d.h. als Räuber und Dieb (“thief"; Kap. II.1.1), als oft grobschlächtiger Schuft, Schelm oder Schurke und/ oder als “lecher” (II.1.2) und womanizer, als gewissenloser, geriebener Verführer, ja Vergewaltiger, auch in der Spielart des schlauen bzw. großsprecherischen Aufschneiders etc., als unersättlicher, meist höchst potenter Lüstling, der seiner ‘Beute’ gleichwohl nicht selten die sexuelle Begegnung ihres Lebens beschert. Dass die gesellschaftliche wie topographische Randständigkeit der Mühle und ihres zur unter(st)en Schicht zählenden Betreibers (und oftmals auch seiner Tochter, Frau und/ oder des umtriebigen oder auch tumben Müllersburschen) derlei Konstruktionen Vorschub leisteten, auch als recht frei verfügbare Projektionsflächen kollektiver Wünsche, Sehnsüchte und Ängste der übrigen Kommunität fungieren konnten, liegt auf der Hand. Ebenso einleuchtend ist der Umstand, dass die so zentrale Funktion und schwer kontrollierbare Schlüsselstellung des man of flour und seiner Mühle in der Produktionskette der Nahrungsmittelversorgung, speziell in Verbindung mit der strikt regulierten, extrem schlechten Entlohnung seiner Anstrengungen, & auch die Möglichkeiten der unrechtmäßigen Bereicherung in besonderem Maße fokussierten (ähnlich wie bei Schneider und Weber, die nicht selten mit dem Müller zu einer Gruppe besonders zweifelhafter Zeitgenossen zusammengefasst wurden). Und hier mag auch der Ursprung dieses offenbar integralen Teils solch diskursiver Konstruktionen gelegen sein, denen gleichwohl eine gewisse Verankerung in der empirischen Realität gegenübergestanden haben wird. Aus derlei überwiegend negativ besetzten Rollenstereotypen bezieht umgekehrt freilich - wiewohl in vergleichsweise seltenen Fällen - auch das Gegenbild des tatsächlich ehrlichen Müllers seine Kraft und Signifikanz, meist natürlich in ironischer Funktion, oder aber auch nur als irreführende Beteuerung im Rahmen abgefeimter Persuasionsstrategien. Auf Grundlage des skizzierten Textkorpus wird all dies anhand zahlreicher Textbeispiele detailliert ausgeführt, und auch das folgende Kapitel (II.2), das den Müller in der Rolle des leidenden Opfers (“as Sufferer“) zeigt, nämlich als scapegoat bzw. cuckold (cf. II.2.1 und II.2.2), geht in ähnlicher Weise und Detailliebe vor, wobei man sich allerdings fragen mag, ob Pointners Designation des Müllers als scapegoat eine glückliche Wortwahl darstellt, handelt es sich in den hier diskutierten Fällen doch fast ausnahmslos um die verdiente Bestrafung zuvor schuldig gewordener, schurkischer Müllergestalten. Anhand zweier Dramen, nämlich Robert Dodsleys The King and the Miller of Mansfield (publ. 1737; hier unter Einbezug der als Stückvorlage dienenden Ballade “Henry, our Royal King, Would Go on Hunting“) sowie The Maid in the Mill (Beaumont/ Fletcher-Kanon) wird sodann in einem abschließenden Abschnitt (III) die Konstruktion und dramatische Funktionalisierung (cf. p. 109) vergleichbarer Stereotypen im Theater der Zeit dargestellt, einem weiteren Medium, das nicht zuletzt aufgrund seiner spezifischen, kollektiven Rezeptionsweise für die weite(re) Verbreitung und Festigung derartiger Rollenbilder gesorgt haben mag. Die interdiskursive Vorgehensweise der Analyse (interdiscourse analysis; cf. ibid. u.ö.), deren unübertreffliche Leistungsfähigkeit Verf. freilich arg überbetont, erhellt, wie hier das konventionelle Rollenbild des Müllers mit dem in wesentlichen Zügen ganz ähnlichen, freilich aber (und diskursintern zu Recht) noch weit übler beleumundeten Typus des Höflings konfrontiert wird, woraus sich aufschlussreiche Parallelwie Kontrasteffekte ergeben: so etwa die auch als Plotmechanismus fungierende Gegenüberstellung des hier in der Tat ehrlichen Müllers mit den durch und durch verkommenen Höflingen des jeweiligen Herrschers (die in The Maid in the Mill aufgrund des spanischen setting freilich der empirischen Realität des englischen Müllers wie auch der Alltagswelt des Zielpublikums ins eher Fantastische entrückt scheint). Der Anthologieteil schließlich bietet eine Art original-spelling edition von insgesamt 38 Texten, überwiegend Balladen bzw. broadsides, die zum guten Teil aus bekannten Sammlungen wie Pepys, Roxburghe etc. stammen und in acht thematischen Sektionen dargeboten werden, wie z.B. “The Miller He Stole Corn” (2) oder “There Was a Maid, and She Went to the Mill” (3). Dies gewährt eine durchaus hilfreiche inhaltliche Orientierung; wie Pointner einräumt (cf. p. 213), ist dabei allerdings infolge meist enger motivlicher Verflechtungen mit zahlreichen Überschneidungen zu rechnen, welche die säu- & berliche thematische Kompartmentalisierung der jeweils präsentierten Texte vielfach unterlaufen, ebenso wie auch für die sequenzielle Anordnung kein geeignetes Kriterium gefunden werden konnte, weshalb die Abfolge innerhalb der einzelnen Abschnitte der Reihenfolge der Entdeckung des jeweiligen Textes durch Pointner entspricht, wie dieser entwaffnend offen eingesteht (cf. p. 214). Die Annotationen geben in erster Linie Informationen zu Quellen, Provenienz und ggf. Alternativversionen der Texte, liefern mitunter auch Wort- und Sacherklärungen bzw. Glossierungen, die freilich zu erheblichen Teilen aus früheren Editionen übernommen sind. Hier wäre nach Ansicht des Rezensenten noch einige philologische Knochenarbeit zu leisten gewesen, denn für gar nicht wenige Stellen wäre - wie auch interpretatorische und sachliche Lakunen des explikativen Teils zeigen - durchaus Bedarf für weitere Erklärungen gegeben, der jedoch ungeachtet zahlreicher sonstiger Redundanzen nicht immer zufriedenstellend gedeckt wird. Ein Index erschließt die Primärtexte und ermöglicht ein rasches Auffinden ihrer Erörterung speziell auch im ersten Teil. Insgesamt wird man den meisten Einsichten Pointners, die unbeschadet ihrer modischen Einkleidung überwiegend dem common sense entsprechen, nicht grundsätzlich widersprechen wollen. Zudem wird den Lesern in der Tat eine beträchtliche Fülle nützlicher Einsichten in ein Berufsbild und dessen literarische Gestalt bzw. ‘Konstruktion’ ermöglicht, die zu dessen besserem Verständnis beizutragen vermögen, ja manches daran vielleicht auch überhaupt erst ganz verständlich machen, wie Pointner nicht müde wird zu betonen. Bedauerlicherweise lässt sich darüber hinaus wenig Lobendes zu diesem Band sagen, speziell was die Art und Sorgfalt der Darstellung sowie die argumentative und sprachliche Durchführung betrifft, freilich aber auch in Bezug auf einzelne Detailfragen. Um nur einige der wesentlichsten Einwände kurz zu skizzieren, sei zunächst darauf hingewiesen, dass Pointners Tendenz, folk songs und Volksballaden in einen Topf mit street ballads zu werfen, im günstigsten Falle fragwürdig ist, jedenfalls aber nicht dem Forschungsstand seit Würzbach (1981) entspricht. Wiewohl einzuräumen ist, dass manche traditional ballads als broadsides verschriftlicht und gedruckt wurden oder mitunter auch umgekehrt auf diesem Umweg wieder zurück in die oral tradition gefunden haben, ist doch die schaustellerische Prägung und speziell die Doppelexistenz der street ballad als performativer (gesungener/ rezitierter) und als gedruckter, meist illustrierter Text ein so entscheidendes Charakteristikum dieser Gattung, dass die damit zusammenhängenden generischen wie auch rezeptionssoziologischen Distinktionen nicht leichtfertig aufgegeben werden dürfen. Mag sein, dass für Pointners Belange ähnliche Effekte hinsichtlich der Disseminationsdichte der Müllerdiskurse argumentierbar wären, oder vielleicht auch bezüglich ihrer tendenziell eher ‘einfacher gestrickten’ Rezipientenschichten als primäre Adressaten - was man mit Blick auf die Lesefähigkeit zumindest eines Gutteils der Käufer (und wohl auch vieler Konsumenten) von street ballads bzw. broadsides und deren buchstäblich literarischen Charakter allerdings auch bezweifeln mag (man denke etwa nur an Pepys selbst), ganz abgesehen von der gleichermaßen wesentlichen Differenz zwischen vorwiegend urbaner (und literarischer) vs. ländlich-oraler Prove- & nienz, (Re-)Produktion bzw. auch Rezeption. Deshalb jedoch die aufwendig und aus guten Gründen etablierten generischen Unterscheidungen dieser Textsorten leichtfertig zu verwischen oder ganz preiszugeben, wie Pointner dies unter Bezug auf ältere, eher oberflächlich überblickshafte Literatur wie De Sola Pinto/ Rodway (1965) vorschlägt (vgl. p. 23ff.; 26) und dann auch praktiziert, ist gleichwohl entschieden abzulehnen, da ein solcher Zugang keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn abwirft, wohl aber analytische Trennschärfe verspielt, die zudem durchaus themenrelevant ist. Dies zeigt sich denn auch darin, dass Pointner mit den diversen Balladen- und Songtraditionen und deren eigentümlichen Konventionen irritierenderweise wenig vertraut bzw. auf deren Beachtung nicht viel Wert zu legen scheint. Denn unbeschadet seiner nachgerade aufdringlichen verbalen Insistenz auf der Konstruiertheit und Konventionalität diverser Diskurse (was natürlich erst recht und mit besonderem Nachdruck deren spezifische Gattungskonventionen einschließen müsste) übersieht er in seinen Analysen nicht selten gerade den konventionellen Charakter bestimmter, z.T. genrespezifischer diskursiver Elemente, wie etwa von burdens, füllselhaften Phrasen und Nonsenswendungen, nicht zuletzt auch in weak lines, die als Indiz für Tanzlieder fehlgedeutet werden, wie auch umgekehrt unverkennbar schaustellerische Merkmale der street ballad verkannt werden (vgl. etwa p. 76 u.ö.) oder auch die - balladentypisch - fehlende Handlungsmotivation bzw. sprunghaft-elliptische Handlungsentwicklung, deren ‘fehlende’ Details Pointner im Falle der als Quelle Dodsleys erwähnten Ballade “Henry, our Royal King” groteskerweise gar aus Dodsleys über hundert Jahre jüngerem Drama ergänzen zu können glaubt (vgl. p. 119). Derlei Fehldeutungen dessen, was gerade als diskursspezifisches Konstruktionselement zu werten und ganz oder im Wesentlichen im Rahmen des jeweiligen Diskurses und seiner genretypischen Konventionen zu analysieren wäre, legen eine eher schon peinliche Diskrepanz zwischen hochtrabendem methodisch-theoretischem Anspruch und einer geradezu rührend naiven Interpretationspraxis bloß. Gerade auch deshalb scheint mir die Frage der tatsächlichen Reichweite der hier vorgefundenen, in hohem Maße diskursspezifischen, zum Teil auch volksliterarisch geprägten Stereotypen hinein ins wirkliche Alltagsdenken und -empfinden ‘der Leute’ nach wie vor ungelöst, zumindest aber diskutierenswert, insbesondere im Sinne des Problems, inwieweit z.B. die ‘schwarze Köchin’ oder ‘Müllers Esel / Kuh’ der Kinder- und Auszählreime - eine weitere relevante Gattung, auf die Verf. als besonders ‘innocent’ verweist - überhaupt irgendwelche spürbaren Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung oder Konstruktion der Realität, d.h. von tatsächlichen Köchinnen und Müllern oder Eseln und Kühen hat. Generell muss leider zudem konstatiert werden, dass Pointners Argumentations- und Vorgangsweise, wie auch die Qualität und Beherrschung des Englischen, über weite Strecken eher auf dem Niveau einer durchschnittlichen Diplomarbeit angesiedelt sind. So wird in letztlich ermüdender, mitunter höchst irritierender Weise fast durchgehend eine übertrieben betuliche argumentative Dramaturgie der Enthüllung verfolgt, die in der x-fach wiederholten Sequenz von umstandsmeierndem Spannungsaufbau, ausführlichem Textzitat und - Tusch - Offenlegung des Resultats meist nur das längst Offen- & kundige aufdeckt, im Gegenzug aber so manch Erklärungswürdiges, etwa was gewisse Details bestimmter Textzitate anlangt, unbeachtet lässt (so etwa p. 63, wo in Text 4.3, Z. 10, der genaue Stellenwert, vor allem aber der idiomatische bzw. konventionelle Charakter einer Wendung wie “or he would know why” durchaus genauerer Erläuterung bedürfte, ebenso wie etwa die Implikationen des Begriffs vice, p. 69). Besonders enervierend ist die beschriebene Strategie bei der sich im mehrfach repetitiven overkill totlaufenden ‘Beweisführung’, dass die Mühle als Quelle bestimmter Formeln des bawdy diente (vgl. p. 68ff.). Angesichts des jeweiligen Kontexts und der Formulierung (wenn z.B. in Bezug auf eine willfährige Besucherin der Mühle einschlägig von her mill die Rede ist), fragt man sich, wo sonst die Bedeutung der Wendung liegen könnte, und dies umso eher, wenn man mit Pauken und Trompeten zum x-ten Mal in schwer verdaulicher Detailargumentation, die gleichwohl überwiegend verschleiert-andeutend daherkommt, darauf hingewiesen wird, dass grind(ing) hier nun wirklich wohl ohne Zweifel für ‘Kopulieren’ stünde, oder dass nunmehr zumindest hinreichend “reason to believe” für eine solche Annahme gegeben sei (dies eine Phrase übrigens, die sich speziell in den Anfangskapiteln auf fast jeder Seite mindestens einmal findet). All dies zu diskutieren ist gut und wichtig, auch eine ordentliche, kontextuelle Beweisführung ist selbst heute noch mehr als angebracht. Dennoch kann man alles übertreiben, zumal die Konsultation von Gordon Williams’ einschlägigem Dictionary of Sexual Language and Imagery in Shakespeare and Stuart Literature (1994), auf welches sich nirgends Hinweise finden, hier vielfach Klarheit erbracht hätte, aber auch manch aufschlussreiche Zusatzinformation, etwa zur biblischen Provenienz und generellen Verbreitung von grind auch außerhalb der Müllerdiskurse (vgl. Williams, s.v. ‘grind’, sowie ‘mill’ und ‘stone’). Überhaupt strotzt der expositorische Teil der Studie von vielfältigsten Redundanzen, zirkulären Argumenten und Wiederholungen auch längerer Zitate, mitunter fast wörtlich inklusive der zugehörigen Erörterungen - dies besonders störend in den Kapiteln II.2.1 und II.2.2, deren zweites den Lesern eine Serie meist ‘unmarkierter’ Déja-vus des vorangegangenen Abschnitts beschert (vgl. u.a. p. 79/ 104f. oder 62f./ 94 u.ö.) - all dies Merkmale einer wenig sorgsamen, vielfach dilettantisch anmutenden Konzeption und Redaktion. Dazu gesellen sich zahlreiche Tippfehler oder sonstige Irrtümer. Auch die Wortwahl ist an mitunter zentraler Stelle problematisch: So ist etwa der fast durchgängige Gebrauch von idiosnycrasies (p. 86 und passim) in Anwendung auf Eigenschaften einer ganzen Berufsgruppe und deren Rollenstereotype gerade die falsche Wahl (vgl. u.a. das NOED, s.v.), etwa gegenüber characteristics; auch ratiocination (p. 65) statt rationale klingt im Kontext merkwürdig und deplatziert, ebenso wie “invokes the three craftsmen", p. 90 (statt addresses). Nicht selten gewinnt man den Eindruck, in vielen der eher gesuchteren Begriffe des Textes sei ohne entsprechende Nachprüfung den Vorschlägen eines Thesaurus oder gar eines zweisprachigen Wörterbuchs gefolgt worden. Noch schwerer wiegen freilich terminologische Fragwürdigkeiten. Beispielsweise handelt es sich auf Seite 76f. beim mehrfach zitierten sack auch im letzten Beispiel - sofern hier, rhetorisch gesehen, überhaupt von & Metaphorik gesprochen werden kann - gerade nicht um das Tertium comparationis, welches wohl in der Füllung des Sacks läge (cf. 76: “[…] strictly speaking, the sack is not a metaphor but a tertium comparationis, with the miller filling her as full as her sack“). Zweifelhaft scheint mir im gegebenen Kontext auch die Verwendung von allegory in Bezug auf sprichwörtliche Wendungen zu Müller und Mühle (p. 61), wohingegen dem auf Seite 98 (übrigens zum zweiten Mal) detailliert geschilderten Hornschmuck des hellbound miller durchaus ein (hier nun freilich nicht so benannter) allegorischer Zusammenhang zugrundeliegen dürfte. Das grundlegende Konzept des argument im Sinne der älteren Texten vorangestellten plot summaries scheint Verf. im aktiven Sinne ebenfalls unvertraut, hätte aber immer wieder der Präzision der Beschreibung und dem tieferen Verständnis einer fundamentalen Konvention der Zeit dienen können (so etwa p. 66, wo umständlich paraphrasiert wird: “The usual short rendering of the ballad’s contents”). John Heywood, der immerhin mit Sir Thomas Mores Nichte, der Tochter John Rastells, verheiratet und zudem John Donnes Großvater war, ist auch als früher Tudor- Dramatiker kein solcher Nobody, dass man ihn als “one Jhon Heywoode” abtun sollte, und auch sein als bedeutendes Interlude bekanntes Play of the Wether ist wohl um 1532 entstanden (gedruckt 1533), daher nicht, wie Pointner dies tut, mit Ende des 16. oder gar Anfang des 17. Jahrhunderts zu datieren (vgl. p. 42). Dies ist aber nicht nebensächlich, geht es Pointner, der das Stück auch kurz diskutiert, doch um die Etablierung bestimmter Rollenbilder des Müllers im Verlaufe der Frühen Neuzeit. Selbstverständlich gibt es auch nur das eine Stück des Titels Grim the Collier of Croydon, nicht ‘of London’, wie auf Seite 62 als scheinbarer Verweis auf einen weiteren Grim-Text suggeriert wird. Im Übrigen könnte in Anbetracht des kontrovers diskutierten Entstehungsdatums dieses Stücks das hier angegebene Publikationsdatum 1662 irreführend sein, sollte aber jedenfalls im Sinne historischer Akkuratesse speziell hinsichtlich möglicher Stoffwanderungen so nicht unkommentiert stehen. In erheblichen Teilen wirkt das Englisch der Arbeit recht ungelenk; zahlreiche unidiomatische Wendungen und schwerfällige Formulierungen machen die Lektüre oft mühsam, nicht selten zäh, wie - leider durchaus repräsentativ - in folgenden Zitaten: “After Molly’s having asked her sister where she has been Jenny answers” (p. 62) oder: “When having in mind the miller poems referred to so far, one can hardly read the Dutch miller’s endeavour ‘to Grind all sorts of Women’ other than in sexual terms. What the ballad thus seems to convey is that […]” (p. 75). Schwer nachvollziehbar ist immer wieder auch die Erörterung von Sachzusammenhängen, so etwa auf Seite 95f. die zentrale Wohn- und Arbeitssituation des fremdgehenden Müllers, die man aufgrund ihrer verwirrenden Darstellung als Leser selbst unter Rekurs auf den - in diesem Punkt völlig eindeutigen - anthologisierten Text 5.2 zu klären hat. Nachgerade kommunikationsstörend ist die auch nach lockeren Maßstäben vielfach unkorrekte Kommasetzung, speziell aber die konsequente Nichtsetzung von Kommata bei non-defining relative clauses (wohingegen vor that [‘dass’] des Objektsatzes mitunter Komma gesetzt wird: cf. p. 25 u.ö.). & --- All dies ist eine kleine Blütenlese oftmals gravierender Irrtümer oder auch ärgerlicher, durchweg vermeidbarer Schlampereien, die - in den Augen des Rezensenten - den Gesamteindruck und -wert der Publikation deutlich schmälern und die Lektüre über weite Strecken unnötig mühsam, nicht selten nervtötend machen, was die Studie gerade mit Blick auf den internationalen Markt nicht eben als Aushängeschild deutscher Anglistik empfiehlt. Schade, denn ein so spannendes, anregendes Thema wie die Millers’ Tales hätte es wahrhaftig verdient, auch in Durchführung und Detail mit der nötigen Sorgfalt und Kompetenz präsentiert zu werden. So bleibt leider ein höchst zwiespältiger Eindruck, zerrissen zwischen den zweifellos wertvollen Informationen, inklusive der durchaus nützlichen Anthologie, die uns der Band bietet, und der im Einzelnen doch dürftigen Darbietung und Kommentierung der Materie. # 3 + $ - # 3 45 4. / D ++ > # +& + E$ - $ * ' 2 % ! 5 ( * 4 & E , ) A" > E, & We have been inundated by a flood of studies on visual culture and on the relationship between words and images in particular in recent years. For this reason one approaches a book with this title warily. However, Horst’s study has circumscribed its domain to a very specific relationship. It aims to analyse works of art “that are realized in two core media - language and the visual” (8). Further criteria for the selection of its set of case studies are firstly, “conscious intermediality”, i.e. deliberate use of different media according to Horst, secondly, meta-mediality, i.e. reflection of the use of media within the work of art, and thirdly, a political message (10). Although the first parameter for selection seems almost repetitive and unnecessary given the title of the study, it turns out to be the least explicit. The structure of the book is based on the author’s heuristic assumption about successive stages in the development of intermedial art in the 20 th century - modernism, conceptualism and new media art. These are doubtless major artistic currents. But the artists and works examined represent quite a narrow spectrum for the author’s wideranging conclusions about the progressive modification in visual-verbalrelationships in the 20 th century (179). By and large, we are currently seeing advances in communication technology which result in ever more complex and inextricable fusions of medial and representational systems; as a result, the category “intermediality” may
