Fremdsprachen Lehren und Lernen
flul
0932-6936
2941-0797
Narr Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
1994
231
Gnutzmann Küster SchrammStrategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch
121
1994
Heinz Antor
flul2310065
Heinz Antor Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch Abstract. User-friendliness is the most important quality an EFL-dictionary must have. This article undertakes an analysis from this point of view of the three leading dictionaries for English as a foreign language, Oxford Advanced Learner's Dictionary of Current English, Longman Dictionary of Contemporary English, and Collins COBU/ LD English Language Dictionary. Various categories ofuser-friendliness as well as the corresponding lexicographic strategies both in the macrostructure and in the rnicrostructure of EFL-dictionaries can thus be shown and evaluated. Popular myths concerning the quality of dictionaries have also been critically put to the test. Finally, the article puts forward suggestions for future improved EFL-dictionaries as well as for an extended and effective teaching of lexicographic skills in the EFL-classroom. 1. Vorbemerkung In Michael Sadleirs 1915 erschienenem Universitätsroman Hyssop beklagt sich der in Oxford studierende amerikanische Rhodes Scholar Dallas Merrick bei einem englischen Kommilitonen µber seine Schwierigkeiten im Umgangmit dem britischen Englisch: [...] you are always, so to speak, inviting me to share pleasures which are exquisite to you, but have forme the rather spasmodic joys of a poem only half understood. I get the 'ands' and 'buts' and here and there 'love' and 'song' or some simple word, but all the time I have to look in the dictionary for idiom. And you've no idea how looking in the dictionary spoils one's ease. (Sadleir 1915: 120) Der junge Amerikaner konsultiert offenbar ein Wörterbuch, das es seinen~Benutzem nicht leicht macht, die gewünschte Information zu finden und das auch nicht zu weiterem Gebrauch anregt. Für den Fremdsprachenlerner an Gymnasium und Hochschule, der in noch viel höherem Maße als der Rhodes Scholar mit der Unbekanntheit der anderen Sprache konfrontiert wird, kann die frustrierend demotivierende und mitunter wohl auch desinformierende Wirkung eines solchen Wörterbuches den Lernerfolg stark behindern. Glücklicherweise liegen nach Hornbys Pionierarbeit als Englischlehrer in Japan inzwischen spezielle EFL-Dictionaries vor, die die spezifischen Bedürfnisse ausländischer Englischlerner berücksichtigen. Die Qualität gerade solcher Wörterbücher hängt aufgrund ihrer adressatenspezifischen Ausrichtung vor allem von ihrer Benutzerfreundlichkeit ab. Im folgenden sollen daher drei moderne EFL-Wörterbücher und ihre didaktischen Begleitmaterialien auf die von ihnen eingesetzten Strategien der Benutzerfreundlichkeit untersucht werden. Es handelt sich dabei um die zur Zeit an Schulen und Universitäten am häufigsten FLuL 23 (1994) 66 Heinz Antor benutzten großen Lernerwörterbücher des Englischen, das Oxford Advanced Leamer's Dictionary of Current English (4. Auflage, im weiteren OALD), das Longman Dictionary of Contemporary English (2. Auflage, im weiteren LDOCE) und das Collins COBUIW English Language Dictionary (1. Auflage, im weiteren COBUILD). 2. Die Makrostruktur im EFL-Wörterbuch 2.1 Quantität, Anordnung der Lemmata und Benutzerfreundlichkeit Ein Lernerwörterbuch ist für seinen Benutzer bekanntlich nur in dem Maße wertvoll, in dem es ihm auch Einträge zu den von ihm gesuchten lexikalischen Einheiten präsentiert. Dies führt dazu, daß auf den Schutzumschlägen der gängigen EFL- . Wörterbücher sowie in den Werbeprospekten der Verlage seit langem ein Wettlauf darum begonnen hat, wer dem Schüler oder Studenten die meisten Einträge präsentieren kann. Dahinter steht die Implikation, mehr entries bedeuteten auch mehr Benutzerfreundlichkeit. Dies erweist sich aber dann als gefährlicher Fehlschluß, wenn man berücksichtigt, daß ein enger Zusammenhang besteht zwischen Lemmatisierungsstrategie und Gesamtzahl der Einträge (vgl. Antor 1988: 223), wobei dieser Sachverhalt wiederum unmittelbare Auswirkungen auf die Benutzerfreundlichkeit der Lernerwörterbücher hat. Die Wendung the middle of nowhere findet sich beispielsweise in OAW als "idiom" im Eintrag für das Substantiv middle und in COBUILD im Artikel zu nowhere, wobei sich in beiden Wörterbüchern in den Einträgen des jeweils anderen Wortes Querverweise zum Ort der gesuchten Definition finden. In LDOCE hingegen bekommt middle of nowhere einen gesonderten Eintrag, was zunächst im Sinne einer deutlichen Lenkung der Benutzeraufmerksamkeit auf das "idiom" durchaus positiv erscheinen mag. Aufgrund des Prinzips der streng alphabetischen Anordnung in LDOCE entstehen für den Benutzer allerdings Probleme, da der Eintrag so nicht beim Artikel zu middle, sondern durch fünfzehn andere Einträge von diesem getrennt erst eine Seite weiter zu finden ist. Es erfordert nun aber eine beträchtliche lexikographische Transferleistung des Lerners zu erkennen, daß die Wendung the middle of nowhere wie ein Einzelwort als eine Einheit aufgefaßt und nach den Kriterien des strikten Alphabetisierungsprinzips gesucht werden muß. Daß sich in LDOCE auch weder im Eintrag zu middle noch unter nowhere entsprechende Querverweise finden, geht dabei auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit, da der Lerner entweder unter middle oder unter nowhere nachschlagen und damit in eine lexikographische Sackgasse laufen wird. Das ursprünglich als lernerfreundlich intendierte Prinzip der alphabetischen Anordnung gewinnt hier ironischerweise durch die Kombination mit einer anderen ebenso motivierten Strategie, der der extensiven Lemmatisierung, eine negative Qualität. Allerdings gewinnt LDOCE so wie auch bei einer ganzen Reihe weiterer Zusammensetzungen mit middle einen zusätzlichen Eintrag, der die Gesamtzahl der FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 67 entries vergrößert. Mehr Wörterbuchartikel bedeuten also nicht automatisch auch höhere Benutzerfreundlichkeit und sollten daher weder die Kaufentscheidung noch die didaktische Auswahl eines EFL-Wörterbuches beeinflussen. Die Herausgeber von OAW vermeiden die oben geschilderten Probleme bei der Frage nach der Anordnung der Einträge, indem sie dort einem morphologischen Prinzip folgen. Dieses besteht darin, daß nach einem Haupteintrag sofort Ableitungen von diesem sowie Zusammensetzungen mit diesem Stamm aufgeführt werden, wobei erstere durch ein Dreieck und letztere durch ein Quadrat speziell gekennzeichnet sind, was natürlich auf Kosten einer konsequenten Alphabetisierung geht. So finden sich beispielsweise zwischen metal und metalanguage die Einträge für metallic und metalwork, die, folgte man dem strikten Alphabetisierungsprinzip, dort nichts zu suchen hätten. Dasselbe gilt ebenfalls für silk-screen printing und silk worm, die man zwischen silk und silken findet, oder für gladden, gladness, gladsome und glad-hand, die unmittelbar nach dem Eintrag für glad, aber noch vor dem Lemma für gladiator aufgeführt werden. Der Vorteil dieser Anordnungsstrategie besteht darin, daß Wortfamilien nicht auseinandergerissen, sondern als eine Einheit präsentiert werden. Dies erleichtert den aktiven Wortschatzerwerb, da das Lernen in Wortschatzfamilien nicht so unmotiviert, unverbunden und arbiträr auf den Schüler oder Studenten wirkt wie der Erwerb einzelner und isolierter Vokabeln. Allerdings verlangt dieses Prinzip dem Lerner zunächst einmal ab, daß er die morphologische Anordnung versteht, um nicht, will er metalwork nachschlagen, vergeblich zwischen metallurgy und metamorphose zu suchen, wo er das Wort bei streng alphabetischer Gliederung erwarten müßte. Zu diesem Zweck sollte in Schule wie Hochschule eine Einführung in die möglichst effektive Benutzung des EFL-Wörterbuches gegeben werden, wobei auch die entsprechenden workbooks zu den dictionaries, auf die noch einzugehen sein wird, eingesetzt werden könnten. Die innere Logik der nach morphologischen Gesichtspunkten gegliederten Makrostruktur dürfte Schülern und Studenten jedoch schnell einleuchten. Neben der Vermeidung der lernpsychologischen Nachteile einer strikten Alphabetisierung sowie deren oben gezeigter benutzerunfreundlicher Tücken führt · dies darüber hinaus dazu, daß der Schüler oder Student ein einsehbar strukturiertes Bild des englischen Wortschatzes vermittelt bekommt. 2.2 Makrostrukturelle „Extras" für den Lerner Zur Makrostruktur des modernen EFL-Wörterbuches gehört aber viel mehr als die alphabetische oder morphologische Anordnung der Einträge. Vor und nach diesem Hauptblock findet sich eine Fülle weiterer Informationsangebote an den Lerner, die von diesem leider viel zu selten genutzt werden. Da aber ein EFL-dictionary immer nur so gut sein kann wie die Benutzerstrategie des Schülers oder Studenten, sollte dieser stärker von seinen Lehrern auf die vernachlässigten oder kaum wahrgenommenen Teile seiner Wörterbücher und deren konkreten Nutzen für ihn hingewiesen FLuL 23 (1994) 68 Heinz Antor werden. Auch hierzu können wiederum die didaktischen Begleitmaterialien (workbooks) der dictionaries eingesetzt werden. 2.2.1 Integrierte Eiriführungen in die Wörterbuchbenutzung Zu den hier angesprochenen Wörterbuchteilen gehören die dem Hauptteil vorangestellten Einführungen in die Benutzung der "dictionaries". Neben den Vorworten der Herausgeber finden sich in allen drei großen EFL-Wörterbüchern solche sogenannten guides. OAW und LDOCE stellen sich aber im Gegensatz zu COBUILD in besonderer Weise der Frage, wie man Schüler und Studenten zur Lektüre der bislang meist überlesenen Teile bringen könnte. Zu diesem Zweck bieten sie neben einem ausführlichen guide auch einen speziell an die Lerner adressierten, der kürzer und anders aufgebaut ist. Cowie (1989: 5), der Herausgeber des OALD sieht dies als Teil der benutzerfreundlichen Strategie der "Multi-level presentation", deren Funktion es ist "to present a particular type of information [...] in more than one way, with the aim of satisfying learners across the whole of the ability range". Eine solche Differenzierung ermöglicht es dem noch unerfahrenen Benutzer beispielsweise des OALD, in die Handhabung seines Wörterbuches eingeführt zu werden, ohne sich durch den 35seitigen "detailed guide" am Ende des Wörterbuches quälen zu müssen, der dem versierten Lerner genauere Informationen bietet. Sowohl "Using the Dictionary a Practical Guide" in OALD als auch "A Quick Guide to Using the Dictionary" in LDOCE sprechen dabei den Benutzer direkt in der zweiten Person an. Darüber hinaus präsentiert LDOCE seine Kurzeinführung in Form von Aufgaben und Fragen, um so pragmalexikographische Probleme möglichst lebendig zu erläutern. OALD geht in seinem Kurzführer weniger induktiv vor, bietet dafür aber eine stärker konzeptuelle Gliederung, die eine deutlichere Struktur erkennen läßt und daher übersichtlicher wirkt. Dabei wird unter pragmatischen Großüberschriften wie "Finding Words and Meanings", die dem Stil des "Quick Guide" von LDOCE entsprechen, zusätzlich noch in Unterüberschriften wie · "Idioms", "Phrasal Verbs", "Derivatives", "Compounds", etc. eine stärkere Kognitivierung erreicht, was die Einführung auch für Studenten besonders nützlich macht. OALD wie LDOCE gehen mit ihren gekürzten adressatengerechten guides einen großen Schritt in Richtung Benutzerfreundlichkeit und fördern dadurch einen bewußteren Umgang mit dem Instrument Wörterbuch durch den Lerner. Wer als vermeintliches Gegenargument anführt, all dies sei sinnlos, da Schüler und Studenten solche Einführungen doch nie lesen würden, gibt lediglich selbst ein Beispiel ab für den didaktischen Mißstand, der darin besteht, daß nach wie vor viel zu oft den Lernern zwar mitunter hervorragende EFL-Wörterbücher an die Hand gegeben werden, dann aber stillschweigend vorausgesetzt wird, daß sie mit diesen Instrumenten auch sofort und ohne Einweisung kompetent umgehen können. Die Tatsache, daß so mancher Schüler und Student die erläuternden Einführungen zum Gebrauch seines Wörterbuches nicht liest, ist nichts anderes als die direkte Widerspiegelung der Vernachlässigung praktischer Wörterbuchdidaktik in Klassenzimmer FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 69 und Seminarraum (vgl. Kipfer 1987: 45--46). Für die Behebung dieses Defizits sind die benutzerfreundlichen kurzen guides von OALD und LDOCE von großer Bedeutung. Sie sollten daher möglichst im Unterricht/ Seminar gemeinsam erarbeitet werden. 2.2.2 Appendices Nach dem alphabetischen Wörterverzeichnis bieten OALD und LDOCE im Gegensatz zu COBUILD umfangreiche Appendices (29 Seiten in LDOCE und sogar 48 Seiten in OALD), die in Form von teils ganzseitigen Illustrationen, Listen und Tabellen für den Lerner Zusatzinformationen in besonders übersichtlicher Form präsentieren. Beide Wörterbücher offerieren hier je eine Liste unregelmäßiger Verben, Informationen zu Zahlen, Maßen und Gewichten sowie geographische Begriffe (Ländernamen sowie die Bezeichnungen für deren Einwohner, mit Ausspracheangaben). LDOCE faßt unter der Überschrift "Word Formation" die gängigsten Wortbildungsaffixe in einem Appendix zusammen, während diese bei OALD in die Struktur des alphabetischen Wörterverzeichnisses integriert sind. Letzteres kann bei Nachschlagen im Hauptteil weiteres Blättern oder zu frühes Abbrechen des Suchvorganges vermeiden helfen. Ersteres hingegen gestattet eine übersichtlichere und lerntheoretisch günstige Gesamtdarstellung, die bei einer verstreuten Erfassung im Hauptteil nicht möglich ist. Ideal wäre eine Kombination beider, Verfahren, wie überhaupt Redundanz im 'EFL-Wörterbuch im Sinne der Benutzerfreundlichkeit meist eine Tugend ist. Aus Verlagssicht sprechen wohl leider nur allzu oft Gründe der Raumökonomie gegen ein solches Vorgehen. Angesichts solcher praktischer Zwänge stellt sich allerdings die Frage, ob in beiden Wörterbüchern jeweils ein Appendix mit sämtlichen britischen und amerikanischen military ranks wirklich notwendig war oder ob der dafür benötigte Platz nicht im Sinne einer noch benutzerfreundlicheren Gestaltung der Wörterbücher genutzt hätte werden können. LDOCE bietet im Anhang zusätzlich ein Flexionsparadigma des Verbs be, über dessen Nutzen man angesichts des fortgeschrittenen Niveaus der Benutzer dieses Wörterbuches geteilter Meinung sein kann, sowie eine siebenseitige völlig unkommentierte Auflistung des in den Artikeln verwendeten Definitionswortschatzes. Sieht man einmal von einer eventuellen, aus lerntheoretischer Perspektive jedoch nicht besonders effektiven Funktion der Zusammenstellung eines Grundwortschatzes sowie der wahrscheinlich aus Verlagssicht im Vordergrund stehenden Werbewirksamkeit ab, stellt sich erneut die Frage, ob der dafür benötigte Raum nicht für benutzerfreundlichere Zwecke hätte verwendet werden können. In OALD ist der Nutzen einer gesonderten Liste englischer Bezeichnungen für chemische Elemente, deren gängigere auch im Hauptteil mit je einem Eintrag vertreten sind, aus demselben Grund zweifelhaft, während eine vierseitige Zusammenstellung der wichtigsten Interpunktionsregeln für den Benutzer von hohem Wert bei der eigenen schriftlichen Texterstellung sein kann. FLuL 23 (1994) 70 Heinz Antor 2.2.3 Illustrationen Besonders positiv zu vermerken ist in OALD ein 17seitiger Anhang mit thematisch geordneten Illustrationen, in denen anschaulich ganze Wortfelder abgedeckt werden, was wiederum zum aktiven und motivierten Wortschatzlernen im semantischen Verbund anregt. Dabei werden vor allem drei einander zum Teil überlagernde Gruppen von lexikalischen Einheiten erläutert: 1. Termini, die aus dem technischen Bereich stammen und ohne Illustration einem Lerner nur schwer auf Englisch zu erklären wären. So werden die verschiedenen Teile einer Kirche, eines Theaters, aber auch eines Autos oder eines Fahrrades durch Abbildungen unzweideutig identifiziert. 2. Begriffe, die selbst bei einer Übersetzung ins Deutsche oft nur eine unklare Vorstellung beim Lerner hervorrufen. Dazu gehören beispielsweise die Namen von Pflanzen und Tieren, deren Illustrationen in Gruppen mit entsprechenden Überschriften präsentiert werden, wodurch die Aufmerksamkeit des Benutzers auch auf die nützlichen generischen Überbegriffe wie deciduous trees, evergreen trees, flowering plants, bjrds of prey, sea-birds, game birds, farmyard birds, etc. gelenkt wird. 3. Lexikalische Einheiten von landeskundlicher Relevanz, so zum Beispiel politische und geographische Karten des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten, aber auch die kulturkundlich so bedeutenden angelsächsischen Haustypen von der row of terraced houses / terrace über semi-detached house bis hin zu detached house und bungalow 1• Illustrationen finden sich aber auch in den Hauptteilen von OALD und LDOCE und erfüllen dort eine äußerst wichtige Funktion im Sinne der Benutzerfreundlichkeit (vgl. Ilson 1987). Durch die Präsentation von Wörtern in semantischen Gruppen ermöglichen sie dem Schüler und Studenten eine aktive Wortschatzerweiterung. Wer beispielsweise in OALD unter dem Stichwort jacket nachschlägt, findet dort eine Abbildung, anhand derer ihm auch gleich die Bezeichnungen aller wichtigen Teile eines solchen Kleidungsstückes wie button, buttonhole, sleeve, lapel, etc. präsentiert werden. Bei socket lernt der Benutzer auf diese Weise gleichzeitig plug und pin und beim Substantiv screw auch die Verbformen screw on und screw off. Besonders interessant und hilfreich sind Illustrationen, die der Prävention von Interferenzfehlern dienen. So findet sich in OALD beim Eintrag zu shade eine Illustration, die dieses Wort von shadow unterscheidet und dem Lerner zeigt, daß er, will er der Sonne aus dem Weg gehen, in the shade, nicht aber *in the shadow sitzt. Selbstverständlich verweist ein Querverweis unter shadow ebenfalls auf diese Illustration, da der Schüler/ Student sonst möglicherweise dennoch den für deutsche Englischlerner typischen Fehler begehen könnte. Eine weitere Funktion von Illustrationen ist die Verdeutlichung der Differenz zwischen lexikalischen Einheiten, die der nichtmuttersprachliche Benutzer nur schwer auseinanderhalten kann. So findet sich sowohl in OALD als auch in LDOCE eine Abbildung, die den Unter- Hier liegt eine offensichtliche Überschneidung mit den anderen beiden Kategorien von Illustrationen vor. FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 71 schied zwischen cross-legged und with her legs crossed verdeutlicht. COBUILD enthält leider keine Illustrationen und verpaßt so eine Chance, seine Benutzerfreundlichkeit zu optimieren. 2.2.4 Language Notes LDOCE bietet in seiner Makrostruktur noch eine Besonderheit, die in COBUILD und OALD fehlt. In sogenannten Language Notes werden auf einer oder mehreren Seiten für den Fremdsprachenlerner besonders schwierige Problembereiche des Englischen in einer kurzen Gesamtübersicht dargestellt. Dabei werden vor allem zwei Aspekte berücksichtigt. Eine Gruppe von Language Notes beschäftigt sich mit im EFL-Bereich notorisch fehlerträchtigen grammatikalischen und lexikalischen Problemen wie "Articles", "Collocations", "Idioms", "Modals", "Prepositions", "Synonyms", etc. In anderen dieser Notes wird dargestellt, wie man im Englischen bestimmte Sprechabsichten umsetzen kann. So gibt es Notes zu den Themen "Addressing People", "Apologies", "Criticism and Praise", "Invitations and Offers", "Politeness", "Questions", "Requests", "Tentativeness" und "Thanks". Durch dieses Angebot wird die pragmalinguistische Dimension in LDOCE für den Lerner deutlicher dargestellt und leichter zugänglich, was die Benutzerfreundlichkeit des Wörterbuches beträchtlich erhöht. Auch die anderen EFL-Wörterbücher sollten dieses Instrument in zukünftigen Auflagen einsetzen. 3. Die Mikrostruktur im EFL-Wörterbuch 3.1 Aussprachenotation Alle drei gängigen Lernerwörterbücher des Englischen bieten nach dem Lemma zunächst die phonetische Umschreibung für das headword. Sie benutzen dabei die internationale Lautschrift der / PA nach der 14. Auflage des English Pronouncing Dictionary von Daniel Jones und A. C. Gimson und schließen damit an die Notation an, die vielen Lernern schon aus ihren Schullehrwerken bekannt ist und die der Englischstudent spätestens in der Einführung in die englische Phonetik im Grundstudium kennenlernt. Dabei unterscheiden OALD und LDOCE sinnvollerweise zwischen britischer und amerikanischer Aussprache, worauf COBUILD, das sich nur auf Received Pronunciation beschränkt, leider verzichtet. Die Herausgeber von COBUILD hätten besser daran getan, anstelle des von ihnen verwendeten und für den Lerner wohl nur verwirrenden Systems hochgestellter Zahlen, die für Aussprachevarianten stehen, den Platz für eine Differenzierung zwischen den beiden Hauptvarietäten des Englischen zu verwenden, was auch insofern benutzerfreundlicher gewesen wäre, als dies für die häufigsten späteren Anwendungskontexte von Englischlernern relevant ist. LDOCE trennt die Notation der britischen Aussprache von der Umschreibung der amerikanischen durch das Symbol zweier vertikaler Striche ( II), was nicht so FLuL 23 (1994) 72 Heinz Antor deutlich ist wie das Verfahren von OALD, das nach der Notation der britischen Varianten hinter dem klareren Zeichen US die amerikanische Aussprache umschreibt. Da es hier nicht wie bei LDOCE zu Verwechslungen kommen kann, ist dieses Verfahren als das benutzerfreundlichere vorzuziehen. Besonders nützlich ist bei OAW, daß bei compounds Haupt- und Nebenbetonung jeweils mittels hoch- oder tiefgestellter Apostrophe angegeben werden, da die Akzentverhältnisse in solchen Fällen recht schwierig und für den Lerner mitunter verwirrend sein können (vgl. Broeders 1987). Als Beispiel sei die unterschiedliche Betonung von 'visiting card und ,visiting pro' fessor angeführt. Gleiches gilt für 'garden centre, aber garden 'city, garden 'suburb und ,garden of 'Eden. Nicht immer liefert WOCE solche Informationen, wie beispielsweise im Falle von ,microwave 'oven, wo der deutsche Schüler und Student, verwendet er diese lange Form des Begriffs, zum Interferenzfehler einer Betonung der ersten Silbe neigen könnte. COBUILD unterscheidet leider nicht zwischen primary und secondary stress. 3.2 Varietäten, Register und Stilebenen Innerhalb eines Wörterbuchartikels werden in allen drei gängigen EFL-dictionaries unterschiedliche Bedeutungen eines Lemmas im britischen und amerikanischen Englisch wie etwa im Falle von subway oder suspender entsprechend markiert. Für den Lerner ist es aber nicht nur wichtig, bei eigener Sprachproduktion im Hinblick auf britisches oder amerikanisches Englisch eine ständige Mischung von Formen dieser beiden Varietäten zu vermeiden. Der Schüler oder Student muß darüber hinaus auch über Möglichkeiten und Einschränkungen bestimmter Register und Stilebenen sowie über bestimmte kontextuell bedingte Verwendungseingrenzungen informiert sein. Gerade in diesem Bereich machen oft auch fortgeschrittene Lerner und Studenten noch zahlreiche Fehler. Deshalb finden sich im benutzerfreundlichen Lernerwörterbuch entsprechende Markierungen, und zwar unmittelbar hinter der Angabe der Wortart nach dem Lemma, falls diese sich auf den gesamten Eintrag beziehen, oder unmittelbar vor der jeweils zu markierenden Definition. Dabei erlaubt es das Wörterbuch dem Benutzer, tief in die diasystematischen Strukturen der Sprache einzudringen. So versieht beispielsweise OALD, dessen Markierungsstrategie hier stellvertretend für das moderne EFL-dictionary herausgegriffen sei, diachronische Varietäten mit dem Vermerk dated (z.B. court 2, v; gramophone) oder arch (z.B. knave 'scoundrel', thou). Im Bereich diatopischer Varietäten werden neben britischen und amerikanischen Formen auch schottische (Symbol Scot, z.B. bairn 'child', ben 'mountain peak', loch 'lake'), englische dialektale (Symbol dialect, z.B. beck 'stream', parky 'cold') und sogar südafrikanische (Symbol S African, z.B. rand, koppie, kopje 'small hill'), australische (Symbol Austral, z.B. crook 'ill', station 'sheep or cattle ranch') und neuseeländische (Symbol NZ, z.B. kiwi) Formen FLuL 23 (1994) Strategien der Benutze,freundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 73 unterschieden. 2 Dabei ist angesichts einer immer stärkeren Berücksichtigung der New English Literatures und deren kulturellen Umfeldes an der Universität eine Erfassung und entsprechende Markierung der dort häufig auftretenden sprachlichen Varietäten und lexikalischen Formen im modernen EFL-dictionary von wachsender Bedeutung. Im Bereich von Register und Stilebene markiert OALD neben formellem (z.B. warrant 'deserve', countenance 'support or approve', acquiesce in 'accept without protest') und informellem (z.B. pinch 'steal', brolly, dad, granny) Sprachgebrauch auch Slang (Symbol sl, z.B. nick 'prison', boozer 'pub', scarper 'go away') und rhetorische Wortverwendungen (Symbol rhet, z.B. tribulation 'event that causes suffering', alas 'expression of sorrow'). Ein kleines Warndreieck kennzeichnet Jour-fetter words und andere Wörter, bei deren Gebrauch große Vorsicht geboten ist, wie das rassistische nigger, kaffir (das darüber hinaus als südafrikanisch markiert ist) oder wop ('person from southern Europe, esp. an Italian'). Weitere Markierungen sind derog (z.B. puerile, skulk 'hide or move around planning something bad', suspect adj), approv (z.B. petite, slender, spotless), offensive (in der Funktion ähnlich dem Warndreieck), euph (z.B. pass away 'die', senior citizen 'old age pensioner'), ironic (z.B. fine in 'in a fine mess'), fig (z.B. cheer in 'Flowers always cheer a room up'), joc (z.B. push up the daisies, Alma Mater) und völlig neu in einem englischen Lernerwörterbuch sexist (z.B. dolly, dumb blonde, a bit of a skirt/ crumpet/ all right, an easy lay). Im Zeitalter der political correctness findet sich als Element feministischer Lexikographie in OALD unter dem Eintrag füi; chairman sogar noch eine spezielle Note on Usage, die auf den .Gebrauch der Suffixe -man und -person in dieser und ähnlichen Zusammensetzungen eingeht. Der Sinn einer solch ausführlichen Markierungsstrategie, wie sie inzwischen in EFL-Wörterbüchern in immer größerem Maße Anwendung findet, ist ein zweifacher. Zum einen wird der Wörterbuchbenutzer dadurch befähigt, Texte und deren stilistische und regional bedingte kulturelle Implikationen besser zu verstehen. Zum anderen aber soll der Schüler oder Student in die Lage versetzt werden, bei seiner eigenen aktiven Textproduktion in Stil und Register konsequent zu bleiben und Unvereinbarkeiten sowie anstößigen oder beleidigenden Sprachgebrauch zu vermeiden. Die Sensibilisierung des Lerners für das sehr differenzierte, aber leider oft viel zu wenig wahrgenommene dialinguistische Markierungsinstrumentarium seines EFL-Wörterbuches ist deshalb ein vorrangiges Desiderat der modernen Wörterbuchdidaktik. 3.3 Grammatik im benutzerfreundlichen Lernerwörterbuch Ein EFL-dictionary wäre wenig benutzerfreundlich, lieferte es dem nachschlagenden Schüler oder Studenten lediglich semantische Informationen zum gesuchten 2 LDOCE markiert darüber hinaus sogar noch kanadische, karibische, indische, pakistanische und irische Formen gesondert. FLuL 23 (1994) 74 Heinz Antor Lemma. Von einem guten Lemerwörterbuch erwartet man inzwischen auch Informationen über den Gebrauch der jeweiligen lexikalischen Einheit. Dies bedingt die Aufnahme grammatischer Informationen vor allem im Bereich der Morphologie und der Syntax (vgl. Heath 1982, Cowie 1987). 3.3.1 Steigerung und Verwendung von Adjektiven OALD bietet dem Schüler oder Studenten auf morphologischer Ebene in den Einträgen zu Adjektiven in Klammem hinter der Angabe der Wortart Informationen darüber, ob Komparativ und Superlativ mit -er, -est oder -r, -st gebildet werden. Bei Adjektiven auf -y verweist das Wörterbuch darüber hinaus auf die Verwandlung zu -ier, -iest. Im Falle unregelmäßiger Steigerungsformen werden diese vollständig und mit Aussprachenotation angegeben. COBUILD gibt grundsätzlich immer, also auch bei völlig regelmäßiger Steigerung, die vollständig ausgeschriebenen Komparativ- und Superlativformen an, verzichtet aber bei unregelmäßigen Steigerungen dann leider auf die wohl nötigere phonetische Umschreibung. LDOCE verzeichnet unregelmäßige Formen wie OALD, verstummt aber leider bei regelmäßigen, was beim Lerner möglicherweise im Falle der Positivendungen -e und -y zu Fehlern führen könnte. Im Sinne der Benutzerfreundlichkeit wäre wohl eine möglichst ausführliche und vollständige Notation die beste Lösung, was aber einerseits aus Raumgründen nicht immer möglich sein wird und andererseits auch aus motivationspsychologischer Sicht im Einzelfall aufgrund des Eindrucks einer Überladung des Eintrags relativiert werden müßte. Vor diesem Hintergrund erscheint die Strategie von OALD als der beste Kompromiß. Im für Lerner besonders fehlerträchtigen Fall von old findet der OALD-Benutzer einen Querverweis zu einer Note on Usage bei elder, wo auf den Unterschied zwischen den doppelten Steigerungsformen hingewiesen wird. LDOCE bietet im Eintrag zum Adjektiv elder ebenfalls eine Usage Note, auf die durch einen Querverweis im Artikel zu old hingewiesen wird. COBUILD hingegen liefert zum Lemma old nur die Steigerungsformen older und oldest ohne dabei auf elder, eldest zu verweisen, die jeweils gesonderte Einträge in der alphabetisch geordneten Makrostruktur erhalten. Es handelt sich hier um einen ernsthaften Mangel, der auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit des Wörterbuches geht, da ein Schüler oder Student die Problematik der Steigerungsformen zu old in diesem Falle nur dann mit dem Wörterbuch erforschen kann, wenn er die Antwort auf seine Fragen schon teilweise kennt und um die morphologische Doppelung weiß. Grundsätzlich zählt die Vernetzung der verschiedenen Informationen und Informationsquellen durch Querverweise zu den wichtigsten benutzerfreundlichen Elementen im modernen EFL-Wörterbuch, da durch sie sowohl das Auffinden der gesuchten Information bei Nachschlagen an der falschen Stelle als auch die aktive Erweiterung der eigenen Sprachkompetenz bei Verfolgen solcher Hinweise erleichtert wird. Deshalb muß es auch ein Gebot der Wörterbuchdidaktik sein, dem Schüler und Studenten den Nutzen solcher Querverweise klar vor Augen zu führen, FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 75 in speziellen Übungen zu verdeutlichen und so sicherzustellen, daß er von diesem Angebot auch Gebrauch macht. Auf syntaktischer Ebene gilt es beim Gebrauch des Adjektivs attributiven von prädikativem Gebrauch zu unterscheiden. Dies kann beim deutschen Schüler oder Studenten zu Interferenzfehlem führen. Deshalb weisen OALD, LDOCE und COBUILD systematisch auf die syntaktischen Verwendungsmöglichleiten von Adjektiven hin. So erfährt der Lerner bei der Benutzung von OALD im Eintrag zu sheer durch den Zusatz [attrib], daß er zwar von "sheer nonsense" sprechen kann, aber nicht sagen darf: "'This nonsense is sheer." Ebenso macht OALD durch den Verweis [pred] deutlich, daß der Satz "The whole building was soon ablaze" zwar korrekt ist, aber „ein brennendes Gebäude" deshalb noch lange nicht mit "* an ablaze building" übersetzt werden kann. Gerade im letzten Fall besteht durch den attributiven Gebrauch des Partizip Präsens im Deutschen die Gefahr der interlingualen Interferenz zum Englischen. Auch LDOCE markiert attributiven und prädikativen Gebrauch von Adjektiven, wobei allerdings nicht einsichtig ist, warum attributive Verwendung zwar durch [A], prädikative aber durch [F], das für after stehen soll, abgekürzt wird. Angesichts des Gebrauchs des grammatikalischen terminus technicus für die Frontstellung des Adjektivs ist der Gebrauch einer wohl als transparenter empfundenen Abkürzung für Nachstellung inkonsistent und doch eher verwirrend für den Wörterbuchbenutzer. Insgesamt hat das Prnblem der Stellung von Adjektiven aber gezeigt, daß das benutzerfreundliche Lemerwörterbuch den deutschen Schüler oder Studenten also an für seine sprachliche Ausgangssituation typischen Fehlerquellen abholt und ihm die notwendigen prophylaktischen oder therapeutischen Informationen liefert (vgl. Maingay/ Rundell 1987). Die Qualität eines Lemerwörterbuches muß daher für Lerner jeder Sprachgemeinschaft neu beurteilt werden, denn die hier analysierten EFL-dictionaries werden für den Weltmarkt produziert. Unsere Ergebnisse haben deshalb auch nur für den deutschen Sprachraum Gültigkeit und könnten anderswo ganz unterschiedlich ausfallen. Aufgrund des attraktiven deutschen Marktes und der für den deutschen Englischlerner schon vorliegenden didaktisch-lexikographischen Forschungsergebnisse sind aber dessen Bedürfnisse in den EFL-Wörterbüchern glücklicherweise schon relativ gut berücksichtigt. 3.3.2 Zählbarkeit bei Substantiven Eine ähnliche Problematik stellen die englischen Substantive und ihr Status als . zählbar oder unzählbar mit den entsprechenden Folgen für Pluralbildung, Artikelverwendung und zugehörige Verbformen dar. Gerade aufgrund der im Deutschen völlig anders gelagerten Verhältnisse liegt hier wiederum eine besondere Fehlerquelle vor, die von einem benutzerfreundlichen EFL-dictionary entsprechend versorgt werden muß. Alle drei hier untersuchten Wörterbücher markieren daher Substantive als countable oder uncountable (LDOCE und OALD durch [C] und [UJ, in für den Lerner schwierigen Zweifels- oder Problemfällen, COBUILD hin- FLuL 23 (1994) 76 Heinz Antor gegen bei jedem Substantiv durch [N COUNT] und [N UNCOUNT]). Bei richtigem Gebrauch wird der Lerner also weder von "* a good butter" noch von "* many useful informations" oder "*very expensive furnitures" sprechen. Darüber hinaus offerieren die Lernerwörterbücher auch Informationen darüber, ob Nomina nur im Singular oder nur im Plural verwendet werden können und in welcher Form die zugehörigen Verben einzusetzen sind. So zeigt eine spezielle Markierung (z.B. [pl] in OALD) dem Lerner an, daß premises in der Bedeutung "house or other buildings with its outbuildings, land, etc." nur in der Pluralform gebraucht werden darf und auch ein Verb im Plural verlangt, während eine andere Markierung (z.B. [pl v] in OALD) bei police zeigt, daß zwar das Substantiv im Singular, das Verb aber im Plural stehen muß. Das plurale tantum barracks hingegen läßt hinsichtlich der Verbform sowohl Singular als auch Plural zu, was wiederum durch eine eigene Markierung (z.B. [sing or pl v] in OALD) angezeigt wird. Schließlich gibt OAW als einziges EFL-dictionary noch durch die Markierung [Gp] für "group noun" zu erkennen, daß Nomina wie Whitehall oder Kremlin ebenfalls Singular- oder Pluralformen nach sich ziehen können: "Whitehall is/ are refusing to confirm the reports." In letzterem Fall verzichten LDOCE und COBUILD auf eine Markierung, wobei COBUILD ein Beispiel mit einem Singularverb gibt und somit zumindest eine richtige ,Möglichkeit (wenngleich auch nur die halbe Wahrheit) aufzeigt, während WOCE einen Satz mit Whitehall in das Verb regierender Subjektposition in seinem Beispiel völlig vermeidet und den nach Hilfe suchenden Benutzer in dieser Hinsicht im Stich läßt. 3.3.3 Konstruktionsmöglichkeiten des Verbs Ein sprachlicher Bereich, in dem Schüler und Studenten erfahrungsgemäß besonders zahlreiche Fehler machen, der aber deshalb auch für den Lexikographen eines Lernerwörterbuches außergewöhnliche Probleme aufwirft, ist das englische Verb . mit all seinen Konstruktionsmöglichkeiten. A.S. Hornby vollbrachte mit seinen altbekannten verb pattems eine Pionierleistung auf diesem Gebiet, weil er damit erstmals die Aufmerksamkeit der Fremdsprachenlehrer auf diesen für den Lerner so wichtigen wie schwierigen Aspekt der englischen Sprache lenkte. Sie wurden bis zur dritten Auflage seines Oxford Advanced Leamer's Dictionary of Current English verwendet, bis A.P. Cowie für die vierte Auflage darauf verzichtete und Hornbys für den Lerner zu abstrakte Klassifizierung durch ein neues, transparenteres verb pattem scheme ersetzte. Dieses baut auf fünf aus der Londoner Grammatik von Quirk [et al.] (1985) entnommenen Haupttypen von Verben auf. Dabei stehen L für Linking verb (z.B. be, seem, appear), I für Intransitive verb, T für Transitive verb und D für Doubletransitive verb. Im Anschluß an diese Abkürzungen werden dann mittels ebenfalls transparenter Codes die jeweils möglichen Verbergänzungen aufgeführt. So bedeutet Ipr Intransitive verb + prepositional phrase wie etwa bei complain in "People are always complaining about the traffic." Tnt bezeichnet ein Transitive verb + FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen BFL-Wörterbuch 77 noun + to-infinitive wie in "I expect the parcel to arrive tomorrow." Dpr.w bedeutet Double-transitive verb + prepositional phrase + wh-clause, wie zum Beispiel in "You should indicate to the team where to assemble". Insgesamt können so 32 verschiedene verb pattems durch aufgrund ihrer Durchsichtigkeit schnell zu beherrschende Codes kurz und präzise beschrieben werden, ohne daß der Benutzer dabei wissen muß, wofür VP6A oder VP24C steht, wie das noch in der dritten Auflage des alten „Hornby" der Fall war. Auch LDOCE und COBUILD versuchen, die Konstruktionsmöglichkeiten der Verben in kodierter Form anzugeben, wobei beide allerdings nicht so viele Varianten angeben. Die oben zitierte Konstruktion Dpr. w zu indicate findet sich beispielsweise in keinem der beiden anderen Lernerwörterbücher. COBUILD listet seine sogenannten grammar notes, zu denen auch die Codes für die Konstruktionsmöglichkeiten der Verben gehören, in einer extra Spalte rechts neben dem entsprechenden Eintrag auf. Dies ist zwar sehr übersichtlich und ist gerade für den am System der Sprache interessierten Studenten sehr nützlich, kostet aber auch viel Platz und geht ganz offensichtlich auf Kosten anderer benutzerfreundlicher Instrumente, die in COBUILD dann nicht mehr untergebracht werden können. Man denke nur an die völlig fehlenden Illustrationen, Appendices, amerikanischen Ausspracheangaben und die Unterscheidung zwischen primary und secondary stress. In den letzten Jahren hat sich ein Streit darum entwickelt, ob die Kodierung der verb pattems in LDOCE oder in OALD einfacher ist. Diese Auseinandersetzung ist eigentlich ebenso sinnlos, wie die Frage, welches Wörterbuch ein, paar hundert Einträge mehr oder weniger 'hat. OALD nutzt bei seinem verb pattem scheme die bestehenden Iiletasprachlichen Begriffe aus der Linguistik und kürzt diese leicht verständlich ab, wobei der Benutzer natürlich zunächst einmal die grammatischen Termini verstehen muß. LDOCE will dieses Risiko nicht eingehen und verwendet statt dessen Kodes wie [+obj(i)+obj(d)], [+v-ed], [+v-ing], [+that], etc. Für das nur etwas niedrigere Abstraktionsniveau wird dabei ein Verlust an kognitiver Konzeptualisierung in Kauf genommen, die gerade dem fortgeschrittenen Lerner und insbesondere dem Studenten an der Universität von Nutzen sein kann. Letztlich erfordern beide Kodierungsverfahren noch ein hohes Abstraktionsvermögen beim Benutzer. Entscheidend ist, daß die Information für den Lerner, dem dies noch zu schwierig ist, auch in anderer Form dargeboten wird. Hier kommt beim OALD und in gewissem Maße auch bei LDOCE wiederum die Strategie der multi-level information zum Tragen. Wer beispielsweise das Verb regard in der Bedeutung 'consider or think about sb/ sth in the specified way' nachschlägt und sich nicht sicher ist, ob er die abstrakte Kodierung schon richtig versteht, hat die Möglichkeit, dies auf zweifache Weise zu überprüfen. Zum einen werden in OALD die Konstruktionsmöglichkeiten des Verbs regard mit den entsprechenden Präpositionen angeführt: "sb/ sth (with sth); sb/ sth as sth". Wem auch das noch zu kompliziert ist, der findet zu dieser Verbbedeutung insgesamt acht Beispielsätze, die alle durch die abstrakten Kodes angegebenen Möglichkeiten in der entsprechenden Reihenfolge exemplifizieren. LDOCE gibt hier nur vier Beispiele. Andererseits gibt OALD im FLuL 23 (1994) 78 HeinzAntor Gegensatz zu LDOCE bei transitiven phrasal verbs nicht an, ob das Objekt auch zwischen dessen Bestandteilen stehen darf (wie bei hand in) oder nicht (wie bei put up with). Diese Information sollte in der nächsten Auflage von OALD im Sinne noch höherer Benutzerfreundlichkeit enthalten sein. Zusammenfassend muß man feststellen, daß gerade bei einem so komplexen Problembereich wie dem der Verbvalenz mehrfache Präsentation der relevanten Information auf verschiedenem Niveau im Sinne der multi-level presentation das Wörterbuch für den Lerner nützlicher werden läßt. 3.4 Die benutzerfreundliche Wörterbuchdefinition Für den Schüler oder Studenten, der ein unbekanntes Wort nachschlägt, wird die Definition der Bedeutung immer der Hauptteil des Wörterbuchartikels sein. Dabei kommt es vor allem auf Exaktheit, hohen Informationsgrad und sehr idiomatische und dennoch sprachlich leicht verständliche Gestaltung an. So wird under the aegis of sb/ sth in OALD folgendermaßen definiert: 'with the protection or support of sb/ sth, esp a public institution'. LDOCE hingegen definiert 'with the protection or support of', während COBUILD folgendes bietet: 'If you do something under the aegis of a person or an organization, or you are under their aegis, you have their official support and backing'. LDOCE besticht zunächst durch die Kürze seiner Definition, bezahlt dies aber mit einer gewissen Ungenauigkeit. Daß es sich beim Objekt dieser Wendung meist um eine 'public institution' handelt, wird hier nämlich nicht erwähnt. COBU/ LD nennt zumindest diese Möglichkeit, macht aber keine Aussage zu ihrer Frequenz. Es ist typisch für COBUILD, daß es immer Definitionen in ganzen Sätzen gibt, was aus kommunikations- und pragmalinguistischer Sicht durchaus im Sinne des Benutzers ist. Andererseits wiederholen sich immer wieder dieselben syntaktischen Strukturen (z.B. "If you ... , you ..." oder "Someone who is ... is/ behaves ..."), was für den Schüler oder Studenten schnell langweilig wird und nur geringen pragmalinguistischen Nutzen hat. Darüber hinaus nehmen die syntaktisch voll ausformulierten Definitionen sehr viel Raum in Anspruch, was wiederum angesichts anderer in COBUILD fehlender benutzerfreundlicher Strategien zu kritisieren ist. Hier zeigt sich also ganz deutlich, daß der Lexikograph mitunter mit konfligierenden Ansprüchen konfrontiert ist und im Interesse des Lerners den bestmöglichen Kompromiß suchen muß. COBUILD erscheint diesbezüglich dennoch nicht ganz ausgewogen, da einige seiner benutzerfreundlichen Strategien auf Kosten anderer gehen. Die Herausgeber von LDOCE werben für ihr Wörterbuch mit dem Hinweis auf die Definitionen, die aufgrund eines 2 000 Wörter umfassenden computerkontrollierten Grundvokabulars für den Benutzer besonders verständlich sein sollen. Dieser Gedanke ist grundsätzlich zu begrüßen, da die Beschreibung des Lemmas gerade im Lernerwörterbuch möglichst einfach sein soll (vgl. Jansen/ MergeaiNanandroye 1987). Dies ist allein schon aus motivationspsychologischen Gründen von Bedeutung. Es muß unter allen Umständen vermieden werden, daß beim Konsultie- FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 79 ren eines Eintrages eine Art Derridascher differance-Effekt entsteht und die gegebene Definition eine schier unen~iche Kette weiterer Nachschlagevorgänge erfordert, bevor die gesuchte Wortbedeutung endlich klar wird. Andererseits muß die Definition bei allem Streben nach benutzerfreundlicher Verständlichkeit in idiomatischem Englisch abgefaßt sein und nach wie vor semantisch korrekt bleiben, um die Fallstricke einer unnatürlich wirkenden Definitionssprache zu vermeiden. Bei allem Bemühen um Didaktisierung und um schüler- und studentenfreundliche Gestaltung darf die Wörterbuchdefinition nicht durch einen allzu schematischen lexikographischen Kraftakt in ihrer Qualität beeinträchtigt werden. Der begrenzte Definitionswortschatz mag zwar ein didaktisch begrüßenswertes Instrument sein, garantiert aber noch nicht automatisch eine gute Definition, wie das Beispiel mete sth out (to sb) zeigt. Dieses phrasal verb wird in LDOCE folgendermaßen definiert: 'to cause someone to suffer (punishment, bad treatment, etc); ADMINISTER'. OALD, das sich nicht explizit auf einen genau begrenzten Definitionswortschatz beruft, bietet hingegen folgende Definition: 'give or administer (punishment, bad treatment, etc)'. Bei der Formulierung 'cause someone to suffer' handelt es sich um eine typische Wörterbuchdefinition, die nicht mit alltäglichem Sprachgebrauch übereinstimmt. Darüber hinaus kann der Benutzer mit noch eingeschränkter sprachlicher Kompetenz wohl mit 'give' mehr anfangen als mit 'cause to suffer'. Hier soll nicht gegen das Konzept eines Definitionswortschatzes argumentiert werden. Das obige Beispiel zeigt aber, daß erst der Gebrauch, den der Lexikograph von einem solchen macht, die Qualität der Wörterbuchdefinition bestimmt. Der Benutzer, Lehrer oder Dozent darf also bei der Auswahl eines Lemerwörterbuches nicht lexikographisch verkürzt denken und den Werbestrategen der Verlage auf den Leim gehen, die implizieren, die Existenz eines defining vocabulary garantiere automatisch gute Definitionen. Alle drei hier analysierten EFL-dictionaries bieten mehrheitlich sehr benutzerfreundliche Definitionen. In Fällen wie dem oben diskutierten aber besteht auch für LDOCE noch die Möglichkeit, die Bedürfnisse des Lerners stärker zu berücksichtigen.. 3.5 Beispielsätze und Kollokationen Als der konkretesten Art sprachlicher Information im EFL-dictionary kommt den Beispielsätzen besondere Bedeutung zu (vgl. Drysdale 1987). Sie zeigen das nachgeschlagene Lemma im Kontext und exemplifizieren im Sinne der multi-level presentation auch die an anderer Stelle der Einträge abstrakter notierten grammatikalischen Eigenschaften der jeweiligen lexikalischen Einheiten. Je besser das Beispiel im Wörterbuch ist, desto typischer ist seine sprachliche Umgebung und desto deutlicher illustriert es die vorher gegebenen Definitionen. LDOCE und COBUIW benutzen für ihre Beispiele richtige citations, das heißt Zitate aus echten Texten. Der Herausgeber von COBUILD beruft sich dabei in seiner "Introduction" auf keine geringere Tradition als die von Johnsons Dictionary FLuL 23 (1994) 80 Heinz Antor von 1755 und auf das Oxford English Dictionary. COBUILD wie LDOCE beziehen ihre Beispiele aus computergestützten Corpora, nämlich der ungefähr zwanzig Millionen Wörter umfassenden Collins Birmingham University International Database und dem sogar über 27 Millionen Wörter umfassenden Longman Citation Corpus. OAW hingegen verwendet Beispiele, die speziell für die jeweiligen Einträge erstellt wurden. Dieser Sachverhalt verleitet wiederum leicht zu lexikographischen und didaktischen Fehlschlüssen. Originalzitate bieten natürlich den Vorteil von Authentizität, und der empirische Bezug auf große Korpora gewährleistet, daß die Beispiele typisch sind. Andererseits sind weder Johnsons Dictionary noch das OED Lernerwörterbücher, die die speziellen Bedürfnisse eines nicht-muttersprachlichen Benutzers berücksichtigen, und die breite empirische Fundierung eines Computercorpus garantiert auch noch keine Benutzerfreundlichkeit. Man hüte sich vor einer Fetischisierung des Computereinsatzes in der Beurteilung von EFL-Wörterbüchern. Natürlich ist der Computer für den EFL-Lexikographen ein inzwischen unverzichtbares Arbeitsmittel geworden (vgl. Calzolari/ Picchi/ Zampolli 1987). Die Beurteilung des Endproduktes sollte jedoch nur von dessen benutzerfreundlicher Qualität, nicht aber von der technologischen Raffinesse der zu dessen Erstellung benutzten Hilfsmittel abhängig sein. Die Qualitätsmerkmale von empirischer Linguistik und didaktischer Lexikographie sind nicht immer automatisch dieselben. Da die Beispielsätze die nachgeschlagenen Wörter in konkreten und typischen Kontexten zeigen sollen, ist ihre Zahl ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Hier liegt COBUILD mit 90000 Beispielen vorne, gefolgt von OALD mit 81500 und LDOCE mit 75 000. Darüber hinaus bieten die Beispielsätze aber auch eine hervorragende Möglichkeit, dem Lerner möglichst viele Kollokationen des Lemmas zu präsentieren und damit einen Bereich zu erschließen, in dem Englischlerner notorisch viele Fehler machen. Der Benutzer wird also die Qualität der Beispiele im EFL-Wörterbuch an konkreten Fällen überprüfen müssen. Unter dem Stichwort mettle in der Bedeutung 'quality of endurance or courage, esp in people or horses' gibt OALD drei Beispiele: a man of mettle, test sb's mettle und She showed her mettle by winning in spite of her handicap. LDOCE bietet hier nur folgenden Satz als einziges Beispiel: The runner feil and twisted his ankle badly, but he showed his mettle by continuing in the race. Das aus pragmalinguistischer Sicht lobenswerte Bestreben, einen kompletten Satz anzuführen, wird hier problematisch, da das Beispiel zu lang ist, was auf Kosten der Übersichtlichkeit, vor allem aber weiterer Beispielsätze und Kollokationen geht. Für das im Anschluß an mettle angeführte Idiom be on one's mettle; put sb on his mettle gibt OALD wiederum zwei Beispiele, während sich LDOCE mit der reinen Definition begnügt. COBUILD führt für mettle insgesamt drei Beispiele an. Im Artikel zu affidavit gibt COBUILD in seinem Beispielsatz eine nützliche Kollokation an: The authors submit a dozen sworn affidavits. OALD verzichtet auf einen syntaktisch vollständigen Beispielsatz, liefert dafür aber gleich vier mögliche Kollokationen zum "headword": swear/ makeltake/ sign an affidavit. OALD profitiert hier ganz deutlich von A.P. Cowies Herausgeberschaft des ODCIE, das den Bereich der Kollokationen besonders gründlich erfaßt. LDOCE bringt im FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 81 Eintrag zu affidavit leider kein Beispiel, was angesichts des Fremdheitsgrades des Wortes umso bedauerlicher ist. 3.6 Usage Notes/ Notes on Usage Die in 3.2 erwähnten Usage Notes (LDOCE) beziehungsweise Notes on Usage (OAW) sind ein wichtiges Instrument der Benutzerfreundlichkeit im EFL-dictionary. Es ist das Verdienst der Lexikographen von LDOCE, dieses Mittel, mit dem der Lerner über den richtigen Gebrauch für ihn besonders fehlerträchtiger Wörter informiert und erneut die pragmalinguistische Dimension des Wörterbuches betont wird, entwickelt zu haben. Redundanz ist auch hier keine Ungeschicklichkeit, sondern eine wichtige Strategie der Benutzerfreundlichkeit und somit ein didaktischer Vorteil. Die Notes on Usage in OALD wurden in einem vierjährigen Forschungsprogramm an der Universität Leeds speziell für die Bedürfnisse des Lerners entwickelt, so daß nun auch dieses Wörterbuch über ein solches hervorragendes Instrumentarium der Benutzerfreundlichkeit verfügt. Die kleinen sprachpraktischen Notizen zeichnen sich durch eine besondere Fülle in der Abgrenzung leicht verwechselbarer Wörter und Konstruktionen sowie wiederum durch zahlreiche Beispiele und Kollokationsangaben aus. Die hierbei angebotene distinktive Synonymik erleichtert dem Schüler und Studenten die Entscheidung für das richtige und dem Kontext angemessene Wort und gestattet es ihm, mittels der Notes on Usage/ Usage Notes seinen Wortschatz gerade in notorisch fehlerträchtigen Bereichen aktiv zu erweitern. In der Note on Usage zum Substantiv act wird dieses in OALD von action und deed unterschieden, und darüber hinaus wird auch noch auf exploit, feat und achievement verwiesen, so daß ein regelrechtes kleines Wortfeld dargestellt und mit vielen Beispielen und Kollokationen illustriert wird. LDOCE bietet unter act ebenfalls eine Usage Note, in der der Lerner aber nur auf action verwiesen wird. Im Eintrag Zu road grenzt OALD dieses in einer Note on Usage von street, alley, lane, avenue, highway, motorway undfreeway ab und bietet neben semantischen Erklärungen auch noch Informationen zu britischem und amerikanischem Gebrauch sowie zu den gebräuchlichsten Abkürzungen. LDOCE grenzt in einer Usage Note street von road ab. Viele Notes on Usage behandeln für den deutschen Schüler und Studenten typische Problembereiche, so zum Beispiel in OALD zu den Wörtern almost, nearly, scarcely und hardly (s.v. almost), yet und already (s.v. already), among und between (s.v. among), above und over (s.v. above), about und on (s.v. about), affect und effect (s.v. affect) und vielen anderen. Sämtliche in einer Note on Usage behandelten Wörter haben in ihren jeweiligen Einträgen Querverweise auf die Note, so daß der Wörterbuchbenutzer diese auch bei Nachschlagen in einem anderen Eintrag als dem mit der Note leicht finden kann. Das benutzerfreundliche Lernerwörterbuch beantwortet damit nicht nur Fragen des Schülers und Studenten, sondern weist diesem auch Wege, seine Sprachkompetenz aktiv zu erweitern. FLuL 23 (1994) 82 Heinz Antor 4. Workbooks als didaktische Begleitmaterialien Wie schon mehrfach deutlich wurde, kommt es beim Einsatz des modernen EFL- Wörterbuches nicht nur darauf an, möglichst adressatengerechte Informationen so benutzerfreundlich wie möglich darzustellen, sondern auch auf eine gute begleitende Wörterbuchdidaktik, die den Schüler oder Studenten in eine möglichst effektive Nutzuqg seines Wörterbuches einführt. Im Sinne einer solchen Optimierung seitens des Benutzers gehören entsprechende einführende Begleitmaterialien als ein Aspekt der Strategie der Benutzerfreundlichkeit zum EFL-Wörterbuch. Sie bilden einen integralen Bestandteil von dessen didaktischem Gesamtkonzept. Dabei ist es besonders wichtig, daß nicht irgendwelche Handreichungen verwendet werden, die wie das Wörterbuch selbst für den Weltmarkt konzipiert sind, sondern Übungsmaterialien, die speziell für die besonderen Bedürfnisse und Schwierigkeiten des deutschen Benutzers verfaßt wurden. Sowohl OALD als auch LDOCE bieten workbooks an, die in die möglichst nutzbringende Handhabung des Wörterbuches einweisen und dabei die hier angesprochenen Aspekte kognitiv, aktiv und teils spielerisch in speziellen exercises wie anhand der Arbeit mit Texten erarbeiten. In Klassenzimmern wie Seminarsälen sollte keinesfalls versäumt werden, von diesem Angebot Gebrauch zu machen (vgl. Heath/ Herbst 1985). Solchermaßen investierte Zeit ist alles andere als vergeudet, da der Lerner so in die Lage versetzt wird, Fehler selbständig zu vermeiden und sowohl im rezeptiven wie auch im produktiven Bereich (vgl. Bejoint/ Moulin 1987; Herbst/ Stein 1987) Fortschritte zu machen. 5. Schlußbemerkung Abschließend ist zu bemerken, daß die Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen auf dem Markt befindlichen EFL-Wörterbüchern sehr zu begrüßen ist, da sie ein immer hochwertigeres lexikographisches Instrumentarium für den Lerner erwarten läßt. Insgesamt bieten die drei hier analysierten dictionaries ein erstaunliches Arsenal an Strategien der Benutzerfreundlichkeit. Das ideale EFL-Wörterbuch gibt es jedoch noch lange nicht. Eine Ineinander-Teleskopierung der positiven Eigenschaften von OALD, LDOCE und COBUILD wäre ein erster Schritt in diese Richtung. Auch dann wird aber die Qualität der wörterbuchdidaktischen Anteile von Unterricht und Seminar nach wie vor eine entscheidende Rolle spielen. Bibliographische Angaben ANTOR, Heinz (1988): "Einsprachige englische Wörterbücher für den Muttersprachler eine Alternative für den deutschen Schüler? " In: Neusprachliche Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis 41.4, 223-228. ANTOR, Heinz/ WARD, Jacqueline (1989): Getting the Most out of Your Oxford Advanced Leamer's Dictionary. Berlin: Cornelsen. FLuL 23 (1994) Strategien der Benutzerfreundlichkeit im modernen EFL-Wörterbuch 83 BE.T0INT, Henri/ M0ULIN, Andre (1987): "The Place of the Dictionary in an EFL Programme". In: C0WIE (ed.) 1987, 97-114. BR0EDERS, Ton (1987): "The Treatment of Phonological Idioms". In: C0WIE (ed.) 1987, 246- 256. CALZ0LARI, Nicoletta/ PICCHI, Eugenio/ ZAMP0LLI, Antonio (1987): "The Use of Computers in Lexicography and Lexicology". In: C0WIE (ed.) 1987, 55-77. COBUILD = SINCLAIR, John [et al.] (1987): Collins COBUIW English Language Dictionary. London: Collins. C0WIE, Anthony P. (1987): "Syntax, the Dictionary and the Learner's Communicative Needs". In: CowIE (ed.) 1987, 183-192. C0WIE, Anthony P. (ed.) (1987): The Dictionary and the Language Leamer. Papers from the EURALEX Seminar at the University of Leeds, 1-3 April 1985. Tübingen: Niemeyer. DRYSDALE, P. D. (1987): 'The Role of Examples in a Learner's Dictionary". In: C0WIE (ed.) 1987, 213-223. HEATH, David (1982): "The Treatment of Grammar and Syntax in Monolingual English Dictionaries for Advanced Learners". In: Linguistik und Didaktik 49/ 50, 95-107. HEATH, David/ HERBST, Thomas (1985): "Wer weiß schon, was im Wörterbuch steht? Plädoyer für mehr Wörterbucharbeit im Englischunterricht". In: Die Neueren Sprachen 84.6, 580-595. HEATH, David/ HERBST, Thomas/ KUCHAREK, Richard ( 1989): Dictionary Techniques. Praktische Wörterbucharbeit mit dem DCE. München: Langenscheidt-Longman. HERBST, Thomas/ STEIN, Gabriele (1987): "Dictionary-Using Skills: A Plea for a New Orientation in Language Teaching". In: CoWIE (ed.) 1987, 115-127. ILS0N, Robert: (1987): "Illustrations in Dictionaries". In: C0WIE (ed.) 1987, 193-212. JANSEN, Jacques/ MERGEAI, Jean-Paul/ VANANDR0YE, Jocelyne (1987): "Controlling LDOCE's Controlled Vocabulary". In: CüWIE (ed.) 1987, 78-94. KIPPER, Barbara Ann (1987): "Dictionaries and the Intermediate Student: Communicative Needs and the Development of User Reference Skills". In: C0WIE (ed.) 1987, 44-54. LDOCE = SUMMERS, Della [et al.] (21987): Longman Dictionary of Contemporary English. London: Longman. MAINGAY, Susan/ RUNDELL, Michael (1987): "Anticipating Learners' Errors - Implications for Dictionary Writers". In: CoWIE (ed.) 1987, 128~135. OALD = CoWIE, Anthony P. [et al.] (1989): Oxford Advanced Leamer's Dictionary of Current English. Fourth Edition. Oxford: Oxford University Press. ODCIE = C0WIE, Anthony P. / MACKIN, Ronald/ McCAIG, I. R. (1983): Oxford Dictionary of Current Idiomatic English. Volume 2: Phrase, Clause & Sentence Idioms. Oxford: Oxford University Press. QUIRK, Randolph [et al.] (1985): A Comprehensive Grammar of the English Language. London [usw.]: Longman. SADLEIR, Michael T. H. (1915): Hyssop. A Novel. London: Constable. FLuL 23 (1994)
