eJournals Fremdsprachen Lehren und Lernen54/2

Fremdsprachen Lehren und Lernen
flul
0932-6936
2941-0797
Narr Verlag Tübingen
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2025
542 Gnutzmann Küster Schramm

Vorschau ● In eigener Sache

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54 • Heft 2 Vorschau auf Jahrgang 55.1 Der von C HRISTOPH B ÜRGEL (Paderborn) und D IRK S IEPMANN (Osnabrück) koordinierte Themenschwerpunkt für den Jahrgang 55.1 (2026) trägt den Titel Lexiko-Grammatik im Fremdsprachenunterricht. Das bisherige Fremdsprachenlehren und -lernen beruht im Kern auf dem modularen Sprachverständnis der generativen und traditionellen Grammatik, d.h. dem Wörter-Regel-Lernen und der damit verbundenen Trennung von Wortschatz und Grammatik. Im Sinne dieses Slot-Filler- Modells ist die Sprachproduktion denkbar einfach: Sprecher ordnen Wörter im Rückgriff auf Formbildungs- und Syntaxregeln zu wohlgeformten Sätzen an. Jedem Praktiker und Theoretiker dürften die Folgen aus vielfältiger Beobachtung sattsam bekannt sein: unnatürliche, nichtidiomatische Ausdrucksweise, ganz zu schweigen von sprachlichen Normverstößen. In jüngster Zeit mehren sich deshalb die Plädoyers, den Fremdsprachenunterricht stärker an den der sprachlichen Wirklichkeit gerechter werden Erkenntnissen der gebrauchsbasierten Ansätze bzw. der Konstruktionsgrammatik auszurichten und Fremdsprachenlernen als Lexiko-Grammatik-Lernen zu konzeptualisieren. Damit wird die in der Sprachwissenschaft bereits seit geraumer Zeit gereifte Erkenntnis aufgegriffen, dass das zentrale Prinzip von Sprache und Kommunikation im Gebrauch mehr oder weniger verfestigter Konstruktionen besteht, zu denen alle Arten von größeren ‚Sprachgebilden‘ unterschiedlichen Komplexitäts- und Abstraktionsgrades gehören. Auch in der Spracherwerbsforschung gehen konstruktivistische Spracherwerbstheorien - ganz im Gegensatz zu nativistischen Theorien, die einzelwortbasierten Spracherwerb postulierten - u.a. davon aus, dass es größere Spracheinheiten sind, die den Dreh- und Angelpunkt des Spracherwerbs bilden. Sie werden vom Sprecher als Ganzes erkannt, kategorisiert und gespeichert. Demzufolge rufen wir beim Sprechen mehr oder weniger fertige Spracheinheiten aus dem mentalen ,Phrasikon‘ bzw. ,Konstruktikon‘ ab. Der lexiko-grammatische Ansatz schließt an die sprachwissenschaftlichen und spracherwerbstheoretischen Erkenntnisse an, indem er als Kern das Zusammenspiel von Wortschatz und Grammatik ansetzt. Grammatische Phänomene werden nie isoliert betrachtet, sondern um eine Wortschatzkomponente ergänzt: Welche Wortschatzelemente treten typischerweise und frequent in einer grammatischen Struktur auf? Damit rücken nunmehr lexiko-grammatische ,Sprachgebilde‘ ins Zentrum des Lehr- und Lernprozesses mit dem entscheidenden Vorteil, dass der Sprachlernprozess am tatsächlichen empirisch abgesicherten Sprachgebrauch ausgerichtet wird. In der deutschen Fremdsprachendidaktik deutet sich dieser Paradigmenwechsel auch auf bildungspolitischer Ebene an. In der Neufassung der Bildungsstandards für die erste Fremdsprache der KMK (2023) wird nach jahrzehntelanger Dominanz der Trennung von Wortschatz und Grammatik nunmehr das Lehren und Lernen von Lexik-Grammatik postuliert. So fordern die Bildungsstandards, dass Vermittlung und Aneignung von Wortschatz im Sinne komplexer lexiko-grammatischer Einheiten mit Blick auf die funktional-kommunikative Kompetenz zentral sind. In bildungspolitischer Hinsicht ist davon auszugehen, dass das lexiko-grammatische Sprachverständnis in naher Zukunft von Kernlehrplänen übernommen wird und damit zumindest auf theoretisch-konzeptioneller Ebene des Fremdsprachenunterrichts normative Wirkungsmacht entfalten wird. Problematisch ist jedoch, dass die inhaltliche Konzeptualisierung von V o r s c h a u ● I n e i g e n e r S a c h e 146 Vorschau ● In eigener Sache 54 • Heft 2 Lexiko-Grammatik in der deutschen Fremdsprachendidaktik weitgehend unklar, ja sogar ungeklärt ist. Das Heft will deshalb zur Diskussion dieses Konzepts anregen, Impulse zur inhaltlichen Ausschärfung und Füllung von Lexiko-Grammatik geben und didaktisch-methodische Reflexionen zum Lehren und Lernen von Lexiko-Grammatik vorstellen. Bei Redaktionsschluss lagen Zusagen für folgende Beiträge vor: C HRISTOPH B ÜRGEL (Paderborn), D IRK S IEPMANN (Osnabrück): Die Grammatik des gesprochenen und geschriebenen Französisch als erste korpusbasierte Lexikogrammatik des Französischen: Grundlagen, Prinzipien, Umsetzung S ABINE D E K NOP (Brüssel): Frequente deutsche Konstruktionen: Lernschwierigkeiten und konstruktionsbasierte didaktische Lösungsansätze K ARIN A GUADO (Kassel): Usuelle Wortverbindungen in der lernersprachlichen Interaktion. Eine empirische Studie zu (simulierten) mündlichen Paarprüfungen in DaF (A2-C1) P ATRICIA DE C RIGNIS , J OHANNA W OLF (München): „Das musst du halt einfach lernen! “ - Zum Zusammenhang von Auswendiglernen und Fremdspracherwerb anhand ausgewählter Konstruktionen des Französischen und Spanischen A NNA F ANKHAUSER (Osnabrück): Lexiko-Grammatik im Lehrplan - Überlegungen zu einer Neuorientierung im schulischen Englischunterricht K ATRIN H ENK (Heilbronn): „On montre notre ville à Zoé.“- Eine Lehrwerksanalyse zur Vermittlung von Objekten und Objektpronomina im Französischunterricht Geplanter Themenschwerpunkt für Jahrgang 55.2 Digitale Gegenstände, digitale Kompetenzen, digitale Praktiken im Fremdsprachenunterricht Koordiniert von B RITTA V IEBROCK (Goethe-Universität Frankfurt) und K RISTINA P EUSCHEL (Universität Augsburg) In eigener Sache Neun Jahre lang war Karen S CHRAMM (Universität Wien) Mitherausgeberin der FLuL, zunächst gemeinsam mit Claus G NUTZMANN und Lutz K ÜSTER , später mit Britta V IEBROCK und Birgit S CHÄDLICH . Zum Jahreswechsel 2025/ 2026 wird sie nun das Herausgeberinnenteam verlassen. Wir danken Karen S CHRAMM für die bereichernde und freundschaftliche Zusammenarbeit. Ihre vielseitige Expertise nicht nur in der Perspektive von DaF/ DaZ, sondern auch ihr thematischer und forschungsmethodologischer Weitblick haben die Arbeit an der Zeitschrift nachhaltig geprägt. Wir freuen uns sehr, dass Sandra B ALLWEG (Universität Paderborn) die Nachfolge von Karen S CHRAMM antritt. Nach der aktuellen Übergangszeit wird sie ab 2026 dem Herausgeberinnenteam der FLuL angehören.