Italienisch
ita
0171-4996
2941-0800
Narr Verlag Tübingen
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2014
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Fesenmeier Föcking Krefeld OttMargherita Di Salvo: "Le mani parlavano inglese". Percorsi linguistici e antropologici tra gli italiani d'Inghilterra. Roma: Il Calamo 2012, 310 Seiten, € 30,- (Lingue, culture e testi, 14) / Elton Prifti: Italiano e inglese in contatto negli USA: linguistica variazionale e linguistica migrazionale. Berlin/Boston: De Gruyter 2013, 473 Seinten, € 89,95 (Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie 375)
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2014
Tina Ambrosch-Baroua
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108 Buchbesprechungen Margherita di salvo: «Le mani parlavano inglese». Percorsi linguistici e antropologici tra gli italiani d’Inghilterra . roma: Il Calamo 2012, 310 seiten, € 30,- (Lingue, culture e testi, 14) elton Prifti: Italoamericano: italiano e inglese in contatto negli USA: linguistica variazionale e linguistica migrazionale . berlin / boston: de Gruyter 2013, 473 seiten, € 89,95 (beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie 375) Die «storia linguistica dell’emigrazione italiana nel mondo» (cf Vedovelli 2011) ist um zwei Beiträge reicher: Margherita di Salvo (2012) und Elton Prifti (2013) zeichnen in ihren migrationslinguistischen Dissertationen die Sprechergeschichten bzw -profile (süd-)italienischer Auswanderer in England und Nordamerika nach; insbesondere zum bisher sehr spärlich erforschten migrationsbedingten Sprachkontakt in Großbritannien (cf Barni 2011, S 244 - 262) liegt mit di Salvo erstmals eine originelle Fall- und Vergleichsstudie vor Das jeweils völlig unterschiedlich gewählte Forschungsdesign legt eine gemeinsame Besprechung nahe Die im internationalen Forschungsprojekt «L’identità italiana tra particolarismi e globalizzazione» (Neapel / Lüttich / Cambridge) entstandene Doktorarbeit von di Salvo setzt sich unter Zuhilfenahme eines anthropologischen Ansatzes die Modellierung einer «etnolinguistica dell’emigrazione» (S 17) zum Ziel Zwei Untersuchungsorte wurden für die Herausarbeitung der Variation und ihrer Dynamik ausgewählt bzw kontrastiert: Als prädestiniert für die sechsmonatige Feldforschung bot sich zunächst Bedford an, dort befindet sich die größte Ansiedlung italienischer Migranten in England Cambridge präsentierte für die Exploratorin neben seiner geografischen Nähe zu Bedford vor allem aufgrund des ähnlichen Hintergrundes der ansässigen italienischen Sprechergemeinschaft der ersten Generation - Süditaliener mit schwacher schulischer Bildung, die während der 1950er Jahre immigrierten - einen aufschlussreichen Vergleichsfall Die Arbeit umfasst neun Kapitel, die sich in drei zentrale Teile gliedern Im Anschluss an Forschungsüberblick und theoretische Grundlagen (Kap 1, S 9 - 29) wird die Einwanderungsgeschichte der Italiener in beiden englischen Städten skizziert (Kap 2, S 31 - 45) Hieran schließt sich das interessante dritte Kapitel (S 47 - 73) über die jeweiligen Konzeptionen von Hetero- und Auto-Identifizierung: «Essere italiani a Cambridge» (cf Kap 3) bedeutet Integration und Anglisierung, «essere italiani a Bedford» hingegen ethnische, auch räumliche Geschlossenheit und Dialektverwendung als Identitätssymbol bzw Symbolsprache Während sodann in Teil I der Arbeit die beiden städtischen Sprecherschaften einer vergleichenden, auch statistischen 2_IH_Italienisch_72.indd 108 06.11.14 10: 27 109 Buchbesprechungen Sprachanalyse unterzogen werden («Il livello intercomunitario», Kap 4 - 5, S 77 - 178), konzentriert sich die Autorin in Teil II auf die sprachliche Kontrastierung der drei größten Gruppen innerhalb der italienischen Gemeinde Bedfords, nämlich die von jeweils elf (sardischen) Kampidanesen, Molisanern, und Sizilianern («Il livello intracomunitario», Kap 6 - 7, S 181 - 258) Die Arbeit zeichnet sich dabei durch einen klaren methodologischen Zuschnitt aus: In einem (leider nicht im Anhang dokumentierten) questionario sollten die italienischen Einwanderer der ausschließlich ersten Generation Selbstbewertungen ihrer Englisch-, Italienisch- und Dialektkompetenzen auf vier Niveaus (Hör-, Lese-, Schrift- und Sprechfertigkeiten) abgeben sowie ihr Sprachverhalten in verschiedenen Domänen (Familie, Arbeit, Institutionen) und Situationen (Pub, Zorn, Selbstgespräch) beschreiben Um die Validität der Aussagen zu überprüfen und zu den realen gesprochenen Sprachverhältnissen, insbesondere zum Einfluss des Englischen auf Italienisch und Dialekt (in Form von Sprachwechseln, Lehnwörtern, Diskursmarkern, Interjektionen) zu gelangen, führte die Verfasserin qualitative Interviews mit ausgewählten Probanden durch Zusammengefasst besteht das Korpus aus 199 ausgewerteten Fragebögen - 149 aus Bedford, fünfzig aus Cambridge - und 78 Stunden Tonmaterial aus 66 transkribierten Interviews Die aus den Selbstaussagen der questionari und aus den analysierten Produktionsdaten der Befragungen eruierten bzw quantifizierten Forschungsergebnisse (Teil I) decken sich: Im Gegensatz zu Cambridge ermittelte di Salvo für Bedford eine weit weniger verbreitete Englischkompetenz der italienischen Kommunikanten Auch in Bezug auf den Italienisch- und Dialekt-Gebrauch resultierten zwei divergierende Repertoires: Ist in Cambridge, wo eine italienische Infrastruktur fehlt, eine erwartungsgemäß deutlich fortgeschrittene Italianisierung und damit einhergehende eingeschränkte Dialektophonie der Sprecher vorherrschend, trifft auf die in Bedford lebenden Italiener genau das Gegenteil zu: Sie verwenden fast ausschließlich ihren jeweiligen Herkunftsdialekt und ihre Italienischkenntnisse sind indes sehr beschränkt Ebenfalls deckungsgleich sind die Ergebnisse der Makro- und Mikroanalyse aus dem zweiten Teil, dem Vergleich der Regionalgruppen: Die aus Molise stammenden Sprecher sind äußerst italophon und quasi resistent gegen Interferenzen sowohl aus dem eigenen Dialekt als auch aus dem Englischen Die Sizilianer verhalten sich demgegenüber genau umgekehrt: Das Englische wird viel und häufig, so auch im familiären Kontext, verwendet und tritt in Interferenzerscheinungen auf; auch eine starke Alternanz zwischen dem Dialekt als we-code und der italienischen Sprache war zu beobachten Die Kampidanesen nehmen sozusagen eine Zwischenposition ein Vor dem Hintergrund der Befunde aus Kap 3, Kap 7 und der eigenen teilnehmenden Beobachtung diskutiert die Verfasserin schließlich im 8 Kapitel (S 259 - 281) die Korrelation von Sprache und regionaler Identität(sbildung), 2_IH_Italienisch_72.indd 109 06.11.14 10: 27 110 Buchbesprechungen im Besonderen die auffällige hetero- und auto-perzipierte ‹Sizilianität› in Bedford So unterscheiden sich die Sizilianer sowohl sprachlich (cf die präferierte Benennung des eigenen Idioms als «lingua» und die Fremdbewertung als «stretto siciliano» vs «aperto campidanese») als auch durch ihre gruppenspezifische, je nach Sichtweise prestigebesetzte bzw stigmatisierte buchstäbliche ‹Isolation› (z B Verwandtenehen; eigens für Sizilianer und Engländer ausgerichtete pompöse Feste) und nicht zuletzt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Machtpositionen - die wiederum die Wertschätzung und den Gebrauch des Englischen erklären - in Bedford von den übrigen «continentali» «Ripensare il concetto di comunità» (S 297) lautet demgemäß das Plädoyer der Verfasserin in der Schlussbetrachtung (Kap 9, S 283 - 297); im Hinblick auf weitere Forschungen erachtet sie eine sukzessive Perspektivenverengung von der Makroebene der italienischen über die idealiter kontrastiv beleuchtete regionale Sprechergemeinschaft und ihres dynamischen language shifts hin zur Mikroebene des Einzelsprechers mit seinen multiplen Identitäten und Kompetenzen als notwendig Die einzigen Schwachstellen dieser stringenten, gut lesbaren und dank 438 Primärzitaten sehr anschaulichen ethnolinguistischen Tiefenstudie sind äußerlicher Natur und betreffen das mangelhafte Lektorat und Layout der Arbeit (viele Interpunktions-, Typographie- und Tippfehler; fehlende Seitenangaben bei Belegen; fehlendes Abbildungsverzeichnis; uneinheitliche Bibliographie; suboptimale Aufbereitung der Tabellen und Diagramme) In Anbetracht der behandelten Einzelaspekte der ansehnlichen Forschungsliteratur zum italo-amerikanischen Sprachkontakt, insbesondere von Haller (z B 1993; 2002) (cf Machetti 2011, S 388; 406 f .), verfolgt Prifti das Forschungsziel einer ganzheitlichen Darstellung und erhebt damit einen hohen Anspruch: Der dynamische Konvergenzprozess und der Sprachwechsel italienischer Migranten der ersten bis fünften Generation soll im Zeitraum der letzten 130 Jahre sowohl aus diachroner als auch aus migrationssowie variationslinguistischer Perspektive erforscht werden Die theoretisch-methodologische Grundlage hierfür bildet die funktional-integrative Analyse sprachlicher Variation nach Stehl (z B 2012) Nach der Einleitung bzw der Forschungsdiskussion (Kap 1, S 1 - 29), dem Theorie- und Methodik-Kapitel (Kap 2, S 30 - 91) und der externen Sprachgeschichte des Italoromanischen in den USA (Kap 3, S 92 - 126) folgt der viergeteilte Analyseteil (Kap 4 - 7, S 92 - 376) Im Ergebnis der drei ersten Analyseschritte - erstens diasystematisches Sprachwissen (Kap 4); zweitens Sprachverhalten und -gebrauch (Kap 5); drittens Sprachproduktionen (i .e Transferenz; Erosion; «dialect mixing») (Kap 6) mit etwas deplatziert wirkender «variazione nella gestualità» (S 359 - 362), deren sprachkontaktinduzierte Detailergebnisse hier nicht referiert werden können - präsentiert der Autor ein intergenerationelles, hierar- 2_IH_Italienisch_72.indd 110 06.11.14 10: 27 111 Buchbesprechungen chisiertes Kompetenzprofil auf Basis der vier definierten Defektivitätsebenen «non difettivo», «difettivo», «ulteriormente difettivo» und «doppiamente diffettivo» (S 51 - 53) Dieses besteht aus vier Arche-Gradata, die sich wiederum zu je zwei italoromanischbasierten und zwei englischbasierten Gradata, dem so genannten «italese» (doppelt defektives und defektives Italoromanisch) und «americaliano» (nicht defektives und defektives amerikanisches Englisch) bündeln lassen (S 366) Diese Kontaktvarietäten seien «generationsorientiert stabil und wurden (und werden teilweise) in diesem Rahmen jeweils als Muttersprache übertragen» (Prifti 2011, S 101) Den graduellen Übergängen entsprechend diagnostiziert Prifti im letzten, im Vergleich zu den vorausgehenden jedoch ziemlich knapp ausgefallenen Kapitel zur kollektiven Identität (Kap 7, S 368 - 376) die zwei zeitlich aufeinanderfolgenden Ausprägungsformen einer alten (1880 - 1927) und einer modernen Italo-Amerikanität; die These eines mit dem language loss bzw shift einhergehenden Identitätsverlusts der 3 und 4 Generation oder der Rückbesinnung auf die eigenen sprachlichen Wurzeln durch gesteuerten Spracherwerb wie sie de Fina 2012 in ihrer Fallstudie konstatiert, wird indes nicht diskutiert (jedoch in Prifti 2011, S 102) So komplex die Fragestellung ist, so vielschichtig ist auch das zu Grunde liegende Korpus Das Hauptgewicht der Analyse liegt auf den qualitativen Interviews mit 51 Sprechern (ca 45 Std .; Erhebungszeitraum 1999 - 2010); die Befragungsbasis lieferte ein exhaustiver questionario (cf Anhang, S 383 - 389) Darüber hinaus zog der Autor noch eine Vielzahl unterschiedlicher schriftlicher Zeugnisse heran (1 .362 Briefe italienischer Migranten aus dem 20 Jh ., Kochrezepte, Notizzettel, Tagebücher, Biographien, Migrationsliteratur, Zeitungsartikel, Theatertexte); zudem wurden mehrere italo-amerikanische (Dokumentar-)Filme, TV-Serien, Lieder und auch Internetquellen ausgewertet Angesichts dieser disparaten Material- und Medienfülle zwischen (fingierter) Mündlichkeit und (elaborierter) Schriftlichkeit scheint eine systematische Untersuchung - das Hauptanliegen des Verfassers - eher erschwert als erleichtert Methodisches Unbehagen macht sich auch bei der Repräsentativität des Informantensamples breit (S 78 - 81): so stammen 50% der Probanden aus der ersten Generation und 30% aus Philadelphia; der fragwürdigen Generalisierung der Produktionsdaten hält der Verfasser «la ripetibilità delle dinamiche di convergenza linguistica all’interno delle singole [cinque] famiglie» (S 82) sowie «molteplici analogie» (S 377) innerhalb des periodisierten Sprachkontakts und seiner sprachlichen Reflexe (1880 - 1927: Diglossie Dialekt / Englisch; ca 1927 - 1980: Triglossie Dialekt / Englisch / Italienisch; ca ab 1980: Diglossie Italienisch / Englisch) entgegen Fundamental davon unterscheidet sich letztlich di Salvos Fazit einer «‹altissima variabilità›, che […] compromette la possibilità di generalizzazioni, che forse potrebbero scaturire solo da indagini approfondite su un più ampio 2_IH_Italienisch_72.indd 111 06.11.14 10: 27 112 Buchbesprechungen numero di situazioni .» (di Salvo 2012, S 295) Dass in der Tat eine kommunikationsraumbasierte Fokussierung mit möglichst kleinen zu analysierenden Raumeinheiten oder auch eine interaktionale Familienperspektive durchaus diffizile Dynamiken im Hinblick auf Sprachpraktiken und -wissen der betreffenden Kommunikanten zum Vorschein treten lassen kann, beweisen die lehrreichen Studien von eben di Salvo 2012, de Fina 2012, Rubino 2014 sowie Barbaric´ (im Druck) Insgesamt legt Prifti zwar eine schematische (cf die Merkmalsmatrizen, z B S 172, 231, 348), aber zweifellos auch überaus engagierte Gesamtdarstellung mit reichem und aufwendigem Anschauungsmaterial vor (38 Abbildungen; 27 Tabellen; ein angehängtes Glossar an Italoamerikanismen; über 440 Sprecherzitate, die teils direkt übersetzt und teils leider auch in den Fußnoten geboten werden) Tina Ambrosch-Baroua Literatur Barbaric´, Philipp: Che storia che gavemo qua - Sprachgeschichte Dalmatiens als Sprechergeschichte (1797 bis heute) . Stuttgart: Franz Steiner (im Druck) Barni, Monica: «Europa», in: Vedovelli, Massimo (Hrsg .): Storia linguistica dell’emigrazione italiana nel mondo . Roma: Carocci 2011, S . 203 - 304 De Fina, Anna: «Family interaction and engagement with the heritage language: A case study», in: Multilingua - Journal of Cross-Cultural and Interlanguage Communication, 31 .4, 2012, S . 349 - 379 Haller, Hermann: Una lingua perduta e ritrovata. L’italiano degli italo-americani Scandicci: La Nuova Italia Editrice 1993 Haller, Hermann: «I dialetti italiani negli USA», in: Cortelazzo, Manlio et al .(Hrsg .): Dialetti italiani: storia, struttura, uso . Torino: UTET 2002 Machetti, Sabrina: «America del Nord», in: Vedovelli, Massimo (Hrsg .): Storia linguistica dell’emigrazione italiana nel mondo . Roma: Carocci 2011, S . 387 - 428 Prifti, Elton: «Italese und Americaliano . Sprachvariation bei italienischen Migranten in den USA», in: Stehl, Thomas (Hrsg .): Aspekte von mobilisierten Kulturen: Aspekte der Migrationslinguistik, Universitätsverlag Potsdam 2011, S . 71 - 106 Rubino, Antonia: Trilingual talk in Sicilian.-Australian migrant families. Playing out identities through language alternation . Basingstoke: Palgrave Macmillan 2014 Stehl, Thomas: Funktionale Variationslinguistik: Untersuchungen zu Dynamik von Sprachkontakten in der Galloromania und Italoromania . Frankfurt am Main [u .a .]: Lang 2012 Vedovelli, Massimo (Hrsg .): Storia linguistica dell’emigrazione italiana nel mondo Roma: Carocci 2011 2_IH_Italienisch_72.indd 112 06.11.14 10: 27
