Kolloquium Bauen in Boden und Fels
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2026
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Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen – Die neue EFFC/DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen
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2026
Moritz Schleeh
Christian Moormann
Mit der ersten Ausgabe des EFFC/DFI „Guide to Working Platforms“ [1] wurde erstmals eine international abgestimmte Zusammenstellung grundlegender Empfehlungen zur Planung temporärer Arbeitsebenen veröffentlicht. Die 2025 erschienene zweite Ausgabe [2] stellt eine forschungsbasierte, aber gleichwohl strikt anwendungsorientierte Weiterentwicklung dar, die die Interaktionen zwischen Baumaschinen und mehrlagigen Tragsystemen detailliert analysiert. Im Hinblick auf die oft durch hohe lokale Einwirkungen, ungünstige Lastverteilungen und nicht-monotonen Betrieb geprägte Beanspruchungen zählen unzureichend bemessene bzw. ausgeführte Plattformen weiterhin zu den Hauptursachen von Maschinenumstürzen. Die neue Ausgabe der Richtlinie behandelt zentral drei Schwerpunkte: die Bewertung gebräuchlicher Bemessungs- und Berechnungsmodelle für Tragschichten, die Ermittlung realistischer Sohldruckverteilungen unter Raupenfahrwerken und Feldprüfverfahren für ausgeführte Arbeitsplattformen. Vergleichsberechnungen zeigen dabei, dass die gebräuchlichen Berechnungsverfahren zu stark unterschiedlichen Plattformdicken führen, wobei der Reibungswinkel der Tragschicht und die undrainierte Scherfestigkeit einer unterlagernden Weichschicht die wesentlichen Einflussfaktoren sind. Ein auf Baustellen an über 40 Standorten international durchgeführter Feldversuch erlaubt die Beurteilung der eingesetzten Prüfverfahren und verdeutlicht im Hinblick auf die große Variabilität die Notwendigkeit standortspezifischer Feldprüfungen in ausreichendem Umfang. Die zweite Ausgabe der Richtlinie bietet damit einen aktuellen, praxisorientierten Rahmen für eine sichere und wirtschaftliche Bemessung von Arbeitsebenen.
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15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 41 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Moritz Schleeh, M. Sc. Universität Stuttgart, Institut für Geotechnik Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Christian Moormann Universität Stuttgart, Institut für Geotechnik Zusammenfassung Mit der ersten Ausgabe des EFFC/ DFI „Guide to Working Platforms“ [1] wurde erstmals eine international abgestimmte Zusammenstellung grundlegender Empfehlungen zur Planung temporärer Arbeitsebenen veröffentlicht. Die 2025 erschienene zweite Ausgabe [2] stellt eine forschungsbasierte, aber gleichwohl strikt anwendungsorientierte Weiterentwicklung dar, die die Interaktionen zwischen Baumaschinen und mehrlagigen Tragsystemen detailliert analysiert. Im Hinblick auf die oft durch hohe lokale Einwirkungen, ungünstige Lastverteilungen und nicht-monotonen Betrieb geprägte Beanspruchungen zählen unzureichend bemessene bzw. ausgeführte Plattformen weiterhin zu den Hauptursachen von Maschinenumstürzen. Die neue Ausgabe der Richtlinie behandelt zentral drei Schwerpunkte: die Bewertung gebräuchlicher Bemessungs- und Berechnungsmodelle für Tragschichten, die Ermittlung realistischer Sohldruckverteilungen unter Raupenfahrwerken und Feldprüfverfahren für ausgeführte Arbeitsplattformen. Vergleichsberechnungen zeigen dabei, dass die gebräuchlichen Berechnungsverfahren zu stark unterschiedlichen Plattformdicken führen, wobei der Reibungswinkel der Tragschicht und die undrainierte Scherfestigkeit einer unterlagernden Weichschicht die wesentlichen Einflussfaktoren sind. Ein auf Baustellen an über 40 Standorten international durchgeführter Feldversuch erlaubt die Beurteilung der eingesetzten Prüfverfahren und verdeutlicht im Hinblick auf die große Variabilität die Notwendigkeit standortspezifischer Feldprüfungen in ausreichendem Umfang. Die zweite Ausgabe der Richtlinie bietet damit einen aktuellen, praxisorientierten Rahmen für eine sichere und wirtschaftliche Bemessung von Arbeitsebenen. 1. Einführung Schwere Spezialtief baugeräte wie Drehbohrgeräte und Pfahlrammen stellen im Baustellenbetrieb besonders hohe Anforderungen an die Standsicherheit des Baugrunds. Ihr großes Eigengewicht, der erhöhte Massenschwerpunkt und die, je nach maßgebendem Lastfall, im Verhältnis kleine Aufstandsfläche der Kettenfahrwerke führen dazu, dass bereits moderate Inhomogenitäten oder Verformungen in der Arbeitsebene ausreichen können, um kritische Kippzustände zu erzeugen. Gerät eine solche Maschine ins Kippen, sind die Folgen in der Regel gravierend (Abbildung-1). Neben schweren oder gar tödlichen Verletzungen von Projektbeteiligten oder unbeteiligten Dritten können erhebliche Schäden an Baugerät und Nachbarbebauung auftreten, Bauabläufe geraten ins Stocken, und für die beteiligten Unternehmen entstehen nicht selten langfristige Reputations- und Haftungsrisiken. Abb. 1: Geräteumsturz USA, 2022 (Quelle: Salt Lake Tribune) 42 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Eine Auswertung von mehr als 75 dokumentierten Umsturzereignissen zeigt, dass der überwiegende Teil dieser Unfälle auf unzureichend bemessene, schlecht ausgeführte oder unzureichend instand gehaltene Arbeitsebenen zurückzuführen ist [3]. Daneben spielen organisatorische und menschliche Faktoren eine wesentliche Rolle: Qualifikation und Erfahrung des Bedien- und Baustellenpersonals, klare Verantwortlichkeiten, Baustellenkoordination, Kommunikation sowie laufende Kontrolle des Plattformzustands. Beschädigungen, Verschmutzungen, Durchfeuchtungen oder lokale Aufweichungen der Tragschicht können die ursprünglich vorhandene Tragfähigkeit erheblich reduzieren [4]. Demgegenüber waren reine Gerätemängel oder konstruktive Defizite der Maschinen nur in wenigen Fällen hauptursächlich für Umstürze. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Arbeitsebene nicht als „Nebenthema“ der Gründungsplanung betrachtet werden darf, sondern als sicherheitsrelevantes, eigenständig zu bemessendes Tragwerk [5]. In der ingenieurpraktischen Praxis erfolgt die Auslegung temporärer Arbeitsebenen dennoch häufig auf Basis von Erfahrungswerten, pauschalen Annahmen oder vereinfachten Modellen. Aus bodenmechanischer Sicht handelt es sich jedoch um ein Mehrschichtsystem mit deutlich unterschiedlichen Steifigkeiten und Festigkeiten, das unter nicht-monotonen und teilweise dynamischen Einwirkungen Verwendung findet. Gerade unter Kettenfahrwerken treten Lastumlagerungen, räumlich variable Spannungszustände und plastische Verformungen im Untergrund auf, die durch idealisierte, rein linear-elastische Modelle nur unzureichend erfasst werden können [6, 7, 8, 9]. Hinzu kommt, dass es bislang keinen weltweit einheitlich anerkannten Standard für die Bemessung temporärer Arbeitsebenen gibt. Im europäischen Kontext sind zwar Baugrunderkundung und Nachweise nach EN 1997-1/ -2 [10, 11] zu führen, und in Deutschland bestehen Prüf- und Hinweispflichten nach VOB/ B [12]. Ergänzend nennen Merkblätter, wie das HDB-Merkblatt zur Vermeidung von Maschinenumstürzen im Spezialtief bau [13], Orientierungswerte für Bodenpressungen typischer Geräte. Diese Werte beruhen jedoch auf idealisierten Lastbildern und müssen für konkrete Projekte mit Berechnungen durch tatsächliche Gerätedaten und Betriebszustände abgeglichen werden. Untersuchungen zeigen, dass reale Sohldruckspannungen insbesondere unter Raupenfahrwerken bei hohen Lastniveaus deutlich über den vereinfachten Annahmen liegen können und dass einfache Bemessungsmodelle diese Effekte systematisch unterschätzen [14, 15]. Die Einführung der BRE-Richtlinie BR470 im Jahr 2004 in Groß-Britannien und der dort beobachtete Rückgang der Umstürze von Spezialtief baugeräten um etwa 50 % innerhalb eines Jahres [16] zeigen eindrücklich, welches Potenzial in strukturierten, geotechnisch fundierten Bemessungskonzepten liegt. Klassische Ansätze in Abbildung-2 wie der Projektionsflächenansatz von Terzaghi & Peck [17] oder das Durchstanzmodell nach Meyerhof [18] sind nach wie vor weit verbreitet, stoßen jedoch aufgrund ihrer vereinfachenden Annahmen grundsätzlich an Grenzen. Neuere Entwicklungen mit beispielsweise geokunststoffbewehrten Tragelementen können das Tragverhalten und die Systemstabilität zwar verbessern, sind aber häufig produkt- oder herstellerspezifisch und basieren auf empirischen Modellen, deren allgemeine Übertragbarkeit bisher noch begrenzt ist [19]. Abb. 2: a) Projektionsflächenmethode b) Durchstanzen nach [Meyerhof 1974] 2. EFFC/ DFI-Richtline, 2. Auflage 2025 - Forschungsstand und systematische Struktur Um diese Lücken zu schließen und die vorhandenen praktischen Erfahrungen mit aktuellen Forschungsergebnissen zu verbinden, veröffentlichten die European Federation of Foundation Contractors (EFFC) und das Deep Foundations Institute (DFI) im Jahr 2025 die zweite Ausgabe des EFFC/ DFI „Guide to Working Platforms“. Auf bauend auf der ersten Ausgabe von 2019 wurde der Leitfaden grundlegend überarbeitet und durch ein umfassendes Forschungsprogramm ergänzt. Im Mittelpunkt stehen drei Themenfelder mit besonderem Entwicklungsbedarf: I. die systematische Analyse und Gegenüberstellung verbreiteter Bemessungs- und Berechnungsansätze einschließlich ihrer Sicherheitskonzepte, II. die realitätsnahe Ermittlung von Sohldruckspannungen unter Kettenfahrwerken sowie III. die Identifikation und Bewertung praxistauglicher Feldprüfverfahren zur Überprüfung ausgeführter Arbeitsebenen. Das Institut für Geotechnik der Universität Stuttgart wurde von EFFC und DFI mit wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Untersuchungen zu den zentralen Themenfeldern beauftragt. Die vollständigen For- 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 43 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen schungsberichte [20, 21] sind öffentlich über die Webseiten von EFFC und DFI verfügbar und bilden die wissenschaftliche Grundlage der überarbeiteten Ausgabe der EFFC/ DFI-Richtlinie. 2.1 Forschungsprogramm und Kernergebnisse Im Rahmen des Forschungsprogramms erfolgte eine detaillierte Analyse anerkannter Berechnungsansätze für Arbeitsplattformen. Ferner wurden umfangreiche Vergleichsberechnungen für unterschiedliche Gerätekonfigurationen, Baugrundsituationen sowie unterschiedlich Tragschichtauf bauten durchgeführt. Diese Analysen zeigen in Abhängigkeit von den angewendeten Berechnungsansätzen teils erhebliche Unterschiede in den rechnerisch resultierenden Tragschichtmächtigkeiten. Eine in einem weiteren Schritt durchgeführte Sensitivitäts- und Parameterstudie identifiziert den Einfluss der verschiedenen Randbedingungen, wobei insbesondere der Reibungswinkel der granularen Tragschicht und die undrainierte Scherfestigkeit einer unterlagernden Weichschicht als maßgebende Einflussgrößen identifiziert wurden. Parallel dazu wurden an über 40 Standorten in Europa, und den USA Feldversuche unter Baustellenbedingungen zum Einsatz unterschiedlicher Feldversuche zur Überprüfung der Qualität ausgeführter Tragschichten durchgeführt, wobei die Versuche unter realistischen Randbedingungen von Baustellenpersonal vorgenommen wurden. Dieser Feldversuch erlaubt die Beurteilung der Eignung und der Anwendungsgrenzen dieser Feldversuche und mündet in Empfehlungen zur Auswahl geeigneter Testmethoden. Die Auswertung dieser Untersuchungen liefert zudem eine Indikation zur räumlichen Variabilität der Untergrund- und Tragschichteigenschaften und belegt, dass pauschale Standardannahmen der Komplexität der Baugrundverhältnisse nur selten gerecht werden. 2.2 Prozessorientierter Aufbau der Richtlinie (2025) Die zweite Ausgabe der EFFC-/ DFI-Richtlinie bildet den gesamten Lebenszyklus temporärer Arbeitsebenen erstmals in einer durchgängig prozessorientierten Struktur ab. Abbildung-3 verdeutlicht diesen Ansatz, indem sie die Abfolge zentraler Arbeitsschritte - von der frühen Risiko- und Lastkommunikation über die geotechnische Bemessung bis hin zu Verifizierung, Betrieb und Instandhaltung einer Tragschicht - in einem zusammenhängenden Ablauf darstellt. Die Abbildung-3 macht sichtbar, dass die Sicherheit schwerer Baugeräte nicht aus einzelnen Maßnahmen resultiert, sondern aus dem abgestimmten Zusammenwirken aller Planungsebenen. Vor diesem Hintergrund beschreiben der folgende Abschnitt Kapitel die wesentlichen Inhalte der neuen Ausgabe der Richtlinie und ordnet sie systematisch entlang dieses Prozessgedankens: von den grundlegenden Rahmenbedingungen über realistische Lasteingaben und Bemessungsmodelle bis hin zur Prüfung, Überwachung und nachhaltigen Nutzung einer Arbeitsebene. Abb. 3: Schematische Darstellung des prozessorientierten Ablaufs zur Planung, Bemessung, Herstellung und Verifizierung temporärer Arbeitsebenen 44 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen 3. Grundlagen, Verantwortlichkeiten und systemische Voraussetzungen Die einleitenden Abschnitte (Kapitel 1 - 3) der Richtlinie verdeutlichen zunächst die grundlegenden geotechnischen und organisatorischen Voraussetzungen, die für eine verlässliche Planung und Nutzung temporärer Arbeitsebenen erforderlich sind. Entscheidend ist, dass bereits geringfügige strukturelle Schwächen - etwa lokale Setzungen, plastische Verformungszonen oder reduzierte Tragfähigkeiten in den oberflächennahen Bodenschichten - zu einer ungleichmäßigen Lastabtragung führen. Dadurch entstehen exzentrische oder kippanfällige Lastsituationen, die kritische Neigungen des Oberwagens oder der Baumaschine begünstigen und letztlich Umsturzmechanismen auslösen können. Gefordert ist daher ein konsequent geotechnisch begründeter Entwurfsprozess, der sowohl Lastannahmen als auch Bodenparameter realitätsnah abbildet. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die funktionale Struktur der am Prozess beteiligten Akteure. Die Qualität einer Arbeitsebene hängt nicht allein von geotechnischen Parametern ab, sondern ebenso von der organisatorischen Konsistenz der bereitgestellten Informationen. Lasteingaben, Baugrundmodelle, Ausführungsunterlagen sowie Prüf- und Inspektionsprozesse müssen zweifelsfrei zugeordnet und nachvollziehbar dokumentiert sein. Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass unklare Verantwortlichkeiten häufig zu Verzögerungen, widersprüchlichen Planungsannahmen oder mangelhaften Dokumentationsständen führen - mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Sicherheit. Eine tragfähige Bemessung ist nur auf Grundlage eines gemeinsamen technischen Verständnisses aller Projektbeteiligten möglich. Fehlannahmen in den Eingangsparametern - etwa zur Materialverfügbarkeit, zur Baugrundvariabilität oder zu relevanten Lastfällen - können zu erheblichen Abweichungen im realen Tragverhalten führen. Ein frühzeitiger, bewusst geführter Umgang mit diesen Unsicherheiten bildet daher eine zentrale Voraussetzung für eine sichere, wirtschaftliche und nachhaltige Auslegung temporärer Arbeitsebenen. 4. Lastannahmen und Ableitung repräsentativer Beanspruchungen Die Ableitung repräsentativer Sohldruckspannungen und Kontaktlängen für mit Kettenfahrwerk (Raupen) ausgestatteten (Spezialtief bau-)Geräten in Abbildung - 4 ist eine zwingende und maßgebende Eingangsgröße für die zutreffende Bemessung temporärer Arbeitsebenen (Kapitel 4 des Leitfadens). Zentrales Element ist die Feststellung, dass sämtliche relevanten Betriebsszenarien - darunter Rüsten und Abrüsten, Arbeits- und Fahrbetrieb - gesondert zu betrachten sind, da sie stark voneinander abweichende Lastbilder erzeugen können . Die verfügbaren Bemessungs- und Berechnungsansätze erfordern bis dato - jedoch noch durchweg eine äquivalente rechteckige Sohlspannungsverteilung. Normative Vorgaben wie EN 16228 [22] liefern hingegen trapez- oder dreiecksförmige Verteilungen, die mittels Meyerhof-Transformation [23] in rechteckige Äquivalente überführt werden müssen. Tatsächlich treten aber stark nichtlineare Sohldruckverteilungen unter Kettenfahrwerken auf. Die Herstellerdaten nach EN 16228 enthalten Lastkombinationen mit monotonen und nicht-monotonen Eigenlasten sowie Betriebs-, Trägheits- und Windkräften und bilden damit den vollständigen Satz an Eingangsgrößen ab, der für die Ableitung der äquivalenten Sohldruckpressungen und Kontaktlängen erforderlich ist. Außerhalb Europas liegt kein vergleichbares verpflichtendes Format vor, sodass Lastangaben teilweise fehlen oder nicht in geeigneter Form vorliegen. Für ältere oder unzureichend dokumentierte Geräte existieren vereinfachte Näherungsverfahren, z. B. über das Eigengewicht und eine angenommene vereinfachte Druckverteilung oder über tabellierte Richtwerte gemäß des Merkblatts „Stopp Maschinenumstürze - Merkblatt zur Vermeidung von Maschinenumstürzen im Spezialtiefbau. [13] oder aus „Arbeitsebenen für Geotechnische Baumaßnahmen” [24] basierend auf Maschinen- und Werkzeug-Gewichten sowie maximalen Beanspruchungen infolge ungünstiger betrieblicher Lastzustände auf zwei Dritteln der Kettenauflagerfläche. Abb. 4: Sohldruckverteilungen und Meyerhof-Transformation [18] Das FPS-Verfahren [25] ermöglicht eine detaillierte Berechnung der Sohldruckverteilungen für verschiedene Betriebsmodi und liefert zusätzlich Informationen zur Maschinenstabilität. Die Methode erfordert vollständige Geräteparameter, setzt einen ebenen, horizontalen Untergrund und vertikale Arbeitspositionen voraus und berücksichtigt keine dynamischen oder Windlasten. Die Berechnung der Mastfußlasten erfolgt iterativ, um statische Unbestimmtheiten in Konfigurationen mit Mastfußauflage zu lösen. Im Rahmen der Erstellung der Richtlinie wurden umfangreiche Datensätze aus über 90 realen Maschinenkonfigurationen (Kelly und CFA) ausgewertet, darunter Werte nach EN 16228, FPS und der FSV-Methode Die Tabellen enthalten äquivalente rechteckige Sohldruckspannungen und effektive Kontaktlängen für unterschiedliche 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 45 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Geräte, Hersteller und Betriebssituationen. Für die Auswertung wurde die Meyerhof-Transformation genutzt, wonach dreieckige Verteilungen zu einer äquivalenten rechteckigen Spannung von drei Vierteln der Spitzenspannung und einer effektiven Länge von zwei Dritteln der Kontaktlänge der Raupenkette führen. Eine Tabelle mit konkreten Sohldruckwerten zur Orientierung in Anhang B der neuen Richtlinie [2] wurden auf Kelly- und CFA-Betrieb beschränkt, da die vollständige Abbildung aller Gerätetypen eine zu große Zahl von Kombinationen ergeben hätte. Berücksichtigt wurden vertikale Mastausrichtung, horizontaler Untergrund, maximale Arbeitsradien, maximale Zugkräfte sowie verschiedene Betriebsmodi (K1, K2, C1, C2, C3). Für Betriebsmodi mit Mastfußauflage ergibt sich eine separate Belastung unter der Fußplatte, deren Größe im Verhältnis zu den Kettenlasten zu prüfen ist. Die in der Tabelle ausgewiesenen äquivalenten Sohldruckspannungen und Kontaktlängen wurden unmittelbar als Eingangsgrößen in die Tragschichtbemessungen übernommen und dienten als Grundlage für die vergleichenden Berechnungen in den Forschungsberichten [20, 21]. Diese Berechnungen zeigen deutlich, Änderungen in der Maschinenwahl oder der Gerätekonfiguration können die maßgebenden Bodenpressungen erheblich verändern und erfordern daher stets eine erneute Bewertung der zugrunde gelegten Bemessungsannahmen. Dies gilt insbesondere bei Geräteaustausch, variierenden Werkzeugparametern oder dem Wechsel zwischen unterschiedlichen Betriebsmodi, da sich Lastniveau, Lastposition und Schwerpunktlage der Geräte signifikant verschieben können. Zusätzlich treten auf Arbeitsebenen häufig weitere Nutzfahrzeuge und Baumaschinen auf, deren lokale Beanspruchungen durch hohe punktuelle Vertikallasten für eine Bemessung der Tragschicht maßgebend werden können. Ergänzend sind in modernen Baumaschinen zunehmend digitale Assistenz- und Überwachungssysteme integriert, welche auf Basis maschineninterner Sensorik relevante Betriebs- und Lastparameter erfassen und dem Maschinenführer in auf bereiteter Form zur Verfügung stellen. Die daraus abgeleiteten Kenngrößen erlauben eine qualitative Einschätzung der aktuellen maschinenseitigen Beanspruchung und unterstützen eine lastbewusste Geräteführung. Eine direkte Erfassung der tatsächlichen Sohldruckspannungen im Baugrund sowie eine automatisierte Bewertung der zulässigen Tragfähigkeit der Arbeitsebene sind damit jedoch nicht verbunden und verbleiben im Verantwortungsbereich der vorgelagerten geotechnischen Bemessung. Abb. 5: Schematische Darstellung des Bemessungsprozesses für temporäre Arbeitsebenen 5. Geotechnische Bemessungsgrundlagen Die Bemessung von Arbeitsplattformen gehört zum Bereich der temporären Tragwerke und erfordert eine systematische technische Planung (Kapitel 5 des Guides). Die Bemessung temporärer Arbeitsebenen sollte einem strukturierten, modellbasierten Vorgehen folgen, das in der in Abbildung 5 dargestellten Systematik zusammengefasst ist. Ausgangspunkt ist die präzise Definition der Bemessungsaufgabe, auf deren Grundlage Lastmodell, geotechnisches Berechnungsmodell und Sicherheitskonzept festgelegt werden. Diese drei Elemente bilden gemeinsam den Kern des Berechnungsmodells, mit dem die Tragfähigkeit und die Gebrauchstauglichkeit von Tragschicht und Untergrund untersucht werden. Die zugehörigen Nachweisformate sind methodenspezifisch aufeinander abzustimmen und können nicht beliebig kombiniert werden. Die rechnerischen Ergebnisse sind anschließend durch geeignete In-situ-Prüfungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen zu verifizieren. 46 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Abb. 6: Exemplarische Vergleichsberechnung mit verschiedenen Berechnungsansätzen Vergleichende Analysen verschiedener etablierter Berechnungsmethoden für ungebundene, nicht bewehrte oder stabilisierte granulare Arbeitsebenen - darunter BRE [26], CIRIA SP123 [27], TWf [28] sowie neuere modellbasierte Ansätze [20] - zeigen eine erhebliche Diskrepanz bezüglich der unter gleichen Randbedingungen resultierenden Tragschichtmächtigkeiten. Die Berechnungen wurden auf Grundlage mehrerer repräsentativer Lastf ä lle durchgeführt und durch Sensitivitätsbzw. Variantenrechnungen ergänzt, in denen insbesondere der Reibungswinkel des Plattformmaterials sowie weitere maßgebende Eingangsparameter systematisch variiert wurden, um ihren Einfluss auf die erforderliche Tragschichtdicke quantitativ zu erfassen. Abbildung 6 zeigt eine exemplarische Gegenüberstellung der mit unterschiedlichen Berechnungsverfahren berechneten Tragschichtmächtigkeiten in Abhängigkeit von der undrainierten Kohäsion c u der unterlagernden Weichschicht für einen ausgewählten Lastfall. Die Abweichungen entstehen vor allem aus methodischen Unterschieden im Berechnungsmodell, aber auch durch das mit dem Ansatz verknüpfte Sicherheitskonzept. Eine hohe Sensitivität gegenüber den Eingangsparametern - insbesondere dem Reibungswinkel des Plattformmaterials und der undrainierten Scherfestigkeit bindigen Untergrunds - führen dazu, dass bereits geringe Parameteränderungen deutliche Unterschiede in der erforderlichen Tragschichthöhe ergeben können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Materialparameter realitätsnah zu bestimmen und im Zweifelsfall messtechnisch abzusichern. Abbildung 7 zeigt dabei einen Auszug aus der Sensitivitätsanalyse unter Variation des Reibungswinkels des Tragschichtmaterials unter Ansatz des BRE-Berechnungsmodells. Die erkennbar hohe Sensitivität gegenüber dem Reibungswinkel wird durch die Ergebnisse des TWf-Ansatzes in Abbildung 8 bestätigt. Abb. 7: BRE-Sensitivitätsanalyse unter Variation des Reibungswinkel des Tragschichtmaterials Abb. 8: TWf-Sensitivitätsanalyse unter Variation des Reibungswinkels des Tragschichtmaterials Neben den rechnerischen Nachweisen zur erforderlichen Tragschichtdicke sind konstruktive und betriebliche Randbedingungen zu berücksichtigen. Hierzu zählen Mindestabstände zwischen den Lastangriffsflächen von Baumaschinen und freien Plattformrändern zur Vermeidung von Kipp- und lokalen Versagensmechanismen. Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass die Trag- und Gebrauchstauglichkeit der Arbeitsebene auch bei baubedingten Durchdringungen oder lokalen Beschädigungen, etwa durch Pfähle oder Wandelemente, erhalten bleibt. Nach solchen Eingriffen ist die Arbeitsebene entsprechend den zugrunde gelegten Bemessungsannahmen und geltenden Regelwerken fachgerecht wiederherzustellen. Geokunststoffbewehrte Tragschichten erfordern eigene qualifizierte Bemessungsansätze, wobei heute überwiegend herstellerspezifische Verfahren zur Anwendung kommen. Hydraulisch gebundene Tragschichten wiederum verlangen oft projektspezifische Laboruntersuchungen zum eingesetzten Bindemittel, zur Festigkeitsentwicklung und zur Dauerhaftigkeit unter standorttypischen Feuchte- und Temperaturbedingungen. Insgesamt zeigt sich, dass die zuverlässige Bemessung einer Arbeitsebene nur durch eine methodenkonforme 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 47 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Kombination von zutreffenden Lastannahmen, geeigneter geotechnischer Modellierung und einem hierzu kompatiblen Sicherheitskonzept sowie realistisch gewählten Eingangsparametern erreicht werden kann. Detaillierte Vergleichsberechnungen zu unterschiedlichen Berechnungs- und Bemessungsansätzen sowie umfassende Sensitivitätsanalysen der maßgebenden Eingangsparameter sind in den zugehörigen Forschungsberichten [20, 21] ausführlich dokumentiert. Diese Auswertungen bilden die quantitative Grundlage der in der Richtlinie formulierten Empfehlungen und verdeutlichen die Spannweite möglicher Plattformmächtigkeiten in Abhängigkeit der getroffenen Modell- und Parameterannahmen. 6. Prüfung und Verifizierung. Kapitel 6 des neuen Leitfadens behandelt die Prüfung und Verifizierung ausgeführter temporärer Arbeitsplattformen mit dem Ziel, die Übereinstimmung zwischen bemessener und ausgeführter Tragschicht sowie deren fortlaufende Gebrauchstauglichkeit nachzuweisen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Herstellung, Prüfung und Nutzung organisatorisch getrennt erfolgen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit klar definierter Prüfkonzepte: Der planende Geotechniker muss Art, Umfang, Prüffrequenz und Prüftiefe festlegen und für eine Dokumentation sorgen, die eine formale Abnahme zwischen ausführendem Erdbauer, Spezialtief bauunternehmen und dem für die Baustellensicherheit verantwortlichen Hauptunternehmer ermöglicht. Prüfungen vor Beginn der Spezialtief bauarbeiten sind dabei unverzichtbar, können die vorgelagerte geotechnische Erkundung des Untergrunds jedoch nicht ersetzen, sondern dienen der Plausibilisierung der im Entwurf angesetzten Kennwerte. Feldversuche sind stets im Kontext des Schichtauf baus und der geotechnischen Randbedingungen zu interpretieren. Der Vergleich zwischen den Belastungsfiguren eines großen Baugeräts und eines statischen Plattendruckversuchs zeigt, dass bei gleicher Oberflächenspannung u. a. hinsichtlich der Einflusstiefe unterschiedliche Bodenvolumina mobilisiert werden, was für die Beurteilung der Gesamttragfähigkeit des Systems maßgebend ist. Entsprechend unterscheiden sich die Einsatzbereiche der Prüfverfahren: Oberflächennahe Versuche wie Plattendruckversuche erfassen primär Steifigkeit und Verdichtungsgrad der Tragschicht, Tiefensondierungen wie Ramm- und Drucksondierungen liefern zusätzliche Informationen zur Mächtigkeit der Arbeitsebene und zur Festigkeit des Untergrunds. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen der Feldstudie FRS#1 vier praxistaugliche Verfahren systematisch erprobt (Bewertung in Tab. 1): 1. Leichte Rammsondierung (DPL - Dynamic Probing Light) [29] mit motorgetriebenem Kompressor und Pneumatikhammer, mit Rammspitze 5 cm². 2. Leichte dynamische Rammsondierung mit variabler Energie („Panda ® -Sonde“) [30] mit handgeführtem Hammer oder motorgetriebenem Generator und stromgetriebenem Hammer und automatischem Messchrieb, Rammspitze 2-cm². 3. Statischer Lastplattendruckversuch (PLT - Plate Load Test) [31] bzw. [32] mit Handhydraulikpumpe und halbautomatischem Messchrieb, Platte 300-mm. 4. Dynamischer Lastplattendruckversuch (LWD - Light Weight Deflectometer) [33] mit manueller Bedienung und automatischem Messschrieb, Platte 300-mm. Die Auswahlkriterien umfassten einfache Handhabung, geringer Geräte- und Logistikaufwand, wirtschaftliche Durchführbarkeit, Robustheit gegenüber äußeren Einflüssen sowie die Möglichkeit, Messgrößen mit geotechnischen Kennwerten für die Bemessung zu korrelieren. Zur Verbesserung der Vergleichbarkeit wurden verschiedene Versuche stets rasterförmig mit einem typischen Punktabstand von etwa 0,5-m × 0,5-m zu einander angeordnet (Abbildung-9) und in dieser Konstellation an verschiedenen Stellen der Arbeitsebene ausgeführt. Abb. 9: Konzept für Feldversuche: Anordnung unterschiedlicher Prüfverfahren im Grundriss 48 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Tab. 1: Vor- und Nachteile der Feldversuche Nr. Vorteile Nachteile 1 große Sondiertiefe, hohe Versuchszahl, Einfachheit, Robustheit körperlich fordernd, zwei Personen für Bedienung besser, viele Teile, Quetschgefahr 2 große Sondiertiefe, hohe Versuchszahl, Einfachheit, Robustheit, kurze Versuchsdauer, automatischer Messschrieb, viele Korrelationen Schwierigkeiten bei Grobkorn und hoher Dichte, Anzahl Teile, Elektrohammer erfordert Stromanschluss, Erfahrung nötig 3 Standardausrüstung, realitätsnahe Belastung, direkte Auswertung, zu verlässliche Korrelationen geringe Tiefenwirkung, aufwändige Oberflächenvorbereitung, Erfahrung nötig, hohes Gewicht, komplexer Auf bau, Zeitbedarf, schweres Kontergewicht nötig 4 hohe Versuchszahl, Einfachheit, rel. geringes Gewicht, Robustheit, automatischer Messchrieb, direkte Auswertung geringe Tiefenwirkung, Oberflächenvorbereitung, Kalibrierung durch statischen PLT erforderlich, starke Variabilität der Versuchsergebnisse Die in dieser Form auf über 40 Baustellen ausgeführten Feldversuche zeigten in der Regel eine ausgeprägte räumliche Streuung der Ergebnisse, teilweise mit signifikanten Abweichungen innerhalb weniger Meter. Daraus folgt, dass wenige Einzelprüfungen nicht repräsentativ für eine gesamte Arbeitsebene sein können und daher Prüfraster ausreichend dicht gewählt werden müssen, dass Ausreißer bewusst bewertet und charakteristische Kennwerte tendenziell konservativ abgeleitet werden müssen. Im Ergebnis bestätigte sich, dass statische und dynamische Plattendruckversuche insbesondere zur Beurteilung des Verdichtungszustands der Plattform geeignet sind, während die Leichten Rammsondierungen vor allem eine Erfassung der Plattformmächtigkeit und der Untergrundeigenschaften ermöglichen. Abbildung 10 ergänzt diese Ergebnisse um eine Auswertung der Verformungsmodul-Korrelationen zwischen PLT und LWD. Die Messwerte zeigen, dass die in [34] und [35] sowie nach [36] häufig verwendete Abschätzung E vd ≈ 0,5·E v ₂ nur bedingt anwendbar ist und bei grobkörnigen bzw. stark verdichteten Plattformen (D max > 63-mm) deutlich abweichen kann. Während E vd -Werte die geforderten Mindestmoduli meist überschreiten, variieren die Verhältnisse E v₂/ E vd und E v₂/ E v₁ materialabhängig stark. Höhere Quotienten, wie in Abbildung- 10 dargestellt, sind daher nicht zwingend ein Hinweis auf unzureichende Verdichtung bzw. Tragfähigkeit. In Übereinstimmung mit Erfahrungen aus der Schweiz und Österreich [37] zeigte sich zudem, dass E v1 - E vd -Korrelationen teilweise stabiler ausfallen als die Beziehung zwischen E v2 und E vd . Dies unterstreicht, dass projektspezifische Kalibrierungen der LWD-Ergebnisse mittels statischer Plattendruckversuche zwingend erforderlich sind. Abb. 10: Ausgewählte Versuchsergebnisse der in den USA und Europa ausgeführten dynamischen und statischen Plattendruckversuche E v2 / E vd zu E v2 / E v1 Nationale Regelwerke legen für die Qualitätssicherung von Arbeitsebenen keine verbindlichen Prüfraster, sondern lediglich Orientierungswerte zum Umfang und zur Intensität der Prüfungen fest. Diese reichen - abhängig von Bauvorhaben, Baugrundverhältnissen und Risikoklasse - von einzelnen Prüfungen pro Baustelle bis hin zu mehreren Prüfungen je einige hundert Quadratmeter Fläche. Die Ergebnisse dieser Prüfungen werden anschließend anhand definierter Qualitätskriterien bewertet, etwa über Verformungsmodule (E v2 , E v2 / E v1 -Verhältnis), Eindringwiderstände oder über Testüberfahren (Proof Rolling). Aufgrund der typischerweise starken räumlichen Streuung der Messwerte ist eine bewusste Auswahl des maßgebenden Kennwerts erforderlich: je nach Anforderung kann der kleinste Wert, ein Mittelwert oder ein statistisch abgeleiteter Bemessungswert herangezogen werden. Werden die geforderten Zielwerte nicht 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 49 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen erreicht, stehen verschiedene technische Maßnahmen zur Verfügung - beispielsweise Nachverdichtung, eine Erhöhung der Schichtmächtigkeit, temporäre Lastverteilungselemente (z. B. Holzbohlen oder Stahlplatten), der Einsatz von Geokunststoffen oder hydraulisch gebundenen Schichten, zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen oder - falls möglich - die Nutzung von Geräten mit geringeren Sohldruckspannungen. Insgesamt wird deutlich, dass eine belastbare Verifizierung von Arbeitsebenen nur durch ein objekt- und risikoadaptiertes Prüfkonzept erreichbar ist, das die spezifischen Stärken und Grenzen der verfügbaren Feldversuche berücksichtigt und eng mit der geotechnischen Bemessung rückgekoppelt wird. 7. Betrieb, Kontrolle und Nachhaltigkeit Die Kapitel 7 bis 12 der EFFC-/ DFI-Richtlinie legen ein technisches und organisatorisches Gesamtsystem vor, das erforderlich ist, um temporäre Arbeitsplattformen über ihren gesamten Einsatzzeitraum hinweg zuverlässig funktionsfähig zu halten. Ein zentrales Element ist die kontinuierliche Zustandsbewertung der Plattform. Merkmale wie Spurrillenbildung, Wasseransammlungen, Materialverdrängung, Setzungen oder Pumping können auf eine Reduktion der Tragfähigkeit hindeuten. Lokale Störungen - etwa verfüllte Leitungsgräben - gelten als besonders sensible Zonen, da sie häufig ein heterogenes Last-Verformungsverhalten aufweisen. Ebenso wesentlich ist eine funktionsfähige Entwässerung, da anhaltende Durchfeuchtung die Scherfestigkeit der Plattformmaterialien und des Untergrunds signifikant reduziert. In kalten Klimazonen können Frost-Tau-Zyklen zusätzlich zu zyklischen Degradationsmechanismen führen. Die langfristige Zuverlässigkeit von Arbeitsplattformen hängt zudem von klaren Rollen und Verantwortlichkeiten ab. Die relevanten Akteure - von der Bauherrenseite über die Bauleitung bis zum Spezialtief bauunternehmen - müssen konsistente Lastannahmen bereitstellen, den Einbau der Plattform nachvollziehbar dokumentieren und bei erkennbaren Risiken angemessen reagieren. Eine weitere Komponente betrifft die Einhaltung und Kontrolle der Umsetzung definierter Mindeststandards. Durch strukturierte Prüf- und Abnahmeprozesse, regelmäßige Audits oder interne Vorgaben können Abweichungen systematisch erkannt und korrigiert werden. Die Qualifikation der unmittelbar Beteiligten ist dabei zentral: Das Erkennen kritischer Zustände, das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Baugerät und Arbeitsebene sowie der sachgerechte Umgang mit Prüf- und Messverfahren erfordern fundiertes fachtechnisches Wissen und praktische Erfahrung. Im Hinblick auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit zeigt sich, dass sowohl die Materialwahl als auch die spätere Wiederverwendbarkeit des Plattformauf baus maßgebende Einflussgrößen darstellen. Sekundär- und Recyclingbaustoffe können - bei ausreichender mechanischer Stabilität, kontrolliertem Schadstoffgehalt und verlässlichen Entwässerungseigenschaften - einen erheblichen Beitrag zur Reduktion des Primärrohstoffbedarfs leisten. Ihre Nutzung erfordert jedoch ein hohes Maß an Qualitätssicherung, um Verunreinigungen oder eine unerwünschte Variabilität der Materialzusammensetzung und -eigenschaften zu vermeiden. Maßnahmen wie die konsequente Trennung von Schichten, der Einsatz von Geotextilien als Schutz- und Filterelemente sowie regelmäßige Zustandskontrollen erhöhen das Potential, dass Plattformmaterialien nach Abschluss der Baumaßnahme in tragfähiger Form wiederverwendet werden können. 8. Fazit und Ausblick Die zweite Ausgabe der EFFC/ DFI-Richtlinie zur Planung und Ausführung von Arbeitsplattformen stellt einen wesentlichen Fortschritt gegenüber der Erstauflage dar. Sie integriert die Ergebnisse von aktuellen Forschungsvorhaben sowie internationale Projekterfahrungen und schafft damit eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Grundlage für den Entwurf, die Ausführung und die Prüfung temporärer Arbeitsplattformen. Die Berechnungsstudien der Forschungsberichte zeigen eindeutig, dass die Wahl des Bemessungs- und Berechnungsmodells - einschließlich Lastverteilungsannahmen, Teilsicherheitskonzepten und Modellparametern - maßgeblichen Einfluss auf die erforderliche Tragschichtmächtigkeit besitzt. Die beobachteten Unterschiede unterstreichen die Notwendigkeit einer konsistenten, methodengerechten Anwendung der jeweiligen Nachweisverfahren; Mischanwendungen ( pick and mix) führen zu inkonsistenten Sicherheitsniveaus und sind fachlich nicht zulässig. Die Sensitivitätsanalysen belegen, dass der effektive Reibungswinkel des Plattformmaterials sowie die undrainierte bzw. effektive Scherfestigkeit des Untergrunds die zentralen Einflussgrößen für die Tragfähigkeit darstellen. Eine belastbare Parameterbestimmung durch Labor- und Feldversuche ist daher unverzichtbar. Zugleich zeigen die Ergebnisse der Studie zu den Feldversuchen eine ausgeprägte räumliche Variabilität der Messwerte sowie, dass keine Prüfmethode universell geeignet ist, so dass eine kombinierte Anwendung komplementärer Verfahren erforderlich bleibt, um sowohl Tragschicht als auch Untergrund zuverlässig zu untersuchen. Die Untersuchungen zu realistischen Beanspruchungsansätzen unter Kettenfahrwerken bilden einen wesentlichen Bestandteil der Erweiterung der Richtlinie. Auf Basis einer von Maschinenherstellern zusammengestellten Datenbank wurden unter festgelegten Annahmen äquivalente Sohldruckpressungen und effektive Kontaktlängen für typische Gerätekonfigurationen und Betriebszustände abgeleitet. Diese Größen stellen eine belastbare Grundlage für Vergleichsrechnungen, Vorbemessung und Plausibilitätsprüfungen der angesetzten Lastannahmen dar. Durch die systematische Zusammenführung von Lastmodell, Berechnungsmodell, Sicherheitskonzept und Systemparametern schafft die neue Richtlinie einen konsistenten Rahmen für eine ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung temporärer Arbeitsebenen. Die Einbindung zusätzlicher Aspekte wie Betrieb, Instandhaltung, 50 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Sicherheit und Effizienz beim Einsatz von Baumaschinen - Die neue EFFC/ DFI-Richtlinie für temporäre Arbeitsplattformen Entwässerung, Materialqualität und Nachhaltigkeit erweitert den klassischen Bemessungsfokus zu einem umfassenden technischen Gesamtsystem. Insgesamt bietet die zweite Ausgabe der Richtlinie - gestützt durch die Ergebnisse der Forschungsberichte und begleitenden Publikationen - einen belastbaren, international anschlussfähigen Standard für die ingenieurtechnische Praxis. Die Richtlinie stärkt die methodische Klarheit, erhöht die Qualitätssicherung auf der Baustelle und liefert ein wissenschaftlich fundiertes Fundament für sichere, wirtschaftliche und nachhaltige Arbeitsplattformen im Spezialtief bau und generell auf Baustellen. Literatur [1] EFFC/ DFI: Guide to Working Platforms. 1. Auflage. Joint EFFC/ DFI Working Platforms Task Group 2019. Online verfügbar. [2] EFFC/ DFI: Guide to Working Platforms. 2. Auflage. 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