Kolloquium Bauen in Boden und Fels
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2026
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Ökologischer Umbau der Emschermündung – Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken – Planung, Umsetzung, Lehren
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Michael Mackenbach
Nicole Fleck
Die Emschermündung wurde im Zeitraum 2015 bis 2025 auf etwa 1,5 km Gewässerlänge für rund 85 Mio. Euro ökologisch umgebaut.
Dabei wurde die Emschermündung um rund 500 m nach Norden verlegt, das kanalisierte Altbett auf mehr als 350 m abgeworfen und verfüllt. Das Absturzbauwerk – 6 m Höhenunterschied MW Emscher zu MW Rhein – sowie die Altmündung wurden erhalten.
Das neue Emscherbett wurde in der Lauflänge deutlich verlängert – rund 700 m – und verbreitert – bis zu 45 m – sowie im Bereich der neuen Emscheraue mittels Strömungsteilern in drei Wasserläufe aufgeteilt. Es wurde in Abstimmung mit dem WSA ein komplett neuer Mündungszulauf in den Rhein erstellt.
Insgesamt wurden im Laufe der Gesamtmaßnahme rund 1,9 Mio. m³ Boden ausgehoben, zwei Kilometer Deiche verlegt bzw. ertüchtigt und etwa 400.000 t Wasserbausteine sowie 600.000 m³ Boden verbaut. Etwa 1,3 Mio. m³ Sand/Kies wurden als Baumaterial in anderen Bauprojekten verwendet.
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15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 53 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Diplom-Geologe Michael Mackenbach Fichtner Water & Transportation GmbH, Bauüberwachung, Boden & Umwelt, Essen Nicole Fleck Emschergenossenschaft/ Lippeverband, 22-GM-10 Geschäftsbereich Planung und Bau, Essen Zusammenfassung Die Emschermündung wurde im Zeitraum 2015 bis 2025 auf etwa 1,5 km Gewässerlänge für rund 85 Mio. Euro ökologisch umgebaut. Dabei wurde die Emschermündung um rund 500 m nach Norden verlegt, das kanalisierte Altbett auf mehr als 350 m abgeworfen und verfüllt. Das Absturzbauwerk - 6 m Höhenunterschied MW Emscher zu MW Rhein - sowie die Altmündung wurden erhalten. Das neue Emscherbett wurde in der Lauflänge deutlich verlängert - rund 700 m - und verbreitert - bis zu 45 m - sowie im Bereich der neuen Emscheraue mittels Strömungsteilern in drei Wasserläufe aufgeteilt. Es wurde in Abstimmung mit dem WSA ein komplett neuer Mündungszulauf in den Rhein erstellt. Insgesamt wurden im Laufe der Gesamtmaßnahme rund 1,9 Mio. m³ Boden ausgehoben, zwei Kilometer Deiche verlegt bzw. ertüchtigt und etwa 400.000 t Wasserbausteine sowie 600.000 m³ Boden verbaut. Etwa 1,3 Mio. m³ Sand/ Kies wurden als Baumaterial in anderen Bauprojekten verwendet. 1. Einführung Die Emscher wurde 180 Jahre lang als offener Abwassergewässer, die sogenannte „Köttelbecke“, für die Montanregion Ruhrgebiet genutzt, um die Trinkwassergewinnung aus der Lippe im Norden und der Ruhr im Süden zu schützen. Der heutige Fluss entspringt bei Holzwickede und mündet nach gut 83 Fließkilometern und ca. 129 Höhenmetern in Voerde in den Rhein. Bereits in den 1970er Jahren begannen nach einigen Hochwasserereignissen in den 1960ern Überlegungen den komplett kanalisierten Gewässerverlauf naturnäher auszubauen und die Abwässer über eine große Kanalbaumaßnahme zu erfassen und abzuleiten. Die Planungen für Emschermündung begannen in den 2000er Jahren, der Genehmigungsbescheid erfolgte 2009 und 2012/ 2013 begannen die Baufeldreifmachung und Erschließung mittels Baustraße. Seit 2015 begannen die eigentlichen Baumaßnahmen an der Emscheraue und Emschermündung. Abb. 1: Lage der Emscher im Ruhrgebiet (Quelle: Wikipedia, 2025) 54 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren 2. Bauablauf Die gesamte Baumaßnahme wurde in drei Baulosen ausgeschrieben, die sich wie folgt weiter untergliederten: • Los 1 a - Baufeldreifmachung • Los 1 b - Baufelderschließung mittels Baustraße • Los 1 c - Voraushub der Emscheraue und Umbau der vorhandenen Hochwasserschutzanlagen • Los 2 - Bau der neuen Brücke Hagelstraße • Los 3.1 - Bau der Sohlgleite 2/ 3 • Los 3.2 - Gewässerneubau mit Herstellung der Sohlgleite 1, den Böschungsfüßen im Gewässerverlauf, der neuen Mündung und Rückbau des Altgewässers Die erdbautechnischen und gewässerbaulichen Maßnahmen bildeten den Schwerpunkt in den Losen 1 c, 3.1 und 3.2. Abb. 2: Übersichtslage des Baufeldes mit Maßnahmen des Bauloses 1 (Quelle: EG, 2014) 2.1 Maßnahmen im Los 1 c Das Baulos 1 c wurde in 2015/ 2016 umgesetzt. Hier wurden die Hochwasserschutzanlagen HWS HUV Nord und HWS HUV Süd bis zu 30 m vom Ufer zurückversetzt und erhöht, um das Gewässerbett aufweiten zu können und die neuen Anforderungen des HQ 200 zu erfüllen. Die Freibordverwallung Nord wurde ebenfalls erhöht. Teile des Emscherdeiches Nord und der Luftseite des Rheindeiches wurden zum Landschaftsbauwerk „Leitdeich“ umgebaut und im zukünftigen Auenfeld wurde das Gelände bis zu 6-m abgetragen und damit der Voraushub für das zukünftige Gewässerbett der Emscher ausgeführt. Die folgende Abbildung stellt einen Regelschnitt da, der die Umverlegung der Hochwasserschutzanlagen im Los 1-c und in grau den im späteren Baulos 3 umgesetzten Gewässerausbau zeigt. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 55 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Abb. 3: Plan mit Regelquerschnitten zum Baulos 1 (Quelle: EG, 2014) Der Aushub erfolgte gemäß den heutigen Vorgaben zum Bodenschutz lagenweise und substratgetrennt. Der Oberboden (30-60 cm stark) und die bindigen Bodenschichten mit Mächtigkeiten bis 2,0 m wurden getrennt aufgemietet und über die Bauzeit zwischengelagert. Die Sande und Kiese wurden größtenteils direkt auf LKW verladen und zu anderen Baumaßnahmen in NRW - z. B. dem Hafenbau in Wesel - als Baumaterial transportiert. Das Luftbild (Abb. 7) zeigt die Situation zum Ende von Baulos-3.1 und die Bilder (Abb. 4-6) geben einen Eindruck von den Erdarbeiten in Los 1. Abb. 4: Abtrag Bestandsdeich HWS HUV Nord (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Abb. 5: Abtrag luftseitiger Teil Leitdeich, aus Bergematerial (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Abb. 6: Abtrag Kies und Sand im Auenfeld 2 (Quelle: ARGE BCE/ FWT) 56 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Abb. 7: Luftbild der Baumaßnahme zum Ende Los 3.1 (Quelle: Strabag, 2022) 2.2 Maßnahmen in Los 3.1 Im Rahmen des Bauloses 3.1 wurde in 2019/ 2020 im Auenfeld 2 der Emscherschlauch eingetieft und die Sohlgleite 2/ 3 erstellt. Mit dieser Sohlgleite werden knapp drei Höhenmeter der Differenz von 6 m zwischen Mittelwasser Emscher und Mittelwasser Rhein in 19 „Pools“ der Fischaufstiegsanlage und einer rauen Rampe links und rechts davon überwunden. Die Baugrube für die Sohlgleite wurde mit Spundwänden bis 18 m Länge eingefasst und die bis zu 5 m Aushub, ausschließlich Sand und Kies, wurden direkt als Baumaterial an andere Baustellen geliefert. Der Korpus der Sohlgleite wurde mittels Steinriegeln und der im Untergund verbleibenden Spundwandteile eingefasst. Die Riegel der Fischtreppe wurden in Ortbeton gesetzt und die Sohle sowie die Rauen-Rampen und die Uferböschungen wurden komplett in Wasserbausteinen geschüttet. Dabei wurde die Hauptmasse aus LMB-40/ 200 und untergeordnet aus LMB 60/ 300 hergestellt. Auf diese grobe Schüttung wurde eine Lage CP- 45/ 125 aufgelegt und oberhalb der Wasserlinie lokal mit bindigem Substrat bis zu 30 cm abgedeckt, um eine Begrünung zu unterstützen. Die folgenden Abbildungen zeigen die Planung und Eindrücke vom Bau der Sohlgleite. Abb. 8: Planausschnitt Sohlgleite 2/ 3 (Quelle: EG, 2018) 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 57 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Abb. 9: Steinschüttung in Sohlgleite 2/ 3 (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Abb. 10: Riegeleinbau in der Sohlgleite 2/ 3 (Quelle: ARGE BCE/ FWT) 2.3 Maßnahmen in Los 3.2 Das Baulos 3.2 erstreckte sich zeitlich über den Zeitraum 2021 bis 2025. Im Rahmen der Maßnahmen wurde der Gewässerlauf mit seinen langgezogenen Böschungen erdbau- und gewässerbautechnisch fertiggestellt. Außerdem wurde die Sohlgleite 1 erstellt, die ebenfalls etwa drei Meter des Mittelwasserunterschiedes der beiden Fließgewässer (insg. 6 m) überwindet. In Folge des Böschungserosion im Jahr 2023 - oberhalb der Emschermündungsmaßnahme - wurden 21 weitere Flussriegel gebaut, um das Strömungsbild der Emscher hochwassersicherer zu entwickeln. Die folgende Abbildung zeigt einen Planauszug für das Los 3.2. Abb. 11: Planauszug zum Baulos 3.2 mit dem gesamten Baufeld (Quelle: EG, 2020) 58 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Im Gegensatz zum früheren Losteil 3.1 wurde im Los-3.2 ein Großteil der Wasserbausteinschüttungen in der Größenklasse CP nicht mehr einfach geschüttet, sondern mit den Wasserbausteinen wurden Steinmatrazen hergestellt, die miteinander verknüpft und teilweise in den Untergrund vernagelt wurden. Ziel dieser Maßnahme war es insbesondere die Böschungsfüße gegen Hochwassereinflüsse besser zu schützen. Die Abbildungen 12 bis 13 vermitteln Arbeitseindrücke. Abb. 12: Erosionssicherung und Bodenabdeckung der Hochwasserschutzanlage (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Abb. 13: Einbau Sicherungselemente (Steinmatrazen) ins Gewässer und den Böschungsfuß (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Die folgende Abbildung zeigt die Sohlgleite 1 nach dem Umschluss der Emscher in ihr neues Bett. Klar erkennbar sind die Riegelsteine und die hydraulischen Fenster dazwischen. Abb. 14: Sohlgleite 1 mit der Fischaufstiegsanlage (Quelle: ARGE BCE/ FWT) Das folgende Luftbild zeigt die Situation zum Ende der Bautätigkeiten. Abb. 15: Luftbild zum Ende der Baumaßnahmen der Lose 1 bis 3 (Quelle: Strabag, 2025) 3. Massenbilanz und Fazit In den gut 10 Jahren Bauzeit wurden etwa 1.900.000-m³ Boden und andere Materialien ausgehoben. Ca. 600.000- m³ wurden innerhalb der Maßnahme umverlagert/ wieder eingebaut. Rund 1.300.000 m³ Sand/ Kies wurden als Baumaterial verwertet und ca. 400.000 t Wasserbausteine sowie rund 150.000 m² Geovlies/ -textil u.ä. wurden verbaut. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 59 Ökologischer Umbau der Emschermündung - Erd- und Gewässerbau zwischen Dortmund und Dinslaken - Planung, Umsetzung, Lehren Tab. 1: Mengen der verschiedenen Wasserbausteine in Tonnen CP 45/ 125 CP 90/ 150 Sonstige CP LMB 40/ 200 LMB 60/ 300 Großsteine Sonstiges 115.000 65.000 20.000 95.000 65.000 4.000 ca. 30.000 In den Bauzeiten mit hohem Geräteaufwand wurden bis zu 10.000 Liter Diesel pro Woche verbraucht, es gab rund 200.000 Transporte mit ca. 6 Millionen Kilometern Strecke (150-mal um die Erde). Das Bauprojekt Ökologischer Schwerpunkt Emschermündung ist erfolgreich durchgeführt worden. Die Natur hat sich bereits während der verschiedenen Bauausführungsphasen die neugeschaffene Aue mit Pflanzen und Tieren erobert und wird dies überwacht bis 2028 weiterhin tun.
