Kolloquium Bauen in Boden und Fels
kbbf
2510-7755
expert verlag Tübingen
kbbf151/kbbf151.pdf0222
2026
151
Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile – neue Regelungen in DIN 4095-1
0222
2026
Bernhard Odenwald
Wolfgang Krajewski
Da bisher keine geeigneten Regelungen zur Festlegung der aus dem Wasser im Baugrund oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands resultierenden Einwirkungen auf unterirdische Gebäudeteile existieren, wurden dazu im neu erstellten Teil 1 der DIN 4095 vereinfachte, jedoch ausreichend differenzierte und geohydraulisch begründete Regelungen in Abhängigkeit der Baugrundeigenschaften und der hydraulischen Randbedingungen entworfen. Zum besseren Verständnis werden im vorliegenden Beitrag zunächst die bisher verwendeten Regelungen beschrieben und diskutiert. Danach werden die wesentlichen neuen Regelungen der DIN 4095-1 kurz dargestellt. Den Abschluss bildet die Beschreibung eines Praxisbeispiels zur Veranschaulichung der aus dem Wasser im Baugrund resultierenden Einwirkungen. Die Autoren sind der Obmann und der stellvertretende Obmann des mit der Überarbeitung der DIN 4095 beauftragten DIN-Arbeitsausschusses NA 005-05-10 AA „Baugrund, Gebäudedränung“.
kbbf1510061
15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 61 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 Dr.-Ing. Bernhard Odenwald Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), Karlsruhe Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Krajewski ö.b.u.v. Sachverständiger sowie Prüfsachverständiger für Geotechnik Darmstadt/ Rossdorf Hochschule Darmstadt (University of Applied Sciences) Zusammenfassung Da bisher keine geeigneten Regelungen zur Festlegung der aus dem Wasser im Baugrund oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands resultierenden Einwirkungen auf unterirdische Gebäudeteile existieren, wurden dazu im neu erstellten Teil-1 der DIN 4095 vereinfachte, jedoch ausreichend differenzierte und geohydraulisch begründete Regelungen in Abhängigkeit der Baugrundeigenschaften und der hydraulischen Randbedingungen entworfen. Zum besseren Verständnis werden im vorliegenden Beitrag zunächst die bisher verwendeten Regelungen beschrieben und diskutiert. Danach werden die wesentlichen neuen Regelungen der DIN 4095-1 kurz dargestellt. Den Abschluss bildet die Beschreibung eines Praxisbeispiels zur Veranschaulichung der aus dem Wasser im Baugrund resultierenden Einwirkungen. Die Autoren sind der Obmann und der stellvertretende Obmann des mit der Überarbeitung der DIN 4095 beauftragten DIN-Arbeitsausschusses NA 005-05-10 AA „Baugrund, Gebäudedränung“. 1. Einführung Aus dem Baugrund resultierende Wasserdrücke auf unterirdische (erdberührte) Gebäudeteile können in Abhängigkeit der Baugrundverhältnisse und der geohydraulischen Randbedingungen auch oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands auftreten. Sie sind dann in den baustatischen und geotechnischen Nachweisen sowie bei der Auswahl und Ausführung von Bauwerksabdichtungen oder wasserundurchlässigen Betonteilen zu berücksichtigen. Die über 35 Jahre alte Baugrundnorm DIN 4095 [1] für Dränanlagen zum Schutz von Gebäuden enthält lediglich die Darstellung von Wassereinwirkungen aus dem Baugrund in Abhängigkeit unterschiedlicher geohydraulischer Randbedingungen. Eine klare Abgrenzung dieser beispielhaft angegebenen Fälle zur Festlegung von Wassereinwirkungen auf erdberührte Gebäudeteile existiert nicht und auch nicht in einer anderen Baugrundnorm. Dagegen werden in der Norm für die Abdichtung erdberührter Bauteile mit bituminösen Stoffen DIN 18533-1 [2] unterschiedliche Wassereinwirkungen definiert. Dabei werden jedoch geohydraulisch stark vereinfachte, im Allg. sehr auf der sicheren Seite liegende Annahmen getroffen. Mangels geeigneter Festlegungen in einer Baugrundnorm werden diese Regelungen für bituminöse Bauwerksabdichtungen von Baugrundgutachtern häufig auch für die im Geotechnischen Bericht anzugebenden allgemeinen Wassereinwirkungen auf erdberührte Gebäudeteile verwendet. In diesem Fall stellen sie auch die Grundlage für die Bauwerksbemessung dar, was in vielen Fällen zu einer deutlichen Überschätzung der aus dem Wasser im Baugrund resultierenden Einwirkungen führt. Im Rahmen der Überarbeitung der DIN 4095 wurden deshalb differenzierte, geohydraulisch fundierte Regelungen für die Einwirkungen aus Wasser im Baugrund in Abhängigkeit der Baugrundeigenschaften und der hydraulischen Randbedingungen erstellt (DIN 4095-1 [3]). Die auf Basis einer einfachen Fallunterscheidung anzuwendenden Regelungen sollen dem Baugrundgutachter zur Festlegung fundierter Einwirkungen aus Wasser im Baugrund oberhalb des Bemessungsgrundwasserstand dienen. Dies kann gegenüber den vereinfachten Regelungen der DIN 18533-1 zu einer deutlichen Kosten- und Materialeinsparung bei der Ausführung der erdberührten Gebäudeteile führen. 2. Bisherige Regelungen Die bisherigen Regelungen zur Festlegung von Einwirkungen aus Wasser im Baugrund auf erdberührte Gebäudeteile wurden von Odenwald et al [4], Krajewski und Odenwald [5] Odenwald und Letzelter [6] und Odenwald et al. [7] bereits ausführlich beschrieben und diskutiert. Nachstehend werden sie zum besseren Verständnis nochmals kurz dargestellt und bewertet. 2.1 DIN 4095 Die DIN 4095 [1] wurde im Juni 1990 mit dem Titel „Baugrund - Dränung zum Schutz baulicher Anlagen - Planung, Bemessung und Ausführung“ veröffentlicht. Sie dient demnach als Grundlage für die Planung, Bemessung und Ausführung von Dränanlagen zur Begrenzung von Einwirkungen von Wasser im Baugrund auf erdberührte bauliche Anlagen. Zur Festlegung der Dränmaßnahmen wird dabei in die Fälle a), b) und c) unterschieden. In Fall a) wird angenommen, dass nur Bodenfeuchtigkeit auftritt und kein Wasserdruck auf die erdberührten Außenwände und die Sohle des Bauwerks einwirkt und deshalb keine Dränmaßnahmen erforderlich sind (Abb.-1). 62 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 Für diesen Fall wird ein stark durchlässiger Boden mit einer hydraulischen Durchlässigkeit von k->-10 -4 -m/ s (sowohl für den Baugrund seitlich und unterhalb des Bauwerks als auch für die an die Bauwerkswand angrenzende Arbeitsraumverfüllung) vorausgesetzt. Abb. 1: Fall a) nach DIN 4095 [1] In Fall b) wird vorausgesetzt, dass das anfallende Wasser über eine Dränung beseitigt werden kann und dadurch kein Wasserdruck auf die Abdichtung auftritt (Abb. 2). Abb. 2: Fall b) nach DIN 4095 [1] Für diesen Fall mit erforderlicher Dränung werden folgende Annahmen getroffen: - Der unterlagernde Baugrund besteht aus einem schwach durchlässigen Boden (k ≤ 10 -6 m/ s). - Darüber befindet sich eine durchlässigere Arbeitsraumverfüllung, an deren Sohle sich Stauwasser bilden kann, das in der Dränleitung gefasst und abgeleitet wird. - Zusätzlich existiert eine oberflächennahe, ebenfalls durchlässigere Bodenschicht, deren Sohle eine Neigung zum Gebäude aufweist und auf der ein zusätzlicher Zufluss zur Arbeitsraumverfüllung angenommen wird. - Weiterhin wird von einem vertikalen Wasserzufluss in die unterhalb der Bodenplatte des Bauwerks angeordnete Dränschicht ausgegangen. Dies setzt voraus, dass sich die Grundwasserdruckhöhe in dem unterhalb des Gebäudes anstehenden schwach durchlässigen Baugrunds oberhalb der Dränschicht befindet. In Fall c) wird angenommen, dass der Grundwasserspiegel oberhalb der Bauwerkssohle ansteht und dass eine Ableitung des Wassers über eine Dränung nicht möglich ist. Dieser Fall wird im Folgenden nicht betrachtet. Es ist ersichtlich, dass es sich bei den oben genannten Fällen zur Bestimmung geeigneter Dränmaßnahmen lediglich um Beispiele mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, nicht jedoch um klar abgrenzbare Fälle handelt. Deshalb ist auf Grundlage der dargestellten Fälle keine eindeutige Bestimmung der aus Wasser im Baugrund auf erdberührte Bauteile resultierenden Wassereinwirkungen möglich. Insbesondere kann eine eindeutige Abgrenzung zwischen Fällen, in denen an den einzelnen erdberührten Bauteilen nur mit Bodenfeuchte zu rechnen ist und in denen eine Dränung zur Vermeidung von Wassereinwirkungen durch Stauwasser erforderlich ist, auf Grundlage der in DIN 4095 dargestellten Fälle nicht durchgeführt werden. Dies führt in der Baupraxis oft dazu, dass eine Dränung angeordnet wird, sobald der Boden nicht stark durchlässig ist - unabhängig davon, ob Wasser anfällt oder nicht. 2.2 DIN 18533-1 In der DIN 18533-1 [2] werden Wassereinwirkungen für die Planung, Wahl und Ausführung der Abdichtung von erdberührten Bauteilen mit bahnenförmigen oder flüssig aufzubringenden Stoffen festgelegt. In Ermangelung geeigneter Regelungen in der DIN 4095 erfolgt hier eine stark vereinfachte Festlegung der Wassereinwirkungen. Dabei wird zunächst der Bemessungswasserstand als der höhere Wert des Bemessungsgrundwasserstands (HGW) oder des ggf. auftretenden Bemessungshochwasserstands (HHW) definiert. Dabei wird stets von einer hydrostatischen Wasserdruckverteilung auf die erdberührten Bauteile unterhalb des Bemessungswasserstands ausgegangen. Für die Festlegung der Wassereinwirkungsklasse wird nur nach stark wasserdurchlässigem Baugrund mit einer Durchlässigkeit k- >- 10 -4 - m/ s und einem hier als wenig wasserdurchlässig beschriebenem Baugrund mit einer Durchlässigkeit k-≤-10 -4 -m/ s unterschieden. In Abhängigkeit von der Lage des Bemessungswasserstands, der Durchlässigkeit des Baugrunds und der Einbindetiefe des Bauwerks in den Baugrund werden unterschiedliche Wassereinwirkungsklassen definiert. Beispielhaft sind nachstehend die Randbedingungen für zwei Wassereinwirkungsklassen dargestellt. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 63 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 In der Wassereinwirkungsklasse W1-E wird nur Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser berücksichtigt. Die Wassereinwirkungsklasse W1.1-E darf nur angesetzt werden, wenn sowohl der Baugrund wie auch das Verfüllmaterial der Arbeitsräume aus stark durchlässigen Böden (k->-10 -4 -m/ s) bestehen und die Unterkante der Abdichtungsebene mindestens 50 cm oberhalb des Bemessungswasserstandes liegt (Abb. 3). Diese Wassereinwirkungsklasse entspricht im Wesentlichen dem in DIN- 4095 beispielhaft dargestellten Fall a) für Wassereinwirkungen ausschließlich aus Bodenfeuchte. Abb. 3: Wassereinwirkungsklasse W1.1-E nach DIN-18533-1 [2], a: k > 10 -4 m/ s k In der Wassereinwirkungsklasse W2.1-E wird drückendes Wasser mit mäßiger Wasserdruckeinwirkung bis 3-m Wassersäule auf die erdseitige Abdichtung des Bauwerks berücksichtigt. Die Wassereinwirkungsklasse W2.1-E nach DIN 18533-1 ist anzusetzen, wenn die erdberührten Bauteile sich in einem als wenig durchlässig bezeichneten Boden (k ≤ 10 -4 m/ s) befinden und die unterste Abdichtungsebene oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands sowie bis zu 3 m unter der Geländeoberfläche liegt (Abb. 4). Abb. 4: Wassereinwirkungsklasse W2.1-E nach DIN-18533-1 [2], a: k ≤ 10 -4 m/ s k In diesem Fall ist nach DIN 18533-1 zu erwarten, dass Stauwasser auf die erdseitige Abdichtung des Bauwerks einwirkt und bis zur Geländeoberfläche ansteigen kann.. Deshalb muss auch bei einem unterhalb der Bauwerkssohle anstehenden Bemessungsgrundwasserstand bei einem als wenig durchlässig bezeichnetem Baugrund (k-≤-10 -4 -m/ s) ein hydrostatischer Stauwasserdruck von der Geländeoberfläche bis zur Bauwerksunterkante sowohl auf die erdberührten Bauwerkswände als auch auf den Bauwerksboden angesetzt werden. 2.3 Schlussfolgerungen Es ist ersichtlich, dass die bisher in DIN 4095 beispielhaft aufgeführten Fälle nicht geeignet sind, um Wassereinwirkungen aus dem Baugrund auf erdberührte Bauwerksteile festzulegen. Dies ist insbesondere begründet durch fehlende Kriterien zur Abgrenzung der unterschiedlichen Fälle sowie durch ungenaue Festlegungen der maßgebenden Wasserstände und der auf die Bauwerksteile einwirkenden Wasserdrücke. Diese Regelungslücken wurden in der DIN 18533-1 für Bauwerksabdichtungen weitgehend geschlossen. Dabei wurden jedoch sehr stark vereinfachte Regelungen getroffen, die die tatsächlichen, aus dem Baugrund und den Grundwasserverhältnissen resultierenden Einwirkungen auf die erdberührten Bauwerksteile nur unzureichend beschreiben. Deshalb war eine umfangreiche Überarbeitung der DIN- 4095 zur ausreichend differenzierten Festlegung der Wassereinwirkungen als Grundlage für eine einerseits sichere und andererseits wirtschaftliche Bemessung der erdberührten Bauteile und Dränanlagen erforderlich. Vor allem auch vor dem Hintergrund wasserwirtschaftlicher Aspekte ist eine realistische Einschätzung der Erfordernis einer Dränung und des anfallenden Dränwassers erforderlich, um auch in Zukunft Dränanlagen zu ermöglichen. Dabei muss die Festlegung der Einwirkungen aus Wasser im Baugrund auf Grundlage der neuen DIN 4095-1 durch den Geotechnischen Sachverständigen erfolgen und nicht durch den Architekten oder Bauunternehmer. 3. Neue Regelungen in der DIN 4095-1 Zur besseren Strukturierung und zur Aufnahme der Regelungen zu den Einwirkungen aus Wasser im Baugrund wird die DIN 4095 zukünftig in drei Teile aufgeteilt und erhält den allgemeinen Titel: „Baugrund - Einwirkungen auf erdberührte Bauteile durch Wasser im Baugrund und Dränung zum Schutz der Bauteile“ - Teil 1: Begriffe und Wassereinwirkungen - Teil 2: Dränung von Stauwasser - Teil 3: Dränung von Grundwasser 3.1 Bearbeitungsstand Seit 2018 wird der erste Teil der Norm von dem zuständigen DIN-Arbeitsausschuss bearbeitet. Der Entwurf der DIN 4095-1 [3] wurde im März 2023 nach langen Diskussionen innerhalb des Ausschusses veröffentlicht. Dazu wurde eine Vielzahl von Einsprüchen eingereicht. Die Einsprüche stammen zu einem großen Teil von Vertretern der Bauwerksabdichtung, die die Beibehaltung der bisherigen Regelungen der DIN 18533-1 mit Nachdruck, jedoch ohne wirkliche fachliche Diskussion vertreten. Es waren jedoch auch konstruktive Einsprüche 64 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 vorhanden, insbesondere zur Komplexität der Regelungen Auf Grundlage dieser Einsprüche wurden gegenüber dem Entwurf mehrere Vereinfachungen der Regelungen sowie zusätzliche Erläuterungen aufgenommen. Die Bearbeitung der Einsprüche durch den Arbeitsausschuss ist mittlerweile abgeschlossen und der Arbeitsausschuss hat die Veröffentlichung der Norm auf Grundlage des Entwurf der DIN 4095-1 [3] unter Berücksichtigung der auf Basis der Einsprüche vorgenommenen Änderungen beschlossen. 3.2 Grundlagen Kapitel 4 der DIN 4095-1 enthält die Darstellung wesentlicher Grundlagen für die Ermittlung der Einwirkungen auf erdberührte Bauteilflächen durch Wasser im Baugrund. In Kapitel 4.2 werden detaillierte Erläuterungen zur Ermittlung des Bemessungsgrundwasserstands gegeben. Um die Schwankungsbreite der Grundwasserstände während der rechnerischen Nutzungsdauer des Bauwerks zu berücksichtigen, ist der Bemessungsgrundwasserstand als oberer charakteristischer Wert einer klimabedingt veränderlichen Einwirkungen nach DIN EN 1990 [8] festzulegen. Der Bemessungsgrundwasserstand hat grundlegende Bedeutung für die Festlegung von Wassereinwirkungen, da oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands nur Einwirkungen aus Stauwasser und nicht aus Grundwasser zu berücksichtigen sind. Im Gegensatz zur dauerhaften Absenkung von Grundwasser durch eine Dränanlage ist eine Dränung von Stauwasser prinzipiell möglich. In Kapitel 4.3 werden Planungs- und Ausführungsgrundsätze erläutert. Dabei wird unterschieden nach Anforderungen, die auch Voraussetzung für die nachfolgenden Regelungen zu den Einwirkungen aus Wasser im Baugrund sind, und Empfehlungen, deren Einhaltung jedoch nicht unbedingt vorausgesetzt wird. Z.-B. wird gefordert, dass Niederschlagswasser, das außerhalb der Arbeitsraumverfüllung auf der Geländeoberfläche anfällt, nicht in diese eingeleitet werden darf. Empfehlungen werden z. B. für die Verfüllung des Arbeitsraums gegeben und es werden Hinweise für die Bewertung der Homogenität von Arbeitsraumverfüllungen angegeben. In Kapitel 4.4 werden Auswirkungen von Hochwasser, Starkniederschlägen und Grundwasserunterleitung auf die Einwirkungen durch Wasser im Baugrund beschrieben. Weiterhin werden Erläuterungen zu den Wassereinwirkungen an der Sockelzone von Gebäuden gegeben. 3.3 Einwirkungen durch Wasser im Baugrund Auf Grundlage der Regelungen zur Ermittlung des Bemessungsgrundwasserstands und der Planungs- und Ausführungsgrundsätze enthält Kapitel 5 detaillierte Festlegungen der Einwirkungen auf erdberührte Bauteilflächen durch Wasser im Baugrund anhand einer Fallunterscheidung. Diese stellt eine Arbeitshilfe für Geotechnische Sachverständige dar, um die Erfordernisse einer Dränung oder des Wasserdruckansatzes oberhalb des Bemessungswasserstands festlegen zu können. Dazu erfolgt in Kapitel-5.1 zunächst eine Unterscheidung in die Einwirkungen E1 für Einwirkungen lediglich durch Bodenfeuchte und nichtstauendes Wasser sowie E2-S für Einwirkungen durch Stauwasser oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands (BGW) und E2-G für Einwirkungen durch Grundwasser unterhalb des Bemessungsgrundwasserstands. In Kapitel 5.2 werden Grundlagen der Fallunterscheidung erläutert. Basierend darauf werden in Kapitel-5.3 die Einwirkungen auf erdberührte Bauwerksteile von Bauwerken, die sich vollständig oberhalb des Bemessungsgrundwasserspiegels befinden und in Kapitel-5.3 von Bauwerken, die sich teilweise auch unterhalb des Bemessungsgrundwasserspiegels befinden, festgelegt. Für vollständig oberhalb des Bemessungsgrundwasserspiegels liegende Bauwerke werden in Kapitel 5.3 zwei Fälle festgelegt. Im Fall 1 wird vorausgesetzt, dass kein unterirdischer Zufluss auf einer Stauschicht zur Arbeitsraumverfüllung erfolgt und dass die Tiefe t der Arbeitsraumverfüllung mindestens 2-m beträgt (Abb. 5). Abb. 5: Fall 1nach DIN 4095-1 Fall 2 wird maßgebend, wenn ein unterirdischer seitlicher Stauwasserzufluss zur Arbeitsraumverfüllung zu berücksichtigen ist (Abb. 6) oder die Tiefe t der Arbeitsraumverfüllung weniger als 2-m beträgt. Hierdurch wird ein möglicher, temporärer unterirdischer Zufluss zur Arbeitsraumverfüllung auf einer unterirdischen Stauschicht mit einer lokalen Ausdehnung berücksichtigt. Das Gelände und die Stauschicht können eben oder geneigt sein. Falls oberhalb der Stauschicht nicht nur ein zeitweiliger, lokaler Wasseraufstau, sondern ein dauerhafter Wasserstand auftritt, liegt ein oberer Grundwasserleiter vor. In diesem Fall ist der sich am Bauwerk einstellende Grundwasserstand bei der Festlegung des Bemessungsgrundwasserstands zu berücksichtigen. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 65 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 Abb. 6: Fall 2 (Variante 1) nach DIN 4095-1 Für diese beiden Fälle werden in Abhängigkeit der Durchlässigkeit des Baugrunds und der Homogenität der Arbeitsraumverfüllung folgende Einwirkungskombinationen festgelegt: a. E1 an der erdberührten Wandfläche und an der Bauwerksunterseite, b. E2-S an der erdberührten Wandfläche und E1 an der Bauwerksunterseite und c. E2-S an der erdberührten Wandfläche und an der Bauwerksunterseite. Die für die unterschiedlichen Einwirkungskombinationen die auf die erdberührten Bauteile anzusetzenden Wasserdrücke sind schematisch dargestellt. Weiterhin angegeben sind die Auswirkungen von Dränungen auf die Einwirkungen durch Wasser im Baugrund. Die auf die unterschiedlichen Bauteilflächen in den Einwirkungskombinationen a), b) und c) für die bautechnischen Nachweise anzusetzenden Wasserdrücke und die für den Nachweis gegen Aufschwimmen maßgebenden Wasserdrücke werden detailliert beschrieben und begründet. In Kapitel 5.4 werden die Einwirkungen durch Wasser im Baugrund für Bauwerke, die teilweise unterhalb des Bemessungsgrundwasserstands liegen, angegeben. Danach ist für Bauteilflächen, die sich unterhalb des Bemessungsgrundwasserstands befinden, grundsätzlich die Einwirkung E2-G anzusetzen. Für die oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands liegenden, erdberührten Bauteilflächen gelten sinngemäß die Regelungen aus Kapitel 5.3. Zur Veranschaulichung werden die anzusetzenden Einwirkungen aus Wasser im Baugrund beispielhaft für den Fall 3 beschrieben. Dieser entspricht dem Fall 1, jedoch wird ein oberhalb der Bauwerkssohle liegender Bemessungsgrundwasserstand (BGW) angenommen. Für diesen Fall werden ebenfalls drei Einwirkungskombinationen in Abhängigkeit der Durchlässigkeit des Baugrunds, der Homogenität der Arbeitsraumverfüllung und der Lage oberhalb bzw. unterhalb des Bemessungsgrundwasserstands (BGW) festgelegt. Wie in Kapitel- 5.3 werden die anzusetzenden Wasserdrücke sowie die Auswirkungen von Dränungen oberhalb des BGW für die unterschiedlichen Einwirkungskombinationen beschrieben. 4. Praxisbeispiel Im Bereich einer Konversionsfläche in Hessen wurden mehrere Meter mächtige Fein- und Mittelsande aufgefüllt, die lokal schluffige Beimengungen aufweisen. Die hydraulische Durchlässigkeit der Böden wurde mit zu k-=-1∙10 -4 bis 5-∙10 -4 m/ s ermittelt. Die Böden wurden lagenweise eingebaut und verdichtet. Unter den Auffüllungen folgen stark wasserdurchlässige quartäre Sande und Kiese. Das Untergeschoss des Neubaus wurde auf Streifenfundamenten gegründet und gemauert (Abb. 7). Die erdberührten Wände erhielten eine bituminöse Abdichtung. Die 25-cm dicke Bodenplatte wurde auf den sandigen Boden aufgelegt. Für den Beton der Bodenplatte wurde eine WU-Rezeptur gewählt. Die Platte wurde jedoch nicht wasserdruckhaltend konzipiert und bemessen. Die Arbeitsräume wurden mit den zuvor ausgehobenen sandigen Böden verfüllt. Abb. 7: Schematischer Querschnitt Untergeschoss Wohnhaus mit Baugrund Nach der Fertigstellung des Hauses wurden im Untergeschoss des Hauses an den Außenwänden Feuchteschäden festgestellt (Abb. 8). Die Freilegung der Außenwände zeigte mehrere Dezimeter hoch Stauwasser (Abb. 9). Der Aufstau resultierte im Wesentlichen aus der Tatsache, dass die Kontur des Arbeitsraums mit Baustellenabfällen, Mörtel, etc. regelrecht „verkleistert“ war. Es hatte sich aus geohydraulischer Sicht eine Wanne gebildet, in welcher sich ein hydrostatischer Wasserdruck auf baute, für den die bituminöse Wandabdichtung zu schwach ausgelegt war (Abb. 10). Maßgebend für die Wasserbeanspruchung war in diesem Fall weder die Durchlässigkeit des anstehenden Bodens noch der Arbeitsraumverfüllung, sondern die sehr geringe Durchlässigkeit der im Arbeitsraum verbliebenen Baustellenabfälle. Im Weiteren wurde die Bodenplatte an zwei Stellen mittels Kernbohrungen geöffnet. Dabei wurde festgestellt, dass der unter der Bodenplatte vorhandene Sandboden erdfeucht war, jedoch keine Durchfeuchtung aufgrund des seitlich im Arbeitsraum vorhandenen Wasseraufstaus zeigte. Die Untersuchung ergab, dass keine Wasserdruckbelastung an der Sohlfläche der Bodenplatte aufgetreten ist. 66 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Wasserdrücke auf unterirdische Gebäudeteile - neue Regelungen in DIN 4095-1 Abb. 8: Feuchteschäden im Untergeschoss des Wohnhauses Abb. 9: Stauwasser im ehemaligen Arbeitsraum Abb. 10: Veranschaulichung der Schadensursache Der in dem Praxisbeispiel dargestellte Schadensfall zeigt deutlich, dass eine unsachgemäße Verfüllung des Arbeitsraums, wie sie leider häufig anzutreffen ist, zu einer Druckwasserbeanspruchung der angrenzenden, erdberührten Wand führen kann. Deswegen wird in der neuen DIN 4095-1 festgelegt, dass bei einer inhomogenen Arbeitsraumverfüllung - unabhängig von der Durchlässigkeit des Baugrunds und des Bodenmaterials der Arbeitsraumverfüllung - immer ein Wasserdruck auf die erdberührte Wandfläche anzusetzen ist. Weiterhin zeigt der Schadensfall, dass ein Wasserdruck auf die Wandfläche infolge eines Einstaus der Arbeitsraumverfüllung in der Regel nicht zu einem Wasserdruck auf die angrenzende Bodenfläche des Gebäudes führt, wenn der darunter anstehende Baugrund eine ausreichende Durchlässigkeit aufweist. Dies wird in der neuen DIN 4095-1 durch die Einwirkungskombination b) berücksichtigt, in der eine Einwirkung durch Stauwasserdruck (E2-S) auf die erdberührte Wandfläche berücksichtigt wird, auf der Bauwerksunterseite jedoch lediglich eine Einwirkung durch Bodenfeuchte und nichtstauendes Wasser (E1). Literatur [1] DIN 4095: 1990-06: Baugrund; Dränung zum Schutz baulicher Anlagen; Planung, Bemessung und Ausführung. [2] DIN 18533-1: 2017-07: Abdichtung von erdberührten Bauteilen - Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze. [3] DIN 4095-1: 2023-03: Entwurf - Baugrund, Dränung zum Schutz baulicher Anlagen, Teil 1: Begriffe und Wassereinwirkungen. [4] Odenwald, B., Letzelter, S.; Maier, D.: Stauwasser nach künftiger DIN 4095-1: (seltene) Ausnahme von der Regel? 47. Aachener Bausachverständigentage, Untersuchen - Instandsetzen - Modernisieren, 2021; Tagungsband Teil 2, S. 227-252. [5] Krajewski, W.; Odenwald, B.: Grundwasser, Sickerwasser, Stauwasser? Wassereinwirkungen auf erdberührte Bauwerksflächen; der bauschaden, Oktober/ November 2021, S. 47-53. [6] Odenwald, B.; Letzelter, S.: Hochwasser- und Starkregeneinfluss auf erdberührte Gebäudeteile; 32. Hanseatische Sanierungstage, Mängel - Schäden - Prävention, Lübeck 2022, Tagungsband, S. 59-76. [7] Odenwald, B., Krajewski, W., Zöller, M., Hilliges, R.: Wassereinwirkungen im Baugrund nach E-DIN 4095-1, Teil 2: Bisherige Regelungen, Überarbeitungsbedarf, vorgesehene neue Regelungen, Praxisbeispiele, Der Bausachverständige 5/ 2023, S. 10-19. [8] DIN EN 1990: 2021-10 Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung; Deutsche Fassung EN 1990: 2002 + A1: 2005 + A1: 2005/ AC: 2010.
