Kolloquium Bauen in Boden und Fels
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Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen
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Thomas Garbers
Bahne Jess
Thomas Keller
Um Gebäude standsicher zu gründen, braucht es in vielen Bereichen Pfahlgründungen. Die erforderlichen Baustoffe Zement und Stahl sind aufgrund des sehr hohen CO2-Ausstosses bei der Produktion bei den Diskussionen über Klimawandel und nachhaltigem Bauen in den Fokus gerückt. Da dies durch die ausführenden Firmen nicht direkt beeinflusst werden, sucht die AARSLEFF nach Wegen, neben der Materialproduktion, um den CO2-Footprint zu reduzieren. Im Beitrag werden verschiedene Ansätze und Neuentwicklungen vorgestellt, um bei Pfahlgründungen CO2 bei der Herstellung und der Ausführung zu reduzieren sowie über den Lebenszyklus des Gebäudes auszugleichen.
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15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 79 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Dipl.-Ing. Thomas Garbers AARSLEFF Spezialtiefbau GmbH, Hamburg Dipl.-Ing. Bahne Jess AARSLEFF Spezialtiefbau GmbH, Hamburg Thomas Keller AARSLEFF Spezialtiefbau GmbH, Germaringen Zusammenfassung Um Gebäude standsicher zu gründen, braucht es in vielen Bereichen Pfahlgründungen. Die erforderlichen Baustoffe Zement und Stahl sind aufgrund des sehr hohen CO 2 -Ausstosses bei der Produktion bei den Diskussionen über Klimawandel und nachhaltigem Bauen in den Fokus gerückt. Da dies durch die ausführenden Firmen nicht direkt beeinflusst werden, sucht die AARSLEFF nach Wegen, neben der Materialproduktion, um den CO 2 -Footprint zu reduzieren. Im Beitrag werden verschiedene Ansätze und Neuentwicklungen vorgestellt, um bei Pfahlgründungen CO 2 bei der Herstellung und der Ausführung zu reduzieren sowie über den Lebenszyklus des Gebäudes auszugleichen. 1. Co 2 -Emissionen im Spezialtiefbau Das Thema Nachhaltigkeit bzw. CO 2 -Reduzierungen ist im Spezialtief bau kein neues Thema. Es war schon immer Ziel wirtschaftlich zu arbeiten, sei es durch Reduzierung der Materialen oder des Maschineneinsatzes, um einen Auftrag zu erhalten oder das Ergebnis der Baustelle zu verbessern. Wie aus der Abbildung 1 zu ersehen ist, entfallen mehr als 86 % des CO 2 -Verbrauches auf die Produktion der verwendeten Baustoffe. Nachwachsende Baustoffe wir Holz stehen nicht in ausreichendem Maße zu Verfügung und haben zudem nicht die Tragfähigkeiten der zurzeit eingesetzten Stahlbeton- oder Stahlpfähle (Abb. 2). Hier ist die Bauindustrie auf die Beton- und Stahlproduzenten angewiesen, um in diesem Bereich nachhaltiger zu werden. Die Emissionen durch die auf der Baustelle eingesetzten Geräte lässt sich nur im geringen Umfang reduzieren, auch wenn hier die ersten Geräte mit alternativen Antrieben wie Strom oder HVO- Diesel zur Verfügung stehen. Somit bleibt in erster Linie die Optimierung der Gründung der wichtigste Punkt für die ausführenden Firmen und Planungsbüros. Abb. 1: CO 2 -Verbrauch für Gründungsarbeiten 80 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 2: Tragfähigkeiten unterschiedlicher Pfahlsysteme Durch die Bauindustrie wurden zudem Programme entwickelt mit deren Hilfe für unterschiedliche Spezialtief bauverfahren die CO 2 -Verbräuche ermittelt und verglichen werden können. Durch den EFFC (European Federation of Foundation Contractor) wurde z.- B. der Carbon Calculator entwickelt und der Guide No.-1 Carbon Reduction veröffentlicht (Abb. 3). Dieser Weg müsste zukünftig von den Bauherren in den Ausschreibungen und Vergaben berücksichtigt werden, um auch von dieser Seite ein deutliches Zeichen Richtung nachhaltigem Bauen im Spezialtief bau zu setzen. Abb. 3: EFFC Guide No.1 Carbon Reduction 2. Entwicklungen bei fertigbetonpfählen Fertigbetonpfähle bieten den Vorteil mit einer stationären Produktion, diese unter kontrollierten Bedingungen, mit automatisierten Arbeitsschritten durchführen zu können. Auf diese Weise können die Herstellbedingungen, die Produktion und die eingesetzten Mittel optimiert und den jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Zum Thema Nachhaltigkeit werden zurzeit folgende Ideen oder Verbesserungen umgesetzt: • Verwendung verbesserter Betonrezepturen und neuer Zementarten • Nutzung von Recyclingbeton • Volumenreduzierung durch Hohlpfähle • Neue Pfahlsysteme 2.1 Betonherstellung bei Fertigpfählen Die Bauindustrie ist beim Einsatz von Beton stark von der produzierenden Zementindustrie abhängig, da die Produktion der entscheidende Faktor bei der Reduzierung von CO 2 -Reduzierung ist. 2/ 3 der Emissionen bei der Zement-Klinkerherstellung entstehen damit allerdings chemisch bedingt durch die Freisetzung des CO 2 im Brennprozess und können nur unwesentlich reduziert werden. Die für die Herstellung von Fertigbetonpfählen verwendeten Betone wurden bisher mit einem Zement CEM-I hergestellt, um eine hohen Frühfestigkeit zu erzielen, damit die eingesetzten Schalungen möglichst wirtschaftlich eingesetzt werden können. Die Umstellung auf CEM-II- Zemente mit einem geringerem Klinkeranteil bringt eine CO 2 -Reduzierung um 10 - 20 % und eine akzeptable Verlängerung der Ausschalfristen. Eine direkte Eingriffsmöglichkeit bei der Herstellung der Pfähle bietet sich durch die Reduzierung des Betonvolumens. Hierfür können Hohlquerschnitte, die bei gleichen äußeren Abmessungen und Tragfähigkeiten die Betonmenge reduzieren sowie Schraubformen, die die Oberflä- 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 81 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen che zur Lastübertragung vergrößern, verwendet werden. Beide Systeme erfordern eine veränderte Schalung und die Umstellung der Herstellung selbst. Bei hohlen Rammpfählen kann die äußere Schalung unverändert bleiben. Es muss aber eine Innenschalung (Rohr) in die normale Schalung eingebaut und nach Beginn des Abbindeprozesses zum richtigen Zeitpunkt wieder gezogen werden. Erste Versuche unter Verwendung Stahlrohren als Innenschalung und das spätere Einrammen der Pfähle wurden erfolgreich ausgeführt (Abb. 4). Weitere Proberammungen und die Verwendung anderer Materialen für die Innenschalung sind in der Planung. Abb. 4: Quadratischer hohler Rammpfahl Durch die Reduzierung des Betonvolumens, kann auch das Gewicht reduziert werden, sodass die Pfahlanzahl für die einzelnen LKW-Transporte erhöht werden kann. Dieses reduziert dann auch hier die CO 2 -Emissionen. 2.2 Fertigbetonschraubpfahl Bei der Herstellung eines Fertigbetonschraubpfahls ist eine deutlich aufwändigere Schalung erforderlich, da die Außenschalung die spätere Schraubenform abbilden und zudem eine Innenschalung integriert werden muss. In der Seele des Pfahls werden zwei Aussparungen ausgebildet, in die ein Stahlrohr mit Mitnehmerleisten das Drehmoment zu Einbringen des Pfahles übertragen kann (Abb.-5). Durch die spezielle Ausbildung der Nuten wird eine gleichmäßige Übertragung des Drehmomentes über die gesamte Pfahllänge auf den Pfahl gewährleistet. Wie auch der bekannte CENTRUM-Rammpfahl kann der Centrum Prefabricated Screw Pile (CPSP) über patentierte Pfahlkupplungen verlängert werden, sodass beliebige Pfahllängen ausgeführt werden können (Abb.-6). Zur Abtragung von Zuglasten wurde eine spezielle Spitze (Abb.-7) entwickelt, in die ein GEWI-Stab eingeschraubt werden kann, sodass Zuglasten über den Pfahlfuß als Drucklast in den Pfahl eingeleitet werden. Somit können normal bewehrte Pfähle als Zugpfähle verwendet werden, da der Beton dann auf Druck belastet wird. Der CPSP-Pfahl kann im oberen Bereich auch ohne Schraubengänge hergestellt werden, da hier keine Lasten auf den Baugrund übertragen werden müssen. Dadurch kann weiteres Material eingespart und zudem die in diesem Bereich möglicherweise auftretende Einwirkung aus negativer Mantelreibung reduziert werden. Abb. 5: CPSP-Pfahl Abb. 6: Kupplung CPSP-Pfahl 82 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 7: Schraubspitze mit Zugverankerung 2.3 Energiepfähle Sowohl beim Rammpfahl als auch beim Schraubpfahl kann die Seele zur geothermischen Aktivierung der Pfähle genutzt werden. Durch die Entwicklung spezieller Kupplungen sollen zukünftig auch die unteren Pfahlsegmente für die Energiegewinnung verwendet werden. Da der Einbau der entsprechenden Leitungen nach dem Einbringen der Pfähle erfolgt, sind ein zielsicherer Einbau und die Überprüfung der Leitungen vor dem Vergießen des Hohlraumes möglich. Somit kann sichergestellt werden, dass alles Pfähle aktiviert werden können. 2.4 Mastfundamentpfähle Ein Pfahlsystem, das schon seit vielen Jahren in Skandinavien für die Gründung von Oberleitungsmasten der Eisenbahnen eingesetzt wird, ist der Mastfundamentpfahl (Abb. 8). Der Mastfundamentpfahl zeichnet sich durch die Möglichkeit der Abstandmontage des Oberleitungsmastes aus. Dadurch Abb. 8: Einbringen Mastfundamentpfahl besteht die Möglichkeit diese direkt nach dem Einbringen des Pfahles zu montieren. Die zurzeit in Deutschland verwendeten Stahlrohrpfähle müssen zumindest am Pfahlkopf mit den für die Mastmontage erforderlichen Bolzen ergänzt und ausbetoniert werden. Zudem ist es erforderlich den Zwischenraum zwischen dem Pfahlbeton und der Fußplatte des Mastes zu verfüllen. Sowohl der Beton als die Unterfütterung der Platte erfordern Zeit für die Ausführung und die Erhärtung des Materials. Dieses kann beim Mastfundamentpfahl entfallen, was die Anzahl der, in den Sperrpausen, ausgeführten Pfähle deutlich erhöht (Abb. 9). Durch die Verwendung von Bolzen aus Edelstahl wird der Korrosionsschutz gewährleistet, sodass auch hier keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind. Da es zurzeit in Europa keine Bemessungsnorm für die Nachweise von Biegung und Querkräften für Gewinde gibt, wurden durch die MPA Stuttgart umfangreiche Versuche ausgeführt. Mit den Ergebnissen wurde eine Typenstatik erstellt, die es Planern ermöglicht auftretende Einwirkung nachzuweisen. Die Versuche und die Typenstatik sind die Grundlage für die geplanten Betriebserprobungen der DB InfraGo und die allgemeine Bauartgenehmigung Abb. 9: Mastfundamentpfahl mit Oberleitungsmast (aBG) des DIBt. Neben der Anwendung als Gründungselement für Oberleitungsmasten werden die Pfähle auch zur Gründung von Photovoltaikanlagen eingesetzt (Abb. 10). Auch hier kann mit dem Pfahl auf aufwändigen Fundamentbau verzichtet werden und die Bauzeiten erheblich verkürzt werden. Da mit diesem System der Eingriff für genutzte Flächen gering ist, können hiermit auch gut große Parkplatzflächen überbaut werden. So können diese Fläche zur Stromerzeugung genutzt werden, ohne Parkflächen zu reduzieren. Zudem werden dem Parkplatznutzer Schutz gegen die Sonneneinstrahlung bzw. Niederschläge gegeben. Wenn es die geotechnischen Bedingungen erfordern, können die bis zu sechs Meter langen Mastfundamentpfähle über Pfahlkupplungen beliebig mit Standardrammpfählen verlängert werden. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 83 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 10: Freizeitpark Mojo (NL), 2750 Pfähle 3. Reduzierungen durch Planungsoptimierung Ein weiterer Mosaikstein ist die Optimierung der erforderlichen Gründung durch eine möglichst gute Ausnutzung der in der DIN EN 1997 gegebenen Möglichkeiten zur Reduzierung der Teilsicherheitsbeiwerte der Widerstände. Hierfür sind eine ausreichende Baugrunderkundung und eine geotechnische Auswertung der Untersuchungen und die Beratung des Bauherrn sowie die frühzeitige Einbindung ausführender Pfahlfirmen erforderlich und die Ausführung vorzeitiger Pfahlprobebelastungen erforderlich. Dies erfordert am Anfang größere Investitionen und Planungszeit, aber bei größeren Projekten können die Investitionen in der Regel mehr als ausgeglichen werden. Aufgrund der besseren Kenntnisse über die erreichbaren Pfahlwiderstände können die Teilsicherheitsbeiwerte reduziert und das aufgehende Tragwerk mit realistischen Widerständen und Federkonstanten für Gründung geplant werden. Auch für die Ausführung können die Bauzeiten besser geplant und der Umfang für Umplanungen aus Änderungen des Baugrunds erheblich reduziert werden. In den folgenden Projektbeispielen wird vertiefend darauf eingegangen. Ein weiterer Punkt bei der Ausführung von Fertigbetonpfählen ist die Messung und Dokumentation der Geräteinformationen wie z. B. Rammenergie oder Drehmoment über die Tiefe. Durch die Messung und Auswertung dieser Daten können dem Geräteführer wichtige Informationen beim Einbringen der Pfähle an die Hand gegeben werden, die eine zielsichere Einbringung gewährleisten damit die Pfähle in dieser Phase nicht überbeansprucht und beschädigt werden. Zudem können diese Daten als zusätzliche Baugrunderkundung genutzt werden, um die geplanten Pfahllängen zu überprüfen und ggf. anzupassen. Mit diesen Informationen können Fehlausführungen auf der Baustelle reduziert und der Ressourceneinsatz optimiert werden. 4. Projekte 4.1 Forschungsprojekt SEBRO Die AARSLEFF Spezialtief bau ist Projektpartner bei dem durch die Bayerische Forschungsstiftung geförderten und durch die TU München -Zentrum Geotechnikgeleitetem Forschungsvorhabens „Effizientes und nachhaltiges Bauen auf strukturempfindlichem gering tragfähigem Untergrund“ (sebro.gbft.ed.tum.de/ ). Abb. 11: Projektpartner SEBRO Bei diesem Projekt werden das Einbringen und dessen Auswirkungen auf die Tragfähigkeit des anstehenden Seetons sowie die Widerstände der unterschiedlichen Systeme sowohl als Einzelals auch Gruppenelement in einer kombinierten Pfahlplattengründung untersucht. Die Gruppenversuche werden als Langzeitbelastungen über die Dauer von ca. 6 Monaten ausgeführt und durch Messtechnik in den Pfählen als auch im umgebenden Baugrund überwacht. Abb. 12 zeigt den Auf bau des Baugrundes, der durch tiefreichende Seetone in weicher Konsistenz, die sehr empfindlich auf dynamische Einwirkungen reagieren, besteht. Die Pfähle werden mit einer Länge von 11 m in den weichen Seeton abgesetzt, um zielsicher eine schwimmende Gründung und die mittragende Wirkung der anschließenden Stahlbetonplatte zu erreichen. Die Untersuchungen in den ersten Testfeldern sind bereits abgeschlossen. Abb. 13 zeigt den Belastungsstapel für eine Gruppenbelastung sowie das Einbringen der Fertigbetonrammpfähle auf dem anschließenden Testfeld. 84 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 12: Grundsätzlicher Baugrundauf bau Abb. 13: Langzeitbelastung und Pfahleinbringung 4.2 Seniorenresidenz Bad Schussenried Für den Neubau der Seniorenresidenz in Bad Schussenried waren 313 Fertigrammpfähle 30/ 30 cm mit einer Länge von 14-16 m und einem Bemessungswiderstand von Nd = 750 kN geplant. Für die Baugrunderkundung waren Bohrungen und Rammsondierungen bis in eine Tiefe von 8 m ausgeführt worden. Wie aus dem Abb.-14 zu erkennen ist, standen bis zur Erkundungstiefe Beckenablagerungen aus Becken- und Feinsanden an. Um den Untergrund in der von der DIN EN 1997-2 geforderten Tiefe zu erkunden, wurden vor Baubeginn Drucksondierungen ausgeführt. Die Ergebnisse der Drucksondierungen zeigten nur eine unzureichende Lagerungsdichte der anstehenden Beckenablagerungen, sodass es erforderlich war die Pfahllängen auf 24 m zu vergrößern. Um die Pfahllängen zu optimieren und Federsteifigkeiten für das aufgehende Tragwerk zu gewinnen, wurde entschieden die Tragfähigkeit der geplanten Pfähle durch statische Pfahlprobebelastungen nach DIN EN ISO 22477-1 zu überprüfen. Abb. 14: Baugrundauf bau aus Erkundungen 2022 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 85 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 15: Ergebnis Drucksondierung CPT 2 Um die Längen der Bauwerkspfähle zu optimieren, wurden vier statische Belastungen mit Pfahllängen zwischen 18 und 24 m ausgeführt. Die Widerstandsetzungslinie des Pfahles P1 ist im Abb. 16 dargestellt. Durch die ausgeführten Belastungen konnten die erforderlichen Pfahllängen auf 19-20 m reduziert werden. aus. Durch die Ausführung der statischen Belastungen konnten die erforderlichen Pfahlmeter von 7500 lfm auf 6200 lfm reduziert werden. Die Pfähle wurden auf den oberen 12 m als Energiepfähle genutzt und geothermisch aktiviert. Dies führt zu einer Reduzierung des zukünftigen Energiebedarfs für die Heizung des Seniorenheims um den Faktor 4, sodass der CO 2 -Verbrauch zur Herstellung der Gründung bereits nach gut fünf Jahren ausgeglichen wird. Das Beispiel zeigt wie wichtig eine frühzeitige, ausreichend tiefe Baugrunderkundung ist und welche Vorteile Pfahlprobebelastungen bieten, um Pfahlgründungen optimieren zu können. Zudem können auch kurze Pfähle einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des zusätzlichen Energiebedarfs beim Heizen und Kühlen von Gebäuden liefern. Mit den Möglichkeiten zukünftig Fertigpfähle auch auf ganzer Länge nutzen zu können, wird sich das Potential weiter erhöhen. 86 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen Abb. 16: Widerstands-Setzungs-Linie Pfahl P1 Abb. 17: Baugrundprofil aus Drucksondierung 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 87 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen 4.3 Umrichterstation SuedLink, Brunsbüttel Für den Neubau der Umrichterstation SuedLink in Brunsbüttel wurde eine große Anzahl von Pfählen erforderlich. Der Baugrund in Brunsbüttel ist geprägt durch mächtige Weichschichten aus Klei und Torf und ab ca. 18-19-m Tiefe anstehende, pleistozäne, dicht bis sehr dicht gelagerte Sande (Abb. 17). Der Bauherr TenneT und der Auftraggeber Siemens Energy hatten geplant die, in der Entwurfsplanung ermittelten, Pfahlwiderstände durch vorlaufenden statische und dynamische Pfahlprobebelastungen zu überprüfen und somit die Genehmigungsplanung auf der Basis der Ergebnisse anzupassen. Tab. 1: Ausgeschriebene Massen Stück Beschreibung 6 Stat. Druckprobebelastungen 6 Dyn. Druckprobebelastungen 2062 Pfähle 35/ 35 cm, Rd = 1400 kN, L = 23 m 298 Pfähle 40/ 40 cm, Rd = 1750 kN, L = 23 m 28 Pfähle 45/ 45 cm, Rd = 2150 kN, L = 23 m Die dynamischen Probebelastungen wurden an den statischen Belastungen mit einer CAPWAP-Analyse kalibriert. Dieses Vorgehens ermöglichte es bei der Bauausführung Pfähle mit abweichenden Rammenergien zu überprüfen und deren Widerstand zu ermitteln. Aufgrund der hohen Lagerungsdichte der anstehenden Sande wurde für die Festlegung der Rammtiefen für die Probepfähle wurden neben den Ergebnissen der Drucksondierungen auch eine Rammanalyse durchgeführt, um die erforderlichen Absetztiefen zu ermitteln und zu überprüfen. Aufgrund der Probebelastungen konnten die Sicherheiten der EN DIN 1997-2 auf ein Minimum reduziert werden und die oberen Erfahrungswerte der EA- Pfähle für die Entwurfsplanung angesetzt werden. Dadurch konnten die Massen erheblich reduziert werden (Tab. 2). Tab. 2: Ausgeführte Massen Stück Beschreibung 551 Pfähle 30/ 30 cm, Rd = 1100 kN, L = 21 m 1395 Pfähle 35/ 35 cm, Rd = 1400 kN, L = 21 m 442 Pfähle 40/ 40 cm, Rd = 1750 kN, L = 21 m Neben den Kostenersparnissen konnte auch eine erhebliche Einsparung der CO 2 -Emmissionen erzielt werden. Abb. 18 zeigt, dass 350.000 kg CO 2 -Äquivalente eingespart werden konnten. Dies entspricht ca. fünf Erdumrundungen mit einem Diesel-Pkw. Abb. 18: Gegenüberstellung der CO 2 -Äquivalte Dieses Projekt zeigt gut, dass eine frühzeitige, gemeinsame Planung der Projektbeteiligten erhebliche Einsparpotentiale sowohl in wirtschaftlicher als auch in ökologischer Sicht bringen kann. Auch wurden durch die Ausführung von dynamischen und statischen Belastungen Möglichkeiten geschaffen, Unsicherheiten bei der Ausführung sicher überprüfen zu können. 5. Ausblick 5.1 Materialien, Verbrauchsstoffe Für die Fertigbetonpfähle soll zukünftig ein Zement CEM- II verwendet werden. Dadurch reduziert sich die CO 2 -Emission bei der Herstellung der Pfähle um ca.-11-%. Eine weitere Möglichkeit ist die Herstellung von hohlen Fertigbetonrammpfählen, wie sie schon es beim Schraubpfahl, aufgrund des Einbringvorgangs üblich ist. Dadurch lassen sich bis zu 30 % Beton und CO 2 -Emissionen einsparen. Durch die damit verbundene Gewichtseinsparung können die Anzahl der Pfähle pro Transport erhöht und die Anzahl der erforderlichen Transporte reduziert werden Die auf den Baustellen eingesetzten Geräte sollen zukünftig mit HVO-Diesel bzw. elektrisch betrieben werden. Eine erste elektrisch betriebene Ramme ist im Einsatz (Abb. 19) und die ersten Versuche bei konventionell betriebenen Rammen mit HVO-Diesel verliefen erfolgreich. Abb. 19: Elektro-Ramme Junttan PMx2e 88 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Nachhaltige Gründungen mit Fertigbetonpfählen 5.2 Optimierung der Planung Bei der Optimierung der Planung von Gründungsmaßnahmen stehen der Bauherr bzw. seine Fachplaner im Vordergrund. Die wirtschaftliche und damit nachhaltige Planung beginnt schon mit der ausreichenden Erkundung des anstehenden Baugrunds. Die DIN EN 1997-2 macht dort entsprechende Vorgaben, die leider bisher oftmals aufgrund der als zu hoch empfundenen Kosten nicht erfüllt werden. Umso besser der Baugrund erkundet wird, umso besser kann die Gründung geplant werden. In diesem Sinne beweist die Bayerische Forschungsstiftung mit dem Forschungsprojekt SEBRO Weitsicht für das geplante Projekt Nordanbindung Brennerbasistunnel. Auch für die spätere Ausführung sind die Erkenntnisse über den Baugrund von entscheidender Bedeutung. Nur so lassen sich der Einsatz der Geräte richtig planen und die Leistung auf der Baustelle richtig einschätzen. Dies führt zu weniger Störungen im Bauablauf und damit verbundenen Bauzeitverlängerungen und Kostensteigerungen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die richtige Einschätzung der möglichen Pfahlwiderstände im anstehenden Baugrund. Die EA-Pfähle gibt dem Planer zwar Erfahrungswerte für die unterschiedlichen Pfahlsysteme an die Hand, diese liegen aber natürlich auf der sicheren Seite. Zudem ist, aufgrund der Verwendung allgemeiner Erfahrungen, der anzusetzende Teilsicherheitsbeiwert Y = 1,4 relativ hoch. Mit der Ausführung von statischen Probebelastungen, lässt sich dieser Wert bis auf Y = 1,1 reduzieren. Das größte Einsparpotential wird mit der Ausführung der Belastungen vor Beginn der Tragwerksplanung erzielt, da dann die Ergebnisse möglicher Widerstand und Widerstands-Setzungs-Verhalten optimal eingesetzt werden können. 5.3 Verwendung neuer Anschlussmöglichkeiten Durch die Verwendung von Edelstahlbolzen für die Abstandsmontage von Oberleitungsmaste können bisher erforderliche Arbeitsschritte und Wartezeiten reduziert werden und die Sperrzeiten optimal nutzen. Die vorgestellten Mastfundamentpfählen helfen somit die Bauzeiten für Infrastrukturmaßnahmen zu verkürzen. 5.4 BIM Mit der Verwendung der Herstelldaten der Pfahleinbringung lässt sich das Baugrundmodell aus den Baugrunderkundungen validieren. Somit werden die Erkenntnisse über den anstehenden Baugrund erweitert und noch auszuführende Pfähle könne mit diesem Wissen ggf., wenn erforderlich angepasst werden. Dies reduziert Fehlausführungen, erforderliche Umplanungen und Bauverzögerungen. Durch die durchgehende Nutzung von Barcodes können die Pfähle unverwechselbar identifiziert, dies vermeidet werden. Dies führt zu einem exakten Überblick über die eingebrachten, auf die Baustelle gelieferten und den noch zu liefernden Pfählen. Fehlausführungen und falsche Bestellen können somit reduziert werden. 5.5 Geothermische Nutzung Wenn die Pfähle zukünftig als Hohlquerschnitt hergestellt werden, können diese dann auf ganzer Länge geothermisch genutzt werden. Zudem kann der Einbau der Leitungen nach dem Einbringen der Pfähle erfolgen. Beschädigte Leitungen können somit ausgetauscht und die geplante Entzugsleistung mit allen Pfählen auch erreicht werden.
