eJournals Kolloquium Bauen in Boden und Fels15/1

Kolloquium Bauen in Boden und Fels
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2026
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Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer – Konsequenzen und Hinweise

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Klaus Dietz
Florian Marano
Die Anzahl der Baumaßnahmen, bei denen Kurzzeitanker gemäß DIN EN1537 unplanmäßig eine längere Einsatzdauer als die vorgesehenen 2 Jahre erfahren, steigt. Während der längeren Nutzungszeit fallen auch zusätzliche Kosten für Instandsetzung und Überwachung an. Die normativen Vorgaben werden erläutert. Anhand von konkreten Projektbeispielen werden die Einflussfaktoren auf die Nutzung der Kurzzeitanker und die Möglichkeit einer verlängerten Einsatzdauer vorgestellt. Zielführende Maßnahmen, um eine unplanmäßig längere Nutzung von Kurzzeitankern erlauben zu können, werden aufgezeigt. Abschließend werden Vorschläge für eine planmäßig längere Nutzung von bis zu 7 Jahren unterbreitet, die bereits in der Planung und Ausführung berücksichtigt werden können.
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15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 109 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Dipl.-Ing. Klaus Dietz Dietz Geotechnik Consult GmbH, Hilden Dipl.-Ing. Florian Marano marano Ingenieur GmbH, München Zusammenfassung Die Anzahl der Baumaßnahmen, bei denen Kurzzeitanker gemäß DIN EN1537 unplanmäßig eine längere Einsatzdauer als die vorgesehenen 2 Jahre erfahren, steigt. Während der längeren Nutzungszeit fallen auch zusätzliche Kosten für Instandsetzung und Überwachung an. Die normativen Vorgaben werden erläutert. Anhand von konkreten Projektbeispielen werden die Einflussfaktoren auf die Nutzung der Kurzzeitanker und die Möglichkeit einer verlängerten Einsatzdauer vorgestellt. Zielführende Maßnahmen, um eine unplanmäßig längere Nutzung von Kurzzeitankern erlauben zu können, werden aufgezeigt. Abschließend werden Vorschläge für eine planmäßig längere Nutzung von bis zu 7 Jahren unterbreitet, die bereits in der Planung und Ausführung berücksichtigt werden können. 1. Einführung Verzögerungen im Bauablauf durch baubetriebliche Probleme, Finanzierungslücken, Investorenwechsel oder Spekulantentum treten immer häufiger auf und führen dazu, dass die Einsatzdauer von Kurzzeitankern, gemäß DIN EN 1537 maximal 2 Jahre, in Baugrubenwänden unplanmäßig verlängert werden muss. Eine unplanmäßige Verlängerung der Einsatzzeit von Kurzzeitankern ist auch mit einem erheblichen Auffand an Zusatzmaßnahmen und entsprechenden Kosten verbunden. Es sind daher zunächst die normativen Vorgaben zu beachten. Anhand beispielhaften Projekterfahrungen können wirtschaftliche Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden. 2. Normative Regelungen Die Ausführung von Verpressankern ist in DIN EN 1537: 2014- [1] und der zugehörigen Ergänzung DIN/ TS18537: 2021-[2] geregelt. Beide Werke sind in die Musterverwaltungsvorschrift technischer Baubestimmung (MVV-TB)-[3] des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) aufgenommen und damit verbindlich in Deutschland anzuwenden. In der Norm werden zwischen Kurzzeitankern mit einer Einsatzzeit von maximal 2 Jahren und Dauerankern mit einer Einsatzzeit über 2 Jahre unterschieden. Für Daueranker werden hohe Anforderungen an den Korrosionsschutz des Zugliedes und des Ankerkopfes gestellt, die in Deutschland durch eine allgemeine Bauartgenehmigung nachgewiesen werden müssen. Nachfolgend sind die relevanten Passagen aus den Normenwerken zusammengestellt, die den Korrosionsschutz von Kurzzeitankern betreffen. Die Passagen wurden dem Normenhandbuch Spezialtief bau - Verpressanker-[8] entnommen. In dieser Unterlage sind die Festlegungen der Norm DIN EN 1537 als Text ohne Hinterlegung und die zugehörigen Ergänzungen aus der DIN-SPEC 18537: 2017, deren Text in diesen Passagen deckungsgleich mit der neueren DIN/ TS 18537: 2021 ist, grau hinterlegt, zusammengefasst. Zum Korrosionsschutz von Kurzzeitankern heißt es mit Nummerierung der Abschnitte gemäß DIN EN 1537: 6.3.2.1 Die Stahlteile von Kurzzeitankern sind mit einem Korrosionsschutz zu versehen, der die Korrosion während der planmäßigen Nutzungsdauer von mindestens zwei Jahren hemmt oder verhindert. Beispiele für einen Korrosionsschutz, der die oben aufgeführten Grundsätze des Korrosionsschutzes von Kurzzeitankern erfüllt, sind in Anhang C beschrieben. Wird der Korrosionsschutz nicht entsprechend den Beispielen in Anhang C gewählt, ist ein gesonderter Nachweis der Brauchbarkeit nach 6.1.2 erforderlich. Tabelle C1 der Norm mit Beispielen für Korrosionsschutzmaßnahmen ist in Abbildung 1 zu sehen. Zur Vorgehensweise bei unplanmäßig längeren Einsatzdauer von Kurzzeitankern wird ausgeführt: 6.3.2.3 Wenn Kurzzeitanker unplanmäßig länger eingesetzt werden oder Veränderungen der Umgebungsbedingungen auftreten, die möglicherweise die Aggressivität des Bodens beeinflussen, sollten zum Nachweis der Funktionsfähigkeit geeignete regelmäßige Überwachungen erfolgen. 110 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Wenn die Kurzzeitanker infolge unvorhergesehener Umstände länger als 2 Jahre im Einsatz bleiben, so ist die für die Bauaufsicht zuständige Stelle zu verständigen. Die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung von Gefahren sind im Einzelfall festzulegen. Dabei ist gegebenenfalls ein Sachverständiger hinzuzuziehen. Mindestens sind in geeigneten Zeitabständen folgende Maßnahmen zu ergreifen: - Inaugenscheinnahme der Anker, soweit zugänglich; - Feststellen, ob die Anker noch unter Kraft stehen. Anforderungen an die Langzeitüberwachung sind im Abschnitt 9.10 formuliert: 9.10 Langzeitüberwachung 9.10.1 Verpressanker können mit einer Überwachungseinrichtung ausgestattet werden. 9.10.2 Wenn ein Bauwerk auf Laständerungen oder Baugrundverformungen empfindlich reagiert, kann mit dieser Überwachungseinrichtung das Verhalten des Verpressankers während der geplanten Nutzungsdauer überwacht werden. 9.10.3 Die Notwendigkeit einer Überwachung sowie die Anzahl der zu überwachenden Verpressanker und die Messintervalle sind bei Entwurf und Bemessung festzulegen. Die Entscheidung über die Notwendigkeit und über den Umfang, die Anzahl der zu prüfenden Anker und die zeitlichen Abstände der Überwachung ist unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Eignungs- und Abnahmeprüfungen zu treffen. Dies gilt auch für Kurzzeitanker. Die erforderliche Überwachung kann z. B. durch Beobachtung des Bauwerks und/ oder Ankerkraftmessungen vorgenommen werden. Die Ergebnisse sind in Protokollen festzuhalten. Abb. 1: Tabelle C.1 aus DIN EN 1537 [1] Die Norm verlangt gemäß den zitierten Abschnitten verbindliche, der geplanten Einsatzzeit der Kurzzeitanker und den spezifischen Randbedingungen der Baustelle, gewählte Korrosionsschutzmaßnahmen. Anhang C.1 der DIN EN 1557, enthält dazu konkrete Hinweise, siehe Abbildung 1. Ein wesentliches Element der Schutzmaßnahmen ist eine der Norm entsprechende Ausführung des Ankerkopfes mit einem Schutz der freiliegenden Stahlteile der Spannelemente mittels Abdeckhaube und überlappendem Schutz des Übergangs von freier Ankerlänge und Ankerkopf z. B. mittels Dichttopf, siehe Beispiel in den Abbildungen 2 und 3. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 111 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Abb.-2: Beispielzeichnung Ankerkopfausbildung Fa. BBV [https: / / www.bbvsystems. com/ leistungen/ geotechnik/ litzenanker-temporaer/ ] Abb.-3: Beispielzeichnung Ankerkopfausbildung Fa. BBV [https: / / www.bbvsystems.com/ leistungen/ geotechnik/ litzenanker-temporaer/ ] Beim Einbau der Anker haben die ausführenden Firmen sicherzustellen, dass Ihre Mannschaften vor Ort die normativ zu treffenden Maßnahmen kennen und fachlich korrekt umsetzten. Der Bauherr, meist vertreten durch eine Bauüberwachung, ist in der Pflicht die Umsetzung auf der Baustelle zu kontrollieren und die korrekte Umsetzung durchzusetzen. Auch er muss über das Fachwissen verfügen, die durchzuführenden Arbeiten qualifiziert zu beurteilen. 3. Ausführungsbeispiele von Kurzzeitankern 3.1 Allgemeines Für die Ausführung von Kuzzeitankern, auch Temporäranker genannt, wird weder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) noch eine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) benötigt, wenn die Anker gemäß den normativen Vorgaben ausgeführt werden. Lediglich für die Ankerköpfe ist eine aBZ vergleichbar zu Spannverfahren zwingend erforderlich. 3.2 fachlich korrekte Ausführung Zunächst wird auf den nachfolgenden Abbildungen das Ergebnis einer fachlich richtigen Ausführung vorgestellt. Abbildung 4 zeigt einen sauberen eingeölten Keilträger. Darüber befindet sich ein Dichttopf, der unter den Keilträger in die Öffnung der Ankerplatte platziert wird. In den Dichttopf laufen überlappend die Hüllrohre der Einzellitzen ein, siehe Abbildungen 2,3 und 7. Abb. 4: saubere Keilträger (eingeölt) und Dichttöpfe für die Überlappung (blau) (Foto dgc) Die gelbe Haube, Abbildung 5, ist auf den Keilträger zu schieben schützt diesen mit den Keilen sowie den Litzenüberstand vor direkten Witterungseinflüssen. Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung können die Weimacher in 2 Jahren ausgeblichen sein, so dass die Hauben verspröden und zerspringen, da sie unter einer gewissen Spannung eingebaut werden. Es ist oft notwendig die Hauben nach 2 Jahren Nutzung auszutauschen. Abbildung 6 zeigt zwei Keilträger nach dem Abnehmen der Hauben. Nach ca. 3 Jahren Nutzungszeit sind nur vereinzelt Flugrostansätze zu erkennen, die mit einem Lappen abgewischt werden können. 112 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Abb. 5: Ankerkopf mit Schutzkappe (Foto marano Ingenieur) Die Wirksamkeit der einfachen Schutzmaßnahmen „Ankerhaube aufsetzen“ ist damit bestätigt. Abb. 6: Ankerköpfe nach Abnahme der Schutzkappen (Alter ca. 3 Jahre) (Foto dgc) Abbildung 7 gewährt mittels Inspektionskamera einen Blick durch den Keilträger in den Dichttopf. Der Dichttopf ist trocken. An den Litzen sind nur vereinzelt, Flugrostanhaftungen zu sehen. Außerdem ist die Überlappung von Hüllrohr und Dichttopf nachvollziehbar. Die beispielhaften Bilder bestätigen, dass bei einer normgerechten Ausführung von Kurzzeitankern, die vorgesehen Schutzmaßnahmen die sichere Funktionsfähigkeit der Ankerteile erlauben. Abb.-7: Blick in einen Dichttopf im Überlappungsbereich mittels Inspektionskamera (Alter ca. 3 Jahre) (Foto dgc) 3.3 unqualifiziert hergestellte Kurzzeitanker Die nachfolgenden Abbildungen zeigen, dass eine nicht den Vorgaben der Norm entsprechende Ausführung von Verpressankern dazu führt, dass die Korrosionsprozesse sofort nach dem Vorspannen einsetzten. Wird der Übergang zwischen Litzen und Ankerkopf nicht überlappend hergestellt, sind die Abnutzungserscheinungen schnell sichtbar. Eine Verlängerung der Einsatzzeit ist in diesen Fällen dann nicht möglich. Insbesondere dürfen verrostete Keilträger und Keile in keinem Fall in Gebrauch genommen werden! Abbildung 8 verdeutlicht, dass Keilträger und Keile ungeschützt bereits nach einem Jahr deutliche Rostansätze zeigen. Dies ist auch auf den Litzen zu erkennen, die bei dem Blick unter den Keilträger in Abbildung 9 zu sehen sind. Die Ausführung dieses Ankerkopfes zeigt, dass wenn die normativ vorgesehenen Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden, bereits nach kurzer Zeit Abnutzungserscheinungen am Ankerkopf und den Litzen auftreten. 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 113 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Abb.-8: Ankerkopf ohne Schutzhaube oder Beschichtung mit Korrosionsschutzmasse (Alter ca. 1 Jahr) (Foto dgc) Bei dieser Art der Ausführung ist eine längere Nutzungsdauer auszuschießen. In diesem Fall müssen Ersatzanker hergestellt werden. Abb.-9: Blick unter den Keilträger, Übergang ohne geforderten Dichttopf (Alter ca. 1 Jahr) (Foto dgc) Der bisher nicht genutzte Keilträger in Abbildung 10 ist nicht mehr verwendbar. Die Rostansätze in den Keilbohrungen verhindern, dass das beim Spannen notwendige Eingleiten der Keile so erfolgen kann, dass der Keilbiss ausreichend ermöglicht wird. Abb.-10-: ungeschützter Keilträger (Alter 1 Jahr) (Foto dgc) 3.4 Kurzzeitanker im Einflussbereich von Wasser Kurzzeitanker im Einflussbereich von Grundwasser oder in Wasserwechselzonen bedürfen schon bei der Ausführung besonderer Aufmerksamkeit. Der Einsatz von praxistauglichen Packersystemen zur Abdichtung des Zuflusses ist zwingend erforderlich. Dies erfordert eine durchdachte Planung und klare Ausschreibung, sowie eine Ausführung durch qualifiziertes Personal mit geeigneten Geräten. Abbildung 11 zeigt einen Ankerkopf nach einem 2 Jahren Einsatzdauer. Deutlich ist der negative Einfluss der wechselnden Benetzung auf die Litzen und den Keilträger mit Keilen erkennbar. 114 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Abb.-11: Ankerkopf im Einfluss von Grundwasser/ Wasserwechselzone (Alter ca. 2 Jahre) (Foto dgc) 3.5 Einsatz von gefetteten Litzen Für die Ausführung von ausbaubaren Litzenankern werden von einigen Produktherstellern die Einzellitzen gefettet in Hüllrohren geliefert. Auch bei ausbaubaren Ankern kommt es zu verlängerten Einsatzzeiten. Abb. 12: gefettete Litzen vor dem Ausbau (Alter ca. 6 Jahre) (Foto dgc) Abbildung 12 zeigt zum Ausbauen vorbereitete gefettete Litzen mit einer Einsatzzeit von 6 Jahren. Auf den Litzen ist das dunkelbraune Korrosionsschutzfett sichtbar. Die Litzen zeigen keinerlei Anzeichen von Flugrost. Bei gefetteten Litzen kann abhängig von den Randbedingungen und der Qualität der Ausführung in der Regel eine verlängerte Einsatzzeit in Aussicht gestellt werden. 4. Maßnahmen während einer unplanmäßig verlängerten Einsatzdauer von Kurzzeitankern Nach der Umsetzung der in Abschnitt 6.3.2.3 genannten Maßnahmen (Inaugenscheinnahme der Ankerköpfe und Abhebeversuche) sowie qualifizierte Beurteilung der Ergebnisse, müssen die weiteren Maßnahmen, für jede Baumaßnahme individuell auf die jeweiligen Randbedingungen angepasst, festgelegt werden. Dabei haben sich, in Abhängigkeit von der angestrebten zusätzlicher Nutzungsdauer, zum Beispiel bewährt: - nachträgliche Verbesserung des Korrosionsschutzes am Ankerkopf durch Füllen des Dichttopfes und der Ankerhaube mit einer Korrosionsschutzmasse - Verformungsmessungen an den Verbauwänden mit abgestimmten Verformungsgrenzwerten und geplanten Notfallmaßnahem im Sinne der Beobachtungsmethode - zusätzliche Aussteifungs-/ Absteifungsmaßnahmen, falls die geplante verlängerte Nutzungszeit unrealistisch ist, oder sich immer wieder verschiebt. - Vorschüttungen/ Anschüttungen, um die Lasten auf die Verbauwand zu verringern Falls die sachverständige Beurteilung der Anker gemäß 6.3.2.3 zu dem Ergebnis kommt, dass eine verlängerte Einsatzdauer auf Grund der Randbedingungen nicht möglich ist, müssen Ersatzanker hergestellt werden. Beispielhaft ist in Abbildung 13 das nachträgliche Aufbringen einer Korrosionsschutzmasse auf den Litzenüberstand dargestellt. Zuvor war der Dichttopf ebenfalls mit Korrosionsschutzmasse gefüllt worden. Abb. 13: -Verbesserung des Korrosionsschutzes, Füllung des Dichttopfes und Umhüllung des Litzenüberstands mit Korrosionsschutzmasse (Foto marano Ingenieur) 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 115 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Abb. 14: Maßnahmen für die verlängerte Einsatzdauer von bis zu 7 Jahren (Skizze Bauer Spezialtief bau GmbH 5. Vorschlag für ergänzende Regelungen für eine planmäßig verlängerte Einsatzdauer bis zu 7-Jahren Da verschiedene Überwachungsstellen (PüZ-Stellen) über eine Häufung von Baustellen mit planmäßig verlängerter Einsatzzeit von Kurzzeitankern berichteten, hat sich der Normenausschuss „Verpressanker“ (DIN-NA 005-05-17 AA) in mehreren Sitzungen mit der Formulierung von ergänzenden Festlegungen zu diesem Thema beschäftigt. Bei der Erstellung der Regeln wurden die in [12] gegebenen Empfehlungen berücksichtigt. In Abbildung 14 sind die abgestimmten Maßnahmen zusammenfassend dargestellt. Nachfolgend werden die beschlossenen Zusatzmaßnahmen zitiert, die Hinweise beziehen sich auf die Abschnitte der DIN EN 1537: 2014: „Zu 6.3.2.1 Abschnitt 6.3.2.1 wird präzisiert: Wird der Korrosionsschutz nicht entsprechend den Beispielen in Anhang C gewählt, ist ein gesonderter Nachweis der Brauchbarkeit nach 6.1.2 erforderlich. Eine planmäßig verlängerte Einsatzdauer länger als 2 Jahre bis maximal 7 Jahre ist zulässig, sofern folgende Voraussetzungen eingehalten sind: 1.) Der Ankeransatzpunkt muss oberhalb des Grundwasserspiegels und oberhalb der Wasserwechselzone liegen. 2.) Bezüglich der Aggressivität des Umfeldes nach DIN EN 206-1 in Verbindung mit DIN 1045-2 sind die Vorgaben für Daueranker entsprechend DIN/ TS 18537, 4.2.18 einzuhalten. 3.) Folgende Korrosionsschutzmaßnahmen sind zu ergreifen: Es sind Korrosionsschutzmassen zu verwenden, deren Eignung für Daueranker nachgewiesen ist. - Freie Stahllänge: a) Bei Litzenankern ist ein Kunststoffhüllrohr, um jedes einzelne Zugglied vorzusehen, welches vollständig mit Korrosionsschutzmasse gefüllt ist. b) Bei Stabankern ist ein Kunststoffhüllrohr um das Zugglied vorzusehen, welches vollständig mit Korrosionsschutzmasse gefüllt ist. Alternativ kann das Zugglied mittels Schrumpfschlauch nach DIN EN 1537, Abschnitt 6.5.2 geschützt werden. Der Übergang Ltb/ Ltf ist gegen Wasserzutritt zu verschließen. Übergang zwischen Ankerkopf und freier Stahllänge: Die Kunststoffhüllrohre um die freie Stahllänge müssen gegen die Auflagerplatte bzw. den Ankerkopf abgedichtet werden. Bei Verwendung von Metall- oder Kunststoffrohrstutzen müssen diese mit der Auflagerplatte dicht verbunden werden. Die gewählte Abdichtungsvariante muss das Hüllrohr in der freien Stahllänge überlappen und mit Korrosionsschutzmasse gefüllt sein. - Ankerkopf: Es ist eine Metallkappe mit einer Wanddicke von mindestens 3 mm oder eine steife Kunststoffkappe mit einer Wanddicke von mindestens 5 mm und einer Flanschdicke von mindestens 10 mm zu verwenden. Diese ist mit Korrosionsschutzmasse zu verfüllen und dicht mit der Auflagerplatte zu verbinden. Zu 6.3.2.3 Abschnitt 6.3.2.3 wird ergänzt und präzisiert: Wenn die Kurzzeitanker infolge unvorhergesehener Umstände länger als 2 Jahre bzw. mit erweitertem Korrosionsschutz länger als 7 Jahre im Einsatz bleiben, so ist die für die Bauaufsicht zuständige Stelle zu verständigen. Die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung von Gefahren sind im Einzelfall festzulegen. Dabei ist gegebenenfalls ein entsprechender Sachverständiger hinzuzuziehen. Mindestens sind in geeigneten Zeitabständen folgende Maßnahmen zu ergreifen: - Inaugenscheinnahme der Anker, soweit zugänglich; - Feststellen, ob die Anker noch unter Kraft stehen. Zu 6.3.2.4 Abschnitt 6.3.2.4 wird ergänzt und präzisiert: Beträgt die geplante Einsatzdauer eines Kurzzeitankers mehr als 2 Jahre bzw. mit erweitertem Korrosionsschutz länger als 7 Jahre sind Daueranker zu verwenden.“ Bei Einhaltung der genannten Zusatzmaßnahmen ist nach Auffassung des Normenausschusses Verpressanker der Einsatz von Kurzeitankern bis zu 7 Jahren möglich. Damit wird dem Wildwuchs von nicht geregelten Zusatzmaßnahmen und verwirrenden Bezeichnungen wie „Semi-Permanentanker“ entgegengetreten und Produktherstellern, Planern, Bauherrn und ausführenden Firmen klare Regeln zur Verfügung gestellt. 116 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 Erfahrungen bei der Beurteilung von Kurzzeitankern für die unplanmäßige Verlängerung der Einsatzdauer - Konsequenzen und Hinweise Die ergänzenden Festlegungen sollten der Fachwelt bereits in einer überarbeiteten Ergänzungsnorm oder einer DGGT-Richtlinie zur Verfügung gestellt werden. Da die Abstimmungsprozesse, wie die Veröffentlichung dieser Ergänzung für die erweiterte Einsatzzeit von Kurzzeitankern erfolgen kann, derzeit noch laufen, werden die Festlegungen hier erstmals veröffentlicht. 6. Zusammenfassung Wenn Kurzzeitanker unplanmäßig eine verlängerte Einsatzdauer erfahren, müssen zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, die auch einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeuten können. Insbesondere ist darauf zu achten, dass Planung und Ausführung von Kurzzeitankern gemäß den normativen Vorgaben erfolgt, da im Einzelfall bei grober Missachtung eine verlängerte Einsatzzeit nicht möglich ist und deshalb unmittelbar Ersatzanker gebohrt werden müssen. Es müssen daher schon in der Planungsphase realistische Bauzeit-Szenarien bedacht werden. Bei einer überschaubaren, planbaren Überschreitung von bis zu 5 Jahren - Gesamtnutzungsdauer 7 Jahre - sind die in Abschnitt 5 vorgestellten Maßnahmen bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen und auszugeschreiben. Bei erheblich längeren zu erwarteten Einsatzzeiten sind sofort Daueranker zu planen und auszuschreiben. Eine verlängerte Einsatzdauer von Kurzzeitankern gibt es nicht zum Nulltarif. Die Betreiber einer Baugrube mit verlängerter Einsatzdauer stehen in der Verantwortung und müssen gegenüber der Allgemeinheit ihre Verkehrssicherungspflicht wahrnehmen. Literatur [1] DIN EN 1537: 2014-07, Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau - Verpressanker; Deutsche Fassung EN 1537: 2013 [2] DIN SPEC 18537: 2021-05, rgänzende Festlegungen zu DIN EN 1537: 2014-07, Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau - Verpressanker [3] Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen 2025/ 1, Amtliche Mitteilungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), 20.05.2025 [4] DIN-SPEC18537: 2017-11, Ergänzende Fest-legungen zu DIN EN 1537: 2014-07, Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau - Verpressanker [5] DIN EN 1997-1: 2009-09, Eurocode 7 - Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik - Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1: 2004 + AC: 2009 [6] DIN EN 1997-1/ NA: 2010-12, Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik - Teil 1: Allgemeine Regeln [7] DIN- 1054: 2021-04, Baugrund - Sicherheits-nachweise im Erd- und Grundbau - Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1 [8] Normenhandbuch, Handbuch Spezialtiefbau - Band 4: Verpressanker, 2.Auflage 2018, Beuth Verlag Berlin [9] Normenhandbuch Handbuch EUROCODES, - Handbuch Eurocode 7, Geotechnische Bemessung, Band 1: allgemeine Regeln, 2. Aktualisierte Auflage 2015, Beuth Verlag Berlin [10] Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben (EAB), DGGT, 5. Auflage [11] Beratungen DIN-NA 005-05-17 AA „Verpressanker“, unveröffentlicht [12] Kit for rock and soil anchors using prestressing steel strand, European Assessment Document - EAD 160071-00-0102, EOTA